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+The Project Gutenberg EBook of Die Fürstin, by Kasimir Edschmid
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Die Fürstin
+
+Author: Kasimir Edschmid
+
+Release Date: May 15, 2010 [EBook #32385]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FÜRSTIN ***
+
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+
+
+Produced by Jens Sadowski
+
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+
+Transcriber's Note:
+Double quotation marks have been encoded as » and «.
+
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+KASIMIR EDSCHMID
+
+DIE FÜRSTIN
+
+
+
+
+
+1920
+
+PAUL CASSIRER VERLAG · BERLIN
+
+
+
+ALLE RECHTE VORBEHALTEN
+
+COPYRIGHT 1920 BY PAUL CASSIRER · BERLIN
+
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+
+
+
+GESCHRIEBEN NEUNZEHNHUNDERTSECHZEHN
+
+
+
+
+INHALT
+
+DAS FRAUENSCHLOSS
+JAEL
+DIE ABENTEUERLICHE NACHT
+BRIEF
+TRAUM
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+DAS FRAUENSCHLOSS
+
+
+DIE Drachenköpfe unserer Boote bogen um das gelbe Segel. Die Parade vollzog
+sich in elegantem Rauschen, wir wollten mit Ostwind an das andere Ende, bei
+Ostwind anderthalb Stunden dachten wir, es waren dreißig Kilometer. Die
+Flottille lag in einer Linie. Die Ruder sangen dumpf verknattert. Dann
+schäumte das Wasser los, und die Segel beugten sich alle.
+
+Wir fuhren in gleicher Lage steil in die graue Wüste hinein. Das
+durchpflügte Wasser riß in nie absterbender Welle einen silbernen Bogen
+über den Lee. Die Bäuche der Segel neigten sich tiefer und streiften das
+farblose Wasser und hoben sich wieder aufgetaucht in rote Sonne. Die
+Luvseiten wälzten sich mit heller gestrichenen Leibern weit aus dem See,
+und der silberne Sprenkel der mitlaufenden ewigen Welle umstäubte uns von
+der anderen mit wildem Geflock.
+
+Alle Flaggen am Mast lohten schmal gezüngelt in das Blau.
+
+Als die spitze Wolke zwischen dem verlassenen Schloß und uns hereinschoß,
+gerieten die Frauen in Bewegung. Die nackten Beine lösen faul Wade von
+Wade, sie trennen sich von Mast und dem sonnigen Verdecke, über den dunklen
+Badeanzügen schimmern die bunten Jacken. Ein Tratsch saust hinten auf das
+Gebirg. Kühl gebogen steht unser Himmel noch blühend antik.
+
+Ein Regenbogen rollte eine Natter darüber. Zwei siebenfarbene Brücken
+schnellen über die verblaßte. Sie rennen mit uns um die Wette. Große Jagd
+beginnt. Das Schloß irr leuchtend in ferner Sonne steht schräg geduckt
+unter der gebogenen Wucht des Gewitters. Darüber aber wütet Jehovas eherner
+Regenbogen und schnellt mit glühendem Finger neben uns über das Land. Die
+Gegend wird klein und grau und entzündet sich unter ihm mit magischem
+Glanz. Unter irrem Schein fahren wir. Musik in allen Seilen.
+
+Jessies Blick wölbt sich aus den Frauen herüber. Die Ruderpinne wird Eis in
+meiner Hand. Die Segel laufen auf das Wasser niedergelegt. Das Gewitter
+flattert über uns und bleibt. Noch durch alle Löcher schießt eine Säule
+Sonne. Gurgelnd schwemmt der silberne Muskel am Lee sein Wasser hinein.
+Jessie beginnt -- kniend zu pumpen, sie weiß, daß ich die Nacht nicht
+schlief, lächelnd mit abgetriebenem Mund.
+
+Erlöst aus katzenhaftem Erleben der Sonne sind die Frauen aufgerafft. Sie
+stehen fast auf Mast und Segel, ihre Füße stehen im Wasser, sie stehen auf
+Lee wie Statuen, und die Backbordseite hebt sich hinter ihren von Lachen
+überfüllten Munden wie eine dunkle Muschel, über die ihr Haar noch
+leuchtet.
+
+Wir sehen das Ufer durch Schaum. Wir rechnen, hart am Wind, noch zehn
+Minuten. Schäumender, gierig, ein Liebesschwert bohrt sich die Spitze mit
+fiebernder Wollust in das Gewoge. Ein dunkler Halbkreis saust vom Ufer
+heraus mit einer glashellen Kante. Jessie lauert! Die Bö. Der Großschot
+fährt über die Rolle, das Boot dreht herumgeworfen: das Segel, graue
+Apotheose, entfaltet sich, rauscht losgelassen, wildflatternd hinein. Wir
+stehen.
+
+Jede Planke zittert im Herzschlag.
+
+Dann steigt das Boot, die schmale Flagge weht. Das eingereffte Segel glüht
+unter Blitzstrahlen, die den See umlaufen. Ein weißer Strich bohren wir
+weiter, wettern die Boote in Bö um Bö, stehen starr, umflossen zwischen
+rund um uns aufgehäuften Wellen.
+
+In siebzig Minuten erreichten wir das Ende des Sees.
+
+Es war gegen Abend.
+
+Wir blieben drei Tage.
+
+In der ersten Nacht aber wuchs Jessie wild in der Liebe wie eine Stute, sie
+sprang durch das Fenster. Da stand ein Garten mit Güldenlack und Malven und
+roch in die dunkle Luft, in der kein Mond hing, aber Sterne die feuchten
+Segel überbürdeten. Die Nacht war heiß nach nicht gekühltem Gewitter. Ich
+hatte keine Lust zu schlafen und folgte ihr.
+
+Ich ruderte um die Landzunge, da war die Bucht paradiesisch erhellt, rot
+gespiegelt mit vielem Glas schoß ein Karussell einen Kreis, und eine
+Promenade mit erleuchteten Bäumen lief üppig von der Küste in den Wald.
+Über die Bootshäuser schwangen sich Raketen, eine gedämpfte Musik floh aus
+den Pavillons herüber, aber die Bucht war voll Kähnen und alle Sterne und
+Hecks trugen rote und gelbe Ballons und manche mit Spagat überspannte
+hatten Girlanden, Lampione. So schaukelte unter ihnen die See.
+
+Im heller gesättigten Licht lag Jessies Kopf wie Perlmutter in dem Dunkel
+hinter ihr und ihre aus der Lust herauf gebrochenen Augen baten. Da fuhr
+ich ans Land und nahm rote und gelbe Papierkugeln für sie. Ihr Bein glitt
+schlangenhaft dankend über mein Knie. »Donna è mobile« lächelten ihre müd
+aufgeblätterten Lippen. Die war sie so weiß und mild.
+
+Wärme und Musik lagen über der Bucht, und die Inseln der Boote hatten kein
+Ende des Liegens. Brennend die rote und gelbe Laterne trieben wir noch
+glühend in der Dämmerung gegen unseren Strand. Jessies Kopf lag weiß wie
+eine Puppe mit überschweren Riegeln des Mundes in meinem Schoß. Wenn die
+Ruder sich über ihr schlossen, hob sie das Auge und schlug einen bebenden
+Fächer genossenen Lebens hinauf.
+
+In dem weißen Morgen saßen die anderen Frauen, starr und ohne Laut an der
+Küste, warfen die langen Schnüre nach Raubfischen in das brodelnde Wasser,
+und die großen gelben zurückkehrenden Stangen ihrer Angeln stellten sich
+wie ein Gitter vor den kühlen Wind des Horizonts.
+
+Aber als wir anlegten, liebte ich Jessie nicht mehr.
+
+Am vierten Tage, als wir ausfuhren, sprangen die Glocken langsam um den
+See, aber wir fuhren mit eigener Musik. Auf weißen Planken, spiegelnd vor
+Lack, lag Sonne und beschien die zusammengerollten Katzen. Wir fuhren mit
+dem Wind. Das weiße Segel lag ausgelassen weit hinaus, dagegen standen
+andere Frauen gelehnt, wie vor dem Himmel hingewachsen, die langen
+schlanken Beine auf der Rahe zärtlich schaukelnd.
+
+Es gab geringen Wind und in die schönen Tiere stieg die große Trägheit. Sie
+wurden still und schöner und hatten halbgeschlossene Augen. Trauben flogen
+geworfen zueinander. Ellen erkletterte den Mast. Sie trug Sandalen, deren
+gekreuzte Schnüren weiß über ihrer braunen Haut gegen das Knie
+hinaufliefen. Sie saß auf der Gaffel und blies Flöte, von dem
+aufbauschenden Segel gegen das leichte Blau getragen.
+
+Dann, wie die Brise anlief, kam ein fremder Racker auf uns zugeschossen,
+frecher Sperber, kreuzte, feixte, die Rollen liefen knirschend, sein
+gestreiftes Segel zuckte gierig. Er legte parallel, ein Mann stand in
+weißen fliegenden Hosen breit am Bord und photographierte uns siebenmal.
+
+Wir kannten das Segel.
+
+Das war die Fürstin.
+
+Aber ich hatte sie noch nicht gesehen.
+
+Das Blut stieg mir langsam in die Augen.
+
+Wir kreuzten ein wenig, bohrten gegen ihn los. Dann schwenkt die Ruderpinne
+einen Riesenkreis: einen Herzschlag lang liegen wir Bug an Bug, unsere
+Spitze deckt sein Steuer. Einen Augenblick geigten die Stricke aufeinander
+mit gläsernem Ton. Bauschend in dunklem Gewühl sanken die Segel ineinander
+-- -- -- ich reiche beide Hände hinüber.
+
+Mit einem Zug steht eine Frau auf unserer Kufe, schwefelschweres
+Gelbjackett über der Schulter. Schon schwenken wir aus der Windstille,
+schaufeln Wind und sausen.
+
+Wir haben eine Frau geraubt.
+
+Die Verfolgung begann. Kläffend. Mit Geschrei. Wir haben mehr Quadratmeter
+am Fock wie der Kleine am großen. Zwei Boote umzingeln ihn, nehmen ihm den
+Wind und verstoßen ihn aus der Jagd. Gieriger Sperber rast er am Horizont
+hin, während die großen Raubvögel in den blau aufgebrochenen Morgen
+hineinstreichen.
+
+Sie war dunkel wie eine Zigeunerin, aber mit zwei schweren hellen
+Sonnenkreisen über den lodernden Augen. Sie kokettierte, indem sie den
+Blick erzürnt.
+
+»Geraubt, Fürstin,« ich lache vom Ruder.
+
+Sie lacht, wirft die Brauen in die Stirn wie Wellen, und springt ins
+Wasser.
+
+Wir halsen und ziehen sie lachend heraus.
+
+Wütend duckt sie, schaut im Kreis lauernd und schweigt. Dann schüttelt sie
+sich und legt die große volle Figur gegen das weiße Segel und hebt ihren
+Körper in die prallende süße Sonne.
+
+Am Mittag stehen unsere Schiffe auf der Höhe ihres Hafens, venezianische
+Schönheit des entgegenlaufenden Landes, glühender Schwung voll Segel, Boot
+und Stegen und Gewirr von Menschen. Wir lavieren.
+
+Ein Kran geigt. Das Segel steht schlapp gegen den Wind.
+
+Ich grüße tief.
+
+Die fürstliche Katze duckt und springt.
+
+Wir sind allein.
+
+Die Flotte kreuzt zurück. Ellen liegt unter der Fahne eingebauscht wie in
+Lotosblätter. Die Flöte springt in süßen Kurven. Katharys Mundharmonika
+zigeunert dazwischen. Das Licht war heiß für das Blut. Es war eine tolle
+Fahrt.
+
+Gleichwohl ging wenig Wind, aber unsere Hirne wurden dunkel vor Übermut und
+Begierde. So schaukelten wir durch die ruhig aufblauende See, kühle weiche
+Ufer überall in Ruhe und eine Stadt in Nebel aufgebaut gegen das Gebirge.
+Wir wiegten uns.
+
+Dann sahen wir eine Mole. Sie kam in einer Spange zärtlich in das Wasser
+hinausgelegt, ganz weich und dünn mit Säulen und Vasen und Kapuzinerblumen.
+Da fuhren wir hinein, ankerten, bestiegen die Kähne und fuhren an Land.
+
+Kahn um Kahn rauschte in ein Gewebe von Binden, in warmes Wasser kniehoch
+sprangen die Frauen, hoben Muscheln in das Licht, riefen und schwangen mit
+den Armen das Schiff auseinander -- -- -- da hing das Ufer vor ihnen, und
+alte Bäume standen mit Wipfelnestern riesig in Schatten gebreitet.
+
+Über die Wiesen springend, ergriffen die Frauen das Heu und warfen sich
+hinein. Dann stürmten sie die Bäume und durch die Zweige glitten nackte
+Beine, in den Gipfeln blinkte ihr Fleisch.
+
+Aus einer Konifere tanzte Kathary auf einem Astschweif, der unter ihr
+wogte. Sie trat aus der Krone in das brausende Licht, da sah sie das Schloß
+gegenüber aus der entfernten Küste von silbernem Sonnenstrich
+herausgesprengt und schrie. Ihr wildes Schreien weckte Geschrei in den
+bunten Bäumen, die Äste zum See füllten sich mit Frauen, die die Haare in
+bunten Mützen trugen.
+
+Katharys Ast rauschte hinunter, warf sprühende Welle aus dem See und
+schnellte zurück in das Licht. So flog sie halb nackt und süß zwischen
+Sonne und Sturm. Dabei warf sie mit einer heftigen Bewegung die Hände an
+den Mund und blies ihre Harmonika, indem sie flog.
+
+Dann warfen sich alle Frauen in den See aus den Bäumen. Ostwind trug
+Wellenberge herüber und wühlte sie auf und warf die Schwimmenden einander
+zu über die glatten Tierrücken der Woge. Immer gaminte Katharys Harmonika
+über dem weißen Zischen. Da hielt ich nicht länger unter ihren grünen Augen
+und vergaß Ellens Flöte und behielt Katharys Blick in der Gurgel hinter der
+Zunge.
+
+Wie eine Herde Antilopen steigen die Frauen aus dem Wasser und rennen in
+breiter Linie in den Park. Das Moos federt ihre Sohlen braunrot in die
+Höhe, und die schlanken Schenkel leuchten unter den Bäumen.
+
+Auf einer Wiese begann Ellen die Schlacht. Heu aufraffend, mit beiden Armen
+es an die Brust gepreßt, warf sie die Garbe in die Luft. Da sprangen alle,
+die schwarzen Schwimmanzüge glänzend wie Pantherhaut, auf den Rasen, biegen
+die Brüste zurück und schleudern das Gras in die Nacken, auf das Gesicht.
+Aber schon prallt eine Dogge in die Schlacht.
+
+Aus getrenntem Holunder tritt plötzlich eine Dame im Reitanzug vor den
+glühenden Vollzug. Bleichen Gesichts bleibt sie in Spannung wie eine Herme
+stehen, kaum bebend. Der Reitstock klemmt unter ihrem Arm, ein roter Stein
+im Griff. Ich trinke im Wenden noch Katharys grausames Lächeln.
+
+Die Frauen rennen fliehend nach der Küste. Flott gemachte Kähne rauschten
+durch Binsenschleier. Die Flottille warf Segel aus und streifte in die See.
+Ein Dampfer voll Menschen, Fahnen um das ganze Deck, stürmte uns noch
+läutend vorüber. Die Drachenköpfe glitten stolz an seinem goldenen Löwen
+vorbei.
+
+Schon aber rauschten die Segel, sich schaukelnd vor dem Schloß.
+
+Der Abend goß sich in glashell erleuchteter Kuppel aus. Die gemaserten
+Wellendämme ebbten windlos zu bleierner Fläche, auf die in dunkler Brunst
+die Sonne herabfiel. Manchmal liefen langsam ausgeatmete Bogen über den See
+von einem stundenfernen Dampfer und klirrten sich tot an der Terrasse. Dann
+tanzten ungeheure Farbenbüschel auf dem Stahldunkel des Wassers und fielen
+wie ein brennender Fächer in Nichts. Aus der Dunkelheit kehrte ein kleiner
+Halbkreis in das Auge zurück, ein weißes Brodeln.
+
+Ich warf mich auf die Erde und hörte aus der fassungslosen Nacht an meinem
+Herzschlag den Puls der wild aus Furcht toll erregten Haut des Wassers
+schlagen.
+
+Dann fuhr ich mit Jackl hinaus, die letzten Segel zu reffen. Auf der
+Terrasse lag der Anschlag eines gedämpften Klaviers. Als wir zurückfuhren,
+löschten die Lichter aus.
+
+Aber die mondlose Julinacht war schwellend und unerträglich geworden. Auf
+und ab gehend die Küste wühlte über der Starre der See mein Herz sich auf.
+Über das Schweigen der erregten Dunkelheit kam ihm eine Yacht, und auf der
+Gaffel hingen zwei schlanke helle Beine, lange Finger spannten eine Flöte
+vor den Mund. Es gab einen Schein, der von dem Segel rasch verschwendet,
+erlosch in die Nacht zurück. Aber dagegen erhob sich die wilde Katze aus
+dem Park und schrie: Ich wählte: Katharys Zähne und Ellens Tieraugen.
+
+-- -- -- da schien es mir berauschend, Kathary aufzusparen zu ihrem
+Lächeln, das ich eingetrunken und dessen Begehr heiser in meinem Halse saß.
+
+Ich zog Ellen vor.
+
+Als mein Kopf über der Brüstung ihres Zimmers aufschwebte, trafen mich ihre
+großen warmen Lippen und küßten mich über das ganze Gesicht: ich liebe
+dich, ich liebe dich.
+
+Das Klavier donnerte fern durch die Korridore, eingeschlungen jagte die
+Harmonika dazwischen. Die Sterne hatten schwere Last, mondlos zu tragen.
+
+Durch alle Mauern schwoll Sehnsucht wie Fieber. Die Wände dehnten sich wie
+Bogen. Die Luft hatte Blut eingesogen. Musik wühlte eine feurige Wolke um
+das Schloß. Alle sahen es, die nachts vorüberfuhren in dem windlosen See,
+dunkel die Rahen und ein Licht irgendwo an Bord.
+
+Im frühen Morgen lag das Land hell mit weiter See. Sie schlief mit
+zitterndem Mund, ein Rosa auf den Wangen. Sie flüsterte im Schlaf, als mich
+die Sehnsucht auftrieb. Ich stieg aus ihrem Bett in den Garten.
+
+Da roch der Boden stark wie ein Raubtier. Die Beeren leuchteten. Auf dem
+Steg lag Tau in einem blauen Glanz. Unsere Flotte stand eingefroren auf
+unbewegtem Spiegel. Zwei Fischerboote strichen lautlos in den weißen Morgen
+und spannten ein Netz mit langen Schnüren.
+
+Der Motor tanzte in das Wasser, legte sich schräg und strich schmeichelnd,
+seine Turbine riß die tonlose Ebene morgenlichen Wassers in zwei lange
+Linien von kreisenden Dünen, die hinter uns blieben. Der Himmel stand
+lautlos und kühlblau. Auch die Luft war gegossen, durch die ich ergriffen
+jagte. Und dann kam der Hafen, kam der Hafen mit Flaggen und venezianischen
+Gondeln. Da ging die Sonne auf.
+
+Endlich gegen Mittag traf ich meine Beute. Ihr kleiner Racker fuhr ein aus
+der Tiefe des Sees, ich erkannte das Segel. Aussteigend ging die Fürstin
+auf der Straße zwischen den Linden. Als wir uns gegenüberstanden, löste
+sich die Küste aus dem Dunst, und wie ein gedrehter Quarzblock leuchtete
+das Bergschloß dumpf und wirr. Die Lippen eingezogen, zürnte sie mit
+aufgereckter Braue.
+
+Aber schon hielt ich nicht mehr: »Geraubte Frau . . .« da riß der
+Herzschlag die Worte im Mund, und ich küßte sie. Starr stehend, nahm sie
+die Küsse, die über sie stürzten. Dann sank ihre Brust, und mit leichter
+Erhebung hob sie das Gesicht. Da lag ein Schein um ihren dunkelen Kopf und
+machte ihn süß zum Weinen. Ihr Mund, irr entblättert, nahm Küsse auf, ihre
+Lippen bogen sich unter dem suchenden Mund. Sie trug nicht das
+Schwefeljackett, sie war blau und dunkel. Wie aber mein atemloser Mund zu
+schelten begann vor ihr, und meine Zunge anfing, von Liebe demütig und
+niedrig, sie zu preisen, da fiel ein großer unverständlicher Brand aus
+ihren Augen, und nun war Glanz um sie, daß ich fast verging.
+
+Mit geblendeten Augen über die Dörfer hin, wie in einem Regenbogen
+strahlend, fahren wir im Wagen hin. Alle Dinge haben Tiefe vor unserem
+Auge. Immer liegt die Landschaft vor uns. Gott ließ uns unsere Blicke nie
+sehen, vor Wonne stürben wir.
+
+Dann sahen wir Netze hingehängt vor die Sonne, und die Sonne legt sich auf
+jeden Tropfen, der aus den Maschen sich löst und zur Erde fällt.
+
+Hier mußte das Ende der Welt sein. Hier steigen wir aus. Wilde Kühe
+sprangen auf einer zarten Wiese und wo sie fertig war, da war ein See.
+
+In ein Boot meine Beute.
+
+Die Luft ist stahlblau. Die Sonne ein Bündel Schwerter, deren Spitzen
+zerprasseln wie Flammenschwerter der Cherubim. Wind weht mit stürmender
+Gewalt, stet, unaufhörlich, ein endloser Wind, stets flackert das Haar. Das
+Wasser formt sich unter ihm zu tausend kleinen Türmen. Durch tausend Türme,
+die schmetternd die Wände zerschlagen, erzwingen wir eine Insel.
+
+Gehen ins Wasser -- und nun küssen wir uns.
+
+Am Strand liegend, kommt aus unseren Herzen die Verklärung, und die
+Landschaft liegt anders geformt:
+
+Zerrissene Sonne wirft der Wind in Funken durch die Luft, aber es wird ein
+Kranz, der aufwächst am Horizont und ihn rund macht und groß. Nun wird die
+geweitete Wiese vor uns Ebene mit großen Städten vor ihm, paradiesische
+Tiere spielen in sanften Sprüngen, und große feierliche Wolken beginnen
+hinter ihr aufzusteigen und weiß den Himmel zu überrunden.
+
+Kein Wunder scheint fremd, die Erde wird innig und warm. Der See wirft
+Muscheln heraus und seltene Fische, mit Bärten und samtdunklen Augen. Ich
+sammle ihr alles, ich stehe bis zur Hüfte im Wasser und rufe hinüber, daß
+ich sie liebe. Mein Auge faßt die wilde Robinsonade. Die Weite hat
+unendliche Neue.
+
+Aber mein Herz wurde milder, ich habe dies nie gekannt.
+
+Der Fürstin schwere Brauen zuckten mit Gold über den schwarzen Augen, und
+der weiße Sand, auf dem sie lag, wurde glanzlos und dienend vor ihr. Manche
+hohe Welle erreichte unsere Brust.
+
+Da brach plötzlich der Schleier ihres Auges, und eine wilde Zärtlichkeit
+entströmte ihr. Und da konnt ich nicht halten, aber ich schrie nicht. Doch
+ich konnte es nicht halten, und ich flüsterte. Mein Herz warf sich durch
+meine Brust, aber ich bewegte kaum die Lippen. Aber sie schwand auf meinem
+Hirn als die bunte Beute und ungekannte Zärtlichkeit hob sie ohne Halt.
+
+Ich wußte, daß ich sie lieben würde in Schmutz und in Unglück, daß ich sie
+lieben würde: Ihren Hals, ihre Zehen, jeden Schmerz und die Wollust und die
+Krankheit, es gab kein Ende. Ich war voll und überströmte. Ich hielt es
+nicht mehr und flüsterte kaum mit den Lippen, es gab keine Grenzen der
+Verzückung. Ich will dir dienen, flüsterte mein Herz, ich will dich töten.
+Aber alles war sinnlos, denn mein Herz war närrisch, denn dies hatte es nie
+gekannt.
+
+Und ich strich ihr über die Haare und sagte: »Ich liebe deine Zehen, ich
+liebe deinen Schmerz und den Schmutz und die Krankheit.« Aber es war wenig
+nur, was ich versprach, denn mein Gefühl war viel größer, und dies war noch
+lang nicht die Grenze, und sie lächelte glücklich und fern. Ich hatte
+vieles, was ich noch keiner Frau gegeben, ich hatte Zahlloses, was in mir
+aufbrach, daß ich vor Glück verging. Ich kannte kein Ende, ich war die
+Welle, der See und die Insel und flüsterte mit jedem Geräusch: o daß ich
+dich liebe, 0 daß ich dich liebe, und mein Mund wurde stumm vor Übermaß.
+
+Nun wurde die Landschaft still. Das Wasser milderte sich und gerann zu
+dunklem Öl, und, zusammengeschlossen in endlose Ruhe, stieg über einem
+Segelboot, das träumte, der Tag ziellos.
+
+Die Insel glühte mit dunklem Basalt in dem rötlichen Wasser. Sie hatte ein
+Glänzen. Es war ein grundloses Glänzen. Ich aber wußte, daß ich alles für
+diese Frau tun würde, denn sie war ungeheuer in mir. Seligkeit floß über
+die Ränder des Tages.
+
+Es wurde Abend.
+
+Wir fuhren zu den Zügen, noch eh das Licht auslosch. Noch stand die Sonne
+über der Ebene, die sie schon berührte, und der Kranz ihres Lichtes brach
+sich nach oben in einer stillen brünstigen Glut.
+
+Allein auf der Terrasse des Bahnhofs beschloß sie zu bleiben und nicht zu
+fahren, den Blick nie von dem See unter ihr lösend, der immer mächtiger die
+Wellen der Landschaft aufschloß und in das Licht der unsäglichen Ruhe
+hineintrug.
+
+»Ich mußte dich haben, Fürstin. Aber daß ich dich so liebte, nie hätte ich
+das geglaubt . . .«, stammelte mein Mund.
+
+Da nahm sie den Blick von der Gegend, und in einem fassungslosen Zueinander
+warf uns ein Kuß zusammen, aufgewühlt die Herzen in den Lippen tragend,
+ihre zuckenden Worte: ich liebe dich, ich liebe dich.
+
+Aber erst, als der Zug unter rötlichen Wolken anzog, erkannte ich in ihrem
+Kopf, der, eine dunkle Schale, aus der Dämmerung heraus vergehend sich
+formte, das Auge in letzter Tiefe. Da erschrak mein Herz, und ich wurde irr
+vor Sehnsucht und maßlos getrieben vom Gefühl, rief mein Mund: O daß sie
+stürbe, o daß sie stürbe, wie unendlich wüchse mein Gefühl.
+
+Aber ich war ein Narr und wußte nichts von Tod.
+
+Und als der Motor unter mir die Nacht durchbrach und mit grünen Lichtern
+das Schloß suchte, da zitterte mein Herz noch einmal übermütig von
+Genossenem und ich glaubte, nichts überträfe die Gefühle des Besitzes.
+
+Meine Augen schufen funkelnde Dinge in den Raum. Ich war übermäßig gefüllt
+und sprühte. Meine Augen setzten Glut in die Nacht, und das Dasein zog sich
+zusammen; es wurden Frauen.
+
+Katharys nicht genossenes Knie, ihr ungekanntes letztes Lachen reizten
+schmerzhaft mein Begehr. Dies war noch nicht beendet.
+
+Aber dennoch, wie schwand es hin unter dem einen Gefühl.
+
+Und ihr Kopf strömte wieder aus meinen Augen in die Dunkelheit und wandte
+sich gegen mich. So trug ich sie in mir. Und sie tilgte die Gegenstände,
+bis nichts mehr blieb als ihre Nähe, da plötzlich stürzte unbegreiflich
+Trauer in mein Herz, als ich sie sah. Aber ich hatte nie Traurigkeit
+gekannt von Frauen, ich wollte nicht leiden, und ich biß auf den Mund und
+hob die Brust.
+
+Und dann schrie ich gegen ihr Gesicht, daß ich nicht leide.
+
+Da trat der Schein um ihr verlöschendes Gesicht, und ihr Gesicht war krank
+und süß zum Weinen. Da neigte ich den Kopf:
+
+Auch da will ich bei dir sein.
+
+Und nun wußte ich, daß ich Grenzenloses um sie leiden werde, daß ich stumm
+in Schmerzen vielleicht stürbe, daß diese Liebe mich durch alle Höllen
+reiße, daß ich an Straßenecken verginge am Geruch eines Baumes an
+Erinnerung, und daß die Welt aus meinem Hirn ganz hinausginge um sie.
+
+Da wurde mein Herz einmal noch wild und ungeduldig, und beschwor Gott um
+Kraft und Zorn gegen diese Liebe, und ich breitete die Arme aus und stand
+allein im Licht meiner Laterne auf dem Motor, der das Wasser zerwühlte,
+gegen die Dunkelheit gekreuzigt.
+
+Und ich schrie ihn ungeduldig an:
+
+»Warum gabst du mir ein wölfisches und wildes Herz?«
+
+Aber schon schwand der Zorn unter der Inbrunst. Der Horizont schien endlos
+vertieft. Ihr Bild lag aufgeschlagen überall in meinem Blut.
+
+Mein Herz war freudig alles zu tragen. Auch der See trug eine schmerzliche
+Reinheit. Der Strand leuchtete weiß. Später warf Gott den Mond in glühendem
+Bogen durch die Nacht.
+
+
+
+
+JAEL
+
+
+MITTEN im glitzernden Geschrei einer Galerie von Papageien fand ich dich an
+einem Tage, Fürstin, und wir vereinten uns. Du standest wild und gleitend,
+indem die bunten Vögel dich mit langen Rufen umschwebten. Als ich deine
+Hand küßte, erhoben sich alle auf ihren Schaukeln und schwenkten höllisch
+die Flügel, da brach erst dein gläsernes Gesicht unter der Rührung. Über
+dem Garten hing im Blau das Silberzeichen schmalsten Mondes.
+
+Zebras tanzten glänzend wie Perlmutt in quecksilbernen Bögen auf der Wiese.
+Einsam schwamm der Rücken stolzen Dromedares über dem Gebüsch neben deiner
+Achsel.
+
+Du bist träumerisch. Wie die Spiegel der Olympia, der Geruch der Oper und
+die Wehmut der benzinduftenden Avenuen ist deine Pupille voll Nebel, und
+die stilleren Fahrten des Bois, Glanz und Ruderer leuchten darauf . . . du
+richtest den Blick gerade: und es steht ein Dolch darin. Dieser Abend nahm
+kein Ende, den wir durchschritten, er schien wie ein pfingstliches Fenster
+auf den Garten durch die Dämmerung.
+
+Pfaue sprangen in die Bäume und schlugen drohend unerhörte Räder gegen den
+geröteten Westen und schrien vor Sehnsucht. Gegen die Gatter wuchsen aus
+den Zwingern weiße Bären, brüllend, wie Gekreuzte und bissen unter größer
+werdendem Mond in die Eisen. Über den Teichen lag Stille und über den Ufern
+stelzten schwärmerisch erregte Flamingos.
+
+Plötzlich schrie der Elefant. Die Stille wuchs wie Herzschlag über den
+Garten. Dann aber erhob sich mit einem Ton die Stimme des ganzen Gartens.
+Tiere schrien in den Frühling, denen Blut durch die Kehlen sott. Sie
+schrien nach dem Mond in der Dämmerung immer lauter vor Wildheit und
+Sehnsucht, es war ein toller Abend, Fürstin, der ganze Tierkreis qualmte um
+uns vor Schweiß und Begierde, der Dampf schob sich in unsere Nüstern.
+
+Du hattest die Lider halb geschlossen. Du lachtest, als das Blut des
+Raubzeugs auf uns stürzte, und ich begehrte dich wie ein Wolf mit den
+Zähnen.
+
+Du fuhrst mit zwei trabenden Pferden hinweg die Allee hindurch, die Hufe
+klopften noch durch den Nebel, als ich dich blitzhaft Entflohene nicht mehr
+erblickte.
+
+Am Morgen brach ich bei dir ein, holte dich funkelnden Fasan aus hellem
+Boudoir, auf meinen Armen rolltest du, Copra, ich trug dich hinunter über
+die Treppen in das schmale Auto, wir blitzten glühend durch die Stadt,
+durchsausten den Wald. Wir hörten die hellen Glocken über die Wasser
+bellen, ich hob dich auf das Verdeck.
+
+Unser Dampfer war weiß und porzellanen, er weidete sich in dem Morgen,
+seine Kajüten waren eitel, seine Rahen flammten. Wir fuhren den Rhein
+hinunter voll von Licht.
+
+Nie sah ich von meinen vielen Frauen eine herrlicher als dich: wie du
+standest! Braun, meine jüdische Fürstin, groß bis an meinen Scheitel, von
+der Loire durchsüßt und den Atem der Steppen in den Nüstern, auf dem
+Verdeck mitten in Sonne. Die Hände hattest du groß und frech in schmalen
+Taschen vor deinem Geschlecht. Deine Lenden flossen vor Linien seidenweich
+durch die Luft. Die Wage der Hüften wiegte über dem Springbrunn der beiden
+Schenkel und den tanzenden Feigen deiner Kniee.
+
+Du zogst die Schultern leicht in gewölbte Bogen und sahst ruhig nach den
+Ufern. Aber dein Gesicht war von Bräune so wild, daß die Yachten um uns
+heulten vor Sehnsucht. Glitten Dampfer uns grüßend vorüber, schrien die
+Sirenen in den Morgen. Die Wellen stoben toll herauf in deine Höhe. Wind
+überstürzte dich, tödlich schöne Säule jüdischen Fleisches, Fürstin.
+
+Als dein Tuch fiel, kniete ein dunkeler Matrose, und eine Flamme stand
+zwischen seinen Brauen.
+
+Dein Blut war mächtig, daß der Strom hinter uns hinblich und die Scharen
+der Burgen ausgelöscht hinter die Sonne krochen, daß der Ansturm der Ufer
+abriß wie ein Schuß. Du tilgst die Gegend hinweg.
+
+Stolz zwischen den weißen Frauen der Passagiere bist du nicht mehr die
+Fürstin, du wächst über sie hinaus. Ich habe dir einen anderen Namen
+gegeben, Durchlaucht, in fließende Seide Gehüllte, aber ich sollte dich
+Debora nennen.
+
+Denn du stehst -- und meine Augen flammen es nach wie Sonnen -- aufgereckte
+Richterin auf dem Gebirge Ephraim. Uraltes Blut wandelt sich zurück in
+deine Figur. Die eisernen Wagen rollen hinter dir über den Horizont. Heere
+fallen nieder vor dir betäubt und preisend, deren Haar eine Flamme aufgeht
+über den Palmenstädten, Triumph singend aus tosender Kehle über den
+Posaunen, Schluchten füllend mit deiner Stimme wie eine Wolke, braun und
+inbrünstig von donnernder Gottheit durchraste im Mond über Juda stehende
+nackte Tigerin.
+
+Vor dir rollen aus dem Gebirge die Ströme der Heere in die Ebene. Nacken
+gefällter Könige siehst du lächelnd, irr der Mund zur Seite gezogen. Sie
+stellen die Lade vor dich. Sie erschauern in ihren Knochen, und tausend
+Streitwagen brausen aus den Tälern in die Ebene hinein.
+
+Feuriger als die dunkle Sonne Europas steht über dem Steuer gepflanzt auf
+dem Fluß der Strahlenschleuder deines visionären leicht gewölbten Leibes
+weißflammend in seiner Figur.
+
+Da bricht in die mystische Geburt Asiens das Lauern deines schrägen
+Augenlides. Ich flüstere »Ghetto«, und dein Haß sticht in mich wie eine
+Klinge, ich badete in deinem Haß und schwor gegen den Wind, daß er zum
+Stürmen steige, aber der Wind war feig und lag an deinem Fuß wie ein Reh.
+
+Du trugst lehmrote Tücher um dich mit Schwefelsternen am Abend auf unserem
+Balkon. Wir tranken dunkelen Wein, der schäumte und dann tanztest du aus
+dem Zimmer auf die Veranda, auf der der Mond schon nach dir griff. Da riß
+ich die Tücher von dir. Diese furiose Entkleidung! Es war eine Löwin, die
+ich umarmte.
+
+Aber allein, indem das Dunkel des Raumes dich von mir abschloß, tanztest du
+die Sprünge deines uralten Blutes. Deine Schultern bogen sich über den
+Achseln, der Rhein hing weiß gespannt unter dir mit einem hellen metallenen
+Ton, strahlend hob sich der Bogen deines Halses, schön und gezogen wie von
+stolzen Kamelen, um deren Kehlen goldene Spangen liegen. Und als du
+umtratst, und der Mond deinen Bauch traf und entfachte, da wurde ich
+wahnsinnig, Fürstin, und du tanztest, mesopotamische Königin, goldgelb
+gefleckt die Weichen wie eine Tigerin, über die Zacken des Gebirges
+Ephraim, und ich raubte dich auf meine Arme, wie rochst du nach Narden und
+schriest.
+
+Dein Fuß ist chinesisch, deine Wade aber steht schon voll Wollust.
+
+Deine Zunge ist voll Unzucht wie eine gierige Posaune. Ich will deinem Mann
+das Hirn über seinem Titel einschlagen, denn deine Schenkel sind dunkel
+verstrickt und stärker als Nacken der Stiere. Dein wilder Leib schäumt über
+und läßt mich irren an Gott. Du lächelst, die der Mond salbte, im
+Feuerregen der Küsse, dein Mund zerfleischt meinen Arm, deine gelösten
+Lippen wirbeln von feuchten Worten, deine Zähne sind spitz wie von Haien
+und die Sonne deines Leibes scheint toll in die Dunkelheit. Deine Brüste
+heben sich brausend unter meinem Mund wie heiße Quellen, und dein Hals
+erhebt sich und singt wirr wie im Fieber.
+
+Siehe alles ist Jordan draußen und die Luft starrt von Posaunen, tausend
+eiserne Wogen rollen donnernd über dem Halbkreis rötlich umflammten
+Gebirges. Alles tönt Ephraim bis in die Ebene.
+
+Schlanke Tänzerin Gottes, mit den üppigen Lenden im Feuer der Berufung,
+Aufgerichtete, Rasende mit den Hüften, Königin langen Blutes, Dein Mund
+singt heiser wie ein Wolf und glüht wie ein Stern.
+
+Nie sah ich Hände, lang, braun und selten wie deine. Blaues Haar deiner
+Schläfen liegt um meine Kehle geschlungen und mein Mund saugt aus dem
+Eindruck der Kissen den Geruch deines Fleisches zurück, das dampft und
+scharf ist wie von den Tieren der Wüste. Die goldenen Siegel deiner
+schweren Brauen zucken vor Licht. Über uns rennt das rote Segel des Mondes.
+Auf den Spitzen deiner Finger glühen dunkle Flammen. Mein Herz schauert
+wild vor dir.
+
+Hinter deiner heißen Stimme liegt eine, weich und flaumig bis zum Rasen der
+Verzückung, und wenn du den großen Nacken zurückwirfst und jauchzend leis
+erstöhnest, dann jagen wir im Spiel deiner Hüfte beide auf donnerndem Wagen
+über die Ebene vor zuckendem Gebirge Ephraim, Wind des Sieges glüht über
+die Stirnen, und die Signale Jahwes, deine Haare, flammen wie eine heilige
+Meute hinter uns.
+
+Deine Haut ist braun mit silbernem Flaum und glatt wie deine Zunge. Dein
+Gang ist fürstlicher als dein Name. Alle Augen grüßen dich auf abendlich
+festlichen Promenaden: Königin der Avenue Wagram und der großen Revuen, auf
+den Dämmen über dem blauen Meer mit den Fahnen, in der hellen Schönheit der
+Korsos und Blumenwagen. Ich aber dämpfe dein Blut.
+
+Lachst du, weil mein Pyjama weiß im Mond schimmert wie eines Pierrot
+. . . . Diese Nacht tobt mit roten Lawinen im Rhein.
+
+Ich sollte dich Debora nennen.
+
+ Aber ich habe dich
+ JAEL
+ genannt.
+
+
+Weil es wild klingt wie eine geschmeidige Löwin und inbrünstig wie das
+metallene Schreien der Hörner, und weil ich nicht weiß, wenn ich auf den
+Kratern deiner Brüste schlafe, ob du mir nicht durch mein Hirn einen Nagel
+in meinen Schlaf schlägst, bernsteinäugiger Panther von Libanon.
+
+
+
+
+DIE ABENTEUERLICHE NACHT
+
+
+IN einer Nacht früher entdeckten wir schweigend den befestigten Hof,
+zerschlugen ein Fenster, stürmten ihn und standen vor jener endlosen Flucht
+von Zimmern.
+
+Nun, wo Nebel geschichtet liegt zwischen mir und der Fürstin, wo wir
+leiden, nun lebe ich tagelang mit wenigen der Kameraden auf dem Hof. Die
+Einsamkeit weicht immer tiefer vom Himmel ab und rückt über das Ried gegen
+uns an. Nachts kommen weiße große Katzen durch den Mond gegen die sieben
+Akazien vor dem Tor.
+
+Ganz ferne Bauern nur manchmal heben die Hand über die Brauen und sehen
+abgeschatteten Gesichts nach den Streifenden. Rasch aber vermählen sich
+ihre Bewegungen wieder dampfender Erde und erntendem Gerät.
+
+Hier ist das Paradies. Wir werden innig mit den Tieren. Auf den Dämmen
+laufend, sehe ich vom Hof Kommende, vom Hof Gehende und alle haben mehr als
+menschliche Anmut, wenn sie die Gräben überspringen, die die Landschaft
+wild zerschneiden, und in Schilf schon eingetaucht wieder auf langen Dämmen
+hingehen, näher dem Himmel als je. Abends sitzen wir auf der runden Mauer
+und sehen, wie die herbstweißen Leiber der Weiden sich vor den Horizont
+ordnen und riesenhaft lohen.
+
+Morgens zieht Nebel in die Gegend und Rehe nahen der Mauer und weichen
+nicht. Um meinen Gang an den Kanälen schwirren Fasane, rostrote Leiber
+ängstend zwischen dem Zuckflug der schmalen Flügel und ein Pfeifen im Mund,
+das die Stille erst wieder sanft macht.
+
+Hier sind nur Tiere. Und selbst die Hasen laufen in Bogen um uns herum und
+halten die Ohren weich an den Hals gelegt. Wir haben das Ried überschwemmt,
+aber wir rühren nicht an diesen Frieden. Wir neigen uns zu dem Tier und das
+Tier verwächst unserer Bewegung. Die weiße Blume der Rehin leuchtet uns zu.
+Weihe kreisen mit stillen Flügen um unseren Kopf.
+
+Abends durch den silbernen Nebel kommt verklärt von milden Scheinen ein
+Hirsch über die Altrhein-Brücke, und geht auf uns zu über die hölzerne
+Planke, die hinter ihm am Ende sich unirdisch schon verengt.
+
+Einmal nur machten wir eine menschliche Revolte gegen die Paradiesischkeit
+und liefen in einem Umzug mit Gekreisch und Musik bis zur Fähre.
+Zurückkehrend, steht unser Hof, halb zugewachsen von fern durch Schilf und
+Weide und geschwungene Landschaft saftiger Kanäle, überschnitten von
+Dämmen, vor einem lodernden Herbsthimmel, erstarrt mit den Fenstern, und
+dunkelnd schwingen sich seine weißen Schorne drohend in den Raum wie
+Flammen aus Erz. Jedes Tier schweigt um das kubische Gebäude, und die lange
+Flucht der Diele, durch die schon Salier schritten, liegt in blauen
+Schwefelschatten. Schon stürzt wieder über noch flackernde Stimmen die
+Einsamkeit durch den klösterlichen Garten auf den Hof.
+
+Wir streuten uns über das Land, wir tranken in quellender Landschaft wie
+lüsterne Wölfe Kuhmilch aus den Eutern, schwammen zum Gassengefunkel der
+Nacht über den Rhein in kleine Bergstädte, wir zechten durch umbuschte
+Dörfer und machten Prasserei mit den Verwaltern auf großen Gütern. Nachts
+im Innenhof, glänzend vor Tauluft, und Gestirne fremd über dem Haupt,
+badeten wir unter donnernder Brunnenflut.
+
+Irgendeiner nahm einen Kienspan und lief nackt durch die welken Blätter um
+die runde Riesenmauer, und andere folgten, stumm vor Jagen.
+
+Lang vorbereitet erschien die abenteuerliche Nacht, wo alles weiß glühte
+mit ungeheuerer Innigkeit.
+
+Große Schwärme von Raben schwangen in langen Kreisen um die halbe Scheibe
+des schon ausgedunkelten Himmels, aber die andere Hälfte war von Lichtern
+irr überschüttet, und die geisterhaften Züge wilder Enten schwammen durch
+das Geflacker sanft im Strom dahin.
+
+In dieser Nacht tanzten die rötlichen Mäuse in stillen Wirbeln durch mein
+großes helles Zimmer, und durch die zerbrochenen Fenster legte sich die
+buschreiche Landschaft in einer Welle vor mich hin, und da wuchs meine
+Sehnsucht und ich lag stundenlang im Fieber.
+
+Und als ich glühte und wirr vor Leidenschaft die Landschaft begehrte und
+den Mond, da schrie die Elster in der Hofplatane entsetzlich, und die
+schmale hündinhafte Hüfte der Holopainen rührte an mein Blut.
+
+Aber ich kannte sie kaum mehr und flüsterte »Angelique« und mein zur Seite
+fallender Blick traf den ihren. Und die Gegend wurde undurchsichtiger
+hinter ihr und ihr rötliches Haar ward blaß in Blondheit und die Augen
+schwammen ihr weißer.
+
+»Was willst du?« rief ich und fluchte auf die Elster.
+
+»Die Abende von Passy«, sagte sie, und Zucken lief um ihren slavischen
+Mund. Aber sofort kam die Lippe in springendes Reden und wölbte sich kühl:
+»Einmal beim Erwachen war deine Hand, die mich hielt, so groß, daß ich
+umsank vor Liebe. Das war, als du im Pharuskegel der Autolaternen Jainikoff
+in den Mund hiebst und mein finnischer Imatra erbrauste. Es füllt meine
+Tage. Es füllt meine Nächte.«
+
+Ihr Mund wurde bitter.
+
+»Ich muß mein Herz noch härter machen«, sagte ich und hatte kein Mitleid.
+
+Da losch ein silberner Strahl über ihr Gesicht und ihre Hüften glitten fast
+unbewegt aber erregend, und sie wies auf ihre herrlichen Beine: »Auch sie
+gelten dir nicht mehr, mit denen ich durch die schreienden Cabarets des
+Montmartre vor dir tanzte, die du küßtest vergehend, nachdem sie auf den
+Bütten aller Cafés geglüht?«
+
+Da wurde mein Mund sehr zornig über ihr Quälen und ich schäumte. Aber sie
+richtete den Blick lang auf ihn, bis er sich ruhiger legte.
+
+Doch war es schon nicht mehr die Tänzerin, sondern es war in schlanker
+Fülle eine andere, es war Ylona, und hob sich mit fordernder Lippe gegen
+mich:
+
+»Du tust Unrecht.«
+
+»Ja,« sagte ich, »weil ich bereit bin, es tausendmal zu büßen.«
+
+»Dies hilft mir nicht.«
+
+Aber ich sagte ihr, daß sie sich selber helfe und tänzerisch sich bewege
+über die dünne gläserne Kuppel des Leides.
+
+Da wurde ihr Gesicht mild und mondwarm und sie sagte: »Du bist noch nicht
+so weit.«
+
+Ich sah sie an.
+
+Sie sagte langsam: »Mein neuer Pelz ist schön, doch freut er mich nicht.
+Ich sehe viele Umarmungen. Sie stoßen mir ins Herz. Ich sehe fette Aale in
+den Ladenscheiben. Ich weiß niemand, dem ich sie sende. Viele Männer
+begehren mich. Ich möchte mich keinem geben. Und gebe ich mich einem, ist
+es nutzlos für mein Blut. Es gibt nichts, das meiner Sehnsucht nah käme.
+Denn du bist wie ein Gesetz darüber und du hast an all den Dingen keinen
+Teil.«
+
+Doch da schrie ich:
+
+»Glaubst du, es quäle nicht, daß jedes Glück dasteht, schon zusammengehauen
+von dem neuen. Weißt du mein Herz, das inbrünstig begehrt zu halten und das
+der Taktschlag seines Angriffs weiter reißt. Alles rinnt aus den Händen,
+deren Wille es ist, nichts zu tun als zu halten. Aber sie greifen nur. Uns
+ist kein Bett, kein Stuhl. Unser Blut schreit Heimat, aber es strömt in
+bunte Ergriffenheit. Wir haben keine wartende Brust. Wir haben den Fluch
+der Zerrissenen aus der Sehnsucht und müssen verzückt Irrende sein.«
+
+»Du hast den Glauben nicht«, sagte sie.
+
+Aber mein Herz wies lachend auf seine Wunden, und es schien vor mir selbst,
+gepflanzt über der Landschaft.
+
+So sah ich es selber wie aus Kristall weiß erstrahlend mit sieben Dolchen,
+und blutiges Harz quoll daraus.
+
+Und Zorn überfiel mich. Und ich wies auf die Sehnsucht, die mein Herz
+quälte: »Weißt du nicht, daß ich in Wirrungen lebe, wilder wie die euren,
+und in Schmerzen, die eure übersteigen. Daß ich euch alle vergaß, und
+zerquetscht vor Sehnsucht streite um die Fürstin.«
+
+Und meine Augen tränten über, und ich sah den entfernten Leib der Fürstin
+wieder vor alle Dinge geschoben:
+
+»Wem ist bestimmt, glücklich zu sein? Sieh, wie wir alle umeinander in
+Zuckungen liegen. Aber es lebe das ungeschlagene Herz.«
+
+Jedoch der Zorn um die Fürstin überwand mich vor Ylonas Augen und ich starb
+fast vor Schmerz, und nichts hatte Wert mehr in dieser Sekunde gegen ihren
+Leib. Und zusammensinkend, flüsterte ich, und rief ihr Bild aufs heftigste
+vor meine Augen:
+
+»Ich habe wenig Lust an anderen Frauen, die Fasane und die runde Mauer und
+die Rehin sind ohne Belang. Mich stört die inbrünstige Glut der sterbenden
+Weiden. Mein Ruhm ist Lächerlichkeit, gemessen an deinem Knie. Alles wilde
+Tun ist irrer Weg und du nur bist Ziel, bist die Sehnsucht.«
+
+Wieder sah ich mich selber gestürzt in die Landschaft, und fern im weißen
+Licht kniete Ylona auf der Ebene, und hinter ihr wuchsen wie lichtere
+Flammen andere zu einer riesigen Kette über die Ebene, und alle schrien ihr
+Leid sich in die Gesichte und wurden langsam ruhig und still.
+
+Aber als ich mit zurückkehrendem Blick den Ylonas traf, härtete ich mein
+zuckendes Herz und ich sagte ihr, daß mir nicht bestimmt sei, an Sehnsucht
+zu sterben. Und daß ich über die Leiden springend vieles tun wolle. Daß
+zahlreiche Frauen auf mich warteten, daß ich Ehren geil erstrebe, Fahrten
+unendlich unternähme und strahlende Großherzoginnen besäße, stürbe auch
+darunter weg das Herz vor Trauer wie eine abgebissene Frucht.
+
+Da sah sie mich an und lächelte.
+
+Und ihr Lächeln ward so irr und süß, daß ich wild erschrak, und, Höllen
+ahnend, die ich nicht kannte, die Sehnsucht aufschoß gegen die Einsamkeit.
+
+Aber sie tat ihr Lächeln nicht weg, und da hielt ich es nicht mehr aus.
+
+Ich stand auf.
+
+Ich ging hinüber in den Saal.
+
+Mit bronzener Reiterpauke, die Großen Friedrichs Regimenter in die Schlacht
+gedröhnt, begann ich den Umzug. Starr und zeremoniell. Feierlich paukte ich
+durch den endlosen Gang und jedes Zimmer.
+
+Und jedes Bewohner schloß sich an.
+
+Einer nach dem andern in weißen Kleidern gingen wir durch die Flure und
+Räume, jedes Gesang war wilder und irrer in dieser Nacht.
+
+Die Dunkelheit der Fenster lag blind gegen die Mondnacht. Landschaft glühte
+vergehend in magischem Weiß. Aus Giebel und Gebälk brach ein schreiender
+Eulenschwarm. Fledermäuse warfen sich entsetzt in den Zug.
+
+Da kamen wir durch die niedere Tür in den Garten. Unser Lärmen schwoll an
+und warf sich verschlingend in die starre Helligkeit der Nacht.
+
+Tiere nahten sanft erschreckt. Die Landschaft bog sich im Mond unter den
+Pauken. Große weiße Katzen glitten über den Hof an die Mauer, und unser
+langsamer Zug, starr in weißen Pyjamas begann seinen grauenhaften Gang in
+die landschaftliche Nacht.
+
+Alles schwieg feindlich beseelt, und von uns keinem kam aus der Sprache ein
+Ton.
+
+Dies war die weiße abenteuerliche Nacht, die, voller Erscheinung wie
+zwischen zauberhaften milden Eisbergen hinschreitend, wir noch
+gespenstischer mit Reitertrommeln uns unter die Füße schlugen, bis endlich
+süßer Morgen mit Silberrot uns befreiend gegen die gebogenen Stirnen
+prallte.
+
+
+
+
+BRIEF
+
+
+MEIN Mund ist voll von Pfeifen, meine Stirn brennt vor Sonne, mein Zimmer
+wälzt sich in Licht. Rasend vor Musik ist der Raum, er ist wie ein großes
+Tier, das ich liebe um seiner starken Flanken und seiner schmalen Treue,
+die mich nicht tröstet, und der ich mich nie hingab in der übelen Zeit
+. . . . O als dein Brief kam, ward Morgen irgendwie in meiner Müdigkeit,
+mein Bett hob sich um mich weiß und glänzend, und es ward ein
+blitzschneller Spalt in meinem Schlaf, und ich sah deinen Brief, Fürstin,
+und lachte. Und schlief ein in mein Lachen hinein. Ja, es ward Morgen, eine
+kleine glühende Spanne nach zwei Nächten, die ich nicht schlief.
+
+Sieh, ganz ist mein Mund voll Pfeifen. Wie war unser erster Tag wieder, wie
+war unser Tag neulich voll Lachen.
+
+Das Futter deines Briefes ist herausgefallen, ich habe es gepackt, als es
+in Stufen nach dem Boden schwebte. Ich habe es gepackt und zerrieben vor
+Freude und dann habe ich es geglättet und geküßt und verbrannt.
+
+Du . . . unser Tag . . . als wir über die Brücke gingen. Keines sagte: Ich
+habe dich viele Monate nicht gesehen. Nein. Niemand sagte: Ich habe
+Unendliches gelitten.
+
+Röte nur ging rauschend über den Himmel. Türme und Kuppeln schwammen
+strahlend und dunkel gebildet über die Glut des Abends. Wind riß die letzte
+Sonne durch unser Haar.
+
+Wir sprachen nicht Fürstin, nur unsere Augen überwanderten den Himmel und
+unsere Munde bebten vor Stummheit. Plötzlich aber blieben wir stehen: Du
+hast ein grünes Kleid . . . . Du hast einen hellen Hut. -- -- Staunen faßte
+uns wie Kinder. Wir waren wie auf Inseln eine Begegnung. Du hast ein grünes
+Kleid . . . . O wie war unser Tag voll Gelächter.
+
+Das waren die alten Häuser am Main, auf die die Sonne noch einmal Strudel
+von Licht stürzte, daß sie erbebten. Das waren alte Pappeln und viele
+Fischernetze. Das waren viele Dinge, über die wir hätten weinen mögen vor
+Sehnsucht, aber wir standen im Wind und lachten.
+
+Wir saßen im Dom zwischen armen Leuten und den bösen mittleren Bedrückten,
+eingekeilt, du Fürstin, mit den schönen Hüften. Wie strahlte uns die dunkle
+Ecke von Holz und das Fenster und das rote Licht.
+
+Auch hast du gekniet, einmal, es war eine Verzückung, meine Fingerspitzen
+rauschten vor Seligkeit, ich hätte dich trösten können.
+
+Du warst königlicher geworden. Es war mit jedem Schritt, als ob du groß
+durch eine Wüste kämest. Und die Stille um dich war wie das verknirschende
+Geheul einer betäubenden Menagerie.
+
+Wie waren deine Schenkel stolz und wild. Immer war es: ich müsse ein Wort
+sagen, platzend von Kraft und überreif von Süßigkeit . . . . ich habe die
+Tigerin wieder . . . . deine Flanken leuchten . . . . dein Auge ist wirr
+meine Katze unter der goldenen Welle der Braue . . . . ich bin im Wahnsinn
+vor Glück -- -- -- und als müsse ich lächelnd mit meinen Händen über deine
+braunen Wangen hinunterfahren über deine Hüften, bis an die Knie, an deren
+Rundheit meine Finger vergehen vor Besitz.
+
+Wie warst du schön, Fürstin, als das Zimmer deines Hotels dich umgab und
+die Spiegel und deine Ringe, ich weiß es kaum noch, Sonne flammt in
+Strudeln um meinen Tisch. Du hattest viele köstliche Decken, Batik und
+Blutrot flossen ineinander.
+
+Deine Brust aber schwebte leuchtend unter der Bluse wie das Elfenbein der
+Psalmen. Wie war dieser Tag dunkeläugig vor Staunen, süß von Gelächter.
+
+Aber ich habe dich nicht geküßt.
+
+Doch noch höher riß uns wie dieser Rausch die Stunde in dem großen Saal mit
+blitzendem Silber, dem Weiß, den Lichtern und der Musik von tausend
+redenden Menschen . . . . alles um dich wie ein Wirbel, der dich schmückte,
+geschart. Als wir einen schönen Fisch zwischen uns teilten, und du den
+burgundischen Wein zwischen dem inneren Rosa deiner langen Hände hieltest,
+der wie Wachs war und Öl und nach Erde schmeckte, herb und herbstlich.
+
+Wir redeten, und unsere Silben liefen wie Schlittschuhläufer atemlos
+aufeinander zu und trafen sich maßlos beseelt in einem endlosen Baum von
+Verzückung. Traum und Schmerzen schwellten mich, als wir damals unter
+Menschen gingen, um allein zu sein.
+
+Und vergiß nicht den Fischerjungen, der uns den Weg am Ufer zeigte, die
+flötenhafte Nächtlichkeit der Marienkapelle, und daß ich einmal nach deiner
+Hand haschte.
+
+Es war. Es war Ewigkeit. Auch dies.
+
+Du hast mir, als der Haß zwischen uns ausbrach, du hast mir vor drei
+Monaten einmal ins Gesicht geschlagen.
+
+Kein Mann vergißt das.
+
+Wie ist dein Gang nun königlich.
+
+Deine Augen, in denen Gefahr ist, und über denen ein ewiges Losschnellen
+hängt, sind mit Güte verdunkelt. Wie groß sind sie.
+
+Als der Bahnhof mit dir entschwebte, als ich fuhr an diesem Tage und deinen
+abgewendeten Rücken sah, der sich von mir bewegte, von Rührung unsagbar
+überlaufen, und ich dein Gesicht dahinter ahnte, verzückt vor Seligkeit,
+Tränen hineingenietet, da fiel die Finsternis gelöschter Laternen wie
+prallender Regen auf die Halle, die zurücksank.
+
+Aber mein Herz war leuchtend wie ein Säbel. Ihm blieb die Dunkelheit fern.
+Einmal schon Fürstin, einmal schon warfen uns Züge auseinander, und
+Traurigkeit stürzte über mein Herz an den Seen. Nun aber schaut es stiller
+in die Welt.
+
+Ich werde dich, die ich besaß wie keine, ich werde dich auch noch nicht
+küssen, wenn du morgen kommst.
+
+Blumen will ich an dein Bild heften an der Wand. Freude soll dich
+schwellen, wenn du hereintrittst. Vieles will ich dir schenken.
+
+Du sollst alles haben, meine wilde Katze. Meine Preise will ich dir geben,
+die silbernen Pokale, die Bilder und die Spitzen, meine Figuren will ich
+dir schenken. Nichts soll mir noch sein. Heute Nacht will ich den Eindruck
+deines Bildes mit meinen Blicken in den Baum schleudern, daß es, unsäglich
+gehoben, wie ein zuckender Stern den Himmel durchbricht.
+
+Aber ich werde dich nicht besitzen.
+
+Du . . . . mein Blut . . . . Mein Blut ist wie ein Büffel auf der Steppe im
+Frühling nach dir, Ich will es dumpf machen. Ich will die Herzklappe
+schließen, daß sie anschwillt. Ich will es ertragen.
+
+Ich will lächeln, und die Zunge in den Hals zurückstoßen, daß ich ersticke
+am eigenen Atem, der nach deinem Munde rauscht. Fieber wird mich ausbrennen
+-- ich aber will deine Hand halten ruhig und selig wie ein Kind die Schnur
+seines Drachen, der groß und schön in einem flockigen Abend steht.
+
+Ich will mein Blut züchtigen, daß es nicht weiter fließt wie bis an die
+Handgelenke. Mögen Katarakte in meine Knie stürmen, du wirst nicht sehen,
+wenn sie aufgewühlt stehn.
+
+Denn es gibt einen Tag, der bleiben muß: aufgerissen und kühn über jeder
+Umarmung . . . . gibt einen Tag der bleiben muß. Freude stirbt in jeder
+Umarmung: Unendliche Freude unseres staunenden Lachens am ersten Tage wird
+darin sterben. Aber wir hatten zu viel Traurigkeit, wir hatten zu viel
+einsame Nächte voll Wahnsinn, du hast mich gefürchtet, und ich haßte dich,
+wir brauchen diese Zeit.
+
+Seligkeit soll einwachsen, Fürstin, in unsere Seele zuerst und sicher
+wieder, bis sie klar darin schwebt wie eine Kuppel in Kathedralen, wie ein
+Dolch in deinem gerundeten Wappen. Darum Fürstin will ich mein Blut
+niederwerfen, wie Moses die Amalekiter hinschlug, indem er die Hand
+hochstieß, senkrecht in den Himmel.
+
+Dies ist mehr -- und ich weiß es brennend und stärker aus vielen Umarmungen
+-- als morgen schon die brünstige Nacht mit dir: daß ich später über allen
+Rausch hinweg, der komme, nur die reine unendlich große Luft der Ewigkeit
+dieser zwei Tage spüre, wenn ich an dich denke, wie ich es tat, als ich
+nach Hause ging und deinen Brief fand, der dich ansagte wieder . . . . und
+als die Schatten noch unbeknospter Birken in Mond und Dämmerung auf den
+Asphalten froren . . . . wie es steht in mir tänzerisch und steil auf der
+hochgerissensten Welle: Wie du auf der Alten Mainbrücke standest.
+Wasserruch dich umspannte, letzte Sonne, als der Fluß, ruhiger verströmend,
+dich plötzlich liebte, Horizont aufbrach um dich, gelb und ungeheuer, und
+dich mit wilden Schreien die Mildheit hundert weißer Möven umflatterte
+. . . . und dann wie du durch den Laternenabend Würzburgs neben mir gingst
+in der fließenden Schönheit deines fürstlich grünen Kleides, und, die ich
+dir in einem Wagen am Ufer gekauft habe, die glasgoldenen Kugeln von zwei
+Apfelsinen in den Händen, strahlend wie deine eigenen Brüste über die
+Kaiserstraße trugst.
+
+
+
+
+TRAUM
+
+
+DIES erste ging rasch vorüber, wir waren durch Wald gefahren, der Wagen
+hielt. Wir steigen aus. Die Pferde rennen weiter. Nun ist es Sommer.
+
+Die silbrige Allee dreht um. In gelber Sonne leuchtet mit Spiegelscheiben
+das französische Landhaus. Syringen und Springbrunnen sind darum gezogen.
+Die Fürstin lächelt aus braunem Gesicht, und ihr Lächeln wirft alles
+zurück, die Zeit und die Schmerzen. Wir sind da. Ich reiße sie hinein.
+
+In ihren Gelenken schaukelt Liebe, sie berauscht die Luft. Sie gleitet
+durch die Räume. Ihre Finger weisen, zeigen, deuten, Wände, Bilder, die
+Vasen, sie lächelt vor Sehnsucht, das braune Gesicht strahlt in wildem
+Schein auf, ihr federndes Bewegen zündet bunte Abenteuerlichkeit in die
+Landschaft. Da stürzen die Munde zusammen.
+
+Hier ist ein Sommer, den wir durchleben wollen. Ganz über dem Horizont
+steht blauer duftender Himmel gespannt über den Mähnen der blonden
+Weizenfelder, und er wird noch zärtlicher um ihre Fremdheit, die mit
+Goldregen die Bläue verblaßt, und sich versträhnt dem dunklen Duft des
+Flieders. Die Fenster stehen weit gegen die Landschaft.
+
+Dann kam der Traum:
+
+In dieser ersten Nacht, wo Tau durch die Monddämmerung spann im Park,
+träumte ich, daß ich die Fürstin suche, und im Schlaf war die Gegend
+verändert im Grund. Ich war in einer Stadt mit alten Giebeln, durch die
+eine Straße lief mit schräger enger Front. Die Häuser erhielten Höhe mit
+großen Baracktoren, mit Erker und vermooster Skulptur und gestaffeltem
+Dachzug. Dennoch schien eins dem andern gleich. Eine Luft lag dick und
+dumpf in der Straße. Die Fenster schienen blind und reglos. Kein Geräusch,
+kein Ton durchdrang die Luft. Selbst meinen Schritt hörte ich nicht.
+
+Ich trat in eine Torfahrt, die Fürstin zu suchen, da schien sie mich
+vertraut und freundlich aufzunehmen. Ich sah mich um. Da kam es mir, daß
+ich sie oft mit ihr durchschritten hatte, und Rührung durchlief mich tief.
+Durch einen schmalen Hof an Seitenflügeln hinunterschreitend, hörte ich
+Wasser, es war, als laufe ein Fluß hinter dem Gebäude. Ich trat ein. Sieben
+Kinder mit hellen Haaren umringten mich, aber sie kannten die Fürstin
+nicht, als ich danach fragte. Dennoch durchsuchte ich alle Zimmer, ich
+verschonte nichts, aber ich fand sie nicht und stand mit einemmal neu auf
+der Straße.
+
+In der Schwüle war eine leichte Bewegung, ich begriff sie nicht und horchte
+erstaunt. Dann aber merkte ich, daß die großen Scheiben der Läden Falten
+hatten und sich im Kreise drehend in die Straße hineinschlugen und
+zurückebbten. Ich blieb stehen und besah die Häuser alle nachdenklich.
+
+Dann nahm ich ein anderes Haus und trat hinein, und stieg ohne Pause auf
+einer immer gedrehten Treppe. Es liefen viele Gänge strahlenförmig davon
+aus. Aber ich ließ sie hochmütig und schlug eine kleine Seitenloge ein und
+wußte nun sofort an der Tönung der Wände, am Geruch der Geländer, ich wußte
+es wie im Irrsinn, hier sei die Fürstin, und Freude brach mir aus dem
+Gesicht.
+
+Ich sah eine Tür und drückte die Klinke auf und trat ein. Das Zimmer stand
+voll mit Gerät. Doch ich lächelte. Ich hatte geirrt in der Handlung. Ich
+war zu sehr voll Sehnsucht. Meine Hände kannten eine bessere Tür.
+
+Es war eine schwarze Eichentür im Seitenkorridor. Vor ihr blieb ich lange
+stehen, den Kopf in die Handmulden gesenkt. Dann trat ich ein. Ein gelblich
+brauner Vorhang schloß das Zimmer ab von der Welt. Die Luft war alt und
+bang, aber ich war nicht zu täuschen, ich roch einen Duft, der ihrem glich.
+Ihre kupfrige Tunika hing über einem Bügel. Ich näherte mein Gesicht, ich
+ließ es hineinfallen und wühlte die Hände hinein und schluchzte vor
+Sehnsucht. Ich roch sie wieder. Wie entflammte mein Herz daran!
+
+Die Wände waren durchbrochen mit Kassetten aus hellem Stein. Darüber waren
+grelle fremde Seiden gespannt. Auf einem Sockel stand ein Faun in obszöner
+Haltung. Das einzige Fenster hing über meinem Kopf und siebte die Sonne. In
+meinem Rücken hingen alle ihre Bilder, die Vasen, die geliebten Wände, ich
+drehte mich nicht um, denn ich wußte nicht, ob mein Herz nicht brach.
+
+Dann stand ich auf und ging hinaus. Ich sah mich nicht um: »nicht den Faun,
+nicht die Wand, nicht die Tunika« flüsterte mein Blut. »Sie« stammelte es.
+So kam ich auf die Straße. Der Himmel war schwerrot, glatt mit Email
+übergossen und schleuderte Abglanz in die Fenster, die Läden, die Gehsteige
+und die kleinen Pfützen, die wie Ballone funkelten. Nun ging ich in Haus um
+Haus.
+
+Aber jedes glich dem andern, und bald war ich so verwirrt, daß ich mich
+selbst im Bilde sah, verrückt vor Suchen und geschlagen von der Sehnsucht.
+Da erscholl der Ton einer Laute.
+
+Nun lächelte ich und trat in ein rötliches Haus ohne Zögerung. Voll
+Sicherheit stieg ich zum Giebel. Dann ging ich langsam wieder herunter und
+horchte angespannt. In der zweiten Etage streifte ich eine Tür, und als ich
+vorüber war, drehte ich um, und unnennbar voll Gewißheit ging ich auf ein
+Papier zu, das daran klebte. Meine Augen waren aufgesogen von dem Weiß, das
+ihren Namen tragen würde. Ich war so voll von Sicherheit, daß ich die Augen
+schloß im Übermut, und durch die Lider sah ich ihren Namen blau und schräg
+auf den Karton gemalt, ihren wilden berauschenden Namen, den ersten großen
+herrschenden Buchstaben und die steifen in Leidenschaft erstarrten der
+anderen . . . . und vortretend, die Lider gesperrt, las ich einen fremden
+russischen Namen, gleichgültig wie Eis. Allein ich lächelte. Sicherheit
+verließ mich nicht.
+
+Die Tür stand im Spalt, und ich sah hinein. In der Ecke hockte ein
+häßlicher brauner Kerl, ich kannte ihn nicht. Mitten aber, mitten stand die
+Fürstin und schlug die Balalaika. Das hatte ich immer schon gehört.
+
+Aber als mein Blick sie begehrte, und mein Bein schon federte im Sprung,
+traf mich durch die Luft ein Schlag, ich stand gelähmt. Es kam von ihr, ich
+fühlte es, denn nur sie hatte diese fremde Macht über mein Hirn. Ich wandte
+mich um, und zu einem blauäugigen Kind, das hinter mir stand, gewendet,
+fragte ich: »Man tritt nicht ein . . . .«. Aber das Kind schaute vor sich
+hin ohne Antwort.
+
+Da ging ich grad und langsam bis ans Ende des Ganges. An einem Fenster mit
+grünen Glaskacheln sicherte ich den Revolver ruhig und besinnungslos und
+wartete, an die Wand gelehnt.
+
+Bald brach die Musik ab. Die Fürstin trat aus dem Zimmer, bog und ging das
+entgegengesetzte Stück des Gangs. Ihre Röcke, aufgebauscht mit Lilien auf
+weißem Grund, wölbten sich über den Hüften schwach bewegt. Immer war ein
+Raum zwischen ihrem Leib und ihren Kleidern, durch jedes Gewand sah ich
+ihre eigentliche Form. Aber wie sie ging so, schoß ich nicht nach ihr, ich
+konnte nichts tun wie sie ansehen und vergehen vor Wünschen. Ist dies die
+Frau, gegen die ich schwach bin, fragte ich staunend verwirrt, doch schon
+verging meine Wut, denn ich sah glänzend im Schatten der Stiegen beim
+Wenden ihr Profil.
+
+Hinter ihr ging der Braune und seine Gestalt, noch häßlich wie ein Affe
+aber stark wie ein Tier im Zimmer, zog gebeugt mit paralytischen Beinen
+hinter ihr her, und ein süßlicher Geruch wie von Leichen strömte langsam
+von ihm den Gang herauf.
+
+Es schien dunkel im Gang, als ich mich umsah. Schmerz saß in allen Ecken.
+Das Kind hockte nun spielend auf dem schrägen Dach eines Nachbarhauses und
+warf glitzernde Kugeln in die Luft.
+
+Langsam ging ich die Treppe hinunter, die Lippen redend: »Es war nicht die
+Fürstin . . . . Es war nicht die Fürstin . . . .« Aber es war doch die
+Fürstin, und ich belog mich nur.
+
+Auf der Straße aber begann mein Herz zu tanzen vor Furcht, daß ich sie
+nicht fände und zwänge, ich sprang, die Fäuste in den Schläfen, in einen
+Laden, durcheilte ihn und erblickte eine Tür. Das Licht hing lang und
+glänzend in ihrem Spalt. Das Zimmer war halb weiß und wieder blau und von
+einem magischen Leuchten erfüllt. Drei Menschen bewegten sich darin
+gegeneinander mit weit über Sichtbares hinausgehender Bewegung.
+
+Einer war der Russe Aphroditi, ihn erkannte ich sofort, der Tänzer mit der
+anarchischen Seele. Er trug ein blaues Kleid, ungegürtet, das bis zu den
+Knien reichte und den Hals frei ließ. Es war, als folge er einer grausamen
+unsichtbaren Musik. In den Händen schwang er weiße Callas immer nach
+demselben Satz. Die beiden anderen waren Frauen, eine kannte ich nicht.
+
+Aber die andere war die Fürstin. Diesmal sah ich sie deutlich.
+
+Ich sah den roten Stern unter ihrer linken Achsel. Sie hatte ein
+Pantherfell um die Taille geschlungen, sonst war sie nackt. Ihre Brüste
+hoben sich breit und rund und an den Spitzen ein wenig gereckt nach oben.
+Eine hohe Mütze aus weißem ungeborenen Lämmerfell krönte als Helm ihr Haar.
+Sie sprang tanzend vor und zurück, die Lippen berauscht geöffnet, wild und
+schäumend, die braunen Muskeln unter ihrem Knie ballten sich und entwirrten
+sich wieder, ihr Auge flammte, die goldenen Brauen glühten. Das war die
+Fürstin. Ich kannte jede Spur ihres Körpers.
+
+Da sprang unter meiner Begierde die Lähmung, ich schrie. Aber Aphroditi,
+gegen die Wand gestellt, ließ die Callas fallen unter dem Schrei, und
+neigte seinen Kopf auf die seitliche Schulter. Dann legte er seine linke
+Hand mit dem Rücken wider die Wand und schlug einen Dolch hinein bis ans
+Heft. Aber es kam kein Blut.
+
+Da riß ich die Tür auf, nun war sie mein, aber die Tür schien aus Erz. Die
+Luft dahinter im Zimmer wurde unerträglich blau. Da schlug ich dröhnend
+meine Hand durch die Planken. Ich schlug hindurch. Ich hatte sie zerhauen.
+
+Aber wie ich auf der Schwelle stand, war alles umsonst. Das Gesicht der
+Fürstin verwandelte sich auf der Oberfläche, der tolle große Zug der Nase
+und des Mundes vertauschte sich. Ich sah mit meinen Augen wie ihr Kopf sich
+formte in ein unbekanntes freches Gesicht, und indem das Herz in Wut und
+Schmerz zersplitterte, wie die Fremde, kokottenhaft in Aphroditis Arm sich
+schaukelnd, im Pas de l'ours die Hüften schwenkend, einen schlechten
+Schieber begann.
+
+Ich hatte sie beinahe gehabt. Ich wollte sie ganz haben und ruhte nicht.
+
+Zornig und verächtlich ging ich hinunter auf die Straße. »Ich will sie
+haben, ich will sie haben,« so trommelte mein Herz und alles war mir
+gleich, ich war im Fieber, ich nähme sie als Hure, ich will sie haben,
+nichts anderes wußte mein Herz. Das Rot über den Dächern war drückend und
+dunkel geworden. Es glühte zwischen den schwarzen langen Linien der Häuser
+heraus. Ich spürte keine Hitze, aber Druck. Plötzlich mußte ich wenden
+. . . . da sah ich unten auf der Straße sehr fern, das Fell über die Achsel
+nachlässig gelegt, im Autodreß die Fürstin, über das Pflaster gehend,
+leicht ein wenig sich wiegend, königlich und süß in den Hüften.
+
+Ich wollte rufen, ich hob die Arme. Aber sie waren Blei. Die Stickluft
+drang in die Kehle, dies ist der Tod, blitzte mein Hirn, der Himmel stand
+im Bersten . . . . und in dem Augenblick, als die Fürstin, mit dem Fell
+spielend, leichthin auf den blauroten Horizont zugehend, fast den Rand des
+Gewölks erreichte und abbog, riß eine brüllende Explosion alles auseinander
+. . . .
+
+Da erwachte ich. Entsetzt.
+
+Die Augen aufgerissen spähte ich in Dunkelheit. Aber die Sommerlandschaft
+stand mit mildem Silber in dem Raum, und Duft von Flieder zog durch das
+Zimmer. Aber noch war ich irr. Ich riß sie herüber, und sie erwachte in
+meinen Arm hinein, »du,« rief ich stammelnd: »ich habe dich . . . . ich
+habe dich.« Und noch halb im Schlaf erwachte ihr gelöster Mund in meinem,
+und mit der warmen Nähe ihres Leibes hielt ich wieder unendliches Dasein
+mit sanftem Herzschlag erdonnernd an meiner Brust. Ich wurde ruhig wie ein
+Tier, und, die Glieder an ihren gelöst, mit schwindendem Grauen darüber,
+daß feindlich irgendwo ein Schicksal Ungeheures außerhalb der Macht meiner
+Arme zu halten vermöchte, mit schon entfernt sich flüchtendem Gefühl des
+Traums, dem Augenblick unsterblich hingegeben, schlief ich hinein in ihren
+besitzenden Kuß.
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+GEDRUCKT BEI POESCHEL & TREPTE IN LEIPZIG
+
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Die Fürstin, by Kasimir Edschmid
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FÜRSTIN ***
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+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
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+<title>Die Fürstin</title>
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+The Project Gutenberg EBook of Die Fürstin, by Kasimir Edschmid
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+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+
+Title: Die Fürstin
+
+Author: Kasimir Edschmid
+
+Release Date: May 15, 2010 [EBook #32385]
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+Language: German
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FÜRSTIN ***
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+Produced by Jens Sadowski
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+<h1 style="letter-spacing: .2em">
+<span style="font-size: medium"><i>KASIMIR EDSCHMID</i></span><br />
+<br />
+DIE FÜRSTIN
+</h1>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
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+<p style="text-align:center;text-indent:0%;font-weight:bold;letter-spacing: 2em">
+1920
+</p>
+<hr class="hr50d" />
+<p style="text-align:center;text-indent:0%;font-weight:bold;letter-spacing: .1em">
+PAUL CASSIRER VERLAG · BERLIN
+</p>
+
+
+<p class="center" style="page-break-before: always; letter-spacing: .1em">
+<br /><br /><br /><br />
+ALLE RECHTE VORBEHALTEN<br/>
+COPYRIGHT 1920 BY PAUL CASSIRER · BERLIN
+<br /><br /><br /><br />
+GESCHRIEBEN NEUNZEHNHUNDERTSECHZEHN
+<br/><br/><br/>
+</p>
+
+<h3 class="chapter">INHALT</h3>
+<hr class="hr40" />
+
+<p class="contents"><a href='#chapter_1'>DAS FRAUENSCHLOSS</a></p>
+<p class="contents"><a href='#chapter_2'>JAEL</a></p>
+<p class="contents"><a href='#chapter_3'>DIE ABENTEUERLICHE NACHT</a></p>
+<p class="contents"><a href='#chapter_4'>BRIEF</a></p>
+<p class="contents"><a href='#chapter_5'>TRAUM</a></p>
+
+<p><br/><br/><br/><br/></p>
+
+<p>
+
+
+</p>
+<h2 class="chapter"><a id="chapter_1" name="chapter_1">DAS FRAUENSCHLOSS</a></h2><p>
+
+
+</p><p class="first">DIE Drachenköpfe unserer Boote bogen um
+das gelbe Segel. Die Parade vollzog sich in
+elegantem Rauschen, wir wollten mit Ostwind
+an das andere Ende, bei Ostwind anderthalb
+Stunden dachten wir, es waren dreißig Kilometer.
+Die Flottille lag in einer Linie. Die Ruder sangen
+dumpf verknattert. Dann schäumte das Wasser los,
+und die Segel beugten sich alle.
+
+</p><p>Wir fuhren in gleicher Lage steil in die graue
+Wüste hinein. Das durchpflügte Wasser riß in nie
+absterbender Welle einen silbernen Bogen über den
+Lee. Die Bäuche der Segel neigten sich tiefer und
+streiften das farblose Wasser und hoben sich wieder
+aufgetaucht in rote Sonne. Die Luvseiten wälzten
+sich mit heller gestrichenen Leibern weit aus dem
+See, und der silberne Sprenkel der mitlaufenden
+ewigen Welle umstäubte uns von der anderen mit
+wildem Geflock.
+
+</p><p>Alle Flaggen am Mast lohten schmal gezüngelt
+in das Blau.
+
+</p><p>Als die spitze Wolke zwischen dem verlassenen
+Schloß und uns hereinschoß, gerieten die Frauen in
+Bewegung. Die nackten Beine lösen faul Wade von
+Wade, sie trennen sich von Mast und dem sonnigen
+Verdecke, über den dunklen Badeanzügen schimmern
+die bunten Jacken. Ein Tratsch saust hinten
+auf das Gebirg. Kühl gebogen steht unser Himmel
+noch blühend antik.
+
+</p><p>Ein Regenbogen rollte eine Natter darüber. Zwei
+siebenfarbene Brücken schnellen über die verblaßte.
+Sie rennen mit uns um die Wette. Große Jagd beginnt.
+Das Schloß irr leuchtend in ferner Sonne steht
+schräg geduckt unter der gebogenen Wucht des
+Gewitters. Darüber aber wütet Jehovas eherner
+Regenbogen und schnellt mit glühendem Finger
+neben uns über das Land. Die Gegend wird klein und
+grau und entzündet sich unter ihm mit magischem
+Glanz. Unter irrem Schein fahren wir. Musik in
+allen Seilen.
+
+</p><p>Jessies Blick wölbt sich aus den Frauen herüber.
+Die Ruderpinne wird Eis in meiner Hand. Die Segel
+laufen auf das Wasser niedergelegt. Das Gewitter
+flattert über uns und bleibt. Noch durch alle Löcher
+schießt eine Säule Sonne. Gurgelnd schwemmt der
+silberne Muskel am Lee sein Wasser hinein. Jessie
+beginnt &mdash; kniend zu pumpen, sie weiß, daß ich die
+Nacht nicht schlief, lächelnd mit abgetriebenem
+Mund.
+
+</p><p>Erlöst aus katzenhaftem Erleben der Sonne sind
+die Frauen aufgerafft. Sie stehen fast auf Mast und
+Segel, ihre Füße stehen im Wasser, sie stehen auf
+Lee wie Statuen, und die Backbordseite hebt sich
+hinter ihren von Lachen überfüllten Munden wie
+eine dunkle Muschel, über die ihr Haar noch leuchtet.
+
+</p><p>Wir sehen das Ufer durch Schaum. Wir rechnen,
+hart am Wind, noch zehn Minuten. Schäumender,
+gierig, ein Liebesschwert bohrt sich die Spitze mit
+fiebernder Wollust in das Gewoge. Ein dunkler
+Halbkreis saust vom Ufer heraus mit einer glashellen
+Kante. Jessie lauert! Die Bö. Der Großschot
+fährt über die Rolle, das Boot dreht herumgeworfen:
+das Segel, graue Apotheose, entfaltet sich, rauscht
+losgelassen, wildflatternd hinein. Wir stehen.
+
+</p><p>Jede Planke zittert im Herzschlag.
+
+</p><p>Dann steigt das Boot, die schmale Flagge weht.
+Das eingereffte Segel glüht unter Blitzstrahlen, die
+den See umlaufen. Ein weißer Strich bohren wir
+weiter, wettern die Boote in Bö um Bö, stehen starr,
+umflossen zwischen rund um uns aufgehäuften
+Wellen.
+
+</p><p>In siebzig Minuten erreichten wir das Ende des
+Sees.
+
+</p><p>Es war gegen Abend.
+
+</p><p>Wir blieben drei Tage.
+
+</p><p>In der ersten Nacht aber wuchs Jessie wild in der
+Liebe wie eine Stute, sie sprang durch das Fenster.
+Da stand ein Garten mit Güldenlack und Malven
+und roch in die dunkle Luft, in der kein Mond hing,
+aber Sterne die feuchten Segel überbürdeten. Die
+Nacht war heiß nach nicht gekühltem Gewitter.
+Ich hatte keine Lust zu schlafen und folgte ihr.
+
+</p><p>Ich ruderte um die Landzunge, da war die Bucht
+paradiesisch erhellt, rot gespiegelt mit vielem Glas
+schoß ein Karussell einen Kreis, und eine Promenade
+mit erleuchteten Bäumen lief üppig von der Küste
+in den Wald. Über die Bootshäuser schwangen sich
+Raketen, eine gedämpfte Musik floh aus den Pavillons
+herüber, aber die Bucht war voll Kähnen und
+alle Sterne und Hecks trugen rote und gelbe Ballons
+und manche mit Spagat überspannte hatten Girlanden, Lampione.
+So schaukelte unter ihnen die See.
+
+</p><p>Im heller gesättigten Licht lag Jessies Kopf wie
+Perlmutter in dem Dunkel hinter ihr und ihre aus
+der Lust herauf gebrochenen Augen baten. Da fuhr
+ich ans Land und nahm rote und gelbe Papierkugeln
+für sie. Ihr Bein glitt schlangenhaft dankend
+über mein Knie. &bdquo;Donna è mobile&ldquo; lächelten ihre
+müd aufgeblätterten Lippen. Die war sie so weiß
+und mild.
+
+</p><p>Wärme und Musik lagen über der Bucht, und
+die Inseln der Boote hatten kein Ende des Liegens.
+Brennend die rote und gelbe Laterne trieben wir
+noch glühend in der Dämmerung gegen unseren
+Strand. Jessies Kopf lag weiß wie eine Puppe mit
+überschweren Riegeln des Mundes in meinem Schoß.
+Wenn die Ruder sich über ihr schlossen, hob sie
+das Auge und schlug einen bebenden Fächer genossenen
+Lebens hinauf.
+
+</p><p>In dem weißen Morgen saßen die anderen Frauen,
+starr und ohne Laut an der Küste, warfen die langen
+Schnüre nach Raubfischen in das brodelnde Wasser,
+und die großen gelben zurückkehrenden Stangen
+ihrer Angeln stellten sich wie ein Gitter vor den
+kühlen Wind des Horizonts.
+
+</p><p>Aber als wir anlegten, liebte ich Jessie nicht mehr.
+
+</p><p>Am vierten Tage, als wir ausfuhren, sprangen
+die Glocken langsam um den See, aber wir fuhren
+mit eigener Musik. Auf weißen Planken, spiegelnd
+vor Lack, lag Sonne und beschien die zusammengerollten
+Katzen. Wir fuhren mit dem Wind. Das
+weiße Segel lag ausgelassen weit hinaus, dagegen
+standen andere Frauen gelehnt, wie vor dem Himmel
+hingewachsen, die langen schlanken Beine auf der
+Rahe zärtlich schaukelnd.
+
+</p><p>Es gab geringen Wind und in die schönen Tiere
+stieg die große Trägheit. Sie wurden still und schöner
+und hatten halbgeschlossene Augen. Trauben flogen
+geworfen zueinander. Ellen erkletterte den Mast.
+Sie trug Sandalen, deren gekreuzte Schnüren weiß
+über ihrer braunen Haut gegen das Knie hinaufliefen.
+Sie saß auf der Gaffel und blies Flöte, von
+dem aufbauschenden Segel gegen das leichte Blau
+getragen.
+
+</p><p>Dann, wie die Brise anlief, kam ein fremder
+Racker auf uns zugeschossen, frecher Sperber,
+kreuzte, feixte, die Rollen liefen knirschend, sein
+gestreiftes Segel zuckte gierig. Er legte parallel,
+ein Mann stand in weißen fliegenden Hosen breit
+am Bord und photographierte uns siebenmal.
+
+</p><p>Wir kannten das Segel.
+
+</p><p>Das war die Fürstin.
+
+</p><p>Aber ich hatte sie noch nicht gesehen.
+
+</p><p>Das Blut stieg mir langsam in die Augen.
+
+</p><p>Wir kreuzten ein wenig, bohrten gegen ihn los.
+Dann schwenkt die Ruderpinne einen Riesenkreis:
+einen Herzschlag lang liegen wir Bug an Bug, unsere
+Spitze deckt sein Steuer. Einen Augenblick geigten
+die Stricke aufeinander mit gläsernem Ton. Bauschend
+in dunklem Gewühl sanken die Segel ineinander
+&mdash; &mdash; &mdash; ich reiche beide Hände hinüber.
+
+</p><p>Mit einem Zug steht eine Frau auf unserer Kufe,
+schwefelschweres Gelbjackett über der Schulter.
+Schon schwenken wir aus der Windstille, schaufeln
+Wind und sausen.
+
+</p><p>Wir haben eine Frau geraubt.
+
+</p><p>Die Verfolgung begann. Kläffend. Mit Geschrei.
+Wir haben mehr Quadratmeter am Fock wie der
+Kleine am großen. Zwei Boote umzingeln ihn,
+nehmen ihm den Wind und verstoßen ihn aus der
+Jagd. Gieriger Sperber rast er am Horizont hin,
+während die großen Raubvögel in den blau aufgebrochenen
+Morgen hineinstreichen.
+
+</p><p>Sie war dunkel wie eine Zigeunerin, aber mit zwei
+schweren hellen Sonnenkreisen über den lodernden
+Augen. Sie kokettierte, indem sie den Blick erzürnt.
+
+</p><p>&bdquo;Geraubt, Fürstin,&ldquo; ich lache vom Ruder.
+
+</p><p>Sie lacht, wirft die Brauen in die Stirn wie Wellen,
+und springt ins Wasser.
+
+</p><p>Wir halsen und ziehen sie lachend heraus.
+
+</p><p>Wütend duckt sie, schaut im Kreis lauernd und
+schweigt. Dann schüttelt sie sich und legt die große
+volle Figur gegen das weiße Segel und hebt ihren
+Körper in die prallende süße Sonne.
+
+</p><p>Am Mittag stehen unsere Schiffe auf der Höhe
+ihres Hafens, venezianische Schönheit des entgegenlaufenden
+Landes, glühender Schwung voll Segel,
+Boot und Stegen und Gewirr von Menschen. Wir
+lavieren.
+
+</p><p>Ein Kran geigt. Das Segel steht schlapp gegen
+den Wind.
+
+</p><p>Ich grüße tief.
+
+</p><p>Die fürstliche Katze duckt und springt.
+
+</p><p>Wir sind allein.
+
+</p><p>Die Flotte kreuzt zurück. Ellen liegt unter der
+Fahne eingebauscht wie in Lotosblätter. Die Flöte
+springt in süßen Kurven. Katharys Mundharmonika
+zigeunert dazwischen. Das Licht war heiß für das
+Blut. Es war eine tolle Fahrt.
+
+</p><p>Gleichwohl ging wenig Wind, aber unsere Hirne
+wurden dunkel vor Übermut und Begierde. So schaukelten
+wir durch die ruhig aufblauende See, kühle
+weiche Ufer überall in Ruhe und eine Stadt in Nebel
+aufgebaut gegen das Gebirge. Wir wiegten uns.
+
+</p><p>Dann sahen wir eine Mole. Sie kam in einer Spange
+zärtlich in das Wasser hinausgelegt, ganz weich und
+dünn mit Säulen und Vasen und Kapuzinerblumen.
+Da fuhren wir hinein, ankerten, bestiegen die Kähne
+und fuhren an Land.
+
+</p><p>Kahn um Kahn rauschte in ein Gewebe von Binden,
+in warmes Wasser kniehoch sprangen die Frauen,
+hoben Muscheln in das Licht, riefen und schwangen
+mit den Armen das Schiff auseinander &mdash; &mdash; &mdash; da
+hing das Ufer vor ihnen, und alte Bäume standen
+mit Wipfelnestern riesig in Schatten gebreitet.
+
+</p><p>Über die Wiesen springend, ergriffen die Frauen
+das Heu und warfen sich hinein. Dann stürmten sie
+die Bäume und durch die Zweige glitten nackte
+Beine, in den Gipfeln blinkte ihr Fleisch.
+
+</p><p>Aus einer Konifere tanzte Kathary auf einem
+Astschweif, der unter ihr wogte. Sie trat aus der
+Krone in das brausende Licht, da sah sie das Schloß
+gegenüber aus der entfernten Küste von silbernem
+Sonnenstrich herausgesprengt und schrie. Ihr wildes
+Schreien weckte Geschrei in den bunten Bäumen,
+die Äste zum See füllten sich mit Frauen, die die
+Haare in bunten Mützen trugen.
+
+</p><p>Katharys Ast rauschte hinunter, warf sprühende
+Welle aus dem See und schnellte zurück in das Licht.
+So flog sie halb nackt und süß zwischen Sonne und
+Sturm. Dabei warf sie mit einer heftigen Bewegung
+die Hände an den Mund und blies ihre Harmonika,
+indem sie flog.
+
+</p><p>Dann warfen sich alle Frauen in den See aus den
+Bäumen. Ostwind trug Wellenberge herüber und
+wühlte sie auf und warf die Schwimmenden einander
+zu über die glatten Tierrücken der Woge. Immer
+gaminte Katharys Harmonika über dem weißen
+Zischen. Da hielt ich nicht länger unter ihren grünen
+Augen und vergaß Ellens Flöte und behielt Katharys
+Blick in der Gurgel hinter der Zunge.
+
+</p><p>Wie eine Herde Antilopen steigen die Frauen
+aus dem Wasser und rennen in breiter Linie in den
+Park. Das Moos federt ihre Sohlen braunrot in die
+Höhe, und die schlanken Schenkel leuchten unter
+den Bäumen.
+
+</p><p>Auf einer Wiese begann Ellen die Schlacht. Heu
+aufraffend, mit beiden Armen es an die Brust gepreßt,
+warf sie die Garbe in die Luft. Da sprangen
+alle, die schwarzen Schwimmanzüge glänzend wie
+Pantherhaut, auf den Rasen, biegen die Brüste zurück
+und schleudern das Gras in die Nacken, auf
+das Gesicht. Aber schon prallt eine Dogge in die
+Schlacht.
+
+</p><p>Aus getrenntem Holunder tritt plötzlich eine
+Dame im Reitanzug vor den glühenden Vollzug.
+Bleichen Gesichts bleibt sie in Spannung wie eine
+Herme stehen, kaum bebend. Der Reitstock klemmt
+unter ihrem Arm, ein roter Stein im Griff. Ich trinke
+im Wenden noch Katharys grausames Lächeln.
+
+</p><p>Die Frauen rennen fliehend nach der Küste. Flott
+gemachte Kähne rauschten durch Binsenschleier. Die
+Flottille warf Segel aus und streifte in die See. Ein
+Dampfer voll Menschen, Fahnen um das ganze Deck,
+stürmte uns noch läutend vorüber. Die Drachenköpfe
+glitten stolz an seinem goldenen Löwen vorbei.
+
+</p><p>Schon aber rauschten die Segel, sich schaukelnd
+vor dem Schloß.
+
+</p><p>Der Abend goß sich in glashell erleuchteter Kuppel
+aus. Die gemaserten Wellendämme ebbten windlos
+zu bleierner Fläche, auf die in dunkler Brunst die
+Sonne herabfiel. Manchmal liefen langsam ausgeatmete
+Bogen über den See von einem stundenfernen
+Dampfer und klirrten sich tot an der Terrasse. Dann
+tanzten ungeheure Farbenbüschel auf dem Stahldunkel
+des Wassers und fielen wie ein brennender
+Fächer in Nichts. Aus der Dunkelheit kehrte ein
+kleiner Halbkreis in das Auge zurück, ein weißes
+Brodeln.
+
+</p><p>Ich warf mich auf die Erde und hörte aus der
+fassungslosen Nacht an meinem Herzschlag den Puls
+der wild aus Furcht toll erregten Haut des Wassers
+schlagen.
+
+</p><p>Dann fuhr ich mit Jackl hinaus, die letzten Segel
+zu reffen. Auf der Terrasse lag der Anschlag eines
+gedämpften Klaviers. Als wir zurückfuhren, löschten
+die Lichter aus.
+
+</p><p>Aber die mondlose Julinacht war schwellend und
+unerträglich geworden. Auf und ab gehend die Küste
+wühlte über der Starre der See mein Herz sich auf.
+Über das Schweigen der erregten Dunkelheit kam
+ihm eine Yacht, und auf der Gaffel hingen zwei
+schlanke helle Beine, lange Finger spannten eine
+Flöte vor den Mund. Es gab einen Schein, der von
+dem Segel rasch verschwendet, erlosch in die Nacht
+zurück. Aber dagegen erhob sich die wilde Katze
+aus dem Park und schrie: Ich wählte: Katharys Zähne
+und Ellens Tieraugen.
+
+</p><p>&mdash; &mdash; &mdash; da schien es mir berauschend, Kathary
+aufzusparen zu ihrem Lächeln, das ich eingetrunken
+und dessen Begehr heiser in meinem Halse saß.
+
+</p><p>Ich zog Ellen vor.
+
+</p><p>Als mein Kopf über der Brüstung ihres Zimmers
+aufschwebte, trafen mich ihre großen warmen
+Lippen und küßten mich über das ganze Gesicht:
+ich liebe dich, ich liebe dich.
+
+</p><p>Das Klavier donnerte fern durch die Korridore,
+eingeschlungen jagte die Harmonika dazwischen.
+Die Sterne hatten schwere Last, mondlos zu tragen.
+
+</p><p>Durch alle Mauern schwoll Sehnsucht wie Fieber.
+Die Wände dehnten sich wie Bogen. Die Luft hatte
+Blut eingesogen. Musik wühlte eine feurige Wolke
+um das Schloß. Alle sahen es, die nachts vorüberfuhren
+in dem windlosen See, dunkel die Rahen und
+ein Licht irgendwo an Bord.
+
+</p><p>Im frühen Morgen lag das Land hell mit weiter
+See. Sie schlief mit zitterndem Mund, ein Rosa auf
+den Wangen. Sie flüsterte im Schlaf, als mich die
+Sehnsucht auftrieb. Ich stieg aus ihrem Bett in den
+Garten.
+
+</p><p>Da roch der Boden stark wie ein Raubtier. Die
+Beeren leuchteten. Auf dem Steg lag Tau in einem
+blauen Glanz. Unsere Flotte stand eingefroren auf
+unbewegtem Spiegel. Zwei Fischerboote strichen
+lautlos in den weißen Morgen und spannten ein Netz
+mit langen Schnüren.
+
+</p><p>Der Motor tanzte in das Wasser, legte sich schräg
+und strich schmeichelnd, seine Turbine riß die tonlose
+Ebene morgenlichen Wassers in zwei lange
+Linien von kreisenden Dünen, die hinter uns blieben.
+Der Himmel stand lautlos und kühlblau. Auch die
+Luft war gegossen, durch die ich ergriffen jagte.
+Und dann kam der Hafen, kam der Hafen mit Flaggen
+und venezianischen Gondeln. Da ging die Sonne auf.
+
+</p><p>Endlich gegen Mittag traf ich meine Beute. Ihr
+kleiner Racker fuhr ein aus der Tiefe des Sees, ich
+erkannte das Segel. Aussteigend ging die Fürstin auf
+der Straße zwischen den Linden. Als wir uns gegenüberstanden,
+löste sich die Küste aus dem Dunst,
+und wie ein gedrehter Quarzblock leuchtete das
+Bergschloß dumpf und wirr. Die Lippen eingezogen,
+zürnte sie mit aufgereckter Braue.
+
+</p><p>Aber schon hielt ich nicht mehr: &bdquo;Geraubte
+Frau .&nbsp;.&nbsp;.&ldquo; da riß der Herzschlag die Worte im Mund,
+und ich küßte sie. Starr stehend, nahm sie die Küsse,
+die über sie stürzten. Dann sank ihre Brust, und mit
+leichter Erhebung hob sie das Gesicht. Da lag ein
+Schein um ihren dunkelen Kopf und machte ihn süß
+zum Weinen. Ihr Mund, irr entblättert, nahm Küsse
+auf, ihre Lippen bogen sich unter dem suchenden
+Mund. Sie trug nicht das Schwefeljackett, sie war
+blau und dunkel. Wie aber mein atemloser Mund
+zu schelten begann vor ihr, und meine Zunge anfing,
+von Liebe demütig und niedrig, sie zu preisen, da
+fiel ein großer unverständlicher Brand aus ihren
+Augen, und nun war Glanz um sie, daß ich fast verging.
+
+</p><p>Mit geblendeten Augen über die Dörfer hin, wie
+in einem Regenbogen strahlend, fahren wir im Wagen
+hin. Alle Dinge haben Tiefe vor unserem Auge.
+Immer liegt die Landschaft vor uns. Gott ließ uns
+unsere Blicke nie sehen, vor Wonne stürben wir.
+
+</p><p>Dann sahen wir Netze hingehängt vor die Sonne,
+und die Sonne legt sich auf jeden Tropfen, der aus
+den Maschen sich löst und zur Erde fällt.
+
+</p><p>Hier mußte das Ende der Welt sein. Hier steigen
+wir aus. Wilde Kühe sprangen auf einer zarten Wiese
+und wo sie fertig war, da war ein See.
+
+</p><p>In ein Boot meine Beute.
+
+</p><p>Die Luft ist stahlblau. Die Sonne ein Bündel
+Schwerter, deren Spitzen zerprasseln wie Flammenschwerter
+der Cherubim. Wind weht mit stürmender
+Gewalt, stet, unaufhörlich, ein endloser Wind, stets
+flackert das Haar. Das Wasser formt sich unter ihm
+zu tausend kleinen Türmen. Durch tausend Türme,
+die schmetternd die Wände zerschlagen, erzwingen
+wir eine Insel.
+
+</p><p>Gehen ins Wasser &mdash; und nun küssen wir uns.
+
+</p><p>Am Strand liegend, kommt aus unseren Herzen
+die Verklärung, und die Landschaft liegt anders
+geformt:
+
+</p><p>Zerrissene Sonne wirft der Wind in Funken durch
+die Luft, aber es wird ein Kranz, der aufwächst am
+Horizont und ihn rund macht und groß. Nun wird
+die geweitete Wiese vor uns Ebene mit großen
+Städten vor ihm, paradiesische Tiere spielen in
+sanften Sprüngen, und große feierliche Wolken beginnen
+hinter ihr aufzusteigen und weiß den Himmel
+zu überrunden.
+
+</p><p>Kein Wunder scheint fremd, die Erde wird innig
+und warm. Der See wirft Muscheln heraus und
+seltene Fische, mit Bärten und samtdunklen Augen.
+Ich sammle ihr alles, ich stehe bis zur Hüfte im
+Wasser und rufe hinüber, daß ich sie liebe. Mein
+Auge faßt die wilde Robinsonade. Die Weite hat
+unendliche Neue.
+
+</p><p>Aber mein Herz wurde milder, ich habe dies nie
+gekannt.
+
+</p><p>Der Fürstin schwere Brauen zuckten mit Gold
+über den schwarzen Augen, und der weiße Sand,
+auf dem sie lag, wurde glanzlos und dienend vor ihr.
+Manche hohe Welle erreichte unsere Brust.
+
+</p><p>Da brach plötzlich der Schleier ihres Auges, und
+eine wilde Zärtlichkeit entströmte ihr. Und da konnt
+ich nicht halten, aber ich schrie nicht. Doch ich
+konnte es nicht halten, und ich flüsterte. Mein Herz
+warf sich durch meine Brust, aber ich bewegte kaum
+die Lippen. Aber sie schwand auf meinem Hirn als
+die bunte Beute und ungekannte Zärtlichkeit hob
+sie ohne Halt.
+
+</p><p>Ich wußte, daß ich sie lieben würde in Schmutz
+und in Unglück, daß ich sie lieben würde: Ihren Hals,
+ihre Zehen, jeden Schmerz und die Wollust und die
+Krankheit, es gab kein Ende. Ich war voll und überströmte.
+Ich hielt es nicht mehr und flüsterte kaum
+mit den Lippen, es gab keine Grenzen der Verzückung.
+Ich will dir dienen, flüsterte mein Herz, ich
+will dich töten. Aber alles war sinnlos, denn mein
+Herz war närrisch, denn dies hatte es nie gekannt.
+
+</p><p>Und ich strich ihr über die Haare und sagte: &bdquo;Ich
+liebe deine Zehen, ich liebe deinen Schmerz und den
+Schmutz und die Krankheit.&ldquo; Aber es war wenig nur,
+was ich versprach, denn mein Gefühl war viel größer,
+und dies war noch lang nicht die Grenze, und sie
+lächelte glücklich und fern. Ich hatte vieles, was ich
+noch keiner Frau gegeben, ich hatte Zahlloses, was in
+mir aufbrach, daß ich vor Glück verging. Ich kannte
+kein Ende, ich war die Welle, der See und die Insel
+und flüsterte mit jedem Geräusch: o daß ich dich
+liebe, 0 daß ich dich liebe, und mein Mund wurde
+stumm vor Übermaß.
+
+</p><p>Nun wurde die Landschaft still. Das Wasser
+milderte sich und gerann zu dunklem Öl, und, zusammengeschlossen
+in endlose Ruhe, stieg über
+einem Segelboot, das träumte, der Tag ziellos.
+
+</p><p>Die Insel glühte mit dunklem Basalt in dem rötlichen
+Wasser. Sie hatte ein Glänzen. Es war ein
+grundloses Glänzen. Ich aber wußte, daß ich alles
+für diese Frau tun würde, denn sie war ungeheuer
+in mir. Seligkeit floß über die Ränder des Tages.
+
+</p><p>Es wurde Abend.
+
+</p><p>Wir fuhren zu den Zügen, noch eh das Licht auslosch.
+Noch stand die Sonne über der Ebene, die sie
+schon berührte, und der Kranz ihres Lichtes brach
+sich nach oben in einer stillen brünstigen Glut.
+
+</p><p>Allein auf der Terrasse des Bahnhofs beschloß sie
+zu bleiben und nicht zu fahren, den Blick nie von
+dem See unter ihr lösend, der immer mächtiger die
+Wellen der Landschaft aufschloß und in das Licht
+der unsäglichen Ruhe hineintrug.
+
+</p><p>&bdquo;Ich mußte dich haben, Fürstin. Aber daß ich dich
+so liebte, nie hätte ich das geglaubt .&nbsp;.&nbsp;.&ldquo;, stammelte
+mein Mund.
+
+</p><p>Da nahm sie den Blick von der Gegend, und in
+einem fassungslosen Zueinander warf uns ein Kuß
+zusammen, aufgewühlt die Herzen in den Lippen
+tragend, ihre zuckenden Worte: ich liebe dich, ich
+liebe dich.
+
+</p><p>Aber erst, als der Zug unter rötlichen Wolken
+anzog, erkannte ich in ihrem Kopf, der, eine dunkle
+Schale, aus der Dämmerung heraus vergehend sich
+formte, das Auge in letzter Tiefe. Da erschrak mein
+Herz, und ich wurde irr vor Sehnsucht und maßlos
+getrieben vom Gefühl, rief mein Mund: O daß sie
+stürbe, o daß sie stürbe, wie unendlich wüchse mein
+Gefühl.
+
+</p><p>Aber ich war ein Narr und wußte nichts von Tod.
+
+</p><p>Und als der Motor unter mir die Nacht durchbrach
+und mit grünen Lichtern das Schloß suchte, da zitterte
+mein Herz noch einmal übermütig von Genossenem
+und ich glaubte, nichts überträfe die Gefühle des
+Besitzes.
+
+</p><p>Meine Augen schufen funkelnde Dinge in den
+Raum. Ich war übermäßig gefüllt und sprühte. Meine
+Augen setzten Glut in die Nacht, und das Dasein
+zog sich zusammen; es wurden Frauen.
+
+</p><p>Katharys nicht genossenes Knie, ihr ungekanntes
+letztes Lachen reizten schmerzhaft mein Begehr.
+Dies war noch nicht beendet.
+
+</p><p>Aber dennoch, wie schwand es hin unter dem einen
+Gefühl.
+
+</p><p>Und ihr Kopf strömte wieder aus meinen Augen
+in die Dunkelheit und wandte sich gegen mich. So
+trug ich sie in mir. Und sie tilgte die Gegenstände,
+bis nichts mehr blieb als ihre Nähe, da plötzlich stürzte
+unbegreiflich Trauer in mein Herz, als ich sie sah.
+Aber ich hatte nie Traurigkeit gekannt von Frauen,
+ich wollte nicht leiden, und ich biß auf den Mund
+und hob die Brust.
+
+</p><p>Und dann schrie ich gegen ihr Gesicht, daß ich
+nicht leide.
+
+</p><p>Da trat der Schein um ihr verlöschendes Gesicht,
+und ihr Gesicht war krank und süß zum Weinen.
+Da neigte ich den Kopf:
+
+</p><p>Auch da will ich bei dir sein.
+
+</p><p>Und nun wußte ich, daß ich Grenzenloses um sie
+leiden werde, daß ich stumm in Schmerzen vielleicht
+stürbe, daß diese Liebe mich durch alle Höllen reiße,
+daß ich an Straßenecken verginge am Geruch eines
+Baumes an Erinnerung, und daß die Welt aus meinem
+Hirn ganz hinausginge um sie.
+
+</p><p>Da wurde mein Herz einmal noch wild und ungeduldig,
+und beschwor Gott um Kraft und Zorn
+gegen diese Liebe, und ich breitete die Arme aus
+und stand allein im Licht meiner Laterne auf dem
+Motor, der das Wasser zerwühlte, gegen die Dunkelheit
+gekreuzigt.
+
+</p><p>Und ich schrie ihn ungeduldig an:
+
+</p><p>&bdquo;Warum gabst du mir ein wölfisches und wildes
+Herz?&ldquo;
+
+</p><p>Aber schon schwand der Zorn unter der Inbrunst.
+Der Horizont schien endlos vertieft. Ihr Bild lag
+aufgeschlagen überall in meinem Blut.
+
+</p><p>Mein Herz war freudig alles zu tragen. Auch der
+See trug eine schmerzliche Reinheit. Der Strand
+leuchtete weiß. Später warf Gott den Mond in
+glühendem Bogen durch die Nacht.
+
+</p>
+<h2 class="chapter"><a id="chapter_2" name="chapter_2">JAEL</a></h2><p>
+
+
+</p><p class="first">MITTEN im glitzernden Geschrei einer
+Galerie von Papageien fand ich dich an
+einem Tage, Fürstin, und wir vereinten
+uns. Du standest wild und gleitend, indem die bunten
+Vögel dich mit langen Rufen umschwebten. Als
+ich deine Hand küßte, erhoben sich alle auf ihren
+Schaukeln und schwenkten höllisch die Flügel, da
+brach erst dein gläsernes Gesicht unter der Rührung.
+Über dem Garten hing im Blau das Silberzeichen
+schmalsten Mondes.
+
+</p><p>Zebras tanzten glänzend wie Perlmutt in quecksilbernen
+Bögen auf der Wiese. Einsam schwamm
+der Rücken stolzen Dromedares über dem Gebüsch
+neben deiner Achsel.
+
+</p><p>Du bist träumerisch. Wie die Spiegel der Olympia,
+der Geruch der Oper und die Wehmut der benzinduftenden
+Avenuen ist deine Pupille voll Nebel, und
+die stilleren Fahrten des Bois, Glanz und Ruderer
+leuchten darauf .&nbsp;.&nbsp;. du richtest den Blick gerade:
+und es steht ein Dolch darin. Dieser Abend nahm
+kein Ende, den wir durchschritten, er schien wie ein
+pfingstliches Fenster auf den Garten durch die
+Dämmerung.
+
+</p><p>Pfaue sprangen in die Bäume und schlugen drohend
+unerhörte Räder gegen den geröteten Westen und
+schrien vor Sehnsucht. Gegen die Gatter wuchsen
+aus den Zwingern weiße Bären, brüllend, wie Gekreuzte
+und bissen unter größer werdendem Mond
+in die Eisen. Über den Teichen lag Stille und über
+den Ufern stelzten schwärmerisch erregte Flamingos.
+
+</p><p>Plötzlich schrie der Elefant. Die Stille wuchs
+wie Herzschlag über den Garten. Dann aber erhob
+sich mit einem Ton die Stimme des ganzen Gartens.
+Tiere schrien in den Frühling, denen Blut durch die
+Kehlen sott. Sie schrien nach dem Mond in der
+Dämmerung immer lauter vor Wildheit und Sehnsucht,
+es war ein toller Abend, Fürstin, der ganze
+Tierkreis qualmte um uns vor Schweiß und Begierde,
+der Dampf schob sich in unsere Nüstern.
+
+</p><p>Du hattest die Lider halb geschlossen. Du lachtest,
+als das Blut des Raubzeugs auf uns stürzte, und ich
+begehrte dich wie ein Wolf mit den Zähnen.
+
+</p><p>Du fuhrst mit zwei trabenden Pferden hinweg
+die Allee hindurch, die Hufe klopften noch durch
+den Nebel, als ich dich blitzhaft Entflohene nicht
+mehr erblickte.
+
+</p><p>Am Morgen brach ich bei dir ein, holte dich
+funkelnden Fasan aus hellem Boudoir, auf meinen
+Armen rolltest du, Copra, ich trug dich hinunter
+über die Treppen in das schmale Auto, wir blitzten
+glühend durch die Stadt, durchsausten den Wald.
+Wir hörten die hellen Glocken über die Wasser
+bellen, ich hob dich auf das Verdeck.
+
+</p><p>Unser Dampfer war weiß und porzellanen, er
+weidete sich in dem Morgen, seine Kajüten waren
+eitel, seine Rahen flammten. Wir fuhren den Rhein
+hinunter voll von Licht.
+
+</p><p>Nie sah ich von meinen vielen Frauen eine herrlicher
+als dich: wie du standest! Braun, meine jüdische
+Fürstin, groß bis an meinen Scheitel, von der Loire
+durchsüßt und den Atem der Steppen in den Nüstern,
+auf dem Verdeck mitten in Sonne. Die Hände hattest
+du groß und frech in schmalen Taschen vor deinem
+Geschlecht. Deine Lenden flossen vor Linien seidenweich
+durch die Luft. Die Wage der Hüften wiegte
+über dem Springbrunn der beiden Schenkel und den
+tanzenden Feigen deiner Kniee.
+
+</p><p>Du zogst die Schultern leicht in gewölbte Bogen
+und sahst ruhig nach den Ufern. Aber dein Gesicht
+war von Bräune so wild, daß die Yachten um uns
+heulten vor Sehnsucht. Glitten Dampfer uns grüßend
+vorüber, schrien die Sirenen in den Morgen. Die
+Wellen stoben toll herauf in deine Höhe. Wind
+überstürzte dich, tödlich schöne Säule jüdischen
+Fleisches, Fürstin.
+
+</p><p>Als dein Tuch fiel, kniete ein dunkeler Matrose,
+und eine Flamme stand zwischen seinen Brauen.
+
+</p><p>Dein Blut war mächtig, daß der Strom hinter uns
+hinblich und die Scharen der Burgen ausgelöscht
+hinter die Sonne krochen, daß der Ansturm der Ufer
+abriß wie ein Schuß. Du tilgst die Gegend hinweg.
+
+</p><p>Stolz zwischen den weißen Frauen der Passagiere
+bist du nicht mehr die Fürstin, du wächst über sie
+hinaus. Ich habe dir einen anderen Namen gegeben,
+Durchlaucht, in fließende Seide Gehüllte, aber ich
+sollte dich Debora nennen.
+
+</p><p>Denn du stehst &mdash; und meine Augen flammen es
+nach wie Sonnen &mdash; aufgereckte Richterin auf dem
+Gebirge Ephraim. Uraltes Blut wandelt sich zurück
+in deine Figur. Die eisernen Wagen rollen hinter
+dir über den Horizont. Heere fallen nieder vor dir
+betäubt und preisend, deren Haar eine Flamme aufgeht
+über den Palmenstädten, Triumph singend aus
+tosender Kehle über den Posaunen, Schluchten
+füllend mit deiner Stimme wie eine Wolke, braun
+und inbrünstig von donnernder Gottheit durchraste
+im Mond über Juda stehende nackte Tigerin.
+
+</p><p>Vor dir rollen aus dem Gebirge die Ströme der
+Heere in die Ebene. Nacken gefällter Könige siehst
+du lächelnd, irr der Mund zur Seite gezogen. Sie
+stellen die Lade vor dich. Sie erschauern in ihren
+Knochen, und tausend Streitwagen brausen aus den
+Tälern in die Ebene hinein.
+
+</p><p>Feuriger als die dunkle Sonne Europas steht über
+dem Steuer gepflanzt auf dem Fluß der Strahlenschleuder
+deines visionären leicht gewölbten Leibes
+weißflammend in seiner Figur.
+
+</p><p>Da bricht in die mystische Geburt Asiens das
+Lauern deines schrägen Augenlides. Ich flüstere
+&bdquo;Ghetto&ldquo;, und dein Haß sticht in mich wie eine Klinge,
+ich badete in deinem Haß und schwor gegen den
+Wind, daß er zum Stürmen steige, aber der Wind
+war feig und lag an deinem Fuß wie ein Reh.
+
+</p><p>Du trugst lehmrote Tücher um dich mit Schwefelsternen
+am Abend auf unserem Balkon. Wir tranken
+dunkelen Wein, der schäumte und dann tanztest
+du aus dem Zimmer auf die Veranda, auf der der
+Mond schon nach dir griff. Da riß ich die Tücher
+von dir. Diese furiose Entkleidung! Es war eine
+Löwin, die ich umarmte.
+
+</p><p>Aber allein, indem das Dunkel des Raumes dich
+von mir abschloß, tanztest du die Sprünge deines
+uralten Blutes. Deine Schultern bogen sich über
+den Achseln, der Rhein hing weiß gespannt unter
+dir mit einem hellen metallenen Ton, strahlend
+hob sich der Bogen deines Halses, schön und gezogen
+wie von stolzen Kamelen, um deren Kehlen goldene
+Spangen liegen. Und als du umtratst, und der Mond
+deinen Bauch traf und entfachte, da wurde ich wahnsinnig,
+Fürstin, und du tanztest, mesopotamische
+Königin, goldgelb gefleckt die Weichen wie eine
+Tigerin, über die Zacken des Gebirges Ephraim,
+und ich raubte dich auf meine Arme, wie rochst du
+nach Narden und schriest.
+
+</p><p>Dein Fuß ist chinesisch, deine Wade aber steht
+schon voll Wollust.
+
+</p><p>Deine Zunge ist voll Unzucht wie eine gierige
+Posaune. Ich will deinem Mann das Hirn über seinem
+Titel einschlagen, denn deine Schenkel sind dunkel
+verstrickt und stärker als Nacken der Stiere. Dein
+wilder Leib schäumt über und läßt mich irren an
+Gott. Du lächelst, die der Mond salbte, im Feuerregen
+der Küsse, dein Mund zerfleischt meinen Arm,
+deine gelösten Lippen wirbeln von feuchten Worten,
+deine Zähne sind spitz wie von Haien und die Sonne
+deines Leibes scheint toll in die Dunkelheit. Deine
+Brüste heben sich brausend unter meinem Mund
+wie heiße Quellen, und dein Hals erhebt sich und
+singt wirr wie im Fieber.
+
+</p><p>Siehe alles ist Jordan draußen und die Luft starrt
+von Posaunen, tausend eiserne Wogen rollen
+donnernd über dem Halbkreis rötlich umflammten
+Gebirges. Alles tönt Ephraim bis in die Ebene.
+
+</p><p>Schlanke Tänzerin Gottes, mit den üppigen
+Lenden im Feuer der Berufung, Aufgerichtete,
+Rasende mit den Hüften, Königin langen Blutes,
+Dein Mund singt heiser wie ein Wolf und glüht wie
+ein Stern.
+
+</p><p>Nie sah ich Hände, lang, braun und selten wie
+deine. Blaues Haar deiner Schläfen liegt um meine
+Kehle geschlungen und mein Mund saugt aus dem
+Eindruck der Kissen den Geruch deines Fleisches zurück,
+das dampft und scharf ist wie von den Tieren der
+Wüste. Die goldenen Siegel deiner schweren Brauen
+zucken vor Licht. Über uns rennt das rote Segel des
+Mondes. Auf den Spitzen deiner Finger glühen
+dunkle Flammen. Mein Herz schauert wild vor dir.
+
+</p><p>Hinter deiner heißen Stimme liegt eine, weich und
+flaumig bis zum Rasen der Verzückung, und wenn
+du den großen Nacken zurückwirfst und jauchzend
+leis erstöhnest, dann jagen wir im Spiel deiner Hüfte
+beide auf donnerndem Wagen über die Ebene vor
+zuckendem Gebirge Ephraim, Wind des Sieges glüht
+über die Stirnen, und die Signale Jahwes, deine Haare,
+flammen wie eine heilige Meute hinter uns.
+
+</p><p>Deine Haut ist braun mit silbernem Flaum und
+glatt wie deine Zunge. Dein Gang ist fürstlicher als
+dein Name. Alle Augen grüßen dich auf abendlich
+festlichen Promenaden: Königin der Avenue
+Wagram und der großen Revuen, auf den Dämmen
+über dem blauen Meer mit den Fahnen, in der hellen
+Schönheit der Korsos und Blumenwagen. Ich aber
+dämpfe dein Blut.
+
+</p><p>Lachst du, weil mein Pyjama weiß im Mond
+schimmert wie eines Pierrot .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. Diese Nacht tobt
+mit roten Lawinen im Rhein.
+
+</p><p>Ich sollte dich Debora nennen.
+
+</p><p class="center">
+Aber ich habe dich<br />
+JAEL<br />
+genannt.
+
+
+</p><p>Weil es wild klingt wie eine geschmeidige Löwin
+und inbrünstig wie das metallene Schreien der
+Hörner, und weil ich nicht weiß, wenn ich auf den
+Kratern deiner Brüste schlafe, ob du mir nicht durch
+mein Hirn einen Nagel in meinen Schlaf schlägst,
+bernsteinäugiger Panther von Libanon.
+
+</p>
+<h2 class="chapter"><a id="chapter_3" name="chapter_3">DIE ABENTEUERLICHE NACHT</a></h2><p>
+
+
+</p><p class="first">IN einer Nacht früher entdeckten wir schweigend
+den befestigten Hof, zerschlugen ein
+Fenster, stürmten ihn und standen vor jener endlosen
+Flucht von Zimmern.
+
+</p><p>Nun, wo Nebel geschichtet liegt zwischen mir
+und der Fürstin, wo wir leiden, nun lebe ich tagelang
+mit wenigen der Kameraden auf dem Hof. Die Einsamkeit
+weicht immer tiefer vom Himmel ab und
+rückt über das Ried gegen uns an. Nachts kommen
+weiße große Katzen durch den Mond gegen die
+sieben Akazien vor dem Tor.
+
+</p><p>Ganz ferne Bauern nur manchmal heben die Hand
+über die Brauen und sehen abgeschatteten Gesichts
+nach den Streifenden. Rasch aber vermählen sich
+ihre Bewegungen wieder dampfender Erde und
+erntendem Gerät.
+
+</p><p>Hier ist das Paradies. Wir werden innig mit den
+Tieren. Auf den Dämmen laufend, sehe ich vom Hof
+Kommende, vom Hof Gehende und alle haben mehr
+als menschliche Anmut, wenn sie die Gräben überspringen,
+die die Landschaft wild zerschneiden, und
+in Schilf schon eingetaucht wieder auf langen
+Dämmen hingehen, näher dem Himmel als je. Abends
+sitzen wir auf der runden Mauer und sehen, wie die
+herbstweißen Leiber der Weiden sich vor den Horizont
+ordnen und riesenhaft lohen.
+
+</p><p>Morgens zieht Nebel in die Gegend und Rehe
+nahen der Mauer und weichen nicht. Um meinen
+Gang an den Kanälen schwirren Fasane, rostrote
+Leiber ängstend zwischen dem Zuckflug der schmalen
+Flügel und ein Pfeifen im Mund, das die Stille
+erst wieder sanft macht.
+
+</p><p>Hier sind nur Tiere. Und selbst die Hasen laufen
+in Bogen um uns herum und halten die Ohren weich
+an den Hals gelegt. Wir haben das Ried überschwemmt,
+aber wir rühren nicht an diesen Frieden.
+Wir neigen uns zu dem Tier und das Tier verwächst
+unserer Bewegung. Die weiße Blume der Rehin
+leuchtet uns zu. Weihe kreisen mit stillen Flügen
+um unseren Kopf.
+
+</p><p>Abends durch den silbernen Nebel kommt verklärt
+von milden Scheinen ein Hirsch über die Altrhein-Brücke,
+und geht auf uns zu über die hölzerne
+Planke, die hinter ihm am Ende sich unirdisch
+schon verengt.
+
+</p><p>Einmal nur machten wir eine menschliche Revolte
+gegen die Paradiesischkeit und liefen in einem Umzug
+mit Gekreisch und Musik bis zur Fähre. Zurückkehrend,
+steht unser Hof, halb zugewachsen von fern
+durch Schilf und Weide und geschwungene Landschaft
+saftiger Kanäle, überschnitten von Dämmen,
+vor einem lodernden Herbsthimmel, erstarrt mit den
+Fenstern, und dunkelnd schwingen sich seine weißen
+Schorne drohend in den Raum wie Flammen aus Erz.
+Jedes Tier schweigt um das kubische Gebäude, und
+die lange Flucht der Diele, durch die schon Salier
+schritten, liegt in blauen Schwefelschatten. Schon
+stürzt wieder über noch flackernde Stimmen die Einsamkeit
+durch den klösterlichen Garten auf den Hof.
+
+</p><p>Wir streuten uns über das Land, wir tranken in
+quellender Landschaft wie lüsterne Wölfe Kuhmilch
+aus den Eutern, schwammen zum Gassengefunkel
+der Nacht über den Rhein in kleine Bergstädte, wir
+zechten durch umbuschte Dörfer und machten
+Prasserei mit den Verwaltern auf großen Gütern.
+Nachts im Innenhof, glänzend vor Tauluft, und Gestirne
+fremd über dem Haupt, badeten wir unter
+donnernder Brunnenflut.
+
+</p><p>Irgendeiner nahm einen Kienspan und lief nackt
+durch die welken Blätter um die runde Riesenmauer,
+und andere folgten, stumm vor Jagen.
+
+</p><p>Lang vorbereitet erschien die abenteuerliche
+Nacht, wo alles weiß glühte mit ungeheuerer
+Innigkeit.
+
+</p><p>Große Schwärme von Raben schwangen in langen
+Kreisen um die halbe Scheibe des schon ausgedunkelten
+Himmels, aber die andere Hälfte war von
+Lichtern irr überschüttet, und die geisterhaften
+Züge wilder Enten schwammen durch das Geflacker
+sanft im Strom dahin.
+
+</p><p>In dieser Nacht tanzten die rötlichen Mäuse in
+stillen Wirbeln durch mein großes helles Zimmer,
+und durch die zerbrochenen Fenster legte sich die
+buschreiche Landschaft in einer Welle vor mich hin,
+und da wuchs meine Sehnsucht und ich lag stundenlang
+im Fieber.
+
+</p><p>Und als ich glühte und wirr vor Leidenschaft die
+Landschaft begehrte und den Mond, da schrie die
+Elster in der Hofplatane entsetzlich, und die schmale
+hündinhafte Hüfte der Holopainen rührte an mein
+Blut.
+
+</p><p>Aber ich kannte sie kaum mehr und flüsterte
+&bdquo;Angelique&ldquo; und mein zur Seite fallender Blick traf
+den ihren. Und die Gegend wurde undurchsichtiger
+hinter ihr und ihr rötliches Haar ward blaß in Blondheit
+und die Augen schwammen ihr weißer.
+
+</p><p>&bdquo;Was willst du?&ldquo; rief ich und fluchte auf die
+Elster.
+
+</p><p>&bdquo;Die Abende von Passy&ldquo;, sagte sie, und Zucken
+lief um ihren slavischen Mund. Aber sofort kam die
+Lippe in springendes Reden und wölbte sich kühl:
+&bdquo;Einmal beim Erwachen war deine Hand, die mich
+hielt, so groß, daß ich umsank vor Liebe. Das war,
+als du im Pharuskegel der Autolaternen Jainikoff
+in den Mund hiebst und mein finnischer Imatra
+erbrauste. Es füllt meine Tage. Es füllt meine
+Nächte.&ldquo;
+
+</p><p>Ihr Mund wurde bitter.
+
+</p><p>&bdquo;Ich muß mein Herz noch härter machen&ldquo;, sagte
+ich und hatte kein Mitleid.
+
+</p><p>Da losch ein silberner Strahl über ihr Gesicht
+und ihre Hüften glitten fast unbewegt aber erregend,
+und sie wies auf ihre herrlichen Beine: &bdquo;Auch sie
+gelten dir nicht mehr, mit denen ich durch die
+schreienden Cabarets des Montmartre vor dir tanzte,
+die du küßtest vergehend, nachdem sie auf den Bütten
+aller Cafés geglüht?&ldquo;
+
+</p><p>Da wurde mein Mund sehr zornig über ihr Quälen
+und ich schäumte. Aber sie richtete den Blick lang
+auf ihn, bis er sich ruhiger legte.
+
+</p><p>Doch war es schon nicht mehr die Tänzerin,
+sondern es war in schlanker Fülle eine andere, es
+war Ylona, und hob sich mit fordernder Lippe gegen
+mich:
+
+</p><p>&bdquo;Du tust Unrecht.&ldquo;
+
+</p><p>&bdquo;Ja,&ldquo; sagte ich, &bdquo;weil ich bereit bin, es tausendmal
+zu büßen.&ldquo;
+
+</p><p>&bdquo;Dies hilft mir nicht.&ldquo;
+
+</p><p>Aber ich sagte ihr, daß sie sich selber helfe und
+tänzerisch sich bewege über die dünne gläserne
+Kuppel des Leides.
+
+</p><p>Da wurde ihr Gesicht mild und mondwarm und
+sie sagte: &bdquo;Du bist noch nicht so weit.&ldquo;
+
+</p><p>Ich sah sie an.
+
+</p><p>Sie sagte langsam: &bdquo;Mein neuer Pelz ist schön,
+doch freut er mich nicht. Ich sehe viele Umarmungen.
+Sie stoßen mir ins Herz. Ich sehe fette Aale in den
+Ladenscheiben. Ich weiß niemand, dem ich sie sende.
+Viele Männer begehren mich. Ich möchte mich
+keinem geben. Und gebe ich mich einem, ist es nutzlos
+für mein Blut. Es gibt nichts, das meiner Sehnsucht
+nah käme. Denn du bist wie ein Gesetz darüber
+und du hast an all den Dingen keinen Teil.&ldquo;
+
+</p><p>Doch da schrie ich:
+
+</p><p>&bdquo;Glaubst du, es quäle nicht, daß jedes Glück dasteht,
+schon zusammengehauen von dem neuen.
+Weißt du mein Herz, das inbrünstig begehrt zu
+halten und das der Taktschlag seines Angriffs weiter
+reißt. Alles rinnt aus den Händen, deren Wille es
+ist, nichts zu tun als zu halten. Aber sie greifen nur.
+Uns ist kein Bett, kein Stuhl. Unser Blut schreit
+Heimat, aber es strömt in bunte Ergriffenheit. Wir
+haben keine wartende Brust. Wir haben den Fluch
+der Zerrissenen aus der Sehnsucht und müssen verzückt
+Irrende sein.&ldquo;
+
+</p><p>&bdquo;Du hast den Glauben nicht&ldquo;, sagte sie.
+
+</p><p>Aber mein Herz wies lachend auf seine Wunden,
+und es schien vor mir selbst, gepflanzt über der
+Landschaft.
+
+</p><p>So sah ich es selber wie aus Kristall weiß erstrahlend
+mit sieben Dolchen, und blutiges Harz
+quoll daraus.
+
+</p><p>Und Zorn überfiel mich. Und ich wies auf die
+Sehnsucht, die mein Herz quälte: &bdquo;Weißt du nicht,
+daß ich in Wirrungen lebe, wilder wie die euren,
+und in Schmerzen, die eure übersteigen. Daß ich
+euch alle vergaß, und zerquetscht vor Sehnsucht
+streite um die Fürstin.&ldquo;
+
+</p><p>Und meine Augen tränten über, und ich sah den
+entfernten Leib der Fürstin wieder vor alle Dinge
+geschoben:
+
+</p><p>&bdquo;Wem ist bestimmt, glücklich zu sein? Sieh, wie
+wir alle umeinander in Zuckungen liegen. Aber es
+lebe das ungeschlagene Herz.&ldquo;
+
+</p><p>Jedoch der Zorn um die Fürstin überwand mich
+vor Ylonas Augen und ich starb fast vor Schmerz,
+und nichts hatte Wert mehr in dieser Sekunde gegen
+ihren Leib. Und zusammensinkend, flüsterte ich,
+und rief ihr Bild aufs heftigste vor meine Augen:
+
+</p><p>&bdquo;Ich habe wenig Lust an anderen Frauen, die
+Fasane und die runde Mauer und die Rehin sind
+ohne Belang. Mich stört die inbrünstige Glut der
+sterbenden Weiden. Mein Ruhm ist Lächerlichkeit,
+gemessen an deinem Knie. Alles wilde Tun ist irrer
+Weg und du nur bist Ziel, bist die Sehnsucht.&ldquo;
+
+</p><p>Wieder sah ich mich selber gestürzt in die Landschaft,
+und fern im weißen Licht kniete Ylona auf
+der Ebene, und hinter ihr wuchsen wie lichtere
+Flammen andere zu einer riesigen Kette über die
+Ebene, und alle schrien ihr Leid sich in die Gesichte
+und wurden langsam ruhig und still.
+
+</p><p>Aber als ich mit zurückkehrendem Blick den
+Ylonas traf, härtete ich mein zuckendes Herz und
+ich sagte ihr, daß mir nicht bestimmt sei, an Sehnsucht
+zu sterben. Und daß ich über die Leiden
+springend vieles tun wolle. Daß zahlreiche Frauen
+auf mich warteten, daß ich Ehren geil erstrebe,
+Fahrten unendlich unternähme und strahlende
+Großherzoginnen besäße, stürbe auch darunter weg
+das Herz vor Trauer wie eine abgebissene Frucht.
+
+</p><p>Da sah sie mich an und lächelte.
+
+</p><p>Und ihr Lächeln ward so irr und süß, daß ich wild
+erschrak, und, Höllen ahnend, die ich nicht kannte,
+die Sehnsucht aufschoß gegen die Einsamkeit.
+
+</p><p>Aber sie tat ihr Lächeln nicht weg, und da hielt
+ich es nicht mehr aus.
+
+</p><p>Ich stand auf.
+
+</p><p>Ich ging hinüber in den Saal.
+
+</p><p>Mit bronzener Reiterpauke, die Großen Friedrichs
+Regimenter in die Schlacht gedröhnt, begann
+ich den Umzug. Starr und zeremoniell. Feierlich
+paukte ich durch den endlosen Gang und jedes
+Zimmer.
+
+</p><p>Und jedes Bewohner schloß sich an.
+
+</p><p>Einer nach dem andern in weißen Kleidern gingen
+wir durch die Flure und Räume, jedes Gesang war
+wilder und irrer in dieser Nacht.
+
+</p><p>Die Dunkelheit der Fenster lag blind gegen die
+Mondnacht. Landschaft glühte vergehend in magischem
+Weiß. Aus Giebel und Gebälk brach ein
+schreiender Eulenschwarm. Fledermäuse warfen
+sich entsetzt in den Zug.
+
+</p><p>Da kamen wir durch die niedere Tür in den
+Garten. Unser Lärmen schwoll an und warf sich
+verschlingend in die starre Helligkeit der Nacht.
+
+</p><p>Tiere nahten sanft erschreckt. Die Landschaft
+bog sich im Mond unter den Pauken. Große weiße
+Katzen glitten über den Hof an die Mauer, und
+unser langsamer Zug, starr in weißen Pyjamas begann
+seinen grauenhaften Gang in die landschaftliche
+Nacht.
+
+</p><p>Alles schwieg feindlich beseelt, und von uns
+keinem kam aus der Sprache ein Ton.
+
+</p><p>Dies war die weiße abenteuerliche Nacht, die,
+voller Erscheinung wie zwischen zauberhaften
+milden Eisbergen hinschreitend, wir noch gespenstischer
+mit Reitertrommeln uns unter die Füße
+schlugen, bis endlich süßer Morgen mit Silberrot
+uns befreiend gegen die gebogenen Stirnen prallte.
+
+</p>
+<h2 class="chapter"><a id="chapter_4" name="chapter_4">BRIEF</a></h2><p>
+
+
+</p><p class="first">MEIN Mund ist voll von Pfeifen, meine
+Stirn brennt vor Sonne, mein Zimmer
+wälzt sich in Licht. Rasend vor Musik ist
+der Raum, er ist wie ein großes Tier, das ich liebe
+um seiner starken Flanken und seiner schmalen
+Treue, die mich nicht tröstet, und der ich mich nie
+hingab in der übelen Zeit .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. O als dein Brief kam,
+ward Morgen irgendwie in meiner Müdigkeit, mein
+Bett hob sich um mich weiß und glänzend, und es
+ward ein blitzschneller Spalt in meinem Schlaf, und
+ich sah deinen Brief, Fürstin, und lachte. Und schlief
+ein in mein Lachen hinein. Ja, es ward Morgen, eine
+kleine glühende Spanne nach zwei Nächten, die ich
+nicht schlief.
+
+</p><p>Sieh, ganz ist mein Mund voll Pfeifen. Wie war
+unser erster Tag wieder, wie war unser Tag neulich
+voll Lachen.
+
+</p><p>Das Futter deines Briefes ist herausgefallen, ich
+habe es gepackt, als es in Stufen nach dem Boden
+schwebte. Ich habe es gepackt und zerrieben vor
+Freude und dann habe ich es geglättet und geküßt
+und verbrannt.
+
+</p><p>Du .&nbsp;.&nbsp;. unser Tag .&nbsp;.&nbsp;. als wir über die Brücke
+gingen. Keines sagte: Ich habe dich viele Monate
+nicht gesehen. Nein. Niemand sagte: Ich habe Unendliches
+gelitten.
+
+</p><p>Röte nur ging rauschend über den Himmel.
+Türme und Kuppeln schwammen strahlend und
+dunkel gebildet über die Glut des Abends. Wind riß
+die letzte Sonne durch unser Haar.
+
+</p><p>Wir sprachen nicht Fürstin, nur unsere Augen
+überwanderten den Himmel und unsere Munde
+bebten vor Stummheit. Plötzlich aber blieben wir
+stehen: Du hast ein grünes Kleid .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. Du hast einen
+hellen Hut. &mdash; &mdash; Staunen faßte uns wie Kinder. Wir
+waren wie auf Inseln eine Begegnung. Du hast ein
+grünes Kleid .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. O wie war unser Tag voll Gelächter.
+
+</p><p>Das waren die alten Häuser am Main, auf die die
+Sonne noch einmal Strudel von Licht stürzte, daß
+sie erbebten. Das waren alte Pappeln und viele
+Fischernetze. Das waren viele Dinge, über die wir
+hätten weinen mögen vor Sehnsucht, aber wir standen
+im Wind und lachten.
+
+</p><p>Wir saßen im Dom zwischen armen Leuten und
+den bösen mittleren Bedrückten, eingekeilt, du
+Fürstin, mit den schönen Hüften. Wie strahlte uns
+die dunkle Ecke von Holz und das Fenster und das
+rote Licht.
+
+</p><p>Auch hast du gekniet, einmal, es war eine Verzückung,
+meine Fingerspitzen rauschten vor Seligkeit,
+ich hätte dich trösten können.
+
+</p><p>Du warst königlicher geworden. Es war mit jedem
+Schritt, als ob du groß durch eine Wüste kämest.
+Und die Stille um dich war wie das verknirschende
+Geheul einer betäubenden Menagerie.
+
+</p><p>Wie waren deine Schenkel stolz und wild. Immer
+war es: ich müsse ein Wort sagen, platzend von
+Kraft und überreif von Süßigkeit .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. ich habe die
+Tigerin wieder .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. deine Flanken leuchten .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
+dein Auge ist wirr meine Katze unter der goldenen
+Welle der Braue .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. ich bin im Wahnsinn vor
+Glück &mdash; &mdash; &mdash; und als müsse ich lächelnd mit meinen
+Händen über deine braunen Wangen hinunterfahren
+über deine Hüften, bis an die Knie, an deren
+Rundheit meine Finger vergehen vor Besitz.
+
+</p><p>Wie warst du schön, Fürstin, als das Zimmer
+deines Hotels dich umgab und die Spiegel und deine
+Ringe, ich weiß es kaum noch, Sonne flammt in
+Strudeln um meinen Tisch. Du hattest viele köstliche
+Decken, Batik und Blutrot flossen ineinander.
+
+</p><p>Deine Brust aber schwebte leuchtend unter der
+Bluse wie das Elfenbein der Psalmen. Wie war dieser
+Tag dunkeläugig vor Staunen, süß von Gelächter.
+
+</p><p>Aber ich habe dich nicht geküßt.
+
+</p><p>Doch noch höher riß uns wie dieser Rausch die
+Stunde in dem großen Saal mit blitzendem Silber,
+dem Weiß, den Lichtern und der Musik von tausend
+redenden Menschen .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. alles um dich wie ein Wirbel,
+der dich schmückte, geschart. Als wir einen schönen
+Fisch zwischen uns teilten, und du den burgundischen
+Wein zwischen dem inneren Rosa deiner
+langen Hände hieltest, der wie Wachs war und Öl
+und nach Erde schmeckte, herb und herbstlich.
+
+</p><p>Wir redeten, und unsere Silben liefen wie Schlittschuhläufer
+atemlos aufeinander zu und trafen sich
+maßlos beseelt in einem endlosen Baum von Verzückung.
+Traum und Schmerzen schwellten mich,
+als wir damals unter Menschen gingen, um allein
+zu sein.
+
+</p><p>Und vergiß nicht den Fischerjungen, der uns den
+Weg am Ufer zeigte, die flötenhafte Nächtlichkeit
+der Marienkapelle, und daß ich einmal nach deiner
+Hand haschte.
+
+</p><p>Es war. Es war Ewigkeit. Auch dies.
+
+</p><p>Du hast mir, als der Haß zwischen uns ausbrach,
+du hast mir vor drei Monaten einmal ins Gesicht
+geschlagen.
+
+</p><p>Kein Mann vergißt das.
+
+</p><p>Wie ist dein Gang nun königlich.
+
+</p><p>Deine Augen, in denen Gefahr ist, und über denen
+ein ewiges Losschnellen hängt, sind mit Güte verdunkelt.
+Wie groß sind sie.
+
+</p><p>Als der Bahnhof mit dir entschwebte, als ich fuhr
+an diesem Tage und deinen abgewendeten Rücken
+sah, der sich von mir bewegte, von Rührung unsagbar
+überlaufen, und ich dein Gesicht dahinter ahnte,
+verzückt vor Seligkeit, Tränen hineingenietet, da
+fiel die Finsternis gelöschter Laternen wie prallender
+Regen auf die Halle, die zurücksank.
+
+</p><p>Aber mein Herz war leuchtend wie ein Säbel.
+Ihm blieb die Dunkelheit fern. Einmal schon Fürstin,
+einmal schon warfen uns Züge auseinander, und
+Traurigkeit stürzte über mein Herz an den Seen.
+Nun aber schaut es stiller in die Welt.
+
+</p><p>Ich werde dich, die ich besaß wie keine, ich
+werde dich auch noch nicht küssen, wenn du morgen
+kommst.
+
+</p><p>Blumen will ich an dein Bild heften an der Wand.
+Freude soll dich schwellen, wenn du hereintrittst.
+Vieles will ich dir schenken.
+
+</p><p>Du sollst alles haben, meine wilde Katze. Meine
+Preise will ich dir geben, die silbernen Pokale, die
+Bilder und die Spitzen, meine Figuren will ich dir
+schenken. Nichts soll mir noch sein. Heute Nacht
+will ich den Eindruck deines Bildes mit meinen
+Blicken in den Baum schleudern, daß es, unsäglich
+gehoben, wie ein zuckender Stern den Himmel
+durchbricht.
+
+</p><p>Aber ich werde dich nicht besitzen.
+
+</p><p>Du .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. mein Blut .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. Mein Blut ist wie ein Büffel
+auf der Steppe im Frühling nach dir, Ich will es
+dumpf machen. Ich will die Herzklappe schließen,
+daß sie anschwillt. Ich will es ertragen.
+
+</p><p>Ich will lächeln, und die Zunge in den Hals zurückstoßen,
+daß ich ersticke am eigenen Atem, der nach
+deinem Munde rauscht. Fieber wird mich ausbrennen
+&mdash; ich aber will deine Hand halten ruhig und selig
+wie ein Kind die Schnur seines Drachen, der groß
+und schön in einem flockigen Abend steht.
+
+</p><p>Ich will mein Blut züchtigen, daß es nicht weiter
+fließt wie bis an die Handgelenke. Mögen Katarakte
+in meine Knie stürmen, du wirst nicht sehen, wenn
+sie aufgewühlt stehn.
+
+</p><p>Denn es gibt einen Tag, der bleiben muß: aufgerissen
+und kühn über jeder Umarmung .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. gibt
+einen Tag der bleiben muß. Freude stirbt in jeder
+Umarmung: Unendliche Freude unseres staunenden
+Lachens am ersten Tage wird darin sterben.
+Aber wir hatten zu viel Traurigkeit, wir hatten zu
+viel einsame Nächte voll Wahnsinn, du hast mich
+gefürchtet, und ich haßte dich, wir brauchen diese
+Zeit.
+
+</p><p>Seligkeit soll einwachsen, Fürstin, in unsere
+Seele zuerst und sicher wieder, bis sie klar darin
+schwebt wie eine Kuppel in Kathedralen, wie ein
+Dolch in deinem gerundeten Wappen. Darum
+Fürstin will ich mein Blut niederwerfen, wie Moses
+die Amalekiter hinschlug, indem er die Hand hochstieß,
+senkrecht in den Himmel.
+
+</p><p>Dies ist mehr &mdash; und ich weiß es brennend und
+stärker aus vielen Umarmungen &mdash; als morgen schon
+die brünstige Nacht mit dir: daß ich später über
+allen Rausch hinweg, der komme, nur die reine
+unendlich große Luft der Ewigkeit dieser zwei Tage
+spüre, wenn ich an dich denke, wie ich es tat, als
+ich nach Hause ging und deinen Brief fand, der dich
+ansagte wieder .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. und als die Schatten noch unbeknospter
+Birken in Mond und Dämmerung auf
+den Asphalten froren .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. wie es steht in mir tänzerisch
+und steil auf der hochgerissensten Welle: Wie
+du auf der Alten Mainbrücke standest. Wasserruch
+dich umspannte, letzte Sonne, als der Fluß,
+ruhiger verströmend, dich plötzlich liebte, Horizont
+aufbrach um dich, gelb und ungeheuer, und dich
+mit wilden Schreien die Mildheit hundert weißer
+Möven umflatterte .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. und dann wie du durch den
+Laternenabend Würzburgs neben mir gingst in der
+fließenden Schönheit deines fürstlich grünen Kleides,
+und, die ich dir in einem Wagen am Ufer gekauft
+habe, die glasgoldenen Kugeln von zwei Apfelsinen
+in den Händen, strahlend wie deine eigenen Brüste
+über die Kaiserstraße trugst.
+
+</p>
+<h2 class="chapter"><a id="chapter_5" name="chapter_5">TRAUM</a></h2><p>
+
+
+</p><p class="first">DIES erste ging rasch vorüber, wir waren
+durch Wald gefahren, der Wagen hielt.
+Wir steigen aus. Die Pferde rennen weiter.
+Nun ist es Sommer.
+
+</p><p>Die silbrige Allee dreht um. In gelber Sonne
+leuchtet mit Spiegelscheiben das französische Landhaus.
+Syringen und Springbrunnen sind darum gezogen.
+Die Fürstin lächelt aus braunem Gesicht,
+und ihr Lächeln wirft alles zurück, die Zeit und die
+Schmerzen. Wir sind da. Ich reiße sie hinein.
+
+</p><p>In ihren Gelenken schaukelt Liebe, sie berauscht
+die Luft. Sie gleitet durch die Räume. Ihre Finger
+weisen, zeigen, deuten, Wände, Bilder, die Vasen,
+sie lächelt vor Sehnsucht, das braune Gesicht strahlt
+in wildem Schein auf, ihr federndes Bewegen zündet
+bunte Abenteuerlichkeit in die Landschaft. Da
+stürzen die Munde zusammen.
+
+</p><p>Hier ist ein Sommer, den wir durchleben wollen.
+Ganz über dem Horizont steht blauer duftender
+Himmel gespannt über den Mähnen der blonden
+Weizenfelder, und er wird noch zärtlicher um ihre
+Fremdheit, die mit Goldregen die Bläue verblaßt,
+und sich versträhnt dem dunklen Duft des Flieders.
+Die Fenster stehen weit gegen die Landschaft.
+
+</p><p>Dann kam der Traum:
+
+</p><p>In dieser ersten Nacht, wo Tau durch die Monddämmerung
+spann im Park, träumte ich, daß ich
+die Fürstin suche, und im Schlaf war die Gegend
+verändert im Grund. Ich war in einer Stadt mit alten
+Giebeln, durch die eine Straße lief mit schräger
+enger Front. Die Häuser erhielten Höhe mit großen
+Baracktoren, mit Erker und vermooster Skulptur
+und gestaffeltem Dachzug. Dennoch schien eins
+dem andern gleich. Eine Luft lag dick und dumpf
+in der Straße. Die Fenster schienen blind und reglos.
+Kein Geräusch, kein Ton durchdrang die Luft.
+Selbst meinen Schritt hörte ich nicht.
+
+</p><p>Ich trat in eine Torfahrt, die Fürstin zu suchen,
+da schien sie mich vertraut und freundlich aufzunehmen.
+Ich sah mich um. Da kam es mir, daß ich
+sie oft mit ihr durchschritten hatte, und Rührung
+durchlief mich tief. Durch einen schmalen Hof an
+Seitenflügeln hinunterschreitend, hörte ich Wasser,
+es war, als laufe ein Fluß hinter dem Gebäude. Ich
+trat ein. Sieben Kinder mit hellen Haaren umringten
+mich, aber sie kannten die Fürstin nicht, als ich danach
+fragte. Dennoch durchsuchte ich alle Zimmer,
+ich verschonte nichts, aber ich fand sie nicht und
+stand mit einemmal neu auf der Straße.
+
+</p><p>In der Schwüle war eine leichte Bewegung, ich
+begriff sie nicht und horchte erstaunt. Dann aber
+merkte ich, daß die großen Scheiben der Läden
+Falten hatten und sich im Kreise drehend in die
+Straße hineinschlugen und zurückebbten. Ich blieb
+stehen und besah die Häuser alle nachdenklich.
+
+</p><p>Dann nahm ich ein anderes Haus und trat hinein,
+und stieg ohne Pause auf einer immer gedrehten
+Treppe. Es liefen viele Gänge strahlenförmig davon
+aus. Aber ich ließ sie hochmütig und schlug eine
+kleine Seitenloge ein und wußte nun sofort an der
+Tönung der Wände, am Geruch der Geländer, ich
+wußte es wie im Irrsinn, hier sei die Fürstin, und
+Freude brach mir aus dem Gesicht.
+
+</p><p>Ich sah eine Tür und drückte die Klinke auf und
+trat ein. Das Zimmer stand voll mit Gerät. Doch
+ich lächelte. Ich hatte geirrt in der Handlung. Ich
+war zu sehr voll Sehnsucht. Meine Hände kannten
+eine bessere Tür.
+
+</p><p>Es war eine schwarze Eichentür im Seitenkorridor.
+Vor ihr blieb ich lange stehen, den Kopf in die Handmulden
+gesenkt. Dann trat ich ein. Ein gelblich
+brauner Vorhang schloß das Zimmer ab von der
+Welt. Die Luft war alt und bang, aber ich war nicht
+zu täuschen, ich roch einen Duft, der ihrem glich.
+Ihre kupfrige Tunika hing über einem Bügel. Ich
+näherte mein Gesicht, ich ließ es hineinfallen und
+wühlte die Hände hinein und schluchzte vor Sehnsucht.
+Ich roch sie wieder. Wie entflammte mein
+Herz daran!
+
+</p><p>Die Wände waren durchbrochen mit Kassetten
+aus hellem Stein. Darüber waren grelle fremde
+Seiden gespannt. Auf einem Sockel stand ein Faun
+in obszöner Haltung. Das einzige Fenster hing über
+meinem Kopf und siebte die Sonne. In meinem
+Rücken hingen alle ihre Bilder, die Vasen, die geliebten
+Wände, ich drehte mich nicht um, denn ich
+wußte nicht, ob mein Herz nicht brach.
+
+</p><p>Dann stand ich auf und ging hinaus. Ich sah mich
+nicht um: &bdquo;nicht den Faun, nicht die Wand, nicht
+die Tunika&ldquo; flüsterte mein Blut. &bdquo;Sie&ldquo; stammelte
+es. So kam ich auf die Straße. Der Himmel war
+schwerrot, glatt mit Email übergossen und schleuderte
+Abglanz in die Fenster, die Läden, die Gehsteige
+und die kleinen Pfützen, die wie Ballone
+funkelten. Nun ging ich in Haus um Haus.
+
+</p><p>Aber jedes glich dem andern, und bald war ich
+so verwirrt, daß ich mich selbst im Bilde sah, verrückt
+vor Suchen und geschlagen von der Sehnsucht.
+Da erscholl der Ton einer Laute.
+
+</p><p>Nun lächelte ich und trat in ein rötliches Haus
+ohne Zögerung. Voll Sicherheit stieg ich zum Giebel.
+Dann ging ich langsam wieder herunter und horchte
+angespannt. In der zweiten Etage streifte ich eine
+Tür, und als ich vorüber war, drehte ich um, und
+unnennbar voll Gewißheit ging ich auf ein Papier
+zu, das daran klebte. Meine Augen waren aufgesogen
+von dem Weiß, das ihren Namen tragen würde.
+Ich war so voll von Sicherheit, daß ich die Augen
+schloß im Übermut, und durch die Lider sah ich
+ihren Namen blau und schräg auf den Karton gemalt,
+ihren wilden berauschenden Namen, den ersten
+großen herrschenden Buchstaben und die steifen
+in Leidenschaft erstarrten der anderen .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. und
+vortretend, die Lider gesperrt, las ich einen fremden
+russischen Namen, gleichgültig wie Eis. Allein ich
+lächelte. Sicherheit verließ mich nicht.
+
+</p><p>Die Tür stand im Spalt, und ich sah hinein. In
+der Ecke hockte ein häßlicher brauner Kerl, ich
+kannte ihn nicht. Mitten aber, mitten stand die
+Fürstin und schlug die Balalaika. Das hatte ich
+immer schon gehört.
+
+</p><p>Aber als mein Blick sie begehrte, und mein Bein
+schon federte im Sprung, traf mich durch die Luft
+ein Schlag, ich stand gelähmt. Es kam von ihr, ich
+fühlte es, denn nur sie hatte diese fremde Macht
+über mein Hirn. Ich wandte mich um, und zu einem
+blauäugigen Kind, das hinter mir stand, gewendet,
+fragte ich: &bdquo;Man tritt nicht ein .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.&ldquo;. Aber das
+Kind schaute vor sich hin ohne Antwort.
+
+</p><p>Da ging ich grad und langsam bis ans Ende des
+Ganges. An einem Fenster mit grünen Glaskacheln
+sicherte ich den Revolver ruhig und besinnungslos
+und wartete, an die Wand gelehnt.
+
+</p><p>Bald brach die Musik ab. Die Fürstin trat aus
+dem Zimmer, bog und ging das entgegengesetzte
+Stück des Gangs. Ihre Röcke, aufgebauscht mit
+Lilien auf weißem Grund, wölbten sich über den
+Hüften schwach bewegt. Immer war ein Raum
+zwischen ihrem Leib und ihren Kleidern, durch jedes
+Gewand sah ich ihre eigentliche Form. Aber wie sie
+ging so, schoß ich nicht nach ihr, ich konnte nichts
+tun wie sie ansehen und vergehen vor Wünschen.
+Ist dies die Frau, gegen die ich schwach bin, fragte
+ich staunend verwirrt, doch schon verging meine
+Wut, denn ich sah glänzend im Schatten der Stiegen
+beim Wenden ihr Profil.
+
+</p><p>Hinter ihr ging der Braune und seine Gestalt,
+noch häßlich wie ein Affe aber stark wie ein Tier
+im Zimmer, zog gebeugt mit paralytischen Beinen
+hinter ihr her, und ein süßlicher Geruch wie von
+Leichen strömte langsam von ihm den Gang herauf.
+
+</p><p>Es schien dunkel im Gang, als ich mich umsah.
+Schmerz saß in allen Ecken. Das Kind hockte nun
+spielend auf dem schrägen Dach eines Nachbarhauses
+und warf glitzernde Kugeln in die Luft.
+
+</p><p>Langsam ging ich die Treppe hinunter, die Lippen
+redend: &bdquo;Es war nicht die Fürstin .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. Es war nicht
+die Fürstin .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.&ldquo; Aber es war doch die Fürstin, und
+ich belog mich nur.
+
+</p><p>Auf der Straße aber begann mein Herz zu tanzen
+vor Furcht, daß ich sie nicht fände und zwänge, ich
+sprang, die Fäuste in den Schläfen, in einen Laden,
+durcheilte ihn und erblickte eine Tür. Das Licht
+hing lang und glänzend in ihrem Spalt. Das Zimmer
+war halb weiß und wieder blau und von einem magischen
+Leuchten erfüllt. Drei Menschen bewegten
+sich darin gegeneinander mit weit über Sichtbares
+hinausgehender Bewegung.
+
+</p><p>Einer war der Russe Aphroditi, ihn erkannte ich
+sofort, der Tänzer mit der anarchischen Seele. Er
+trug ein blaues Kleid, ungegürtet, das bis zu den
+Knien reichte und den Hals frei ließ. Es war, als
+folge er einer grausamen unsichtbaren Musik. In
+den Händen schwang er weiße Callas immer nach
+demselben Satz. Die beiden anderen waren Frauen,
+eine kannte ich nicht.
+
+</p><p>Aber die andere war die Fürstin. Diesmal sah
+ich sie deutlich.
+
+</p><p>Ich sah den roten Stern unter ihrer linken Achsel.
+Sie hatte ein Pantherfell um die Taille geschlungen,
+sonst war sie nackt. Ihre Brüste hoben sich breit
+und rund und an den Spitzen ein wenig gereckt nach
+oben. Eine hohe Mütze aus weißem ungeborenen
+Lämmerfell krönte als Helm ihr Haar. Sie sprang
+tanzend vor und zurück, die Lippen berauscht geöffnet,
+wild und schäumend, die braunen Muskeln
+unter ihrem Knie ballten sich und entwirrten sich
+wieder, ihr Auge flammte, die goldenen Brauen
+glühten. Das war die Fürstin. Ich kannte jede Spur
+ihres Körpers.
+
+</p><p>Da sprang unter meiner Begierde die Lähmung,
+ich schrie. Aber Aphroditi, gegen die Wand gestellt,
+ließ die Callas fallen unter dem Schrei, und neigte
+seinen Kopf auf die seitliche Schulter. Dann legte
+er seine linke Hand mit dem Rücken wider die Wand
+und schlug einen Dolch hinein bis ans Heft. Aber
+es kam kein Blut.
+
+</p><p>Da riß ich die Tür auf, nun war sie mein, aber
+die Tür schien aus Erz. Die Luft dahinter im Zimmer
+wurde unerträglich blau. Da schlug ich dröhnend
+meine Hand durch die Planken. Ich schlug hindurch.
+Ich hatte sie zerhauen.
+
+</p><p>Aber wie ich auf der Schwelle stand, war alles
+umsonst. Das Gesicht der Fürstin verwandelte sich
+auf der Oberfläche, der tolle große Zug der Nase
+und des Mundes vertauschte sich. Ich sah mit meinen
+Augen wie ihr Kopf sich formte in ein unbekanntes
+freches Gesicht, und indem das Herz in Wut und
+Schmerz zersplitterte, wie die Fremde, kokottenhaft
+in Aphroditis Arm sich schaukelnd, im Pas de
+l&rsquo;ours die Hüften schwenkend, einen schlechten
+Schieber begann.
+
+</p><p>Ich hatte sie beinahe gehabt. Ich wollte sie ganz
+haben und ruhte nicht.
+
+</p><p>Zornig und verächtlich ging ich hinunter auf die
+Straße. &bdquo;Ich will sie haben, ich will sie haben,&ldquo; so
+trommelte mein Herz und alles war mir gleich, ich
+war im Fieber, ich nähme sie als Hure, ich will sie
+haben, nichts anderes wußte mein Herz. Das Rot
+über den Dächern war drückend und dunkel geworden.
+Es glühte zwischen den schwarzen langen
+Linien der Häuser heraus. Ich spürte keine Hitze,
+aber Druck. Plötzlich mußte ich wenden .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. da
+sah ich unten auf der Straße sehr fern, das Fell über
+die Achsel nachlässig gelegt, im Autodreß die Fürstin,
+über das Pflaster gehend, leicht ein wenig sich
+wiegend, königlich und süß in den Hüften.
+
+</p><p>Ich wollte rufen, ich hob die Arme. Aber sie waren
+Blei. Die Stickluft drang in die Kehle, dies ist der
+Tod, blitzte mein Hirn, der Himmel stand im
+Bersten .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. und in dem Augenblick, als die Fürstin,
+mit dem Fell spielend, leichthin auf den blauroten
+Horizont zugehend, fast den Rand des Gewölks
+erreichte und abbog, riß eine brüllende Explosion
+alles auseinander .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
+
+</p><p>Da erwachte ich. Entsetzt.
+
+</p><p>Die Augen aufgerissen spähte ich in Dunkelheit.
+Aber die Sommerlandschaft stand mit mildem Silber
+in dem Raum, und Duft von Flieder zog durch das
+Zimmer. Aber noch war ich irr. Ich riß sie herüber,
+und sie erwachte in meinen Arm hinein, &bdquo;du,&ldquo; rief
+ich stammelnd: &bdquo;ich habe dich .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. ich habe dich.&ldquo;
+Und noch halb im Schlaf erwachte ihr gelöster
+Mund in meinem, und mit der warmen Nähe ihres
+Leibes hielt ich wieder unendliches Dasein mit
+sanftem Herzschlag erdonnernd an meiner Brust.
+Ich wurde ruhig wie ein Tier, und, die Glieder an
+ihren gelöst, mit schwindendem Grauen darüber,
+daß feindlich irgendwo ein Schicksal Ungeheures
+außerhalb der Macht meiner Arme zu halten vermöchte,
+mit schon entfernt sich flüchtendem Gefühl
+des Traums, dem Augenblick unsterblich hingegeben,
+schlief ich hinein in ihren besitzenden Kuß.
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+</p><p class='center' style="font-size: small">
+<br/><br/><br/><br/><br/><br/>
+GEDRUCKT BEI POESCHEL &amp; TREPTE IN LEIPZIG
+
+
+</p>
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Die Fürstin, by Kasimir Edschmid
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE FÜRSTIN ***
+
+***** This file should be named 32385-h.htm or 32385-h.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
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+
+Produced by Jens Sadowski
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
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+
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+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
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+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
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+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
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+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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+this eBook outside of the United States should confirm copyright
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