summaryrefslogtreecommitdiff
diff options
context:
space:
mode:
authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-14 20:05:21 -0700
committerRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-14 20:05:21 -0700
commita53462926d46365cc9f09acb4b71467af724a431 (patch)
treee407b661824a51d1b7493ccb7a73b8a7eb7b7735
initial commit of ebook 36217HEADmain
-rw-r--r--.gitattributes3
-rw-r--r--36217-8.txt10603
-rw-r--r--36217-8.zipbin0 -> 249905 bytes
-rw-r--r--36217-h.zipbin0 -> 276689 bytes
-rw-r--r--36217-h/36217-h.htm13034
-rw-r--r--36217-h/images/floral.pngbin0 -> 482 bytes
-rw-r--r--LICENSE.txt11
-rw-r--r--README.md2
8 files changed, 23653 insertions, 0 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes
new file mode 100644
index 0000000..6833f05
--- /dev/null
+++ b/.gitattributes
@@ -0,0 +1,3 @@
+* text=auto
+*.txt text
+*.md text
diff --git a/36217-8.txt b/36217-8.txt
new file mode 100644
index 0000000..eae8350
--- /dev/null
+++ b/36217-8.txt
@@ -0,0 +1,10603 @@
+The Project Gutenberg eBook, Geschichte von England seit der
+Thronbesteigung Jakob's des Zweiten, by Thomas Babington Macaulay,
+Translated by Wilhelm Hartwig Beseler
+
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+
+
+
+Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten
+ Fünfter Band (der 11)
+
+
+Author: Thomas Babington Macaulay
+
+
+
+Release Date: May 25, 2011 [eBook #36217]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+
+***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND SEIT DER
+THRONBESTEIGUNG JAKOB'S DES ZWEITEN***
+
+
+E-text prepared by Louise Hope, Delphine Lettau, richyfourtytwo, and the
+Online Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net)
+
+
+
+[Zeichen _wie so_ bedeuten Gesperrt; +wie so+ bedeuten Antiqua
+(nicht-Fraktur); =wie so= bedeuten Fettschrift.]
+
+
+
+
+
+Thomas Babington Macaulay's
+
++Geschichte von England+
+
+seit der
+
+Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.
+
+
+Aus dem Englischen.
+
+
++Vollständige und wohlfeilste Stereotyp-Ausgabe.+
+
+
+Fünfter Band.
+
+
+
+
+
+
+
+=Leipzig, 1854.=
+_G. H. Friedlein._
+
+
+ * * * * *
+ * * * *
+
+
+Neuntes Kapitel.
+
+ _Jakob II._
+
+
+
+
+=Inhalt.=
+
+ Seite
+ Die Tories werden andrer Ansicht in Betreff der
+ Rechtmäßigkeit des Widerstandes 5
+ Russell schlägt dem Prinzen von Oranien eine Landung in
+ England vor 11
+ Heinrich Sidney 11
+ Devonshire 12
+ Shrewsbury. -- Halifax 12
+ Danby und der Bischof Compton 13
+ Nottingham 14
+ Lumley 14
+ Absendung der Einladung an Wilhelm 14
+ Mariens Verhalten 15
+ Schwierigkeiten der Unternehmung Wilhelm's 16
+ Jakob's Benehmen nach dem Prozesse der Bischöfe 19
+ Entlassungen und Ernennungen 20
+ Verfahren der Hohen Commission. Sprat tritt aus 22
+ Unzufriedenheit des Klerus. -- Vorgänge in Oxford 23
+ Unzufriedenheit der Gentry 23
+ Unzufriedenheit der Armee 24
+ Es werden irische Truppen herübergezogen.
+ -- Unwille des Volks 25
+ Lillibullero 39
+ Politische Zustände in den Vereinigten Provinzen 30
+ Fehler des Königs von Frankreich 31
+ Sein Streit mit dem Papste bezüglich der Vorrechte
+ auswärtiger Gesandter 32
+ Das Erzbisthum Köln 33
+ Kluges Verfahren Wilhelm's 33
+ Seine Rüstungen zu Lande und zur See 34
+ Er erhält zahlreiche Unterstützungszusagen aus England 35
+ Sunderland 36
+ Wilhelm's Befürchtungen 39
+ Jakob wird gewarnt 40
+ Ludwig's Bemühungen, um Jakob zu retten 41
+ Jakob vereitelt dieselben 42
+ Die französischen Armeen fallen in Deutschland ein 44
+ Wilhelm erlangt die Genehmigung der Generalstaaten für
+ seine Expedition 45
+ Britische Abenteurer im Haag 46
+ Wilhelm's Erklärung 47
+ Jakob fängt an die Gefahr zu ahnen 49
+ Seine Seemacht 49
+ Seine militairischen Mittel 50
+ Er versucht es, seine Unterthanen mit sich auszusöhnen 51
+ Er bewilligt den Bischöfen eine Audienz 51
+ Seine Zugeständnisse werden übel aufgenommen 53
+ Dem Geheimen Rath werden Beweise für die legitime Geburt
+ des Prinzen von Wales vorgelegt 55
+ Sunderland's Ungnade 56
+ Wilhelm nimmt Abschied von den holländischen Generalstaaten 57
+ Er schifft sich ein und segelt ab 58
+ Er wird durch einen Sturm zurückgeworfen 58
+ Seine Erklärung kommt in England an 58
+ Jakob befragt die Lords 58
+ Wilhelm geht zum zweiten Male unter Segel 60
+ Er passirt die Meerenge 61
+ Seine Landung bei Torbay 62
+ Sein Einzug in Exeter 65
+ Unterredung des Königs mit den Bischöfen 69
+ Ruhestörungen in London 71
+ Angesehene Männer fangen an zu dem Prinzen überzugehen 72
+ Lovelace 72
+ Colchester 73
+ Abingdon 73
+ Abfall Cornbury's 74
+ Petition der Lords um Einberufung eines Parlaments 77
+ Der König begiebt sich nach Salisbury 79
+ Seymour 79
+ Wilhelm's Hoflager in Exeter 79
+ Aufstand im Norden 80
+ Gefecht bei Wincanton 82
+ Churchill's und Grafton's Abfall 84
+ Rückzug der königlichen Armee von Salisbury 85
+ Abfall des Prinzen Georg und Ormond's 85
+ Flucht der Prinzessin Anna 86
+ Jakob hält eine Berathung mit den Lords 88
+ Er ernennt Commissare zur Unterhandlung mit Wilhelm 91
+ Die Unterhandlung eine Finte 91
+ Dartmouth weigert sich, den Prinzen von Wales nach Frankreich
+ zu senden 93
+ Aufregung in London 94
+ Falsche Proklamation 94
+ Aufstände in verschiedenen Theilen des Landes 95
+ Clarendon schließt sich in Salisbury dem Prinzen an 97
+ Spaltung im Lager des Prinzen 97
+ Ankunft des Prinzen in Hungerford 99
+ Gefecht bei Reading 100
+ Ankunft der königlichen Commissare in Hungerford 100
+ Unterhandlung 100
+ Die Königin und der Prinz von Wales werden nach Frankreich
+ geschickt 104
+ Lauzun 104
+ Anstalten des Königs zur Flucht 107
+ Seine Flucht 108
+
+
+
+
+Die Freisprechung der Bischöfe war nicht das einzige Ereigniß, das den
+13. Juni 1688 zu einem wichtigen Datum unsrer Geschichte macht. An dem
+nämlichen Tage, während auf hundert Kirchthürmen alle Glocken läuteten,
+während von Hydepark bis Mile-End das Volk beschäftigt war, für die
+Freudendemonstrationen in der Nacht Reisigbündel zusammenzutragen und
+Päpste anzuputzen, wurde ein Actenstück, das für die Freiheiten Englands
+kaum minder wichtig war, als die Magna Charta, von London nach dem Haag
+gesandt.
+
+
+[_Die Tories werden andrer Ansicht in Betreff der Rechtmäßigkeit des
+Widerstandes._] Der Prozeß der Bischöfe und die Geburt des Prinzen von
+Wales hatten in den Gesinnungen vieler Tories einen großen Umschwung
+herbeigeführt. In dem Augenblicke, wo ihrer Kirche eine so empörende
+Beleidigung und Verhöhnung widerfuhr, mußten sie die Hoffnung auf eine
+friedliche Lösung aufgeben. Bisher hatten sie gehofft, daß die Prüfung,
+welche ihre Loyalität zu ertragen hatte, wenn auch hart, doch nur
+vorübergehend sein werde und daß ihre Leiden ohne Verletzung der
+feststehenden Thronfolgeordnung bald gehoben werden würden. Jetzt aber
+eröffnete sich ihnen eine ganz andre Aussicht. So weit sie vorwärts
+blickten, sahen sie die verkehrte Regierung der letzten drei Jahre durch
+ganze Menschenalter sich fortspinnen. Die Wiege des präsumtiven
+Thronfolgers war von Jesuiten umgeben und es stand zu befürchten, daß
+dem kindlichen Gemüth des Prinzen ein tödtlicher Haß gegen die Kirche,
+deren Oberhaupt er dereinst werden sollte, eingeimpft, daß dieser Haß
+das leitende Prinzip seines Lebens werden und auf seine Nachkommenschaft
+übergehen würde. Und diese unheilvolle Aussicht hatte keine Grenze, sie
+reichte über die Lebenszeit des jüngsten Menschen, bis über das
+achtzehnte Jahrhundert hinaus. Niemand konnte sagen, wie viele
+Generationen protestantischer Engländer noch ein Joch zu tragen haben
+würden, das man selbst bei der Voraussicht einer kurzen Dauer schon für
+unerträglich hielt. Gab es denn gar kein Heilmittel? Eines gab es noch,
+ein rasches, heftiges und entscheidendes, ein Mittel, zu dem die Whigs
+nur zu bereitwillig gegriffen hätten, das aber von den Tories jederzeit
+und unter allen Umständen als verwerflich betrachtet worden war.
+
+Die größten anglikanischen Gelehrten der damaligen Zeit hatten den Satz
+aufgestellt, daß keine Übertretung eines Gesetzes oder eines Vertrags,
+kein Übermaß von Härte, Raubsucht oder Willkür von Seiten eines
+rechtmäßigen Königs sein Volk zum gewaltsamen Widerstande gegen ihn
+berechtigen könne. Einige von ihnen hatten etwas darin gesucht, die
+Lehre vom Nichtwiderstande in einer so überspannten Form darzustellen,
+daß der gesunde Verstand und die Humanität sich dagegen empören mußten.
+Sie bemerkten häufig und mit Nachdruck, daß Nero an der Spitze des
+römischen Reiches gestanden habe, als Paulus die Pflicht des Gehorsams
+gegen die Obrigkeit einschärfte. Daraus zogen sie den Schluß, daß, wenn
+ein englischer König, ohne ein andres Gesetz als seinen Willen, seine
+Unterthanen wegen Nichtanbetung von Götzenbildern verfolgte, sie den
+Löwen im Tower vorwürfe, sie in getheerte Tücher hüllte und zur
+Beleuchtung des St. Jamesparkes anzündete, und wenn er mit diesen
+Grausamkeiten fortführe, bis ganze Städte und Grafschaften entvölkert
+wären, die Überlebenden trotzdem noch immer verpflichtet sein würden,
+sich willig zu unterwerfen und sich ohne Widerstand in Stücken zerreißen
+oder lebendig braten zu lassen. Allerdings waren die Gründe, welche zu
+Gunsten dieser Behauptung angeführt wurden, unhaltbar, aber der Mangel
+vernünftiger Argumente wurde reichlich ersetzt durch die Alles
+vermögende Sophistik des Eigennutzes und der Leidenschaft. Viele
+Schriftsteller haben ihr Erstaunen darüber ausgedrückt, wie die stolzen
+Kavaliere Englands sich für die knechtischeste Theorie, die die Welt je
+gesehen hat, so begeistern konnten. Dies kommt daher, weil diese Theorie
+dem Kavalier anfangs als der directe Gegensatz des Knechtischen
+erschien, denn sie machte ihn nicht zum Sklaven, sondern zum freien
+Herrn und Gebieter. Sie gefiel ihm, weil sie dem gefiel, den er als
+seinen Beschützer, als seinen Freund, als das Oberhaupt seiner geliebten
+Partei und seiner noch mehr geliebten Kirche betrachtete. Unter der
+Herrschaft der Republikaner hatte der Royalist Unbilden und Kränkungen
+ertragen müssen, welche er nach der Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
+Regierung hatte vergelten können. Rebellion war daher in seinem Sinne
+gleichbedeutend mit Unterwerfung und Erniedrigung, monarchische
+Autorität mit Freiheit und Übergewicht. Es war ihm nie eingefallen,
+daß eine Zeit kommen könnte, wo ein König, ein Stuart die loyalsten
+Geistlichen und Edelleute mit größerer Erbitterung verfolgen würde, als
+einst der Rumpf oder der Protector. Eine solche Zeit war gekommen. Jetzt
+mußte es sich zeigen, wie die Geduld, welche die Anhänger der
+Landeskirche aus den Schriften des Paulus gelernt zu haben vermeinten,
+die Probe einer Verfolgung bestehen würde, die noch keineswegs so
+schlimm war, wie die eines Nero. Das Ergebniß war so, wie es Jedermann,
+der die menschliche Natur nur einigermaßen kannte, vorausgesagt haben
+würde. Der Despotismus bewirkte bald, was, der Philosophie und der
+Beredtsamkeit nie gelungen wäre. Die Angriffe Locke's hatte Filmer's
+System überleben können, aber von dem tödtlichen Schlage, den Jakob ihm
+versetzte, erholte es sich nie wieder.
+
+Die Gründe, welche für unwiderleglich erklärt wurden, so lange man damit
+beweisen wollte, daß Presbyterianer und Independenten Haft und
+Eigenthumsberaubung mit Sanftmuth und Geduld ertragen müßten, schienen
+bedeutend an Haltbarkeit zu verlieren, als es sich fragte, ob
+anglikanische Bischöfe eingesperrt und die Einkünfte anglikanischer
+Collegien eingezogen werden dürften. Es war von den Kanzeln aller
+Kathedralen des Landes herab oft wiederholt worden, daß das apostolische
+Gebot, der bürgerlichen Obrigkeit zu gehorchen, unbedingt und allgemein
+und daß es eine gottlose Anmaßung der Menschen sei, ein im Worte Gottes
+ohne alle Beschränkung erlassenes Gebot beschränken zu wollen. Jetzt
+aber entdeckten die Geistlichen, deren Scharfsinn durch die drohende
+Gefahr, ihrer Ämter und Pfründen entsetzt zu werden, um Papisten Platz
+zu machen, bedeutend erhöht wurde, einige Lücken in dem Raisonnement,
+das ihnen früher so überzeugend vorgekommen war. Die ethischen
+Stellen der heiligen Schrift, meinten sie, dürfe man nicht wie
+Parlamentsverordnungen oder wie casuistische Abhandlungen der Gelehrten
+deuten. Welcher Christ werde dem Grobian, der ihn auf die rechte Wange
+geschlagen, wirklich auch die linke hinhalten? Welcher Christ werde dem
+Diebe, der ihm den Rock genommen, auch noch den Mantel geben? Im Alten
+wie im Neuen Testament seien durchgängig nur allgemeine Regeln
+aufgestellt, ohne die Ausnahmen mit anzuführen. So stehe darin das
+allgemeine Gebot, nicht zu tödten, aber ohne einen Vorbehalt zu Gunsten
+des Kriegers, der zur Vertheidigung seines Königs und seines Vaterlandes
+tödtet. So stehe ferner darin das allgemeine Gebot nicht zu schwören,
+aber ohne Vorbehalt zu Gunsten des Zeugen, der vor dem Richter schwört,
+daß er die Wahrheit sagen wolle. Die Rechtmäßigkeit des
+Vertheidigungskrieges und des gerichtlichen Eides werde aber nur von
+einigen obscuren Sectirern bestritten, und sei in den Artikeln der
+anglikanischen Kirche ausdrücklich behauptet. Alle die Gründe, welche
+bewiesen, daß die Weigerung des Quäkers, Waffen zu tragen oder das
+Evangelium zu küssen, unvernünftig und verkehrt sei, könnten auch gegen
+Diejenigen gewendet werden, welche den Unterthanen das Recht des
+gewaltsamen Widerstandes gegen maßlose Tyrannei absprachen. Wenn man
+behaupte, daß die Bibelstellen, welche das Tödten und das Schwören
+verboten, trotz ihrer allgemeinen Fassung doch als Unterwerfung unter
+das große Gebot ausgelegt werden müßten, welches jedem Menschen
+befiehlt, die Wohlfahrt seines Nächsten zu fördern und daß sie bei
+solcher Auslegung nicht auf Fälle angewendet werden könnten, in denen
+das Tödten und Schwören zum Schutze der theuersten Interessen der
+Gesellschaft durchaus nothwendig sei, dann werde man auch schwerlich
+leugnen können, daß die Bibelstellen, welche den gewaltsamen Widerstand
+gegen Vorgesetzte verbieten, ebenso gedeutet werden dürften. Wenn dem
+alten Volke Gottes unter Umständen gestattet worden sei, Menschenleben
+zu vernichten und sich durch Eide zu binden, so sei es ihnen unter
+Umständen auch erlaubt gewesen, schlechten Fürsten Widerstand zu
+leisten. Wenn die alten Väter der Kirche gelegentlich eine Sprache
+geführt hätten, aus welcher hervorzugehen schiene, daß sie jeden
+gewaltsamen Widerstand mißbilligten, so hätten sie gelegentlich auch
+eine Sprache geführt, aus welcher hervorgehe, daß sie allen Krieg und
+alle Eide verwarfen. In der That, die Lehre vom passiven Gehorsam, wie
+sie unter der Regierung Karl's II. in Oxford gepredigt wurde, kann nur
+durch eine einseitige Auslegung, die uns unvermeidlich zu den
+Schlußfolgerungen Barclay's und Penn's führen wurde, aus der Bibel
+hergeleitet werden.
+
+Es waren jedoch nicht allein dem Wortlaute der heiligen Schrift
+entlehnte Gründe, vermittelst deren die anglikanischen Theologen in den
+unmittelbar auf die Restauration folgenden Jahren ihren Lieblingssatz zu
+beweisen versuchten. Sie hatten sich auch bemüht darzuthun, daß selbst
+wenn die Offenbarung darüber schweige, schon die Vernunft den Weisen von
+der Thorheit und Verwerflichkeit jedes gewaltsamen Widerstandes gegen
+die bestehende Regierung überzeugt haben würde. Es werde allgemein
+zugegeben, daß solcher Widerstand, außer im höchsten Nothfalle, nicht zu
+rechtfertigen sei. Aber wer könne die Grenze zwischen höchsten
+Nothfällen und gewöhnlichen Fällen bestimmen? Gäbe es wohl eine
+Regierung, unter der sich nicht Mißvergnügte und Aufwiegler finden
+würden, welche sagten und vielleicht auch wirklich glaubten, daß ihre
+Beschwerden einen höchsten Nothfall begründeten? Ja, wenn sich eine
+klare und bestimmte Regel aufstellen ließe, welche den Menschen verböte,
+sich gegen einen Trajan zu empören, ihnen aber erlaubte, sich gegen
+einen Caligula aufzulehnen, so würde eine solche Regel allerdings höchst
+wohlthätig sein. Aber eine derartige Regel sei nie aufgestellt worden
+und könne auch nie aufgestellt werden. Wenn man sage, der Aufruhr sei
+unter gewissen Umständen erlaubt, ohne diese Umstände genau zu
+bezeichnen, so sei dies eben so gut als wenn man sage, Jedermann dürfe
+sich empören, sobald es ihm passend erscheine; eine Gesellschaft aber,
+in der sich Jedermann empören könne, wenn er es für zweckmäßig halte,
+sei schlechter bestellt als eine unter der Herrschaft des grausamsten
+und willkürlichsten Despoten stehende. Daher sei es nothwendig, das
+große Prinzip des Nichtwiderstandes in seinem vollen Umfange aufrecht zu
+erhalten. Allerdings könnten besondere Fälle eintreten, in denen der
+Widerstand eine Wohlthat für die Gesellschaft sein würde; im Ganzen
+genommen aber sei es immer besser, wenn das Volk geduldig eine schlechte
+Regierung ertrage, als wenn es sich durch Verletzung eines Gesetzes zu
+helfen suche, auf dem die Sicherheit jeder Regierung beruhe.
+
+Eine solche Argumentation überzeugte wohl eine herrschende und
+glückliche Partei sehr leicht, aber die Prüfung von Geistern, welche
+durch königliche Ungerechtigkeit und Undankbarkeit heftig gereizt waren,
+hielt sie nicht aus. Es ist allerdings unmöglich, eine strenge Grenze
+zwischen rechtmäßigem und unrechtmäßigem Widerstande zu ziehen; aber
+diese Unmöglichkeit liegt in dem ganzen Wesen von Recht und Unrecht und
+findet sich in fast jedem Zweige der ethischen Wissenschaft. Eine gute
+Handlung unterscheidet sich von einer schlechten nicht durch so
+deutliche Kennzeichen, wie ein Sechseck von einem Quadrat. Es giebt eine
+Grenze, wo Tugend und Laster in einander verschmelzen. Wer hat jemals
+eine genaue Grenzlinie zwischen Muth und Unbesonnenheit, zwischen
+Vorsicht und Feigheit, zwischen Sparsamkeit und Geiz, zwischen
+Freigebigkeit und Verschwendung zu ziehen vermocht? Wer hat jemals sagen
+können, wie weit die Nachsicht gegen Verbrecher gehen darf, wo sie
+aufhört den Namen Nachsicht zu verdienen, um verderbliche Schwäche zu
+werden? Welcher Casuist, welcher Gesetzgeber ist jemals im Stande
+gewesen, die Grenzen des Selbstvertheidigungsrechts zu bestimmen? Alle
+unsere Juristen sind der Ansicht, daß ein gewisses Maß von Gefahr für
+Leben oder Glieder den Menschen berechtige, einen Angreifer
+niederzuschießen oder zu erstechen, aber den Versuch, das Maß der Gefahr
+in bestimmten Worten zu bezeichnen, haben sie längst als unausführbar
+aufgegeben. Sie sagen nur, es dürfe keine unbedeutende, sondern eine
+solche Gefahr sein, die einen muthigen Menschen ernstlich um sich
+besorgt machen kann; aber wer wird es unternehmen zu sagen, welcher Grad
+von Besorgniß wirklich ernst genannt zu werden verdient oder wie der
+Geist eines Menschen beschaffen sein muß, um als muthig gelten zu
+können? Man muß es allerdings beklagen, daß die Natur der Worte und die
+Natur der Dinge eine genauere Gesetzgebung nicht gestattet, und es läßt
+sich nicht leugnen, daß oft Jemandem Unrecht geschieht, wenn die
+Menschen Richter in ihrer eignen Sache sind und ihr Urtheil
+augenblicklich vollziehen. Aber wer könnte deshalb alle und jede
+Nothwehr verbieten? Das Recht eines Volks, einer schlechten Regierung
+Widerstand zu leisten, ist ganz analog dem Rechte, mit dem der Einzelne
+in Ermangelung gesetzlichen Schutzes einen ihn Angreifenden erschlagen
+darf. In beiden Fällen muß die Gefahr sehr ernst sein; in beiden Fällen
+müssen alle gesetzlichen und friedlichen Vertheidigungsmittel erschöpft
+sein, ehe die verletzte Partei zum Äußersten schreitet; in beiden Fällen
+ladet man sich eine große Verantwortlichkeit auf; in beiden Fällen ruht
+die Beweislast auf Demjenigen, der es gewagt hat, zu einem so
+verzweifelten Auskunftsmittel zu greifen, und vermag er sich nicht zu
+rechtfertigen, so verwirkt er mit Recht die schwersten Strafen. Aber in
+keinem der beiden Fälle können wir das Vorhandensein alles Rechts
+leugnen. Ein von Mördern überfallener Mensch ist nicht verpflichtet,
+sich ohne von seinen Waffen Gebrauch zu machen, martern und abschlachten
+zu lassen, weil noch Niemand im Stande gewesen ist, das Maß der Gefahr,
+welches einen Todtschlag rechtfertigt, genau zu bestimmen. Ebenso wenig
+ist eine Gesellschaft verpflichtet, Alles was die Tyrannei über sie
+verhängen kann, mit passiver Geduld zu ertragen, weil noch Niemand das
+Maß der Regierungssünden, das eine Empörung rechtfertigt, genau zu
+bestimmen vermochte.
+
+Aber konnte der Widerstand der Engländer gegen einen Fürsten wie Jakob
+eigentlich Empörung genannt werden? Die ächten Schüler Filmer's
+behaupteten allerdings, daß zwischen unsrem Regierungssystem und dem der
+Türkei nicht der geringste Unterschied sei, und wenn der König sich
+nicht den Inhalt aller Kaufmannskasten in Lombard Street zueigne und
+Stumme mit der seidenen Schnur zu Sancroft und Halifax sende, so
+geschehe dies nur, weil Seine Majestät zu mild und gnädig sei, als daß
+er seine ganze, ihm vom Himmel ertheilte Macht ausüben sollte. Aber wenn
+auch die Tories zuweilen in der Hitze des Wortstreits eine Sprache
+führten, welche anzudeuten schien, daß sie diesen überspannten Lehren
+Beifall zollten, so verabscheuten sie den Despotismus doch gründlich.
+Die englische Regierungsform war nach ihren Begriffen eine beschränkt
+monarchische. Aber wie kann eine Monarchie beschränkt genannt werden,
+wenn niemals, selbst nicht im äußersten Nothfalle Gewalt angewendet
+werden darf, um sie innerhalb der ihr vorgeschriebenen Schranken zu
+halten? In Rußland, wo der Herrscher nach der Verfassung des Staats
+unbeschränkt war, konnte man vielleicht mit einem Schein von Richtigkeit
+behaupten, daß er, welche Übergriffe er sich auch erlaubte, noch immer
+nach christlichen Grundsätzen von seinen Unterthanen Gehorsam verlangen
+durfte. Bei uns aber stand der Fürst so gut unter dem Gesetze wie das
+Volk. Es war daher Jakob, der das Wehe über sich brachte, welches Denen
+angedroht ist, die der bestehenden Gewalt Hohn sprechen. Jakob war es,
+der sich den Anordnungen Gottes widersetzte, der sich gegen die
+rechtmäßige Autorität auflehnte, welcher er nicht allein aus Furcht vor
+dem göttlichen Zorne, sondern schon nach eigenem Gewissen hätte
+unterthan sein sollen, und der im wahren Sinne der Worte Jesu dem Kaiser
+nicht gab was des Kaisers war.
+
+In Folge derartiger Betrachtungen fingen die kundigsten und
+aufgeklärtesten Tories an zuzugeben, daß sie in der Lehre vom passiven
+Gehorsam doch zu weit gegangen waren. Der Streit zwischen diesen Männern
+und den Whigs bezüglich der gegenseitigen Verpflichtungen der Könige und
+Unterthanen war jetzt kein Prinzipstreit mehr. Es blieben allerdings
+noch einige gerichtliche Streitpunkte zwischen der Partei, welche
+jederzeit die Rechtmäßigkeit des gewaltsamen Widerstandes behauptet
+hatten, und den Neubekehrten. Das Andenken des gesegneten Märtyrers
+wurde von den alten Kavalieren, welche bereit waren, gegen seinen
+entarteten Sohn die Waffen zu ergreifen, noch immer so hoch als je
+verehrt. Sie sprachen noch immer mit Abscheu von dem langen Parlamente,
+von dem Ryehousecomplot und von dem Aufstande im Westen. Aber wie sie
+auch über die Vergangenheit denken mochten, ihre Ansicht von der
+Gegenwart war entschieden whiggistisch, denn sie waren jetzt der
+Meinung, daß äußerster Druck gewaltsamen Widerstand rechtfertigen könne
+und daß der Druck, unter dem die Nation eben seufzte, den äußersten Grad
+erreicht habe.[1]
+
+Man darf jedoch nicht glauben, daß alle Tories selbst unter den
+damaligen Umständen einem Prinzipe entsagten, daß sie von Kindheit auf
+als einen wesentlichen Bestandtheil des Christenthums betrachten
+gelernt, zu dem sie sich viele Jahre lang mit prahlender Heftigkeit
+bekannt und das sie durch Verfolgung zu verbreiten gesucht hatten.
+Manche hielten aus wirklicher Überzeugung, Andere aus Scham an dem alten
+Glauben fest. Der größere Theil aber selbst von Denen, welche nach wie
+vor jeden gewaltsamen Widerstand gegen den Landesherrn für unstatthaft
+erklärten, war geneigt, im Falle eines Bürgerkriegs neutral zu bleiben.
+Keine Herausforderung sollte sie zum Aufstande bewegen, wenn aber ein
+solcher ausbräche, so glaubten sie sich nicht verpflichtet, für
+Jakob II. zu kämpfen, wie sie für Karl I. gekämpft haben würden. Paulus
+habe den Christen in Rom verboten, sich gegen die Herrschaft Nero's zu
+empören; aber es sei kein Grund zu der Annahme vorhanden, daß, wenn der
+Apostel noch gelebt hätte, als die Legionen und der Senat sich gegen den
+ruchlosen Kaiser erhoben, er den Brüdern befohlen haben würde, zur
+Unterstützung der Tyrannei zu den Waffen zu eilen. Die Pflicht der
+verfolgten Kirche sei klar: sie müsse geduldig ausharren und ihre Sache
+Gott anheim stellen. Wenn es aber Gott, dessen weise Fürsorge stets das
+Böse zum Guten lenkt, gefallen sollte, wie es ihm oft gefallen habe,
+sich zur Abstellung ihrer Leiden der Vermittelung solcher Menschen zu
+bedienen, deren heftige Leidenschaften ihre Lehren nicht zu bezähmen
+vermocht hätten, so könne sie dankbar von ihm eine Befreiung annehmen,
+welche auf eigne Hand zu bewerkstelligen ihre Grundsätze ihr nicht
+gestatteten. So waren die meisten von den Tories, welche noch immer
+jeden Gedanken an einen Angriff auf die Regierung aufrichtig
+zurückwiesen, doch keineswegs gemeint, sie zu vertheidigen, und freuten
+sich vielleicht, während sie sich ihrer eigenen Gewissensscrupel
+rühmten, im Stillen darüber, daß nicht Jedermann so bedenklich war als
+sie.
+
+Die Whigs sahen, daß ihre Zeit gekommen war. Ob sie das Schwert gegen
+die Regierung ziehen sollten, war schon seit sechs oder sieben Jahren
+bei ihnen nur noch eine Frage der Klugheit und jetzt gebot ihnen eben
+die Klugheit, einen kühnen Weg einzuschlagen.
+
+ [Anmerkung 1: Dieser Umschwung in den Ansichten eines Theiles der
+ Torypartei ist in einem Schriftchen, welches zu Anfang des Jahres
+ 1689 unter dem Titel erschien: +»A Dialogue betwen Two friends,
+ wherein the Church of England is vindicated in joining with the
+ Prince of Orange«+ trefflich dargestellt.]
+
+
+[_Russell schlägt dem Prinzen von Oranien eine Landung in England vor._]
+Im Mai, vor der Geburt des Prinzen von Wales und während es noch ungewiß
+war, ob die Indulgenzerklärung in den Kirchen verlesen werden würde oder
+nicht, hatte sich Eduard Russell nach dem Haag begeben, hatte dem
+Prinzen von Oranien den Zustand der Volksstimmung eindringlich
+geschildert und Seiner Hoheit gerathen, an der Spitze einer starken
+Truppenmacht in England zu erscheinen und das Volk zu den Waffen zu
+rufen.
+
+Wilhelm hatte die ganze Bedeutung der Krisis auf den ersten Blick
+erkannt. »Jetzt oder nie!« sagte er auf Lateinisch zu Dykvelt.[2] Gegen
+Russell sprach er sich vorsichtiger aus, gab zu, daß die Leiden des
+Staats von der Art seien, daß sie ein außergewöhnliches Heilmittel
+erheischten, sprach aber sehr ernstlich von dem möglichen Scheitern des
+Unternehmens und von dem Unheil, welches dadurch über Großbritannien und
+über ganz Europa gebracht werden konnte. Er wisse nur zu gut, daß Viele,
+die sich jetzt in hochtönenden Worten bereit erklärten, Gut und Blut dem
+Vaterlande zu opfern, wieder zaghaft werden würden, wenn ihnen die
+Aussicht auf eine Wiederholung der Blutigen Assisen nahe vor Augen
+träte, und er könne sich daher nicht mit unbestimmten Versicherungen von
+Geneigtheit begnügen, sondern verlange bestimmte Einladungen und
+schriftliche Unterstützungszusagen von einflußreichen und bedeutenden
+Männern. Russell bemerkte ihm dagegen, daß es gefährlich sein werde,
+eine größere Anzahl von Personen in den Plan einzuweihen. Wilhelm
+stimmte ihm bei und sagte, daß einige wenige Unterschriften genügen
+würden, wenn es die von Staatsmännern wären, welche große Parteien
+repräsentirten.[3]
+
+ [Anmerkung 2: +»Aut nunc, aut nunquam.«+ -- Witsen's
+ Handschriften, citirt von Wagenaar, Buch 60.]
+
+ [Anmerkung 3: +Burnet, I. 763.+]
+
+
+[_Heinrich Sidney._] Mit dieser Antwort kehrte Russell nach London
+zurück, wo er die Aufregung bedeutend gestiegen und noch täglich
+zunehmend fand. Die Einsperrung der Bischöfe und die Entbindung der
+Königin erleichterten ihm seine Aufgabe mehr als er es hätte erwarten
+können. Er eilte die Stimmen der Oberhäupter der Opposition zu sammeln
+und sein Hauptgehülfe bei diesem Geschäft war Heinrich Sidney, der
+Bruder Algernon's. Es ist ein bemerkenswerther Umstand, daß Eduard
+Russell sowohl als Heinrich Sidney dem Hofstaate Jakob's angehört
+hatten, daß Beide theils aus politischen, theils aus Privatgründen seine
+Feinde geworden waren und daß Beide das Blut naher Verwandter zu rächen
+hatten, welche in einem und demselben Jahre als Opfer seiner
+unerbittlichen Strenge gefallen waren. Hier endet jedoch die
+Ähnlichkeit. Russel war, bei bedeutenden Fähigkeiten, stolz,
+sarkastisch, ruhelos und heftig. Sidney schien bei sanftem Gemüth und
+einnehmenden Manieren seine besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse zu
+besitzen und in Genußsucht und Indolenz versunken zu sein. Von Gesicht
+und Gestalt war er auffallend hübsch. In seiner Jugend war er der
+Schrecken der Ehemänner gewesen und selbst jetzt, dem fünfzigsten Jahre
+nahe, war er noch der Liebling der Frauen und ein Gegenstand des Neides
+für jüngere Männer. Er hatte sich früher in amtlicher Stellung im Haag
+aufgehalten und es war ihm gelungen, sich Wilhelm's Vertrauen in hohem
+Grade zu erwerben. Viele wunderten sich darüber, denn man hätte glauben
+sollen, daß der ernsteste Staatsmann und der ausschweifendste
+Müßiggänger nichts mit einander gemein haben könnten. Swift konnte viele
+Jahre später nicht begreifen, daß ein Mann, den er nur als einen
+wissenschaftlich ungebildeten und frivolen alten Wüstling gekannt hatte,
+wirklich in einer großen Revolution eine große Rolle gespielt haben
+sollte. Doch selbst ein minder scharfsichtiger Beobachter als Swift
+hätte wissen können, daß es einen gewissen instinktartigen Takt giebt,
+der oft großen Rednern und Philosophen fehlt, aber oft bei Personen
+gefunden wird, die man für einfältige Menschen erklären würde, wenn man
+sie nur nach ihren Reden und Schriften beurtheilte. In der That, wer
+diesen Takt besitzt, für den ist es in gewissem Sinne ein Vortheil, wenn
+ihm die glänzenderen Talente mangeln, die ihn zu einem Gegenstande der
+Bewunderung, des Neides und der Furcht machen würden. Sidney war ein
+sprechender Beleg für diese Wahrheit. So untüchtig, unwissend und
+ausschweifend er zu sein schien, so erkannte er doch ober fühlte er
+vielmehr, gegen wen er zurückhaltend sein mußte und gegen wen er ohne
+Gefahr mittheilend sein durfte. In Folge dessen leistete er was Mordaunt
+mit all' seiner Lebhaftigkeit und all' seinem Erfindungsgeiste oder
+Burnet mit all' seinem vielseitigen Wissen und seiner fließenden
+Beredtsamkeit nie hätten ausführen können.[4]
+
+ [Anmerkung 4: +Sidney's Diary and Correspondence, edited by
+ Blencowe+; +Mackay's Memoirs+ und Swift's Note; +Burnet, I. 763.+]
+
+
+[_Devonshire._] Bei den alten Whigs konnte es keine Schwierigkeiten
+haben. Ihrer Meinung nach hatte es seit vielen Jahren kaum einen
+Augenblick gegeben, wo die öffentlichen Rechtsverletzungen nicht den
+Widerstand gerechtfertigt hätten. Devonshire, der als ihr Oberhaupt
+betrachtet werden konnte, hatte sowohl private als öffentliche Unbilden
+zu rächen. Er ging mit ganzem Herzen auf den Plan ein und bürgte für
+seine Partei.[5]
+
+ [Anmerkung 5: +Burnet, I. 764+; Chiffrirter Brief an Wilhelm vom
+ 18. Juni 1688 in Dalrymple.]
+
+
+[_Shrewsbury. -- Halifax._] Russell theilte den Plan Shrewsbury mit und
+Sidney sondirte Halifax. Shrewsbury entschloß sich mit einem Muthe und
+einer Entschiedenheit, welche späterhin seinem Character zu fehlen
+schienen. Er erklärte sich sofort bereit, sein Vermögen, seine Ehre und
+sein Leben aufs Spiel zu setzen. Halifax aber nahm die erste Andeutung
+des Vorhabens in einer Weise auf, welche bewies, daß es nutzlos und
+vielleicht sogar gefährlich gewesen wäre, sich deutlicher auszusprechen.
+Er war in der That auch nicht der Mann zu einem solchen Unternehmen.
+Sein Geist war unerschöpflich in subtilen Unterscheidungen und
+Einwendungen, sein Temperament friedliebend und nicht waghalsig. Er war
+bereit, dem Hofe im Hause der Lords und durch anonyme Schriften bis aufs
+Äußerste zu opponiren; aber seine vornehme Ruhe mit dem unsicheren und
+bewegten Leben eines Verschwörers zu vertauschen, sich in die Gewalt von
+Mitverschwornen zu geben, in beständiger Angst vor Verhaftbefehlen und
+Königsboten zu leben, ja vielleicht gar auf dem Schaffot zu enden, oder
+in einer Hintergasse im Haag von Almosen zu existiren, dazu hatte er
+wenig Lust. Er äußerte daher einige Worte, welche deutlich erkennen
+ließen, daß er nicht wünschte, in die Pläne seiner verwegeneren und
+ungestümeren Freunde eingeweiht zu werden. Sidney verstand ihn und sagte
+nichts mehr.[6]
+
+ [Anmerkung 6: +Ibid.+]
+
+
+[_Danby und der Bischof Compton._] Hierauf wendete man sich nun zunächst
+an Danby und mit weit besserem Erfolg. Für seinen kühnen und
+thatkräftigen Geist hatten Gefahr und Aufregung, welche dem zarter
+organisirten Gemüth Halifax' unerträglich waren, einen großen Reiz. Die
+verschiedenen Charactere der beiden Staatsmänner waren schon in ihren
+Gesichtszügen zu erkennen. Halifax' Stirn, Auge und Mund verriethen
+einen ausgezeichneten Verstand und einen ungewöhnlichen Sinn für die
+Satire; aber sein Gesichtsausdruck war der eines Skeptikers, eines
+Sybariten, eines Mannes, der so leicht nicht Alles auf eine Karte setzt
+oder für irgend eine Sache zum Märtyrer wird. Wer sein Gesicht kennt,
+wird sich nicht wundern können, daß der Schriftsteller, der ihm am
+meisten Vergnügen machte, Montaigne war.[7] Danby war ein Skelett; sein
+hageres und faltenreiches, obgleich ansprechendes und edles Gesicht
+verrieth sowohl seine ausgezeichneten Geistesgaben, als auch seinen
+ruhelosen Ehrgeiz. Er hatte sich schon einmal aus der Dunkelheit auf den
+Gipfel der Macht emporgeschwungen und war dann plötzlich von seiner Höhe
+herabgestürzt. Sein Leben war in Gefahr gewesen und er hatte Jahre lang
+im Gefängniß zugebracht. Jetzt war er frei, aber damit war er nicht
+zufrieden, er wollte wieder groß werden. Als treuer Anhänger der
+anglikanischen Kirche und Feind des französischen Übergewichts konnte er
+nicht hoffen, an einem von Jesuiten wimmelnden und dem Hause Bourbon
+ergebenen Hofe etwas Großes zu werden. Wenn er aber eine Hauptrolle in
+einer Revolution übernahm, welche alle Pläne der Papisten vereiteln, der
+langen Vasallenschaft Englands ein Ziel setzen und die königliche Macht
+auf ein erlauchtes Paar übertragen sollte, dessen eheliches Band er
+geknüpft hatte, so konnte er mit neuem Glanze aus seiner Dunkelheit
+hervortreten. Die Whigs, deren Groll ihn neun Jahre früher aus dem Amte
+gestoßen hatte, verbanden bei seinem glücklichen Wiedererscheinen gewiß
+ihren Beifallsjubel mit dem seiner alten Freunde, der Kavaliere. Schon
+hatte er sich mit einem der Ausgezeichnetsten von Denen, welche ihn
+vormals angeklagt hatten, mit dem Earl von Devonshire, vollständig
+wieder ausgesöhnt. Die beiden Kavaliere waren in einem Dorfe im Peak
+zusammengekommen und hatten einander ihrer freundschaftlichen
+Gesinnungen versichert. Devonshire hatte offen eingestanden, daß die
+Whigs sich einer großen Ungerechtigkeit schuldig gemacht und hatte
+erklärt, daß sie jetzt von ihrem Irrthum überzeugt wären. Auch Danby
+hatte Mancherlei zurückzunehmen. Er hatte einst wirklich oder vorgeblich
+der Lehre vom passiven Gehorsame im weitesten Sinne gehuldigt. Auf seine
+Anregung oder mit seiner Genehmigung war ein Gesetz beantragt worden,
+das, wenn es angenommen worden wäre, alle Diejenigen, die sich weigerten
+eidlich zu erklären, daß sie gewaltsamen Widerstand unter allen
+Umständen für unerlaubt hielten, vom Parlament ausgeschlossen haben
+würde. Aber sein scharfer Verstand, durch die Sorge um das öffentliche
+wie um sein persönliches Wohl vollständig erleuchtet, ließ sich jetzt
+nicht mehr durch solche kindische Trugschlüsse täuschen, wenn dies
+überhaupt jemals der Fall gewesen war. Er erklärte sofort seinen
+Beitritt zu der Verschwörung, und bemühte sich dann, die Mitwirkung
+Compton's, des suspendirten Bischofs von London zu gewinnen, was ihm
+auch ohne Schwierigkeit gelang. Kein Prälat war von der Regierung so
+rücksichtslos und ungerecht behandelt worden als Compton, auch hatte
+kein Prälat soviel von einer Revolution zu erwarten als er, denn er war
+der Erzieher der Prinzessin von Oranien gewesen und man glaubte
+allgemein, daß er ihr Vertrauen in hohem Maße genoß. Er hatte wie seine
+Collegen, so lange er noch nicht unterdrückt wurde, entschieden
+behauptet, daß es ein Verbrechen sei, sich gegen den Druck aufzulehnen;
+seitdem er aber vor der Hohen Commission gestanden, war ein neues Licht
+in ihm aufgegangen.[8]
+
+ [Anmerkung 7: In Betreff Montaigne's siehe Halifax' Brief an
+ Cotton. Ich weiß nicht, ob Halifax' Kopf in der Westminsterabtei
+ nicht ein richtigeres Bild von ihm giebt als alle gemalten oder
+ gestochenen Portraits, die ich von ihm gesehen habe.]
+
+ [Anmerkung 8: Siehe Danby's Einleitung zu den Actenstücken, die er
+ 1710 veröffentlichte, so wie auch +Burnet, I. 764.+]
+
+
+[_Nottingham._] Danby und Compton wünschten Beide, sich der
+Unterstützung Nottingham's zu versichern. Der ganze Plan wurde ihm
+mitgetheilt und er billigte denselben. Aber schon nach wenigen Tagen
+fing er an besorgt zu werden. Seine Seele war nicht stark genug, um sich
+von anerzogenen Vorurtheilen loszureißen. Er ging von einem Geistlichen
+zum andern, legte ihnen in allgemeinen Ausdrücken angenommene Fälle von
+Tyrannei vor und fragte sie, ob in solchen Fällen der Widerstand erlaubt
+sei. Die Antworten, die er erhielt, vermehrten seine Angst. Endlich
+sagte er seinen Mitverschwornen, daß er nicht weiter mit ihnen gehen
+könne. Wenn sie ihn für fähig hielten, sie zu verrathen, so sollten sie
+ihn umbringen, und er werde sie schwerlich deshalb tadeln, denn indem er
+zurücktrete, nachdem er so weit gegangen sei, gebe er ihnen eine Art von
+Recht über sein Leben. Er versichere aber, daß sie von ihm nichts zu
+fürchten hatten; er werde ihr Geheimniß streng bewahren und könne nicht
+anders als ihnen den besten Erfolg wünschen, aber sein Gewissen gestatte
+ihm nicht, thätigen Antheil an einem Aufstande zu nehmen. Sie vernahmen
+sein Bekenntniß mit Argwohn und Verachtung. Sidney, der sehr unbestimmte
+Begriffe von Gewissensscrupeln hatte, benachrichtigte den Prinzen, daß
+Nottingham Angst bekommen habe. Man ist es jedoch Nottingham schuldig,
+zu sagen, daß sein allgemeiner Lebenswandel uns zu dem Glauben
+berechtigt, daß er bei dieser Gelegenheit durchaus rechtschaffen, wenn
+auch höchst unklug und unentschlossen handelte.[9]
+
+ [Anmerkung 9: +Burnet, I. 764+; Sidney an den Prinzen von Oranien,
+ 30. Juni 1688, in Dalrymple.]
+
+
+[_Lumley._] Einen vollständigeren Erfolg hatten die Agenten des Prinzen
+bei Lord Lumley, der wohl wußte, daß er trotz des hochwichtigen
+Dienstes, den er zur Zeit des Aufstandes im Westen geleistet, in
+Whitehall nicht blos als Ketzer, sondern als Renegat verhaßt war, und
+der sich daher mehr als die meisten gebornen Protestanten danach sehnte,
+zur Vertheidigung des Protestantismus die Waffen zu ergreifen.[10]
+
+ [Anmerkung 10: +Burnet, I. 763+; Lumley an Wilhelm, 31. Mai 1688
+ in Dalrymple.]
+
+
+[_Absendung der Einladung an Wilhelm._] Im Monat Juni hatten die ins
+Geheimniß Eingeweihten häufige Zusammenkünfte, und am Letzten dieses
+Monats, dem Tage, an welchem die Bischöfe für nichtschuldig erklärt
+wurden, geschah endlich der entscheidende Schritt. Es wurde eine von
+Sidney geschriebene, aber von einer in der Abfassung derartiger Aufsätze
+geübteren Person entworfene förmliche Einladung nach dem Haag
+abgeschickt. In diesem Schreiben wurde Wilhelm versichert, daß neunzehn
+Zwanzigstel des englischen Volks sich nach einer Änderung sehnten und
+sich gern zur Herbeiführung einer solchen verbinden würden, wenn sie den
+Beistand einer solchen auswärtigen Macht erlangen könnten, welche die
+sich in Waffen Erhebenden vor der Gefahr sichere, zerstreut und
+niedergehauen zu werden, ehe sie sich in irgend einer militairischen
+Ordnung formiren könnten. Wenn Seine Hoheit an der Spitze eines
+Truppencorps in England erschiene, würden viele Tausende zu seinen
+Fahnen eilen, und er würde bald über eine der regulären Armee Englands
+weit überlegene Streitmacht zu verfügen haben. Überdies könne sich die
+Regierung selbst auf diese Armee nicht unbedingt verlassen. Die
+Offiziere seien unzufrieden und die gemeinen Soldaten theilten den
+Widerwillen gegen den Papismus, der in dem Stande, welchem sie
+angehörten, allgemein sei. Bei der Seemacht sei die protestantische
+Gesinnung noch allgemeiner. Es sei daher von Wichtigkeit, daß ein
+entscheidender Schritt geschehe, so lange sich die Dinge in diesem
+Zustande befänden. Das Unternehmen würde viel schwieriger sein, wenn es
+verschoben würde, bis der König durch Umgestaltung der Wahlkörper und
+der Regimenter sich ein Parlament und ein Heer gebildet habe, auf die er
+sich verlassen könnte. Die Verschwornen baten demnach den Prinzen
+dringend, so schleunig als möglich zu ihnen zu kommen. Sie gaben ihr
+Ehrenwort darauf, daß sie sich ihm anschließen würden und machten sich
+anheischig, die Mitwirkung einer so großen Anzahl Personen zu erlangen,
+als man ohne Gefahr in ein so wichtiges und gefährliches Geheimniß
+ziehen könne. Über einen Punkt hielten sie es für ihre Pflicht, Seiner
+Hoheit eine Vorstellung zu machen. Er habe die Meinung der großen Masse
+der Engländer über die kürzliche Geburt eines Prinzen nicht zu seinem
+Vortheile benutzt, sondern im Gegentheil Glückwünsche nach Whitehall
+gesandt, wodurch es scheinen müsse, als ob das Kind, welches den Namen
+eines Prinzen von Wales bekommen habe, der rechtmäßige Erbe des Thrones
+sei. Dies sei ein großer Fehler gewesen und habe den Eifer abgekühlt.
+Nicht Einer unter Tausend zweifle daran, daß der Knabe untergeschoben
+sei und der Prinz würde seinen Vortheil nicht richtig erkennen, wenn er
+nicht die verdächtigen Umstände, welche die Niederkunft der Königin
+begleitet hätten, unter den Gründen für seine bewaffnete Erhebung obenan
+stelle.[11]
+
+Dieses Schreiben war mit den Namenschiffern der sieben Oberhäupter der
+Verschwörung, Shrewsbury, Devonshire, Danby, Lumley, Compton, Russell
+und Sidney, unterzeichnet. Herbert übernahm das Amt des Überbringers.
+Seine Sendung war mit nicht geringer Gefahr verknüpft. Er legte die
+Tracht eines gemeinen Matrosen an und erreichte am Freitag nach dem
+Prozesse der Bischöfe die niederländische Küste. Er eilte augenblicklich
+zu dem Prinzen. Bentinck und Dyckvelt wurden gerufen und es vergingen
+mehrere Tage unter Berathungen. Das erste Resultat dieser Berathungen
+war, daß das Gebet für den Prinzen von Wales nicht mehr in der Kapelle
+des Prinzen verlesen wurde.[12]
+
+ [Anmerkung 11: Siehe die ausführliche Einladung bei Dalrymple.]
+
+ [Anmerkung 12: Sidney's Brief an Wilhelm, 30. Juni 1688; Avaux,
+ 11.(21.), 12.(22.) Juli.]
+
+
+[_Mariens Verhalten._] Von Seiten seiner Gemahlin hatte Wilhelm keine
+Opposition zu fürchten. Er übte eine unbeschränkte Gewalt über ihren
+Geist aus und, was noch merkwürdiger war, er hatte ihre ganze Zuneigung
+gewonnen. Er ersetzte ihr die Eltern, die sie durch den Tod und durch
+Entfremdung verloren hatte, die Kinder, die ihren Gebeten versagt
+worden, und das Vaterland, aus dem sie verbannt war. Er theilte die
+Herrschaft über ihr Herz nur mit ihrem Gott. An ihrem Vater hatte sie
+wahrscheinlich nie mit Liebe gehangen, sie hatte ihn in früher Jugend
+verlassen, seit vielen Jahren hatte sie ihn nicht gesehen und sein
+Benehmen gegen sie seit ihrer Vermählung hatte weder Zärtlichkeit von
+seiner Seite verrathen noch in ihr ein derartiges Gefühl erwecken
+können. Er hatte alles Mögliche gethan, um ihr häusliches Glück zu
+stören und unter ihrem Dache ein förmliches System von Spioniererei,
+Aushorcherei und Angeberei eingeführt. Er bezog größere Einkünfte als
+irgend einer seiner Vorgänger und bewilligte ihrer jüngeren Schwester
+ein regelmäßiges Jahrgehalt von vierzigtausend Pfund;[13] die
+muthmaßliche Erbin seines Thrones aber hatte nie die geringste
+Geldunterstützung von ihm erhalten und war kaum im Stande, den ihrem
+hohen Range unter den europäischen Fürstinnen zukommenden Aufwand zu
+machen. Sie hatte es gewagt, sich für ihren alten Freund und Lehrer
+Compton bei ihm zu verwenden, der von seinen bischöflichen Functionen
+suspendirt worden war, weil er sich geweigert hatte, eine Handlung
+empörender Ungerechtigkeit zu begehen, aber ihre Fürsprache war ungnädig
+abgewiesen werden.[14] Von dem Tage an, wo es sich klar herausgestellt
+hatte, daß sie und ihr Gemahl entschlossen waren, sich bei dem Umsturze
+der englischen Verfassung nicht zu betheiligen, war es ein Hauptzweck
+der Politik Jakob's gewesen, sie Beide zu kränken. Er hatte die
+britischen Regimenter aus Holland zurückberufen, er hatte mit Tyrconnel
+und mit Frankreich gegen Mariens Rechte conspirirt und Anstalten
+getroffen, um sie wenigstens einer der drei Kronen zu berauben, auf
+welche sie bei seinem Tode Anspruch gehabt haben würde. Jetzt glaubte
+die große Masse seines Volks und viele Personen von hohem Range und
+ausgezeichneten Fähigkeiten, daß er einen unächten Prinzen von Wales in
+die königliche Familie eingeschmuggelt habe, um sie eines reichen
+Erbtheils zu berauben, und man konnte nicht zweifeln, daß auch sie den
+herrschenden Argwohn theilte. Einen solchen Vater konnte sie unmöglich
+lieben. Ihre religiösen Grundsätze waren allerdings so streng, daß sie
+sich wahrscheinlich bemüht haben würde, das was sie für ihre Pflicht
+hielt, auch gegen einen nicht geliebten Vater zu erfüllen. In dem
+vorliegenden Falle aber war sie der Meinung, daß Jakob's Anrecht auf
+ihren Gehorsam einem geheiligteren Anrechte weichen müsse. In der That
+stimmen alle Theologen und Publicisten darin überein, daß, wenn die
+Tochter des Fürsten eines Landes mit dem Fürsten eines andren Landes
+vermählt ist, sie ihr eignes Volk und ihr Vaterhaus vergessen und im
+Falle eines Bruches zwischen ihrem Gemahl und ihren Eltern auf die Seite
+des Ersteren treten muß. Dies ist die feststehende Regel, selbst wenn
+der Gatte im Unrecht wäre; in Mariens Augen aber war das von Wilhelm
+beabsichtigte Unternehmen nicht nur gerecht, sondern heilig.
+
+ [Anmerkung 13: Bonrepaux, 18.(28.) Juli 1687.]
+
+ [Anmerkung 14: Birch's Auszüge im Britischen Museum.]
+
+
+[_Schwierigkeiten der Unternehmung Wilhelm's._] Obgleich sie es aber
+sorgfältig vermied, irgend etwas zu thun oder zu sagen, was die ihm
+entgegenstehenden Schwierigkeiten vermehren konnte, so waren diese
+Schwierigkeiten doch sehr ernster Art. Sie wurden jedoch selbst von
+Einigen von Denen, die ihn einluden hinüberzukommen, nur unvollkommen
+begriffen, und sind auch von einigen Geschichtsschreibern der
+Unternehmung nur unvollkommen geschildert worden.
+
+Die Hindernisse, welche er auf englischem Boden zu erwarten hatte, waren
+zwar die mindest furchtbaren, die der Ausführung seines Planes
+entgegenstanden, waren aber doch auch sehr ernst. Er sah wohl ein, daß
+es Wahnsinn gewesen wäre, nach dem Beispiele Monmouth's mit einigen
+wenigen britischen Abenteurern über das Meer zu fahren und auf eine
+allgemeine Erhebung der Bevölkerung zu rechnen. Es war nothwendig und
+wurde von Allen, die ihn einluden, als nothwendig erkannt, daß er eine
+Armee mitbrachte. Aber wer konnte für den Eindruck stehen, den das
+Erscheinen einer solchen Armee machen würde? Die Regierung war
+allerdings mit Recht verhaßt, aber ließ sich wohl erwarten, daß das an
+die Einmischung festländischer Mächte in englische Streitigkeiten nicht
+gewohnte englische Volk einen von fremden Soldaten umgebenen Befreier
+mit wohlwollendem Auge betrachten würde? Wenn nur ein Theil der
+königlichen Truppen dem Eindringenden entschlossenen Widerstand
+entgegensetzte, würde dieser Theil nicht bald die vaterländischen
+Sympathien von Millionen auf seiner Seite haben? Eine Niederlage würde
+dem ganzen Unternehmen verderblich geworden sein. Ein blutiger Sieg der
+Söldlinge der Generalstaaten über die Coldstreamgarden und die Buffs im
+Herzen der Insel wäre fast ein eben so großes Unglück gewesen als eine
+Niederlage. Ein solcher Sieg würde die schmerzlichste Wunde gewesen
+sein, welche je dem Nationalstolze einer der stolzesten Nationen
+geschlagen worden. Die so eroberte Krone hätte nie in Ruhe und Frieden
+getragen werden können. Der Haß, mit dem man die Hohe Commission und die
+Jesuiten betrachtete, wäre durch den viel stärkeren Haß gegen fremde
+Eroberer verdrängt worden, und Viele, die seither auf Frankreichs Macht
+mit Furcht und Abscheu geblickt hatten, würden gesagt haben, daß wenn
+nun einmal ein fremdes Joch getragen werden müsse, das französische
+weniger schimpflich sei als das holländische.
+
+Diese Betrachtungen hätten Wilhelm wohl bedenklich machen können, selbst
+wenn ihm alle militairischen Hülfsmittel der Vereinigten Provinzen zur
+unumschränkten Verfügung gestanden hätten. In Wirklichkeit aber schien
+es sehr zweifelhaft, ob er die Unterstützung eines einzigen Bataillons
+würde erlangen können. Von allen Schwierigkeiten, mit denen er zu
+kämpfen hatte, war die größte, obgleich von den englischen
+Geschichtsschreibern wenig beachtete, die, welche in der Verfassung der
+batavischen Republik selbst lag. Noch nie hatte ein großer Staat unter
+einer so unzweckmäßigen Verfassung eine lange Reihe von Jahren existirt.
+Die Generalstaaten konnten ohne die Zustimmung der Staaten jeder
+einzelnen Provinz weder Krieg noch Frieden beschließen, weder ein
+Bündniß eingehen, noch eine Steuer erheben. Und die Provinzialstaaten
+konnten wieder ihre Zustimmung nicht ohne die Zustimmung derjenigen
+Municipalitäten geben, welche einen Antheil an der Vertretung hatten.
+Jede Municipalität war gleichsam ein souverainer Staat und beanspruchte
+als solcher das Recht, mit den fremden Gesandten direct zu verkehren und
+mit ihnen die Mittel zur Vereitelung von Plänen zu verabreden, welche
+andere Municipalitäten beabchsichtigten. In einigen Stadträthen hatte
+die Partei, welche mehrere Generationen hindurch den Einfluß der
+Stadthalter mit eifersüchtigem Auge ansah, ein große Masse. An der
+Spitze dieser Partei standen die Behörden der stolzen Stadt Amsterdam,
+welche damals in ihrer höchsten Blüthe war. Sie hatten seit dem Frieden
+von Nymwegen mit Ludwig durch die Vermittelung seines geschickten und
+thätigen Gesandten, des Grafen von Avaux, stets einen freundschaftlichen
+Verkehr unterhalten. Vorschläge, die der Statthalter als zum Wohle der
+Republik unumgänglich nöthig beantragt, die von allen Provinzen außer
+Holland und von siebzehn unter den achtzehn holländischen Stadträthen
+genehmigt worden, waren schon mehr als einmal durch die einzige Stimme
+Amsterdam's verworfen worden. Das einzige verfassungsgemäße Hülfsmittel
+in solchen Fällen bestand darin, daß Deputationen von den zustimmenden
+Städten der andersmeinenden Stadt einen Besuch machten, um sie womöglich
+zu überreden. Die Anzahl der Deputirten war unbeschränkt, sie konnten
+ihre Vorstellungen so lange fortsetzen, als es ihnen gutdünkte, und
+währenddem mußte die starrsinnige Commun, die sich ihren Gründen nicht
+fügen wollte, für ihren Unterhalt sorgen. Dieses abgeschmackte
+Zwangsmittel war einmal mit Erfolg gegen die kleine Stadt Gorkum
+angewendet worden, machte aber voraussichtlich keinen großen Eindruck
+auf das mächtige und reiche Amsterdam, das durch seinen von zahllosen
+Masten strotzenden Hafen, durch seine von stattlichen Gebäuden
+eingefaßten Kanäle, durch seine prächtige Stadthalle mit Wänden, Decken
+und Fußböden von polirtem Marmor, durch seine mit den kostbarsten
+Producten Ceylon's und Surinam's gefüllten Waarenmagazine und seine
+Börse, in der das endlose Summen aller Sprachen der civilisirten Völker
+ertönte, in der ganzen Welt berühmt war.[15]
+
+Die Streitigkeiten zwischen der Majorität, welche den Statthalter
+unterstützte, und der Minorität, zu deren Spitze der Magistrat von
+Amsterdam stand, waren schon mehrmals so heftig geworden, daß
+Blutvergießen unvermeidlich zu sein schien. Einmal hatte der Prinz den
+Versuch gemacht, die widerspenstigen Deputirten als Verräther bestrafen
+zu lassen. Ein andermal waren ihm die Thore von Amsterdam versperrt und
+Truppen zur Vertheidigung der Privilegien des Municipalraths ausgehoben
+worden. Es war nicht zu erwarten, daß die obrigkeitliche Behörde dieser
+großen Stadt je in eine Expedition willigen würde, welche für Ludwig,
+dem sie den Hof machte, im höchsten Grade beleidigend war und
+voraussichtlich das ihr verhaßte Haus Oranien zu größerer Macht erhob.
+Und doch konnte eine solche Expedition ohne ihre Einwilligung gesetzlich
+nicht unternommen werden. Ihren Widerstand durch Waffengewalt zu
+brechen, war ein Mittel, daß der entschlossene und kühne Statthalter
+unter anderen Umständen nicht gescheut haben würde. In vorliegendem
+Falle aber war es von höchster Wichtigkeit, daß er sorgfältig jeden
+Schritt vermied, der als tyrannisch dargestellt werden konnte. Er durfte
+es nicht wagen, in demselben Augenblicke, wo er gegen seinen
+Schwiegervater das Schwert zog, weil dieser die Grundgesetze Englands
+verletzt hatte, die Grundgesetze Holland's zu verletzen. Der gewaltsame
+Umsturz einer freien Verfassung würde ein sonderbares Vorspiel zur
+gewaltsamen Aufrichtung einer andren gewesen sein.[16]
+
+Außerdem gab es noch eine andre Schwierigkeit, welche von den englischen
+Geschichtschreibern zu wenig beachtet worden ist, die aber Wilhelm nicht
+einen Augenblick aus dem Gesicht verlor. Er konnte das beabsichtigte
+Unternehmen nur dann glücklich durchführen, wenn er an das
+protestantische Gefühl Englands appellirte und dieses Gefühl so kräftig
+anspornte, daß es eine Zeit lang das vorherrschende und fast
+ausschließliche Gefühl der Nation würde. Dies würde in der That eine
+sehr einfaches Verfahren gewesen sein, hätte seine Politik einzig und
+allein dahin gezielt, auf unsrer Insel eine Revolution hervorzurufen und
+daselbst zu regieren. Aber er hatte ein andres Endziel vor Augen, das er
+nur mit Beihülfe von Fürsten, welche der römischen Kirche aufrichtig
+ergeben waren, erreichen konnte. Er wollte das deutsche Reich, den
+katholischen König und den heiligen Stuhl mit England und Holland zu
+einem Bündnisse gegen das Übergewicht Frankreichs vereinigen, daher war
+es nöthig, daß er, während er den gewaltigsten Schlag führte, der je zur
+Vertheidigung des Protestantismus geführt worden war, sich das
+Wohlwollen von Regierungen zu erhalten suchte, welche den
+Protestantismus als eine gefährliche Ketzerei betrachteten.
+
+Dies waren die verwickelten Schwierigkeiten dieses großen Unternehmens.
+Staatsmänner des Continents erkannten einen Theil dieser
+Schwierigkeiten, britische Staatsmänner einen andren. Nur ein
+scharfblickender und gewaltiger Geist übersah sie mit einem einzigen
+Blicke und beschloß sie alle zu überwinden. Es war kein leichtes Ding,
+die englische Regierung vermittelst einer fremden Heeresmacht zu
+stürzen, ohne den Nationalstolz der Engländer zu verwunden. Es war kein
+leichtes Ding, von der batavischen Faction, welche Frankreich mit
+Vorliebe und das Haus Oranien mit Widerwillen betrachtete, eine
+Entscheidung zu Gunsten einer Expedition zu erlangen, die alle Pläne
+Frankreichs über den Haufen warf und das Haus Oranien auf den Gipfel der
+Größe erheben mußte. Es war kein leichtes Ding, begeisterte Protestanten
+zu einem Kreuzzuge gegen den Papismus zu führen, und sich trotzdem die
+Freundschaft fast aller papistischen Regierungen und des Papstes selbst
+zu erhalten. Doch alles dies führte Wilhelm aus. Er erreichte alle seine
+Zwecke, selbst die, welche sich am wenigsten mit einander zu vertragen
+schienen, vollständig und zu gleicher Zeit. Die ganze Geschichte der
+alten wie der neuen Zeit berichtet keinen zweiten ähnlichen Triumph der
+Staatskunst.
+
+Die Aufgabe würde allerdings selbst für einen solchen Staatsmann wie der
+Prinz von Oranien zu schwierig gewesen sein, wären nicht seine
+Hauptgegner damals in einer Bethörung befangen gewesen, welche von
+vielen gerade nicht abergläubischen Leuten als eine besondere göttliche
+Strafe betrachtet wurde. Nicht nur der König von England war wie immer
+verblendet und verkehrt, sondern selbst die Räthe des klugen Königs von
+England waren thöricht geworden. Was Weisheit und Energie irgend
+vermögen, das that Wilhelm. Die Hindernisse aber, welche keine Weisheit
+oder Energie hätte überwinden können, räumten seine Feinde selbst
+geflissentlich aus dem Wege.
+
+ [Anmerkung 15: +Avaux Neg., Oct. 29. (Nov. 8.) 1683+.]
+
+ [Anmerkung 16: In Betreff des Verhältnisses, in welchem der
+ Statthalter und die Stadt Amsterdam zu einander standen, siehe
+ Avaux an mehreren Stellen.]
+
+
+[_Jakob's Benehmen nach dem Prozesse der Bischöfe._] An dem wichtigen
+Tage, an welchem die Bischöfe freigesprochen und die Einladung nach dem
+Haag abgesandt wurde, kehrte Jakob in verdrüßlicher und gereizter
+Stimmung von Hounslow nach Westminster zurück. Er bemühte sich diesen
+Nachmittag heiter zu scheinen;[17] aber die Freudenfeuer, die Raketen
+und vor Allem die wächsernen Päpste, welche in allen Stadttheilen
+Londons leuchteten, waren eben nicht geeignet, ihn zu erheitern. Wer ihn
+am andren Morgen sah, konnte in seinen Zügen und in seiner Haltung ohne
+Mühe die heftigen Gemüthsbewegungen erkennen, die in seiner Brust
+tobten.[18] Einige Tage lang schien er sehr ungern von dem Prozeß zu
+sprechen, so daß selbst Barillon es nicht wagen durfte, die Sache zur
+Sprache zu bringen.[19]
+
+Bald begann es sich klar zu zeigen, daß die Niederlage und Demüthigung
+das Herz des Königs nur noch mehr verhärtet hatte. Die ersten Worte, die
+über seine Lippen kamen, als er erfuhr, daß die Gegenstände seiner Rache
+ihm entschlüpft, waren: »Sie sollen es bereuen!« Schon nach wenigen
+Tagen wurde der Sinn dieser Worte, die er seiner Gewohnheit nach sehr
+häufig wiederholte, vollkommen klar. Er machte sich Vorwürfe, nicht
+darüber, daß er die Bischöfe gerichtlich verfolgt, sondern daß er sie
+vor ein Tribunal gestellt hatte, wo die factischen Fragen durch
+Geschworne entschieden wurden und die feststehenden Rechtsgrundsätze
+auch von den servilsten Richtern nicht gänzlich aus den Augen gelassen
+werden konnten. Diesen Fehler beschloß er wieder gut zu machen. Nicht
+nur die sieben Prälaten, welche die Petition unterzeichnet hatten,
+sondern die gesammte anglikanische Geistlichkeit sollte Ursache haben,
+den Tag zu verwünschen, an welchem sie einen Sieg über ihren Landesherrn
+davon getragen. Etwa vierzehn Tage nach dem Prozeß wurde eine
+Kabinetsordre erlassen, welche allen Diöcesankanzlern und Archidiakonen
+anbefahl, in ihren betreffenden Sprengeln eine strenge Untersuchung
+vorzunehmen und binnen fünf Wochen der Hohen Commission die Namen aller
+derjenigen Pfarrer, Vikare und Curaten aufzugeben, welche die
+Indulgenzerklärung nicht verlesen hatten.[20] Der König weidete sich
+schon im voraus an dem Entsetzen, mit dem die Ungehorsamen vernehmen
+würden, daß sie vor ein Tribunal gestellt werden sollten, von dem sie
+keine Gnade zu erwarten hatten.[21] Die Anzahl der Schuldigen betrug
+wenig unter, wenn nicht volle zehntausend und nach dem, was im
+Magdalenen-Collegium geschehen war, konnte jeder von ihnen mit gutem
+Grunde darauf gefaßt sein, daß ihm die Ausübung aller seiner geistlichen
+Functionen untersagt, daß er aus seiner Pfründe vertrieben, zur
+Bekleidung irgend eines andren Amtes für unfähig erklärt und in die
+Kosten des Prozesses verurtheilt würde, der ihn zum Bettler gemacht.
+
+ [Anmerkung 17: Adda, 6.(16.) Juli 1688.]
+
+ [Anmerkung 18: +Reresby's Memoirs+.]
+
+ [Anmerkung 19: Barillon, 2.(12.) Juli 1688.]
+
+ [Anmerkung 20: +London Gazette, July 16. 1688+. Die Kabinetsordre
+ ist vom 12. Juli datirt.]
+
+ [Anmerkung 21: Barillon's eigene Worte 6.(16.) Juli 1688.]
+
+
+[_Entlassungen und Ernennungen._] Dies war die Verfolgung, durch welche
+Jakob im Ärger über seine große Niederlage in Westminsterhall die
+Geistlichkeit zu züchtigen beschloß. Vor der Hand bemühte er sich, den
+Männern des Gesetzes durch rasche und ausgedehnte Vertheilung von
+Belohnungen und Strafen zu zeigen, daß consequente und schamlose
+Servilität, wenn sie auch nicht zum Ziele führte, ein sicheres Anrecht
+auf seine Gunst verleihe und daß Jeder, der nach jahrelanger
+Unterwürfigkeit nur einen Augenblick auf den Pfad des Muthes und der
+Rechtschaffenheit überzuspringen wagte, sich eines unverzeihlichen
+Verbrechens schuldig mache. Die Heftigkeit und Frechheit, welche der
+Renegat Williams während des ganzen Prozesses der Bischöfe an den Tag
+gelegt, hatte ihn der ganzen Nation verhaßt gemacht.[22] Er wurde mit
+dem Baronettitel belohnt. Holloway und Powell hatten ihren Ruf durch die
+Erklärung gehoben, daß die Petition ihrer Ansicht nach kein Libell sei.
+Sie wurden ihrer Stellen entsetzt.[23] Wright's Schicksal scheint einige
+Zeit zweifelhaft gewesen zu sein. Er hatte zwar gegen die Bischöfe
+resumirt, hatte es aber geduldet, daß ihr Rechtsbeistand die
+Dispensationsgewalt bestritt; er hatte die Petition ein Libell genannt,
+es aber sorgfältig vermieden, die Indulgenzerklärung gesetzlich zu
+nennen, und während der ganzen Verhandlung hatte er in dem Tone eines
+Mannes gesprochen, welcher wußte, daß ein Tag der Rechenschaft kommen
+konnte. Allerdings hatte er auch gegründete Ansprüche auf Nachsicht,
+denn es war wohl kaum zu erwarten, daß irgend eines Menschen Frechheit
+in einer solchen Aufgabe, angesichts einer solchen Barre und eines
+solchen Auditoriums von Anfang bis zu Ende hätte aushalten können, ohne
+zu erschlaffen. Die Mitglieder der jesuitischen Cabale tadelten ihn
+jedoch wegen seines Mangels an Muth; der Kanzler nannte ihn einen Esel
+und man glaubte allgemein, daß ein neuer Oberrichter ernannt werden
+würde.[24] Aber es fand keine derartige Veränderung statt. Es würde auch
+nicht leicht gewesen sein, Wright's Stelle wieder zu besetzen. Die
+vielen Juristen, welche in Talenten und Kenntnissen hoch über ihm
+standen, waren fast ohne Ausnahme den Plänen der Regierung feindlich
+gesinnt; und die sehr wenigen, die ihn in Gewissenlosigkeit und
+Frechheit übertrafen, waren fast ohne Ausnahme nur in den untersten
+Schichten ihres Standes zu finden und würden unfähig gewesen sein, nur
+die gewöhnlichen Geschäfte des Kingsbenchgerichts zu leiten. Williams
+vereinigte allerdings alle Eigenschaften in sich, welche Jakob von einem
+hohen Gerichtsbeamten verlangte, aber seiner Dienste bedurfte man bei
+der Staatsanwaltschaft und wäre er von derselben entfernt worden, so
+würde der Krone nicht der Beistand eines Advokaten dritten Ranges
+geblieben sein.
+
+Nichts hatte den König mehr in Erstaunen gesetzt und gekränkt, als die
+Begeisterung, welche die Dissenters für die Sache der Bischöfe an den
+Tag legten. Penn, der, obgleich er selbst seinen Gewissensscrupeln
+Reichthum und Ehrenstellen aufgeopfert hatte, zu glauben schien, daß
+außer ihm Niemand ein Gewissen habe, schrieb die Unzufriedenheit der
+Puritaner dem Neide und dem unbefriedigten Ehrgeize zu. Er meinte, sie
+hätten keinen Antheil an den durch die Indulgenzerklärung verheißenen
+Wohlthaten gehabt, keiner von ihnen sei zu einem hohen und ehrenvollen
+Posten berufen worden, und es sei daher kein Wunder, daß sie auf die
+Katholiken eifersüchtig wären. In Folge dessen wurde acht Tage nach dem
+hochwichtigen Verdict der Geschwornen in Westminsterhall, Silas Titus,
+ein angesehener Presbyterianer, ein heftiger Exclusionist und einer der
+Hauptankläger Stafford's, eingeladen, einen Sitz im Geheimen Rathe
+einzunehmen. Er gehörte zu Denen, auf welche die Opposition am
+sichersten gerechnet hatte. Aber die ihm jetzt angetragene Ehre und die
+Aussicht eine bedeutende Summe zu erhalten, die ihm die Krone schuldete,
+gewannen die Oberhand über seine Tugend und er wurde zum großen Ärgerniß
+aller Klassen von Protestanten vereidigt.[25]
+
+Die Rachepläne des Königs gegen die Kirche gingen nicht in Erfüllung.
+Fast sämmtliche Archidiakonen und Diöcesankanzler verweigerten die
+verlangten Angaben. Der Tag, an welchem die ganze Masse der Geistlichen
+vorgeladen werden sollte, um sich wegen ihres Ungehorsams zu
+verantworten, kam heran.
+
+ [Anmerkung 22: In einer der zahlreichen Balladen jener Zeit kommen
+ folgende Zeilen vor:
+
+ »Unsere beiden Briten sind Thoren,
+ Die sich gegen das Gesetz verschworen,
+ Aber das nächste Parlament wird sie kriegen bei den Ohren.«
+
+ Die beiden Briten sind Jeffrey's und Williams, beide aus Wales
+ gebürtig.]
+
+ [Anmerkung 23: +London Gazette, July 9. 1688+.]
+
+ [Anmerkung 24: Ellis' Correspondenz, 10. Juli 1688; +Clarendon's
+ Diary, Aug. 3. 1688+.]
+
+ [Anmerkung 25: +London Gazette, July 9. 1688+; Adda, 13 (23.)
+ Juli; +Evelyn's Diary, July 12+; Johnstone, 8.(18.) Dec. 1687,
+ 6.(16.) Febr. 1688.]
+
+
+[_Verfahren der Hohen Commission. Sprat tritt aus._] Die Hohe Commission
+trat zusammen. Es zeigte sich, daß kaum ein kirchlicher Beamter eine
+Liste eingeschickt hatte. Zu gleicher Zeit wurde der Commission eine
+Schrift von der höchsten Bedeutung vorgelegt. Es war ein Schreiben von
+Sprat, dem Bischof von Rochester. Zwei Jahre lang hatte er in der
+Hoffnung auf ein Erzbisthum den Vorwurf ertragen, daß er die Kirche
+verfolge, deren Vertheidigung eine Gewissens- und Ehrenpflicht für ihn
+war. Aber seine Hoffnung war getäuscht worden. Er sah, daß er keine
+Aussicht hatte, auf den Metropolitenthron von York zu gelangen, wenn er
+nicht seinem Glauben entsagte. Er war zu gutherzig, als daß er an der
+Tyrannei hätte Gefallen finden können und zu scharfblickend, um nicht
+die Anzeichen der kommenden Vergeltung zu erkennen. Daher beschloß er,
+seine gehässigen Functionen niederzulegen, und er theilte diesen
+Entschluß seinen Collegen in einem Schreiben mit, das gleich allen
+Erzeugnissen seiner Prosa in einem sehr eleganten und würdevollen Style
+abgefaßt war. Er sagte, es sei ihm nicht möglich, noch länger Mitglied
+der Commission zu bleiben. Er habe zwar selbst aus Gehorsam gegen den
+königlichen Befehl die Erklärung verlesen, aber er könne es nicht auf
+sich nehmen, Tausende von frommen und loyalen Geistlichen, die eine
+andre Ansicht von ihrer Pflicht hätten, dazu zu verurtheilen, und da man
+beschlossen habe, sie dafür zu bestrafen, daß sie ihrer Überzeugung
+gemäß gehandelt, müsse er erklären, daß er lieber mit ihnen leiden, als
+zu ihren Leiden beitragen wolle.
+
+Die Commissare lasen das Schreiben mit nicht geringem Erstaunen. Gerade
+die Fehler ihres Collegen, die bekannte Lockerheit seiner Grundsätze und
+seine bekannte Zaghaftigkeit machten seinen Abfall ganz besonders
+beunruhigend. Wenn Männer wie Sprat in der Sprache eines Hampden zu
+einer Regierung redeten, so mußte diese Regierung in der That sehr
+gefährdet sein. Das vor kurzem noch so übermüthige Tribunal wurde mit
+einem Male merkwürdig zahm. Die kirchlichen Beamten, welche seiner
+Autorität getrotzt, erhielten nicht einmal einen Verweis. Man hielt es
+nicht für rathsam, nur den Verdacht zu äußern, daß ihr Ungehorsam
+absichtlich gewesen sei. Es wurde ihnen nur bedeutet, daß ihre Berichte
+in vier Monaten fertig sein müßten. Dann ging die Commission bestürzt
+auseinander. Sie hatte den Todesstoß empfangen.[26]
+
+ [Anmerkung 26: Sprat's Briefe an den Earl von Dorset; +London
+ Gazette, Aug. 23. 1688+.]
+
+
+[_Unzufriedenheit des Klerus. -- Vorgänge in Oxford._] Während die Hohe
+Commission sich vor einem Conflict mit der Kirche scheute, reizte diese
+im Bewußtsein ihrer Stärke und von neuer Begeisterung beseelt, die Hohe
+Commission durch eine Reihe von Herausforderungen zum Angriff. Bald nach
+der Freisprechung der Bischöfe erlag der ehrwürdige Ormond, der
+vornehmste Kavalier aus dem großen Bürgerkriege, den Gebrechlichkeiten
+seines hohen Alters. Sein Tod wurde sogleich nach Oxford berichtet und
+die Universität, deren Kanzler er seit vielen Jahren gewesen war,
+versammelte sich augenblicklich, um einen Nachfolger für ihn zu wählen.
+Ein Theil war für den beredtsamen und gebildeten Halifax, ein andrer für
+den ernsten und orthodoxen Nottingham. Einige erwähnten auch den Earl
+von Abingdon, der in ihrer Nähe wohnte und unlängst seiner Stelle als
+Statthalter der Grafschaft entsetzt worden war, weil er sich geweigert
+hatte, den König in seinen Maßregeln gegen die Landeskirche zu
+unterstützen. Die Mehrheit aber, aus hundertachtzig Graduirten
+bestehend, stimmte für den jungen Herzog von Ormond, den Enkel ihres
+verstorbenen Oberhauptes und Sohn des tapferen Ossory. Die Eil, mit der
+sie zu diesem Beschlusse kamen, hatte ihren Grund in der Besorgniß, daß,
+wenn sie nur einen Tag zögerten, der König es versuchen möchte, ihnen
+einen Kanzler aufzudringen, der ihre Rechte nicht wahren würde. Diese
+Besorgniß war auch gegründet, denn kaum zwei Stunden nachdem sie
+auseinander gegangen waren, kam ein Befehl von Whitehall, der ihnen
+vorschrieb Jeffreys zu wählen. Zum Glück war die Wahl des jungen Ormond
+bereits vollendet und nicht mehr rückgängig zu machen.[27] Einige Wochen
+darauf wurde der ehrlose Timotheus Hall, der sich durch Verlesung der
+Indulgenzerklärung unter der londoner Geistlichkeit ausgezeichnet hatte,
+mit dem Bisthum Oxford belohnt, welches seit dem Tode des nicht minder
+ehrlosen Parker unbesetzt war. Hall kam nach Oxford, um seinen
+Bischofssitz einzunehmen, aber die Canonici seiner Kathedrale weigerten
+sich seiner Einsetzung beizuwohnen, die Universität wollte ihn nicht zum
+Doctor creiren, nicht ein einziges Mitglied der akademischen Jugend
+wendete sich an ihn behufs der Ordination, kein Hut wurde vor ihm
+abgenommen und er war in seinem Palaste beständig allein.[28]
+
+Bald darauf kam eine Pfründe zur Erledigung, welche das
+Magdalenen-Collegium von Oxford zu vergeben hatte. Hough und seine
+vertriebenen Collegen versammelten sich und schlugen einen Candidaten
+vor, den der Bischof von Gloucester, in dessen Diöcese die Pfründe lag,
+auch ohne Besinnen einsetzte.[29]
+
+ [Anmerkung 27: +London Gazette, July 26. 1688+; Adda, 27. Juli
+ (6. Aug.); Neuigkeitsbrief vom 23. Juli in der Mackintosh-Sammlung;
+ Ellis Correspondenz, 28., 31. Juli. +Wood's Fasti Oxonienses+.]
+
+ [Anmerkung 28: +Wood's Athenae Oxonienses+; +Luttrell's Diary,
+ Aug. 23. 1688.+]
+
+ [Anmerkung 29: Ronquillo, 17.(27.) Sept. 1688; +Luttrell's Diary,
+ Sept. 6.+]
+
+
+[_Unzufriedenheit der Gentry._] Die Gentry war nicht minder
+widerspenstig, als der Klerus. Die Assisen dieses Sommers gewährten im
+ganzen Lande einen noch nie dagewesenen Anblick. Die Richter waren vor
+dem Antritt ihrer Rundreise zum Könige beschieden worden und hatten von
+ihm die Weisung erhalten, daß sie den Mitgliedern der großen Jury's und
+den Magistratsbeamten im ganzen Reiche die Pflicht einschärfen sollten,
+nur solche Mitglieder ins Parlament zu wählen, die seine Politik
+unterstützen würden. Sie gehorchten seinem Befehle, ließen sich heftig
+über die Geistlichkeit aus, schmähten die sieben Bischöfe, nannten die
+denkwürdige Petition ein aufrührerisches Libell, kritisirten Sancroft's
+Styl mit großer Schärfe und sagten, Seine Gnaden sollten für ihr
+schlechtes Englisch vom Doctor Busby ausgepeitscht werden. Diese
+unschicklichen Reden hatten jedoch keine andre Wirkung, als daß sie die
+öffentliche Unzufriedenheit noch vermehrten. Alle öffentlichen
+Achtungsbezeigungen, welche sonst dem richterlichen Amte und der
+königlichen Vollmacht erwiesen worden waren, wurden unterlassen. Die
+alte Sitte verlangte eigentlich, daß angesehene und vermögende Männer im
+Gefolge des Sheriffs ritten, wenn er die Richter nach der Hauptstadt der
+Grafschaft begleitete; jetzt aber hielt es schwer, in irgend einem
+Theile des Landes einen solchen Zug zusammen zu bringen. Besonders die
+Nachfolger Powell's und Holloway's wurden mit auffallender
+Geringschätzung behandelt. Ihnen waren die Assisen von Oxford zugefallen
+und sie hatten erwartet, daß sie in jeder Grafschaft von einer Cavalcade
+der loyalen Gentry begrüßt werden würden. Als sie sich aber Wallingford
+näherten, wo sie ihre Sitzungen für Berkshire eröffnen sollten, kam nur
+der Sheriff ihnen entgegen. Auch vor Oxford, der höchst loyalen
+Hauptstadt einer höchst loyalen Provinz, wurden sie abermals von dem
+Sheriff allein bewillkommnet.[30]
+
+ [Anmerkung 30: Ellis' Correspondenz, 4. 7. Aug. 1688; Bischof
+ Sprat's Bericht über die Conferenz vom 6. Nov. 1688.]
+
+
+[_Unzufriedenheit der Armee._] Die Armee war kaum weniger mißvergnügt,
+als die Geistlichkeit und die Gentry. Die Besatzung des Tower hatte auf
+das Wohl der gefangenen Bischöfe getrunken. Die in Lambeth stehenden
+Fußgarden hatten den Primas bei seiner Rückkehr in seinen Palast mit
+allen Zeichen der Ehrerbietung bewillkommnet. Nirgends war die Nachricht
+von der Freisprechung mit lauterem Jubel aufgenommen worden, als im
+Lager von Hounslow. Die große Truppenmacht, welche der König
+zusammengezogen hatte, um seine meuterische Hauptstadt im Schach zu
+halten, war in der That meuterischer geworden, als die Hauptstadt
+selbst, und wurde vom Hofe mehr gefürchtet, als von den Bürgern. Anfangs
+August wurde daher das Lager aufgehoben und die Truppen in verschiedenen
+Theilen des Landes einquartirt.[31]
+
+Jakob schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß einzelne Bataillone
+leichter im Zaume zu halten sein würden, als viele tausend auf einem
+kleinen Raume zusammengedrängte Soldaten. Das erste Experiment wurde mit
+Lord Lichfield's Infanterieregiment, dem gegenwärtigen zwölften
+Linienregiment gemacht. Man hatte dieses Regiment wahrscheinlich deshalb
+gewählt, weil es zur Zeit des Aufstandes im Westen in Staffordshire
+ausgehoben worden war, einer Provinz, die verhältnißmäßig mehr
+Katholiken zählte, als irgend ein andrer Theil Englands. Die
+Mannschaften wurden vor dem Könige aufgestellt und ihr Major setzte sie
+in Kenntniß, daß Seine Majestät wünschte, sie sollten eine Verpflichtung
+unterschreiben, durch die sie sich verbindlich machten, ihn bei der
+Ausführung seiner Absichten bezüglich des Testes zu unterstützen, und
+daß alle Diejenigen, die sich nicht dazu verstehen wollten, auf der
+Stelle den Militairdienst verlassen müßten. Zum großen Erstaunen des
+Königs legten ganze Reihen augenblicklich ihre Piken und Musketen
+nieder. Nur zwei Offiziere und einige Gemeine, sämmtlich Katholiken,
+gehorchten seinem Befehle. Er schwieg eine Weile, dann befahl er den
+Leuten, daß sie ihre Waffen wieder aufnehmen sollten, und sagte mit
+einem finstren Blicke zu ihnen: »Ein andermal werde ich Euch nicht die
+Ehre erzeigen, Euch erst zu fragen.«[32]
+
+Es war klar, daß er die Armee vollständig reorganisiren mußte, wenn er
+auf seinen Plänen beharren wollte. Die dazu geeigneten Elemente aber
+konnte er auf unsrer Insel nicht finden. Die Mitglieder seiner Kirche
+bildeten selbst in den Districten, wo sie am zahlreichsten waren, nur
+den bei weitem kleineren Theil der Bevölkerung. Der Haß gegen den
+Papismus hatte sich durch alle Klassen seiner protestantischen
+Unterthanen verbreitet und war das vorherrschende Gefühl selbst der
+Landleute und Handwerker geworden. Aber es gab einen andren Theil seines
+Reichs, wo die Hauptmasse der Bevölkerung von einem ganz andren Geiste
+beseelt war. Die Zahl der römisch-katholischen Soldaten, welche durch
+den guten Sold und die guten Quartiere Englands von jenseit des St.
+Georgskanals herübergelockt werden würden, hatte keine Grenze. Tyrconnel
+hatte sich seit einiger Zeit bemüht, aus dem Landvolke seiner Heimath
+eine Heeresmacht zu bilden, auf die sein Gebieter sich verlassen konnte.
+Fast die ganze irische Armee bestand schon aus Papisten von celtischer
+Abkunft und Sprache. Barillon hatte dem Könige schon öfters ernstlich
+gerathen, diese Armee herüberkommen zu lassen, um der englischen Respekt
+einzuflößen.[33]
+
+ [Anmerkung 31: +Luttrell's Diary, Aug. 8, 1688.+]
+
+ [Anmerkung 32: Dies wird uns von drei Schriftstellern erzählt, die
+ sich jener Zeit wohl erinnern konnten: von Kennet, Eachard und
+ Oldmixon. Siehe auch das +Caveat against the Whigs+.]
+
+ [Anmerkung 33: Barillon, 23. Aug. (2. Sept.), 3.(13.), 6.(16.) u.
+ 8.(18.) Sept. 1688.]
+
+
+[_Es werden irische Truppen herübergezogen. -- Unwille des Volks._]
+Jakob schwankte. Er wollte gern von Truppen umgeben sein, auf die er
+sich verlassen konnte; aber er fürchtete den Ausbruch des
+Nationalunwillens, den das Erscheinen einer bedeutenden irischen
+Militairmacht auf englischem Boden hervorrufen mußte. Wie es gewöhnlich
+zu geschehen pflegt, wenn ein schwacher Mann einander entgegengesetzte
+Nachtheile vermeiden will, schlug er endlich einen Weg ein, der sie alle
+in sich vereinigte. Er zog so viele Irländer herüber, als in der That
+nicht hingereicht haben würden, um nur die Hauptstadt oder die
+Grafschaft York im Zaume zu halten, die aber doch genügten, um die
+Besorgniß und den Unwillen des ganzen Königreiches von Northumberland
+bis Cornwall zu erregen. Ein Bataillon nach dem andren, von Tyrconnel
+ausgehoben und eingeübt, landete an der Westküste und marschirte nach
+der Hauptstadt, und irische Rekruten wurden in bedeutender Anzahl
+herübergezogen, um die Lücken in den englischen Regimentern
+auszufüllen.[34]
+
+Dies war einer der verderblichsten von den vielen Fehlern, welche Jakob
+beging. Er hatte sich schon die Herzen seiner Nation durch Verletzung
+ihrer Gesetze, durch Einziehung ihrer Güter und durch Verfolgung ihrer
+Religion entfremdet. Von Denen, welche einst die eifrigsten Anhänger der
+Monarchie gewesen waren, hatte er schon viele dahin gebracht, daß sie im
+Herzen Rebellen waren. Indessen hätte er noch immer mit einiger Aussicht
+auf Erfolg den patriotischen Sinn seiner Unterthanen gegen einen
+eindringenden Feind aufrufen können. Denn sie waren der Gesinnung wie
+der geographischen Lage nach ein Inselvolk, und ganz besonders damals
+waren ihre nationalen Antipathien über alle Maßen heftig und lieblos.
+Noch nie waren die Engländer an die Gewalt oder Einmischung eines
+Fremden gewöhnt gewesen; das Erscheinen einer ausländischen Armee auf
+ihrem Boden hätte sie bestimmen können, sich selbst um einen solchen
+König zu schaaren, den sie zu lieben keine Ursache hatten. Wilhelm wäre
+vielleicht nicht im Stande gewesen, diese Schwierigkeit zu überwinden;
+aber Jakob räumte sie selbst aus dem Wege. Selbst die Ankunft einer
+Brigade von Ludwig's Musketieren würde keine solche Entrüstung und
+Beschämung hervorgerufen haben, als sie unsere Vorfahren beim Anblick
+der aus Dublin ankommenden papistischen Colonnen empfanden, die sich mit
+militairischem Gepränge auf den Landstraßen fortbewegten. Kein geborener
+Engländer betrachtete damals die Ureinwohner Irlands als seine
+Landsleute. Sie gehörten nicht zu unsrem Zweige der großen menschlichen
+Familie, sie unterschieden sich von uns durch mehr als eine moralische
+und intellectuelle Eigenthümlichkeit, welche der Unterschied der Lage
+und der Erziehung, so groß derselbe auch sein mochte, nicht genügend
+erklärte. Sie hatten ein andres Aussehen und eine andre Muttersprache.
+Wenn sie englisch sprachen, war ihre Aussprache fehlerhaft; ihre
+Phraseologie war holprig, wie immer bei Denen, welche in einer Sprache
+denken und ihre Gedanken in einer andren ausdrücken. Sie waren daher
+Ausländer und zwar die am meisten verhaßten und verachteten von allen
+Ausländern; am meisten verhaßt deshalb, weil sie seit fünf Jahrhunderten
+stets unsere Feinde gewesen waren, und am meisten verachtet, weil wir
+sie besiegt, unterjocht und ausgeplündert hatten. Der Engländer verglich
+mit Stolz seine Felder mit den öden Sümpfen, aus denen irische Räuber
+hervorstürzten, um zu plündern und zu morden, und seine Wohnung mit den
+elenden Hütten, in denen die Landleute und die Schweine vom Shannon sich
+zusammen im Kothe wälzten. Der Engländer gehörte einer Gesellschaft an,
+welche in Reichthum und Civilisation allerdings noch weit unter der
+stand, in welcher wir jetzt leben, die aber doch eine der reichsten und
+civilisirtesten der damaligen Zeit war; der Irländer dagegen war fast so
+roh wie die Wilden von Labrador. Er war ein freier Mann, die Iren waren
+die erblichen Leibeigenen seines Stammes. Er verehrte Gott nach einem
+reinen und vernünftigen Brauche der Irländer und war in Götzendienerei
+und Aberglauben versunken. Er wußte, daß mehr als einmal große Massen
+von Iren vor einer kleinen englischen Streitmacht geflohen waren und daß
+eine kleine englische Colonie die ganze irische Bevölkerung
+niedergehalten hatte, und daraus zog er den selbstgefälligen Schluß, daß
+er von Natur ein höher stehendes Wesen sei als der Irländer, denn so
+erklärt ein herrschender Stamm immer sein Übergewicht und entschuldigt
+damit seine Tyrannei. Jetzt werden die Irländer allgemein als ein Volk
+anerkannt, das in Bezug auf Lebhaftigkeit, Mutterwitz und Beredtsamkeit
+einen hohen Rang unter den Nationen der Erde einnimmt, und daß sie bei
+guter Leitung vortreffliche Soldaten sind, haben sie auf hundert
+Schlachtfeldern bewiesen. Gleichwohl ist es gewiß, daß sie vor
+anderthalb Jahrhunderten auf unsrer Insel allgemein als ein dummes und
+zugleich feiges Volk verachtet wurden. Und ein solches Volk sollte mit
+bewaffneter Hand England im Schach halten, während des Letzteren
+bürgerliche und kirchliche Verfassung vernichtet wurde. Das Blut der
+ganzen Nation kochte bei diesem Gedanken. Von Franzosen oder Spaniern
+besiegt zu werden, würde im Vergleich damit noch als ein erträgliches
+Loos erschienen sein, denn die Franzosen und Spanier waren wir gewohnt
+als unsrer ebenbürtig zu betrachten. Wir hatten zuweilen ihr Glück
+beneidet, zuweilen ihre Macht gefürchtet, zuweilen uns zu ihrer
+Freundschaft gratulirt. Bei all unsrem schroffen Stolze gaben wir zu,
+daß sie große Nationen waren und daß sie sich in den Künsten des Kriegs
+und des Friedens ausgezeichneter Männer rühmen konnten. Aber von einer
+tief unter uns stehenden Kaste dominirt zu werden, war eine Schmach,
+gegen die jede andre Schmach nichts war. Die Engländer fühlten dasselbe,
+was die weißen Bewohner von Charleston oder Neworleans fühlen würden,
+wenn diese Städte Negergarnisonen erhalten sollten. Die wirklichen
+Thatsachen würden schon hingereicht haben, um Besorgniß und Unwillen zu
+erregen; die wirklichen Thatsachen aber verschwanden in einer Masse
+verworrener Gerüchte, welche unaufhörlich von einem Kaffeehause zum
+andren, von einer Bierschenke zur andren flogen und auf jeder Station
+ihrer Wanderung immer wunderbarer und erschreckender wurden. Die Zahl
+der irischen Truppen, welche an unseren Küsten gelandet waren, konnte
+allerdings ernste Besorgnisse wegen der daraus ersichtlichen Zwecke des
+Königs erregen, aber sie wurde durch den Schrecken des Publikums um das
+Zehnfache vergrößert. Es war wohl kaum anders zu erwarten, als daß der
+rohe Kerne von Connaught, mit bewaffneter Hand unter ein fremdes Volk
+gestellt, das er haßte und von dem er wieder gehaßt wurde, einige
+Excesse beging; aber diese Excesse wurden durch das Gerücht übertrieben
+und als Zugabe zu den Gewaltthätigkeiten, die sich der Fremde wirklich
+erlaubt hatte, wurden auch die, welche seine englischen Kameraden
+begangen, mit auf seine Rechnungen gesetzt. Aus allen Winkeln des
+Reiches erscholl ein allgemeiner Schrei gegen die fremden Barbaren, die
+sich in Privathäuser eindrängten, Pferde und Wagen wegnähmen, Geld
+erpreßten und die Frauen insultirten. Diese Menschen, sagte man, seien
+die Söhne Derer, welche vor siebenundvierzig Jahren die Protestanten zu
+Tausenden hingeschlachtet hätten. Die Geschichte des Aufstandes von
+1641, eine Geschichte, die selbst bei nüchterner Betrachtung wohl
+Mitleid und Entsetzen erregen konnte und welche durch nationale und
+religiöse Antipathien schrecklich entstellt worden war, bildete jetzt
+das Lieblingsthema der Unterhaltung. Grauenvolle Geschichten von
+Häusern, welche sammt allen ihren Bewohnern niedergebrannt worden, von
+kaltblütig abgeschlachteten Frauen und Kindern, von nahen Verwandten,
+welche durch die Folter gezwungen wurden, einander gegenseitig zu
+morden, von geschändeten und verstümmelten Leichen, wurden in vollem
+Ernste erzählt und mit vollem Glauben und gespannter Aufmerksamkeit
+angehört. Dann setzte man hinzu, daß die feigen Wilden, welche
+heimtückischerweise alle diese Grausamkeiten an einer nichts Arges
+vermuthenden und wehrlosen Colonie verübt hätten, sobald Oliver zu
+seinem großen Rachewerk unter ihnen erschienen sei, in panischem
+Schrecken die Waffen weggeworfen hätten, und ohne das Glück einer
+einzigen Schlacht zu versuchen, in die ihnen gebührende Sklaverei
+versunken seien. Viele Anzeichen deuteten darauf hin, daß der
+Lordstatthalter eine zweite große Beraubung und Niedermetzelung der
+sächsischen Ansiedler beabsichtige. Tausende protestantischer
+Colonisten, die sich vor der Ungerechtigkeit und frechen Willkür
+Tyrconnel's geflüchtet, hatten durch Schilderung der überstandenen und
+der nur zu wahrscheinlich in Aussicht stehenden ferneren Leiden den
+Unwillen des Mutterlandes erregt. Wie heftig das Publikum durch die
+Klagen dieser Flüchtlinge erbittert wurde, hatte sich noch ganz kürzlich
+in unverkennbarer Weise gezeigt. Tyrconnel hatte der königlichen
+Genehmigung die Hauptpunkte einer Bill unterbreitet, die das Gesetz
+aufhob, auf welchem das Besitzrecht der Hälfte des ganzen irländischen
+Grund und Bodens beruhte, und hatte als Bevollmächtigte zwei seiner
+katholischen Landsleute, die erst unlängst zu hohen richterlichen Ämtern
+befördert worden waren, nach Westminster gesandt: Nugent, Oberrichter
+der irischen Kings Bench, eine Verkörperung aller Laster und Schwächen,
+welche die Engländer damals für characteristische Eigenschaften der
+papistischen Celten hielten, und Rice, ein Baron der irischen
+Schatzkammer, der in Talent und Wissen vielleicht der Ausgezeichnetste
+seines Stammes und seines Glaubens war. Der Zweck dieser Sendung war
+wohl bekannt, und die beiden Richter durften es daher nicht wagen, sich
+auf der Straße sehen zu lassen, denn wo sie erkannt wurden, rief
+sogleich der Pöbel: »Platz für die irischen Gesandten!« und ihr Wagen
+wurde mit höhnischer Feierlichkeit von einem Zuge Ceremonienmeister und
+Läufer begleitet, welche Stöcke mit daran gespießten Kartoffeln
+trugen.[35]
+
+Die Abneigung der Engländer gegen die Irländer war damals in der That so
+groß und so allgemein, daß selbst die ausgezeichnetsten Katholiken sie
+theilten. Powis und Bellasyse sprachen sogar im Geheimen Rathe in den
+rücksichtslosesten und schärfsten Worten ihren Widerwillen gegen die
+Fremdlinge aus.[36] Unter den englischen Protestanten war diese Aversion
+noch stärker und vielleicht am stärksten war sie in der Armee. Weder
+Offiziere noch Soldaten waren geneigt, den Vorzug, den ihr Gebieter
+einem fremden und unterjochten Stamme gab, sich ruhig gefallen zu
+lassen. Der Herzog von Berwick, welcher Oberst des damals in Portsmouth
+stehenden achten Linieninfanterieregiments war, gab Befehl, daß dreißig
+Mann, welche soeben von Irland angekommen waren, eingereiht werden
+sollten. Die englischen Soldaten erklärten, daß sie mit diesen
+Eindringlingen nicht dienen wollten. Der Oberstlieutenant Johann
+Beaumont protestirte für sich und im Namen von fünf Hauptleuten dem
+Herzoge ins Gesicht gegen diese Beschimpfung der englischen Armee und
+Nation. »Wir haben,« sagte er, »das Regiment auf unsere eigenen Kosten
+errichtet, um die Krone Seiner Majestät in Zeiten der Gefahr zu
+vertheidigen. Es wurde uns damals nicht schwer, Hunderte von englischen
+Rekruten zu finden, und wir können leicht jede Compagnie vollzählig
+erhalten, ohne Irländer aufzunehmen. Wir halten es daher für unvereinbar
+mit unsrer Ehre, und diese Fremdlinge aufdringen zu lassen, und bitten,
+daß es uns gestattet werde, entweder Leute unsrer eignen Nation zu
+befehligen, oder unsren Abschied zu nehmen.« Berwick schickte nach
+Windsor, um sich Verhaltungsbefehle zu erbitten. Der König war höchlich
+entrüstet und sandte sofort eine Abtheilung Reiterei nach Portsmouth mit
+dem Befehl, die sechs widerspenstigen Offiziere vor ihn zu bringen. Sie
+wurden vor ein Kriegsgericht gestellt, und da sie sich durchaus nicht
+fügen wollten, wurden sie zur Ausstoßung aus der Armee verurtheilt, der
+höchsten Strafe, welche damals ein Kriegsgericht zuerkennen konnte. Die
+ganze Nation zollte den entlassenen Offizieren ihren Beifall und die
+herrschende Stimmung wurde durch das ungegründete Gerücht, daß sie
+während ihrer Haft mit Härte behandelt worden seien, noch mehr
+aufgereizt.[37]
+
+ [Anmerkung 34: +Luttrell's Diary, Aug. 27. 1688+.]
+
+ [Anmerkung 35: +King's State of the Protestants of Ireland+;
+ +Secret Consults of the Romish Party in Ireland.+]
+
+ [Anmerkung 36: +Secret Consults of the Romish Party in Ireland.+]
+
+ [Anmerkung 37: +History of the Desertion, 1689+; vergleiche die 1.
+ und 2. Ausg. Barillon 8.(18.) Sept. 1688; Citters von demselben
+ Datum; +Clarke's Life of James the Second, II, 168+. Der
+ Compilator des letztgenannten Werks sagt, Churchill habe das
+ Gericht aufgefordert, die sechs Offiziere zum Tode zu
+ verurtheilen. Diese Geschichte scheint nicht den Papieren des
+ Königs entnommen zu sein und ich halte sie daher für eine der
+ zahlreichen Erdichtungen, welche in St. Germain erfunden wurden,
+ um einen ohnehin schon hinreichend schwarzen Character noch
+ schwärzer darzustellen. Daß Churchill bei dieser Gelegenheit
+ großen Unwillen affectirte, um den im Sinne habenden Verrath zu
+ verbergen, ist sehr wahrscheinlich. Aber man kann unmöglich
+ glauben, daß ein so verständiger Mann die Mitglieder eines
+ Kriegsgerichts aufgefordert haben sollte, eine Strafe zu
+ verhängen, welche anerkanntermaßen außer dem Bereiche ihrer
+ Competenz lag.]
+
+
+[_Lillibullero._] Die öffentliche Stimmung äußerte sich damals noch
+nicht durch die Zeichen, welche jetzt bei uns gebräuchlich sind, durch
+große Volksversammlungen und heftige Reden. Dessenungeachtet fand sie
+ein Organ. Thomas Wharton, der beim letzten Parlament die Grafschaft
+Buckingham vertreten und der sich schon als Freigeist und als Whig
+ausgezeichnet, hatte eine satyrische Ballade auf Tyrconnel geschrieben.
+In diesem kleinen Gedicht gratulirt ein Irländer einem Landsmanne in
+barbarischem Jargon zu dem nahe bevorstehenden Triumphe des Papismus und
+des milesischen Stammes. Der protestantische Erbe würde enterbt werden;
+die protestantischen Offiziere würden verabschiedet werden; die Magna
+Charta und die Maulhelden, welche darauf pochten, würden gehängt werden;
+der gute Talbot würde seine Landsleute mit Stellen und Ämtern
+überschütten und den Engländern die Kehle abschneiden. Diese Verse, die
+sich in keiner Hinsicht über das gewöhnliche Niveau der
+Gassenhauerpoesie erhoben, hatten zum Refrain ein Kauderwelsch, das
+angeblich im Jahre 1641 das Feldgeschrei der Insurgenten von Ulster
+gewesen sein sollte. Die Verse und die Melodie entsprachen ganz der
+Stimmung der Nation und die hohlen Reime wurden daher von einem Ende des
+Landes zum andren von allen Klassen beständig gesungen. Ganz besonderen
+Anklang fanden sie bei der englischen Armee. Mehr als siebzig Jahre nach
+der Revolution schilderte ein Schriftsteller mit außerordentlicher Treue
+einen Veteranen, der am Boyne und bei Namur gefochten,[38] und ein
+characteristischer Zug dieses wackeren alten Kriegers ist seine
+Gewohnheit, den Lillibullero zu pfeifen.[39]
+
+Wharton rühmte sich später, daß er einen König aus drei Königreichen
+hinausgesungen habe. In Wahrheit aber war der Erfolg des Lillibullero
+nicht die Ursache, sondern die Wirkung des aufgeregten Zustandes der
+Volksstimmung, der die Revolution erzeugte.
+
+Während Jakob so alle die Nationalgefühle gegen sich aufstachelte, die
+seinen Thron hätten retten können, wenn er nicht so verblendet gewesen
+wäre, bemühte sich Ludwig auf andre Weise nicht minder wirksam, dem
+Prinzen Wilhelm die Ausführung seines Unternehmens zu erleichtern.
+
+ [Anmerkung 38: Der Onkel Tobias in Sterne's Tristram Shandy. Der
+ Übers.]
+
+ [Anmerkung 39: Das Lillibullerolied findet sich in den +State
+ Poems+. In Percy's +Relics+ findet man den ersten Theil, aber
+ nicht den zweiten, der erst nach Wilhelm's Landung hinzugefügt
+ wurde. Im +Examiner+ und in verschiedenen Flugschriften aus dem
+ Jahre 1712 wird Wharton als Verfasser genannt.]
+
+
+[_Politische Zustände in den Vereinigten Provinzen._] Die Partei in
+Holland, welche Frankreich geneigt war, war eine Minorität, die aber der
+Verfassung des Batavischen Staatenbundes gemäß stark genug war, um den
+Statthalter an jedem großen Schlage zu verhindern. Diese Minorität sich
+zu erhalten, würde für den Hof von Versailles, wenn er klug gewesen
+wäre, eine Aufgabe gewesen sein, der unter den damaligen Verhältnissen
+alles Andre hätte nachstehen müssen. Ludwig aber hatte sich seit einiger
+Zeit wie absichtlich bemüht, sich seine holländischen Freunde zu
+entfremden, und es gelang ihm endlich, obwohl nicht ohne Schwierigkeit,
+sie zu zwingen, daß sie gerade in dem Augenblicke, wo ihr Beistand von
+unschätzbarem Werthe für ihn gewesen sein würde, seine Feinde wurden.
+
+Zwei Dinge waren es, in Bezug auf welche die Bevölkerung der Vereinigten
+Provinzen besonders empfindlich war; die Religion und der Handel, und
+der französische König griff sie sowohl in ihrer Religion als in ihrem
+Handel an. Die Verfolgung der Hugenotten und die Widerrufung des Edicts
+von Nantes hatte überall den Schmerz und die Entrüstung der Protestanten
+erregt. In Holland aber waren tiefe Gefühle stärker als in irgend einem
+andren Lande, denn viele geborne Holländer hatten sich im Vertrauen auf
+die wiederholten feierlichen Versicherungen Ludwig's, daß die von seinem
+Großvater gewährte Duldung aufrecht erhalten werden sollte, zu
+Handelszwecken in Frankreich niedergelassen und ein großer Theil der
+Übergesiedelten war daselbst naturalisirt worden. Jetzt brachte jede
+Post die Nachricht nach Holland, daß diese Leute ihres Glaubens wegen
+mit außerordentlicher Strenge behandelt würden. Dem Einen waren Dragoner
+ins Quartier gelegt worden, ein Andrer war nackt an ein Feuer gehalten
+worden, bis er halb gebraten war; und Allen war bei strengster Strafe
+verboten, ihre gottesdienstlichen Gebräuche auszuüben, oder das Land zu
+verlassen, in das sie unter falschen Vorspiegelungen gelockt worden
+waren. Die Anhänger des Hauses Oranien äußerten laut ihren Unwillen über
+die Grausamkeit und Treulosigkeit des Tyrannen. Die Opposition war
+beschämt und entmuthigt. Selbst der Stadtrath von Amsterdam, so sehr
+derselbe dem französischen Interesse und der arminianischen Theologie
+zugethan, und so wenig er geneigt war, Ludwig zu tadeln oder mit den von
+ihm verfolgten Calvinisten zu sympathisiren, durfte es nicht wagen, sich
+gegen die allgemeine Stimmung aufzulehnen, denn es gab in dieser großen
+Stadt kaum einen einzigen reichen Kaufmann, der nicht einen Verwandten
+oder einen Freund unter den Verfolgten hatte. Es wurden den
+Bürgermeistern Petitionen mit zahlreichen und sehr angesehenen
+Unterschriften überreicht, in denen sie dringend gebeten wurden, dem
+Grafen Avaux energische Vorstellungen zu machen. Verschiedene
+Bittsteller begaben sich sogar persönlich in das Rathhaus, fielen auf
+die Knie, schilderten unter Thränen und Schluchzen die traurige Lage
+ihrer Lieben und flehten den Magistrat um seine Verwendung an. Auf allen
+Kanzeln ertönten Schmähungen und Klagen, und die Presse ergoß sich in
+herzzerreißenden Schilderungen und aufregenden Mahnungen. Avaux erkannte
+die ganze Größe der Gefahr. Er berichtete seinem Hofe, daß selbst die
+Gutgesinnten -- denn so pflegte er die Feinde des Hauses Oranien zu
+nennen -- die allgemeine Stimmung entweder theilten oder durch dieselbe
+eingeschüchtert würden, und er rieth ernstlich dazu, auf ihre Wünsche
+einige Rücksicht zu nehmen. Er erhielt jedoch kalte und geringschätzende
+Antworten von Versailles. Es wurde zwar einigen holländischen Familien,
+welche nicht in Frankreich naturalisirt waren, die Rückkehr in ihr
+Vaterland gestattet, den naturalisirten Holländern aber verweigerte
+Ludwig jedes Zugeständniß. Keine Macht der Erde, sagte er, habe ein
+Recht, zwischen ihn und seine Unterthanen zu treten; diese Leute wären
+aus eigenem Antriebe seine Unterthanen geworden, und wie er sie
+behandle, das gehe keinen Nachbarstaat etwas an. Der Magistrat von
+Amsterdam fühlte sich durch den hochmüthigen Undank des Potentaten, den
+er gegen die allgemeine Stimmung ihrer eigenen Landsleute kräftig und
+rücksichtslos unterstützt hatte, natürlich sehr unangenehm berührt. Bald
+folgte eine andre Herausforderung, die sie noch schmerzlicher empfanden.
+Ludwig begann ihren Handel anzugreifen. Er erließ zuerst eine
+Verordnung, welche die Heringseinfuhr in seine Staaten verbot. Avaux
+beeilte sich seinem Hofe zu melden, daß dieser Schritt großen Unwillen
+erregt habe, daß in den Vereinigten Provinzen sechzigtausend Menschen
+vom Heringsfang lebten und daß die Generalstaaten wahrscheinlich strenge
+Repressalien beschließen würden. Der König antwortete, daß er nicht nur
+auf dem Verbot beharre, sondern auch die Einfuhrzölle auf viele Waaren,
+mit denen Holland einen einträglichen Handel mit Frankreich trieb, zu
+erhöhen beabsichtige. Die Folge dieser Mißgriffe, welche trotz
+wiederholter Warnungen, wie es scheint aus bloßem übermüthigen Eigensinn
+begangen wurden, war, daß sich jetzt, wo die Stimme eines einzelnen
+mächtigen Mitgliedes der Batavischen Föderation ein der ganzen Politik
+Ludwig's Verderben drohendes Ereigniß hätte abwenden können, eine solche
+Stimme nicht erhob. Der Gesandte bemühte sich mit all' seiner
+diplomatischen Gewandtheit vergebens, die Partei, mit deren Hülfe er
+seit mehreren Jahren den Statthalter in Schach gehalten hatte, zu
+ralliiren. Die Arroganz und der Starrsinn seines Gebieters vereitelten
+alle seine Anstrengungen.
+
+
+[_Fehler des Königs von Frankreich._] Endlich sah Avaux sich genöthigt,
+die beunruhigende Nachricht nach Versailles zu senden, daß man sich auf
+die der französischen Sache so lange ergeben gewesene Stadt Amsterdam
+nicht mehr verlassen könne, daß ein Theil der Gutgesinnten um ihre
+Religion besorgt sei und daß die Wenigen, deren Gesinnungen unverändert
+geblieben wären, es nicht wagen dürften, ihre Gedanken zu äußern. Die
+feurige Beredtsamkeit der Prediger, welche gegen die Greuel der
+französischen Verfolgung eiferten und die Wehklagen der bankerottirten
+Kaufleute, die ihren Untergang den französischen Maßregeln zuschrieben,
+hatten das Volk in eine so gereizte Stimmung versetzt, daß kein Bürger
+es mehr wagen durfte, sich offen für Frankreich zu erklären, wenn er
+sich nicht der Gefahr aussetzen wollte, in den nächsten Kanal geworfen
+zu werden. Man erinnerte daran, daß vor nicht mehr als fünfzehn Jahren
+das vornehmste Oberhaupt der dem Hause Oranien feindlich gesinnten
+Partei im Bereiche des Palastes der Generalstaaten von dem wüthenden
+Pöbel in Stücke zerrissen worden war. Ein gleiches Schicksal könnte
+nicht unwahrscheinlich auch Diejenigen treffen, welche beschuldigt
+werden sollten, daß sie in diesem kritischen Augenblicke den Absichten
+Frankreichs gegen ihr Vaterland und gegen den reformirten Glauben
+dienten.[40]
+
+ [Anmerkung 40: Siehe die Depeschen des Grafen Avaux. Es würde mir
+ kaum möglich sein, alle die Stellen anzuführen, welche mir
+ Material zu diesem Theile meiner Geschichte lieferten. Die
+ wichtigsten finden sich unter folgenden Daten: 20. Sept., 24.
+ Sept., 5. Oct. u. 20. Dec. 1685; 3. Jan. u. 22. Nov. 1686; 2.
+ Oct., 6. Nov. u. 19. Nov. 1687; 29. Juli u. 20. Aug. 1688. Lord
+ Lonsdale sagt in seinen Memoiren sehr richtig, daß ohne Ludwig's
+ thörichtes Verfahren die Stadt Amsterdam die Revolution verhindert
+ haben würde.]
+
+
+[_Sein Streit mit dem Papste bezüglich der Vorrechte auswärtiger
+Gesandter._] Während Ludwig auf diese Weise seine Freunde zwang, seine
+wirklichen oder vorgeblichen Feinde zu werden, arbeitete er mit nicht
+geringerem Erfolge darauf hin, alle Bedenken zu zerstreuen, welche die
+römisch-katholischen Fürsten vielleicht noch hätten abhalten können, die
+Pläne Wilhelm's zu unterstützen. Es hatte sich zwischen dem Hofe von
+Versailles und dem Vatikan ein neuer Streit erhoben, ein Streit, in
+welchem sich die Unbilligkeit und der Übermuth des Königs von Frankreich
+vielleicht in beleidigenderer Weise zeigte, als bei irgend einem andren
+Schritte seiner Regierung.
+
+Seit langer Zeit hatte in Rom die Regel gegolten, daß kein Justiz- oder
+Finanzbeamter das Haus eines Gesandten betreten durfte, der einen
+katholischen Staat repräsentirte. Im Laufe der Zeit war dieses Vorrecht
+so weit ausgedehnt worden, daß nicht nur die Wohnung, sondern auch ein
+beträchtlicher Umkreis um dieselbe als unverletzbar betrachtet wurde.
+Jeder Gesandte suchte eine Ehre darin, die Grenzen des unter seinem
+Schutze stehenden Raumgebiets möglichst zu erweitern, so daß endlich die
+halbe Stadt aus privilegirten Bezirken bestand, in denen die päpstliche
+Regierung nicht mehr Gewalt hatte als im Louvre oder im Escurial. Jedes
+Asyl wimmelte von Schleichhändlern, betrügerischen Bankerotteurs, Dieben
+und Mördern; in jedem Asyle waren Massen von gestohlenen oder
+eingeschmuggelten Waaren aufgehäuft; aus jedem Asyle zogen des Nachts
+Banditen aus, um zu rauben und zu morden. In keiner Stadt der
+Christenheit war daher das Gesetz so ohnmächtig und das Verbrechen so
+dreist als in der alten Hauptstadt der Religion und Civilisation.
+Innocenz dachte darüber, wie es einem Priester und Fürsten geziemte. Er
+erklärte, daß er keinen Gesandten mehr aufnehmen werde, der auf diesem
+alle Ordnung und Sittlichkeit untergrabenden Rechte bestände. Anfangs
+wurde laut darüber gemurrt, aber die Gerechtigkeit seines Entschlusses
+war so in die Augen springend, daß alle Regierungen, mit Ausnahme einer
+einzigen, ihm nach und nach beipflichteten. Der Kaiser, der unter den
+christlichen Monarchen die erste Stelle einnahm, der spanische Hof, der
+sich unter allen Höfen durch seine Empfindlichkeit und Zähigkeit in
+Sachen der Etikette auszeichnete, entsagten dem verderblichen
+Privilegium. Nur Ludwig blieb unbeugsam. Was andere Fürsten thäten,
+sagte er, gehe ihn nichts an. Er schickte daher eine Gesandtschaft nach
+Rom, die von einer starken Abtheilung Reiterei und Fußvolk begleitet
+war. Der Gesandte zog im Triumph nach seinem Palaste, wie ein
+siegreicher General durch eine eroberte Stadt marschirt. Der Palast
+wurde stark bewacht und Patrouillen machten Tag und Nacht die Runde um
+den geschützten Bezirk, wie auf den Wällen einer Festung. Der Papst ließ
+sich dadurch nicht einschüchtern. »Sie vertrauen auf Wagen und Rosse,«
+sagte er, »wir aber denken an den Namen des Herrn unsres Gottes.« Er
+griff energisch zu seinen geistlichen Waffen und belegte das von den
+Franzosen besetzte Gebiet mit einem Interdict.[41]
+
+Als dieser Streit den Höhepunkt erreicht hatte, brach noch ein andrer
+aus, bei welchem Deutschland eben so stark betheiligt war als der Papst.
+
+ [Anmerkung 41: Prof. Ranke's Römische Päpste, Buch 8; +Burnet I.
+ 789+.]
+
+
+[_Das Erzbisthum Köln._] Köln und das umliegende Gebiet wurde von einem
+Erzbischof regiert, der zugleich ein Kurfürst des deutschen Reiches war.
+Das Recht der Erwählung dieses mächtigen Prälaten stand unter gewissen
+Beschränkungen dem Domkapitel zu. Der Erzbischof war zu gleicher Zeit
+auch Bischof von Lüttich, von Münster und von Hildesheim, seine
+Besitzungen waren bedeutend und enthielten mehrere starke Festungen,
+welche im Falle eines Feldzugs am Rhein von höchster Wichtigkeit waren.
+In Kriegszeiten konnte er zwanzigtausend Mann ins Feld stellen. Ludwig
+hatte keine Mühe gespart, um einen so werthvollen Bundesgenossen zu
+gewinnen, und dies war ihm so gut gelungen, daß Köln fast von
+Deutschland losgetrennt und ein Außenwerk Frankreichs geworden war.
+Viele dem Hofe von Versailles ergebene Priester waren in das Kapitel
+gebracht und der Cardinal Fürstenberg, eine notorische Creatur des
+Hofes, war zum Coadjutor ernannt worden.
+
+Im Sommer des Jahres 1688 kam das Erzbisthum zur Erledigung. Fürstenberg
+war der Candidat des Hauses Bourbon; die Feinde dieses Hauses schlugen
+den jungen Prinzen Clemens von Baiern vor. Fürstenberg war bereits
+Bischof und konnte daher nur vermittelst einer Dispensation vom Papste,
+oder einer Postulation, der sich zwei Drittheile des kölner Domkapitels
+anschließen mußten, in eine andre Diöcese versetzt werden. Der Papst
+wollte einer Creatur Frankreichs keine Dispensation bewilligen, und der
+Kaiser bewog mehr als ein Drittheil des Kapitels, für den bairischen
+Prinzen zu stimmen. Inzwischen war auch in den Kapiteln von Lüttich,
+Münster und Hildesheim die Majorität gegen Frankreich. Ludwig sah mit
+Unwillen und Besorgniß, daß eine ausgedehnte Provinz, die er schon
+angefangen hatte als ein Besitzthum seiner Krone zu betrachten, nahe
+daran war, nicht allein unabhängig von ihm, sondern sogar ihm feindlich
+gesinnt zu werden. In einem mit großer Bitterkeit abgefaßten Schreiben
+beklagte er sich über die Ungerechtigkeit, mit der Frankreich bei jeder
+Gelegenheit vom heiligen Stuhle behandelt werde, während derselbe doch
+der ganzen Christenheit seinen väterlichen Schutz angedeihen lassen
+sollte. Viele Anzeichen verriethen, daß er fest entschlossen war, die
+Ansprüche seines Candidaten mit bewaffneter Hand gegen den Papst und
+dessen Verbündete zu unterstützen.[42]
+
+ [Anmerkung 42: +Burnet I. 758+; Ludwig's Schreiben ist vom 27.
+ Aug. (6. Sept.) 1688 datirt. Es findet sich im +Recueil des
+ Traités, vol. IV. No. 219+.]
+
+
+[_Kluges Verfahren Wilhelm's._] So stachelte Ludwig durch zwei einander
+entgegengesetzte Fehler den Zorn der beiden Religionsparteien, die sich
+in das westliche Europa theilten, zu gleicher Zeit gegen sich auf.
+Nachdem er sich die eine große Abtheilung der Christenheit durch
+Verfolgung der Hugenotten entfremdet hatte, entfremdete er sich auch die
+andre durch Beleidigung des römischen Stuhles. Und diese Mißgriffe that
+er in einem Augenblicke, wo kein Fehler ungestraft begangen werden
+konnte, und vor den Augen eines Gegners, der keinem Staatsmanne, dessen
+Andenken die Geschichte aufbewahrt hat, an Wachsamkeit, Scharfblick und
+Energie nachstand. Wilhelm sah mit heimlicher Freude, wie seine Gegner
+sich bemühten, ein Hinderniß nach dem andren aus seinem Wege zu
+entfernen. Während sie sich die Feindschaft aller Parteien zuzogen,
+arbeitete er darauf hin, sie alle zu gewinnen. Mit seltener Klugheit
+stellte er den im Sinne habenden Plan den verschiedenen Regierungen in
+verschiedenem Lichte dar, und man muß hinzusetzen, daß keine seiner
+Darlegungen trotz ihrer Verschiedenheit falsch war. Er forderte die
+norddeutschen Fürsten auf, sich zur Vertheidigung der gemeinsamen Sache
+aller reformirten Kirchen um ihn zu schaaren, und den beiden
+Oberhäuptern des Hauses Österreich stellte er die Gefahr vor, die ihnen
+von Seiten des französischen Ehrgeizes drohte, sowie die Nothwendigkeit,
+England aus seiner Abhängigkeit zu befreien und es in den europäischen
+Staatenbund aufzunehmen.[43] Er verwahrte sich, und zwar aufrichtig,
+gegen jede Bigotterie. Der wahre Feind der britischen Katholiken, sagte
+er, sei der kurzsichtige und halsstarrige König, der ihnen leicht hätte
+gesetzliche Duldung verschaffen können, anstatt dessen aber Gesetz,
+Freiheit und Eigenthum mit Füßen getreten hätte, um ihnen ein gehässiges
+und unsicheres Übergewicht zu geben. Wenn man Jakob seine schlechte
+Regierung ungehindert fortsetzen lasse, müsse dieselbe in nicht zu
+ferner Zeit einen allgemeinen Volksaufstand herbeiführen, der eine
+grausame Verfolgung der Papisten nach sich ziehen könne. Der Prinz
+erklärte es als einen seiner Hauptzwecke, den Greueln einer solchen
+Verfolgung vorzubeugen. Wenn sein Plan gelinge, würde er die Macht, die
+er dann als Oberhaupt der protestantischen Interessen besitzen müsse,
+zum Schutze der Mitglieder der römischen Kirche anwenden. Zwar könnten
+die durch Jakob's Tyrannei entzündeten Leidenschaften es ihm vielleicht
+unmöglich machen, die Strafgesetze aus dem Gesetzbuche zu streichen;
+aber diese Strafgesetze sollten dann wenigstens durch gelinde Ausübung
+gemildert werden. Keine Klasse werde aus dem beabsichtigten Unternehmen
+mehr Gewinn ziehen, als die friedliebenden und anspruchsloseren
+Katholiken, welche nur den Wunsch hegten, ungestört ihrem Berufe
+nachgehen und ihren Schöpfer verehren zu dürfen. Die einzigen, welche
+dabei verlieren würden, seien die Tyrconnel, die Dover, die Albeville
+und anderen politischen Abenteurer, welche zum Dank für Schmeichelei und
+schlimmen Rath von ihrem leichtgläubigen Gebieter Statthalterposten,
+Regimenter und Gesandtschaften erhalten hätten.
+
+ [Anmerkung 43: Wegen der außerordentlichen Geschicklichkeit, mit
+ der er zwei verschiedenen Parteien seine Politik in verschiedenem
+ Lichte darstellte, wurde er später vom Hofe von St. Germains
+ bitter geschmäht. +»Licet foederatis publicus ille praedo haud
+ aliud aperte proponat nisi ut Gallici imperii exuberans amputetur
+ potestas; veruntamen sibi, et suis ex haeretica faece complicibus,
+ ut pro comperto habemus, longe aliud promittit, nempe ut, exciso
+ vel enervato Francorum regno, ubi Catholicarum partium summum jam
+ robur situm est, haeretica ipsorum pravitas per orbem Christianum
+ universum praevaleat.«+ -- Brief von Jakob an den Papst,
+ unzweifelhaft 1689 geschrieben.]
+
+
+[_Seine Rüstungen zu Lande und zur See._] Während Wilhelm sich bemühte,
+die Sympathien der Protestanten sowohl als der Katholiken zu gewinnen,
+sorgte er mit nicht geringerer Energie und Klugheit für Anschaffung der
+zu seinem Unternehmen erforderlichen militairischen Hülfsmittel. Er
+konnte eine Landung in England nicht ohne Genehmigung der Vereinigten
+Provinzen bewerkstelligen. Hielt er um diese Genehmigung an bevor sein
+Plan zur Ausführung reif war, so konnten seine Absichten durch eine
+seinem Hause feindlich gesinnte Partei möglicherweise vereitelt werden
+und jedenfalls mußte die ganze Welt Kenntniß davon erhalten. Er beschloß
+daher, seine Voranstalten mit größter Eil zu betreiben und nach
+Vollendung derselben einen günstigen Augenblick abzuwarten, wo er den
+Bund um seine Zustimmung ersuchen konnte. Die Agenten Frankreichs
+bemerkten, daß sie ihn noch nie so geschäftig gesehen hatten. Es verging
+kein Tag, wo man ihn nicht von seiner Villa nach dem Haag sprengen sah,
+und beständig hielt er geheime Berathungen mit seinen ausgezeichnetsten
+Anhängern. Vierundzwanzig Schiffe wurden zur Verstärkung der
+gewöhnlichen Seemacht der Republik vollständig ausgerüstet. Für diese
+Vermehrung der Flotte bot sich zufällig ein vortrefflicher Vorwand dar,
+denn es hatten sich kürzlich einige algierische Corsaren in der Nordsee
+zu zeigen gewagt. Bei Nymwegen wurde ein Lager gebildet und viele
+tausend Mann daselbst zusammengezogen. Um diese Armee zu verstärken,
+wurden die Besatzungen aus den Festungen von Holländisch Brabant
+genommen; selbst die berühmte Festung Bergopzoom wurde fast ganz
+entblößt. Feldgeschütze, Bomben und Munitionswagen wurden aus allen
+Arsenalen der Vereinigten Provinzen nach den Hauptquartieren geschafft.
+Sämmtliche Bäcker von Rotterdam bucken Tag und Nacht Schiffszwieback;
+alle Gewehrfabrikanten von Utrecht reichten nicht hin, um die
+Bestellungen auf Pistolen und Flinten auszuführen; alle Sattler von
+Amsterdam arbeiteten mit der größten Anstrengung an Kürassen und
+Holftern. Die Schiffsmannschaft wurde um sechstausend Matrosen vermehrt
+und siebentausend neue Soldaten ausgehoben. Diese konnten allerdings
+nicht ohne Genehmigung des Bundes förmlich eingereiht werden; aber sie
+wurden inzwischen immer eingeübt und in solcher Kriegszucht gehalten,
+daß sie binnen vierundzwanzig Stunden nach erlangter Genehmigung ohne
+Schwierigkeit unter die verschiedenen Regimenter vertheilt werden
+konnten. Diese Rüstungen erforderten zwar viel baares Geld; aber Wilhelm
+hatte auch durch weise Sparsamkeit für den Fall unvorhergesehener großer
+Bedürfnisse einen Reserveschatz zurückgelegt, der sich auf ungefähr
+zweihundertfünfzigtausend Pfund Sterling belief. Das noch Fehlende wurde
+von seinen Anhängern bereitwilligst zugeschossen. Außerdem erhielt er
+auch aus England große Massen Gold, man sprach von nicht weniger als
+hunderttausend Guineen. Die Hugenotten, welche bedeutende Quantitäten
+des edlen Metalls ins Exil mitgenommen hatten, liehen ihm gern Alles,
+was sie besaßen, denn sie lebten der frohen Hoffnung, daß sie, wenn sein
+Unternehmen gelang, in ihr Vaterland würden zurückkehren dürfen, und
+fürchteten, daß sie im Falle des Mißlingens in ihrer Adoptivheimath kaum
+noch sicher sein würden.[44]
+
+ [Anmerkung 44: +Avaux Neg., Aug. 2.(12.), 10.(20.), 11.(21.),
+ 14.(24.), 16.(26.), 17.(27.), Aug. 23. (Sept. 2.) 1688+.]
+
+
+[_Er erhält zahlreiche Unterstützungszusagen aus England._] Während der
+letzten Hälfte des Juli und im Laufe des ganzen August nahmen die
+Rüstungen einen raschen, dem ungestümen Wilhelm aber noch immer zu
+langsamen Fortgang. Mittlerweile wurde zwischen England und Holland ein
+lebhafter Verkehr unterhalten. Da man die gewöhnlichen Mittel zur
+Beförderung von Nachrichten und Passagieren nicht mehr für sicher hielt,
+fuhr ein leichtes Boot von wunderbarer Schnelligkeit beständig zwischen
+Scheveningen und der Ostküste unsrer Insel hin und her.[45] Durch dieses
+Fahrzeug erhielt Wilhelm von hochstehenden Männern der Kirche, der
+Politik und des Heeres eine Reihe von Zuschriften. Von den sieben
+Prälaten, welche die denkwürdige Petition unterzeichnet, hatten zwei,
+Lloyd, Bischof von St. Asaph, und Trelawney, Bischof von Bristol,
+während ihres Aufenthalts im Tower die Lehre vom Nichtwiderstande noch
+einmal in Erwägung gezogen und waren bereit, einen bewaffneten Befreier
+willkommen zu heißen. Ein Bruder des Bischofs von Bristol, der Oberst
+Karl Trelawney, der eines der tangerschen Regimenter commandirte,
+welches jetzt als das vierte Linienregiment bekannt ist, erklärte sich
+bereit, für den protestantischen Glauben sein Schwert zu ziehen.
+Ähnliche Versicherungen kamen auch von dem rohen Kirke. Churchill
+erklärte in einem Briefe, der in ziemlich pathetischem Tone, dem
+sicheren Zeichen, daß er einen Schurkenstreich im Sinne hatte,
+geschrieben war, er sei entschlossen, seine Pflicht gegen den Himmel und
+gegen sein Vaterland zu erfüllen, und lege seine Ehre ganz in die Hände
+des Prinzen von Oranien. Wilhelm las dieses Schreiben gewiß mit jenem
+bittern und cynischen Lächeln, das seinen Zügen den mindest angenehmen
+Ausdruck gab. Er hielt sich nicht für bemüßigt, die Ehre Anderer in
+seine Obhut zu nehmen; auch hatten es die strengsten Casuisten nicht für
+unrecht erklärt, wenn ein General die Dienste von Überläufern, die er
+nur verachten konnte, erbat, benutzte und belohnte.[46]
+
+Churchill's Brief wurde von Sidney überbracht, dessen Stellung in
+England gefährlich geworden war und der, nachdem er die Spur seines
+Weges durch zahlreiche Vorsichtsmaßregeln verborgen hatte, Mitte August
+nach Holland kam.[47] Um die nämliche Zeit schifften Shrewsbury und
+Eduard Russell in einem Boote, das sie in aller Stille gemiethet hatten,
+durch die Nordsee und erschienen im Haag. Shrewsbury brachte
+zwölftausend Pfund Sterling mit, die er auf seine Güter aufgenommen
+hatte und bei der Bank von Amsterdam deponirte. Devonshire, Danby und
+Lumley blieben in England, wo sie sich, sobald der Prinz den Fuß auf die
+Insel setzte, bewaffnet erheben wollten.
+
+ [Anmerkung 45: +Avaux Neg., Sept. 4.(14.) 1688.+]
+
+ [Anmerkung 46: +Burnet I. 765+; Churchill's Brief ist vom 4.
+ August 1688 datirt.]
+
+ [Anmerkung 47: +Memoirs of the Duke of Shrewsbury, 1718.+]
+
+
+[_Sunderland._] Man hat Grund zu glauben, daß Wilhelm um diese Zeit auch
+die ersten Beitrittsversicherungen von einer ganz andren Seite erhielt.
+Die Geschichte der Intriguen Sunderland's ist in ein Dunkel gehüllt, das
+schwerlich je ein Forscher wird aufzuklären vermögen; wenn es aber auch
+nicht möglich ist, die ganze Wahrheit zu entdecken, so kann man doch
+leicht einige handgreifliche Erdichtungen nachweisen. Die Jakobiten
+behaupteten aus naheliegenden Gründen, die Revolution von 1688 sei die
+Frucht eines schon vor langer Zeit angezettelten Complots gewesen, und
+Sunderland bezeichneten sie als das Haupt der Verschwörung. Sie
+behaupteten, er habe in der Verfolgung seines großen Planes seinen nur
+zu vetrauensvollen Gebieter angereizt, von Gesetzen zu dispensiren, ein
+ungesetzliches Tribunal zu errichten, freies Eigenthum zu confisciren
+und die Väter der Landeskirche ins Gefängniß zu werfen. Dieser Roman
+stützt sich auf keinen Beweis, und obgleich er bis auf unsre Zeit
+nacherzählt worden ist, verdient er doch kaum eine Widerlegung. Nichts
+ist gewisser, als daß Sunderland sich einigen der unklügsten Schritte
+Jakob's widersetzte, insbesondere der Verfolgung der Bischöfe, welche
+eigentlich die entscheidende Krisis herbeiführte. Aber wenn auch diese
+Thatsache nicht feststände, so würde noch ein andres Argument den Streit
+entscheiden. Welchen denkbaren Grund konnte Sunderland haben, eine
+Revolution herbeizuwünschen? Unter dem herrschenden Systeme stand er auf
+dem Gipfel des Ansehens und des Glücks. Als Präsident des Geheimen Raths
+hatte er den Vorrang vor allen weltlichen Peers, und als erster
+Staatssekretär war er das thätigste und mächtigste Mitglied des
+Kabinets. Er durfte den Herzogstitel erwarten. Er hatte den
+Hosenbandorden erhalten, den noch unlängst der glänzende und
+leichtfertige Buckingham getragen, der nach Vergeudung seines
+fürstlichen Vermögens und seines reichbegabten Geistes verlassen,
+verachtet und mit gebrochenem Herzen ins Grab gesunken war.[48] Geld,
+auf das Sunderland mehr Werth legte als auf Gunst- und Ehrenbezeigungen,
+strömte ihm in solcher Fülle zu, daß er bei einigermaßen geregelter
+Verwaltung seiner Einkünfte hoffen konnte, binnen wenigen Jahren einer
+der reichsten Unterthanen in Europa zu werden. Die directen Einkünfte
+seiner Stellen waren, obwohl sehr bedeutend, doch nur ein kleiner Theil
+seiner Revenüen. Von Frankreich allein bezog er ein regelmäßiges
+Jahrgeld von nahe an sechstausend Pfund, abgesehen von bedeutenden
+Gelegenheitsgratifikationen. Mit Tyrconnel war er, wie wir wissen, auf
+fünftausend Pfund jährlich, oder fünfzigtausend ein für allemal, einig
+geworden. Welche Summen er außerdem durch den Handel mit Stellen, Titeln
+und Begnadigungen verdiente, kann nur gemuthmaßt werden, aber sie müssen
+enorm gewesen sein. Es schien Jakob Vergnügen zu machen, einen Mann, den
+er als durch sich bekehrt betrachtete, mit Reichthümern förmlich zu
+überschütten. Alle Geldbußen, alles verfallende Eigenthum erhielt
+Sunderland. Von jeder Verleihung bekam Sunderland Gebühren. Wenn irgend
+ein Bittsteller es wagte, sich direct an den König zu wenden, so erhielt
+er von diesem die Antwort: »Haben Sie mit meinem Lordpräsidenten
+gesprochen?« Ein beherzter Mann erlaubte sich einmal die Äußerung, der
+Lordpräsident verschlinge das ganze Geld des Hofes. »Ja,« erwiederte
+Seine Majestät, »aber er verdient es auch.«[49] Wir werden das
+Gesammteinkommen des Ministers nicht zu hoch anschlagen, wenn wir es auf
+dreißigtausend Pfund jährlich schätzen, und man darf nicht vergessen,
+daß ein solches Einkommen damals seltener war als gegenwärtig ein
+Einkommen von hunderttausend Pfund. Es ist sehr wahrscheinlich, daß es
+damals nicht einen einzigen Peer gab, dessen Privateinkünfte den
+Amtseinkünften Sunderlands gleichgekommen waren.
+
+Hatte nun ein in ungesetzliche und unpopuläre Regierungsmaßregeln so
+tief verwickelter Mann, ein Mitglied der Hohen Commission, ein Renegat,
+den die Menge auf öffentlichen Plätzen mit dem Geschrei: »Papistischer
+Hund!« verfolgte, wohl Aussicht, unter einer neuen Ordnung der Dinge
+noch größer und reicher zu werden? Hatte er wohl nur Aussicht, der
+verdienten Strafe zu entgehen?
+
+Er hatte gewiß schon seit langer Zeit die Möglichkeit im Auge, daß
+Wilhelm und Maria nach dem natürlichen Laufe der Natur und des Gesetzes
+einst an die Spitze der englischen Regierung kommen könnten, und
+wahrscheinlich hatte er es auch schon versucht, sich durch
+Versprechungen und Dienstleistungen, die, wenn sie entdeckt worden
+wären, seinen Credit in Whitehall gerade nicht erhöht haben würden, ihre
+Gunst zu erwerben. Aber man darf mit Gewißheit behaupten, daß es nicht
+sein Wunsch war, sie durch eine Revolution auf den Thron erhoben zu
+sehen, und daß er eine solche Revolution nicht im entferntesten
+vermuthete, als er gegen Ende Juni 1688 feierlich in den Schooß der
+römischen Kirche übertrat.
+
+Kaum jedoch hatte er sich durch dieses unverzeihliche Verbrechen den Haß
+und die Verachtung der ganzen Nation zugezogen, so erfuhr er, daß die
+bürgerliche und kirchliche Verfassung Englands demnächst durch fremde
+und einheimische Waffen vertheidigt werden sollte. Von diesem
+Augenblicke an scheinen alle seine Pläne eine Umgestaltung erfahren zu
+haben. Angst und Furcht drückten ihn gänzlich darnieder und sprachen so
+deutlich aus seinen Gesichtszügen, daß Jedermann sie auf den ersten
+Blick darin lesen konnte.[50] Es unterlag kaum einem Zweifel, daß im
+Falle einer Revolution die den Thron umgebenden bösen Rathgeber zu
+strenger Rechenschaft gezogen werden würden, und er stand unter diesen
+bösen Rathgebern obenan. Der Verlust seiner Stellen, seiner Gehalte und
+seiner Pensionen war das Geringste, was er zu fürchten hatte. Sein
+Stammschloß Althorpe mit seinen großen Waldungen konnte confiscirt
+werden. Er konnte viele Jahre im Gefängniß schmachten oder sein Leben in
+fremdem Lande als Pensionair der Freigebigkeit Frankreichs beschließen
+müssen. Und selbst dies war noch nicht das Schlimmste. Der unglückliche
+Staatsmann begann von schrecklichen Visionen verfolgt zu werden; er sah
+im Geiste Towerhill mit einer zahllosen Menschenmenge bedeckt, die beim
+Anblicke des Apostaten in ein wildes Jubelgeschrei ausbrach, er sah ein
+schwarz behangenes Schaffot, er sah Burnet, der das Sterbegebet für ihn
+las, und Ketch, auf das Beil gestützt, mit welchem Russell und Monmouth
+in so grauenvoller Weise abgeschlachtet worden waren. Wohl gab es noch
+einen Ausweg, durch den er sich retten konnte, aber dieser Weg würde
+einem edlen Character noch viel schrecklicher gewesen sein, als ein
+Kerker oder das Schaffot. Er konnte sich durch einen rechtzeitigen und
+nützlichen Verrath von den Feinden der Regierung Verzeihung erwirken. Es
+stand in seiner Macht, ihnen in jenem Augenblicke unschätzbare Dienste
+zu leisten, denn der König befolgte stets seinen Rath, er hatte großen
+Einfluß auf die jesuitische Cabale, und der französische Gesandte
+schenkte ihm blindes Vertrauen. An einer des Zweckes, dem sie dienen
+sollte, würdigen Vermittlerin fehlte es ihm nicht. Die Gräfin von
+Sunderland war ein schlaues Weib, die unter einem Schein von
+Frömmigkeit, durch welchen sich viele erfahrene Männer täuschen ließen,
+mit großer Thätigkeit verliebte und politische Intriguen betrieb.[51]
+Der schöne und leichtfertige Heinrich Sidney war seit geraumer Zeit ihr
+begünstigter Anbeter, und ihrem Gatten war es ganz angenehm, sie auf
+diese Weise mit dem Hofe im Haag verbunden zu sehen. Wenn er eine
+geheime Botschaft nach Holland befördern wollte, sprach er mit seiner
+Gattin darüber, diese schrieb an Sidney, und Sidney theilte ihren Brief
+dem Prinzen Wilhelm mit. Ein derartiges Schreiben wurde aufgefangen und
+Jakob hinterbracht. Sie behauptete keck, es sei gefälscht, und ihr Gatte
+vertheidigte sich mit der ihm eigenen Geschicklichkeit, indem er dem
+Könige vorstellte, es sei unmöglich, daß irgend ein Mensch so schlecht
+sein könne, das zu thun, was er gleichwohl fortwährend that. »Selbst
+wenn dies wirklich Lady Sunderland's Hand wäre,« sagte er, »so würde ich
+doch nichts damit zu thun haben. Eure Majestät kennt mein häusliches
+Mißgeschick. Es ist nur zu bekannt, auf welchem Fuße meine Frau mit
+Sidney steht. Wer könnte glauben, daß ich einen Mann zu meinem
+Vertrauten machen werde, der meine Ehre an der empfindlichsten Seite
+gekränkt hat, den Mann, den ich von Allen am meisten hassen muß?«[52]
+Diese Vertheidigung wurde für genügend erachtet und nach wie vor gingen
+geheime Nachrichten von dem wissentlich betrogenen Gatten an die
+Ehebrecherin, von der Ehebrecherin an den Galan und von dem Galan an die
+Feinde Jakob's.
+
+Es ist sehr wahrscheinlich, daß Wilhelm um die Mitte des August die
+ersten bestimmten Versicherungen von Sunderland's Unterstützung mündlich
+durch Sidney erhielt. Gewiß ist soviel, daß von dieser Zeit an bis zu
+dem Augenblicke, wo die Expedition zum Absegeln bereit war, eine
+lebhafte Correspondenz zwischen der Gräfin und ihrem Geliebten
+unterhalten wurde. Einige von ihren Briefen, welche zum Theil in
+Chiffersprache geschrieben waren, sind noch vorhanden. Sie enthalten
+Versicherungen von Geneigtheit und Dienstversprechungen nebst dringenden
+Bitten um Schutz. Die Schreiberin giebt zu verstehen, daß ihr Gatte
+Alles thun werde, was seine Freunde im Haag nur wünschen könnten; sie
+hält es für nöthig, daß er auf einige Zeit ins Exil geht, aber sie
+hofft, daß seine Verbannung nicht ewig dauern und daß ihm sein Erbgut
+erhalten bleiben werde und bittet angelegentlich um Bezeichnung eines
+passenden Ortes, wohin er sich zurückziehen könne, bis die erste Wuth
+des Sturmes sich gelegt haben würde.[53]
+
+ [Anmerkung 48: +London Gazette, April 25. 28. 1687+.]
+
+ [Anmerkung 49: +Secret Consults of the Romish Party in Ireland+.
+ Diese Mittheilung wird durch eine Stelle in einem Schreiben von
+ Bonrepaux an Seignelay vom 12.(22.) Sept. 1687 bestätigt. +»Il
+ (Sunderland) amassera beaucoup d'argent, le roi son maître lui
+ donnant la plus grande partie de celui qui provient des
+ confiscations ou des accommodemens que ceux qui ont encourû des
+ peines font pour obtenir leur grace.«+]
+
+ [Anmerkung 50: Adda sagt in einer Depesche vom 26. Oct. (5. Nov.)
+ 1688, daß man Sunderland seine Angst angesehen habe.]
+
+ [Anmerkung 51: Vergleiche Evelyn's Mittheilungen über sie mit dem,
+ was die Prinzessin von Dänemark von ihr nach dem Haag schrieb, und
+ mit ihren eigenen Briefen an Heinrich Sidney.]
+
+ [Anmerkung 52: Bonrepaux an Seignelay, 11.(21.) Juli 1688.]
+
+ [Anmerkung 53: Siehe ihre Briefe in Sidney's unlängst erschienenem
+ Tagebuche und Correspondenz. Fox bezeichnet in seiner Ausgabe der
+ Depeschen von Barillon den 30. August n. St. 1688 als den
+ Zeitpunkt, von welchem an Sunderland ganz bestimmt ein falsches
+ Spiel spielte.]
+
+
+[_Wilhelm's Befürchtungen._] Der Beistand Sunderland's war höchst
+willkommen. Denn je näher der für den großen Schlag bestimmte Zeitpunkt
+heranrückte, um so mehr nahm Wilhelm's ängstliche Besorgniß zu. Vor
+gewöhnlichen Blicken verbarg er seine Gefühle hinter der eiskalten Ruhe
+seines Benehmens; Bentinck aber öffnete er sein ganzes Herz. Die
+Vorbereitungen waren noch nicht ganz vollendet, der Plan wurde schon
+geahnet und konnte nicht länger verborgen werden. Der König von
+Frankreich oder die Stadt Amsterdam konnten noch immer das ganze
+Unternehmen vereiteln. Wenn Ludwig eine bedeutende Truppenmacht nach
+Brabant schickte, wenn die Partei, welche den Statthalter haßte, das
+Haupt erhob, so war Alles vorbei. »Meine Angst und meine Besorgniß,«
+schrieb der Prinz, »sind furchtbar. Ich weiß kaum mehr was ich thue.
+Noch nie in meinem Leben fühlte ich so stark das Bedürfniß der
+göttlichen Leitung.«[54] Bentinck's Gemahlin war um diese Zeit
+gefährlich krank, und beide Freunde ängstigten sich sehr um sie. »Gott
+halte Sie aufrecht,« schrieb Wilhelm, »und gebe Ihnen die Kraft, Ihren
+Theil bei einem Werke zu verrichten, von welchem, soweit Menschen es
+beurtheilen können, das Wohl seiner Kirche abhängt.«[55]
+
+ [Anmerkung 54: 19.(29.) August 1688.]
+
+ [Anmerkung 55: 4.(14.) Sept. 1688.]
+
+
+[_Jakob wird gewarnt._] Es war in der That unmöglich, daß ein so
+umfassender Plan, wie der gegen den König von England entworfene war,
+viele Wochen lang geheim bleiben konnte. Keine Vorsicht konnte es
+verhindern, daß scharfblickende Leute Wilhelm's großartige
+Kriegsrüstungen zu Lande und zur See bemerkten und den Zweck dieser
+Rüstungen ahneten. Schon Anfang August raunte man einander in London zu,
+daß ein großes Ereigniß im Anzuge sei. Der schwache und bestochene
+Albeville, der sich damals zu Besuch in England befand, war überzeugt
+oder stellte sich wenigstens so, daß die holländische Regierung keine
+feindlichen Absichten gegen England hege. Aber während Albeville's
+Abwesenheit versah Avaux mit ausgezeichneter Umsicht die Geschäfte eines
+französischen und englischen Gesandten zugleich bei den Generalstaaten
+und lieferte sowohl Barillon als auch Ludwig ausführliche Nachrichten.
+Avaux war fest überzeugt, daß eine Landung in England beabsichtigt
+wurde, und es gelang ihm, seinem Gebieter die Richtigkeit dieser
+Vermuthung vollkommen einleuchtend zu machen. Jeder Courier, der
+entweder vom Haag oder von Versailles nach Westminster kam, brachte
+ernste Warnungen mit.[56] Jakob aber war in einer Täuschung befangen,
+in der er allem Anscheine nach von Sunderland geschickt erhalten wurde.
+Der Prinz von Oranien, sagte der schlaue Minister, werde es nie
+wagen, eine überseeische Expedition zu unternehmen und Holland von
+Vertheidigungsmitteln zu entblößen. Die Generalstaaten würden sich in
+Erinnerung dessen, was sie während des furchtbaren Kampfes von 1672
+gelitten und zu fürchten gehabt hätten, gewiß nicht der Gefahr
+aussetzen, wieder ein feindliches Heer auf der Ebene zwischen Utrecht
+und Amsterdam lagern zu sehen. Es herrsche allerdings große
+Unzufriedenheit in England, aber zwischen Unzufriedenheit und Rebellion
+liege noch eine große Kluft. Männer von Rang und Vermögen seien nicht so
+leicht zu bewegen, ihre Stellung, ihr Eigenthum und ihr Leben auf's
+Spiel zu setzen. Wie viele hochstehende Whigs hätten zu der Zeit, als
+Monmouth in den Niederlanden war, eine übermüthige Sprache geführt! Und
+welcher hochstehende Whig habe sich ihm angeschlossen, als er sein
+Banner aufgepflanzt? Es sei leicht erklärlich, warum Ludwig sich
+stellte, als ob er diesen leeren Gerüchten Glauben schenke. Er hoffte
+ohne Zweifel, den König von England durch Ängstigung zu bestimmen, daß
+er in dem kölner Streite auf die Seite Frankreichs trat. Durch solche
+Argumente ließ Jakob sich leicht in eine stupide Sicherheit wiegen.[57]
+Ludwig's Angst und Unwille nahm dagegen mit jedem Tage zu und der Ton
+seiner Briefe wurde immer schärfer und heftiger.[58] Er sagte, er könne
+diese Gleichgültigkeit am Vorabende einer großen Krisis nicht begreifen.
+Sei denn der König behext? Seien seine Minister blind? Sei es möglich,
+daß Niemand in Whitehall merkte, was in England und auf dem Continent
+vorging? Eine so thörichte Sicherheit könne doch kaum die Wirkung bloßer
+Unvorsichtigkeit sein, dahinter müsse absichtliche Täuschung stecken,
+Jakob müsse offenbar in treulosen Händen sein. Barillon wurde dringend
+ermahnt, den englischen Ministern nicht vollkommen zu trauen; aber alle
+Ermahnungen waren umsonst. Ihn sowohl als Jakob hatte Sunderland mit
+einem Zauber umsponnen, den keine Ermahnungen zerstören konnten.
+
+ [Anmerkung 56: Avaux 19.(29.) Juni; 31. Juli (10. Aug,), 11.(21.)
+ Aug. 1688; Ludwig an Barillon, 2.(12.), 16.(26.) Aug.]
+
+ [Anmerkung 57: Barillon 20.(30.) Aug., 23. Aug. (2. Sept.) 1688;
+ Adda, 24. Aug. (3. Sept.); +Clarke's Life of James the Second, II.
+ 177. Orig. Mem.+]
+
+ [Anmerkung 58: Ludwig an Barillon, 3.(13.), 8.(18.), 11.(21.)
+ Sept. 1688.]
+
+
+[_Ludwig's Bemühungen, um Jakob zu retten._] Ludwig regte sich
+nachdrücklich. Bonrepaux, welcher Barillon an Schlauheit weit überlegen
+war und der Sunderland stets mit feindseligem und argwöhnischem Blicke
+betrachtet hatte, wurde mit dem Anerbieten einer Unterstützung durch
+Schiffe nach London gesandt. Zu gleicher Zeit erhielt Avaux Auftrag, den
+Generalstaaten zu erklären, daß Frankreich den König Jakob unter seinen
+Schutz genommen habe. Ein starkes Truppencorps wurde zum Aufbruch nach
+der holländischen Grenze bereit gehalten. Dieser kühne Versuch, den
+verblendeten Tyrannen wider seinen Willen zu retten, wurde im vollen
+Einverständniß mit Skelton gemacht, der jetzt Gesandter England's am
+Hofe von Versailles war.
+
+Avaux verlangte seinen Instructionen gemäß eine Audienz bei den
+Generalstaaten, die ihm bereitwillig zugestanden wurde. Die Versammlung
+war ungewöhnlich zahlreich. Man glaubte allgemein, daß er eine Eröffnung
+in Bezug auf den Handel machen werde, und der Präsident hatte sich mit
+einer in dieser Voraussetzung entworfenen Antwort versehen. Sobald aber
+Avaux sich seines Auftrags zu entledigen begann, äußerten sich
+unverkennbare Zeichen von Mißbehagen. Diejenigen, von denen man glaubte,
+daß sie das Vertrauen des Prinzen von Oranien genossen, schlugen die
+Augen nieder. Die Aufregung nahm zu, als der Gesandte ankündigte, daß
+sein Gebieter durch die engsten Bande der Freundschaft und Allianz mit
+Seiner Großbritannischen Majestät verbunden sei und daß jeder Angriff
+auf England als eine Kriegserklärung gegen Frankreich betrachtet werden
+würde. Der völlig unvorbereitete Präsident stammelte einige ausweichende
+Phrasen hervor und die Conferenz war zu Ende. Zu gleicher Zeit war den
+Staaten angekündigt worden, daß Ludwig den Cardinal Fürstenberg und das
+kölner Domkapitel unter seinen Schutz genommen habe.[59]
+
+Die Deputirten waren in der größten Bestürzung. Einige empfahlen
+Vorsicht und Aufschub. Andere athmeten nichts als Krieg. Fagel sprach
+mit Heftigkeit von der französischen Anmaßung und bat seine Collegen
+dringend, sich durch Drohungen nicht einschüchtern zu lassen. Er sagte,
+die passende Antwort auf eine solche Mittheilung sei die Verstärkung des
+Heeres und die Ausrüstung neuer Schiffe. Es wurde augenblicklich ein
+Courier abgesandt, um Wilhelm von Minden zu holen, wo er eine wichtige
+Besprechung mit dem Kurfürsten von Brandenburg hatte.
+
+ [Anmerkung 59: Avaux, 23. August (2. Sept.), 30. Aug. (9. Sept.)
+ 1688.]
+
+
+[_Jakob vereitelt dieselben._] Doch man brauchte nicht ängstlich zu
+sein. Jakob schien es darauf anzulegen, sich ins Verderben zu stürzen
+und jeder Versuch ihn zurückzuhalten hatte keinen andren Erfolg, als daß
+er dem Abgrunde nur noch rascher zueilte. Als sein Thron befestigt, als
+sein Volk gehorsam war, als das dienstwilligste aller Parlamente sich
+befleißigte, allen seinen billigen Wünschen entgegenzukommen, als
+auswärtige Königreiche und Republiken mit einander wetteiferten, ihm zu
+huldigen und zu schmeicheln, als es nur von ihm abhing, der
+Schiedsrichter der Christenheit zu sein, hatte er sich zum Sklaven und
+Söldlinge Frankreichs erniedrigt. Und jetzt, wo es ihm durch eine Reihe
+von Verbrechen und Thorheiten gelungen war, sich seine Nachbarn, seine
+Unterthanen, seine Soldaten, seine Seeleute und seine Kinder zu
+entfremden, und wo ihm kein andrer Ausweg mehr blieb, als der
+französische Schutz, bekam er plötzlich einen Anfall von Stolz und
+beschloß seine Unabhängigkeit zu behaupten. Die Hülfe, die er zu einer
+Zeit, wo er ihrer nicht bedurfte, mit schimpflichen Dankesthränen
+angenommen hatte, wies er jetzt, wo er sie nicht entbehren konnte, mit
+Verachtung zurück. Nachdem er sich zu einer Zeit, wo er viel eher mit
+ängstlicher Sorgfalt auf die Wahrung seiner Würde hätte halten können,
+erniedrigt hatte, wurde er undankbar hochmüthig in einem Augenblicke, wo
+der Hochmuth ihm zu gleicher Zeit Hohn und Verderben zuziehen mußte. Er
+fühlte sich beleidigt durch die freundschaftliche Hülfe, die ihn hätte
+retten können. War je ein König so behandelt worden? War er ein Kind
+oder ein Schwachkopf, daß Andere für ihn denken mußten? War er ein
+Winkelfürst, ein Cardinal Fürstenberg, der fallen mußte, wenn nicht ein
+mächtiger Beschützer ihn hielt? Sollte er sich durch einen prahlerischen
+Schutz, um den er nie gebeten, sich in den Augen von ganz Europa
+herabsetzen lassen? Skelton wurde zurückgerufen, um über sein Verfahren
+Rechenschaft zu geben, und wurde sogleich nach seiner Ankunft in den
+Tower gesperrt. Citters dagegen wurde in Whitehall gut aufgenommen und
+er hatte eine lange Audienz. Er konnte mit mehr Wahrheit, als die
+Diplomaten in solchen Fällen überhaupt für nöthig hielten, jede
+feindselige Absicht auf Seiten der Generalstaaten leugnen. Denn die
+Generalstaaten hatten bis jetzt noch keine öffentliche Kenntniß von
+Wilhelm's Plane, und es war keineswegs unmöglich, daß sie selbst jetzt
+noch demselben ihre Genehmigung vorenthielten. Jakob erklärte, daß er
+den Gerüchten von einer holländischen Invasion nicht den geringsten
+Glauben schenke und daß das Benehmen der französischen Regierung ihn
+überrascht und verdrossen habe. Middleton erhielt die Weisung, allen
+auswärtigen Gesandten zu versichern, daß kein solches Bündniß zwischen
+Frankreich und England bestehe, wie der Hof von Versailles zu seinen
+Zwecken vorgebe; dem Nuntius sagte der König, Ludwig's Absichten seien
+mit Händen zu greifen, sollten aber vereitelt werden. Diese zudringliche
+Protection sei zu gleicher Zeit eine Beleidigung und eine Schlinge.
+»Mein guter Bruder,« sagte Jakob, »hat vortreffliche Eigenschaften; aber
+Schmeichelei und Eitelkeit haben ihm den Kopf verrückt.«[60] Adda, dem
+an Cöln mehr gelegen war, als an England, nährte diese sonderbare
+Täuschung. Albeville, der jetzt wieder auf seinen Posten zurückgekehrt
+war, erhielt Befehl, den Generalstaaten freundschaftliche Versicherungen
+zu geben und einige hochtrabende Redensarten hinzuzusetzen, die sich in
+dem Munde einer Elisabeth oder eines Oliver nicht übel ausgenommen haben
+würden. »Mein Gebieter,« sagte er, »steht durch seine Macht und seinen
+Muth hoch über der Stufe, die ihm Frankreich gern anweisen möchte. Es
+ist ein kleiner Unterschied zwischen einem König von England und einem
+Erzbischof von Cöln.« Bonrepaux wurde in Whitehall sehr kühl
+aufgenommen. Die von ihm offerirte Unterstützung an Schiffen wurde zwar
+nicht geradezu abgelehnt, aber er mußte wieder abreisen, ohne etwas
+festgesetzt zu haben, und die Gesandten der Vereinigten Provinzen wie
+des Hauses Österreich wurden benachrichtigt, daß seine Sendung dem
+Könige unangenehm gewesen sei und zu keinem Resultate geführt habe. Nach
+der Revolution rühmte sich Sunderland, und wahrscheinlich mit Recht, daß
+er seinen Gebieter dazu bestimmt habe, die angebotene Unterstützung
+Frankreichs zurückzuweisen.[61]
+
+Die unvernünftige Thorheit Jakob's erregte natürlich den Unwillen seines
+mächtigen Nachbars. Ludwig beklagte sich, daß die englische Regierung
+ihn zum Dank für den größten Dienst, den er ihr hätte leisten können,
+angesichts der ganzen Christenheit Lügen gestraft habe. Er bemerkte ganz
+richtig, was Avaux in Betreff des Bündnisses zwischen Frankreich und
+Großbritannien gesagt habe, sei wenn auch nicht dem Buchstaben nach,
+doch im allgemeinen Sinne wahr. Es bestehe allerdings kein in
+Paragraphen eingetheilter, unterschriebener, besiegelter und
+ratificirter Vertrag, aber Zusicherungen, welche in den Augen von
+Ehrenmännern für eben so heilig gälten als Verträge, wären seit mehreren
+Jahren zwischen den beiden Höfen gewechselt worden. Ludwig setzte noch
+hinzu, daß er, eine so hohe Stellung er auch in Europa einnehme, doch
+nie so lächerlich eifersüchtig auf seine Würde sein werde, um in einer
+durch die Freundschaft eingegebenen Handlung eine Beleidigung zu
+erblicken. Jakob aber sei in einer ganz andren Lage und werde bald den
+Werth des so unfreundlich zurückgewiesenen Beistandes schätzen
+lernen.[62]
+
+Trotz Jakob's Verblendung und Undankbarkeit würde Ludwig aber doch klug
+gethan haben, wenn er auf dem den Generalstaaten angekündigten
+Entschlusse beharrt hätte. Avaux, der in Folge seines Scharfblicks und
+seines richtigen Urtheils ein Wilhelm's würdiger Gegner war, erkannte
+das vollkommen. Das Bestreben der französischen Regierung -- so dachte
+der kluge Gesandte -- müsse vor Allem dahin gehen, die beabsichtigte
+Landung in England zu verhindern. Um diesen Zweck zu erreichen, müsse
+man in die spanischen Niederlande einrücken und die batavischen Grenzen
+bedrohen. Der Prinz von Oranien sei allerdings für seinen Lieblingsplan
+so sehr eingenommen, daß er denselben ausführen werde, selbst wenn die
+weiße Fahne schon auf den Wällen von Brüssel wehte, denn er hatte
+wirklich gesagt, wenn die Spanier Ostende, Mons und Namur nur bis zum
+nächsten Frühjahr halten könnten, so würde er dann mit einer Streitmacht
+von England zurückkehren, welche alles Verlorne bald wieder erobern
+werde. Allein dies sei wohl die Meinung des Prinzen, nicht aber die der
+Generalstaaten. Diese würden es gewiß nicht so leicht zugeben, daß ihr
+Oberbefehlshaber mit der Elite der Armee über die Nordsee fahre, während
+ein gewaltiges Heer ihr eignes Gebiet bedrohte.[63]
+
+ [Anmerkung 60: +»Che l'adulazione e la vanità gli avevano tornato
+ il capo.«+ -- Adda, 31. Aug. (10. Sept.) 1688.]
+
+ [Anmerkung 61: Citters, 11.(21.) Sept. 1688; Avaux, 17.(27.)
+ Sept., 27. Sept. (7. Oct.); Barillon, 23. Sept. (3. Oct.);
+ Wagenaar, Buch 60; +Sunderland's Apology+. Es ist oft behauptet
+ worden, Jakob habe die Unterstützung eines französischen
+ Armeecorps abgelehnt. In Wirklichkeit aber wurde ihm eine solche
+ Unterstützung gar nicht angeboten. Die französischen Truppen
+ würden auch in der That Jakob viel mehr genützt haben, wenn sie
+ die holländischen Grenzen bedroht hätten, als wenn sie über den
+ Kanal gekommen wären.]
+
+ [Anmerkung 62: Ludwig an Barillon, 20.(30.) Sept. 1688.]
+
+ [Anmerkung 63: Avaux, 27. Sept. (7. Oct.), 4.(14.) Oct. 1688.]
+
+
+[_Die französischen Armeen fallen in Deutschland ein._] Ludwig gab die
+Haltbarkeit dieser Gründe zu, aber er hatte sich schon zu einem andren
+Verfahren entschieden. Vielleicht hatte ihn die Unhöflichkeit und
+Verkehrtheit der englischen Regierung gereizt und er ließ sich zu seinem
+Nachtheile von seiner aufgebrachten Stimmung leiten. Vielleicht war er
+auch durch die Rathschläge seines Kriegsministers Louvois irregeführt,
+der großen Einfluß hatte und Avaux nicht mit freundlichem Auge
+betrachtete. Kurz, es wurde beschlossen, auf einer von Holland
+entfernten Seite einen großen und unerwarteten Schlag zu führen. Ludwig
+zog plötzlich seine Truppen aus Flandern und warf sie nach Deutschland.
+Ein Armeecorps unter dem nominellen Commando des Dauphins, in Wahrheit
+aber geleitet vom Herzoge von Duras und von Vauban, dem Vater der
+Befestigungskunst, belagerte Philippsburg. Ein andres unter den Befehlen
+des Marquis von Bouffiers nahm Worms, Mainz und Trier. Ein drittes unter
+dem Marquis von Humieres, besetzte Bonn. Den ganzen Rhein hinunter, von
+Karlsruhe bis Cöln waren die französischen Waffen siegreich. Die
+Nachricht von der Einnahme von Philippsburg traf am Allerheiligentage in
+Versailles ein, während der Hof gerade in der Kapelle den Gottesdienst
+hörte. Der König winkte dem Prediger inne zu halten, kündigte der
+Versammlung die frohe Botschaft an und kniete dann nieder, um Gott für
+diesen großen Sieg zu danken. Die Anwesenden weinten vor Freude.[64] Die
+Nachricht wurde von dem sanguinischen und leicht entzündlichen
+französischen Volke mit Jubel begrüßt. Dichter besangen die Triumphe
+ihres freigebigen Schutzherrn; Redner priesen auf der Kanzel die
+Weisheit und Großmuth des ältesten Sohnes der Kirche. Das Tedeum wurde
+mit ungewohntem Pomp gesungen und die feierlichen Töne der Orgel
+vermischten sich mit dem Schalle der Cymbeln und dem Geschmetter der
+Trompeten. Es war indessen wenig Ursache zur Freude vorhanden. Der große
+Staatsmann, der an der Spitze der europäischen Coalition stand, lächelte
+im Stillen über die nutzlose Kraftvergeudung seines Feindes. Ludwig
+hatte zwar durch sein rasches Handeln einige Vortheile in Deutschland
+errungen, aber diese Vortheile konnten ihm nur wenig nützen, wenn
+England, nachdem es unter vier aufeinanderfolgenden Königen unthätig und
+ruhmlos gewesen, plötzlich wieder seinen früheren Rang in Europa
+einnahm. Wenige Wochen genügten zur Ausführung des Unternehmens, von dem
+das Schicksal der ganzen Welt abhing, und für einige Wochen waren die
+Vereinigten Provinzen noch in Sicherheit.
+
+ [Anmerkung 64: Frau von Sévigné, 24. Oct. (3. Nov.) 1688.]
+
+
+[_Wilhelm erlangt die Genehmigung der Generalstaaten für seine
+Expedition._] Wilhelm betrieb nun seine Rüstungen mit unermüdlicher
+Thätigkeit und nicht mehr so heimlich, als er es bisher für nöthig
+gehalten hatte. Täglich gingen Unterstützungszusagen von auswärtigen
+Höfen ein. Im Haag war die Opposition zum Schweigen gebracht. Umsonst
+bot Avaux noch in diesem letzten Augenblicke seine ganze Gewandtheit
+auf, um die Partei, welche gegen drei Generationen des Hauses Oranien
+gekämpft hatte, zu ermuthigen. Die Häupter dieser Partei sahen zwar den
+Statthalter noch immer nicht mit günstigem Auge an, denn sie hatten
+Grund zu der Besorgniß, daß er, wenn sein Unternehmen gegen England
+gelang, er auch unumschränkter Beherrscher von Holland werden möchte.
+Aber die Fehler des Hofes von Versailles und die Geschicklichkeit, mit
+der er dieselben benutzt hatte, machten es unmöglich, ferner noch gegen
+ihn zu kämpfen. Er sah ein, daß es jetzt Zeit war, um die Genehmigung
+der Generalstaaten nachzusuchen. Amsterdam war das Hauptquartier der
+seinem Hause, seinem Amte und seiner Person feindlich gesinnten Partei,
+und selbst von Amsterdam hatte er diesen Augenblick nichts zu
+befürchten. Mit mehreren der vornehmsten Beamten dieser Stadt hatte er
+schon zu wiederholten Malen in Anwesenheit Dykvelt's und Bentinck's
+geheime Unterredungen gehabt und hatte sie zu dem Versprechen
+bewogen, daß sie das große Unternehmen fördern, oder sich demselben
+wenigstens nicht widersetzen wollten. Andere waren über Ludwig's
+Handelsverordnungen erbittert, noch Andere waren besorgt um ihre von den
+französischen Dragonern tyrannisirten Verwandten und Freunde; wieder
+Andere fürchteten die Verantwortlichkeit, eine Spaltung herbeizuführen,
+welche dem batavischen Bunde verderblich werden konnte, und Einige
+endlich fürchteten das gemeine Volk, welches, durch die Ermahnungen
+eifriger Prediger aufgestachelt, bereit war, an jedem Verräther des
+Protestantismus eine summarische Justiz auszuüben. Daher erklärte sich
+die Majorität dieses Stadtraths, der so lange Zeit Frankreich ergeben
+gewesen war, zu Gunsten der Unternehmung Wilhelm's. Von diesem
+Augenblicke an war jede Besorgniß wegen einer Opposition in irgend einem
+Theile der Vereinigten Provinzen gehoben und die Föderation ertheilte
+ihm in geheimer Sitzung die volle Genehmigung zu seiner Expedition.[65]
+
+Der Prinz hatte sich bereits für einen zum Unterbefehlshaber trefflich
+geeigneten General entschieden. Dies war in der That kein unwichtiger
+Gegenstand. Ein zufälliger Schuß oder der Dolch eines Meuchelmörders
+konnte in einem Augenblicke die Expedition ihres Anführers berauben, und
+für diesen Fall mußte im Voraus ein Nachfolger bestimmt werden, der die
+Lücke sofort ausfüllte. Einen Engländer konnte man jedoch dazu nicht
+wählen, ohne entweder den Whigs oder den Tories zu nahe zu treten; auch
+hatte noch kein damals lebender Engländer bewiesen, daß er das zur
+Leitung eines Feldzugs nöthige militairische Geschick besaß. Auf der
+andren Seite war es nicht leicht, einem Ausländer den Vorzug zu geben,
+ohne das Nationalgefühl der stolzen Insulaner zu verwunden. Einen Mann
+gab es in Europa, aber auch nur diesen einen, gegen den sich nichts
+einwenden ließ; Friedrich, Graf von Schomberg, ein Deutscher aus einem
+edlen Hause der Pfalz. Er galt allgemein für den größten damals lebenden
+Meister der Kriegskunst. Seine oftmals durch starke Versuchungen
+geprüfte, aber nie erschütterte Rechtschaffenheit und Frömmigkeit hatten
+ihm allgemeine Achtung und Vertrauen erworben. Obgleich Protestant,
+hatte er mehrere Jahre im Dienste Ludwig's gestanden und durch eine
+Reihe glänzender Waffenthaten seinem Gebieter trotz aller Ränke der
+Jesuiten den französischen Marschallsstab abgenöthigt. Als die
+Verfolgung zu wüthen begann, weigerte sich der tapfere Veteran
+standhaft, die königliche Gunst durch Abtrünnigkeit zu erkaufen, legte
+ohne Murren alle seine Ehrenstellen und Commando's nieder, verließ sein
+zweites Vaterland für immer und zog sich an den berliner Hof zurück. Er
+war bereits über siebzig Jahre alt, aber geistig und körperlich noch
+sehr rüstig. Er war in England gewesen und dort außerordentlich geliebt
+und geehrt worden. Allerdings hatte er eine Empfehlung, der sich damals
+wenige Ausländer rühmen konnten: er sprach unsre Sprache, und zwar nicht
+nur verständlich, sondern elegant und rein. Er wurde mit Bewilligung des
+Kurfürsten von Brandenburg und zur aufrichtigen Freude der Oberhäupter
+aller englischen Parteien zu Wilhelm's Stellvertreter ernannt.[66]
+
+ [Anmerkung 65: Witson's MS., angeführt von Wagenaar; Lord
+ Lonsdale's Memoiren; Avaux, 4.(14.), 5.(15.) Oct. 1688. Die
+ förmliche Erklärung der Generalstaaten, datirt vom 18.(28.) Oct.,
+ findet man im IV. Bande des +Recueil des Traités, No. 225+.]
+
+ [Anmerkung 66: +Abrégé de la Vie de Frédéric Duc de Schomberg,
+ 1690+; Sidney an Wilhelm, 30. Juni 1688; +Burnet I. 677+.]
+
+
+[_Britische Abenteurer im Haag._] Inzwischen wimmelte es im Haag von
+Abenteurern aller der verschiedenen Factionen, welche Jakob's Tyrannei
+zu einer sonderbaren Coalition verbunden hatte: alte Royalisten, die ihr
+Blut für den Thron vergossen hatten, alte Agitatoren von der
+Parlamentsarmee, Tories, welche in den Tagen der Ausschließungsbill
+verfolgt worden waren, und Whigs, die wegen ihrer Theilnahme am
+Ryehousecomplot sich auf den Continent geflüchtet hatten.
+
+Unter dieser großen Menge zeichnete sich Karl Gerard, Earl von
+Macclesfield aus, ein alter Kavalier, der für Karl I. gekämpft und
+Karl's II. Exil getheilt hatte; ferner Archibald Campbell, der älteste
+Sohn des unglücklichen Argyle, der aber von seinem Vater nichts geerbt
+hatte als einen erlauchten Namen und die unwandelbare Liebe eines
+zahlreichen Clan; Karl Paulet, Earl von Wiltshire, unzweifelhafter Erbe
+des Marquisats von Winchester, und Peregrine Osborne, Lord Dumblane,
+unzweifelhafter Erbe des Earlthums Danby. Mordaunt, der vor Begierde
+nach Abenteuern brannte, die für sein feuriges Temperament einen
+unwiderstehlichen Reiz hatten, war einer der Ersten unter den
+Freiwilligen. Fletcher von Saltoun hatte, während er die Grenzen der
+Christenheit gegen die Ungläubigen beschützte, erfahren, daß sein
+Vaterland wieder einmal Hoffnung auf Befreiung hatte, und er hatte sich
+beeilt, sein Schwert anzubieten. Sir Patrick Hume, der seit seiner
+Flucht aus Schottland sehr bescheiden und eingezogen lebte, trat jetzt
+wieder aus seinem Dunkel hervor; zum Glück aber konnte seine
+Redseligkeit diesmal wenig Schaden anrichten, denn der Prinz von Oranien
+war durchaus nicht geneigt, der abhängige General einer debattirenden
+Gesellschaft zu sein wie die, welche Argyle's Unternehmen zum Verderben
+gereicht hatte. Der verschmitzte und ruhelose Wildman, der vor kurzem
+die Überzeugung gewonnen, daß England ein unsicherer Aufenthalt für ihn
+war und der sich deshalb nach Deutschland begeben hatte, erschien
+ebenfalls an Wilhelm's Hofe. Eben so auch Carstairs, ein
+presbyterianischer Priester aus Schottland, der an Schlauheit und Muth
+keinem Politiker seiner Zeit nachstand. Fagel hatte ihm einige Jahre
+vorher wichtige Geheimnisse anvertraut und er hatte sie trotz der
+fürchterlichsten Qualen, die ihm der spanische Stiefel und die
+Daumschraube bereitet, treu bewahrt. Seine seltene Standhaftigkeit hatte
+ihm das Vertrauen und die Achtung des Prinzen in eben so hohem Grade
+erworben, als irgend ein Andrer, außer Bentinck, sich derselben
+erfreute.[67] Ferguson konnte nicht ruhig bleiben, wenn eine Revolution
+im Werke war. Er sicherte sich einen Platz zur Überfahrt auf der Flotte
+und entfaltete eine große Thätigkeit unter seinen Mitemigranten; aber er
+fand überall Mißtrauen und Verachtung. Unter der Schaar von unwissenden
+und heißblütigen Verbannten, welche den schwachen Monmouth ins Verderben
+geführt, war er ein großer Mann gewesen; unter den ernsten Staatsmännern
+und Generälen aber, welche die Sorgen des entschlossenen und umsichtigen
+Wilhelm theilten, war kein Platz für einen niedrigdenkenden, halb
+wahnsinnigen und halb schurkischen Agitator.
+
+ [Anmerkung 67: +Burnet I. 584+; +Mackay's Memoirs.+]
+
+
+[_Wilhelm's Erklärung._] Der Unterschied zwischen der Expedition von
+1685 und der von 1688 zeigte sich schon deutlich genug in der
+Verschiedenheit der Manifeste, welche die Führer der beiden
+Unternehmungen erließen. Für Monmouth hatte Ferguson ein abgeschmacktes
+und gemeines Libell über den Brand von London, die Ermordung Godfrey's
+und Essex' und die Vergiftung Karl's geschmiert. Wilhelm's Erklärung war
+von dem Großpensionär Fagel verfaßt, der als ausgezeichneter Publicist
+bekannt war. Obgleich gehaltvoll und wohldurchdacht, war sie doch in
+ihrer ursprünglichen Form zu weitschweifig; aber sie wurde von Burnet,
+der populär zu schreiben verstand, abgekürzt und ins Englische
+übersetzt. Sie begann mit einer feierlichen Einleitung, in welcher
+gesagt war, daß in jedem Staate die strenge Beobachtung des Gesetzes für
+das Wohl der Nationen wie für die Sicherheit der Regierung gleich
+nothwendig sei. Der Prinz von Oranien habe daher mit tiefer Betrübniß
+gesehen, daß die Grundgesetze eines Reiches, mit dem er durch Bande des
+Bluts und durch Verheirathung so eng verbunden sei, durch den Rath
+schlimmer Rathgeber gröblich und systematisch verletzt worden seien. Das
+Recht von Parlamentsacten zu dispensiren, sei bis zu einem solchen
+Punkte ausgedehnt worden, daß die ganze legislative Gewalt auf die Krone
+übertragen worden sei. Von den Gerichten habe man dem Geiste der
+Verfassung widerstreitende Erkenntnisse erlangt, indem man einen Richter
+nach dem andren abgesetzt, bis die Bank nur aus Männern bestanden habe,
+welche bereit gewesen seien, den Befehlen der Regierung blindlings zu
+gehorchen. Trotz der wiederholten Versicherungen des Königs, daß er die
+Staatsreligion aufrechterhalten werde, seien anerkannten Feinden dieser
+Religion nicht nur bürgerliche Ämter, sondern auch geistliche Pfründen
+verliehen worden. Trotz ausdrücklicher Gesetze sei das Kirchenregiment
+einem Collegium übertragen worden, das eine neue Hohe Commission sei und
+in diesem Collegium sitze ein erklärter Papist. Gute Unterthanen seien
+deshalb, weil sie sich weigerten, ihre Pflicht und ihre Eide zu
+verletzen, der Magna Charta der englischen Freiheiten zum Hohn aus ihrem
+Eigenthum vertrieben worden. Dagegen seien Leute, welche dem Gesetze
+nach die Insel gar nicht betreten dürften, zur Verderbniß der Jugend an
+die Spitze von Seminarien gestellt worden. Grafschaftsstatthalter,
+stellvertretende Statthalter und Friedensrichter seien massenhaft
+abgesetzt worden, weil sie sich geweigert hätten eine verderbliche und
+verfassungswidrige Politik zu unterstützen. Die Freiheiten fast jedes
+Boroughs im Lande seien verletzt worden. Die Gerichtshöfe seien in einem
+Zustande, daß ihre Erkenntnisse selbst in Civilklagen kein Vertrauen
+mehr einflößten und daß ihre Servilität in Criminalsachen das Königthum
+mit unschuldigem Blute befleckt habe. Alle diese Mißbräuche, deren das
+englische Volk müde sei, sollten nun, wie es scheine, durch ein Heer
+irischer Papisten vertheidigt werden. Und dies sei noch nicht Alles. Die
+willkürlichsten Fürsten hätten es einem Unterthanen nie als ein
+Verbrechen angerechnet, wenn er bescheiden und friedlich seine
+Beschwerden angebracht und um Abhülfe gebeten habe. Aber das
+Petitioniren werde jetzt in England als ein schweres Vergehen
+betrachtet. Die Väter der Kirche seien wegen keines andren Verbrechens,
+als weil sie dem Landesherrn eine in den ehrerbietigsten Ausdrücken
+abgefaßte Petition überreicht, ins Gefängniß geworfen und ihnen der
+Prozeß gemacht worden, und jeden Richter, der sich zu ihren Gunsten
+ausgesprochen, habe man ohne weiteres abgesetzt. Die Einberufung eines
+freien und gesetzlichen Parlaments könne allerdings diesen Übeln wirksam
+abhelfen, aber die Nation dürfe nicht hoffen ein solches Parlament zu
+erhalten, wenn nicht der ganze Geist der Verwaltung ein andrer werde. Es
+sei offenbar die Absicht des Hofes durch neu organisirte Wahlkörper und
+papistische Wahlbeamte eine Versammlung zusammenzubringen, welche nur
+dem Namen nach ein Haus der Gemeinen sein werde. Endlich erregten
+gewisse Umstände den dringenden Verdacht, daß das Kind, welches den
+Namen eines Prinzen von Wales erhalten habe, nicht wirklich von der
+Königin geboren sei. Aus diesen Gründen habe der Prinz, eingedenk seiner
+nahen Verwandtschaft mit dem königlichen Hause und dankbar für die
+Zuneigung, die das englische Volk seiner geliebten Gemahlin und ihm
+selbst stets bewiesen habe, sich entschlossen, der Aufforderung vieler
+geistlichen und weltlichen Lords und vieler anderer Personen aus allen
+Ständen Folge zu leisten und an der Spitze einer zur Begegnung
+gewaltsamen Widerstandes hinreichenden Streitmacht nach England
+hinüberzugehen. Jeden Gedanken an Eroberung wies er entschieden zurück.
+Er erklärte, daß seine Truppen während ihres Aufenthalts auf der Insel
+unter strengster Kriegszucht gehalten und daß sie sobald die Nation von
+der Tyrannei befreit sei, wieder zurückgeschickt werden sollten. Sein
+einziger Zweck sei die Versammlung eines freien und gesetzlichen
+Parlaments, und er verpflichtete sich feierlich, alle öffentlichen und
+privaten Fragen der Entscheidung eines solchen Parlaments zu überlassen.
+
+Sobald Exemplare von dieser Erklärung im Haag ausgegeben waren, begannen
+auch schon Zeichen von Meinungsverschiedenheit sichtbar zu werden. Der
+im Unheilstiften unermüdliche Wildman bewog einige seiner Landsleute,
+unter Anderen den starrsinnigen und leichtfertigen Mordaunt, zu der
+Erklärung, daß sie auf solche Gründe hin die Waffen nicht ergreifen
+würden. Das Manifest sei nur darauf berechnet, den Kavalieren und den
+Geistlichen zu gefallen. Die Gewaltthätigkeiten gegen die Kirche und der
+Prozeß der Bischöfe seien zu sehr in den Vordergrund gestellt und es sei
+gar nichts von der Tyrannei gesagt, mit der die Tories vor ihrem Bruche
+mit dem Hofe die Whigs behandelt hätten. Wildman legte hierauf einen von
+ihm selbst verfaßten Gegenentwurf vor, der, wenn er angenommen worden
+wäre, der ganzen anglikanischen Geistlichkeit und vier Fünftheilen des
+grundbesitzenden Adels mißfallen haben würde. Die Whighäupter opponirten
+ihm energisch. Russell insbesondere erklärte, daß, wenn ein so
+verkehrter Weg eingeschlagen würde, es mit der Coalition, von welcher
+allein die Nation Befreiung erwarten könne, vorbei sei. Der Streit wurde
+endlich durch einen Machtspruch Wilhelm's geschlichtet, der mit
+gewohntem richtigen Takt entschied, daß das Manifest im Wesentlichen so
+wie Fagel und Burnet es entworfen hatten, beibehalten werden solle.[68]
+
+ [Anmerkung 68: +Burnet I., 775, 780+.]
+
+
+[_Jakob fängt an die Gefahr zu ahnen._] Während dies in Holland geschah,
+hatte Jakob endlich die ihm drohende Gefahr erkannt. Von verschiedenen
+Seiten kamen Nachrichten, die man nicht unbeachtet lassen konnte, bis
+endlich eine Depesche von Albeville jedem Zweifel ein Ende machte. Als
+der König sie gelesen hatte, sollen seine Wangen sich entfärbt haben und
+er soll eine Weile sprachlos geblieben sein.[69] Er hatte in der That
+auch Ursache zu erschrecken. Der erste Ostwind sollte eine feindliche
+Flotte an die Küsten seines Reiches bringen. Ganz Europa, mit Ausnahme
+einer einzigen Macht, erwartete ungeduldig die Nachricht von seinem
+Sturze, und den Beistand dieser einzigen Macht hatte er thörichterweise
+abgelehnt. Ja, er hatte sogar die freundschaftliche Intervention, die
+ihn hätte retten können, mit Beleidigungen vergolten. Die französischen
+Armeen, welche zur Einschüchterung der Generalstaaten hätten verwendet
+werden können, wenn er nicht so verblendet gewesen wäre, belagerten
+Philippsburg und hielten Mainz besetzt. In wenigen Tagen mußte er
+vielleicht auf englischem Boden für seine Krone und für das Geburtsrecht
+seines Sohnes kämpfen.
+
+ [Anmerkung 69: +Eachard's History of the Revolution, II. 2+.]
+
+
+[_Seine Seemacht._] Anscheinend standen ihm allerdings große Mittel zu
+Gebote. Die Flotte war in einem viel besseren Zustande als zur Zeit
+seiner Thronbesteigung, und diese Verbesserung muß zum Theil seinen
+eigenen Anstrengungen zugeschrieben werden. Er hatte keinen
+Lordgroßadmiral oder Admiralitätsrath ernannt, sondern die Hauptleitung
+der Marineangelegenheiten in seiner eignen Hand behalten und Pepys hatte
+ihn dabei kräftig unterstützt. Ein Sprichwort sagt, daß der Blick eines
+Meisters sicherer ist, als der eines Stellvertreters, und in einer Zeit
+der Bestechung und der Unterschleife kann man annehmen, daß ein
+Verwaltungszweig, dem der Souverain selbst, sei er auch von noch so
+beschränkten Gaben, genaue persönliche Aufmerksamkeit zuwendet, von
+Mißbräuchen verhältnißmäßig ziemlich frei bleiben wird. Ein
+geschickterer Marineminister als Jakob würde nicht schwer zu finden
+gewesen sein; schwerlich aber würde man unter den damaligen
+Staatsmännern einen Marineminister gefunden haben, der nicht Vorräthe
+nutzlos vergeudet, von Lieferanten Bestechungen angenommen und der Krone
+Kosten für Reparaturen aufgebürdet haben würde, welche nie gemacht
+worden waren. Der König war in der That fast der Einzige, von dem man
+überzeugt sein konnte, daß er den König nicht bestehlen würde. Daher
+waren denn auch während der letzten drei Jahre auf den Schiffswerften
+viel weniger Veruntreuungen und Diebereien vorgekommen als früher. Es
+waren wirklich seetüchtige Schiffe gebaut worden und durch eine
+zweckmäßige Verordnung waren die Gehalte der Kapitaine erhöht, zu
+gleicher Zeit aber auch ihnen streng verboten worden, ohne besondere
+königliche Erlaubniß Waaren von einem Hafen zum andren zu führen. Die
+Wirkung dieser Reformen machte sich schon bemerkbar, und es wurde Jakob
+nicht schwer, in kurzer Zeit eine ansehnliche Flotte auszurüsten.
+Dreißig Linienschiffe dritten und vierten Ranges wurden unter dem
+Commando Lord Dartmouth's in der Themse versammelt. Dartmouth's
+Loyalität war über jeden Zweifel erhaben, und er galt für eben so
+geschickt und kenntnißreich in seinem Fache als irgend einer der
+patrizischen Seeleute, die sich damals ohne ordentliche seemännische
+Erziehung und Ausbildung zu den höchsten Schiffscommando's
+emporschwangen und welche zu gleicher Zeit Flaggenoffiziere zur See und
+Infanterieobersten im Landheere waren.[70]
+
+ [Anmerkung 70: +Pepys's Memoirs relating to the Royal Navy, 1690+;
+ +Clarke's Life of James the Second, II. 186. Orig. Mem.+; Adda,
+ 24. Sept. (4. Oct.); Citters, 21. Sept. (1. Oct.)]
+
+
+[_Seine militairischen Mittel._] Die reguläre Armee war die stärkste,
+die je ein König von England zu seiner Verfügung gehabt hatte, und sie
+wurde rasch noch verstärkt. Alle vorhandenen Regimenter wurden um neue
+Compagnien vermehrt und neue Regimenter ausgehoben. Die Stärke des
+englischen Heeres wurde dadurch um viertausend Mann erhöht; dreitausend
+Mann wurden eiligst aus Irland gesendet und eine gleiche Anzahl erhielt
+Befehl, aus Schottland nach dem Süden zu marschiren. Jakob schätzte die
+Streitmacht, die er den Einfallenden entgegenstellen konnte, auf
+vierzigtausend Mann, ungerechnet die Miliz.[71]
+
+Flotte und Landheer waren sonach mehr als ausreichend, um eine
+holländische Invasion zurückzuschlagen. Konnte man sich aber auf die
+Flotte und auf die Armee verlassen? Mußte man nicht befürchten, daß die
+Milizen zu Tausenden zu der Fahne ihres Befreiers übergehen würden? Die
+Partei, welche vor einigen Jahren für Monmouth das Schwert gezogen,
+konnte es gewiß kaum erwarten, den Prinzen von Oranien willkommen zu
+heißen. Und was war aus der Partei geworden, welche siebenundvierzig
+Jahre lang das Bollwerk der Monarchie gewesen? Wo waren jetzt die
+tapferen Gentlemen, welche stets bereit gewesen waren, ihr Blut für die
+Krone zu vergießen? Mißhandelt und verhöhnt, von der Richterbank
+vertrieben und aller militairischen Commando's beraubt, sahen sie die
+Gefahr ihres undankbaren Gebieters mit unverhohlener Schadenfreude. Wo
+waren die Priester und Prälaten, welche auf zehntausend Kanzeln die
+Pflicht des Gehorsams gegen den gesalbten Stellvertreter Gottes
+gepredigt hatten? Einige waren eingekerkert. Andere ausgeplündert. Alle
+waren unter das eiserne Regiment der Hohen Commission gestellt worden
+und hatten beständig gefürchtet, daß eine neue Laune der Tyrannei sie
+ihrer Pfründen berauben und ohne ein Stück Brot lassen würde. Daß die
+Männer der Staatskirche den Grundsatz, auf den sie immer das größte
+Gewicht gelegt hatten, so vollständig vergessen würden, um sich dem
+thätigen Widerstande anzuschließen, schien auch jetzt noch unglaublich.
+Aber konnte ihr Unterdrücker erwarten, daß er bei ihnen noch den Geist
+finden werde, der unter der vorhergehenden Generation die Armeen Essex'
+und Waller's besiegt, und sich nur nach einer verzweifelten Gegenwehr
+dem Genie und der Kraft Cromwell's unterworfen hatte?
+
+ [Anmerkung 71: +Clarke's Life of James the Second. II. 186. Orig.
+ Mem.+; Adda, 24. Sept. (4. Oct.); Citters, 21. Sept. (1. Oct.)]
+
+
+[_Er versucht es, seine Unterthanen mit sich auszusöhnen._] Der Tyrann
+wurde von der Angst überwältigt. Er sagte nicht mehr, daß Nachgiebigkeit
+die Fürsten jederzeit ins Verderben gestürzt habe, und gab gezwungen zu,
+daß er sich herablassen müsse, den Tories noch einmal zu
+schmeicheln.[72] Man hat Grund zu der Annahme, daß um diese Zeit Halifax
+eingeladen wurde, wieder ein Ministerium zu übernehmen und daß er auch
+nicht abgeneigt dazu war. Die Rolle eines Vermittlers zwischen den
+Throne und der Nation war diejenige, zu der er sich am besten eignete
+und nach der er am eifrigsten strebte. Warum die betreffende
+Unterhandlung mit ihm abgebrochen wurde, ist nicht bekannt, aber es ist
+nicht unwahrscheinlich, daß die Dispensationsfrage das unübersteigliche
+Hinderniß war. Sein Widerwille gegen diese Befugniß war vor drei Jahren
+die Veranlassung zu seiner Ungnade gewesen, und es war seitdem nichts
+geschehen, was geeignet gewesen wäre ihn andren Sinnes zu machen. Jakob
+seinerseits hatte sich fest vorgenommen, in diesem Punkte kein
+Zugeständniß zu machen.[73] In anderen Dingen war er minder starrsinnig.
+Er erließ eine Proklamation, in der er feierlich versprach, die
+anglikanische Kirche zu schützen und die Uniformitätsacte aufrecht zu
+erhalten. Er erklärte sich bereit, um der Eintracht willen große Opfer
+zu bringen. Er wolle nicht mehr darauf beharren, daß Katholiken ins
+Unterhaus zugelassen würden und er hege das gute Vertrauen zu seinem
+Volke, daß es einen solchen Beweis von seinem aufrichtigen Willen, ihren
+Wünschen zu entsprechen, gebührend anerkennen werde. Drei Tage später
+kündigte er an, daß es seine Absicht sei, alle Magistratsbeamten und
+stellvertretenden Lieutenants, welche entlassen worden waren, weil sie
+seine Politik nicht hatten unterstützen wollen, wieder anzustellen. Den
+Tag nach dem Erscheinen dieser Ankündigung wurde Compton's Suspension
+wieder aufgehoben.[74]
+
+ [Anmerkung 72: Adda, 28. Sept. (8. Oct.) 1688. In dieser Depesche
+ ist Jakob's Angst vor einem allgemeinen Abfalle seiner Unterthanen
+ kräftig geschildert.]
+
+ [Anmerkung 73: Die spärlichen Aufschlüsse, welche wir über diese
+ Unterhandlung haben, verdanken wir Reresby. Seine Quelle war eine
+ Dame, die er nicht nennt und der man gewiß nicht unbedingt glauben
+ durfte.]
+
+ [Anmerkung 74: +London Gazette, Sept. 24., 27., Oct. 1. 1688+.]
+
+
+[_Er bewilligt den Bischöfen eine Audienz._] Zu gleicher Zeit gab der
+König allen damals in London anwesenden Bischöfen eine Audienz. Sie
+hatten um eine solche nachgesucht, um ihm in seiner kritischen Lage
+ihren Rath anzubieten. Der Primas führte das Wort. Er bat ehrerbietig
+darum, daß die Verwaltung den Händen gehörig qualificirter Personen
+übergeben, daß alle unter dem Vorwande des Dispensationsrechts
+vorgenommenen Acte widerrufen, daß die kirchliche Commission
+abgeschafft, daß die dem Magdalenen-Collegium zugefügte Unbill wieder
+gutgemacht und daß die alten Privilegien der Municipalkörperschaften
+wiederhergestellt werden möchten. Er gab sehr deutlich zu verstehen, daß
+es ein wünschenswerthes Mittel gebe, durch welches der Thron vollkommen
+gesichert und das erschütterte Reich wieder beruhigt werden könne. Wenn
+Seine Majestät die zwischen der römischen und anglikanischen Kirche
+obschwebenden Streitpunkte nochmals in Erwägung ziehen wolle, so würde
+er durch die Gründe, welche sie ihm vorzutragen wünschten, unter Gottes
+Beistande vielleicht zu der Überzeugung gebracht werden, daß es seine
+Pflicht sei, zu dem Glauben seines Vaters und seines Großvaters
+zurückzukehren. Bis hierher, fuhr Sancroft fort, habe er die Ansicht
+seiner Collegen ausgesprochen. Aber es sei noch ein Punkt, über den er
+sich nicht mit ihnen berathen habe, auf den er jedoch den König
+aufmerksam machen zu müssen glaube. Allerdings sei er auch das einzige
+Mitglied seines Standes, welches diesen Gegenstand berühren dürfe, ohne
+sich dem Verdachte eines eigennützigen Beweggrundes auszusetzen. Der
+erzbischöfliche Stuhl von York war seit drei Jahren erledigt. Der
+Erzbischof bat den König dringend, er möge denselben schleunigst mit
+einem frommen und gelehrten Geistlichen besetzen, und fügte hinzu, es
+werde sich unter den eben Anwesenden leicht, ein solcher Mann finden.
+Der König verstand es sich hinreichend zu beherrschen, um für diesen
+bitteren Rath zu danken und zu versprechen, daß er denselben in Erwägung
+ziehen wolle.[75] Von dem Dispensationsrecht aber wollte er durchaus
+nichts nachlassen. Keine gesetzlich unqualificirte Person wurde von
+irgend einem bürgerlichen oder militairischen Amte entfernt. Aber einige
+von Sancroft's Vorschlägen wurden befolgt. Binnen zweimal vierundzwanzig
+Stunden war der Gerichtshof der Hohen Commission abgeschafft.[76] Es
+ward beschlossen, der Hauptstadt ihren vor sechs Jahren entzogenen
+Freibrief zurückzugeben und der Kanzler selbst mußte das ehrwürdige
+Pergament feierlich nach der Guildhall tragen.[77] Acht Tage später
+erfuhr das Publikum, daß der Bischof von Winchester, der vermöge seiner
+amtlichen Stellung Visitator des Magdalenen-Collegiums war, vom Könige
+beauftragt sei, alle Mißstände in diesem Collegium abzustellen. Zu
+dieser letzten Demüthigung hatte sich der König nicht ohne langen
+inneren Kampf und bitteren Schmerz entschlossen. Er verstand sich in der
+That erst dazu, nachdem der apostolische Vikar Leyburn, der sich bei
+jeder Gelegenheit als einsichtsvoller und rechtschaffener Mann benommen
+zu haben scheint, erklärt hatte, daß seiner Ansicht nach den
+vertriebenen Collegiaten und ihrem Präsidenten Unrecht gethan worden sei
+und daß ihre Wiedereinsetzung aus religiösen wie aus politischen Gründen
+erfolgen müsse.[78] Nach wenigen Tagen erschien eine Proklamation,
+welche die entzogenen Privilegien aller Municipalkörperschaften
+wiederherstellte.[79]
+
+ [Anmerkung 75: +Tanner MSS+; +Burnet I. 784+. Burnet hat, wie ich
+ glaube, diese Audienz mit einer andren verwechselt, welche einige
+ Wochen später stattfand.]
+
+ [Anmerkung 76: +London Gazette, Oct. 8. 1688.+]
+
+ [Anmerkung 77: +Ibid.+]
+
+ [Anmerkung 78: +Ibid. Oct. 15, 1688+; Adda, 12.(22.) Oct. Obgleich
+ der Nuntius im Allgemeinen Gewaltmaßregeln abgeneigt war, so
+ scheint er doch gegen die Wiedereinsetzung Hough's opponirt zu
+ haben, wahrscheinlich aus Rücksicht auf die Interessen Giffard's
+ und der anderen Katholiken, welche Mitglieder des
+ Magdalenen-Collegiums waren. Leyburn erklärte selbst: +»Nel
+ sentimento che fosse stato uno spoglio, e che il possesso in cui
+ si trovano ora li Cattolici fosse violento ed illegale, onde non
+ era privar questi di un dritto acquisto, ma rendere agli altri
+ quello era stato levalo con violenza.«+]
+
+ [Anmerkung 79: +London Gazette, Oct. 18. 1688+.]
+
+
+[_Seine Zugeständnisse werden übel aufgenommen._] Jakob schmeichelte
+sich mit der Hoffnung, daß die ausgedehnten Zugeständnisse, die er im
+Laufe eines Monats gemacht, ihm die Herzen seines Volks wieder gewinnen
+würden. Es unterliegt auch keinem Zweifel, daß diese Zugeständnisse,
+wenn sie gemacht worden wären, als noch kein Grund zu der Befürchtung
+eines Einfalls von Seiten Hollands vorhanden war, viel zur Versöhnung
+der Tories beigetragen haben würden. Aber Fürsten, welche der Angst
+zugestehen, was sie der Gerechtigkeit verweigert haben, dürfen keinen
+Dank erwarten. Seit drei Jahren war der König gegen alle Vorstellungen
+und Bitten taub gewesen. Jeder Minister, der sich erlaubt hatte, seine
+Stimme zu Gunsten der bürgerlichen und kirchlichen Verfassung des Reichs
+zu erheben, war in Ungnade gefallen. Ein ausgezeichnet loyales Parlament
+hatte es gewagt, bescheiden und ehrerbietig gegen eine Verletzung der
+Grundgesetze Englands zu protestiren; es hatte dafür einen strengen
+Verweis erhalten und war prorogirt und aufgelöst worden. Ein Richter
+nach dem andren war des Hermelins beraubt worden, weil er sich geweigert
+hatte, Erkenntnisse abzugeben, welche dem gemeinen Rechte und dem
+Gesetzbuche zuwiderliefen. Die achtungswerthesten Kavaliere waren von
+jeder Theilnahme an der Verwaltung der Grafschaften ausgeschlossen
+worden, weil sie sich geweigert hatten, die öffentlichen Freiheiten zu
+verrathen. Geistliche waren zu Dutzenden abgesetzt worden, weil sie ihre
+Eide nicht brechen wollten. Prälaten, deren unerschütterlicher Treue der
+König seine Krone verdankte, hatten ihn auf den Knien gebeten, daß er
+ihnen nicht befehlen möchte, die Gesetze Gottes und des Landes zu
+verletzen. Ihre bescheidene Bittschrift war als ein aufrührerisches
+Libell betrachtet worden. Sie waren hart angelassen, bedroht, ins
+Gefängniß geworfen, gerichtlich verfolgt worden und waren mit genauer
+Noth dem gänzlichen Verderben entronnen. Jetzt endlich begann die
+Nation, da sie sah, daß das Recht durch die Macht mit Füßen getreten und
+selbst Bitten als ein Verbrechen betrachtet wurden, auf den Gedanken zu
+kommen, das Kriegsglück zu versuchen. Der Tyrann erfuhr, daß ein
+bewaffneter Befreier zur Hand sei, der von Whigs und Tories, von
+Dissenters und Anglikanern freudig begrüßt werden würde. Da wurde mit
+einem Male Alles anders. Die nämliche Regierung, welche treue und
+eifrige Dienste mit Beraubung und Verfolgung vergolten, die Regierung,
+welche auf gewichtige Gründe und rührende Bitten nur mit Beleidigungen
+und Schmähungen geantwortet hatte, wurde in einem Augenblicke merkwürdig
+freundlich. Jede Nummer der Gazette brachte die Abstellung einer neuen
+Beschwerde. Man sah es also deutlich, daß man sich auf die Billigkeit,
+die Humanität und das verpfändete Wort des Königs nicht verlassen konnte
+und daß er nur so lange gut regieren würde, als er gewaltsamen
+Widerstand fürchtete. Seine Unterthanen waren daher durchaus nicht
+geneigt, ihm ein Vertrauen wieder zu schenken, das er sich völlig
+verscherzt hatte, oder den Druck zu lindern, der ihm die einzigen guten
+Maßregeln seiner ganzen Regierung abgepreßt hatte. Die allgemeine
+Ungeduld, mit der man die Ankunft der Holländer erwartete, nahm mit
+jedem Tage zu. Das Volk verwünschte den Wind, der um diese Zeit
+beharrlich aus dem Westen kam, die Flotte des Prinzen am Auslaufen
+hinderte und zugleich immer neue Regimenter von Dublin nach Chester
+brachte. Man sagte, es sei papistisches Wetter. In Cheapside standen
+fortwährend Massen von Menschen, welche nach der Wetterfahne auf der
+Spitze des schlanken Thurmes der Bowkirche blickten und den Himmel um
+protestantischen Wind baten.[80]
+
+Die allgemeine Stimmung wurde noch mehr erbittert durch einen Vorfall,
+der zwar rein zufällig war, aber leicht erklärlicherweise der Perfidie
+des Königs zugeschrieben wurde. Der Bischof von Winchester kündigte an,
+daß er auf königlichen Befehl die vertriebenen Mitglieder des
+Magdalenen-Collegiums wieder einzusetzen gedenke. Er bestimmte zu der
+Feierlichkeit den 21. October und traf am 20. in Oxford ein. Die ganze
+Universität war in erwartungsvoller Spannung. Die vertriebenen
+Collegiaten waren aus allen Theilen des Landes herbeigekommen, um ihre
+geliebte Heimath wieder in Besitz zu nehmen. Dreihundert berittene
+Gentlemen geleiteten den Visitator nach seiner Wohnung. Während seines
+Zuges durch die Stadt, gingen alle Glocken und High Street war mit einer
+jubelnden Zuschauermenge gefüllt. Er begab sich zur Ruhe. Am andren
+Morgen versammelte sich eine freudig bewegte Menge an den Eingängen des
+Magdalenen-Collegiums; aber der Bischof erschien nicht. Bald erfuhr man,
+daß er durch einen königlichen Boten aus dem Schlafe geweckt und
+aufgefordert worden war, unverzüglich nach Whitehall zu kommen. Diese
+rücksichtslose Täuschung erregte große Verwunderung und Angst; in
+einigen Stunden aber trafen Nachrichten ein, welche Gemüthern, die nicht
+ohne Grund das Schlimmste zu glauben geneigt waren, die Sinnesänderung
+des Königs genügend zu erklären schienen. Die holländische Flotte war
+ausgelaufen, aber durch einen Sturm zurückgetrieben worden. Das Gerücht
+vergrößerte den Unfall. Eine Menge Schiffe sollten zu Grunde gegangen
+und tausende von Pferden umgekommen sein. Jeder Gedanke an ein
+Unternehmen gegen England müsse, wenigstens für dieses Jahr aufgegeben
+werden. Hier mache die Nation wieder eine schöne Erfahrung. So lange
+Jakob einen nahe bevorstehenden Einfall und Aufstand erwartet, habe er
+Befehl zur Wiedereinsetzung Derer gegeben, die er gesetzwidrig beraubt;
+sobald er sich aber wieder für sicher gehalten habe, sei dieser Befehl
+widerrufen worden. Obgleich diese Beschuldigung damals allgemein
+geglaubt und später von Schriftstellern wiederholt wurde, welche hätten
+gut unterrichtet sein können, war sie doch völlig ungegründet. Es ist
+erwiesen, daß die Nachricht von dem Mißgeschick der holländischen Flotte
+auf keinem Wege früher nach Westminster gelangen konnte, als einige
+Stunden nachdem der Bischof von Winchester den Befehl erhalten hatte,
+der ihn von Oxford zurückrief. Der König hatte jedoch wenig Recht, sich
+über den Argwohn seines Volkes zu beschweren. Es war lediglich seine
+Schuld, wenn es zuweilen ohne genaue Untersuchung der Beweise etwas
+seiner unehrlichen Politik zuschrieb, was in Wirklichkeit nur Folge
+eines Zufalls oder eines Versehens war. Daß Leute, welche
+gewohnheitsmäßig ihr Wort brechen, auch dann keinen Glauben finden, wenn
+sie es einmal wirklich zu halten gedenken, ist ein Theil ihrer gerechten
+und natürlichen Strafe.[81]
+
+Es ist bemerkenswerth, daß Jakob sich bei dieser Gelegenheit eine
+unverdiente Beschuldigung lediglich durch das eifrige Bestreben zuzog,
+sich von einer andren eben so unverdienten zu reinigen. Der Bischof war
+so eilig von Oxford zurückberufen worden, um einer außerordentlichen
+Staatsrathssitzung, oder vielmehr einer nach Whitehall berufenen
+Versammlung von Notablen beizuwohnen. Außer den wirklichen Mitgliedern
+des Geheimen Raths nahmen an dieser feierlichen Sitzung alle geistlichen
+und weltlichen Lords Theil, welche zufällig in der Hauptstadt oder doch
+in der Nähe derselben waren, außerdem die Richter, die Kronanwälte, der
+Lordmayor und die Aldermen von London. Petre hatte den Wink bekommen, er
+werde wohl daran thun, wenn er wegbliebe. Es würden auch in der That
+wenige Peers Lust gehabt haben, neben ihm zu sitzen. In der Nähe des
+obersten Sitzes war ein Staatssessel für die Königin Wittwe bereit
+gestellt. Auch die Prinzessin Anna war zur Theilnahme an der Sitzung
+eingeladen worden, hatte sich aber mit Unwohlsein entschuldigt.
+
+ [Anmerkung 80: +»Vento Papista«+, sagt Adda unterm 24. Oct. (3.
+ Nov.) 1688. Der Ausdruck »protestantischer Wind« scheint zuerst
+ auf den Wind angewendet worden zu sein, welcher Tyrconnel eine
+ Zeitlang verhinderte, seine Statthalterschaft in Irland
+ anzutreten. Siehe den ersten Theil des »Lillibullero.«]
+
+ [Anmerkung 81: Alle hierauf bezüglichen Beweise sind in Howell's
+ Ausgabe der Staatsprozesse zusammengestellt.]
+
+
+[_Dem Geheimen Rath werden Beweise für die legitime Geburt des Prinzen
+von Wales vorgelegt._] Jakob sagte dieser zahlreichen Versammlung, daß
+er es für nöthig halte, Beweise für die Geburt seines Sohnes
+beizubringen. Die Einflüsterungen böser Menschen hätten die öffentliche
+Meinung in einer solchen Ausdehnung vergiftet, daß Viele den Prinzen von
+Wales für ein untergeschobenes Kind hielten. Die Vorsehung aber habe es
+mit weiser Hand gefügt, daß kaum je ein andrer Prinz in Anwesenheit so
+vieler Augenzeugen zur Welt gekommen sei. Diese Zeugen traten nun auf
+und gaben ihre Aussagen ab. Nachdem sie sämmtlich zu Protokoll genommen
+waren, erklärte Jakob mit großer Feierlichkeit, daß die ihm zur Last
+gelegte Beschuldigung durchaus falsch sei und daß er lieber einen
+tausendfachen Tod sterben als einem seiner Kinder Unrecht thun würde.
+
+Alle Anwesenden schienen befriedigt zu sein. Die Zeugenaussagen wurden
+sogleich veröffentlicht und einsichtsvolle und unparteiische Personen
+erkannten die Glaubwürdigkeit derselben an.[82] Aber die Verständigen
+bilden immer eine Minorität, und unparteiisch war damals kaum irgend
+Jemand. Die ganze Nation war überzeugt, daß jeder aufrichtige Papist es
+für seine Pflicht hielt, einen falschen Eid zu schwören, wenn er dadurch
+dem Interesse seiner Kirche diente, und Leute, welche ursprünglich
+Protestanten, um des Gewinnes willen aber scheinbar zum Papismus
+übergetreten waren, verdienten womöglich noch weniger Glauben als
+aufrichtige Papisten. Die Aussagen aller Derjenigen, welche diesen
+beiden Klassen angehörten, wurden daher von vornherein als null und
+nichtig betrachtet, und dadurch wurde das Gewicht des Beweises, von dem
+sich Jakob viel versprochen hatte, bedeutend verringert. Was übrig blieb
+wurde boshaft bekrittelt. Gegen jeden der protestantischen Zeugen,
+welche etwas Wesentliches ausgesagt, hatte man etwas einzuwenden. Der
+Eine war notorisch ein habgieriger Schmarotzer; der Andre hatte zwar
+seinen Glauben nicht abgeschworen, war aber nahe verwandt mit einem
+Apostaten. Die Leute fragten, wie sie von Anfang an gefragt hatten,
+warum, wenn Alles mit rechten Dingen zugegangen sei, der König nicht
+dafür gesorgt habe, daß die Geburt genügender bewiesen werden könne, da
+er doch gewußt habe, daß Viele an der wirklichen Schwangerschaft der
+Königin zweifelten? Lag etwa nichts Verdächtiges in der falschen
+Berechnung der Zeit, sowie in der Abwesenheit der Prinzessin Anna und
+des Erzbischofs von Canterbury? Warum war kein Prälat der Landeskirche
+anwesend? Warum war der holländische Gesandte nicht zugezogen worden?
+Warum vor Allem hatten die Hyde, diese loyalen Diener der Krone, diese
+treuen Söhne der Kirche und natürlichen Wächter der Interessen ihrer
+Nichten, sich nicht unter den Schwarm von Papisten mischen dürfen,
+welcher in und neben dem Schlafgemache der Königin versammelt war? Warum
+mit einem Worte befand sich in der langen Liste der Anwesenden nicht ein
+einziger Name, der das Vertrauen und die Achtung des Publikums genoß?
+Die wahre Antwort auf diese Fragen war, daß der König einen beschränkten
+Verstand und einen despotischen Character besaß und daß er mit Freuden
+eine Gelegenheit ergriffen hatte, um seine Geringschätzung der Meinung
+seiner Unterthanen an den Tag zu legen. Der große Haufe aber, dem diese
+Erklärung nicht genügte, schrieb das, was lediglich die Wirkung von
+Thorheit und Verkehrtheit war, einer vorsätzlichen bösen Absicht zu. Und
+diese Meinung beschränkte sich nicht allein auf den großen Haufen. Lady
+Anna sprach am Morgen nach der Staatsrathssitzung bei ihrer Toilette so
+höhnisch von den Zeugenaussagen, daß selbst die Kammerfrauen, welche sie
+ankleideten, sich Scherze darüber erlaubten. Einige von den Lords,
+welche in der Sitzung zugegen gewesen waren und befriedigt zu sein
+schienen, waren in der That keineswegs überzeugt. Lloyd, Bischof von St.
+Asaph, dessen Frömmigkeit und Gelehrsamkeit allgemeine Achtung gebot,
+glaubte bis ans Ende seines Lebens, daß ein Betrug gespielt worden sei.
+
+ [Anmerkung 82: Sie finden sich mit ausführlichen Erläuterungen in
+ Howell's Ausgabe der Staatsprozesse.]
+
+
+[_Sunderland's Ungnade._] Die vor dem Geheimen Rathe abgegebenen
+Zeugenaussagen waren erst wenige Stunden in den Händen des Publikums,
+als sich das Gerücht verbreitete, daß Sunderland aller seiner Stellen
+entsetzt worden sei. Die Nachricht von seiner Ungnade scheint die
+Kaffeehauspolitiker überrascht zu haben, kam aber Denen, welche die
+Vorgänge im Palaste beobachtet hatten, nicht unerwartet. Verrath hatte
+man weder durch rechtlichen noch durch greifbaren Beweis auf ihn bringen
+können; Diejenigen aber, die ihn scharf im Auge hielten, hatten ihn
+stark in dem Verdachte, daß er auf diesem oder jenem Wege mit den
+Feinden der Regierung, bei der er eine so hohe Stellung einnahm,
+Verbindungen unterhielt. Mit frecher Stirn wünschte er alles zeitliche
+und ewige Verderben auf sich herab, wenn er schuldig sei. Er betheuerte,
+sein einziger Fehler bestehe darin, daß er der Krone zu eifrig gedient
+habe. Habe er der königlichen Sache nicht Bürgschaften gegeben? Habe er
+nicht jede Brücke abgebrochen, über die er im Fall eines Unglücks seinen
+Rückzug hätte bewerkstelligen können? Habe er nicht fortwährend das
+Dispensationsrecht aufs äußerste vertheidigt, in der Hohen Commission
+gesessen, den Verhaftsbefehl gegen die Bischöfe unterzeichnet und sei er
+nicht mit eigner Lebensgefahr unter dem Gezisch und den Verwünschungen
+der Tausende, welche damals Westminsterhall füllten, als Zeuge gegen sie
+aufgetreten? Habe er nicht den glänzendsten Beweis von seiner Treue
+gegeben, indem er seinem Glauben entsagt und öffentlich zu einer der
+Nation verhaßten Kirche übergetreten sei? Was habe er von einer
+Veränderung zu hoffen? Habe er nicht Alles zu fürchten? So plausible
+diese Gründe waren und obgleich sie mit der schlauesten Gewandtheit
+hervorgehoben wurden, sie vermochten den Eindruck, der von hundert
+verschiedenen Seiten gleichzeitig aufgetauchten Einflüsterungen und
+Gerüchte nicht zu verwischen. Der König wurde von Tag zu Tag kälter.
+Sunderland versuchte es nun, sich an die Königin anzulehnen, erlangte
+auch eine Audienz bei Ihrer Majestät und befand sich gerade in ihrem
+Zimmer, als Middleton eintrat und ihm auf Befehl des Königs die Siegel
+abverlangte. An diesem Abend hatte der gefallene Minister die letzte
+Privatunterredung mit dem Fürsten, dem er geschmeichelt und den er
+hintergangen hatte. Die Unterredung war höchst merkwürdig. Sunderland
+spielte den verleumdeten Tugendhelden mit seltener Vollendung. Er sagte,
+er bedaure den Verlust des Staatssekretariats und der Präsidentschaft im
+Geheimen Rathe nicht, wenn ihm nur die Achtung seines Herrn und
+Gebieters bliebe. »Machen Sie mich nicht zum unglücklichsten Unterthan
+Ihres Reichs, Sire, indem Sie mir die Erklärung verweigern, daß Sie mich
+von Illoyalität freisprechen.« Der König wußte nicht was er denken
+sollte. Ein bestimmter Schuldbeweis lag nicht vor und die Energie und
+der Pathos, womit Sunderland log, hätte einen schärferen Verstand als
+der war, mit dem er es zu thun hatte, täuschen können. Bei der
+französischen Gesandtschaft fanden seine Versicherungen noch immer
+Glauben. Dort erklärte er, daß er noch einige Tage in London bleiben und
+sich am Hofe zeigen werde; dann wolle er sich auf seinen Landsitz in
+Althorpe zurückziehen und seinen zerrütteten Finanzen durch Sparsamkeit
+wieder aufzuhelfen suchen. Sollte eine Revolution ausbrechen, so müsse
+er nach Frankreich flüchten; seine schlecht vergoltene Loyalität lasse
+ihm keine andre Zufluchtsstätte übrig.[83]
+
+Die Sunderland abgenommenen Staatssiegel wurden Preston übergeben.
+Dieselbe Nummer der Gazette, welche diesen Ministerwechsel ankündigte,
+enthielt auch die officielle Nachricht von dem Unfalle, der die
+holländische Flotte betroffen.[84] Dieser Unfall war zwar ernster Art,
+aber doch bei weitem nicht so schlimm, als der König und seine wenigen
+durch ihre Wünsche irregeleiteten Anhänger zu glauben geneigt waren.
+
+ [Anmerkung 83: Barillon, 8.(18.), 15.(25.), 18.(28.) Oct., 25.
+ Oct. (4. Nov.), 27. Oct. (6. Nov.), 29. Oct. (8. Nov.) 1688; Adda,
+ 26. Oct. (5. Nov.).]
+
+ [Anmerkung 84: +London Gazette, Oct. 29. 1688+.]
+
+
+[_Wilhelm nimmt Abschied von den holländischen Generalstaaten._] Am 16.
+October nach englischer Zeitrechnung wurde eine feierliche Sitzung der
+Staaten von Holland gehalten. Der Prinz erschien, um von ihnen Abschied
+zu nehmen. Er dankte ihnen für die freundliche Fürsorge, mit der sie
+über ihn gewacht, als er eine verlassene Waise gewesen, für das
+Vertrauen, das sie ihm während seiner Verwaltung geschenkt und für den
+Beistand, den sie ihm in dieser wichtigen Krisis gewährt hätten. Er bat
+sie überzeugt zu sein, daß er das Wohl seines Vaterlandes stets im Auge
+gehabt und es zu fördern gesucht habe. Er verlasse sie jetzt vielleicht
+auf immer. Wenn er im Kampfe für den reformirten Glauben und für die
+Unabhängigkeit Europa's fallen sollte, so empfehle er sein geliebtes
+Weib ihrer Fürsorge. Der Großpensionair antwortete mit gebrochener
+Stimme und kein Mitglied des ernsten Senates konnte sich der Thränen
+enthalten. Aber Wilhelm's eiserner Stoicismus verleugnete sich nie; er
+stand ruhig und ernst unter seinen weinenden Freunden, als ob er sie nur
+zu einem kurzen Ausfluge nach seinen Jagdgründen bei Loo hätte verlassen
+wollen.[85]
+
+Die Deputirten der vornehmsten Städte begleiteten ihn bis zu seiner
+Yacht. Selbst die Vertreter von Amsterdam, das so lange der Hauptsitz
+der Opposition gegen seine Verwaltung gewesen war, schlossen sich dieser
+Höflichkeitsbezeigung an. In allen Kirchen des Haags wurden an diesem
+Tage öffentliche Gebete für ihn gehalten.
+
+ [Anmerkung 85: Protokolle der Staaten von Holland und
+ Westfriesland; +Burnet, I. 782+.]
+
+
+[_Er schifft sich ein und segelt ab._] Am Abend kam er in Helvoetsluys
+an und begab sich an Bord einer Fregatte, die »Brill« genannt.
+Unmittelbar darauf wurde seine Flagge aufgehißt. Sie zeigte das Wappen
+des Hauses Nassau, verbunden mit dem englischen. Die in drei Fuß hohen
+Buchstaben eingestickte Devise war glücklich gewählt. Das Haus Oranien
+führte seit langer Zeit die elliptische Devise: »Ich werde
+aufrechterhalten« (+Je maintiendrai+); der fehlende Nachsatz wurde jetzt
+durch die Worte ergänzt: »Die Freiheiten Englands und die
+protestantische Religion.«
+
+
+[_Er wird durch einen Sturm zurückgeworfen._] Der Prinz befand sich kaum
+einige Stunden an Bord, so wurde der Wind günstig. Am neunzehnten stach
+die Flotte in See und legte vor einer steifen Brise ungefähr den halben
+Weg zwischen den Küsten Hollands und Englands zurück. Plötzlich aber
+sprang der Wind um, blies stark aus Westen und schwoll zu einem heftigen
+Sturme an. Die zerstreuten Schiffe erreichten mit genauer Noth die
+holländische Küste wieder. Die »Brill« langte am einundzwanzigsten vor
+Helvoetsluys an. Die Schiffsgenossen des Prinzen hatten mit Bewunderung
+bemerkt, daß weder Gefahr noch Mißgeschick nur einen Augenblick seine
+ernste Ruhe gestört hatten. Obgleich er seekrank war, weigerte er sich
+doch ans Land zu gehen, denn er sah ein, daß sein Bleiben an Bord Europa
+am deutlichsten zeigen werde, daß der ihn betroffene Unfall die
+Ausführung seines Vorhabens nur um kurze Zeit verzögern könne. In
+einigen Tagen war die Flotte wieder beisammen. Ein einziges Schiff war
+gescheitert, aber nicht ein Soldat oder Matrose wurde vermißt. Nur
+einige Pferde waren umgekommen, aber diesen Verlust ersetzte der Prinz
+auf der Stelle wieder und noch ehe die London Gazette die Nachricht von
+seinem Unfalle verbreitet hatte, war er schon wieder segelfertig.[86]
+
+ [Anmerkung 86: +London Gazette, Oct. 29. 1688+; +Burnet, I. 782+;
+ Bentinck an seine Gattin, 21.(31.) Oct., 22. Oct.(1. Nov.), 24.
+ Oct. (3. Nov.), 27. Oct. (6. Nov.) 1688.]
+
+
+[_Seine Erklärung kommt in England an._] Seine Erklärung gelangte nur
+einige Stunden vor seiner Ankunft nach England. Am 1. November begannen
+die londoner Politiker heimlich davon zu flüstern, sie ging von Hand zu
+Hand und wurde in die Briefkästen des Postamts geworfen. Einer der
+Agenten wurde verhaftet und die Packete, die er zu besorgen hatte, nach
+Whitehall gebracht. Der König las die Proklamation und sie machte einen
+erschütternden Eindruck auf ihn. Sein erster Gedanke war, das Papier vor
+jedem menschlichen Blicke zu verbergen. Er ließ daher sämmtliche ihm
+überbrachte Exemplare bis auf eines verbrennen, und dieses eine wagte er
+kaum aus den Händen zu geben.[87]
+
+ [Anmerkung 87: Citters, 2.(12.) Nov. 1688; Adda, 2.(12.) Nov.]
+
+
+[_Jakob befragt die Lords._] Der Paragraph des Manifestes, der ihn am
+meisten beunruhigte, war der, in welchem gesagt war, daß einige von den
+geistlichen und weltlichen Peers den Prinzen von Oranien zu einem
+Einfall in England aufgefordert hätten. Halifax, Clarendon und
+Nottingham, welche gerade in London waren, wurden sogleich in den Palast
+beschieden und über diesen Punkt befragt. Halifax weigerte sich anfangs,
+eine Antwort zu geben, obgleich er sich seiner Unschuld bewußt war.
+»Eure Majestät fragt mich, ob ich einen Hochverrath begangen habe,«
+sagte er. »Wenn ich eines solchen verdächtig bin, so lassen Sie mich vor
+den Gerichtshof meiner Peers stellen. Kann Eure Majestät der Antwort
+eines Angeklagten, dessen Leben auf dem Spiele steht, Glauben schenken?
+Selbst wenn ich Seine Hoheit ersucht hätte herüberzukommen, würde ich
+mich ohne Bedenken für nichtschuldig erklären.« Der König erwiederte
+ihm, daß er ihn durchaus nicht als einen Angeklagten betrachte, sondern
+ihn nur gefragt habe, wie ein Gentleman einen Andren, der verleumdet
+worden sei, frage, ob die Verleumdung irgend eine Begründung habe. »In
+diesem Falle,« sagte Halifax, »nehme ich als Gentleman, der mit einem
+Gentleman spricht, keinen Anstand, bei meiner Ehre, die mir eben so
+heilig ist als ein Eid, zu versichern, daß ich den Prinzen von Oranien
+nicht veranlaßt habe herüberzukommen.«[88] Clarendon und Nottingham
+sagten das Nämliche. Noch mehr wünschte der König, die Gesinnung der
+Prälaten zu ergründen. Wenn diese ihm feindlich gesinnt waren, dann war
+sein Thron wirklich in Gefahr. Aber das konnte nicht sein. Daß ein
+Bischof der anglikanischen Kirche sich gegen seinen Souverain empören
+sollte, war etwas Unerhörtes. Compton wurde ins königliche Kabinet
+gerufen und gefragt, ob der Prinz den geringsten Grund zu seiner
+Behauptung habe. Der Bischof war in Verlegenheit, denn er gehörte zu den
+Sieben, welche die Einladung unterzeichnet hatten, und sein nicht sehr
+weites Gewissen wollte ihm wahrscheinlich nicht gestatten, eine positive
+Unwahrheit zu sagen. »Sire,« antwortete er, »ich bin fest überzeugt, daß
+es unter meinen Amtsbrüdern keinen giebt, der in dieser Angelegenheit
+nicht eben so schuldlos wäre, als ich selbst.« Die Zweideutigkeit war
+gut ersonnen; ob aber der Unterschied zwischen der Sünde einer solchen
+Zweideutigkeit und der Sünde einer Lüge irgend eines Aufwandes von
+Erfindungsgeist werth war, mag vielleicht bezweifelt werden. Der König
+war zufriedengestellt. »Ich spreche Sie Alle vollkommen frei,« sagte er;
+»aber ich halte es für nöthig, daß Sie öffentlich die ehrenrührige
+Beschuldigung zurückweisen, die Ihnen in der Erklärung des Prinzen zur
+Last gelegt wird.« Der Bischof bat natürlich darum, das Papier lesen zu
+dürfen, dem er widersprechen sollte; der König aber wollte ihn keinen
+Blick darauf werfen lassen.
+
+Am folgenden Tage erschien eine Proklamation, in der einem Jeden, der es
+wagen sollte, Wilhelm's Manifest zu verbreiten, oder es auch nur zu
+lesen, die härtesten Strafen angedroht wurden.[89] Der Primas und die
+wenigen in London anwesenden geistlichen Peers waren vor den König
+beschieden worden. Preston war, mit der Erklärung des Prinzen in der
+Hand, bei der Audienz zugegen. »Mylords,« sagte der König, »hören Sie
+folgende Stelle. Dieselbe geht Sie an.« Preston las nun den Paragraph
+vor, in welchem die geistlichen Peers erwähnt waren. »Ich glaube kein
+Wort von dem Allen,« fuhr der König fort; »ich bin von Ihrer Unschuld
+überzeugt; aber ich halte es für nöthig Ihnen mitzutheilen, wessen Sie
+beschuldigt sind.«
+
+Der Primas erklärte dem Könige mit vielen Versicherungen der
+Ehrerbietung, daß Seine Majestät ihm nur Gerechtigkeit widerfahren
+lasse. »Ich bin als treuer Unterthan Eurer Majestät geboren,« sagte er,
+»und ich habe meine Unterthanentreue zu wiederholten Malen eidlich
+bekräftigt. Ich kann nur einen König auf einmal haben. Ich habe den
+Prinzen nicht eingeladen herüberzukommen, und ich glaube nicht, daß ein
+einziger von meinen Amtsbrüdern es gethan hat.« -- »Ich weiß gewiß, daß
+ich es nicht gethan habe,« sagte Crewe von Durham. »Ich auch,« setzte
+Cartwright von Chester hinzu. Crewe und Cartwright konnte man wohl
+glauben, denn sie hatten Beide in der Hohen Commission gesessen. Als
+Compton an die Reihe kam, umging er die Frage mit einer Gewandtheit, um
+die ihn ein Jesuit hätte beneiden können. »Ich gab schon gestern Eurer
+Majestät meine Antwort.«
+
+Jakob wiederholte ihnen immer und immer wieder, daß er sie alle
+vollkommen freispreche. Trotzdem dürfte es aber doch für ihn nützlich
+und zu ihrer Ehrenrettung nöthig sein, daß sie sich öffentlich
+rechtfertigten. Er verlangte daher von ihnen die schriftliche Erklärung,
+daß sie den Plan des Prinzen verabscheuten. Sie schwiegen, ihr
+Stillschweigen wurde als Zustimmung betrachtet und sie durften sich
+entfernen.[90]
+
+ [Anmerkung 88: Ronquillo, 12.(22.) Nov. 1688. +»Estas
+ respuestas,«+ sagt Ronquillo, +»son ciertas, aunque mas las
+ encubrian en la corte.«+]
+
+ [Anmerkung 89: +London Gazette, Nov. 5. 1688.+ Die Proklamation
+ ist vom 2. Nov. datirt.]
+
+ [Anmerkung 90: +Tanner MSS.+]
+
+
+[_Wilhelm geht zum zweiten Male unter Segel._] Unterdessen schwamm
+Wilhelm's Flotte auf der Nordsee. Am Abend des Donnerstag, den 2.
+November, ging er wieder unter Segel. Der Wind blies frisch aus Osten.
+Zwölf Stunden lang steuerte die Flotte in nordwestlicher Richtung. Die
+von dem englischen Admiral auf Recognoscirung ausgesandten leichten
+Fahrzeuge brachten Nachrichten, welche die vorherrschende Ansicht, daß
+der Feind in Yorkshire zu landen versuchen werde, bestätigten. Plötzlich
+aber machte die ganze Flotte auf ein vom Schiffe des Prinzen gegebenes
+Signal eine Wendung und steuerte nach dem britischen Kanal. Der nämliche
+Wind, der die Reise der Angreifer begünstigte, verhinderte Dartmouth,
+aus der Themse auszulaufen. Seine Schiffe mußten Raaen und Stengen
+einziehen, und zwei von seinen Fregatten, welche die hohe See gewonnen
+hatten, wurden von dem heftigen Sturme arg zugerichtet und in den Fluß
+zurückgetrieben.
+
+Inzwischen segelte die holländische Flotte rasch vor dem Winde und
+erreichte die Meerenge am Samstag den 3. November ungefähr um zehn Uhr
+Morgens. Wilhelm selbst fuhr mit der »Brill« voraus, und mehr als
+sechshundert Fahrzeuge folgten ihm mit vollen Segeln. Die
+Transportschiffe befanden sich in der Mitte, und die Kriegsschiffe, über
+fünfzig an Zahl, bildeten den äußeren Wehrgürtel. Herbert befehligte die
+ganze Flotte unter dem Titel eines Generallieutenant-Admirals. Sein
+Schiff segelte unter der Nachhut und viele englische Seeleute, die von
+Haß gegen den Papismus erfüllt und durch hohen Sold angelockt waren,
+dienten unter ihm. Es hatte dem Prinzen viele Mühe gekostet einige hohe
+holländische Offiziere dazu zu bewegen, daß sie sich dem Oberbefehl
+eines Ausländers unterwarfen. Diese Anordnung aber war höchst weise. Auf
+der Flotte des Königs herrschte große Unzufriedenheit und ein glühender
+Eifer für den protestantischen Glauben. Aber innerhalb der Erinnerung
+alter Seeleute hatten die holländische und die englische Flotte dreimal
+mit heldenmüthiger Tapferkeit und wechselndem Glücke um die Herrschaft
+auf der See gekämpft. Unsere Seeleute hatten den Besen noch nicht
+vergessen, mit dem Van Tromp den Kanal zu fegen gedroht hatte, und eben
+so wenig das Feuer, welches De Ruyter auf den Werften des Medway
+angezündet. Hätten sich die beiden rivalisirenden Nationen noch einmal
+auf dem Elemente begegnet, auf welchem jede von ihnen die Herrschaft für
+sich in Anspruch nahm, so würde die gegenseitige Erbitterung keinen
+andren Gedanken haben aufkommen lassen. Eine blutige und hartnäckige
+Schlacht würde stattgefunden haben und eine Niederlage wäre für Wilhelm
+der Todesstoß gewesen. Selbst ein Sieg würde alle seine tief
+durchdachten politischen Pläne zerstört haben. Er hatte daher
+wohlweislich beschlossen, die Verfolger, falls er mit ihnen
+zusammentreffen sollte, in ihrer Muttersprache zu begrüßen und sie durch
+einen Admiral, unter dem sie gedient hatten, und den sie hochachteten,
+bitten zu lassen, daß sie nicht gegen alte Kameraden für papistische
+Tyrannei fechten sollten. Eine solche Aufforderung konnte möglicherweise
+einem Zusammenstoße vorbeugen. Erfolgte aber dennoch ein solcher, so
+standen wenigstens zwei englische Befehlshaber einander gegenüber, und
+der Stolz der Inselbewohner wurde nicht verwundet, wenn sie erfuhren,
+daß Dartmouth vor Herbert hatte die Flagge streichen müssen.[91]
+
+ [Anmerkung 91: Avaux, 12.(22.) Juli u. 14.(24.) Aug. 1688. Herr de
+ Jonge, der mit den Nachkommen des holländischen Admirals Evertson
+ verwandt ist, hat die Gefälligkeit gehabt, mir einige aus
+ Familienpapieren entnommene interessante Notizen mitzutheilen. In
+ einem vom 6.(16.) Sept. 1688 datirten Briefe an Bentinck legt
+ Wilhelm ein großes Gewicht auf die Nothwendigkeit, einen
+ Zusammenstoß zu vermeiden und bittet Bentinck darum, dies Herbert
+ vorzustellen. +»Ce n'est pas le tems de faire voir sa bravoure, ni
+ de se battre si l'on le peut éviter. Je luy l'ai déjà dit, mais il
+ sera nécessaire que vous le répétiez, et que vous le luy fassiez
+ bien comprendre.«+]
+
+
+[_Er passirt die Meerenge._] Zum Glück war Wilhelm's Vorsicht
+überflüssig. Bald nach Mittag passirte er die Meerenge. Seine Flotte
+breitete sich auf eine Meile Entfernung von Dover im Norden und von
+Calais im Süden aus. Die Kriegsschiffe auf der äußersten Rechten und der
+äußersten Linken begrüßten beide Festungen gleichzeitig. Die Truppen
+traten auf dem Verdeck unters Gewehr, und das Geschmetter der Trompeten,
+der Klang der Cymbeln und der Trommelwirbel wurden an der englischen und
+der französischen Küste zu gleicher Zeit deutlich gehört. Eine unzählige
+Menge Neugieriger verdunkelte das weiße Gestade von Kent. Eine nicht
+minder zahlreiche Menge bedeckte die Küste der Picardie. Rapin de
+Thoyras, der durch Verfolgung aus seinem Vaterlande vertrieben, in der
+holländischen Armee Dienste genommen hatte und den Prinzen nach England
+begleitete, schilderte viele Jahre später das Schauspiel als das
+prächtigste und erhabenste, das je ein menschliches Auge gesehen. Bei
+Sonnenuntergang befand sich die Flotte auf der Höhe von Beachy Head.
+Jetzt wurden die Lichter angezündet. Das Meer strahlte davon viele
+Meilen im Umkreise. Aber die Blicke aller Steuermänner waren die ganze
+Nacht hindurch auf drei kolossale Laternen gerichtet, welche am Spiegel
+der »Brill« leuchteten.[92]
+
+Unterdessen war von Dover ein Courier nach Whitehall abgeschickt worden
+mit der Nachricht, daß die holländische Flotte die Meerenge passirt habe
+und westwärts steure. Dies machte eine sofortige Abänderung aller
+militairischen Anordnungen nöthig. Nach allen Richtungen hin wurden
+Eilboten ausgesandt, die Offiziere mitten in der Nacht aus den Betten
+geholt. Am Sonntag Morgen um drei Uhr fand in Hyde Park eine große
+Musterung bei Fackelschein statt. In der Voraussetzung, daß Wilhelm in
+Yorkshire landen werde, hatte der König mehrere Regimenter nach dem
+Norden geschickt. Es wurden unverzüglich Expresse abgefertigt, um sie
+zurückzurufen. Alle Truppen bis auf diejenigen, welche zur
+Aufrechthaltung der Ruhe in der Hauptstadt nöthig waren, wurden nach dem
+Westen beordert. Salisbury war zum Sammelplatz bestimmt; da man es aber
+für möglich hielt, daß Portsmouth der erste Angriffspunkt werden könnte,
+so brachen drei Bataillone Garden und ein starkes Kavalleriecorps nach
+dieser Festung auf. In einigen Stunden erfuhr man, daß Portsmouth sicher
+sei, und die Truppen erhielten deshalb sofort den Befehl, umzukehren und
+nach Salisbury zu eilen.[93]
+
+ [Anmerkung 92: +Rapin's History+; +Whittle's Exact Diary+. Ich
+ habe einen aus der damaligen Zeit herrührenden Plan von der
+ Ordnung gesehen, in welcher die Flotte segelte.]
+
+ [Anmerkung 93: Adda, 5.(15.) Nov. 1688; Neuigkeitsbrief in der
+ Mackintosh-Sammlung; Citters, 6.(16.) Nov.]
+
+
+[_Seine Landung bei Torbay._] Als der Sonntag, der 4. November, anbrach,
+hatte die holländische Flotte die Klippen der Insel Wight in Sicht.
+Dieser Tag war zu gleicher Zeit Wilhelm's Geburtstag und Hochzeitstag.
+Während der ersten Stunden des Morgens wurden die Segel losgemacht und
+auf den Schiffen Gottesdienst gehalten. Am Nachmittag und die Nacht
+durch steuerte die Flotte in der bisher verfolgten Richtung weiter.
+Torbay war der Ort, wo Wilhelm zu landen gedachte. Der Morgen des 5.
+November war trübe und nebelig, so daß der Steuermann der »Brill« die
+Seezeichen nicht erkennen konnte und die Flotte zu weit westlich führte.
+Die Gefahr war groß. Dem Wind entgegen wieder umzukehren war unmöglich.
+Der nächste Hafen war Plymouth, aber dort lag eine Garnison unter dem
+Commando des Lord Bath. Diese konnte sich der Landung möglicherweise
+widersetzen und ein Unfall konnte schlimme Folgen haben. Überdies konnte
+man kaum daran zweifeln, daß die königliche Flotte jetzt die Themse
+verlassen hatte und mit vollen Segeln dem Kanal zusteuerte. Russell
+erkannte die ganze Größe der Gefahr und sagte zu Burnet: »Sie können
+immer beten, Doctor. Es ist Alles vorbei.« In diesem Augenblicke sprang
+der Wind um, es erhob sich eine leichte Südbrise, der Nebel zerstreute
+sich, die Sonne schien, und bei dem matten Lichte eines
+Herbstnachmittags wendete sich die Flotte, umschiffte das hohe Cap Berry
+Head und lief wohlbehalten in den Hafen von Torbay ein.[94]
+
+Seit der Zeit, als Wilhelm auf diesen Hafen blickte, hat sich die
+Gestalt desselben sehr verändert. Das Amphitheater, welches das weite
+Becken umgiebt, bietet jetzt überall Zeichen von Wohlstand und
+Civilisation dar. Am nordöstlichen Ende ist ein großer Badeort
+entstanden, dessen milder italienischer Himmel Gäste aus den
+entferntesten Theilen der Insel anzieht, denn hier blüht die Myrthe im
+Freien und selbst der Winter ist milder als in Northumberland der April.
+Die Einwohnerzahl beläuft sich auf ungefähr zehntausend Seelen. Die
+neuerbauten Kirchen und Kapellen, die Bäder und Leseinstitute, die
+Gasthöfe und öffentlichen Gärten, das Krankenhaus und das Museum, die
+sich terrassenförmig an der Küste hinaufziehenden weißen Straßen, die
+hinter Buschwerk und Blumenbeeten hervorschimmernden freundlichen
+Landhäuser gewähren einen Anblick, wie ihn England im siebzehnten
+Jahrhunderte nirgends aufweisen konnte. Auf der andren Seite der Bucht
+liegt, durch Berry Head geschützt, der lebhafte Marktort Brixham, der
+wohlhabendste Sitz unsres Fischhandels. Zu Anfang des gegenwärtigen
+Jahrhunderts wurde hier ein Molo und ein Hafen angelegt, die sich aber
+für den zunehmenden Verkehr bald als ungenügend erwiesen. Die
+Bevölkerung beträgt etwa sechstausend Seelen und der Schiffsverkehr
+beläuft sich auf mehr als zweihundert Segel. Der Tonnengehalt der
+ein- und auslaufenden Schiffe übertrifft sehr oft den des Hafens von
+Liverpool zu den Zeiten der Stuarts. Als aber die holländische Flotte in
+der Torbay vor Anker ging, war sie nur als ein Hafen bekannt, in den
+sich zuweilen die Schiffe vor den Stürmen des atlantischen Oceans
+flüchteten. Das Gewühl des Handels und des Vergnügens störte noch nicht
+die Ruhe ihrer stillen Ufer und nur spärliche Bauer- und Fischerhütten
+lagen zerstreut umher auf dem Boden, der jetzt mit belebten Marktorten
+und prächtigen Lusthäusern bedeckt ist.
+
+Die Landleute an der Küste von Devonshire gedachten noch in Liebe des
+Namens Monmouth und verabscheuten den Papismus. Sie kamen daher ans Ufer
+herbeigeströmt, um Lebensmittel und Dienstleistungen anzubieten. Die
+Ausschiffung begann unverzüglich. Sechzig Böte brachten die Truppen ans
+Ufer. Zuerst wurde Mackay mit den britischen Regimentern ans Land
+gesetzt. Ihm folgte bald nachher der Prinz. Er landete an der Stelle, wo
+sich gegenwärtig der Quai von Brixham befindet. Die Gegend hat jetzt ein
+ganz andres Aussehen. Wo wir jetzt einen mit Fahrzeugen angefüllten
+Hafen und einen von Käufern und Verkäufern wimmelnden Marktort
+erblicken, brachen sich damals die Wogen an einer öden Küste; aber ein
+Stück von dem Felsen, auf den der Befreier beim Aussteigen aus seinem
+Boote trat, ist sorgsam aufbewahrt und in der Mitte des geräuschvollen
+Quais als ein Gegenstand der öffentlichen Verehrung aufgestellt worden.
+
+Sobald der Prinz den Fuß auf festen Boden gesetzt hatte, verlangte er
+Pferde, und zwei Thiere, wie die kleinen Gutsbesitzer sie damals zu
+reiten pflegten, wurden aus dem nächsten Dorfe herbeigeschafft. Wilhelm
+und Schomberg bestiegen dieselben und ritten fort, um die Gegend zu
+recognosciren.
+
+Sobald Burnet ans Land gestiegen war, eilte er zu dem Prinzen, und es
+fand ein ergötzliches Gespräch zwischen ihnen statt. Burnet ergoß sich
+in freudige Beglückwünschungen und fragte dann begierig, was Seine
+Hoheit zu thun gedenke. Militairs haben selten Lust, sich über
+kriegerische Angelegenheiten mit Geistlichen zu berathen, und Wilhelm
+betrachtete die Einmischung von Laien in Kriegsfragen mit noch größerem
+Widerwillen als andere Soldaten bei solchen Gelegenheiten. Aber er war
+in diesem Augenblicke gerade besonders gutgelaunt, und anstatt daher
+durch einen kurzen, dem Gespräch sofort ein Ende machenden Verweis sein
+Mißfallen zu äußern, reichte er seinem Kaplan freundlich die Hand und
+antwortete auf dessen Frage mit einer andren, indem er sagte: »Nun,
+Doctor, was halten Sie jetzt von der Prädestination?« Der Tadel war so
+mild, daß Burnet, der eben nicht sehr feinfühlend war, ihn gar nicht
+fühlte. Er antwortete mit großer Wärme, daß er nie vergessen werde, wie
+sichtbar der Himmel ihr Unternehmen begünstigt habe.[95]
+
+Am ersten Tage hatten die ausgeschifften Truppen manche
+Unannehmlichkeiten zu ertragen. Der Boden war vom Regen erweicht, und
+die Bagage war noch auf den Schiffen. Hohe Offiziere mußten in
+durchnäßten Kleidern auf der feuchten Erde schlafen und der Prinz selbst
+hatte kein besseres Obdach als eine gewöhnliche Hütte. Auf dem
+Strohdache derselben wurde sein Banner aufgepflanzt und einige Betten,
+die man von seinem Schiffe mitgebracht hatte, wurden auf den Boden
+gebreitet.[96] Die Ausschiffung der Pferde machte einige
+Schwierigkeiten, und es hatte ganz den Anschein, als würde dieses
+Geschäft mehrere Tage Zeit wegnehmen. Am folgenden Morgen aber
+erheiterte sich die Aussicht. Der Wind legte sich und das Wasser der Bai
+war eben wie ein Spiegel. Einige Fischer zeigten eine Stelle, wo sich
+die Schiffe der Küste bis auf sechzig Fuß nähern konnten. Dies geschah
+und in drei Stunden wurden mehrere hundert Pferde wohlbehalten ans Land
+geschafft.
+
+Die Ausschiffung war kaum beendigt, so erhob sich der Wind von neuem und
+schwoll bald zu einem heftigen Weststurme an. Der zur Verfolgung den
+Kanal herabkommende Feind war durch den nämlichen Witterungswechsel,
+welcher dem Prinzen die Landung ermöglichte, aufgehalten worden. Seit
+zwei Tagen lag die königliche Flotte auf windstiller See angesichts
+Beachy Head. Endlich konnte Dartmouth wieder unter Segel gehen. Er fuhr
+bei der Insel Wight vorüber und eines seiner Schiffe bekam die
+Mastspitzen der bei Torbay liegenden Holländer in Sicht. Gerade in
+diesem Augenblicke erhob sich der ihm widrige Sturm, der ihn zwang, sich
+in den Hafen von Portsmouth zu flüchten.[97] Jakob, der in
+Schifffahrtsangelegenheiten wohl ein Urtheil hatte, erklärte damals, er
+sei fest überzeugt, daß sein Admiral Alles gethan habe, was in eines
+Menschen Macht stehe und daß er nur der unüberwindlichen Feindschaft des
+Windes und der Wogen gewichen sei. Zu einer späteren Zeit begann der
+unglückliche Fürst mit schlechtem Grunde Dartmouth des Verraths oder
+wenigstens eines Mangels an Energie zu beschuldigen.[98]
+
+Das Wetter hatte in der That die protestantische Sache so auffallend
+begünstigt, daß manche Leute, deren Frömmigkeit größer war als ihr
+Verstand, fest glaubten, die gewöhnlichen Gesetze der Natur seien um der
+Erhaltung der Freiheit und der Religion Englands willen außer Kraft
+gesetzt worden. Gerade vor hundert Jahren, sagten sie, sei die für
+unüberwindlich gehaltene Armada durch den Zorn Gottes vernichtet worden.
+Die bürgerliche Freiheit und die göttliche Wahrheit seien abermals in
+Gefahr gewesen, und wieder hätten die gehorsamen Elemente für die gute
+Sache gekämpft. Der Wind habe kräftig aus Osten geblasen, als der Prinz
+den Kanal hinabzusegeln wünschte, sei nach Süden umgesprungen, als er
+habe in die Torbai einfahren wollen, habe sich für die Dauer der
+Ausschiffung gelegt und sei sobald die Ausschiffung vollendet gewesen,
+wieder zu einem Sturme angeschwollen, der den Verfolgern gerade ins
+Gesicht wehte. Auch unterließ man nicht, auf das sonderbare
+Zusammentreffen Gewicht zu legen, daß der Prinz unsere Küsten gerade an
+dem Tage erreicht hatte, an welchem die anglikanische Kirche die
+wunderbare Errettung des königlichen Hauses und der drei Stände von dem
+schwärzesten Complot, das die Papisten jemals ersonnen, durch Gebet und
+Dankgottesdienst feierte. Carstairs, dessen Winke bei dem Prinzen stets
+beachtet wurden, rieth dazu, daß sogleich nach bewerkstelligter Landung
+ein öffentlicher Dankgottesdienst für den sichtbaren Schutz, den der
+Himmel dem Unternehmen habe angedeihen lassen, gehalten werden solle.
+Der Rath wurde befolgt und hatte außerordentlich gute Wirkung. Die
+Truppen, die sich nun als Günstlinge des Himmels betrachten lernten,
+wurden von neuem Muthe beseelt und das englische Volk faßte die
+günstigste Meinung von einem General und einer Armee, welche den
+Pflichten der Religion so große Aufmerksamkeit schenkten.
+
+Am Dienstag den 6. November begann Wilhelm's Armee landeinwärts zu
+marschiren. Einige Regimenter rückten bis Newton Abbot vor. Ein im
+Mittelpunkte dieses Städtchens errichteter Denkstein bezeichnet noch die
+Stelle, wo die Erklärung des Prinzen den Bewohnern feierlich vorgelesen
+wurde. Die Truppen konnten sich nur langsam vorwärts bewegen, denn der
+Regen fiel in Strömen und die Straßen Englands befanden sich damals noch
+in einem Zustande, der Leuten, welche die vortrefflichen
+Communicationswege Hollands gewohnt waren, entsetzlich vorkam. Wilhelm
+nahm auf zwei Tage sein Hauptquartier in Ford, einer Besitzung der alten
+und vornehmen Familie von Courtenay, unweit Newton Abbot. Er fand hier
+eine prächtige Wohnung und glänzende Bewirthung, aber es ist auffallend,
+daß der Hausherr, obgleich ein eifriger Whig, nicht der Erste sein
+wollte, der Leben und Eigenthum aufs Spiel setzte, und sich sorgfältig
+hütete, irgend etwas zu thun, was, im Fall der König die Oberhand
+behielt, als ein Verbrechen angesehen werden konnte.
+
+ [Anmerkung 94: +Burnet, I. 788+; Auszüge aus den Legge'schen
+ Papieren in der Mackintosh-Sammlung.]
+
+ [Anmerkung 95: Ich glaube, wer Burnet's Bericht von dieser
+ Unterredung mit dem Bericht Dartmouth's vergleicht, kann nicht
+ zweifeln, daß ich den Vorgang richtig dargestellt habe.]
+
+ [Anmerkung 96: Ich habe eine Abbildung der Ausschiffung aus der
+ damaligen Zeit gesehen. Einige Männer bringen eben die Betten des
+ Prinzen in die Hütte, auf deren Dache seine Fahne weht.]
+
+ [Anmerkung 97: +Burnet, I. 789+; Legge-Papiere.]
+
+ [Anmerkung 98: Unterm 9. Nov. 1688 schrieb Jakob an Dartmouth:
+ »Niemand hätte anders zu Werke gehen können als Sie es gethan
+ haben. Ich bin überzeugt, daß alle erfahrenen Seeleute der
+ nämlichen Meinung sein müssen.« Siehe dagegen +Clarke's Life of
+ James, II. 207. Orig. Mem.+]
+
+
+[_Sein Einzug in Exeter._] In Exeter herrschte inzwischen große
+Aufregung. Sobald der Bischof Lamplugh erfuhr, daß die Holländer in der
+Torbai angekommen waren, eilte er in Todesangst nach London. Der Dechant
+entfloh aus der Dechanei. Die Behörden waren für den König, die große
+Masse der Einwohner für den Prinzen. Alles gerieth in die größte
+Bestürzung, als am Morgen des 8. November ein Truppencorps unter
+Mordaunt's Commando vor der Stadt erschien. Mit Mordaunt zugleich kam
+Burnet, dem Wilhelm aufgetragen hatte, die Geistlichkeit der Kathedrale
+vor Beleidigungen und Insulten zu schützen.[99] Der Mayor und die
+Aldermen hatten die Thore schließen lassen, öffneten sie aber auf die
+erste Aufforderung. Die Dechanei wurde zum Empfang des Prinzen
+eingerichtet. Am folgenden Tage, Freitag den neunten, kam er an. Die
+Behörden waren dringend aufgefordert worden, ihn am Thore der Stadt mit
+Gepränge zu empfangen, hatten dies aber beharrlich verweigert. Der Pomp
+dieses Tages konnte sie auch entbehren. Ein solches Schauspiel hatte
+Devonshire noch nie gesehen. Viele kamen eine halbe Tagereise weit
+herbei, um den Vorkämpfer ihres Glaubens zu begrüßen. Alle umliegenden
+Dörfer sandten ihre Einwohnerschaft. Eine große Volksmenge,
+hauptsächlich aus jungen Landleuten bestehend, die ihre Knotenstöcke
+schwangen, hatte sich auf dem Gipfel des Haldonhügels versammelt, wo die
+von Chudleigh kommende Armee zum ersten Male das reiche Thal der Exe und
+die beiden massiven Thürme erblickte, welche aus der über der Hauptstadt
+des Westens lagernden Rauchwolke emporragten. Der ganze Weg den Abhang
+hinunter über die Ebene bis aus Ufer des Flusses war in seiner ganzen
+Länge mit Zuschauern bedeckt. Vom Westthore bis zum Domplatze war das
+Gedränge und der Jubel allenthalben so groß, daß anwesende Londoner sich
+dabei an den Umzug des Lordmayors erinnerten. Die Häuser waren festlich
+geschmückt und alle Thüren, Fenster, Balcons und Dächer mit Zuschauern
+besetzt. Ein an kriegerischen Pomp gewöhntes Auge würde jedoch an dem
+Schauspiele mancherlei zu tadeln gefunden haben, denn mehrere
+beschwerliche Tagemärsche bei Regenwetter und auf Straßen, wo ein
+Fußgänger bei jedem Schritte bis über die Knöchel in den Schmutz
+einsank, hatten das Aussehen der Mannschaften und ihrer Monturstücke
+eben nicht verbessert. Die Bevölkerung von Devonshire aber, welche an
+den Glanz wohlgeordneter Feldlager durchaus nicht gewöhnt war, wurde von
+Freude und Ehrfurcht überwältigt. Beschreibungen des kriegerischen
+Schauspiels wurden im ganzen Lande verbreitet, und sie enthielten
+Vieles, was wohl geeignet war, den Geschmack des gemeinen Volks an
+Wunderdingen zu befriedigen. Denn die holländische Armee, aus Männern
+zusammengesetzt, die unter verschiedenen Himmelsstrichen geboren waren
+und unter verschiedenen Fahnen gedient hatten, gewährte Inselbewohnern,
+welche größtentheils sehr undeutliche Begriffe von fremden Ländern
+hatten, einen zugleich grotesken, prächtigen und furchtbaren Anblick.
+Voran ritt Macclesfield an der Spitze von zweihundert Gentlemen meist
+britischer Abkunft, mit blitzenden Helmen und Brustharnischen, auf
+flämischen Schlachtrossen reitend. Jeder von ihnen hatte einen aus den
+Zuckerplantagen der Küste von Guiana mitgebrachten Neger bei sich. Die
+Bürger von Exeter, welche noch nie so viele Exemplare der afrikanischen
+Menschenrace beisammengesehen hatten, betrachteten mit Staunen die
+schwarzen Gesichter, welche durch gestickte Turbane und weiße Federn
+noch mehr hervorgehoben wurden. Dann kam eine Schwadron schwedischer
+Reiter mit gezogenen breiten Schwertern in schwarzer Rüstung und
+Pelzmänteln. Sie erweckten ganz besonderes Interesse, denn man sagte,
+daß sie aus einem Lande stammten, wo das Meer zugefroren und es die
+Hälfte des ganzen Jahres hindurch Nacht sei, und daß sie die riesigen
+Bären, deren Felle sie trugen, selbst erlegt hätten. Hierauf folgte,
+umgeben von einer eleganten Truppe Gentlemen und Pagen das hoch
+getragene Banner des Prinzen. Auf den breiten Falten desselben las die
+Menge, welche Fenster und Dächer besetzt hielt, mit Wonne die
+denkwürdige Inschrift: »Die protestantische Religion und die Freiheiten
+Englands.« Der Jubel steigerte sich noch, als der Prinz selbst, mit
+Brust- und Rückenharnisch und einer weißen Feder geschmückt auf seinem
+weißen Streitrosse erschien. Mit welchem kriegerischen Anstande er sein
+Pferd lenkte, wie sinnend und gebieterisch der Ausdruck seiner breiten
+Stirn und seines Falkenauges war, kann man noch heute an Kneller's
+Portrait von ihm sehen. Einmal milderten sich seine ernsten Gesichtszüge
+zu einem Lächeln, als eine alte Frau, vielleicht eine von den eifrigen
+Puritanerinnen, welche durch achtundzwanzig Jahre der Verfolgung im
+festen Glauben auf den Trost Israels ausgeharrt hatte, vielleicht die
+Mutter eines Rebellen, der in der blutigen Schlacht von Sedgemoor oder
+bei dem noch fürchterlicheren Gemetzel der blutigen Assisen umgekommen
+war, sich hervordrängte, sich mitten unter die gezogenen Schwerter und
+bäumenden Rosse stürzte, die Hand des Befreiers berührte und ausrief,
+daß sie jetzt glücklich sei. Nicht weit von dem Prinzen ritt ein Mann,
+der mit ihm die aufmerksamen Blicke der Menge theilte. Das, sagte man,
+sei der große Graf Schomberg, der erste Soldat in Europa, seitdem
+Turenne und Condé nicht mehr wären, der Mann, dessen Genie und
+Tapferkeit die portugiesische Monarchie auf dem Schlachtfelde von Montes
+Claros gerettet, der Mann, der sich noch höheren Ruhm dadurch erworben,
+daß er um seines Glaubens willen den Stab eines Marschalls von
+Frankreich niedergelegt. Man hatte nicht vergessen, daß die beiden
+Helden, welche, durch ihren gemeinsamen Protestantismus unauflöslich
+aneinander gekettet, jetzt zusammen in Exeter einzogen, vor zwölf Jahren
+einander unter den Mauern von Mastricht gegenüberstanden und daß damals
+der Feuereifer des jungen Prinzen dem kalten Wissen des Veteranen, der
+jetzt als Freund an seiner Seite ritt, nicht gewachsen war. Dann kam
+eine lange Colonne des bärtigen Fußvolks der Schweizer, die sich seit
+zwei Jahrhunderten in allen festländischen Kriegen durch vorzügliche
+Tapferkeit und Disciplin ausgezeichnet, aber bis diesen Augenblick noch
+nie auf englischem Boden gesehen worden waren. Hinter ihnen folgte eine
+Reihe von Truppencorps, welche nach ihren Anführern Bentinck, Solms und
+Ginkell, Talmash und Mackay genannt wurden. Mit besonderem Vergnügen
+mochten die Engländer ein tapferes Regiment betrachten, das noch den
+Namen des verehrten und bedauerten Ossory führte. Der Eindruck des
+ganzen Schauspiels wurde noch erhöht durch die Erinnerung an die
+denkwürdigen Ereignisse, an denen viele von den Kriegern, welche jetzt
+durch das Westthor einmarschirten, Theil genommen. Denn sie hatten ganz
+andren Dienst gesehen, als den der Miliz von Devonshire oder des Lagers
+von Hounslow. Einige von ihnen hatten den ungestümen Angriff der
+Franzosen auf dem Schlachtfelde von Seneff zurückgeschlagen, und Andere
+hatten an jenem hochwichtigen Tage, an welchem die Belagerung von Wien
+aufgehoben wurde, für das Christenthum mit den Ungläubigen die Schwerter
+gekreuzt. Selbst die Sinne der Menge wurden durch die Einbildungskraft
+getäuscht. Neuigkeitsbriefe verbreiteten nach allen Gegenden des Reichs
+fabelhafte Berichte von der Gestalt und Körperkraft der Eingedrungenen.
+Es wurde versichert, daß sie mit wenigen Ausnahmen sechs Fuß lang seien
+und daß sie so große Lanzen, Schwerter und Musketen trügen, wie man sie
+noch nie in England gesehen hätte. Das Erstaunen der Menge verminderte
+sich nicht, als die Artillerie ankam, bestehend aus einundzwanzig
+kolossalen ehernen Geschützen, deren jedes von sechzehn Lastpferden mit
+Mühe fortgeschleppt wurde. Große Bewunderung erregte ein sonderbares,
+auf Rädern ruhendes Gebäude. Es war eine ambulante Feldschmiede mit
+allen zur Ausbesserung von Waffen und Fuhrwerken nöthigen Werkzeugen und
+Materialien versehen. Nichts aber wurde mit so großem Erstaunen
+betrachtet, als die Brücke von Böten, welche zum Übersetzen der Wagen
+mit großer Leichtigkeit über die Exe geschlagen und dann eben so schnell
+wieder auseinandergenommen wurde, um weiter transportirt zu werden. Wenn
+man dem Gerücht glauben durfte, war sie nach einem Muster angefertigt,
+welches die an der Donau gegen die Türken kämpfenden Christen erfunden
+hatten. Die Fremden erweckten eben so große Zuneigung als Bewunderung.
+Ihr umsichtiger Führer sorgte dafür, die Einquartierungen so zu
+vertheilen, daß die Bewohner von Exeter und der umliegenden Ortschaften
+so wenig als möglich belästigt wurden. Es wurde die strengste
+Kriegszucht gehandhabt, und nicht allein Plünderung und
+Gewaltthätigkeiten wirksam verhindert, sondern auch den Truppen
+eingeschärft, daß sie sich gegen Jedermann, weß Standes er auch sei,
+artig zu benehmen hätten. Diejenigen, die sich ihre Vorstellungen von
+einer Armee nach dem Verfahren Kirke's und seiner Lämmer gebildet
+hatten, waren ganz erstaunt, Soldaten zu sehen, welche niemals eine
+Hausfrau barsch anfuhren und kein Ei nahmen ohne es zu bezahlen. In
+Anerkennung dieses gesitteten Benehmens lieferte das Volk den Truppen
+Lebensmittel im Überfluß und zu mäßigem Preise.[100]
+
+Sehr viel hing von dem Verfahren ab, welches in dieser wichtigen Krisis
+die Geistlichkeit der anglikanischen Kirche beobachtete, und die
+Mitglieder des Kapitels von Exeter waren die Ersten, welche aufgefordert
+wurden, ihre Gesinnungen offen zu erklären. Burnet kündigte den
+Canonici, welche durch die Flucht des Dechanten ihres Vorgesetzten
+beraubt waren, an, daß sie hinfüro das Gebet für den Prinzen von Wales
+nicht mehr sprechen dürften und daß zu Ehren der glücklichen Ankunft des
+Prinzen von Oranien ein feierlicher Gottesdienst gehalten werden müßte.
+Die Canonici fanden es nicht für gut, in ihren Chorstühlen zu
+erscheinen; aber einige von den Chorsängern und Pfründnern waren
+anwesend. Wilhelm begab sich mit militairischem Gepränge in die
+Kathedrale. Als er die prächtige Vorhalle betrat, ließ die berühmte
+Orgel, welche kaum von einer einzigen von denjenigen übertroffen wird,
+die der Stolz seines Geburtslandes sind, Triumphklänge ertönen. Er
+bestieg den Bischofssitz, einen prachtvollen Thron mit reichem
+Schnitzwerk aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Burnet stand am Fuße
+desselben und zu beiden Seiten versammelte sich ein zahlreiches Gefolge
+von Kriegern und Kavalieren. Die weißgekleideten Sänger stimmten das
+Tedeum an. Als der Gesang, zu Ende war, las Burnet die Erklärung des
+Prinzen vor; kaum aber hatte er die ersten Worte derselben gesprochen,
+so drängten sich Geistliche und Sänger eiligst aus dem Chore. Am
+Schlusse rief Burnet mit lauter Stimme: »Gott erhalte den Prinzen von
+Oranien!« und viele Stimmen antworteten feierlich: »Amen!«[101]
+
+Am Sonntag, den 11. November, predigte Burnet vor dem Prinzen in der
+Kathedrale und sprach über die sichtbare Gnade, welche Gott der
+englischen Kirche und Nation gewährt. Um dieselbe Zeit ereignete sich in
+einem bescheideneren Gotteshause ein sonderbarer Vorfall. Ferguson hatte
+sich vorgenommen, in dem presbyterianischen Versammlungshause zu
+predigen. Der Geistliche und die Ältesten wollten dies nicht zugeben;
+aber der heftige und halbwahnsinnige Schurke, der wahrscheinlich die
+Zeiten Fleetwood's und Harrison's zurückgekehrt glaubte, erbrach die
+Thür, schritt mit dem Schwert in der Hand durch die Versammlung, bestieg
+die Kanzel und hielt eine heftige Schmährede gegen den König. Die Zeit
+für solche Albernheiten war vorüber und der Skandal erregte nur Spott
+und Widerwillen.[102]
+
+ [Anmerkung 99: +Burnet, I. 790.+]
+
+ [Anmerkung 100: Siehe in Whittle's Tagebuch die Expedition Seiner
+ Hoheit und den um diese Zeit erschienenen Brief von Exon. Ich habe
+ selbst zwei geschriebene Neuigkeitsbriefe gesehen, in denen der
+ Einzug des Prinzen in Exeter geschildert war. Einige Monate darauf
+ schrieb ein schlechter Dichter ein Theaterstück betitelt: »Die
+ letzte Revolution.« Eine Scene spielt in Exeter. »Bataillone von
+ der Armee des Prinzen auf ihrem Marsche in die Stadt treten mit
+ wehenden Fahnen, unter Trommelwirbel und Zujauchzen der Bürger
+ auf.« Ein Edelmann, Namens Misopapas spricht:
+
+ »Mylord, könnt Ihr Euch denken,
+ Wie furchtbar Schuld und Angst dem Hof geschildert
+ Eure Truppen? Man übertreibt die Zahl
+ Wie die Gestalt. Sechs Fuß soll jeder sein, gehüllt
+ In Bärenhaut, der Schweizer, Schwed' und Brandenburger.«
+
+ In einem Liede, das kurz nach dem Einzuge in Exeter erschien, sind
+ die Irländer im Vergleich mit den Riesen, welche Wilhelm
+ commandirte, als wahre Zwerge geschildert:
+
+ »O, Berwick, wehe Deinen Mannen,
+ Im Kampf mit dem Viaggio!
+ Gleich Zwergen wird man sie verhöhnen
+ Vor Brandenburgs und Schwedens Söhnen.
+ Coraggio. Coraggio!«
+
+ Addison erwähnt in seinem +Freeholder+ den außerordentlichen
+ Eindruck, den diese romantischen Schilderungen machten.]
+
+ [Anmerkung 101: +Expedition of the Prince of Orange+; +Oldmixon,
+ 755+; +Whittle's Diary; Eachard, III. 911+; +London Gazette, Nov.
+ 15. 1688.+]
+
+ [Anmerkung 102: +London Gazette, Nov. 15. 1688+; +Expedition of
+ the Prince of Orange.+]
+
+
+[_Unterredung des Königs mit den Bischöfen._] Während dieser Vorgänge in
+Devonshire herrschte in London große Gährung. Die Erklärung des Prinzen
+war trotz aller Vorsichtsmaßregeln jetzt in Jedermanns Händen. Am 6.
+November beschied Jakob, der noch immer nicht wußte, auf welchem Theile
+der Küste die Eroberer gelandet waren, den Primas nebst drei anderen
+Bischöfen, Compton von London, White von Peterborough und Sprat von
+Rochester, zu einer Conferenz in sein Privatkabinet. Der König hörte die
+warmen Loyalitätsversicherungen der Prälaten gnädig an und gab ihnen
+sein Wort darauf, daß er sie nicht in Verdacht habe. »Aber wo ist die
+Rechtfertigung, die Sie mir bringen sollten?« fragte er dann. »Sire,«
+antwortete Sancroft, »wir haben keine solche mitgebracht, denn wir
+drängen uns nicht danach, uns vor der Welt rein zu waschen. Es ist uns
+nichts Neues, daß wir verleumdet und fälschlich angeklagt werden. Unser
+Gewissen und Eure Majestät sprechen uns frei: dies genügt uns.« -- »Ja,«
+entgegnete der König, »aber eine Erklärung von Ihnen ist um meinetwillen
+nothwendig.« Hierauf zeigte er den Prälaten ein Exemplar von dem
+Manifeste des Prinzen und sagte: »Lesen Sie, wie hier von Ihnen
+gesprochen ist« -- »Sire,« versetzte einer von den Bischöfen, »nicht
+Einer unter Fünfhundert hält dieses Manifest für ächt.« -- »Nein!« rief
+der König mit Heftigkeit; »dann würden diese Fünfhundert den Prinzen
+herbeirufen, um mich zu ermorden!« -- »Das wolle Gott verhüten!«
+erwiederten die Prälaten einstimmig. Aber der niemals helle Verstand des
+Königs war jetzt völlig verwirrt. Es war eine seiner Eigenheiten, daß,
+wenn man seiner Ansicht nicht beipflichtete, er glaubte, man ziehe seine
+Wahrhaftigkeit in Zweifel. »Dieses Papier wäre nicht ächt?« rief er aus,
+indem er die Blätter umwendete. »Verdiene ich keinen Glauben? Hat mein
+Wort gar keinen Werth?« -- »Jedenfalls, Sire,« sagte einer der Bischöfe,
+»ist dies keine geistliche Angelegenheit, sondern sie gehört in das
+Bereich der Civilgewalt. Gott hat Eurer Majestät das Schwert in die Hand
+gegeben, und es kommt uns nicht zu, in Ihre Functionen einzugreifen.«
+Dann sagte der Erzbischof mit der sanften und gemäßigten Ironie, welche
+die schmerzlichsten Wunden schlägt, der König müsse ihn entschuldigen,
+wenn er zu keinem politischen Schriftstück seine Hand leihe. »Ich und
+meine Amtsbrüder, Sire,« setzte er hinzu, »haben für unsre Einmischung
+in Staatsangelegenheiten schon hart genug büßen müssen, und wir werden
+uns vor einem derartigen Wiederholungsfalle sorgfältig hüten. Wir
+unterschrieben einst eine durchaus harmlose Petition, wir überreichten
+dieselbe auf die ehrerbietigste Weise, und wir mußten erfahren, daß wir
+ein schweres Verbrechen begangen hatten. Nur durch Gottes gnädigen
+Schutz wurden wir vom Untergange gerettet. Und, Sire, der Grund, den
+Eurer Majestät Fiskal und Prokurator damals anführten, war der, daß wir
+außerhalb des Parlaments Privatleute seien und daß Privatleute eine
+strafbare Anmaßung begingen, wenn sie sich in die Politik mischten. Sie
+griffen uns mit einer solchen Heftigkeit an, daß ich meinestheils mich
+für verloren hielt.« -- »Ich danke Ihnen für diese Lection, Mylord von
+Canterbury,« sagte der König; »ich hätte gedacht, daß Sie sich nicht für
+verloren halten würden, wenn Sie in meine Hände fielen.« Eine solche
+Sprache würde einem milden Herrscher ganz wohl angestanden haben, aber
+sie klang sehr sonderbar aus dem Munde eines Fürsten, der eine Frau
+lebendig verbrannt hatte, weil sie einen seiner fliehenden Feinde bei
+sich aufgenommen, und dessen eigner Neffe in nutzloser Verzweiflung
+seine Knie flehend umschlungen hatte. Der Erzbischof ließ sich dadurch
+nicht zum Schweigen bringen. Er fuhr in seiner Rede fort und zählte die
+Beleidigungen auf, welche die Creaturen des Hofes der Kirche Englands
+zugefügt, wobei die Verhöhnung seiner eigenen Schreibart besonders
+hervorgehoben wurde. Der König wußte nichts weiter zu erwiedern, als daß
+es unnütz sei vergangene Beschwerden wieder aufzuwärmen und daß er
+geglaubt habe, diese Dinge seien völlig vergessen. Während er selbst nie
+die geringste Beleidigung vergaß, war es ihm unbegreiflich, wie Andere
+nur einige Wochen lang die empfindlichste Beleidigung, die er jemals
+zugefügt, im Gedächtniß behalten konnten.
+
+Endlich kam das Gespräch wieder auf den Punkt, von dem es ausgegangen
+war. Der König bestand darauf, daß die Bischöfe öffentlich ihren Abscheu
+gegen das Unternehmen des Prinzen erklären sollten. Unter zahlreichen
+Versicherungen der unterwürfigsten Loyalität weigerten sie sich dessen
+beharrlich. Der Prinz, sagten sie, behaupte sowohl von weltlichen als
+von geistlichen Peers eingeladen worden zu sein. Die Beschuldigung sei
+gemeinsam, warum solle also nicht auch die Rechtfertigung gemeinsam
+sein? »Ich errathe Alles,« sagte der König; »einige weltliche Peers sind
+bei Ihnen gewesen und haben Sie überredet, mir in dieser Angelegenheit
+einen Strich durch die Rechnung zu machen.« Die Bischöfe versicherten
+feierlich, daß dem nicht so sei. Aber es würde sonderbar aussehen,
+bemerkten sie, wenn in einer Frage, bei welcher hochwichtige politische
+und militairische Rücksichten im Spiele seien, die weltlichen Peers
+völlig übergangen würden und die Prälaten allein eine hervorragende
+Rolle spielen sollten. »Ich will es nun einmal so,« entgegnete Jakob.
+»Ich bin Ihr König und ich muß wissen, was das Zweckmäßigste ist. Ich
+will meinen eigenen Weg gehen, und ich verlange von Ihnen, daß Sie mich
+unterstützen.« Die Bischöfe versicherten ihn, daß sie vollkommen bereit
+seien, ihn im Bereiche ihres Wirkungskreises zu unterstützen, als
+christliche Geistliche mit ihren Gebeten und als Peers des Königreichs
+mit ihrem parlamentarischen Rathe. Jakob, der weder die Gebete von
+Ketzern, noch den Rath von Parlamenten brauchte, sah sich bitter
+getäuscht. Nach einem langen Wortwechsel sagte er endlich: »Genug, ich
+will Sie nicht weiter belästigen. Da Sie mir nicht beistehen wollen, muß
+ich mich auf mich selbst und auf meine eigenen Waffen beschränken.«[103]
+
+ [Anmerkung 103: +Clarke's Life of James the Second, II. 210+;
+ +Sprat's Narrative+; Citters, 6.(16.) Nov. 1688.]
+
+
+[_Ruhestörungen in London._] Kaum hatten die Bischöfe den König
+verlassen, so brachte ein Courier die Nachricht, daß der Prinz von
+Oranien am vorigen Tage in Devonshire gelandet sei. Während der
+nächstfolgenden Woche war London in gewaltiger Aufregung. Am Sonntag,
+den 11. November, verbreitete sich das Gerücht, daß in dem unter dem
+Patronat des Königs zu Clerkenwell errichteten Kloster Messer, Bratroste
+und Siedekessel versteckt wären, welche zur Folterung von Ketzern hätten
+dienen sollen. Zahlreiche Menschenmassen belagerten das Gebäude und
+schickten sich eben an, es zu demoliren, als eine Truppenabtheilung
+ankam. Die Menge wurde auseinandergetrieben und mehrere von den
+Aufwieglern wurden niedergemacht. Die Leichen der Gefallenen wurden von
+einem Todtenschau-Gericht[104] untersucht, und dieses gab einen
+Ausspruch ab, der für die allgemeine Volksstimmung sehr bezeichnend war.
+Die Jury erklärte sich dahin, daß gewisse loyale und wohlgesinnte
+Personen, welche ausgegangen seien, um eine Versammlung von
+Landesverräthern und öffentlichen Feinden in einem Meßhause aufzuheben,
+vorsätzlich von den Soldaten ermordet wären, und dieses sonderbare
+Verdict war von sämmtlichen Geschwornen unterzeichnet. Die Mönche von
+Clerkenwell, welche diese Symptome der Volksstimmung natürlich nicht
+wenig beunruhigte, sorgten ängstlich für die Sicherung ihres Eigenthums.
+Es gelang ihnen auch, den größten Theil ihres Mobiliars fortzuschaffen,
+ehe dieses Vorhaben ruchbar geworden war. Endlich aber wurde der
+Verdacht des Pöbels doch rege, die beiden letzten Lastwagen wurden in
+Holborn angehalten und Alles was sich darauf befand, auf offener Straße
+verbrannt. Die Angst unter den Katholiken war so groß, daß alle ihre
+Gotteshäuser mit Ausnahme derjenigen, welche der königlichen Familie und
+den auswärtigen Gesandten gehörten, geschlossen wurden.[105]
+
+Im Ganzen hatten jedoch die Dinge bis jetzt noch kein für Jakob
+ungünstiges Aussehen. Die Eingedrungenen befanden sich schon über eine
+Woche auf englischem Boden und noch hatte sich keine hervorragende
+Persönlichkeit ihnen angeschlossen. Weder im Norden noch im Osten war
+ein Aufstand ausgebrochen; kein Diener der Krone schien noch seiner
+Pflicht untreu geworden zu sein; die königliche Armee sammelte sich
+rasch in Salisbury, und wenn sie auch dem Heere Wilhelm's in der
+Kriegszucht nachstand, so war sie doch an Zahl demselben überlegen.
+
+ [Anmerkung 104: In England muß der Coroner bei unnatürlichen
+ Todesfällen eine Jury von zwölf Personen versammeln, welche
+ darüber zu entscheiden hat, ob ein Verbrechen begangen worden ist,
+ um in diesem Falle bei den zuständigen Gerichten Anzeige zu
+ machen. -- Der Übers.]
+
+ [Anmerkung 105: +Luttrell's Diary+; Neuigkeitsbrief in der
+ Mackintosh-Sammlung; Adda, 16.(26.) Nov. 1688.]
+
+
+[_Angesehene Männer fangen an zu dem Prinzen überzugehen._] Der Prinz
+war ohne Zweifel überrascht und gekränkt durch die Lauheit Derer, die
+ihn nach England eingeladen hatten. Das Volk von Devonshire hatte ihn
+zwar mit allen Zeichen der Freude empfangen, aber kein Adeliger, kein
+angesehener Gentleman war bis jetzt in sein Hauptquartier gekommen. Die
+Erklärung dieser auffallenden Erscheinung ist wahrscheinlich in dem
+Umstande zu suchen, daß er in einem Theile der Insel gelandet war, wo
+man ihn nicht erwartet hatte. Im Norden hatten seine Freunde alle
+Anstalten zu einem Aufstande getroffen, in der Voraussetzung, daß er
+bald mit einer Armee bei ihnen sein werde. Seine Freunde im Westen aber
+hatten gar nichts vorbereitet und waren natürlich betroffen, als sie
+plötzlich aufgefordert wurden, sich an die Spitze einer so wichtigen und
+gefährlichen Bewegung zu stellen. Dazu kam noch, daß sie die traurigen
+Folgen eines Aufstandes: Galgen, abgeschlagene Köpfe, zerrissene
+Glieder, Familien, die noch um tapfere Dulder trauerten, welche ihr
+Vaterland aufrichtig aber nicht mit Klugheit geliebt, frisch im
+Gedächtniß, ja dicht vor Augen hatten. Nach einer so schrecklichen und
+so neuen Warnung war einige Unschlüssigkeit natürlich. Ebenso natürlich
+aber war es auch, daß Wilhelm, der im Vertrauen auf die ihm aus England
+zugekommenen Versprechungen, nicht nur seinen eignen Ruf und sein
+persönliches Glück, sondern auch das Wohl und die Unabhängigkeit seines
+Vaterlandes aufs Spiel gesetzt hatte, sich bitter gekränkt fühlte. Er
+war in der That so aufgebracht, daß er schon davon sprach, sich nach
+Torbay zurückzuziehen, seine Truppen wieder einzuschiffen, nach Holland
+heimzukehren und Die, welche ihn verrathen hatten, ihrem verdienten
+Schicksale zu überlassen. Endlich am Montag, den 12. November, schloß
+sich ein in der Nähe von Crediton wohnender Gentleman, Namens
+Burrington, der Fahne des Prinzen an, und diesem Beispiele folgten bald
+mehrere von seinen Nachbarn.
+
+
+[_Lovelace._] Schon waren aber auch Männer von wichtigerer Bedeutung aus
+verschiedenen Theilen des Landes nach Exeter aufgebrochen. Der erste von
+diesen war Johann Lord Lovelace, ein Mann, der sich durch feinen
+Geschmack, durch Prachtliebe und durch die tollkühne und maßlose
+Heftigkeit seines Whiggismus auszeichnete. Er war fünf- oder sechsmal
+wegen politischer Vergehen in Haft gewesen. Das letzte ihm zur Last
+gelegte Verbrechen war, daß er die Rechtsgültigkeit eines von einem
+römisch-katholischen Friedensrichter angestellten Verhaftbefehls
+verächtlich geleugnet hatte. Er war vor den Geheimen Rathe gefordert und
+streng verhört worden, aber mit geringem Erfolge. Er weigerte sich
+entschieden, sich schuldig zu bekennen und die Zeugenbeweise gegen ihn
+waren ungenügend. Er wurde entlassen, aber ehe er sich entfernte, rief
+Jakob ihm mit großer Heftigkeit zu: »Mylord, dies ist nicht der erste
+Streich, den Sie mir gespielt haben.« -- »Sire,« entgegnete Lovelace
+unerschrocken, »ich habe weder Eurer Majestät noch sonst Jemandem je
+einen Streich gespielt. Wer mich dessen bei Eurer Majestät angeklagt
+hat, ist ein Lügner.« Bald darauf war Lovelace von Denen, welche den
+Plan zu einer Revolution entworfen hatten, ins Vertrauen gezogen
+worden.[106] Sein Schloß, das seine Vorfahren von der Beute
+indisch-spanischer Galleonen erbaut, stand auf den Trümmern eines Hauses
+Unserer Lieben Frau in dem schönen Thale, durch welches die Themse, noch
+nicht durch die Nähe einer großen Hauptstadt verunreinigt, noch mit der
+Ebbe und Fluth des Meeres fallend und steigend, unter Buchenwäldern
+zwischen den lieblichen Anhöhen von Berkshire dahin strömt. Unter dem
+von italienischen Malern decorirten Prunksaale befand sich ein gewölbtes
+Souterrain, in welchem hin und wieder Gebeine von vorzeitlichen Mönchen
+gefunden worden waren. In diesem finstren Gemache hatten eine Anzahl
+eifriger und verwegener Gegner der Regierung während der angstvollen
+Zeit, als England mit Ungeduld auf protestantischen Wind wartete, viele
+nächtliche Zusammenkünfte gehalten.[107] Jetzt war der Augenblick zum
+Handeln gekommen, Lovelace brach mit siebzig wohl bewaffneten und
+berittenen Begleitern nach dem Westen auf. Er erreichte ohne
+Schwierigkeit Gloucestershire. Aber Beaufort, der Statthalter dieser
+Grafschaft, verwendete sein hohes Ansehen und seinen ganzen Einfluß zu
+Gunsten der Krone. Die Miliz war aufgeboten und eine starke Abtheilung
+derselben nach Cirencester verlegt worden. Als Lovelace hier ankam,
+wurde er bedeutet, daß ihm der Durchzug nicht gestattet werden könne. Er
+mußte daher entweder von seinem Vorhaben abstehen, oder sich
+durchschlagen. Er beschloß das Letztere zu versuchen und seine Freunde
+und Untergebenen schlugen sich tapfer. Es fand ein hitziges Gefecht
+statt. Die Miliz verlor einen Offizier und sechs oder sieben Mann;
+endlich aber wurde Lovelace's Truppe überwältigt und er selbst gefangen
+genommen und nach Gloucester Castle geschickt.[108]
+
+ [Anmerkung 106: Johnstone, 27. Febr. 1688; Citters unter demselben
+ Datum.]
+
+ [Anmerkung 107: +Lyson's Magna Britannia, Berkshire.+]
+
+ [Anmerkung 108: +London Gazette, Nov. 15. 1688+; +Luttrell's
+ Diary.+]
+
+
+[_Colchester._] Andere waren glücklicher. An dem Tage, an welchem das
+Scharmützel bei Circencester stattfand, kam Richard Savage, Lord
+Colchester, Sohn und Erbe des Earls Rivers und durch eine unerlaubte
+Liebe Vater jenes unglücklichen Dichters[109], dessen Verbrechen und
+Mißgeschicke eine der dunkelsten Seiten der Literaturgeschichte füllen,
+mit sechzig bis siebzig Reitern in Exeter an. Mit ihm zugleich traf der
+kühne und unruhige Thomas Wharton ein. Wenige Stunden später kam Eduard
+Russell, Sohn des Earls von Bedford und Bruder des tugendhaften
+Edelmanns, dessen Blut auf dem Schaffot geflossen war. Kurz darauf wurde
+die Ankunft eines andren noch wichtigeren Mannes gemeldet.
+
+ [Anmerkung 109: Richard Savage. -- Der Übers.]
+
+
+[_Abingdon._] Colchester, Wharton und Russell gehörten der Partei an,
+welche dem Hofe von jeher opponirt hatte. Jakob Bertin, Earl von
+Abingdon dagegen war stets als eine Stütze der Willkürherrschaft
+betrachtet worden. Er war in den Tagen der Ausschließungsbill Jakob treu
+geblieben, war als Lordlieutenant von Oxfordshire mit Energie und
+Strenge gegen die Anhänger Monmouth's verfahren und hatte zur Feier der
+Niederlage Argyle's Freudenfeuer angezündet. Aber die Furcht vor dem
+Papismus hatte ihn zur Opposition und Empörung getrieben. Er war der
+erste Peer des Reichs, der im Hauptquartier des Prinzen von Oranien
+erschien.[110]
+
+Doch von Denen, die sich offen gegen seine Autorität auflehnten, hatte
+der König weniger zu befürchten, als von der im Dunklen schleichenden
+Verschwörung, deren Verzweigungen sich durch seine Armee und bis in
+seine Familie erstreckten. Als die Seele dieser Verschwörung muß
+Churchill betrachtet werden, der in Bezug auf Scharfblick und
+Gewandtheit seines Gleichen nicht hatte, den die Natur mit einer
+gewissen kaltblütigen Unerschrockenheit ausgestattet, die sich weder im
+Kampfe noch im Lügen je verleugnete, und welcher dabei einen hohen
+militairischen Rang einnahm und sich der Gunst der Prinzessin Anna in
+hohem Grade erfreute. Für ihn war jedoch die Zeit zu dem entscheidenden
+Schlage noch nicht gekommen. Indessen brachte er doch schon jetzt durch
+die Vermittelung eines untergeordneten Werkzeugs der Sache des Königs
+eine gefährliche, wenn nicht tödtliche Wunde bei.
+
+ [Anmerkung 110: +Burnet, I. 790+; +Life of William, 1703.+]
+
+
+[_Abfall Cornbury's._] Eduard Viscount Cornbury, der älteste Sohn des
+Earls von Clarendon, war ein junger Mann von unbedeutenden Geistesgaben,
+von lockeren Grundsätzen und heftigem Temperament. Man hatte ihn von
+Jugend auf gelehrt, seine Verwandtschaft mit der Prinzessin Anna als die
+Grundlage seines zukünftigen Glücks zu betrachten, und ihm eingeschärft,
+daß er ihr fleißig den Hof machen solle. Seinem Vater war es nie in den
+Sinn gekommen, daß die angestammte Loyalität der Hyde im Hause der
+Lieblingstochter des Königs gefährdet sein könnte; aber in diesem Hause
+führten die Churchill die unumschränkte Herrschaft und Cornbury wurde
+ihr Werkzeug. Er commandirte eines von den nach dem Westen gesandten
+Dragonerregimentern. Man hatte es so einzurichten gewußt, daß er am 14.
+November einige Stunden lang der höchste Offizier zu Salisbury war, so
+daß alle dort versammelten Truppen unter seinem Oberbefehl standen. Es
+muß auffallend erscheinen, daß zu einem so kritischen Zeitpunkte die
+Armee, auf welche Alles ankam, nur einen Augenblick dem Commando eines
+jungen Obersten überlassen werden konnte, der weder Talent noch
+Erfahrung hatte. Es kann wohl kaum einem Zweifel unterliegen, daß diese
+Anordnung das Resultat eines geschickt angelegten Planes war, und eben
+so wenig kann man darüber in Zweifel sein, welchem Kopfe und welchem
+Herzen dieser Plan zuzuschreiben ist.
+
+Plötzlich erhielten drei von den in Salisbury stehenden
+Kavallerieregimentern Befehl zum Abmarsch nach dem Westen. Cornbury
+stellte sich an ihre Spitze und führte sie zuerst nach Blandford und
+dann nach Dorchester. Von Dorchester brachen sie nach einer kurzen Rast
+von einigen Stunden nach Axminster auf. Einige von den Offizieren
+begannen Verdacht zu schöpfen und verlangten eine Erklärung dieser
+sonderbaren Bewegungen. Cornbury antwortete, er habe Befehl, einen
+nächtlichen Angriff auf eine Truppenabtheilung zu machen, die der Prinz
+von Oranien bei Honiton postirt habe. Doch der Argwohn war einmal rege,
+es wurden weitere Fragen gestellt, aber ausweichend beantwortet. Endlich
+wurde Cornbury geradezu aufgefordert, seine Instruction vorzuzeigen. Er
+sah ein, daß es ihm nicht nur unmöglich sein würde, mit allen drei
+Regimentern überzugehen, sondern daß er sich auch selbst in einer höchst
+gefährlichen Lage befand. In Folge dessen stahl er sich mit einigen
+wenigen Begleitern fort in das holländische Hauptquartier. Der größte
+Theil seiner Truppen kehrte nach Salisbury zurück; ein andrer Theil
+aber, der von dem Hauptcorps detaschirt worden war und die Absichten des
+Befehlshabers nicht ahnete, marschirte bis Honiton. Hier sahen sie sich
+inmitten eines zu ihrem Empfange vollständig gerüsteten starken
+Armeecorps. Widerstand war unmöglich. Ihr Anführer drang in sie, unter
+Wilhelm zu dienen. Es wurde ihnen ein Monatssold als Geschenk angeboten,
+und die Meisten nahmen dies an.[111]
+
+Die Nachricht von diesen Vorgängen kam am Fünfzehnten nach London. Jakob
+war am Morgen dieses Tages sehr heiterer Laune gewesen. Der Bischof
+Lamplugh hatte eben nach seiner Ankunft von Exeter dem Hofe seine
+Aufwartung gemacht und war sehr gnädig empfangen worden. »Mylord,« sagte
+der König zu ihm, »Sie sind ein ächter alter Kavalier.« Lamplugh erhielt
+zum Lohn für seine Loyalität sofort das schon seit mehr als dritthalb
+Jahren erledigte Erzbisthum York. Am Nachmittage, als der König sich
+eben zu Tisch setzte, kam ein Expresser mit der Nachricht von Cornbury's
+Abfall. Jakob erhob sich von der Tafel, ohne die Speisen zu berühren,
+genoß nichts als eine Brotrinde und ein Glas Wein und zog sich in sein
+Privatkabinet zurück. Er erfuhr später, daß nach seinem Weggange aus dem
+Speisesaale mehrere anwesende Lords, in die er das größte Vertrauen
+setzte, sich in der anstoßenden Gallerie die Hände geschüttelt und
+einander beglückwünscht hatten. Als die Botschaft der Königin
+mitgetheilt wurde, brach sie mit ihren Damen in Thränen und Wehklagen
+aus.[112]
+
+Der Schlag war allerdings hart. Zwar belief sich der unmittelbare
+Verlust der Krone und der unmittelbare Gewinn der Feinde auf kaum
+zweihundert Mann und eben so viele Pferde. Aber wo konnte der König von
+nun an hoffen, diejenigen Gesinnungen zu finden, welche die Stärke der
+Staaten und der Armeen bilden? Cornbury war der Erbe eines Hauses, das
+sich stets durch seine Anhänglichkeit an die Monarchie ausgezeichnet
+hatte. Sein Vater Clarendon und sein Oheim Rochester waren Männer, deren
+Loyalität für unerschütterlich galt. Wie stark mußte das Gefühl sein,
+gegen welches die am tiefsten wurzelnden angeerbten Vorurtheile nicht
+Stand hielten, das Gefühl, das einen jungen Offizier von vornehmer
+Geburt zu einer durch Vertrauensbruch und grobe Falschheit
+verschlimmerten Desertion bewegen konnte? Daß Cornbury kein besonders
+talentvoller und unternehmender Mann war, machte den Vorfall nur noch
+beunruhigender. Man konnte unmöglich daran zweifeln, daß er irgendwo
+einen mächtigen und gewandten Verführer hatte. Wer dieser Verführer war,
+das sollte sich bald zeigen. Mittlerweile aber konnte Niemand im
+königlichen Lager sicher sein, daß er nicht von Verräthern umgeben war.
+Politische Stellung, mititairischer Rang, Kavalierehre, Soldatenehre,
+die stärksten Betheuerungen, das reinste Adelsblut boten keine
+Sicherheit mehr. Jedermann konnte mit Grund zweifeln, ob nicht jeder
+Befehl, den er von seinem Vorgesetzten erhielt, den Zwecken des Feindes
+dienen sollte. Der pünktliche Gehorsam, ohne den eine Armee nichts als
+ein zügelloser Pöbelhaufe ist, mußte nothwendig vorbei sein. Welche
+Disciplin konnte man von Soldaten erwarten, welche eben einer Schlinge
+entgangen waren, indem sie sich weigerten, ihren commandirenden Offizier
+zu einer geheimen Expedition zu folgen, und indem sie auf Vorzeigung
+seiner Befehle drangen?
+
+Cornbury wurde bald durch eine Menge in Rang und Fähigkeiten hoch über
+ihm stehender Überläufer unterstützt; einige Tage lang aber stand er
+ganz allein mit seiner Schande da und wurde von Vielen, welche nachher
+seinem Beispiele folgten und ihn darum beneideten, daß er zuerst den
+entehrenden Schritt gethan, heftig geschmäht. Unter diesen war sein
+eigner Vater. Der erste Ausbruch von Clarendon's Zorn und Schmerz war
+ergreifend. »O Gott!« rief er aus, »daß einer meiner Söhne ein Rebell
+werden mußte!« Vierzehn Tage später entschloß er selbst sich dazu, ein
+Rebell zu werden. Man würde ihm jedoch Unrecht thun, wollte man ihn für
+einen bloßen Heuchler erklären. In Revolutionen lebt der Mensch schnell;
+die Erfahrung von Jahren drängt sich in wenigen Stunden zusammen; alte
+Gewohnheiten im Denken und Handeln werden gewaltsam gebrochen; man wird
+mit Neuerungen, die auf den ersten Anblick Entsetzen und Abscheu
+erwecken, binnen wenigen Tagen vertraut, man findet sie erträglich, ja
+anziehend. Viele weit tugendhaftere und muthigere Männer als Clarendon
+waren vor dem Schlusse jenes denkwürdigen Jahres zu Handlungen bereit,
+die sie am Anfange desselben für ruchlos und entehrend erklärt haben
+würden.
+
+Der unglückliche Vater tröstete sich so gut er konnte und hielt um eine
+Privataudienz beim Könige an. Sie wurde ihm bewilligt. Jakob sagte mit
+mehr als gewöhnlicher Freundlichkeit, daß er Cornbury's Verwandte
+aufrichtig bedaure und sie von aller Schuld an dem Verbrechen ihres
+entarteten Familienmitgliedes durchaus freispreche. Clarendon kehrte
+nach Hause zurück und wagte es kaum, seinen Freunden ins Auge zu
+blicken. Bald aber erfuhr er zu seinem Erstaunen, daß der Schritt, den
+er anfangs für seine Familie auf immer entehrend gehalten hatte, von
+vielen hochstehenden Personen gelobt wurde. Seine Nichte, die Prinzessin
+von Dänemark, fragte ihn, warum er sich so zurückziehe. Er antwortete
+ihr, daß die Schändlichkeit seines Sohnes ihn völlig zu Boden drücke.
+Anna schien diesen Kummer durchaus nicht zu begreifen. »Das Volk,« sagte
+sie, »ist der Herrschaft des Papismus müde. Ich glaube, daß Viele von
+der Armee das Nämliche thun werden.«[113]
+
+Der König rief nun in seiner Angst alle noch in London anwesenden hohen
+Offiziere zusammen. Churchill, welcher kurz vorher zum Generallieutenant
+befördert worden war, erschien mit der heiteren Ruhe, die weder Gefahr
+noch Schande je zu erschüttern vermochten. Heinrich Fitzroy, Herzog von
+Grafton, der sich unter den natürlichen Kindern Karl's II. durch seine
+Verwegenheit und Thätigkeit auszeichnete, wohnte der Zusammenkunft bei.
+Grafton war Oberst des ersten Regiments der Fußgarden. Er scheint damals
+ganz unter Churchills Einfluß gestanden zu haben und war bereit, bei der
+ersten günstigen Gelegenheit die königliche Fahne zu verlassen. Außerdem
+waren noch zwei andere Hochverräther anwesend, Kirke und Trelawney,
+welche die damals unter der Bezeichnung der tangerschen Regimenter
+bekannten zwei wilden und zügellosen Heerhaufen befehligten. Sie hatten
+Beide, wie alle anderen protestantische Offiziere der Armee, die
+Parteilichkeit, welche der König für die Mitglieder seiner eigenen
+Kirche an den Tag legte, schon seit langer Zeit mit großem Mißfallen
+betrachtet, und Trelawney erinnerte sich mit bitterem Grolle der
+Verfolgung seines Bruders, des Bischofs von Bristol. Jakob hielt eine
+Ansprache an die Versammlung, die eines besseren Mannes und einer
+besseren Sache würdig gewesen wäre. Es könnte sein, sagte er, daß einige
+von seinen Offizieren Gewissensbedenken hätten, für ihn zu kämpfen. Wenn
+dem so wäre, sei er bereit, ihre Patente zurückzunehmen. Aber er
+beschwöre sie als Gentlemen und Soldaten, das schmachvolle Beispiel
+Cornbury's nicht nachzuahmen. Alle schienen tief ergriffen zu sein, am
+tiefsten Churchill. Er war der Erste, der mit vortrefflich gespielter
+Begeisterung gelobte, daß er sein Blut bis auf den letzten Tropfen für
+seinen huldvollen Gebieter zu vergießen bereit sei. Grafton ergoß sich
+in ähnliche laute Betheuerungen und seinem Beispiele folgten auch Kirke
+und Trelawney.[114]
+
+ [Anmerkung 111: +Clarke's Life of James the Second, II. 215. Orig.
+ Mem.+; +Burnet, I. 790+; +Clarendon's Diary, Nov. 15. 1688+;
+ +London Gazette, Nov. 17.+]
+
+ [Anmerkung 112: +Clarke's Life of James the Second, II. 218+;
+ +Clarendon's Diary, Nov. 15. 1688+; Citters, 16.(26.) Nov.]
+
+ [Anmerkung 113: +Clarendon's Diary, Nov. 15, 16, 17, 20. 1688.+]
+
+ [Anmerkung 114: +Clarke's Life of James the Second, II. 219. Orig.
+ Mem.+]
+
+
+[_Petition der Lords um Einberufung eines Parlaments._] Durch diese
+Versicherungen getäuscht, schickte der König sich zum Aufbruch nach
+Salisbury an. Vor seiner Abreise wurde er benachrichtigt, daß eine
+beträchtliche Anzahl weltlicher und geistlicher Peers ihn um eine
+Audienz bitten ließen. Sie kamen mit Sancroft an ihrer Spitze um eine
+Petition zu überreichen, in der sie um Einberufung eines freien und
+gesetzlichen Parlaments und um Einleitung von Unterhandlungen mit dem
+Prinzen von Oranien baten.
+
+Die Geschichte dieser Petition ist interessant. Die Idee scheint zwei
+wichtigen Parteihäuptern, welche lange Nebenbuhler und Feinde gewesen
+waren, Rochester und Halifax, zu gleicher Zeit gekommen zu sein. Sie
+zogen Beide unabhängig von einander die Bischöfe deshalb zu Rathe. Diese
+zollten dem Vorschlage warmen Beifall. Es wurde nun darauf angetragen,
+eine Generalversammlung der Peers anzuberaumen, um über die Form der dem
+Könige zu überreichenden Adresse zu berathen. Es war gerade Terminzeit
+der Gerichtshöfe, und zu dieser Zeit war Westminsterhall jeden Tag von
+hochgestellten und vornehmen Männern angefüllt, wie gegenwärtig die
+Clubs in Pall Mall und St. James Street. Nichts war leichter, als daß
+die dort versammelten Lords sich zu einer Berathung in ein Nebenzimmer
+begaben. Allein es erhoben sich unerwartete Schwierigkeiten. Halifax
+wurde zuerst kalt und dann sogar der Sache abgeneigt. Es lag in seiner
+Natur, gegen Alles Einwendungen zu entdecken und in gegenwärtigem Falle
+wurde seine Erfindungsgabe durch die Eifersucht noch besonders
+geschärft. Der Plan, der seinen Beifall gehabt hatte, so lange er ihn
+als seinen eigenen betrachtete, begann ihm zu mißfallen, sobald er
+entdeckte, daß es auch der Plan Rochester's war, der ihm so lange
+hinderlich im Wege gestanden und ihn endlich verdrängt hatte, und gegen
+den er eine so starke Abneigung empfand, als er bei seinem sanften
+Character überhaupt gegen Jemanden empfinden konnte. Nottingham stand
+damals bedeutend unter Halifax' Einflusse. Sie erklärten Beide, daß sie
+die Adresse nicht unterzeichnen würden, wenn Rochester sie mit
+unterzeichnete. Clarendon's Vorstellungen blieben erfolglos. »Es ist
+nicht meine Absicht,« sagte Halifax, »Mylord Rochester zu beleidigen,
+aber er ist Mitglied der kirchlichen Commission gewesen, die Proceduren
+dieses Gerichtshofes werden bald einer strengen Untersuchung unterzogen
+werden, und es ist unpassend, daß ein Mann, der einen Sitz darin
+eingenommen hat, sich an unseren Maßregeln betheiligt.« Nottingham
+sprach unter lebhaften Versicherungen seiner persönlichen Hochachtung
+für Rochester die nämliche Ansicht aus. Die Autorität der beiden
+dissentirenden Lords hielt mehrere andere Kavaliere ab, die Petition zu
+unterschreiben; aber die Hyde und die Bischöfe blieben bei ihrem
+Vorhaben. Es kamen neunzehn Unterschriften zusammen und die Petenten
+begaben sich +in pleno+ zu dem Könige.[115]
+
+Er nahm ihre Adresse sehr ungnädig auf. Er versicherte zwar, daß er
+selbst den Zusammentritt eines freien Parlaments dringend wünsche und
+versprach ihnen auf sein königliches Wort, ein solches einzuberufen,
+sobald der Prinz von Oranien die Insel wieder verlassen haben würde.
+»Aber,« setzte er hinzu, »wie kann ein Parlament frei sein, so lange ein
+Feind im Lande ist und nahe an hundert Stimmen gewinnen kann?« Zu den
+Prälaten sprach er mit besonderer Gereiztheit. »Neulich,« sagte er,
+»konnte ich Sie nicht dazu bewegen, Sich gegen die Invasion zu erklären;
+jetzt aber sind Sie völlig bereit, Sich gegen mich zu erklären. Damals
+wollten Sie Sich nicht in die Politik mischen; heute tragen Sie kein
+Bedenken mehr, Sich in dieselbe zu mischen. Sie haben den Geist der
+Empörung unter Ihren Heerden erregt, und jetzt schüren Sie ihn noch an.
+Sie würden Ihre Zeit besser anwenden, wenn Sie sie lehrten mir zu
+gehorchen, anstatt daß Sie mich lehren wollen zu regieren.« Sehr
+aufgebracht war er auch gegen seinen Neffen Grafton, dessen Name
+unmittelbar unter Sancroft's Namen stand, und er sagte mit großer
+Heftigkeit zu dem jungen Manne: »Sie verstehen nichts von Religion, Sie
+kümmern Sich auch gar nicht darum, und doch wollen Sie behaupten, daß
+Sie ein Gewissen haben!« -- »Es ist wahr, Sire,« erwiederte Grafton mit
+schamloser Offenheit, »ich habe sehr wenig Gewissen; aber ich gehöre
+einer Partei an, die sehr viel hat«.[116]
+
+So gereizt die Sprache des Königs gegen die Bischöfe selbst war, so
+wurde sie doch noch viel bitterer, nachdem sie sich entfernt hatten. In
+der Hoffnung, sein pflichtvergessenes und undankbares Volk zufrieden zu
+stellen, sagte er, habe er schon viel zu viel gethan. Der Gedanke an
+Zugeständnisse sei ihm von jeher verhaßt gewesen, doch er habe sich
+überreden lassen, und jetzt habe er wie sein Vater gesehen, daß
+Zugeständnisse die Unterthanen nur noch anspruchsvoller machten. Er
+wolle nun aber nichts mehr bewilligen, kein Atom, welche letzten zwei
+Worte er seiner Gewohnheit nach mehrere Male mit Heftigkeit wiederholte.
+Er wolle den Angreifern nicht nur keine Eröffnungen machen, sondern auch
+keine von ihnen annehmen. Sollten die Holländer Parlamentaire schicken,
+so würde der erste ohne Antwort zurückgeschickt und der zweite gehängt
+werden.[117]
+
+ [Anmerkung 115: +Clarendon's Diary vom 8. bis 17. Nov. 1688.+]
+
+ [Anmerkung 116: +Clarke's Life of James the Second, II. 212. Orig.
+ Mem.+; +Clarendon's Diary, Nov. 17. 1688+; Citters, 20.(30.) Nov.;
+ +Burnet, I. 791+; +Some Reflections upon the most Humble Petition
+ to the King's most Excellent Majesty, 1688+; +Modest Vindication
+ of the Petition+; +First Collection of Papers relating to English
+ Affairs, 1688.+]
+
+ [Anmerkung 117: Adda, 19.(29.) Nov. 1688.]
+
+
+[_Der König begiebt sich nach Salisbury._] In dieser Stimmung reiste
+Jakob nach Salisbury ab. Sein letzter Act vor seiner Abreise war die
+Ernennung eines Rathes von fünf Lords, die ihn während seiner
+Abwesenheit in London vertreten sollten. Zwei davon waren Papisten und
+deshalb gar nicht befähigt zu diesem Amte. Ihnen zur Seite stand
+Jeffreys, zwar ein Protestant, aber von der Nation mehr verabscheut, als
+irgend ein Papist. Gegen die übrigen zwei Mitglieder des Collegiums,
+Preston und Godolphin, war nichts Erhebliches einzuwenden. An dem Tage,
+an welchem der König London verließ, wurde der Prinz von Wales nach
+Portsmouth geschickt. Diese Festung hatte eine starke Besatzung und
+Berwick war Gouverneur. Die von Dartmouth commandirte Flotte lag nahe
+zur Hand, und so hoffte man, wenn die Dinge eine unglückliche Wendung
+nahmen, den kleinen Prinzen ohne Schwierigkeit von Portsmouth nach
+Frankreich bringen zu können.[118]
+
+Am Neunzehnten traf der König in Salisbury ein und stieg im
+bischöflichen Palaste ab. Von allen Seiten kamen ihm nun in rascher
+Aufeinanderfolge schlimme Nachrichten zu. Die westlichen Grafschaften
+hatten sich endlich erhoben. Sobald Cornbury's Abfall bekannt wurde,
+faßten sich viele reiche Grundeigenthümer ein Herz und eilten nach
+Exeter. Unter ihnen befand sich Sir Wilhelm Portman von Bryanstone,
+einer der angesehensten Männer von Dorsetshire, und Sir Franz Warre von
+Hestercombe, der in Somersetshire großen Einfluß hatte.[119]
+
+ [Anmerkung 118: +Clarke's Life of James, 220, 221.+]
+
+ [Anmerkung 119: +Eachard's History of the Revolution.+]
+
+
+[_Seymour._] Der Bedeutendste von den Neuangekommenen aber war Seymour,
+der unlängst eine Baronetschaft geerbt hatte, welche jedoch seinen Rang
+wenig erhöhte, und der in Folge seiner Geburt, seines politischen
+Ansehens und seiner parlamentarischen Talente entschieden der erste
+Torygentleman Englands war. Bei seiner ersten Audienz soll er seinen
+characteristischen Stolz in einer Weise geäußert haben, die den Prinzen
+überraschte und ergötzte. »Soviel ich weiß, Sir Eduard,« sagte Wilhelm,
+der sehr artig zu sein glaubte, »gehören Sie zur Familie des Herzogs von
+Somerset?« -- »Entschuldigen Sie, Sire,« entgegnete Sir Eduard, der nie
+vergaß, daß er das Oberhaupt der älteren Linie der Seymour war, »der
+Herzog von Somerset ist ein Mitglied meiner Familie«.[120]
+
+ [Anmerkung 120: Seymour's Antwort an Wilhelm wird von vielen
+ Schriftstellern mitgetheilt. Sie hat große Ähnlichkeit mit einer
+ Anekdote, die man sich von der Familie Manriquez erzählt. Sie soll
+ zu ihrer Devise die Worte gewählt haben: +»Nos no descendemos de
+ los Reyes, sino los Reyes descienden de nos.« -- Carpentariana.+]
+
+
+[_Wilhelm's Hoflager in Exeter._] Das Hauptquartier Wilhelm's fing nun
+an das Aussehen eines Hofes zu gewinnen. Mehr als sechzig angesehene und
+vermögende Männer wohnten in Exeter und die tägliche Schaustellung von
+glänzenden Livreen und sechsspännigen Equipagen auf dem Domplatz verlieh
+diesem stillen Orte etwas von dem in Whitehall herrschenden Glanze und
+Leben. Das gemeine Volk konnte es kaum erwarten, die Waffen zu
+ergreifen, und man hätte mit Leichtigkeit mehrere Bataillone Infanterie
+bilden können. Schomberg aber, der auf frisch vom Pfluge genommene
+Soldaten wenig Werth legte, war der Meinung, daß, wenn das Unternehmen
+nicht ohne solche Hülfe gelingen könne, es überhaupt gar nicht gelingen
+würde, und Wilhelm, der das Kriegshandwerk eben so genau kannte als
+Schomberg, theilte diese Ansicht. Es wurden daher nur wenige neue
+Regimenter errichtet und nur auserlesene Rekruten dazu genommen.
+
+Man hielt es jetzt für wünschenswerth, daß der Prinz die sämmtlichen in
+Exeter anwesenden Edelleute und Gentlemen öffentlich empfing. Er hielt
+eine kurze, aber würdevolle und wohl durchdachte Anrede an sie. Er
+sagte, er kenne nicht alle um ihn Versammelten persönlich, aber er habe
+eine Liste ihrer Namen und wisse, wie hoch sie in der Achtung ihres
+Vaterlandes ständen. Er tadelte mit milden Worten ihr spätes Erscheinen,
+sprach aber die zuversichtliche Hoffnung aus, daß es noch nicht zu spät
+sei, das Königreich zu retten. »Somit,« schloß er, »heißen wir Euch,
+Gentlemen, Freunde und Mitprotestanten, sowie Eure Begleiter an unsrem
+Hofe und in unsrem Lager herzlich willkommen.«[121]
+
+Seymour, ein seit langer Zeit an die Parteitaktik gewöhnter Staatsmann
+von scharfem Blicke, erkannte sogleich, daß die Partei, welche sich um
+den Prinzen zu schaaren begonnen hatte, der Organisation bedurfte. Bis
+jetzt, sagte er, sei sie nur ein Sandhaufen, kein gemeinsamer Zweck sei
+öffentlich und feierlich angekündigt worden, Niemand habe sich noch zu
+etwas verpflichtet. Sobald die Versammlung in der Dechanei wieder
+auseinander gegangen war, ließ er Burnet rufen und schlug ihm vor, daß
+ein Bund gebildet werden und alle englischen Anhänger des Prinzen eine
+Urkunde unterzeichnen sollten, durch welche sie sich zur Treue gegen
+ihren Führer und gegen einander verpflichteten. Burnet theilte diesen
+Vorschlag dem Prinzen und Shrewsbury mit, die ihn Beide billigten. Es
+wurde eine Versammlung in der Kathedrale gehalten und Burnet legte einen
+Entwurf vor, der angenommen und eifrig unterzeichnet wurde. Die
+Unterzeichner verpflichteten sich, die in der Erklärung des Prinzen
+dargelegten Zwecke einmüthig zu verfolgen, ihm und sich selbst
+gegenseitig beizustehen, gegen Jeden, der ein Attentat auf seine Person
+unternehmen sollte, exemplarische Rache zu üben und selbst wenn ein
+solches Attentat unglücklicherweise gelingen sollte, in ihrem
+Unternehmen zu beharren, bis die Freiheiten und die Religion des Volks
+wirksam gesichert seien.[122]
+
+Um die nämliche Zeit kam ein Bote vom Earl von Bath, der in Plymouth
+commandirte, in Exeter an. Bath erklärte, daß er seine Person, seine
+Mannschaft und die Festung, deren Gouverneur er war, dem Prinzen zur
+Verfügung stelle. So hatten die Angreifenden keinen einzigen Feind mehr
+im Rücken.[123]
+
+ [Anmerkung 121: +Fourth Collection of Papers, 1688+; Brief von
+ Exon; +Burnet, I. 792.+]
+
+ [Anmerkung 122: +Burnet, I. 792+; +History of the Desertion+;
+ +Second Collection of Papers, 1688.+]
+
+ [Anmerkung 123: Brief von Bath an den Prinzen von Oranien vom 18.
+ Nov. 1688; Dalrymple.]
+
+
+[_Aufstand im Norden._] Während der Westen sich so gegen den König
+erhob, stand hinter ihm auch schon der ganze Norden in Flammen. Am
+Sechzehnten griff Delamere in Cheshire zu den Waffen. Er rief seine
+Pächter zusammen, forderte sie auf, ihm beizustehen, versprach ihnen,
+daß, wenn sie im Kampfe fielen, die Pachtungen ihren Hinterlassenen aufs
+neue bewilligt werden sollten, und ermahnte Jeden, der ein gutes Pferd
+habe, entweder selbst ins Feld zu ziehen, oder einen Ersatzmann zu
+stellen.[124] Er erschien mit funfzig bewaffneten und berittenen Männern
+in Manchester und bevor er Boaden Downs erreichte, hatte sich seine
+Truppe verdreifacht.
+
+Die benachbarten Grafschaften waren in heftiger Gährung. Es war
+festgesetzt worden, daß Danby York nehmen und Devonshire in Nottingham
+erscheinen sollte. In Nottingham erwartete man keinen Widerstand zu
+finden, in York aber lag eine kleine Garnison unter dem Commando Sir
+John Reresby's. Danby ging mit großer Klugheit und Umsicht zu Werke. Auf
+den 22. November war eine Versammlung der Gentry und der Freisassen von
+Yorkshire ausgeschrieben, um eine Adresse wegen der Lage der Dinge an
+den König zu berathen. Alle Statthaltersubstituten der drei Bezirke,
+mehrere Kavaliere und eine Menge reicher Esquires und wohlhabender
+Freisassen hatten sich zu dieser Versammlung in der Provincialhauptstadt
+eingefunden. Vier Abtheilungen Miliz waren zur Aufrechthaltung der Ruhe
+und Ordnung commandirt. Das Rathhaus war gedrängt voll Freisassen und
+die Berathung hatte eben begonnen, als sich plötzlich der Ruf vernehmen
+ließ, die Papisten hätten sich erhoben und metzelten die Protestanten
+nieder. Die Papisten von York waren viel wahrscheinlicher darauf
+bedacht, sich zu verbergen, als einen Feind anzugreifen, der ihnen um
+das Hundertfache überlegen war. Aber damals konnte eine Geschichte von
+Papistenwuth noch so übernatürlich und wunderbar sein, sie fand dennoch
+bereitwilligen Glauben. Die Versammlung ging erschreckt auseinander. Die
+ganze Stadt war in Aufruhr. In diesem Augenblicke ritt Danby an der
+Spitze von etwa hundert Reitern der Miliz entgegen und erhob den Ruf:
+»Keinen Papismus! ein freies Parlament! die protestantische Religion!«
+Die Miliz stimmte ein. In einem Nu war die Garnison überrumpelt und
+entwaffnet. Der Gouverneur wurde in Gewahrsam gebracht, die Thore
+geschlossen und überall Schildwachen ausgestellt. Man ließ den Pöbel
+ungehindert eine katholische Kapelle niederreißen; sonst aber scheint
+kein Unfug verübt worden zu sein. Am folgenden Morgen war die Guildhall
+von den vornehmsten Gentlemen der Grafschaft und den höchsten
+Magistratsbeamten der Stadt angefüllt. Der Lordmayor wurde zum
+Vorsitzenden ernannt. Danby schlug eine Erklärung vor, in der die Gründe
+dargelegt werden sollten, welche die Freunde der Verfassung und der
+protestantischen Religion bewogen hatten, zu den Waffen zu greifen.
+Diese Erklärung wurde mit allgemeinem Beifall angenommen und war binnen
+wenigen Stunden von sechs Peers, fünf Baronets, sechs Rittern und vielen
+hochangesehenen Gentlemen unterzeichnet.[125]
+
+Inzwischen verließ Devonshire an der Spitze einer starken Truppe von
+Freunden und Untergebenen den Palast, den er eben in Chatsworth bauen
+ließ, und erschien bewaffnet in Derby. Hier übergab er der städtischen
+Behörde in aller Form eine Schrift, in der die Beweggründe seines
+Unternehmens auseinandergesetzt waren. Dann marschirte er nach
+Nottingham, das bald das Hauptquartier des Aufstandes im Norden wurde.
+Hier erließ er eine in kühnen und harten Ausdrücken abgefaßte
+Proklamation. Das Wort Rebellion, hieß es darin, sei ein Popanz, der
+keinen verständigen Mann schrecken könne. Sei es Rebellion, die Gesetze
+und den Glauben zu vertheidigen, zu deren Aufrechthaltung jeder
+englische König sich eidlich verpflichte? Wie dieser Eid neuerdings
+gehalten worden sei, darüber werde hoffentlich bald ein freies Parlament
+entscheiden. Die Insurgenten erklärten, daß sie es, bis diese
+Entscheidung erfolge, nicht für Rebellion, sondern nur für rechtmäßige
+Nothwehr hielten, sich einem Tyrannen zu widersetzen, der kein andres
+Gesetz kenne, als seinen Willen. Im Norden gewann der Aufstand mit jedem
+Tage eine größere Ausdehnung. Vier mächtige und reiche Earls,
+Manchester, Stamford, Rutland und Chesterfield, begaben sich nach
+Nottingham, wo sich ihnen Lord Cholmondely und Lord Grey de Ruthyn
+anschlossen.[126]
+
+Währenddem kamen die feindlichen Heere im Süden einander immer näher.
+Als der Prinz von Oranien erfuhr, daß der König in Salisbury angekommen
+war, hielt er es für an der Zeit, Exeter zu verlassen. Er stellte diese
+Stadt und ihre Umgegend unter das Commando Sir Eduard Seymour's und
+brach Mittwoch den 21. November in Begleitung vieler der angesehensten
+Gentlemen der westlichen Grafschaften nach Axminster auf, wo er mehrere
+Tage blieb.
+
+Der König wünschte sehnlichst, daß es zu einem Kampfe kommen möchte, was
+offenbar in seinem Interesse lag. Jede Stunde entriß ihm etwas von
+seiner Stärke und vermehrte die seiner Feinde. Überdies war es sehr
+wichtig, daß seine Truppen sich ans Feuer gewöhnten. Eine große
+Schlacht, welchen Ausgang sie auch nehmen mochte, konnte die Popularität
+des Prinzen nur vermindern. Dies Alles erkannte Wilhelm sehr wohl und er
+nahm sich deshalb vor, einen Zusammenstoß so lange als möglich zu
+vermeiden. Als Schomberg die Nachricht erhielt, daß der Feind anrücke
+und zu einer Schlacht entschlossen sei, soll er mit der Gelassenheit
+eines sich seiner Geschicklichkeit bewußten Taktikers gesagt haben: »Das
+wird lediglich von uns abhängen.« Es war indessen nicht möglich, alles
+Scharmützeln zwischen den Vorposten der beiden Armeen zu verhindern.
+Wilhelm wünschte, daß bei diesen Scharmützeln nichts geschah, was den
+Stolz der Nation, die er befreien wollte, verletzen oder ihr Rachegefühl
+aufstacheln könnte. Daher stellte er mit bewundernswerther Klugheit
+seine britischen Regimenter dahin, wo die Wahrscheinlichkeit eines
+Zusammenstoßes am größten war. Die Vorposten der königlichen Armee waren
+Irländer, und in Folge dessen hatten die Eingedrungenen bei den kleinen
+Gefechten dieses kurzen Feldzugs die aufrichtige Sympathie aller
+Engländer für sich.
+
+ [Anmerkung 124: +First Collection of Papers, 1688+; +London
+ Gazette, Nov. 22.+]
+
+ [Anmerkung 125: +Reresby's Memoirs+; +Clarke's Life of James, II.
+ 231. Orig. Mem.+]
+
+ [Anmerkung 126: +Cibber's Apology+; +History of the Desertion+;
+ +Luttrell's Diary+; +Second Collection of Papers, 1688+.]
+
+
+[_Gefecht bei Wincanton._] Das erste derartige Treffen fand bei
+Wincanton statt. Mackay's Regiment, das aus britischen Soldaten bestand,
+lag in der Nähe einer Abtheilung irischer Truppen des Königs, welche ihr
+Landsmann, der tapfere Sarsfield, befehligte. Mackay schickte ein
+kleines Detachement unter einem Lieutenant Namens Campbell aus, um
+Bagagepferde herbeizuschaffen. In Wincanton fand Campbell was er
+brauchte, und als er eben die Stadt wieder verließ, um zur Armee
+zurückzukehren, rückte eine starke Abtheilung von Sarsfield's Truppen
+heran. Die Irländer waren ihren Gegnern um das Vierfache überlegen,
+dennoch aber entschloß sich Campbell bis zum Äußersten zu kämpfen. Mit
+einem Häuflein tapferer Männer stellte er sich auf der Straße auf, und
+seine übrigen Soldaten besetzten die Hecken zu beiden Seiten der Straße.
+Der Feind kam heran. »Halt!« rief Campbell, »für wen seid Ihr.« -- »Ich
+bin für König Jakob,« antwortete der Anführer der feindlichen Truppe.
+»Und ich für den Prinzen von Oranien,« versetzte Campbell. »Wir wollen
+Euch beprinzen!« rief der Irländer mit einem Fluche. »Feuer!«
+commandirte Campbell, und augenblicklich knatterte ein wohlgezieltes
+Feuer hinter den Hecken hervor. Die königlichen Truppen erhielten drei
+kräftige Salven, ehe sie das Feuer erwiedern konnten. Endlich gelang es
+ihnen, eine der Hecken zu nehmen, und sie würden die ihnen
+entgegenstehende kleine Schaar überwältigt haben, hätte nicht das
+Landvolk, das die Irländer gründlich haßte, falschen Lärm gemacht, daß
+noch mehr Truppen des Prinzen anrückten. Sarsfield rief seine Leute ab
+und zog sich zurück und Campbell setzte mit den Bagagepferden seinen
+Marsch ungehindert fort. Dieses Gefecht, das zwar dem Muthe und der
+Disciplin der Armee des Prinzen Ehre machte, wurde durch die Fama zu
+einem Siege vergrößert, den britische Protestanten über eine bedeutende
+Übermacht von papistischen Barbaren davongetragen, welche aus Connaught
+herübergeholt worden seien, um unsre Insel zu unterdrücken.[127]
+
+Wenige Stunden nach diesem Scharmützel ereignete sich ein Vorfall, der
+jeder Wahrscheinlichkeit eines ernsten Kampfes zwischen den beiden
+Armeen ein Ende machte. Churchill und einige von seinen Hauptcomplicen
+befanden sich in Salisbury. Zwei der Verschwornen, Kirke und Trelawney,
+hatten sich nach Warminster begeben, wo ihre Regimenter standen. Alles
+war reif zur Ausführung des lange erwogenen Verraths.
+
+Churchill rieth dem Könige, Warminster zu besuchen und die dort
+stehenden Truppen zu inspiciren. Jakob willigte ein und sein Wagen hielt
+schon am Thore des bischöflichen Palastes, als er mit einem Male
+heftiges Nasenbluten bekam. Er mußte die Reise aufschieben und sich
+einer ärztlichen Behandlung unterziehen. Drei Tage vergingen, ehe die
+Blutung völlig gestillt war und während dieser drei Tage kamen ihm
+beunruhigende Gerüchte zu Ohren.
+
+Eine so weitverzweigte Verschwörung wie die, an deren Spitze Churchill
+stand, konnte unmöglich lange streng geheim gehalten werden. Man hatte
+zwar keine Beweise, die einer Jury oder einem Kriegsgericht hätten
+vorgelegt werden können, aber es circulirten sonderbare Gerüchte im
+Lager. Feversham, der das Obercommando führte, meldete, daß ein
+schlechter Geist in der Armee herrsche. Man machte den König darauf
+aufmerksam, daß gewisse Personen seiner nächsten Umgebung nicht seine
+Freunde seien und daß es nur ein Schritt weiser Vorsicht sein würde,
+wenn er Churchill und Grafton unter Bedeckung nach Portsmouth sendete.
+Jakob verwarf diesen Rath. Neigung zum Argwohn gehörte nicht zu seinen
+Fehlern. Im Gegentheil, er setzte ein so großes Vertrauen in
+Versicherungen der Treue und Anhänglichkeit, wie man es wohl von einem
+gutmüthigen und unerfahrenen jungen Menschen, nicht aber von einem in
+Jahren vorgerückten Staatsmann hätte erwarten sollen, der die Welt
+kennen gelernt, der von schurkischen Ränken und Intriguen viel zu leiden
+gehabt hatte und dessen eigner Character keineswegs ein vortheilhaftes
+Muster der menschlichen Natur war. Es dürfte schwer sein, einen zweiten
+Mann zu finden, der sein Wort so leichtsinnig brach, als Jakob und der
+dabei so schwer zu dem Glauben zu bringen war, daß Andere ihr Wort gegen
+ihn brechen könnten. Nichtsdestoweniger machten ihn die ihm zukommenden
+Berichte über die Stimmung seiner Armee sehr besorgt. Er sehnte sich
+jetzt nicht mehr nach einer Schlacht, ja er begann sogar an den Rückzug
+zu denken. Samstag Abend, den 24. November berief er einen Kriegsrath
+zusammen, dem auch diejenigen Offiziere beiwohnten, gegen die er
+ernstlich gewarnt worden war. Feversham sprach sich dahin aus, daß der
+Rückzug wünschenswerth sei. Churchill stimmte für das Gegentheil. Die
+Berathung dauerte bis Mitternacht. Endlich erklärte der König, daß er
+sich zu dem Rückzuge entschieden habe.
+
+ [Anmerkung 127: +Whittle's Diary+; +History of the Desertion+;
+ +Luttrell's Diary.+]
+
+
+[_Churchill's und Grafton's Abfall._] Churchill bemerkte oder glaubte
+zu bemerken, daß man ihm nicht traute und vermochte trotz seiner nicht
+gewöhnlichen Selbstbeherrschung seine Angst nicht zu verbergen. Er
+entfloh daher noch vor Tagesanbruch mit Grafton ins Lager des
+Prinzen.[128]
+
+Er ließ eine schriftliche Erklärung zurück, welche in dem anständigen
+Tone gehalten war, den er bei aller Strafbarkeit und Ehrlosigkeit doch
+stets beobachtete. Er erkannte an, daß er der Gunst des Königs Alles
+verdanke. Interesse und Dankbarkeit, sagte er, zogen ihn nach der
+nämlichen Seite hin. Unter keiner andren Regierung könne er hoffen so
+einflußreich und mächtig zu werden, als er es gewesen sei; aber alle
+solche Rücksichten müßten einer höheren Pflicht weichen. Er sei
+Protestant und sein Gewissen gestatte ihm nicht, gegen den
+Protestantismus das Schwert zu ziehen. Übrigens aber werde er stets
+bereit sein, zur Vertheidigung der geheiligten Person und der
+gesetzlichen Rechte seines gnädigen Gebieters Gut und Leben
+aufzuopfern.[129]
+
+Am nächsten Morgen war im königlichen Lager Alles in der größten
+Bestürzung. Die Freunde des Königs waren wie vernichtet und seine Feinde
+konnten ihre Freude nicht unterdrücken. Jakob's Bestürzung wurde noch
+durch Nachrichten vermehrt, welche denselben Tag von Warminster
+einliefen. Kirke, welcher dort commandirte, hatte Befehlen, die er von
+Salisbury erhalten, den Gehorsam verweigert. Es konnte keinem Zweifel
+mehr unterliegen, daß auch er mit dem Prinzen von Oranien im Bunde
+stand. Es hieß, er sei schon mit allen seinen Truppen zum Feinde
+übergegangen, und obgleich dieses Gerücht falsch war, fand es doch
+einige Stunden lang vollen Glauben.[130] Jetzt ging dem unglücklichen
+Könige wieder ein neues Licht auf. Er glaubte zu errathen, warum man ihn
+vor einigen Tagen gedrängt hatte, Warminster zu besuchen. Er würde dort
+hülflos in der Gewalt der Verschwörer und in der Nähe der feindlichen
+Vorposten gewesen, Die, welche es versucht hätten ihn zu vertheidigen,
+würden leicht überwältigt und er als Gefangener in das Hauptquartier der
+feindlichen Armee gebracht worden sein. Vielleicht wäre ein noch
+schwärzerer Verrath verübt worden, denn Menschen, die einmal ein
+strafbares und gefährliches Unternehmen begonnen haben, sind nicht mehr
+Herren ihrer selbst und werden oft durch ein Verhängniß, das einen Theil
+ihrer verdienten Strafe bildet, zu Verbrechen getrieben, an die sie
+vorher nur mit Schaudern hätten denken können. Gewiß war es das Werk
+irgend eines Schutzheiligen, daß ein der katholischen Kirche ergebener
+König in dem Augenblicke, wo er blindlings der Gefangenschaft, ja
+vielleicht dem Tode entgegenzueilen im Begriffe war, plötzlich durch
+eine Unpäßlichkeit aufgehalten wurde, die er damals als ein Unglück
+betrachtete.
+
+ [Anmerkung 128: +Clarke's Life of James, II. 222. Orig. Mem.+:
+ Barillon, 21. Nov. (1. Dec.) 1688; +Sheridan MS.+]
+
+ [Anmerkung 129: +First Collection of Papers+, 1688.]
+
+ [Anmerkung 130: Brief von Middleton an Preston aus Salisbury vom
+ 25. Nov. »Schurkerei über Schurkerei,« sagt Middleton, »die letzte
+ immer größer als die vorhergehende.« +Clarke's Life of James, II.
+ 224. 225, Orig. Mem.+]
+
+
+[_Rückzug der königlichen Armee von Salisbury._] Dies Alles bestärkte
+Jakob in dem am vorhergehenden Abend gefaßten Entschlusse. Es wurde
+Befehl zum unverweilten Rückzuge gegeben. Ganz Salisbury war in Aufruhr.
+Das Lager wurde mit der Verwirrung einer Flucht abgebrochen. Kein Mensch
+wußte mehr, wem er trauen und wem er gehorchen sollte. Die materielle
+Stärke der Armee hatte sich nur unbedeutend vermindert, aber ihre
+moralische Kraft war vernichtet. Viele, die sich geschämt haben würden,
+mit dem Übertritt zu dem Prinzen voranzugehen, folgten nun bereitwillig
+einem Beispiele, das sie nie gegeben haben würden, und viele Andere, die
+zu ihrem Könige gehalten haben würden, so lange er muthig gegen den
+Feind vorzurücken schien, hatten keine Lust, bei einer zurückweichenden
+Fahne zu bleiben.[131]
+
+Jakob ging an diesem Tage bis Andover. Sein Schwiegersohn, Prinz Georg,
+und der Herzog von Ormond begleiteten ihn. Beide gehörten zu den
+Verschwornen und würden wahrscheinlich mit Churchill geflohen sein,
+hätte dieser es in Folge der Vorgänge im Kriegsrathe nicht für rathsam
+gehalten, seine Abreise zu beschleunigen. Dem Prinzen Georg kam seine
+Geistesbeschränktheit in diesem Falle besser zu statten, als es Klugheit
+gethan haben würde. Wenn ihm eine Nachricht gemeldet wurde, pflegte er
+auf Französisch auszurufen: +»Est-il possible?«+ (ist es möglich?) Diese
+Phrase war ihm jetzt sehr nützlich. +»Est-il possible?«+ rief er, als
+man ihn benachrichtigte, daß Churchill und Grafton vermißt wurden. Und
+als die schlimme Botschaft von Warminster kam, rief er abermals:
++»Est-il possible?«+
+
+ [Anmerkung 131: +History of the Desertion+; +Luttrell's Diary.+]
+
+
+[_Abfall des Prinzen Georg und Ormond's._] Prinz Georg und Ormond wurden
+in Andover eingeladen, mit dem Könige zu Abend zu speisen. Dies muß eine
+traurige Mahlzeit gewesen sein. Der König war von seinem Unglück zu
+Boden gedrückt, und sein Schwiegersohn war der langweiligste
+Gesellschafter, den es geben konnte. Karl II. sagte einmal: »Ich habe
+den Prinzen Georg nüchtern gesehen und habe ihn betrunken gesehen, aber
+mag er nüchtern oder betrunken sein, es ist nichts an ihm.«[132] Ormond,
+der während seines ganzen Lebens schweigsam und zurückhaltend gewesen,
+war in einem solchen Augenblicke gewiß auch nicht heiter. Sogleich nach
+beendeter Mahlzeit ging der König zur Ruhe. Für den Prinzen und Ormond
+standen schon Pferde bereit; sobald sie sich von der Tafel erhoben
+hatten, saßen sie auf und sprengten davon. In ihrer Begleitung befand
+sich der Earl von Drumlanrig, der älteste Sohn des Herzogs von
+Queensberry. Der Abfall dieses jungen Kavaliers war kein unwichtiges
+Ereigniß, denn Queensberry war das Oberhaupt der protestantischen
+Episcopalen Schottlands, einer Klasse, im Vergleich zu welcher die
+entschiedensten englischen Tories whiggistisch genannt werden konnten,
+und Drumlanrig selbst war Oberstlieutenant von Dundee's Regiment, eines
+Corps, das die Whigs noch mehr haßten, als Kirke's Lämmer. Dieses neue
+Unglück wurde dem Könige am nächsten Morgen gemeldet. Er war von der
+Nachricht weniger ergriffen, als man hatte erwarten sollen. Der Schlag,
+der ihn vierundzwanzig Stunden früher getroffen, hatte ihn auf fast
+jedes nur mögliche Unglück vorbereitet, und er konnte dem Prinzen Georg,
+der kaum zurechnungsfähig war, unmöglich ernstlich zürnen, daß er den
+Kunstgriffen eines Verführers wie Churchill erlegen war. »Wie?« rief
+Jakob, »ist +Est-il possible+ auch fort? Nun, im Grunde würde ein guter
+Dragoner ein größerer Verlust gewesen sein.«[133] Der Zorn des Königs
+schien sich in der That, und nicht ohne Grund, damals auf eine einzige
+Person zu concentriren. Von glühendem Rachedurst gegen Churchill
+erfüllt, reiste er weiter nach London und erfuhr bei seiner Ankunft
+daselbst ein neues Verbrechen des Erzverräthers. Seit einigen Stunden
+wurde die Prinzessin Anna vermißt.
+
+ [Anmerkung 132: Dartmouth's Note zu Burnet, I. 643.]
+
+ [Anmerkung 133: +Clarendon's Diary, Nov. 26+; +Clarke's Life of
+ James, II. 224+; Prinz Georg's Brief an den König ist oft gedruckt
+ worden.]
+
+
+[_Flucht der Prinzessin Anna._] Anna, welche keinen andren Willen als
+den der Churchill hatte, war vor acht Tagen durch sie bewogen worden,
+eigenhändig dem Prinzen Wilhelm zu versichern, daß sie sein Unternehmen
+billige. Sie schrieb ihm, daß sie ganz in den Händen ihrer Freunde sei
+und ganz nach deren Bestimmung entweder im Palaste bleiben oder in der
+Stadt einen Zufluchtsort suchen werde.[134] Am Sonntag, den 25. November
+mußte sie und Diejenigen, welche für sie dachten und handelten,
+plötzlich einen Entschluß fassen. An diesem Nachmittag brachte ein
+Courier von Salisbury die Nachricht, daß Churchill verschwunden sei, daß
+Grafton ihn begleitet habe, daß auch Kirke untreu geworden und die ganze
+königliche Armee im vollen Rückzüge begriffen sei. Wie gewöhnlich, wenn
+wichtige Nachrichten, gleichviel ob gute oder schlimme, in der Stadt
+anlangten, so versammelte sich auch an diesem Abende eine große
+Menschenmenge in den Gallerien von Whitehall. Neugierde und ängstliche
+Spannung sprach aus allen Gesichtern. Die Königin ergoß sich in wohl zu
+entschuldigende Äußerungen des Unwillens über den Hauptverräther und
+schonte dabei auch seine allzu parteiische Gebieterin nicht ganz. An den
+Zugängen des Palastflügels, den Anna bewohnte, wurden die Schildwachen
+verstärkt. Die Prinzessin war in der größten Angst. In wenigen Stunden
+mußte ihr Vater in Westminster eintreffen. Daß er sie persönlich mit
+Strenge behandeln würde, war nicht anzunehmen, aber sie durfte nicht
+hoffen, daß er ihr fernerhin den Umgang mit ihrer Freundin gestatten
+werde. Es war kaum daran zu zweifeln, daß Sara festgenommen und einem
+strengen Verhör durch gewandte und rücksichtslose Inquisitoren
+unterworfen werden würde. Jedenfalls wurden ihre Papiere mit Beschlag
+belegt, und vielleicht fand man darunter Beweise, die ihr Leben in
+Gefahr brachten. In diesem Falle war das Schlimmste zu fürchten. Die
+Rache des unerbittlichen Königs kannte keinen Unterschied des
+Geschlechts; um viel geringfügigerer Vergehen willen als diejenigen,
+deren Lady Churchill möglicherweise überführt werden konnte, hatte er
+Frauen aufs Schaffott und auf den Scheiterhaufen geschickt. Ihre starke
+Zuneigung zu Lady Churchill verlieh dem Geiste der Prinzessin eine
+ungewöhnliche Energie. Es gab kein Band, das sie um des Gegenstandes
+ihrer abgöttischen Liebe willen nicht zerrissen, keine Gefahr, der sie
+sich für sie nicht ausgesetzt haben würde. »Eher springe ich aus dem
+Fenster,« rief sie aus, »als daß ich mich von meinem Vater hier finden
+lasse!« Die Freundin übernahm es, ihre Flucht zu bewerkstelligen. Sie
+berieth sich in aller Eil mit einigen Oberhäuptern der Verschwörung und
+binnen wenigen Stunden waren alle Anstalten zur Flucht getroffen. Am
+Abend zog sich Anna wie gewöhnlich in ihre Gemächer zurück. Sobald es
+völlig dunkel geworden war, stand sie auf und schlich leise, von ihrer
+Freundin Sara und einigen Kammerfrauen begleitet, im Morgenrock und
+Hausschuhen die Hintertreppe hinunter. Die Flüchtlinge gelangten
+unangefochten auf die Straße, wo ein Miethwagen sie erwartete. Zwei
+Männer bewachten die bescheidene Equipage: Compton, Bischof von London,
+der alte Lehrer der Prinzessin, und der prachtliebende, talentvolle
+Dorset, den die Größe der öffentlichen Gefahr aus seiner üppigen Ruhe
+aufgerüttelt hatte. Der Wagen fuhr sogleich nach Aldersgate Street, wo
+damals der städtische Palast der Bischöfe von London im Schatten ihrer
+Kathedrale stand. Hier brachte die Prinzessin die Nacht zu. Am folgenden
+Morgen reiste sie nach dem Eppingwalde ab, wo Dorset ein altes Schloß
+besaß, das schon vor langer Zeit zerstört worden ist. In dieser
+gastlichen Wohnung, viele Jahre lang der Lieblingsaufenthalt von
+Schöngeistern und Dichtern, hielten die Flüchtlinge eine kurze Rast. Sie
+konnten es nicht ohne Gefahr versuchen, Wilhelm's Hauptquartier zu
+erreichen, denn der Weg dahin führte durch eine von königlichen Truppen
+besetzte Gegend. Es wurde daher beschlossen, daß Anna sich zu den
+Insurgenten im Norden begeben sollte. Compton legte für diese Zeit
+seinen geistlichen Character völlig ab. Gefahr und Kampf hatten in
+seiner Brust wieder das ganze kriegerische Feuer entzündet, das ihn
+achtundzwanzig Jahre früher beseelte, als er unter der Leibgarde diente.
+In einem Büffelwams und Reiterstiefeln, das Schwert an der Seite und
+Pistolen in den Holstern, ritt er vor dem Wagen der Prinzessin her.
+Lange vor ihrer Ankunft in Nottingham war sie bereits von einer
+Leibwache von Gentlemen umgeben, die sie aus eignem Antriebe
+begleiteten. Sie ersuchten den Bischof, sich als Oberst an ihre Spitze
+zu stellen, und er erfüllte ihren Wunsch mit einer Bereitwilligkeit,
+welche bei den strengen Kirchenmännern großes Ärgerniß erregte und
+seinem Rufe selbst in den Augen der Whigs keinen Vortheil brachte.[135]
+
+Als am Morgen des Sechsundzwanzigsten Anna's Gemächer leer gefunden
+wurden, war die Bestürzung in Whitehall groß. Während ihre Kammerfrauen
+jammernd und händeringend durch die Höfe des Palastes liefen, während
+Lord Carven, der die Leibgarde zu Fuß commandirte, die Wachen in der
+Gallerie ausfragte, während der Kanzler die Papiere der Churchill
+versiegelte, stürzte die Amme der Prinzessin in die königlichen Gemächer
+und rief aus, ihre geliebte Herrin sei von den Papisten ermordet worden.
+Die Nachricht gelangte nach Westminsterhall. Hier erzählte man sich,
+Ihre Hoheit sei gewaltsam in ein Gefängniß gebracht worden. Als es nicht
+mehr geleugnet werden konnte, daß sie freiwillig entflohen war, wurden
+eine Menge Geschichten zur Motivirung ihrer Flucht erdichtet. Sie sei
+gröblich beleidigt und bedroht, ja sogar von ihrer gefühllosen
+Stiefmutter geschlagen worden, obgleich sie sich in Umständen befand, in
+denen eine Frau Anspruch auf eine besonders zarte Behandlung hat. Das
+durch eine mehrjährige schlechte Regierung argwöhnisch und reizbar
+gemachte Volk wurde durch diese Verleumdungen so aufgebracht, daß die
+Königin ihres Lebens kaum sicher war. Viele Katholiken und mehrere
+protestantische Tories von erprobter Loyalität eilten in den Palast, um
+sie im Fall eines Ausbruchs vertheidigen zu können. Inmitten dieses
+Schreckens und Entsetzens kam die Nachricht von der Flucht des Prinzen
+Georg. Dem Courier, welcher diese schlimme Botschaft überbrachte, folgte
+der König selbst auf dem Fuße. Es war bereits völlig dunkel, als der
+König ankam und von dem Verschwinden seiner Tochter unterrichtet wurde.
+Nach Allem, was er schon gelitten hatte, preßte dieser neue Schlag ihm
+einen Jammerschrei aus. »Gott stehe mir bei!« rief er aus; »meine
+eigenen Kinder haben mich verlassen!«[136]
+
+ [Anmerkung 134: Der vom 18. Nov. datirte Brief ist in Dalrymple zu
+ finden.]
+
+ [Anmerkung 135: +Clarendon's Diary, Nov. 25, 26. 1688+; Citters,
+ 26. Nov. (6. Dec.); +Ellis Correspondence, Dec. 19.+; +Duchess of
+ Marlborough's Vindication+; +Burnet, I. 792+; Compton, an den
+ Prinzen von Oranien, 2. Dec. 1688 in Dalrymple. Das militairische
+ Kostüm des Bischofs wird in unzähligen Flugschriften und
+ Spottgedichten erwähnt.]
+
+ [Anmerkung 136: Dartmouth's Note zu Burnet I. 792: Citters, 26.
+ Nov. (6. Dec.) 1688; +Clarke's Life of James, II. 226. Orig.
+ Mem.+; +Clarendon's Diary, Nov. 26.+; +Revolution Politics.+]
+
+
+[_Jakob hält eine Berathung mit den Lords._] Noch denselben Abend hielt
+er mit seinen ersten Ministern eine bis spät in die Nacht dauernde
+Berathung. Es wurde beschlossen, daß er alle zur Zeit in London
+anwesenden geistlichen und weltlichen Lords am folgenden Tage zu sich
+entbieten und sie feierlich um Rath fragen sollte. Demgemäß versammelten
+sich die Lords am Dienstag Nachmittag, den 27. November, im Speisesaale
+des Palastes. Die Versammlung bestand aus neun Prälaten und zwischen
+dreißig und vierzig weltlichen Edelleuten, sämmtlich Protestanten. Auch
+die beiden Staatssekretäre, Middleton und Preston, waren anwesend,
+obgleich sie nicht Peers des Reichs waren. Der König selbst präsidirte.
+Die Spuren schwerer körperlicher und geistiger Leiden waren in seinen
+Gesichtszügen und in seiner Haltung deutlich zu erkennen. Er eröffnete
+die Verhandlung mit der Erwähnung der Petition, die ihm kurz vor seiner
+Abreise nach Salisbury überreicht worden war. Der Inhalt dieser Petition
+war die Bitte um Einberufung eines freien Parlaments. In seiner
+damaligen Lage, sagte er, habe er es nicht für zweckmäßig gehalten, der
+Bitte zu willfahren. Während seiner Abwesenheit von London aber seien
+wichtige Veränderungen eingetreten; auch habe er bemerkt, das sein Volk
+überall den Zusammentritt der Kammern sehnlichst wünsche. Daher habe er
+seine getreuen Peers zu sich entboten, um ihren Rath zu hören.
+
+Es trat eine Pause ein. Dann sagte Oxford, dem sein in Alter und Glanz
+unerreichter Stammbaum ein gewisses Übergewicht in der Versammlung gab,
+seiner Ansicht nach müßten die Lords, welche die von Seiner Majestät
+erwähnte Petition unterzeichnet hätten, ihre Meinungen jetzt
+aussprechen.
+
+Diese Worte bestimmten Rochester zu reden. Er vertheidigte die Petition
+und erklärte, daß er noch immer nirgends eine Hoffnung für den Thron und
+das Land sehe, als in einem Parlament. Er wage es nicht zu behaupten,
+daß in einer so unheilvollen Bedrängniß selbst dieses Mittel wirksamen
+Erfolg haben werde; aber er wisse kein andres vorzuschlagen. Er setzte
+hinzu, daß es rathsam sein dürfte, Unterhandlungen mit dem Prinzen von
+Oranien zu eröffnen. Nach ihm sprachen Jeffreys und Godolphin, und Beide
+erklärten sich mit ihm einverstanden.
+
+Jetzt stand Clarendon auf und ergoß sich zum Erstaunen Aller, die sich
+seiner lauten Loyalitätsversicherungen und der heftigen Äußerungen von
+Scham und Schmerz erinnerten, die ihm noch vor wenigen Tagen die
+Nachricht von dem Abfalle seines Sohnes entrissen hatte, in eine
+Schmährede gegen Tyrannei und Papismus. »Noch in diesem Augenblicke,«
+sagte er, »errichtet Seine Majestät in London ein Regiment, in welches
+keine Protestanten aufgenommen werden.« -- »Das ist nicht wahr!« rief
+Jakob mit Heftigkeit aus. Clarendon bestand auf seiner Behauptung und
+verließ dieses beleidigende Thema nur um auf ein noch beleidigenderes
+überzugehen. Er beschuldigte den unglücklichen König des Kleinmuths.
+Warum sei er nicht in Salisbury geblieben? warum habe er nicht das Glück
+einer Schlacht versucht? Könne man es dem Volke verargen, daß es sich
+dem Angreifer unterwarf, wenn es seinen König an der Spitze seiner Armee
+davonlaufen sehe? Jakob fühlte diese Vorwürfe tief und vergaß sie nicht
+so bald. In der That, selbst Whigs hielten Clarendon's Sprache für
+unpassend und unedel. Halifax sprach in einem ganz andren Tone. Seit
+mehreren Jahren der Gefahr hatte er mit bewundernswürdigem Talent die
+bürgerliche und kirchliche Verfassung seines Vaterlandes gegen die
+Prärogative vertheidigt. Aber sein klarer, für Begeisterung durchaus
+unempfänglicher und Extremen entschieden abgeneigter Verstand begann
+sich gerade in dem Augenblicke, wo die großsprecherischen Royalisten,
+welche noch vor Kurzem die Trimmers als wenig besser denn Rebellen
+verwünscht hatten, sich überall zum Aufstande erhoben, zur Sache des
+Königthums hinzuneigen. Er setzte seine Ehre darein, in diesem
+kritischen Augenblicke der Friedensstifter zwischen dem Throne und der
+Nation zu werden. Seine Talente und sein Character befähigten ihn zu
+diesem Amte und wenn sein Versuch scheiterte, so ist dies Ursachen
+zuzuschreiben, gegen die keine menschliche Geschicklichkeit etwas
+auszurichten vermochte, ganz besonders der Thorheit, Wortbrüchigkeit und
+Hartnäckigkeit des Fürsten, den er zu retten versuchte.
+
+Halifax sprach manche bittere Wahrheit aus, aber mit einer so zarten
+Rücksicht, daß er sich den Vorwurf der Schmeichelei von Leuten zuzog,
+welche viel zu niedrigdenkend waren, als daß sie hätten begreifen
+können, daß Worte, die mit Recht Schmeichelei genannt werden mögen, wenn
+man sie an einen Mächtigen richtet, einer gefallenen Größe gegenüber ein
+Tribut der Humanität sind. Er erklärte es unter vielen Versicherungen
+von Theilnahme und Ehrerbietung als seine Ansicht, daß der König sich zu
+großen Opfern entschließen müsse. Es sei nicht genug, daß er ein
+Parlament einberufe und mit dem Prinzen von Oranien in Unterhandlung
+trete. Wenigstens einige von den Beschwerden, über welche die Nation
+klage, müßten augenblicklich abgestellt werden, ohne darauf zu warten,
+bis die Häuser oder der Anführer des feindlichen Heeres die Abstellung
+verlangten. Nottingham erklärte sich in eben so ehrerbietiger Sprache
+mit Halifax vollkommen einverstanden. Es waren drei Hauptzugeständnisse,
+zu denen die Lords den König zu bewegen suchten. Er sollte, sagten sie,
+alle Katholiken sofort aus dem Staatsdienste entlassen, sich ganz von
+Frankreich lossagen und Denen, welche bewaffnet gegen ihn aufgestanden,
+unbedingte Amnestie zusichern. Man sollte denken, daß der letzte von
+diesen drei Vorschlägen keinen Einwand zugelassen hätte. Denn hatten
+auch Einige von Denen, die sich gegen den König zusammengeschaart, so
+gegen ihn gehandelt, daß er sich dadurch bitter gekränkt fühlen mußte,
+so war es doch viel wahrscheinlicher, daß er bald von ihrer Gnade
+abhängen würde, als sie je von der seinigen. Es wäre geradezu kindisch
+gewesen, mit Wilhelm Unterhandlungen zu eröffnen und zu gleicher Zeit
+Männern, welche Wilhelm nicht im Stiche lassen konnte, ohne eine
+Schändlichkeit gegen sie zu begehen, mit Rache zu drohen. Aber der
+umwölkte Verstand und der unversöhnliche Character Jakob's sträubten
+sich lange gegen die Gründe der Männer, die ihn zu überzeugen suchten,
+daß er wohl daran thun werde, Kränkungen zu verzeihen, die er nicht
+bestrafen konnte. »Ich kann es nicht thun,« rief er aus; »ich muß ein
+Exempel statuiren, vor Allem an Churchill, den ich so hoch erhoben habe.
+Er, und nur er allein hat dies Alles gethan. Er hat meine Armee
+verführt, er hat meine Tochter verführt und er würde mich ohne den
+besonderen Schutz Gottes dem Prinzen von Oranien überliefert haben. Sie
+sind auffallend besorgt um die Sicherheit von Verräthern, Mylords;
+keiner von Ihnen aber kümmert sich um meine Sicherheit.« Als Antwort auf
+diesen Ausbruch ohnmächtigen Zornes stellten Diejenigen, welche zur
+Amnestie gerathen hatten, mit tiefster Ehrerbietung, aber mit
+Entschiedenheit vor, daß ein von mächtigen Feinden angegriffener Fürst
+nur durch einen Sieg oder durch Nachgiebigkeit gerettet werden konnte.
+»Wenn Eure Majestät nach Allem was geschehen ist noch von den Waffen
+Rettung erwartet, so sind wir fertig, wo nicht, können Sie nur dadurch
+gerettet werden, daß Sie die Zuneigung Ihres Volks wieder zu gewinnen
+suchen.« Nach einer langen und lebhaften Debatte hob der König die
+Versammlung auf, indem er sagte: »Mylords, Sie haben Sich viel Freiheit
+herausgenommen, aber ich zürne Ihnen deshalb nicht. In einem Punkte bin
+ich zu einem Entschlusse gekommen. Ich werde ein Parlament einberufen.
+Die anderen Rathschläge, die Sie mir gegeben haben, sind von ernster
+Bedeutung, und Sie werden Sich nicht wundern, wenn ich mir eine Nacht
+zur Überlegung vorbehalte, ehe ich mich entscheide.«[137]
+
+ [Anmerkung 137: +Clarke's Life of James, II. 236: Orig. Mem.+;
+ +Burnet I. 794+; +Luttrell's Diary+; +Clarendon's Diary, Nov. 27.
+ 1688.+ Citters, 27. Nov. (7. Dec.) und 30. Nov. (10. Dec.).
+ Citters schöpfte seine Angaben offenbar aus Mittheilungen von
+ einem der anwesenden Lords. Da der Gegenstand wichtig ist, will
+ ich einige kurze Stellen aus seinen Depeschen hier anführen. Der
+ König sagte, +»Dat het by na voor heem unmogelyck was te
+ pardoneren persoonen wie so hoog in syn reguarde schuldig stonden,
+ vooral seer uytvarende tegens den Lord Churchill wien hy hadde
+ groot gemaakt, en nogtans meynde de eenigste oorsake van alle dese
+ desertie en van de retraite van hare Coninglycke Hoogheden te
+ wesen.«+ Einer von den Lords, wahrscheinlich Halifax oder
+ Nottingham, +»seer hadde geurgeert op de securiteyt van de lords
+ die nu met syn Hoogheyt geengageert staan. Soo hoor ick,«+ sagt
+ Citters, +»dat syn Majesteyt onder anderen soude gesegt hebben:
+ »»Men spreekt al voor de securiteyt voor andere, en niet voor de
+ myne.«« -- Waar op een der Pairs resolut dan met groot respect
+ soude geantwoordt hebben dat, so de difficulteyt dan nog te
+ surmonteren was, dat het den moeste geschieden door de meeste
+ condescendance, en hoe meer die was, en hy genegen om aan de natic
+ contentement te geven, dat syne securyteyt ook des te grooter
+ soude wesen.«+]
+
+
+[_Er ernennt Commissare zur Unterhandlung mit Wilhelm._] Anfangs schien
+Jakob die ausbedungene Bedenkzeit vortrefflich anwenden zu wollen: der
+Kanzler erhielt die Weisung, Ausschreiben zur Einberufung eines
+Parlaments auf den 13. Januar zu erlassen. Halifax wurde ins königliche
+Kabinet beschieden, hatte eine lange Audienz und sprach mit mehr
+Freimuth, als er in Anwesenheit einer zahlreichen Versammlung zu zeigen
+für schicklich gehalten hatte. Es wurde ihm angekündigt, daß er zu einem
+der Commissare ernannt sei, welche mit dem Prinzen von Oranien
+unterhandeln sollten. Nottingham und Godolphin waren ihm beigegeben. Der
+König erklärte, daß er im Interesse des Friedens große Opfer zu bringen
+bereit sei. Halifax antwortete ihm darauf, daß es auch ohne Zweifel
+großer Opfer bedürfen werde. »Eure Majestät,« sagte er, »darf nicht
+erwarten, daß Diejenigen, welche die Macht in Händen haben, auf
+Bedingungen eingehen werden, welche die Gesetze in die Gewalt der
+Prärogative geben.« Mit dieser deutlichen Erklärung seiner Ansichten
+nahm er den Auftrag an, den der König ihm ertheilen wollte.[138] Jetzt
+wurden die vor wenigen Stunden noch hartnäckig verweigerten
+Zugeständnisse auf das Bereitwilligste gewährt. Es wurde eine
+Proklamation erlassen, durch welche der König nicht nur Allen, die sich
+gegen ihn empört hatten, unbedingte Verzeihung zusicherte, sondern sie
+sogar als wählbar für das bevorstehende Parlament erklärte. Nicht einmal
+die Niederlegung der Waffen wurde als Bedingung der Wählbarkeit
+gestellt. Dieselbe Nummer der Gazette, welche den bevorstehenden
+Zusammentritt der Häuser anzeigte, enthielt auch die Ankündigung, daß
+Sir Eduard Hales, der als Papist, als Renegat, als Hauptvorkämpfer für
+die Dispensationsgewalt und als der strenge Kerkermeister der Bischöfe
+einer der unpopulärsten Männer des ganzen Reichs war, nicht mehr
+Gouverneur des Tower sei und seinen kürzlichen Gefangenen Bevil Skelton,
+der zwar in der Achtung seiner Landsleute eben nicht hoch stand, aber
+wenigstens nicht gesetzlich vom Staatsdienste ausgeschlossen war, zum
+Nachfolger erhalten habe.[139]
+
+ [Anmerkung 138: Brief des Bischofs von St. Asaph an den Prinzen
+ von Oranien vom 17. Dec. 1688.]
+
+ [Anmerkung 139: +London Gazette, Nov. 29., Dec. 3. 1688+;
+ +Clarendon's Diary, Nov. 29, 30+]
+
+
+[_Die Unterhandlung eine Finte._] Diese Zugeständnisse hatten jedoch nur
+den Zweck, die Lords und die Nation über die wahren Absichten des Königs
+zu täuschen. Im Stillen hatte er sich vorgenommen, selbst in dieser
+äußersten Bedrängniß nicht nachzugeben. An dem nämlichen Tage, an
+welchem er das Amnestiedecret erließ, sprach er seine wirklichen
+Gesinnungen offen gegen Barillon aus. »Diese Unterhandlung,« sagte
+Jakob, »ist eine bloße Finte. Ich muß Commissare an meinen Neffen
+senden, damit ich Zeit gewinne, um meine Frau und den Prinzen von Wales
+fortschaffen zu können. Sie kennen die Stimmung meiner Truppen. Nur die
+Irländer werden mir treu bleiben, und sie sind nicht stark genug, um dem
+Feinde Widerstand zu leisten. Ein Parlament würde mir Bedingungen
+vorschreiben, die ich nicht ertragen könnte. Ich würde Alles was ich für
+die Katholiken gethan habe, wieder zurücknehmen, und mit dem Könige von
+Frankreich brechen müssen. Sobald daher die Königin und mein Kind in
+Sicherheit sind, werde ich England verlassen und mich nach Irland,
+Schottland oder zu Ihrem Gebieter flüchten«.[140]
+
+Jakob hatte bereits die nöthigen Anstalten zur Ausführung dieses Planes
+getroffen. Dover war mit Instructionen, für den Prinzen von Wales zu
+sorgen, nach Portsmouth geschickt worden, und Dartmouth, welcher die
+dort liegende Flotte befehligte, hatte Ordre erhalten, allen Anordnungen
+Dover's in Betreff des Kronprinzen Folge zu leisten und eine mit
+zuverlässigen Matrosen bemannte Yacht bereit zu halten, damit sie jeden
+Augenblick nach Frankreich unter Segel gehen könnte.[141] Jetzt sandte
+der König den bestimmten Befehl ab, daß der Prinz augenblicklich nach
+dem nächsten Hafen des Continentes gebracht werden solle.[142] Nächst
+dem Prinzen von Wales war der Hauptgegenstand seiner Sorge das große
+Staatssiegel. Diesem Symbole der königlichen Autorität haben unsere
+Juristen jederzeit eine besondere, fast geheimnißvolle Wichtigkeit
+beigelegt Man ist der Ansicht, daß, wenn der Siegelbewahrer es auch ohne
+königliche Genehmigung einem Peerspatent oder einer Begnadigung
+aufdrückt, er sich zwar eines schweren Vergehens schuldig macht, die
+Gültigkeit des Instruments aber von keinem Gerichtshofe angefochten und
+nur durch eine Parlamentsacte annullirt werden kann. Jakob fürchtete
+wahrscheinlich, daß seine Feinde dieses Organ seines Willens in die
+Hände bekommen und dadurch Maßregeln, die ihn nachtheilig berühren
+könnten, gesetzliche Gültigkeit geben könnten. Seine Besorgnisse können
+auch nicht unbegründet erscheinen, wenn man bedenkt, daß gerade hundert
+Jahre später das große Siegel eines Königs mit Bewilligung der Lords und
+der Gemeinen und unter Gutheißung von Seiten vieler großen Staatsmänner
+und Juristen zu dem Zwecke benutzt wurde, um seine Hoheitsrechte auf
+seinen Sohn zu übertragen. Damit der Talisman, der so furchtbare Kräfte
+besaß, nicht in unrechte Hände komme, beschloß Jakob, ihn wenige
+Schritte von seinem Kabinet aufzubewahren. Jeffrey's erhielt zu dem Ende
+Befehl, sein erst kürzlich mit großem Kostenaufwande erbautes Haus in
+Duke Street zu verlassen und ein kleines Apartement in Whitehall zu
+beziehen.[143]
+
+Der König hatte bereits alle Anstalten zur Flucht getroffen, als ein
+unerwartetes Hinderniß ihn zwang, die Ausführung seines Vorhabens
+aufzuschieben. Seine Agenten in Portsmouth fingen an Bedenklichkeiten zu
+hegen. Selbst Dover ließ, obgleich er Mitglied der jesuitischen Cabale
+war, Zeichen von Unschlüssigkeit merken. Noch weniger war Dartmouth
+geneigt, den Wünschen des Königs zu willfahren. Er war bisher dem Throne
+treu gewesen und hatte mit einer mißgestimmten Flotte und bei widrigem
+Winde sein Möglichstes gethan, um die Landung der Holländer in England
+zu verhindern; aber er war ein eifriges Mitglied der anglikanischen
+Kirche und durchaus nicht befreundet mit der Politik der Regierung,
+welche zu vertheidigen er für eine Pflicht und eine Ehrensache hielt.
+Die meuterische Stimmung der unter seinem Befehle stehenden Offiziere
+und Mannschaften hatte ihm viel zu schaffen gemacht und die Nachricht
+von der Einberufung eines freien Parlaments und der Ernennung von
+Commissaren, welche mit dem Prinzen von Oranien unterhandeln sollten,
+hatte ihn sehr erfreut. Die ganze Flotte gab ihre Freude darüber laut zu
+erkennen. An Bord des Admiralschiffs wurde eine Adresse entworfen,
+welche dem Könige für diese der öffentlichen Meinung gemachten gnädigen
+Zugeständnisse den wärmsten Dank aussprach. Der Admiral unterzeichnete
+zuerst und achtunddreißig Kapitäne schrieben ihre Namen unter den
+seinigen. Dieses Schriftstück kreuzte sich auf dem Wege nach Whitehall
+mit dem Boten, der den Befehl nach Portsmouth brachte, daß der Prinz von
+Wales unverzüglich nach Frankreich übergeführt werden sollte. Dartmouth
+erkannte nun mit bitterem Schmerz und Unwillen, daß das freie Parlament,
+die allgemeine Amnestie und die Unterhandlung nur Theile eines gegen die
+Nation zu verübenden großartigen Betrugs waren und daß er bei diesem
+Betruge eine Rolle spielen sollte.
+
+ [Anmerkung 140: Barillon, 1.(11.) Dec. 1688.]
+
+ [Anmerkung 141: Jakob an Dartmouth, 25. Nov. 1688. Die Briefe
+ findet man in Dalrymple.]
+
+ [Anmerkung 142: Jakob an Dartmouth, 1. Dec. 1688.]
+
+ [Anmerkung 143: +Luttrell's Diary+.]
+
+
+[_Dartmouth weigert sich, den Prinzen von Wales nach Frankreich zu
+senden._] In einem ergreifenden und männlichen Schreiben erklärte er,
+daß er in seinem Gehorsam schon so weit gegangen sei, als ein Protestant
+und Engländer nur irgend gehen könne. Den muthmaßlichen Erben der
+britischen Krone den Händen Ludwigs zu überliefern, würde nichts
+Geringeres als ein Verrath gegen die Monarchie sein. Die dem Könige nur
+zu sehr schon entfremdete Nation würde aufs Äußerste erbittert werden.
+Der Prinz von Wales würde entweder gar nicht, oder in Begleitung einer
+französischen Armee zurückkehren. Wenn Seine Königliche Hoheit auf der
+Insel bliebe, so wäre das Schlimmste was zu befürchten stände, daß er
+als Mitglied der Landeskirche erzogen würde, und jeder loyale Unterthan
+müßte den Himmel bitten, daß dies geschehen möchte. Er schloß mit der
+Erklärung, daß er bereitwillig sein Leben zur Vertheidigung des Thrones
+opfern werde, sich aber nimmermehr an der Überführung des Prinzen nach
+Frankreich betheiligen könne.[144]
+
+Dieser Brief warf alle Pläne Jakob's über den Haufen. Zu gleicher Zeit
+erfuhr er, daß er bei dieser Gelegenheit nicht einmal passiven Gehorsam
+voll seinem Admiral erwarten durfte, denn Dartmouth war so weit
+gegangen, daß er mehrere Sloops am Eingange des Hafens aufgestellt,
+welche Befehl hatten, kein Schiff ununtersucht passiren zu lassen. Der
+Plan mußte somit abgeändert werden. Das Kind mußte nach London
+zurückgebracht und von hier aus nach Frankreich befördert werden. Dies
+konnte aber erst nach Verlauf mehrerer Tage geschehen, und während
+dieser Zwischenzeit mußte die öffentliche Meinung durch die Hoffnung auf
+ein Parlament und durch eine Scheinunterhandlung hingehalten werden. Die
+Ausschreiben zu den Wahlen wurden erlassen. Zwischen der Hauptstadt und
+dem holländischen Hauptquartier gingen Trompeter hin und her. Endlich
+kamen auch die Pässe für die königlichen Commissare und die drei Lords
+traten ihre Gesandtschaftsreise an.
+
+ [Anmerkung 144: +Second Collection of Papers+, 1688; Dartmouth's
+ Brief, datirt vom 3. Dec. 1688 findet sich in Dalrymple; +Clarke's
+ Life of James, II. 233. Orig. Mem.+ Jakob beschuldigt Dartmouth,
+ die Flotte zu einer Adresse um Einberufung eines Parlaments
+ bestimmt zu haben. Dies ist eine grundlose Verleumdung. Die
+ Adresse ist eine Dankadresse an den König dafür, daß er ein
+ Parlament einberufen, und war bereits abgefaßt, ehe Dartmouth die
+ entfernteste Ahnung davon hatte, daß Seine Majestät die Nation
+ hintergehen wollte.]
+
+
+[_Aufregung in London._] Die Hauptstadt war bei ihrer Abreise in einem
+Zustande furchtbarer Gährung. Die Leidenschaften, welche im Laufe dreier
+unruhiger Jahre nach und nach immer heftiger geworden, zeigten sich
+jetzt, wo sie von dem Zügel der Furcht befreit und durch Sieg und
+Sympathie aufgestachelt waren, unverhohlen, selbst im Bereiche des
+königlichen Schlosses. Die große Jury von Middlesex nahm eine Anklage
+gegen den Earl von Salisbury, weil er Papist geworben war, an.[145] Der
+Lordmayor ließ bei den Katholiken der City eine Haussuchung nach Waffen
+halten. Der Pöbel stürmte das Haus eines dem verhaßten Glauben
+anhängenden achtbaren Kaufmanns, um sich zu überzeugen, ob er nicht von
+seinem Keller aus unter die benachbarte Pfarrkirche eine Mine angelegt
+habe, um den Geistlichen mit der Gemeinde in die Luft zu sprengen.[146]
+Die Ausrufer schrien in den Straßen einen Aufruf zur Festnehmung Pater
+Petre's aus, der seine Gemächer im Palaste gerade noch zur rechten Zeit
+verlassen hatte.[147] Wharton's berühmtes Lied wurde mit vielen neu
+hinzugefügten Versen lauter als je in allen Straßen der Hauptstadt
+gesungen. Selbst die Schildwachen des Palastes sangen auf ihrer Runde:
+
+ »Der Engländer auf den Untergang des Papismus trinkt,
+ Lillibullero bullen a la.«
+
+ [Anmerkung 145: +Luttrell's Diary+.]
+
+ [Anmerkung 146: Adda, 7.(17.) Dec. 1688.]
+
+ [Anmerkung 147: Der Nuntius sagt: +»Se lo avesse fatto prima di
+ ora, per il Rè ne sarebbe stato meglio.«+]
+
+
+[_Falsche Proklamation._] Die geheimen Pressen von London waren
+unausgesetzt in Thätigkeit. Tagtäglich kamen Flugschriften durch Mittel
+und Wege in Circulation, welche die Behörden nicht entdecken konnten
+oder nicht hindern wollten. Eine davon ist durch die Gewandtheit und
+verwegene Rücksichtslosigkeit, mit der sie geschrieben war, sowie durch
+den ungeheuren Eindruck, den sie machte, der Vergessenheit entrissen
+worden. Sie gab sich für eine ergänzende Erklärung von der Hand und
+unter dem Siegel des Prinzen von Oranien aus, war aber in einem ganz
+andren Style gehalten als sein ächtes Manifest. Allen Papisten, die es
+wagen sollten, sich der königlichen Sache anzuschließen, war mit einer
+bei christlichen und civilisirten Nationen unbekannten Rache gedroht.
+Sie sollten nicht als Soldaten oder Gentlemen, sondern wie Freibeuter
+behandelt werden. Das bis jetzt durch eine starke Hand im Zaume
+gehaltene Heer der Feinde sollte in seiner ganzen Wildheit und
+Zügellosigkeit auf sie gehetzt werden. Die guten Protestanten,
+namentlich diejenigen, welche die Hauptstadt bewohnten, wurden bei Allem
+was ihnen theuer sei beschworen und bei Strafe des allerhöchsten
+Mißfallens des Prinzen angewiesen, ihre katholischen Nachbarn
+festzunehmen, zu entwaffnen und einzusperren. Das Manuscript dieser
+Schrift war angeblich von einem whiggistischen Buchhändler eines Morgens
+unter seiner Ladenthür gefunden worden. Er beeilte sich, es drucken zu
+lassen. Viele Exemplare wurden mit der Post versandt und gingen rasch
+von Hand zu Hand. Scharfsichtige Leute erkannten es jedoch ohne Mühe als
+das falsche Machwerk irgend eines unruhigen und characterlosen
+Abenteurers, wie sie in bewegten Zeiten stets bei den unreinsten und
+schwärzesten Parteiumtrieben thätig sind. Der große Haufe aber ließ sich
+vollkommen täuschen. Der nationale und religiöse Abscheu gegen die
+irischen Papisten war in der That so stark erregt, daß die Mehrzahl von
+Denen, welche die Proklamation für ächt hielten, sie als eine ganz
+zeitgemäße Entfaltung von Energie mit Beifall begrüßten. Als es bekannt
+wurde, daß ein solches Dokument von Wilhelm selbst nicht ausgegangen
+war, fragte man neugierig, wer wohl der Betrüger sein möchte, der so
+kühn und so glücklich die Rolle des Prinzen gespielt hatte. Einige
+hatten Ferguson, Andere Johnson im Verdacht, bis endlich nach Verlauf
+von siebenundzwanzig Jahren Hugo Speke sich zum Autor der Fälschung
+bekannte und für diesen der protestantischen Religion geleisteten großen
+Dienst vom Hause Braunschweig eine Belohnung verlangte. Er behauptete in
+dem Tone eines Mannes, der etwas höchst Lobenswerthes und Ehrenvolles
+gethan zu haben glaubt, er habe, als die holländische Invasion Whitehall
+in Bestürzung versetzt, dem Hofe seine Dienste angeboten, habe
+vorgegeben, mit den Whigs zerfallen zu sein und sich erboten, bei ihnen
+den Spion zu spielen. So habe er Zutritt in das königliche Kabinet
+erlangt, habe Treue gelobt, dafür das Versprechen großer Geldbelohnungen
+erhalten und sich Geleitsbriefe verschafft, die ihn in den Stand
+setzten, die feindlichen Linien zu passiren. Dies Alles versicherte er
+nur in der Absicht gethan zu haben, damit er, ohne in Verdacht zu
+kommen, der Regierung einen tödtlichen Streich versetzen und einen
+heftigen Ausbruch des Nationalgefühls gegen die Katholiken herbeiführen
+konnte. Die falsche Proklamation erklärte er für sein Werk; ob sie dies
+aber wirklich war, dürfte in Zweifel zu ziehen sein. Er machte seinen
+Anspruch so spät erst geltend, daß wir mit Recht vermuthen dürfen, er
+habe auf den Tod Derer gewartet, die ihn widerlegen konnten; auch berief
+er sich auf kein andres Zeugniß als sein eignes.[148]
+
+ [Anmerkung 148: Siehe die +Secret History of the Revolution+, von
+ Hugo Speke, 1715. In der Londoner Bibliothek befindet sich ein
+ Exemplar dieses seltenen Werks mit einer handschriftlichen Note,
+ welche von Speke selbst herzurühren scheint.]
+
+
+[_Aufstände in verschiedenen Theilen des Landes._] Während dies in
+London vorging, brachte jede Post aus jedem Theile des Landes die
+Nachricht von einem neuen Aufstande. Lumley hatte sich Newcastle's
+bemächtigt und die Bewohner hatten ihn freudig willkommen geheißen. Die
+Statue des Königs, die auf einem hohen Piedestale von Marmor stand, war
+umgerissen und in den Tyne gestürzt worden. In Hull erinnerte man sich
+noch lange des 3. Decembers als des Jahrestages der Einnahme der Stadt.
+In dieser Stadt lag eine Garnison unter den Befehlen Lord Langdale's,
+eines Katholiken. Die protestantischen Offiziere entwarfen im
+Einverständniß mit dem Magistrat den Plan zu einem Aufstande; Langdale
+und seine Anhänger wurden festgenommen und Soldaten und Bürger erklärten
+sich gemeinsam für die protestantische Religion und ein freies
+Parlament.[149]
+
+Inzwischen hatten sich auch die örtlichen Grafschaften erhoben. Der
+Herzog von Norfolk erschien mit einem Gefolge von dreihundert
+bewaffneten und berittenen Gentlemen auf dem stattlichen Marktplatze von
+Norwich. Hier begrüßten ihn der Mayor und die Aldermen und
+verpflichteten sich, ihm gegen Papismus und Willkürherrschaft
+beizustehen.[150] Lord Herbert von Cherbury und Sir Eduard Harley
+griffen in Worcestershire zu den Waffen.[151] Bristol, die zweite Stadt
+des Reichs, öffnete Shrewsbury ihre Thore. Trelawney, der Bischof, der
+im Tower das Prinzip des Nichtwiderstandes völlig verlernt hatte, war
+der Erste, der die Truppen des Prinzen bewillkommnete. Die Stimmung der
+Einwohner war so, daß man es für unnöthig hielt, eine Garnison unter
+ihnen zurückzulassen.[152] Das Volk von Gloucester erhob sich ebenfalls
+und befreite Lovelace aus dem Gefängniß. Es sammelte sich bald ein
+irreguläres Truppencorps um ihn. Einige von seinen Reitern hatten nur
+Stricke anstatt der Zügel und viele von seinen Fußsoldaten hatten keine
+andre Waffe als einen Knotenstock. Aber diese Truppe marschirte
+unangefochten durch Grafschaften, welche einst dem Hause Stuart ergeben
+waren, und zog endlich triumphirend in Oxford ein. Die Behörden
+bewillkommneten die Aufständischen mit feierlichem Gepränge. Selbst die
+durch neuerliche Kränkungen noch erbitterte Universität war nicht
+geneigt, den Aufstand zu tadeln. Schon hatten die Oberhäupter
+angesehener Familien eines ihrer Mitglieder abgesandt, um den Prinzen
+von Oranien zu versichern, daß sie aufrichtig für ihn seien und ihm gern
+ihr Silbergeräth zum Einschmelzen überlassen würden. Der whiggistische
+Anführer ritt daher unter allgemeinem Jubel durch die Hauptstadt des
+Toryismus. Vor ihm her schlugen die Tambours den Lillibullero. Hinter
+ihm folgte ein langer Zug von Reiterei und Fußvolk. Ganz High Street war
+mit orangefarbenen Bändern freundlich geschmückt, denn das orangefarbene
+Band hatte bereits die doppelte Bedeutung, die es noch jetzt, nach
+Verlauf von hundertsechzig Jahren besitzt. Es war schon für den
+protestantischen Engländer das Sinnbild der bürgerlichen und religiösen
+Freiheit, für den katholischen Celten das Sinnbild der Unterjochung und
+Verfolgung.[153]
+
+Während sich so rings um den König Feinde erhoben, wichen die Freunde
+mehr und mehr von seiner Seite. Jedermann hatte sich mit dem Gedanken
+des Widerstandes vertraut gemacht. Viele, die mit Abscheu die Nachricht
+von den ersten Abfällen vernommen, machten sich jetzt Vorwürfe, daß sie
+die Zeichen der Zeit so spät erkannt hatten. Man konnte jetzt ohne
+Schwierigkeit und Gefahr mit Wilhelm verkehren. Indem der König die
+Nation zur Erwählung von Vertretern aufforderte, hatte er Jedermann
+stillschweigend ermächtigt, sich an diejenigen Orte zu begeben, wo er
+Stimmen oder Einfluß hatte, und viele von diesen Orten waren schon von
+Truppen Wilhelm's oder von Insurgenten besetzt. Clarendon ergriff
+begierig diese Gelegenheit, um sich von der verlornen Sache loszusagen.
+Er wußte, daß er mit seiner Rede in der berathenden Versammlung der
+Peers unverzeihlichen Anstoß gegeben hatte, und es verdroß ihn, daß er
+nicht mit zum königlichen Commissar ernannt worden war. Er hatte
+Besitzungen in Wiltshire. Er beschloß, daß sein Sohn, von dem er noch
+unlängst mit tiefem Schmerz und Abscheu gesprochen, ein Wahlcandidat für
+diese Grafschaft werden sollte und unter dem Vorwande, für diese Wahl
+die nöthigen Veranstaltungen zu treffen, begab er sich nach dem Westen.
+Seinem Beispiele folgte sehr bald der Earl von Oxford und Andere, welche
+bisher jede Connection mit der Unternehmung des Prinzen von sich
+gewiesen hatten.[154]
+
+Inzwischen waren die Eingedrungenen, langsam aber unaufgehalten
+vorrückend, der Hauptstadt bis auf siebzig Meilen nahe gekommen.
+Obgleich die Mitte des Winters vor der Thür war, hatte man doch schönes
+Wetter, der Weg war angenehm und die grünen Wiesen der Ebene von
+Salisbury erschienen den Truppen, die sich durch die kothigen Gleise der
+Landstraßen von Devonshire und Somersetshire hindurchgearbeitet hatten,
+von üppiger Weichheit. Der Marsch der Armee ging über Stonehenge, wo ein
+Regiment nach dem andren Halt machte, um diese geheimnißvolle Ruine
+anzusehen, die auf dem ganzen Continent als das größte Wunder unsrer
+Insel bekannt ist. Wilhelm zog mit demselben militairischen Pomp, den er
+in Exeter entfaltet hatte, in Salisbury ein und stieg in dem Palaste ab,
+den wenige Tage zuvor der König bewohnt hatte.[155]
+
+ [Anmerkung 149: +Brand's History of Newcastle+; +Tickell's History
+ of Hull.+]
+
+ [Anmerkung 150: Ein Bericht über die Vorgänge in Norwich findet
+ sich noch in mehreren Sammlungen in der Originalschrift. Siehe
+ auch die +Fourth Collection of Papers, 1688+.]
+
+ [Anmerkung 151: +Clarke's Life of James, II. 233+;
+ Handschriftliches Memoir der Familie Harley in der
+ Mackintosh-Sammlung.]
+
+ [Anmerkung 152: Citters, 9.(19.) Dec. 1688; Brief des Bischofs von
+ Bristol an den Prinzen von Oranien vom 5. Dec. 1688, in
+ Dalrymple.]
+
+ [Anmerkung 153: Citters, 27. Nov. (7. Dec.) 1688; +Clarendon's
+ Diary, Dec. 11+; +Song on Lord Lovelace's entry into Oxford,
+ 1688+; +Burnet I. 793.+]
+
+ [Anmerkung 154: +Clarendon's Diary, Dec. 2, 3, 4, 5. 1688.+]
+
+ [Anmerkung 155: +Whittle's Exact Diary+; +Eachard's History of the
+ Revolution.+]
+
+
+[_Clarendon schließt sich in Salisbury dem Prinzen an._] Hier wurde sein
+Gefolge durch die Earls von Clarendon und von Oxford und andere
+hochgestellte Männer vermehrt, welche noch vor einigen Tagen als eifrige
+Royalisten betrachtet worden waren. Auch Citters erschien im
+holländischen Hauptquartier. Er war seit einigen Wochen in seinem Hause
+bei Whitehall unter der beständigen Aufsicht einander ablösender Spione
+fast ein Gefangener gewesen. Doch trotz dieser Spione und vielleicht mit
+ihrer Beihülfe hatte er sich von Allem was im Palast vorging genaue
+Kenntniß zu verschaffen gewußt und er kam nun mit werthvollen Notizen
+über Menschen und Dinge reich versehen, um Wilhelm durch seinen Rath zu
+unterstützen.[156]
+
+ [Anmerkung 156: Citters, 20.(30.) Nov., 9.(19.) Dec. 1688.]
+
+
+[_Spaltung im Lager des Prinzen._] Bis hieher hatte die Unternehmung des
+Prinzen einen die sanguinischesten Hoffnungen übertreffenden glücklichen
+Fortgang gehabt. Jetzt aber begann das Glück nach dem allgemeinen
+Gesetz, das die irdischen Dinge regiert, Uneinigkeit zu erzeugen. Die in
+Salisbury versammelten Engländer spalteten sich in zwei Parteien. Die
+eine davon bestand aus Whigs, welche die Lehren vom passiven Gehorsam
+und vom unveräußerlichen Erbrechte stets als knechtischen Aberglauben
+betrachtet hatten. Viele von ihnen hatten Jahre lang im Exil zugebracht.
+Alle waren lange von jedem Antheil an den Gunstbezeigungen der Krone
+ausgeschlossen gewesen. Jetzt frohlockten sie über die nahe Aussicht auf
+Größe und Rache. Von glühendem Zorne beseelt und von Sieg und Hoffnung
+aufgebläht, wollten sie von keinem Vergleiche hören. Nur die Absetzung
+ihres Todfeindes konnte sie zufriedenstellen, und es läßt sich nicht
+leugnen, daß sie hierin durchaus consequent waren. Neun Jahre früher
+hatten sie sich bemüht, ihn vom Throne auszuschließen, weil sie
+fürchteten, daß er ein schlechter König werden möchte, und nachdem er
+sich als ein viel schlechterer König erwiesen, als irgend ein
+vernünftiger Mensch es hätte vermuthen können, durfte man wohl kaum
+erwarten, daß sie ihn gutwillig auf dem Throne lassen würden.
+
+Auf der andren Seite waren nicht wenige von Wilhelm's Anhängern eifrige
+Tories, welche bis vor ganz Kurzem die Lehre vom Nichtwiderstande in der
+absolutesten Form aufrechterhalten, deren Glaube an diese Lehre aber
+einen Augenblick durch die heftigen Leidenschaften erschüttert worden
+war, welche die Undankbarkeit des Königs und die Gefahr der Kirche in
+ihnen geweckt hatten. Keine Lage konnte peinlicher und beängstigender
+sein, als die des alten Kavaliers, der mit bewaffneter Hand dem Throne
+gegenüberstand. Die Gewissensscrupel, die ihn nicht abgehalten hatten,
+sich in das holländische Lager zu begeben, begannen ihn furchtbar zu
+quälen, sobald er sich dort befand. Eine innere Stimme sagte ihm, daß er
+ein Verbrechen begangen habe. Jedenfalls hatte er sich Vorwürfen
+ausgesetzt, indem er im directen Widerspruch mit den erklärten
+Prinzipien seines ganzen Lebens handelte. Er empfand einen
+unüberwindlichen Widerwillen gegen seine neuen Verbündeten. Es waren
+Leute, die er, so lange er denken konnte, geschmäht und verfolgt hatte:
+Presbyterianer, Independenten, Anabaptisten, alte Soldaten Cromwell's,
+kecke Burschen Shaftesbury's, Theilnehmer am Ryehousecomplot, gewesene
+Anführer des Aufstandes im Westen. Natürlich wünschte er eine Ausflucht
+zu finden, die sein Gewissen beruhigen, seine Consequenz rechtfertigen
+und zwischen ihm und der großen Masse schismatischer Rebellen, die er
+stets verachtet und verabscheut hatte, mit denen er aber jetzt in eine
+Kategorie geworfen zu werden fürchten mußte, eine Scheidewand ziehen
+konnte. Er verwahrte sich daher entschieden gegen den Gedanken, die
+Krone von dem gesalbten Haupte nehmen zu wollen, das der Wille des
+Himmels und die Grundgesetze des Reichs geheiligt hatten. Es war sein
+sehnlichster Wunsch, auf Grundlagen, welche die königliche Würde nicht
+herabsetzten, eine Versöhnung zu Stande kommen zu sehen. Er war ja kein
+Verräther, er widersetzte sich eigentlich gar nicht der königlichen
+Autorität; er stand nur deshalb unter Waffen, weil er überzeugt war, daß
+man dem Throne keinen besseren Dienst leisten könne, als indem man Seine
+Majestät durch ein wenig Zwang aus den Händen schlechter Rathgeber
+befreite.
+
+Die schlimmen Folgen, welche die gegenseitige Erbitterung dieser
+Factionen herbeizuführen drohten, wurden zum großen Theile durch den
+Einfluß und die Weisheit des Prinzen verhütet. Umgeben von
+streitsüchtigen Disputanten, von zudringlichen Rathgebern, von
+kriechenden Schmeichlern, von wachsamen Spionen und böswilligen
+Verleumdern, bewahrte er stets seine heitere, undurchdringliche Ruhe. Er
+schwieg so lange als Schweigen möglich war, und wenn er sprechen mußte,
+brachte der ernste und gebieterische Ton, in welchem er seine reiflich
+erwogenen Ansichten kund that, bald jeden Andren zum Schweigen. Was auch
+einige seiner allzu eifrigen Anhänger sagen mochten, er äußerte kein
+Wort, das die mindeste Absicht auf den Besitz der englischen Krone
+verrieth. Er wußte sehr gut, daß zwischen ihm und dieser Krone noch
+Hindernisse standen, die vielleicht keine menschliche Klugheit zu
+beseitigen vermochte, die aber ein einziger falscher Schritt
+unüberwindlich machen konnte. Er hatte nur dann Aussicht, den glänzenden
+Preis zu erringen, wenn er sich desselben nicht mit rücksichtsloser Hand
+bemächtigte, sondern es ruhig abwartete, bis sein geheimer Wunsch ohne
+sichtbares Bemühen oder List von seiner Seite, durch den Drang der
+Umstände, durch die Mißgriffe seiner Widersacher und durch die freie
+Wahl der Stände des Reichs erfüllt werden würde. Diejenigen, die ihn
+auszuforschen wagten, erfuhren nichts, konnten ihn aber doch nicht der
+Winkelzüge beschuldigen. Er verwies sie ruhig auf seine Erklärung und
+versicherte, daß seit der Abfassung dieses Dokuments in seinen Ansichten
+keine Änderung eingetreten sei. Er behandelte seine Anhänger mit so
+kluger Gewandtheit, daß ihre Uneinigkeit seine Hand eher gestärkt als
+geschwächt zu haben scheint; aber sie brach mit Heftigkeit hervor,
+sobald seine Aufsicht nachließ, störte die Eintracht geselliger
+Zusammenkünfte und respectirte selbst die Heiligkeit des Gotteshauses
+nicht. Clarendon, welcher durch sein Prahlen mit loyalen Gesinnungen die
+unleugbare Thatsache, daß er ein Rebell war, bemänteln wollte, hörte mit
+heftiger Entrüstung einige seiner neuen Verbündeten bei der Flasche über
+die königliche Amnestie lachen, die ihnen so eben huldvoll angeboten
+worden war. Sie brauchten keine Verzeihung, sagten sie; im Gegentheil,
+der König müßte sie um Verzeihung bitten, ehe sie ihn laufen ließen.
+Noch beunruhigender und kränkender für jeden guten Tory war ein Vorfall,
+der sich in der Kathedrale von Salisbury ereignete. Sobald der
+fungirende Geistliche das Gebet für den König zu lesen begann, erhob
+sich Burnet, zu dessen vielen guten Eigenschaften Selbstbeherrschung und
+feines Schicklichkeitsgefühl nicht gehörten, von den Knien, setzte sich
+in seinen Stuhl und gab einige verächtliche Laute von sich, welche die
+Andacht der Gemeinde störten.[157]
+
+Bald hatten die Factionen, welche das Lager des Prinzen spalteten,
+Gelegenheit, ihre Stärke zu messen. Die königlichen Commissare waren auf
+dem Wege zu ihm. Schon mehrere Tage waren seit ihrer Ernennung
+verstrichen, und eine solche Verspätigung in einer Angelegenheit von so
+dringender Wichtigkeit war auffallend. In Wahrheit aber wünschte weder
+Jakob noch Wilhelm die schleunige Anknüpfung von Unterhandlungen, denn
+Jakob wollte nur Zeit gewinnen, um seine Gemahlin und seinen Sohn nach
+Frankreich schicken zu können, und Wilhelm's Stellung wurde mit jedem
+Tage gebietender. Endlich ließ der Prinz den Commissaren sagen, daß er
+in Hungerford mit ihnen zusammentreffen wolle. Er wählte diese Stadt
+wahrscheinlich deshalb, weil sie gerade auf halbem Wege zwischen
+Salisbury und Oxford lag und sich daher zu einer Zusammenkunft seiner
+bedeutendsten Anhänger am besten eignete. In Salisbury befanden sich
+diejenigen Kavaliere und Gentlemen, die ihn von Holland aus begleitet
+oder sich im Westen ihm angeschlossen hatten, und in Oxford waren viele
+Häupter des Aufstandes im Norden.
+
+ [Anmerkung 157: +Clarendon's Diary, Dec, 6, 7. 1688.+]
+
+
+[_Ankunft des Prinzen in Hungerford._] Donnerstag Abend, den 6. December
+traf er in Hungerford ein, und bald füllte sich die kleine Stadt mit
+Männern von hohem Rang und Ansehen, welche von allen Seiten herbeikamen.
+Der Prinz war von einer starken Truppenabtheilung begleitet, und die aus
+dem Norden kommenden Lords brachten Hunderte von irregulären Reitern
+mit, deren Armaturen und Reitkunst die Heiterkeit Derer erregte, welche
+an den glänzenden Anblick und an die präcisen Bewegungen regulärer
+Armeen gewöhnt waren.[158]
+
+ [Anmerkung 158: +Clarendon's Diary. Dec. 7. 1688.+]
+
+
+[_Gefecht bei Reading._] Während des Prinzen Anwesenheit in Hungerford
+fand zwischen einem zweihundertfünfzig Mann starken Detaschement seiner
+Truppen und sechshundert in Reading stehenden Irländern ein heißes
+Gefecht statt. Bei dieser Gelegenheit bewährte sich die bessere
+Disciplin der Eingedrungenen auf das Glänzendste. Obgleich von weit
+geringerer Anzahl, trieben sie doch sogleich beim ersten Anlauf die
+königlichen Truppen in wilder Flucht durch die Straßen der Stadt bis auf
+den Marktplatz. Hier machten die Irländer einen Versuch, sich wieder zu
+sammeln, da sie aber von vorn kräftig angegriffen wurden und zu gleicher
+Zeit die Bewohner der umliegenden Häuser aus den Fenstern auf sie
+feuerten, so entsank ihnen bald der Muth und sie flohen mit dem Verlust
+ihrer Fahne und fünfzig Mann. Von den Siegern fielen nur fünf. Die
+Nachricht von diesem Kampfe erfüllte die Lords und Gentlemen, die sich
+Wilhelm angeschlossen hatten, mit ungetrübter Freude. Nichts an diesem
+ganzen Vorfall konnte ihren Nationalstolz kränken. Die Holländer hatten
+nicht die Engländer geschlagen, sondern hatten einer englischen Stadt
+geholfen, sich von der unerträglichen Herrschaft der Irländer zu
+befreien.[159]
+
+ [Anmerkung 159: +History of the Desertion+; Citters, 9.(19.) Dec.
+ 1688; +Exact Diary+; +Oldmixon, 760.+]
+
+
+[_Ankunft der königlichen Commissare in Hungerford._] Samstag Morgens,
+den 8. December, kamen die königlichen Commissare in Hungerford an. Die
+Leibgarde des Prinzen war in Parade aufgestellt, um sie mit
+militairischen Ehrenbezeigungen zu empfangen. Bentinck bewillkommnete
+sie und erbot sich, sie sofort zu seinem Gebieter zu geleiten. Sie
+sprachen die Hoffnung aus, daß der Prinz ihnen eine Privataudienz
+bewilligen werde; aber es wurde ihnen darauf erwiedert, daß er
+beschlossen habe, sie öffentlich anzuhören und ihnen ebenso zu
+antworten. Sie wurden in sein Schlafgemach eingeführt, wo sie ihn von
+einer Menge Lords und Gentlemen umgeben fanden.
+
+
+[_Unterhandlung._] Halifax, dem seine Stellung, sein Alter und seine
+Fähigkeiten den Vorrang gaben, führte das Wort. Der Vorschlag, den die
+Commissare zu machen beauftragt waren, bestand darin, daß die streitigen
+Punkte der Entscheidung des Parlaments, für welches die Wahlen bereits
+angeordnet seien, anheimgegeben werden und daß sich bis dahin die Armee
+des Prinzen der Hauptstadt nicht weiter als bis auf dreißig oder vierzig
+Meilen nähern sollte. Nachdem Halifax erklärt hatte, daß er und seine
+Collegen bereit seien, auf dieser Grundlage zu unterhandeln, überreichte
+er Wilhelm ein Schreiben vom Könige und entfernte sich dann. Wilhelm
+erbrach den Brief und schien ungewöhnlich bewegt zu sein. Es war der
+erste, den er von seinem Schwiegervater erhielt, seitdem sie erklärte
+Feinde geworden waren. Sie hatten einst auf gutem Fuße gestanden und
+einander vertraulich geschrieben; auch hatten sie selbst als sie schon
+anfingen, einander mit Mißtrauen und Abneigung zu betrachten, die
+freundschaftlichen Formen, welche nahe Verwandte zu gebrauchen pflegen,
+noch nicht aus ihren Briefen verbannt. Das von den Commissaren
+überbrachte Schreiben aber war von einem Sekretär in diplomatischer Form
+und in französischer Sprache abgefaßt. »Ich habe viele Briefe vom Könige
+erhalten,« sagte Wilhelm, »aber sie waren alle in englischer Sprache und
+von ihm eigenhändig geschrieben.« Er sprach mit einer Gemüthsbewegung,
+die er sonst nicht zu zeigen gewohnt war. Er dachte vielleicht in diesem
+Augenblicke daran, welche Vorwürfe sein Unternehmen, so gerecht, so
+wohlthätig und so nothwendig es auch sein mochte, ihm selbst und der ihm
+ergebenen Frau zuziehen mußte. Vielleicht beklagte er das harte
+Geschick, das ihn in eine Lage versetzt hatte, in der er seine
+Staatspflichten nur dadurch erfüllen konnte, daß er Familienbande
+zerriß, und beneidete die glücklichere Lage Derer, die für das Wohl von
+Nationen und Kirchen nicht verantwortlich sind. Doch wenn solche
+Gedanken wirklich in ihm aufstiegen, so wurden sie mit männlicher
+Festigkeit unterdrückt. Er forderte die Lords und Gentlemen, die er in
+Folge jenes Schreibens zusammenberief, auf, über die zu ertheilende
+Antwort zu berathschlagen, ohne daß er sie durch seine Anwesenheit
+irgendwie behindern wolle. Er selbst behielt sich nur das Recht vor,
+nach Anhörung ihrer Meinungen in letzter Instanz zu entscheiden. Hierauf
+verließ er sie und zog sich nach Littlecote Hall zurück, einem etwa zwei
+Meilen entfernten Schlosse, das bis auf unsere Tage nicht allein durch
+seine ehrwürdige Bauart und Einrichtung, sondern auch wegen eines
+entsetzlichen und geheimnißvollen Verbrechens berühmt ist, das zu den
+Zeiten der Tudors daselbst verübt wurde.[160]
+
+Vor seiner Abreise von Hungerford erfuhr er, daß Halifax den dringenden
+Wunsch geäußert habe, mit Burnet zu sprechen. In diesem Wunsche lag
+nichts Auffallendes, denn Halifax und Burnet hatten lange auf
+freundschaftlichem Fuße gestanden. Allerdings konnte es wohl kaum zwei
+Männer geben, die einander so wenig glichen. Burnet fehlte es gänzlich
+an Takt und Zartgefühl. Halifax besaß dagegen ein außerordentlich feines
+Gefühl und sein Sinn für das Lächerliche war von krankhafter
+Reizbarkeit. Burnet betrachtete jede Handlung und jeden Character durch
+ein vom Parteigeist entstelltes und gefärbtes Medium. Halifax dagegen
+war stets geneigt, die Fehler seiner Verbündeten mit schärferem Blicke
+zu untersuchen als die Fehler seiner Gegner. Burnet war bei allen seinen
+Mängeln und Schwächen und durch alle Wechselfälle seines in
+Verhältnissen, welche der Frömmigkeit eben nicht günstig waren,
+hingebrachten Lebens ein wahrhaft religiöser Mann. Der skeptische und
+sarkastische Halifax wurde für einen Ungläubigen gehalten. Halifax zog
+sich daher oft den unwilligen Tadel Burnet's zu, und Burnet war oft die
+Zielscheibe von Halifax' scharfem und feinem Witze. Dennoch fühlten sie
+sich zu einander hingezogen, fanden gegenseitig Gefallen an ihrer
+Unterhaltung, schätzten ihre beiderseitigen Talente, tauschten
+freimüthig ihre Ansichten aus und erwiesen einander auch in Zeiten der
+Gefahr gute Dienste. Indessen wünschte Halifax seinen alten Bekannten
+jetzt nicht aus rein persönlichen Rücksichten zu sprechen. Es mußte den
+Commissaren daran gelegen sein, den eigentlichen Endzweck des Prinzen zu
+erfahren. Er hatte sich geweigert, sie privatim zu empfangen, und aus
+dem, was er ihnen bei einer förmlichen und öffentlichen Zusammenkunft
+sagen konnte, war wenig zu ersehen. Fast Alle die sein Vertrauen
+besaßen, waren eben so verschwiegen und unergründlich als er selbst.
+Burnet bildete die einzige Ausnahme. Er war notorisch geschwätzig und
+indiscret, die Umstände aber hatten es nöthig gemacht, ihn ins Vertrauen
+zu ziehen, und es unterlag keinem Zweifel, daß es dem gewandten Halifax
+gelingen würde, ihm eben so viele Geheimnisse als Worte zu entlocken.
+Wilhelm wußte dies sehr gut, und als er erfuhr, daß Halifax mit dem
+Doctor sprechen wollte, konnte er sich der Äußerung nicht enthalten:
+»Wenn die Beiden zusammenkommen, wird es ein schönes Geschwätz geben.«
+Es wurde Burnet nicht erlaubt, privatim mit den Commissaren zu sprechen,
+ihm aber versichert, daß seine Treue in den Augen des Prinzen über jeden
+Verdacht erhaben sei, und damit er keinen Grund haben konnte, sich zu
+beklagen, wurde das Verbot allgemein gemacht.
+
+An jenem Nachmittage versammelten sich die Lords und Gentlemen, welche
+Wilhelm um ihren Rath ersucht hatte, in dem Hauptsaale des ersten
+Gasthofes zu Hungerford. Oxford präsidirte und die Eröffnungen des
+Königs wurden in Erwägung gezogen. Es zeigte sich bald, daß die
+Versammlung in zwei Parteien gespalten war, deren eine sehnlichst einen
+Vergleich mit dem Könige wünschte, während die andre seinen Sturz
+wollte. Die letztere Partei hatte das numerische Übergewicht; aber es
+wurde bemerkt, daß Shrewsbury, von dem man glaubte, daß er von allen
+englischen Kavalieren den größten Antheil an Wilhelm's Vertrauen hatte,
+bei dieser Gelegenheit auf Seiten der Tories stand. Nach langem Hin- und
+Herreden wurde die Frage gestellt. Die Majorität war für die Verwerfung
+des Vorschlags, den die Commissare zu machen beauftragt waren. Der
+Beschluß der Versammlung wurde dem Prinzen nach Littlecote gemeldet. Bei
+keinem Anlasse während seines ganzen ereignißvollen Lebens zeigte er
+mehr Klugheit und Selbstbeherrschung. Er konnte unmöglich wünschen, daß
+die Unterhandlung Erfolg habe; aber er war viel zu klug, um nicht
+einzusehen, daß er die öffentliche Meinung nicht mehr für sich gehabt
+haben würde, wenn die Unterhandlung an unbilligen Forderungen von seiner
+Seite scheiterte. Er verwarf daher die Ansicht seiner allzueifrigen
+Anhänger und erklärte, daß er entschlossen sei, auf der vom Könige
+proponirten Grundlage zu unterhandeln. Viele von den in Hungerford
+versammelten Lords und Gentlemen erhoben Einwendungen dagegen, und ein
+ganzer Tag verging unter Hin- und Herstreiten; aber Wilhelm's Entschluß
+stand unwiderruflich fest. Er erklärte sich bereit, die Entscheidung
+aller streitigen Punkte dem eben einberufenen Parlamente zu überlassen
+und sich London nur bis auf vierzig Meilen zu nähern. Er stellte
+seinerseits einige Forderungen, welche selbst Diejenigen, die am
+wenigsten für ihn eingenommen waren, als mäßig anerkannten. Er
+verlangte, daß die bestehenden Gesetze so lange befolgt würden, bis sie
+durch die competente Autorität abgeändert wären, und daß alle
+Diejenigen, welche ohne gesetzliche Qualification Ämter bekleideten,
+sofort entlassen werden sollten. Er war ferner der vollkommen
+begründeten Meinung, daß die Berathungen des Parlaments nicht frei sein
+könnten, wenn es von irischen Regimentern umgeben war, während er mit
+seiner Armee mehrere Tagemärsche weit von demselben entfernt stand. Er
+hielt es daher für recht und billig, daß, wenn seine Truppen sich im
+Westen der Hauptstadt nur bis auf vierzig Meilen nähern sollten, auch
+die königlichen Truppen im Osten sich auf gleiche Entfernung
+zurückziehen müßten. So wäre um den Ort herum, wo die Häuser tagten, ein
+großer Kreis neutralen Bodens gewesen. Allerdings befanden sich
+innerhalb dieses Umkreises zwei für die Bewohner der Hauptstadt höchst
+wichtige Festungen, der Tower, der ihre Häuser, und Tilbury Fort, das
+ihren Seehandel beherrschte. Ohne Besatzung konnten diese Plätze
+unmöglich bleiben, und Wilhelm schlug daher vor, sie einstweilen der
+Obhut der City von London zu übergeben. Ferner konnte es der König
+möglicherweise für angemessen erachten, sich zur Eröffnung des
+Parlaments mit einer Abtheilung Leibgarden nach Westminster zu begeben.
+Der Prinz kündigte an, daß er in diesem Falle das Recht beanspruchen
+werde, sich ebenfalls mit einer gleichen Anzahl Soldaten dahin zu
+begeben. Es schien ihm gerecht, daß, so lange die militairischen
+Operationen eingestellt waren, beide Armeen gleichmäßig im Dienste der
+Nation stehend betrachtet und gleichmäßig auf Kosten des englischen
+Staatsschatzes unterhalten würden. Endlich verlangte er noch eine
+Gewährschaft dafür, daß der König sich den Waffenstillstand nicht zu
+Nutze machte, um französische Truppen nach England zu ziehen. Der
+gefährlichste Punkt in dieser Beziehung war Portsmouth. Der Prinz
+bestand jedoch nicht darauf, daß ihm diese wichtige Festung überliefert
+werden sollte, sondern machte nur den Vorschlag, sie für die Dauer des
+Waffenstillstandes unter das Commando eines Offiziers zu stellen, zu dem
+er und Jakob Vertrauen habe.
+
+Wilhelm's Vorschläge waren mit der gewissenhaftesten Ehrlichkeit und
+Aufrichtigkeit entworfen, wie sie eher von einem unbeteiligten
+Schiedsrichter, der sein Urtheil abgiebt, als von einem siegreichen
+Fürsten, der einem hülflosen Feinde Bedingungen vorschreibt, zu erwarten
+gewesen wären. Die Anhänger des Königs fanden nichts daran auszusetzen.
+Unter den Whigs aber wurde viel darüber gemurrt. Sie wollten von einer
+Versöhnung mit ihrem gewesenen Gebieter nichts wissen, sie glaubten sich
+aller Unterthanenpflichten gegen ihn entbunden, sie wollten die
+Autorität eines durch ihn einberufenen Parlaments nicht anerkennen,
+waren einem Waffenstillstande entschieden abgeneigt und konnten nicht
+einsehen, warum ein solcher, wenn er dennoch abgeschlossen werden
+sollte, auf gleiche Bedingungen basirt sein müsse. Nach allen Regeln des
+Kriegs habe die stärkere Partei das Recht, aus ihrer Starke Vortheil zu
+ziehen, und sei Jakob's Character von der Art, um eine außerordentliche
+Nachsicht zu rechtfertigen? Die, welche so raisonnirten, hatten keinen
+Begriff, aus welchem erhabenen Gesichtspunkte und mit welchem scharfen
+Blicke der von ihnen getadelte Führer die ganze Stellung Englands und
+Europa's betrachtete. Sie wollten Jakob schlechterdings stürzen und
+würden sich daher entweder geweigert haben, unter irgend welchen
+Bedingungen mit ihm zu unterhandeln, oder sie würden ihm unerträglich
+harte Bedingungen gestellt haben. Wenn Wilhelm's umfassender und tief
+durchdachter politischer Plan gelingen sollte, mußte Jakob durch
+Zurückweisung auffallend liberaler Bedingungen sich selbst ins Verderben
+stürzen. Die kommenden Ereignisse bewiesen sprechend die Weisheit des
+Verfahrens, welches die Mehrzahl der in Hungerford versammelten
+Engländer zu verdammen geneigt war.
+
+Am Sonntag, den 9. December, wurden die Forderungen des Prinzen
+niedergeschrieben und Halifax übergeben. Die Commissare speisten in
+Littlecote mit einer glänzenden Gesellschaft, welche ihnen zu Ehren
+eingeladen worden war. Die alte Halle, geschmückt mit Panzerhemden,
+welche die Kriege der Rosen gesehen und mit den Bildnissen von
+Kavalieren, die eine Zierde des Hofes Philipp's und Mariens gewesen
+waren, war an jenem Tage mit Peers und Generälen angefüllt. In einem
+solchen Gedränge konnte man leicht eine kurze Frage und Antwort
+wechseln, ohne die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Halifax benutzte
+die Gelegenheit, die sich ihm darbot, um Burnet Alles was er wußte und
+dachte zu entlocken. »Was wollt Ihr eigentlich?« fragte der gewandte
+Diplomat; »wollt Ihr den König in Eure Gewalt haben?« -- »Durchaus
+nicht,« antwortete Burnet, »wir würden seiner Person nicht das mindeste
+Leid anthun.« -- »Wenn er aber flüchtete?« fuhr Halifax fort. »Dies wäre
+uns das Erwünschteste.« Es kann nicht bezweifelt werden, daß Burnet die
+allgemeine Ansicht der Whigs im Lager des Prinzen aussprach. Sie
+wünschten Alle, daß Jakob das Land verlassen möchte, aber nur einige
+wenige von den weisesten unter ihnen sahen ein, wie wichtig es war, daß
+seine Flucht von der Nation seiner eignen Thorheit und Verblendung und
+nicht harter Behandlung oder begründeter Furcht zugeschrieben wurde.
+Wahrscheinlich wären selbst in der verzweifelten Lage, in die er
+versetzt war, alle seine Feinde zusammengenommen noch immer nicht im
+Stande gewesen, seinen völligen Sturz zu bewirken, wäre er selbst nicht
+sein schlimmster Feind gewesen; aber während seine Commissare an seiner
+Rettung arbeiteten, arbeitete er eben so eifrig daran, alle ihre
+Bemühungen nutzlos zu machen.[161]
+
+ [Anmerkung 160: Siehe eine höchst interessante Note zum fünften
+ Gesange von Sir Walter Scotts Rokeby.]
+
+ [Anmerkung 161: Die Quellen meiner Mittheilungen über die Vorgänge
+ in Hungerford sind: +Clarendon's Diary, Dec. 8, 9. 1688+; +Burnet,
+ I. 794+; das Schreiben, welches die Commissare dem Prinzen
+ überbrachten, und dessen Antwort darauf; +Sir Patrick Hume's
+ Diary+; Citters, 9.(19.) Dec.]
+
+
+[_Die Königin und der Prinz von Wales werden nach Frankreich
+geschickt._] Seine Pläne waren endlich reif zur Ausführung. Die
+Scheinunterhandlung hatte ihren Zweck erfüllt. An dem nämlichen Tage, an
+welchem die drei Lords in Hungerford eintrafen, kam der Prinz von Wales
+in Westminster an. Man hatte die Absicht gehabt, ihn die London-Brücke
+passiren zu lassen, und einige irländische Truppen waren ihm daher nach
+Southwark entgegengesandt worden. Aber sie wurden von einer zahlreichen
+Volksmenge mit solchem Geschrei und solchen Verwünschungen empfangen,
+daß sie es für gerathen hielten, schleunigst wieder umzukehren. Das
+unglückliche Kind passirte die Themse bei Kingston und wurde so in aller
+Stille nach Whitehall gebracht, daß Viele glaubten, es sei noch in
+Portsmouth.[162]
+
+Den Prinzen und die Königin außer Landes zu schicken, war jetzt das
+Hauptziel Jakob's. Aber wem konnte die Leitung der Flucht anvertraut
+werden? Dartmouth war der loyalste aller protestantischen Tories, und er
+hatte sich geweigert. Dover war eine Creatur der Jesuiten, und selbst er
+hatte sich nicht entschließen können. Es war nicht sehr leicht, einen
+Engländer von hohem Range und von Ehre zu finden, der es unternommen
+hätte, den wahrscheinlichen Erben der englischen Krone den Händen des
+Königs von Frankreich zu übergeben. Unter diesen Umständen dachte Jakob
+an einen damals in London lebenden Franzosen, Namens Antonin Graf von
+Lauzun.
+
+ [Anmerkung 162: +Clarke's Life of James, II. 237.+ Burnet hat
+ sonderbarerweise nichts davon gehört oder es vergessen, daß der
+ Prinz nach London zurückgebracht wurde. (I. 796.)]
+
+
+[_Lauzun._] Man hat von diesem Manne gesagt, sein Leben sei wunderbarer
+gewesen, als die Träume anderer Leute. In seiner Jugend war er Ludwig's
+intimer Gesellschafter gewesen und man hatte ihm Aussicht auf die
+höchsten Ämter unter der französischen Krone gemacht. Dann hatte sein
+Glücksstern sich plötzlich verdunkelt. Ludwig hatte seinen Jugendfreund
+mit bitteren Vorwürfen von sich gestoßen und sollte sich angeblich kaum
+haben enthalten können, ihn zu schlagen. Der gefallene Günstling war als
+Gefangener auf eine Festung geschickt, aber wieder in Freiheit gesetzt
+worden, hatte sich aufs neue der Gunst seines Gebieters erfreut und das
+Herz einer der vornehmsten Damen in Europa, Anna Maria, Tochter des
+Herzogs Gaston von Orleans, Enkelin König Heinrich's IV. und Erbin der
+unermeßlichen Besitzungen des Hauses Montpensier, erobert. Die beiden
+Liebenden wünschten sich zu vermählen, der König gab seine Einwilligung
+und einige Stunden lang wurde Lauzun vom Hofe als ein Mitglied des
+Hauses Bourbon betrachtet. Die Mitgift der Prinzessin wäre in der That
+der Bewerbung souverainer Fürsten werth gewesen, denn sie bestand aus
+drei großen Herzogthümern, einem unabhängigen Fürstenthume mit eigner
+Münze und eigenen Tribunalen, und einem Einkommen, das die
+Gesammteinkünfte des Königreichs Schottland weit überstieg. Aber diese
+glänzende Aussicht trübte sich, die Verbindung wurde abgebrochen und der
+Freier wurde viele Jahre in einem Alpenschlosse eingesperrt. Endlich
+ließ sich Ludwig wieder erweichen. Lauzun durfte nicht vor dem Könige
+erscheinen, aber es war ihm gestattet, fern vom Hofe seine Freiheit zu
+genießen. Er ging nach England und wurde im Palaste Jakob's und in den
+vornehmen Cirkeln London's wohl aufgenommen, denn damals galten die
+französischen Edelleute in ganz Europa für Muster von Eleganz, und viele
+Chevaliers und Vicomtes, welche in den Privatcirkeln zu Versailles nie
+Zutritt gehabt hatten, sahen sich in Whitehall von allgemeiner Neugierde
+und Bewunderung umgeben. Lauzun war der gegenwärtigen Anforderung in
+jeder Hinsicht gewachsen. Er hatte Muth und Ehrgefühl, war an
+excentrische Abenteuer gewöhnt und verband mit dem scharfen
+Beobachtungssinn und dem sarkastischen Witze eines vollendeten Weltmanns
+eine entschiedene Neigung zum irrenden Ritterthum. Alle seine nationalen
+Gefühle und alle seine persönlichen Interessen trieben ihn an, das
+Abenteuer zu wagen, vor dem die treuesten Unterthanen der englischen
+Krone zurückzuschrecken schienen. Als Beschützer der Königin von
+Großbritannien und des Prinzen von Wales in einer gefahrvollen Krisis,
+konnte er mit Ehren in sein Vaterland zurückkehren, es konnte ihm wieder
+gestattet werden, Ludwig ankleiden und speisen zu sehen und nach so
+vielen Wechselfällen konnte er am Abende seines Lebens noch einmal die
+so wunderbar bezaubernde Jagd nach der königlichen Gunst beginnen.
+
+Von solchen Gefühlen beseelt, nahm Lauzun das ihm angebotene wichtige
+Amt bereitwilligst an. Die Vorkehrungen zur Flucht wurden schleunigst
+getroffen, ein Schiff erhielt Befehl, sich bei Gravesend bereit zu
+halten; aber nach Gravesend zu gelangen, war nicht leicht. Die City war
+in einer furchtbaren Aufregung. Die geringste Ursache war hinreichend,
+um einen Auflauf zu veranlassen, kein Fremder durfte sich auf den
+Straßen zeigen, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen wollte,
+angehalten, ausgefragt und als verkappter Jesuit vor einen
+Magistratsbeamten geführt zu werden. Man mußte sich daher auf der
+Südseite der Themse halten. Es wurde keine Vorsichtsmaßregel versäumt,
+um jeden Verdacht zu zerstreuen. Der König und die Königin begaben sich
+wie gewöhnlich zur Ruhe. Jakob wartete, bis eine Zeit lang im Palaste
+Alles still gewesen war, dann stand er auf und rief einen Diener, zu dem
+er sagte: »Ihr werdet an der Thür des Vorzimmers einen Mann finden;
+bringt ihn hierher.« Der Diener gehorchte und Lauzun wurde ins
+königliche Schlafgemach eingeführt. »Ich vertraue Ihnen meine Gemahlin
+und meinen Sohn an,« sagte der König zu ihm; »sie müssen auf jede Gefahr
+hin nach Frankreich gebracht werden.« Lauzun sprach mit ächt
+ritterlichem Sinne seinen Dank aus für die ihm zu Theil werdende
+gefährliche Ehre und bat um die Erlaubniß, sich der Mithülfe seines
+Freundes Saint-Victor, eines Edelmanns aus der Provence, dessen Muth und
+Treue vielfach erprobt sei, bedienen zu dürfen. Die Dienste eines so
+werthvollen Beistandes wurden bereitwillig angenommen. Lauzun reichte
+Marien die Hand, und Saint-Victor hüllte den unglücklichen Erben so
+vieler Könige in seinen warmen Mantel. Die Gesellschaft schlich leise
+die Hintertreppe hinab und stieg in einen offenen Kahn. Es war eine
+traurige Fahrt. Die Nacht war kalt, es regnete, der Wind heulte und der
+Wellenschlag war heftig. Endlich erreichte der Kahn Lambeth und die
+Flüchtlinge landeten in der Nähe eines Gasthofes, wo ein Wagen und
+Pferde sie erwarteten. Es dauerte eine Weile, bis die Pferde angeschirrt
+und angespannt waren. Marie wollte aus Furcht erkannt zu werden nicht in
+das Haus treten. Sie blieb bei ihrem Kinde, zum Schutz vor dem Unwetter
+unter dem Thurme der Lambethkirche kauernd und jedesmal vor Schreck
+zusammenfahrend, wenn der Hausknecht sich ihr mit seiner Laterne
+näherte. Sie hatte zwei von ihren Kammerfrauen bei sich; die eine nährte
+den Prinzen, die andre hatte das Amt, ihn zu wiegen; ihrer Gebieterin
+aber konnten Beide nur wenig nützen, denn sie waren Ausländerinnen,
+welche kaum englisch sprachen und beständig über das rauhe Klima
+Englands klagten. Der einzige tröstliche Umstand war, daß das Kind wohl
+war und nicht ein einziges Mal schrie. Endlich war der Wagen bereit.
+Saint-Victor begleitete denselben zu Pferde. Die Flüchtlinge kamen
+wohlbehalten in Gravesend an und schifften sich auf der sie erwartenden
+Yacht ein. Sie fanden auf derselben Lord Powis mit seiner Gattin und
+drei irische Offiziere. Diese waren dahin geschickt worden, um Lauzun in
+einem etwaigen verzweifelten Nothfalle beizustehen, denn es wurde nicht
+für unmöglich gehalten, daß der Kapitain des Schiffes sich als treulos
+erwies, und man hatte sich fest vorgenommen, ihn beim geringsten
+Verdacht von Verrätherei sofort niederzustoßen. Man kam jedoch nicht in
+die Nothwendigkeit, Gewalt zu brauchen. Die Yacht fuhr mit günstigem
+Winde den Strom hinab und nachdem Saint-Victor sie hatte absegeln sehen,
+sprengte er mit der guten Nachricht nach Whitehall zurück.[163]
+
+Am Montag Morgen, den 10. December, erfuhr der König, daß seine Gemahlin
+und sein Sohn ihre Reise unter günstigen Aussichten für die glückliche
+Vollendung derselben angetreten hatten. Um die nämliche Zeit kam ein
+Courier mit Depeschen von Hungerford im Palaste an. Wäre Jakob ein wenig
+scharfsichtiger und etwas weniger halsstarrig gewesen, so würden diese
+Depeschen ihn bestimmt haben, alle seine Pläne noch einmal zu erwägen.
+Das Schreiben der Commissare berechtigte zu guten Hoffnungen. Die von
+dem Sieger gestellten Bedingungen waren auffallend liberal. Der König
+selbst konnte sich der Bemerkung nicht enthalten, daß sie günstiger
+seien, als er es erwartet hätte. Zwar konnte er nicht ohne Grund
+annehmen, daß sie in keiner freundlichen Absicht gestellt wurden; allein
+dies kam hier nicht in Betracht; mochten sie ihm in der Hoffnung
+angeboten werden, daß er durch Annahme derselben den Grund zu einer
+gütlichen Ausgleichung legen werde, oder, und dies war wahrscheinlicher,
+in der Hoffnung, daß er sich durch ihre Zurückweisung der Nation als
+durchaus unvernünftig und unverbesserlich darstellen werde, jedenfalls
+war der Weg, den er hatte einschlagen sollen, vollkommen klar. In beiden
+Fallen würde es die Klugheit erfordert haben, sie ohne Besinnen
+anzunehmen und treulich zu halten.
+
+ [Anmerkung 163: +Clarke's Life of James, II. 246+; +Père
+ d'Orléans, Revolutions d'Angleterre, XI.+; Frau von Sévigné,
+ 14.(24.) Dec. 1688; +Dangeau Mémoires, 13.(23.) Dec.+ Über Lauzun
+ siehe die Memoiren Mademoiselle's und des Herzogs von St. Simon
+ und die Characteristiken von Labruyère.]
+
+
+[_Anstalten des Königs zur Flucht._] Es zeigte sich aber bald, daß
+Wilhelm den Character, mit dem er es zu thun hatte, richtig beurtheilt
+und durch das Anerbieten jener Bedingungen, welche die in Hungerford
+anwesenden Whigs als zu nachsichtig getadelt, nichts gewagt hatte. Die
+feierliche Komödie, mit der das Publikum seit dem Rückzuge der
+königlichen Armee von Salisbury unterhalten worden war, wurde noch
+einige Stunden fortgesetzt. Alle noch in der Hauptstadt anwesenden Lords
+wurden in den Palast beschieden, um von den Fortschritten der auf ihren
+Rath eingeleiteten Unterhandlungen unterrichtet zu werden. Eine zweite
+Versammlung von Peers wurde auf den nächstfolgenden Tag festgesetzt. Der
+Lordmayor und die Sheriffs von London wurden ebenfalls vor den König
+geladen. Er ermahnte sie, ihre Pflichten mit ungeschwächtem Eifer zu
+erfüllen und gestand ihnen, daß er es für zweckmäßig erachtet habe,
+seine Gemahlin und seinen Sohn außer Landes zu schicken, versicherte
+aber, daß er selbst auf seinem Posten ausharren werde. Als er diese
+unkönigliche und unmännliche Lüge sagte, war es schon sein fester
+Entschluß, noch vor Tagesanbruch abzureisen. Er hatte bereits sein
+werthvollstes bewegliches Eigenthum mehreren fremden Gesandten zur
+Aufbewahrung übergeben. Seine wichtigsten Papiere hatte er dem
+toskanischen Gesandten anvertraut. Etwas aber mußte vor der Flucht noch
+geschehen. Der Tyrann schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß er sich an
+dem Volke, welches seinen Despotismus nicht länger ertragen wollte,
+werde rächen können, indem er es bei seinem Scheiden allem Unheile der
+Anarchie preisgab. Er ließ das große Siegel und die Ausschreiben für das
+neue Parlament in sein Zimmer bringen. Die noch vorhandenen Ausschreiben
+warf er ins Feuer und die bereits abgesandten erklärte er durch eine in
+gesetzlicher Form abgefaßte Urkunde für ungültig. An Feversham schrieb
+er einen Brief, der nur als ein Befehl zur Auflösung der Armee
+verstanden werden konnte. Gleichwohl verhehlte der König selbst seinen
+ersten Ministern noch immer seine Absicht, zu entweichen. Ehe er sich
+zur Ruhe begab, befahl er noch Jeffreys, am andren Morgen bei Zeiten im
+Kabinet zu erscheinen, und als er ins Bett stieg, raunte er Mulgrave zu,
+die aus Hungerford angelangten Nachrichten seien höchst befriedigend.
+Jedermann entfernte sich hierauf, mit Ausnahme des Herzogs von
+Northumberland. Dieser junge Mann, ein natürlicher Sohn Karl's II. und
+der Herzogin von Cleveland, war Commandant einer Abtheilung der
+Leibgarde und Kammerherr. Es scheint damals am Hofe Sitte gewesen zu
+sein, daß in Abwesenheit der Königin ein Kammerherr im Zimmer des Königs
+auf einem Feldbett schlafen mußte, und Northumberland war an der Reihe,
+diesen Dienst zu versehen.
+
+
+[_Seine Flucht._] Dienstag den 11. December um drei Uhr Morgens stand
+Jakob auf, nahm das große Siegel an sich, befahl Northumberland, die
+Thür des Schlafzimmers erst zur gewohnten Stunde zu öffnen und
+verschwand durch einen verborgenen Ausgang, wahrscheinlich derselbe,
+durch welchen Huddleston ans Bett des vorigen Königs gebracht worden
+war. Sir Eduard Hales erwartete ihn mit einer Miethkutsche. Jakob fuhr
+nach Millbank, wo er in einem kleinen Nachen über die Themse setzte. Als
+er bei Lambeth vorüberfuhr, warf er das große Siegel mitten in den
+Strom, wo es viele Monate darauf zufällig in ein Fischernetz gerieth und
+herausgezogen wurde.
+
+In Vauxhall stieg er an's Land. Hier erwartete ihn ein bekannter
+Reisewagen und er schlug ohne Aufenthalt den Weg nach Sheerneß ein, wo
+ein dem Zollhause gehörendes Boot für ihn in Bereitschaft gehalten
+wurde.[164]
+
+ [Anmerkung 164: +History of the Desertion+; +Clarke's Life of
+ James, II. 251. Orig. Mem.+; +Mulgrave's Account of the
+ Revolution+; +Burnet, I. 795+.]
+
+
+ * * * * *
+ * * * *
+
+
+ =Zehntes Kapitel.=
+
+ _Das Interregnum._
+
+
+
+
+ =Inhalt.=
+
+ Seite
+ Die Flucht des Königs wird bekannt 5
+ Große Aufregung 5
+ Die Lords versammeln sich in Guildhall 5
+ Tumulte in London 8
+ Das Haus des spanischen Gesandten geplündert 9
+ Verhaftung Jeffreys' 10
+ Die irische Macht 11
+ Der König wird unweit Sheerneß angehalten 14
+ Die Lords geben Befehl zu seiner Freilassung 18
+ Wilhelm's Verlegenheit 19
+ Verhaftung Feversham's 19
+ Ankunft Jakob's in London 20
+ Berathung in Windsor 21
+ Die holländischen Truppen besetzen Whitehall 24
+ Das Schreiben des Prinzen wird Jakob überbracht 24
+ Jakob's Aufbruch nach Rochester 25
+ Wilhelm's Ankunft im St. Jamespalaste 25
+ Es wird ihm gerathen, sich die Krone kraft des
+ Eroberungsrechtes aufzusetzen 27
+ Er beruft die Lords und die Mitglieder der Parlamente
+ Karl's II. zusammen 28
+ Jakob's Flucht von Rochester 30
+ Berathungen und Beschlüsse der Lords 31
+ Verhandlungen und Beschlüsse der von dem Prinzen
+ einberufenen Gemeinen 32
+ Eine Convention berufen 33
+ Bemühungen des Prinzen zur Herstellung der Ordnung 33
+ Seine tolerante Politik 34
+ Zufriedenheit der katholischen Mächte 35
+ Stimmung in Frankreich 35
+ Empfang der Königin von England in Frankreich 36
+ Ankunft Jakob's in St.-Germain 37
+ Stimmung in den Vereinigten Provinzen 39
+ Wahl der Mitglieder zur Convention 39
+ Die Angelegenheiten Schottlands 40
+ Stand der Parteien in England 42
+ Sherlock's Plan 44
+ Sancroft's Plan 45
+ Danby's Plan 47
+ Der Plan der Whigs 48
+ Zusammentritt der Convention. Leitende Mitglieder des Hauses
+ der Gemeinen 50
+ Wahl eines Sprechers 51
+ Debatte über die Lage der Nation 52
+ Beschluß, durch den der Thron für erledigt erklärt wird 54
+ Der Beschluß wird den Lords vorgelegt 55
+ Debatte im Oberhause über den Regentschaftsplan 55
+ Spaltung zwischen den Whigs und den Anhängern Danby's 61
+ Versammlung bei dem Earl von Devonshire 62
+ Debatte im Hause der Lords über die Frage der Thronerledigung 63
+ Die Majorität für die Verneinung 64
+ Aufregung in London 64
+ Brief von Jakob an die Convention 65
+ Debatte 65
+ Unterhandlungen 65
+ Schreiben der Prinzessin von Oranien an Danby 65
+ Die Prinzessin Anna erklärt sich mit dem Whigplane
+ einverstanden 66
+ Wilhelm spricht seine Absichten aus 67
+ Die Conferenz zwischen den beiden Häusern 68
+ Die Lords geben nach 69
+ Es werden neue Gesetze zur Sicherung der Freiheit
+ vorgeschlagen 70
+ Streitigkeiten und Vergleich 71
+ Die Rechtserklärung 73
+ Ankunft Marien's 73
+ Anbietung und Annahme der Krone 74
+ Wilhelm und Marie werden ausgerufen 75
+ Eigenthümlicher Character der englischen Revolution 75
+
+
+
+
+[_Die Flucht des Königs wird bekannt._] Northumberland gehorchte
+pünktlich dem erhaltenen Befehle und öffnete den Eingang zu den
+königlichen Apartements erst als es heller Tag geworden war. Das
+Vorzimmer war mit Höflingen, welche ihre Morgenvisite machen wollten,
+und mit den zu einer Berathung in den Palast beschiedenen Lords
+angefüllt. In einem Augenblicke verbreitete sich die Nachricht von
+Jakob's Flucht von den Gallerien in die Straßen und die ganze Stadt kam
+in Aufruhr.
+
+
+[_Große Aufregung._] Es war ein schrecklicher Augenblick. Der König war
+fort, der Prinz noch nicht da und keine Regentschaft war ernannt. Das
+zur Verwaltung der ordentlichen Rechtspflege unentbehrliche große Siegel
+war verschwunden, und bald erfuhr man, daß Feversham bei Empfang des
+königlichen Befehls seine Truppen auf der Stelle entlassen hatte. Welche
+Achtung vor dem Gesetz und den Eigenthumsrechten konnte man von
+bewaffneten und zusammenhaltenden Soldaten erwarten, welche aller
+Beschränkungen der Disciplin entledigt waren und denen es an den
+nothwendigsten Lebensbedürfnissen fehlte? Auf der andren Seite hatte
+auch der Pöbel von London seit einigen Wochen eine starke Neigung zu
+Tumulten und Räubereien gezeigt. Die dringende Gefahr des Augenblicks
+vereinigte auf kurze Zeit alle Diejenigen mit einander, die ein
+Interesse an der Ruhe und Sicherheit der Gesellschaft hatten. Rochester
+hatte bis zu diesem Tage fest zur Sache des Königs gehalten. Jetzt sah
+er nur noch ein Mittel, um einer allgemeinen Verwirrung vorzubeugen.
+»Rufen Sie Ihre Abtheilung Garden zusammen,« sagte er zu Northumberland,
+»und erklären Sie sich für den Prinzen von Oranien.« Der Rath wurde
+sofort befolgt. Die zur Zeit in London anwesenden höheren Offiziere der
+Armee hielten in Whitehall eine berathende Versammlung und beschlossen,
+sich der Autorität Wilhelm's zu unterwerfen, ihre Truppen
+zusammenzuhalten bis er seinen Willen kund thun würde, und die
+Civilgewalt in der Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung zu
+unterstützen.[1]
+
+ [Anmerkung 1: +History of the Desertion+; +Mulgrave's Account of
+ the Revolution+; +Eachard's History of the Revolution+.]
+
+
+[_Die Lords versammeln sich in Guildhall._] Die Peers begaben sich nach
+der Guildhall, wo sie von dem Magistrat der Stadt mit allen
+Ehrenbezeigungen empfangen wurden. Streng gesetzlich waren sie so wenig
+als irgend ein andrer Verein von Personen befugt, die ausübende Gewalt
+zu übernehmen. Aber im Interesse der öffentlichen Sicherheit war eine
+provisorische Regierung durchaus nöthig und zu dem Ende richtete sich
+der Blick des Publikums natürlich auf die erblichen Magnaten des Reichs.
+Die Größe der Gefahr trieb auch Sancroft aus seinem Palaste. Er nahm den
+Präsidentenstuhl ein und unter seinem Vorsitze beschlossen der neue
+Erzbischof von York, fünf Bischöfe und zweiundzwanzig weltliche Lords
+eine Erklärung aufzusetzen, zu unterzeichnen und zu veröffentlichen. Sie
+erklärten in diesem Aktenstücke, daß sie treu zur Religion und
+Verfassung ihres Vaterlandes hielten, daß sie die Hoffnung gehegt
+hätten, die öffentlichen Mißstände durch das vor kurzem vom Könige
+einberufene Parlament abgestellt zu sehen, daß aber seine Flucht diese
+Hoffnung zerstört habe. Sie hätten daher beschlossen, sich dem Prinzen
+von Oranien anzuschließen, damit die Freiheit der Nation und die Rechte
+der Kirche gesichert, den Dissenters gebührende Gewissensfreiheit
+gewährt und der Protestantismus durch die ganze Welt befestigt werde.
+Bis zur Ankunft Seiner Hoheit wollten sie die Verantwortlichkeit für die
+zur Aufrechthaltung der Ordnung nöthigen Maßregeln übernehmen. Es wurde
+sofort eine Deputation abgesandt, welche dem Prinzen diese Erklärung
+vorlegen und ihm sagen sollte, daß er mit Ungeduld in London erwartet
+werde.[2]
+
+Die Lords schritten nun zur Berathung der Maßregeln, welche ergriffen
+werden mußten, um Ruhestörungen vorzubeugen. Sie schickten nach den
+beiden Staatssekretären. Middleton wollte sich einer Autorität, die er
+für widerrechtlich angemaßt hielt, nicht unterwerfen; Preston aber, der
+über die Flucht seines Gebieters ganz bestürzt war und nicht wußte, was
+er zu erwarten hatte, noch wohin er sich wenden sollte, kam der
+Aufforderung nach. Es wurde ein Bote an Skelton, den Gouverneur des
+Tower gesandt, um ihn in die Guildhall zu berufen. Er kam und ward
+bedeutet, daß man seiner Dienste nicht länger bedürfe und daß er
+augenblicklich seine Schlüssel abzuliefern habe. Zu seinem Nachfolger
+wurde Lord Lucas ernannt. Zu gleicher Zeit wurde auf Befehl der Peers an
+Dartmouth ein Brief geschrieben, welcher die Weisung enthielt, daß er
+sich jeder feindseligen Operation gegen die holländische Flotte
+enthalten und alle unter ihm commandirenden papistischen Offiziere
+entlassen solle.[3]
+
+Die Rolle, welche Sancroft und einige andere Personen, die bis zu diesem
+Tage das Prinzip des passiven Gehorsams streng festgehalten hatten, bei
+diesen Maßnahmen spielten, verdient besondere Erwähnung. Den Oberbefehl
+über die Land- und Seemacht des Staats eigenmächtig zu übernehmen, die
+Offiziere zu entlassen, denen der König seine Schlösser und Schiffe
+anvertraut, und seinem Admiral alle Operationen gegen seine Feinde zu
+verbieten: dies war gewiß nichts Geringeres als offener Aufruhr.
+Indessen redeten sich mehrere rechtschaffene und talentvolle Tories aus
+Filmer's Schule dennoch ein, daß sie dies Alles thun könnten, ohne sich
+des Widerstandes gegen ihren Souverain schuldig zu machen. Die
+Unterscheidung, welche sie dabei machten, war wenigstens sinnreich. Die
+Regierung, sagten sie, ist eine göttliche Anordnung. Die erbliche
+monarchische Regierung ist vorzugsweise eine göttliche Anordnung. So
+lange der König befiehlt was recht und gesetzlich ist, müssen wir ihm
+bereitwillig gehorchen, und wenn er etwas Ungesetzliches befiehlt,
+müssen wir ihm passiv gehorchen. Selbst im äußersten Falle sind wir
+nicht berechtigt, ihm gewaltsamen Widerstand entgegenzusetzen. Legt er
+aber freiwillig seine Functionen nieder, so erlöschen dadurch seine
+Rechte über uns. So lange er uns, wenn auch schlecht, regiert, sind wir
+ihm Gehorsam schuldig; will er uns aber gar nicht mehr regieren, so sind
+wir nicht verbunden, für immer ohne Regierung zu bleiben. Anarchie ist
+keine göttliche Anordnung und Gott wird es uns gewiß nicht als Sünde
+anrechnen, wenn ein Fürst, den wir trotz der heftigsten Provokationen
+niemals die Ehrerbietung und den Gehorsam verweigert haben, plötzlich
+abreist, ohne daß wir wissen wohin und ohne daß er einen Stellvertreter
+hinterlassen, und wir schlagen dann das einzige Verfahren ein, durch das
+wir die völlige Auflösung der Gesellschaft verhindern können. Wäre unser
+Monarch bei uns geblieben, so würden wir, so wenig er auch unsre Liebe
+verdiente, mit Freuden zu seinen Füßen gestorben sein. Hätte er, als er
+uns verließ, eine Regentschaft eingesetzt, die uns während seiner
+Abwesenheit mit stellvertretender Autorität regieren sollte, so würden
+wir dieser Regentschaft allein die Leitung der Geschäfte überlassen
+haben. Aber er ist verschwunden, ohne für die Erhaltung der Ordnung oder
+für die Verwaltung der Justiz Vorsorge getroffen zu haben. Mit ihm und
+seinem großen Siegel ist auch das ganze Triebwerk verschwunden, durch
+welches ein Mörder bestraft, das Recht auf einen Besitz entschieden und
+das Vermögen eines Bankerotteurs vertheilt werden kann. Seine letzte
+Handlung war, daß er viele Tausende bewaffneter Männer von den Zügeln
+der militairischen Disciplin befreite und sie in die Lage versetzte,
+entweder plündern oder darben zu müssen. Noch einige Stunden, und
+Jedermann wird sich an seinem Nachbar vergreifen. Leben, Eigenthum und
+Frauenehre werden allen Ungesetzlichkeiten preisgegeben sein. Wir
+befinden uns diesen Augenblick thatsächlich in dem Naturzustande, über
+den die Theoretiker soviel geschrieben haben, und in diesen Zustand sind
+wir nicht durch unsre Schuld, sondern durch den freiwilligen Abfall des
+Mannes versetzt worden, der unser Beschützer hätte sein sollen. Sein
+Abfall darf mit Recht freiwillig genannt werden, denn weder sein Leben
+noch seine Freiheit war gefährdet. Seine Feinde hatten sich eben bereit
+erklärt, auf einer von ihm selbst vorgeschlagenen Grundlage mit ihm zu
+unterhandeln und sich unter Bedingungen, deren Billigkeit er nicht
+leugnen konnte, erboten, alle feindseligen Operationen sofort
+einzustellen. Unter solchen Umständen hat er sein Amt niedergelegt. Wir
+widerrufen nichts, wir sind in nichts inconsequent, wir halten noch
+immer ohne Unterschied an unseren alten Prinzipien fest, wir sind noch
+immer der Meinung, daß es in allen Fällen sündhaft ist, sich der
+Obrigkeit zu widersetzen; aber wir sagen, es giebt keine Obrigkeit mehr,
+der wir uns widersetzen könnten. Der Mann, der die Obrigkeit war, hat
+seine Gewalt, nachdem er sie lange gemißbraucht, endlich niedergelegt.
+Der Mißbrauch berechtigte uns nicht dazu ihn abzusetzen, die Abdankung
+aber giebt uns das Recht, zu erwägen, wie wir seine Stelle am besten
+wieder besetzen.
+
+Aus diesen Gründen gewann die Partei des Prinzen viele neue Anhänger,
+die sich bisher von ihm fern gehalten hatten. Seit Menschengedenken war
+man der vollkommenen Einigkeit aller verständigen Engländer noch nie so
+nahe gewesen, als bei dieser Gelegenheit; nie hatte man aber auch der
+Einigkeit so sehr bedurft. Eine gesetzliche Autorität gab es nicht. Alle
+die schlimmen Leidenschaften, welche eine Regierung zu zügeln
+verpflichtet ist und welche auch die besten Regierungen nur unvollkommen
+zu zügeln vermögen, waren plötzlich von jedem Zwange befreit: Habgier,
+Sittenlosigkeit, Rachsucht, Seelenhaß und Nationalhaß. Bei solchen
+Gelegenheiten wird man stets finden, daß das menschliche Ungeziefer,
+das, von den Dienern des Staats und der Kirche vernachlässigt, inmitten
+der Civilisation und des Christenthums in heidnischer Rohheit und mit
+allen möglichen physischen und moralischen Lastern befleckt in den
+Kellern und Dachkammern der großen Städte nistet, sich mit einem Male zu
+furchtbarer Bedeutung erhebt. So war es damals auch in London.
+
+ [Anmerkung 2: +London Gazette, Dec. 13. 1688.+]
+
+ [Anmerkung 3: +Clarke's Life of James, II. 259+; +Mulgrave's
+ Account of the Revolution+; Legge's Papiere in der
+ Mackintosh-Sammlung.]
+
+
+[_Tumulte in London._] Als die Nacht, zufällig die längste Nacht im
+Jahre, hereinbrach, spieen alle Höhlen des Lasters, der Bärenzwinger von
+Hockley und das Labyrinth von Kneipen und Bordellen in den Friars,
+Tausende von Einbrechern und Straßenräubern, Taschendieben und Gaunern
+aus. Zu ihnen gesellten sich Tausende von Lehrbuben und Gesellen, denen
+lediglich nach der Aufregung eines Tumults gelüstete. Selbst
+friedliebende und achtbare Leute wurden durch die religiöse Erbitterung
+angetrieben, sich dem gesetzlosen Theile der Bevölkerung anzuschließen.
+Denn der Ruf: »Kein Papismus!« ein Ausruf, der mehr als einmal die
+Existenz Londons gefährdet hat, war das Signal zu Gewaltthätigkeiten und
+Räubereien. Zuerst fiel der Pöbel über die katholischen Andachtshäuser
+her. Die Gebäude wurden demolirt. Bänke, Kanzeln, Beichtstühle und
+Breviarien wurden auf einen Haufen geworfen und verbrannt. Ein
+ungeheurer Berg von Büchern und Geräthschaften brannte in der Gegend des
+Klosters von Clerkenwell. Ein andrer Haufen wurde neben den Trümmern des
+Franziskanerklosters in Lincoln's Inn Fields angezündet. Die beiden
+Kapellen in Lime Street und in Bucklersbury wurden niedergerissen. Die
+Gemälde, Bilder und Kruzifixe wurden beim Scheine der von den Altären
+genommenen Wachskerzen im Triumph durch die Straßen getragen. Die
+Prozession starrte von Schwertern und Stöcken, an welche Orangen
+gespießt waren. Die Druckerei des Königs, aus der während der letzten
+drei Jahre unzählige Schriften zur Vertheidigung der päpstlichen
+Oberhoheit, des Bilderdienstes und der Klostergelübde hervorgegangen
+waren, wurde, um uns eines Ausdrucks zu bedienen, welcher damals zum
+ersten Male aufkam, vollständig ausgeweidet (+gutted+). Die großen
+Papiervorräthe, welche zum Theil noch nicht bedruckt waren, lieferten
+das Material zu einem ungeheuren Freudenfeuer. Von den Klöstern, Tempeln
+und öffentlichen Anstalten wendete sich die Wuth der Menge auf
+Privatwohnungen. Mehrere Häuser wurden ausgeplündert und zerstört; die
+Geringfügigkeit der Beute aber befriedigte die Plünderer nicht, und bald
+verbreitete sich das Gerücht, daß die werthvollsten Effecten der
+Papisten den auswärtigen Gesandten zur Aufbewahrung übergeben worden
+seien. Der rohe und unwissende Pöbel fragte nichts nach dem Völkerrechte
+und nach der Gefahr, die gerechte Rache von ganz Europa auf das
+Vaterland zu bringen. Die Häuser der Gesandten wurden belagert. Ein
+großer Haufe sammelte sich vor Barillon's Palaste in St. James' Square.
+Er kam jedoch leichteren Kaufes davon, als man hätte erwarten sollen,
+denn obgleich die Regierung, welche er repräsentirte, allgemein verhaßt
+war, so hatten doch sein gastfreier Haushalt und seine pünktlichen
+Zahlungen ihn persönlich beliebt gemacht. Überdies hatte er die Vorsicht
+gebraucht, um eine militairische Schutzwache zu bitten, und da mehrere
+andere in seiner Nähe wohnende Männer von Rang das Nämliche gethan, so
+war auf dem Platze eine ansehnliche Streitmacht versammelt. Die
+Tumultuanten ließen ihn deshalb unbelästigt, nachdem er versichert
+hatte, daß keine Waffen oder Priester in seinem Hause versteckt seien.
+Auch der venetianische Gesandte war durch eine Truppenabtheilung
+geschützt; die Häuser aber, welche die Gesandten des Kurfürsten von der
+Pfalz und des Großherzogs von Toskana bewohnten, wurden zerstört. Einen
+werthvollen Kasten konnte der toskanische Gesandte vor den Plünderern
+retten. Derselbe enthielt neun Bände Memoiren, von Jakob eigenhändig
+geschrieben. Diese Bände kamen unversehrt nach Frankreich, wo sie nach
+Verlauf von mehr als einem Jahrhunderte in den Stürmen einer noch weit
+furchtbareren Revolution als die, weicher sie glücklich entronnen waren,
+zu Grunde gingen. Einige Bruchstücke davon sind indessen noch vorhanden,
+und obgleich diese arg verstümmelt und in Massen lächerlicher
+Erdichtungen gekleidet sind, so verdienen sie doch aufmerksam studirt zu
+werden.
+
+
+[_Das Haus des spanischen Gesandten geplündert._] Das kostbare
+Silbergeräth der königlichen Kapelle war nach Wild House, unweit
+Lincoln's Inn Fields, der Wohnung des spanischen Gesandten Ronquillo,
+gebracht worden. Ronquillo, der sich bewußt war, daß er und sein Hof
+keine üble Behandlung von Seiten der englischen Nation verdienten, hatte
+es nicht für nöthig erachtet, um Soldaten zu bitten; aber der Pöbel war
+nicht in der Stimmung, um feine Unterschiede zu machen. Der Name Spanien
+wurde in der öffentlichen Meinung seit langer Zeit mit der Inquisition
+und der Armada, mit den Grausamkeiten Mariens und den Anschlägen gegen
+Elisabeth in Verbindung gebracht. Auch hatte sich Ronquillo selbst unter
+dem Volke viele Feinde gemacht, indem er sich seines Vorrechts bediente,
+um der Nothwendigkeit, seine Schulden zu bezahlen, überhoben zu sein.
+Sein Haus wurde daher ohne Gnade geplündert und eine von ihm gesammelte
+prächtige Bibliothek den Flammen überliefert. Sein einziger Trost war,
+daß die Hostie in seiner Kapelle dem gleichen Schicksale entging.[4]
+
+Die Morgensonne des 12. Decembers beleuchtete ein grauenvolles
+Schauspiel. Die Hauptstadt bot an vielen Stellen den Anblick einer mit
+Sturm genommenen Stadt dar. Die Lords versammelten sich in Whitehall und
+bemühten sich, die Ruhe wieder herzustellen. Die Milizen wurden unter
+die Waffen gerufen und ein Kavalleriedetaschement in Bereitschaft
+gehalten, um tumultuarische Zusammenrottungen zu zerstreuen. Für die den
+fremden Regierungen zugefügten Insulten wurde Genugthuung gewährt, so
+weit es in jenem Augenblicke möglich war. Es wurde eine Belohnung auf
+die Entdeckung der aus Wild House geraubten Effecten ausgesetzt, und
+Ronquillo, der kein Bett und keine Unze Silbergeschirr mehr besaß, wurde
+in dem verlassenen Palaste der Könige von England glänzend einquartirt.
+Eine splendide Tafel wurde ihm gehalten und die königlichen Leibwachen
+erhielten Befehl, ihn in seinem Vorzimmer mit der nämlichen
+Aufmerksamkeit zu bewachen, die sie dem Souverain zu erzeigen gewohnt
+waren. Diese Beweise von Achtung beschwichtigten selbst den
+empfindlichen Stolz des spanischen Hofes und beugten jeder Gefahr eines
+Bruches vor.[5]
+
+ [Anmerkung 4: +London Gazette, Dec. 13. 1688+; Barillon, 14.(24.)
+ Dec.; Citters, von demselben Datum; +Luttrell's Diary+; +Clarke's
+ Life of James, II. 256. Orig. Mem.+; Ellis' Correspondenz, 13.
+ Dec.; Berathung des spanischen Staatsraths vom 19.(29.) Jan. 1689.
+ Ronquillo beklagte sich gegen seine Regierung bitter über die
+ erlittenen Verluste: +»Sirviendole solo de consuelo el haber
+ tenido prevencion de poder consumir El Santisimo.«+]
+
+ [Anmerkung 5: +London Gazette, Dec. 13. 1688+; +Luttrell's Diary+;
+ +Mulgrave's Account of the Revolution+; Berathung des spanischen
+ Staatsraths vom 19.(29.) Jan. 1689. Es wurde von Repressalien
+ gesprochen, aber der spanische Staatsrath wies den Vorschlag mit
+ Verachtung zurück. +»Habiendo sido este hecho por un furor de
+ pueblo, sin consentimiento del gobierno, y antes contra su
+ voluntad, como lo ha mostrado la satisfaccion que le han dado y le
+ han prometido, parece que no hay juicio humano que puede aconsejar
+ que se pase à semejante remedio.«+]
+
+
+[_Verhaftung Jeffreys'._] Trotz der wohlmeinenden Bemühungen der
+provisorischen Regierung nahm jedoch die Aufregung stündlich in
+erschreckendem Maße zu. Sie wurde noch vermehrt durch einen Vorfall, der
+selbst nach so langer Zeit nicht ohne ein Gefühl von Schadenfreude
+berichtet werden kann. Ein in Wapping wohnender Geldmäkler, dessen
+Hauptgeschäft darin bestand, daß er den dortigen Seeleuten Geld auf hohe
+Zinsen vorstreckte, hatte vor einiger Zeit eine Summe auf Bodmerei
+ausgeliehen. Der Schuldner suchte bei dem Billigkeitsgericht um
+Entbindung von seiner schriftlich eingegangenen Verpflichtung nach, und
+der Fall kam vor Jeffreys. Da der Rechtsbeistand des Schuldners sonst
+wenig zu sagen wußte, so sagte er, der Darleiher sei ein Trimmer. Der
+Kanzler gerieth sogleich in Flammen. »Ein Trimmer?« rief er aus; »wo ist
+er? ich will ihn sehen, ich habe von dieser Gattung Ungeheuer gehört.
+Wie mögen sie aussehen?« Der unglückliche Gläubiger mußte vortreten. Der
+Kanzler sah ihn mit einem durchbohrenden Blicke an, überhäufte ihn mit
+einer Fluth von Schmähungen und schickte ihn dann halb todt vor Angst
+wieder fort. »Dieses fürchterliche Gesicht,« sagte der arme Mann,
+während er aus dem Gerichtssaale wankte, »werde ich zeitlebens nicht
+vergessen.« Jetzt aber war der Tag der Vergeltung gekommen. Auf einem
+Gange durch Wapping sah der Trimmer am Fenster eines Alehauses ein ihm
+wohlbekanntes Gesicht. Er konnte sich nicht irren. Zwar waren die
+Augenbrauen abrasirt und der von Kohlenstaub geschwärzte Anzug war der
+eines gemeinen Matrosen; aber Jeffreys' wilder Blick und boshafter Mund
+waren nicht zu verkennen. Es wurde Lärm gemacht, und in einem
+Augenblicke war das Haus von mehreren hundert Leuten aus dem Volke, die
+unter lauten Verwünschungen gewaltige Knittel schwangen, belagert. Eine
+Compagnie Miliz rettete dem Flüchtling das Leben und führte ihn vor den
+Lordmayor. Dieser war ein einfacher Mann, der sein ganzes Leben in
+Dunkelheit zugebracht hatte und jetzt ganz bestürzt war, als er sah, daß
+er in einer großen Revolution eine wichtige Rolle spielen sollte. Die
+Ereignisse der letzten vierundzwanzig Stunden und der gefahrdrohende
+Zustand der seiner Obhut anvertrauten Stadt, hatte seine geistigen und
+körperlichen Kräfte fast erschöpft. Als der große Mann, bei dessen
+Zornesblicke noch vor wenigen Tagen das ganze Königreich gezittert
+hatte, von Ruß geschwärzt, halb todt vor Angst und von einem tobenden
+Pöbelhaufen verfolgt, in das Gerichtszimmer geschleppt wurde, stieg die
+Aufregung des unglücklichen Mayors auf's Höchste. Er bekam Nervenzufälle
+und wurde zu Bett gebracht, um nie wieder aufzustehen. Inzwischen wurde
+die Volksmenge draußen immer zahlreicher und wüthender. Jeffreys bat
+darum, daß man ihn ins Gefängniß führen solle. Man holte von den in
+Whitehall tagenden Lords einen dazu nöthigen Verhaftbefehl herbei und
+Jeffreys wurde in einem Wagen nach dem Tower gebracht. Zwei Regimenter
+Miliz waren zur Eskorte aufgeboten worden, und sie hatten ein schweres
+Stück Arbeit. Sie waren zu wiederholten Malen genöthigt, sich so zu
+formiren, als ob sie einen Kavallerieangriff abzuwehren hätten, und dem
+Pöbel einen Wald von Lanzen entgegenzuhalten. Die Tausende, die sich in
+ihren rachsüchtigen Hoffnungen getäuscht sahen, verfolgten den Wagen
+unter wüthendem Gebrüll bis zum Eingang in den Tower, dabei beständig
+ihre Stöcke schwingend und dem Gefangenen Stricke vor die Augen haltend.
+Der Unglückliche war vom Entsetzen und der Angst wie gelähmt. Er rang
+die Hände, blickte bald aus diesem, bald aus jenem Fenster und man hörte
+ihn trotz des betäubenden Lärms deutlich ausrufen: »Haltet sie zurück,
+Gentlemen! um des Himmels willen, haltet sie zurück!« Endlich nachdem er
+weit mehr als die Qualen des Todes gelitten, wurde er in dem
+Staatsgefängnisse, in welchem einige von seinen erlauchtesten
+Schlachtopfern ihr Leben beschlossen hatten und in welchem auch er seine
+Tage in unsäglicher Schmach und Angst beschließen sollte, in Sicherheit
+gebracht.[6]
+
+Diese ganze Zeit über wurde eifrig auf katholische Priester gefahndet.
+Viele wurden festgenommen und zwei Bischöfe, Ellis und Leyburne, wurden
+nach Newgate abgeführt. Der Nuntius, welcher kaum erwarten durfte, daß
+die Menge seinen geistlichen oder weltlichen Character respectiren
+werde, entkam als Bedienter verkleidet, im Gefolge des Gesandten des
+Herzogs von Savoyen.[7]
+
+ [Anmerkung 6: +North's Life of Guildford, 220+; +Jeffreys' Elegy+;
+ +Luttrell's Diary; Oldmixon, 762+. Oldmixon befand sich unter der
+ Menge und war, wie ich nicht zweifle, einer der Wüthendsten. Er
+ erzählt die Geschichte gut. Ellis' Correspondenz; Burnet I. 797,
+ und Onslow's Note.]
+
+ [Anmerkung 7: Adda, 9.(19.) Dec.; Citters, 18.(28.) Dec.]
+
+
+[_Die irische Nacht._] Ein zweiter Tag der Aufregung und des Schreckens
+ging zu Ende und auf ihn folgte die seltsamste und grauenvollste Nacht,
+welche England je gesehen. Gegen Abend machte der Pöbel einen Angriff
+auf ein stattliches Haus, das vor wenigen Monaten für Lord Powis erbaut
+worden war, unter Georg II. die Wohnung des Herzogs von Newcastle wurde
+und sich noch jetzt unter den Gebäuden der nordwestlichen Seite von
+Lincoln's Inn Fields auszeichnet. Es wurden einige Truppen hingeschickt,
+welche den Pöbel zerstreuten; die Ruhe schien hergestellt zu sein und
+die Bürger gingen sorglos zu Bett. In diesem Augenblicke tauchte ein
+Gerücht auf, das rasch zu einem furchtbaren Geschrei anschwoll, in einer
+Stunde von Piccadilly bis Whitechapel flog und sich durch alle Straßen
+und Gassen der Hauptstadt verbreitete. Es hieß, die Irländer, welche
+Feversham entlassen, marschirten nach London und machten unterwegs
+Alles, Männer, Frauen und Kinder, nieder. Um ein Uhr Morgens schlugen
+die Trommeln der Miliz Generalmarsch. Allenthalben weinten die
+geängstigten Frauen und rangen die Hände, während ihre Väter und Gatten
+sich zum Kampfe fertig machten. Noch vor zwei Uhr gewährte die Stadt das
+Ansehen ernster Kampfbereitschaft, das einem wirklichen Feinde gewiß
+Respect eingeflößt haben würde, wenn ein solcher im Anzuge gewesen wäre.
+An allen Fenstern brannten Lichter. Auf den öffentlichen Plätzen war es
+so hell wie am Tage. Alle Hauptzugänge waren verbarrikadirt. Mehr als
+zwanzigtausend Piken und Musketen zogen sich die Straßen entlang. Die
+späte Morgensonne des Wintersolstitiums fand die ganze City noch unter
+den Waffen. Die Londoner erinnerten sich viele Jahre lang lebhaft dieser
+Nacht, die sie die irische Nacht nannten. Als es sich zeigte, daß kein
+Grund zu Besorgnissen vorhanden gewesen war, versuchte man den Ursprung
+des Gerüchts zu entdecken, das eine so große Aufregung veranlaßt hatte.
+Es stellte sich heraus, daß einige Personen, welche aussahen und
+gekleidet waren wie eben vom Lande hereinkommende Bauern, kurz vor
+Mitternacht das Gerücht zuerst in den Vorstädten ausgesprengt hatten;
+woher diese Leute aber kamen und in wessen Dienste sie standen, blieb
+ein Geheimniß. Bald kamen von vielen Seiten Nachrichten, welche das
+Publikum noch bestürzter machten. Der Schrecken hatte sich nicht auf
+London allein beschränkt. Das Gerücht, daß irische Soldaten im Anzuge
+seien, um die Protestanten niederzumetzeln, war mit boshafter Arglist in
+vielen weit von einander entfernten Städten zu gleicher Zeit verbreitet
+worden. Eine große Anzahl Briefe, welche sehr geschickt abgefaßt waren,
+um das unwissende Volk zu ängstigen, waren durch Diligencen,
+Landkutschen und durch die Post nach verschiedenen Gegenden Englands
+gesandt worden. Alle diese Briefe kamen fast gleichzeitig in ihre
+Bestimmungsorte. In hundert Städten zugleich bemächtigte sich des
+niederen Volkes der Wahn, daß bewaffnete Barbaren in der Nähe seien,
+welche eben so empörende Verbrechen verüben wollten, wie die, welche den
+Aufstand von Ulster geschändet hatten. Kein Protestant sollte verschont
+bleiben, Kinder sollten durch die Folter gezwungen werden, ihre Eltern
+zu ermorden, Säuglinge sollten auf Lanzen gespießt oder in die
+brennenden Trümmern der vor einigen Stunden noch friedlichen Wohnungen
+geworfen werden. Große Volksmassen traten unter die Waffen; an einigen
+Orten fing man schon an, die Brücken abzubrechen und Barrikaden zu
+errichten; bald aber legte sich die Aufregung wieder. In vielen
+Districten erfuhren die so schändlich Betrogenen mit einer mit
+Beschämung gemischten Freude, daß sich bis auf die Entfernung eines
+Achttagemarsches nicht ein einziger papistischer Soldat befinde. In
+einigen Orten erschienen zwar vereinzelte herumstreifende Banden von
+Irländern und forderten Lebensmittel; aber man darf es ihnen kaum als
+Verbrechen anrechnen, daß sie nicht Hungers sterben wollten, und es ist
+durch nichts bewiesen, daß sie irgend einen muthwilligen Frevel
+verübten. In der That waren sie auch bei weitem nicht so zahlreich, als
+man allgemein glaubte, und es sank ihnen aller Muth, als sie sich
+plötzlich, ohne Anführer und ohne Lebensmittel inmitten einer starken
+Bevölkerung erblickten, von der sie mit Gefühlen betrachtet wurden, wie
+man sie etwa gegen eine Heerde Wölfe empfindet. Von allen Unterthanen
+Jakob's hatte Niemand mehr Ursache, ihm zu fluchen, als diese
+unglücklichen Mitglieder seiner Kirche und Vertheidiger seines
+Thrones.[8]
+
+Es macht dem englischen Character Ehre, daß trotz des Widerwillens, mit
+welchem die katholische Religion und das irische Volk damals betrachtet
+wurden, trotz der Anarchie, welche Jakob's Flucht herbeiführte, und
+trotz der kunstvollen Machinationen, welche angewendet wurden, um die
+Menge durch die Furcht zur Grausamkeit aufzustacheln, bei dieser
+Gelegenheit kein blutiges Verbrechen verübt ward. Allerdings wurde viel
+Eigenthum zerstört und geraubt, die Häuser vieler Katholiken wurden
+angegriffen, Parke wurden verwüstet und Wild geschossen und gestohlen.
+Manch' ehrwürdiges Denkmal der häuslichen Baukunst des Mittelalters
+zeigt noch heutigen Tages die Spuren der Gewaltthätigkeit des Volks. Die
+Straßen waren an vielen Stellen durch eine selbst errichtete Polizei
+gesperrt, welche jeden Reisenden anhielt, bis er bewies, daß er kein
+Papist war. Die Themse war von einer Art von Piraten heimgesucht, welche
+unter dem Vorwande, auf Waffen und Delinquenten zu fahnden, jedes
+vorüberfahrende Boot durchstöberten. Mißliebige Personen wurden
+insultirt und hin und her gestoßen. Andere gerade nicht mißliebige waren
+froh, wenn sie sich selbst und ihre Effecten dadurch loskaufen durften,
+daß sie den eifrigen Protestanten, die sich ohne gesetzliche Autorität
+das Amt von Untersuchungsrichtern angemaßt hatten, einige Guineen gaben.
+Aber inmitten dieser Verwirrung, welche mehrere Tage währte und sich
+über viele Grafschaften erstreckte, kam nicht ein einziger Katholik ums
+Leben. Der Pöbel zeigte kein Verlangen nach Blutvergießen, ausgenommen
+bei Jeffreys, und der Haß, den dieser abscheuliche Mann erweckte, stand
+der Menschlichkeit näher als der Grausamkeit.[9]
+
+Viele Jahre später behauptete Hugo Speke, die irische Nacht sei sein
+Werk gewesen; er habe die Bauern angestellt, welche London aufgeregt,
+und er sei der Verfasser der Briefe, welche im ganzen Lande Schrecken
+verbreitet hatten. Seine Behauptung an sich ist nicht unwahrscheinlich,
+aber sie stützt sich auf kein andres Zeugniß als sein eignes Wort. Er
+war wohl der Mann dazu, eine solche Schurkerei zu begehen, aber auch
+eben so fähig, sich fälschlich einer solchen That zu rühmen.[10]
+
+In London wurde Wilhelm mit Ungeduld erwartet; denn man zweifelte nicht,
+daß seine Energie und Einsicht die Ordnung und Sicherheit bald wieder
+herstellen werde. Seine Ankunft aber erlitt eine Verzögerung, wegen der
+er billigerweise nicht getadelt werden kann. Es war ursprünglich seine
+Absicht gewesen, sich von Hungerford nach Oxford zu begeben, wo ihm ein
+ehrenvoller und warmer Empfang zugesichert war; die Ankunft der
+Deputation von der Guildhall aber bewog ihn, seinen Plan zu ändern und
+direct nach der Hauptstadt zu eilen. Unterwegs erfuhr er, daß Feversham
+dem Befehle des Königs zufolge die royalistische Armee entlassen habe
+und daß Tausende von Soldaten, des Zwanges der Disciplin enthoben und an
+dem Nothwendigsten Mangel leidend, in den Grafschaften, durch welche der
+Weg nach London führte, zerstreut umherirrten. Wilhelm hätte daher nicht
+ohne große Gefahr, nicht allein für seine Person, um die er sich wenig
+zu kümmern pflegte, sondern auch für die wichtigen Interessen, die er
+wahrzunehmen hatte, unter schwacher Bedeckung weiter vordringen können.
+Er mußte seine eigenen Bewegungen nach den Bewegungen seiner Truppen
+regeln, und Truppen konnten sich damals im tiefsten Winter nur langsam
+auf den Heerstraßen vorwärts bewegen. Er kam bei dieser Gelegenheit doch
+ein wenig aus seiner gewohnten Ruhe. »So darf man mir nicht kommen,«
+rief er mit Bitterkeit aus; »Mylord Feversham soll das bald erfahren.«
+Es wurden sofort die geeigneten Maßregeln getroffen, um den durch Jakob
+herbeigeführten Übeln abzuhelfen. Churchill und Grafton wurden
+beauftragt, die zerstreute Armee wieder zu sammeln und zu ordnen. Die
+englischen Soldaten wurden aufgefordert, ihren militairischen Character
+wieder anzunehmen, und die Irländer erhielten Befehl, ihre Waffen
+abzuliefern, widrigenfalls sie als Banditen betrachtet werden würden;
+zugleich aber wurde ihnen versprochen, daß, wenn sie sich gutwillig
+fügten, sie mit allem Nothwendigen versehen werden sollten.[11]
+
+Die Befehle des Prinzen wurden fast ohne Widerstand, ausgenommen von
+Seiten der irischen Soldaten, welche in Tilbury gelegen hatten,
+ausgeführt. Einer von diesen drückte ein Pistol auf Grafton ab. Es
+verfehlte, und der Mörder wurde von einem Engländer auf der Stelle
+niedergeschossen. Ungefähr zweihundert der unglücklichen Fremden machten
+einen tapferen Versuch zur Rückkehr in ihr Vaterland. Sie bemächtigten
+sich eines reichbefrachteten Ostindienfahrers, der eben in die Themse
+eingelaufen war und versuchten es, in Gravesend Lootsen zu pressen. Sie
+fanden jedoch keinen und mußten sich daher ihrer eigenen
+Geschicklichkeit in der Schifffahrtskunde anvertrauen. Sie liefen mit
+ihrem Schiffe bald auf den Grund und wurden nach einigem Blutvergießen
+gezwungen, die Waffen zu strecken.[12]
+
+Wilhelm befand sich jetzt seit fünf Wochen auf englischem Boden und
+während dieser ganzen Zeit war ihm das Glück nicht einen Augenblick
+untreu geworden, seine Klugheit und Festigkeit hatten sich glänzend
+bewährt; noch mehr aber hatte die Thorheit und der Kleinmuth Anderer für
+ihn gethan. Und jetzt, in dem Augenblicke, wo es schien, als ob der
+vollständigste Erfolg seine Pläne krönen sollte, wurden sie durch einen
+jener unerwarteten Zwischenfälle zerstört, welche so oft die klügsten
+Berechnungen des menschlichen Scharfsinns zu Schanden machen.
+
+ [Anmerkung 8: Citters, 14.(24.) Dec. 1688. +Luttrell's Diary+;
+ Ellis' Correspondenz; +Oldmixon, 761+; +Speke's Secret History of
+ the Revolution+; +Clarke's Life of James, II. 257+; +Eachard's
+ History of the Revolution+; +History of the Desertion.+]
+
+ [Anmerkung 9: +Clarke's Life of James, II. 258.+]
+
+ [Anmerkung 10: +Secret History of the Revolution.+]
+
+ [Anmerkung 11: +Clarendon's Diary, Dec. 13. 1688+; Citters,
+ 14.(24.) Dec.; +Eachard's History of the Revolution+.]
+
+ [Anmerkung 12: Citters, 14.(24.) Dec.; +Luttrell's Diary+.]
+
+
+[_Der König wird unweit Sheerneß angehalten._] Am Morgen des 13.
+Decembers wurde die Bevölkerung von London, die sich noch nicht ganz von
+der Aufregung der irischen Nacht erholt hatte, durch das Gerücht
+überrascht, der König sei angehalten worden und befinde sich noch auf
+der Insel. Im Laufe des Tages gewann das Gerücht an Consistenz und
+erhielt noch vor dem Abend die vollkommenste Bestätigung.
+
+Jakob war mit untergelegten Pferden das südliche Ufer der Themse entlang
+gereist und hatte am Morgen des 12. Decembers Emley Ferry, in der Nähe
+der Insel Sheppey, erreicht. Hier lag das Fahrzeug, auf welchem er sich
+einschiffen wollte. Er ging an Bord, aber der Wind blies frisch und der
+Schiffer wollte es nicht wagen, ohne mehr Ballast in See zu gehen.
+Darüber wurde die günstige Gelegenheit einer Ebbe verloren. Es war nahe
+an Mitternacht, ehe das Boot flott zu werden begann. Inzwischen hatte
+sich die Nachricht, daß der König verschwunden, daß das Land ohne
+Regierung und London in der größten Bestürzung sei, rasch die Themse
+stromabwärts verbreitet und überall Gewaltthätigkeiten und Unruhen
+erzeugt. Die rauhen Fischer der Küste von Kent betrachteten das Boot mit
+argwöhnischen und gierigen Blicken. Es hieß, einige vornehm gekleidete
+Herren seien eiligst an Bord desselben gegangen. Vielleicht waren es
+Jesuiten, und vielleicht waren sie reich! Fünfzig bis sechzig Schiffer,
+vom Haß gegen den Papismus und vom Hang zum Plündern angetrieben,
+hielten das Boot an, als es eben wieder abfahren wollte. Sie erklärten
+den Passagieren, daß sie ans Land gehen und sich bei einem
+Magistratsbeamten legitimiren müßten. Das Aussehen des Königs erregte
+Verdacht. »Das ist Pater Petre!« rief Einer von der Horde; »ich erkenne
+ihn an seinen hohlen Backen.« -- »Durchsucht den alten Jesuiten mit dem
+Fratzengesicht!« erscholl es nun von allen Seiten. Er wurde sehr unsanft
+hin und her gestoßen und man nahm ihm seine Börse und seine Uhr. Er
+hatte seinen Krönungsring und einige andere werthvolle Kleinodien bei
+sich; aber diese entgingen den Nachforschungen der Räuber, die sich
+überhaupt so wenig auf Juwelen verstanden, daß sie die Diamanten auf
+seinen Schuhschnallen für Glasstückchen hielten.
+
+Endlich wurden die Gefangenen ans Land gebracht und in einen Gasthof
+geführt. Hier hatte sich ein Volkshaufen versammelt, um sie zu sehen,
+und obgleich sich Jakob durch eine Perrücke von andrer Form und Farbe,
+als er sie gewöhnlich trug, entstellt hatte, wurde er doch sofort
+erkannt. Einen Augenblick schien der Pöbel von ehrfurchtsvoller Scheu
+ergriffen, aber die Zureden der Führer gaben ihm wieder Muth und der
+Anblick Hales', den sie genau kannten und tödtlich haßten, entflammte
+ihre Wuth. Sein Park lag in der Nähe und eine Horde Tumultuanten war
+eben damit beschäftigt, sein Haus zu demoliren und sein Wild zu
+schießen. Die Menge versicherte den König, daß sie ihm nichts zu Leibe
+thun wolle, ihn aber nicht abreisen lassen werde. Der Earl von
+Winchelsea, ein Protestant, aber eifriger Royalist, das Oberhaupt der
+Familie Finch und ein naher Verwandter Nottingham's, befand sich damals
+zufällig in Canterbury. Sobald er erfuhr was geschehen war, eilte er in
+Begleitung einiger kentischen Gentlemen nach der Küste. Durch ihre
+Verwendung erhielt der König eine anständigere Wohnung, aber er blieb
+ein Gefangener. Der Pöbel bewachte fortwährend das Haus, in das er
+gebracht worden war, und einige von den Rädelsführern lagen an der Thür
+seines Schlafzimmers. Er benahm sich dabei wie ein Mann, den die Last
+des Mißgeschicks völlig zu Boden drückt. Zuweilen sprach er in einem so
+hochmüthigen Tone, daß die Bauern, die ihn bewachten, zu unehrerbietigen
+Antworten gereizt wurden. Dann nahm er wieder zu Bitten seine Zuflucht.
+»Laßt mich gehen,« sagte er, »verschafft mir ein Boot. Der Prinz von
+Oranien trachtet mir nach dem Leben. Wenn Ihr mich jetzt nicht fliehen
+laßt, so wird es zu spät sein. Mein Blut wird dann über Euch kommen. Wer
+nicht für mich ist, der ist gegen mich.« Über diesen letzten Text
+predigte er eine halbe Stunde lang. Er sprach über eine Menge
+verschiedener Gegenstände: über den Ungehorsam der Collegiaten des
+Magdalenenstiftes, über die durch den Brunnen der heiligen Winfrede
+bewirkten Wunder, über die Illoyalität der Schwarzröcke und über die
+Wunderkräfte eines Splitters vom wahrem Kreuze des Erlösers, den er
+leider verloren habe. »Was habe ich gethan?« fragte er die anwesenden
+kentischen Squires. »Sagen Sie mir die Wahrheit: welchen Fehler habe ich
+begangen?« Diejenigen, an welche er diese Frage richtete, waren zu
+human, als daß sie ihm die Antwort hätten geben sollen, die ihnen gewiß
+auf den Lippen schwebte, und sie hörten daher sein verworrenes Geschwätz
+mit mitleidigem Stillschweigen an.[13]
+
+Als die Nachricht, daß er angehalten, insultirt, mit roher Härte
+behandelt und ausgeplündert worden sei und daß er sich noch in der
+Gewalt roher Bauern befinde, in der Hauptstadt ankam, äußerten sich
+verschiedenartige Leidenschaften. Strenge Staatskirchenmänner, welche
+wenige Stunden zuvor angefangen hatten zu glauben, daß sie ihrer
+Unterthanenpflichten gegen ihn entbunden seien, wurden wieder
+schwankend. Er hatte sein Reich nicht verlassen und also die Abdankung
+nicht vollendet. Sollte er sein königliches Amt wieder übernehmen,
+konnten sie ihm dann nach ihren Grundsätzen den Gehorsam verweigern?
+Einsichtsvolle Staatsmänner sahen mit tiefer Betrübniß voraus, daß alle
+Streitigkeiten, welche seine Flucht auf einen Augenblick beschwichtigt
+hatte, durch seine Rückkehr wieder angeregt und mit vermehrter
+Erbitterung fortgesetzt werden würden. Viele Leute aus dem Volke wurden,
+obgleich sie noch den Schmerz der ihnen unlängst zugefügten Unbilden
+fühlten, von Mitleid für einen von Räubern mißhandelten großen Fürsten
+ergriffen und waren zu der Hoffnung geneigt, welche mehr ihrer
+Gutherzigkeit als ihrem Verstande zur Ehre gereichte, daß er jetzt noch
+die Fehler bereuen könnte, die eine so entsetzliche Strafe über ihn
+gebracht hatten.
+
+Von dem Augenblicke an, wo es bekannt wurde, daß der König sich noch in
+England befand, erschien Sancroft, der bis dahin als Präsident der
+provisorischen Regierung fungirt hatte, nicht mehr in den Sitzungen der
+Peers. Halifax, der eben aus dem holländischen Hauptquartier angekommen
+war, übernahm den Vorsitz. Seine Ansichten hatten sich in einigen
+Stunden völlig verändert. Sowohl politische als religiöse Gefühle
+bestimmten ihn jetzt, sich den Whigs anzuschließen. Wer die auf uns
+gekommenen Beweisstücke unbefangen prüft, muß der Meinung sein, daß er
+das Amt eines königlichen Commissars in der aufrichtigen Hoffnung
+übernahm, er werde eine Verständigung zwischen dem Könige und dem
+Prinzen unter billigen Bedingungen zu Stande bringen. Die Unterhandlung
+hatte mit günstigen Aussichten begonnen; der Prinz hatte Bedingungen
+gestellt, die der König selbst als billig anerkennen mußte und der
+beredte und geniale Trimmer durfte sich mit der Hoffnung schmeicheln,
+daß er im Stande sein werde, zwischen den erbitterten Parteien zu
+vermitteln, zwischen extremen Meinungen einen Vergleich zu dictiren, die
+Freiheiten und die Religion seines Vaterlandes zu sichern, ohne es den
+von einem Dynastiewechsel und einer streitigen Thronfolge
+unzertrennlichen Gefahren auszusetzen. Während er sich in derartigen,
+seinem Character so wohl zusagenden Gedanken wiegte, erfuhr er, daß er
+hintergangen worden war und daß man sich seiner als eines Werkzeugs
+bedient hatte, um die Nation zu hintergehen. Seine Sendung nach
+Hungerford war eine bloße Komödie gewesen. Der König hatte nicht daran
+gedacht, an den Bedingungen festzuhalten, welche die Commissare auf
+seinen Befehl vorschlagen hatten. Er hatte ihnen aufgetragen, zu
+erklären, daß es sein Wille sei, alle streitigen Fragen dem von ihm
+einberufenen Parlamente zur Entscheidung vorzulegen, und während sie
+sich dieses Auftrags entledigten, hatte er die Wahlausschreiben
+verbrannt, war mit dem Staatssiegel entflohen, hatte die Armee
+entlassen, die Justizverwaltung suspendirt, die Regierung aufgelöst und
+war aus der Hauptstadt entflohen. Halifax sah nun ein, daß eine gütliche
+Verständigung nicht mehr möglich war. Wahrscheinlich empfand er wohl
+auch den Verdruß, welcher bei einem durch seine Weisheit weltberühmten
+Manne, der die Erfahrung macht, daß ein in jeder Beziehung tief unter
+ihm stehender Geist ihn betrogen hat, und bei einem großen Meister der
+Satire, der sich selbst in eine lächerliche Situation versetzt sieht,
+sehr natürlich ist. Sein Verstand und sein Unwille bewogen ihn in
+gleichem Maße, die Versöhnungspläne, auf welche er bisher hingearbeitet
+hatte, aufzugeben und sich an die Spitze Derer zu stellen, welche den
+Prinzen Wilhelm auf den Thron erheben wollten.[14]
+
+Es existirt noch ein von ihm eigenhändig geschriebenes Tagebuch über die
+Vorgänge in der Rathsversammlung der Lords während seiner
+Präsidentschaft in derselben.[15] Es wurde keine Vorsichtsmaßregel,
+welche zur Verhütung von Gewaltthätigkeiten und Räubereien nöthig
+erschien, verabsäumt. Die Peers erließen auf ihre Verantwortung den
+Befehl, daß, wenn der Pöbel noch einmal aufstände, die Soldaten scharf
+schießen sollten. Jeffreys wurde nach Whitehall gebracht und über das
+Schicksal des Staatssiegels und der Wahlausschreiben befragt. Auf seine
+eigenen dringenden Bitten wurde er wieder in den Tower geschickt, als
+den einzigen Ort, wo er seines Lebens sicher sei, und er entfernte sich
+unter Dankesversicherungen und Segenswünschen gegen Diejenigen, die ihm
+den Schutz eines Gefängnisses gewährt hatten. Ein whiggistischer
+Edelmann trug darauf an, daß Oates in Freiheit gesetzt werden solle;
+aber dieser Antrag wurde verworfen.[16]
+
+Die Geschäfte des Tages waren so ziemlich erledigt und Halifax wollte
+sich eben erheben, als ihm gemeldet wurde, daß ein Bote von Sheerneß
+angekommen sei. Kein Vorfall konnte unangenehmer und störender sein. Man
+lud eine große Verantwortlichkeit auf sich, mochte man etwas thun oder
+nicht. Halifax, der wahrscheinlich Zeit zu gewinnen wünschte, um sich
+mit dem Prinzen in Vernehmen zu setzen, hatte die Versammlung am
+liebsten vertagt; Mulgrave aber ersuchte die Lords, auf ihren Plätzen zu
+bleiben und führte den Boten ein. Der Mann erzählte seine Geschichte mit
+Thränen in den Augen und überreichte einen Brief, der vom König selbst
+geschrieben, aber an keine bestimmte Person gerichtet war, sondern nur
+den Beistand aller guten Engländer anrief.[17]
+
+ [Anmerkung 13: +Clarke's Life of James, II. 251. Orig. Mem.+; ein
+ in Tindal's Fortsetzung zu Rapin abgedruckter Brief. Dieser
+ interessante Brief befindet sich in den Harley'schen
+ Handschriften, 6852.]
+
+ [Anmerkung 14: Mulgrave erfuhr von einer Dame, die er nicht nennt,
+ daß der König erst dann entfliehen wollte, als er einen Brief von
+ Halifax erhielt, der sich damals in Hungerford befand. Dieser
+ Brief, sagte sie, habe Seine Majestät darauf aufmerksam gemacht,
+ daß sein Leben in Gefahr sei, wenn er bleibe. Dies ist sicherlich
+ ein Roman. Vor der Abreise der Commissare von London hatte der
+ König Barillon gesagt, ihre Sendung sei eine bloße Finte, und den
+ festen Entschluß ausgesprochen, das Land zu verlassen. Aus
+ Reresby's eigner Erzählung geht hervor, daß Halifax sich
+ schändlich hintergangen glaubte.]
+
+ [Anmerkung 15: +Harl. MS. 255.+]
+
+ [Anmerkung 16: +Halifax MS.+; Citters, 18.(28.) Dec. 1688.]
+
+ [Anmerkung 17: +Mulgrave's Account of the Revolution+.]
+
+
+[_Die Lords geben Befehl zu seiner Freilassung._] Eine solche Bitte
+konnte man kaum unbeachtet lassen. Die Lords gaben Feversham Befehl, mit
+einer Abtheilung der Leibgarde an den Ort zu eilen, wo der König
+zurückgehalten wurde, und Seine Majestät in Freiheit zu setzen.
+
+Middleton und einige andere Anhänger des Königs waren bereits
+aufgebrochen, um ihrem unglücklichen Gebieter beizustehen und ihn zu
+trösten. Sie fanden ihn in strengem Gewahrsam und sie wurden nicht eher
+zu ihm gelassen, als bis sie ihre Degen abgegeben hatten. Er war von
+einer ungeheuren Menge Volks umgeben. Einige whiggistische Gentlemen aus
+der Umgegend hatten eine starke Abtheilung Miliz zu seiner Bewachung
+herbeigeführt. Sie waren der sehr irrigen Meinung gewesen, daß sie sich
+durch seine Festhaltung bei seinen Feinden beliebt machen würden, und
+waren nicht wenig erstaunt, als sie vernahmen, daß die dem Könige zu
+Theil gewordene Behandlung von der provisorischen Regierung in London
+gemißbilligt werde, und eine Kavallerieabtheilung unterwegs sei, um ihn
+zu befreien. Feversham kam bald an. Er hatte seine Truppe in
+Sittingbourne zurückgelassen; aber man hatte nicht nöthig, Gewalt
+anzuwenden. Der König durfte ungehindert abreisen und wurde von seinen
+Freunden nach Rochester gebracht, wo er sich einige Ruhe gönnte, deren
+er dringend bedurfte. Er war in einem traurigen Zustande. Nicht nur sein
+niemals sehr heller Verstand war völlig verwirrt, sondern auch der
+persönliche Muth, den er in seinen jüngeren Jahren in mehreren
+Schlachten, zur See wie zu Lande bewiesen, hatte ihn verlassen. Die
+harte körperliche Behandlung, die er jetzt zum ersten Male erfahren,
+scheint ihn mehr als irgend ein andres Ereigniß seines bewegten Lebens
+niedergedrückt zu haben. Der Abfall seiner Armee, seiner Günstlinge und
+seiner Familie erschütterte ihn weniger als die Rohheiten, die er beim
+Anhalten seines Bootes ertragen hatte. Die Erinnerung an diese Rohheiten
+nagte noch lange an seinem Herzen und äußerte sich einmal in einer
+Weise, welche den verächtlichen Spott von ganz Europa erregte. Im
+vierten Jahre seiner Verbannung versuchte er es seine Unterthanen durch
+das Versprechen einer Amnestie wieder zu gewinnen. Dieser Amnestie war
+jedoch eine lange Liste von Ausnahmen beigegeben, und auf dieser Liste
+standen neben Churchill und Danby auch die armen Fischer, welche seine
+Taschen so unsanft untersucht hatten. Aus diesem Umstande kann man
+schließen, wie schmerzlich er die ihm widerfahrene rücksichtslose
+Behandlung empfunden haben muß, als sie noch neu war.[18]
+
+Hätte er indessen nur das gewöhnliche Maß von gesundem Verstande
+besessen, so würde er eingesehen haben, daß Diejenigen, welche ihn
+festnahmen, ihm unabsichtlich einen großen Dienst erzeigt hatten. Die
+Ereignisse, welche seit seiner Abwesenheit von der Hauptstadt daselbst
+eingetreten waren, hätten ihn überzeugen müssen, daß, wenn seine Flucht
+gelungen wäre, er nie hätte zurückkehren dürfen. Er war wider seinen
+Willen vom gänzlichen Untergange errettet worden. Jetzt hatte er noch
+eine Aussicht, die letzte und einzige, die ihm noch blieb. So groß auch
+seine Vergehen sein mochten, ihn zu entthronen, so lange er noch in
+seinem Reiche war und sich den Bedingungen fügte, die ein freies
+Parlament ihm vorschrieb, wäre fast unmöglich gewesen.
+
+Eine Weile schien er geneigt, zu bleiben. Er sandte Feversham von
+Rochester mit einem Briefe an Wilhelm. Der Inhalt dieses Briefes war,
+daß Seine Majestät auf der Rückreise nach Whitehall begriffen sei, daß
+er eine persönliche Unterredung mit dem Prinzen wünsche und daß der St.
+Jamespalast zum Empfang Seiner Hoheit eingerichtet werden solle.[19]
+
+ [Anmerkung 18: Siehe seine aus Saint-Germains datirte Proklamation
+ vom 20. April 1692.]
+
+ [Anmerkung 19: +Clarke's Life of James, II, 261. Orig. Mem.+]
+
+
+[_Wilhelm's Verlegenheit._] Wilhelm befand sich jetzt in Windsor. Er
+hatte mit schmerzlichem Bedauern die an der Küste von Kent stattgehabten
+Vorfälle erfahren. Kurz vor dem Eintreffen der Nachricht hatten seine
+Umgebungen bemerkt, daß er ungewöhnlich heiter war. Er hatte auch in der
+That Ursache, sich zu freuen. Er stand am Fuße eines erledigten Thrones.
+Es schien, als würden alle Parteien ihn einstimmig auffordern, denselben
+zu besteigen. Doch plötzlich trübten sich seine Aussichten. Es ergab
+sich, daß die Abdankung nicht vollständig gewesen war. Ein großer Theil
+seiner Anhänger trug gewiß Bedenken, einen König abzusetzen, der noch
+unter ihnen war, der sie aufforderte, ihre Beschwerden auf
+parlamentarischem Wege anzubringen, und der vollständige Abstellung
+derselben versprach. Der Prinz mußte seine neue Stellung erwägen und ein
+neues Verfahren einschlagen. Kein Weg stand ihm offen, gegen den sich
+nicht Einwendungen hätten machen lassen, kein Weg, der ihn in eine so
+vortheilhafte Lage versetzen konnte, als die war, in der er sich vor
+wenigen Stunden noch befand. Etwas konnte indessen gethan werden. Der
+erste Fluchtversuch des Königs war gescheitert. Das Wünschenswertheste
+war jetzt, daß er einen zweiten Versuch mit besserem Erfolge unternehmen
+möchte. Er mußte zu gleicher Zeit geängstigt und geködert werden. Die
+Liberalität, mit der man ihm bei der Unterhandlung zu Hungerford
+entgegengekommen war, und die er mit einem Treubruche vergolten hatte,
+war jetzt nicht mehr angewandt. Vergleichsvorschläge durften ihm nicht
+mehr gemacht werden, und wenn er solche machte, so mußte man sie kalt
+aufnehmen. Aber auch Gewalt durfte nicht gegen ihn angewendet, ja ihm
+nicht einmal angedroht werden. Indessen war es vielleicht nicht
+unmöglich, einen so schwachen Mann auch ohne Anwendung oder Androhung
+von Gewalt um seine persönliche Sicherheit besorgt zu machen. Dann
+dachte er gewiß bald wieder an die Flucht, und in diesem Falle mußte ihm
+die Flucht auf jede Weise erleichtert und dafür gesorgt werden, daß er
+nicht wieder durch einen diensteifrigen Tölpel zurückgehalten wurde.
+
+
+[_Verhaftung Feversham's._] Dies war Wilhelm's Plan, und die
+Geschicklichkeit und Entschlossenheit, womit er denselben ausführte,
+contrastiren auffallend mit der ihm gegenüberstehenden Thorheit und
+Feigheit. Bald bot sich ihm eine vortreffliche Gelegenheit dar, sein
+Einschüchterungssystem zu beginnen. Feversham kam mit Jakob's Brief in
+Windsor an. Die Wahl des Boten war eben keine glückliche. Er hatte die
+königliche Armee entlassen und ihm gab man vorzugsweise die Verwirrung
+und Angst der irischen Nacht Schuld. Sein Benehmen wurde von der
+öffentlichen Meinung entschieden getadelt. Wilhelm hatte sich zu einigen
+drohenden Worten reizen lassen, und einige drohende Worte aus Wilhelm's
+Munde bedeuteten gewöhnlich etwas. Feversham wurde nach seinem
+Geleitsbriefe gefragt. Er hatte keinen. Indem er ohne einen solchen in
+einem feindlichen Lager erschien, hatte er sich nach den Kriegsgesetzen
+der strengsten Behandlung ausgesetzt. Wilhelm weigerte sich ihn zu
+empfangen und gab Befehl ihn festzunehmen.[20] Zulestein wurde sofort
+abgesandt, um Jakob zu benachrichtigen, daß der Prinz die verlangte
+Unterredung ablehne und wünsche, daß Seine Majestät in Rochester blieb.
+
+ [Anmerkung 20: +Clarendon's Diary, Dec. 16. 1688+; +Burnet, I.
+ 800.+]
+
+
+[_Ankunft Jakob's in London._] Aber es war zu spät. Jakob war bereits in
+London. Er war anfangs unschlüssig gewesen und hatte sich schon einmal
+wieder vorgenommen gehabt, einen neuen Versuch zur Flucht auf das
+Festland zu machen. Endlich aber gab er dem Andringen von Freunden,
+welche klüger waren als er, nach und reiste nach Whitehall ab. Am
+Sonntag Nachmittag den 16. December kam er daselbst an. Er hatte
+gefürchtet, das Volk, das während seiner Abwesenheit so viele Beweise
+von Haß gegen den Papismus gegeben, werde ihm einen schimpflichen
+Empfang bereiten. Aber gerade die Heftigkeit des neuerlichen Ausbruchs
+hatte eine Erschlaffung zur Folge gehabt. Der Sturm hatte sich selbst
+aufgezehrt. Heiterkeit und Mitleid waren auf die Wuth gefolgt. In keinem
+Stadttheile Londons äußerte sich die mindeste Neigung, den König zu
+beschimpfen; man hörte sogar einzelne Lebehochs, als er durch die City
+fuhr. Auf einigen Kirchthürmen läuteten die Glocken und ein paar
+Freudenfeuer wurden zu Ehren seiner Zurückkunft angezündet.[21] Sein
+kurz zuvor von der Verzweiflung überwältigter schwacher Geist wurde
+durch diese unerwarteten Zeichen der Gutherzigkeit und Theilnahme des
+Volks mit übermäßiger Freude erfüllt. In der frohesten Stimmung betrat
+er seine Wohnung, welche sehr bald ihr früheres Aussehen wieder annahm.
+Katholische Priester, welche in der vergangenen Woche froh gewesen
+waren, wenn sie sich in Kellern und Dachkammern vor der Wuth der Menge
+hatten verbergen können, kamen aus ihren Schlupfwinkeln hervor und
+machten Anspruch auf ihre früher innegehabten Gemächer im Palaste. Ein
+Jesuit sprach das Tischgebet an der königlichen Tafel. Der irische
+Jargon, damals jedem englischen Ohre der verhaßteste von allen
+Dialecten, wurde wieder überall in den Höfen und Gallerien vernommen.
+Der König selbst zeigte wieder seinen ganzen früheren Hochmuth. Er hielt
+einen Staatsrath, den letzten, dem er präsidirte, und berief selbst in
+dieser äußerst gefährlichen Lage Personen in denselben, welche
+gesetzlich nicht berechtigt waren, einen Sitz darin einzunehmen. Er
+sprach sein hohes Mißfallen über das Verfahren der Lords aus, die es
+gewagt hatten, während seiner Abwesenheit die Regierungsgeschäfte zu
+übernehmen. Er meinte, es sei ihre Pflicht gewesen, eher die
+Gesellschaft sich auflösen, die Häuser der Gesandten niederreißen und
+London in Brand stecken zu lassen, als sich die Functionen anzumaßen,
+welche er niederzulegen für gut befunden hatte. Unter den so Getadelten
+befanden sich einige Kavaliere und Prälaten, die ihm trotz aller seiner
+Fehler stets treu geblieben waren und selbst nach dieser Provocation nie
+weder durch die Hoffnung noch durch die Furcht bewogen werden konnten,
+ihre Unterthanentreue von ihm auf einen andren Souverain zu
+übertragen.[22]
+
+Doch sein Muth ward bald gebrochen. Kaum war er in seinen Palast
+eingezogen, so wurde ihm Zulestein gemeldet. Er überbrachte Wilhelm's
+kalte und ernste Botschaft. Der König bestand noch immer auf einer
+persönlichen Unterredung mit seinem Neffen. »Ich würde Rochester nicht
+verlassen haben,« sagte er, »wenn ich gewußt hätte, daß er dies nicht
+wünschte; da ich aber nun einmal hier bin, wird er hoffentlich in den
+St. Jamespalast kommen.« -- »Ich muß Eurer Majestät offen sagen,«
+entgegnete Zulestein, »daß Seine Hoheit nicht nach London kommen wird,
+so lange Truppen hier sind, welche nicht unter seinen Befehlen stehen.«
+Der König schwieg bestürzt über diese Antwort. Zulestein entfernte sich,
+und bald darauf trat ein Gentleman in das Schlafzimmer mit der Meldung,
+daß Feversham verhaftet worden sei.[23] Jakob erschrak nicht wenig
+darüber. Doch die Erinnerung an den Beifall, mit dem er begrüßt worden
+war, hielt seinen Muth noch immer aufrecht. Eine kühne Hoffnung stieg in
+ihm auf. Er glaubte London, so lange das Bollwerk des Protestantismus
+und des Whiggismus, werde bereitwilligst zu seinem Schutze die Waffen
+ergreifen. Er ließ den Gemeinderath fragen, ob er sich verbindlich
+machen wolle, ihn gegen den Prinzen zu vertheidigen, wenn er, der König,
+seine Residenz in der City aufschlüge. Der Gemeinderath aber hatte die
+Entziehung des Freibriefs und den Justizmord Cornish's nicht vergessen,
+und weigerte sich das verlangte Versprechen zu geben. Da sank dem Könige
+der Muth wieder. Wohin, fragte er, solle er sich um Schutz wenden? Es
+sei ganz das Nämliche, ob er holländische Truppen um sich habe, oder
+seine eigene Leibgarde. Was die Bürger betreffe, so wisse er jetzt, was
+ihre Lebehochrufe und ihre Freudenfeuer werth seien. Es bleibe ihm
+nichts Andres übrig als die Flucht, obgleich er recht wohl wisse, daß
+seine Feinde nichts sehnlicher wünschten, als daß er wieder fliehen
+möchte.[24]
+
+ [Anmerkung 21: +Clarke's Life of James, II. 262. Orig. Mem.+;
+ +Burnet, I. 799.+ In der +History of the Desertion (1689)+ wird
+ behauptet, die Lebehochs seien bei dieser Gelegenheit nur von
+ einigen jugendlichen Gaffern ausgerufen worden, die Hauptmasse des
+ Volks aber habe schweigend zugesehen. Oldmixon, der sich unter der
+ Menge befand, sagt das Nämliche, und Ralph, dessen vorgefaßte
+ Meinungen von denen Oldmixon's durchaus verschieden waren, erzählt
+ uns, daß ein achtbarer Augenzeuge ihm dasselbe mitgetheilt habe.
+ Die Wahrheit ist ohne Zweifel die, daß die Freudenbezeigungen an
+ sich unbedeutend waren, aber außerordentlich schienen, weil man
+ einen heftigen Ausbruch des öffentlichen Unwillens erwartet hatte.
+ Barillon erwähnt auch, daß einige Zurufe und Freudenfeuer
+ vorgekommen seien, setzt aber hinzu: +»Le peuple dans le fond est
+ pour le Prince d'Orange.«+ -- 17.(27.) Dec. 1688.]
+
+ [Anmerkung 22: +London Gazette, Dec. 16. 1688+; +Mulgrave's
+ Account of the Revolution; History of the Desertion+; +Burnet, I.
+ 799+; +Evelyn's Diary, Dec. 13, 17. 1688+.]
+
+ [Anmerkung 23: +Clarke's Life of James, II. 262. Orig. Mem.+]
+
+ [Anmerkung 24: Barillon, 17.(27.) Dec. 1681; +Clarke's Life of
+ James, II. 271+.]
+
+
+[_Berathung in Windsor._] Während er sich in diesem Zustande von Angst
+und Ungewißheit befand, war sein Schicksal in Windsor der Gegenstand
+ernster Berathung. Wilhelm's Hof war jetzt mit ausgezeichneten Männern
+alter Parteien angefüllt. Die meisten Führer des Aufstandes im Norden
+hatten sich ihm zugesellt, und mehrere von den Lords, welche während der
+Anarchie der vergangenen Woche die Functionen einer provisorischen
+Regierung übernommen hatten, waren sogleich nach der Rückkehr des Königs
+von London ins holländische Hauptquartier abgereist. Einer von diesen
+war Halifax. Wilhelm hatte ihn mit großem Vergnügen willkommen geheißen,
+hatte aber ein sarkastisches Lächeln nicht unterdrücken können, als er
+diesen genialen und vollendeten Staatsmann, der so gern der
+Schiedsrichter in diesem großen Kampfe geworden wäre, gezwungen sah, den
+Mittelweg zu verlassen und auf eine Seite zu treten. Unter Denen, die
+sich damals nach Windsor begaben, waren auch Einige, welche Jakob's
+Gunst durch schmachvolle Dienstleistungen erkauft hatten und die jetzt
+das Verbrechen, ihr Vaterland verrathen zu haben, durch Verrath an ihrem
+Gebieter wieder gut machen wollten. Ein solcher Mann war Titus, der in
+Widerspruch mit dem Gesetz im Geheimen Rath gesessen und sich bemüht
+hatte, die Puritaner mit den Jesuiten zu einem Bunde gegen die
+Verfassung zu vereinigen. Ein solcher Mann war auch Williams, ein
+gewesener Demagog, der aus Eigennutz zum Vertheidiger der Prärogative
+geworden und der jetzt zu einem abermaligen Abfalle bereit war. Diese
+Männer ließ der Prinz mit gerechter Verachtung in seinem Vorzimmer
+vergebens auf eine Audienz warten.[25]
+
+Am Montag den 17. December wurden sämmtliche in Windsor anwesende Peers
+zu einer feierlichen Berathung in das Schloß berufen. Der Gegenstand der
+Besprechung war die Frage, wie es mit dem Könige gehalten werden sollte.
+Wilhelm hielt es nicht für passend, der Discussion beizuwohnen. Er
+entfernte sich daher und Halifax wurde aufgefordert, den
+Präsidentenstuhl einzunehmen. Über einen Punkt waren die Lords einig,
+daß nämlich der König da wo er war nicht bleiben dürfe. Jedermann
+fühlte, daß es unpassend sein würde, wenn der eine Fürst sich in
+Whitehall, der andre in St. James verschanzte und es auf einem
+Flächenraume von hundert Acres zwei feindliche Besatzungen gab. Eine
+solche Situation mußte fast unvermeidlich Argwohn, Beleidigungen und
+Reibungen hervorrufen, welche einen blutigen Ausgang nehmen konnten. Die
+versammelten Lords hielten es daher für zweckmäßig, daß Jakob aus London
+entfernt wurde. Ham, das Lauderdale von dem geraubten Gelde Schottlands
+und von den Geschenken Frankreichs am Ufer der Themse erbaut und
+ausgeschmückt hatte und das für das prächtigste Lustschloß Englands
+galt, wurde als ein geeigneter Aufenthaltsort vorgeschlagen. Sobald die
+Lords diesen Beschluß gefaßt hatten, ließen sie den Prinzen bitten, daß
+er zu ihnen kommen möchte, und Halifax theilte ihm ihre Meinung mit.
+Wilhelm hörte sie an und billigte sie. Es wurde sogleich ein kurzes
+Schreiben an den König aufgesetzt. »Durch wem sollen wir es ihm zu
+senden?« fragte Wilhelm dann. -- »Sollte es nicht durch einen Offizier
+Eurer Hoheit überbracht werden?« entgegnete Halifax. -- »Nein, Mylords,
+mit Verlaub,« erwiederte der Prinz; »es wird auf Anrathen Eurer
+Herrlichkeiten abgesandt, und daher müssen Einige von Ihnen es
+überbringen.« Und ohne weitere Einwendungen abzuwarten, ernannte er
+Halifax, Shrewsbury und Delamere zu Überbringern.[26]
+
+Der Beschluß der Lords schien einhellig zu sein; aber es waren Einige
+darunter, welche die Entscheidung, mit der sie einverstanden zu sein
+vorgaben, keineswegs billigten und den König mit einer Strenge behandelt
+zu sehen wünschten, die sie nicht offen anzuempfehlen wagten. Es ist
+eine bemerkenswerthe Thatsache, daß das Oberhaupt dieser Partei ein Peer
+war, der ein heftiger Tory gewesen und der nachher als Eidverweigerer
+starb: Clarendon. Die Rapidität, mit der er in dieser Krisis von einem
+Extrem zum andren übersprang, muß Leuten, die in friedlichen Zeiten
+leben, unglaublich erscheinen, wird aber Diejenigen nicht Wunder nehmen,
+welche Gelegenheit hatten, den Gang von Revolutionen zu beobachten. Er
+wußte, daß die Rücksichtslosigkeit, mit der er in Anwesenheit des Königs
+das ganze Regierungssystem getadelt, seinen ehemaligen Gebieter tief
+gekränkt hatte. Auf der andren Seite durfte er als Oheim der
+Prinzessinnen hoffen, bei der bevorstehenden neuen Ordnung der Dinge
+groß und reich zu werden. Die englische Colonie in Irland betrachtete
+ihn als ihren Freund und Beschützer, und er sah ein, daß von dem
+Vertrauen und der Zuneigung dieser wichtigen Partei seine zukünftige
+Bedeutung großentheils abhing. Diesen Rücksichten mußten jetzt die
+Prinzipien weichen, zu denen er sich während seines ganzen Lebens mit
+Ostentation bekannt hatte. Er begab sich ins Kabinet des Prinzen und
+stellte ihm vor, wie gefährlich es sein würde, wenn man den König frei
+ließe. Die irischen Protestanten seien dann in der größten Gefahr. Es
+gebe keinen andren Weg, um ihr Eigenthum und ihr Leben zu sichern, als
+die strenge Gefangenhaltung des Königs. Ihm ein englisches Schloß zu
+seinem Aufenthalt anzuweisen, dürfte nicht klug gehandelt sein; aber man
+könnte ihn über's Meer schicken und in die Festung Vreda einschließen,
+bis die Angelegenheiten der britischen Inseln geordnet seien. Wenn der
+Prinz in Besitz einer solchen Geißel sei, würde Tyrconnel wahrscheinlich
+das Staatsschwert niederlegen und die Oberherrschaft Englands in Irland
+würde ohne einen Schwertstreich wiederhergestellt werden. Wenn dagegen
+Jakob nach Frankreich entkäme und an der Spitze einer fremden Armee in
+Dublin erschiene, so müßte dies die verderblichsten Folgen nach sich
+ziehen. Wilhelm gab zu, daß diese Gründe sehr gewichtig seien, erklärte
+aber, daß er sich dadurch nicht bestimmen lassen könne. Er kenne den
+Character seiner Gemahlin und wisse, daß sie nie in einen solchen
+Schritt willigen werde. Auch würde es ihm selbst nicht zur Ehre
+gereichen, wenn er seinen besiegten Verwandten so rücksichtslos
+behandelte. Übrigens könne man gar nicht wissen, ob Großmuth in diesem
+Falle nicht die beste Politik sei. Wer könne sagen, welchen Eindruck
+eine solche Strenge, wie Clarendon sie anempfahl, auf die öffentliche
+Meinung machen werde? Sei es unmöglich, daß die loyale Begeisterung,
+welche das verkehrte Benehmen des Königs erstickt hatte, wieder
+auflebte, sobald es bekannt würde, daß er sich innerhalb der Mauern
+einer ausländischen Festung befinde? Aus diesen Gründen beschloß
+Wilhelm, seinen Schwiegervater keinem persönlichen Zwange zu
+unterwerfen, und es ist kaum daran zu zweifeln, daß dies ein weiser
+Entschluß war.[27]
+
+Jakob blieb, während über sein Schicksal deliberirt wurde, durch die
+Größe und Nähe der Gefahr gleichsam wie festgebannt, in Whitehall, eben
+so unfähig zu kämpfen, wie zu fliehen. Am Abend traf die Nachricht ein,
+daß die Holländer Chelsea und Kensington in Besitz genommen hatten.
+Dessenungeachtet schickte sich der König an, wie gewöhnlich zur Ruhe zu
+gehen. Die Coldstreamgarden hatten im Palaste den Dienst. Sie standen
+unter den Befehlen Wilhelm's, Earl von Craven, eines hochbetagten
+Mannes, der sich fünfzig Jahre früher im Kriege und in der Liebe
+ausgezeichnet, der bei Kreuznach seine hoffnungslose Stellung mit
+solchem Muthe behauptet hatte, daß der große Gustav ihm auf die Schulter
+klopfte, und von dem man glaubte, daß er unter tausend Mitbewerbern das
+Herz der unglücklichen Königin von Böhmen erobert habe. Craven stand
+jetzt in seinem achtzigsten Lebensjahre; aber die Zeit hatte seinen Muth
+nicht gebrochen.[28]
+
+ [Anmerkung 25: +Mulgrave's Account of the Revolution+;
+ +Clarendon's Diary, Dec. 16. 1688.+]
+
+ [Anmerkung 26: +Burnet, I. 800+; +Clarendon's Diary, Dec. 17.
+ 1688+; Citters, 18.(28.) Dec. 1688.]
+
+ [Anmerkung 27: +Burnet, I, 800+; +Conduct of the Duchess of
+ Marlborough+; +Mulgrave's Account of the Revolution.+ Clarendon
+ sagt davon nichts unter dem richtigen Datum, aber man sehe sein
+ Tagebuch vom 19. August 1689.]
+
+ [Anmerkung 28: +Harte's Life of Gustavus Adolphus.+]
+
+
+[_Die holländischen Truppen besetzen Whitehall._] Es war zehn Uhr
+vorüber als ihm gemeldet wurde, daß drei Bataillone von der Infanterie
+des Prinzen, nebst einigen Reitern, mit brennenden Lunten und vollkommen
+kampffertig durch die lange Hauptallee des St. Jamesparks heranrückten.
+Graf Solms, der die fremden Truppen befehligte, sagte, er habe Befehl,
+die Posten in der Umgebung von Whitehall militairisch zu besetzen und
+forderte Craven auf, sich gutwillig zurückzuziehen. Craven schwur, er
+werde sich eher in Stücken hauen lassen; als aber der König, der sich
+eben auskleidete, erfuhr was vorging, verbot er dem tapferen alten
+Soldaten jeden Widerstandsversuch, der doch keinen Erfolg haben konnte.
+Um elf Uhr waren die Coldstreamgarden abgezogen und holländische
+Schildwachen machten auf allen Seiten des Palastes die Runde. Einige vom
+Gefolge des Königs fragten ihn, ob er es wagen wolle, sich, von Feinden
+umringt, niederzulegen. Er antwortete, daß sie ihn kaum schlechter
+behandeln könnten, als seine eigenen Unterthanen ihn behandelt hätten,
+und mit der gefühllosen Gleichgültigkeit eines durch das Unglück
+abgestumpften Mannes legte er sich zu Bett.[29]
+
+ [Anmerkung 29: +Clarke's Life of James, II, 264+, größtentheils
+ aus den +Orig. Memoirs. Mulgrave's Account of the Revolution+;
+ +Rapin de Thoyras+. Es muß bemerkt werden, daß Rapin an diesen
+ Vorgängen thätigen Antheil hatte.]
+
+
+[_Das Schreiben des Prinzen wird Jakob überbracht._] Es war kaum erst
+wieder ruhig geworden im Palaste, so gerieth aufs neue Alles in
+Bewegung. Kurz nach Mitternacht kamen die drei Lords von Windsor an.
+Middleton wurde ersucht, sie zu empfangen. Sie erklärten ihm, daß sie
+mit einer Sendung betraut seien, welche keinen Aufschub gestatte. Der
+König ward aus seinem ersten Schlummer geweckt, und sie wurden in sein
+Schlafzimmer eingeführt. Sie überreichten ihm das ihnen anvertraute
+Schreiben und kündigten ihm an, daß der Prinz in einigen Stunden in
+Westminster eintreffen und daß Seine Majestät wohl thun werde, vor zehn
+Uhr nach Ham abzureisen. Jakob machte einige Einwendungen. Ham gefiel
+ihm nicht. Im Sommer sei es ein ganz angenehmer Aufenthalt, um
+Weihnachten aber sei es dort kalt und unbehaglich, und überdies sei auch
+das Schloß nicht möblirt. Halifax antwortete, daß sofort Möbeln
+hingeschickt werden sollten. Die drei Abgesandten entfernten sich;
+Middleton aber eilte ihnen nach, um ihnen zu sagen, daß Rochester dem
+Könige viel lieber sein werde als Ham. Sie erwiederten, daß sie keine
+Vollmacht hätten, den Wunsch des Königs zu erfüllen, daß sie aber
+augenblicklich einen Expressen an den Prinzen absenden wollten, der in
+Sion House zu übernachten gedenke. Es ging unverzüglich ein Courier ab,
+der noch vor Tagesanbruch mit Wilhelm's Einwilligung zurückkam. Wilhelm
+gab seine Zustimmung in der That sehr gern, denn es unterlag keinem
+Zweifel, daß Rochester deshalb gewählt worden war, weil es große
+Erleichterungen für die Flucht darbot, und daß Jakob fliehen möchte, war
+der sehnlichste Wunsch seines Neffen.[30]
+
+ [Anmerkung 30: +Clarke's Life of James, II. 265+; +Mulgrave's
+ Account of the Revolution; Burnet, I. 801+; Citters, 18.(28.) Dec.
+ 1688.]
+
+
+[_Jakob's Aufbruch nach Rochester._] Am Morgen des 18. December, einem
+regnerischen und stürmischen Morgen, hielt die königliche Barke
+frühzeitig an der Treppe von Whitehall, umgeben von acht bis zehn mit
+holländischen Soldaten gefüllten Böten. Mehrere Edelleute und Gentlemen
+begleiteten den König bis ans Wasser. Es wird erzählt und läßt sich wohl
+auch denken, daß viele Thränen vergossen wurden. Denn selbst der
+eifrigste Freund der Freiheit konnte das traurige und schmachvolle Ende
+einer Dynastie, welche so groß hätte sein können, nicht gleichgültig mit
+ansehen. Shrewsbury that sein Möglichstes, um den gestürzten Monarchen
+zu trösten. Selbst der erbitterte und heftige Delamere war ergriffen.
+Man bemerkte aber, daß Halifax, der sich sonst durch seine
+rücksichtsvolle Freundlichkeit gegen Besiegte auszeichnete, bei dieser
+Gelegenheit weniger theilnehmend war als seine beiden Collegen.
+Wahrscheinlich konnte er die Scheingesandtschaft nach Hungerford noch
+immer nicht vergessen.[31]
+
+Während die königliche Barke langsam über die hochgehenden Wellen den
+Fluß hinabfuhr, zog eine Brigade von den Truppen des Prinzen nach der
+andren in London ein. Man hatte die sehr weise Anordnung getroffen, daß
+der Dienst in der Hauptstadt namentlich von den im Dienste der
+Generalstaaten stehenden britischen Soldaten verrichtet werden sollte.
+Die drei englischen Regimenter wurden in und um den Tower, die drei
+schottischen in Southwark einquartirt.[32]
+
+ [Anmerkung 31: Citters, 18.(28.) Dec. 1688; +Evelyn's Diary+ unter
+ demselben Datum; +Clarke's Life of James, II. 266, 267. Orig.
+ Mem.+]
+
+ [Anmerkung 32: Citters, 18.(28.) Dec. 1688.]
+
+
+[_Wilhelm's Ankunft im St. Jamespalaste._] Trotz des schlechten Wetters
+sammelte sich eine große Volksmenge zwischen Albemarle House und dem St.
+Jamespalaste, um den Prinzen zu bewillkommnen. Jeder Hut, jeder Stock
+war mit einem orangefarbenen Bande geschmückt. Alle Glocken von ganz
+London wurden geläutet, und an allen Fenstern standen Lichter zu einer
+Illumination bereit, während in den Straßen Reißigbündel zu
+Freudenfeuern aufgehäuft wurden. Wilhelm aber, der kein Freund vom
+Gedränge und vom Jubelgeschrei war; nahm seinen Weg durch den Park. Vor
+Einbruch der Nacht kam er, von Schomberg begleitet, in einem leichten
+Wagen im St. Jamespalaste an. In kurzer Zeit waren alle Zimmer und
+Treppen mit Leuten gefüllt, die ihm ihre Aufwartung machen wollten. Das
+Gedränge war so arg, daß die hochgestelltesten Männer nicht im Stande
+waren, sich bis in das Empfangszimmer hindurchzuarbeiten.[33] Während
+sich Westminster in dieser Aufregung befand, entwarf der Gemeinderath in
+der Guildhall eine Dank- und Beglückwünschungsadresse. Der Lordmayor war
+nicht im Stande den Vorsitz zu führen. Er hatte das Bett noch nicht
+wieder verlassen, seitdem der Kanzler in dem Anzuge eines
+Kohlenschiffers in den Gerichtssaal geschleppt worden war. Die Aldermen
+aber und die übrigen Beamten der Corporationen waren auf ihren Plätzen.
+Am folgenden Tage kam der Magistrat der City in Gala, um dem Befreier zu
+huldigen. Ihre Dankbarkeit wurde mit beredten Worten durch ihren
+Syndikus, Sir Georg Treby ausgesprochen. Einige Prinzen aus dem Hause
+Nassau, sagte er, seien die ersten Beamten einer großen Republik
+gewesen. Andere hätten die Kaiserkrone getragen; der gegründetste
+Anspruch dieses berühmten Geschlechts auf die öffentliche Verehrung
+bestehe darin, daß Gott es zu dem hohen Amte auserwählt und geweiht
+habe, von Generation zu Generation die Wahrheit und die Freiheit gegen
+die Tyrannei zu vertheidigen. An dem nämlichen Tage machten auch alle in
+der Hauptstadt anwesenden Prälaten, mit Ausnahme Sancroft's, dem Prinzen
++in corpore+ ihre Aufwartung. Dann kam, mit ihrem Bischof an der Spitze,
+die londoner Geistlichkeit, an Gelehrsamkeit, Beredtsamkeit und Einfluß
+die ersten Männer ihres Standes. Ihnen hatten sich einige hervorragende
+Dissentergeistliche angeschlossen, welche Compton, was ihm zu großer
+Ehre gereichte, mit ausgezeichneter Artigkeit behandelte. Einige
+Monate vorher oder nachher würde diese Artigkeit von vielen
+Staatskirchenmännern als ein Verrath an der Kirche betrachtet worden
+sein, selbst damals konnte ein scharfes Auge nur zu deutlich erkennen,
+daß der Waffenstillstand, zu welchen die protestantischen Secten
+gezwungen worden waren, die Gefahr, aus der er entsprungen war, nicht
+lange überdauern werde. Ungefähr hundert in der Hauptstadt wohnende
+nonconformistische Geistliche überreichten eine Separatadresse. Sie
+wurden durch Devonshire vorgestellt und mit allen Achtungs- und
+Wohlwollensbezeigungen empfangen. Die Juristen brachten ihre Huldigung
+unter Anführung Maynard's dar, der im Alter von neunzig Jahren noch so
+rüstig und so hellen Geistes war als zu der Zeit, da er in
+Westminsterhall als Ankläger Strafford's auftrat. »Mr. Serjeant,« sagte
+der Prinz zu ihm, »Sie müssen alle Juristen, die mit Ihnen studirten,
+überlebt haben.« -- »Ja, Sire,« erwiederte der Greis, »und wäre Eure
+Hoheit nicht gekommen, so würde ich auch die Gesetze überlebt
+haben«.[34]
+
+Aber obgleich die Adressen zahlreich und voll von Lobeserhebungen,
+obgleich die Jubelrufe laut und die Illumination glänzend, obgleich der
+St. Jamespalast für die Masse der Höflinge zu klein und obgleich die
+Theater jeden Abend vom Parterre bis zur letzten Gallerie von
+orangefarbenen Bändern strotzten, so fühlte Wilhelm doch, daß die
+Schwierigkeiten seines Unternehmens erst begonnen hatten. Er hatte eine
+Regierung gestürzt: jetzt galt es die Lösung der weit schwierigeren
+Aufgabe, eine neue zu errichten. Von dem Augenblicke seiner Landung bis
+zu seiner Ankunft in London hatte er die Autorität ausgeübt, welche nach
+den in der ganzen civilisirten Welt anerkannten Kriegsgesetzen dem
+Oberbefehlshaber einer im Felde stehenden Armee zukommt. Jetzt mußte er
+die Rolle eines Generals mit der eines Civilbeamten vertauschen, und
+dies war keine leichte Aufgabe. Ein einziger falscher Schritt konnte
+unheilbringend werden und es war unmöglich, irgend einen Schritt zu
+thun, ohne Vorurtheile zu verletzen und heftige Leidenschaften zu
+entzünden.
+
+ [Anmerkung 33: +Luttrell's Diary+; +Evelyn's Diary+; +Clarendon's
+ Diary, Dec. 18. 1688; Revolution Politics.+]
+
+ [Anmerkung 34: +Fourth Collection of Papers relating to the
+ present juncture of affairs in England, 1688+; +Burnet, I. 802,
+ 803+; +Calamy's Life and Times of Baxter, chap. XIV.+]
+
+
+[_Es wird ihm gerathen, sich die Krone kraft des Eroberungsrechtes
+aufzusetzen._] Einige von den Rathgebern des Prinzen drangen in ihn, daß
+er sich die Krone ohne weiteres kraft des Eroberungsrechtes aufsetzen
+und dann als König unter seinem großen Siegel Einberufungsschreiben zu
+einem Parlamente erlassen solle. Dieses Verfahren wurde ihm von einigen
+ausgezeichneten Juristen eifrig anempfohlen. Sie sagten, es sei der
+kürzeste Weg zu dem Ziele, welches außerdem nur mit zahllosen
+Schwierigkeiten und Streitigkeiten erreicht werden könne. Es stimme
+genau mit dem glückverheißenden Beispiele überein, das vor ihm
+Heinrich VII. nach der Schlacht von Bosworth gegeben. Auch werde es die
+Bedenken vieler achtbarer Personen wegen Statthaftigkeit der Übertragung
+des Unterthaneneides auf einen andren Regenten zerstreuen. Weder das
+englische Recht noch die englische Kirche gestehe den Unterthanen die
+Befugniß zu, ihren Landesherrn abzusetzen. Aber kein Jurist und kein
+Theolog habe je geleugnet, daß eine im Kriege überwundene Nation sich
+dem Beschlusse des Gottes der Schlachten unterwerfen dürfe, ohne eine
+Sünde zu begehen. So hätten nach der chaldäischen Eroberung die
+gottesfürchtigsten und patriotischesten Juden die Pflichten gegen ihren
+angestammten König nicht zu verletzen geglaubt, indem sie dem neuen
+Herrscher, den die Vorsehung ihnen gesandt, mit Treue dienten. Die drei
+Bekenner, welche im feurigen Ofen so wunderbar erhalten worden waren,
+hätten in der Provinz Babylon hohe Ämter begleitet. Daniel sei
+nacheinander Minister des Assyrers, welcher Juda, und des Persers,
+welcher Assyrien unterjochte, gewesen. Ja, Christus selbst, der seinem
+Blute nach ein Prinz aus dem Geschlechte David's gewesen, habe dadurch,
+daß er seinen Landsleuten befahl, dem Kaiser Tribut zu zahlen,
+ausgesprochen, daß fremde Eroberung erbliche Rechte aufhebt und
+wohlbegründeten Anspruch auf Herrschaft giebt. Es sei daher
+wahrscheinlich, daß eine große Anzahl Tories, wenn sie auch nicht selbst
+mit gutem Gewissen einen König wählen könnten, doch unbedenklich einen
+durch den Ausgang des Kriegs ihnen gegebenen König annehmen würden.[35]
+
+Auf der andren Seite standen jedoch Gründe, welche bei weitem
+überwiegend waren. Der Prinz konnte die Krone als mit dem Schwerte
+erobert nicht beanspruchen, ohne sich eines groben Wortbruches schuldig
+zu machen. In seiner Erklärung hatte er versichert, daß es nicht seine
+Absicht sei, England zu erobern, daß, wer ihn einer solchen Absicht
+beschuldige, nicht nur ihn persönlich, sondern auch die patriotischen
+Kavaliere und Gentlemen, die ihn herübergerufen, schändlich verleumde,
+daß die Streitmacht, die er mitgebracht habe, zu einem so schwierigen
+Unternehmen offenbar nicht genüge und daß es sein fester Entschluß sei,
+alle öffentlichen Beschwerden, wie alle seine eigenen Ansprüche einem
+freien Parlamente anheim zu geben. Um keines irdischen Zweckes willen
+konnte es recht oder klug sein, das im Angesicht von ganz Europa
+gegebene Wort zu brechen. Auch war es keineswegs ausgemacht, ob er, wenn
+er sich als Eroberer gerirte, dadurch die Bedenken zerstreute, welche
+die strengen Hochkirchenmänner ungeneigt machten, ihn als König
+anzuerkennen. Denn er mochte sich nennen wie er wollte, Jedermann wußte,
+daß er in Wirklichkeit kein Eroberer war. Es wäre notorisch eine bloße
+Fiction gewesen, hatte man sagen wollen, daß dieses große Königreich,
+mit einer mächtigen Flotte auf der See, einer regulären Armee von
+vierzigtausend Mann und einer Miliz von hundertdreißigtausend Mann, ohne
+eine einzige Belagerung oder Schlacht durch eine fünfzehntausend Mann
+starke Invasionsarmee in eine abhängige Provinz verwandelt worden sei.
+Es war nicht anzunehmen, daß eine solche Fiction wirklich empfindliche
+Gewissen beruhigen würde, aber es war kaum zu bezweifeln, daß sie den
+ohnehin schon gereizten Nationalstolz verwundete. Die englischen Truppen
+waren in einer Stimmung, welche die zarteste Schonung erheischte. Sie
+wußten, daß sie im letzten Feldzuge eben keine glänzende Rolle gespielt
+hatten. Die Anführer wie die Soldaten sehnten sich danach zu beweisen,
+daß sie nicht aus Mangel an Muth einer geringeren Streitmacht gewichen
+waren. Einige holländische Offiziere waren so unbesonnen gewesen, sich
+in einem Wirthshause beim Weine zu rühmen, daß sie die Armee des Königs
+vor sich her getrieben hätten. Diese Beleidigung hatte unter den
+englischen Truppen eine Gährung hervorgebracht, welche ohne das rasche
+Einschreiten des Prinzen wahrscheinlich mit einem furchtbaren Gemetzel
+geendet haben würde.[36] Welchen Eindruck mußte unter solchen Umständen
+eine Proklamation machen, welche verkündete, daß der Oberbefehlshaber
+der Fremden die ganze Insel als rechtmäßige Kriegsbeute betrachte?
+
+Außerdem war zu berücksichtigen, daß der Prinz durch Erlassung einer
+solchen Proklamation mit einem Male alle die Rechte vernichtet haben
+würde, zu deren Vertheidiger er sich erklärt hatte. Denn die Autorität
+eines fremden Eroberers wird nicht durch die Gebräuche und Gesetze der
+besiegten Nation beschränkt, sondern sie ist ihrem Wesen nach
+despotisch. Wilhelm war also entweder nicht berechtigt, sich zum Könige
+zu erklären, oder er war auch berechtigt, die Magna Charta und die Bitte
+um Recht für null und nichtig zu erklären, die Geschwornengerichte
+abzuschaffen und ohne Zustimmung des Parlaments Steuern zu erheben.
+Allerdings konnte er die alte Verfassung des Reichs wiederherstellen;
+aber wenn er dies that, so that er es ebenfalls kraft eines
+willkürlichen Beschlusses. Von diesem Augenblicke an würde die englische
+Freiheit auf eine niedere Stufe herabgesunken sein. Sie wäre dann nicht
+mehr ein uraltes Erbtheil gewesen, sondern ein neues Geschenk, welches
+der großmüthige Gebieter, der es verliehen, auch wieder entziehen
+konnte, wenn es ihm sonst beliebte.
+
+ [Anmerkung 35: +Burnet, I. 803.+]
+
+ [Anmerkung 36: +Gazette de France+ 26. Jan. (5. Febr.) 1689.]
+
+
+[_Er beruft die Lords und die Mitglieder der Parlamente Karl's II.
+zusammen._] Wilhelm beschloß daher rechtschaffener und kluger Weise, die
+in seiner Erklärung gegebenen Versprechungen zu erfüllen und die Aufgabe
+der Einsetzung der Regierung der gesetzgebenden Gewalt zu überlassen. Er
+vermied Alles was für Usurpation hätte erklärt werden können, so
+sorgfältig, daß er es ohne einen Schein von parlamentarischer Autorität
+nicht über sich nehmen wollte, nur die Stände des Reichs einzuberufen
+oder während der Wahlen die ausübende Gewalt zu handhaben. Eine
+eigentlich parlamentarische Autorität gab es nicht im Staate; aber es
+war möglich, in einigen Stunden eine Versammlung zusammenzubringen, der
+die Nation wenigstens einen großen Theil der einem Parlamente
+gebührenden Achtung zollte. Die eine Kammer konnte aus den vielen
+geistlichen und weltlichen Lords, welche damals in London waren, die
+andre aus ehemaligen Mitgliedern des Unterhauses und den
+Magistratsbeamten der City gebildet werden. Dieser Plan war höchst
+sinnreich und er wurde rasch ins Werk gesetzt. Die Peers wurden auf den
+21. December in den St. Jamespalast beschieden. Es erschienen etwa
+siebzig. Der Prinz forderte sie auf, die Lage des Landes in Erwägung zu
+ziehen und ihm das Ergebniß ihrer Berathungen vorzulegen. Bald darauf
+erschien eine Bekanntmachung, welche alle Gentlemen, die während der
+Regierung Karl's II. einen Sitz im Unterhause gehabt hatten,
+aufforderte, am Morgen des Sechsundzwanzigsten vor Seiner Hoheit zu
+erscheinen. Die Aldermen von London wurden ebenfalls entboten und auch
+der Gemeinderath ersucht, eine Deputation zu schicken.[37]
+
+Man hat oft in tadelndem Tone gefragt, warum diese Einladung nicht auf
+die Mitglieder des im vorhergehenden Jahre aufgelösten Parlaments
+ausgedehnt worden sei. Die Antwort darauf liegt sehr nahe. Einer der
+Hauptmißstände, über welche die Nation klagte, war die Art und Weise der
+Erwählung jenes Parlaments. Die meisten Abgeordneten der Boroughs waren
+durch Wahlkörper gewählt worden, welche in einer allgemein als
+gesetzwidrig betrachteten und von dem Prinzen in seinem Manifeste für
+verwerflich erklärten Weise reorganisirt worden waren. Jakob selbst
+hatte unmittelbar vor seinem Sturze eingewilligt, die früheren
+municipalen Freiheiten wieder herzustellen. Es würde gewiß von Seiten
+Wilhelms die größte Inconsequenz gewesen sein, wenn er, nachdem er zur
+Vertheidigung der angetasteten Freibriefe der Corporationen die Waffen
+ergriffen, Personen, welche jenen Freibriefen zuwider gewählt worden
+waren, als rechtmäßige Vertreter der Städte Englands anerkannt hätte.
+
+Am Sonnabend den 22. versammelten sich die Lords in ihrem
+Sitzungslokale. Dieser Tag wurde damit hingebracht, die Geschäftsordnung
+festzusetzen. Es wurde ein Schriftführer ernannt, und da man keinem der
+zwölf Richter Vertrauen schenken konnte, so wurden einige von den
+angesehendsten Sergeants und Barristers[38] eingeladen, um über
+juristische Punkte ihren Rath abgeben zu können. Es wurde hierauf
+beschlossen, daß am nächsten Montag die Lage des Königreichs in Erwägung
+gezogen werden sollte.[39]
+
+Die Zwischenzeit bis zur Montagssitzung war erwartungs- und
+ereignißvoll. Eine starke Partei unter den Peers nährte noch immer die
+Hoffnung, daß die Verfassung und die Kirche Englands auch ohne die
+Absetzung des Königs gesichert werden könnten. Diese Partei beschloß,
+eine feierliche Adresse an ihn zu beantragen, durch die er beschworen
+werden sollte, sich Bedingungen zu unterwerfen, welche die durch sein
+früheres Verfahren hervorgerufene Unzufriedenheit und Besorgniß
+beseitigen konnten. Sancroft, der seit der Rückkehr Jakob's von Kent
+nach Whitehall keinen Theil an den öffentlichen Angelegenheiten genommen
+hatte, beschloß jetzt, aus seiner Zurückgezogenheit wieder ans Licht zu
+treten und sich an die Spitze der Royalisten zu stellen. Mehrere Boten
+wurden mit Briefen an den König nach Rochester gesandt. Es wurde ihm
+darin versichert, daß seine Interessen energisch in Schutz genommen
+werden sollten, wenn er sich nur in diesem Augenblicke entschließen
+könnte, Plänen zu entsagen, die sein Volk verabscheue. Einige angesehene
+Katholiken begaben sich persönlich zu ihm, um ihn im Namen ihres
+gemeinsamen Glaubens zu bitten, daß er den fruchtlosen Kampf nicht
+weiter treiben möchte.[40]
+
+Der Rath war gut; Jakob aber war nicht in der Stimmung, um ihn
+anzunehmen. Sein Verstand war stets stumpf und schwach gewesen, jetzt
+aber verhinderten ihn weibische Befürchtungen und kindische Einbildungen
+an dem Gebrauche desselben. Er wußte, daß seine Flucht das war, was
+seine Anhänger am meisten fürchteten und seine Feinde am sehnlichsten
+wünschten. Selbst wenn sein Bleiben mit ernster persönlicher Gefahr
+verknüpft gewesen wäre, so hätte er es doch unter den obwaltenden
+Umständen für schimpflich halten müssen, das Feld zu räumen, denn es
+handelte sich jetzt darum, ob er und seine Nachkommen auf dem Throne
+seiner Ahnen regieren oder heimathlose Bettler werden sollten. Doch die
+feige Angst um sein Leben hatte jedes andre Gefühl aus seiner Brust
+verdrängt. Auf die eindringlichen Bitten und unverwerflichen Gründe der
+Bevollmächtigten, die seine Freunde nach Rochester gesandt, hatte er nur
+die eine Antwort: sein Kopf sei in Gefahr. Umsonst versicherte man ihm,
+daß er durchaus keine Ursache zu einer solchen Besorgniß habe, daß der
+Prinz von Oranien schon durch den gesunden Verstand, wenn nicht durch
+seine Grundsätze abgehalten werden würde, die Schuld und Schande eines
+Königsmordes und eines Verwandtenmordes auf sich zu laden, und daß
+Viele, welche niemals in die Absetzung ihres Souverains willigen würden,
+so lange er noch auf englischem Boden war, durch seine Flucht sich der
+Unterthanentreue gegen ihn entbunden erachten würden. Die Furcht
+unterdrückte jedes andre Gefühl. Er beschloß abzureisen, und die
+Ausführung dieses Entschlusses war leicht. Er wurde sehr nachlässig
+bewacht, Jedermann hatte Zutritt bei ihm, segelfertige Schiffe lagen in
+geringer Entfernung bereit, und ihre Böte konnten bis dicht an den
+Garten des Hauses herankommen, das er bewohnte. Wäre er klug gewesen, so
+würde schon der Umstand, daß seine Wächter sich bemühten, ihm die Flucht
+zu erleichtern, hingereicht haben, um ihn zu überzeugen, daß er bleiben
+mußte, wo er war. In der That, die Schlinge lag so offen zu Tage, daß
+nur ein durch die Angst geblendeter Thor sie nicht sehen konnte.
+
+ [Anmerkung 37: +History of the Desertion+; +Clarendon's Diary,
+ Dec. 21. 1688+; +Burnet I. 803+, und Onslow's Note.]
+
+ [Anmerkung 38: Sachwalter ersten und zweiten Ranges. -- Der
+ Übers.]
+
+ [Anmerkung 39: +Clarendon's Diary, Dec. 21. 1688+; Citters unter
+ dem nämlichen Datum.]
+
+ [Anmerkung 40: +Clarendon's Diary. Dec. 21, 22, 1688+; +Clarke's
+ Life of James, II. 268, 270. Orig. Mem.+]
+
+
+[_Jakob's Flucht von Rochester._] Die Vorbereitungen wurden schleunigst
+getroffen. Am Samstag Abend, den Zweiundzwanzigsten, versicherte der
+König einigen von den Herren, welche von London aus mit Nachricht und
+gutem Rathe zu ihm gesandt worden, daß er sie am folgenden Morgen
+wiedersehen werde. Er legte sich zu Bett, stand mitten in der Nacht auf,
+stahl sich in Begleitung Berwick's durch eine Hinterthür fort und ging
+durch den Garten bis ans Ufer des Medway. Hier erwartete ihn ein kleines
+Boot. Bald nach Tagesanbruch befanden sich die Flüchtlinge am Bord einer
+Schmacke, welche die Themse hinab fuhr.[41]
+
+Am Nachmittag gelangte die Nachricht von der Flucht nach London. Die
+Anhänger des Königs waren ganz bestürzt, während die Whigs ihre Freude
+nicht verhehlen konnten. Die gute Nachricht ermuthigte den Prinzen zu
+einem kühnen und wichtigen Schritte. Er hatte erfahren, daß die
+französische Gesandtschaft mit der ihm feindlich gesinnten Partei
+fortwährende Communication unterhielt. Man wußte sehr wohl, daß diese
+Gesandtschaft sich vortrefflich auf alle Verführungskünste verstand, und
+es unterlag kaum einem Zweifel, daß bei einer solchen Gelegenheit weder
+Ränke noch Goldstücke gespart werden würden. Barillon wollte gar zu gern
+noch einige Tage in London bleiben, und zu dem Ende ließ er kein Mittel
+unversucht, um die siegreiche Partei zu versöhnen. Auf den Straßen
+beruhigte er den Pöbel, der zornige Blicke auf seine Equipage warf,
+dadurch, daß er ihm Geld zuwarf. An seiner Tafel trank er öffentlich auf
+das Wohl des Prinzen von Oranien. Wilhelm aber ließ sich dadurch nicht
+bethören. Er hatte zwar die Ausübung der königlichen Autorität noch
+nicht auf sich genommen, aber er war commandirender General und als
+solcher nicht verbunden, einen Mann, den er als einen Spion betrachtete,
+innerhalb des von ihm militairisch besetzten Gebietes zu dulden. Noch
+vor dem Ende des Tages erhielt Barillon die Weisung, daß er England
+binnen vierundzwanzig Stunden verlassen müsse. Er bat dringend um einen
+kurzen Aufschub, aber die Minuten waren kostbar, der Befehl wurde in
+noch bestimmteren Ausdrücken wiederholt und er reiste mit Widerstreben
+nach Dover ab. Um kein Zeichen von Geringschätzung und Trotz zu
+unterlassen, wurde er durch einen seiner protestantischen Landsleute,
+den die Verfolgung ins Exil getrieben, bis an die Küste begleitet. Der
+Ehrgeiz und die Anmaßung Frankreichs hatte so bitteren Groll erregt, daß
+selbst diejenigen Engländer, welche im Allgemeinen nicht geneigt waren,
+Wilhelm's Verhalten mit günstigem Auge zu betrachten, ihm lauten Beifall
+dafür zollten, daß er dem Übermuth, mit dem Ludwig viele Jahre hindurch
+alle europäischen Höfe behandelt hatte, so herzhaft entgegentrat.[42]
+
+ [Anmerkung 41: Clarendon's Diary. Dec. 23. 1638; Clarke's Life of
+ James, II. 271, 273, 274. Orig. Mem.]
+
+ [Anmerkung 42: Citters, 1.(11.) Jan. 1689; Witsen's Handschr.
+ angeführt von Wagenaar, Buch 60.]
+
+
+[_Berathungen und Beschlüsse der Lords._] Am Montag versammelten sich
+die Lords wieder. Halifax wurde zum Präsidenten gewählt. Der Primas war
+abwesend, die Royalisten traurig und muthlos, die Whigs heiter und guter
+Dinge. Es war bekannt, daß Jakob einen Brief zurückgelassen hatte.
+Einige von seinen Freunden stellten in der schwachen Hoffnung, daß der
+Brief vielleicht Vorschläge enthielt, welche als Grundlage zu einem
+gütlichen Abkommen dienen konnten, den Antrag ihn vorzulegen. Über
+diesen Antrag wurde abgestimmt und er wurde angenommen. Godolphin, der
+keineswegs als ein Feind seines ehemaligen Gebieters bekannt war, sprach
+einige Worte, welche den Ausschlag gaben. »Ich habe das Schreiben
+gesehen,« sagte er, »und muß Ihnen zu meinem Bedauern bemerken, daß es
+nichts enthält, was Eure Herrlichkeiten irgend zufriedenstellen könnte.«
+Es enthielt in der That keine Äußerung von Bedauern über frühere Fehler;
+es gab keiner Hoffnung Raum, daß diese Fehler in Zukunft vermieden
+werden würden, und es wälzte die Schuld an allem Geschehenen auf die
+Böswilligkeit Wilhelm's und auf die Blindheit des Volks, das sich durch
+die schimmernden Worte Religion und Eigenthum habe bethören lassen.
+Niemand wagte den Vorschlag zu machen, daß Unterhandlungen mit einem
+Fürsten eingeleitet werden möchten, den die härteste Schule des Unglücks
+nur hartnäckiger im Unrecht gemacht zu haben schien. Es war die Rede von
+einer Untersuchung der Geburt des Prinzen von Wales; aber die
+whiggistischen Peers behandelten diesen Vorschlag mit Geringschätzung.
+»Ich hätte nicht erwartet, Mylords,« rief Philipp, Lord Wharton, ein
+alter Rundkopf, der bei Edgehill gegen Karl I. ein Regiment commandirt
+hatte, »daß unter den gegenwärtigen Umständen Jemand das Kind erwähnen
+würde, das Prinz von Wales genannt worden ist, und ich hoffe, es wird
+zum letzten Male von ihm die Rede gewesen sein.« Nach langer Berathung
+wurden zwei Adressen an Wilhelm beschlossen. Die eine ersuchte ihn, die
+Leitung der Regierung provisorisch zu übernehmen; die andre rieth ihm,
+durch eigenhändig unterzeichnete Rundschreiben alle Wahlkörper des
+Reichs zur Absendung von Vertretern nach Westminster aufzufordern. Zu
+gleicher Zeit nahmen die Peers es auf sich, eine Verordnung zu erlassen,
+welche alle Papisten, mit Ausnahme einiger weniger bevorzugter Personen,
+aus London und dessen nächster Umgebung verwies.[43]
+
+Die Lords überreichten ihre Adressen dem Prinzen am folgenden Tage, ohne
+den Ausgang der Berathungen der von ihm einberufenen Gemeinen zu
+erwarten. Es scheint in der That, als ob der erbliche Adel in diesem
+Augenblicke um die Aufrechthaltung seines Ansehens sehr besorgt gewesen
+wäre und keine Lust gehabt hätte, einer Versammlung, von der das Gesetz
+nichts wußte, eine ebenbürtige Autorität zuzugestehen. Sie hielten sich
+für ein ächtes Haus der Lords; die andre Kammer aber verachteten sie als
+ein bloß nachgemachtes Haus der Gemeinen. Wilhelm lehnte es jedoch
+wohlweislich ab einen Entschluß zu fassen, bevor er sich von der Ansicht
+derjenigen Gentlemen überzeugt haben würde, welche früher mit den
+Vertrauen der Grafschaften und Städte Englands beehrt worden waren.[44]
+
+ [Anmerkung 43: +Halifax's notes+; +Landsdown MS. 255+;
+ +Clarendon's Diary, Dec. 24. 1688+; +London Gazette, Dec. 31.+]
+
+ [Anmerkung 44: Citters, 25. Dec. (4. Jan.) 1688/89.]
+
+
+[_Verhandlungen und Beschlüsse der von dem Prinzen einberufenen
+Gemeinen._] Die einberufenen Gemeinen kamen in der St. Stephanskapelle
+zusammen und bildeten eine zahlreiche Versammlung. Sie ernannten zu
+ihrem Präsidenten Heinrich Powle, welcher Cirencester in mehreren
+Parlamenten vertreten und sich unter den Vertheidigern der
+Ausschließungsbill hervorgethan hatte.
+
+Es wurden ähnliche Adressen wie die von den Lords bereits überreichten
+beantragt und angenommen. In keiner wichtigen Frage zeigte sich eine
+Meinungsverschiedenheit und einige schwache Versuche, über formelle
+Punkte eine Debatte zu eröffnen, wurden durch die allgemeine Verachtung
+vereitelt. Sir Robert Sawyer erklärte, er könne nicht begreifen, wie der
+Prinz ohne einen unterscheidenden Titel, wie Regent oder Protektor, die
+Regierung verwalten könne. Der greise Maynard, der als Jurist seines
+Gleichen nicht hatte und dabei ein mit der Taktik der Revolutionen wohl
+vertrauter Staatsmann war, versuchte es gar nicht, seinen Unwillen über
+einen so kindischen Einwand zu verhehlen, der in einem Augenblicke
+erhoben wurde, wo einmüthiges und rasches Handeln von der größten
+Wichtigkeit waren. »Wir werden sehr lange hier sitzen,« sagte er, »wenn
+wir warten wollen, bis Sir Robert begreifen kann, wie so etwas möglich
+ist.« Die Versammlung hielt diese Antwort der Krittelei ganz
+entsprechend.[45]
+
+ [Anmerkung 45: Der Urheber dieses Einwandes wurde in damaligen
+ Büchern und Pamphlets nur mit den Anfangsbuchstaben seines Namens
+ bezeichnet und diese wurden zuweilen mißverstanden. Eachard
+ schrieb die Krittelei Sir Robert Southwell zu; ich bin aber fest
+ überzeugt, daß Oldmixon ganz Recht hat, wenn er sie Sawyer in den
+ Mund legt.]
+
+
+[_Eine Convention berufen._] Die Beschlüsse der Versammlung wurden dem
+Prinzen mitgetheilt. Er erklärte sogleich seinen Entschluß, dem
+vereinten Ansuchen der von ihm einberufenen beiden Kammern zu
+entsprechen, Ausschreiben zur Einberufung einer Convention der Stände
+des Reichs zu erlassen und bis zum Zusammentritt dieser Convention die
+ausübende Verwaltung selbst zu übernehmen.[46]
+
+ [Anmerkung 46: +History of the Desertion+; +Life of William,
+ 1703+; Citters, 28. Dec. (7. Jan.) 1688/89.]
+
+
+[_Bemühungen des Prinzen zur Herstellung der Ordnung._] Er hatte sich
+keine leichte Aufgabe vorgenommen. Die ganze Regierungsmaschine war in
+Unordnung. Die Friedensrichter hatten ihre Functionen eingestellt. Die
+Finanzbeamten hatten aufgehört, Steuern zu erheben. Die von Feversham
+aufgelöste Armee war noch immer in Verwirrung und zur Empörung bereit.
+Die Flotte befand sich in einem kaum weniger beunruhigenden Zustande.
+Die bürgerlichen und militairischen Diener der Krone hatten bedeutende
+Soldrückstande zu fordern und im Staatsschatze befanden sich nur noch
+vierzigtausend Pfund. Der Prinz ging mit Energie an die
+Wiederherstellung der Ordnung. Er erließ eine Proklamation, durch welche
+alle Magistratspersonen in ihren Ämtern bestätigt wurden, und eine
+andre, welche Anordnungen zur Erhebung der Staatseinkünfte enthielt.[47]
+Die Reorganisation der Armee wurde rasch betrieben. Viele von den
+Kavalieren und Gentlemen, welche Jakob des Kommandos englischer
+Regimenter enthoben hatte, wurden wieder angestellt. Auch wurden Mittel
+und Wege gefunden, um die Tausende von irländischen Soldaten, welche
+Jakob nach England hatte kommen lassen, zu verwenden. In einem Lande, wo
+sie dem religiösen und nationalen Hasse preisgegeben waren, konnten sie
+nicht bleiben. Eben so wenig durfte man sie in ihre Heimath
+zurücksenden, wo sie Tyrconnel's Armee verstärkt haben würden. Man
+beschloß daher, sie auf den Continent zu schicken, wo sie unter den
+Fahnen des Hauses Österreich der englischen Verfassung und der
+protestantischen Religion indirecte, aber wirksame Dienste leisten
+konnten. Dartmouth wurde seines Commando's enthoben und die Seemacht
+durch das bestimmte Versprechen gewonnen, daß jeder Matrose so bald als
+möglich seinen rückständigen Sold erhalten solle. Die City von London
+nahm es auf sich, den Prinzen aus seiner finanziellen Verlegenheit zu
+reißen. Der Gemeinderath verpflichtete sich durch ein einstimmiges
+Votum, ihm zweimalhunderttausend Pfund zu verschaffen. Es wurde als ein
+großer Beweis von dem Reichthume und dem Gemeinsinne der londoner
+Kaufmannschaft betrachtet, daß binnen achtundvierzig Stunden die ganze
+Summe ohne ein andres Unterpfand als das Wort des Prinzen eingezahlt
+wurde. Wenige Wochen zuvor war Jakob nicht im Stande gewesen, eine viel
+kleinere Summe aufzubringen, obgleich er höhere Zinsen bot und
+werthvolles Eigenthum verpfänden wollte.[48]
+
+ [Anmerkung 47: +London Gazette, Jan. 3, 7. 1688/89.+]
+
+ [Anmerkung 48: +London Gazette, Jan. 10, 17. 1688/89; Luttrell's
+ Diary+; Legge-Papiere; Citters, 1.(11.), 4.(14.), 11.(21.) Jan.
+ 1689; Ronquillo, 15.(21.) Jan., 23. Febr. (5. März); Berathung des
+ spanischen Staatsrathes vom 26. März (5. April).]
+
+
+[_Seine tolerante Politik._] In sehr wenigen Tagen war die Unordnung,
+welche die Invasion, die Aufstände, die Flucht Jakob's und das Aufhören
+aller regelmäßigen Verwaltung herbeigeführt hatten, zu Ende und das
+Königreich hatte wieder sein gewohntes Aussehen angenommen. Ein
+allgemeines Gefühl von Sicherheit war zurückgekehrt. Selbst diejenigen
+Stände, auf welche der öffentliche Haß vorzugsweise gerichtet war und
+die am meisten Ursache hatten, eine Verfolgung zu befürchten, wurden
+durch die weise Milde des Siegers beschützt. Leute, welche in die
+gesetzwidrigen Handlungen der vorigen Regierung tief verwickelt gewesen
+waren, gingen nicht nur unangefochten einher, sondern traten sogar als
+Candidaten für Sitze in der Convention auf. Mulgrave wurde im St.
+Jamespalaste nicht ungnädig empfangen. Feversham wurde seiner Haft
+entlassen und ihm gestattet, das einzige Amt zu verwalten, dem er
+gewachsen war: das eines Bankhalters am Bassettische der Königin Wittwe.
+Doch Niemand hatte so viel Ursache, Wilhelm dankbar zu sein, als die
+Katholiken. Es würde nicht rathsam gewesen sein, die strengen
+Verordnungen, welche die Peers gegen die Bekenner eines von der ganzen
+Nation verabscheuten Glaubens erlassen hatten, förmlich aufzuheben;
+durch die Klugheit und Menschlichkeit des Prinzen aber wurden diese
+Verordnungen praktisch nicht angewendet. Auf seinem Marsche von Torbay
+nach London hatte er Befehl gegeben, daß an den Personen oder Wohnungen
+von Papisten durchaus keine Gewaltthätigkeiten verübt werden sollten.
+Diesen Befehl erneuerte er jetzt und wies Burnet an, auf strengste
+Befolgung desselben zu sehen. Eine glücklichere Wahl hätte er nicht
+treffen können, denn Burnet war ein so edelmüthiger und gutherziger
+Mann, daß sein Herz stets in warmer Theilnahme für Unglückliche schlug,
+und sein Haß gegen das Papstthum bot zugleich auch den eifrigsten
+Protestanten hinreichende Gewähr dafür, daß die Interessen ihrer
+Religion in seinen Händen wohl aufgehoben waren. Er hörte die Klagen der
+Katholiken freundlich an, verschaffte Denen, die über das Meer gehen
+wollten, Pässe und besuchte selbst in Newgate die dort gefangensitzenden
+Prälaten. Er gab Befehl, daß sie in ein bequemeres Zimmer versetzt und
+ihnen jede mögliche Erleichterung verschafft werden sollte. Er gab ihnen
+die feierliche Versicherung, daß ihnen kein Haar gekrümmt werden und daß
+der Prinz, sobald er es wagen könnte, nach seinen Wünschen zu handeln,
+sie in Freiheit setzen würde. Der spanische Gesandte meldete seinem
+Hofe, und durch seinen Hof dem Papste, daß kein Katholik wegen der
+letzten englischen Revolution Gewissensscrupel zu hegen brauche, daß
+Jakob allein für die Gefahren, denen die Mitglieder der wahren Kirche
+ausgesetzt wären, verantwortlich sei und daß Wilhelm allein sie vor
+einer blutigen Verfolgung gerettet habe.[49]
+
+ [Anmerkung 49: +Burnet, I. 802+; Ronquillo, 2.(12.) Jan., 8.(18.)
+ Febr. 1689. Die Originale dieser Depeschen wurden mir durch die
+ Gefälligkeit der verstorbenen Lady Holland und des gegenwärtigen
+ Lord Holland mitgetheilt. Aus der letzten will ich einige Worte
+ anführen. +»La tema de S. M. Britanica à seguir imprudentes
+ consejos perdió á los Catolicos aquella quietud en que les dexo
+ Carlos segundo. V. E. asegure á su Santidad que mas sacaré del
+ Principe para los Catolicos que pudiera sacra del Rey.«+]
+
+
+[_Zufriedenheit der katholischen Mächte._] In Folge dessen war die
+Befriedigung, mit der die Fürsten des Hauses Österreich und der Papst
+erfuhren, daß die langjährige Abhängigkeit Englands zu Ende sei,
+ziemlich ungetrübt. Als es in Madrid bekannt wurde, daß Wilhelm dem
+glücklichen Erfolge seines Unternehmens entgegenging, sprach nur eine
+einzige Stimme im spanischen Staatsrathe schüchtern sein Bedauern
+darüber aus, daß ein vom politischen Standpunkte betrachtet höchst
+erfreuliches Ereigniß den Interessen der wahren Kirche nachtheilig
+werden müsse.[50] Aber die tolerante Politik des Prinzen zerstreute bald
+alle Besorgnisse und die bigotten Granden Castiliens betrachteten seine
+Erhebung fast mit eben so großer Befriedigung, als die englischen Whigs.
+
+ [Anmerkung 50: Am 13.(23.) Dec. 1688 gab der Admiral von Castilien
+ seine Meinung folgendermaßen ab: +»Esta materia es de calidad que
+ no puede dexar de padecer nuestra sagrada religion ó el servicio
+ de V. M.; porque, si el Principe de Orange tiene buenos succesos,
+ nos aseguraremos de Franceses, pero peligrarà la religion.«+ Der
+ Staatsrath wurde am 16.(26.) Februar sehr erfreut durch ein
+ Schreiben des Prinzen, in welchem er versprach, +»que los
+ Catolicos que se portaren con prudencia no sean molestados, y
+ gocen libertad di conciencia, por ser contra su dictamen el forzar
+ ni castigar por esta ràzon à nadie.«+]
+
+
+[_Stimmung in Frankreich._] Mit ganz anderen Gefühlen war die Nachricht
+von der großen Revolution in Frankreich aufgenommen worden. Die Politik
+einer langen, ereignißreichen und ruhmvollen Regierung war in einem Tage
+über den Haufen geworfen worden. England war wieder das England der
+Elisabeth und Cromwell's und alle Beziehungen zu sämmtlichen Staaten der
+Christenheit wurden durch die plötzliche Einführung dieser neuen Macht
+in das System völlig verändert. Die Pariser sprachen von nichts als von
+den Vorgängen in London. Nationale und religiöse Gefühle bewogen sie,
+für Jakob Partei zu nehmen. Sie kannten die englische Verfassung nicht,
+sie verabscheuten die englische Kirche und unsre Revolution erschien
+ihnen nicht als der Sieg der öffentlichen Freiheit über den Despotismus,
+sondern als eine grauenvolle Familientragödie, in der ein ehrwürdiger
+und frommer Servius durch einen Tarquin vom Throne gestürzt und unter
+den Wagenrädern einer Tullia zermalmt wurde. Sie schrien Zeter über die
+treulosen Heerführer, verwünschten die unnatürlichen Töchter und
+betrachteten Wilhelm mit einem heftigen Widerwillen, der jedoch durch
+die Achtung, welche Tapferkeit, Genie und Erfolg fast immer erwecken,
+gemildert wurde.[51] Die Königin, dem Nachtwind und Regen ausgesetzt,
+den unmündigen Erben dreier Kronen an die Brust drückend und der von
+rohen Buben angehaltene, beraubte und gemißhandelte König waren in ganz
+Frankreich Gegenstände des Mitleids und der romanhaften Theilnahme.
+Ludwig aber betrachtete das Unglück des Hauses Stuart mit ganz besonders
+lebhaftem Mitgefühl. Alle egoistischen und alle edlen Seiten seines
+Characters wurden gleichmäßig erregt. Nach langen Jahren des Glücks traf
+ihn endlich ein großes Unglück. Er hatte auf die Unterstützung oder
+Neutralität Englands gerechnet; jetzt hatte er von diesem Lande nichts
+mehr als energische und beharrliche Feindseligkeit zu erwarten. Noch
+wenige Wochen zuvor hätte er nicht mit Unrecht hoffen können, Flandern
+zu unterjochen und Deutschland Gesetze zu geben. Jetzt konnte er froh
+sein, wenn er im Stande war, seine eigenen Grenzen gegen einen
+Staatenbund zu vertheidigen, wie ihn Europa seit vielen Menschenaltern
+nicht mehr gesehen hatte. Nichts konnte ihn aus dieser ganz neuen
+beunruhigenden Lage reißen, als eine Contrerevolution oder ein
+Bürgerkrieg auf den britischen Inseln. Ehrgeiz und Furcht bestimmten ihn
+daher, sich der gestürzten Dynastie anzunehmen. Man muß ihm jedoch die
+Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß auch edlere Motive als Ehrgeiz und
+Furcht ihn bei seinem Verfahren leiteten. Er besaß von Natur ein
+mitfühlendes Herz und der vorliegende Fall mußte nothwendig sein ganzes
+Mitgefühl erregen. Nur seine Stellung hatte die volle Entwickelung
+seiner guten Charactereigenschaften verhindert. Bei großer Ungleichheit
+der Standesverhältnisse wird selten ein starkes Mitgefühl aufkommen
+können, und er stand so hoch über der großen Masse seiner Nebenmenschen,
+daß ihre Drangsale nur geringe Theilnahme in ihm erweckten, ähnlich der,
+mit der wir die Leiden niederer Geschöpfe, eines verhungerten Vogels
+oder eines abgetriebenen Pferdes betrachten. So hatte die Verwüstung der
+Pfalz und die Verfolgung der Hugenotten kein theilnehmendes Gefühl in
+ihm erregt, das nicht durch Stolz und Bigotterie wirksam unterdrückt
+worden wäre. Aber die ganze Sympathie, deren er fähig war, wurde durch
+das Unglück eines großen Königs erweckt, der noch vor wenigen Wochen von
+knieenden Lords bedient worden und der jetzt ein verlassener Verbannter
+war. Mit dieser Rührung verband sich im Herzen Ludwig's eine nicht
+unedle Eitelkeit. Er wollte der Welt ein Beispiel von Großmuth und
+Artigkeit geben. Er wollte der Menschheit zeigen, wie sich ein
+vollendeter Edelmann in der höchsten Stellung und bei der wichtigsten
+Veranlassung benehmen müsse, und sein Benehmen zeichnete sich in der
+That durch ritterliche Großmuth und Urbanität aus, wie sie die
+Geschichtsbücher Europa's nicht wieder geziert hatten, seitdem der
+schwarze Prinz beim Souper auf dem Schlachtfelde von Poitiers hinter dem
+Stuhle König Johann's gestanden.
+
+ [Anmerkung 51: In dem Kapitel von La Bruyère unter der
+ Überschrift: +Sur les Jugemens+, kommt eine Stelle vor, welche
+ gelesen zu werden verdient, weil sie zeigt, in welchem Lichte
+ unsre Revolution einem Franzosen von ausgezeichneten Fähigkeiten
+ erschien.]
+
+
+[_Empfang der Königin von England in Frankreich._] Sobald die Nachricht
+von der Landung der Königin von England an der französischen Küste nach
+Versailles kam, wurde ein Palast für sie in Bereitschaft gebracht.
+Equipagen und Garden wurden zu ihrer Verfügung abgesandt. Arbeiter
+wurden angestellt, um die Straße von Calais auszubessern, damit ihr die
+Reise möglichst erleichtert werde. Lauzun erhielt nicht nur die
+Zusicherung, daß ihm seine früheren Vergehen um ihretwillen vergeben
+sein sollten, sondern er wurde überdies mit einem eigenhändigen gnädigen
+Schreiben von Ludwig beehrt. Marie war schon auf dem Wege nach dem
+französischen Hofe, als sie die Nachricht erhielt, daß ihr Gemahl nach
+einer stürmischen Überfahrt glücklich bei dem kleinen Dorfe Ambleteuse
+gelandet war. Einige Personen von hohem Range wurden sogleich von
+Versailles abgesandt, um ihn zu begrüßen und zu begleiten. Unterdessen
+brach Ludwig selbst mit seiner Familie und seinem höchsten Adel auf, um
+die verbannte Königin mit Gepränge zu empfangen. Vor seiner prachtvollen
+Staatscarosse marschirten die schweizer Hellebardiere. Zu beiden Seiten
+und hinter derselben ritt die Leibgarde mit klingendem Spiel. Der
+glänzendste Adel von Europa folgte dem Könige mit hundert sechsspännigen
+Equipagen; Alles strotzte von Federn, Bändern, Juwelen und Stickereien.
+Der Zug war noch nicht weit gekommen, als die Annäherung Mariens
+gemeldet wurde. Ludwig stieg aus und ging ihr zu Fuß entgegen. Sie brach
+in leidenschaftliche Dankesversicherungen aus. »Madame,« sagte der
+König, »es ist leider ein schmerzlicher Dienst, den ich Ihnen heute
+erzeige. Ich hoffe später im Stande zu sein, Ihnen größere und
+angenehmere Dienste zu erzeigen.« Er küßte den kleinen Prinzen von Wales
+und ließ die Königin in seinem Staatswagen zur Rechten sitzen. Dann
+setzte sich der Zug nach Saint-Germains in Bewegung.
+
+In Saint-Germains hatte Franz I. am Saume eines von Jagdwild reich
+bestandenen Forstes und auf dem Gipfel eines die Windungen der Seine
+beherrschenden Hügels ein Schloß erbaut und Heinrich IV. eine prächtige
+Terrasse angelegt. Keine von den Residenzen der Könige von Frankreich
+hatte eine gesundere Lage und eine herrlichere Aussicht. Die gewaltige
+Größe und das ehrwürdige Alter der Bäume, die Schönheit der Gärten und
+der Überfluß an Quellen waren weit berühmt. Ludwig XIV. war hier
+geboren, hatte hier als Jüngling sein Hoflager gehalten, hatte das
+Schloß Franz' I. durch mehrere stattliche Pavillons erweitert und die
+Terrasse Heinrich's vollendet. Bald aber bemächtigte sich des
+prachtliebenden Königs ein unerklärlicher Widerwille gegen seine
+Geburtsstätte. Er vertauschte Saint-Germains mit Versailles und
+verwendete ungeheure Summen auf das vergebliche Bemühen, einen ganz
+besonders unfruchtbaren und ungesunden Ort, dessen Boden nur aus Sand
+oder Lehm bestand und der weder Wald, noch Wasser, noch Wild hatte, in
+ein Paradies umzuschaffen. Saint-Germains war jetzt zum Wohnsitz für die
+königliche Familie Englands erwählt worden. Prachtvolle Mobilien waren
+in aller Eile dahin gesandt worden und die für den kleinen Prinzen von
+Wales bestimmten Gemächer waren mit Allem versehen, was ein Kind
+bedurfte. Einer von dem Gefolge überreichte der Königin den Schlüssel zu
+einer kostbaren Chatulle, die in ihrem Zimmer stand. Sie öffnete
+dieselbe und fand darin sechstausend Pistolen.
+
+
+[_Ankunft Jakob's in St.-Germains._] Am folgenden Tage kam auch Jakob in
+St.-Germains an. Ludwig war schon dort, um ihn zu bewillkommnen. Der
+unglückliche Verbannte verbeugte sich so tief, als ob er die Knie seines
+Beschützers hatte umfassen wollen. Ludwig hob ihn auf und umarmte ihn
+mit brüderlicher Zärtlichkeit. Dann traten die beiden Könige ins Zimmer
+der Königin. »Hier ist ein Herr,« sagte Ludwig zu ihr, »dessen Ankunft
+Sie gewiß erfreuen wird.« Nachdem er hierauf seine Gäste eingeladen
+hatte, ihn am folgenden Tage in Versailles zu besuchen und ihm das
+Vergnügen zu verschaffen, ihnen seine Gebäude, seine Gemälde und seine
+Anlagen zu zeigen, verabschiedete er sich ohne alle Ceremonien, wie ein
+alter Freund.
+
+Wenige Stunden darauf wurde dem königlichen Paare gemeldet, daß ihnen,
+so lange sie dem Könige von Frankreich die Ehre erzeigen würden, seine
+Gastfreundschaft anzunehmen, jährlich fünfundvierzigtausend Pfund
+Sterling aus seinem Staatsschatze ausgezahlt werden sollten. Zehntausend
+Pfund wurden zur ersten Einrichtung gesandt.
+
+Viel rühmenswerther und bewundernswürdiger als Ludwig's Freigebigkeit
+war jedoch die ausgezeichnete Delicatesse, mit der er sich bemühte, die
+Gefühle seiner Gäste zu beruhigen und ihnen die fast unerträgliche Last
+der Verbindlichkeiten, die er ihnen auflud, zu erleichtern. Er, der
+bisher in allen Fragen des Vorrangs empfindlich, streitsüchtig und
+anmaßend, der mehr als einmal bereit gewesen war, eher ganz Europa in
+Krieg zu verwickeln, als in dem geringfügigsten Punkte der Etikette
+nachzugeben, war jetzt übertrieben ängstlich, und zwar für seine Freunde
+gegen sich selbst. Er gab Befehl, daß Marien alle Ehrfurchtsbezeigungen
+zu Theil werden sollten, die seiner verstorbenen Gemahlin je erwiesen
+worden waren. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob die Prinzen des Hauses
+Bourbon berechtigt seien, sich in Anwesenheit der Königin
+niederzusetzen. Derartige Kleinigkeiten waren an dem alten französischen
+Hofe sehr wichtige Dinge. Es ließen sich auf beiden Seiten
+Precedenzfälle nachweisen; aber Ludwig entschied die Frage gegen sein
+eignes Blut. Einige vornehme Damen unterließen die Ceremonie, den Saum
+von Mariens Kleide zu küssen. Ludwig bemerkte die Unterlassung und rügte
+sie in einem Tone und mit einem Blicke, daß diese ganze Pairie von nun
+an bereit gewesen wäre, ihr den Fuß zu küssen. Als das so eben von
+Racine geschriebene Schauspiel »Esther« in Saint-Cyr aufgeführt wurde,
+hatte Marie den Ehrenplatz. Jakob saß ihr zur Rechten, Ludwig nahm
+bescheiden zu ihrer Linken Platz. Ja er wünschte sogar, daß ein von
+seiner Freigebigkeit lebender Verbannter in seinem eigenen Palaste den
+Titel König von Frankreich führen, als König von Frankreich die Lilien
+mit dem englischen Löwen vereinigen und sich als König von Frankreich
+bei vorkommender Hoftrauer violett kleiden sollte.
+
+Das Benehmen des französischen Adels bei feierlichen Anlässen wurde
+durchaus vom Souverain geregelt; aber es lag außer dem Bereiche seiner
+Macht, sie am freien Denken zu hindern und in Privatzirkeln ihre
+Gedanken mit dem ihrer Nation und ihrem Stande eigenen feinen und
+beißenden Witze auszudrücken. Ihre Meinung von Marien war eine günstige.
+Sie fanden ihre persönliche Erscheinung einnehmend und ihre Haltung
+würdevoll. Sie achteten ihren Muth und ihre Mutterliebe und beklagten
+ihr Mißgeschick. Jakob aber verachteten sie gründlich. Sein Stumpfsinn,
+die kalte Gleichgültigkeit, mit der er gegen Jedermann von seinem Sturze
+sprach, und das kindische Vergnügen, das er an dem Pomp und Luxus von
+Versailles fand, waren ihnen widerlich. Sie schrieben diese sonderbare
+Apathie nicht der Philosophie oder Religiosität, sondern einem
+beschränkten und niedrig denkenden Geiste zu und äußerten, daß Niemand
+der die Ehre gehabt habe, Seine Großbritannische Majestät seine
+Geschichte erzählen zu hören, sich darüber wundern könne, daß er in
+Saint-Germains und sein Schwiegersohn in Saint-James war.[52]
+
+ [Anmerkung 52: Meine Mittheilungen über den Empfang Jakob's und
+ seiner Gemahlin in Frankreich sind namentlich den Briefen der Frau
+ von Sévigné und den Memoiren Dangeau's entnommen.]
+
+
+[_Stimmung in den Vereinigten Provinzen._] In den Vereinigten Provinzen
+war die durch die Nachrichten aus England verursachte Aufregung noch
+größer als in Frankreich. Dies war der Zeitpunkt, wo der batavische Bund
+den Höhepunkt seiner Macht und seines Ruhmes erreichte. Von dem Tage, an
+welchem die Expedition absegelte, war die ganze holländische Nation in
+ängstlicher Spannung. Nie waren die Kirchen so gefüllt, nie war die
+Begeisterung der Prediger so glühend gewesen. Man konnte es nicht
+verhindern, daß die Bewohner des Haag Albeville insultirten. Sein Haus
+war Tag und Nacht von so dichten Volkshaufen belagert, daß fast Niemand
+es wagte, ihn zu besuchen, und er fürchtete ernstlich, seine Kapelle
+würde in Brand gesteckt werden.[53] Da jede Post Nachricht von dem immer
+weiteren Vorschreiten des Prinzen brachte, stieg der Muth seiner
+Landsleute mit jedem Augenblicke, und als es endlich bekannt wurde, daß
+er auf Ansuchen der Lords und einer Versammlung ausgezeichneter Gemeinen
+die ausübende Verwaltung übernommen hatte, brachen alle holländischen
+Parteien in einen einstimmigen Ruf des Stolzes und der Freude aus. Es
+wurde in aller Eil eine außerordentliche Gesandtschaft abgeschickt, um
+ihn zu beglückwünschen. Dykvelt, dessen Beistand wegen seiner
+diplomatischen Geschicklichkeit und seiner gründlichen Kenntniß des
+englischen Staatswesens in diesem Augenblicke besonderen Werth hatte,
+war einer der Abgesandten, und ihm war Nikolaus Witsen, ein
+Bürgermeister von Amsterdam, beigegeben, welcher deshalb dazu auserwählt
+worden zu sein scheint, um ganz Europa zu beweisen, daß die lange Fehde
+zwischen dem Hause Oranien und der Hauptstadt Hollands zu Ende sei. Am
+8. Januar erschienen Dykvelt und Witsen in Westminster. Wilhelm sprach
+mit einer Offenheit und Herzlichkeit zu ihnen, die man in seinen
+Unterredungen mit Engländern selten bemerkte. Seine ersten Worte waren:
+»Nun, was sagen jetzt unsere Freunde in der Heimath?« In der That, der
+einzige Beifall, der auf sein stoisches Gemüth einen tiefen Eindruck
+machte, war der Beifall seines geliebten Vaterlandes. Von seiner großen
+Popularität in England sprach er mit kalter Geringschätzung und
+prophezeite nur zu wahr die wirklich eintretende Reaction. »Hier,« sagte
+er, »ruft jetzt Alles Hosianna, und morgen wird man vielleicht rufen:
+Kreuziget ihn!«[54]
+
+ [Anmerkung 53: Albeville an Preston, 23. Nov. (3. Dec.) 1688 in
+ der Mackintosh-Sammlung.]
+
+ [Anmerkung 54: +»'Tis hier nu Hosanna: maar 't zal, veelligt,
+ haast Kruist hem, kruist hem, zyn.«+ Witsen +MS.+ in Wagenaar,
+ Buch 61. Es ist ein sonderbares Zusammentreffen, daß einige Jahre
+ früher Richard Duke, ein ehedem wohlbekannter, jetzt aber fast
+ ganz vergessener toryistischer Dichter, den man höchstens noch aus
+ Johnson's biographischer Skizze kennt, ganz denselben Vergleich
+ auf Jakob anwendete:
+
+ »Ist's nicht der Judenpöbel, der einstmals geschrie'n
+ Hosianna erst und nachher kreuzigt ihn?«
+ +»The Review.«+
+
+ Depesche der außerordentlichen holländischen Gesandten vom 8.(18.)
+ Jan. 1689; Citters von dem nämlichen Datum.]
+
+
+[_Wahl der Mitglieder zur Convention._] Am folgenden Tage wurden die
+ersten Mitglieder der Convention gewählt. Die City von London machte den
+Anfang und wählte ohne allen Widerstreit vier große Kaufleute, welche
+eifrige Whigs waren. Der König und seine Anhänger hatten gehofft, daß
+viele Wahlbeamten das Schreiben des Prinzen als ungültig betrachten
+würden, aber seine Hoffnung wurde getäuscht. Die Wahlen gingen rasch und
+ohne Hindernisse von Statten. Kaum an einem einzigen Orte gab es
+Widerspruch. Denn die Nation war seit länger als einem Jahre in
+beständiger Erwartung eines Parlaments gehalten worden. Es waren zweimal
+Wahlschreiben erlassen und zweimal waren sie widerrufen worden. Einige
+Wahlkörper waren in Folge dieser Ausschreiben schon zu der Wahl von
+Abgeordneten geschritten. Es gab kaum eine Grafschaft, in der die Gentry
+und die Freisassenschaft nicht schon vor vielen Monaten über Candidaten
+einig gewesen wäre, lauter gute Protestanten, welche trotz König und
+Lordlieutenant durchzubringen man keine Anstrengung gespart haben würde,
+und diese Candidaten wurden ohne Opposition gewählt.
+
+Der Prinz erließ strenge Befehle, daß kein Staatsdiener bei dieser
+Gelegenheit jene Kunstgriffe anwenden solle, welche der vorigen
+Regierung so viele Vorwürfe zugezogen hatten. Namentlich verfügte er,
+daß in keiner Stadt, wo eine Wahl vor sich ging, Soldaten erscheinen
+dürften.[55] Seine Bewunderer konnten rühmend behaupten und seine Feinde
+scheinen nicht im Stande gewesen zu sein es zu leugnen, daß die
+Gesinnung der Wahlkörper einen unverfälschten Ausdruck erhielt.
+Allerdings wagte er auch nicht viel. Die ihm anhängende Partei war
+siegreich, voll Begeisterung und energischer Lebenskraft, und die
+Partei, von der allein er ernsten Widerstand zu fürchten gehabt hätte,
+war uneinig und muthlos mit sich selbst und noch mehr mit ihrem
+natürlichen Oberhaupte unzufrieden. Daher wählte ein großer Theil der
+Grafschaften und Boroughs whiggistische Abgeordnete.
+
+ [Anmerkung 55: +London Gazette, Jan. 7. 1688/89.+]
+
+
+[_Die Angelegenheiten Schottlands._] Wilhelm's Regentenautorität
+erstreckte sich nicht auf England allein. Auch Schottland hatte sich
+gegen seine Tyrannen erhoben. Alle regulären Soldaten, durch die es so
+lange niedergehalten worden, waren mit Ausnahme einer sehr kleinen
+Truppe, welche unter dem Commando des Herzogs von Gordon, eines
+angesehenen katholischen Lords, die Besatzung des Schlosses von Edinburg
+bildete, von Jakob zum Beistande gegen das holländische Invasionsheer
+aufgeboten worden. Jede während des ereignißvollen Monats November nach
+dem Norden gegangene Post hatte Nachrichten gebracht, welche die
+Leidenschaften der bedrückten Schotten aufstachelten. So lange der
+Ausgang der militairischen Operationen noch zweifelhaft war, gab es in
+Edinburg Tumulte und Demonstrationen, welche drohender wurden, nachdem
+Jakob sich von Salisbury zurückgezogen hatte. Große Volksmassen
+versammelten sich anfangs bei Nacht, dann selbst am hellen Tage. Päpste
+wurden öffentlich verbrannt, man rief laut nach einem freien Parlamente,
+und Plakate wurden angeschlagen, welche auf die Köpfe der Staatsminister
+Preise setzten. Der am meisten verhaßte unter diesen Ministern war
+Perth, der den hohen Posten des Staatskanzlers bekleidete, in der
+königlichen Gunst sehr hoch stand, vom reformirten Glauben abgefallen
+war und in dem Gerichtsverfahren seines Vaterlandes zuerst die
+Daumenschraube eingeführt hatte. Er war ein Mann ohne Energie und von
+niedriger Denkweise; der einzige Muth, den er besaß, war der entehrende
+Muth, welcher der Schande trotzt und die Qualen Anderer gleichgültig mit
+ansieht. Sein Posten war zu solchen Zeiten an der Spitze des
+Staatsrathes; aber er hatte nicht das Herz dazu und beschloß daher, sich
+der Gefahr, die nach den Blicken und Äußerungen des wilden und
+unerschrockenen Pöbels von Edinburg nicht fern war, dadurch zu
+entziehen, daß er sich auf seinen Landsitz flüchtete. Eine starke Wache
+begleitete ihn nach Schloß Drummond; kaum aber war er abgereist, so
+erhob sich die Stadt. Eine kleine Anzahl Truppen versuchten es, den
+Aufstand zu unterdrücken, aber sie wurden überwältigt. Der Palast
+Holyrood, der in ein katholisches Seminar und in eine Staatsdruckerei
+verwandelt worden war, wurde erstürmt und demolirt. Ungeheure Haufen von
+papistischen Büchern, Rosenkränzen, Kruzifixen und Bildern wurden in
+High Street verbrannt. Mitten in der Aufregung kam die Nachricht von der
+Flucht des Königs. Die Mitglieder der Regierung gaben jeden Gedanken an
+eine Bekämpfung der Volkswuth auf und wechselten mit einer bei den
+schottischen Staatsmännern damals sehr gewöhnlichen Schnelligkeit die
+Farbe. Der Geheime Rath erließ eine Verordnung des Inhalts, daß alle
+Papisten entwaffnet werden sollten, und durch eine andre Proklamation
+forderte er die Protestanten auf, sich zur Vertheidigung des reinen
+Glaubens zusammenzuschaaren. Die Nation hatte nicht erst auf diesen
+Aufruf gewartet; Stadt und Land standen schon für den Prinzen von
+Oranien unter den Waffen. Nithisdale und Clydesdale waren die einzigen
+Bezirke, in denen eine schwache Aussicht war, daß die Katholiken sich
+widersetzen würden; aber beide Bezirke waren bald von Schaaren
+bewaffneter Presbyterianer besetzt. Unter den Insurgenten befanden sich
+einige heftige und finstre Männer, welche früher Argyle verleugnet
+hatten und die jetzt eben so wenig von Wilhelm etwas wissen wollten.
+Seine Hoheit, sagten sie, habe offenbar Böses im Sinne. Er habe in
+seiner Erklärung kein Wort von dem Covenant erwähnt. Die Holländer wären
+ein Volk, mit dem kein wahrer Diener des Herrn gemeinschaftliche Sache
+machen würde. Sie hielten es mit den Lutheranern und ein Lutheraner sei
+eben so gut ein Kind der Verdammniß wie ein Jesuit. Die allgemeine
+Stimme des Königreichs erstickte jedoch wirksam das Murren dieser
+haßschnaubenden Faction.[56]
+
+Die Bewegung verbreitete sich bald bis in die Gegend des Schlosses
+Drummond. Perth sah, daß er unter seinen eigenen Dienern und Pächtern
+nicht mehr sicher war. Er überließ sich daher einer eben so trostlosen
+Verzweiflung, als in welche seine unbarmherzige Tyrannei oft viel
+bessere Menschen als er war, gestürzt hatte. In seiner Todesangst suchte
+er Trost in den Gebräuchen seiner neuen Kirche. Er quälte seine Priester
+um geistlichen Zuspruch, betete, beichtete und communicirte; aber sein
+Glaube war schwach und er gestand, daß trotz aller seiner
+Andachtsübungen die Todesfurcht ihn überwältige. Um diese Zeit erfuhr
+er, daß er Aussicht hatte, auf einem vor Brentisland liegenden Schiffe
+zu entkommen. Er verkleidete sich so gut als möglich und nach einer
+langen und beschwerlichen Reise über die ungangbaren Pfade des damals
+mit tiefem Schnee bedeckten Ochillgebirges gelang es ihm sich
+einzuschiffen; aber trotz aller beobachteten Vorsicht war er erkannt und
+Lärm gemacht worden. Sobald es bekannt wurde, daß der blutdürstige
+Renegat sich auf der See befinde, und daß er Gold bei sich habe, waren
+ihm von Haß und Habgier erfüllte Verfolger auf den Fersen. Ein von einem
+alten Freibeuter befehligtes Boot holte das fliehende Schiff ein und
+enterte es. Perth, der Frauenkleider angelegt hatte, wurde aus dem
+Kielraume aufs Verdeck geschleppt, ausgezogen, gemißhandelt und
+geplündert. Man setzte ihm Bajonnette auf die Brust. Mit weibischem
+Gejammer um Schonung seines Lebens flehend wurde er ans Land
+zurückgebracht und in die Frohnfeste von Kirkaldy geworfen. Von dort
+wurde er auf Befehl des Geheimen Raths, dem er kürzlich noch präsidirt
+hatte und in welchem Männer saßen, die seine Schuld theilten, nach dem
+Schlosse Stirling transportirt. Es war an einem Sonntage während des
+öffentlichen Gottesdienstes, als er unter militairischer Eskorte in sein
+Gefängniß abgeführt wurde; aber selbst strenge Puritaner vergaßen die
+Heiligkeit des Tages und des Gottesdienstes. Die Andächtigen verließen
+die Kirchen, als der Tyrann vorüberkam und laute Drohungen,
+Verwünschungen und Ausbrüche des Hasses begleiteten ihn bis an den
+Eingang seines Gefängnisses.[57]
+
+Mehrere angesehene Schotten befanden sich in London, als der Prinz
+daselbst ankam, und viele andere eilten jetzt dahin, um ihm ihre
+Aufwartung zu machen. Am 7. Januar ersuchte er sie, sich ihm in
+Whitehall vorzustellen. Die Versammlung war zahlreich und bestand aus
+sehr achtbaren Männern. An der Spitze des Zuges erblickte man den Herzog
+von Hamilton und seinen ältesten Sohn, den Earl von Arran, die
+Oberhäupter eines Hauses von fast königlichem Ansehen. Sie waren
+begleitet von dreißig Lords und ungefähr achtzig angesehenen Gentlemen.
+Wilhelm sprach den Wunsch aus, daß sie sich mit einander berathen und
+ihm dann sagen möchten, wie er das Wohl ihres Landes am besten fördern
+könnte. Dann entfernte er sich, damit sie, durch seine Anwesenheit nicht
+beengt, sich mit einander besprechen konnten. Sie gingen in das
+Berathungszimmer und übertrugen dem Herzoge von Hamilton den Vorsitz.
+Obgleich nur wenig Meinungsverschiedenheit stattgefunden zu haben
+scheint, dauerten die Verhandlungen doch drei Tage, ein Umstand, der
+sich durch Sir Patrick Hume's Betheiligung an der Debatte genügend
+erklären läßt. Arran wagte es, eine Unterhandlung mit dem Könige
+vorzuschlagen. Dieser Antrag aber wurde von seinem Vater und von der
+ganzen Versammlung übel aufgenommen und fand gar keine Unterstützung.
+Endlich wurden Beschlüsse gefaßt, ganz ähnlich denen, welche die
+englischen Lords und Gemeinen einige Tage vorher dem Prinzen überreicht
+hatten. Er wurde ersucht, eine Convention der schottischen Stände
+einzuberufen, ihren Zusammentritt auf den 14. März zu bestimmen und bis
+zu diesem Tage die Civil- und Militairverwaltung selbst zu übernehmen.
+Er kam diesen Wünschen nach und die Regierung der ganzen Insel war von
+nun an in seinen Händen.[58]
+
+ [Anmerkung 56: +Sixth Collection of Papers, 1689+; +Wodrow, III.
+ 12. 4. App. 150, 151; Faithful Contendings Displayed+; +Burnet, I.
+ 804.+]
+
+ [Anmerkung 57: Perth an Lady Errol, 29. Dec. 1688; an Melfort, 21.
+ Dec. 1688: +Sixth Collection of Papers, 1689.+]
+
+ [Anmerkung 58: +Burnet, I. 805+; +Sixth Collection of Papers,
+ 1689.+]
+
+
+[_Stand der Parteien in England._] Der entscheidende Augenblick rückte
+heran und die Aufregung der Gemüther stieg auf den Höhepunkt. Kleine
+Clubs von Politikern steckten überall flüsternd und berathend die Köpfe
+zusammen. Die Kaffeehäuser waren in heftiger Gährung, und die Pressen
+der Hauptstadt standen keine Minute still. Von den damals erschienenen
+Flugschriften könnte man noch jetzt mehrere Bände füllen und man kann
+sich aus diesen Flugschriften unschwer eine richtige Vorstellung von dem
+Stande der Parteien bilden.
+
+Eine sehr kleine Faction wollte Jakob ohne irgend eine Bedingung
+zurückrufen. Eine andre, ebenfalls sehr kleine Faction wünschte eine
+Republik zu errichten und die Verwaltung einem Staatsrathe unter der
+Präsidentschaft des Prinzen von Oranien zu übertragen. Diese extremen
+Meinungen wurden jedoch allgemein mit Abscheu verworfen. Die Nation
+bestand zu Neunzehn Zwanzigsteln aus Leuten, welche mit der Liebe zur
+erblichen Monarchie die Liebe zur constitutionellen Freiheit verbanden,
+wenn auch nicht alle in gleichem Verhältnisse, und die von der
+gänzlichen Abschaffung des Königstitels eben so wenig etwas wissen
+wollten, als von der unbedingten Wiedereinsetzung des Königs.
+
+Doch in der weiten Entfernung, welche die noch den Lehren Filmer's
+anhängenden Bigotten von den Schwärmern trennte, die noch an die
+Verwirklichung der Träume Harrington's dachten, war Raum für viele
+Meinungsschattirungen. Läßt man die unwichtigen Unterabtheilungen
+unberücksichtigt, so wird man finden, daß die große Majorität der Nation
+und der Convention in vier Abtheilungen zerfiel. Drei von diesen
+Abtheilungen bestanden aus Tories und die vierte bildete die Whigpartei.
+
+Die Freundschaft zwischen den Whigs und Tories hatte die Gefahr, welche
+sie erzeugt, nicht überdauert. Während des Marsches des Prinzen aus dem
+Westen hatten sich bei verschiedenen Gelegenheiten Spaltungen unter
+seinen Anhängern gezeigt. So lange der Ausgang seines Unternehmens noch
+zweifelhaft war, hatte seine geschickte Leitung diese Zerwürfnisse ohne
+Mühe geschlichtet. Aber von dem Tage seines triumphirenden Einzugs in
+den St. Jamespalast an war eine solche Leitung nicht mehr möglich. Indem
+sein Sieg die Nation von der Furcht vor papistischer Tyrannei befreite,
+hatte er ihm zugleich die Hälfte seines Einflusses entzogen. Alte
+Antipathien, welche geschlummert hatten, so lange die Bischöfe im Tower
+und die Jesuiten im Staatsrathe saßen, so lange loyale Geistliche zu
+Dutzenden ihres Lebensunterhalts beraubt und loyale Gentlemen zu
+Hunderten ihres Friedensrichteramtes entsetzt wurden, erwachten jetzt
+mit erneuter Heftigkeit wieder. Der Royalist schauderte bei dem
+Gedanken, daß er mit allen Denen verbündet sei, die er von Jugend auf am
+meisten gehaßt habe: mit ehemaligen Anführern der Parlamentsarmee, die
+sein Landhaus erstürmt, mit ehemaligen Parlamentscommissaren, die sein
+Vermögen sequestrirt hatten, mit Männern, welche das Ryehouse-Gemetzel
+angestiftet und an der Spitze der Insurrection im Westen gestanden
+hatten. Auch die theure Kirche, der zu Liebe er nach einem qualvollen
+Kampfe seine Unterthanentreue gegen den Thron gebrochen, war sie
+wirklich in Sicherheit? Oder hatte er sie von einem Feinde befreit, nur
+um sie einem andren preis zu geben? Allerdings waren die papistischen
+Priester in der Verbannung, in Verstecken oder im Gefängniß. Kein Jesuit
+oder Benedictiner, dem sein Leben lieb war, wagte es jetzt, sich in
+seiner Ordenstracht zu zeigen. Aber die Presbyterianer- und
+Independentenprediger zogen in langer Procession zu dem Oberhaupte der
+Regierung, um ihm ihre Huldigung darzubringen und wurden eben so
+freundlich empfangen, wie die wahren Nachfolger der Apostel. Einige
+Schismatiker sprachen die Hoffnung aus, daß bald jede Schranke, die sie
+von geistlichen Ämtern ausschlösse, fallen werde, daß die Artikel
+gemildert, die Liturgie gesichtet, daß Weihnachten aufhören werde ein
+Fest, der Charfreitag ein Fasttag zu sein, daß Canonici, deren Haupt nie
+ein Bischof berührt, ohne das heilige Gewand von weißen Linnen in den
+Chören der Kathedralen das Brot und den Wein des Abendmahls an auf
+Bänken sitzende Communicanten austheilen werden. Der Prinz war zwar kein
+fanatischer Presbyterianer, aber höchstens ein Latitudinarier. Er trug
+kein Bedenken, nach anglikanischem Ritus zu communiciren, aber es war
+ihm auch gleichgültig, nach welchem Ritus andere Leute communicirten. Es
+stand zu befürchten, daß seine Gemahlin nur zuviel von seinem Geiste
+eingesogen hatte. Burnet war ihr Gewissensrath; sie hörte Prediger von
+verschiedenen protestantischen Secten, und hatte unlängst geäußert, daß
+sie zwischen der Kirche Englands und den anderen reformirten Kirchen
+keinen wesentlichen Unterschied erblicke.[59] Es war daher nothwendig,
+daß die Kavaliere in diesem Augenblicke das von ihren Vätern im Jahre
+1641 gegebene Beispiel befolgten, sich von den Rundköpfen und Sectirern
+trennten und trotz aller Fehler des erblichen Monarchen die Sache der
+erblichen Monarchie aufrecht erhielten.
+
+Die von solchen Gesinnungen beseelte Partei war zahlreich und
+achtungswerth. Sie schloß ungefähr die Hälfte des Hauses der Lords, etwa
+ein Drittel des Hauses der Gemeinen, die Mehrheit der Landgentry und
+mindestens neun Zehntel der Geistlichkeit in sich; aber sie war durch
+Spaltungen zerrissen und auf allen Seiten von Schwierigkeiten umgeben.
+
+ [Anmerkung 59: Albeville, 9.(19.) Nov. 1688.]
+
+
+[_Sherlock's Plan._] Eine Section dieser großen Partei, die besonders
+unter der Geistlichkeit stark vertreten und deren Hauptorgan Sherlock
+war, wünschte, daß Unterhandlungen mit Jakob eröffnet und daß er unter
+Bedingungen, welche die bürgerliche und kirchliche Verfassung des Reichs
+vollkommen sicher stellten, zur Rückkehr nach Whitehall eingeladen
+werden sollte.[60] Es springt in die Augen, daß dieser Plan, so
+energisch er auch von der Geistlichkeit unterstützt wurde, doch in
+directem Widerspruche mit den Doctrinen stand, welche der Klerus seit
+vielen Jahren lehrte. Es war in der That ein Versuch, einen Mittelweg
+einzuschlagen, wo kein Mittelweg möglich war, und einen Vergleich
+zwischen zwei Dingen herbeizuführen, welche keinen Vergleich zulassen:
+zwischen Widerstand und Nichtwiderstand. Die Tories hatten sich früher
+zu dem Prinzipe des Nichtwiderstandes gehalten. Aber diesen Boden hatten
+die meisten von ihnen jetzt verlassen und waren nicht geneigt, denselben
+wieder einzunehmen. Die englischen Kavaliere in ihrer Gesammtheit waren
+bei der letzten Erhebung gegen den König direct oder indirect so stark
+betheiligt gewesen, daß sie in diesem Augenblicke nicht ohne die größte
+Schande von der geheiligten Pflicht, einem Nero zu gehorchen, sprechen
+konnten; auch hatten sie überhaupt keine Lust, den Fürsten, unter dessen
+schlechter Regierung sie so viel hatten leiden müssen, zurückzurufen,
+ohne ihm Bedingungen vorzuschreiben, die es ihm unmöglich machten, seine
+Gewalt abermals zu mißbrauchen. Sie befanden sich deshalb in einer
+schiefen Stellung. Ihre alte Theorie, mochte sie nun vernünftig oder
+unvernünftig sein, war wenigstens vollständig und folgerichtig. War
+diese Theorie zweckmäßig, so mußte der König unverweilt zur Rückkehr
+aufgefordert und es ihm, wenn anders er wollte, gestattet werden,
+Seymour und Danby, den Bischof von London und den Bischof von Bristol
+wegen Hochverraths hinrichten zu lassen, die kirchliche Commission
+wiederherzustellen, die Kirche mit papistischen Würdenträgern zu füllen
+und die Armee unter das Commando papistischer Offiziere zu stellen. Wenn
+aber, wie die Tories jetzt selbst zuzugeben schienen, die Theorie
+unpraktisch war, warum dann mit dem Könige unterhandeln? Gestand man zu,
+daß er rechtmäßigerweise vom Throne ausgeschlossen werden dürfe, bis er
+befriedigende Garantien für die Sicherheit der kirchlichen und
+staatlichen Verfassung gebe, so konnte man schwerlich leugnen, daß er
+auch für immer rechtmäßigerweise ausgeschlossen werden durfte. Denn
+welche befriedigenden Garantien konnte er geben? Konnte wohl eine
+Parlamentsacte in klarerer Sprache gefaßt sein als die, welche
+vorschrieben, daß der Dechant des Christchurch-Collegiums ein Protestant
+sein müsse? Konnte ein Versprechen klarer und deutlicher sein als die,
+in denen Jakob wiederholt erklärt hatte, daß er die gesetzlichen Rechte
+der anglikanischen Geistlichkeit streng respectiren werde? Wenn Gesetz
+oder Ehrgefühl etwas Bindendes für ihn gehabt hätten, so würde er nie
+gezwungen gewesen sein, aus seinem Königreiche zu fliehen. Wenn aber
+weder Gesetz noch Ehre in seinen Augen bindend für ihn waren, konnte es
+dann wohl rathsam sein, ihn zurückzurufen?
+
+Indessen würde trotz dieser Argumente wahrscheinlich ein Antrag auf
+Eröffnung von Unterhandlungen mit Jakob in der Convention gestellt und
+von der Hauptmasse der Tories unterstützt worden sein, wäre er nicht bei
+dieser, wie bei jeder andren Gelegenheit sein eigner schlimmster Feind
+gewesen. Jede von Saint-Germains kommende Post brachte Mittheilungen,
+welche den Eifer seiner Anhänger abkühlten. Er hielt es nicht einmal der
+Mühe werth, Reue über seine früheren Fehler zu heucheln oder Besserung
+zu geloben. Er erließ ein Manifest, in welchem er seinem Volke sagte,
+daß es stets sein eifriges Bestreben gewesen sei, mit Gerechtigkeit und
+Mäßigung zu regieren und daß es sich durch eingebildete Beschwerden
+selbst ins Verderben habe locken lassen.[61]
+
+ [Anmerkung 60: Siehe die Flugschrift, betitelt: +Letter to a
+ Member of the Convention+, und die Antwort darauf; +Burnet, I.
+ 809.+]
+
+ [Anmerkung 61: Brief an die Lords des Geheimen Raths, 4.(14.) Jan.
+ 1688/89; +Clarendon's Diary, Jan. 9.(19.)+]
+
+
+[_Sancroft's Plan._] Die Folge seiner Thorheit und seines Starrsinns
+war, daß selbst Diejenigen, welche am meisten wünschten, ihn unter
+billigen Bedingungen wieder auf den Thron zu setzen, erkannten, daß sie
+der Sache, der sie dienen wollten, nur schaden würden, wenn sie in
+diesem Augenblicke die Eröffnung von Unterhandlungen vorschlügen. Sie
+beschlossen daher, sich mit einer andren Abtheilung der Tories zu
+verbinden, deren Oberhaupt Sancroft war. Sancroft glaubte ein Mittel
+gefunden zu haben, durch welches für die Regierung des Landes gesorgt
+werden könnte, ohne Jakob zurückzurufen, aber auch ohne ihn deshalb
+seiner Krone zu berauben. Dieses Mittel war eine Regentschaft. Die
+unfügsamsten unter denjenigen Theologen, welche die Lehre vom passiven
+Gehorsam eingeschärft, hatten doch nie behauptet, daß man diesen
+Gehorsam einem Kinde oder einem Wahnsinnigen schuldig sei. Es war
+allgemein anerkannt, daß, wenn der rechtmäßige Souverain zur Verwaltung
+seines Amtes geistig unfähig sei, ein Stellvertreter für ihn erwählt
+werden könne, und daß Jeder, der sich diesem Stellvertreter widersetzte
+und sich zu seiner Entschuldigung auf den Befehl eines Fürsten berief,
+der noch in der Wiege lag oder geistesschwach war, mit vollem Rechte den
+auf Empörung gesetzten Strafen verfiele. Dummheit, Unverstand und
+Aberglaube -- so raisonnirte der Primas -- hätten Jakob eben so unfähig
+gemacht, sein Land zu regieren, wie nur ein in den Windeln liegendes
+Kind oder ein auf dem Stroh von Bedlam grinsender und Unsinn
+schwatzender Wahnsinniger es sein könnte. Es müsse daher der Weg
+eingeschlagen werden, den man ergriffen habe, als Heinrich VI. noch ein
+Kind war, und dann wieder, als er in Schlafsucht verfiel. Jakob könne
+factisch nicht mehr König sein, aber er müsse es doch dem Anscheine nach
+bleiben. Die Regierungsdecrete müßten noch unter seinem Namen erlassen,
+und sein Bildniß und sein Namenszug müßten noch immer auf den Münzen und
+im Staatssiegel figuriren. Die Parlamentsacten müßten nach wie vor mit
+den Jahren seiner Regierung bezeichnet, die Verwaltung aber müsse ihm
+entzogen und einem von den Ständen des Reichs ernannten Regenten
+übertragen werden. Auf diese Weise, behauptete Sancroft allen Ernstes,
+werde das Volk seiner Unterthanenpflicht treu bleiben, die Eide der
+Treue, die es seinem Könige geschworen, würden streng beobachtet werden,
+und die orthodoxesten Anglikaner könnten ohne die geringsten
+Gewissensscrupel unter dem Regenten Ämter übernehmen.[62]
+
+Sancroft's Meinung hatte bei der ganzen Torypartei und ganz besonders
+bei der Geistlichkeit großes Gewicht. Eine Woche vor dem Tage, auf den
+die Convention einberufen war, versammelte sich im Lambethpalaste eine
+ehrwürdige Gesellschaft, hörte in der Kapelle eine Betübung an, speiste
+bei dem Primas und berieth sich dann über den Stand der öffentlichen
+Angelegenheiten. Fünf Suffraganen des Erzbischofs, die im vergangenen
+Sommer seine Gefahren und seinen Ruhm getheilt hatten, waren anwesend.
+Die Earls von Clarendon und von Ailesbury vertraten die toryistische
+Laienschaft. Die ganze Versammlung schien einmüthig der Ansicht zu sein,
+daß Diejenigen, welche Jakob den Unterthaneneid geleistet hatten, ihm
+mit vollem Rechte den Gehorsam verweigern, aber nicht mit gutem Gewissen
+den Königstitel einem Andren beilegen könnten.[63]
+
+ [Anmerkung 62: Es scheint unglaublich, daß irgend Jemand sich
+ durch solchen Unsinn hätte täuschen lassen sollen. Ich halte es
+ daher für nöthig, Sancroft's Worte anzuführen, die noch in seiner
+ eignen Handschrift existiren. »Die politische Capacität oder
+ Autorität des Königs und sein Name in der Regentenreihe sind
+ vollkommen und unleugbar. Da aber seine Person menschlich und
+ sterblich und sonst gegen die übrigen Menschen nicht bevorzugt
+ ist, so ist sie auch allen Mängeln und Fehlern derselben
+ unterworfen. Er kann daher zur Leitung der Regierung, zur
+ Verwaltung des Staatsschatzes etc. unfähig werden, sei es durch
+ Abwesenheit, durch Unmündigkeit, durch Geistesschwäche, Wahnsinn
+ oder Apathie, durch natürliche oder zufällige Krankheit, oder
+ endlich durch gewisse, in Folge von Erziehung oder Gewohnheit
+ entstandene und festgewurzelte, mit unabänderlichen
+ Entschließungen verbundene Vorurtheile in mit den Gesetzen, der
+ Religion, dem Landesfrieden und der wahren Politik des Reichs
+ unvereinbaren Dingen. In allen diesen Fällen, sage ich, müssen
+ eine oder mehrere Personen ernannt werden, um solchem Mängel
+ abzuhelfen und die Regierungsgeschäfte statt seiner und im Namen
+ seiner Gewalt und Autorität zu leiten. Ist dies geschehen, sage
+ ich weiter, so sind alle wie früher stattfindenden Proceduren,
+ Autoritäten, Ernennungen, Verleihungen etc. in jeder Hinsicht
+ gesetzlich und rechtsgültig, die Unterthanenpflichten des Volkes
+ bleiben die nämlichen, seine Eide und Verbindlichkeiten sind in
+ keiner Weise verändert. So lange die Regierung kraft der Autorität
+ und im Namen des Königs fortgeführt wird, bestehen auch alle die
+ geheiligten Bande und eingeführten Proceduren fort und keines
+ Menschen Gewissen wird mit irgend etwas beschwert, was zu
+ übernehmen er Bedenken zu tragen braucht.« -- +Tanner MS.; Doyly's
+ Life of Sancroft+. Die Creaturen Jakob's machten sich nicht ganz
+ ohne Grund über das Englisch des guten Erzbischofs lustig.]
+
+ [Anmerkung 63: +Evelyn, Jan. 15, 1688/89.+]
+
+
+[_Danby's Plan._] So stimmten zwei Sectionen der Torypartei (diejenigen,
+welche eine Verständigung mit Jakob wünschten, und die, welche von einer
+solchen Verständigung nichts wissen wollten) in der Unterstützung der
+Regentschaftsidee überein. Eine dritte Section jedoch, die zwar nicht
+sehr zahlreich war, aber großes Gewicht und großen Einfluß hatte,
+empfahl einen ganz andren Plan. Die Oberhäupter dieser kleinen Schaar
+waren im Hause der Lords Danby und der Bischof von London, im Hause der
+Gemeinen Sir Robert Sawyer. Sie meinten ein Mittel ausfindig gemacht zu
+haben, um unter streng gesetzlichen Formen eine völlige Revolution zu
+bewerkstelligen. Sie sagten, es widerstreite allem Prinzip, daß ein
+König durch seine Unterthanen abgesetzt werden solle. Durch seine Flucht
+habe er selbst seiner Macht und Stellung entsagt. Der Thron sei factisch
+erledigt und könne nach der Ansicht aller verfassungskundigen Juristen
+keinen Augenblick unbesetzt bleiben. Der nächste Erbe sei daher an seine
+Stelle getreten. Aber wer sei der nächste Thronerbe? Was den nach
+Frankreich übergeführten unmündigen Prinzen anlange, so sei dessen
+Eintritt in die Welt von vielen verdächtigen Umständen begleitet
+gewesen. Man sei es den anderen Mitgliedern des königlichen Hauses und
+der Nation schuldig, jeden Zweifel hierüber zu heben. Der Gemahl der
+Prinzessin von Oranien habe daher in ihrem Namen feierlich eine
+Untersuchung verlangt, welche auch vorgenommen worden wäre, hätten nicht
+die des Betrugs angeklagten Parteien einen Weg eingeschlagen, der in
+jedem gewöhnlichen Falle als ein entscheidender Schuldbeweis gegolten
+haben würde. Sie hätten sich nicht für bemüßigt gehalten, den Ausgang
+einer feierlichen Parlamentsuntersuchung abzuwarten, sie hätten sich
+heimlich in ein fremdes Land begeben und nicht allein das Kind, sondern
+auch alle diejenigen französischen und italienischen Kammerfrauen mit
+sich genommen, welche in den Betrug, falls ein solcher stattgefunden
+haben sollte, eingeweiht sein müßten und daher einem strengen Verhör zu
+unterwerfen gewesen wären. Die Ansprüche des Prinzen ohne Untersuchung
+anzuerkennen, sei nicht möglich, und Diejenigen, die sich seine Eltern
+nennten, hätten jede Untersuchung unmöglich gemacht. Das Urtheil müsse
+daher +in contumaciam+ gegen ihn gefällt werden. Geschehe ihm dann
+Unrecht, so geschehe ihm nicht von Seiten der Nation, sondern von Seiten
+Derer Unrecht, deren auffallendes Benehmen bei seiner Geburt die Nation
+berechtigt habe, eine Untersuchung zu verlangen, und die sich einer
+solchen Untersuchung durch die Flucht entzogen hätten. Er könne daher
+mit vollkommenem Rechte als ein Prätendent betrachtet werden. Und so sei
+die Krone gesetzmäßig auf die Prinzessin von Oranien übergegangen. Sie
+sei thatsächlich regierende Königin und die beiden Häuser hätten nichts
+weiter zu thun, als sie zu proclamiren. Sie könne, wenn sie sonst wolle,
+ihren Gemahl zu ihrem ersten Minister ernennen und ihm sogar mit
+Bewilligung des Parlaments den Königstitel verleihen.
+
+Nur wenige Personen zogen diesen Plan jedem andren vor und es war mit
+Gewißheit zu erwarten, daß sich demselben sowohl Diejenigen, welche
+Jakob noch zugethan waren, wie auch alle Anhänger Wilhelm's widersetzen
+würden. Indessen gab Danby, der auf seine Kenntniß der parlamentarischen
+Taktik vertraute und wohl wußte, was ein kleines Streifcorps
+auszurichten vermag, wenn große Parteien einander ziemlich die Wage
+halten, noch keineswegs die Hoffnung auf, daß er im Stande sein werde,
+den Ausgang des Kampfes so lange in der Schwebe zu erhalten, bis Whigs
+und Tories, an einem vollkommenen Siege verzweifelnd und die Folgen der
+Verzögerung fürchtend, ihn als Schiedsrichter annehmen würden. Auch ist
+es durchaus nicht unmöglich, daß er reussirt haben würde, wenn die Frau,
+die er auf den höchsten Gipfel irdischer Größe erheben wollte,
+unterstützt oder doch wenigstens nicht behindert worden wäre. So
+scharfblickend und wohlerfahren er in Staatsgeschäften war, so kannte er
+doch weder den Character Mariens noch die Gefühle, mit denen sie ihren
+Gemahl betrachtete, und selbst ihr alter Lehrer Compton war nicht besser
+unterrichtet. Wilhelm's Manieren waren trocken und kalt, seine
+Constitution war schwächlich und kränklich und seine Gemüthsart
+nichts weniger als sanft; er war daher nicht der Mann, der nach
+gewöhnlichen Begriffen für geeignet gehalten werden konnte, einer
+sechsundzwanzigjährigen schönen jungen Frau eine heftige Leidenschaft
+einzuflößen. Es war bekannt, daß er seiner Gemahlin nicht immer ganz
+treu geblieben war und der Leumund hatte ausgesprengt, daß sie nicht
+glücklich mit ihm lebe. Die scharfsichtigsten Politiker ahneten daher
+nicht, daß er bei allen seinen Fehlern eine solche Herrschaft über ihr
+Herz erlangt hatte, als selbst Fürsten, die wegen ihres Glücks in der
+Liebe am berühmtesten waren, wie Franz I. und Heinrich IV., Ludwig XIV.
+und Karl II. sie niemals über ein weibliches Herz besessen hatten, und
+daß die drei Königreiche ihrer Voreltern in ihren Augen hauptsächlich
+deshalb einen Werth hatten, weil sie ihrem Gemahl durch die Verleihung
+derselben die Innigkeit und Uneigennützigkeit ihrer Liebe beweisen
+konnte. Danby versicherte ihr in seiner völligen Unkenntniß ihrer
+Gesinnungen, daß er ihre Rechte vertheidigen und daß, wenn sie ihn
+unterstütze, er sie allein auf den Thron setzen zu können hoffe.[64]
+
+ [Anmerkung 64: +Clarendon's Diary, Dec. 24. 1688+; +Burnet, I.
+ 819+; +Proposals humbly offered in behalf of the Princess of
+ Orange, Jan. 28. 1688/89.+]
+
+
+[_Der Plan der Whigs._] Das Verfahren der Whigs war inzwischen einfach
+und consequent. Nach ihrer Doctrin war die Grundlage unsrer Regierung
+ein Vertrag, der auf der einen Seite durch den Unterthaneneid, auf der
+andren durch den Krönungseid ausgedrückt sei, und die durch diesen
+Vertrag auferlegten Pflichten waren gegenseitig. Sie hielten dafür, daß
+einem Fürsten, der seine Macht gröblich mißbrauchte, von seinem Volke
+mit vollem Rechte der Gehorsam verweigert und er des Thrones entsetzt
+werden könne. Daß Jakob seine Macht gröblich gemißbraucht hatte, wurde
+nicht bestritten, und die ganze Whigpartei war bereit, es offen
+auszusprechen, daß er sie verwirkt habe. Ob der Prinz von Wales
+untergeschoben war oder nicht, sei ein Punkt, der gar nicht der
+Untersuchung werth sei. Es gebe jetzt viel gewichtigere Gründe, ihn vom
+Throne auszuschließen als die, welche aus den Vorgängen bei seiner
+Geburt hergeleitet werden könnten. Ein Kind, das in einer Wärmpfanne ins
+Bett der Königin gelegt worden sei, könne möglicherweise auch ein guter
+König von England werden. Dies sei aber nicht von einem Kinde zu
+erwarten, das von seinem Vater, dem stupidesten und starrsinnigsten
+Tyrannen von der Welt, in einem fremden Lande, dem Sitze des Despotismus
+und des Aberglaubens erzogen werde, in einem Lande, wo jede Spur von
+Freiheit verschwunden sei, wo die Stände des Reichs sich nicht
+mehr versammelten, wo die Parlamente seit langer Zeit, ohne
+Gegenvorstellungen zu machen, die drückendsten Erlasse des Landesherrn
+zu Gesetzen erhoben hätten, wo Tapferkeit, Genie und Gelehrsamkeit nur
+da zu sein schienen, um einen einzelnen Mann zu vergrößern, wo
+kriechende Schmeichelei das Hauptstreben der Presse, der Kanzel und der
+Bühne, und wo die grausamste Verfolgung der reformirten Kirche ein
+Hauptgegenstand jener kriechenden Schmeichelei sei. Könne man wohl
+erwarten, daß der Knabe unter solcher Leitung und in solcher Umgebung
+die Institutionen seines Vaterlandes werde achten lernen? Könne man
+daran zweifeln, daß er zu einem Sklaven der Jesuiten und der Bourbons
+erzogen und ihm wo möglich noch heftigere Vorurtheile gegen die Gesetze
+Englands eingeimpft werden würden als irgend einem der vorhergehenden
+Stuarts?
+
+Auch glaubten die Whigs nicht, daß bei der damaligen Lage des Landes
+eine Abweichung von der gewöhnlichen Thronfolge an sich ein Übel sei.
+Sie waren der Meinung, daß, wenn man diese Ordnung nicht unterbreche,
+die Lehre von dem unveräußerlichen Erbrechte und dem passiven Gehorsam
+dem Hofe stets gefallen, von Seiten der Geistlichkeit eingeschärft
+werden und in der öffentlichen Meinung einen starken Anhang behalten
+würde. Es würde die Ansicht vorherrschend bleiben, daß das Königthum
+eine göttliche Anordnung in einem andren Sinne sei, als in welchem jede
+Regierungsform eine solche Anordnung ist. Es liege auf der Hand, daß die
+Verfassung niemals gesichert sein könne, so lange dieser Irrwahn nicht
+zerstört sei. Denn eine wirklich beschränkte Monarchie könne in einer
+Gesellschaft, welche die Monarchie als etwas Göttliches und die
+Beschränkungen derselben als bloße menschliche Erfindungen betrachte,
+nicht lange bestehen. Wenn das Königthum in vollkommenem Einklange mit
+unseren Freiheiten bestehen solle, dürfe es sich auf keinen höheren oder
+ehrwürdigeren Rechtstitel berufen können, als den, auf welchen sich
+unsere Freiheiten gründeten. Der König müsse hinfüro als ein Beamter
+betrachtet werden, allerdings als ein hoher und hochzuachtender Beamter,
+der aber wie jeder andre Beamte dem Gesetze unterworfen sei und seine
+Macht in keinem andren Sinne vom Himmel herleiten könne, als man von den
+Lords oder den Gemeinen sagen dürfe, daß sie ihre Macht vom Himmel
+herleiteten. Das beste Mittel, um diese heilsame Veränderung zu
+bewirken, werde eine Unterbrechung der Erbfolge sein. Unter Souverainen,
+die es kaum für etwas Geringeres als für Hochverrath ansähen, wenn die
+Lehre vom Nichtwiderstande und die patriarchalische Regierungsform
+gepredigt würde, unter Souverainen, deren auf Beschlüsse der beiden
+Häuser sich gründende Autorität niemals höher steigen könne als die
+Quelle, aus der sie entsprungen sei, würde man schwerlich solche
+Bedrückungen zu fürchten haben, welche bereits zwei Generationen von
+Engländern gezwungen hätten, sich mit bewaffneter Hand gegen zwei
+Generationen von Stuarts zu erheben. Aus diesen Gründen waren die Whigs
+bereit, den Thron für erledigt zu erklären, ihn durch Wahl wieder zu
+besetzen und dem Fürsten ihrer Wahl Bedingungen vorzuschreiben, welche
+das Land gegen schlechte Regierung sichern konnten.
+
+
+[_Zusammentritt der Convention. Leitende Mitglieder des Hauses der
+Gemeinen._] Die Zeit der Entscheidung dieser großen Fragen war jetzt
+gekommen. Am 22. Januar mit Tagesanbruch füllte sich das Haus der
+Gemeinen mit Rittern und Boroughvertretern. Auf den Bänken erblickte man
+viele Gesichter, welche unter der Regierung Karl's II. hier wohlbekannt
+gewesen, unter seinem Nachfolger aber nicht daselbst gesehen worden
+waren. Die Mehrzahl der Torysquires und der mittellosen Anhänger des
+Hofes, welche massenweise in das Parlament von 1685 gewählt worden
+waren, hatten den Männern der ehemaligen Vaterlandspartei Platz gemacht,
+welche die Cabale gestürzt, die Habeascorpusacte durchgesetzt und die
+Ausschließungsbill vor die Lords gebracht hatten. Unter ihnen befand
+sich Powle, gründlich bewandert in der Geschichte und dem Rechte der
+Parlamente und ausgezeichnet durch die Beredtsamkeit, welche
+erforderlich ist, wenn hochwichtige Fragen feierlich der Erwägung von
+Senaten unterbreitet werden sollen, und Sir Thomas Littleton,
+wohlerfahren in der europäischen Politik und mit einer heftigen,
+scharfen Logik begabt, welche oftmals, wenn nach langer Sitzung die
+Lichter angezündet worden waren, das erschöpfte Haus neu belebt und die
+Debatte entschieden hatte. Hier saß auch Wilhelm Sacheverell, ein
+Redner, dessen große parlamentarische Fähigkeiten viele Jahre später ein
+Lieblingsthema alter Leute waren, welche die Kämpfe von Walpole und
+Pulteney erlebten.[65] Diesen hervorragenden Männern zur Seite stand
+Robert Clayton, der reichste Kaufmann von London, dessen Palast in der
+alten Judenstadt die aristokratischen Gebäude in Lincoln's Inn Fields
+und Conventgarden an Glanz übertraf, dessen Landgut zwischen den Hügeln
+von Surrey als ein wahres Eden geschildert ward, dessen Gastmähler mit
+denen der Könige wetteiferten und dessen einsichtsvolle Freigebigkeit,
+von der noch heute zahlreiche öffentliche Denkmale Zeugniß ablegen, ihm
+in den Annalen der City eine Stelle verschafft hat, welche nur der
+Gresham's untergeordnet ist. In dem Parlamente, welches 1681 zu Oxford
+tagte, hatte Clayton als Vertreter der Hauptstadt und auf Ersuchen
+seiner Wähler um die Erlaubniß gebeten, die Ausschließungsbill
+einzubringen und Lord Russel hatte ihn darin unterstützt. Im Jahre 1685
+hatte die ihrer Privilegien beraubte und von Creaturen des Hofes
+regierte Hauptstadt vier toryistische Vertreter gesandt. Jetzt aber war
+der alte Freibrief wieder zurückgegeben und Clayton war durch
+Acclamation wieder gewählt worden.[66] Auch Johann Birch darf nicht
+unerwähnt bleiben. Er hatte seine Laufbahn als Fuhrmann begonnen, hatte
+aber in den Bürgerkriegen sein Geschirr im Stich gelassen, war Soldat
+geworden, hatte sich zum Range eines Obersten in der Armee der Republik
+emporgeschwungen, hatte in hohen fiskalischen Ämtern großes
+Geschäftstalent gezeigt, hatte viele Jahre im Parlament gesessen und
+obgleich er bis zuletzt die derben Manieren und den plebejischen Dialect
+seiner Jugend beibehielt, hatte er doch durch gesunden Verstand und
+Mutterwitz das Ohr der Gemeinen gewonnen und wurde von den
+ausgezeichnetsten Parlamentsrednern seiner Zeit als ein furchtbarer
+Gegner betrachtet.[67] Dies waren die hervorragendsten unter den
+Veteranen, welche jetzt nach langer Abgeschiedenheit ins öffentliche
+Leben zurückkehrten. Sie wurden jedoch sehr bald durch zwei jüngere
+Whigs in den Schatten gestellt, welche an jenem wichtigen Tage zum
+ersten Male ihre Sitze einnahmen, bald zu den höchsten Ehrenstellen im
+Staate emporstiegen, gemeinsam die heftigsten Parteistürme bestanden und
+nachdem sie lange weit und breit als Staatsmänner, als Redner, als
+freigebige Beschützer des Genies und der Gelehrsamkeit berühmt gewesen
+waren, bald nach dem Regierungsantritte des Hauses Braunschweig wenige
+Monate hintereinander starben. Diese waren Karl Montague und Johann
+Somers.
+
+Außerdem muß noch ein Name erwähnt werden, ein Name, welcher damals nur
+einem kleinen Kreise von Philosophen bekannt war, der aber jetzt bis
+über den Ganges und den Mississippi hinaus mit einer höheren Verehrung
+genannt wird, als man sie dem Gedächtniß der größten Krieger und
+Herrscher zollt. Unter der Menge der schweigenden Mitglieder erschien
+auch die majestätische Stirn und das gedankenvolle Antlitz Isaak
+Newton's. Die berühmte Universität, der sein Genie schon einen
+eigenthümlichen noch nach Verlauf von hundertsechzig Jahren deutlich
+erkennbaren Character aufzudrücken begonnen, hatte ihn in die Convention
+gesandt, und hier saß er in seiner bescheidenen Größe als
+anspruchsloser, aber unerschütterlicher Freund der bürgerlichen und
+religiösen Freiheit.
+
+ [Anmerkung 65: +Burnet, I. 389+ und Präsident Onslow's Note.]
+
+ [Anmerkung 66: +Evelyn's Diary, Sept. 26. 1672, Oct. 12. 1679,
+ Juli 13. 1700+; +Seymour's Survey of London.+]
+
+ [Anmerkung 67: +Burnet, I. 388+ und Onslow's Note.]
+
+
+[_Wahl eines Sprechers._] Die Gemeinen schritten vor Allem zur Wahl
+eines Sprechers, und das Ergebniß dieser Wahl deutete schon unverkennbar
+ihre Ansicht über die großen Fragen an, die sie entscheiden sollten. Bis
+zum Vorabend der Versammlung hatte man geglaubt, daß Seymour zum
+Präsidenten gewählt werden würde. Er hatte dieses Amt früher mehrere
+Jahre bekleidet und hatte mehrfache gewichtige Ansprüche auf Beachtung:
+Herkunft, Vermögen, Kenntnisse, Erfahrung und Beredtsamkeit. Er hatte
+ferner lange an der Spitze eines einflußreichen Vereins von Mitgliedern
+aus den westlichen Grafschaften gestanden. Obgleich ein Tory, hatte er
+doch im letzten Parlament die Opposition gegen Papismus und
+Willkürherrschaft mit ausgezeichnetem Geschick und Muth geleitet. Er war
+einer der ersten Edelleute gewesen, der sich ins holländische
+Hauptquartier nach Exeter begeben, und war der Urheber der Verbindung,
+durch welche die Anhänger des Prinzen sich gegenseitig verpflichtet
+hatten, zusammen zu siegen oder zu fallen. Aber einige Stunden vor dem
+Zusammentritt der Häuser hatte sich das Gerücht verbreitet, Seymour sei
+gegen die Erklärung, daß der Thron erledigt sei. Sobald sich daher die
+Bänke gefüllt hatten, erhob sich der Earl von Wiltshire, welcher
+Hampshire vertrat, und schlug Powle zum Sprecher vor. Sir Vere Fane,
+Vertreter von Kent, unterstützte den Antrag. Es hätte allerdings ein
+plausibler Einwurf dagegen erhoben werden können, denn es war bekannt,
+daß eine Petition gegen Powle's Wahl zum Präsidenten dem Parlament
+vorgelegt werden sollte; aber die allgemeine Stimme des Hauses berief
+ihn auf den Präsidentenstuhl, und die Tories hielten es für gerathen,
+sich damit einverstanden zu erklären.[68] Das Scepter wurde auf den
+Tisch gelegt, die Liste der Mitglieder verlesen und die Namen der
+fehlenden vorgemerkt.
+
+Inzwischen hatten sich auch die Peers in einer Anzahl von etwa hundert
+versammelt, hatten Halifax zum Sprecher gewählt und mehreren
+ausgezeichneten Juristen diejenigen Functionen übertragen, welche in
+ordentlichen Parlamenten den Richtern zukommen. Die beiden Häuser
+setzten sich im Laufe des Tages häufig mit einander in Vernehmen. Sie
+vereinigten sich zu dem Ersuchen, daß der Prinz die Zügel der Regierung
+in der Hand behalten möchte, bis er Weiteres von ihnen hören würde, zum
+Ausdrucke ihres Dankes für die Befreiung der Nation, die er mit Gottes
+Hülfe bewerkstelligt, und zu der Bestimmung, daß der 31. Januar als
+Dankfest für diese Befreiung gefeiert werden solle.[69]
+
+Bis dahin hatte sich keine Meinungsverschiedenheit gezeigt; aber beide
+Parteien rüsteten sich zum Kampfe. Die Tories waren im Oberhause stark,
+im Unterhause schwach vertreten, und sie wußten, daß bei einer solchen
+Gelegenheit dasjenige Haus, welches zuerst zu einem Entschlusse kam,
+einen großen Vortheil über das andre haben mußte. Es war nicht die
+geringste Aussicht vorhanden, daß die Gemeinen einen Beschluß zu Gunsten
+des Regentschaftsplanes der Lords vorlegen würden, wenn aber ein solcher
+Beschluß von den Lords den Gemeinen vorgelegt wurde, so war es nicht
+ganz unmöglich, daß selbst viele von den whiggistischen Volksvertretern
+geneigt sein würden, sich lieber damit einverstanden zu erklären, als
+die große Verantwortlichkeit auf sich zu nehmen, in einer Krisis, welche
+Einmüthigkeit und rasches Handeln erforderte, Uneinigkeit und
+Verzögerung verursacht zu haben. Die Gemeinen hatten beschlossen, am
+Montag den 28. Januar die Lage der Nation in Erwägung zu ziehen. Daher
+schlugen die toryistischen Lords am Freitag, den 25. vor, sofort an das
+wichtige Geschäft zu gehen, um derentwillen sie sich versammelt hatten.
+Ihre Beweggründe wurden jedoch von Halifax, der seit seiner Rückkehr von
+Hungerford erkannt hatte, daß die Regierung nur nach whiggistischen
+Prinzipien eingerichtet werden konnte und der sich daher für den
+Augenblick eng an die Whigs angeschlossen hatte, klar durchschaut und
+ihre Taktik vereitelt. Devonshire trug darauf an, daß Dienstag, der
+neunundzwanzigste, der Tag sein solle. »Bis dahin,« sagte er mit mehr
+Wahrheit als Überlegung, »können wir einige Aufklärungen von unten
+erhalten, die uns zur Richtschnur dienen können.« Sein Antrag ging
+durch, seine Sprache aber wurde von einigen seiner Mitpeers als ihres
+Standes unwürdig streng getadelt.[70]
+
+ [Anmerkung 68: Citters, 22. Jan. (1. Febr.) 1689; +Grey's
+ Debates+.]
+
+ [Anmerkung 69: +Lords' and Commons' Journals, Jan. 22. 1688+;
+ Citters und Clarendon's Tagebuch von demselben Datum.]
+
+ [Anmerkung 70: +Lords' Journals, Jan. 25. 1688/89; Clarendon's
+ Diary, Jan. 23, 25.+]
+
+
+[_Debatte über die Lage der Nation._] Am 28. erklärten sich die Gemeinen
+zu einem Comité des ganzen Hauses. Ein Mitglied, das vor mehr als
+dreißig Jahren einer von Cromwell's Lords gewesen war, Richard Hampden,
+Sohn des berühmten Führers der Rundköpfe und Vater des Unglücklichen,
+der nur durch große Bestechungen und erniedrigende Demüthigungen mit
+genauer Noth der Rache Jakob's entgangen war, wurde zum Präsidenten
+gewählt und die große Debatte begann.
+
+Es zeigte sich sehr bald, daß eine überwiegende Majorität Jakob nicht
+mehr als König betrachtete. Gilbert Dolben, der Sohn des verstorbenen
+Erzbischofs von York, war der Erste, der sich zu dieser Ansicht
+bekannte, und er wurde darin von vielen Mitgliedern unterstützt,
+besonders von dem kühnen und heftigen Wharton, von Sawyer, dessen
+beharrliches Opponiren gegen das Dispensationsrecht seine früheren
+Vergehen einigermaßen wieder gut gemacht hatte, von Maynard, dessen
+Stimme, obgleich vom Alter so geschwächt, daß sie auf den entfernteren
+Bänken nicht vernommen werden konnte, doch noch immer die Achtung aller
+Parteien genoß und von Somers, dessen glänzende Beredtsamkeit und
+vielseitige Kenntnisse sich zum ersten Male in den Räumen des Parlaments
+entfalteten. Auch die schamlose Stirn und die geläufige Zunge Sir
+Wilhelm Williams' waren auf derselben Seite zu finden. Er war schon
+stark betheiligt bei den Excessen der schlechtesten Opposition und der
+schlechtesten Regierung. Er hatte unschuldige Papisten und unschuldige
+Protestanten verfolgt, er war der Beschützer Oates' und das Werkzeug
+Petre's gewesen, sein Name war mit aufrührerischen Gewaltthätigkeiten,
+deren sich alle ehrenwerthen Whigs mit Bedauern und Beschämung
+erinnerten, und mit Handlungen des Despotismus verknüpft, welche alle
+ehrenwerthen Tories verabscheuten. Wie ein Mensch unter der Last solcher
+Schande noch leben kann, ist schwer zu begreifen; aber selbst eine
+solche Schande war für Williams noch nicht genug. Er schämte sich nicht,
+den gefallenen Gebieter anzugreifen, dem er sich zu Dienstleistungen,
+die kein rechtschaffener Mann irgend eines Justizcollegiums übernommen
+haben würde, vermiethet, und von dem er erst vor einem halben Jahre als
+Belohnung für seine Servilität eine Baronetschaft angenommen hatte.
+
+Nur drei Mitglieder wagten es, sich der offenbar allgemeinen Ansicht der
+Versammlung zu widersetzen. Sir Christoph Musgrave, ein Torygentleman
+von großem Ansehen und Talent äußerte einige Zweifel. Heneage Finch ließ
+ebenfalls einige Äußerungen fallen, welche so verstanden wurden, als ob
+er die Eröffnung von Unterhandlungen mit dem Könige wünschte. Diese
+Andeutung wurde so übel aufgenommen, daß er sich beeilte, sie weg zu
+erklären. Er versicherte, daß er falsch verstanden worden sei. Er sei
+überzeugt, daß unter einem solchen Fürsten keine Sicherheit für
+Religion, Freiheit und Eigenthum denkbar sei. König Jakob zurückzurufen
+oder mit ihm zu unterhandeln, würde ein verderblicher Schritt sein; aber
+Viele, welche nie ihre Einwilligung dazu geben würden, daß er die
+königliche Gewalt wieder ausübte, könnten es mit ihrem Gewissen nicht
+vereinbaren, ihm auch den Königstitel zu nehmen. Es gebe jedoch einen
+Ausweg, der alle Schwierigkeiten beseitigte: eine Regentschaft. Dieser
+Vorschlag fand so wenig Beifall, daß Finch es nicht wagte, die
+Abstimmung darüber zu verlangen. Richard Fanshaw, Viscount Fanshaw aus
+Irland sprach einige Worte über Jakob und empfahl einen Aufschub; aber
+sein Vorschlag erregte allgemeines Mißfallen. Ein Mitglied nach dem
+andren stand auf, um die Wichtigkeit der Beschleunigung hervorzuheben.
+Jeder Augenblick, wurde gesagt, sei kostbar, die Erwartung des Volks sei
+aufs Höchste gespannt, so daß alle Geschäfte stockten. Die Minorität
+fügte sich murrend und räumte der überwiegenden Partei das Feld.
+
+Worin das Verfahren der Majorität bestehen würde, war noch nicht recht
+klar, denn sie zerfiel in zwei Abtheilungen. Die eine bestand aus
+eifrigen und heftigen Whigs, die, wenn sie ihren Weg hätten gehen
+können, dem Verfahren der Convention einen entschieden revolutionären
+Character gegeben haben würden. Die andre gab zu, daß eine Revolution
+nothwendig sei, betrachtete sie aber als ein nothwendiges Übel und
+wünschte sie soviel als möglich unter dem Scheine der Gesetzmäßigkeit zu
+verhüllen. Die erstere Abtheilung verlangte die bestimmte Anerkennung
+des Rechtes der Unterthanen, schlechte Fürsten des Thrones zu entsetzen.
+Die andre Abtheilung wollte nur das Land von einem schlechten Fürsten
+befreien, ohne ein Prinzip aufzustellen, das leicht zu den Zwecke
+gemißbraucht werden könnte, die rechtmäßige und heilsame Autorität
+zukünftiger Monarchen zu schwächen. Die erstere Abtheilung hob
+namentlich die schlechte Regierung des Königs, die andre seine Flucht
+hervor; jene war der Ansicht, daß er seine Krone verwirkt, diese, daß er
+ihr freiwillig entsagt habe. Es war nicht leicht, eine Beschlußformel zu
+entwerfen, welche Allen gefiel, deren Zustimmung zu erlangen von
+Wichtigkeit war; endlich aber wurde aus den von verschiedenen Seiten
+gemachten Vorschlägen ein Beschluß gebildet, der alle Theile
+befriedigte.
+
+
+[_Beschluß, durch den der Thron für erledigt erklärt wird._] Es wurde
+beantragt, daß König Jakob II., indem er es versucht, durch einen Bruch
+des ursprünglichen Vertrags zwischen König und Volk die Verfassung des
+Reichs umzustürzen, und indem er auf den Rath der Jesuiten und anderer
+übelgesinnter Personen die Grundgesetze verletzt und sich aus dem Lande
+entfernt, die Regierung niedergelegt habe und daß der Thron dadurch
+erledigt worden sei.
+
+Dieser Beschluß ist häufig einer so genauen und strengen Kritik
+unterworfen worden wie irgend eine von Menschenhand geschriebene
+Sentenz, und doch giebt es vielleicht keine von Menschenhand
+geschriebene Sentenz, die eine solche Kritik weniger vertrüge. Daß ein
+König seine Macht durch groben Mißbrauch derselben verwirken kann, ist
+wahr. Daß man von einem Könige, der auf und davon geht, ohne Vorsorge
+für die Verwaltung der Regierungsgeschäfte zu treffen, und sein Volk in
+einem Zustande von Anarchie zurückläßt, ohne gewaltsame Wortverdrehung
+sagen kann, er habe seine Funktionen niedergelegt, ist ebenfalls wahr.
+Aber kein gewissenhafter Schriftsteller wird behaupten, daß lange
+fortgesetzte schlechte Regierung und Flucht zusammengenommen einen
+Abdankungsact constituiren. Ebenso klar ist es, daß die Erwähnung der
+Jesuiten und anderer schlechter Rathgeber Jakob's die Beschuldigung
+gegen ihn schwächt, anstatt sie zu bekräftigen. Denn ein durch schlimme
+Rathgeber irregeleiteter Mann verdient gewiß mehr Nachsicht als einer,
+der lediglich aus eigenem Antriebe Unrecht thut. Es ist jedoch ein
+eitles Beginnen, diese denkwürdigen Worte zu analysiren, wie wir ein
+Kapitel von Aristoteles oder von Hobbes untersuchen. Derartige Worte
+sind nicht als Worte, sondern als Thaten zu betrachten, und wenn sie das
+bewirken, was sie bewirken sollen, so sind sie vernünftig, mögen sie
+auch an sich widersinnig sein. Erreichen sie aber ihren Zweck nicht, so
+sind sie absurd, wenn sie auch Beweiskraft in sich tragen. Die Logik
+läßt keine Auslegung zu. Das Wesen der Politik aber ist die Auslegung.
+Es ist daher nicht zu verwundern, daß einige der wichtigsten und
+nützlichsten politischen Dokumente zu den unlogischesten Aufsätzen
+gehören, welche je geschrieben wurden. Somers, Maynard und die anderen
+ausgezeichneten Männer, welche den berühmten Antrag entwarfen, hatten
+dabei nicht den Zweck, der Nachwelt ein Muster von Definition und
+Eintheilung zu hinterlassen, sondern die Wiedereinsetzung eines Tyrannen
+unmöglich zu machen und einen Fürsten auf den Thron zu erheben, unter
+welchem Gesetz und Freiheit gesichert waren. Diesen Zweck erreichten sie
+durch die Anwendung von Worten, welche in einer philosophischen
+Abhandlung mit Recht als ungenau und unklar getadelt worden wären. Es
+kümmerte sie wenig, ob der Vordersatz und der Schlußsatz zu einander
+paßten, wenn nur der Vordersatz ihnen zweihundert Stimmen und der
+Schlußsatz weitere zweihundert Stimmen verschaffte. Die einzige
+Schönheit des Beschlusses ist in der That seine Inconsequenz. Sie
+enthielt eine Phrase für jede Unterabtheilung der Majorität. Die
+Erwähnung des ursprünglichen Vertrags befriedigte die Anhänger Sidney's.
+Das Wort Abdankung beschwichtigte Politiker einer zurückhaltenderen
+Schule. Vielen eifrigen Protestanten gefiel ohne Zweifel der gegen die
+Jesuiten ausgesprochene Tadel. In den Augen des wirklichen Staatsmanns
+war der einzige wichtige Satz der, welcher den Thron für erledigt
+erklärte, und wenn nur dieser Satz angenommen wurde, so war es ihm
+ziemlich gleichgültig, welche Einleitung demselben vorausging. Eine so
+vereinigte Macht ließ keiner Hoffnung auf Widerstand Raum. Der Antrag
+wurde vom Ausschusse ohne Abstimmung angenommen, und es wurde
+unverzügliche Berichterstattung darüber beschlossen. Powle nahm den
+Präsidentenstuhl wieder ein, das Scepter wurde auf den Tisch gelegt,
+Hampden trug auf Erhebung zum Beschluß an, das Haus gab seine Zustimmung
+und die sofortige Überreichung an die Lords wurde anbefohlen.[71]
+
+ [Anmerkung 71: +Commons' Journals, Jan. 28. 1688/89; Grey's
+ Debates+; Citters, 29. Jan. (8. Febr.). Wenn der Bericht in
+ +Grey's Debates+ genau ist, so muß Citters in Betreff der Rede
+ Sawyer's falsch unterrichtet gewesen sein.]
+
+
+[_Der Beschluß wird den Lords vorgelegt._] Am folgenden Morgen
+frühzeitig versammelten sich die Lords. Die Bänke der geistlichen wie
+der weltlichen Lords waren dicht besetzt. Hampden erschien in der
+Schranke und überreichte Halifax den Beschluß der Gemeinen. Das Oberhaus
+constituirte sich hierauf zu einem Comité und Danby nahm den
+Präsidentenstuhl ein.
+
+Die Discussion wurde bald durch das nochmalige Erscheinen Hampden's
+unterbrochen, der eine andre Botschaft überbrachte. Das Haus
+constituirte sich wieder als solches und vernahm, daß die Gemeinen es so
+eben als unvereinbar mit der Sicherheit und dem Wohle der
+protestantischen Nation erklärt habe, von einem papistischen Könige
+regiert zu werden. So wenig sich dieser Beschluß mit dem Prinzipe des
+unveräußerlichen Erbrechts vertrug, so gaben die Peers doch auf der
+Stelle und einmüthig ihre Zustimmung zu demselben. Der dadurch
+aufgestellte Grundsatz ist bis auf unsre Zeit von allen protestantischen
+Staatsmännern stets heilig gehalten worden und kein verständiger
+Katholik hat ihn je als Einwendungen zulassend betrachtet. Wenn unsere
+Souveraine, wie die Präsidenten der Vereinigten Staaten, bloße
+bürgerliche Beamte wären, so würde es allerdings schwer sein, eine
+solche Beschränkung zu rechtfertigen. Allein mit der englischen Krone
+ist zugleich die Oberhauptswürde über die englische Kirche verbunden,
+und es ist keine Intoleranz, wenn man sagt, daß eine Kirche nicht einem
+Oberhaupte unterthan sein kann, das sie als schismatisch und ketzerisch
+betrachtet.[72]
+
+ [Anmerkung 72: +Lords' and Commons' Journals, Jan. 29, 1688/89.+]
+
+
+[_Debatte im Oberhause über den Regentschaftsplan._] Nach dieser kurzen
+Unterbrechung constituirten sich die Lords wieder zum Comité. Die Tories
+drangen darauf, daß ihr Plan berathen werden sollte, ehe der Beschluß
+der Gemeinen, welcher den Thron für erledigt erklärte, in Betracht
+gezogen würde. Dies ward ihnen zugestanden und die Frage gestellt, ob
+eine Regentschaft, die während Jakob's Lebzeiten in seinem Namen die
+königliche Gewalt ausübe, das beste Mittel zur Aufrechthaltung der
+Gesetze und der Freiheiten der Nation sein würde.
+
+Der Kampf war lang und heftig. Die Hauptsprecher zu Gunsten einer
+Regentschaft waren Rochester und Nottingham. Halifax und Danby waren die
+leitenden Häupter der andren Seite. Der Primas trat sonderbarerweise
+nicht auf, obgleich die toryistischen Peers ihn dringend ersucht hatten,
+sich an ihre Spitze zu stellen. Seine Abwesenheit zog ihm vielfachen
+bitteren Tadel zu, und selbst seine Lobredner waren nicht im Stande,
+eine seinem Character zur Ehre gereichende Erklärung zu finden.[73] Der
+Regentschaftsplan war von ihm ausgegangen und er hatte erst vor wenigen
+Tagen in einem von ihm eigenhändig geschriebenen Aufsatze diesen Plan
+für den unzweifelhaft besten erklärt, den man annehmen könnte. Die
+Besprechungen der Lords, welche diesen Plan unterstützten, hatten unter
+seinem eigenen Dache stattgefunden. Seine Stellung machte es ihm
+unbestreitbar zur Pflicht, seine Ansicht öffentlich auszusprechen. Den
+Verdacht persönlicher Feigheit oder niedriger Habsucht kann Niemand auf
+ihn werfen. Wahrscheinlich that er aus einer krankhaften Besorgniß,
+etwas Unrechtes zu thun, in diesem wichtigen Augenblicke nichts, aber er
+hätte wissen sollen, daß bei einem Manne in seiner Stellung nichts thun
+so viel hieß als Unrecht thun. Ein Mann, der zu scrupulös ist, um in
+einer wichtigen Krisis eine große Verantwortlichkeit zu übernehmen,
+sollte auch zu scrupulös sein, um die Stelle eines ersten Dieners der
+Kirche und eines ersten Peers des Reichs anzunehmen.
+
+Ein Wunder war es jedoch nicht, daß Sancroft nicht wohl zu Muthe war,
+denn er konnte wohl kaum gegen die auf der Hand liegende Wahrheit blind
+sein, daß der Plan, den er seinen Freunden empfohlen, durchaus
+unverträglich war mit Allem, was er und seine Amtsbrüder seit vielen
+Jahren gepredigt hatten. Die anglikanische Kirche hatte sich lange mit
+der Lehre gebrüstet, daß der König ein göttliches und unveräußerliches
+Recht auf die königliche Gewalt habe und daß man sich der königlichen
+Gewalt, selbst wenn sie gröblich gemißbraucht würde, nicht widersetzen
+dürfe, ohne eine Sünde zu begehen. Hatte denn diese Lehre wirklich nur
+die Bedeutung, daß der König ein göttliches und unveräußerliches Recht
+habe, sein Bildniß und seinen Namen in ein Petschaft stechen zu lassen,
+welches täglich gegen seinen Willen dazu gebraucht werden konnte, seine
+Feinde zum Krieg gegen ihn zu ermächtigen und seine Freunde an den
+Galgen zu schicken, weil sie ihm gehorcht hatten? Bestand denn die ganze
+Pflicht eines guten Unterthanen in der Anwendung des Wortes König? Dann
+hatten Fairfax bei Naseby und Bradshaw im Hohen Gerichtshofe ihre ganze
+Pflicht als gute Unterthanen erfüllt, denn Karl war von den gegen ihn
+befehligenden Generälen und selbst von den ihn verurtheilenden Richtern
+als König bezeichnet worden. Nichts hatte die Kirche in dem Verfahren
+des langen Parlaments schärfer getadelt als den sinnreichen Einfall, den
+Namen Karl's gegen ihn selbst zu gebrauchen. Alle ihre Diener waren
+aufgefordert worden, eine Erklärung zu unterschreiben, welche die
+Fiction, wodurch die Autorität des Souverains von seiner Person getrennt
+worden war, als hochverrätherisch verdammte.[74] Gleichwohl würde diese
+hochverrätherische Fiction jetzt von dem Primas und vielen seiner
+Suffraganen als die einzige Grundlage betrachtet, auf der sie in
+strenger Übereinstimmung mit christlichen Prinzipien eine Regierung
+aufrichten konnten.
+
+Die Unterscheidung, welche Sancroft von den Rundköpfen der
+vorhergehenden Generation entlehnt hatte, stürzte von Grund aus das
+ganze politische System um, das die Kirche und die Universitäten vom
+Apostel Paulus gelernt zu haben behaupteten. Tausendmal war es
+wiederholt worden, daß der heilige Geist den Römern befohlen habe, sich
+Nero zu unterwerfen. Jetzt schien dieses Gebot nur den Sinn gehabt zu
+haben, daß die Römer den Nero Augustus nennen sollten. Es stand ihnen
+vollkommen frei, ihn über den Euphrat zu jagen, ihn von der
+Freigebigkeit der Parther leben zu lassen, ihm gewaltsamen Widerstand zu
+leisten, wenn er einen Versuch zur Rückkehr machen sollte, Alle die ihm
+beistanden oder mit ihm verkehrten, zu bestrafen, und die tribunitische
+und consulatorische Gewalt, den Vorsitz im Senat und den Oberbefehl über
+die Legionen auf Galba oder Vespasian zu übertragen.
+
+Die Analogie, welche der Erzbischof zwischen einem thörichten König und
+einem wahnsinnigen König entdeckt zu haben glaubte, hält keinen
+Augenblick gründlicher Prüfung aus. Es war klar, daß Jakob sich nicht in
+einem solchen Geisteszustande befand, wo ihn, wäre er ein Landedelmann
+oder ein Kaufmann gewesen, ein Gerichtshof für unfähig erklärt haben
+würde, einen Vertrag abzuschließen, oder ein Testament zu machen. Er war
+nur in so weit geistesschwach, als alle schlechten Könige geistesschwach
+sind, wie Karl I. geistesschwach war, als er aufbrach, um die fünf
+Parlamentsmitglieder festzunehmen, wie Karl II. geistesschwach war, als
+er den Vertrag von Dover schloß. Wenn diese Art der Geisteskrankheit
+Unterthanen nicht das Recht gab, ihren Fürsten den Gehorsam zu
+verweigern, so war der Regentschaftsplan offenbar nicht zu vertheidigen.
+Im entgegengesetzten Falle war das Prinzip des Nichtwiderstandes völlig
+aufgegeben und Alles gutgeheißen, was ein gemäßigter Whig je behauptet
+hatte.
+
+Was den Unterthaneneid anlangt, um den Sancroft und seine Anhänger so
+sehr besorgt waren, so ist wenigstens das klar, daß sie Unrecht hatten,
+mochte übrigens Recht haben wer da wollte. Die Whigs waren der Ansicht,
+daß der Unterthaneneid gewisse Bedingungen enthalte, das der König diese
+Bedingungen verletzt und daß der Eid dadurch seine Kraft verloren habe.
+War aber die whiggistische Meinung irrig, und der Eid noch bindend,
+konnten dann verständige Männer wirklich glauben, daß sie sich keines
+Eidbruches schuldig machten, wenn sie für eine Regentschaft stimmten?
+Konnten sie behaupten, daß sie die Unterthanentreue gegen Jakob nicht
+verletzten, wenn sie trotz seiner angesichts ganz Europa's erhobenen
+Protestationen einen Andren ermächtigten, die königlichen Revenuen zu
+beziehen, Parlamente einzuberufen und zu prorogiren, Herzöge und Earls
+zu creiren, Bischöfe und Richter zu ernennen, Verbrecher zu begnadigen,
+über die Streitkräfte des Staats zu verfügen und mit fremden Mächten
+Verträge zu schließen? Hatte Pascal wohl in allen Folianten der
+jesuitischen Casuistiker einen verachtungswertheren Sophismus finden
+können als der war, welcher jetzt, wie es schien, hinreichte, um das
+Gewissen der Väter der anglikanischen Kirche zu beruhigen?
+
+Es konnte nichts Augenfälligeres geben, als daß sich der
+Regentschaftsplan nur vom whiggistischen Standpunkte vertheidigen ließ.
+Über die Rechtsfrage konnte zwischen den vernünftigen Anhängern des
+Planes und der Majorität des Hauses der Gemeinen kein Streit obwalten.
+Es blieb nur eine Zweckmäßigkeitsfrage übrig. Und konnte wohl irgend ein
+Staatsmann im Ernst behaupten, daß es zweckmäßig sei, eine Regierung mit
+zwei Oberhäuptern einzusetzen und dem einen dieser beiden Oberhäupter
+die königliche Macht ohne die königliche Würde, dem andren die
+königliche Würde ohne die königliche Macht zu ertheilen? Es war
+notorisch, daß eine solche Einrichtung, selbst wenn sie durch die
+Unmündigkeit oder Geistesschwäche eines Fürsten geboten war, ernste
+Nachtheile hatte. Daß Regentschaftsperioden Zeiten der Schwäche, der
+Unruhen oder des Unheils sind, war eine durch die ganze Geschichte
+Englands, Frankreichs und Schottlands bewiesene, fast sprichwörtlich
+gewordene Wahrheit. Indessen war der König im Fall der Unmündigkeit oder
+Geistesschwäche wenigstens passiv, und er konnte dem Regenten nicht
+thätig entgegenwirken. Der gegenwärtige Vorschlag aber hieß so viel als
+England zwei Staatsoberhäupter von reifem Alter und gesundem Verstande
+geben, die einen unversöhnlichen Krieg gegeneinander führten. Es war
+lächerlich, davon zu reden, daß man Jakob bloß den Königstitel lassen
+und ihm alle königliche Macht entziehen wolle. Denn der Titel war ein
+Theil der Macht. Das Wort König war ein Zauberwort, mit dem sich bei
+vielen Engländern die Idee einer von oben stammenden geheimnißvollen
+Eigenschaft und bei allen Engländern der Begriff einer rechtmäßigen und
+ehrwürdigen Autorität verband. Wenn der Titel eine solche Macht in sich
+trug, so konnten Diejenigen, welche behaupteten, daß Jakob _alle_ Macht
+entzogen werden müsse, gewiß nicht leugnen, daß man ihm auch den Titel
+nehmen mußte.
+
+Und wie lange sollte die von Sancroft's Genie ersonnene anomale
+Regierung dauern? Jeder Grund, der überhaupt für ihre Errichtung
+angeführt werden konnte, konnte mit gleicher Beweiskraft für
+Beibehaltung derselben bis ans Ende der Zeiten geltend gemacht werden.
+War der nach Frankreich gebrachte Knabe wirklich von der Königin
+geboren, so mußte er später das göttliche und unveräußerliche Recht
+erben, König genannt zu werden, und das nämliche Recht ging dann sehr
+wahrscheinlich durch das ganze achtzehnte und neunzehnte Jahrhundert von
+Papist zu Papist über. Beide Häuser aber hatten einstimmig beschlossen,
+daß England nicht von einem Papisten regiert werden sollte. Es konnte
+daher leicht kommen, daß, von Geschlecht zu Geschlecht Regenten die
+Regierung im Namen vacirender und bettelnder Könige verwalteten. Es
+unterlag keinem Zweifel, daß die Regenten vom Parlament ernannt werden
+mußten, und so würde diese Erfindung, welche das geheiligte Prinzip der
+erblichen Monarchie ungeschwächt aufrechterhalten sollte, zur Folge
+gehabt haben, daß die Monarchie factisch eine Wahlmonarchie geworden
+wäre.
+
+Außerdem wurde noch ein unverwerflicher Grund gegen Sancroft's Plan
+geltend gemacht. Die Gesetzsammlung enthielt ein Gesetz, daß bald nach
+Beendigung des langen und blutigen Kampfes zwischen den Häusern York und
+Lancaster zu dem Zwecke erlassen worden war, das Unheil abzuwenden,
+welches die abwechselnden Siege dieser beiden Häuser über den Adel und
+die Gentry des Reichs gebracht hatten. Dieses Gesetz bestimmte, daß
+Niemand deshalb, weil er es mit einem im Besitz der Macht befindlichen
+König gehalten, den auf Hochverrath gesetzten Strafen verfallen sollte.
+Als den Königsmördern nach der Restauration der Prozeß gemacht wurde,
+behaupteten einige von ihnen, ihr Fall sei nach diesem Gesetze zu
+richten. Sie sagten, sie hätten der Regierung gehorcht, die im Besitz
+der Macht gewesen, und sie seien daher keine Hochverräther. Die Richter
+gaben zu, daß dies eine gute Entschuldigung sein würde, wenn die
+Gefangenen unter der Autorität eines Usurpators gehandelt hätten, der,
+wie Heinrich IV. und Richard III. den Königstitel getragen, erklärten
+aber, daß ein solcher Entschuldigungsgrund Leuten, welche einen in der
+Anklageacte, im Todesurtheile und im Hinrichtungsbefehle als König
+bezeichneten Mann angeklagt, verurtheilt und hingerichtet hatten, nicht
+zu Gute kommen konnte. Daraus folgte sonach, daß Jeder, der einen
+Regenten gegen Jakob unterstützte, große Gefahr lief, gehängt,
+geschleift und geviertheilt zu werden, wenn Jakob einmal wieder zur
+höchsten Macht gelangte, daß aber Niemand ohne eine solche Verletzung
+des Gesetzes, wie selbst ein Jeffreys sie schwerlich zu begehen gewagt
+haben würde, bestraft werden könnte, weil er einen wenn auch
+unrechtmäßigerweise zu Whitehall regierenden Könige gegen einen zu
+Saint-Germain im Exil lebenden rechtmäßigen Könige gehalten hatte.[75]
+
+Man sollte meinen, daß diese Gründe keinen Einwand zuließen, und sie
+wurden in der That von Danby, der die wundervolle Gabe besaß, jeden
+Gegenstand, den er behandelte, auch dem beschränktesten Verstande klar
+zu machen, und von Halifax, der in Gedankenreichthum und glänzender
+Diction unter den Rednern der damaligen Zeit seines Gleichen nicht
+hatte, mit Nachdruck hervorgehoben. Aber die Tories waren im Oberhause
+so zahlreich und mächtig, daß sie trotz der Unhaltbarkeit ihrer Sache,
+des Abfalls ihres Führers und der Geschicklichkeit ihrer Gegner bei
+einem Haare den Sieg davongetragen hätten. Hundert Lords stimmten ab.
+Neunundvierzig stimmten für eine Regentschaft, einundfünfzig dagegen.
+Bei der Minorität befanden sich die natürlichen Söhne Karl's, die
+Schwäger Jakob's, die Herzöge von Somerset und von Ormond, der
+Erzbischof von York und elf Bischöfe. Mit der Majorität stimmte außer
+Compton und Trelawney kein Prälat.[76]
+
+Es war fast neun Uhr Abends, als das Haus auseinanderging. Der folgende
+Tag war der dreißigste Januar, der Todestag Karl's I. Die große
+Körperschaft des anglikanischen Clerus hatte es seit vielen Jahren für
+eine heilige Pflicht gehalten, an diesem Tage die Lehren vom
+Nichtwiderstande und vom passiven Gehorsam einzuschärfen. Ihre früheren
+Predigten konnten sie jedoch jetzt nicht mehr brauchen und viele
+Geistliche waren sogar in Zweifel, ob sie es wagen dürften, die ganze
+Liturgie zu lesen. Das Unterhaus hatte erklärt, daß der Thron erledigt
+sei, das Oberhaus hatte noch gar keine Ansicht ausgesprochen, und es war
+daher nicht leicht zu entscheiden, ob die Gebete für den Souverain
+angewendet werden konnten. Jeder Gottesdienst haltende Geistliche
+handelte nach seinem persönlichen Ermessen. In den meisten Kirchen der
+Hauptstadt wurden die Gebete für Jakob weggelassen; in der
+Margarethenkirche aber las Sharp, Dechant von Norwich, welcher ersucht
+worden war, vor den Mitgliedern des Unterhauses zu predigen, nicht
+allein die ganzen Gebete, wie sie im Buche standen, sondern extemporirte
+auch vor seiner Predigt einen Segen für den König und sprach am Schlusse
+seines Vortrags gegen die jesuitische Lehre, daß Unterthanen berechtigt
+seien, ihre Fürsten abzusetzen. Der Sprecher beschwerte sich noch
+denselben Nachmittag vor dem Hause über diese Beleidigung. »Heute fassen
+Sie einen Beschluß,« sagte er, »und morgen hören Sie denselben mit
+eigenen Ohren auf der Kanzel widersprechen.« Sharp wurde von den Tories
+kräftig in Schutz genommen und hatte selbst unter den Whigs Freunde;
+denn es war noch nicht vergessen, daß er sich in schlimmen Zeiten durch
+den Muth, mit dem er trotz des königlichen Befehls gegen den Papismus
+gepredigt, ernsten Gefahren ausgesetzt hatte. Sir Christoph Musgrave
+bemerkte sehr treffend, das Haus habe den Beschluß, welcher den Thron
+für erledigt erklärte, noch nicht bekannt machen lassen. Sharp sei daher
+nicht allein nicht verpflichtet gewesen, von diesem Beschlusse etwas zu
+wissen, sondern er hätte sogar nicht Notiz davon nehmen können, ohne
+sich eine Verletzung des Privilegiums des Hauses zu Schulden kommen zu
+lassen, wofür er hätte vor die Schranken gefordert und kniend einen
+Verweis erhalten können. Die Majorität sah ein, daß es nicht weise
+gewesen wäre, in diesem Augenblicke mit der Geistlichkeit zu hadern und
+man ließ den Gegenstand daher fallen.[77]
+
+Während die Gemeinen über Sharp's Predigt discutirten, hatten sich die
+Lords wieder zu einem Comité zur Erwägung der Lage der Nation
+constituirt und hatten den Beschluß, der den Thron für erledigt
+erklärte, Satz für Satz vorlesen lassen.
+
+Der erste Ausdruck, über den sich eine Debatte entspann, war der,
+welcher den ursprünglichen Vertrag zwischen König und Volk anerkannte.
+Es war nicht zu erwarten, daß die toryistischen Peers eine die
+Quintessenz des Whiggismus enthaltende Phrase ohne Einwendungen würden
+durchgehen lassen. Es wurde abgestimmt und mit dreiundfünfzig gegen
+sechsundvierzig Stimmen beschlossen, daß die Worte stehen bleiben
+sollten.
+
+Der strenge Tadel, den die Gemeinen über die Verwaltung Jakob's
+ausgesprochen hatten, wurde nun zunächst in Betracht gezogen und ohne
+eine einzige abweichende Stimme gebilligt. Nur gegen den Ausdruck, Jakob
+habe die Regierung niedergelegt, wurden einige redactionelle
+Einwendungen gemacht. Es wurde hervorgehoben, man könne richtiger sagen,
+daß er sie verlassen habe. Dieses Amendement wurde, wie es scheint, fast
+ohne alle Debatte, und ohne Abstimmung angenommen. Inzwischen war es
+spät geworden, und die Lords hoben daher die Sitzung auf.[78]
+
+ [Anmerkung 73: +Clarendon's Diary, Jan. 21. 1688/89; Burnet, I.
+ 810: Doyly's Life of Sancroft.+]
+
+ [Anmerkung 74: Siehe die Uniformitätsacte.]
+
+ [Anmerkung 75: +Stat. 2. Hen. 7. c. 1+; +Lord Coke's Institutes,
+ III. 1.+ Cook's Hochverrathsprozeß in der +Collection of State
+ Trials+; +Burnet, I. 813+, und Swift's Note.]
+
+ [Anmerkung 76: +Lords' Journals, Jan. 29. 1688/89; Clarendon's
+ Diary; Evelyn's Diary+; Citters; +Eachard's History of the
+ Revolution+; +Burnet, I. 813+; +History of the Reestablishment of
+ the Government, 1689.+ Die Anzahl der Stimmen für und wider sind
+ in den Protokollen nicht angeführt und werden von verschiedenen
+ Schriftstellern verschieden angegeben. Ich habe mich an Clarendon
+ gehalten, der sich die Mühe genommen, Listen der Majorität und der
+ Minorität zu entwerfen.]
+
+ [Anmerkung 77: +Grey's Debates+; +Evelyn's Diary+; +Life of
+ Archbishop Sharp, by his son+; +Apology for the New Separation, in
+ a letter to Dr. John Sharp, Archbishop of York, 1691.+]
+
+ [Anmerkung 78: +Lords' Journals, Jan. 30. 1688/89; Clarendon's
+ Diary.+]
+
+
+[_Spaltung zwischen den Whigs und den Anhängern Danby's._] Bis hieher
+hatte die kleine Anzahl Peers, welche unter Danby's Leitung standen, in
+festem Bunde mit Halifax und den Whigs gehandelt. Das Ergebniß dieser
+Einigung war die Verwerfung des Regentschaftsplanes und die Bestätigung
+des Grundsatzes vom ursprünglichen Vertrag. Der Satz, daß Jakob
+aufgehört habe, König zu sein, war der Vereinigungspunkt der beiden
+Parteien gewesen, welche zusammen die Majorität gebildet hatten. Von
+diesem Punkte an aber gingen ihre Wege auseinander. Die nächste zu
+entscheidende Frage war, ob der Thron erledigt sei, und dies war keine
+bloße Formfrage, sondern eine Frage von ernster praktischer Bedeutung.
+Wenn der Thron erledigt war, so konnten die Stände des Reichs Wilhelm
+auf denselben erheben; war er nicht erledigt, so konnte er erst nach
+seiner Gemahlin, nach der Prinzessin Anna und nach deren
+Nachkommenschaft auf denselben gelangen.
+
+Nach der Ansicht der Anhänger Danby's war es ein feststehender
+Grundsatz, daß unser Land nicht einen Augenblick ohne einen rechtmäßigen
+Fürsten sein konnte. Der Mensch konnte sterben, aber der Regent war
+unsterblich; der Mensch konnte abdanken, der Regent aber war
+unabsetzbar. Wenn wir, sagten diese Politiker, einmal zugeben, daß der
+Thron erledigt ist, so geben wir auch zu, daß er durch Wahl besetzt
+werden kann. Der Souverain, den wir auf denselben erheben, wird dann
+nicht ein Souverain nach englischem, sondern einer nach polnischem Modus
+sein. Selbst wenn wir die Person wählten, welche dem Geburtsrechte nach
+zur Regierung kommen würde, so würde diese Person doch nicht kraft des
+Geburtsrechtes, sondern kraft unsrer Wahl regieren und würde als
+Geschenk erhalten was als Erbtheil betrachtet werden sollte. Die
+heilsame Ehrfurcht, mit der das königliche Blut und das Erstgeburtsrecht
+bisher betrachtet worden sind, würde bedeutend geschwächt werden. Noch
+schlimmer würde das Übel sein, wenn wir den Thron nicht allein durch
+Wahl, sondern mit einem Prinzen besetzten, der zwar unbestreitbar die
+Eigenschaften eines großen und guten Regenten hat und uns eine
+wunderbare Befreiung gebracht, der aber nicht der Erste, ja nicht einmal
+der Zweite in der Thronfolgeordnung ist. Wenn wir einmal sagen, daß
+Verdienste, so groß sie immer sein mögen, ein Anrecht auf die Krone
+geben, so erschüttern wir die Grundpfeiler unsrer Verfassung und liefern
+einen Precedenzfall, den jeder ehrgeizige Krieger oder Staatsmann,
+welcher dem Lande einen großen Dienst geleistet haben mag, in seinem
+Interesse zu benutzen sich versucht fühlen wird. Diese Gefahr vermeiden
+wir, wenn wir die Prinzipien der Verfassung logisch bis zu ihren
+Consequenzen festhalten. Es hat eine Niederlegung der Krone
+stattgefunden. Im Augenblicke der Niederlegung wurde der nächste Erbe
+unser rechtmäßiger Souverain. Wir betrachten die Prinzessin von Oranien
+als nächste Erbin, und sind der Meinung, daß sie unverzüglich als das
+was sie wirklich ist, als unsre Königin, proklamirt werden muß.
+
+Die Whigs entgegneten hierauf, es sei nutzlos, die gewöhnlichen Regeln
+auf ein im Zustande der Revolution befindliches Land anzuwenden, die
+jetzt obschwebende große Frage dürfe nicht nach den Ansprüchen
+pedantischer Templer entschieden werden, und wenn sie so entschieden
+werden solle, so könnten derartige Aussprüche auf der einen Seite eben
+so gut wie auf der andren angeführt werden. Wenn es ein Rechtsgrundsatz
+sei, daß der Thron nie unbesetzt sein könne, so sei es auch ein
+Rechtsgrundsatz, daß ein noch lebender Mensch keinen Erben haben könne.
+Jakob lebte noch; wie könnte also die Prinzessin von Oranien seine Erbin
+sein? Das englische Recht habe allerdings vollständige Vorsorge für die
+Thronfolge getroffen, für den Fall, daß die Macht eines Souverains zu
+gleicher Zeit mit seinem Leben endete, nicht aber für die seltenen
+Fälle, in denen seine Macht vor dem Aufhören seines physischen Lebens
+endete, und mit einem dieser höchst seltenen Fälle habe die Convention
+es jetzt zu thun. Daß Jakob nicht mehr auf dem Throne sitze, hätten
+beide Häuser erklärt. Weder das gemeine Recht, noch das in den Gesetzen
+enthaltene Recht bezeichne irgend Jemanden als befugt, in der Zeit
+zwischen seiner Abdankung und seinem Ableben den Thron einzunehmen.
+Daraus folge, daß der Thron erledigt sei und daß die Häuser den Prinzen
+von Oranien ersuchen könnten, denselben einzunehmen. In der
+Geburtsordnung sei er allerdings nicht der Nächste, allein dies sei kein
+Nachtheil, sondern vielmehr gerade eine positive Empfehlung. Die
+erbliche Monarchie sei eine gute politische Institution, aber keineswegs
+heiliger als andere gute politische Institutionen. Leider hätten bigotte
+und servile Theologen es zu einem religiösen Mysterium gemacht, das fast
+eine eben so heilige Scheu erwecke und eben so unbegreiflich sei, als
+die Transsubstantiation selbst. Die Institution aufrecht zu erhalten,
+aber die nachtheiligen abergläubischen Begriffe zu entfernen, die man
+seit den letzten Jahren daran geknüpft, und die sie zu einem Fluche,
+anstatt zu einem Segen für die Gesellschaft gemacht hätten, müsse das
+Hauptbestreben der englischen Staatsmänner sein, und dieser Zweck werde
+am besten erreicht werden, wenn man einmal von der allgemeinen
+Erbfolgeordnung ein wenig abweiche und dann wieder zu derselben
+zurückkehre.
+
+
+[_Versammlung bei dem Earl von Devonshire._] Es wurden viele Versuche
+gemacht, um einen offenen Bruch zwischen der Partei des Prinzen und der
+Partei der Prinzessin zu verhüten. Eine große Versammlung wurde im Hause
+des Earl von Devonshire gehalten und daselbst lebhaft debattirt. Halifax
+war der Hauptsprecher für Wilhelm, Danby für Marien. Von Marien's
+Gesinnungen wußte Danby nichts. Sie wurde seit einiger Zeit in London
+erwartet, war aber zuerst durch die Eismassen, welche die Flußmündungen
+versperrten, und nach eingetretenem Thauwetter durch heftige Westwinde
+in Holland, zurückgehalten worden. Wäre sie früher gekommen, so würde
+der Streit wahrscheinlich mit einem Male beigelegt worden sein. Auf der
+andren Seite war Halifax nicht ermächtigt irgend etwas im Namen
+Wilhelm's zu thun. Der Prinz hatte, getreu seinem Versprechen, daß er
+die Einsetzung der Regierung der Convention überlassen werde, eine
+undurchdringliche Zurückhaltung bewahrt und hatte sich kein Wort, keinen
+Blick, keine Geberde entschlüpfen lassen, welche Zufriedenheit oder
+Mißfallen hätte verrathen können. Einer seiner Landsleute, der sein
+Vertrauen in hohem Maße genoß, war zu der Versammlung eingeladen und von
+den Peers dringend ersucht worden, daß er ihnen einige Aufschlüsse geben
+möchte. Er weigerte sich lange. Endlich aber gab er ihren Bitten
+insoweit nach, daß er sagte: »Ich kann die Gesinnung Seiner Hoheit nur
+muthmaßen. Wenn Sie es gern wissen wollen, was ich muthmaße, so will ich
+es Ihnen sagen: ich vermuthe, daß er nicht gern der Ceremonienmeister
+seiner Gemahlin werden möchte. Doch ich weiß nichts.« -- »Aber ich weiß
+nun etwas,« erwiederte Danby. »Ich weiß genug, mehr als genug.« Dann
+entfernte er sich und die Versammlung ging auseinander.[79]
+
+Am 31. Januar wurde die so beendigte Privatdebatte im Hause der Peers
+öffentlich wieder aufgenommen. Dieser Tag war zur Feier des
+Nationaldankfestes bestimmt worden. Mehrere Bischöfe, darunter Ken und
+Sprat, hatten für diese Gelegenheit ein besonderes Gebet abgefaßt. Es
+ist vollkommen frei von Schmeicheleien wie von Gehässigkeiten, welche
+derartige Erzeugnisse damals nur zu oft verunzierten und hält vielleicht
+besser als irgend ein andres Gelegenheitsgebet, das seit zwei
+Jahrhunderten verfaßt wurde, einen Vergleich mit jenem herrlichen Muster
+reiner, erhabener und ergreifender Beredtsamkeit, mit dem allgemeinen
+Gebetbuche aus. Die Lords gingen am Morgen in die Westminsterabtei. Die
+Gemeinen hatten Burnet gebeten, in der Margarethenkirche vor ihnen zu
+predigen. Von ihm hatte man nicht zu fürchten, daß er in den Fehler
+verfallen werde, welcher den Tag vorher daselbst begangen worden war.
+Sein kräftiger und lebendiger Vortrag fand gewiß lauten Beifall bei
+seinen Zuhörern. Die Predigt wurde nicht allein auf Befehl des Hauses
+gedruckt, sondern auch zur Erbauung fremder Protestanten ins
+Französische übersetzt.[80] Der Tag wurde mit den bei solchen
+Gelegenheiten üblichen Festlichkeiten beschlossen. Die ganze Stadt
+strahlte von Feuerwerk und Freudenfeuern; der Kanonendonner und das
+Glockengeläute dauerten bis tief in die Nacht hinein; aber ehe die
+Lichter erloschen und die Straßen wieder still geworden waren, hatte ein
+Ereigniß stattgefunden, das die Freude des Volks dämpfte.
+
+ [Anmerkung 79: Dartmouth's Note zu Burnet, I. 393. Dartmouth sagt,
+ die Lords hätten Fagel diese Andeutung abgedrungen. Dies war ein
+ Schreibfehler, der in einer eilig hingeschriebenen Anmerkung wohl
+ zu entschuldigen ist; aber Dalrymple und Andere hätten einen so
+ auffallenden Fehler nicht abschreiben sollen. Fagel war am 5. Dec.
+ 1688, während sich Wilhelm in Salisbury und Jakob in Whitehall
+ befand, in Holland gestorben. Die richtige Person war vermuthlich
+ Dykvelt, Bentinck oder Zulestein, am wahrscheinlichsten Dykvelt.]
+
+ [Anmerkung 80: Das Gebet sowohl als Burnet's Predigt sind noch in
+ unseren großen Bibliotheken zu finden und verdienen gelesen zu
+ werden.]
+
+
+[_Debatte im Hause der Lords über die Frage der Thronerledigung._] Die
+Peers hatten sich aus der Abtei in ihr Sitzungslokal begeben und die
+Discussion über die Lage der Nation wieder aufgenommen. Die letzten
+Worte des Beschlusses der Gemeinen wurden in Erwägung gezogen, und es
+zeigte sich bald, daß die Majorität nicht gemeint war, diesen Worten
+beizustimmen. Zu den nahe an fünfzig Lords, welche der Ansicht waren,
+daß Jakob noch der Königstitel gebühre, kamen jetzt noch sieben bis
+acht, welche behaupteten, daß derselbe schon auf Marien übergegangen
+sei. Als die Whigs sahen, daß ihre Gegner ihnen an Zahl überlegen waren,
+versuchten sie es, einen Vergleich zu Stande zu bringen. Sie schlugen
+deshalb vor, die Worte, welche den Thron für erledigt erklärten,
+wegzulassen und den Prinzen und die Prinzessin einfach zum König und zur
+Königin zu proklamiren. Es war augenscheinlich, daß eine solche
+Erklärung Alles was die Tories nicht zugestehen wollten, wenn nicht
+ausdrücklich aussprach, doch in sich schloß. Denn Niemand konnte
+behaupten, daß Wilhelm kraft des Geburtsrechts in das königliche Amt
+eingetreten war. Ein Beschluß, der ihn als König anerkannte, wäre
+demnach ein Wahlact gewesen, und wie konnte eine Wahl stattfinden ohne
+Erledigung?
+
+
+[_Die Majorität für die Verneinung._] Der Vorschlag der whiggistischen
+Lords wurde mit zweiundfünfzig gegen siebenundvierzig Stimmen verworfen.
+Dann wurde die Frage gestellt, ob der Thron erledigt sei. Hiermit waren
+einverstanden einundvierzig, nicht einverstanden fünfundfünfzig.
+Sechsunddreißig von der Minorität protestirten.[81]
+
+ [Anmerkung 81: +Lords' Journals, Jan. 31. 1688/89+.]
+
+
+[_Aufregung in London._] Während der beiden folgenden Tage war London in
+einer unruhigen und angstvollen Stimmung. Die Tories begannen zu hoffen,
+daß sie ihren Lieblingsplan einer Regentschaft mit besserem Erfolge
+wieder zur Sprache würden bringen können. Vielleicht zog der Prinz
+selbst, wenn er sah, daß er keine Aussicht hatte, die Krone zu tragen,
+Sancroft's Plan, dem Plane Danby's vor. Es war allerdings besser, König
+zu sein als Regent; aber Regent war immer noch besser als
+Ceremonienmeister. Auf der andren Seite begann auch die niedere und
+heftigere Klasse der Whigs, die ehemaligen Emissäre Shaftesbury's die
+alten Bundesgenossen College's sich in der City zu regen. Volkshaufen
+versammelten sich im Palasthofe und führten eine drohende Sprache. Lord
+Lovelace, der im Verdacht stand, zu diesen Versammlungen aufgereizt zu
+haben, kündigte den Peers an, daß er beauftragt sei, eine Petition zu
+überreichen, in der sie aufgefordert würden, den Prinzen und die
+Prinzessin von Oranien unverzüglich zum König und zur Königin zu
+erklären. Auf die Frage, von wem die Petition unterzeichnet sei,
+antwortete er: »Sie hat noch keine Unterschriften, wenn ich sie aber das
+nächste Mal wieder mit hierher bringe, wird sie deren genug haben.«
+Diese Drohung beunruhigte und verdroß seine eigne Partei. Die leitenden
+Whigs waren in der That noch ängstlicher besorgt, als die Tories, daß
+die Berathungen der Convention vollkommen frei seien und daß kein
+Anhänger Jakob's behaupten könne, daß das eine oder das andre Haus unter
+dem Einflusse eines Zwanges gehandelt habe. Eine ähnliche Petition wie
+die von Lovelace überreichte, wurde auch im Hause der Gemeinen
+vorgelegt, aber mit Verachtung zurückgewiesen. Maynard war der Erste,
+der gegen den Versuch des Straßenpöbels, die Stände des Reichs
+einzuschüchtern, protestirte. Wilhelm ließ Lovelace zu sich kommen,
+setzte ihn sehr ernsthaft zur Rede und befahl den städtischen Behörden,
+gegen alle ungesetzlichen Versammlungen kräftig einzuschreiten.[82]
+Nichts in der Geschichte unsrer Revolution verdient mehr Bewunderung und
+Nachahmung als die Art, wie sich die beiden Parteien der Convention
+gerade in dem Augenblicke, wo ihr Streit am heftigsten war, wie ein Mann
+zum Widerstand gegen die Vorschriften des Pöbels der Hauptstadt
+verbanden.
+
+ [Anmerkung 82: Citters, 5.(15.) Febr. 186 f.; +Diary, Feb. 2.+ In
+ dem Werke, +Revolution Politics+, einem höchst abgeschmackten
+ Buche, das aber als Sammlung der unsinnigen Tagesgerüchte einigen
+ Werth hat, übertreibt die Geschichte maßlos. -- +Grey's Debates+.]
+
+
+[_Brief von Jakob an die Convention._] Obgleich aber die Whigs fest
+entschlossen waren, die Ordnung aufrecht zu erhalten und die Freiheit
+der Debatte zu achten, so waren sie doch nicht minder fest entschlossen,
+kein Zugeständniß zu machen. Am Samstag, den 2. Februar beschlossen die
+Gemeinen ohne Abstimmung, die ursprüngliche Fassung ihres Beschlusses
+beizubehalten. Jakob kam wie immer seinen Feinden zu Hülfe. Eben war ein
+Schreiben von ihm an die Convention angelangt. Der Apostat Melfort, der
+jetzt in St.-Germain in hoher Gunst stand, hatte es Preston überbracht.
+Der Name Melfort war jedem Anhänger der Staatskirche verhaßt. Daß er
+noch immer ein vertrauter Diener Jakob's war, genügte an sich schon um
+zu beweisen, daß die Thorheit und Verkehrtheit seines Gebieters
+unheilbar waren. Kein Mitglied eines der beiden Häuser wagte es, die
+Vorlesung eines von solcher Seite kommenden Schreibens zu beantragen.
+Der Inhalt war jedoch der ganzen Stadt bekannt. Seine Majestät ermahnte
+die Lords und Gemeinen, an seiner Milde nicht zu verzweifeln und
+versicherte gnädigst, daß er Denen, die ihn verrathen hätten, verzeihen
+wolle, einige Wenige ausgenommen, die er nicht nannte. War es wohl
+möglich etwas für einen Fürsten zu thun, der besiegt, verlassen,
+verbannt und von Almosen lebend, Denjenigen, in deren Hand sein
+Schicksal lag, sagte, daß er, wenn sie ihn wieder auf den Thron setzten,
+nur einige wenige von ihnen hängen lassen würde?[83]
+
+ [Anmerkung 83: Jakob's Brief, vom 24. Jan. (3. Febr.) 1689 datirt,
+ findet sich bei Kennet. In Clarke's +Life of James+ ist er auf die
+ unredlichste Weise entstellt. Siehe +Clarendon's Diary, Feb. 2,
+ 4+; +Grey's Debates+; +Lords' Journals, Feb. 2, 4, 1688/89+.]
+
+
+[_Debatte._] Der Streit zwischen den beiden Parteien der gesetzgebenden
+Gewalt dauerte noch einige Tage. Montag, den 4. Februar, beschlossen die
+Lords auf ihren Amendements zu beharren; aber es wurde ein mit
+neununddreißig Namen unterzeichneter Protest in die Protokolle
+eingetragen.[84]
+
+ [Anmerkung 84: Es ist von mehrern Schriftstellern, unter anderen
+ von Ralph, und B. Mazure behauptet worden, Danby habe diesen
+ Protest unterzeichnet. Dies ist ein Irrthum. Wahrscheinlich las
+ Jemand, der die Protokolle vor dem Drucke durchsah, Danby für
+ Derby. +Lords' Journals, Feb. 4. 1688/89+. Einige Tage vorher
+ schrieb Evelyn fälschlich Derby anstatt Danby. Sein Tagebuch vom
+ 29. Jan. 1688/89.]
+
+
+[_Unterhandlungen._] Am folgenden Tage beschlossen die Tories, ihre
+Stärke im Unterhause zu versuchen. Sie erschienen in großer Anzahl und
+es wurde der Antrag gestellt, den Amendements der Lords beizutreten.
+Die, welche für Sancroft's Plan und die, welche für Danby's Plan waren,
+stimmten miteinander; allein sie wurden mit zweihundertundachtzig gegen
+hunderteinundfünfzig Stimmen geschlagen. Das Haus beschloß hierauf, um
+eine freie Conferenz mit den Lords nachzusuchen.[85]
+
+ [Anmerkung 85: +Commons' Journals, Feb. 5. 1688/89.+]
+
+
+[_Schreiben der Prinzessin von Oranien an Danby._] Zu gleicher Zeit
+wurden außerhalb der Mauern des Parlaments energische Anstrengungen
+gemacht, um den Streit zwischen den beiden Zweigen der gesetzgebenden
+Versammlung zu beendigen. Burnet glaubte es durch die Wichtigkeit der
+Krisis gerechtfertigt, das ihm von der Prinzessin anvertraute große
+Geheimniß zu veröffentlichen. Er wisse aus ihrem eigenen Munde, sagte
+er, daß es schon längst ihr fester Entschluß sei, selbst wenn sie nach
+der regelmäßigen Erbfolge auf den Thron gelangen sollte, mit Genehmigung
+des Parlaments ihre Gewalt in die Hände ihres Gemahls niederzulegen.
+Danby erhielt von ihr einen ernsten, fast harten Verweis. Sie sei die
+Gattin des Prinzen, schrieb sie ihm, und hege keinen andren Wunsch als
+ihm unterthan zu sein; man könne ihr keine schwerere Beleidigung
+zufügen, als wenn man sie als seine Nebenbuhlerin darstelle und sie
+könne Niemanden, der ein solches Verfahren einschlage, als ihren wahren
+Freund betrachten.[86]
+
+ [Anmerkung 86: +Burnet, I. 819.+]
+
+
+[_Die Prinzessin Anna erklärt sich mit dem Whigplane einverstanden._]
+Die Tories hatten noch eine Hoffnung. Anna konnte vielleicht auf ihren
+eigenen und auf den Rechten ihrer Kinder bestehen. Es wurde keine Mühe
+gespart, um ihren Ehrgeiz aufzustacheln und ihr Gewissen zu beunruhigen.
+Ihr Oheim Clarendon war ganz besonders thätig. Erst wenige Wochen waren
+vergangen, seitdem die Hoffnung auf Reichthum und Ansehen ihn bewogen
+hatte, die pomphaft zur Schau getragenen Glaubensbekenntnisse seines
+ganzen Lebens zu verleugnen, von dem Könige abzufallen, sich dem Wildman
+und dem Ferguson anzuschließen und sogar vorzuschlagen, daß der König
+als Gefangener in ein fremdes Land geschickt und in eine von ungesunden
+Sümpfen umgebene Festung eingesperrt werden sollte. Der Köder, der diese
+auffallende Sinnesveränderung bewirkt hatte, war das Vicekönigamt in
+Irland. Bald zeigte es sich jedoch, daß der Proselyt wenig Aussicht
+hatte, den glänzenden Preis, nach welchem sein Sinn strebte, zu
+erringen. Er sah, daß Andere über die irländischen Angelegenheiten zu
+Rathe gezogen wurden. Sein Rath wurde nie verlangt, und wenn er ihn
+zudringlicherweise anbot, wurde er mit Kälte aufgenommen. Er begab sich
+häufig in den St. Jamespalast, konnte aber kaum ein Wort oder einen
+Blick erlangen. Das eine Mal schrieb der Prinz eben; ein ander Mal
+sollte er frische Luft schöpfen und einen Spazierritt durch den Park
+machen; das dritte Mal hatte er eine Conferenz mit Offizieren über
+militairische Angelegenheiten und konnte Niemanden empfangen. Clarendon
+sah nun, daß er keine Aussicht hatte, durch die Aufopferung seiner
+Grundsätze etwas zu gewinnen, und er beschloß daher, zu denselben
+zurückzukehren. Im December hatte der Ehrgeiz ihn zum Rebellen gemacht;
+im Januar verwandelte Enttäuschung ihn wieder in einen Royalisten. Das
+drückende Bewußtsein, daß er kein standhafter Tory gewesen war, verlieh
+seinem Toryismus eine besondere Leidenschaftlichkeit.[87] Im Hause der
+Lords hatte er Alles aufgeboten, um eine bestimmte Entscheidung zu
+hintertreiben. Jetzt verwendete er seinen ganzen Einfluß zu demselben
+Zwecke bei der Prinzessin Anna. Aber sein Einfluß auf sie war nur gering
+im Vergleich mit dem der Churchill, welche wohlweislich zwei mächtige
+Verbündete zu Hülfe nahmen: Tilletson, der als Gewissensrath damals ein
+großes Ansehen genoß, und Lady Russel, deren edle und liebenswürdige
+Tugenden, welche die schwerste aller Prüfungen bestanden, ihr den Ruf
+einer Heiligen erworben hatten. Bald ward es bekannt, daß die Prinzessin
+von Dänemark ihre Einwilligung zu Wilhelm's lebenslänglicher Regierung
+zu geben geneigt war, und es lag auf der Hand, daß es ein vergebliches
+Beginnen gewesen wäre, die Sache der Töchter Jakob's gegen sie selbst zu
+vertheidigen.[88]
+
+ [Anmerkung 87: +Clarendon's Diary, Jan. 1, 4, 8, 9, 10, 11, 12,
+ 13, 14, 1688/89; Burnet, I. 807.+]
+
+ [Anmerkung 88: +Clarendon's Diary, Feb. 5. 1688/89; Duchess of
+ Marlborough's Vindication; Mulgrave's Account of the Revolution.+]
+
+
+[_Wilhelm spricht seine Absichten aus._] Jetzt glaubte Wilhelm, die Zeit
+sei gekommen, wo er sich aussprechen müsse. Er berief daher Halifax,
+Danby, Shrewsbury und einige andere politische Parteihäupter von hohem
+Ansehen zu sich und richtete mit dem stoischen Gleichmuth, unter dem er
+von Kindheit auf seine stärksten Gefühlsregungen zu verbergen pflegte,
+einige tief durchdachte und gewichtige Worte an sie.
+
+Er habe bis jetzt geschwiegen, sagte er, und weder Bitten noch Drohungen
+angewendet, ja nicht einmal eine Andeutung über seine Ansichten oder
+Wünsche laut werden lassen; jetzt aber sei der entscheidende Augenblick
+gekommen, wo er seine Absichten offen erklären müsse. Er habe weder das
+Recht, noch den Wunsch, der Convention Vorschriften zu machen. Er
+beanspruche weiter nichts als das Vorrecht, jedes Amt, das er nach
+seiner Überzeugung nicht mit Ehren für sich und zum Wohle des Staats
+würde verwalten können, ablehnen zu dürfen.
+
+Eine starke Partei sei für eine Regentschaft. Die beiden Häuser hätten
+darüber zu entscheiden, ob eine solche Einrichtung dem Vaterlande zum
+Heile gereichen könne. Seine Meinung über diesen Punkt stehe fest und er
+halte es für nöthig, mit Bestimmtheit zu erklären, daß er für seine
+Person nicht Regent werden möchte.
+
+Eine andre Partei wünsche die Prinzessin auf den Thron zu erheben und
+ihm auf Lebenszeit den Königstitel und denjenigen Antheil an der
+Regierung zu gewähren, den sie ihm freiwillig zugestehen würde. Zu einer
+solchen Stellung könne er sich nicht herablassen. Er achte die
+Prinzessin so hoch, als nur irgend ein Mann ein Weib achten könne, aber
+selbst aus ihren Händen werde er eine untergeordnete und unsichere
+Stellung bei der Regierung nicht annehmen. Es liege einmal nicht in
+seiner Natur, daß er sich an die Schürzenbänder auch der besten Frau
+knüpfen lassen könne. Er dränge sich durchaus nicht danach, in der
+englischen Geschichte eine Rolle zu spielen, wenn er aber einwillige,
+eine solche Rolle zu übernehmen, so gebe es nur eine, die er mit Nutzen
+oder mit Ehren übernehmen könne. Wenn die Stände ihm die Krone auf
+Lebenszeit anböten, so würde er sie annehmen, wo nicht, würde er, ohne
+sich zu grämen, in sein Vaterland zurückkehren. Er schloß mit den
+Worten, er halte es für recht und billig, daß Lady Anna und ihre
+Nachkommen allen Kindern, die ihm eine andre Frau als Lady etwa schenken
+möchte, in der Thronfolge vorgezogen würden.[89]
+
+Die Versammlung trennte sich und binnen wenigen Stunden war die Rede des
+Prinzen in ganz London bekannt. Daß er König werden mußte, war jetzt
+klar. Die einzige Frage war nur noch, ob er die königliche Würde allein
+oder mit der Prinzessin gemeinschaftlich bekleiden sollte. Halifax und
+einige andere Staatsmänner, welche die Gefahr einer Theilung der
+höchsten Executivgewalt in grellem Lichte erblickten, hielten es für
+wünschenswerth, daß Marie, so lange Wilhelm lebte, nur Königsgemahlin
+und Unterthanin sein sollte. Obgleich sich viel zu Gunsten eines solchen
+Arrangements sagen ließ, so beleidigte sie doch das Gefühl selbst
+derjenigen Engländer, welche dem Prinzen am meisten ergeben waren. Seine
+Gemahlin hatte ihm einen beispiellosen Beweis von ehelicher Unterwerfung
+und Liebe gegeben, und die geringste Vergeltung dafür von seiner Seite
+war die Verleihung der Würde einer regierenden Königin. Wilhelm Herbert,
+einer der wärmsten Anhänger des Prinzen, war so entrüstet, daß er aus
+dem Bette sprang, an das die Gicht ihn fesselte, und mit Heftigkeit
+erklärte, daß er nie für Seine Hoheit das Schwert gezogen haben würde,
+wenn er geahnet hätte, daß eine so schmachvolle Anordnung getroffen
+werden solle. Niemand aber zeigte sich so gereizt über die Sache als
+Burnet. Sein Blut kochte bei dem Gedanken an das seiner gütigen
+Beschützerin zugefügte Unrecht. Er gerieth in einen heftigen Streit mit
+Bentinck und bat um Enthebung von seinem Kaplanposten. »So lange ich ein
+Diener Seiner Hoheit bin,« sagte der wackere, rechtschaffene Geistliche,
+»würde es mir nicht geziemen, einen Plan zu bekämpfen, der vielleicht
+seinen Beifall hat. Ich wünsche daher, meine Freiheit wieder zu
+erhalten, um mit allen mir von Gott verliehenen Kräften für die
+Prinzessin zu kämpfen.« Bentinck bewog ihn, eine offene Kriegserklärung
+so lange aufzuschieben, bis Wilhelm's Entschließungen näher bekannt sein
+würden. In wenigen Stunden war der Plan, der so viel böses Blut gemacht
+hatte, völlig aufgegeben, und alle Diejenigen, welche Jakob nicht mehr
+als König betrachteten, stimmten in der Art der Wiederbesetzung des
+Thrones überein. Wilhelm und Marie mußten König und Königin werden; die
+Münzen mußten beider Brustbilder zeigen, die Regierungsdecrete mußten in
+beider Namen erlassen werden, beide mußten alle persönlichen Ehren und
+Privilegien der Königswürde genießen; aber die Verwaltung, welche nicht
+füglich getheilt werden konnte, mußte Wilhelm allein bleiben.[90]
+
+ [Anmerkung 89: +Burnet, I. 820.+ Burnet sagt, er habe die
+ Ereignisse dieser bewegten Zeit nicht in chronologischer Ordnung
+ berichtet. Ich mußte sie daher nach meinen eigenen Muthmaßungen
+ ordnen, glaube aber kaum mich zu irren, wenn ich annehme, daß das
+ Schreiben der Prinzessin in der Zeit zwischen Donnerstag den 31.
+ Jan. und Mittwoch den 6. Febr. ankam und auch der Prinz die
+ Erklärung über seine Absichten kund gab.]
+
+ [Anmerkung 90: +Mulgrave's Account of the Revolution.+ In den
+ ersten drei Ausgaben habe ich diesen Vorgang unrichtig erzählt.
+ Die Schuld lag größtentheils an mir selbst, zum Theil aber auch an
+ Burnet, dessen nachlässiger Gebrauch des Fürworts »er« mich
+ irreführte. +Burnet I. 858.+]
+
+
+[_Die Conferenz zwischen den beiden Häusern._] Inzwischen war die zu der
+freien Conferenz zwischen den Häusern festgesetzte Zeit herangekommen.
+Die Wortführer der Lords nahmen in vollem Ornat ihre Sitze auf der einen
+Seite der Tafel im sogenannten gemalten Saale (+painted chamber+) ein;
+aber auf der andren Seite drängte sich eine so große Anzahl von
+Mitgliedern des Hauses der Gemeinen, daß die Herren, welche die Frage
+erörtern sollten, nicht hindurchkommen konnten. Nicht ohne große
+Schwierigkeit und erst nach geraumer Zeit gelang es dem Stabträger,
+ihnen einen Weg zu bahnen.[91]
+
+Endlich begann die Verhandlung. Die bei dieser Gelegenheit gehaltenen
+Reden sind vollständig auf uns gekommen. Es wird wenige
+Geschichtsforscher geben, welche den Bericht darüber nicht mit
+gespannter Neugierde zur Hand genommen und mit getäuschten Erwartungen
+wieder bei Seite gelegt hätten. Die zwischen den beiden Häusern
+obschwebende Streitfrage wurde von beiden Theilen als eine Rechtsfrage
+behandelt. Die Einwürfe der Lords gegen den Beschluß der Gemeinen waren
+formeller und technischer Art, ebenso auch die Entgegnungen. Somers
+vertheidigte den Gebrauch des Wortes Abdication durch Citate aus Grotius
+und Brissonius, Spigelius und Bartolus. Als er aufgefordert wurde, eine
+Autorität für die Behauptung anzuführen, daß England ohne Souverain sein
+könne, legte er die Parlamentsprotokolle vom Jahre 1399 vor, in denen
+ausdrücklich gesagt war, daß der Thron in der Zeit zwischen der
+Abdankung Richard's II. und der Thronbesteigung Heinrich's IV. vakant
+gewesen sei. Die Lords führten zur Widerlegung die Parlamentsprotokolle
+vom ersten Regierungsjahre Eduard's IV. an, aus denen hervorging, daß
+die Urkunde von 1399 feierlich annullirt worden war. Sie behaupteten
+daher, der Precedenzfall, auf den Somers sich stützte, habe keine
+Gültigkeit mehr. Treby kam nun Somers zu Hülfe und legte die
+Parlamentsacten vom ersten Regierungsjahre Heinrich's VII. vor, welche
+die Acte Eduard's IV. aufhoben und demnach die Gültigkeit der Urkunde
+vom Jahre 1399 wiederherstellten. Nach einer mehrstündigen Discussion
+trennten sich die Disputanten.[92] Die Lords versammelten sich in ihrem
+Sitzungslokale. Man wußte sehr wohl, daß sie auf dem Punkte standen,
+nachzugeben und daß die Conferenz eine bloße Formalität gewesen war. Die
+Freunde Mariens hatten eingesehen, daß sie sie tief gekränkt hatten,
+indem sie sie als Nebenbuhlerin ihres Gemahls hingestellt. Einige von
+den Peers, welche früher für eine Regentschaft gestimmt hatten, waren
+entschlossen, wegzubleiben oder den Beschluß des Unterhauses zu
+unterstützen. Sie sagten, ihre Ansicht habe sich nicht geändert, aber
+eine Regierung sei immer besser als gar keine und die Nation könne eine
+Verlängerung dieser qualvollen Ungewißheit nicht ertragen. Selbst
+Nottingham, der im gemalten Saale die Discussion gegen die Gemeinen
+geleitet hatte, erklärte, sein Gewissen erlaube ihm zwar nicht,
+nachzugeben, es freue ihn aber, daß die Gewissen Anderer nicht so
+ängstlich seien. Mehrere Lords, die in der Convention noch nicht mit
+abgestimmt hatten, waren bewogen worden zu erscheinen; so Lord
+Lexington, der eben in aller Eil vom Continent herübergekommen war, der
+halb wahnsinnige Earl von Lincoln, der an Krücken gehende Earl von
+Carlisle, und der Bischof von Durham, der sich verborgen gehalten, um
+über das Meer zu flüchten, aber den Wink erhalten hatte, daß sein
+Benehmen in der kirchlichen Commission nicht gegen ihn geltend gemacht
+werden sollte, wenn er für die Feststellung der Regierung stimmen würde.
+Danby, welcher die von ihm verursachte Spaltung zu heilen wünschte,
+mahnte das Haus in einer Rede, die seine gewöhnlichen Vorträge an
+Genialität noch übertraf, einen Kampf nicht länger fortzusetzen, der dem
+Staate verderblich werden könne. Halifax unterstützte ihn kräftig. Der
+Muth der Gegner war gebrochen.
+
+ [Anmerkung 91: +Commons' Journals, Febr. 6. 1688/89.+]
+
+ [Anmerkung 92: Siehe +Lords' and Commons' Journals, Feb. 6.
+ 1688/89+ und den Bericht über die Conferenz.]
+
+
+[_Die Lords geben nach._] Als die Frage gestellt wurde, ob König
+Jakob die Regierung niedergelegt habe, sagten nur drei Lords
+Nichteinverstanden. Über die Frage, ob der Thron erledigt sei, wurde die
+Abstimmung verlangt, und es ergaben sich zweiundsechzig Einverstandene
+und siebenundvierzig Nichteinverstandene. Unmittelbar darauf wurde der
+Antrag gestellt und ohne Abstimmung angenommen, daß der Prinz und die
+Prinzessin von Oranien zum König und zur Königin von England erklärt
+werden sollten.[93]
+
+Nottingham trug nun darauf an, daß die Fassung des Unterthaneneides und
+des Supremateides dergestalt abgeändert werden möchte, daß auch
+Diejenigen ihn mit gutem Gewissen leisten könnten, die, wie er selbst,
+den Beschluß der Convention mißbilligten, sich aber dennoch vorgenommen
+hätten, loyale und gehorsame Unterthanen der neuen Souveraine zu sein.
+Gegen diesen Antrag wurde kein Einwurf erhoben. Es kann allerdings kaum
+bezweifelt werden, daß die Whigführer und diejenigen toryistischen
+Lords, deren Stimmen bei der letzten Abstimmung den Ausschlag gegeben,
+sich vorher über diesen Punkt verständigt hatten. Die neuen Eidformeln
+wurden den Gemeinen zu gleicher Zeit mit dem Beschlusse, daß der Prinz
+und die Prinzessin von Oranien als König und Königin proklamirt werden
+sollten, zugesandt.[94]
+
+ [Anmerkung 93: +Lords' Journals, Feb. 6. 1688/89; Clarendon's
+ Diary; Burnet, I. 822+, und Dartmouth's Note; Citters, 8.(18.)
+ Febr. In Betreff der Zahlen habe ich mich an Clarendon gehalten.
+ Einige Schriftsteller geben die Majorität kleiner, andere größer
+ an.]
+
+ [Anmerkung 94: +Lords' Journals, Feb. 6, 7. 1688/89; Clarendon's
+ Diary.+]
+
+
+[_Es werden neue Gesetze zur Sicherung der Freiheit vorgeschlagen._] Man
+wußte nun, wem die Krone verliehen werden sollte. Jetzt waren noch die
+Bedingungen der Verleihung zu bestimmen. Die Gemeinen hatten einen
+Ausschuß ernannt, welcher die zweckmäßig erscheinenden Schritte zur
+Sicherung des Gesetzes und der Freiheit gegen die Angriffe zukünftiger
+Regenten erwägen sollte, und der Ausschuß hatte einen Bericht
+erstattet.[95] Dieser Bericht empfahl erstens, daß die großen Prinzipien
+der Verfassung, welche der entthronte König verletzt hatte, feierlich
+bestätigt und daß zweitens verschiedene neue Gesetze zur Beschränkung
+der Prärogative und zur Läuterung der Justizpflege erlassen werden
+sollten. Die meisten Vorschläge des Ausschusses waren vortrefflich, aber
+es war schlechterdings unmöglich, daß die Häuser in einem Monate, und
+selbst in einem Jahre so zahlreiche, so mannichfaltige und so wichtige
+Angelegenheiten erledigen konnten. Es war unter andrem vorgeschlagen,
+daß die Miliz neu organisirt, das Recht des Souverains, die Parlamente
+zu prorogiren und aufzulösen, beschränkt und die Dauer der Parlamente
+begrenzt werden sollte; daß bei einer parlamentarischen Anklage keine
+Berufung an die königliche Gnade mehr zulässig sein, daß den
+protestantischen Dissenters Duldung gewährt, daß das Verbrechen des
+Hochverraths genauer bestimmt, daß Hochverrathsprozesse in einer die
+Unschuld mehr schützenden Weise geführt, daß die Richter auf Lebenszeit
+angestellt, daß die Ernennungsart der Sheriffs abgeändert werden, daß
+die Wahl der Geschwornen hinfüro in einer Weise stattfinden sollte,
+welche Parteilichkeit und Bestechung ausschloß, daß der Gebrauch, bei
+der Kings Bench Criminalklagen anhängig zu machen, abgeschafft, daß der
+Kanzleigerichtshof reformirt, daß die Gebühren der öffentlichen Beamten
+regulirt und daß die Quo-Warranto-Acte verbessert werden sollte. Es war
+augenscheinlich, daß eine umsichtige und besonnene Gesetzgebung über
+diese Gegenstände das Werk mehr als einer geschäftsreichen Session sein
+mußte, und eben so augenscheinlich war es, daß eine übereilte und
+unreife Gesetzgebung über so wichtige Dinge neue Mißstände erzeugen
+würde, schlimmer als die, welche sie vielleicht beseitigen konnte. Wenn
+der Ausschuß alle die Reformen aufzählen wollte, welche vor der
+Wiederbesetzung des Thrones bewerkstelligt werden mußten, so war die
+Liste unsinnig lang. Wollte er dagegen eine Liste aller Reformen geben,
+welche die gesetzgebende Versammlung zur geeigneten Zeit durchführen
+sollte, so war die Liste sehr unvollständig. Sobald der Bericht
+vorgelesen war, erhob sich in der That ein Mitglied nach dem andren, um
+einen Zusatz zu beantragen. Es wurde vorgeschlagen und angenommen, daß
+der Stellenverkauf verboten, die Habeascorpusacte wirksamer gemacht und
+das Gesetz über die +Mandamus+[96] revidirt werden sollte. Der eine
+Gentleman griff die Herdgeldeinnehmer, ein andrer die Acciseeinnehmer
+an, und das Haus beschloß, daß den Mißbräuchen dieser beiden
+Beamtenklassen ein Ziel gesetzt werden sollte. Ein höchst merkwürdiger
+Umstand ist es, daß, während das ganze militairische, gerichtliche und
+fiskalische System so durchgemustert wurde, kein einziger Volksvertreter
+die Aufhebung des Gesetzes beantragte, welches die Presse einer Censur
+unterwarf. Selbst die aufgeklärtesten Männer begriffen damals noch
+nicht, daß die Freiheit der Discussion die Hauptschutzwehr aller anderen
+Freiheiten ist.[97]
+
+ [Anmerkung 95: +Commons' Journals, Jan. 29., Feb. 2. 1688/89.+]
+
+ [Anmerkung 96: Die Befehle der Kings Bench an untergeordnete
+ Gerichte, so genannt nach dem Anfangsworte. Der Übersetzer.]
+
+ [Anmerkung 97: +Commons' Journals, Feb. 2. 1688/89.+]
+
+
+[_Streitigkeiten und Vergleich._] Das Haus war in großer Verlegenheit.
+Einige Redner erklärten mit Heftigkeit, man habe schon zu viel Zeit
+verloren und die Regierung müsse ohne noch einen einzigen Tag zu säumen,
+festgestellt werden. Die Gesellschaft sei besorgt, der Verkehr stocke,
+der englischen Colonie in Irland drohe die Gefahr des Untergangs, ein
+auswärtiger Krieg stehe zu befürchten, der verbannte Tyrann könne binnen
+wenigen Wochen mit einer französischen Armee in Dublin sein und von
+Dublin aus könne er bald nach Chester übersetzen. Sei es nicht
+wahnsinnig, in einer so kritischen Zeit den Thron unbesetzt zu lassen,
+und während die ganze Existenz der Parlamente gefährdet sei, die Zeit
+mit Debattirung über die Frage zu vergeuden, ob die Parlamente durch den
+Souverain oder durch sich selbst prorogirt werden sollten? Auf der
+andren Seite wurde gefragt, ob die Convention ihre Aufgabe damit gelöst
+zu haben glaube, daß sie einen Fürsten vom Throne gestürzt und einen
+andren auf denselben erhoben habe? Gewiß, jetzt oder nie sei es Zeit,
+die öffentliche Freiheit durch Schutzwehren zu sichern, welche den
+Übergriffen der Prärogative wirksam vorbeugen könnten.[98] Die auf
+beiden Seiten geltend gemachten Gründe waren ohne Zweifel von großem
+Gewicht. Die talentvollsten Führer der Whigpartei, unter denen Somers
+rasch einen großen Einfluß erlangte, schlugen einen Mittelweg vor. Das
+Haus, sagten sie, habe zwei Ziele im Auge, welche streng von einander
+geschieden werden müßten. Das eine Ziel sei die Sicherung der alten
+Verfassung des Reichs gegen ungesetzliche Angriffe, das andre die
+Verbesserung dieser Verfassung durch gesetzliche Reformen. Das erstere
+Ziel könne dadurch erreicht werden, daß man den Anspruch der englischen
+Nation auf ihre alten Freiheiten durch Aufnahme in den Beschluß, welcher
+die neuen Souveraine auf den Thron erhob, feierlich verbriefe, so daß
+der König seine Krone und das Volk seine Rechte kraft einer und der
+nämlichen Urkunde besitze. Der letztere Gegenstand werde einen ganzen
+Band sorgfältig ausgearbeiteter Gesetze erfordern. Der erstere Zweck
+könne in einem Tage, der zweite kaum in fünf Jahren erreicht werden.
+Über jenen seien alle Parteien einig; über diesen herrsche große
+Meinungsverschiedenheit. Kein Mitglied beider Häuser werde einen
+Augenblick zögern dafür zu stimmen, daß der König die Steuern nicht ohne
+Bewilligung des Parlaments erheben dürfe; aber es werde schwerlich ein
+neues Gesetz über das Verfahren in Hochverrathsprozessen entworfen
+werden können, das nicht lange Debatten hervorrufen und von dem Einen
+als ungerecht gegen den Angeklagten, von dem Andren als ungerecht gegen
+die Krone verworfen werden würde. Die Aufgabe einer außerordentlichen
+Versammlung der Stände des Reiches sei nicht, die gewöhnlichen Arbeiten
+eines Parlaments zu erledigen, die Gebühren des Kanzleigerichts zu
+reguliren, und den ungesetzlichen Forderungen der Visitatoren
+vorzubeugen, sondern vielmehr die große Regierungsmaschine wieder in
+Gang zu bringen. Wenn dies geschehen sei, dann würde es an der Zeit sein
+zu fragen, welcher Verbesserungen unsere Institutionen bedürften, auch
+habe diese Verzögerung durchaus keine Gefahr, denn ein Souverain, der
+lediglich durch die Wahl der Nation regiere, könne einer Verbesserung,
+welche die Nation durch das Organ ihrer Vertreter verlange, seine
+Zustimmung unmöglich lange verweigern.
+
+Aus diesen Gründen beschlossen die Gemeinen mit weiser Vorsicht, alle
+Reformen so lange aufzuschieben, bis die alte Verfassung des Reichs in
+allen ihren Theilen wiederhergestellt sein würde und unverzüglich den
+Thron zu besetzen, ohne Wilhelm und Marien eine andre Verpflichtung
+aufzulegen, als daß sie den bestehenden Gesetzen Englands gemäß
+regierten. Damit die zwischen den Stuarts und der Nation streitig
+gewesenen Fragen nie wieder aufgeregt werden möchten, wurde beschlossen,
+daß das Instrument, durch welches der Prinz und die Prinzessin von
+Oranien auf den Thron berufen und die Thronfolgeordnung festgestellt
+wurde, die Grundprinzipien der Verfassung auf das Bestimmteste und
+Feierlichste darlegen sollte.
+
+ [Anmerkung 98: +Grey's Debates+; +Burnet, I. 822.+]
+
+
+[_Die Rechtserklärung._] Diese unter der Bezeichnung »Rechtserklärung«
+bekannte Urkunde wurde durch einen Ausschuß, in welchem Somers den
+Vorsitz führte, entworfen. Daß dieser junge Advokat von niederer
+Herkunft schon zehn Tage, nachdem er zum ersten Male im Hause der
+Gemeinen gesprochen, zu einem so ehrenvollen und wichtigen Posten in
+einem mit geschickten und erfahrenen Männern gefüllten Parlamente
+ernannt wurde, beweist zur Genüge die Überlegenheit seines Geistes. In
+wenigen Stunden war die Erklärung entworfen und von den Gemeinen
+gebilligt. Die Lords nahmen sie ebenfalls mit einigen unwesentlichen
+Abänderungen an.[99]
+
+Die Erklärung begann mit einer Aufzählung der Verbrechen und Fehler,
+welche eine Revolution nothwendig gemacht hatten. Jakob habe in das
+Gebiet der Gesetzgebung eingegriffen, er habe bescheidenes Petitioniren
+als Verbrechen behandelt, habe die Kirche durch ein gesetzwidriges
+Tribunal tyrannisirt, habe ohne Zustimmung des Parlaments Steuern
+erhoben und in Friedenszeiten ein stehendes Heer unterhalten, habe die
+Wahlfreiheit verletzt und den Gang der Rechtspflege willkürlich
+abgeändert. Handlungen, welche nach dem Gesetz nur vom Parlament
+untersucht werden könnten, wären zu Klagobjecten bei der Kings Bench
+gemacht worden. Es seien parteiische und bestochene Geschworne ernannt,
+von Gefangenen übermäßig hohe Kautionen verlangt, barbarische und
+ungebräuchliche Strafen verhängt und das Vermögen von Angeklagten noch
+vor ihrer Überführung anderweitig vergeben worden. Der Mann, unter
+dessen Autorität dies Alles geschehen sei, habe die Regierung
+niedergelegt. Der Prinz von Oranien, den Gott zum ruhmvollen Werkzeuge
+der Befreiung der Nation von Aberglauben und Tyrannei berufen, habe die
+Stände des Reichs aufgefordert, zusammenzutreten und sich über die
+Sicherung der Religion, des Gesetzes und der Freiheit zu berathen. Nach
+stattgefundener Berathung hatten die Lords und die Gemeinen beschlossen,
+zuerst nach dem Beispiele ihrer Vorfahren die alten Rechte und
+Freiheiten Englands zu bestätigen. Es werde demgemäß erklärt, daß die
+neuerdings angemaßte und ausgeübte Dispensationsgewalt gesetzlich nicht
+bestehe, daß der Souverain ohne Bewilligung des Parlaments von dem
+Unterthan kein Geld erheben dürfe und daß ohne Zustimmung des Parlaments
+in Friedenszeiten kein stehendes Heer gehalten werden könne. Das
+Petitionsrecht der Unterthanen, das Recht der Wahlmänner, die
+Volksvertreter nach ihrem freien Ermessen zu wählen, das Recht der
+Parlamente auf Freiheit der Discussion und das Recht der Nation auf eine
+reine und schonende, dem Geiste ihrer eigenen milden Gesetze
+entsprechende Ausübung der Rechtspflege werde feierlich anerkannt und
+bestätigt. Alle diese Dinge verlange die Convention im Namen der ganzen
+Nation als das unbestreitbare Erbtheil der Engländer. Nachdem die Lords
+und Gemeinen so die Grundprinzipien der Verfassung gewahrt, hätten sie
+in dem festen Vertrauen, daß der Befreier die von ihm geretteten Gesetze
+und Freiheiten heilig halten werde, beschlossen, daß Wilhelm und Marie,
+Prinz und Prinzessin von Oranien, auf gemeinsame und einzelne Lebenszeit
+zum König und zur Königin von England erklärt werden und daß während der
+Dauer ihres gemeinsamen Lebens die Verwaltung der Regierung dem Prinzen
+allein zustehen solle. Nach ihnen sollte die Krone der Nachkommenschaft
+Mariens, dann der Prinzessin Anna und ihrer Nachkommenschaft, und dann
+der Nachkommenschaft Wilhelm's zufallen.
+
+ [Anmerkung 99: +Commons' Journals. Feb. 4, 8, 11, 12.: Lords'
+ Journals. Feb. 9, 11, 12. 1688/89.+]
+
+
+[_Ankunft Mariens._] Inzwischen hatte der Wind aufgehört, aus Westen zu
+wehen. Das Schiff, an dessen Bord sich die Prinzessin von Oranien
+befand, lag am 11. Februar auf der Höhe von Margate und am folgenden
+Morgen ging es bei Greenwich vor Anker.[100] Marie wurde mit vielen
+Äußerungen der Freude und Zuneigung empfangen; aber ihr Benehmen
+verletzte die Tories und wurde selbst von den Whigs nicht für tadellos
+gehalten. Eine junge Frau, welche durch ein so trauriges und
+verhängnisvolles Geschick wie das, welches über den fabelhaften Häusern
+des Labdacus und Pelops waltete, in eine solche Lage versetzt worden
+war, daß sie, ohne ihre Pflichten gegen Gott, gegen ihren Gemahl und
+gegen ihr Vaterland zu verletzen, sich nicht weigern konnte, den Thron
+einzunehmen, von dem so eben ihr Vater herabgestürzt worden war, hatte
+betrübt oder wenigstens ernst gestimmt sein sollen. Marie aber war nicht
+blos heiter, sondern sogar ausgelassen lustig. Es wurde versichert, sie
+habe Whitehall mit einer kindischen Freude darüber, daß sie nun die
+Herrin eines so schönen Schlosses sein sollte, betreten, sei durch alle
+Zimmer gelaufen, habe in alle Nebenkabinette geblickt und selbst die
+Kissen des Staatsbettes untersucht, ohne, wie es schien, daran zu
+denken, wer diese prachtvollen Gemächer zuletzt bewohnt hatte. Burnet,
+der sie bis dahin als einen Engel in Menschengestalt betrachtet hatte,
+konnte bei dieser Gelegenheit nicht umhin, sie zu tadeln. Er war um so
+mehr erstaunt über ihr Benehmen, da sie an dem Tage, als er im Haag von
+ihr Abschied nahm, wenn auch fest überzeugt, daß sie den Pfad der
+Pflicht ging, doch sehr niedergeschlagen gewesen war. Später erklärte
+sie ihm, als ihrem Gewissensrath, ihr damaliges Benehmen. Wilhelm hatte
+ihr geschrieben, daß einige von Denen, welche ihr Interesse von dem
+seinigen zu trennen versucht hatten, ihre Machinationen noch immer
+fortsetzten; sie hätten ausgesprengt, daß sie sich für beeinträchtigt
+halte, und wenn sie daher ein betrübtes Gesicht zeigte, so würde dies
+dem Gerede Grund geben. Er bat sie daher, bei ihrem ersten Erscheinen
+heiter und vergnügt auszusehen. Ihr Herz, sagte sie, sei allerdings von
+der Heiterkeit weit entfernt gewesen; aber sie habe ihr Möglichstes
+gethan und aus Besorgniß, daß sie eine ihren Gefühlen widerstreitende
+Rolle nicht gut werde durchführen können, habe sie dieselbe übertrieben.
+Ihr Benehmen rief ganze Riese von Spottschriften in Prosa und in Versen
+hervor; sie verlor dadurch in der Meinung einiger Personen, auf deren
+Achtung sie Werth legte, und die Welt erfuhr erst, nachdem sie dem
+Bereiche des Lobes und des Tadels entrückt war, daß das Benehmen, das
+ihr den Vorwurf des Leichtsinns und der Gefühllosigkeit zugezogen hatte,
+in Wirklichkeit ein seltener Beweis von der vollkommenen
+Uneigennützigkeit und Hingebung war, deren der Mann gar nicht fähig zu
+sein scheint und die man nur zuweilen bei dem Weibe findet.[101]
+
+ [Anmerkung 100: +London Gazette, Feb. 14. 1688/89+; Citters,
+ 12.(22.) Febr.]
+
+ [Anmerkung 101: +Duchess of Marlborough's Vindication+; +Review of
+ the Vindication; Burnet, I. 781, 825+, und Dartmouth's Note;
+ +Evelyn's Diary, Feb. 21. 1688/89.+]
+
+
+[_Anbietung und Annahme der Krone._] Am Mittwoch den 13. Februar Morgens
+waren der Hof von Whitehall und alle benachbarten Straßen mit
+Neugierigen angefüllt. Das prächtige Bankethaus, das Meisterstück
+Inigo's und mit Meisterwerken von Rubens ausgeschmückt, war zu einer
+großen Ceremonie hergerichtet. Die Wände entlang war die Leibgarde
+aufgestellt. Zur Rechten unweit des nördlichen Eingangs hatte sich eine
+große Anzahl Peers versammelt. Zur Linken standen die Gemeinen mit ihrem
+Sprecher und dem Scepterträger. Die südliche Thür wurde geöffnet und der
+Prinz und die Prinzessin von Oranien traten zusammen ein und nahmen
+unter dem Thronhimmel Platz.
+
+Beide Häuser kamen nun mit tiefen Verbeugungen näher. Wilhelm und Marie
+gingen ihnen einige Schritte entgegen. Halifax und Powle, jener zur
+Rechten, dieser zur Linken, traten vor und Halifax sprach. Die
+Convention, sagte er, habe sich zu einem Beschlusse geeinigt, den er
+Ihre Hoheiten anzuhören bitte. Sie gaben ihre Einwilligung und der
+Schriftführer des Oberhauses las mit lauter Stimme die Rechtserklärung
+vor. Als er geendet hatte, bat Halifax den Prinzen und die Prinzessin im
+Namen aller Stände des Reichs, die Krone anzunehmen.
+
+Wilhelm antwortete für sich und seine Gemahlin, daß die Krone in ihren
+Augen einen um so höheren Werth habe, weil sie ihnen als ein Zeichen des
+Vertrauens der Nation angeboten werde. »Wir nehmen das, was Sie uns
+angeboten haben, dankend an,« sagte er, und versicherte dann für seine
+Person, daß die Gesetze Englands, die er schon einmal vertheidigt, die
+Richtschnur seines Verhaltens sein sollten, daß er sich bestreben werde,
+das Wohl des Landes zu fördern, daß er über die Mittel und Wege dazu
+stets den Rath der beiden Häuser einholen und auf ihr Urtheil mehr geben
+werde, als auf sein eignes.[102] Diese Worte wurden mit einem
+Beifallssturme aufgenommen, den man unten auf den Straßen hörte und auf
+den alsbald ein tausendstimmiges Hurrah antwortete. Die Lords und
+Gemeinen verließen hierauf unter den gebührenden Ehrfurchtsbezeigungen
+das Bankethaus und begaben sich in feierlichem Zuge nach dem
+Haupteingange von Whitehall, wo die Herolde und Staatsboten in ihren
+prächtigen Wappenröcken warteten.
+
+ [Anmerkung 102: +Lords' und Commons' Journals, Feb. 14. 1688/89+;
+ Citters, 15.(25.) Febr. Citters legt Wilhelm noch stärkere
+ Äußerungen von Achtung vor der Autorität des Parlaments in den
+ Mund, als sie in den Protokollen stehen; aus Powle's Reden aber
+ ergibt es sich, daß die Angabe in den Protokollen nicht ganz
+ richtig war.]
+
+
+[_Wilhelm und Marie werden ausgerufen._] Die ganze Strecke bis Charing
+Croß war ein Meer von Köpfen. Die Pauken erdröhnten, die Trompeten
+schmetterten und der Wappenkönig proklamirte mit lauter Stimme den
+Prinzen und die Prinzessin von Oranien als König und Königin von
+England, forderte alle Engländer auf, von diesem Augenblicke an den
+neuen Souverainen Treue und Gehorsam zu schenken und bat den Himmel, der
+schon eine so augenfällige Befreiung unsrer Kirche und unsrer Nation
+herbeigeführt, daß er Wilhelm und Marien mit einer langen und
+glücklichen Regierung segnen möchte.[103]
+
+ [Anmerkung 103: +London Gazette, Feb. 14. 1688/89; Lords'+ und
+ +Commons' Journals, Feb. 13+; Citters, 15.(25.) Febr.; +Evelyn's
+ Diary, Feb. 21.+]
+
+
+[_Eigenthümlicher Character der englischen Revolution._] Die englische
+Revolution war somit vollendet. Wenn wir sie mit den Revolutionen
+vergleichen, welche während der letzten sechzig Jahre so manche
+Regierung gestürzt haben, so muß uns ihr eigenthümlicher Character
+nothwendig auffallen. Warum dieser Character so eigenthümlich war, ist
+leicht zu erklären, scheint aber doch von Lobrednern wie von Tadlern
+nicht immer begriffen worden zu sein.
+
+Die festländischen Revolutionen des achtzehnten und neunzehnten
+Jahrhunderts fanden in Ländern statt, wo jede Spur der beschränkten
+Monarchie des Mittelalters längst verwischt war. Das Recht des Fürsten,
+Gesetze zu machen und Geld zu erheben, war seit vielen Generationen
+nicht bestritten worden. Sein Thron wurde durch ein großes stehendes
+Heer beschützt. Seine Verwaltung konnte ohne die größte Gefahr, selbst
+in den wildesten Ausdrücken nicht getadelt werden. Die persönliche
+Freiheit seiner Unterthanen hing lediglich von seinem Willen ab. Es gab
+keine einzige Institution mehr, die, soweit die ältesten Leute
+zurückdenken konnten, den Unterthan gegen die ärgsten Excesse der
+Tyrannei wirksamen Schutz gewährt hätte. Die großen Rathsversammlungen,
+welche ehemals die königliche Gewalt beschränkten, waren der
+Vergessenheit anheimgefallen. Ihre Zusammensetzung und ihre Privilegien
+waren nur noch Alterthumsforschern bekannt. Wir dürfen uns daher nicht
+wundern, daß, wenn es Menschen, die so regiert worden waren, gelang,
+einer im Stillen schon seit langer Zeit gehaßten Regierung die höchste
+Gewalt zu entreißen, sie voll ungeduldigen Verlangens waren, zu
+zerstören, und unfähig wieder aufzubauen, daß jede glänzende Neuerung
+sie bezauberte, daß sie alle an das alte System erinnernden Titel,
+Ceremonien und Ausdrücke verbannten, und daß sie, ihrer eigenen
+nationalen Vergangenheit und Tradition überdrüssig, in den Schriften von
+Theoretikern nach Regierungsprinzipien suchten, oder mit unwissender und
+widerlicher Affectation die Patrioten von Athen und Rom nachäfften. Eben
+so wenig dürfen wir uns wundern, daß auf den heftigen Ausbruch des
+revolutionairen Geistes eine nicht minder heftige Reaction folgte und
+die Unordnung sofort einen härteren Despotismus erzeugte als der, aus
+dem sie entstanden war.
+
+Wären wir in der nämlichen Lage gewesen, wäre Strafford sein
+Lieblingsplan »Durch« gelungen, hätte er eine eben so zahlreiche und
+wohl disciplinirte Armee gebildet, wie sie Cromwell einige Jahre später
+bildete, hätte eine Reihe ähnlicher Richtersprüche, wie die, welche das
+Schatzkammergericht in der Angelegenheit des Schiffsgeldes fällte, das
+Recht der Besteuerung des Volks auf die Krone übertragen, hätten die
+Sternkammer und die Hohe Commission nach wie vor einem Jeden, der seine
+Stimme gegen die Regierung zu erheben wagte, mit Geldstrafen belegt,
+verstümmelt und eingekerkert, wäre die Presse bei uns so vollständig
+geknechtet worden, wie in Wien oder in Neapel, hätten unsere Könige
+allmälig die ganze gesetzgebende Gewalt an sich gezogen, wären sechs
+Generationen von Engländern ohne eine einzige Parlamentssession
+vorübergegangen, und hätten wir uns dann endlich in einem Augenblicke
+wilder Aufwallung gegen unsere Herren erhoben, welch' einen Ausbruch
+würde dies gegeben haben! Mit welch' einem furchtbaren Krachen, das bis
+an die entferntesten Enden der Welt gehört und gefühlt worden wäre,
+würde das ganze gewaltige Gebäude der menschlichen Gesellschaft
+zusammengestürzt sein! Wie viele Tausende von Verbannten, einst die
+glücklichsten und gebildetsten Mitglieder dieses großen Volkes, würden
+in den Städten des Festlandes ihr Brot erbettelt oder in den
+ungelichteten Wäldern Amerika's in Hütten von Baumrinde ein Obdach
+gesucht haben! Wie oft würden wir das Straßenpflaster von London zu
+Barrikaden aufgethürmt, die Häuser von Kugeln zerrissen, die Gassen von
+Blut schäumend gesehen haben! Wie oft würden wir selbst in wilder
+Leidenschaft von einem Extrem zum andren übergesprungen sein, gegen die
+Anarchie im Despotismus Hülfe gesucht haben und durch den Despotismus
+wieder zur Anarchie getrieben worden sein! Wie viele Jahre des
+Blutvergießens und der Verwirrung würde es uns gekostet haben, ehe wir
+nur die Anfangsgründe der Staatswissenschaft gelernt hätten! Wie viele
+kindische Theorien würden uns getäuscht haben! Wie viele rohe und
+schlecht erwogene Verfassungen würden wir aufgerichtet haben, nur um sie
+wieder umstürzen zu sehen! Glücklich hätten wir uns noch preisen können,
+wenn eine harte Schule von einem halben Jahrhundert genügt hätte, uns
+zum Genuß der wahren Freiheit tauglich zu machen.
+
+Diesen Calamitäten beugte unsre Revolution vor. Sie war eine streng
+defensive Revolution und hatte Verjährung und Legitimität auf ihrer
+Seite. Bei uns, und bei uns allein hatte sich eine beschränkte Monarchie
+des dreizehnten Jahrhunderts unverändert bis ins siebzehnte erhalten.
+Unsere parlamentarischen Institutionen standen noch in voller Kraft. Die
+Hauptprinzipien unsrer Verfassung waren vortrefflich. Sie waren zwar
+nicht förmlich und genau in einer geschriebenen Urkunde festgestellt,
+aber sie fanden sich zerstreut in unseren alten, trefflichen Gesetzen,
+und, was noch viel wichtiger war, sie hatten seit vier Jahrhunderten in
+den Herzen aller Engländer feste Wurzeln gefaßt. Daß ohne Bewilligung
+der Vertreter der Nation kein Gesetz gegeben, keine Steuer erhoben,
+keine regulaire Armee gehalten, Niemand nach Willkür des Souverains nur
+einen Tag in Haft gesetzt und kein Werkzeug der Regierung sich zur
+Rechtfertigung wegen der Verletzung eines Rechts auch des geringsten
+Unterthanen auf einen königlichen Befehl berufen konnte: dies waren in
+den Augen der Whigs wie der Tories Grundgesetze des Reichs. Ein Land,
+das solche Grundgesetze hatte, bedurfte keiner neuen Verfassung.
+
+Aber wenn es auch keiner neuen Verfassung bedurfte, so war es doch klar,
+daß Veränderungen vorgenommen werden mußten. Die schlechte Regierung der
+Stuarts und die dadurch erzeugten Unruhen bewiesen hinreichend, daß
+unsre Verfassung an irgend einer Stelle mangelhaft war, und diesen
+Mangel zu entdecken und ihm abzuhelfen, war die Aufgabe der Convention.
+
+Mehrere wichtige Fragen waren noch immer streitig. Unsre Verfassung war
+in einer Zeit entstanden, wo die Staatsmänner nicht gewohnt waren,
+genaue Definitionen zu machen. Es hatten sich daher fast unmerklich mit
+ihren Prinzipien unvereinbare und selbst ihrer Existenz gefährliche
+Anomalien gebildet, welche nach und nach die Kraft der Verjährung
+erworben hatten, weil sie viele Jahre lang keine ernsten Nachtheile
+herbeigeführt. Das Abhülfsmittel für diese Übel bestand darin, daß man
+die Rechte des Volks in solchen Ausdrücken feststellte, welche allem
+Streite ein Ende machten, und daß man erklärte, kein Precedenzfall könne
+irgend eine Verletzung dieser Rechte entschuldigen.
+
+Wenn dies geschehen war, so konnten unsere Regenten unmöglich das Gesetz
+noch mißverstehen; wenn aber nicht noch etwas Andres geschah, war es
+durchaus nicht unwahrscheinlich, daß sie es dennoch verletzten. Leider
+hatte die Kirche seit langer Zeit die Nation gelehrt, daß unter allen
+unseren Institutionen die erbliche Monarchie allein göttlich und
+unverletzbar sei, daß das Recht des Hauses der Gemeinen auf einen
+Antheil an der gesetzgebenden Gewalt ein bloß menschliches Recht sei,
+daß aber das Recht des Königs auf den Gehorsam seines Volks von oben
+stamme, daß die Magna Charta ein Gesetz sei, das von denen, die es
+gemacht hätten, wieder aufgehoben werden könne, daß aber die Regel,
+welche die Prinzen von königlichem Geblüt nach der Erbfolgeordnung auf
+den Thron beriefe, göttlichen Ursprungs und daß jede dieser Regel
+widerstreitende Parlamentsacte null und nichtig sei. Es liegt auf der
+Hand, daß in einem Staate, wo solche abergläubische Begriffe
+vorherrschen, die verfassungsmäßige Freiheit stets gefährdet sein muß.
+Eine Macht, welche blos als eine menschliche Anordnung betrachtet wird,
+kann kein wirksamer Zügel für eine Macht sein, die für eine Verordnung
+Gottes angesehen wird. Man wird vergebens hoffen, daß Gesetze, so
+vortrefflich sie auch sein mögen, auf die Dauer einen König zügeln
+werden, der nach seiner eigenen, wie nach der Meinung eines großen
+Theils seines Volks eine ungleich höhere Autorität besitzt, als jene
+Gesetze. Dem Königstitel diese geheimnißvollen Attribute zu nehmen und
+das Prinzip festzustellen, daß die Könige auf Grund eines Rechtes
+regieren, das sich in keiner Weise von dem Rechte unterscheidet, nach
+welchem die Freisassen Grafschaftsvertreter wählen, oder die Richter
+Verhaftsbefehle ausstellen, war zur Sicherung unserer Freiheiten
+durchaus nothwendig.
+
+So hatte die Convention zwei große Pflichten zu erfüllen: erstens die
+Grundgesetze des Reichs von aller Zweideutigkeit zu reinigen, und
+zweitens aus dem Geiste der Regierenden wie der Regierten die irrige und
+verderbliche Meinung auszurotten, daß die königliche Prärogative etwas
+Erhabeneres und Geheiligteres sei als jene Grundgesetze. Das erstere
+Ziel wurde durch den feierlichen Eingang der Rechtserklärung erreicht,
+das andre durch den Beschluß, welcher den Thron für erledigt erklärte
+und Wilhelm und Marien einlud, denselben einzunehmen.
+
+Die Veränderung scheint unbedeutend zu sein. Nicht ein einziges Kleinod
+der Krone wurde angetastet, nicht ein einziges neues Recht wurde dem
+Volke gegeben. Das ganze englische Recht im Allgemeinen wie im
+Besonderen war nach der Ansicht der größten Juristen, wie Holt und
+Treby, Maynard und Somers, nach der Revolution noch genau das nämliche
+wie vor derselben. Einige streitige Punkte waren nach dem Ausspruche der
+besten Juristen entschieden worden und es hatte eine kleine Abweichung
+von dem regelmäßigen Gange der Thronfolge stattgefunden. Dies war Alles,
+und es war genug.
+
+Wie unsre Revolution eine Vertheidigung alter Rechte war, so wurde sie
+auch mit strenger Beobachtung alter Formalitäten vollbracht. Fast in
+jedem Worte und Schritte kann man eine tiefe Verehrung der Vergangenheit
+erkennen. Die Stände des Reichs beriethen sich in den alten Hallen und
+nach den alten parlamentarischen Regeln. Powle wurde nach der
+althergebrachten Form von dem Antragsteller und dem Unterstützer zu
+seinem Präsidentenstuhle geführt. Der Scepterträger führte die
+Abgesandten der Lords an den Tisch der Gemeinen und es wurden die drei
+pflichtmäßigen Verbeugungen gemacht. Die Conferenz wurde mit allen
+alterthümlichen Formalitäten abgehalten. Auf der einen Seite der Tafel
+im gemalten Saale saßen die Wortführer der Lords bedeckten Hauptes und
+in ihren mit Hermelin und Gold besetzten Mänteln. Die Wortführer der
+Gemeinen standen entblößten Hauptes auf der andren Seite. Die Reden
+bilden einen fast komischen Contrast gegen die Revolutionsrhetorik jedes
+andren Landes. Beide englische Parteien waren darüber einig, die alten
+constitutionellen Überlieferungen des Reichs mit feierlicher
+Ehrerbietung zu behandeln. Die Frage war nur, wie diese Überlieferungen
+zu verstehen seien. Die Vertheidiger der Freiheit sprachen kein Wort von
+der natürlichen Gleichheit der Menschen und der unveräußerlichen
+Souverainetät des Volks, von Harmodius oder Timoleon, von Brutus dem
+Älteren oder Brutus dem Jüngeren. Als man ihnen sagte, daß die Krone
+nach englischem Recht im Augenblicke ihrer Erledigung auf den nächsten
+Erben übergehen müsse, so erwiederten sie, daß nach englischem Rechte
+ein lebender Mensch keinen Erben haben könne. Als man ihnen sagte, der
+Fall sei noch nie vorgekommen, daß der Thron für erledigt erklärt worden
+wäre, so legten sie aus den im Tower aufbewahrten Urkunden ein fast
+dreihundert Jahr altes Pergament vor, auf welchem in wunderlicher
+Schrift und in barbarischem Latein geschrieben stand, daß die Stände des
+Reichs den Thron eines treulosen und tyrannischen Plantagenet für
+erledigt erklärt hatten. Als endlich der Streit beigelegt war, wurden
+die neuen Herrscher mit dem althergebrachten Gepränge ausgerufen. Der
+ganze phantastische Pomp des Heroldwesens war dabei: Clarencieux und
+Norroy, Portcullis und Rouge Dragon[104], die Trompeten, die Banner und
+die mit Löwen und Lilien gestickten grotesken Wappenröcke. Auch der
+Titel »König von Frankreich,« den der Sieger von Cressy sich beigelegt,
+wurde von den königlichen Titulaturen nicht ausgeschlossen. Uns, die wir
+das Jahr 1848 erlebt haben, muß es fast als ein Wortmißbrauch
+erscheinen, daß man einer mit so reiflicher Überlegung, mit so ruhiger
+Besonnenheit und so ängstlicher Beobachtung der herkömmlichen Etikette
+bewerkstelligten Veränderung den schrecklichen Namen einer Revolution
+giebt.
+
+Und doch war diese Revolution, obgleich die mindest gewaltsame aller
+Revolutionen, die wohlthätigste von allen. Sie entschied für immer die
+große Frage, ob das volksthümliche Element, das sich seit den Zeiten der
+Fitzwalter und de Monfort in der englischen Verfassung vorfand, durch
+das monarchische Element zerstört werden, oder ob es sich frei sollte
+entwickeln und das vorherrschende werden dürfen. Der Kampf zwischen den
+beiden Prinzipien war lang, heftig und zweifelhaft gewesen. Er hatte
+vier Regierungen hindurch gedauert und hatte Aufstände, Staatsprozesse,
+Rebellionen, Schlachten, Belagerungen, Proscriptionen und Justizmorde
+herbeigeführt. Bald hatte es den Anschein gehabt, als ob die Freiheit,
+bald wieder, als ob die Monarchie auf dem Punkte stände unterzugehen.
+Viele Jahre lang war die eine Hälfte der Kraft Englands beschäftigt
+gewesen, die andre Hälfte zu bekämpfen. Die ausübende Gewalt und die
+gesetzgebende Gewalt hatten einander in ihrer Thätigkeit so gehemmt, daß
+der Staat in Europa fast keine Bedeutung gehabt hatte. Der Wappenkönig,
+welcher Wilhelm und Marien vor dem Eingange von Whitehall proklamirte,
+verkündete sehr wahr, daß dieser große Kampf nun vorüber sei, daß
+vollkommene Einigkeit zwischen dem Throne und dem Parlamente obwalte,
+daß das so lange abhängige und erniedrigte England wieder eine Macht
+ersten Ranges geworden sei, daß die alten Gesetze, welche die
+Prärogative beschränkten, hinfüro eben so heilig wie die Prärogative
+selbst gehalten und bis zu allen ihren Consequenzen durchgeführt, daß
+die ausübende Verwaltung in Übereinstimmung mit den Ansichten der
+Vertreter des Volks geleitet und daß keine Reform, welche die beiden
+Häuser nach reiflicher Erwägung vorschlagen würden, bei dem Souverain
+beharrlichen Widerstand finden werde. Obwohl die Rechtserklärung nichts
+zum Gesetz machte, was nicht vorher schon Gesetz gewesen wäre, so
+enthielt sie doch den Keim des Gesetzes, das dem Dissenter
+Religionsfreiheit gab, des Gesetzes, das die Unabhängigkeit der Richter
+sicherte, des Gesetzes, das die Dauer der Parlamente beschränkte, des
+Gesetzes, das die Preßfreiheit unter den Schutz von Geschwornen stellte,
+des Gesetzes, das den Sklavenhandel verbot, des Gesetzes, das den
+Religionseid abschaffte, des Gesetzes, das die Katholiken von den
+Ausschließungen von Civilämtern befreite, des Gesetzes, welches das
+System der Volksvertretung reformirte, kurz jedes guten Gesetzes, das
+seit hundertsechzig Jahren eingeführt worden ist, wie jeden guten
+Gesetzes, das auch fernerhin im Laufe der Seiten zur Förderung des
+Gemeinwohls und zur Befriedigung der Wünsche der öffentlichen Meinung
+für nöthig befunden werden wird.
+
+Das beste Lob aber, das man der Revolution von 1688 geben kann, ist, das
+sie unsre letzte Revolution war. Seit mehreren Generationen hat kein
+verständiger und patriotischer Engländer mehr daran gedacht, sich gegen
+die bestehende Regierung aufzulehnen. Alle rechtschaffenen und denkenden
+Geister sind der Überzeugung, in der sie durch die tägliche Erfahrung
+bestärkt werden, daß die Mittel, um jede der Verfassung nöthige
+Verbesserung zu bewirken, von der Verfassung selbst geboten sind.
+
+Unsre gegenwärtige Generation sollte besser als irgend eine die volle
+Bedeutung des Widerstandes unserer Vorfahren gegen das Haus Stuart zu
+würdigen vermögen. Rings um uns her wird die Welt von den
+Verzweiflungskämpfen großer Nationen erschüttert. Regierungen, welche
+noch vor Kurzem alle Aussicht auf ein jahrhundertelanges Fortbestehen zu
+haben schienen, sind plötzlich erschüttert und gestürzt worden. In den
+stolzesten Hauptstädten des westlichen Europa ist Bürgerblut geflossen.
+Alle bösen Leidenschaften, die Gewinnsucht und der Rachedurst, die
+Antipathie zwischen den Klassen und zwischen den Stämmen haben sich von
+dem Zwange göttlicher und menschlicher Gesetze losgerissen. Furcht und
+Angst haben die Stimmen von Millionen verdüstert und ihre Herzen
+bekümmert. Der Handel ist ins Stocken gerathen und die Industrie gelähmt
+worden. Die Reichen sind arm, die Armen noch ärmer geworden. Lehren,
+welche allen Wissenschaften, allen Künsten und allem Gewerbfleiße feind
+sind, Lehren, die, wenn sie praktisch angewendet würden, Alles was
+dreißig Jahrhunderte für die Menschheit gethan haben, vernichten und die
+schönsten Gauen Frankreichs und Deutschlands zu eben so wilden Ländern
+als Congo oder Patagonien machen würden, sind auf der Tribüne gepredigt
+und mit dem Schwerte vertheidigt worden. Europa hat die Unterjochung
+durch Barbaren gedroht, im Vergleich mit denen die Barbaren Attila's und
+Alboin's aufgeklärt und menschlich waren. Die aufrichtigsten Freunde des
+Volks haben mit tiefem Schmerze gestanden, daß Interessen, welche
+kostbarer als irgend welche politische Rechte sind, auf dem Spiele
+stehen, und daß es nöthig werden könnte, selbst die Freiheit zu opfern,
+um die Civilisation zu retten. Währenddem ist auf unsrer Insel der
+regelmäßige Gang der Regierung nie auch nur einen Tag unterbrochen
+worden. Die wenigen schlechten Menschen, denen nach Zügellosigkeit und
+Plünderung gelüstete, haben nicht den Muth gehabt, nur einen Augenblick
+der Kraft einer fest um den angestammten Thron geschaarten Nation zu
+trotzen. Und fragt man nach dem Grunde dieses Unterschiedes zwischen uns
+und Anderen, so ist die Antwort darauf: weil wir nie das verloren haben,
+was Andere mit blinder Hast wieder zu gewinnen suchen. Weil wir im
+siebzehnten Jahrhundert eine erhaltende Revolution gehabt haben, darum
+haben wir im neunzehnten keine zerstörende Revolution gehabt. Weil wir
+inmitten der Knechtschaft Freiheit hatten, darum haben wir inmitten der
+Anarchie Ordnung. Für das Ansehen des Gesetzes, für die Sicherheit des
+Eigenthums, für die Ruhe unserer Straßen und für das Glück unserer
+Familien gebührt unser Dank nächst Dem, der nach seinem Willen die
+Nationen erhebt und zu Boden wirft, dem Langen Parlamente, der
+Convention und Wilhelm von Oranien.
+
+ [Anmerkung 104: Bezeichnungen verschiedener Wappenherolde. -- Der
+ Übers.]
+
+
+
+
+Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.
+
+
+ * * * * *
+ * * * *
+ * * * * *
+
+
+Druckfehler und Unregelmässigkeiten
+
+Rechtschreibungsformen wie »funfzig« : »fünfzig«, »Urtel« : »Urtheil«
+und »Partein« : »Parteien« sind ungeändert. Die Namen »Russel« und
+»Russell«, »Dyckvelt« und »Dykvelt« sind ebenso ungeändert (auch
+wenn es um die selbe Person handelt). Weitere:
+
+ Geschichtschreiber : Geschichtsschreiber
+ Verhaft(s)befehl
+ Geschicht(s)schreiber
+ angesehen(d)ste
+
+
+IX. Kapitel
+
+ ihrer Ämter und Pfründen entsetzt zu werden [Pfründer]
+ [Anmerkung 4: ... edited by Blencowe [Blecnowe]
+ welche andere Municipalitäten beabchsichtigten [beasichtigten]
+ Er bemühte sich diesen Nachmittag [be-/bemühte _am Seitenende_]
+ um sich Verhaltungsbefehle zu erbitten
+ [ungeändert, mögligens »Verhaftungsbefehle«]
+ [Anmerkung 65: Witson's MS. [ungeändert, anderswo Witsen]
+ die ihm der spanische Stiefel und die Daumschraube bereitet
+ [ungeändert, anderswo Daumenschraube]
+ [Anmerkung 104: ... welche darüber zu entscheiden hat [enscheiden]
+ eine starke Abtheilung derselben nach Cirencester verlegt
+ [Circencester]
+ oder einen Ersatzmann zu stellen. [Ersatzman]
+ das Schwert an der Seite und Pistolen in den Holstern [Holftern]
+ den 27. November, im Speisesaale des Palastes [Speisesale]
+ ehe ich mich entscheide.«[137] [« _fehlt_]
+ hingebrachten Lebens ein wahrhaft religiöser Mann [relegiöser]
+
+X. Kapitel
+
+ in der Gegend des Klosters von Clerkenwell.
+ [Clarkenwell, mögligens auch in Macaulays Englisch]
+ [Anmerkung 15: +Harl. MS. 255.+] [Harl;]
+ [Anmerkung 37: ... +Clarendon's Diary, Dec. 21. 1688+ [21.1688]
+ eine prächtige Terrasse angelegt [Terasse]
+ Auch ist es durchaus nicht unmöglich, daß er reussirt haben würde
+ [ungeändert, gewöhnliche Form ist reüssirt (Fr. réussir)]
+ Lincoln's Inn Fields und Conventgarden
+ [ungeändert, rechte Form ist Coventgarden = Covent Garden]
+ [Anmerkung 79: Dartmouth's Note zu Burnet, I. 393. [Darthmouth's]
+ durch die Wichtigkeit der Krisis gerechtfertigt [gerechfertigt]
+ die er mit Nutzen oder mit Ehren übernehmen könne [könnne]
+ daß die Mittel um jede der Verfassung nöthige Verbesserung [Mitttel]
+
+
+
+***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND SEIT DER
+THRONBESTEIGUNG JAKOB'S DES ZWEITEN***
+
+
+******* This file should be named 36217-8.txt or 36217-8.zip *******
+
+
+This and all associated files of various formats will be found in:
+http://www.gutenberg.org/dirs/3/6/2/1/36217
+
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+http://www.gutenberg.org/license).
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://www.gutenberg.org/about/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit:
+http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
diff --git a/36217-8.zip b/36217-8.zip
new file mode 100644
index 0000000..414d287
--- /dev/null
+++ b/36217-8.zip
Binary files differ
diff --git a/36217-h.zip b/36217-h.zip
new file mode 100644
index 0000000..6aa9daa
--- /dev/null
+++ b/36217-h.zip
Binary files differ
diff --git a/36217-h/36217-h.htm b/36217-h/36217-h.htm
new file mode 100644
index 0000000..7a51fa2
--- /dev/null
+++ b/36217-h/36217-h.htm
@@ -0,0 +1,13034 @@
+<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN">
+<html>
+<head>
+<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=utf-8">
+<title>The Project Gutenberg eBook of Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten, by Thomas Babington Macaulay</title>
+<style type = "text/css">
+
+body {margin-left: 10%; margin-right: 10%;}
+
+div.wholetext {padding: 0; margin: 0;}
+/* dummy div for language */
+
+div.titlepage {padding: 2em 0;}
+div.chapterhead {padding: 6em 2em; width: 20em; margin: 2em auto;
+border-top: 1px solid #000; border-bottom: 1px solid #000;}
+
+hr {width: 80%; margin-top: 1em; margin-bottom: 1em; text-align: center;
+height: 1px; color: #000; background-color: #000;}
+hr.small {width: 30%;}
+hr.tiny {width: 20%;}
+hr.micro {width: 10%;}
+
+hr.border {margin-top: .5em; margin-bottom: 0; width: 14em;
+height: 1px;}
+
+em {font-style: normal; letter-spacing: 0.2em; margin-right: -.2em;}
+
+div.mynote a {text-decoration: none;}
+table.toc a {text-decoration: none;}
+table.toc a:link {color: #006; background-color: inherit;}
+table.toc a:visited {color: #003; background-color: inherit;}
+a.tag {text-decoration: none; vertical-align: .3em; font-size: 80%;
+padding-left: .25em; line-height: .1em;}
+
+h1, h2, h3, h4, h5, h6 {text-align: center; font-style: normal;
+font-weight: normal; line-height: 1.5; margin-top: .5em;
+margin-bottom: .5em;}
+
+h1 {font-size: 250%;}
+h2 {font-size: 175%;}
+h3 {font-size: 150%;}
+div.titlepage h3 {margin-top: 1em;}
+h4 {font-size: 120%; margin-top: 3em;}
+div.titlepage h4, div.chapterhead h4 {margin-top: .5em;}
+h5 {font-size: 100%;}
+h5.sans {font-family: sans-serif; font-size: 95%;}
+h6 {font-size: 85%;}
+
+.four {font-size: 120%; margin-top: 3em;}
+.five {font-size: 100%;}
+.six {font-size: 85%;}
+
+p {margin-top: .5em; margin-bottom: 0em; line-height: 1.2;}
+
+p.illustration {text-align: center; margin-top: 1em;
+margin-bottom: 1em;}
+p.section {margin-top: 2em;}
+p.hanging {margin-left: 2em; text-indent: -1em;}
+p.inset {padding-left: 2em;}
+
+div.verse {margin: .5em 2em;}
+div.verse p {margin-top: 0; margin-left: 4em; text-indent: -4em;}
+div.verse p.indent2 {text-indent: 0;}
+div.verse p.indent3 {text-indent: 6em;}
+
+/* footnotes */
+
+p.footnote, div.footnote {margin: 1em 2em 2em;}
+div.footnote p, p.footnote {font-size: 92%;}
+div.footnote p.continue {margin-top: .25em; text-indent: 1em;}
+
+
+/* tables */
+
+table {margin-left: auto; margin-right: auto; margin-top: 1em;
+margin-bottom: 1em; font-size: inherit; font-family: inherit;
+border-collapse: collapse;}
+
+td {vertical-align: top; text-align: left; padding: .2em .1em;}
+
+td.seite {text-align: right; font-size: 88%;}
+
+td.number {text-align: right; vertical-align: bottom;
+padding-left: 2em;}
+
+table.toc {width: 90%; margin-bottom: 4em;}
+table.toc p {margin-top: 0em; margin-left: 2em;
+text-indent: -2em; line-height: normal;}
+
+
+/* sidenotes */
+
+span.heading {width: 25%; float: left; clear: left; padding: .25em;
+margin: .25em .5em .25em 0; font-weight: bold; border: 1px solid #999;}
+
+
+/* text formatting */
+
+span.extended {letter-spacing: 0.5em; margin-right: -.5em;}
+div.chapterhead span.extended {letter-spacing: 1.5em; margin-right: 0;}
+
+span.antiqua {font-family: sans-serif; font-size: 95%;}
+
+/* correction popup */
+
+ins.correction {text-decoration: none; border-bottom: thin dotted red;}
+
+/* page number */
+
+span.pagenum {position: absolute; right: 2%; font-size: 90%;
+font-weight: normal; font-style: normal; text-align: right;
+text-indent: 0em;}
+
+/* Transcriber's Note */
+
+.mynote {background-color: #DDE; color: #000;
+font-family: sans-serif; font-size: 90%;}
+
+div.mynote {margin: 1em 5%; padding: .5em 1em 1em;}
+p.mynote {margin: 1em 5%; padding: 1em;}
+
+ h1.pg {text-align: center; font-style: normal;
+ font-weight: bold; line-height: 1;
+ margin-top: 0em; margin-bottom: .5em;
+ font-size: 190%;}
+ h3.pg {text-align: center; font-style: normal;
+ font-weight: bold; line-height: 1;
+ margin-top: 0em; margin-bottom: 0em;
+ font-size: 110%;}
+ hr.full { width: 100%;
+ margin-top: 3em;
+ margin-bottom: 0em;
+ margin-left: auto;
+ margin-right: auto;
+ height: 4px;
+ border-width: 4px 0 0 0; /* remove all borders except the top one */
+ border-style: solid;
+ border-color: #000000;
+ clear: both; }
+ pre {font-size: 85%;}
+</style>
+</head>
+<body>
+<h1 class="pg">The Project Gutenberg eBook, Geschichte von England seit der
+Thronbesteigung Jakob's des Zweiten, by Thomas Babington Macaulay,
+Translated by Wilhelm Hartwig Beseler</h1>
+<pre>
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at <a href = "http://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a></pre>
+<p>Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten</p>
+<p> Fünfter Band (der 11)</p>
+<p>Author: Thomas Babington Macaulay</p>
+<p>Release Date: May 25, 2011 [eBook #36217]</p>
+<p>Language: German</p>
+<p>Character set encoding: UTF-8</p>
+<p>***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND SEIT DER THRONBESTEIGUNG JAKOB'S DES ZWEITEN***</p>
+<br><br><center><h3 class="pg">E-text prepared by<br>
+ Louise Hope, Delphine Lettau, richyfourtytwo,<br>
+ and the Online Distributed Proofreading Team<br >
+ (http://www.pgdp.net)</h3></center><br><br>
+
+<div class = "wholetext" lang = "de">
+
+<div class = "mynote">
+
+<p><a name = "start" id = "start">Dieser Text</a> benutzt die
+UTF-8-Kodierung (Unicode). Wenn die Apostrophe, Anführungs&shy;zeichen
+und die Umlaute in diesem Absatz als seltsame Zeichen dargestellt
+werden, könnte es auch an Ihrem inkompa&shy;tiblen Browser oder an
+fehlenden Fonts (Zeichen&shy;sätzen) liegen. Stellen Sie zunächst
+sicher, dass der „Zeichensatz“ oder „Datei-Kodierung“ auf Unicode
+(UTF-8) eingestellt ist. Eventuell ist es auch nötig, die
+Standard&shy;schrift Ihres Browser zu ändern.</p>
+
+<p>Einige Druckfehler sind korrigiert und mit <ins class = "correction"
+title = "wie so">popups</ins> notiert. Recht&shy;schreibungs&shy;formen
+wie »funfzig« : »fünfzig«, »Urtel« : »Urtheil« und »Partein« :
+»Parteien« sind ungeändert. Die Namen »Russel« und
+»Russell«, »Dyckvelt« und »Dykvelt« sind ebenso ungeändert (auch
+wenn es um die selbe Person handelt). Weitere:</p>
+
+<p class = "inset">
+Geschichtschreiber : Geschichtsschreiber<br>
+Verhaft(s)befehl<br>
+Geschicht(s)schreiber<br>
+angesehen(d)ste</p>
+
+<hr class = "small">
+
+<p class = "hanging"><a href = "#kap_IX">9. Kapitel</a><br>
+<a href = "#inhalt_IX">Inhalt</a></p>
+
+<p class = "hanging"><a href = "#kap_X">10. Kapitel</a><br>
+<a href = "#inhalt_X">Inhalt</a></p>
+
+</div>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="full">
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<div class = "titlepage">
+
+<h2>Thomas Babington Macaulay’s</h2>
+
+<h1>Geschichte von England</h1>
+
+<h3 class = "six"><em>seit der</em></h3>
+
+<h3 class = "four">Thronbesteigung Jakob’s des Zweiten.</h3>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class = "tiny">
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<h3 class = "six"><em>Aus dem Englischen.</em></h3>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class = "border">
+
+<h5 class = "sans">Vollständige und wohlfeilste Stereotyp-Ausgabe.</h5>
+
+<hr class = "border">
+
+<p>&nbsp;<br>&nbsp;</p>
+
+<h5>Fünfter Band</h5>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<p class = "illustration">
+<img src = "images/floral.png" width = "178" height = "9"
+alt = "----"></p>
+
+<h5>Leipzig, 1854.</h5>
+
+<h5 class = "six">G. &nbsp; H. &nbsp; <span class =
+"extended">Friedlein</span>.</h5>
+
+</div>
+
+
+<a name = "kap_IX" id = "kap_IX">&nbsp;</a>
+<center>
+<div class = "chapterhead">
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_1" id = "pageIX_1">
+IX.1</a></span>
+
+<h4 class = "five"><b>Neuntes Kapitel.</b></h4>
+
+<h4><span class = "extended">Jakob</span> <b>II.</b></h4>
+
+<hr class = "tiny">
+
+</div>
+</center>
+<a name = "pageIX_2" id = "pageIX_2">&nbsp;</a>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_3" id = "pageIX_3">
+IX.3</a></span>
+
+<h4><a name = "inhalt_IX" id = "inhalt_IX">
+<b><span class = "extended">Inhalt</span>.</b></a></h4>
+
+<hr class = "micro">
+
+<table class = "toc" summary = "inhaltsverzeichniss">
+<tr>
+<td></td>
+<td class = "seite">Seite</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_1">Die Tories werden andrer Ansicht in Betreff
+der Rechtmäßigkeit des Widerstandes</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_5">5</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_2">Russell schlägt dem Prinzen von Oranien eine
+Landung in England vor</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_11">11</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_3">Heinrich Sidney</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_11">11</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_4">Devonshire</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_12">12</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_5">Shrewsbury. &mdash; Halifax</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_12">12</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_6">Danby und der Bischof Compton</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_13">13</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_7">Nottingham</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_14">14</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_8">Lumley</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_14">14</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_9">Absendung der Einladung an Wilhelm</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_14">14</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_10">Mariens Verhalten</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_15">15</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_11">Schwierigkeiten der Unternehmung
+Wilhelm’s</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_16">16</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_12">Jakob’s Benehmen nach dem Prozesse der
+Bischöfe</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_19">19</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_13">Entlassungen und Ernennungen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_20">20</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_14">Verfahren der Hohen Commission. Sprat tritt
+aus</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_22">22</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_15">Unzufriedenheit des Klerus. &mdash;
+Vorgänge in Oxford</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_23">23</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_16">Unzufriedenheit der Gentry</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_23">23</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_17">Unzufriedenheit der Armee</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_24">24</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_18">Es werden irische Truppen herübergezogen.
+&mdash; Unwille des Volks</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_25">25</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_19">Lillibullero</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_39">39</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_20">Politische Zustände in den Vereinigten
+Provinzen</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_30">30</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_21">Fehler des Königs von Frankreich</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_31">31</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_22">Sein Streit mit dem Papste bezüglich der
+Vorrechte auswärtiger Gesandter</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_32">32</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_23">Das Erzbisthum Köln</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_33">33</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_24">Kluges Verfahren Wilhelm’s</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_33">33</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_25">Seine Rüstungen zu Lande und zur See</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_34">34</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_26">Er erhält zahlreiche Unterstützungszusagen
+aus England</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_35">35</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_27">Sunderland</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_36">36</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_28">Wilhelm’s Befürchtungen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_39">39</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_29">Jakob wird gewarnt</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_40">40</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_30">Ludwig’s Bemühungen, um Jakob zu
+retten</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_41">41</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_31">Jakob vereitelt dieselben</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_42">42</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_32">Die französischen Armeen fallen in
+Deutschland ein</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_44">44</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_33">Wilhelm erlangt die Genehmigung der
+Generalstaaten für seine Expedition</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_45">45</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_34">Britische Abenteurer im Haag</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_46">46</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_35">Wilhelm’s Erklärung</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_47">47</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_36">Jakob fängt an die Gefahr zu ahnen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_49">49</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_37">Seine Seemacht</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_49">49</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_38">Seine militairischen Mittel</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_50">50</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_39">Er versucht es, seine Unterthanen mit sich
+auszusöhnen</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_51">51</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_40">Er bewilligt den Bischöfen eine
+Audienz</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_51">51</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td>
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_4" id = "pageIX_4">
+IX.4</a></span>
+<a href = "#secIX_41">Seine Zugeständnisse werden übel
+aufgenommen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_53">53</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_42">Dem Geheimen Rath werden Beweise für die
+legitime Geburt des Prinzen von Wales vorgelegt</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_55">55</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_43">Sunderland’s Ungnade</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_56">56</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_44">Wilhelm nimmt Abschied von den
+holländischen Generalstaaten</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_57">57</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_45">Er schifft sich ein und segelt ab</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_58">58</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_46">Er wird durch einen Sturm
+zurückgeworfen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_58">58</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_47">Seine Erklärung kommt in England an</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_58">58</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_48">Jakob befragt die Lords</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_58">58</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_49">Wilhelm geht zum zweiten Male unter
+Segel</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_60">60</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_50">Er passirt die Meerenge</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_61">61</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_51">Seine Landung bei Torbay</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_62">62</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_52">Sein Einzug in Exeter</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_65">65</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_53">Unterredung des Königs mit den
+Bischöfen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_69">69</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_54">Ruhestörungen in London</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_71">71</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_55">Angesehene Männer fangen an zu dem Prinzen
+überzugehen</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_72">72</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_56">Lovelace</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_72">72</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_57">Colchester</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_73">73</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_58">Abingdon</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_73">73</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_59">Abfall Cornbury’s</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_74">74</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_60">Petition der Lords um Einberufung eines
+Parlaments</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_77">77</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_61">Der König begiebt sich nach Salisbury</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_79">79</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_62">Seymour</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_79">79</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_63">Wilhelm’s Hoflager in Exeter</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_79">79</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_64">Aufstand im Norden</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_80">80</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_65">Gefecht bei Wincanton</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_82">82</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_66">Churchill’s und Grafton’s Abfall</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_84">84</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_67">Rückzug der königlichen Armee von
+Salisbury</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_85">85</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_68">Abfall des Prinzen Georg und Ormond’s</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_85">85</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_69">Flucht der Prinzessin Anna</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_86">86</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_70">Jakob hält eine Berathung mit den
+Lords</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_88">88</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_71">Er ernennt Commissare zur Unterhandlung mit
+Wilhelm</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_91">91</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_72">Die Unterhandlung eine Finte</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_91">91</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_73">Dartmouth weigert sich, den Prinzen von
+Wales nach Frankreich zu senden</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_93">93</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_74">Aufregung in London</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_94">94</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_75">Falsche Proklamation</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_94">94</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_76">Aufstände in verschiedenen Theilen des
+Landes</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_95">95</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_77">Clarendon schließt sich in Salisbury dem
+Prinzen an</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_97">97</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_78">Spaltung im Lager des Prinzen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_97">97</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_79">Ankunft des Prinzen in Hungerford</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_99">99</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_80">Gefecht bei Reading</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_100">100</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_81">Ankunft der königlichen Commissare in
+Hungerford</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_100">100</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_82">Unterhandlung</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_100">100</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secIX_83">Die Königin und der Prinz von Wales werden
+nach Frankreich geschickt</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_104">104</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_84">Lauzun</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_104">104</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_85">Anstalten des Königs zur Flucht</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_107">107</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secIX_86">Seine Flucht</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageIX_108">108</a></td>
+</tr>
+</table>
+
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_5" id = "pageIX_5">
+IX.5</a></span>
+<p>Die Freisprechung der Bischöfe war nicht das einzige Ereigniß, das
+den 13. Juni 1688 zu einem wichtigen Datum unsrer Geschichte macht. An
+dem nämlichen Tage, während auf hundert Kirchthürmen alle Glocken
+läuteten, während von Hydepark bis Mile-End das Volk beschäftigt war,
+für die Freudendemonstrationen in der Nacht Reisigbündel
+zusammenzutragen und Päpste anzuputzen, wurde ein Actenstück, das für
+die Freiheiten Englands kaum minder wichtig war, als die Magna Charta,
+von London nach dem Haag gesandt.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Tories werden andrer Ansicht in Betreff der Rechtmäßigkeit des
+Widerstandes.</span>
+<a name = "secIX_1" id = "secIX_1">Der</a> Prozeß der Bischöfe und die
+Geburt des Prinzen von Wales hatten in den Gesinnungen vieler Tories
+einen großen Umschwung herbeigeführt. In dem Augenblicke, wo ihrer
+Kirche eine so empörende Beleidigung und Verhöhnung widerfuhr, mußten
+sie die Hoffnung auf eine friedliche Lösung aufgeben. Bisher hatten sie
+gehofft, daß die Prüfung, welche ihre Loyalität zu ertragen hatte, wenn
+auch hart, doch nur vorübergehend sein werde und daß ihre Leiden ohne
+Verletzung der feststehenden Thronfolgeordnung bald gehoben werden
+würden. Jetzt aber eröffnete sich ihnen eine ganz andre Aussicht. So
+weit sie vorwärts blickten, sahen sie die verkehrte Regierung der
+letzten drei Jahre durch ganze Menschenalter sich fortspinnen. Die Wiege
+des präsumtiven Thronfolgers war von Jesuiten umgeben und es stand zu
+befürchten, daß dem kindlichen Gemüth des Prinzen ein tödtlicher Haß
+gegen die Kirche, deren Oberhaupt er dereinst werden sollte, eingeimpft,
+daß dieser Haß das leitende Prinzip seines Lebens werden und auf seine
+Nachkommenschaft übergehen würde. Und diese unheilvolle Aussicht hatte
+keine Grenze, sie reichte über die Lebenszeit des jüngsten Menschen, bis
+über das achtzehnte Jahrhundert hinaus. Niemand konnte sagen, wie viele
+Generationen protestantischer Engländer noch ein Joch zu tragen haben
+würden, das man selbst bei der Voraussicht einer kurzen Dauer schon für
+unerträglich hielt. Gab es denn gar kein Heilmittel? Eines gab es noch,
+ein rasches, heftiges und entscheidendes, ein Mittel, zu dem die Whigs
+nur zu bereitwillig gegriffen hätten, das aber von den Tories jederzeit
+und unter allen Umständen als verwerflich betrachtet worden war.</p>
+
+<p>Die größten anglikanischen Gelehrten der damaligen Zeit hatten den
+Satz aufgestellt, daß keine Übertretung eines Gesetzes oder eines
+Vertrags,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_6" id = "pageIX_6">
+IX.6</a></span>
+kein Übermaß von Härte, Raubsucht oder Willkür von Seiten eines
+rechtmäßigen Königs sein Volk zum gewaltsamen Widerstande gegen ihn
+berechtigen könne. Einige von ihnen hatten etwas darin gesucht, die
+Lehre vom Nichtwiderstande in einer so überspannten Form darzustellen,
+daß der gesunde Verstand und die Humanität sich dagegen empören mußten.
+Sie bemerkten häufig und mit Nachdruck, daß Nero an der Spitze des
+römischen Reiches gestanden habe, als Paulus die Pflicht des Gehorsams
+gegen die Obrigkeit einschärfte. Daraus zogen sie den Schluß, daß, wenn
+ein englischer König, ohne ein andres Gesetz als seinen Willen, seine
+Unterthanen wegen Nichtanbetung von Götzenbildern verfolgte, sie den
+Löwen im Tower vorwürfe, sie in getheerte Tücher hüllte und zur
+Beleuchtung des St. Jamesparkes anzündete, und wenn er mit diesen
+Grausamkeiten fortführe, bis ganze Städte und Grafschaften entvölkert
+wären, die Überlebenden trotzdem noch immer verpflichtet sein würden,
+sich willig zu unterwerfen und sich ohne Widerstand in Stücken zerreißen
+oder lebendig braten zu lassen. Allerdings waren die Gründe, welche zu
+Gunsten dieser Behauptung angeführt wurden, unhaltbar, aber der Mangel
+vernünftiger Argumente wurde reichlich ersetzt durch die Alles
+vermögende Sophistik des Eigennutzes und der Leidenschaft. Viele
+Schriftsteller haben ihr Erstaunen darüber ausgedrückt, wie die stolzen
+Kavaliere Englands sich für die knechtischeste Theorie, die die Welt je
+gesehen hat, so begeistern konnten. Dies kommt daher, weil diese Theorie
+dem Kavalier anfangs als der directe Gegensatz des Knechtischen
+erschien, denn sie machte ihn nicht zum Sklaven, sondern zum freien
+Herrn und Gebieter. Sie gefiel ihm, weil sie dem gefiel, den er als
+seinen Beschützer, als seinen Freund, als das Oberhaupt seiner geliebten
+Partei und seiner noch mehr geliebten Kirche betrachtete. Unter der
+Herrschaft der Republikaner hatte der Royalist Unbilden und Kränkungen
+ertragen müssen, welche er nach der Wiedereinsetzung der rechtmäßigen
+Regierung hatte vergelten können. Rebellion war daher in seinem Sinne
+gleichbedeutend mit Unterwerfung und Erniedrigung, monarchische
+Autorität mit Freiheit und Übergewicht. Es war ihm nie eingefallen, daß
+eine Zeit kommen könnte, wo ein König, ein Stuart die loyalsten
+Geistlichen und Edelleute mit größerer Erbitterung verfolgen würde, als
+einst der Rumpf oder der Protector. Eine solche Zeit war gekommen. Jetzt
+mußte es sich zeigen, wie die Geduld, welche die Anhänger der
+Landeskirche aus den Schriften des Paulus gelernt zu haben vermeinten,
+die Probe einer Verfolgung bestehen würde, die noch keineswegs so
+schlimm war, wie die eines Nero. Das Ergebniß war so, wie es Jedermann,
+der die menschliche Natur nur einigermaßen kannte, vorausgesagt haben
+würde. Der Despotismus bewirkte bald, was, der Philosophie und der
+Beredtsamkeit nie gelungen wäre. Die Angriffe Locke’s hatte Filmer’s
+System überleben können, aber von dem tödtlichen Schlage, den Jakob ihm
+versetzte, erholte es sich nie wieder.</p>
+
+<p>Die Gründe, welche für unwiderleglich erklärt wurden, so lange man
+damit beweisen wollte, daß Presbyterianer und Independenten Haft und
+Eigenthumsberaubung mit Sanftmuth und Geduld ertragen müßten, schienen
+bedeutend an Haltbarkeit zu verlieren, als es sich fragte, ob
+anglikanische Bischöfe eingesperrt und die Einkünfte anglikanischer
+Collegien eingezogen werden dürften. Es war von den Kanzeln aller
+Kathedralen des Landes herab oft wiederholt worden, daß das apostolische
+Gebot, der bürgerlichen Obrigkeit zu gehorchen, unbedingt und allgemein
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_7" id = "pageIX_7">
+IX.7</a></span>
+und daß es eine gottlose Anmaßung der Menschen sei, ein im Worte Gottes
+ohne alle Beschränkung erlassenes Gebot beschränken zu wollen. Jetzt
+aber entdeckten die Geistlichen, deren Scharfsinn durch die drohende
+Gefahr, ihrer Ämter und <ins class = "correction" title = "Original hat »Pfründer«">Pfründen</ins> entsetzt zu werden, um Papisten Platz zu
+machen, bedeutend erhöht wurde, einige Lücken in dem Raisonnement, das
+ihnen früher so überzeugend vorgekommen war. Die ethischen Stellen der
+heiligen Schrift, meinten sie, dürfe man nicht wie
+Parlamentsverordnungen oder wie casuistische Abhandlungen der Gelehrten
+deuten. Welcher Christ werde dem Grobian, der ihn auf die rechte Wange
+geschlagen, wirklich auch die linke hinhalten? Welcher Christ werde dem
+Diebe, der ihm den Rock genommen, auch noch den Mantel geben? Im Alten
+wie im Neuen Testament seien durchgängig nur allgemeine Regeln
+aufgestellt, ohne die Ausnahmen mit anzuführen. So stehe darin das
+allgemeine Gebot, nicht zu tödten, aber ohne einen Vorbehalt zu Gunsten
+des Kriegers, der zur Vertheidigung seines Königs und seines Vaterlandes
+tödtet. So stehe ferner darin das allgemeine Gebot nicht zu schwören,
+aber ohne Vorbehalt zu Gunsten des Zeugen, der vor dem Richter schwört,
+daß er die Wahrheit sagen wolle. Die Rechtmäßigkeit des
+Vertheidigungskrieges und des gerichtlichen Eides werde aber nur von
+einigen obscuren Sectirern bestritten, und sei in den Artikeln der
+anglikanischen Kirche ausdrücklich behauptet. Alle die Gründe, welche
+bewiesen, daß die Weigerung des Quäkers, Waffen zu tragen oder das
+Evangelium zu küssen, unvernünftig und verkehrt sei, könnten auch gegen
+Diejenigen gewendet werden, welche den Unterthanen das Recht des
+gewaltsamen Widerstandes gegen maßlose Tyrannei absprachen. Wenn man
+behaupte, daß die Bibelstellen, welche das Tödten und das Schwören
+verboten, trotz ihrer allgemeinen Fassung doch als Unterwerfung unter
+das große Gebot ausgelegt werden müßten, welches jedem Menschen
+befiehlt, die Wohlfahrt seines Nächsten zu fördern und daß sie bei
+solcher Auslegung nicht auf Fälle angewendet werden könnten, in denen
+das Tödten und Schwören zum Schutze der theuersten Interessen der
+Gesellschaft durchaus nothwendig sei, dann werde man auch schwerlich
+leugnen können, daß die Bibelstellen, welche den gewaltsamen Widerstand
+gegen Vorgesetzte verbieten, ebenso gedeutet werden dürften. Wenn dem
+alten Volke Gottes unter Umständen gestattet worden sei, Menschenleben
+zu vernichten und sich durch Eide zu binden, so sei es ihnen unter
+Umständen auch erlaubt gewesen, schlechten Fürsten Widerstand zu
+leisten. Wenn die alten Väter der Kirche gelegentlich eine Sprache
+geführt hätten, aus welcher hervorzugehen schiene, daß sie jeden
+gewaltsamen Widerstand mißbilligten, so hätten sie gelegentlich auch
+eine Sprache geführt, aus welcher hervorgehe, daß sie allen Krieg und
+alle Eide verwarfen. In der That, die Lehre vom passiven Gehorsam, wie
+sie unter der Regierung Karl’s&nbsp;II. in Oxford gepredigt wurde, kann
+nur durch eine einseitige Auslegung, die uns unvermeidlich zu den
+Schlußfolgerungen Barclay’s und Penn’s führen wurde, aus der Bibel
+hergeleitet werden.</p>
+
+<p>Es waren jedoch nicht allein dem Wortlaute der heiligen Schrift
+entlehnte Gründe, vermittelst deren die anglikanischen Theologen in den
+unmittelbar auf die Restauration folgenden Jahren ihren Lieblingssatz zu
+beweisen versuchten. Sie hatten sich auch bemüht darzuthun, daß selbst
+wenn die Offenbarung darüber schweige, schon die Vernunft den Weisen von
+der Thorheit und Verwerflichkeit jedes gewaltsamen Widerstandes
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_8" id = "pageIX_8">
+IX.8</a></span>
+gegen die bestehende Regierung überzeugt haben würde. Es werde allgemein
+zugegeben, daß solcher Widerstand, außer im höchsten Nothfalle, nicht zu
+rechtfertigen sei. Aber wer könne die Grenze zwischen höchsten
+Nothfällen und gewöhnlichen Fällen bestimmen? Gäbe es wohl eine
+Regierung, unter der sich nicht Mißvergnügte und Aufwiegler finden
+würden, welche sagten und vielleicht auch wirklich glaubten, daß ihre
+Beschwerden einen höchsten Nothfall begründeten? Ja, wenn sich eine
+klare und bestimmte Regel aufstellen ließe, welche den Menschen verböte,
+sich gegen einen Trajan zu empören, ihnen aber erlaubte, sich gegen
+einen Caligula aufzulehnen, so würde eine solche Regel allerdings höchst
+wohlthätig sein. Aber eine derartige Regel sei nie aufgestellt worden
+und könne auch nie aufgestellt werden. Wenn man sage, der Aufruhr sei
+unter gewissen Umständen erlaubt, ohne diese Umstände genau zu
+bezeichnen, so sei dies eben so gut als wenn man sage, Jedermann dürfe
+sich empören, sobald es ihm passend erscheine; eine Gesellschaft aber,
+in der sich Jedermann empören könne, wenn er es für zweckmäßig halte,
+sei schlechter bestellt als eine unter der Herrschaft des grausamsten
+und willkürlichsten Despoten stehende. Daher sei es nothwendig, das
+große Prinzip des Nichtwiderstandes in seinem vollen Umfange aufrecht zu
+erhalten. Allerdings könnten besondere Fälle eintreten, in denen der
+Widerstand eine Wohlthat für die Gesellschaft sein würde; im Ganzen
+genommen aber sei es immer besser, wenn das Volk geduldig eine schlechte
+Regierung ertrage, als wenn es sich durch Verletzung eines Gesetzes zu
+helfen suche, auf dem die Sicherheit jeder Regierung beruhe.</p>
+
+<p>Eine solche Argumentation überzeugte wohl eine herrschende und
+glückliche Partei sehr leicht, aber die Prüfung von Geistern, welche
+durch königliche Ungerechtigkeit und Undankbarkeit heftig gereizt waren,
+hielt sie nicht aus. Es ist allerdings unmöglich, eine strenge Grenze
+zwischen rechtmäßigem und unrechtmäßigem Widerstande zu ziehen; aber
+diese Unmöglichkeit liegt in dem ganzen Wesen von Recht und Unrecht und
+findet sich in fast jedem Zweige der ethischen Wissenschaft. Eine gute
+Handlung unterscheidet sich von einer schlechten nicht durch so
+deutliche Kennzeichen, wie ein Sechseck von einem Quadrat. Es giebt eine
+Grenze, wo Tugend und Laster in einander verschmelzen. Wer hat jemals
+eine genaue Grenzlinie zwischen Muth und Unbesonnenheit, zwischen
+Vorsicht und Feigheit, zwischen Sparsamkeit und Geiz, zwischen
+Freigebigkeit und Verschwendung zu ziehen vermocht? Wer hat jemals sagen
+können, wie weit die Nachsicht gegen Verbrecher gehen darf, wo sie
+aufhört den Namen Nachsicht zu verdienen, um verderbliche Schwäche zu
+werden? Welcher Casuist, welcher Gesetzgeber ist jemals im Stande
+gewesen, die Grenzen des Selbstvertheidigungsrechts zu bestimmen? Alle
+unsere Juristen sind der Ansicht, daß ein gewisses Maß von Gefahr für
+Leben oder Glieder den Menschen berechtige, einen Angreifer
+niederzuschießen oder zu erstechen, aber den Versuch, das Maß der Gefahr
+in bestimmten Worten zu bezeichnen, haben sie längst als unausführbar
+aufgegeben. Sie sagen nur, es dürfe keine unbedeutende, sondern eine
+solche Gefahr sein, die einen muthigen Menschen ernstlich um sich
+besorgt machen kann; aber wer wird es unternehmen zu sagen, welcher Grad
+von Besorgniß wirklich ernst genannt zu werden verdient oder wie der
+Geist eines Menschen beschaffen sein muß, um als muthig gelten zu
+können? Man muß es allerdings beklagen, daß die Natur der Worte und die
+Natur der Dinge eine genauere Gesetzgebung
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_9" id = "pageIX_9">
+IX.9</a></span>
+nicht gestattet, und es läßt sich nicht leugnen, daß oft Jemandem
+Unrecht geschieht, wenn die Menschen Richter in ihrer eignen Sache sind
+und ihr Urtheil augenblicklich vollziehen. Aber wer könnte deshalb alle
+und jede Nothwehr verbieten? Das Recht eines Volks, einer schlechten
+Regierung Widerstand zu leisten, ist ganz analog dem Rechte, mit dem der
+Einzelne in Ermangelung gesetzlichen Schutzes einen ihn Angreifenden
+erschlagen darf. In beiden Fällen muß die Gefahr sehr ernst sein; in
+beiden Fällen müssen alle gesetzlichen und friedlichen
+Vertheidigungsmittel erschöpft sein, ehe die verletzte Partei zum
+Äußersten schreitet; in beiden Fällen ladet man sich eine große
+Verantwortlichkeit auf; in beiden Fällen ruht die Beweislast auf
+Demjenigen, der es gewagt hat, zu einem so verzweifelten Auskunftsmittel
+zu greifen, und vermag er sich nicht zu rechtfertigen, so verwirkt er
+mit Recht die schwersten Strafen. Aber in keinem der beiden Fälle können
+wir das Vorhandensein alles Rechts leugnen. Ein von Mördern überfallener
+Mensch ist nicht verpflichtet, sich ohne von seinen Waffen Gebrauch zu
+machen, martern und abschlachten zu lassen, weil noch Niemand im Stande
+gewesen ist, das Maß der Gefahr, welches einen Todtschlag rechtfertigt,
+genau zu bestimmen. Ebenso wenig ist eine Gesellschaft verpflichtet,
+Alles was die Tyrannei über sie verhängen kann, mit passiver Geduld zu
+ertragen, weil noch Niemand das Maß der Regierungssünden, das eine
+Empörung rechtfertigt, genau zu bestimmen vermochte.</p>
+
+<p>Aber konnte der Widerstand der Engländer gegen einen Fürsten wie
+Jakob eigentlich Empörung genannt werden? Die ächten Schüler Filmer’s
+behaupteten allerdings, daß zwischen unsrem Regierungssystem und dem der
+Türkei nicht der geringste Unterschied sei, und wenn der König sich
+nicht den Inhalt aller Kaufmannskasten in Lombard Street zueigne und
+Stumme mit der seidenen Schnur zu Sancroft und Halifax sende, so
+geschehe dies nur, weil Seine Majestät zu mild und gnädig sei, als daß
+er seine ganze, ihm vom Himmel ertheilte Macht ausüben sollte. Aber wenn
+auch die Tories zuweilen in der Hitze des Wortstreits eine Sprache
+führten, welche anzudeuten schien, daß sie diesen überspannten Lehren
+Beifall zollten, so verabscheuten sie den Despotismus doch gründlich.
+Die englische Regierungsform war nach ihren Begriffen eine beschränkt
+monarchische. Aber wie kann eine Monarchie beschränkt genannt werden,
+wenn niemals, selbst nicht im äußersten Nothfalle Gewalt angewendet
+werden darf, um sie innerhalb der ihr vorgeschriebenen Schranken zu
+halten? In Rußland, wo der Herrscher nach der Verfassung des Staats
+unbeschränkt war, konnte man vielleicht mit einem Schein von Richtigkeit
+behaupten, daß er, welche Übergriffe er sich auch erlaubte, noch immer
+nach christlichen Grundsätzen von seinen Unterthanen Gehorsam verlangen
+durfte. Bei uns aber stand der Fürst so gut unter dem Gesetze wie das
+Volk. Es war daher Jakob, der das Wehe über sich brachte, welches Denen
+angedroht ist, die der bestehenden Gewalt Hohn sprechen. Jakob war es,
+der sich den Anordnungen Gottes widersetzte, der sich gegen die
+rechtmäßige Autorität auflehnte, welcher er nicht allein aus Furcht vor
+dem göttlichen Zorne, sondern schon nach eigenem Gewissen hätte
+unterthan sein sollen, und der im wahren Sinne der Worte Jesu dem Kaiser
+nicht gab was des Kaisers war.</p>
+
+<p>In Folge derartiger Betrachtungen fingen die kundigsten und
+aufgeklärtesten Tories an zuzugeben, daß sie in der Lehre vom passiven
+Gehorsam doch zu weit gegangen waren. Der Streit zwischen diesen Männern
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_10" id = "pageIX_10">
+IX.10</a></span>
+und den Whigs bezüglich der gegenseitigen Verpflichtungen der Könige und
+Unterthanen war jetzt kein Prinzipstreit mehr. Es blieben allerdings
+noch einige gerichtliche Streitpunkte zwischen der Partei, welche
+jederzeit die Rechtmäßigkeit des gewaltsamen Widerstandes behauptet
+hatten, und den Neubekehrten. Das Andenken des gesegneten Märtyrers
+wurde von den alten Kavalieren, welche bereit waren, gegen seinen
+entarteten Sohn die Waffen zu ergreifen, noch immer so hoch als je
+verehrt. Sie sprachen noch immer mit Abscheu von dem langen Parlamente,
+von dem Ryehousecomplot und von dem Aufstande im Westen. Aber wie sie
+auch über die Vergangenheit denken mochten, ihre Ansicht von der
+Gegenwart war entschieden whiggistisch, denn sie waren jetzt der
+Meinung, daß äußerster Druck gewaltsamen Widerstand rechtfertigen könne
+und daß der Druck, unter dem die Nation eben seufzte, den äußersten Grad
+erreicht habe.<a class = "tag" name = "tagIX_1" id = "tagIX_1" href =
+"#noteIX_1">1</a></p>
+
+<p>Man darf jedoch nicht glauben, daß alle Tories selbst unter den
+damaligen Umständen einem Prinzipe entsagten, daß sie von Kindheit auf
+als einen wesentlichen Bestandtheil des Christenthums betrachten
+gelernt, zu dem sie sich viele Jahre lang mit prahlender Heftigkeit
+bekannt und das sie durch Verfolgung zu verbreiten gesucht hatten.
+Manche hielten aus wirklicher Überzeugung, Andere aus Scham an dem alten
+Glauben fest. Der größere Theil aber selbst von Denen, welche nach wie
+vor jeden gewaltsamen Widerstand gegen den Landesherrn für unstatthaft
+erklärten, war geneigt, im Falle eines Bürgerkriegs neutral zu bleiben.
+Keine Herausforderung sollte sie zum Aufstande bewegen, wenn aber ein
+solcher ausbräche, so glaubten sie sich nicht verpflichtet, für
+Jakob&nbsp;II. zu kämpfen, wie sie für Karl&nbsp;I. gekämpft haben
+würden. Paulus habe den Christen in Rom verboten, sich gegen die
+Herrschaft Nero’s zu empören; aber es sei kein Grund zu der Annahme
+vorhanden, daß, wenn der Apostel noch gelebt hätte, als die Legionen und
+der Senat sich gegen den ruchlosen Kaiser erhoben, er den Brüdern
+befohlen haben würde, zur Unterstützung der Tyrannei zu den Waffen zu
+eilen. Die Pflicht der verfolgten Kirche sei klar: sie müsse geduldig
+ausharren und ihre Sache Gott anheim stellen. Wenn es aber Gott, dessen
+weise Fürsorge stets das Böse zum Guten lenkt, gefallen sollte, wie es
+ihm oft gefallen habe, sich zur Abstellung ihrer Leiden der Vermittelung
+solcher Menschen zu bedienen, deren heftige Leidenschaften ihre Lehren
+nicht zu bezähmen vermocht hätten, so könne sie dankbar von ihm eine
+Befreiung annehmen, welche auf eigne Hand zu bewerkstelligen ihre
+Grundsätze ihr nicht gestatteten. So waren die meisten von den Tories,
+welche noch immer jeden Gedanken an einen Angriff auf die Regierung
+aufrichtig zurückwiesen, doch keineswegs gemeint, sie zu vertheidigen,
+und freuten sich vielleicht, während sie sich ihrer eigenen
+Gewissensscrupel rühmten, im Stillen darüber, daß nicht Jedermann so
+bedenklich war als sie.</p>
+
+<p>Die Whigs sahen, daß ihre Zeit gekommen war. Ob sie das Schwert gegen
+die Regierung ziehen sollten, war schon seit sechs oder sieben Jahren
+bei ihnen nur noch eine Frage der Klugheit und jetzt gebot ihnen eben
+die Klugheit, einen kühnen Weg einzuschlagen.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_1" id = "noteIX_1" href = "#tagIX_1">1.</a>
+Dieser Umschwung in den Ansichten eines Theiles der Torypartei ist in
+einem Schriftchen, welches zu Anfang des Jahres 1689 unter dem Titel
+erschien: <span class = "antiqua">„A Dialogue betwen Two friends,
+wherein the Church of England is vindicated in joining with the Prince
+of Orange“</span> trefflich dargestellt.</p>
+
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_11" id = "pageIX_11">
+IX.11</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Russell schlägt dem Prinzen von Oranien eine Landung in England
+vor.</span>
+<a name = "secIX_2" id = "secIX_2">Im</a> Mai, vor der Geburt des
+Prinzen von Wales und während es noch ungewiß war, ob die
+Indulgenzerklärung in den Kirchen verlesen werden würde oder nicht,
+hatte sich Eduard Russell nach dem Haag begeben, hatte dem Prinzen von
+Oranien den Zustand der Volksstimmung eindringlich geschildert und
+Seiner Hoheit gerathen, an der Spitze einer starken Truppenmacht in
+England zu erscheinen und das Volk zu den Waffen zu rufen.</p>
+
+<p>Wilhelm hatte die ganze Bedeutung der Krisis auf den ersten Blick
+erkannt. „Jetzt oder nie!“ sagte er auf Lateinisch zu Dykvelt.<a class =
+"tag" name = "tagIX_2" id = "tagIX_2" href = "#noteIX_2">2</a> Gegen
+Russell sprach er sich vorsichtiger aus, gab zu, daß die Leiden des
+Staats von der Art seien, daß sie ein außergewöhnliches Heilmittel
+erheischten, sprach aber sehr ernstlich von dem möglichen Scheitern des
+Unternehmens und von dem Unheil, welches dadurch über Großbritannien und
+über ganz Europa gebracht werden konnte. Er wisse nur zu gut, daß Viele,
+die sich jetzt in hochtönenden Worten bereit erklärten, Gut und Blut dem
+Vaterlande zu opfern, wieder zaghaft werden würden, wenn ihnen die
+Aussicht auf eine Wiederholung der Blutigen Assisen nahe vor Augen
+träte, und er könne sich daher nicht mit unbestimmten Versicherungen von
+Geneigtheit begnügen, sondern verlange bestimmte Einladungen und
+schriftliche Unterstützungszusagen von einflußreichen und bedeutenden
+Männern. Russell bemerkte ihm dagegen, daß es gefährlich sein werde,
+eine größere Anzahl von Personen in den Plan einzuweihen. Wilhelm
+stimmte ihm bei und sagte, daß einige wenige Unterschriften genügen
+würden, wenn es die von Staatsmännern wären, welche große Parteien
+repräsentirten.<a class = "tag" name = "tagIX_3" id = "tagIX_3" href =
+"#noteIX_3">3</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_2" id = "noteIX_2" href = "#tagIX_2">2.</a>
+<span class = "antiqua">„Aut nunc, aut nunquam.“</span> &mdash; Witsen’s
+Handschriften, citirt von Wagenaar, Buch 60.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_3" id = "noteIX_3" href = "#tagIX_3">3.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 763.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Heinrich Sidney.</span>
+<a name = "secIX_3" id = "secIX_3">Mit</a> dieser Antwort kehrte Russell
+nach London zurück, wo er die Aufregung bedeutend gestiegen und noch
+täglich zunehmend fand. Die Einsperrung der Bischöfe und die Entbindung
+der Königin erleichterten ihm seine Aufgabe mehr als er es hätte
+erwarten können. Er eilte die Stimmen der Oberhäupter der Opposition zu
+sammeln und sein Hauptgehülfe bei diesem Geschäft war Heinrich Sidney,
+der Bruder Algernon’s. Es ist ein bemerkenswerther Umstand, daß Eduard
+Russell sowohl als Heinrich Sidney dem Hofstaate Jakob’s angehört
+hatten, daß Beide theils aus politischen, theils aus Privatgründen seine
+Feinde geworden waren und daß Beide das Blut naher Verwandter zu rächen
+hatten, welche in einem und demselben Jahre als Opfer seiner
+unerbittlichen Strenge gefallen waren. Hier endet jedoch die
+Ähnlichkeit. Russel war, bei bedeutenden Fähigkeiten, stolz,
+sarkastisch, ruhelos und heftig. Sidney schien bei sanftem Gemüth und
+einnehmenden Manieren seine besonderen Fähigkeiten und Kenntnisse zu
+besitzen und in Genußsucht und Indolenz versunken zu sein. Von Gesicht
+und Gestalt war er auffallend hübsch. In seiner Jugend war er der
+Schrecken der Ehemänner gewesen und selbst jetzt, dem fünfzigsten Jahre
+nahe, war er noch der Liebling der Frauen und ein Gegenstand des Neides
+für jüngere Männer. Er hatte sich früher in amtlicher Stellung im Haag
+aufgehalten und es war ihm gelungen, sich Wilhelm’s Vertrauen in hohem
+Grade zu erwerben. Viele wunderten sich darüber, denn man hätte glauben
+sollen, daß der ernsteste
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_12" id = "pageIX_12">
+IX.12</a></span>
+Staatsmann und der ausschweifendste Müßiggänger nichts mit einander
+gemein haben könnten. Swift konnte viele Jahre später nicht begreifen,
+daß ein Mann, den er nur als einen wissenschaftlich ungebildeten und
+frivolen alten Wüstling gekannt hatte, wirklich in einer großen
+Revolution eine große Rolle gespielt haben sollte. Doch selbst ein
+minder scharfsichtiger Beobachter als Swift hätte wissen können, daß es
+einen gewissen instinktartigen Takt giebt, der oft großen Rednern und
+Philosophen fehlt, aber oft bei Personen gefunden wird, die man für
+einfältige Menschen erklären würde, wenn man sie nur nach ihren Reden
+und Schriften beurtheilte. In der That, wer diesen Takt besitzt, für den
+ist es in gewissem Sinne ein Vortheil, wenn ihm die glänzenderen Talente
+mangeln, die ihn zu einem Gegenstande der Bewunderung, des Neides und
+der Furcht machen würden. Sidney war ein sprechender Beleg für diese
+Wahrheit. So untüchtig, unwissend und ausschweifend er zu sein schien,
+so erkannte er doch ober fühlte er vielmehr, gegen wen er zurückhaltend
+sein mußte und gegen wen er ohne Gefahr mittheilend sein durfte. In
+Folge dessen leistete er was Mordaunt mit all’ seiner Lebhaftigkeit und
+all’ seinem Erfindungsgeiste oder Burnet mit all’ seinem vielseitigen
+Wissen und seiner fließenden Beredtsamkeit nie hätten ausführen
+können.<a class = "tag" name = "tagIX_4" id = "tagIX_4" href =
+"#noteIX_4">4</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_4" id = "noteIX_4" href = "#tagIX_4">4.</a>
+<span class = "antiqua">Sidney’s Diary and Correspondence, edited by
+<ins class = "correction" title = "Original hat »Blecnowe«">Blencowe</ins></span>; <span class = "antiqua">Mackay’s
+Memoirs</span> und Swift’s Note; <span class = "antiqua">Burnet, I.
+763.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Devonshire.</span>
+<a name = "secIX_4" id = "secIX_4">Bei</a> den alten Whigs konnte es
+keine Schwierigkeiten haben. Ihrer Meinung nach hatte es seit vielen
+Jahren kaum einen Augenblick gegeben, wo die öffentlichen
+Rechtsverletzungen nicht den Widerstand gerechtfertigt hätten.
+Devonshire, der als ihr Oberhaupt betrachtet werden konnte, hatte sowohl
+private als öffentliche Unbilden zu rächen. Er ging mit ganzem Herzen
+auf den Plan ein und bürgte für seine Partei.<a class = "tag" name =
+"tagIX_5" id = "tagIX_5" href = "#noteIX_5">5</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_5" id = "noteIX_5" href = "#tagIX_5">5.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 764</span>; Chiffrirter Brief an
+Wilhelm vom 18. Juni 1688 in Dalrymple.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Shrewsbury. &mdash; Halifax.</span>
+<a name = "secIX_5" id = "secIX_5">Russell</a> theilte den Plan
+Shrewsbury mit und Sidney sondirte Halifax. Shrewsbury entschloß sich
+mit einem Muthe und einer Entschiedenheit, welche späterhin seinem
+Character zu fehlen schienen. Er erklärte sich sofort bereit, sein
+Vermögen, seine Ehre und sein Leben aufs Spiel zu setzen. Halifax aber
+nahm die erste Andeutung des Vorhabens in einer Weise auf, welche
+bewies, daß es nutzlos und vielleicht sogar gefährlich gewesen wäre,
+sich deutlicher auszusprechen. Er war in der That auch nicht der Mann zu
+einem solchen Unternehmen. Sein Geist war unerschöpflich in subtilen
+Unterscheidungen und Einwendungen, sein Temperament friedliebend und
+nicht waghalsig. Er war bereit, dem Hofe im Hause der Lords und durch
+anonyme Schriften bis aufs Äußerste zu opponiren; aber seine vornehme
+Ruhe mit dem unsicheren und bewegten Leben eines Verschwörers zu
+vertauschen, sich in die Gewalt von Mitverschwornen zu geben, in
+beständiger Angst vor Verhaftbefehlen und Königsboten zu leben, ja
+vielleicht gar auf dem Schaffot zu enden, oder in einer Hintergasse im
+Haag von Almosen zu existiren, dazu hatte er wenig Lust. Er äußerte
+daher einige Worte, welche deutlich erkennen ließen, daß er nicht
+wünschte, in die Pläne seiner verwegeneren und ungestümeren Freunde
+eingeweiht zu werden. Sidney verstand ihn und sagte nichts mehr.<a class
+= "tag" name = "tagIX_6" id = "tagIX_6" href = "#noteIX_6">6</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_6" id = "noteIX_6" href = "#tagIX_6">6.</a>
+<span class = "antiqua">Ibid.</span></p>
+
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_13" id = "pageIX_13">
+IX.13</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Danby und der Bischof Compton.</span>
+<a name = "secIX_6" id = "secIX_6">Hierauf</a> wendete man sich nun
+zunächst an Danby und mit weit besserem Erfolg. Für seinen kühnen und
+thatkräftigen Geist hatten Gefahr und Aufregung, welche dem zarter
+organisirten Gemüth Halifax’ unerträglich waren, einen großen Reiz. Die
+verschiedenen Charactere der beiden Staatsmänner waren schon in ihren
+Gesichtszügen zu erkennen. Halifax’ Stirn, Auge und Mund verriethen
+einen ausgezeichneten Verstand und einen ungewöhnlichen Sinn für die
+Satire; aber sein Gesichtsausdruck war der eines Skeptikers, eines
+Sybariten, eines Mannes, der so leicht nicht Alles auf eine Karte setzt
+oder für irgend eine Sache zum Märtyrer wird. Wer sein Gesicht kennt,
+wird sich nicht wundern können, daß der Schriftsteller, der ihm am
+meisten Vergnügen machte, Montaigne war.<a class = "tag" name =
+"tagIX_7" id = "tagIX_7" href = "#noteIX_7">7</a> Danby war ein Skelett;
+sein hageres und faltenreiches, obgleich ansprechendes und edles Gesicht
+verrieth sowohl seine ausgezeichneten Geistesgaben, als auch seinen
+ruhelosen Ehrgeiz. Er hatte sich schon einmal aus der Dunkelheit auf den
+Gipfel der Macht emporgeschwungen und war dann plötzlich von seiner Höhe
+herabgestürzt. Sein Leben war in Gefahr gewesen und er hatte Jahre lang
+im Gefängniß zugebracht. Jetzt war er frei, aber damit war er nicht
+zufrieden, er wollte wieder groß werden. Als treuer Anhänger der
+anglikanischen Kirche und Feind des französischen Übergewichts konnte er
+nicht hoffen, an einem von Jesuiten wimmelnden und dem Hause Bourbon
+ergebenen Hofe etwas Großes zu werden. Wenn er aber eine Hauptrolle in
+einer Revolution übernahm, welche alle Pläne der Papisten vereiteln, der
+langen Vasallenschaft Englands ein Ziel setzen und die königliche Macht
+auf ein erlauchtes Paar übertragen sollte, dessen eheliches Band er
+geknüpft hatte, so konnte er mit neuem Glanze aus seiner Dunkelheit
+hervortreten. Die Whigs, deren Groll ihn neun Jahre früher aus dem Amte
+gestoßen hatte, verbanden bei seinem glücklichen Wiedererscheinen gewiß
+ihren Beifallsjubel mit dem seiner alten Freunde, der Kavaliere. Schon
+hatte er sich mit einem der Ausgezeichnetsten von Denen, welche ihn
+vormals angeklagt hatten, mit dem Earl von Devonshire, vollständig
+wieder ausgesöhnt. Die beiden Kavaliere waren in einem Dorfe im Peak
+zusammengekommen und hatten einander ihrer freundschaftlichen
+Gesinnungen versichert. Devonshire hatte offen eingestanden, daß die
+Whigs sich einer großen Ungerechtigkeit schuldig gemacht und hatte
+erklärt, daß sie jetzt von ihrem Irrthum überzeugt wären. Auch Danby
+hatte Mancherlei zurückzunehmen. Er hatte einst wirklich oder vorgeblich
+der Lehre vom passiven Gehorsame im weitesten Sinne gehuldigt. Auf seine
+Anregung oder mit seiner Genehmigung war ein Gesetz beantragt worden,
+das, wenn es angenommen worden wäre, alle Diejenigen, die sich weigerten
+eidlich zu erklären, daß sie gewaltsamen Widerstand unter allen
+Umständen für unerlaubt hielten, vom Parlament ausgeschlossen haben
+würde. Aber sein scharfer Verstand, durch die Sorge um das öffentliche
+wie um sein persönliches Wohl vollständig erleuchtet, ließ sich jetzt
+nicht mehr durch solche kindische Trugschlüsse täuschen, wenn dies
+überhaupt jemals der Fall gewesen war. Er erklärte sofort seinen
+Beitritt zu der Verschwörung, und bemühte sich dann, die Mitwirkung
+Compton’s, des
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_14" id = "pageIX_14">
+IX.14</a></span>
+suspendirten Bischofs von London zu gewinnen, was ihm auch ohne
+Schwierigkeit gelang. Kein Prälat war von der Regierung so rücksichtslos
+und ungerecht behandelt worden als Compton, auch hatte kein Prälat
+soviel von einer Revolution zu erwarten als er, denn er war der Erzieher
+der Prinzessin von Oranien gewesen und man glaubte allgemein, daß er ihr
+Vertrauen in hohem Maße genoß. Er hatte wie seine Collegen, so lange er
+noch nicht unterdrückt wurde, entschieden behauptet, daß es ein
+Verbrechen sei, sich gegen den Druck aufzulehnen; seitdem er aber vor
+der Hohen Commission gestanden, war ein neues Licht in ihm
+aufgegangen.<a class = "tag" name = "tagIX_8" id = "tagIX_8" href =
+"#noteIX_8">8</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_7" id = "noteIX_7" href = "#tagIX_7">7.</a>
+In Betreff Montaigne’s siehe Halifax’ Brief an Cotton. Ich weiß nicht,
+ob Halifax’ Kopf in der Westminsterabtei nicht ein richtigeres Bild von
+ihm giebt als alle gemalten oder gestochenen Portraits, die ich von ihm
+gesehen habe.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_8" id = "noteIX_8" href = "#tagIX_8">8.</a>
+Siehe Danby’s Einleitung zu den Actenstücken, die er 1710
+veröffentlichte, so wie auch <span class = "antiqua">Burnet, I.
+764.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Nottingham.</span>
+<a name = "secIX_7" id = "secIX_7">Danby</a> und Compton wünschten
+Beide, sich der Unterstützung Nottingham’s zu versichern. Der ganze Plan
+wurde ihm mitgetheilt und er billigte denselben. Aber schon nach wenigen
+Tagen fing er an besorgt zu werden. Seine Seele war nicht stark genug,
+um sich von anerzogenen Vorurtheilen loszureißen. Er ging von einem
+Geistlichen zum andern, legte ihnen in allgemeinen Ausdrücken
+angenommene Fälle von Tyrannei vor und fragte sie, ob in solchen Fällen
+der Widerstand erlaubt sei. Die Antworten, die er erhielt, vermehrten
+seine Angst. Endlich sagte er seinen Mitverschwornen, daß er nicht
+weiter mit ihnen gehen könne. Wenn sie ihn für fähig hielten, sie zu
+verrathen, so sollten sie ihn umbringen, und er werde sie schwerlich
+deshalb tadeln, denn indem er zurücktrete, nachdem er so weit gegangen
+sei, gebe er ihnen eine Art von Recht über sein Leben. Er versichere
+aber, daß sie von ihm nichts zu fürchten hatten; er werde ihr Geheimniß
+streng bewahren und könne nicht anders als ihnen den besten Erfolg
+wünschen, aber sein Gewissen gestatte ihm nicht, thätigen Antheil an
+einem Aufstande zu nehmen. Sie vernahmen sein Bekenntniß mit Argwohn und
+Verachtung. Sidney, der sehr unbestimmte Begriffe von Gewissensscrupeln
+hatte, benachrichtigte den Prinzen, daß Nottingham Angst bekommen habe.
+Man ist es jedoch Nottingham schuldig, zu sagen, daß sein allgemeiner
+Lebenswandel uns zu dem Glauben berechtigt, daß er bei dieser
+Gelegenheit durchaus rechtschaffen, wenn auch höchst unklug und
+unentschlossen handelte.<a class = "tag" name = "tagIX_9" id = "tagIX_9"
+href = "#noteIX_9">9</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_9" id = "noteIX_9" href = "#tagIX_9">9.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 764</span>; Sidney an den Prinzen von
+Oranien, 30. Juni 1688, in Dalrymple.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Lumley.</span>
+<a name = "secIX_8" id = "secIX_8">Einen</a> vollständigeren Erfolg
+hatten die Agenten des Prinzen bei Lord Lumley, der wohl wußte, daß er
+trotz des hochwichtigen Dienstes, den er zur Zeit des Aufstandes im
+Westen geleistet, in Whitehall nicht blos als Ketzer, sondern als
+Renegat verhaßt war, und der sich daher mehr als die meisten gebornen
+Protestanten danach sehnte, zur Vertheidigung des Protestantismus die
+Waffen zu ergreifen.<a class = "tag" name = "tagIX_10" id = "tagIX_10"
+href = "#noteIX_10">10</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_10" id = "noteIX_10" href = "#tagIX_10">10.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 763</span>; Lumley an Wilhelm, 31.
+Mai 1688 in Dalrymple.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Absendung der Einladung an Wilhelm.</span>
+<a name = "secIX_9" id = "secIX_9">Im</a> Monat Juni hatten die ins
+Geheimniß Eingeweihten häufige Zusammenkünfte, und am Letzten dieses
+Monats, dem Tage, an welchem die Bischöfe für nichtschuldig erklärt
+wurden, geschah endlich der entscheidende Schritt. Es wurde eine von
+Sidney geschriebene, aber von einer in der Abfassung derartiger Aufsätze
+geübteren Person entworfene förmliche Einladung nach dem Haag
+abgeschickt. In diesem Schreiben wurde Wilhelm versichert, daß neunzehn
+Zwanzigstel des englischen Volks sich nach einer Änderung sehnten und
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_15" id = "pageIX_15">
+IX.15</a></span>
+sich gern zur Herbeiführung einer solchen verbinden würden, wenn sie den
+Beistand einer solchen auswärtigen Macht erlangen könnten, welche die
+sich in Waffen Erhebenden vor der Gefahr sichere, zerstreut und
+niedergehauen zu werden, ehe sie sich in irgend einer militairischen
+Ordnung formiren könnten. Wenn Seine Hoheit an der Spitze eines
+Truppencorps in England erschiene, würden viele Tausende zu seinen
+Fahnen eilen, und er würde bald über eine der regulären Armee Englands
+weit überlegene Streitmacht zu verfügen haben. Überdies könne sich die
+Regierung selbst auf diese Armee nicht unbedingt verlassen. Die
+Offiziere seien unzufrieden und die gemeinen Soldaten theilten den
+Widerwillen gegen den Papismus, der in dem Stande, welchem sie
+angehörten, allgemein sei. Bei der Seemacht sei die protestantische
+Gesinnung noch allgemeiner. Es sei daher von Wichtigkeit, daß ein
+entscheidender Schritt geschehe, so lange sich die Dinge in diesem
+Zustande befänden. Das Unternehmen würde viel schwieriger sein, wenn es
+verschoben würde, bis der König durch Umgestaltung der Wahlkörper und
+der Regimenter sich ein Parlament und ein Heer gebildet habe, auf die er
+sich verlassen könnte. Die Verschwornen baten demnach den Prinzen
+dringend, so schleunig als möglich zu ihnen zu kommen. Sie gaben ihr
+Ehrenwort darauf, daß sie sich ihm anschließen würden und machten sich
+anheischig, die Mitwirkung einer so großen Anzahl Personen zu erlangen,
+als man ohne Gefahr in ein so wichtiges und gefährliches Geheimniß
+ziehen könne. Über einen Punkt hielten sie es für ihre Pflicht, Seiner
+Hoheit eine Vorstellung zu machen. Er habe die Meinung der großen Masse
+der Engländer über die kürzliche Geburt eines Prinzen nicht zu seinem
+Vortheile benutzt, sondern im Gegentheil Glückwünsche nach Whitehall
+gesandt, wodurch es scheinen müsse, als ob das Kind, welches den Namen
+eines Prinzen von Wales bekommen habe, der rechtmäßige Erbe des Thrones
+sei. Dies sei ein großer Fehler gewesen und habe den Eifer abgekühlt.
+Nicht Einer unter Tausend zweifle daran, daß der Knabe untergeschoben
+sei und der Prinz würde seinen Vortheil nicht richtig erkennen, wenn er
+nicht die verdächtigen Umstände, welche die Niederkunft der Königin
+begleitet hätten, unter den Gründen für seine bewaffnete Erhebung obenan
+stelle.<a class = "tag" name = "tagIX_11" id = "tagIX_11" href =
+"#noteIX_11">11</a></p>
+
+<p>Dieses Schreiben war mit den Namenschiffern der sieben Oberhäupter
+der Verschwörung, Shrewsbury, Devonshire, Danby, Lumley, Compton,
+Russell und Sidney, unterzeichnet. Herbert übernahm das Amt des
+Überbringers. Seine Sendung war mit nicht geringer Gefahr verknüpft. Er
+legte die Tracht eines gemeinen Matrosen an und erreichte am Freitag
+nach dem Prozesse der Bischöfe die niederländische Küste. Er eilte
+augenblicklich zu dem Prinzen. Bentinck und <ins class = "correction"
+title = "ungeändert: anderswo »Dykvelt«">Dyckvelt</ins> wurden gerufen
+und es vergingen mehrere Tage unter Berathungen. Das erste Resultat
+dieser Berathungen war, daß das Gebet für den Prinzen von Wales nicht
+mehr in der Kapelle des Prinzen verlesen wurde.<a class = "tag" name =
+"tagIX_12" id = "tagIX_12" href = "#noteIX_12">12</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_11" id = "noteIX_11" href = "#tagIX_11">11.</a>
+Siehe die ausführliche Einladung bei Dalrymple.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_12" id = "noteIX_12" href = "#tagIX_12">12.</a>
+Sidney’s Brief an Wilhelm, 30. Juni 1688; Avaux, 11.(21.), 12.(22.)
+Juli.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Mariens Verhalten.</span>
+<a name = "secIX_10" id = "secIX_10">Von</a> Seiten seiner Gemahlin
+hatte Wilhelm keine Opposition zu fürchten. Er übte eine unbeschränkte
+Gewalt über ihren Geist aus und, was noch merkwürdiger war, er hatte
+ihre ganze Zuneigung gewonnen. Er ersetzte ihr die Eltern, die sie durch
+den Tod
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_16" id = "pageIX_16">
+IX.16</a></span>
+und durch Entfremdung verloren hatte, die Kinder, die ihren Gebeten
+versagt worden, und das Vaterland, aus dem sie verbannt war. Er theilte
+die Herrschaft über ihr Herz nur mit ihrem Gott. An ihrem Vater hatte
+sie wahrscheinlich nie mit Liebe gehangen, sie hatte ihn in früher
+Jugend verlassen, seit vielen Jahren hatte sie ihn nicht gesehen und
+sein Benehmen gegen sie seit ihrer Vermählung hatte weder Zärtlichkeit
+von seiner Seite verrathen noch in ihr ein derartiges Gefühl erwecken
+können. Er hatte alles Mögliche gethan, um ihr häusliches Glück zu
+stören und unter ihrem Dache ein förmliches System von Spioniererei,
+Aushorcherei und Angeberei eingeführt. Er bezog größere Einkünfte als
+irgend einer seiner Vorgänger und bewilligte ihrer jüngeren Schwester
+ein regelmäßiges Jahrgehalt von vierzigtausend Pfund;<a class = "tag"
+name = "tagIX_13" id = "tagIX_13" href = "#noteIX_13">13</a> die
+muthmaßliche Erbin seines Thrones aber hatte nie die geringste
+Geldunterstützung von ihm erhalten und war kaum im Stande, den ihrem
+hohen Range unter den europäischen Fürstinnen zukommenden Aufwand zu
+machen. Sie hatte es gewagt, sich für ihren alten Freund und Lehrer
+Compton bei ihm zu verwenden, der von seinen bischöflichen Functionen
+suspendirt worden war, weil er sich geweigert hatte, eine Handlung
+empörender Ungerechtigkeit zu begehen, aber ihre Fürsprache war ungnädig
+abgewiesen werden.<a class = "tag" name = "tagIX_14" id = "tagIX_14"
+href = "#noteIX_14">14</a> Von dem Tage an, wo es sich klar
+herausgestellt hatte, daß sie und ihr Gemahl entschlossen waren, sich
+bei dem Umsturze der englischen Verfassung nicht zu betheiligen, war es
+ein Hauptzweck der Politik Jakob’s gewesen, sie Beide zu kränken. Er
+hatte die britischen Regimenter aus Holland zurückberufen, er hatte mit
+Tyrconnel und mit Frankreich gegen Mariens Rechte conspirirt und
+Anstalten getroffen, um sie wenigstens einer der drei Kronen zu
+berauben, auf welche sie bei seinem Tode Anspruch gehabt haben würde.
+Jetzt glaubte die große Masse seines Volks und viele Personen von hohem
+Range und ausgezeichneten Fähigkeiten, daß er einen unächten Prinzen von
+Wales in die königliche Familie eingeschmuggelt habe, um sie eines
+reichen Erbtheils zu berauben, und man konnte nicht zweifeln, daß auch
+sie den herrschenden Argwohn theilte. Einen solchen Vater konnte sie
+unmöglich lieben. Ihre religiösen Grundsätze waren allerdings so streng,
+daß sie sich wahrscheinlich bemüht haben würde, das was sie für ihre
+Pflicht hielt, auch gegen einen nicht geliebten Vater zu erfüllen. In
+dem vorliegenden Falle aber war sie der Meinung, daß Jakob’s Anrecht auf
+ihren Gehorsam einem geheiligteren Anrechte weichen müsse. In der That
+stimmen alle Theologen und Publicisten darin überein, daß, wenn die
+Tochter des Fürsten eines Landes mit dem Fürsten eines andren Landes
+vermählt ist, sie ihr eignes Volk und ihr Vaterhaus vergessen und im
+Falle eines Bruches zwischen ihrem Gemahl und ihren Eltern auf die Seite
+des Ersteren treten muß. Dies ist die feststehende Regel, selbst wenn
+der Gatte im Unrecht wäre; in Mariens Augen aber war das von Wilhelm
+beabsichtigte Unternehmen nicht nur gerecht, sondern heilig.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_13" id = "noteIX_13" href = "#tagIX_13">13.</a>
+Bonrepaux, 18.(28.) Juli 1687.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_14" id = "noteIX_14" href = "#tagIX_14">14.</a>
+Birch’s Auszüge im Britischen Museum.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Schwierigkeiten der Unternehmung Wilhelm’s.</span>
+<a name = "secIX_11" id = "secIX_11">Obgleich</a> sie es aber sorgfältig
+vermied, irgend etwas zu thun oder zu sagen, was die ihm
+entgegenstehenden Schwierigkeiten vermehren konnte, so
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_17" id = "pageIX_17">
+IX.17</a></span>
+waren diese Schwierigkeiten doch sehr ernster Art. Sie wurden jedoch
+selbst von Einigen von Denen, die ihn einluden hinüberzukommen, nur
+unvollkommen begriffen, und sind auch von einigen Geschichtsschreibern
+der Unternehmung nur unvollkommen geschildert worden.</p>
+
+<p>Die Hindernisse, welche er auf englischem Boden zu erwarten hatte,
+waren zwar die mindest furchtbaren, die der Ausführung seines Planes
+entgegenstanden, waren aber doch auch sehr ernst. Er sah wohl ein, daß
+es Wahnsinn gewesen wäre, nach dem Beispiele Monmouth’s mit einigen
+wenigen britischen Abenteurern über das Meer zu fahren und auf eine
+allgemeine Erhebung der Bevölkerung zu rechnen. Es war nothwendig und
+wurde von Allen, die ihn einluden, als nothwendig erkannt, daß er eine
+Armee mitbrachte. Aber wer konnte für den Eindruck stehen, den das
+Erscheinen einer solchen Armee machen würde? Die Regierung war
+allerdings mit Recht verhaßt, aber ließ sich wohl erwarten, daß das an
+die Einmischung festländischer Mächte in englische Streitigkeiten nicht
+gewohnte englische Volk einen von fremden Soldaten umgebenen Befreier
+mit wohlwollendem Auge betrachten würde? Wenn nur ein Theil der
+königlichen Truppen dem Eindringenden entschlossenen Widerstand
+entgegensetzte, würde dieser Theil nicht bald die vaterländischen
+Sympathien von Millionen auf seiner Seite haben? Eine Niederlage würde
+dem ganzen Unternehmen verderblich geworden sein. Ein blutiger Sieg der
+Söldlinge der Generalstaaten über die Coldstreamgarden und die Buffs im
+Herzen der Insel wäre fast ein eben so großes Unglück gewesen als eine
+Niederlage. Ein solcher Sieg würde die schmerzlichste Wunde gewesen
+sein, welche je dem Nationalstolze einer der stolzesten Nationen
+geschlagen worden. Die so eroberte Krone hätte nie in Ruhe und Frieden
+getragen werden können. Der Haß, mit dem man die Hohe Commission und die
+Jesuiten betrachtete, wäre durch den viel stärkeren Haß gegen fremde
+Eroberer verdrängt worden, und Viele, die seither auf Frankreichs Macht
+mit Furcht und Abscheu geblickt hatten, würden gesagt haben, daß wenn
+nun einmal ein fremdes Joch getragen werden müsse, das französische
+weniger schimpflich sei als das holländische.</p>
+
+<p>Diese Betrachtungen hätten Wilhelm wohl bedenklich machen können,
+selbst wenn ihm alle militairischen Hülfsmittel der Vereinigten
+Provinzen zur unumschränkten Verfügung gestanden hätten. In Wirklichkeit
+aber schien es sehr zweifelhaft, ob er die Unterstützung eines einzigen
+Bataillons würde erlangen können. Von allen Schwierigkeiten, mit denen
+er zu kämpfen hatte, war die größte, obgleich von den englischen
+Geschichtsschreibern wenig beachtete, die, welche in der Verfassung der
+batavischen Republik selbst lag. Noch nie hatte ein großer Staat unter
+einer so unzweckmäßigen Verfassung eine lange Reihe von Jahren existirt.
+Die Generalstaaten konnten ohne die Zustimmung der Staaten jeder
+einzelnen Provinz weder Krieg noch Frieden beschließen, weder ein
+Bündniß eingehen, noch eine Steuer erheben. Und die Provinzialstaaten
+konnten wieder ihre Zustimmung nicht ohne die Zustimmung derjenigen
+Municipalitäten geben, welche einen Antheil an der Vertretung hatten.
+Jede Municipalität war gleichsam ein souverainer Staat und beanspruchte
+als solcher das Recht, mit den fremden Gesandten direct zu verkehren und
+mit ihnen die Mittel zur Vereitelung von Plänen zu verabreden, welche
+andere Municipalitäten <ins class = "correction" title = "Original hat »beachsichtigten«">beabsichtigten</ins>. In einigen Stadträthen hatte
+die Partei, welche mehrere Generationen hindurch den Einfluß der
+Stadthalter mit
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_18" id = "pageIX_18">
+IX.18</a></span>
+eifersüchtigem Auge ansah, ein große Masse. An der Spitze dieser Partei
+standen die Behörden der stolzen Stadt Amsterdam, welche damals in ihrer
+höchsten Blüthe war. Sie hatten seit dem Frieden von Nymwegen mit Ludwig
+durch die Vermittelung seines geschickten und thätigen Gesandten, des
+Grafen von Avaux, stets einen freundschaftlichen Verkehr unterhalten.
+Vorschläge, die der Statthalter als zum Wohle der Republik unumgänglich
+nöthig beantragt, die von allen Provinzen außer Holland und von siebzehn
+unter den achtzehn holländischen Stadträthen genehmigt worden, waren
+schon mehr als einmal durch die einzige Stimme Amsterdam’s verworfen
+worden. Das einzige verfassungsgemäße Hülfsmittel in solchen Fällen
+bestand darin, daß Deputationen von den zustimmenden Städten der
+andersmeinenden Stadt einen Besuch machten, um sie womöglich zu
+überreden. Die Anzahl der Deputirten war unbeschränkt, sie konnten ihre
+Vorstellungen so lange fortsetzen, als es ihnen gutdünkte, und
+währenddem mußte die starrsinnige Commun, die sich ihren Gründen nicht
+fügen wollte, für ihren Unterhalt sorgen. Dieses abgeschmackte
+Zwangsmittel war einmal mit Erfolg gegen die kleine Stadt Gorkum
+angewendet worden, machte aber voraussichtlich keinen großen Eindruck
+auf das mächtige und reiche Amsterdam, das durch seinen von zahllosen
+Masten strotzenden Hafen, durch seine von stattlichen Gebäuden
+eingefaßten Kanäle, durch seine prächtige Stadthalle mit Wänden, Decken
+und Fußböden von polirtem Marmor, durch seine mit den kostbarsten
+Producten Ceylon’s und Surinam’s gefüllten Waarenmagazine und seine
+Börse, in der das endlose Summen aller Sprachen der civilisirten Völker
+ertönte, in der ganzen Welt berühmt war.<a class = "tag" name =
+"tagIX_15" id = "tagIX_15" href = "#noteIX_15">15</a></p>
+
+<p>Die Streitigkeiten zwischen der Majorität, welche den Statthalter
+unterstützte, und der Minorität, zu deren Spitze der Magistrat von
+Amsterdam stand, waren schon mehrmals so heftig geworden, daß
+Blutvergießen unvermeidlich zu sein schien. Einmal hatte der Prinz den
+Versuch gemacht, die widerspenstigen Deputirten als Verräther bestrafen
+zu lassen. Ein andermal waren ihm die Thore von Amsterdam versperrt und
+Truppen zur Vertheidigung der Privilegien des Municipalraths ausgehoben
+worden. Es war nicht zu erwarten, daß die obrigkeitliche Behörde dieser
+großen Stadt je in eine Expedition willigen würde, welche für Ludwig,
+dem sie den Hof machte, im höchsten Grade beleidigend war und
+voraussichtlich das ihr verhaßte Haus Oranien zu größerer Macht erhob.
+Und doch konnte eine solche Expedition ohne ihre Einwilligung gesetzlich
+nicht unternommen werden. Ihren Widerstand durch Waffengewalt zu
+brechen, war ein Mittel, daß der entschlossene und kühne Statthalter
+unter anderen Umständen nicht gescheut haben würde. In vorliegendem
+Falle aber war es von höchster Wichtigkeit, daß er sorgfältig jeden
+Schritt vermied, der als tyrannisch dargestellt werden konnte. Er durfte
+es nicht wagen, in demselben Augenblicke, wo er gegen seinen
+Schwiegervater das Schwert zog, weil dieser die Grundgesetze Englands
+verletzt hatte, die Grundgesetze Holland’s zu verletzen. Der gewaltsame
+Umsturz einer freien Verfassung würde ein sonderbares Vorspiel zur
+gewaltsamen Aufrichtung einer andren gewesen sein.<a class = "tag" name
+= "tagIX_16" id = "tagIX_16" href = "#noteIX_16">16</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_19" id = "pageIX_19">
+IX.19</a></span>
+<p>Außerdem gab es noch eine andre Schwierigkeit, welche von den
+englischen Geschichtschreibern zu wenig beachtet worden ist, die aber
+Wilhelm nicht einen Augenblick aus dem Gesicht verlor. Er konnte das
+beabsichtigte Unternehmen nur dann glücklich durchführen, wenn er an das
+protestantische Gefühl Englands appellirte und dieses Gefühl so kräftig
+anspornte, daß es eine Zeit lang das vorherrschende und fast
+ausschließliche Gefühl der Nation würde. Dies würde in der That eine
+sehr einfaches Verfahren gewesen sein, hätte seine Politik einzig und
+allein dahin gezielt, auf unsrer Insel eine Revolution hervorzurufen und
+daselbst zu regieren. Aber er hatte ein andres Endziel vor Augen, das er
+nur mit Beihülfe von Fürsten, welche der römischen Kirche aufrichtig
+ergeben waren, erreichen konnte. Er wollte das deutsche Reich, den
+katholischen König und den heiligen Stuhl mit England und Holland zu
+einem Bündnisse gegen das Übergewicht Frankreichs vereinigen, daher war
+es nöthig, daß er, während er den gewaltigsten Schlag führte, der je zur
+Vertheidigung des Protestantismus geführt worden war, sich das
+Wohlwollen von Regierungen zu erhalten suchte, welche den
+Protestantismus als eine gefährliche Ketzerei betrachteten.</p>
+
+<p>Dies waren die verwickelten Schwierigkeiten dieses großen
+Unternehmens. Staatsmänner des Continents erkannten einen Theil dieser
+Schwierigkeiten, britische Staatsmänner einen andren. Nur ein
+scharfblickender und gewaltiger Geist übersah sie mit einem einzigen
+Blicke und beschloß sie alle zu überwinden. Es war kein leichtes Ding,
+die englische Regierung vermittelst einer fremden Heeresmacht zu
+stürzen, ohne den Nationalstolz der Engländer zu verwunden. Es war kein
+leichtes Ding, von der batavischen Faction, welche Frankreich mit
+Vorliebe und das Haus Oranien mit Widerwillen betrachtete, eine
+Entscheidung zu Gunsten einer Expedition zu erlangen, die alle Pläne
+Frankreichs über den Haufen warf und das Haus Oranien auf den Gipfel der
+Größe erheben mußte. Es war kein leichtes Ding, begeisterte Protestanten
+zu einem Kreuzzuge gegen den Papismus zu führen, und sich trotzdem die
+Freundschaft fast aller papistischen Regierungen und des Papstes selbst
+zu erhalten. Doch alles dies führte Wilhelm aus. Er erreichte alle seine
+Zwecke, selbst die, welche sich am wenigsten mit einander zu vertragen
+schienen, vollständig und zu gleicher Zeit. Die ganze Geschichte der
+alten wie der neuen Zeit berichtet keinen zweiten ähnlichen Triumph der
+Staatskunst.</p>
+
+<p>Die Aufgabe würde allerdings selbst für einen solchen Staatsmann wie
+der Prinz von Oranien zu schwierig gewesen sein, wären nicht seine
+Hauptgegner damals in einer Bethörung befangen gewesen, welche von
+vielen gerade nicht abergläubischen Leuten als eine besondere göttliche
+Strafe betrachtet wurde. Nicht nur der König von England war wie immer
+verblendet und verkehrt, sondern selbst die Räthe des klugen Königs von
+England waren thöricht geworden. Was Weisheit und Energie irgend
+vermögen, das that Wilhelm. Die Hindernisse aber, welche keine Weisheit
+oder Energie hätte überwinden können, räumten seine Feinde selbst
+geflissentlich aus dem Wege.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_15" id = "noteIX_15" href = "#tagIX_15">15.</a>
+<span class = "antiqua">Avaux Neg., Oct. 29. (Nov. 8.) 1683</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_16" id = "noteIX_16" href = "#tagIX_16">16.</a>
+In Betreff des Verhältnisses, in welchem der Statthalter und die Stadt
+Amsterdam zu einander standen, siehe Avaux an mehreren Stellen.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob’s Benehmen nach dem Prozesse der Bischöfe.</span>
+<a name = "secIX_12" id = "secIX_12">An</a> dem wichtigen Tage, an
+welchem die Bischöfe freigesprochen und die Einladung nach dem Haag
+abgesandt wurde, kehrte Jakob in verdrüßlicher und gereizter Stimmung
+von Hounslow nach Westminster zurück. Er
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_20" id = "pageIX_20">
+IX.20</a></span>
+<ins class = "correction" title = "Original hat »be-/bemühte« am Seitenende">bemühte </ins> sich diesen Nachmittag heiter zu scheinen;<a
+class = "tag" name = "tagIX_17" id = "tagIX_17" href =
+"#noteIX_17">17</a> aber die Freudenfeuer, die Raketen und vor Allem die
+wächsernen Päpste, welche in allen Stadttheilen Londons leuchteten,
+waren eben nicht geeignet, ihn zu erheitern. Wer ihn am andren Morgen
+sah, konnte in seinen Zügen und in seiner Haltung ohne Mühe die heftigen
+Gemüthsbewegungen erkennen, die in seiner Brust tobten.<a class = "tag"
+name = "tagIX_18" id = "tagIX_18" href = "#noteIX_18">18</a> Einige Tage
+lang schien er sehr ungern von dem Prozeß zu sprechen, so daß selbst
+Barillon es nicht wagen durfte, die Sache zur Sprache zu bringen.<a
+class = "tag" name = "tagIX_19" id = "tagIX_19" href =
+"#noteIX_19">19</a></p>
+
+<p>Bald begann es sich klar zu zeigen, daß die Niederlage und
+Demüthigung das Herz des Königs nur noch mehr verhärtet hatte. Die
+ersten Worte, die über seine Lippen kamen, als er erfuhr, daß die
+Gegenstände seiner Rache ihm entschlüpft, waren: „Sie sollen es
+bereuen!“ Schon nach wenigen Tagen wurde der Sinn dieser Worte, die er
+seiner Gewohnheit nach sehr häufig wiederholte, vollkommen klar. Er
+machte sich Vorwürfe, nicht darüber, daß er die Bischöfe gerichtlich
+verfolgt, sondern daß er sie vor ein Tribunal gestellt hatte, wo die
+factischen Fragen durch Geschworne entschieden wurden und die
+feststehenden Rechtsgrundsätze auch von den servilsten Richtern nicht
+gänzlich aus den Augen gelassen werden konnten. Diesen Fehler beschloß
+er wieder gut zu machen. Nicht nur die sieben Prälaten, welche die
+Petition unterzeichnet hatten, sondern die gesammte anglikanische
+Geistlichkeit sollte Ursache haben, den Tag zu verwünschen, an welchem
+sie einen Sieg über ihren Landesherrn davon getragen. Etwa vierzehn Tage
+nach dem Prozeß wurde eine Kabinetsordre erlassen, welche allen
+Diöcesankanzlern und Archidiakonen anbefahl, in ihren betreffenden
+Sprengeln eine strenge Untersuchung vorzunehmen und binnen fünf Wochen
+der Hohen Commission die Namen aller derjenigen Pfarrer, Vikare und
+Curaten aufzugeben, welche die Indulgenzerklärung nicht verlesen
+hatten.<a class = "tag" name = "tagIX_20" id = "tagIX_20" href =
+"#noteIX_20">20</a> Der König weidete sich schon im voraus an dem
+Entsetzen, mit dem die Ungehorsamen vernehmen würden, daß sie vor ein
+Tribunal gestellt werden sollten, von dem sie keine Gnade zu erwarten
+hatten.<a class = "tag" name = "tagIX_21" id = "tagIX_21" href =
+"#noteIX_21">21</a> Die Anzahl der Schuldigen betrug wenig unter, wenn
+nicht volle zehntausend und nach dem, was im Magdalenen-Collegium
+geschehen war, konnte jeder von ihnen mit gutem Grunde darauf gefaßt
+sein, daß ihm die Ausübung aller seiner geistlichen Functionen
+untersagt, daß er aus seiner Pfründe vertrieben, zur Bekleidung irgend
+eines andren Amtes für unfähig erklärt und in die Kosten des Prozesses
+verurtheilt würde, der ihn zum Bettler gemacht.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_17" id = "noteIX_17" href = "#tagIX_17">17.</a>
+Adda, 6.(16.) Juli 1688.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_18" id = "noteIX_18" href = "#tagIX_18">18.</a>
+<span class = "antiqua">Reresby’s Memoirs</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_19" id = "noteIX_19" href = "#tagIX_19">19.</a>
+Barillon, 2.(12.) Juli 1688.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_20" id = "noteIX_20" href = "#tagIX_20">20.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, July 16. 1688</span>. Die
+Kabinetsordre ist vom 12. Juli datirt.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_21" id = "noteIX_21" href = "#tagIX_21">21.</a>
+Barillon’s eigene Worte 6.(16.) Juli 1688.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Entlassungen und Ernennungen.</span>
+<a name = "secIX_13" id = "secIX_13">Dies</a> war die Verfolgung, durch
+welche Jakob im Ärger über seine große Niederlage in Westminsterhall die
+Geistlichkeit zu züchtigen beschloß. Vor der Hand bemühte er sich, den
+Männern des Gesetzes durch rasche und ausgedehnte Vertheilung von
+Belohnungen und Strafen zu zeigen, daß consequente und schamlose
+Servilität, wenn sie auch nicht zum Ziele führte, ein sicheres Anrecht
+auf seine Gunst verleihe und daß Jeder, der nach jahrelanger
+Unterwürfigkeit nur einen Augenblick auf den Pfad des Muthes
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_21" id = "pageIX_21">
+IX.21</a></span>
+und der Rechtschaffenheit überzuspringen wagte, sich eines
+unverzeihlichen Verbrechens schuldig mache. Die Heftigkeit und
+Frechheit, welche der Renegat Williams während des ganzen Prozesses der
+Bischöfe an den Tag gelegt, hatte ihn der ganzen Nation verhaßt
+gemacht.<a class = "tag" name = "tagIX_22" id = "tagIX_22" href =
+"#noteIX_22">22</a> Er wurde mit dem Baronettitel belohnt. Holloway und
+Powell hatten ihren Ruf durch die Erklärung gehoben, daß die Petition
+ihrer Ansicht nach kein Libell sei. Sie wurden ihrer Stellen entsetzt.<a
+class = "tag" name = "tagIX_23" id = "tagIX_23" href =
+"#noteIX_23">23</a> Wright’s Schicksal scheint einige Zeit zweifelhaft
+gewesen zu sein. Er hatte zwar gegen die Bischöfe resumirt, hatte es
+aber geduldet, daß ihr Rechtsbeistand die Dispensationsgewalt bestritt;
+er hatte die Petition ein Libell genannt, es aber sorgfältig vermieden,
+die Indulgenzerklärung gesetzlich zu nennen, und während der ganzen
+Verhandlung hatte er in dem Tone eines Mannes gesprochen, welcher wußte,
+daß ein Tag der Rechenschaft kommen konnte. Allerdings hatte er auch
+gegründete Ansprüche auf Nachsicht, denn es war wohl kaum zu erwarten,
+daß irgend eines Menschen Frechheit in einer solchen Aufgabe, angesichts
+einer solchen Barre und eines solchen Auditoriums von Anfang bis zu Ende
+hätte aushalten können, ohne zu erschlaffen. Die Mitglieder der
+jesuitischen Cabale tadelten ihn jedoch wegen seines Mangels an Muth;
+der Kanzler nannte ihn einen Esel und man glaubte allgemein, daß ein
+neuer Oberrichter ernannt werden würde.<a class = "tag" name =
+"tagIX_24" id = "tagIX_24" href = "#noteIX_24">24</a> Aber es fand keine
+derartige Veränderung statt. Es würde auch nicht leicht gewesen sein,
+Wright’s Stelle wieder zu besetzen. Die vielen Juristen, welche in
+Talenten und Kenntnissen hoch über ihm standen, waren fast ohne Ausnahme
+den Plänen der Regierung feindlich gesinnt; und die sehr wenigen, die
+ihn in Gewissenlosigkeit und Frechheit übertrafen, waren fast ohne
+Ausnahme nur in den untersten Schichten ihres Standes zu finden und
+würden unfähig gewesen sein, nur die gewöhnlichen Geschäfte des
+Kingsbenchgerichts zu leiten. Williams vereinigte allerdings alle
+Eigenschaften in sich, welche Jakob von einem hohen Gerichtsbeamten
+verlangte, aber seiner Dienste bedurfte man bei der Staatsanwaltschaft
+und wäre er von derselben entfernt worden, so würde der Krone nicht der
+Beistand eines Advokaten dritten Ranges geblieben sein.</p>
+
+<p>Nichts hatte den König mehr in Erstaunen gesetzt und gekränkt, als
+die Begeisterung, welche die Dissenters für die Sache der Bischöfe an
+den Tag legten. Penn, der, obgleich er selbst seinen Gewissensscrupeln
+Reichthum und Ehrenstellen aufgeopfert hatte, zu glauben schien, daß
+außer ihm Niemand ein Gewissen habe, schrieb die Unzufriedenheit der
+Puritaner dem Neide und dem unbefriedigten Ehrgeize zu. Er meinte, sie
+hätten keinen Antheil an den durch die Indulgenzerklärung verheißenen
+Wohlthaten gehabt, keiner von ihnen sei zu einem hohen und ehrenvollen
+Posten berufen worden, und es sei daher kein Wunder, daß sie auf die
+Katholiken eifersüchtig wären. In Folge dessen wurde acht Tage nach dem
+hochwichtigen Verdict der Geschwornen in Westminsterhall, Silas
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_22" id = "pageIX_22">
+IX.22</a></span>
+Titus, ein angesehener Presbyterianer, ein heftiger Exclusionist und
+einer der Hauptankläger Stafford’s, eingeladen, einen Sitz im Geheimen
+Rathe einzunehmen. Er gehörte zu Denen, auf welche die Opposition am
+sichersten gerechnet hatte. Aber die ihm jetzt angetragene Ehre und die
+Aussicht eine bedeutende Summe zu erhalten, die ihm die Krone schuldete,
+gewannen die Oberhand über seine Tugend und er wurde zum großen Ärgerniß
+aller Klassen von Protestanten vereidigt.<a class = "tag" name =
+"tagIX_25" id = "tagIX_25" href = "#noteIX_25">25</a></p>
+
+<p>Die Rachepläne des Königs gegen die Kirche gingen nicht in Erfüllung.
+Fast sämmtliche Archidiakonen und Diöcesankanzler verweigerten die
+verlangten Angaben. Der Tag, an welchem die ganze Masse der Geistlichen
+vorgeladen werden sollte, um sich wegen ihres Ungehorsams zu
+verantworten, kam heran.</p>
+
+<div class = "footnote">
+
+<p><a name = "noteIX_22" id = "noteIX_22" href = "#tagIX_22">22.</a>
+In einer der zahlreichen Balladen jener Zeit kommen folgende Zeilen
+vor:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>„Unsere beiden Briten sind Thoren,</p>
+<p>Die sich gegen das Gesetz verschworen,</p>
+<p>Aber das nächste Parlament wird sie kriegen bei den Ohren.“</p>
+</div>
+
+<p>Die beiden Briten sind Jeffrey’s und Williams, beide aus Wales
+gebürtig.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_23" id = "noteIX_23" href = "#tagIX_23">23.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, July 9. 1688</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_24" id = "noteIX_24" href = "#tagIX_24">24.</a>
+Ellis’ Correspondenz, 10. Juli 1688; <span class = "antiqua">Clarendon’s
+Diary, Aug. 3. 1688</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_25" id = "noteIX_25" href = "#tagIX_25">25.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, July 9. 1688</span>; Adda, 13
+(23.) Juli; <span class = "antiqua">Evelyn’s Diary, July 12</span>;
+Johnstone, 8.(18.) Dec. 1687, 6.(16.) Febr. 1688.</p>
+
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Verfahren der Hohen Commission. Sprat tritt aus.</span>
+<a name = "secIX_14" id = "secIX_14">Die</a> Hohe Commission trat
+zusammen. Es zeigte sich, daß kaum ein kirchlicher Beamter eine Liste
+eingeschickt hatte. Zu gleicher Zeit wurde der Commission eine Schrift
+von der höchsten Bedeutung vorgelegt. Es war ein Schreiben von Sprat,
+dem Bischof von Rochester. Zwei Jahre lang hatte er in der Hoffnung auf
+ein Erzbisthum den Vorwurf ertragen, daß er die Kirche verfolge, deren
+Vertheidigung eine Gewissens- und Ehrenpflicht für ihn war. Aber seine
+Hoffnung war getäuscht worden. Er sah, daß er keine Aussicht hatte, auf
+den Metropolitenthron von York zu gelangen, wenn er nicht seinem Glauben
+entsagte. Er war zu gutherzig, als daß er an der Tyrannei hätte Gefallen
+finden können und zu scharfblickend, um nicht die Anzeichen der
+kommenden Vergeltung zu erkennen. Daher beschloß er, seine gehässigen
+Functionen niederzulegen, und er theilte diesen Entschluß seinen
+Collegen in einem Schreiben mit, das gleich allen Erzeugnissen seiner
+Prosa in einem sehr eleganten und würdevollen Style abgefaßt war. Er
+sagte, es sei ihm nicht möglich, noch länger Mitglied der Commission zu
+bleiben. Er habe zwar selbst aus Gehorsam gegen den königlichen Befehl
+die Erklärung verlesen, aber er könne es nicht auf sich nehmen, Tausende
+von frommen und loyalen Geistlichen, die eine andre Ansicht von ihrer
+Pflicht hätten, dazu zu verurtheilen, und da man beschlossen habe, sie
+dafür zu bestrafen, daß sie ihrer Überzeugung gemäß gehandelt, müsse er
+erklären, daß er lieber mit ihnen leiden, als zu ihren Leiden beitragen
+wolle.</p>
+
+<p>Die Commissare lasen das Schreiben mit nicht geringem Erstaunen.
+Gerade die Fehler ihres Collegen, die bekannte Lockerheit seiner
+Grundsätze und seine bekannte Zaghaftigkeit machten seinen Abfall ganz
+besonders beunruhigend. Wenn Männer wie Sprat in der Sprache eines
+Hampden zu einer Regierung redeten, so mußte diese Regierung in der That
+sehr gefährdet sein. Das vor kurzem noch so übermüthige Tribunal wurde
+mit einem Male merkwürdig zahm. Die kirchlichen Beamten, welche seiner
+Autorität getrotzt, erhielten nicht einmal einen Verweis. Man hielt es
+nicht für rathsam, nur den Verdacht zu äußern, daß ihr Ungehorsam
+absichtlich gewesen sei. Es wurde ihnen nur bedeutet, daß ihre Berichte
+in vier Monaten fertig sein müßten. Dann ging die Commission bestürzt
+auseinander. Sie hatte den Todesstoß empfangen.<a class = "tag" name =
+"tagIX_26" id = "tagIX_26" href = "#noteIX_26">26</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_26" id = "noteIX_26" href = "#tagIX_26">26.</a>
+Sprat’s Briefe an den Earl von Dorset; <span class = "antiqua">London
+Gazette, Aug. 23. 1688</span>.</p>
+
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_23" id = "pageIX_23">
+IX.23</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Unzufriedenheit des Klerus. &mdash; Vorgänge in Oxford.</span>
+<a name = "secIX_15" id = "secIX_15">Während</a> die Hohe Commission
+sich vor einem Conflict mit der Kirche scheute, reizte diese im
+Bewußtsein ihrer Stärke und von neuer Begeisterung beseelt, die Hohe
+Commission durch eine Reihe von Herausforderungen zum Angriff. Bald nach
+der Freisprechung der Bischöfe erlag der ehrwürdige Ormond, der
+vornehmste Kavalier aus dem großen Bürgerkriege, den Gebrechlichkeiten
+seines hohen Alters. Sein Tod wurde sogleich nach Oxford berichtet und
+die Universität, deren Kanzler er seit vielen Jahren gewesen war,
+versammelte sich augenblicklich, um einen Nachfolger für ihn zu wählen.
+Ein Theil war für den beredtsamen und gebildeten Halifax, ein andrer für
+den ernsten und orthodoxen Nottingham. Einige erwähnten auch den Earl
+von Abingdon, der in ihrer Nähe wohnte und unlängst seiner Stelle als
+Statthalter der Grafschaft entsetzt worden war, weil er sich geweigert
+hatte, den König in seinen Maßregeln gegen die Landeskirche zu
+unterstützen. Die Mehrheit aber, aus hundertachtzig Graduirten
+bestehend, stimmte für den jungen Herzog von Ormond, den Enkel ihres
+verstorbenen Oberhauptes und Sohn des tapferen Ossory. Die Eil, mit der
+sie zu diesem Beschlusse kamen, hatte ihren Grund in der Besorgniß, daß,
+wenn sie nur einen Tag zögerten, der König es versuchen möchte, ihnen
+einen Kanzler aufzudringen, der ihre Rechte nicht wahren würde. Diese
+Besorgniß war auch gegründet, denn kaum zwei Stunden nachdem sie
+auseinander gegangen waren, kam ein Befehl von Whitehall, der ihnen
+vorschrieb Jeffreys zu wählen. Zum Glück war die Wahl des jungen Ormond
+bereits vollendet und nicht mehr rückgängig zu machen.<a class = "tag"
+name = "tagIX_27" id = "tagIX_27" href = "#noteIX_27">27</a> Einige
+Wochen darauf wurde der ehrlose Timotheus Hall, der sich durch Verlesung
+der Indulgenzerklärung unter der londoner Geistlichkeit ausgezeichnet
+hatte, mit dem Bisthum Oxford belohnt, welches seit dem Tode des nicht
+minder ehrlosen Parker unbesetzt war. Hall kam nach Oxford, um seinen
+Bischofssitz einzunehmen, aber die Canonici seiner Kathedrale weigerten
+sich seiner Einsetzung beizuwohnen, die Universität wollte ihn nicht zum
+Doctor creiren, nicht ein einziges Mitglied der akademischen Jugend
+wendete sich an ihn behufs der Ordination, kein Hut wurde vor ihm
+abgenommen und er war in seinem Palaste beständig allein.<a class =
+"tag" name = "tagIX_28" id = "tagIX_28" href = "#noteIX_28">28</a></p>
+
+<p>Bald darauf kam eine Pfründe zur Erledigung, welche das
+Magdalenen-Collegium von Oxford zu vergeben hatte. Hough und seine
+vertriebenen Collegen versammelten sich und schlugen einen Candidaten
+vor, den der Bischof von Gloucester, in dessen Diöcese die Pfründe lag,
+auch ohne Besinnen einsetzte.<a class = "tag" name = "tagIX_29" id =
+"tagIX_29" href = "#noteIX_29">29</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_27" id = "noteIX_27" href = "#tagIX_27">27.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, July 26. 1688</span>; Adda, 27.
+Juli (6. Aug.); Neuigkeitsbrief vom 23. Juli in der Mackintosh-Sammlung;
+Ellis Correspondenz, 28., 31. Juli. <span class = "antiqua">Wood’s Fasti
+Oxonienses</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_28" id = "noteIX_28" href = "#tagIX_28">28.</a>
+<span class = "antiqua">Wood’s Athenae Oxonienses</span>; <span class =
+"antiqua">Luttrell’s Diary, Aug. 23. 1688.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_29" id = "noteIX_29" href = "#tagIX_29">29.</a>
+Ronquillo, 17.(27.) Sept. 1688; <span class = "antiqua">Luttrell’s
+Diary, Sept. 6.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Unzufriedenheit der Gentry.</span>
+<a name = "secIX_16" id = "secIX_16">Die</a> Gentry war nicht minder
+widerspenstig, als der Klerus. Die Assisen dieses Sommers gewährten im
+ganzen Lande einen noch nie dagewesenen Anblick. Die Richter waren vor
+dem Antritt ihrer Rundreise zum Könige beschieden worden und hatten von
+ihm die Weisung erhalten, daß sie den Mitgliedern der großen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_24" id = "pageIX_24">
+IX.24</a></span>
+Jury’s und den Magistratsbeamten im ganzen Reiche die Pflicht
+einschärfen sollten, nur solche Mitglieder ins Parlament zu wählen, die
+seine Politik unterstützen würden. Sie gehorchten seinem Befehle, ließen
+sich heftig über die Geistlichkeit aus, schmähten die sieben Bischöfe,
+nannten die denkwürdige Petition ein aufrührerisches Libell, kritisirten
+Sancroft’s Styl mit großer Schärfe und sagten, Seine Gnaden sollten für
+ihr schlechtes Englisch vom Doctor Busby ausgepeitscht werden. Diese
+unschicklichen Reden hatten jedoch keine andre Wirkung, als daß sie die
+öffentliche Unzufriedenheit noch vermehrten. Alle öffentlichen
+Achtungsbezeigungen, welche sonst dem richterlichen Amte und der
+königlichen Vollmacht erwiesen worden waren, wurden unterlassen. Die
+alte Sitte verlangte eigentlich, daß angesehene und vermögende Männer im
+Gefolge des Sheriffs ritten, wenn er die Richter nach der Hauptstadt der
+Grafschaft begleitete; jetzt aber hielt es schwer, in irgend einem
+Theile des Landes einen solchen Zug zusammen zu bringen. Besonders die
+Nachfolger Powell’s und Holloway’s wurden mit auffallender
+Geringschätzung behandelt. Ihnen waren die Assisen von Oxford zugefallen
+und sie hatten erwartet, daß sie in jeder Grafschaft von einer Cavalcade
+der loyalen Gentry begrüßt werden würden. Als sie sich aber Wallingford
+näherten, wo sie ihre Sitzungen für Berkshire eröffnen sollten, kam nur
+der Sheriff ihnen entgegen. Auch vor Oxford, der höchst loyalen
+Hauptstadt einer höchst loyalen Provinz, wurden sie abermals von dem
+Sheriff allein bewillkommnet.<a class = "tag" name = "tagIX_30" id =
+"tagIX_30" href = "#noteIX_30">30</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_30" id = "noteIX_30" href = "#tagIX_30">30.</a>
+Ellis’ Correspondenz, 4. 7. Aug. 1688; Bischof Sprat’s Bericht über die
+Conferenz vom 6. Nov. 1688.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Unzufriedenheit der Armee.</span>
+<a name = "secIX_17" id = "secIX_17">Die</a> Armee war kaum weniger
+mißvergnügt, als die Geistlichkeit und die Gentry. Die Besatzung des
+Tower hatte auf das Wohl der gefangenen Bischöfe getrunken. Die in
+Lambeth stehenden Fußgarden hatten den Primas bei seiner Rückkehr in
+seinen Palast mit allen Zeichen der Ehrerbietung bewillkommnet. Nirgends
+war die Nachricht von der Freisprechung mit lauterem Jubel aufgenommen
+worden, als im Lager von Hounslow. Die große Truppenmacht, welche der
+König zusammengezogen hatte, um seine meuterische Hauptstadt im Schach
+zu halten, war in der That meuterischer geworden, als die Hauptstadt
+selbst, und wurde vom Hofe mehr gefürchtet, als von den Bürgern. Anfangs
+August wurde daher das Lager aufgehoben und die Truppen in verschiedenen
+Theilen des Landes einquartirt.<a class = "tag" name = "tagIX_31" id =
+"tagIX_31" href = "#noteIX_31">31</a></p>
+
+<p>Jakob schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß einzelne Bataillone
+leichter im Zaume zu halten sein würden, als viele tausend auf einem
+kleinen Raume zusammengedrängte Soldaten. Das erste Experiment wurde mit
+Lord Lichfield’s Infanterieregiment, dem gegenwärtigen zwölften
+Linienregiment gemacht. Man hatte dieses Regiment wahrscheinlich deshalb
+gewählt, weil es zur Zeit des Aufstandes im Westen in Staffordshire
+ausgehoben worden war, einer Provinz, die verhältnißmäßig mehr
+Katholiken zählte, als irgend ein andrer Theil Englands. Die
+Mannschaften wurden vor dem Könige aufgestellt und ihr Major setzte sie
+in Kenntniß, daß Seine Majestät wünschte, sie sollten eine Verpflichtung
+unterschreiben, durch die sie sich verbindlich machten, ihn bei der
+Ausführung seiner
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_25" id = "pageIX_25">
+IX.25</a></span>
+Absichten bezüglich des Testes zu unterstützen, und daß alle Diejenigen,
+die sich nicht dazu verstehen wollten, auf der Stelle den Militairdienst
+verlassen müßten. Zum großen Erstaunen des Königs legten ganze Reihen
+augenblicklich ihre Piken und Musketen nieder. Nur zwei Offiziere und
+einige Gemeine, sämmtlich Katholiken, gehorchten seinem Befehle. Er
+schwieg eine Weile, dann befahl er den Leuten, daß sie ihre Waffen
+wieder aufnehmen sollten, und sagte mit einem finstren Blicke zu ihnen:
+„Ein andermal werde ich Euch nicht die Ehre erzeigen, Euch erst zu
+fragen.“<a class = "tag" name = "tagIX_32" id = "tagIX_32" href =
+"#noteIX_32">32</a></p>
+
+<p>Es war klar, daß er die Armee vollständig reorganisiren mußte, wenn
+er auf seinen Plänen beharren wollte. Die dazu geeigneten Elemente aber
+konnte er auf unsrer Insel nicht finden. Die Mitglieder seiner Kirche
+bildeten selbst in den Districten, wo sie am zahlreichsten waren, nur
+den bei weitem kleineren Theil der Bevölkerung. Der Haß gegen den
+Papismus hatte sich durch alle Klassen seiner protestantischen
+Unterthanen verbreitet und war das vorherrschende Gefühl selbst der
+Landleute und Handwerker geworden. Aber es gab einen andren Theil seines
+Reichs, wo die Hauptmasse der Bevölkerung von einem ganz andren Geiste
+beseelt war. Die Zahl der römisch-katholischen Soldaten, welche durch
+den guten Sold und die guten Quartiere Englands von jenseit des St.
+Georgskanals herübergelockt werden würden, hatte keine Grenze. Tyrconnel
+hatte sich seit einiger Zeit bemüht, aus dem Landvolke seiner Heimath
+eine Heeresmacht zu bilden, auf die sein Gebieter sich verlassen konnte.
+Fast die ganze irische Armee bestand schon aus Papisten von celtischer
+Abkunft und Sprache. Barillon hatte dem Könige schon öfters ernstlich
+gerathen, diese Armee herüberkommen zu lassen, um der englischen Respekt
+einzuflößen.<a class = "tag" name = "tagIX_33" id = "tagIX_33" href =
+"#noteIX_33">33</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_31" id = "noteIX_31" href = "#tagIX_31">31.</a>
+<span class = "antiqua">Luttrell’s Diary, Aug. 8, 1688.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_32" id = "noteIX_32" href = "#tagIX_32">32.</a>
+Dies wird uns von drei Schriftstellern erzählt, die sich jener Zeit wohl
+erinnern konnten: von Kennet, Eachard und Oldmixon. Siehe auch das <span
+class = "antiqua">Caveat against the Whigs</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_33" id = "noteIX_33" href = "#tagIX_33">33.</a>
+Barillon, 23. Aug. (2. Sept.), 3.(13.), 6.(16.) u. 8.(18.) Sept.
+1688.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Es werden irische Truppen herübergezogen. &mdash; Unwille des
+Volks.</span>
+<a name = "secIX_18" id = "secIX_18">Jakob</a> schwankte. Er wollte gern
+von Truppen umgeben sein, auf die er sich verlassen konnte; aber er
+fürchtete den Ausbruch des Nationalunwillens, den das Erscheinen einer
+bedeutenden irischen Militairmacht auf englischem Boden hervorrufen
+mußte. Wie es gewöhnlich zu geschehen pflegt, wenn ein schwacher Mann
+einander entgegengesetzte Nachtheile vermeiden will, schlug er endlich
+einen Weg ein, der sie alle in sich vereinigte. Er zog so viele Irländer
+herüber, als in der That nicht hingereicht haben würden, um nur die
+Hauptstadt oder die Grafschaft York im Zaume zu halten, die aber doch
+genügten, um die Besorgniß und den Unwillen des ganzen Königreiches von
+Northumberland bis Cornwall zu erregen. Ein Bataillon nach dem andren,
+von Tyrconnel ausgehoben und eingeübt, landete an der Westküste und
+marschirte nach der Hauptstadt, und irische Rekruten wurden in
+bedeutender Anzahl herübergezogen, um die Lücken in den englischen
+Regimentern auszufüllen.<a class = "tag" name = "tagIX_34" id =
+"tagIX_34" href = "#noteIX_34">34</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_26" id = "pageIX_26">
+IX.26</a></span>
+<p>Dies war einer der verderblichsten von den vielen Fehlern, welche
+Jakob beging. Er hatte sich schon die Herzen seiner Nation durch
+Verletzung ihrer Gesetze, durch Einziehung ihrer Güter und durch
+Verfolgung ihrer Religion entfremdet. Von Denen, welche einst die
+eifrigsten Anhänger der Monarchie gewesen waren, hatte er schon viele
+dahin gebracht, daß sie im Herzen Rebellen waren. Indessen hätte er noch
+immer mit einiger Aussicht auf Erfolg den patriotischen Sinn seiner
+Unterthanen gegen einen eindringenden Feind aufrufen können. Denn sie
+waren der Gesinnung wie der geographischen Lage nach ein Inselvolk, und
+ganz besonders damals waren ihre nationalen Antipathien über alle Maßen
+heftig und lieblos. Noch nie waren die Engländer an die Gewalt oder
+Einmischung eines Fremden gewöhnt gewesen; das Erscheinen einer
+ausländischen Armee auf ihrem Boden hätte sie bestimmen können, sich
+selbst um einen solchen König zu schaaren, den sie zu lieben keine
+Ursache hatten. Wilhelm wäre vielleicht nicht im Stande gewesen, diese
+Schwierigkeit zu überwinden; aber Jakob räumte sie selbst aus dem Wege.
+Selbst die Ankunft einer Brigade von Ludwig’s Musketieren würde keine
+solche Entrüstung und Beschämung hervorgerufen haben, als sie unsere
+Vorfahren beim Anblick der aus Dublin ankommenden papistischen Colonnen
+empfanden, die sich mit militairischem Gepränge auf den Landstraßen
+fortbewegten. Kein geborener Engländer betrachtete damals die
+Ureinwohner Irlands als seine Landsleute. Sie gehörten nicht zu unsrem
+Zweige der großen menschlichen Familie, sie unterschieden sich von uns
+durch mehr als eine moralische und intellectuelle Eigenthümlichkeit,
+welche der Unterschied der Lage und der Erziehung, so groß derselbe auch
+sein mochte, nicht genügend erklärte. Sie hatten ein andres Aussehen und
+eine andre Muttersprache. Wenn sie englisch sprachen, war ihre
+Aussprache fehlerhaft; ihre Phraseologie war holprig, wie immer bei
+Denen, welche in einer Sprache denken und ihre Gedanken in einer andren
+ausdrücken. Sie waren daher Ausländer und zwar die am meisten verhaßten
+und verachteten von allen Ausländern; am meisten verhaßt deshalb, weil
+sie seit fünf Jahrhunderten stets unsere Feinde gewesen waren, und am
+meisten verachtet, weil wir sie besiegt, unterjocht und ausgeplündert
+hatten. Der Engländer verglich mit Stolz seine Felder mit den öden
+Sümpfen, aus denen irische Räuber hervorstürzten, um zu plündern und zu
+morden, und seine Wohnung mit den elenden Hütten, in denen die Landleute
+und die Schweine vom Shannon sich zusammen im Kothe wälzten. Der
+Engländer gehörte einer Gesellschaft an, welche in Reichthum und
+Civilisation allerdings noch weit unter der stand, in welcher wir jetzt
+leben, die aber doch eine der reichsten und civilisirtesten der
+damaligen Zeit war; der Irländer dagegen war fast so roh wie die Wilden
+von Labrador. Er war ein freier Mann, die Iren waren die erblichen
+Leibeigenen seines Stammes. Er verehrte Gott nach einem reinen und
+vernünftigen Brauche der Irländer und war in Götzendienerei und
+Aberglauben versunken. Er wußte, daß mehr als einmal große Massen von
+Iren vor einer kleinen englischen Streitmacht geflohen waren und daß
+eine kleine englische Colonie die ganze irische Bevölkerung
+niedergehalten hatte, und daraus zog er den selbstgefälligen Schluß, daß
+er von Natur ein höher stehendes Wesen sei als der Irländer, denn so
+erklärt ein herrschender Stamm immer sein Übergewicht und entschuldigt
+damit seine Tyrannei. Jetzt werden die Irländer allgemein als ein Volk
+anerkannt, das in Bezug auf Lebhaftigkeit, Mutterwitz und Beredtsamkeit
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_27" id = "pageIX_27">
+IX.27</a></span>
+einen hohen Rang unter den Nationen der Erde einnimmt, und daß sie bei
+guter Leitung vortreffliche Soldaten sind, haben sie auf hundert
+Schlachtfeldern bewiesen. Gleichwohl ist es gewiß, daß sie vor
+anderthalb Jahrhunderten auf unsrer Insel allgemein als ein dummes und
+zugleich feiges Volk verachtet wurden. Und ein solches Volk sollte mit
+bewaffneter Hand England im Schach halten, während des Letzteren
+bürgerliche und kirchliche Verfassung vernichtet wurde. Das Blut der
+ganzen Nation kochte bei diesem Gedanken. Von Franzosen oder Spaniern
+besiegt zu werden, würde im Vergleich damit noch als ein erträgliches
+Loos erschienen sein, denn die Franzosen und Spanier waren wir gewohnt
+als unsrer ebenbürtig zu betrachten. Wir hatten zuweilen ihr Glück
+beneidet, zuweilen ihre Macht gefürchtet, zuweilen uns zu ihrer
+Freundschaft gratulirt. Bei all unsrem schroffen Stolze gaben wir zu,
+daß sie große Nationen waren und daß sie sich in den Künsten des Kriegs
+und des Friedens ausgezeichneter Männer rühmen konnten. Aber von einer
+tief unter uns stehenden Kaste dominirt zu werden, war eine Schmach,
+gegen die jede andre Schmach nichts war. Die Engländer fühlten dasselbe,
+was die weißen Bewohner von Charleston oder Neworleans fühlen würden,
+wenn diese Städte Negergarnisonen erhalten sollten. Die wirklichen
+Thatsachen würden schon hingereicht haben, um Besorgniß und Unwillen zu
+erregen; die wirklichen Thatsachen aber verschwanden in einer Masse
+verworrener Gerüchte, welche unaufhörlich von einem Kaffeehause zum
+andren, von einer Bierschenke zur andren flogen und auf jeder Station
+ihrer Wanderung immer wunderbarer und erschreckender wurden. Die Zahl
+der irischen Truppen, welche an unseren Küsten gelandet waren, konnte
+allerdings ernste Besorgnisse wegen der daraus ersichtlichen Zwecke des
+Königs erregen, aber sie wurde durch den Schrecken des Publikums um das
+Zehnfache vergrößert. Es war wohl kaum anders zu erwarten, als daß der
+rohe Kerne von Connaught, mit bewaffneter Hand unter ein fremdes Volk
+gestellt, das er haßte und von dem er wieder gehaßt wurde, einige
+Excesse beging; aber diese Excesse wurden durch das Gerücht übertrieben
+und als Zugabe zu den Gewaltthätigkeiten, die sich der Fremde wirklich
+erlaubt hatte, wurden auch die, welche seine englischen Kameraden
+begangen, mit auf seine Rechnungen gesetzt. Aus allen Winkeln des
+Reiches erscholl ein allgemeiner Schrei gegen die fremden Barbaren, die
+sich in Privathäuser eindrängten, Pferde und Wagen wegnähmen, Geld
+erpreßten und die Frauen insultirten. Diese Menschen, sagte man, seien
+die Söhne Derer, welche vor siebenundvierzig Jahren die Protestanten zu
+Tausenden hingeschlachtet hätten. Die Geschichte des Aufstandes von
+1641, eine Geschichte, die selbst bei nüchterner Betrachtung wohl
+Mitleid und Entsetzen erregen konnte und welche durch nationale und
+religiöse Antipathien schrecklich entstellt worden war, bildete jetzt
+das Lieblingsthema der Unterhaltung. Grauenvolle Geschichten von
+Häusern, welche sammt allen ihren Bewohnern niedergebrannt worden, von
+kaltblütig abgeschlachteten Frauen und Kindern, von nahen Verwandten,
+welche durch die Folter gezwungen wurden, einander gegenseitig zu
+morden, von geschändeten und verstümmelten Leichen, wurden in vollem
+Ernste erzählt und mit vollem Glauben und gespannter Aufmerksamkeit
+angehört. Dann setzte man hinzu, daß die feigen Wilden, welche
+heimtückischerweise alle diese Grausamkeiten an einer nichts Arges
+vermuthenden und wehrlosen Colonie verübt hätten, sobald Oliver zu
+seinem großen Rachewerk unter ihnen erschienen sei, in panischem
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_28" id = "pageIX_28">
+IX.28</a></span>
+Schrecken die Waffen weggeworfen hätten, und ohne das Glück einer
+einzigen Schlacht zu versuchen, in die ihnen gebührende Sklaverei
+versunken seien. Viele Anzeichen deuteten darauf hin, daß der
+Lordstatthalter eine zweite große Beraubung und Niedermetzelung der
+sächsischen Ansiedler beabsichtige. Tausende protestantischer
+Colonisten, die sich vor der Ungerechtigkeit und frechen Willkür
+Tyrconnel’s geflüchtet, hatten durch Schilderung der überstandenen und
+der nur zu wahrscheinlich in Aussicht stehenden ferneren Leiden den
+Unwillen des Mutterlandes erregt. Wie heftig das Publikum durch die
+Klagen dieser Flüchtlinge erbittert wurde, hatte sich noch ganz kürzlich
+in unverkennbarer Weise gezeigt. Tyrconnel hatte der königlichen
+Genehmigung die Hauptpunkte einer Bill unterbreitet, die das Gesetz
+aufhob, auf welchem das Besitzrecht der Hälfte des ganzen irländischen
+Grund und Bodens beruhte, und hatte als Bevollmächtigte zwei seiner
+katholischen Landsleute, die erst unlängst zu hohen richterlichen Ämtern
+befördert worden waren, nach Westminster gesandt: Nugent, Oberrichter
+der irischen Kings Bench, eine Verkörperung aller Laster und Schwächen,
+welche die Engländer damals für characteristische Eigenschaften der
+papistischen Celten hielten, und Rice, ein Baron der irischen
+Schatzkammer, der in Talent und Wissen vielleicht der Ausgezeichnetste
+seines Stammes und seines Glaubens war. Der Zweck dieser Sendung war
+wohl bekannt, und die beiden Richter durften es daher nicht wagen, sich
+auf der Straße sehen zu lassen, denn wo sie erkannt wurden, rief
+sogleich der Pöbel: „Platz für die irischen Gesandten!“ und ihr Wagen
+wurde mit höhnischer Feierlichkeit von einem Zuge Ceremonienmeister und
+Läufer begleitet, welche Stöcke mit daran gespießten Kartoffeln
+trugen.<a class = "tag" name = "tagIX_35" id = "tagIX_35" href =
+"#noteIX_35">35</a></p>
+
+<p>Die Abneigung der Engländer gegen die Irländer war damals in der That
+so groß und so allgemein, daß selbst die ausgezeichnetsten Katholiken
+sie theilten. Powis und Bellasyse sprachen sogar im Geheimen Rathe in
+den rücksichtslosesten und schärfsten Worten ihren Widerwillen gegen die
+Fremdlinge aus.<a class = "tag" name = "tagIX_36" id = "tagIX_36" href =
+"#noteIX_36">36</a> Unter den englischen Protestanten war diese Aversion
+noch stärker und vielleicht am stärksten war sie in der Armee. Weder
+Offiziere noch Soldaten waren geneigt, den Vorzug, den ihr Gebieter
+einem fremden und unterjochten Stamme gab, sich ruhig gefallen zu
+lassen. Der Herzog von Berwick, welcher Oberst des damals in Portsmouth
+stehenden achten Linieninfanterieregiments war, gab Befehl, daß dreißig
+Mann, welche soeben von Irland angekommen waren, eingereiht werden
+sollten. Die englischen Soldaten erklärten, daß sie mit diesen
+Eindringlingen nicht dienen wollten. Der Oberstlieutenant Johann
+Beaumont protestirte für sich und im Namen von fünf Hauptleuten dem
+Herzoge ins Gesicht gegen diese Beschimpfung der englischen Armee und
+Nation. „Wir haben,“ sagte er, „das Regiment auf unsere eigenen Kosten
+errichtet, um die Krone Seiner Majestät in Zeiten der Gefahr zu
+vertheidigen. Es wurde uns damals nicht schwer, Hunderte von englischen
+Rekruten zu finden, und wir können leicht jede Compagnie vollzählig
+erhalten, ohne Irländer aufzunehmen. Wir halten es daher für unvereinbar
+mit unsrer Ehre, und diese Fremdlinge aufdringen zu lassen, und bitten,
+daß es uns
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_29" id = "pageIX_29">
+IX.29</a></span>
+gestattet werde, entweder Leute unsrer eignen Nation zu befehligen, oder
+unsren Abschied zu nehmen.“ Berwick schickte nach Windsor, um sich <ins
+class = "correction" title = "ungeändert, mögligens »Verhaftungsbefehle«">Verhaltungsbefehle</ins> zu erbitten. Der König
+war höchlich entrüstet und sandte sofort eine Abtheilung Reiterei nach
+Portsmouth mit dem Befehl, die sechs widerspenstigen Offiziere vor ihn
+zu bringen. Sie wurden vor ein Kriegsgericht gestellt, und da sie sich
+durchaus nicht fügen wollten, wurden sie zur Ausstoßung aus der Armee
+verurtheilt, der höchsten Strafe, welche damals ein Kriegsgericht
+zuerkennen konnte. Die ganze Nation zollte den entlassenen Offizieren
+ihren Beifall und die herrschende Stimmung wurde durch das ungegründete
+Gerücht, daß sie während ihrer Haft mit Härte behandelt worden seien,
+noch mehr aufgereizt.<a class = "tag" name = "tagIX_37" id = "tagIX_37"
+href = "#noteIX_37">37</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_34" id = "noteIX_34" href = "#tagIX_34">34.</a>
+<span class = "antiqua">Luttrell’s Diary, Aug. 27. 1688</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_35" id = "noteIX_35" href = "#tagIX_35">35.</a>
+<span class = "antiqua">King’s State of the Protestants of
+Ireland</span>; <span class = "antiqua">Secret Consults of the Romish
+Party in Ireland.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_36" id = "noteIX_36" href = "#tagIX_36">36.</a>
+<span class = "antiqua">Secret Consults of the Romish Party in
+Ireland.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_37" id = "noteIX_37" href = "#tagIX_37">37.</a>
+<span class = "antiqua">History of the Desertion, 1689</span>;
+vergleiche die 1. und 2. Ausg. Barillon 8.(18.) Sept. 1688; Citters von
+demselben Datum; <span class = "antiqua">Clarke’s Life of James the
+Second, II, 168</span>. Der Compilator des letztgenannten Werks sagt,
+Churchill habe das Gericht aufgefordert, die sechs Offiziere zum Tode zu
+verurtheilen. Diese Geschichte scheint nicht den Papieren des Königs
+entnommen zu sein und ich halte sie daher für eine der zahlreichen
+Erdichtungen, welche in St. Germain erfunden wurden, um einen ohnehin
+schon hinreichend schwarzen Character noch schwärzer darzustellen. Daß
+Churchill bei dieser Gelegenheit großen Unwillen affectirte, um den im
+Sinne habenden Verrath zu verbergen, ist sehr wahrscheinlich. Aber man
+kann unmöglich glauben, daß ein so verständiger Mann die Mitglieder
+eines Kriegsgerichts aufgefordert haben sollte, eine Strafe zu
+verhängen, welche anerkanntermaßen außer dem Bereiche ihrer Competenz
+lag.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Lillibullero.</span>
+<a name = "secIX_19" id = "secIX_19">Die</a> öffentliche Stimmung
+äußerte sich damals noch nicht durch die Zeichen, welche jetzt bei uns
+gebräuchlich sind, durch große Volksversammlungen und heftige Reden.
+Dessenungeachtet fand sie ein Organ. Thomas Wharton, der beim letzten
+Parlament die Grafschaft Buckingham vertreten und der sich schon als
+Freigeist und als Whig ausgezeichnet, hatte eine satyrische Ballade auf
+Tyrconnel geschrieben. In diesem kleinen Gedicht gratulirt ein Irländer
+einem Landsmanne in barbarischem Jargon zu dem nahe bevorstehenden
+Triumphe des Papismus und des milesischen Stammes. Der protestantische
+Erbe würde enterbt werden; die protestantischen Offiziere würden
+verabschiedet werden; die Magna Charta und die Maulhelden, welche darauf
+pochten, würden gehängt werden; der gute Talbot würde seine Landsleute
+mit Stellen und Ämtern überschütten und den Engländern die Kehle
+abschneiden. Diese Verse, die sich in keiner Hinsicht über das
+gewöhnliche Niveau der Gassenhauerpoesie erhoben, hatten zum Refrain ein
+Kauderwelsch, das angeblich im Jahre 1641 das Feldgeschrei der
+Insurgenten von Ulster gewesen sein sollte. Die Verse und die Melodie
+entsprachen ganz der Stimmung der Nation und die hohlen Reime wurden
+daher von einem Ende des Landes zum andren von allen Klassen beständig
+gesungen. Ganz besonderen Anklang fanden sie bei der englischen Armee.
+Mehr als siebzig Jahre nach der Revolution schilderte ein Schriftsteller
+mit außerordentlicher Treue einen Veteranen, der am Boyne und bei Namur
+gefochten,<a class = "tag" name = "tagIX_38" id = "tagIX_38" href =
+"#noteIX_38">38</a> und ein characteristischer Zug dieses wackeren alten
+Kriegers ist seine Gewohnheit, den Lillibullero zu pfeifen.<a class =
+"tag" name = "tagIX_39" id = "tagIX_39" href = "#noteIX_39">39</a></p>
+
+<p>Wharton rühmte sich später, daß er einen König aus drei Königreichen
+hinausgesungen habe. In Wahrheit aber war der Erfolg des
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_30" id = "pageIX_30">
+IX.30</a></span>
+Lillibullero nicht die Ursache, sondern die Wirkung des aufgeregten
+Zustandes der Volksstimmung, der die Revolution erzeugte.</p>
+
+<p>Während Jakob so alle die Nationalgefühle gegen sich aufstachelte,
+die seinen Thron hätten retten können, wenn er nicht so verblendet
+gewesen wäre, bemühte sich Ludwig auf andre Weise nicht minder wirksam,
+dem Prinzen Wilhelm die Ausführung seines Unternehmens zu
+erleichtern.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_38" id = "noteIX_38" href = "#tagIX_38">38.</a>
+Der Onkel Tobias in Sterne’s Tristram Shandy. Der Übers.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_39" id = "noteIX_39" href = "#tagIX_39">39.</a>
+Das Lillibullerolied findet sich in den <span class = "antiqua">State
+Poems</span>. In Percy’s <span class = "antiqua">Relics</span> findet
+man den ersten Theil, aber nicht den zweiten, der erst nach Wilhelm’s
+Landung hinzugefügt wurde. Im <span class = "antiqua">Examiner</span>
+und in verschiedenen Flugschriften aus dem Jahre 1712 wird Wharton als
+Verfasser genannt.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Politische Zustände in den Vereinigten Provinzen.</span>
+<a name = "secIX_20" id = "secIX_20">Die</a> Partei in Holland, welche
+Frankreich geneigt war, war eine Minorität, die aber der Verfassung des
+Batavischen Staatenbundes gemäß stark genug war, um den Statthalter an
+jedem großen Schlage zu verhindern. Diese Minorität sich zu erhalten,
+würde für den Hof von Versailles, wenn er klug gewesen wäre, eine
+Aufgabe gewesen sein, der unter den damaligen Verhältnissen alles Andre
+hätte nachstehen müssen. Ludwig aber hatte sich seit einiger Zeit wie
+absichtlich bemüht, sich seine holländischen Freunde zu entfremden, und
+es gelang ihm endlich, obwohl nicht ohne Schwierigkeit, sie zu zwingen,
+daß sie gerade in dem Augenblicke, wo ihr Beistand von unschätzbarem
+Werthe für ihn gewesen sein würde, seine Feinde wurden.</p>
+
+<p>Zwei Dinge waren es, in Bezug auf welche die Bevölkerung der
+Vereinigten Provinzen besonders empfindlich war; die Religion und der
+Handel, und der französische König griff sie sowohl in ihrer Religion
+als in ihrem Handel an. Die Verfolgung der Hugenotten und die
+Widerrufung des Edicts von Nantes hatte überall den Schmerz und die
+Entrüstung der Protestanten erregt. In Holland aber waren tiefe Gefühle
+stärker als in irgend einem andren Lande, denn viele geborne Holländer
+hatten sich im Vertrauen auf die wiederholten feierlichen Versicherungen
+Ludwig’s, daß die von seinem Großvater gewährte Duldung aufrecht
+erhalten werden sollte, zu Handelszwecken in Frankreich niedergelassen
+und ein großer Theil der Übergesiedelten war daselbst naturalisirt
+worden. Jetzt brachte jede Post die Nachricht nach Holland, daß diese
+Leute ihres Glaubens wegen mit außerordentlicher Strenge behandelt
+würden. Dem Einen waren Dragoner ins Quartier gelegt worden, ein Andrer
+war nackt an ein Feuer gehalten worden, bis er halb gebraten war; und
+Allen war bei strengster Strafe verboten, ihre gottesdienstlichen
+Gebräuche auszuüben, oder das Land zu verlassen, in das sie unter
+falschen Vorspiegelungen gelockt worden waren. Die Anhänger des Hauses
+Oranien äußerten laut ihren Unwillen über die Grausamkeit und
+Treulosigkeit des Tyrannen. Die Opposition war beschämt und entmuthigt.
+Selbst der Stadtrath von Amsterdam, so sehr derselbe dem französischen
+Interesse und der arminianischen Theologie zugethan, und so wenig er
+geneigt war, Ludwig zu tadeln oder mit den von ihm verfolgten
+Calvinisten zu sympathisiren, durfte es nicht wagen, sich gegen die
+allgemeine Stimmung aufzulehnen, denn es gab in dieser großen Stadt kaum
+einen einzigen reichen Kaufmann, der nicht einen Verwandten oder einen
+Freund unter den Verfolgten hatte. Es wurden den Bürgermeistern
+Petitionen mit zahlreichen und sehr angesehenen Unterschriften
+überreicht, in denen sie dringend gebeten wurden, dem Grafen Avaux
+energische Vorstellungen zu machen. Verschiedene Bittsteller begaben
+sich sogar persönlich in das Rathhaus, fielen auf die Knie, schilderten
+unter Thränen und Schluchzen die traurige Lage ihrer Lieben und flehten
+den Magistrat um seine Verwendung an. Auf allen Kanzeln ertönten
+Schmähungen und Klagen, und die Presse ergoß sich in herzzerreißenden
+Schilderungen und aufregenden
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_31" id = "pageIX_31">
+IX.31</a></span>
+Mahnungen. Avaux erkannte die ganze Größe der Gefahr. Er berichtete
+seinem Hofe, daß selbst die Gutgesinnten &mdash; denn so pflegte er die
+Feinde des Hauses Oranien zu nennen &mdash; die allgemeine Stimmung
+entweder theilten oder durch dieselbe eingeschüchtert würden, und er
+rieth ernstlich dazu, auf ihre Wünsche einige Rücksicht zu nehmen. Er
+erhielt jedoch kalte und geringschätzende Antworten von Versailles. Es
+wurde zwar einigen holländischen Familien, welche nicht in Frankreich
+naturalisirt waren, die Rückkehr in ihr Vaterland gestattet, den
+naturalisirten Holländern aber verweigerte Ludwig jedes Zugeständniß.
+Keine Macht der Erde, sagte er, habe ein Recht, zwischen ihn und seine
+Unterthanen zu treten; diese Leute wären aus eigenem Antriebe seine
+Unterthanen geworden, und wie er sie behandle, das gehe keinen
+Nachbarstaat etwas an. Der Magistrat von Amsterdam fühlte sich durch den
+hochmüthigen Undank des Potentaten, den er gegen die allgemeine Stimmung
+ihrer eigenen Landsleute kräftig und rücksichtslos unterstützt hatte,
+natürlich sehr unangenehm berührt. Bald folgte eine andre
+Herausforderung, die sie noch schmerzlicher empfanden. Ludwig begann
+ihren Handel anzugreifen. Er erließ zuerst eine Verordnung, welche die
+Heringseinfuhr in seine Staaten verbot. Avaux beeilte sich seinem Hofe
+zu melden, daß dieser Schritt großen Unwillen erregt habe, daß in den
+Vereinigten Provinzen sechzigtausend Menschen vom Heringsfang lebten und
+daß die Generalstaaten wahrscheinlich strenge Repressalien beschließen
+würden. Der König antwortete, daß er nicht nur auf dem Verbot beharre,
+sondern auch die Einfuhrzölle auf viele Waaren, mit denen Holland einen
+einträglichen Handel mit Frankreich trieb, zu erhöhen beabsichtige. Die
+Folge dieser Mißgriffe, welche trotz wiederholter Warnungen, wie es
+scheint aus bloßem übermüthigen Eigensinn begangen wurden, war, daß sich
+jetzt, wo die Stimme eines einzelnen mächtigen Mitgliedes der
+Batavischen Föderation ein der ganzen Politik Ludwig’s Verderben
+drohendes Ereigniß hätte abwenden können, eine solche Stimme nicht
+erhob. Der Gesandte bemühte sich mit all’ seiner diplomatischen
+Gewandtheit vergebens, die Partei, mit deren Hülfe er seit mehreren
+Jahren den Statthalter in Schach gehalten hatte, zu ralliiren. Die
+Arroganz und der Starrsinn seines Gebieters vereitelten alle seine
+Anstrengungen.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Fehler des Königs von Frankreich.</span>
+<a name = "secIX_21" id = "secIX_21">Endlich</a> sah Avaux sich
+genöthigt, die beunruhigende Nachricht nach Versailles zu senden, daß
+man sich auf die der französischen Sache so lange ergeben gewesene Stadt
+Amsterdam nicht mehr verlassen könne, daß ein Theil der Gutgesinnten um
+ihre Religion besorgt sei und daß die Wenigen, deren Gesinnungen
+unverändert geblieben wären, es nicht wagen dürften, ihre Gedanken zu
+äußern. Die feurige Beredtsamkeit der Prediger, welche gegen die Greuel
+der französischen Verfolgung eiferten und die Wehklagen der
+bankerottirten Kaufleute, die ihren Untergang den französischen
+Maßregeln zuschrieben, hatten das Volk in eine so gereizte Stimmung
+versetzt, daß kein Bürger es mehr wagen durfte, sich offen für
+Frankreich zu erklären, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen wollte,
+in den nächsten Kanal geworfen zu werden. Man erinnerte daran, daß vor
+nicht mehr als fünfzehn Jahren das vornehmste Oberhaupt der dem Hause
+Oranien feindlich gesinnten Partei im Bereiche des Palastes der
+Generalstaaten von dem wüthenden Pöbel in Stücke zerrissen worden war.
+Ein gleiches Schicksal könnte nicht unwahrscheinlich auch Diejenigen
+treffen, welche beschuldigt werden sollten,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_32" id = "pageIX_32">
+IX.32</a></span>
+daß sie in diesem kritischen Augenblicke den Absichten Frankreichs gegen
+ihr Vaterland und gegen den reformirten Glauben dienten.<a class = "tag"
+name = "tagIX_40" id = "tagIX_40" href = "#noteIX_40">40</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_40" id = "noteIX_40" href = "#tagIX_40">40.</a>
+Siehe die Depeschen des Grafen Avaux. Es würde mir kaum möglich sein,
+alle die Stellen anzuführen, welche mir Material zu diesem Theile meiner
+Geschichte lieferten. Die wichtigsten finden sich unter folgenden Daten:
+20. Sept., 24. Sept., 5. Oct. u. 20. Dec. 1685; 3. Jan. u. 22. Nov.
+1686; 2. Oct., 6. Nov. u. 19. Nov. 1687; 29. Juli u. 20. Aug. 1688. Lord
+Lonsdale sagt in seinen Memoiren sehr richtig, daß ohne Ludwig’s
+thörichtes Verfahren die Stadt Amsterdam die Revolution verhindert haben
+würde.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Sein Streit mit dem Papste bezüglich der Vorrechte auswärtiger
+Gesandter.</span>
+<a name = "secIX_22" id = "secIX_22">Während</a> Ludwig auf diese Weise
+seine Freunde zwang, seine wirklichen oder vorgeblichen Feinde zu
+werden, arbeitete er mit nicht geringerem Erfolge darauf hin, alle
+Bedenken zu zerstreuen, welche die römisch-katholischen Fürsten
+vielleicht noch hätten abhalten können, die Pläne Wilhelm’s zu
+unterstützen. Es hatte sich zwischen dem Hofe von Versailles und dem
+Vatikan ein neuer Streit erhoben, ein Streit, in welchem sich die
+Unbilligkeit und der Übermuth des Königs von Frankreich vielleicht in
+beleidigenderer Weise zeigte, als bei irgend einem andren Schritte
+seiner Regierung.</p>
+
+<p>Seit langer Zeit hatte in Rom die Regel gegolten, daß kein Justiz-
+oder Finanzbeamter das Haus eines Gesandten betreten durfte, der einen
+katholischen Staat repräsentirte. Im Laufe der Zeit war dieses Vorrecht
+so weit ausgedehnt worden, daß nicht nur die Wohnung, sondern auch ein
+beträchtlicher Umkreis um dieselbe als unverletzbar betrachtet wurde.
+Jeder Gesandte suchte eine Ehre darin, die Grenzen des unter seinem
+Schutze stehenden Raumgebiets möglichst zu erweitern, so daß endlich die
+halbe Stadt aus privilegirten Bezirken bestand, in denen die päpstliche
+Regierung nicht mehr Gewalt hatte als im Louvre oder im Escurial. Jedes
+Asyl wimmelte von Schleichhändlern, betrügerischen Bankerotteurs, Dieben
+und Mördern; in jedem Asyle waren Massen von gestohlenen oder
+eingeschmuggelten Waaren aufgehäuft; aus jedem Asyle zogen des Nachts
+Banditen aus, um zu rauben und zu morden. In keiner Stadt der
+Christenheit war daher das Gesetz so ohnmächtig und das Verbrechen so
+dreist als in der alten Hauptstadt der Religion und Civilisation.
+Innocenz dachte darüber, wie es einem Priester und Fürsten geziemte. Er
+erklärte, daß er keinen Gesandten mehr aufnehmen werde, der auf diesem
+alle Ordnung und Sittlichkeit untergrabenden Rechte bestände. Anfangs
+wurde laut darüber gemurrt, aber die Gerechtigkeit seines Entschlusses
+war so in die Augen springend, daß alle Regierungen, mit Ausnahme einer
+einzigen, ihm nach und nach beipflichteten. Der Kaiser, der unter den
+christlichen Monarchen die erste Stelle einnahm, der spanische Hof, der
+sich unter allen Höfen durch seine Empfindlichkeit und Zähigkeit in
+Sachen der Etikette auszeichnete, entsagten dem verderblichen
+Privilegium. Nur Ludwig blieb unbeugsam. Was andere Fürsten thäten,
+sagte er, gehe ihn nichts an. Er schickte daher eine Gesandtschaft nach
+Rom, die von einer starken Abtheilung Reiterei und Fußvolk begleitet
+war. Der Gesandte zog im Triumph nach seinem Palaste, wie ein
+siegreicher General durch eine eroberte Stadt marschirt. Der Palast
+wurde stark bewacht und Patrouillen machten Tag und Nacht die Runde um
+den geschützten Bezirk, wie auf den Wällen einer Festung. Der Papst ließ
+sich dadurch
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_33" id = "pageIX_33">
+IX.33</a></span>
+nicht einschüchtern. „Sie vertrauen auf Wagen und Rosse,“ sagte er, „wir
+aber denken an den Namen des Herrn unsres Gottes.“ Er griff energisch zu
+seinen geistlichen Waffen und belegte das von den Franzosen besetzte
+Gebiet mit einem Interdict.<a class = "tag" name = "tagIX_41" id =
+"tagIX_41" href = "#noteIX_41">41</a></p>
+
+<p>Als dieser Streit den Höhepunkt erreicht hatte, brach noch ein andrer
+aus, bei welchem Deutschland eben so stark betheiligt war als der
+Papst.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_41" id = "noteIX_41" href = "#tagIX_41">41.</a>
+Prof. Ranke’s Römische Päpste, Buch 8; <span class = "antiqua">Burnet I.
+789</span>.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Das Erzbisthum Köln.</span>
+<a name = "secIX_23" id = "secIX_23">Köln</a> und das umliegende Gebiet
+wurde von einem Erzbischof regiert, der zugleich ein Kurfürst des
+deutschen Reiches war. Das Recht der Erwählung dieses mächtigen Prälaten
+stand unter gewissen Beschränkungen dem Domkapitel zu. Der Erzbischof
+war zu gleicher Zeit auch Bischof von Lüttich, von Münster und von
+Hildesheim, seine Besitzungen waren bedeutend und enthielten mehrere
+starke Festungen, welche im Falle eines Feldzugs am Rhein von höchster
+Wichtigkeit waren. In Kriegszeiten konnte er zwanzigtausend Mann ins
+Feld stellen. Ludwig hatte keine Mühe gespart, um einen so werthvollen
+Bundesgenossen zu gewinnen, und dies war ihm so gut gelungen, daß Köln
+fast von Deutschland losgetrennt und ein Außenwerk Frankreichs geworden
+war. Viele dem Hofe von Versailles ergebene Priester waren in das
+Kapitel gebracht und der Cardinal Fürstenberg, eine notorische Creatur
+des Hofes, war zum Coadjutor ernannt worden.</p>
+
+<p>Im Sommer des Jahres 1688 kam das Erzbisthum zur Erledigung.
+Fürstenberg war der Candidat des Hauses Bourbon; die Feinde dieses
+Hauses schlugen den jungen Prinzen Clemens von Baiern vor. Fürstenberg
+war bereits Bischof und konnte daher nur vermittelst einer Dispensation
+vom Papste, oder einer Postulation, der sich zwei Drittheile des kölner
+Domkapitels anschließen mußten, in eine andre Diöcese versetzt werden.
+Der Papst wollte einer Creatur Frankreichs keine Dispensation
+bewilligen, und der Kaiser bewog mehr als ein Drittheil des Kapitels,
+für den bairischen Prinzen zu stimmen. Inzwischen war auch in den
+Kapiteln von Lüttich, Münster und Hildesheim die Majorität gegen
+Frankreich. Ludwig sah mit Unwillen und Besorgniß, daß eine ausgedehnte
+Provinz, die er schon angefangen hatte als ein Besitzthum seiner Krone
+zu betrachten, nahe daran war, nicht allein unabhängig von ihm, sondern
+sogar ihm feindlich gesinnt zu werden. In einem mit großer Bitterkeit
+abgefaßten Schreiben beklagte er sich über die Ungerechtigkeit, mit der
+Frankreich bei jeder Gelegenheit vom heiligen Stuhle behandelt werde,
+während derselbe doch der ganzen Christenheit seinen väterlichen Schutz
+angedeihen lassen sollte. Viele Anzeichen verriethen, daß er fest
+entschlossen war, die Ansprüche seines Candidaten mit bewaffneter Hand
+gegen den Papst und dessen Verbündete zu unterstützen.<a class = "tag"
+name = "tagIX_42" id = "tagIX_42" href = "#noteIX_42">42</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_42" id = "noteIX_42" href = "#tagIX_42">42.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet I. 758</span>; Ludwig’s Schreiben ist vom
+27. Aug. (6. Sept.) 1688 datirt. Es findet sich im <span class =
+"antiqua">Recueil des Traités, vol. IV. No. 219</span>.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Kluges Verfahren Wilhelm’s.</span>
+<a name = "secIX_24" id = "secIX_24">So</a> stachelte Ludwig durch zwei
+einander entgegengesetzte Fehler den Zorn der beiden Religionsparteien,
+die sich in das westliche Europa theilten, zu gleicher Zeit gegen sich
+auf. Nachdem er sich die eine große Abtheilung der Christenheit durch
+Verfolgung der Hugenotten entfremdet hatte, entfremdete er sich auch die
+andre durch Beleidigung des römischen Stuhles. Und diese Mißgriffe that
+er in einem Augenblicke, wo kein Fehler ungestraft begangen werden
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_34" id = "pageIX_34">
+IX.34</a></span>
+konnte, und vor den Augen eines Gegners, der keinem Staatsmanne, dessen
+Andenken die Geschichte aufbewahrt hat, an Wachsamkeit, Scharfblick und
+Energie nachstand. Wilhelm sah mit heimlicher Freude, wie seine Gegner
+sich bemühten, ein Hinderniß nach dem andren aus seinem Wege zu
+entfernen. Während sie sich die Feindschaft aller Parteien zuzogen,
+arbeitete er darauf hin, sie alle zu gewinnen. Mit seltener Klugheit
+stellte er den im Sinne habenden Plan den verschiedenen Regierungen in
+verschiedenem Lichte dar, und man muß hinzusetzen, daß keine seiner
+Darlegungen trotz ihrer Verschiedenheit falsch war. Er forderte die
+norddeutschen Fürsten auf, sich zur Vertheidigung der gemeinsamen Sache
+aller reformirten Kirchen um ihn zu schaaren, und den beiden
+Oberhäuptern des Hauses Österreich stellte er die Gefahr vor, die ihnen
+von Seiten des französischen Ehrgeizes drohte, sowie die Nothwendigkeit,
+England aus seiner Abhängigkeit zu befreien und es in den europäischen
+Staatenbund aufzunehmen.<a class = "tag" name = "tagIX_43" id =
+"tagIX_43" href = "#noteIX_43">43</a> Er verwahrte sich, und zwar
+aufrichtig, gegen jede Bigotterie. Der wahre Feind der britischen
+Katholiken, sagte er, sei der kurzsichtige und halsstarrige König, der
+ihnen leicht hätte gesetzliche Duldung verschaffen können, anstatt
+dessen aber Gesetz, Freiheit und Eigenthum mit Füßen getreten hätte, um
+ihnen ein gehässiges und unsicheres Übergewicht zu geben. Wenn man Jakob
+seine schlechte Regierung ungehindert fortsetzen lasse, müsse dieselbe
+in nicht zu ferner Zeit einen allgemeinen Volksaufstand herbeiführen,
+der eine grausame Verfolgung der Papisten nach sich ziehen könne. Der
+Prinz erklärte es als einen seiner Hauptzwecke, den Greueln einer
+solchen Verfolgung vorzubeugen. Wenn sein Plan gelinge, würde er die
+Macht, die er dann als Oberhaupt der protestantischen Interessen
+besitzen müsse, zum Schutze der Mitglieder der römischen Kirche
+anwenden. Zwar könnten die durch Jakob’s Tyrannei entzündeten
+Leidenschaften es ihm vielleicht unmöglich machen, die Strafgesetze aus
+dem Gesetzbuche zu streichen; aber diese Strafgesetze sollten dann
+wenigstens durch gelinde Ausübung gemildert werden. Keine Klasse werde
+aus dem beabsichtigten Unternehmen mehr Gewinn ziehen, als die
+friedliebenden und anspruchsloseren Katholiken, welche nur den Wunsch
+hegten, ungestört ihrem Berufe nachgehen und ihren Schöpfer verehren zu
+dürfen. Die einzigen, welche dabei verlieren würden, seien die
+Tyrconnel, die Dover, die Albeville und anderen politischen Abenteurer,
+welche zum Dank für Schmeichelei und schlimmen Rath von ihrem
+leichtgläubigen Gebieter Statthalterposten, Regimenter und
+Gesandtschaften erhalten hätten.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_43" id = "noteIX_43" href = "#tagIX_43">43.</a>
+Wegen der außerordentlichen Geschicklichkeit, mit der er zwei
+verschiedenen Parteien seine Politik in verschiedenem Lichte darstellte,
+wurde er später vom Hofe von St. Germains bitter geschmäht. <span class
+= "antiqua">„Licet foederatis publicus ille praedo haud aliud aperte
+proponat nisi ut Gallici imperii exuberans amputetur potestas;
+veruntamen sibi, et suis ex haeretica faece complicibus, ut pro comperto
+habemus, longe aliud promittit, nempe ut, exciso vel enervato Francorum
+regno, ubi Catholicarum partium summum jam robur situm est, haeretica
+ipsorum pravitas per orbem Christianum universum praevaleat.“</span>
+&mdash;&nbsp;Brief von Jakob an den Papst, unzweifelhaft 1689
+geschrieben.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Seine Rüstungen zu Lande und zur See.</span>
+<a name = "secIX_25" id = "secIX_25">Während</a> Wilhelm sich bemühte,
+die Sympathien der Protestanten sowohl als der Katholiken zu gewinnen,
+sorgte er mit nicht geringerer Energie und Klugheit für Anschaffung der
+zu seinem Unternehmen erforderlichen militairischen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_35" id = "pageIX_35">
+IX.35</a></span>
+Hülfsmittel. Er konnte eine Landung in England nicht ohne Genehmigung
+der Vereinigten Provinzen bewerkstelligen. Hielt er um diese Genehmigung
+an bevor sein Plan zur Ausführung reif war, so konnten seine Absichten
+durch eine seinem Hause feindlich gesinnte Partei möglicherweise
+vereitelt werden und jedenfalls mußte die ganze Welt Kenntniß davon
+erhalten. Er beschloß daher, seine Voranstalten mit größter Eil zu
+betreiben und nach Vollendung derselben einen günstigen Augenblick
+abzuwarten, wo er den Bund um seine Zustimmung ersuchen konnte. Die
+Agenten Frankreichs bemerkten, daß sie ihn noch nie so geschäftig
+gesehen hatten. Es verging kein Tag, wo man ihn nicht von seiner Villa
+nach dem Haag sprengen sah, und beständig hielt er geheime Berathungen
+mit seinen ausgezeichnetsten Anhängern. Vierundzwanzig Schiffe wurden
+zur Verstärkung der gewöhnlichen Seemacht der Republik vollständig
+ausgerüstet. Für diese Vermehrung der Flotte bot sich zufällig ein
+vortrefflicher Vorwand dar, denn es hatten sich kürzlich einige
+algierische Corsaren in der Nordsee zu zeigen gewagt. Bei Nymwegen wurde
+ein Lager gebildet und viele tausend Mann daselbst zusammengezogen. Um
+diese Armee zu verstärken, wurden die Besatzungen aus den Festungen von
+Holländisch Brabant genommen; selbst die berühmte Festung Bergopzoom
+wurde fast ganz entblößt. Feldgeschütze, Bomben und Munitionswagen
+wurden aus allen Arsenalen der Vereinigten Provinzen nach den
+Hauptquartieren geschafft. Sämmtliche Bäcker von Rotterdam bucken Tag
+und Nacht Schiffszwieback; alle Gewehrfabrikanten von Utrecht reichten
+nicht hin, um die Bestellungen auf Pistolen und Flinten auszuführen;
+alle Sattler von Amsterdam arbeiteten mit der größten Anstrengung an
+Kürassen und Holftern. Die Schiffsmannschaft wurde um sechstausend
+Matrosen vermehrt und siebentausend neue Soldaten ausgehoben. Diese
+konnten allerdings nicht ohne Genehmigung des Bundes förmlich eingereiht
+werden; aber sie wurden inzwischen immer eingeübt und in solcher
+Kriegszucht gehalten, daß sie binnen vierundzwanzig Stunden nach
+erlangter Genehmigung ohne Schwierigkeit unter die verschiedenen
+Regimenter vertheilt werden konnten. Diese Rüstungen erforderten zwar
+viel baares Geld; aber Wilhelm hatte auch durch weise Sparsamkeit für
+den Fall unvorhergesehener großer Bedürfnisse einen Reserveschatz
+zurückgelegt, der sich auf ungefähr zweihundertfünfzigtausend Pfund
+Sterling belief. Das noch Fehlende wurde von seinen Anhängern
+bereitwilligst zugeschossen. Außerdem erhielt er auch aus England große
+Massen Gold, man sprach von nicht weniger als hunderttausend Guineen.
+Die Hugenotten, welche bedeutende Quantitäten des edlen Metalls ins Exil
+mitgenommen hatten, liehen ihm gern Alles, was sie besaßen, denn sie
+lebten der frohen Hoffnung, daß sie, wenn sein Unternehmen gelang, in
+ihr Vaterland würden zurückkehren dürfen, und fürchteten, daß sie im
+Falle des Mißlingens in ihrer Adoptivheimath kaum noch sicher sein
+würden.<a class = "tag" name = "tagIX_44" id = "tagIX_44" href =
+"#noteIX_44">44</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_44" id = "noteIX_44" href = "#tagIX_44">44.</a>
+<span class = "antiqua">Avaux Neg., Aug. 2.(12.), 10.(20.), 11.(21.),
+14.(24.), 16.(26.), 17.(27.), Aug. 23. (Sept. 2.) 1688</span>.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Er erhält zahlreiche Unterstützungszusagen aus England.</span>
+<a name = "secIX_26" id = "secIX_26">Während</a> der letzten Hälfte des
+Juli und im Laufe des ganzen August nahmen die Rüstungen einen raschen,
+dem ungestümen Wilhelm aber noch immer zu langsamen Fortgang.
+Mittlerweile wurde zwischen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_36" id = "pageIX_36">
+IX.36</a></span>
+England und Holland ein lebhafter Verkehr unterhalten. Da man die
+gewöhnlichen Mittel zur Beförderung von Nachrichten und Passagieren
+nicht mehr für sicher hielt, fuhr ein leichtes Boot von wunderbarer
+Schnelligkeit beständig zwischen Scheveningen und der Ostküste unsrer
+Insel hin und her.<a class = "tag" name = "tagIX_45" id = "tagIX_45"
+href = "#noteIX_45">45</a> Durch dieses Fahrzeug erhielt Wilhelm von
+hochstehenden Männern der Kirche, der Politik und des Heeres eine Reihe
+von Zuschriften. Von den sieben Prälaten, welche die denkwürdige
+Petition unterzeichnet, hatten zwei, Lloyd, Bischof von St. Asaph, und
+Trelawney, Bischof von Bristol, während ihres Aufenthalts im Tower die
+Lehre vom Nichtwiderstande noch einmal in Erwägung gezogen und waren
+bereit, einen bewaffneten Befreier willkommen zu heißen. Ein Bruder des
+Bischofs von Bristol, der Oberst Karl Trelawney, der eines der
+tangerschen Regimenter commandirte, welches jetzt als das vierte
+Linienregiment bekannt ist, erklärte sich bereit, für den
+protestantischen Glauben sein Schwert zu ziehen. Ähnliche Versicherungen
+kamen auch von dem rohen Kirke. Churchill erklärte in einem Briefe, der
+in ziemlich pathetischem Tone, dem sicheren Zeichen, daß er einen
+Schurkenstreich im Sinne hatte, geschrieben war, er sei entschlossen,
+seine Pflicht gegen den Himmel und gegen sein Vaterland zu erfüllen, und
+lege seine Ehre ganz in die Hände des Prinzen von Oranien. Wilhelm las
+dieses Schreiben gewiß mit jenem bittern und cynischen Lächeln, das
+seinen Zügen den mindest angenehmen Ausdruck gab. Er hielt sich nicht
+für bemüßigt, die Ehre Anderer in seine Obhut zu nehmen; auch hatten es
+die strengsten Casuisten nicht für unrecht erklärt, wenn ein General die
+Dienste von Überläufern, die er nur verachten konnte, erbat, benutzte
+und belohnte.<a class = "tag" name = "tagIX_46" id = "tagIX_46" href =
+"#noteIX_46">46</a></p>
+
+<p>Churchill’s Brief wurde von Sidney überbracht, dessen Stellung in
+England gefährlich geworden war und der, nachdem er die Spur seines
+Weges durch zahlreiche Vorsichtsmaßregeln verborgen hatte, Mitte August
+nach Holland kam.<a class = "tag" name = "tagIX_47" id = "tagIX_47" href
+= "#noteIX_47">47</a> Um die nämliche Zeit schifften Shrewsbury und
+Eduard Russell in einem Boote, das sie in aller Stille gemiethet hatten,
+durch die Nordsee und erschienen im Haag. Shrewsbury brachte
+zwölftausend Pfund Sterling mit, die er auf seine Güter aufgenommen
+hatte und bei der Bank von Amsterdam deponirte. Devonshire, Danby und
+Lumley blieben in England, wo sie sich, sobald der Prinz den Fuß auf die
+Insel setzte, bewaffnet erheben wollten.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_45" id = "noteIX_45" href = "#tagIX_45">45.</a>
+<span class = "antiqua">Avaux Neg., Sept. 4.(14.) 1688.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_46" id = "noteIX_46" href = "#tagIX_46">46.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet I. 765</span>; Churchill’s Brief ist vom
+4. August 1688 datirt.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_47" id = "noteIX_47" href = "#tagIX_47">47.</a>
+<span class = "antiqua">Memoirs of the Duke of Shrewsbury,
+1718.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Sunderland.</span>
+<a name = "secIX_27" id = "secIX_27">Man</a> hat Grund zu glauben, daß
+Wilhelm um diese Zeit auch die ersten Beitrittsversicherungen von einer
+ganz andren Seite erhielt. Die Geschichte der Intriguen Sunderland’s ist
+in ein Dunkel gehüllt, das schwerlich je ein Forscher wird aufzuklären
+vermögen; wenn es aber auch nicht möglich ist, die ganze Wahrheit zu
+entdecken, so kann man doch leicht einige handgreifliche Erdichtungen
+nachweisen. Die Jakobiten behaupteten aus naheliegenden Gründen, die
+Revolution von 1688 sei die Frucht eines schon vor langer Zeit
+angezettelten Complots gewesen, und Sunderland bezeichneten sie als das
+Haupt der Verschwörung. Sie behaupteten, er habe in der Verfolgung
+seines großen Planes seinen nur zu vetrauensvollen Gebieter angereizt,
+von Gesetzen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_37" id = "pageIX_37">
+IX.37</a></span>
+zu dispensiren, ein ungesetzliches Tribunal zu errichten, freies
+Eigenthum zu confisciren und die Väter der Landeskirche ins Gefängniß zu
+werfen. Dieser Roman stützt sich auf keinen Beweis, und obgleich er bis
+auf unsre Zeit nacherzählt worden ist, verdient er doch kaum eine
+Widerlegung. Nichts ist gewisser, als daß Sunderland sich einigen der
+unklügsten Schritte Jakob’s widersetzte, insbesondere der Verfolgung der
+Bischöfe, welche eigentlich die entscheidende Krisis herbeiführte. Aber
+wenn auch diese Thatsache nicht feststände, so würde noch ein andres
+Argument den Streit entscheiden. Welchen denkbaren Grund konnte
+Sunderland haben, eine Revolution herbeizuwünschen? Unter dem
+herrschenden Systeme stand er auf dem Gipfel des Ansehens und des
+Glücks. Als Präsident des Geheimen Raths hatte er den Vorrang vor allen
+weltlichen Peers, und als erster Staatssekretär war er das thätigste und
+mächtigste Mitglied des Kabinets. Er durfte den Herzogstitel erwarten.
+Er hatte den Hosenbandorden erhalten, den noch unlängst der glänzende
+und leichtfertige Buckingham getragen, der nach Vergeudung seines
+fürstlichen Vermögens und seines reichbegabten Geistes verlassen,
+verachtet und mit gebrochenem Herzen ins Grab gesunken war.<a class =
+"tag" name = "tagIX_48" id = "tagIX_48" href = "#noteIX_48">48</a> Geld,
+auf das Sunderland mehr Werth legte als auf Gunst- und Ehrenbezeigungen,
+strömte ihm in solcher Fülle zu, daß er bei einigermaßen geregelter
+Verwaltung seiner Einkünfte hoffen konnte, binnen wenigen Jahren einer
+der reichsten Unterthanen in Europa zu werden. Die directen Einkünfte
+seiner Stellen waren, obwohl sehr bedeutend, doch nur ein kleiner Theil
+seiner Revenüen. Von Frankreich allein bezog er ein regelmäßiges
+Jahrgeld von nahe an sechstausend Pfund, abgesehen von bedeutenden
+Gelegenheitsgratifikationen. Mit Tyrconnel war er, wie wir wissen, auf
+fünftausend Pfund jährlich, oder fünfzigtausend ein für allemal, einig
+geworden. Welche Summen er außerdem durch den Handel mit Stellen, Titeln
+und Begnadigungen verdiente, kann nur gemuthmaßt werden, aber sie müssen
+enorm gewesen sein. Es schien Jakob Vergnügen zu machen, einen Mann, den
+er als durch sich bekehrt betrachtete, mit Reichthümern förmlich zu
+überschütten. Alle Geldbußen, alles verfallende Eigenthum erhielt
+Sunderland. Von jeder Verleihung bekam Sunderland Gebühren. Wenn irgend
+ein Bittsteller es wagte, sich direct an den König zu wenden, so erhielt
+er von diesem die Antwort: „Haben Sie mit meinem Lordpräsidenten
+gesprochen?“ Ein beherzter Mann erlaubte sich einmal die Äußerung, der
+Lordpräsident verschlinge das ganze Geld des Hofes. „Ja,“ erwiederte
+Seine Majestät, „aber er verdient es auch.“<a class = "tag" name =
+"tagIX_49" id = "tagIX_49" href = "#noteIX_49">49</a> Wir werden das
+Gesammteinkommen des Ministers nicht zu hoch anschlagen, wenn wir es auf
+dreißigtausend Pfund jährlich schätzen, und man darf nicht vergessen,
+daß ein solches Einkommen damals seltener war als gegenwärtig ein
+Einkommen von hunderttausend Pfund. Es ist sehr wahrscheinlich, daß es
+damals nicht einen einzigen Peer gab, dessen Privateinkünfte den
+Amtseinkünften Sunderlands gleichgekommen waren.</p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_38" id = "pageIX_38">
+IX.38</a></span>
+<p>Hatte nun ein in ungesetzliche und unpopuläre Regierungsmaßregeln so
+tief verwickelter Mann, ein Mitglied der Hohen Commission, ein Renegat,
+den die Menge auf öffentlichen Plätzen mit dem Geschrei: „Papistischer
+Hund!“ verfolgte, wohl Aussicht, unter einer neuen Ordnung der Dinge
+noch größer und reicher zu werden? Hatte er wohl nur Aussicht, der
+verdienten Strafe zu entgehen?</p>
+
+<p>Er hatte gewiß schon seit langer Zeit die Möglichkeit im Auge, daß
+Wilhelm und Maria nach dem natürlichen Laufe der Natur und des Gesetzes
+einst an die Spitze der englischen Regierung kommen könnten, und
+wahrscheinlich hatte er es auch schon versucht, sich durch
+Versprechungen und Dienstleistungen, die, wenn sie entdeckt worden
+wären, seinen Credit in Whitehall gerade nicht erhöht haben würden, ihre
+Gunst zu erwerben. Aber man darf mit Gewißheit behaupten, daß es nicht
+sein Wunsch war, sie durch eine Revolution auf den Thron erhoben zu
+sehen, und daß er eine solche Revolution nicht im entferntesten
+vermuthete, als er gegen Ende Juni 1688 feierlich in den Schooß der
+römischen Kirche übertrat.</p>
+
+<p>Kaum jedoch hatte er sich durch dieses unverzeihliche Verbrechen den
+Haß und die Verachtung der ganzen Nation zugezogen, so erfuhr er, daß
+die bürgerliche und kirchliche Verfassung Englands demnächst durch
+fremde und einheimische Waffen vertheidigt werden sollte. Von diesem
+Augenblicke an scheinen alle seine Pläne eine Umgestaltung erfahren zu
+haben. Angst und Furcht drückten ihn gänzlich darnieder und sprachen so
+deutlich aus seinen Gesichtszügen, daß Jedermann sie auf den ersten
+Blick darin lesen konnte.<a class = "tag" name = "tagIX_50" id =
+"tagIX_50" href = "#noteIX_50">50</a> Es unterlag kaum einem Zweifel,
+daß im Falle einer Revolution die den Thron umgebenden bösen Rathgeber
+zu strenger Rechenschaft gezogen werden würden, und er stand unter
+diesen bösen Rathgebern obenan. Der Verlust seiner Stellen, seiner
+Gehalte und seiner Pensionen war das Geringste, was er zu fürchten
+hatte. Sein Stammschloß Althorpe mit seinen großen Waldungen konnte
+confiscirt werden. Er konnte viele Jahre im Gefängniß schmachten oder
+sein Leben in fremdem Lande als Pensionair der Freigebigkeit Frankreichs
+beschließen müssen. Und selbst dies war noch nicht das Schlimmste. Der
+unglückliche Staatsmann begann von schrecklichen Visionen verfolgt zu
+werden; er sah im Geiste Towerhill mit einer zahllosen Menschenmenge
+bedeckt, die beim Anblicke des Apostaten in ein wildes Jubelgeschrei
+ausbrach, er sah ein schwarz behangenes Schaffot, er sah Burnet, der das
+Sterbegebet für ihn las, und Ketch, auf das Beil gestützt, mit welchem
+Russell und Monmouth in so grauenvoller Weise abgeschlachtet worden
+waren. Wohl gab es noch einen Ausweg, durch den er sich retten konnte,
+aber dieser Weg würde einem edlen Character noch viel schrecklicher
+gewesen sein, als ein Kerker oder das Schaffot. Er konnte sich durch
+einen rechtzeitigen und nützlichen Verrath von den Feinden der Regierung
+Verzeihung erwirken. Es stand in seiner Macht, ihnen in jenem
+Augenblicke unschätzbare Dienste zu leisten, denn der König befolgte
+stets seinen Rath, er hatte großen Einfluß auf die jesuitische Cabale,
+und der französische Gesandte schenkte ihm blindes Vertrauen. An einer
+des Zweckes, dem sie dienen sollte, würdigen Vermittlerin fehlte es ihm
+nicht. Die Gräfin
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_39" id = "pageIX_39">
+IX.39</a></span>
+von Sunderland war ein schlaues Weib, die unter einem Schein von
+Frömmigkeit, durch welchen sich viele erfahrene Männer täuschen ließen,
+mit großer Thätigkeit verliebte und politische Intriguen betrieb.<a
+class = "tag" name = "tagIX_51" id = "tagIX_51" href =
+"#noteIX_51">51</a> Der schöne und leichtfertige Heinrich Sidney war
+seit geraumer Zeit ihr begünstigter Anbeter, und ihrem Gatten war es
+ganz angenehm, sie auf diese Weise mit dem Hofe im Haag verbunden zu
+sehen. Wenn er eine geheime Botschaft nach Holland befördern wollte,
+sprach er mit seiner Gattin darüber, diese schrieb an Sidney, und Sidney
+theilte ihren Brief dem Prinzen Wilhelm mit. Ein derartiges Schreiben
+wurde aufgefangen und Jakob hinterbracht. Sie behauptete keck, es sei
+gefälscht, und ihr Gatte vertheidigte sich mit der ihm eigenen
+Geschicklichkeit, indem er dem Könige vorstellte, es sei unmöglich, daß
+irgend ein Mensch so schlecht sein könne, das zu thun, was er gleichwohl
+fortwährend that. „Selbst wenn dies wirklich Lady Sunderland’s Hand
+wäre,“ sagte er, „so würde ich doch nichts damit zu thun haben. Eure
+Majestät kennt mein häusliches Mißgeschick. Es ist nur zu bekannt, auf
+welchem Fuße meine Frau mit Sidney steht. Wer könnte glauben, daß ich
+einen Mann zu meinem Vertrauten machen werde, der meine Ehre an der
+empfindlichsten Seite gekränkt hat, den Mann, den ich von Allen am
+meisten hassen muß?“<a class = "tag" name = "tagIX_52" id = "tagIX_52"
+href = "#noteIX_52">52</a> Diese Vertheidigung wurde für genügend
+erachtet und nach wie vor gingen geheime Nachrichten von dem wissentlich
+betrogenen Gatten an die Ehebrecherin, von der Ehebrecherin an den Galan
+und von dem Galan an die Feinde Jakob’s.</p>
+
+<p>Es ist sehr wahrscheinlich, daß Wilhelm um die Mitte des August die
+ersten bestimmten Versicherungen von Sunderland’s Unterstützung mündlich
+durch Sidney erhielt. Gewiß ist soviel, daß von dieser Zeit an bis zu
+dem Augenblicke, wo die Expedition zum Absegeln bereit war, eine
+lebhafte Correspondenz zwischen der Gräfin und ihrem Geliebten
+unterhalten wurde. Einige von ihren Briefen, welche zum Theil in
+Chiffersprache geschrieben waren, sind noch vorhanden. Sie enthalten
+Versicherungen von Geneigtheit und Dienstversprechungen nebst dringenden
+Bitten um Schutz. Die Schreiberin giebt zu verstehen, daß ihr Gatte
+Alles thun werde, was seine Freunde im Haag nur wünschen könnten; sie
+hält es für nöthig, daß er auf einige Zeit ins Exil geht, aber sie
+hofft, daß seine Verbannung nicht ewig dauern und daß ihm sein Erbgut
+erhalten bleiben werde und bittet angelegentlich um Bezeichnung eines
+passenden Ortes, wohin er sich zurückziehen könne, bis die erste Wuth
+des Sturmes sich gelegt haben würde.<a class = "tag" name = "tagIX_53"
+id = "tagIX_53" href = "#noteIX_53">53</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_48" id = "noteIX_48" href = "#tagIX_48">48.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, April 25. 28. 1687</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_49" id = "noteIX_49" href = "#tagIX_49">49.</a>
+<span class = "antiqua">Secret Consults of the Romish Party in
+Ireland</span>. Diese Mittheilung wird durch eine Stelle in einem
+Schreiben von Bonrepaux an Seignelay vom 12.(22.) Sept. 1687 bestätigt.
+<span class = "antiqua">„Il (Sunderland) amassera beaucoup d’argent, le
+roi son maître lui donnant la plus grande partie de celui qui provient
+des confiscations ou des accommodemens que ceux qui ont encourû des
+peines font pour obtenir leur grace.“</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_50" id = "noteIX_50" href = "#tagIX_50">50.</a>
+Adda sagt in einer Depesche vom 26. Oct. (5. Nov.) 1688, daß man
+Sunderland seine Angst angesehen habe.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_51" id = "noteIX_51" href = "#tagIX_51">51.</a>
+Vergleiche Evelyn’s Mittheilungen über sie mit dem, was die Prinzessin
+von Dänemark von ihr nach dem Haag schrieb, und mit ihren eigenen
+Briefen an Heinrich Sidney.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_52" id = "noteIX_52" href = "#tagIX_52">52.</a>
+Bonrepaux an Seignelay, 11.(21.) Juli 1688.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_53" id = "noteIX_53" href = "#tagIX_53">53.</a>
+Siehe ihre Briefe in Sidney’s unlängst erschienenem Tagebuche und
+Correspondenz. Fox bezeichnet in seiner Ausgabe der Depeschen von
+Barillon den 30. August n. St. 1688 als den Zeitpunkt, von welchem an
+Sunderland ganz bestimmt ein falsches Spiel spielte.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm’s Befürchtungen.</span>
+<a name = "secIX_28" id = "secIX_28">Der</a> Beistand Sunderland’s war
+höchst willkommen. Denn je näher der für den großen Schlag bestimmte
+Zeitpunkt heranrückte, um so mehr nahm Wilhelm’s ängstliche Besorgniß
+zu. Vor gewöhnlichen Blicken verbarg er seine Gefühle hinter
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_40" id = "pageIX_40">
+IX.40</a></span>
+der eiskalten Ruhe seines Benehmens; Bentinck aber öffnete er sein
+ganzes Herz. Die Vorbereitungen waren noch nicht ganz vollendet, der
+Plan wurde schon geahnet und konnte nicht länger verborgen werden. Der
+König von Frankreich oder die Stadt Amsterdam konnten noch immer das
+ganze Unternehmen vereiteln. Wenn Ludwig eine bedeutende Truppenmacht
+nach Brabant schickte, wenn die Partei, welche den Statthalter haßte,
+das Haupt erhob, so war Alles vorbei. „Meine Angst und meine Besorgniß,“
+schrieb der Prinz, „sind furchtbar. Ich weiß kaum mehr was ich thue.
+Noch nie in meinem Leben fühlte ich so stark das Bedürfniß der
+göttlichen Leitung.“<a class = "tag" name = "tagIX_54" id = "tagIX_54"
+href = "#noteIX_54">54</a> Bentinck’s Gemahlin war um diese Zeit
+gefährlich krank, und beide Freunde ängstigten sich sehr um sie. „Gott
+halte Sie aufrecht,“ schrieb Wilhelm, „und gebe Ihnen die Kraft, Ihren
+Theil bei einem Werke zu verrichten, von welchem, soweit Menschen es
+beurtheilen können, das Wohl seiner Kirche abhängt.“<a class = "tag"
+name = "tagIX_55" id = "tagIX_55" href = "#noteIX_55">55</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_54" id = "noteIX_54" href = "#tagIX_54">54.</a>
+19.(29.) August 1688.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_55" id = "noteIX_55" href = "#tagIX_55">55.</a>
+4.(14.) Sept. 1688.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob wird gewarnt.</span>
+<a name = "secIX_29" id = "secIX_29">Es</a> war in der That unmöglich,
+daß ein so umfassender Plan, wie der gegen den König von England
+entworfene war, viele Wochen lang geheim bleiben konnte. Keine Vorsicht
+konnte es verhindern, daß scharfblickende Leute Wilhelm’s großartige
+Kriegsrüstungen zu Lande und zur See bemerkten und den Zweck dieser
+Rüstungen ahneten. Schon Anfang August raunte man einander in London zu,
+daß ein großes Ereigniß im Anzuge sei. Der schwache und bestochene
+Albeville, der sich damals zu Besuch in England befand, war überzeugt
+oder stellte sich wenigstens so, daß die holländische Regierung keine
+feindlichen Absichten gegen England hege. Aber während Albeville’s
+Abwesenheit versah Avaux mit ausgezeichneter Umsicht die Geschäfte eines
+französischen und englischen Gesandten zugleich bei den Generalstaaten
+und lieferte sowohl Barillon als auch Ludwig ausführliche Nachrichten.
+Avaux war fest überzeugt, daß eine Landung in England beabsichtigt
+wurde, und es gelang ihm, seinem Gebieter die Richtigkeit dieser
+Vermuthung vollkommen einleuchtend zu machen. Jeder Courier, der
+entweder vom Haag oder von Versailles nach Westminster kam, brachte
+ernste Warnungen mit.<a class = "tag" name = "tagIX_56" id = "tagIX_56"
+href = "#noteIX_56">56</a> Jakob aber war in einer Täuschung befangen,
+in der er allem Anscheine nach von Sunderland geschickt erhalten wurde.
+Der Prinz von Oranien, sagte der schlaue Minister, werde es nie wagen,
+eine überseeische Expedition zu unternehmen und Holland von
+Vertheidigungsmitteln zu entblößen. Die Generalstaaten würden sich in
+Erinnerung dessen, was sie während des furchtbaren Kampfes von 1672
+gelitten und zu fürchten gehabt hätten, gewiß nicht der Gefahr
+aussetzen, wieder ein feindliches Heer auf der Ebene zwischen Utrecht
+und Amsterdam lagern zu sehen. Es herrsche allerdings große
+Unzufriedenheit in England, aber zwischen Unzufriedenheit und Rebellion
+liege noch eine große Kluft. Männer von Rang und Vermögen seien nicht so
+leicht zu bewegen, ihre Stellung, ihr Eigenthum und ihr Leben auf’s
+Spiel zu setzen. Wie viele hochstehende Whigs hätten zu der Zeit, als
+Monmouth in den Niederlanden war, eine übermüthige Sprache geführt! Und
+welcher hochstehende Whig habe sich ihm angeschlossen, als er sein
+Banner
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_41" id = "pageIX_41">
+IX.41</a></span>
+aufgepflanzt? Es sei leicht erklärlich, warum Ludwig sich stellte, als
+ob er diesen leeren Gerüchten Glauben schenke. Er hoffte ohne Zweifel,
+den König von England durch Ängstigung zu bestimmen, daß er in dem
+kölner Streite auf die Seite Frankreichs trat. Durch solche Argumente
+ließ Jakob sich leicht in eine stupide Sicherheit wiegen.<a class =
+"tag" name = "tagIX_57" id = "tagIX_57" href = "#noteIX_57">57</a>
+Ludwig’s Angst und Unwille nahm dagegen mit jedem Tage zu und der Ton
+seiner Briefe wurde immer schärfer und heftiger.<a class = "tag" name =
+"tagIX_58" id = "tagIX_58" href = "#noteIX_58">58</a> Er sagte, er könne
+diese Gleichgültigkeit am Vorabende einer großen Krisis nicht begreifen.
+Sei denn der König behext? Seien seine Minister blind? Sei es möglich,
+daß Niemand in Whitehall merkte, was in England und auf dem Continent
+vorging? Eine so thörichte Sicherheit könne doch kaum die Wirkung bloßer
+Unvorsichtigkeit sein, dahinter müsse absichtliche Täuschung stecken,
+Jakob müsse offenbar in treulosen Händen sein. Barillon wurde dringend
+ermahnt, den englischen Ministern nicht vollkommen zu trauen; aber alle
+Ermahnungen waren umsonst. Ihn sowohl als Jakob hatte Sunderland mit
+einem Zauber umsponnen, den keine Ermahnungen zerstören konnten.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_56" id = "noteIX_56" href = "#tagIX_56">56.</a>
+Avaux 19.(29.) Juni; 31. Juli (10. Aug,), 11.(21.) Aug. 1688; Ludwig an
+Barillon, 2.(12.), 16.(26.) Aug.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_57" id = "noteIX_57" href = "#tagIX_57">57.</a>
+Barillon 20.(30.) Aug., 23. Aug. (2. Sept.) 1688; Adda, 24. Aug. (3.
+Sept.); <span class = "antiqua">Clarke’s Life of James the Second, II.
+177. Orig. Mem.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_58" id = "noteIX_58" href = "#tagIX_58">58.</a>
+Ludwig an Barillon, 3.(13.), 8.(18.), 11.(21.) Sept. 1688.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Ludwig’s Bemühungen, um Jakob zu retten.</span>
+<a name = "secIX_30" id = "secIX_30">Ludwig</a> regte sich
+nachdrücklich. Bonrepaux, welcher Barillon an Schlauheit weit überlegen
+war und der Sunderland stets mit feindseligem und argwöhnischem Blicke
+betrachtet hatte, wurde mit dem Anerbieten einer Unterstützung durch
+Schiffe nach London gesandt. Zu gleicher Zeit erhielt Avaux Auftrag, den
+Generalstaaten zu erklären, daß Frankreich den König Jakob unter seinen
+Schutz genommen habe. Ein starkes Truppencorps wurde zum Aufbruch nach
+der holländischen Grenze bereit gehalten. Dieser kühne Versuch, den
+verblendeten Tyrannen wider seinen Willen zu retten, wurde im vollen
+Einverständniß mit Skelton gemacht, der jetzt Gesandter England’s am
+Hofe von Versailles war.</p>
+
+<p>Avaux verlangte seinen Instructionen gemäß eine Audienz bei den
+Generalstaaten, die ihm bereitwillig zugestanden wurde. Die Versammlung
+war ungewöhnlich zahlreich. Man glaubte allgemein, daß er eine Eröffnung
+in Bezug auf den Handel machen werde, und der Präsident hatte sich mit
+einer in dieser Voraussetzung entworfenen Antwort versehen. Sobald aber
+Avaux sich seines Auftrags zu entledigen begann, äußerten sich
+unverkennbare Zeichen von Mißbehagen. Diejenigen, von denen man glaubte,
+daß sie das Vertrauen des Prinzen von Oranien genossen, schlugen die
+Augen nieder. Die Aufregung nahm zu, als der Gesandte ankündigte, daß
+sein Gebieter durch die engsten Bande der Freundschaft und Allianz mit
+Seiner Großbritannischen Majestät verbunden sei und daß jeder Angriff
+auf England als eine Kriegserklärung gegen Frankreich betrachtet werden
+würde. Der völlig unvorbereitete Präsident stammelte einige ausweichende
+Phrasen hervor und die Conferenz war zu Ende. Zu gleicher Zeit war den
+Staaten angekündigt worden, daß Ludwig den Cardinal Fürstenberg und das
+kölner Domkapitel unter seinen Schutz genommen habe.<a class = "tag"
+name = "tagIX_59" id = "tagIX_59" href = "#noteIX_59">59</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_42" id = "pageIX_42">
+IX.42</a></span>
+<p>Die Deputirten waren in der größten Bestürzung. Einige empfahlen
+Vorsicht und Aufschub. Andere athmeten nichts als Krieg. Fagel sprach
+mit Heftigkeit von der französischen Anmaßung und bat seine Collegen
+dringend, sich durch Drohungen nicht einschüchtern zu lassen. Er sagte,
+die passende Antwort auf eine solche Mittheilung sei die Verstärkung des
+Heeres und die Ausrüstung neuer Schiffe. Es wurde augenblicklich ein
+Courier abgesandt, um Wilhelm von Minden zu holen, wo er eine wichtige
+Besprechung mit dem Kurfürsten von Brandenburg hatte.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_59" id = "noteIX_59" href = "#tagIX_59">59.</a>
+Avaux, 23. August (2. Sept.), 30. Aug. (9. Sept.) 1688.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob vereitelt dieselben.</span>
+<a name = "secIX_31" id = "secIX_31">Doch</a> man brauchte nicht
+ängstlich zu sein. Jakob schien es darauf anzulegen, sich ins Verderben
+zu stürzen und jeder Versuch ihn zurückzuhalten hatte keinen andren
+Erfolg, als daß er dem Abgrunde nur noch rascher zueilte. Als sein Thron
+befestigt, als sein Volk gehorsam war, als das dienstwilligste aller
+Parlamente sich befleißigte, allen seinen billigen Wünschen
+entgegenzukommen, als auswärtige Königreiche und Republiken mit einander
+wetteiferten, ihm zu huldigen und zu schmeicheln, als es nur von ihm
+abhing, der Schiedsrichter der Christenheit zu sein, hatte er sich zum
+Sklaven und Söldlinge Frankreichs erniedrigt. Und jetzt, wo es ihm durch
+eine Reihe von Verbrechen und Thorheiten gelungen war, sich seine
+Nachbarn, seine Unterthanen, seine Soldaten, seine Seeleute und seine
+Kinder zu entfremden, und wo ihm kein andrer Ausweg mehr blieb, als der
+französische Schutz, bekam er plötzlich einen Anfall von Stolz und
+beschloß seine Unabhängigkeit zu behaupten. Die Hülfe, die er zu einer
+Zeit, wo er ihrer nicht bedurfte, mit schimpflichen Dankesthränen
+angenommen hatte, wies er jetzt, wo er sie nicht entbehren konnte, mit
+Verachtung zurück. Nachdem er sich zu einer Zeit, wo er viel eher mit
+ängstlicher Sorgfalt auf die Wahrung seiner Würde hätte halten können,
+erniedrigt hatte, wurde er undankbar hochmüthig in einem Augenblicke, wo
+der Hochmuth ihm zu gleicher Zeit Hohn und Verderben zuziehen mußte. Er
+fühlte sich beleidigt durch die freundschaftliche Hülfe, die ihn hätte
+retten können. War je ein König so behandelt worden? War er ein Kind
+oder ein Schwachkopf, daß Andere für ihn denken mußten? War er ein
+Winkelfürst, ein Cardinal Fürstenberg, der fallen mußte, wenn nicht ein
+mächtiger Beschützer ihn hielt? Sollte er sich durch einen prahlerischen
+Schutz, um den er nie gebeten, sich in den Augen von ganz Europa
+herabsetzen lassen? Skelton wurde zurückgerufen, um über sein Verfahren
+Rechenschaft zu geben, und wurde sogleich nach seiner Ankunft in den
+Tower gesperrt. Citters dagegen wurde in Whitehall gut aufgenommen und
+er hatte eine lange Audienz. Er konnte mit mehr Wahrheit, als die
+Diplomaten in solchen Fällen überhaupt für nöthig hielten, jede
+feindselige Absicht auf Seiten der Generalstaaten leugnen. Denn die
+Generalstaaten hatten bis jetzt noch keine öffentliche Kenntniß von
+Wilhelm’s Plane, und es war keineswegs unmöglich, daß sie selbst jetzt
+noch demselben ihre Genehmigung vorenthielten. Jakob erklärte, daß er
+den Gerüchten von einer holländischen Invasion nicht den geringsten
+Glauben schenke und daß das Benehmen der französischen Regierung ihn
+überrascht und verdrossen habe. Middleton erhielt die Weisung, allen
+auswärtigen Gesandten zu versichern, daß kein solches Bündniß zwischen
+Frankreich und England bestehe, wie der Hof von Versailles zu seinen
+Zwecken vorgebe; dem Nuntius sagte der König, Ludwig’s Absichten seien
+mit Händen zu greifen, sollten aber vereitelt werden. Diese zudringliche
+Protection sei zu gleicher Zeit eine
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_43" id = "pageIX_43">
+IX.43</a></span>
+Beleidigung und eine Schlinge. „Mein guter Bruder,“ sagte Jakob, „hat
+vortreffliche Eigenschaften; aber Schmeichelei und Eitelkeit haben ihm
+den Kopf verrückt.“<a class = "tag" name = "tagIX_60" id = "tagIX_60"
+href = "#noteIX_60">60</a> Adda, dem an Cöln mehr gelegen war, als an
+England, nährte diese sonderbare Täuschung. Albeville, der jetzt wieder
+auf seinen Posten zurückgekehrt war, erhielt Befehl, den Generalstaaten
+freundschaftliche Versicherungen zu geben und einige hochtrabende
+Redensarten hinzuzusetzen, die sich in dem Munde einer Elisabeth oder
+eines Oliver nicht übel ausgenommen haben würden. „Mein Gebieter,“ sagte
+er, „steht durch seine Macht und seinen Muth hoch über der Stufe, die
+ihm Frankreich gern anweisen möchte. Es ist ein kleiner Unterschied
+zwischen einem König von England und einem Erzbischof von Cöln.“
+Bonrepaux wurde in Whitehall sehr kühl aufgenommen. Die von ihm
+offerirte Unterstützung an Schiffen wurde zwar nicht geradezu abgelehnt,
+aber er mußte wieder abreisen, ohne etwas festgesetzt zu haben, und die
+Gesandten der Vereinigten Provinzen wie des Hauses Österreich wurden
+benachrichtigt, daß seine Sendung dem Könige unangenehm gewesen sei und
+zu keinem Resultate geführt habe. Nach der Revolution rühmte sich
+Sunderland, und wahrscheinlich mit Recht, daß er seinen Gebieter dazu
+bestimmt habe, die angebotene Unterstützung Frankreichs
+zurückzuweisen.<a class = "tag" name = "tagIX_61" id = "tagIX_61" href =
+"#noteIX_61">61</a></p>
+
+<p>Die unvernünftige Thorheit Jakob’s erregte natürlich den Unwillen
+seines mächtigen Nachbars. Ludwig beklagte sich, daß die englische
+Regierung ihn zum Dank für den größten Dienst, den er ihr hätte leisten
+können, angesichts der ganzen Christenheit Lügen gestraft habe. Er
+bemerkte ganz richtig, was Avaux in Betreff des Bündnisses zwischen
+Frankreich und Großbritannien gesagt habe, sei wenn auch nicht dem
+Buchstaben nach, doch im allgemeinen Sinne wahr. Es bestehe allerdings
+kein in Paragraphen eingetheilter, unterschriebener, besiegelter und
+ratificirter Vertrag, aber Zusicherungen, welche in den Augen von
+Ehrenmännern für eben so heilig gälten als Verträge, wären seit mehreren
+Jahren zwischen den beiden Höfen gewechselt worden. Ludwig setzte noch
+hinzu, daß er, eine so hohe Stellung er auch in Europa einnehme, doch
+nie so lächerlich eifersüchtig auf seine Würde sein werde, um in einer
+durch die Freundschaft eingegebenen Handlung eine Beleidigung zu
+erblicken. Jakob aber sei in einer ganz andren Lage und werde bald den
+Werth des so unfreundlich zurückgewiesenen Beistandes schätzen lernen.<a
+class = "tag" name = "tagIX_62" id = "tagIX_62" href =
+"#noteIX_62">62</a></p>
+
+<p>Trotz Jakob’s Verblendung und Undankbarkeit würde Ludwig aber doch
+klug gethan haben, wenn er auf dem den Generalstaaten angekündigten
+Entschlusse beharrt hätte. Avaux, der in Folge seines Scharfblicks und
+seines richtigen Urtheils ein Wilhelm’s würdiger Gegner war, erkannte
+das vollkommen. Das Bestreben der französischen Regierung &mdash; so
+dachte der kluge Gesandte &mdash; müsse vor Allem dahin gehen, die
+beabsichtigte
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_44" id = "pageIX_44">
+IX.44</a></span>
+Landung in England zu verhindern. Um diesen Zweck zu erreichen, müsse
+man in die spanischen Niederlande einrücken und die batavischen Grenzen
+bedrohen. Der Prinz von Oranien sei allerdings für seinen Lieblingsplan
+so sehr eingenommen, daß er denselben ausführen werde, selbst wenn die
+weiße Fahne schon auf den Wällen von Brüssel wehte, denn er hatte
+wirklich gesagt, wenn die Spanier Ostende, Mons und Namur nur bis zum
+nächsten Frühjahr halten könnten, so würde er dann mit einer Streitmacht
+von England zurückkehren, welche alles Verlorne bald wieder erobern
+werde. Allein dies sei wohl die Meinung des Prinzen, nicht aber die der
+Generalstaaten. Diese würden es gewiß nicht so leicht zugeben, daß ihr
+Oberbefehlshaber mit der Elite der Armee über die Nordsee fahre, während
+ein gewaltiges Heer ihr eignes Gebiet bedrohte.<a class = "tag" name =
+"tagIX_63" id = "tagIX_63" href = "#noteIX_63">63</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_60" id = "noteIX_60" href = "#tagIX_60">60.</a>
+<span class = "antiqua">„Che l’adulazione e la vanità gli avevano
+tornato il capo.“</span> &mdash;&nbsp;Adda, 31. Aug. (10. Sept.)
+1688.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_61" id = "noteIX_61" href = "#tagIX_61">61.</a>
+Citters, 11.(21.) Sept. 1688; Avaux, 17.(27.) Sept., 27. Sept. (7.
+Oct.); Barillon, 23. Sept. (3. Oct.); Wagenaar, Buch 60; <span class =
+"antiqua">Sunderland’s Apology</span>. Es ist oft behauptet worden,
+Jakob habe die Unterstützung eines französischen Armeecorps abgelehnt.
+In Wirklichkeit aber wurde ihm eine solche Unterstützung gar nicht
+angeboten. Die französischen Truppen würden auch in der That Jakob viel
+mehr genützt haben, wenn sie die holländischen Grenzen bedroht hätten,
+als wenn sie über den Kanal gekommen wären.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_62" id = "noteIX_62" href = "#tagIX_62">62.</a>
+Ludwig an Barillon, 20.(30.) Sept. 1688.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_63" id = "noteIX_63" href = "#tagIX_63">63.</a>
+Avaux, 27. Sept. (7. Oct.), 4.(14.) Oct. 1688.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die französischen Armeen fallen in Deutschland ein.</span>
+<a name = "secIX_32" id = "secIX_32">Ludwig</a> gab die Haltbarkeit
+dieser Gründe zu, aber er hatte sich schon zu einem andren Verfahren
+entschieden. Vielleicht hatte ihn die Unhöflichkeit und Verkehrtheit der
+englischen Regierung gereizt und er ließ sich zu seinem Nachtheile von
+seiner aufgebrachten Stimmung leiten. Vielleicht war er auch durch die
+Rathschläge seines Kriegsministers Louvois irregeführt, der großen
+Einfluß hatte und Avaux nicht mit freundlichem Auge betrachtete. Kurz,
+es wurde beschlossen, auf einer von Holland entfernten Seite einen
+großen und unerwarteten Schlag zu führen. Ludwig zog plötzlich seine
+Truppen aus Flandern und warf sie nach Deutschland. Ein Armeecorps unter
+dem nominellen Commando des Dauphins, in Wahrheit aber geleitet vom
+Herzoge von Duras und von Vauban, dem Vater der Befestigungskunst,
+belagerte Philippsburg. Ein andres unter den Befehlen des Marquis von
+Bouffiers nahm Worms, Mainz und Trier. Ein drittes unter dem Marquis von
+Humieres, besetzte Bonn. Den ganzen Rhein hinunter, von Karlsruhe bis
+Cöln waren die französischen Waffen siegreich. Die Nachricht von der
+Einnahme von Philippsburg traf am Allerheiligentage in Versailles ein,
+während der Hof gerade in der Kapelle den Gottesdienst hörte. Der König
+winkte dem Prediger inne zu halten, kündigte der Versammlung die frohe
+Botschaft an und kniete dann nieder, um Gott für diesen großen Sieg zu
+danken. Die Anwesenden weinten vor Freude.<a class = "tag" name =
+"tagIX_64" id = "tagIX_64" href = "#noteIX_64">64</a> Die Nachricht
+wurde von dem sanguinischen und leicht entzündlichen französischen Volke
+mit Jubel begrüßt. Dichter besangen die Triumphe ihres freigebigen
+Schutzherrn; Redner priesen auf der Kanzel die Weisheit und Großmuth des
+ältesten Sohnes der Kirche. Das Tedeum wurde mit ungewohntem Pomp
+gesungen und die feierlichen Töne der Orgel vermischten sich mit dem
+Schalle der Cymbeln und dem Geschmetter der Trompeten. Es war indessen
+wenig Ursache zur Freude vorhanden. Der große Staatsmann, der an der
+Spitze der europäischen Coalition stand, lächelte im Stillen über die
+nutzlose Kraftvergeudung seines Feindes. Ludwig hatte zwar durch sein
+rasches Handeln einige Vortheile in Deutschland errungen, aber diese
+Vortheile konnten ihm nur wenig nützen, wenn England, nachdem es unter
+vier aufeinanderfolgenden Königen unthätig und ruhmlos gewesen,
+plötzlich wieder seinen früheren Rang in Europa einnahm. Wenige Wochen
+genügten zur Ausführung des Unternehmens,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_45" id = "pageIX_45">
+IX.45</a></span>
+von dem das Schicksal der ganzen Welt abhing, und für einige Wochen
+waren die Vereinigten Provinzen noch in Sicherheit.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_64" id = "noteIX_64" href = "#tagIX_64">64.</a>
+Frau von Sévigné, 24. Oct. (3. Nov.) 1688.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm erlangt die Genehmigung der Generalstaaten für seine
+Expedition.</span>
+<a name = "secIX_33" id = "secIX_33">Wilhelm</a> betrieb nun seine
+Rüstungen mit unermüdlicher Thätigkeit und nicht mehr so heimlich, als
+er es bisher für nöthig gehalten hatte. Täglich gingen
+Unterstützungszusagen von auswärtigen Höfen ein. Im Haag war die
+Opposition zum Schweigen gebracht. Umsonst bot Avaux noch in diesem
+letzten Augenblicke seine ganze Gewandtheit auf, um die Partei, welche
+gegen drei Generationen des Hauses Oranien gekämpft hatte, zu
+ermuthigen. Die Häupter dieser Partei sahen zwar den Statthalter noch
+immer nicht mit günstigem Auge an, denn sie hatten Grund zu der
+Besorgniß, daß er, wenn sein Unternehmen gegen England gelang, er auch
+unumschränkter Beherrscher von Holland werden möchte. Aber die Fehler
+des Hofes von Versailles und die Geschicklichkeit, mit der er dieselben
+benutzt hatte, machten es unmöglich, ferner noch gegen ihn zu kämpfen.
+Er sah ein, daß es jetzt Zeit war, um die Genehmigung der Generalstaaten
+nachzusuchen. Amsterdam war das Hauptquartier der seinem Hause, seinem
+Amte und seiner Person feindlich gesinnten Partei, und selbst von
+Amsterdam hatte er diesen Augenblick nichts zu befürchten. Mit mehreren
+der vornehmsten Beamten dieser Stadt hatte er schon zu wiederholten
+Malen in Anwesenheit Dykvelt’s und Bentinck’s geheime Unterredungen
+gehabt und hatte sie zu dem Versprechen bewogen, daß sie das große
+Unternehmen fördern, oder sich demselben wenigstens nicht widersetzen
+wollten. Andere waren über Ludwig’s Handelsverordnungen erbittert, noch
+Andere waren besorgt um ihre von den französischen Dragonern
+tyrannisirten Verwandten und Freunde; wieder Andere fürchteten die
+Verantwortlichkeit, eine Spaltung herbeizuführen, welche dem batavischen
+Bunde verderblich werden konnte, und Einige endlich fürchteten das
+gemeine Volk, welches, durch die Ermahnungen eifriger Prediger
+aufgestachelt, bereit war, an jedem Verräther des Protestantismus eine
+summarische Justiz auszuüben. Daher erklärte sich die Majorität dieses
+Stadtraths, der so lange Zeit Frankreich ergeben gewesen war, zu Gunsten
+der Unternehmung Wilhelm’s. Von diesem Augenblicke an war jede Besorgniß
+wegen einer Opposition in irgend einem Theile der Vereinigten Provinzen
+gehoben und die Föderation ertheilte ihm in geheimer Sitzung die volle
+Genehmigung zu seiner Expedition.<a class = "tag" name = "tagIX_65" id =
+"tagIX_65" href = "#noteIX_65">65</a></p>
+
+<p>Der Prinz hatte sich bereits für einen zum Unterbefehlshaber
+trefflich geeigneten General entschieden. Dies war in der That kein
+unwichtiger Gegenstand. Ein zufälliger Schuß oder der Dolch eines
+Meuchelmörders konnte in einem Augenblicke die Expedition ihres
+Anführers berauben, und für diesen Fall mußte im Voraus ein Nachfolger
+bestimmt werden, der die Lücke sofort ausfüllte. Einen Engländer konnte
+man jedoch dazu nicht wählen, ohne entweder den Whigs oder den Tories zu
+nahe zu treten; auch hatte noch kein damals lebender Engländer bewiesen,
+daß er das zur Leitung eines Feldzugs nöthige militairische Geschick
+besaß. Auf der andren Seite war es nicht leicht, einem Ausländer den
+Vorzug zu geben, ohne das Nationalgefühl der stolzen Insulaner zu
+verwunden.
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_46" id = "pageIX_46">
+IX.46</a></span>
+Einen Mann gab es in Europa, aber auch nur diesen einen, gegen den sich
+nichts einwenden ließ; Friedrich, Graf von Schomberg, ein Deutscher aus
+einem edlen Hause der Pfalz. Er galt allgemein für den größten damals
+lebenden Meister der Kriegskunst. Seine oftmals durch starke
+Versuchungen geprüfte, aber nie erschütterte Rechtschaffenheit und
+Frömmigkeit hatten ihm allgemeine Achtung und Vertrauen erworben.
+Obgleich Protestant, hatte er mehrere Jahre im Dienste Ludwig’s
+gestanden und durch eine Reihe glänzender Waffenthaten seinem Gebieter
+trotz aller Ränke der Jesuiten den französischen Marschallsstab
+abgenöthigt. Als die Verfolgung zu wüthen begann, weigerte sich der
+tapfere Veteran standhaft, die königliche Gunst durch Abtrünnigkeit zu
+erkaufen, legte ohne Murren alle seine Ehrenstellen und Commando’s
+nieder, verließ sein zweites Vaterland für immer und zog sich an den
+berliner Hof zurück. Er war bereits über siebzig Jahre alt, aber geistig
+und körperlich noch sehr rüstig. Er war in England gewesen und dort
+außerordentlich geliebt und geehrt worden. Allerdings hatte er eine
+Empfehlung, der sich damals wenige Ausländer rühmen konnten: er sprach
+unsre Sprache, und zwar nicht nur verständlich, sondern elegant und
+rein. Er wurde mit Bewilligung des Kurfürsten von Brandenburg und zur
+aufrichtigen Freude der Oberhäupter aller englischen Parteien zu
+Wilhelm’s Stellvertreter ernannt.<a class = "tag" name = "tagIX_66" id =
+"tagIX_66" href = "#noteIX_66">66</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_65" id = "noteIX_65" href = "#tagIX_65">65.</a>
+<ins class = "correction" title = "ungeändert: anderswo »Witsen«">Witson’s</ins> MS., angeführt von Wagenaar; Lord Lonsdale’s
+Memoiren; Avaux, 4.(14.), 5.(15.) Oct. 1688. Die förmliche Erklärung der
+Generalstaaten, datirt vom 18.(28.) Oct., findet man im IV. Bande des
+<span class = "antiqua">Recueil des Traités, No. 225</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_66" id = "noteIX_66" href = "#tagIX_66">66.</a>
+<span class = "antiqua">Abrégé de la Vie de Frédéric Duc de Schomberg,
+1690</span>; Sidney an Wilhelm, 30. Juni 1688; <span class =
+"antiqua">Burnet I. 677</span>.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Britische Abenteurer im Haag.</span>
+<a name = "secIX_34" id = "secIX_34">Inzwischen</a> wimmelte es im Haag
+von Abenteurern aller der verschiedenen Factionen, welche Jakob’s
+Tyrannei zu einer sonderbaren Coalition verbunden hatte: alte
+Royalisten, die ihr Blut für den Thron vergossen hatten, alte Agitatoren
+von der Parlamentsarmee, Tories, welche in den Tagen der
+Ausschließungsbill verfolgt worden waren, und Whigs, die wegen ihrer
+Theilnahme am Ryehousecomplot sich auf den Continent geflüchtet
+hatten.</p>
+
+<p>Unter dieser großen Menge zeichnete sich Karl Gerard, Earl von
+Macclesfield aus, ein alter Kavalier, der für Karl&nbsp;I. gekämpft und
+Karl’s&nbsp;II. Exil getheilt hatte; ferner Archibald Campbell, der
+älteste Sohn des unglücklichen Argyle, der aber von seinem Vater nichts
+geerbt hatte als einen erlauchten Namen und die unwandelbare Liebe eines
+zahlreichen Clan; Karl Paulet, Earl von Wiltshire, unzweifelhafter Erbe
+des Marquisats von Winchester, und Peregrine Osborne, Lord Dumblane,
+unzweifelhafter Erbe des Earlthums Danby. Mordaunt, der vor Begierde
+nach Abenteuern brannte, die für sein feuriges Temperament einen
+unwiderstehlichen Reiz hatten, war einer der Ersten unter den
+Freiwilligen. Fletcher von Saltoun hatte, während er die Grenzen der
+Christenheit gegen die Ungläubigen beschützte, erfahren, daß sein
+Vaterland wieder einmal Hoffnung auf Befreiung hatte, und er hatte sich
+beeilt, sein Schwert anzubieten. Sir Patrick Hume, der seit seiner
+Flucht aus Schottland sehr bescheiden und eingezogen lebte, trat jetzt
+wieder aus seinem Dunkel hervor; zum Glück aber konnte seine
+Redseligkeit diesmal wenig Schaden anrichten, denn der Prinz von Oranien
+war durchaus nicht geneigt, der abhängige General einer debattirenden
+Gesellschaft zu sein wie die, welche Argyle’s Unternehmen zum Verderben
+gereicht hatte. Der verschmitzte und ruhelose Wildman, der vor kurzem
+die Überzeugung gewonnen, daß England ein unsicherer
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_47" id = "pageIX_47">
+IX.47</a></span>
+Aufenthalt für ihn war und der sich deshalb nach Deutschland begeben
+hatte, erschien ebenfalls an Wilhelm’s Hofe. Eben so auch Carstairs, ein
+presbyterianischer Priester aus Schottland, der an Schlauheit und Muth
+keinem Politiker seiner Zeit nachstand. Fagel hatte ihm einige Jahre
+vorher wichtige Geheimnisse anvertraut und er hatte sie trotz der
+fürchterlichsten Qualen, die ihm der spanische Stiefel und die <ins
+class = "correction" title = "ungeändert: anderswo »Daumenschraube«">Daumschraube</ins> bereitet, treu bewahrt. Seine
+seltene Standhaftigkeit hatte ihm das Vertrauen und die Achtung des
+Prinzen in eben so hohem Grade erworben, als irgend ein Andrer, außer
+Bentinck, sich derselben erfreute.<a class = "tag" name = "tagIX_67" id
+= "tagIX_67" href = "#noteIX_67">67</a> Ferguson konnte nicht ruhig
+bleiben, wenn eine Revolution im Werke war. Er sicherte sich einen Platz
+zur Überfahrt auf der Flotte und entfaltete eine große Thätigkeit unter
+seinen Mitemigranten; aber er fand überall Mißtrauen und Verachtung.
+Unter der Schaar von unwissenden und heißblütigen Verbannten, welche den
+schwachen Monmouth ins Verderben geführt, war er ein großer Mann
+gewesen; unter den ernsten Staatsmännern und Generälen aber, welche die
+Sorgen des entschlossenen und umsichtigen Wilhelm theilten, war kein
+Platz für einen niedrigdenkenden, halb wahnsinnigen und halb
+schurkischen Agitator.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_67" id = "noteIX_67" href = "#tagIX_67">67.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet I. 584</span>; <span class =
+"antiqua">Mackay’s Memoirs.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm’s Erklärung.</span>
+<a name = "secIX_35" id = "secIX_35">Der</a> Unterschied zwischen der
+Expedition von 1685 und der von 1688 zeigte sich schon deutlich genug in
+der Verschiedenheit der Manifeste, welche die Führer der beiden
+Unternehmungen erließen. Für Monmouth hatte Ferguson ein abgeschmacktes
+und gemeines Libell über den Brand von London, die Ermordung Godfrey’s
+und Essex’ und die Vergiftung Karl’s geschmiert. Wilhelm’s Erklärung war
+von dem Großpensionär Fagel verfaßt, der als ausgezeichneter Publicist
+bekannt war. Obgleich gehaltvoll und wohldurchdacht, war sie doch in
+ihrer ursprünglichen Form zu weitschweifig; aber sie wurde von Burnet,
+der populär zu schreiben verstand, abgekürzt und ins Englische
+übersetzt. Sie begann mit einer feierlichen Einleitung, in welcher
+gesagt war, daß in jedem Staate die strenge Beobachtung des Gesetzes für
+das Wohl der Nationen wie für die Sicherheit der Regierung gleich
+nothwendig sei. Der Prinz von Oranien habe daher mit tiefer Betrübniß
+gesehen, daß die Grundgesetze eines Reiches, mit dem er durch Bande des
+Bluts und durch Verheirathung so eng verbunden sei, durch den Rath
+schlimmer Rathgeber gröblich und systematisch verletzt worden seien. Das
+Recht von Parlamentsacten zu dispensiren, sei bis zu einem solchen
+Punkte ausgedehnt worden, daß die ganze legislative Gewalt auf die Krone
+übertragen worden sei. Von den Gerichten habe man dem Geiste der
+Verfassung widerstreitende Erkenntnisse erlangt, indem man einen Richter
+nach dem andren abgesetzt, bis die Bank nur aus Männern bestanden habe,
+welche bereit gewesen seien, den Befehlen der Regierung blindlings zu
+gehorchen. Trotz der wiederholten Versicherungen des Königs, daß er die
+Staatsreligion aufrechterhalten werde, seien anerkannten Feinden dieser
+Religion nicht nur bürgerliche Ämter, sondern auch geistliche Pfründen
+verliehen worden. Trotz ausdrücklicher Gesetze sei das Kirchenregiment
+einem Collegium übertragen worden, das eine neue Hohe Commission sei und
+in diesem Collegium sitze ein erklärter Papist. Gute Unterthanen seien
+deshalb, weil sie sich weigerten, ihre Pflicht und ihre Eide zu
+verletzen, der Magna
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_48" id = "pageIX_48">
+IX.48</a></span>
+Charta der englischen Freiheiten zum Hohn aus ihrem Eigenthum vertrieben
+worden. Dagegen seien Leute, welche dem Gesetze nach die Insel gar nicht
+betreten dürften, zur Verderbniß der Jugend an die Spitze von Seminarien
+gestellt worden. Grafschaftsstatthalter, stellvertretende Statthalter
+und Friedensrichter seien massenhaft abgesetzt worden, weil sie sich
+geweigert hätten eine verderbliche und verfassungswidrige Politik zu
+unterstützen. Die Freiheiten fast jedes Boroughs im Lande seien verletzt
+worden. Die Gerichtshöfe seien in einem Zustande, daß ihre Erkenntnisse
+selbst in Civilklagen kein Vertrauen mehr einflößten und daß ihre
+Servilität in Criminalsachen das Königthum mit unschuldigem Blute
+befleckt habe. Alle diese Mißbräuche, deren das englische Volk müde sei,
+sollten nun, wie es scheine, durch ein Heer irischer Papisten
+vertheidigt werden. Und dies sei noch nicht Alles. Die willkürlichsten
+Fürsten hätten es einem Unterthanen nie als ein Verbrechen angerechnet,
+wenn er bescheiden und friedlich seine Beschwerden angebracht und um
+Abhülfe gebeten habe. Aber das Petitioniren werde jetzt in England als
+ein schweres Vergehen betrachtet. Die Väter der Kirche seien wegen
+keines andren Verbrechens, als weil sie dem Landesherrn eine in den
+ehrerbietigsten Ausdrücken abgefaßte Petition überreicht, ins Gefängniß
+geworfen und ihnen der Prozeß gemacht worden, und jeden Richter, der
+sich zu ihren Gunsten ausgesprochen, habe man ohne weiteres abgesetzt.
+Die Einberufung eines freien und gesetzlichen Parlaments könne
+allerdings diesen Übeln wirksam abhelfen, aber die Nation dürfe nicht
+hoffen ein solches Parlament zu erhalten, wenn nicht der ganze Geist der
+Verwaltung ein andrer werde. Es sei offenbar die Absicht des Hofes durch
+neu organisirte Wahlkörper und papistische Wahlbeamte eine Versammlung
+zusammenzubringen, welche nur dem Namen nach ein Haus der Gemeinen sein
+werde. Endlich erregten gewisse Umstände den dringenden Verdacht, daß
+das Kind, welches den Namen eines Prinzen von Wales erhalten habe, nicht
+wirklich von der Königin geboren sei. Aus diesen Gründen habe der Prinz,
+eingedenk seiner nahen Verwandtschaft mit dem königlichen Hause und
+dankbar für die Zuneigung, die das englische Volk seiner geliebten
+Gemahlin und ihm selbst stets bewiesen habe, sich entschlossen, der
+Aufforderung vieler geistlichen und weltlichen Lords und vieler anderer
+Personen aus allen Ständen Folge zu leisten und an der Spitze einer zur
+Begegnung gewaltsamen Widerstandes hinreichenden Streitmacht nach
+England hinüberzugehen. Jeden Gedanken an Eroberung wies er entschieden
+zurück. Er erklärte, daß seine Truppen während ihres Aufenthalts auf der
+Insel unter strengster Kriegszucht gehalten und daß sie sobald die
+Nation von der Tyrannei befreit sei, wieder zurückgeschickt werden
+sollten. Sein einziger Zweck sei die Versammlung eines freien und
+gesetzlichen Parlaments, und er verpflichtete sich feierlich, alle
+öffentlichen und privaten Fragen der Entscheidung eines solchen
+Parlaments zu überlassen.</p>
+
+<p>Sobald Exemplare von dieser Erklärung im Haag ausgegeben waren,
+begannen auch schon Zeichen von Meinungsverschiedenheit sichtbar zu
+werden. Der im Unheilstiften unermüdliche Wildman bewog einige seiner
+Landsleute, unter Anderen den starrsinnigen und leichtfertigen Mordaunt,
+zu der Erklärung, daß sie auf solche Gründe hin die Waffen nicht
+ergreifen würden. Das Manifest sei nur darauf berechnet, den Kavalieren
+und den Geistlichen zu gefallen. Die Gewaltthätigkeiten gegen die Kirche
+und der Prozeß der Bischöfe seien zu sehr in den Vordergrund gestellt
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_49" id = "pageIX_49">
+IX.49</a></span>
+und es sei gar nichts von der Tyrannei gesagt, mit der die Tories vor
+ihrem Bruche mit dem Hofe die Whigs behandelt hätten. Wildman legte
+hierauf einen von ihm selbst verfaßten Gegenentwurf vor, der, wenn er
+angenommen worden wäre, der ganzen anglikanischen Geistlichkeit und vier
+Fünftheilen des grundbesitzenden Adels mißfallen haben würde. Die
+Whighäupter opponirten ihm energisch. Russell insbesondere erklärte,
+daß, wenn ein so verkehrter Weg eingeschlagen würde, es mit der
+Coalition, von welcher allein die Nation Befreiung erwarten könne,
+vorbei sei. Der Streit wurde endlich durch einen Machtspruch Wilhelm’s
+geschlichtet, der mit gewohntem richtigen Takt entschied, daß das
+Manifest im Wesentlichen so wie Fagel und Burnet es entworfen hatten,
+beibehalten werden solle.<a class = "tag" name = "tagIX_68" id =
+"tagIX_68" href = "#noteIX_68">68</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_68" id = "noteIX_68" href = "#tagIX_68">68.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet I., 775, 780</span>.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob fängt an die Gefahr zu ahnen.</span>
+<a name = "secIX_36" id = "secIX_36">Während</a> dies in Holland
+geschah, hatte Jakob endlich die ihm drohende Gefahr erkannt. Von
+verschiedenen Seiten kamen Nachrichten, die man nicht unbeachtet lassen
+konnte, bis endlich eine Depesche von Albeville jedem Zweifel ein Ende
+machte. Als der König sie gelesen hatte, sollen seine Wangen sich
+entfärbt haben und er soll eine Weile sprachlos geblieben sein.<a class
+= "tag" name = "tagIX_69" id = "tagIX_69" href = "#noteIX_69">69</a> Er
+hatte in der That auch Ursache zu erschrecken. Der erste Ostwind sollte
+eine feindliche Flotte an die Küsten seines Reiches bringen. Ganz
+Europa, mit Ausnahme einer einzigen Macht, erwartete ungeduldig die
+Nachricht von seinem Sturze, und den Beistand dieser einzigen Macht
+hatte er thörichterweise abgelehnt. Ja, er hatte sogar die
+freundschaftliche Intervention, die ihn hätte retten können, mit
+Beleidigungen vergolten. Die französischen Armeen, welche zur
+Einschüchterung der Generalstaaten hätten verwendet werden können, wenn
+er nicht so verblendet gewesen wäre, belagerten Philippsburg und hielten
+Mainz besetzt. In wenigen Tagen mußte er vielleicht auf englischem Boden
+für seine Krone und für das Geburtsrecht seines Sohnes kämpfen.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_69" id = "noteIX_69" href = "#tagIX_69">69.</a>
+<span class = "antiqua">Eachard’s History of the Revolution, II.
+2</span>.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Seine Seemacht.</span>
+<a name = "secIX_37" id = "secIX_37">Anscheinend</a> standen ihm
+allerdings große Mittel zu Gebote. Die Flotte war in einem viel besseren
+Zustande als zur Zeit seiner Thronbesteigung, und diese Verbesserung muß
+zum Theil seinen eigenen Anstrengungen zugeschrieben werden. Er hatte
+keinen Lordgroßadmiral oder Admiralitätsrath ernannt, sondern die
+Hauptleitung der Marineangelegenheiten in seiner eignen Hand behalten
+und Pepys hatte ihn dabei kräftig unterstützt. Ein Sprichwort sagt, daß
+der Blick eines Meisters sicherer ist, als der eines Stellvertreters,
+und in einer Zeit der Bestechung und der Unterschleife kann man
+annehmen, daß ein Verwaltungszweig, dem der Souverain selbst, sei er
+auch von noch so beschränkten Gaben, genaue persönliche Aufmerksamkeit
+zuwendet, von Mißbräuchen verhältnißmäßig ziemlich frei bleiben wird.
+Ein geschickterer Marineminister als Jakob würde nicht schwer zu finden
+gewesen sein; schwerlich aber würde man unter den damaligen
+Staatsmännern einen Marineminister gefunden haben, der nicht Vorräthe
+nutzlos vergeudet, von Lieferanten Bestechungen angenommen und der Krone
+Kosten für Reparaturen aufgebürdet haben würde, welche nie gemacht
+worden waren. Der König war in der That fast der Einzige, von dem man
+überzeugt sein konnte, daß
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_50" id = "pageIX_50">
+IX.50</a></span>
+er den König nicht bestehlen würde. Daher waren denn auch während der
+letzten drei Jahre auf den Schiffswerften viel weniger Veruntreuungen
+und Diebereien vorgekommen als früher. Es waren wirklich seetüchtige
+Schiffe gebaut worden und durch eine zweckmäßige Verordnung waren die
+Gehalte der Kapitaine erhöht, zu gleicher Zeit aber auch ihnen streng
+verboten worden, ohne besondere königliche Erlaubniß Waaren von einem
+Hafen zum andren zu führen. Die Wirkung dieser Reformen machte sich
+schon bemerkbar, und es wurde Jakob nicht schwer, in kurzer Zeit eine
+ansehnliche Flotte auszurüsten. Dreißig Linienschiffe dritten und
+vierten Ranges wurden unter dem Commando Lord Dartmouth’s in der Themse
+versammelt. Dartmouth’s Loyalität war über jeden Zweifel erhaben, und er
+galt für eben so geschickt und kenntnißreich in seinem Fache als irgend
+einer der patrizischen Seeleute, die sich damals ohne ordentliche
+seemännische Erziehung und Ausbildung zu den höchsten Schiffscommando’s
+emporschwangen und welche zu gleicher Zeit Flaggenoffiziere zur See und
+Infanterieobersten im Landheere waren.<a class = "tag" name = "tagIX_70"
+id = "tagIX_70" href = "#noteIX_70">70</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_70" id = "noteIX_70" href = "#tagIX_70">70.</a>
+<span class = "antiqua">Pepys’s Memoirs relating to the Royal Navy,
+1690</span>; <span class = "antiqua">Clarke’s Life of James the Second,
+II. 186. Orig. Mem.</span>; Adda, 24. Sept. (4. Oct.); Citters, 21.
+Sept. (1. Oct.)</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Seine militairischen Mittel.</span>
+<a name = "secIX_38" id = "secIX_38">Die</a> reguläre Armee war die
+stärkste, die je ein König von England zu seiner Verfügung gehabt hatte,
+und sie wurde rasch noch verstärkt. Alle vorhandenen Regimenter wurden
+um neue Compagnien vermehrt und neue Regimenter ausgehoben. Die Stärke
+des englischen Heeres wurde dadurch um viertausend Mann erhöht;
+dreitausend Mann wurden eiligst aus Irland gesendet und eine gleiche
+Anzahl erhielt Befehl, aus Schottland nach dem Süden zu marschiren.
+Jakob schätzte die Streitmacht, die er den Einfallenden entgegenstellen
+konnte, auf vierzigtausend Mann, ungerechnet die Miliz.<a class = "tag"
+name = "tagIX_71" id = "tagIX_71" href = "#noteIX_71">71</a></p>
+
+<p>Flotte und Landheer waren sonach mehr als ausreichend, um eine
+holländische Invasion zurückzuschlagen. Konnte man sich aber auf die
+Flotte und auf die Armee verlassen? Mußte man nicht befürchten, daß die
+Milizen zu Tausenden zu der Fahne ihres Befreiers übergehen würden? Die
+Partei, welche vor einigen Jahren für Monmouth das Schwert gezogen,
+konnte es gewiß kaum erwarten, den Prinzen von Oranien willkommen zu
+heißen. Und was war aus der Partei geworden, welche siebenundvierzig
+Jahre lang das Bollwerk der Monarchie gewesen? Wo waren jetzt die
+tapferen Gentlemen, welche stets bereit gewesen waren, ihr Blut für die
+Krone zu vergießen? Mißhandelt und verhöhnt, von der Richterbank
+vertrieben und aller militairischen Commando’s beraubt, sahen sie die
+Gefahr ihres undankbaren Gebieters mit unverhohlener Schadenfreude. Wo
+waren die Priester und Prälaten, welche auf zehntausend Kanzeln die
+Pflicht des Gehorsams gegen den gesalbten Stellvertreter Gottes
+gepredigt hatten? Einige waren eingekerkert. Andere ausgeplündert. Alle
+waren unter das eiserne Regiment der Hohen Commission gestellt worden
+und hatten beständig gefürchtet, daß eine neue Laune der Tyrannei sie
+ihrer Pfründen berauben und ohne ein Stück Brot lassen würde. Daß die
+Männer der Staatskirche den Grundsatz, auf den sie immer das größte
+Gewicht gelegt hatten, so vollständig vergessen würden, um sich
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_51" id = "pageIX_51">
+IX.51</a></span>
+dem thätigen Widerstande anzuschließen, schien auch jetzt noch
+unglaublich. Aber konnte ihr Unterdrücker erwarten, daß er bei ihnen
+noch den Geist finden werde, der unter der vorhergehenden Generation die
+Armeen Essex’ und Waller’s besiegt, und sich nur nach einer
+verzweifelten Gegenwehr dem Genie und der Kraft Cromwell’s unterworfen
+hatte?</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_71" id = "noteIX_71" href = "#tagIX_71">71.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James the Second. II. 186.
+Orig. Mem.</span>; Adda, 24. Sept. (4. Oct.); Citters, 21. Sept. (1.
+Oct.)</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Er versucht es, seine Unterthanen mit sich auszusöhnen.</span>
+<a name = "secIX_39" id = "secIX_39">Der</a> Tyrann wurde von der Angst
+überwältigt. Er sagte nicht mehr, daß Nachgiebigkeit die Fürsten
+jederzeit ins Verderben gestürzt habe, und gab gezwungen zu, daß er sich
+herablassen müsse, den Tories noch einmal zu schmeicheln.<a class =
+"tag" name = "tagIX_72" id = "tagIX_72" href = "#noteIX_72">72</a> Man
+hat Grund zu der Annahme, daß um diese Zeit Halifax eingeladen wurde,
+wieder ein Ministerium zu übernehmen und daß er auch nicht abgeneigt
+dazu war. Die Rolle eines Vermittlers zwischen den Throne und der Nation
+war diejenige, zu der er sich am besten eignete und nach der er am
+eifrigsten strebte. Warum die betreffende Unterhandlung mit ihm
+abgebrochen wurde, ist nicht bekannt, aber es ist nicht
+unwahrscheinlich, daß die Dispensationsfrage das unübersteigliche
+Hinderniß war. Sein Widerwille gegen diese Befugniß war vor drei Jahren
+die Veranlassung zu seiner Ungnade gewesen, und es war seitdem nichts
+geschehen, was geeignet gewesen wäre ihn andren Sinnes zu machen. Jakob
+seinerseits hatte sich fest vorgenommen, in diesem Punkte kein
+Zugeständniß zu machen.<a class = "tag" name = "tagIX_73" id =
+"tagIX_73" href = "#noteIX_73">73</a> In anderen Dingen war er minder
+starrsinnig. Er erließ eine Proklamation, in der er feierlich versprach,
+die anglikanische Kirche zu schützen und die Uniformitätsacte aufrecht
+zu erhalten. Er erklärte sich bereit, um der Eintracht willen große
+Opfer zu bringen. Er wolle nicht mehr darauf beharren, daß Katholiken
+ins Unterhaus zugelassen würden und er hege das gute Vertrauen zu seinem
+Volke, daß es einen solchen Beweis von seinem aufrichtigen Willen, ihren
+Wünschen zu entsprechen, gebührend anerkennen werde. Drei Tage später
+kündigte er an, daß es seine Absicht sei, alle Magistratsbeamten und
+stellvertretenden Lieutenants, welche entlassen worden waren, weil sie
+seine Politik nicht hatten unterstützen wollen, wieder anzustellen. Den
+Tag nach dem Erscheinen dieser Ankündigung wurde Compton’s Suspension
+wieder aufgehoben.<a class = "tag" name = "tagIX_74" id = "tagIX_74"
+href = "#noteIX_74">74</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_72" id = "noteIX_72" href = "#tagIX_72">72.</a>
+Adda, 28. Sept. (8. Oct.) 1688. In dieser Depesche ist Jakob’s Angst vor
+einem allgemeinen Abfalle seiner Unterthanen kräftig geschildert.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_73" id = "noteIX_73" href = "#tagIX_73">73.</a>
+Die spärlichen Aufschlüsse, welche wir über diese Unterhandlung haben,
+verdanken wir Reresby. Seine Quelle war eine Dame, die er nicht nennt
+und der man gewiß nicht unbedingt glauben durfte.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_74" id = "noteIX_74" href = "#tagIX_74">74.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Sept. 24., 27., Oct. 1.
+1688</span>.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Er bewilligt den Bischöfen eine Audienz.</span>
+<a name = "secIX_40" id = "secIX_40">Zu</a> gleicher Zeit gab der König
+allen damals in London anwesenden Bischöfen eine Audienz. Sie hatten um
+eine solche nachgesucht, um ihm in seiner kritischen Lage ihren Rath
+anzubieten. Der Primas führte das Wort. Er bat ehrerbietig darum, daß
+die Verwaltung den Händen gehörig qualificirter Personen übergeben, daß
+alle unter dem Vorwande des Dispensationsrechts vorgenommenen Acte
+widerrufen, daß die kirchliche Commission abgeschafft, daß die dem
+Magdalenen-Collegium zugefügte Unbill wieder gutgemacht und daß die
+alten Privilegien der Municipalkörperschaften wiederhergestellt werden
+möchten. Er gab sehr deutlich zu verstehen, daß es ein wünschenswerthes
+Mittel gebe, durch welches der Thron vollkommen gesichert und
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_52" id = "pageIX_52">
+IX.52</a></span>
+das erschütterte Reich wieder beruhigt werden könne. Wenn Seine Majestät
+die zwischen der römischen und anglikanischen Kirche obschwebenden
+Streitpunkte nochmals in Erwägung ziehen wolle, so würde er durch die
+Gründe, welche sie ihm vorzutragen wünschten, unter Gottes Beistande
+vielleicht zu der Überzeugung gebracht werden, daß es seine Pflicht sei,
+zu dem Glauben seines Vaters und seines Großvaters zurückzukehren. Bis
+hierher, fuhr Sancroft fort, habe er die Ansicht seiner Collegen
+ausgesprochen. Aber es sei noch ein Punkt, über den er sich nicht mit
+ihnen berathen habe, auf den er jedoch den König aufmerksam machen zu
+müssen glaube. Allerdings sei er auch das einzige Mitglied seines
+Standes, welches diesen Gegenstand berühren dürfe, ohne sich dem
+Verdachte eines eigennützigen Beweggrundes auszusetzen. Der
+erzbischöfliche Stuhl von York war seit drei Jahren erledigt. Der
+Erzbischof bat den König dringend, er möge denselben schleunigst mit
+einem frommen und gelehrten Geistlichen besetzen, und fügte hinzu, es
+werde sich unter den eben Anwesenden leicht, ein solcher Mann finden.
+Der König verstand es sich hinreichend zu beherrschen, um für diesen
+bitteren Rath zu danken und zu versprechen, daß er denselben in Erwägung
+ziehen wolle.<a class = "tag" name = "tagIX_75" id = "tagIX_75" href =
+"#noteIX_75">75</a> Von dem Dispensationsrecht aber wollte er durchaus
+nichts nachlassen. Keine gesetzlich unqualificirte Person wurde von
+irgend einem bürgerlichen oder militairischen Amte entfernt. Aber einige
+von Sancroft’s Vorschlägen wurden befolgt. Binnen zweimal vierundzwanzig
+Stunden war der Gerichtshof der Hohen Commission abgeschafft.<a class =
+"tag" name = "tagIX_76" id = "tagIX_76" href = "#noteIX_76">76</a> Es
+ward beschlossen, der Hauptstadt ihren vor sechs Jahren entzogenen
+Freibrief zurückzugeben und der Kanzler selbst mußte das ehrwürdige
+Pergament feierlich nach der Guildhall tragen.<a class = "tag" name =
+"tagIX_77" id = "tagIX_77" href = "#noteIX_77">77</a> Acht Tage später
+erfuhr das Publikum, daß der Bischof von Winchester, der vermöge seiner
+amtlichen Stellung Visitator des Magdalenen-Collegiums war, vom Könige
+beauftragt sei, alle Mißstände in diesem Collegium abzustellen. Zu
+dieser letzten Demüthigung hatte sich der König nicht ohne langen
+inneren Kampf und bitteren Schmerz entschlossen. Er verstand sich in der
+That erst dazu, nachdem der apostolische Vikar Leyburn, der sich bei
+jeder Gelegenheit als einsichtsvoller und rechtschaffener Mann benommen
+zu haben scheint, erklärt hatte, daß seiner Ansicht nach den
+vertriebenen Collegiaten und ihrem Präsidenten Unrecht gethan worden sei
+und daß ihre Wiedereinsetzung aus religiösen wie aus politischen Gründen
+erfolgen müsse.<a class = "tag" name = "tagIX_78" id = "tagIX_78" href =
+"#noteIX_78">78</a> Nach wenigen Tagen erschien eine Proklamation,
+welche die entzogenen Privilegien aller Municipalkörperschaften
+wiederherstellte.<a class = "tag" name = "tagIX_79" id = "tagIX_79" href
+= "#noteIX_79">79</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_75" id = "noteIX_75" href = "#tagIX_75">75.</a>
+<span class = "antiqua">Tanner MSS</span>; <span class =
+"antiqua">Burnet I. 784</span>. Burnet hat, wie ich glaube, diese
+Audienz mit einer andren verwechselt, welche einige Wochen später
+stattfand.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_76" id = "noteIX_76" href = "#tagIX_76">76.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Oct. 8. 1688.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_77" id = "noteIX_77" href = "#tagIX_77">77.</a>
+<span class = "antiqua">Ibid.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_78" id = "noteIX_78" href = "#tagIX_78">78.</a>
+<span class = "antiqua">Ibid. Oct. 15, 1688</span>; Adda, 12.(22.) Oct.
+Obgleich der Nuntius im Allgemeinen Gewaltmaßregeln abgeneigt war, so
+scheint er doch gegen die Wiedereinsetzung Hough’s opponirt zu haben,
+wahrscheinlich aus Rücksicht auf die Interessen Giffard’s und der
+anderen Katholiken, welche Mitglieder des Magdalenen-Collegiums waren.
+Leyburn erklärte selbst: <span class = "antiqua">„Nel sentimento che
+fosse stato uno spoglio, e che il possesso in cui si trovano ora li
+Cattolici fosse violento ed illegale, onde non era privar questi di un
+dritto acquisto, ma rendere agli altri quello era stato levalo con
+violenza.“</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_79" id = "noteIX_79" href = "#tagIX_79">79.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Oct. 18. 1688</span>.</p>
+</div>
+
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_53" id = "pageIX_53">
+IX.53</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Seine Zugeständnisse werden übel aufgenommen.</span>
+<a name = "secIX_41" id = "secIX_41">Jakob</a> schmeichelte sich mit der
+Hoffnung, daß die ausgedehnten Zugeständnisse, die er im Laufe eines
+Monats gemacht, ihm die Herzen seines Volks wieder gewinnen würden. Es
+unterliegt auch keinem Zweifel, daß diese Zugeständnisse, wenn sie
+gemacht worden wären, als noch kein Grund zu der Befürchtung eines
+Einfalls von Seiten Hollands vorhanden war, viel zur Versöhnung der
+Tories beigetragen haben würden. Aber Fürsten, welche der Angst
+zugestehen, was sie der Gerechtigkeit verweigert haben, dürfen keinen
+Dank erwarten. Seit drei Jahren war der König gegen alle Vorstellungen
+und Bitten taub gewesen. Jeder Minister, der sich erlaubt hatte, seine
+Stimme zu Gunsten der bürgerlichen und kirchlichen Verfassung des Reichs
+zu erheben, war in Ungnade gefallen. Ein ausgezeichnet loyales Parlament
+hatte es gewagt, bescheiden und ehrerbietig gegen eine Verletzung der
+Grundgesetze Englands zu protestiren; es hatte dafür einen strengen
+Verweis erhalten und war prorogirt und aufgelöst worden. Ein Richter
+nach dem andren war des Hermelins beraubt worden, weil er sich geweigert
+hatte, Erkenntnisse abzugeben, welche dem gemeinen Rechte und dem
+Gesetzbuche zuwiderliefen. Die achtungswerthesten Kavaliere waren von
+jeder Theilnahme an der Verwaltung der Grafschaften ausgeschlossen
+worden, weil sie sich geweigert hatten, die öffentlichen Freiheiten zu
+verrathen. Geistliche waren zu Dutzenden abgesetzt worden, weil sie ihre
+Eide nicht brechen wollten. Prälaten, deren unerschütterlicher Treue der
+König seine Krone verdankte, hatten ihn auf den Knien gebeten, daß er
+ihnen nicht befehlen möchte, die Gesetze Gottes und des Landes zu
+verletzen. Ihre bescheidene Bittschrift war als ein aufrührerisches
+Libell betrachtet worden. Sie waren hart angelassen, bedroht, ins
+Gefängniß geworfen, gerichtlich verfolgt worden und waren mit genauer
+Noth dem gänzlichen Verderben entronnen. Jetzt endlich begann die
+Nation, da sie sah, daß das Recht durch die Macht mit Füßen getreten und
+selbst Bitten als ein Verbrechen betrachtet wurden, auf den Gedanken zu
+kommen, das Kriegsglück zu versuchen. Der Tyrann erfuhr, daß ein
+bewaffneter Befreier zur Hand sei, der von Whigs und Tories, von
+Dissenters und Anglikanern freudig begrüßt werden würde. Da wurde mit
+einem Male Alles anders. Die nämliche Regierung, welche treue und
+eifrige Dienste mit Beraubung und Verfolgung vergolten, die Regierung,
+welche auf gewichtige Gründe und rührende Bitten nur mit Beleidigungen
+und Schmähungen geantwortet hatte, wurde in einem Augenblicke merkwürdig
+freundlich. Jede Nummer der Gazette brachte die Abstellung einer neuen
+Beschwerde. Man sah es also deutlich, daß man sich auf die Billigkeit,
+die Humanität und das verpfändete Wort des Königs nicht verlassen konnte
+und daß er nur so lange gut regieren würde, als er gewaltsamen
+Widerstand fürchtete. Seine Unterthanen waren daher durchaus nicht
+geneigt, ihm ein Vertrauen wieder zu schenken, das er sich völlig
+verscherzt hatte, oder den Druck zu lindern, der ihm die einzigen guten
+Maßregeln seiner ganzen Regierung abgepreßt hatte. Die allgemeine
+Ungeduld, mit der man die Ankunft der Holländer erwartete, nahm mit
+jedem Tage zu. Das Volk verwünschte den Wind, der um diese Zeit
+beharrlich aus dem Westen kam, die Flotte des Prinzen am Auslaufen
+hinderte und zugleich immer neue Regimenter von Dublin nach Chester
+brachte. Man sagte, es sei papistisches Wetter. In Cheapside standen
+fortwährend Massen von Menschen, welche nach der Wetterfahne auf der
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_54" id = "pageIX_54">
+IX.54</a></span>
+Spitze des schlanken Thurmes der Bowkirche blickten und den Himmel um
+protestantischen Wind baten.<a class = "tag" name = "tagIX_80" id =
+"tagIX_80" href = "#noteIX_80">80</a></p>
+
+<p>Die allgemeine Stimmung wurde noch mehr erbittert durch einen
+Vorfall, der zwar rein zufällig war, aber leicht erklärlicherweise der
+Perfidie des Königs zugeschrieben wurde. Der Bischof von Winchester
+kündigte an, daß er auf königlichen Befehl die vertriebenen Mitglieder
+des Magdalenen-Collegiums wieder einzusetzen gedenke. Er bestimmte zu
+der Feierlichkeit den 21. October und traf am 20. in Oxford ein. Die
+ganze Universität war in erwartungsvoller Spannung. Die vertriebenen
+Collegiaten waren aus allen Theilen des Landes herbeigekommen, um ihre
+geliebte Heimath wieder in Besitz zu nehmen. Dreihundert berittene
+Gentlemen geleiteten den Visitator nach seiner Wohnung. Während seines
+Zuges durch die Stadt, gingen alle Glocken und High Street war mit einer
+jubelnden Zuschauermenge gefüllt. Er begab sich zur Ruhe. Am andren
+Morgen versammelte sich eine freudig bewegte Menge an den Eingängen des
+Magdalenen-Collegiums; aber der Bischof erschien nicht. Bald erfuhr man,
+daß er durch einen königlichen Boten aus dem Schlafe geweckt und
+aufgefordert worden war, unverzüglich nach Whitehall zu kommen. Diese
+rücksichtslose Täuschung erregte große Verwunderung und Angst; in
+einigen Stunden aber trafen Nachrichten ein, welche Gemüthern, die nicht
+ohne Grund das Schlimmste zu glauben geneigt waren, die Sinnesänderung
+des Königs genügend zu erklären schienen. Die holländische Flotte war
+ausgelaufen, aber durch einen Sturm zurückgetrieben worden. Das Gerücht
+vergrößerte den Unfall. Eine Menge Schiffe sollten zu Grunde gegangen
+und tausende von Pferden umgekommen sein. Jeder Gedanke an ein
+Unternehmen gegen England müsse, wenigstens für dieses Jahr aufgegeben
+werden. Hier mache die Nation wieder eine schöne Erfahrung. So lange
+Jakob einen nahe bevorstehenden Einfall und Aufstand erwartet, habe er
+Befehl zur Wiedereinsetzung Derer gegeben, die er gesetzwidrig beraubt;
+sobald er sich aber wieder für sicher gehalten habe, sei dieser Befehl
+widerrufen worden. Obgleich diese Beschuldigung damals allgemein
+geglaubt und später von Schriftstellern wiederholt wurde, welche hätten
+gut unterrichtet sein können, war sie doch völlig ungegründet. Es ist
+erwiesen, daß die Nachricht von dem Mißgeschick der holländischen Flotte
+auf keinem Wege früher nach Westminster gelangen konnte, als einige
+Stunden nachdem der Bischof von Winchester den Befehl erhalten hatte,
+der ihn von Oxford zurückrief. Der König hatte jedoch wenig Recht, sich
+über den Argwohn seines Volkes zu beschweren. Es war lediglich seine
+Schuld, wenn es zuweilen ohne genaue Untersuchung der Beweise etwas
+seiner unehrlichen Politik zuschrieb, was in Wirklichkeit nur Folge
+eines Zufalls oder eines Versehens war. Daß Leute, welche
+gewohnheitsmäßig ihr Wort brechen, auch dann keinen Glauben finden, wenn
+sie es einmal wirklich zu halten gedenken, ist ein Theil ihrer gerechten
+und natürlichen Strafe.<a class = "tag" name = "tagIX_81" id =
+"tagIX_81" href = "#noteIX_81">81</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_55" id = "pageIX_55">
+IX.55</a></span>
+<p>Es ist bemerkenswerth, daß Jakob sich bei dieser Gelegenheit eine
+unverdiente Beschuldigung lediglich durch das eifrige Bestreben zuzog,
+sich von einer andren eben so unverdienten zu reinigen. Der Bischof war
+so eilig von Oxford zurückberufen worden, um einer außerordentlichen
+Staatsrathssitzung, oder vielmehr einer nach Whitehall berufenen
+Versammlung von Notablen beizuwohnen. Außer den wirklichen Mitgliedern
+des Geheimen Raths nahmen an dieser feierlichen Sitzung alle geistlichen
+und weltlichen Lords Theil, welche zufällig in der Hauptstadt oder doch
+in der Nähe derselben waren, außerdem die Richter, die Kronanwälte, der
+Lordmayor und die Aldermen von London. Petre hatte den Wink bekommen, er
+werde wohl daran thun, wenn er wegbliebe. Es würden auch in der That
+wenige Peers Lust gehabt haben, neben ihm zu sitzen. In der Nähe des
+obersten Sitzes war ein Staatssessel für die Königin Wittwe bereit
+gestellt. Auch die Prinzessin Anna war zur Theilnahme an der Sitzung
+eingeladen worden, hatte sich aber mit Unwohlsein entschuldigt.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_80" id = "noteIX_80" href = "#tagIX_80">80.</a>
+<span class = "antiqua">„Vento Papista“</span>, sagt Adda unterm 24.
+Oct. (3. Nov.) 1688. Der Ausdruck „protestantischer Wind“ scheint zuerst
+auf den Wind angewendet worden zu sein, welcher Tyrconnel eine Zeitlang
+verhinderte, seine Statthalterschaft in Irland anzutreten. Siehe den
+ersten Theil des „Lillibullero.“</p>
+
+<p><a name = "noteIX_81" id = "noteIX_81" href = "#tagIX_81">81.</a>
+Alle hierauf bezüglichen Beweise sind in Howell’s Ausgabe der
+Staatsprozesse zusammengestellt.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Dem Geheimen Rath werden Beweise für die legitime Geburt des Prinzen von
+Wales vorgelegt.</span>
+<a name = "secIX_42" id = "secIX_42">Jakob</a> sagte dieser zahlreichen
+Versammlung, daß er es für nöthig halte, Beweise für die Geburt seines
+Sohnes beizubringen. Die Einflüsterungen böser Menschen hätten die
+öffentliche Meinung in einer solchen Ausdehnung vergiftet, daß Viele den
+Prinzen von Wales für ein untergeschobenes Kind hielten. Die Vorsehung
+aber habe es mit weiser Hand gefügt, daß kaum je ein andrer Prinz in
+Anwesenheit so vieler Augenzeugen zur Welt gekommen sei. Diese Zeugen
+traten nun auf und gaben ihre Aussagen ab. Nachdem sie sämmtlich zu
+Protokoll genommen waren, erklärte Jakob mit großer Feierlichkeit, daß
+die ihm zur Last gelegte Beschuldigung durchaus falsch sei und daß er
+lieber einen tausendfachen Tod sterben als einem seiner Kinder Unrecht
+thun würde.</p>
+
+<p>Alle Anwesenden schienen befriedigt zu sein. Die Zeugenaussagen
+wurden sogleich veröffentlicht und einsichtsvolle und unparteiische
+Personen erkannten die Glaubwürdigkeit derselben an.<a class = "tag"
+name = "tagIX_82" id = "tagIX_82" href = "#noteIX_82">82</a> Aber die
+Verständigen bilden immer eine Minorität, und unparteiisch war damals
+kaum irgend Jemand. Die ganze Nation war überzeugt, daß jeder
+aufrichtige Papist es für seine Pflicht hielt, einen falschen Eid zu
+schwören, wenn er dadurch dem Interesse seiner Kirche diente, und Leute,
+welche ursprünglich Protestanten, um des Gewinnes willen aber scheinbar
+zum Papismus übergetreten waren, verdienten womöglich noch weniger
+Glauben als aufrichtige Papisten. Die Aussagen aller Derjenigen, welche
+diesen beiden Klassen angehörten, wurden daher von vornherein als null
+und nichtig betrachtet, und dadurch wurde das Gewicht des Beweises, von
+dem sich Jakob viel versprochen hatte, bedeutend verringert. Was übrig
+blieb wurde boshaft bekrittelt. Gegen jeden der protestantischen Zeugen,
+welche etwas Wesentliches ausgesagt, hatte man etwas einzuwenden. Der
+Eine war notorisch ein habgieriger Schmarotzer; der Andre hatte zwar
+seinen Glauben nicht abgeschworen, war aber nahe verwandt mit einem
+Apostaten. Die Leute fragten, wie sie von Anfang an gefragt hatten,
+warum, wenn Alles mit rechten Dingen zugegangen sei, der König nicht
+dafür gesorgt habe, daß die Geburt genügender bewiesen werden könne, da
+er doch
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_56" id = "pageIX_56">
+IX.56</a></span>
+gewußt habe, daß Viele an der wirklichen Schwangerschaft der Königin
+zweifelten? Lag etwa nichts Verdächtiges in der falschen Berechnung der
+Zeit, sowie in der Abwesenheit der Prinzessin Anna und des Erzbischofs
+von Canterbury? Warum war kein Prälat der Landeskirche anwesend? Warum
+war der holländische Gesandte nicht zugezogen worden? Warum vor Allem
+hatten die Hyde, diese loyalen Diener der Krone, diese treuen Söhne der
+Kirche und natürlichen Wächter der Interessen ihrer Nichten, sich nicht
+unter den Schwarm von Papisten mischen dürfen, welcher in und neben dem
+Schlafgemache der Königin versammelt war? Warum mit einem Worte befand
+sich in der langen Liste der Anwesenden nicht ein einziger Name, der das
+Vertrauen und die Achtung des Publikums genoß? Die wahre Antwort auf
+diese Fragen war, daß der König einen beschränkten Verstand und einen
+despotischen Character besaß und daß er mit Freuden eine Gelegenheit
+ergriffen hatte, um seine Geringschätzung der Meinung seiner Unterthanen
+an den Tag zu legen. Der große Haufe aber, dem diese Erklärung nicht
+genügte, schrieb das, was lediglich die Wirkung von Thorheit und
+Verkehrtheit war, einer vorsätzlichen bösen Absicht zu. Und diese
+Meinung beschränkte sich nicht allein auf den großen Haufen. Lady Anna
+sprach am Morgen nach der Staatsrathssitzung bei ihrer Toilette so
+höhnisch von den Zeugenaussagen, daß selbst die Kammerfrauen, welche sie
+ankleideten, sich Scherze darüber erlaubten. Einige von den Lords,
+welche in der Sitzung zugegen gewesen waren und befriedigt zu sein
+schienen, waren in der That keineswegs überzeugt. Lloyd, Bischof von St.
+Asaph, dessen Frömmigkeit und Gelehrsamkeit allgemeine Achtung gebot,
+glaubte bis ans Ende seines Lebens, daß ein Betrug gespielt worden
+sei.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_82" id = "noteIX_82" href = "#tagIX_82">82.</a>
+Sie finden sich mit ausführlichen Erläuterungen in Howell’s Ausgabe der
+Staatsprozesse.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Sunderland’s Ungnade.</span>
+<a name = "secIX_43" id = "secIX_43">Die</a> vor dem Geheimen Rathe
+abgegebenen Zeugenaussagen waren erst wenige Stunden in den Händen des
+Publikums, als sich das Gerücht verbreitete, daß Sunderland aller seiner
+Stellen entsetzt worden sei. Die Nachricht von seiner Ungnade scheint
+die Kaffeehauspolitiker überrascht zu haben, kam aber Denen, welche die
+Vorgänge im Palaste beobachtet hatten, nicht unerwartet. Verrath hatte
+man weder durch rechtlichen noch durch greifbaren Beweis auf ihn bringen
+können; Diejenigen aber, die ihn scharf im Auge hielten, hatten ihn
+stark in dem Verdachte, daß er auf diesem oder jenem Wege mit den
+Feinden der Regierung, bei der er eine so hohe Stellung einnahm,
+Verbindungen unterhielt. Mit frecher Stirn wünschte er alles zeitliche
+und ewige Verderben auf sich herab, wenn er schuldig sei. Er betheuerte,
+sein einziger Fehler bestehe darin, daß er der Krone zu eifrig gedient
+habe. Habe er der königlichen Sache nicht Bürgschaften gegeben? Habe er
+nicht jede Brücke abgebrochen, über die er im Fall eines Unglücks seinen
+Rückzug hätte bewerkstelligen können? Habe er nicht fortwährend das
+Dispensationsrecht aufs äußerste vertheidigt, in der Hohen Commission
+gesessen, den Verhaftsbefehl gegen die Bischöfe unterzeichnet und sei er
+nicht mit eigner Lebensgefahr unter dem Gezisch und den Verwünschungen
+der Tausende, welche damals Westminsterhall füllten, als Zeuge gegen sie
+aufgetreten? Habe er nicht den glänzendsten Beweis von seiner Treue
+gegeben, indem er seinem Glauben entsagt und öffentlich zu einer der
+Nation verhaßten Kirche übergetreten sei? Was habe er von einer
+Veränderung zu hoffen? Habe er nicht Alles zu fürchten? So plausible
+diese Gründe waren und obgleich sie mit der schlauesten Gewandtheit
+hervorgehoben
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_57" id = "pageIX_57">
+IX.57</a></span>
+wurden, sie vermochten den Eindruck, der von hundert verschiedenen
+Seiten gleichzeitig aufgetauchten Einflüsterungen und Gerüchte nicht zu
+verwischen. Der König wurde von Tag zu Tag kälter. Sunderland versuchte
+es nun, sich an die Königin anzulehnen, erlangte auch eine Audienz bei
+Ihrer Majestät und befand sich gerade in ihrem Zimmer, als Middleton
+eintrat und ihm auf Befehl des Königs die Siegel abverlangte. An diesem
+Abend hatte der gefallene Minister die letzte Privatunterredung mit dem
+Fürsten, dem er geschmeichelt und den er hintergangen hatte. Die
+Unterredung war höchst merkwürdig. Sunderland spielte den verleumdeten
+Tugendhelden mit seltener Vollendung. Er sagte, er bedaure den Verlust
+des Staatssekretariats und der Präsidentschaft im Geheimen Rathe nicht,
+wenn ihm nur die Achtung seines Herrn und Gebieters bliebe. „Machen Sie
+mich nicht zum unglücklichsten Unterthan Ihres Reichs, Sire, indem Sie
+mir die Erklärung verweigern, daß Sie mich von Illoyalität
+freisprechen.“ Der König wußte nicht was er denken sollte. Ein
+bestimmter Schuldbeweis lag nicht vor und die Energie und der Pathos,
+womit Sunderland log, hätte einen schärferen Verstand als der war, mit
+dem er es zu thun hatte, täuschen können. Bei der französischen
+Gesandtschaft fanden seine Versicherungen noch immer Glauben. Dort
+erklärte er, daß er noch einige Tage in London bleiben und sich am Hofe
+zeigen werde; dann wolle er sich auf seinen Landsitz in Althorpe
+zurückziehen und seinen zerrütteten Finanzen durch Sparsamkeit wieder
+aufzuhelfen suchen. Sollte eine Revolution ausbrechen, so müsse er nach
+Frankreich flüchten; seine schlecht vergoltene Loyalität lasse ihm keine
+andre Zufluchtsstätte übrig.<a class = "tag" name = "tagIX_83" id =
+"tagIX_83" href = "#noteIX_83">83</a></p>
+
+<p>Die Sunderland abgenommenen Staatssiegel wurden Preston übergeben.
+Dieselbe Nummer der Gazette, welche diesen Ministerwechsel ankündigte,
+enthielt auch die officielle Nachricht von dem Unfalle, der die
+holländische Flotte betroffen.<a class = "tag" name = "tagIX_84" id =
+"tagIX_84" href = "#noteIX_84">84</a> Dieser Unfall war zwar ernster
+Art, aber doch bei weitem nicht so schlimm, als der König und seine
+wenigen durch ihre Wünsche irregeleiteten Anhänger zu glauben geneigt
+waren.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_83" id = "noteIX_83" href = "#tagIX_83">83.</a>
+Barillon, 8.(18.), 15.(25.), 18.(28.) Oct., 25. Oct. (4. Nov.), 27. Oct.
+(6. Nov.), 29. Oct. (8. Nov.) 1688; Adda, 26. Oct. (5. Nov.).</p>
+
+<p><a name = "noteIX_84" id = "noteIX_84" href = "#tagIX_84">84.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Oct. 29. 1688</span>.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm nimmt Abschied von den holländischen Generalstaaten.</span>
+<a name = "secIX_44" id = "secIX_44">Am</a> 16. October nach englischer
+Zeitrechnung wurde eine feierliche Sitzung der Staaten von Holland
+gehalten. Der Prinz erschien, um von ihnen Abschied zu nehmen. Er dankte
+ihnen für die freundliche Fürsorge, mit der sie über ihn gewacht, als er
+eine verlassene Waise gewesen, für das Vertrauen, das sie ihm während
+seiner Verwaltung geschenkt und für den Beistand, den sie ihm in dieser
+wichtigen Krisis gewährt hätten. Er bat sie überzeugt zu sein, daß er
+das Wohl seines Vaterlandes stets im Auge gehabt und es zu fördern
+gesucht habe. Er verlasse sie jetzt vielleicht auf immer. Wenn er im
+Kampfe für den reformirten Glauben und für die Unabhängigkeit Europa’s
+fallen sollte, so empfehle er sein geliebtes Weib ihrer Fürsorge. Der
+Großpensionair antwortete mit gebrochener Stimme und kein Mitglied des
+ernsten Senates konnte sich der Thränen enthalten. Aber Wilhelm’s
+eiserner Stoicismus verleugnete sich nie; er stand ruhig und ernst unter
+seinen weinenden Freunden, als ob er sie nur zu einem kurzen Ausfluge
+nach seinen Jagdgründen bei Loo hätte verlassen wollen.<a class = "tag"
+name = "tagIX_85" id = "tagIX_85" href = "#noteIX_85">85</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_58" id = "pageIX_58">
+IX.58</a></span>
+<p>Die Deputirten der vornehmsten Städte begleiteten ihn bis zu seiner
+Yacht. Selbst die Vertreter von Amsterdam, das so lange der Hauptsitz
+der Opposition gegen seine Verwaltung gewesen war, schlossen sich dieser
+Höflichkeitsbezeigung an. In allen Kirchen des Haags wurden an diesem
+Tage öffentliche Gebete für ihn gehalten.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_85" id = "noteIX_85" href = "#tagIX_85">85.</a>
+Protokolle der Staaten von Holland und Westfriesland; <span class =
+"antiqua">Burnet, I. 782</span>.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Er schifft sich ein und segelt ab.</span>
+<a name = "secIX_45" id = "secIX_45">Am</a> Abend kam er in Helvoetsluys
+an und begab sich an Bord einer Fregatte, die „Brill“ genannt.
+Unmittelbar darauf wurde seine Flagge aufgehißt. Sie zeigte das Wappen
+des Hauses Nassau, verbunden mit dem englischen. Die in drei Fuß hohen
+Buchstaben eingestickte Devise war glücklich gewählt. Das Haus Oranien
+führte seit langer Zeit die elliptische Devise: „Ich werde
+aufrechterhalten“ (<span class = "antiqua">Je maintiendrai</span>); der
+fehlende Nachsatz wurde jetzt durch die Worte ergänzt: „Die Freiheiten
+Englands und die protestantische Religion.“</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Er wird durch einen Sturm zurückgeworfen.</span>
+<a name = "secIX_46" id = "secIX_46">Der</a> Prinz befand sich kaum
+einige Stunden an Bord, so wurde der Wind günstig. Am neunzehnten stach
+die Flotte in See und legte vor einer steifen Brise ungefähr den halben
+Weg zwischen den Küsten Hollands und Englands zurück. Plötzlich aber
+sprang der Wind um, blies stark aus Westen und schwoll zu einem heftigen
+Sturme an. Die zerstreuten Schiffe erreichten mit genauer Noth die
+holländische Küste wieder. Die „Brill“ langte am einundzwanzigsten vor
+Helvoetsluys an. Die Schiffsgenossen des Prinzen hatten mit Bewunderung
+bemerkt, daß weder Gefahr noch Mißgeschick nur einen Augenblick seine
+ernste Ruhe gestört hatten. Obgleich er seekrank war, weigerte er sich
+doch ans Land zu gehen, denn er sah ein, daß sein Bleiben an Bord Europa
+am deutlichsten zeigen werde, daß der ihn betroffene Unfall die
+Ausführung seines Vorhabens nur um kurze Zeit verzögern könne. In
+einigen Tagen war die Flotte wieder beisammen. Ein einziges Schiff war
+gescheitert, aber nicht ein Soldat oder Matrose wurde vermißt. Nur
+einige Pferde waren umgekommen, aber diesen Verlust ersetzte der Prinz
+auf der Stelle wieder und noch ehe die London Gazette die Nachricht von
+seinem Unfalle verbreitet hatte, war er schon wieder segelfertig.<a
+class = "tag" name = "tagIX_86" id = "tagIX_86" href =
+"#noteIX_86">86</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_86" id = "noteIX_86" href = "#tagIX_86">86.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Oct. 29. 1688</span>; <span
+class = "antiqua">Burnet, I. 782</span>; Bentinck an seine Gattin,
+21.(31.) Oct., 22. Oct.(1. Nov.), 24. Oct. (3. Nov.), 27. Oct. (6. Nov.)
+1688.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Seine Erklärung kommt in England an.</span>
+<a name = "secIX_47" id = "secIX_47">Seine</a> Erklärung gelangte nur
+einige Stunden vor seiner Ankunft nach England. Am 1. November begannen
+die londoner Politiker heimlich davon zu flüstern, sie ging von Hand zu
+Hand und wurde in die Briefkästen des Postamts geworfen. Einer der
+Agenten wurde verhaftet und die Packete, die er zu besorgen hatte, nach
+Whitehall gebracht. Der König las die Proklamation und sie machte einen
+erschütternden Eindruck auf ihn. Sein erster Gedanke war, das Papier vor
+jedem menschlichen Blicke zu verbergen. Er ließ daher sämmtliche ihm
+überbrachte Exemplare bis auf eines verbrennen, und dieses eine wagte er
+kaum aus den Händen zu geben.<a class = "tag" name = "tagIX_87" id =
+"tagIX_87" href = "#noteIX_87">87</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_87" id = "noteIX_87" href = "#tagIX_87">87.</a>
+Citters, 2.(12.) Nov. 1688; Adda, 2.(12.) Nov.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob befragt die Lords.</span>
+<a name = "secIX_48" id = "secIX_48">Der</a> Paragraph des Manifestes,
+der ihn am meisten beunruhigte, war der, in welchem gesagt war, daß
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_59" id = "pageIX_59">
+IX.59</a></span>
+einige von den geistlichen und weltlichen Peers den Prinzen von Oranien
+zu einem Einfall in England aufgefordert hätten. Halifax, Clarendon und
+Nottingham, welche gerade in London waren, wurden sogleich in den Palast
+beschieden und über diesen Punkt befragt. Halifax weigerte sich anfangs,
+eine Antwort zu geben, obgleich er sich seiner Unschuld bewußt war.
+„Eure Majestät fragt mich, ob ich einen Hochverrath begangen habe,“
+sagte er. „Wenn ich eines solchen verdächtig bin, so lassen Sie mich vor
+den Gerichtshof meiner Peers stellen. Kann Eure Majestät der Antwort
+eines Angeklagten, dessen Leben auf dem Spiele steht, Glauben schenken?
+Selbst wenn ich Seine Hoheit ersucht hätte herüberzukommen, würde ich
+mich ohne Bedenken für nichtschuldig erklären.“ Der König erwiederte
+ihm, daß er ihn durchaus nicht als einen Angeklagten betrachte, sondern
+ihn nur gefragt habe, wie ein Gentleman einen Andren, der verleumdet
+worden sei, frage, ob die Verleumdung irgend eine Begründung habe. „In
+diesem Falle,“ sagte Halifax, „nehme ich als Gentleman, der mit einem
+Gentleman spricht, keinen Anstand, bei meiner Ehre, die mir eben so
+heilig ist als ein Eid, zu versichern, daß ich den Prinzen von Oranien
+nicht veranlaßt habe herüberzukommen.“<a class = "tag" name = "tagIX_88"
+id = "tagIX_88" href = "#noteIX_88">88</a> Clarendon und Nottingham
+sagten das Nämliche. Noch mehr wünschte der König, die Gesinnung der
+Prälaten zu ergründen. Wenn diese ihm feindlich gesinnt waren, dann war
+sein Thron wirklich in Gefahr. Aber das konnte nicht sein. Daß ein
+Bischof der anglikanischen Kirche sich gegen seinen Souverain empören
+sollte, war etwas Unerhörtes. Compton wurde ins königliche Kabinet
+gerufen und gefragt, ob der Prinz den geringsten Grund zu seiner
+Behauptung habe. Der Bischof war in Verlegenheit, denn er gehörte zu den
+Sieben, welche die Einladung unterzeichnet hatten, und sein nicht sehr
+weites Gewissen wollte ihm wahrscheinlich nicht gestatten, eine positive
+Unwahrheit zu sagen. „Sire,“ antwortete er, „ich bin fest überzeugt, daß
+es unter meinen Amtsbrüdern keinen giebt, der in dieser Angelegenheit
+nicht eben so schuldlos wäre, als ich selbst.“ Die Zweideutigkeit war
+gut ersonnen; ob aber der Unterschied zwischen der Sünde einer solchen
+Zweideutigkeit und der Sünde einer Lüge irgend eines Aufwandes von
+Erfindungsgeist werth war, mag vielleicht bezweifelt werden. Der König
+war zufriedengestellt. „Ich spreche Sie Alle vollkommen frei,“ sagte er;
+„aber ich halte es für nöthig, daß Sie öffentlich die ehrenrührige
+Beschuldigung zurückweisen, die Ihnen in der Erklärung des Prinzen zur
+Last gelegt wird.“ Der Bischof bat natürlich darum, das Papier lesen zu
+dürfen, dem er widersprechen sollte; der König aber wollte ihn keinen
+Blick darauf werfen lassen.</p>
+
+<p>Am folgenden Tage erschien eine Proklamation, in der einem Jeden, der
+es wagen sollte, Wilhelm’s Manifest zu verbreiten, oder es auch nur zu
+lesen, die härtesten Strafen angedroht wurden.<a class = "tag" name =
+"tagIX_89" id = "tagIX_89" href = "#noteIX_89">89</a> Der Primas und die
+wenigen in London anwesenden geistlichen Peers waren vor den König
+beschieden worden. Preston war, mit der Erklärung des Prinzen in der
+Hand, bei der Audienz zugegen. „Mylords,“ sagte der König, „hören Sie
+folgende Stelle. Dieselbe geht Sie an.“ Preston las nun den
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_60" id = "pageIX_60">
+IX.60</a></span>
+Paragraph vor, in welchem die geistlichen Peers erwähnt waren. „Ich
+glaube kein Wort von dem Allen,“ fuhr der König fort; „ich bin von Ihrer
+Unschuld überzeugt; aber ich halte es für nöthig Ihnen mitzutheilen,
+wessen Sie beschuldigt sind.“</p>
+
+<p>Der Primas erklärte dem Könige mit vielen Versicherungen der
+Ehrerbietung, daß Seine Majestät ihm nur Gerechtigkeit widerfahren
+lasse. „Ich bin als treuer Unterthan Eurer Majestät geboren,“ sagte er,
+„und ich habe meine Unterthanentreue zu wiederholten Malen eidlich
+bekräftigt. Ich kann nur einen König auf einmal haben. Ich habe den
+Prinzen nicht eingeladen herüberzukommen, und ich glaube nicht, daß ein
+einziger von meinen Amtsbrüdern es gethan hat.“ &mdash; „Ich weiß gewiß,
+daß ich es nicht gethan habe,“ sagte Crewe von Durham. „Ich auch,“
+setzte Cartwright von Chester hinzu. Crewe und Cartwright konnte man
+wohl glauben, denn sie hatten Beide in der Hohen Commission gesessen.
+Als Compton an die Reihe kam, umging er die Frage mit einer Gewandtheit,
+um die ihn ein Jesuit hätte beneiden können. „Ich gab schon gestern
+Eurer Majestät meine Antwort.“</p>
+
+<p>Jakob wiederholte ihnen immer und immer wieder, daß er sie alle
+vollkommen freispreche. Trotzdem dürfte es aber doch für ihn nützlich
+und zu ihrer Ehrenrettung nöthig sein, daß sie sich öffentlich
+rechtfertigten. Er verlangte daher von ihnen die schriftliche Erklärung,
+daß sie den Plan des Prinzen verabscheuten. Sie schwiegen, ihr
+Stillschweigen wurde als Zustimmung betrachtet und sie durften sich
+entfernen.<a class = "tag" name = "tagIX_90" id = "tagIX_90" href =
+"#noteIX_90">90</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_88" id = "noteIX_88" href = "#tagIX_88">88.</a>
+Ronquillo, 12.(22.) Nov. 1688. <span class = "antiqua">„Estas
+respuestas,“</span> sagt Ronquillo, <span class = "antiqua">„son
+ciertas, aunque mas las encubrian en la corte.“</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_89" id = "noteIX_89" href = "#tagIX_89">89.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Nov. 5. 1688.</span> Die
+Proklamation ist vom 2. Nov. datirt.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_90" id = "noteIX_90" href = "#tagIX_90">90.</a>
+<span class = "antiqua">Tanner MSS.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm geht zum zweiten Male unter Segel.</span>
+<a name = "secIX_49" id = "secIX_49">Unterdessen</a> schwamm Wilhelm’s
+Flotte auf der Nordsee. Am Abend des Donnerstag, den 2. November, ging
+er wieder unter Segel. Der Wind blies frisch aus Osten. Zwölf Stunden
+lang steuerte die Flotte in nordwestlicher Richtung. Die von dem
+englischen Admiral auf Recognoscirung ausgesandten leichten Fahrzeuge
+brachten Nachrichten, welche die vorherrschende Ansicht, daß der Feind
+in Yorkshire zu landen versuchen werde, bestätigten. Plötzlich aber
+machte die ganze Flotte auf ein vom Schiffe des Prinzen gegebenes Signal
+eine Wendung und steuerte nach dem britischen Kanal. Der nämliche Wind,
+der die Reise der Angreifer begünstigte, verhinderte Dartmouth, aus der
+Themse auszulaufen. Seine Schiffe mußten Raaen und Stengen einziehen,
+und zwei von seinen Fregatten, welche die hohe See gewonnen hatten,
+wurden von dem heftigen Sturme arg zugerichtet und in den Fluß
+zurückgetrieben.</p>
+
+<p>Inzwischen segelte die holländische Flotte rasch vor dem Winde und
+erreichte die Meerenge am Samstag den 3. November ungefähr um zehn Uhr
+Morgens. Wilhelm selbst fuhr mit der „Brill“ voraus, und mehr als
+sechshundert Fahrzeuge folgten ihm mit vollen Segeln. Die
+Transportschiffe befanden sich in der Mitte, und die Kriegsschiffe, über
+fünfzig an Zahl, bildeten den äußeren Wehrgürtel. Herbert befehligte die
+ganze Flotte unter dem Titel eines Generallieutenant-Admirals. Sein
+Schiff segelte unter der Nachhut und viele englische Seeleute, die von
+Haß gegen den Papismus erfüllt und durch hohen Sold angelockt waren,
+dienten unter ihm. Es hatte dem Prinzen viele Mühe gekostet einige hohe
+holländische Offiziere dazu zu bewegen, daß sie sich dem Oberbefehl
+eines Ausländers
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_61" id = "pageIX_61">
+IX.61</a></span>
+unterwarfen. Diese Anordnung aber war höchst weise. Auf der Flotte des
+Königs herrschte große Unzufriedenheit und ein glühender Eifer für den
+protestantischen Glauben. Aber innerhalb der Erinnerung alter Seeleute
+hatten die holländische und die englische Flotte dreimal mit
+heldenmüthiger Tapferkeit und wechselndem Glücke um die Herrschaft auf
+der See gekämpft. Unsere Seeleute hatten den Besen noch nicht vergessen,
+mit dem Van Tromp den Kanal zu fegen gedroht hatte, und eben so wenig
+das Feuer, welches De Ruyter auf den Werften des Medway angezündet.
+Hätten sich die beiden rivalisirenden Nationen noch einmal auf dem
+Elemente begegnet, auf welchem jede von ihnen die Herrschaft für sich in
+Anspruch nahm, so würde die gegenseitige Erbitterung keinen andren
+Gedanken haben aufkommen lassen. Eine blutige und hartnäckige Schlacht
+würde stattgefunden haben und eine Niederlage wäre für Wilhelm der
+Todesstoß gewesen. Selbst ein Sieg würde alle seine tief durchdachten
+politischen Pläne zerstört haben. Er hatte daher wohlweislich
+beschlossen, die Verfolger, falls er mit ihnen zusammentreffen sollte,
+in ihrer Muttersprache zu begrüßen und sie durch einen Admiral, unter
+dem sie gedient hatten, und den sie hochachteten, bitten zu lassen, daß
+sie nicht gegen alte Kameraden für papistische Tyrannei fechten sollten.
+Eine solche Aufforderung konnte möglicherweise einem Zusammenstoße
+vorbeugen. Erfolgte aber dennoch ein solcher, so standen wenigstens zwei
+englische Befehlshaber einander gegenüber, und der Stolz der
+Inselbewohner wurde nicht verwundet, wenn sie erfuhren, daß Dartmouth
+vor Herbert hatte die Flagge streichen müssen.<a class = "tag" name =
+"tagIX_91" id = "tagIX_91" href = "#noteIX_91">91</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_91" id = "noteIX_91" href = "#tagIX_91">91.</a>
+Avaux, 12.(22.) Juli u. 14.(24.) Aug. 1688. Herr de Jonge, der mit den
+Nachkommen des holländischen Admirals Evertson verwandt ist, hat die
+Gefälligkeit gehabt, mir einige aus Familienpapieren entnommene
+interessante Notizen mitzutheilen. In einem vom 6.(16.) Sept. 1688
+datirten Briefe an Bentinck legt Wilhelm ein großes Gewicht auf die
+Nothwendigkeit, einen Zusammenstoß zu vermeiden und bittet Bentinck
+darum, dies Herbert vorzustellen. <span class = "antiqua">„Ce n’est pas
+le tems de faire voir sa bravoure, ni de se battre si l’on le peut
+éviter. Je luy l’ai déjà dit, mais il sera nécessaire que vous le
+répétiez, et que vous le luy fassiez bien comprendre.“</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Er passirt die Meerenge.</span>
+<a name = "secIX_50" id = "secIX_50">Zum</a> Glück war Wilhelm’s
+Vorsicht überflüssig. Bald nach Mittag passirte er die Meerenge. Seine
+Flotte breitete sich auf eine Meile Entfernung von Dover im Norden und
+von Calais im Süden aus. Die Kriegsschiffe auf der äußersten Rechten und
+der äußersten Linken begrüßten beide Festungen gleichzeitig. Die Truppen
+traten auf dem Verdeck unters Gewehr, und das Geschmetter der Trompeten,
+der Klang der Cymbeln und der Trommelwirbel wurden an der englischen und
+der französischen Küste zu gleicher Zeit deutlich gehört. Eine unzählige
+Menge Neugieriger verdunkelte das weiße Gestade von Kent. Eine nicht
+minder zahlreiche Menge bedeckte die Küste der Picardie. Rapin de
+Thoyras, der durch Verfolgung aus seinem Vaterlande vertrieben, in der
+holländischen Armee Dienste genommen hatte und den Prinzen nach England
+begleitete, schilderte viele Jahre später das Schauspiel als das
+prächtigste und erhabenste, das je ein menschliches Auge gesehen. Bei
+Sonnenuntergang befand sich die Flotte auf der Höhe von Beachy Head.
+Jetzt wurden die Lichter angezündet. Das Meer strahlte davon viele
+Meilen im Umkreise. Aber die Blicke aller Steuermänner
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_62" id = "pageIX_62">
+IX.62</a></span>
+waren die ganze Nacht hindurch auf drei kolossale Laternen gerichtet,
+welche am Spiegel der „Brill“ leuchteten.<a class = "tag" name =
+"tagIX_92" id = "tagIX_92" href = "#noteIX_92">92</a></p>
+
+<p>Unterdessen war von Dover ein Courier nach Whitehall abgeschickt
+worden mit der Nachricht, daß die holländische Flotte die Meerenge
+passirt habe und westwärts steure. Dies machte eine sofortige Abänderung
+aller militairischen Anordnungen nöthig. Nach allen Richtungen hin
+wurden Eilboten ausgesandt, die Offiziere mitten in der Nacht aus den
+Betten geholt. Am Sonntag Morgen um drei Uhr fand in Hyde Park eine
+große Musterung bei Fackelschein statt. In der Voraussetzung, daß
+Wilhelm in Yorkshire landen werde, hatte der König mehrere Regimenter
+nach dem Norden geschickt. Es wurden unverzüglich Expresse abgefertigt,
+um sie zurückzurufen. Alle Truppen bis auf diejenigen, welche zur
+Aufrechthaltung der Ruhe in der Hauptstadt nöthig waren, wurden nach dem
+Westen beordert. Salisbury war zum Sammelplatz bestimmt; da man es aber
+für möglich hielt, daß Portsmouth der erste Angriffspunkt werden könnte,
+so brachen drei Bataillone Garden und ein starkes Kavalleriecorps nach
+dieser Festung auf. In einigen Stunden erfuhr man, daß Portsmouth sicher
+sei, und die Truppen erhielten deshalb sofort den Befehl, umzukehren und
+nach Salisbury zu eilen.<a class = "tag" name = "tagIX_93" id =
+"tagIX_93" href = "#noteIX_93">93</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_92" id = "noteIX_92" href = "#tagIX_92">92.</a>
+<span class = "antiqua">Rapin’s History</span>; <span class =
+"antiqua">Whittle’s Exact Diary</span>. Ich habe einen aus der damaligen
+Zeit herrührenden Plan von der Ordnung gesehen, in welcher die Flotte
+segelte.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_93" id = "noteIX_93" href = "#tagIX_93">93.</a>
+Adda, 5.(15.) Nov. 1688; Neuigkeitsbrief in der Mackintosh-Sammlung;
+Citters, 6.(16.) Nov.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Seine Landung bei Torbay.</span>
+<a name = "secIX_51" id = "secIX_51">Als</a> der Sonntag, der 4.
+November, anbrach, hatte die holländische Flotte die Klippen der Insel
+Wight in Sicht. Dieser Tag war zu gleicher Zeit Wilhelm’s Geburtstag und
+Hochzeitstag. Während der ersten Stunden des Morgens wurden die Segel
+losgemacht und auf den Schiffen Gottesdienst gehalten. Am Nachmittag und
+die Nacht durch steuerte die Flotte in der bisher verfolgten Richtung
+weiter. Torbay war der Ort, wo Wilhelm zu landen gedachte. Der Morgen
+des 5. November war trübe und nebelig, so daß der Steuermann der „Brill“
+die Seezeichen nicht erkennen konnte und die Flotte zu weit westlich
+führte. Die Gefahr war groß. Dem Wind entgegen wieder umzukehren war
+unmöglich. Der nächste Hafen war Plymouth, aber dort lag eine Garnison
+unter dem Commando des Lord Bath. Diese konnte sich der Landung
+möglicherweise widersetzen und ein Unfall konnte schlimme Folgen haben.
+Überdies konnte man kaum daran zweifeln, daß die königliche Flotte jetzt
+die Themse verlassen hatte und mit vollen Segeln dem Kanal zusteuerte.
+Russell erkannte die ganze Größe der Gefahr und sagte zu Burnet: „Sie
+können immer beten, Doctor. Es ist Alles vorbei.“ In diesem Augenblicke
+sprang der Wind um, es erhob sich eine leichte Südbrise, der Nebel
+zerstreute sich, die Sonne schien, und bei dem matten Lichte eines
+Herbstnachmittags wendete sich die Flotte, umschiffte das hohe Cap Berry
+Head und lief wohlbehalten in den Hafen von Torbay ein.<a class = "tag"
+name = "tagIX_94" id = "tagIX_94" href = "#noteIX_94">94</a></p>
+
+<p>Seit der Zeit, als Wilhelm auf diesen Hafen blickte, hat sich die
+Gestalt desselben sehr verändert. Das Amphitheater, welches das weite
+Becken umgiebt, bietet jetzt überall Zeichen von Wohlstand und
+Civilisation
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_63" id = "pageIX_63">
+IX.63</a></span>
+dar. Am nordöstlichen Ende ist ein großer Badeort entstanden, dessen
+milder italienischer Himmel Gäste aus den entferntesten Theilen der
+Insel anzieht, denn hier blüht die Myrthe im Freien und selbst der
+Winter ist milder als in Northumberland der April. Die Einwohnerzahl
+beläuft sich auf ungefähr zehntausend Seelen. Die neuerbauten Kirchen
+und Kapellen, die Bäder und Leseinstitute, die Gasthöfe und öffentlichen
+Gärten, das Krankenhaus und das Museum, die sich terrassenförmig an der
+Küste hinaufziehenden weißen Straßen, die hinter Buschwerk und
+Blumenbeeten hervorschimmernden freundlichen Landhäuser gewähren einen
+Anblick, wie ihn England im siebzehnten Jahrhunderte nirgends aufweisen
+konnte. Auf der andren Seite der Bucht liegt, durch Berry Head
+geschützt, der lebhafte Marktort Brixham, der wohlhabendste Sitz unsres
+Fischhandels. Zu Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts wurde hier ein
+Molo und ein Hafen angelegt, die sich aber für den zunehmenden Verkehr
+bald als ungenügend erwiesen. Die Bevölkerung beträgt etwa sechstausend
+Seelen und der Schiffsverkehr beläuft sich auf mehr als zweihundert
+Segel. Der Tonnengehalt der ein- und auslaufenden Schiffe übertrifft
+sehr oft den des Hafens von Liverpool zu den Zeiten der Stuarts. Als
+aber die holländische Flotte in der Torbay vor Anker ging, war sie nur
+als ein Hafen bekannt, in den sich zuweilen die Schiffe vor den Stürmen
+des atlantischen Oceans flüchteten. Das Gewühl des Handels und des
+Vergnügens störte noch nicht die Ruhe ihrer stillen Ufer und nur
+spärliche Bauer- und Fischerhütten lagen zerstreut umher auf dem Boden,
+der jetzt mit belebten Marktorten und prächtigen Lusthäusern bedeckt
+ist.</p>
+
+<p>Die Landleute an der Küste von Devonshire gedachten noch in Liebe des
+Namens Monmouth und verabscheuten den Papismus. Sie kamen daher ans Ufer
+herbeigeströmt, um Lebensmittel und Dienstleistungen anzubieten. Die
+Ausschiffung begann unverzüglich. Sechzig Böte brachten die Truppen ans
+Ufer. Zuerst wurde Mackay mit den britischen Regimentern ans Land
+gesetzt. Ihm folgte bald nachher der Prinz. Er landete an der Stelle, wo
+sich gegenwärtig der Quai von Brixham befindet. Die Gegend hat jetzt ein
+ganz andres Aussehen. Wo wir jetzt einen mit Fahrzeugen angefüllten
+Hafen und einen von Käufern und Verkäufern wimmelnden Marktort
+erblicken, brachen sich damals die Wogen an einer öden Küste; aber ein
+Stück von dem Felsen, auf den der Befreier beim Aussteigen aus seinem
+Boote trat, ist sorgsam aufbewahrt und in der Mitte des geräuschvollen
+Quais als ein Gegenstand der öffentlichen Verehrung aufgestellt
+worden.</p>
+
+<p>Sobald der Prinz den Fuß auf festen Boden gesetzt hatte, verlangte er
+Pferde, und zwei Thiere, wie die kleinen Gutsbesitzer sie damals zu
+reiten pflegten, wurden aus dem nächsten Dorfe herbeigeschafft. Wilhelm
+und Schomberg bestiegen dieselben und ritten fort, um die Gegend zu
+recognosciren.</p>
+
+<p>Sobald Burnet ans Land gestiegen war, eilte er zu dem Prinzen, und es
+fand ein ergötzliches Gespräch zwischen ihnen statt. Burnet ergoß sich
+in freudige Beglückwünschungen und fragte dann begierig, was Seine
+Hoheit zu thun gedenke. Militairs haben selten Lust, sich über
+kriegerische Angelegenheiten mit Geistlichen zu berathen, und Wilhelm
+betrachtete die Einmischung von Laien in Kriegsfragen mit noch größerem
+Widerwillen als andere Soldaten bei solchen Gelegenheiten. Aber er war
+in diesem Augenblicke gerade besonders gutgelaunt, und anstatt daher
+durch einen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_64" id = "pageIX_64">
+IX.64</a></span>
+kurzen, dem Gespräch sofort ein Ende machenden Verweis sein Mißfallen zu
+äußern, reichte er seinem Kaplan freundlich die Hand und antwortete auf
+dessen Frage mit einer andren, indem er sagte: „Nun, Doctor, was halten
+Sie jetzt von der Prädestination?“ Der Tadel war so mild, daß Burnet,
+der eben nicht sehr feinfühlend war, ihn gar nicht fühlte. Er antwortete
+mit großer Wärme, daß er nie vergessen werde, wie sichtbar der Himmel
+ihr Unternehmen begünstigt habe.<a class = "tag" name = "tagIX_95" id =
+"tagIX_95" href = "#noteIX_95">95</a></p>
+
+<p>Am ersten Tage hatten die ausgeschifften Truppen manche
+Unannehmlichkeiten zu ertragen. Der Boden war vom Regen erweicht, und
+die Bagage war noch auf den Schiffen. Hohe Offiziere mußten in
+durchnäßten Kleidern auf der feuchten Erde schlafen und der Prinz selbst
+hatte kein besseres Obdach als eine gewöhnliche Hütte. Auf dem
+Strohdache derselben wurde sein Banner aufgepflanzt und einige Betten,
+die man von seinem Schiffe mitgebracht hatte, wurden auf den Boden
+gebreitet.<a class = "tag" name = "tagIX_96" id = "tagIX_96" href =
+"#noteIX_96">96</a> Die Ausschiffung der Pferde machte einige
+Schwierigkeiten, und es hatte ganz den Anschein, als würde dieses
+Geschäft mehrere Tage Zeit wegnehmen. Am folgenden Morgen aber
+erheiterte sich die Aussicht. Der Wind legte sich und das Wasser der Bai
+war eben wie ein Spiegel. Einige Fischer zeigten eine Stelle, wo sich
+die Schiffe der Küste bis auf sechzig Fuß nähern konnten. Dies geschah
+und in drei Stunden wurden mehrere hundert Pferde wohlbehalten ans Land
+geschafft.</p>
+
+<p>Die Ausschiffung war kaum beendigt, so erhob sich der Wind von neuem
+und schwoll bald zu einem heftigen Weststurme an. Der zur Verfolgung den
+Kanal herabkommende Feind war durch den nämlichen Witterungswechsel,
+welcher dem Prinzen die Landung ermöglichte, aufgehalten worden. Seit
+zwei Tagen lag die königliche Flotte auf windstiller See angesichts
+Beachy Head. Endlich konnte Dartmouth wieder unter Segel gehen. Er fuhr
+bei der Insel Wight vorüber und eines seiner Schiffe bekam die
+Mastspitzen der bei Torbay liegenden Holländer in Sicht. Gerade in
+diesem Augenblicke erhob sich der ihm widrige Sturm, der ihn zwang, sich
+in den Hafen von Portsmouth zu flüchten.<a class = "tag" name =
+"tagIX_97" id = "tagIX_97" href = "#noteIX_97">97</a> Jakob, der in
+Schifffahrtsangelegenheiten wohl ein Urtheil hatte, erklärte damals, er
+sei fest überzeugt, daß sein Admiral Alles gethan habe, was in eines
+Menschen Macht stehe und daß er nur der unüberwindlichen Feindschaft des
+Windes und der Wogen gewichen sei. Zu einer späteren Zeit begann der
+unglückliche Fürst mit schlechtem Grunde Dartmouth des Verraths oder
+wenigstens eines Mangels an Energie zu beschuldigen.<a class = "tag"
+name = "tagIX_98" id = "tagIX_98" href = "#noteIX_98">98</a></p>
+
+<p>Das Wetter hatte in der That die protestantische Sache so auffallend
+begünstigt, daß manche Leute, deren Frömmigkeit größer war als ihr
+Verstand, fest glaubten, die gewöhnlichen Gesetze der Natur seien um
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_65" id = "pageIX_65">
+IX.65</a></span>
+der Erhaltung der Freiheit und der Religion Englands willen außer Kraft
+gesetzt worden. Gerade vor hundert Jahren, sagten sie, sei die für
+unüberwindlich gehaltene Armada durch den Zorn Gottes vernichtet worden.
+Die bürgerliche Freiheit und die göttliche Wahrheit seien abermals in
+Gefahr gewesen, und wieder hätten die gehorsamen Elemente für die gute
+Sache gekämpft. Der Wind habe kräftig aus Osten geblasen, als der Prinz
+den Kanal hinabzusegeln wünschte, sei nach Süden umgesprungen, als er
+habe in die Torbai einfahren wollen, habe sich für die Dauer der
+Ausschiffung gelegt und sei sobald die Ausschiffung vollendet gewesen,
+wieder zu einem Sturme angeschwollen, der den Verfolgern gerade ins
+Gesicht wehte. Auch unterließ man nicht, auf das sonderbare
+Zusammentreffen Gewicht zu legen, daß der Prinz unsere Küsten gerade an
+dem Tage erreicht hatte, an welchem die anglikanische Kirche die
+wunderbare Errettung des königlichen Hauses und der drei Stände von dem
+schwärzesten Complot, das die Papisten jemals ersonnen, durch Gebet und
+Dankgottesdienst feierte. Carstairs, dessen Winke bei dem Prinzen stets
+beachtet wurden, rieth dazu, daß sogleich nach bewerkstelligter Landung
+ein öffentlicher Dankgottesdienst für den sichtbaren Schutz, den der
+Himmel dem Unternehmen habe angedeihen lassen, gehalten werden solle.
+Der Rath wurde befolgt und hatte außerordentlich gute Wirkung. Die
+Truppen, die sich nun als Günstlinge des Himmels betrachten lernten,
+wurden von neuem Muthe beseelt und das englische Volk faßte die
+günstigste Meinung von einem General und einer Armee, welche den
+Pflichten der Religion so große Aufmerksamkeit schenkten.</p>
+
+<p>Am Dienstag den 6. November begann Wilhelm’s Armee landeinwärts zu
+marschiren. Einige Regimenter rückten bis Newton Abbot vor. Ein im
+Mittelpunkte dieses Städtchens errichteter Denkstein bezeichnet noch die
+Stelle, wo die Erklärung des Prinzen den Bewohnern feierlich vorgelesen
+wurde. Die Truppen konnten sich nur langsam vorwärts bewegen, denn der
+Regen fiel in Strömen und die Straßen Englands befanden sich damals noch
+in einem Zustande, der Leuten, welche die vortrefflichen
+Communicationswege Hollands gewohnt waren, entsetzlich vorkam. Wilhelm
+nahm auf zwei Tage sein Hauptquartier in Ford, einer Besitzung der alten
+und vornehmen Familie von Courtenay, unweit Newton Abbot. Er fand hier
+eine prächtige Wohnung und glänzende Bewirthung, aber es ist auffallend,
+daß der Hausherr, obgleich ein eifriger Whig, nicht der Erste sein
+wollte, der Leben und Eigenthum aufs Spiel setzte, und sich sorgfältig
+hütete, irgend etwas zu thun, was, im Fall der König die Oberhand
+behielt, als ein Verbrechen angesehen werden konnte.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_94" id = "noteIX_94" href = "#tagIX_94">94.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 788</span>; Auszüge aus den
+Legge’schen Papieren in der Mackintosh-Sammlung.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_95" id = "noteIX_95" href = "#tagIX_95">95.</a>
+Ich glaube, wer Burnet’s Bericht von dieser Unterredung mit dem Bericht
+Dartmouth’s vergleicht, kann nicht zweifeln, daß ich den Vorgang richtig
+dargestellt habe.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_96" id = "noteIX_96" href = "#tagIX_96">96.</a>
+Ich habe eine Abbildung der Ausschiffung aus der damaligen Zeit gesehen.
+Einige Männer bringen eben die Betten des Prinzen in die Hütte, auf
+deren Dache seine Fahne weht.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_97" id = "noteIX_97" href = "#tagIX_97">97.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 789</span>; Legge-Papiere.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_98" id = "noteIX_98" href = "#tagIX_98">98.</a>
+Unterm 9. Nov. 1688 schrieb Jakob an Dartmouth: „Niemand hätte anders zu
+Werke gehen können als Sie es gethan haben. Ich bin überzeugt, daß alle
+erfahrenen Seeleute der nämlichen Meinung sein müssen.“ Siehe dagegen
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 207. Orig.
+Mem.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Sein Einzug in Exeter.</span>
+<a name = "secIX_52" id = "secIX_52">In</a> Exeter herrschte inzwischen
+große Aufregung. Sobald der Bischof Lamplugh erfuhr, daß die Holländer
+in der Torbai angekommen waren, eilte er in Todesangst nach London. Der
+Dechant entfloh aus der Dechanei. Die Behörden waren für den König, die
+große Masse der Einwohner für den Prinzen. Alles gerieth in die größte
+Bestürzung, als am Morgen des 8. November ein Truppencorps unter
+Mordaunt’s Commando vor der Stadt erschien. Mit Mordaunt zugleich kam
+Burnet, dem Wilhelm aufgetragen hatte, die Geistlichkeit der Kathedrale
+vor Beleidigungen und Insulten zu schützen.<a class = "tag" name =
+"tagIX_99" id = "tagIX_99" href = "#noteIX_99">99</a> Der Mayor
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_66" id = "pageIX_66">
+IX.66</a></span>
+und die Aldermen hatten die Thore schließen lassen, öffneten sie aber
+auf die erste Aufforderung. Die Dechanei wurde zum Empfang des Prinzen
+eingerichtet. Am folgenden Tage, Freitag den neunten, kam er an. Die
+Behörden waren dringend aufgefordert worden, ihn am Thore der Stadt mit
+Gepränge zu empfangen, hatten dies aber beharrlich verweigert. Der Pomp
+dieses Tages konnte sie auch entbehren. Ein solches Schauspiel hatte
+Devonshire noch nie gesehen. Viele kamen eine halbe Tagereise weit
+herbei, um den Vorkämpfer ihres Glaubens zu begrüßen. Alle umliegenden
+Dörfer sandten ihre Einwohnerschaft. Eine große Volksmenge,
+hauptsächlich aus jungen Landleuten bestehend, die ihre Knotenstöcke
+schwangen, hatte sich auf dem Gipfel des Haldonhügels versammelt, wo die
+von Chudleigh kommende Armee zum ersten Male das reiche Thal der Exe und
+die beiden massiven Thürme erblickte, welche aus der über der Hauptstadt
+des Westens lagernden Rauchwolke emporragten. Der ganze Weg den Abhang
+hinunter über die Ebene bis aus Ufer des Flusses war in seiner ganzen
+Länge mit Zuschauern bedeckt. Vom Westthore bis zum Domplatze war das
+Gedränge und der Jubel allenthalben so groß, daß anwesende Londoner sich
+dabei an den Umzug des Lordmayors erinnerten. Die Häuser waren festlich
+geschmückt und alle Thüren, Fenster, Balcons und Dächer mit Zuschauern
+besetzt. Ein an kriegerischen Pomp gewöhntes Auge würde jedoch an dem
+Schauspiele mancherlei zu tadeln gefunden haben, denn mehrere
+beschwerliche Tagemärsche bei Regenwetter und auf Straßen, wo ein
+Fußgänger bei jedem Schritte bis über die Knöchel in den Schmutz
+einsank, hatten das Aussehen der Mannschaften und ihrer Monturstücke
+eben nicht verbessert. Die Bevölkerung von Devonshire aber, welche an
+den Glanz wohlgeordneter Feldlager durchaus nicht gewöhnt war, wurde von
+Freude und Ehrfurcht überwältigt. Beschreibungen des kriegerischen
+Schauspiels wurden im ganzen Lande verbreitet, und sie enthielten
+Vieles, was wohl geeignet war, den Geschmack des gemeinen Volks an
+Wunderdingen zu befriedigen. Denn die holländische Armee, aus Männern
+zusammengesetzt, die unter verschiedenen Himmelsstrichen geboren waren
+und unter verschiedenen Fahnen gedient hatten, gewährte Inselbewohnern,
+welche größtentheils sehr undeutliche Begriffe von fremden Ländern
+hatten, einen zugleich grotesken, prächtigen und furchtbaren Anblick.
+Voran ritt Macclesfield an der Spitze von zweihundert Gentlemen meist
+britischer Abkunft, mit blitzenden Helmen und Brustharnischen, auf
+flämischen Schlachtrossen reitend. Jeder von ihnen hatte einen aus den
+Zuckerplantagen der Küste von Guiana mitgebrachten Neger bei sich. Die
+Bürger von Exeter, welche noch nie so viele Exemplare der afrikanischen
+Menschenrace beisammengesehen hatten, betrachteten mit Staunen die
+schwarzen Gesichter, welche durch gestickte Turbane und weiße Federn
+noch mehr hervorgehoben wurden. Dann kam eine Schwadron schwedischer
+Reiter mit gezogenen breiten Schwertern in schwarzer Rüstung und
+Pelzmänteln. Sie erweckten ganz besonderes Interesse, denn man sagte,
+daß sie aus einem Lande stammten, wo das Meer zugefroren und es die
+Hälfte des ganzen Jahres hindurch Nacht sei, und daß sie die riesigen
+Bären, deren Felle sie trugen, selbst erlegt hätten. Hierauf folgte,
+umgeben von einer eleganten Truppe Gentlemen und Pagen das hoch
+getragene Banner des Prinzen. Auf den breiten Falten desselben las die
+Menge, welche Fenster und Dächer besetzt hielt, mit Wonne die
+denkwürdige Inschrift: „Die protestantische Religion und die Freiheiten
+Englands.“ Der Jubel
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_67" id = "pageIX_67">
+IX.67</a></span>
+steigerte sich noch, als der Prinz selbst, mit Brust- und Rückenharnisch
+und einer weißen Feder geschmückt auf seinem weißen Streitrosse
+erschien. Mit welchem kriegerischen Anstande er sein Pferd lenkte, wie
+sinnend und gebieterisch der Ausdruck seiner breiten Stirn und seines
+Falkenauges war, kann man noch heute an Kneller’s Portrait von ihm
+sehen. Einmal milderten sich seine ernsten Gesichtszüge zu einem
+Lächeln, als eine alte Frau, vielleicht eine von den eifrigen
+Puritanerinnen, welche durch achtundzwanzig Jahre der Verfolgung im
+festen Glauben auf den Trost Israels ausgeharrt hatte, vielleicht die
+Mutter eines Rebellen, der in der blutigen Schlacht von Sedgemoor oder
+bei dem noch fürchterlicheren Gemetzel der blutigen Assisen umgekommen
+war, sich hervordrängte, sich mitten unter die gezogenen Schwerter und
+bäumenden Rosse stürzte, die Hand des Befreiers berührte und ausrief,
+daß sie jetzt glücklich sei. Nicht weit von dem Prinzen ritt ein Mann,
+der mit ihm die aufmerksamen Blicke der Menge theilte. Das, sagte man,
+sei der große Graf Schomberg, der erste Soldat in Europa, seitdem
+Turenne und Condé nicht mehr wären, der Mann, dessen Genie und
+Tapferkeit die portugiesische Monarchie auf dem Schlachtfelde von Montes
+Claros gerettet, der Mann, der sich noch höheren Ruhm dadurch erworben,
+daß er um seines Glaubens willen den Stab eines Marschalls von
+Frankreich niedergelegt. Man hatte nicht vergessen, daß die beiden
+Helden, welche, durch ihren gemeinsamen Protestantismus unauflöslich
+aneinander gekettet, jetzt zusammen in Exeter einzogen, vor zwölf Jahren
+einander unter den Mauern von Mastricht gegenüberstanden und daß damals
+der Feuereifer des jungen Prinzen dem kalten Wissen des Veteranen, der
+jetzt als Freund an seiner Seite ritt, nicht gewachsen war. Dann kam
+eine lange Colonne des bärtigen Fußvolks der Schweizer, die sich seit
+zwei Jahrhunderten in allen festländischen Kriegen durch vorzügliche
+Tapferkeit und Disciplin ausgezeichnet, aber bis diesen Augenblick noch
+nie auf englischem Boden gesehen worden waren. Hinter ihnen folgte eine
+Reihe von Truppencorps, welche nach ihren Anführern Bentinck, Solms und
+Ginkell, Talmash und Mackay genannt wurden. Mit besonderem Vergnügen
+mochten die Engländer ein tapferes Regiment betrachten, das noch den
+Namen des verehrten und bedauerten Ossory führte. Der Eindruck des
+ganzen Schauspiels wurde noch erhöht durch die Erinnerung an die
+denkwürdigen Ereignisse, an denen viele von den Kriegern, welche jetzt
+durch das Westthor einmarschirten, Theil genommen. Denn sie hatten ganz
+andren Dienst gesehen, als den der Miliz von Devonshire oder des Lagers
+von Hounslow. Einige von ihnen hatten den ungestümen Angriff der
+Franzosen auf dem Schlachtfelde von Seneff zurückgeschlagen, und Andere
+hatten an jenem hochwichtigen Tage, an welchem die Belagerung von Wien
+aufgehoben wurde, für das Christenthum mit den Ungläubigen die Schwerter
+gekreuzt. Selbst die Sinne der Menge wurden durch die Einbildungskraft
+getäuscht. Neuigkeitsbriefe verbreiteten nach allen Gegenden des Reichs
+fabelhafte Berichte von der Gestalt und Körperkraft der Eingedrungenen.
+Es wurde versichert, daß sie mit wenigen Ausnahmen sechs Fuß lang seien
+und daß sie so große Lanzen, Schwerter und Musketen trügen, wie man sie
+noch nie in England gesehen hätte. Das Erstaunen der Menge verminderte
+sich nicht, als die Artillerie ankam, bestehend aus einundzwanzig
+kolossalen ehernen Geschützen, deren jedes von sechzehn Lastpferden mit
+Mühe fortgeschleppt wurde. Große Bewunderung
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_68" id = "pageIX_68">
+IX.68</a></span>
+erregte ein sonderbares, auf Rädern ruhendes Gebäude. Es war eine
+ambulante Feldschmiede mit allen zur Ausbesserung von Waffen und
+Fuhrwerken nöthigen Werkzeugen und Materialien versehen. Nichts aber
+wurde mit so großem Erstaunen betrachtet, als die Brücke von Böten,
+welche zum Übersetzen der Wagen mit großer Leichtigkeit über die Exe
+geschlagen und dann eben so schnell wieder auseinandergenommen wurde, um
+weiter transportirt zu werden. Wenn man dem Gerücht glauben durfte, war
+sie nach einem Muster angefertigt, welches die an der Donau gegen die
+Türken kämpfenden Christen erfunden hatten. Die Fremden erweckten eben
+so große Zuneigung als Bewunderung. Ihr umsichtiger Führer sorgte dafür,
+die Einquartierungen so zu vertheilen, daß die Bewohner von Exeter und
+der umliegenden Ortschaften so wenig als möglich belästigt wurden. Es
+wurde die strengste Kriegszucht gehandhabt, und nicht allein Plünderung
+und Gewaltthätigkeiten wirksam verhindert, sondern auch den Truppen
+eingeschärft, daß sie sich gegen Jedermann, weß Standes er auch sei,
+artig zu benehmen hätten. Diejenigen, die sich ihre Vorstellungen von
+einer Armee nach dem Verfahren Kirke’s und seiner Lämmer gebildet
+hatten, waren ganz erstaunt, Soldaten zu sehen, welche niemals eine
+Hausfrau barsch anfuhren und kein Ei nahmen ohne es zu bezahlen. In
+Anerkennung dieses gesitteten Benehmens lieferte das Volk den Truppen
+Lebensmittel im Überfluß und zu mäßigem Preise.<a class = "tag" name =
+"tagIX_100" id = "tagIX_100" href = "#noteIX_100">100</a></p>
+
+<p>Sehr viel hing von dem Verfahren ab, welches in dieser wichtigen
+Krisis die Geistlichkeit der anglikanischen Kirche beobachtete, und die
+Mitglieder des Kapitels von Exeter waren die Ersten, welche aufgefordert
+wurden, ihre Gesinnungen offen zu erklären. Burnet kündigte den
+Canonici, welche durch die Flucht des Dechanten ihres Vorgesetzten
+beraubt waren, an, daß sie hinfüro das Gebet für den Prinzen von Wales
+nicht mehr sprechen dürften und daß zu Ehren der glücklichen Ankunft des
+Prinzen von Oranien ein feierlicher Gottesdienst gehalten werden müßte.
+Die Canonici fanden es nicht für gut, in ihren Chorstühlen zu
+erscheinen; aber einige von den Chorsängern und Pfründnern waren
+anwesend. Wilhelm begab sich mit militairischem Gepränge in die
+Kathedrale. Als
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_69" id = "pageIX_69">
+IX.69</a></span>
+er die prächtige Vorhalle betrat, ließ die berühmte Orgel, welche kaum
+von einer einzigen von denjenigen übertroffen wird, die der Stolz seines
+Geburtslandes sind, Triumphklänge ertönen. Er bestieg den Bischofssitz,
+einen prachtvollen Thron mit reichem Schnitzwerk aus dem fünfzehnten
+Jahrhundert. Burnet stand am Fuße desselben und zu beiden Seiten
+versammelte sich ein zahlreiches Gefolge von Kriegern und Kavalieren.
+Die weißgekleideten Sänger stimmten das Tedeum an. Als der Gesang, zu
+Ende war, las Burnet die Erklärung des Prinzen vor; kaum aber hatte er
+die ersten Worte derselben gesprochen, so drängten sich Geistliche und
+Sänger eiligst aus dem Chore. Am Schlusse rief Burnet mit lauter Stimme:
+„Gott erhalte den Prinzen von Oranien!“ und viele Stimmen antworteten
+feierlich: „Amen!“<a class = "tag" name = "tagIX_101" id = "tagIX_101"
+href = "#noteIX_101">101</a></p>
+
+<p>Am Sonntag, den 11. November, predigte Burnet vor dem Prinzen in der
+Kathedrale und sprach über die sichtbare Gnade, welche Gott der
+englischen Kirche und Nation gewährt. Um dieselbe Zeit ereignete sich in
+einem bescheideneren Gotteshause ein sonderbarer Vorfall. Ferguson hatte
+sich vorgenommen, in dem presbyterianischen Versammlungshause zu
+predigen. Der Geistliche und die Ältesten wollten dies nicht zugeben;
+aber der heftige und halbwahnsinnige Schurke, der wahrscheinlich die
+Zeiten Fleetwood’s und Harrison’s zurückgekehrt glaubte, erbrach die
+Thür, schritt mit dem Schwert in der Hand durch die Versammlung, bestieg
+die Kanzel und hielt eine heftige Schmährede gegen den König. Die Zeit
+für solche Albernheiten war vorüber und der Skandal erregte nur Spott
+und Widerwillen.<a class = "tag" name = "tagIX_102" id = "tagIX_102"
+href = "#noteIX_102">102</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+
+<p><a name = "noteIX_99" id = "noteIX_99" href = "#tagIX_99">99.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 790.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_100" id = "noteIX_100" href = "#tagIX_100">100.</a>
+Siehe in Whittle’s Tagebuch die Expedition Seiner Hoheit und den um
+diese Zeit erschienenen Brief von Exon. Ich habe selbst zwei
+geschriebene Neuigkeitsbriefe gesehen, in denen der Einzug des Prinzen
+in Exeter geschildert war. Einige Monate darauf schrieb ein schlechter
+Dichter ein Theaterstück betitelt: „Die letzte Revolution.“ Eine Scene
+spielt in Exeter. „Bataillone von der Armee des Prinzen auf ihrem
+Marsche in die Stadt treten mit wehenden Fahnen, unter Trommelwirbel und
+Zujauchzen der Bürger auf.“ Ein Edelmann, Namens Misopapas spricht:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p class = "indent3">„Mylord, könnt Ihr Euch denken,</p>
+<p>Wie furchtbar Schuld und Angst dem Hof geschildert</p>
+<p>Eure Truppen? Man übertreibt die Zahl</p>
+<p>Wie die Gestalt. Sechs Fuß soll jeder sein, gehüllt</p>
+<p>In Bärenhaut, der Schweizer, Schwed’ und Brandenburger.“</p>
+</div>
+
+<p>In einem Liede, das kurz nach dem Einzuge in Exeter erschien, sind
+die Irländer im Vergleich mit den Riesen, welche Wilhelm commandirte,
+als wahre Zwerge geschildert:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>„O, Berwick, wehe Deinen Mannen,</p>
+<p>Im Kampf mit dem Viaggio!</p>
+<p>Gleich Zwergen wird man sie verhöhnen</p>
+<p>Vor Brandenburgs und Schwedens Söhnen.</p>
+<p class = "indent2">Coraggio. Coraggio!“</p>
+</div>
+
+<p>Addison erwähnt in seinem <span class = "antiqua">Freeholder</span>
+den außerordentlichen Eindruck, den diese romantischen Schilderungen
+machten.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_101" id = "noteIX_101" href = "#tagIX_101">101.</a>
+<span class = "antiqua">Expedition of the Prince of Orange</span>; <span
+class = "antiqua">Oldmixon, 755</span>; <span class =
+"antiqua">Whittle’s Diary; Eachard, III. 911</span>; <span class =
+"antiqua">London Gazette, Nov. 15. 1688.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_102" id = "noteIX_102" href = "#tagIX_102">102.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Nov. 15. 1688</span>; <span
+class = "antiqua">Expedition of the Prince of Orange.</span></p>
+
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Unterredung des Königs mit den Bischöfen.</span>
+<a name = "secIX_53" id = "secIX_53">Während</a> dieser Vorgänge in
+Devonshire herrschte in London große Gährung. Die Erklärung des Prinzen
+war trotz aller Vorsichtsmaßregeln jetzt in Jedermanns Händen. Am 6.
+November beschied Jakob, der noch immer nicht wußte, auf welchem Theile
+der Küste die Eroberer gelandet waren, den Primas nebst drei anderen
+Bischöfen, Compton von London, White von Peterborough und Sprat von
+Rochester, zu einer Conferenz in sein Privatkabinet. Der König hörte die
+warmen Loyalitätsversicherungen der Prälaten gnädig an und gab ihnen
+sein Wort darauf, daß er sie nicht in Verdacht habe. „Aber wo ist die
+Rechtfertigung, die Sie mir bringen sollten?“ fragte er dann. „Sire,“
+antwortete Sancroft, „wir haben keine solche mitgebracht, denn wir
+drängen uns nicht danach, uns vor der Welt rein zu waschen. Es ist uns
+nichts Neues, daß wir verleumdet und fälschlich angeklagt werden. Unser
+Gewissen und Eure Majestät sprechen uns frei: dies genügt uns.“ &mdash;
+„Ja,“ entgegnete der König, „aber eine Erklärung von Ihnen ist um
+meinetwillen nothwendig.“ Hierauf zeigte er den Prälaten ein Exemplar
+von dem Manifeste des Prinzen und sagte: „Lesen Sie, wie hier von Ihnen
+gesprochen ist“ &mdash; „Sire,“ versetzte einer von den Bischöfen,
+„nicht Einer unter Fünfhundert hält dieses Manifest für ächt.“ &mdash;
+„Nein!“ rief der König mit Heftigkeit; „dann würden diese Fünfhundert
+den Prinzen herbeirufen, um mich zu ermorden!“ &mdash; „Das wolle Gott
+verhüten!“ erwiederten die Prälaten einstimmig. Aber der niemals helle
+Verstand des Königs war jetzt völlig verwirrt. Es war
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_70" id = "pageIX_70">
+IX.70</a></span>
+eine seiner Eigenheiten, daß, wenn man seiner Ansicht nicht
+beipflichtete, er glaubte, man ziehe seine Wahrhaftigkeit in Zweifel.
+„Dieses Papier wäre nicht ächt?“ rief er aus, indem er die Blätter
+umwendete. „Verdiene ich keinen Glauben? Hat mein Wort gar keinen
+Werth?“ &mdash; „Jedenfalls, Sire,“ sagte einer der Bischöfe, „ist dies
+keine geistliche Angelegenheit, sondern sie gehört in das Bereich der
+Civilgewalt. Gott hat Eurer Majestät das Schwert in die Hand gegeben,
+und es kommt uns nicht zu, in Ihre Functionen einzugreifen.“ Dann sagte
+der Erzbischof mit der sanften und gemäßigten Ironie, welche die
+schmerzlichsten Wunden schlägt, der König müsse ihn entschuldigen, wenn
+er zu keinem politischen Schriftstück seine Hand leihe. „Ich und meine
+Amtsbrüder, Sire,“ setzte er hinzu, „haben für unsre Einmischung in
+Staatsangelegenheiten schon hart genug büßen müssen, und wir werden uns
+vor einem derartigen Wiederholungsfalle sorgfältig hüten. Wir
+unterschrieben einst eine durchaus harmlose Petition, wir überreichten
+dieselbe auf die ehrerbietigste Weise, und wir mußten erfahren, daß wir
+ein schweres Verbrechen begangen hatten. Nur durch Gottes gnädigen
+Schutz wurden wir vom Untergange gerettet. Und, Sire, der Grund, den
+Eurer Majestät Fiskal und Prokurator damals anführten, war der, daß wir
+außerhalb des Parlaments Privatleute seien und daß Privatleute eine
+strafbare Anmaßung begingen, wenn sie sich in die Politik mischten. Sie
+griffen uns mit einer solchen Heftigkeit an, daß ich meinestheils mich
+für verloren hielt.“ &mdash; „Ich danke Ihnen für diese Lection, Mylord
+von Canterbury,“ sagte der König; „ich hätte gedacht, daß Sie sich nicht
+für verloren halten würden, wenn Sie in meine Hände fielen.“ Eine solche
+Sprache würde einem milden Herrscher ganz wohl angestanden haben, aber
+sie klang sehr sonderbar aus dem Munde eines Fürsten, der eine Frau
+lebendig verbrannt hatte, weil sie einen seiner fliehenden Feinde bei
+sich aufgenommen, und dessen eigner Neffe in nutzloser Verzweiflung
+seine Knie flehend umschlungen hatte. Der Erzbischof ließ sich dadurch
+nicht zum Schweigen bringen. Er fuhr in seiner Rede fort und zählte die
+Beleidigungen auf, welche die Creaturen des Hofes der Kirche Englands
+zugefügt, wobei die Verhöhnung seiner eigenen Schreibart besonders
+hervorgehoben wurde. Der König wußte nichts weiter zu erwiedern, als daß
+es unnütz sei vergangene Beschwerden wieder aufzuwärmen und daß er
+geglaubt habe, diese Dinge seien völlig vergessen. Während er selbst nie
+die geringste Beleidigung vergaß, war es ihm unbegreiflich, wie Andere
+nur einige Wochen lang die empfindlichste Beleidigung, die er jemals
+zugefügt, im Gedächtniß behalten konnten.</p>
+
+<p>Endlich kam das Gespräch wieder auf den Punkt, von dem es ausgegangen
+war. Der König bestand darauf, daß die Bischöfe öffentlich ihren Abscheu
+gegen das Unternehmen des Prinzen erklären sollten. Unter zahlreichen
+Versicherungen der unterwürfigsten Loyalität weigerten sie sich dessen
+beharrlich. Der Prinz, sagten sie, behaupte sowohl von weltlichen als
+von geistlichen Peers eingeladen worden zu sein. Die Beschuldigung sei
+gemeinsam, warum solle also nicht auch die Rechtfertigung gemeinsam
+sein? „Ich errathe Alles,“ sagte der König; „einige weltliche Peers sind
+bei Ihnen gewesen und haben Sie überredet, mir in dieser Angelegenheit
+einen Strich durch die Rechnung zu machen.“ Die Bischöfe versicherten
+feierlich, daß dem nicht so sei. Aber es würde sonderbar aussehen,
+bemerkten sie, wenn in einer Frage, bei welcher hochwichtige politische
+und
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_71" id = "pageIX_71">
+IX.71</a></span>
+militairische Rücksichten im Spiele seien, die weltlichen Peers völlig
+übergangen würden und die Prälaten allein eine hervorragende Rolle
+spielen sollten. „Ich will es nun einmal so,“ entgegnete Jakob. „Ich bin
+Ihr König und ich muß wissen, was das Zweckmäßigste ist. Ich will meinen
+eigenen Weg gehen, und ich verlange von Ihnen, daß Sie mich
+unterstützen.“ Die Bischöfe versicherten ihn, daß sie vollkommen bereit
+seien, ihn im Bereiche ihres Wirkungskreises zu unterstützen, als
+christliche Geistliche mit ihren Gebeten und als Peers des Königreichs
+mit ihrem parlamentarischen Rathe. Jakob, der weder die Gebete von
+Ketzern, noch den Rath von Parlamenten brauchte, sah sich bitter
+getäuscht. Nach einem langen Wortwechsel sagte er endlich: „Genug, ich
+will Sie nicht weiter belästigen. Da Sie mir nicht beistehen wollen, muß
+ich mich auf mich selbst und auf meine eigenen Waffen beschränken.“<a
+class = "tag" name = "tagIX_103" id = "tagIX_103" href =
+"#noteIX_103">103</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_103" id = "noteIX_103" href = "#tagIX_103">103.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James the Second, II.
+210</span>; <span class = "antiqua">Sprat’s Narrative</span>; Citters,
+6.(16.) Nov. 1688.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Ruhestörungen in London.</span>
+<a name = "secIX_54" id = "secIX_54">Kaum</a> hatten die Bischöfe den
+König verlassen, so brachte ein Courier die Nachricht, daß der Prinz von
+Oranien am vorigen Tage in Devonshire gelandet sei. Während der
+nächstfolgenden Woche war London in gewaltiger Aufregung. Am Sonntag,
+den 11. November, verbreitete sich das Gerücht, daß in dem unter dem
+Patronat des Königs zu Clerkenwell errichteten Kloster Messer, Bratroste
+und Siedekessel versteckt wären, welche zur Folterung von Ketzern hätten
+dienen sollen. Zahlreiche Menschenmassen belagerten das Gebäude und
+schickten sich eben an, es zu demoliren, als eine Truppenabtheilung
+ankam. Die Menge wurde auseinandergetrieben und mehrere von den
+Aufwieglern wurden niedergemacht. Die Leichen der Gefallenen wurden von
+einem Todtenschau-Gericht<a class = "tag" name = "tagIX_104" id =
+"tagIX_104" href = "#noteIX_104">104</a> untersucht, und dieses gab
+einen Ausspruch ab, der für die allgemeine Volksstimmung sehr
+bezeichnend war. Die Jury erklärte sich dahin, daß gewisse loyale und
+wohlgesinnte Personen, welche ausgegangen seien, um eine Versammlung von
+Landesverräthern und öffentlichen Feinden in einem Meßhause aufzuheben,
+vorsätzlich von den Soldaten ermordet wären, und dieses sonderbare
+Verdict war von sämmtlichen Geschwornen unterzeichnet. Die Mönche von
+Clerkenwell, welche diese Symptome der Volksstimmung natürlich nicht
+wenig beunruhigte, sorgten ängstlich für die Sicherung ihres Eigenthums.
+Es gelang ihnen auch, den größten Theil ihres Mobiliars fortzuschaffen,
+ehe dieses Vorhaben ruchbar geworden war. Endlich aber wurde der
+Verdacht des Pöbels doch rege, die beiden letzten Lastwagen wurden in
+Holborn angehalten und Alles was sich darauf befand, auf offener Straße
+verbrannt. Die Angst unter den Katholiken war so groß, daß alle ihre
+Gotteshäuser mit Ausnahme derjenigen, welche der königlichen Familie und
+den auswärtigen Gesandten gehörten, geschlossen wurden.<a class = "tag"
+name = "tagIX_105" id = "tagIX_105" href = "#noteIX_105">105</a></p>
+
+<p>Im Ganzen hatten jedoch die Dinge bis jetzt noch kein für Jakob
+ungünstiges Aussehen. Die Eingedrungenen befanden sich schon über eine
+Woche auf englischem Boden und noch hatte sich keine hervorragende
+Persönlichkeit
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_72" id = "pageIX_72">
+IX.72</a></span>
+ihnen angeschlossen. Weder im Norden noch im Osten war ein Aufstand
+ausgebrochen; kein Diener der Krone schien noch seiner Pflicht untreu
+geworden zu sein; die königliche Armee sammelte sich rasch in Salisbury,
+und wenn sie auch dem Heere Wilhelm’s in der Kriegszucht nachstand, so
+war sie doch an Zahl demselben überlegen.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_104" id = "noteIX_104" href = "#tagIX_104">104.</a>
+In England muß der Coroner bei unnatürlichen Todesfällen eine Jury von
+zwölf Personen versammeln, welche darüber zu <ins class = "correction"
+title = "Original hat »enscheiden«">entscheiden</ins> hat, ob ein
+Verbrechen begangen worden ist, um in diesem Falle bei den zuständigen
+Gerichten Anzeige zu machen. &mdash;&nbsp;Der Übers.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_105" id = "noteIX_105" href = "#tagIX_105">105.</a>
+<span class = "antiqua">Luttrell’s Diary</span>; Neuigkeitsbrief in der
+Mackintosh-Sammlung; Adda, 16.(26.) Nov. 1688.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Angesehene Männer fangen an zu dem Prinzen überzugehen.</span>
+<a name = "secIX_55" id = "secIX_55">Der</a> Prinz war ohne Zweifel
+überrascht und gekränkt durch die Lauheit Derer, die ihn nach England
+eingeladen hatten. Das Volk von Devonshire hatte ihn zwar mit allen
+Zeichen der Freude empfangen, aber kein Adeliger, kein angesehener
+Gentleman war bis jetzt in sein Hauptquartier gekommen. Die Erklärung
+dieser auffallenden Erscheinung ist wahrscheinlich in dem Umstande zu
+suchen, daß er in einem Theile der Insel gelandet war, wo man ihn nicht
+erwartet hatte. Im Norden hatten seine Freunde alle Anstalten zu einem
+Aufstande getroffen, in der Voraussetzung, daß er bald mit einer Armee
+bei ihnen sein werde. Seine Freunde im Westen aber hatten gar nichts
+vorbereitet und waren natürlich betroffen, als sie plötzlich
+aufgefordert wurden, sich an die Spitze einer so wichtigen und
+gefährlichen Bewegung zu stellen. Dazu kam noch, daß sie die traurigen
+Folgen eines Aufstandes: Galgen, abgeschlagene Köpfe, zerrissene
+Glieder, Familien, die noch um tapfere Dulder trauerten, welche ihr
+Vaterland aufrichtig aber nicht mit Klugheit geliebt, frisch im
+Gedächtniß, ja dicht vor Augen hatten. Nach einer so schrecklichen und
+so neuen Warnung war einige Unschlüssigkeit natürlich. Ebenso natürlich
+aber war es auch, daß Wilhelm, der im Vertrauen auf die ihm aus England
+zugekommenen Versprechungen, nicht nur seinen eignen Ruf und sein
+persönliches Glück, sondern auch das Wohl und die Unabhängigkeit seines
+Vaterlandes aufs Spiel gesetzt hatte, sich bitter gekränkt fühlte. Er
+war in der That so aufgebracht, daß er schon davon sprach, sich nach
+Torbay zurückzuziehen, seine Truppen wieder einzuschiffen, nach Holland
+heimzukehren und Die, welche ihn verrathen hatten, ihrem verdienten
+Schicksale zu überlassen. Endlich am Montag, den 12. November, schloß
+sich ein in der Nähe von Crediton wohnender Gentleman, Namens
+Burrington, der Fahne des Prinzen an, und diesem Beispiele folgten bald
+mehrere von seinen Nachbarn.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Lovelace.</span>
+<a name = "secIX_56" id = "secIX_56">Schon</a> waren aber auch Männer
+von wichtigerer Bedeutung aus verschiedenen Theilen des Landes nach
+Exeter aufgebrochen. Der erste von diesen war Johann Lord Lovelace, ein
+Mann, der sich durch feinen Geschmack, durch Prachtliebe und durch die
+tollkühne und maßlose Heftigkeit seines Whiggismus auszeichnete. Er war
+fünf- oder sechsmal wegen politischer Vergehen in Haft gewesen. Das
+letzte ihm zur Last gelegte Verbrechen war, daß er die Rechtsgültigkeit
+eines von einem römisch-katholischen Friedensrichter angestellten
+Verhaftbefehls verächtlich geleugnet hatte. Er war vor den Geheimen
+Rathe gefordert und streng verhört worden, aber mit geringem Erfolge. Er
+weigerte sich entschieden, sich schuldig zu bekennen und die
+Zeugenbeweise gegen ihn waren ungenügend. Er wurde entlassen, aber ehe
+er sich entfernte, rief Jakob ihm mit großer Heftigkeit zu: „Mylord,
+dies ist nicht der erste Streich, den Sie mir gespielt haben.“ &mdash;
+„Sire,“ entgegnete Lovelace unerschrocken, „ich habe weder Eurer
+Majestät noch sonst Jemandem je einen Streich gespielt. Wer mich dessen
+bei Eurer Majestät angeklagt hat, ist ein Lügner.“ Bald darauf war
+Lovelace von Denen, welche den Plan zu einer Revolution
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_73" id = "pageIX_73">
+IX.73</a></span>
+entworfen hatten, ins Vertrauen gezogen worden.<a class = "tag" name =
+"tagIX_106" id = "tagIX_106" href = "#noteIX_106">106</a> Sein Schloß,
+das seine Vorfahren von der Beute indisch-spanischer Galleonen erbaut,
+stand auf den Trümmern eines Hauses Unserer Lieben Frau in dem schönen
+Thale, durch welches die Themse, noch nicht durch die Nähe einer großen
+Hauptstadt verunreinigt, noch mit der Ebbe und Fluth des Meeres fallend
+und steigend, unter Buchenwäldern zwischen den lieblichen Anhöhen von
+Berkshire dahin strömt. Unter dem von italienischen Malern decorirten
+Prunksaale befand sich ein gewölbtes Souterrain, in welchem hin und
+wieder Gebeine von vorzeitlichen Mönchen gefunden worden waren. In
+diesem finstren Gemache hatten eine Anzahl eifriger und verwegener
+Gegner der Regierung während der angstvollen Zeit, als England mit
+Ungeduld auf protestantischen Wind wartete, viele nächtliche
+Zusammenkünfte gehalten.<a class = "tag" name = "tagIX_107" id =
+"tagIX_107" href = "#noteIX_107">107</a> Jetzt war der Augenblick zum
+Handeln gekommen, Lovelace brach mit siebzig wohl bewaffneten und
+berittenen Begleitern nach dem Westen auf. Er erreichte ohne
+Schwierigkeit Gloucestershire. Aber Beaufort, der Statthalter dieser
+Grafschaft, verwendete sein hohes Ansehen und seinen ganzen Einfluß zu
+Gunsten der Krone. Die Miliz war aufgeboten und eine starke Abtheilung
+derselben nach <ins class = "correction" title = "Original hat »Circencester«">Cirencester</ins> verlegt worden. Als Lovelace hier
+ankam, wurde er bedeutet, daß ihm der Durchzug nicht gestattet werden
+könne. Er mußte daher entweder von seinem Vorhaben abstehen, oder sich
+durchschlagen. Er beschloß das Letztere zu versuchen und seine Freunde
+und Untergebenen schlugen sich tapfer. Es fand ein hitziges Gefecht
+statt. Die Miliz verlor einen Offizier und sechs oder sieben Mann;
+endlich aber wurde Lovelace’s Truppe überwältigt und er selbst gefangen
+genommen und nach Gloucester Castle geschickt.<a class = "tag" name =
+"tagIX_108" id = "tagIX_108" href = "#noteIX_108">108</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_106" id = "noteIX_106" href = "#tagIX_106">106.</a>
+Johnstone, 27. Febr. 1688; Citters unter demselben Datum.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_107" id = "noteIX_107" href = "#tagIX_107">107.</a>
+<span class = "antiqua">Lyson’s Magna Britannia, Berkshire.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_108" id = "noteIX_108" href = "#tagIX_108">108.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Nov. 15. 1688</span>; <span
+class = "antiqua">Luttrell’s Diary.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Colchester.</span>
+<a name = "secIX_57" id = "secIX_57">Andere</a> waren glücklicher. An
+dem Tage, an welchem das Scharmützel bei Circencester stattfand, kam
+Richard Savage, Lord Colchester, Sohn und Erbe des Earls Rivers und
+durch eine unerlaubte Liebe Vater jenes unglücklichen Dichters<a class =
+"tag" name = "tagIX_109" id = "tagIX_109" href = "#noteIX_109">109</a>,
+dessen Verbrechen und Mißgeschicke eine der dunkelsten Seiten der
+Literaturgeschichte füllen, mit sechzig bis siebzig Reitern in Exeter
+an. Mit ihm zugleich traf der kühne und unruhige Thomas Wharton ein.
+Wenige Stunden später kam Eduard Russell, Sohn des Earls von Bedford und
+Bruder des tugendhaften Edelmanns, dessen Blut auf dem Schaffot
+geflossen war. Kurz darauf wurde die Ankunft eines andren noch
+wichtigeren Mannes gemeldet.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_109" id = "noteIX_109" href = "#tagIX_109">109.</a>
+Richard Savage. &mdash; Der Übers.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Abingdon.</span>
+<a name = "secIX_58" id = "secIX_58">Colchester,</a> Wharton und Russell
+gehörten der Partei an, welche dem Hofe von jeher opponirt hatte. Jakob
+Bertin, Earl von Abingdon dagegen war stets als eine Stütze der
+Willkürherrschaft betrachtet worden. Er war in den Tagen der
+Ausschließungsbill Jakob treu geblieben, war als Lordlieutenant von
+Oxfordshire mit Energie und Strenge gegen die Anhänger Monmouth’s
+verfahren und hatte zur Feier der Niederlage Argyle’s Freudenfeuer
+angezündet. Aber die Furcht vor dem Papismus hatte ihn zur Opposition
+und Empörung getrieben. Er war der erste Peer des Reichs, der im
+Hauptquartier des Prinzen von Oranien erschien.<a class = "tag" name =
+"tagIX_110" id = "tagIX_110" href = "#noteIX_110">110</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_74" id = "pageIX_74">
+IX.74</a></span>
+<p>Doch von Denen, die sich offen gegen seine Autorität auflehnten,
+hatte der König weniger zu befürchten, als von der im Dunklen
+schleichenden Verschwörung, deren Verzweigungen sich durch seine Armee
+und bis in seine Familie erstreckten. Als die Seele dieser Verschwörung
+muß Churchill betrachtet werden, der in Bezug auf Scharfblick und
+Gewandtheit seines Gleichen nicht hatte, den die Natur mit einer
+gewissen kaltblütigen Unerschrockenheit ausgestattet, die sich weder im
+Kampfe noch im Lügen je verleugnete, und welcher dabei einen hohen
+militairischen Rang einnahm und sich der Gunst der Prinzessin Anna in
+hohem Grade erfreute. Für ihn war jedoch die Zeit zu dem entscheidenden
+Schlage noch nicht gekommen. Indessen brachte er doch schon jetzt durch
+die Vermittelung eines untergeordneten Werkzeugs der Sache des Königs
+eine gefährliche, wenn nicht tödtliche Wunde bei.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_110" id = "noteIX_110" href = "#tagIX_110">110.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 790</span>; <span class =
+"antiqua">Life of William, 1703.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Abfall Cornbury’s.</span>
+<a name = "secIX_59" id = "secIX_59">Eduard</a> Viscount Cornbury, der
+älteste Sohn des Earls von Clarendon, war ein junger Mann von
+unbedeutenden Geistesgaben, von lockeren Grundsätzen und heftigem
+Temperament. Man hatte ihn von Jugend auf gelehrt, seine Verwandtschaft
+mit der Prinzessin Anna als die Grundlage seines zukünftigen Glücks zu
+betrachten, und ihm eingeschärft, daß er ihr fleißig den Hof machen
+solle. Seinem Vater war es nie in den Sinn gekommen, daß die angestammte
+Loyalität der Hyde im Hause der Lieblingstochter des Königs gefährdet
+sein könnte; aber in diesem Hause führten die Churchill die
+unumschränkte Herrschaft und Cornbury wurde ihr Werkzeug. Er commandirte
+eines von den nach dem Westen gesandten Dragonerregimentern. Man hatte
+es so einzurichten gewußt, daß er am 14. November einige Stunden lang
+der höchste Offizier zu Salisbury war, so daß alle dort versammelten
+Truppen unter seinem Oberbefehl standen. Es muß auffallend erscheinen,
+daß zu einem so kritischen Zeitpunkte die Armee, auf welche Alles ankam,
+nur einen Augenblick dem Commando eines jungen Obersten überlassen
+werden konnte, der weder Talent noch Erfahrung hatte. Es kann wohl kaum
+einem Zweifel unterliegen, daß diese Anordnung das Resultat eines
+geschickt angelegten Planes war, und eben so wenig kann man darüber in
+Zweifel sein, welchem Kopfe und welchem Herzen dieser Plan zuzuschreiben
+ist.</p>
+
+<p>Plötzlich erhielten drei von den in Salisbury stehenden
+Kavallerieregimentern Befehl zum Abmarsch nach dem Westen. Cornbury
+stellte sich an ihre Spitze und führte sie zuerst nach Blandford und
+dann nach Dorchester. Von Dorchester brachen sie nach einer kurzen Rast
+von einigen Stunden nach Axminster auf. Einige von den Offizieren
+begannen Verdacht zu schöpfen und verlangten eine Erklärung dieser
+sonderbaren Bewegungen. Cornbury antwortete, er habe Befehl, einen
+nächtlichen Angriff auf eine Truppenabtheilung zu machen, die der Prinz
+von Oranien bei Honiton postirt habe. Doch der Argwohn war einmal rege,
+es wurden weitere Fragen gestellt, aber ausweichend beantwortet. Endlich
+wurde Cornbury geradezu aufgefordert, seine Instruction vorzuzeigen. Er
+sah ein, daß es ihm nicht nur unmöglich sein würde, mit allen drei
+Regimentern überzugehen, sondern daß er sich auch selbst in einer höchst
+gefährlichen Lage befand. In Folge dessen stahl er sich mit einigen
+wenigen Begleitern fort in das holländische Hauptquartier. Der größte
+Theil seiner Truppen kehrte nach Salisbury zurück; ein andrer Theil
+aber, der von dem Hauptcorps detaschirt worden war und die Absichten des
+Befehlshabers nicht ahnete, marschirte bis Honiton. Hier sahen sie sich
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_75" id = "pageIX_75">
+IX.75</a></span>
+inmitten eines zu ihrem Empfange vollständig gerüsteten starken
+Armeecorps. Widerstand war unmöglich. Ihr Anführer drang in sie, unter
+Wilhelm zu dienen. Es wurde ihnen ein Monatssold als Geschenk angeboten,
+und die Meisten nahmen dies an.<a class = "tag" name = "tagIX_111" id =
+"tagIX_111" href = "#noteIX_111">111</a></p>
+
+<p>Die Nachricht von diesen Vorgängen kam am Fünfzehnten nach London.
+Jakob war am Morgen dieses Tages sehr heiterer Laune gewesen. Der
+Bischof Lamplugh hatte eben nach seiner Ankunft von Exeter dem Hofe
+seine Aufwartung gemacht und war sehr gnädig empfangen worden. „Mylord,“
+sagte der König zu ihm, „Sie sind ein ächter alter Kavalier.“ Lamplugh
+erhielt zum Lohn für seine Loyalität sofort das schon seit mehr als
+dritthalb Jahren erledigte Erzbisthum York. Am Nachmittage, als der
+König sich eben zu Tisch setzte, kam ein Expresser mit der Nachricht von
+Cornbury’s Abfall. Jakob erhob sich von der Tafel, ohne die Speisen zu
+berühren, genoß nichts als eine Brotrinde und ein Glas Wein und zog sich
+in sein Privatkabinet zurück. Er erfuhr später, daß nach seinem Weggange
+aus dem Speisesaale mehrere anwesende Lords, in die er das größte
+Vertrauen setzte, sich in der anstoßenden Gallerie die Hände geschüttelt
+und einander beglückwünscht hatten. Als die Botschaft der Königin
+mitgetheilt wurde, brach sie mit ihren Damen in Thränen und Wehklagen
+aus.<a class = "tag" name = "tagIX_112" id = "tagIX_112" href =
+"#noteIX_112">112</a></p>
+
+<p>Der Schlag war allerdings hart. Zwar belief sich der unmittelbare
+Verlust der Krone und der unmittelbare Gewinn der Feinde auf kaum
+zweihundert Mann und eben so viele Pferde. Aber wo konnte der König von
+nun an hoffen, diejenigen Gesinnungen zu finden, welche die Stärke der
+Staaten und der Armeen bilden? Cornbury war der Erbe eines Hauses, das
+sich stets durch seine Anhänglichkeit an die Monarchie ausgezeichnet
+hatte. Sein Vater Clarendon und sein Oheim Rochester waren Männer, deren
+Loyalität für unerschütterlich galt. Wie stark mußte das Gefühl sein,
+gegen welches die am tiefsten wurzelnden angeerbten Vorurtheile nicht
+Stand hielten, das Gefühl, das einen jungen Offizier von vornehmer
+Geburt zu einer durch Vertrauensbruch und grobe Falschheit
+verschlimmerten Desertion bewegen konnte? Daß Cornbury kein besonders
+talentvoller und unternehmender Mann war, machte den Vorfall nur noch
+beunruhigender. Man konnte unmöglich daran zweifeln, daß er irgendwo
+einen mächtigen und gewandten Verführer hatte. Wer dieser Verführer war,
+das sollte sich bald zeigen. Mittlerweile aber konnte Niemand im
+königlichen Lager sicher sein, daß er nicht von Verräthern umgeben war.
+Politische Stellung, mititairischer Rang, Kavalierehre, Soldatenehre,
+die stärksten Betheuerungen, das reinste Adelsblut boten keine
+Sicherheit mehr. Jedermann konnte mit Grund zweifeln, ob nicht jeder
+Befehl, den er von seinem Vorgesetzten erhielt, den Zwecken des Feindes
+dienen sollte. Der pünktliche Gehorsam, ohne den eine Armee nichts als
+ein zügelloser Pöbelhaufe ist, mußte nothwendig vorbei sein. Welche
+Disciplin konnte man von Soldaten erwarten, welche eben einer Schlinge
+entgangen waren, indem sie sich weigerten, ihren commandirenden Offizier
+zu einer geheimen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_76" id = "pageIX_76">
+IX.76</a></span>
+Expedition zu folgen, und indem sie auf Vorzeigung seiner Befehle
+drangen?</p>
+
+<p>Cornbury wurde bald durch eine Menge in Rang und Fähigkeiten hoch
+über ihm stehender Überläufer unterstützt; einige Tage lang aber stand
+er ganz allein mit seiner Schande da und wurde von Vielen, welche
+nachher seinem Beispiele folgten und ihn darum beneideten, daß er zuerst
+den entehrenden Schritt gethan, heftig geschmäht. Unter diesen war sein
+eigner Vater. Der erste Ausbruch von Clarendon’s Zorn und Schmerz war
+ergreifend. „O Gott!“ rief er aus, „daß einer meiner Söhne ein Rebell
+werden mußte!“ Vierzehn Tage später entschloß er selbst sich dazu, ein
+Rebell zu werden. Man würde ihm jedoch Unrecht thun, wollte man ihn für
+einen bloßen Heuchler erklären. In Revolutionen lebt der Mensch schnell;
+die Erfahrung von Jahren drängt sich in wenigen Stunden zusammen; alte
+Gewohnheiten im Denken und Handeln werden gewaltsam gebrochen; man wird
+mit Neuerungen, die auf den ersten Anblick Entsetzen und Abscheu
+erwecken, binnen wenigen Tagen vertraut, man findet sie erträglich, ja
+anziehend. Viele weit tugendhaftere und muthigere Männer als Clarendon
+waren vor dem Schlusse jenes denkwürdigen Jahres zu Handlungen bereit,
+die sie am Anfange desselben für ruchlos und entehrend erklärt haben
+würden.</p>
+
+<p>Der unglückliche Vater tröstete sich so gut er konnte und hielt um
+eine Privataudienz beim Könige an. Sie wurde ihm bewilligt. Jakob sagte
+mit mehr als gewöhnlicher Freundlichkeit, daß er Cornbury’s Verwandte
+aufrichtig bedaure und sie von aller Schuld an dem Verbrechen ihres
+entarteten Familienmitgliedes durchaus freispreche. Clarendon kehrte
+nach Hause zurück und wagte es kaum, seinen Freunden ins Auge zu
+blicken. Bald aber erfuhr er zu seinem Erstaunen, daß der Schritt, den
+er anfangs für seine Familie auf immer entehrend gehalten hatte, von
+vielen hochstehenden Personen gelobt wurde. Seine Nichte, die Prinzessin
+von Dänemark, fragte ihn, warum er sich so zurückziehe. Er antwortete
+ihr, daß die Schändlichkeit seines Sohnes ihn völlig zu Boden drücke.
+Anna schien diesen Kummer durchaus nicht zu begreifen. „Das Volk,“ sagte
+sie, „ist der Herrschaft des Papismus müde. Ich glaube, daß Viele von
+der Armee das Nämliche thun werden.“<a class = "tag" name = "tagIX_113"
+id = "tagIX_113" href = "#noteIX_113">113</a></p>
+
+<p>Der König rief nun in seiner Angst alle noch in London anwesenden
+hohen Offiziere zusammen. Churchill, welcher kurz vorher zum
+Generallieutenant befördert worden war, erschien mit der heiteren Ruhe,
+die weder Gefahr noch Schande je zu erschüttern vermochten. Heinrich
+Fitzroy, Herzog von Grafton, der sich unter den natürlichen Kindern
+Karl’s&nbsp;II. durch seine Verwegenheit und Thätigkeit auszeichnete,
+wohnte der Zusammenkunft bei. Grafton war Oberst des ersten Regiments
+der Fußgarden. Er scheint damals ganz unter Churchills Einfluß gestanden
+zu haben und war bereit, bei der ersten günstigen Gelegenheit die
+königliche Fahne zu verlassen. Außerdem waren noch zwei andere
+Hochverräther anwesend, Kirke und Trelawney, welche die damals unter der
+Bezeichnung der tangerschen Regimenter bekannten zwei wilden und
+zügellosen Heerhaufen befehligten. Sie hatten Beide, wie alle anderen
+protestantische Offiziere der
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_77" id = "pageIX_77">
+IX.77</a></span>
+Armee, die Parteilichkeit, welche der König für die Mitglieder seiner
+eigenen Kirche an den Tag legte, schon seit langer Zeit mit großem
+Mißfallen betrachtet, und Trelawney erinnerte sich mit bitterem Grolle
+der Verfolgung seines Bruders, des Bischofs von Bristol. Jakob hielt
+eine Ansprache an die Versammlung, die eines besseren Mannes und einer
+besseren Sache würdig gewesen wäre. Es könnte sein, sagte er, daß einige
+von seinen Offizieren Gewissensbedenken hätten, für ihn zu kämpfen. Wenn
+dem so wäre, sei er bereit, ihre Patente zurückzunehmen. Aber er
+beschwöre sie als Gentlemen und Soldaten, das schmachvolle Beispiel
+Cornbury’s nicht nachzuahmen. Alle schienen tief ergriffen zu sein, am
+tiefsten Churchill. Er war der Erste, der mit vortrefflich gespielter
+Begeisterung gelobte, daß er sein Blut bis auf den letzten Tropfen für
+seinen huldvollen Gebieter zu vergießen bereit sei. Grafton ergoß sich
+in ähnliche laute Betheuerungen und seinem Beispiele folgten auch Kirke
+und Trelawney.<a class = "tag" name = "tagIX_114" id = "tagIX_114" href
+= "#noteIX_114">114</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_111" id = "noteIX_111" href = "#tagIX_111">111.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James the Second, II. 215.
+Orig. Mem.</span>; <span class = "antiqua">Burnet, I. 790</span>; <span
+class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Nov. 15. 1688</span>; <span class =
+"antiqua">London Gazette, Nov. 17.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_112" id = "noteIX_112" href = "#tagIX_112">112.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James the Second, II.
+218</span>; <span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Nov. 15.
+1688</span>; Citters, 16.(26.) Nov.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_113" id = "noteIX_113" href = "#tagIX_113">113.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Nov. 15, 16, 17, 20.
+1688.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_114" id = "noteIX_114" href = "#tagIX_114">114.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James the Second, II. 219.
+Orig. Mem.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Petition der Lords um Einberufung eines Parlaments.</span>
+<a name = "secIX_60" id = "secIX_60">Durch</a> diese Versicherungen
+getäuscht, schickte der König sich zum Aufbruch nach Salisbury an. Vor
+seiner Abreise wurde er benachrichtigt, daß eine beträchtliche Anzahl
+weltlicher und geistlicher Peers ihn um eine Audienz bitten ließen. Sie
+kamen mit Sancroft an ihrer Spitze um eine Petition zu überreichen, in
+der sie um Einberufung eines freien und gesetzlichen Parlaments und um
+Einleitung von Unterhandlungen mit dem Prinzen von Oranien baten.</p>
+
+<p>Die Geschichte dieser Petition ist interessant. Die Idee scheint zwei
+wichtigen Parteihäuptern, welche lange Nebenbuhler und Feinde gewesen
+waren, Rochester und Halifax, zu gleicher Zeit gekommen zu sein. Sie
+zogen Beide unabhängig von einander die Bischöfe deshalb zu Rathe. Diese
+zollten dem Vorschlage warmen Beifall. Es wurde nun darauf angetragen,
+eine Generalversammlung der Peers anzuberaumen, um über die Form der dem
+Könige zu überreichenden Adresse zu berathen. Es war gerade Terminzeit
+der Gerichtshöfe, und zu dieser Zeit war Westminsterhall jeden Tag von
+hochgestellten und vornehmen Männern angefüllt, wie gegenwärtig die
+Clubs in Pall Mall und St. James Street. Nichts war leichter, als daß
+die dort versammelten Lords sich zu einer Berathung in ein Nebenzimmer
+begaben. Allein es erhoben sich unerwartete Schwierigkeiten. Halifax
+wurde zuerst kalt und dann sogar der Sache abgeneigt. Es lag in seiner
+Natur, gegen Alles Einwendungen zu entdecken und in gegenwärtigem Falle
+wurde seine Erfindungsgabe durch die Eifersucht noch besonders
+geschärft. Der Plan, der seinen Beifall gehabt hatte, so lange er ihn
+als seinen eigenen betrachtete, begann ihm zu mißfallen, sobald er
+entdeckte, daß es auch der Plan Rochester’s war, der ihm so lange
+hinderlich im Wege gestanden und ihn endlich verdrängt hatte, und gegen
+den er eine so starke Abneigung empfand, als er bei seinem sanften
+Character überhaupt gegen Jemanden empfinden konnte. Nottingham stand
+damals bedeutend unter Halifax’ Einflusse. Sie erklärten Beide, daß sie
+die Adresse nicht unterzeichnen würden, wenn Rochester sie mit
+unterzeichnete. Clarendon’s Vorstellungen blieben erfolglos. „Es ist
+nicht meine Absicht,“ sagte Halifax, „Mylord Rochester zu beleidigen,
+aber er ist Mitglied der kirchlichen Commission gewesen, die Proceduren
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_78" id = "pageIX_78">
+IX.78</a></span>
+dieses Gerichtshofes werden bald einer strengen Untersuchung unterzogen
+werden, und es ist unpassend, daß ein Mann, der einen Sitz darin
+eingenommen hat, sich an unseren Maßregeln betheiligt.“ Nottingham
+sprach unter lebhaften Versicherungen seiner persönlichen Hochachtung
+für Rochester die nämliche Ansicht aus. Die Autorität der beiden
+dissentirenden Lords hielt mehrere andere Kavaliere ab, die Petition zu
+unterschreiben; aber die Hyde und die Bischöfe blieben bei ihrem
+Vorhaben. Es kamen neunzehn Unterschriften zusammen und die Petenten
+begaben sich <span class = "antiqua">in pleno</span> zu dem Könige.<a
+class = "tag" name = "tagIX_115" id = "tagIX_115" href =
+"#noteIX_115">115</a></p>
+
+<p>Er nahm ihre Adresse sehr ungnädig auf. Er versicherte zwar, daß er
+selbst den Zusammentritt eines freien Parlaments dringend wünsche und
+versprach ihnen auf sein königliches Wort, ein solches einzuberufen,
+sobald der Prinz von Oranien die Insel wieder verlassen haben würde.
+„Aber,“ setzte er hinzu, „wie kann ein Parlament frei sein, so lange ein
+Feind im Lande ist und nahe an hundert Stimmen gewinnen kann?“ Zu den
+Prälaten sprach er mit besonderer Gereiztheit. „Neulich,“ sagte er,
+„konnte ich Sie nicht dazu bewegen, Sich gegen die Invasion zu erklären;
+jetzt aber sind Sie völlig bereit, Sich gegen mich zu erklären. Damals
+wollten Sie Sich nicht in die Politik mischen; heute tragen Sie kein
+Bedenken mehr, Sich in dieselbe zu mischen. Sie haben den Geist der
+Empörung unter Ihren Heerden erregt, und jetzt schüren Sie ihn noch an.
+Sie würden Ihre Zeit besser anwenden, wenn Sie sie lehrten mir zu
+gehorchen, anstatt daß Sie mich lehren wollen zu regieren.“ Sehr
+aufgebracht war er auch gegen seinen Neffen Grafton, dessen Name
+unmittelbar unter Sancroft’s Namen stand, und er sagte mit großer
+Heftigkeit zu dem jungen Manne: „Sie verstehen nichts von Religion, Sie
+kümmern Sich auch gar nicht darum, und doch wollen Sie behaupten, daß
+Sie ein Gewissen haben!“ &mdash; „Es ist wahr, Sire,“ erwiederte Grafton
+mit schamloser Offenheit, „ich habe sehr wenig Gewissen; aber ich gehöre
+einer Partei an, die sehr viel hat“.<a class = "tag" name = "tagIX_116"
+id = "tagIX_116" href = "#noteIX_116">116</a></p>
+
+<p>So gereizt die Sprache des Königs gegen die Bischöfe selbst war, so
+wurde sie doch noch viel bitterer, nachdem sie sich entfernt hatten. In
+der Hoffnung, sein pflichtvergessenes und undankbares Volk zufrieden zu
+stellen, sagte er, habe er schon viel zu viel gethan. Der Gedanke an
+Zugeständnisse sei ihm von jeher verhaßt gewesen, doch er habe sich
+überreden lassen, und jetzt habe er wie sein Vater gesehen, daß
+Zugeständnisse die Unterthanen nur noch anspruchsvoller machten. Er
+wolle nun aber nichts mehr bewilligen, kein Atom, welche letzten zwei
+Worte er seiner Gewohnheit nach mehrere Male mit Heftigkeit wiederholte.
+Er wolle den Angreifern nicht nur keine Eröffnungen machen, sondern auch
+keine von ihnen annehmen. Sollten die Holländer Parlamentaire schicken,
+so würde der erste ohne Antwort zurückgeschickt und der zweite gehängt
+werden.<a class = "tag" name = "tagIX_117" id = "tagIX_117" href =
+"#noteIX_117">117</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_115" id = "noteIX_115" href = "#tagIX_115">115.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary vom 8. bis 17. Nov.
+1688.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_116" id = "noteIX_116" href = "#tagIX_116">116.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James the Second, II. 212.
+Orig. Mem.</span>; <span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Nov. 17.
+1688</span>; Citters, 20.(30.) Nov.; <span class = "antiqua">Burnet, I.
+791</span>; <span class = "antiqua">Some Reflections upon the most
+Humble Petition to the King’s most Excellent Majesty, 1688</span>; <span
+class = "antiqua">Modest Vindication of the Petition</span>; <span class
+= "antiqua">First Collection of Papers relating to English Affairs,
+1688.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_117" id = "noteIX_117" href = "#tagIX_117">117.</a>
+Adda, 19.(29.) Nov. 1688.</p>
+</div>
+
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_79" id = "pageIX_79">
+IX.79</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Der König begiebt sich nach Salisbury.</span>
+<a name = "secIX_61" id = "secIX_61">In</a> dieser Stimmung reiste Jakob
+nach Salisbury ab. Sein letzter Act vor seiner Abreise war die Ernennung
+eines Rathes von fünf Lords, die ihn während seiner Abwesenheit in
+London vertreten sollten. Zwei davon waren Papisten und deshalb gar
+nicht befähigt zu diesem Amte. Ihnen zur Seite stand Jeffreys, zwar ein
+Protestant, aber von der Nation mehr verabscheut, als irgend ein Papist.
+Gegen die übrigen zwei Mitglieder des Collegiums, Preston und Godolphin,
+war nichts Erhebliches einzuwenden. An dem Tage, an welchem der König
+London verließ, wurde der Prinz von Wales nach Portsmouth geschickt.
+Diese Festung hatte eine starke Besatzung und Berwick war Gouverneur.
+Die von Dartmouth commandirte Flotte lag nahe zur Hand, und so hoffte
+man, wenn die Dinge eine unglückliche Wendung nahmen, den kleinen
+Prinzen ohne Schwierigkeit von Portsmouth nach Frankreich bringen zu
+können.<a class = "tag" name = "tagIX_118" id = "tagIX_118" href =
+"#noteIX_118">118</a></p>
+
+<p>Am Neunzehnten traf der König in Salisbury ein und stieg im
+bischöflichen Palaste ab. Von allen Seiten kamen ihm nun in rascher
+Aufeinanderfolge schlimme Nachrichten zu. Die westlichen Grafschaften
+hatten sich endlich erhoben. Sobald Cornbury’s Abfall bekannt wurde,
+faßten sich viele reiche Grundeigenthümer ein Herz und eilten nach
+Exeter. Unter ihnen befand sich Sir Wilhelm Portman von Bryanstone,
+einer der angesehensten Männer von Dorsetshire, und Sir Franz Warre von
+Hestercombe, der in Somersetshire großen Einfluß hatte.<a class = "tag"
+name = "tagIX_119" id = "tagIX_119" href = "#noteIX_119">119</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_118" id = "noteIX_118" href = "#tagIX_118">118.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, 220, 221.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_119" id = "noteIX_119" href = "#tagIX_119">119.</a>
+<span class = "antiqua">Eachard’s History of the Revolution.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Seymour.</span>
+<a name = "secIX_62" id = "secIX_62">Der</a> Bedeutendste von den
+Neuangekommenen aber war Seymour, der unlängst eine Baronetschaft geerbt
+hatte, welche jedoch seinen Rang wenig erhöhte, und der in Folge seiner
+Geburt, seines politischen Ansehens und seiner parlamentarischen Talente
+entschieden der erste Torygentleman Englands war. Bei seiner ersten
+Audienz soll er seinen characteristischen Stolz in einer Weise geäußert
+haben, die den Prinzen überraschte und ergötzte. „Soviel ich weiß, Sir
+Eduard,“ sagte Wilhelm, der sehr artig zu sein glaubte, „gehören Sie zur
+Familie des Herzogs von Somerset?“ &mdash; „Entschuldigen Sie, Sire,“
+entgegnete Sir Eduard, der nie vergaß, daß er das Oberhaupt der älteren
+Linie der Seymour war, „der Herzog von Somerset ist ein Mitglied meiner
+Familie“.<a class = "tag" name = "tagIX_120" id = "tagIX_120" href =
+"#noteIX_120">120</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_120" id = "noteIX_120" href = "#tagIX_120">120.</a>
+Seymour’s Antwort an Wilhelm wird von vielen Schriftstellern
+mitgetheilt. Sie hat große Ähnlichkeit mit einer Anekdote, die man sich
+von der Familie Manriquez erzählt. Sie soll zu ihrer Devise die Worte
+gewählt haben: <span class = "antiqua">„Nos no descendemos de los Reyes,
+sino los Reyes descienden de nos.“
+&mdash;&nbsp;Carpentariana.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm’s Hoflager in Exeter.</span>
+<a name = "secIX_63" id = "secIX_63">Das</a> Hauptquartier Wilhelm’s
+fing nun an das Aussehen eines Hofes zu gewinnen. Mehr als sechzig
+angesehene und vermögende Männer wohnten in Exeter und die tägliche
+Schaustellung von glänzenden Livreen und sechsspännigen Equipagen auf
+dem Domplatz verlieh diesem stillen Orte etwas von dem in Whitehall
+herrschenden Glanze und Leben. Das gemeine Volk konnte es kaum erwarten,
+die Waffen zu ergreifen, und man hätte mit Leichtigkeit mehrere
+Bataillone Infanterie bilden können. Schomberg aber, der auf frisch vom
+Pfluge genommene Soldaten wenig Werth legte, war der
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_80" id = "pageIX_80">
+IX.80</a></span>
+Meinung, daß, wenn das Unternehmen nicht ohne solche Hülfe gelingen
+könne, es überhaupt gar nicht gelingen würde, und Wilhelm, der das
+Kriegshandwerk eben so genau kannte als Schomberg, theilte diese
+Ansicht. Es wurden daher nur wenige neue Regimenter errichtet und nur
+auserlesene Rekruten dazu genommen.</p>
+
+<p>Man hielt es jetzt für wünschenswerth, daß der Prinz die sämmtlichen
+in Exeter anwesenden Edelleute und Gentlemen öffentlich empfing. Er
+hielt eine kurze, aber würdevolle und wohl durchdachte Anrede an sie. Er
+sagte, er kenne nicht alle um ihn Versammelten persönlich, aber er habe
+eine Liste ihrer Namen und wisse, wie hoch sie in der Achtung ihres
+Vaterlandes ständen. Er tadelte mit milden Worten ihr spätes Erscheinen,
+sprach aber die zuversichtliche Hoffnung aus, daß es noch nicht zu spät
+sei, das Königreich zu retten. „Somit,“ schloß er, „heißen wir Euch,
+Gentlemen, Freunde und Mitprotestanten, sowie Eure Begleiter an unsrem
+Hofe und in unsrem Lager herzlich willkommen.“<a class = "tag" name =
+"tagIX_121" id = "tagIX_121" href = "#noteIX_121">121</a></p>
+
+<p>Seymour, ein seit langer Zeit an die Parteitaktik gewöhnter
+Staatsmann von scharfem Blicke, erkannte sogleich, daß die Partei,
+welche sich um den Prinzen zu schaaren begonnen hatte, der Organisation
+bedurfte. Bis jetzt, sagte er, sei sie nur ein Sandhaufen, kein
+gemeinsamer Zweck sei öffentlich und feierlich angekündigt worden,
+Niemand habe sich noch zu etwas verpflichtet. Sobald die Versammlung in
+der Dechanei wieder auseinander gegangen war, ließ er Burnet rufen und
+schlug ihm vor, daß ein Bund gebildet werden und alle englischen
+Anhänger des Prinzen eine Urkunde unterzeichnen sollten, durch welche
+sie sich zur Treue gegen ihren Führer und gegen einander verpflichteten.
+Burnet theilte diesen Vorschlag dem Prinzen und Shrewsbury mit, die ihn
+Beide billigten. Es wurde eine Versammlung in der Kathedrale gehalten
+und Burnet legte einen Entwurf vor, der angenommen und eifrig
+unterzeichnet wurde. Die Unterzeichner verpflichteten sich, die in der
+Erklärung des Prinzen dargelegten Zwecke einmüthig zu verfolgen, ihm und
+sich selbst gegenseitig beizustehen, gegen Jeden, der ein Attentat auf
+seine Person unternehmen sollte, exemplarische Rache zu üben und selbst
+wenn ein solches Attentat unglücklicherweise gelingen sollte, in ihrem
+Unternehmen zu beharren, bis die Freiheiten und die Religion des Volks
+wirksam gesichert seien.<a class = "tag" name = "tagIX_122" id =
+"tagIX_122" href = "#noteIX_122">122</a></p>
+
+<p>Um die nämliche Zeit kam ein Bote vom Earl von Bath, der in Plymouth
+commandirte, in Exeter an. Bath erklärte, daß er seine Person, seine
+Mannschaft und die Festung, deren Gouverneur er war, dem Prinzen zur
+Verfügung stelle. So hatten die Angreifenden keinen einzigen Feind mehr
+im Rücken.<a class = "tag" name = "tagIX_123" id = "tagIX_123" href =
+"#noteIX_123">123</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_121" id = "noteIX_121" href = "#tagIX_121">121.</a>
+<span class = "antiqua">Fourth Collection of Papers, 1688</span>; Brief
+von Exon; <span class = "antiqua">Burnet, I. 792.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_122" id = "noteIX_122" href = "#tagIX_122">122.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 792</span>; <span class =
+"antiqua">History of the Desertion</span>; <span class =
+"antiqua">Second Collection of Papers, 1688.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_123" id = "noteIX_123" href = "#tagIX_123">123.</a>
+Brief von Bath an den Prinzen von Oranien vom 18. Nov. 1688;
+Dalrymple.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Aufstand im Norden.</span>
+<a name = "secIX_64" id = "secIX_64">Während</a> der Westen sich so
+gegen den König erhob, stand hinter ihm auch schon der ganze Norden in
+Flammen. Am Sechzehnten griff Delamere in Cheshire zu den Waffen. Er
+rief seine Pächter zusammen, forderte sie auf, ihm beizustehen,
+versprach ihnen, daß, wenn sie im Kampfe fielen, die Pachtungen ihren
+Hinterlassenen aufs neue bewilligt werden sollten, und ermahnte Jeden,
+der ein gutes Pferd
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_81" id = "pageIX_81">
+IX.81</a></span>
+habe, entweder selbst ins Feld zu ziehen, oder einen <ins class =
+"correction" title = "Original hat »Ersatzman«">Ersatzmann</ins> zu
+stellen.<a class = "tag" name = "tagIX_124" id = "tagIX_124" href =
+"#noteIX_124">124</a> Er erschien mit funfzig bewaffneten und berittenen
+Männern in Manchester und bevor er Boaden Downs erreichte, hatte sich
+seine Truppe verdreifacht.</p>
+
+<p>Die benachbarten Grafschaften waren in heftiger Gährung. Es war
+festgesetzt worden, daß Danby York nehmen und Devonshire in Nottingham
+erscheinen sollte. In Nottingham erwartete man keinen Widerstand zu
+finden, in York aber lag eine kleine Garnison unter dem Commando Sir
+John Reresby’s. Danby ging mit großer Klugheit und Umsicht zu Werke. Auf
+den 22. November war eine Versammlung der Gentry und der Freisassen von
+Yorkshire ausgeschrieben, um eine Adresse wegen der Lage der Dinge an
+den König zu berathen. Alle Statthaltersubstituten der drei Bezirke,
+mehrere Kavaliere und eine Menge reicher Esquires und wohlhabender
+Freisassen hatten sich zu dieser Versammlung in der Provincialhauptstadt
+eingefunden. Vier Abtheilungen Miliz waren zur Aufrechthaltung der Ruhe
+und Ordnung commandirt. Das Rathhaus war gedrängt voll Freisassen und
+die Berathung hatte eben begonnen, als sich plötzlich der Ruf vernehmen
+ließ, die Papisten hätten sich erhoben und metzelten die Protestanten
+nieder. Die Papisten von York waren viel wahrscheinlicher darauf
+bedacht, sich zu verbergen, als einen Feind anzugreifen, der ihnen um
+das Hundertfache überlegen war. Aber damals konnte eine Geschichte von
+Papistenwuth noch so übernatürlich und wunderbar sein, sie fand dennoch
+bereitwilligen Glauben. Die Versammlung ging erschreckt auseinander. Die
+ganze Stadt war in Aufruhr. In diesem Augenblicke ritt Danby an der
+Spitze von etwa hundert Reitern der Miliz entgegen und erhob den Ruf:
+„Keinen Papismus! ein freies Parlament! die protestantische Religion!“
+Die Miliz stimmte ein. In einem Nu war die Garnison überrumpelt und
+entwaffnet. Der Gouverneur wurde in Gewahrsam gebracht, die Thore
+geschlossen und überall Schildwachen ausgestellt. Man ließ den Pöbel
+ungehindert eine katholische Kapelle niederreißen; sonst aber scheint
+kein Unfug verübt worden zu sein. Am folgenden Morgen war die Guildhall
+von den vornehmsten Gentlemen der Grafschaft und den höchsten
+Magistratsbeamten der Stadt angefüllt. Der Lordmayor wurde zum
+Vorsitzenden ernannt. Danby schlug eine Erklärung vor, in der die Gründe
+dargelegt werden sollten, welche die Freunde der Verfassung und der
+protestantischen Religion bewogen hatten, zu den Waffen zu greifen.
+Diese Erklärung wurde mit allgemeinem Beifall angenommen und war binnen
+wenigen Stunden von sechs Peers, fünf Baronets, sechs Rittern und vielen
+hochangesehenen Gentlemen unterzeichnet.<a class = "tag" name =
+"tagIX_125" id = "tagIX_125" href = "#noteIX_125">125</a></p>
+
+<p>Inzwischen verließ Devonshire an der Spitze einer starken Truppe von
+Freunden und Untergebenen den Palast, den er eben in Chatsworth bauen
+ließ, und erschien bewaffnet in Derby. Hier übergab er der städtischen
+Behörde in aller Form eine Schrift, in der die Beweggründe seines
+Unternehmens auseinandergesetzt waren. Dann marschirte er nach
+Nottingham, das bald das Hauptquartier des Aufstandes im Norden wurde.
+Hier erließ er eine in kühnen und harten Ausdrücken abgefaßte
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_82" id = "pageIX_82">
+IX.82</a></span>
+Proklamation. Das Wort Rebellion, hieß es darin, sei ein Popanz, der
+keinen verständigen Mann schrecken könne. Sei es Rebellion, die Gesetze
+und den Glauben zu vertheidigen, zu deren Aufrechthaltung jeder
+englische König sich eidlich verpflichte? Wie dieser Eid neuerdings
+gehalten worden sei, darüber werde hoffentlich bald ein freies Parlament
+entscheiden. Die Insurgenten erklärten, daß sie es, bis diese
+Entscheidung erfolge, nicht für Rebellion, sondern nur für rechtmäßige
+Nothwehr hielten, sich einem Tyrannen zu widersetzen, der kein andres
+Gesetz kenne, als seinen Willen. Im Norden gewann der Aufstand mit jedem
+Tage eine größere Ausdehnung. Vier mächtige und reiche Earls,
+Manchester, Stamford, Rutland und Chesterfield, begaben sich nach
+Nottingham, wo sich ihnen Lord Cholmondely und Lord Grey de Ruthyn
+anschlossen.<a class = "tag" name = "tagIX_126" id = "tagIX_126" href =
+"#noteIX_126">126</a></p>
+
+<p>Währenddem kamen die feindlichen Heere im Süden einander immer näher.
+Als der Prinz von Oranien erfuhr, daß der König in Salisbury angekommen
+war, hielt er es für an der Zeit, Exeter zu verlassen. Er stellte diese
+Stadt und ihre Umgegend unter das Commando Sir Eduard Seymour’s und
+brach Mittwoch den 21. November in Begleitung vieler der angesehensten
+Gentlemen der westlichen Grafschaften nach Axminster auf, wo er mehrere
+Tage blieb.</p>
+
+<p>Der König wünschte sehnlichst, daß es zu einem Kampfe kommen möchte,
+was offenbar in seinem Interesse lag. Jede Stunde entriß ihm etwas von
+seiner Stärke und vermehrte die seiner Feinde. Überdies war es sehr
+wichtig, daß seine Truppen sich ans Feuer gewöhnten. Eine große
+Schlacht, welchen Ausgang sie auch nehmen mochte, konnte die Popularität
+des Prinzen nur vermindern. Dies Alles erkannte Wilhelm sehr wohl und er
+nahm sich deshalb vor, einen Zusammenstoß so lange als möglich zu
+vermeiden. Als Schomberg die Nachricht erhielt, daß der Feind anrücke
+und zu einer Schlacht entschlossen sei, soll er mit der Gelassenheit
+eines sich seiner Geschicklichkeit bewußten Taktikers gesagt haben: „Das
+wird lediglich von uns abhängen.“ Es war indessen nicht möglich, alles
+Scharmützeln zwischen den Vorposten der beiden Armeen zu verhindern.
+Wilhelm wünschte, daß bei diesen Scharmützeln nichts geschah, was den
+Stolz der Nation, die er befreien wollte, verletzen oder ihr Rachegefühl
+aufstacheln könnte. Daher stellte er mit bewundernswerther Klugheit
+seine britischen Regimenter dahin, wo die Wahrscheinlichkeit eines
+Zusammenstoßes am größten war. Die Vorposten der königlichen Armee waren
+Irländer, und in Folge dessen hatten die Eingedrungenen bei den kleinen
+Gefechten dieses kurzen Feldzugs die aufrichtige Sympathie aller
+Engländer für sich.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_124" id = "noteIX_124" href = "#tagIX_124">124.</a>
+<span class = "antiqua">First Collection of Papers, 1688</span>; <span
+class = "antiqua">London Gazette, Nov. 22.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_125" id = "noteIX_125" href = "#tagIX_125">125.</a>
+<span class = "antiqua">Reresby’s Memoirs</span>; <span class =
+"antiqua">Clarke’s Life of James, II. 231. Orig. Mem.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_126" id = "noteIX_126" href = "#tagIX_126">126.</a>
+<span class = "antiqua">Cibber’s Apology</span>; <span class =
+"antiqua">History of the Desertion</span>; <span class =
+"antiqua">Luttrell’s Diary</span>; <span class = "antiqua">Second
+Collection of Papers, 1688</span>.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Gefecht bei Wincanton.</span>
+<a name = "secIX_65" id = "secIX_65">Das</a> erste derartige Treffen
+fand bei Wincanton statt. Mackay’s Regiment, das aus britischen Soldaten
+bestand, lag in der Nähe einer Abtheilung irischer Truppen des Königs,
+welche ihr Landsmann, der tapfere Sarsfield, befehligte. Mackay schickte
+ein kleines Detachement unter einem Lieutenant Namens Campbell aus, um
+Bagagepferde herbeizuschaffen. In Wincanton fand Campbell was er
+brauchte, und als er eben die Stadt wieder verließ, um zur Armee
+zurückzukehren, rückte eine starke Abtheilung von Sarsfield’s Truppen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_83" id = "pageIX_83">
+IX.83</a></span>
+heran. Die Irländer waren ihren Gegnern um das Vierfache überlegen,
+dennoch aber entschloß sich Campbell bis zum Äußersten zu kämpfen. Mit
+einem Häuflein tapferer Männer stellte er sich auf der Straße auf, und
+seine übrigen Soldaten besetzten die Hecken zu beiden Seiten der Straße.
+Der Feind kam heran. „Halt!“ rief Campbell, „für wen seid Ihr.“ &mdash;
+„Ich bin für König Jakob,“ antwortete der Anführer der feindlichen
+Truppe. „Und ich für den Prinzen von Oranien,“ versetzte Campbell. „Wir
+wollen Euch beprinzen!“ rief der Irländer mit einem Fluche. „Feuer!“
+commandirte Campbell, und augenblicklich knatterte ein wohlgezieltes
+Feuer hinter den Hecken hervor. Die königlichen Truppen erhielten drei
+kräftige Salven, ehe sie das Feuer erwiedern konnten. Endlich gelang es
+ihnen, eine der Hecken zu nehmen, und sie würden die ihnen
+entgegenstehende kleine Schaar überwältigt haben, hätte nicht das
+Landvolk, das die Irländer gründlich haßte, falschen Lärm gemacht, daß
+noch mehr Truppen des Prinzen anrückten. Sarsfield rief seine Leute ab
+und zog sich zurück und Campbell setzte mit den Bagagepferden seinen
+Marsch ungehindert fort. Dieses Gefecht, das zwar dem Muthe und der
+Disciplin der Armee des Prinzen Ehre machte, wurde durch die Fama zu
+einem Siege vergrößert, den britische Protestanten über eine bedeutende
+Übermacht von papistischen Barbaren davongetragen, welche aus Connaught
+herübergeholt worden seien, um unsre Insel zu unterdrücken.<a class =
+"tag" name = "tagIX_127" id = "tagIX_127" href =
+"#noteIX_127">127</a></p>
+
+<p>Wenige Stunden nach diesem Scharmützel ereignete sich ein Vorfall,
+der jeder Wahrscheinlichkeit eines ernsten Kampfes zwischen den beiden
+Armeen ein Ende machte. Churchill und einige von seinen Hauptcomplicen
+befanden sich in Salisbury. Zwei der Verschwornen, Kirke und Trelawney,
+hatten sich nach Warminster begeben, wo ihre Regimenter standen. Alles
+war reif zur Ausführung des lange erwogenen Verraths.</p>
+
+<p>Churchill rieth dem Könige, Warminster zu besuchen und die dort
+stehenden Truppen zu inspiciren. Jakob willigte ein und sein Wagen hielt
+schon am Thore des bischöflichen Palastes, als er mit einem Male
+heftiges Nasenbluten bekam. Er mußte die Reise aufschieben und sich
+einer ärztlichen Behandlung unterziehen. Drei Tage vergingen, ehe die
+Blutung völlig gestillt war und während dieser drei Tage kamen ihm
+beunruhigende Gerüchte zu Ohren.</p>
+
+<p>Eine so weitverzweigte Verschwörung wie die, an deren Spitze
+Churchill stand, konnte unmöglich lange streng geheim gehalten werden.
+Man hatte zwar keine Beweise, die einer Jury oder einem Kriegsgericht
+hätten vorgelegt werden können, aber es circulirten sonderbare Gerüchte
+im Lager. Feversham, der das Obercommando führte, meldete, daß ein
+schlechter Geist in der Armee herrsche. Man machte den König darauf
+aufmerksam, daß gewisse Personen seiner nächsten Umgebung nicht seine
+Freunde seien und daß es nur ein Schritt weiser Vorsicht sein würde,
+wenn er Churchill und Grafton unter Bedeckung nach Portsmouth sendete.
+Jakob verwarf diesen Rath. Neigung zum Argwohn gehörte nicht zu seinen
+Fehlern. Im Gegentheil, er setzte ein so großes Vertrauen in
+Versicherungen der Treue und Anhänglichkeit, wie man es wohl von einem
+gutmüthigen und unerfahrenen jungen Menschen, nicht aber von
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_84" id = "pageIX_84">
+IX.84</a></span>
+einem in Jahren vorgerückten Staatsmann hätte erwarten sollen, der die
+Welt kennen gelernt, der von schurkischen Ränken und Intriguen viel zu
+leiden gehabt hatte und dessen eigner Character keineswegs ein
+vortheilhaftes Muster der menschlichen Natur war. Es dürfte schwer sein,
+einen zweiten Mann zu finden, der sein Wort so leichtsinnig brach, als
+Jakob und der dabei so schwer zu dem Glauben zu bringen war, daß Andere
+ihr Wort gegen ihn brechen könnten. Nichtsdestoweniger machten ihn die
+ihm zukommenden Berichte über die Stimmung seiner Armee sehr besorgt. Er
+sehnte sich jetzt nicht mehr nach einer Schlacht, ja er begann sogar an
+den Rückzug zu denken. Samstag Abend, den 24. November berief er einen
+Kriegsrath zusammen, dem auch diejenigen Offiziere beiwohnten, gegen die
+er ernstlich gewarnt worden war. Feversham sprach sich dahin aus, daß
+der Rückzug wünschenswerth sei. Churchill stimmte für das Gegentheil.
+Die Berathung dauerte bis Mitternacht. Endlich erklärte der König, daß
+er sich zu dem Rückzuge entschieden habe.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_127" id = "noteIX_127" href = "#tagIX_127">127.</a>
+<span class = "antiqua">Whittle’s Diary</span>; <span class =
+"antiqua">History of the Desertion</span>; <span class =
+"antiqua">Luttrell’s Diary.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Churchill’s und Grafton’s Abfall.</span>
+<a name = "secIX_66" id = "secIX_66">Churchill</a> bemerkte oder glaubte
+zu bemerken, daß man ihm nicht traute und vermochte trotz seiner nicht
+gewöhnlichen Selbstbeherrschung seine Angst nicht zu verbergen. Er
+entfloh daher noch vor Tagesanbruch mit Grafton ins Lager des Prinzen.<a
+class = "tag" name = "tagIX_128" id = "tagIX_128" href =
+"#noteIX_128">128</a></p>
+
+<p>Er ließ eine schriftliche Erklärung zurück, welche in dem anständigen
+Tone gehalten war, den er bei aller Strafbarkeit und Ehrlosigkeit doch
+stets beobachtete. Er erkannte an, daß er der Gunst des Königs Alles
+verdanke. Interesse und Dankbarkeit, sagte er, zogen ihn nach der
+nämlichen Seite hin. Unter keiner andren Regierung könne er hoffen so
+einflußreich und mächtig zu werden, als er es gewesen sei; aber alle
+solche Rücksichten müßten einer höheren Pflicht weichen. Er sei
+Protestant und sein Gewissen gestatte ihm nicht, gegen den
+Protestantismus das Schwert zu ziehen. Übrigens aber werde er stets
+bereit sein, zur Vertheidigung der geheiligten Person und der
+gesetzlichen Rechte seines gnädigen Gebieters Gut und Leben
+aufzuopfern.<a class = "tag" name = "tagIX_129" id = "tagIX_129" href =
+"#noteIX_129">129</a></p>
+
+<p>Am nächsten Morgen war im königlichen Lager Alles in der größten
+Bestürzung. Die Freunde des Königs waren wie vernichtet und seine Feinde
+konnten ihre Freude nicht unterdrücken. Jakob’s Bestürzung wurde noch
+durch Nachrichten vermehrt, welche denselben Tag von Warminster
+einliefen. Kirke, welcher dort commandirte, hatte Befehlen, die er von
+Salisbury erhalten, den Gehorsam verweigert. Es konnte keinem Zweifel
+mehr unterliegen, daß auch er mit dem Prinzen von Oranien im Bunde
+stand. Es hieß, er sei schon mit allen seinen Truppen zum Feinde
+übergegangen, und obgleich dieses Gerücht falsch war, fand es doch
+einige Stunden lang vollen Glauben.<a class = "tag" name = "tagIX_130"
+id = "tagIX_130" href = "#noteIX_130">130</a> Jetzt ging dem
+unglücklichen Könige wieder ein neues Licht auf. Er glaubte zu errathen,
+warum man ihn vor einigen Tagen gedrängt hatte, Warminster zu besuchen.
+Er würde dort hülflos in der Gewalt der Verschwörer und in der Nähe der
+feindlichen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_85" id = "pageIX_85">
+IX.85</a></span>
+Vorposten gewesen, Die, welche es versucht hätten ihn zu vertheidigen,
+würden leicht überwältigt und er als Gefangener in das Hauptquartier der
+feindlichen Armee gebracht worden sein. Vielleicht wäre ein noch
+schwärzerer Verrath verübt worden, denn Menschen, die einmal ein
+strafbares und gefährliches Unternehmen begonnen haben, sind nicht mehr
+Herren ihrer selbst und werden oft durch ein Verhängniß, das einen Theil
+ihrer verdienten Strafe bildet, zu Verbrechen getrieben, an die sie
+vorher nur mit Schaudern hätten denken können. Gewiß war es das Werk
+irgend eines Schutzheiligen, daß ein der katholischen Kirche ergebener
+König in dem Augenblicke, wo er blindlings der Gefangenschaft, ja
+vielleicht dem Tode entgegenzueilen im Begriffe war, plötzlich durch
+eine Unpäßlichkeit aufgehalten wurde, die er damals als ein Unglück
+betrachtete.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_128" id = "noteIX_128" href = "#tagIX_128">128.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 222. Orig.
+Mem.</span>: Barillon, 21. Nov. (1. Dec.) 1688; <span class =
+"antiqua">Sheridan MS.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_129" id = "noteIX_129" href = "#tagIX_129">129.</a>
+<span class = "antiqua">First Collection of Papers</span>, 1688.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_130" id = "noteIX_130" href = "#tagIX_130">130.</a>
+Brief von Middleton an Preston aus Salisbury vom 25. Nov. „Schurkerei
+über Schurkerei,“ sagt Middleton, „die letzte immer größer als die
+vorhergehende.“ <span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 224.
+225, Orig. Mem.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Rückzug der königlichen Armee von Salisbury.</span>
+<a name = "secIX_67" id = "secIX_67">Dies</a> Alles bestärkte Jakob in
+dem am vorhergehenden Abend gefaßten Entschlusse. Es wurde Befehl zum
+unverweilten Rückzuge gegeben. Ganz Salisbury war in Aufruhr. Das Lager
+wurde mit der Verwirrung einer Flucht abgebrochen. Kein Mensch wußte
+mehr, wem er trauen und wem er gehorchen sollte. Die materielle Stärke
+der Armee hatte sich nur unbedeutend vermindert, aber ihre moralische
+Kraft war vernichtet. Viele, die sich geschämt haben würden, mit dem
+Übertritt zu dem Prinzen voranzugehen, folgten nun bereitwillig einem
+Beispiele, das sie nie gegeben haben würden, und viele Andere, die zu
+ihrem Könige gehalten haben würden, so lange er muthig gegen den Feind
+vorzurücken schien, hatten keine Lust, bei einer zurückweichenden Fahne
+zu bleiben.<a class = "tag" name = "tagIX_131" id = "tagIX_131" href =
+"#noteIX_131">131</a></p>
+
+<p>Jakob ging an diesem Tage bis Andover. Sein Schwiegersohn, Prinz
+Georg, und der Herzog von Ormond begleiteten ihn. Beide gehörten zu den
+Verschwornen und würden wahrscheinlich mit Churchill geflohen sein,
+hätte dieser es in Folge der Vorgänge im Kriegsrathe nicht für rathsam
+gehalten, seine Abreise zu beschleunigen. Dem Prinzen Georg kam seine
+Geistesbeschränktheit in diesem Falle besser zu statten, als es Klugheit
+gethan haben würde. Wenn ihm eine Nachricht gemeldet wurde, pflegte er
+auf Französisch auszurufen: <span class = "antiqua">„Est-il
+possible?“</span> (ist es möglich?) Diese Phrase war ihm jetzt sehr
+nützlich. <span class = "antiqua">„Est-il possible?“</span> rief er, als
+man ihn benachrichtigte, daß Churchill und Grafton vermißt wurden. Und
+als die schlimme Botschaft von Warminster kam, rief er abermals: <span
+class = "antiqua">„Est-il possible?“</span></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_131" id = "noteIX_131" href = "#tagIX_131">131.</a>
+<span class = "antiqua">History of the Desertion</span>; <span class =
+"antiqua">Luttrell’s Diary.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Abfall des Prinzen Georg und Ormond’s.</span>
+<a name = "secIX_68" id = "secIX_68">Prinz</a> Georg und Ormond wurden
+in Andover eingeladen, mit dem Könige zu Abend zu speisen. Dies muß eine
+traurige Mahlzeit gewesen sein. Der König war von seinem Unglück zu
+Boden gedrückt, und sein Schwiegersohn war der langweiligste
+Gesellschafter, den es geben konnte. Karl&nbsp;II. sagte einmal: „Ich
+habe den Prinzen Georg nüchtern gesehen und habe ihn betrunken gesehen,
+aber mag er nüchtern oder betrunken sein, es ist nichts an ihm.“<a class
+= "tag" name = "tagIX_132" id = "tagIX_132" href = "#noteIX_132">132</a>
+Ormond, der während seines ganzen Lebens schweigsam und zurückhaltend
+gewesen, war in einem solchen Augenblicke gewiß auch nicht heiter.
+Sogleich nach beendeter Mahlzeit ging der König zur Ruhe. Für den
+Prinzen und Ormond standen schon Pferde bereit; sobald sie sich
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_86" id = "pageIX_86">
+IX.86</a></span>
+von der Tafel erhoben hatten, saßen sie auf und sprengten davon. In
+ihrer Begleitung befand sich der Earl von Drumlanrig, der älteste Sohn
+des Herzogs von Queensberry. Der Abfall dieses jungen Kavaliers war kein
+unwichtiges Ereigniß, denn Queensberry war das Oberhaupt der
+protestantischen Episcopalen Schottlands, einer Klasse, im Vergleich zu
+welcher die entschiedensten englischen Tories whiggistisch genannt
+werden konnten, und Drumlanrig selbst war Oberstlieutenant von Dundee’s
+Regiment, eines Corps, das die Whigs noch mehr haßten, als Kirke’s
+Lämmer. Dieses neue Unglück wurde dem Könige am nächsten Morgen
+gemeldet. Er war von der Nachricht weniger ergriffen, als man hatte
+erwarten sollen. Der Schlag, der ihn vierundzwanzig Stunden früher
+getroffen, hatte ihn auf fast jedes nur mögliche Unglück vorbereitet,
+und er konnte dem Prinzen Georg, der kaum zurechnungsfähig war,
+unmöglich ernstlich zürnen, daß er den Kunstgriffen eines Verführers wie
+Churchill erlegen war. „Wie?“ rief Jakob, „ist <span class =
+"antiqua">Est-il possible</span> auch fort? Nun, im Grunde würde ein
+guter Dragoner ein größerer Verlust gewesen sein.“<a class = "tag" name
+= "tagIX_133" id = "tagIX_133" href = "#noteIX_133">133</a> Der Zorn des
+Königs schien sich in der That, und nicht ohne Grund, damals auf eine
+einzige Person zu concentriren. Von glühendem Rachedurst gegen Churchill
+erfüllt, reiste er weiter nach London und erfuhr bei seiner Ankunft
+daselbst ein neues Verbrechen des Erzverräthers. Seit einigen Stunden
+wurde die Prinzessin Anna vermißt.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_132" id = "noteIX_132" href = "#tagIX_132">132.</a>
+Dartmouth’s Note zu Burnet, I. 643.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_133" id = "noteIX_133" href = "#tagIX_133">133.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Nov. 26</span>; <span class =
+"antiqua">Clarke’s Life of James, II. 224</span>; Prinz Georg’s Brief an
+den König ist oft gedruckt worden.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Flucht der Prinzessin Anna.</span>
+<a name = "secIX_69" id = "secIX_69">Anna,</a> welche keinen andren
+Willen als den der Churchill hatte, war vor acht Tagen durch sie bewogen
+worden, eigenhändig dem Prinzen Wilhelm zu versichern, daß sie sein
+Unternehmen billige. Sie schrieb ihm, daß sie ganz in den Händen ihrer
+Freunde sei und ganz nach deren Bestimmung entweder im Palaste bleiben
+oder in der Stadt einen Zufluchtsort suchen werde.<a class = "tag" name
+= "tagIX_134" id = "tagIX_134" href = "#noteIX_134">134</a> Am Sonntag,
+den 25. November mußte sie und Diejenigen, welche für sie dachten und
+handelten, plötzlich einen Entschluß fassen. An diesem Nachmittag
+brachte ein Courier von Salisbury die Nachricht, daß Churchill
+verschwunden sei, daß Grafton ihn begleitet habe, daß auch Kirke untreu
+geworden und die ganze königliche Armee im vollen Rückzüge begriffen
+sei. Wie gewöhnlich, wenn wichtige Nachrichten, gleichviel ob gute oder
+schlimme, in der Stadt anlangten, so versammelte sich auch an diesem
+Abende eine große Menschenmenge in den Gallerien von Whitehall.
+Neugierde und ängstliche Spannung sprach aus allen Gesichtern. Die
+Königin ergoß sich in wohl zu entschuldigende Äußerungen des Unwillens
+über den Hauptverräther und schonte dabei auch seine allzu parteiische
+Gebieterin nicht ganz. An den Zugängen des Palastflügels, den Anna
+bewohnte, wurden die Schildwachen verstärkt. Die Prinzessin war in der
+größten Angst. In wenigen Stunden mußte ihr Vater in Westminster
+eintreffen. Daß er sie persönlich mit Strenge behandeln würde, war nicht
+anzunehmen, aber sie durfte nicht hoffen, daß er ihr fernerhin den
+Umgang mit ihrer Freundin gestatten werde. Es war kaum daran zu
+zweifeln, daß Sara festgenommen und einem strengen Verhör durch gewandte
+und rücksichtslose Inquisitoren unterworfen werden würde. Jedenfalls
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_87" id = "pageIX_87">
+IX.87</a></span>
+wurden ihre Papiere mit Beschlag belegt, und vielleicht fand man
+darunter Beweise, die ihr Leben in Gefahr brachten. In diesem Falle war
+das Schlimmste zu fürchten. Die Rache des unerbittlichen Königs kannte
+keinen Unterschied des Geschlechts; um viel geringfügigerer Vergehen
+willen als diejenigen, deren Lady Churchill möglicherweise überführt
+werden konnte, hatte er Frauen aufs Schaffott und auf den Scheiterhaufen
+geschickt. Ihre starke Zuneigung zu Lady Churchill verlieh dem Geiste
+der Prinzessin eine ungewöhnliche Energie. Es gab kein Band, das sie um
+des Gegenstandes ihrer abgöttischen Liebe willen nicht zerrissen, keine
+Gefahr, der sie sich für sie nicht ausgesetzt haben würde. „Eher springe
+ich aus dem Fenster,“ rief sie aus, „als daß ich mich von meinem Vater
+hier finden lasse!“ Die Freundin übernahm es, ihre Flucht zu
+bewerkstelligen. Sie berieth sich in aller Eil mit einigen Oberhäuptern
+der Verschwörung und binnen wenigen Stunden waren alle Anstalten zur
+Flucht getroffen. Am Abend zog sich Anna wie gewöhnlich in ihre Gemächer
+zurück. Sobald es völlig dunkel geworden war, stand sie auf und schlich
+leise, von ihrer Freundin Sara und einigen Kammerfrauen begleitet, im
+Morgenrock und Hausschuhen die Hintertreppe hinunter. Die Flüchtlinge
+gelangten unangefochten auf die Straße, wo ein Miethwagen sie erwartete.
+Zwei Männer bewachten die bescheidene Equipage: Compton, Bischof von
+London, der alte Lehrer der Prinzessin, und der prachtliebende,
+talentvolle Dorset, den die Größe der öffentlichen Gefahr aus seiner
+üppigen Ruhe aufgerüttelt hatte. Der Wagen fuhr sogleich nach Aldersgate
+Street, wo damals der städtische Palast der Bischöfe von London im
+Schatten ihrer Kathedrale stand. Hier brachte die Prinzessin die Nacht
+zu. Am folgenden Morgen reiste sie nach dem Eppingwalde ab, wo Dorset
+ein altes Schloß besaß, das schon vor langer Zeit zerstört worden ist.
+In dieser gastlichen Wohnung, viele Jahre lang der Lieblingsaufenthalt
+von Schöngeistern und Dichtern, hielten die Flüchtlinge eine kurze Rast.
+Sie konnten es nicht ohne Gefahr versuchen, Wilhelm’s Hauptquartier zu
+erreichen, denn der Weg dahin führte durch eine von königlichen Truppen
+besetzte Gegend. Es wurde daher beschlossen, daß Anna sich zu den
+Insurgenten im Norden begeben sollte. Compton legte für diese Zeit
+seinen geistlichen Character völlig ab. Gefahr und Kampf hatten in
+seiner Brust wieder das ganze kriegerische Feuer entzündet, das ihn
+achtundzwanzig Jahre früher beseelte, als er unter der Leibgarde diente.
+In einem Büffelwams und Reiterstiefeln, das Schwert an der Seite und
+Pistolen in den <ins class = "correction" title = "Original hat »Holftern«">Holstern</ins>, ritt er vor dem Wagen der Prinzessin her.
+Lange vor ihrer Ankunft in Nottingham war sie bereits von einer
+Leibwache von Gentlemen umgeben, die sie aus eignem Antriebe
+begleiteten. Sie ersuchten den Bischof, sich als Oberst an ihre Spitze
+zu stellen, und er erfüllte ihren Wunsch mit einer Bereitwilligkeit,
+welche bei den strengen Kirchenmännern großes Ärgerniß erregte und
+seinem Rufe selbst in den Augen der Whigs keinen Vortheil brachte.<a
+class = "tag" name = "tagIX_135" id = "tagIX_135" href =
+"#noteIX_135">135</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_88" id = "pageIX_88">
+IX.88</a></span>
+<p>Als am Morgen des Sechsundzwanzigsten Anna’s Gemächer leer gefunden
+wurden, war die Bestürzung in Whitehall groß. Während ihre Kammerfrauen
+jammernd und händeringend durch die Höfe des Palastes liefen, während
+Lord Carven, der die Leibgarde zu Fuß commandirte, die Wachen in der
+Gallerie ausfragte, während der Kanzler die Papiere der Churchill
+versiegelte, stürzte die Amme der Prinzessin in die königlichen Gemächer
+und rief aus, ihre geliebte Herrin sei von den Papisten ermordet worden.
+Die Nachricht gelangte nach Westminsterhall. Hier erzählte man sich,
+Ihre Hoheit sei gewaltsam in ein Gefängniß gebracht worden. Als es nicht
+mehr geleugnet werden konnte, daß sie freiwillig entflohen war, wurden
+eine Menge Geschichten zur Motivirung ihrer Flucht erdichtet. Sie sei
+gröblich beleidigt und bedroht, ja sogar von ihrer gefühllosen
+Stiefmutter geschlagen worden, obgleich sie sich in Umständen befand, in
+denen eine Frau Anspruch auf eine besonders zarte Behandlung hat. Das
+durch eine mehrjährige schlechte Regierung argwöhnisch und reizbar
+gemachte Volk wurde durch diese Verleumdungen so aufgebracht, daß die
+Königin ihres Lebens kaum sicher war. Viele Katholiken und mehrere
+protestantische Tories von erprobter Loyalität eilten in den Palast, um
+sie im Fall eines Ausbruchs vertheidigen zu können. Inmitten dieses
+Schreckens und Entsetzens kam die Nachricht von der Flucht des Prinzen
+Georg. Dem Courier, welcher diese schlimme Botschaft überbrachte, folgte
+der König selbst auf dem Fuße. Es war bereits völlig dunkel, als der
+König ankam und von dem Verschwinden seiner Tochter unterrichtet wurde.
+Nach Allem, was er schon gelitten hatte, preßte dieser neue Schlag ihm
+einen Jammerschrei aus. „Gott stehe mir bei!“ rief er aus; „meine
+eigenen Kinder haben mich verlassen!“<a class = "tag" name = "tagIX_136"
+id = "tagIX_136" href = "#noteIX_136">136</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_134" id = "noteIX_134" href = "#tagIX_134">134.</a>
+Der vom 18. Nov. datirte Brief ist in Dalrymple zu finden.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_135" id = "noteIX_135" href = "#tagIX_135">135.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Nov. 25, 26. 1688</span>;
+Citters, 26. Nov. (6. Dec.); <span class = "antiqua">Ellis
+Correspondence, Dec. 19.</span>; <span class = "antiqua">Duchess of
+Marlborough’s Vindication</span>; <span class = "antiqua">Burnet, I.
+792</span>; Compton, an den Prinzen von Oranien, 2. Dec. 1688 in
+Dalrymple. Das militairische Kostüm des Bischofs wird in unzähligen
+Flugschriften und Spottgedichten erwähnt.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_136" id = "noteIX_136" href = "#tagIX_136">136.</a>
+Dartmouth’s Note zu Burnet I. 792: Citters, 26. Nov. (6. Dec.) 1688;
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 226. Orig.
+Mem.</span>; <span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Nov. 26.</span>;
+<span class = "antiqua">Revolution Politics.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob hält eine Berathung mit den Lords.</span>
+<a name = "secIX_70" id = "secIX_70">Noch</a> denselben Abend hielt er
+mit seinen ersten Ministern eine bis spät in die Nacht dauernde
+Berathung. Es wurde beschlossen, daß er alle zur Zeit in London
+anwesenden geistlichen und weltlichen Lords am folgenden Tage zu sich
+entbieten und sie feierlich um Rath fragen sollte. Demgemäß versammelten
+sich die Lords am Dienstag Nachmittag, den 27. November, im <ins class =
+"correction" title = "Original hat »Speisesale«">Speisesaale</ins> des
+Palastes. Die Versammlung bestand aus neun Prälaten und zwischen dreißig
+und vierzig weltlichen Edelleuten, sämmtlich Protestanten. Auch die
+beiden Staatssekretäre, Middleton und Preston, waren anwesend, obgleich
+sie nicht Peers des Reichs waren. Der König selbst präsidirte. Die
+Spuren schwerer körperlicher und geistiger Leiden waren in seinen
+Gesichtszügen und in seiner Haltung deutlich zu erkennen. Er eröffnete
+die Verhandlung mit der Erwähnung der Petition, die ihm kurz vor seiner
+Abreise nach Salisbury überreicht worden war. Der Inhalt dieser Petition
+war die Bitte um Einberufung eines freien Parlaments. In seiner
+damaligen Lage, sagte er, habe er es nicht für zweckmäßig gehalten, der
+Bitte zu willfahren. Während seiner Abwesenheit von London aber seien
+wichtige Veränderungen eingetreten; auch habe er bemerkt, das sein Volk
+überall den Zusammentritt der Kammern sehnlichst
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_89" id = "pageIX_89">
+IX.89</a></span>
+wünsche. Daher habe er seine getreuen Peers zu sich entboten, um ihren
+Rath zu hören.</p>
+
+<p>Es trat eine Pause ein. Dann sagte Oxford, dem sein in Alter und
+Glanz unerreichter Stammbaum ein gewisses Übergewicht in der Versammlung
+gab, seiner Ansicht nach müßten die Lords, welche die von Seiner
+Majestät erwähnte Petition unterzeichnet hätten, ihre Meinungen jetzt
+aussprechen.</p>
+
+<p>Diese Worte bestimmten Rochester zu reden. Er vertheidigte die
+Petition und erklärte, daß er noch immer nirgends eine Hoffnung für den
+Thron und das Land sehe, als in einem Parlament. Er wage es nicht zu
+behaupten, daß in einer so unheilvollen Bedrängniß selbst dieses Mittel
+wirksamen Erfolg haben werde; aber er wisse kein andres vorzuschlagen.
+Er setzte hinzu, daß es rathsam sein dürfte, Unterhandlungen mit dem
+Prinzen von Oranien zu eröffnen. Nach ihm sprachen Jeffreys und
+Godolphin, und Beide erklärten sich mit ihm einverstanden.</p>
+
+<p>Jetzt stand Clarendon auf und ergoß sich zum Erstaunen Aller, die
+sich seiner lauten Loyalitätsversicherungen und der heftigen Äußerungen
+von Scham und Schmerz erinnerten, die ihm noch vor wenigen Tagen die
+Nachricht von dem Abfalle seines Sohnes entrissen hatte, in eine
+Schmährede gegen Tyrannei und Papismus. „Noch in diesem Augenblicke,“
+sagte er, „errichtet Seine Majestät in London ein Regiment, in welches
+keine Protestanten aufgenommen werden.“ &mdash; „Das ist nicht wahr!“
+rief Jakob mit Heftigkeit aus. Clarendon bestand auf seiner Behauptung
+und verließ dieses beleidigende Thema nur um auf ein noch
+beleidigenderes überzugehen. Er beschuldigte den unglücklichen König des
+Kleinmuths. Warum sei er nicht in Salisbury geblieben? warum habe er
+nicht das Glück einer Schlacht versucht? Könne man es dem Volke
+verargen, daß es sich dem Angreifer unterwarf, wenn es seinen König an
+der Spitze seiner Armee davonlaufen sehe? Jakob fühlte diese Vorwürfe
+tief und vergaß sie nicht so bald. In der That, selbst Whigs hielten
+Clarendon’s Sprache für unpassend und unedel. Halifax sprach in einem
+ganz andren Tone. Seit mehreren Jahren der Gefahr hatte er mit
+bewundernswürdigem Talent die bürgerliche und kirchliche Verfassung
+seines Vaterlandes gegen die Prärogative vertheidigt. Aber sein klarer,
+für Begeisterung durchaus unempfänglicher und Extremen entschieden
+abgeneigter Verstand begann sich gerade in dem Augenblicke, wo die
+großsprecherischen Royalisten, welche noch vor Kurzem die Trimmers als
+wenig besser denn Rebellen verwünscht hatten, sich überall zum Aufstande
+erhoben, zur Sache des Königthums hinzuneigen. Er setzte seine Ehre
+darein, in diesem kritischen Augenblicke der Friedensstifter zwischen
+dem Throne und der Nation zu werden. Seine Talente und sein Character
+befähigten ihn zu diesem Amte und wenn sein Versuch scheiterte, so ist
+dies Ursachen zuzuschreiben, gegen die keine menschliche
+Geschicklichkeit etwas auszurichten vermochte, ganz besonders der
+Thorheit, Wortbrüchigkeit und Hartnäckigkeit des Fürsten, den er zu
+retten versuchte.</p>
+
+<p>Halifax sprach manche bittere Wahrheit aus, aber mit einer so zarten
+Rücksicht, daß er sich den Vorwurf der Schmeichelei von Leuten zuzog,
+welche viel zu niedrigdenkend waren, als daß sie hätten begreifen
+können, daß Worte, die mit Recht Schmeichelei genannt werden mögen, wenn
+man sie an einen Mächtigen richtet, einer gefallenen Größe gegenüber ein
+Tribut der Humanität sind. Er erklärte es unter vielen Versicherungen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_90" id = "pageIX_90">
+IX.90</a></span>
+von Theilnahme und Ehrerbietung als seine Ansicht, daß der König sich zu
+großen Opfern entschließen müsse. Es sei nicht genug, daß er ein
+Parlament einberufe und mit dem Prinzen von Oranien in Unterhandlung
+trete. Wenigstens einige von den Beschwerden, über welche die Nation
+klage, müßten augenblicklich abgestellt werden, ohne darauf zu warten,
+bis die Häuser oder der Anführer des feindlichen Heeres die Abstellung
+verlangten. Nottingham erklärte sich in eben so ehrerbietiger Sprache
+mit Halifax vollkommen einverstanden. Es waren drei Hauptzugeständnisse,
+zu denen die Lords den König zu bewegen suchten. Er sollte, sagten sie,
+alle Katholiken sofort aus dem Staatsdienste entlassen, sich ganz von
+Frankreich lossagen und Denen, welche bewaffnet gegen ihn aufgestanden,
+unbedingte Amnestie zusichern. Man sollte denken, daß der letzte von
+diesen drei Vorschlägen keinen Einwand zugelassen hätte. Denn hatten
+auch Einige von Denen, die sich gegen den König zusammengeschaart, so
+gegen ihn gehandelt, daß er sich dadurch bitter gekränkt fühlen mußte,
+so war es doch viel wahrscheinlicher, daß er bald von ihrer Gnade
+abhängen würde, als sie je von der seinigen. Es wäre geradezu kindisch
+gewesen, mit Wilhelm Unterhandlungen zu eröffnen und zu gleicher Zeit
+Männern, welche Wilhelm nicht im Stiche lassen konnte, ohne eine
+Schändlichkeit gegen sie zu begehen, mit Rache zu drohen. Aber der
+umwölkte Verstand und der unversöhnliche Character Jakob’s sträubten
+sich lange gegen die Gründe der Männer, die ihn zu überzeugen suchten,
+daß er wohl daran thun werde, Kränkungen zu verzeihen, die er nicht
+bestrafen konnte. „Ich kann es nicht thun,“ rief er aus; „ich muß ein
+Exempel statuiren, vor Allem an Churchill, den ich so hoch erhoben habe.
+Er, und nur er allein hat dies Alles gethan. Er hat meine Armee
+verführt, er hat meine Tochter verführt und er würde mich ohne den
+besonderen Schutz Gottes dem Prinzen von Oranien überliefert haben. Sie
+sind auffallend besorgt um die Sicherheit von Verräthern, Mylords;
+keiner von Ihnen aber kümmert sich um meine Sicherheit.“ Als Antwort auf
+diesen Ausbruch ohnmächtigen Zornes stellten Diejenigen, welche zur
+Amnestie gerathen hatten, mit tiefster Ehrerbietung, aber mit
+Entschiedenheit vor, daß ein von mächtigen Feinden angegriffener Fürst
+nur durch einen Sieg oder durch Nachgiebigkeit gerettet werden konnte.
+„Wenn Eure Majestät nach Allem was geschehen ist noch von den Waffen
+Rettung erwartet, so sind wir fertig, wo nicht, können Sie nur dadurch
+gerettet werden, daß Sie die Zuneigung Ihres Volks wieder zu gewinnen
+suchen.“ Nach einer langen und lebhaften Debatte hob der König die
+Versammlung auf, indem er sagte: „Mylords, Sie haben Sich viel Freiheit
+herausgenommen, aber ich zürne Ihnen deshalb nicht. In einem Punkte bin
+ich zu einem Entschlusse gekommen. Ich werde ein Parlament einberufen.
+Die anderen Rathschläge, die Sie mir gegeben haben, sind von ernster
+Bedeutung, und Sie werden Sich nicht wundern, wenn ich mir eine Nacht
+zur Überlegung vorbehalte, ehe ich mich entscheide<ins class =
+"correction" title = "“ fehlt">.“</ins><a class = "tag" name =
+"tagIX_137" id = "tagIX_137" href = "#noteIX_137">137</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_137" id = "noteIX_137" href = "#tagIX_137">137.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 236: Orig.
+Mem.</span>; <span class = "antiqua">Burnet I. 794</span>; <span class =
+"antiqua">Luttrell’s Diary</span>; <span class = "antiqua">Clarendon’s
+Diary, Nov. 27. 1688.</span> Citters, 27. Nov. (7. Dec.) und 30. Nov.
+(10. Dec.). Citters schöpfte seine Angaben offenbar aus Mittheilungen
+von einem der anwesenden Lords. Da der Gegenstand wichtig ist, will ich
+einige kurze Stellen aus seinen Depeschen hier anführen. Der König
+sagte, <span class = "antiqua">„Dat het by na voor heem unmogelyck was
+te pardoneren persoonen wie so hoog in syn reguarde schuldig stonden,
+vooral seer uytvarende tegens den Lord Churchill wien hy hadde groot
+gemaakt, en nogtans meynde de eenigste oorsake van alle dese desertie en
+van de retraite van hare Coninglycke Hoogheden te wesen.“</span> Einer
+von den Lords, wahrscheinlich Halifax oder Nottingham, <span class =
+"antiqua">„seer hadde geurgeert op de securiteyt van de lords die nu met
+syn Hoogheyt geengageert staan. Soo hoor ick,“</span> sagt Citters,
+<span class = "antiqua">„dat syn Majesteyt onder anderen soude gesegt
+hebben: „„Men spreekt al voor de securiteyt voor andere, en niet voor de
+myne.““ &mdash; Waar op een der Pairs resolut dan met groot respect
+soude geantwoordt hebben dat, so de difficulteyt dan nog te surmonteren
+was, dat het den moeste geschieden door de meeste condescendance, en hoe
+meer die was, en hy genegen om aan de natic contentement te geven, dat
+syne securyteyt ook des te grooter soude wesen.“</span></p>
+
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_91" id = "pageIX_91">
+IX.91</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Er ernennt Commissare zur Unterhandlung mit Wilhelm.</span>
+<a name = "secIX_71" id = "secIX_71">Anfangs</a> schien Jakob die
+ausbedungene Bedenkzeit vortrefflich anwenden zu wollen: der Kanzler
+erhielt die Weisung, Ausschreiben zur Einberufung eines Parlaments auf
+den 13. Januar zu erlassen. Halifax wurde ins königliche Kabinet
+beschieden, hatte eine lange Audienz und sprach mit mehr Freimuth, als
+er in Anwesenheit einer zahlreichen Versammlung zu zeigen für schicklich
+gehalten hatte. Es wurde ihm angekündigt, daß er zu einem der Commissare
+ernannt sei, welche mit dem Prinzen von Oranien unterhandeln sollten.
+Nottingham und Godolphin waren ihm beigegeben. Der König erklärte, daß
+er im Interesse des Friedens große Opfer zu bringen bereit sei. Halifax
+antwortete ihm darauf, daß es auch ohne Zweifel großer Opfer bedürfen
+werde. „Eure Majestät,“ sagte er, „darf nicht erwarten, daß Diejenigen,
+welche die Macht in Händen haben, auf Bedingungen eingehen werden,
+welche die Gesetze in die Gewalt der Prärogative geben.“ Mit dieser
+deutlichen Erklärung seiner Ansichten nahm er den Auftrag an, den der
+König ihm ertheilen wollte.<a class = "tag" name = "tagIX_138" id =
+"tagIX_138" href = "#noteIX_138">138</a> Jetzt wurden die vor wenigen
+Stunden noch hartnäckig verweigerten Zugeständnisse auf das
+Bereitwilligste gewährt. Es wurde eine Proklamation erlassen, durch
+welche der König nicht nur Allen, die sich gegen ihn empört hatten,
+unbedingte Verzeihung zusicherte, sondern sie sogar als wählbar für das
+bevorstehende Parlament erklärte. Nicht einmal die Niederlegung der
+Waffen wurde als Bedingung der Wählbarkeit gestellt. Dieselbe Nummer der
+Gazette, welche den bevorstehenden Zusammentritt der Häuser anzeigte,
+enthielt auch die Ankündigung, daß Sir Eduard Hales, der als Papist, als
+Renegat, als Hauptvorkämpfer für die Dispensationsgewalt und als der
+strenge Kerkermeister der Bischöfe einer der unpopulärsten Männer des
+ganzen Reichs war, nicht mehr Gouverneur des Tower sei und seinen
+kürzlichen Gefangenen Bevil Skelton, der zwar in der Achtung seiner
+Landsleute eben nicht hoch stand, aber wenigstens nicht gesetzlich vom
+Staatsdienste ausgeschlossen war, zum Nachfolger erhalten habe.<a class
+= "tag" name = "tagIX_139" id = "tagIX_139" href =
+"#noteIX_139">139</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_138" id = "noteIX_138" href = "#tagIX_138">138.</a>
+Brief des Bischofs von St. Asaph an den Prinzen von Oranien vom 17. Dec.
+1688.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_139" id = "noteIX_139" href = "#tagIX_139">139.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Nov. 29., Dec. 3. 1688</span>;
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Nov. 29, 30</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Unterhandlung eine Finte.</span>
+<a name = "secIX_72" id = "secIX_72">Diese</a> Zugeständnisse hatten
+jedoch nur den Zweck, die Lords und die Nation über die wahren Absichten
+des Königs zu täuschen. Im Stillen hatte er sich vorgenommen, selbst in
+dieser äußersten Bedrängniß nicht nachzugeben. An dem nämlichen Tage, an
+welchem er das Amnestiedecret erließ, sprach er seine wirklichen
+Gesinnungen offen gegen Barillon aus. „Diese Unterhandlung,“ sagte
+Jakob, „ist eine bloße Finte. Ich muß Commissare an meinen Neffen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_92" id = "pageIX_92">
+IX.92</a></span>
+senden, damit ich Zeit gewinne, um meine Frau und den Prinzen von Wales
+fortschaffen zu können. Sie kennen die Stimmung meiner Truppen. Nur die
+Irländer werden mir treu bleiben, und sie sind nicht stark genug, um dem
+Feinde Widerstand zu leisten. Ein Parlament würde mir Bedingungen
+vorschreiben, die ich nicht ertragen könnte. Ich würde Alles was ich für
+die Katholiken gethan habe, wieder zurücknehmen, und mit dem Könige von
+Frankreich brechen müssen. Sobald daher die Königin und mein Kind in
+Sicherheit sind, werde ich England verlassen und mich nach Irland,
+Schottland oder zu Ihrem Gebieter flüchten“.<a class = "tag" name =
+"tagIX_140" id = "tagIX_140" href = "#noteIX_140">140</a></p>
+
+<p>Jakob hatte bereits die nöthigen Anstalten zur Ausführung dieses
+Planes getroffen. Dover war mit Instructionen, für den Prinzen von Wales
+zu sorgen, nach Portsmouth geschickt worden, und Dartmouth, welcher die
+dort liegende Flotte befehligte, hatte Ordre erhalten, allen Anordnungen
+Dover’s in Betreff des Kronprinzen Folge zu leisten und eine mit
+zuverlässigen Matrosen bemannte Yacht bereit zu halten, damit sie jeden
+Augenblick nach Frankreich unter Segel gehen könnte.<a class = "tag"
+name = "tagIX_141" id = "tagIX_141" href = "#noteIX_141">141</a> Jetzt
+sandte der König den bestimmten Befehl ab, daß der Prinz augenblicklich
+nach dem nächsten Hafen des Continentes gebracht werden solle.<a class =
+"tag" name = "tagIX_142" id = "tagIX_142" href = "#noteIX_142">142</a>
+Nächst dem Prinzen von Wales war der Hauptgegenstand seiner Sorge das
+große Staatssiegel. Diesem Symbole der königlichen Autorität haben
+unsere Juristen jederzeit eine besondere, fast geheimnißvolle
+Wichtigkeit beigelegt Man ist der Ansicht, daß, wenn der Siegelbewahrer
+es auch ohne königliche Genehmigung einem Peerspatent oder einer
+Begnadigung aufdrückt, er sich zwar eines schweren Vergehens schuldig
+macht, die Gültigkeit des Instruments aber von keinem Gerichtshofe
+angefochten und nur durch eine Parlamentsacte annullirt werden kann.
+Jakob fürchtete wahrscheinlich, daß seine Feinde dieses Organ seines
+Willens in die Hände bekommen und dadurch Maßregeln, die ihn nachtheilig
+berühren könnten, gesetzliche Gültigkeit geben könnten. Seine
+Besorgnisse können auch nicht unbegründet erscheinen, wenn man bedenkt,
+daß gerade hundert Jahre später das große Siegel eines Königs mit
+Bewilligung der Lords und der Gemeinen und unter Gutheißung von Seiten
+vieler großen Staatsmänner und Juristen zu dem Zwecke benutzt wurde, um
+seine Hoheitsrechte auf seinen Sohn zu übertragen. Damit der Talisman,
+der so furchtbare Kräfte besaß, nicht in unrechte Hände komme, beschloß
+Jakob, ihn wenige Schritte von seinem Kabinet aufzubewahren. Jeffrey’s
+erhielt zu dem Ende Befehl, sein erst kürzlich mit großem Kostenaufwande
+erbautes Haus in Duke Street zu verlassen und ein kleines Apartement in
+Whitehall zu beziehen.<a class = "tag" name = "tagIX_143" id =
+"tagIX_143" href = "#noteIX_143">143</a></p>
+
+<p>Der König hatte bereits alle Anstalten zur Flucht getroffen, als ein
+unerwartetes Hinderniß ihn zwang, die Ausführung seines Vorhabens
+aufzuschieben. Seine Agenten in Portsmouth fingen an Bedenklichkeiten zu
+hegen. Selbst Dover ließ, obgleich er Mitglied der jesuitischen Cabale
+war, Zeichen von Unschlüssigkeit merken. Noch weniger war Dartmouth
+geneigt, den Wünschen des Königs zu willfahren. Er war bisher dem Throne
+treu gewesen und hatte mit einer mißgestimmten Flotte und bei
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_93" id = "pageIX_93">
+IX.93</a></span>
+widrigem Winde sein Möglichstes gethan, um die Landung der Holländer in
+England zu verhindern; aber er war ein eifriges Mitglied der
+anglikanischen Kirche und durchaus nicht befreundet mit der Politik der
+Regierung, welche zu vertheidigen er für eine Pflicht und eine
+Ehrensache hielt. Die meuterische Stimmung der unter seinem Befehle
+stehenden Offiziere und Mannschaften hatte ihm viel zu schaffen gemacht
+und die Nachricht von der Einberufung eines freien Parlaments und der
+Ernennung von Commissaren, welche mit dem Prinzen von Oranien
+unterhandeln sollten, hatte ihn sehr erfreut. Die ganze Flotte gab ihre
+Freude darüber laut zu erkennen. An Bord des Admiralschiffs wurde eine
+Adresse entworfen, welche dem Könige für diese der öffentlichen Meinung
+gemachten gnädigen Zugeständnisse den wärmsten Dank aussprach. Der
+Admiral unterzeichnete zuerst und achtunddreißig Kapitäne schrieben ihre
+Namen unter den seinigen. Dieses Schriftstück kreuzte sich auf dem Wege
+nach Whitehall mit dem Boten, der den Befehl nach Portsmouth brachte,
+daß der Prinz von Wales unverzüglich nach Frankreich übergeführt werden
+sollte. Dartmouth erkannte nun mit bitterem Schmerz und Unwillen, daß
+das freie Parlament, die allgemeine Amnestie und die Unterhandlung nur
+Theile eines gegen die Nation zu verübenden großartigen Betrugs waren
+und daß er bei diesem Betruge eine Rolle spielen sollte.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_140" id = "noteIX_140" href = "#tagIX_140">140.</a>
+Barillon, 1.(11.) Dec. 1688.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_141" id = "noteIX_141" href = "#tagIX_141">141.</a>
+Jakob an Dartmouth, 25. Nov. 1688. Die Briefe findet man in
+Dalrymple.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_142" id = "noteIX_142" href = "#tagIX_142">142.</a>
+Jakob an Dartmouth, 1. Dec. 1688.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_143" id = "noteIX_143" href = "#tagIX_143">143.</a>
+<span class = "antiqua">Luttrell’s Diary</span>.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Dartmouth weigert sich, den Prinzen von Wales nach Frankreich zu
+senden.</span>
+<a name = "secIX_73" id = "secIX_73">In</a> einem ergreifenden und
+männlichen Schreiben erklärte er, daß er in seinem Gehorsam schon so
+weit gegangen sei, als ein Protestant und Engländer nur irgend gehen
+könne. Den muthmaßlichen Erben der britischen Krone den Händen Ludwigs
+zu überliefern, würde nichts Geringeres als ein Verrath gegen die
+Monarchie sein. Die dem Könige nur zu sehr schon entfremdete Nation
+würde aufs Äußerste erbittert werden. Der Prinz von Wales würde entweder
+gar nicht, oder in Begleitung einer französischen Armee zurückkehren.
+Wenn Seine Königliche Hoheit auf der Insel bliebe, so wäre das
+Schlimmste was zu befürchten stände, daß er als Mitglied der
+Landeskirche erzogen würde, und jeder loyale Unterthan müßte den Himmel
+bitten, daß dies geschehen möchte. Er schloß mit der Erklärung, daß er
+bereitwillig sein Leben zur Vertheidigung des Thrones opfern werde, sich
+aber nimmermehr an der Überführung des Prinzen nach Frankreich
+betheiligen könne.<a class = "tag" name = "tagIX_144" id = "tagIX_144"
+href = "#noteIX_144">144</a></p>
+
+<p>Dieser Brief warf alle Pläne Jakob’s über den Haufen. Zu gleicher
+Zeit erfuhr er, daß er bei dieser Gelegenheit nicht einmal passiven
+Gehorsam voll seinem Admiral erwarten durfte, denn Dartmouth war so weit
+gegangen, daß er mehrere Sloops am Eingange des Hafens aufgestellt,
+welche Befehl hatten, kein Schiff ununtersucht passiren zu lassen. Der
+Plan mußte somit abgeändert werden. Das Kind mußte nach London
+zurückgebracht und von hier aus nach Frankreich befördert werden. Dies
+konnte aber erst nach Verlauf mehrerer Tage geschehen, und während
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_94" id = "pageIX_94">
+IX.94</a></span>
+dieser Zwischenzeit mußte die öffentliche Meinung durch die Hoffnung auf
+ein Parlament und durch eine Scheinunterhandlung hingehalten werden. Die
+Ausschreiben zu den Wahlen wurden erlassen. Zwischen der Hauptstadt und
+dem holländischen Hauptquartier gingen Trompeter hin und her. Endlich
+kamen auch die Pässe für die königlichen Commissare und die drei Lords
+traten ihre Gesandtschaftsreise an.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_144" id = "noteIX_144" href = "#tagIX_144">144.</a>
+<span class = "antiqua">Second Collection of Papers</span>, 1688;
+Dartmouth’s Brief, datirt vom 3. Dec. 1688 findet sich in Dalrymple;
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 233. Orig.
+Mem.</span> Jakob beschuldigt Dartmouth, die Flotte zu einer Adresse um
+Einberufung eines Parlaments bestimmt zu haben. Dies ist eine grundlose
+Verleumdung. Die Adresse ist eine Dankadresse an den König dafür, daß er
+ein Parlament einberufen, und war bereits abgefaßt, ehe Dartmouth die
+entfernteste Ahnung davon hatte, daß Seine Majestät die Nation
+hintergehen wollte.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Aufregung in London.</span>
+<a name = "secIX_74" id = "secIX_74">Die</a> Hauptstadt war bei ihrer
+Abreise in einem Zustande furchtbarer Gährung. Die Leidenschaften,
+welche im Laufe dreier unruhiger Jahre nach und nach immer heftiger
+geworden, zeigten sich jetzt, wo sie von dem Zügel der Furcht befreit
+und durch Sieg und Sympathie aufgestachelt waren, unverhohlen, selbst im
+Bereiche des königlichen Schlosses. Die große Jury von Middlesex nahm
+eine Anklage gegen den Earl von Salisbury, weil er Papist geworben war,
+an.<a class = "tag" name = "tagIX_145" id = "tagIX_145" href =
+"#noteIX_145">145</a> Der Lordmayor ließ bei den Katholiken der City
+eine Haussuchung nach Waffen halten. Der Pöbel stürmte das Haus eines
+dem verhaßten Glauben anhängenden achtbaren Kaufmanns, um sich zu
+überzeugen, ob er nicht von seinem Keller aus unter die benachbarte
+Pfarrkirche eine Mine angelegt habe, um den Geistlichen mit der Gemeinde
+in die Luft zu sprengen.<a class = "tag" name = "tagIX_146" id =
+"tagIX_146" href = "#noteIX_146">146</a> Die Ausrufer schrien in den
+Straßen einen Aufruf zur Festnehmung Pater Petre’s aus, der seine
+Gemächer im Palaste gerade noch zur rechten Zeit verlassen hatte.<a
+class = "tag" name = "tagIX_147" id = "tagIX_147" href =
+"#noteIX_147">147</a> Wharton’s berühmtes Lied wurde mit vielen neu
+hinzugefügten Versen lauter als je in allen Straßen der Hauptstadt
+gesungen. Selbst die Schildwachen des Palastes sangen auf ihrer
+Runde:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>„Der Engländer auf den Untergang des Papismus trinkt,</p>
+<p>Lillibullero bullen a la.“</p>
+</div>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_145" id = "noteIX_145" href = "#tagIX_145">145.</a>
+<span class = "antiqua">Luttrell’s Diary</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_146" id = "noteIX_146" href = "#tagIX_146">146.</a>
+Adda, 7.(17.) Dec. 1688.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_147" id = "noteIX_147" href = "#tagIX_147">147.</a>
+Der Nuntius sagt: <span class = "antiqua">„Se lo avesse fatto prima di
+ora, per il Rè ne sarebbe stato meglio.“</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Falsche Proklamation.</span>
+<a name = "secIX_75" id = "secIX_75">Die</a> geheimen Pressen von London
+waren unausgesetzt in Thätigkeit. Tagtäglich kamen Flugschriften durch
+Mittel und Wege in Circulation, welche die Behörden nicht entdecken
+konnten oder nicht hindern wollten. Eine davon ist durch die Gewandtheit
+und verwegene Rücksichtslosigkeit, mit der sie geschrieben war, sowie
+durch den ungeheuren Eindruck, den sie machte, der Vergessenheit
+entrissen worden. Sie gab sich für eine ergänzende Erklärung von der
+Hand und unter dem Siegel des Prinzen von Oranien aus, war aber in einem
+ganz andren Style gehalten als sein ächtes Manifest. Allen Papisten, die
+es wagen sollten, sich der königlichen Sache anzuschließen, war mit
+einer bei christlichen und civilisirten Nationen unbekannten Rache
+gedroht. Sie sollten nicht als Soldaten oder Gentlemen, sondern wie
+Freibeuter behandelt werden. Das bis jetzt durch eine starke Hand im
+Zaume gehaltene Heer der Feinde sollte in seiner ganzen Wildheit und
+Zügellosigkeit auf sie gehetzt werden. Die guten Protestanten,
+namentlich diejenigen, welche die Hauptstadt bewohnten, wurden bei Allem
+was ihnen theuer sei beschworen und bei Strafe des allerhöchsten
+Mißfallens des Prinzen angewiesen, ihre katholischen Nachbarn
+festzunehmen, zu entwaffnen und einzusperren. Das Manuscript dieser
+Schrift war angeblich von einem whiggistischen Buchhändler eines Morgens
+unter seiner Ladenthür gefunden
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_95" id = "pageIX_95">
+IX.95</a></span>
+worden. Er beeilte sich, es drucken zu lassen. Viele Exemplare wurden
+mit der Post versandt und gingen rasch von Hand zu Hand. Scharfsichtige
+Leute erkannten es jedoch ohne Mühe als das falsche Machwerk irgend
+eines unruhigen und characterlosen Abenteurers, wie sie in bewegten
+Zeiten stets bei den unreinsten und schwärzesten Parteiumtrieben thätig
+sind. Der große Haufe aber ließ sich vollkommen täuschen. Der nationale
+und religiöse Abscheu gegen die irischen Papisten war in der That so
+stark erregt, daß die Mehrzahl von Denen, welche die Proklamation für
+ächt hielten, sie als eine ganz zeitgemäße Entfaltung von Energie mit
+Beifall begrüßten. Als es bekannt wurde, daß ein solches Dokument von
+Wilhelm selbst nicht ausgegangen war, fragte man neugierig, wer wohl der
+Betrüger sein möchte, der so kühn und so glücklich die Rolle des Prinzen
+gespielt hatte. Einige hatten Ferguson, Andere Johnson im Verdacht, bis
+endlich nach Verlauf von siebenundzwanzig Jahren Hugo Speke sich zum
+Autor der Fälschung bekannte und für diesen der protestantischen
+Religion geleisteten großen Dienst vom Hause Braunschweig eine Belohnung
+verlangte. Er behauptete in dem Tone eines Mannes, der etwas höchst
+Lobenswerthes und Ehrenvolles gethan zu haben glaubt, er habe, als die
+holländische Invasion Whitehall in Bestürzung versetzt, dem Hofe seine
+Dienste angeboten, habe vorgegeben, mit den Whigs zerfallen zu sein und
+sich erboten, bei ihnen den Spion zu spielen. So habe er Zutritt in das
+königliche Kabinet erlangt, habe Treue gelobt, dafür das Versprechen
+großer Geldbelohnungen erhalten und sich Geleitsbriefe verschafft, die
+ihn in den Stand setzten, die feindlichen Linien zu passiren. Dies Alles
+versicherte er nur in der Absicht gethan zu haben, damit er, ohne in
+Verdacht zu kommen, der Regierung einen tödtlichen Streich versetzen und
+einen heftigen Ausbruch des Nationalgefühls gegen die Katholiken
+herbeiführen konnte. Die falsche Proklamation erklärte er für sein Werk;
+ob sie dies aber wirklich war, dürfte in Zweifel zu ziehen sein. Er
+machte seinen Anspruch so spät erst geltend, daß wir mit Recht vermuthen
+dürfen, er habe auf den Tod Derer gewartet, die ihn widerlegen konnten;
+auch berief er sich auf kein andres Zeugniß als sein eignes.<a class =
+"tag" name = "tagIX_148" id = "tagIX_148" href =
+"#noteIX_148">148</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_148" id = "noteIX_148" href = "#tagIX_148">148.</a>
+Siehe die <span class = "antiqua">Secret History of the
+Revolution</span>, von Hugo Speke, 1715. In der Londoner Bibliothek
+befindet sich ein Exemplar dieses seltenen Werks mit einer
+handschriftlichen Note, welche von Speke selbst herzurühren scheint.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Aufstände in verschiedenen Theilen des Landes.</span>
+<a name = "secIX_76" id = "secIX_76">Während</a> dies in London vorging,
+brachte jede Post aus jedem Theile des Landes die Nachricht von einem
+neuen Aufstande. Lumley hatte sich Newcastle’s bemächtigt und die
+Bewohner hatten ihn freudig willkommen geheißen. Die Statue des Königs,
+die auf einem hohen Piedestale von Marmor stand, war umgerissen und in
+den Tyne gestürzt worden. In Hull erinnerte man sich noch lange des 3.
+Decembers als des Jahrestages der Einnahme der Stadt. In dieser Stadt
+lag eine Garnison unter den Befehlen Lord Langdale’s, eines Katholiken.
+Die protestantischen Offiziere entwarfen im Einverständniß mit dem
+Magistrat den Plan zu einem Aufstande; Langdale und seine Anhänger
+wurden festgenommen und Soldaten und Bürger erklärten sich gemeinsam für
+die protestantische Religion und ein freies Parlament.<a class = "tag"
+name = "tagIX_149" id = "tagIX_149" href = "#noteIX_149">149</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_96" id = "pageIX_96">
+IX.96</a></span>
+<p>Inzwischen hatten sich auch die örtlichen Grafschaften erhoben. Der
+Herzog von Norfolk erschien mit einem Gefolge von dreihundert
+bewaffneten und berittenen Gentlemen auf dem stattlichen Marktplatze von
+Norwich. Hier begrüßten ihn der Mayor und die Aldermen und
+verpflichteten sich, ihm gegen Papismus und Willkürherrschaft
+beizustehen.<a class = "tag" name = "tagIX_150" id = "tagIX_150" href =
+"#noteIX_150">150</a> Lord Herbert von Cherbury und Sir Eduard Harley
+griffen in Worcestershire zu den Waffen.<a class = "tag" name =
+"tagIX_151" id = "tagIX_151" href = "#noteIX_151">151</a> Bristol, die
+zweite Stadt des Reichs, öffnete Shrewsbury ihre Thore. Trelawney, der
+Bischof, der im Tower das Prinzip des Nichtwiderstandes völlig verlernt
+hatte, war der Erste, der die Truppen des Prinzen bewillkommnete. Die
+Stimmung der Einwohner war so, daß man es für unnöthig hielt, eine
+Garnison unter ihnen zurückzulassen.<a class = "tag" name = "tagIX_152"
+id = "tagIX_152" href = "#noteIX_152">152</a> Das Volk von Gloucester
+erhob sich ebenfalls und befreite Lovelace aus dem Gefängniß. Es
+sammelte sich bald ein irreguläres Truppencorps um ihn. Einige von
+seinen Reitern hatten nur Stricke anstatt der Zügel und viele von seinen
+Fußsoldaten hatten keine andre Waffe als einen Knotenstock. Aber diese
+Truppe marschirte unangefochten durch Grafschaften, welche einst dem
+Hause Stuart ergeben waren, und zog endlich triumphirend in Oxford ein.
+Die Behörden bewillkommneten die Aufständischen mit feierlichem
+Gepränge. Selbst die durch neuerliche Kränkungen noch erbitterte
+Universität war nicht geneigt, den Aufstand zu tadeln. Schon hatten die
+Oberhäupter angesehener Familien eines ihrer Mitglieder abgesandt, um
+den Prinzen von Oranien zu versichern, daß sie aufrichtig für ihn seien
+und ihm gern ihr Silbergeräth zum Einschmelzen überlassen würden. Der
+whiggistische Anführer ritt daher unter allgemeinem Jubel durch die
+Hauptstadt des Toryismus. Vor ihm her schlugen die Tambours den
+Lillibullero. Hinter ihm folgte ein langer Zug von Reiterei und Fußvolk.
+Ganz High Street war mit orangefarbenen Bändern freundlich geschmückt,
+denn das orangefarbene Band hatte bereits die doppelte Bedeutung, die es
+noch jetzt, nach Verlauf von hundertsechzig Jahren besitzt. Es war schon
+für den protestantischen Engländer das Sinnbild der bürgerlichen und
+religiösen Freiheit, für den katholischen Celten das Sinnbild der
+Unterjochung und Verfolgung.<a class = "tag" name = "tagIX_153" id =
+"tagIX_153" href = "#noteIX_153">153</a></p>
+
+<p>Während sich so rings um den König Feinde erhoben, wichen die Freunde
+mehr und mehr von seiner Seite. Jedermann hatte sich mit dem Gedanken
+des Widerstandes vertraut gemacht. Viele, die mit Abscheu die Nachricht
+von den ersten Abfällen vernommen, machten sich jetzt Vorwürfe, daß sie
+die Zeichen der Zeit so spät erkannt hatten. Man konnte jetzt ohne
+Schwierigkeit und Gefahr mit Wilhelm verkehren. Indem der König die
+Nation zur Erwählung von Vertretern aufforderte, hatte er Jedermann
+stillschweigend ermächtigt, sich an diejenigen Orte zu begeben, wo er
+Stimmen oder Einfluß hatte, und viele von diesen Orten waren schon von
+Truppen Wilhelm’s oder von Insurgenten besetzt. Clarendon
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_97" id = "pageIX_97">
+IX.97</a></span>
+ergriff begierig diese Gelegenheit, um sich von der verlornen Sache
+loszusagen. Er wußte, daß er mit seiner Rede in der berathenden
+Versammlung der Peers unverzeihlichen Anstoß gegeben hatte, und es
+verdroß ihn, daß er nicht mit zum königlichen Commissar ernannt worden
+war. Er hatte Besitzungen in Wiltshire. Er beschloß, daß sein Sohn, von
+dem er noch unlängst mit tiefem Schmerz und Abscheu gesprochen, ein
+Wahlcandidat für diese Grafschaft werden sollte und unter dem Vorwande,
+für diese Wahl die nöthigen Veranstaltungen zu treffen, begab er sich
+nach dem Westen. Seinem Beispiele folgte sehr bald der Earl von Oxford
+und Andere, welche bisher jede Connection mit der Unternehmung des
+Prinzen von sich gewiesen hatten.<a class = "tag" name = "tagIX_154" id
+= "tagIX_154" href = "#noteIX_154">154</a></p>
+
+<p>Inzwischen waren die Eingedrungenen, langsam aber unaufgehalten
+vorrückend, der Hauptstadt bis auf siebzig Meilen nahe gekommen.
+Obgleich die Mitte des Winters vor der Thür war, hatte man doch schönes
+Wetter, der Weg war angenehm und die grünen Wiesen der Ebene von
+Salisbury erschienen den Truppen, die sich durch die kothigen Gleise der
+Landstraßen von Devonshire und Somersetshire hindurchgearbeitet hatten,
+von üppiger Weichheit. Der Marsch der Armee ging über Stonehenge, wo ein
+Regiment nach dem andren Halt machte, um diese geheimnißvolle Ruine
+anzusehen, die auf dem ganzen Continent als das größte Wunder unsrer
+Insel bekannt ist. Wilhelm zog mit demselben militairischen Pomp, den er
+in Exeter entfaltet hatte, in Salisbury ein und stieg in dem Palaste ab,
+den wenige Tage zuvor der König bewohnt hatte.<a class = "tag" name =
+"tagIX_155" id = "tagIX_155" href = "#noteIX_155">155</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_149" id = "noteIX_149" href = "#tagIX_149">149.</a>
+<span class = "antiqua">Brand’s History of Newcastle</span>; <span class
+= "antiqua">Tickell’s History of Hull.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_150" id = "noteIX_150" href = "#tagIX_150">150.</a>
+Ein Bericht über die Vorgänge in Norwich findet sich noch in mehreren
+Sammlungen in der Originalschrift. Siehe auch die <span class =
+"antiqua">Fourth Collection of Papers, 1688</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_151" id = "noteIX_151" href = "#tagIX_151">151.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 233</span>;
+Handschriftliches Memoir der Familie Harley in der
+Mackintosh-Sammlung.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_152" id = "noteIX_152" href = "#tagIX_152">152.</a>
+Citters, 9.(19.) Dec. 1688; Brief des Bischofs von Bristol an den
+Prinzen von Oranien vom 5. Dec. 1688, in Dalrymple.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_153" id = "noteIX_153" href = "#tagIX_153">153.</a>
+Citters, 27. Nov. (7. Dec.) 1688; <span class = "antiqua">Clarendon’s
+Diary, Dec. 11</span>; <span class = "antiqua">Song on Lord Lovelace’s
+entry into Oxford, 1688</span>; <span class = "antiqua">Burnet I.
+793.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_154" id = "noteIX_154" href = "#tagIX_154">154.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Dec. 2, 3, 4, 5.
+1688.</span></p>
+
+<p><a name = "noteIX_155" id = "noteIX_155" href = "#tagIX_155">155.</a>
+<span class = "antiqua">Whittle’s Exact Diary</span>; <span class =
+"antiqua">Eachard’s History of the Revolution.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Clarendon schließt sich in Salisbury dem Prinzen an.</span>
+<a name = "secIX_77" id = "secIX_77">Hier</a> wurde sein Gefolge durch
+die Earls von Clarendon und von Oxford und andere hochgestellte Männer
+vermehrt, welche noch vor einigen Tagen als eifrige Royalisten
+betrachtet worden waren. Auch Citters erschien im holländischen
+Hauptquartier. Er war seit einigen Wochen in seinem Hause bei Whitehall
+unter der beständigen Aufsicht einander ablösender Spione fast ein
+Gefangener gewesen. Doch trotz dieser Spione und vielleicht mit ihrer
+Beihülfe hatte er sich von Allem was im Palast vorging genaue Kenntniß
+zu verschaffen gewußt und er kam nun mit werthvollen Notizen über
+Menschen und Dinge reich versehen, um Wilhelm durch seinen Rath zu
+unterstützen.<a class = "tag" name = "tagIX_156" id = "tagIX_156" href =
+"#noteIX_156">156</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_156" id = "noteIX_156" href = "#tagIX_156">156.</a>
+Citters, 20.(30.) Nov., 9.(19.) Dec. 1688.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Spaltung im Lager des Prinzen.</span>
+<a name = "secIX_78" id = "secIX_78">Bis</a> hieher hatte die
+Unternehmung des Prinzen einen die sanguinischesten Hoffnungen
+übertreffenden glücklichen Fortgang gehabt. Jetzt aber begann das Glück
+nach dem allgemeinen Gesetz, das die irdischen Dinge regiert,
+Uneinigkeit zu erzeugen. Die in Salisbury versammelten Engländer
+spalteten sich in zwei Parteien. Die eine davon bestand aus Whigs,
+welche die Lehren vom passiven Gehorsam und vom unveräußerlichen
+Erbrechte stets als knechtischen Aberglauben betrachtet hatten. Viele
+von ihnen hatten Jahre lang im Exil zugebracht. Alle waren lange von
+jedem Antheil an den Gunstbezeigungen der Krone ausgeschlossen gewesen.
+Jetzt frohlockten sie über die nahe Aussicht auf Größe und Rache. Von
+glühendem Zorne beseelt und von Sieg und Hoffnung aufgebläht, wollten
+sie von keinem
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_98" id = "pageIX_98">
+IX.98</a></span>
+Vergleiche hören. Nur die Absetzung ihres Todfeindes konnte sie
+zufriedenstellen, und es läßt sich nicht leugnen, daß sie hierin
+durchaus consequent waren. Neun Jahre früher hatten sie sich bemüht, ihn
+vom Throne auszuschließen, weil sie fürchteten, daß er ein schlechter
+König werden möchte, und nachdem er sich als ein viel schlechterer König
+erwiesen, als irgend ein vernünftiger Mensch es hätte vermuthen können,
+durfte man wohl kaum erwarten, daß sie ihn gutwillig auf dem Throne
+lassen würden.</p>
+
+<p>Auf der andren Seite waren nicht wenige von Wilhelm’s Anhängern
+eifrige Tories, welche bis vor ganz Kurzem die Lehre vom
+Nichtwiderstande in der absolutesten Form aufrechterhalten, deren Glaube
+an diese Lehre aber einen Augenblick durch die heftigen Leidenschaften
+erschüttert worden war, welche die Undankbarkeit des Königs und die
+Gefahr der Kirche in ihnen geweckt hatten. Keine Lage konnte peinlicher
+und beängstigender sein, als die des alten Kavaliers, der mit
+bewaffneter Hand dem Throne gegenüberstand. Die Gewissensscrupel, die
+ihn nicht abgehalten hatten, sich in das holländische Lager zu begeben,
+begannen ihn furchtbar zu quälen, sobald er sich dort befand. Eine
+innere Stimme sagte ihm, daß er ein Verbrechen begangen habe. Jedenfalls
+hatte er sich Vorwürfen ausgesetzt, indem er im directen Widerspruch mit
+den erklärten Prinzipien seines ganzen Lebens handelte. Er empfand einen
+unüberwindlichen Widerwillen gegen seine neuen Verbündeten. Es waren
+Leute, die er, so lange er denken konnte, geschmäht und verfolgt hatte:
+Presbyterianer, Independenten, Anabaptisten, alte Soldaten Cromwell’s,
+kecke Burschen Shaftesbury’s, Theilnehmer am Ryehousecomplot, gewesene
+Anführer des Aufstandes im Westen. Natürlich wünschte er eine Ausflucht
+zu finden, die sein Gewissen beruhigen, seine Consequenz rechtfertigen
+und zwischen ihm und der großen Masse schismatischer Rebellen, die er
+stets verachtet und verabscheut hatte, mit denen er aber jetzt in eine
+Kategorie geworfen zu werden fürchten mußte, eine Scheidewand ziehen
+konnte. Er verwahrte sich daher entschieden gegen den Gedanken, die
+Krone von dem gesalbten Haupte nehmen zu wollen, das der Wille des
+Himmels und die Grundgesetze des Reichs geheiligt hatten. Es war sein
+sehnlichster Wunsch, auf Grundlagen, welche die königliche Würde nicht
+herabsetzten, eine Versöhnung zu Stande kommen zu sehen. Er war ja kein
+Verräther, er widersetzte sich eigentlich gar nicht der königlichen
+Autorität; er stand nur deshalb unter Waffen, weil er überzeugt war, daß
+man dem Throne keinen besseren Dienst leisten könne, als indem man Seine
+Majestät durch ein wenig Zwang aus den Händen schlechter Rathgeber
+befreite.</p>
+
+<p>Die schlimmen Folgen, welche die gegenseitige Erbitterung dieser
+Factionen herbeizuführen drohten, wurden zum großen Theile durch den
+Einfluß und die Weisheit des Prinzen verhütet. Umgeben von
+streitsüchtigen Disputanten, von zudringlichen Rathgebern, von
+kriechenden Schmeichlern, von wachsamen Spionen und böswilligen
+Verleumdern, bewahrte er stets seine heitere, undurchdringliche Ruhe. Er
+schwieg so lange als Schweigen möglich war, und wenn er sprechen mußte,
+brachte der ernste und gebieterische Ton, in welchem er seine reiflich
+erwogenen Ansichten kund that, bald jeden Andren zum Schweigen. Was auch
+einige seiner allzu eifrigen Anhänger sagen mochten, er äußerte kein
+Wort, das die mindeste Absicht auf den Besitz der englischen Krone
+verrieth. Er wußte sehr gut, daß zwischen ihm und dieser Krone noch
+Hindernisse standen, die vielleicht keine menschliche Klugheit zu
+beseitigen vermochte, die aber
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_99" id = "pageIX_99">
+IX.99</a></span>
+ein einziger falscher Schritt unüberwindlich machen konnte. Er hatte nur
+dann Aussicht, den glänzenden Preis zu erringen, wenn er sich desselben
+nicht mit rücksichtsloser Hand bemächtigte, sondern es ruhig abwartete,
+bis sein geheimer Wunsch ohne sichtbares Bemühen oder List von seiner
+Seite, durch den Drang der Umstände, durch die Mißgriffe seiner
+Widersacher und durch die freie Wahl der Stände des Reichs erfüllt
+werden würde. Diejenigen, die ihn auszuforschen wagten, erfuhren nichts,
+konnten ihn aber doch nicht der Winkelzüge beschuldigen. Er verwies sie
+ruhig auf seine Erklärung und versicherte, daß seit der Abfassung dieses
+Dokuments in seinen Ansichten keine Änderung eingetreten sei. Er
+behandelte seine Anhänger mit so kluger Gewandtheit, daß ihre
+Uneinigkeit seine Hand eher gestärkt als geschwächt zu haben scheint;
+aber sie brach mit Heftigkeit hervor, sobald seine Aufsicht nachließ,
+störte die Eintracht geselliger Zusammenkünfte und respectirte selbst
+die Heiligkeit des Gotteshauses nicht. Clarendon, welcher durch sein
+Prahlen mit loyalen Gesinnungen die unleugbare Thatsache, daß er ein
+Rebell war, bemänteln wollte, hörte mit heftiger Entrüstung einige
+seiner neuen Verbündeten bei der Flasche über die königliche Amnestie
+lachen, die ihnen so eben huldvoll angeboten worden war. Sie brauchten
+keine Verzeihung, sagten sie; im Gegentheil, der König müßte sie um
+Verzeihung bitten, ehe sie ihn laufen ließen. Noch beunruhigender und
+kränkender für jeden guten Tory war ein Vorfall, der sich in der
+Kathedrale von Salisbury ereignete. Sobald der fungirende Geistliche das
+Gebet für den König zu lesen begann, erhob sich Burnet, zu dessen vielen
+guten Eigenschaften Selbstbeherrschung und feines Schicklichkeitsgefühl
+nicht gehörten, von den Knien, setzte sich in seinen Stuhl und gab
+einige verächtliche Laute von sich, welche die Andacht der Gemeinde
+störten.<a class = "tag" name = "tagIX_157" id = "tagIX_157" href =
+"#noteIX_157">157</a></p>
+
+<p>Bald hatten die Factionen, welche das Lager des Prinzen spalteten,
+Gelegenheit, ihre Stärke zu messen. Die königlichen Commissare waren auf
+dem Wege zu ihm. Schon mehrere Tage waren seit ihrer Ernennung
+verstrichen, und eine solche Verspätigung in einer Angelegenheit von so
+dringender Wichtigkeit war auffallend. In Wahrheit aber wünschte weder
+Jakob noch Wilhelm die schleunige Anknüpfung von Unterhandlungen, denn
+Jakob wollte nur Zeit gewinnen, um seine Gemahlin und seinen Sohn nach
+Frankreich schicken zu können, und Wilhelm’s Stellung wurde mit jedem
+Tage gebietender. Endlich ließ der Prinz den Commissaren sagen, daß er
+in Hungerford mit ihnen zusammentreffen wolle. Er wählte diese Stadt
+wahrscheinlich deshalb, weil sie gerade auf halbem Wege zwischen
+Salisbury und Oxford lag und sich daher zu einer Zusammenkunft seiner
+bedeutendsten Anhänger am besten eignete. In Salisbury befanden sich
+diejenigen Kavaliere und Gentlemen, die ihn von Holland aus begleitet
+oder sich im Westen ihm angeschlossen hatten, und in Oxford waren viele
+Häupter des Aufstandes im Norden.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_157" id = "noteIX_157" href = "#tagIX_157">157.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Dec, 6, 7. 1688.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Ankunft des Prinzen in Hungerford.</span>
+<a name = "secIX_79" id = "secIX_79">Donnerstag</a> Abend, den 6.
+December traf er in Hungerford ein, und bald füllte sich die kleine
+Stadt mit Männern von hohem Rang und Ansehen, welche von allen Seiten
+herbeikamen. Der Prinz war von einer starken Truppenabtheilung
+begleitet, und die aus dem Norden kommenden Lords brachten Hunderte
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_100" id = "pageIX_100">
+IX.100</a></span>
+von irregulären Reitern mit, deren Armaturen und Reitkunst die
+Heiterkeit Derer erregte, welche an den glänzenden Anblick und an die
+präcisen Bewegungen regulärer Armeen gewöhnt waren.<a class = "tag" name
+= "tagIX_158" id = "tagIX_158" href = "#noteIX_158">158</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_158" id = "noteIX_158" href = "#tagIX_158">158.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary. Dec. 7. 1688.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Gefecht bei Reading.</span>
+<a name = "secIX_80" id = "secIX_80">Während</a> des Prinzen Anwesenheit
+in Hungerford fand zwischen einem zweihundertfünfzig Mann starken
+Detaschement seiner Truppen und sechshundert in Reading stehenden
+Irländern ein heißes Gefecht statt. Bei dieser Gelegenheit bewährte sich
+die bessere Disciplin der Eingedrungenen auf das Glänzendste. Obgleich
+von weit geringerer Anzahl, trieben sie doch sogleich beim ersten Anlauf
+die königlichen Truppen in wilder Flucht durch die Straßen der Stadt bis
+auf den Marktplatz. Hier machten die Irländer einen Versuch, sich wieder
+zu sammeln, da sie aber von vorn kräftig angegriffen wurden und zu
+gleicher Zeit die Bewohner der umliegenden Häuser aus den Fenstern auf
+sie feuerten, so entsank ihnen bald der Muth und sie flohen mit dem
+Verlust ihrer Fahne und fünfzig Mann. Von den Siegern fielen nur fünf.
+Die Nachricht von diesem Kampfe erfüllte die Lords und Gentlemen, die
+sich Wilhelm angeschlossen hatten, mit ungetrübter Freude. Nichts an
+diesem ganzen Vorfall konnte ihren Nationalstolz kränken. Die Holländer
+hatten nicht die Engländer geschlagen, sondern hatten einer englischen
+Stadt geholfen, sich von der unerträglichen Herrschaft der Irländer zu
+befreien.<a class = "tag" name = "tagIX_159" id = "tagIX_159" href =
+"#noteIX_159">159</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_159" id = "noteIX_159" href = "#tagIX_159">159.</a>
+<span class = "antiqua">History of the Desertion</span>; Citters,
+9.(19.) Dec. 1688; <span class = "antiqua">Exact Diary</span>; <span
+class = "antiqua">Oldmixon, 760.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Ankunft der königlichen Commissare in Hungerford.</span>
+<a name = "secIX_81" id = "secIX_81">Samstag</a> Morgens, den 8.
+December, kamen die königlichen Commissare in Hungerford an. Die
+Leibgarde des Prinzen war in Parade aufgestellt, um sie mit
+militairischen Ehrenbezeigungen zu empfangen. Bentinck bewillkommnete
+sie und erbot sich, sie sofort zu seinem Gebieter zu geleiten. Sie
+sprachen die Hoffnung aus, daß der Prinz ihnen eine Privataudienz
+bewilligen werde; aber es wurde ihnen darauf erwiedert, daß er
+beschlossen habe, sie öffentlich anzuhören und ihnen ebenso zu
+antworten. Sie wurden in sein Schlafgemach eingeführt, wo sie ihn von
+einer Menge Lords und Gentlemen umgeben fanden.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Unterhandlung.</span>
+<a name = "secIX_82" id = "secIX_82">Halifax,</a> dem seine Stellung,
+sein Alter und seine Fähigkeiten den Vorrang gaben, führte das Wort. Der
+Vorschlag, den die Commissare zu machen beauftragt waren, bestand darin,
+daß die streitigen Punkte der Entscheidung des Parlaments, für welches
+die Wahlen bereits angeordnet seien, anheimgegeben werden und daß sich
+bis dahin die Armee des Prinzen der Hauptstadt nicht weiter als bis auf
+dreißig oder vierzig Meilen nähern sollte. Nachdem Halifax erklärt
+hatte, daß er und seine Collegen bereit seien, auf dieser Grundlage zu
+unterhandeln, überreichte er Wilhelm ein Schreiben vom Könige und
+entfernte sich dann. Wilhelm erbrach den Brief und schien ungewöhnlich
+bewegt zu sein. Es war der erste, den er von seinem Schwiegervater
+erhielt, seitdem sie erklärte Feinde geworden waren. Sie hatten einst
+auf gutem Fuße gestanden und einander vertraulich geschrieben; auch
+hatten sie selbst als sie schon anfingen, einander mit Mißtrauen und
+Abneigung zu betrachten, die freundschaftlichen Formen, welche nahe
+Verwandte zu gebrauchen pflegen, noch nicht aus ihren Briefen verbannt.
+Das von den
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_101" id = "pageIX_101">
+IX.101</a></span>
+Commissaren überbrachte Schreiben aber war von einem Sekretär in
+diplomatischer Form und in französischer Sprache abgefaßt. „Ich habe
+viele Briefe vom Könige erhalten,“ sagte Wilhelm, „aber sie waren alle
+in englischer Sprache und von ihm eigenhändig geschrieben.“ Er sprach
+mit einer Gemüthsbewegung, die er sonst nicht zu zeigen gewohnt war. Er
+dachte vielleicht in diesem Augenblicke daran, welche Vorwürfe sein
+Unternehmen, so gerecht, so wohlthätig und so nothwendig es auch sein
+mochte, ihm selbst und der ihm ergebenen Frau zuziehen mußte. Vielleicht
+beklagte er das harte Geschick, das ihn in eine Lage versetzt hatte, in
+der er seine Staatspflichten nur dadurch erfüllen konnte, daß er
+Familienbande zerriß, und beneidete die glücklichere Lage Derer, die für
+das Wohl von Nationen und Kirchen nicht verantwortlich sind. Doch wenn
+solche Gedanken wirklich in ihm aufstiegen, so wurden sie mit männlicher
+Festigkeit unterdrückt. Er forderte die Lords und Gentlemen, die er in
+Folge jenes Schreibens zusammenberief, auf, über die zu ertheilende
+Antwort zu berathschlagen, ohne daß er sie durch seine Anwesenheit
+irgendwie behindern wolle. Er selbst behielt sich nur das Recht vor,
+nach Anhörung ihrer Meinungen in letzter Instanz zu entscheiden. Hierauf
+verließ er sie und zog sich nach Littlecote Hall zurück, einem etwa zwei
+Meilen entfernten Schlosse, das bis auf unsere Tage nicht allein durch
+seine ehrwürdige Bauart und Einrichtung, sondern auch wegen eines
+entsetzlichen und geheimnißvollen Verbrechens berühmt ist, das zu den
+Zeiten der Tudors daselbst verübt wurde.<a class = "tag" name =
+"tagIX_160" id = "tagIX_160" href = "#noteIX_160">160</a></p>
+
+<p>Vor seiner Abreise von Hungerford erfuhr er, daß Halifax den
+dringenden Wunsch geäußert habe, mit Burnet zu sprechen. In diesem
+Wunsche lag nichts Auffallendes, denn Halifax und Burnet hatten lange
+auf freundschaftlichem Fuße gestanden. Allerdings konnte es wohl kaum
+zwei Männer geben, die einander so wenig glichen. Burnet fehlte es
+gänzlich an Takt und Zartgefühl. Halifax besaß dagegen ein
+außerordentlich feines Gefühl und sein Sinn für das Lächerliche war von
+krankhafter Reizbarkeit. Burnet betrachtete jede Handlung und jeden
+Character durch ein vom Parteigeist entstelltes und gefärbtes Medium.
+Halifax dagegen war stets geneigt, die Fehler seiner Verbündeten mit
+schärferem Blicke zu untersuchen als die Fehler seiner Gegner. Burnet
+war bei allen seinen Mängeln und Schwächen und durch alle Wechselfälle
+seines in Verhältnissen, welche der Frömmigkeit eben nicht günstig
+waren, hingebrachten Lebens ein wahrhaft <ins class = "correction" title
+= "Original hat »relegiöser«">religiöser</ins> Mann. Der skeptische und
+sarkastische Halifax wurde für einen Ungläubigen gehalten. Halifax zog
+sich daher oft den unwilligen Tadel Burnet’s zu, und Burnet war oft die
+Zielscheibe von Halifax’ scharfem und feinem Witze. Dennoch fühlten sie
+sich zu einander hingezogen, fanden gegenseitig Gefallen an ihrer
+Unterhaltung, schätzten ihre beiderseitigen Talente, tauschten
+freimüthig ihre Ansichten aus und erwiesen einander auch in Zeiten der
+Gefahr gute Dienste. Indessen wünschte Halifax seinen alten Bekannten
+jetzt nicht aus rein persönlichen Rücksichten zu sprechen. Es mußte den
+Commissaren daran gelegen sein, den eigentlichen Endzweck des Prinzen zu
+erfahren. Er hatte sich geweigert, sie privatim zu empfangen, und aus
+dem, was er ihnen bei einer förmlichen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_102" id = "pageIX_102">
+IX.102</a></span>
+und öffentlichen Zusammenkunft sagen konnte, war wenig zu ersehen. Fast
+Alle die sein Vertrauen besaßen, waren eben so verschwiegen und
+unergründlich als er selbst. Burnet bildete die einzige Ausnahme. Er war
+notorisch geschwätzig und indiscret, die Umstände aber hatten es nöthig
+gemacht, ihn ins Vertrauen zu ziehen, und es unterlag keinem Zweifel,
+daß es dem gewandten Halifax gelingen würde, ihm eben so viele
+Geheimnisse als Worte zu entlocken. Wilhelm wußte dies sehr gut, und als
+er erfuhr, daß Halifax mit dem Doctor sprechen wollte, konnte er sich
+der Äußerung nicht enthalten: „Wenn die Beiden zusammenkommen, wird es
+ein schönes Geschwätz geben.“ Es wurde Burnet nicht erlaubt, privatim
+mit den Commissaren zu sprechen, ihm aber versichert, daß seine Treue in
+den Augen des Prinzen über jeden Verdacht erhaben sei, und damit er
+keinen Grund haben konnte, sich zu beklagen, wurde das Verbot allgemein
+gemacht.</p>
+
+<p>An jenem Nachmittage versammelten sich die Lords und Gentlemen,
+welche Wilhelm um ihren Rath ersucht hatte, in dem Hauptsaale des ersten
+Gasthofes zu Hungerford. Oxford präsidirte und die Eröffnungen des
+Königs wurden in Erwägung gezogen. Es zeigte sich bald, daß die
+Versammlung in zwei Parteien gespalten war, deren eine sehnlichst einen
+Vergleich mit dem Könige wünschte, während die andre seinen Sturz
+wollte. Die letztere Partei hatte das numerische Übergewicht; aber es
+wurde bemerkt, daß Shrewsbury, von dem man glaubte, daß er von allen
+englischen Kavalieren den größten Antheil an Wilhelm’s Vertrauen hatte,
+bei dieser Gelegenheit auf Seiten der Tories stand. Nach langem Hin- und
+Herreden wurde die Frage gestellt. Die Majorität war für die Verwerfung
+des Vorschlags, den die Commissare zu machen beauftragt waren. Der
+Beschluß der Versammlung wurde dem Prinzen nach Littlecote gemeldet. Bei
+keinem Anlasse während seines ganzen ereignißvollen Lebens zeigte er
+mehr Klugheit und Selbstbeherrschung. Er konnte unmöglich wünschen, daß
+die Unterhandlung Erfolg habe; aber er war viel zu klug, um nicht
+einzusehen, daß er die öffentliche Meinung nicht mehr für sich gehabt
+haben würde, wenn die Unterhandlung an unbilligen Forderungen von seiner
+Seite scheiterte. Er verwarf daher die Ansicht seiner allzueifrigen
+Anhänger und erklärte, daß er entschlossen sei, auf der vom Könige
+proponirten Grundlage zu unterhandeln. Viele von den in Hungerford
+versammelten Lords und Gentlemen erhoben Einwendungen dagegen, und ein
+ganzer Tag verging unter Hin- und Herstreiten; aber Wilhelm’s Entschluß
+stand unwiderruflich fest. Er erklärte sich bereit, die Entscheidung
+aller streitigen Punkte dem eben einberufenen Parlamente zu überlassen
+und sich London nur bis auf vierzig Meilen zu nähern. Er stellte
+seinerseits einige Forderungen, welche selbst Diejenigen, die am
+wenigsten für ihn eingenommen waren, als mäßig anerkannten. Er
+verlangte, daß die bestehenden Gesetze so lange befolgt würden, bis sie
+durch die competente Autorität abgeändert wären, und daß alle
+Diejenigen, welche ohne gesetzliche Qualification Ämter bekleideten,
+sofort entlassen werden sollten. Er war ferner der vollkommen
+begründeten Meinung, daß die Berathungen des Parlaments nicht frei sein
+könnten, wenn es von irischen Regimentern umgeben war, während er mit
+seiner Armee mehrere Tagemärsche weit von demselben entfernt stand. Er
+hielt es daher für recht und billig, daß, wenn seine Truppen sich im
+Westen der Hauptstadt nur bis auf vierzig Meilen nähern sollten, auch
+die königlichen Truppen im Osten sich auf
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_103" id = "pageIX_103">
+IX.103</a></span>
+gleiche Entfernung zurückziehen müßten. So wäre um den Ort herum, wo die
+Häuser tagten, ein großer Kreis neutralen Bodens gewesen. Allerdings
+befanden sich innerhalb dieses Umkreises zwei für die Bewohner der
+Hauptstadt höchst wichtige Festungen, der Tower, der ihre Häuser, und
+Tilbury Fort, das ihren Seehandel beherrschte. Ohne Besatzung konnten
+diese Plätze unmöglich bleiben, und Wilhelm schlug daher vor, sie
+einstweilen der Obhut der City von London zu übergeben. Ferner konnte es
+der König möglicherweise für angemessen erachten, sich zur Eröffnung des
+Parlaments mit einer Abtheilung Leibgarden nach Westminster zu begeben.
+Der Prinz kündigte an, daß er in diesem Falle das Recht beanspruchen
+werde, sich ebenfalls mit einer gleichen Anzahl Soldaten dahin zu
+begeben. Es schien ihm gerecht, daß, so lange die militairischen
+Operationen eingestellt waren, beide Armeen gleichmäßig im Dienste der
+Nation stehend betrachtet und gleichmäßig auf Kosten des englischen
+Staatsschatzes unterhalten würden. Endlich verlangte er noch eine
+Gewährschaft dafür, daß der König sich den Waffenstillstand nicht zu
+Nutze machte, um französische Truppen nach England zu ziehen. Der
+gefährlichste Punkt in dieser Beziehung war Portsmouth. Der Prinz
+bestand jedoch nicht darauf, daß ihm diese wichtige Festung überliefert
+werden sollte, sondern machte nur den Vorschlag, sie für die Dauer des
+Waffenstillstandes unter das Commando eines Offiziers zu stellen, zu dem
+er und Jakob Vertrauen habe.</p>
+
+<p>Wilhelm’s Vorschläge waren mit der gewissenhaftesten Ehrlichkeit und
+Aufrichtigkeit entworfen, wie sie eher von einem unbeteiligten
+Schiedsrichter, der sein Urtheil abgiebt, als von einem siegreichen
+Fürsten, der einem hülflosen Feinde Bedingungen vorschreibt, zu erwarten
+gewesen wären. Die Anhänger des Königs fanden nichts daran auszusetzen.
+Unter den Whigs aber wurde viel darüber gemurrt. Sie wollten von einer
+Versöhnung mit ihrem gewesenen Gebieter nichts wissen, sie glaubten sich
+aller Unterthanenpflichten gegen ihn entbunden, sie wollten die
+Autorität eines durch ihn einberufenen Parlaments nicht anerkennen,
+waren einem Waffenstillstande entschieden abgeneigt und konnten nicht
+einsehen, warum ein solcher, wenn er dennoch abgeschlossen werden
+sollte, auf gleiche Bedingungen basirt sein müsse. Nach allen Regeln des
+Kriegs habe die stärkere Partei das Recht, aus ihrer Starke Vortheil zu
+ziehen, und sei Jakob’s Character von der Art, um eine außerordentliche
+Nachsicht zu rechtfertigen? Die, welche so raisonnirten, hatten keinen
+Begriff, aus welchem erhabenen Gesichtspunkte und mit welchem scharfen
+Blicke der von ihnen getadelte Führer die ganze Stellung Englands und
+Europa’s betrachtete. Sie wollten Jakob schlechterdings stürzen und
+würden sich daher entweder geweigert haben, unter irgend welchen
+Bedingungen mit ihm zu unterhandeln, oder sie würden ihm unerträglich
+harte Bedingungen gestellt haben. Wenn Wilhelm’s umfassender und tief
+durchdachter politischer Plan gelingen sollte, mußte Jakob durch
+Zurückweisung auffallend liberaler Bedingungen sich selbst ins Verderben
+stürzen. Die kommenden Ereignisse bewiesen sprechend die Weisheit des
+Verfahrens, welches die Mehrzahl der in Hungerford versammelten
+Engländer zu verdammen geneigt war.</p>
+
+<p>Am Sonntag, den 9. December, wurden die Forderungen des Prinzen
+niedergeschrieben und Halifax übergeben. Die Commissare speisten in
+Littlecote mit einer glänzenden Gesellschaft, welche ihnen zu Ehren
+eingeladen worden war. Die alte Halle, geschmückt mit Panzerhemden,
+welche die Kriege der Rosen gesehen und mit den Bildnissen von
+Kavalieren, die
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_104" id = "pageIX_104">
+IX.104</a></span>
+eine Zierde des Hofes Philipp’s und Mariens gewesen waren, war an jenem
+Tage mit Peers und Generälen angefüllt. In einem solchen Gedränge konnte
+man leicht eine kurze Frage und Antwort wechseln, ohne die
+Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Halifax benutzte die Gelegenheit, die
+sich ihm darbot, um Burnet Alles was er wußte und dachte zu entlocken.
+„Was wollt Ihr eigentlich?“ fragte der gewandte Diplomat; „wollt Ihr den
+König in Eure Gewalt haben?“ &mdash; „Durchaus nicht,“ antwortete
+Burnet, „wir würden seiner Person nicht das mindeste Leid anthun.“
+&mdash; „Wenn er aber flüchtete?“ fuhr Halifax fort. „Dies wäre uns das
+Erwünschteste.“ Es kann nicht bezweifelt werden, daß Burnet die
+allgemeine Ansicht der Whigs im Lager des Prinzen aussprach. Sie
+wünschten Alle, daß Jakob das Land verlassen möchte, aber nur einige
+wenige von den weisesten unter ihnen sahen ein, wie wichtig es war, daß
+seine Flucht von der Nation seiner eignen Thorheit und Verblendung und
+nicht harter Behandlung oder begründeter Furcht zugeschrieben wurde.
+Wahrscheinlich wären selbst in der verzweifelten Lage, in die er
+versetzt war, alle seine Feinde zusammengenommen noch immer nicht im
+Stande gewesen, seinen völligen Sturz zu bewirken, wäre er selbst nicht
+sein schlimmster Feind gewesen; aber während seine Commissare an seiner
+Rettung arbeiteten, arbeitete er eben so eifrig daran, alle ihre
+Bemühungen nutzlos zu machen.<a class = "tag" name = "tagIX_161" id =
+"tagIX_161" href = "#noteIX_161">161</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteIX_160" id = "noteIX_160" href = "#tagIX_160">160.</a>
+Siehe eine höchst interessante Note zum fünften Gesange von Sir Walter
+Scotts Rokeby.</p>
+
+<p><a name = "noteIX_161" id = "noteIX_161" href = "#tagIX_161">161.</a>
+Die Quellen meiner Mittheilungen über die Vorgänge in Hungerford sind:
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Dec. 8, 9. 1688</span>; <span
+class = "antiqua">Burnet, I. 794</span>; das Schreiben, welches die
+Commissare dem Prinzen überbrachten, und dessen Antwort darauf; <span
+class = "antiqua">Sir Patrick Hume’s Diary</span>; Citters, 9.(19.)
+Dec.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Königin und der Prinz von Wales werden nach Frankreich
+geschickt.</span>
+<a name = "secIX_83" id = "secIX_83">Seine</a> Pläne waren endlich reif
+zur Ausführung. Die Scheinunterhandlung hatte ihren Zweck erfüllt. An
+dem nämlichen Tage, an welchem die drei Lords in Hungerford eintrafen,
+kam der Prinz von Wales in Westminster an. Man hatte die Absicht gehabt,
+ihn die London-Brücke passiren zu lassen, und einige irländische Truppen
+waren ihm daher nach Southwark entgegengesandt worden. Aber sie wurden
+von einer zahlreichen Volksmenge mit solchem Geschrei und solchen
+Verwünschungen empfangen, daß sie es für gerathen hielten, schleunigst
+wieder umzukehren. Das unglückliche Kind passirte die Themse bei
+Kingston und wurde so in aller Stille nach Whitehall gebracht, daß Viele
+glaubten, es sei noch in Portsmouth.<a class = "tag" name = "tagIX_162"
+id = "tagIX_162" href = "#noteIX_162">162</a></p>
+
+<p>Den Prinzen und die Königin außer Landes zu schicken, war jetzt das
+Hauptziel Jakob’s. Aber wem konnte die Leitung der Flucht anvertraut
+werden? Dartmouth war der loyalste aller protestantischen Tories, und er
+hatte sich geweigert. Dover war eine Creatur der Jesuiten, und selbst er
+hatte sich nicht entschließen können. Es war nicht sehr leicht, einen
+Engländer von hohem Range und von Ehre zu finden, der es unternommen
+hätte, den wahrscheinlichen Erben der englischen Krone den Händen des
+Königs von Frankreich zu übergeben. Unter diesen Umständen dachte Jakob
+an einen damals in London lebenden Franzosen, Namens Antonin Graf von
+Lauzun.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_162" id = "noteIX_162" href = "#tagIX_162">162.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 237.</span> Burnet
+hat sonderbarerweise nichts davon gehört oder es vergessen, daß der
+Prinz nach London zurückgebracht wurde. (I. 796.)</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Lauzun.</span>
+<a name = "secIX_84" id = "secIX_84">Man</a> hat von diesem Manne
+gesagt, sein Leben sei wunderbarer gewesen, als die Träume anderer
+Leute. In seiner Jugend
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_105" id = "pageIX_105">
+IX.105</a></span>
+war er Ludwig’s intimer Gesellschafter gewesen und man hatte ihm
+Aussicht auf die höchsten Ämter unter der französischen Krone gemacht.
+Dann hatte sein Glücksstern sich plötzlich verdunkelt. Ludwig hatte
+seinen Jugendfreund mit bitteren Vorwürfen von sich gestoßen und sollte
+sich angeblich kaum haben enthalten können, ihn zu schlagen. Der
+gefallene Günstling war als Gefangener auf eine Festung geschickt, aber
+wieder in Freiheit gesetzt worden, hatte sich aufs neue der Gunst seines
+Gebieters erfreut und das Herz einer der vornehmsten Damen in Europa,
+Anna Maria, Tochter des Herzogs Gaston von Orleans, Enkelin König
+Heinrich’s&nbsp;IV. und Erbin der unermeßlichen Besitzungen des Hauses
+Montpensier, erobert. Die beiden Liebenden wünschten sich zu vermählen,
+der König gab seine Einwilligung und einige Stunden lang wurde Lauzun
+vom Hofe als ein Mitglied des Hauses Bourbon betrachtet. Die Mitgift der
+Prinzessin wäre in der That der Bewerbung souverainer Fürsten werth
+gewesen, denn sie bestand aus drei großen Herzogthümern, einem
+unabhängigen Fürstenthume mit eigner Münze und eigenen Tribunalen, und
+einem Einkommen, das die Gesammteinkünfte des Königreichs Schottland
+weit überstieg. Aber diese glänzende Aussicht trübte sich, die
+Verbindung wurde abgebrochen und der Freier wurde viele Jahre in einem
+Alpenschlosse eingesperrt. Endlich ließ sich Ludwig wieder erweichen.
+Lauzun durfte nicht vor dem Könige erscheinen, aber es war ihm
+gestattet, fern vom Hofe seine Freiheit zu genießen. Er ging nach
+England und wurde im Palaste Jakob’s und in den vornehmen Cirkeln
+London’s wohl aufgenommen, denn damals galten die französischen
+Edelleute in ganz Europa für Muster von Eleganz, und viele Chevaliers
+und Vicomtes, welche in den Privatcirkeln zu Versailles nie Zutritt
+gehabt hatten, sahen sich in Whitehall von allgemeiner Neugierde und
+Bewunderung umgeben. Lauzun war der gegenwärtigen Anforderung in jeder
+Hinsicht gewachsen. Er hatte Muth und Ehrgefühl, war an excentrische
+Abenteuer gewöhnt und verband mit dem scharfen Beobachtungssinn und dem
+sarkastischen Witze eines vollendeten Weltmanns eine entschiedene
+Neigung zum irrenden Ritterthum. Alle seine nationalen Gefühle und alle
+seine persönlichen Interessen trieben ihn an, das Abenteuer zu wagen,
+vor dem die treuesten Unterthanen der englischen Krone zurückzuschrecken
+schienen. Als Beschützer der Königin von Großbritannien und des Prinzen
+von Wales in einer gefahrvollen Krisis, konnte er mit Ehren in sein
+Vaterland zurückkehren, es konnte ihm wieder gestattet werden, Ludwig
+ankleiden und speisen zu sehen und nach so vielen Wechselfällen konnte
+er am Abende seines Lebens noch einmal die so wunderbar bezaubernde Jagd
+nach der königlichen Gunst beginnen.</p>
+
+<p>Von solchen Gefühlen beseelt, nahm Lauzun das ihm angebotene wichtige
+Amt bereitwilligst an. Die Vorkehrungen zur Flucht wurden schleunigst
+getroffen, ein Schiff erhielt Befehl, sich bei Gravesend bereit zu
+halten; aber nach Gravesend zu gelangen, war nicht leicht. Die City war
+in einer furchtbaren Aufregung. Die geringste Ursache war hinreichend,
+um einen Auflauf zu veranlassen, kein Fremder durfte sich auf den
+Straßen zeigen, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen wollte,
+angehalten, ausgefragt und als verkappter Jesuit vor einen
+Magistratsbeamten geführt zu werden. Man mußte sich daher auf der
+Südseite der Themse halten. Es wurde keine Vorsichtsmaßregel versäumt,
+um jeden Verdacht zu zerstreuen. Der König und die Königin begaben sich
+wie gewöhnlich
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_106" id = "pageIX_106">
+IX.106</a></span>
+zur Ruhe. Jakob wartete, bis eine Zeit lang im Palaste Alles still
+gewesen war, dann stand er auf und rief einen Diener, zu dem er sagte:
+„Ihr werdet an der Thür des Vorzimmers einen Mann finden; bringt ihn
+hierher.“ Der Diener gehorchte und Lauzun wurde ins königliche
+Schlafgemach eingeführt. „Ich vertraue Ihnen meine Gemahlin und meinen
+Sohn an,“ sagte der König zu ihm; „sie müssen auf jede Gefahr hin nach
+Frankreich gebracht werden.“ Lauzun sprach mit ächt ritterlichem Sinne
+seinen Dank aus für die ihm zu Theil werdende gefährliche Ehre und bat
+um die Erlaubniß, sich der Mithülfe seines Freundes Saint-Victor, eines
+Edelmanns aus der Provence, dessen Muth und Treue vielfach erprobt sei,
+bedienen zu dürfen. Die Dienste eines so werthvollen Beistandes wurden
+bereitwillig angenommen. Lauzun reichte Marien die Hand, und
+Saint-Victor hüllte den unglücklichen Erben so vieler Könige in seinen
+warmen Mantel. Die Gesellschaft schlich leise die Hintertreppe hinab und
+stieg in einen offenen Kahn. Es war eine traurige Fahrt. Die Nacht war
+kalt, es regnete, der Wind heulte und der Wellenschlag war heftig.
+Endlich erreichte der Kahn Lambeth und die Flüchtlinge landeten in der
+Nähe eines Gasthofes, wo ein Wagen und Pferde sie erwarteten. Es dauerte
+eine Weile, bis die Pferde angeschirrt und angespannt waren. Marie
+wollte aus Furcht erkannt zu werden nicht in das Haus treten. Sie blieb
+bei ihrem Kinde, zum Schutz vor dem Unwetter unter dem Thurme der
+Lambethkirche kauernd und jedesmal vor Schreck zusammenfahrend, wenn der
+Hausknecht sich ihr mit seiner Laterne näherte. Sie hatte zwei von ihren
+Kammerfrauen bei sich; die eine nährte den Prinzen, die andre hatte das
+Amt, ihn zu wiegen; ihrer Gebieterin aber konnten Beide nur wenig
+nützen, denn sie waren Ausländerinnen, welche kaum englisch sprachen und
+beständig über das rauhe Klima Englands klagten. Der einzige tröstliche
+Umstand war, daß das Kind wohl war und nicht ein einziges Mal schrie.
+Endlich war der Wagen bereit. Saint-Victor begleitete denselben zu
+Pferde. Die Flüchtlinge kamen wohlbehalten in Gravesend an und schifften
+sich auf der sie erwartenden Yacht ein. Sie fanden auf derselben Lord
+Powis mit seiner Gattin und drei irische Offiziere. Diese waren dahin
+geschickt worden, um Lauzun in einem etwaigen verzweifelten Nothfalle
+beizustehen, denn es wurde nicht für unmöglich gehalten, daß der
+Kapitain des Schiffes sich als treulos erwies, und man hatte sich fest
+vorgenommen, ihn beim geringsten Verdacht von Verrätherei sofort
+niederzustoßen. Man kam jedoch nicht in die Nothwendigkeit, Gewalt zu
+brauchen. Die Yacht fuhr mit günstigem Winde den Strom hinab und nachdem
+Saint-Victor sie hatte absegeln sehen, sprengte er mit der guten
+Nachricht nach Whitehall zurück.<a class = "tag" name = "tagIX_163" id =
+"tagIX_163" href = "#noteIX_163">163</a></p>
+
+<p>Am Montag Morgen, den 10. December, erfuhr der König, daß seine
+Gemahlin und sein Sohn ihre Reise unter günstigen Aussichten für die
+glückliche Vollendung derselben angetreten hatten. Um die nämliche Zeit
+kam ein Courier mit Depeschen von Hungerford im Palaste an. Wäre Jakob
+ein wenig scharfsichtiger und etwas weniger halsstarrig
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_107" id = "pageIX_107">
+IX.107</a></span>
+gewesen, so würden diese Depeschen ihn bestimmt haben, alle seine Pläne
+noch einmal zu erwägen. Das Schreiben der Commissare berechtigte zu
+guten Hoffnungen. Die von dem Sieger gestellten Bedingungen waren
+auffallend liberal. Der König selbst konnte sich der Bemerkung nicht
+enthalten, daß sie günstiger seien, als er es erwartet hätte. Zwar
+konnte er nicht ohne Grund annehmen, daß sie in keiner freundlichen
+Absicht gestellt wurden; allein dies kam hier nicht in Betracht; mochten
+sie ihm in der Hoffnung angeboten werden, daß er durch Annahme derselben
+den Grund zu einer gütlichen Ausgleichung legen werde, oder, und dies
+war wahrscheinlicher, in der Hoffnung, daß er sich durch ihre
+Zurückweisung der Nation als durchaus unvernünftig und unverbesserlich
+darstellen werde, jedenfalls war der Weg, den er hatte einschlagen
+sollen, vollkommen klar. In beiden Fallen würde es die Klugheit
+erfordert haben, sie ohne Besinnen anzunehmen und treulich zu
+halten.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_163" id = "noteIX_163" href = "#tagIX_163">163.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 246</span>; <span
+class = "antiqua">Père d’Orléans, Revolutions d’Angleterre, XI.</span>;
+Frau von Sévigné, 14.(24.) Dec. 1688; <span class = "antiqua">Dangeau
+Mémoires, 13.(23.) Dec.</span> Über Lauzun siehe die Memoiren
+Mademoiselle’s und des Herzogs von St. Simon und die Characteristiken
+von Labruyère.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Anstalten des Königs zur Flucht.</span>
+<a name = "secIX_85" id = "secIX_85">Es</a> zeigte sich aber bald, daß
+Wilhelm den Character, mit dem er es zu thun hatte, richtig beurtheilt
+und durch das Anerbieten jener Bedingungen, welche die in Hungerford
+anwesenden Whigs als zu nachsichtig getadelt, nichts gewagt hatte. Die
+feierliche Komödie, mit der das Publikum seit dem Rückzuge der
+königlichen Armee von Salisbury unterhalten worden war, wurde noch
+einige Stunden fortgesetzt. Alle noch in der Hauptstadt anwesenden Lords
+wurden in den Palast beschieden, um von den Fortschritten der auf ihren
+Rath eingeleiteten Unterhandlungen unterrichtet zu werden. Eine zweite
+Versammlung von Peers wurde auf den nächstfolgenden Tag festgesetzt. Der
+Lordmayor und die Sheriffs von London wurden ebenfalls vor den König
+geladen. Er ermahnte sie, ihre Pflichten mit ungeschwächtem Eifer zu
+erfüllen und gestand ihnen, daß er es für zweckmäßig erachtet habe,
+seine Gemahlin und seinen Sohn außer Landes zu schicken, versicherte
+aber, daß er selbst auf seinem Posten ausharren werde. Als er diese
+unkönigliche und unmännliche Lüge sagte, war es schon sein fester
+Entschluß, noch vor Tagesanbruch abzureisen. Er hatte bereits sein
+werthvollstes bewegliches Eigenthum mehreren fremden Gesandten zur
+Aufbewahrung übergeben. Seine wichtigsten Papiere hatte er dem
+toskanischen Gesandten anvertraut. Etwas aber mußte vor der Flucht noch
+geschehen. Der Tyrann schmeichelte sich mit der Hoffnung, daß er sich an
+dem Volke, welches seinen Despotismus nicht länger ertragen wollte,
+werde rächen können, indem er es bei seinem Scheiden allem Unheile der
+Anarchie preisgab. Er ließ das große Siegel und die Ausschreiben für das
+neue Parlament in sein Zimmer bringen. Die noch vorhandenen Ausschreiben
+warf er ins Feuer und die bereits abgesandten erklärte er durch eine in
+gesetzlicher Form abgefaßte Urkunde für ungültig. An Feversham schrieb
+er einen Brief, der nur als ein Befehl zur Auflösung der Armee
+verstanden werden konnte. Gleichwohl verhehlte der König selbst seinen
+ersten Ministern noch immer seine Absicht, zu entweichen. Ehe er sich
+zur Ruhe begab, befahl er noch Jeffreys, am andren Morgen bei Zeiten im
+Kabinet zu erscheinen, und als er ins Bett stieg, raunte er Mulgrave zu,
+die aus Hungerford angelangten Nachrichten seien höchst befriedigend.
+Jedermann entfernte sich hierauf, mit Ausnahme des Herzogs von
+Northumberland. Dieser junge Mann, ein natürlicher Sohn Karl’s&nbsp;II.
+und der Herzogin von Cleveland, war Commandant einer Abtheilung der
+Leibgarde
+<span class = "pagenum"><a name = "pageIX_108" id = "pageIX_108">
+IX.108</a></span>
+und Kammerherr. Es scheint damals am Hofe Sitte gewesen zu sein, daß in
+Abwesenheit der Königin ein Kammerherr im Zimmer des Königs auf einem
+Feldbett schlafen mußte, und Northumberland war an der Reihe, diesen
+Dienst zu versehen.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Seine Flucht.</span>
+<a name = "secIX_86" id = "secIX_86">Dienstag</a> den 11. December um
+drei Uhr Morgens stand Jakob auf, nahm das große Siegel an sich, befahl
+Northumberland, die Thür des Schlafzimmers erst zur gewohnten Stunde zu
+öffnen und verschwand durch einen verborgenen Ausgang, wahrscheinlich
+derselbe, durch welchen Huddleston ans Bett des vorigen Königs gebracht
+worden war. Sir Eduard Hales erwartete ihn mit einer Miethkutsche. Jakob
+fuhr nach Millbank, wo er in einem kleinen Nachen über die Themse
+setzte. Als er bei Lambeth vorüberfuhr, warf er das große Siegel mitten
+in den Strom, wo es viele Monate darauf zufällig in ein Fischernetz
+gerieth und herausgezogen wurde.</p>
+
+<p>In Vauxhall stieg er an’s Land. Hier erwartete ihn ein bekannter
+Reisewagen und er schlug ohne Aufenthalt den Weg nach Sheerneß ein, wo
+ein dem Zollhause gehörendes Boot für ihn in Bereitschaft gehalten
+wurde.<a class = "tag" name = "tagIX_164" id = "tagIX_164" href =
+"#noteIX_164">164</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteIX_164" id = "noteIX_164" href = "#tagIX_164">164.</a>
+<span class = "antiqua">History of the Desertion</span>; <span class =
+"antiqua">Clarke’s Life of James, II. 251. Orig. Mem.</span>; <span
+class = "antiqua">Mulgrave’s Account of the Revolution</span>; <span
+class = "antiqua">Burnet, I. 795</span>.</p>
+
+
+
+
+<a name = "kap_X" id = "kap_X">&nbsp;</a>
+<center>
+<div class = "chapterhead">
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_1" id = "pageX_1">
+X.1</a></span>
+
+<h4 class = "five"><b>Zehntes Kapitel.</b></h4>
+
+<h4>Das Interregnum.</h4>
+
+<hr class = "tiny">
+
+</div>
+</center>
+<a name = "pageX_2" id = "pageX_2">&nbsp;</a>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_3" id = "pageX_3">
+X.3</a></span>
+
+<h4><a name = "inhalt_X" id = "inhalt_X">
+<b><span class = "extended">Inhalt</span>.</b></a></h4>
+
+<hr class = "micro">
+
+<table class = "toc" summary = "inhaltsverzeichniss">
+<tr>
+<td></td>
+<td class = "seite">Seite</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_1">Die Flucht des Königs wird bekannt</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_5">5</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_2">Große Aufregung</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_5">5</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_3">Die Lords versammeln sich in Guildhall</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_5">5</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_4">Tumulte in London</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_8">8</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_5">Das Haus des spanischen Gesandten
+geplündert</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_9">9</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_6">Verhaftung Jeffreys’</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_10">10</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_7">Die irische Macht</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_11">11</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_8">Der König wird unweit Sheerneß
+angehalten</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_14">14</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_9">Die Lords geben Befehl zu seiner
+Freilassung</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_18">18</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_10">Wilhelm’s Verlegenheit</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_19">19</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_11">Verhaftung Feversham’s</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_19">19</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_12">Ankunft Jakob’s in London</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_20">20</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_13">Berathung in Windsor</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_21">21</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_14">Die holländischen Truppen besetzen
+Whitehall</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_24">24</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_15">Das Schreiben des Prinzen wird Jakob
+überbracht</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_24">24</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_16">Jakob’s Aufbruch nach Rochester</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_25">25</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_17">Wilhelm’s Ankunft im St. Jamespalaste</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_25">25</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_18">Es wird ihm gerathen, sich die Krone kraft
+des Eroberungsrechtes aufzusetzen</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_27">27</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_19">Er beruft die Lords und die Mitglieder der
+Parlamente Karl’s II. zusammen</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_28">28</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_20">Jakob’s Flucht von Rochester</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_30">30</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_21">Berathungen und Beschlüsse der Lords</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_31">31</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_22">Verhandlungen und Beschlüsse der von dem
+Prinzen einberufenen Gemeinen</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_32">32</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_23">Eine Convention berufen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_33">33</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_24">Bemühungen des Prinzen zur Herstellung der
+Ordnung</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_33">33</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_25">Seine tolerante Politik</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_34">34</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_26">Zufriedenheit der katholischen Mächte</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_35">35</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_27">Stimmung in Frankreich</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_35">35</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_28">Empfang der Königin von England in
+Frankreich</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_36">36</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_29">Ankunft Jakob’s in St.-Germain</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_37">37</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_30">Stimmung in den Vereinigten Provinzen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_39">39</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_31">Wahl der Mitglieder zur Convention</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_39">39</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_32">Die Angelegenheiten Schottlands</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_40">40</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_33">Stand der Parteien in England</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_42">42</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_34">Sherlock’s Plan</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_44">44</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td>
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_4" id = "pageX_4">
+X.4</a></span>
+<a href = "#secX_35">Sancroft’s Plan</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_45">45</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_36">Danby’s Plan</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_47">47</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_37">Der Plan der Whigs</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_48">48</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_38">Zusammentritt der Convention. Leitende
+Mitglieder des Hauses der Gemeinen</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_50">50</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_39">Wahl eines Sprechers</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_51">51</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_40">Debatte über die Lage der Nation</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_52">52</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_41">Beschluß, durch den der Thron für erledigt
+erklärt wird</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_54">54</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_42">Der Beschluß wird den Lords vorgelegt</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_55">55</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_43">Debatte im Oberhause über den
+Regentschaftsplan</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_55">55</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_44">Spaltung zwischen den Whigs und den
+Anhängern Danby’s</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_61">61</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_45">Versammlung bei dem Earl von
+Devonshire</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_62">62</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_46">Debatte im Hause der Lords über die Frage
+der Thronerledigung</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_63">63</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_47">Die Majorität für die Verneinung</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_64">64</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_48">Aufregung in London</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_64">64</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_49">Brief von Jakob an die Convention</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_65">65</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_50">Debatte</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_65">65</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_51">Unterhandlungen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_65">65</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_52">Schreiben der Prinzessin von Oranien an
+Danby</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_65">65</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_53">Die Prinzessin Anna erklärt sich mit dem
+Whigplane einverstanden</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_66">66</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_54">Wilhelm spricht seine Absichten aus</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_67">67</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_55">Die Conferenz zwischen den beiden
+Häusern</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_68">68</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_56">Die Lords geben nach</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_69">69</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_57">Es werden neue Gesetze zur Sicherung der
+Freiheit vorgeschlagen</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_70">70</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_58">Streitigkeiten und Vergleich</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_71">71</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_59">Die Rechtserklärung</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_73">73</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_60">Ankunft Marien’s</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_73">73</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_61">Anbietung und Annahme der Krone</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_74">74</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secX_62">Wilhelm und Marie werden ausgerufen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_75">75</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secX_63">Eigenthümlicher Character der englischen
+Revolution</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageX_75">75</a></td>
+</tr>
+</table>
+
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_5" id = "pageX_5">
+X.5</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Flucht des Königs wird bekannt.</span>
+<a name = "secX_1" id = "secX_1">Northumberland</a> gehorchte pünktlich
+dem erhaltenen Befehle und öffnete den Eingang zu den königlichen
+Apartements erst als es heller Tag geworden war. Das Vorzimmer war mit
+Höflingen, welche ihre Morgenvisite machen wollten, und mit den zu einer
+Berathung in den Palast beschiedenen Lords angefüllt. In einem
+Augenblicke verbreitete sich die Nachricht von Jakob’s Flucht von den
+Gallerien in die Straßen und die ganze Stadt kam in Aufruhr.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Große Aufregung.</span>
+<a name = "secX_2" id = "secX_2">Es</a> war ein schrecklicher
+Augenblick. Der König war fort, der Prinz noch nicht da und keine
+Regentschaft war ernannt. Das zur Verwaltung der ordentlichen
+Rechtspflege unentbehrliche große Siegel war verschwunden, und bald
+erfuhr man, daß Feversham bei Empfang des königlichen Befehls seine
+Truppen auf der Stelle entlassen hatte. Welche Achtung vor dem Gesetz
+und den Eigenthumsrechten konnte man von bewaffneten und
+zusammenhaltenden Soldaten erwarten, welche aller Beschränkungen der
+Disciplin entledigt waren und denen es an den nothwendigsten
+Lebensbedürfnissen fehlte? Auf der andren Seite hatte auch der Pöbel von
+London seit einigen Wochen eine starke Neigung zu Tumulten und
+Räubereien gezeigt. Die dringende Gefahr des Augenblicks vereinigte auf
+kurze Zeit alle Diejenigen mit einander, die ein Interesse an der Ruhe
+und Sicherheit der Gesellschaft hatten. Rochester hatte bis zu diesem
+Tage fest zur Sache des Königs gehalten. Jetzt sah er nur noch ein
+Mittel, um einer allgemeinen Verwirrung vorzubeugen. „Rufen Sie Ihre
+Abtheilung Garden zusammen,“ sagte er zu Northumberland, „und erklären
+Sie sich für den Prinzen von Oranien.“ Der Rath wurde sofort befolgt.
+Die zur Zeit in London anwesenden höheren Offiziere der Armee hielten in
+Whitehall eine berathende Versammlung und beschlossen, sich der
+Autorität Wilhelm’s zu unterwerfen, ihre Truppen zusammenzuhalten bis er
+seinen Willen kund thun würde, und die Civilgewalt in der
+Aufrechthaltung der Ruhe und Ordnung zu unterstützen.<a class = "tag"
+name = "tagX_1" id = "tagX_1" href = "#noteX_1">1</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_1" id = "noteX_1" href = "#tagX_1">1.</a>
+<span class = "antiqua">History of the Desertion</span>; <span class =
+"antiqua">Mulgrave’s Account of the Revolution</span>; <span class =
+"antiqua">Eachard’s History of the Revolution</span>.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Lords versammeln sich in Guildhall.</span>
+<a name = "secX_3" id = "secX_3">Die</a> Peers begaben sich nach der
+Guildhall, wo sie von dem Magistrat der Stadt
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_6" id = "pageX_6">
+X.6</a></span>
+mit allen Ehrenbezeigungen empfangen wurden. Streng gesetzlich waren sie
+so wenig als irgend ein andrer Verein von Personen befugt, die ausübende
+Gewalt zu übernehmen. Aber im Interesse der öffentlichen Sicherheit war
+eine provisorische Regierung durchaus nöthig und zu dem Ende richtete
+sich der Blick des Publikums natürlich auf die erblichen Magnaten des
+Reichs. Die Größe der Gefahr trieb auch Sancroft aus seinem Palaste. Er
+nahm den Präsidentenstuhl ein und unter seinem Vorsitze beschlossen der
+neue Erzbischof von York, fünf Bischöfe und zweiundzwanzig weltliche
+Lords eine Erklärung aufzusetzen, zu unterzeichnen und zu
+veröffentlichen. Sie erklärten in diesem Aktenstücke, daß sie treu zur
+Religion und Verfassung ihres Vaterlandes hielten, daß sie die Hoffnung
+gehegt hätten, die öffentlichen Mißstände durch das vor kurzem vom
+Könige einberufene Parlament abgestellt zu sehen, daß aber seine Flucht
+diese Hoffnung zerstört habe. Sie hätten daher beschlossen, sich dem
+Prinzen von Oranien anzuschließen, damit die Freiheit der Nation und die
+Rechte der Kirche gesichert, den Dissenters gebührende Gewissensfreiheit
+gewährt und der Protestantismus durch die ganze Welt befestigt werde.
+Bis zur Ankunft Seiner Hoheit wollten sie die Verantwortlichkeit für die
+zur Aufrechthaltung der Ordnung nöthigen Maßregeln übernehmen. Es wurde
+sofort eine Deputation abgesandt, welche dem Prinzen diese Erklärung
+vorlegen und ihm sagen sollte, daß er mit Ungeduld in London erwartet
+werde.<a class = "tag" name = "tagX_2" id = "tagX_2" href =
+"#noteX_2">2</a></p>
+
+<p>Die Lords schritten nun zur Berathung der Maßregeln, welche ergriffen
+werden mußten, um Ruhestörungen vorzubeugen. Sie schickten nach den
+beiden Staatssekretären. Middleton wollte sich einer Autorität, die er
+für widerrechtlich angemaßt hielt, nicht unterwerfen; Preston aber, der
+über die Flucht seines Gebieters ganz bestürzt war und nicht wußte, was
+er zu erwarten hatte, noch wohin er sich wenden sollte, kam der
+Aufforderung nach. Es wurde ein Bote an Skelton, den Gouverneur des
+Tower gesandt, um ihn in die Guildhall zu berufen. Er kam und ward
+bedeutet, daß man seiner Dienste nicht länger bedürfe und daß er
+augenblicklich seine Schlüssel abzuliefern habe. Zu seinem Nachfolger
+wurde Lord Lucas ernannt. Zu gleicher Zeit wurde auf Befehl der Peers an
+Dartmouth ein Brief geschrieben, welcher die Weisung enthielt, daß er
+sich jeder feindseligen Operation gegen die holländische Flotte
+enthalten und alle unter ihm commandirenden papistischen Offiziere
+entlassen solle.<a class = "tag" name = "tagX_3" id = "tagX_3" href =
+"#noteX_3">3</a></p>
+
+<p>Die Rolle, welche Sancroft und einige andere Personen, die bis zu
+diesem Tage das Prinzip des passiven Gehorsams streng festgehalten
+hatten, bei diesen Maßnahmen spielten, verdient besondere Erwähnung. Den
+Oberbefehl über die Land- und Seemacht des Staats eigenmächtig zu
+übernehmen, die Offiziere zu entlassen, denen der König seine Schlösser
+und Schiffe anvertraut, und seinem Admiral alle Operationen gegen seine
+Feinde zu verbieten: dies war gewiß nichts Geringeres als offener
+Aufruhr. Indessen redeten sich mehrere rechtschaffene und talentvolle
+Tories aus Filmer’s Schule dennoch ein, daß sie dies Alles thun könnten,
+ohne sich des Widerstandes gegen ihren Souverain schuldig zu machen. Die
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_7" id = "pageX_7">
+X.7</a></span>
+Unterscheidung, welche sie dabei machten, war wenigstens sinnreich. Die
+Regierung, sagten sie, ist eine göttliche Anordnung. Die erbliche
+monarchische Regierung ist vorzugsweise eine göttliche Anordnung. So
+lange der König befiehlt was recht und gesetzlich ist, müssen wir ihm
+bereitwillig gehorchen, und wenn er etwas Ungesetzliches befiehlt,
+müssen wir ihm passiv gehorchen. Selbst im äußersten Falle sind wir
+nicht berechtigt, ihm gewaltsamen Widerstand entgegenzusetzen. Legt er
+aber freiwillig seine Functionen nieder, so erlöschen dadurch seine
+Rechte über uns. So lange er uns, wenn auch schlecht, regiert, sind wir
+ihm Gehorsam schuldig; will er uns aber gar nicht mehr regieren, so sind
+wir nicht verbunden, für immer ohne Regierung zu bleiben. Anarchie ist
+keine göttliche Anordnung und Gott wird es uns gewiß nicht als Sünde
+anrechnen, wenn ein Fürst, den wir trotz der heftigsten Provokationen
+niemals die Ehrerbietung und den Gehorsam verweigert haben, plötzlich
+abreist, ohne daß wir wissen wohin und ohne daß er einen Stellvertreter
+hinterlassen, und wir schlagen dann das einzige Verfahren ein, durch das
+wir die völlige Auflösung der Gesellschaft verhindern können. Wäre unser
+Monarch bei uns geblieben, so würden wir, so wenig er auch unsre Liebe
+verdiente, mit Freuden zu seinen Füßen gestorben sein. Hätte er, als er
+uns verließ, eine Regentschaft eingesetzt, die uns während seiner
+Abwesenheit mit stellvertretender Autorität regieren sollte, so würden
+wir dieser Regentschaft allein die Leitung der Geschäfte überlassen
+haben. Aber er ist verschwunden, ohne für die Erhaltung der Ordnung oder
+für die Verwaltung der Justiz Vorsorge getroffen zu haben. Mit ihm und
+seinem großen Siegel ist auch das ganze Triebwerk verschwunden, durch
+welches ein Mörder bestraft, das Recht auf einen Besitz entschieden und
+das Vermögen eines Bankerotteurs vertheilt werden kann. Seine letzte
+Handlung war, daß er viele Tausende bewaffneter Männer von den Zügeln
+der militairischen Disciplin befreite und sie in die Lage versetzte,
+entweder plündern oder darben zu müssen. Noch einige Stunden, und
+Jedermann wird sich an seinem Nachbar vergreifen. Leben, Eigenthum und
+Frauenehre werden allen Ungesetzlichkeiten preisgegeben sein. Wir
+befinden uns diesen Augenblick thatsächlich in dem Naturzustande, über
+den die Theoretiker soviel geschrieben haben, und in diesen Zustand sind
+wir nicht durch unsre Schuld, sondern durch den freiwilligen Abfall des
+Mannes versetzt worden, der unser Beschützer hätte sein sollen. Sein
+Abfall darf mit Recht freiwillig genannt werden, denn weder sein Leben
+noch seine Freiheit war gefährdet. Seine Feinde hatten sich eben bereit
+erklärt, auf einer von ihm selbst vorgeschlagenen Grundlage mit ihm zu
+unterhandeln und sich unter Bedingungen, deren Billigkeit er nicht
+leugnen konnte, erboten, alle feindseligen Operationen sofort
+einzustellen. Unter solchen Umständen hat er sein Amt niedergelegt. Wir
+widerrufen nichts, wir sind in nichts inconsequent, wir halten noch
+immer ohne Unterschied an unseren alten Prinzipien fest, wir sind noch
+immer der Meinung, daß es in allen Fällen sündhaft ist, sich der
+Obrigkeit zu widersetzen; aber wir sagen, es giebt keine Obrigkeit mehr,
+der wir uns widersetzen könnten. Der Mann, der die Obrigkeit war, hat
+seine Gewalt, nachdem er sie lange gemißbraucht, endlich niedergelegt.
+Der Mißbrauch berechtigte uns nicht dazu ihn abzusetzen, die Abdankung
+aber giebt uns das Recht, zu erwägen, wie wir seine Stelle am besten
+wieder besetzen.</p>
+
+<p>Aus diesen Gründen gewann die Partei des Prinzen viele neue
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_8" id = "pageX_8">
+X.8</a></span>
+Anhänger, die sich bisher von ihm fern gehalten hatten. Seit
+Menschengedenken war man der vollkommenen Einigkeit aller verständigen
+Engländer noch nie so nahe gewesen, als bei dieser Gelegenheit; nie
+hatte man aber auch der Einigkeit so sehr bedurft. Eine gesetzliche
+Autorität gab es nicht. Alle die schlimmen Leidenschaften, welche eine
+Regierung zu zügeln verpflichtet ist und welche auch die besten
+Regierungen nur unvollkommen zu zügeln vermögen, waren plötzlich von
+jedem Zwange befreit: Habgier, Sittenlosigkeit, Rachsucht, Seelenhaß und
+Nationalhaß. Bei solchen Gelegenheiten wird man stets finden, daß das
+menschliche Ungeziefer, das, von den Dienern des Staats und der Kirche
+vernachlässigt, inmitten der Civilisation und des Christenthums in
+heidnischer Rohheit und mit allen möglichen physischen und moralischen
+Lastern befleckt in den Kellern und Dachkammern der großen Städte
+nistet, sich mit einem Male zu furchtbarer Bedeutung erhebt. So war es
+damals auch in London.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_2" id = "noteX_2" href = "#tagX_2">2.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Dec. 13. 1688.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_3" id = "noteX_3" href = "#tagX_3">3.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 259</span>; <span
+class = "antiqua">Mulgrave’s Account of the Revolution</span>; Legge’s
+Papiere in der Mackintosh-Sammlung.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Tumulte in London.</span>
+<a name = "secX_4" id = "secX_4">Als</a> die Nacht, zufällig die längste
+Nacht im Jahre, hereinbrach, spieen alle Höhlen des Lasters, der
+Bärenzwinger von Hockley und das Labyrinth von Kneipen und Bordellen in
+den Friars, Tausende von Einbrechern und Straßenräubern, Taschendieben
+und Gaunern aus. Zu ihnen gesellten sich Tausende von Lehrbuben und
+Gesellen, denen lediglich nach der Aufregung eines Tumults gelüstete.
+Selbst friedliebende und achtbare Leute wurden durch die religiöse
+Erbitterung angetrieben, sich dem gesetzlosen Theile der Bevölkerung
+anzuschließen. Denn der Ruf: „Kein Papismus!“ ein Ausruf, der mehr als
+einmal die Existenz Londons gefährdet hat, war das Signal zu
+Gewaltthätigkeiten und Räubereien. Zuerst fiel der Pöbel über die
+katholischen Andachtshäuser her. Die Gebäude wurden demolirt. Bänke,
+Kanzeln, Beichtstühle und Breviarien wurden auf einen Haufen geworfen
+und verbrannt. Ein ungeheurer Berg von Büchern und Geräthschaften
+brannte in der Gegend des Klosters von <ins class = "correction" title =
+"Original hat »Clarkenwell«, mögligens auch in Macaulays Englisch">Clerkenwell</ins>. Ein andrer Haufen wurde neben den Trümmern
+des Franziskanerklosters in Lincoln’s Inn Fields angezündet. Die beiden
+Kapellen in Lime Street und in Bucklersbury wurden niedergerissen. Die
+Gemälde, Bilder und Kruzifixe wurden beim Scheine der von den Altären
+genommenen Wachskerzen im Triumph durch die Straßen getragen. Die
+Prozession starrte von Schwertern und Stöcken, an welche Orangen
+gespießt waren. Die Druckerei des Königs, aus der während der letzten
+drei Jahre unzählige Schriften zur Vertheidigung der päpstlichen
+Oberhoheit, des Bilderdienstes und der Klostergelübde hervorgegangen
+waren, wurde, um uns eines Ausdrucks zu bedienen, welcher damals zum
+ersten Male aufkam, vollständig ausgeweidet (<span class =
+"antiqua">gutted</span>). Die großen Papiervorräthe, welche zum Theil
+noch nicht bedruckt waren, lieferten das Material zu einem ungeheuren
+Freudenfeuer. Von den Klöstern, Tempeln und öffentlichen Anstalten
+wendete sich die Wuth der Menge auf Privatwohnungen. Mehrere Häuser
+wurden ausgeplündert und zerstört; die Geringfügigkeit der Beute aber
+befriedigte die Plünderer nicht, und bald verbreitete sich das Gerücht,
+daß die werthvollsten Effecten der Papisten den auswärtigen Gesandten
+zur Aufbewahrung übergeben worden seien. Der rohe und unwissende Pöbel
+fragte nichts nach dem Völkerrechte und nach der Gefahr, die gerechte
+Rache von ganz Europa auf das Vaterland zu bringen. Die Häuser der
+Gesandten wurden belagert. Ein großer Haufe sammelte sich vor Barillon’s
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_9" id = "pageX_9">
+X.9</a></span>
+Palaste in St. James’ Square. Er kam jedoch leichteren Kaufes davon, als
+man hätte erwarten sollen, denn obgleich die Regierung, welche er
+repräsentirte, allgemein verhaßt war, so hatten doch sein gastfreier
+Haushalt und seine pünktlichen Zahlungen ihn persönlich beliebt gemacht.
+Überdies hatte er die Vorsicht gebraucht, um eine militairische
+Schutzwache zu bitten, und da mehrere andere in seiner Nähe wohnende
+Männer von Rang das Nämliche gethan, so war auf dem Platze eine
+ansehnliche Streitmacht versammelt. Die Tumultuanten ließen ihn deshalb
+unbelästigt, nachdem er versichert hatte, daß keine Waffen oder Priester
+in seinem Hause versteckt seien. Auch der venetianische Gesandte war
+durch eine Truppenabtheilung geschützt; die Häuser aber, welche die
+Gesandten des Kurfürsten von der Pfalz und des Großherzogs von Toskana
+bewohnten, wurden zerstört. Einen werthvollen Kasten konnte der
+toskanische Gesandte vor den Plünderern retten. Derselbe enthielt neun
+Bände Memoiren, von Jakob eigenhändig geschrieben. Diese Bände kamen
+unversehrt nach Frankreich, wo sie nach Verlauf von mehr als einem
+Jahrhunderte in den Stürmen einer noch weit furchtbareren Revolution als
+die, weicher sie glücklich entronnen waren, zu Grunde gingen. Einige
+Bruchstücke davon sind indessen noch vorhanden, und obgleich diese arg
+verstümmelt und in Massen lächerlicher Erdichtungen gekleidet sind, so
+verdienen sie doch aufmerksam studirt zu werden.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Das Haus des spanischen Gesandten geplündert.</span>
+<a name = "secX_5" id = "secX_5">Das</a> kostbare Silbergeräth der
+königlichen Kapelle war nach Wild House, unweit Lincoln’s Inn Fields,
+der Wohnung des spanischen Gesandten Ronquillo, gebracht worden.
+Ronquillo, der sich bewußt war, daß er und sein Hof keine üble
+Behandlung von Seiten der englischen Nation verdienten, hatte es nicht
+für nöthig erachtet, um Soldaten zu bitten; aber der Pöbel war nicht in
+der Stimmung, um feine Unterschiede zu machen. Der Name Spanien wurde in
+der öffentlichen Meinung seit langer Zeit mit der Inquisition und der
+Armada, mit den Grausamkeiten Mariens und den Anschlägen gegen Elisabeth
+in Verbindung gebracht. Auch hatte sich Ronquillo selbst unter dem Volke
+viele Feinde gemacht, indem er sich seines Vorrechts bediente, um der
+Nothwendigkeit, seine Schulden zu bezahlen, überhoben zu sein. Sein Haus
+wurde daher ohne Gnade geplündert und eine von ihm gesammelte prächtige
+Bibliothek den Flammen überliefert. Sein einziger Trost war, daß die
+Hostie in seiner Kapelle dem gleichen Schicksale entging.<a class =
+"tag" name = "tagX_4" id = "tagX_4" href = "#noteX_4">4</a></p>
+
+<p>Die Morgensonne des 12. Decembers beleuchtete ein grauenvolles
+Schauspiel. Die Hauptstadt bot an vielen Stellen den Anblick einer mit
+Sturm genommenen Stadt dar. Die Lords versammelten sich in Whitehall und
+bemühten sich, die Ruhe wieder herzustellen. Die Milizen wurden unter
+die Waffen gerufen und ein Kavalleriedetaschement in Bereitschaft
+gehalten, um tumultuarische Zusammenrottungen zu zerstreuen. Für die den
+fremden Regierungen zugefügten Insulten wurde Genugthuung
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_10" id = "pageX_10">
+X.10</a></span>
+gewährt, so weit es in jenem Augenblicke möglich war. Es wurde eine
+Belohnung auf die Entdeckung der aus Wild House geraubten Effecten
+ausgesetzt, und Ronquillo, der kein Bett und keine Unze Silbergeschirr
+mehr besaß, wurde in dem verlassenen Palaste der Könige von England
+glänzend einquartirt. Eine splendide Tafel wurde ihm gehalten und die
+königlichen Leibwachen erhielten Befehl, ihn in seinem Vorzimmer mit der
+nämlichen Aufmerksamkeit zu bewachen, die sie dem Souverain zu erzeigen
+gewohnt waren. Diese Beweise von Achtung beschwichtigten selbst den
+empfindlichen Stolz des spanischen Hofes und beugten jeder Gefahr eines
+Bruches vor.<a class = "tag" name = "tagX_5" id = "tagX_5" href =
+"#noteX_5">5</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_4" id = "noteX_4" href = "#tagX_4">4.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Dec. 13. 1688</span>; Barillon,
+14.(24.) Dec.; Citters, von demselben Datum; <span class =
+"antiqua">Luttrell’s Diary</span>; <span class = "antiqua">Clarke’s Life
+of James, II. 256. Orig. Mem.</span>; Ellis’ Correspondenz, 13. Dec.;
+Berathung des spanischen Staatsraths vom 19.(29.) Jan. 1689. Ronquillo
+beklagte sich gegen seine Regierung bitter über die erlittenen Verluste:
+<span class = "antiqua">„Sirviendole solo de consuelo el haber tenido
+prevencion de poder consumir El Santisimo.“</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_5" id = "noteX_5" href = "#tagX_5">5.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Dec. 13. 1688</span>; <span
+class = "antiqua">Luttrell’s Diary</span>; <span class =
+"antiqua">Mulgrave’s Account of the Revolution</span>; Berathung des
+spanischen Staatsraths vom 19.(29.) Jan. 1689. Es wurde von Repressalien
+gesprochen, aber der spanische Staatsrath wies den Vorschlag mit
+Verachtung zurück. <span class = "antiqua">„Habiendo sido este hecho por
+un furor de pueblo, sin consentimiento del gobierno, y antes contra su
+voluntad, como lo ha mostrado la satisfaccion que le han dado y le han
+prometido, parece que no hay juicio humano que puede aconsejar que se
+pase à semejante remedio.“</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Verhaftung Jeffreys’.</span>
+<a name = "secX_6" id = "secX_6">Trotz</a> der wohlmeinenden Bemühungen
+der provisorischen Regierung nahm jedoch die Aufregung stündlich in
+erschreckendem Maße zu. Sie wurde noch vermehrt durch einen Vorfall, der
+selbst nach so langer Zeit nicht ohne ein Gefühl von Schadenfreude
+berichtet werden kann. Ein in Wapping wohnender Geldmäkler, dessen
+Hauptgeschäft darin bestand, daß er den dortigen Seeleuten Geld auf hohe
+Zinsen vorstreckte, hatte vor einiger Zeit eine Summe auf Bodmerei
+ausgeliehen. Der Schuldner suchte bei dem Billigkeitsgericht um
+Entbindung von seiner schriftlich eingegangenen Verpflichtung nach, und
+der Fall kam vor Jeffreys. Da der Rechtsbeistand des Schuldners sonst
+wenig zu sagen wußte, so sagte er, der Darleiher sei ein Trimmer. Der
+Kanzler gerieth sogleich in Flammen. „Ein Trimmer?“ rief er aus; „wo ist
+er? ich will ihn sehen, ich habe von dieser Gattung Ungeheuer gehört.
+Wie mögen sie aussehen?“ Der unglückliche Gläubiger mußte vortreten. Der
+Kanzler sah ihn mit einem durchbohrenden Blicke an, überhäufte ihn mit
+einer Fluth von Schmähungen und schickte ihn dann halb todt vor Angst
+wieder fort. „Dieses fürchterliche Gesicht,“ sagte der arme Mann,
+während er aus dem Gerichtssaale wankte, „werde ich zeitlebens nicht
+vergessen.“ Jetzt aber war der Tag der Vergeltung gekommen. Auf einem
+Gange durch Wapping sah der Trimmer am Fenster eines Alehauses ein ihm
+wohlbekanntes Gesicht. Er konnte sich nicht irren. Zwar waren die
+Augenbrauen abrasirt und der von Kohlenstaub geschwärzte Anzug war der
+eines gemeinen Matrosen; aber Jeffreys’ wilder Blick und boshafter Mund
+waren nicht zu verkennen. Es wurde Lärm gemacht, und in einem
+Augenblicke war das Haus von mehreren hundert Leuten aus dem Volke, die
+unter lauten Verwünschungen gewaltige Knittel schwangen, belagert. Eine
+Compagnie Miliz rettete dem Flüchtling das Leben und führte ihn vor den
+Lordmayor. Dieser war ein einfacher Mann, der sein ganzes Leben in
+Dunkelheit zugebracht hatte und jetzt ganz bestürzt war, als er sah, daß
+er in einer großen Revolution eine wichtige Rolle spielen sollte. Die
+Ereignisse der letzten vierundzwanzig Stunden und der gefahrdrohende
+Zustand der seiner Obhut
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_11" id = "pageX_11">
+X.11</a></span>
+anvertrauten Stadt, hatte seine geistigen und körperlichen Kräfte fast
+erschöpft. Als der große Mann, bei dessen Zornesblicke noch vor wenigen
+Tagen das ganze Königreich gezittert hatte, von Ruß geschwärzt, halb
+todt vor Angst und von einem tobenden Pöbelhaufen verfolgt, in das
+Gerichtszimmer geschleppt wurde, stieg die Aufregung des unglücklichen
+Mayors auf’s Höchste. Er bekam Nervenzufälle und wurde zu Bett gebracht,
+um nie wieder aufzustehen. Inzwischen wurde die Volksmenge draußen immer
+zahlreicher und wüthender. Jeffreys bat darum, daß man ihn ins Gefängniß
+führen solle. Man holte von den in Whitehall tagenden Lords einen dazu
+nöthigen Verhaftbefehl herbei und Jeffreys wurde in einem Wagen nach dem
+Tower gebracht. Zwei Regimenter Miliz waren zur Eskorte aufgeboten
+worden, und sie hatten ein schweres Stück Arbeit. Sie waren zu
+wiederholten Malen genöthigt, sich so zu formiren, als ob sie einen
+Kavallerieangriff abzuwehren hätten, und dem Pöbel einen Wald von Lanzen
+entgegenzuhalten. Die Tausende, die sich in ihren rachsüchtigen
+Hoffnungen getäuscht sahen, verfolgten den Wagen unter wüthendem Gebrüll
+bis zum Eingang in den Tower, dabei beständig ihre Stöcke schwingend und
+dem Gefangenen Stricke vor die Augen haltend. Der Unglückliche war vom
+Entsetzen und der Angst wie gelähmt. Er rang die Hände, blickte bald aus
+diesem, bald aus jenem Fenster und man hörte ihn trotz des betäubenden
+Lärms deutlich ausrufen: „Haltet sie zurück, Gentlemen! um des Himmels
+willen, haltet sie zurück!“ Endlich nachdem er weit mehr als die Qualen
+des Todes gelitten, wurde er in dem Staatsgefängnisse, in welchem einige
+von seinen erlauchtesten Schlachtopfern ihr Leben beschlossen hatten und
+in welchem auch er seine Tage in unsäglicher Schmach und Angst
+beschließen sollte, in Sicherheit gebracht.<a class = "tag" name =
+"tagX_6" id = "tagX_6" href = "#noteX_6">6</a></p>
+
+<p>Diese ganze Zeit über wurde eifrig auf katholische Priester
+gefahndet. Viele wurden festgenommen und zwei Bischöfe, Ellis und
+Leyburne, wurden nach Newgate abgeführt. Der Nuntius, welcher kaum
+erwarten durfte, daß die Menge seinen geistlichen oder weltlichen
+Character respectiren werde, entkam als Bedienter verkleidet, im Gefolge
+des Gesandten des Herzogs von Savoyen.<a class = "tag" name = "tagX_7"
+id = "tagX_7" href = "#noteX_7">7</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_6" id = "noteX_6" href = "#tagX_6">6.</a>
+<span class = "antiqua">North’s Life of Guildford, 220</span>; <span
+class = "antiqua">Jeffreys’ Elegy</span>; <span class =
+"antiqua">Luttrell’s Diary; Oldmixon, 762</span>. Oldmixon befand sich
+unter der Menge und war, wie ich nicht zweifle, einer der Wüthendsten.
+Er erzählt die Geschichte gut. Ellis’ Correspondenz; Burnet I. 797, und
+Onslow’s Note.</p>
+
+<p><a name = "noteX_7" id = "noteX_7" href = "#tagX_7">7.</a>
+Adda, 9.(19.) Dec.; Citters, 18.(28.) Dec.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die irische Nacht.</span>
+<a name = "secX_7" id = "secX_7">Ein</a> zweiter Tag der Aufregung und
+des Schreckens ging zu Ende und auf ihn folgte die seltsamste und
+grauenvollste Nacht, welche England je gesehen. Gegen Abend machte der
+Pöbel einen Angriff auf ein stattliches Haus, das vor wenigen Monaten
+für Lord Powis erbaut worden war, unter Georg&nbsp;II. die Wohnung des
+Herzogs von Newcastle wurde und sich noch jetzt unter den Gebäuden der
+nordwestlichen Seite von Lincoln’s Inn Fields auszeichnet. Es wurden
+einige Truppen hingeschickt, welche den Pöbel zerstreuten; die Ruhe
+schien hergestellt zu sein und die Bürger gingen sorglos zu Bett. In
+diesem Augenblicke tauchte ein Gerücht auf, das rasch zu einem
+furchtbaren Geschrei anschwoll, in einer Stunde von Piccadilly bis
+Whitechapel flog und sich durch alle
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_12" id = "pageX_12">
+X.12</a></span>
+Straßen und Gassen der Hauptstadt verbreitete. Es hieß, die Irländer,
+welche Feversham entlassen, marschirten nach London und machten
+unterwegs Alles, Männer, Frauen und Kinder, nieder. Um ein Uhr Morgens
+schlugen die Trommeln der Miliz Generalmarsch. Allenthalben weinten die
+geängstigten Frauen und rangen die Hände, während ihre Väter und Gatten
+sich zum Kampfe fertig machten. Noch vor zwei Uhr gewährte die Stadt das
+Ansehen ernster Kampfbereitschaft, das einem wirklichen Feinde gewiß
+Respect eingeflößt haben würde, wenn ein solcher im Anzuge gewesen wäre.
+An allen Fenstern brannten Lichter. Auf den öffentlichen Plätzen war es
+so hell wie am Tage. Alle Hauptzugänge waren verbarrikadirt. Mehr als
+zwanzigtausend Piken und Musketen zogen sich die Straßen entlang. Die
+späte Morgensonne des Wintersolstitiums fand die ganze City noch unter
+den Waffen. Die Londoner erinnerten sich viele Jahre lang lebhaft dieser
+Nacht, die sie die irische Nacht nannten. Als es sich zeigte, daß kein
+Grund zu Besorgnissen vorhanden gewesen war, versuchte man den Ursprung
+des Gerüchts zu entdecken, das eine so große Aufregung veranlaßt hatte.
+Es stellte sich heraus, daß einige Personen, welche aussahen und
+gekleidet waren wie eben vom Lande hereinkommende Bauern, kurz vor
+Mitternacht das Gerücht zuerst in den Vorstädten ausgesprengt hatten;
+woher diese Leute aber kamen und in wessen Dienste sie standen, blieb
+ein Geheimniß. Bald kamen von vielen Seiten Nachrichten, welche das
+Publikum noch bestürzter machten. Der Schrecken hatte sich nicht auf
+London allein beschränkt. Das Gerücht, daß irische Soldaten im Anzuge
+seien, um die Protestanten niederzumetzeln, war mit boshafter Arglist in
+vielen weit von einander entfernten Städten zu gleicher Zeit verbreitet
+worden. Eine große Anzahl Briefe, welche sehr geschickt abgefaßt waren,
+um das unwissende Volk zu ängstigen, waren durch Diligencen,
+Landkutschen und durch die Post nach verschiedenen Gegenden Englands
+gesandt worden. Alle diese Briefe kamen fast gleichzeitig in ihre
+Bestimmungsorte. In hundert Städten zugleich bemächtigte sich des
+niederen Volkes der Wahn, daß bewaffnete Barbaren in der Nähe seien,
+welche eben so empörende Verbrechen verüben wollten, wie die, welche den
+Aufstand von Ulster geschändet hatten. Kein Protestant sollte verschont
+bleiben, Kinder sollten durch die Folter gezwungen werden, ihre Eltern
+zu ermorden, Säuglinge sollten auf Lanzen gespießt oder in die
+brennenden Trümmern der vor einigen Stunden noch friedlichen Wohnungen
+geworfen werden. Große Volksmassen traten unter die Waffen; an einigen
+Orten fing man schon an, die Brücken abzubrechen und Barrikaden zu
+errichten; bald aber legte sich die Aufregung wieder. In vielen
+Districten erfuhren die so schändlich Betrogenen mit einer mit
+Beschämung gemischten Freude, daß sich bis auf die Entfernung eines
+Achttagemarsches nicht ein einziger papistischer Soldat befinde. In
+einigen Orten erschienen zwar vereinzelte herumstreifende Banden von
+Irländern und forderten Lebensmittel; aber man darf es ihnen kaum als
+Verbrechen anrechnen, daß sie nicht Hungers sterben wollten, und es ist
+durch nichts bewiesen, daß sie irgend einen muthwilligen Frevel
+verübten. In der That waren sie auch bei weitem nicht so zahlreich, als
+man allgemein glaubte, und es sank ihnen aller Muth, als sie sich
+plötzlich, ohne Anführer und ohne Lebensmittel inmitten einer starken
+Bevölkerung erblickten, von der sie mit Gefühlen betrachtet wurden, wie
+man sie etwa gegen eine Heerde Wölfe empfindet. Von allen Unterthanen
+Jakob’s hatte Niemand mehr Ursache, ihm zu fluchen, als
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_13" id = "pageX_13">
+X.13</a></span>
+diese unglücklichen Mitglieder seiner Kirche und Vertheidiger seines
+Thrones.<a class = "tag" name = "tagX_8" id = "tagX_8" href =
+"#noteX_8">8</a></p>
+
+<p>Es macht dem englischen Character Ehre, daß trotz des Widerwillens,
+mit welchem die katholische Religion und das irische Volk damals
+betrachtet wurden, trotz der Anarchie, welche Jakob’s Flucht
+herbeiführte, und trotz der kunstvollen Machinationen, welche angewendet
+wurden, um die Menge durch die Furcht zur Grausamkeit aufzustacheln, bei
+dieser Gelegenheit kein blutiges Verbrechen verübt ward. Allerdings
+wurde viel Eigenthum zerstört und geraubt, die Häuser vieler Katholiken
+wurden angegriffen, Parke wurden verwüstet und Wild geschossen und
+gestohlen. Manch’ ehrwürdiges Denkmal der häuslichen Baukunst des
+Mittelalters zeigt noch heutigen Tages die Spuren der Gewaltthätigkeit
+des Volks. Die Straßen waren an vielen Stellen durch eine selbst
+errichtete Polizei gesperrt, welche jeden Reisenden anhielt, bis er
+bewies, daß er kein Papist war. Die Themse war von einer Art von Piraten
+heimgesucht, welche unter dem Vorwande, auf Waffen und Delinquenten zu
+fahnden, jedes vorüberfahrende Boot durchstöberten. Mißliebige Personen
+wurden insultirt und hin und her gestoßen. Andere gerade nicht
+mißliebige waren froh, wenn sie sich selbst und ihre Effecten dadurch
+loskaufen durften, daß sie den eifrigen Protestanten, die sich ohne
+gesetzliche Autorität das Amt von Untersuchungsrichtern angemaßt hatten,
+einige Guineen gaben. Aber inmitten dieser Verwirrung, welche mehrere
+Tage währte und sich über viele Grafschaften erstreckte, kam nicht ein
+einziger Katholik ums Leben. Der Pöbel zeigte kein Verlangen nach
+Blutvergießen, ausgenommen bei Jeffreys, und der Haß, den dieser
+abscheuliche Mann erweckte, stand der Menschlichkeit näher als der
+Grausamkeit.<a class = "tag" name = "tagX_9" id = "tagX_9" href =
+"#noteX_9">9</a></p>
+
+<p>Viele Jahre später behauptete Hugo Speke, die irische Nacht sei sein
+Werk gewesen; er habe die Bauern angestellt, welche London aufgeregt,
+und er sei der Verfasser der Briefe, welche im ganzen Lande Schrecken
+verbreitet hatten. Seine Behauptung an sich ist nicht unwahrscheinlich,
+aber sie stützt sich auf kein andres Zeugniß als sein eignes Wort. Er
+war wohl der Mann dazu, eine solche Schurkerei zu begehen, aber auch
+eben so fähig, sich fälschlich einer solchen That zu rühmen.<a class =
+"tag" name = "tagX_10" id = "tagX_10" href = "#noteX_10">10</a></p>
+
+<p>In London wurde Wilhelm mit Ungeduld erwartet; denn man zweifelte
+nicht, daß seine Energie und Einsicht die Ordnung und Sicherheit bald
+wieder herstellen werde. Seine Ankunft aber erlitt eine Verzögerung,
+wegen der er billigerweise nicht getadelt werden kann. Es war
+ursprünglich seine Absicht gewesen, sich von Hungerford nach Oxford zu
+begeben, wo ihm ein ehrenvoller und warmer Empfang zugesichert war; die
+Ankunft der Deputation von der Guildhall aber bewog ihn, seinen Plan zu
+ändern und direct nach der Hauptstadt zu eilen. Unterwegs erfuhr er, daß
+Feversham dem Befehle des Königs zufolge die royalistische Armee
+entlassen habe und daß Tausende von Soldaten, des Zwanges der Disciplin
+enthoben und an dem Nothwendigsten Mangel leidend, in den Grafschaften,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_14" id = "pageX_14">
+X.14</a></span>
+durch welche der Weg nach London führte, zerstreut umherirrten. Wilhelm
+hätte daher nicht ohne große Gefahr, nicht allein für seine Person, um
+die er sich wenig zu kümmern pflegte, sondern auch für die wichtigen
+Interessen, die er wahrzunehmen hatte, unter schwacher Bedeckung weiter
+vordringen können. Er mußte seine eigenen Bewegungen nach den Bewegungen
+seiner Truppen regeln, und Truppen konnten sich damals im tiefsten
+Winter nur langsam auf den Heerstraßen vorwärts bewegen. Er kam bei
+dieser Gelegenheit doch ein wenig aus seiner gewohnten Ruhe. „So darf
+man mir nicht kommen,“ rief er mit Bitterkeit aus; „Mylord Feversham
+soll das bald erfahren.“ Es wurden sofort die geeigneten Maßregeln
+getroffen, um den durch Jakob herbeigeführten Übeln abzuhelfen.
+Churchill und Grafton wurden beauftragt, die zerstreute Armee wieder zu
+sammeln und zu ordnen. Die englischen Soldaten wurden aufgefordert,
+ihren militairischen Character wieder anzunehmen, und die Irländer
+erhielten Befehl, ihre Waffen abzuliefern, widrigenfalls sie als
+Banditen betrachtet werden würden; zugleich aber wurde ihnen
+versprochen, daß, wenn sie sich gutwillig fügten, sie mit allem
+Nothwendigen versehen werden sollten.<a class = "tag" name = "tagX_11"
+id = "tagX_11" href = "#noteX_11">11</a></p>
+
+<p>Die Befehle des Prinzen wurden fast ohne Widerstand, ausgenommen von
+Seiten der irischen Soldaten, welche in Tilbury gelegen hatten,
+ausgeführt. Einer von diesen drückte ein Pistol auf Grafton ab. Es
+verfehlte, und der Mörder wurde von einem Engländer auf der Stelle
+niedergeschossen. Ungefähr zweihundert der unglücklichen Fremden machten
+einen tapferen Versuch zur Rückkehr in ihr Vaterland. Sie bemächtigten
+sich eines reichbefrachteten Ostindienfahrers, der eben in die Themse
+eingelaufen war und versuchten es, in Gravesend Lootsen zu pressen. Sie
+fanden jedoch keinen und mußten sich daher ihrer eigenen
+Geschicklichkeit in der Schifffahrtskunde anvertrauen. Sie liefen mit
+ihrem Schiffe bald auf den Grund und wurden nach einigem Blutvergießen
+gezwungen, die Waffen zu strecken.<a class = "tag" name = "tagX_12" id =
+"tagX_12" href = "#noteX_12">12</a></p>
+
+<p>Wilhelm befand sich jetzt seit fünf Wochen auf englischem Boden und
+während dieser ganzen Zeit war ihm das Glück nicht einen Augenblick
+untreu geworden, seine Klugheit und Festigkeit hatten sich glänzend
+bewährt; noch mehr aber hatte die Thorheit und der Kleinmuth Anderer für
+ihn gethan. Und jetzt, in dem Augenblicke, wo es schien, als ob der
+vollständigste Erfolg seine Pläne krönen sollte, wurden sie durch einen
+jener unerwarteten Zwischenfälle zerstört, welche so oft die klügsten
+Berechnungen des menschlichen Scharfsinns zu Schanden machen.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_8" id = "noteX_8" href = "#tagX_8">8.</a>
+Citters, 14.(24.) Dec. 1688. <span class = "antiqua">Luttrell’s
+Diary</span>; Ellis’ Correspondenz; <span class = "antiqua">Oldmixon,
+761</span>; <span class = "antiqua">Speke’s Secret History of the
+Revolution</span>; <span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II.
+257</span>; <span class = "antiqua">Eachard’s History of the
+Revolution</span>; <span class = "antiqua">History of the
+Desertion.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_9" id = "noteX_9" href = "#tagX_9">9.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 258.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_10" id = "noteX_10" href = "#tagX_10">10.</a>
+<span class = "antiqua">Secret History of the Revolution.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_11" id = "noteX_11" href = "#tagX_11">11.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Dec. 13. 1688</span>;
+Citters, 14.(24.) Dec.; <span class = "antiqua">Eachard’s History of the
+Revolution</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteX_12" id = "noteX_12" href = "#tagX_12">12.</a>
+Citters, 14.(24.) Dec.; <span class = "antiqua">Luttrell’s
+Diary</span>.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Der König wird unweit Sheerneß angehalten.</span>
+<a name = "secX_8" id = "secX_8">Am</a> Morgen des 13. Decembers wurde
+die Bevölkerung von London, die sich noch nicht ganz von der Aufregung
+der irischen Nacht erholt hatte, durch das Gerücht überrascht, der König
+sei angehalten worden und befinde sich noch auf der Insel. Im Laufe des
+Tages gewann das Gerücht an Consistenz und erhielt noch vor dem Abend
+die vollkommenste Bestätigung.</p>
+
+<p>Jakob war mit untergelegten Pferden das südliche Ufer der Themse
+entlang gereist und hatte am Morgen des 12. Decembers Emley Ferry,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_15" id = "pageX_15">
+X.15</a></span>
+in der Nähe der Insel Sheppey, erreicht. Hier lag das Fahrzeug, auf
+welchem er sich einschiffen wollte. Er ging an Bord, aber der Wind blies
+frisch und der Schiffer wollte es nicht wagen, ohne mehr Ballast in See
+zu gehen. Darüber wurde die günstige Gelegenheit einer Ebbe verloren. Es
+war nahe an Mitternacht, ehe das Boot flott zu werden begann. Inzwischen
+hatte sich die Nachricht, daß der König verschwunden, daß das Land ohne
+Regierung und London in der größten Bestürzung sei, rasch die Themse
+stromabwärts verbreitet und überall Gewaltthätigkeiten und Unruhen
+erzeugt. Die rauhen Fischer der Küste von Kent betrachteten das Boot mit
+argwöhnischen und gierigen Blicken. Es hieß, einige vornehm gekleidete
+Herren seien eiligst an Bord desselben gegangen. Vielleicht waren es
+Jesuiten, und vielleicht waren sie reich! Fünfzig bis sechzig Schiffer,
+vom Haß gegen den Papismus und vom Hang zum Plündern angetrieben,
+hielten das Boot an, als es eben wieder abfahren wollte. Sie erklärten
+den Passagieren, daß sie ans Land gehen und sich bei einem
+Magistratsbeamten legitimiren müßten. Das Aussehen des Königs erregte
+Verdacht. „Das ist Pater Petre!“ rief Einer von der Horde; „ich erkenne
+ihn an seinen hohlen Backen.“ &mdash; „Durchsucht den alten Jesuiten mit
+dem Fratzengesicht!“ erscholl es nun von allen Seiten. Er wurde sehr
+unsanft hin und her gestoßen und man nahm ihm seine Börse und seine Uhr.
+Er hatte seinen Krönungsring und einige andere werthvolle Kleinodien bei
+sich; aber diese entgingen den Nachforschungen der Räuber, die sich
+überhaupt so wenig auf Juwelen verstanden, daß sie die Diamanten auf
+seinen Schuhschnallen für Glasstückchen hielten.</p>
+
+<p>Endlich wurden die Gefangenen ans Land gebracht und in einen Gasthof
+geführt. Hier hatte sich ein Volkshaufen versammelt, um sie zu sehen,
+und obgleich sich Jakob durch eine Perrücke von andrer Form und Farbe,
+als er sie gewöhnlich trug, entstellt hatte, wurde er doch sofort
+erkannt. Einen Augenblick schien der Pöbel von ehrfurchtsvoller Scheu
+ergriffen, aber die Zureden der Führer gaben ihm wieder Muth und der
+Anblick Hales’, den sie genau kannten und tödtlich haßten, entflammte
+ihre Wuth. Sein Park lag in der Nähe und eine Horde Tumultuanten war
+eben damit beschäftigt, sein Haus zu demoliren und sein Wild zu
+schießen. Die Menge versicherte den König, daß sie ihm nichts zu Leibe
+thun wolle, ihn aber nicht abreisen lassen werde. Der Earl von
+Winchelsea, ein Protestant, aber eifriger Royalist, das Oberhaupt der
+Familie Finch und ein naher Verwandter Nottingham’s, befand sich damals
+zufällig in Canterbury. Sobald er erfuhr was geschehen war, eilte er in
+Begleitung einiger kentischen Gentlemen nach der Küste. Durch ihre
+Verwendung erhielt der König eine anständigere Wohnung, aber er blieb
+ein Gefangener. Der Pöbel bewachte fortwährend das Haus, in das er
+gebracht worden war, und einige von den Rädelsführern lagen an der Thür
+seines Schlafzimmers. Er benahm sich dabei wie ein Mann, den die Last
+des Mißgeschicks völlig zu Boden drückt. Zuweilen sprach er in einem so
+hochmüthigen Tone, daß die Bauern, die ihn bewachten, zu unehrerbietigen
+Antworten gereizt wurden. Dann nahm er wieder zu Bitten seine Zuflucht.
+„Laßt mich gehen,“ sagte er, „verschafft mir ein Boot. Der Prinz von
+Oranien trachtet mir nach dem Leben. Wenn Ihr mich jetzt nicht fliehen
+laßt, so wird es zu spät sein. Mein Blut wird dann über Euch kommen. Wer
+nicht für mich ist, der ist gegen mich.“ Über diesen letzten Text
+predigte er eine halbe Stunde lang. Er sprach über eine Menge
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_16" id = "pageX_16">
+X.16</a></span>
+verschiedener Gegenstände: über den Ungehorsam der Collegiaten des
+Magdalenenstiftes, über die durch den Brunnen der heiligen Winfrede
+bewirkten Wunder, über die Illoyalität der Schwarzröcke und über die
+Wunderkräfte eines Splitters vom wahrem Kreuze des Erlösers, den er
+leider verloren habe. „Was habe ich gethan?“ fragte er die anwesenden
+kentischen Squires. „Sagen Sie mir die Wahrheit: welchen Fehler habe ich
+begangen?“ Diejenigen, an welche er diese Frage richtete, waren zu
+human, als daß sie ihm die Antwort hätten geben sollen, die ihnen gewiß
+auf den Lippen schwebte, und sie hörten daher sein verworrenes Geschwätz
+mit mitleidigem Stillschweigen an.<a class = "tag" name = "tagX_13" id =
+"tagX_13" href = "#noteX_13">13</a></p>
+
+<p>Als die Nachricht, daß er angehalten, insultirt, mit roher Härte
+behandelt und ausgeplündert worden sei und daß er sich noch in der
+Gewalt roher Bauern befinde, in der Hauptstadt ankam, äußerten sich
+verschiedenartige Leidenschaften. Strenge Staatskirchenmänner, welche
+wenige Stunden zuvor angefangen hatten zu glauben, daß sie ihrer
+Unterthanenpflichten gegen ihn entbunden seien, wurden wieder
+schwankend. Er hatte sein Reich nicht verlassen und also die Abdankung
+nicht vollendet. Sollte er sein königliches Amt wieder übernehmen,
+konnten sie ihm dann nach ihren Grundsätzen den Gehorsam verweigern?
+Einsichtsvolle Staatsmänner sahen mit tiefer Betrübniß voraus, daß alle
+Streitigkeiten, welche seine Flucht auf einen Augenblick beschwichtigt
+hatte, durch seine Rückkehr wieder angeregt und mit vermehrter
+Erbitterung fortgesetzt werden würden. Viele Leute aus dem Volke wurden,
+obgleich sie noch den Schmerz der ihnen unlängst zugefügten Unbilden
+fühlten, von Mitleid für einen von Räubern mißhandelten großen Fürsten
+ergriffen und waren zu der Hoffnung geneigt, welche mehr ihrer
+Gutherzigkeit als ihrem Verstande zur Ehre gereichte, daß er jetzt noch
+die Fehler bereuen könnte, die eine so entsetzliche Strafe über ihn
+gebracht hatten.</p>
+
+<p>Von dem Augenblicke an, wo es bekannt wurde, daß der König sich noch
+in England befand, erschien Sancroft, der bis dahin als Präsident der
+provisorischen Regierung fungirt hatte, nicht mehr in den Sitzungen der
+Peers. Halifax, der eben aus dem holländischen Hauptquartier angekommen
+war, übernahm den Vorsitz. Seine Ansichten hatten sich in einigen
+Stunden völlig verändert. Sowohl politische als religiöse Gefühle
+bestimmten ihn jetzt, sich den Whigs anzuschließen. Wer die auf uns
+gekommenen Beweisstücke unbefangen prüft, muß der Meinung sein, daß er
+das Amt eines königlichen Commissars in der aufrichtigen Hoffnung
+übernahm, er werde eine Verständigung zwischen dem Könige und dem
+Prinzen unter billigen Bedingungen zu Stande bringen. Die Unterhandlung
+hatte mit günstigen Aussichten begonnen; der Prinz hatte Bedingungen
+gestellt, die der König selbst als billig anerkennen mußte und der
+beredte und geniale Trimmer durfte sich mit der Hoffnung schmeicheln,
+daß er im Stande sein werde, zwischen den erbitterten Parteien zu
+vermitteln, zwischen extremen Meinungen einen Vergleich zu dictiren, die
+Freiheiten und die Religion seines Vaterlandes zu sichern, ohne es den
+von einem Dynastiewechsel und einer streitigen Thronfolge
+unzertrennlichen Gefahren
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_17" id = "pageX_17">
+X.17</a></span>
+auszusetzen. Während er sich in derartigen, seinem Character so wohl
+zusagenden Gedanken wiegte, erfuhr er, daß er hintergangen worden war
+und daß man sich seiner als eines Werkzeugs bedient hatte, um die Nation
+zu hintergehen. Seine Sendung nach Hungerford war eine bloße Komödie
+gewesen. Der König hatte nicht daran gedacht, an den Bedingungen
+festzuhalten, welche die Commissare auf seinen Befehl vorschlagen
+hatten. Er hatte ihnen aufgetragen, zu erklären, daß es sein Wille sei,
+alle streitigen Fragen dem von ihm einberufenen Parlamente zur
+Entscheidung vorzulegen, und während sie sich dieses Auftrags
+entledigten, hatte er die Wahlausschreiben verbrannt, war mit dem
+Staatssiegel entflohen, hatte die Armee entlassen, die Justizverwaltung
+suspendirt, die Regierung aufgelöst und war aus der Hauptstadt
+entflohen. Halifax sah nun ein, daß eine gütliche Verständigung nicht
+mehr möglich war. Wahrscheinlich empfand er wohl auch den Verdruß,
+welcher bei einem durch seine Weisheit weltberühmten Manne, der die
+Erfahrung macht, daß ein in jeder Beziehung tief unter ihm stehender
+Geist ihn betrogen hat, und bei einem großen Meister der Satire, der
+sich selbst in eine lächerliche Situation versetzt sieht, sehr natürlich
+ist. Sein Verstand und sein Unwille bewogen ihn in gleichem Maße, die
+Versöhnungspläne, auf welche er bisher hingearbeitet hatte, aufzugeben
+und sich an die Spitze Derer zu stellen, welche den Prinzen Wilhelm auf
+den Thron erheben wollten.<a class = "tag" name = "tagX_14" id =
+"tagX_14" href = "#noteX_14">14</a></p>
+
+<p>Es existirt noch ein von ihm eigenhändig geschriebenes Tagebuch über
+die Vorgänge in der Rathsversammlung der Lords während seiner
+Präsidentschaft in derselben.<a class = "tag" name = "tagX_15" id =
+"tagX_15" href = "#noteX_15">15</a> Es wurde keine Vorsichtsmaßregel,
+welche zur Verhütung von Gewaltthätigkeiten und Räubereien nöthig
+erschien, verabsäumt. Die Peers erließen auf ihre Verantwortung den
+Befehl, daß, wenn der Pöbel noch einmal aufstände, die Soldaten scharf
+schießen sollten. Jeffreys wurde nach Whitehall gebracht und über das
+Schicksal des Staatssiegels und der Wahlausschreiben befragt. Auf seine
+eigenen dringenden Bitten wurde er wieder in den Tower geschickt, als
+den einzigen Ort, wo er seines Lebens sicher sei, und er entfernte sich
+unter Dankesversicherungen und Segenswünschen gegen Diejenigen, die ihm
+den Schutz eines Gefängnisses gewährt hatten. Ein whiggistischer
+Edelmann trug darauf an, daß Oates in Freiheit gesetzt werden solle;
+aber dieser Antrag wurde verworfen.<a class = "tag" name = "tagX_16" id
+= "tagX_16" href = "#noteX_16">16</a></p>
+
+<p>Die Geschäfte des Tages waren so ziemlich erledigt und Halifax wollte
+sich eben erheben, als ihm gemeldet wurde, daß ein Bote von Sheerneß
+angekommen sei. Kein Vorfall konnte unangenehmer und störender sein. Man
+lud eine große Verantwortlichkeit auf sich, mochte man etwas thun oder
+nicht. Halifax, der wahrscheinlich Zeit zu gewinnen wünschte, um sich
+mit dem Prinzen in Vernehmen zu setzen, hatte die
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_18" id = "pageX_18">
+X.18</a></span>
+Versammlung am liebsten vertagt; Mulgrave aber ersuchte die Lords, auf
+ihren Plätzen zu bleiben und führte den Boten ein. Der Mann erzählte
+seine Geschichte mit Thränen in den Augen und überreichte einen Brief,
+der vom König selbst geschrieben, aber an keine bestimmte Person
+gerichtet war, sondern nur den Beistand aller guten Engländer anrief.<a
+class = "tag" name = "tagX_17" id = "tagX_17" href =
+"#noteX_17">17</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_13" id = "noteX_13" href = "#tagX_13">13.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 251. Orig.
+Mem.</span>; ein in Tindal’s Fortsetzung zu Rapin abgedruckter Brief.
+Dieser interessante Brief befindet sich in den Harley’schen
+Handschriften, 6852.</p>
+
+<p><a name = "noteX_14" id = "noteX_14" href = "#tagX_14">14.</a>
+Mulgrave erfuhr von einer Dame, die er nicht nennt, daß der König erst
+dann entfliehen wollte, als er einen Brief von Halifax erhielt, der sich
+damals in Hungerford befand. Dieser Brief, sagte sie, habe Seine
+Majestät darauf aufmerksam gemacht, daß sein Leben in Gefahr sei, wenn
+er bleibe. Dies ist sicherlich ein Roman. Vor der Abreise der Commissare
+von London hatte der König Barillon gesagt, ihre Sendung sei eine bloße
+Finte, und den festen Entschluß ausgesprochen, das Land zu verlassen.
+Aus Reresby’s eigner Erzählung geht hervor, daß Halifax sich schändlich
+hintergangen glaubte.</p>
+
+<p><a name = "noteX_15" id = "noteX_15" href = "#tagX_15">15.</a>
+<span class = "antiqua"><ins class = "correction" title = "Original hat »Harl;«">Harl.</ins> MS. 255.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_16" id = "noteX_16" href = "#tagX_16">16.</a>
+<span class = "antiqua">Halifax MS.</span>; Citters, 18.(28.) Dec.
+1688.</p>
+
+<p><a name = "noteX_17" id = "noteX_17" href = "#tagX_17">17.</a>
+<span class = "antiqua">Mulgrave’s Account of the Revolution</span>.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Lords geben Befehl zu seiner Freilassung.</span>
+<a name = "secX_9" id = "secX_9">Eine</a> solche Bitte konnte man kaum
+unbeachtet lassen. Die Lords gaben Feversham Befehl, mit einer
+Abtheilung der Leibgarde an den Ort zu eilen, wo der König
+zurückgehalten wurde, und Seine Majestät in Freiheit zu setzen.</p>
+
+<p>Middleton und einige andere Anhänger des Königs waren bereits
+aufgebrochen, um ihrem unglücklichen Gebieter beizustehen und ihn zu
+trösten. Sie fanden ihn in strengem Gewahrsam und sie wurden nicht eher
+zu ihm gelassen, als bis sie ihre Degen abgegeben hatten. Er war von
+einer ungeheuren Menge Volks umgeben. Einige whiggistische Gentlemen aus
+der Umgegend hatten eine starke Abtheilung Miliz zu seiner Bewachung
+herbeigeführt. Sie waren der sehr irrigen Meinung gewesen, daß sie sich
+durch seine Festhaltung bei seinen Feinden beliebt machen würden, und
+waren nicht wenig erstaunt, als sie vernahmen, daß die dem Könige zu
+Theil gewordene Behandlung von der provisorischen Regierung in London
+gemißbilligt werde, und eine Kavallerieabtheilung unterwegs sei, um ihn
+zu befreien. Feversham kam bald an. Er hatte seine Truppe in
+Sittingbourne zurückgelassen; aber man hatte nicht nöthig, Gewalt
+anzuwenden. Der König durfte ungehindert abreisen und wurde von seinen
+Freunden nach Rochester gebracht, wo er sich einige Ruhe gönnte, deren
+er dringend bedurfte. Er war in einem traurigen Zustande. Nicht nur sein
+niemals sehr heller Verstand war völlig verwirrt, sondern auch der
+persönliche Muth, den er in seinen jüngeren Jahren in mehreren
+Schlachten, zur See wie zu Lande bewiesen, hatte ihn verlassen. Die
+harte körperliche Behandlung, die er jetzt zum ersten Male erfahren,
+scheint ihn mehr als irgend ein andres Ereigniß seines bewegten Lebens
+niedergedrückt zu haben. Der Abfall seiner Armee, seiner Günstlinge und
+seiner Familie erschütterte ihn weniger als die Rohheiten, die er beim
+Anhalten seines Bootes ertragen hatte. Die Erinnerung an diese Rohheiten
+nagte noch lange an seinem Herzen und äußerte sich einmal in einer
+Weise, welche den verächtlichen Spott von ganz Europa erregte. Im
+vierten Jahre seiner Verbannung versuchte er es seine Unterthanen durch
+das Versprechen einer Amnestie wieder zu gewinnen. Dieser Amnestie war
+jedoch eine lange Liste von Ausnahmen beigegeben, und auf dieser Liste
+standen neben Churchill und Danby auch die armen Fischer, welche seine
+Taschen so unsanft untersucht hatten. Aus diesem Umstande kann man
+schließen, wie schmerzlich er die ihm widerfahrene rücksichtslose
+Behandlung empfunden haben muß, als sie noch neu war.<a class = "tag"
+name = "tagX_18" id = "tagX_18" href = "#noteX_18">18</a></p>
+
+<p>Hätte er indessen nur das gewöhnliche Maß von gesundem Verstande
+besessen, so würde er eingesehen haben, daß Diejenigen, welche ihn
+festnahmen, ihm unabsichtlich einen großen Dienst erzeigt hatten. Die
+Ereignisse, welche seit seiner Abwesenheit von der Hauptstadt daselbst
+eingetreten
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_19" id = "pageX_19">
+X.19</a></span>
+waren, hätten ihn überzeugen müssen, daß, wenn seine Flucht gelungen
+wäre, er nie hätte zurückkehren dürfen. Er war wider seinen Willen vom
+gänzlichen Untergange errettet worden. Jetzt hatte er noch eine
+Aussicht, die letzte und einzige, die ihm noch blieb. So groß auch seine
+Vergehen sein mochten, ihn zu entthronen, so lange er noch in seinem
+Reiche war und sich den Bedingungen fügte, die ein freies Parlament ihm
+vorschrieb, wäre fast unmöglich gewesen.</p>
+
+<p>Eine Weile schien er geneigt, zu bleiben. Er sandte Feversham von
+Rochester mit einem Briefe an Wilhelm. Der Inhalt dieses Briefes war,
+daß Seine Majestät auf der Rückreise nach Whitehall begriffen sei, daß
+er eine persönliche Unterredung mit dem Prinzen wünsche und daß der St.
+Jamespalast zum Empfang Seiner Hoheit eingerichtet werden solle.<a class
+= "tag" name = "tagX_19" id = "tagX_19" href = "#noteX_19">19</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_18" id = "noteX_18" href = "#tagX_18">18.</a>
+Siehe seine aus Saint-Germains datirte Proklamation vom 20. April
+1692.</p>
+
+<p><a name = "noteX_19" id = "noteX_19" href = "#tagX_19">19.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II, 261. Orig.
+Mem.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm’s Verlegenheit.</span>
+<a name = "secX_10" id = "secX_10">Wilhelm</a> befand sich jetzt in
+Windsor. Er hatte mit schmerzlichem Bedauern die an der Küste von Kent
+stattgehabten Vorfälle erfahren. Kurz vor dem Eintreffen der Nachricht
+hatten seine Umgebungen bemerkt, daß er ungewöhnlich heiter war. Er
+hatte auch in der That Ursache, sich zu freuen. Er stand am Fuße eines
+erledigten Thrones. Es schien, als würden alle Parteien ihn einstimmig
+auffordern, denselben zu besteigen. Doch plötzlich trübten sich seine
+Aussichten. Es ergab sich, daß die Abdankung nicht vollständig gewesen
+war. Ein großer Theil seiner Anhänger trug gewiß Bedenken, einen König
+abzusetzen, der noch unter ihnen war, der sie aufforderte, ihre
+Beschwerden auf parlamentarischem Wege anzubringen, und der vollständige
+Abstellung derselben versprach. Der Prinz mußte seine neue Stellung
+erwägen und ein neues Verfahren einschlagen. Kein Weg stand ihm offen,
+gegen den sich nicht Einwendungen hätten machen lassen, kein Weg, der
+ihn in eine so vortheilhafte Lage versetzen konnte, als die war, in der
+er sich vor wenigen Stunden noch befand. Etwas konnte indessen gethan
+werden. Der erste Fluchtversuch des Königs war gescheitert. Das
+Wünschenswertheste war jetzt, daß er einen zweiten Versuch mit besserem
+Erfolge unternehmen möchte. Er mußte zu gleicher Zeit geängstigt und
+geködert werden. Die Liberalität, mit der man ihm bei der Unterhandlung
+zu Hungerford entgegengekommen war, und die er mit einem Treubruche
+vergolten hatte, war jetzt nicht mehr angewandt. Vergleichsvorschläge
+durften ihm nicht mehr gemacht werden, und wenn er solche machte, so
+mußte man sie kalt aufnehmen. Aber auch Gewalt durfte nicht gegen ihn
+angewendet, ja ihm nicht einmal angedroht werden. Indessen war es
+vielleicht nicht unmöglich, einen so schwachen Mann auch ohne Anwendung
+oder Androhung von Gewalt um seine persönliche Sicherheit besorgt zu
+machen. Dann dachte er gewiß bald wieder an die Flucht, und in diesem
+Falle mußte ihm die Flucht auf jede Weise erleichtert und dafür gesorgt
+werden, daß er nicht wieder durch einen diensteifrigen Tölpel
+zurückgehalten wurde.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Verhaftung Feversham’s.</span>
+<a name = "secX_11" id = "secX_11">Dies</a> war Wilhelm’s Plan, und die
+Geschicklichkeit und Entschlossenheit, womit er denselben ausführte,
+contrastiren auffallend mit der ihm gegenüberstehenden Thorheit und
+Feigheit. Bald bot sich ihm eine vortreffliche Gelegenheit dar, sein
+Einschüchterungssystem zu beginnen. Feversham kam mit Jakob’s Brief in
+Windsor an.
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_20" id = "pageX_20">
+X.20</a></span>
+Die Wahl des Boten war eben keine glückliche. Er hatte die königliche
+Armee entlassen und ihm gab man vorzugsweise die Verwirrung und Angst
+der irischen Nacht Schuld. Sein Benehmen wurde von der öffentlichen
+Meinung entschieden getadelt. Wilhelm hatte sich zu einigen drohenden
+Worten reizen lassen, und einige drohende Worte aus Wilhelm’s Munde
+bedeuteten gewöhnlich etwas. Feversham wurde nach seinem Geleitsbriefe
+gefragt. Er hatte keinen. Indem er ohne einen solchen in einem
+feindlichen Lager erschien, hatte er sich nach den Kriegsgesetzen der
+strengsten Behandlung ausgesetzt. Wilhelm weigerte sich ihn zu empfangen
+und gab Befehl ihn festzunehmen.<a class = "tag" name = "tagX_20" id =
+"tagX_20" href = "#noteX_20">20</a> Zulestein wurde sofort abgesandt, um
+Jakob zu benachrichtigen, daß der Prinz die verlangte Unterredung
+ablehne und wünsche, daß Seine Majestät in Rochester blieb.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_20" id = "noteX_20" href = "#tagX_20">20.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Dec. 16. 1688</span>; <span
+class = "antiqua">Burnet, I. 800.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Ankunft Jakob’s in London.</span>
+<a name = "secX_12" id = "secX_12">Aber</a> es war zu spät. Jakob war
+bereits in London. Er war anfangs unschlüssig gewesen und hatte sich
+schon einmal wieder vorgenommen gehabt, einen neuen Versuch zur Flucht
+auf das Festland zu machen. Endlich aber gab er dem Andringen von
+Freunden, welche klüger waren als er, nach und reiste nach Whitehall ab.
+Am Sonntag Nachmittag den 16. December kam er daselbst an. Er hatte
+gefürchtet, das Volk, das während seiner Abwesenheit so viele Beweise
+von Haß gegen den Papismus gegeben, werde ihm einen schimpflichen
+Empfang bereiten. Aber gerade die Heftigkeit des neuerlichen Ausbruchs
+hatte eine Erschlaffung zur Folge gehabt. Der Sturm hatte sich selbst
+aufgezehrt. Heiterkeit und Mitleid waren auf die Wuth gefolgt. In keinem
+Stadttheile Londons äußerte sich die mindeste Neigung, den König zu
+beschimpfen; man hörte sogar einzelne Lebehochs, als er durch die City
+fuhr. Auf einigen Kirchthürmen läuteten die Glocken und ein paar
+Freudenfeuer wurden zu Ehren seiner Zurückkunft angezündet.<a class =
+"tag" name = "tagX_21" id = "tagX_21" href = "#noteX_21">21</a> Sein
+kurz zuvor von der Verzweiflung überwältigter schwacher Geist wurde
+durch diese unerwarteten Zeichen der Gutherzigkeit und Theilnahme des
+Volks mit übermäßiger Freude erfüllt. In der frohesten Stimmung betrat
+er seine Wohnung, welche sehr bald ihr früheres Aussehen wieder annahm.
+Katholische Priester, welche in der vergangenen Woche froh gewesen
+waren, wenn sie sich in Kellern und Dachkammern vor der Wuth der Menge
+hatten verbergen können, kamen aus ihren Schlupfwinkeln hervor und
+machten Anspruch auf ihre früher innegehabten Gemächer im Palaste. Ein
+Jesuit sprach das Tischgebet an der königlichen Tafel. Der irische
+Jargon, damals jedem englischen Ohre der verhaßteste von allen
+Dialecten, wurde wieder überall in den Höfen und Gallerien vernommen.
+Der König selbst zeigte wieder seinen ganzen früheren Hochmuth. Er hielt
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_21" id = "pageX_21">
+X.21</a></span>
+einen Staatsrath, den letzten, dem er präsidirte, und berief selbst in
+dieser äußerst gefährlichen Lage Personen in denselben, welche
+gesetzlich nicht berechtigt waren, einen Sitz darin einzunehmen. Er
+sprach sein hohes Mißfallen über das Verfahren der Lords aus, die es
+gewagt hatten, während seiner Abwesenheit die Regierungsgeschäfte zu
+übernehmen. Er meinte, es sei ihre Pflicht gewesen, eher die
+Gesellschaft sich auflösen, die Häuser der Gesandten niederreißen und
+London in Brand stecken zu lassen, als sich die Functionen anzumaßen,
+welche er niederzulegen für gut befunden hatte. Unter den so Getadelten
+befanden sich einige Kavaliere und Prälaten, die ihm trotz aller seiner
+Fehler stets treu geblieben waren und selbst nach dieser Provocation nie
+weder durch die Hoffnung noch durch die Furcht bewogen werden konnten,
+ihre Unterthanentreue von ihm auf einen andren Souverain zu
+übertragen.<a class = "tag" name = "tagX_22" id = "tagX_22" href =
+"#noteX_22">22</a></p>
+
+<p>Doch sein Muth ward bald gebrochen. Kaum war er in seinen Palast
+eingezogen, so wurde ihm Zulestein gemeldet. Er überbrachte Wilhelm’s
+kalte und ernste Botschaft. Der König bestand noch immer auf einer
+persönlichen Unterredung mit seinem Neffen. „Ich würde Rochester nicht
+verlassen haben,“ sagte er, „wenn ich gewußt hätte, daß er dies nicht
+wünschte; da ich aber nun einmal hier bin, wird er hoffentlich in den
+St. Jamespalast kommen.“ &mdash; „Ich muß Eurer Majestät offen sagen,“
+entgegnete Zulestein, „daß Seine Hoheit nicht nach London kommen wird,
+so lange Truppen hier sind, welche nicht unter seinen Befehlen stehen.“
+Der König schwieg bestürzt über diese Antwort. Zulestein entfernte sich,
+und bald darauf trat ein Gentleman in das Schlafzimmer mit der Meldung,
+daß Feversham verhaftet worden sei.<a class = "tag" name = "tagX_23" id
+= "tagX_23" href = "#noteX_23">23</a> Jakob erschrak nicht wenig
+darüber. Doch die Erinnerung an den Beifall, mit dem er begrüßt worden
+war, hielt seinen Muth noch immer aufrecht. Eine kühne Hoffnung stieg in
+ihm auf. Er glaubte London, so lange das Bollwerk des Protestantismus
+und des Whiggismus, werde bereitwilligst zu seinem Schutze die Waffen
+ergreifen. Er ließ den Gemeinderath fragen, ob er sich verbindlich
+machen wolle, ihn gegen den Prinzen zu vertheidigen, wenn er, der König,
+seine Residenz in der City aufschlüge. Der Gemeinderath aber hatte die
+Entziehung des Freibriefs und den Justizmord Cornish’s nicht vergessen,
+und weigerte sich das verlangte Versprechen zu geben. Da sank dem Könige
+der Muth wieder. Wohin, fragte er, solle er sich um Schutz wenden? Es
+sei ganz das Nämliche, ob er holländische Truppen um sich habe, oder
+seine eigene Leibgarde. Was die Bürger betreffe, so wisse er jetzt, was
+ihre Lebehochrufe und ihre Freudenfeuer werth seien. Es bleibe ihm
+nichts Andres übrig als die Flucht, obgleich er recht wohl wisse, daß
+seine Feinde nichts sehnlicher wünschten, als daß er wieder fliehen
+möchte.<a class = "tag" name = "tagX_24" id = "tagX_24" href =
+"#noteX_24">24</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_21" id = "noteX_21" href = "#tagX_21">21.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 262. Orig.
+Mem.</span>; <span class = "antiqua">Burnet, I. 799.</span> In der <span
+class = "antiqua">History of the Desertion (1689)</span> wird behauptet,
+die Lebehochs seien bei dieser Gelegenheit nur von einigen jugendlichen
+Gaffern ausgerufen worden, die Hauptmasse des Volks aber habe schweigend
+zugesehen. Oldmixon, der sich unter der Menge befand, sagt das Nämliche,
+und Ralph, dessen vorgefaßte Meinungen von denen Oldmixon’s durchaus
+verschieden waren, erzählt uns, daß ein achtbarer Augenzeuge ihm
+dasselbe mitgetheilt habe. Die Wahrheit ist ohne Zweifel die, daß die
+Freudenbezeigungen an sich unbedeutend waren, aber außerordentlich
+schienen, weil man einen heftigen Ausbruch des öffentlichen Unwillens
+erwartet hatte. Barillon erwähnt auch, daß einige Zurufe und
+Freudenfeuer vorgekommen seien, setzt aber hinzu: <span class =
+"antiqua">„Le peuple dans le fond est pour le Prince d’Orange.“</span>
+&mdash;&nbsp;17.(27.) Dec. 1688.</p>
+
+<p><a name = "noteX_22" id = "noteX_22" href = "#tagX_22">22.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Dec. 16. 1688</span>; <span
+class = "antiqua">Mulgrave’s Account of the Revolution; History of the
+Desertion</span>; <span class = "antiqua">Burnet, I. 799</span>; <span
+class = "antiqua">Evelyn’s Diary, Dec. 13, 17. 1688</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteX_23" id = "noteX_23" href = "#tagX_23">23.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 262. Orig.
+Mem.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_24" id = "noteX_24" href = "#tagX_24">24.</a>
+Barillon, 17.(27.) Dec. 1681; <span class = "antiqua">Clarke’s Life of
+James, II. 271</span>.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Berathung in Windsor.</span>
+<a name = "secX_13" id = "secX_13">Während</a> er sich in diesem
+Zustande von Angst und Ungewißheit befand, war sein Schicksal in Windsor
+der Gegenstand ernster Berathung. Wilhelm’s Hof war jetzt mit
+ausgezeichneten Männern alter Parteien angefüllt. Die meisten Führer des
+Aufstandes
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_22" id = "pageX_22">
+X.22</a></span>
+im Norden hatten sich ihm zugesellt, und mehrere von den Lords, welche
+während der Anarchie der vergangenen Woche die Functionen einer
+provisorischen Regierung übernommen hatten, waren sogleich nach der
+Rückkehr des Königs von London ins holländische Hauptquartier abgereist.
+Einer von diesen war Halifax. Wilhelm hatte ihn mit großem Vergnügen
+willkommen geheißen, hatte aber ein sarkastisches Lächeln nicht
+unterdrücken können, als er diesen genialen und vollendeten Staatsmann,
+der so gern der Schiedsrichter in diesem großen Kampfe geworden wäre,
+gezwungen sah, den Mittelweg zu verlassen und auf eine Seite zu treten.
+Unter Denen, die sich damals nach Windsor begaben, waren auch Einige,
+welche Jakob’s Gunst durch schmachvolle Dienstleistungen erkauft hatten
+und die jetzt das Verbrechen, ihr Vaterland verrathen zu haben, durch
+Verrath an ihrem Gebieter wieder gut machen wollten. Ein solcher Mann
+war Titus, der in Widerspruch mit dem Gesetz im Geheimen Rath gesessen
+und sich bemüht hatte, die Puritaner mit den Jesuiten zu einem Bunde
+gegen die Verfassung zu vereinigen. Ein solcher Mann war auch Williams,
+ein gewesener Demagog, der aus Eigennutz zum Vertheidiger der
+Prärogative geworden und der jetzt zu einem abermaligen Abfalle bereit
+war. Diese Männer ließ der Prinz mit gerechter Verachtung in seinem
+Vorzimmer vergebens auf eine Audienz warten.<a class = "tag" name =
+"tagX_25" id = "tagX_25" href = "#noteX_25">25</a></p>
+
+<p>Am Montag den 17. December wurden sämmtliche in Windsor anwesende
+Peers zu einer feierlichen Berathung in das Schloß berufen. Der
+Gegenstand der Besprechung war die Frage, wie es mit dem Könige gehalten
+werden sollte. Wilhelm hielt es nicht für passend, der Discussion
+beizuwohnen. Er entfernte sich daher und Halifax wurde aufgefordert, den
+Präsidentenstuhl einzunehmen. Über einen Punkt waren die Lords einig,
+daß nämlich der König da wo er war nicht bleiben dürfe. Jedermann
+fühlte, daß es unpassend sein würde, wenn der eine Fürst sich in
+Whitehall, der andre in St. James verschanzte und es auf einem
+Flächenraume von hundert Acres zwei feindliche Besatzungen gab. Eine
+solche Situation mußte fast unvermeidlich Argwohn, Beleidigungen und
+Reibungen hervorrufen, welche einen blutigen Ausgang nehmen konnten. Die
+versammelten Lords hielten es daher für zweckmäßig, daß Jakob aus London
+entfernt wurde. Ham, das Lauderdale von dem geraubten Gelde Schottlands
+und von den Geschenken Frankreichs am Ufer der Themse erbaut und
+ausgeschmückt hatte und das für das prächtigste Lustschloß Englands
+galt, wurde als ein geeigneter Aufenthaltsort vorgeschlagen. Sobald die
+Lords diesen Beschluß gefaßt hatten, ließen sie den Prinzen bitten, daß
+er zu ihnen kommen möchte, und Halifax theilte ihm ihre Meinung mit.
+Wilhelm hörte sie an und billigte sie. Es wurde sogleich ein kurzes
+Schreiben an den König aufgesetzt. „Durch wem sollen wir es ihm zu
+senden?“ fragte Wilhelm dann. &mdash; „Sollte es nicht durch einen
+Offizier Eurer Hoheit überbracht werden?“ entgegnete Halifax. &mdash;
+„Nein, Mylords, mit Verlaub,“ erwiederte der Prinz; „es wird auf
+Anrathen Eurer Herrlichkeiten abgesandt, und daher müssen Einige von
+Ihnen es überbringen.“ Und ohne weitere Einwendungen abzuwarten,
+ernannte er Halifax, Shrewsbury und Delamere zu Überbringern.<a class =
+"tag" name = "tagX_26" id = "tagX_26" href = "#noteX_26">26</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_23" id = "pageX_23">
+X.23</a></span>
+<p>Der Beschluß der Lords schien einhellig zu sein; aber es waren Einige
+darunter, welche die Entscheidung, mit der sie einverstanden zu sein
+vorgaben, keineswegs billigten und den König mit einer Strenge behandelt
+zu sehen wünschten, die sie nicht offen anzuempfehlen wagten. Es ist
+eine bemerkenswerthe Thatsache, daß das Oberhaupt dieser Partei ein Peer
+war, der ein heftiger Tory gewesen und der nachher als Eidverweigerer
+starb: Clarendon. Die Rapidität, mit der er in dieser Krisis von einem
+Extrem zum andren übersprang, muß Leuten, die in friedlichen Zeiten
+leben, unglaublich erscheinen, wird aber Diejenigen nicht Wunder nehmen,
+welche Gelegenheit hatten, den Gang von Revolutionen zu beobachten. Er
+wußte, daß die Rücksichtslosigkeit, mit der er in Anwesenheit des Königs
+das ganze Regierungssystem getadelt, seinen ehemaligen Gebieter tief
+gekränkt hatte. Auf der andren Seite durfte er als Oheim der
+Prinzessinnen hoffen, bei der bevorstehenden neuen Ordnung der Dinge
+groß und reich zu werden. Die englische Colonie in Irland betrachtete
+ihn als ihren Freund und Beschützer, und er sah ein, daß von dem
+Vertrauen und der Zuneigung dieser wichtigen Partei seine zukünftige
+Bedeutung großentheils abhing. Diesen Rücksichten mußten jetzt die
+Prinzipien weichen, zu denen er sich während seines ganzen Lebens mit
+Ostentation bekannt hatte. Er begab sich ins Kabinet des Prinzen und
+stellte ihm vor, wie gefährlich es sein würde, wenn man den König frei
+ließe. Die irischen Protestanten seien dann in der größten Gefahr. Es
+gebe keinen andren Weg, um ihr Eigenthum und ihr Leben zu sichern, als
+die strenge Gefangenhaltung des Königs. Ihm ein englisches Schloß zu
+seinem Aufenthalt anzuweisen, dürfte nicht klug gehandelt sein; aber man
+könnte ihn über’s Meer schicken und in die Festung Vreda einschließen,
+bis die Angelegenheiten der britischen Inseln geordnet seien. Wenn der
+Prinz in Besitz einer solchen Geißel sei, würde Tyrconnel wahrscheinlich
+das Staatsschwert niederlegen und die Oberherrschaft Englands in Irland
+würde ohne einen Schwertstreich wiederhergestellt werden. Wenn dagegen
+Jakob nach Frankreich entkäme und an der Spitze einer fremden Armee in
+Dublin erschiene, so müßte dies die verderblichsten Folgen nach sich
+ziehen. Wilhelm gab zu, daß diese Gründe sehr gewichtig seien, erklärte
+aber, daß er sich dadurch nicht bestimmen lassen könne. Er kenne den
+Character seiner Gemahlin und wisse, daß sie nie in einen solchen
+Schritt willigen werde. Auch würde es ihm selbst nicht zur Ehre
+gereichen, wenn er seinen besiegten Verwandten so rücksichtslos
+behandelte. Übrigens könne man gar nicht wissen, ob Großmuth in diesem
+Falle nicht die beste Politik sei. Wer könne sagen, welchen Eindruck
+eine solche Strenge, wie Clarendon sie anempfahl, auf die öffentliche
+Meinung machen werde? Sei es unmöglich, daß die loyale Begeisterung,
+welche das verkehrte Benehmen des Königs erstickt hatte, wieder
+auflebte, sobald es bekannt würde, daß er sich innerhalb der Mauern
+einer ausländischen Festung befinde? Aus diesen Gründen beschloß
+Wilhelm, seinen Schwiegervater keinem persönlichen Zwange zu
+unterwerfen, und es ist kaum daran zu zweifeln, daß dies ein weiser
+Entschluß war.<a class = "tag" name = "tagX_27" id = "tagX_27" href =
+"#noteX_27">27</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_24" id = "pageX_24">
+X.24</a></span>
+<p>Jakob blieb, während über sein Schicksal deliberirt wurde, durch die
+Größe und Nähe der Gefahr gleichsam wie festgebannt, in Whitehall, eben
+so unfähig zu kämpfen, wie zu fliehen. Am Abend traf die Nachricht ein,
+daß die Holländer Chelsea und Kensington in Besitz genommen hatten.
+Dessenungeachtet schickte sich der König an, wie gewöhnlich zur Ruhe zu
+gehen. Die Coldstreamgarden hatten im Palaste den Dienst. Sie standen
+unter den Befehlen Wilhelm’s, Earl von Craven, eines hochbetagten
+Mannes, der sich fünfzig Jahre früher im Kriege und in der Liebe
+ausgezeichnet, der bei Kreuznach seine hoffnungslose Stellung mit
+solchem Muthe behauptet hatte, daß der große Gustav ihm auf die Schulter
+klopfte, und von dem man glaubte, daß er unter tausend Mitbewerbern das
+Herz der unglücklichen Königin von Böhmen erobert habe. Craven stand
+jetzt in seinem achtzigsten Lebensjahre; aber die Zeit hatte seinen Muth
+nicht gebrochen.<a class = "tag" name = "tagX_28" id = "tagX_28" href =
+"#noteX_28">28</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_25" id = "noteX_25" href = "#tagX_25">25.</a>
+<span class = "antiqua">Mulgrave’s Account of the Revolution</span>;
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Dec. 16. 1688.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_26" id = "noteX_26" href = "#tagX_26">26.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 800</span>; <span class =
+"antiqua">Clarendon’s Diary, Dec. 17. 1688</span>; Citters, 18.(28.)
+Dec. 1688.</p>
+
+<p><a name = "noteX_27" id = "noteX_27" href = "#tagX_27">27.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I, 800</span>; <span class =
+"antiqua">Conduct of the Duchess of Marlborough</span>; <span class =
+"antiqua">Mulgrave’s Account of the Revolution.</span> Clarendon sagt
+davon nichts unter dem richtigen Datum, aber man sehe sein Tagebuch vom
+19. August 1689.</p>
+
+<p><a name = "noteX_28" id = "noteX_28" href = "#tagX_28">28.</a>
+<span class = "antiqua">Harte’s Life of Gustavus Adolphus.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die holländischen Truppen besetzen Whitehall.</span>
+<a name = "secX_14" id = "secX_14">Es</a> war zehn Uhr vorüber als ihm
+gemeldet wurde, daß drei Bataillone von der Infanterie des Prinzen,
+nebst einigen Reitern, mit brennenden Lunten und vollkommen kampffertig
+durch die lange Hauptallee des St. Jamesparks heranrückten. Graf Solms,
+der die fremden Truppen befehligte, sagte, er habe Befehl, die Posten in
+der Umgebung von Whitehall militairisch zu besetzen und forderte Craven
+auf, sich gutwillig zurückzuziehen. Craven schwur, er werde sich eher in
+Stücken hauen lassen; als aber der König, der sich eben auskleidete,
+erfuhr was vorging, verbot er dem tapferen alten Soldaten jeden
+Widerstandsversuch, der doch keinen Erfolg haben konnte. Um elf Uhr
+waren die Coldstreamgarden abgezogen und holländische Schildwachen
+machten auf allen Seiten des Palastes die Runde. Einige vom Gefolge des
+Königs fragten ihn, ob er es wagen wolle, sich, von Feinden umringt,
+niederzulegen. Er antwortete, daß sie ihn kaum schlechter behandeln
+könnten, als seine eigenen Unterthanen ihn behandelt hätten, und mit der
+gefühllosen Gleichgültigkeit eines durch das Unglück abgestumpften
+Mannes legte er sich zu Bett.<a class = "tag" name = "tagX_29" id =
+"tagX_29" href = "#noteX_29">29</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_29" id = "noteX_29" href = "#tagX_29">29.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II, 264</span>,
+größtentheils aus den <span class = "antiqua">Orig. Memoirs. Mulgrave’s
+Account of the Revolution</span>; <span class = "antiqua">Rapin de
+Thoyras</span>. Es muß bemerkt werden, daß Rapin an diesen Vorgängen
+thätigen Antheil hatte.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Das Schreiben des Prinzen wird Jakob überbracht.</span>
+<a name = "secX_15" id = "secX_15">Es</a> war kaum erst wieder ruhig
+geworden im Palaste, so gerieth aufs neue Alles in Bewegung. Kurz nach
+Mitternacht kamen die drei Lords von Windsor an. Middleton wurde
+ersucht, sie zu empfangen. Sie erklärten ihm, daß sie mit einer Sendung
+betraut seien, welche keinen Aufschub gestatte. Der König ward aus
+seinem ersten Schlummer geweckt, und sie wurden in sein Schlafzimmer
+eingeführt. Sie überreichten ihm das ihnen anvertraute Schreiben und
+kündigten ihm an, daß der Prinz in einigen Stunden in Westminster
+eintreffen und daß Seine Majestät wohl thun werde, vor zehn Uhr nach Ham
+abzureisen. Jakob machte einige Einwendungen. Ham gefiel ihm nicht. Im
+Sommer sei es ein ganz angenehmer Aufenthalt, um Weihnachten aber sei es
+dort kalt und unbehaglich, und überdies sei auch das Schloß nicht
+möblirt. Halifax antwortete, daß sofort Möbeln hingeschickt werden
+sollten. Die drei Abgesandten entfernten sich; Middleton aber eilte
+ihnen nach, um ihnen zu
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_25" id = "pageX_25">
+X.25</a></span>
+sagen, daß Rochester dem Könige viel lieber sein werde als Ham. Sie
+erwiederten, daß sie keine Vollmacht hätten, den Wunsch des Königs zu
+erfüllen, daß sie aber augenblicklich einen Expressen an den Prinzen
+absenden wollten, der in Sion House zu übernachten gedenke. Es ging
+unverzüglich ein Courier ab, der noch vor Tagesanbruch mit Wilhelm’s
+Einwilligung zurückkam. Wilhelm gab seine Zustimmung in der That sehr
+gern, denn es unterlag keinem Zweifel, daß Rochester deshalb gewählt
+worden war, weil es große Erleichterungen für die Flucht darbot, und daß
+Jakob fliehen möchte, war der sehnlichste Wunsch seines Neffen.<a class
+= "tag" name = "tagX_30" id = "tagX_30" href = "#noteX_30">30</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_30" id = "noteX_30" href = "#tagX_30">30.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 265</span>; <span
+class = "antiqua">Mulgrave’s Account of the Revolution; Burnet, I.
+801</span>; Citters, 18.(28.) Dec. 1688.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob’s Aufbruch nach Rochester.</span>
+<a name = "secX_16" id = "secX_16">Am</a> Morgen des 18. December, einem
+regnerischen und stürmischen Morgen, hielt die königliche Barke
+frühzeitig an der Treppe von Whitehall, umgeben von acht bis zehn mit
+holländischen Soldaten gefüllten Böten. Mehrere Edelleute und Gentlemen
+begleiteten den König bis ans Wasser. Es wird erzählt und läßt sich wohl
+auch denken, daß viele Thränen vergossen wurden. Denn selbst der
+eifrigste Freund der Freiheit konnte das traurige und schmachvolle Ende
+einer Dynastie, welche so groß hätte sein können, nicht gleichgültig mit
+ansehen. Shrewsbury that sein Möglichstes, um den gestürzten Monarchen
+zu trösten. Selbst der erbitterte und heftige Delamere war ergriffen.
+Man bemerkte aber, daß Halifax, der sich sonst durch seine
+rücksichtsvolle Freundlichkeit gegen Besiegte auszeichnete, bei dieser
+Gelegenheit weniger theilnehmend war als seine beiden Collegen.
+Wahrscheinlich konnte er die Scheingesandtschaft nach Hungerford noch
+immer nicht vergessen.<a class = "tag" name = "tagX_31" id = "tagX_31"
+href = "#noteX_31">31</a></p>
+
+<p>Während die königliche Barke langsam über die hochgehenden Wellen den
+Fluß hinabfuhr, zog eine Brigade von den Truppen des Prinzen nach der
+andren in London ein. Man hatte die sehr weise Anordnung getroffen, daß
+der Dienst in der Hauptstadt namentlich von den im Dienste der
+Generalstaaten stehenden britischen Soldaten verrichtet werden sollte.
+Die drei englischen Regimenter wurden in und um den Tower, die drei
+schottischen in Southwark einquartirt.<a class = "tag" name = "tagX_32"
+id = "tagX_32" href = "#noteX_32">32</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_31" id = "noteX_31" href = "#tagX_31">31.</a>
+Citters, 18.(28.) Dec. 1688; <span class = "antiqua">Evelyn’s
+Diary</span> unter demselben Datum; <span class = "antiqua">Clarke’s
+Life of James, II. 266, 267. Orig. Mem.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_32" id = "noteX_32" href = "#tagX_32">32.</a>
+Citters, 18.(28.) Dec. 1688.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm’s Ankunft im St. Jamespalaste.</span>
+<a name = "secX_17" id = "secX_17">Trotz</a> des schlechten Wetters
+sammelte sich eine große Volksmenge zwischen Albemarle House und dem St.
+Jamespalaste, um den Prinzen zu bewillkommnen. Jeder Hut, jeder Stock
+war mit einem orangefarbenen Bande geschmückt. Alle Glocken von ganz
+London wurden geläutet, und an allen Fenstern standen Lichter zu einer
+Illumination bereit, während in den Straßen Reißigbündel zu
+Freudenfeuern aufgehäuft wurden. Wilhelm aber, der kein Freund vom
+Gedränge und vom Jubelgeschrei war; nahm seinen Weg durch den Park. Vor
+Einbruch der Nacht kam er, von Schomberg begleitet, in einem leichten
+Wagen im St. Jamespalaste an. In kurzer Zeit waren alle Zimmer und
+Treppen mit Leuten gefüllt, die ihm ihre Aufwartung machen wollten. Das
+Gedränge war so arg, daß die hochgestelltesten Männer nicht im Stande
+waren, sich bis in das Empfangszimmer hindurchzuarbeiten.<a class =
+"tag" name = "tagX_33" id = "tagX_33" href = "#noteX_33">33</a> Während
+sich Westminster in dieser Aufregung
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_26" id = "pageX_26">
+X.26</a></span>
+befand, entwarf der Gemeinderath in der Guildhall eine Dank- und
+Beglückwünschungsadresse. Der Lordmayor war nicht im Stande den Vorsitz
+zu führen. Er hatte das Bett noch nicht wieder verlassen, seitdem der
+Kanzler in dem Anzuge eines Kohlenschiffers in den Gerichtssaal
+geschleppt worden war. Die Aldermen aber und die übrigen Beamten der
+Corporationen waren auf ihren Plätzen. Am folgenden Tage kam der
+Magistrat der City in Gala, um dem Befreier zu huldigen. Ihre
+Dankbarkeit wurde mit beredten Worten durch ihren Syndikus, Sir Georg
+Treby ausgesprochen. Einige Prinzen aus dem Hause Nassau, sagte er,
+seien die ersten Beamten einer großen Republik gewesen. Andere hätten
+die Kaiserkrone getragen; der gegründetste Anspruch dieses berühmten
+Geschlechts auf die öffentliche Verehrung bestehe darin, daß Gott es zu
+dem hohen Amte auserwählt und geweiht habe, von Generation zu Generation
+die Wahrheit und die Freiheit gegen die Tyrannei zu vertheidigen. An dem
+nämlichen Tage machten auch alle in der Hauptstadt anwesenden Prälaten,
+mit Ausnahme Sancroft’s, dem Prinzen <span class = "antiqua">in
+corpore</span> ihre Aufwartung. Dann kam, mit ihrem Bischof an der
+Spitze, die londoner Geistlichkeit, an Gelehrsamkeit, Beredtsamkeit und
+Einfluß die ersten Männer ihres Standes. Ihnen hatten sich einige
+hervorragende Dissentergeistliche angeschlossen, welche Compton, was ihm
+zu großer Ehre gereichte, mit ausgezeichneter Artigkeit behandelte.
+Einige Monate vorher oder nachher würde diese Artigkeit von vielen
+Staatskirchenmännern als ein Verrath an der Kirche betrachtet worden
+sein, selbst damals konnte ein scharfes Auge nur zu deutlich erkennen,
+daß der Waffenstillstand, zu welchen die protestantischen Secten
+gezwungen worden waren, die Gefahr, aus der er entsprungen war, nicht
+lange überdauern werde. Ungefähr hundert in der Hauptstadt wohnende
+nonconformistische Geistliche überreichten eine Separatadresse. Sie
+wurden durch Devonshire vorgestellt und mit allen Achtungs- und
+Wohlwollensbezeigungen empfangen. Die Juristen brachten ihre Huldigung
+unter Anführung Maynard’s dar, der im Alter von neunzig Jahren noch so
+rüstig und so hellen Geistes war als zu der Zeit, da er in
+Westminsterhall als Ankläger Strafford’s auftrat. „Mr. Serjeant,“ sagte
+der Prinz zu ihm, „Sie müssen alle Juristen, die mit Ihnen studirten,
+überlebt haben.“ &mdash; „Ja, Sire,“ erwiederte der Greis, „und wäre
+Eure Hoheit nicht gekommen, so würde ich auch die Gesetze überlebt
+haben“.<a class = "tag" name = "tagX_34" id = "tagX_34" href =
+"#noteX_34">34</a></p>
+
+<p>Aber obgleich die Adressen zahlreich und voll von Lobeserhebungen,
+obgleich die Jubelrufe laut und die Illumination glänzend, obgleich der
+St. Jamespalast für die Masse der Höflinge zu klein und obgleich die
+Theater jeden Abend vom Parterre bis zur letzten Gallerie von
+orangefarbenen Bändern strotzten, so fühlte Wilhelm doch, daß die
+Schwierigkeiten seines Unternehmens erst begonnen hatten. Er hatte eine
+Regierung gestürzt: jetzt galt es die Lösung der weit schwierigeren
+Aufgabe, eine neue zu errichten. Von dem Augenblicke seiner Landung bis
+zu seiner Ankunft in London hatte er die Autorität ausgeübt, welche nach
+den in der ganzen civilisirten Welt anerkannten Kriegsgesetzen dem
+Oberbefehlshaber
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_27" id = "pageX_27">
+X.27</a></span>
+einer im Felde stehenden Armee zukommt. Jetzt mußte er die Rolle eines
+Generals mit der eines Civilbeamten vertauschen, und dies war keine
+leichte Aufgabe. Ein einziger falscher Schritt konnte unheilbringend
+werden und es war unmöglich, irgend einen Schritt zu thun, ohne
+Vorurtheile zu verletzen und heftige Leidenschaften zu entzünden.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_33" id = "noteX_33" href = "#tagX_33">33.</a>
+<span class = "antiqua">Luttrell’s Diary</span>; <span class =
+"antiqua">Evelyn’s Diary</span>; <span class = "antiqua">Clarendon’s
+Diary, Dec. 18. 1688; Revolution Politics.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_34" id = "noteX_34" href = "#tagX_34">34.</a>
+<span class = "antiqua">Fourth Collection of Papers relating to the
+present juncture of affairs in England, 1688</span>; <span class =
+"antiqua">Burnet, I. 802, 803</span>; <span class = "antiqua">Calamy’s
+Life and Times of Baxter, chap. XIV.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Es wird ihm gerathen, sich die Krone kraft des Eroberungsrechtes
+aufzusetzen.</span>
+<a name = "secX_18" id = "secX_18">Einige</a> von den Rathgebern des
+Prinzen drangen in ihn, daß er sich die Krone ohne weiteres kraft des
+Eroberungsrechtes aufsetzen und dann als König unter seinem großen
+Siegel Einberufungsschreiben zu einem Parlamente erlassen solle. Dieses
+Verfahren wurde ihm von einigen ausgezeichneten Juristen eifrig
+anempfohlen. Sie sagten, es sei der kürzeste Weg zu dem Ziele, welches
+außerdem nur mit zahllosen Schwierigkeiten und Streitigkeiten erreicht
+werden könne. Es stimme genau mit dem glückverheißenden Beispiele
+überein, das vor ihm Heinrich&nbsp;VII. nach der Schlacht von Bosworth
+gegeben. Auch werde es die Bedenken vieler achtbarer Personen wegen
+Statthaftigkeit der Übertragung des Unterthaneneides auf einen andren
+Regenten zerstreuen. Weder das englische Recht noch die englische Kirche
+gestehe den Unterthanen die Befugniß zu, ihren Landesherrn abzusetzen.
+Aber kein Jurist und kein Theolog habe je geleugnet, daß eine im Kriege
+überwundene Nation sich dem Beschlusse des Gottes der Schlachten
+unterwerfen dürfe, ohne eine Sünde zu begehen. So hätten nach der
+chaldäischen Eroberung die gottesfürchtigsten und patriotischesten Juden
+die Pflichten gegen ihren angestammten König nicht zu verletzen
+geglaubt, indem sie dem neuen Herrscher, den die Vorsehung ihnen
+gesandt, mit Treue dienten. Die drei Bekenner, welche im feurigen Ofen
+so wunderbar erhalten worden waren, hätten in der Provinz Babylon hohe
+Ämter begleitet. Daniel sei nacheinander Minister des Assyrers, welcher
+Juda, und des Persers, welcher Assyrien unterjochte, gewesen. Ja,
+Christus selbst, der seinem Blute nach ein Prinz aus dem Geschlechte
+David’s gewesen, habe dadurch, daß er seinen Landsleuten befahl, dem
+Kaiser Tribut zu zahlen, ausgesprochen, daß fremde Eroberung erbliche
+Rechte aufhebt und wohlbegründeten Anspruch auf Herrschaft giebt. Es sei
+daher wahrscheinlich, daß eine große Anzahl Tories, wenn sie auch nicht
+selbst mit gutem Gewissen einen König wählen könnten, doch unbedenklich
+einen durch den Ausgang des Kriegs ihnen gegebenen König annehmen
+würden.<a class = "tag" name = "tagX_35" id = "tagX_35" href =
+"#noteX_35">35</a></p>
+
+<p>Auf der andren Seite standen jedoch Gründe, welche bei weitem
+überwiegend waren. Der Prinz konnte die Krone als mit dem Schwerte
+erobert nicht beanspruchen, ohne sich eines groben Wortbruches schuldig
+zu machen. In seiner Erklärung hatte er versichert, daß es nicht seine
+Absicht sei, England zu erobern, daß, wer ihn einer solchen Absicht
+beschuldige, nicht nur ihn persönlich, sondern auch die patriotischen
+Kavaliere und Gentlemen, die ihn herübergerufen, schändlich verleumde,
+daß die Streitmacht, die er mitgebracht habe, zu einem so schwierigen
+Unternehmen offenbar nicht genüge und daß es sein fester Entschluß sei,
+alle öffentlichen Beschwerden, wie alle seine eigenen Ansprüche einem
+freien Parlamente anheim zu geben. Um keines irdischen Zweckes willen
+konnte es recht oder klug sein, das im Angesicht von ganz Europa
+gegebene Wort zu
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_28" id = "pageX_28">
+X.28</a></span>
+brechen. Auch war es keineswegs ausgemacht, ob er, wenn er sich als
+Eroberer gerirte, dadurch die Bedenken zerstreute, welche die strengen
+Hochkirchenmänner ungeneigt machten, ihn als König anzuerkennen. Denn er
+mochte sich nennen wie er wollte, Jedermann wußte, daß er in
+Wirklichkeit kein Eroberer war. Es wäre notorisch eine bloße Fiction
+gewesen, hatte man sagen wollen, daß dieses große Königreich, mit einer
+mächtigen Flotte auf der See, einer regulären Armee von vierzigtausend
+Mann und einer Miliz von hundertdreißigtausend Mann, ohne eine einzige
+Belagerung oder Schlacht durch eine fünfzehntausend Mann starke
+Invasionsarmee in eine abhängige Provinz verwandelt worden sei. Es war
+nicht anzunehmen, daß eine solche Fiction wirklich empfindliche Gewissen
+beruhigen würde, aber es war kaum zu bezweifeln, daß sie den ohnehin
+schon gereizten Nationalstolz verwundete. Die englischen Truppen waren
+in einer Stimmung, welche die zarteste Schonung erheischte. Sie wußten,
+daß sie im letzten Feldzuge eben keine glänzende Rolle gespielt hatten.
+Die Anführer wie die Soldaten sehnten sich danach zu beweisen, daß sie
+nicht aus Mangel an Muth einer geringeren Streitmacht gewichen waren.
+Einige holländische Offiziere waren so unbesonnen gewesen, sich in einem
+Wirthshause beim Weine zu rühmen, daß sie die Armee des Königs vor sich
+her getrieben hätten. Diese Beleidigung hatte unter den englischen
+Truppen eine Gährung hervorgebracht, welche ohne das rasche Einschreiten
+des Prinzen wahrscheinlich mit einem furchtbaren Gemetzel geendet haben
+würde.<a class = "tag" name = "tagX_36" id = "tagX_36" href =
+"#noteX_36">36</a> Welchen Eindruck mußte unter solchen Umständen eine
+Proklamation machen, welche verkündete, daß der Oberbefehlshaber der
+Fremden die ganze Insel als rechtmäßige Kriegsbeute betrachte?</p>
+
+<p>Außerdem war zu berücksichtigen, daß der Prinz durch Erlassung einer
+solchen Proklamation mit einem Male alle die Rechte vernichtet haben
+würde, zu deren Vertheidiger er sich erklärt hatte. Denn die Autorität
+eines fremden Eroberers wird nicht durch die Gebräuche und Gesetze der
+besiegten Nation beschränkt, sondern sie ist ihrem Wesen nach
+despotisch. Wilhelm war also entweder nicht berechtigt, sich zum Könige
+zu erklären, oder er war auch berechtigt, die Magna Charta und die Bitte
+um Recht für null und nichtig zu erklären, die Geschwornengerichte
+abzuschaffen und ohne Zustimmung des Parlaments Steuern zu erheben.
+Allerdings konnte er die alte Verfassung des Reichs wiederherstellen;
+aber wenn er dies that, so that er es ebenfalls kraft eines
+willkürlichen Beschlusses. Von diesem Augenblicke an würde die englische
+Freiheit auf eine niedere Stufe herabgesunken sein. Sie wäre dann nicht
+mehr ein uraltes Erbtheil gewesen, sondern ein neues Geschenk, welches
+der großmüthige Gebieter, der es verliehen, auch wieder entziehen
+konnte, wenn es ihm sonst beliebte.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_35" id = "noteX_35" href = "#tagX_35">35.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 803.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_36" id = "noteX_36" href = "#tagX_36">36.</a>
+<span class = "antiqua">Gazette de France</span> 26. Jan. (5. Febr.)
+1689.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Er beruft die Lords und die Mitglieder der Parlamente Karl’s&nbsp;II.
+zusammen.</span>
+<a name = "secX_19" id = "secX_19">Wilhelm</a> beschloß daher
+rechtschaffener und kluger Weise, die in seiner Erklärung gegebenen
+Versprechungen zu erfüllen und die Aufgabe der Einsetzung der Regierung
+der gesetzgebenden Gewalt zu überlassen. Er vermied Alles was für
+Usurpation hätte erklärt werden können, so sorgfältig, daß er es ohne
+einen Schein von parlamentarischer Autorität nicht über sich nehmen
+wollte, nur die Stände des Reichs einzuberufen oder während der Wahlen
+die ausübende Gewalt zu
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_29" id = "pageX_29">
+X.29</a></span>
+handhaben. Eine eigentlich parlamentarische Autorität gab es nicht im
+Staate; aber es war möglich, in einigen Stunden eine Versammlung
+zusammenzubringen, der die Nation wenigstens einen großen Theil der
+einem Parlamente gebührenden Achtung zollte. Die eine Kammer konnte aus
+den vielen geistlichen und weltlichen Lords, welche damals in London
+waren, die andre aus ehemaligen Mitgliedern des Unterhauses und den
+Magistratsbeamten der City gebildet werden. Dieser Plan war höchst
+sinnreich und er wurde rasch ins Werk gesetzt. Die Peers wurden auf den
+21. December in den St. Jamespalast beschieden. Es erschienen etwa
+siebzig. Der Prinz forderte sie auf, die Lage des Landes in Erwägung zu
+ziehen und ihm das Ergebniß ihrer Berathungen vorzulegen. Bald darauf
+erschien eine Bekanntmachung, welche alle Gentlemen, die während der
+Regierung Karl’s&nbsp;II. einen Sitz im Unterhause gehabt hatten,
+aufforderte, am Morgen des Sechsundzwanzigsten vor Seiner Hoheit zu
+erscheinen. Die Aldermen von London wurden ebenfalls entboten und auch
+der Gemeinderath ersucht, eine Deputation zu schicken.<a class = "tag"
+name = "tagX_37" id = "tagX_37" href = "#noteX_37">37</a></p>
+
+<p>Man hat oft in tadelndem Tone gefragt, warum diese Einladung nicht
+auf die Mitglieder des im vorhergehenden Jahre aufgelösten Parlaments
+ausgedehnt worden sei. Die Antwort darauf liegt sehr nahe. Einer der
+Hauptmißstände, über welche die Nation klagte, war die Art und Weise der
+Erwählung jenes Parlaments. Die meisten Abgeordneten der Boroughs waren
+durch Wahlkörper gewählt worden, welche in einer allgemein als
+gesetzwidrig betrachteten und von dem Prinzen in seinem Manifeste für
+verwerflich erklärten Weise reorganisirt worden waren. Jakob selbst
+hatte unmittelbar vor seinem Sturze eingewilligt, die früheren
+municipalen Freiheiten wieder herzustellen. Es würde gewiß von Seiten
+Wilhelms die größte Inconsequenz gewesen sein, wenn er, nachdem er zur
+Vertheidigung der angetasteten Freibriefe der Corporationen die Waffen
+ergriffen, Personen, welche jenen Freibriefen zuwider gewählt worden
+waren, als rechtmäßige Vertreter der Städte Englands anerkannt
+hätte.</p>
+
+<p>Am Sonnabend den 22. versammelten sich die Lords in ihrem
+Sitzungslokale. Dieser Tag wurde damit hingebracht, die Geschäftsordnung
+festzusetzen. Es wurde ein Schriftführer ernannt, und da man keinem der
+zwölf Richter Vertrauen schenken konnte, so wurden einige von den
+angesehendsten Sergeants und Barristers<a class = "tag" name = "tagX_38"
+id = "tagX_38" href = "#noteX_38">38</a> eingeladen, um über juristische
+Punkte ihren Rath abgeben zu können. Es wurde hierauf beschlossen, daß
+am nächsten Montag die Lage des Königreichs in Erwägung gezogen werden
+sollte.<a class = "tag" name = "tagX_39" id = "tagX_39" href =
+"#noteX_39">39</a></p>
+
+<p>Die Zwischenzeit bis zur Montagssitzung war erwartungs- und
+ereignißvoll. Eine starke Partei unter den Peers nährte noch immer die
+Hoffnung, daß die Verfassung und die Kirche Englands auch ohne die
+Absetzung des Königs gesichert werden könnten. Diese Partei beschloß,
+eine feierliche Adresse an ihn zu beantragen, durch die er beschworen
+werden sollte, sich Bedingungen zu unterwerfen, welche die durch sein
+früheres Verfahren hervorgerufene Unzufriedenheit und Besorgniß
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_30" id = "pageX_30">
+X.30</a></span>
+beseitigen konnten. Sancroft, der seit der Rückkehr Jakob’s von Kent
+nach Whitehall keinen Theil an den öffentlichen Angelegenheiten genommen
+hatte, beschloß jetzt, aus seiner Zurückgezogenheit wieder ans Licht zu
+treten und sich an die Spitze der Royalisten zu stellen. Mehrere Boten
+wurden mit Briefen an den König nach Rochester gesandt. Es wurde ihm
+darin versichert, daß seine Interessen energisch in Schutz genommen
+werden sollten, wenn er sich nur in diesem Augenblicke entschließen
+könnte, Plänen zu entsagen, die sein Volk verabscheue. Einige angesehene
+Katholiken begaben sich persönlich zu ihm, um ihn im Namen ihres
+gemeinsamen Glaubens zu bitten, daß er den fruchtlosen Kampf nicht
+weiter treiben möchte.<a class = "tag" name = "tagX_40" id = "tagX_40"
+href = "#noteX_40">40</a></p>
+
+<p>Der Rath war gut; Jakob aber war nicht in der Stimmung, um ihn
+anzunehmen. Sein Verstand war stets stumpf und schwach gewesen, jetzt
+aber verhinderten ihn weibische Befürchtungen und kindische Einbildungen
+an dem Gebrauche desselben. Er wußte, daß seine Flucht das war, was
+seine Anhänger am meisten fürchteten und seine Feinde am sehnlichsten
+wünschten. Selbst wenn sein Bleiben mit ernster persönlicher Gefahr
+verknüpft gewesen wäre, so hätte er es doch unter den obwaltenden
+Umständen für schimpflich halten müssen, das Feld zu räumen, denn es
+handelte sich jetzt darum, ob er und seine Nachkommen auf dem Throne
+seiner Ahnen regieren oder heimathlose Bettler werden sollten. Doch die
+feige Angst um sein Leben hatte jedes andre Gefühl aus seiner Brust
+verdrängt. Auf die eindringlichen Bitten und unverwerflichen Gründe der
+Bevollmächtigten, die seine Freunde nach Rochester gesandt, hatte er nur
+die eine Antwort: sein Kopf sei in Gefahr. Umsonst versicherte man ihm,
+daß er durchaus keine Ursache zu einer solchen Besorgniß habe, daß der
+Prinz von Oranien schon durch den gesunden Verstand, wenn nicht durch
+seine Grundsätze abgehalten werden würde, die Schuld und Schande eines
+Königsmordes und eines Verwandtenmordes auf sich zu laden, und daß
+Viele, welche niemals in die Absetzung ihres Souverains willigen würden,
+so lange er noch auf englischem Boden war, durch seine Flucht sich der
+Unterthanentreue gegen ihn entbunden erachten würden. Die Furcht
+unterdrückte jedes andre Gefühl. Er beschloß abzureisen, und die
+Ausführung dieses Entschlusses war leicht. Er wurde sehr nachlässig
+bewacht, Jedermann hatte Zutritt bei ihm, segelfertige Schiffe lagen in
+geringer Entfernung bereit, und ihre Böte konnten bis dicht an den
+Garten des Hauses herankommen, das er bewohnte. Wäre er klug gewesen, so
+würde schon der Umstand, daß seine Wächter sich bemühten, ihm die Flucht
+zu erleichtern, hingereicht haben, um ihn zu überzeugen, daß er bleiben
+mußte, wo er war. In der That, die Schlinge lag so offen zu Tage, daß
+nur ein durch die Angst geblendeter Thor sie nicht sehen konnte.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_37" id = "noteX_37" href = "#tagX_37">37.</a>
+<span class = "antiqua">History of the Desertion</span>; <span class =
+"antiqua">Clarendon’s Diary, Dec. <ins class = "correction" title =
+"Original hat »21.1688«">21. 1688</ins></span>; <span class =
+"antiqua">Burnet I. 803</span>, und Onslow’s Note.</p>
+
+<p><a name = "noteX_38" id = "noteX_38" href = "#tagX_38">38.</a>
+Sachwalter ersten und zweiten Ranges. &mdash; Der Übers.</p>
+
+<p><a name = "noteX_39" id = "noteX_39" href = "#tagX_39">39.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Dec. 21. 1688</span>; Citters
+unter dem nämlichen Datum.</p>
+
+<p><a name = "noteX_40" id = "noteX_40" href = "#tagX_40">40.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary. Dec. 21, 22, 1688</span>;
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 268, 270. Orig.
+Mem.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob’s Flucht von Rochester.</span>
+<a name = "secX_20" id = "secX_20">Die</a> Vorbereitungen wurden
+schleunigst getroffen. Am Samstag Abend, den Zweiundzwanzigsten,
+versicherte der König einigen von den Herren, welche von London aus mit
+Nachricht und gutem Rathe zu ihm gesandt worden, daß er sie am folgenden
+Morgen wiedersehen werde. Er legte sich zu Bett, stand mitten in der
+Nacht auf, stahl sich in Begleitung Berwick’s durch eine Hinterthür
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_31" id = "pageX_31">
+X.31</a></span>
+fort und ging durch den Garten bis ans Ufer des Medway. Hier erwartete
+ihn ein kleines Boot. Bald nach Tagesanbruch befanden sich die
+Flüchtlinge am Bord einer Schmacke, welche die Themse hinab fuhr.<a
+class = "tag" name = "tagX_41" id = "tagX_41" href =
+"#noteX_41">41</a></p>
+
+<p>Am Nachmittag gelangte die Nachricht von der Flucht nach London. Die
+Anhänger des Königs waren ganz bestürzt, während die Whigs ihre Freude
+nicht verhehlen konnten. Die gute Nachricht ermuthigte den Prinzen zu
+einem kühnen und wichtigen Schritte. Er hatte erfahren, daß die
+französische Gesandtschaft mit der ihm feindlich gesinnten Partei
+fortwährende Communication unterhielt. Man wußte sehr wohl, daß diese
+Gesandtschaft sich vortrefflich auf alle Verführungskünste verstand, und
+es unterlag kaum einem Zweifel, daß bei einer solchen Gelegenheit weder
+Ränke noch Goldstücke gespart werden würden. Barillon wollte gar zu gern
+noch einige Tage in London bleiben, und zu dem Ende ließ er kein Mittel
+unversucht, um die siegreiche Partei zu versöhnen. Auf den Straßen
+beruhigte er den Pöbel, der zornige Blicke auf seine Equipage warf,
+dadurch, daß er ihm Geld zuwarf. An seiner Tafel trank er öffentlich auf
+das Wohl des Prinzen von Oranien. Wilhelm aber ließ sich dadurch nicht
+bethören. Er hatte zwar die Ausübung der königlichen Autorität noch
+nicht auf sich genommen, aber er war commandirender General und als
+solcher nicht verbunden, einen Mann, den er als einen Spion betrachtete,
+innerhalb des von ihm militairisch besetzten Gebietes zu dulden. Noch
+vor dem Ende des Tages erhielt Barillon die Weisung, daß er England
+binnen vierundzwanzig Stunden verlassen müsse. Er bat dringend um einen
+kurzen Aufschub, aber die Minuten waren kostbar, der Befehl wurde in
+noch bestimmteren Ausdrücken wiederholt und er reiste mit Widerstreben
+nach Dover ab. Um kein Zeichen von Geringschätzung und Trotz zu
+unterlassen, wurde er durch einen seiner protestantischen Landsleute,
+den die Verfolgung ins Exil getrieben, bis an die Küste begleitet. Der
+Ehrgeiz und die Anmaßung Frankreichs hatte so bitteren Groll erregt, daß
+selbst diejenigen Engländer, welche im Allgemeinen nicht geneigt waren,
+Wilhelm’s Verhalten mit günstigem Auge zu betrachten, ihm lauten Beifall
+dafür zollten, daß er dem Übermuth, mit dem Ludwig viele Jahre hindurch
+alle europäischen Höfe behandelt hatte, so herzhaft entgegentrat.<a
+class = "tag" name = "tagX_42" id = "tagX_42" href =
+"#noteX_42">42</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_41" id = "noteX_41" href = "#tagX_41">41.</a>
+Clarendon’s Diary. Dec. 23. 1638; Clarke’s Life of James, II. 271, 273,
+274. Orig. Mem.</p>
+
+<p><a name = "noteX_42" id = "noteX_42" href = "#tagX_42">42.</a>
+Citters, 1.(11.) Jan. 1689; Witsen’s Handschr. angeführt von Wagenaar,
+Buch 60.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Berathungen und Beschlüsse der Lords.</span>
+<a name = "secX_21" id = "secX_21">Am</a> Montag versammelten sich die
+Lords wieder. Halifax wurde zum Präsidenten gewählt. Der Primas war
+abwesend, die Royalisten traurig und muthlos, die Whigs heiter und guter
+Dinge. Es war bekannt, daß Jakob einen Brief zurückgelassen hatte.
+Einige von seinen Freunden stellten in der schwachen Hoffnung, daß der
+Brief vielleicht Vorschläge enthielt, welche als Grundlage zu einem
+gütlichen Abkommen dienen konnten, den Antrag ihn vorzulegen. Über
+diesen Antrag wurde abgestimmt und er wurde angenommen. Godolphin, der
+keineswegs als ein Feind seines ehemaligen Gebieters bekannt war, sprach
+einige Worte, welche den Ausschlag
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_32" id = "pageX_32">
+X.32</a></span>
+gaben. „Ich habe das Schreiben gesehen,“ sagte er, „und muß Ihnen zu
+meinem Bedauern bemerken, daß es nichts enthält, was Eure Herrlichkeiten
+irgend zufriedenstellen könnte.“ Es enthielt in der That keine Äußerung
+von Bedauern über frühere Fehler; es gab keiner Hoffnung Raum, daß diese
+Fehler in Zukunft vermieden werden würden, und es wälzte die Schuld an
+allem Geschehenen auf die Böswilligkeit Wilhelm’s und auf die Blindheit
+des Volks, das sich durch die schimmernden Worte Religion und Eigenthum
+habe bethören lassen. Niemand wagte den Vorschlag zu machen, daß
+Unterhandlungen mit einem Fürsten eingeleitet werden möchten, den die
+härteste Schule des Unglücks nur hartnäckiger im Unrecht gemacht zu
+haben schien. Es war die Rede von einer Untersuchung der Geburt des
+Prinzen von Wales; aber die whiggistischen Peers behandelten diesen
+Vorschlag mit Geringschätzung. „Ich hätte nicht erwartet, Mylords,“ rief
+Philipp, Lord Wharton, ein alter Rundkopf, der bei Edgehill gegen
+Karl&nbsp;I. ein Regiment commandirt hatte, „daß unter den gegenwärtigen
+Umständen Jemand das Kind erwähnen würde, das Prinz von Wales genannt
+worden ist, und ich hoffe, es wird zum letzten Male von ihm die Rede
+gewesen sein.“ Nach langer Berathung wurden zwei Adressen an Wilhelm
+beschlossen. Die eine ersuchte ihn, die Leitung der Regierung
+provisorisch zu übernehmen; die andre rieth ihm, durch eigenhändig
+unterzeichnete Rundschreiben alle Wahlkörper des Reichs zur Absendung
+von Vertretern nach Westminster aufzufordern. Zu gleicher Zeit nahmen
+die Peers es auf sich, eine Verordnung zu erlassen, welche alle
+Papisten, mit Ausnahme einiger weniger bevorzugter Personen, aus London
+und dessen nächster Umgebung verwies.<a class = "tag" name = "tagX_43"
+id = "tagX_43" href = "#noteX_43">43</a></p>
+
+<p>Die Lords überreichten ihre Adressen dem Prinzen am folgenden Tage,
+ohne den Ausgang der Berathungen der von ihm einberufenen Gemeinen zu
+erwarten. Es scheint in der That, als ob der erbliche Adel in diesem
+Augenblicke um die Aufrechthaltung seines Ansehens sehr besorgt gewesen
+wäre und keine Lust gehabt hätte, einer Versammlung, von der das Gesetz
+nichts wußte, eine ebenbürtige Autorität zuzugestehen. Sie hielten sich
+für ein ächtes Haus der Lords; die andre Kammer aber verachteten sie als
+ein bloß nachgemachtes Haus der Gemeinen. Wilhelm lehnte es jedoch
+wohlweislich ab einen Entschluß zu fassen, bevor er sich von der Ansicht
+derjenigen Gentlemen überzeugt haben würde, welche früher mit den
+Vertrauen der Grafschaften und Städte Englands beehrt worden waren.<a
+class = "tag" name = "tagX_44" id = "tagX_44" href =
+"#noteX_44">44</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_43" id = "noteX_43" href = "#tagX_43">43.</a>
+<span class = "antiqua">Halifax’s notes</span>; <span class =
+"antiqua">Landsdown MS. 255</span>; <span class = "antiqua">Clarendon’s
+Diary, Dec. 24. 1688</span>; <span class = "antiqua">London Gazette,
+Dec. 31.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_44" id = "noteX_44" href = "#tagX_44">44.</a>
+Citters, 25. Dec. (4. Jan.) 1688/89.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Verhandlungen und Beschlüsse der von dem Prinzen einberufenen
+Gemeinen.</span>
+<a name = "secX_22" id = "secX_22">Die</a> einberufenen Gemeinen kamen
+in der St. Stephanskapelle zusammen und bildeten eine zahlreiche
+Versammlung. Sie ernannten zu ihrem Präsidenten Heinrich Powle, welcher
+Cirencester in mehreren Parlamenten vertreten und sich unter den
+Vertheidigern der Ausschließungsbill hervorgethan hatte.</p>
+
+<p>Es wurden ähnliche Adressen wie die von den Lords bereits
+überreichten beantragt und angenommen. In keiner wichtigen Frage zeigte
+sich eine
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_33" id = "pageX_33">
+X.33</a></span>
+Meinungsverschiedenheit und einige schwache Versuche, über formelle
+Punkte eine Debatte zu eröffnen, wurden durch die allgemeine Verachtung
+vereitelt. Sir Robert Sawyer erklärte, er könne nicht begreifen, wie der
+Prinz ohne einen unterscheidenden Titel, wie Regent oder Protektor, die
+Regierung verwalten könne. Der greise Maynard, der als Jurist seines
+Gleichen nicht hatte und dabei ein mit der Taktik der Revolutionen wohl
+vertrauter Staatsmann war, versuchte es gar nicht, seinen Unwillen über
+einen so kindischen Einwand zu verhehlen, der in einem Augenblicke
+erhoben wurde, wo einmüthiges und rasches Handeln von der größten
+Wichtigkeit waren. „Wir werden sehr lange hier sitzen,“ sagte er, „wenn
+wir warten wollen, bis Sir Robert begreifen kann, wie so etwas möglich
+ist.“ Die Versammlung hielt diese Antwort der Krittelei ganz
+entsprechend.<a class = "tag" name = "tagX_45" id = "tagX_45" href =
+"#noteX_45">45</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_45" id = "noteX_45" href = "#tagX_45">45.</a>
+Der Urheber dieses Einwandes wurde in damaligen Büchern und Pamphlets
+nur mit den Anfangsbuchstaben seines Namens bezeichnet und diese wurden
+zuweilen mißverstanden. Eachard schrieb die Krittelei Sir Robert
+Southwell zu; ich bin aber fest überzeugt, daß Oldmixon ganz Recht hat,
+wenn er sie Sawyer in den Mund legt.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Eine Convention berufen.</span>
+<a name = "secX_23" id = "secX_23">Die</a> Beschlüsse der Versammlung
+wurden dem Prinzen mitgetheilt. Er erklärte sogleich seinen Entschluß,
+dem vereinten Ansuchen der von ihm einberufenen beiden Kammern zu
+entsprechen, Ausschreiben zur Einberufung einer Convention der Stände
+des Reichs zu erlassen und bis zum Zusammentritt dieser Convention die
+ausübende Verwaltung selbst zu übernehmen.<a class = "tag" name =
+"tagX_46" id = "tagX_46" href = "#noteX_46">46</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_46" id = "noteX_46" href = "#tagX_46">46.</a>
+<span class = "antiqua">History of the Desertion</span>; <span class =
+"antiqua">Life of William, 1703</span>; Citters, 28. Dec. (7. Jan.)
+1688/89.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Bemühungen des Prinzen zur Herstellung der Ordnung.</span>
+<a name = "secX_24" id = "secX_24">Er</a> hatte sich keine leichte
+Aufgabe vorgenommen. Die ganze Regierungsmaschine war in Unordnung. Die
+Friedensrichter hatten ihre Functionen eingestellt. Die Finanzbeamten
+hatten aufgehört, Steuern zu erheben. Die von Feversham aufgelöste Armee
+war noch immer in Verwirrung und zur Empörung bereit. Die Flotte befand
+sich in einem kaum weniger beunruhigenden Zustande. Die bürgerlichen und
+militairischen Diener der Krone hatten bedeutende Soldrückstande zu
+fordern und im Staatsschatze befanden sich nur noch vierzigtausend
+Pfund. Der Prinz ging mit Energie an die Wiederherstellung der Ordnung.
+Er erließ eine Proklamation, durch welche alle Magistratspersonen in
+ihren Ämtern bestätigt wurden, und eine andre, welche Anordnungen zur
+Erhebung der Staatseinkünfte enthielt.<a class = "tag" name = "tagX_47"
+id = "tagX_47" href = "#noteX_47">47</a> Die Reorganisation der Armee
+wurde rasch betrieben. Viele von den Kavalieren und Gentlemen, welche
+Jakob des Kommandos englischer Regimenter enthoben hatte, wurden wieder
+angestellt. Auch wurden Mittel und Wege gefunden, um die Tausende von
+irländischen Soldaten, welche Jakob nach England hatte kommen lassen, zu
+verwenden. In einem Lande, wo sie dem religiösen und nationalen Hasse
+preisgegeben waren, konnten sie nicht bleiben. Eben so wenig durfte man
+sie in ihre Heimath zurücksenden, wo sie Tyrconnel’s Armee verstärkt
+haben würden. Man beschloß daher, sie auf den Continent zu schicken, wo
+sie unter den Fahnen des Hauses Österreich der englischen Verfassung und
+der protestantischen Religion indirecte, aber wirksame Dienste leisten
+konnten. Dartmouth wurde seines Commando’s enthoben
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_34" id = "pageX_34">
+X.34</a></span>
+und die Seemacht durch das bestimmte Versprechen gewonnen, daß jeder
+Matrose so bald als möglich seinen rückständigen Sold erhalten solle.
+Die City von London nahm es auf sich, den Prinzen aus seiner
+finanziellen Verlegenheit zu reißen. Der Gemeinderath verpflichtete sich
+durch ein einstimmiges Votum, ihm zweimalhunderttausend Pfund zu
+verschaffen. Es wurde als ein großer Beweis von dem Reichthume und dem
+Gemeinsinne der londoner Kaufmannschaft betrachtet, daß binnen
+achtundvierzig Stunden die ganze Summe ohne ein andres Unterpfand als
+das Wort des Prinzen eingezahlt wurde. Wenige Wochen zuvor war Jakob
+nicht im Stande gewesen, eine viel kleinere Summe aufzubringen, obgleich
+er höhere Zinsen bot und werthvolles Eigenthum verpfänden wollte.<a
+class = "tag" name = "tagX_48" id = "tagX_48" href =
+"#noteX_48">48</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_47" id = "noteX_47" href = "#tagX_47">47.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Jan. 3, 7. 1688/89.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_48" id = "noteX_48" href = "#tagX_48">48.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Jan. 10, 17. 1688/89; Luttrell’s
+Diary</span>; Legge-Papiere; Citters, 1.(11.), 4.(14.), 11.(21.) Jan.
+1689; Ronquillo, 15.(21.) Jan., 23. Febr. (5. März); Berathung des
+spanischen Staatsrathes vom 26. März (5. April).</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Seine tolerante Politik.</span>
+<a name = "secX_25" id = "secX_25">In</a> sehr wenigen Tagen war die
+Unordnung, welche die Invasion, die Aufstände, die Flucht Jakob’s und
+das Aufhören aller regelmäßigen Verwaltung herbeigeführt hatten, zu Ende
+und das Königreich hatte wieder sein gewohntes Aussehen angenommen. Ein
+allgemeines Gefühl von Sicherheit war zurückgekehrt. Selbst diejenigen
+Stände, auf welche der öffentliche Haß vorzugsweise gerichtet war und
+die am meisten Ursache hatten, eine Verfolgung zu befürchten, wurden
+durch die weise Milde des Siegers beschützt. Leute, welche in die
+gesetzwidrigen Handlungen der vorigen Regierung tief verwickelt gewesen
+waren, gingen nicht nur unangefochten einher, sondern traten sogar als
+Candidaten für Sitze in der Convention auf. Mulgrave wurde im St.
+Jamespalaste nicht ungnädig empfangen. Feversham wurde seiner Haft
+entlassen und ihm gestattet, das einzige Amt zu verwalten, dem er
+gewachsen war: das eines Bankhalters am Bassettische der Königin Wittwe.
+Doch Niemand hatte so viel Ursache, Wilhelm dankbar zu sein, als die
+Katholiken. Es würde nicht rathsam gewesen sein, die strengen
+Verordnungen, welche die Peers gegen die Bekenner eines von der ganzen
+Nation verabscheuten Glaubens erlassen hatten, förmlich aufzuheben;
+durch die Klugheit und Menschlichkeit des Prinzen aber wurden diese
+Verordnungen praktisch nicht angewendet. Auf seinem Marsche von Torbay
+nach London hatte er Befehl gegeben, daß an den Personen oder Wohnungen
+von Papisten durchaus keine Gewaltthätigkeiten verübt werden sollten.
+Diesen Befehl erneuerte er jetzt und wies Burnet an, auf strengste
+Befolgung desselben zu sehen. Eine glücklichere Wahl hätte er nicht
+treffen können, denn Burnet war ein so edelmüthiger und gutherziger
+Mann, daß sein Herz stets in warmer Theilnahme für Unglückliche schlug,
+und sein Haß gegen das Papstthum bot zugleich auch den eifrigsten
+Protestanten hinreichende Gewähr dafür, daß die Interessen ihrer
+Religion in seinen Händen wohl aufgehoben waren. Er hörte die Klagen der
+Katholiken freundlich an, verschaffte Denen, die über das Meer gehen
+wollten, Pässe und besuchte selbst in Newgate die dort gefangensitzenden
+Prälaten. Er gab Befehl, daß sie in ein bequemeres Zimmer versetzt und
+ihnen jede mögliche Erleichterung verschafft werden sollte. Er gab ihnen
+die feierliche Versicherung, daß ihnen kein Haar gekrümmt werden und daß
+der Prinz, sobald er es wagen könnte, nach seinen Wünschen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_35" id = "pageX_35">
+X.35</a></span>
+zu handeln, sie in Freiheit setzen würde. Der spanische Gesandte meldete
+seinem Hofe, und durch seinen Hof dem Papste, daß kein Katholik wegen
+der letzten englischen Revolution Gewissensscrupel zu hegen brauche, daß
+Jakob allein für die Gefahren, denen die Mitglieder der wahren Kirche
+ausgesetzt wären, verantwortlich sei und daß Wilhelm allein sie vor
+einer blutigen Verfolgung gerettet habe.<a class = "tag" name =
+"tagX_49" id = "tagX_49" href = "#noteX_49">49</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_49" id = "noteX_49" href = "#tagX_49">49.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 802</span>; Ronquillo, 2.(12.) Jan.,
+8.(18.) Febr. 1689. Die Originale dieser Depeschen wurden mir durch die
+Gefälligkeit der verstorbenen Lady Holland und des gegenwärtigen Lord
+Holland mitgetheilt. Aus der letzten will ich einige Worte anführen.
+<span class = "antiqua">„La tema de S.&nbsp;M. Britanica à seguir
+imprudentes consejos perdió á los Catolicos aquella quietud en que les
+dexo Carlos segundo. V.&nbsp;E. asegure á su Santidad que mas sacaré del
+Principe para los Catolicos que pudiera sacra del Rey.“</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Zufriedenheit der katholischen Mächte.</span>
+<a name = "secX_26" id = "secX_26">In</a> Folge dessen war die
+Befriedigung, mit der die Fürsten des Hauses Österreich und der Papst
+erfuhren, daß die langjährige Abhängigkeit Englands zu Ende sei,
+ziemlich ungetrübt. Als es in Madrid bekannt wurde, daß Wilhelm dem
+glücklichen Erfolge seines Unternehmens entgegenging, sprach nur eine
+einzige Stimme im spanischen Staatsrathe schüchtern sein Bedauern
+darüber aus, daß ein vom politischen Standpunkte betrachtet höchst
+erfreuliches Ereigniß den Interessen der wahren Kirche nachtheilig
+werden müsse.<a class = "tag" name = "tagX_50" id = "tagX_50" href =
+"#noteX_50">50</a> Aber die tolerante Politik des Prinzen zerstreute
+bald alle Besorgnisse und die bigotten Granden Castiliens betrachteten
+seine Erhebung fast mit eben so großer Befriedigung, als die englischen
+Whigs.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_50" id = "noteX_50" href = "#tagX_50">50.</a>
+Am 13.(23.) Dec. 1688 gab der Admiral von Castilien seine Meinung
+folgendermaßen ab: <span class = "antiqua">„Esta materia es de calidad
+que no puede dexar de padecer nuestra sagrada religion ó el servicio de
+V.&nbsp;M.; porque, si el Principe de Orange tiene buenos succesos, nos
+aseguraremos de Franceses, pero peligrarà la religion.“</span> Der
+Staatsrath wurde am 16.(26.) Februar sehr erfreut durch ein Schreiben
+des Prinzen, in welchem er versprach, <span class = "antiqua">„que los
+Catolicos que se portaren con prudencia no sean molestados, y gocen
+libertad di conciencia, por ser contra su dictamen el forzar ni castigar
+por esta ràzon à nadie.“</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Stimmung in Frankreich.</span>
+<a name = "secX_27" id = "secX_27">Mit</a> ganz anderen Gefühlen war die
+Nachricht von der großen Revolution in Frankreich aufgenommen worden.
+Die Politik einer langen, ereignißreichen und ruhmvollen Regierung war
+in einem Tage über den Haufen geworfen worden. England war wieder das
+England der Elisabeth und Cromwell’s und alle Beziehungen zu sämmtlichen
+Staaten der Christenheit wurden durch die plötzliche Einführung dieser
+neuen Macht in das System völlig verändert. Die Pariser sprachen von
+nichts als von den Vorgängen in London. Nationale und religiöse Gefühle
+bewogen sie, für Jakob Partei zu nehmen. Sie kannten die englische
+Verfassung nicht, sie verabscheuten die englische Kirche und unsre
+Revolution erschien ihnen nicht als der Sieg der öffentlichen Freiheit
+über den Despotismus, sondern als eine grauenvolle Familientragödie, in
+der ein ehrwürdiger und frommer Servius durch einen Tarquin vom Throne
+gestürzt und unter den Wagenrädern einer Tullia zermalmt wurde. Sie
+schrien Zeter über die treulosen Heerführer, verwünschten die
+unnatürlichen Töchter und betrachteten Wilhelm mit einem heftigen
+Widerwillen, der jedoch durch die Achtung, welche Tapferkeit, Genie und
+Erfolg fast immer erwecken, gemildert wurde.<a class = "tag" name =
+"tagX_51" id = "tagX_51" href = "#noteX_51">51</a> Die
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_36" id = "pageX_36">
+X.36</a></span>
+Königin, dem Nachtwind und Regen ausgesetzt, den unmündigen Erben dreier
+Kronen an die Brust drückend und der von rohen Buben angehaltene,
+beraubte und gemißhandelte König waren in ganz Frankreich Gegenstände
+des Mitleids und der romanhaften Theilnahme. Ludwig aber betrachtete das
+Unglück des Hauses Stuart mit ganz besonders lebhaftem Mitgefühl. Alle
+egoistischen und alle edlen Seiten seines Characters wurden gleichmäßig
+erregt. Nach langen Jahren des Glücks traf ihn endlich ein großes
+Unglück. Er hatte auf die Unterstützung oder Neutralität Englands
+gerechnet; jetzt hatte er von diesem Lande nichts mehr als energische
+und beharrliche Feindseligkeit zu erwarten. Noch wenige Wochen zuvor
+hätte er nicht mit Unrecht hoffen können, Flandern zu unterjochen und
+Deutschland Gesetze zu geben. Jetzt konnte er froh sein, wenn er im
+Stande war, seine eigenen Grenzen gegen einen Staatenbund zu
+vertheidigen, wie ihn Europa seit vielen Menschenaltern nicht mehr
+gesehen hatte. Nichts konnte ihn aus dieser ganz neuen beunruhigenden
+Lage reißen, als eine Contrerevolution oder ein Bürgerkrieg auf den
+britischen Inseln. Ehrgeiz und Furcht bestimmten ihn daher, sich der
+gestürzten Dynastie anzunehmen. Man muß ihm jedoch die Gerechtigkeit
+widerfahren lassen, daß auch edlere Motive als Ehrgeiz und Furcht ihn
+bei seinem Verfahren leiteten. Er besaß von Natur ein mitfühlendes Herz
+und der vorliegende Fall mußte nothwendig sein ganzes Mitgefühl erregen.
+Nur seine Stellung hatte die volle Entwickelung seiner guten
+Charactereigenschaften verhindert. Bei großer Ungleichheit der
+Standesverhältnisse wird selten ein starkes Mitgefühl aufkommen können,
+und er stand so hoch über der großen Masse seiner Nebenmenschen, daß
+ihre Drangsale nur geringe Theilnahme in ihm erweckten, ähnlich der, mit
+der wir die Leiden niederer Geschöpfe, eines verhungerten Vogels oder
+eines abgetriebenen Pferdes betrachten. So hatte die Verwüstung der
+Pfalz und die Verfolgung der Hugenotten kein theilnehmendes Gefühl in
+ihm erregt, das nicht durch Stolz und Bigotterie wirksam unterdrückt
+worden wäre. Aber die ganze Sympathie, deren er fähig war, wurde durch
+das Unglück eines großen Königs erweckt, der noch vor wenigen Wochen von
+knieenden Lords bedient worden und der jetzt ein verlassener Verbannter
+war. Mit dieser Rührung verband sich im Herzen Ludwig’s eine nicht
+unedle Eitelkeit. Er wollte der Welt ein Beispiel von Großmuth und
+Artigkeit geben. Er wollte der Menschheit zeigen, wie sich ein
+vollendeter Edelmann in der höchsten Stellung und bei der wichtigsten
+Veranlassung benehmen müsse, und sein Benehmen zeichnete sich in der
+That durch ritterliche Großmuth und Urbanität aus, wie sie die
+Geschichtsbücher Europa’s nicht wieder geziert hatten, seitdem der
+schwarze Prinz beim Souper auf dem Schlachtfelde von Poitiers hinter dem
+Stuhle König Johann’s gestanden.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_51" id = "noteX_51" href = "#tagX_51">51.</a>
+In dem Kapitel von La Bruyère unter der Überschrift: <span class =
+"antiqua">Sur les Jugemens</span>, kommt eine Stelle vor, welche gelesen
+zu werden verdient, weil sie zeigt, in welchem Lichte unsre Revolution
+einem Franzosen von ausgezeichneten Fähigkeiten erschien.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Empfang der Königin von England in Frankreich.</span>
+<a name = "secX_28" id = "secX_28">Sobald</a> die Nachricht von der
+Landung der Königin von England an der französischen Küste nach
+Versailles kam, wurde ein Palast für sie in Bereitschaft gebracht.
+Equipagen und Garden wurden zu ihrer Verfügung abgesandt. Arbeiter
+wurden angestellt, um die Straße von Calais auszubessern, damit ihr die
+Reise möglichst erleichtert werde. Lauzun erhielt nicht nur die
+Zusicherung, daß ihm seine früheren Vergehen um ihretwillen vergeben
+sein sollten, sondern er wurde überdies mit einem eigenhändigen gnädigen
+Schreiben von Ludwig beehrt. Marie war schon auf dem Wege nach dem
+französischen Hofe, als sie die Nachricht erhielt, daß
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_37" id = "pageX_37">
+X.37</a></span>
+ihr Gemahl nach einer stürmischen Überfahrt glücklich bei dem kleinen
+Dorfe Ambleteuse gelandet war. Einige Personen von hohem Range wurden
+sogleich von Versailles abgesandt, um ihn zu begrüßen und zu begleiten.
+Unterdessen brach Ludwig selbst mit seiner Familie und seinem höchsten
+Adel auf, um die verbannte Königin mit Gepränge zu empfangen. Vor seiner
+prachtvollen Staatscarosse marschirten die schweizer Hellebardiere. Zu
+beiden Seiten und hinter derselben ritt die Leibgarde mit klingendem
+Spiel. Der glänzendste Adel von Europa folgte dem Könige mit hundert
+sechsspännigen Equipagen; Alles strotzte von Federn, Bändern, Juwelen
+und Stickereien. Der Zug war noch nicht weit gekommen, als die
+Annäherung Mariens gemeldet wurde. Ludwig stieg aus und ging ihr zu Fuß
+entgegen. Sie brach in leidenschaftliche Dankesversicherungen aus.
+„Madame,“ sagte der König, „es ist leider ein schmerzlicher Dienst, den
+ich Ihnen heute erzeige. Ich hoffe später im Stande zu sein, Ihnen
+größere und angenehmere Dienste zu erzeigen.“ Er küßte den kleinen
+Prinzen von Wales und ließ die Königin in seinem Staatswagen zur Rechten
+sitzen. Dann setzte sich der Zug nach Saint-Germains in Bewegung.</p>
+
+<p>In Saint-Germains hatte Franz I. am Saume eines von Jagdwild reich
+bestandenen Forstes und auf dem Gipfel eines die Windungen der Seine
+beherrschenden Hügels ein Schloß erbaut und Heinrich&nbsp;IV. eine
+prächtige <ins class = "correction" title = "Original hat »Terasse«">Terrasse</ins> angelegt. Keine von den Residenzen der Könige
+von Frankreich hatte eine gesundere Lage und eine herrlichere Aussicht.
+Die gewaltige Größe und das ehrwürdige Alter der Bäume, die Schönheit
+der Gärten und der Überfluß an Quellen waren weit berühmt.
+Ludwig&nbsp;XIV. war hier geboren, hatte hier als Jüngling sein Hoflager
+gehalten, hatte das Schloß Franz’&nbsp;I. durch mehrere stattliche
+Pavillons erweitert und die Terrasse Heinrich’s vollendet. Bald aber
+bemächtigte sich des prachtliebenden Königs ein unerklärlicher
+Widerwille gegen seine Geburtsstätte. Er vertauschte Saint-Germains mit
+Versailles und verwendete ungeheure Summen auf das vergebliche Bemühen,
+einen ganz besonders unfruchtbaren und ungesunden Ort, dessen Boden nur
+aus Sand oder Lehm bestand und der weder Wald, noch Wasser, noch Wild
+hatte, in ein Paradies umzuschaffen. Saint-Germains war jetzt zum
+Wohnsitz für die königliche Familie Englands erwählt worden. Prachtvolle
+Mobilien waren in aller Eile dahin gesandt worden und die für den
+kleinen Prinzen von Wales bestimmten Gemächer waren mit Allem versehen,
+was ein Kind bedurfte. Einer von dem Gefolge überreichte der Königin den
+Schlüssel zu einer kostbaren Chatulle, die in ihrem Zimmer stand. Sie
+öffnete dieselbe und fand darin sechstausend Pistolen.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Ankunft Jakob’s in St.-Germains.</span>
+<a name = "secX_29" id = "secX_29">Am</a> folgenden Tage kam auch Jakob
+in St.-Germains an. Ludwig war schon dort, um ihn zu bewillkommnen. Der
+unglückliche Verbannte verbeugte sich so tief, als ob er die Knie seines
+Beschützers hatte umfassen wollen. Ludwig hob ihn auf und umarmte ihn
+mit brüderlicher Zärtlichkeit. Dann traten die beiden Könige ins Zimmer
+der Königin. „Hier ist ein Herr,“ sagte Ludwig zu ihr, „dessen Ankunft
+Sie gewiß erfreuen wird.“ Nachdem er hierauf seine Gäste eingeladen
+hatte, ihn am folgenden Tage in Versailles zu besuchen und ihm das
+Vergnügen zu verschaffen, ihnen seine Gebäude, seine Gemälde und seine
+Anlagen zu zeigen, verabschiedete er sich ohne alle Ceremonien, wie ein
+alter Freund.</p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_38" id = "pageX_38">
+X.38</a></span>
+<p>Wenige Stunden darauf wurde dem königlichen Paare gemeldet, daß
+ihnen, so lange sie dem Könige von Frankreich die Ehre erzeigen würden,
+seine Gastfreundschaft anzunehmen, jährlich fünfundvierzigtausend Pfund
+Sterling aus seinem Staatsschatze ausgezahlt werden sollten. Zehntausend
+Pfund wurden zur ersten Einrichtung gesandt.</p>
+
+<p>Viel rühmenswerther und bewundernswürdiger als Ludwig’s Freigebigkeit
+war jedoch die ausgezeichnete Delicatesse, mit der er sich bemühte, die
+Gefühle seiner Gäste zu beruhigen und ihnen die fast unerträgliche Last
+der Verbindlichkeiten, die er ihnen auflud, zu erleichtern. Er, der
+bisher in allen Fragen des Vorrangs empfindlich, streitsüchtig und
+anmaßend, der mehr als einmal bereit gewesen war, eher ganz Europa in
+Krieg zu verwickeln, als in dem geringfügigsten Punkte der Etikette
+nachzugeben, war jetzt übertrieben ängstlich, und zwar für seine Freunde
+gegen sich selbst. Er gab Befehl, daß Marien alle Ehrfurchtsbezeigungen
+zu Theil werden sollten, die seiner verstorbenen Gemahlin je erwiesen
+worden waren. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob die Prinzen des Hauses
+Bourbon berechtigt seien, sich in Anwesenheit der Königin
+niederzusetzen. Derartige Kleinigkeiten waren an dem alten französischen
+Hofe sehr wichtige Dinge. Es ließen sich auf beiden Seiten
+Precedenzfälle nachweisen; aber Ludwig entschied die Frage gegen sein
+eignes Blut. Einige vornehme Damen unterließen die Ceremonie, den Saum
+von Mariens Kleide zu küssen. Ludwig bemerkte die Unterlassung und rügte
+sie in einem Tone und mit einem Blicke, daß diese ganze Pairie von nun
+an bereit gewesen wäre, ihr den Fuß zu küssen. Als das so eben von
+Racine geschriebene Schauspiel „Esther“ in Saint-Cyr aufgeführt wurde,
+hatte Marie den Ehrenplatz. Jakob saß ihr zur Rechten, Ludwig nahm
+bescheiden zu ihrer Linken Platz. Ja er wünschte sogar, daß ein von
+seiner Freigebigkeit lebender Verbannter in seinem eigenen Palaste den
+Titel König von Frankreich führen, als König von Frankreich die Lilien
+mit dem englischen Löwen vereinigen und sich als König von Frankreich
+bei vorkommender Hoftrauer violett kleiden sollte.</p>
+
+<p>Das Benehmen des französischen Adels bei feierlichen Anlässen wurde
+durchaus vom Souverain geregelt; aber es lag außer dem Bereiche seiner
+Macht, sie am freien Denken zu hindern und in Privatzirkeln ihre
+Gedanken mit dem ihrer Nation und ihrem Stande eigenen feinen und
+beißenden Witze auszudrücken. Ihre Meinung von Marien war eine günstige.
+Sie fanden ihre persönliche Erscheinung einnehmend und ihre Haltung
+würdevoll. Sie achteten ihren Muth und ihre Mutterliebe und beklagten
+ihr Mißgeschick. Jakob aber verachteten sie gründlich. Sein Stumpfsinn,
+die kalte Gleichgültigkeit, mit der er gegen Jedermann von seinem Sturze
+sprach, und das kindische Vergnügen, das er an dem Pomp und Luxus von
+Versailles fand, waren ihnen widerlich. Sie schrieben diese sonderbare
+Apathie nicht der Philosophie oder Religiosität, sondern einem
+beschränkten und niedrig denkenden Geiste zu und äußerten, daß Niemand
+der die Ehre gehabt habe, Seine Großbritannische Majestät seine
+Geschichte erzählen zu hören, sich darüber wundern könne, daß er in
+Saint-Germains und sein Schwiegersohn in Saint-James war.<a class =
+"tag" name = "tagX_52" id = "tagX_52" href = "#noteX_52">52</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_52" id = "noteX_52" href = "#tagX_52">52.</a>
+Meine Mittheilungen über den Empfang Jakob’s und seiner Gemahlin in
+Frankreich sind namentlich den Briefen der Frau von Sévigné und den
+Memoiren Dangeau’s entnommen.</p>
+
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_39" id = "pageX_39">
+X.39</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Stimmung in den Vereinigten Provinzen.</span>
+<a name = "secX_30" id = "secX_30">In</a> den Vereinigten Provinzen war
+die durch die Nachrichten aus England verursachte Aufregung noch größer
+als in Frankreich. Dies war der Zeitpunkt, wo der batavische Bund den
+Höhepunkt seiner Macht und seines Ruhmes erreichte. Von dem Tage, an
+welchem die Expedition absegelte, war die ganze holländische Nation in
+ängstlicher Spannung. Nie waren die Kirchen so gefüllt, nie war die
+Begeisterung der Prediger so glühend gewesen. Man konnte es nicht
+verhindern, daß die Bewohner des Haag Albeville insultirten. Sein Haus
+war Tag und Nacht von so dichten Volkshaufen belagert, daß fast Niemand
+es wagte, ihn zu besuchen, und er fürchtete ernstlich, seine Kapelle
+würde in Brand gesteckt werden.<a class = "tag" name = "tagX_53" id =
+"tagX_53" href = "#noteX_53">53</a> Da jede Post Nachricht von dem immer
+weiteren Vorschreiten des Prinzen brachte, stieg der Muth seiner
+Landsleute mit jedem Augenblicke, und als es endlich bekannt wurde, daß
+er auf Ansuchen der Lords und einer Versammlung ausgezeichneter Gemeinen
+die ausübende Verwaltung übernommen hatte, brachen alle holländischen
+Parteien in einen einstimmigen Ruf des Stolzes und der Freude aus. Es
+wurde in aller Eil eine außerordentliche Gesandtschaft abgeschickt, um
+ihn zu beglückwünschen. Dykvelt, dessen Beistand wegen seiner
+diplomatischen Geschicklichkeit und seiner gründlichen Kenntniß des
+englischen Staatswesens in diesem Augenblicke besonderen Werth hatte,
+war einer der Abgesandten, und ihm war Nikolaus Witsen, ein
+Bürgermeister von Amsterdam, beigegeben, welcher deshalb dazu auserwählt
+worden zu sein scheint, um ganz Europa zu beweisen, daß die lange Fehde
+zwischen dem Hause Oranien und der Hauptstadt Hollands zu Ende sei. Am
+8. Januar erschienen Dykvelt und Witsen in Westminster. Wilhelm sprach
+mit einer Offenheit und Herzlichkeit zu ihnen, die man in seinen
+Unterredungen mit Engländern selten bemerkte. Seine ersten Worte waren:
+„Nun, was sagen jetzt unsere Freunde in der Heimath?“ In der That, der
+einzige Beifall, der auf sein stoisches Gemüth einen tiefen Eindruck
+machte, war der Beifall seines geliebten Vaterlandes. Von seiner großen
+Popularität in England sprach er mit kalter Geringschätzung und
+prophezeite nur zu wahr die wirklich eintretende Reaction. „Hier,“ sagte
+er, „ruft jetzt Alles Hosianna, und morgen wird man vielleicht rufen:
+Kreuziget ihn!“<a class = "tag" name = "tagX_54" id = "tagX_54" href =
+"#noteX_54">54</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+
+<p><a name = "noteX_53" id = "noteX_53" href = "#tagX_53">53.</a>
+Albeville an Preston, 23. Nov. (3. Dec.) 1688 in der
+Mackintosh-Sammlung.</p>
+
+<p><a name = "noteX_54" id = "noteX_54" href = "#tagX_54">54.</a>
+<span class = "antiqua">„’Tis hier nu Hosanna: maar ’t zal, veelligt,
+haast Kruist hem, kruist hem, zyn.“</span> Witsen <span class =
+"antiqua">MS.</span> in Wagenaar, Buch 61. Es ist ein sonderbares
+Zusammentreffen, daß einige Jahre früher Richard Duke, ein ehedem
+wohlbekannter, jetzt aber fast ganz vergessener toryistischer Dichter,
+den man höchstens noch aus Johnson’s biographischer Skizze kennt, ganz
+denselben Vergleich auf Jakob anwendete:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>„Ist’s nicht der Judenpöbel, der einstmals geschrie’n</p>
+<p>Hosianna erst und nachher kreuzigt ihn?“</p>
+<p class = "indent3"><span class = "antiqua">„The Review.“</span></p>
+</div>
+
+<p>Depesche der außerordentlichen holländischen Gesandten vom 8.(18.)
+Jan. 1689; Citters von dem nämlichen Datum.</p>
+
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wahl der Mitglieder zur Convention.</span>
+<a name = "secX_31" id = "secX_31">Am</a> folgenden Tage wurden die
+ersten Mitglieder der Convention gewählt. Die City von London machte den
+Anfang und wählte ohne allen Widerstreit vier große Kaufleute, welche
+eifrige Whigs waren. Der König und seine Anhänger hatten gehofft, daß
+viele Wahlbeamten das Schreiben des Prinzen als ungültig betrachten
+würden, aber seine Hoffnung wurde
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_40" id = "pageX_40">
+X.40</a></span>
+getäuscht. Die Wahlen gingen rasch und ohne Hindernisse von Statten.
+Kaum an einem einzigen Orte gab es Widerspruch. Denn die Nation war seit
+länger als einem Jahre in beständiger Erwartung eines Parlaments
+gehalten worden. Es waren zweimal Wahlschreiben erlassen und zweimal
+waren sie widerrufen worden. Einige Wahlkörper waren in Folge dieser
+Ausschreiben schon zu der Wahl von Abgeordneten geschritten. Es gab kaum
+eine Grafschaft, in der die Gentry und die Freisassenschaft nicht schon
+vor vielen Monaten über Candidaten einig gewesen wäre, lauter gute
+Protestanten, welche trotz König und Lordlieutenant durchzubringen man
+keine Anstrengung gespart haben würde, und diese Candidaten wurden ohne
+Opposition gewählt.</p>
+
+<p>Der Prinz erließ strenge Befehle, daß kein Staatsdiener bei dieser
+Gelegenheit jene Kunstgriffe anwenden solle, welche der vorigen
+Regierung so viele Vorwürfe zugezogen hatten. Namentlich verfügte er,
+daß in keiner Stadt, wo eine Wahl vor sich ging, Soldaten erscheinen
+dürften.<a class = "tag" name = "tagX_55" id = "tagX_55" href =
+"#noteX_55">55</a> Seine Bewunderer konnten rühmend behaupten und seine
+Feinde scheinen nicht im Stande gewesen zu sein es zu leugnen, daß die
+Gesinnung der Wahlkörper einen unverfälschten Ausdruck erhielt.
+Allerdings wagte er auch nicht viel. Die ihm anhängende Partei war
+siegreich, voll Begeisterung und energischer Lebenskraft, und die
+Partei, von der allein er ernsten Widerstand zu fürchten gehabt hätte,
+war uneinig und muthlos mit sich selbst und noch mehr mit ihrem
+natürlichen Oberhaupte unzufrieden. Daher wählte ein großer Theil der
+Grafschaften und Boroughs whiggistische Abgeordnete.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_55" id = "noteX_55" href = "#tagX_55">55.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Jan. 7. 1688/89.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Angelegenheiten Schottlands.</span>
+<a name = "secX_32" id = "secX_32">Wilhelm’s</a> Regentenautorität
+erstreckte sich nicht auf England allein. Auch Schottland hatte sich
+gegen seine Tyrannen erhoben. Alle regulären Soldaten, durch die es so
+lange niedergehalten worden, waren mit Ausnahme einer sehr kleinen
+Truppe, welche unter dem Commando des Herzogs von Gordon, eines
+angesehenen katholischen Lords, die Besatzung des Schlosses von Edinburg
+bildete, von Jakob zum Beistande gegen das holländische Invasionsheer
+aufgeboten worden. Jede während des ereignißvollen Monats November nach
+dem Norden gegangene Post hatte Nachrichten gebracht, welche die
+Leidenschaften der bedrückten Schotten aufstachelten. So lange der
+Ausgang der militairischen Operationen noch zweifelhaft war, gab es in
+Edinburg Tumulte und Demonstrationen, welche drohender wurden, nachdem
+Jakob sich von Salisbury zurückgezogen hatte. Große Volksmassen
+versammelten sich anfangs bei Nacht, dann selbst am hellen Tage. Päpste
+wurden öffentlich verbrannt, man rief laut nach einem freien Parlamente,
+und Plakate wurden angeschlagen, welche auf die Köpfe der Staatsminister
+Preise setzten. Der am meisten verhaßte unter diesen Ministern war
+Perth, der den hohen Posten des Staatskanzlers bekleidete, in der
+königlichen Gunst sehr hoch stand, vom reformirten Glauben abgefallen
+war und in dem Gerichtsverfahren seines Vaterlandes zuerst die
+Daumenschraube eingeführt hatte. Er war ein Mann ohne Energie und von
+niedriger Denkweise; der einzige Muth, den er besaß, war der entehrende
+Muth, welcher der Schande trotzt und die Qualen Anderer gleichgültig mit
+ansieht. Sein Posten war zu solchen Zeiten an der Spitze des
+Staatsrathes; aber er hatte nicht das Herz dazu und beschloß daher,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_41" id = "pageX_41">
+X.41</a></span>
+sich der Gefahr, die nach den Blicken und Äußerungen des wilden und
+unerschrockenen Pöbels von Edinburg nicht fern war, dadurch zu
+entziehen, daß er sich auf seinen Landsitz flüchtete. Eine starke Wache
+begleitete ihn nach Schloß Drummond; kaum aber war er abgereist, so
+erhob sich die Stadt. Eine kleine Anzahl Truppen versuchten es, den
+Aufstand zu unterdrücken, aber sie wurden überwältigt. Der Palast
+Holyrood, der in ein katholisches Seminar und in eine Staatsdruckerei
+verwandelt worden war, wurde erstürmt und demolirt. Ungeheure Haufen von
+papistischen Büchern, Rosenkränzen, Kruzifixen und Bildern wurden in
+High Street verbrannt. Mitten in der Aufregung kam die Nachricht von der
+Flucht des Königs. Die Mitglieder der Regierung gaben jeden Gedanken an
+eine Bekämpfung der Volkswuth auf und wechselten mit einer bei den
+schottischen Staatsmännern damals sehr gewöhnlichen Schnelligkeit die
+Farbe. Der Geheime Rath erließ eine Verordnung des Inhalts, daß alle
+Papisten entwaffnet werden sollten, und durch eine andre Proklamation
+forderte er die Protestanten auf, sich zur Vertheidigung des reinen
+Glaubens zusammenzuschaaren. Die Nation hatte nicht erst auf diesen
+Aufruf gewartet; Stadt und Land standen schon für den Prinzen von
+Oranien unter den Waffen. Nithisdale und Clydesdale waren die einzigen
+Bezirke, in denen eine schwache Aussicht war, daß die Katholiken sich
+widersetzen würden; aber beide Bezirke waren bald von Schaaren
+bewaffneter Presbyterianer besetzt. Unter den Insurgenten befanden sich
+einige heftige und finstre Männer, welche früher Argyle verleugnet
+hatten und die jetzt eben so wenig von Wilhelm etwas wissen wollten.
+Seine Hoheit, sagten sie, habe offenbar Böses im Sinne. Er habe in
+seiner Erklärung kein Wort von dem Covenant erwähnt. Die Holländer wären
+ein Volk, mit dem kein wahrer Diener des Herrn gemeinschaftliche Sache
+machen würde. Sie hielten es mit den Lutheranern und ein Lutheraner sei
+eben so gut ein Kind der Verdammniß wie ein Jesuit. Die allgemeine
+Stimme des Königreichs erstickte jedoch wirksam das Murren dieser
+haßschnaubenden Faction.<a class = "tag" name = "tagX_56" id = "tagX_56"
+href = "#noteX_56">56</a></p>
+
+<p>Die Bewegung verbreitete sich bald bis in die Gegend des Schlosses
+Drummond. Perth sah, daß er unter seinen eigenen Dienern und Pächtern
+nicht mehr sicher war. Er überließ sich daher einer eben so trostlosen
+Verzweiflung, als in welche seine unbarmherzige Tyrannei oft viel
+bessere Menschen als er war, gestürzt hatte. In seiner Todesangst suchte
+er Trost in den Gebräuchen seiner neuen Kirche. Er quälte seine Priester
+um geistlichen Zuspruch, betete, beichtete und communicirte; aber sein
+Glaube war schwach und er gestand, daß trotz aller seiner
+Andachtsübungen die Todesfurcht ihn überwältige. Um diese Zeit erfuhr
+er, daß er Aussicht hatte, auf einem vor Brentisland liegenden Schiffe
+zu entkommen. Er verkleidete sich so gut als möglich und nach einer
+langen und beschwerlichen Reise über die ungangbaren Pfade des damals
+mit tiefem Schnee bedeckten Ochillgebirges gelang es ihm sich
+einzuschiffen; aber trotz aller beobachteten Vorsicht war er erkannt und
+Lärm gemacht worden. Sobald es bekannt wurde, daß der blutdürstige
+Renegat sich auf der See befinde, und daß er Gold bei sich habe, waren
+ihm von Haß
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_42" id = "pageX_42">
+X.42</a></span>
+und Habgier erfüllte Verfolger auf den Fersen. Ein von einem alten
+Freibeuter befehligtes Boot holte das fliehende Schiff ein und enterte
+es. Perth, der Frauenkleider angelegt hatte, wurde aus dem Kielraume
+aufs Verdeck geschleppt, ausgezogen, gemißhandelt und geplündert. Man
+setzte ihm Bajonnette auf die Brust. Mit weibischem Gejammer um Schonung
+seines Lebens flehend wurde er ans Land zurückgebracht und in die
+Frohnfeste von Kirkaldy geworfen. Von dort wurde er auf Befehl des
+Geheimen Raths, dem er kürzlich noch präsidirt hatte und in welchem
+Männer saßen, die seine Schuld theilten, nach dem Schlosse Stirling
+transportirt. Es war an einem Sonntage während des öffentlichen
+Gottesdienstes, als er unter militairischer Eskorte in sein Gefängniß
+abgeführt wurde; aber selbst strenge Puritaner vergaßen die Heiligkeit
+des Tages und des Gottesdienstes. Die Andächtigen verließen die Kirchen,
+als der Tyrann vorüberkam und laute Drohungen, Verwünschungen und
+Ausbrüche des Hasses begleiteten ihn bis an den Eingang seines
+Gefängnisses.<a class = "tag" name = "tagX_57" id = "tagX_57" href =
+"#noteX_57">57</a></p>
+
+<p>Mehrere angesehene Schotten befanden sich in London, als der Prinz
+daselbst ankam, und viele andere eilten jetzt dahin, um ihm ihre
+Aufwartung zu machen. Am 7. Januar ersuchte er sie, sich ihm in
+Whitehall vorzustellen. Die Versammlung war zahlreich und bestand aus
+sehr achtbaren Männern. An der Spitze des Zuges erblickte man den Herzog
+von Hamilton und seinen ältesten Sohn, den Earl von Arran, die
+Oberhäupter eines Hauses von fast königlichem Ansehen. Sie waren
+begleitet von dreißig Lords und ungefähr achtzig angesehenen Gentlemen.
+Wilhelm sprach den Wunsch aus, daß sie sich mit einander berathen und
+ihm dann sagen möchten, wie er das Wohl ihres Landes am besten fördern
+könnte. Dann entfernte er sich, damit sie, durch seine Anwesenheit nicht
+beengt, sich mit einander besprechen konnten. Sie gingen in das
+Berathungszimmer und übertrugen dem Herzoge von Hamilton den Vorsitz.
+Obgleich nur wenig Meinungsverschiedenheit stattgefunden zu haben
+scheint, dauerten die Verhandlungen doch drei Tage, ein Umstand, der
+sich durch Sir Patrick Hume’s Betheiligung an der Debatte genügend
+erklären läßt. Arran wagte es, eine Unterhandlung mit dem Könige
+vorzuschlagen. Dieser Antrag aber wurde von seinem Vater und von der
+ganzen Versammlung übel aufgenommen und fand gar keine Unterstützung.
+Endlich wurden Beschlüsse gefaßt, ganz ähnlich denen, welche die
+englischen Lords und Gemeinen einige Tage vorher dem Prinzen überreicht
+hatten. Er wurde ersucht, eine Convention der schottischen Stände
+einzuberufen, ihren Zusammentritt auf den 14. März zu bestimmen und bis
+zu diesem Tage die Civil- und Militairverwaltung selbst zu übernehmen.
+Er kam diesen Wünschen nach und die Regierung der ganzen Insel war von
+nun an in seinen Händen.<a class = "tag" name = "tagX_58" id = "tagX_58"
+href = "#noteX_58">58</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_56" id = "noteX_56" href = "#tagX_56">56.</a>
+<span class = "antiqua">Sixth Collection of Papers, 1689</span>; <span
+class = "antiqua">Wodrow, III. 12. 4. App. 150, 151; Faithful
+Contendings Displayed</span>; <span class = "antiqua">Burnet, I.
+804.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_57" id = "noteX_57" href = "#tagX_57">57.</a>
+Perth an Lady Errol, 29. Dec. 1688; an Melfort, 21. Dec. 1688: <span
+class = "antiqua">Sixth Collection of Papers, 1689.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_58" id = "noteX_58" href = "#tagX_58">58.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 805</span>; <span class =
+"antiqua">Sixth Collection of Papers, 1689.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Stand der Parteien in England.</span>
+<a name = "secX_33" id = "secX_33">Der</a> entscheidende Augenblick
+rückte heran und die Aufregung der Gemüther stieg auf den Höhepunkt.
+Kleine Clubs von Politikern steckten überall flüsternd und berathend die
+Köpfe zusammen. Die Kaffeehäuser waren in heftiger Gährung,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_43" id = "pageX_43">
+X.43</a></span>
+und die Pressen der Hauptstadt standen keine Minute still. Von den
+damals erschienenen Flugschriften könnte man noch jetzt mehrere Bände
+füllen und man kann sich aus diesen Flugschriften unschwer eine richtige
+Vorstellung von dem Stande der Parteien bilden.</p>
+
+<p>Eine sehr kleine Faction wollte Jakob ohne irgend eine Bedingung
+zurückrufen. Eine andre, ebenfalls sehr kleine Faction wünschte eine
+Republik zu errichten und die Verwaltung einem Staatsrathe unter der
+Präsidentschaft des Prinzen von Oranien zu übertragen. Diese extremen
+Meinungen wurden jedoch allgemein mit Abscheu verworfen. Die Nation
+bestand zu Neunzehn Zwanzigsteln aus Leuten, welche mit der Liebe zur
+erblichen Monarchie die Liebe zur constitutionellen Freiheit verbanden,
+wenn auch nicht alle in gleichem Verhältnisse, und die von der
+gänzlichen Abschaffung des Königstitels eben so wenig etwas wissen
+wollten, als von der unbedingten Wiedereinsetzung des Königs.</p>
+
+<p>Doch in der weiten Entfernung, welche die noch den Lehren Filmer’s
+anhängenden Bigotten von den Schwärmern trennte, die noch an die
+Verwirklichung der Träume Harrington’s dachten, war Raum für viele
+Meinungsschattirungen. Läßt man die unwichtigen Unterabtheilungen
+unberücksichtigt, so wird man finden, daß die große Majorität der Nation
+und der Convention in vier Abtheilungen zerfiel. Drei von diesen
+Abtheilungen bestanden aus Tories und die vierte bildete die
+Whigpartei.</p>
+
+<p>Die Freundschaft zwischen den Whigs und Tories hatte die Gefahr,
+welche sie erzeugt, nicht überdauert. Während des Marsches des Prinzen
+aus dem Westen hatten sich bei verschiedenen Gelegenheiten Spaltungen
+unter seinen Anhängern gezeigt. So lange der Ausgang seines Unternehmens
+noch zweifelhaft war, hatte seine geschickte Leitung diese Zerwürfnisse
+ohne Mühe geschlichtet. Aber von dem Tage seines triumphirenden Einzugs
+in den St. Jamespalast an war eine solche Leitung nicht mehr möglich.
+Indem sein Sieg die Nation von der Furcht vor papistischer Tyrannei
+befreite, hatte er ihm zugleich die Hälfte seines Einflusses entzogen.
+Alte Antipathien, welche geschlummert hatten, so lange die Bischöfe im
+Tower und die Jesuiten im Staatsrathe saßen, so lange loyale Geistliche
+zu Dutzenden ihres Lebensunterhalts beraubt und loyale Gentlemen zu
+Hunderten ihres Friedensrichteramtes entsetzt wurden, erwachten jetzt
+mit erneuter Heftigkeit wieder. Der Royalist schauderte bei dem
+Gedanken, daß er mit allen Denen verbündet sei, die er von Jugend auf am
+meisten gehaßt habe: mit ehemaligen Anführern der Parlamentsarmee, die
+sein Landhaus erstürmt, mit ehemaligen Parlamentscommissaren, die sein
+Vermögen sequestrirt hatten, mit Männern, welche das Ryehouse-Gemetzel
+angestiftet und an der Spitze der Insurrection im Westen gestanden
+hatten. Auch die theure Kirche, der zu Liebe er nach einem qualvollen
+Kampfe seine Unterthanentreue gegen den Thron gebrochen, war sie
+wirklich in Sicherheit? Oder hatte er sie von einem Feinde befreit, nur
+um sie einem andren preis zu geben? Allerdings waren die papistischen
+Priester in der Verbannung, in Verstecken oder im Gefängniß. Kein Jesuit
+oder Benedictiner, dem sein Leben lieb war, wagte es jetzt, sich in
+seiner Ordenstracht zu zeigen. Aber die Presbyterianer- und
+Independentenprediger zogen in langer Procession zu dem Oberhaupte der
+Regierung, um ihm ihre Huldigung darzubringen und wurden eben so
+freundlich empfangen, wie die wahren Nachfolger der Apostel. Einige
+Schismatiker sprachen die Hoffnung aus, daß bald jede
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_44" id = "pageX_44">
+X.44</a></span>
+Schranke, die sie von geistlichen Ämtern ausschlösse, fallen werde, daß
+die Artikel gemildert, die Liturgie gesichtet, daß Weihnachten aufhören
+werde ein Fest, der Charfreitag ein Fasttag zu sein, daß Canonici, deren
+Haupt nie ein Bischof berührt, ohne das heilige Gewand von weißen Linnen
+in den Chören der Kathedralen das Brot und den Wein des Abendmahls an
+auf Bänken sitzende Communicanten austheilen werden. Der Prinz war zwar
+kein fanatischer Presbyterianer, aber höchstens ein Latitudinarier. Er
+trug kein Bedenken, nach anglikanischem Ritus zu communiciren, aber es
+war ihm auch gleichgültig, nach welchem Ritus andere Leute
+communicirten. Es stand zu befürchten, daß seine Gemahlin nur zuviel von
+seinem Geiste eingesogen hatte. Burnet war ihr Gewissensrath; sie hörte
+Prediger von verschiedenen protestantischen Secten, und hatte unlängst
+geäußert, daß sie zwischen der Kirche Englands und den anderen
+reformirten Kirchen keinen wesentlichen Unterschied erblicke.<a class =
+"tag" name = "tagX_59" id = "tagX_59" href = "#noteX_59">59</a> Es war
+daher nothwendig, daß die Kavaliere in diesem Augenblicke das von ihren
+Vätern im Jahre 1641 gegebene Beispiel befolgten, sich von den
+Rundköpfen und Sectirern trennten und trotz aller Fehler des erblichen
+Monarchen die Sache der erblichen Monarchie aufrecht erhielten.</p>
+
+<p>Die von solchen Gesinnungen beseelte Partei war zahlreich und
+achtungswerth. Sie schloß ungefähr die Hälfte des Hauses der Lords, etwa
+ein Drittel des Hauses der Gemeinen, die Mehrheit der Landgentry und
+mindestens neun Zehntel der Geistlichkeit in sich; aber sie war durch
+Spaltungen zerrissen und auf allen Seiten von Schwierigkeiten
+umgeben.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_59" id = "noteX_59" href = "#tagX_59">59.</a>
+Albeville, 9.(19.) Nov. 1688.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Sherlock’s Plan.</span>
+<a name = "secX_34" id = "secX_34">Eine</a> Section dieser großen
+Partei, die besonders unter der Geistlichkeit stark vertreten und deren
+Hauptorgan Sherlock war, wünschte, daß Unterhandlungen mit Jakob
+eröffnet und daß er unter Bedingungen, welche die bürgerliche und
+kirchliche Verfassung des Reichs vollkommen sicher stellten, zur
+Rückkehr nach Whitehall eingeladen werden sollte.<a class = "tag" name =
+"tagX_60" id = "tagX_60" href = "#noteX_60">60</a> Es springt in die
+Augen, daß dieser Plan, so energisch er auch von der Geistlichkeit
+unterstützt wurde, doch in directem Widerspruche mit den Doctrinen
+stand, welche der Klerus seit vielen Jahren lehrte. Es war in der That
+ein Versuch, einen Mittelweg einzuschlagen, wo kein Mittelweg möglich
+war, und einen Vergleich zwischen zwei Dingen herbeizuführen, welche
+keinen Vergleich zulassen: zwischen Widerstand und Nichtwiderstand. Die
+Tories hatten sich früher zu dem Prinzipe des Nichtwiderstandes
+gehalten. Aber diesen Boden hatten die meisten von ihnen jetzt verlassen
+und waren nicht geneigt, denselben wieder einzunehmen. Die englischen
+Kavaliere in ihrer Gesammtheit waren bei der letzten Erhebung gegen den
+König direct oder indirect so stark betheiligt gewesen, daß sie in
+diesem Augenblicke nicht ohne die größte Schande von der geheiligten
+Pflicht, einem Nero zu gehorchen, sprechen konnten; auch hatten sie
+überhaupt keine Lust, den Fürsten, unter dessen schlechter Regierung sie
+so viel hatten leiden müssen, zurückzurufen, ohne ihm Bedingungen
+vorzuschreiben, die es ihm unmöglich machten, seine Gewalt abermals zu
+mißbrauchen. Sie befanden sich deshalb in einer schiefen Stellung. Ihre
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_45" id = "pageX_45">
+X.45</a></span>
+alte Theorie, mochte sie nun vernünftig oder unvernünftig sein, war
+wenigstens vollständig und folgerichtig. War diese Theorie zweckmäßig,
+so mußte der König unverweilt zur Rückkehr aufgefordert und es ihm, wenn
+anders er wollte, gestattet werden, Seymour und Danby, den Bischof von
+London und den Bischof von Bristol wegen Hochverraths hinrichten zu
+lassen, die kirchliche Commission wiederherzustellen, die Kirche mit
+papistischen Würdenträgern zu füllen und die Armee unter das Commando
+papistischer Offiziere zu stellen. Wenn aber, wie die Tories jetzt
+selbst zuzugeben schienen, die Theorie unpraktisch war, warum dann mit
+dem Könige unterhandeln? Gestand man zu, daß er rechtmäßigerweise vom
+Throne ausgeschlossen werden dürfe, bis er befriedigende Garantien für
+die Sicherheit der kirchlichen und staatlichen Verfassung gebe, so
+konnte man schwerlich leugnen, daß er auch für immer rechtmäßigerweise
+ausgeschlossen werden durfte. Denn welche befriedigenden Garantien
+konnte er geben? Konnte wohl eine Parlamentsacte in klarerer Sprache
+gefaßt sein als die, welche vorschrieben, daß der Dechant des
+Christchurch-Collegiums ein Protestant sein müsse? Konnte ein
+Versprechen klarer und deutlicher sein als die, in denen Jakob
+wiederholt erklärt hatte, daß er die gesetzlichen Rechte der
+anglikanischen Geistlichkeit streng respectiren werde? Wenn Gesetz oder
+Ehrgefühl etwas Bindendes für ihn gehabt hätten, so würde er nie
+gezwungen gewesen sein, aus seinem Königreiche zu fliehen. Wenn aber
+weder Gesetz noch Ehre in seinen Augen bindend für ihn waren, konnte es
+dann wohl rathsam sein, ihn zurückzurufen?</p>
+
+<p>Indessen würde trotz dieser Argumente wahrscheinlich ein Antrag auf
+Eröffnung von Unterhandlungen mit Jakob in der Convention gestellt und
+von der Hauptmasse der Tories unterstützt worden sein, wäre er nicht bei
+dieser, wie bei jeder andren Gelegenheit sein eigner schlimmster Feind
+gewesen. Jede von Saint-Germains kommende Post brachte Mittheilungen,
+welche den Eifer seiner Anhänger abkühlten. Er hielt es nicht einmal der
+Mühe werth, Reue über seine früheren Fehler zu heucheln oder Besserung
+zu geloben. Er erließ ein Manifest, in welchem er seinem Volke sagte,
+daß es stets sein eifriges Bestreben gewesen sei, mit Gerechtigkeit und
+Mäßigung zu regieren und daß es sich durch eingebildete Beschwerden
+selbst ins Verderben habe locken lassen.<a class = "tag" name =
+"tagX_61" id = "tagX_61" href = "#noteX_61">61</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_60" id = "noteX_60" href = "#tagX_60">60.</a>
+Siehe die Flugschrift, betitelt: <span class = "antiqua">Letter to a
+Member of the Convention</span>, und die Antwort darauf; <span class =
+"antiqua">Burnet, I. 809.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_61" id = "noteX_61" href = "#tagX_61">61.</a>
+Brief an die Lords des Geheimen Raths, 4.(14.) Jan. 1688/89; <span class
+= "antiqua">Clarendon’s Diary, Jan. 9.(19.)</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Sancroft’s Plan.</span>
+<a name = "secX_35" id = "secX_35">Die</a> Folge seiner Thorheit und
+seines Starrsinns war, daß selbst Diejenigen, welche am meisten
+wünschten, ihn unter billigen Bedingungen wieder auf den Thron zu
+setzen, erkannten, daß sie der Sache, der sie dienen wollten, nur
+schaden würden, wenn sie in diesem Augenblicke die Eröffnung von
+Unterhandlungen vorschlügen. Sie beschlossen daher, sich mit einer
+andren Abtheilung der Tories zu verbinden, deren Oberhaupt Sancroft war.
+Sancroft glaubte ein Mittel gefunden zu haben, durch welches für die
+Regierung des Landes gesorgt werden könnte, ohne Jakob zurückzurufen,
+aber auch ohne ihn deshalb seiner Krone zu berauben. Dieses Mittel war
+eine Regentschaft. Die unfügsamsten unter denjenigen Theologen, welche
+die Lehre vom passiven Gehorsam eingeschärft, hatten doch nie behauptet,
+daß man diesen Gehorsam einem Kinde oder einem Wahnsinnigen schuldig
+sei. Es war allgemein anerkannt,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_46" id = "pageX_46">
+X.46</a></span>
+daß, wenn der rechtmäßige Souverain zur Verwaltung seines Amtes geistig
+unfähig sei, ein Stellvertreter für ihn erwählt werden könne, und daß
+Jeder, der sich diesem Stellvertreter widersetzte und sich zu seiner
+Entschuldigung auf den Befehl eines Fürsten berief, der noch in der
+Wiege lag oder geistesschwach war, mit vollem Rechte den auf Empörung
+gesetzten Strafen verfiele. Dummheit, Unverstand und Aberglaube &mdash;
+so raisonnirte der Primas &mdash; hätten Jakob eben so unfähig gemacht,
+sein Land zu regieren, wie nur ein in den Windeln liegendes Kind oder
+ein auf dem Stroh von Bedlam grinsender und Unsinn schwatzender
+Wahnsinniger es sein könnte. Es müsse daher der Weg eingeschlagen
+werden, den man ergriffen habe, als Heinrich&nbsp;VI. noch ein Kind war,
+und dann wieder, als er in Schlafsucht verfiel. Jakob könne factisch
+nicht mehr König sein, aber er müsse es doch dem Anscheine nach bleiben.
+Die Regierungsdecrete müßten noch unter seinem Namen erlassen, und sein
+Bildniß und sein Namenszug müßten noch immer auf den Münzen und im
+Staatssiegel figuriren. Die Parlamentsacten müßten nach wie vor mit den
+Jahren seiner Regierung bezeichnet, die Verwaltung aber müsse ihm
+entzogen und einem von den Ständen des Reichs ernannten Regenten
+übertragen werden. Auf diese Weise, behauptete Sancroft allen Ernstes,
+werde das Volk seiner Unterthanenpflicht treu bleiben, die Eide der
+Treue, die es seinem Könige geschworen, würden streng beobachtet werden,
+und die orthodoxesten Anglikaner könnten ohne die geringsten
+Gewissensscrupel unter dem Regenten Ämter übernehmen.<a class = "tag"
+name = "tagX_62" id = "tagX_62" href = "#noteX_62">62</a></p>
+
+<p>Sancroft’s Meinung hatte bei der ganzen Torypartei und ganz besonders
+bei der Geistlichkeit großes Gewicht. Eine Woche vor dem Tage, auf den
+die Convention einberufen war, versammelte sich im Lambethpalaste eine
+ehrwürdige Gesellschaft, hörte in der Kapelle eine Betübung an, speiste
+bei dem Primas und berieth sich dann über den Stand der öffentlichen
+Angelegenheiten. Fünf Suffraganen des Erzbischofs, die im vergangenen
+Sommer seine Gefahren und seinen Ruhm getheilt hatten, waren
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_47" id = "pageX_47">
+X.47</a></span>
+anwesend. Die Earls von Clarendon und von Ailesbury vertraten die
+toryistische Laienschaft. Die ganze Versammlung schien einmüthig der
+Ansicht zu sein, daß Diejenigen, welche Jakob den Unterthaneneid
+geleistet hatten, ihm mit vollem Rechte den Gehorsam verweigern, aber
+nicht mit gutem Gewissen den Königstitel einem Andren beilegen
+könnten.<a class = "tag" name = "tagX_63" id = "tagX_63" href =
+"#noteX_63">63</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_62" id = "noteX_62" href = "#tagX_62">62.</a>
+Es scheint unglaublich, daß irgend Jemand sich durch solchen Unsinn
+hätte täuschen lassen sollen. Ich halte es daher für nöthig, Sancroft’s
+Worte anzuführen, die noch in seiner eignen Handschrift existiren. „Die
+politische Capacität oder Autorität des Königs und sein Name in der
+Regentenreihe sind vollkommen und unleugbar. Da aber seine Person
+menschlich und sterblich und sonst gegen die übrigen Menschen nicht
+bevorzugt ist, so ist sie auch allen Mängeln und Fehlern derselben
+unterworfen. Er kann daher zur Leitung der Regierung, zur Verwaltung des
+Staatsschatzes etc. unfähig werden, sei es durch Abwesenheit, durch
+Unmündigkeit, durch Geistesschwäche, Wahnsinn oder Apathie, durch
+natürliche oder zufällige Krankheit, oder endlich durch gewisse, in
+Folge von Erziehung oder Gewohnheit entstandene und festgewurzelte, mit
+unabänderlichen Entschließungen verbundene Vorurtheile in mit den
+Gesetzen, der Religion, dem Landesfrieden und der wahren Politik des
+Reichs unvereinbaren Dingen. In allen diesen Fällen, sage ich, müssen
+eine oder mehrere Personen ernannt werden, um solchem Mängel abzuhelfen
+und die Regierungsgeschäfte statt seiner und im Namen seiner Gewalt und
+Autorität zu leiten. Ist dies geschehen, sage ich weiter, so sind alle
+wie früher stattfindenden Proceduren, Autoritäten, Ernennungen,
+Verleihungen etc. in jeder Hinsicht gesetzlich und rechtsgültig, die
+Unterthanenpflichten des Volkes bleiben die nämlichen, seine Eide und
+Verbindlichkeiten sind in keiner Weise verändert. So lange die Regierung
+kraft der Autorität und im Namen des Königs fortgeführt wird, bestehen
+auch alle die geheiligten Bande und eingeführten Proceduren fort und
+keines Menschen Gewissen wird mit irgend etwas beschwert, was zu
+übernehmen er Bedenken zu tragen braucht.“ &mdash; <span class =
+"antiqua">Tanner MS.; Doyly’s Life of Sancroft</span>. Die Creaturen
+Jakob’s machten sich nicht ganz ohne Grund über das Englisch des guten
+Erzbischofs lustig.</p>
+
+<p><a name = "noteX_63" id = "noteX_63" href = "#tagX_63">63.</a>
+<span class = "antiqua">Evelyn, Jan. 15, 1688/89.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Danby’s Plan.</span>
+<a name = "secX_36" id = "secX_36">So</a> stimmten zwei Sectionen der
+Torypartei (diejenigen, welche eine Verständigung mit Jakob wünschten,
+und die, welche von einer solchen Verständigung nichts wissen wollten)
+in der Unterstützung der Regentschaftsidee überein. Eine dritte Section
+jedoch, die zwar nicht sehr zahlreich war, aber großes Gewicht und
+großen Einfluß hatte, empfahl einen ganz andren Plan. Die Oberhäupter
+dieser kleinen Schaar waren im Hause der Lords Danby und der Bischof von
+London, im Hause der Gemeinen Sir Robert Sawyer. Sie meinten ein Mittel
+ausfindig gemacht zu haben, um unter streng gesetzlichen Formen eine
+völlige Revolution zu bewerkstelligen. Sie sagten, es widerstreite allem
+Prinzip, daß ein König durch seine Unterthanen abgesetzt werden solle.
+Durch seine Flucht habe er selbst seiner Macht und Stellung entsagt. Der
+Thron sei factisch erledigt und könne nach der Ansicht aller
+verfassungskundigen Juristen keinen Augenblick unbesetzt bleiben. Der
+nächste Erbe sei daher an seine Stelle getreten. Aber wer sei der
+nächste Thronerbe? Was den nach Frankreich übergeführten unmündigen
+Prinzen anlange, so sei dessen Eintritt in die Welt von vielen
+verdächtigen Umständen begleitet gewesen. Man sei es den anderen
+Mitgliedern des königlichen Hauses und der Nation schuldig, jeden
+Zweifel hierüber zu heben. Der Gemahl der Prinzessin von Oranien habe
+daher in ihrem Namen feierlich eine Untersuchung verlangt, welche auch
+vorgenommen worden wäre, hätten nicht die des Betrugs angeklagten
+Parteien einen Weg eingeschlagen, der in jedem gewöhnlichen Falle als
+ein entscheidender Schuldbeweis gegolten haben würde. Sie hätten sich
+nicht für bemüßigt gehalten, den Ausgang einer feierlichen
+Parlamentsuntersuchung abzuwarten, sie hätten sich heimlich in ein
+fremdes Land begeben und nicht allein das Kind, sondern auch alle
+diejenigen französischen und italienischen Kammerfrauen mit sich
+genommen, welche in den Betrug, falls ein solcher stattgefunden haben
+sollte, eingeweiht sein müßten und daher einem strengen Verhör zu
+unterwerfen gewesen wären. Die Ansprüche des Prinzen ohne Untersuchung
+anzuerkennen, sei nicht möglich, und Diejenigen, die sich seine Eltern
+nennten, hätten jede Untersuchung unmöglich gemacht. Das Urtheil müsse
+daher <span class = "antiqua">in contumaciam</span> gegen ihn gefällt
+werden. Geschehe ihm dann Unrecht, so geschehe ihm nicht von Seiten der
+Nation, sondern von Seiten Derer Unrecht, deren auffallendes Benehmen
+bei seiner Geburt die Nation berechtigt habe, eine Untersuchung zu
+verlangen, und die sich einer solchen Untersuchung durch die Flucht
+entzogen hätten. Er könne daher mit vollkommenem Rechte als ein
+Prätendent betrachtet werden. Und so sei die Krone gesetzmäßig auf die
+Prinzessin von Oranien übergegangen. Sie sei thatsächlich regierende
+Königin und die beiden Häuser hätten nichts weiter zu thun, als sie zu
+proclamiren. Sie könne, wenn sie sonst wolle, ihren Gemahl zu ihrem
+ersten Minister ernennen und ihm sogar mit Bewilligung des Parlaments
+den Königstitel verleihen.</p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_48" id = "pageX_48">
+X.48</a></span>
+<p>Nur wenige Personen zogen diesen Plan jedem andren vor und es war mit
+Gewißheit zu erwarten, daß sich demselben sowohl Diejenigen, welche
+Jakob noch zugethan waren, wie auch alle Anhänger Wilhelm’s widersetzen
+würden. Indessen gab Danby, der auf seine Kenntniß der parlamentarischen
+Taktik vertraute und wohl wußte, was ein kleines Streifcorps
+auszurichten vermag, wenn große Parteien einander ziemlich die Wage
+halten, noch keineswegs die Hoffnung auf, daß er im Stande sein werde,
+den Ausgang des Kampfes so lange in der Schwebe zu erhalten, bis Whigs
+und Tories, an einem vollkommenen Siege verzweifelnd und die Folgen der
+Verzögerung fürchtend, ihn als Schiedsrichter annehmen würden. Auch ist
+es durchaus nicht unmöglich, daß er <ins class = "correction" title =
+"ungeändert, gewöhnliche Form ist »reüssirt« (fr. réussir)">reussirt</ins> haben würde, wenn die Frau, die er auf den
+höchsten Gipfel irdischer Größe erheben wollte, unterstützt oder doch
+wenigstens nicht behindert worden wäre. So scharfblickend und
+wohlerfahren er in Staatsgeschäften war, so kannte er doch weder den
+Character Mariens noch die Gefühle, mit denen sie ihren Gemahl
+betrachtete, und selbst ihr alter Lehrer Compton war nicht besser
+unterrichtet. Wilhelm’s Manieren waren trocken und kalt, seine
+Constitution war schwächlich und kränklich und seine Gemüthsart nichts
+weniger als sanft; er war daher nicht der Mann, der nach gewöhnlichen
+Begriffen für geeignet gehalten werden konnte, einer
+sechsundzwanzigjährigen schönen jungen Frau eine heftige Leidenschaft
+einzuflößen. Es war bekannt, daß er seiner Gemahlin nicht immer ganz
+treu geblieben war und der Leumund hatte ausgesprengt, daß sie nicht
+glücklich mit ihm lebe. Die scharfsichtigsten Politiker ahneten daher
+nicht, daß er bei allen seinen Fehlern eine solche Herrschaft über ihr
+Herz erlangt hatte, als selbst Fürsten, die wegen ihres Glücks in der
+Liebe am berühmtesten waren, wie Franz&nbsp;I. und Heinrich&nbsp;IV.,
+Ludwig&nbsp;XIV. und Karl&nbsp;II. sie niemals über ein weibliches Herz
+besessen hatten, und daß die drei Königreiche ihrer Voreltern in ihren
+Augen hauptsächlich deshalb einen Werth hatten, weil sie ihrem Gemahl
+durch die Verleihung derselben die Innigkeit und Uneigennützigkeit ihrer
+Liebe beweisen konnte. Danby versicherte ihr in seiner völligen
+Unkenntniß ihrer Gesinnungen, daß er ihre Rechte vertheidigen und daß,
+wenn sie ihn unterstütze, er sie allein auf den Thron setzen zu können
+hoffe.<a class = "tag" name = "tagX_64" id = "tagX_64" href =
+"#noteX_64">64</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_64" id = "noteX_64" href = "#tagX_64">64.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Dec. 24. 1688</span>; <span
+class = "antiqua">Burnet, I. 819</span>; <span class =
+"antiqua">Proposals humbly offered in behalf of the Princess of Orange,
+Jan. 28. 1688/89.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Der Plan der Whigs.</span>
+<a name = "secX_37" id = "secX_37">Das</a> Verfahren der Whigs war
+inzwischen einfach und consequent. Nach ihrer Doctrin war die Grundlage
+unsrer Regierung ein Vertrag, der auf der einen Seite durch den
+Unterthaneneid, auf der andren durch den Krönungseid ausgedrückt sei,
+und die durch diesen Vertrag auferlegten Pflichten waren gegenseitig.
+Sie hielten dafür, daß einem Fürsten, der seine Macht gröblich
+mißbrauchte, von seinem Volke mit vollem Rechte der Gehorsam verweigert
+und er des Thrones entsetzt werden könne. Daß Jakob seine Macht gröblich
+gemißbraucht hatte, wurde nicht bestritten, und die ganze Whigpartei war
+bereit, es offen auszusprechen, daß er sie verwirkt habe. Ob der Prinz
+von Wales untergeschoben war oder nicht, sei ein Punkt, der gar nicht
+der Untersuchung werth sei. Es gebe jetzt viel gewichtigere Gründe, ihn
+vom Throne auszuschließen als die, welche aus den Vorgängen bei seiner
+Geburt hergeleitet
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_49" id = "pageX_49">
+X.49</a></span>
+werden könnten. Ein Kind, das in einer Wärmpfanne ins Bett der Königin
+gelegt worden sei, könne möglicherweise auch ein guter König von England
+werden. Dies sei aber nicht von einem Kinde zu erwarten, das von seinem
+Vater, dem stupidesten und starrsinnigsten Tyrannen von der Welt, in
+einem fremden Lande, dem Sitze des Despotismus und des Aberglaubens
+erzogen werde, in einem Lande, wo jede Spur von Freiheit verschwunden
+sei, wo die Stände des Reichs sich nicht mehr versammelten, wo die
+Parlamente seit langer Zeit, ohne Gegenvorstellungen zu machen, die
+drückendsten Erlasse des Landesherrn zu Gesetzen erhoben hätten, wo
+Tapferkeit, Genie und Gelehrsamkeit nur da zu sein schienen, um einen
+einzelnen Mann zu vergrößern, wo kriechende Schmeichelei das
+Hauptstreben der Presse, der Kanzel und der Bühne, und wo die grausamste
+Verfolgung der reformirten Kirche ein Hauptgegenstand jener kriechenden
+Schmeichelei sei. Könne man wohl erwarten, daß der Knabe unter solcher
+Leitung und in solcher Umgebung die Institutionen seines Vaterlandes
+werde achten lernen? Könne man daran zweifeln, daß er zu einem Sklaven
+der Jesuiten und der Bourbons erzogen und ihm wo möglich noch heftigere
+Vorurtheile gegen die Gesetze Englands eingeimpft werden würden als
+irgend einem der vorhergehenden Stuarts?</p>
+
+<p>Auch glaubten die Whigs nicht, daß bei der damaligen Lage des Landes
+eine Abweichung von der gewöhnlichen Thronfolge an sich ein Übel sei.
+Sie waren der Meinung, daß, wenn man diese Ordnung nicht unterbreche,
+die Lehre von dem unveräußerlichen Erbrechte und dem passiven Gehorsam
+dem Hofe stets gefallen, von Seiten der Geistlichkeit eingeschärft
+werden und in der öffentlichen Meinung einen starken Anhang behalten
+würde. Es würde die Ansicht vorherrschend bleiben, daß das Königthum
+eine göttliche Anordnung in einem andren Sinne sei, als in welchem jede
+Regierungsform eine solche Anordnung ist. Es liege auf der Hand, daß die
+Verfassung niemals gesichert sein könne, so lange dieser Irrwahn nicht
+zerstört sei. Denn eine wirklich beschränkte Monarchie könne in einer
+Gesellschaft, welche die Monarchie als etwas Göttliches und die
+Beschränkungen derselben als bloße menschliche Erfindungen betrachte,
+nicht lange bestehen. Wenn das Königthum in vollkommenem Einklange mit
+unseren Freiheiten bestehen solle, dürfe es sich auf keinen höheren oder
+ehrwürdigeren Rechtstitel berufen können, als den, auf welchen sich
+unsere Freiheiten gründeten. Der König müsse hinfüro als ein Beamter
+betrachtet werden, allerdings als ein hoher und hochzuachtender Beamter,
+der aber wie jeder andre Beamte dem Gesetze unterworfen sei und seine
+Macht in keinem andren Sinne vom Himmel herleiten könne, als man von den
+Lords oder den Gemeinen sagen dürfe, daß sie ihre Macht vom Himmel
+herleiteten. Das beste Mittel, um diese heilsame Veränderung zu
+bewirken, werde eine Unterbrechung der Erbfolge sein. Unter Souverainen,
+die es kaum für etwas Geringeres als für Hochverrath ansähen, wenn die
+Lehre vom Nichtwiderstande und die patriarchalische Regierungsform
+gepredigt würde, unter Souverainen, deren auf Beschlüsse der beiden
+Häuser sich gründende Autorität niemals höher steigen könne als die
+Quelle, aus der sie entsprungen sei, würde man schwerlich solche
+Bedrückungen zu fürchten haben, welche bereits zwei Generationen von
+Engländern gezwungen hätten, sich mit bewaffneter Hand gegen zwei
+Generationen von Stuarts zu erheben. Aus diesen Gründen waren die Whigs
+bereit, den Thron für erledigt zu erklären, ihn durch
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_50" id = "pageX_50">
+X.50</a></span>
+Wahl wieder zu besetzen und dem Fürsten ihrer Wahl Bedingungen
+vorzuschreiben, welche das Land gegen schlechte Regierung sichern
+konnten.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Zusammentritt der Convention. Leitende Mitglieder des Hauses der
+Gemeinen.</span>
+<a name = "secX_38" id = "secX_38">Die</a> Zeit der Entscheidung dieser
+großen Fragen war jetzt gekommen. Am 22. Januar mit Tagesanbruch füllte
+sich das Haus der Gemeinen mit Rittern und Boroughvertretern. Auf den
+Bänken erblickte man viele Gesichter, welche unter der Regierung
+Karl’s&nbsp;II. hier wohlbekannt gewesen, unter seinem Nachfolger aber
+nicht daselbst gesehen worden waren. Die Mehrzahl der Torysquires und
+der mittellosen Anhänger des Hofes, welche massenweise in das Parlament
+von 1685 gewählt worden waren, hatten den Männern der ehemaligen
+Vaterlandspartei Platz gemacht, welche die Cabale gestürzt, die
+Habeascorpusacte durchgesetzt und die Ausschließungsbill vor die Lords
+gebracht hatten. Unter ihnen befand sich Powle, gründlich bewandert in
+der Geschichte und dem Rechte der Parlamente und ausgezeichnet durch die
+Beredtsamkeit, welche erforderlich ist, wenn hochwichtige Fragen
+feierlich der Erwägung von Senaten unterbreitet werden sollen, und Sir
+Thomas Littleton, wohlerfahren in der europäischen Politik und mit einer
+heftigen, scharfen Logik begabt, welche oftmals, wenn nach langer
+Sitzung die Lichter angezündet worden waren, das erschöpfte Haus neu
+belebt und die Debatte entschieden hatte. Hier saß auch Wilhelm
+Sacheverell, ein Redner, dessen große parlamentarische Fähigkeiten viele
+Jahre später ein Lieblingsthema alter Leute waren, welche die Kämpfe von
+Walpole und Pulteney erlebten.<a class = "tag" name = "tagX_65" id =
+"tagX_65" href = "#noteX_65">65</a> Diesen hervorragenden Männern zur
+Seite stand Robert Clayton, der reichste Kaufmann von London, dessen
+Palast in der alten Judenstadt die aristokratischen Gebäude in Lincoln’s
+Inn Fields und <ins class = "correction" title = "ungeändert, gewöhnliche Form ist »Coventgarden« (Covent Garden)">Conventgarden</ins>
+an Glanz übertraf, dessen Landgut zwischen den Hügeln von Surrey als ein
+wahres Eden geschildert ward, dessen Gastmähler mit denen der Könige
+wetteiferten und dessen einsichtsvolle Freigebigkeit, von der noch heute
+zahlreiche öffentliche Denkmale Zeugniß ablegen, ihm in den Annalen der
+City eine Stelle verschafft hat, welche nur der Gresham’s untergeordnet
+ist. In dem Parlamente, welches 1681 zu Oxford tagte, hatte Clayton als
+Vertreter der Hauptstadt und auf Ersuchen seiner Wähler um die Erlaubniß
+gebeten, die Ausschließungsbill einzubringen und Lord Russel hatte ihn
+darin unterstützt. Im Jahre 1685 hatte die ihrer Privilegien beraubte
+und von Creaturen des Hofes regierte Hauptstadt vier toryistische
+Vertreter gesandt. Jetzt aber war der alte Freibrief wieder
+zurückgegeben und Clayton war durch Acclamation wieder gewählt worden.<a
+class = "tag" name = "tagX_66" id = "tagX_66" href = "#noteX_66">66</a>
+Auch Johann Birch darf nicht unerwähnt bleiben. Er hatte seine Laufbahn
+als Fuhrmann begonnen, hatte aber in den Bürgerkriegen sein Geschirr im
+Stich gelassen, war Soldat geworden, hatte sich zum Range eines Obersten
+in der Armee der Republik emporgeschwungen, hatte in hohen fiskalischen
+Ämtern großes Geschäftstalent gezeigt, hatte viele Jahre im Parlament
+gesessen und obgleich er bis zuletzt die derben Manieren und den
+plebejischen Dialect seiner Jugend beibehielt, hatte er doch durch
+gesunden Verstand und Mutterwitz das Ohr der Gemeinen gewonnen und wurde
+von den ausgezeichnetsten Parlamentsrednern seiner Zeit
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_51" id = "pageX_51">
+X.51</a></span>
+als ein furchtbarer Gegner betrachtet.<a class = "tag" name = "tagX_67"
+id = "tagX_67" href = "#noteX_67">67</a> Dies waren die hervorragendsten
+unter den Veteranen, welche jetzt nach langer Abgeschiedenheit ins
+öffentliche Leben zurückkehrten. Sie wurden jedoch sehr bald durch zwei
+jüngere Whigs in den Schatten gestellt, welche an jenem wichtigen Tage
+zum ersten Male ihre Sitze einnahmen, bald zu den höchsten Ehrenstellen
+im Staate emporstiegen, gemeinsam die heftigsten Parteistürme bestanden
+und nachdem sie lange weit und breit als Staatsmänner, als Redner, als
+freigebige Beschützer des Genies und der Gelehrsamkeit berühmt gewesen
+waren, bald nach dem Regierungsantritte des Hauses Braunschweig wenige
+Monate hintereinander starben. Diese waren Karl Montague und Johann
+Somers.</p>
+
+<p>Außerdem muß noch ein Name erwähnt werden, ein Name, welcher damals
+nur einem kleinen Kreise von Philosophen bekannt war, der aber jetzt bis
+über den Ganges und den Mississippi hinaus mit einer höheren Verehrung
+genannt wird, als man sie dem Gedächtniß der größten Krieger und
+Herrscher zollt. Unter der Menge der schweigenden Mitglieder erschien
+auch die majestätische Stirn und das gedankenvolle Antlitz Isaak
+Newton’s. Die berühmte Universität, der sein Genie schon einen
+eigenthümlichen noch nach Verlauf von hundertsechzig Jahren deutlich
+erkennbaren Character aufzudrücken begonnen, hatte ihn in die Convention
+gesandt, und hier saß er in seiner bescheidenen Größe als
+anspruchsloser, aber unerschütterlicher Freund der bürgerlichen und
+religiösen Freiheit.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_65" id = "noteX_65" href = "#tagX_65">65.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 389</span> und Präsident Onslow’s
+Note.</p>
+
+<p><a name = "noteX_66" id = "noteX_66" href = "#tagX_66">66.</a>
+<span class = "antiqua">Evelyn’s Diary, Sept. 26. 1672, Oct. 12. 1679,
+Juli 13. 1700</span>; <span class = "antiqua">Seymour’s Survey of
+London.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_67" id = "noteX_67" href = "#tagX_67">67.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 388</span> und Onslow’s Note.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wahl eines Sprechers.</span>
+<a name = "secX_39" id = "secX_39">Die</a> Gemeinen schritten vor Allem
+zur Wahl eines Sprechers, und das Ergebniß dieser Wahl deutete schon
+unverkennbar ihre Ansicht über die großen Fragen an, die sie entscheiden
+sollten. Bis zum Vorabend der Versammlung hatte man geglaubt, daß
+Seymour zum Präsidenten gewählt werden würde. Er hatte dieses Amt früher
+mehrere Jahre bekleidet und hatte mehrfache gewichtige Ansprüche auf
+Beachtung: Herkunft, Vermögen, Kenntnisse, Erfahrung und Beredtsamkeit.
+Er hatte ferner lange an der Spitze eines einflußreichen Vereins von
+Mitgliedern aus den westlichen Grafschaften gestanden. Obgleich ein
+Tory, hatte er doch im letzten Parlament die Opposition gegen Papismus
+und Willkürherrschaft mit ausgezeichnetem Geschick und Muth geleitet. Er
+war einer der ersten Edelleute gewesen, der sich ins holländische
+Hauptquartier nach Exeter begeben, und war der Urheber der Verbindung,
+durch welche die Anhänger des Prinzen sich gegenseitig verpflichtet
+hatten, zusammen zu siegen oder zu fallen. Aber einige Stunden vor dem
+Zusammentritt der Häuser hatte sich das Gerücht verbreitet, Seymour sei
+gegen die Erklärung, daß der Thron erledigt sei. Sobald sich daher die
+Bänke gefüllt hatten, erhob sich der Earl von Wiltshire, welcher
+Hampshire vertrat, und schlug Powle zum Sprecher vor. Sir Vere Fane,
+Vertreter von Kent, unterstützte den Antrag. Es hätte allerdings ein
+plausibler Einwurf dagegen erhoben werden können, denn es war bekannt,
+daß eine Petition gegen Powle’s Wahl zum Präsidenten dem Parlament
+vorgelegt werden sollte; aber die allgemeine Stimme des Hauses berief
+ihn auf den Präsidentenstuhl, und die Tories hielten es für gerathen,
+sich damit einverstanden zu erklären.<a class = "tag" name = "tagX_68"
+id = "tagX_68" href = "#noteX_68">68</a> Das Scepter wurde
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_52" id = "pageX_52">
+X.52</a></span>
+auf den Tisch gelegt, die Liste der Mitglieder verlesen und die Namen
+der fehlenden vorgemerkt.</p>
+
+<p>Inzwischen hatten sich auch die Peers in einer Anzahl von etwa
+hundert versammelt, hatten Halifax zum Sprecher gewählt und mehreren
+ausgezeichneten Juristen diejenigen Functionen übertragen, welche in
+ordentlichen Parlamenten den Richtern zukommen. Die beiden Häuser
+setzten sich im Laufe des Tages häufig mit einander in Vernehmen. Sie
+vereinigten sich zu dem Ersuchen, daß der Prinz die Zügel der Regierung
+in der Hand behalten möchte, bis er Weiteres von ihnen hören würde, zum
+Ausdrucke ihres Dankes für die Befreiung der Nation, die er mit Gottes
+Hülfe bewerkstelligt, und zu der Bestimmung, daß der 31. Januar als
+Dankfest für diese Befreiung gefeiert werden solle.<a class = "tag" name
+= "tagX_69" id = "tagX_69" href = "#noteX_69">69</a></p>
+
+<p>Bis dahin hatte sich keine Meinungsverschiedenheit gezeigt; aber
+beide Parteien rüsteten sich zum Kampfe. Die Tories waren im Oberhause
+stark, im Unterhause schwach vertreten, und sie wußten, daß bei einer
+solchen Gelegenheit dasjenige Haus, welches zuerst zu einem Entschlusse
+kam, einen großen Vortheil über das andre haben mußte. Es war nicht die
+geringste Aussicht vorhanden, daß die Gemeinen einen Beschluß zu Gunsten
+des Regentschaftsplanes der Lords vorlegen würden, wenn aber ein solcher
+Beschluß von den Lords den Gemeinen vorgelegt wurde, so war es nicht
+ganz unmöglich, daß selbst viele von den whiggistischen Volksvertretern
+geneigt sein würden, sich lieber damit einverstanden zu erklären, als
+die große Verantwortlichkeit auf sich zu nehmen, in einer Krisis, welche
+Einmüthigkeit und rasches Handeln erforderte, Uneinigkeit und
+Verzögerung verursacht zu haben. Die Gemeinen hatten beschlossen, am
+Montag den 28. Januar die Lage der Nation in Erwägung zu ziehen. Daher
+schlugen die toryistischen Lords am Freitag, den 25. vor, sofort an das
+wichtige Geschäft zu gehen, um derentwillen sie sich versammelt hatten.
+Ihre Beweggründe wurden jedoch von Halifax, der seit seiner Rückkehr von
+Hungerford erkannt hatte, daß die Regierung nur nach whiggistischen
+Prinzipien eingerichtet werden konnte und der sich daher für den
+Augenblick eng an die Whigs angeschlossen hatte, klar durchschaut und
+ihre Taktik vereitelt. Devonshire trug darauf an, daß Dienstag, der
+neunundzwanzigste, der Tag sein solle. „Bis dahin,“ sagte er mit mehr
+Wahrheit als Überlegung, „können wir einige Aufklärungen von unten
+erhalten, die uns zur Richtschnur dienen können.“ Sein Antrag ging
+durch, seine Sprache aber wurde von einigen seiner Mitpeers als ihres
+Standes unwürdig streng getadelt.<a class = "tag" name = "tagX_70" id =
+"tagX_70" href = "#noteX_70">70</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_68" id = "noteX_68" href = "#tagX_68">68.</a>
+Citters, 22. Jan. (1. Febr.) 1689; <span class = "antiqua">Grey’s
+Debates</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteX_69" id = "noteX_69" href = "#tagX_69">69.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ and Commons’ Journals, Jan. 22.
+1688</span>; Citters und Clarendon’s Tagebuch von demselben Datum.</p>
+
+<p><a name = "noteX_70" id = "noteX_70" href = "#tagX_70">70.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ Journals, Jan. 25. 1688/89; Clarendon’s
+Diary, Jan. 23, 25.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Debatte über die Lage der Nation.</span>
+<a name = "secX_40" id = "secX_40">Am</a> 28. erklärten sich die
+Gemeinen zu einem Comité des ganzen Hauses. Ein Mitglied, das vor mehr
+als dreißig Jahren einer von Cromwell’s Lords gewesen war, Richard
+Hampden, Sohn des berühmten Führers der Rundköpfe und Vater des
+Unglücklichen, der nur durch große Bestechungen und erniedrigende
+Demüthigungen mit genauer Noth der Rache Jakob’s entgangen war, wurde
+zum Präsidenten gewählt und die große Debatte begann.</p>
+
+<p>Es zeigte sich sehr bald, daß eine überwiegende Majorität Jakob nicht
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_53" id = "pageX_53">
+X.53</a></span>
+mehr als König betrachtete. Gilbert Dolben, der Sohn des verstorbenen
+Erzbischofs von York, war der Erste, der sich zu dieser Ansicht
+bekannte, und er wurde darin von vielen Mitgliedern unterstützt,
+besonders von dem kühnen und heftigen Wharton, von Sawyer, dessen
+beharrliches Opponiren gegen das Dispensationsrecht seine früheren
+Vergehen einigermaßen wieder gut gemacht hatte, von Maynard, dessen
+Stimme, obgleich vom Alter so geschwächt, daß sie auf den entfernteren
+Bänken nicht vernommen werden konnte, doch noch immer die Achtung aller
+Parteien genoß und von Somers, dessen glänzende Beredtsamkeit und
+vielseitige Kenntnisse sich zum ersten Male in den Räumen des Parlaments
+entfalteten. Auch die schamlose Stirn und die geläufige Zunge Sir
+Wilhelm Williams’ waren auf derselben Seite zu finden. Er war schon
+stark betheiligt bei den Excessen der schlechtesten Opposition und der
+schlechtesten Regierung. Er hatte unschuldige Papisten und unschuldige
+Protestanten verfolgt, er war der Beschützer Oates’ und das Werkzeug
+Petre’s gewesen, sein Name war mit aufrührerischen Gewaltthätigkeiten,
+deren sich alle ehrenwerthen Whigs mit Bedauern und Beschämung
+erinnerten, und mit Handlungen des Despotismus verknüpft, welche alle
+ehrenwerthen Tories verabscheuten. Wie ein Mensch unter der Last solcher
+Schande noch leben kann, ist schwer zu begreifen; aber selbst eine
+solche Schande war für Williams noch nicht genug. Er schämte sich nicht,
+den gefallenen Gebieter anzugreifen, dem er sich zu Dienstleistungen,
+die kein rechtschaffener Mann irgend eines Justizcollegiums übernommen
+haben würde, vermiethet, und von dem er erst vor einem halben Jahre als
+Belohnung für seine Servilität eine Baronetschaft angenommen hatte.</p>
+
+<p>Nur drei Mitglieder wagten es, sich der offenbar allgemeinen Ansicht
+der Versammlung zu widersetzen. Sir Christoph Musgrave, ein
+Torygentleman von großem Ansehen und Talent äußerte einige Zweifel.
+Heneage Finch ließ ebenfalls einige Äußerungen fallen, welche so
+verstanden wurden, als ob er die Eröffnung von Unterhandlungen mit dem
+Könige wünschte. Diese Andeutung wurde so übel aufgenommen, daß er sich
+beeilte, sie weg zu erklären. Er versicherte, daß er falsch verstanden
+worden sei. Er sei überzeugt, daß unter einem solchen Fürsten keine
+Sicherheit für Religion, Freiheit und Eigenthum denkbar sei. König Jakob
+zurückzurufen oder mit ihm zu unterhandeln, würde ein verderblicher
+Schritt sein; aber Viele, welche nie ihre Einwilligung dazu geben
+würden, daß er die königliche Gewalt wieder ausübte, könnten es mit
+ihrem Gewissen nicht vereinbaren, ihm auch den Königstitel zu nehmen. Es
+gebe jedoch einen Ausweg, der alle Schwierigkeiten beseitigte: eine
+Regentschaft. Dieser Vorschlag fand so wenig Beifall, daß Finch es nicht
+wagte, die Abstimmung darüber zu verlangen. Richard Fanshaw, Viscount
+Fanshaw aus Irland sprach einige Worte über Jakob und empfahl einen
+Aufschub; aber sein Vorschlag erregte allgemeines Mißfallen. Ein
+Mitglied nach dem andren stand auf, um die Wichtigkeit der
+Beschleunigung hervorzuheben. Jeder Augenblick, wurde gesagt, sei
+kostbar, die Erwartung des Volks sei aufs Höchste gespannt, so daß alle
+Geschäfte stockten. Die Minorität fügte sich murrend und räumte der
+überwiegenden Partei das Feld.</p>
+
+<p>Worin das Verfahren der Majorität bestehen würde, war noch nicht
+recht klar, denn sie zerfiel in zwei Abtheilungen. Die eine bestand aus
+eifrigen und heftigen Whigs, die, wenn sie ihren Weg hätten gehen
+können, dem Verfahren der Convention einen entschieden revolutionären
+Character
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_54" id = "pageX_54">
+X.54</a></span>
+gegeben haben würden. Die andre gab zu, daß eine Revolution nothwendig
+sei, betrachtete sie aber als ein nothwendiges Übel und wünschte sie
+soviel als möglich unter dem Scheine der Gesetzmäßigkeit zu verhüllen.
+Die erstere Abtheilung verlangte die bestimmte Anerkennung des Rechtes
+der Unterthanen, schlechte Fürsten des Thrones zu entsetzen. Die andre
+Abtheilung wollte nur das Land von einem schlechten Fürsten befreien,
+ohne ein Prinzip aufzustellen, das leicht zu den Zwecke gemißbraucht
+werden könnte, die rechtmäßige und heilsame Autorität zukünftiger
+Monarchen zu schwächen. Die erstere Abtheilung hob namentlich die
+schlechte Regierung des Königs, die andre seine Flucht hervor; jene war
+der Ansicht, daß er seine Krone verwirkt, diese, daß er ihr freiwillig
+entsagt habe. Es war nicht leicht, eine Beschlußformel zu entwerfen,
+welche Allen gefiel, deren Zustimmung zu erlangen von Wichtigkeit war;
+endlich aber wurde aus den von verschiedenen Seiten gemachten
+Vorschlägen ein Beschluß gebildet, der alle Theile befriedigte.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Beschluß, durch den der Thron für erledigt erklärt wird.</span>
+<a name = "secX_41" id = "secX_41">Es</a> wurde beantragt, daß König
+Jakob&nbsp;II., indem er es versucht, durch einen Bruch des
+ursprünglichen Vertrags zwischen König und Volk die Verfassung des
+Reichs umzustürzen, und indem er auf den Rath der Jesuiten und anderer
+übelgesinnter Personen die Grundgesetze verletzt und sich aus dem Lande
+entfernt, die Regierung niedergelegt habe und daß der Thron dadurch
+erledigt worden sei.</p>
+
+<p>Dieser Beschluß ist häufig einer so genauen und strengen Kritik
+unterworfen worden wie irgend eine von Menschenhand geschriebene
+Sentenz, und doch giebt es vielleicht keine von Menschenhand
+geschriebene Sentenz, die eine solche Kritik weniger vertrüge. Daß ein
+König seine Macht durch groben Mißbrauch derselben verwirken kann, ist
+wahr. Daß man von einem Könige, der auf und davon geht, ohne Vorsorge
+für die Verwaltung der Regierungsgeschäfte zu treffen, und sein Volk in
+einem Zustande von Anarchie zurückläßt, ohne gewaltsame Wortverdrehung
+sagen kann, er habe seine Funktionen niedergelegt, ist ebenfalls wahr.
+Aber kein gewissenhafter Schriftsteller wird behaupten, daß lange
+fortgesetzte schlechte Regierung und Flucht zusammengenommen einen
+Abdankungsact constituiren. Ebenso klar ist es, daß die Erwähnung der
+Jesuiten und anderer schlechter Rathgeber Jakob’s die Beschuldigung
+gegen ihn schwächt, anstatt sie zu bekräftigen. Denn ein durch schlimme
+Rathgeber irregeleiteter Mann verdient gewiß mehr Nachsicht als einer,
+der lediglich aus eigenem Antriebe Unrecht thut. Es ist jedoch ein
+eitles Beginnen, diese denkwürdigen Worte zu analysiren, wie wir ein
+Kapitel von Aristoteles oder von Hobbes untersuchen. Derartige Worte
+sind nicht als Worte, sondern als Thaten zu betrachten, und wenn sie das
+bewirken, was sie bewirken sollen, so sind sie vernünftig, mögen sie
+auch an sich widersinnig sein. Erreichen sie aber ihren Zweck nicht, so
+sind sie absurd, wenn sie auch Beweiskraft in sich tragen. Die Logik
+läßt keine Auslegung zu. Das Wesen der Politik aber ist die Auslegung.
+Es ist daher nicht zu verwundern, daß einige der wichtigsten und
+nützlichsten politischen Dokumente zu den unlogischesten Aufsätzen
+gehören, welche je geschrieben wurden. Somers, Maynard und die anderen
+ausgezeichneten Männer, welche den berühmten Antrag entwarfen, hatten
+dabei nicht den Zweck, der Nachwelt ein Muster von Definition und
+Eintheilung zu hinterlassen, sondern die Wiedereinsetzung eines Tyrannen
+unmöglich zu machen und einen Fürsten auf den Thron zu
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_55" id = "pageX_55">
+X.55</a></span>
+erheben, unter welchem Gesetz und Freiheit gesichert waren. Diesen Zweck
+erreichten sie durch die Anwendung von Worten, welche in einer
+philosophischen Abhandlung mit Recht als ungenau und unklar getadelt
+worden wären. Es kümmerte sie wenig, ob der Vordersatz und der
+Schlußsatz zu einander paßten, wenn nur der Vordersatz ihnen zweihundert
+Stimmen und der Schlußsatz weitere zweihundert Stimmen verschaffte. Die
+einzige Schönheit des Beschlusses ist in der That seine Inconsequenz.
+Sie enthielt eine Phrase für jede Unterabtheilung der Majorität. Die
+Erwähnung des ursprünglichen Vertrags befriedigte die Anhänger Sidney’s.
+Das Wort Abdankung beschwichtigte Politiker einer zurückhaltenderen
+Schule. Vielen eifrigen Protestanten gefiel ohne Zweifel der gegen die
+Jesuiten ausgesprochene Tadel. In den Augen des wirklichen Staatsmanns
+war der einzige wichtige Satz der, welcher den Thron für erledigt
+erklärte, und wenn nur dieser Satz angenommen wurde, so war es ihm
+ziemlich gleichgültig, welche Einleitung demselben vorausging. Eine so
+vereinigte Macht ließ keiner Hoffnung auf Widerstand Raum. Der Antrag
+wurde vom Ausschusse ohne Abstimmung angenommen, und es wurde
+unverzügliche Berichterstattung darüber beschlossen. Powle nahm den
+Präsidentenstuhl wieder ein, das Scepter wurde auf den Tisch gelegt,
+Hampden trug auf Erhebung zum Beschluß an, das Haus gab seine Zustimmung
+und die sofortige Überreichung an die Lords wurde anbefohlen.<a class =
+"tag" name = "tagX_71" id = "tagX_71" href = "#noteX_71">71</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_71" id = "noteX_71" href = "#tagX_71">71.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, Jan. 28. 1688/89; Grey’s
+Debates</span>; Citters, 29. Jan. (8. Febr.). Wenn der Bericht in <span
+class = "antiqua">Grey’s Debates</span> genau ist, so muß Citters in
+Betreff der Rede Sawyer’s falsch unterrichtet gewesen sein.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Der Beschluß wird den Lords vorgelegt.</span>
+<a name = "secX_42" id = "secX_42">Am</a> folgenden Morgen frühzeitig
+versammelten sich die Lords. Die Bänke der geistlichen wie der
+weltlichen Lords waren dicht besetzt. Hampden erschien in der Schranke
+und überreichte Halifax den Beschluß der Gemeinen. Das Oberhaus
+constituirte sich hierauf zu einem Comité und Danby nahm den
+Präsidentenstuhl ein.</p>
+
+<p>Die Discussion wurde bald durch das nochmalige Erscheinen Hampden’s
+unterbrochen, der eine andre Botschaft überbrachte. Das Haus
+constituirte sich wieder als solches und vernahm, daß die Gemeinen es so
+eben als unvereinbar mit der Sicherheit und dem Wohle der
+protestantischen Nation erklärt habe, von einem papistischen Könige
+regiert zu werden. So wenig sich dieser Beschluß mit dem Prinzipe des
+unveräußerlichen Erbrechts vertrug, so gaben die Peers doch auf der
+Stelle und einmüthig ihre Zustimmung zu demselben. Der dadurch
+aufgestellte Grundsatz ist bis auf unsre Zeit von allen protestantischen
+Staatsmännern stets heilig gehalten worden und kein verständiger
+Katholik hat ihn je als Einwendungen zulassend betrachtet. Wenn unsere
+Souveraine, wie die Präsidenten der Vereinigten Staaten, bloße
+bürgerliche Beamte wären, so würde es allerdings schwer sein, eine
+solche Beschränkung zu rechtfertigen. Allein mit der englischen Krone
+ist zugleich die Oberhauptswürde über die englische Kirche verbunden,
+und es ist keine Intoleranz, wenn man sagt, daß eine Kirche nicht einem
+Oberhaupte unterthan sein kann, das sie als schismatisch und ketzerisch
+betrachtet.<a class = "tag" name = "tagX_72" id = "tagX_72" href =
+"#noteX_72">72</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_72" id = "noteX_72" href = "#tagX_72">72.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ and Commons’ Journals, Jan. 29,
+1688/89.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Debatte im Oberhause über den Regentschaftsplan.</span>
+<a name = "secX_43" id = "secX_43">Nach</a> dieser kurzen Unterbrechung
+constituirten sich die Lords wieder zum
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_56" id = "pageX_56">
+X.56</a></span>
+Comité. Die Tories drangen darauf, daß ihr Plan berathen werden sollte,
+ehe der Beschluß der Gemeinen, welcher den Thron für erledigt erklärte,
+in Betracht gezogen würde. Dies ward ihnen zugestanden und die Frage
+gestellt, ob eine Regentschaft, die während Jakob’s Lebzeiten in seinem
+Namen die königliche Gewalt ausübe, das beste Mittel zur Aufrechthaltung
+der Gesetze und der Freiheiten der Nation sein würde.</p>
+
+<p>Der Kampf war lang und heftig. Die Hauptsprecher zu Gunsten einer
+Regentschaft waren Rochester und Nottingham. Halifax und Danby waren die
+leitenden Häupter der andren Seite. Der Primas trat sonderbarerweise
+nicht auf, obgleich die toryistischen Peers ihn dringend ersucht hatten,
+sich an ihre Spitze zu stellen. Seine Abwesenheit zog ihm vielfachen
+bitteren Tadel zu, und selbst seine Lobredner waren nicht im Stande,
+eine seinem Character zur Ehre gereichende Erklärung zu finden.<a class
+= "tag" name = "tagX_73" id = "tagX_73" href = "#noteX_73">73</a> Der
+Regentschaftsplan war von ihm ausgegangen und er hatte erst vor wenigen
+Tagen in einem von ihm eigenhändig geschriebenen Aufsatze diesen Plan
+für den unzweifelhaft besten erklärt, den man annehmen könnte. Die
+Besprechungen der Lords, welche diesen Plan unterstützten, hatten unter
+seinem eigenen Dache stattgefunden. Seine Stellung machte es ihm
+unbestreitbar zur Pflicht, seine Ansicht öffentlich auszusprechen. Den
+Verdacht persönlicher Feigheit oder niedriger Habsucht kann Niemand auf
+ihn werfen. Wahrscheinlich that er aus einer krankhaften Besorgniß,
+etwas Unrechtes zu thun, in diesem wichtigen Augenblicke nichts, aber er
+hätte wissen sollen, daß bei einem Manne in seiner Stellung nichts thun
+so viel hieß als Unrecht thun. Ein Mann, der zu scrupulös ist, um in
+einer wichtigen Krisis eine große Verantwortlichkeit zu übernehmen,
+sollte auch zu scrupulös sein, um die Stelle eines ersten Dieners der
+Kirche und eines ersten Peers des Reichs anzunehmen.</p>
+
+<p>Ein Wunder war es jedoch nicht, daß Sancroft nicht wohl zu Muthe war,
+denn er konnte wohl kaum gegen die auf der Hand liegende Wahrheit blind
+sein, daß der Plan, den er seinen Freunden empfohlen, durchaus
+unverträglich war mit Allem, was er und seine Amtsbrüder seit vielen
+Jahren gepredigt hatten. Die anglikanische Kirche hatte sich lange mit
+der Lehre gebrüstet, daß der König ein göttliches und unveräußerliches
+Recht auf die königliche Gewalt habe und daß man sich der königlichen
+Gewalt, selbst wenn sie gröblich gemißbraucht würde, nicht widersetzen
+dürfe, ohne eine Sünde zu begehen. Hatte denn diese Lehre wirklich nur
+die Bedeutung, daß der König ein göttliches und unveräußerliches Recht
+habe, sein Bildniß und seinen Namen in ein Petschaft stechen zu lassen,
+welches täglich gegen seinen Willen dazu gebraucht werden konnte, seine
+Feinde zum Krieg gegen ihn zu ermächtigen und seine Freunde an den
+Galgen zu schicken, weil sie ihm gehorcht hatten? Bestand denn die ganze
+Pflicht eines guten Unterthanen in der Anwendung des Wortes König? Dann
+hatten Fairfax bei Naseby und Bradshaw im Hohen Gerichtshofe ihre ganze
+Pflicht als gute Unterthanen erfüllt, denn Karl war von den gegen ihn
+befehligenden Generälen und selbst von den ihn verurtheilenden Richtern
+als König bezeichnet worden. Nichts hatte die Kirche in dem Verfahren
+des langen Parlaments schärfer getadelt als den
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_57" id = "pageX_57">
+X.57</a></span>
+sinnreichen Einfall, den Namen Karl’s gegen ihn selbst zu gebrauchen.
+Alle ihre Diener waren aufgefordert worden, eine Erklärung zu
+unterschreiben, welche die Fiction, wodurch die Autorität des Souverains
+von seiner Person getrennt worden war, als hochverrätherisch
+verdammte.<a class = "tag" name = "tagX_74" id = "tagX_74" href =
+"#noteX_74">74</a> Gleichwohl würde diese hochverrätherische Fiction
+jetzt von dem Primas und vielen seiner Suffraganen als die einzige
+Grundlage betrachtet, auf der sie in strenger Übereinstimmung mit
+christlichen Prinzipien eine Regierung aufrichten konnten.</p>
+
+<p>Die Unterscheidung, welche Sancroft von den Rundköpfen der
+vorhergehenden Generation entlehnt hatte, stürzte von Grund aus das
+ganze politische System um, das die Kirche und die Universitäten vom
+Apostel Paulus gelernt zu haben behaupteten. Tausendmal war es
+wiederholt worden, daß der heilige Geist den Römern befohlen habe, sich
+Nero zu unterwerfen. Jetzt schien dieses Gebot nur den Sinn gehabt zu
+haben, daß die Römer den Nero Augustus nennen sollten. Es stand ihnen
+vollkommen frei, ihn über den Euphrat zu jagen, ihn von der
+Freigebigkeit der Parther leben zu lassen, ihm gewaltsamen Widerstand zu
+leisten, wenn er einen Versuch zur Rückkehr machen sollte, Alle die ihm
+beistanden oder mit ihm verkehrten, zu bestrafen, und die tribunitische
+und consulatorische Gewalt, den Vorsitz im Senat und den Oberbefehl über
+die Legionen auf Galba oder Vespasian zu übertragen.</p>
+
+<p>Die Analogie, welche der Erzbischof zwischen einem thörichten König
+und einem wahnsinnigen König entdeckt zu haben glaubte, hält keinen
+Augenblick gründlicher Prüfung aus. Es war klar, daß Jakob sich nicht in
+einem solchen Geisteszustande befand, wo ihn, wäre er ein Landedelmann
+oder ein Kaufmann gewesen, ein Gerichtshof für unfähig erklärt haben
+würde, einen Vertrag abzuschließen, oder ein Testament zu machen. Er war
+nur in so weit geistesschwach, als alle schlechten Könige geistesschwach
+sind, wie Karl&nbsp;I. geistesschwach war, als er aufbrach, um die fünf
+Parlamentsmitglieder festzunehmen, wie Karl&nbsp;II. geistesschwach war,
+als er den Vertrag von Dover schloß. Wenn diese Art der Geisteskrankheit
+Unterthanen nicht das Recht gab, ihren Fürsten den Gehorsam zu
+verweigern, so war der Regentschaftsplan offenbar nicht zu vertheidigen.
+Im entgegengesetzten Falle war das Prinzip des Nichtwiderstandes völlig
+aufgegeben und Alles gutgeheißen, was ein gemäßigter Whig je behauptet
+hatte.</p>
+
+<p>Was den Unterthaneneid anlangt, um den Sancroft und seine Anhänger so
+sehr besorgt waren, so ist wenigstens das klar, daß sie Unrecht hatten,
+mochte übrigens Recht haben wer da wollte. Die Whigs waren der Ansicht,
+daß der Unterthaneneid gewisse Bedingungen enthalte, das der König diese
+Bedingungen verletzt und daß der Eid dadurch seine Kraft verloren habe.
+War aber die whiggistische Meinung irrig, und der Eid noch bindend,
+konnten dann verständige Männer wirklich glauben, daß sie sich keines
+Eidbruches schuldig machten, wenn sie für eine Regentschaft stimmten?
+Konnten sie behaupten, daß sie die Unterthanentreue gegen Jakob nicht
+verletzten, wenn sie trotz seiner angesichts ganz Europa’s erhobenen
+Protestationen einen Andren ermächtigten, die königlichen Revenuen zu
+beziehen, Parlamente einzuberufen und zu prorogiren, Herzöge
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_58" id = "pageX_58">
+X.58</a></span>
+und Earls zu creiren, Bischöfe und Richter zu ernennen, Verbrecher zu
+begnadigen, über die Streitkräfte des Staats zu verfügen und mit fremden
+Mächten Verträge zu schließen? Hatte Pascal wohl in allen Folianten der
+jesuitischen Casuistiker einen verachtungswertheren Sophismus finden
+können als der war, welcher jetzt, wie es schien, hinreichte, um das
+Gewissen der Väter der anglikanischen Kirche zu beruhigen?</p>
+
+<p>Es konnte nichts Augenfälligeres geben, als daß sich der
+Regentschaftsplan nur vom whiggistischen Standpunkte vertheidigen ließ.
+Über die Rechtsfrage konnte zwischen den vernünftigen Anhängern des
+Planes und der Majorität des Hauses der Gemeinen kein Streit obwalten.
+Es blieb nur eine Zweckmäßigkeitsfrage übrig. Und konnte wohl irgend ein
+Staatsmann im Ernst behaupten, daß es zweckmäßig sei, eine Regierung mit
+zwei Oberhäuptern einzusetzen und dem einen dieser beiden Oberhäupter
+die königliche Macht ohne die königliche Würde, dem andren die
+königliche Würde ohne die königliche Macht zu ertheilen? Es war
+notorisch, daß eine solche Einrichtung, selbst wenn sie durch die
+Unmündigkeit oder Geistesschwäche eines Fürsten geboten war, ernste
+Nachtheile hatte. Daß Regentschaftsperioden Zeiten der Schwäche, der
+Unruhen oder des Unheils sind, war eine durch die ganze Geschichte
+Englands, Frankreichs und Schottlands bewiesene, fast sprichwörtlich
+gewordene Wahrheit. Indessen war der König im Fall der Unmündigkeit oder
+Geistesschwäche wenigstens passiv, und er konnte dem Regenten nicht
+thätig entgegenwirken. Der gegenwärtige Vorschlag aber hieß so viel als
+England zwei Staatsoberhäupter von reifem Alter und gesundem Verstande
+geben, die einen unversöhnlichen Krieg gegeneinander führten. Es war
+lächerlich, davon zu reden, daß man Jakob bloß den Königstitel lassen
+und ihm alle königliche Macht entziehen wolle. Denn der Titel war ein
+Theil der Macht. Das Wort König war ein Zauberwort, mit dem sich bei
+vielen Engländern die Idee einer von oben stammenden geheimnißvollen
+Eigenschaft und bei allen Engländern der Begriff einer rechtmäßigen und
+ehrwürdigen Autorität verband. Wenn der Titel eine solche Macht in sich
+trug, so konnten Diejenigen, welche behaupteten, daß Jakob <span class =
+"extended">alle</span> Macht entzogen werden müsse, gewiß nicht leugnen,
+daß man ihm auch den Titel nehmen mußte.</p>
+
+<p>Und wie lange sollte die von Sancroft’s Genie ersonnene anomale
+Regierung dauern? Jeder Grund, der überhaupt für ihre Errichtung
+angeführt werden konnte, konnte mit gleicher Beweiskraft für
+Beibehaltung derselben bis ans Ende der Zeiten geltend gemacht werden.
+War der nach Frankreich gebrachte Knabe wirklich von der Königin
+geboren, so mußte er später das göttliche und unveräußerliche Recht
+erben, König genannt zu werden, und das nämliche Recht ging dann sehr
+wahrscheinlich durch das ganze achtzehnte und neunzehnte Jahrhundert von
+Papist zu Papist über. Beide Häuser aber hatten einstimmig beschlossen,
+daß England nicht von einem Papisten regiert werden sollte. Es konnte
+daher leicht kommen, daß, von Geschlecht zu Geschlecht Regenten die
+Regierung im Namen vacirender und bettelnder Könige verwalteten. Es
+unterlag keinem Zweifel, daß die Regenten vom Parlament ernannt werden
+mußten, und so würde diese Erfindung, welche das geheiligte Prinzip der
+erblichen Monarchie ungeschwächt aufrechterhalten sollte, zur Folge
+gehabt haben, daß die Monarchie factisch eine Wahlmonarchie geworden
+wäre.</p>
+
+<p>Außerdem wurde noch ein unverwerflicher Grund gegen Sancroft’s Plan
+geltend gemacht. Die Gesetzsammlung enthielt ein Gesetz, daß bald
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_59" id = "pageX_59">
+X.59</a></span>
+nach Beendigung des langen und blutigen Kampfes zwischen den Häusern
+York und Lancaster zu dem Zwecke erlassen worden war, das Unheil
+abzuwenden, welches die abwechselnden Siege dieser beiden Häuser über
+den Adel und die Gentry des Reichs gebracht hatten. Dieses Gesetz
+bestimmte, daß Niemand deshalb, weil er es mit einem im Besitz der Macht
+befindlichen König gehalten, den auf Hochverrath gesetzten Strafen
+verfallen sollte. Als den Königsmördern nach der Restauration der Prozeß
+gemacht wurde, behaupteten einige von ihnen, ihr Fall sei nach diesem
+Gesetze zu richten. Sie sagten, sie hätten der Regierung gehorcht, die
+im Besitz der Macht gewesen, und sie seien daher keine Hochverräther.
+Die Richter gaben zu, daß dies eine gute Entschuldigung sein würde, wenn
+die Gefangenen unter der Autorität eines Usurpators gehandelt hätten,
+der, wie Heinrich&nbsp;IV. und Richard&nbsp;III. den Königstitel
+getragen, erklärten aber, daß ein solcher Entschuldigungsgrund Leuten,
+welche einen in der Anklageacte, im Todesurtheile und im
+Hinrichtungsbefehle als König bezeichneten Mann angeklagt, verurtheilt
+und hingerichtet hatten, nicht zu Gute kommen konnte. Daraus folgte
+sonach, daß Jeder, der einen Regenten gegen Jakob unterstützte, große
+Gefahr lief, gehängt, geschleift und geviertheilt zu werden, wenn Jakob
+einmal wieder zur höchsten Macht gelangte, daß aber Niemand ohne eine
+solche Verletzung des Gesetzes, wie selbst ein Jeffreys sie schwerlich
+zu begehen gewagt haben würde, bestraft werden könnte, weil er einen
+wenn auch unrechtmäßigerweise zu Whitehall regierenden Könige gegen
+einen zu Saint-Germain im Exil lebenden rechtmäßigen Könige gehalten
+hatte.<a class = "tag" name = "tagX_75" id = "tagX_75" href =
+"#noteX_75">75</a></p>
+
+<p>Man sollte meinen, daß diese Gründe keinen Einwand zuließen, und sie
+wurden in der That von Danby, der die wundervolle Gabe besaß, jeden
+Gegenstand, den er behandelte, auch dem beschränktesten Verstande klar
+zu machen, und von Halifax, der in Gedankenreichthum und glänzender
+Diction unter den Rednern der damaligen Zeit seines Gleichen nicht
+hatte, mit Nachdruck hervorgehoben. Aber die Tories waren im Oberhause
+so zahlreich und mächtig, daß sie trotz der Unhaltbarkeit ihrer Sache,
+des Abfalls ihres Führers und der Geschicklichkeit ihrer Gegner bei
+einem Haare den Sieg davongetragen hätten. Hundert Lords stimmten ab.
+Neunundvierzig stimmten für eine Regentschaft, einundfünfzig dagegen.
+Bei der Minorität befanden sich die natürlichen Söhne Karl’s, die
+Schwäger Jakob’s, die Herzöge von Somerset und von Ormond, der
+Erzbischof von York und elf Bischöfe. Mit der Majorität stimmte außer
+Compton und Trelawney kein Prälat.<a class = "tag" name = "tagX_76" id =
+"tagX_76" href = "#noteX_76">76</a></p>
+
+<p>Es war fast neun Uhr Abends, als das Haus auseinanderging. Der
+folgende Tag war der dreißigste Januar, der Todestag Karl’s&nbsp;I. Die
+große Körperschaft des anglikanischen Clerus hatte es seit vielen Jahren
+für eine heilige Pflicht gehalten, an diesem Tage die Lehren vom
+Nichtwiderstande
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_60" id = "pageX_60">
+X.60</a></span>
+und vom passiven Gehorsam einzuschärfen. Ihre früheren Predigten konnten
+sie jedoch jetzt nicht mehr brauchen und viele Geistliche waren sogar in
+Zweifel, ob sie es wagen dürften, die ganze Liturgie zu lesen. Das
+Unterhaus hatte erklärt, daß der Thron erledigt sei, das Oberhaus hatte
+noch gar keine Ansicht ausgesprochen, und es war daher nicht leicht zu
+entscheiden, ob die Gebete für den Souverain angewendet werden konnten.
+Jeder Gottesdienst haltende Geistliche handelte nach seinem persönlichen
+Ermessen. In den meisten Kirchen der Hauptstadt wurden die Gebete für
+Jakob weggelassen; in der Margarethenkirche aber las Sharp, Dechant von
+Norwich, welcher ersucht worden war, vor den Mitgliedern des Unterhauses
+zu predigen, nicht allein die ganzen Gebete, wie sie im Buche standen,
+sondern extemporirte auch vor seiner Predigt einen Segen für den König
+und sprach am Schlusse seines Vortrags gegen die jesuitische Lehre, daß
+Unterthanen berechtigt seien, ihre Fürsten abzusetzen. Der Sprecher
+beschwerte sich noch denselben Nachmittag vor dem Hause über diese
+Beleidigung. „Heute fassen Sie einen Beschluß,“ sagte er, „und morgen
+hören Sie denselben mit eigenen Ohren auf der Kanzel widersprechen.“
+Sharp wurde von den Tories kräftig in Schutz genommen und hatte selbst
+unter den Whigs Freunde; denn es war noch nicht vergessen, daß er sich
+in schlimmen Zeiten durch den Muth, mit dem er trotz des königlichen
+Befehls gegen den Papismus gepredigt, ernsten Gefahren ausgesetzt hatte.
+Sir Christoph Musgrave bemerkte sehr treffend, das Haus habe den
+Beschluß, welcher den Thron für erledigt erklärte, noch nicht bekannt
+machen lassen. Sharp sei daher nicht allein nicht verpflichtet gewesen,
+von diesem Beschlusse etwas zu wissen, sondern er hätte sogar nicht
+Notiz davon nehmen können, ohne sich eine Verletzung des Privilegiums
+des Hauses zu Schulden kommen zu lassen, wofür er hätte vor die
+Schranken gefordert und kniend einen Verweis erhalten können. Die
+Majorität sah ein, daß es nicht weise gewesen wäre, in diesem
+Augenblicke mit der Geistlichkeit zu hadern und man ließ den Gegenstand
+daher fallen.<a class = "tag" name = "tagX_77" id = "tagX_77" href =
+"#noteX_77">77</a></p>
+
+<p>Während die Gemeinen über Sharp’s Predigt discutirten, hatten sich
+die Lords wieder zu einem Comité zur Erwägung der Lage der Nation
+constituirt und hatten den Beschluß, der den Thron für erledigt
+erklärte, Satz für Satz vorlesen lassen.</p>
+
+<p>Der erste Ausdruck, über den sich eine Debatte entspann, war der,
+welcher den ursprünglichen Vertrag zwischen König und Volk anerkannte.
+Es war nicht zu erwarten, daß die toryistischen Peers eine die
+Quintessenz des Whiggismus enthaltende Phrase ohne Einwendungen würden
+durchgehen lassen. Es wurde abgestimmt und mit dreiundfünfzig gegen
+sechsundvierzig Stimmen beschlossen, daß die Worte stehen bleiben
+sollten.</p>
+
+<p>Der strenge Tadel, den die Gemeinen über die Verwaltung Jakob’s
+ausgesprochen hatten, wurde nun zunächst in Betracht gezogen und ohne
+eine einzige abweichende Stimme gebilligt. Nur gegen den Ausdruck, Jakob
+habe die Regierung niedergelegt, wurden einige redactionelle
+Einwendungen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_61" id = "pageX_61">
+X.61</a></span>
+gemacht. Es wurde hervorgehoben, man könne richtiger sagen, daß er sie
+verlassen habe. Dieses Amendement wurde, wie es scheint, fast ohne alle
+Debatte, und ohne Abstimmung angenommen. Inzwischen war es spät
+geworden, und die Lords hoben daher die Sitzung auf.<a class = "tag"
+name = "tagX_78" id = "tagX_78" href = "#noteX_78">78</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_73" id = "noteX_73" href = "#tagX_73">73.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Jan. 21. 1688/89; Burnet, I.
+810: Doyly’s Life of Sancroft.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_74" id = "noteX_74" href = "#tagX_74">74.</a>
+Siehe die Uniformitätsacte.</p>
+
+<p><a name = "noteX_75" id = "noteX_75" href = "#tagX_75">75.</a>
+<span class = "antiqua">Stat. 2. Hen. 7. c. 1</span>; <span class =
+"antiqua">Lord Coke’s Institutes, III. 1.</span> Cook’s
+Hochverrathsprozeß in der <span class = "antiqua">Collection of State
+Trials</span>; <span class = "antiqua">Burnet, I. 813</span>, und
+Swift’s Note.</p>
+
+<p><a name = "noteX_76" id = "noteX_76" href = "#tagX_76">76.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ Journals, Jan. 29. 1688/89; Clarendon’s
+Diary; Evelyn’s Diary</span>; Citters; <span class = "antiqua">Eachard’s
+History of the Revolution</span>; <span class = "antiqua">Burnet, I.
+813</span>; <span class = "antiqua">History of the Reestablishment of
+the Government, 1689.</span> Die Anzahl der Stimmen für und wider sind
+in den Protokollen nicht angeführt und werden von verschiedenen
+Schriftstellern verschieden angegeben. Ich habe mich an Clarendon
+gehalten, der sich die Mühe genommen, Listen der Majorität und der
+Minorität zu entwerfen.</p>
+
+<p><a name = "noteX_77" id = "noteX_77" href = "#tagX_77">77.</a>
+<span class = "antiqua">Grey’s Debates</span>; <span class =
+"antiqua">Evelyn’s Diary</span>; <span class = "antiqua">Life of
+Archbishop Sharp, by his son</span>; <span class = "antiqua">Apology for
+the New Separation, in a letter to Dr. John Sharp, Archbishop of York,
+1691.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_78" id = "noteX_78" href = "#tagX_78">78.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ Journals, Jan. 30. 1688/89; Clarendon’s
+Diary.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Spaltung zwischen den Whigs und den Anhängern Danby’s.</span>
+<a name = "secX_44" id = "secX_44">Bis</a> hieher hatte die kleine
+Anzahl Peers, welche unter Danby’s Leitung standen, in festem Bunde mit
+Halifax und den Whigs gehandelt. Das Ergebniß dieser Einigung war die
+Verwerfung des Regentschaftsplanes und die Bestätigung des Grundsatzes
+vom ursprünglichen Vertrag. Der Satz, daß Jakob aufgehört habe, König zu
+sein, war der Vereinigungspunkt der beiden Parteien gewesen, welche
+zusammen die Majorität gebildet hatten. Von diesem Punkte an aber gingen
+ihre Wege auseinander. Die nächste zu entscheidende Frage war, ob der
+Thron erledigt sei, und dies war keine bloße Formfrage, sondern eine
+Frage von ernster praktischer Bedeutung. Wenn der Thron erledigt war, so
+konnten die Stände des Reichs Wilhelm auf denselben erheben; war er
+nicht erledigt, so konnte er erst nach seiner Gemahlin, nach der
+Prinzessin Anna und nach deren Nachkommenschaft auf denselben
+gelangen.</p>
+
+<p>Nach der Ansicht der Anhänger Danby’s war es ein feststehender
+Grundsatz, daß unser Land nicht einen Augenblick ohne einen rechtmäßigen
+Fürsten sein konnte. Der Mensch konnte sterben, aber der Regent war
+unsterblich; der Mensch konnte abdanken, der Regent aber war
+unabsetzbar. Wenn wir, sagten diese Politiker, einmal zugeben, daß der
+Thron erledigt ist, so geben wir auch zu, daß er durch Wahl besetzt
+werden kann. Der Souverain, den wir auf denselben erheben, wird dann
+nicht ein Souverain nach englischem, sondern einer nach polnischem Modus
+sein. Selbst wenn wir die Person wählten, welche dem Geburtsrechte nach
+zur Regierung kommen würde, so würde diese Person doch nicht kraft des
+Geburtsrechtes, sondern kraft unsrer Wahl regieren und würde als
+Geschenk erhalten was als Erbtheil betrachtet werden sollte. Die
+heilsame Ehrfurcht, mit der das königliche Blut und das Erstgeburtsrecht
+bisher betrachtet worden sind, würde bedeutend geschwächt werden. Noch
+schlimmer würde das Übel sein, wenn wir den Thron nicht allein durch
+Wahl, sondern mit einem Prinzen besetzten, der zwar unbestreitbar die
+Eigenschaften eines großen und guten Regenten hat und uns eine
+wunderbare Befreiung gebracht, der aber nicht der Erste, ja nicht einmal
+der Zweite in der Thronfolgeordnung ist. Wenn wir einmal sagen, daß
+Verdienste, so groß sie immer sein mögen, ein Anrecht auf die Krone
+geben, so erschüttern wir die Grundpfeiler unsrer Verfassung und liefern
+einen Precedenzfall, den jeder ehrgeizige Krieger oder Staatsmann,
+welcher dem Lande einen großen Dienst geleistet haben mag, in seinem
+Interesse zu benutzen sich versucht fühlen wird. Diese Gefahr vermeiden
+wir, wenn wir die Prinzipien der Verfassung logisch bis zu ihren
+Consequenzen festhalten. Es hat eine Niederlegung der Krone
+stattgefunden. Im Augenblicke der Niederlegung wurde der nächste Erbe
+unser rechtmäßiger Souverain. Wir betrachten die Prinzessin von Oranien
+als nächste Erbin, und sind der Meinung, daß sie unverzüglich als das
+was sie wirklich ist, als unsre Königin, proklamirt werden muß.</p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_62" id = "pageX_62">
+X.62</a></span>
+<p>Die Whigs entgegneten hierauf, es sei nutzlos, die gewöhnlichen
+Regeln auf ein im Zustande der Revolution befindliches Land anzuwenden,
+die jetzt obschwebende große Frage dürfe nicht nach den Ansprüchen
+pedantischer Templer entschieden werden, und wenn sie so entschieden
+werden solle, so könnten derartige Aussprüche auf der einen Seite eben
+so gut wie auf der andren angeführt werden. Wenn es ein Rechtsgrundsatz
+sei, daß der Thron nie unbesetzt sein könne, so sei es auch ein
+Rechtsgrundsatz, daß ein noch lebender Mensch keinen Erben haben könne.
+Jakob lebte noch; wie könnte also die Prinzessin von Oranien seine Erbin
+sein? Das englische Recht habe allerdings vollständige Vorsorge für die
+Thronfolge getroffen, für den Fall, daß die Macht eines Souverains zu
+gleicher Zeit mit seinem Leben endete, nicht aber für die seltenen
+Fälle, in denen seine Macht vor dem Aufhören seines physischen Lebens
+endete, und mit einem dieser höchst seltenen Fälle habe die Convention
+es jetzt zu thun. Daß Jakob nicht mehr auf dem Throne sitze, hätten
+beide Häuser erklärt. Weder das gemeine Recht, noch das in den Gesetzen
+enthaltene Recht bezeichne irgend Jemanden als befugt, in der Zeit
+zwischen seiner Abdankung und seinem Ableben den Thron einzunehmen.
+Daraus folge, daß der Thron erledigt sei und daß die Häuser den Prinzen
+von Oranien ersuchen könnten, denselben einzunehmen. In der
+Geburtsordnung sei er allerdings nicht der Nächste, allein dies sei kein
+Nachtheil, sondern vielmehr gerade eine positive Empfehlung. Die
+erbliche Monarchie sei eine gute politische Institution, aber keineswegs
+heiliger als andere gute politische Institutionen. Leider hätten bigotte
+und servile Theologen es zu einem religiösen Mysterium gemacht, das fast
+eine eben so heilige Scheu erwecke und eben so unbegreiflich sei, als
+die Transsubstantiation selbst. Die Institution aufrecht zu erhalten,
+aber die nachtheiligen abergläubischen Begriffe zu entfernen, die man
+seit den letzten Jahren daran geknüpft, und die sie zu einem Fluche,
+anstatt zu einem Segen für die Gesellschaft gemacht hätten, müsse das
+Hauptbestreben der englischen Staatsmänner sein, und dieser Zweck werde
+am besten erreicht werden, wenn man einmal von der allgemeinen
+Erbfolgeordnung ein wenig abweiche und dann wieder zu derselben
+zurückkehre.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Versammlung bei dem Earl von Devonshire.</span>
+<a name = "secX_45" id = "secX_45">Es</a> wurden viele Versuche gemacht,
+um einen offenen Bruch zwischen der Partei des Prinzen und der Partei
+der Prinzessin zu verhüten. Eine große Versammlung wurde im Hause des
+Earl von Devonshire gehalten und daselbst lebhaft debattirt. Halifax war
+der Hauptsprecher für Wilhelm, Danby für Marien. Von Marien’s
+Gesinnungen wußte Danby nichts. Sie wurde seit einiger Zeit in London
+erwartet, war aber zuerst durch die Eismassen, welche die Flußmündungen
+versperrten, und nach eingetretenem Thauwetter durch heftige Westwinde
+in Holland, zurückgehalten worden. Wäre sie früher gekommen, so würde
+der Streit wahrscheinlich mit einem Male beigelegt worden sein. Auf der
+andren Seite war Halifax nicht ermächtigt irgend etwas im Namen
+Wilhelm’s zu thun. Der Prinz hatte, getreu seinem Versprechen, daß er
+die Einsetzung der Regierung der Convention überlassen werde, eine
+undurchdringliche Zurückhaltung bewahrt und hatte sich kein Wort, keinen
+Blick, keine Geberde entschlüpfen lassen, welche Zufriedenheit oder
+Mißfallen hätte verrathen können. Einer seiner Landsleute, der sein
+Vertrauen in hohem Maße genoß, war zu der Versammlung eingeladen und von
+den Peers dringend ersucht
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_63" id = "pageX_63">
+X.63</a></span>
+worden, daß er ihnen einige Aufschlüsse geben möchte. Er weigerte sich
+lange. Endlich aber gab er ihren Bitten insoweit nach, daß er sagte:
+„Ich kann die Gesinnung Seiner Hoheit nur muthmaßen. Wenn Sie es gern
+wissen wollen, was ich muthmaße, so will ich es Ihnen sagen: ich
+vermuthe, daß er nicht gern der Ceremonienmeister seiner Gemahlin werden
+möchte. Doch ich weiß nichts.“ &mdash; „Aber ich weiß nun etwas,“
+erwiederte Danby. „Ich weiß genug, mehr als genug.“ Dann entfernte er
+sich und die Versammlung ging auseinander.<a class = "tag" name =
+"tagX_79" id = "tagX_79" href = "#noteX_79">79</a></p>
+
+<p>Am 31. Januar wurde die so beendigte Privatdebatte im Hause der Peers
+öffentlich wieder aufgenommen. Dieser Tag war zur Feier des
+Nationaldankfestes bestimmt worden. Mehrere Bischöfe, darunter Ken und
+Sprat, hatten für diese Gelegenheit ein besonderes Gebet abgefaßt. Es
+ist vollkommen frei von Schmeicheleien wie von Gehässigkeiten, welche
+derartige Erzeugnisse damals nur zu oft verunzierten und hält vielleicht
+besser als irgend ein andres Gelegenheitsgebet, das seit zwei
+Jahrhunderten verfaßt wurde, einen Vergleich mit jenem herrlichen Muster
+reiner, erhabener und ergreifender Beredtsamkeit, mit dem allgemeinen
+Gebetbuche aus. Die Lords gingen am Morgen in die Westminsterabtei. Die
+Gemeinen hatten Burnet gebeten, in der Margarethenkirche vor ihnen zu
+predigen. Von ihm hatte man nicht zu fürchten, daß er in den Fehler
+verfallen werde, welcher den Tag vorher daselbst begangen worden war.
+Sein kräftiger und lebendiger Vortrag fand gewiß lauten Beifall bei
+seinen Zuhörern. Die Predigt wurde nicht allein auf Befehl des Hauses
+gedruckt, sondern auch zur Erbauung fremder Protestanten ins
+Französische übersetzt.<a class = "tag" name = "tagX_80" id = "tagX_80"
+href = "#noteX_80">80</a> Der Tag wurde mit den bei solchen
+Gelegenheiten üblichen Festlichkeiten beschlossen. Die ganze Stadt
+strahlte von Feuerwerk und Freudenfeuern; der Kanonendonner und das
+Glockengeläute dauerten bis tief in die Nacht hinein; aber ehe die
+Lichter erloschen und die Straßen wieder still geworden waren, hatte ein
+Ereigniß stattgefunden, das die Freude des Volks dämpfte.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_79" id = "noteX_79" href = "#tagX_79">79.</a>
+<ins class = "correction" title = "Original hat »Darthmouth’s«">Dartmouth’s</ins> Note zu Burnet, I. 393. Dartmouth
+sagt, die Lords hätten Fagel diese Andeutung abgedrungen. Dies war ein
+Schreibfehler, der in einer eilig hingeschriebenen Anmerkung wohl zu
+entschuldigen ist; aber Dalrymple und Andere hätten einen so
+auffallenden Fehler nicht abschreiben sollen. Fagel war am 5. Dec. 1688,
+während sich Wilhelm in Salisbury und Jakob in Whitehall befand, in
+Holland gestorben. Die richtige Person war vermuthlich Dykvelt, Bentinck
+oder Zulestein, am wahrscheinlichsten Dykvelt.</p>
+
+<p><a name = "noteX_80" id = "noteX_80" href = "#tagX_80">80.</a>
+Das Gebet sowohl als Burnet’s Predigt sind noch in unseren großen
+Bibliotheken zu finden und verdienen gelesen zu werden.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Debatte im Hause der Lords über die Frage der Thronerledigung.</span>
+<a name = "secX_46" id = "secX_46">Die</a> Peers hatten sich aus der
+Abtei in ihr Sitzungslokal begeben und die Discussion über die Lage der
+Nation wieder aufgenommen. Die letzten Worte des Beschlusses der
+Gemeinen wurden in Erwägung gezogen, und es zeigte sich bald, daß die
+Majorität nicht gemeint war, diesen Worten beizustimmen. Zu den nahe an
+fünfzig Lords, welche der Ansicht waren, daß Jakob noch der Königstitel
+gebühre, kamen jetzt noch sieben bis acht, welche behaupteten, daß
+derselbe schon auf Marien übergegangen sei. Als die Whigs sahen, daß
+ihre Gegner ihnen an Zahl überlegen waren, versuchten sie es, einen
+Vergleich zu Stande zu bringen. Sie schlugen deshalb vor, die Worte,
+welche den Thron für erledigt
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_64" id = "pageX_64">
+X.64</a></span>
+erklärten, wegzulassen und den Prinzen und die Prinzessin einfach zum
+König und zur Königin zu proklamiren. Es war augenscheinlich, daß eine
+solche Erklärung Alles was die Tories nicht zugestehen wollten, wenn
+nicht ausdrücklich aussprach, doch in sich schloß. Denn Niemand konnte
+behaupten, daß Wilhelm kraft des Geburtsrechts in das königliche Amt
+eingetreten war. Ein Beschluß, der ihn als König anerkannte, wäre
+demnach ein Wahlact gewesen, und wie konnte eine Wahl stattfinden ohne
+Erledigung?</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Majorität für die Verneinung.</span>
+<a name = "secX_47" id = "secX_47">Der</a> Vorschlag der whiggistischen
+Lords wurde mit zweiundfünfzig gegen siebenundvierzig Stimmen verworfen.
+Dann wurde die Frage gestellt, ob der Thron erledigt sei. Hiermit waren
+einverstanden einundvierzig, nicht einverstanden fünfundfünfzig.
+Sechsunddreißig von der Minorität protestirten.<a class = "tag" name =
+"tagX_81" id = "tagX_81" href = "#noteX_81">81</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_81" id = "noteX_81" href = "#tagX_81">81.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ Journals, Jan. 31. 1688/89</span>.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Aufregung in London.</span>
+<a name = "secX_48" id = "secX_48">Während</a> der beiden folgenden Tage
+war London in einer unruhigen und angstvollen Stimmung. Die Tories
+begannen zu hoffen, daß sie ihren Lieblingsplan einer Regentschaft mit
+besserem Erfolge wieder zur Sprache würden bringen können. Vielleicht
+zog der Prinz selbst, wenn er sah, daß er keine Aussicht hatte, die
+Krone zu tragen, Sancroft’s Plan, dem Plane Danby’s vor. Es war
+allerdings besser, König zu sein als Regent; aber Regent war immer noch
+besser als Ceremonienmeister. Auf der andren Seite begann auch die
+niedere und heftigere Klasse der Whigs, die ehemaligen Emissäre
+Shaftesbury’s die alten Bundesgenossen College’s sich in der City zu
+regen. Volkshaufen versammelten sich im Palasthofe und führten eine
+drohende Sprache. Lord Lovelace, der im Verdacht stand, zu diesen
+Versammlungen aufgereizt zu haben, kündigte den Peers an, daß er
+beauftragt sei, eine Petition zu überreichen, in der sie aufgefordert
+würden, den Prinzen und die Prinzessin von Oranien unverzüglich zum
+König und zur Königin zu erklären. Auf die Frage, von wem die Petition
+unterzeichnet sei, antwortete er: „Sie hat noch keine Unterschriften,
+wenn ich sie aber das nächste Mal wieder mit hierher bringe, wird sie
+deren genug haben.“ Diese Drohung beunruhigte und verdroß seine eigne
+Partei. Die leitenden Whigs waren in der That noch ängstlicher besorgt,
+als die Tories, daß die Berathungen der Convention vollkommen frei seien
+und daß kein Anhänger Jakob’s behaupten könne, daß das eine oder das
+andre Haus unter dem Einflusse eines Zwanges gehandelt habe. Eine
+ähnliche Petition wie die von Lovelace überreichte, wurde auch im Hause
+der Gemeinen vorgelegt, aber mit Verachtung zurückgewiesen. Maynard war
+der Erste, der gegen den Versuch des Straßenpöbels, die Stände des
+Reichs einzuschüchtern, protestirte. Wilhelm ließ Lovelace zu sich
+kommen, setzte ihn sehr ernsthaft zur Rede und befahl den städtischen
+Behörden, gegen alle ungesetzlichen Versammlungen kräftig
+einzuschreiten.<a class = "tag" name = "tagX_82" id = "tagX_82" href =
+"#noteX_82">82</a> Nichts in der Geschichte unsrer Revolution verdient
+mehr Bewunderung und Nachahmung als die Art, wie sich die beiden
+Parteien der Convention gerade in dem Augenblicke, wo ihr Streit am
+heftigsten war, wie ein Mann zum Widerstand gegen die Vorschriften des
+Pöbels der Hauptstadt verbanden.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_82" id = "noteX_82" href = "#tagX_82">82.</a>
+Citters, 5.(15.) Febr. 186 f.; <span class = "antiqua">Diary, Feb.
+2.</span> In dem Werke, <span class = "antiqua">Revolution
+Politics</span>, einem höchst abgeschmackten Buche, das aber als
+Sammlung der unsinnigen Tagesgerüchte einigen Werth hat, übertreibt die
+Geschichte maßlos. &mdash;&nbsp;<span class = "antiqua">Grey’s
+Debates</span>.</p>
+
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_65" id = "pageX_65">
+X.65</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Brief von Jakob an die Convention.</span>
+<a name = "secX_49" id = "secX_49">Obgleich</a> aber die Whigs fest
+entschlossen waren, die Ordnung aufrecht zu erhalten und die Freiheit
+der Debatte zu achten, so waren sie doch nicht minder fest entschlossen,
+kein Zugeständniß zu machen. Am Samstag, den 2. Februar beschlossen die
+Gemeinen ohne Abstimmung, die ursprüngliche Fassung ihres Beschlusses
+beizubehalten. Jakob kam wie immer seinen Feinden zu Hülfe. Eben war ein
+Schreiben von ihm an die Convention angelangt. Der Apostat Melfort, der
+jetzt in St.-Germain in hoher Gunst stand, hatte es Preston überbracht.
+Der Name Melfort war jedem Anhänger der Staatskirche verhaßt. Daß er
+noch immer ein vertrauter Diener Jakob’s war, genügte an sich schon um
+zu beweisen, daß die Thorheit und Verkehrtheit seines Gebieters
+unheilbar waren. Kein Mitglied eines der beiden Häuser wagte es, die
+Vorlesung eines von solcher Seite kommenden Schreibens zu beantragen.
+Der Inhalt war jedoch der ganzen Stadt bekannt. Seine Majestät ermahnte
+die Lords und Gemeinen, an seiner Milde nicht zu verzweifeln und
+versicherte gnädigst, daß er Denen, die ihn verrathen hätten, verzeihen
+wolle, einige Wenige ausgenommen, die er nicht nannte. War es wohl
+möglich etwas für einen Fürsten zu thun, der besiegt, verlassen,
+verbannt und von Almosen lebend, Denjenigen, in deren Hand sein
+Schicksal lag, sagte, daß er, wenn sie ihn wieder auf den Thron setzten,
+nur einige wenige von ihnen hängen lassen würde?<a class = "tag" name =
+"tagX_83" id = "tagX_83" href = "#noteX_83">83</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_83" id = "noteX_83" href = "#tagX_83">83.</a>
+Jakob’s Brief, vom 24. Jan. (3. Febr.) 1689 datirt, findet sich bei
+Kennet. In Clarke’s <span class = "antiqua">Life of James</span> ist er
+auf die unredlichste Weise entstellt. Siehe <span class =
+"antiqua">Clarendon’s Diary, Feb. 2, 4</span>; <span class =
+"antiqua">Grey’s Debates</span>; <span class = "antiqua">Lords’
+Journals, Feb. 2, 4, 1688/89</span>.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Debatte.</span>
+<a name = "secX_50" id = "secX_50">Der</a> Streit zwischen den beiden
+Parteien der gesetzgebenden Gewalt dauerte noch einige Tage. Montag, den
+4. Februar, beschlossen die Lords auf ihren Amendements zu beharren;
+aber es wurde ein mit neununddreißig Namen unterzeichneter Protest in
+die Protokolle eingetragen.<a class = "tag" name = "tagX_84" id =
+"tagX_84" href = "#noteX_84">84</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_84" id = "noteX_84" href = "#tagX_84">84.</a>
+Es ist von mehrern Schriftstellern, unter anderen von Ralph, und B.
+Mazure behauptet worden, Danby habe diesen Protest unterzeichnet. Dies
+ist ein Irrthum. Wahrscheinlich las Jemand, der die Protokolle vor dem
+Drucke durchsah, Danby für Derby. <span class = "antiqua">Lords’
+Journals, Feb. 4. 1688/89</span>. Einige Tage vorher schrieb Evelyn
+fälschlich Derby anstatt Danby. Sein Tagebuch vom 29. Jan. 1688/89.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Unterhandlungen.</span>
+<a name = "secX_51" id = "secX_51">Am</a> folgenden Tage beschlossen die
+Tories, ihre Stärke im Unterhause zu versuchen. Sie erschienen in großer
+Anzahl und es wurde der Antrag gestellt, den Amendements der Lords
+beizutreten. Die, welche für Sancroft’s Plan und die, welche für Danby’s
+Plan waren, stimmten miteinander; allein sie wurden mit
+zweihundertundachtzig gegen hunderteinundfünfzig Stimmen geschlagen. Das
+Haus beschloß hierauf, um eine freie Conferenz mit den Lords
+nachzusuchen.<a class = "tag" name = "tagX_85" id = "tagX_85" href =
+"#noteX_85">85</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_85" id = "noteX_85" href = "#tagX_85">85.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, Feb. 5. 1688/89.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Schreiben der Prinzessin von Oranien an Danby.</span>
+<a name = "secX_52" id = "secX_52">Zu</a> gleicher Zeit wurden außerhalb
+der Mauern des Parlaments energische Anstrengungen gemacht, um den
+Streit zwischen den beiden Zweigen der gesetzgebenden Versammlung zu
+beendigen. Burnet glaubte es durch die Wichtigkeit der Krisis <ins class
+= "correction" title = "Original hat »gerechfertigt«">gerechtfertigt</ins>, das ihm von der Prinzessin
+anvertraute große Geheimniß zu veröffentlichen. Er wisse aus ihrem
+eigenen Munde, sagte er, daß es schon längst ihr fester Entschluß sei,
+selbst wenn sie nach der regelmäßigen Erbfolge auf den Thron gelangen
+sollte,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_66" id = "pageX_66">
+X.66</a></span>
+mit Genehmigung des Parlaments ihre Gewalt in die Hände ihres Gemahls
+niederzulegen. Danby erhielt von ihr einen ernsten, fast harten Verweis.
+Sie sei die Gattin des Prinzen, schrieb sie ihm, und hege keinen andren
+Wunsch als ihm unterthan zu sein; man könne ihr keine schwerere
+Beleidigung zufügen, als wenn man sie als seine Nebenbuhlerin darstelle
+und sie könne Niemanden, der ein solches Verfahren einschlage, als ihren
+wahren Freund betrachten.<a class = "tag" name = "tagX_86" id =
+"tagX_86" href = "#noteX_86">86</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_86" id = "noteX_86" href = "#tagX_86">86.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 819.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Prinzessin Anna erklärt sich mit dem Whigplane einverstanden.</span>
+<a name = "secX_53" id = "secX_53">Die</a> Tories hatten noch eine
+Hoffnung. Anna konnte vielleicht auf ihren eigenen und auf den Rechten
+ihrer Kinder bestehen. Es wurde keine Mühe gespart, um ihren Ehrgeiz
+aufzustacheln und ihr Gewissen zu beunruhigen. Ihr Oheim Clarendon war
+ganz besonders thätig. Erst wenige Wochen waren vergangen, seitdem die
+Hoffnung auf Reichthum und Ansehen ihn bewogen hatte, die pomphaft zur
+Schau getragenen Glaubensbekenntnisse seines ganzen Lebens zu
+verleugnen, von dem Könige abzufallen, sich dem Wildman und dem Ferguson
+anzuschließen und sogar vorzuschlagen, daß der König als Gefangener in
+ein fremdes Land geschickt und in eine von ungesunden Sümpfen umgebene
+Festung eingesperrt werden sollte. Der Köder, der diese auffallende
+Sinnesveränderung bewirkt hatte, war das Vicekönigamt in Irland. Bald
+zeigte es sich jedoch, daß der Proselyt wenig Aussicht hatte, den
+glänzenden Preis, nach welchem sein Sinn strebte, zu erringen. Er sah,
+daß Andere über die irländischen Angelegenheiten zu Rathe gezogen
+wurden. Sein Rath wurde nie verlangt, und wenn er ihn zudringlicherweise
+anbot, wurde er mit Kälte aufgenommen. Er begab sich häufig in den St.
+Jamespalast, konnte aber kaum ein Wort oder einen Blick erlangen. Das
+eine Mal schrieb der Prinz eben; ein ander Mal sollte er frische Luft
+schöpfen und einen Spazierritt durch den Park machen; das dritte Mal
+hatte er eine Conferenz mit Offizieren über militairische
+Angelegenheiten und konnte Niemanden empfangen. Clarendon sah nun, daß
+er keine Aussicht hatte, durch die Aufopferung seiner Grundsätze etwas
+zu gewinnen, und er beschloß daher, zu denselben zurückzukehren. Im
+December hatte der Ehrgeiz ihn zum Rebellen gemacht; im Januar
+verwandelte Enttäuschung ihn wieder in einen Royalisten. Das drückende
+Bewußtsein, daß er kein standhafter Tory gewesen war, verlieh seinem
+Toryismus eine besondere Leidenschaftlichkeit.<a class = "tag" name =
+"tagX_87" id = "tagX_87" href = "#noteX_87">87</a> Im Hause der Lords
+hatte er Alles aufgeboten, um eine bestimmte Entscheidung zu
+hintertreiben. Jetzt verwendete er seinen ganzen Einfluß zu demselben
+Zwecke bei der Prinzessin Anna. Aber sein Einfluß auf sie war nur gering
+im Vergleich mit dem der Churchill, welche wohlweislich zwei mächtige
+Verbündete zu Hülfe nahmen: Tilletson, der als Gewissensrath damals ein
+großes Ansehen genoß, und Lady Russel, deren edle und liebenswürdige
+Tugenden, welche die schwerste aller Prüfungen bestanden, ihr den Ruf
+einer Heiligen erworben hatten. Bald ward es bekannt, daß die Prinzessin
+von Dänemark ihre Einwilligung zu Wilhelm’s lebenslänglicher Regierung
+zu geben geneigt war, und es lag auf der Hand,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_67" id = "pageX_67">
+X.67</a></span>
+daß es ein vergebliches Beginnen gewesen wäre, die Sache der Töchter
+Jakob’s gegen sie selbst zu vertheidigen.<a class = "tag" name =
+"tagX_88" id = "tagX_88" href = "#noteX_88">88</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_87" id = "noteX_87" href = "#tagX_87">87.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Jan. 1, 4, 8, 9, 10, 11, 12,
+13, 14, 1688/89; Burnet, I. 807.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_88" id = "noteX_88" href = "#tagX_88">88.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary, Feb. 5. 1688/89; Duchess of
+Marlborough’s Vindication; Mulgrave’s Account of the
+Revolution.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm spricht seine Absichten aus.</span>
+<a name = "secX_54" id = "secX_54">Jetzt</a> glaubte Wilhelm, die Zeit
+sei gekommen, wo er sich aussprechen müsse. Er berief daher Halifax,
+Danby, Shrewsbury und einige andere politische Parteihäupter von hohem
+Ansehen zu sich und richtete mit dem stoischen Gleichmuth, unter dem er
+von Kindheit auf seine stärksten Gefühlsregungen zu verbergen pflegte,
+einige tief durchdachte und gewichtige Worte an sie.</p>
+
+<p>Er habe bis jetzt geschwiegen, sagte er, und weder Bitten noch
+Drohungen angewendet, ja nicht einmal eine Andeutung über seine
+Ansichten oder Wünsche laut werden lassen; jetzt aber sei der
+entscheidende Augenblick gekommen, wo er seine Absichten offen erklären
+müsse. Er habe weder das Recht, noch den Wunsch, der Convention
+Vorschriften zu machen. Er beanspruche weiter nichts als das Vorrecht,
+jedes Amt, das er nach seiner Überzeugung nicht mit Ehren für sich und
+zum Wohle des Staats würde verwalten können, ablehnen zu dürfen.</p>
+
+<p>Eine starke Partei sei für eine Regentschaft. Die beiden Häuser
+hätten darüber zu entscheiden, ob eine solche Einrichtung dem Vaterlande
+zum Heile gereichen könne. Seine Meinung über diesen Punkt stehe fest
+und er halte es für nöthig, mit Bestimmtheit zu erklären, daß er für
+seine Person nicht Regent werden möchte.</p>
+
+<p>Eine andre Partei wünsche die Prinzessin auf den Thron zu erheben und
+ihm auf Lebenszeit den Königstitel und denjenigen Antheil an der
+Regierung zu gewähren, den sie ihm freiwillig zugestehen würde. Zu einer
+solchen Stellung könne er sich nicht herablassen. Er achte die
+Prinzessin so hoch, als nur irgend ein Mann ein Weib achten könne, aber
+selbst aus ihren Händen werde er eine untergeordnete und unsichere
+Stellung bei der Regierung nicht annehmen. Es liege einmal nicht in
+seiner Natur, daß er sich an die Schürzenbänder auch der besten Frau
+knüpfen lassen könne. Er dränge sich durchaus nicht danach, in der
+englischen Geschichte eine Rolle zu spielen, wenn er aber einwillige,
+eine solche Rolle zu übernehmen, so gebe es nur eine, die er mit Nutzen
+oder mit Ehren übernehmen <ins class = "correction" title = "Original hat »könnne«">könne</ins>. Wenn die Stände ihm die Krone auf Lebenszeit
+anböten, so würde er sie annehmen, wo nicht, würde er, ohne sich zu
+grämen, in sein Vaterland zurückkehren. Er schloß mit den Worten, er
+halte es für recht und billig, daß Lady Anna und ihre Nachkommen allen
+Kindern, die ihm eine andre Frau als Lady etwa schenken möchte, in der
+Thronfolge vorgezogen würden.<a class = "tag" name = "tagX_89" id =
+"tagX_89" href = "#noteX_89">89</a></p>
+
+<p>Die Versammlung trennte sich und binnen wenigen Stunden war die Rede
+des Prinzen in ganz London bekannt. Daß er König werden mußte, war jetzt
+klar. Die einzige Frage war nur noch, ob er die königliche Würde allein
+oder mit der Prinzessin gemeinschaftlich bekleiden sollte. Halifax und
+einige andere Staatsmänner, welche die Gefahr einer Theilung
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_68" id = "pageX_68">
+X.68</a></span>
+der höchsten Executivgewalt in grellem Lichte erblickten, hielten es für
+wünschenswerth, daß Marie, so lange Wilhelm lebte, nur Königsgemahlin
+und Unterthanin sein sollte. Obgleich sich viel zu Gunsten eines solchen
+Arrangements sagen ließ, so beleidigte sie doch das Gefühl selbst
+derjenigen Engländer, welche dem Prinzen am meisten ergeben waren. Seine
+Gemahlin hatte ihm einen beispiellosen Beweis von ehelicher Unterwerfung
+und Liebe gegeben, und die geringste Vergeltung dafür von seiner Seite
+war die Verleihung der Würde einer regierenden Königin. Wilhelm Herbert,
+einer der wärmsten Anhänger des Prinzen, war so entrüstet, daß er aus
+dem Bette sprang, an das die Gicht ihn fesselte, und mit Heftigkeit
+erklärte, daß er nie für Seine Hoheit das Schwert gezogen haben würde,
+wenn er geahnet hätte, daß eine so schmachvolle Anordnung getroffen
+werden solle. Niemand aber zeigte sich so gereizt über die Sache als
+Burnet. Sein Blut kochte bei dem Gedanken an das seiner gütigen
+Beschützerin zugefügte Unrecht. Er gerieth in einen heftigen Streit mit
+Bentinck und bat um Enthebung von seinem Kaplanposten. „So lange ich ein
+Diener Seiner Hoheit bin,“ sagte der wackere, rechtschaffene Geistliche,
+„würde es mir nicht geziemen, einen Plan zu bekämpfen, der vielleicht
+seinen Beifall hat. Ich wünsche daher, meine Freiheit wieder zu
+erhalten, um mit allen mir von Gott verliehenen Kräften für die
+Prinzessin zu kämpfen.“ Bentinck bewog ihn, eine offene Kriegserklärung
+so lange aufzuschieben, bis Wilhelm’s Entschließungen näher bekannt sein
+würden. In wenigen Stunden war der Plan, der so viel böses Blut gemacht
+hatte, völlig aufgegeben, und alle Diejenigen, welche Jakob nicht mehr
+als König betrachteten, stimmten in der Art der Wiederbesetzung des
+Thrones überein. Wilhelm und Marie mußten König und Königin werden; die
+Münzen mußten beider Brustbilder zeigen, die Regierungsdecrete mußten in
+beider Namen erlassen werden, beide mußten alle persönlichen Ehren und
+Privilegien der Königswürde genießen; aber die Verwaltung, welche nicht
+füglich getheilt werden konnte, mußte Wilhelm allein bleiben.<a class =
+"tag" name = "tagX_90" id = "tagX_90" href = "#noteX_90">90</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_89" id = "noteX_89" href = "#tagX_89">89.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, I. 820.</span> Burnet sagt, er habe die
+Ereignisse dieser bewegten Zeit nicht in chronologischer Ordnung
+berichtet. Ich mußte sie daher nach meinen eigenen Muthmaßungen ordnen,
+glaube aber kaum mich zu irren, wenn ich annehme, daß das Schreiben der
+Prinzessin in der Zeit zwischen Donnerstag den 31. Jan. und Mittwoch den
+6. Febr. ankam und auch der Prinz die Erklärung über seine Absichten
+kund gab.</p>
+
+<p><a name = "noteX_90" id = "noteX_90" href = "#tagX_90">90.</a>
+<span class = "antiqua">Mulgrave’s Account of the Revolution.</span> In
+den ersten drei Ausgaben habe ich diesen Vorgang unrichtig erzählt. Die
+Schuld lag größtentheils an mir selbst, zum Theil aber auch an Burnet,
+dessen nachlässiger Gebrauch des Fürworts „er“ mich irreführte. <span
+class = "antiqua">Burnet I. 858.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Conferenz zwischen den beiden Häusern.</span>
+<a name = "secX_55" id = "secX_55">Inzwischen</a> war die zu der freien
+Conferenz zwischen den Häusern festgesetzte Zeit herangekommen. Die
+Wortführer der Lords nahmen in vollem Ornat ihre Sitze auf der einen
+Seite der Tafel im sogenannten gemalten Saale (<span class =
+"antiqua">painted chamber</span>) ein; aber auf der andren Seite drängte
+sich eine so große Anzahl von Mitgliedern des Hauses der Gemeinen, daß
+die Herren, welche die Frage erörtern sollten, nicht hindurchkommen
+konnten. Nicht ohne große Schwierigkeit und erst nach geraumer Zeit
+gelang es dem Stabträger, ihnen einen Weg zu bahnen.<a class = "tag"
+name = "tagX_91" id = "tagX_91" href = "#noteX_91">91</a></p>
+
+<p>Endlich begann die Verhandlung. Die bei dieser Gelegenheit gehaltenen
+Reden sind vollständig auf uns gekommen. Es wird wenige
+Geschichtsforscher geben, welche den Bericht darüber nicht mit
+gespannter Neugierde zur Hand genommen und mit getäuschten Erwartungen
+wieder bei Seite gelegt hätten. Die zwischen den beiden Häusern
+obschwebende
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_69" id = "pageX_69">
+X.69</a></span>
+Streitfrage wurde von beiden Theilen als eine Rechtsfrage behandelt. Die
+Einwürfe der Lords gegen den Beschluß der Gemeinen waren formeller und
+technischer Art, ebenso auch die Entgegnungen. Somers vertheidigte den
+Gebrauch des Wortes Abdication durch Citate aus Grotius und Brissonius,
+Spigelius und Bartolus. Als er aufgefordert wurde, eine Autorität für
+die Behauptung anzuführen, daß England ohne Souverain sein könne, legte
+er die Parlamentsprotokolle vom Jahre 1399 vor, in denen ausdrücklich
+gesagt war, daß der Thron in der Zeit zwischen der Abdankung
+Richard’s&nbsp;II. und der Thronbesteigung Heinrich’s&nbsp;IV. vakant
+gewesen sei. Die Lords führten zur Widerlegung die Parlamentsprotokolle
+vom ersten Regierungsjahre Eduard’s&nbsp;IV. an, aus denen hervorging,
+daß die Urkunde von 1399 feierlich annullirt worden war. Sie behaupteten
+daher, der Precedenzfall, auf den Somers sich stützte, habe keine
+Gültigkeit mehr. Treby kam nun Somers zu Hülfe und legte die
+Parlamentsacten vom ersten Regierungsjahre Heinrich’s&nbsp;VII. vor,
+welche die Acte Eduard’s&nbsp;IV. aufhoben und demnach die Gültigkeit
+der Urkunde vom Jahre 1399 wiederherstellten. Nach einer mehrstündigen
+Discussion trennten sich die Disputanten.<a class = "tag" name =
+"tagX_92" id = "tagX_92" href = "#noteX_92">92</a> Die Lords
+versammelten sich in ihrem Sitzungslokale. Man wußte sehr wohl, daß sie
+auf dem Punkte standen, nachzugeben und daß die Conferenz eine bloße
+Formalität gewesen war. Die Freunde Mariens hatten eingesehen, daß sie
+sie tief gekränkt hatten, indem sie sie als Nebenbuhlerin ihres Gemahls
+hingestellt. Einige von den Peers, welche früher für eine Regentschaft
+gestimmt hatten, waren entschlossen, wegzubleiben oder den Beschluß des
+Unterhauses zu unterstützen. Sie sagten, ihre Ansicht habe sich nicht
+geändert, aber eine Regierung sei immer besser als gar keine und die
+Nation könne eine Verlängerung dieser qualvollen Ungewißheit nicht
+ertragen. Selbst Nottingham, der im gemalten Saale die Discussion gegen
+die Gemeinen geleitet hatte, erklärte, sein Gewissen erlaube ihm zwar
+nicht, nachzugeben, es freue ihn aber, daß die Gewissen Anderer nicht so
+ängstlich seien. Mehrere Lords, die in der Convention noch nicht mit
+abgestimmt hatten, waren bewogen worden zu erscheinen; so Lord
+Lexington, der eben in aller Eil vom Continent herübergekommen war, der
+halb wahnsinnige Earl von Lincoln, der an Krücken gehende Earl von
+Carlisle, und der Bischof von Durham, der sich verborgen gehalten, um
+über das Meer zu flüchten, aber den Wink erhalten hatte, daß sein
+Benehmen in der kirchlichen Commission nicht gegen ihn geltend gemacht
+werden sollte, wenn er für die Feststellung der Regierung stimmen würde.
+Danby, welcher die von ihm verursachte Spaltung zu heilen wünschte,
+mahnte das Haus in einer Rede, die seine gewöhnlichen Vorträge an
+Genialität noch übertraf, einen Kampf nicht länger fortzusetzen, der dem
+Staate verderblich werden könne. Halifax unterstützte ihn kräftig. Der
+Muth der Gegner war gebrochen.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_91" id = "noteX_91" href = "#tagX_91">91.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, Febr. 6. 1688/89.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_92" id = "noteX_92" href = "#tagX_92">92.</a>
+Siehe <span class = "antiqua">Lords’ and Commons’ Journals, Feb. 6.
+1688/89</span> und den Bericht über die Conferenz.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Lords geben nach.</span>
+<a name = "secX_56" id = "secX_56">Als</a> die Frage gestellt wurde, ob
+König Jakob die Regierung niedergelegt habe, sagten nur drei Lords
+Nichteinverstanden. Über die Frage, ob der Thron erledigt sei, wurde die
+Abstimmung verlangt, und es ergaben sich zweiundsechzig Einverstandene
+und siebenundvierzig Nichteinverstandene. Unmittelbar darauf wurde der
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_70" id = "pageX_70">
+X.70</a></span>
+Antrag gestellt und ohne Abstimmung angenommen, daß der Prinz und die
+Prinzessin von Oranien zum König und zur Königin von England erklärt
+werden sollten.<a class = "tag" name = "tagX_93" id = "tagX_93" href =
+"#noteX_93">93</a></p>
+
+<p>Nottingham trug nun darauf an, daß die Fassung des Unterthaneneides
+und des Supremateides dergestalt abgeändert werden möchte, daß auch
+Diejenigen ihn mit gutem Gewissen leisten könnten, die, wie er selbst,
+den Beschluß der Convention mißbilligten, sich aber dennoch vorgenommen
+hätten, loyale und gehorsame Unterthanen der neuen Souveraine zu sein.
+Gegen diesen Antrag wurde kein Einwurf erhoben. Es kann allerdings kaum
+bezweifelt werden, daß die Whigführer und diejenigen toryistischen
+Lords, deren Stimmen bei der letzten Abstimmung den Ausschlag gegeben,
+sich vorher über diesen Punkt verständigt hatten. Die neuen Eidformeln
+wurden den Gemeinen zu gleicher Zeit mit dem Beschlusse, daß der Prinz
+und die Prinzessin von Oranien als König und Königin proklamirt werden
+sollten, zugesandt.<a class = "tag" name = "tagX_94" id = "tagX_94" href
+= "#noteX_94">94</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_93" id = "noteX_93" href = "#tagX_93">93.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ Journals, Feb. 6. 1688/89; Clarendon’s
+Diary; Burnet, I. 822</span>, und Dartmouth’s Note; Citters, 8.(18.)
+Febr. In Betreff der Zahlen habe ich mich an Clarendon gehalten. Einige
+Schriftsteller geben die Majorität kleiner, andere größer an.</p>
+
+<p><a name = "noteX_94" id = "noteX_94" href = "#tagX_94">94.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ Journals, Feb. 6, 7. 1688/89; Clarendon’s
+Diary.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Es werden neue Gesetze zur Sicherung der Freiheit vorgeschlagen.</span>
+<a name = "secX_57" id = "secX_57">Man</a> wußte nun, wem die Krone
+verliehen werden sollte. Jetzt waren noch die Bedingungen der Verleihung
+zu bestimmen. Die Gemeinen hatten einen Ausschuß ernannt, welcher die
+zweckmäßig erscheinenden Schritte zur Sicherung des Gesetzes und der
+Freiheit gegen die Angriffe zukünftiger Regenten erwägen sollte, und der
+Ausschuß hatte einen Bericht erstattet.<a class = "tag" name = "tagX_95"
+id = "tagX_95" href = "#noteX_95">95</a> Dieser Bericht empfahl erstens,
+daß die großen Prinzipien der Verfassung, welche der entthronte König
+verletzt hatte, feierlich bestätigt und daß zweitens verschiedene neue
+Gesetze zur Beschränkung der Prärogative und zur Läuterung der
+Justizpflege erlassen werden sollten. Die meisten Vorschläge des
+Ausschusses waren vortrefflich, aber es war schlechterdings unmöglich,
+daß die Häuser in einem Monate, und selbst in einem Jahre so zahlreiche,
+so mannichfaltige und so wichtige Angelegenheiten erledigen konnten. Es
+war unter andrem vorgeschlagen, daß die Miliz neu organisirt, das Recht
+des Souverains, die Parlamente zu prorogiren und aufzulösen, beschränkt
+und die Dauer der Parlamente begrenzt werden sollte; daß bei einer
+parlamentarischen Anklage keine Berufung an die königliche Gnade mehr
+zulässig sein, daß den protestantischen Dissenters Duldung gewährt, daß
+das Verbrechen des Hochverraths genauer bestimmt, daß
+Hochverrathsprozesse in einer die Unschuld mehr schützenden Weise
+geführt, daß die Richter auf Lebenszeit angestellt, daß die
+Ernennungsart der Sheriffs abgeändert werden, daß die Wahl der
+Geschwornen hinfüro in einer Weise stattfinden sollte, welche
+Parteilichkeit und Bestechung ausschloß, daß der Gebrauch, bei der Kings
+Bench Criminalklagen anhängig zu machen, abgeschafft, daß der
+Kanzleigerichtshof reformirt, daß die Gebühren der öffentlichen Beamten
+regulirt und daß die Quo-Warranto-Acte verbessert werden sollte. Es war
+augenscheinlich, daß eine umsichtige und besonnene Gesetzgebung über
+diese Gegenstände das Werk mehr als einer geschäftsreichen Session sein
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_71" id = "pageX_71">
+X.71</a></span>
+mußte, und eben so augenscheinlich war es, daß eine übereilte und
+unreife Gesetzgebung über so wichtige Dinge neue Mißstände erzeugen
+würde, schlimmer als die, welche sie vielleicht beseitigen konnte. Wenn
+der Ausschuß alle die Reformen aufzählen wollte, welche vor der
+Wiederbesetzung des Thrones bewerkstelligt werden mußten, so war die
+Liste unsinnig lang. Wollte er dagegen eine Liste aller Reformen geben,
+welche die gesetzgebende Versammlung zur geeigneten Zeit durchführen
+sollte, so war die Liste sehr unvollständig. Sobald der Bericht
+vorgelesen war, erhob sich in der That ein Mitglied nach dem andren, um
+einen Zusatz zu beantragen. Es wurde vorgeschlagen und angenommen, daß
+der Stellenverkauf verboten, die Habeascorpusacte wirksamer gemacht und
+das Gesetz über die <span class = "antiqua">Mandamus</span><a class =
+"tag" name = "tagX_96" id = "tagX_96" href = "#noteX_96">96</a> revidirt
+werden sollte. Der eine Gentleman griff die Herdgeldeinnehmer, ein
+andrer die Acciseeinnehmer an, und das Haus beschloß, daß den
+Mißbräuchen dieser beiden Beamtenklassen ein Ziel gesetzt werden sollte.
+Ein höchst merkwürdiger Umstand ist es, daß, während das ganze
+militairische, gerichtliche und fiskalische System so durchgemustert
+wurde, kein einziger Volksvertreter die Aufhebung des Gesetzes
+beantragte, welches die Presse einer Censur unterwarf. Selbst die
+aufgeklärtesten Männer begriffen damals noch nicht, daß die Freiheit der
+Discussion die Hauptschutzwehr aller anderen Freiheiten ist.<a class =
+"tag" name = "tagX_97" id = "tagX_97" href = "#noteX_97">97</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_95" id = "noteX_95" href = "#tagX_95">95.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, Jan. 29., Feb. 2.
+1688/89.</span></p>
+
+<p><a name = "noteX_96" id = "noteX_96" href = "#tagX_96">96.</a>
+Die Befehle der Kings Bench an untergeordnete Gerichte, so genannt nach
+dem Anfangsworte. Der Übersetzer.</p>
+
+<p><a name = "noteX_97" id = "noteX_97" href = "#tagX_97">97.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, Feb. 2. 1688/89.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Streitigkeiten und Vergleich.</span>
+<a name = "secX_58" id = "secX_58">Das</a> Haus war in großer
+Verlegenheit. Einige Redner erklärten mit Heftigkeit, man habe schon zu
+viel Zeit verloren und die Regierung müsse ohne noch einen einzigen Tag
+zu säumen, festgestellt werden. Die Gesellschaft sei besorgt, der
+Verkehr stocke, der englischen Colonie in Irland drohe die Gefahr des
+Untergangs, ein auswärtiger Krieg stehe zu befürchten, der verbannte
+Tyrann könne binnen wenigen Wochen mit einer französischen Armee in
+Dublin sein und von Dublin aus könne er bald nach Chester übersetzen.
+Sei es nicht wahnsinnig, in einer so kritischen Zeit den Thron unbesetzt
+zu lassen, und während die ganze Existenz der Parlamente gefährdet sei,
+die Zeit mit Debattirung über die Frage zu vergeuden, ob die Parlamente
+durch den Souverain oder durch sich selbst prorogirt werden sollten? Auf
+der andren Seite wurde gefragt, ob die Convention ihre Aufgabe damit
+gelöst zu haben glaube, daß sie einen Fürsten vom Throne gestürzt und
+einen andren auf denselben erhoben habe? Gewiß, jetzt oder nie sei es
+Zeit, die öffentliche Freiheit durch Schutzwehren zu sichern, welche den
+Übergriffen der Prärogative wirksam vorbeugen könnten.<a class = "tag"
+name = "tagX_98" id = "tagX_98" href = "#noteX_98">98</a> Die auf beiden
+Seiten geltend gemachten Gründe waren ohne Zweifel von großem Gewicht.
+Die talentvollsten Führer der Whigpartei, unter denen Somers rasch einen
+großen Einfluß erlangte, schlugen einen Mittelweg vor. Das Haus, sagten
+sie, habe zwei Ziele im Auge, welche streng von einander geschieden
+werden müßten. Das eine Ziel sei die Sicherung der alten Verfassung des
+Reichs gegen ungesetzliche Angriffe, das andre die Verbesserung dieser
+Verfassung durch gesetzliche Reformen. Das erstere Ziel könne dadurch
+erreicht werden, daß man den Anspruch der englischen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_72" id = "pageX_72">
+X.72</a></span>
+Nation auf ihre alten Freiheiten durch Aufnahme in den Beschluß, welcher
+die neuen Souveraine auf den Thron erhob, feierlich verbriefe, so daß
+der König seine Krone und das Volk seine Rechte kraft einer und der
+nämlichen Urkunde besitze. Der letztere Gegenstand werde einen ganzen
+Band sorgfältig ausgearbeiteter Gesetze erfordern. Der erstere Zweck
+könne in einem Tage, der zweite kaum in fünf Jahren erreicht werden.
+Über jenen seien alle Parteien einig; über diesen herrsche große
+Meinungsverschiedenheit. Kein Mitglied beider Häuser werde einen
+Augenblick zögern dafür zu stimmen, daß der König die Steuern nicht ohne
+Bewilligung des Parlaments erheben dürfe; aber es werde schwerlich ein
+neues Gesetz über das Verfahren in Hochverrathsprozessen entworfen
+werden können, das nicht lange Debatten hervorrufen und von dem Einen
+als ungerecht gegen den Angeklagten, von dem Andren als ungerecht gegen
+die Krone verworfen werden würde. Die Aufgabe einer außerordentlichen
+Versammlung der Stände des Reiches sei nicht, die gewöhnlichen Arbeiten
+eines Parlaments zu erledigen, die Gebühren des Kanzleigerichts zu
+reguliren, und den ungesetzlichen Forderungen der Visitatoren
+vorzubeugen, sondern vielmehr die große Regierungsmaschine wieder in
+Gang zu bringen. Wenn dies geschehen sei, dann würde es an der Zeit sein
+zu fragen, welcher Verbesserungen unsere Institutionen bedürften, auch
+habe diese Verzögerung durchaus keine Gefahr, denn ein Souverain, der
+lediglich durch die Wahl der Nation regiere, könne einer Verbesserung,
+welche die Nation durch das Organ ihrer Vertreter verlange, seine
+Zustimmung unmöglich lange verweigern.</p>
+
+<p>Aus diesen Gründen beschlossen die Gemeinen mit weiser Vorsicht, alle
+Reformen so lange aufzuschieben, bis die alte Verfassung des Reichs in
+allen ihren Theilen wiederhergestellt sein würde und unverzüglich den
+Thron zu besetzen, ohne Wilhelm und Marien eine andre Verpflichtung
+aufzulegen, als daß sie den bestehenden Gesetzen Englands gemäß
+regierten. Damit die zwischen den Stuarts und der Nation streitig
+gewesenen Fragen nie wieder aufgeregt werden möchten, wurde beschlossen,
+daß das Instrument, durch welches der Prinz und die Prinzessin von
+Oranien auf den Thron berufen und die Thronfolgeordnung festgestellt
+wurde, die Grundprinzipien der Verfassung auf das Bestimmteste und
+Feierlichste darlegen sollte.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_98" id = "noteX_98" href = "#tagX_98">98.</a>
+<span class = "antiqua">Grey’s Debates</span>; <span class =
+"antiqua">Burnet, I. 822.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Rechtserklärung.</span>
+<a name = "secX_59" id = "secX_59">Diese</a> unter der Bezeichnung
+„Rechtserklärung“ bekannte Urkunde wurde durch einen Ausschuß, in
+welchem Somers den Vorsitz führte, entworfen. Daß dieser junge Advokat
+von niederer Herkunft schon zehn Tage, nachdem er zum ersten Male im
+Hause der Gemeinen gesprochen, zu einem so ehrenvollen und wichtigen
+Posten in einem mit geschickten und erfahrenen Männern gefüllten
+Parlamente ernannt wurde, beweist zur Genüge die Überlegenheit seines
+Geistes. In wenigen Stunden war die Erklärung entworfen und von den
+Gemeinen gebilligt. Die Lords nahmen sie ebenfalls mit einigen
+unwesentlichen Abänderungen an.<a class = "tag" name = "tagX_99" id =
+"tagX_99" href = "#noteX_99">99</a></p>
+
+<p>Die Erklärung begann mit einer Aufzählung der Verbrechen und Fehler,
+welche eine Revolution nothwendig gemacht hatten. Jakob habe
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_73" id = "pageX_73">
+X.73</a></span>
+in das Gebiet der Gesetzgebung eingegriffen, er habe bescheidenes
+Petitioniren als Verbrechen behandelt, habe die Kirche durch ein
+gesetzwidriges Tribunal tyrannisirt, habe ohne Zustimmung des Parlaments
+Steuern erhoben und in Friedenszeiten ein stehendes Heer unterhalten,
+habe die Wahlfreiheit verletzt und den Gang der Rechtspflege willkürlich
+abgeändert. Handlungen, welche nach dem Gesetz nur vom Parlament
+untersucht werden könnten, wären zu Klagobjecten bei der Kings Bench
+gemacht worden. Es seien parteiische und bestochene Geschworne ernannt,
+von Gefangenen übermäßig hohe Kautionen verlangt, barbarische und
+ungebräuchliche Strafen verhängt und das Vermögen von Angeklagten noch
+vor ihrer Überführung anderweitig vergeben worden. Der Mann, unter
+dessen Autorität dies Alles geschehen sei, habe die Regierung
+niedergelegt. Der Prinz von Oranien, den Gott zum ruhmvollen Werkzeuge
+der Befreiung der Nation von Aberglauben und Tyrannei berufen, habe die
+Stände des Reichs aufgefordert, zusammenzutreten und sich über die
+Sicherung der Religion, des Gesetzes und der Freiheit zu berathen. Nach
+stattgefundener Berathung hatten die Lords und die Gemeinen beschlossen,
+zuerst nach dem Beispiele ihrer Vorfahren die alten Rechte und
+Freiheiten Englands zu bestätigen. Es werde demgemäß erklärt, daß die
+neuerdings angemaßte und ausgeübte Dispensationsgewalt gesetzlich nicht
+bestehe, daß der Souverain ohne Bewilligung des Parlaments von dem
+Unterthan kein Geld erheben dürfe und daß ohne Zustimmung des Parlaments
+in Friedenszeiten kein stehendes Heer gehalten werden könne. Das
+Petitionsrecht der Unterthanen, das Recht der Wahlmänner, die
+Volksvertreter nach ihrem freien Ermessen zu wählen, das Recht der
+Parlamente auf Freiheit der Discussion und das Recht der Nation auf eine
+reine und schonende, dem Geiste ihrer eigenen milden Gesetze
+entsprechende Ausübung der Rechtspflege werde feierlich anerkannt und
+bestätigt. Alle diese Dinge verlange die Convention im Namen der ganzen
+Nation als das unbestreitbare Erbtheil der Engländer. Nachdem die Lords
+und Gemeinen so die Grundprinzipien der Verfassung gewahrt, hätten sie
+in dem festen Vertrauen, daß der Befreier die von ihm geretteten Gesetze
+und Freiheiten heilig halten werde, beschlossen, daß Wilhelm und Marie,
+Prinz und Prinzessin von Oranien, auf gemeinsame und einzelne Lebenszeit
+zum König und zur Königin von England erklärt werden und daß während der
+Dauer ihres gemeinsamen Lebens die Verwaltung der Regierung dem Prinzen
+allein zustehen solle. Nach ihnen sollte die Krone der Nachkommenschaft
+Mariens, dann der Prinzessin Anna und ihrer Nachkommenschaft, und dann
+der Nachkommenschaft Wilhelm’s zufallen.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_99" id = "noteX_99" href = "#tagX_99">99.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals. Feb. 4, 8, 11, 12.: Lords’
+Journals. Feb. 9, 11, 12. 1688/89.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Ankunft Mariens.</span>
+<a name = "secX_60" id = "secX_60">Inzwischen</a> hatte der Wind
+aufgehört, aus Westen zu wehen. Das Schiff, an dessen Bord sich die
+Prinzessin von Oranien befand, lag am 11. Februar auf der Höhe von
+Margate und am folgenden Morgen ging es bei Greenwich vor Anker.<a class
+= "tag" name = "tagX_100" id = "tagX_100" href = "#noteX_100">100</a>
+Marie wurde mit vielen Äußerungen der Freude und Zuneigung empfangen;
+aber ihr Benehmen verletzte die Tories und wurde selbst von den Whigs
+nicht für tadellos gehalten. Eine junge Frau, welche durch ein so
+trauriges und verhängnisvolles Geschick wie das, welches über den
+fabelhaften Häusern des Labdacus und Pelops waltete, in eine solche Lage
+versetzt
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_74" id = "pageX_74">
+X.74</a></span>
+worden war, daß sie, ohne ihre Pflichten gegen Gott, gegen ihren Gemahl
+und gegen ihr Vaterland zu verletzen, sich nicht weigern konnte, den
+Thron einzunehmen, von dem so eben ihr Vater herabgestürzt worden war,
+hatte betrübt oder wenigstens ernst gestimmt sein sollen. Marie aber war
+nicht blos heiter, sondern sogar ausgelassen lustig. Es wurde
+versichert, sie habe Whitehall mit einer kindischen Freude darüber, daß
+sie nun die Herrin eines so schönen Schlosses sein sollte, betreten, sei
+durch alle Zimmer gelaufen, habe in alle Nebenkabinette geblickt und
+selbst die Kissen des Staatsbettes untersucht, ohne, wie es schien,
+daran zu denken, wer diese prachtvollen Gemächer zuletzt bewohnt hatte.
+Burnet, der sie bis dahin als einen Engel in Menschengestalt betrachtet
+hatte, konnte bei dieser Gelegenheit nicht umhin, sie zu tadeln. Er war
+um so mehr erstaunt über ihr Benehmen, da sie an dem Tage, als er im
+Haag von ihr Abschied nahm, wenn auch fest überzeugt, daß sie den Pfad
+der Pflicht ging, doch sehr niedergeschlagen gewesen war. Später
+erklärte sie ihm, als ihrem Gewissensrath, ihr damaliges Benehmen.
+Wilhelm hatte ihr geschrieben, daß einige von Denen, welche ihr
+Interesse von dem seinigen zu trennen versucht hatten, ihre
+Machinationen noch immer fortsetzten; sie hätten ausgesprengt, daß sie
+sich für beeinträchtigt halte, und wenn sie daher ein betrübtes Gesicht
+zeigte, so würde dies dem Gerede Grund geben. Er bat sie daher, bei
+ihrem ersten Erscheinen heiter und vergnügt auszusehen. Ihr Herz, sagte
+sie, sei allerdings von der Heiterkeit weit entfernt gewesen; aber sie
+habe ihr Möglichstes gethan und aus Besorgniß, daß sie eine ihren
+Gefühlen widerstreitende Rolle nicht gut werde durchführen können, habe
+sie dieselbe übertrieben. Ihr Benehmen rief ganze Riese von
+Spottschriften in Prosa und in Versen hervor; sie verlor dadurch in der
+Meinung einiger Personen, auf deren Achtung sie Werth legte, und die
+Welt erfuhr erst, nachdem sie dem Bereiche des Lobes und des Tadels
+entrückt war, daß das Benehmen, das ihr den Vorwurf des Leichtsinns und
+der Gefühllosigkeit zugezogen hatte, in Wirklichkeit ein seltener Beweis
+von der vollkommenen Uneigennützigkeit und Hingebung war, deren der Mann
+gar nicht fähig zu sein scheint und die man nur zuweilen bei dem Weibe
+findet.<a class = "tag" name = "tagX_101" id = "tagX_101" href =
+"#noteX_101">101</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteX_100" id = "noteX_100" href = "#tagX_100">100.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Feb. 14. 1688/89</span>;
+Citters, 12.(22.) Febr.</p>
+
+<p><a name = "noteX_101" id = "noteX_101" href = "#tagX_101">101.</a>
+<span class = "antiqua">Duchess of Marlborough’s Vindication</span>;
+<span class = "antiqua">Review of the Vindication; Burnet, I. 781,
+825</span>, und Dartmouth’s Note; <span class = "antiqua">Evelyn’s
+Diary, Feb. 21. 1688/89.</span></p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Anbietung und Annahme der Krone.</span>
+<a name = "secX_61" id = "secX_61">Am</a> Mittwoch den 13. Februar
+Morgens waren der Hof von Whitehall und alle benachbarten Straßen mit
+Neugierigen angefüllt. Das prächtige Bankethaus, das Meisterstück
+Inigo’s und mit Meisterwerken von Rubens ausgeschmückt, war zu einer
+großen Ceremonie hergerichtet. Die Wände entlang war die Leibgarde
+aufgestellt. Zur Rechten unweit des nördlichen Eingangs hatte sich eine
+große Anzahl Peers versammelt. Zur Linken standen die Gemeinen mit ihrem
+Sprecher und dem Scepterträger. Die südliche Thür wurde geöffnet und der
+Prinz und die Prinzessin von Oranien traten zusammen ein und nahmen
+unter dem Thronhimmel Platz.</p>
+
+<p>Beide Häuser kamen nun mit tiefen Verbeugungen näher. Wilhelm und
+Marie gingen ihnen einige Schritte entgegen. Halifax und Powle, jener
+zur Rechten, dieser zur Linken, traten vor und Halifax sprach. Die
+Convention, sagte er, habe sich zu einem Beschlusse geeinigt, den er
+Ihre
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_75" id = "pageX_75">
+X.75</a></span>
+Hoheiten anzuhören bitte. Sie gaben ihre Einwilligung und der
+Schriftführer des Oberhauses las mit lauter Stimme die Rechtserklärung
+vor. Als er geendet hatte, bat Halifax den Prinzen und die Prinzessin im
+Namen aller Stände des Reichs, die Krone anzunehmen.</p>
+
+<p>Wilhelm antwortete für sich und seine Gemahlin, daß die Krone in
+ihren Augen einen um so höheren Werth habe, weil sie ihnen als ein
+Zeichen des Vertrauens der Nation angeboten werde. „Wir nehmen das, was
+Sie uns angeboten haben, dankend an,“ sagte er, und versicherte dann für
+seine Person, daß die Gesetze Englands, die er schon einmal vertheidigt,
+die Richtschnur seines Verhaltens sein sollten, daß er sich bestreben
+werde, das Wohl des Landes zu fördern, daß er über die Mittel und Wege
+dazu stets den Rath der beiden Häuser einholen und auf ihr Urtheil mehr
+geben werde, als auf sein eignes.<a class = "tag" name = "tagX_102" id =
+"tagX_102" href = "#noteX_102">102</a> Diese Worte wurden mit einem
+Beifallssturme aufgenommen, den man unten auf den Straßen hörte und auf
+den alsbald ein tausendstimmiges Hurrah antwortete. Die Lords und
+Gemeinen verließen hierauf unter den gebührenden Ehrfurchtsbezeigungen
+das Bankethaus und begaben sich in feierlichem Zuge nach dem
+Haupteingange von Whitehall, wo die Herolde und Staatsboten in ihren
+prächtigen Wappenröcken warteten.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_102" id = "noteX_102" href = "#tagX_102">102.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ und Commons’ Journals, Feb. 14.
+1688/89</span>; Citters, 15.(25.) Febr. Citters legt Wilhelm noch
+stärkere Äußerungen von Achtung vor der Autorität des Parlaments in den
+Mund, als sie in den Protokollen stehen; aus Powle’s Reden aber ergibt
+es sich, daß die Angabe in den Protokollen nicht ganz richtig war.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm und Marie werden ausgerufen.</span>
+<a name = "secX_62" id = "secX_62">Die</a> ganze Strecke bis Charing
+Croß war ein Meer von Köpfen. Die Pauken erdröhnten, die Trompeten
+schmetterten und der Wappenkönig proklamirte mit lauter Stimme den
+Prinzen und die Prinzessin von Oranien als König und Königin von
+England, forderte alle Engländer auf, von diesem Augenblicke an den
+neuen Souverainen Treue und Gehorsam zu schenken und bat den Himmel, der
+schon eine so augenfällige Befreiung unsrer Kirche und unsrer Nation
+herbeigeführt, daß er Wilhelm und Marien mit einer langen und
+glücklichen Regierung segnen möchte.<a class = "tag" name = "tagX_103"
+id = "tagX_103" href = "#noteX_103">103</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_103" id = "noteX_103" href = "#tagX_103">103.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Feb. 14. 1688/89; Lords’</span>
+und <span class = "antiqua">Commons’ Journals, Feb. 13</span>; Citters,
+15.(25.) Febr.; <span class = "antiqua">Evelyn’s Diary, Feb.
+21.</span></p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Eigenthümlicher Character der englischen Revolution.</span>
+<a name = "secX_63" id = "secX_63">Die</a> englische Revolution war
+somit vollendet. Wenn wir sie mit den Revolutionen vergleichen, welche
+während der letzten sechzig Jahre so manche Regierung gestürzt haben, so
+muß uns ihr eigenthümlicher Character nothwendig auffallen. Warum dieser
+Character so eigenthümlich war, ist leicht zu erklären, scheint aber
+doch von Lobrednern wie von Tadlern nicht immer begriffen worden zu
+sein.</p>
+
+<p>Die festländischen Revolutionen des achtzehnten und neunzehnten
+Jahrhunderts fanden in Ländern statt, wo jede Spur der beschränkten
+Monarchie des Mittelalters längst verwischt war. Das Recht des Fürsten,
+Gesetze zu machen und Geld zu erheben, war seit vielen Generationen
+nicht bestritten worden. Sein Thron wurde durch ein großes stehendes
+Heer beschützt. Seine Verwaltung konnte ohne die größte Gefahr, selbst
+in den wildesten Ausdrücken nicht getadelt werden. Die persönliche
+Freiheit seiner Unterthanen hing lediglich von seinem Willen ab. Es gab
+keine einzige Institution mehr, die, soweit die ältesten Leute
+zurückdenken konnten, den Unterthan
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_76" id = "pageX_76">
+X.76</a></span>
+gegen die ärgsten Excesse der Tyrannei wirksamen Schutz gewährt hätte.
+Die großen Rathsversammlungen, welche ehemals die königliche Gewalt
+beschränkten, waren der Vergessenheit anheimgefallen. Ihre
+Zusammensetzung und ihre Privilegien waren nur noch Alterthumsforschern
+bekannt. Wir dürfen uns daher nicht wundern, daß, wenn es Menschen, die
+so regiert worden waren, gelang, einer im Stillen schon seit langer Zeit
+gehaßten Regierung die höchste Gewalt zu entreißen, sie voll
+ungeduldigen Verlangens waren, zu zerstören, und unfähig wieder
+aufzubauen, daß jede glänzende Neuerung sie bezauberte, daß sie alle an
+das alte System erinnernden Titel, Ceremonien und Ausdrücke verbannten,
+und daß sie, ihrer eigenen nationalen Vergangenheit und Tradition
+überdrüssig, in den Schriften von Theoretikern nach Regierungsprinzipien
+suchten, oder mit unwissender und widerlicher Affectation die Patrioten
+von Athen und Rom nachäfften. Eben so wenig dürfen wir uns wundern, daß
+auf den heftigen Ausbruch des revolutionairen Geistes eine nicht minder
+heftige Reaction folgte und die Unordnung sofort einen härteren
+Despotismus erzeugte als der, aus dem sie entstanden war.</p>
+
+<p>Wären wir in der nämlichen Lage gewesen, wäre Strafford sein
+Lieblingsplan „Durch“ gelungen, hätte er eine eben so zahlreiche und
+wohl disciplinirte Armee gebildet, wie sie Cromwell einige Jahre später
+bildete, hätte eine Reihe ähnlicher Richtersprüche, wie die, welche das
+Schatzkammergericht in der Angelegenheit des Schiffsgeldes fällte, das
+Recht der Besteuerung des Volks auf die Krone übertragen, hätten die
+Sternkammer und die Hohe Commission nach wie vor einem Jeden, der seine
+Stimme gegen die Regierung zu erheben wagte, mit Geldstrafen belegt,
+verstümmelt und eingekerkert, wäre die Presse bei uns so vollständig
+geknechtet worden, wie in Wien oder in Neapel, hätten unsere Könige
+allmälig die ganze gesetzgebende Gewalt an sich gezogen, wären sechs
+Generationen von Engländern ohne eine einzige Parlamentssession
+vorübergegangen, und hätten wir uns dann endlich in einem Augenblicke
+wilder Aufwallung gegen unsere Herren erhoben, welch’ einen Ausbruch
+würde dies gegeben haben! Mit welch’ einem furchtbaren Krachen, das bis
+an die entferntesten Enden der Welt gehört und gefühlt worden wäre,
+würde das ganze gewaltige Gebäude der menschlichen Gesellschaft
+zusammengestürzt sein! Wie viele Tausende von Verbannten, einst die
+glücklichsten und gebildetsten Mitglieder dieses großen Volkes, würden
+in den Städten des Festlandes ihr Brot erbettelt oder in den
+ungelichteten Wäldern Amerika’s in Hütten von Baumrinde ein Obdach
+gesucht haben! Wie oft würden wir das Straßenpflaster von London zu
+Barrikaden aufgethürmt, die Häuser von Kugeln zerrissen, die Gassen von
+Blut schäumend gesehen haben! Wie oft würden wir selbst in wilder
+Leidenschaft von einem Extrem zum andren übergesprungen sein, gegen die
+Anarchie im Despotismus Hülfe gesucht haben und durch den Despotismus
+wieder zur Anarchie getrieben worden sein! Wie viele Jahre des
+Blutvergießens und der Verwirrung würde es uns gekostet haben, ehe wir
+nur die Anfangsgründe der Staatswissenschaft gelernt hätten! Wie viele
+kindische Theorien würden uns getäuscht haben! Wie viele rohe und
+schlecht erwogene Verfassungen würden wir aufgerichtet haben, nur um sie
+wieder umstürzen zu sehen! Glücklich hätten wir uns noch preisen können,
+wenn eine harte Schule von einem halben Jahrhundert genügt hätte, uns
+zum Genuß der wahren Freiheit tauglich zu machen.</p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_77" id = "pageX_77">
+X.77</a></span>
+<p>Diesen Calamitäten beugte unsre Revolution vor. Sie war eine streng
+defensive Revolution und hatte Verjährung und Legitimität auf ihrer
+Seite. Bei uns, und bei uns allein hatte sich eine beschränkte Monarchie
+des dreizehnten Jahrhunderts unverändert bis ins siebzehnte erhalten.
+Unsere parlamentarischen Institutionen standen noch in voller Kraft. Die
+Hauptprinzipien unsrer Verfassung waren vortrefflich. Sie waren zwar
+nicht förmlich und genau in einer geschriebenen Urkunde festgestellt,
+aber sie fanden sich zerstreut in unseren alten, trefflichen Gesetzen,
+und, was noch viel wichtiger war, sie hatten seit vier Jahrhunderten in
+den Herzen aller Engländer feste Wurzeln gefaßt. Daß ohne Bewilligung
+der Vertreter der Nation kein Gesetz gegeben, keine Steuer erhoben,
+keine regulaire Armee gehalten, Niemand nach Willkür des Souverains nur
+einen Tag in Haft gesetzt und kein Werkzeug der Regierung sich zur
+Rechtfertigung wegen der Verletzung eines Rechts auch des geringsten
+Unterthanen auf einen königlichen Befehl berufen konnte: dies waren in
+den Augen der Whigs wie der Tories Grundgesetze des Reichs. Ein Land,
+das solche Grundgesetze hatte, bedurfte keiner neuen Verfassung.</p>
+
+<p>Aber wenn es auch keiner neuen Verfassung bedurfte, so war es doch
+klar, daß Veränderungen vorgenommen werden mußten. Die schlechte
+Regierung der Stuarts und die dadurch erzeugten Unruhen bewiesen
+hinreichend, daß unsre Verfassung an irgend einer Stelle mangelhaft war,
+und diesen Mangel zu entdecken und ihm abzuhelfen, war die Aufgabe der
+Convention.</p>
+
+<p>Mehrere wichtige Fragen waren noch immer streitig. Unsre Verfassung
+war in einer Zeit entstanden, wo die Staatsmänner nicht gewohnt waren,
+genaue Definitionen zu machen. Es hatten sich daher fast unmerklich mit
+ihren Prinzipien unvereinbare und selbst ihrer Existenz gefährliche
+Anomalien gebildet, welche nach und nach die Kraft der Verjährung
+erworben hatten, weil sie viele Jahre lang keine ernsten Nachtheile
+herbeigeführt. Das Abhülfsmittel für diese Übel bestand darin, daß man
+die Rechte des Volks in solchen Ausdrücken feststellte, welche allem
+Streite ein Ende machten, und daß man erklärte, kein Precedenzfall könne
+irgend eine Verletzung dieser Rechte entschuldigen.</p>
+
+<p>Wenn dies geschehen war, so konnten unsere Regenten unmöglich das
+Gesetz noch mißverstehen; wenn aber nicht noch etwas Andres geschah, war
+es durchaus nicht unwahrscheinlich, daß sie es dennoch verletzten.
+Leider hatte die Kirche seit langer Zeit die Nation gelehrt, daß unter
+allen unseren Institutionen die erbliche Monarchie allein göttlich und
+unverletzbar sei, daß das Recht des Hauses der Gemeinen auf einen
+Antheil an der gesetzgebenden Gewalt ein bloß menschliches Recht sei,
+daß aber das Recht des Königs auf den Gehorsam seines Volks von oben
+stamme, daß die Magna Charta ein Gesetz sei, das von denen, die es
+gemacht hätten, wieder aufgehoben werden könne, daß aber die Regel,
+welche die Prinzen von königlichem Geblüt nach der Erbfolgeordnung auf
+den Thron beriefe, göttlichen Ursprungs und daß jede dieser Regel
+widerstreitende Parlamentsacte null und nichtig sei. Es liegt auf der
+Hand, daß in einem Staate, wo solche abergläubische Begriffe
+vorherrschen, die verfassungsmäßige Freiheit stets gefährdet sein muß.
+Eine Macht, welche blos als eine menschliche Anordnung betrachtet wird,
+kann kein wirksamer Zügel für eine Macht sein, die für eine Verordnung
+Gottes angesehen wird. Man wird vergebens hoffen, daß Gesetze, so
+vortrefflich sie
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_78" id = "pageX_78">
+X.78</a></span>
+auch sein mögen, auf die Dauer einen König zügeln werden, der nach
+seiner eigenen, wie nach der Meinung eines großen Theils seines Volks
+eine ungleich höhere Autorität besitzt, als jene Gesetze. Dem
+Königstitel diese geheimnißvollen Attribute zu nehmen und das Prinzip
+festzustellen, daß die Könige auf Grund eines Rechtes regieren, das sich
+in keiner Weise von dem Rechte unterscheidet, nach welchem die
+Freisassen Grafschaftsvertreter wählen, oder die Richter Verhaftsbefehle
+ausstellen, war zur Sicherung unserer Freiheiten durchaus
+nothwendig.</p>
+
+<p>So hatte die Convention zwei große Pflichten zu erfüllen: erstens die
+Grundgesetze des Reichs von aller Zweideutigkeit zu reinigen, und
+zweitens aus dem Geiste der Regierenden wie der Regierten die irrige und
+verderbliche Meinung auszurotten, daß die königliche Prärogative etwas
+Erhabeneres und Geheiligteres sei als jene Grundgesetze. Das erstere
+Ziel wurde durch den feierlichen Eingang der Rechtserklärung erreicht,
+das andre durch den Beschluß, welcher den Thron für erledigt erklärte
+und Wilhelm und Marien einlud, denselben einzunehmen.</p>
+
+<p>Die Veränderung scheint unbedeutend zu sein. Nicht ein einziges
+Kleinod der Krone wurde angetastet, nicht ein einziges neues Recht wurde
+dem Volke gegeben. Das ganze englische Recht im Allgemeinen wie im
+Besonderen war nach der Ansicht der größten Juristen, wie Holt und
+Treby, Maynard und Somers, nach der Revolution noch genau das nämliche
+wie vor derselben. Einige streitige Punkte waren nach dem Ausspruche der
+besten Juristen entschieden worden und es hatte eine kleine Abweichung
+von dem regelmäßigen Gange der Thronfolge stattgefunden. Dies war Alles,
+und es war genug.</p>
+
+<p>Wie unsre Revolution eine Vertheidigung alter Rechte war, so wurde
+sie auch mit strenger Beobachtung alter Formalitäten vollbracht. Fast in
+jedem Worte und Schritte kann man eine tiefe Verehrung der Vergangenheit
+erkennen. Die Stände des Reichs beriethen sich in den alten Hallen und
+nach den alten parlamentarischen Regeln. Powle wurde nach der
+althergebrachten Form von dem Antragsteller und dem Unterstützer zu
+seinem Präsidentenstuhle geführt. Der Scepterträger führte die
+Abgesandten der Lords an den Tisch der Gemeinen und es wurden die drei
+pflichtmäßigen Verbeugungen gemacht. Die Conferenz wurde mit allen
+alterthümlichen Formalitäten abgehalten. Auf der einen Seite der Tafel
+im gemalten Saale saßen die Wortführer der Lords bedeckten Hauptes und
+in ihren mit Hermelin und Gold besetzten Mänteln. Die Wortführer der
+Gemeinen standen entblößten Hauptes auf der andren Seite. Die Reden
+bilden einen fast komischen Contrast gegen die Revolutionsrhetorik jedes
+andren Landes. Beide englische Parteien waren darüber einig, die alten
+constitutionellen Überlieferungen des Reichs mit feierlicher
+Ehrerbietung zu behandeln. Die Frage war nur, wie diese Überlieferungen
+zu verstehen seien. Die Vertheidiger der Freiheit sprachen kein Wort von
+der natürlichen Gleichheit der Menschen und der unveräußerlichen
+Souverainetät des Volks, von Harmodius oder Timoleon, von Brutus dem
+Älteren oder Brutus dem Jüngeren. Als man ihnen sagte, daß die Krone
+nach englischem Recht im Augenblicke ihrer Erledigung auf den nächsten
+Erben übergehen müsse, so erwiederten sie, daß nach englischem Rechte
+ein lebender Mensch keinen Erben haben könne. Als man ihnen sagte, der
+Fall sei noch nie vorgekommen, daß der Thron für erledigt erklärt worden
+wäre, so legten sie aus den im Tower aufbewahrten Urkunden
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_79" id = "pageX_79">
+X.79</a></span>
+ein fast dreihundert Jahr altes Pergament vor, auf welchem in
+wunderlicher Schrift und in barbarischem Latein geschrieben stand, daß
+die Stände des Reichs den Thron eines treulosen und tyrannischen
+Plantagenet für erledigt erklärt hatten. Als endlich der Streit
+beigelegt war, wurden die neuen Herrscher mit dem althergebrachten
+Gepränge ausgerufen. Der ganze phantastische Pomp des Heroldwesens war
+dabei: Clarencieux und Norroy, Portcullis und Rouge Dragon<a class =
+"tag" name = "tagX_104" id = "tagX_104" href = "#noteX_104">104</a>, die
+Trompeten, die Banner und die mit Löwen und Lilien gestickten grotesken
+Wappenröcke. Auch der Titel „König von Frankreich,“ den der Sieger von
+Cressy sich beigelegt, wurde von den königlichen Titulaturen nicht
+ausgeschlossen. Uns, die wir das Jahr 1848 erlebt haben, muß es fast als
+ein Wortmißbrauch erscheinen, daß man einer mit so reiflicher
+Überlegung, mit so ruhiger Besonnenheit und so ängstlicher Beobachtung
+der herkömmlichen Etikette bewerkstelligten Veränderung den
+schrecklichen Namen einer Revolution giebt.</p>
+
+<p>Und doch war diese Revolution, obgleich die mindest gewaltsame aller
+Revolutionen, die wohlthätigste von allen. Sie entschied für immer die
+große Frage, ob das volksthümliche Element, das sich seit den Zeiten der
+Fitzwalter und de Monfort in der englischen Verfassung vorfand, durch
+das monarchische Element zerstört werden, oder ob es sich frei sollte
+entwickeln und das vorherrschende werden dürfen. Der Kampf zwischen den
+beiden Prinzipien war lang, heftig und zweifelhaft gewesen. Er hatte
+vier Regierungen hindurch gedauert und hatte Aufstände, Staatsprozesse,
+Rebellionen, Schlachten, Belagerungen, Proscriptionen und Justizmorde
+herbeigeführt. Bald hatte es den Anschein gehabt, als ob die Freiheit,
+bald wieder, als ob die Monarchie auf dem Punkte stände unterzugehen.
+Viele Jahre lang war die eine Hälfte der Kraft Englands beschäftigt
+gewesen, die andre Hälfte zu bekämpfen. Die ausübende Gewalt und die
+gesetzgebende Gewalt hatten einander in ihrer Thätigkeit so gehemmt, daß
+der Staat in Europa fast keine Bedeutung gehabt hatte. Der Wappenkönig,
+welcher Wilhelm und Marien vor dem Eingange von Whitehall proklamirte,
+verkündete sehr wahr, daß dieser große Kampf nun vorüber sei, daß
+vollkommene Einigkeit zwischen dem Throne und dem Parlamente obwalte,
+daß das so lange abhängige und erniedrigte England wieder eine Macht
+ersten Ranges geworden sei, daß die alten Gesetze, welche die
+Prärogative beschränkten, hinfüro eben so heilig wie die Prärogative
+selbst gehalten und bis zu allen ihren Consequenzen durchgeführt, daß
+die ausübende Verwaltung in Übereinstimmung mit den Ansichten der
+Vertreter des Volks geleitet und daß keine Reform, welche die beiden
+Häuser nach reiflicher Erwägung vorschlagen würden, bei dem Souverain
+beharrlichen Widerstand finden werde. Obwohl die Rechtserklärung nichts
+zum Gesetz machte, was nicht vorher schon Gesetz gewesen wäre, so
+enthielt sie doch den Keim des Gesetzes, das dem Dissenter
+Religionsfreiheit gab, des Gesetzes, das die Unabhängigkeit der Richter
+sicherte, des Gesetzes, das die Dauer der Parlamente beschränkte, des
+Gesetzes, das die Preßfreiheit unter den Schutz von Geschwornen stellte,
+des Gesetzes, das den Sklavenhandel verbot, des Gesetzes, das den
+Religionseid abschaffte, des Gesetzes, das die Katholiken von den
+Ausschließungen von Civilämtern befreite, des Gesetzes, welches das
+System der Volksvertretung reformirte, kurz jedes guten Gesetzes, das
+seit hundertsechzig Jahren eingeführt worden ist, wie
+<span class = "pagenum"><a name = "pageX_80" id = "pageX_80">
+X.80</a></span>
+jeden guten Gesetzes, das auch fernerhin im Laufe der Seiten zur
+Förderung des Gemeinwohls und zur Befriedigung der Wünsche der
+öffentlichen Meinung für nöthig befunden werden wird.</p>
+
+<p>Das beste Lob aber, das man der Revolution von 1688 geben kann, ist,
+das sie unsre letzte Revolution war. Seit mehreren Generationen hat kein
+verständiger und patriotischer Engländer mehr daran gedacht, sich gegen
+die bestehende Regierung aufzulehnen. Alle rechtschaffenen und denkenden
+Geister sind der Überzeugung, in der sie durch die tägliche Erfahrung
+bestärkt werden, daß die <ins class = "correction" title = "Original hat »Mitttel«">Mittel</ins>, um jede der Verfassung nöthige Verbesserung zu
+bewirken, von der Verfassung selbst geboten sind.</p>
+
+<p>Unsre gegenwärtige Generation sollte besser als irgend eine die volle
+Bedeutung des Widerstandes unserer Vorfahren gegen das Haus Stuart zu
+würdigen vermögen. Rings um uns her wird die Welt von den
+Verzweiflungskämpfen großer Nationen erschüttert. Regierungen, welche
+noch vor Kurzem alle Aussicht auf ein jahrhundertelanges Fortbestehen zu
+haben schienen, sind plötzlich erschüttert und gestürzt worden. In den
+stolzesten Hauptstädten des westlichen Europa ist Bürgerblut geflossen.
+Alle bösen Leidenschaften, die Gewinnsucht und der Rachedurst, die
+Antipathie zwischen den Klassen und zwischen den Stämmen haben sich von
+dem Zwange göttlicher und menschlicher Gesetze losgerissen. Furcht und
+Angst haben die Stimmen von Millionen verdüstert und ihre Herzen
+bekümmert. Der Handel ist ins Stocken gerathen und die Industrie gelähmt
+worden. Die Reichen sind arm, die Armen noch ärmer geworden. Lehren,
+welche allen Wissenschaften, allen Künsten und allem Gewerbfleiße feind
+sind, Lehren, die, wenn sie praktisch angewendet würden, Alles was
+dreißig Jahrhunderte für die Menschheit gethan haben, vernichten und die
+schönsten Gauen Frankreichs und Deutschlands zu eben so wilden Ländern
+als Congo oder Patagonien machen würden, sind auf der Tribüne gepredigt
+und mit dem Schwerte vertheidigt worden. Europa hat die Unterjochung
+durch Barbaren gedroht, im Vergleich mit denen die Barbaren Attila’s und
+Alboin’s aufgeklärt und menschlich waren. Die aufrichtigsten Freunde des
+Volks haben mit tiefem Schmerze gestanden, daß Interessen, welche
+kostbarer als irgend welche politische Rechte sind, auf dem Spiele
+stehen, und daß es nöthig werden könnte, selbst die Freiheit zu opfern,
+um die Civilisation zu retten. Währenddem ist auf unsrer Insel der
+regelmäßige Gang der Regierung nie auch nur einen Tag unterbrochen
+worden. Die wenigen schlechten Menschen, denen nach Zügellosigkeit und
+Plünderung gelüstete, haben nicht den Muth gehabt, nur einen Augenblick
+der Kraft einer fest um den angestammten Thron geschaarten Nation zu
+trotzen. Und fragt man nach dem Grunde dieses Unterschiedes zwischen uns
+und Anderen, so ist die Antwort darauf: weil wir nie das verloren haben,
+was Andere mit blinder Hast wieder zu gewinnen suchen. Weil wir im
+siebzehnten Jahrhundert eine erhaltende Revolution gehabt haben, darum
+haben wir im neunzehnten keine zerstörende Revolution gehabt. Weil wir
+inmitten der Knechtschaft Freiheit hatten, darum haben wir inmitten der
+Anarchie Ordnung. Für das Ansehen des Gesetzes, für die Sicherheit des
+Eigenthums, für die Ruhe unserer Straßen und für das Glück unserer
+Familien gebührt unser Dank nächst Dem, der nach seinem Willen die
+Nationen erhebt und zu Boden wirft, dem Langen Parlamente, der
+Convention und Wilhelm von Oranien.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteX_104" id = "noteX_104" href = "#tagX_104">104.</a>
+Bezeichnungen verschiedener Wappenherolde. &mdash; Der Übers.</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class = "small">
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<h6>Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.</h6>
+
+</div>
+<!-- end overall German div -->
+
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<hr class="full">
+<p>***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND SEIT DER THRONBESTEIGUNG JAKOB'S DES ZWEITEN***</p>
+<p>******* This file should be named 36217-h.txt or 36217-h.zip *******</p>
+<p>This and all associated files of various formats will be found in:<br>
+<a href="http://www.gutenberg.org/dirs/3/6/2/1/36217">http://www.gutenberg.org/3/6/2/1/36217</a></p>
+<p>Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.</p>
+
+<p>Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.</p>
+
+
+
+<pre>
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+<a href="http://www.gutenberg.org/license">http://www.gutenberg.org/license)</a>.
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS,' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://www.gutenberg.org/about/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's
+eBook number, often in several formats including plain vanilla ASCII,
+compressed (zipped), HTML and others.
+
+Corrected EDITIONS of our eBooks replace the old file and take over
+the old filename and etext number. The replaced older file is renamed.
+VERSIONS based on separate sources are treated as new eBooks receiving
+new filenames and etext numbers.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+<a href="http://www.gutenberg.org">http://www.gutenberg.org</a>
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+EBooks posted prior to November 2003, with eBook numbers BELOW #10000,
+are filed in directories based on their release date. If you want to
+download any of these eBooks directly, rather than using the regular
+search system you may utilize the following addresses and just
+download by the etext year.
+
+<a href="http://www.gutenberg.org/dirs/etext06/">http://www.gutenberg.org/dirs/etext06/</a>
+
+ (Or /etext 05, 04, 03, 02, 01, 00, 99,
+ 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90)
+
+EBooks posted since November 2003, with etext numbers OVER #10000, are
+filed in a different way. The year of a release date is no longer part
+of the directory path. The path is based on the etext number (which is
+identical to the filename). The path to the file is made up of single
+digits corresponding to all but the last digit in the filename. For
+example an eBook of filename 10234 would be found at:
+
+http://www.gutenberg.org/dirs/1/0/2/3/10234
+
+or filename 24689 would be found at:
+http://www.gutenberg.org/dirs/2/4/6/8/24689
+
+An alternative method of locating eBooks:
+<a href="http://www.gutenberg.org/dirs/GUTINDEX.ALL">http://www.gutenberg.org/dirs/GUTINDEX.ALL</a>
+
+*** END: FULL LICENSE ***
+</pre>
+</body>
+</html>
diff --git a/36217-h/images/floral.png b/36217-h/images/floral.png
new file mode 100644
index 0000000..43c6737
--- /dev/null
+++ b/36217-h/images/floral.png
Binary files differ
diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt
new file mode 100644
index 0000000..6312041
--- /dev/null
+++ b/LICENSE.txt
@@ -0,0 +1,11 @@
+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
diff --git a/README.md b/README.md
new file mode 100644
index 0000000..729b3c8
--- /dev/null
+++ b/README.md
@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #36217 (https://www.gutenberg.org/ebooks/36217)