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+Project Gutenberg's Geschichte der Ilchane, by Joseph von Hammer-Purgstall
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Geschichte der Ilchane
+ das ist der Mongolen in Persien
+
+Author: Joseph von Hammer-Purgstall
+
+Release Date: March 20, 2010 [EBook #31713]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DER ILCHANE ***
+
+
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+
+Produced by Wolfgang Menges, Karl Eichwalder, Carl Hudkins
+and the Online Distributed Proofreading Team at
+https://www.pgdp.net (This book was produced from scanned
+images of public domain material from the Google Print
+project.)
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+
+Anmerkungen zur Transkription:
+
+Kursiv gedruckte Passagen im Originaltext sind hier durch _Unterstriche_
+gekennzeichnet, fett gedruckte Stellen durch GROSSBUCHSTABEN. "RN" steht
+für "Randnote". Weitere Anmerkungen befinden sich am Ende des Textes.
+
+
+
+
+GESCHICHTE
+
+DER
+
+ILCHANE
+
+DAS IST
+
+DER MONGOLEN IN PERSIEN
+
+VON
+
+HAMMER-PURGSTALL.
+
+
+Mit
+
+neun Beilagen und neun Stammtafeln.
+
+
+Erster Band.
+
+Mit vier Beilagen.
+
+
+Darmstadt.
+
+DRUCK UND VERLAG VON CARL WILHELM LESKE.
+
+1842.
+
+
+
+
+An
+
+SEINE MAJESTÄT
+
+den
+
+KÖNIG VON BAYERN.
+
+
+ Allerdurchlauchtigster König,
+ Allergnädigster Herr!
+
+Von der deutschen Hauptstadt der Künste, von der Residenz EUERER MAJESTÄT,
+wo ich vor drei Tagen mit der Akademie der Wissenschaften das ALLERHÖCHSTE
+Geburts- und Namensfest gefeiert, bin ich nach Berchtesgaden geeilt, wo der
+erhabene Schutzgenius der schönen Künste im schönsten Tempel der Natur
+residirt, um demselben in ALLERHÖCHST IHRER Person die Verehrung und
+Bewunderung zu zollen, womit der Verein der Kunstwunder zu München jeden
+Besucher erfüllt.
+
+Da mir EUERE MAJESTÄT allergnädigst erlaubet haben, mit ALLERHÖCHST IHREM
+Namen das Giebelfeld eines meiner Werke zu schmücken, so erscheint die
+Geschichte der Mongolen Persiens, wenigstens durch die Namen ihrer grossen
+Fürsten, Bauherren, Gönner der Künste und Beschützer der Wissenschaften,
+solcher Ehre nicht unwürdig.
+
+Wenn die Bauten Ghasan's und Chodabende's zu Tebris und Sultania nach einem
+halben Jahrtausend die Namen ihrer Erbauer nur in Ruinen verherrlichen, so
+liegt die Schuld davon nicht sowohl in Elementarereignissen und in
+feindlicher Verheerung, als in dem Mangel an erhaltender Fürsorge, welche
+Werken der Kunst wie den Staaten Dauer versichert.
+
+Geruhen EUERE MAJESTÄT, als Schöpfer eines Pantheon der Künste, als
+Erhalter der ältesten Denkmale derselben und eines blühenden Reiches, die
+Huldigung meiner tiefsten Ehrfurcht allergnädigst zu genehmigen.
+
+ _Berchtesgaden_,
+ an Göthe's Geburtstag HAMMER-PURGSTALL.
+ _1841_.
+
+
+
+
+Vorrede.
+
+
+Diese Geschichte der Mongolen in Persien ist das Seitenstück zu der im
+vorigen Jahre erschienenen des mongolischen Reiches in Kiptschak; jene ist
+durch die Preisfrage der Petersburger Akademie veranlasst worden, die
+Schreibung dieser ist aus eigenem Antriebe hervorgegangen. Bei der zum
+Behufe der ersten nöthig gewordenen Sichtung der aufgeschichteten Massen
+historischen Materials, ward es klar, dass zur zweiten, in den
+orientalischen selbst durch Herrn von d'Ohssons sehr schätzbare Geschichte
+nicht erschöpften Quellen, weit mehr dankbarer historischer Stoff
+vorhanden.
+
+Die Geschichte der Mongolen in Kiptschak liegt dem Europäer zwar näher
+wegen der verheerenden Raubzüge durch Polen und Ungarn bis ins Herz von
+Deutschland, und wegen der tatarischen Herrschaft in Russland; aber die
+Geschichte der Mongolen in Iran hat das grössere Interesse wichtigerer
+asiatischer Weltereignisse, wie der Ruin der Assassinen und des Chalifates,
+der Sturz alter Dynastien und die Gründung neuer, bisher selbst den
+Orientalisten kaum dem Namen nach bekannter, die Feldzüge wider Aegypten
+und das dschagatai'sche Reich, die diplomatischen Verhältnisse zwischen den
+Kreuzfahrern und dem Papste. Der Ulus Dschudschi's beherrschte mit dem
+europäischen das asiatische Russland, welches damals noch, wie von allem
+Anfang der Geschichte her, in Asien das Land der Finsterniss und der
+Barbarei, während Persien von der ältesten Zeit an das Land geregelter
+Herrschaft und Religion, der Sitz von Wissenschaft und Künsten, der
+Schauplatz grosser Bauten und Gelehrten, und der Mittelpunkt
+mittelasiatischer Cultur.
+
+Zudem beut diese Geschichte keine Lücken, wie jene von Kiptschak, und
+selbst über das zerrissene Ende derselben, wo die Thronanmasser über
+einander stürzen, schwebt kein solches Dunkel, wie über die letzten
+Herrscher des Uluses Dschudschi. Der Strom geschichtlicher Erzählung
+fliesst also in geregeltem Flussbette reich und ruhig. Der in der
+Geschichte von Kiptschak zur Rechtfertigung vor überstrengen akademischen
+Richtern nothwendig gewordene Reichthum erläuternder Noten enthebt hier von
+der Anhäufung derselben zur Beglaubigung vor sachkundigen Gelehrten und
+billigen Lesern. Die Sparsamkeit an Citaten wird also hier nicht bedauert
+werden, und noch weniger der Mangel an aller Polemik, welche in der
+Geschichte von Kiptschak Nothwehr zur literarischen Ehrenrettung. Dafür ist
+in dem Texte keine Nachricht von Dynastien oder Oertern übergangen worden,
+wodurch das Gebiet der Geschichte und Erdbeschreibung erweitert, keine
+Kunde von Sitten und Literatur, wodurch der Charakter der Völker und ihrer
+geistigen Kultur beleuchtet wird.
+
+ SCHLOSS HAINFELD,
+ den 24. October 1841.
+
+
+
+
+Erstes Buch.
+
+ Uebersicht der mongolischen Stämme, der Familie und Geschichte
+ Tschengischans; sein Gesetzbuch und sein Testament; Charakter
+ und Sitte, Aberglauben und Gebräuche der Mongolen. Die Regierung
+ Ogotai's, Gujuk's, Mengku's; die der gleichzeitigen Dynastien in
+ Asien und Aegypten.
+
+
+[Randnote: Mongolische Geschichte.]
+
+Tschengischans und seiner Nachkommen Thaten, die von ihnen zerstörten und
+gegründeten Reiche, ihre Raubzüge und Gesetzgebung, der Namen der
+_Tartaren_ oder _Tocharen_, d. i. _Tataren_, und der der _Moalen_ oder
+_Mogholen_, d. i. _Mongholen_, haben Europa durch zwei Jahrhunderte mit
+Erstaunen und Schrecken gefüllt, von der chinesischen Mauer bis an die von
+Wienerischneustadt und Olmütz, und fürchterlich hallte der Donner ihrer
+Heere von den Ufern des gelben Flusses bis an die des rothen Meeres, vom
+Altai bis an den Libanon zurück. Naturrevolutionen, mit denen _Gibbon_ das
+Erscheinen der Mongolen so treffend verglichen hat, lassen nicht tiefere
+Spuren ihrer verheerenden Kräfte auf der Oberfläche der Erde zurück, als
+die verheerenden Hufen mongolischer Heere, unter denen Reiche und Cultur
+zertreten wurden; sie fuhren daher wie die entfesselten Elemente, wie
+Orkane und grosse Fluthen und das Erdbeben und der Wetterstrahl; sie
+durchackerten die Erde mit dem Schwerte und düngten sie mit Blut. Das
+Jahrhundert ihrer so fürchterlichen und verderblichen Grösse und Macht
+fällt zusammen mit dem zweiten der Kreuzzüge, das ist mit dem dreizehnten
+Jahrhundert unserer Zeitrechnung, dem durch grosse Begebenheiten vor
+anderen historisch wichtigen, durch die Umgestaltung so vieler asiatischen
+Reiche und durch den regsten Verkehr des Abendlandes mit dem Morgenlande.
+Einen so namhaften Platz die Kreuzzüge auch in der europäischen Geschichte
+einnehmen, so erscheinen sie in der asiatischen doch bei weitem nicht so
+bedeutend, indem dieselben nur den Westrand von Asien bestreifen. Die Ringe
+dieses Steinwurfs der Eroberung der Levante verebben schon an den Ufern des
+Nils und des Tigris, während die hochaufschäumende Woge mongolischer
+Eroberungsfluth über ganz Asien bis nach Europa, vom Baikalsee bis an den
+Platensee, und vom Kokonor bis an den Ladoga sich verheerend fortwälzt. Die
+Wichtigkeit der Geschichte der Mongolen und die Grösse des Stoffes springt
+also von selbst in die Augen. Sie zerfällt in viererlei Geschichten, deren
+jede, bei dem Reichthume der Quellen, Stoff für mehrere Bände. _Erstens_
+die Geschichte _Tschengischans_; _zweitens_ die der vier _Uluse_, d. i. der
+durch die Nachkommen seiner vier Söhne beherrschten Reiche; dann nach der
+Theilung der Herrschaft des vierten Uluses in das östliche chinesische und
+in das westliche persische Reich, _drittens_ in die Geschichte der _Juan_
+oder der chinesischen Kaiser aus den Nachkommen _Kubilai's_; und _viertens_
+in die der _Ilchane_ oder persischen Herrscher, Nachkommen _Hulagu's_, des
+Bruders Kubilai's. Eine vollständige Geschichte dieser Reiche könnte sich
+keine engeren Gränzen des Umfangs stecken, als die des osmanischen; die
+vorliegende beschränkt sich nur auf den vierten und letzten Zeitraum, als
+ein Seitenstück zu der Geschichte der goldenen Horde in Kipdschak, aber von
+weit grösserem Interesse, als jene, in Bezug auf Asien.
+
+[Randnote: Die der persischen Ilchane.]
+
+Die Geschichte des von Hulagu gegründeten Reichs der persischen _Ilchane_,
+d. i. _Landes_- und _Volksfürsten_ [denn _Il_ heisst sowohl das eine als
+das andere[1]], füllt nur Ein Jahrhundert, von der Hälfte des dreizehnten
+bis in die Hälfte des vierzehnten unserer Zeitrechnung[2], während welchem
+siebzehn Ilchane gezählet werden, von denen aber nur die neun ersten
+achtzig Jahre den Thron als Alleinherrscher füllten, die acht anderen sich
+um denselben mit ihren Mitbewerbern stritten, bis dass das mit so grosser
+Machtäusserung gegründete, mit so grossem Glanze unter neun Herrschern
+aufrecht gehaltene Reich der Ilchane, nach dem Tode _Ebu Said's_, durch die
+inneren Kriege der Thronanmasser zerfiel und sein Andenken nur in drei, aus
+den Ruinen derselben emporgeschossenen Pilzlingen mongolischer Dynastien,
+in denen der _Indschu_, _Tschoban_ und _Ilkaan_, noch kurze Zeit
+hinterliess, wie das untergegangene Reich der goldenen Horde in Kipdschak
+in den aus seinen Trümmern entstandenen Dynastien der Chane von _Kasan_,
+_Astrachan_ und der _Krim_ noch längere Zeit fortgelebt. Jene persischen
+und diese kipdschakischen Dynastien gehören aber nicht mehr eigentlich der
+Geschichte der Mongolen an, deren Herrschaft nur von Tschengischan's
+Auftritt als Eroberer bis zum Untergange der goldenen Horde in Russland und
+zur Erscheinung Timurs, nur zweihundert Jahre gedauert. Die Hälfte dieser
+Zeit nimmt die Geschichte der persischen Ilchane als die glänzendste der
+vier Uluse in Anspruch, die glänzendste durch die Eroberungen des Gründers
+_Hulagu_ und seines Nachfolgers _Abaka_, durch die gesetzgebende Weisheit
+_Ghasan's_ des siebenten und seines Nachfolgers _Oldschaitu_ nicht
+unrühmliche Regierung, endlich durch den Flor der persischen Literatur
+während dieses Jahrhunderts. Die grössten Geschichtschreiber der Perser,
+_Dschuweini_, der Wesir Hulagu's, und _Reschideddin_, der Wesir Ghasan
+Chan's, haben die Geschichte Tschengischan's und der Ilchane Persiens aus
+den Quellen des goldenen Archiv's, d. i. des mongolischen Staatsarchivs,
+und der Begebenheiten ihrer eigenen Zeit als Augenzeugen und mithandelnde
+Werkzeuge beschrieben. Als Augenzeugen und Zeitgenossen schrieben auch
+_Hamdallah Mestufi_, der Verfasser der bessten persischen Geographie und
+Universalgeschichte, _Binaketi_, der Epitomator des grossen Werkes
+Reschideddin's, und _Wassaful-hasret_, d. i. der Lobredner der Majestät,
+unter _Oldschaitu_ und _Ebu Said_, dessen in allen Künsten der Rhetorik
+üppig wuchernder Styl wohl das Lesen seines Werkes erschwert, aber der
+historischen Wahrheit so wenig Eintrag thut, dass derselbe die einzige
+verlässliche Quelle, aus welcher die späteren, mit Recht geschätzten
+persischen Schreiber der Universalgeschichte: _Mirchuand_, _Chuandemir_,
+_Hafis Ebru_ und _Ghaffari_ geschöpfet. Schon Wassaf, wiewohl er erst unter
+dem achten und neunten Herrscher der Ilchane seine Geschichte schrieb, die
+mit Hulagu, dem Gründer der Dynastie, beginnt, fühlte zu Ende seines Werkes
+die Nothwendigkeit, demselben aus Dschuweini auch einen kurzen Ueberblick
+der Geschichte Tschengischan's und seiner vier ersten Nachfolger
+anzuhängen, welche besser dieselbe eingeleitet hätte, wie _Scherefeddin von
+Jesd_ die Geschichte Timur's mit einem kurzen Ueberblicke der Geschichte
+Tschengischan's und der vier Uluse aus den obigen Quellen eingeleitet hat.
+Die Nothwendigkeit solcher Einleitung dringt sich auch hier um so
+unabweislicher auf, als Tschengischan nur acht und zwanzig Jahre vor der
+Gründung des persischen Reichs durch Hulagu verstorben, als die
+mongolischen Stämme und die der Gründung des Reichs Hulagu's gleichzeitigen
+asiatischen Herrscher den Lesern unbekannt. Dieses Buch leitet daher
+dieselben durch die möglichst kurze Kunde über dieses Volk des Morgenlandes
+und seine Stämme, über Tschengischan und seine vier ersten Nachfolger, und
+über die dem Auftritte Hulagu's gleichzeitigen Herrscher Asiens in die
+Geschichte der persischen Ilchane ein.
+
+[Randnote: Türken, Tataren und Mongolen.]
+
+Das älteste der Völker, welche die Geschichte in Hochasien als Herrscher
+kennt, sind unstreitig die Türken, deren (der chinesischen Quellen zu
+geschweigen) die byzantinischen schon in der Hälfte des sechsten
+Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung erwähnen, wo die griechischen
+Kaiser mit dem Chane der Türken am _Altai_, d. i. dem Goldberge, durch
+Gesandtschaften verkehrten, d. i. schon sechs Jahrhunderte früher, als in
+der Hälfte des zwölften die Tataren und Mongolen durch Tschengischan in
+Europa geschichtlichen Namen erhielten. Die Geschlechtsregister der letzten
+sind augenscheinlich türkischen eingepfropft, um dunkeln Ursprung der Väter
+durch berühmte Altvordern zu adeln und ihr Geschlecht hinaufzuführen bis
+Türk, den Sohn Japhet's, den gemeinsamen Ahnherrn von Tatarchan und
+Mogolchan, die angeblichen Stammväter der Tataren und Mongolen. Der Namen
+der letzten taucht erst unter Tschengischan mit Gewissheit auf, da es nicht
+ausgemacht, ob die ältern _Moho_ der Chinesen eben so gewiss Mongolen, als
+ihre _Tata_ Tataren; wie aber Türken und Tataren ganz verschiedenen
+Stammes, indem jenen der Namen von diesen nur durch Missbrauch beigelegt
+worden, und noch beigelegt wird, so sind Tataren und Mongolen ursprünglich
+ein und dasselbe Volk, jenes der ältere unterjochte, dieses der jüngere
+unterjochende Zweig. Die Türken sind vom östlichen _Altai_, die Tataren vom
+_Baikalsee_ ausgezogen, die Mongolen am westlichen _Kentei_, von den
+Quellen des _Onon_ und _Kerulon_, wo im bewaldeten Gebirge _Burhan Kaldun_
+die Geburts- und Grabstätte Tschengischan's. Nachdem Tschengischan die ihm
+feindlichen Stämme der Tataren und ihre Verbündeten vernichtet oder
+unterjocht, nachdem seine Herrschaft durch Sieg und Eroberung von den Ufern
+des vaterländischen Sees _Dalai Nor_ bis an die des persischen Sees von
+_Meragha_ über siebzig Längengrade ausgedehnt war, buhlten die unterjochten
+Völker um die Ehre, dem siegenden und erobernden, dem gesetzgebenden und
+herrschenden anzugehören; Türken und Tataren zählten sich nun den Mongolen
+bei, wie diese in ihren Stammregistern sich früher den Türken
+angeschlossen, wiewohl beide durch die nicht zu überspringende Kluft von
+verschiedener Sprache und Gesichtsbildung von einander scharf getrennt.
+Tataren wollten Mongolen, Türken Tataren heissen; hingegen protestirten die
+Mongolen wider den Namen von Tataren, wie noch heute die Osmanen wider den
+von Türken. Die Eitelkeit, altem Geschlechte anzugehören, und Adelstolz
+(derselbe bei Völkern, wie bei Individuen), bringt durch Ahnen- und
+Namen-Vermengung in die Stammtafeln von beiden nur Irrthum und
+Verwirrung[3]. Eben so richtig als lichtvoll ordnet der grosse
+Geschichtschreiber der Mongolen, Reschideddin, Anfangs seines Werkes eine
+Centurie von Stämmen, welche zu seiner Zeit alle auf den Ehrennamen von
+Mongolen Anspruch machten, ausser den Türken (denen er die Uighuren der
+Sprache nach beigezählt) in drei Klassen, nämlich in Tataren (desselben
+Stammes und derselben Sprache, wie die Mongolen), welche ursprünglich den
+Namen von Mongolen nicht führten[4]; zweitens in Völker verschiedenen
+Ursprungs, welche, weder Tataren noch Mongolen, den Namen der letzten der
+Aehnlichkeit wegen annahmen, wie die _Turkmanen_ den der Türken, und die
+daher am bessten _Mogolmanen_ genannt würden, weil sie an die Mongolen
+_mahnen_[5], wie jene an die Türken; drittens in die eigentlichen Mongolen,
+welche wieder in zwei Abtheilungen zerfallen, nämlich in die Mongolen
+_Durlegin_, der neun Geschlechter vor _Alankowa_, der neunten Ahnfrau
+Tschengischan's, und die Mongolen _Nirun_, deren Stammväter alle aber
+Nachkommen _Alankowa's_. Es ist nöthig, den Leser wenigstens mit einem
+Viertel der Centurie von Stämmen, die zur Zeit Reschideddin's, d. i.
+Anfangs des vierzehnten Jahrhunderts, bestanden, bekannt zu machen, mit
+denen nämlich, welche ihre Berühmtheit vor anderen entweder ihren Helden
+und Frauen, ihrer Freundschaft für oder ihrer Feindschaft gegen
+Tschengischan, ihrer Opposition oder Verschwägerung mit dessen Hause
+danken.
+
+[Randnote: Die Stämme Tatar und Merkit.]
+
+Von den ursprünglichen tatarischen Stämmen nennen wir zuerst den
+sechsgetheilten Stamm der Tataren selbst, von denen einer _Tschaghlan
+Tatar_, d. i. die weissen Tataren[6], hiess, im Gegensatze der übrigen,
+welche die schwarzen genennet werden; in der Folge wurde der Namen der
+weissen Tataren auch den Uiguren, welche Türken, und anderen türkischen
+Stämmen beigelegt, sowie den _Mandschu's_ der Namen der _Sui Tatar_, d. i.
+der Wasser- oder schlechten Tataren; die mächtigsten und gefährlichsten der
+Feinde des Hauses Tschengischan's, welcher bei seiner Geburt den Namen
+_Temudschin_ erhielt, weil am selben Tage sein Vater _Jesukai Behadir_
+einen tatarischen Fürsten, _Temudschin_, geschlagen und gefangen gemacht.
+Der Namen, den er trug, von dem am Tage seiner Geburt besiegten
+Tatarfürsten hergenommen, und die in seiner Jugend von den Erbfeinden
+seines Stammes erlittenen Unbilden spornten den Sohn Jesukai's zur Rache
+und zum Vertilgungskriege wider diese unversöhnlichen Feinde seines Hauses
+an; sie wurden vernichtet, und nur ihre Weiber gingen als Trophäen in das
+Frauengemach Tschengischan's und seiner Söhne über. Zwei der fünf
+Gemahlinnen Tschengischan's, _Jisulun_ und _Jisulut_, und eine seiner
+Beischläferinnen, Mutter seines als Kind verstorbenen Sohnes _Uradschagan_,
+waren Tatarinnen, so auch eine Frau seines Bruders _Dschudschi Kasar_,
+seines Sohnes _Batu_ und _Tudai Mengku's_, des Herrschers von Kipdschak.
+Die beiden Gemahlinnen Tschengischan's erflehten von ihm das Leben zweier
+Kinder ihres Stammgenossen _Kuli_ und seines Bruders _Karamengku_, welche
+beide gross gewachsen, den Dienst von _Bawerdschi_, d. i. Tafeldecker,
+bekleideten. _Kuli_ genoss des grössten Ansehens und schloss sich nach
+Tschengischan's Tod an die grosse Frau _Sijurkukteni_, die Gemahlin
+_Tuli's_, welche ihn zum grossen Emir des Lagers und Obersthofmeister
+_Sijuktu's_[7], des Sohnes _Tuli's_, ernannte. _Sali_, der Sohn
+Karamengku's, erscheint unter der Regierung _Mengkukaan's_, gleich beim
+ersten Feldzuge Hulagu's, als Sicherer des Rückens des Heers an der
+indischen Gränze; bei Tschengischan selbst aber galt mehr, als die beiden
+von seinen beiden Gemahlinnen zum Leben erbetenen obgenannten Kinder, und
+mehr als die beiden Frauen _Akutuku's_, der Tatare _Kutku Nujan_; von
+_Tschengischan_ als Findelkind angenommen und seiner ersten Gemahlin, noch
+ehe sie ihm einen Sohn geboren, zur Pflege empfohlen, hatte sich _Kutku_
+schon als zwölfjähriger Knabe Tschengischan's besondere Zuneigung durch
+seine Tapferkeit erworben, indem er taidschutischen Dieben ihre Beute
+abjagte, und als fünfzehnjähriger Jüngling mitten im tiefen Schnee allein
+dreissig Hirsche erlegt hatte. Er durfte den Tschengischan _Itsche_, d. i.
+Vater, und dessen Gemahlin _Ike_, d. i. Mutter, nennen. _Ogotai_, der Sohn
+und Nachfolger Tschengischan's, gab ihm den Ehrentitel eines Prinzen,
+_Aka_, mit dem Vorsitze vor seinen eigenen Söhnen, und noch achtzigjährig
+versah er das Amt des Oberrichters nach seinem Wahlspruche: _Fürchte Nichts
+und sprich recht_.[8] Die Tataren sassen an der Gränze China's, dessen
+Kaisern sie meistens steuerpflichtig waren.[9] 2. Der zweite feindliche
+Stamm, welchen Tschengischan wie die Tataren als unversöhnliche Feinde mit
+Vernichtungskrieg zu Boden trat, war der in vier Zweige getheilte der
+_Merkit_ oder _Mekrit_, auch _Udujut_ genannt, denen die _Solongos_
+beigezählt wurden. Ihr Fürst _Tuktaibeg_ fiel mit sechs seiner Söhne als
+Opfer der unversöhnlichen Feindschaft. Selbst der jüngste, welchem als
+einem trefflichen Bogenschützen _Dschudschi_, der älteste Sohn
+Tschengischan's, das Leben retten wollte, musste hingerichtet werden auf
+ausdrücklichen Befehl des Vaters, welcher dem Sohne diese Milde nie vergab.
+_Tairosim_, einer der Ersten des Stammes, gab dem Tschengischan die Tochter
+_Kulan_ zur Frau, welche ihm den Sohn _Kulkan_ gebar. Vom Schwiegervater
+bekriegt, verlor Tairosim die Schlacht, und seine Frau _Turakina_, welche
+dem Sohne Tschengischan's beigelegt wurde, eine der grössten mongolischen
+Frauen, verschaffte als Regentin nach Ogotai's Tode ihrem Sohne _Gujuk_
+(dessen Gemahlin ebenfalls eine Merkitin) die Herrschaft. Die Sitze der
+Merkit waren im Osten des mongolischen Stammgebietes am linken Ufer der
+_Selinga_.
+
+[Randnote: Die Stämme Dschelair, Sunit, Torghod, Uirat.]
+
+Der zehngetheilte mächtigste Stamm der _Dschelairen_, welche in dem
+Stammgebiete des Hauses Tschengischan's am Onon, in siebzig Ringen, wie die
+_Avaren_, jeder Ring tausend Familien stark, sassen, ist einer von der
+ältesten bis in die neueste Zeit durch historische Namen und Begebenheiten
+merkwürdigsten. Die Nachkommen des Brüderpaars _Dschudschi Tumle_ und
+_Dschudschi Dschawerkai_, welche der Anlass des Kriegs Tschengischan's mit
+den Taidschuten, haben unter den persischen Ilchanen zahlreiche und
+wichtige Aemter des Staats und Hofs bekleidet; _Kadan_, der Dschelaire vom
+Gefolge Tschengischan's, hatte zwei Söhne, _Iluk_ und _Ildschikitai_, wovon
+jener Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des Sohnes und zweiten Nachfolgers
+Tschengischan's, Ogotai's; dieser schätzte ihn sehr hoch, erlaubte ihm aber
+nicht, den Bruder Ildschikitai zu tödten, der sich vor ihm ebenfalls zu
+Ogotai geflüchtet. Auf dem Landtage der Wahl Mengkukaan's spielte
+Ildschikitai eine höchst wichtige Rolle, indem er die Rechte des Uluses
+Ogotai's auf den Thron wider die Ansprüche des Uluses Kubilai's
+vertheidigte; im Gegentheile leistete der Dschelaire _Mingkasar Nujan_, aus
+dem Zweige der Dschat, Grossfürst und Oberrichter _Miafarakain's_, dem
+_Kubilai_ bei dem nach dessen Thronbesteigung über Majestätsverbrechen
+gehaltenen Gerichte die grössten Dienste, indem er über die
+widerspenstigen Prinzen der Uluse, Dschaghatai und Ogotai, das Todesurtheil
+aussprach. Der Dschelaire _Dauldu_ war Vogt der vier grossen Lager
+Tschengischan's und befehligte eine _Ssade_, d. i. Centurie, in jedem
+_Hesare_, d. i. Regiment von tausend Mann; endlich das Brüderpaar _Olai
+Kalschu_ und _Karadschai_, die Schafhirten Jisukai's, des Vaters
+Tschengischan's, denen er sich immer sehr dankbar bewies, weil sie seine in
+die Gefangenschaft der Merkit gerathene Gemahlin sicher zu Owangchan, dem
+Fürsten der Kerait, geleiteten; auf dem Rückzuge genas sie vom Erstgebornen
+Tschengischan's, welchen dieser, weil die (von Verläumdern sogar als zu
+spät verdächtigte) Geburt des Sohnes unerwartet kam, _Dschudschi_, d. i.
+den unverhofften Gast, nannte. Tschengischan wollte in der Folge das
+Brüderpaar mit Aemtern belohnen; sie zogen aber vor, in ihrem Stande zu
+bleiben und als Hirten seines Vertrauens zu geniessen; aus ihren Nachkommen
+ist _Sertak_, der Fürst des Lagers zur Zeit Arghunchan's, des fünften der
+persischen Ilchane, und von _Katschar_, dem Sohne _Sertak's_, leiten die
+heutigen Schache Persiens ihre Dynastie als eine zweite des Stammes der
+Dschelaire ab; denn eine frühere hatte nach Zertrümmerung des persischen
+Reichs der Ilchane der Dschelaire Hasan (beigenannt der _Grosse_, zum
+Unterschiede von _Hasan Dschoban_, aus dem Stamme _Suldu's_, welcher
+Stifter der Dynastie _Dschoban_ der _Kleine_ beigenannt ward) in Persien
+gestiftet, welche von der geschwächten Macht der _Ilchane_ Nichts als den
+verstärkten Titel als _Ilkaane_ führten. Aus dem Stamme der _Sunit_,
+welcher noch heute unter diesem Namen an der chinesischen Gränze
+sitzt,[10] war _Dschurmaghun_, welchen Ogotai, nachdem _Dschebe_ und
+_Subetai_ von ihrem persischen Feldzuge über Russland nach Hause gekehrt
+waren, als Befehlshaber Statthalter nach Persien gesandt. Nicht minder
+mächtig, als der Stamm der Dschelairen, war der der _Uirat_, deren Sitz
+zwischen den acht Flüssen, die sich in die untere _Ankara_ ergiessen[11],
+wo noch heute ihre Nachkommen unter dem verwandten Namen der _Buirat_, von
+allen Stämmen der mit dem Hause Tschengischan's am meisten verschwägerte,
+indem acht Uiratinnen in das Haus Tschengischan's verheirathet, und sieben
+Prinzen desselben an Uiratinnen vermählet waren. Die Grossmutter
+Tschengischan's, die Frau _Sunigil Futschin_, war aus dem Stamme der
+_Torghut_ oder _Torghod_, welcher noch heute ein Zweig der Kalmuken oder
+Oeluet (das nur die chinesische Aussprache für _Uirat_) und deren Andenken
+in Kleinasien (wohin sie mit Timur's Heere kamen) im Namen des Sandschaks
+_Torghud Ili_ fortlebt.
+
+[Randnote: Der Stamm der Kerait, Bekrin, Naiman, Tonghut und Uighur.]
+
+Drittens die Stämme der _Mogholmanen_, d. i. der Völker, welche weder
+Tataren noch Mongolen, mit den letzten verbunden, auf den Namen derselben
+Anspruch machten. Die mächtigste dieser Völkerschaften, die von
+nestorianischen Priestern zum Christenthum bekehrte[12] der _Kerait_; ihres
+Fürsten chinesischer Ehrentitel _Owang Chan_ erhielt durch die Missionarien
+des Mittelalters als Priester _Joannes_ keine mindere Berühmtheit, als in
+früherer mythologischer Zeit der Fisch _Oannes_ als Gesetzgeber an der
+Küste des rothen Meeres; die Hauptstadt derselben war die Stadt _Thianto_
+am Flusse _Hoangho_, d. i. am gelben Flusse, das Land Tendum[13] _Marco
+Polo's_; die Geschichte Owang Chan's und seines Bruders _Hakembo_[14] ist
+auf das engste mit der Geschichte Tschengischan's verbunden, welcher erst
+der Verbündete Owang Chan's, in der Folge denselben, weil er den Feinden
+Tschengischan's Gehör gegeben, bekriegte und vom Throne stürzte. Vergebens
+hatte Tschengischan früher die beiden Nichten[15] Owang Chan's für sich und
+seinen ältesten Sohn Dschudschi als Gemahlinnen begehrt; sie waren ihm
+verweigert worden, sowie die Hand der Enkelin Owang Chan's aus dem Sohne
+_Sinkun_; aber die beiden Töchter _Ettiku's_, des Bruders _Sinkun's_, die
+Frauen _Tokus_ und _Tukini_, wurden beide die Gemahlinnen _Hulagu's_, und
+die dritte Nichte Owang Chan's, die Schwester der dem Tschengischan und
+seinem ältesten Sohne verweigerten beiden Prinzessinnen, war die berühmte
+_Sijurkukteni_[16], unstreitig die grösste aller mongolischen Frauen,
+welche durch ihre Staatsklugheit dem Uluse Kubilai's den Thron verschaffte;
+Mutter vier der grössten Fürsten der mongolischen Geschichte, nämlich der
+Kaane _Mengku_ und _Kubilai_, des Ilchan's _Hulagu_, Gründers der
+mongolischen Dynastie in Persien, und _Arikbuka's_, der als Nebenbuhler den
+Brüdern den Thron streitig machte. Auch _But Tengri_, der Stiefvater
+Tschengischan's, welcher um die Hand der Keraitin _Kadan_ geworben, erhielt
+einen Korb, wie Tschengischan und Dschudchi, von der Nichte Owang Chan's.
+Die nächsten südlichen Nachbarn der _Kerait_ waren die _Unkut_, d. i. die
+Wächter der grossen chinesischen Mauer; ihr Fürst _Alakusch_, Verräther an
+seinem Herrn, dem chinesischen Kaiser _Altun Chan_, öffnete dem Heere
+Tschengischan's den Durchgang, und erhielt dafür die Hand _Olakai Begi's_,
+der Tochter Tschengischan's, deren Sohn später mit der Tochter Tuli's
+vermählet ward; die Unkut waren mit dem Hause Tschengischan's, wie die
+Stämme der _Uirat_ und _Kerait_, durch Verschwägerung eng verbunden. Wie
+die Unkut in der Nähe der Kerait längs der chinesischen Mauer, so sassen
+diesen westlich die _Naiman_, deren berühmter Fürst _Kuschluk Chan_ einer
+der erbittertsten und mächtigsten Feinde Tschengischan's sich wider
+denselben, mit den Fürsten von acht anderen Stämmen er der neunte,
+verbündete.[17] _Kuschluk's_ Tochter _Linkum_ ward die Gemahlin Tuli's,
+Mutter seines dritten Sohnes _Kutumku_; auch Tuli's Beischläferin[18], die
+Mutter seines achten Sohnes _Muke_, welche aber an desselben Statt den
+vierten Sohn Kubilai säugte, war eine Naimanin. Die _Bekrin_ oder _Mekrin_,
+welche weder Mongolen noch Uighuren, sassen im Lande der letzten (in der
+kleinen Bucharei). Tschengischan nahm _Murkai_, die Tochter ihres Fürsten,
+zur Frau, welche nach Tschengischan's Tode, von seinem Sohne und Nachfolger
+_Ogotai_ vor seinen anderen Gemahlinnen geliebt, dem Bruder Dschagatai,
+welcher sie von ihm begehrt hatte, verweigert ward; auch die Gemahlin
+_Kaschin's_, des fünften Sohnes Ogotai's, die Mutter Kaidu's, des Vaters
+von vierzig Söhnen, welcher in der Geschichte des Uluses Dschagatai als
+Herrscher auftrat, war aus dem Stamme _Mekrin_. Zu den Mogholmanen zählt
+Reschideddin auch die _Kirgisen_ und _Kemdschiut_, welche, Türken[19] wie
+die _Ungut_, in Sibirien und an dem _Kem_ oder Jenisei sassen, von welchen
+sie ihren Namen haben. Die _Tanghut_ im Gebirgslande an der sinesischen
+Gränze, deren Hauptstadt _Ninghia_ am Ufer des gelben Flusses.
+Tschengischan, welcher in vier Feldzügen dieselben nicht zu unterjochen im
+Stande gewesen, starb auf dem letzten; und endlich in der kleinen Bucharei
+die _Uighuren_, deren Sprache türkisch, deren Religionslehre aber auf
+tübetanische hinweist, ein schriftgelehrtes Volk, von welchem die Mongolen
+Schrift und Belehrung annahmen.
+
+[Randnote: Die Dürlegin, deren Ausbruch aus Ergenekun.]
+
+Alle wirklichen Mongolen behaupteten, unmittelbar von _Tegus_ und _Kijan_
+abzustammen, welche einige Jahrhunderte vor Tschengischan sich mittels
+eines Durchbruchs aus dem Erzgebirge von Ergenekun, aus der Bothmässigkeit
+ihrer Sieger und Zwingherrn befreit hatten. Ein Paar tausend Jahre vor
+Tschengischan, so erzählt die Volkssage, waren die Mongolen von ihren
+Feinden, den Tataren, bis auf zwei Männer ausgerottet worden, deren einer
+_Tegus_, der andere _Kijan_, d. i. Strom, hiess; sie flüchteten in ein
+rundum von steilen Felsen umschlossenes Thal, wo sie im Verlaufe von
+Jahrhunderten sich vermehrend, ihres Bergkerkers und Bergbaues endlich
+müde, den Ausgang aus demselben sich nur dadurch bahnten, dass sie mit
+siebzig Blasbälgen die Flamme aufgeschichteter Holzstösse gegen die Erzwand
+trieben, bis dieselbe schmolz und ihnen freien Ausweg aus dem Gebirge
+gewährte, dessen Namen _Ergenekun_ als _festes Gewölbe_ oder auch als
+Gewölbe der _Kunen_ übersetzt werden kann; in der mongolischen Volkssage
+und in ihrem auf die Türken gepfropften Stammbaum scheint die
+geschichtliche Wahrheit der Unterjochung und Vertreibung der _Hiongnu_,
+d. i. Kunen, aus ihrem Reiche am Inschan gegen Norden am Altai, wo sie
+lange Zeit in dunkler Knechtschaft für ihre Sieger Bergbau trieben,
+verlarvt zu seyn. Das Erzgebirge _Ergenekun_ ist von europäischen Forschern
+mongolischer Geschichten theils am Kokonor[20], d. i. am blauen See, in
+Tangut im Süden der grossen Sandwüste _Schamo_ oder _Kobi_, theils im
+Nordosten derselben am See _Dalai_[21], d. i. am heiligen See, in welchen
+sich der Kerulon ergiesst, gesucht worden; dort, weil noch heute die
+steilen Ufer des Sees von den Mongolen _Gunergi_[20] genannt werden, hier,
+weil der in den See mündende Kerulon aus demselben unter dem Namen _Ergun_
+ausfliesst[21], und weil die Berge am mittleren Unun metallreich, wie der
+Inschan, an welchem die Herrscher der Hiongnu oder Kunen ihre
+Waffenarbeiter unterhielten[22]; aber wahrscheinlicher ist dieses
+Erzgebirge weder hier noch dort, sondern am Altai zu suchen, aus dessen an
+Gold wie an Eisen so reichhaltigen Felsenthälern die Türken im sechsten
+Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung in der byzantinischen Geschichte
+auftauchen; dorten ist der Felsendamm von Gog und Magog, welchen die alte
+mongolische Geographie und Geschichte bis an die kaukasischen Pforten
+zieht, und hinter welchen persische Geschichtschreiber und Dichter den
+Bergkerker der Mongolen verlegen[23]; doch gleichviel, seyen die Mongolen
+ursprünglich vom Inschan oder Kinschan (so nennen die Chinesen den Altai)
+ausgebrochen, seyen sie von den Ufern des _blauen_ oder heiligen Sees
+ausgegangen, das Andenken an diesen Auszug der Väter aus der Bergsclaverei
+lebte von Geschlecht zu Geschlecht fort (bis auf den heutigen Tag); das
+Fest des Auszugs ward alljährlich in der Nacht vor dem neuen Jahrestage als
+ein Fest der Bergleute und Schmiede gefeiert. Glühendes Eisen wurde in
+Gegenwart des Herrschers gehämmert und Gott für den Auszug aus dem
+Erzgebirge gedankt; später machte die Volkssage den Tschengischan, den
+Gründer der Grösse seines Volkes, selbst zum Schmiede[24], und am Berge
+_Tarchan_, d. i. der _Schmied_, welcher auf sieben deutsche Meilen
+sichtbar, aus rothem Granite als Riese den Eingang der grossen Sandwüste
+bewacht, wird noch der Ambos bewahrt, auf welchem Tschengischan der Erste
+das Eisen gehämmert; nicht ferne vom Berge _Tono_, d. i. der Rauchfang,
+wird noch an den Ufern des Kerulon der Rauchfang der Jurte gezeigt, in
+welcher er geschmiedet[25] haben soll. Auch in der altpersischen Geschichte
+war der Befreier des Volkes von der Tyrannei Sohaks der Schmied _Gjawe_,
+dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann das Reichspanier, und im
+Mongolischen ist _Tarchan_, d. i. der _Schmied_, gleichbedeutend mit
+Freiherr.
+
+[Randnote: Die Stämme der Uirangkut und Konghirat.]
+
+Die Mongolen, welche von den Altvordern stammen, die aus dem Erzgebirge
+Ergenekun zogen, heissen _Dürlegin_, bis auf _Alankowa_, die neunte Ahnfrau
+Tschengischan's, deren Nachkommen aus ihren drei Söhnen, die sie vom
+himmlischen Lichte empfangen, die _Nirunen_, d. i. die Reinen, heissen; von
+allen mongolischen Stämmen für den Mythologen und den Geschichtschreiber
+des Aberglaubens der Völker merkwürdigster Stamm ist der der _Uirangkut_,
+die einzigen Mongolen, welche nicht vor dem Donner zitterten, sondern den
+Blitz mit Fluchen beschworen; alle anderen fürchteten den Wetterstrahl als
+einen feurigen Drachen, der, aus dem Meere steigend, die Luft durchzieht
+und die Erde mit feurigem Schweife schlägt[26]; sie glaubten, dass
+ausgegossener Wein, süsse und sauere Milch und Trocknung von Schuhen den
+Blitz herbeiziehe, wesshalb dieselben in freier Luft zu trocknen verboten
+war; diese Meinung und dieses Verbot zeugt für die Fürchterlichkeit der
+Ungewitter in jenen Gebirgen und Seen, und für die frühe Erfahrung, dass
+Feuchtigkeit der besste elektrische Leiter; aus diesem Stamme waren die
+meisten _Kamen_, d. i. Schamanen, Beschwörer von Ungewittern und Geistern;
+aus demselben waren _Jisun Taischi_ und _Jisun Köke_, Befehlshaber des
+linken und rechten Flügels im Heere Tschengischan's, _Subutai Behadir_, der
+berühmte Feldherr, welcher mit _Dschebe Nujan_ die siegreichen Waffen der
+Mongolen durch Persien nach Kipdschak trug, endlich _Udadschi_, der
+Zeitgenosse Tschengischan's, dessen Nachkommen im Gebirge _Burhan Kaldun_
+die Grabwächter des tschengisischen Familienbegräbnisses, die Wächter der
+acht weissen Häuser (Ordu), welche dort in der Gegend _Jeke Utek_,
+zwischen der Schattenseite des westlichen Altai und der Sonnenseite des
+östlichen Kentei, aufgerichtet worden[27], nach aller Wahrscheinlichkeit
+die Ahnen des in der späteren mongolischen Geschichte erscheinenden und
+noch heute an der chinesischen Gränze sitzenden mächtigen Stammes der
+_Ordu's_[28]. Wenn der Stamm der _Urianghut_ so merkwürdig für den
+Mythologen und Ethnographen, so ist der siebenzweigige[29] der _Konghirat_
+noch weit bedeutender in der Geschichte Tschengischan's und seiner
+Nachfolger durch die vielfältige Verschwägerung desselben mit dem
+Herrscherhause, indem ein Dutzend der Frauen des tschengischanischen Hauses
+aus diesem Stamme in alle vier Uluse vermählt waren. Die Mutter
+Tschengischan's war aus einem der Zweige dieses Stammes, eine Olkonutin,
+und Tschengischan vermählte seine Töchter an Konghiraten; so gab er dem
+_Schingku Gurgan_ seine Tochter Tumalin mit dem Befehle über viertausend
+Konghiraten, eine andere wollte er dem Konghiraten _Tuli Amul_ zur Frau
+geben, liess ihn aber hinrichten, da dieser den Antrag mit dem kühnen Worte
+erwiederte: Wie soll ich deine Tochter nehmen, die Frosch und Schildkröte
+(quackend und duckmäuserisch sicher). Von _Bestui_, dem Stammvater der
+Konghirat und der sechs mit demselben verwandten Stämme, schreibt sich
+Alles, was in der mongolischen Hofsprache _golden_ heisst, her, wesshalb er
+auch _Bestui serin_, d. i. der goldene, beigenannt wird; daher das goldene
+Lager, das goldene Archiv, das goldene Gesicht und das goldene Zimmer des
+Herrschers. Aus den _Kinkliut_, einem Zweige der Konghirat, war _Miser
+Uluk_, von dessen Stärke und Gefühllosigkeit Reschideddin seltsame
+Anecdoten erzählt; drei Tage und Nächte schlief er statt der Decke mit
+Muscheln zugedeckt, so dass Vögel auf seinen Rücken nisteten und Eier
+legten; sein Sohn war der Stammvater der _Kurulas_, aus welchen _Merchitai_
+dem Tschengischan den wesentlichen Dienst leistete, ihm von der
+Verschwörung der feindlichen Stämme, welche den erbitterten Feind
+_Dschamuka_ zum Gurchan, d. i. zum grossen Herrscher ausgerufen hatten,
+die früheste Kunde zu geben. Die Gemahlin _Miser Uluk's_ war eine Chinesin,
+deren Namen[30] die auf dem Esel reitende Rose bedeutete, wesshalb der Sohn
+_Ildschigin_, d. i. Langohr, genannt ward, der Stammvater des siebenten
+Zweiges der Konghirat; sie hatten ihre Sitze an der chinesischen Gränze an
+den finsteren Wäldern des Gebirges _Hingan_[31], woher die unter dem Namen
+der _Karawinas_ berühmten Naphtafeuerwerker.
+
+[Randnote: Die Stämme Kungtan, Erlat, Huschin, Kelkenut, Bajaut, Suldus.]
+
+Der Namen des Stammes _Kungtan_ heisst die Grossnasichten, was sowohl
+physisch als moralisch für stolz und anmassend verstanden werden kann.[32]
+Aus diesen und den folgenden Stämmen der _Erlat_, _Huschin_ und _Suldus_
+waren die bessten persönlichen Freunde Tschengischan's, die werkthätigsten
+Helfer seiner Jugend und seines männlichen Alters. _Menglik Itschke_, der
+Kungtane, hatte nach Jisukai's Tode den dreizehnjährigen _Temudschin_
+gepflegt, sein Sohn aus einer früheren Ehe, _But tanri_, d. i. Gottes
+Ebenbild, trat als begeisterter Schamane auf und verwandelte im Namen des
+Himmels den Namen Temudschin's bei dessen Thronbesteigung in _Tschengis_,
+als gleichbedeutend mit Gewaltiger, grosser Chan; der diesem gewogenste
+Stamm waren die _Erlat_ oder _Arulad_, d. i. die Guten, als deren Chakan
+Tschengischan den Thron bestieg[33]; aus diesem Stamme war _Bughurdschin
+Nujan_, welcher mit _Burghul Nujan_, aus dem Stamme der _Huschin_, der
+Lebensretter Temudschin's, als er blutspeiend mitten im Schnee zu sterben
+Gefahr lief, wofür beide im höchsten Ansehen stehend in der Folge als die
+Waffengenossen, die ihm am Quell _Baldschuna_ treu geblieben waren, zu
+_Tarchanen_, d. i. Freiherren, geadelt, dieselbe Würde ohne Diplom
+erhielten und über Diplome erhaben erklärt wurden; auch den ganzen
+freundlichen Stamm der _Kelkenut_ adelte Tschengis als Freiherren, wie
+Kaiser Friedrich I. alle Einwohner einer italienischen Stadt zu Conti
+erhob; aus dem nicht minder freundlich gesinnten Stamme der Bajaut, welcher
+in zwei Abtheilungen an der Selinga sass, war _Böke Gurgan_, einer der
+Eidame Tschengischan's, dann _Ongkus Keisat_, d. i. der Truchsess[34], ob
+der Plünderung der Schätze des chinesischen Kaisers Altan Chan in der Folge
+verungnadet, und _Surkan_, der betraute Rath Tschengischan's, der, als die
+Fürsten der Tataren und _Dschadscherat_ um die oberste Herrschaft der
+Mongolen stritten, dasselbe dem Temudschin vorausgesagt. Endlich der Stamm
+_Suldus_, verherrlicht durch die Familie _Surghan Schire's_, des Retters
+Temudschin's, als dieser von seinen Feinden, den Taidschuten, gefangen, mit
+dem Blocke am Halse sich in einen Teich versteckte, so dass nur die Nase
+über dem Wasser sichtbar. Die alte Frau _Baidschu Ikadschi_ hatte sich
+seiner in dieser Sklaverei erbarmt; aber wichtiger war der Dienst, den ihm
+_Surghan Schire_ erwies, indem er, des Verborgenen gewahr, die ihn
+aufsuchenden Taidschuten vom Teiche ableitete, Abends denselben hervorzog
+und in seinem Hause in einem Sacke von Wolle verbarg; die Verfolger
+durchsuchten das Haus und stiessen mit Spiessen in den Wollsack; als sie
+ferne, gab ihm Surghan Schire Kleider, Waffen, Mundvorrath und eine weisse
+Stute, auf welcher er seiner Familie zueilte, die längst alle Hoffnung, ihn
+wieder zu sehen, aufgegeben; sein vierter Sohn, Tuli, sagte schon mehrere
+Tage hindurch: Mutter! der Vater kommt auf weisser Stute; und desselben
+Ankunft bestätigte des Knaben zweites Gesicht[35]. Viele der Nachkommen
+Surghan Schire's kamen mit Hulagu nach Persien, und von denselben stammt
+der berühmte Emir Tschoban, der Feldherr unter Ghasan, Oldschaitu und Ebu
+Said, der in des letzten Regierung so wichtige Rolle spielt, und dessen
+Sohn Hasan der Gründer der Dynastie _Tschoban_, welche, wie die der
+Ilkaane, sich aus den Trümmern des ilchanischen Reichs in Iran erhob.
+Tschengischan zählte unter den Stämmen der Durlegin mehrere Freunde als
+unter den achtzehn der ihm nächstverwandten, von den lichtempfangenen
+Söhnen von der neunten Ahnfrau abstammenden _Nirunen_, d. i. die Reinen.
+Sein eigenes Haus hiess erst von seinem Ahnherrn _Kabulchan_ nur das der
+_Kutat_ oder _Kitad_ und von seinem Vater _Jisukai_ das der _Kutat
+Burdschugin_, d. i. die rothbräunlichten Augen. Von diesen achtzehn Stämmen
+der _Nirunen_ wollen wir hier nur die vier mächtigsten, zwei freundliche,
+die _Taidschut_ und _Dschadscherat_, und zwei feindliche, die _Barin_ und
+_Jisut_, zur näheren Kenntniss einführen.
+
+[Randnote: Die Stämme der Taidschut, Dschadscherat, Barin und Jisut.]
+
+Die _Taidschut_, deren Namen an die Deutschen erinnert, wie der der
+_Dschete_ an die Geten, und der der _Dschurmanen_ an die Germanen, stammten
+mit den ihnen nächstverwandten drei Stämmen, der _Erikian_, _Sidschiut_ und
+_Dschinis_, von Baiduchan, dem sechsten Ahnherrn Temudschin's, dessen
+Urenkel Ainbaghi von den Tataren gefangen, dem chinesischen Kaiser
+ausgeliefert, auf einem Esel paradirt und dann geschunden worden; gleiches
+Schicksal hatte ein anderer Urenkel desselben, _Ökin Berkan_, und die
+Blutrache dieser beiden Urgrossoheime Temudschin's diente in der Folge, den
+wider die Dynastie der _Kin_ unternommenen Krieg zu rechtfertigen; aber
+früher hatte Temudschin eigene Unbild an diesem seinem Hause so nahe
+verwandten, aber feindlichen Stamme zu rächen; nach der Niederlage
+derselben zu _Baldschusch_ wurden die Gefangenen in siebzig Kesseln
+gesotten, welche in der mongolischen Geschichte eben so berühmt, als die
+siebzig Blasbälge, welche die Felsenwand von Ergenekun sprengten, als die
+siebzig Ringe[36] der Dschelairen, deren jeder aus tausend Familien
+bestand. An der Spitze des zweiten feindlichen Stammes der _Dschadscherat_
+oder _Dschuirat_, deren Stammvater Odurbejan, der Bruder Kabulchan's, des
+Urgrossvaters Temudschin's, stand Dschamuka, beigenannt _Satschan_, d. i.
+der Listige, der gefährlichste und unversöhnlichste aller Feinde
+Tschengischan's, dessen Ränke ihn mit Owangchan, dem Herrn der Kerait,
+entzweiten und der von Tschengischan endlich besiegt, dem Neffen Iltschidai
+zur Hinrichtung übergeben ward; doch theilten nicht alle Dschadscherat den
+unversöhnlichen Hass ihres Fürsten, indem Tschengischan Mehreren derselben
+wesentliche Dienste dankte, so den Brüdern _Kuschaul_ und _Dschusuk_,
+welche während Tschengischan's chinesischen Feldzugs seinen Jurt hüteten;
+und _Kalender_, welchen Tschengis in der Begleitung eines Uriangkuten mit
+erdichteter Botschaft im Namen seines Bruders _Dschudschi Kasar_ an
+Owangchan sandte, um diesen in die Falle zu locken. Aus dem Stamme der
+_Barin_, dem nächsten Verwandten der _Durban_, d. i. das Meer, die in den
+heutigen _Törbed_ fortleben, war _Sutukusu_ nach dem berühmten Feldherrn
+_Mokli Kajanik_ der zweite im Befehle, der noch als hundertjähriger Greis
+zur Zeit Ogotai's lebte und sich rühmte, den ersten Hochzeitsschmaus mit
+Tschengischan gefeiert zu haben; dann _Bigi_, der Barine, welchen Tschengis
+als _Ungkun_, d. i. freien Mann, erklärte, der bei ihm im höchsten Ansehen
+wie die Prinzen vom Geblüte zu seiner Rechten sass, und dessen Pferde in
+einer Hürde mit denen Tschengischan's; da er sehr alt, befahl
+Tschengischan, dass ihm der Rücken eines _Sukanut_ beim Aufstehen zum
+Schemel diene, woher diesem Stamme der Name _Aktadschi Bigi_, d. i. die
+Stallmeister _Bigi's_, blieb, wider welchen sie protestirten. Die _Jisut_
+endlich leiten ihren Ursprung von _Tschintai Utdschigin_, dem jüngsten
+Sohne Kabulchans, des Urgrossvaters Temudschin's, ab. _Utdschigin_, d. i.
+der Feuerhüter, hiess bei den Mongolen der jüngste Sohn, welcher während
+der Abwesenheit des Vaters und der Brüder im Felde das Haus als Ofensitzer
+hüten musste, und welcher nach des Vaters Tode dasselbe erbte, weil er
+besser als die Brüder im Felde sich mit der Wirthschaft bekannt zu machen
+Gelegenheit gehabt. Diesen Beinamen führen also mehrere in der mongolischen
+Geschichte berühmte jüngste Söhne als Ofensitzer-Haushüter, nebst
+_Tschintai_ noch _Budan Utdschigin_, der jüngste Sohn _Burtan Behadir's_,
+des Grossvaters Tschengischan's; _Taratai Utdschigin_, der jüngste Sohn
+_Jisukai's_, des Vaters Tschengischan's, und endlich _Tuli_, des letzten
+jüngster obengenannter Sohn. Diesen Stamm der Jisut verherrlicht die grosse
+zahlreiche Familie _Dschebe Nujan's_, des Waffengefährten _Subatai
+Behadir's_, welcher mit demselben den dreijährigen Feldzug wider Persien
+und Russland vollbracht.
+
+Erst nach dieser vorläufigen Kenntniss der berühmtesten Stämme des
+mongolischen Reichs ist es gerathen, die Geschichte seines Gründers kurz zu
+überblicken.
+
+[Randnote: Perioden der Geschichte Tschengischan's.]
+
+Temudschin ward am 20. Silkide des fünfhundert neun und vierzigsten Jahrs
+der Hidschret, d. i. am 26. Jänner d. J. tausend hundert fünf und fünfzig
+der christlichen Zeitrechnung, im letzten Jahre des alttürkischen
+Thiercyclus, nämlich im Jahre des Schweines, geboren, und starb, zwei und
+siebzig Jahre alt, am vierten Ramasan d. J. d. H. 624, d. i. am 18. August
+1227, nach dem sechsmal durchlaufenen zwölfjährigen Thiercyclus, abermal im
+Jahre des Schweines, ein ominoses Geburtsjahr für den Herrscher der
+mongolischen schweinischen Menge; nicht minder ominos, als dass Temudschin
+ein Stück geronnenes Blut fest in der Hand verschliessend zur Welt kam, die
+er mit Blut überschwemmen sollte. Von den ersten zwölf Jahren seines
+Lebens, in dessen dreizehntem er den Vater Jisukai verlor, weiss die
+Geschichte Nichts, als dass dieser ihm den Namen Temudschin von dem am Tage
+seiner Geburt besiegten und gefangen eingebrachten Fürsten gab; die übrigen
+sechzig Jahre seines Lebens zerfallen in die frühere kleinere Hälfte,
+welche sieben und zwanzig Jahre umfassend, von seinem dreizehnten bis an
+sein vierzigstes, und in die zweite grössere, welche von seinem vierzigsten
+bis zu seinem Tode zwei und dreissig Jahre füllt; von der ersten Hälfte, in
+welcher er den wiederholten Unbilden seiner Feinde ausgesetzt sich nur
+mühsam die Freiheit und Unabhängigkeit erkämpfte, kennt die Geschichte
+verhältnissmässig für die Zahl der Jahre nur wenige Begebenheiten, aber
+desto gellender und ohrenzerreissender durchschmettert sein Namen in den
+folgenden zwei und dreissig Jahren die Welt. Der grosse Geschichtschreiber
+Reschideddin hat die Geschichte des Lebens und der Herrschaft
+Tschengischan's von seinem dreizehnten Jahre bis in dessen drei und
+siebzigstes eben so pragmatisch als lichtvoll in fünf Perioden, die erste
+von dreimal neun, die zweite von neun, die dritte und vierte von sieben,
+die fünfte abermal von neun Jahren eingetheilt.[37] In der ersten Periode
+tritt er als Sieger der Taidschut, deren Gefangene in siebzig Kesseln
+gesotten worden, auf; schon wider seinen persönlichen Feind, _Dschamuka_,
+den Fürsten der _Dschadscherat_, kämpfend, von denen sich jedoch ein Theil
+ihm unterwirft, sowie die Stämme _Suldus_, _Jisut_ und _Barin_, deren Emire
+sich seinem Dienste anreihen. Die Gelegenheit eines Festes führt einen
+Streit mit dem Vetter _Sedschebegi_, dem Fürsten des nahverwandten Stammes
+der _Kijat Burkin_, herbei, der nun Temudschin gegenüber als Bewerber um
+die oberste Herrschaft auftritt; aber diesen Abfall vergütet der Sieg über
+die _Tungkait_, einen Zweig eines wider seinen Fürsten Owangchan, welchem
+Temudschin Hilfe leistet, empörten keraitischen Stammes. In der zweiten
+Periode erscheint Temudschin als Verbündeter Owangchan's, des Fürsten der
+Kerait, wider die ihnen beiden feindlichen Stämme der _Naiman Merkit_ und
+_Tataren_; nach Besiegung derselben unterwirft sich der mächtige Stamm der
+_Konghurat_ der Herrschaft Temudschin's, und er besteigt den Thron als Herr
+der Mongolen in seinem siebenmal siebenten Jahre. Verschmähte Brautwerbung
+und Dschamuka's Ränke führen den Krieg mit Owangchan herbei, von welchem
+Temudschin zwar am Quell Baldschuna geschlagen, in der Folge denselben,
+sowie die Naiman und Merkit oder Tangut, besiegt, worauf ihm die Uighuren,
+Kirgisen, huldigen, und er als Herrscher aller Mongolen die neungipflige
+Fahne mit neun weissen Rossschweifen aufgepflanzt, und den Namen Temudschin
+in _Tchengis_, d. i. starker, grosser, gewaltiger Herrscher, verwandelt.
+Die folgende Periode füllt der siebenjährige chinesische Krieg und die
+letzten neun Jahre seines Lebens die Feldzüge wider Chuaresmschah's über
+ganz Vorderasien verbreitete Macht in Transoxana, Chuaresm, Chorasan, Iran
+und Kipdschak, theils in eigner Person, theils durch seine Söhne und
+Feldherren, zuletzt die vierte wider Tangkut, wo er seinen Lauf als
+Eroberer beschliesst. Gibbon hat diese Eroberungen nach den vier
+Weltgegenden, im Norden, Süden, Osten und Westen, überblickt. Da die
+Geschichte Tschengischan's zu schreiben und blos die Eroberungen
+aufzuzählen, hier nicht unser Zweck, so beleuchten wir die grosse
+historische Figur Tschengischan's von vier Seiten, zuerst in seiner Familie
+als Menschen, dann gegenüber seinen Feinden als Sieger und Eroberer,
+hierauf als Staatsmann und Gesetzgeber, und endlich in dem Ueberblicke
+seiner Heeresmacht und letzten Anordnungen als den _Gewaltigen_ im
+eigentlichsten Sinne des Worts.
+
+[Randnote: Die Familie Tschengischan's.]
+
+Man kennt insgemein nur die vier Söhne Tschengischan's: _Dschudschi_,
+_Dschaghatai_, _Ogotai_ und _Tuli_, die Stammväter der vier nach ihnen
+genannten Uluse aus der Konghuratin _Burte Fudschin_; aber Tschengis hatte
+noch vier andere Söhne: _Kulkan_ oder Gulgan[38] aus Kulan Chatun, der
+Tochter Tairosun's, des Fürsten der Merkit, und drei, die als Kinder
+gestorben[39]; seine sechs Töchter[40], von denen er vier an die Prinzen
+feindlicher Stämme vermählte, um die alte Feindschaft zu sühnen, und nur
+zwei an befreundete Fürsten, nämlich: _Alakabegi_ an den Fürsten der
+Ungkut, welcher ihm den Durchgang der grossen Mauer geöffnet, und Kalbi an
+Idikut, den Fürsten der Uighuren, der ihm gehuldigt, so dass er ihn nicht
+anders als seinen fünften Sohn nannte. Das Frauengemach Tschengischan's war
+mit einem halben Tausend von Weibern und Mädchen bevölkert, aber von diesen
+fünfhundert hatten nur fünf den Titel von grossen Frauen, als die fünf
+Centurionen dieser fünf Weibercenturien, nämlich: 1. _Burte Fudschin_, die
+Tochter des Stammhauptes der Konghurat, Mutter der vier Söhne, Gründer der
+vier Uluse; 2. _Kulan Chatun_, die Tochter Tairosun's, des Fürsten des
+feindlichen Stammes der Merkit, Mutter des Sohnes Gulgan; 3. die beiden
+Tatarinnen, Schwestern, _Jesulat_ und 4. _Jesulun_; 5. _Kundschu_, die
+Tochter des chinesischen Kaisers, welche keine Kinder hatte und in deren
+Lager sich die durch ihre Schönheit berühmte _Hogutai_ befand; als die
+nächsten an diesen fünf grossen Frauen sind fünf andere von der Geschichte
+bezeichnet, nämlich die Tochter des viermal mit Krieg überzogenen Fürsten
+von Tanghut, die Tochter _Tajangchan's_, des siebenmal besiegten Fürsten
+der Naiman, die Naimanin, Mutter des Sohnes _Dschurdschetai_, die Tatarin,
+Mutter des Sohnes _Urdschahan_, und endlich _Abika_, die Tochter Hakembu's,
+des Fürsten der Kerait, welche Tschengischan durch ein Traumbild
+erschreckt, dem Vertrauten Kehti Nujan, der in dieser Nacht die Nachtwache
+hielt, mit allen ihren Schätzen und Pagen schenkte, und als Andenken von
+ihr nur den Becher, worin sie mit ihm _Kumis_, d. i. Stutenmilch,
+getrunken, und von ihrem Gefolge einen Tafeldecker zurückbehielt. Sollte
+den Barbaren vielleicht die Ahnung einer Neigung zwischen der Prinzessin
+und dem Leibwächter zum grossmüthigen Opfer dieser Abtretung bewogen haben?
+oder hat ihm dieselbe wirklich ein Traum abgeschreckt? selbst in diesem
+Falle ist das zurückbehaltene Andenken eine ganz unerwartete Spur
+menschlichen Gefühls in der Brust eines Wütherichs, wie Tschengis, der
+schon als Knabe, ehe er noch dreizehn Jahre alt, in Gemeinschaft mit dem
+Bruder Belgutai den Bruder Belter erschlug; die überlebenden vier Brüder
+Temudschin's sind _Belgutai_, sein Theilnehmer am Brudermord, _Kodschuiu_,
+dessen Sohn _Iltschidai_ einer der treuesten und eifrigsten Diener des
+Oheims, auf dessen Wink er den gefangenen Todfeind Dschamuka zerhieb; der
+jüngste, _Temengu Uldschigin_, d. i. der Feuer- oder Herdhüter (seine
+Mutter war die Olkunutin _Usedenu_, Verwandte der Mutter Tschengischan's),
+ein grosser Bauliebhaber, der überall, wo er hinkam, baute, und so viel es
+in seinen Kräften stand, -- wenigstens dem Willen nach gutmachte, was der
+Zerstörungstrieb des Bruders Eroberers verheerte; endlich _Dschudschi
+Keser_, wegen seines athletischen Körperbaues und seiner Stärke der Löwe
+beigenannt; seine Brust war so hoch gewölbt, sein Bauch so zurückgezogen,
+dass, wenn er worunter lag, ein Hund unter dem Bauche durchlaufen konnte,
+seine Stärke so gross, dass er gefangene Feinde wie Pfeile in die Hand
+nahm, indem er ihnen den Rückenwirbel wie Pfeile zerbrach.[41] Er war der
+starke Helfer Tschengischan's, der ihn auszeichnete, aber auch ein Paarmal
+mit ihm unzufrieden, die Beweise seiner Zufriedenheit und Unzufriedenheit,
+die erste ehrenvoll und die zweite nachtheilig, auf die Nachkommen
+desselben vererbte. Als Merkmal der Zufriedenheit seiner in dem Kriege
+wider die Naiman bewiesenen Tapferkeit räumte Tschengis allen Nachkommen
+des Oheims das Recht ein, wie die Prinzen Söhne auf der rechten Seite des
+Thrones zu sitzen, während alle andere Verwandte des Hauses auf der linken
+Seite mit den Emiren[42]; aber als in dem Kriege wider die Kerait
+Dschudschi Keser zu spät kam und zur Zeit des Mahles auf sich warten liess,
+sagte Tschengischan: »So erscheinen Mücken, nur wenn sie die Sonne
+bescheint, und verschwinden, sobald sie sich versteckt; der Thautropfen
+will, so klein er ist, mittels der Leiter der Sonnenstrahlen zum Himmel
+steigen.« In seinem Unwillen gab er die unverbrüchliche Satzung, dass kein
+Glied der Familie Dschudschi Keser's je der Chanschaft würdig geachtet
+werde, und erniedrigte also alle Nachkommen desselben für alle künftige
+Zeiten zu blossen Emiren _Karadschu_, d. i. unterthänigen Fürsten.[43]
+
+[Randnote: Die Feinde Temudschin's bis zu seiner ersten Thronbesteigung.]
+
+Der Jugendfreunde Temudschin's ist schon oben bei den Stämmen Erwähnung
+geschehen; seine Feinde können in vier Klassen getheilt werden, erstens die
+persönlichen unversöhnlichen; zweitens die besiegten und zum Theile,
+wenigstens dem Scheine nach, versöhnten Stämme; drittens die sich
+Herrschaft anmassenden Nebenbuhler um den Thron, und viertens, nachdem
+Tschengischan denselben bestiegen, die reichsgefährlichen feindlichen
+Mächte. Der erbittertste seiner persönlichen Feinde ist _Dschamuka Sasan_,
+d. i. der Listige, der Fürst der Dschadscherat, dessen List ihn mit
+Owangchan entzweite und die Anregung der Verschwägerung herbeiführte,
+welche dann der nächste Anlass des Krieges zwischen Owangchan und
+Tschengischan. Er machte gemeinsame Sache mit Taidschuten, welchen alsbald
+nach dem Tode Jisukai's der Stamm der Konghuraten und der mit ihm
+verwandten zugefallen waren. Von den Taidschuten hatte Tschengischan die
+grössten Unbilden seiner Jugend zu erleiden, die Sklaverei, aus der ihn
+_Schurkan[44] Schire_, der Sulduse, gerettet, und der Blutsturz, die Folge
+von zwölf ihm an den Hals geschossenen Pfeilen, dessen Todesgefahr die
+Freunde _Burghudschi_ und _Burghul_ abgewendet; solche Unbill und Schmach
+büssten sie in den siebzig Kesseln gesotten. Nach den Taidschuten waren die
+unerbittlichsten der Feinde die _Tataren_ und _Merkiten_, wider welche
+Tschengis, sowie wider die Taidschuten, den Krieg bis zur Vertilgung
+führte, die höchsten der Frauen schonend, die er als Frauen und
+Beischläferinnen in sein eigenes Frauengemach nahm oder den Söhnen
+überliess. Dem ältesten Sohne Dschudschi zürnte er unversöhnlich, weil
+dieser dem jüngsten Sohne _Tuktabeg_ des Fürsten der Merkit als einem
+trefflichen Pfeilschützen das Leben retten wollte. Von dem sechsgetheilten
+Stamme der Tataren waren zuletzt auf Fürbitte der beiden Schwestern
+Tatarinnen, Gemahlinnen Tschengischan's, nur dreissig Familien das Leben
+gerettet, und vom Tataren Kuli, welchem eben diese beiden Frauen als Kind
+das Leben erbeten hatten, in ein Regiment organisirt worden.[45] Die
+Taidschuten waren das erstemal zu _Baldschusch_ in der Niederlage der
+siebzig Kessel, [RN: I. J. 1198.] zum zweitenmale von Temudschin und
+Owangchan zu _Kisiltasch_, d. i. am rothen Steine, geschlagen worden; mit
+ihnen verbündeten sich aus den Naimanen, den nächsten Stammverwandten
+Temudschin's, die Stämme _Katagin_, _Saldschiut_, _Durbin_ und _Konghurat_,
+ihr Bündniss durch das fünffache Opfer eines Pferdes, Stiers, Widders,
+Hundes und Bockes beschwörend; die Fürsten, welche mit Tschengischan um die
+Oberherrschaft der Mongolen buhlten, waren _Dschamuka_, der Fürst der
+Dschadscherat, _Olak Odur_, der Fürst der Merkiten, _Sidschebeg_, der Fürst
+der Kijat, _Burkin_, der nächste Verwandte Temudschin's, und _Dschudschi
+Kasar_, der Oheim desselben. In diese Epoche fällt die Unzufriedenheit
+Temudschin's mit dem Oheim, der Anlass aber des Abfalls des Vetters
+Sidschebeg war der folgende. Bald nach dem ersten Siege über die
+Taidschuten gab Temudschin seiner Mutter _Ulun Ike_, seinen Brüdern
+Dschudschi, Bilkuti und Utdschigin ein Fest, bei welchem sich auch
+Sidschebeg, das Haupt des Stammes der Kijat Burkin, mit seiner grossen und
+kleinen Mutter, d. i. mit seiner wahren und Stiefmutter, einfand; die
+Mutter fand sich beleidigt, weil _Sijudscher_, der erste Tafeldecker
+Temudschin's, die Stutenmilch ihr nicht der ersten vorgesetzt; sie schlug
+ihn desshalb, und als auch bald hierauf Bilgutei beleidigt worden, kam es
+zwischen den Knechten Temudschin's und Sidschebeg's zum Handgemenge, die
+beiden Frauen wurden gefangen, hernach wieder freigegeben, aber Sidschebeg
+trennte sich mit seinem ganzen Stamme vom Hause Temudschin's und trat wider
+ihn mit gewaffneter Hand als Anmasser der Oberherrschaft auf. [RN: I. J.
+1201.] Die obgenannten verbündeten Stämme riefen den Dschamuka zum
+Oberherrn mit dem Titel _Gurchan_, d. i. des grossen Herrschers, aus. Sie
+verschworen sich abermal am Ufer der Tula, indem sie mit ihren Füssen die
+Erde des Ufers in den Fluss stampften und mit ihren Säbeln das Gesträuch
+abhieben: »dass der Verräther wie diese Erde zerstampft, wie dieses
+Gesträuch niedergehauen sei!« Temudschin schlug die sieben Stämme zu _Jedi
+Gurgan_, d. i. bei den _sieben Grabmalen_, was ein als ihre Grabstätte,
+Unglück vorbedeutender Namen; als er hierauf auch die Tataren und Naimanen
+geschlagen, [RN: I. J. 1201.] unterwarfen sich die _Konghurat_, der nächste
+der Stämme der Naimanen, und Temudschin bestieg als grosser Herrscher
+derselben den Thron.
+
+[Randnote: Die Feinde und Freunde Temudschin's bis zu seiner zweiten
+Thronbesteigung als Tschengischan.]
+
+Das bisher zwischen Temudschin und Owangchan bestandene Bündniss wurde
+durch die Einstreuungen Dschamuka's getrübt, welcher den Owangchan
+bestimmte, dem Antrage Temudschin's einer näheren Verbindung der beiden
+Häuser durch eine Doppelverbindung kein Gehör zu geben. Temudschin warb
+nämlich für sich um _Abika_, die Tochter Hakembu's, des Bruders
+Owangchan's, und um ihre Schwester _Begtutmisch_ für seinen ältesten Sohn
+Dschudschi, während er dem _Singun_, dem Sohne Owangchan's, seine älteste
+Tochter _Fudschin_ antrug; die ehemals Verbündeten waren nun offene Feinde;
+Temudschin, der so oft mit den Kerait wider ihre gemeinschaftlichen Feinde,
+die Tataren, Merkit und Naiman, gefochten, wurde geschlagen, und flüchtete
+zum schlammichten Quelle Baldschuna, wohin ihm nur die Getreuesten folgten.
+Diese waren in der Folge als die Waffengefährten von Baldschuna
+ausgezeichnet, wie vor sechs Jahrhunderten von Mohammed die
+Waffengefährten von Bedr und Ohod, er ernannte sie später alle zu
+_Tarchanen_, d. i. Freiherren, sowie die beiden Lebensretter,
+_Bughurdschin_ den Erlaten, und _Burghul_ den Huschinen, dann _Surgan
+Schire_[46] den Suldusen, die beiden Dschelaire _Olai Kalgha_ und
+_Karadschu_[47], den Taidschuten Jisukai, welcher vormals die mit
+Dschudschi schwangere _Burte Fudschin_ sicher zu Owangchan geleitet hatte;
+Burghul diente von der Pike, oder mongolisch richtiger zu sprechen, vom
+Pfeile auf; denn Anfangs Tafeldecker, ward er _Gesiktu_, d. i. vom Vortrabe
+der Pfeilschützen, dann _Emir Gesik_, Befehlshaber derselben, hierauf _Emir
+Toman_, d. i. Befehlshaber eines Corps von zehntausend Mann, und endlich
+Grossfürst. Von Bughurdschin sagte Tschengischan: Ich schätze ihn unter
+meiner Seele, aber höher als alle Fürsten und _Karadschu_ (Unterthanen).
+Bughurdschin nannte sich selbst den Unfehlbaren und sagte von sich selbst:
+»Wann das Geschrei der Raben irret und fehlet, irre und fehle ich nicht;
+wann den Vogel des Grabes Schwindel ergreift, bleibt mir Kopf und Gehirn
+frei; wann der Staub von der Erde zum Himmel steigt und der Rauch des
+Himmels zur Erde sinkt, verfehle ich meinen Weg nicht, desshalb nennt man
+mich den Unfehlbaren.« Als Tschengischan den _Burghul_ und _Bughurdschin_
+zu Tarchanen ernannte und sie das Diplom begehrten, erklärte er sie über
+alle Diplome erhaben. _Bughurdschin_ war der erste der neun _Örlök_[48],
+d. i. die neun Mannen oder Helden, die andern acht: 2. _Burghul_ der
+Huschine, 3. _Schurkan Schire_[49] der Sulduse, der Lebensretter, wie die
+beiden vorigen; nach diesen Lebensrettern 4. _Mokli_ der Dschelaire[50],
+der Eroberer China's; 5. _Dschebe_ der Jisute; 6. _Subutai Behadir_[51],
+der Feldherr wider Persien und Kipdschak; 7. _Dschelme Oho_, d. i. der
+tapfere Räuber[52], der erste Waffengenosse der Raubzüge Tschengischan's,
+dessen Söhne die Befehlshaber des rechten und linken Flügels der
+Leibwachen; 8. _Schiki Kuttu_, der von Tschengischan, noch ehe ihm seine
+Gemahlin einen Sohn geboren, an Kindesstatt angenommene Pflegsohn, dessen
+Wahlspruch als Richter: Fürchte Nichts und sprich Recht; endlich 9. der
+Uirate _Kara Karaghu_[53]. Diese neun Helden waren die innigsten
+Waffengefährten Tschengischan's, Stützen seiner Macht wider seine Feinde:
+»Ihr neun Örlök, kommt mit mir herein, und ihr dreihundert und neun
+Leibwachen, umgebt das Haus!«[54] und als er sieben Jahre nach der ersten
+Thronbesteigung den Owangchan geschlagen und mit ihm Frieden geschlossen,
+nachdem Tajangchan, der Fürst der Naiman, der gefährlichste und mächtigste
+seiner Feinde, in der Niederlage gefallen, als er in der Gegenwart von
+hundert versammelten Stämmen den Thron als Herrscher aller Mongolen mit dem
+ihm von seinem gottbegeisterten Stiefvater _Buttangri_ (Ebenbild Gottes)
+ertheilten Ehrentitel des Gewaltigen angenommen und die neungipflige Fahne
+mit den neun weissen Rossschweifen und die viergipflige schwarze seines
+Hauses aufgepflanzt, als er Herrscher des Volkes der viermalhunderttausend
+Mongolen, als er die Fünffarbigen und Vierfarbigen[55] zu Einem Volke
+vereint, denselben den Namen der _blauen Mongolen_[56] oder _einzigen_[57]
+beigelegt und seine Staatseinrichtungen begann, redete er seinen Wesir
+Bughurdschin und die neun Helden Waffengefährten an: »Du mein Bughurdschin,
+dem Leben und Tod stets gleichgültig war, ihr neun _Örlök_, ihr meine
+Fürsten und Edle, ihr meine Unterthanen und du ganzes grosses Volk, dass
+Keiner ihn neide! Er soll die oberste Verwaltung der inneren
+Reichsangelegenheiten führen und über die fünf Farben meines Volkes
+befehlen; er soll die grosse fernhinschmetternde Trompete bewahren und als
+Oberbefehlshaber über die neun Gebiete den Titel _Kuluk Bugudschi_ führen;«
+er ward zum Oberhaupte der neun Örlök erhoben und seine Gemahlin erhielt
+den Titel _Butschin Taibutsan_[58].
+
+[Randnote: Die sieben Kurultai, die Fürsten, welche gehuldigt.]
+
+Das Kurultai, das ist allgemeine Volksversammlung, der Landtag, auf welchem
+Temudschin als Tschengischan, d. i. gewaltiger Herrscher, der Fünf- und
+Neunfarbigen, der blauen und anderen Mongolen ausgerufen worden, war das
+vierte der sieben Kurultai, deren die Geschichte Tschengischan's erwähnt.
+Das erste wurde unmittelbar vor dem Feldzuge wider die Taidschut und der
+Niederlage der siebzig Kessel, das zweite vor sieben Jahren bei der ersten
+Thronbesteigung als Herrscher der unterworfenen Stämme der Konghurat und
+der mit denselben Verwandten, das dritte nach der durch den Fürsten der
+Tunguten erhaltenen Kundschaft von dem Ueberfalle der Naiman und der
+Niederlage Tajangchan's, ihres Fürsten, das vierte wurde zur Aufpflanzung
+der vier schwarzen und neun weissen Rossschweife gehalten, das fünfte hat
+bald hierauf zur Berathung des siebenjährigen chinesischen Kriegs, das
+sechste sieben Jahre hernach zur Berathung des siebenjährigen persischen,
+und das siebente und letzte sieben Jahre später und zwei Jahre vor seinem
+Tode bei seiner letzten Rückkehr in die Heimath stattgehabt. Diese Kurultai
+blieben sofort mongolischer Reichsbrauch bei den Thronbesteigungen der
+Fürsten und anderen grossen Begebenheiten, welche der Chan mit allen
+Stämmen berieth. Tschengischan spricht in seiner Thronbesteigungsrede an
+die versammelten Stämme von den zwölf unterworfenen Reichen, worunter die
+Gebiete der besiegten, ihm unterworfenen Feinde zu verstehen sein dürften;
+zuerst die sieben des ihm nächsten verwandten, mächtigen Stammes der
+_Konghurat_ mit seinen sechs Zweigen, dann die des verwandten Stammes der
+_Kijat Burdschin_, dann der _Tataren_ und des ihnen engverbündeten Stammes
+der _Mekrin_, dann der _Taidschut_ und der _Kerait_; der noch unbezwungene,
+mächtigste feindliche Stamm war der der Naiman, wider welchen Tschengischan
+siebenmal zu Felde gezogen, fünfmal vor seiner Thronbesteigung, zweimal
+als gewaltiger Chan der Mongolen, und als Verbündeter Owangchan's. Immer
+waren sie an der Spitze der wider Tschengis verschworenen Stämme und ihre
+Niederlagen zu _Kisiltasch_, d. i. am rothen Steine, [RN: I. J. 1198.]
+nicht minder berühmt, als die der siebzig Kessel der Taidschut zu
+_Baldschusch_, die der verbündeten Stämme an den sieben Grabhügeln und die
+Tschengischan's selbst, als er nach der wider Owangchan verlornen Schlacht
+von wenigen Treuen begleitet zum Quelle _Baldschuna_ geflohen. Nachdem in
+der vierten Schlacht wider die Naimanen ihr grosser Fürst Tajangchan
+geblieben, zog Tschengischan wider dessen Bruder _Bujuruk_, d. i. den
+Befehlshaber, welcher ihm als Fürst seines Volkes gefolgt, und schlug
+denselben an der Sudscha, in der Nachbarschaft des _Ulugtag_, d. i. des
+grossen Bergs, die Fortsetzung der Bergkette des kleinen Altai ober dem
+Balchasch-See. Tajang's Sohn Kuschluk floh mit Tukta, dem Fürsten der
+Merkit, nach den Ländern am Irtisch. Ihre gefährliche Nachbarschaft mochte
+ein Hauptgrund des Untergangs der _Kirkis_ und _Kemkemdschiut_ gewesen
+sein, welche am Irtisch und Jenisei sassen, und welche nun dem gewaltigen
+Herrscher huldigten; so huldigten ihm auch im Süden _Idikut_, der Fürst der
+Uighuren, und die türkischen Fürsten der _Hoeihe_ in der kleinen Bucharei,
+der _Gurchan_ von Karachatai, der Fürst des Stammes der Karlik von
+_Kajaligh_ und der von _Almaligh_. Tschengis besiegelte den Bund der
+Huldigung durch Verschwägerung, indem er dem letzten eine Tochter seines
+ältesten Sohnes Dschudschi, dem Fürsten der Karlik eine andere Prinzessin
+des Tschengischan'schen Hauses, und seine Tochter _Il Alti_ dem Fürsten
+Idikut zur Frau gab, den er seinen fünften Sohn nannte.[59] Er war nun mit
+nicht weniger als einem Dutzend der mächtigsten Stämme verschwägert; die
+zwei Schwestern Tatarinnen ausgenommen, war jede seiner grossen Frauen aus
+einem anderen Stamme, und ebenso gab er nicht mehrere seiner Töchter an
+Fürsten Eines Stammes, sondern jede an einen anderen; nur mit dem Stamme
+der Konghurat war er gegenseitig verschwägert, indem seine erste Gemahlin
+_Burte Fudschin_ eine Konghuratin und er seine Tochter _Tumalun_ an den
+Prinzen der Konghuraten vermählte, welcher, wie alle Eidame, den Titel
+_Gurchan_ führte.
+
+[Randnote: Chinesische Ehrentitel, der chinesische und persische Krieg.]
+
+Stark durch Verbindung und Verschwägerung mit den mächtigsten Stämmen und
+Fürsten, vernichtete er so leichter den Fürsten der Naimanen, _Kutschluk_,
+in dem siebenten und letzten wider denselben geführten Krieg in der
+Schlacht am _Kem_, und wagte nun den Krieg wider den Herrscher von China
+selbst, wider _Altan Chan_, d. i. den goldenen, welcher ihm gleich Anfangs
+seines Auftritts für die dem _Tschingsang_ (chinesischen Staatsminister)
+wider empörte Tataren geleistete Hilfe den Ehrentitel eines
+_Grossfürsten_[60], sowie damals der Herrscher der Kerait dem Owangchan[61]
+und dem Fürsten der Naiman den Ehrentitel _Tajang_ verliehen hatte. Die
+Seele dieses siebenjährigen chinesischen Krieges, welcher mit der Besiegung
+Altanchan's, des vormaligen Oberherrn der Tataren und Mongolen, endete, war
+der Dschelaire _Mokli_, welcher zur Belohnung seiner Dienste den
+auszeichnenden chinesischen Titel _Kojang_[62], das ist Herrscher Eines
+Distrikts, erhielt. Der Kaiser von China war der mächtigste Feind des
+mongolischen Reichs im Osten, sowie Chuaresmschah, dessen Herrschaft sich
+über ganz Mittel- und Vorderasien erstreckte, der mächtigste und
+gefährlichste Nachbar im Westen. Nach dem glücklich vollendeten
+siebenjährigen chinesischen Feldzuge und der Einschüchterung des Ostens
+wandte Tschengischan seine ganze Macht wider den Herrscher des Westens,
+wider Mohammed Tekesch, zur Blutrache einer Karawane mongolischer
+Kaufleute, welche Ghairchan, der Statthalter von Otrar, hatte ermorden
+lassen. In diesem siebenjährigen Kriege befehligten die zur Eroberung des
+Westens bestimmten Heere theils Tschengischan in Person, theils seine vier
+Söhne, theils seine beiden grossen Feldherren _Dschebe Nujan_ und _Subutai
+Behadir_; sie eroberten eben so viele Länder: _Transoxana_, _Chuaresm_,
+_Chorasan_, das _persische Irak_, _Masenderan_, _Ghasna_ und _Kipdschak_,
+und die mongolischen Heere verheerten die Länder von den Ufern des Indus
+bis an die der Wolga. Ogotai und Dschaghatai belagerten Otrar, worin sich
+Ghairchan, dessen Gewaltthat der Anlass und die Rechtfertigung des Kriegs,
+sich zwei Jahre lang tapfer vertheidigte. _Dschudschi_, welcher gegen
+_Chodschend_ befehligt war, kehrte nach einiger Uneinigkeit mit seinen
+Brüdern wieder nach Kipdschak zurück. Tschengischan befehligte in eigener
+Person die Verheerung von Samarkand und Bochara, der beiden grössten und
+bevölkertsten Städte Transoxana's, in deren jeder dreissigtausend
+Schlachtopfer bluteten, was nicht unglaublich, wie die Zahl derer, welche
+in den Städten Chorasan's bluteten, mit dessen Eroberung der vierte Sohn,
+Tuli, betraut war. Zu _Nischabur_ soll eine Million, zu _Sebsewar_
+siebzigtausend gemetzelt worden sein. Glaublicher ist die Entvölkerung
+Chuaresm's, aus dessen Hauptstadt allein einmalhunderttausend Künstler und
+Handwerker in die östlichen Länder geschleppt worden. _Bamian_, vor dessen
+Mauern ein Enkel Tschengischan's, aus seinem Sohne Dschaghatai, fiel,
+erhielt den Namen _Mobaligh_, d. i. verfluchte Ballei, und musste den Mord
+mit dem Blute seiner Einwohner sühnen. Die beiden Feldherren Dschebe Nujan
+und Subutai Behadir durchstäupten Persien bis an die Ufer des Sees von
+Urmia, drangen dann durch die Pässe des Kaukasus nach Russland und
+Kipdschak vor und wurden durch die Niederlage der Russen Herrscher an der
+Kalka, die sich in den Donesch ergiesst, wie sie Herrscher an der Kalka,
+die in den Bujursee mündet. Tschengischan selbst verfolgte am Indus den
+Sultan Dschelaleddin Mankburni, den Sohn des Mohammed Tekesch, der in einer
+Insel des kaspischen Meeres sein Leben geendet, und konnte dem Sohne seine
+Bewunderung nicht versagen, als derselbe, bis an das Ufer des Indus
+verfolgt, vom steilen Ufer sich ganz bewaffnet mit dem Pferde in den Indus
+stürzte und denselben durchschwamm: Ein Sohn, würdig seines Vaters, rief
+Tschengischan, ihm mit Bewunderung nachsehend, aus. Beim Kurultai, welches
+Tschengischan am Karagöl (Schwarzsee) zur grossen Jagd an alle Uluse
+ausgeschrieben hatte, erschien der älteste, Dschudschi, nicht, doch sandte
+er seinerstatt kostbare Geschenke an Pferden. Tschengischan unternahm von
+da den vierten Feldzug wider das empörte Tanghut und starb auf demselben,
+nachdem er durch letztwillige Anordnung zu seinem Nachfolger im Reiche
+weder den ältesten _Dschudschi_, noch den zweiten _Dschagatai_, sondern den
+dritten _Ogotai_ ernannt hatte.
+
+[Randnote: Die Jasa.]
+
+Tschengischan's Politik, deren Hauptaugenmerk die Versöhnung feindlicher
+Stämme und die engere Verbindung mit freundlichen mittels Verschwägerung,
+erhellt schon aus dem Erzählten; aber seine bürgerliche Gesetzgebung und
+seine Staatseinrichtungen erfordern noch besondere Beleuchtung. Er ist der
+Gesetzgeber seines Volkes. Aus den bisherigen europäischen
+Geschichtschreibern mongolischer Geschichte ist nur die bürgerliche
+Gesetzgebung desselben, d. i. die _Jasa_, bekannt, aber in Wassaf, dem
+Livius der persischen Geschichtschreibung, welcher, berühmt unter dem Namen
+des _Lobredners der Majestät_[63], schon anderthalb Jahrhunderte nach
+Tschengischan, zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen
+Zeitrechnung und zu Anfang des vierzehnten, schrieb, und aus der grossen
+Sammlung von Staatsschreiben, welche ein halbes Jahrhundert später der
+Staatssekretär Mohammed Hinduschah, beigenannt die _Sonne des
+Stylisten_[64], für _Schah Oweis Behadirchan_, den zweiten Herrscher der
+zweiten Dynastie der Ilchane (deren Gründer sein Vater, der grosse Hasan),
+aus den Archiven zusammentrug, lernen wir auch die besonderen Namen der
+Gerichtsordnung und des Militärcodex kennen. Die erste, nach welcher den
+Oberrichtern das Recht zu sprechen in ihren Bestallungsdiplomen
+eingeschärft ward, hiess _Kutatgu bilik Tschengischani_, d. i. das
+Kutadische Tschengischanische überlieferte Wort; denn unter dem Titel von
+_Bilik_ gibt Reschideddin neun und zwanzig überlieferte Worte
+Tschengischan's, und _Kutat_ (oder _Kitad_) ist der Name der Familie
+Tschengischan's; den Namen des Militärcodex hat nur Wassaf aufbewahrt;
+derselbe hiess: _Tumendschin_, d. i. wovor man sich zu hüten; dieses ging,
+sowie das _Bilik_, unmittelbar von Tschengischan selbst aus, aber an der
+_Jasa_ hatte die Weisheit seines Sohnes Dschagatai grossen Antheil. Da die
+einige und zwanzig Punkte des ersten und des zweiten bereits bekannt
+gemacht worden, so genügen hier ein Paar Federstriche zum Umrisse des
+Geistes der Gesetzgebung Tschengischan's. Häufige Todesstrafe und Prügel
+waren die Sanction derselben, die Todesstrafe nicht nur auf Verbrechen,
+sondern auch auf Unsittlichkeit und auf die Verletzung abergläubischer
+Sitte gesetzt; so wurde der überwiesene Lügner, Zauberer, der, welcher bei
+Donnerwetter badete, und wer ins Wasser oder auf Asche pisste, mit dem Tode
+bestraft; den Prügeln, womit vorzüglich die Uebertretung der Kriegszucht
+bestraft ward, waren auch die Prinzen des Geblüts unterworfen, und
+dieselben entehrten nicht; ihre Zahl immer ungleich, von drei, fünf, sieben
+bis sieben und siebzig.[65] Die grösste politische Tugend der Mongolen die
+blindeste Unterwürfigkeit in den Willen des Herrschers, indem nur Einer der
+Herr und alle Anderen Sklaven; Nichts von Geburt aus, oder wenn auch durch
+diese und durch Stammverwandtschaft geadelt und zu Würden erhoben, wieder
+Nichts vor des Herrschers Allmacht; die zweite Tugend schweinische
+Unreinigkeit, indem es ihnen verboten, ihre Kleider zu waschen, die sie auf
+dem Leibe tragen mussten, bis sie ihnen in Stücken abfielen[66], also
+gerade das Gegentheil jüdischer und moslimischer Gesetzgebung, wovon jene
+zwischen Reinem und Unreinem so genau unterscheidet, diese wiederholtes
+Waschen zur Pflicht macht. Gastfreundschaft war geboten, doch durfte keiner
+zum Mahle niedersitzen, ohne dazu geladen zu seyn, keiner auf Kosten seiner
+Tischgenossen schlemmen; Titel und Phrasen waren untersagt, selbst der Kaan
+durfte nicht anders als bei seinem Namen angeredet werden; ein persischer
+Sekretär, welcher das im Namen Tschengischan's an eine belagerte Stadt
+erlassene Aufforderungsschreiben mit Floskeln ausgeschmückt, büsste
+dieselben mit seinem Leben. Alle Mädchen und Frauen der Mongolen standen
+dem Herrscher zu Gebot; die Tarchanen, d. i. Freiherren, waren von allen
+Steuern befreit und hatten zu jeder Stunde freien Zutritt zum Kaan. Die
+Erbfolge in der Familie Tschengischan's war durch die Jasa, welche hievon
+die Brüder Dschudschi Kasar's ausschloss und die Herrschaft dem Uluse
+Ogotai's, des zweiten Sohnes, zusprach, festgesetzt, aber die Verkündung
+der Thronbesteigung musste auf einem _Kurultai_, d. i. einem Landtage,
+feierlich vollzogen werden. Der erste und grösste Hofdienst war der des
+Oberstjägermeisters, denn die Jagd als Vorspiel und Vorübung des Kriegs
+vertrat die Stelle der Bildung und Erziehung, da das Handwerk und die Kunst
+der Mongolen nur Krieg und Verheerung.
+
+[Randnote: Das Heer und das Testament.]
+
+Die Periode der Staatseinrichtungen Tschengischan's fällt in die sieben
+Jahre, welche von seiner zweiten Thronbesteigung als gewaltiger Herrscher
+bis zum Ausbruche des siebenjährigen chinesischen Krieges verflossen; aber
+die militärische Einrichtung des Heeres nach Zehnern, Hunderten, Tausenden
+und Zehntausenden hatte schon früher stattgefunden. Das Buch der vier
+Uluse, dessen Verfasser Ulugbeg und welches dem _Stammbaume der Türken_[67]
+zu Grunde liegt, schreibt die Eintheilung des mongolischen Heeres in sieben
+Treffen schon dem Oguschan zu; in jedem Falle ist diese Einrichtung eine
+türkische und weit älter, als Tschengischan, und verschieden von der
+arabischen Eintheilung, welche nur fünf Abtheilungen des Heeres kennt. Die
+Türken und nach ihnen die Mongolen theilten ihr Heer in die folgenden
+sieben Theile: 1. _Buldschunghar_, auf türkisch _Karaul_, die Vorposten
+oder Vedetten; 2. _Borunghar_, auf türkisch _Mankalai_, der Vortrab des
+Heeres, auf arabisch _Makaddemetol-dschisch_; 3. _Unghar_, auf türkisch
+_Ssaghkol_, der rechte Flügel, auf arabisch _Jemin_; 4. _Dschunghar_, auf
+türkisch _Ssolkol_, der linke Flügel, auf arabisch _Jesar_; 5. _Ghul_, auf
+türkisch _Jesaul_, das Mitteltreffen, der Mittelpunkt des Heeres, die
+Fahnen und Standarten, die Rossschweife und Heerpauken, von den Arabern
+_Kalboldschisch_, d. i. das Herz des Heeres, genannt; 6. _Okdschunghar_,
+auf türkisch _Tschenkdaul_, der Nachtrab, auf arabisch _Sakat_; 7.
+_Bestunghar_, auf türkisch _Bassdürma_ und auf persisch _Kemingjah_, d. i.
+der Hinterhalt; dieser Theil des Heeres war, wie der türkische und
+persische Name zeigt, zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte bestimmt; er zog
+aber, der letzte, in so grosser Entfernung vom Nachtrab, dass er den Staub
+desselben nicht sah. Diese letzte Abtheilung, sowie die erste, fehlt in der
+Strategie der Araber. Ein Corps von zehntausend Mann hiess _Tumen_ oder
+_Toman_, eine Benennung, welche auch den Länderabtheilungen und später
+Münzen beigelegt ward, wie denn noch heute Silber- und Goldtomane in
+Persien cursiren; die Silber- und Goldmünzen der Mongolen hiessen
+_Balisch_. Die Jagd, Pfeilschiessen, Pferdetummeln und Ringen waren die
+Uebungen des Heeres und der Feldherren, welche hierin mit gutem Beispiele
+vorgehen mussten: »Die grossen Fürsten und das ganze Heer muss sich in der
+Jagd üben und den Namen bestimmen, bei welchem sie, wenn sie ins Feld
+ziehen, ausgerufen werden sollen; sie sollen mit zu Gott gewandtem Herzen
+beten, bis sie mit göttlicher Hilfe die vier Weltgegenden unterjocht.«
+lautet das zehnte der hinterlassenen Worte Tschengischan's; dann das
+eilfte: »Der Mann sei unter dem Volke ruhig und schweigsam, wie ein Kalb,
+falle aber in der Schlacht wie ein hungriger Geyer auf die Feinde.« und
+das zwölfte: »Jedes Wort, das einmal gesprochen worden und von dem man
+zweifelt, ob es im Scherze oder Ernste gesprochen worden, kann nicht mehr
+zurückgenommen werden, -- gilt für Ernst.« Die grösste Auszeichnung war,
+wenn der Kaan auf einen mit dem Finger zeigte; dem mit dem Finger
+Ausgezeichneten[68] waren die Einkünfte der Minen, die guten Pfeilschützen,
+die Pferde der Post, die Jagdvögel, die Jagdhunde der eroberten Länder
+zugesprochen.[69] Die feste Grundlage des Herrschergesetzes Tschengischan's
+war Familieneinigkeit und festes Zusammenhalten der Stammverwandtschaft;
+eine Lehre, welche er durch das bekannte Gleichniss vom Pfeilbündel, dann
+von den zwei Schlangen, der einköpfigen Vielschweifigen[70] und
+einschweifigen Vielköpfigen, seinen Söhnen versinnlichte. Von diesen
+bekleidete Ogotai, der Oberste Jägermeister, das erste Hofamt, Dschagatai
+versah die Stelle des Obersten Richters und wachte auf die Vollziehung der
+Jasa, an deren Verfassung er so grossen Antheil hatte; dem Ogotai lag die
+innere Verwaltung, d. i. die Erhebung der Steuern, dem jüngsten, Tuli, die
+Sorge für das Haus und die Truppen, für den Herd und das Heer ob; der
+jüngste Sohn war, wie schon oben gesagt worden, nach mongolischen Gesetzen
+der Hüter des Herds und der Herden und nach des Vaters Tod der Erbe der
+ganzen Wirthschaft, wiewohl das Haupt der Familie und des Stammes stets der
+Erstgeborne blieb. Das mongolische Gesetz trennte also das Ansehen der
+Erstgeburt von dem Stammvermögen, indem die Stammherrschaft zwar dem
+Aeltesten, das Vermögen aber dem Jüngsten des Hauses zuerkannt ward. In
+diesem Sinne sollte Dschudschi, der älteste der vier Söhne, dem Vater auf
+dem Throne gefolgt sein, aber mit demselben unzufrieden, besonders seitdem
+er nicht auf dem letzten Kurultai zur grossen Jagd erschienen, sprach
+Tschengischan's letzter Wille die Thronfolge dem dritten Sohne, Ogotai,
+das Stammvermögen aber, das ist die grösste Macht des Heeres, dem jüngsten
+Sohne, Tuli, zu. Von hundert neun und zwanzig Toman, d. i. hundert neun und
+zwanzigtausend Mann, aus welchen das Heer bei Tschengischan's Tod bestand,
+hinterliess er hundert ein Tausend dem Tuli, jedem der vier anderen:
+Dschudschi, Dschagatai, Ogotai, Gulgan, nur viertausend; den rechten Flügel
+über acht und dreissigtausend Mann befehligte der erste der neun Orlöke,
+der treue Freund und Waffengefährte Bughurdschi; den linken von zwei und
+sechzigtausend Mann der Eroberer China's, der Kojank Mokli der Dschelaire,
+welchem drei _Hesare_, d. i. dreitausend Mann Dschelairen als ein
+Leibregiment überlassen worden; fünftausend seinem jüngsten Bruder
+_Utdschigin_, dreitausend seinem Bruder _Katschiun_ und eben so viele
+seiner Mutter _Ulun_, tausend dem Sohne des Bruders Dschudschi Kasar's.
+Diese Truppen erbten in den Familien fort. Als Tschengischan sein Testament
+machte, liess er aus den Archiven den Familienpact holen, welchem noch das
+goldene Siegel seines Vorfahren _Tumenai_ aufgedrückt war und welchem die
+folgenden Ahnen, nämlich: _Kabulchan_, der Urgrossvater, _Bertan Behadir_,
+der Grossvater, und _Jisukai_, der Vater Tschengischan's, ihre
+Unterschriften beigesetzt hatten[71]; er zeigte diese Familienurkunde,
+vermöge welcher der letzte Wille des Herrschers als Gesetz geachtet werden
+musste, den Söhnen, befahl ihnen, den Bruder Ogotai als Herrn anzuerkennen,
+und empfahl die Leitung der Reichsgeschäfte dem Vetter _Karadschar Nujan_,
+dem Sohne seines Oheims, dem Ahnherrn Timur's. Ogotai erhielt das Reich als
+oberster Herrscher, Tuli das Stammgebiet am Onon und Kerulon und die
+östlichen Länder. Dem Uluse Dschudschi's, der kurz vor dem Vater
+verstorben, ward der Besitz von Kipdschak erhalten; Dschagatai's Antheil
+waren die Länder der Uighuren, die kleine und grosse Bucharei, die Länder
+am _Ili_ und zwischen dem _Dschihun_ und _Sihun_ (Oxus und Jaxartes),
+welchen, sowie der türkischen Mundart der Uighuren, der Name der
+_Dschagataischen_ verblieb.
+
+[Randnote: Der Familienvertrag zu Karadscha.]
+
+Der Familienvertrag der Familie Tschengischan's sowohl, als der grosse
+Einfluss Karadschar's als Leiter, Rath und Orakel der tschengisischen
+Familie ist bisher von keinem europäischen Schreiber mongolischer
+Geschichten gehörig ins Auge gefasst worden; selbst die soeben angeführte
+Stelle Mirchuand's über den Familienvertrag ist unberücksichtigt geblieben.
+Das seit kurzem erst in englischer Uebersetzung bekannt gewordene
+treffliche Werk des _Stammbaums der Türken_, welches den Kern der
+Geschichte der vier Uluse von Ulugbeg enthält, gibt darüber sowohl, als
+über Karadschar's Einfluss und Ansehen umständlichen Bericht; wir lernen
+daraus, dass dieser Familienvertrag _Temghai Tumenaichan_, d. i. das
+Insiegel _Tuminechan's_, hiess, und also schon vom Ururgrossvater
+Tschengischan's datirt. Diesen Familienvertrag liess Tschengischan auf
+seinem Sterbebette holen und führte seinen Söhnen zu Gemüthe, dass er
+sowohl, als Karadschar, denselben immer genau beobachtet hätten.
+Karadscharchan erscheint also schon hier als das Haupt eines Zweiges der
+Familie Tschengischan's, welches im Namen derselben mit Tschengischan einen
+Familienvertrag eingegangen oder vielmehr den erneute, welchen der Ahnherr
+Tumenaichan zwischen seinen Söhnen _Kabulchan_ und _Katschulai_ geschlossen
+und welchen später _Jisukai_ und _Temudschin_ bestätigt hatten; mehr als
+einmal erwähnt desselben die _Geschichte des Stammbaums_; sie erwähnt
+desselben unter der Regierung _Tewa's_, des eilften Chan's der Familie
+Dschaghatai, als des zwischen Karadschar Nujan und Tschengischan
+geschlossenen Familienvertrags, und abermals unter der Regierung von
+_Sijurghurtmisch_, dem zwei und dreissigsten Chane des Uluses
+Dschaghatai[72]; dieser Familienvertrag des tschengisischen Hauses, welcher
+zuerst von Tumenaichan, dem vierten Ahnherrn Tschengischan's, zwischen
+seinen beiden Söhnen Kabul und Katschulai aufgerichtet, von seinem Urenkel
+Jisukai bestätigt worden, ward von seinem Ururenkel Tschengischan mit
+Karadschar erneuert und blieb bis zu dem letzten Chane des Uluses
+Dschaghatai, von Tumenaichan bis auf die Zeit Timur's, d. i. durch
+dreihundert Jahre, aufrecht. Karadschar Nujan hätte zweifelsohne den Thron,
+wenigstens im Uluse Dschaghatai, für sich selbst behaupten können, aber er
+wollte lieber denselben verleihen, als selbst einnehmen; so erhob er einige
+Jahre nach dem Tode Dschaghatai's statt eines Sohnes den Enkel desselben,
+Kara Hulagu, auf den Thron, setzte denselben zwar auf die Vorstellung des
+Grosschan's _Gajuk_ ab und einen Sohn Dschaghatai's als Chan, dann aber,
+als dieser gestorben, den _Kara Hulagu_ zum zweitenmal als Chan des Uluses
+Dschaghatai ein.[73] Karadschar war der Sohn Emir _Songhur Tschitschan's_,
+der Enkel Emir _Irdümdschi's_, der Urenkel Emir _Kadschulai's_, des Sohnes
+_Tumenai's_ und also der Vetter Tschengischan's im dritten Grade, indem
+ihre Urgrossväter Brüder waren. Warum Tumenai, da ihre Urgrossväter Kabul
+und Katschulai Brüder, warum Tumenai, welcher acht Söhne hatte, den
+Hausvertrag der Herrschaft nur unter den beiden obgenannten abschloss,
+erhellt nicht aus den bisher bekannten Quellen mongolischer Geschichte;
+wahrscheinlich weil Katschulai dem Kabulchan die Nachfolge streitig machte.
+Nach den vier durch die vier Söhne Tschengischan's begründeten Ulusen war
+das Haus Karadschar's das mächtigste des tschengisischen Stammes und
+Herrschaft und Welteroberung gingen auf den Nachkömmling Karadschar's im
+fünften Grade, auf Timur Gurgan, über.[74] Der Stamm des Hauses
+Karadschar's war der der Berla's.[75] Karadschar, der Rath Tschengischan's
+und seiner Söhne Ogotai und Dschaghatai, starb bald, nachdem er den Kara
+Hulagu, den Enkel Dschaghatai's, zum zweitenmale auf den Thron gesetzt,
+acht und neunzig Jahre alt[76], und hinterliess zehn Söhne, deren ältester,
+_Itschel_, der Ururgrossvater Timur Gurgan's.[77]
+
+[Randnote: Charakter und Sitten der Mongolen.]
+
+Ehe wir von Tschengischan zur Geschichte seiner Nachfolger, Herrscher der
+Mongolen, übergehen, nur noch ein Paar Worte über den Charakter und die
+Sitten des Volkes. Die beste und kürzeste Schilderung derselben liegt im
+Namen _Mongol_ selbst, sei es, dass derselbe, wie die persischen Quellen
+sagen, _trübe_ und _traurig_, sei es, dass er, wie ein mongolischer
+Geschichtschreiber behauptet, _trotzig_ und _unerschrocken_ bedeute. Es hat
+mit dem Namen der Mongolen dieselbe Bewandtniss, wie mit dem der Slaven,
+welchen die Fremden von _Slavo_: schwach und feige, die Eingebornen von
+_Slaba_: Ruhm und Glanz, abgeleitet haben; wie dem auch sei, der Charakter
+der Mongolen entspricht der doppelten Angabe der Bedeutung ihres Namens,
+sie sind eben so ein trübes und trauriges, als trotziges und
+unerschrockenes Volk. Die Traurigkeit und Schwermuth spricht sich schon in
+den Klaggesängen, welche vom mongolischen Geschichtschreiber Ssetsen aus
+der ältesten Zeit her erhalten sind, in der wehmüthigen Sehnsucht nach den
+Ufern des Onon und Kerulon, sowie in den Volksliedern der heutigen Mongolen
+aus; ihre Tapferkeit hat sich Asien unterworfen und Europa zittern gemacht,
+ein trauriges barbarisches Volk, das erst Tschengischan durch das Beil und
+die Prügel gesittigt, und das durch Raubsucht und angeborenen Sklavensinn
+das tüchtigste Werkzeug zur Welteroberung; »sie hatten das Herz des
+_Löwen_, die Geduld der _Hunde_, die Behutsamkeit des _Kranichs_, die List
+des _Fuchses_, die Vorsicht des _Raben_, die Raubsucht des _Wolfes_, die
+Heftigkeit der _Hahnen_, für Familie sorgend wie _Hühner_, die Ruhe der
+_Katzen_, die Heftigkeit im Anfall vom _Schweine_«, welche Eigenschaften
+der Morgenländer dem vollkommenen Krieger insgemein beilegt[78]; man könnte
+aber auch sagen, dass sie alle Eigenschaften der zwölf Thiere ihres
+Jahrescyclus in sich vereinten, dass sie diebisch wie _Mäuse_, stark wie
+_Stiere_, raubsüchtig wie _Panther_, vorsichtig wie _Hasen_, listig wie
+_Schlangen_, schrecklich wie _Drachen_, muthige Renner wie _Pferde_,
+folgsam wie _Schafe_, kinderliebend wie _Affen_, familiensorgsam wie
+_Hühner_, treu wie _Hunde_, unrein wie _Schweine_; der Cyclus ihres Jahres
+war das Sinnbild ihres sittlichen Gesichtskreises. Mittler Statur, breit
+von Schultern, stark vom Rücken, hervorragender Brust und eingezogenen
+Bauchs, von grauen und braunen Augen, die aus schiefen Winkeln
+hervorglotzen, von breiten olivenfarbenen Wangen, Stumpfnasen, dicken
+Lippen, spärlichen Barthaaren, aber wucherndem Haarwuchse auf dem Kopfe,
+dessen Vordertheil vom Scheitel bis zu den Ohren hufeisenförmig geschoren;
+leicht, flink, mit ihren Pferden wie Centauren zusammengewachsen; gewandte
+Bogenschützen, wie einst die Parther, nie gefährlicher als im Fliehen, mit
+Kampf und Beute gesättigt noch immer nach Kampf und Beute durstend,
+undankbar, schmutzig, grob, raubsüchtig, grausam, aber leibeigen,
+wahrheitsliebend, prunkhassend, tapfer und blindlings gehorsam, Niemand war
+ihnen Freund, aber sie hassten der Denuncianten scheussliche Brut. Ihre
+Nahrung: Hirse, Haiden und Fleisch von allen Arten, am liebsten das des
+Pferdes, aber auch Mäuse, Hunde, Katzen und sogar gebratenes
+Menschenfleisch; das Fett leckten sie von den Fingern und schmierten damit
+ihre Stiefel. Ihr liebstes Getränke: Stutenmilch sammt dem daraus
+gezogenen, gegohrnen, berauschenden _Kumis_ und _Meth_; ihre Kleider aus
+Thierfellen genäht, ihre Waffen aus Eisen geschmiedet, ihre Kopfbedeckung
+eine dreieckige, am Rande verbrämte Mütze, der sogenannte tatarische Hut,
+die der Frauen eine ellenhohe Pyramide aus leichtem Holz, deren Obertheil
+mit Pfauenfedern und Juwelen geschmückt, mit einem Flore bedeckt, welcher
+_Baghtak_ hiess, woraus die Missionäre _Botta_, die Venezianer _Bauta_
+gemacht. Die Weiber, deren grösste Schönheit die kleinste Nase, wie bei den
+Chinesen der kleinste Fuss, bereiteten den _Kumis_ und die getrocknete
+sauere Milch, welche _Kurut_[79] hiess; sie verfertigten alle Arten der
+Hausgeräthe, Kleider, Zelte, Reitzeug, Schilde, Schuhe, Socken, Betten, die
+vermählten mit weissem, bis auf die Brust reichenden Schleier verhüllt,
+ihre ledernen aufgeschlagenen Oberkleider hielt ein Gürtel um die Brust
+zusammen. Die Frauen, deren Zahl nur durch die Lust des Mannes oder durch
+seine Mittel, sie zu erhalten, beschränkt war, genossen grossen Ansehens
+und Einflusses, besonders die Mütter und die Stiefmütter, deren der Sohn
+nach des Vaters Tod gewöhnlich sich einige als Gemahlinnen aneignete. Sie
+glaubten, dass der Mann in jenem Leben seine Weiber wieder finde, aber
+damit der Herrscher bis zu ihrem Hinscheiden im anderen Leben nicht
+langweile, sandten sie ihm seine Beischläferinnen, dieselben schlachtend,
+ins Grab nach.
+
+[Randnote: Aberglaube und Gebräuche.]
+
+Von dem Aberglauben ist bereits des das Donnerwetter betreffenden erwähnt
+worden; wie sie glaubten, dass die _Kamen_ es beschwören könnten, so auch,
+dass es in ihrer Macht stände, mittels des Regensteines, _Dschade_ (welcher
+schon von Japhet her vererbt war), Regen zu machen, und die _Dschededschi_,
+d. i. die Regenmacher, vertraten bei dem mongolischen Heere die Stelle der
+Auguren des römischen. Zauberei wurde geübt, weil geglaubt, und war, wenn
+die Person des Herrschers mit ins Spiel kam, Majestätsverbrechen. Um sich
+wider die Wehen der Zauberei zu bewahren, mussten die zu Reinigenden
+zwischen zwei Feuern durchgehen, die polnischen und russischen Gesandten
+und die des Papstes im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, wie schon
+fünf und sechs Jahrhunderte früher der byzantinische Gesandte Zemarchos am
+Hofe des Königs der Türken durchs Feuer gereinigt ward.[80] Ihre Wahrsager
+wahrsagten besonders aus den Schulterblättern der Schafe; sie schwuren bei
+dem Blute geschlachteter Thiere, bei der in den Strom gestampften Erde, bei
+den abgehauenen Bäumen, bei dem Fleisch und Blut ihrer Herrscher, aber
+nicht im Namen Gottes. Ehe die Lehrer des Budhismus und des Islams die
+Mongolen bekehrten, verehrten sie ein höchstes Wesen, von Marco Polo
+_Natagai_, von Ssetsen _Hormusda_ genannt; das letzte ist gewiss der
+Hormusd der Maghen, das erste vielleicht nur die Verstümmelung des
+türkischen Wortes _Onggan_, d. i. Gott. Sie beteten die Sonne und Sterne
+sammt den Elementen an, und weihten diesen ihren Göttern, ehe sie assen,
+Speise und Trank. Bei dem Gebete wurden die Gürtel gelöst und über die
+Schulter geworfen, wie Tschengischan gethan, als er in der Nacht hinaus
+ging auf den Berg, um den Beistand des Himmels zu erflehen wider den
+Herrscher des himmlischen Reichs auf Erden. Einer der grössten Lobsprüche,
+welche ihm die Geschichte zollen muss, ist seine Duldung gegen alle
+Religionen. Uighurische Kamen und chinesische Bonzen hielten vor ihm
+Controverse, die Budhapriester erhielten die Erlaubniss, ihre
+Burhanenbilder aufzustellen, aber die Kamen blieben in nicht minderem
+Ansehen; neben ihnen wurden die Priester aller anderen Religionen,
+namentlich die _Arghaun_, d. i. die Christlichen, der Nestorianer geduldet.
+Zu Bochara war Tschengischan zwar in die Moschee geritten, stieg aber, als
+er hörte, das sei Gottes Haus, vom Pferde auf die Kanzel und ertheilte die
+Befugniss der allgemeinen Plünderung mit den Worten: Das Feld ist gemäht,
+gebt euren Pferden zu fressen, worauf die Korane unter die Hufe der Pferde
+getreten wurden und der Wein die Flur der Moschee überschwemmte, während
+die Imame oder Scheiche als Stallknechte die Pferde warten mussten; aber
+hingegen hatte er in der kleinen Bucharei, wo Kuschluk der Naimane den
+Islam unterdrückt, die freie Ausübung desselben gestattet. Diese allgemeine
+Duldung blieb Herrscherprincip der _Kaane_ und auch der persischen, und
+selbst noch zum Theile nach ihrer Bekehrung zum Islam. Ausser dem grossen
+Schmiedefest am neuen Jahrestag wurde alljährlich auch das des
+Geburtstages des Chan's, sowie die Thronbesteigung desselben mit
+Trinkgelagen gefeiert. Bei diesen Gelagen gab einer der Diener das Zeichen,
+indem er _Ha!_ schrie, zum Beginne der Musik; der Cythernspieler begann
+sein Spiel, die Männer tanzten vor dem Herrn, die Weiber vor der Frau des
+Hauses, Alle in die Hände klatschend. Nachdem der Hausherr getrunken,
+schrie der Diener wieder _Ha!_, der Cythernspieler verstummte, und nun
+tranken alle Gäste unter Gesang, der aber mehr ein Geheul.[81] Bei diesen
+Trinkgelagen wurden die Preise der Tapferkeit [_Ulisch_[82]] vertheilt, und
+dieselben leben noch zum Theil in den kalmukischen _Uerrus_ fort.[83] Das
+Seitenspiel zu diesem _Ha_rufe ist das Zetergeschrei von _Morio_ als
+_Mordio_, das sie während des Pferderennens oder Pfeilschiessens
+erhoben[84], indem sie die Hände ausstreckten. Im Kriege vermieden sie so
+viel als möglich das Gefecht von Mann zu Mann und suchten nur im Fliehen zu
+verwunden oder zu tödten; den Belagerten sicherten sie Schonung des Lebens
+und Eigenthums zu, hielten aber fast niemals Wort; die Besatzungen
+metzelten sie alle nieder und schonten manchmal nur der Künstler und
+Handwerker, die sie in die Sklaverei mit sich schleppten. Bei der
+Todtenzählung nach Schlachten oder Gefangnengemetzel wurde nach jedem
+geschlachteten Zehntausend Ein Leichnam mit dem Kopfe zur Erde, mit den
+Füssen in die Höhe als Trophäe aufgerichtet. Bei den Begräbnissen ihrer
+Fürsten wurden ihre Sklavinnen oder Beischläferinnen geschlachtet, wie
+schon Terxanthes, der Fürst der Türken, gefangene Hunnen am Grabe seines
+Vaters geschlachtet.[85] Bei dem Begräbnisse wurde gewöhnlich dem Todten
+ein Hengst, Stute oder Füllen mit ins Grab gegeben mit Sattel und Zeug,
+damit er im anderen Leben sogleich beritten sei, damit es ihm an
+Stutenmilch nicht fehle; ein anderes Pferd wurde zum Todtenmal geschlachtet
+und dann ausgestopft über dem Grabe aufgestellt; die Gräber der Vornehmen
+waren aus Stein, Häuser der Todten, nur Tschengischan hatte noch bei seinen
+Lebzeiten geboten, sein Grab geheim zu halten und ihn ohne Maal zu begraben
+unter einem grossen Baume im Walde von _Burhan Kaldun_.
+
+[Randnote: Tschengischan's Nachfolger.]
+
+Ungeachtet der klaren Anordnung Tschengischan's über die Nachfolge auf dem
+Throne blieb derselbe fast zwei Jahre lang ledig, wovon die Ursache wohl
+nur in der Umsicht Ogotai's, welcher seine Brüder Dschaghatai und Tuli und
+des Neffen Batu Pläne und Absichten kennen und prüfen wollte, ehe er den
+etwa von ihnen selbst gewünschten Thron bestieg. Diese Zögerung zeigt, dass
+es ihm auch mit der dreissigtägigen Weigerung auf dem zur Thronbesteigung
+im Familienhorde Tschengischan's zu _Keluran_ am Onon zusammenberufenen
+Kurultai der Prinzen einigermassen Ernst gewesen sein mag; erst am
+vierzigsten Tage zogen ihn sein Bruder Dschagatai und sein Oheim Utdschigin
+(der jüngste Bruder Tschengischan's) auf den Thron, sein jüngster Bruder,
+Tuli, brachte ihm knieend den mit Stutenmilch gefüllten Becher dar, im
+selben Augenblicke warf die ganze Versammlung die Mützen in die Höhe und
+den Gürtel über den Rücken, worauf er sich vor der Sonne anbetend
+niederwarf und mit neunmaliger Kniebewegung dem neuen Kaan huldigte. Die
+vorzüglichsten Prinzen, welche auf diesem Kurultai erschienen, waren nebst
+den zwei schon genannten Brüdern der Bruder _Gulgan_ und der Oheim
+_Belgetai_, sieben Neffen, Söhne _Dschudschi's_, von denen der zweite,
+_Batu_, der Herrscher in Kipdschak; dann die Neffen _Iltschidai_, der Sohn
+_Dschudschi Kasar's_, und _Karadschar Nujan_, welchem Tschengischan die
+Berathung des Thronfolgers anempfohlen. Um dem Herrscher im Grabe zu
+huldigen, wurden ihm vierzig seiner liebsten Sklavinnen unter die Erde
+nachgesandt; um seine Anordnung der Welteroberung nach allen vier
+Weltgegenden in Erfüllung zu sehen, ein dreifacher Heereszug beschlossen.
+_Dschurmaghun_ der Dschelaire wurde mit einem Heere nach Persien gesandt,
+um Dschelaleddin, den Schah von Chuaresm, welcher sich nach Tschengischan's
+Tod eines Theils des väterlichen Erbes bemächtigt hatte, zu vernichten.
+_Batu_ und seine Brüder wurden zur Eroberung des Westens, das ist
+Russlands, Polens, Ungarns und der angränzenden Länder befehligt[86];
+_Ogotai_ selbst zog wider China aus, um die vom Vater begonnene Eroberung
+des himmlischen Reichs zu vollenden. Unter ihm befehligten die Abtheilungen
+des Heeres _Subutai_, der eine der beiden Feldherren, welche vor sieben
+Jahren Persien bis nach Russland durchzogen, und _Tatschar_, der Sohn des
+hochbetrauten ersten Örlök _Bugurdschi_, dessen Stelle als Wesir jetzt
+einer der weisesten und menschlichsten und folglich grössten Wesire versah,
+deren die Geschichte erwähnt. _Mahmud Jelwadsch_ war ein Perser und Moslim,
+welchen sich die chinesischen Quellen aneignen, indem sie den Namen
+_Jelwadsch_ in _Jelui_ verstümmeln, ihn selbst zu einem Chitanen, Bekenner
+der Lehre des _Fo_, machen.[87] Sieben Jahre lang dauerte der Krieg im
+Osten und Westen, glorreich in den nördlichen Provinzen China's, in
+_Schensi_, _Petseli_ und _Iran_, in _Russland_, _Polen_ und _Ungarn_,
+erobernd und verheerend geführt. Die mongolischen Heere drangen zu gleicher
+Zeit bis an die Ufer des _Kara Muran_, d. i. der schwarzen _Mur_, oder des
+gelben Flusses in China und fast bis an die der weissschäumenden _Mur_ in
+Steiermark vor; China's Länder wurden bleibend erobert; mit dem Falle der
+Residenz _Peanking_, deren von Subutai dem mongolischen Heere versprochene
+Plünderung nur durch die Vorstellungen _Jelui Tschutsai's_ (Jelwadsch's)
+abgewendet worden, stürzte auch die Dynastie der goldenen Kaiser zusammen,
+deren letzter, von Tschengischan zuerst besiegter, sich erhing.[88] Im
+Westen waren die Heere Batu's über Russland, Polen und Ungarn bis nach
+Mähren, Oesterreich und Dalmatien vorgedrungen; sie erschienen belagernd
+vor den Mauern von Wienerneustadt und zogen vor denen Wien's vorbei; von
+denen von Olmütz, nachdem die Blüthe des mährischen und schlesischen Adels
+in der unglücklichen Schlacht von Lignitz geblutet, wehrte sie Jaroslav von
+Sternberg ab, von dessen Hand _Peta_, d. i. _Paidar_, der Sohn
+Dschagatai's, fiel, wie sein Bruder Mowatukan vor den Mauern Bamian's
+gefallen, wesshalb Olmütz für die Mongolen eine böse Stadt, wie sie Bamian
+und Koseslk nannten. Auf dem Rückzuge von China starb Tuli, welcher während
+des ganzen siebenjährigen Feldzugs dem Bruder eben so treu und tapfer als
+Feldherr gedient, als vormals dem Vater, nur vierzig Jahre alt, ein wahrer
+_Spiegel_ (was sein Name Tuli heisst) von Sohnespflicht und Brudertreue.
+
+[Randnote: Ogotai's Bauten, Feste, Jagden, Freigebigkeit und Unmässigkeit.]
+
+Die Verwaltung der von der goldenen Dynastie eroberten chinesischen Länder
+übertrug Ogotai dem weisen Wesire Jelwadsch, welcher schon im ersten Jahre
+des Feldzugs zehn Steuerämter zur Einrichtung und Einhebung der Steuern
+niedersetzte, deren jedes einen Präsidenten und Vicepräsidenten hatte und
+deren Beamte chinesische Gelehrte. [RN: I. J. 1230.] -- »Das Reich«,
+stellte der weise Staatsmann dem Herrn vor, »ist zu Pferd erobert worden,
+kann aber nicht zu Pferd regiert werden«; sechs Jahre hernach wurden die
+ersten Tresorscheine für die Summe von zehntausend kleinen Barren, d. i.
+für fünfzigtausend Unzen Silber, ausgegeben.[89] [RN: I. J. 1236.] Er
+stiftete zwei hohe Schulen, die eine zu Pingang in _Schendai_, die andere
+zu Peking in Petsche-li, wohin die mongolischen Emire ihre Söhne sandten,
+um in der Geschichte, Geographie, Arithmetik und Astronomie unterrichtet zu
+werden.[90] Durch Colonien, aus China weggeschleppte Maurer, Zimmerleute,
+Maler und Vergolder, wurde während des Feldzugs zu Karakorum, welches auf
+der Ostseite des Berges Utekian, in der Nähe des Flusses Orghan, ehemals
+die Residenz der Uighuren, die neue Residenz des Herrschers gebaut und
+geschmückt, welche _Ordubaligh_, d. i. Lagerballei, genannt ward, als
+Seitenstück zur chinesischen Residenz _Peking_, welche später unter Kubilai
+den Namen von _Chanbaligh_, d. i. Chansballei, erhielt.[91] In zwei
+besonderen Quartieren derselben wohnten die Moslimen und Chinesen von den
+Mongolen getrennt; an den nach den vier Himmelsgegenden gelegenen Thoren
+wurden die Märkte der Schafe und Ziegen, Ochsen und Pferde gehalten[92];
+zwölf Götzentempel, zwei Moscheen, eine christliche Kirche zeigten, dass
+nebst dem herrschenden heidnischen Kultus auch die freie Ausübung der
+anderen gestattet ward. Die Stadt wurde täglich durch fünfhundert Wagen
+verproviantirt, deren einige sehr gross, von acht Ochsen gezogen[93]; der
+Palast der Residenz hiess _Karschi_; Goldschmiede, unter denen ein
+französischer, von den Mongolen auf ihrem Raubzuge durch Ungarn von Belgrad
+weggeschleppter[94], arbeiteten an den goldenen und vergoldeten künstlichen
+Thieren, welche als Fontainen an festlichen Tagen statt Wassers _Kumis_,
+Wein, Meth[95] und Reisabsud spien[96]. Den Frühling brachte der Kaan auf
+den Weiden zu, wo vormals die Herden Efrasiab's geweidet haben sollen und
+wo er das Zelt _Gewher Chagan_, d. i. des Chakan's Edelstein, baute[97],
+den Sommer am Gebirge _Ormektu_[98], wo das goldene Zelt (Sira Ordu)
+aufgeschlagen, dessen Nägel Gold, das von innen mit goldenen Tapeten
+behangen, tausend Personen fassen konnte; den Herbst brachte er zu _Köschei
+Nawer_, vier Tagreisen von Karakorum, zu, und im Winter jagte er
+grösstentheils zu Ongko, an dem Gebirge von _Telenku_; nur einen Monat lang
+schenkte er seine Gegenwart der Residenz; zwei Parasangen davon hatte er
+ein hohes Köschk erbaut, welches _Terghubaligh_, d. i. Proviantballei,
+hiess; hier ward vor dem Einzuge in die Stadt Einen Tag Rast gemacht, an
+welchem der ganze Hofstaat einfarbig gekleidet erscheinen musste. Während
+des Aufenthalts in der Residenz (Karschi) wurden täglich Feste gegeben und
+die reichsten Geschenke gespendet, denn Ogotai war an Freigebigkeit ein
+zweiter _Hatim_; die Zeit verging unter Bogenschiessen, Scheibenwerfen,
+Ringen, Jagen. Vor der Stadt war ein Stück Landes im Umfange von zwei
+Tagreisen mit einem Walle aus Lehmen und Reisig als Park umfangen, in
+welchen das grosse, auf dreissig Tagreisen ausgedehnte Jagdrevier des
+Heeres, immer näher zusammenrückend, das ganze Wild der Gegend hineintrieb.
+Die Prinzen und Emire erlegten dasselbe in des Chanes Gegenwart; das
+erlegte wurde unter den Hofstaat und das Volk vertheilt. In Chorasan wurde
+die Stadt Herat, welche bei der Eroberung durch das Blutbad von
+hundertachtzigtausend ihrer Bewohner entvölkert und niedergebrannt wurde,
+wieder aufgebaut; fünfzigtausend Gefangene wurden zu diesem Ende dahin
+befehligt. Die Statthalterschaft Chorasan's war dem Uiraten _Arghun_
+anvertraut[99], die von Persien dem _Körges_ (Blindaug), welcher mit
+Dschurmaghun nach Persien gekommen; über die Länder vom Gebirge Chankai bis
+an den Oxus war Mesud, der Sohn von Jelwadsch, als Statthalter bestellt.
+Ogotai's Freigebigkeit kannte keine Gränzen, aber auch nicht seine
+Unmässigkeit im Trinken, welche seinen frühzeitigen Tod herbeiführte; sein
+Bruder Dschagatai hatte ihn beschworen, sich die Zahl der Becher zu
+mindern; er minderte die Zahl, nahm aber Becher von grösserem Umfange.
+_Abika_, die Schwester _Sijurkukteni's_, die Gemahlin Tuli's, um deren Hand
+Tschengischan vergebens bei Owangchan geworben und die heimlich an einen
+Tafeldecker vermählt an der chinesischen Gränze ihren Jurt hatte, kam
+alljährlich mit ihrem Sohne, welcher mit dem Amt eines Mundschenken
+bekleidet war, zur Aufwartung. Eines Nachts, wo ihr Sohn den Wein kredenzt
+hatte, starb Ogotai. [RN: 11. Dec. 1241.] Man wollte Abika und ihren Sohn
+der Vergiftung beschuldigen, aber Iltschidai und die anderen Emire
+vertheidigten ihre Unschuld, indem es klar war, dass Ogotai im Uebermasse
+des Rausches vom Schlage getroffen worden.[100]
+
+[Randnote: Turakina's Regentschaft.]
+
+Ogotai hatte vier grosse Frauen Gemahlinnen und sechzig Beischläferinnen,
+aus den letzten nur zwei Söhne; die Mutter der fünf anderen war die zweite
+der vier Gemahlinnen, _Turakina_, aus dem Stamme Ohos Merkit, welche von
+Tschengischan ihrem Gemahle Tairosun, dem Fürsten der Merkit, geraubt und
+dem Sohne Ogotai zur Frau gegeben worden, wiewohl jenem früher die
+Prinzessin Kulan, die Tochter Tschengischan's, vermählt war; sie war nicht
+schön, aber den Mangel an Schönheit ersetzte Herrschsucht und List, wodurch
+sie nach Ogotai's Tod die Kaanschaft ihrem Sohne _Gujuk_ verschaffte,
+wiewohl Ogotai dieselbe dem _Schiramun_, dem Sohne seines geliebten, vor
+ihm verstorbenen Sohnes Kutschu, bestimmt hatte. Nach dem mongolischen
+Familiengesetze war sie nach des Gemahles Tod als Mutter die Regentin,
+welcher alle Stämme bis zur Thronbesteigung des neuen Herrschers gehorchen
+mussten. Durch die Künste ihrer Herrschsucht und List verlängerte sie die
+Regentschaft vier volle Jahre, während welcher sie Alleinherrscherin der
+Mongolen. Sie begann ihre Herrschaft mit der Absetzung des Staatssecretärs
+Ogotai's, des Uighuren _Tschinkai_[101], welcher die Worte Ogotai's
+aufgezeichnet, und entzog ihr Vertrauen dem weisen Mahmud Jelwadsch, dem
+Chuaresmier, welcher schon von Tschengischan als Gesandter an Chuaresmschah
+verwendet, seinen Beinamen vermuthlich dieser Gesandtschaft dankt, wiewohl
+Jelwadsch eigentlich nur einen Gottesgesandten, einen Propheten
+bedeutet.[102] Turakina hatte ihr unbeschränktes Vertrauen in
+Finanzgegenständen dem Moslim Abderrahman geschenkt, welcher zu Ende der
+Regierung Ogotai's sich als Pächter der Staatseinkünfte China's mit
+Verdoppelung des bisherigen Pachts von Einer Million auf zwei angetragen.
+Jelwadsch stellte dagegen vor, dass man wohl fünf Millionen jährlich
+erpressen könne, aber das Land zu Grund richten würde; der Pacht ward
+dennoch bewilligt, und Abderrahman und die Moslimin Fatima, welche bei der
+Verheerung von Tus geraubt worden, leiteten die Rathschläge Turakina's.
+Bald nach dem Tode Ogotai's hatte dessen Oheim _Utdschigin_, der jüngste
+Bruder Tschengischan's, Miene gemacht, sich der obersten Herrschaft
+bemächtigen zu wollen, indem er mit Truppen der Residenz nahte. Turakina
+sandte ihm Wort: warum er mit so zahlreichem Gefolge seine Tochter zu
+besuchen käme? und sandte ihm seinen Sohn, der am Hofe Ogotai's verweilte,
+zurück. Utdschigin antwortete, dass er blos gekommen, ihr sein Beileid über
+den Tod des Gemahls zu bezeigen, und kehrte zurück. Der ausgeschriebene
+Landtag hatte endlich am See _Köke_[103] statt, wo Ogotai den Herbst
+zuzubringen pflegte. Der lange Aufschub rührte vorzüglich von Batu her,
+welcher die Regentin nicht liebte, und ein Uebel am Fusse vorschützte, um
+nicht auf dem Kurultai zu erscheinen; endlich versprach er zu kommen,
+sandte aber seiner statt seine Söhne und Enkel; auch der Temgu Utdschigin
+erschien mit achtzig seiner Söhne; die Frau Sijurkukteni, die Wittwe Tuli's
+mit ihren Söhnen und die Dschagatai's[104]; ausserdem die Statthalter des
+Reichs: der von Chorasan und Persien, _Arghun_; der von _Uighuristan_ und
+Turkistan, _Mesud_, der Sohn von Jelwadsch; von den zinsbaren Fürsten
+_Rukneddin_, der Seldschuke Rum's, _Jaroslaw_, der russische Grossfürst,
+zwei Prinzen _David_, die sich um den Thron Georgiens stritten, der Bruder
+des Herrschers von Mossul, aus dem Hause Ejub, die beiden Gebieter von
+Kurdistan, _Schemseddin_ und _Schihabeddin_, im Namen des Fürsten der
+Assassinen, die Herren von Rudbar und Alamut, _Fachreddin_ der Richter der
+Richter, von Seite des Chalifen von Bagdad, der Gesandte des Fürsten von
+Fars und Kerman, und im Namen des Papstes Innocenz des vierten die beiden
+Franziskaner: der Pole Benedict und der Franzose Plan Carpin, deren letztem
+wir das treue Gemälde des Kurultai und tatarischer Sitte in seiner
+Reisebeschreibung verdanken. Zugleich waren vier Dominikaner Missionäre an
+_Baidschu Nujan_[105], den mongolischen Befehlshaber in Persien,
+abgegangen, von denen aber nur Simon von Saint Quentin über die
+Missionsreise kurzen, im Geschichtsspiegel des Vincenz von Beauvais
+erhaltenen, Bericht hinterlassen.
+
+[Randnote: Gujuk's Thronbesteigung.]
+
+Durch vier Tage wechselten die Prinzen und ihr Gefolge den Anzug, indem sie
+am ersten Tage in weissen Kleidern, am zweiten in rothen, am dritten in
+violeten, am vierten in scharlachfarbenen erschienen; zwei Eingänge führten
+zum grossen Wahlzelte, in welchem Raum für zweitausend Personen; einer der
+Eingänge unbewacht, nur für den Herrscher; der andere von Bogenschützen
+besetzt, welche die, denen der Eingang nicht gestattet war, abwehrten. Die
+Thronbesteigung sollte schon am Tage der Himmelfahrt Mariä statthaben, ward
+aber ob eines fürchterlichen Hagels und Schneegestöbers (welches in der
+Hälfte Augusts für die Rauheit des Klima's im Gebirge von Karakorum zeugt
+und den mongolischen Volksaberglauben der donnerbeschwörenden Uriankuten
+und der hagelmachenden Schamanen erklärt) bis an den Bartholomäustag
+verschoben. [RN: 24. August 1246.] Turakina hatte für ihren Plan, den Thron
+ihrem ältesten Sohne Gujuk zuzuwenden, die Stimme Sijurkukteni's und ihrer
+Söhne gewonnen, und der Minister _Kaidak_, Chinese, wie _Tschinkai_,
+leiteten die Wahl. Gujuk, von heftigem und wankelmüthigem Sinne[106],
+verstand sich zur Annahme des ihm von der Mutter bestimmten Thrones nur
+unter der Bedingniss, dass die Fortdauer der Herrschaft in seinem Uluse
+beschworen werde. Der Vertrag ward mit der Formel unterzeichnet: »dass, so
+lange vom Stamme des Kaan's ein Stück Fleisch übrig, an der Herrschaft kein
+Anderer Theil nehmen solle«.[107] Dem Gujuk, wiewohl noch nicht zum
+Herrscher ausgerufen, wurden schon ausschliessliche Ehren erwiesen; wenn er
+aus seinem Zelte ging, traten ihm Sänger vor und die Hofdiener neigten vor
+ihm ihre Ceremonienstäbe mit den rothen Quasten.[108] Als man endlich mit
+dem Wahlvertrage im Reinen, hatte die Feierlichkeit der Thronbesteigung
+statt. Gujuk wurde auf einen goldenen Stuhl gesetzt, und die Prinzen und
+Nujanen erklärten, dass sie ihn zum Herrscher wollten. Gujuk fragte: ob sie
+bereit, seinem Worte zu gehorchen, zu gehen und zu kommen nach seinem
+Befehl und zu tödten auf seinen Wink? und als sie dies bejaht, sagte er: So
+wird dann künftig sein mein Wort als Schwert. Sie gaben ihre Zustimmung,
+setzten ihn vom goldenen Stuhle auf eine Filzdecke auf die Erde und sagten:
+Schaue auf zu Gott im Himmel und nieder auf den Filz zur Erde; wenn du gut
+regierst, wenn du gerecht, freigebig, die Prinzen und Freiherren ehrst,
+wird dir die Erde unterthan sein nach deinem Willen; im Gegentheil wirst du
+arm, verachtet und elend sein und nicht einmal der Filz wird dein gehören,
+auf dem du sitzest[109]. Dann setzten sie neben ihn seine Gemahlin
+Oghulkaimisch die Merkitin, hoben sie beide auf dem Filze empor und riefen
+ihn als Chakan und _Moilchan_ und sie als grosse Frau der Mongolen aus. Die
+Mützen flogen in die Luft, die Gürtel wurden über die Schulter geworfen,
+die ganze Versammlung beugte neunmal das Knie, drei Becher von Stutenmilch,
+Wein und Meth wurden ihm dargebracht, und als er aus dem Zelte ging, fiel
+das versammelte Volk und Heer dreimal vor ihm nieder[110]; sieben Tage
+dauerte das Fest, während welches vom Zelte des Chakan's Fleisch und Salz
+und Stutenmilch ausgetheilt ward[111]. Die Frauen hatten ihre Sitze links
+des Thrones, auf der rechten Seite standen nur die Prinzen[112]; die
+Nujanen hatten ihre Sitze inmitten des goldenen Thronzeltes; die der Frauen
+waren von weissem Filz; die Diplome wurden erneuert, die Jurte und
+Privilegien bestätigt, die Statthalterschaften vertheilt. Die Feldherren
+_Subutai Behadir_ und _Dschaghan_ wurden nach China, _Iltschikidai_ mit
+einem schweren Heere nach Westen zur Schlichtung der Angelegenheiten Rum's
+und Georgien's abgeordnet, dem _Arghun_ wurde die Reichshut wider die
+Schlösser der Assassinen in Chorasan und Kuhistan aufgetragen, die
+Gesandten von Alamut und die des Chalifen wurden mit drohenden Briefen
+entlassen, indem über den Fürsten der Assassinen _Arghun_, der Statthalter
+von Chorasan, über den Chalifen sich _Schiramun_, der Sohn Dschurmaghun's,
+des vormaligen Feldherrn in Persien, beklagt hatten. Die Finanzverwaltung
+von China war in den Händen Abderrahman's; Mesud, der Sohn von Jelwadsch,
+behielt die Verwaltung Turkistan's; die Wesirschaft war zwischen den beiden
+Chinesen _Tschinkai_ und _Kaidak_ getheilt, unter denen die nestorianischen
+Priester hoch das Haupt empor trugen und auf deren Einfluss die Missionäre
+des Papstes die Hoffnung der Bekehrung des Chan's zum Christenthume bauten.
+Turakina starb schon zwei Monate nach ihres Sohnes Thronbesteigung, und
+ihre Günstlingin Fatima ward unter der Anklage, dass sie dem Prinzen Kulan,
+dem Bruder des Chan's, eine Krankheit angezaubert, als Zauberin ertränkt.
+Im Frühjahre des zweiten Jahres seiner Regierung ging Gujuk von Karakorum
+gegen Imil, sein Stammgebiet; die Wittwe Tuli's sandte hievon Batu, dem
+Herrscher von Kipdschak, Kunde, um ihn zu warnen, dass der Marsch wider ihn
+gerichtet sein könnte; auf demselben starb Gujuk im drei und vierzigsten
+Jahre als ein Opfer seiner Ausschweifungen in Trunk und Weibern.
+
+[Randnote: Mengku's Thronbesteigung.]
+
+Der Tod Gujuk's ward nach der von Tschengischan herrührenden Staatsmaxime
+geheim gehalten, bis der Aelteste der Familie (dies war Batu, der Herrscher
+von Kipdschak) davon verständigt; er war auf Sijurkukteni's Warnung vom
+Marsche Gujuk's demselben entgegengezogen und bis nach _Kialik_ gekommen,
+als er die Kunde des Todes erhielt. Die Regentin, die Frau Oghulkaimisch,
+sandte an ihn Botschaft im Namen ihrer Söhne, von denen der älteste,
+Chodscha Aghul, den Thron vermöge der Jasa und des noch bei der
+Thronbesteigung seines Vaters unterzeichneten Familienvertrags in Anspruch
+nahm; aber auch die Frau Sijurkukteni, Wittwe Tuli's, die Mutter vier
+seiner neun Söhne, nämlich: _Mengku's_, _Kubilai's_, _Hulagu's_ und _Arik
+Buka's_, sandte Botschaft, um seine Stimme für den ältesten derselben zu
+gewinnen. Sijurkukteni war die Nichte Owangchan's, eine Frau von
+ausserordentlichem Geiste und Verstande, unstreitig die grösste aller
+Frauen, von denen die mongolische Geschichte ein Paar Hundert, in die der
+Herrscher verflochten, erwähnt. Hochangesehen durch ihre Geburt als die
+Nichte des grossen Herrschers der Kerait aus seinem Bruder Hakembo, war sie
+es noch mehr durch die Verschwägerung mittels ihrer drei Schwestern, von
+denen _Begtutmisch_ eine der vier grossen Frauen Dschudschi's und also die
+Stiefmutter Batu's, und vermöge der mongolischen Sitte, nach welcher die
+Söhne nach des Vaters Tod die Stiefmütter zu Gemahlinnen nahmen, eine der
+Frauen Batu's oder doch wenigstens von grossem Einflusse in seinem
+Frauengemach; ausser diesen Vortheilen ihrer Geburt und Verschwägerung
+genoss sie des höchsten Ansehens als die grosse Frau Tuli's, des Herdhüters
+des Hauses Tschengischan's, als die Mutter seiner vier obgenannten Söhne
+und als eine Frau von grosser Staatsklugheit. Durch diese hatte sie immer
+den Herrscher Batu sich und ihren Söhnen günstig zu erhalten gewusst; als
+Batu den kranken Fuss vorgeschützt, um sich der Gegenwart beim Kurultai der
+Thronbesteigung Gujuk's zu entheben, hatte sie ihre Söhne an ihn gesandt,
+um sich nach seiner Gesundheit an erkundigen; als Gujuk gegen die Gränze
+marschirte, hatte sie ihm die früheste Kunde und Warnung gegeben, und fand
+ihn also ihren Wünschen geneigt; ausserdem hatte sie als grosse
+Menschenkennerin die durch Talente oder Heldenmuth ausgezeichnetsten
+Männer der verschiedenen Stämme als Erzieher oder Umgebungen ihrer Söhne an
+sich zu ziehen gewusst und sich mit dem Bollwerke ihres Kopfs und Arms
+umgeben.[113] Die zahlreichsten Prinzen auf diesem Kurultai waren die der
+Uluse Dschudschi und Tuli. _Iltschikidai_ der Dschelaire, der Befehlshaber
+in Persien, brachte den versammelten Prinzen den bei der Thronbesteigung
+Gujuk's unterschriebenen Familienvertrag in Erinnerung: dass, so lang ein
+Stück Fleisch von seinem Hause übrig wäre, sie aus keinem anderen den
+Herrscher wählen würden. Ihr habt, entgegnete Kubilai, zuerst die Jasa
+Tschengischan's gebrochen, indem ihr seine Tochter _Atalun_ (die Gemahlin
+Dschawer Satschan's des Olkoniten) getödtet, indem ihr die durch Ogotai's
+letzten Willen seinem Enkel _Schiramun_ bestimmte Thronfolge dem Gujuk
+zugewendet. Diese Einwendung unterstützte das Ansehen Batu's und der
+Oberrichter[114] Mingkasar Nujan, welcher den Heldenmuth Mengku's, des
+ältesten Sohnes Tuli's, und die von ihm in dem chinesischen Feldzuge noch
+unter dem Grossvater Tschengischan und dann im siebenjährigen westlichen
+Kriege wider Europa geleisteten grossen Dienste anpries. Die Prinzen trugen
+den Thron Batu als dem Aeltesten des Hauses an; da dieser denselben aber
+ausschlug, übertrugen sie ihm die Ernennung des Herrschers, und Batu
+ernannte dazu Mengku, den ältesten Sohn Tuli's. Mengku entschuldigte sich,
+aber sein Bruder _Muke_ bemerkte, dass, da Alle versprochen, sich dem
+Ausspruche Batu's zu fügen, so sei hier Unterwerfung auch für Mengku
+Pflicht; demnach ward ihm als künftigem Herrscher gehuldigt und Batu selbst
+brachte ihm den Becher dar; zugleich ward ausgemacht, dass, da die
+Versammlung nicht vollständig, nächsten Frühling im Stammgebiete Keluran
+auf vollzähligem Kurultai die Thronbesteigung gefeiert werden, unterdessen
+die Frau Oghulkaimisch die Regentschaft führen solle. Die Söhne Gujuk's
+ziehen ihren Stellvertreter, der hiezu beigestimmt, überschrittener
+Vollmacht, die Prinzen des Uluses Dschagatai und Ogotai weigerten sich, auf
+dem Kurultai zu erscheinen; da sandte Batu seine beiden Brüder, Berke und
+Tokatimur, mit zahlreichem Heere, um den Mengku trotz ihrer Abwesenheit als
+Kaan auszurufen. Drei Jahre nach dem Tode Gujuk's wurde Mengku unter den
+gewöhnlichen Feierlichkeiten als Kaan und Moilkan ausgerufen. [RN: 1. Juli
+1251.] Es wurde ein Regierungsbefehl erlassen, vermöge dessen befohlen
+ward, nicht nur der Menschen, sondern auch der Lastthiere zu schonen,
+verboten, die Thiere, deren Fleisch gegessen, anders als nach mongolischer
+Sitte zu erwürgen, die Reinheit des Wassers zu trüben. Sieben Tage dauerte
+das Krönungsfest, an deren jedem neues Kleid von anderen Farben angezogen,
+täglich das Fleisch von hundert Pferden und Ochsen, fünftausend Schafen
+verzehrt, die Ladung von zweitausend Wägen Weins und Kumis ausgetrunken
+ward.
+
+[Randnote: Hinrichtungen der Prinzen; Feldzug gegen Osten und Westen.]
+
+Während der Feste kam ein Soldat der Leibwache[115], welcher sein Maulthier
+verloren, dasselbe zu suchen ausgegangen, in grösster Eile (er hatte in
+Einem Tage den Marsch von dreien durchmessen) mit der Kunde, dass die
+Prinzen des Uluses Ogotai, Schiramun, Baghu und Kutuktu mit versteckten
+Waffen, die sie in bedeckten Wägen mit sich führten, im Anzuge. Mingkasar
+ging ihnen mit Truppen entgegen, überfiel sie und führte sie ins Lager mit
+sich; hier brachten sie nach mongolischer Sitte ihre Geschenke, neun
+verschiedene Dinge und von jedem neun Stücke, dar; aber am dritten Tage
+wurden sie beim Eintritt in's Zelt verhaftet und von Mengku selbst verhört.
+Der Hofmeister Schiramun's gestand, geprügelt, den Auftrag, und Mengku
+übertrug nun das Gericht über die Schuldigen dem Mingkasar; dieser sprach
+über dieselben nach der Jasa die Todesstrafe aus. Siebzig Prinzen und
+Nujanen wurden hingerichtet, unter den letzten zwei Söhne Iltschikidai's,
+des Feldherrn in Persien, deren Vater zu Badgis verhaftet, zu Batu geführt,
+von diesem hingerichtet ward. Die Todesart der Nujanen war, dass man ihnen
+den Mund mit Steinen füllte und sie so erstickte; die der Prinzen, dass man
+sie in seidene Tapeten einwickelte und darin zu Tode rollte[116].
+Katakasch, die Mutter Schiramun's, die Nichte Altschi Nujan's, sandte Bitte
+an Sijurkukteni, die Schuld ihres Sohnes bekennend und für denselben um
+Verzeihung flehend; auf die Fürbitte der Mutter schenkte Mengku den
+Aghlanen, d. i. den Prinzen Schiramun, Chodscha Aghul, Baghu aus dem Uluse
+Ogotai, Jesenbuke aus dem Uluse Dschagatai, das Leben, indem er sie nach
+China sandte, dem Chodscha Aghul aber, welchem die Thronfolge gebührt
+hätte, einen Jurt an der Selenga anwies[117]; auch den beiden grossen
+Söhnen Ogotai's, _Timur_ und _Melik_, und denen Kutan's wurde das Leben
+geschenkt, aber in der Folge, als Mengku selbst nach China zog, wurde der
+Prinz Schiramun ertränkt. Seine Mutter Katakasch und Oghulkaimisch, die
+Wittwe Gujuk's, wurden das Jahr hierauf vor das Gericht Mingkasar's
+gestellt, beide als überwiesen, dass sie die Söhne zur Widerspenstigkeit
+bei dem Kurultai der Thronbesteigung aufgehetzt, zum Tode verurtheilt und
+in Filz eingewickelt ersäuft. Kaidak und Tschinkai, die beiden Räthe der
+Oghulkaimisch, wurden hingerichtet. Buri, der Enkel Dschagatai's, wurde an
+Batu ausgeliefert, der ihn um einige Schimpfreden, die er wider ihn
+ausgestossen, tödten liess. So waren ausser siebzig Nujanen die Kaiserin
+Oghulkaimisch und die Mutter Schiramun's, welcher von Ogotai zur Thronfolge
+bestimmt worden war, als Opfer der Herrschaft des Uluses Tuli's gefallen.
+Der Idikut, d. i. Fürst, der Uighuren, welchem Turakina die Herrschaft über
+das Land verliehen, wurde, von einem Moslim eines Mordplans wider alle
+Moslimen in seinem Lande angeklagt, vor das Gericht des unerbittlichen
+Mingkasar gestellt; von diesem auf die Folter gelegt, bekannte er sich
+schuldig, wurde zur Todesstrafe verurtheilt und nach Pischbaligh gesandt,
+um dieselbe zu erleiden; an einem Freitage, als die Moslimen in die
+Moschee gingen, wurde er zu ihrer grossen Freude geköpft; die Stelle des
+Scharfrichters vertrat sein eigener Bruder, welchem Mengku die Herrschaft
+des Landes der Uighuren verlieh. Berke Aghul und Buka Timur, die beiden
+Söhne Batu's, wurden mit Ehren nach Kipdschak, so auch Kara Hulagu, der
+Enkel Dschagatai's, aus dessen vor Bamian's Mauern gefallenem Sohne
+_Muwatukan_, mit der Oberherrschaft seines Uluses entlassen; Mohammed
+Jelwadsch, welcher, als Mengku einen Augenblick über die Strafe der
+schuldigen Prinzen unschlüssig, denselben nach der aus der römischen
+Geschichte bekannten Anekdote, der vom Vater Tarquinius als Antwort auf des
+Sohnes anfragende Botschaft stillschweigend abgehauenen höheren Pflanzen,
+zur Todesstrafe bestimmt hatte, ward wieder die Finanzverwaltung von China,
+und seinem Sohne Mesud die Statthalterschaft über die Länder zwischen dem
+Oxus und Irtisch anvertraut, dem Aghun die Statthalterschaft über ganz
+Persien, von Chorasan bis nach Armenien und an die syrische Gränze
+bestätiget. Mingkasar war der Oberrichter, der Christ Bulghai stand an der
+Spitze der Staatskanzlei, in welcher Sekretäre für die Ausfertigungen in
+sieben Sprachen: Perser, Uighuren, Araber, Chinesen, Tibeter, Mandschu und
+Tanguten angestellt waren. Kuikur, der Sohn Dchudschi Kasar's, des Bruders
+Tschengischan's, erhielt die Befehlshaberschaft der Residenz Karakorum;
+Befehle wurden erlassen, um dem Misbrauche der von Ogotai eingesetzten
+Posten _Jam_[118] zu steuern, indem die Kuriere und Gesandten den Bauern
+die Pferde wegnahmen; die Abgabe _Kuntschur_ von den Herden wurde auf Eines
+vom Hundert bestimmt; die Herde, die nicht Hundert zählte, war davon frei.
+In Persien wurde nach dem Fusse der von Jelwadsch in Transoxana
+eingeführten Besteuerung der Kopfsteuer, je nach dem Vermögen von Einem bis
+zehn[119], in China von Einem bis fünfzehn Dukaten festgesetzt.
+Forderungen von Kaufleuten, welche für die unter Gujuk gelieferten Waaren
+keine Bezahlung erhalten hatten, wurden mit fünfzigtausend Silberbalischen
+befriedigt[120]; hingegen zog er alle Ländereien ein, deren sich nach dem
+Tode Gujuk's seine Wittwe Oghulkaimisch und ihre Söhne Chodscha und Baghu
+bemächtigt hatten, welche siebzehntausend Balische Gold eintrugen[121]. Der
+Bruder Kubilai wurde mit einem Heere nach China befehligt, und bei dem
+Aufbruche desselben hielt der Kaan ein Kurultai, von Festen aller Art
+begleitet; auf diesem erschienen der Richter Schemseddin von Kaswin,
+welcher wider die ihn aufsuchenden Dolche der Assassinen zum Throne des
+Kaans flüchtete, und Abgeordnete Baidschu Nujan's, des Befehlshabers in
+Irak, welcher sich über den Chalifen von Bagdad beklagte. Da beschloss
+Mengku den Krieg wider die Assassinen und den Chalifen und übertrug die
+Führung desselben seinem Bruder Hulagu. Da einige Geschichtschreiber den
+Anfang der Herrschaft der Mongolen in Persien von diesem Jahre an rechnen,
+wiewohl Hulagu erst drei Jahre später dort als Eroberer einzog, so wird
+auch das folgende Buch am bessten mit dem Feldzuge, dessen angekündigter
+Zweck die Zerstörung der Herrschaft der Assassinen und des Chalifats,
+beginnen, aber zuvor thut noch zur Orientirung des Lesers vonnöthen ein
+Ueberblick der damals, das ist in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts
+der christlichen Zeitrechnung, in Asien dem Reiche der Mongolen
+gleichzeitigen asiatischen Dynastien.
+
+[Randnote: Dynastien im Osten Asiens.]
+
+China, dessen nördliche Hälfte unter Mengukaan, dessen südliche unter
+Kubilai zu dauerndem Besitze und zur Gründung der Dynastie _Juan_, d. i.
+der Mongolen, erobert worden, liegt hier eben so, wie das indische Reich
+von Dehli, dessen grosse Stadt _Lahur_ noch unter Gujuk's Regierung von den
+Mongolen belagert und für kurze Zeit erobert worden war[122], ausser dem
+Bereiche dieses Ueberblicks, welcher blos die unmittelbar mit der
+mongolischen Dynastie in Persien bei der Eroberung desselben oder später
+verflochtenen asiatischen Reiche und Dynastien ins Auge nimmt. Wir wenden
+den Blick nach sechs Seiten, so dass derselbe Persien selbst und seine
+Gränzländer in Osten, Westen, Süden, Norden, sammt dem äussersten des
+westlichen Asiens, bis wohin sich das Reich und die Macht der Ilchane
+erstreckte, in sich begreift. Im Osten zuerst nach dem _indischen_
+Gränzreiche, nach _Chorasan_, d. i. dem Ostlande, dem persischen
+Oesterreich und dem daran stossenden _Kuhistan_; im Süden gegen _Kerman_
+und _Jesd_, dann nach Persien im engsten Sinne, nach _Fars_, dem persischen
+_Irak_ und den beiden dazu gehörigen _Luristan_; im Westen nach dem
+_arabischen Irak_, dem Sitze des Chalifats, und nach dem Reiche der
+Seldschuken in _Rum_; im Norden nach _Gilan_, _Georgien_ und _Armenien_;
+endlich nach dem entfernten _Syrien_ und _Aegypten_ und dem
+_byzantinischen_ Reiche:
+
+I. An der indischen Gränze, von deren Deckung gleich beim ersten Feldzuge
+Hulagu's die Rede sein wird, herrschte die in der ersten Hälfte des
+dreizehnten Jahrhunderts gegründete Dynastie der _Chuldschen_, d. i. die
+fünfte der _Ghur_, nachdem die drei früheren dieses Namens zu _Ghasna_,
+_Bamian_ und _Kabul_ erloschen, während die vierte, nämlich die der
+_Ulugschahe_, mit ihnen gleichzeitig zu Dehli herrschte. Die Benennung der
+zweiten tatarischen Dynastie, unter welcher _Ferischte_, der grosse
+Geschichtschreiber der moslimischen Reiche in Indien, die Chuldschen
+aufführt, könnte gelten, wenn es wahr wäre, dass sie von einem Eidam
+Tschengischan's, Namens _Choldsch_, abstammen; aber keiner der Eidame
+Tschengischan's trägt diesen Namen und keine derselben waren _Choldsche_
+oder _Challadsche_ (das indische Choldsch ist blos eine Verstümmelung des
+Namens der _Challadsch_ oder _Kaladsch_), welche, wiewohl Türken von
+Abkunft, von Reschideddin den uneigentlichen Mongolen beigesellt werden. In
+der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts herrschte aus dieser Dynastie
+_Dschelaleddin Firus_, welcher sich der Stadt Dehli bemächtigte, und dessen
+vier glänzende Siege der grosse persische Dichter Chosrew von Dehli, in
+einem besonderen: _die Eroberung der Eroberungen_[123] betitelten Werke
+beschrieben, und dessen Sohne _Alaeddin_ ein anderes seiner Werke, nämlich
+_die Vereinigung der beiden glücklichen Gestirne_[124], gewidmet. Chosrew
+von Dehli war der Lobredner Dschelaleddin's und Alaeddin's, der beiden
+grossen Herrscher der Chuldschen, wie ein halbes Jahrhundert später
+_Wassaf_, der Lobredner der beiden Herrscher der Ilchane, _Chodabende_ und
+_Ebu Said_. II. In _Chorasan_ war erst vor einigen Jahren zu Herat die
+Dynastie der _Kert_ durch Schemseddin Mohammed gegründet worden, welchem
+Tschengischan bei der Eroberung Herats den Besitz desselben eingeräumt,
+Mengku, welchem er mit reichen Geschenken seine Huldigung darbrachte, die
+Herrschaft von Herat und Ghardschistan bestätigte. In dem unmittelbar an
+Herat anstossenden und längs der südlichen Gränze von Chorasan sich
+hinziehenden Kuhistan, das ist dem Gebirgslande, sandten: III. die
+Assassinen von ihren hundert Schlössern den Meuchelmord wider alle ihre
+Feinde aus. Der siebente Grossmeister dieser Meuchelmörder, _Alaeddin
+Mohammed Gurschah_, sass seit zwanzig Jahren als Alter vom Berge auf dem
+Stuhle, auf welchen den neunjährigen Knaben die nächsten Verwandten, welche
+den Vater vergiftet, gesetzt und dem er, vom eigenen Sohne gemordet,
+entsank.
+
+[Randnote: Dynastien im Süden Persiens.]
+
+IV. _Kerman_, die südliche Landschaft Persiens, kam nach dem Untergange der
+Herrschaft der Bujiden in die Macht der Seldschuken, von deren
+fünfgetheilten Herrschergeschlechte ein Zweig den Namen von Kerman führt,
+und blieb im Besitze der Söhne Kaurdin's bis zur Regierung Dscheladdin
+Chuaresmschahs, zu dessen Zeit der Kämmerer _Borrak_, zum Islam bekehrt,
+vom Chalifen mit der Herrschaft dieses Landes belehnet und mit dem
+Ehrentitel _Kotlogh Sultan_, d. i. der gute Sultan, ausgezeichnet ward.
+Kotlogh Sultan war mit dem Atabegen von Jesd Ghajaseddin in vielfältige und
+langwierige Streitigkeiten verwickelt, welche in der _welteröffnenden
+Geschichte_ Dschuweini's erzählet sind. Der Sohn Kotlogh Sultan's
+_Rukneddin_ erhielt trotz der Empörung Kutbeddin's, des Neffen Borrak's,
+vom ersten Nachfolger Tschengischan's von Ogotai die Belehnung von Kerman,
+Kutbeddin gewann aber mächtigen Schutz am Hofe des Kaan, indem er seine
+Schwester dem Kasar Beke und eine Tochter dem Ssahib Habesch Amid
+vermählte; zwei Söhne aus dieser Ehe waren in der Folge die Stützen des
+Throns von Kerman wider Kutbeddin, welcher von Ogotai nach China gesandt,
+durch den Schutz des Grosswesirs Jelwadsch von Mengkutaan das Diplom der
+Herrschaft Kerman's erhielt. Kutbeddin schickte mit der Botschaft der
+Belehnung einen Gesandten an Rukneddin, [RN: 650/1252] der, als er beim
+Atabegen von Fars Mosaffereddin Ebubekr vergebens Hilfe gesucht und auch
+beim Chalifen Mosteaassim keine gefunden hatte, sich im folgenden Jahre
+nach Almaligh zum Kaan Mengku begab, wo auch der Nebenbuhler um den Thron
+Kutbeddin mit ihm zugleich eingetroffen. Diesem bestätigte Mengku, und
+später auch Hulagu die Herrschaft, die er bis zu seinem, ein Paar Jahre
+später erfolgten Tode behielt. [RN: 658/1258] Fast noch weniger als die
+Geschichte der Sultane Kermans aus der Familie Borrak ist die der Atabegen
+von Jesd aus der Familie Kakuje bisher europäischen Geschichtschreibern
+bekannt. V. Die Atabege von Jesd leiten ihren Ursprung vom Dilemiten _Ebu
+Dschaafer Mohammed Kakuje_ ab, dessen Namen die Araber in _Kakeweih_, so
+wie den der _Buje_ in _Boweih_, und den der _Fasluje_ in _Fasleweih_
+verstümmeln; er war der Oheim _Side Chatun's_, der Mutter Medschdeddewlets
+des Bujiden und Statthalters von Issfahan; sein Sohn _Ebu Manssur Firamurs_
+hatte vom Seldschuken Toghrul vor einem Jahrhunderte die Herrschaft von
+Jesd erhalten; [RN: 443/1052] ihm war in derselben sein Sohn _Emir Ali Ben
+Firamurs_ gefolgt, [RN: 536/1142] welcher im Kriege wider die Karachitanen
+fiel. Sultan Sindschar, der grosse Herrscher der persischen Seldschuken,
+verlieh die Herrschaft von Jesd dem _Sam Ben Wirdan_, [RN: 515/1122] einem
+Abkömmlinge aus einer Tochter Emir Ali's, als Stellvertreter desselben. Sam
+Ben Wirdan umfing das Grab Ali's zu Meschhed mit einer Mauer und
+verherrlichte Jesd durch den Bau einer grossen Moschee. Er überliess die
+Herrschaft seinem Bruder _Iseddin Beschker_, [RN: 590/1194] welcher, ein
+tapferer Fürst und Feldherr, von den Seldschuken mit der Statthalterschaft
+von Schiras und Issfahan betraut worden, zu Anfang des Jahrhunderts starb;
+[RN: 604/1208] ihm folgte sein Bruder _Wirdansor_ durch zwölf Jahre, und
+dann dessen Bruder _Ebu Manssur_, beigenannt Kutbeddin der Choldsche, [RN:
+gest. 616/1219] nach ihm dessen Sohn _Mahmud_ durch dreizehn Jahre, und
+nach diesem dessen Sohn _Salghurschah_, [RN: 621/1231] der Erbauer der nach
+ihm genannten Stadt _Salghurabad_, und dann dessen Sohn _Toghanschah_, der
+neunte der Herrscher der Familie Kakuje, der Zeitgenosse Hulagu's[125],
+welcher das Dasein dieser Herrscherfamilie duldete, bis nach zwei späteren
+Herrschern (Alaeddewlet und dessen Bruder _Jusufschah_), zu Ende des
+dreizehnten Jahrhunderts, Jesd von Ghasan erobert und dessen Ertrag den
+Einkünften des Diwans einverleibt ward.
+
+[Randnote: Die Dynastien in Fars.]
+
+In Persien herrschten ausser den Atabegen von Jesd noch die von Schiras,
+insgemein bekannt unter dem Namen der Salghuren, und zu Darabscherd, einer
+Landschaft von Fars, die Dynastie Schebankjare[126] aus der Familie
+_Fasluje_. VI. Die Vorfahren _Fasl Ben Emir Fasluje's_ waren ursprünglich
+die Ispehbede, d. i. die Heerführer von Fars; schon zur Zeit Omar's, als
+Jesdedschird, der letzte Chosroes der Sasan, vor den arabischen Heeren nach
+Issfahan flüchtete, versammelten sich um ihn die Grossen der Schebankjare,
+welche mit den Einwohnern der Ebne Run bei Darabscherd einen Bund des
+Friedens aufrichteten, während Jesdedschird nach Kerman ging. Ali Ben
+Fasluje war die rechte Hand Horbeid's, des Schwagers Jesdedschird's, und
+sein Nachkömmling zur Zeit Alp Arslan's des Seldschuken, der obengenannte
+Emir Fasl Ben Fasluje's, insgemein _Fasluje Ben Hasuje_ genannt, Isfehsalar
+d. i. General der Reiterei. Unter der Regierung Adhadeddewlet's des grossen
+Fürsten der Ben Buje überzog dessen Statthalter zu Schiras, _Tasch
+Ferrasch Schebankjare_, das Land mit einem Heere, [RN: 430/1038] und zu
+dieser Zeit siedelte sich die Familie Fasluje in der Ebene von Run, in der
+Nähe der Stadt Darabscherd, an; fünfzehn Jahre später bemächtigten sie sich
+des Gebietes von Fars, zu dessen Verwaltung Emir Schebankjare Fasluje
+angestellt worden. Kaurdin, der Bruder Alparslan's, des Seldschuken von
+Kerman, verheerte Fars, Fasluje flüchtete zu Alparslan, und pachtete von
+ihm Fars und Darabscherd für siebenundzwanzig Millionen Dirhem; da er sich
+wider seinen Lehensherrn empörte, überzog ihn Nisameddin, der grosse
+Grosswesir Melekschah's, mit Krieg, und der Atabege Dschelaleddin Dschanli
+der _Chuansalar_, d. i. Obersttruchsess, schlug sich mit dem Erbauer der
+Residenz zu Darabscherd, dessen langer Namen _Nisameddin Mahmud Ben Jahja
+Ben Hasuje_. Dschanli starb während des Feldzugs an einem Blutflusse; ihm
+folgte sein Sohn _Mobariseddin_, dann dessen Sohn _Nisameddin II._, dann
+der Bruder _Mosaffer Mohammed_, [RN: 624/1227] welcher, ein weiser und
+gerechter Fürst, seit vierzehn Jahren herrschte, als Hulagu gegen den
+Westen aufbrach. Von allen Dynastien, welche zur Zeit Hulagu's in Persien
+herrschten, ist keine merkwürdiger als die VII. der Atabegen Salghuren,
+deren Geschichte die Hälfte des zweiten Buchs von der Wassaf's füllt, und
+die er mit besonderer Vorliebe und Ausführlichkeit behandelt, weil Fars das
+Stammland Persiens und Schiras seine Geburtsstadt; auch wir werden in der
+Folge die Geschichte derselben ausführlicher als die aller übrigen
+Dynastien erzählen, weil die Regierung der fünf ersten Fürsten, welche alle
+den Vornamen _Mosaffereddin_, d. i. _die mit dem Siege der Religion
+Betheilten_, führten, eine schöne Zeit des Flores der Herrschaft und der
+Wissenschaft, des Lebensgenusses und der Poesie, und weil der Namen des
+letzten _Ebubekr Ben Saad's_ schon durch _Saadi's Gülistan_ allein
+unsterblich. Hier genüge es zu sagen, dass von dem Ende der Herrschaft der
+Dilemiten bis zu dem Auftritte des ersten Salghuren _Sonkar Ben Mewdud_ in
+der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des zwölften der
+christlichen Zeitrechnung, Fars durch sieben Atabege, Statthalter der
+Seldschuken, verwaltet worden. Der erste _Fasluje Schebankjare_, dessen
+schon oben bei der Dynastie dieses Namens Erwähnung geschehen, und von dem
+die Dichter, auf dessen Namen _Fasl_, d. i. Trefflichkeit, Verdienst,
+Wohlthat und Huld anspielend, gesagt:
+
+ Vor Gott, dem Allverehrten, war er Huld und Glück,
+ Den Uebermuth des Aufruhrs hielt _Faslui_ zurück.
+
+Der zweite _Rokneddewlet_, d. i. die Reichssäule _Chumar Tegin_, ertrank;
+der dritte _Dschelaleddin Dschanli_ verheerte das Gebiet der Dynastie
+Schebankjare; der vierte _Karadschu_ baute eine Medrese zu Schiras und ward
+zu Hamadan erschlagen; der fünfte _Mengubers_ baute eine Medrese, an der er
+begraben liegt, dessgleichen seine Gemahlin _Sahide_ die Medrese _Issmeti_
+zu Schiras; der sechste _Bosabe_ ward, wiewohl ein gerechter und billiger
+Herr, gewaltsam getödtet, [RN: 543/1148] und der siebente _Melekschah_
+hielt der letzte das Ansehen der Seldschuken aufrecht, welchem _Sonkar Ben
+Mewdud_, der Gründer der Dynastie der Salghuren, ein Ende machte, indem er
+sich zum Atabegen unabhängigen Herrscher, aufwarf.
+
+[Randnote: Die Dynastien von Gross- und Klein-Luristan.]
+
+Mit der Familie Fasluje's, welche zu Schebankjare herrschte, sind die
+sogenannten _grossen Fasluje_ nicht zu vermengen, welche in Gross-Luristan
+unter dem Namen der grossen Atabege, so wie die Familie Chorschid in
+Klein-Luristan unter dem Namen der kleinen Atabege herrschten. Die beiden
+Provinzen haben ihren Namen von zwei Brüdern, _Lor_ oder _Lur_, welche dort
+Statthalter im dritten Jahrhunderte der Hidschret, später über die Stämme
+herrschten, welche um's Jahr fünfhundert der Hidschret vom Berge Saumal im
+nördlichen Syrien in dieses südöstliche Gebirgsland Persiens eingewandert,
+sich unter Anführung Chorschid's in Klein-Luristan niederliessen; von ihrer
+westlichen Abstammung heissen sie die Könige des Westens[127]. VIII. In
+Gross-Luristan dienten die Anführer dieser ausgewanderten Stämme _Ali_ und
+dessen Sohn _Mohammed_ den Atabegen Salghuren, und _Abu Tahir_, der Sohn
+Mohammed's, stand dem Atabegen Sonkar wider die Schebankjare bei. Sonkar,
+der Salghure, sagte zum Abu Tahir: er möge sich eine Gnade erbitten; Abu
+Tahir begehrte erst den Pfeil, dann das Pferd des Atabegen, und als ihn
+dieser noch mehr begehren hiess, die Erlaubniss, Luristan von den Feinden
+der Atabege zu reinigen; er eroberte es, erklärte aber sich selbst zum
+unabhängigen Fürsten und Atabegen. [RN: 550/1155] Bei dieser Gelegenheit
+siedelten sich zahlreiche Stämme aus Syrien in Luristan an, und vertrieben
+die _Scholen_ oder _Schulen_, welche die Ureinwohner des Landes. Abu Tahir
+hatte fünf Söhne, deren ältester _Hesarsif_ in beständigem Kriege mit
+_Tikle_ dem Atabegen Salghuren von Fars. Hesarsif verheerte das Gebiet der
+Salghuren, und unterwarf sich das Land bis auf vier Farasangen von
+Issfahan. Hesarsif erhielt für seinen Sohn Tikle, welcher denselben Namen
+trug wie der Atabege Salghure von Fars, weil er von mütterlicher Seite ein
+Enkel desselben, ein Herrscherdiplom vom Chalifen Nassir; der Salghure Saad
+sandte Heere wider Tikle, welcher dieselben schlug, und auch wider
+Hosameddin Chalil, den Neffen Schudschaaeddin's von Klein-Luristan,
+siegreich Krieg führte; endlich kamen aus Chusistan zwei Feldherren des
+Chalifen, welche den Bruder Tikle's gefangen nahmen. Tikle tödtete den
+einen, nahm den anderen gefangen und löste denselben für den Bruder aus.
+Tikle war der Beherrscher Gross-Luristan's, als Hulagu wider Bagdad zog.
+Zur selben Zeit herrschte in Klein-Luristan der kleine Atabege Bedreddin
+Mesud, welcher sich dem Dienste der Mongolen stellte. IX. Die Dynastie der
+kleinen Atabege in Klein-Luristan begann ein halbes Jahrhundert später als
+die der Atabege von Gross-Luristan. _Schudschaaeddin Chorschid_, d. i. _der
+Tapfere der Religion, die Sonne_, eroberte das Land, nahm, der erste, den
+Titel _Atabeg_ an, und starb nach vierzigjähriger Regierung über hundert
+Jahre alt; [RN: 580/1184] ihm folgte sein Neffe _Rustem_, ein gerechter
+aber strenger Fürst, den sein Bruder _Scherefeddin Ebubekr_ ermordete;
+dieser wurde von seinem Weibe vergiftet; sein Bruder _Iseddin Kerschasif_
+nahm den Thron ein und die Frau _Melike_, seines Bruders Gemahlin, die
+Tochter Schihabeddin Suleimanschah's, zur Frau; in langwierigen Krieg mit
+Hosameddin Chalil, dem Neffen Schudschaaeddin's, verwickelt, schloss er mit
+demselben Frieden, ward aber von ihm erschlagen. [RN: 640/1242] Die Wittwe
+Melike Chatun sandte ihre drei Söhne (_Schudschaaeddin Chorschid_,
+_Ssafeddin Rustem_ und _Nureddin Mohammed_) zu ihrem Bruder
+_Suleimanschah_, der mit Hosameddin den Krieg so erbittert führte, dass sie
+sich in Einem Monate ein und dreissigmal schlugen; nach einigen Jahren kam
+es in der Ebene von Schabur zu einer entscheidenden Schlacht, in welcher
+Suleimanschah von sechzigtausend Reitern des Chalifen unterstützt ward,
+während das Heer Hosameddin's nur aus dreitausend Reitern und neuntausend
+Fussgängern bestand; dennoch wurde Suleiman Anfangs in die Flucht
+geschlagen, trug aber den Sieg davon, und improvisirte, als man ihm den
+Kopf Hosameddin Chalil's brachte, vier Verse darauf, in denen eben so viele
+Wortspiele:
+
+ Chalil der Arme war sich selber nicht bewusst,
+ Er hatte eingepflanzt der Seele Frühlingslust[128];
+ Ein _Diw_, begehrte er das Reich von Suleiman,
+ Zuletzt im _Diwan_ Salomoni's abgethan.
+
+Die Herrschaft kam an den obengenannten _Bedreddin Mesud_, den Bruder
+Iseddin Kerschasif's.
+
+[Randnote: Dynastien i. arab. Irak, in Syrien, Aegypten und Arabien.]
+
+Im arabischen Irak herrschten, ausser X. den Chalifen zu Bagdad, in der
+Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts noch drei Dynastien, deren Fürsten den
+Titel von Atabegen, das ist von Hofmeistern (Hausmayern) führten. Von einem
+Dutzend von Dynastien, welche in der morgenländischen Geschichte unter
+diesem Namen berühmt, waren die von _Damaskus_, _Haleb_, _Aserbeidschan_
+und _Irbil_ bereits erloschen, und es bestanden nur noch die schon
+erwähnten persischen der Atabege von _Jesd_, _Darabscherd_, _Schiras_,
+_Gross- und Klein-Luristan_, und die nun zu erwähnenden von _Mossul_,
+_Dschesire_ und _Sindschar_. XI. Zu Mossul herrschten seit einem
+Jahrhunderte sechszehn Atabege aus der Familie Amadeddin Sengi's, deren
+Thron vom Chalifen Bagdad's dem _Bedreddin Lulu_, Obersthofmeister der
+beiden letzten Fürsten, verliehen worden; dieser füllte den Thron rühmlich
+vierzig Jahre lang und ward von Hulagu, dem er nach Bagdad's Eroberung zu
+huldigen kam, gnädig aufgenommen. XII. Die Dynastie der Atabege von
+_Sindschar_, deren Herrschaft vor einem Jahrhunderte[129] begonnen, hatte
+nur durch ein halbes Jahrhundert geherrscht, und ihre Herrschaft war nach
+Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, Tode dem Sohne desselben,
+Mosaffer von Beibars, dem Sultane Aegyptens, zugesprochen worden; eben so
+war die Linie der Atabegen Mossul's, welche seit acht und vierzig
+Jahren[130] XIII. zu Dschesire geherrscht, erloschen, und an ihre Stelle
+_Modschahid_, ein anderer Sohn Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul,
+getreten, so dass Bedreddin Lulu und seine drei Söhne (der dritte folgte
+ihm als Herr von Mossul nach) als unumschränkte Herrscher in die
+Fussstapfen ihrer vorigen Herren getreten. XIV. Zu _Mardin_ herrschte ein
+Zweig der _Beni Ortok_, deren Hauptlinie von Diarbekr seit zwanzig
+Jahren[131] erloschen war; aber aus derselben Familie herrschten zu Mardin
+schon seit hundert sechs und achtzig Jahren[132] Fürsten, deren Dynastie
+erst im Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung
+erlosch.[133] _Ilghasi_, der Gründer dieser Dynastie, Sultan Melekschah's
+des Seldschukiden Statthalter zu Bagdad, hatte sich Nissibin's und Mardin's
+bemächtigt; ihm war sein Sohn _Hosameddin Timurtasch_ und sein Sohn
+_Nedschmeddin_, diesen die beiden Söhne _Hosameddin II._ und _Nassireddin_
+und diesem der Sohn _Melik Said_ gefolgt, welcher der sechste Herrscher
+dieser Dynastie, auf die Festigkeit seiner Residenz trotzend, der
+Belagerung Hulagu's widerstand. Auch zu Miafarakain hatte noch vor dreissig
+Jahren Suleiman, ein Sohn Ilghasi's Ortok, geherrscht, aber zur Zeit
+Hulagu's war diese Stadt im Besitze _Kjamil's_ des Ejubiden. XV.
+Miafarakain's Fürstenthum ist also das zehnte des zehnzweigigen mächtigen
+Herrscherstammes der Beni Ejub (die neun anderen, die von _Kairo_,
+_Damaskus_, _Haleb_, _Hama_, _Himss_, _Kerek_, _Baalbek_, _Hossnkeif_ und
+_Jemen_); von diesen zehn Dynastien der Beni Ejub bestanden in der Hälfte
+des dreizehnten Jahrhunderts nur noch im arabischen Irak die von
+_Miafarakain_ und _Hossnkeif_, und in Syrien die vier von _Haleb_, _Hama_,
+_Himss_ und _Kerek_. Kjamil war der fünfte Herrscher der Beni Ejub zu
+Miafarakain; seine Vorfahren _Melikol-aadil_, der Bruder Ssalaheddin's,
+dann _Melik el-eschref_, _Melik el-ewhad_, _Melik el-mosaffer_, die drei
+Söhne _Melik el-aadil's_; der Sohn des letzten war _Melik Kjamil_, der
+Grossneffe Ssalaheddin's, welcher den Versuch, den Waffen der Mongolen zu
+widerstehen, mit dem Verluste seiner Hauptstadt und des Lebens bezahlte.
+XVI. Die Dynastie der Beni Ejub zu Hossnkeif hatte vor zwanzig Jahren
+begonnen[134], indem Melik Ssalih Nedschmeddin von seinem Vater Kjamil die
+Städte Amid und Hossnkeif erhalten; nachdem Kjamil, um Aegyptens und
+Syriens Herrschaft zu übernehmen, sich dahin begeben, blieb sein Sohn Melik
+Moaasem Turanschah im Besitze des väterlichen Gebiets, und als auch dieser
+dem Vater auf dem Throne Aegyptens gefolgt, verlieh er die Herrschaft von
+Amid und Hossnkeif seinem Sohne _Melik Mowahid_, der wie sein Vetter von
+Miafarakain ein Opfer seines Widerstandes unter dem Schwerte der Mongolen
+fiel. Vier andere Söhne der Beni Ejub herrschten in Syrien. XVII. Zu _Hama_
+Melik Manssur II., der bei Annäherung der Mongolen nach Aegypten flüchtete.
+Der Gründer des Hauses war Takjeddin, der Enkel Ejub's, aus dessen Sohn
+Schehinschah, von seinem Oheim Ssalaheddin als Herr von Hama installirt,
+sein Sohn Nachfolger _Melik Manssur I._ ob seiner wider die Kreuzfahrer
+erfochtenen Siege und des Schutzes, den er Gelehrten und Dichtern
+angedeihen liess, von jenen in zahlreichen ihm gewidmeten Werken, von
+diesen in Siegeshymnen und Elegien gepriesen. XVIII. Die Dynastie der Beni
+Ejub zu Himss leitet ihren Ursprung von Esededdin Schirkuh, dem jüngeren
+Bruder Ejub's, ab, welcher vom grossen Nureddin zum Statthalter vom Himss
+bestellt worden war. Ssalaheddin bestätigte seinem Neffen und getreuen
+Begleiter auf allen Feldzügen _Melik Nassireddin Mohammed_ des Vaters
+Statthalterschaft als Eigenthum; nach dessen schnellem Tode verlieh er die
+Herrschaft zwar dem Sohne desselben _Melik Modschahid Schirkuh_, zog aber
+das väterliche Vermögen ein, das er nur, durch einen vom zwölfjährigen
+Neffen citirten Koransvers gemahnet, zurückgab; dem Modschahid folgte sein
+Sohn _Manssur Ibrahim_, der den Chuaresmern tapferen Widerstand geleistet,
+und nach ihm sein Sohn _Melik Eschref Mosafereddin Musa_, der Zeitgenosse
+Hulagu's, von diesem, weil er ihm gehuldigt, in der Herrschaft bestätigt.
+XIX. Die Dynastie der Beni Ejub zu Kerek begann unter _Melik Aadil
+Seifeddin Ebubekr_, welcher vom Bruder Ssalaheddin die eroberte Stadt
+erhielt; nach des Bruders Tod zur Herrschaft von Damaskus berufen, übergab
+er Kerek seinem Sohne _Melik Moaasem Isa_, welchem der Sohn Melik Nassir
+Daud und diesem _Melik Moghis Fetheddin Omar_ folgte, der Zeitgenosse
+Hulagu's, von diesem ob des Briefwechsels mit Beibars getödtet. Beibars war
+der vierte Sultan der Mamluken in XX. Aegypten, deren Dynastie gleichzeitig
+mit der persischen Hulagu's in Persien emporstieg, und als eine
+Nebenbuhlerin derselben um Syriens Herrschaft in der Folge genauere Kunde
+erfordern wird. So herrschte auch zu Mekka der vierte Herrscher der XXI.
+Dynastie der Beni Kitade, welcher nach den erloschenen drei Dynastien der
+_Beni Ochaissar_, _Musa sani_ und _Beni Haschim_ seit einem halben
+Jahrhunderte auf dem Throne sass, welchen der vierte Herrscher _Ebu Nemi
+Mohammed_ durch sieben und vierzig Jahre gefüllt.
+
+[Randnote: Dynastien des nördl. Persiens, Armeniens, Georgiens u.
+Kleinasiens.]
+
+Wir wenden uns nun zuletzt nach dem Norden und zwar zuerst nach den
+nördlichen Landschaften Persiens, nach Taberistan und Masenderan, wo seit
+der Hälfte des ersten Jahrhunderts der Hidschret bis in die Hälfte des
+fünften die zwei Dynastien _Bawendije_, auf einander folgend, geherrscht;
+aus der zweiten, im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen
+Zeitrechnung[135] erloschenen, erstand in der Hälfte des vierzehnten ein
+Zweig derselben in der Dynastie _Dschelawije_. Das Stillschweigen der
+Geschichte durch diese anderthalb Jahrhunderte[136] beweiset, dass
+Taberistan während dieser Zeit keine eigenen Herrscher hatte; in Gilan
+herrschten XXII. die Beni _Badusian_ schon seit dem vierzigsten Jahre der
+Hidschret zu Rujan und Rustemdar; der Gründer _Badusian_[137] war ein
+Nachkömmling des Schmiedes Kjawe, des Befreiers seines Vaterlandes von der
+Tyrannei, dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann Reichspanier.[138]
+Sie führten den besonderen Titel _Astandar_, welches in der bisher ganz
+unbekannten Mundart Taberistan's gleichbedeutend mit _Scheichol Dschebal_,
+d. i. des Alten vom Berge wie der Grossmeister der Assassinen, hiess,
+welcher diesen Namen von den früheren Herrschern Kuhistan's aus der
+Dynastie Bawend geborgt. Die beiden Alten des Gebirgs, der von _Alamut_ und
+der von _Rustemdar_, bekriegten sich um die Hälfte des sechsten
+Jahrhunderts als unversöhnliche Feinde; aber nach dem Tode Keikawu's Ben
+Hesarsif's schlug sein Sohn und Nachfolger Schehrnusch den
+entgegengesetzten Pfad ein, und trat selbst in die Fussstapfen der
+Assassinen, seiner Verbündeten. Nach Schehrnusch herrschte sein Bruder
+_Isfendiar Kerkud_, nach ihm sein Neffe _Serin Kemer_, d. i. Goldgürtel,
+der Erste der Sohn Hesarsif's, dann Goldgürtel der Zweite, der Sohn
+Chassin's, der ein und zwanzigste Herrscher der Beni Badusian; diesem war
+zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[139]
+sein Sohn _Bisutun_, diesem nach zehnjähriger Regierung der Sohn
+_Fachreddewlet_, diesem nach zwanzigjähriger Regierung der Sohn
+_Hosameddewlet Ardeschir_ und diesem der Bruder _Iskender_ gefolgt. Sein
+Nachfolger _Isfendiar Schehrahim_, der jüngste Fürst der Beni Badusian,
+regierte drei und dreissig Jahre lang als Zeitgenosse Hulaguchan's und
+Abaka's; von diesen wurden die Herrscher Gilan's in Ruhe gelassen, und die
+Eroberung des Landes erst unter ihrem Nachfolger _Oldschaitu_, dem achten
+Ilchane Persiens, versucht. XXIII. Der König Kleinarmeniens war Hetum oder
+Haithon I., der vierte Fürst seiner Dynastie durch fünf und vierzig Jahre,
+während welcher er in häufiger Berührung mit Hulagu und dem Bruder
+desselben, dem Grosskaan Mengku; ein nicht minder historisch wichtiger, in
+die Geschichte der Mongolen eingreifender, grosser Herrschercharakter ist
+XXIV. die Königin von Georgien, _Russuldan_, die Tochter der _Tamar_, nach
+deren Tode das georgische Reich unter die beiden Davide, welche bei der
+Thronbesteigung Gujuk's erschienen, nämlich zwischen ihrem Vetter David
+Narin und ihrem Sohne _David Ssosslan_, getheilet ward. Dieser erhielt das
+obere Georgien, d. i. _Karthli_, _Kachethi_, _Achal-ziche_ und _Schewar_;
+der andere Niedergeorgien, d. i. _Imerethi_, _Mingrelien_, _Sswanethi_,
+_Dschikhethi_ und _Abchasethi_; nach Mengkukaan's Tode zeichnete Hulagu den
+David, Sohn der Russuldan, seiner Tapferkeit willen besonders aus. XXV. Das
+Reich der Seldschuken in Rum beherrschte der zwölfte Sultan derselben,
+_Iseddin Keikawus II._, erst allein, dann mit seinen Brüdern _Rukneddin
+Kilidscharslan IV._ und _Alaeddin Keikobad II._, von welchen der vorletzte
+bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen war. In Nicäa endlich thronte
+XXVI. der griechische Kaiser Vataces, dessen drei und dreissigjährige
+Regierung, ein Muster von Weisheit und Staatsklugheit, die Wiedereroberung
+Konstantinopels aus den Händen der Lateiner vorbereitete, und dessen
+Gesandte sich mit denen _Innocenz IV._ am Hofe Mengukaan's
+zusammenfanden.[140] Der Papst und die Könige von Frankreich und Ungarn
+verkehrten mit den Herrschern der Mongolen durch Gesandtschaften; aber
+weder die fränkischen Kaiser von Konstantinopel, noch die Reste der
+Kreuzfahrer in Syrien kamen mit denselben in unmittelbare Berührung, wie
+die hier aufgeführten sechs und zwanzig asiatischen Dynastien, welche die
+Zeitgenossen Hulagu's. Wie an der Pforte Mohammed Chuaresmschahs, des
+mächtigsten Herrschers Asiens vor Tschengischan, sieben und zwanzig
+besiegte oder huldigende Prinzen fünfmal des Tages die Heerpauken schlugen,
+so schlugen diese sechs und zwanzig, dem Ursprunge des mongolischen Reichs
+in Persien gleichzeitigen Dynastien, welche demselben widerstanden,
+erlagen, gehorchten, huldigten oder vor demselben zitterten, gleichsam an
+der Pforte desselben die Heerpauke der Herrschaft.
+
+
+
+
+Zweites Buch.
+
+ Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug nach Persien
+ wider die Schlösser der Assassinen und Bagdad; Rückblick auf die
+ Chalifen und die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte
+ Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung und Verwüstung
+ Bagdad's; Hinrichtung des Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin;
+ der Herrscher von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten;
+ die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's und Gross-
+ und Klein-Armenien's.
+
+
+[Randnote: Hulagu.]
+
+_Hulagu_ oder, wie die Mongolen den Namen schreiben und sprechen, _Chulagu_
+war der fünfte Sohn Tuli's, des jüngsten Sohnes Tschengischan's aus der
+Frau Sijurkukteni, der Nichte Owangchan's, welche ihm vor Hulagu den ersten
+Mengku, den vierten Kubilai, und Arikbuga, den siebenten seiner neun Söhne,
+geboren. Als vor sechs und zwanzig Jahren (zwei vor seinem Tode)
+Tschengischan das letztemal in seinen Jurt zurückgekehrt, um das grosse,
+durch Jagden gefeierte _Kurultai_ der Familie zu halten, bei welchem alle
+Söhne mit ihren Frauen und Kindern erschienen (den ältesten Dschudschi
+ausgenommen, der seiner statt nur ein herrliches Geschenk von Pferden
+gesandt), kamen ihm die beiden Enkel, Kubilai und Hulagu, jener zehn,
+dieser neun Jahre alt, mit dem ersten Wilde, das sie erjagt, jener mit
+einem Hasen, dieser mit einem Rehe entgegengelaufen. Tschengischan vollzog
+an ihnen beiden den mongolischen Jagdgebrauch der _Fetteinschmierung_[141],
+welcher darin besteht, den Jünglingen oder Knaben, welche das erste Wild
+erlegt, den Daumen mit dem Fette und Fleische desselben einzuschmieren, was
+als eine günstige Vorbedeutung für die künftige Laufbahn der beiden Prinzen
+mit Festen gefeiert ward; in jedem Falle eine minder unmenschliche
+Vorbedeutung als die Handvoll geronnenen Blutes, mit welcher Tschengischan,
+zur Welt gekommen, die er erobernd in Blut getränkt und die so grausam in
+Erfüllung gegangen; auch diese vom Grossvater Welteroberer selbst
+vollzogene Fetteinschmierung ging an beiden Enkeln, künftigen Herrschern,
+Eroberern und Stiftern von Dynastien in Erfüllung, indem Beide sich Reiche
+erbeuteten, der Jäger des Hasen das chinesische, als Stifter der
+mongolischen Dynastie der Juan, und Hulagu das persische, als Gründer der
+Dynastie der Ilchane. Hulagu war nun fünf und dreissig Jahre alt, in voller
+Reife männlicher Kraft, von welcher das Dasein von zehn Söhnen, die ihm von
+vierzehn, die er hatte, in diesem Alter bereits geboren waren, sprechender
+Beweis. Wir können also die Zahl seiner Frauen und Kinder, welche die
+Biographie sonst gewöhnlich am Ende des beschriebenen Lebens aufnimmt, am
+bessten sogleich überblicken, weil die grösste Anzahl derselben schon
+vorhanden, und die Namen der in der Folge vorkommenden Frauen und Kinder
+dann keiner weiteren Einführung bedürfen. Hulagu hatte sechs Frauen
+Gemahlinnen, aus deren vieren ihm sechs Söhne und drei Töchter, indem die
+anderen acht der zweimal sieben Söhne und die anderen vier der sieben
+Töchter aus zwölf Beischläferinnen geboren wurden, welche die Geschichte
+aus der grossen Zahl derselben nennt, weil sie Mütter von Prinzen oder
+Prinzessinnen. Von diesen zwölf Beischläferinnen waren drei[142] aus dem
+Lager der ersten seiner Gemahlinnen, der grossen Frau _Tokus_, und vier aus
+dem Lager seiner fünften Gemahlin, der Konghuratine _Kutui_ Chatun, ein
+Umstand, der vielleicht weniger für ihre Bereitwilligkeit, dem Gemahle
+gefällig zu sein, als für ihren guten Geschmack, sich mit schönen
+Sklavinnen zu umgeben, beweiset; die Beischläferinnen werden am
+schicklichsten mit den Namen der Söhne und Töchter, durch welche der ihrige
+in der Geschichte in Vorschein gekommen, genannt werden; aber der sechs
+Gemahlinnen wollen wir zuerst und besonders erwähnen, weil dieselben als
+Frauen des grössten Ansehens und Einflusses genossen; als Frauen
+Gemahlinnen trugen sie den hohen pyramidenförmigen, mit herabfallendem
+Schleier bedeckten mongolischen Kopfschmuck _Baghtak_, dessen Namen die
+europäischen Reisenden in _Botta_, die Venezianer in _Baiuta_ verstümmelt
+haben.[143]
+
+[Randnote: Die Gemahlinnen Hulagu's.]
+
+Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den Mongolen immer den
+andern weit voraus und welche die Frau und Gebieterin des Harems, wie noch
+heute bei den Perserinnen die grosse Frau[144], war _Tokus Chatun_, d. i.
+die Frau _Neun_, die Keraitin, welche der Vater Tuli kurz vor seinem Tode
+zur Frau genommen, aber ohne dieselbe zu berühren gestorben war. Nach der
+mongolischen Sitte, vermöge welcher die Söhne die vom Vater hinterlassenen
+Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward dieselbe mit Hulagu vermählt,
+sobald das Heer auf dem Rückmarsche aus China den Oxus passirt hatte. Tuli
+war in seinem vierzigsten Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn Jahre
+alt; seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht viel älter, hätte
+also wohl bald ihrem stiefmütterlichen Ansehen als wirkliche Mutter neues
+Gewicht beifügen können; allein sie ward nie Mutter und behauptete sich
+dennoch bis zu ihrem Tode in dem höchsten Ansehen als grosse Frau und
+Gebieterin des Frauengemachs, als die erste Rathgeberin und mütterliche
+Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt, dass sie vielleicht um Vieles
+älter, erst dem Vater Tuli und dann dem Sohne von der Mutter des letzten,
+der staatsklugen _Sijurkukteni_, ihrer Tante, mehr an die Hand, als ins
+Bett gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin und ihre Schwester
+_Tukini_ zur Beischläferin, die ihm eben so wenig als die Schwester Kinder
+gab. Sie waren beide die Töchter _Ettiko's_, des zweiten Sohnes
+Owangchan's, die Nichten der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche
+die Tochter Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren also beide die
+Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijurkukteni, und in der freien
+Ausübung ihres Cultus eben so wenig beirrt, als ihre Tante Sijurkukteni vom
+Gemahle Tuli. Inmitten des Lagers Hulagu's hatte sie ihre von
+nestorianischen Christen bediente Kapelle mit Glockengeläute, die grosse
+Beschützerin der Christen und Missionäre bei ihrem Gemahle. Wie sich Hulagu
+zwei Schwestern Keraitinnen, die eine als Frau, die andere als
+Beischläferin, genommen, so auch zwei Gemahlinnen Schwestern aus dem mit
+dem Hause Tschengischan's so vielfach verschwägerten Stamme der _Uirat_,
+nämlich _Kubak_ oder _Kojuk Chatun_, die Mutter seines zweiten Sohnes
+_Dschumkur_, und ihre Stiefschwester _Oldschai_, die Mutter seines eilften
+Sohnes Mengku Timur; beide waren die Töchter Turaldschi's, des Sohnes
+_Kutuke's_, des Fürsten der Uirat. Tschengischan hatte dem Turaldschi seine
+Tochter _Dschidschegan_ zur Frau gegeben, welche ihm den Sohn _Buka Timur_
+geboren; aus einer anderen Gemahlin hatte Turaldschi die beiden Töchter
+_Kubak_ und _Oldschai_, welche also die Stiefschwestern Dschidschegan's,
+der Tante Hulagu's, seine Stiefbasen waren; die beiden anderen Gemahlinnen
+waren zwei Konghuratinnen: _Kutui Chatun_, aus deren Lager Hulagu sieben
+Beischläferinnen genommen, die Mutter _Tekschin's_, seines vierten, und
+_Ahmed Tekudar's_, seines siebenten Sohnes; und _Mertai Chatun_, welche
+kinderlos, wie die grosse Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini;
+endlich die Frau _Jisut_ oder _Jisuntschin_, aus dem Stamme Suldus, die
+Mutter des Kronprinzen _Abaka_. Wir mussten in diese Umständlichkeiten
+eingehen, weil sich nur aus denselben das Resultat der die Wahl der
+Gemahlinnen mongolischer Herrscher leitenden Staats- und Familien-Maximen
+klar herausstellt. Von diesen sieben Gemahlinnen waren vier Blutsverwandte,
+nämlich zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei Stiefbasen; dann waren
+die zwei Stämme, denen diese zwei Schwesterpaare angehörten, nämlich die
+_Kerait_ und die _Uirat_, sowie der der _Konghurat_, aus welchem die zwei
+anderen Gemahlinnen, die mit dem Hause Tschengischan's am vielfältigsten
+verschwägerten, die früher als andere der aufsteigenden Macht
+Tschengischan's, sich derselben unterwerfend, gehuldigt. Die Wahl der
+Frauen Gemahlinnen wurde also vorzüglich durch die Politik, durch die
+Freundschaft der Stämme und die nächste Verwandtschaft bestimmt.
+
+[Randnote: Die Söhne und Töchter Hulagu's.]
+
+Der Erstgeborene _Abaka_ war als der Aelteste schon bei des Vaters
+Lebzeiten sein erklärter Thronfolger, als welcher er auch nach dessen Tode
+der zweite der Ilchane in Iran, nachdem er demselben gefolgt. Dschumkur der
+Zweitgeborene, nur einen Monat jünger, als Abaka, blieb, als der Vater den
+Feldzug nach Westen unternahm, als dessen Sachwalter im Lager des Kaans
+Bruders zurück; in der Folge, als nach dem Tode Mengkukaan's der jüngste
+Bruder desselben, Arikbugha, dem ältesten, Kubilai, den Thron streitig
+machte, ward Dschumkur von jenem gezwungen, sich für ihn wider diesen zu
+erklären, fiel aber, als Arikbugha wider Alghui auszog, von ihm ab, um in's
+Lager des Vaters zurückzukehren, und starb auf dem Wege dahin; desselben,
+sowie seiner beiden Söhne _Dschuschkub_ und _Kunkuschu_, wird im Verlaufe
+dieser Geschichte noch mehrmals erwähnt werden. _Jaschmut_, der dritte Sohn
+Hulagu's, aus der Chinesin Tukadschi Ikadschi, welche eine Sklavin des
+Lagers der Frau Kutui, war Vater von drei Söhnen; Kutui selbst war die
+Mutter des vierten Sohnes, _Tekschin_, welcher an einem Blasenübel
+gestorben, und dessen Gemahlin _Nulun_, die Tochter Buka Timur's, des
+Bruders Kubak Chatun's (folglich seine angeheirathete Base), nach
+Tekschin's Tod sein Bruder Dschumkur zur Frau nahm. Der fünfte Sohn,
+_Tarakai_, aus der dem Lager der Frau Kutui entnommenen Beischläferin
+_Borkdschin_, ward auf der Reise nach Persien vom Blitze erschlagen;
+merkwürdiger durch seinen Sohn _Baidu_, welcher einige Monate lang der
+sechste Herrscher der Mongolen in Persien, nach _Ahmed Tekudar_, dem
+siebenten Sohne Hulagu's, dem fünften der Ilchane; zwischen beiden ward
+_Tusin_, der sechste Sohn Hulagu's, aus derselben Mutter, wie Jaschmut,
+geboren. _Adschai_, des achten Sohnes Mutter, war die Beischläferin Irtika
+Ikadschi, aus dem Lager der Frau Kutui; als Hulagu nach Persien zog, liess
+er ihn an der Spitze des Lagers der Frau Kutui zur Besorgung der
+Angelegenheiten zurück; er überlebte seinen Bruder Hulagu nur zehn Tage.
+Die Beischläferin _Dschudsche Ikadschi_, die Mutter des neunten Sohnes,
+_Kuikurtai_, war eine Sklavin aus dem Lager der Frau _Tokus_; er war Vater
+von sechs Söhnen und erreichte ein sehr hohes Alter. Die Mutter
+_Jisudar's_, des zehnten Sohnes, war Uwischdschin, aus dem Stamme Kurlaut,
+dessen diese Geschichte weiter nicht, aber noch des eilften Sohnes Mengku
+Timur's[145] erwähnen wird, welcher sechs und zwanzig Jahre alt starb;
+Vater von drei Söhnen, allein drei aus der Sklavin Ilinak Ikadschi, und
+keiner aus seinen drei Frauen, deren erste Oldschai, die Tochter Buka
+Timur's, des Bruders der Frau Oldschai, Gemahlin Hulagu's, folglich seine
+Stiefbase; die zweite die berühmte Abisch Turkan, Tochter des Atabegen von
+Fars, letzte Herrscherin aus diesem Stamme; die dritte Nuhin Chatun. Sie
+gaben ihm keine Söhne, aber mehrere Töchter, deren berühmteste die älteste,
+_Kordotschin_, aus der Atabegin _Abisch_, in der Geschichte nicht minder
+oft genannt, als ihre Mutter, indem sie dreimal vermählt ward; das erstemal
+an Dschelaleddin Sijurghutmisch, den Sultan Kerman's, dann an den Emir
+_Satilmisch_ und endlich an ihren Vetter _Taghai_; die Atabegin _Abisch_,
+ihre Mutter _Turkan Chatun_ und _Kordotschin_, die obgenannte Tochter der
+Abisch, sind drei der grössten weiblichen Charaktere, Hebel grosser
+Begebenheiten in der Geschichte der Atabege von Fars und Sultane Kerman's,
+welche eng mit der der Ilchane Persiens verflochten. _Huladschu_, der
+zwölfte Sohn Hulagu's, hatte die Sklavin _Ilkadschi_, aus dem Lager der
+Frau Tokus, zur Mutter, welche später mit dem Kopfschmucke _Baghtak_ zur
+Frau erhoben ward; Vater von vier Söhnen. Ilkadschi war auch die Mutter
+_Scheibawedschi's_, des dreizehnten Sohnes; und die des vierzehnten,
+_Taghai Timur's_, eine Beischläferin Sklavin aus dem Lager der Frau
+_Kutui_, Vater's von fünf Söhnen. Die sieben Töchter Hulagu's waren: die
+erste _Bulughan Aka_, aus der Frau _Kobak_; sie wurde mit ihrem Oheim
+_Dschume Gurgan_, dem Sohne des Tataren _Dschudschi_, vermählt, dessen
+Gemahlin die mit der Tochter Tschengischan's gleichnamige _Dschidschegan_,
+die Tochter _Utdschigin's_, des jüngsten Bruders Tschengischan's; _Dschume
+Gurgan_ erhielt nach dem Tode _Bulughan Aka's_ auch die Hand der Nichte
+_Dschemi_, der zweiten Tochter Hulagu's aus der Frau _Oldschai_; die dritte
+Tochter, _Mengelugan_, ebenfalls aus der Frau _Oldschai_, ward an _Dschakir
+Gurgan_, den Sohn _Buka Timur's_ den Uiraten, vermählt, welcher der Bruder
+Oldschai's und folglich der Oheim seiner Gemahlin; die vierte, _Tutukasch_,
+aus einer Beischläferin Sklavin des Lagers der Frau Tokus, wurde zuerst an
+den Uiraten _Tengkir Gurgan_, welcher früher eine Tochter Gujuk's zur Frau
+gehabt und welchem von dieser das Leben erbeten ward, dann an dessen Sohn
+_Sulamisch_ und endlich an dessen Sohn _Dschidschek Gurgan_ vermählt, so
+dass dieser der Vater, Sohn und Enkel der Gattin;[146] die fünfte,
+_Tarakai_, deren Mutter die Beischläferin _Irtikan Ikadschi_, ward dem
+Konghuraten Musa, dem Enkel Tschengischan's aus seiner Tochter Tumalun, das
+ist ihrem Oheim, zur Frau gegeben; die sechste Tochter, _Kutlukan_, aus der
+Beischläferin _Minklikadsch_, wurde zuerst dem _Jisubuka_, aus dem Stamme
+_Durban_, dann nach dessen Tode seinem Sohne _Tokel_ angetraut; die Hand
+der siebenten, _Baba_, aus der Frau _Oldschai_, erhielt _Legsi Gurgan_, der
+Sohn Emir _Arghun's_, des Staatssecretärs, welchen Mengkukaan früher als
+Hulagu nach Persien gesendet hatte; also die Töchter ebenfalls meistens an
+Oheime und Vettern vermählt.
+
+[Randnote: Hulagu's Aufbruch.]
+
+Von zehn Söhnen, von denen Hulagu in seinem fünf und dreissigsten Jahre
+Vater, nahm er auf dem Zuge nach Persien den erstgeborenen, _Abaka_, und
+den dritten, _Juschmut_, mit sich, trug dem zweiten, _Dschumkur_, im Lager
+des Bruders Kaan's als seinem Agenten und seinem Bruder _Temkjan_[147] in
+seinem Jurte die Besorgung der Geschäfte auf; ausserdem aber begleiteten
+ihn noch sein jüngster Bruder _Suntai_, der neunte Sohn Tuli's, dann aus
+dem Uluse Dschagatai _Tekuder_[148], der Sohn Dschudschi's, des
+erstgeborenen Sohnes Dschagatai's; aus dem Uluse Dschudschi's (mit seinem
+ebengenannten gleichnamigen Neffen nicht zu verwechseln) der Enkel
+_Bulghai_[149], der Sohn Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's; Kuli,
+der Sohn seines Erstgeborenen _Orda_, und der Urenkel _Kotur_, der Sohn
+Mongkadr's, des Sohnes seines siebenten Sohnes _Tewel_; endlich _Buka
+Timur_, der Sohn Dschidschegan's, der Tochter Tschengischan's, welche an
+Turaldschi, den Sohn Kutuka's, des Fürsten der Uirat, vermählt, der
+Stiefbruder von _Kubak Chatun_ und _Oldschai Chatun_, der zwei Gemahlinnen
+Hulagu's; von diesen begleiteten ihn in's Feld die grosse Frau _Tokus
+Chatun_, dann _Jisut Chatun_, die Mutter des erstgeborenen Abaka und
+_Oldschai_, aus welcher ihm zwei Jahre hernach sein eilfter Sohn Mengku
+Timur geboren ward; also in Allem neun Prinzen von Geblüte, nämlich:
+_Hulagu_, seine Söhne _Abaka_ und _Juschmut_, sein Bruder _Suntai_, sein
+Stiefschwager _Buka Timur_, der Neffe _Tekuder_; die Vettern: _Bulghai_,
+_Kuli_ und _Kotar_. Des Bruders Kaan's Auftrag vom Kurultai, auf welchem
+die Eroberung der Länder im Osten und Westen durch Kubilai Chan und Hulagu
+Chan beschlossen worden war, lautete an diesen: die Burgen der Assassinen
+zu brechen; dem Chalifen das Joch der Unterthänigkeit aufzulegen; in Allem
+sich mit der Frau Tokus Chatun zu berathen. Die Heere, welche schon früher
+unter Baidschu Nujan und Dschurmaghun nach Persien gesendet worden waren,
+wurden nun dem Befehle Hulagu's untergeben; so auch die an der indischen
+Gränze, erst von _Dür Nujan_ und hernach vom Tataren _Sali Nujan_ gegen
+Kaschmir befehligten, welche während des Feldzugs Hulagu's in Persien
+demselben den Rücken decken sollten. Durch das ganze Reich ging der Befehl,
+von jeden zehn Mann zwei für den Feldzug nach Westen zu stellen; nach China
+wurden Eilboten gesendet, um tausend Familien von Feuerwerkern und
+Naphthaschleuderern aufzubieten; von Karakorum bis an die Ufer des Oxus
+wurden alle Weiden für die Fütterung der Reiterei in Beschlag genommen,
+alle Flüsse mit Brücken versehen und die Strassen für das Heer gänge
+gemacht; überall sollte Mehl und Wein als Mundvorrath in Bereitschaft seyn;
+Baidschu und Dschurmaghun erhielten den Befehl, von Persien gegen
+Kleinasien vorzurücken; den Vortrab bildete der Naimane _Keitbuka_, vormals
+Bawerdschi, d. i. Tafeldecker, mit zwölftausend Türken, welcher, bis die
+Rüstungen vollendet waren, den Marsch nach Kuhistan antrat, um dasselbe
+indessen zu verheeren. Nachdem die Rüstungen binnen Jahresfrist vollendet
+waren, wurden zum Abschiede Feste veranstaltet, die begleitenden Prinzen
+und Frauen mit Geschenken überhäuft, im letzten Monde des Jahres
+sechshundert und ein und fünfzig der Hidschret, d. i. im Februar des Jahres
+1254, der Marsch nach Persien angetreten; derselbe ging von der Residenz
+Karakorum sieben Tage lang über das Schneegebirge des Changai nach dem
+Flusse Hoen Murin, über den mit Ruderschiffen gesetzt ward, einige
+Tagreisen später über den _Arungu_, der in den See _Kisilbasch_, d. i.
+Rothkopf, fällt; weiter hin waren Reisfelder und die Berge mit
+Lerchenbäumen bewachsen. Im Norden der Stadt, welche der chinesische über
+diesen Marsch abgestattete Bericht[150] _Pfuhle_ nennt, liegt ein Berg, von
+welchem der Wind oft mit solcher Heftigkeit herabstürzt, dass er Reisende
+in den See weht;[151] durch einen engen Pass, gleich einer fliegenden
+Brücke, öffnet sich der Weg nach _Almaligh_, einer Stadt voll fliessender
+Brunnen, und deren Einwohner Türken, vermischt mit Chinesen. Hier kam ihm
+Frau Hirghana, die Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukan's, des vor
+Bamians Mauern gefallenen zweiten Sohnes Dschagatai's, bewillkommend
+entgegen und bewirthete ihn mit Festen. Hirghana oder Hurkana war die
+Enkelin Tschengischan's, aus der an den Uiraten Turaldschi vermählten
+Tochter Dschidschegan, und folgte der Stiefschwester, der Frau Oldschai,
+welche in der Begleitung Hulagu's. Bei dem Eintritt in Turkistan kam ihm
+_Mesud_, der Sohn von Jelwadsch, bewillkommend entgegen; während des
+Sommers wurde dem Heere in Turkistan Rast gestattet und in der herbstlichen
+Tag- und Nachtgleiche vor Samarkand auf der schönen Ebene von _Kjanigül_,
+d. i. die Fundgrube der Rosen, gelagert.
+
+[Randnote: Das goldene Zelt; Arghun; Uebergang über den Oxus.]
+
+Hier ward das goldene Zelt aufgeschlagen, aussen und innen von Gold
+gewirkt, mit goldenen Nägeln und goldenen Stricken befestigt, und vierzig
+Tage lang gerastet und getrunken; dieses Fest wurde jedoch durch den Tod
+des Prinzen _Suntai_, des Bruders Hulagu's, getrübt. Hierauf wurde nach der
+Stadt _Kesch_[152] vorgerückt, welche in der Folge als der Geburtsort und
+die Grabstätte der Ahnen Timur's unter dem Namen von _Schehr Sebs_, d. i.
+der grünen Stadt, berühmt; diesen Namen dankt sie dem üppigen Grün, von
+zahlreichen Flüssen, deren zwei die Stadt durchströmen[153], genährt. Die
+Stadt besteht aus der Citadelle, der Stadt selbst, welche vier Thore hat,
+und der Vorstadt[154]; von fruchtbaren Gärten umgeben, in welchen alle
+Arten von Korn und Gemüse gedeihen. Hier kam der Fürst von Herat,
+_Schemseddin Mohammed Kert_, der Gründer der seinen Namen führenden und
+unter mongolischem Schutze seit Tschengischan aufsteigenden Dynastie
+_Kert_, um den Steigbügel Hulagu's zu küssen und von demselben seinen nicht
+mehr zu trennen; auch Arghunaga, der mongolische Statthalter Chorasan's,
+mit allen Grossen und Vornehmen des Landes, um sich dem Befehle des Herrn
+zu stellen. Von Arghunaga und seinen Söhnen wird in der Folge dieser
+Geschichte so oft die Rede sein, dass Näheres über ihn zu sagen nöthig. Der
+Dschelaire _Iluke_, dessen Vater _Kadan_, aus dem Gefolge Tschengischan's,
+hatte seinen Sohn sammt dessen Truppen dem Dienste Ogotai's gewidmet, bei
+dem er in der Folge als dessen Obersthofmeister in hohem Ansehen stand. In
+einer grossen Hungersnoth verkaufte ein armer Uirate, um nicht Hungers zu
+sterben, seinen Sohn dem Emir Atabeg Iluke für ein Stück Fleisch, und als
+sein Sohn Kadan in den Hofdienst[155] Ogotai's trat, gab er ihm den Sklaven
+als Diener mit. Dieser um ein Stück Fleisch gekaufte Sklave war _Arghun_.
+Iluke's Bruder war der schon mehr als einmal genannte _Iltschidai_, welcher
+vor des Bruders Zorn, der ihn tödten wollte, bei Ogotai Zuflucht suchte und
+fand, der hernach aus Dankbarkeit auf dem Kurultai nach Gujuk's Tod die
+Rechte des Hauses Ogotai wider die Aufrührer des Uluses Tuli mit so warmer
+Beredtsamkeit verfocht, dann als Statthalter nach Persien gesandt ward, wo
+ihn die Missionäre als _Ergutai_ kennen, und der, nachdem sein Sohn in die
+Verschwörung der Prinzen des Hauses Dschagatai und Ogotai begriffen, nach
+des Sohnes Tode durch's Schwert ebenfalls hingerichtet worden. _Arghun_,
+durch Verstand, Beredtsamkeit, Tapferkeit und Geschäftskenntniss
+ausgezeichnet, schwang sich bald so hoch, dass er nach Mengkukaan's
+Thronbesteigung zum _Baskaken_, d. i. Statthalter, Chorasan's ernannt ward.
+Vater zahlreicher Söhne[156], von denen _Newrus_ und _Legsi_ in der Folge
+die Hand von Prinzessinnen, seine Töchter die von Prinzen und Fürsten
+erhielten. Von der Ebene von Kjanigül aus ergingen an alle Sultane und
+Könige Vorderasiens Schreiben und Diplome, ihnen zu künden, dass der Zweck
+des Feldzugs die vom Kaan befohlene Zerstörung der gräuelvollen Macht der
+Assassinen, dass Hülfe und Bereitwilligkeit im Dienste wider dieselben
+durch Länderzuwachs ihren Lohn finden, gegentheilige Gesinnung den Verlust
+der besessenen Länder nach sich ziehen werde. Einige der Fürsten waren
+diesen Kündigungsschreiben durch Erscheinung in Person, wie Schemseddin von
+Kert, zuvorgekommen, nämlich die beiden Seldschuken Rum's, die Brüder
+_Iseddin_ und _Rokneddin_, d. i. die Ehre und die Säule der Religion, der
+Atabeg von Fars, _Saad_, mehrere Fürsten des nördlichen Persiens aus Arran,
+Schirwan, Aserbeidschan und Gurdschistan, welche alle, Geschenke
+darbringend, huldigten. Nachdem die nöthigen Schiffe und Nachen, um über
+den Oxus zu setzen, herbeigeschafft worden, hatte der Uebergang über
+denselben statt, durch welchen Persiens Loos, wie das Roms durch den
+Uebergang über den Rubicon, entschieden ward; am ersten Tage des letzten
+Mondes des 653sten Jahres der Hidschret, d. i. am ersten Januar des Jahres
+1256 unserer Zeitrechnung.
+
+[Randnote: Winterquartier zu Scheburghan; die beiden Dschuweini.]
+
+Um den Uebergang über den Oxus in dankbarem Andenken zu erhalten, hob
+Hulagu den bisher von allen Schiffen genommenen Ueberfuhrszoll auf, was
+von damals an während der ganzen mongolischen Herrschaft Gesetz blieb.
+Jenseits des Oxus wurde auf Löwen gejagt und zehn derselben erlegt. Am
+zehnten Tage nach dem Uebergange (am moslimischen Opferfeste) [RN: 10.
+Januar 1256.] wurde südwestlich von Balch ausser der Stadt
+_Scheburghan_[157] gelagert, deren District bei den morgenländischen
+Geschichtschreibern unter dem Namen der Landschaft _Dschusdschan_ oder
+_Dschusdschanan_ bekannt[158]; die mit fliessendem Wasser reichlich
+bewässerten Gärten sind vorzüglich fruchtbar an Wassermelonen, welche
+getrocknet verführt werden. Dem Heere ward verboten, die Stadt zu betreten;
+ein heftiges Schneegestöber, das durch sieben Tage dauerte, von grimmiger
+Kälte begleitet, war vieler Lastthiere Verderben. Hulagu beschloss, hier
+den Rest des Winters abzuwarten. Emir Arghun brachte ein prächtiges, mit
+goldenen Nägeln und Stricken versehenes, goldenes Zelt zum Geschenke dar,
+in welchem Hulagu auf goldenem Throne sass, eine Vorbedeutung glücklicher
+Herrschaft, während um ihn die Prinzen und Fürsten versammelt, die
+gegebenen Feste verherrlichten. Nach aufgehobenen Festen begab sich Emir
+Arghun an den Hof des Kaan's, um demselben Bericht zu erstatten, liess aber
+für die Besorgung der Geschäfte seiner statt seinen Sohn _Kerrai Melik_ und
+_Alaeddin Athamülk Dschuweini_ als Staatssekretär zum Dienste Hulagu's
+zurück. Alaeddin Athamülk und sein älterer Bruder Schemseddin Mohammed
+Dschuweini sind ein leuchtendes Doppelgestirn nicht nur der Wesirschaft,
+sondern auch der Literatur; dieselben erscheinen so oft und wirksam in der
+Geschichte Hulagu's und seines Nachfolgers Abaka, dass nähere Bekanntschaft
+mit ihrer Herkunft und ihrem Wirken hier unabweislich. Dschuwein ist die
+arabisirte Aussprache von _Kuwan_[159], einem Distrikte der Stadt
+_Nischabur_ in Chorasan, dessen Hauptort _Asadwar_, auch _Dschuwein_
+genannt, durch das erlauchte Brüderpaar für immer in der Geschichte geadelt
+worden. Sie waren die Söhne des Imams _Abdulmelik Dschuweini_, aus einer
+seit langen Jahren durch hohe Staatsdienste geehrten Familie. Als Sultan
+Mohammed Tekesch nach Dschuwein zog, [RN: I. J. 588/1192] bewillkommte ihn
+Behaeddin, der Urgrossvater Alaeddin's, mit einem Distichon, das er gnädig
+aufnahm, und sein Enkel Behaeddin, der Vater Alaeddin's, befand sich im
+Gefolge _Dschelaleddin Mankburni's_, als dieser vor den Mongolen floh. [RN:
+617/1220] Dreizehn Jahre hernach floh Behaeddin vor den vom mongolischen
+Emir Dschintimur zur Dämpfung von Unruhen gesandten Truppen nach Tus, [RN:
+630/1232] und Dschintimur ernannte ihn zum Herrn des Diwans in Chorasan und
+Masenderan; [RN: 633/1235] drei Jahre später sandte ihn Dschintimur an
+Ogotai, der ihn ehrenvoll empfing und in seinem Amte bestätigte; und als
+abermal drei Jahre später der Emir Körgös, der Statthalter von Chorasan, an
+den Hof des Kaan's sich zu vertheidigen ging, übertrug er in seiner
+Abwesenheit die Statthalterschaft Chorasan's an Behaeddin; desgleichen that
+der Nachfolger von Körgös, der Emir Arghun, bei seiner ersten Reise in's
+Hoflager; bei seiner zweiten führte er ihn mit sich; endlich starb er zu
+Issfahan, sechzig Jahre alt. Sein Sohn Alaeddin, im Sterbjahre
+Tschengischan's geboren, kam schon in früher Jugend in das Gedränge der
+Geschäfte des Diwan's, und verschloss, wie er selbst reuig in seiner
+Geschichte bekennt, das Ohr den heilsamen Ermahnungen des Vaters, welcher
+ihm gerathen, sich den Wissenschaften zu widmen. Später jedoch holte er das
+Versäumte durch Studien nach, von denen seine Geschichte Tschengischan's,
+welche den Titel _Dschihanguscha_, d. i. die Welteröffnende, führt[160],
+die schönste und bleibende Frucht. In seinem siebzehnten und achtzehnten
+Jahre begleitete er den Emir Arghun auf dessen Reisen in's Hoflager und in
+seinem zwanzigsten zum Kurultai der Thronbesteigung Mengkukaan's, an dem er
+sich mehrere Jahre aufgehalten zu haben scheint, da dort die Anforderung an
+ihn erging, die Geschichte Tschengischan's zu schreiben, die er im sieben
+und zwanzigsten Jahre seines Alters begann. Er spricht darin von seinen
+Reisen in Mawereinnehr, Turkistan und an die chinesische Gränze und
+beschreibt die in der Nähe Karakorums entdeckten Ruinen der vormaligen
+Hauptstadt der Uighuren. Seit der Abreise Arghun's von Schaburghan an den
+Hof des Kaan's versah _Athamülk_ bei Hulagu die wichtige Stelle des
+Staatssekretärs, als Hulagu's unzertrennlicher Begleiter.
+
+[Randnote: Keitbuka belagert die Schlösser der Assassinen.]
+
+Keitbuka der Dschelaire war mit dem Vortrabe des Heeres gleich nach dem
+Kurultai, auf welchem der Feldzug nach Westen beschlossen worden, gegen
+Kuhistan aufgebrochen und mit fünftausend Fussgängern in _Kuhistan_, d. i.
+im Gebirgslande der Assassinen, an den Fuss des Schlosses _Girdkjuh_, d. i.
+Kreisberg, einer ihrer beträchtlichsten Festen, gelangt. _Girdkjuh_, auch
+_Derikunbed_, d. i. das Gewölbthor, genannt, liegt drei Farasangen von
+Demghan in der Landschaft Kumis in der Nähe von Manssurabad oder
+Manssurije[161]. Die Belagerungsweise war eine neue, vordem und seitdem
+unerhörte, ächt mongolische oder chinesische; rund um das Schloss wurde ein
+Graben gezogen, hinter demselben eine Mauer aufgeführt, hinter der Mauer
+stand das Heer und hinter demselben abermal eine hohe Mauer aufgebaut,
+damit es so von vornen als hinten wider Ueberfälle geschützt und auf allen
+Seiten der Weg zur Feldflucht gesperrt sei[162]; so war das Bergschloss von
+einem dreifachen Kreise, dem des Heeres und der beiden Mauern, umzüngelt,
+und verdiente im eigentlichsten Sinne den Namen _Kreisberg_. Da das Schloss
+festhielt, zog er mit Truppenabtheilungen nach den anderen Schlössern, von
+denen die Geschichte dieses Feldzugs ein Dutzend nennt, von denen nicht nur
+bisher auf den bessten Karten keine Spur, sondern deren Namen sogar in den
+bessten geographischen Werken des Morgenlandes über Persien, in den
+arabischen Abulfeda's[163], dem persischen Hamdallah Mestufi's[164] und im
+türkischen Hadschi[165] Chalfa's, der aus beiden geschöpft, fehlen. So zog
+er belagernd vor die Schlösser _Mehrin_, vor dem er Wurfmaschinen
+aufstellte, _Schahdis_, wo er einen Haufen von Feinden tödtete und
+zurückkehrte bis _Tarim_ und _Rudbar_, die er verwüstete, an den Fuss von
+Manssurije und Ohlomischin, wo durch achtzehn Tage gekämpfet ward; die von
+_Schirkjuh_ machten indessen einen nächtlichen Ueberfall, in welchem sie
+den Belagerungswall verheerten[166]. Die beiden Schlösser _Schir_ und
+_Sirkjuh_[167] wurden berennt, _Mehrin_ genommen; die Besatzung von
+_Girdkjuh_ hatte indessen an Alaeddin Mohammed, den Grossmeister, Wort
+gesandt, dass trotz der tapferen Vertheidigung sie sich würden bald ergeben
+müssen; [RN: Schaaban 651/Nov. 1255] da sandte der Grossmeister zwei seiner
+Hauptleute[168] mit hundert zehn Tapferen, jeden mit drei _Menn_ Henna und
+drei Menn Salz, an welchem das Schloss Mangel litt; das Henna nicht zum
+gewöhnlichen Gebrauche der Bartfärbung oder Nägelschminke, sondern als
+Mittel wider die grassirende Pest; denn man hatte bei der Hochzeit der
+Tochter eines Emirs die Erfahrung gemacht, dass alle, welche (ob
+Wassermangels) von dem Wasser, worin das Henna aufgelöset worden,
+getrunken, von der Pest frei geblieben waren. Indessen ward Alaeddin der
+Grossmeister, dessen Vater und Nachfolger vor Einem Jahre[169] durch die
+nächsten Verwandten vergiftet worden, durch den Meuchler Hasan von
+Masenderan und hierauf der Mörder selbst auf Befehl Chorschah's, des Sohnes
+und Nachfolgers Alaeddin's, getödtet. [RN: letzten Schaaban 653/Dec. 1255]
+Der Vatermord rächte den Vettermord; der Meuchler ward gemeuchelt. Alaeddin
+war als zehnjähriger Knabe auf den Herrscherstuhl gesetzt worden, den er
+durch vier und dreissig Jahre mit Blut und Gräueln aller Art befleckte.
+Hasan aus Masenderan hatte ihm, bis sein Bart grau zu werden anfing, zum
+Lotterbuben gedient, dann hatte er ihm eine seiner Sklavinnen geschenkt;
+da er aber nichtsdestoweniger den Mann und das Weib in beider Gegenwart,
+diese an jenes statt, jenen als diese, zu misbrauchen fortfuhr, ergrimmte
+Hasan über so schändlichen Misbrauch des Herrschergelüstes und schwur ihm
+den Tod; er theilte sein blutiges Vorhaben jedoch dem mit dem Vater stets
+entzweiten Sohne mit, und als dieser dazu schwieg, führte er, unter
+vorausgesetzter stillschweigender Beistimmung, das Werk der Rache aus. Der
+Dichter Schemseddin Ejub Tausi verfertigte auf den Tod Alaeddin's ein
+Gedicht, woraus die Verse:
+
+ Der Todesengel trug ihn zu der Hölle Strafen,
+ Um in geschmolznem Pech den Rausch dort auszuschlafen;
+ Entgegen kamen ihm der Hölle Feuerschenken,
+ Um als Gefährten ihn mit Gluthenschwall zu tränken.
+
+[Randnote: Die Städte Tun und Tus.]
+
+Hulagu sandte den Herrn von Herat, Schemseddin Kert, an den Gebietiger[170]
+des Schlosses _Sertacht_, an Nassireddin, dessen Name durch den grossen
+Astronomen Nassireddin von Tus, welcher seine demselben gewidmete berühmte
+Ethik nach dessen Namen die _Nassirische Moral_[171] betitelte, rühmlich
+fortlebt. Der Gebietiger übergab das Schloss und kam mit Melik Kert zur
+Huldigung Hulagu's. Dieser fragte ihn: warum er nicht auch die Bewohner des
+Schlosses mit sich geführt? Nassir entgegnete, dass diese dem Grossmeister
+Chorschah und nicht ihm gehorchten. Hulagu liess ihm Diplom und das
+Ehrenzeichen des Löwenkopfs geben und sandte ihn als Befehlshaber nach Tun.
+_Tun_, eine der vorzüglichsten Städte Kuhistan's, zwei Tagreisen südlich
+von Meschhed auf der Strasse von Kerman, nicht ferne von _Kain_[172],
+zeichnet sich durch besondere Anlage der Häuser und Gärten aus, indem das
+Schloss mit tiefem Graben, ausser welchem der Markt und die Häuser mit
+Gärten und diese von Saatfeldern und die Felder mit Mauern umgeben, das
+Ganze mit unterirdischen Wasserleitungen und mit Gruben durchschnitten, in
+welchen Wassermelonen trefflich gedeihen[173]. Hulagu, nach _Sawa_ und
+_Chawwaf_[174] vorgerückt, erlitt einigen Verlust; _Kuli Ilkai_ und
+_Keitbuka_[175] wurden weiter an die Gränze von Kuhistan vorausgesandt, wo
+sie einigen Widerstand fanden, aber binnen einer Woche denselben besiegten,
+und dann vor Tun die Wurfmaschinen aufpflanzten; in zwölf Tagen war die
+Stadt erobert, [RN: 7. Rebiulachir 654/5. Mai 1256] und sie kehrten
+sogleich zu Hulagu zurück, der sich zu Tus befand. Tus, eine der ältesten
+Städte Chorasan's, schon im Beginne des neunten Jahrhunderts der
+christlichen Zeitrechnung[176] durch die Grabstätte des Chalifen Harun
+Reschid[177] nur um neun Jahre später durch die Ali Ben Musa Risa's des
+achten Imam's, zwei Jahrhunderte hernach durch die des grössten persischen
+ethischen Dichters _Firdewsi_[178], als der Geburtsort _Ghasali's_ des
+grossen Philosophen, _Nassireddin's_ des grossen Astronomen und _Hamdallah
+Mestufi's_ des grossen Geographen und Geschichtschreibers, verherrlicht.
+Dieser belehrt uns, dass die Stadt schon von Dschemschid gebaut, nach ihrer
+Verwüstung von Tus, dem Sohne _Nuser's_, wieder aufgebaut, von ihm den
+Namen erhalten; dass das Grabmal Ali Musas, vier Farasangen von Tus im
+Dorfe des Distrikts _Sebanabad_[179], der um dasselbe angebauten Stadt den
+heutigen Namen _Meschhed_ gegeben; folglich sind die Ruinen des alten Tus
+vier Farasangen vom heutigen Meschhed, das schon mehrere Reisende besucht,
+keiner so umständlich beschrieben, als Fraser[180]. Meschhed, der
+Geburtsort und die Grabstätte so vieler der grössten Lichter Persiens, ist
+heute, was ehemals Bochara war, der Sammelplatz der Gelehrten; von einigen
+und zwanzig Tausend Einwohnern der Stadt sind die zahlreichsten die Imame,
+Molla, Muderrise (Professoren) und Danischmende (Studenten), welche den
+verschiedenen Moscheen, Medreseen, Grabstätten und Domen angehören. Das
+Innere einer Medrese gleicht einem Karawanserai, nur mit Abwesenheit der
+Stallgewölbe; dem Eingange in die Mitte der Nord- oder Nordostseite steht
+in der Mitte der Süd- oder Südostseite eine gewölbte Nische entgegen,
+welche die Kibla vorstellt und wohin sich alle Gesichter beim Gebete
+wenden; in der Mitte der beiden Seitenwände sind Balcone, von Säulen
+getragen, für die Wohnungen der höheren Molla, in der Mitte des Hofes ein
+kleiner Garten und im Mittelpunkte desselben ein Wasserbecken. Die grosse
+Moschee von Meschhed, welche das Grab Ali Risa's umschliesst, ist hundert
+fünf und sechzig Klafter lang und fünf und zwanzig breit, in der Art eines
+Karawanserai, mit zwei Stock hohen, rings herum laufenden Gemächern gebaut,
+im Mittel und an den Ecken jeder Seite hochgewölbte Thore, das Ganze mit
+glasirten vielfarbigen Ziegeln auf das Geschmackvollste bekleidet; dieser
+herrliche Hof heisst _Ssahn_, d. i. das Feld, wie der Vorhof der grossen
+Moscheen zu Konstantinopel, wesshalb die dort an der Moschee Mohammed's II.
+angestellten Professoren der acht Medreseen die Achter vom Felde genannt
+werden. Der Dom des Mausoleums, mit goldenen Ziegeln bedeckt, rings herum
+mit goldenen Inschriften in lazurblauem Felde geschmückt, die Schafte der
+beiden Minarete reich vergoldet und oben mit zierlich geschnitzten
+hölzernen Gallerien gekrönt. Von diesen herrlichen, erst unter der Dynastie
+der Ssefi errichteten Gebäuden bestand noch Nichts zur Zeit Hulagu's, wohl
+aber waren die Grabstätten der grossen Chalifen Imam's und Dichter ein
+Gegenstand der Verehrung der Wallfahrter; noch sind die Mauern von Tus mit
+ihren Thürmen aus Lehmen sichtbar und ausser den obgenannten Grabmälern
+grosser Männer wird noch das Grab Burk Eswed's besucht, welcher nach der
+Volkssage ein Neger, Freund des Herrn Jesus gewesen, nach dessen Tode
+hierher geflohen, hier gestorben und bestattet worden sein soll.[181]
+
+[Randnote: Tus, Bostam, Aufforderung an Chuarschah.]
+
+Hulagu stieg zu Tus im Garten Arghun's im goldenen Zelte ab, welches
+dieser auf ausdrücklichen Befehl des Kaan's für Hulagu nach dem Muster der
+grossen goldenen Zelte des Kaan's bereitet hatte; von da begab er sich nach
+dem Garten Manssurije, welchen Arghun von seiner Verwüstung wieder
+hergestellt. Hier brachten die Frauen Arghun's und Iseddin Tahir's Proviant
+dar[182]; den nächsten Tag begab sich Hulagu nach der Ebene von _Radgjan_,
+wohin von _Merw_, _Jesrud_ und _Dehistan_ Wein und Lebensmittel im
+Ueberflusse zugeführt worden; hierauf nach dem seit der Ankunft der
+Mongolen verwüsteten Flecken Chabuschan[183]. Hulagu befahl, denselben
+wieder herzustellen, liess Kanäle graben, eine Fabrik bauen und neben der
+Moschee einen Garten anlegen; den Emiren wurde befohlen, dort Häuser zu
+bauen, und dem Wesir _Seifeddin_ die Leitung und Oberaufsicht des Baues
+aufgetragen. Die drei Gesandte[184], welche an Chuarschah, den Grossmeister
+der Assassinen, abgesandt worden, [RN: 29. Deschem. I. 654/24. Juli 1256]
+kamen unverrichteter Dinge zurück, und es ward daher sogleich der Befehl
+zur Verheerung des Landes gegeben. [RN: 10. Schaaban/2. Sept.] Acht Tage
+hierauf stand das Lager zu Bestam, der östlichsten der drei Hauptstädte der
+Landschaft Kumis (die beiden anderen sind Demghan und Semnan). Bestam, eine
+alte, schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der Hidschret durch
+Erdbeben verwüstete Stadt[185], dankt ihren Ruhm vorzüglich der Grabstätte
+des zwanzig Jahre hernach[186] gestorbenen grossen mystischen Scheichs
+Bestami[187], dem Stifter des nach ihm genannten Ordens der Derwische
+Bestami; später ward dieselbe noch als die Geburtsstadt zweier anderer
+grossen Gelehrten verherrlicht, der eine Abderrahman Ben Mohammed Bestami,
+der in der Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen
+Zeitrechnung, Verfasser von vierzig Werken, starb[188], und Ali Ben
+Medschdeddin Bestami[189], welcher, berühmt unter dem Namen _Mussannifek_,
+d. i. der kleine Compositor, sich in der osmanischen Geschichte keinen
+minderen Namen durch seine zwanzig Werke, als durch seinen Fanatismus
+erworben, welcher ihn dazu antrieb, an dem gefangenen letzten König von
+Bosnien selbst das Amt des Henkers zu vollstrecken[190]. Von Bestam aus
+sandte Hulagu abermal zwei Gesandte[191] an den Grossmeister der Assassinen
+mit Drohungen und Verheissungen. Bei demselben befand sich der grosse
+Astronom Nassireddin mit zwei berühmten Aerzten[192], welcher, in die Macht
+der Assassinen gefallen, eine Zeit lang bei Nassir, dem Gebietiger von
+Sertacht, verweilet, jetzt der Arzt und Rath des neuen Fürsten der
+Assassinen. Nassireddin beschloss mit seinen Collegen, dem Gräuel der
+Assassinenherrschaft ein Ende zu machen, indem sie zum freundlichen
+Empfange des Botschafters Hulagu's riethen. Chuarschah befolgte ihren Rath
+und sandte mit den freundlich empfangenen Botschaftern Hulagu's seinen
+Bruder Schehinschah und den Chodscha Assileddin von Susen[193], um seine
+Unterwerfung dem Hulagu darzubringen. Hulagu empfing sie freundlich und
+sandte abermals vier Botschafter[194] mit dem Begehren, dass, wenn die
+Unterwerfung aufrichtig, Chuarschah die Schlösser brechen und selbst am
+Hofe des Chan's erscheinen möge. Chuarschah antwortete: wenn mein Vater
+widerspenstig war, will ich unterwürfig sein; er fing an, an einigen
+Schlössern, wie _Meimundis_, _Lemsir_ und _Alamut_, Zinnen, Thore und
+Mauern abbrechen zu lassen, begehrte aber die Frist eines Jahres bis zu
+deren gänzlichen Uebergabe. Die Frist nicht gewährend, bot Hulagu seine
+Heere auf und zog von Bestam aus wider die Schlösser; der rechte, von Köke
+Ilka und Tukatimur befehligte Flügel zog auf der Strasse von Masenderan,
+der linke, unter dem Befehle des Prinzen Tekuder Aghul[195] und Keitbuka
+Nujan's, auf der Strasse von Chuar und Semnan; Hulagu, im Mittelpunkte mit
+einem Toman, d. i. mit zehntausend Wackeren, zog gegen _Firuskjuh_, d. i.
+den Glücksberg, auf welchem heute die Ruinen des Schlosses der Assassinen
+für eine Windmühle und ein Bad aus der Zeit Alexander's des Grossen
+gelten[196]. Er sandte abermals Aufforderung an Chuarschah, sich
+unmittelbar zu ergeben. Als die Fahnen der Mongolen bereits vor
+Firuskjuh[197], kamen die Gesandten und mit ihnen der Wesir und traute
+Gesellschafter Chuarschah's Keikobad zurück. Er bat im Namen seines Herrn
+noch einmal um Frist eines Jahres bis zum gänzlichen Auszuge und um die
+Schonung Lemsir's und Alamut's, der ältesten Burgen ihrer Herrschaft; er
+sandte Kabinetsbefehle an die Gebietiger von _Girdkjuh_ und _Kuhistan_,
+sich sogleich zu unterwerfen, und hoffte so den Sturm zu beschwören.
+
+[Randnote: Demawend, Fall von Meimundis.]
+
+Die Fahnen Hulagu's flatterten nun zu Demawend, einer der ältesten Städte
+Iran's, am Fusse des gleichnamigen Berges gelegen, der ein vulkanischer,
+durch Erdbeben und Rauch Verwüstungen anrichtet und androht. Hier residirte
+der Tyrann Sohak, dessen Karbunkel auf der Achsel, wo ihn der Satan
+geküsst, nach der Volkssage nur durch das Gehirn zweier täglich
+geschlachteter Menschen gelindert werden konnte. Von dieser Tyrannei
+befreite sein Volk der Schmied Gjawe, dessen Schurzfell, an einen Spiess
+gestekt, die Fahne, unter welcher sich die Völker zum Sturze des Tyrannen
+sammelten, vor dessen Grimm sich die Schlachtopfer seiner Regierung bis
+in's Gebirge von Kurdistan geflüchtet hatten, und der endlich selbst in's
+Gebirge von Demawend verbannt ward. Alljährlich am 31. August wird,
+unabhängig vom moslimischen Kalender, das Befreiungsfest von der Regierung
+Sohak's zu Demawend gefeiert. Die Bewohner der Umgegend sammeln sich, auf
+Pferden, Mäulern, Eseln beritten, und ziehen unter lautem Geschrei durch
+das Feld[198], jubelnd, dass ihre Väter dem Halloh der Tyrannei entflohen,
+welche noch so schwer auf ihnen selbst lastet; Nachts werden Feuer auf den
+Terrassen der Häuser angezündet und die Stadt beleuchtet, Freudenfeuer über
+die Erlösung von dem Drucke Sohak's, durch welchen die Seufzer der
+Unterdrückten wie Flammen zum Himmel emporstiegen. Dieses Fest heisst das
+Fest der Kurden, auf denen Sohak's Tyrannei vorzüglich lastete. Demawend
+soll schon von Siamek, dem Sohne des Keiomer's, des zweiten Herrschers der
+Pischdadier, gebaut worden und von Tahmuras Diwbend, d. i. dem Diwbändiger,
+sollen die Diwe in den Demawend gebannt worden sein, wo sich ihr Daseyn
+noch durch Rauch und Erdbeben kund gibt. Von hier sandte Hulagu den
+_Schemseddin Kilegi_ nach Girdkjuh (dem _Tigado Haithon's_), um den
+Befehlshaber zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und einen anderen Gesandten
+an Chuarschah, um diesen zu bringen. Hulagu erwartete den Erfolg dieser
+Botschaften zu Abbasabad[199], in der Nähe von Rei, der alten Hauptstadt
+des persischen Irak. Chuarschah sandte seinen Sohn, einen achtjährigen
+Knaben, [RN: 17. Ramasan 654/8. Oct. 1256] welchen ihm aber Hulagu mit der
+Botschaft zurücksandte, dass, wenn er selbst nicht kommen könne, er einen
+anderen Bruder statt Schehinschah's senden möge. Chuarschah sandte seinen
+Bruder Schiranschah und den Chodscha Assileddin mit dreihundert Mann, um
+seine Huldigung darzubringen. [RN: 1. Schewwal 654/26. Oct.] Nach vier
+Tagen wurden sie mit einem Diplome zurückgesendet, welches dem Chuarschah,
+da er Nichts verbrochen, die Gnade des Kaan's versicherte, wenn er seine
+Schlösser ausliefern wollte; zugleich erhielt das Heer den Befehl, von
+allen Seiten aufzubrechen. Köke Ilka und Tukatimur nahten sich von der
+Seite von Ispidar; Chuarschah fragte: warum sie kämen, da er zur
+Unterwerfung bereit; sie antworteten: es sei die Heeresstrasse, auf der
+sie nach Fütterung auszögen. Hulagu hatte sich indess gegen _Thalkan_[200]
+gewendet, [RN: 10. Scheww./31. October] einer Stadt der Landschaft
+_Tocharistan_, nach welcher die Mongolen von den Byzantinern den Namen
+_Tocharen_ erhielten, der noch in dem der Mongolen _Tsacharen_ fortlebt.
+Ohne einen eingefallenen Regenstrom wäre Chuarschah schon diesen Abend am
+Fusse seines Schlosses gefangen worden; acht Tage hernach, [RN: 19.
+Scheww./8. November] als sich das Wetter aufgeheitert, ward Kriegsrath
+gehalten, ob die Belagerung des Schlosses noch bei so weit vorgerückter
+Jahreszeit zu unternehmen, oder auf's nächste Jahr zu verschieben sei; der
+Wesir Seifeddin, die Generale Keitbuka und Bukatimur stimmten für die
+Belagerung. Hulagu sandte abermals Botschaft, halb drohend, halb
+versöhnend, einen letzten Termin von fünf Tagen zur Uebergabe bestimmend.
+Chuarschah verlor den Kopf und sandte seinen gelehrten Arzt und Rathgeber
+Nassireddin von Tus mit seinem Bruder Iranschah und seinem Sohne Turkia mit
+vielen Geschenken, seine Unterwürfigkeit darzubringen; drei Tage hernach,
+Sonntags den 19. November, [RN: 19. Nov. 1256] kam Chuarschah selbst, um
+den Fuss des Kaan's zu küssen; er kleidete seine Unterwerfung in die
+folgenden beiden, von ihm selbst verfertigten Distichen ein:
+
+ O Schah, ich komm' an deinen Hof, gewarnt,
+ Bereuend Schuld, die mich bisher umgarnt.
+ Dein Glück hat diesen Lauf für mich genommen,
+ Wie wär' ich sonst, wozu wär' ich gekommen!
+
+Hulagu sah, dass er einen unerfahrenen Jüngling vor sich hatte; er
+schmeichelte ihm mit Verheissungen und bewog ihn, alle Burgen seiner
+Vorfahren, deren Zahl auf hundert stieg, zu brechen, nur _Girdkjuh_ und
+_Lemsir_, in welchen sich die Besatzungen noch festhielten, ausgenommen;
+die zu _Meimundis_[201] aufgespeicherten Schätze wurden ausgeliefert und
+unter die Emire des Heeres vertheilt. Hulagu zog vor _Alamut_, d. i. das
+Adlernest, den Hauptsitz des Grossmeisters der Assassinen, von wo unter dem
+Gründer Hasan Ssabbah die Macht des Ordens wie ein Adler aufflog. Der
+Befehlshaber ergab sich, nachdem er ein Paar Tage Widerstand geleistet.
+[RN: 26. Silhidsche 654/15. December] Die Mongolen drangen ein, zerbrachen
+die Wurfmaschinen und gaben den Einwohnern drei Tage Frist zum Abzuge.
+
+[Randnote: Schlösser der Assassinen.]
+
+Nach Abzug der Besatzung, nach Vertheilung der Beute, sandte Hulagu seinen
+gelehrten Staatssekretär Athamülk Dschuweini in's Schloss von Alamut, um
+die Archive und die Bibliothek zu durchsuchen. Die Korane und einige andere
+kostbare Werke wurden bei Seite gelegt, darunter eines, welches den Titel:
+_Begebenheiten unsers Herrn und Meisters_[202] führte und das Leben Hasan
+Ssabbah, des Gründers des Ordens, enthielt, woraus Athamülk in seiner
+_Welteröffnenden Geschichte_ die verlässlichsten Nachrichten über denselben
+gegeben; alle anderen Werke philosophischen und freigeisterischen Inhalts
+über die Lehre der Ismaili wurden den Flammen übergeben. Ob er dieses
+Autodafe der Bücher auf Hulagu's Befehl oder aus eigenem Antriebe
+veranstaltet, ob, wenn dieser Brand blos sein Werk gewesen, ihn dazu nur
+der Feuereifer rechtgläubigen Islams, oder, wie ihn spätere
+Geschichtschreiber dessen beschuldigen, verdammenswerthe engherzige Habgier
+ausschliesslicher Gelehrsamkeit bewogen, ist heute zu entscheiden
+unmöglich. Er soll nämlich blos die historischen Werke, die er benutzen
+wollte, gerettet und auch diese hernach den Flammen preisgegeben haben, um
+die Gelehrsamkeit als Geschichtschreiber zu monopolisiren. Eine ähnliche
+Anklage lastet auch auf dem Andenken des grossen Astronomen Nassireddin und
+des grossen Arztes Ibn Sina[203]. In welchem Gelehrtenkopf immer solche
+Barbarei Eingang gefunden haben mag, so ist dieselbe doch vom einseitigen
+Mathematiker und Arzte oder Philosophen begreiflicher, als vom
+Geschichtschreiber, welcher, wenn er seine Quellen, statt dieselben
+anzuführen, vernichtet, mit denselben seine Glaubwürdigkeit zerstört. Zur
+Ehre des grossen Geschichtschreibers, Astronomen und Arztes, welche so
+ausschweifender und ausschliesslicher Ruhmsucht bezüchtiget werden, wollen
+wir glauben, dass der Gedanke davon nicht in ihrem vielumfassenden Geiste,
+sondern in dem engeren ihrer Ankläger Platz greifen konnte. _Alamut_, d. i.
+das Adler- oder Geyernest, auf einem hohen steilen Hügel, nordöstlich von
+Kaswin gelegen, bietet noch heute in seinen Ruinen eine lange Reihe durch
+Mauern mit einander verbundener Thürme dar, welche auch dem, der sie, wie
+Ker Porter, der Maler des persischen Alterthums, nur von ferne gesehen, als
+unbezwingbar ins Auge springen.[204] Der ganze Gebirgsdistrikt zwischen
+Dilem und Irak, durch dessen Schluchten der Fluss _Schahrud_, d. i. der
+Königsfluss, sich mühsam den Weg bahnt, heisst _Rudbar_, d. i. das
+Flussland, und zwar das von Alamut zum Unterschiede vom südlichen, von Lur,
+in Issfahan's Nähe, welches der _Sendrud_, d. i. der lebendige Fluss,
+durchströmt. Hasan Ssabbah hatte sich Alamut's halb mit Gewalt, halb mit
+List bemächtigt, [RN: 483/1090] dann sich vom seldschukischen Sultan
+_Berkjarok_ das in der Nähe von Damaghan gelegene Schloss Girdkjuh erbeten,
+und zwölf Jahre nach der Besitznahme von Alamut das im selben Thalwege
+gelegene feste Schloss von _Lembeser_[205]. Nebst Alamut, d. i. dem
+Geyerneste, _Girdkjuh_, d. i. dem Gürtelberg, und _Lembeser_, d. i. _Ruh'
+im Kopf_, waren die festesten Schlösser der Assassinen (nach den Citadellen
+der Städte _Tun_ und _Kain_) in Kuhistan: das von _Meimundis_, d. i. die
+glückliche Feste, aus welcher der letzte Grossmeister abzog, und
+_Muminabad_, d. i. der _Bau der Gläubigen_, welches seinen Namen und seine
+Befestigung vermuthlich dem vorvorletzten Grossmeister, welcher den
+Beinamen des _neuen Musulman_ führte, dankt, dessen Name in der heutigen
+Verstümmelung von _Meiomend_[206] kaum zu erkennen, und dessen
+ausserordentliche Festigkeit die Geographie Hamdallah's anrühmt[207]; so
+auch die des am Berge _Demawend_ gelegenen _Firuskjuh_, d. i. Glücksberg,
+und das Schloss _Dschenabdar_ oder _Kebajed_, welches aber nicht erst von
+den Assassinen, sondern vom Sohne des altpersischen Helden _Guders_
+befestigt worden sein soll.[208]
+
+[Randnote: Kaswin.]
+
+Von Alamut begab sich Hulagu in den ersten Tagen des Januars in das grosse,
+sieben Farasangen von Kaswin aufgeschlagene Lager, [RN: 16. Silhidsche
+654/4. Jan. 1257] wo durch sieben Tage Feste gefeiert, die Prinzen und
+Emire zur Aufwartung und zum Glückwunsche der Eroberung zugelassen wurden;
+selbe, sowie der Astronom Nassireddin von Tus und die beiden Söhne der zwei
+grossen Aerzte von Hamadan, welche durch ihren Rath wesentlich zur
+Uebergabe von _Meimundis_ beigewirkt, wurden beehrt, beschenkt; der
+Astronom und seine beiden Begleiter blieben sofort im Gefolge Hulagu's, von
+demselben bei jeder Gelegenheit ihrer Kenntnisse willen ausgezeichnet. Dem
+Chuarschah ward ein mongolisches Mädchen angetraut und die Hochzeit zu
+Kaswin mit Festen gefeiert. Hulagu behandelte ihn mit Schonung, um von ihm
+die nöthigen Befehle an die Gebietiger der Schlösser in Syrien zu erhalten,
+dass sie dieselben bei Ankunft des mongolischen Heeres demselben ungesäumt
+übergeben möchten. Nachdem er diesen Befehl von ihm erhalten, sandte ihn
+Hulagu als Trophee an den Hof des Kaan's Mengku. Als dieser die Nachricht
+erhielt, dass Chuarschah sich nahe, sagte er: Wozu schickt man ihn? und
+sandte ihm als Willkomm den Todesbefehl entgegen. Er wurde getödtet und
+hierauf seine ganze Familie, Weiber, Brüder und Söhne zu Kaswin
+niedergemacht. So hatte die blutige Dynastie der persischen Ismailije,
+d. i. der Assassinen, nach hundert und sieben und siebzig Mondjahren ihr
+Ende erreicht[209], und der Dolch des Meuchlers ward durch das Schwert des
+Mongolen gebrochen. Hulagu hielt sich einige Zeit zu Kaswin auf, wo er im
+Bade Moslim's badete. Hamdallah von Kaswin, der Geschichtschreiber und
+Geograph Persiens, erwähnt in seiner _auserwählten Geschichte_ dieses
+Besuchs als einer der merkwürdigsten Epochen der Geschichte seiner
+Vaterstadt, die von nun an eine der Hauptstädte des mongolischen Reichs in
+Persien und daher unter dem Geleite Hamdallah's näherer Bekanntschaft
+werth.[210]. Zuerst baute Schabur[211] hier eine Stadt, welche seinen Namen
+trug, als Feste wider die Dilemiten, die feindliches Nachbaren im Norden.
+Bei einem denselben hier gelieferten Treffen, als die Schlachtordnung der
+Perser auf einer Seite in Verwirrung gerieth, soll der Chosroes seinem
+Feldherrn zugerufen haben: _an kesch win_, d. i. _jenen Winkel schau_, und
+nach erfochtenem Siege zum Andenken desselben die Stadt erbaut haben,
+welcher sofort der Namen _Keschwin_, d. i. _Winkel schau_, blieb, das
+heutige _Kaswin_. Der Chalife aus dem Hause Abbas Hadibillah Musa fügte
+eine dritte Stadt hinzu, _Mubarekabad_, d. i. der gesegnete Bau, genannt;
+diese drei Städte umfing der Chalife Harun Reschid mit einer Mauer, welche
+den Namen _Reschidabad_ erhielt. Der Thronprätendent Husein Ben Said
+bemächtigte sich später der Stadt und vollendete den Bau derselben[212].
+Unter der Regierung Fachreddewlet's des Bujiden erneuerte sein berühmter
+Wesir Ismail Ben Ibad die Stadt und vergrösserte dieselbe nach dem Bau des
+nach ihm _Ssahibabad_ genannten Viertels. Hierauf[213] vom Dilemiten
+Ibrahim Ben Merseban verwüstet, vom Emir Ebu Ali Dschaaferi wieder
+hergestellt und vom grossen Sultan der Seldschuken, Alparslan,
+erneuert[214], war sie jetzt durch die Mongolen abermal verheert worden.
+Die Mauer, von zehntausend dreihundert Ellen im Umfange, war mit
+zweihundert dreissig Thürmen befestigt, hatte sieben Thore und umfing neun
+Viertel, und sechs unterirdische Wasserleitungen, von denen die vom
+Einsiedler Chumar Tekesch[215] gebaute das besste Wasser gibt; derselbe
+baute auch ein halbes Jahrhundert später[216] die nach seinem Namen
+genannte Moschee; eine andere hatte schon der tyrannische Statthalter
+Hidschadsch aus einem Götzentempel in einen Betort der Moslimen
+umgeschaffen. Die Schii hassen diese Moschee, weil von ihrer Kanzel unter
+der Regierung der Beni Omeije dem Ali geflucht ward. Eine noch frühere
+Ueberlieferung aus dem Munde Mohammed's oder eines der vier ersten Chalifen
+heisst: _Ehret Kaswin, welches eine der höchsten Pforten des
+Paradieses_[217]. Kaswin hat Ueberfluss an herrlichen Früchten, besonders
+an Melonen, Wassermelonen und Trauben, welche für die bessten ganz Persiens
+gelten[218]; die hier verfertigten Klingen wetteifern mit denen von
+Chorasan und Schiras; von den Fabrikaten zeichnen sich die aus
+mannichfarbigen Tuchenden zusammengenähten Pferddecken aus. Die Einwohner
+gelten für die bessten Gesellschafter, und ein persisches bekanntes
+Distichon räth dem Schah, vier Männer nur aus vier Städten seines Reichs zu
+wählen; Musiker aus _Chorasan_, Geschäftsmänner aus _Issfahan_, Krieger aus
+_Tebris_ und Gesellschafter aus _Kaswin_[219]. Zur Verherrlichung des
+literarischen Ruhmes Kaswin's genügen die beiden Sekretäre _Kaswini_, der
+Verfasser der _Wunder der Geschöpfe_[220] und der _einzigen Perle der
+Seltenheiten_[221], jenes Naturgeschichte, dieses Geographie, und
+_Hamdallah Mestufi_, der Verfasser der auserwählten Geschichte[222] und der
+bessten persischen Erdbeschreibung[223], so dass persische Natur- und
+Völkergeschichte, Erd- und Ortsbeschreibung keiner persischen Stadt mehr
+verdanken, als dem reichbegabten gesellschaftlichen _Kaswin_.
+
+[Randnote: Hamadan.]
+
+Mit Eintritt des Frühjahrs begab sich Hulagu von Kaswin nach Hamadan, wo
+Baidschu Nujan von Aserbeidschan zur Aufwartung erschien. Hulagu, mit
+dessen Unthätigkeit unzufrieden, überhäufte ihn mit Vorwürfen: »Was hast
+du, seit Dschurmaghun nicht mehr in Iran geblieben, gethan? welche
+Schlachtenreihen hast du gebrochen, welchen Rebellen geschlagen? Hat dir
+das mongolische Heer zu Etwas Anderem gedient, als durch dessen Macht und
+Grösse den Chalifen zu schrecken?« Baidschu kniete nieder und sagte: »Ich
+habe mir keine Saumseligkeit zu Schulden kommen lassen und, was in meinen
+Kräften lag, gethan. Von den Thoren Rei's bis an die Gränzen Syriens habe
+ich Alles unterworfen, Bagdad ausgenommen, dessen Menschenmenge
+unermesslich und wohin die Zugänge äusserst schwer. Uebrigens steht der
+Befehl in der Hand des Padischah, und ich bin bereit, aus derselben Leben
+oder Tod zu empfangen.« Diese Unterwürfigkeit milderte den Zorn Hulagu's;
+er befahl ihm, aufzubrechen, den Westen bis an's Meer hin zu unterjochen
+und die Länder Rum's diesseits und jenseits des Bosporos den Händen der
+Griechen und Franken[224] zu entreissen. Baidschu Nujan hatte schon vor
+vierzehn Jahren mit einem Heere von vierzigtausend Mann das
+hundertsiebzigtausend starke Ghajaseddin Keichosrew's, des Sohnes
+Alaeddin's, zu Kösetagh geschlagen[225] und vollendete nun die Eroberung
+Rum's bis an das Gestade des mittelländischen Meeres. Hulagu begab sich mit
+den Prinzen _Kuli_, _Belghai_, _Kotar_ und mit den Befehlshabern
+_Bukatimur_, _Sundschak_, _Köke Ilka_ in die Ebene von Hamadan, um dort das
+Heer zu sammeln. _Hamadan_, insgemein für das uralte Ecbatana gehalten, ist
+nach allen Quellen persischer Geschichte und Geographie eine der ältesten
+Städte Persiens, welche schon Huscheng, der zweite der Pischdadier, erbaut,
+Nabuchodonoser verwüstet, Darius wieder hergestellt haben soll.[226] Bedil,
+der Sohn Werka's, eroberte die Stadt im drei und zwanzigsten Jahre der
+Hidschret[227]; dreihundert Jahre hernach[228] wurde dieselbe von
+_Medawidsch_, dem Dilemiten, und abermal dreihundert Jahre später[229] von
+den mongolischen Heeren mit allgemeinem Gemetzel der Einwohner verwüstet.
+Die Stadt hat Ueberfluss an Wasser, selbst wenn bei der von Hamdallah
+angegebenen Zahl der Quellen (tausend dreihundert) durch Fehler des
+Abschreibers eine Nulle zuviel. Zwei der grössten Philosophen Schöngeister,
+Eingeborene von Hamadan, der Dichter _Ibn Chaleweih_ und _Bediesseman_,
+d. i. der Wunderseltene der Zeit, haben das Klima sowohl als die Einwohner
+in bekannten Versen[230] mehr getadelt, als gelobt. Der Erste sagte:
+
+ Die Kälte ist vielstimmig zu Hamadan, und sogestalt
+ Ist es, im Winter grimmig, im Sommer mässig kalt.
+
+Der Wunderseltsame der Zeit, der Verfasser der ersten Makame, welche denen
+Hariri's zum Muster gedient, sagte:
+
+ Wiewohl geboren ich zu Hamadan,
+ Dasselbe ich dennoch nicht preisen kann;
+ Denn seine Knaben sind altklug, wie Greise,
+ Die Alten kindisch, nach der Knaben Weise.
+
+Das frische Grün der Fluren, das Gemurmel der zahlreichen Quellen
+verscheuchen allen Gram und stimmen zur heitersten Lebenslust, wesshalb die
+Einwohner vorzüglich lebenslustig, Spielen und Scherzen ergeben; ausserdem,
+dass Hamadan der Geburtsort zwei so ausgezeichneter Schöngeister, als die
+beiden oberwähnten, wallfahrtet hier der Jude zum Grabe _Esther's_ und
+_Mardochai's_, der Arzt zu dem _Avicena's_[231], die Mystiker zu dem eines
+der grössten persischen Dichter, nämlich: _Aththar's_, des Verfassers der
+_Vögelgespräche_ und eines Dutzends gereimter Bücher, nämlich: des Buchs
+des _Raths_, der _Drangsale_, der _Nachtigallen_, der _Kantele_, der
+_Geheimnisse der Gänse_, der _Chosroen_, der _Antworten_, der _Nöthen_, des
+_Auserwählten_, des _Göttlichen_, und _Haider's_, des Biographen der
+Heiligen, des ascetischen Werkes der _Brüder der Reinheit_ und anderer
+mystischer in Versen und Prosa. Bei dem Einfalle des mongolischen Heeres
+hatte Einer schon das Schwert aufgehoben, um den Dichter zu tödten, als ein
+Anderer sagte: Tödte diesen Greis nicht, ich kaufe dir sein Leben um
+tausend Silberstücke ab. Hüte dich, sagte Aththar, mich um so niedrigen
+Preis wegzugeben; du wirst Käufer finden, die mich theuerer bezahlen.
+Einige Schritte weiter bot ein Anderer für Aththar's Leben einen Sack
+Stroh; hierüber ergrimmt, hieb ihn der Mongole nieder.[232] Seit diesem
+ersten Einfalle der Mongolen, welche bei der Verfolgung Chuaresmschah's bis
+an's kaspische Meer und an die Gränze des arabischen Irak vordrangen, bis
+zur Erscheinung Hulagu's vor Hamadan, waren sieben und zwanzig Jahre
+verflossen, und ehe wir mit Hulagu die Gränze vom persischen Irak in's
+arabische überschreiten, überblicken wir noch die Schicksale Persiens unter
+mongolischer Herrschaft in der vom ersten Einfalle der Mongolen bis zur
+Gründung des Reichs der Ilchane verflossenen Zeit.
+
+[Randnote: Die Mongolen im westlichen Persien vor Hulagu.]
+
+Persien wurde von den Mongolen in zwei Statthalterschaften getheilt, wovon
+die östliche Chuaresm und Chorasan, die westliche das persische Irak und
+Aserbeidschan in sich begreift. Um die Statthalter nicht zu vermengen,
+überblicken wir zuerst das westliche oder eigentliche Persien, welches in
+dieser Zeit nur zwei Statthalter hatte, nämlich _Dchurmaghun_ und _Baidschu
+Nujan_, und dann erst das östliche, wo die Begebenheiten verwickelter durch
+die Ränke der Nebenbuhler um die Leitung der Geschäfte. Als die Mongolen
+bei der Verfolgung Chuaresmschah's zum erstenmal die Gegend um Irbil
+verwüsteten, [RN: 633/1236] rüstete der Chalife Mostanssirbillah ein Heer
+und rief die moslimischen Fürsten zur Hülfe auf; bei dem zweiten Einfalle
+nahmen sie die Stadt Irbil, doch nicht die Citadelle, ein; sie drangen bis
+Schengabad und Sermenrai vor, der Chalife setzte Bagdad in
+Vertheidigungsstand und rief alle Einwohner zu den Waffen auf. Am rothen
+Berge (Dschebel Hamrin) ober Tekrit wurden die Mongolen geschlagen und
+ihnen die Gefangenen, die sie von Irbil und Dakuka weggeschleppt,
+abgenommen; ein Corps von fünfzehntausend Mongolen, das bald darauf bis
+_Dschaaferije_ vordrang, zog sich bei der Annäherung des Chalifen zurück.
+Noch im selben Jahre [RN: 635/1238] war ein Corps von gleicher Stärke bis
+Chanekin vorgedrungen und schlug das ihnen vom Chalifen entgegengesandte,
+das nur halb so stark. Im Norden hatten sie sich Gendsche's bemächtigt, und
+Dschurmaghun's Heere überschwemmten Georgien und Armenien. Er eroberte das
+Land zwischen dem Arras und Kur und in Georgien die Hauptstadt Tiflis nebst
+anderen Städten. Er belagerte und verheerte Rei; hierdurch erschreckt,
+trugen ihm die Bewohner von Karss die Schlüssel ihrer Stadt entgegen;
+nichtsdestoweniger wurden die waffentüchtigen Einwohner niedergemacht, mit
+Ausnahme der Kinder und Handwerker, die in die Sklaverei geschleppt wurden.
+Der armenische Prinz _Awak_ begab sich mit seiner Schwester _Thamtha_ an
+den Hof Gujuk's, um die Zurückstellung des väterlichen Erbes zu erflehen,
+und sie erhielten hiezu den Befehl an Dschurmaghun. Nach dessen Tode setzte
+sein Nachfolger Baidschu Nujan die Eroberungen seines Vorfahrers fort. Er
+wandte seine Waffen gegen Ersenrum, Ersendschan, und schlug das in der
+Ebene von Akschehr bei Ersendschan verstärkte Heer des Sultans von Rum,
+unter dessen Verbündeten zweitausend von Johann Limminata aus Cypern und
+Bonifacio de Castro von Genua befehligte Truppen; diess ist die oberwähnte
+Schlacht von Kösetag, welcher Berg sonst _Alakjuh_ hiess.[233] Nach dem
+über den Sultan erfochtenen Siege wurden Siwas, Tokat und Kaissarije
+geplündert und verheert; ein General des Sultans und der Richter von Amasia
+kamen in's mongolische Lager von Siwas und unterhandelten einen Frieden,
+vermöge dessen der Sultan jährlich einen Tribut von hundert zwanzigtausend
+Goldstücken, fünfhundert Stück Stoffe, fünfhundert Kamele, fünfhundert
+Sklaven zu leisten verbunden.[234] Keichosrew war zu glücklich, diesen ohne
+seine Vollmacht abgeschlossenen Friedensvertrag zu bestätigen. Bei ihrem
+Abzuge erstürmten die Mongolen Ersendschan und machten die Einwohner
+nieder. Malatia kaufte sich von der Plünderung durch viertausend Goldstücke
+los, zu deren Vervollständigung die goldenen und silbernen Kirchengefässe,
+die Heiligenschreine und Reliquienkästen ausgeliefert werden mussten.[235]
+Wahrscheinlich war es derselbe mongolische Feldherr Irsane, welcher zweimal
+Bohemund V., den Fürsten von Antiochien, auffordern liess, die Mauern
+seiner Festungen zu brechen und ihm dreitausend Jungfrauen zu liefern; die
+Forderung wurde abgeschlagen, aber später zahlten die Fürsten von
+Antiochien an die Mongolen Tribut. Schihabeddin, der Fürst von Miafarakain,
+durch einen mongolischen Gesandten aufgefordert, seine Mauern zu schleifen,
+[RN: 1244] antwortete, dass er nur ein kleiner Fürst, dem Beispiele der
+Sultane Syriens und Aegyptens folgen werde. Hethum I., der armenische Fürst
+Ciliciens, suchte durch Gesandte mit reichen Geschenken Baidschu's Schutz
+an. Baidschu forderte vor allem die Auslieferung des Harems Keichosrew's,
+des Sultans von Rum, und Hethum erkaufte um diesen Preis den Frieden und
+das Diplom als Vasall des grossen Kaan's. Im folgenden Jahre [RN: 1245]
+eroberten die Mongolen die nördlich des Sees von Wan gelegenen Länder, die
+sie auf Ogotai's Befehl der armenischen Prinzessin Thamtha übergaben. Sie
+nahmen Amid, Roha, Nissibin. Der Fürst von Mossul, Bedredin Lulu, schloss
+in seinem und des Fürsten von Damaskus Namen einen Vertrag von, in drei
+Klassen geregelter, Kopfsteuer ab. Im folgenden Jahre [RN: 1246] erschienen
+die Mongolen zum fünftenmal in der Nähe von Bagdad zu Dakuka, von wo sie
+der kleine Diwitdar zurückschlug, und im folgenden Jahre [RN: 1247]
+tödteten die Mongolen zu Dakuka den Statthalter Belban; sie plünderten die
+Karawanen, und Jesaur verheerte die Gegend um Malatia. Die gleichzeitigen
+Begebenheiten Rum's und Armeniens gehören in die Geschichte dieser Länder
+und ihrer Fürsten; wir erwähnen nur noch der Mission der vier Dominikaner,
+welche Baidschu auf den ihm im Namen des Papstes gemachten Antrag, sich zum
+Christenthume zu bekehren, tödten wollte. Einer seiner Offiziere hatte
+sogar vorgeschlagen, den ersten der Missionäre zu schinden und seine
+ausgestopfte Haut dem Papst als Antwort zu senden[236]; doch auf die
+Fürbitte der Gemahlin Baidschu's wurde ihnen nicht nur das Leben geschenkt,
+sondern sie erhielten sogar ein in dem Missionsberichte bis auf uns
+gekommenes Schreiben und wurden von zwei Gesandten Baidschu's an den Papst
+begleitet, der sie auf das Ehrenvollste empfing und mit Geschenken
+überhäufte.[237]
+
+[Randnote: Dschintimur, Körgös, Statthalter Chorasan's.]
+
+In Persien liess Tschengischan, nachdem er abgezogen, als Statthalter den
+Dschintimur zurück, welchem von allen vier Ulusen, d. i. Stämmen des
+_Urugh_, d. i. des Hauses Tschengischan's, ein Amtsgehülfe beigegeben war,
+indem Chorasan als ein, allen vier Söhnen Tschengischan's gemeinsamer
+Besitz betrachtet ward; eine Zeit lang dem Dschurmaghun, dem Statthalter
+Feldherrn in Persien, untergeordnet, unter dessen Oberbefehl er die,
+Chorasan noch verheerenden türkischen Schaaren Chuaresmschah's schlug,
+erhielt Dschintimur von Ogotai die unabhängige Statthalterschaft Chorasan's
+und Masenderan's; als Gehülfe vom Blute des Kaan's war ihm _Kelilat_
+beigegeben; er selbst verlieh beide höchsten Staatsämter, nämlich das des
+Wesirs oder Inhabers des Diwans und die Stelle des Staatssekretärs, an
+zwei Moslimen, jenes an _Scherefeddin_ von _Jesd_, dieses an _Behaeddin_
+von _Dschuwein_, den Vater Athamülk's, des Geschichtschreiber's. Nach
+Dschintimur's Tod erhielt seine Stelle _Nussal_, welcher schon von
+Tschengischan dem Dschintimur als Amtsgehülfe von Seite des Uluses
+Dschudschi's beigegeben worden war. Dem Nussal folgte in der
+Statthalterschaft bald _Körgös_, d. i. Blindaug, welcher, an den Hof
+Ogotai's gesandt, um über die Verwaltung Chorasan's Bericht zu erstatten,
+gefiel und von seinem Landsmanne, dem Staatssekretär _Dschinkai_ dem
+Uighuren, begünstigt. Der Kämmerer _Danischmend_, Gegner Dschinkai's,
+bemühte sich seinerseits, die Statthalterschaft Chorasan's dem Sohne
+Dschintimur's zu verschaffen; Dschinkai wünschte jedoch seinem Schützling
+ein _Jerligh_, d. i. Diplom, des Kaan's zu verschaffen, vermöge welchem ihm
+die statistische Zählung der Bewohner Chorasan's und Masenderan's
+aufgetragen und alle Macht in seine Hände concentrirt ward. Der Wesir
+Scherefeddin und Kelilat, ihrer Wirksamkeit durch das Jerligh beraubt,
+schmiedeten mit _Ongu Timur_, dem Sohne Dschintimur's, Ränke wider Körgös
+am Hofe des Kaan's, der ihn auf ihre Beschwerden zu sich berief. Körgös
+machte sich auf den Weg, indem er den Behaeddin von Dschuwein an der Spitze
+der Verwaltung zurückliess. Auf dem Wege in's Hoflager begegnete er zu
+_Binaket_ den Commissären des Kaisers, welche ihm zurückzukehren befahlen;
+es kam vom Wortwechsel zu Thätlichkeiten, in welchen Körgös blutig
+geschlagen und ihm ein Zahn gebrochen ward; er musste den Commissären
+folgen, aber in der Nacht sandte er einen Eilboten mit seinem
+blutbefleckten Kleide nach Hof. Ogotai, über diese Behandlung seines
+Statthalters aufgebracht, berief ihn zu sich; allein die Gegner _Kelilat_
+und der Sohn Dschintimur's folgten ihm auf dem Fusse. Zu Bochara wurde bei
+einem demselben gegebenen Feste Kelilat am hellen Tage ermordet. Ogotai
+wollte in dem ihm vom Sohne Dschintimur's dargebrachten Zelte speisen; kaum
+hatte er es verlassen, als es ein Windstoss zusammenriss. Ogotai, durch
+diese böse Vorbedeutung erschreckt, befahl, es in Stücke zu zerreissen. In
+dem von Körgös ihm dargebrachten Zelte fand er im Gegentheil einen mit
+Juwelen besetzten Gürtel, nach dessen Umbindung sein Lendenschmerz
+verschwand, so dass er guten Muths wieder zechte. Die beiden Nebenbuhler um
+Chorasan's Statthalterschaft blieben mehrere Monate am Hofe Ogotai's,
+welcher wünschte, dass sie sich vertrügen, und ihnen befahl, aus demselben
+Becher zu trinken, dasselbe Zelt zu bewohnen, nachdem sie zuvor ihre Waffen
+abgegeben. Da sie sich nichtsdestoweniger nicht verglichen, ward, als sie
+Beide in Ogotai's Gegenwart vor Gericht erschienen, der Sohn Dschintimur's
+als schuldig verurtheilt, und sollte an den Herrscher seines Uluses,
+nämlich an Batu, ausgeliefert werden. Der Sohn Dschintimur's flehte den
+Kaan, selbst sein Schicksal zu entscheiden, indem ein Hund, wie er, nicht
+werth sei, dass zwei grosse Herrscher, wie Ogotai und Batu, sich über ihn
+beriethen. Du hast Recht, sprach Ogotai, Batu's Strenge würde selbst seinem
+Sohne, wenn er sich in deinem Falle befände, nicht verzeihen. Dem Sohne
+Dschintimur's wurde verziehen; aber seine Begleiter wurden nach der Jasa
+bestraft, welche über die Verläumder Strafen verhängt. Körgös verwaltete
+Chorasan mit Gerechtigkeit und Einsicht, baute Tus und Herat aus ihrem
+Schutte wieder auf und warf den Ränkeschmied Scherefeddin, welcher unter
+dem Scheine der Freundschaft gearbeitet, in's Gefängniss; dieser aber fand
+mittels seines Weibes Schutz beim Uluse Dschagatai, und Arghun wurde mit
+dem Befehle abgesandt, den Körgös lebendig oder todt nach Hofe zu
+bringen.[238]
+
+[Randnote: Scherefeddin von Jesd, Blutegel der Finanz, und Arghun.]
+
+Körgös, der sich Anfangs in einem von ihm zu Tus erbauten Magazine
+eingesperrt, ging endlich, als man Gewalt brauchen wollte, selbst heraus,
+und ward von den Söhnen Dschagatai's nach Hof gesandt, wo sein Beschützer
+Dschinkai von der Regentin Turakina verungnadet worden. Körgös, ohne
+Beschützer, ohne Geld, wurde auf Befehl Kara Hulagu's, des Enkels
+Dschagatai's, hingerichtet, und von der Regentin wurde _Arghun_ zum
+Statthalter Chorasan's ernannt. Er begehrte den Scherefeddin als _Ulug
+Bitekdschi_, d. i. grossen Staatssekretär oder Finanzminister, weil er sich
+verbindlich gemacht, viertausend Balische, welche in den beiden Ländern
+Chorasan und Masenderan an Steuern ausständig, einzutreiben. Scherefeddin,
+Sohn eines Lastträgers von Chuaresm und seiner schönen Gestalt willen
+Lieblingspage des Statthalters von Chuaresm, war von diesem, als der Page
+die Frische des Jugendreizes verloren, dem Dschintimur abgetreten, bei dem
+er sich durch seine Geschicklichkeit als Sekretär und seine Kenntniss der
+mongolischen Sprache als brauchbar empfahl; er stellte ihn in
+Steuergeschäften an, in welchen er bald Proben seines blutaussaugenden
+Druckes gab, wodurch sein Name in der Geschichte für immer gebrandmarkt. Er
+unterschied zwischen den Dörfern, welche sich freiwillig den Mongolen
+ergeben, oder mit Gewalt erobert worden waren, und belastete die Einwohner
+der letzten mit allen Arten von Auflagen und Qualen[239]. In diesem Geiste
+hatte er unter Körgös das Land gedrückt und noch mehr unter Arghun, um die
+Summe, zu deren Eintreibung er sich anheischig gemacht, einzutreiben. Weder
+Weiber noch Waisen wurden verschont und Foltern aller Art angewandt, um
+Geld zu erpressen; die Häuser wurden geplündert, den Todten selbst das
+Leichentuch weggenommen, dar Mann vom Weibe, der Vater vom Sohne gerissen
+und als Sklave verkauft; die Männer wurden barfuss, die Weiber
+unverschleiert aus den Häusern geschleppt; jene bei den Füssen, diese bei
+den Brüsten aufgehängt. Zu Rei wurden die geraubten Einrichtungen der
+Häuser in der Moschee aufgeschichtet, dort auf Maulthiere geladen und diese
+mit den Teppichen der Moschee zugedeckt. So schaltete und waltete er zu
+Tebris und Kaswin, zu Issfahan, Kum, Kaschan, Rei und Hamadan, alle Häuser
+und alle Foltern erschöpfend. Seinen Helfer Mahmud von Sebsewar sandte er,
+um Isferain und Dschadscherm auszusaugen, er selbst lag schwer als Alp der
+Finanz auf Astrabad, Amul und den Städten Masenderan's. Als Arghun zu Tus,
+bat der Imam der Grabstätte Musa Risa's um Gnade und Schonung, und Arghun
+gab ihm einen Kabinetsbefehl an Scherefeddin zur Zurückstellung eines
+Theils des Geraubten. Scherefeddin befahl, den Vorzeiger des Befehls mit
+Fäusten zu ohrfeigen, so dass er besinnungslos niederfiel. Die Pflugstiere
+nahm er vom Acker, die Heerden aus den Haiden weg, so dass Ackerbau und
+Viehzucht darniederlag. Glücklicherweise befreite sein Tod das Land von
+seiner Tyrannei; [RN: 1244] aber noch auf dem Todbette sandte er Wort an
+Arghun, ja die Eingesperrten nicht frei zu lassen, bis sie gezahlt, und ja
+keinen Heller nachzusehen, weil sonst alle Ordnung zu Ende. Arghun that das
+Gegentheil, indem er die Gefangenen losgab, die noch zu leistenden
+Zahlungen nachsah und sich dadurch den Segen des Landes erwarb. Bei der
+Thronbesteigung Gujuk's brachte Arghun alle eingesammelten Anweisungen,
+welche sich verschiedene Prinzen gesetzwidrig auf verschiedene Distrikte
+Chorasan's verschafft hatten, dem neuen Kaan als das angenehmste Geschenk
+dar; die Stellen wurden nach seinem Vorschlag besetzt, die durch den Tod
+des Blutegels Scherefeddin erledigte des Ulugh Bitekdschi erhielt
+_Fachreddin Behischti_. Nach Gujuk's Tod riss während des Zwischenreichs
+der Missbrauch der Anweisungen, wodurch den Prinzen Einkünfte von Dörfern
+und Flecken in Chorasan für Jahre hinaus zugesichert wurden, wieder ein.
+Bei Mengku's Thronbesteigung verschafften sich die Klagen des Landes Gehör,
+und es wurde beschlossen, Chorasan auf die von Mohammed Jelwadsch in
+Transoxana eingeführte Weise zu besteuern. Die Statthalterschaft wurde ihm
+mit _Jerligh_ und _Paise_, d. i. mittels Diploms und Löwenkopfs, bestätigt,
+und Behaeddin von Dschuwein für die Finanzverwaltung beigegeben; aber die
+Brüder des Kaisers: Kubilai, Hulagu, Arikbugha, hatten bei ihm ihre
+Agenten; so auch _Nikpei_, der Herr des Uluses Dschagatai. Persien wurde in
+vier Steuerbezirke abgetheilt und die Vorsteher derselben erhielten den
+Titel _Melik_, welches gewöhnlich König, hier aber so viel als Intendant
+oder Generalpächter bedeutet. Arghun veranstaltete bei seiner Zurückkunft
+neue Zählung und regelte die Kopfsteuer nach den Klassen, was bereits,
+sowie die Einrichtungen Hulagu's durch denselben oben erzählt worden.
+
+[Randnote: Rückblick auf das Chalifat.]
+
+Hulagu befand sich Ende Aprils zu Denna, [RN: 9. Rebiulachir 655/26. April
+1257] drei Monate hernach zu Hamadan; [RN: 10. Redscheb/26. Juli] in der
+herbstlichen Tag- und Nachtgleiche sandte er einen Gesandten an den
+Chalifen von Bagdad mit der Aufforderung von Unterwürfigkeit und dem
+Vorwurfe, dass die zur Besiegung der Assassinen angesprochene Hülfe nicht
+geleistet worden. Doch ehe wir die Begebenheiten der zwischen dieser
+Aufforderung und dem Sturze des Chalifats verflossenen fünf Monate
+erzählen, fordert geschichtlicher Zusammenhang den Rückblick auf die
+letzten Zeiten des sinkenden Chalifats, das unter den Beni Abbas nun
+bereits durch fünf Jahrhunderte gedauert. Ohne diesen Rückblick auf die
+ersten und letzten Ursachen des Sinkens und gänzlichen Verfalls würde es
+unmöglich sein, zu begreifen, wie der durch fünf Jahrhunderte aufrecht
+stehende Thron des Chalifen in fünf Monaten zertrümmert ward[240]. Der Wurm
+hatte schon lange an dem Herrscherstabe des Chalifen genagt, ehe derselbe
+und das darauf gestützte Schattenbild der Herrschaft zu Boden fiel. Von
+innen zerrissen das Reich die Partheiungen der Sunni und Schii und die
+Anführer der türkischen Leibwachen, mit denen sich schon der achte Chalife
+_Moteaassim_ in der Hoffnung umgeben, durch dieselben den Thron zu
+schützen, die aber statt Vertheidiger Empörer, von Sklaven sich zu Sultanen
+emporschwangen. Von aussen erschütterten und zertrümmerten das Reich die
+mit dem Schwerte den Islam reformirende Secte der _Karmathen_ und die
+überall emporsteigenden Dynastien, von denen alle den Titel der Herrschaft
+den durch Gewalt abgenöthigten Diplomen des Chalifen dankten, von denen
+aber die mächtigsten, wie die _Beni Hamdan_ und _Beni Buje_, um die
+Oberherrschaft über den Chalifen buhlten, und desshalb im beständigen
+Kriege mit dem Emirol-umera, d. i. dem Fürsten der Fürsten, dem Hausmeyer
+des Chalifats, bis sie den Titel desselben sich selbst angeeignet. Kaum ein
+Jahrhundert war seit der Gründung der Dynastie der Beni Abbas durch
+_Abdallah es-seffah_, d. i. den Diener Gottes, den Blutvergiesser,
+verflossen, als schon mit dem Einflusse der türkischen Leibwachen der
+Saamen des Unheils wuchernd aufschoss; ein Jahrhundert hernach unter dem
+neunzehnten Chalifen _Kahirbillah_, d. i. der _Rächende durch Gott_, war
+bereits das Loos der Theilung über das Ehrenkleid des Chalifats geworfen
+und die Länder desselben in zwölf Theile zerstückelt. [RN: i. J. 325/936]
+Heute vor neunhundert Jahren herrschte in Persien die mächtigste, in vier
+Zweige getheilte Dynastie der Beni _Buje_, in Diarbekr und Dijari Rebia, zu
+Mossul und zu Haleb die Dynastie der Beni _Hamdan_; Chorasan war in den
+Händen der Beni _Saman_, Masenderan und Dschordschan in denen der Beni
+_Dilem_; der südlichen arabischen Landschaften hatten sich die _Karmathen_,
+der südlichen persischen _Ahwas_ und _Wasit_, die Söhne _Berid's_, als
+Empörer bemächtigt. In Aegypten und Syrien führten die türkischen Sklaven
+der Familie _Achschid_ als Herrn den Titel von Sultanen und zu _Bagdad_
+selbst den des Fürsten der Fürsten. Zwei Dynastien der Beni _Sijad_
+regierten zu Sebid in Jemen und die anderen in Taberistan; in Kufa die Beni
+_Thaba Thaba_ aus der Familie Ali und die Beni _Ochaissar_ in Hidschas. Den
+Titel und die Macht als Chalifen machten den Beni Abbas die alte Dynastie
+der Beni _Omeije_ in Spanien und die neue der _Fatimiten_ in Afrika
+streitig[241]. So hatten sich Leibwachen und Sklaven, Sectirer und Empörer,
+arabische und persische Emire in das weite Reich des Chalifats von Osten
+bis Westen getheilt, und das Gebiet desselben war, wie in der letzten Zeit
+des byzantinischen Reichs, fast nur auf das Weichbild der Residenz
+beschränkt; was sich innerhalb den weiten Gränzen des ehemaligen Reichs der
+Chalifen zutrug, gehört in die Geschichte der Dynastien, die sich dort
+erhoben, und nicht mehr in die des Chalifats, das seit dem Beginne des
+zehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung noch durch
+vierthalbhundert Jahre seinem Untergange allmählig zusank.
+
+[Randnote: Wesire Verräther; Religionssecten; Ueberschwemmungen.]
+
+Am Eingange und Ende dieser vierthalbhundertjährigen Periode stehen zwei
+Wesire Staatssekretäre, beide Gelehrte, beide als Hebel des Verderbens des
+Reichs von der Geschichte gebrandmarkt. Der erste, _Ibn Mokla_, der
+Verbesserer der arabischen Schrift in ihrer schönsten, gefälligsten Form
+des _Neschi_, der dreimal den Koran abgeschrieben, dreimal die Wesirschaft
+verwaltet, dreimal Heere befehligt, dreimal die Pilgerreise vollzogen und
+zuletzt sogar dreimal bestattet worden, unterhielt verrätherischen
+Briefwechsel mit _Jahkim_, dem türkischen Emire, wie _Ibn Alkami_, der
+letzte gelehrte Wesir des letzten der Chalifen, mit Hulagu; jener die
+Türken, dieser die Mongolen rufend. Der zwischen beiden liegende Zeitraum
+zerfällt in vier Perioden, in deren erster die _Bujiden_, in der zweiten
+die _Seldschuken_, in der dritten die _Chuaresmschahe_ und endlich die
+_Mongolen_ die mächtigsten Herrscher Mittel- und Vorderasiens. Wir haben
+hier nicht die Geschichte dieser Reiche zu überblicken, sondern nur die des
+unter ihrem eisernen Fusstritte tief darniedergebeugten Chalifats. Die
+erste Periode der Uebermacht der Beni Buje bis zum Auftritte der
+Seldschuken unter Toghrul umfasst hundert fünf und zwanzig Jahre, die
+Herrschaft der Seldschuken in Chorasan und Kerman anderthalb Jahrhunderte,
+die überwiegende Macht der Chuaresmschahe unter den beiden letzten grossen
+Sultanen derselben, Mohammed Tekesch, die der mongolischen Herrschaft seit
+dem Tode Tschengischan's, dreissig Jahre. Während dieses durch die
+Uebermacht der Beni Buje, der Seldschuken, der Chuaresmschahe und der
+Mongolen unterdrückten, durch innere Unruhen zerstückten Chalifats sassen
+seit dem neunzehnten Chalifen, Kahirbillah, noch achtzehn sogenannte
+Schatten Gottes auf Erden als Schatten auf dem Chalifenstuhle, mit dem
+Mantel des Propheten angethan, mit seinem Stabe als Richter die weltliche
+Herrschaft zum Scheine und nur noch die geistliche als die Imame des Islams
+ausübend, auch diese nicht unbestritten, sondern von Ketzern und
+Glaubensreformern vielfach beeinträchtigt, von den Chalifen der Beni Omeije
+in Spanien und von denen der Fatimiten in Afrika in Anspruch genommen.
+Zuerst entzweite das Chalifat die zu Bagdad mit gleicher Erbitterung
+geführte Glaubensspaltung der _Sunni_ und _Schii_, wovon jene die
+Katholiken, diese die Protestanten des Islams; jene dem Hause Abbas, diese
+dem Ali's und folglich allen denen, welche als Verwandte der
+Prophetenfamilie auf Herrschaft Anspruch machten, gewogen. Die für den
+Thron sowohl als für den Altar gefährlichsten Religionsneuerer aber waren
+die _Karmathen_ und _Ismailiten_, wovon jene mit dem Schwerte in der Hand
+als Zerstörer der Kaaba und Räuber des heiligen schwarzen Steines, als
+Mauerbrecher das feste Gebäude des Islams erschütterten; diese unter dem
+Schleier geheimer Lehren und Verbindungen die Grundfeste der Religion
+untergruben und mit dolchbewaffnetem Arm schneidende Beweise führten;
+höchst gefährliche Neuerer der Lehre, welche den ihnen beigelegten Namen
+der _Mulhad_, d. i. der Freigeister oder Gottlosen, wohl verdienten und
+welche nur unter dem tropischen Gewande der Allegorie und Mystik das Skelet
+ihrer Grundlehre: _Nichts zu glauben und sich Alles zu erlauben_,
+verlarvten; gefährlicher als die Anhänger _Masdek's_ unter Nuschirwan, als
+die _Babek's_ unter den Chalifen Mamun und Moteaassim, welche offen die
+Gemeinschaft der Güter und Weiber predigten, das Scheusal ihrer Grundsätze
+offen Preis gaben, während diese es unter dem Schleier ascetischer Uebungen
+und philosophischer Lehren im tiefsten Geheimnisse verbargen. Von der Zeit
+an, wo unter Kahirbillah die Karmathen und Beridäer die Länder des
+Chalifats mit Blut überschwemmten bis zur letzten Blutüberschwemmung durch
+die Mongolen, waren die grossen politischen Unheile des Reichs fast immer
+gleichzeitig mit grossen verderblichen Naturbegebenheiten, mit Erdbeben,
+Hungersnoth und besonders grossen Verheerungen des Tigris, so dass die
+Ueberschwemmung des letzten nur als ein Vorzeichen einer Ueberschwemmung
+von Blut galt, ein Glaube an eine geheime Verbindung physischer und
+moralischer grosser Begebenheiten, welche durch die furchtbaren
+Ueberschwemmungen des Tigris, welche im Jahre der Einnahme Alamut's
+statthatte und nur zu bald durch das Blutbad und den Ruin Bagdad's
+bestätigt ward.
+
+[Randnote: Die Emirol-umera aus der Familie Buje.]
+
+Der Tyrann Kahirbillah, Nachfolger des Chalifen Radhi, der letzte der
+Chalifen, welcher dichtete und selbst am Freitage das Chutbe verrichtete,
+berief den Türken _Raik_ als Fürsten der Fürsten nach Bagdad und stiftete
+so die oberste Gewalt der Fürsten der Fürsten, um die sich mit den
+Befehlshabern der Leibwachen die mächtigen Fürsten des Hauses Hamdan und
+Buje stritten. Er bestellte, der erste, einen Stellvertreter in der
+Moschee, in welcher vor ihm die Chalifen selbst als Imame dem Gebete
+vorstanden, am Freitage die Rede selbst von der Kanzel als _Chatibe_
+gehalten hatten.[242] [RN: 330/941] Unter seines Bruders und Nachfolgers
+_Mottakki_, d. i. des Gottesfürchtigen, Regierung verkündeten grosse
+Ueberschwemmung des Tigris und grosse Pest und Hungersnoth eben so grosses
+politisches Unheil. Der Anführer _Beridi_ verheerte Bagdad dritthalb Monate
+lang mit seinen Truppen, der Türke _Tusun_ drängte sich nach Raik's Tod dem
+Chalifen als Fürst der Fürsten auf, dem byzantinischen Kaiser Romanus
+Lapachenes musste das Schweisstuch Christi als Lösegeld ausgeliefert
+werden; Mottakki ward geblendet und vom Throne gestossen. Sein Neffe
+_Mostekfibillah_ verlieh nach Tusun's Tod die Stelle des Fürsten der
+Fürsten dem _Schirsad_, welchem sie Ahmed der Bujide entriss und vom
+Chalifen mit dem Ehrentitel _Moiseddewlet_, d. i. der den _Hof_ oder das
+_Reich Ehrende_, anerkannt ward. Er bemächtigte sich der Leitung aller
+Geschäfte, wies dem Chalifen nur fünftausend Dirhem für dessen täglichen
+Unterhalt an, riss ihn endlich gewaltsam vom Throne und verstiess ihn
+geblendet in den Kerker. Die Wesire wurden von nun an nicht mehr Wesire,
+sondern nur _Kjatibe_, d. i. Sekretäre, genannt.[243] Sein Nachfolger
+_Motiilillah_, d. i. der Gehorsame in Gott, war nur den Befehlen
+Moiseddewlet's und seines Sohnes Bachtiar gehorsam, welche die wahren
+Herren von Bagdad, als Schii die Sunni als Ketzer und die Chalifen aus dem
+Hause Abbas als ungerechte Thronbesitzer anfeindeten; Verwünschungen wider
+Omar, der _Fedek_, das Landgut Ali's, eingezogen, und den _Ebu Serr_
+verdammte, wurden an die Thore der Moscheen geschrieben, Nachts zwar von
+den Sunniten wieder ausgelöscht, dann aber dem Moawia von den Kanzeln
+geflucht und das Fest Aaschura zum Preis des Martyrthums Husein's
+eingesetzt[244]. Moiseddewlet verkaufte die Stelle des Obersten Richters um
+zwanzigtausend Dirhem, das erste Beispiel so schändlicher Verkäuflichkeit
+im Islam, und Bachtiar, als es ihm an Geld mangelte, zwang den Chalifen,
+seine ganze Garderobe und sein Hausgeräthe zu verkaufen, und zog die aus
+der Versteigerung gelösten vierzigtausend Dirhem ein, so dass man sagte, er
+habe den Chalifen vergantet[245]. Die Karmathen hatten zwar den schwarzen
+heiligen Stein wieder an die Kaaba zurückgestellt, aber hingegen eroberten
+die Griechen alle Gränzfestungen des Reichs. Zu Tarsus verwandelten sie die
+Moscheen in einen Stall und verbrannten die Kanzel; Antiochien und Haleb,
+Edessa und Nissibin wurden geplündert. Dschewher, der Feldherr der
+Fatimiten, hatte Aegypten erobert. So grosse und schwere Unfälle waren
+durch ausserordentliche Naturverheerungen vorbedeutet oder von denselben
+begleitet worden. [RN: 346/957] Erdbeben verschluckte die Stadt Thalkan mit
+allen ihren Einwohnern, bis auf dreissig[246], und hundert fünfzig Dörfer.
+Die Erde warf die Gebeine der Todten aus und sprengte heisses Wasser zum
+Himmel empor; Kum und Holwan wurden durch Erdbeben verwüstet; die
+Heuschrecken verzehrten nicht nur das Gras der Fluren, sondern auch die
+Blätter der Bäume; das Meer trat achtzig Ellen weit von seinen Ufern
+zurück[247] und enthüllte die Naturwunder seines Schooses; drei Jahre
+später verschlang es das Gepäck der Pilgerkarawane, die ein Wolkenbruch
+demselben zugeschwemmt; [RN: 349/960] in diesem Jahre wurde Kreta von den
+Griechen erobert. Der Sohn Motii's war _Thaai_, was ebenfalls _gehorsam_
+bedeutet; er gehorsamte, wie der Vater, dem Fürsten der Beni Buje, die sich
+nun mit den Türken und unter sich um die Obervormundschaft des gehorsamen
+Chalifen stritten; doch beobachtete Adhadeddewlet, der grosse Fürst der
+Bujiden, wenigstens den äusseren Anstand, indem er siebenmal vor dem
+Chalifen die Erde küsste, während Behaeddewlet den Palast des Chalifen
+plünderte, ihn selbst durch zwei Dilemiten von dem Throne reissen liess und
+geblendet in den Kerker verstiess. Adhadeddewlet hatte zu Bagdad Spital und
+Sternwarte gebaut, und inmitten der finsteren Nacht, welche den Thron des
+Chalifats umdunkelte, leuchteten am literarischen Himmel Gestirne der
+ersten Grösse. Der Dichter _Motenebbi_, der Geschichtschreiber _Mesudi_,
+der Philosoph _Farabi_ und _Ebulferedsch von Issfahan_, der Verfasser der
+grossen Blüthenlese, _Aghani_, welcher dem Wesir Ibad die fünfhundert
+Kameellasten von Büchern, die er vor Erscheinung derselben mit sich zu
+führen pflegte, ersparte.
+
+[Randnote: Kadirbillah und Kaimbiemrillah.]
+
+In die vierzigjährige Regierung Kadirbillah's, des fünf und zwanzigsten
+Chalifen, des Enkels Moktedir's, fällt das Ende der Herrschaft der Beni
+Buje und der Beginn der Grösse der Sultane von Ghasna, welche aber zu
+ferne, um unmittelbaren Einfluss auf die Schicksale Bagdads zu nehmen.
+Nichtsdestoweniger ertheilte ihnen der Chalife Ehrentitel, indem er dem
+Vater Sebugtegin den _der rechten Hand des Hofes und des Intendenten des
+Volkes_[248] beilegte, wie die Fürsten der Buje der _Bewahrer_[249], der
+_Arm_[250], der _Ruhm_[251], der _Adel_[252], das _Schwert_[253], der
+_Werth_[254], die _Säule_[255] und die _Ehre_[256], der _Veredler_[257],
+die _Erhabenheit_[258] des Reichs und des Hofs geheissen hatten; fünf und
+vierzig Jahre alt, als er den Thron bestieg, füllte _Kadir_, d. i. der
+Mächtige, denselben vierzig Jahre lang, wenn nicht mit Macht, doch mit
+Anstand und Würde, war genau und eifrig in Vollziehung der vorgeschriebenen
+Religionspflichten im Gegensatze seiner Vorfahren, welche Wüstlinge und
+Schlemmer, schrieb ein Buch wider die Schismatiker, welche die Lehre, dass
+der Koran erschaffen, vertheidigen, welches alle Freitage in der Moschee
+vorgelesen ward; nur wurde seine lange Regierung häufig durch die blutigen
+Streitigkeiten der Sunni und Schii getrübt, weil er die letzten auf Kosten
+der ersten begünstigte. In dem ersten dieser Religionsaufruhre wurde der
+Wesir Behaeddewlet erschlagen, weil er die Todtenfeier des Martyrthums
+Husein's abstellen wollte. [RN: i. J. 382/992] Neun Jahre hernach empörten
+sich die Ketzer, indem sie die Einführung eines neuen Festes, nämlich des
+schiitischen des _Teiches_, durchsetzten[259]. [RN: 389/998] Zehn Jahre
+hernach, im selben, wo ein heftiges Erdbeben die Stadt dreimal, und
+Hakimbiemrillah die Kirche, das heilige Grab zu Jerusalem in Schutt
+verwandelte, schlugen sich die Sunni und Schii in den Strassen von Bagdad.
+[RN: i. J. 407/1016] Neun Jahre später wurden die Ketzer zu Wasith von den
+Sunni geschlagen und die Kuppel der grossen Moschee zu Jerusalem stürzte
+ein. Schon im nächsten Jahre [RN: i. J. 408/1017] entbrannte der Kampf
+zwischen ihnen umso heftiger zu Bagdad; und abermals nach dreizehn Jahren
+[RN: i. J. 421/1030] schlugen sie sich wegen des Festes _Aaschura_, d. i.
+des Trauerfestes Husein's. Ausser dieser so oft wiederholten blutigen
+Polemik wurde Bagdad von Zeit zu Zeit durch Diebsbanden beunruhigt, so
+dass Niemand seines Eigenthums sicher[260]. Nichtsdestoweniger brachte es
+Kadir dahin, dass die Beni _Okail_ in Syrien das Kanzelgebet auf seinen
+Namen und nicht auf den der Fatimiten verrichteten, deren angeblicher
+Ursprung von Ali, zu Bagdad öffentlich in den Schulen angegriffen ward.
+[RN: i. J. 402/1011] Die Gleichzeitigkeit _Firdewsi's_ und _Kabus
+Schemsolmaali's_, des Dilemiten, wie die _Hamdan's_, des Gründers der Beni
+Hamdan, und _Avicena's_ verherrlichte die vierzigjährige Regierung Kadir's
+nicht minder, als die fünf und vierzigjährige seines Sohnes
+_Kaimbiemrillah's_, d. i. des auf Befehl Gottes Aufrechtstehenden, durch
+das Aufsteigen _Toghrul's_, des Gründers der Dynastie der Seldschuken, als
+Beginn einer neuen Epoche, indem die Vormundschaft der Chalifen von dem
+Hause Buje in das der Seldschuken überging. Toghrul, von dem Chalifen um
+Schutz wider den übermächtigen Türken Besasiri angefleht, gewährte
+denselben, aber gegen die Belehnung mit der Herrschaft des Ostens und
+Westens mittels zweier Kopfbünde, zweier Schwerter, sieben Fahnen und
+sieben nacheinander angelegter Ehrenkleider, während der Chalife auf sieben
+Ellen hohem Throne sass. Der Chalife vermählte sich mit der Nichte
+Toghrul's und dieser nahm die Tochter des Chalifen zur Frau, starb aber vor
+Vollzug der Hochzeit siebzigjährig. Zwei Kometen[261], Erdbeben,
+Hungersnoth, Meeresebbe und Ueberschwemmungen verkündeten und begleiteten
+diesen neuen Umschwung der Herrschaft des Ostens und Westens. In Aegypten
+und Palästina spie die Erde Wasser[262], das Meer zog sich auf einen Tag
+weit von den Gestaden zurück und verschlang in unvermutheter Rückkehr die,
+welche in seinen aufgedeckten Tiefen nach Schätzen suchten[263]. Die
+Hungersnoth in Aegypten war so gross, dass seit des ägyptischen Joseph's
+Zeit keine grössere gedacht ward[264] und die Stärkeren die Schwächeren
+ohne Scheu auffrassen; durch zwei Ueberschwemmungen des Tigris[265] wurden
+über hunderttausend Häuser verwüstet. Solche Zeichen mussten die Herrschaft
+der Türken über Vorderasien verkünden; aber ausserdem ward Bagdad noch
+durch Diebesbanden und die Religionskämpfe der Sunni und Schii verwüstet;
+diese fügten zum Gebetsaufruf die Formel: _Auf! zu guten Werken!_[266] bei
+und schrieben auf ihre Bollwerke: _Mohammed und Ali sind die bessten der
+Geschöpfe; wer vollzieht, ist dankbar, wer sich dessen weigert, undankbar_;
+die Sunni widersetzten sich; die Grabmäler der Imame _Musa_ und _Takki_
+wurden ihrer goldenen Leuchter und Lampen beraubt, die Schreine aus
+Ebenholz angezündet; sie verbrannten auch die Grabdome des Chalifen _Emin_
+und seiner Mutter _Sobeide_, die der Bujiden _Mois_ und
+_Dschelaleddewlet_[267]; die Moscheen der Hanefiten wurden von den Schiiten
+geplündert. Sie unterliessen dafür das Kanzelgebet für den Chalifen, weil
+er sie zu schützen nicht im Stande, nicht Chalife und Imam zu heissen
+verdiene. Doch hatte er vor seinem Ende den Trost, dass der Scherif von
+Mekka das Kanzelgebet nicht mehr auf den Namen der Fatimiten, sondern auf
+den der Beni Abbas verrichtete; und unter seiner Regierung erhob sich zu
+Bagdad die erste, vom grossen Wesire Melekschah's von Nisameddin gestiftete
+hohe Schule _Nisamije_[268].
+
+[Randnote: Die Chalifen Moktefi, Mostadhir.]
+
+Mit Moktefi, dem Sohne Kaimbiemrillah's, dem sieben und zwanzigsten
+Chalifen, welcher zwanzigjährig den Thron bestiegen, setzte sich auf
+denselben in Chuaresm _Itsis_, einer der Emire Melekschah's, der Gründer
+der Dynastie der Chuaresmschahe, die erst ein Jahrhundert später zum Gipfel
+der Macht emporstieg. _Itsis_ liess das Freitagsgebet wieder auf den Namen
+des Chalifen aus dem Hause Abbas, statt auf den der Fatimiten, verrichten.
+Moktefi vermählte sich mit der Tochter seines Schirmvogtes, des grossen
+Sultan's der Seldschuken, Melekschah. Die Hochzeit war die glänzendste,
+welche Bagdad seit der berühmten Mamun's mit der Tochter seines Wesirs
+_Sehl_ gesehen; der grosse Wesir Nisamolmülk mit zweitausend Reitern
+begleitete die Braut; hundert vier und dreissig Reihen von Kamelen (jede
+Reihe zu sieben) trugen den Brautschatz, in welchem die juwelenbesetzten
+Pantoffeln das Hauptstück. Die Hochzeit, sowie ein Paar Jahre hernach das
+Geburtsfest des Sohnes Dschaafer aus der Frau Turkjan, wurde mit grossen
+Festen gefeiert; dem letzten wohnte Melekschah in eigener Person bei und
+legte bei dieser Gelegenheit den Grund der nach seinem Namen genannten
+Moschee Bagdad's. Nach Verlauf eines Jahres zertrugen sich der Chalife und
+die Tochter Melekschah's, welche zu ihrem Vater nach Issfahan zurückkehrte,
+weil Moktefi statt ihres Sohnes Dschaafer's den _Mostadhir_ zum Thronerben
+ernannte. Melekschah forderte, dass der Chalife die Erbfolge an seinen
+Enkel Dschaafer, den Sohn Turkjan's, übertrage, und war eben im Begriffe,
+ihm dieses Familiengesetz mit gewaffneter Hand aufzuzwingen, als er
+vergiftet starb, was von Bagdads Einwohnern der Wirkung des
+himmeldurchdringenden Gebetes des Chalifen zugeschrieben ward. [RN:
+487/1094] Moktefi überlebte ihn nur drei Jahre und hatte seinen
+sechzehnjährigen Sohn _Mostadhir_ zum Nachfolger. [RN: 489/1096] Zwei Jahre
+nach seiner Thronbesteigung ward ganz Asien durch den Schrecken der
+Astronomen über den Verein der Planeten, den Saturnus ausgenommen, im
+Zeichen des Fisches mit Vorhersagungen von Sündfluth aufgelärmt, indem zur
+Zeit der Sündfluth alle sieben Planeten im Fische gestanden haben sollen;
+wirklich schwemmte ein Wolkenbruch das Gepäck der Pilgerkarawane fort; aber
+verderblicher als diese Ueberschwemmung war die der Kreuzfahrer, deren
+Fluth bald hierauf an den syrischen Gestaden emporbrandete. [RN: 499/1105]
+Ein Comet von einer Grösse, dessgleichen nie gesehen worden, galt als
+Vorzeichen des ungeheueren Brandes, dessgleichen Bagdad noch nicht erlebt
+hatte, und in welchem nebst dem Palaste des Chalifen die hohe Schule
+Nisamolmülk's und die ganze Flussseite der Stadt in Asche gelegt ward; [RN:
+511/1117] was vom Brande übrig geblieben, zerstörte ein Erdbeben. Brand und
+Erdbeben mussten den Tod Mohammedschah's des Seldschuken und des Chalifen
+vorbedeutet haben, welche bald hierauf im Zwischenraume von wenigen
+Monaten starben. Es war das drittemal, dass der Tod des Chalifen mit dem
+seines seldschukischen Schirmvogtes fast zusammenfiel; Sultan _Alparslan_
+war zwei Jahre vor dem Chalifen _Kaim_[269], Sultan _Melekschah_ zwei Jahre
+vor dem Chalifen _Moktefi_[270] und jetzt Sultan Mohammed nur einige Monate
+vor dem Chalifen _Mostadhir_ gestorben, und sowohl die drei Sultane als die
+drei Chalifen gehörten unter die grössten und bessten Herrscher ihres
+Hauses[271]. _Mostadhir_, beredt, freigebig und Schönschreiber, machte den
+Bewohnern Bagdads angenehme und fröhliche Tage, indem seine vier und
+zwanzigjährige Regierung im Ganzen eine ruhige, während die siebzehnjährige
+seines Sohnes und Nachfolgers _Mosterschid_ das Gegentheil durch die
+Thronnebenbuhlerschaft der beiden Seldschuken, Mahmud und Mesud, von denen
+Mosterschid jenen als Oberherrn anerkennend mit sieben, diesen nur mit zwei
+Ehrenkleidern bekleidete. Mesud überzog in der Folge den Chalifen mit
+Krieg, belagerte Bagdad und nahm ihn gefangen; als aber sein Oheim
+Sindschar solche Verletzung der dem Oberhaupte des Islams schuldigen
+Ehrfurcht hoch missbilligte, setzte er ihn in Freiheit und ging sogar vor
+dessen Pferde, die Satteldecke desselben tragend, einher. Ein Feuerregen zu
+Mossul und fliegender Skorpionen zu Bagdad, an deren Bissen Viele starben,
+gingen dem gewaltsamen Tode des Chalifen voraus, der unter dem Dolche der
+Assassinen fiel. Sie hatten ihn zu ihrem Opfer ausersehen, weil er ihnen
+feind; ein tugendhafter Fürst, ausgezeichneter Schönschreiber,
+Rechtsgelehrter und Ueberlieferer, in dessen Gegenwart Lesungen der
+Ueberlieferungen gehalten worden. Unter seiner Regierung wurden zu Hebron
+in einer Felsenhöhle Leichname entdeckt, welche für die Abraham's, Isak's
+und Jakob's galten, deren Gräber seitdem dort der Gegenstand moslimischer
+Verehrung; und zu Bagdad fiel, was vordem und seitdem unerhört, mannstiefer
+Schnee, der vierzehn Tage liegen blieb[272].
+
+[Randnote: Die Chalifen Raschid und Moktefi.]
+
+Raschid[273], der Sohn Mosterschid's, der dreissigste Chalife, trat
+keineswegs in seines Vaters und Grossvaters Fussstapfen; wider Sultan Mesud
+lehnte er sich auf, indem er das Kanzelgebet zu Bagdad, statt auf dessen
+Namen, auf den David's, des Neffen Mesud's, verrichten liess. Mesud
+plünderte dafür Bagdad mit solcher Raubsucht, dass den Frauen und
+Sklavinnen sogar die Halsbänder und Ohrgehänge weggerissen wurden; durch
+sechzehn Tage und Nächte bebte die Erde zu Bagdad, und schon eilf Monate,
+nachdem er den Thron bestiegen, dessen ihn die Richter und Rechtsgelehrten
+durch ein Fetwa als unfähig erklärten, fiel er, wie sein Vater, unter
+Meuchlerdolch. Das Reich war so gesunken und verarmt, dass, als Raschid's
+Nachfolger, sein Vetter _Moktefi_, der Sohn Mostadhir's, den Chalifenstuhl
+bestieg, ihm kein Einkommen blieb, als der Ertrag seiner Privatgüter; aber
+auch diesen hätte er nicht eintreiben können, wenn ihm nicht die Sklaven
+Mesud's dazu verholfen hätten. Er vermählte sich mit der Schwester Sultan
+Mesud's, welche ihm hunderttausend Dukaten als Heirathsgut zubrachte; aber
+vierzehn Jahre hernach, als die Araber der Wüste die ganze Pilgerkarawane
+plünderten und gefangen nahmen, musste die Gemahlin des Chalifen, welche
+sie gefangen behielten, um hunderttausend Dukaten losgekauft werden, so
+dass das Heirathsgut als Lösegeld aufging. Hierauf sandte ihm Sultan
+Sindschar, der Oheim Mesud's, den Mantel und den Stab des Propheten,
+welchen Mesud, als er den Chalifen Mosterschid gefangen genommen, dem Oheim
+gesandt. Moktefi hatte während seiner vier und zwanzigjährigen Regierung
+mit Widerwärtigkeiten aller Art zu kämpfen. Die Naturbegebenheiten schienen
+sich wider ihn verschworen zu haben, wie die Emire Sultan Mesud's, welche
+Bagdad belagerten und verheerten. Ein Erdbeben, in welchem dreissigtausend
+Menschen zu Grunde gingen, verschlang die Stadt _Hire_, an deren Stätte
+schwarzes Wasser aufquoll; [RN: 534/1139] in Syrien zählte man in Einer
+Nacht achtzig Erdstösse; Orkane und Wolkenbrüche verheerten Kleinasien und
+ein Comet zog flammend von Osten gegen Westen. Zu Bagdad rettete sich der
+Chalife nackt aus den Flammen, welche den kaum aufgebauten Palast mit der
+ganzen Einrichtung verzehrten. [RN: 543/1148] In Arabien regnete es Blut;
+aber mehr noch als alle diese Naturerscheinungen bedrängte den Chalifen der
+Druck seines Schwagers Schirmvogtes Mesud; wider denselben blieb dem
+Unterdrückten keine Waffe, als der himmeldurchdringende Pfeil des Gebetes;
+diesem ward der gähe Tod Mesud's zugeschrieben, durch welchen nicht nur
+Moktefi seines Drängers ledig, sondern auch das nun schon dreihundert Jahre
+auf dem Chalifate schwer lastende Joch türkischer Sklaverei für immer
+zerschlagen ward; [RN: 547/1152] eine höchst günstige Begebenheit, wodurch
+die Chalifen wieder ihre Unabhängigkeit genossen, welche sie seit der
+Einführung der türkischen Sklaven unter Moteaassim verloren hatten. Doch
+nützte ihnen dieselbe nicht viel, da das Reich zerstücket, ihre Herrschaft
+nur auf das Grabmal von Bagdad und einige Städte des arabischen Irak
+beschränkt war und die Macht der Chuaresmschahe drohend emporwuchs.
+Indessen ist diese Epoche doch eine sehr merkwürdige in der Geschichte des
+Chalifats, welches in dem letzten Jahrhunderte seines Daseins keinen
+Schirmvogt anerkannte. Moktefi selbst benützte den ersten freien Odemzug,
+den ihm der Tod Mesud's gewährte, zur Belagerung von Tekrit und einem
+Streifzuge wider die in der Gegend herumziehenden Turkmanen, denen er
+viermalhunderttausend Schafe und grosse Beute abnahm und damit zu Bagdad
+einzog. Suleiman, der Sultan der Seldschuken Rum's, kam nach Bagdad, um aus
+der Hand des Chalifen den Titel der Herrschaft und den Befehl zur Eroberung
+des Gebirgslandes zu empfangen. Das Erdbeben, das im folgenden Jahre acht
+Städte der Moslimen und fünf der Franken in Syrien verheerte, war eines der
+schrecklichsten; [RN: 552/1157] die Einwohner _Hamid's_ wurden alle
+erschlagen, zu _Scheiser_ blieb nur ein Weib, zu _Kefrtab_ keine Seele
+lebendig. Zu _Apamea_, _Himss_, _Maarret_ und _Tell Hamdan_ wurde die
+Hälfte der Einwohner verschüttet, die von _Hossn Ekrad_ und _Arka_ gingen
+alle zu Grunde, Niemand wollte innerhalb der Mauern bleiben, und die
+Uebriggebliebenen suchten Rettung im Freien. Im folgenden Jahre verwüstete
+die Ueberschwemmung des Tigris dreissigtausend Häuser von Bagdad und Hagel
+in der Grösse von Hühnereiern und den seltsamsten Figuren ging dem Tode
+des sechs und sechzigjährigen Chalifen voraus.
+
+[Randnote: Neue Periode des Chalifats; Mostendschid.]
+
+Die Periode der Unabhängigkeit der Chalifen von dem seit Mesud's Tode
+abgeschüttelten Joche der seldschukischen Vogtschaft ist in keiner der
+bisherigen europäischen Geschichten des Chalifats gehörig hervorgehoben,
+kaum mit ein Paar Worten über den Charakter der Gemahlin Moktefi's
+angedeutet worden[274]; diese, welche _Taus_, d. i. Pfau, hiess, flösste
+ihrem Gemahle den hohen Sinn und den Muth ein, sich von der schmählichen
+Oberherrschaft der Türken, unter denen die Chalifen durch drei Jahrhunderte
+geschmachtet, loszusagen. Das letzte Jahrhundert der Dauer des Chalifats
+war also ein für dasselbe ehrenvolleres, als die drei verflossenen, indem
+die letzten sechs Chalifen keine Obervogtschaft anerkannten und selbst ihre
+Heeresmacht wieder zu einer Höhe brachten, wodurch sie in den Stand gesetzt
+wurden, nicht nur die Anmassungen der Chuaresmschahe auf gleiche Vogtschaft
+zurückzuweisen, sondern sogar Empörungen niederzuschlagen und ein Paar dem
+Chalifate längst entrissene Landschaften demselben wieder einzuverleiben.
+Die Ursache des gänzlichen Ruines des Chalifats ist, ausser der Alles vor
+sich in den Staub tretenden Uebermacht der Mongolen, hauptsächlich die
+Unterthänigkeit des letzten Chalifen aus dem Hause Abbas, welchem, wenn er
+in die Fussstapfen seiner fünf unmittelbaren Vorfahren, und namentlich in
+die _Nassirbillah's_, getreten wäre, es wohl hätte gelingen können, die
+Macht der Mongolen von den Mauern Bagdad's zurückzuschlagen, wie diess ein
+Paarmal seine Vorfahren mit Muth und gutem Glück gethan. Die Periode der
+vorletzten fünf Chalifen gehört, wenn nicht unter die schönsten Zeiten des
+Chalifats aus dem Gesichtspunkte des Glanzes und der Macht, doch unter die
+bessten und ehrenvollsten Tage desselben, aus dem Gesichtspunkte äusserer
+Jochentlastung und Unabhängigkeit und innerer Ruhe und Sicherheit
+betrachtet. Der Zeitraum der fünf und achtzig Jahre, welche unter den
+vorletzten fünf Chalifen verflossen, kann mit einigem Fuge dem Zeitraume
+der neun und achtzig verglichen werden, in welchem Rom unter der Herrschaft
+Trajan's, Hadrian's und der Antonine aufathmete, das vorige Weltreich
+wieder einigen Ansehens, die Menschheit wieder einiger Ruhe genoss. Der
+Name Mostendschid, der mehrere Bedeutungen hat, kann in zweien dieser
+Bedeutungen für den geschichtlich bezeichnenden seiner Herrschaft gelten.
+Mostendschid heisst sowohl der einen Vertheidiger Suchende, als ein nach
+überstandener Krankheit seine Kräfte Sammelnder. Er hoffte in dem syrischen
+Atabegen einen Vertheidiger des Chalifats zu finden; eine Hoffnung, die
+nicht durch _Nureddin_, der selbst mit dem ägyptischen Chalifen im Kampfe
+lag, wohl aber unter Ssalaheddin, dem ersten Herrscher des mächtigen Hauses
+Ejub, unter _Mostadhir_, dem Nachfolger _Mostendschid's_, durch den Sturz
+des Chalifen Nebenbuhlers in Aegypten und durch die Uebertragung des
+Kanzelgebetes von ihrem Namen auf den der Familie Abbas einigermassen
+erfüllet ward. Mostendschid, ein gerechter, gebildeter und energischer
+Fürst, hob die von seinem Vorfahrer zum Ruin des Handels eingeführten
+drückenden Stempelgefälle auf, verbot die scholastischen Vorlesungen über
+metaphysische Werke und entriss den Händen der _Beni Mesud_ die der Stadt
+des Heiles so nahe gelegenen _Hille_, _Kufa_ und _Enbar_.
+
+[Randnote: Mostadhi und Nassirlidinillah.]
+
+Mostendschid's Sohn und Nachfolger, _Mostadhi_, d. i. der Erleuchtung
+Suchende, schritt während seiner neunjährigen Regierung auf dem von seinem
+Vater, während seiner eilfjährigen, betretenen Pfade fort. Dem Gründer der
+Grösse des Hauses Ejub, dem grossen _Ssalaheddin_, welcher der Herrschaft
+der Chalifen Nebenbuhler in Aegypten ein Ende gemacht und das Kanzelgebet
+wieder auf den Namen der Chalifen aus dem Hause Abbas übertragen, sandte er
+Ehrenkleider und ein höchst ehrenvolles Diplom mit glänzenden Titeln und
+Geschenken. So ward nun wieder in Aegypten und Arabien der Chalife Bagdad's
+von den Kanzeln als der rechtmässige erkannt. Grössere Kräfte, als unter
+den nur zwei Jahre füllenden Regierungen Mostendschid's und Mostadhi's,
+sammelte das Chalifat unter der sechs und vierzigjährigen
+_Nassirlidinillah's_, d. i. des Helfers der Religion Gottes, welchem bald
+nach dem Antritte seiner Regierung die Freude ward, dass nach dem Sturze
+der Beni Omeije in Spanien nun auch dort von den Herrschern aus der Familie
+Abdol Mumin das Kanzelgebet auf den Namen des Chalifen aus dem Hause Abbas
+verrichtet ward, eine frohe Botschaft, welche so, wie unter Mostadhi die
+von der Veränderung des Kanzelgebetes in Aegypten und Arabien, zu Bagdad
+mit Freudenfesten gefeiert ward. Während Ssalaheddin die heilige Stadt der
+Herrschaft der Christen entriss, eroberte der Chalife die am Euphrat
+gelegenen Schlösser Aana und Hadise wieder dem Reiche zurück, das sich nun
+wenigstens wieder über den grössten Theil Mesopotamiens, von den Ufern des
+Tigris bis an die des Euphrats, und über Chusistan erstreckte, dessen
+Schlösser der Wesir _Ibnol aththar_ wieder der Macht des Chalifen
+unterwarf. Den Triumph Nassir's vollendete der gänzliche Ruin der
+persischen Seldschuken, vormaligen Schirmvögten, indem Sultan Tekesch der
+Chuaresmschah den Kopf des von ihm besiegten letzten persischen Seldschuken
+Toghrulschah dem Chalifen nach Rei sandte, wo derselbe an der Moschee als
+Trophäe aufgehangen ward. Den Gesandten des Sultans, welcher die Vogtschaft
+Bagdads, welche jetzt die Seldschuken besassen, nun für sich begehrte,
+entliess er ohne Antwort. Chuaresmschah stellte, um die Weigerung zu
+rächen, das auf den Namen Nassir's verrichtete Kanzelgebet ab und ernannte
+sogar einen Gegen-Chalifen in der Person des Seid _Alaeddin_ von Tirmid,
+dem er als Chalifen huldigen liess. Nassir sandte, um den Sultan auf
+bessere Gesinnungen zu bringen, den grossen Scheich _Schihabeddin
+Suhrwerdi_, der ihn zu Hamadan traf. Der Sultan empfing ihn verächtlich,
+indem er ihn nicht einmal niedersetzen hiess; und als der gelehrte und
+beredte Scheich in einer langen Rede die Stellen der Ueberlieferung zu
+Gunsten des Hauses Abbas und die Herrschertugenden Nassir's gepriessen,
+antwortete der Sultan: Alles dieses passt nicht auf Nassir; ich ziehe nach
+Bagdad, um dort einen, der wirklich alle von dir hergezählten Eigenschaften
+besitzt, als Chalifen einzusetzen. Er rückte gegen Bagdad vor, welches
+Nassir noch vor kurzem mit einer Mauer umfangen hatte, welche die Stadt
+wohl schwerlich vor der Uebermacht des Sultans gerettet hätte. Diesen bewog
+ein ungeheures Schneegestöber zum Rückzuge, indem, als er nach Holwan
+gekommen, es zwanzig Tage ununterbrochen schneite, so dass der Schnee so
+hoch als die Zelte, das Heer durch ungeheueren Verlust an Menschen und
+Thieren schwächte. Diese Naturbegebenheit war für Bagdad erfolgreicher, als
+einige andere frühere ausserordentliche Erscheinungen; [RN: i. J. 583/1186]
+diese waren der Verein der sieben Planeten im Zeichen der Wage, woraus die
+Astronomen ungeheuere Orkane für die Nacht der Vereinigung vorausgesagt; in
+derselben herrschte aber so grosse Windstille, dass die Lampe auf der
+Sternwarte in freier Luft unausgelöscht brannte, zu grosser Beschämung der
+Astronomen. Sechzehn Jahre hernach [RN: i. J. 599/1202] flammte eine ganze
+Nacht voll fallender Sterne, die nach allen Richtungen hin und herschossen,
+eine Erscheinung, die durch ähnliche in unseren Tagen genauer beobachtete
+beglaubigt wird. Nassir hatte den Chalifenpalast zu Bagdad abbrechen
+lassen, aber ausser der Stadtmauer viele Moscheen und Medreseen und ein
+Speisehaus für die Armen gebaut; die erste Anstalt dieser Art, welcher die
+Geschichte des Islams erwähnt. Nassir war ein besonders in der
+Ueberlieferung gelehrter Fürst und hinterliess über dieselbe ein Werk, das
+den Titel: _Geist des Erkennenden_[275] führt; aber Nassir war auch ein
+harter, habsüchtiger Fürst, dessen Gier, Schätze zu sammeln, keine Gränzen
+kannte, der die Unterthanen durch Gelderpressungen drückte und das Heer
+der Finanzbeamten noch mit einem Heere von Ausspähern vermehrte. Von den
+Kanzeln, wo ehe für die Chalifen des Hauses Omeije in Andalus, dann für die
+des Hauses Fatima in Aegypten als Chalifen gebetet worden, wurde nun das
+Kanzelgebet wieder auf den Namen Nassir's verrichtet, so auch in Hidschas
+und Jemen, in Chorasan und Masenderan und in Indien auf den Namen Nassir's,
+als des einzigen rechtmässigen Chalifen des Islams.
+
+[Randnote: Sahirbiemrillah und Mostanssir.]
+
+Der Sohn und Nachfolger Nassirlidinillah's, der Chalife _Sahirbiemrillah_,
+d. i. der Offenbare durch Gottes Befehl, war vor allen Chalifen aus dem
+Hause Abbas seines Beinamens werth, nach dem Zeugnisse der
+Geschichtschreiber, dass seit Omar el-assis, dem wegen seiner Frömmigkeit
+und Gottesfurcht berühmten achten Chalifen der Beni Omeije, kein
+Gerechterer auf dem Chalifenstuhle gesessen. Diesen guten Klang seines
+Namens dankt er dem freigebig geschenkten Golde und der kurzen Zeit seiner
+Regierung, indem er nur neun Monate lang den Völkern als ein Muster des
+Chalifats mehr gezeigt als bewährt. Er stellte bei seiner Thronbesteigung
+confiscirte Grundstücke ihren Eigenthümern zurück, sandte dem Richter der
+Richter zehntausend Dukaten zur Bezahlung der Schulden derer, die desshalb
+im Thurme sassen, setzte die Kopfsteuer von Jakuba, welche vormals nur
+zehntausend Goldstücke betragen, unter seinem Vater aber auf's Siebenfache
+gesteigert worden war, wieder auf die obige Summe zurück, liess von der
+Gesammtsumme der Steuern dreimalhundert fünfzigtausend den Unterthanen nach
+und vertheilte am Opferfeste hunderttausend Dinare unter die
+Gesetzgelehrten und Ssofi; denen, die ihn fragten, warum er sich so beeile,
+Gutes zu thun, antwortete er mit Anspielung auf das vorgerückte Alter von
+ein und fünfzig Jahren, in welchem er den Thron bestiegen: Ich gleiche
+denen, die erst Nachmittags ihre Buden öffnen und sich also beeilen müssen,
+wenn ihr Handel Gewinn tragen soll; hindert mich also nicht in guter
+Handlungen Handel. In seine Fussstapfen, als ein gerechter, freigebiger und
+gelehrter Fürst, trat sein Sohn und Nachfolger _Mostanssirbillah_, d. i.
+der bei Gott Hülfe Suchende. Er baute die berühmte, nach seinem Namen
+genannte hohe Schule, deren Grösse und Glanz die frühere, vom Wesire
+Nisamolmülk zu Bagdad erbaute, bei weitem zurückliess; sie bestand in vier
+besonderen Schulen, nach den vier Ritus des Islams, wo die
+Rechtsgelehrsamkeit nach den Ueberlieferungen _Ebu Hanife's_, _Schaafii's_,
+_Malik's_ und _Hanbeli's_ gelehrt ward; an jeder dieser vier Medreseen
+waren zwei und sechzig Plätze für Studenten[276] und zwei für
+Correpetitoren[277] gestiftet. In vier Jahren war der Bau vollendet; am
+Tage der Eröffnung besuchte der Chalife mit allen Richtern und
+Rechtsgelehrten die Schulen und vertheilte reiche Geschenke unter die
+Professoren und Studenten. Das Seitenstück zur _Mostanssirije_, d. i. zur
+hohen Schule _Mostanssir's_, war die _Kamerije_, d. i. die _Mondige_, eine
+am Ufer des Tigris gebaute, reich gestiftete Speiseanstalt für Dürftige.
+Seine Wohlthaten strömten vorzüglich den Gelehrten zu, dieselben
+überschritten aber das Maass vernünftigen Staatshaushalts, wenn die
+folgenden Anekdoten wahr. Jedesmal, als aus einem mit Gold gefüllten Becken
+geschöpft ward, rief er aus: Ach, wann werde ich dich leeren! während sein
+Vater jedesmal, als Gold hineinfloss: Ach, wann werde ich dich füllen!
+ausgerufen haben soll. Eines Tages, als er von der Terrasse seines Palastes
+rund um auf den Terrassen Wäsche aufgehangen sah und der, was dies bedeute,
+gefragte Wesir antwortete, dass es die für das nächste Fest gewaschenen
+alten Kleider seien, wunderte sich Mostanssir, dass nicht jeder seiner
+Unterthanen sich neues Festkleid anschaffen könne, liess aus Gold
+Armbrustkugeln verfertigen und verschoss dieselben auf die Terrassen der
+Nachbarn. Wider die Mongolen, welche unter seiner Regierung bis Meragha
+vorgedrungen und Erdebil vom Grunde aus verheeret hatten, brachte er ein
+Heer von siebzigtausend Mann auf, von welchem zwar Anfangs die Mongolen,
+dann aber die Truppen des Chalifen zu _Dakuk_, das seiner Naphthabrunnen
+willen berühmt[278], geschlagen wurden. [RN: 653/1237] Im selben Jahre
+richteten die Mongolen das Blutbad von Issfahan an, in welchem der grosse
+Dichter _Ismail Kemal_ von Issfahan, beigenannt der Vater der Bedeutungen,
+unter ihrem Schwerte erlag, wie früher der grosse mystische Dichter
+Aththar. Unter Mostanssir's Regierung blühte vorzüglich die Mystik, und in
+dieselbe fällt der Tod von vier höchst merkwürdigen Männern, Säulen der
+Mystik, des Scheich's _Behaeddin Weled_, des Vaters _Dschelaleddin Rumi's_,
+des grossen mystischen Dichters _Omer Ibn Faradh_, des grossen Scheich's
+_Schihabeddin Omer Suhrwerdi_ und des Inders _Reten_[279], welcher, der
+erste, aus Indien das berauschende Opiat (Haschische) nach Mittelasien
+gebracht, dessen sich die Assassinen bedienten, um ihren todtgeweihten
+Handlangern die Freuden des Paradieses vorzuspiegeln, und von dem sie ihren
+Namen[280] Haschischin, d. i. die _Kräutler_, erhielten.
+
+[Randnote: Moteaassim.]
+
+_Moteaassimbillah_, d. i. der an Gott Festhaltende, der Sohn Mostanssir's,
+der sieben und dreissigste und letzte Chalife des Hauses Abbas, bestieg den
+Thron, den er sechzehn Jahre gefüllt, im dreissigsten seines Alters; ein
+prachtliebender, grossthuender, schwacher Fürst, doch nicht ohne löbliche
+Eigenschaften und Werke. Ein _Hafis_, d. i. Bewahrer des Koran's (wie Alle
+heissen, welche denselben auswendig wissen), war er den Gesetzgelehrten
+geneigt und baute für dieselben, nach seines Vaters Beispiel, eine hohe
+Schule, gegenüber dem Grabmale des Scheich's _Karchi_, so nach dem,
+vorzüglich von Schiiten bewohnten Stadtviertel Bagdad's genannt, welche aus
+vier Medreseen für die vier Ritus des Islam's bestand[281]. Im dritten
+Jahre seiner Regierung erschien ein mongolisches Heer in der Nähe von
+Bagdad, von wo es zu _Baakuba_ durch den kleinen Diwitdar (Staatssekretär)
+zurückgeschlagen ward[282]. Dieser Vortheil vermehrte den Dünkel
+Moteaassim's, unter welchem das Ceremoniel des Hofes von Bagdad auf einen
+bisher nie gehörten Grad getrieben ward. Die Schwelle des Thronsaales war
+ein schwarzer Stein, welchen Alle, selbst Gesandte und Fürsten, die ihre
+Belehnung empfingen, nicht ausgenommen, sich unterwerfend küssen und dann
+den schwarzen Schleier, welcher dem daranstossenden Fenster vorgezogen
+ward, wie den Vorhang des Heiligthums der Kaaba verehren mussten.
+Medschdeddin Ismail, der Gesandte des Atabegen Ebubekr Ben Segi, unterwarf
+sich dem vorgeschriebenen Ceremoniel, legte aber einen kleinen Koran, den
+er in der Hand verborgen, auf die Schwelle und küsste deren statt den
+Koran. Wann Moteaassim ausritt, sass er auf hohem Rappen, schwarz
+verschleiert mit schwarzem Turban, dessen Enden über die Schultern
+zurückflogen, von vierzig schwarzen Leibwachen umgeben; der Rappe war mit
+goldenem Halsband und edelsteinbesetztem Zügel und Bügel geschmückt, und
+wann ihn der Chalife bestieg, erscholl der Siegesruf, dessen Worte aus
+Koranstexten zusammengesetzt: »_Gott mache das Gute zum Stirneknoten des
+Pferdes und binde es an seine Mähnen; er mache die Füsse desselben weiss
+durch Erreichung aller Begehren; er wolle dem Laufe desselben mit
+losgelassenen Zügeln alle Sicherheit gewähren, die Eroberungen sollen
+seinen Wettlauf am Ziele kennen und das Heil des Erfolgs seine Zügel
+dehnen!_«[283] Alle moslimischen Fürsten erhielten den Titel rechtmässiger
+Herrschaft einzig von dem Belehnungsdiplome Moteaassim's, welche derselbe
+mittels Gesandten ertheilte, die nebst dem Diplome der Investitur, Kaftan,
+Turban, Fahne, Schwert, Ring und ein Maul mit goldbeschlagenen Hufen und
+juwelengestickter Satteldecke zum Geschenke brachten[284]. Der Gesandte
+vollzog nun ein Paar Tage nach seinem feierlichen Einzuge in die Residenz
+des Sultans oder Emirs die Investitur, indem er dem Fürsten den Kopfbund
+aufsetzte, den Ring ansteckte, das Diplom vorlesen liess und ihm dreimal
+wiederholte: _Sei gerecht und übertrete das Gesetz nicht_; dann erst ward
+ihm erlaubt, den Thron zu besteigen, und erst, nachdem er den Thron
+bestiegen, ward er für würdig erachtet, dem vom Chalifen gesandten Maul in
+Gegenwart des ganzen Hofes den goldbeschlagenen Huf zu küssen. Der Gesandte
+warf Geld aus und begleitete den Sultan, der nun unter einem über seinem
+Kopfe emporgehaltenen Sonnenschirme die Stadt durchritt. Wann immer ein
+Gesandter des Chalifen an den Hof des Sultans kam, ward sein Maul bis in
+den Thronsaal geführt und ein Vorhang niedergelassen; der Sultan musste vom
+Throne steigen, hinter dem Vorhange den Huf des Maulthieres küssen, worauf
+er mit dem vom Chalifen gesandten Ehrenkleide erst wieder den Thron
+bestieg. Die Insignien der Investitur von Seite des Chalifen waren also:
+_Kaftan_, _Turban_, _Schwert_, _Ring_, _Fahnen_, _Sonnenschirm_ und der
+_Huf_ des Maulthiers. Krone, Mantel, Schwert, Ring, Fahne finden sich auch
+als Insignien der Investitur fürstlicher und kirchlicher Würden im
+europäischen Mittelalter; nur an die Stelle des Hufes trat das Horn, mit
+welchem dänische und angelsächsische Könige ihre Vasallen belehnten[285].
+Das Heer Moteaassim's war hunderttausend Mann stark, von denen die Hälfte
+vom Diwan aus besoldet; der Befehlshaber desselben, Suleimanschah, welchen
+der Dichter _Esireddin Umani_ in Lobgedichten gepriesen. Die innere
+Verwaltung besorgten die beiden _Diwitdare_ (Tintenzeughalter), d. i.
+Staatssekretäre; die Geschäfte des Hofes leitete der _Scherabdar_,
+Mundschenk, aber die Summe der Regierung war in den Händen des Wesirs
+_Moejededdin Mohammed Abdolmelik El-Alkami_, ein ausgezeichneter Gelehrter
+in Prose und Poesie, in Ueberlieferungs- und philosophischen Wissenschaften
+gleich gewandt, der Chalife aber selbst dem Wohlleben und Sinnengenusse
+ergeben. Die nächsten Hebel seines Verderbens waren von innen der Wesir
+Alkami, von aussen der grosse Astronome Nassireddin, der sich im Geleite
+Hulagu's befand.
+
+[Randnote: Alkami; Wüsten- und Bücherbrand.]
+
+Nassireddin von Tus hatte eines Tages, als Moteaassim an den Ufern des
+Tigris sass, demselben huldigend ein Gedicht dargebracht, das der Chalife,
+statt, wie es der Wesir erwartet hatte, reich zu belohnen, auf des Wesirs
+Alkami darüber ausgesprochene Kritik in den Tigris warf. Von diesem
+Augenblicke schwur der tief beleidigte, tief grollende Astronome Schöngeist
+dem Wesir und dem Chalifen Rache; er verliess Bagdad und verweilte bei dem
+ihm gleichnamigen Comthur des Assassinenschlosses Sertacht. Alkami warnte
+den Comthur wider seinen Schutzgenossen, als wider einen Ränkeschmied, der
+ihn im Geiste des Chalifen verderben wolle; und diese Warnung war nur ein
+neuer Sporn in die rachedürstenden Weichen des durch Geringschätzung seines
+Gedichtes so tief beleidigten Astronomen Schöngeistes. Als Gesandter des
+letzten Herrschers der Assassinen an Hulagu gesandt, hatte er durch sein
+grosses Talent sich dessen Achtung erworben und demselben erst zum
+Verderben der Assassinen, dann zu dem des Chalifats sich als hilfreiches
+Werkzeug angeboten. Sein Feind, der Wesir Alkami, arbeitete seiner Rache
+durch Verrätherei selbst in die Hände. Von den nächsten Umgebungen des
+Chalifen, dem Diwitdar und dem Mundschenken, nicht die Achtung geniessend,
+deren er werth zu sein glaubte, und als Schii dem Chalifen grollend, weil
+der Sohn desselben, Ahmed, die Plünderung des nur von Schiiten bewohnten
+Stadtviertels von Karch und die hierbei vorgefallenen Gräuel von Schändung
+und Gemetzel begünstigt hatte. Er schrieb an den Seid Tadscheddin al
+Hoseini, welcher damals der erste der Herren der Familie des Propheten,
+klagend: »dass die Söhne des Hauses Ali geplündert, das Volk des Stammes
+Haschim gefangen und die Schmach, welche vormals Husein, der Enkel des
+Propheten, durch Plünderung seines Harems und Blutvergiessung getroffen,
+jetzt wieder erneuert worden sei«[286]. Der Seid antwortete im Namen aller
+Prophetenverwandten: »Die Ketzer müssen ermordet, verbrannt, ihre Rasse
+ausgerottet werden; wenn du nicht mit uns hältst, bist du verloren, du
+wirst zu Bagdad weniger geschätzt sein, als vom Manne das Henna der Frauen
+und als der Ring dessen, dem die Hand abgehauen«[287]. Nach dem Falle von
+Alamut hielt Alkami den Augenblick für günstig zur Förderung seiner Rache;
+er sandte heimlich an Hulagu einen Brief, in welchem er, die Macht des
+Chalifen verkleinernd und die Schwäche Bagdad's ins hellste Licht setzend,
+den Eroberer seine Zügel nach der Stadt des Heils zu lenken einlud. Hulagu,
+wohl eingedenk, dass vormals ein Heer von hundert vier und zwanzigtausend
+Mann wider die Mongolen gesandt, zweimal den Dschurmaghun geschlagen,
+zauderte, der Einladung Gehör zu geben, und berieth sich mit Nassireddin,
+dem Astronomen, und erst, als dieser ihn versichert, dass »das Unternehmen
+im Bunde mit der Gestirne günstiger Stunde«[288], beschloss er den Marsch
+nach Bagdad, wo indessen ein Versuch des kleinen Diwitdar, den Chalifen zu
+entthronen, das Feuer des Bürgerkrieges angeflammt. Moteaassim sah sich
+gezwungen, den Versicherungen des kleinen Diwitdar von seiner Treue und
+Ergebenheit scheinbaren Glauben zu schenken. Die Unschuld desselben wurde
+laut auf den Strassen Bagdad's verkündet und der Name des kleinen Diwitdar,
+des Feindes Alkami's, sogar nach dem des Chalifen im Kanzelgebete
+eingeschaltet; das Heer wurde nach des Verräthers Alkami Vorschlag um die
+Hälfte vermindert, ein Drittel des verminderten in die nahe gelegenen
+Städte geschickt, so dass nur zwanzigtausend zu Bagdad's Vertheidigung
+blieben[289]. In diesem, durch den Fall Alamuts und die Verrätherei
+Alkami's für die Stadt des Heils so unheilschwangeren Jahre schreckten
+nicht nur Ueberschwemmung des Tigris und Erdbeben, sondern auch der Brand
+von Medina und der Wüstenbrand in Arabien die moslimische Welt auf. Zu
+Hara, in der Nähe von Medina, brannte die Wüste, und allgemein ward
+geglaubt, diess sei das Feuer, welches die Ueberlieferung des Propheten als
+den Vorboten des jüngsten Tages verkündet. Drei Monate lang brannte die
+Wüste in der Ausdehnung von vier Parasangen. Zu Medina zündeten die
+Einwohner des Nachts kein Licht an, da der Wüstenbrand die Stadt erhellte.
+Dieses, wie es scheint, elektrische Feuer soll Holz verschont, Eisen
+verzehrt haben, so dass von hineingeschossenen Pfeilen das Holz unversehrt,
+die Spitze zerfressen ward[290]. Nach dem Wüstenbrande plünderten Beduinen
+die Stadt, bis man das Thal, aus dem sie ausfielen, mit steinerner Mauer
+verdämmte. Das grösste Unglück aber entstand durch die Unvorsichtigkeit
+eines der Küster der Moschee des Propheten, der eine Kerze umfallen liess,
+wodurch die Moschee in Brand gerieth und mit derselben die ganze grosse
+Büchersammlung aufflammte[291], so dass dieses Jahr zwei der reichsten
+Bibliotheken in Flammen aufgingen, die von Alamut und die von Medina; der
+Verlust von dieser war aus mehr als einem Grunde weniger beklagenswerth,
+als der von jener, indem zu Medina meistens nur Korane und Bücher der
+Ueberlieferung, zu Alamut aber mathematische und philosophische Werke ein
+Opfer des Brandes, die dort ein Werk des Zufalls, hier der zu verdammenden
+Willkür des gelehrten Wesirs _Athamülk Dschuweini_.
+
+[Randnote: Gesandtschaften Hulagu's an den Chalifen und Prophezeihungen.]
+
+Diess waren die Zustände Bagdads, als Hulagu, durch Alkami's Einladung und
+Nassireddin's Vorhersagung aufgemuntert, von seinem Lager zu Hamadan aus an
+den Chalifen einen Gesandten mit dem Begehren schickte, dass er entweder
+selbst erscheine oder eine der vier Säulen seines Hofes, nämlich den Wesir,
+den kleinen Diwitdar, den Heerführer Suleimanschah oder den Mundschenken
+sende. Moteaassim, statt diesem befehlartigen Begehren zu willfahren,
+sandte den _Scherefeddin Ibnol Dschewsi_, einen durch Beredtsamkeit
+ausgezeichneten Gelehrten, und den Bedreddin Mohammed von Nachdschiwan.
+Hulagu, als er von ihrer Sendung Kunde erhielt, sagte in aufwallendem
+Zorne: Der Chalife handelt krumm, wie ein Bogen; Gott gebe, dass ich ihn
+wie ein Pfeil gerad machen könne[292]. Den Gesandten, als sie vor ihm
+erschienen, herrschte er entgegen: Gott hat dem Hause Tschengischan's die
+Herrschaft vom Osten bis Westen verliehen; wer sich uns unterwirft, dessen
+Blut und Gut wird nicht verderbt und vergossen, wenn nicht, ist dessen
+Untergang beschlossen. Wir ziehen mit einem Heer, zahlreich wie
+Heuschrecken und Ameisen, wider Bagdad. Als die Gesandten mit dieser
+Botschaft zurückgekehrt, rieth Ibn Alkami, tausend Lasten Korn, tausend
+Kameele, tausend Pferde für Hulagu mit vielen Geschenken für die Prinzen
+huldigend, mit Ueberlassung der beiden Majestätsrechte des Islams: des
+Kanzelgebets und der Münze, abzusenden. Der kleine Diwitdar _Modschahiddin
+Ibek_ machte Vorstellungen dagegen, aber _Ibn Alkami_, der die Schwächen
+und den Dünkel des Chalifen kannte, bestärkte ihn in demselben, indem er in
+seinen Reden die Macht der Mongolen verkleinerte, die des Chalifen
+vergrösserte und dem neuaufgeschossenen Pilzlinge mongolischer Herrschaft
+die uralte legitime des Hauses Abbas entgegenstellte. Suleimanschah, der
+Oberstbefehlshaber, Fetheddin Ibn Kerr, der grosse Diwitdar und der kleine
+Modschahiddin Ibek versammelten sich beim Wesire, ihren Aerger über die
+Sorglosigkeit und Blindheit des Chalifen in bitteren Worten lüftend.
+Suleimanschah trug sich an, dem Feinde entgegen zu ziehen, und Alkami ging
+zum Scheine in den Vorschlag ein, wohl wissend, dass der Chalife seinem
+Rathe folgsam, dass er Rüstung und das zum Solde der Truppen nöthige Geld
+verweigern werde[293]. Er sandte auf dessen Rath den Bedreddin von
+Nachdschiwan und den Richter Berdindschan mit geringen Geschenken und der
+hochtrabenden Botschaft: Alle Fürsten, welche sich jemals wider das Haus
+Abbas zu erheben gewagt, seien zu Grunde gegangen; Beispiele davon seien
+Jakub Leis der Soffaride, der Türke Besasiri, der Seldschuke Sultan
+Mohammed und Mohammed Chuaresmschah, welche Alle das Verderben ereilt, das
+auch Hulagu's harre, wenn er auf seinem Vorhaben bestehe. Hulagu, ergrimmt,
+antwortete ihnen mit dem persischen Verse des Schahname[294]:
+
+ Bau' nur zu, aus Eisen deinen Wall,
+ Führe Bollwerk auf mit Zinnen, die von Stahl,
+ Rüst' aus ein Heer von Peris und von Dschinnen,
+ Komm' nur heraus, du wirst den Tod gewinnen;
+ Birgst unter'm Himmel dich, ich will dich suchen,
+ Ich werde dich im Schlund des Löwen suchen.
+
+Hulagu war nun zuerst bedacht, sich des grossen Passes von _Deriteng_,
+d. i. Engthor, welcher über das gordiaische Gebirge oder den Zagros in die
+Ebene des arabischen Irak führt, zu versichern. Auf steilem Felsen, auf der
+Heerstrasse vom persischen ins arabische Irak erhebt sich das Schloss in
+einer engen Schlucht, wovon es den Namen _Engthor_ führt. Die Bewohner
+dieser Felsenschlucht waren nicht minder durch ihre Schönheit, als das
+Schloss durch seine Festigkeit berühmt[295]. Dieselbe wird vom _Diala_
+durchbrochen, welcher in der Entfernung einiger Stunden oben an den Ruinen
+von _Kassr Schirin_ (das alte Artemita) vorbeifliesst. Hulagu, dem nicht
+unbekannt, dass Hosameddin Aka, der Befehlshaber des Engpasses, sich über
+den Chalifen zu beklagen habe, lud ihn zu sich, überhäufte ihn mit Ehren
+und Geschenken und schenkte ihm die Schlösser _Disser_, d. i. das
+Goldschloss, _Dis Merdsch_, d. i. das Wiesenschloss, und einige andere;
+aber hierdurch übermüthig, sandte Aka an _Ssalaje_, den Befehlshaber von
+_Irbil_, Wort, dass, wenn ihm der Chalife sein Vertrauen schenken wolle, er
+mit hunderttausend Turkmanen und Kurden den Hulagu zurückzutreiben bereit.
+Der Chalife gab diesem Vorschlage kein Gehör. Hulagu, der davon Kunde
+erhalten, sandte den _Keitbuka_ mit dreitausend Reitern mit dem scheinbaren
+Auftrage, sich mit Aka über die Mittel des Marsches nach Bagdad zu
+berathen. Dieser ging in die Falle; Keitbuka, Herr seiner Person, forderte
+die Schleifung der Schlösser und er ward, nachdem dieselben geschleift
+waren, getödtet. Kein günstiger Stern waltete über dem Haupte des von
+Mengukaan seinem Bruder zur Berathung beigegebenen Astronomen Hosameddin.
+Um seine Meinung über den Zug wider Bagdad befragt, sagte er unter
+Verbürgung mit seinem Kopfe, im Falle, dass der Marsch unternommen werde,
+sieben Unfälle voraus: den Fall von Pferden und Menschen durch Seuchen,
+Mangel an Sonne und Regen, schreckliche Orkane und Erdbeben,
+Unfruchtbarkeit und Hungersnoth und endlich den Tod eines grossen Monarchen
+im selben Jahre. Hulagu liess sich diese Prophezeihung und Bürgschaft
+schriftlich geben und befragte nun den Astronomen Nassireddin, was denn
+geschehen würde, wenn er nach Bagdad zöge; Nichts, antwortete Nassireddin,
+als dass Hulagu die Stelle des Chalifen einnehmen wird. Er zerstreute
+hierauf alle Besorgniss Hulagu's über etwa aus solchem Zuge wider Bagdad zu
+befürchtende Unglücke durch die Anführung geschichtlicher Beispiele. Tahir
+sei aus Chorasan wider Bagdad gezogen und habe den Bruder des Chalifen
+erschlagen; Motewekkil und sein Sohn und mehrere Chalifen seien erschlagen
+worden, ohne dass für die Stadt irgend ein Unheil daraus entstanden. Hulagu
+ergab sich gern den seinen Wünschen schmeichelnden Versicherungen des
+Astronomen von Tus; der andere wurde, da keine seiner Prophezeihungen
+eingetroffen, fünf Jahre hernach hingerichtet.
+
+[Randnote: Hulagu's Marsch nach Bagdad.]
+
+Die Anordnung der verschiedenen Heereskörper, welche vermöge Hulagu's
+Befehl nun Bagdad von allen Seiten umzingelten, ist eines der schönsten
+Zeugnisse für Hulagu's grosses Feldherrntalent. _Dschurmaghun_ und
+_Baidschu Nujan_, die beiden in den persischen Feldzügen ergrauten
+Feldherrn, welchen aber seit Hulagu's Eintritt in Persien ihr Standort in
+Kleinasien angewiesen worden, befehligten den rechten Flügel, der, von
+Irbil und Mossul heranrückend, über die Brücke von Mossul ging und sich auf
+der Westseite von Bagdad niederliess. Mit ihnen vereinten sich die Prinzen
+_Bulgha_, _Kuli_, _Kotar_ (der Enkel Batu's) und die persischen _Buka
+Timur_ und _Sundschak Nujan_, welche die Strasse von Schehrsor über
+_Dakuk_ heranzogen. _Keitbuka_, der Befehlshaber des Vortrabs beim
+Einmarsche Hulagu's in Persien, mit _Kurusun_ und _Ilka_ kamen mit dem
+linken Flügel von Seite Luristan's und Chusistan's. Hulagu selbst stand mit
+dem schweren Gepäcke des ganzen Heeres im Mittelpunkte zu Hamadan und brach
+in den ersten Tagen des Januars des Jahres tausend zweihundert acht und
+fünfzig, gerade zwei Jahre nach dem Uebergange über den Oxus, gegen den
+Tigris über Kermanschahan und Holwan auf. In seinem Geleite die grossen
+Emire _Köke Ilka_ und _Arghunaga_, die beiden Bitekdschi (Kanzler)
+_Karakai_ und _Seifeddin_, der Staatssekretär _Alaeddin Athamülk_ von
+_Dschuwein_, der grosse Geschichtschreiber, und _Nassireddin von Tus_, der
+grosse Astronom; jener, um die Thaten und Begebenheiten des Feldzugs zu
+beschreiben, dieser, um die durch den Lauf der Gestirne angezeigten
+günstigen Stunden anzugeben; jener die Feder, dieser der Zeitmesser des
+Feldzugs. Von Esedabad aus sandte Hulagu abermal einen Gesandten nach
+Bagdad, um den Chalifen zur Uebergabe aufzufordern, und zu _Deinewer_
+erschien abermal _Ibnol Dschewsi_, der Gesandte des Chalifen, mit dem
+Antrage: die Summen, welche Hulagu aussprechen würde, jährlich in dessen
+Schatz abzuführen, und mit der Bitte: dass das Heer zurückkehren möge.
+Hulagu antwortete: Da wir schon so weit gekommen, um den Chalifen zu sehen,
+wie sollen wir nun umkehren, was nach persönlicher Zusammenkunft geschehen
+mag. Von Deinewer ging der Marsch über _Kuh Girdaa_, und am siebenten Tage
+nach dem Aufbruche von Hamadan ward Kermanschahan geplündert und verheert.
+[RN: 7. Moharrem 656/13. Januar 1258] Von hier wurden Eilboten abgefertigt,
+um die Ankunft von Sundschak, Baidschu und Suntai zu beschleunigen; sie
+warteten zu _Takkesrai_ und brachten als Gefangene den Ibek von Haleb und
+Seifeddin Melik mit sich, welche sie streifend aufgegriffen. Hulagu
+schenkte Beiden das Leben und machte sie zu Dienern der Schildwachen[296].
+Die Emire wurden, mit schmeichelhaften Beweisen von Gunst und
+Freigebigkeit überhäuft, zurückgesendet, um auf das Eheste den Uebergang
+über den Tigris auf der westlichen Seite von Bagdad zu bewerkstelligen. Von
+dort holten die Verräther des Heeres des Chalifen die beiden Chuaresmier
+_Kara Sankor_ und _Sultandschuk_, die Befehlshaber der mongolischen ein;
+Kiptschak schrieb an den ersten: Du und ich sind von Einem Stamme (Türken);
+wir haben uns unterworfen und befinden uns gut dabei, thuet desgleichen.
+Kara Sankor antwortete in dem Sinne des Astronomen Hosameddin: Wie sich ein
+neu aufgeschossener Zweig, wie die Herrschaft der Mongolen, mit dem schon
+ein halbes Jahrtausend wurzelnden Stamme des Chalifats messen könne? Wenn
+sich Hulagu unterwerfen wolle, würde man trachten, durch Vermittelung des
+Diwitdars den Frieden vom Chalifen zu erwirken. Hulagu, als man ihm dieses
+Schreiben brachte, lachte darüber und sagte: Meine Hilfe kommt von Gott und
+nicht vom Gold; wenn er mir hilft, was kümmert mich die Zahl der Heere des
+Chalifen[297].
+
+[Randnote: Bagdad's Belagerung.]
+
+Ein neuer Gesandter ward nach Bagdad abgefertigt, um den Chalifen zur
+Unterwürfigkeit aufzufordern, und zugleich nach Holwan aufgebrochen, wo
+eine Woche gerastet ward. Indessen gingen die Emire Baidschu, Buka Timur
+und Sundschak über den kleinen Tigris und standen am Kanale _Nehr Isa_.
+Sundschak erbat sich von Baidschu die Erlaubniss aus, den Vortrab des
+westlichen Heeres gegen Bagdad zu befehligen, und nachdem er dieselbe
+erhalten, rückte er bis _Dscherbije_ vor. _Mudschahideddin Ibek_, der
+kleine Diwitdar, und _Fetheddin Ibnol-Kerr_, die Feldherren des Chalifen,
+waren mit zehntausend Mann bei Jakuba über den _Diala_ und dann über den
+Tigris gegangen und trafen mit dem mongolischen Vortrabe in der Gegend von
+_Enbar_[298], neun Parasangen westlich von Bagdad, zusammen. Fetheddin Kerr
+wollte die Schlacht hier nicht wagen, aber die Ungestümme des Diwitdar
+zwang ihm dieselbe auf. Der Sohn Kerr's, um seinen Sinn kund zu geben, dass
+er auf dem Schlachtfelde feststehen und dasselbe keineswegs als Flüchtiger
+verlassen wolle, ritt statt eines Pferdes ein Maulthier, dessen Hufe so
+schwer mit eisernen Schienen beschlagen, dass es zur Flucht
+untauglich[299]. Die Schlacht dauerte den ganzen Tag und endete mit der
+Vernichtung des Heeres des Chalifen, von welchem der Diwitdar nur der
+Selbdritte entfloh. Als er mit der Nachricht des verlorenen Heeres vor dem
+Chalifen erschien, der eben Schah spielte, sagte dieser blos dreimal: _Gott
+sei Dank für das Heil Mudschahideddin's_. Moteaassim's an Blödsinn
+gränzende Sorglosigkeit und Unwissenheit ging so weit, dass, als man ihm
+die erste Nachricht brachte: die Vorposten der Mongolen hätten bereits die
+Höhen von _Hamrin_ (das von Westen nach Osten zwischen dem Euphrat und
+Tigris nach Tekrit laufende niedere Gebirge) passirt, er fragte: wie das
+wohl möglich? Man antwortete ihm: »Das Heer der Tataren, die wie die
+Meeresfluthen einherfahren, überfliegt der Berge Gipfel wie der Adler
+Schaaren; da sie den Damm von Gog und Magog für Spinngeweb' ansehen, was
+soll auf des Hamrin's Höhen aus ihren Hufen wohl anders erstehen, als
+Staub, was soll aus dem Sturme, in dem sie daherfahren, wohl anders
+aufgehen, als Feuer und Raub«[300]. In der Hälfte des Moharrem [RN: 14.
+Moharrem/21. Januar 1258] stunden die drei Nujane, Baidschu, Buka Timur und
+Sundschak auf der westlichen Seite des Tigris vor Bagdad, während Keitbuka
+und die mit ihm von Nachaire kamen, und Hulagu mit dem schweren Gepäcke zu
+Chanikin stand. Am folgenden Tage lagerte er an der östlichen Seite von
+Bagdad, das nun von allen Seiten, wie von Ameisenzügen und
+Heuschreckenschwärmen, und nach der mongolischen Belagerungsweise sogleich
+mit einer Mauer, oder, um richtiger zu sprechen, mit einem in aller Eile
+aufgeworfenen Erddamme eingeschlossen ward. Dienstags den neun und
+zwanzigsten Januar begann der Kampf. [RN: 22. Moharr./29. Januar] Hulagu
+stand auf der Heerstrasse von Chorasan, gegenüber dem persischen Bollwerk,
+Ilka Nujan vor dem Gülwadischen Thore, die drei Prinzen, Enkel
+Dschudschi's, mit Schiramun und Arktin vor dem Thore des Sultansmarktes,
+Buka Timur auf der Südwestseite an den Mühlen, Baidschu und Sundschak auf
+der Westseite gegenüber dem Spitale, welches Adhaddewlet, der grosse
+Herrscher aus dem Hause Buje, der erste zu Bagdad, gebaut. Die
+Belagerungsmaschinen waren vorzüglich gegen das persische Bollwerk
+gerichtet und in demselben bald Wallbruch gemacht. Nun sandte Moteaassim
+den Wesir und einen Bischof[301] mit der Botschaft, er füge sich dem
+Verlangen des Padischah, welcher verlangt, dass ihm der Wesir gesendet
+werde; -- »diess«, antwortete Hulagu, »war mein Begehren zu Hamadan, wie
+soll ich mich aber vor Bagdad's Thoren mit Einem begnügen? Es sollen auch
+die drei anderen Säulen der Herrschaft des Chalifen erscheinen, der
+Diwitdar, der Scherabdar und Suleimanschah, der Oberbefehlshaber des
+Heeres.« Am folgenden Tage erschien der Wesir mit einer Schaar von
+Vornehmen, aber ohne die verlangten Drei. Hulagu sandte sie zurück; er
+befahl, ein an die Richter, Scheiche, Danischmende (Studenten), Arkaune
+(christlichen Priester) von Bagdad gerichtetes Diplom, wodurch denen, die
+sich friedlich halten würden, das Leben zugesichert ward, in sechs
+Abschriften von sechs Seiten der Stadt durch Pfeilflug in dieselbe
+abzufertigen. Die Wurfmaschinen schleuderten in Ermangelung von Steinen
+Thonflötze, die man von Hamrin gebracht, und abgehauene Palmen wider das
+persische Bollwerk, das Freitags am ersten Februar zu Boden sank. [RN: 25.
+Moharrem/1. Februar]
+
+[Randnote: Bagdad's Eroberung.]
+
+Am fünften Februar standen Hulagu's Krieger bereits auf der Mauer des
+Bollwerks, während auf der anderen Seite die Prinzen noch nicht bis an den
+Fuss der Mauer vorgedrungen waren. Hulagu sandte ihnen ausscheltendes Wort
+und befahl zugleich, Brücken zu schlagen. [RN: 28. Moharr./4. Febr.] Buka
+Timur wurde mit einem Toman, d. i. mit einer Abtheilung von zehntausend
+Mann, auf der Heerstrasse von Medain und Bassra befehligt, um die, so etwa
+mit den Schiffen auf dem Tigris zu entfliehen versuchten, aufzufangen. Der
+Diwitdar, welcher auf diese Weise mit mehreren Schiffen zu entkommen
+hoffte, wurde aufgehalten, drei Schiffe genommen, die anderen versenkt oder
+zerstört. Auf diese Nachricht entsank dem Chalifen aller Muth zu fernerem
+Widerstande; er sandte den Fachreddin von Demaghan und den Ibn Dernus mit
+wenigen Geschenken; denn er fürchtete, dass, wenn er viele sendete, die
+Grösse derselben für den Maassstab seiner Furcht gelten könnte. Hulagu wies
+dieselben mit den Ueberbringern zurück. Am folgenden Tage kam Ebulfadhl
+Abderrahman an der Spitze aller Grossen mit grossen Geschenken; aber auch
+diese wurden nicht genehmigt. [RN: 29. Moharr./5. Febr.] Hulagu sandte den
+Nassireddin von Tus als Gesandten in die Stadt; welcher Triumph für den
+rachsüchtigen Astronomen, welcher seiner Empfindlichkeit für die
+Verschmähung seiner Verse die Stadt des Heils und das Heil des Chalifats
+geopfert, welcher Triumph für ihn, dem Chalifen nun im Namen des Siegers
+Gesetze vorzuschreiben! Am folgenden Tage kehrte er zurück, und Hulagu
+sandte die aus der Stadt gekommenen drei Gesandten, den _Fachreddin
+Demaghani_, den _Ibnol Dschewsi_ und _Ibn Dernus_, mit dem Begehren, dass
+Suleimanschah und der Diwitdar erscheinen mögen. Sie erschienen wirklich
+zwei Tage hernach. [RN: 1. Ssafer/7. Februar] Hulagu sandte sie wieder in
+die Stadt zurück, um die Ihrigen mit sich zu bringen. Die syrischen und
+irakischen Truppen und eine Menge Volkes benützten diese Gelegenheit, um
+die Stadt zu verlassen und sich in's Lager der Mongolen, wo sie Rettung und
+Sicherheit zu finden hofften, zu begeben; sie wurden in Tausende, Hunderte
+und Zehn abgetheilt, den mongolischen Befehlshabern der Tausender,
+Hunderter und Zehner übergeben und von diesen regelmässig umgebracht.
+Abgeordnete kamen aus der Stadt, um das Leben der noch Zurückgebliebenen zu
+erflehen, die Alle unterwürfig. Hulagu begehrte, dass der Chalife seine
+Söhne sende und selbst komme. Während diesen Unterhandlungen ward einem
+Inder Bitekdschi, der bei Hulagu in grossem Ansehen, ein Auge
+ausgeschossen; Hulagu, hierüber ergrimmt, wollte nun von weiterem Aufschub
+nicht mehr hören. Er befahl dem Nassireddin von Tus, sich an's Thor der
+Wettrenner[302] zu begeben und die Einwohner mit Zusicherung des Lebens
+herauszuführen; als diess geschehen, wurden sie Alle niedergemacht. [RN: 2.
+Ssafer/8. Febr.] Suleimanschah wurde mit Siebenhundert der Seinen in die
+Gegenwart Hulagu's geführt. Dieser fragte ihn: Wie kommt's, dass du, ein
+Sternkundiger, nicht den Frieden vorgezogen und deinem Herrn nicht dazu
+gerathen? Suleimanschah erwiederte: Der Chalife ist an Geist und Glück
+verwahrlost und leiht denen, die es wohl mit ihm meinen, kein Ohr. Suleiman
+und seine Siebenhundert wurden niedergemetzelt, so auch der Diwitdar und
+dessen Sohn, und die drei Köpfe an Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul,
+gesandt, der, ein Freund Suleimanschah's, seinen Tod beweinte, aber
+nothgedrungen, um nicht seinen Kopf zu verlieren, den des Freundes an dem
+Thore seines Palastes aufhängen musste. Nach diesem tragischen Ende seiner
+Getreuesten rief der Chalife seinen Wesir und fragte ihn, was zu thun;
+dieser antwortete ihm mit dem arabischen Distichon:
+
+ Sie wähnen, es sei leicht, Geschäft zu schlichten,
+ Indess das Schwert sich schärft, um hinzurichten.
+
+Endlich begab sich der Chalife, mit seinen drei Söhnen und von dreitausend
+Seiden, Imamen, Scheichen und Kadis begleitet, Freitags den zehnten Februar
+zu Hulagu. [RN: 4. Ssafer/10. Febr.] Dieser empfing ihn ohne Merkmal des
+Zorns und begehrte kalt und ruhig, der Chalife möge Wort in die Stadt
+senden, dass die Einwohner die Waffen wegwerfen und zur Zählung
+herauskommen möchten. Der Chalife gehorchte und Bagdad's Einwohner gingen
+wie Schafe zur Schlachtbank, denn statt gezählt zu werden, wurden sie
+ungezählt Alle getödtet, der Chalife und seine Söhne in Zelte gewiesen vor
+dem Gülwadischen Thore, wo der Standort Keitbuka's. Drei Tage hernach
+begann die allgemeine Plünderung. [RN: 7. Ssafer/13. Febr.] Alle Paläste
+und Gebäude wurden niedergebrannt, bis auf einige wenige, ausdrücklich
+ausgenommene Häuser von _Arkaunen_, das ist nestorianischen Priestern und
+Fremden. Die Priester dankten diese Schonung vermuthlich Niemanden Anderem,
+als ihrer Glaubensgenossin, der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau
+_Tokus_, der Keraitin, welcher im Lager Kapelle mit Glockengeläute
+gestattet ward. Unter den Fremden sind vielleicht fränkische Kaufleute
+gemeint, Venezianer und Genueser, welche sich zu Bagdad des Handels willen
+aufhielten.
+
+[Randnote: Blutbad und Hinrichtung des Chalifen.]
+
+Freitags am fünfzehnten Februar begab sich Hulagu selbst in die
+entvölkerte, niedergebrannte, verheerte Stadt und ordnete auf den Ruinen
+derselben Feste an. Er liess den Chalifen vorführen und sagte ihm: Du bist
+der Gastgeber und ich der Gast; tische uns also auf, was du hast. Der
+Chalife zitterte und hatte aus Furcht alle Besinnung verloren, so dass er
+die Schlüssel zu den Schatzkisten, die er ausliefern sollte, nicht fand.
+Die Kisten wurden erbrochen und er brachte huldigend dem Sieger zweitausend
+Kleider und zehntausend Goldstücke nebst vielen Juwelen und anderen
+Kostbarkeiten dar. Hulagu würdigte das Geschenk keines Blickes und befahl,
+es unter die Emire und die nächste Umgebung zu vertheilen. Dann herrschte
+er weiter: Was über der Erde von deinen Schätzen, ist klar und offenbar;
+doch nun entdecke uns auch die unterirdischen. Der Chalife gab die
+unterirdische Cisterne an, bei deren Anblick sein Urgrossvater _Nassir_ so
+oft seufzte, dass er dieselbe trotz seines Zusammenscharrens von Gold nicht
+damit ganz füllen, sein Vater _Mostanssir_, dass er dieselbe trotz seiner
+verschwenderischen Freigebigkeit nicht ganz leeren konnte. Moteaassim's
+Geiz hatte den durch des Vaters Freigebigkeit entstandenen Abgang wieder
+ausgefüllt. Hierauf wurde das Frauengemach des Chalifen gezählt; es waren
+siebenhundert Sklavinnen und tausend Verschnittene. Der Chalife, als er
+den Zählungsbefehl vernahm, bat um Schonung dieser, selbst von Sonne und
+Mond nie geschauten Schönheiten. Hulagu erlaubte ihm, hundert auszuwählen.
+Mit sinkender Nacht kehrte Hulagu aus der Stadt wieder in's Lager zurück
+und befahl dem Sundschak Nujan, die Schätze des Chalifen in Besitz zu
+nehmen; die seit einem halben Jahrtausend aufgehäuften Schätze wurden rings
+des Herrscherzeltes aufgeschichtet; die edelsten Wallfahrtsstätten, wie die
+Moschee des Chalifen, die Grabstätte Musa's, die Grabmäler von Rossafa,
+wurden geplündert; die noch übrigen Einwohner der Stadt baten durch
+Scherefeddin von Meragha und Schihabeddin von Sindschar um Schonung und
+Vergebung; da erging der Befehl, dass das Blutbad und die Plünderung
+aufhöre, denn Bagdad sei sofort des Padischah's Eigenthum. [RN: 14.
+Ssafer/20. Febr.] Hulagu zog nach einigen Tagen, der ungesunden Luft
+willen, sein Lager auf einige Entfernung von der Stadt zurück; dann liess
+er abermals den Chalifen in seine Gegenwart fordern. Der Chalife sagte zum
+Wesir: Was ist zu thun? »Unser Bart ist lang«, antwortete dieser in
+bitterer Beziehung auf das Wort des Diwitdar's, der, als der Wesir bei der
+ersten Aufforderung Hulagu's gerathen, sich mit einer reichen Ladung von
+Schätzen abzufinden, dem Chalifen sagte: »Der Wesir hat einen langen Bart«
+(auf das arabische Sprichwort hindeutend: _langer Bart und kurzer
+Verstand_). Der Chalife bat nun den Ilchan um die Erlaubniss, sich in's Bad
+zu begeben, welche ihm Hulagu unter der Begleitung von fünf Mongolen
+gewährte. Ich wünschte nicht, sagte Moteaassim, die Gesellschaft von fünf
+Folterengeln, und declamirte einige Verse einer berühmten Kassidet, deren
+Anfang:
+
+ Wir wachten auf in einem Freudenhorte,
+ Voll Paradieseslust und Pracht;
+ Der Abend findet uns an einem Orte,
+ Woran wir gestern nicht gedacht.
+
+Am selben Tage, [RN: 14. Ssafer/20. Febr.] wo Hulagu sein Lager von Bagdad
+zurückzog, wurde der Chalife, in einen Teppich eingewickelt, zu Tode
+gerollt und unter den Hufen der Pferde zertreten; drei seiner Söhne und
+seine fünf Begleiter wurden im Dorfe _Wakf_ hingerichtet, und am folgenden
+Tage Alle die, so am Gülwadischen Thore zurückbehalten worden waren,
+getödtet; der jüngste Sohn des Chalifen, Mubarekschah, wurde der Gemahlin
+Hulagu's, der Frau Oldschai, zum Geschenke gemacht, welche ihm eine
+mongolische Sklavin zur Frau gab und an Nassireddin von Tus nach Meragha
+sandte. Am selben Tage mit dem Chalifen wurde der Wesir Alkami und der
+Staatssekretär, Vorsitzer des Diwan's, Fachreddin von Demaghan in die Stadt
+gesendet und Ali Behadir, der Steuereinnehmer, welcher das Heer während der
+Belagerung mit Lebensmitteln von Baakuba aus versehen hatte, zum
+Statthalter, der Emir Karakai Imadeddin von Kaswin zum Naib (Stellvertreter
+des Richters) ernannt; dem Nedschmeddin Ebi Dschaafer Amran, der den
+schönen Beinamen _Meliki rast_, d. i. des geraden Königs, führte, wurde die
+Steuereinnahme über das östliche Gebiet Bagdad's anvertraut, und dem
+Richter der Richter Nisameddin Abdolmumin die Aufrechthaltung der Polizei
+aufgetragen. Ilka Nujan und Kara Buka wurden mit dreitausend Mann zur
+Aufräumung des Schuttes und zur Beerdigung der Todten, zur Auferbauung der
+verheerten Gebäude befehligt; ein vergeblicher Befehl, denn das alte Bagdad
+erstand nie wieder in seinem vorigen Glanze; und als sechzig Jahre nach der
+Eroberung der Geschichtschreiber Wassaf Bagdad besuchte, war nicht der
+zehnte Theil der alten Gebäude und Bevölkerung vorhanden; dem _Ibnol
+Alkami_ aber, dessen Verrätherei die Hauptursache des Ruins des Chalifats,
+und welcher nur drei Monate die Eroberung Bagdad's überlebte, ward noch
+allgemein geflucht, und an den Thoren der Moscheen und Medreseen war die
+Inschrift zu lesen: _Gott verfluche den, der nicht fluchet dem Ibnol
+Alkami_[303].
+
+[Randnote: Gesandtschaften an Hulagu; Alkami's Tod; Bibliothekenruin.]
+
+Von Hille, das der Sitz der Seide, Prophetenverwandten, hatte der
+Vorsteher derselben, _Medschdeddin Mohammed Ibnol Hasan Ben Taus_ (das
+erste Viertel dieses viertheiligen langen Namens heisst _Glaubensruhm_, das
+letzte _Pfauensohn_) durch einen Gesandten ein Schreiben unterwürfigen
+Inhalts an Hulagu gesandt[304]. Dieser entgegnete ihnen Diplom und
+Geschenke durch Tekele und Ali von Nachdschiwan, welcher als Gesandter, der
+Emir Alaeddin der Perser als Statthalter nach Hille gingen[305]. Ihnen
+folgte auf dem Fusse _Buka Timur_, der Bruder der Frau Oldschai, um sich
+Hille's, Wasith's und Kufa's zu bemächtigen. [RN: 10. Ssafer/16. Febr.] Die
+Bewohner Hille's kamen ihm freundlich entgegen und erleichterten seinen
+Marsch, indem sie Brücken über den Euphrat schlugen. Von den Bewohnern
+Wasith's, das sich nicht unterwarf, wurden vierzigtausend niedergemetzelt.
+Von Wasith zog Buka Timur gegen Chusistan, den Schereffeddin Ibnol-Dschewsi
+mit sich führend, um durch denselben die Einwohner der Stadt _Schuster_ zur
+Uebergabe zu bereden. Bassra und die Umgegend unterwarf sich gutwillig, der
+Emir Seifeddin, der Bitekdschi, erbat sich hundert Mongolen als
+Sicherheitswache für die Grabstätte Ali's zu Nedschef; nach Verlauf von
+fünf Wochen war Buka Timur im Lager zurück. [RN: 19. Rebiulewwel/26. März]
+Ein Monat nach der Eroberung Bagdad's wurden die Gesandten des Fürsten der
+Ejubiden zu Haleb mit einem von Nassireddin von Tus aufgesetzten arabischen
+Schreiben zurückgefertigt; es lautete: »Wir haben gelagert vor Bagdad im
+Jahre sechshundert sechs und fünfzig und übel tagte der Morgen über die
+Bewohner, und wir luden den Besitzer ein; er weigerte sich; da ward an ihm
+das Wort erfüllt, und wir nahmen ihn gefangen. Wir laden dich ein zu
+Unserem Gehorsam; wenn du denselben verweigerst, ist's dein Verderben. Sei
+nicht wie der, der sich streitet um ein Aas, denn der Listige verliert, er
+weiss nicht was, sonst wirst du seyn von den Verworfenen, welche ihren
+Fleiss auf das irdische Leben wenden an, und die da wähnen, sie hätten
+Etwas für's Künftige gethan; Heil dem, der wahrer Leitung folgt!« [RN: 11.
+Rebiulachir/17. April] Hulagu befand sich in der zweiten Hälfte Aprils
+wieder bei seinem schweren Gepäcke[306] zu Hamadan, wo er seine Gesundheit
+pflegte, da er unwohl. [RN: 16. Rebiul. II./22. April] Fünf Tage später
+erschienen Ilka und die anderen Emire zur Aufwartung; sechs Wochen hernach
+starb Moejeddin Ibnol Alkami, [RN: 2. Dschem. II./6. Juni] welcher
+wenigstens dem Namen nach die Wesirschaft von Bagdad beibehalten hatte;
+nach dessen Tode erhielt dieselbe sein Sohn Scherefeddin. Wiewohl der Name
+Ibnol Alkami's nichts anderes als der eines Verräthers auf den Zungen der
+glaubwürdigsten Geschichtschreiber, so erfordert es doch unsere Pflicht,
+als solcher auch des Ehrenvollen zu erwähnen, was eine andere, freilich
+nicht sehr glaubwürdige Quelle von demselben meldet. Der Verfasser des
+_Sittenspiegels der Herrschaft_[307], welcher sich im Seltsamen zu gefallen
+scheint, sucht ihn von aller Schuld der Verrätherei rein zu waschen, indem
+er den schlechten Ruf desselben einzig als Verläumdung und aus dem Hasse
+und Neide der nächsten Umgebungen des Chalifen, welcher ihm sein ganzes
+Vertrauen geschenkt, zu erklären bemüht ist; dass er des Vertrauens des
+Chalifen nicht ausschliesslich genoss, erhellt schon aus dem, dass sein
+Rath von dem seines Gegners, des Diwitdar's, überflügelt worden, und dass
+ihm Hulagu nach Bagdad's Eroberung den Titel der Wesirschaft liess,
+beweiset keineswegs, dass er kein Verräther. Wassaf, welcher ein halbes
+Jahrhundert darauf seine Geschichte schrieb, bestätigt die Worte
+Reschideddin's, seines Zeitgenossen, und entkräftet das angebliche
+Vertrauen, das jenem Sittenspiegel zufolge Hulagu in ihn gesetzt haben
+soll, durch das, was er bei dieser Gelegenheit über die löbliche Sitte
+mongolischer Herrscher sagt: die Verrätherei und Anschwärzerei zwar zu
+ihrem Vortheile zu benützen, aber den Verräther und Anschwärzer zu
+verachten; seiner Verrätherei aus Niederträchtigkeit und
+Leidenschaftlichkeit ungeachtet, kann Ibnol Alkami sehr wohl ein
+gebildeter, selbst gelehrter Wesir, grosser Gönner und Freund der
+Gelehrten gewesen sein, der eine Bibliothek von zehntausend Bänden besass,
+deren viele ihm gewidmet waren; selbst der grosse Gelehrte Nassireddin
+erscheint in nicht viel besserem Lichte, indem ihn gekränkte Eitelkeit zur
+Rache an dem Chalifen durch den Ruin des Chalifats anspornte, und so stehen
+der gelehrte Wesir und der gelehrte Astronom leider beide von Seite ihres
+Charakters und ihrer politischen Grundsätze in höchst ungünstigem Lichte
+vor den Augen der Nachwelt. Die zehntausend Bände der Bibliothek Ibn
+Alkami's wurden, wie die der anderen Bibliotheken Bagdad's, von den
+Mongolen entweder in den Tigris geworfen oder verbrannt; binnen zwei Jahren
+der dritte grosse, für Bibliotheken verderbliche Brand, in welchem zu
+Alamut, Medina und Bagdad die Werke östlicher Weisheit, welche die Welt
+erleuchten sollten, ein Raub der Flammen. Durch diesen dreifachen
+Bibliothekenbrand binnen zwei Jahren ging nur zu sehr in leidige Erfüllung
+die Vorbedeutung des um zwei Jahre früheren Brandes der arabischen Wüste.
+
+[Randnote: Irbil's grosser, wohlthätiger Fürst; das persische Königstein;
+die Sternwarte von Meragha.]
+
+Nach Bagdad's Eroberung befehligte Hulagu den _Oroktu Nujan_ zur Eroberung
+Irbil's, der zwischen dem grossen und kleinen Sab, zwei Tagreisen von
+Mossul gelegenen Hauptstadt des oberen Kurdistan's, welches durch die
+Bauten des erst vor acht und zwanzig Jahren[308] verstorbenen turkmanischen
+Fürsten _Kewkebusi Ben Ebul Hasan Ali_ damals eine der blühendsten Städte
+des persischen Irak. Dieser edle Fürst, von welchem die europäischen
+Geschichtschreiber bisher nicht die geringste Kunde genommen, ist einer der
+wohlthätigsten des Islams und verdient als solcher sehr wohl seinen
+doppelten Ehrennamen _Melik Moaasem Mosaffereddin_, d. i. des
+grossgeehrten, durch die Religion siegreichen Königs. Täglich speiste er
+Arme und kleidete sie im Winter; alljährlich sandte er Commissäre in die
+Häfen, um Gefangene auszulösen, und nach Mekka, um die Pilgerkarawane mit
+Speise und Trank zu versehen. Zu Mekka führte er die erste Wasserleitung
+vom Aarafat und baute mehrere Wasserbehälter, zu Irbil gründete er ein
+Dutzend wohlthätiger Anstalten, mehrere solche, von denen weder vordem noch
+seitdem im Islam gehört worden; nämlich: ein Haus für Findelkinder, eine
+Anstalt für Ammen und Säuglinge, eine Versorgungsanstalt für Wittwen, ein
+gemeines Krankenhaus, ein besonderes Spital für Blinde, ein Karawanserai,
+in welchem die Reisenden nicht nur umsonst bewirthet, sondern auch noch
+ausserdem mit Reisegeld versehen wurden, ein Kloster, eine Medrese, an
+welcher Muderrise für die beiden Ritus Hanefi und Schafii, und endlich eine
+Moschee, an welcher alljährlich das Fest der Geburt des Propheten mit einer
+Pracht und einem Zulaufe von Menschen begangen ward, wie vordem und seitdem
+nirgends. Von Mossul, Sindschar, Dschesire, Nissibin strömten die Besucher,
+Prediger, Redner, Dichter, Koranleser, Ssofi nach Irbil; einen ganzen Monat
+vor dem Feste waren zwischen der Moschee und dem Kloster zwanzig, drei
+Stock hohe Dome aus Brettern aufgeschlagen, von deren Gallerien Dichter
+declamirten, Redner sprachen, Schattenspieler die Zuschauer unterhielten.
+Täglich nach dem Nachmittagsgebete begab sich Mosaffereddin zu diesen
+Domen, wohnte in der Nacht im Kloster dem Reigen der Ssofi bei und ging
+nach dem Morgengebete auf die Jagd. Am Geburtsfeste selbst ward eine
+unzählbare Menge von Kameelen, Rindern, Schafen unter Musik auf den Platz
+gebracht, geschlachtet, gesotten und gebraten, während der Nacht die Stadt
+erleuchtet und am folgenden Tage die Gäste an zwei grossen Tafeln, deren
+eine für die Vornehmen, die andere für das Volk, bewirthet; im Schlosse
+walzten die Derwische, von den Gallerien wurden die Hymnen des Gebets
+abgesungen, die Sänger, Prediger und Derwische reichlich beschenkt.
+Mosaffereddin wurde in der Nähe von Kufa, seine Gemahlin Rebiaa am Berge
+Kasiun bei Damaskus in der von ihr gestifteten Medrese bestattet. In keiner
+Schlacht besiegt, von keinem anderen Fürsten in Stiftungen der
+Wohlthätigkeit übertroffen, verdient dieser turkmanische Fürst von Irbil
+wohl den Namen _des durch die Religion siegreichen, grossmächtigen
+Königs_[309]. Das Schloss von Irbil erhebt sich auf einem vereinzelten
+Berge, während die Stadt in der Ebene. Tadscheddin, der Sohn Salaje's (des
+oben erwähnten Befehlshabers des Passes von Deriteng [Engthor]), war
+bereit, die Stadt zu übergeben; aber die Kurden gehorchten ihm nicht.
+Oroktu begehrte Hülfstruppen von Bedreddin Lulu, dem Fürsten Mossul's, der
+sie ihm auch sandte und den guten Rath ertheilte, den Sommer abzuwarten,
+weil dann die Kurden nicht mehr im Schlosse aushalten, den Gebirgen zueilen
+würden. Oroktu übergab die Belagerung dem Bedreddin, dessen Vorhersagung
+durch den Abzug der Kurden im Sommer erfüllet ward; er schleifte die
+Mauern. Hulagu schickte einen Theil der erbeuteten Schätze mit dem
+Siegesberichte seines Eroberungszuges an den Bruder Kaan, den grössten
+Theil derselben aber speicherte er in dem am See Urmia auf unbezwinglichem
+Felsen gelegenen Schlosse Tala (das heute Gurtschinkalaa heisst) auf; eine
+vereinzelte, auf drei Seiten unzugängliche Felsenmasse, welche den
+englischen Reisenden Porter an den Königstein in Sachsen erinnerte und
+welche ein Steiermärker die persische _Riegersburg_ nennen würde[310].
+Bedreddin Lulu, der neunzigjährige Fürst von Mossul, wartete dem Eroberer
+Persiens, für den er Irbil eroberte, zu Meragha auf; [RN: 7. Schaaban
+654/9. August 1258] ebenda _Atabeg Saad_, der Salghure, Herr von Fars, und
+die beiden seldschukischen Prinzen von Rum, Isededdin und Rokneddin. Hulagu
+war über jenen sehr ungehalten, weil er wider Baidschu Nujan sich zu
+schlagen gewagt. Um den Erzürnten zu versöhnen, stellte sich Isededdin zur
+Audienz mit einem Geschenke von einem Paar Pantoffeln, deren Sohlen sein
+Portrait eingestickt war, und mit der Bitte dar, dass der Padischah auf
+diese Weise ihn, den Sklaven, unter den Sohlen in den Staub tretend, adeln
+möge. Hulagu verzieh ihm, durch diese Schmeichelei besänftigt und auf die
+Fürbitte der Frau Tokus. Einen schönen Gegensatz zu dieser niederträchtigen
+Schmeichelei des Sultans von Rum bildet die Freimüthigkeit des Astronomen
+Nassireddin von Tus, welcher dem Eroberer in Erinnerung brachte, dass, als
+Chuaresmschah erobernd bis Tebris vorgedrungen, er auf die wider die
+Ausschweifungen seines Heeres vorgebrachten Klagen geantwortet: _Ich kam
+als Welteroberer und nicht als Welterhalter_[311]; Hulagu antwortete: Ich
+bin, Gott sei Dank! sowohl Welteroberer als Welterhalter und kein
+Schwächling, wie Dschelaleddin von Chuaresm. Den ersten Beweis von der
+Wahrheit dieses Wortes gab Hulagu durch den Bau der Sternwarte von Meragha,
+deren Grund jetzt gelegt, aber deren Bau erst unter der folgenden Regierung
+vollendet ward. Vier Astronomen[312] von Damaskus, Kaswin, Achlath und
+Mossul waren die Gehilfen Nassireddin's von Tus, der an dieser Sternwarte
+die ilchanischen Tafeln verfertigte, die, vollkommener als die
+früheren[313], ein bleibendes Denkmal des Ruhmes des Ilchans, Erbauers der
+Sternwarte und des an derselben beobachtenden grossen Astronomen
+Nassireddin's von Tus.
+
+[Randnote: Herrscher Gross- und Klein-Luristan's]
+
+Von den Fürsten, welche dem neuen _Ilchan_ oder Landesherrn nach Bagdad's
+Eroberung zu huldigen kamen, ist bereits des Salghuren von Fars und des
+Seldschuken von Rum, sowie des Atabegen von Mossul, Bedreddin Lulu's,
+welcher bei Irbil's Eroberung hilfreiche Hand geleistet, Erwähnung
+geschehen, und es wird von ihnen noch weiter unten die Rede sein; doch hier
+ist noch von anderen Fürsten zu melden, deren Staaten nun in unmittelbarer
+Berührung mit der mongolischen Macht, derselben sich nur scheinbar oder
+erst durch Gewalt gezwungen unterworfen; solche waren die Atabege von
+Gross- und Klein-Luristan, die Könige Gross- und Klein-Armeniens, endlich
+die Sultane Syriens und Aegyptens. Die ausführliche Erzählung des wider
+die letzten geführten syrischen Krieges ist dem folgenden Buche
+vorbehalten; hier also nur kurz von den Atabegen und den christlichen
+Fürsten. Tekele, der Sohn Hesarsif's, der dritte Herrscher der im
+Geburtsjahre Tschengischan's vor einem Jahrhunderte als unabhängig
+emporgeschossenen Dynastie der Atabege von Gross-Luristan, war, als Hulagu
+gegen Bagdad zog, demselben huldigend entgegengekommen und von ihm dem
+Tomane Keitbuka Newin's, des Befehlshabers des Vortrabes, zugetheilt
+worden. Nicht im Stande, die Aeusserungen seines Schmerzes über den Sturz
+des Chalifats und den Mord der Bewohner Bagdad's zu unterdrücken, hatte er
+sich durch dieselben die Ungnade Hulagu's zugezogen, der Truppen wider ihn
+sandte. Schemseddin Alp Arghun, der Bruder Tekele's, bot sich dem Bruder
+an, sich selbst in's Lager des Ilchans zu begeben, um dessen Verzeihung zu
+erflehen. Tekele nahm den Antrag dankbar an. An der Gränze Luristan's fiel
+Alp Arghun den mongolischen Truppen in die Hände, deren Heerführer ihn
+trotz seiner Sendung als Unterhändler tödteten. Tekele vertheidigte sich in
+dem Schlosse Mandschascht und ergab sich erst, als ihm durch Sendung des
+Ringes Hulagu's sicheres Geleite versprochen ward. Nichtsdestoweniger ward
+er nach Tebris geschleppt und dort hingerichtet und die Herrschaft
+Grossluristan's dem mit dem hingerichteten Bruder Tekele's gleichnamigen
+Schemseddin Alp Arghun verliehen[314]. In Klein-Luristan war die Herrschaft
+der vor siebzig Jahren unabhängig gegründeten Dynastie in den Händen des
+vierten Herrschers, Bedreddin Mesud, welcher, als er sich auf dem Feldzuge
+Hulagu's gegen Bagdad zum Dienste desselben stellte, von ihm die
+Auslieferung seines Schwagers und mächtigen Nebenbuhlers um den Thron,
+Suleimanschah's, begehrte. Hulagu antwortete: Diess ist ein grosses Wort,
+dessen Gewährung bei Gott. Als aber Bagdad erobert und Suleimanschah
+erschlagen worden war, erhielt Bedreddin Mesud die von ihm begehrte
+Familie des Schwagers. Er behandelte dieselbe so gütig und beförderte durch
+weise und gerechte Regierung den Wohlstand des Landes so sehr, dass, als er
+ihnen später die Wahl liess, ob sie in Luristan bleiben, oder nach dem aus
+der Asche sich wieder erhebenden Bagdad wandern wollten, nur Wenige dahin
+auswanderten; ein gerechter, eingezogener und besonders der
+Ueberlieferungen wohl kundiger Fürst. Die _auserwählte Geschichte_[315]
+rühmt an ihm, dass er nie unrechtmässigen Beischlaf gepflogen und dass er
+viertausend juridische, nach den Grundsätzen des Ritus _Schafii_
+entschiedene Rechtsfragen auswendig gewusst. Nach seinem, nun zwei Jahre
+nach dem Falle Bagdad's erfolgten Tode stritten sich um die Herrschaft
+Klein-Luristan's seine Söhne _Dschemaleddin Bedr_ (Schönheit der Religion,
+Vollmond) und _Nassireddin Omer_ mit _Tadscheddin Schah_, dem Sohne des in
+der Schlacht wider Suleimanschah gebliebenen Hosameddin Chalil. Dieser
+Streit ward erst unter Abaka, dem Sohne und Nachfolger Hulagu's, durch das
+wider die Söhne Bedreddin Mesud's ausgesprochene Todesurtheil blutig
+entschieden. Der Thron Klein-Luristan's wurde dem Sohne Suleimanschah's,
+_Tadscheddin_, zugesprochen, welcher denselben sieben Jahre lang
+behauptete, welcher dann aber den beiden Brüdern der hingerichteten beiden
+Söhne Bedreddin Mesud's, dem _Felekeddin Hasan_ und _Iseddin Husein_,
+zugesprochen ward.
+
+[Randnote: Könige Gross- und Klein-Armenien's.]
+
+Der König Klein-Armeniens, Hethum I., welchen die Araber _Hatim_, die
+Kreuzfahrer _Haithon_ nennen, hatte sich bei der Thronbesteigung Mengku's
+über Kipdschak in das Hoflager des grossen Kaan's zu Karakorum und nach
+einer Abwesenheit von sechzehn Monaten wieder in seine Staaten
+zurückbegeben. Mit goldener Krone gekrönt, mit goldenem, geweihtem Scepter
+in der Hand auf hohen goldenen Thron gesetzt[316], füllte er denselben
+fünf und vierzig Jahre mit umsichtiger Klugheit, sein Schiff durch den
+Fluthenschwall ungeheuerer Heeresmacht und die Klippen der Scheelsucht der
+Könige Georgien's glücklich durchsteuernd. Wenn seinem Vetter, dem
+genannten Hethum gleichnamiger Mönch, Geschichtschreiber, Glauben
+beizumessen wäre, hätte Mengku seinem Vetter König sieben vorgetragene
+Begehren gewährt, aber das angebliche, als Gewährung des ersten Begehrens
+gegebene Versprechen Mengku's, sich taufen zu lassen[317], verdächtigt auch
+die Gewährung der anderen sechs Artikel. Vor ihm war schon sein Bruder
+Sempad, der Connetable Armenien's[318], in's Hoflager gezogen, und ward nun
+zum zweitenmal dahin gesandt, um Schutz wider die georgischen Fürsten aus
+der Familie _Awak_ anzuflehen, welcher, wie Arghun dem mongolischen
+Statthalter, dem Sempad nach dem Leben gestrebt, die Länder seines Bruders
+Hethum verwüstet[319]. Bald nach Sempad's Abreise ward auch Arghun in's
+Hoflager berufen, um unter der Anklage von Erpressungen über seine
+Verwaltung Rechenschaft zu geben. Sempad fand ihn dort durch den Einfluss
+seiner Feinde _Sewindsch_ und _Scherefeddin_ eingekerkert, welche Arghun's
+Tod suchten, um seine Stelle zu erhalten. Das Zeugniss Sempad's zu Gunsten
+der Verwaltung Arghun's rettete diesem das Leben; die Ankläger wurden
+hingerichtet, Arghun und Sempad kehrten nach Armenien und Georgien
+zurück[320]. Arghun brachte neue Einrichtung des Steuerwesens mit sich, das
+bisher unverhältnissmässig mehr auf den Armen, als auf den Reichen gelastet
+hatte. Von nun an waren die Reichen mit fünfhundert Dinaren, die Armen nur
+mit Einem besteuert[321]. Arghun, dankbar gegen seinen Vertheidiger Sempad,
+unterstützte ihn wider seine Feinde, die georgischen Prinzen aus dem Hause
+Awak, von denen David, der Sohn der Königin Russadan, sich wider die
+Mongolen empörte. Hulagu sandte wider ihn ein aus Mongolen und Moslimen
+zusammengesetztes Heer, von dem er geschlagen ward[322]. [RN: 657/1259]
+Arghun verfügte sich nach Tebris, um über die Zustände Georgien's zu
+berichten. Als Arghun nach Tiflis zurückkehrte, hatte sich David zum
+zweitenmale empört, weil die Entrichtung des verspäteten Tributs gefordert
+worden. Sowohl Sempad, der Orpeliane und Herrscher von Grossarmenien, als
+Hethum, der Herrscher von Kleinarmenien, dem cilicischen Reiche, erhielten
+sich als Vasallen mongolischer Herrschaft auf ihren Fürstenstühlen, Dank
+dem Schutze der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau _Tokus_, welche
+eine eifrige Christin, durch deren Einfluss nach Bagdad's Eroberung der
+Patriarch der Nestorianer den Palast des kleinen Diwitdar zum Sitze des
+Patriarchats erhalten hatte. Nur zu Tekrit siegten die Moslimen über die
+Christen, wo wegen Verheimlichung von Gütern hingerichteter Moslimen auf
+Befehl Hulagu's allgemeines Gemetzel der Christen stattfand[323]. Die
+Blutvesper von Tekrit ausgenommen, hatten sich die Christen mittels des
+Schutzes der Frau Tokus nur günstiger Behandlung von Hulagu zu erfreuen,
+namentlich Hethum, der Pagratide, Herr von Kleinarmenien, und der von
+Grossarmenien, der Orpeliane Sempad. Die Residenz des ersten war die Stadt
+_Ain_; am Zusammenflusse zweier Ströme, die in den Araxes münden, gelegen,
+zählte sie im eilften Jahrhundert hunderttausend Einwohner und tausend
+Kirchen[324]; die Residenz des zweiten, _Sis_, in Cilicien an einem kleinen
+Flusse, der sich in den Dschihan ergiesst[324], der Sitz des armenischen
+Patriarchen. Der Pagratide Hethum und der Orpeliane Sempad standen beide
+bei Hulagu als treue Vasallen in Gnaden, der erste musste ihm das Holz zu
+seinen Bauten am Alatagh liefern, dafür konnte er ungehindert kostbare
+Reliquien in Gold und Silber fassen; so die Hirnschale des heil. Gregor des
+Erleuchteten aus dem Kloster bei _Kaghseman_[325], das zwischen Karss und
+Pasin am Durchbruche des Araxes zwischen geklüftetem Gebirge, und den
+Schädel S. Gregor's des Wunderthäters, den er der berühmten Kirche von
+Norevanch schenkte[326]. _Hethum_, schon durch die Lage seines Königreichs
+ferne dem Hulagu und näher den Kreuzfahrern, als der nördliche Herrscher
+Grossarmenien's, war mit den angesehensten Fürsten der Kreuzfahrer durch
+Vermählung seiner Töchter (mit dem Fürsten Antiochien's, Sadan, und dem
+Herrn von Ibelim) verschwägert. Von seinen Söhnen fiel der jüngere, Toros,
+im Kriegsdienste Hulagu's im syrischen Kriege wider den Sultan der
+Mamluken, sowie hernach _Purthel_, der Neffe Sempad's, im Feldzuge Hulagu's
+wider Kipdschak in der Schlacht am Terek blieb. Die christlichen Herrscher
+Gross- und Klein-Armeniens waren also treuere Vasallen des Ilchan's, als
+die moslimischen Gross- und Klein-Luristan's, und es darf nicht Wunder
+nehmen, wenn durch die Namensähnlichkeit der Pagratide _Hethum_ in den
+Geschichten der Araber als ein zweiter _Hatim_ (das arabische Muster von
+Freigebigkeit und Grossmuth) und der Orpeliane Sempad (als ein zweiter
+Sindbad, der berühmte Reisende der arabischen Mährchen) durch seine Reisen
+in's mongolische Hoflager figurirt.
+
+
+
+
+Drittes Buch.
+
+ Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb, Miafarakain;
+ Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor Damaskus; Schlachten von
+ Aindschalut und Himss; das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten;
+ Anlass des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak;
+ Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's, Arikbuka, Alghui,
+ Kaidu; Vertheilung der Länder und Statthalterschaften; Dynastie
+ der Beni Aamaret und Schebankjare von Fars.
+
+
+[Randnote: Verhältniss Hulagu's mit den gleichzeitigen asiatischen
+Dynastien.]
+
+Die hundert Burgen der Assassinen waren gebrochen, der Thron des Chalifats
+war umgestürzt, die Fürsten von Fars und Mossul, von Gross- und
+Klein-Armenien, von Gross- und Klein-Luristan, hatten freiwillig oder
+gezwungen gehuldigt, das ganze Land von den Ufern des Oxus bis zu denen des
+Tigris war der Herrschaft des _Ilchan's_ unterworfen, aber hierdurch der
+Auftrag, welchen der Eroberer Hulagu vom Bruder Kaan erhalten, ganz Asien
+bis an den äussersten Westen zu erobern, nur zur Hälfte erfüllt; noch
+blieb Mesopotamien und Syrien bis nach Aegypten hin zu erobern übrig. In
+dem letzten dieser drei Länder war der Hauptstamm der Herrschaft der
+Ejubiden, welche sich zu Ende des zwölften Jahrhunderts gleichzeitig mit
+der der Mongolen erhob, vor neun Jahren durch gewaltsame Umwälzung
+gebrochen worden und die Stelle der Herren aus dem Hause Ejub hatten ihre
+Sklaven, die Mamluken, auf dem Throne als Herrscher eingenommen; aber von
+dem hohen und mächtigen Baume dieses grossen Herrschergeschlechtes
+wurzelten noch sieben Zweige im arabischen Irak und in Syrien, vom Jenseits
+der Wüste an, welche Mesopotamien von Syrien, bis zu der, welche Syrien von
+Aegypten trennt, _Miafarakain_ und _Hossnkeif_, bis nach _Damaskus_ und
+_Karak_; inmitten derselben die von _Haleb_, _Hama_ und _Himss_. Wären
+diese sieben Strahlen der Herrschaft in dem Brennpunkte Eines einzigen
+starken Volkes und Muthes vereint gewesen, hätte die sieben Herrscher nur
+das Band aufrichtiger, zusammenwirkender politischer Eintracht verbunden,
+so würde ihre, von einem Einzigen geleitete, aber auch immer aufrichtig
+vereinte Macht der Hulagu's wahrscheinlich siegreich widerstanden haben, da
+sogar Einzelne derselben männlichen Widerstand nicht ohne Erfolg versucht
+und den reissenden Strom der Eroberung wenigstens eine Zeit lang gehemmt;
+aber es fehlte Einheit und Eintracht, welche im Herrscherhause Ejub nur
+unter der ruhmwürdigen Regierung Ssalaheddin's zwanzig Jahre lang das von
+ihm gegründete Reich befestigte. Nach seinem Tode war die Macht
+vielgetheilt und durch Herrschsucht und Scheelsucht geschwächt, nicht im
+Stande, den andringenden Fluthenschwall mongolischer Herrschaft zu
+gewältigen. Ein Blick auf die gleichzeitig im Osten und Westen Asien's
+emporgestiegene Herrschaft des Hauses Tschengischan's und Ejub's zeigt im
+hellsten Lichte die Staatsklugheit des Tschengischan'schen Hauses und
+Grundgesetzes der Einigkeit und Familieneintracht, ohne dessen strenge
+Beobachtung die Herrschaft der Mongolen nie zu solcher Macht gediehen wäre.
+Zwar zeigten sich auch schon bald nach Tschengischan's Tode Symptome der
+Uneinigkeit und des Familienzwistes in den Ansprüchen auf die oberste
+Herrschaft, aber das Schwert rottete bei Mengku's Thronbesteigung in dem
+blutigen Sinne der Jasa siebzig Prinzen auf einmal aus, und das Reich erhob
+sich unter ihm und seinem Nachfolger Kubilai zu einer Ausdehnung von Macht
+und Grösse, dergleichen die Geschichte vor- und nachdem nie gesehen. Erst
+als die Bande der Alles im Mittelpunkte versammelnden Einheit und der
+Familieneinigkeit sich lockerten, begannen auch die Thronen der
+mongolischen Herrscher zu wanken, und erlagen fremder Uebermacht, wie jetzt
+der mongolischen die Grösse des Herrscherhauses Ejub. Wir nehmen den kurz
+gedrillten Faden der Geschichte von sieben oben erwähnten, Hulagu
+gleichzeitigen Dynastien der Söhne Ejub's da wieder auf, wo wir denselben
+im ersten Buche dieser Geschichte verlassen haben.
+
+[Randnote: Die Beni Ejub zu Miafarakain und Hossnkeif.]
+
+Von den sieben, Hulagu gleichzeitigen Dynastien des Hauses Ejub, welche mit
+seiner Macht in Berührung, von demselben, weil sie widerstanden,
+vernichtet, oder weil sie gehuldigt, noch einige Zeit geduldet worden, war
+die von _Haleb_, wo die unmittelbaren Nachkommen Ssalaheddin's herrschten,
+die mächtigste, deren Uebermacht soeben die von Damaskus verschlungen
+hatte. In Mesopotamien, zu Miafarakain und Hossnkeif, und an der Gränze
+Syriens, zu _Kerek_, herrschten Abkömmlinge _Melikol-aadil's_ (d. i. des
+gerechten Königs), des Bruders Ssalaheddin's, zu _Hama_ die Nachkommen
+_Schehinschah's_, des Bruders Ssalaheddin's und _Melikol-aadil's_, und zu
+_Himss_ die _Schirkuh's_, des Oheims der drei Brüder. _Melik Nassir Jusuf_,
+der Urenkel Ssalaheddin's, war nach seines Vaters, _Melikol-asis_, Tode
+schon in seinem siebenten Jahre zur Regierung gelangt, welche während
+seiner Unmündigkeit für ihn seine Grossmutter, die Tochter Melikol-aadil's,
+die Frau _Ssaffije_, führte. Seinem Vetter, dem Herrn von Himss, _Manssur
+Ibrahim_, dem Urenkel Schirkuh's, des Oheims Ssalaheddin's, stand er mit
+einem Heere wider die Chuaresmier bei, welche nach dem Sturze des
+chuaresmischen Reichs in einzelnen Banden, wie die Condottieri des
+Mittelalters, Mesopotamien und Syrien durchrannten und ausraubten. Er
+bemächtigte sich ihrer beiden Hauptplätze, Harran's und Rakka's. [RN:
+646/1248] Für den Sohn und Nachfolger Manssur Ibrahim's, _Melikol-eschref
+Musa_, nicht so freundschaftlich gesinnt, wie für dessen Vater, hatte er
+demselben seine Hauptstadt Himss entrissen und ihm dafür das aus der
+Geschichte der Kreuzzüge bekannte Schloss von _Tell baschir_ gegeben. Im
+folgenden Jahre hatte er wider Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, ein
+Heer gesandt, welches das Feld zu Nissibin behauptete und im Besitze des
+ganzen Lagers des flüchtigen Feindes blieb. [RN: 647/1249] Als im nächsten
+Jahre die Herrschaft des Stammes der Beni Ejub in Aegypten erlosch, luden
+die Emire von Damaskus den Herrn von Haleb zur Besitznahme ihrer Stadt ein.
+[RN: 648/1250] Er zog dahin, und, in der Absicht, auch Aegypten zu erobern,
+dem Heere der Mamluken entgegen; er schlug dieselben zwar zuerst bei
+_Abbasa_, ward aber dann geschlagen und floh nach Damaskus zurück. Er zog
+zum zweitenmale aus, und schloss Frieden auf die Bedingniss, dass der
+Jordan die Gränze beider Reiche. Wider Nassir, den mächtigsten Herrscher
+der Beni Ejub in Syrien, wandte sich also jetzt Hulagu's erobernde Macht;
+aber auf dem Wege dahin standen ihm noch die nächsten Verwandten Nassir's,
+die Herren von Miafarakain und Hossnkeif, entgegen, welche, auf die
+Festigkeit ihrer Burgen stolz, dem Eroberer trotzten. Zu Miafarakain
+herrschte _Melikol-kjamil_, der Sohn Melikol-Mosaffer's, des dritten der
+drei Söhne Melikol-aadil's, welche nach ihrem Vater Herren dieser festen
+Stadt; der von _Hossnkeif_ war _Melikol Mowwahid_, der Ururenkel
+Melikol-aadil's, aus dessen Sohne Kjamil. Als Kjamil nach seines Vaters Tod
+den Thron Aegyptens bestieg, gab er seinem Sohne Melik Ssalih Nedschmeddin
+die Stadt Amid und das Schloss Hossnkeif als Leibgedinge, und als Ssalih's
+Enkel Moaasem Turanschah sich nach Aegypten begeben, um dort die
+Herrschaft, welche in ihm enden sollte, zu übernehmen, blieb Hossnkeif
+seinem Sohne Mowwahid als Leibgedinge. Die beiden Herren von Hossnkeif und
+Miafarakain waren würdige Träger des Namens Ejub, indem sie, stolz auf
+ihren angestammten Herrscheradel und die Festigkeit ihrer Burgen, dem
+mongolischen Eroberer zu huldigen verschmähten, während ihr mächtiger
+Vetter Nassir von Haleb huldigend einen Gesandten an Mengkukaan gesandt und
+von demselben _Jerligh_ und _Paise_, d. i. Diplom und das Ehrenzeichen des
+Löwenkopfes, erhalten hatte. Selbst an Hulagu, als er das persische Gebiet
+betreten, hatte er heimlich unterwürfige Botschaft gesandt, entfloh aber
+nun bei der Annäherung Hulagu's nach Aegypten.
+
+[Randnote: Aufbruch von Tebris.]
+
+Nach der Eroberung Bagdad's war Hulagu erst gegen Hamadan und von da über
+Meragha nach Tebris gezogen, das von nun an die Hauptstadt von
+_Aserbeidschan_ (dem alten Atropatene), von nun an auch die des neuen
+mongolischen Reichs in Persien und die Residenz des Ilchan's; seitdem
+heisst dieselbe mit dem ganzen Lande umher _Paitachti Hulagu_, d. i. der
+Fuss des Thrones Hulagu's. _Tebris_, d. i. das _warm Rieselnde_, hat seinen
+Namen, der gleichbedeutend mit _Tepliz_, von seinen warmen Quellen; es
+liegt auf der Westseite des Berges _Sehend_ mitten unter üppigen Gärten,
+vom Flusse _Surchab_, d. i. Rothwasser, bespült. Es ist möglich, dass
+_Tebris_ nur eine Verstümmelung des alten, beim Ptolemäus vorkommenden
+_Gabris_; aber alle Quellen arabischer Geschichte nennen als Erbauerin der
+Stadt die Gemahlin Harun Reschid's, seine Base, die grosse Frau _Sobeide_.
+[RN: 175 (791)] Schon neun und dreissig Jahre nach ihrer Erbauung vom
+Erdbeben zerstört, wurde Tebris vom Chalifen Motewekkil wieder erneuert
+[RN: 245 (857)] und zweihundert Jahre später vom Erdbeben gänzlich in
+Schutt gelegt. [RN: 434 (1042)] Der Astronom _Abu Tahir_ von Schiras hatte
+das Erdbeben für die Nacht, wo es stattfand, vorausgesagt und die Einwohner
+der Stadt, dieselbe zu verlassen, ermahnt; Viele beherzigten seine Warnung,
+aber vierzigtausend, welche in den Häusern zurückblieben, wurden unter
+denselben begraben. Der neue Bau ward unter der Leitung des genannten
+berühmten Astronomen im Zeichen des Scorpions begonnen, um dadurch für
+immer die Gefahr gänzlicher Zerstörung durch Erdbeben abzuwenden; »und
+wirklich«, sagt Hamdallah Mestufi, der persische Geschichtschreiber
+Geographe, »haben in den seitdem verflossenen dreihundert Jahren mehrmal
+Erdbeben stattgefunden, ohne der Stadt wesentlich zu schaden, so dass die
+Stadt ihren Ruin nicht mehr von Erdbeben, sondern nur von Ueberschwemmung
+fürchtet«. Zahlreiche, seitdem gegrabene Kanäle und unterirdische
+Wasserleitungen gewähren dem Wasser Abfluss, so dass auch diese Furcht
+verschwunden; der vom Berge Sehend niederströmende kleine Fluss _Mehranrud_
+vertheilt sich in mehr als hundert solcher Kanäle, um die Gärten der Stadt
+zu bewässern; die Waldungen rund um die Stadt sind so dicht, dass, als zu
+Beginn des vorigen Jahrhunderts das osmanische Heer hier den Befehl
+erhielt, dieselben auszuhauen, dreitägige Arbeit der Axt keinen merklichen
+Unterschied hervorbrachte, so dass sie so dicht, wie ehe, schienen. Die
+schöne und fruchtbare Ebene von Tebris, welche sich auf der Westseite der
+Stadt gegen den See von Urmia hinzieht, wetteifert durch üppigen Baumwuchs
+mit den Zauberthälern von _Soghd_, _Damaskus_, _Schaabbewwan_ und mit der
+Ebene von _Mamschanrud_ bei Hamadan um edenischen Ruhm. Die Aepfel, Birnen,
+Aprikosen und vorzüglich die Weinbeeren ohne Kern sind vortrefflich; die
+Einwohner blühender Gesichtsfarbe, gewerbfleissig und auch nicht ohne Muth,
+aber durch Treulosigkeit verschrien. Derohalben ist von ihnen der persische
+Viervers gang und gäbe:
+
+ Als Freund hat Keiner noch Tebrisern je getraut;
+ Die Anderen sind Mark, Tebriser ist nur Haut.
+ Wer in der Freundschaft nicht beständig wird geschaut,
+ Hat, wenn nicht von Tebris, sich dorten angebaut.
+
+Hierauf entgegnete ein Dichter von Tebris:
+
+ Tebris ist Paradies, sein Volk ist spiegelrein.
+ Du sagst, dass sie aufrichtig nicht in Freundschaft sei'n;
+ Wie konntest And'res dir von ihnen bilden ein,
+ Der Spiegel wirft zurück von dir den Widerschein.
+
+Vorzüglich hat sich in der Landschaft Aserbeidschan von jeher
+wissenschaftliches Streben kund gegeben, und schon Abu Tahir sagte:
+Aserbeidschan ist im Osten, was Andalus im Westen, durch philologischen und
+medicinischen Ruhm. Von den grossen Männern und Dichtern, deren Ruhm die
+Stadt verherrlicht, sowie von den grossen Gebäuden derselben, wird unter
+der Regierung Ghasan's, dessen Grabdom noch heute die schönste Ruine der
+Stadt, zu sprechen der Ort sein[327].
+
+[Randnote: Marsch Hulagu's bis Roha.]
+
+Von Tebris, seinem neuen Thronsitze, brach Hulagu Freitags den zwölften
+September gegen Syrien auf. [RN: 22. Ramasan 657/12. September 1259] Vor
+seinem Aufbruche sandte er Botschaft an seinen Vasallen Bedreddin Lulu, den
+Herrn von Mossul, ihn seines hohen Alters willen der persönlichen
+Erscheinung im Felde enthebend, aber dafür die Gegenwart seines Sohnes
+Ssalih fordernd. Dieser erschien und Hulagu belohnte ihn dafür mit der Hand
+einer Tochter des letzten grossen Sultans von Chuareſm, _Dſchelaleddin_.
+Seinen Feldherren _Baidſchu_ und _Schiktur_ übertrug er den Befehl des
+rechten, anderen Emiren den des linken Flügels, er selbst führte das
+Mitteltreffen an. Wir folgen nun seinem Zuge nach den Stationen, deren die
+persischen Geschichten erwähnen, wie wir demselben von Karakorum an bis an
+den Oxus nach den chinesischen Berichten gefolgt sind. Auf der Westseite
+des Ararat, zwischen demselben und Erſerum, südlich von _Hasan Kalaa_,
+erhebt sich das Gebirge _Alatagh_, d. i. der bunte Berg, in welchem
+herrliche Alpenweiden, Jagden und die Hauptquelle des Euphrat's, nämlich
+die des _Muradſsuji_, welcher hier aus mehreren Bächen zusammenströmt[328].
+Hulagu fand so grosses Wohlgefallen an den Weiden von _Alatagh_, dass er
+denselben einen mongolischen Ehrennamen beigelegt[329]. Von hier wandte er
+sich südwärts nach _Achlath_, der auf dem nördlichen Ufer des Sees von Wan,
+gegenüber des Schneegebirgs _Siban_, gelegenen Stadt, die eine uralte,
+schon zu Nuſchirwan's Zeit der Sitz seines Oheims Dschamasb, von den
+Byzantinern Chliat genannt[330], berühmt durch die Grösse seiner Aepfel,
+deren einer bis hundert Drachmen wiegt. Ihren Flor verheerte zuerst der
+Einfall Chuareſmschah's und zwanzig Jahre hernach ein Erdbeben. [RN:
+626/1228] Seid Husein von Achlath, in allen esoterischen Wissenschaften
+tief gelehrt, hatte noch vor dem Einfalle der Mongolen in Persien das
+Unheil Tſchengiſchan's vorausgesagt und war mit zwölftausend Familien nach
+Kairo ausgewandert, wo noch seine Grabstätte und noch das Stadtviertel der
+Achlather das Andenken an diese Ansiedelung bewährt[331]. Die Kurden des
+Stammes _Hakkjari_, welche um Achlath wohnen, wurden vom Heere wie scheues
+Vieh verfolgt und getödtet[332]. Als das Lager zu Diarbekr, beschloss
+Hulagu vor Allem die gänzliche Eroberung Mesopotamiens, um auf dem Marsche
+gegen Syrien den Rücken frei zu behalten. Der Herr von Miafarakain[333],
+Melik Kjamil, hatte nicht nur der Einladung zur Unterwürfigkeit keine Folge
+geleistet, sondern auch einen syrischen Priester, welcher während der
+Belagerung Bagdad's mit einem Jerligh des grossen Kaan's an ihn abgesendet
+worden, gekreuziget[334]. Der Prinz Jaschmut[335] und Suntai Nujan wurden
+die Stadt zu belagern befehligt; den Sohn Bedreddin Lulu's sandte Hulagu
+gegen Amid, das heute unter dem Namen Diarbekr bekannter; er selbst wandte
+sich nach _Roha_, das alte Edeſſa, das sich freundlich ergab; _Harran_ und
+_Niſsibin_ wurden mit Gewalt genommen und verheert; die Einwohner von
+_Serudsch_, die keinen Boten der Unterwürfigkeit gesandt, niedergemacht. Zu
+Roha schlug er sein Winterquartier auf und beschied dahin seine Vasallen,
+Hethum, den König Kleinarmeniens, und die Seldschuken Rum's; auch an
+Nassir, den Sultan von Haleb, sandte er von hier wiederholte Botschaft, ihn
+persönlich in's Lager zu laden; Nassir schickte seiner statt seinen Sohn
+Melikelasis mit reichen Geschenken. Hulagu behielt ihn den ganzen Winter
+hindurch bei sich und sandte ihn erst im nächsten Frühjahre nach Ostern an
+den Vater mit der lakonischen Botschaft zurück: »Nicht dich haben wir
+begehrt, sondern deinen Vater; er komme also, sonst kommen wir zu ihm«.
+König Hethum erschien an der Spitze einer grossen Anzahl gewaffneten
+Gefolges; ein nicht zu verachtender Bundesgenosse, denn er war zwölftausend
+Reiter und vierzigtausend Fussgänger in's Feld zu stellen im Stande[336].
+Hethum setzte dem Eroberer die Annehmlichkeit Haleb's auseinander und bewog
+ihn zu dem Entschlusse (oder bestärkte ihn darin), vor allen anderen
+Städten nach Haleb seine Waffen zu wenden. Den armenischen König scheint zu
+diesem Rathe hauptsächlich das Interesse der Kreuzfahrer und zunächst das
+seines Schwiegersohnes, des Herrschers von Antiochien, des nächsten
+Nachbars Haleb's, bewogen zu haben. Unter die Seldschuken Iseddin und
+Rokneddin wurden die Länder Rum's so vertheilt, dass dieser Herr der Länder
+zwischen Cäsarea und Grossarmenien, jener Herr Kleinasiens bis an's
+mittelländische Meer. [RN: 20. Juli 1259] Von hier aus wurde ein
+Botschafter mit dem berühmten, von Nassireddin mit allem Schmucke
+morgenländischer Rhetorik geschwellten Schreiben an Nassir gesandt, welches
+Wassaf sammt der Antwort gibt, wie folgt:
+
+»Gott, der Ernährer der Himmel und Erden«, so kündet der siegreiche König:
+»Wir haben gelagert vor Bagdad im sechshundert fünf und fünfzigsten Jahre,
+wir haben den Beherrscher gefangen gemacht und ihn ausgefragt, und da er
+bestand mit nichten, war es nöthig, ihn zu vernichten. Er geizte mit seinem
+Gold, und so kam die Sache dahin, wie sie es gesollt; er opferte kostbare
+Seelen den irdischen Lüsten auf, und das war klar aus dem ganzen Verlauf.
+Sie hatten den Lohn ihrer Thaten und der Sagende sagt: Sobald ein Ding
+vollkommen, hat es auch schon abgenommen, aber uns kann noch der Wachsthum
+frommen. Hernach sollen wissen die Fürsten, die siegreichen, _Seifeddin_
+(das Schwert des Glaubens), _Ihn Jaghmur_ und _Alaeddin El-Koscheimri_ und
+die übrigen Emire Syriens und Truppen: Ich bin ein Kämpe Gottes, den er
+erschaffen in seinem Grimme, um ihn loszulassen wider die, denen er zürnet.
+Nehmet euch ein Beispiel an dem, was geschehen, um euch an den Erschlagenen
+zu ersehen. Werdet durch fremden Schaden klug und ergebt euch Uns, ehe der
+Vorhang aufgezogen wird, und ehe wider euch ergehet der Zug. Wir erbarmen
+uns nicht des Weinens und haben kein Mitleiden mit der Klage; Gott hat aus
+Unserem Herzen gerissen die Barmherzigkeit. Wehe! und abermals Wehe! denen,
+die nicht streiten auf Unseren Seiten. Wir haben die Länder verheert mit
+Macht und die Kinder zu Waisen gemacht. Wir haben über die Erde Verderben
+gebracht; an euch ist die Flucht vor Uns, der euch sucht; wo ist die Erde,
+die euch nährte? und das Land, das euch Zufluchtsort gewährte? Ihr werdet
+Unseren Schwertern nicht enteilen, und habet keine Rettung vor Unseren
+Pfeilen; Unsere Pferde sind vorauseilende, Unsere Schwerter
+leiberzertheilende und Unsere Pfeile sicherbetheilende; Unsere harten
+Herzen halten wie Berge Bestand, und die Zahl Unserer Heere ist unzählbar
+wie der Sand. Wer sich Uns ergibt, der findet Heil, und wer wider Uns
+kämpft, dem wird Reue zu Theil. Unser Reich wird von keinem Andern begehrt
+und das Land Unserer Nachbarn wird nicht verheert. Wenn ihr Unsere
+Bedingungen annehmet und zu Unserm Gehorsame euch bequemet, so ist Unsere
+Sache die eurige, und die eurige die Unsere; wenn ihr aber widerstrebt, und
+euch wider Uns erhebt, wenn ihr verharrt als Rebellen, so schmähet hernach
+nur eure Seelen, denn es wird euch am Ende: _was erwerben eure Hände_. Wer
+voraus droht, ist entschuldigt durch die Noth, und wer da warnt, Niemanden
+unbillig umgarnt. Die Schlösser vor Uns werden umgekehrt, und Unsere Heere
+werden vom Kampfe nicht abgewehrt. Euere Bitten werden von Uns weder
+erhört noch angehört, denn ihr habt die Ungerechtigkeit gefressen und den
+Glauben vergessen; ihr habt die Neuerung eingesetzt und das Gemeinwohl
+verletzt; ihr überliesset euch den Lastern und der Passion und es waltet in
+euch der Neid und die Rebellion. Nehmet daher in Betrachtung die Kunde der
+Erniedrigung und Verachtung. _Heut empfangt ihr den Lohn euerer Verachtung,
+weil ihr hochmüthig gewesen auf Erden ohne Wahrheit[337], für euere Laster.
+Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden
+umgewälzt werden._[338] Bei euch ist es ausgemacht, dass wir die
+Ungläubigen, und bei Uns ist es ausgemacht, dass ihr die Lasterhaften. Uns
+hat auf euch losgelassen Er, in dessen Hand die Geschäfte, die geleiteten,
+und die Gebote, die von ewig her bereiteten. Von Uns wird verachtet, wer
+euch dünket ein König, und was euch Viel ist, das däucht Uns Wenig. Wehe
+und Furcht dem, der sich vor Uns gross macht, und Sicherheit und Verzeihung
+dem, der erzittert Unserer Macht. Wir haben die Erde in Besitz genommen im
+Osten und Westen und die Güter der Reichsten und Besten; wir haben sie
+zerstaubt und alle Schiffe geraubt. Unterscheidet mit eurer Vernunft das
+Wahre und Klare, und ihr sollt eilen, uns Antwort zu ertheilen, eh' dass
+die, so ihr unglaubig nennet, euch verbrennet, ehe ihr sehet die Funken,
+ehe ihr unter der Last des Kriegs seid versunken, ehe grosses Unglück bei
+der Hand, und Niemand lösche den Brand; _weisst du, was das sei, flammender
+Brand?_ ehe dass Ehre und Würde von euch schwindet, und ihr weder
+Zufluchtsort noch Schutz findet, und ehe dass der Ausrufer des Verderbens
+auch mit den Worten des Korans ruft: _Ist einer von ihnen zu finden, ist
+von ihnen zu hören der geringste Laut._[339] Wir sind billig gewesen, indem
+Wir euch senden dieses Schreiben zum Lesen. Antwortet darauf, ehe die
+Strafe nimmt ihren Lauf, und ihr unverständig seid. Stellt auf Sternwarten
+euere Beobachtungen an, eh' der Treiber wie Holz zerbricht eueren Plan; und
+wenn ihr leset dieses Schreiben genau, leset zugleich den Anfang der Sura:
+_Nachl_[340], und das Ende der Sura: _Ssad_[341]. Wir haben Perlen des
+Worts ausgestreut, und die Antwort wird zeigen, wie ihr seid. Heil werde zu
+Theil dem, der verdient Heil.«
+
+
+Antwort.
+
+»_Bei Gott ist die Vorsehung. Sag: Gott ist der Besitzer des Reichs, es
+wird gegeben das Reich, wem er will_; es hat uns seine Vorsehung geleitet,
+Lob sei Gott, dem Herrn der Welten, und Gebet und Lob über den Herrn der
+Gottgesandten, den Schlussring der Propheten, Mohammed den Propheten, den
+Ungebildeten[342], und seine ganze Familie. Antwort auf das Schreiben,
+welches kündend gekommen von der Majestät des Ilchan's und der Schwelle des
+Sultan's (Gott wolle dieselbe mit Rechtlichkeit bedräuen und derselben die
+Annahme des Rechten und Wahren verleihen!). Hochdieselben sind, wie sie
+sagen, erschaffen aus Gottes Grimme, überwältigend Alle, über welche ergeht
+seines Zornes Stimme, ohne sich der Klagenden zu erbarmen, oder für die
+Weinenden ein Mitleid zu erwarmen, weil Hochdenselben Gott aus dem Herzen
+gerissen das Erbarmen. Dieses sind schändliche Eigenschaften der Satane und
+nicht der Sultane. Diese Zeugenschaft genügt als Prediger wider euch und
+von eurem selbst beschriebenen Reich abhaltend die Vernünftigen von euch.
+So sagt der Koran: »_O ihr Ungläubigen, ich bete nicht an, was ihr betet
+an!_« Ihr habt euch selbst geflucht durch den Brief, den ihr geschrieben,
+und habet euch selbst mit allen Schändlichkeiten beschrieben, und alle
+Propheten haben Euer erwähnt. Wir haben von euch Kunde seit der Zeit, wo
+ihr erschaffen worden seid; und ihr, die ihr Ungläubige seid, wie ihr
+dessen selbst im Wahne seid, hat Gott in seinem Buch nicht den Drängern
+gegeben den Fluch? Ihr sagt: wir (die Moslimen) hätten Neuerungen gemacht
+und das Gemeinwesen heruntergebracht, den Glauben gebrochen und alle Laster
+verbrochen; das ist kein Wunder. Hat nicht Pharao sich die Rolle des
+Ermahnenden angeeignet und zugleich das Gesetz geläugnet? -- Wir halten
+fest auf der Grundfeste, Uns nicht bekümmernd um die Zweige und Aeste; Wir
+sind die Rechtgläubigen fürwahr! Wir nehmen das Schädliche nicht an und
+legen den Zweifel in Bann. Zu Uns stieg nieder der Koran, und der ewige
+Gott sieht Uns erbarmend an; Wir haben die Sendung des göttlichen Worts
+vergewisst und wissen, wie dasselbe auszulegen ist. Es ward für euch das
+höllische Feuer erschaffen, um eure Hartherzigkeit zu strafen.
+
+ Wann sich spaltet der Himmel,
+ Wann die Sterne sich zerstreuen,
+ Wann sich mischet der Meere Getümmel,
+ Wann die Gräber ihre Todten ausspeien;
+ Dann weiss die Seele, was war und kommen wird.[343]
+
+Wunderbar, wunderbar! mit Schlägen zu dräuen den Leuen, reissenden Thieren
+mit Streichen von Rappieren und Recken mit Stöcken. Unsere Pferde sind
+blitzende, Unsere Bogen ägyptische, Unsere Schwerter jemenische, Unsere
+Schultern festsitzende; Wir sind bekannt zum Bessten in Osten und Westen;
+Unsere Pferde sind Löwen, wenn Wir sie besteigen, und Unsere Reiter
+erreichen den Feind, sobald sie sich zeigen; Unsere Schwerter schneiden,
+wann sie treffen, und Unsere Lanzen zermalmen, wann sie sich senken im
+Treffen; Unser Kürass ist Unsere Haut, Unser Panzer ist Unsere Brust;
+Unsere Herzen werden durch keinen Unfall erbittert und Unsere Versammlung
+keiner Drohung erzittert durch die Kraft des Allgeehrten und
+Alllobenswerthen! Durch Drohungen werden wir nicht erschreckt, durch
+Anrücken des Heeres nicht geschwächt; wenn wir als Empörer auftreten, so
+ist es des Gehorsames Pflicht, und wenn wir tödten, so ist diess ein
+Kapital von Gewicht. Zwischen Unserer Erdenrunde und dem Tode ist nur Eine
+Stunde[344]. Ihr sagt: »Unsere Herzen halten wie die Berge Stand, und
+Unsere Zahl ist unzählbar, wie Sand«. Den Fleischer die Menge der Schafe
+nicht erschreckt, und vieles Holz wird durch einen kleinen Funken in Brand
+gesteckt. Werden Wir denn vor dem Tode fliehen und die Schmach vorziehen?
+Ist es nicht gefehlt, was ihr befehlt? Wir fliehen vor der Schmach und
+laufen lieber dem Tode nach; der Tod in dieser Welt ist, was Uns am meisten
+gefällt; wenn wir leben, sind wir selig, und wenn wir sterben, als Martyrer
+glückselig: _Wird nicht Gottes Verein der überwältigende sein?_[345] Nach
+dem Fürsten der Rechtgläubigen, nach dem Nachfolger des Propheten Gottes,
+des Herrn der Welten, fordert ihr von Uns Gehorsam. Wir horchen euch nicht
+und gehorchen euch nicht. Die Sehnsucht, ihm (dem Propheten) nachzufolgen,
+genügt, um von Uns abzuwehren die Begierden, die schädlichen, und die
+Phantasien, die leeren. -- Ihr begehrt von Uns, dass Wir Uns euch ergeben,
+ehe sich die Decke wird heben, und ehe Wir Uns in die Gefahr begeben. Das
+sind Worte, ungereimt, aus deren Reihung Zweifel keimt. Wenn die Decke
+aufgezogen würde und niedersänke des Looses Bürde, so würde sich's zeigen,
+was grössere Sünde sei, ob der Unglaube nach dem Glauben, ob der Bruch nach
+der Bewährung, ob die Lüge nach der Erklärung, oder Gehorsam geschworen den
+Idolen und die Vermessenheit, sich einen zweiten Gott zu holen: _Ihr habt
+eine unaussprechliche Sache vorgezogen; wenig fehlte, dass die Himmel
+klafften und die Erden sich spalteten und einstürzte der Berge Bogen._[346]
+Sagt eurem Schreiber, der diese und diese Worte angefasst und dieses
+Schreiben verfasst: Wie kurzsichtig ist deine Kürze, wie öde die
+Uebertreibung deiner Rede; dein Schreiben wirkt auf Uns, wie des Thürangels
+Hummen und der Fliegen Summen; du hast des Islams Gnade zu leicht genommen,
+und es wird Gottes Pein über dich kommen; du erachtetest zu erweitern durch
+das Schreiben die Pein und betrachtetest den Briefwechsel und die
+lügnerischen Drohungen als Spielerei'n. Dein Zweck war, in Vorschein zu
+bringen deine Beredtsamkeit und zu zeigen deine Wohlredenheit. Du bist der,
+von dem der Sprechende spricht: _Du hast Etwas im Gedächtnisse behalten,
+aber es fliehen dich der Dinge Gestalten._ Du hast geschrieben den Text:
+_Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden
+umgewälzt werden._[347] Auf dieses Wort kommt die Antwort sofort: _Gottes
+Geschäft ist gekommen, beschleunigt es nicht_, der König _Nassir_ und
+_Jaghmur_ und _Alaeddin Koscheimri_ und die übrigen Emire Syriens achten
+nicht das Feuerschlagen zwischen Kiesel und Stahl, sie erwarten das Wiehern
+der Rosse und das Zusammentreffen im Stosse; sie geloben, sich im heiligen
+Kampf zu erproben, euch den Höllen und dem Abgrund zuzugesellen, euch die
+Haare, welche über die Ohren niederstürzen, mit dem Stahle des Schwertes zu
+kürzen; sie sagen euch Alle: Seid ihr zum Kampf bereit, so sei das eure
+Beredtsamkeit; was braucht es, Verse zu citiren und Histörchen zu
+componiren und Lügen einzustudiren. Wir sind nun im letzten _Ssafer_ und
+Unsere Verheissung kommt (als eine wahre) vom Morgen her. Gott beflügelt
+für den, wen er will, den Sieg. Wir haben diess nicht bloss prosaisch
+geschrieben und sind dabei im Orte der Schmach sitzen geblieben; Wir
+sagten, was zur Hand, und entschuldigen den, der zu schwach zum Widerstand.
+Heil!«
+
+[Randnote: Marsch bis Haleb.]
+
+Nachdem Hulagu den Sommer in Mesopotamien verweilt, trat er erst im Herbste
+des Jahres zwölfhundert neun und fünfzig seinen Marsch nach Syrien an. Auf
+vier Punkten wurden Brücken über den Euphrat geschlagen; diese vier Orte
+sind noch heute die betretensten gewöhnlichen Uebergangspunkte, nämlich zu
+_Malatia_, _Kalaatol Rum_, _Bire_ und _Kirkesia_, alle vier als Uebergänge
+des Euphrats schon aus der römischen und byzantinischen Kriegsgeschichte
+bekannt. _Malatia_, das alte Melitene, _Kalaatol Rum_, d. i. das
+Römerschloss, an der Stelle des alten Zeugma, d. i. der Brückenverband,
+_Bire_, das alte Birtha, und _Kirkesia_, ganz unverändert das alte
+_Kirkesion_. Das erste Blutbad hatte zu _Menbedsch_, dem alten Hierapolis,
+statt, dessen heutiger Name aus dem alten _Bambyce_ verstümmelt; die beiden
+alten Namen enthalten schon statistische und historische Kunde der Stadt,
+die berühmt durch ihre Baumwollpflanzungen und ihre Tempel, besonders den
+der Astarte, der grossen syrischen Göttin, vor welchem sich vereinzelte
+Thürme erhoben, Thürme, die heute _Minarete_, d. i. Leuchtthürme, genannt,
+ursprünglich Phallische Sinnbilder der Zeugung. Von hier aus wurden die
+Castelle am Euphrat, deren Einwohner alle unter dem Schwerte fielen, mit
+Besatzungen versehen, nämlich: die Schlösser _Nedschm_, _Rakka_ und
+_Dschaaber_. _Nedschm_ heisst das Sternschloss; _Rakka_ hat in der
+römischen und griechischen Kriegsgeschichte als Kalinike oder Nicephorium
+schönen Sieg verkündenden Namen, _Dschaaber_ aber in der osmanischen die
+grösste Wichtigkeit, weil hier dreissig Jahre vor dem Uebergange Hulagu's
+über den Euphrat Suleiman, der Grossvater Osman's, des Gründers des
+osmanischen Reichs, als er von Chorasan, vor dem Heere Tschengischan's
+auswandernd, flüchtete, hier bei'm Uebergange über den Euphrat vom steilen
+Ufer in den Fluss stürzte und ertrank, wo seine Grabstätte noch heute unter
+dem Namen des Türkengrabs geehrt wird[348]. Noch im October[349] streiften
+ungeheuere Schaaren bis in die Nachbarschaft von Haleb, wo ihnen Moaasem,
+der Sohn Nassir's, der Urenkel[350] des grossen Ssalaheddin, entgegen kam,
+aber von ihnen geschlagen in die Stadt floh. Abtheilungen des Heeres
+rückten vor _Maarretnaaman_, _Hama_ und _Himss_, welche sich ergaben; die
+Sultane der beiden letzten Städte waren nach Aegypten entflohen, so auch
+_Melik Nassir_, der Sultan von Haleb, welcher sich in das innerste Syrien,
+nach Schaubek und Kerek, gerettet. Damaskus ergab sich gutwillig, aber
+Haleb wurde von Hulagu belagert. Er selbst lagerte vor dem westlichen
+Thore, das nach Antiochien führt, Oroktu Nujan vor dem Thore der Juden,
+Keitbuka Nujan vor dem Thore der Griechen und Sundsche Nujan vor dem
+südlichen Thore von Damaskus. Vor dem Judenthore, das auch Thor der Freude
+heisst, ist ein grosser[351] alter Stein, bei welchem Juden und Christen
+schwören; ausser demselben wallfahrtet der Moslim zu Haleb noch zu zwei
+Stätten Chiser's, des Hüters des Lebensquells, dessen Legende in Syrien mit
+der des heil. Georg zusammengewachsen, und zu zwei Stätten Abraham's,
+dessen Heerden hier gemelket worden sein sollen[352], eine Legende
+entstanden aus der Verstümmelung des alten Namens _Chalybon_ in _Haleb_,
+was auf arabisch Milch heisst. Haleb ist durch seine Früchte, sowie durch
+seinen Handel von jeher berühmt gewesen, durch seine Gurken, Wassermelonen,
+Feigen, Aprikosen, vorzüglich aber durch seine Pistazien, welche der Araber
+die _Tochter des Gedächtnisses_[353] nennt, weil sie gegessen das
+Gedächtniss stärken sollen; als Niederlage indischer Waaren wird Haleb auch
+das kleine Indien genannt.
+
+[Randnote: Eroberung von Haleb und Harim.]
+
+Der Befehlshaber des Schlosses war Moaasem Turanschah, der Sohn Nassir's,
+an welchen die Aufforderung der Mongolen erging: Wir wollen euch Nichts
+Uebles, lautete die Botschaft, wir suchen nur den König Nassir auf, um uns
+zu schlagen; nehmt also zwei mongolische Vögte an, deren einer in der
+Stadt, der andere im Schlosse residire, so lange noch das Kriegsglück
+unentschieden; wenn wir das moslimische Heer geschlagen, seid ihr uns
+ohnedies als Sklaven verfallen; schmiegt euch daher lieber früher als
+später in's Joch; sollten wir besiegt werden, so steht es euch immer frei,
+unsere Vögte hinaus zu werfen, oder wenn ihr lieber wollt, sie zu tödten.
+Moaasem's Antwort war eines Ejubiden würdig: er habe für die Mongolen
+Nichts, als sein blankes Schwert. Auf diese Antwort umzingelten die
+Mongolen die Stadt, besetzten die Brücken, bei deren Vertheidigung
+Esededdin, der Sohn Soheir's, des Sohnes Nassireddin's, fiel. Das Schwert
+wüthete durch fünf Tage, von Sonntag bis Freitag, bis Hulagu's Befehl dem
+Morden Einhalt that; nur sechs Gebäude waren durch besondere
+Sicherheitsbriefe von der allgemeinen Plünderung ausgenommen[354], nämlich
+vier Häuser von Prälaten, das Kloster der Ssofi und die Synagoge der Juden,
+aber weder die griechische noch die syrische Kirche. Während Abulfaradsch,
+der Syrer, welcher die Geschichte dieses Feldzugs als Augenzeuge
+beschrieben, als Abgesandter der Christen an Hulagu im Sternschloss
+aufgehalten ward, drangen die Tataren in die Stadt ein und metzelten die
+Christen nieder, die sich in die griechische Kirche geflüchtet, bis auf
+wenige, welche der armenische Priester Toros rettete[355]. Das Blutbad war
+gross und grösser, als zu Bagdad[356]; die Zahl der in den verschonten
+Gebäuden Geretteten belief sich auf fünfzigtausend[357]; das Schloss ward
+mit Wurfmaschinen beschossen. Die Emire Kurchan, Adschu Sukurdschi und
+Ssadik Gurdschi wurden verwundet. Hulagu beschenkte sie und sagte: Wie die
+rothe Farbe die Schminke der Weiber, so ist die Schminke der Männer das
+Blut[358]. In dem Schlosse wurden Mehrere, als des Einverständnisses mit
+den Mongolen verdächtig, getödtet; über zwei Monate[359] hatte die
+Belagerung gedauert, als der Besatzung freier Abzug gestattet ward. [RN:
+11. Rebiulachir 659/6. April 1261] Die Emire der ägyptischen Mamluken,
+welche sich unter der Besatzung befanden, wurden der Sorge eines
+Kipdschaken empfohlen, welcher vormals bei Nassir, dem Herrn Haleb's,
+Schutz gesucht, von demselben gütig aufgenommen, jedoch, weil es ihm in
+Syrien nicht gefiel, wieder zu den Mongolen übergegangen war. Ausrufer
+verkündeten, dass es den Moslimen erlaubt sei, in ihre Wohnungen
+zurückzukehren, und dass ihnen Niemand Etwas in den Weg legen solle. Hulagu
+ernannte zum Vogte Fachreddin, den Mundschenken, und Tokal Bachschi, liess
+den ersten in der Folge, als sich die Einwohner über seine Erpressungen
+beklagten, hinrichten, und gab die Stelle dem Seineddin Hafis[360]. Nun kam
+Melikol-Eschref Musa, der Herr von Himss, welchem Nassir, wie vordem gesagt
+worden, die väterliche Stadt weggenommen und ihm dafür Telbaschir gegeben
+hatte, und der mit Nassir und dessen Bruder bei Annäherung der Mongolen aus
+Haleb nach Aegypten geflohen, um sich dem Eroberer huldigend zu Füssen zu
+werfen. Hulagu empfing ihn gnädig und setzte ihn in das ihm entrissene
+Fürstenthum von Himss wieder ein; auch erschien Mohijeddin, der Sohn
+Seki's, der Richter von Damaskus, um ihm die Huldigung der Stadt
+darzubringen; Hulagu empfing ihn ehrenvoll und sandte ihn nach Damaskus mit
+goldenen Ehrenkleidern für die Gesetzgelehrten zurück. Er theilte dieselben
+dort in öffentlicher Versammlung aus und las das Jerligh vor, welches ihm
+die Stelle als Richter von Damaskus verlieh[361]. Nachdem Haleb's
+Einrichtung getroffen war, wandte sich Hulagu gegen Harun, welches unter
+dem Namen _Harim_ aus der Geschichte der Kreuzzüge bisher besser als seine
+Lage bekannt, durch mehrere Schlachten berühmt; von den Christen
+eingenommen, von Nureddin belagert und erstürmt, fiel es wieder in der
+Kreuzfahrer Hände, denen es Ssalaheddin entriss[362]. Es liegt zwischen
+Haleb und Antiochien, zwei Tagreisen von jenem und eine von diesem
+entfernt, und ist besonders seiner herrlichen Granatäpfel willen berühmt,
+welche die saftigsten Syriens[363]. Die Besatzung erklärte, sie wolle sich
+an Niemanden als an Fachreddin, den Naib (Stellvertreter des Richters) von
+Haleb, ergeben, welcher, herbeigerufen, ihre Uebergabe im Namen Hulagu's
+empfing; diesen aber wurmte der ihm hierdurch zugefügte Schimpf so sehr,
+dass er trotz des zugesicherten Lebens alle Einwohner mit Weib und Kind
+erwürgen liess. Den Sultan von Himss, Melikol Eschref, sandte er nach Hama,
+dessen Emire, nachdem ihr Sultan Melik Manssur sich nach Damaskus
+geflüchtet hatte, dem Hulagu die Schlüssel der Stadt überbracht und um
+einen mongolischen Vogt gebeten. Er sandte ihnen den Wesir Chosrewschah,
+der seinen Stamm vom Schwerte des Islams von Chalid, dem Sohne Welid's, dem
+berühmten Feldherrn der beiden ersten Chalifen, dem Eroberer Syriens,
+herleitete[364]. Melik Eschref erhielt von Hulagu den Auftrag, die Mauern
+Hama's und die seiner eigenen Stadt Himss zu zerstören. Melikol Eschref
+verfuhr schonungslos zu Hama, wo er die Mauern des Schlosses schleifte, das
+Arsenal verbrannte, die schöne Bibliothek versteigerte und auch die Mauern
+der Stadt gebrochen haben würde, wenn nicht ein Franke dem mongolischen
+Zerstörer, dem Perser Chosrewschah, vorgestellt, dass die Nachbarschaft der
+Christen zu _Hossnol Ekrad_ es nicht rathsam mache, die Stadt ihres Walles
+zu entmanteln. Nicht so genau vollzog Melikol Eschref die Befehle Hulagu's
+in seiner eigenen Stadt Himss, wo er nur Weniges zum Scheine abbrach, sein
+übriges Erbe verschonend[365].
+
+[Randnote: Miafarakain.]
+
+Ehe wir die Erzählung des syrischen Feldzugs weiter verfolgen, wenden wir
+uns nach Mesopotamien zurück, wo Hulagu auf seinem Durchzuge seinen Sohn
+Jaschmut mit einer Heeresabtheilung belagernd vor der Stadt Miafarakain
+gelassen, welche nordöstlich von Diarbekr gelegen. _Miafarakain_, das
+südlich demselben gelegene _Hossnkeif_ und das noch südlichere, am Berge
+_Dschudi_ oder _Masius_ gelegene _Mardin_, das alte _Merde_, drei der
+festesten Horte des arabischen Irak und Gränzfestungen des byzantinischen
+und persischen Reichs, wollen ihrer Wichtigkeit wegen vom Leser dieser
+Geschichte näher gekannt sein. Das erste, auf armenisch _Nefrgerd_, auf
+griechisch die _Stadt der Martyrer_ geheissen, ist vielleicht das alte
+_Carcatiocerta_, welche die Hauptstadt _Sophiene's_, wie Miafarakain die
+Hauptstadt des Landes Bekr's war[366]; sie liegt am dritten Gränzflusse des
+byzantinischen und persischen Reichs, am Nymphius, der heute der Goldfluss
+heisst[367] und nördlich der Stadt aus einer Quelle entspringt, welche die
+Quelle _Bekr's_ heisst[368]. Die orientalischen Geographen nennen nur ein
+einziges Denkmal der Stadt, aber dieses einzige macht viele andere zum
+Ruhme der Stadt überflüssig und leuchtet hell hervor aus dem Dunkel
+unbekannter Martyrer, von denen die Stadt den armenischen und griechischen
+Namen hat; es ist das Grabmal _Seifeddewlet's_, d. i. des Reichsschwerts,
+des grossen Fürsten der Beni Hamdan, dessen zahlreiche glückliche und
+unglückliche Kämpfe gegen das byzantinische Reich, dessen Kriegsthaten in
+Asien von Haleb bis an die Ufer des Bosporos die Geschichte erzählt und
+Motenebbi in unsterblichem Gedichte verherrlicht hat. Hier ist das
+eigentliche Land Bekr's, von welchem die spätere Hauptstadt desselben, Amid
+oder Diarbekr, den heutigen Namen trägt. Ursprünglich der Sitz des Stammes
+_Bekr Ben Wail_, dann der Könige von _Kinde_, aus welchen _Amrolkai's_,
+einer der sieben grössten Dichter vor Mohammed, um des von den Beni Esed
+erschlagenen Vaters Tod zu rächen, Bundesgenosse des griechischen Kaisers,
+zuletzt von seinen Feinden im Bade mittels vergifteten Kleides getödtet.
+Nach der Eroberung unter dem Chalifate Omar's herrschten hier die Dynastien
+der _Beni Merwan_ und _Beni Ortok_, und als Hulagu's Heer vor Miafarakain
+belagernd erschien, war dasselbe seit siebzig Jahren in den Händen eines
+Zweiges der Beni Ejub, deren vierter Herrscher, Melikol Kjamil, durch die
+Hinrichtung des Gesandten und durch die Verweigerung der Unterwerfung unter
+die Macht des Kaan's und Ilchan's gesichert. Als Prinz Jaschmut mit den
+beiden ihm untergebenen Feldherren, _Ilkai Nujan_ und _Suntai_, zur
+Uebergabe aufforderte, antwortete er: der Prinz möge nicht kaltes Eisen
+schmieden und Unmögliches nicht erwarten. Ist er nicht der Sohn des Vaters,
+der dem Chorschah (dem Fürsten der Assassinen), dem Chalifen von Bagdad,
+dem Hosameddin Aka (dem Befehlshaber von Deriteng) und dessen Sohne
+Tadscheddin (dem Befehlshaber von Irbil) das gegebene Wort gebrochen[369]
+und sie trotz des gewährten sicheren Geleites getödtet hat? Da mich
+gleiches Loos erwarten würde, wie sie, will ich mich bis auf den letzten
+Odemzug vertheidigen. Er öffnete seine Schätze und Magazine der Besatzung
+und sagte ihnen: Theilt euch darein, denn ich bin nicht, Gott sei Dank! der
+Chalife Moteaassim, dessen Geiz die Ursache von Bagdads Ruin. Wurfmaschinen
+wurden wider Wurfmaschinen aufgepflanzt und zwar mit so grosser Genauigkeit
+der Richtung der einen gegen die andere, dass die geschleuderten
+Felsenstücke mehrmals in der Luft zusammenstiessen und, durch den
+Zusammenstoss zerschmettert, als Kies und Sand herunterregneten. Endlich
+gelang es den Belagerten, die Wurfmaschinen der Belagerer mittels
+geschleuderten Naphtafeuers zu verbrennen.
+
+[Randnote: Eroberung von Miafarakain und Hossnkeif.]
+
+Hulagu, von dem Widerstande Miafarakain's unterrichtet, sandte den Oroktu
+mit dem Befehle, dass der Prinz und das Heer so lange weile, bis die Stadt
+durch Hunger zur Uebergabe gezwungen seyn würde. Dieser Zeitpunkt trat
+ein; einen ganzen Monat lang schon ass die Besatzung nichts als Hunde,
+Katzen, Mäuse und Ratten, zuletzt Leichname der Erschlagenen. Da schrieben
+die wenigen, noch vom Tode Verschonten an Jaschmut: »Die Lebensmittel sind
+ausgegangen und die Stadt ist ihrer Vertheidiger entblösst; wenn jetzt die
+Reiter kommen, werden sie keinen Widerstand finden.« Der Prinz sandte den
+Oroktu, und dieser fand nur siebzig halb verhungerte, halb durch Wunden
+verstümmelte Männer, die sich nicht mehr vertheidigen konnten; nur zwei
+Reiter, die während der ganzen Belagerung in wiederholten Ausfällen Wunder
+der Tapferkeit gethan, kämpften auch nun mit vorgehaltenen Schilden gegen
+der Feinde Uebermacht, bis sie derselben erlagen. Melik Kjamil wurde mit
+seinem Bruder an Hulagu gesandt, der damals zu Tellbaschir (das Turbeysel
+der Kreuzfahrer in der Nähe von Haleb); Hulagu überhäufte ihn mit Vorwürfen
+über seinen Undank und seine Treulosigkeit, dass er den Gesandten des
+Kaan's, der ihm Diplom und Löwenkopf gesandt, getödtet. Er befahl, ihm
+Riemen Fleisches aus dem Leib zu schneiden und in den Mund zu stecken; der
+abgeschnittene Kopf wurde als Trophäe in den syrischen Städten zu Haleb,
+Hama und Damaskus unter Musik herumgetragen und in der letzten Stadt an
+einem Fenster des Stadtthores, welches das Thor des Paradieses heisst,
+aufgehängt[370], erst nach Abzug der Mongolen in dem Grabmale Husein's
+beigesetzt. [RN: 7. Dschem. ewwel 658/21. April 1260] Der Scheich
+Schihabeddin, als Dichter unter dem Namen _Abu Schama_, d. i. Vater des
+Muttermaals, berühmt, beweinte dessen Tod in einer berühmten Kassidet,
+woraus die Verse:
+
+ Der Sohn des Kämpen kämpfte wider die Barbaren,
+ Die in Irak aus rauhen Kehlen schnarren;
+ Hellstrahlend und erhaben in Gefahren,
+ Starb er den Martyrtod erst nach zwei Jahren.
+ Entehrt ward nicht sein Haupt durch die Fanfaren,
+ Womit auch das _Husein's_ ward gefahren;
+ Es ruht bei ihm nach Abzug der Tataren;
+ Im Leben und im Tode gleich Verfahren.
+
+Gleiches Schicksal mit dem Fürsten von Miafarakain hatte sein Vetter
+Mowwahid, der Sohn Turanschah's, des letzten Sultans der Beni Ejub in
+Aegypten, der Herr des festen Schlosses von _Hossnkeif_, welches zur selben
+Zeit wie Miafarakain fiel und dessen Fürst ebenfalls von den Mongolen
+getödtet ward. _Hossnkeif_ oder _Hissnkeifa_, von den Byzantinern das
+Schloss des _Kiphas_ genannt[371], liegt auf dem westlichen Ufer des
+Tigris, auf dem Wege von Miafarakain nach Mossul[372]. Die Stadt hängt mit
+dem auf einem hohen Berge gelegenen Schlosse mittels einer Brücke zusammen;
+bevor dasselbe der ejubidische Emir Merd Mahmare befestigte, hiess es bei
+den Arabern _Rasol Ghul_, d. i. das Dämonenhaupt, weil es, wie im Sternbild
+des Perseus das Haupt der Gorgone, welches der Araber ebenfalls
+_Dämonenhaupt_ nennt, fürchterlich und hoch vom Himmel herunterdroht. Nach
+der arabischen Legende soll der Name Hossn oder Hissn Keifa ursprünglich
+_Hasan Keifa_ gelautet haben, und zwar aus folgendem Anlasse: Ein Wackerer,
+Namens Hasan, im Schlosse gefangen gehalten, erbat sich beim Emire eines
+Tages die Erlaubniss, eine seiner Stuten auf dem Schlosshofe zu tummeln;
+die Erlaubniss wurde gewährt; Hasan tummelte und tummelte das Pferd und
+setzte damit zuletzt in toddrohendem Sprunge über die Mauer, mit dem Pferd
+hinunterstürzend in den Tigris, den er glücklich durchschwamm. Da erscholl
+der Zuruf der Bewunderung solcher Tollkühnheit: _Hasan Keifa!_ d. i. Hasan
+Wohlauf! und der Name blieb dem Schloss. Vielleicht ist es dasselbe mit dem
+alten persischen _Schlosse der Vergessenheit_, worin Prinzen und andere
+Staatsgefangene zu ewiger Vergessenheit eingekerkert worden, und dessen die
+byzantinischen Geschichtschreiber mehrmals erwähnen[373]; da aber jenes auf
+persisch _Gilgerd_[374] genannt wird, so ist es weit wahrscheinlicher, dass
+dasselbe eins mit einem der festesten Schlösser der Assassinen, mit
+_Girdkjuh_, dem _Tigado_ Hethum's[375], das länger als alle anderen
+aushielt[376].
+
+[Randnote: Mardin's Belagerung.]
+
+Nach Miafarakain's und Hossnkeif's Eroberung befehligte Hulagu seinen Sohn
+Jaschmut und die ihm beigegebenen Emire wider Mardin, die Residenz Melik
+Said's, des Fürsten der Familie Ortok, von denen die ältere Linie zu Amid
+und auch zu Hossnkeif geherrscht, ehe das letzte in den Besitz der Ejubiden
+kam. Mardin ist das alte Marde, der Sitz des kriegerischen, störrigen
+Stammes der Marden, welche der persische König _Arsaces_ theils hierher,
+theils nach dem Libanon verpflanzte, deren Wohnsitze sich später bis nach
+Satalia an der cilicischen Küste ausdehnten[377] und deren Nachkommen, im
+Peloponnesos angesiedelt, noch heute in dem tapfersten Stamme der Schipetar
+oder Albanesen in den Mirdaiten fortleben. Der Berg _Masius_, sogenannt von
+seinen Eichenwäldern [auf persisch Masu[378]], ehemals _Izale_, dann von
+den Arabern Dschudi genannt, ist eine Raubhöhle der verschiedenartigsten
+Stämme und Secten, welche zu verschiedenen Zeiten die Freiheit ihres
+verfolgten Cultus in die Eichenwälder und Schluchten dieses Berges
+gerettet, an dessen steilstem Ende nach der moslimischen Ueberlieferung die
+Arche Noah's sitzen geblieben und von wo aus er mit seinen Söhnen in die
+Ebene Mesopotamiens heruntergestiegen sein soll. Sunni und Schii,
+katholische und schismatische Armenier, Jacobiten, Nestorianer, Chaldäer
+und Juden, Sonne-, Feuer-, Kalbs- und Teufelsverehrer wohnen hier einander
+über den Köpfen; denn die Stadt steigt in Terrassen auf und die Häuser
+stehen alle eines ober dem anderen, so dass Dächer und Thore in einer
+senkrechten Linie sich übereinander erheben; die zahlreichste Bevölkerung
+Kurden, Jesidi, welche dem Teufel göttliche Ehre erweisen, wahrscheinlich
+Nachkommen der Marden, welche vermuthlich zur altpersischen Secte gehörten,
+die das böse Princip anbetete. Wenn irgendwo in Asien noch Spuren der
+Ungarn anzutreffen sein sollen, so dürften dieselben ausser Sibirien noch
+in den Eichenwäldern des Masius in dem Volksgemische der Umgegend zu suchen
+sein, denn hierherum kennt Theophylaktus das Schloss der _Magyaren_ und den
+Pass der _Sabiren_, welche die Namen der Ungarn, die bei dem Auszuge aus
+dem Lande zwischen der Wolga und dem Dniepr sich südlich nach Persien
+wandten[379]. Melik Said, Fürst der Familie Ortok, beantwortete mit
+gleichem Muthe und in gleichem Sinne, wie die Herren von Miafarakain und
+Hossnkeif, die Aufforderung Jaschmut's: »Ich hatte den Sinn, mich euch zu
+unterwerfen, aber die Art, wie ihr die, so sich euch ergaben, behandelt,
+hat meinen Sinn geändert; an lobenswerthen, an tapferen Kurden und Türken
+fehlt es mir, Gott sei Dank! nicht.« Oroktu pflanzte also die Wurfmaschinen
+auf, welche acht Monate fruchtlos die steile Bergfeste beschossen. Die
+Mongolen rächten sich für den tapferen Widerstand des Schlosses durch die
+Plünderung der Stadt und der nächstgelegenen Städte Ersen und Dinsar. Der
+ältere der beiden Söhne Said's, Mosafereddin, hatte zu wiederholtenmalen
+dem Vater fruchtlose Vorstellungen wider die längere Vertheidigung gemacht;
+endlich räumte er dessen längeren Widerstand durch Gift aus dem Wege und
+begab sich in's Lager, sich selbst als Vatermörder aus Menschenliebe
+angebend, weil er überzeugt, dass das Schloss doch endlich der Uebermacht
+der Eroberer weichen müsse, durch den Tod des Einen das Leben von Tausend
+habe bewirken wollen. Der Vatermörder fand Gnade vor Hulagu, der ihm des
+Vaters Herrschaft verlieh; seine Nachkommen erhielten dieselbe als zahme
+Vasallen der Ilchane. Hundert dreissig Jahre nach dieser Unterwerfung
+trotzte Sultan Isa, der letzte des grossen Herrschergeschlechtes der Beni
+Ortok, noch den welterobernden Waffen Timur's, der von den fruchtlos
+Belagerten die gewöhnliche Neunzahl der Geschenke und das Versprechen
+jährlichen Tributs annahm[380]. Die Dynastie der Beni Ortok erlosch fast
+gleichzeitig mit der der Beni Ejub zu Hossnkeif, wo nach Mowwahid's
+Hinrichtung dessen Nachkommen das Schloss ebenfalls als Vasallen der
+Mongolen besassen, bis der achte derselben der aufsteigenden Dynastie der
+Bajandere, d. i. des weissen Hammels, erlag, deren Gründer _Kara Juluk_,
+d. i. der schwarze Blutegel, von Timur mit der Herrschaft von Amid und
+Mardin belehnt ward[381]. Zwei der Zweige der Beni Ejub wurden also als
+Vasallen der Mongolen zu _Hossnkeif_ und _Himss_ geduldet, während die
+Dynastien der beiden anderen von _Miafarakain_ und _Haleb_ mit ihren
+Hauptstädten zu Grunde gingen. Ehe wir das Ende des mächtigsten dieser
+Fürsten, nämlich Nassir's von Haleb, als Folge der Niederlage von
+_Aindschalut_ erzählen, erwähnen wir noch einmal des Fürsten von Mossul.
+
+[Randnote: Ssalih's, des Sohnes Bedreddin Lulu's, Empfang und Ende.]
+
+Bedreddin Lulu, der sechs und neunzigjährige[382] Greis, der vierzigjährige
+Herrscher von Mossul, welchen Hulagu in Anbetracht seines hohen Alters der
+Pflicht, im letzten Feldzuge persönlich zu erscheinen, enthoben und seiner
+statt seinem ältesten Sohn Ssalih der Belagerung Miafarakain's beizuwohnen,
+aufgetragen hatte, war während derselben gestorben. Bedreddin Lulu, d. i.
+Vollmond-Perle, erst Sklave des sechzehnten Atabegen von Mossul, dann
+Obersthofmeister von dessen beiden Söhnen Mesud und Mahmud, eignete sich,
+nachdem sie bald auf einander gestorben, den Thron selbst an und mass seine
+Macht mit der der Fürsten aus dem Hause Ejub; zuerst mit Ssalih
+Nedschmeddin, dem Sohne Kjamil's, dem Herrn von Sindschar, das er zweimal
+belagerte; das erstemal war er durch das dem Sultan zu Hilfe eilende Heer
+Chuaresmschah's die Belagerung aufzuheben gezwungen; das zweitemal aber
+entriss er die Stadt dem Enkel Melikol aadil's, _Dschewad_; hierauf die
+festen Städte _Nissibin_ und _Dara_ den Händen der Chuaresmier, den Sohn
+Melik Ssalih's, den nachmaligen letzten Herrscher der Beni Ejub in
+Aegypten, aus der Gefangenschaft der Chuaresmier befreiend. [RN: 637/1239]
+Zehn Jahre hernach wurden ihm diese Städte von dem wider ihn gesandten
+Heere Nassir's von Haleb wieder abgenommen[383]. Seiner Unterwürfigkeit und
+Huldigung gegen Hulagu ist schon oben Erwähnung geschehen. Nach seinem Tode
+wurden seine drei Söhne, Ssalih, Mosaffer Ali und Melik Modschahid, von
+Bondokdar, dem Sultane Aegyptens, mit den Fürstenthümern von _Mossul_,
+_Sindschar_ und _Dschesiret Ben Omar_ belehnt. Ssalih wurde in's Lager
+gefordert und die Tochter Dschelaleddin Chuaresmschah's, welche ihm Hulagu
+früher vermählt, wurde zur Huldigung nach Syrien gefordert; dort nahm sich
+seiner Rokneddin Beidak an; aber Hulagu sandte den Senedarghun Nujan mit
+einem Tomane mongolischen Heeres, um Mossul zu besetzen und die Schätze
+auszuliefern. Als Ssalih in seine Stadt zurückeilte, fand er alle Wege von
+Mongolen besetzt; er verweilte zu _Dschewsak_, wo ihn die mongolische
+Schlachttrompete aus weichlichem Wohlleben aufschreckte; da eilte er nach
+Mossul und rüstete die Stadt zur Verteidigung wider die Mongolen, die
+Einwohner mit der Hoffnung tröstend, dass sein Beschützer, _Beidak_ der
+Syrer[384], bald zum Entsatze erscheinen werde. Von beiden Seiten flogen
+Felsenstücke und feuerbeschwingte Pfeile; mehrere wackere Mongolen, welche
+bereits die Mauern erstiegen hatten, wurden getödtet und ihre Köpfe in's
+mongolische Lager gepfeilt. Melik Ssalih, von einem Pfeile verwundet, eilte
+in's Lager zu Hulagu, um ihm von dieser halsstarrigen Empörung Ssalih's
+Kunde zu geben. Beidak, von der üblen Lage seines Schützlings unterrichtet,
+sandte ihm Truppen zu Hilfe, die von Sindschar aus durch Taubenpost von
+ihrer nächsten Ankunft Wort sandten. Die Taube ward von einem Mongolen
+geschossen, der Brief dem _Senedarghun Nujan_ gebracht. Er legte sich in
+Hinterhalt, schlug die von Beidak zu Hilfe gesandten syrischen Truppen und
+steckte die Mongolen in ihre erbeuteten Kleider; unter dieser Verlarvung
+erschienen sie vor den Mauern Mossul's, dessen Einwohner, sie für den
+syrischen Entsatz haltend, ihnen entgegen gingen, aber alle niedergemacht
+wurden; dennoch hielt sich die Stadt noch sechs Monate, bis die Sonne in
+ihrer höchsten Hitze, im Löwen, und die Hungersnoth in der Stadt aufs
+Höchste gestiegen. Da verliessen die Vertheidiger Mossul's, durch Hunger
+gezwungen, die Stadt und wurden vom Schwerte der Mongolen gefressen. Ssalih
+unterhandelte nun die Uebergabe um Schonung des Lebens und sicheres Geleite
+an Hulagu. Senedarghun[385] verhiess und gewährte beides, aber nur der
+Person Ssalih's, denn die Besatzung wurde bis auf Wenige zusammengehauen.
+Neun Tage dauerte das Morden, die Stadt ward entvölkert, nur nach Abzug der
+Mongolen kamen etwa Tausend, die sich in's Gebirg gerettet hatten, wieder
+in die Stadt zurück. [RN: 5. Schaaban 660/27. Januar 1262] Hulagu war über
+Ssalih's Empörung so ergrimmt, dass er an demselben ein Beispiel mehr als
+gewöhnlicher, ekelhafter, unmenschlicher Grausamkeit aufstellte; er wurde,
+das Gesicht auf die Schaam gebunden, in einen Filz gewickelt und in die
+Sonne geworfen; so musste er elend verschmachten; sein dreijähriger Sohn
+wurde nach Mossul gesendet, am Ufer des Tigris entzweigehauen und die zwei
+Hälften auf den beiden Seiten des Flusses aufgehangen, bis sie verfault,
+abfielen. Solche echt mongolische Grausamkeit schändet den Ruhm Hulagu's,
+welchem sein Volk den Ehrennamen _Ssain Adschu_, d. i. der
+Schwierigkeitenlöser, beilegte, welcher mit seinen Söhnen für das
+_Hemd_[386] des mongolischen Reichs galt, während alle anderen Prinzen nur
+als Oberkleider[387] angesehen wurden.
+
+[Randnote: Hulagu's Aufbruch von Haleb, Keitbuka zu Damaskus.]
+
+Hulagu befand sich nach der Eroberung von Damaskus, mit den Plänen
+weiterer ägyptischer Eroberung beschäftigt, zu Haleb, als er die Nachricht
+von dem Tode seines Bruders, des grossen Kaan's Mengku, erhielt. Er brach
+sogleich auf, wie es scheint in der Absicht, die oberste Herrschaft des
+Reichs im Kurultai zu Karakorum für sich selbst anzusprechen, erfuhr aber
+schon zu Tebris, dass sein Bruder Kubilai zum _Kaan_ und _Moilchan_
+ausgerufen worden, und kehrte in der Folge wieder nach Haleb zurück. Ehe er
+Haleb verlassen, befahl er die Schleifung der Mauern und des Schlosses von
+Haleb, was vollzogen ward; den Oberbefehl über das Heer liess er in den
+Händen Keitbuka's, des bisherigen Befehlshabers des Vortrabs. Dieser war im
+zauberischen Thale von _Ghuta_ gelagert, welches durch die üppige Fülle
+seines Grüns und Baumwuchses eines der vier Paradiese des Ostens (die drei
+anderen sind die Auen von _Obolla_ an der Mündung des Euphrats, das
+Zauberthal _Schaab Bewwan_ in Fars und die Ebene von _Soghd_ im Lande
+jenseits des Oxus). Wiewohl diese vier vorzugsweise die Paradiese des
+Ostens heissen, so zählen doch genauere Geographen und eifrige Moslimen
+deren acht, indem nach der Lehre des Koran's die Zahl der Höllen sieben,
+die der Paradiese aber acht, indem Gottes Grimm minder als seine Huld und
+jenseits wie diesseits verdiente Strafe von unverdienter Gnade überwogen
+wird. Diese vier anderen Paradiese sind das Thal von _Tebris_[388], das von
+_Mamschanrud zu Hamadan_, der Sommeraufenthalt der Bewohner Malatia's zu
+_Sebusi_[389], dem vom Flusse des Messias bewässerten Thale, und endlich
+das des _Bosporos_, dessen Schönheiten nach dem bekannten Distichon des
+türkischen Dichters _Melhemi_ die Schönheiten der vier ersten Paradiese
+weichen müssen[390]. Im schönen Thale von Ghuta gelagert, empfing Keitbuka
+Gesandte der Franken, welche ihm den Prinzen _Sahir_, den Bruder Jusuf
+Nassir's, des ehemaligen Sultans von Haleb, zuführten. Keitbuka bestätigte
+ihn im Besitze seines Leibgedinges, nämlich der Herrschaft von
+_Ssarchad_[391]; eine Heeresabtheilung wurde unter Kuschluchan's Befehl
+gegen Nablus (Neapolis) gesandt, das alte, zwischen den Bergen _Garazin_
+und _Tobal_, welche die Kibla der Samaritaner, gelegene _Sichem_[392], und
+die Besatzung, welche ausfiel, zusammengehauen. Die Mongolen kehrten das
+grosse syrische Gestade bis hinunter nach Ghasa sengend und brennend aus.
+_Panias_[393], die anderthalb Tagreise nordöstlich von Damaskus gelegene
+kleine Stadt, wurde verheert. Während dieser Begebenheiten ward Keitbuka
+Herr von Nassir's, des flüchtigen Sultan's von Haleb, Person. Nur von
+seinem Bruder Sahir, dem Melik Ssalih Nureddin, dem Sohne des Herrn von
+Himss, und drei kaimarischen (richtiger kimerischen) Emiren (gebornen
+Chuaresmiern) begleitet, war er bis nach Kathije an Aegyptens Gränze
+gekommen, von wo, sich nicht weiter in's Land wagend, er nach Schaubek und,
+alles seines Gepäckes und Gefolges verlustig, sich nach _Kerek_ und von da
+nach _Belka_ begab. Durch zwei kurdische Hellebardiere an Keitbuka
+verrathen, wurde er am See von Sisa ergriffen und vor Keitbuka geführt, der
+belagernd vor _Adschalun's_ Mauern stand. Keitbuka zwang ihn, den
+Belagerten den Befehl der Uebergabe zuzurufen; die Stadt ergab sich und die
+Mauern derselben, welche Iseddin, einer der Emire Ssalaheddin's,
+erbaut[394], wurden geschleift. Keitbuka sandte den Sultan Nassir mit
+seinem Bruder _Sahir_, mit _Ssalih_, dem Sohne des Sultans von Himss, und
+mit _Asis_, dem minderjährigen Sohne von Moghis, dem Sultan von Kerek, nach
+Tebris in die Gegenwart Hulagu's. Dieser empfing die vier Prinzen des
+Hauses Ejub gnädig und versprach dem Sultan von Haleb, ihm sein väterliches
+Erbe zurückzustellen, sobald Aegypten im Besitze des mongolischen Heeres.
+
+[Randnote: Keitbuka's Stellung gegen die Kreuzfahrer in Aegypten.]
+
+Wiewohl Keitbuka wie Hulagu die Christen als die Feinde seiner Feinde, der
+Moslimen, begünstigte, so ergrimmte er doch wider die Franken von Sidon und
+Beaufort, welche einige den Mongolen zinsbare, im Gebiete von Beaufort
+gelegene saracenische Ortschaften geplündert, mehrere der Bewohner
+getödtet, andere in Gefangenschaft geschleppt, einen Neffen Keitbuka's,
+welcher an sie gesendet worden, um die gemachte Beute zurückzubegehren,
+erschlagen hatten und dem Keitbuka Zurückstellung der Beute und Genugthuung
+verweigerten. Keitbuka züchtigte sie dafür durch die Eroberung von Sidon
+und die Schleifung eines Theiles der Stadtmauer. Die Einwohner flüchteten
+in die nächst der Stadt auf einer Insel gelegene Burg. Durch diese
+Feindseligkeit wurde das bisherige Zutrauen der syrischen Christen und
+Mongolen für immer zerstört[395]. Die politische Zuneigung Hulagu's für die
+Christen ward hauptsächlich durch die Frauen, durch die Frau Tokus, die
+erste Gemahlin und grosse Frau Hulagu's, seine Begleiterin auf diesem
+Feldzuge, und durch Hethum, den König Kleinarmeniens, bestärkt. Diesem
+dankte sein Eidam, der Prinz von Antiochien, einzig seine Rettung, indem
+sonst nach Haleb's Ruin der Antiochien's wohl unvermeidlich gewesen wäre.
+Hulagu sandte ihm aber Geschenke und Diplom, wodurch der Fürst von
+Antiochien wieder in den Besitz aller, zu seinem Fürstenthume gehörigen,
+ihm von den Saracenen entrissenen Ortschaften eingesetzt ward[396]. Der
+grössere Theil des mongolischen Heeres war theils in Mesopotamien, mit der
+Belagerung oder Huth der dortigen Städte beschäftigt, theils in Syrien zu
+Grunde gegangen, theils dem Hulagu bei seinem Aufbruche von Haleb gefolgt;
+Keitbuka blieb mit nicht mehr als zehntausend Mongolen zur Eroberung
+Aegyptens oder doch wenigstens zur Huth Syriens wider Aegypten zurück[397].
+Keitbuka war zu Damaskus auf die Vertheidigung und den Schutz Syriens
+bedacht, als er die Nachricht von dem Anmarsche des Sultans von Aegypten,
+_Mois Seifeddin Kotos_, erhielt, in dessen Gefolge sich _Melik el Manssur_,
+der Sultan von Hama, mit seinem Enkel _Efdhal_, dem Vater Abulfeda's, des
+grossen Geographen, Geschichtschreibers, und andere moslimische Fürsten
+befanden, welche sich bei der Annäherung der Mongolen nach Aegypten
+geflüchtet und bei dem Sultane der Mamluken vom Nile den Schutz gesucht,
+den ihnen ihre Uneinigkeit wider die Mongolen nicht gewährte. _Kotos_, der
+erst seit einem halben Jahre auf dem Throne sass, war der dritte der
+Sultane Mamluken, welche denselben seit dem, der Gefangenschaft des
+heiligen Ludwig gleichzeitigen, Ruine des Hauses Ejub gefüllt; denn nachdem
+Melikolmoaasem Turanschah in dem Aufruhre der Mamluken zwischen Gluth und
+Fluth, halb versengt und halb ertränkt[398], endlich von den Pfeilen der
+Rebellen ereilt, geendet hatte, war die Herrschaft Aegyptens erst in den
+Händen der Frau _Schedschreteddurr_, d. i. Perlenbaum, der Gemahlin
+Ssalih's, des vorletzten Sultans der Beni Ejub, und ihres Gemahls, des
+Turkmanen _Iseddin Aibek Dschaschnegir_, d. i. Glaubensehre, Mondfürst,
+Truchsess, den sie aber selbst durch ihre Sklavinnen im Bade ersticken
+liess, als sie vernommen, dass er die Tochter Bedreddin Lulu's von Mossul
+zur Gemahlin nehmen wolle. Seine Mamluken setzten dessen fünfzehnjährigen
+Sohn auf den Thron und rächten des Vaters Mord durch den der Frau
+Perlenbaum, deren Leichnam aus der rothen Burg[399], in der sie
+unumschränkt befahl, hervorgezogen, nackt in den Graben geworfen ward. An
+der Spitze der Bluträcher stand der Emir Atabeg, Oberbefehlshaber des
+Heeres Seifeddin Kotos, welcher unter dem scheinbaren Grunde, dass der
+Mongolen drohende Gefahr statt des unerfahrenen Jünglings einen kräftigen
+Mann zum Herrscher Aegyptens dringend fordere, den Sohn Aibek's schon nach
+dritthalb Jahren des Thrones, worauf er ihn gesetzt, entsetzte und diesen
+selbst als Sultan Aegyptens einnahm.
+
+[Randnote: Begebenheiten zu Damaskus; Mord der mongolischen Botschafter zu
+Kairo.]
+
+Am dritten Sonntage des Monats Ssafer waren die Abgeordneten Hulagu's, vom
+Richter _Muhijeddin Ben Seki_ begleitet, angekommen, welcher sich nach
+Haleb begeben hatte und dort von Hulagu zum Oberrichter ganz Syriens
+ernannt worden war. [RN: 19. Ssafer 658] Am folgenden Morgen versammelten
+sich die Bewohner ohne Furcht in der grossen Moschee; _Ibn Seki_, mit dem
+Ehrenkleide Hulagu's angethan, las den versammelten Rechtsgelehrten das
+Diplom der Investitur (_Taklid_) des mongolischen Herrschers und die
+Fermane, wodurch den Bewohnern von Damaskus Sicherheit ihres Lebens und
+Gutes versprochen ward. [RN: 16. Reb. ewwel 658/3. März 1260] In der Hälfte
+des folgenden Monates waren die Generale Hulagu's an der Spitze einer
+zahlreichen Truppenabtheilung von Tataren im Geleite _Keitbugha Nujan's_
+erschienen und bald darauf wurde durch ein Diplom der Richter _Kemaleddin
+Omer_ von Tiflis zum Stellvertreter der richterlichen Gewalt
+(_Naibol-hukm_) ernannt, so dass er als Richter der Richter in den Städten
+Syriens zu Mossul, Mardin und Miafarakain Recht sprach. Dasselbe Diplom
+verlieh ihm die Aufsicht der Moscheen und der frommen Stiftungen. Die
+Tataren hatten indessen ganz Syrien überschwemmt; sie waren bis _Ghasa_,
+_Beit_, _Dschibrail_, _Hebron_ und _Ssalt_ vorgedrungen, hatten überall
+geplündert und Sklaven gemacht und verkauften die Beute auf den Märkten von
+Damaskus[400]. Die Christen von Damaskus, welche einen besonderen
+Schutzbefehl Hulagu's zu Gunsten freier Religionsübung erhalten hatten,
+übernahmen sich in der ihnen zugestandenen Freiheit gegen die Moslimen,
+indem sie im Ramasan öffentlich auf den Gassen Wein tranken und denselben
+vor den Moscheen ausschütteten; sie zogen mit dem Kreuze durch die Strassen
+und zwangen die Kaufleute, demselben aufzustehen, die sich dessen
+Weigernden misshandelnd; Prozessionen zogen mit dem Kreuze nach der Kirche
+der heiligen Jungfrau, von deren Kanzel der Triumph des Christenthums über
+den Islam verkündet ward. Die gekränkten und misshandelten Moslimen
+beschwerten sich darüber beim mongolischen Statthalter, von dem sie, statt
+Ausrichtung zu erhalten, mit Schlägen abgefertigt wurden; er überhäufte die
+christlichen Priester mit Ehren, besuchte ihre Kirchen und begünstigte
+offenbar das Christenthum. Eine merkwürdige Epoche für die Geschichte
+christlicher Kirchen in Syrien während der mongolischen Herrschaft unter
+der Statthalterschaft Keitbugha's; aber diese dauerte nicht lange, denn
+_Melik Eschref_, der ejubidische Fürst von Himss, erschien mit einem
+Diplome Hulagu's, welches ihn zum Statthalter über ganz Syrien bestellte.
+Indessen hatte der Emir _Bedreddin Mohammed Ben Kermdsche_, der
+Festungsbefehlshaber der Citadelle von Damaskus, und der Emir
+_Dschelaleddin Ben Seirafi_ den Entschluss gefasst, die Thore der Citadelle
+zu schliessen und sich darin wider die Mongolen zu vertheidigen.
+_Keitbugha_ begann die Belagerung des Schlosses. [RN: 6. Rebiulachir
+658/10. März 1260] Dieselbe dauerte fünf und vierzig Tage mitten unter
+fürchterlichen Ungewittern, die mit Erdbeben begleitet waren; mehr als
+zwanzig Wurfmaschinen schleuderten Felsenstücke wider die Mauern, um sie zu
+erschüttern, während eine Menge anderer Häuser durch das Erdbeben
+einstürzten, und mit den Blitzen kreuzten sich die Flammengeschosse des
+Naphta. [RN: 22. Dschem. ewwel/7. Mai 1260] Nachdem die Belagerten endlich
+zu kapituliren begehrt, plünderten die Tataren das Schloss, zündeten
+dasselbe an mehreren Ecken an, schleiften mehrere Thürme und zerstörten
+alle Kriegsmaschinen; von hier zogen sie nach _Baalbek_, wo die Citadelle
+ebenfalls zerstört ward; eine andere Heeresabtheilung verheerte _Bamias_
+und die Umgegend. Hulagu, nachdem er von Haleb abgezogen, liess dort den
+Keitbugha und zu Damaskus den _Baidera_ als Statthalter zurück und führte
+sieben Emire der Mamluken _Bahri_, d. i. derer vom Nile, mit sich. Bald
+darauf erschienen Botschafter Hulagu's mit einem Schreiben[401] an _Kotos_
+voll Drohungen, dessen Inhalt in den folgenden Schlussworten desselben
+zusammengedrängt ist: »Sag' dem Lande Aegypten, Hulagu kommt, begleitet von
+entblössten Degen und schneidenden Schwertern; er wird die Mächtigen
+demüthigen, die Grossen zurechtweisen und die Kinder nachsenden den
+Greisen.« Im gehaltenen Kriegsrathe der Emire wurde beschlossen, die
+Botschafter Hulagu's, es waren deren vier an der Zahl, zu vernichten; vor
+der Hand wurden sie aber nur in den Kerker geworfen[401]. [RN: 15. Schaaban
+658/Juli 1260] Hälfte Schaaban's zog Sultan Kotos, von seinen Truppen
+begleitet, aus dem Schlosse Kairo's gegen Ssalihije aus. Unmittelbar vor
+seinem Auszuge wurden die vier mongolischen Botschafter an vier der
+volkreichsten Plätzen der Stadt, nämlich am Fusse des Schlosses, ausser dem
+Thore _Soweila_[402], dem Thore _Nassr_ und zu _Ridhania_ entzweigehauen,
+ihre Köpfe an dem Thore _Soweila_ aufgehangen; vier bedeutungsvolle
+Stätten, mehr als einmal in der späteren mamlukischen und osmanischen
+Geschichte und bis in unsere Tage herunter durch die Schlachten von Heeren
+und das Schlachten von Menschenopfern blutig befleckt; durch das Thor
+_Nassr's_, d. i. des Sieges, zogen die jeweiligen Eroberer Kairo's
+triumphirend ein, am Fusse des Bergschlosses rann das Blut der letzten, von
+Mohammed Ali veranstalteten Mamlukenvesper; in der Schlacht von _Ridhania_
+zwischen Sultan _Selim_, dem Eroberer Aegyptens, und Sultan Tumanbai, dem
+letzten Sultan der Mamluken, wurde das tragische Schicksal des letzten
+entschieden, und am Thore _Soweila_, wo jetzt die Köpfe der vier
+entzweigehauenen mongolischen Botschafter hingen, baumelte dritthalbhundert
+Jahre später der Kopf _Tumanbai's_, des letzten Sultan's der Mamluken
+Tscherkessen. Im Gefolge der mongolischen Gesandten befand sich ein Kind,
+welches der Sultan begnadigte und unter die Zahl seiner Mamluken aufnahm.
+Wassaf erzählt diese Botschaft und das Sendschreiben derselben auf eine im
+Wesentlichen zwar übereinstimmende, in den Nebenumständen aber abweichende
+Weise. Nach ihm waren nicht vier Botschafter, sondern nur Einer, von
+vierzig Dienern begleitet, und die Botschaft lautete: »Gott hat dem Hause
+Tschengischan's die Weltherrschaft zuerkannt; der sich Uns unterwirft, hat
+sich und seiner Familie Leben und Gut gerettet. Der Ruf Unseres unzählbaren
+Heeres geht demselben wie die Heldensage _Rustem's_ und Isfendiar's voraus;
+sende unterwürfige Botschaft und komme selbst, um einen Vogt in Aegypten zu
+bitten; wenn nicht, so sei gerüstet zum Kriege.« Sultan Kotos berief bei
+Ankunft der mongolischen Botschaft seine sechs chuaresmischen Emire[403],
+welche nach der Zerstörung der chuaresmischen Länder sich von Achlath nach
+Aegypten geflüchtet und hier besonders zur Erhebung Sultans Kotos auf den
+Thron beigetragen hatten. »Hulagu«, sagte er ihnen, »wäre schon in Aegypten
+eingefallen, wenn ihn nicht die Nachricht von des Bruders Tod aus Syrien
+abgerufen hätte; er hat aber den Keitbuka an der Gränze zurückgelassen, der
+das Land wie ein grimmiger Löwe und wüthiger Drache zu verheeren droht und
+dem Niemand zu widerstehen im Stande; was denket ihr hierüber!« Der sechste
+Emir, _Nassireddin Kimeri_[404], von welchem die kimrischen oder
+cimerischen Mamluken ihren Namen haben, sprach: »Es wäre keine Schande für
+uns, dem Hulagu, als dem Sohne Tului's, dem Enkel Tschengischan's, entgegen
+zu gehen; welcher Vernünftige wird sich aber selbst vergiften und
+muthwillig dem Tode entgegen gehen? Die Beweise seiner Treulosigkeit liegen
+in dem Schicksale der Herren von Alamut, Deriteng, Irbil, Miafarakain und
+des Chalifen offen.« Kotos sprach im selben Sinne und endete so: »Mir
+bleibt nur eines von dreien zu wählen übrig: Freundschaft, Feindschaft oder
+Auswanderung.« Alle stimmten für den Krieg. Kotos berieth sich noch
+insbesondere mit _Bondokdar_, dem Emirol umera, dem ersten der ägyptischen
+Mamluken, welcher sich schon seit zehn Jahren dadurch, dass er der erste
+den Todesstreich wider Melik Moaasem, den letzten Herrscher Aegyptens aus
+dem Hause Ejub, führte, Namen und Ansehen erworben und seitdem als Fürst
+der Fürsten behauptet hatte. _Bondokdar_, d. i. der Bogenhalter, der
+Kipdschake, dessen ursprünglich türkischer Name _Beibars_, d. i. Beg
+Panther, und der später als Sultan Aegyptens der Schrecken der Franken in
+Syrien wie der Mongolen, rieth zum Morde des Gesandten; noch in derselben
+Nacht blutete der Gesandte und seine vierzig Begleiter bis auf einen als
+Martyrer mamlukischen diplomatischen Verkehrs; ihre Köpfe wurden am Thore
+_Soweila_ aufgesteckt, und am Morgen brach Kotos mit zwölftausend Reitern
+gegen Syrien auf.
+
+[Randnote: Schlacht von Aindschalut. 25. Ramasan 658/3. Sept. 1260]
+
+Zu _Ssalihije_, dem Vereinigungspunkte des ägyptischen Heeres, fand _Kotos_
+Widerwillen bei seinen Emiren, wider den Feind zu ziehen; mit den Worten:
+»Ich werde allein wider die Tataren ziehen«, schloss er den Kriegsrath,
+indem er bei einbrechender Nacht die Trommeln zum Aufbruche zu rühren
+befahl. Der Emir _Beibars Bondokdari_ (der nachmalige Sultan der Mamluken)
+erhielt den Befehl, mit einer Truppenabtheilung vorauszueilen, um
+Erkundigung vom Feinde einzuziehen. Alsbald er vor den Mauern Ghasa's
+erschienen, wurde die Stadt geräumt. _Kotos_ folgte ihm auf dem Fusse nach;
+aus _Aka_ kamen ihm die Franken mit Anerbietung von Hilfe und Begleitung
+entgegen. Er lehnte den Antrag ab und forderte nur das Versprechen der
+strengsten Neutralität, deren Verletzung er zu züchtigen drohte[405]. Zu
+_Aindschalut_, d. i. am Quelle Goliath's, zwischen _Beisan_ und _Nablus_,
+kam es zur entscheidenden Schlacht. _Keitbugha_ und _Baidera_, die beiden
+Feldherren, Statthalter Hulagu's zu Damaskus und Haleb, hatten alle in
+Syrien befindlichen tatarischen Streitkräfte versammelt. Am ersten Freitag
+des Septembers brauste alsbald nach Sonnenaufgang das ganze weite Thal vom
+Pferdegewieher und Waffengetöse; das Geschrei der Dorfbewohner tönte in den
+unaufhörlich fortrollenden Trommelwirbel der Capelle des Sultans und der
+Heermusik seiner Emire[406]. Die Aegypter gebrauchten die Kriegslist, sich
+dem mongolischen Heere in weissen Burken, d. i. mongolischen Pelzen, zu
+nahen, so dass sie von den Mongolen für Schaaren Ihriger gehalten
+wurden[407]. Einer der Flügel des ägyptischen Heeres war bereits in
+Unordnung und gebrochen; Sultan _Kotos_ warf seinen Helm zur Erde und
+schrie aus allen Kräften: »o Islam!« Er stürzte sich mit allen, die um ihn
+waren, auf den Feind und kämpfte mit äusserster Unerschrockenheit. Die
+Mongolen flüchteten in's Geröhricht des sumpfigen Thales; Kotos befahl, das
+Geröhricht anzuzünden, und sie gingen zwischen Feuer und Schwert elend zu
+Grunde. Der Emir _Beibars_ that Wunder der Tapferkeit vor den Augen des
+Sultans. Als dieser mitten im Gemenge der Schlacht, spannte der mongolische
+Knabe, welchem Kotos aus Mitleiden mit seiner Jugend beim Gesandtenmorde
+das Leben gerettet hatte, seinen Bogen von rückwärts auf den Sultan, um
+durch dessen Tod das vergossene Blut der Brüder zu rächen; nach Einigen
+wurde er auf der Stelle von den ihn Umgebenden, welche seines Vorhabens
+gewahr, zusammengehauen, noch ehe der Pfeil abgeflogen; nach Anderen, erst
+nachdem er denselben abgeschossen und damit das Pferd des Sultans verwundet
+hatte, welches denselben abwarf. Die Mongolen wurden von den Tataren bis in
+die Nähe von _Beisan_ verfolgt, wo sie sich umwandten und noch einmal Stand
+machten zum hartnäckigsten Gefechte. Die Moslimen wankten, da schrie Sultan
+Kotos dreimal mit lauter Stimme: »o Islam! o Gott, schütze deinen Diener
+Kotos und verleihe mir Sieg über die Tataren!« Als diese zum zweitenmale
+besiegt, stieg der Sultan vom Pferde, warf seine Stirne in Staub und
+verrichtete ein Dankgebet von zwei Verbeugungen. Nach Makrisi ward
+_Keitbugha_ in der Schlacht getödtet, nach Wassaf gefangen vor Kotos
+geführt. »Sei nicht stolz«, sagte der mongolische Feldherr dem Sultan der
+Mamluken, »auf deinen Sieg, dem die Rache auf dem Fusse folgen wird. Von
+Aserbeidschan nach Aegypten wird die Erde vom Hufe mongolischer Pferde
+gestampft, welche den Sand Aegyptens in Säcken davon tragen werden. Hulagu
+hat dreimalhunderttausend tapfere Reiter, von denen ich nur Einer.« --
+»Prahle nicht«, sagte Kotos, »mit eueren Heeren, die nur durch
+Treulosigkeit siegen.« -- »Ich bin«, entgegnete Keitbugha, »meinem Herrn
+nur treu gewesen, nicht, wie du, ein Verräther am selben; mach' es kurz mit
+mir!« Er wurde enthauptet. Das ganze mongolische Heer fiel in die Hände der
+Sieger, die nun ganz Syrien verheerend durchstreiften. Die Vögte wurden
+getödtet, die Weiber und Kinder in Gefangenschaft geschleppt, der Kopf
+Keitbugha's nach Kairo gesandt und auf dem Thore _Soweila_ aufgesteckt.
+Hulagu ward von der Kunde der verlorenen Schlacht und des getödteten
+Feldherrn tief betrübt; es war die erste Niederlage, welche seine Heere
+erlitten hatten; er brach noch am selben Tage mit seinem Lager auf. _Melik
+Nassir Jusuf_, der Sohn von _Melik Asis_, der ehemalige Fürst von Damaskus,
+war kurz vorher zu Hulagu gekommen, von ihm mit Ehren überhäuft, seiner
+innersten Gesellschaft beigezogen und neben ihm auf einen Thron gesetzt
+worden; mit einem Diplome zum Fürsten Syriens und Aegyptens eingesetzt, mit
+Ehrenkleidern und Geschenken überhäuft, hatte er die Strasse Syriens
+eingeschlagen; aber nachdem die Nachricht der Niederlage von _Aindschalut_
+eingetroffen, liess ihn Hulagu einholen und im Gebirge von Selmas
+hinrichten; [RN: 12. Schewwal/22. Sept.] dasselbe Schicksal theilte Melik
+Sahir Ghasi, Bruder Nassir's, Melik Ssalik, Sohn Schirkjuh's, und andere
+Prinzen des Hauses Ejub; Tokus Chatun, die Gemahlin Hulagu's, hatte für
+_Melik Asis_, den Sohn Nassir's, fürgebeten, und er wurde, der Einzige aus
+den bei Hulagu befindlichen Prinzen des Hauses Ejub, gerettet, wie diess
+sogleich unter den Folgen, welche die Schlacht von _Aindschalut_ für die
+Christen und das Haus Ejub's hatte, umständlicher erzählt werden soll. Sie
+erhielten den verdienten Lohn dafür, dass sie, statt mit anderen Fürsten,
+ihren Stamm- und Glaubensgenossen, sich wider den hereinbrechenden Feind
+des Islams zu verbünden, demselben gehuldigt hatten; eine oft wiederholte
+und dennoch nur selten fruchtende blutige Lehre der Geschichte.
+
+[Randnote: Folgen der Schlacht von Aindschalut für die Christen und das
+Haus Ejub's.]
+
+Schrecklich waren die Folgen der mongolischen Niederlage, sowohl für die
+syrischen Christen, als für das Haus Ejub's. Während der Gegenwart der
+Mongolen zu Damaskus hatten die Christen die ihnen gewährte grössere
+Freiheit ihres Cultus gegen die Moslimen missbraucht; von allen Kirchen
+übertönte das Glockengeläute den Ruf der Muesine, und sie trieben den
+Uebermuth so weit, dass sie Wein in die grosse Moschee trugen. Schon am
+vierten Tage nach der Niederlage der Mongolen überfielen die Moslimen die
+grosse, der heiligen Jungfrau geweihte Kirche zu Damaskus und schleiften
+dieselbe. [RN: 27. Ramasan/7. September] Dies war die Kirche, welche der
+Chalife Omar II. Ben Asis den Christen eingeräumt hatte, um sie für den
+Verlust der Kirche des heiligen Joannes zu entschädigen, welche ihnen laut
+der unter Omar I. (Ben Chattab) abgeschlossenen Kapitulation der Stadt für
+immer hätte zu eigen bleiben sollen, ihnen aber von Welid, dem Sohne
+Abdolmelik's, weggenommen und in die grosse Moschee, das Meisterstück
+saracenischer Baukunst, verwandelt worden war. Kotos hatte bei seinem
+Auszuge die beiden Fürsten des Hauses Ejub, den von Himss, Sultan Eschref,
+und Said, einen Enkel Melikolaadil's von seinem Sohne Asis[408], welcher
+von Hulagu mit dem Besitze von _Sobeibe_ und _Banias_ belehnt worden war,
+zur Hilfe wider die Mongolen auffordern lassen. Der Herr von Himss empfing
+den Gesandten des Sultans unterwürfig und trug ihm auf, in seinem Namen die
+Erde vor den Füssen des Sultans zu küssen, in dem er den Retter des Islams
+verehre. Said hingegen entliess den Gesandten mit Schimpfreden auf Sultan
+Kotos[409]; er focht in den Reihen der Mongolen. Nach der Niederlage
+derselben nahte er sich huldigend dem Pferde des Sultans, um demselben die
+Hand zu küssen. Kotos, statt ihm die Hand zum Kusse zu gewähren, stiess ihm
+die Ferse in's Maul, dass das Blut herausschoss; er liess ihn dann
+enthaupten. Eben so tragisch war das Schicksal Melik Nassir's, des letzten
+Sultans von Haleb, der mit seinem Bruder sich in seiner alten Residenz
+befand, wo Hulagu die Nachricht von der Niederlage Keitbuka's[410] erhalten
+hatte. [RN: 20. Silkide 658/29. Oct. 1260] Hulagu überhäufte den vorigen
+Herrscher Haleb's mit Vorwürfen, dass die syrischen Truppen, für deren
+Unterwürfigkeit Nassir gut gestanden, sich auf die Seite der Aegypter
+gewendet. Nassir antwortete, dass, wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, in
+Syrien zu weilen, kein syrischer Soldat es gewagt haben würde, wider einen
+Mongolen das Schwert zu ziehen; wie könne aber Syrien von Tebris aus
+beherrscht werden? -- Hulagu, statt hierdurch besänftigt zu werden, nur
+noch mehr ergrimmt, schoss einen Pfeil nach ihm, der ihn verwundete. Schone
+meiner! rief ihm der unglückliche Nassir zu; aber sein Bruder Sahir
+ermahnte ihn, nicht auf unwürdige Art zu sterben; und er erlag dem zweiten,
+von Hulagu auf ihn geschossenen Pfeile[411]. Die anderen Prinzen und das
+Gefolge derselben, in Allem dreihundert Reiter, wurden von dreihundert
+mongolischen Reitern getödtet, bis auf Einen, den Astronomen Mohijeddin El
+Mahghribi[412], welchem das Ansehen, worin die Astronomie bei den Mongolen
+stand, das Leben rettete, und aus dessen Munde der syrische
+Geschichtschreiber die Umstände dieses Gemetzels erzählt[413]. Mit Melik
+Nassir und seinem Bruder Sahir fiel hier unter dem mongolischen Schwerte
+Melik Ssalih, der Sohn Melikol Eschref's, des Herrn von Himss, welcher die
+von seinem Vater dem Gesandten des Sultans gegebene unterwürfige Antwort
+jetzt mit dem Leben büsste[414]. Nur das Leben Melikolasis, des unmündigen
+Sohnes Melikonnassir Jusuf's, wurde verschont. Sein Vater, Nassir Jusuf
+Ssalaheddin, gleichnamig mit seinem grossen Urgrossvater, hatte nicht nur
+über ganz Syrien, sondern auch über einen grossen Theil Mesopotamiens, über
+Haran, Roha, Rakka, Reis Ain, später über Damaskus und bis an Aegyptens
+Gränze geherrscht, wo er schon zum Sultan ausgerufen, als solcher wieder
+den Thron dem Hause Ssalaheddin's erworben hätte, wenn ihn nicht in der
+Schlacht zu _Abbasa_[415] der erste Sultan der Mamluken, der Turkmane
+Aibek, und die von seinem Vater, Asis, ererbten Mamluken verlassen hätten.
+[RN: 10. Silkide 649/24. Jan. 1252] Er liebte den Aufwand, besonders den
+der Küche, in welcher täglich vierhundert Hämmel geschlachtet wurden;
+übrigens viel zu nachsichtig für Diebe und Räuber, die unter seiner
+Regierung durch ganz Syrien grassirten. Zu Damaskus hatte er die nach ihm
+genannte Moschee, zu Ssalihije sein Grabmal erbaut, in welches aber nicht
+er, sondern der mongolische Emir Kormun begraben werden sollte[416]; der
+Dichtkunst nicht fremd, Verfasser mehrerer türkischer Gedichte, aus denen
+Abulfeda das folgende erhalten:
+
+ Bei Gott! wenn du mein Herz in Gram versenktest
+ Und statt der Thränen mich mit Blut nur tränktest,
+ So würdest du nur mehren meine Liebe,
+ Und meinem Geist nicht and're Freundin bliebe.
+
+[Randnote: Einrichtungen Syriens; Schlacht bei Himss.]
+
+Sultan Kotos ordnete nach dem Siege von _Aindschalut_ die Verwaltung des
+nun von der Herrschaft der Mongolen der der Mamluken anheim gefallenen
+Syriens. Dem Ejubiden Melik Manssur wurde das väterliche Erbe von _Hama_
+zurückgestellt, nachdem der mongolische Vogt Chosrewschah daraus abgezogen;
+auch erhielt er _Barin_ und _Mearret_, welche Melik Nassir, der Sultan von
+Haleb, schon vor fünf und zwanzig Jahren vom Fürstenthume Hama abgerissen;
+nur mit _Selimije_ wurde ein arabischer Emir belehnt. Dann zog Kotos, vom
+Fürsten Hama's begleitet, nach Damaskus, wo er im Triumphe als der Hort
+des Islams empfangen ward. Viele Tataren wurden hingerichtet, darunter
+Husein der Kurde, der Beilträger[417] Melik Nassir's; dreissig Christen
+wurden gehenkt und der christlichen Bevölkerung von Damaskus eine Steuer
+von hundert fünfzigtausend Dirhem auferlegt. Manssur, der Fürst Hama's,
+wurde von hier nach Hause entlassen, und von den Dichtern seiner Stadt als
+Sieger über die Tataren und Wiedereroberer Maarra's bewillkommt[418]. Kotos
+setzte über die südliche Küste Syriens als Statthalter den Emir Schemseddin
+von Berlas[419], einer der asisischen Mamluken, welcher in der Schlacht
+Nassirolmelik's von Haleb wider Aibek, den Mamluken, zu diesem
+verrätherisch übergegangen, für ihn die Herrschaft Aegyptens entschieden,
+dann aber, wider ihn Ränke schmiedend, wieder nach Syrien entflohen war,
+von ihm in _Adschlun_ festgesetzt worden; dann, als Melikonnassir bei
+Annäherung der Mongolen gegen Aegypten flüchtete, wieder freigelassen,
+folgte er seinem natürlichen Herrn eine Zeit lang, verliess ihn aber zum
+zweitenmale und ging zu Kotos über, der ihn nun dafür mit der
+Statthalterschaft von Ghasa belehnte; die von Damaskus übertrug er dem Emir
+Alemeddin[420] Senschar von Haleb, dem vorigen Atabeg des Sohnes Aibek's,
+des ersten Sultans der Mamluken, und die von Haleb, welche der Emirol umera
+Bondokdar für sich gewünscht hatte, dem Melikes-Said, dem Sohne Bedreddin
+Lulu's, dem Bruder Ssalih's, dessen schmähliches Ende bereits oben erzählt
+worden. Er selbst brach von Syrien nach Aegypten auf. [RN: 26. Schewwal
+658/5. October] Bondokdar, der Fürst der Fürsten, welchem er die
+Statthalterschaft Haleb's versagt hatte, verschwor sich wider den Sultan,
+und dieser wurde schon am zwanzigsten Tage nach seinem Aufbruche aus Syrien
+zu Kossair, eine Tagreise von Ssalihije, auf der Jagd von den Verschworenen
+ermordet. [RN: 17. Silkide/25. October] Die Emire Kairo's waren dem als
+Sieger über die Tataren im Triumphe zurückkehrenden Sultan zum Bewillkomm
+bis nach Ssalihije entgegen gegangen, wo sie den Mord desselben vernahmen;
+der Emir Ogotai, welchen Kotos bei seiner Abreise als seinen Stellvertreter
+an der Spitze der Verwaltung Aegyptens zurückgelassen, fragte, als es sich
+um die Wahl des Sultans handelte, wer den Kotos getödtet, weil es der
+Türken Brauch, dass der Tödter die Stelle des Getödteten einnehme. Sie
+zeigten auf _Beibars Bondokdar_. So besteige du den Thron, sagte Ogotai,
+indem er ihn bei der Hand nahm und auf den Thron setzte. Ich setze mich
+darauf, antwortete Beibars, im Namen Gottes; leistet den Eid! An dir ist's,
+sagte Ogotai, der erste zu schwören, dass du die Emire als deines Gleichen
+gütig behandeln, dass du ihnen Befehlshaberschaften verleihen, ihre Grade
+vermehren wirst[421]. Beibars nahm den Titel _Melikol kahir_, d. i. des
+rächenden Königs, an, den er aber später mit dem von _Melikol-dahir_, d. i.
+des Offenbaren, vertauschte, und zog zu Kairo unter den Triumphfesten ein,
+welche für seinen Vorfahrer bereitet worden waren. In Syrien begann
+unterdessen Aalemeddin, der Statthalter von Damaskus, die geschleiften
+Mauern wieder aufzubauen, und erklärte sich bald hernach selbst zum Sultan,
+die Macht des Sultans des Rächenden, des Offenbaren verhöhnend. Zu Haleb
+hatte Said, der Sohn Bedreddin Lulu's, durch Kopflosigkeit und die
+unbedeutsame Absendung einer zu schwachen Truppenabtheilung, welche zu
+_Bire_ am Euphrat von den Mongolen geschlagen wurden, den Hass der
+Einwohner auf sich geladen. Er ward vor den Thoren der Stadt ergriffen und
+gezwungen, seine Schätze zu entdecken, welche die Emire unter sich
+theilten, ihn selbst gefesselt nach Schoghr sandten und seiner statt
+Hosameddin, den Mailleschläger, zum Statthalter einsetzten; bald darnach
+erschienen die Mongolen vor Haleb, und Hosameddin flüchtete mit den Emiren
+nach Hama, die Stadt Haleb der Wuth der Mongolen überlassend. [RN:
+Silhidsche 658/Nov. 1260] Von Hama zogen sie mit dem Fürsten Hama's und
+seinem Bruder Efdhal gegen Himss, ihre Streitkräfte mit denen des Fürsten
+dieser Stadt vereinigend, und lieferten vor Himss den Tataren eine
+Schlacht, in welcher diese geschlagen abzogen, auf ihrem Rückzuge von dem
+Befehlshaber Apamia's geharket. [RN: 5. Moharrem 659/10. Dec. 1260] Auch
+der Statthalter von Ghasa, Abusch von Burlas, empörte sich, wie der von
+Damaskus, wider Beibars Bondokdar, den neuen Sultan, und dieser und jener
+wollten die Prinzen von Hama und Himss für sich gewinnen; aber diese gaben
+ihnen kein Gehör, und nachdem die beiden Thronnebenbuhler Bondokdar's,
+Senshar und Abusch, geschlagen worden, ward Bondokdar, der Sultan
+Aegyptens, auch als solcher in Syrien, zu Haleb und Damaskus, zu Hama und
+Himss anerkannt.
+
+[Randnote: Das Chalifat der Beni Abbas zu Kairo.]
+
+Beibars Bondokdar, der sich den Weg zum Throne durch doppelten Mord
+gebahnt, erst durch den Moaasem Turanschah's, des letzten Fürsten der Beni
+Ejub, und dann durch den des dritten Sultans der Mamluken, Kotos, war vor
+Allem bedacht, seiner Usurpation des Thrones den Mantel der Legitimität
+umzuhängen. Zu diesem Ende stellte er zu Kairo einen angeblichen Abkömmling
+des Hauses Abbas, _Abulkasim Ahmed_, welcher für einen Sohn Dahir's, des
+vorvorletzten Chalifen, ausgegeben ward, als Phantom eines Chalifen auf,
+der nur dazu diente, kraft seines angestammten Rechts als Chalife durch
+Verleihung von Titeln die Herrschaft desselben als legitim zu
+rechtfertigen. Zu Kairo ward feierlicher Einzug desselben veranstaltet, bei
+welchem die Ulema von Missr und Kahir den Koran, die Rabbinen die Bibel,
+die Christen das Evangelium voraustrugen. [RN: 5. Redscheb 659/9. Juni
+1261] Vier Tage hernach ward in feierlicher Versammlung aller Ulema und
+Emire das Schauspiel des Beweises der vorgegebenen Abstammung aufgeführt,
+der angebliche Sohn Dahir's von Beibars als Chalife ausgerufen, und dieser
+hierauf von ihm, dem rechtmässigen Chalifen, als Sultan Aegyptens und
+Syriens belehnt. Der Chalife, mit dem schwarzen Mantel des Hauses Abbas
+angethan, bekleidete den Sultan mit eigener Hand, indem er ihm den Kaftan
+anzog und goldene Kette um den Hals gab. Beibars ritt auf einem Schimmel
+durch die Stadt und der Wesir und der Hofmarschall trugen abwechselnd das
+Diplom des Chalifen, auf ihren Händen über den Kopf emporgehalten, vor. Am
+nächsten Freitage predigte der Chalife in der Moschee, und als dem Sultan
+die Predigt zu lange währte, indem er fürchtete, dass der Chalife das Volk
+und das Heer sich selbst zuwenden könnte, liess er ihm Gold- und
+Silbermünzen über den Kopf schauern, womit die Predigt zu Ende. Nachdem
+Beibars durch die Investitur seinen Zweck erreicht, war ihm die Gegenwart
+des Chalifen überflüssig und konnte ihm sogar gefährlich werden; er setzte
+also das Schauspiel in noch grösserem Maasstabe fort, indem er ihm einen
+Hofstaat mit allen Titeln des alten Chalifenhofes beilegte und zweitausend
+Reiter mit einer Truppe Beduinen beigab, mit denen er zur Wiedereroberung
+Bagdad's, seiner Hauptstadt, ausziehen sollte. Ihn begleiteten die von
+Beibars mit den Fürstenthümern von Mossul, Sindschar und Dschesiret
+belehnten drei Söhne Bedreddin Lulu's. Am Ufer des Euphrats trat _Elhakim_,
+ein anderer Imam aus dem Hause Abbas, als Nebenbuhler um die
+Chalifenherrschaft auf. Bondokdar's Schützling zog mit Hilfe der ihm von
+diesem beigegebenen Truppen zu _Aana_ und _Hadise_ ein, welche ihm Anfangs
+ihre Thore gesperrt hatten; _Hadise_, das sich widersetzte, wurde mit
+Gewalt genommen, die Christen und Juden geplündert. Unterdessen zogen die
+mongolischen Befehlshaber Karabuga mit fünftausend Reitern gegen Enbar und
+Behadir Ali, der mongolische Statthalter von Bagdad, wider den Abenteurer
+heran, der als der wahre Chalife seine alte Residenz einzunehmen kam. [RN:
+4. Moharrem 660/1. Dec. 1261] Vor Enbar kam es zur Schlacht; der Chalife
+ordnete die Turkmanen auf dem rechten Flügel, die Araber auf dem linken, er
+selbst in der Mitte. Behadir's Truppen ergriffen Anfangs die Flucht und
+stürzten sich die meisten in den Euphrat; als aber eine Truppe Mongolen aus
+einem Hinterhalte herbeiflog, wichen die Turkmanen und Araber, und der
+Chalife verschwand. Wie der letzte der Chalifen des Hauses Abbas zu Bagdad,
+war nun der erste der Schatten-Chalifen aus demselben Hause zu Kairo unter
+dem Schwerte der Mongolen gefallen. Der Nebenbuhler um diese
+Schattenherrschaft, der Imam Hakim, welcher sein Geschlecht im fünften
+Grade von Mosterschid, dem neun und zwanzigsten Chalifen des Hauses Abbas,
+ableitete[422], flüchtete nach dieser Schlacht nach Aegypten, wo ihn
+Beibars, dem es bequem und angenehm, einen solchen Münzwardein der
+Legitimität unter seinen Händen zu haben, die Abstammung desselben aus dem
+Blute der Beni Abbas gerne anerkannte, ihn aber, den Geflüchteten, im
+Palaste _Menasirolkebesch_, d. i. Belvedere des Widders, als einen
+Staatsgefangenen ehrenvoll unterhielt. Sein Geschäft war blos die
+Ertheilung der Investitur und der Diplome als Titel der Rechtmässigkeit der
+Herrschaft; er empfing von dem damit Belehnten Geschenke, und schattete so
+durch vierzig Jahre unter dem Titel von Schatten Gottes auf Erden,
+Herrscher durch Gottes Befehl[423], während er als Titular-Chalife nur ein
+Schatten des ehemaligen Chalifen unter des Sklaven-Sultans Befehl. Er
+selbst, nur ein Titelträger der Herrschaft, stempelte durch die von ihm
+ausgehenden Diplome die Herrschaft moslimischer Usurpatoren zur
+rechtmässigen; hierdurch gewann _Beibars_ im Angesicht der moslimischen
+Welt einen ungeheueren Vortheil über Hulagu, dessen Herrschaftstitel auch
+nur das Schwert, wie der des Sultans Aegyptens, weil er, nicht Moslim, nie
+vom Chalifen als rechtmässig legitimirt werden konnte. Hakim war der
+Stammvater der übrigen ägyptischen Chalifen aus dem Hause Abbas, aus
+welchem mit ihm zwanzig durch dritthalbhundert Jahre zu Kairo als
+Drahtpuppen der Sultane figurirten, bis nach dem letzten derselben Selim
+der Erste, der Erbe Aegyptens, ohne Recht der Geburt, nur als Eroberer
+Aegyptens, den Chalifentitel annahm, der seitdem dem Titel der osmanischen
+Sultane beigefügt, wie aus dem Gesagten erhellet, nur der eines Schattens
+vom Schatten.
+
+[Randnote: Anlass des Kriegs mit Berke.]
+
+Hulagu war im Begriffe, ein neues Heer nach Syrien zu senden und dasselbe
+dem Besitze des Sultans der Mamluken zu entreissen, als ihn die bis zum
+offenen Kriege gereifte Misshelligkeit mit _Berke_, dem Herrscher der
+Mongolen in Kipdschak, dorthin sich zu wenden und seine Waffen von den
+Ufern des mittelländischen Meeres an die des kaspischen zu übertragen
+zwang. Die Ursachen dieses, trotz des nachdruckvollsten Vermächtnisses
+Tschengischan's und der Jasa, welche die Einigkeit zwischen den Gliedern
+der Familie als die Grundmaxime der Politik des tschengischanischen Hauses
+einschärft, aufflammenden Familienkriegs waren mehrere, und das Feuer
+glimmte schon seit längerer Zeit unter der Asche; auch hier sind, wie fast
+bei allen Kriegen und Feindschaften (von Staaten, wie von Einzelnen), der
+wirkliche und scheinbare Grund, die Masse, welche schon längst das Gefäss
+füllt, von dem Tropfen, der es erst überfliessen macht, wohl von einander
+zu unterscheiden. Die wahre und eigentliche politische Ursache dieses
+Krieges war der streitige Besitz der Landschaften _Arran_ und
+_Aserbeidschan_, welche, als ausser dem eisernen Thore von Derbend gelegen,
+vermöge der Ländertheilung Tschengischan's unter seine vier Söhne nicht zum
+Jurte des Uluses Dschudschi's gehörig, von diesem jetzt angesprochen
+ward[424]. Nach dieser Ländertheilung erstreckte sich der Jurt
+Dschaghatai's von den mittägigen Pässen bis nach Samarkand und Bochara, der
+Ogotai's lag im Mittelpunkte des Reichs zu _Imil_ und _Kobak_; Tuli besass
+die angränzenden Länder von _Kialik_ und _Chuaresm_ bis an die äusserste
+Gränze Kipdschak's und die Länder der _Ssaksinen_; _Dschudschi_ endlich die
+nördlichen Jurte innerhalb der kaukasischen Pässe. Hulagu, Herr der
+westlichen Hälfte der Jurte, als Ilchan des durch ihn gegründeten
+mongolischen Reichs in Persien, konnte unmöglich die Ansprüche des Chanes
+der goldenen Horde von Kipdschak auf den Besitz der nördlichsten
+Gränzlandschaften seines Reichs gelten lassen. Dieser politische Grund ward
+durch persönliche Empfindlichkeiten Hulagu's noch eindringlicher gemacht.
+Berke's Einfluss hatte auf dem Kurultai nach Mengku's Tode die Wahl der
+Prinzen für Kubilai wider seinen Bruder Hulagu und Arik Bugha, welche
+ebenfalls Ansprüche auf die Kaanschaft machten, entschieden. Als der
+Aeltere der Familie hatte Berke dem Hulagu zu wiederholtenmalen Lehren und
+Ermahnungen zugesandt, als neubekehrter Moslim hatte Berke besonders das
+treulose Benehmen Hulagu's gegen moslimische Fürsten, die Verwüstung so
+vieler Städte, das Blutbad so vieler Menschen und den Ruin des Chalifats
+hart getadelt. Wiewohl er mein Aelterer, sagte Hulagu, so kann ich sein
+Hofmeistern doch nicht weiter ertragen; endlich war der Tropfe, welcher das
+längst gefüllte Gefäss des Grolles überfliessend machte, der folgende. Auf
+dem Zuge nach Syrien war Bulghai, der Enkel Dschudschi's, aus seinem
+fünften Sohne Scheiban, gäh nach einem Gastmahle gestorben, und sein Vetter
+_Kutar_[425] wurde angeklagt, durch Zauberei den Tod desselben bewirkt zu
+haben. Hulagu, der es nicht auf sich nehmen wollte, ihn zu richten, hatte
+ihn in Begleitung Sundschak Nujan's nach Kipdschak geschickt, um dort vor
+dem Throne Berke's, seinem natürlichen Richter, Rede zu stehen. Berke
+sandte denselben wieder zurück und Hulagu liess an ihm das Todesurtheil
+vollstrecken; zugleich mit ihm ward auch _Ssadreddin Sawedschi_ als der
+Zauberei schuldig angeklagt und hingerichtet; [RN: 17. Ssafer 658/2. Febr.
+1260] da auch bald darauf Kuli, der dritte Prinz des Uluses Dschudschi,
+welcher diesen Feldzug mitmachte, gestorben, und ihre Angehörigen sich nach
+Kipdschak geflüchtet hatten, brach die politische Feindseligkeit und
+persönliche Empfindlichkeit in die offenen Flammen des Familienkriegs aus.
+Ein Heer von dreissigtausend Kipdschaken, welches _Nokai_, der Vetter des
+hingerichteten _Kutar_, befehligte, war von Derbend aufgebrochen und vor
+Schamachi, der Hauptstadt Schirwan's, gelagert.
+
+[Randnote: Verkehr zwischen Kipdschak und Aegypten.]
+
+Der Umschwung der Verhältnisse zwischen _Berke_ und _Hulagu_ hatte
+natürlicherweise die Politik des ersten gegen den Sultan der Mamluken, als
+Beherrscher Syriens und Aegyptens, wesentlich umgestimmt und die
+feindlichen Gesinnungen wider denselben in freundliche verwandelt. Gewiss
+hatte die äussere Politik wenigstens eben so grossen Einfluss als die
+innere auf die Bekehrung _Berke's_ vom mongolischen Heidenthume zum Islam.
+Im Sommer desselben Jahres, mit dessen Beginn der Feldzug nach Persien
+beschlossen ward, begab sich eine Gesandtschaft Berke's auf den Weg nach
+Aegypten, um die Mitwirkung des Sultans in Anspruch zu nehmen; Botschafter
+waren Emir _Dschelaleddin_, Sohn des Richters, und der Scheich _Nureddin
+Ali_, von grossem Gefolge begleitet; [RN: 1. Redscheb 661/11. Mai 1262] sie
+waren Ueberbringer eines am ersten Redscheb des laufenden Jahres datirten
+Beglaubigungsschreibens, in welchem _Berke_ seine Annahme des Islams
+kündete. Zu gleicher Zeit war zu Kairo eine Botschaft des byzantinischen
+Kaisers _Lascaris_ erschienen; sie wurden gemeinschaftlich mit einem
+Gastmahle bewirthet, und jeden Mittwoch und Sonnabend, wo der Sultan sich
+in die Maillebahn begab, wurden zahlreiche Geschenke unter sie vertheilt.
+[RN: 28. Schaab. 661/5. Aug. 1262] Am letzten Freitage des Monats Schaaban,
+welcher der erste des August, verrichtete der Schattenchalife des Hauses
+Abbas, _Hakimbiemrillah_, das Kanzelgebet sowohl auf den Namen des Sultans
+_Beibars_, Herrschers von Syrien und Aegypten, als auf den _Berke's_, des
+Herrschers Kipdschak's[426]. Vier Tage hernach hatte die Ceremonie der
+Investitur des Ritterthums für den Chalifen _Hakimbiemrillah_ statt.
+_Futuwwet_[427] bedeutet nicht sowohl den Adel, welcher auf arabisch
+_Scherf_ heisst, als das Heldenthum oder eigentlich Ritterthum, als den
+Inbegriff grossmüthiger, edelmüthiger, starkmüthiger Gesinnungen und
+Handlungen. Das bekannte Wort _La Feta illa Ali_ kann nur mit den Worten:
+_Es gibt keinen Helden oder keinen Ritter als Ali_, übersetzt werden, und
+nicht als: _Es ist kein Adeliger als Ali_. Das Symbol des Heldenthums oder
+vielmehr ritterlicher Gesinnungen bestand aber nicht in Schild und Schwert,
+Panzer oder Helm, welche im Abendlande die Insignien des Ritterthums,
+sondern in einem Paar von -- Beinkleidern. Tags darauf, nach der Ceremonie
+der ritterlichen Beinkleiderinvestitur, wurden die Botschafter _Berke's_ im
+Bergschlosse durch den _Atabeg_ (Obersthofmeister) mit Ehrenkleidern
+ausgezeichnet. Das Antwortschreiben war so weitläufig gewortet und
+geschrieben, dass es nicht weniger als siebzig Bogen mittleren Formates aus
+den Fabriken von Bagdad. Der Schreiber desselben, _Mohijeddin Abdes-sahir_,
+las dasselbe dem Sultan in der Gegenwart der Emire vor, und es ward mit
+einem herrlichen Geschenke den zwei ägyptischen Botschaftern, dem Emir
+_Fariseddin Akusch Mesudi_ und dem Scherif _Imadeddin Haschimi_, übergeben.
+Auch zu Mekka und Medina wurde das Chutbe auf den Namen Berke's verrichtet.
+Um den Faden der Erzählung ägyptischer und mongolischer Verhältnisse nicht
+durch den Bericht des nordischen Feldzuges, welchem der nächste Abschnitt
+gewidmet ist, zu unterbrechen, reihen sich hier noch die folgenden
+Begebenheiten ein, welche das unmittelbare Verhältniss der Aegypter und
+Mongolen betreffen. Es waren noch nicht zwei Monate nach dem Abgange der
+Botschaft an Berke verflossen, als eine grosse Anzahl mongolischer
+Emire[428] ankamen, um dem Sultane ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen. Er
+ritt ihnen zum Empfange entgegen; alsbald sie ihn erblickten, stiegen sie
+vom Pferde und küssten die Erde vor dem Sultane, der im Sattel sitzen
+blieb. Nachdem er sie mit Ehren überhäuft, kehrte er in's Schloss zurück.
+_Hosameddin_, der Sohn Berke's, welcher als ein Beweis der Freundschaft
+seines Vaters für den Sultan nach Kairo gekommen, starb allda; [RN: 5.
+Silhidsche 661/9. Nov. 1262] drei Tage hernach wurden die Botschafter mit
+Ehrenkleidern angethan und der Sultan besuchte das Grabmal des Sohnes
+Berke's. Bald darauf kam eine zweite Schaar und endlich eine dritte
+tatarischer Edelen; der Sultan verlieh den Vornehmsten derselben den Rang
+eines Emirs und sie bekehrten sich auf seine Einladung zum Islam[429].
+Kairo war damals von den Tataren beider Parteien, nämlich sowohl von der
+Berke's als Hulagu's, besucht; nur erschienen jene öffentlich als Freunde,
+die sich meistens zum Islam bekehrten, diese aber nur heimlich als
+Kundschafter, die, wenn entdeckt, ergriffen wurden. Unter die Emire der
+bekehrten Tataren sowohl, als die Franken, welche sich zum Islam bekehret
+hatten, wurden an Einem Tage vom Schatzmeister Bedreddin hundert achtzig
+Pferde vertheilt. Dieser Verkehr Berke's mit Beibars durch gegenseitige
+Botschaften erklärt die Verpflanzung mongolischer Hofwürden nach Aegypten,
+wo sich dieselben mit ihren ursprünglichen türkischen Namen erhielten, und
+erklärt die bei Makrisi erhaltene Kenntniss von der tatarischen Jasa. Bei
+der Betrachtung des feindlichen Verhältnisses der Oberhäupter der beiden
+Uluse Berke's und Hulagu's und ihrer gegenseitigen Verhältnisse mit
+Aegypten erhellet auch, dass die Kreuzfahrer damals nicht gegen alle
+Tataren gleiche Gesinnungen hegen und dieselben insgesammt als Feinde des
+Sultans von Aegypten und also als natürliche Freunde und Verbündete
+betrachten konnten. Dieses waren für die Kreuzfahrer nur die Mongolen
+Persiens, während die Mongolen Kipdschak's als die Freunde und Verbündete
+von Beibars auch die Feinde der Christen im gelobten Lande. Da der Krieg
+zwischen Berke und Hulagu dem Sultan in Aegypten und Syrien so freiere Hand
+liess, so konnte derselbe den Kreuzfahrern nur höchst unerwünscht sein.
+
+[Randnote: Feldzug gegen Kipdschak.]
+
+Hulagu bot das ganze Heer Persiens zum Zuge wider Kipdschak auf, setzte
+sich mit demselben Hälfte Mai's des Jahres zwölfhundert zwei und sechzig
+von _Alatagh_ aus in Bewegung. [RN: 2. Schewwal 660/14. Mai 1262]
+Schiramun, der Sohn Dschurmaghun's, der vormalige Statthalter Persiens,
+befehligte den Vortrab. Die Nujanen _Basmaghan_ und _Abatai_ standen
+Anfangs Novembers vor Schamachi. [RN: 26. Silkide 660/11. Nov. 1262]
+Schiramun war von dem Heere Berke's überfallen und geschlagen worden, aber
+vier Tage vor Ende des moslimischen Jahres schlug Abatai bei _Schaburan_
+den _Nokai_ in die Flucht. [RN: 6. Moharrem 661/20. Nov. 1262] Hulagu brach
+hierauf von Schamachi gegen Derbend auf. Hier wurden der Kanzler Seifeddin,
+der Chodscha _Asis_ der Georgier und Chodscha _Medschdeddin_ von Tebris
+ergriffen, nach Schaburan gebracht und dort sammt dem Astronomen Hosameddin
+hingerichtet. _Melik Ssadreddin_ von Tebris und _Ali Melik_, die
+Befehlshaber von Irak, schlugen sich in theilweisen Gefechten durch; [RN:
+21. Moharr. 661/7. Dec. 1262] am siebenten December stand das Heer Hulagu's
+vor den Mauern Derbend's. Nach dreitägigem Kampfe wurde die Feste erobert
+und acht Tage hernach Nokai geschlagen. Die Nujanen Schiramun und Abatai
+wollten den Prinzen Abaka, den ältesten Sohn Hulagu's, den er ihnen zur
+Hilfe gesendet, zur Rückkehr bewegen; aber dieser trotzte männlich den
+Beschwerden des Feldzugs inmitten des Winters. Hulagu ertheilte sieben
+anderen Nujanen[430] den Befehl, sich des Lagers der Kipdschaken zu
+bemächtigen. Sie gingen über den Terek und schleppten Zelte und Herden von
+allen Seiten zusammen, sich Ausschweifungen überlassend. Berke, hiervon in
+Kenntniss gesetzt, brach auf einmal mit mächtigem Heere aus den
+Schneegefilden der Steppe auf sie los; [RN: 7. Rebiulewwel 661/16. Jan.
+1263] einen ganzen Tag ward an den Ufern des Terek gekämpft; als die
+persischen Truppen sich über den Fluss zurückzogen, brach das Eis ein und
+eine grosse Anzahl derselben ging zu Grunde; Abaka kam heil nach Schaburan;
+Berke hielt sich inner Derbend und Hulagu kam im Frühjahre nach Tebris
+zurück[431]. [RN: 11. Dschemasiulachir/9. Mai 1263] Hulagu rächte sich für
+die Unfälle des Feldzugs, wie nach dem syrischen, durch den Mord von
+Unschuldigen. Er liess alle Kaufleute Kipdschak's, die sich zu Tebris
+befanden, hinrichten und ihre Güter einziehen[432]. Berke, um Gleiches mit
+Gleichem zu vergelten, liess alle persischen Kaufleute, die in Kipdschak,
+morden; und Hulagu vergalt dieses Blutbad mit dem eines Theiles der
+Bewohner Bochara's, welches sich aus seinem Schutte hervorzuheben begann.
+Von sechzehn Hesaren, d. i. Regimentern, welche zu Bochara lagen, gehörten
+fünf dem Batu, drei der Frau _Sijurkukteni_, der Mutter Hulagu's, die
+übrigen acht dem grossen Eidam Tschengischan's. Die fünf Regimenter Batu's
+liess Hulagu ausrücken und niederhauen[433]. Im folgenden Jahre erscholl
+abermal das Gerücht, dass ein Heer aus Kipdschak im Anzuge. Hulagu sandte
+den Scheich Scherif Tebrisi auf die Strasse von Lesgistan nach Kipdschak,
+um Erkundigung einzuziehen. Er ward ergriffen und vor Nokai gebracht. Was
+macht Hulagu? fragte ihn Nokai, fährt er noch fort, aus Grimm unsere
+Krieger und Edele, unsere Kaufleute und Derwische zu morden? -- Der Scheich
+entgegnete: Unser Padischah war vormals erzürnt ob der Misshelligkeit mit
+seinen Brüdern (Kubilai und Arigh) und das Feuer seines Grimms verbrannte,
+was trocken und feucht; allein seitdem der Bürgerkrieg um den Thron
+beendigt ist, übt er die strengste Gerechtigkeit. Es waren nämlich Gesandte
+mit der Nachricht angekommen, dass _Aiktokt_, welcher dem Bruder Kubilai
+den Thron streitig machen wollte, sich unterworfen; dass Alghui, der Enkel
+Dschafer's, aus seinem Sohne Paidar, welcher ein anderer Thronprätendent,
+gestorben, dass Kubilai dem Bruder Hulagu das Diplom der Herrschaft von den
+Ufern des Oxus bis an die äussersten Gränzen Syriens als _Ilchan_ und
+_Padischah_ und obendrein dreissigtausend auserlesene mongolische Jünglinge
+zur Hilfe gesendet. Diese Nachricht lähmte die Kriegslust Nokai's, und der
+Scheich kehrte mit der Nachricht, dass, wiewohl kein Friede, die
+Feindseligkeiten aufgehört, zu Hulagu zurück. Das Interesse Hulagu's ist in
+die Streitigkeiten der Prinzen um die oberste Macht des Kaan's so enge
+verflochten und er hat an denselben durch seinen Gesandten so einwirkenden
+Antheil genommen, dass eine kurze Erzählung jener Begebenheiten als
+unmittelbar in dessen Geschichte gehörig hier unabweislich.
+
+[Randnote: Arikbugha.]
+
+Nach dem Tode Mengkukaan's, dessen Todeskunde seinen Bruder Hulagu zur
+Rückkehr aus Syrien, wie vor vierzig Jahren die Nachricht von dem Tode
+Ogotai's dessen Vetter Batu zum Abzuge aus Ungarn veranlasst, hatten die im
+Kurultai versammelten Prinzen, welche den Kubilai zum Kaan und Moilchan
+ausgerufen, hundert Gesandte an _Arikbugha_, dessen Bruder und Nebenbuhler
+um den Thron, abgeordnet, um ihm die Nachricht zu überbringen, dass durch
+einstimmigen Beschluss der Prinzen _Kubilai_ den Thron als grosser Chan
+bestiegen und _Apuschkan_, der Urenkel Dschagatai's[434], dem Uluse seines
+Grossvaters vorgesetzt, mit seinem jüngeren Bruder Kasar dorthin abgesendet
+worden sei. Die hundert Gesandten trafen an der Gränze Tangkut's Arikbugha,
+der sie einkerkern liess und ein von dem zweitgebornen Sohne Hulagu's, dem
+Prinzen _Dschumkur_, und _Karatschar_, dem Sohne Orda's, befehligtes Heer
+gegen Kubilai sandte; sie wurden geschlagen und gefangen; Arikbugha liess
+die hundert Gesandten hinrichten und zog sich in's Land der Kirgisen
+zurück. Er wandte sich an Alghui, den Sohn Paidar's (des vor Olmütz
+gefallenen Peta), mit der Bitte, für ihn als Gränzhüter am Oxus die Truppen
+Hulagu's und Berke's abzuwehren. Indess sammelte sich für ihn ein Heer zu
+Kaschghar, das bald über hundert fünfzigtausend stark, in vollem Aufruhre
+wider Kubilai. Dieser sandte wider die Rebellen ein von dem _Jeke Kadak_
+und _Karadschu_, dem Sohne Dschudschi Kasar's (des Bruders
+Tschengischan's), befehligtes Heer, das geschlagen und zerstreut ward. Die
+Prinzen Anführer flüchteten zu Arikbugha, der flüchtig und halb verhungert
+(denn Kubilai hatte ihm die Zufuhr der Lebensmittel abgeschnitten) im Lager
+der Kirgisen und Kemdschiuten weilte. Kubilai hatte zu Karakorum die vier
+Lager Arikbugha's und das des mit ihm verbündeten Gulgan's (des fünften
+Sohnes Tschengischan's) aufgehoben. Arikbugha sandte Botschaft mit dem
+Bekenntniss seiner Schuld und Bitte um Verzeihung; er erwarte nur, dass
+seine Pferde fett und dass Hulagu, Berke und Alghui kämen, um sich mit
+ihnen dem Kaan huldigend zu Füssen zu werfen. Kubilai sandte Antwort: dass,
+wenn er, ohne die Ankunft der Prinzen abzuwarten, erscheinen wolle, seine
+Ankunft um so willkommener sein würde, und zog sich nach _Karawin
+Dschidun_, wo er die zu Karakorum aufgehobenen Lager Arikbugha's und
+Gulgan's freigab. Zu dieser Zeit war häufiger Gesandtenwechsel zwischen
+_Kubilai_ mit seinem Bruder Hulagu und seinem Vetter _Berke_, dem Herrn des
+Uluses _Dschudschi_, und _Alghui_, dem Haupte des Uluses Dschaghatai, die
+sich nun dem Kaan näherten. Er gab ihnen kund, dass Alghui das Land vom
+Altai bis zum Oxus, Hulagu vom Oxus bis nach Aegypten besetzen möge,
+während er selbst die Länder vom Altai bis an's chinesische Meer hüten
+wolle. Arikbugha brach, sobald seine Pferde sich wieder erholt hatten,
+wieder als Rebelle gegen die Macht Kubilai's auf, überfiel den Prinzen
+_Jesunke_, den Neffen Kubilai's, welcher die Vorhut desselben befehligte,
+und schlug ihn. Das Heer Arikbugha's und das Kubilai's[435] schlugen sich
+zu _Indschije Kutku_ am Hügel _Chodscha Buldak_. Das Heer der Rebellen
+wurde geschlagen und viele Uiraten getödtet. _Suntai_, der Sohn des letzten
+Kaan Mengku's, berieth sich mit Arikbugha, und sie beschlossen, eine zweite
+Schlacht zu liefern, am Rande der Sandwüste, in der _Olt_ genannten Gegend,
+zu _Schirghan Taghun_ am Hügel _Schilklik_. Der rechte Flügel Arikbugha's
+war geschlagen, aber der linke hielt tapfer bis in die sinkende Nacht aus,
+welche die beiden Heere trennte, die sich in die Winterquartiere begaben.
+Arikbugha, durch diesen wiederholten Versuch, seine Streitkräfte mit denen
+Kubilai's zu messen, ermuthigt, sandte im nächsten Jahre seine Waffen wider
+_Alghui_, welchen er als Herrn des Uluses Dschaghatai eingesetzt und von
+welchem er zu wiederholtenmalen Hilfe begehrt hatte, ohne dieselbe zu
+erhalten[436].
+
+[Randnote: Alghui.]
+
+_Alghui_, der Sohn Paidar's (Peta's), der von Arikbugha eingesetzte
+Herrscher des Uluses Dschaghatai, hatte, als er nach Turkistan gekommen,
+ein Heer von mehr als hunderttausend Mann gesammelt. Sein Vetter, der Prinz
+_Nikpei Aghul_ (Sohn Sarban's, des achten Sohnes Dschaghatai's), war an der
+Spitze von fünf tausend Mann in Transoxana eingefallen, und hatte zu
+Samarkand und Bochara, das damals zum Gebiete Kipdschak's gehörte, geraubt
+und die Angehörigen Berke's getödtet, unter diesen auch den grossen Scheich
+_Seifeddin Bachersi_. Gesandte Arikbugha's, an deren Spitze _Schadi_, der
+Sohn _Jaschmut's_ des _Arkaun_, d. i. des nestorianischen Priesters,
+forderten vermittels Jerlighs die Zurückstellung der geraubten Güter,
+welche Alghui verweigerte, und eben darum die Gesandten tödtete. Hierüber
+ergrimmt, zog Arikbugha wider denselben; zu Karakorum forderte er die
+Einwohner zur Hilfeleistung auf; die Imame, die Schreiber der Christen
+entschuldigten sich, dass sie die Waffen nicht gewohnt, nur für den Erfolg
+derselben beten könnten. Einige Zeit darnach kam der Kaan, der, als er das
+treue Benehmen der Einwohner erfuhr, die alten Privilegien Tschengischan's
+und Mengku's bestätigte, sie alle zu Tarchanen (Freiherren) ernannte;
+Vorfälle in China nöthigten ihn, bald wieder zurückzukehren. Karabuka, der
+Befehlshaber des Vortrabs Arikbugha's, war von Alghui zu _Sutgol_, d. i. am
+Milchsee[437], geschlagen und getödtet worden. Alghui zog sich sorglos an's
+Ufer des _Hile Muran_; von dem Prinzen _Suntai_, welcher das Heer
+Arikbugha's befehligte, geschlagen, ging er über die Anhöhen von
+_Timurkahalka_ und den _Hile Muran_ nach Almaligh, dem Jurte Alghui's, und
+plünderte denselben aus. Alghui nahm seine Frau und die Truppen des rechten
+Flügels, welche Suntai noch nicht geschlagen, und flüchtete damit nach
+Choten und Kaschghar. Arikbugha brachte den Winter am _Hile Muran_ und zu
+Almaligh in Festen zu, liess aber von allen Seiten die Truppen des Kaan's
+aufsuchen und tödten. Alghui hatte sich nach Samarkand und Bochara
+gezogen, wohin auch Dschumkur, der bisher von Arikbugha bei sich
+zurückgehaltene Sohn Hulagu's, kam, indem ihm Arikbugha, um seine
+Gesundheit herzustellen, sich jenseits des Oxus zu begeben erlaubt hatte.
+[RN: Rebiulewwel 662/Januar 1263] Das Benehmen Arikbugha's, welcher überall
+die Leute des Kaan's aufsuchte und tödtete, entwandte ihm die Herzen der
+Bewohner und eine Hungersnoth schwächte gewaltig die Zahl seiner Truppen.
+Dazu kam die böse Vorbedeutung eines Sturmes, welcher das an tausend
+Pflöcken befestigte Herrscherzelt zusammenriss und im Ruine desselben viele
+Menschen erschlug. Seine Truppen zerstreuten sich nach allen Seiten, nur
+einige wenige blieben mit Arikbugha und Suntai zu Almaligh. Unterdessen war
+_Uriktasch_, der Sohn Mengku's, welcher es nicht, wie sein Bruder _Suntai_,
+mit Arikbugha, sondern mit Kubilai hielt, am _Altai_[438] und die Truppen
+schlugen sich zu ihm. Er sandte an Arikbugha, um ihm das grosse Siegel
+seines Vaters Mengku, welches bisher in Arikbugha's Händen, abzufordern,
+und dieser lieferte es aus. Alghui, welchem hieraus die Schwäche
+Arikbugha's kund geworden, zog nun wider ihn, und begehrte die Herausgabe
+der Frau Hirghana, der Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukjan's,
+welche vor einiger Zeit, um die Beschwerden Alghui's anzubringen, in's
+Lager Arikbugha's gegangen, von demselben zurückbehalten worden war. Er
+sandte sie mit ihrem Minister _Mesud_, dem Sohne von Jelwadsch, zurück.
+Alghui empfing sie ehrenvoll und bestellte den Mesud zur Verwaltung der
+Länder jenseits des Oxus, wo er zu Samarkand und Bochara residirte. Durch
+seine weise Verwaltung erstarkte der Schatz und die Macht Alghui's, der
+sich zu wiederholtenmalen mit dem Heere Berke's schlug, und diesem Otrar
+entriss; ihm gegenüber stand aber als Verbündeter, Schutzgenosse Berke's
+der Prinz _Kaidu_, der Sohn Kaschin's, des fünften Sohnes Ogotai's. Anfangs
+von der Partei Arikbugha's, hatte er denselben verlassen und sich zu Berke
+geflüchtet, der ihm sein Vertrauen schenkte, weil die Astrologen das
+Horoscop Kaidu's ungemein günstig und glückvorbedeutend gefunden[439]. Bald
+hierauf starb Alghui und durch die Bemühungen Hirghana's ward ihr Sohn
+Mubarekschah als Herrscher des Uluses Dschagatai anerkannt.
+
+[Randnote: Kaidu.]
+
+Arikbugha, von seinem Heere verlassen, hatte sich reuig an dem Hofe des
+Bruders eingestellt, an welchem er nach dem mongolischen Gebrauche als
+Schuldiger eingeführt ward. Nach dieser Sitte wurden die Schuldigen nicht
+durch das gewöhnliche Thor in's Zelt zur Audienz eingeführt, sondern bei
+einer heimlichen Pforte hineingestossen, und statt eines Ehrenkleides mit
+Filz bekleidet[440]. Das offene Bekenntniss der Schuld ward gnädig
+aufgenommen; aber _Dschingkum_, der Gesandte Hulagu's, welcher gegenwärtig,
+rieth im Namen seines Herrn, nach der Strenge der Jasa zu verfahren und den
+Prinzen sammt seinen Mitschuldigen vor Gericht zu stellen; auch _Dschikar_,
+der Bruder Apuschka's, welcher durch die Hand des Prinzen Suntai gefallen,
+warf dem Arikbugha hartes Wort, dass er bereit sei, dessen Blut zu
+vergiessen, in's Gesicht. Am folgenden Tage gingen die grossen Nujane mit
+den Prinzen in's Gericht[441]. Auf die wider sie vorgebrachte Klage
+schwiegen sie alle; endlich redete sie Toman Nujan, einer der edelsten so
+von Gesicht als Gesinnung, an: Warum sprecht ihr nicht, ihr Fürsten! Haben
+wir uns nicht Alle verschworen, den Arikbugha auf den Thron zu setzen, oder
+mit ihm zu sterben? Nun ist der Tag gekommen, den zweiten Theil unseres
+gegebenen Wortes zu lösen. Arikbugha erzählte den Hergang des Aufruhrs und
+die Emire bekannten ihre Schuld. Kubilai wollte dennoch nicht zur
+Vollstreckung des Urtheils schreiten, ohne zuvor das Gutachten Berke's und
+Hulagu's und auch Alghui's, der damals noch am Leben, eingeholt zu haben;
+nur die schuldigsten der Emire wurden sogleich hingerichtet: _Bulgha
+Nujan_, der erste Hebel des Aufruhrs, _Ildschetai_, welcher Gurundschi, den
+Sohn Kadan's, verschwärzt, und _Tokus_, welcher das meiste Blut der Truppen
+des Kaan's vergossen; andere wurden nach Turkistan verbannt[442]; nur um
+das über die Prinzen Arikbugha und Suntai zu verhängende Loos wurden
+_Berke_, _Hulagu_ und _Alghui_ um ihr Gutachten befragt. Alghui erklärte,
+dass er sich der Meinung des Kaan's und Hulagu's, was immer sie sei,
+anschliesse. Hulagu billigte in Allem den Beschluss der Prinzen und des
+Gerichts und versprach, wenn Berke käme, ebenfalls beim Kurultai zu
+erscheinen. Bald nach der Rückkehr des Gesandten starb Arikbugha
+natürlichen Todes, und es brach der Krieg zwischen Hulagu und Berke aus.
+Kubilai verlieh die Herrschaft des Uluses Dschagatai, welche die Frau
+Hirghana ihrem Sohne Mubarekschah zugewandt hatte, dem _Beirak_, dem Sohne
+_Jesun Tewa's_, des zweiten Sohnes _Muwatukjan's_, welcher den
+_Mubarekschah_ zur Abdankung bewog und sich der Zügel der Herrschaft des
+Uluses Dschagatai bemächtigte; aber nachdem Arikbugha und Alghui, die
+beiden Thronanmasser aus dem Uluse Tuli's und Dschagatai's, verschwunden,
+hatte Kubilai noch einen dritten aus dem Uluse Ogotai's, nämlich Kaidu, den
+Sohn Kaschin's, zu bekämpfen. Kubilai sandte ihm ein von seinen Söhnen
+_Numughan_ und _Kukistu_ befehligtes Heer entgegen, in welchem sich Söhne
+Ogotai's[443] und Arikbugha's befanden. Die Prinzen Tokatimur und
+_Schiregi_ (der Sohn Ogotai's) verschworen sich mitsammen, ergriffen die
+beiden Prinzen, Söhne Kubilai's, und sandten dieselben an Mengku Timur, den
+Herrn von Kipdschak, aus; zugleich streuten sie das Gerücht aus, dass die
+Söhne Batu's mit den Kaidu's gemeinsame Sache machten, das aber nicht dem
+so. Zwar vereinten sich mit Schiregi und Tokatimur auch _Sarban_, der achte
+Sohn Dschaghatai's; aber sie wurden vom Heere Kubilai's geschlagen, und
+die beiden letzten entflohen nach der Landschaft _Narin_, wo sie am Ufer
+des Irtisch weilten; während Tokatimur im Lande der Kirgisen streifte, ward
+sein Lager von den Truppen Kubilai's geplündert; Tokatimur wandte sich an
+Schiregi um Hilfe, und als dieser sie ihm verweigerte, lockte er den Sarban
+mit Hoffnungen auf die Chanschaft, wie er früher den Schiregi damit
+verlockt hatte. Die beiden gleich getäuschten Thronbewerber Sarban und
+Schiregi bekriegten sich nun mit einander und rieben sich gegenseitig auf,
+bis beide in die Hände Kubilai's fielen, der jenen in eine durch Sumpfluft
+verpestete Insel sandte, dem Sarban den Befehl über eine Abtheilung von
+Truppen gab. Melik Timur und der Sohn Schiregi's begaben sich zu _Kaidu_,
+der, noch nach vierzig Jahren der mächtige Herrscher des Uluses Ogotai, im
+Verlaufe dieser Geschichte noch mehr als einmal in die der Ilchane
+eingreifend erscheinen wird.
+
+[Randnote: Vertheilung der Statthalterschaften; Tod Hulagu's.]
+
+Hulagu beschäftigte sich nach beendigtem Feldzuge wider Kipdschak mit dem
+Baue zweier Schlösser, das eine in der Ebene von _Alatak_, das andere zu
+_Chui_, und begab sich dann von Tebris an den Goldfluss[444], welchen die
+Mongolen _Tschaghatuwunghatu_ nannten, bei Meragha, dort mit der Vollendung
+der Sternwarte und mit wissenschaftlichen Versammlungen beschäftigt; nebst
+der Astronomie war er vorzüglich der Alchymie ergeben und verschwendete
+grosse Summen an Alchemiker, deren Vorspiegelungen so, wie die ihnen
+zugewandten grossen Summen, in Rauch aufgingen. Zugleich ordnete er die
+Verwaltung des durch seine Eroberungen gegründeten neuen Reichs. Seinem
+ältesten Sohne, Abaka, übertrug er die Statthalterschaft von Chorasan;
+seinem dritten Sohne, Jaschmut, dem Eroberer Mesopotamiens, die
+Statthalterschaft von Arran und Aserbeidschan; dann die von Jaschmut
+eroberten Landschaften Mesopotamiens: _Diari Bekr_ und _Rebiaa_, von dem
+Ufer des Tigris bis an das des Euphrats, dem Emir _Tudan_, und die der
+Länder Rum's dem Emir _Moineddin Perwane_; die Verwaltung von Tebris
+vertraute er den Händen Melik Ssadreddin's, die Kerman's der Frau Turkjan
+Chatun an. Nach der, während des Feldzugs von Kipdschak vollzogenen, oben
+erwähnten Hinrichtung des Staatskanzlers _Seifeddin Bitekdschi_ ward dieses
+höchste Staatsamt dem _Schemseddin Mohammed Dschuweini_, als Herrn und
+Vorsteher des Diwan's, und der Vorsitz des Diwan's zu Bagdad seinem Bruder
+Atamülk, dem Geschichtschreiber, verliehen. Besonderes Vertrauen schenkte
+er dem Sohne des vormaligen kleinen Diwitdar von Bagdad, dem Dschelaleddin;
+dieser täuschte das Vertrauen Hulagu's nicht minder, als sein Vater das des
+letzten Chalifen getäuscht. Er trug ihm vor, dass sich in der Landschaft
+Bagdad's mehrere Tausend Kipdschaken befänden, die, wenn Hulagu hierzu den
+Befehl ertheilen wolle, er zu sammeln bereit sei, um dieselben zum Vortrab
+im nächsten Feldzuge wider Kipdschak zu verwenden. Hulagu, durch seinen
+Vorschlag verblendet, gab ihm Diplom und Löwenkopf und unumschränkte
+Vollmacht über alle Truppen und Waffen der Landschaft Bagdad's. Er warb die
+Kipdschaken und Andere an, wiegelte sie aber gegen Hulagu auf, indem er sie
+heimlich versicherte, dass er nicht gesonnen, sie wider ihre Landsleute auf
+die Schlachtbank zu führen, sie vielmehr retten wolle. Nachdem er sie aus
+den Zeughäusern Bagdad's bewaffnet, führte er sie unter dem gegen den
+Statthalter Bagdad's vorgeschützten Vorwande, dass er mit ihnen nach
+Derbend und Schirwan ausziehe, in's Gebiet des arabischen Stammes
+_Chafadsche_, das er plündernd durchzog und dann mit der ganzen Truppe
+längs des Euphrats bis Aana und Hadise vorbeiziehend nach Syrien und
+Aegypten aufbrach. Der Aerger, so schändlich vom Günstlinge getäuscht
+worden zu sein, nagte als giftiger Wurm in der Brust Hulagu's und
+beschleunigte seinen Tod, der ihn nach kurzer Krankheit hingerafft[445].
+[RN: 9. Rebiulachir 668/8. Febr. 1265] Er ward auf dem Gipfel des Berges
+_Schahu_[446], gegenüber von _Destchawakan_, bestattet. Nach mongolischem
+Gebrauche wurden ihm Gold und Edelsteine in den Sarg gegeben und die
+schönsten seiner Beischläferinnen geschlachtet[447], um ihm die Einsamkeit
+des Grabes zu versüssen. Aber ausser den geschlachteten Beischläferinnen
+folgten ihm bald zwei seiner Frauen natürlichen Todes in's Grab nach, die
+Frau Irtekan, die Mutter seines achten Sohnes _Adschai_, schon am neunten
+Tage nach dem Tode ihres Gemahls, [RN: 3. Ramasan/17. Febr.] und vier
+Monate und eilf Tage später, drei Tage vor der Thronbesteigung Abaka's, die
+Frau _Tokus Chatun_, die Christin, die grosse Beschützerin ihrer
+Glaubensgenossen. Auf ihren Einfluss gründete sich vermuthlich die Hoffnung
+des Papstes, dass Hulagu sich nächstens zum Christenthume bekehren werde,
+wovon ihm der Ungar Joannes die Kunde gebracht und worüber sich der Papst
+in seinem Schreiben an Hulagu so hoch erfreut[448]. Eine grosse Frau, deren
+Wirken stiller und wohlthätiger, als das zweier der berühmtesten Frauen
+persischer Geschichte, nämlich der Frau _Turkjan_ und der Atabegin _Abisch_
+aus der Dynastie der Salghuren, welche Persien beherrschten, und deren
+Geschichte in die Hulagu's enge verflochten, nun zum Schlusse dieses Buches
+besonders erzählt werden soll.
+
+[Randnote: Fars.]
+
+Fars, d. i. Persien im eigentlichsten und engsten Sinne, der Kern des
+persischen Reichs, in welchem das Haupt desselben die alte Persepolis, die
+Geburts- und Grabstätte des Cyrus, ist als Vaterland persischen Namens, als
+Mutterland persischen Stammes zu jeder Zeit seiner Geschichte, von der
+ältesten bis zur neuesten, und folglich auch binnen des Jahrhunderts
+mongolischer Herrschaft vor allen anderen Landschaften des Reichs von
+vorwiegendem Interesse und Momente. Persien im weitesten Sinne, d. i.
+_Iran_, das _Ariene_ der Sendbücher, ist das Paradies der Bibel, das
+zwischen den vier Flüssen des biblischen Paradieses, dem _Digloth_
+(Tigris), _Frat_ (Euphrat), _Gihon_ (Dschihun) und _Phischon_ (Sihun),
+östlich und westlich eingeschlossene asiatische Hochland. Persien im
+engsten Sinne, d. i. _Fars_, ist die von Natur und Kunst vor allen anderen
+Landschaften des Reichs am meisten ausgezeichnete südliche, nördlich vom
+persischen _Irak_, südlich vom persischen Meerbusen, östlich von der
+Sandwüste Kirmans, westlich vom Gebirgslande Luristan begränzt, in welcher
+das paradiesische Thal _Schaab Bewwan_, von den asiatischen
+Geschichtschreibern als eines der vier Paradiese des Ostens gefeiert, die
+Naturfeste _Kalaaisefid_, d. i. das weisse Schloss, schon aus dem Schahname
+als der Sitz des weissen _Diwe's_ bekannt, die Ruinen der vierzig
+Säulen[449] oder der vierzig Leuchtthürme[450], die behauene Steinwand des
+Ebenbildes Rustem's[451], die der alten Königsgräber, das Grab der Mutter
+Salomon's[452], d. i. das des Cyrus (ein Felsengrab mit Pehlewiinschrift),
+die des Kerkers[453] und der Musikkapelle Dschemschid's[454], Felsengrotten
+mit Inschrifttafeln in Pehlewi, die Sculpturen von Schabur, welche den
+Triumph Schabur's über Valerian verherrlichen, Königsgräber, Heldengrotten,
+Bergaltäre, Feuertempel und mehrere andere solcher steinerner
+Ueberlieferungen der ältesten Geschichte des Reichs. Ein von der Natur
+durch mehrere Seltenheiten hochbegünstigtes Land, in welchem die Rosen und
+der Wein von Schiras glühen, das reine Wasser von Mossella fliesst, ein
+Land, das der Lebensfluss und der Kor durchströmen, deren erster seinen
+Namen von den lebendigen Bergwässern, dieser in der ältesten Zeit von
+Kyros, in der mittleren vom grössten Fürsten der Dynastie Buje den Namen
+hat[455]; das Land, wo der königliche Berg der Gräber von Persepolis und
+das vielfarbige Salzgebirge von _Darabdscherd_ sich erheben, wo zu Schiras
+die Berggipfel persischen Dichterruhms in den Grabmälern von Hafis und
+Saadi. Persische Baukunst und Dichtkunst haben in Fars ihre höchsten
+Triumphe gefeiert, und ohne von der ältesten Geschichte zu sprechen, so ist
+seit dem Aufblühen neupersischer Poesie und Literatur Fars der Mittelpunkt
+derselben geblieben, bis erst in der jüngsten Zeit sich dieselbe in dem
+Brennpunkte der nach Norden übertragenen Hauptstädte von Teheran und Tebris
+gesammelt. In den ersten drei Jahrhunderten der Hidschret blühte
+morgenländische Dichtkunst und Literatur zwar zuerst unter der Herrschaft
+der Beni _Saman_ und _Chorasan_ auf und erhielt sich dort noch mit der
+Herrschaft der _Seldschuken_ in bedeutendem Flore; denn _Fars_ wetteiferte
+hierin mit Chorasan schon unter der Herrschaft der Beni Buje, und trug
+unter der der Salghuren den ersten Preis davon, welcher demselben erst nach
+dem Untergange dieser Dynastie, unter der Herrschaft der Ilchane vom
+nördlichen Persien, wo die Residenz _Tebris_ aufblühte, streitig gemacht,
+in der Folge aber unter der Herrschaft der Dynastien der _Beni Mosaffer_
+und _Sseffi_ wieder errungen, und bis in die neueste Zeit behauptet ward,
+wo der Lebensfluss geistiger Kultur wieder den nördlichen Hauptstädten und
+Residenzen Teheran und Tebris in seichteren Fluthen zufliesst; also schon
+aus dem Gesichtspunkte der Kulturgeschichte allein ist die Geschichte der
+Salghuren, welche ein Jahrhundert vor der Herrschaft der Ilchane Fars
+beherrscht, von der höchsten Wichtigkeit, indem dieselbe auch die
+Kulturgeschichte Persiens während der Eroberung und der dreizehnjährigen
+Herrschaft Hulagu's einschliesst.
+
+[Randnote: Die Beni Amare, Beni Buje und Beni Seldschuken.]
+
+In Hinsicht auf Kultur hat die bisher europäischen Orientalisten und
+Geschichtschreibern nicht einmal dem Namen nach bekannt gewordene Dynastie
+der Beni _Dschelendi_, welche zur Zeit der arabischen Eroberung von den
+Ufern des persischen Meerbusens bis nach Kerman und Irak hin herrschten,
+einen bedeutungsvollen Beinamen, indem dieselben auch Beni _Amare_ oder
+_Imare_, d. i. die Söhne der Kultur, heissen. Das arabische Wurzelwort
+_Amr_ oder _Omr_ bezeichnet _Leben_ und _Kultur_, indem die Kultur belebt
+und das Leben ohne Kultur kein geistiges; zunächst verwandt mit _Omer_,
+d. i. _Homeros_, dem Inbegriffe ältester griechischer geistiger, vom Orient
+aus belebter Kultur[456]. _Aammar_ heisst der Hochgebildete, Wohlgerüche
+Liebende, sei es nun die physischen, sei es die geistigen höherer Bildung,
+wovon jene ein treffliches Sinnbild. Bisher kennt die europäische
+Geschichte des Morgenlandes nur zwei Dynastien der Beni _Ammer_, die,
+welche zur Zeit der Kreuzfahrer in Tripolis herrschte, wo die herrliche,
+angeblich drei Millionen Bände starke Bibliothek derselben von den
+Kreuzfahrern verbrannt ward[457]; die zweite, welche im ersten Viertel des
+vierzehnten Jahrhunderts zu Tripolis an der afrikanischen Küste gegründet,
+unter sieben Fürsten durch sieben und siebzig Jahre gedauert[458], welche
+ebenfalls Freunde der Wissenschaften und Literatur; die dritte endlich, die
+hier zum erstenmale in Europa an's Licht gezogen wird, die der Beni _Amare_
+in Fars, welche, auf ihre Bergfesten stolz, nicht nur den arabischen
+Eroberungen, sondern auch noch der in Chorasan aufsteigenden Dynastie der
+Beni _Ssaffer_ trotzten, indem _Omer Ben Leis_, der Fürst der letzten, zwei
+Jahre lang den Abdallah Ben Ahmed el-Dschelendi, den Fürsten der Beni
+Amare, bekriegte, ohne denselben besiegen zu können. Nach den historischen
+Ueberlieferungen der moslimischen Geschichtschreiber sollen die Beni Amare
+als Herren der Küste und Seeräuber schon zur Zeit des Moses geherrscht und
+das Schiff weggenommen haben, dessen im Koran bei der Erzählung der
+Wanderung des Moses mit Chisr nach dem Zusammenfluss der beiden Meere (des
+arabischen und persischen oder persischen und indischen) Erwähnung
+geschieht[459]. Nach der Herrschaft der Beni Omeije erhob sich unter der
+der Beni Abbas in Fars die der Beni Buje, deren grösste Fürsten besonders
+die neue Hauptstadt Schiras durch Bauten verherrlichten. Während der sieben
+und achtzig Jahre, welche vom Ende der Herrschaft der Beni Buje bis zu dem
+Beginne der Herrschaft der Salghuren verflossen, ward Fars durch sieben
+Statthalter Atabege der Seldschuken verwaltet. Der erste, _Faslui
+Schebankjare_, von dem ein Dichter gesagt:
+
+ Von Gott, dem Allerhöchsten, war es Huld und Glück,
+ Dass Ungethüm des Aufruhrs hielt _Faslu_ zurück.
+
+Der zweite, _Rokneddin Chumar Tekin_, ertrank; der dritte, _Dschelaleddin
+Dschanli_, zerstörte Schebankjare; der vierte, _Rokneddin Dschanli_,
+welcher eine Medrese zu Schiras gebaut, ward zu Hamadan erschlagen; der
+fünfte, _Mengubers_, baute eine Medrese, an welcher er begraben liegt,
+desgleichen seine Gemahlin _Sahide_, d. i. die Einsiedlerin, die nach ihr
+_Issmeti_, d. i. die keusche, genannte Medrese; der sechste, _Besabe_,
+ward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsamer Weise getödtet,
+und der siebente, _Melekschah_, hielt, der letzte, das Ansehen der
+Seldschuken aufrecht. [RN: i. J. 543/1048] Wider diesen stand in der Hälfte
+des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des eilften der christlichen
+Zeitrechnung, _Sonkar Ben Mewdud_, der Salghure, vormaliger Sklave
+Melekschahs, in Aufruhr auf und masste sich als Atabege die Krone an. Er
+war Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des unmündigen Sohnes Sultan
+Mohammed's, des Seldschuken, gewesen und war von ihm zum Statthalter von
+Fars bestellt worden, das er drei Jahre lang verwaltete, dann aber durch
+seines Bruders Tekele List eingesperrt ward[460]. Er hatte sich am Fusse
+des Berges _Giluje_ angesiedelt, von wo aus er seine neue Herrschaft
+begründete; er schlug sich zu wiederholtenmalen mit Jakub Ben Arslan, dem
+Herrn von Chusistan, und starb, nachdem er die neugegründete Herrschaft
+durch vierzehn Jahre befestigt. Er baute zu Schiras Kloster, Moschee,
+Karawanserai und eine hohe Minaret, er selbst ein hoher Leuchtthurm der
+Herrschaft, welcher durch Siege, Einrichtungen und Bauten als Reichsgründer
+seinen zehn Nachfolgern strahlend vorgeleuchtet[461].
+
+[Randnote: Die fünf ersten Atabegen Salghuren.]
+
+Der Atabeg _Mosaffereddin Sengi Ben Mohammed_, der Bruder des Gründers, vom
+Sultan der Seldschuken, Toghrul, als Atabege bestätigt, behauptete, wie
+sein Bruder, die Herrschaft durch vierzehn Jahre, wiewohl sie ihm von
+seinem Schwager Saik, welcher zu Baidha ein Karawanserai gebaut, mit den
+Waffen in der Hand streitig gemacht ward. Er baute für den grossen Scheich
+Abdollah Chafif eine kleine Zelle, welche in der Folge bis zu drei Domen
+vergrössert, erst von Schah Ismail, dem Gründer der Dynastie Ssofi,
+zerstöret ward. [RN: 570/1174] Ihm folgte als dritter Atabeg sein Sohn
+Tekele, ein gerechter Fürst, dessen weiser Grosswesir, Emineddin Karasun,
+zu Schiras Moschee und Kloster erbaute; im fünften Jahre seiner Regierung
+verheerte der Atabeg von Aserbeidschan, Pehliwan, der Sohn des Ildigis, das
+Land, und die fünfzehn folgenden Jahre derselben waren kaum hinreichend,
+die dem Lande durch die Verheerung geschlagenen Wunden durch gerechte
+Verwaltung zu heilen; [RN: 590/1194] kaum vernarbt, wurden dieselben
+während der siebenjährigen seines Vetters und Nachfolgers _Toghrul Ben
+Sonkor_[462] wieder durch den Bürgerkrieg, in welchem ihm sein Vetter, der
+fünfte Atabeg, _Ebu Schudschaa_, d. i. der Vater der Tapferen, _Saad Ben
+Sengi_, den Thron zu entreissen strebte, aufgerissen und durch Landplagen
+so schmerzlicher gemacht. Auf unerhörte Trockenheit folgte schreckliche
+Hungersnoth, in welcher die Leichname der Hungers Gestorbenen von den
+Ueberlebenden verzehrt wurden, und auf die schrecklichste Hungersnoth noch
+schrecklichere Pest. [RN: 600/1203] Usbeg, der Sohn Pehliwan's, der Atabege
+von Aserbeidschan, verheerte Schiras, und vierzehn Jahre hernach, als der
+Sultan Mohammed Tekesch, der Schah Chuaresm's, mit dreimalhunderttausend
+Mann auf dem Zuge nach Bagdad sich des Gebirgslandes des persischen Irak
+bemächtigt hatte, schlug sich Saad einigemal mit ihm und wurde von ihm
+gefangen. Mohammed Tekesch, selbst ein tapferer Fürst, erhob die
+Tapferkeit des gefangenen Feindes so hoch, dass er ihm die Herrschaft von
+Fars unter der Bedingniss bestätigte, dass dessen Tochter _Melike Chatun_
+dem Sohne Chuaresmschah's, dem grossen und unglücklichen _Dschelaleddin
+Mankburni_ (dem letzten der Chuaresmschahe), vermählt werde; dass das
+Drittel der Einkünfte von Fars in den Schatz Chuaresmschah's fliesse und
+das feste Schloss Istachr chuaresmische Besatzung einnähme. Saad's Sohn
+Ebubekr missbilligte den vom Vater geschlossenen Rettungsvertrag, stand
+wider denselben mit den Waffen in der Hand auf, schlug ihn einigemal und
+sperrte ihn im Schlosse von Istachr, welches sammt den von _Ischnekwan_ von
+Chuaresmschah hätte besetzt werden sollen, ein. Ebubekr hatte die Pflichten
+des Sohnes so sehr ausser Augen gesetzt, dass er sogar nach dem Vater mit
+Keulen schlug; dieser stürzte den Sohn vom Pferde und sperrte ihn in einem
+der drei Schlösser von Istachr ein, erfüllte den mit Chuaresmschah
+geschlossenen Vertrag durch Sendung der Tochter und benützte den Frieden
+zum Baue einer Moschee, eines grossen Karawanserai auf dem Wege von Tebris,
+welches _Schehrallah_, d. i. die Stadt Gottes, heisst, und zu Erneuerung
+der Mauern von Schiras[463]. Saad's Wesir war _Amideddin Abu Nassir Esaad
+Abrisi_, welcher einen Band arabischer und persischer Geschichte
+hinterliess und mit welchem Saad, selbst Dichter, sich öfters in poetischen
+Wettstreit einliess. Die Frucht eines derselben ist die berühmte, seitdem
+auf allen Zungen gang und gäbe Antithese Chuaresmschah's:
+
+ In Schlachten wie Eisen, bei Festen wie Wachs,
+ Verderblich dem Feinde, gesegnet dem Freunde[464].
+
+Der Wesir _Amideddin_ stand in gelehrtem Briefwechsel mit dem Meister aller
+Humanitätswissenschaften, _Omer Er-Rasi_, über die Schwierigkeiten des
+mystischen Epos _Selaman_ und _Absal_, welches unter der Hülle einer
+Männerliebe die Allegorie des Aufschwungs der Seele zu göttlicher Liebe.
+Die Volkssage hat die Namen der beiden Helden dieses Gedichtes
+altpersischen Ursprungs einer Steinwand von Sculpturen von Schiras[465]
+aufgeheftet, sowie denen von Tak Bostan bei Kermanschahan die Sage von
+Chosrew und Schirin. Saad hatte den Wesir Amideddin sammt seinem Sohne
+Tadscheddin zu Ischnekwan, einem der Schlösser Istachr's[466], eingesperrt;
+er kürzte sich die lange Weile seiner Gefangenschaft durch Gedichte, die er
+an die Wand schrieb, und deren eines die berühmte Kassidet, deren Beginn:
+
+ Wer bringt meinen Geist zu _Batha's_ freien Tauben?
+ Die sich der reinen Fluth erfreu'n und grüner Lauben.
+
+[Randnote: Ebubekr Ben Saad und sein Bruder Salghurschah.]
+
+Ebubekr ward nach siebenjähriger Gefangenschaft zu Istachr unmittelbar vor
+des Vaters Tod an dessen Sterbebett berufen, und bestieg nach dessen acht
+und zwanzigjähriger Regierung den Thron. [RN: 623/1226] Sein Vater, Saad,
+hatte Kerman erobert und die Schebankjare gedemüthigt, aber sein Sohn
+Ebubekr war ein weit grösserer, sei es als Eroberer, Bauherr oder Gönner
+von Dichtern und Gelehrten. Unter ihm wurden die Inseln des persischen
+Meerbusens _Kisch_ und _Bahrein_ und das arabische Gebiet von _Katif_ und
+_Lahsa_ erobert. Seine dreissigjährige Regierung ist der Glanzpunkt der
+Salghurenherrschaft. Ueberall erhoben sich in Fars Karawanseraien unter dem
+Namen Mosaffer Ebubekr's, als zu _Ebrkuh_, _Beidha_, _Karun_, im Passe
+_Adhadi_ und an der Küste von _Dschaaber_, die schönste Juwele aber der
+Strahlenkrone seines Ruhms ist Saadi's Zueignung seines Gülistan, in
+welchem der Dichter gleich Eingangs mit einer von dem emphatischen
+Selbstlobe der Lyriker und Epiker sich sehr vortheilhaft auszeichnenden
+Bescheidenheit den Beifall seiner Zeitgenossen einzig dem des Atabegen
+zuschreibt und auf ihn und sich den bekannten schönen Apolog des durch die
+Nachbarschaft der Rose durchdufteten Thones anredet:
+
+ Blos weil dein Blick auf mich Unwürd'gen gefallen ist;
+ Mein Werk der Sonne gleich berühmt bei Allen ist;
+ Wenn Alles auch an mir nur Fehl' und Mangel ist,
+ Fehlen, das der Sultan billigt, Tugendangel ist.
+
+Die Zeit hat die Anwendung umgekehrt, und Ebubekr ist durch Saadi, nicht
+aber dieser durch jenen berühmt. Nach dem Verderben Chuaresmschah's
+huldigte Ebubekr Ben Saad staatsklug den Herrschern der Mongolen und ward
+als Atabeg in der Herrschaft von Fars bestätigt. Er führte jährlich nur
+dreissigtausend Dukaten an den Schatz ab, eine Summe, welche damals der
+kleinste Distrikt von Fars abwarf; mit dieser Summe sandte er alljährlich
+den Sohn Saad mit einem seiner Neffen an den Chan; die mongolischen Vögte
+behandelte er freigebig, stellte aber zugleich Späher auf, um alle
+Verbindung des Volkes mit denselben zu hindern, damit jene nicht die
+Wahrheit seiner glänzenden Umstände erführen; er genoss des Lebens im
+Stillen im Garten Firusi, von wo er jeden Morgen nach dem Lager sich begab
+und nach aufgehobener Mittagstafel wieder in den Garten zurückkehrte. Ein
+grosser Beschützer der Dichter und Gelehrten, besonders aber der Frommen
+und Derwische, die er mehr als die Gesetzgelehrten achtete, weil er, wie es
+scheint, dieselben minder fürchtete. Er hatte von Hulagu bei dessen
+Einmarsch in Persien das Diplom der Herrschaft mit dem Titel _Kotloghschah_
+erhalten; er hatte denselben seinem Sohne Saad und seinem Bruder
+Salghurschah entgegengesandt. Der Bruder, beigenannt _Karandank Chan_, war
+ein humaner, verständiger Prinz, von schöner Gestalt, aber ganz sinnlichen
+Genüssen ergeben, denen er in den von ihm angelegten paradiesischen Gärten,
+welche _Ssubuhabad_, d. i. Morgentrunksbau, hiessen, ungestört nachhing;
+seiner unablässigen Trinkgelagen ungeachtet, schrieb er täglich als
+Kalligraphe einige Verse des Korans und sandte die Abschrift an die Kaaba,
+Verfasser anmuthiger vierzeiliger anacreontischer Strophen. Jedem Gedanken
+auf Herrschaft fern, lebte er einzig seinem Vergnügen, und als Ebubekr,
+durch eine lügenhafte Denuntiation aufgelärmt, die ganze Gesellschaft
+unversehens überfiel, fand er Nichts als ein Gelage von Trinkern, wie
+Wassaf sagt:
+
+ »Morgentrunk und dann des Weines Gluglu,
+ Rose, Rosenstrauch und Nachtigall dazu,
+ Traute Sänger, die gebunden und betrunken,
+ Neben Flaschen Schenke, dem das Glas entsunken.
+
+Zerbrochen die Krüge, die grossen, der Wein ausgegossen, die Schöne
+zerwühlt, die Halsschleife zerknüllt, die Halbtrommel eine Zeit lang von
+den Ohrfeigen nicht ertönend, und aus dem Mund der Flöte einen Augenblick
+aufgähnend, die Haare verwirrt herumtrollen, wie die Schönen, welche das
+Gesicht gegen die Wand wenden, wenn sie schmollen, von den Aesten sang ein
+Ghasel die Nachtigall und ein Wunder ist's, dass die Schlafenden nicht
+erwachten von dessen Schall und Widerhall.« Bei solcher Lebensart vertiefte
+er sich in Schulden, die dann der Bruder grossmüthig zahlte. Eines Tages
+improvisirte Salghurschah:
+
+ Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre,
+ Wenn mir der Kopf voll Groll und Geizes wäre;
+ So würd' ich dich, wie du gewohnt, gen mich zu handeln,
+ An deiner Statt gerade wie du mich behandeln.
+
+Ebubekr sandte ihm zehn Beutel Goldes, zehn Kisten Kleider, zehn edle
+Pferde nebst der Freudenkunde, dass alle seine Schulden getilgt seien[467].
+
+[Randnote: Eroberung von Kisch; und Literatur.]
+
+Die glänzendste der Eroberungen Ebubekr's ist die der Inseln _Kais_ oder
+_Kisch_ (auf persisch Kosch) und _Bahrein_, wo die reichsten
+Perlenfischereien im persischen Meerbusen. Die erste dieser Inseln hat
+ihren Namen von Kais, dem Sohne Kaissar's, eines Schiffsherrn von _Siraf_,
+der Hafen- und Stapelstadt der mittägigen persischen Küste. Der Ursprung
+der Macht und der Grösse der Beni Kaissar war eine Katze, welche die arme
+Mutter der drei Söhne Kaissar's einem Schiffer als ihr einziges Habe auf
+einer Fahrt nach Indien mitgegeben, die sich aber, weil sie dort, wo
+gelandet ward, es keine Katzen und zu viel Mäuse gab, die letzten
+zusammenfrass, mit einem Schatze von Juwelen und Gold rentirte. Die Söhne
+der Wittwe wurden mächtige Schiffsherren und dehnten ihre Unternehmungen
+bis an die indische Küste aus; sie bauten auf Kais einen grossen Palast,
+den sie _Aferide_ nannten und welcher mit der Palasthalle Adhadeddewlet's
+zu _Nabend_ (dem östlich von _Siraf_ gelegenen Dorfe) und mit den
+Säulenhallen des Elephantenhauses Adhadeddewlet's zu _Siraf_ um den Vorzug
+buhlte[468], und der Chalife Nassirolidinillah verlieh ihnen das Diplom der
+Herrschaft von Kais unter dem Titel: Sultan _Ibnol Melik Dschemschid_. So
+herrschten die _Beni Kaissar_, deren Dasein bisher aber, sowie das der Beni
+_Amare_ in Fars, europäischen Geschichtschreibern entgangen, auf _Kais_,
+als Seifeddin Abu Nadhr Ali Ben Keikobad, der Herr der Insel Hormus, dem
+Atabeg Ebubekr seine Hilfe zur Eroberung von Kais anbot; die Befehlshaber
+von _Germsir_, d. i. dem warmen Landstriche der südlichen persischen Küste,
+wurden zur Eroberung von Kais befehligt, und Melik Dschemschid wurde nur
+einige Monate vor dem Tode Tschengischan's getödtet. [RN: 12. Dchem. achir
+626/17. Mai 1229] Der Herr von Hormus hatte die Insel aber für sich und
+nicht für den Atabegen erobert; wie sich diesem _Abu Nadhr_ zum Sturze
+Melik _Sultans_ angetragen, so boten Indienfahrer von Kisch, welche mit
+ihren reichen, nach Malatia bestimmten Ladungen zu _Chorschif_ gelandet
+hatten, ihre Hilfe zum Verderben Abu Nadhr's an. Der Atabeg sandte ein Heer
+von Kurden, Luren und Schulen, und Seifeddin, d. i. das Schwert der
+Religion, Abu Nadhr fiel unter dem Schwerte der Feinde. [RN: 4. Moharrem
+628/12. Nov. 1230] Der Sultan von Kenbajet in Indien huldigte dem Atabegen
+von Fars, der ihn mit einem Diplome beehrte, dessen Beginn: Im Namen Gottes
+der Erbe des Reichs Salomon's, des Gerechten der Welt, Sultan zu Land und
+See, König der Welt und der Religion, Ebubekr Ben Saad, der Helfer der
+Diener Gottes, der Rechtgläubigen. Hierauf wurde die mit ihren
+Perlenfischereien in die Steuerregister des Chalifats eingetragene Insel
+_Owal_, insgemein _Bahrein_ genannt, [RN: 3. Silhidsche 633/8. Aug. 1236]
+und sieben Jahre darnach die Insel _Katif_, auf welcher das Schloss
+_Tharut_, erobert und mit jährlichen zwölftausend Dukaten vom Ertrage der
+Perlenernte besteuert. Ebubekr, der grösste der Atabegen, starb in seinem
+sieben und siebzigsten Jahre, [RN: 5. Dschem. achir 658/19. Mai 1260] von
+seinem Sohne Saad II., dem siebenten Atabege, nur zwölf Tage überlebt,
+worauf der letzte minderjährige Sohn, Mohammed Ben Saad, unter
+Vormundschaft Turkjan Chatun's, der Schwester des Atabegen von Jesd,
+_Alaeddewlet's_, den Thron bestieg. Ebubekr, des grössten der persischen
+Atabege Namen, ist nicht nur durch das Gülistan Saadi's, sondern auch durch
+die Werke anderer grosser persischer Dichter verherrlicht, und seine
+Regierung umfasst die der Hulagu's gleichzeitige Blüthe persischer Kultur.
+Nach dem Beispiele der Fürsten der Dynastien Saman, der Seldschuken und
+Chuaresmschahe hatte er einen Dichterkönig, _Hemkjar Farsi_, beigenannt
+_Medschdeddin Semeki_, der seinen Stammbaum bis zu Nuschirwan
+hinaufleitete; Schönredner, Schönschreiber, in trautem Umgange mit den
+grossen Dichtern _Imami_ aus Herat, _Abdulkadr_ von Nain, _Said_ von Herat,
+_Nefieddin Lokmani_[469] und _Esireddin Omani_, dem Schüler Nassireddin's
+von Tus. Ein Schüler Nassireddin's von Tus war auch der Chodscha
+Hemameddin, der Atticus dieses Zeitalters, ein reicher Mann und
+aufgeweckter Kopf, dessen Haus Dichtern und Gelehrten offen stand[470]. So
+günstig, als Ebubekr den Dichtern, so wenig liebte er die Gelehrten,
+besonders die, so sich Philosophen nannten; er verbannte mehrere derselben
+aus Schiras, darunter den grossen Imam _Ssadreddin Mahmud El-Uschnusi_, den
+berühmtesten Prediger seiner Zeit[471]; er fürchtete, sagt Wassaf, dass die
+Gelehrten mittels Einsicht und Geldes die Regierungsgeheimnisse erfahren,
+die Regierung in ihrem freien Gange beeinträchtigen könnten. Die grösste
+und schönste der Stiftungen Ebubekr's ist das grosse Spital von Schiras mit
+dem dazu gehörigen Garten. Nach Ebubekr's Lobpreis steht im Gülistan
+Saadi's das Saad's, seines Sohnes und des grossen Emirs Ben Ebi Nassr.
+
+[Randnote: Turkjan's tragisches Ende; Fars, dem mongolisch. Reiche
+einverleibt.]
+
+Turkjan, die Regentin von Fars, sandte huldigende Geschenke an Hulagu und
+erhielt von demselben das Diplom der Herrschaft auf den Namen ihres
+Sohnes, welcher schon nach zwei Jahren und sieben Monaten sein Leben durch
+einen Sturz vom Dache endete. Der Leiter ihrer Geschäfte war der von Saadi
+im Gülistan gepriesene Grosswesir Nisameddin Ebubekr, der als Gesandter an
+Hulagu ging, ihr bekannter Günstling aber der schöne Sklave Schemseddin
+Miak, ein Mamluke des Atabegen Saad; nach Mohammed's Tod wurde sein Vetter
+Mohammed, der Sohn Salghur's, zum Herrscher ausgerufen, welchem Turkjan
+zwar ihre Tochter _Selgham_ vermählte, aber nichtsdestoweniger wider ihn
+bei Hulagu Ränke schmiedete. Mohammed, der Sohn Salghur's (der Bruder
+Ebubekr's), war ein tapferer Fürst, der im Geleite des Ilchan's vor Bagdad
+durch Proben seiner Tapferkeit sich bei Hulagu in Kredit gesetzt, aber als
+er zur Regierung gelangt, sich der Weichlichkeit ergab. Sein im Schlosse
+von Istachr eingesperrter Bruder bat ihn vergebens in Versen um Befreiung.
+Da verschwor sich die Frau Turkjan wider ihren Schwiegersohn mit den Emiren
+der Schulen und Turkmanen, liess ihn im Hareme ergreifen und sandte ihn
+nach viermonatlicher Regierung, als der Regierung unfähig, an Hulagu. Die
+Emire der Schulen befreiten den gefangenen Bruder _Seldschuk_ und setzten
+denselben auf den Thron. Turkjan Chatun hatte ihm ihre Hand gereicht und so
+sehr darauf gerechnet, seinen Arm zu leiten, als er in ihre Schönheit
+verliebt war; aber bei einem Trinkgelage, wo die Sänger und Sängerinnen die
+Charaktere der sieben berühmtesten Liebespaare arabischer und persischer
+Romane vorstellten, nämlich: _Koseir_ und _Osa_, _Amrol Kais_ und _Oneise_,
+_Irwet_ und _Aafra_, _Emher_ und _Wefa_, _Leila_ und _Medschnun_, _Weise_
+und _Gilschad_, _Schirin_ und _Ferkad_, scheint den schon Trunkenen die
+Furcht, dass er in Liebesbanden gegängelt werde, aufgestachelt zu haben;
+auf den von ihm einem gegenüberstehenden Neger gegebenen Wink hieb dieser
+der Frau Turkjan den riesigen Kopf ab, und als ihm derselbe auf goldenem
+Becken dargebracht ward, riss er die grossen Perlen der Ohrgehänge weg und
+warf sie den Sängern vor, wie es scheint, als Dank, dass ihn ihr Gesang zu
+solcher That begeisterte. Die beiden mongolischen Vögte _Oghlobeg_ und
+_Kotlogh Bitekdschi_, die Mordthat missbilligend, suchten zu Schiff zu
+entkommen, aber Seldschuk, ihre Entfernung gewahr, eilte ihnen im Hemde,
+nur mit goldener Keule bewaffnet, nach, erschlug den einen und liess den
+anderen ermorden. _Miak_ war an den Hof Hulagu's gegangen, wo Mohammed noch
+gefangen gehalten, erst in Freiheit gesetzt und nach Fars bestimmt, bald
+aber darauf hingerichtet ward. Hulagu sandte seine Generale _Altadschu_ und
+_Timur_ nach Fars, den Atabegen zu züchtigen; da dieser trotz der an ihn
+ergangenen Aufforderung zur Reue, auf welche Verzeihung folgen sollte, den
+Boten misshandelte, rückte Altadschu, verstärkt von den Truppen des Sultans
+von Kerman und des Atabegen von Jesd (des Bruders Turkjan's), in Fars ein.
+Seldschuk flüchtete nach _Chorschif_. Zu Kjarsun kam es zur Schlacht;
+geschlagen, suchte Seldschuk vergebens am Grabmale des Schwagers Morschid
+Rettung und ward am Fusse des weissen Schlosses getödtet. Kanzelgebet und
+Münze wurden nun auf den Namen des einzigen übrigen Sprösslings der
+Atabegen, der Tochter Turkjan's, _Abisch_[472] (aus Saad Ebubekr),
+verrichtet. Nach der Niederlage Seldschuk's hatte der General Timur auf ein
+allgemeines Gemetzel der Einwohner von Schiras angetragen, aber Altadschu
+gab hierzu seine Einwilligung nicht, und wurde in der Folge, als der Seid
+_Scherefeddin_ neuen Aufruhr zu Schiras anzettelte, von Hulagu vor Gericht
+gestellt und, weil er zu milde gewesen, nach der Jasa zur Prügelstrafe
+verurtheilt. [RN: 661/1262] Schon im ersten Jahre nach dem Tode Seldschuk's
+wurde der neue Atabeg, die Frau Abisch, mit Mengu Timur, dem eilften Sohne
+Hulagu's, vermählt; statt des Heirathsgutes, das sie dem Prinzen mitbringen
+sollte, wurde ein Sechstel der Besitzungen von Schiras mit den Einkünften
+von jährlichen achttausend Dukaten ausgeschieden, und _Abisch_ blieb bei
+ihrem Gemahle im Lager, wo sie noch zwanzig Jahre als Atabeg von Fars
+geehrt, ihr Land aber von mongolischen Vögten (Baskak) und Intendenten
+(Melik) verwaltet ward, von denen in der Folge dieser Geschichte noch
+mehrmal die Rede sein wird. Dieser Erwerb des Kerns ganz Persiens, der
+Landschaft Fars, welche, wie Wassaf sagt, das Kleid der sieben Erdgürtel,
+das achte der Paradiese, durch Heirath, krönte die Politik Hulagu's zu
+Ende seiner Laufbahn, die er als Brecher der Burgen der Assassinen und
+Eroberer von Bagdad begonnen. Der Krone des Ilchan's und Padischah's von
+Iran durfte die schönste Juwele derselben nicht fehlen, welche die
+Landschaft Fars.
+
+
+
+
+Viertes Buch.
+
+ Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften;
+ die Familie desselben und Schemseddin's; Schlacht gegen Nokai;
+ armenische und ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und
+ dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in Luristan; der Tod
+ grosser Männer; Schemseddin Kert und Dschuweini; die
+ niguderischen Banden in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug
+ wider Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan;
+ Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet und wieder zu
+ Gnaden aufgenommen; Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht
+ von Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die Christen.
+
+
+[Randnote: Abaka's Thronbesteigung.]
+
+Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik am sichersten
+bewegt; am wenigsten bedarf derselben die gerade, offene des Völkerwohls,
+welcher das Gesetz den sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel
+quergängige des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler gefährdeten
+Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von jeher in östlichen Reichen
+und auch in westlichen, schon vom Hinscheiden des ersten römischen Kaisers
+angefangen, Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange als
+möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen zeitgemässen Anstalten
+die Kunde desselben immer zugleich mit der von der Besitzergreifung des
+Nachfolgers verlaute[473]; daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach
+mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und Befehl erlassen, dass
+Niemand sich von seiner Stätte bewege. Ein Eilbote ward an _Abaka_, den
+durch des Vaters Anordnung zum Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter
+von Chorasan, abgefertigt, und zugleich _Arghun_, welcher bei Abaka die
+Stelle des Wesirs bekleidete, einberufen. Abaka, der sich damals im
+Winterquartiere von _Arran_, und sein Bruder Jaschmut, der sich an der
+Gränze von Derbend befand, trafen am achten Tage nach des Vaters Tod ein;
+der letzte, der unberufen gekommen, kehrte, als er sah, dass die Fluth der
+Stimmen der Emire wider ihn rinne, in zwei Tagen wieder zurück; [RN: 19.
+Dschem. ewwel 663/9. März 1265] Abaka aber stieg im Lager von _Tschaghantu_
+(am Goldfluss in der Nähe Meragha's) ab, wo ihm die Emire bewillkommend
+entgegengingen und _Ilkai_, der Emir des Lagers, dem Prinzen als treuer
+Diener zugethan, demselben, der erste, Brod und Wein als Bürgen der
+Sicherheit reichte. Nachdem die Prinzen und Prinzessinnen ihr Beileid
+bezeugt, versammelten sich die grossen Emire und Nujane, deren sich eben
+Viele gegenwärtig befanden[474]. _Sundschak_ Nujan, welchem Hulagu seinen
+letzten Willen und die Schriften anvertraut hatte, und _Arghun_ bezeugten
+mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's letztwilliger Anordnung _Abaka_
+zum Nachfolger auf dem Throne bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder
+nieder und huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den Befehl
+Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber sagten: Du kennst besser
+als wir die Gebote und Verbote der Jasa, der alten und neuen, wie sollte er
+einen anderen ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung
+und herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten Juni den Thron im ein
+und dreissigsten Jahre seines Alters. [RN: 3. Ramasan 663/19. Juni 1265]
+Die Prinzen warfen die Mützen in die Höhe, die Gürtel um den Hals, um
+dadurch zu sagen, dass ihr Kopf unbedeckt, das ist nicht mehr frei, dass
+ihr Gürtel bereit, als Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren,
+beugten siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem Chan. »Die
+Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der leichter als des Feuers
+Schein, und wie des Paradieses Quelle rein; sie massen den Wein in kleinen
+und grossen Massen aus goldenen und silbernen Tassen ein.« Mehrere Tage
+dauerte das Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin von Tus als glücklich
+bezeichneten Monate hatte die Thronbesteigung am _Tschaghan Nur_, d. i. am
+weissen See, im Distrikte _Ferahan_, statt; _Ferahan_ ist eine Stadt
+mittler Grösse am Ufer eines Sees, wo nach persischer geschichtlicher
+Ueberlieferung Tahmuras, der Diwbändiger, seine Residenz erbaute, die
+längst in Schutt zerfallen[475]; es liegt in derselben Höhe und Breite, wie
+das vier Tagreisen von Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan entfernte
+_Dolfabad_, der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch seinen Witz,
+Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten Emirs _Ebu Dolf Kasim Ben Isa
+Ben Idris_; südlich vom Gebirge Rasmend, an dessen Fusse die grosse
+Fontaine Chosrew's Perwis. An dieser, durch historische Erinnerungen aus
+der ältesten Zeit des persischen Reichs und der des Chalifates so
+reichhaltigen Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an.
+
+[Randnote: Verleihung der Befehlshaberschaften.]
+
+Abaka wollte bis zur Ankunft der Bestätigung Kubilai's nicht auf dem
+Throne, sondern nur auf einem lehnlosen Stuhle sitzen; aber er traf
+nichtsdestoweniger alle Massregeln und Anordnungen der Herrschaft als
+_Chan_, _Ilchan_, _Schah_ und _Padischah_, d. i. als Herr, Landesfürst,
+König und Monarch. Nachdem er die Prinzen und Prinzessinnen, die Nujane und
+Emire der Tomane (der Zehntausenden), der Hesare und Ssade (Tausender und
+Hunderter) mit Geschenken überhäuft, flogen in alle Gegenden Boten mit der
+Nachricht seines Regierungsantrittes und mit Befehlen für Bestätigung und
+Aufrechthaltung der Jasa Tschengischan's und Hulagu's im strengsten Sinne;
+dann vertheilte er die Befehlshaberschaften der Heere und die
+Statthalterschaften des Reichs. Dem Bruder _Jaschmut_ wurde mit
+wohlgerüstetem Heere die Huth der nördlichen Gränze gegen Derbend[476],
+Schirwan, Moghan bis an die Gränze des Altai; dem Bruder _Tuktin_ die Huth
+der östlichen Gränze von Masenderan und Chorasan bis an den Oxus
+anvertraut. Der _Bitekdschi_ (Staatssekretär) _Tughu_, der Sohn Ilkai
+Nujan's, und _Tudan_, der Bruder Sundschak Nujan's (der Ahnherr des zu Ende
+dieser Geschichte als ein grosser Charakter auftretenden Emirs _Tschoban_),
+wurden nach Rum gesendet, wo sie später von den Emiren _Semaghar_ und
+_Kehurkai_ abgelöset wurden. _Dutai_ Nujan wurde nach Diarbekr und _Dijar
+Rebiaa_ an die syrische Gränze befehligt, die militärische Aufsicht
+Georgiens dem _Schiramun_, dem Sohne Dschurmaghun's, des vormaligen
+Befehlshabers in Persien, die von Bagdad und Fars dem _Sundschak_ Nujan
+übertragen; die Verwaltung der Krongüter erhielt _Baltadschu_ Aga und die
+der Pachten[477] _Arghunaga_. Zur obersten Würde des Wesirs als Leiter und
+Herrn des Diwans zu Tebris wurde _Schemseddin Mohammed_ von Dschuwein und
+zu seinem Stellvertreter als Leiter und Inhaber des Diwans sein Bruder
+_Alaeddin Atamülk_, der Geschichtschreiber, ernannt. Zu Issfahan stand der
+Sohn des Wesirs Schemseddin, _Chodscha Behaeddin_, an der Spitze der
+Geschäfte. Die Verwaltung von _Chorasan_ wurde dem Chodscha _Iseddin Tahir_
+und nach ihm seinem Sohne Chodscha _Wedschiheddin_ zugewandt; _Fars_ wurde
+im Namen der Atabegin _Abisch_ verwaltet und die Aufsicht der Pachten hatte
+dort _Tasiku_ auf sich. Die Herrschaft von _Kerman_ wurde der Prinzessin
+Turkjan Chatun, die von _Nimrus_ dem _Melik Schemseddin Mohammed Kert_ und
+von _Georgien_ dem _Abd_ und seinem Sohne _Ssadren_, die _Armeniens_ dem
+König _Hethum_ bestätigt. _Diarbekr_ wurde dem Dschelaleddin Tarsi, _Dijar
+Rebiaa_ dem _Mosaffer Fachreddin Kara Arslan_, _Kaswin_ und ein Theil Iraks
+dem _Iftichareddin Kaswini_, Tebris dem _Ssadreddin_ zur Verwaltung
+anvertraut. Aus dieser nach Reschideddin gegebenen Uebersicht der Heere und
+Ländervertheilung erhellet, dass schon damals, wie später im osmanischen
+Reiche, dessen Staatseinrichtungen grösstentheils den mongolischen
+nachgebildet sind, die militärischen Befehlshaberschaften der Gränze von
+den Statthalterschaften, die Aemter des Diwans von denen der Finanz
+getrennt waren. Wir haben hier sechs grosse militärische Hüter der Gränzen:
+in _Schirwan_ und _Chorasan_, in _Georgien_, _Kleinasien_, in _Fars_ und im
+arabischen _Irak_, drei Wesire, Inhaber des Diwans: zu _Tebris_, _Bagdad_
+und _Issfahan_, drei Intendenten der Krongüter und Pachten, fünf Vorsteher
+der inneren Verwaltung: in _Chorasan_, _Diarbekr_, _Dijar Rebiaa_, zu
+_Kaswin_ und _Tebris_ und endlich die dem Namen nach herrschenden, aber
+eigentlich nur im Namen der Mongolen das Land verwaltenden fünf Fürsten von
+_Kerman_, _Nimrus_, _Georgien_, _Armenien_ und _Fars_; zählen wir hierzu
+noch die schon oben erwähnten Fürsten, welche nur unter der eisernen Keule
+mongolischer Herrschaft ihr Land regierten, nämlich die Atabegen von
+_Gross-_ und _Klein-Luristan_ und von _Jesd_, die noch zu _Mardin_
+herrschenden Fürsten aus der Familie Ortok und die zu _Hossnkeif_ aus der
+Familie Ejub (denn die noch übrigen syrischen von _Himss_, _Hama_ und
+_Kerek_ gehorchten nun dem Sultan Aegyptens), so haben wir beim
+Regierungsantritte Abaka's sieben und zwanzig von ihm begewaltigte grosse
+Befehlshaber der Heere und Länder, Vorsteher der Geschäfte und Verwalter
+der Güter.
+
+[Randnote: Schemseddin's Familie.]
+
+Der Geschichtschreiber Wassaf, statt diese Eintheilung zu geben, hebt als
+die vier Säulen des Ruhms der Zeit Abaka's, von welcher die feste und
+sichere Herrschaft der Ilchane in Persien datirt, vier in ihrem Fache
+ausgezeichnete Männer hervor als »die vier Grossen unter ihren
+Zeitgenossen«; der erste derselben der grösste Astronom und Philosoph
+seiner Zeit, _Nassireddin_ von Tus, der Gründer der Sternwarte zu Meragha,
+der Verfasser der grossen Metaphysik und Ethik, welcher am Hofe Hulagu's
+und Abaka's die Stelle des Ministers des Unterrichts vertrat und der bei
+Gelegenheit der Thronbesteigung Abaka's hundert seiner Schüler mit
+Geschenken des neuen Herrn bedräute[478]. Der zweite der Wesir _Schemseddin
+Dschuweini_, der dritte der Tonkünstler _Ssafijeddin Abdolmumin El Ormewi_
+und der vierte der Schönschreiber _Dschemaleddin Jakut_. Von den beiden
+letzten genügt hier der Name, den ersten haben wir bereits in dieser
+Geschichte handeln gesehen; Schemseddin Mohammed Dschuweini tritt aber erst
+jetzt als Wesir an die Spitze der Reichsgeschäfte in seiner ganzen Grösse
+auf. »Unter seiner Regierung«, sagt Wassaf, »begehrten die Schafe von den
+Wölfen das mehrjährige Blutgeld, und das Repphuhn liebäugelte mit Falken
+und Habichten; durch ihn wurde der gute Name des Padischah auf den
+schwarzen und weissen Blättern der Tage und Nächte mit schöner
+Glückesschrift aufgezeichnet.« Unter seiner gerechten Verwaltung erhob sich
+Bagdad, wo sein Bruder sein Stellvertreter, wieder aus dem Schutte der
+Verheerung Hulagu's. Mehr als hunderttausend Goldstücke verwandte er auf
+die Grabung eines Kanales, um damit Meschhed (die Grabstätte Ali's) und die
+Umgegend von Nedschef zu bewässern. Tadscheddin Ali, der Sohn des Emirs
+Dolfendi, welcher von Schemseddin mit der Ableitung des Kanals aus dem
+Euphrat und mit der Urbarmachung der todten Ländereien beauftragt war,
+hinterliess über dieses verdienstliche Werk eine besondere Abhandlung.
+Seide und Imame, Redner und Dichter erschöpften sich in Prose und Versen,
+im Lobe seiner Gerechtigkeit, Weisheit, Freigebigkeit und Milde. In seine
+Fussstapfen trat sein Bruder Atamülk zu Bagdad, aber nicht Schemseddin's
+Sohn, der Chodscha Behaeddin, der Inhaber des Diwans zu Issfahan, welcher
+die öffentliche Sicherheit nur durch Spähersystem und durch blutige Strenge
+erhielt. Auf den Bericht eines Kundschafters, der die nächtliche Runde der
+Wachen gemacht, dass er den Hauptmann wach und eifrig auf seinem Posten,
+einen Mann der Wache aber schlafend, einen anderen abwesend gefunden,
+befahl er, allen dreien zwei und siebzig Prügel zu geben, weil der
+Hauptmann nicht früher als der Kundschafter die Anzeige der Bestrafung der
+zwei Schuldigen gemacht. Einem, der ihn zu fest angesehen, liess er die
+Augen ausstechen; einem seiner Kinder, welches, auf seinem Schoosse
+spielend, ihn beim Barte zupfte, schwur er, heftig auffahrend, dafür an den
+Hacken schlagen zu lassen, und da keiner der Grossen fürzubitten wagte,
+packten die Schergen den Knaben und schlugen ihn vor des Vaters Augen zur
+Erfüllung von dessen Eidschwur an den Hacken[479]. So ein blutiger Tyrann
+Behaeddin, so ein grosser Beschützer war er der Gelehrten, und ein
+trefflicher Oekonome seiner Zeit, die er zwischen Studien und
+Waffenübungen, Reichsversammlungen und Festen theilte:
+
+ »Zwischen den Federn und zwischen den Fahnen,
+ Zwischen Gelagen und zwischen Diwanen[480].«
+
+Nach aufgehobenem Diwane verbrachte er die Zeit im Gespräche mit Gelehrten,
+eingedenk des Spruchs:
+
+ »Gespräch mit Gelehrten ist besser als Kosen mit Liebesgefährten.«
+
+und schloss sich, nachdem er dieselben entlassen, mit seinen Vertrauten
+ein, um sich dem Genusse des Weines zu überlassen:
+
+ »Wein, der unter'm Schleier[481] spricht,
+ Durch die Rosen im Gesicht.«
+
+Nach dem Trinkgelage beschäftigte er sich noch tief in die Nacht hinein mit
+politischen Untersuchungen und polemischen Studien, nur wenige Stunden dem
+Hareme und dem Schlafe gönnend, und nur seinen Bruder _Harun_, der es ihm
+an Gründlichkeit philosophischer Studien zuvorthat, um diesen Vorzug mit
+Recht beneidend. Diesem widmete der grosse obgenannte Tonkünstler
+Ssafijeddin Abdolmumin seine Abhandlungen über die Volkslieder[482], über
+ihren Ursprung, Composition und Tonarten. Eines Tages, als in einer
+Versammlung bei Behaeddin, wo auch der grosse Tonkünstler gegenwärtig,
+Harun, vom Weine erhitzt, diesen ganz kurzweg _Ssafijeddin_ anredete,
+entschuldigte Behaeddin vor den Gegenwärtigen die Freiheit des Bruders,
+einen so grossen Künstler schlichtweg bei seinem Zunamen angeredet zu
+haben, indem er sagte: _Harun_, der den Namen des grössten der Chalifen
+trägt, der eine Verwandte des letzten der Chalifen zur Frau hat, dessen
+Sohn Mamun heisst und der zu Bagdad wohnt, denkt sich erlaubt, den grossen
+Künstler nach der Gewohnheit des Chalifen bloss mit dessen Zunamen statt
+mit dessen Vornamen und eigenen Namen anzureden. Diess waren die Söhne
+Schemseddin's, des Wesirs, die Neffen seines Bruders _Atamülk_, des
+Verfassers der _Welterobernden Geschichte_.
+
+[Randnote: Abaka's Familie.]
+
+Nachdem die Leser auf diese Weise die Heerführer, Statthalter und Wesire
+Abaka's kennen gelernt, müssen sie sich auch mit seiner eigenen Familie
+näher bekannt machen. Diese bestand, die kinderlosen Beischläferinnen
+ungerechnet, aus der Mutter, eilf Frauen, drei Beischläferinnen Müttern,
+sieben Töchtern und zwei Söhnen. Seine Mutter war die Frau _Jesundschin_
+aus dem Stamme Suldus. Von seinen Frauen nennen wir die beiden, nach des
+Vaters Tode aus dessen Harem in das seine herübergenommenen zuerst, weil
+sie durch Ansehen und Würde den übrigen vorgingen; diese waren: die Frau
+_Oldschai Chatun_, welche mit _Tokus_ Chatun den Vater Hulagu auf seinem
+Auszuge nach Persien begleitet hatte, die treue Gefährtin desselben auf
+seinen dreizehnjährigen Feldzügen; dann _Tokini_ Chatun, die Base der
+grossen Frau Tokus, die Beischläferin Hulagu's, welcher Abaka nach dem Tode
+ihrer Base das Lager derselben aneignete, ihr als Frau den _Baghtak_, d. i.
+den Frauenkopfschmuck, aufsetzte und an die Stelle _Durdschi Chatun's_ als
+grosse Frau erklärte. Die vierte seiner Gemahlinnen war die Tatarin
+_Nukdan_, die Mutter seines Sohnes _Kendschatu_, welche aber jung starb.
+Ihr folgte _Iltürmisch_ Chatun, die Tochter Timurgurgan's, die Schwester
+_Turka Gurgan's_, des Konghuraten. Hierauf nahm er die Prinzessin
+_Padischah_ Chatun, die Tochter Sultan Kutbeddin Mohammed Chan's von
+Kerman, die er an die Stelle seiner Mutter, _Jesundschin_, setzte, so dass
+ihr die ersten Ehren des Frauengemachs erwiesen wurden. Die siebente und
+achte Gemahlin waren ebenfalls zwei Wittwen Hulagu's, die Konghuratinnen
+Frauen _Mertai_ und _Kuti Chatun_, Schwestern Musa Gurgan's, des Sohnes der
+Tochter Tschengischan's, von denen die erste unter der Regierung Arghun's
+gestorben. Die neunte Gemahlin, _Tudai_ Chatun, die Konghuratin, und nach
+ihr _Bulghan_ Chatun, die Verwandte des Oberstrichters _Nokai_ [die
+Konghuratin[483]], welche er vor allen anderen liebte und daher im Range
+sowohl der _Mertai_ als der _Despina_, d. i. der griechischen Prinzessin,
+vorsetzte. Die letzte war _Maria_, die natürliche Tochter Michael's, des
+Paläologen, aus einer Diplowatzerin. Michael, welcher gegen das Ende der
+Regierung Hulagu's mit demselben Frieden und Freundschaft unterhandelt
+hatte, sandte ihm zum Unterpfande desselben die Tochter vom Archimandriten
+des Klosters des Pantokrators von Villehardouin, dem Bruder des Fürsten
+des Peloponnesos, mit reichen Geschenken begleitet; unter diesen befand
+sich eine tragbare Kirche in Gestalt eines Zeltes, dessen Wände und Dach
+dichte seidene Stoffe, mit goldenen Kreuzen und Heiligenbildern und den
+Opfergefässen[484]. Der Paläolog durfte sich schmeicheln, dass dieselbe als
+Christin von ihrer Glaubensgenossin, der Frau _Tokus_, wohl empfangen, wie
+dieselbe die Freiheit öffentlichen Gottesdienstes im Lager mit Glocken
+geniessen würde. In Cäsarea angelangt, erhielt sie die Nachricht vom Tode
+Hulagu's; aber Michael, gleich folgerecht in seiner Politik, welcher er die
+Tochter opferte, und in der mongolischen Ansicht, nach welcher die
+Gemahlinnen und Bräute aus dem Frauengemache der Väter in das der Söhne
+übergingen, sandte den Befehl zur Fortsetzung der Reise an den Hof Abaka's,
+in dessen Frauengemach sie doch der aus persönlicher Neigung vorgezogenen
+Frau Bulghan weichen musste. Von seinen Beischläferinnen gebar ihm
+_Kaitmisch Ikadschi_ den Sohn _Arghun_, dann _Kewkebi Ikadschi_ die Tochter
+_Toghandschuk_, hierauf _Buludschin Ikadschi_ die beiden Töchter
+_Ilkotlogh_ und _Oldschatai_; die vier anderen wurden ihm von Gemahlinnen
+geboren, nämlich _Julkotlogh_ und _Taghai_ aus der Frau _Tudai_, dann
+_Nudschin_ aus der Frau _Mertai_ und endlich _Melike_ aus der Frau Bulghan.
+Diese sieben Töchter waren keine an Prinzen vom Geblüte, sondern nur an
+Söhne von Emiren oder grossen Beamten vermählt; so _Julkotlogh_ an den
+_Ildschitai Kuschdschi_ von der Leibwache, Toghandschuk an den Emir
+_Newrus_, den Sohn Arghunaga's, Melike an _Taghai Buka_, den Sohn des
+Oberrichters Nokai. In dieser Gallerie von Frauen sind die merkwürdigsten
+die griechische Prinzessin _Maria_, die karachitaische Prinzessin
+_Padischah Chatun_ und vor allen _Bulghan Chatun_, eine gewiss eben so an
+Schönheit als an Geist hochbegabte Frau, welche ohne so ausgezeichnete
+Vorzüge nicht die grosse Rolle gespielt haben könnte, in welcher sie, von
+einem Frauengemache der Herrscher in's andere wandernd, dieselben mehr oder
+minder beherrschte durch Schönheit und Geist, hohen Muth und Charakter ein
+ganzes Menschenalter hindurch, dreissig Jahre lang.
+
+[Randnote: Schlacht mit Nokai.]
+
+Die erste Waffenthat der Regierung Abaka's hatte an der nördlichen Gränze
+statt, wo Nokai, um die unter Hulagu erlittene Schlappe zu rächen, aus
+Derbend auf das Heer des Prinzen Jaschmut ausgefallen, über den _Kor_
+gezogen war. Die Schlacht begab sich an den Ufern des Flusses _Akssu_[485],
+[RN: 3. Schewwal 663/19. Juli 1265] den die Mongolen _Tschaghan Muran_
+nennen (das eine und andere heisst _Weisswasser_). Der Verlust war von
+beiden Seiten gross. Nokai, von einem Pfeile in's Auge getroffen, flüchtete
+nach Schirwan. Jaschmut ging über den _Kor_, aber wieder zurück, als er
+vernahm, dass Berke mit einem Heere von dreimalhunderttausend Mann nahe;
+die Brücken waren alle abgerissen worden, so dass Berke, nachdem er
+vierzehn Tage lang vergebens am Ufer des Kor geweilet hatte, wieder nach
+Tiflis zurückging, um dort leichter über den Fluss zu setzen; aber auf dem
+Wege erkrankte und starb er. Abaka befahl, von _Delai Nor_ bis an die Wüste
+der Kurden einen Wall mit einem tiefen Graben längs des Kor zu ziehen, an
+dem er Truppen zur Gränzhuth zurückliess, ohne dass desshalb der
+Handelsverkehr der beiden Länder mittels der Karawanen unterbrochen ward.
+Nach Beendigung dieses Werkes entliess er von dort den Prinzen Mengu Timur
+(den eilften Sohn Hulagu's, Gemahl der Atabegin Abisch und der Frau
+Oldschai) und brachte den Winter in Masenderan und Gurgan (dem alten
+Hyrkanien) zu. [RN: 665/1266] Während dieses Winters erschien _Mesudbeg_,
+der Sohn des berühmten Wesirs Mahmud Jelwadsch, als Gesandter Kaidu's, des
+Herrschers des Uluses Ogotai, im Lager Abaka's, um die noch ausständige
+Rechnung der Einkünfte seiner Krongüter zu begehren. Abaka empfing
+denselben sehr ehrenvoll, liess ihm das Kleid Tschengischan's anziehen und
+wies ihm seinen Sitz ober allen Emiren an, ausgenommen Ilkai. Abaka trug
+dem Inhaber des Diwans, dem Wesir Schemseddin, auf, die Rechnung auf's
+schnellste auszufertigen, und binnen einer Woche kehrte der Gesandte,
+reich beschenkt, schnell zurück. Erst einige Tage nach seiner Abreise, als
+die Nachricht eintraf, dass sich am Ufer des Dschihun ein Heer sammle, sah
+Abaka, dass dies Begehren der Rechnung nur ein Vorwand gewesen und dass
+Mesud als Kundschafter _Borrak's_, des Urenkels Dschaghatai's, gekommen,
+welcher dem Mubarekschah die Herrschaft des Uluses Dschagatai entrissen.
+Abaka fertigte sogleich Gesandte ab, um den verkappten Kundschafter
+Borrak's zurückzubringen; sie erreichten aber die Ufer des Oxus in dem
+Augenblicke, als Mesudbeg eben über denselben gesetzt. Abaka ging nach
+Chorasan bis Serchas und wandte sich dann in's Winterquartier nach
+Masenderan. Zu _Kebuddschame_, d. i. Blaukleid, in der an Korn, Wein und
+Seide fruchtbaren Stadt Taberistan's[486], ging er dem Gepäcke Hulagu's
+entgegen, welches mit dessen Wittwe Kuti Chatun und den Söhnen Hulagu's,
+_Tekschin_ und _Tekuder_, und mit dem Enkel desselben, _Dschuschkab_, dem
+Sohne Dschumkur's, _Badu_, dem Sohne Tarakai's, und Jesundschin Chatun, der
+Mutter Abaka's, welche zur Zeit des Aufbruches Hulagu's nach Persien im
+Hoflager Mengkukaan's geblieben waren. Dschumkur, der Vater Dschuschkab's
+und Kendschu's, war in dem Bürgerkriege zwischen Kubilai und Arikbugha
+gezwungen gewesen, die Partei des letzten zu ergreifen, was jetzt die Söhne
+entschuldigten; er war seitdem gestorben; die Frau Kuti hatte zu
+Bedachschan den Tod Hulagu's vernommen und sich blind geweint; er verlieh
+ihr die Einkünfte von Diarbekr, Miafarakain und einigen anderen Oertern als
+Nadelgeld, das bei den Mongolen _Tonlik_, das Geld auf Unterhosen, heisst.
+Die Einkünfte betrugen das Jahr über hunderttausend Goldstücke. Er brachte
+den Winter zu _Tschanganlu_ (in der Gegend von Meragha), den Sommer in den
+Weiden von _Alatagh_ an den Quellen des Euphrats und zu _Siahkuh_
+(Schwarzberg) zu, und überwinterte dann in der Landschaft _Arran_.
+
+[Randnote: Armenische und ägyptische Verhältnisse.]
+
+Während dieser beiden Jahre, wo Abaka Nichts gethan, um die weiteren
+Fortschritte Sultan Beibars in Syrien zu hindern, hatte dieser den
+Kreuzfahrern die Städte _Cäsarea_, _Arssuf_, _Ssafed_, _Jafa_, _Schakif_,
+die Schlösser _Haifa_, _Arka_, _Kaliat_, _Meluhat_, _Dschebele_
+entrissen[487] und war in Cilicien in die Staaten König Hethum's
+eingefallen, welcher erst beim mongolischen Befehlshaber in Rum und dann
+bei Abaka selbst vergeblich Hilfe gesucht. Indessen Leon, der Sohn
+Hethum's, den Pass von _Iskenderun_ (Alexandriette) besetzt hielt, ward er
+von den Aegyptern umgangen und dann bei Serwend geschlagen und gefangen;
+sein Bruder _Toros_ und einer seiner Oheime fielen in der Schlacht. Die
+Sieger kamen am folgenden Tage nach Tel Hamdun, setzten über den Dschihun
+und bemächtigten sich des den Templern gehörigen, auf einem steilen Hügel
+gelegenen Schlosses Amudin, das verbrannt ward. Gleiches Schicksal hatte
+_Sir_, die Hauptstadt Kleinarmeniens. Der Herr von Hama, der jetzt in den
+Reihen der Aegypter focht, lagerte an den Ruinen dieser Stadt, während der
+ägyptische Feldherr _Kilawun_ (der nachmalige Sultan) die Städte Ajas,
+Massissa und Adana verheerte. Das ägyptische Heer kehrte mit so reicher
+Beute beladen, mit so vielen geraubten Heerden zurück, dass der Ochs, im
+Lager um zwei Dirhem losgeschlagen, keinen Käufer fand. Hethum, der
+vergebens bei Abaka Hilfe gesucht, sah sich gezwungen, den Frieden mit
+Beibars auf dessen Bedingungen abzuschliessen. Dieser begehrte die
+Zurückstellung mehrerer von den Mongolen den Aegyptern entrissener, dem
+Königreiche Armenien einverleibter Schlösser und die Freigebung des
+ägyptischen Generals _Schemseddin Sonkar el-Aschkar_, d. i. Sonne der
+Religion, Falke der Falbe, seines alten Waffengefährten, welchen Hulagu zu
+Haleb gefangen, nach Persien gesendet hatte. [RN: Juni 1267] Der Friede
+wurde zu Antiochien unterschrieben; die festen Plätze Behesna, Derbesek,
+Merseban[488] wurden zurückgestellt, der Emir Sonkar gegen den bisher im
+Schlosse von Kairo in Verhaft gehaltenen Prinzen Leon ausgewechselt[489].
+Bald darauf verfügte sich König Hethum an den Hof Abaka's, der sich damals
+zu Bagdad befand, um ihm für die Auslösung seines Sohnes zu danken und um
+die Erlaubniss zu bitten, dem Sohne den Thron abtreten zu dürfen. [RN:
+1269] Nachdem er dieselbe erhalten, rief er die Grossen seines Reichs zu
+Tarsus zusammen, entsagte der Krone zu Gunsten Leon's und zog sich nach
+fünf und vierzigjähriger Regierung unter dem Namen Makarius in's Kloster
+von _Trazargh_ zurück, wo er einige Monate hierauf starb[490]. Im selben
+Jahre sandte Abaka Gesandte an Beibars, welcher dieselben zu Damaskus
+zugleich mit den Gesandten des griechischen Kaisers und Mengku Timur's, des
+Nachfolgers Berke's auf dem Throne von Kipdschak, empfing. Abaka warf in
+seinem Schreiben dem Sultan Aegyptens den an seinem Herrn Kotos begangenen
+Königsmord vor und fragte, wie er, der vormals zu Siwas verkaufte Mamluke,
+es wagen könne, den Königen, Söhnen der Könige, gebornen Weltbeherrschern,
+zu widerstehen. Er drohte, ihn anzugreifen und Alles dem Schwerte zu
+opfern; er schrieb an Beibars selbst: »und wenn du in die Wolken
+aufflögest, und wenn du unter die Erde hinunterstiegest, du würdest mir
+nicht entfliehen«. Beibars antwortete: »Es ist wahr, dass ich den Kotos
+getödtet, aber die Sultanschaft ist mir durch freie Wahl der Bege
+übertragen worden; wenn es dir Ernst, mich anzugreifen, so komm', wir
+werden bereit sein, dich zu empfangen, um die den Musulmanen entrissenen
+Länder denselben wieder zurückzuerobern.« Abaka war nicht im Stande, seinen
+Drohungen Folge zu geben; daran hinderte ihn das von Osten sein Reich
+bedrohende Ungewitter, indem Borrak, der Herrscher des Uluses Dschagatai,
+wider Chorasan herangezogen. Die feindliche Stellung Borrak's gegen Abaka
+würde vom Leser nicht gehörig beurtheilt werden können, wenn derselbe nicht
+in Kenntniss der früheren Begebenheiten, welche zwischen diesem und Kaidu,
+dem Herrscher des Uluses Ogotai, vorgefallen und die wir nun nach
+Reschideddin erzählen.
+
+[Randnote: Kaidu's und Borrak's Vertrag.]
+
+Kaidu's, des Sohnes Kaschim's, des fünften Sohnes Ogotai's, ist bereits
+Erwähnung geschehen, so auch Borrak's, des Sohnes Jesentewa's, des zweiten
+Sohnes Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's[491]. Dieser, von
+Kubilai zum Herrscher des Uluses Dschagatai ernannt, hatte sich nicht
+sobald in den Besitz des Uluses gesetzt, als er mit dem Statthalter
+Turkistan's, _Mogholtai_, Streit begann. Dieser sandte den Emir _Tekmisch_,
+jener den Emir _Kuwindschi_ mit einem Heere; Tekmisch ward von Kuwindschi
+geschlagen, aber dieser musste sich vor einem zweiten stärkeren Borrak's
+zurückziehen. Borrak verwüstete Choten und schlug auch das Heer, welches
+Kaidu und Kipdschak, der Feldherr Mengu Timur's, des Herrschers von
+Kipdschak, wider ihn geführt. Mengu Timur, hierüber ergrimmt, sandte seinen
+Oheim Berekdschar mit fünfzigtausend Mann zu Hilfe Kaidu's. Borrak, von
+demselben geschlagen, zog sich nach Samarkand in der Absicht, das
+fruchtbare Land zu verheeren. Kaidu und Kipdschak beriethen sich, wie das
+Unheil abzuwenden, und Kipdschak, zwischen welchem und Borrak alte
+Freundschaftsbande bestanden, trug sich an, den Frieden zu unterhandeln. In
+der Ebene von Soghd empfing Borrak den Kipdschak auf dem Throne, setzte ihn
+neben sich, trank mit ihm und bewirthete ihn mehrere Tage hindurch in der
+Steppe von _Katwan_ in der Nähe des Karawanserai[492]. Abu Mohammed's
+Tonkünstler spielten in den in Kipdschak beliebtesten Tonarten, um dem
+Prinzen Kipdschakaghul zu gefallen. Dieser war der Sohn Durdschi's, des
+Sohnes Kadan's, des sechsten Sohnes Ogotai's und folglich ein Neffe
+Kaidu's. Er kam mit Borrak überein, dass sich dieser und Kaidu mit den
+Truppen, mit denen sie dermalen zu Samarkand und Bochara standen,
+begnügen, dieselben nicht vermehren sollten und Borrak Bochara verschone.
+Kaidu und Berekdschar gaben ihre Zustimmung, und die Prinzen versammelten
+sich im Frühjahre [RN: 667/1269] in der Ebene von Talas und Kundschuk, wo
+nach achttägiger Gasterei Kurultai stattfand[493]. Kaidu sprach von dem
+Vertrage Tschengischan's und wie alle Zwietracht der Prinzen demselben
+zuwider; dann nahm Borrak das Wort und sagte: da Kaidu an der Spitze des
+Uluses Ogotai stehe, wie Mengu Timur an der des Uluses Dschudschi's in
+Kipdschak, wie Kubilai und Abaka die Herrschaft des Uluses Tuli's im Osten
+und Westen theilten, so möge man auch ihn als Oberhaupt des Uluses
+Dschagatai unangefochten lassen und sich friedlich mit ihm verständigen.
+Die drei Prinzen der drei Uluse kamen dann überein, das Land zwischen dem
+Dschihun und Sihun in drei Theile zu theilen, wovon einer von Borrak, die
+beiden anderen von Truppen Kaidu's und Mengu Timur's besetzt bleiben
+sollten; sie verbanden sich gegenseitig, mit ihren Reitern nur in den
+Steppen herum zu ziehen, die Städte nicht zu betreten, die Unterthanen zu
+schonen; im folgenden Frühjahre aber sollte dem Borrak freistehen, gegen
+Chorasan zu ziehen und sich auf Kosten Abaka's zu vergrössern: »Sie
+besiegelten ihren Vertrag nach mongolischer Sitte mit gewechselten Bechern
+und Kleidern, indem sie die Hefe auf die Erde gossen«[494]. Eine Zeit lang
+genoss das Land unter der gerechten Verwaltung Mesud's, der als weiser
+Wesir in seines Vaters Jelwadsch Fussstapfen trat, des erwünschten
+Wohlstandes, bis bald darauf, als Mengu Timur und Kaidu sich veruneinigt
+hatten, das Heer des letzten dem des ersten entgegenziehend Bochara
+verlassen, die Besitzungen desselben berannte, das Land, trotz der
+Vorstellungen seines Wesirs Mesudbeg, durch Erpressungen verheerend.
+Borrak, im Besitze des Landes zwischen dem Dschihun und Sihun, war nun auf
+den Feldzug gegen Abaka bedacht, worüber ihm die Herrscher des Hauses
+Ogotai und Dschudschi, als Feinde des Uluses Tuli, freie Hand gelassen,
+sandte aber zuerst die schon oben erwähnte Gesandtschaft an Abaka, um den
+Zustand desselben besser zu erkunden.
+
+[Randnote: Botschaft Borrak's und Rüstungen desselben.]
+
+Der öffentliche Auftrag dieser Botschaft lautete, wie schon oben gesagt
+worden, die ausständigen Rechnungen über die beiden Prinzen gemeinsamen
+Krongüter zu verlangen; aber ein geheimer war, den Prinzen Nigudaraghul,
+den ersten Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Dschagatai's, welcher im
+Heere Abaka's diente, von demselben abspenstig zu machen. Zu diesem Ende
+war der Gesandte mit einem der geheimen Briefpfeile versehen, welche die
+Mongolen _Tughane_ nennen, in deren Schaft die geheime Depesche
+verborgen[495]. In dem Briefe gab Borrak dem Prinzen Kunde, dass er im
+Begriffe, wider Abaka in's Feld zu ziehen; er möge, als ein Prinz des
+Uluses Dschagatai, sich hüten, dem Feinde ferner zu dienen. Die
+Aufforderung fruchtete; Nigudar, zu einem Kriegsrathe berufen,
+entschuldigte sich und bat um Erlaubniss, in seinen Jurt nach Georgien
+zurückkehren zu dürfen; er hoffte über Derbend, im Norden des kaspischen
+Meeres, das Lager Borrak's zu erreichen; aber Dschiramun Nujan, welchem die
+Huth der nördlichen Gränze übertragen war, hinderte ihn an der Ausführung
+dieses Planes, indem er ihn, sich nach Georgien zu werfen, zwang, wo er
+durch die Hand der Tochter des Königs David Bürgschaft seiner Sicherheit
+suchte, aber nicht fand; denn die Gegner trachteten ihm nach dem Leben, so
+dass er im folgenden Jahre mit Weib und Kind sich auf Gnade und Ungnade in
+die Arme Abaka's warf. [RN: 668/1270] Abaka liess sechs seiner Emire
+hinrichten, seine Truppen unter die Tausender, Hunderter und Zehner
+vertheilen, setzte ihm fünfzig Mongolen als Aufseher und ihn selbst zu
+Derjar Kebudan in Verhaft, aus welchem er jedoch in der Folge, nach der
+Niederlage Borrak's, entlassen ward[496]. Der Botschaft Borrak's ritt
+Schemseddin Dschuweini, der Wesir Abaka's, bewillkommend entgegen, und
+trotz der hohen Meinung, die er von sich selber hatte, stieg er, als er in
+die Nähe Mesud's kam, doch vom Pferde und küsste dem Mesudbeg
+ehrfurchtsvoll die Bügel. Dieser, minder bescheiden, als sein Vater,
+Jelwadsch, sagte, verächtlich auf Schemseddin herabsehend: »Du bist der
+Inhaber des Diwan's! Dein Name ist besser, als dein Aussehen.«
+Schemseddin's Klugheit verschmerzte den bitteren Gruss für den Augenblick
+mit Stillschweigen, rächte sich aber bald hernach durch die Nachsendung der
+Boten, welche den Gesandten als Kundschafter zurückbringen sollten, und als
+diese zu spät kamen, durch die Entflammung des Krieges wider Borrak, der
+seinen Bundesgenossen Kaidu um Hilfe ansprach. Kaidu sandte Jerligh an die
+Prinzen _Ahmed Ben Buri_[497], _Balighu_[498] und _Nikpei Aghul_[499], dass
+sie bei Tirwed über den Oxus gehen sollten; _Tschabad_, der Sohn
+Huku's[500], _Mobarekschah_[501] und _Kipdschak_, der Sohn Kaidu's[502],
+erhielten den Befehl, mit Borrak zu Amu über den Dschihun zu setzen; weiter
+hinauf sollten _Kokadschu_[503] der grosse und _Banial_ bei Chiwa,
+_Kokadschu_ der kleine aber bei _Mingkkischlagh_, welches der gewöhnliche
+Ueberfuhrsort von Chuaresm, über den Fluss gehen und sich mit Borrak
+jenseits desselben vereinen. Dieser rüstete den Krieg aus allen Kräften,
+alle Pferde wurden zum Dienste des Heeres weggenommen und des Tages mit
+sieben Menn Gerste und Korn gefüttert, um sie fett, alle Hunde wurden
+getödtet, um aus ihren Häuten Schilde zu machen; so entstand Theuerung und
+Mangel. Um dem Heere Proviant zu verschaffen, befahl Borrak, das Land bis
+Bochara und Samarkand zu verheeren. Mesud machte ihm abermals Vorstellungen
+dagegen und auf die Unklugheit aufmerksam, sich auf diese Weise selbst
+sicheren Rückzug abzuschneiden. Borrak bestrafte diese freimüthige
+Vorstellung des weisen Wesirs mit sieben Prügelstreichen, nahm aber den
+Befehl der Verheerung zurück.
+
+[Randnote: Borrak zieht über den Oxus und wird von Kipdschak verlassen.]
+
+Ausser den oben genannten, von Kaidu zur Hilfe Borrak's bestellten neun
+Prinzen des Uluses Ogotai und Dschagatai stellten sich zu seinem Dienste
+noch vier des Uluses Dschudschi, nämlich die beiden Jesawur [der grosse und
+kleine][504], _Meraghul_ und _Dschelertai_[505]. Mit diesem Heere eroberte
+Borrak Chorasan von den Gränzen Bedachschan's und Schiburghan's (bei Balch)
+bis nach Nischabur. Ehe er noch über den Oxus gesetzt, sandte er Botschaft
+an Tekschin (den vierten Sohn Hulagu's, den Bruder Abaka's), welchem vom
+Vater die Herrschaft über das Gebiet von _Badghis_, östlich von Herat,
+eingeräumt, vom Bruder bestätigt worden. _Badghis_, was nur verderbte
+Aussprache von _Badchis_, d. i. Windaufstehend, weil dort immer die Winde
+rege, hiess vormals _Pasin_ und war die Hauptstadt der Hunnen Euthaliten;
+die Wälder der Gegend sind meistens Pistazienwälder, von denen Herat und
+andere Städte mit Pistazien versehen werden. In diesem Bezirke liegt das
+unbezwingliche Schloss _Nertku_[506], das _Aornos_ Chorasan's, auf einem
+tausend Ellen hohen Felsen, zu welchem eine halbe Stunde lang ein nur für
+Einen Menschen gangbarer Pfad führt, noch nie durch Gewalt der Waffen
+bezwungen; die Gegend umher ist so kalt, dass die Rosen hier erst im Juli
+blühen; das Holz zu dem Baue der Häuser von Herat kommt aus diesen Wäldern
+und ist so trefflicher Eigenschaft, dass es weder austrocknet noch fault,
+der Boden so fruchtbar, dass derselbe ohne Mühe und Kultur hundertfach
+trägt[507]. Nach der Felsenburg _Nertku_ ist _Kiasis_ ein geschichtlich
+merkwürdiger Ort des Gebietes von _Badghis_, weil es die Grabstätte
+_Mokannaa's_, des berühmten falschen Propheten, der allnächtlich aus einem
+Brunnen von _Nachscheb_ einen Mond aufsteigen liess (vermuthlich von
+bengalischem Feuer), der die Gegend weit umher erleuchtete[508]. Borrak
+liess den Prinzen Tekschin wissen, das Land von Badghis bis Ghasnin und dem
+Indus gehöre zur Weide seiner Väter, und er möge daher dasselbe räumen.
+Tekschin antwortete: er hätte es als väterliches Erbe von seinem _Aka_,
+d. i. dem älteren Bruder und Herrn Abaka, bei dem er sich erst anfragen
+müsse. Abaka antwortete: dass das Land von Badghis zu den Krongütern des
+Hauses Hulagu's gehöre und dass er dasselbe wider den Angriff Borrak's zu
+vertheidigen wissen werde. Auf diese Antwort hatte Borrak mit den Prinzen,
+die in seinem Geleite, Kriegsrath gehalten und war über den Oxus gegangen,
+nachdem er seinen Sohn Begtimur mit tausend Reitern zu Kesch und Nachscheb
+zurückgelassen. Melik Schemseddin Kert von Herat kam dem Prinzen huldigend
+entgegen, um die Schonung seines Landes zu erhalten, welche auch
+zugestanden, aber die Verheerung alles übrigen, dem Kubilai oder seinem
+Neffen Abaka gehörigen Landes befohlen ward[509]. Von Seite Abaka's
+befehligte sein älterer Sohn Arghun, welchem die Statthalterschaft von
+Chorasan verliehen ward, das Heer; in demselben befand sich ein Emir der
+Tausender Namens _Sidschektu_, welcher ehemals ein Hausgenosse des Prinzen
+Kipdschak; als er hörte, dass dieser sich im Heere Borrak's befände, sandte
+er ihm ein Geschenk von Pferden, das dieser mit gleichem entgegnete; diess
+war der Anlass eines heftigen Streites zwischen Kipdschak und dem Feldherrn
+Dschelartai dem Dschelairen, welcher dem Kipdschak in Borrak's Gegenwart
+vorwarf, die bessten Pferde für sich behalten und nur die schlechteren dem
+Borrak gegeben zu haben. Kipdschak rief aus: »Hat je ein Karadschu, d. i.
+ein Unterthan, solche Worte gegen einen Abkömmling Tschengischan's so
+gesprochen, dass sich solch ein Hund solcher Worte erfrechen darf.« --
+»Wenn ich ein Hund bin«, antwortete Dschelartai, »bin ich der Hund Borrak's
+und nicht der deine.« -- »Ich werde dich entzwei hauen,« rief Kipdschak,
+»ohne dass mein _Aka_ es mir verarge.« -- »Und ich,« entgegnete
+Dschelartai, die Hand auf den Dolch legend, »wenn du nahest, dir den Bauch
+spalten.« Da Borrak durch sein Stillschweigen dem Dschelartai Recht gab,
+verliess Kipdschak erzürnt die Versammlung und in der Nacht mit zweitausend
+Reitern das Lager. Die Versuche Borrak's, denselben durch die Sendung von
+drei Prinzen zur Rückkehr zu bewegen, waren vergebens. Dschelartai folgte
+mit dreitausend Mann, in der Hoffnung, ihn zu überrumpeln; aber da die
+Prinzen fürchteten, dass, wenn die Truppen desselben in Sicht kämen,
+Kipdschak sie mit sich führen würde, kehrten sie unverrichteter Dinge
+zurück. Kaidu fühlte empfindlich diese, seinem Vetter zugefügte
+Beleidigung; er machte gegen Abaka die Flucht Kipdschak's aus dem Lager
+Borrak's als ein Verdienst geltend, und verband sich, seinen alten
+Verbündeten Borrak verlassend, mit Abaka in Freundschaft, so dass sie sich
+fortan _Ortak_, d. i. Genossen, hiessen.
+
+[Randnote: Held Merghaul, Dschebat's Flucht.]
+
+Abaka sandte den Prinzen Jaschmut mit einem Heere zu Hilfe Tekschin's,
+welcher dem Anfalle des Heeres Borrak's preisgegeben, während Schiramun im
+Norden sich mit Nigudar, dem in Abaka's Lager flüchtigen dschagataischen
+Prinzen, schlug. Mit fünf Tomanen, d. i. mit fünfzigtausend Mann, trat
+Borrak den Zug durch Chorasan an[510]; seine beiden tapfersten Feldherren,
+_Dschelartai_ der Dschelaire und _Merghaul_, jener ein Bogenschütze, wie
+_Aresch_, der berühmte Bogenschütze der altpersischen Geschichte; den Bogen
+Dschelartai's vermochte kein Anderer zu spannen, als er selbst. Merghaul
+war vorzüglich in der Kunde des _Dschade_, d. i. des Wetter- und
+Hagelmachens mittels des Regensteines, bewandert; er sagte von sich selbst:
+»Ich binde den Gaul zu _Konghus Alanik_ an und reite nicht faul den
+Falben[511] bis an die Alpen desselben[512], ohne dass, um auszuruhn, ich
+den Zügel vom Kopf muss thun, und ohne dass die Schweissdecke trocken
+werde.« _Purbaha Dschami_, der persische berühmte Dichter, welcher, ein
+Türke oder Mongole von Geburt, zur Zeit Arghun's (des Sohnes Abaka's) halb
+aus persischen, halb aus türkischen und mongolischen Worten bestehende
+Mischlingsgedichte verfertigte, sagt in seiner zum Lobe Schemseddin
+Dschuweini's verfassten Kassidet:
+
+ Die Trennung _Merghaul_ verheert Geduld mit Schwert,
+ Wie jüngst _Borrak_ mit seinem Heer das Land verheert[513].
+
+Solchen Kräften und Helden vermochten die Prinzen Arghun, Jaschmut und
+Tekschin (jener der Sohn, diese die Oheime Abaka's) nicht zu widerstehen,
+und er zog also selbst an der Spitze eines Heeres nach Herat. Indessen
+hatte Borrak Gesandte an Kaidu geschickt, um sich über die Empörungen der
+beiden Prinzen _Kipdschak_ und _Dschebat_, welche er ihm zu Hilfe gesandt
+und die ihn nun verlassen, zu beklagen. Als Dschebat an die Gränze
+Bochara's gelangt, rastete er einige Tage aus. Die Emire der Tadschiken
+(Perser) gaben hiervon dem Begtimur Aghul, welchen der Vater, Borrak,
+jenseits des Oxus zurückgelassen, Kunde: »Könntest du,« fragte Begtimur den
+Tasikaka (den Emir der Tadschiken), »mit fünfhundert Reitern denselben
+nicht abwehren?« -- Tasik antwortete: »Ich bin _Karadschu_, d. i.
+Unterthan, und Dschebat ist _Urugh_, d. i. vom Herrscherhause, wie kann
+sich der Karadschu mit dem Urugh schlagen?« -- Da sass Begtimur selbst zur
+Verfolgung Dschebat's auf, der sich mit genauer Mühe mit zehn Reitern
+rettete, nachdem er die Brücke von _Tschirameghan_ zerstört; dreissig
+Parasangen weit verfolgte ihn die Truppe Borrak's, ohne ihn erreichen zu
+können. Borrak machte sich jedoch nicht viel aus der Entweichung der beiden
+ogotaischen Prinzen, Kipdschak und Dschebat, vertheilte ihre
+zurückgebliebenen Truppen unter die seinen, und schwelgte, unbesorgt der
+Zukunft. Merghaul wurde nach Nischabur gesandt, Borrak blieb zu Thalkan;
+Nischabur wurde geplündert, und gleiches Loos hatte Borrak der Stadt Herat
+bestimmt. [RN: 6. Ramasan 668/30. April 1269] Da stellte ihm Kotlogh Timur
+vor, dass, wenn er sich den Herrn von Herat, Melik Schemseddin Kert, zum
+Feinde mache, derselbe ganz Chorasan empören würde. Borrak gab der
+Vorstellung Gehör und sandte den Kotloghbeg mit fünfhundert Reitern, den
+Herrn von Herat in's Lager zu laden. Im Schlosse _Chaisar_ trafen sie
+zusammen. Melik Schemseddin, ein staatskluger Kopf, folgte der Einladung;
+er ward von Borrak ehrenvoll empfangen und mit Chorasan belehnt; Mehreres
+noch versprach ihm Borrak nach Persiens Eroberung; sie sprachen von Nichts,
+als von der Verheerung Bagdads und der Stadt Tebris, deren Schätze sie
+schon im Gedanken theilten, indem der Herr von Herat sich dem
+Lieblingsplane Borrak's hingab. Dieser begehrte von ihm eine Liste der
+reichsten Einwohner Chorasan's. Schemseddin gab auch diese und begehrte die
+Erlaubniss, nach Herat zurückzukehren, um dort Waffen und Pferde
+aufzubringen. Die Einwohner Herat's gingen ihm entgegen und vernahmen
+trostlos die mongolische Forderung; da aber indessen die Nachricht vom
+Anzuge des Heeres Abaka's verlautete, zog sich Melik Schemseddin in das
+östlich von Herat gelegene Schloss _Chaisar_ zurück; hier erwartete er
+politisch den Ausgang des Kampfes zwischen dem Uluse Dschagatai und
+Hulagu's, zwischen Abaka und Borrak, den Untergang des letzten
+voraussehend[514].
+
+[Randnote: Abaka's Aufbruch; Borrak's Niederlage.]
+
+Fast zwei Tage früher, als Borrak Nischabur verheerte, brach Abaka, von
+allen seinen Brüdern, Jaschmut und Tekschin ausgenommen, die schon in
+Chorasan, begleitet, dahin von der Gränze Aserbeidschan's auf. [RN: 4.
+Ramasan 668/28. April 1269] Als er nach dem zwischen _Sendschan_ und
+_Ebher_ gelegenen Distrikt _Schirgis_[515] gekommen (wo später die Stadt
+_Sultanie_ erbaut ward), welchen die Mongolen _Kungurulang_ nennen, wartete
+ihm der von Kubilai an ihn geschickte Gesandte _Tekadschek_ auf, welcher
+von Borrak aufgefangen und in Verhaft gehalten, demselben entflohen war.
+Auf die durch ihn erhaltene Kundschaft von der Schwelgerei und der
+Sorglosigkeit Borrak's beschleunigte Abaka seinen Marsch; jenseits Rei, zu
+_Kumis_, kamen ihm sein Bruder Tekschin, der General Arghun und sein Sohn
+Arghun und mit ihnen der Sultan Kerman's bewillkommend entgegen; auf der
+Ebene von Radegan wurden Gold und Silber in Menge unter das Heer vertheilt
+und demselben mit Drohungen und Verheissungen die Erfüllung seiner
+Pflichten eingebunden. Von hier ging der Marsch nach _Bachers_, dem
+zwischen Nischabur und Herat gelegenen Distrikte, in der
+Literaturgeschichte durch _Bachersi_, den Verfasser der berühmten
+Blüthenlese, für immer geadelt. Gegen _Farab_, nicht zu verwechseln mit
+Farab, dem Geburtsorte des grössten Philosophen und Gesetzgebers der
+Tonkunst, _Farabi_, welchen die Araber den zweiten Lehrer, wie Aristoteles
+den ersten, nennen, sandte er Streifparteien aus und beschäftigte sich mit
+der Vertheilung des Heeres in verschiedenen Richtungen. Dem Bruder Jaschmut
+übertrug er den Befehl des rechten Flügels, den _Obotai_ Nujan behielt er
+bei sich im Mittelpunkte, den Bruder Tekschin sandte er nach
+_Beldschaghran_, dem Jurte Merghaul's, wo einige der Vorposten Merghaul's
+getödtet wurden; dieser eilte, dem Borrak die Kunde zu bringen, dass ein
+feindliches Heer zugegen. Borrak sagte: Wenn Tekschin und Arghun wieder
+zurückgekommen, so wissen wir schon, was von ihnen zu halten, da wir sie
+geschlagen; ein Anderes wäre es mit Abaka; geh' und verrenne ihnen den Weg,
+bis wir zur Schlacht gerüstet. Von Badghis aus sandte Abaka einen fündigen
+Gesandten an Borrak mit Friedensanträgen: er wolle ihm Ghasnin und Kerman
+und das Land bis an den Indus überlassen, er möge freiwillig zurückkehren;
+wenn nicht, zur Schlacht gerüstet sein. Prinz Jesawur rieth zum Frieden,
+weil Kipdschak und Dschebat entflohen und die Pferde noch schwach. Merghaul
+ereiferte sich dagegen und behauptete, das anziehende Heer seien nur die
+Truppen Tekschin's und Jaschmut's, indem das Abaka's in Syrien beschäftigt
+sei. Dschelartai sprach im Sinne Merghauls: Wir sind zum Kriege ausgezogen;
+wenn du Frieden gewünscht, wärest du besser jenseits des Oxus geblieben.
+Borrak fragte den Astrologen _Dschelal_; dieser rieth, einen Monat zu
+warten, indem die Ansichten der Gestirne ungünstig. Merghaul und
+Dschelartai sprachen erzürnt dagegen; die Schlacht ward beschlossen. Abaka
+befahl dem Emire Toghus, das Terrain auszuwählen. Er bestimmte am Fusse
+eines Berges eine grosse Ebene, vom Flusse _Karasu_ durchschnitten. Drei
+hier aufgegriffene Kundschafter wurden durch eine Kriegslist Abaka's
+getäuscht, indem in ihrer Gegenwart ein eingelernter Bote die falsche
+Nachricht brachte, dass zu Hause ihr Jurt von den Feinden im Norden
+überfallen, schleunigen Rückzug fordere. Dieser wurde in der grössten Eile
+veranstaltet, das ganze Lager im Stich gelassen; der Befehl zur Hinrichtung
+der Kundschafter ward öffentlich, heimlich der gegeben, dass man einen
+derselben entwischen lasse. Borrak mit seinen beiden schlachtlustigen
+Feldherren, Merghaul und Dschelartai, gingen in die Falle; das
+zurückgelassene Lager ward geplündert und dann der flüchtige Feind verfolgt
+bis an den Ort, welchen Abaka zum Schlachtfeld ausersehen; Borrak,
+betroffen, stellte sich am Flusse in Schlachtordnung auf. Abaka gab den
+Befehl des rechten Flügels dem Bruder Tekschin und dem Emir Semghur, den
+des linken dem Bruder Jaschmut, unter welchem die Generale Suntai und
+Arghunaga; der letzte befehligte die Hilfstruppen von Kerman und Fars,
+deren Anführer Sultan Hidschadsch und der Atabeg Jusufschah; Obotai
+befehligte das Mitteltreffen. Merghaul fiel gleich Anfangs der Schlacht,
+Dschelartai schlug den linken Flügel und drückte denselben bis Fuschendsch
+zurück; der rechte Flügel und der Mittelpunkt hielten noch fest; als aber
+auch die Truppen Abaka's zu wanken begannen, liess sich Suntai, der
+neunzigjährige Feldherr desselben, auf einem Sessel mitten im Schlachtfeld
+nieder und sagte zu den ihn umgebenden Offizieren: »Heut' ist der Tag, uns
+dankbar gegen Abaka zu erweisen durch Sieg oder Tod.« Nach dreimaligem
+Angriffe wurde Borrak geschlagen; sein ganzes Heer wäre verloren gewesen
+ohne Dschelartai's Muth und Geistesgegenwart. Er sammelte die zerstreuten
+Flüchtlinge und bewirkte ihren Rückzug über den Oxus.
+
+[Randnote: Ende Borrak's.]
+
+Borrak, der auf der Flucht vom Pferde gefallen und dazu vom Schlage berührt
+worden, kam gelähmt nach Bochara, wo er sich zum Islam bekehrte und den
+Namen Ghajaseddin annahm. Viele seiner Feldherren, seiner üblen Laune
+ausgesetzt, verliessen denselben unter verschiedenen Vorwänden. Der Prinz
+Ahmed Aghul, der Sohn Buri's[516], zog missvergnügt mit seinen Truppen nach
+Pischbaligh. Tukai, die starkmüthige Gemahlin Borrak's, als sie dessen
+Rückzug vernahm, bot sich ihrem kranken Gemahle an, aufzusitzen und ihm den
+Prinzen zurückzubringen. Der Emir Mauldan erhielt den Befehl zur
+Verfolgung, Borrak folgte in einer Senfte; auf der zweiten Station traf die
+Nachricht ein, dass Prinz Nikpei, der Sohn Serban's, sich nach Chodschend
+entfernt. Borrak sandte ihm den Prinzen Balighu, den Sohn Kadaki's, des
+Sohnes Buri's, nach, und erschöpfte sich in Klagen über die Unstätigkeit
+seiner Hilfsgenossen und über die Unfälle der letzten Schlacht: »Als ich,«
+sagte er, »vom Pferde gefallen, als ich rief: Ich bin euer Padischah, gebt
+mir ein Pferd! hörte mich keiner; Alle stürmten vorbei auf der Flucht, bis
+ein _Karawine_ (ein Naphtafeuerwerker), Namens _Sali_, vom Pferde stieg,
+mir dasselbe gab und statt desselben einige Pfeile begehrte, die ich ihm
+reichte.« Er sandte den Bruder Jesar[517] an Kaidu, um sich über den
+Abfall der Prinzen Kipdschak und Dschebat zu beklagen. Kaidu brachte ihm
+die Treulosigkeit Borrak's in Erinnerung, welcher, während die Prinzen,
+seine Brüder, mit Kipdschak die Rückkehr unterhandelten, den Dschelartai
+nachsandte, um ihn zu überfallen; Jesar läugnete es. Kaidu versammelte
+seine Emire zum Rath, stellte ihnen vor, wie verächtlich bisher die
+Verbindung mit Borrak für das Haus Ogotai's gewesen; es ward beschlossen,
+den Jesar in Gewahr zu halten und dass Kaidu selbst mit ein Paar Tomanen
+unter dem Scheine, dem Borrak die begehrte Hilfe zu leisten, aufsitze,
+weil, ehe sie ankämen, sein Loos entschieden sein würde. Indessen hatte
+_Nauldar_ den Prinzen _Ahmed Buri_ und _Balighu_ den Prinzen _Nikpei_
+verfolgend erreicht und in dem ihnen gelieferten Treffen fielen Ahmed Buri
+und Nikpei. Sobald Borrak hiervon Kunde erhalten hatte, sandte er an Kaidu,
+dessen wahre Absicht er ahnte, Wort, um ihm für seine Hilfe zu danken, die
+nun überflüssig geworden sei. Kaidu setzte nichtsdestoweniger seinen Marsch
+fort; ehe er noch das Lager Borrak's erreicht, war dieser plötzlich
+gestorben, vermuthlich durch neuen Schlaganfall getroffen. Als Kaidu dem
+Lager nahte, hörte er die Todtenklage und sah die Wachen mit fliegenden
+Haaren. Kaidu und alle Prinzen beweinten den Tod Borrak's; sie zogen die
+Trauer an und Borrak's Leichnam wurde auf einem hohen Berge bestattet. Am
+folgenden Tage erschienen die Prinzen _Mubarekschah_ (der Enkel
+Muwatukjan's, aus dessen Sohn Kara Hulagu und der Frau Hirghana), _Kajan_
+und _Dschobai_, die Enkel des vor Olmütz gefallenen Paidar [Peta][518], und
+liessen sich vor ihm, als dem älteren Prinzen, auf die Kniee nieder, sich
+seinen Befehlen fügend. Sie klagten über die Behandlung, die sie von Borrak
+erlitten; Kaidu versprach ihnen die Zurückstellung der ihnen weggenommenen
+Güter und überliess ihnen den Schatz Borrak's zur Theilung. Mubarekschah
+nahm mit eigener Hand die Ohrgehänge der Frau _Tukai_, der Gemahlin
+Borrak's, vom Ohre. Borrak hatte vier Söhne hinterlassen: _Peik Timur_,
+_Tewaburi_, _Tehu_ und _Uladai_; mit ihnen vereinigten sich die Söhne
+Alghui's, die beiden obgenannten, _Dschobai_ und _Kijan_; des dem Kaidu
+gegebenen Wortes vergessend, verheerten sie das ganze Land von Chodschend
+bis Bochara und bis jenseits des Oxus. [RN: 671/1272] Drei Jahre hernach
+kam auf Vortrag des Wesirs Schemseddin, dass es die höchste Zeit, den
+Unordnungen im Lande jenseits des Oxus ein Ende zu machen, ein Heer unter
+dem Befehle Jusuf's und Kurughdai's, der Söhne Dschintimur's, des
+vormaligen Statthalters in Persien, nach Chuaresm; Gurgendsch, Chiwa und
+Karakusch, wurden von Gütern geleert, mit Leichnamen gefüllt. Vor Bochara
+schlugen sie sich mit dem dschagataischen Heere; [RN: 7. Redscheb 671/20.
+Jan. 1273] sieben Tage dauerte die Schlacht, zehntausend Todte deckten die
+Erde. Bochara ward von neuem mit Feuer und Schwert verwüstet, die Medrese
+und die Bibliothek Mesudbeg's gingen in Flammen auf. Dies war eine strenge
+Antwort (bemerkt Wassaf) auf das verächtliche Wort, welches Mesudbeg dem
+Grosswesir Schemseddin zum Willkommen gesagt. Fünfzigtausend Jünglinge und
+Mädchen wurden als Sklaven weggeschleppt; Dschobai und Kijan nahmen ihnen
+jedoch die Hälfte wieder ab. Dieser Raubzug war das Werk der Einstreuungen
+des Turkmanen _Okbal_[519]. Sieben Jahre lang blieb die Stadt verödet.
+
+[Randnote: Zweite Thronbesteigung; Halswunde; Todesfälle.]
+
+Nach der Niederlage Borrak's zog Abaka mit dem Heere nach seinem Thronsitze
+in Aserbeidschan zurück; die Kriegszucht ward so strenge gehalten, dass,
+wie auf dem Hinmarsche im Frühling, der Huf seiner Pferde kein Saatfeld
+zertrat, jetzt auf dem Rückwege im Herbste vom Soldaten keine Garbe
+geraubt, keine Traube abgerissen ward; eine Kriegszucht, so löblicher, je
+ungezügelter die Raubsucht mongolischer Heere im feindlichen Lande. [RN: 1.
+Rebiulewwel 669/18. Oct. 1270] Am achtzehnten October, dem in der
+Geschichte durch vielfache Schlachten als Kriegsfest so berühmten Tage,
+stieg er zu Meragha ab und zwanzig Tage hernach hatte im Lager zu
+_Dschaghantu_ die zweite feierliche Thronbesteigung und Krönung statt,
+[RN: 20. Rebiulewwel/6. November] indem die Gesandtschaft des Kaan's mit
+der Bestätigung der Herrschaft als _Ilchan und Padischah in Iran_ mit dem
+Herrscherdiplome eingetroffen war. Der Grund, dass sich diese Bestätigung
+volle sechs Jahre erwarten liess, kann wohl blos in dem Bürgerkriege
+Abaka's mit Nigudar und Borrak gelegen haben, weil, ehe das Loos der Waffen
+durch die Niederlage von den beiden letzten die bleibende Herrschaft des
+ersten entschieden, dieselbe feierlich zu bestätigen der Kaan Anstand nahm.
+Zu gleicher Zeit mit den Gesandten des Kaan's trafen auch die Mengutimur's,
+des Herrschers von Kipdschak, mit Geschenken ein, um zur siegreichen
+Beendigung des Feldzugs Glück zu wünschen. Sie wurden ehrenvoll empfangen
+und reich beschenkt entlassen. Auf einer der Stationen des Marsches, vor
+der Ankunft zu Meragha, [RN: 2. Ssafer 669/20. Sept.] war Abaka auf der
+Jagd durch das Horn eines wilden Stieres am Halse verwundet worden, so dass
+das Blut aus der Wunde floss; um dasselbe zu stillen, unterband einer der
+_Aidadschi_, d. i. der Küchenmeister, die Haut mit einer Bogensehne, so
+dass es zu fliessen aufhörte, und er dafür von Abaka reichlich belohnt
+ward; aber es hatte sich ein Senkel gebildet, welcher höchst beschwerlich
+fiel und auch gefährlich schien. Keiner der Aerzte getraute sich denselben
+zu öffnen, nur der grosse Astronom Nassireddin, welcher auch ein
+geschickter Arzt, verbürgte sich, die Operation ohne Gefahr zu unternehmen;
+er schnitt den Blutsack auf und reinigte die Wunde, die binnen einer Woche
+geheilt war. Die allgemeine Freude hierüber ward durch den Tod der beiden
+Prinzen _Jaschmut_ und _Tekschin_, die Oheime und treuen Waffengefährten
+Abaka's in dem Kriege wider Nigudar und Borrak, getrübt. [RN: 8. Silhidsche
+669/18. Juli 1271] Sechs Monate früher war auch Jesundschin, die Mutter
+Abaka's, gestorben; ihr Lager erhielt die Gemahlin Abaka's, die Prinzessin
+Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultans von Kerman. So hatte
+Abaka Chan nach dem Tode seiner Stiefmutter, der grossen Frau Tokuschatun,
+ihr Lager ihrer Nichte Tukini, der Beischläferin seines Vaters Hulagu,
+verliehen, welche dreissig Jahre lang im Besitze desselben, worauf es
+Kukadschi Chatun, eine Verwandte der grossen Frau Bulughan, der Gemahlin
+Ghasan's, und nach deren Tode die Frau Keramun, die Tochter eines Vetters
+der Frau Bulughan, erhielt, nach dessen Tode dieselbe unter der Regierung
+Oldschaitu Chodabende's (des achten Ilchanen) die Frau Kotloghschah, die
+Tochter Emir Irindschi's, eines Neffen der grossen Tokus, verliehen
+ward[520]. So erbte der Besitz der Lager der Prinzessinnen zwar nicht
+regelmässig fort, sondern ward theils mit Rücksicht auf die Erbfolge,
+theils aus Gunst verliehen. In diesem Jahre der Rückkehr aus Chorasan ergab
+sich endlich das Schloss der Assassinen _Girdkjuh_, [RN: 6. Rebiulachir
+669/15. Dec. 1270] welches seit der Uebergabe von Alamut noch vierzehn
+Jahre[521] ausgehalten, weil der letzte Fürst der Assassinen demselben zwar
+den von Hulagu gestellten öffentlichen Befehl, sich zu übergeben, aber
+heimlich sich zu halten, Wort gesandt hatte. _Girdkjuh_, das letzte blutige
+Nest der Assassinen, vielleicht das _Gilgerd_ der Byzantiner, das Schloss
+der Lethe, in welchem Staatsgefangene zur ewigen Vergessenheit eingesperrt
+wurden; sowohl der Name als die Festigkeit desselben geben dieser
+Vermuthung Wahrscheinlichkeit.
+
+[Randnote: Herrscher von Luristan; Tod grosser Männer.]
+
+Auf dem Rückmarsche von Chorasan nach Aserbeidschan war Abaka an der Gränze
+Gilan's von einer Schaar dilemischen Gesindels aus einem Hinterhalte
+angefallen worden. Jusufschah, der Sohn Schemseddin Alp Arghaun's, der
+Atabeg von Gross-Luristan, welcher auf diesem Feldzuge den Chan als Vassal
+begleitet hatte und sich eben in dessen Nähe befand, sprang vom Pferde und
+wehrte durch seine Tapferkeit die Gefahr vom Haupte Abaka's ab. Zur
+Belohnung dafür verlieh ihm der Chan zu Gross-Luristan noch den Besitz von
+Chusistan, das Gebirge _Kiluje_ und die beiden Städte _Firusan_ und
+_Dscherbadakan_; die erste, im persischen Irak in der Nähe von Firusan
+gelegen, ward von _Firus_, dem Könige der altpersischen Dynastie der Beni
+Sasan, erbaut, von welchem sie den Namen hat, in einer an Baumwolle, Korn
+und Früchten aller Art gesegneten Gegend gelegen[522]. Dscherbadakan, auch
+_Derbajekan_ oder _Güljadkjan_ genannt, ist eine zwischen Kerdsch und
+Hamadan gelegene Stadt, welche Humai, die Tochter Behmen's, des Kejanen
+(die Parisatis der Griechen), baute und _Samere_ nannte[523]. Jusufschah
+begab sich nach dem Gebirge Kiluje (in Luristan) und schlug die Schulen,
+den Sieg mit seines Bruders Nedschmeddin Tod bezahlend[524]. In Chorasan
+schlugen sich indessen die Feldherren _Nikpei Behdi_ und der Turkmane
+_Akbeg_ wider die dschagataischen Prinzen _Dschoba_ und _Kapan_, den Sohn
+Alghui's, das Land verödend, wie bereits oben gesagt worden. Akbeg hätte
+sich gerne mit seiner Beute zu Kaidu geflüchtet, aber einer seiner Brüder
+kam zum Dienste des Steigbügels des Prinzen Arghun und entdeckte demselben
+des Bruders Anschlag. Arghun berief den Turkmanen ein, um ihn an den Hof
+Abaka's zu senden; auf dem Wege dahin wurde er zu _Kökdsche denis_, d. i.
+am blauen Meere (am Uralssee), abgethan; so ward auch der Intendent Melik
+Ssadreddin zu Rei hingerichtet. Der von Hulagu und Abaka hochgeschätzte
+Sekretär _Dschenglaun Bachschi_ und der Feldherr Emir Arghun, der Sohn
+Dschurmaghun's, starben natürlichen Todes. Zu Tebris stürzten alle Thürme
+im Erdbeben ein. [RN: 671/1272] In diesem Jahre, wo zu Tebris Melik
+Ssadreddin hingerichtet ward, starb zu Konia in Rum, dessen Fürsten unter
+der eisernen Ruthe mongolischer Vogtschaft standen, der grosse mystische
+Scheich Ssadreddin von Konia; im nächsten Jahre aber hatten Astronomie und
+Philosophie, Mystik und Poesie noch weit grösseren Verlust zu beklagen in
+dem Tode Nassireddin's von Tus, des Werkzeugs des Sturzes der Assassinen
+und des Chalifats, des Errichters der Sternwarte von Meragha, des
+Verfassers der berühmten Metaphysik und Ethik, deren schon oben Erwähnung
+geschehen, und des grössten mystischen Dichters der Perser, _Mewlana
+Dschelaleddin's_ Rumi, beigenannt der Molla Kaiser, des Verfassers des
+Mesnewi, des Stifters der Mewlewi. Nassireddin von Tus befand sich am Hofe
+Abaka's im Mittelpunkte des Reichs als der Repräsentant der Wissenschaft,
+während die Mystik und Poesie in den äussersten Enden desselben, in Rum und
+in Fars, blühten, in Rum durch die obengenannten beiden grossen Scheiche
+Dichter, in Fars noch durch _Saadi_, den wahren König der persischen
+Dichter seiner Zeit, wiewohl _Hemker Farsi_ das Amt des Dichterkönigs am
+Hofe der Atabegen zu Schiras bekleidete; dass aber schon damals der
+Dichterkönig von Amtswegen nicht unbedingt als der grösste Dichter erkannt
+ward, beweiset, was Dewletschah in seinen Lebensbeschreibungen persischer
+Dichter bei der Imami's von Herat erzählet. In einer Abendversammlung
+stritten sich die vier geistreichsten und gelehrtesten Staatsmänner
+Abaka's, nämlich der Wesir Schemseddin Dschuweini, der Statthalter Rums
+Moineddin Perwane, der Richter Mewlana Schemseddin und der Intendent Melik
+Iftichareddin von Kerman, einen Abend lang darüber, ob _Saadi_, ob _Imami_
+aus Herat oder _Hemker Farsi_ (der Dichterkönig) der grösste Dichter; sie
+kleideten diese Frage in Versen ein[525] und sandten dieselben zur
+Entscheidung an den Dichterkönig von Amtswegen; dieser antwortete
+bescheiden und wahr:
+
+ Obwohl ich bin ein Papagei durch süssen Sang,
+ Bin ich die Fliege nur von Saadi's Zuckermund;
+ Und soll ich thun ein allgemeines Urtheil kund,
+ So läuft _Imami_ mir und _Saadi_ ab den Rang.
+
+Wie tief persische poetische Bildung damals in Staatsgeschäfte eingriff,
+wird sogleich aus dem Verhältnisse und Briefwechsel des gelehrten Wesirs
+Schemseddin Dschuweini mit Melik Schemseddin Kert, dem Herrn von Herat,
+erhellen.
+
+[Randnote: Schemseddin Kert.]
+
+Melik Schemseddin Kert, welchem schon Tschengischan die Herrschaft von
+Herat überlassen und welchen sein dritter Nachfolger, Mengku, als Herrn von
+_Herat_, _Sebsewar_, _Ghur_ und _Ghardschistan_ bestätiget hatte, war ein
+unternehmender, staatskluger, hochgebildeter Fürst, dessen Arm nie seinem
+Kopfe zuvoreilte und dieser nie hinter jenem zurückblieb. »Er war,« sagt
+Wassaf, »ein Mann von hohem Geist und erhabenem Sinne, der sich der
+Humanitätswissenschaften befleisst. Er vereinigte in sich die beiden Lehren
+von den Fingern und von den Speeren, gleich geschickt zu tanzen den Reigen
+der Worte und der Lanzen. Inhaber von Büchern und von Heeresschaaren, ein
+Bereiter, kundig, die Stufen und Grade zu bewahren, der auf Orion's
+Schultern sass und auf denselben, als seinem Reitpferde, die Himmel
+durchmass.
+
+ Schüttelt die Hand er zum Wohlthun, so ist sie ein Meer,
+ Schüttelt die Hand er zum Kampfe, so ist sie ein Speer;
+ Wann sich die Erde verfinstert, so ist er die Sonne,
+ Wann sie verdorret, erfrischt er als Guss sie mit Wonne.«
+
+Sein Vater, _Kert_, war zur Zeit der Sultane _Ghurs_ einer ihrer Emire und
+gehörte zu den nächsten Umgebungen Sultan Schihabeddin's, des neunten
+Herrschers von Ghur, welcher vor Sultan Mohammed Chuaresmschah sich nie
+gebeugt. Zu Beginn der Regierung Mengkukaan's, als wider diesen Jesui
+Menluk, der dritte Sohn Dschagatai's, ein Heer gerüstet, ward Schemseddin
+Kert geschlagen und flüchtete zu Batu, fand sich aber, sobald Mengku die
+Prinzen, seine Nebenbuhler um den Thron, aus dem Wege geräumt, am Hofe
+desselben huldigend ein. Er trug vor, dass, weil er bei der Annäherung des
+Heeres Tschengischan's demselben huldigend entgegengekommen, er von
+demselben mit dem Lande Ghur[526] mit dem tiefeingeschnittenen
+Schluchtlande des nordöstlichen Sistan's ober Kabul und mit Ghardschistan,
+dem nördlich von Ghur unter Balch gelegenen Gebirgslande belehnt worden
+sey. Mengku bestätigte ihm nicht allein den Besitz der beiden
+Gebirgslandschaften von Ghur und Ghardschistan[527], deren Einwohner
+derselbe Schlag von Menschen, durch Diplom und das Ehrenzeichen des
+Löwenkopfs, sondern schlug noch Herat und Nimrus, jenes östlich, dieses
+südlich von Ghur (das eigentliche Sistan), dazu. Schemseddin begab sich in
+den Dienst Arghun's, des Statthalters in Chorasan, und erhielt von
+demselben das ganze Land bis an die Ufer des Oxus in Acht und Pacht. Auch
+Hulagu hatte denselben mit Ehren und Geschenken ausgezeichnet, aber schon
+im Jahre nach der Eroberung Bagdads [RN: 658/1259] (bei welcher er nicht im
+Heere Hulagu's erschienen) entbrannte wider ihn der Zorn Hulagu's in so
+hohem Grade, dass er dem wider ihn gesandten Heerführer Tegur den Auftrag
+gab, ihm die Haut Schemseddin Kert's mit Stroh ausgestopft zu schicken.
+Kert schlug nicht nur die Truppen Tegur's, sondern auch ein zweites, wider
+ihn gesandtes ilchanisches Heer zu Schelaun, an der Gränze Herats, sandte
+aber dann Botschaft der Unterwürfigkeit und Geschenke an Hulagu und erhielt
+dessen Verzeihung. Als er, am Hofe angelangt, von Hulagu befragt ward,
+warum er ohne Befehl den Statthalter von Nimrus getödtet, antwortete er
+schlagfertig: »damit der Padischah an ihn nicht dieselbe Frage stelle, wie
+jetzt an mich.« Dem Hulagu gefiel die Antwort, und er nahm den Herrn von
+Herat und Ghur wieder zu Gnaden auf; Schemseddin machte in Hulagu's Geleite
+den Feldzug wider Berke mit und erwarb sich dessen Zufriedenheit durch
+Tapferkeit und Ergebenheit; aber in dem Feldzuge wider Chorasan fiel er in
+die Ungnade Abaka's, weil er der Einladung des Prinzen _Tebsin_, in dessen
+Lager zu erscheinen, nicht Folge geleistet, in seinem festen Schlosse von
+Chaisar fest sass. Abaka sandte Truppen, um denselben durch Gewalt zu
+bezwingen. Schemseddin machte Vorstellungen wider diese Massregel, wodurch
+Chorasan von neuem verheert werden würde; er bat den Ilchan, die
+Schlichtung dieses Geschäfts seinem Sohne Chodscha Behaeddin, dem
+Statthalter von Issfahan, zu überlassen.
+
+[Randnote: Briefwechsel zwischen den beiden Schemseddin (Kert und
+Dschuweini)]
+
+Schemseddin Kert, an hohem Muthe und Geist ein würdiger Zeitgenosse und
+Nebenbuhler des Wesirs Schemseddin Mohammed Dschuweini, sandte an diesen,
+als er die Annäherung der wider ihn gesandten Truppen vernahm, die
+folgenden Verse:
+
+ Wer schickt nach Chata Botschaft an den Türkenchan?
+ Ist nicht _Nimrus_ das Vaterland von _Purdestan_[528],
+ Von dessen Schwerte und von dessen Stiereskeule
+ Das Haus Efrasiab's noch heute trägt die Beule?
+
+Schemseddin Dschuweini, um als Dichter nicht zurückzubleiben und um die
+Sache in Gutem beizulegen, sandte Schemseddin Kert das folgende Schreiben,
+halb in Versen, halb in Prose:
+
+ »Reichsglanz, o König _Schemseddin Mohammed Kert_,
+ In dem der König und der Engel[529] sich bewährt.
+ Wie schwer dem Herzen deine Trennung fällt zur Last,
+ Wird nicht von Genien, von Menschen nicht gefasst.
+ O Du von hellem Sinn und von wahrhaftem Wesen,
+ Es ziemt sich, dass, wenn du diess Schreiben hast gelesen,
+ Du, wie der Wind, entflammst der Wunscherreichung Gluth,
+ Und diesen Staub abwaschest mit der Vorsicht Fluth.
+
+Da der Gebrauch des lieblosen Himmels und des trübseligen Erdgetümmels
+droht, dass sie das Begehrte und Beliebte hinter dem Schleier der
+Verwehrung verstecken und den Zweck des Herzens und der Seele ferne
+stecken, so geschieht es, dass alle Lüsten und Mühen, welche sich der
+Menschenliebe geben, nur Beschwerden und Gefahren nach sich ziehen, und
+dass sie allzumal in der Wahl der Sicherheit, wie sie dieselbe immer
+erfinden, nur Stoff der Entäusserung und Täuschung finden.
+
+ Weltenbrauch ist's einmal nun,
+ Stäts das Gegentheil zu thun;
+ Hätten wir die Eintracht nicht begehrt,
+ Hätte Welt dieselbe uns gewährt.
+
+ O wenn Genuss zu uns doch heute wiederkehrte,
+ Ich würde sagen ihm, wie Trennung uns beschwerte.
+
+Der Sinn des Gesagten ist: Seit Jahren ist das Ohr der Seele und die Seele
+des Ohrs mit dem Schalle der Grossmuth des Königs des Islams, des
+Herrschers von Iran, des Chosrews der Erde, die Sonne der Wahrheit und der
+Religion (die Welt sei seinen Geboten und Verboten unterthänig und der
+Himmel seinem Vorhaben günstig!) als mit einem Ohrgehänge geschmücket und
+entzücket worden, und dieser elende Sklave Mohammed Ben Mohammed
+El-Dschuweini hat gewünscht, dass er von Angesicht zu Angesicht denselben
+schaue; als es nahe daran war, dass dieser Wunsch erfüllet worden ganz und
+gar, brach von dem Loos eine geheime Absicht der Verzögerung los (sie möge
+nur Gutes bewirken!); das erstaunte Herz blieb ohne Kopf und die Seele
+blieb nur das Ergebniss des Spruchs: _Der Gierige bleibt beraubt zurück:_
+
+ Ein Engel sitzt an des lazurnen Daches Rand,
+ Der für die Liebenden dort bildet Scheidewand.
+
+Seit einigen Tagen sind Boten des Prinzen Mohammed von jener Seite gekommen
+und haben erfreuliche Nachrichten von beglückter höchstdero Seite gebracht.
+Diese Kunden hatten des Messias Eigenschaft, dessen Wunderkraft Todte in's
+Leben rafft; der Kiel des Schreibers der Kunden hatte über die
+Nothwendigkeit, sich vor Seiner Majestät dem Ilchan zu hüten, sich
+herausgelassen; hier erkühnt man sich aber, zu schreiben, dass der Weg
+unnöthiger Behutsamkeit des leeren Verdachts möge verschlossen bleiben,
+indem der Vorsatz jener Majestät (des Ilchan's) nach Westen und nicht nach
+Osten steht.«
+
+Hierauf antwortete Schemseddin Kert, wie folgt:
+
+»Da die Tage und Nächte, die nacheinander ziehen, sich dahin bemühen, dass
+kein Geschöpf den Wunsch des Herzens erreiche, und dass jeder Gedanke, auf
+welchen man das Herz setzt[530], verändert sich nimmer gleiche, so nützen
+Nichts Fleiss und Streben, und Mühen und Beschwerden können keinen Gewinn
+geben. Jahre sind es, dass ich mit Gebet und Fasten und Bitten ohne Rasten
+gewünscht das verehrte Antlitz des grossen Inhabers (des Diwans), des
+gerechtesten und geehrtesten Wesirs, dessen Rath und That gesiegt, der die
+Sonne des Reichs und der Religion (seine Würde werde vermehrt!), zu sehen
+und demselben alten und neuen Gram zu gestehen, aber
+
+ Da mit den Feinden viel der Freund ist umgegangen,
+ Geziemt sich nicht, von diesem Freunde zu verlangen:
+ Hüt' vor dem Honig dich, dem Gift ist beigemischt,
+ Und vor der Fliege, die gesessen ist bei Schlangen.
+
+Durch die Frische der Rosenzeit und durch die Bewässerung der Jahre wurden
+die Banden der Eintracht und Freundschaft und die Formen der Liebe zwischen
+beiden Seiten befestigt und das Gebäude der Einigkeit stark und hart vor
+den Giftwunden alles Fremdartigen bewahrt, die Kibla der Wahrheit
+zugewendet, und es wurden alle Tage Briefe gesendet, einzuladen Tataren und
+lasterhafte Barbaren. (Hemistich)
+
+ _Was dir gefällt, gefällt mir nicht._
+
+Diess liegt aber ausser der gesunden Vernunft Pfaden, und es ist zuwider
+dem reinen prophetischen Gesetze und den Ueberlieferungen Mustafas, des
+Freunds der Gnaden.
+
+ Besser ist's, dass Weiser einsam streife,
+ Dass nach Winkeln er als Festen greife,
+ Dass er trinke, küsse und ausschweife,
+ Bis dass Welt Beständigkeit ergreife.
+
+In diesen Tagen wird an den Sohn Mohammed kommen, was soll frommen, so Gott
+will, der Allgeehrte.«
+
+[Randnote: Schemseddin's Verse: das Grün und Roth.]
+
+Die Verse, welche Schemseddin Kert mit Schemseddin Mohammed gewechselt,
+sind nicht die einzigen, welche die Geschichte von diesen beiden _Sonnen
+der Religion_ aufbehalten; vom zweiten wird noch in dieser und in der
+folgenden Regierung die Rede seyn; vom ersten sprechen wir hier zum
+letztenmale und erwähnen daher noch zwei anderer Früchte seines
+Dichtertalentes, wovon das eine nur von geringem poetischem Werthe, weil
+das grösste Verdienst desselben im Wortspiel, das andere aber so
+merkwürdiger, als es in Europa neuer Beitrag nicht zur ethnographischen,
+wohl aber zur ethographischen Farbentheorie der Morgenländer. Das erste,
+eine Antwort an _Siadeddin_, das ist _Glanz der Religion_, den König von
+Kabul, mit welchem Schemseddin in grosser Zerwürfniss und Bewilderung.
+Jener schrieb ihm:
+
+ Aus Groll gen Kabul wollte ghurscher Junge
+ Nicht lösen zum Gespräch mit mir die Zunge;
+ Du bist die _Sonn'_, ich _Glanz_; ein Jeder weiss,
+ Die Sonne macht durch Glanz nur hell und heiss.
+
+Schemseddin Kert entgegnete hierauf:
+
+ Du, deiner nicht bewusst, nimm dich in Acht!
+ Warum hast Feindschaft du mit mir gemacht?
+ Ich bin die _Sonne_ und du bist der _Glanz_,
+ Der von der Sonne kommt; was will der Glanz?
+
+Die zweiten Verse sind zum Lobe des _Grünen_ im Gegensatze mit dem
+_Rothen_, worunter aber keineswegs das Grün der Erde, des Meers oder
+Smaragds, oder das Roth des Morgens oder der Blumen oder des Rubins,
+sondern ganz ein anderes Grün und Roth verstanden wird. Ohne nähere
+Belehrung hierüber würde das folgende Lob des _Grünen_ und _Rothen_ einem
+Abendländer eben so unverständlich sein, als einem Morgenländer die _grüne_
+und _blaue_ Partei des Rennplatzes gleich Eingangs der Commentare Mark
+Aurel's. Die Farben des Lebens und Todes des Morgenländers sind, wie bei
+den Abendländern, das Weiss der Tage und das Schwarz der Nächte, jenes
+Glück, dieses Unglück vorbedeutend, worin er mit dem Abendländer
+übereinstimmt; aber schon bei dem Unterschiede der Menschenrassen setzt
+jener den Schwarzen nicht die _Weissen_, sondern nur die _Rothen_ entgegen;
+so ist Mohammed der an die _Rothen_ und _Schwarzen_, d. i. an alle Rassen
+der Menschen, gesandte Prophet; die _Rothen_ sind jenen die blutigen Säbel
+und der gewaltsame Tod, die _Schwarzen_ die giftgeschwollenen Schlangen
+und der Tod durch die Pest; dem _Schwarzen_ steht das _Grün_ entgegen; dem
+_schwarzen Korn_, die Begier, das jedem Menschensohn in die Brust gepflanzt
+ist, und das nur dem Propheten durch Gabriel der gespaltenen Brust
+entnommen ward, ist entgegengesetzt das _grüne_ Korn der Mystiker, welches,
+durch Beschauung gross gezogen, in der Brust des Menschen zum Baume des
+Lebens und der Erkenntniss aufwächst. Das _grüne Korn_ in rein sinnlicher
+Bedeutung ist aber das des Bilsenkrauts und des daraus bereiteten Opiats
+als Berauschungsmittel, im Gegensatze des _Rothen_, d. i. des Weins.
+Schemseddin, dem Genusse des ersten ergeben, sang zum Lobe desselben die
+folgenden Verse:
+
+ Der Reiche, welcher trinket Wein, wird warm,
+ Die Welt füllt sich für ihn mit Lust statt Harm.
+ Ich giess' Smaragd in den Rubin gelinde[531],
+ Damit das Aug' der Gramesschlang' erblinde[532].
+ Wenn Staub des grünen Korns versüsst das Maul,
+ Besteige ich des Himmels grünen Gaul;
+ Mit _Grünen_ ess' ich _Grünes_ in dem _Grün_,
+ Bis dass mein Staub wird einst als Pflanze grün.
+
+Wassaf entgegnet hierauf zum Lobe des _Rothen_:
+
+ _Rothe_ Rose, _rother_ Wein und _rothe_ Wangen;
+ Trink', so lang noch frisch und _roth_ ist das Verlangen;
+ Gilb' nicht dein Gesicht mit Gram, denn _blau_ ist Himmel,
+ Wenn auch _schwarz_ und _weiss_ des Tags, der Nacht Gewimmel.
+
+Behaeddin, der Sohn Schemseddin Dschuweini's, beredete zwar den Herrn
+Herats, sich an den Hof Abaka's zu begeben, aber dieser liess ihn im
+Schlosse von Tebris einsperren, wo er bald hierauf starb, wie es heisst,
+durch Gift, das er im Ringe trug und selbst in die Speise gemischt haben
+soll. Die Meinung von seiner Listigkeit war so gross, dass der zur
+Begräbniss bestellte Emir, fürchtend, er möge sich nur todt stellen, um
+dann zu entwischen, ihn in zwei ineinander geschachtelte Särge legen und
+beide in seiner Gegenwart fest vernageln liess[533]. Das auf seinen Tod
+verfasste Distichon finde hier Raum, weil dasselbe, wie die obigen Verse,
+sich auf eine dem Morgenländer eigene Sitte, nämlich auf die der
+Orakelverse aus dem aufgestochenen des Korans beziehen. Dieses Aufstechen
+heisst _Fal_, was vielleicht dasselbe mit dem deutschen und englischen
+_Fall_[534].
+
+[Randnote: Schewwal 676/März 1278]
+
+ Im Jahr sechshundert sechs und siebzig im Schewwal,
+ Da schlug in dem Koran das Schicksal auf als _Fal_
+ Dem Leu'n des Islams, der genannt _Mohammed Kert_,
+ Den Vers: _Verfinstert ward die Sonne allzumal_.
+
+[Randnote: Die Niguderischen Banden in Fars; Lob der Mongolen aus dem Munde
+Wassaf's.]
+
+Das Todesjahr Schemseddin Kert's, dasselbe, in welchem in Europa Rudolph
+von Habsburg die Macht seines Hauses nach dem Siege über Ottokar
+befestigte, war für Persien ein unheilbringendes durch die Vergiessung
+seines Herzblutes in Fars durch den Einfall und die Verheerung der
+Niguderischen Banden[535], d. i. die Truppen des dschagataischen Prinzen
+Niguder, welcher, wie oben erzählt worden, auf Borrak's Schreiben aus dem
+Lager Abaka's entwichen, im Norden eine Zeit lang den Krieg fortführte,
+welchen nach seinem Tode seine Heere durch Raub und Verheerung fortsetzten,
+wie ehemals nach dem Sturze Chuaresmschah's die chuaresmischen Banden in
+Syrien. Die niguderischen Banden bestanden aus Raubgesindel aller Nationen,
+aus Scholen, Mongolen, Turkmanen und Kurden. Sie fielen in Fars im
+Distrikte _Korbal_ ein und schlugen das persische Heer zu _Teng Schikem_,
+wo die Emire desselben die Brücke so abgebrochen hatten, dass nur für Einen
+Mann Raum zum Uebergang. Zwei Vögte Abaka's ertranken im Flusse, nur
+_Bulghtuwan_ hieb sich mit dreihundert Reitern durch den rechten Flügel der
+Feinde und rannte, indem er die Brücke hinter sich verbrannte, fliehend bis
+Issfahan; der Rest des Heeres wurde zerstreut oder ertrank. [RN: 17.
+Ramasan 677/1. Febr. 1278] Korbal wurde geplündert, dreitausend
+verschnittene Pferde wurden sammt einer Horde von Mädchen und Knaben
+weggeschleppt. Drei Jahre später [RN: 680/1281] überschwemmten die
+mongolischen Banden abermal Germsir, d. i. die südlichste Landschaft von
+Fars, und wandten sich dann gegen Sistan; jeden Winter fürchtete man zu
+Schiras ihre Rückkehr und war mit Ausbesserung der Mauern beschäftigt, denn
+auf die verweichlichten Truppen von Fars war kein Vertrauen zu setzen.
+Wassaf setzt der Schilderung der Weichlichkeit von jenen die der Tapferkeit
+der Mongolen mit folgenden Worten entgegen:
+
+»Wenn die Braven der alten Zeit, denen noch nach Jahrtausenden die
+Erzählungen der Kunden in Vers und Prose geweiht, und deren Mannhaftigkeit
+und Tapferkeit die Gemälde der Bücher und Blätter weit und breit, wieder
+zur Welt zurückkämen, so könnten sie auf der Rennbahn ritterlicher
+Waffenthat in den Sitten und Gebräuchen der Schlacht von jedem einzelnen
+Mongolen Lection nehmen und Nichts Besseres thun, als im Dienste ihres
+Steigbügels die Satteldecke auf die Schulter zu nehmen. Wenn die
+berühmtesten Bogenschützen vergangener Völker, von den Arabern die Stämme
+_Siraa_ und _Kara_ und von den vier persischen Dynastien die berühmtesten
+vier Schützen, nämlich: _Aresch Schefatir_[536], _Isfendiar Rujinten_[537],
+_Koresch Aschghan_[538] und _Behramgur_[539], deren Bogenkunde das Buch von
+den _Graden der Reiter_ so umständlich ausführt und commentirt; wenn diese
+den Flug der Geschosse der Mongolen, die Stärke ihres Arms, die Spannung
+ihrer Bogen, die Wirkung ihrer Pfeile erführen, so würden sie sich nur als
+Verwundete des Pfeiles der Eifersucht getroffen vor dem Geschosse der
+Schmach und den Pfeilen des Schmerzes prostituiren. Ueber die Heftigkeit
+und Hartherzigkeit, die Gewaltsamkeit und den Grimm der Mongolen, über ihr
+Talent, Schwierigkeiten zu besiegen, und die zu erniedrigen, die ihnen
+unterliegen, über ihre Kunst, zu kriegen und Helfer anzufesseln ihren
+Siegen, ist es überflüssig, Etwas zu wiederholen: _Was thut Saturnus Noth,
+wenn du die Sonne schaust!_ Sie gewähren der Gelegenheit die Macht, mit
+kühnem Herzen einzig in der Kraft durch Geduld Alles zu verschmerzen,
+listiger als der Fuchs, wenn sie Etwas verfolgen; am Tage der Schlacht
+spalten sie die Herzen der Löwen mit Macht und brechen den Damm der
+Zufälle, so dass es kracht. Die Ueberlieferung von Nassir Ben Sejar, einem
+der Rechtsgelehrten Turkistans, bestätigt diese Worte und steht hier an
+ihrem Orte. Man sagt, dass der Kämpe der vollkommene zehn Eigenschaften der
+Thiere besitzen müsse: die Tapferkeit des _Hahns_, die Milde des _Huhns_,
+das Herz des _Löwen_, den Anfall des _Schweins_, die Geduld des _Hundes_ in
+Ertragung von Wunden, die Behutsamkeit des _Kranichs_, die List des
+_Fuchses_, die Vorsicht der _Raben_, die Raubsucht des _Wolfs_ und die Ruhe
+der _Katze_. Diese Lehre schärfen sie bei jeder Gelegenheit ein. Mit
+Billigkeit muss man gestehen und zugeben, dass das Werk der Welteroberung
+und Reichszertrümmerung für dieses Volk ward gegeben; ihre Folgsamkeit für
+die Befehle ihrer Befehlshaber, ihre Sorgfalt, sich von aller Empörung zu
+enthalten, ihre Hut von Haus und Gut ist von allen Vernünftigen geschätzt
+und ausser Zweifel gesetzt.«
+
+[Randnote: Verhältnisse mit Aegypten; natürliche Politik.]
+
+Auf die kriegerischen Eigenschaften der Mongolen und ihre Feindschaft gegen
+die Mamluken hatten die Kreuzfahrer in Syrien ihre Hoffnungen gebaut, und
+eine Gesandtschaft derselben flehte Abaka um thätige Hilfe an. Auf seinen
+Befehl fiel ein von _Semaghar_, dem Befehlshaber der mongolischen
+Streitkräfte in Kleinasien, und von _Perwane_, dem mongolischen Vogte
+Kleinasiens, befehligtes Heer in Syrien ein. [RN: 670/1271] Der Vortrab von
+tausend fünfhundert Mann hieb einen zwischen Harun und Antiochien
+gelagerten turkmanischen Stamm zusammen und verheerte das Gebiet von Harun
+und Murudsch. Auf die erste Kunde hatte Bondokdar, der sich zu Damaskus
+befand, [RN: 18. Rebiulewwel/24. Oct. 1271] einen Eilboten nach Kairo mit
+dem Befehle, dass der General _Beiseri_ mit dreitausend Mann aufbreche,
+gesandt. Bondokdar verliess mit demselben Haleb, [RN: 12. Nov.] aber die
+Mongolen hatten sich schon aus Syrien zurückgezogen. Sultan Beibars sandte
+eine Truppenabtheilung nach Meraasch, dem alten Germanicia, der Hauptstadt
+der noch heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, die anderen
+nach Harran (dem alten Carra zur Römerzeit), durch den Tod des Caligula,
+durch die Niederlage des Cassius, in älterer Zeit durch den Tempel der
+Sabäer, namentlich durch den der Luna, und als der Wohnsitz Abraham's im
+Lande _Ur_ geschichtlich geadelt. Die Einwohner Harran's öffneten die Thore
+und zerstreuten sich in die Städte Syriens; aber im nächsten Jahre kam eine
+mongolische Truppe und schleifte die Mauern der Stadt. Zu Damaskus
+erschienen vor Bondokdar Gesandte Semaghar's und Perwane's, welche im Namen
+Abaka's Friedensunterhändler begehrten; der Sultan sandte zwei seiner
+Officiere mit ihnen, welche den Feldherrn Semaghar zu Siwas fanden und ihm
+statt der gewöhnlichen neunmal neun Geschenke nur neun Bogen und neun
+Pfeile darbrachten, den Abgang der andern neunmal sieben durch die
+Eilfertigkeit ihres Ritts entschuldigend. Perwane begleitete die Gesandten
+des Sultans an den Hof Abaka's, dem sie zum Geschenke einen Helm von
+Igelstacheln, einen Säbel und neun Pferde darbrachten und ihm den von Mengu
+Timur, dem Herrn von Kipdschak, gemachten Vorschlag eines
+gemeinschaftlichen Angriffs auf die Länder Abaka's im Norden und Süden
+mittheilten. Die Stammeifersucht zwischen dem Feldherrn des Uluses Hulagu's
+und Dschudschi's, welche unter Hulagu und Berke in offenen Krieg
+ausgebrochen, unter Abaka's Regierung nur durch Waffenruhe, nicht durch
+Frieden besänftiget war, machte die Herrscher Kipdschaks zum natürlichen
+Verbündeten der Sultane von Aegypten, so wie gemeinsames Interesse wider
+die letzten die Kreuzfahrer wider die Mongolen verband, während die
+Schaukelpolitik der byzantinischen Kaiser sowohl an den Herrscher des
+Uluses Dschudschi's als an den des Uluses Hulagu's die Sendung von
+Gesandtschaften und Prinzessinnen vervielfältigte, um ihre, den Rest des
+byzantinischen Reichs in der Hauptstadt bedrohende, von allen Seiten
+hervorbrechende Macht so lange als möglich ferne zu halten. Dieses
+sogenannte natürliche Interesse, wodurch die nächsten Nachbarn geborne
+Feinde eines Staats, sowie die unmittelbaren Gränznachbarn der Feinde
+geborene Verbündete, ist eine Parallele barbarischer Politik zu der nicht
+minder barbarischen türkischen Ansicht der Familienverhältnisse, vermöge
+welcher die Söhne die natürlichen Feinde der Väter, sowie ihre natürlichen
+Freunde die Enkel, weil diese als Feinde ihrer Väter geboren. Hier wie dort
+misst der niedrigste Eigennutz der Habsucht die Grade der Freundschaft und
+Feindschaft im umgekehrten Verhältnisse der Entfernungen der Länder und des
+Bluts, und diese bisher sogenannte natürliche Schaukelpolitik, welche
+vielmehr mit dem Namen der unnatürlichen gebrandmarkt sein sollte, muss in
+dem Masse verschwinden, als sich die Völker durch gegenseitigen Austausch
+der Ideen verbinden und die Bildung der Humanität fortschreitet; sie wird
+sich (sowie die Familienansicht der Feindschaft der Söhne und Freundschaft
+der Enkel schon heute keine christliche und europäische mehr) zuletzt nur
+bei den Barbaren finden, so lange es deren noch auf Erden geben wird; dass
+diese Politik aber im Mittelalter und besonders im byzantinischen und
+mongolischen Reiche, bei den Mamluken und Kreuzfahrern culminirte, darf bei
+der allen gemeinsamen, vorherrschenden Barbarei jener Zeit nicht Wunder
+nehmen.
+
+[Randnote: Streifzug in Armenien.]
+
+Im folgenden Jahre sandte Abaka eine zweite Botschaft an Beibars, um zu
+begehren, dass der Sultan selbst oder einer der ersten Männer des Reichs an
+den Hof Abaka's komme, den Frieden zu unterhandeln. [RN: Ssafer 671/Aug.
+1272] Bondokdar antwortete: wolle der Ilchan den Frieden, so möge er selbst
+oder einer seiner Brüder an den Hof des Sultans kommen. Auf die Nachricht,
+dass mongolische Truppen die beiden Gränzplätze _Rahbet_ und _Birtha_ am
+Euphrat bedrohten, brach Bondokdar auf und führte auf Kameelen zerlegte
+Schiffe mit sich, um damit den Euphrat zu überschiffen. [RN: 9. Rebiulewwel
+671/4. Oct. 1272] So haben wir noch jüngst erlebt, dass zur Einrichtung
+der Dampfschifffahrt auf dem Euphrat das Schiff der Wüste durch die Wüste
+Schiffe trug. Durch die Taubenpost hatte Bondokdar die Nachricht erhalten,
+dass die Mongolen vor Bire, und durch dieselbe versprach er der Stadt den
+schleunigsten Entsatz. Er hielt Wort; denn die sieben und zwanzig
+Poststationen zwischen Damaskus und Bire wurden in sieben Tagen
+zurückgelegt; die mitgeführten Schiffe waren aber entweder nicht angelangt
+oder zu wenig, denn der Uebergang über den Euphrat ward mittels fünf und
+dreissigtausend Kameelen[540] bewerkstelligt, auf denen das Heer
+überschwamm. Die Mongolen, wiewohl an Zahl doppelt dem ägyptischen Heere
+überlegen, zogen sich zurück; Bondokdar verfolgte sie und erbeutete von den
+Nachzüglern einen grossen Theil des Gepäcks; mit demselben und einer
+grossen Anzahl von Gefangenen zog er im Triumphe zu Damaskus ein. Der
+Befehlshaber von Haleb, Hossameddin von Aintab, sandte einen Streifzug nach
+Armenien, weil dasselbe für die Streifereien des Kastellans von _Kinuk_ die
+begehrte Genugthuung nicht gegeben. Kinuk wurde genommen, die Männer wurden
+niedergehauen, die Weiber in die Sklaverei geschleppt; die Mauern der
+Hauptstadt Sis widerstanden, aber Tarsus wurde eingenommen und verheert.
+Beibars vernahm zu Kairo die Verheerung Armeniens und den Marsch Abaka's
+längs des Sab gegen den Euphrat; er bot das ganze Heer auf und begab sich
+nach Damaskus, wo er ruhig blieb, da kein Feind sich zeigte. An seinem Hofe
+erschien der vom Hofe Abaka's flüchtige Melik Schemseddin Behadir, Herr von
+Samosate, Sohn des Grossmundschenken des letzten Schahs von Chuaresm,
+welcher nach desselben Tod sich einiger Schlösser um Nachdschiwan und
+endlich der Stadt Akserai bemächtigt hatte; [RN: 17. Ssafer 672/2. Sept.
+1273] er hatte schon seit geraumer Zeit dem Sultan verrätherische Dienste
+geleistet und durch einen auf seine Veranlassung im Namen des Sultans an
+einen christlichen Bischof in Persien geschriebenen, von Reliquien
+begleiteten Brief, den er hernach auffangen liess, die Hinrichtung dieses
+Bischofs bewirkt[541]; auch wider den Katholikos, d. i. den Patriarchen der
+Nestorianer, welcher, von den Moslimen durch falsche Anklagen verfolgt,
+Bagdad verlassen und sich zu Irbil niedergelassen hatte, war neue
+Verfolgung im Anzuge; um derselben zu entgehen, verlegte er seinen Sitz von
+Irbil nach Aschim in Aserbeidschan[542], in der Nähe der Hauptstadt, weil
+die Tyrannei nur am leidentlichsten im Mittelpunkte. Beibars, der sich über
+Verletzungen des mit dem Könige von Armenien geschlossenen Vertrags zu
+beklagen hatte, beschloss, Cilicien zu verheeren. Er brach von Damaskus im
+Geleite Manssur's, des Herrschers von Hama, und Scherefeddin Isa's, des
+Emirs der syrischen Beduinen, auf. [RN: 3. Schaaban 673/1. Febr. 1275] Der
+Emir und Hossameddin von Aintab, der Befehlshaber von Haleb, erhielten den
+Befehl, als Vortrab die Richtung von Bire zu nehmen; aber zu Sermin
+angelangt, liess Beibars dort sein Gepäcke unter der Obhut des
+Befehlshabers Ben Sonkar zurück und nahm den Weg von Derbesak. Diese durch
+die Einnahme Ssalaheddin's[543] und fünfzig Jahre hernach durch einen Sieg
+der Saracenen über die Templer in der Geschichte der Kreuzzüge schwarz
+gezeichnete feste Burg liegt am _Nehr Eswed_, d. i. am schwarzen Flusse,
+welcher dem See von Antiochien zueilt, auf einer Anhöhe inmitten
+fruchtbarer Fluren und Gärten[544]. Von den Mongolen erobert, ward sie an
+König Hethum abgetreten, von diesem vor neun Jahren dem Sultan Bondokdar
+übergeben worden[545].
+
+[Randnote: Verheerung Ciliciens.]
+
+Bondokdar lagerte zwischen Derbesak und dem zehn Miglien davon gelegenen
+Baghr, dessen Einwohner meistens christliche Fischer[546], und sandte von
+hier Truppenabtheilungen zu tausend Mann, jede mit Fackeln und mit Barken
+zur Ueberschiffung von Flüssen versehen, nach verschiedenen Richtungen in's
+Gebirge. Er lagerte zu Iskenderun hinter einer von König Hethum, dem Vater
+des regierenden Königs Leo, aufgeführten Mauer und rückte dann gegen
+_Merkes_[547] durch den syrischen Felsenpass vor, welcher wegen seiner Enge
+_Ssakaltutan_, d. i. Bartanhaltend, heisst. Der Fluss von Merkes ist der
+alte _Kersos_, dessen Name sich in dem des Schlosses zum Theile
+erhalten[548]. Die ägyptischen Truppen verheerten Massissa, das alte
+_Mopsuestia_, d. i. der Feuerherd des Mopsus, das, auf beiden Seiten des
+Dschihan (Pyramus) gebaut, zwölf Miglien von der, unter dem Namen der
+Goldstoffwiese[549] in den Kriegen der Byzantiner mit Seifeddewlet durch
+Schlachten berühmten Ebene, eine halbe Tagreise von Adana; eine steinerne
+Brücke verbindet den diesseits und jenseits des Flusses gelegenen Theil der
+Stadt. Die auslaufende Bergkette des Taurus, welche sich von Massissa bis
+an das Meer zieht, heisst der _Dschebelon-nur_, d. i. der Lichtberg, auf
+welchem die schönsten Hiacinthen und seltene Pflanzen, unter andern
+Mandragoren und ein Kraut, welches, weil es die Zähne der Schafe gelb
+färbt, von den Alchymikern als ein Hauptbestandtheil des Steins der Weisen
+gesucht wird[550]. Unter Massissa liegt die tiefe Felsenschlucht, welche
+_Kurd Kulaghi_, d. i. das Wolfsohr[551], heisst, zur Linken auf einem hohen
+Berge das weisse Schloss _Jilan Kalaasi_, d. i. das Schlangenschloss, das
+für die Residenz der Schlangenkönigin gilt[552], die sich mit der
+Kronjuwele auf dem Haupte manchmal auf der Goldstoffwiese und auf den Höhen
+des Lichtbergs sonnt. Bondokdar drang in dem Gebirgspasse bis nach _Sis_,
+der Hauptstadt des alten armenischen Königreichs, vor, welche mit den nahe
+gelegenen Festen von _Ainsarbe_, _Tel Hamdun_, _Serfendkjar_ und
+_Bersbert_ von den Arabern die Schneidezähne[553], d. i. die Gränzfesten
+des Islams, genannt werden; die letzte war der Schatzhort der armenischen
+Könige und eine Zeit lang die Residenz derselben[554]. Nachdem _Sis_
+verbrannt worden, kehrte der Sultan durch die Felsenschlösser zurück. Vier
+seiner Truppenabtheilungen hatten sich gegen die am Meere gelegenen
+cilicischen Städte _Tarsus_, _Adana_, _Barin_ und _Ajas_ gewendet.
+_Tarsus_, dessen Ruhm bis in die Zeit der assyrischen Könige hinauf datirt,
+indem sich Sardanapalus dasselbe erbauet zu haben rühmte, ist in der des
+Chalifats als der Ort, wo der grösste Chalife des Hauses Abbas den Geist
+aufgab, die in den morgenländischen Geschichten und Geographien berühmteste
+Stadt Ciliciens; am Cydnus[555], welcher die Mauern derselben wäscht, hatte
+Alexander nicht ohne Nachtheil seiner Gesundheit kalt gebadet, glücklicher
+als Friedrich Barbarossa, welcher in den Fluthen des Saleph oder
+Calycadnus[556], der bei Selefke vorbeiströmt, den Tod gefunden. Den Cydnus
+war Kleopatra in ihrer mit purpurnen Segeln und vielfarbigen Flaggen
+bepfauten goldenen Galeere hinaufgefahren; hiervon weiss die moslimische
+Ueberlieferung nichts, doch zeigt dieselbe das Felsen-Sopha der
+Dschinnen[557], wo der Chalife Mamun am vorbeifliessenden Wasser sass und
+einen über eine Elle langen Fisch aus dem Wasser zu ziehen befahl. Der
+schöne Silberfisch (vermuthlich ein Dschinne) sprang wieder in's Wasser, so
+dass derselbe die Kleider Mamun's bespritzte; dieser, zornig hierüber,
+befahl, den Fisch wieder herauszuziehen. »Nun werde ich dich sogleich
+gebraten essen«, sagte der Chalife, und übergab ihn dem Koch, aber im
+selben Augenblicke ergriff ihn ein heftiger Fieberschauer; als der Fisch
+ihm gebraten vorgesetzt wurde, war er nicht mehr im Stande, davon zu essen,
+und nach einigen Tagen ward er vom Fieber hinweggerafft. Durch diese
+Volkssage und durch die, welche nach Tarsus die Höhle der Siebenschläfer
+verleget (wiewohl man sie auch zu Ephesus und Damaskus zeigt), ist Tarsus
+nicht minder geschichtlich merkwürdig, als in der Geschichte der
+byzantinischen Feldzüge, [RN: i. J. 350/961] in welchen Tarsus, vom
+byzantinischen Befehlshaber gütlich übergeben, die äusserste Gränzfeste des
+Islams ward. Zu _Adana_, der Hauptstadt der heute darnach genannten
+osmanischen Statthalterschaft, welche Harun Raschid am Ufer des Sihan,
+d. i. des Sarus, erbaut hatte, wurden die Männer getödtet, die Weiber und
+Kinder geraubt. Ajas, am Ufer des Meeres, zwei Tagreisen von Baghras und
+eine von Tel Hamdun entfernt, war in den Händen der Franken, welche ihr
+Habe auf die Schiffe im Hafen retteten. Die Stadt wurde von den Aegyptern
+verbrannt; tausend Franken und Armenier, die sich zur See retten wollten,
+gingen in derselben zu Grunde[558]. Massissa wurde verbrannt. Im folgenden
+Spätjahre wurde Bire von Obotai vergebens belagert; nach aufgehobener
+Belagerung zog eine ägyptische Truppenabtheilung nach Cilicien, wo dieselbe
+in der Nähe von Meraasch von Sinbad, dem Oheim des Königs, angegriffen
+ward. [RN: 29. Nov. 1275] Das Treffen kostete dem Oheim des Königs,
+vierzehn Grafen und dreihundert Armeniern das Leben. Die Turkmanen, wiewohl
+Sieger, zogen sich zurück[559].
+
+[Randnote: Unruhen in Rum; Schlacht von Albestan.]
+
+Die Unruhen, welche in Rum ausgebrochen, führten bald neue feindliche
+Berührung zwischen dem Sultan Aegyptens und dem Ilchane Persiens herbei.
+Wir haben schon im vorigen Buche, in der Geschichte Hulagu's, der beiden
+Brüder Herrscher Rums, Rokneddin's und Iseddin's, und der Theilung Rums
+zwischen beiden erwähnt. _Moineddin Ssahib Perwane_, d. i. der Inhaber des
+Kabinetssiegels, der Wesir Rokneddin's, hatte den Mitregenten seines Herrn
+bei Alindschak, dem mongolischen Befehlshaber in Rum, eines
+Einverständnisses mit dem Sultan Aegyptens angeklagt; in der That hatte
+Iseddin Gesandte an Beibars mit dem Antrage der Abtretung der Hälfte seines
+Landes gesandt, wenn er ihm wider den Bruder beistehen wolle. Iseddin, auf
+dem Wege in's Hoflager zu Hulagu wider die Ränke seines Bruders und dessen
+Wesirs gewarnt, kehrte um und flüchtete sich zum byzantinischen Kaiser,
+welcher, um dem Hulagu gefällig zu seyn, denselben zu Ainos als
+Staatsgefangenen einsperrte. Iseddin interessirte für sich Berke, den
+Herrscher von Kipdschak, der in Feindschaft mit Hulagu, dem von diesem
+verfolgten Prinzen Truppen zu Hilfe schickte, die ihn aus Ainos befreiten;
+er starb als Vassal des Herrschers der goldenen Horde in der Krim.
+Rokneddin herrschte nun allein, aber nur dem Namen nach, denn der
+eigentliche Herrscher war Perwane. Dieser beinzüchtigte seinen Herrn bei
+Abaka empörerischer Plane und erhielt den Befehl seiner Hinrichtung. [RN:
+666/1268] Rokneddin, von Perwane zu einem Feste geladen, wurde mit einer
+Bogensehne erwürgt, im selben Jahre, wo der letzte der Hohenstaufen,
+Konradin von Schwaben, auf dem Blutgerüste zu Neapel den Geist aushauchte.
+Perwane herrschte nun im Namen Ghajaseddin's, des vierzehnjährigen Sohnes
+Rokneddin's. Mehrere der Bege Rums, unter diesen auch der Sohn
+Perwane's[560], flüchteten zu Beibars und hetzten ihn zum Kriege wider
+Abaka auf. Nachdem er das Heer gerüstet, seinen schon vor neun Jahren zum
+Nachfolger ernannten Sohn _Said Berke_ in seiner Abwesenheit mit
+unumschränkter Macht in Aegypten bekleidet hatte, brach er nach Syrien und
+von da gegen Cilicien auf. Der Befehlshaber von Haleb und der Emir der
+Wüste (Isa, der Sohn Mohenna's) schlugen eine Truppe der Araber Chafadsche,
+welche die Mongolen wider sie gesandt. Bondokdar zog über Aintab,
+Dulak[561], Kinuk, d. i. durch den taurischen Pass, die heutige Strasse der
+Pilgerkarawane. Er mündete in der Ebene von _Ablestan_ oder _Albostan_,
+wohin Geographen und Reisebeschreiber das dritte der drei berühmten
+Tempelstädte _Komane_, nämlich das kappadocische, verlegen[562]; hier
+sowohl als in der goldenen Komane an der Vereinigung der beiden Arme des
+Euphrat in Sakasene und im pontischen wurde die taurische _Artemis_ als
+_Anaitis_ oder die Kriegsgöttin _Enyo_ in Tempeln verehrt, die unter Hut
+grosser Priestergesellschaften die Kapitole dieser Gegenden. Der Name
+_Albestan_, d. i. der Garten, scheint derselbe mit dem des alten _Pästum_
+zu seyn, dessen Tempel vielleicht demselben Kultus heilig waren. Das
+pontische Komane ist in der römischen Kriegsgeschichte durch den Sieg
+Cäsar's über den Mithridates berühmt, und gleichen Ruhm sollte nun das
+kappadocische in der Kriegsgeschichte der Mamluken und Mongolen durch die
+Niederlage der letzten erhalten. Die Reiterei der Mongolen, aus eilf
+Regimentern von tausend Mann bestehend, ward von _Tokus_, seinem Bruder
+_Uruktu_ und von _Tudaun_, dem Bruder Sughurdschak's, dem Suldusen,
+befehligt; die Hilfstruppen bestanden aus türkischen, deren Treue[563] in
+einer Schlacht wider Moslimen zweifelhaft, und aus einem georgischen
+Hilfscorps von dreitausend Mann. [RN: 11. Silhidsche 675/16. April 1277]
+Freitags in der Hälfte Aprils, am Freitage, welches der liebste Schlachttag
+Ssalaheddin's und auch Rudolph's von Habsburg (vielleicht weil dieser
+vernommen, dass Ssalaheddin seine Siege alle an einem Freitage erfochten),
+hatte die Schlacht statt. Der linke Flügel der Mongolen warf das
+Mitteltreffen der Mamluken, in welchem das Panier des Sultans flatterte,
+auf den rechten Flügel; aber Beibars unterstützte denselben und stellte die
+gebrochene Schlachtordnung wieder her. Uruktu und Tudaun sassen mit ihrer
+Reiterei ab, um den Anfall der ägyptischen mittels Pfeilregens aufzuhalten;
+aber die ausharrende Tapferkeit Bondokdar's siegte. Die Mongolen wurden
+geschlagen; ihre Feldherren Tokus und Tudaun und sechstausend siebenhundert
+siebzig gezählte Mongolen deckten das Schlachtfeld. Beibars lies sich die
+Gefangenen vorführen und dieselben zusammenhauen, einige Officiere
+ausgenommen, mongolische und armenische; die letzten überhäufte er mit
+Vorwürfen, dass sie sich in den Reihen der Ungläubigen schlügen; unter den
+Gefangenen befand sich ein Sohn, ein Neffe und die Mutter Perwane's[564].
+Ein Diener Tudaun's brachte die Nachricht der Niederlage dem Ilchan, der
+erzürnt nach Tebris zurückkehrte.
+
+[Randnote: Beibars zu Cäsarea.]
+
+Acht Tage nach dem Siege, Freitags, zog Beibars zu Kaissarije (Cäsarea) im
+Triumphe, unter einem Thronhimmel, wie derselbe ober dem Haupte der Sultane
+Seldschuken getragen ward, in den Palast des Sultans ein und setzte sich
+auf den Thron. [RN: 18. Silkide/23. April] Mit dem Sultansbunde auf dem
+Kopfe nahte er sich dem Thore des Harems und sandte den Prinzessinnen des
+Herrscherhauses von Rum seine ehrfurchtvollsten Grüsse; dann setzte er sich
+wieder auf den Thron und empfing die Huldigung der _Ulema_ und _Kadi_, der
+_Imame_ und _Scheiche_, der Prediger und Leser des Korans, der _Fakihe_ und
+_Fakire_; der Ceremonienmeister, mit grossem Kopfwulste und weitem Mantel
+angethan, wies jedem die ihm gehörige Stelle an; die Heermusik spielte den
+Tusch, der zur Zeit des Gebetes nur für den Landesherrn erscholl, die Leser
+lasen Suren des Korans, Dichter declamirten Lobgedichte; Alle wurden mit
+einem Frühmahle königlich bewirthet; dann begab sich Beibars in die Moschee
+des Sultans, wo das Kanzelgebet auf seinen Namen verrichtet ward, so auch
+in den übrigen sechs Moscheen der Stadt[565]; das ausgeworfene Geld war auf
+seinen Namen gemünzt[566]. Die Schätze, welche Perwane und seine Gemahlin
+zu Kaissarije zurückgelassen, wurden unter die Emire vertheilt. Perwane,
+welcher in der Schlacht von Albestan das Heer des Sultans von Rum befehligt
+hatte, war nach Verlust derselben nach Kaissarije geflohen und hatte sich
+von hier mit dem Namensträger der Herrschaft Rums, mit Sultan Ghajaseddin,
+nach der Feste Tokat zurückgezogen; auf dem Wege dahin war seine von
+vierhundert Sklavinnen begleitete Gemahlin Gurdschi Chatun, die Tochter
+Ghajaseddin's, des Herrn von Erserum, gestorben. Perwane schrieb an
+Beibars, um ihm als Herrscher Rums zu huldigen; in seiner Antwort forderte
+Beibars ihn auf, persönlich zu erscheinen. Perwane bat um einen Aufschub
+von vierzehn Tagen, in der Hoffnung, dass Beibars, von dem Anmarsche
+Abaka's benachrichtigt, eher Cäsarea verlassen haben würde, das er wirklich
+am fünften Tage nach seinem Einzuge verliess. Beibars verliess Cäsarea in
+dem Augenblicke, wo zu erwarten stand, dass er seine Eroberungen in Rum
+verfolgen würde. Einige Christen und Armenier liess er hinrichten, sonst
+wurden die Einwohner von seinen Truppen, welche die Lieferungen genau
+bezahlten, nicht misshandelt. Während seines Aufenthaltes zu Cäsarea hatte
+Beibars die Huldigung des Herrschers von Karaman empfangen, welcher, der
+Gründer der Macht dieses Hauses, von nun an durch vier und zwanzig Jahre
+ein Nebenbuhler des der Seldschuken und dann durch hundert sechs und
+siebzig Jahre der Osmanen, bis dass es nach zwei Jahrhunderten und in zehn
+von den Osmanen wider dieselben geführten Kriegen zertrümmert ward[567].
+Schemseddin Mohammed, der Karamane, zog an der Spitze von dreitausend
+Reitern nach der Hauptstadt Konia, vor welcher er die ihm von Sultan
+Beibars gesandten Fahnen aufpflanzte und die Stadt zur Uebergabe
+aufforderte. Die Einwohner antworteten, sie übergäben die Stadt nicht, doch
+würden sie ihn nicht hindern, wenn er die Thore verbrennen wolle,
+einzuziehen. Er verbrannte zwei Thore, besetzte die Stadt und bemächtigte
+sich der Citadelle durch List und Gold; dann zog er dem Heere entgegen,
+welches Fachreddin Ali, der Wesir Ghajaseddin's, von seinen beiden Söhnen
+befehligt, wider ihn gesendet; [RN: 29. Silkide 675/3. Juni 1277] der
+Karamane schlug es und kehrte mit den Köpfen der beiden Söhne des Wesirs
+nach Konia, verliess dasselbe aber nach sieben und dreissig Tagen und zog
+sich in's cilicische Gebirge zurück. [RN: Ssafer 676/Juli 1277] Im
+folgenden Frühlinge zog Abaka dreimal gegen Rum[568]. Zu Ablistan oder
+Elbestan wartete ihm der Sultan Ghajaseddin mit seinem Wesire Fachreddin
+von Issfahan auf; als Abaka auf dem Schlachtfelde die noch unbegrabenen
+Mongolen sah, weinte er, liess mehrere Turkmanen, Urheber von Unruhen,
+hinrichten und gab den Befehl zur Verheerung der Städte Rums. In dem
+Ausfluge von sieben Tagreisen wurden die Städte verheert, die Einwohner
+geschlachtet; es fielen mehr als hunderttausend derselben als ein Opfer des
+Schwertes[569]. Mohammed Schemseddin Dschuweini, der gerechte und gelehrte
+Grosswesir, kaufte mehrere derselben mit seinem Gelde los; schon war Siwas
+zur Hälfte verheert, als er die andere Hälfte durch seine Vorstellungen,
+dass die Einwohner unschuldig der Rache verfallen, rettete. Nureddin
+Chasneji und Sahireddin Ibn Husch wurden hingerichtet[570].
+
+[Randnote: Gesandtschaft an Beibars, dessen Tod, Perwane's Hinrichtung.]
+
+Abaka wollte von Rum unmittelbar nach Syrien ziehen. Die Emire stellten ihm
+vor, dass in der Mitte des Sommers die Beschwerden des Zuges zu gross, dass
+der Marsch besser bis auf den Herbst verschoben bliebe. Er sandte also
+indessen Botschaft an Bondokdar: »Ihr seid wie Räuber auf die Vorwachen
+unserer Heere gefallen und habt dieselben erschlagen, und als Wir uns
+genaht, seid ihr wie Diebe entflohen; seid ihr Männer, so erscheinet nun
+auf dem Kampfplatze:
+
+ Komm', dass du meine Lanze streifest,
+ Komm', dass du meinen Zügel greifest;
+ Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben,
+ Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben;
+ Hast du von Männern je gehört der Schlachten,
+ Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?«
+
+Beibars empfing die Botschaft zu Damaskus, wo er bald darauf starb[571].
+Abaka übergab die Verwaltung Rums seinem Bruder, dem Prinzen
+Konghurtai[572] Aghul zur Huth, liess Tokat und das Schloss Perwane's
+verwüsten[573] und kehrte nach Alatak zurück. Als er am Schlosse von
+Baiburt vorbeikam, das in Armenien durch die Schönheit seiner Mädchen
+berühmt, wie Ersendschan durch die Fette seiner Schafe und Kumach durch die
+Feinheit seiner Leindwand[574], erbat sich ein Scheich die Erlaubniss, ihm
+frei die Wahrheit sagen zu dürfen; nach gegebener Erlaubniss sprach er:
+»Herr, dein Feind ist in deine Länder eingefallen, ohne deinen Unterthanen
+Uebles zuzufügen; weil er deinem Grimme entwischet, hast du denselben an
+deinen Völkern ausgelassen, hast deine Unterthanen getödtet, deine eigenen
+Länder verheert; welcher deiner Vorfahren hat desgleichen gethan?« Die
+Worte des Scheichs machten tiefen Eindruck auf Abaka, der die Freigebung
+von viermalhunderttausend Gefangenen befahl[575]. Im Lager von Alatak wurde
+Moineddin Perwane vor Gericht gestellt, dreier Staatsverbrechen angeklagt:
+dass er zu Ablistan geflohen, dass er nach der Niederlage sich nicht zum
+Herrn begeben, dass er denselben nicht frühzeitig genug vom Anzuge der
+Aegypter unterrichtet. Die von Syrien zurückgekommenen Gesandten Abaka's
+sagten überdiess wider ihn aus, was sie dort erfahren, dass Beibars auf
+dessen Einladung nach Rum gekommen, das er in seine Hände zu liefern
+versprochen, dass er hernach aber vor demselben geflohen sei. An Perwane,
+welcher den Sultan Rums mit Bogensehne erwürgt hatte, ward nun Gleiches mit
+Gleichem vergolten; [RN: 1. Rebiulewwel 677/23. Juli 1278] Abaka war schon
+auf dem Punkte, ihm zu verzeihen und ihn nach Rum zurückzusenden, als die
+Wittwen der zu Ablistan Gefallenen Wehe- und Rachegeschrei vor dem Palaste
+Abaka's erhoben. Kutschuk Tukdschi Behadir mit zweihundert Reisigen erhielt
+den Befehl der Hinrichtung; Perwane war, sobald er sich umringt sah,
+seines Looses gewärtig und bat, nur noch ein Gebet von zwei Verbeugungen
+verrichten zu dürfen; nachdem er es verrichtet, wurde er zusammengehauen.
+Die Angabe des armenischen Mönchs Geschichtschreibers[576], dass Abaka vom
+Fleische Perwane's in alle Speisen zu mischen befohlen und selbst davon
+gegessen haben soll, verdient wenig Glauben. Moineddin Suleiman Perwane aus
+Dilem war der Sohn Mobariseddin Ali's, welcher, in früherer Jugend nach Rum
+gekommen, vom Finanzminister Sultan Alaeddin Keikobad's als Eidam
+begünstigt, nach des Schwiegervaters Tod die Stelle als Wesir erhalten
+hatte. Sein Sohn Perwane beherrschte Rum im Namen der Seldschuken als
+unumschränkter Herr; Rokneddin Kilidsch Arslan hatte ihm die Stadt Sinope
+verpachtet, deren Besitz auch nach seiner Hinrichtung auf seinen Sohn
+Mohammed und von diesem auf den Enkel Perwane's, Mohesebeddin Mesud,
+überging[577]. Dieser bemächtigte sich Dschaniks und Ssamssuns, das nach
+seinem Tode[578] in den Besitz des Fürsten von Kastemuni fiel. Sechs Wochen
+nach der Hinrichtung Perwane's ward der Wesir Schemseddin nach Rum gesandt,
+um dem verwüsteten Lande wieder aufzuhelfen; [RN: 17. Rebiulachir/7. Sept.]
+er baute die verheerten Städte wieder auf, führte aber auch die
+Stempelgebühr ein, welche vordem in Rum nicht bestanden. Der Fürst von
+Karaman, der sich in unwegsamen Wäldern verborgen hielt, ward mit denselben
+verbrannt. Iseddin Ibek der Syrier erhielt die Statthalterschaft Malatia's.
+Schemseddin, nachdem er die Angelegenheiten Rums eingerichtet, wandte sich
+nach dem Kaukasus und Lesgistan, wo er die störrigen Bergvölker der
+mongolischen Herrschaft unterwarf[579].
+
+[Randnote: Verungnadung Schemseddin's und Wiederaufnahme zu Gnaden.]
+
+In dem Augenblicke, wo Schemseddin durch die Einrichtung Rums nach der
+Unterwerfung Lesgistans dem Reiche die wichtigsten Dienste erweisend und
+seine Macht im höchsten, war auch seine Verungnadung am nächsten. Dieselbe
+war das Werk der Ränke _Medschdulmülk's_, des Sohnes _Ssafiolmülk's_, des
+vormaligen Wesirs der Atabegen von Jesd. Zuerst im Dienste Behaeddin's, des
+Sohnes Schemseddin's, zu Issfahan, war er von diesem dem Vater empfohlen
+worden, welcher ihn in verschiedenen Aufträgen und zur Zählung der
+Einwohner Georgiens und noch zuletzt in Rum verwendet hatte. Medschdulmülk
+hinterbrachte dem _Jesu Buka Gurgan_, welcher als Gemahl Kutlukan's, der
+sechsten Tochter Hulagu's, der Schwager Abaka's, dass Medschdeddin Esir,
+der Bestellte Alaeddin Dschuweini's (des Bruders Schemseddin's), in seinem
+und seines Bruders Namen geheimes Einverständniss mit den Aegyptern
+unterhalte, um diesen Bagdad zu überliefern. Abaka, hiervon durch seinen
+Schwager unterrichtet, befragte den Medschdeddin Esir, von dem aber selbst
+fünfhundert Prügel kein Geständniss erpressten. Schemseddin, in der
+Hoffnung, einen gefährlichen Feind zu versöhnen, verlieh seinem Ankläger
+Medschdulmülk die Statthalterschaft von Siwas mit einer Anweisung von
+zehntausend Dinaren auf den Schatz von Rum. Aber undankbar und
+unversöhnlich suchte Medschdulmülk neue Wege zum Gehöre Abaka's mittels
+dessen Sohnes, des Prinzen Arghun; diesem machte er zu Kaswin in einer
+geheimen Unterredung weis, Perwane habe auf Schemseddin's Einflüsterung den
+Bondokdar nach Syrien eingeladen, sein Bruder Alaeddin habe für sich eine
+mit Edelsteinen besetzte Krone verfertigen lassen; er könne dem Wesir
+beweisen, dass er sich viertausend Tomane[580] von den Krongütern erpresst,
+dass er ausserdem zweitausend Tomane an Heerden und Juwelen besitze, ohne
+zu rechnen, was er von den Schlössern der Assassinen und von Bagdad
+weggeschleppt; sein Sohn Behaeddin, der Statthalter von Issfahan, habe dort
+ausser den aufgelegten Steuern sechshundert Tomane erpresst; um ihm das
+Maul zu stopfen, habe er ihm die Statthalterschaft von Siwas mit einer
+Summe Geldes verliehen. Arghun hinterbrachte diese Reden seinem Vater; als
+dieser sich zu _Scherujas_ (in der Ebene zwischen Ebher und Serdschan)
+befand, ward Medschdulmülk durch Vermittelung des Emirs Taghadschar von
+Abaka im Bade empfangen. Abaka, hierdurch in seiner guten Meinung von
+Schemseddin's Finanzverwaltung beirrt, gab dem Ankläger den Auftrag, die
+Rechnungen der letzten Jahre zu untersuchen und die Güterbeschreibungen zu
+durchgehen, ohne dass einer der Emire oder Prinzen sich dessen weigern
+dürfe. Zugleich gab er ihm die Insignien des Löwenkopfes glänzender und
+schöner, als dieselben Sultanen und Königen verliehen worden[581]. Die
+Naibe oder Stellvertreter der Steuervögte wurden nach Tebris einberufen.
+Medschdulmülk stand auf einmal in hoher Gunst und verkündete dieselbe durch
+seinen Aufwand; er umgab sich mit berittenen Pagen, die auf arabischen
+Pferden mit goldenen Gürteln, und spannte ein von vierzig Säulen getragenes
+Zelt aus Atlas von _Schuster_ aus. Schemseddin wandte sich an seine
+Gönnerin und Beschützerin Oldschai Chatun, welche den aufgebrachten Gemahl
+dem Wesir zu versöhnen sich bestrebte. Er erhielt eine Audienz: »Wir haben
+dich«, redete ihn Abaka an, »in dem dir von Unserem Vater verliehenen Amte
+der Wesirschaft mit unumschränkter Machtvollkommenheit bestätigt und alle
+Länder deiner Feder untergeben; wie hast du unser Vertrauen zu misbrauchen
+und das Doppelte der Gebühren undankbarerweise dir anzueignen gewagt?« Der
+Chalife Motedhad biemrillah hat gesagt: »Ueber den, der die Gnaden der
+Könige mit Undank erwiedert, werden die Schwerter Recht sprechen.«
+Schemseddin antwortete: »Ein Theil der eingenommenen Gelder ward im Dienste
+der Finanzen, ein anderer in dem der Prinzen und Prinzessinnen, ein Theil
+zu Gaben und Almosen für's allgemeine Besste verwendet; was ich besitze an
+Kapitalien und Gütern, an Mamluken und Heerden, ist ein Brosamen der Gnaden
+und ein Abfall der Huld des Padischah's, den ich auf jeden Wink
+zurückzugeben erbötig.« Abaka, durch diese Sprache des Wesirs versöhnt,
+verzieh ihm; er sagte: »Alle deine Schuld, die sich begeben und die sich
+nicht begeben, habe ich dir vergeben[582] und dich in deinem Amte
+neuerdings bestätigt.« Die gegebenen Befehle der Verhaftnehmung der
+Intendenten des Wesirs wurden widerrufen und Schemseddin erliess
+Rundschreiben, um die Wiedererlangung Allerhöchster Gnade kund zu thun; in
+demselben waren die Worte Abaka's, wie folgt, angeführt: »Eine Zeit ist es,
+dass durch verlautende Kunden der Veränderung Unserer Gnade dir die
+Sicherheit der Nahrung und die Süssigkeit des Schlafes geraubt worden; nun
+gehe von hier in Unserem Dienste betrunken nach Haus, strecke mit Herzen
+voll Lust und mit gesättigter Brust Hand und Fuss fröhlich im Hareme aus;
+lege dich früh nieder und stehe spät auf.«
+
+[Randnote: Medschdulmülk, Amtsgenosse Schemseddin's.]
+
+Medschdulmülk, durch die Wiederaufnahme des Wesirs zu vorigen Gnaden
+beunruhigt, bat, dass Abaka ihn unter den Schutz eines der Emire seines
+Hofes stellen oder davon entfernen möge. Abaka antwortete, dass, wiewohl er
+den Schemseddin wieder zu Gnaden aufgenommen, er dem Medschdulmülk Nichts
+Uebles wolle und dass er beim Emir _Taghadschar_ bleiben könne.
+Medschdulmülk, von seinem Rathe und Gelehrten Ssadreddin von Sendschan
+unterstützt, fuhr fort, Ränke zu schmieden, und zwar mit so gutem Erfolge,
+dass ein Diplom erging, vermöge dessen Medschdulmülk von Jesd dem Inhaber
+des Diwans an die Seite gegeben ward. [RN: 679/1280] Dieses Diplom ward im
+Götzentempel zu Mocha in Gegenwart aller Prinzen und Prinzessinnen
+öffentlich verlesen und alle Geschäftsleute bemerkten, dass noch kein
+Perser von den mongolischen Herrschern dergleichen Jerligh erhalten. Abaka
+empfahl dem Medschdulmülk die grösste Wachsamkeit in Bewahrung und
+Gebahrung der Staatsgelder und sich nicht vom Hofe zu entfernen, wo er
+unter seinem Schutze stehe[583]. Medschdulmülk stellte in allen Ländern
+Stellvertreter mit zahlreichem Gefolge an, und in den Erlassen des Diwans
+wurde der Name Schemseddin's als des Inhabers rechts, der Medschdulmülk's
+links auf derselben Höhe geschrieben. Zu dieser Zeit schrieb Medschdulmülk,
+seine Feindschaft nicht verhehlend, an Schemseddin die Verse:
+
+ Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen,
+ Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen;
+ Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust,
+ Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust[584].
+
+Schemseddin antwortete hierauf:
+
+ Da es unmöglich, Schahe zu verklagen,
+ So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen;
+ Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen,
+ Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen.
+
+Schemseddin, starkmüthiger Geduld, schlürfte den Becher der Demüthigung bis
+zum Hefen aus. Als er eines Tages mit seinem Amtsgenossen Feinde auf den
+Stufen des Thrones erschienen, befahl ihm Abaka, die untere Stufe
+einzunehmen; ein andermal, bei einem Gastmahle, verweigerte Abaka dreimal
+den ihm von Schemseddin dargebrachten Becher, den dieser hiernach dem ober
+ihm knienden Feinde darbrachte; Abaka reichte hierauf dem Schemseddin, dem
+eifrigen Moslime, ein Stück Schweinfleisch, das dieser schweigend
+verschluckte; da sagte Abaka zu den Trinkgenossen: Dort ist ein guter und
+ausharrender Mann; ich hatte beschlossen, hätte er sich das Schweinfleisch
+zu essen geweigert, ihm mit der Spitze des Messers das Aug' auszustechen.
+[RN: Rebiulewwel 680/1281] Nun erschien Alaeddin, der Statthalter Bagdads,
+der Bruder Schemseddin's, welcher mit demselben in der Anklage von
+Gelderpressung verwickelt war, zu Bagdad ohne allen Aufwand in reinlicher
+Kleidung, und sogleich war von allen Seiten ein Heer von Anklägern und
+Zwischenträgern in der Luft; Medschdulmülk zeigte an: Alaeddin habe nun
+durch zwanzig Jahre die Steuerausschreibung des arabischen Irak und
+Chusistan's verwaltet und in jedem dieser Jahre über zwanzig Tomane
+Zuschuss erhoben. Alaeddin rechtfertigte sich »durch die ihm aufgebürdeten
+Ausgaben für die Prinzen und Frauen, für die Emire und Intendenten der
+Gauen, durch den Aufwand für die Gesandten am Hofe, für Geschenke und
+reiche Stoffe, welche alle die wichtigen Lasten der Pachten die
+Diwanseinnahmen vollmachten«[585]. Da die Ankläger hierin nicht aufkamen,
+änderten sie ihr Spiel. »Sie stellten«, sind Wassaf's Worte, »dem Könige
+gegenüber einen anderen Bau als Thurm auf und trugen vor, dass von den vor
+zehn Jahren[586] gelegten Rechnungen noch zweihundert fünfzig Tomane zu
+zahlen übrig seien.« Bei gepflogener Untersuchung zeigte es sich, dass
+diese Summe nicht dem Statthalter, sondern den Pächtern der Districte zur
+Last falle, von denen dieselbe einzutreiben unmöglich. So wurde darüber
+hinausgegangen und Alaeddin wieder nach Bagdad zur Verwaltung seines Amtes
+zurückgesandt. Was den Anklägern Schemseddin's und seines Bruders
+vorzüglich zu statten kam, war der durch die neuen Kriegsrüstungen
+eingetretene Geldmangel. Von Aegypten her nahten sich die ägyptischen
+Befehlshaber _Elfi_ und _Aschkar Sonkar_ mit einem Heere, welchem der Prinz
+Mengu Timur entgegengesandt ward; ein anderes Heer ging nach Osten zum
+Dienste des Kronprinzen Arghun in Chorasan, und ein drittes war zur Huth
+der Gränze von Derbend erforderlich. Abaka war in der Absicht, zu Bagdad zu
+überwintern, auf der Strasse von Irbil und Mossul aufgebrochen und Alaeddin
+hatte auf dieser Seite die Vorhuth vorausgesandt. [RN: 1. Redscheb 680/16.
+Oct. 1281] Zu Rahbet hielt Abaka grosse Kreisjagd und trat von hier den Weg
+nach Bagdad an. Diesen Augenblick benutzte Medschdulmülk, um dem Padischah
+zur Füllung der geleerten Cassen die von Alaeddin dem Schatze schuldigen
+Summen in's Gedächtniss zu rufen.
+
+[Randnote: Alaeddin opfert sein Habe und wird verbannt.]
+
+Alaeddin, von allen Seiten der neuen, seinem Habe und Blute drohenden
+Gefahr benachrichtigt, ergriff das einzige Rettungsmittel des letzten durch
+freiwilliges Opfer des ersten. Er sandte sogleich sein ganzes Habe vom
+Grössten bis zum Kleinsten an den Fuss der Majestät: »Sein ganzes Habe«,
+nach den Worten des in der ganzen Fülle asiatischen Styles wuchernden
+Wassaf, »von den glänzenden Perlen, welche wie Glückessterne strahlten, bis
+zu den geringsten Korallen und den hölzernen Geschirren, den gemalten, von
+den kostbarsten Tapeten geflochten aus den goldenen Drähten bis zu den
+schlechtesten Kotzen und strohgeflochtenen Matten, von den Reinsten und
+Schöngestaltetsten bis zu den Niedrigsten und Veraltetsten, von den
+Gefässen, den vergoldeten, den auserwählten, bis zu den alten Hausgeräthen,
+den in die Rumpelkammer gestellten, von den Gürteln und Floren bis zu den
+Vorhängen von Thoren, von den Sklavinnen, den schönsten der Zeit, deren
+Wangen Rubinen von Bedachschan, bis zu den Stallknechten (Kutal), mit
+groben Kitteln angethan; er schaffte herbei aus der Musikkapelle die
+Pfeifen und Trommeln, an deren Stelle die wiehernden und yahenden, die sich
+stattlich und mannichfarbig als Reitthier nahenden, von den Mäulern und
+Pferden die wohlfeilen und die werthen, Kameele und Kameelinnen, Böcke und
+Widder. Sein Zweck war, in Ehren zu beharren und nicht die Waaren zu
+bewahren; er war bereit, Alles zu wagen und beizutragen und setzte den Fuss
+auf den Spruch:
+
+ _Gott soll nach meiner Ehre mein Gut nicht segnen_,
+
+als auf seinen höchsten und unabänderlichsten Entschluss.« Zugleich eilte
+Alaeddin dem Ilchan entgegen und warf sich auf der Station Dodscheil zu
+seinen Füssen. Da die Summe der eingelieferten Schätze doch noch unter der
+Erwartung geblieben, wurde er ungnädig empfangen, und es erging ein
+Jerligh, um den Emir Taghadschar zur Einleitung des Prozesses nach Bagdad
+zu berufen; er plünderte noch das von Alaeddin gestiftete Karawanserai
+(Robath) Kloster, und da im Hause Alaeddin's nur der Besitzer allein
+zurückgeblieben war, wurde dieser in Empfang und Verhaft genommen. Alaeddin
+wurde in den Halsblock geschlagen, auf die Folter gelegt, nackt zu Bagdad
+hineingeführt und dann verbannt. In dieser Tiefe seines Elends sandte er an
+seinen Bruder, den Wesir, die arabischen Verse:
+
+ Freund! dein Ohr dem Manne schenke,
+ Den man führt zur Todestränke;
+ Meinem gnädigen Herrn klag' ich
+ Und der Zeiten Unbill trag' ich;
+ Nacken schlanker Mädchen steht mir an,
+ Nicht der Bannstrahl im Dorfe _Ban_.
+
+_Ban_ heisst das Dorf bei Nissibin, nach welchem er verbannt ward und
+dessen Name hier mit _Ban_ spielt, dem Namen der babylonischen Weide, mit
+deren biegsamen Stamm und Aesten der Nacken und die Glieder der Schönen
+verglichen werden. Seine Feinde fanden in diesen Versen neuen Stoff von
+Anschwärzung und Verfolgung; sie ärgerten sich darüber, dass er inmitten
+seines Unglücks noch Lust und Geist genug besitze zu arabischen Versen und
+Wortspielen. Einem Freunde, der ihm von der Stimmung der Feinde Nachricht
+gab, schrieb er:
+
+ Dem Freunde send' ich Wort: Mich beugt Erniedrung nicht,
+ Wann Nächte wenden sich mit seltsamem Gesicht;
+ Wie soll ich kümmern mich um der Geschäfte Macht,
+ Da Gott sich meiner annimmt, mich beschützt, bewacht.
+
+Alaeddin, welcher europäischen Orientalisten bisher nur als
+Geschichtschreiber bekannt gewesen, verfasste in seinem Elende mehrere
+Gedichte, deren einige in dem Buche des _Trostes der Brüder_, welche eine
+Art von arabischen Boethius, gesammelt sind. Seine berühmte Kassidet
+allein, deren Beginn:
+
+ Wenn dich die Welt anschauet schief,
+ Bewege diess dir nicht die Brust,
+
+haben über siebzig Dichter durch Glossen commentirt[587].
+
+[Randnote: Alaeddin's fernere Schicksale.]
+
+Die Feinde Alaeddin's, um seinen Ruin zu vollenden, nahmen zu neuen Listen
+und Lügen, Verschwärzungen und Verläumdungen die Zuflucht. Sie klagten ihn
+verrätherischen Briefwechsels mit Aegypten an und bedienten sich als
+Werkzeuges ihrer Ränke eines unbekannten Juden. Dieser beschrieb zu
+wiederholtenmalen ein Papier mit farbigen Linien aus Safran und Grünspan
+als einen Talisman, und dieses wurde während der Hausuntersuchung in den
+Kleidern Alaeddin's verborgen. Dieser falschen Anklage sollten die
+ägyptischen Zustände Glaubwürdigkeit geben. Vor einigen Monaten war
+zwischen _Kilawun Elfi_, dem im Namen des unmündigen Sohnes Bondokdar's
+Aegypten beherrschenden Fürsten, und den Begen der Mamluken Uneinigkeit
+ausgebrochen und Sonkar Aschkar hatte sich mit Isa Ben Mohenna, dem Emire
+der syrischen Beduinen, verbunden; wider dieselben sandte Elfi ein Heer
+nach Damaskus, welches bis nach Aana und Hadise an die Ufer des Euphrats
+streifte. Abaka sandte einen Gesandten an Elfi und Sonkar, um sie
+einzuladen, die Länder des Ilchan's nicht zu belästigen und sich ihm zu
+unterwerfen. Diese Gesandtschaft traf in dem Augenblicke ein, als die
+beiden verbündeten Emire von Elfi geschlagen worden waren; sie versprachen
+sich Hilfe von Abaka, und der Emir der Wüste sandte seinen Bruder mit dem
+Gesandten nach Bagdad, als Alaeddin dort noch in der Machtvollkommenheit
+seines Amtes stand. Er berichtete an den Ilchan die wahre Lage der Dinge
+und erhielt den Befehl desselben, den Sonkar und den Bruder des Emirs
+freundlich zu behandeln. Diesem Befehle gemäss hatte Alaeddin dieselben
+freundlich empfangen und ihnen zu Bagdad Gold und Korn angewiesen; dies war
+Alles, was an der Verbindung Alaeddin's mit Aegypten wirklich und wahr. Zu
+dieser Zeit hatte Mengu Timur (der Bruder Abaka's) ein zahlreiches Heer an
+die Ufer des Euphrats geführt; Sonkar und Isa schickten Gesandte an Abaka,
+um den Rückmarsch dieses sie bedrohenden Heeres zu bitten, und Mengu Timur
+erhielt den Befehl, sich vom Euphrat abzuwenden, während auf der anderen
+Seite gleichzeitig Prinz Baidu, der Sohn Tarakai's (des fünften Sohnes
+Hulagu's) und folglich der Neffe Abaka's, mit einem Heere in Syrien
+einfiel. Diesen scheinbaren Widerspruch der Bewegung der mongolischen Heere
+in Syrien und am Euphrat, indem sie dort vordrangen, hier sich zurückzogen,
+rissen die Feinde Alaeddin's als eine Waffe wider denselben an sich, und
+indem sie den Gesandten des Beduinenfürsten für sich gewannen, traten sie
+mit Alaeddin in Banden die Reise nach dem Hofe an, der damals zu Hamadan.
+Alaeddin's Trost in dieser misslichen Lage waren die Beweise von
+Theilnahme, die er von allen Grossen erhielt, die ihm dieselben in Briefen
+und Gedichten kund gaben. So schrieb ihm Behaeddin Ali:
+
+ Ich höre, dass du immer klagst und weinest
+ Und früh und spät mit deinem Kummer greinest;
+ Wie lang' setzt Welt dir an den Hals das Messer?
+ Sei ruhig und geduldig, es ist besser.
+
+Alaeddin antwortete hierauf:
+
+ Wie soll ich klagen nicht, mein Aug' nicht weinen,
+ Da wenig fehlt, dass mich zertrümmern Peinen?
+ Die Welt hat angefallen mich mit Steinen,
+ Wie soll ich schlottern nicht in den Gebeinen?
+
+Als Alaeddin, von seinen Feinden geführt, auf dem Wege von Bagdad nach
+Hamadan auf die Höhe von Esedabad gekommen, begegnete ihnen die Nachricht
+von dem Tode Abaka's, welcher dem Schicksale Alaeddin's und seines Bruders
+günstigere Wendung gab. Ehe wir des Todes Abaka's umständlicher erwähnen,
+liegt uns noch ob, einige frühere Begebenheiten und den weiteren Verfolg
+des syrischen Feldzuges zu erzählen.
+
+[Randnote: Feldzug wider Sistan, Chorasan, Syrien.]
+
+Drei Jahre vor seinem Tode war Abaka selbst von Tebris gegen Chorasan
+aufgebrochen, wohin er seinen Sohn _Arghun_ vorausgesandt, um die
+Niguderischen Banden, deren Einfall in Fars oben erzählt worden, zu Paaren
+zu treiben; er kam aber nicht weiter, als bis Sistan, dessen Hauptstadt er
+belagerte und dann wieder zurückkehrte; [RN: 1. Moharrem 677/25. Mai 1278]
+er brachte den Oldschai Buka, den ältesten Sohn Mubarekschah's (des Sohnes
+Muwatukjan's), und andere Prinzen des Uluses Dschaghatai mit sich; [RN: 14.
+Reb. II. 677/5. Aug. 1278] dann begab er sich nach Herat, wo ihm die Emire
+der Karawinas[588], eines der kriegerischsten und, wie Wassaf sagt, der
+teuflischen Stämme der Mongolen (die Naphtafeuerwerker), huldigten, welche
+ihren Namen vermuthlich von ihrem Sitze zu _Karawin dscheidun_ haben. Bei
+seiner Rückkehr nach Tebris vertheilte er nach dem Beispiele seines Vaters,
+Hulagu, Ländereien als Leibgedinge der Frauen. [RN: 2. Reb. II./23. August
+1278] Die Frau Kutui erhielt Miafarakain, die Frau Oldschai einen Theil
+Diarbekrs und _Dschiseretol-Omar_, der Gemahlin Dschumkur's, _Nulun
+Chatun_, des Oheims Abaka's, und ihren beiden Söhnen, _Dschuschkab_ und
+_Kunschu_, wurde Selmas mit seinem Gebiete verliehen. Buka, der Sohn
+Hukutai's, der Dschelaire, welcher, nach des Vaters Tod ein unmündiger
+Waise, unter Abaka's Augen erzogen worden, wurde zu einem der grossen
+_Inaken_, d. i. der vertrauten Hofdiener, und später zum Schatzmeister des
+Pelzschatzes (_Postin_[589], woher das _Postelnik_ der Russen und
+Wallachen) ernannt. Die Niguderischen Banden waren kaum aus Fars abgezogen,
+als die Nachricht eintraf von einem Angriffe der Aegypter auf _Kalaater
+Rum_, d. i. das Römerschloss, welches an der Stelle des alten _Zeugma_ den
+Uebergang über den Euphrat vertheidigt. Sultan Said, der Sohn und
+Nachfolger Bondokdar's (unter der Vormundschaft Kilawin Elfi's), hatte ein
+Heer von neunzigtausend Reitern und viertausend Fussgängern wider diese
+Festung abgesandt. Die ägyptischen Truppen befehligte der Emir _Beiseri_,
+die syrischen Hossameddin von Aintab. Die Stadt wurde eingenommen und
+verbrannt; da die Citadelle aber fest hielt, zogen die Eroberer nach fünf
+Tagen beutebeladen ab. Sultan Said war in Aegypten abgesetzt, mit dem
+Leibgedinge von Kerek dahin verwiesen und die Sultanschaft dem Emir Kilawin
+Elfi, dem Kipdschaken aus dem Stamme Burdsch Oghlu, übertragen worden;
+dieser nahm dieselbe vor der Hand nicht an, sondern begnügte sich, im Namen
+des siebenjährigen Selamisch, des Sohnes Bondokdar's, als der Atabeg
+desselben zu herrschen; aber die Namensherrschaft des siebenjährigen Knaben
+dauerte nur hundert Tage, nach welchen er abgesetzt und zu seinem Bruder
+nach Kerek verwiesen ward. [RN: 2. Redscheb 678/27. Nov. 1279] Kilawin
+Elfi, so beigenannt, weil er um tausend Goldstücke gekauft worden, und
+_Ssalihi_, weil er ein Mamluke Ssalih's, des letzten ägyptischen Sultans
+aus der Familie Ejub, bestieg den Thron als Sultan Manssur, d. i. der
+Siegreiche, ein Beiname, dessen gute Vorbedeutung während seiner ganzen
+Regierung erfüllet ward. Der Emir _Sonkar aschkar_, d. i. der Blonde,
+machte ihm als Nebenbuhler den Thron streitig, indem er sich zu Damaskus
+zum Sultan ausrufen liess, aber bald mit seinem Verbündeten, Isa Ben
+Mohenna, von den Truppen des Sultans geschlagen, hatte er sich, wie oben
+erwähnt worden, mit Alaeddin, dem Wesire Abaka's, zu Bagdad in
+Unterhandlung eingelassen und sich dann in's syrische Schloss _Sahiun_,
+eines der festesten, ehemals den Assassinen gehörigen, geworfen. Abaka
+hielt diesen Augenblick günstig für den syrischen Feldzug. [RN: 18. Oct.
+1280] Seine Truppen marschirten in's Gebiet von Haleb ein, wo sie _Aintab_,
+_Derbesak_ und _Baghras_ besetzten und bis nach Haleb vordrangen, rennend,
+brennend, staubend, raubend, Männer tödtend, nur den Weibern als Sklavinnen
+das Leben rettend. Kilawin war von Aegypten, wo er seinen Sohn unter dem
+Namen _Melik ess-Ssalih_ als Thronfolger ausgerufen, gegen Syrien
+aufgebrochen; als er vernommen, dass der Feind mit der Beute von Haleb
+abgezogen, wieder nach Kairo zurückgekehrt.
+
+[Randnote: Schlacht von Himss; Abaka's Tod.]
+
+Im folgenden Frühjahre zog Kilawin wider seinen Thronnebenbuhler _Sonkar_
+aus, der noch im festen Schlosse _Scheiser_ hielt. [RN: 19. Moharrem
+680/10. Mai 1281] Er versprach die Auslieferung desselben für die Abtretung
+von _Famia_ (Apamia), Antiochien, _Latakia_ (Laodicea) und der Schlösser
+_Sahiun_, _Belatonus_, _Bersijet_; auch die beiden letzten gehörten, wie
+Sahiun, unter die festesten Schlösser der Assassinen vom Gebirge, welches
+von ihnen den Namen des _Messers_ (_Sikin_) führt. Belatonus ist das alte
+Banias an der Seeküste nördlich von Merkab und Bersijet, ein kleines
+Schloss an dem westlichen Saume des Berges _Chait_, welcher auf der
+Ostseite des Sees von Apamea[590]. Diese Forderung war kaum zugestanden,
+als Kilawin den Anzug zweier mongolischer Heere vernahm, deren eines, von
+Abaka selbst befehligt, sich gegen Rahbet wandte, das andere, unter dem
+Befehle Mengu Timur's, des Bruders Abaka's, zwischen Kaissarije und
+Ablistan (Cäsarea und Comane) gelagert hatte. Mengu Timur zog langsam in
+Syrien auf der Strasse nach Aintab und stand, nachdem er Hama verheert, vor
+Himss, wo auch Kilawin, durch die Truppen Sonkar's verstärkt, eingetroffen
+war. [RN: 14. Redscheb 680/30. Oct. 1281] Die Schlacht blutete in der Ebene
+nicht ferne vom Grabmale _Chalid's_ (beigenannt das Schwert Gottes), des
+Eroberers Syriens unter dem Chalifate Omar's. Das Heer Mengu Timur's zählte
+fünf und zwanzigtausend Mongolen, fünftausend Georgier, eine armenische,
+von König Leo befehligte Truppenabtheilung und eine der Türken Rums; auch
+das ägyptische Heer, welches die ersten der Emire[591] befehligten, war von
+syrischen Turkmanen und Kurden verstärkt. Der linke Flügel der Aegypter vom
+rechten der Mongolen, welchen Mengu Timur an der Spitze der Uiraten,
+Georgier und Armenier befehligte, wurde bis an die Thore von Himss
+zurückgeschlagen; aber Mengu Timur selbst, bald hernach vom Emir Usdemir
+verwundet, ergriff die Flucht; seine Flucht zog die Niederlage des
+mongolischen Heeres nach sich, das nach allen Seiten floh. Von Seite der
+Mongolen war Semaghar, einer ihrer tapfersten Feldherrn, von Seiten der
+Aegypter der Emir Usdemir, welcher den Prinzen Timur verwundet und vom
+Pferde gestürzt hatte, geblieben. Die Mongolen hatten sich theils gegen
+Haleb, theils gegen Selemijet, die an der Gränze der Wüste gelegene Stadt,
+geflüchtet; die letzten, durch den ägyptischen Befehlshaber Rahbet's
+abgeschnitten, irrten in der Wüste, wo sie dem Hunger und Durst erlagen;
+nur sechshundert Reiter wurden gefangen und zu Rahbet geköpft; eine andere,
+vor Burt gelagerte mongolische Truppenabtheilung wurde gleichzeitig von den
+Belagerten angegriffen, die fünfhundert derselben tödteten. Mengu Timur
+zog sich nach Dschesiret, dem Leibgedinge seiner Mutter, Oldschai Chatun,
+zurück. [RN: 9. Dschemm. sani/25. Sept.] Abaka war, während Mengu Timur in
+Syrien einmarschirt, jagend bis Rahbet gekommen, kehrte aber dann nach
+Sindschar zurück und war Anfangs Novembers in seinem Lager vor Mossul
+eingetroffen. Hier erhielt er die Kunde der Niederlage seines Heeres.
+Erzürnt kündete er für den nächsten Frühling ein Kurultai an, wo die
+Feldherren, die ihre Schuldigkeit in der Schlacht nicht gethan, bestraft
+werden sollten. [RN: 6. Silkide/13. Februar] In der Hälfte des Februars
+brach Abaka von Bagdad nach Hamadan auf, wo er im Palaste Fachreddin
+Minotschehr's abstieg. Er überliess sich dem Genusse geistiger Getränke,
+dem er unmässig ergeben. Eines Abends glaubte er in seiner Trunkenheit
+einen schwarzen Vogel vor sich zu sehen: Weg mit dem schwarzen Vogel, rief
+er; aber so viel die Leibwachen auch spähten, war von einem schwarzen Vogel
+nichts zu sehen. Auf einmal schloss er die Augen und gab, auf goldenem
+Throne sitzend, den Geist auf[592]. [RN: 20. Silhidsche 680/1. April 1282]
+Er wurde an der Seite seines Vaters in dem Schlosse _Teke_ am See von
+Meragha bestattet; schon am fünf und zwanzigsten Tage nach seinem Tode
+folgte ihm auch sein Bruder Mengu Timur in's Grab zu Teke[593]. Abaka starb
+acht und vierzig Jahre alt, von denen er siebzehn geherrscht, der
+Befestiger der Herrschaft der Ilchane in Persien und Georgien im Geiste des
+Gründers Hulagu; kein Eroberer, wie dieser, aber auch minder grausam.
+»Abaka«, sagt der Mönch Haitho, »war ein staatskluger, sein Reich glücklich
+verwaltender Herrscher, der nur in zwei Dingen unglücklich; erstens, dass
+er nicht Christ werden wollte und als Götzendiener den Götzenpriestern
+Glauben beimass; zweitens, dass er, in beständigem Kriege mit den Nachbarn
+verwickelt, den Sultan Aegyptens in Ruhe lassen musste, der sich durch
+mongolische Ueberläufer und durch Bündnisse mit dem Herrscher des Uluses
+Kipdschak verstärkte.«
+
+[Randnote: Verhältniss gegen die Christen.]
+
+Die Klage Haitho's, dass Abaka nicht Christ werden wollte, beweiset schon,
+dass Hoffnungen oder Bemühungen zu seiner Bekehrung rege waren; ferneren
+Beweis liefern die in den Geschichtschreibern der Päpste erhaltenen
+Schreiben desselben an Abaka. Papst Clemens IV. meldet in einem aus Veterbo
+erlassenen Schreiben, dass er das Schreiben des Chan's erhalten; [RN: 1267]
+bedauert aber, dass dasselbe nicht lateinisch abgefasst, weil Niemand
+dasselbe lesen und verdolmetschen konnte und er also den Worten des Boten
+allein Glauben beimessen müsste; dieser scheint wirklich seine Botschaft
+grossentheils aus sich selbst geschöpft zu haben, denn es ist nicht
+wahrscheinlich, dass Abaka (wie ihm Clemens dafür dankt) ihm seine Freude
+über die Niederlage Manfred's des Hohenstaufen bezeugt, dass er ihm seine
+Bereitwilligkeit gemeldet, mit seinem Schwiegervater dem Paläologen und den
+Lateinern zu helfen, und noch unwahrscheinlicher, dass er gegen ihn den
+Wunsch, Christ zu werden, geäussert habe. [RN: 26. Jan. 1274] Sieben Jahre
+später waren Gesandte Abaka's mit Schreiben nicht nur an den Papst, sondern
+auch an andere christliche Könige beglaubigt. Eduard I., der König von
+England, ermuthigte ihn in seinem Antwortschreiben, in dem Entschlusse der
+Bekehrung zum Christenthume zu verharren, und Gregor X. empfing den
+Gesandten Abaka's auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo statt des Senders
+wenigstens der Gesandte getauft ward. [RN: 1277] Drei Jahre hernach
+erschienen abermals zwei Fremde, die sich für Gesandte Abaka's ausgaben, am
+Hofe des Papstes Joannes XXI. mit einem Aufrufe an alle christlichen
+Fürsten zu einem Kreuzzuge nach Palästina. Man bewog sie, an den Hof der
+Könige von Frankreich und England sich zu begeben. Dem Könige Philipp
+versprachen sie den Beistand Abaka's, wenn er zu Akka landen wollte. Diese
+beiden Gesandte, welche georgische Christen gewesen zu sein scheinen,
+hatten zu Rom versichert, dass Abaka und sein Oheim, der Grosskaan Kubilai,
+bereit seien, zum Christenthume überzutreten; Joann XXI. bestimmte fünf
+Franziskaner zur Erwiederung der Botschaft; da er aber vor ihrer Abreise
+starb, traten sie erst im folgenden Jahre mit Schreiben Nikolaus III. an
+Abaka und seinen Oheim Kubilai[594] die Reise an. »Die römische
+Mutterkirche«, schreibt Nikolaus an Abaka, »freut sich des Inhaltes des
+durch die Gesandten Deiner Herrlichkeit, Joannes und Jakob _Vussali_,
+Unserem Vorfahren gebrachten Schreibens, welches, wenn ein christliches
+Heer in Syrien landete, demselben Verpflegung verheissen, und an dem Ende
+Wir Allem, was sie mündlich sagen, Glauben beizumessen aufgefordert werden.
+Unter dieser Beglaubigung[595] haben sie Unserem Vorfahren, unter dessen
+Cardinälen Wir uns damals befanden, die höchst angenehme Nachricht gegeben,
+dass Deine Herrlichkeit und Dein Oheim Kubilai, Ihr beide unsere in Christo
+geliebteste Söhne, einige Personen verlangt, um Euch und Eueren Sohn in der
+christlichen Lehre zu unterrichten und zu taufen.« Der Papst bittet den
+Chan, die Missionäre gütig aufzunehmen, ihnen in allem, was sie ihm über
+die Taufe, Dogmen und Religionspflichten sagen werden, Glauben beizumessen,
+sie auf ihrer Reise zum Grosschan frei zu halten, und empfielt ihm dann
+alle Christen Unterthanen des Chans als Freunde[596]. In dem den fünf
+Franziskanern ertheilten Breve begewaltigt er sie, in allen den Tataren
+untergebenen Ländern das Wort Gottes zu predigen, den Abaka und alle, die
+sich zum christlichen Glauben bekehren wollten, zu taufen, die
+Excommunicirten zu absolviren, Beicht zu hören und Busse aufzulegen, auch
+sogar die Mörder von Clerikern und Priestern loszusprechen, wenn sie nur
+an Kirchen und Klöster gehöriges Sühnungsgeld zahlen, neue Kirchen zu
+stiften, den Neuvermählten ihre Frauen, die ihnen nicht in verbotenen
+Graden verwandt, zu gestatten, in Ehesachen zu entscheiden, selbst dort, wo
+weder Kirche noch Oratorium, Messe zu lesen, die Grundfeste einzusegnen,
+Gelübde umzuändern, Messkleider und Altäre zu weihen, wo katholische
+Bischöfe nicht vorhanden, und alles gemeinsam oder einzeln zu unternehmen,
+was zur grösseren Ehre Gottes und Verbreitung der katholischen Lehre
+förderlich und erspriesslich[597]. Die Bekehrung Kubilai's und Abaka's
+wurde durch diese fünf Franziskaner eben so wenig bewirkt, als dreissig
+Jahre früher die Batu's und Gujukchan's durch die Missionäre Gregor's IV.;
+aber von diesen letzten bestehen die Reiseberichte Plan Carpin's und
+Rubruquis über die Länder, Sitten und Herrscher der Mongolen, während von
+der Mission der fünf Franziskaner keine weitere Spur[598].
+
+[Randnote: Literatur.]
+
+Unter Abaka's Regierung dauerte der Flor der Literatur, dessen wir schon
+unter der Hulagu's und weiter oben erwähnt haben, in erfreulichem Glanze
+fort; das grösste Verdienst dieser Stätigkeit gebührt nach Nassireddin von
+Tus wohl dem gelehrten Brüderpaar _Schemseddin_ und _Alaeddin Dschuweini_,
+welche schon von Hulagu als Wesire mit der höchsten Leitung der
+Reichsgeschäfte betraut, denselben auch während der siebzehnjährigen
+Regierung Abaka's vorstanden, bis zum Schlusse derselben ihr Kredit und
+Ansehen, erschüttert, wankte. In Rum hatte sich die schönste Blüthe
+mystischer Philosophie und Poesie in den Werken _Ssadreddin's von Konia_
+und _Dschelaleddin Rum's_ entfaltet. Zu Schiras lebte noch der
+hundertjährige _Saadi_ (dessen Lebenscenturie zugleich das Jahrhundert des
+grössten Aufschwungs persischer Poesie) in Freundschaft mit dem
+Dichterkönig und Schönschreiber Hemker Farsi, der als Dichterkönig
+_Medschdeddin Semeki_[599] hiess, mit _Imami_ aus Herat und mit Chodscha
+_Hemameddin_[600], dem Schreiber Nassireddin's von Tus, dem reichen und
+gastfreien Manne, welcher den Sohn des Wesirs Schemseddin zu Tebris mit
+einem in vierhundert porcellanenen Schüsseln aufgetragenen Gastmahle
+bewirthete. Ausserdem noch die folgenden Dichter: _Purbeha Dschami_,
+welcher halb mongolisch, halb persisch dichtete und mit Chodscha Hemameddin
+besonders im künstlichen und schweren Versmaasse wetteiferte[601];
+_Abulmadhi Raigani_, so von dem in der Nähe Kaswins gelegenen Dorfe
+_Raigan_ beigenannt, berühmt durch einen auf die fromme Stiftung Melik
+Iftichareddin's von Kaswin aus dem Stegreife gesagten Viervers[602].
+_Dschemaleddin von Kaschan_, welcher eine berühmte Redondille Saadi's mit
+gleicher entgegnete[603]. _Dschemaleddin Rastak ol kotu_, welcher seinen
+Beinamen von Rastak, einem Stadtviertel Kaswin's, hat und unter der
+Regierung Abaka's neunzigjährig starb[604]; der Richter _Behaeddin
+Sendschani_, der Lobredner Schemseddin's des Wesirs, welcher so, wie
+Purbeha, mongolische und türkische Wörter persischen einmischte[605].
+_Rasijeddin Bela_ war Intendent der Pachten von Diarbekr; als ihn Abaka
+absetzte und seine Stelle dem Emir Dschelaleddin verlieh, welcher
+ursprünglich ein Halbtrommelschläger, hatte Rasijeddin den Muth, dem Wesir
+Schemseddin den Viervers zuzusenden:
+
+ O Schah! du nahmst das Land von uns zum Zeitvertreib,
+ Gabst einem Zwitter es, der weder Mann noch Weib;
+ Es ist nun sonnenklar dem Aug' der beiden Welten,
+ Was dir der Schlag des Schwerts und der der Trommel gelten[606].
+
+Nedschmeddin Serkub, d. i. der Goldschläger, ein Zeitgenosse Abaka's, der
+aber auch unter der Regierung Arghun's lebte und seine Beschäftigung und
+Armuth durch die folgenden Verse schilderte:
+
+ Mein Handwerk ist, zu schlagen Gold;
+ Das Leben wird dadurch nicht heller.
+ Ich sitze immer zwischen Gold
+ Und habe niemals einen Heller[607].
+
+Endlich Nisameddin von Issfahan, der arabisch und persisch dichtete und von
+welchem der Schreiber der auserwählten Geschichte eine Kassidet zum Lobe
+des grossen Wesirs Schemseddin Dschuweini[608] erhalten, welche, da
+Schemseddin und sein Bruder Alaeddin die Pole persischer Kultur und
+Literatur während der Regierung Abaka's so füglicher diese Uebersicht
+persischer Literatur zur Zeit Abaka's schliesst, als der Schluss des
+Lobgedichtes selbst ein arabisches Distichon des grossen Wesirs
+Schemseddin:
+
+ Komm', lass dir von dem Streit' des Baches sagen,
+ Der sich mit der Cypresse zugetragen.
+ Der Bach sprach viel von seiner reinen Fluth
+ In hundert Zungen und in hundert Sagen;
+ Da sprach zu ihm Cypresse so: O Freund,
+ Willst du, warum ich zittere, mich fragen?
+ Ich bin gerad' und stehe festen Fusses,
+ Indess dich krumm die Spötter weiter tragen.
+ Bei Gott! du gehst vorbei: und willst dir so
+ Den alten Trauten aus dem Kopfe schlagen.
+ Bald brausest du mit Heftigkeit einher,
+ Bald bleibest du im Dümpfel sitzen mit Behagen.
+ Als Antwort sprach der Bach, der tief beschämt,
+ Aus Schaam den Kopf empor kaum konnte tragen:
+ Ich seh', Cypresse, du hast Sanftmuth nicht
+ Und kannst mit Freunden dich nicht gut vertragen;
+ Du stets aufstrebend und empörerisch,
+ Und weich und lind und mild ist mein Betragen.
+ Du, prahle dich hinfür mit Freiheit nicht,
+ Nicht mit Beständigkeit und Liebesklagen;
+ Du nährtest vormals dich in meinem Schooss,
+ Nun willst du hoch empor den Kopf nur tragen,
+ Du weihest nun sehr wenig Schatten mir,
+ Weisst nichts von Huld und goldnen Fruchtgelagen;
+ Verzweifelnd fliehe ich von dir in's Feld,
+ Um an dem Fels' die Brust mir wund zu schlagen;
+ Du trägst das Haupt gen Himmel hoch empor,
+ Schaust nicht auf mich, der dir zu Füssen liegt;
+ Dein Haupt ist grün, du bist so frisch und schön,
+ Und ich verachtet mit zerrissnem Kragen;
+ Geniesse stolz die Ruh', du stehest fest,
+ Indessen mich von dir die Winde jagen.
+ So sprach der Bach und barg sich in den Staub,
+ In Thränen fliessend hin und Weheklagen;
+ Cypresse ward darob gar sehr verwirrt,
+ Des Freundes wegen fühlt' sie Unbehagen,
+ Im Garten schlug die Hände sie zusammen;
+ Der Vögel Chor begann, darob zu klagen,
+ Da war die Zeit, den Vers von _Schemseddin_,
+ Inhaber des Diwans, dem Herrn zu sagen:
+ _Der Garten haucht wie Aloe aus Hind,
+ Auf Aloen die Turteltauben klagen_[609].
+
+
+
+
+Fünftes Buch.
+
+ Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung;
+ Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras; Konguratai
+ getödtet; Krieg zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften
+ Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch nach Kumis;
+ Arghun vor Kelat; Thronbesteigung Arghun's; dessen Gemahlinnen,
+ Söhne und Töchter; Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs
+ Schemseddin; die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin
+ Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz; Hinrichtung der
+ Prinzen Dschuschkab, Huladschu und Karabuka; Verwaltung des
+ Juden Seadeddewlet; Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse
+ gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung und dessen Familie;
+ Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und
+ Fars, und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten; Verrath
+ der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's und Baidu's Nachfolge.
+
+
+[Randnote: Parteiungen um die Thronfolge.]
+
+Wir haben die achtjährige Regierung Hulagu's, des Gründers des Reichs, in
+zwei Büchern, die der siebzehnjährigen seines Nachfolgers in dem
+vorhergehenden erzählt; wir werden auch, so Gott will, das Leben und die
+Regierung der achtjährigen Regierung Ghasan's, des siebenten und grössten
+mongolischen Herrschers in Persien, in zwei Büchern beschreiben; aber nur
+in diesem Einen die Regierungen von _Teguder_, _Arghun_ und _Kendschatu_,
+die durch zwölf Jahre nacheinander geherrscht. Hulagu, der erste der
+Ilchane, hat das Reich als Eroberer gegründet; _Abaka_, der zweite,
+dasselbe zwar nicht erweitert, aber durch die Stätigkeit seiner Wesire, des
+grossen Brüderpaars Schemseddin und Alaeddin, auf derselben Höhe erhalten;
+unter den vier nächsten ward es durch innere Unruhen und Streit der Prinzen
+um den Thron zerrüttet, bis Ghasan das erschütterte Gebäude der Herrschaft
+wieder mit blutigem Mörtel befestigte und durch weise Einrichtungen zum
+Giebel seiner Grösse emporhob. Der dieses Buch füllende zwölfjährige
+Zeitraum des Bürgerkriegs und der Zerrüttung mag einigermassen mit dem
+zehnjährigen der osmanischen Geschichte verglichen werden, in welchem nach
+Bajesid's des Wetterstrahls Tod die Söhne desselben sich um den Thron
+stritten und das getheilte Reich erschütterten; nur herrschten dort längere
+Zeit drei und dann zwei gleichzeitig, während hier die schnelle
+Entscheidung des Thronstreites durch das Schwert nur zwischen _Baidu_ und
+_Ghasan_ getheilter Herrschaft Raum übrig liess. In der osmanischen
+Geschichte ist die gleichzeitige Regierung der drei Brüder _Suleiman_,
+_Musa_ und _Mohammed_ eine Zwischenherrschaft, während hier die drei ersten
+genannten Herrscher nicht gleichzeitig regiert, sondern den bestrittenen
+und dem Vorfahrer entrissenen Thron nur nach einander durch kurze Zeit
+behauptet haben. Abaka hatte seinen Sohn Arghun zu seinem Nachfolger im
+Reiche bestimmt und demselben als solchem die Statthalterschaft von
+Chorasan verliehen. Die Entfernung würde denselben nicht gehindert haben,
+sein Recht auf den Thron zu behaupten, hätten nicht andere Umstände dem
+Oheime Teguder und seiner Partei Vorschub gethan. Dieser war der Aka
+Arghun's, d. i. der Aeltere der Familie, und das höhere Alter gab, wie
+schon beim Streite zwischen Hulagu und Berke zu bemerken Gelegenheit
+gewesen, in der mongolischen Familienhierarchie immer Vorrang und Ansehen
+vor dem _Ini_, d. i. dem Jüngeren; aber dieser Altersvorzug würde dem
+Teguder eben so wenig zum Throne verholfen, als die Entfernung von der
+Residenz dem Arghun denselben geraubt haben, wären nicht andere Hebel
+wirksam thätig gewesen. Die persischen Quellen stellen dieselben gar nicht
+gehörig heraus und lassen über die nächsten Beweggründe der veränderten
+Thronfolge einiges Dunkel; dieses aber verschwindet bei näherer Betrachtung
+des zu Ende des vorigen Buches berührten Verhältnisses zwischen Arghun und
+dem gestürzten Bruderpaare Schemseddin und Alaeddin, welche seit Hulagu zu
+Tebris und Bagdad das Steuer der Regierung geführt. Arghun war der Kanal
+gewesen, durch welchen die Anklagen Medschdolmülk's, des Todfeindes
+Schemseddin's und Alaeddin's, bei Abaka Eingang gefunden; ihre ganze, durch
+zwanzigjährige unumschränkte Machtvollkommenheit mächtig gewordene, durch
+ihren Sturz aber in den Staub getretene Partei hatte von der Thronfolge
+Arghun's und der tyrannischen Verwaltung Medschdolmülk's Nichts zu hoffen
+und Alles zu fürchten; diese Partei also war es wohl hauptsächlich, welche
+dem Neffen Arghun, dem Sohne Abaka's, dessen Oheim Teguder vorzog und
+diesem die Stimme der Völker (die in Persien alle Moslimen) durch den
+Uebertritt zum Islam gewann.
+
+[Randnote: Teguder's Thronbesteigung.]
+
+Teguder war der Sohn der Frau Kutui Chatun, welche mit ihm und seinem
+Bruder Tekschin, jener der siebente, dieser der vierte Sohn Hulagu's,
+während des persischen Feldzugs im Lager Mengkukaan's zurückbehalten und
+unter Abaka's Regierung von Kubilai nach Persien gesandt worden; in seiner
+Jugend war derselbe getauft worden und hatte den Namen Nikolaus
+erhalten[610]. Hierdurch schon dem Götzendienste des Budhismus entfremdet,
+mochte er so leichter zum Islam zu bekehren gewesen sein, als seine
+Bekehrer nicht ermangelt haben werden, nach moslimischer Ansicht der
+Dreifaltigkeit, als einer Trimurti, und den Uebertritt zum Islam als eine
+Erhebung zu reinerem Gottesdienste, durch den Aufschwung von Vielgötterei
+zur Anbetung eines einzigen Gottes darzustellen; der mächtigste
+Bekehrungsgrund war aber ganz gewiss die Aussicht auf den Thron, indem er
+den Islam erst, als er denselben bestieg, annahm. Die Nebenbuhler um
+denselben nach dem Tode Abaka's waren drei; Arghun hatte die Emire des
+Hauses seines Vaters[611], mehrere der grossen Emire[612] auf seiner Seite;
+die drei Prinzen _Adschai_, _Kungurtai_, _Huladschu_ (die drei Söhne
+Hulagu's), _Dschuskab_ und _Kunkschu_, die Söhne _Tschumkur's_, des zweiten
+Sohnes Hulagu's, die Emire _Schingtur_, _Sughundschak_ und andere stimmten
+für _Teguder_; endlich suchte die Frau Oldschai Chatun, die Mutter Mengu
+Timur's, demselben eine Partei zu gewinnen; als dieser aber am fünf und
+zwanzigsten Tage nach Abaka's Tode gestorben, schlug sie sich mit der Frau
+Kutui, der Wittwe Abaka's, auf die Seite Arghun's, welcher der Sohn aus der
+Beischläferin Kaimisch Ikadschi. Alsbald nach Abaka's Tode eilte Teguder
+aus Kurdistan nach Tebris und Arghun, welcher ohnedies auf dem Wege von
+Chorasan nach der Residenz, begegnete auf der vierten Station vor Tebris
+dem _Schingtur_ Nujan, welcher ihm mit der Nachricht von des Vaters Tod
+entgegengesendet worden. Arghun vollzog die Gebühren der Trauer nach
+mongolischer Sitte mit dem gewöhnlichen Todtenmahle, bei welchem, wie bei
+Festgelagen, der Becher mit _Kumis_ herumging; die Leibwachen[613],
+Speerträger[614] und Stallmeister[615] seines Vaters wurden ihm übergeben.
+Die Prinzen des Hauses, die Oheime und Neffen Arghun's, beriethen sich und
+stimmten für _Teguder_, und auf den Rath des weisen Emirs _Schischi
+Bachschi_ that Arghun, um sein Leben zu retten, keinen Einspruch. [RN: 26.
+Moharrem 681/6. Mai 1282] Fünf Wochen nach dem Tode Abaka's wurde Teguder
+als Chan und Ilchan, Schah und Padischah ausgerufen; die Herrlichkeit der
+festlichen Thronbesteigung wurde auf zwei Monate hinausgeschoben. Arghun
+begab sich nach _Alatagh_[616], um dort von dem Lager und dem Schatze
+seines Vaters Besitz zu nehmen; Taghadschar kam aus Fars zu seinem Dienste
+und die Frau Kutui mit ihren Anhängern begab sich ebenfalls in's Lager
+Arghun's. Der Wesir Schemseddin, welcher sich in dessen Macht befand, wurde
+ihm abgefordert, und der Emir des Lagers der Frau Kutui brachte denselben
+zu Teguder[617]. Am Tage der Sommersonnenwende[618] hatte die feierliche
+Thronbesteigung statt. [RN: 13. Rebiulewwel/21. Juni 1282] Nach dem
+uralten, schon auf den ägyptischen Denkmalen abgebildeten
+Krönungsgebrauche, vermöge welchem zwei Geleitsmänner den König, der eine
+zur rechten, der andere zur linken Hand, auf den Thron einführend, wurde
+Teguder vom Bruder Kungurtai und vom Emir Schingtur Nujan auf den Thron
+gesetzt, indem jener dessen rechte, dieser dessen linke Hand ergriff[619];
+die Prinzen warfen, mit dem Gürtel um den Nacken, ihre Mützen in die Luft,
+zu sagen, dass ihr Hals bereit, auf den Wink des Herrschers mit dem Gürtel
+oder Strang zugeschnürt zu werden, und dass sie nicht mehr kopfbedeckt, das
+ist, nicht mehr frei. Mit siebenmaliger Niederwerfung wurde die Sonne, mit
+neunmaliger der neue Herrscher verehrt zur glücklichen, durch die
+Astronomen ausersehenen Stunde.
+
+ Zu einer guten Stunde, wo die Glücksgestirne
+ Im Ort des Aufgangs niederwarfen ihre Stirne[620].
+
+[Randnote: Schemseddin geschützt von einer der Gemahlinnen Teguder's.]
+
+Nach Beendigung der Krönungsfeste liess sich Teguder die im
+unbezwinglichen Schlosse _Schahutela_ (dem persischen Königstein)
+aufbewahrten Schätze bringen und vertheilte dieselben unter die Prinzen,
+Nujanen und Emire des Hauses und des Heeres; jeder Soldat erhielt zwanzig
+Dinare und Arghun, der sich beklagte, dass man auf ihn mit der
+Krönungsfeierlichkeit nicht gewartet, zwanzig Goldbalische. Bei dieser
+Gelegenheit verbanden sich Arghun und sein Oheim Konghuratai (der neunte
+Sohn Hulagu's) im Lager der Frau Tuktini[621] durch Eidschwur in
+unzertrennlicher Freundschaft, welche hernach den häufigen Gesandtenwechsel
+zwischen ihnen und den gewaltsamen Tod Konghuratai's herbeiführte. Teguder
+befahl, seine Bekehrung zum Islame auszurufen, und erliess an die
+Obrigkeiten von Bagdad ein Jerligh, dass sie die gute Kunde den Einwohnern
+Bagdads mittheilen, den frommen Stiftungen ihre Einkünfte wie zur Zeit des
+Chalifats wieder geben, den Moscheen und Medreseen ihre vorigen Rechte
+wieder einräumen sollten; der Prophet habe gesagt, dass der Islam nicht
+aufhören werde, siegreich zu sein, bis an den Tag des Gerichts[622]. [RN:
+2. Rebiul./4. Juli] Tags darauf lagerte er zu _Siahkuh_[623] und sandte
+Befehl nach Hamadan, dass Medschdolmülk und _Atamülk Dschuweini_, der noch
+als dessen Schlachtopfer dort gefangen gehalten ward, vor ihm erscheine.
+Medschdolmülk begann seine alten Ränke wider Schemseddin, und wenig fehlte,
+dass er nicht auch diesmal gesiegt hätte; nur der Schutz Ermeni Chatun's,
+der Gemahlin Teguder's, zu welcher Schemseddin flüchtete, rettete ihm und
+dem Bruder das Leben und verschaffte ihnen den Triumph über den Todfeind.
+Ermeni Chatun war nicht die Herrin des Harems, d. i. die erste Gemahlin
+oder grosse Frau Teguder's (welche Tokus Chatun, die Konghuratin), sondern
+die zweite, keine Armenierin, wie der Name glauben machen konnte, sondern
+auch eine Konghuratin; die dritte, _Tudakun Chatun_, die Tochter _Musa
+Gurgan's_, des Konghuraten, des Eidams Hulagu's, welchem dieser seine
+fünfte Tochter, _Tarakai_, zur Gemahlin gegeben, und folglich die Nichte
+Arghun's; die vierte _Baitegin_, die Tochter Huseinaga's; die fünfte,
+_Ilkotlogh_, die Mutter _Tughandschik's_, der Tochter Schadi Nujan's, des
+Gemahls der Prinzessin _Arguruk_, Tochter Dschumkur's, des zweiten Sohnes
+Hulagu's, aber nicht aus dieser, sondern aus der Beischläferin _Ilkotlogh_;
+Tughandschik, während der Herrschaft Teguder's getraut, wurde ob Verdacht
+von Zauberei in den _Kor_ (Cyrus) geworfen; die sechste, _Tudai Chatun_;
+diese gaben ihm drei Söhne[624] und sechs Töchter[625]. Stark durch den
+Schutz _Ermeni Chatun's_, arbeitete nun Schemseddin an dem Sturze
+Medschdolmülk's, denselben in allerhand Klagen verwickelnd und vor Gericht
+fordernd. Medschdolmülk, seines drohenden Ruines gewahr, sandte Wort an den
+Prinzen Arghun: Schemseddin habe Abaka vergiftet, und wenn nun er
+(Medschdolmülk) mit seinem Leben büssen müsse, geschähe es, um den Beweis
+der Vergiftung zu unterdrücken; auf diese Art warf er, selbst des Todes
+gewärtig, den Saamen der Rache am Todfeind in die Brust Arghun's, wo
+derselbe später zur blutigen Frucht zeitigen sollte. Schemseddin bediente
+sich als Werkzeug zum Sturze Medschdolmülk's eines Neffen des letzten,
+Namens Seaadeddin, welcher vom Oheime wegen Geldveruntreuungen seines Amtes
+entsetzt worden war; demselben ward die Stelle eines _Mestufi_
+(Finanzpräsidenten) in Irak und Persien versprochen, und er klagte dafür
+den Oheim verrätherischen Briefwechsels mit Arghun an; demselben wurde die
+Zurückstellung aller von seinem Oheim confiscirten Güter Atamülk's, des
+Bruders Schemseddin's, aufgetragen, Medschdolmülk selbst vor Gericht
+gestellt.
+
+[Randnote: Hinrichtung Medschdolmülk's.]
+
+Die Richter Medschdolmülk's waren die Obersten, Befehlshaber der Truppen,
+_Sundschak_ und _Arukaka_. Dem _Medschdolmülk_ wurde nun mit gleichem
+Maasse eingemessen; wie er wider _Kudschuk Atamülk_ Papiere, mit Zügen und
+Schnörkeln beschrieben, als Beweise der Zauberei vorgebracht, so wurde als
+gleicher Beweis nun dem Medschdolmülk eine mit gelben und rothen Figuren
+bemalte Löwenhaut vorgehalten, welche sich unter seinen confiscirten
+reichen Stoffen gefunden und welche seine Feinde bei der Untersuchung eben
+so eingeschwärzt hatten, wie vormals er selbst unter das Habe Atamülk's;
+die Bachschi und Kamen, d. i. die mongolischen Schreiber und Wahrsager,
+gaben ihr Gutachten ab, dass diese Haut in Wasser geweicht, das Wasser dem
+Beklagten zu trinken gegeben werde, damit das Uebel der Zauberei an ihm
+selbst ausgehen möge. Medschdolmülk weigerte sich dessen, weil er wohl
+wusste, dass diesen Talisman der Scheich Abderrahman, ein Geschöpf
+Schemseddin's, verfertigt und denselben vermuthlich mit Gift getränkt habe.
+Trotz dieser Beweise wollten sie, so sehr auch der Scheich und Atamülk
+darauf drangen, das Todesurtheil nicht aussprechen; als aber Sughundschak,
+durch ein Fussübel zu Hause gehalten, zu Gericht zu sitzen verhindert war,
+besuchte ihn der Scheich und drang so lang in ihn, bis er das Urtheil
+erhielt. Es lautete dahin, dass er dem Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin
+übergeben und von denselben nach der Jasa, d. i. mit dem Tode bestraft
+werden solle. Schemseddin wollte ihn mit dem Leben begnadigen, aber sein
+Bruder Alaeddin und sein Sohn Harun drangen auf die Todesstrafe.
+_Medschdolmülk_ (der Reichsruhm) wurde in das Zelt Atamülk's (Reichsgabe)
+geführt, wo er vom Nachmittagsgebete bis zum Abendgebete Rechenschaft über
+alle von ihm ausgestellten Urkunden, Diplome, Schenkungen, Vergantungen
+ablegen und, ausser allen Besitzungen, dreihundert Tomane zu Bagdad
+erpresster Gelder herausgeben musste. Als Alaeddin sich zum Abendgebete
+begab, wurde sein Todfeind vors Zelt geführt und der vor demselben
+versammelten Menge als Schlachtopfer vorgeworfen[626]. [RN: 8.
+Dschemmasiulewwel 681/14. August] Er ward sogleich zerstückt und Kopf und
+Zunge und Hände und Füsse in die Hauptstädte des Reichs zur Aussteckung
+gesandt; der Kopf nach Bagdad, wo er denselben so stolz erhoben. Der
+Geschichtschreiber Reschideddin sagt hierüber:
+
+ Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen,
+ So der Wesirschaft selbst für sich vermessen,
+ Ich sah ihn als des Henkers Spiel und Tand
+ Und jedes Glied in eines And'ren Hand.
+
+Seine Zunge kaufte einer um hundert Goldstücke und brachte dieselbe nach
+Tebris, und Wassaf commentirt hierzu:
+
+ Hättest schweigend deine Zunge du bewährt,
+ Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert.
+
+Die Füsse wurden nach Schiras gesandt, wo er so hochmüthig aufgetreten war,
+und die Hände nach Issfahan, wo er dieselben so gierig ausgestreckt. Der
+schon mehr als einmal erwähnte Dichter _Pur Beha Dschami_ sagte, als die
+Hände ankamen:
+
+ Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand;
+ Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand.
+
+und ein anderer Dichter Zeitgenosse dichtete auf diese Gliederversendung
+die Verse:
+
+ Ein Paar Tage lang beschwärztest du Rollen und Listen,
+ Suchtest dir dadurch Reichthum zu mehren und Gut;
+ Deiner Glieder jegliches ging in andres Land aus,
+ Welteroberer wardst du in der Woche Verlauf[627].
+
+Alaeddin erhielt nun wieder die Statthalterschaft von Bagdad und die
+Investitur derselben mittels eines vom Chane selbst getragenen Kaftans,
+Schemseddin die Wesirschaft in der vorigen Machtvollkommenheit und der
+Scheich Kemaleddin Abderrahman Er-Raſii die oberste Würde des Islams mit
+der Verwaltung aller Religionsgüter und dem Auftrage: die Einkünfte
+derselben auf die Pensionen grosser und berühmter Gelehrten und Almosen für
+Ssofi und Derwische und die Verwandlung der christlichen Kirchen in
+Moscheen zu verwenden.
+
+[Randnote: Wassaf bei Schemseddin; Zustände von Schiras.]
+
+Schemseddin, welchem unter Abaka's Regierung von seinen Anklägern
+Vergeudung der Staatsgelder zur Last gelegt worden und der sich
+ausgewiesen, dass dieselben zum Theil für den Hofstaat der Prinzen und
+andere Ausgaben des Hofes aufgegangen, begann seine neue Verwaltung mit
+Einschränkungen der Ausgaben der Küche des Chans und des Hofstaates der
+Prinzen und Prinzessinnen. Die Ausgaben der Küche, welche bisher unter dem
+Oberstküchenmeister Fachreddin jährlich achtzig Tomane (Toman ist
+zehntausend) betragen hatten, wurden nun ohne Einmischung des
+Oberstküchenmeisters mit der Hälfte dieser Summe bestritten. Dieser
+besonders wider das Zehrgadenamt gerichteten Oekonomie lag einige
+Persönlichkeit Schemseddin's wider Fachreddin zum Grunde, weil diesem
+gleich nach der Thronbesteigung Teguder die Wesirschaft verleihen wollte,
+was sich Fachreddin verbeten hatte; nichtsdestoweniger war Schemseddin auf
+denselben eifersüchtig; Wassaf, bei welchem sich diese Angabe findet,
+konnte um so besser von der Sache unterrichtet sein, als er gerade in
+diesem Jahre dem Wesir Schemseddin persönlich aufwartete, und einige
+Spannung, in welcher er mit demselben gestanden, auszugleichen bemüht war;
+es scheint nämlich, dass Wassaf sich einigen Tadel über des Wesirs frühere
+Verwaltung erlaubt, worüber ihn der Wesir zur Rede stellte. Wassaf
+bekräftigte zwar mit den stärksten Schwüren das Gegentheil und sandte
+zweimal entschuldigende und um Vergebung flehende Verse an
+Schemseddin[628], aber »ohne dadurch«, wie er sagt, »den leicht zu lösenden
+Knoten der Entfremdung des Inhabers des Diwans zu entwirren«. Wiewohl
+Wassaf weder den Gegenstand des Tadels, noch den Anlass seiner Reise ins
+Hoflager näher angibt, so betrafen wahrscheinlich beide die Angelegenheiten
+seines Vaterlandes, die Landschaft Fars, deren Geschichte er der seinen so
+umständlich einverleibt hat. [RN: 678/1279] Zu Ende der Regierung Abaka's
+war die Statthalterschaft von Schiras dem Emir Sughundschak (von dem so
+eben als vom Richter Medschdolmülk's die Rede gewesen) anvertraut, von
+dessen Scharfsinn und die Wahrheit ergründenden Urtheilen Wassaf Belege
+erzählt. Unzufrieden mit den Pächtern der Steuereinnahme, ernannte er einen
+derselben, der die wenigsten Staatsgelder unterschlagen hatte, den Chodscha
+_Nisameddin_, zum Wesir und ordnete ihm die anderen Pächter unter. Zum
+Richter der Richter ernannte er den _Ebu Mohammed Jahja Imadeddin_, wiewohl
+der grössere Theil der Einwohner den hochgelehrten _Seid Abdallah_, den
+Verfasser vieler Werke über die Exegese und Hermeneutik, über die
+Ueberlieferung und Rechtsgelehrsamkeit, über Dogmatik und Philosophie für
+den Würdigeren erkannten. Sughundschak begab sich mit einigen Pächtern,
+deren Summen noch ausständig, nach Hof; nur als es in seiner Abwesenheit
+zwischen dem Wesir und dem Oberrichter zu Reibungen kam, sandte er einen
+Befehl, vermöge dessen der letzte im Hause des ersten in Verhaft gesetzt
+ward. Zu dieser Zeit (wo eben Medschdolmülk's Anklage wider Schemseddin
+angebracht und Abaka's Sinn auf Zusammenscharren des Goldes erpicht war)
+wandte sich der Seid Richter an Buka, einen der geheimen Schatzmeister
+Abaka's, welcher sich damals zu Schiras befand, und dieser sandte den Seid
+und den Intendenten Schemseddin nach Hof, wo sie, von Abaka wohl empfangen,
+ihre Beschwerden wider die Verwaltung Sughundschak's und des von ihm
+bestellten Wesirs Nisameddin anbrachten. Abaka reichte ihnen mit eigener
+Hand einen Becher Wein und befahl, dass Nisameddin zweihundert der
+ausständigen Tomane abtrage; dieser wurde nun im Hause des Seid Imadeddin
+festgesetzt und der Emir Taghadschar kam, die Eintreibung der Summe zu
+vollstrecken; die Pächter aber, hierdurch aufgelärmt, machten mit
+Nisameddin gemeinsame Sache, und wiewohl sie dem Scheine nach sich den
+Befehlen Taghadschar's fügten, so ruhten sie doch nicht, bis sie den
+Nisameddin aus der Haft befreit und Taghadschar in Verlegenheit brachten.
+Dieser begab sich, da unterdessen die Thronbesteigung Teguder's
+stattgefunden, an's Hoflager und führte seine beiden Schutzgenossen, den
+Melik Schemseddin und den Seid Imadeddin, mit sich. Teguder verlieh dem
+letzten die Wesirschaft von Schiras und forderte den Statthalter Bulghuwan,
+welcher öffentlich die Partei der Intendenten wider Taghadschar ergriffen
+hatte, nach Hof; dieser hielt die Gesandten des Chans zu Schiras auf, ohne
+ihnen Erlaubniss zur Rückkehr zu gewähren, und wandte sich heimlich an den
+Prinzen Arghun in Chorasan, von dessen Umtrieben weiter unten die Rede sein
+wird. Diess war der Zustand der Dinge in Fars, als Wassaf sich bei
+Schemseddin rein zu waschen bemüht war.
+
+Auf Veranlassung Schemseddin's wurde eine feierliche Botschaft an den
+Sultan Aegyptens abgesandt, um demselben von dem Uebertritte Teguder's zum
+Islam Kunde zu geben. Das Beglaubigungsschreiben der beiden Gesandten und
+die Antwort Kilawin's sind so durch Gehalt als Styl merkwürdig genug, um
+unverändert hier in sach- und wortgetreuer Uebersetzung zu folgen:
+
+»Durch Gottes des Allmächtigen Kraft (welcher erhöhet werde!) Ferman des
+Kaan Ahmed an Aegyptens Sultan. Gott der Allmächtige hat durch die Vorgänge
+seiner Gnaden und das Licht seiner Leitung in der ersten Jugend und Frische
+Uns geleitet auf die wahren Pfade zur Kenntniss seiner Herrlichkeit und zum
+Geständniss seiner Einheit, zur Zeugenschaft, dass Mohammed (über welchen
+das reinste Gebet!) Gottes Prophet, zum schönen Glauben in seine Heiligen
+und frommen Männer. Wen Gott leiten will, dessen Brust erleichtert er durch
+den Islam, und Wir haben nicht aufgehört, Uns für die Erhöhung der Religion
+und Zurechtbringung der Geschäfte des Islams geneigt zu zeigen, bis von
+Unserem Vater, dem Bessten, und Unserem Bruder, dem Grössten, die Reihe der
+Regierung auf Uns gekommen, bis dass über Uns der Schmuck seiner Gnaden
+ausgegossen und Wir von seinen Wohlthaten, was Wir verdienten, genossen in
+dem Uebermaasse seiner Gnaden, der grossen; und es ward Uns das Brautgemach
+des Reichs aufgeschlossen und die Braut Uns vorgeführt unverdrossen. Es
+wurde von Uns ein gebenedeites _Kurultai_ versammelt, diess ist die
+Versammlung, wo einen Funken gibt der Feuerstahl der Brüder und Kinder, der
+Emire, der Grossen, der Führer des Heers, der Vorgesetzten der Truppen; ihr
+Wort stimmte darin überein, die Verfügung Unseres Bruders des Grossen
+auszuführen in der Aufstellung eines allgemeinen Aufgebotes Unserer Heere:
+die Erde ist zu enge vor ihrer Menge, und es füllet die Herzen Schrecken
+vor der Gewalt, womit sie die Erde bedecken; vor ihrem hohen Muthe werden
+die Berge zu Ebenen ausgegleichet und die härtesten Felsen erweichet. Wir
+dachten nach über das, was sie sich vorgenommen und worin ihre Begierden
+übereingekommen, und Wir fanden, dass ihre Absicht widerstreite mit dem,
+was Wir in Unserem Innern beschlossen zur Bewirkung allgemeinen Wohls.
+Hierunter verstehen Wir die Stärkung der Satzungen des Islams, dass so viel
+als möglich keiner von Unseren Befehlen in anderer Absicht ergehe, als um
+Blut und Brand zu stillen und alle Länder mit dem Wehen der Winde der Ruhe
+und der Sicherheit zu erfüllen, und damit ausruhen mögen die Könige der
+anderen Länder auf dem Lager der Milde und Wohlthätigkeit, um Gottes
+Befehle zu ehren und dem Volke Gottes Mitleid zu gewähren. Gott hat Uns
+eingegeben, dieses Feuer auszulöschen und diese Unruhe zu stillen, und die
+Anzeige dessen, den Gott der Allmächtige hierauf geleitet hat, ist die des
+Vorschlags der Mittel, womit die Heilung der Welt von den Gebrechen
+erzweckt und die Anwendung der letzten verschoben würde; denn Wir lieben,
+nicht schneller die Pfeile zu senden und uns zu den Lanzen des Kampfes zu
+wenden, als nachdem Wir das Nöthige erklärt, und Wir gestatten diess nicht,
+als nachdem Wir die Wahrheit und Nothwendigkeit mit Beweisen bewährt. Wir
+wurden bestärkt in dem, was wir Uns Gutes vorgenommen hatten, und in der
+Durchführung gemeinnütziger Thaten durch die frommen Wünsche des Scheichs
+des Islams, des Musterbildes der Erkennenden, dessen Hilfe Uns in den
+Geschäften der Religion nützt und unterstützt, und Wir haben dieses
+Schreiben erlassen als Gottes Barmherzigkeit für den, der sich demselben
+fügt, wie sich's gehört, und als Pein wider den, der sich abwendet und
+empört. Wir haben damit betraut den entscheidendsten der Richter, den Pol
+der Religion und des Volks (Kutbeddin), und den Atabeg (Behaeddin), welche
+beide von den Bewährtesten und Gelehrtesten dieses blühenden Reichs, weil
+sie Unsere Wege kennen und weil sie mit Gewissheit wissen, was Uns eingibt
+Unser Gewissen zum allgemeinen Wohl der Moslimen. Wir haben sie in dieser
+Absicht gesendet, denn Wir sind von Gott auf die Wachsamkeit angewiesen,
+denn der Islam liebt, was ihn empfängt, und Gott der Allmächtige hat in
+Unser Herz gelegt, dass Wir der Wahrheit und ihren Bekennern folgen sollen,
+damit sie bezeugen die grosse Gnade Gottes über die Gesammtheit in dem, was
+wir fordern als Vertrag der Ursachen der Wohlthat. Sucht dieses nicht zu
+erproben durch einen Rückblick auf Unsere Brüder (die Herrscher vergangener
+Zeit), denn jedem Tage ist anderes Loos bereit. Wenn die Seelen Einsicht
+nehmen wollen in einen Beweis, wodurch die Forderung des Vertrauens
+befestiget würde, und in eine Urkunde, worin sie die Erfüllung ihres
+Wunsches fänden, so sollen sie ihre Blicke auf Unsere Denkmale richten,
+deren Ruhm nicht klein und deren Wirkung allgemein. Wir haben unter Gottes
+Leitung angefangen, die Spuren der Religion zu erheben, dieselben in jedem
+Dinge an Tag zu legen und auszuheben zur Aufrechterhaltung der Novellen des
+Gesetzes, des mohammedanischen, nach Erforderniss der Kanone der
+Gerechtigkeit, der ahmedischen, um es zu erheben und demselben Ehre zu
+geben. Wir liessen Freude scheinen in die Herzen des Wesens, des gemeinen,
+Wir haben nachgesehen die Vergehen und den Schuldigen verziehen und
+stellten auf die Verbesserung der Geschäfte Unser Bemühen, auf die frommen
+Stiftungen der Moslimen, von Moscheen, Grabstätten, Medreseen, auf den Bau
+frommer Zellen und verfallener Wachposten, indem Wir die Einkünfte
+derselben denen, so dieselben verdienen, verlieh'n und dadurch erfüllet der
+Stifter Sinn; Wir haben verwehrt, dass Neuerung in denselben werde begehrt
+und dass das Geringste werde verletzt von dem, was ursprünglich
+festgesetzt; Wir haben befohlen, den Pilgerreisen die grösste Ehre zu
+erweisen, ihre Schaaren zu bewahren, ihre Wege zu sichern und zu ebnen die
+Bahnen der Karawanen; Wir haben freigelassen die Strassen den Kaufleuten,
+die von Land zu Land wandeln und handeln, damit sie nach ihrer Willkür und
+mit ihrem bessten Vermögen reisen mögen; Wir verwehren den Heeren, den
+Wachen und denen, welche die Runde machen, dass sie denselben auf ihren
+Wegen, wenn sie kommen oder gehen, das Geringste in den Weg legen. Eine
+Unserer Wachen hat einen Kundschafter ergriffen in der Verkleidung eines
+Fakirs, und wiewohl es in der Ordnung gewesen wäre, denselben zu tödten, so
+wollten Wir doch nicht sein Blut vergiessen lassen aus Schonung dessen, was
+Gott verboten, und Wir haben denselben zurückgesandt. Indessen ist es
+denselben nicht unbekannt, dass die Kundschafter ein Schaden im Land; denn
+so lang unsere Armeen dieselben in der Gestalt von Fakiren und Andächtigen
+sehen, ist ihre Meinung von diesen Leuten schlecht, sie tödten den Mann und
+thun, was sie gethan: die Nothwendigkeit davon ist, Gott sei Dank, erhöhet
+durch das, was Wir ergehen liessen, um die Wege aufzuschliessen dem Zuge
+der Kaufleute und anderer Wanderer. Wenn dieselben diesen Geschäften
+einiges Bedenken schenken, so wird denselben nicht verborgen sein, dass
+diese Eigenschaften uns angeboren als zweite Natur und dass darin von
+Affectation keine Spur; und da die Sache so liegt, so sind alle
+Anforderungen gegenseitiger Abneigung, welche zum Widerstand führten, aus
+dem Wege geräumt. Diese gründeten sich vormals auf den Weg verschiedener
+Religion und der Entfernung von dem Schoosse des Islams; aber nun ist durch
+Gottes Huld und die Gunst Unseres Glückes das helle Licht erschienen, und
+wenn es vormals Ursachen gab, so wandten wir uns nun von denselben zum
+Besseren ab; Wir sind auf dem Pfade der Gnade, wo Einkehr und Rückkehr. Wir
+haben den Schleier aufgehoben durch dieser Anrede Farben und haben
+dieselben unterrichtet von dem, was wir zu thun aufrichtig gesonnen, und
+haben hiermit begonnen; Wir haben Unseren Heeren verboten, zuwider zu
+handeln diesen Geboten, Gott und seinem Propheten zu Gefallen. Damit auf
+den Blättern die Spuren des Glücks und der Annahme erscheinen, damit die
+Welt über die Verschiedenheit des Wortes beruhiget werde, damit durch das
+Licht des Einverständnisses verschwinde die Finsterniss des
+Missverständnisses, damit ausruhen mögen unter dem weiten Schatten die
+Städter und die Bewohner der Matten, und damit sich erfrischen die Seelen,
+welchen die Plagen gestiegen in die Kehlen. Wenn Gott der Herr den Sultan
+Aegyptens leitet zum Besten der Welt und zu dem, was die Ordnung der
+Menschen erhält, so ist's nöthig für ihn, den Eimer fester Anhänglichkeit
+zu erfassen und zu wandeln dergleichen Strassen durch Eröffnung der Thore
+der Unterwürfigkeit und Einigkeit, durch Erwähnung der Aufrichtigkeit,
+damit diese Länder sich dieser Gnaden erfreuen, damit die Unruhen sich
+legen, welche zerstreuen, damit die Schwerter, welche schneiden, gesteckt
+werden in die Scheiden, damit die ganze Erde ein Eden der Ruhe werde, damit
+die Nacken der Moslimen werden befreit von dem Joche der Verachtung und
+Niedrigkeit. Sollte aber böse Meinung die Oberhand behalten über das, was
+Wir aus Gottes des Allverleihers Barmherzigkeit behalten, und sollte
+dieselbe verwehren, diesem Antrage, wie er es verdient, Anerkennung zu
+gewähren, so wird Gott Unsere Bemühungen ehren und Unsere Entschuldigungen
+lassen gewähren. Wir haben Uns nicht zur Strafe gewandt, ehe Wir einen
+Gesandten gesandt; bei Gott, er leitet zur Rechtlichkeit und zum rechten
+Verstand! Er bewahret sicher die Unterthanen und das Land. Wir rechnen auf
+Gott den Einen. Geschrieben Ende Dschemmasiulewwels 681 (Anfangs September
+1282).«
+
+
+Antwort.
+
+»Im Namen Gottes des Allmilden, des Allbarmherzigen. Durch Gottes des
+Allmächtigen Kraft, das Wort Kilaun's an Sultan Ahmed: Lob sei Gott!
+welcher Uns den Pfad der Wahrheit erhellt. In Uns ist die Hilfe und der
+Sieg Gottes gekommen, und Er hat uns schaarweise in die Religion Gottes
+aufgenommen. Gebet über Unseren Herrn Mohammed; Er, den Gott über Alles,
+wodurch sein Volk gerettet ward, erhöht, und über alle Propheten, welche
+retten, und über seine Familie und seine Gefährten! Gebet, welches
+erleuchtet die finstere Nacht und dunkeles Leben hell macht. Gefälligkeit
+und Ergebenheit vom Imam _Hakim biemrillah_, dem _Emirolmuminin_, dem
+Abkömmlinge der Chalifen, der den wahren Weg betreten, dem Vetter des Herrn
+der Propheten, dem Chalifen, welchem die Religiosen huldigen. Es ist
+angekommen das Schreiben, das verehrliche, das Ehren gewährliche,
+enthaltend die grosse Kunde von dem Eintritte in die Religion und dem
+Ausfalle wider Alle, welche dem wahren Leben widerstreben. Nachdem geöffnet
+worden dieses Schreiben, welches Kunde der Ueberlieferungen haucht,
+Ueberlieferungen, welche für die Moslimen gewiss, die gewissesten der
+Ueberlieferungen, welche überlieferte _Moslim_[629], wurden die Gesichter
+zu Gott dem Allmächtigen gewendet mit der Bitte, dass er diess befestige
+mit dem Worte, dem festen, und dass der Samen dieser Religion im Herzen
+sprosse, wie die schönsten der Pflanzen aus dem härtesten Boden sprossen.
+In nachdenkender Achtung stellten Wir an treffliche Betrachtung über die
+Erwähnung der aufrichtigen Absicht, dass im Anfang des Lebens und in der
+Frische jugendlichen Strebens die Einheit Gottes verkündet und der Eintritt
+in das Volk Mohammed's mit Wort und That und Einsicht und Rath begründet
+werde. Gott sei Lob! dass er die Brust des Sultans für den Islam erweitert
+und dieselbe mit der edelsten der Eingebungen aufgeheitert; Gott sei Lob!
+dass er uns unter die Vorgehenden, die ersten gesetzt zu diesem erhabenen
+Orte, und dass er Unsere Füsse befestiget auf jedem Standorte des Kampfs,
+im Feld und mit dem Worte. Weiters über die Reihenfolge im Reiche durch
+Erbschaft nach dem Abtritte des Vaters des Bessten und des Bruders des
+Grössten, über die Ausgiessung dieser grossen Gnaden auf den Sultan, wie
+derselbe den Gipfel der Glaubensreinigung erklommen und den Titel der
+Herrschaft angenommen, nachdem ihm Gott dieselbe zugezählt und ihn aus
+seinen Dienern auserwählt durch die wahren Kunden von den Wundern seiner
+Helfer und Diener; und weiters über die Versammlung der Brüder und Kinder
+der Fürsten, der grossen, der Führer des Heers, der Vorsteher der Truppen
+in der Versammlung des _Kuriltai_, wo die Menge zusammengeflockt und der
+Feuerstahl dem Kiesel die Funken der Meinungen entlockt, und wie ihr Wort
+mit den Geboten des weiland grossen Bruders übereingestimmt in der Sendung
+der Heere nach dieser Seite, dass aber derselbe (der Ilchan) nachgedacht
+über das, was ihre gesammte Meinung vorgebracht, und dass er sich mit ihrem
+Verlangen bekannt gemacht und dasselbe im Widerspruch gefunden mit dem, was
+er selbst in seinem Innern ausgedacht, indem er nur das Gute bezwecke und
+sich die Verbesserung zum Ziel stecke, damit er lösche dieses Feuer und
+stille die Unruh, die nicht geheuer. Diesen Schritt hat der König (Ilchan)
+aus Liebe zu seinem Volke gemacht, indem er das Ende mit durchdringendem
+Sinne erwägend bedacht. Wäre diess nicht so gewesen und hätten sie die
+Sache der Entscheidung des Schwertes überlassen, so wäre dieser Kampf der
+Kämpfe letzter gewesen; allein der Ilchan ist wie Einer, der die Stationen
+seines Herrn fürchtet, der seiner Begier das Verbotene verwehrt, der nicht
+der Rede des Irrenden beistimmt und Nichts im Irrthum unternimmt. Was nun
+das Wort des Ilchans betrifft, dass er nicht eilt zum Schlachtfeld, wo die
+Lanze Stösse austheilt, als nachdem er das Nöthige erklärt, so weiss Gott
+der Allmächtige, und es wissen alle Menschen, dass wir nur aufstehen, um
+dem Volke zu helfen, und dass, wenn wir mit That und Worten streiten, es
+nur Gottes wegen geschieht; und da nun der Ilchan mit uns eingetreten in
+Gottes Religion, so ging die Feindschaft davon, und indem die Abneigung
+aufgehoben, wird sich glücklicher Erfolg erproben. Der Glaube ist wie ein
+Gebäude, in welchem ein Theil den andern befestigt und hält; wer eine
+Minaret aufgerichtet, dem fehlt es nicht an freien Bewohnern an jedem Orte
+und an gesitteten Nachbarn auf der ganzen Erde. Weiters, was die
+Versicherung betrifft, dass dieser Nutzen, der allgemeine, der Erwähnung
+des Scheichs des Islams, des Musters der Erlernenden, _Kemaleddin
+Abderrahman_ (Gott vergelte ihm's mit seinem Segen!) zu danken sei, so
+haben Wir von keinem Heiligen früher solch heiliges Werk gesehen. Wir
+hoffen von seinem Segen und von dem der frommen Männer, dass jedes Haus zum
+Islam erwache, bis dass jede Bedingniss des Glaubens erfüllet werde und der
+Islam umfasse die ganze Erde, Alles umfassend, von den Bessten Nichts übrig
+lassend. Es ist kein Zweifel, dass des Scheichs heiliges Werk der Anfang
+dieser Beständigkeit der Existenz, und jede Wahrheit kehrt mit seinem Segen
+zu ihrem Ursprung zurück. Weiters, was die Wirksamkeit des entscheidendsten
+der Richter des Islams, des Glaubens und des Reichs (_Kutbeddin_) und des
+Atabegs (_Behaeddin_), welche Beide mit Ueberbringung dieses wohlberedten
+Sendschreibens beauftragt waren, so sind dieselben Beide erschienen,
+bereit, sich aller guten Worte zu bedienen, welche die Umstände eingeben
+und die sich im Gemüthe erheben, welche Erwartender mag erwarten mit Lob
+und Dank von allen Arten, so dass sie im Namen Ahmed's (des Ilchans)
+Ueberlieferungen sprachen, festgegründet, wie die Ahmed's (des Propheten).
+Weiters, was die Andeutung betrifft, dass, wenn die Seelen die Einsicht des
+geraden Beweises nicht verfehlen, dadurch die Anforderungen vollkommener
+Liebe befriedigt würden und dass man betrachten solle die Monumente, die er
+im Beginne der Ausübung seiner Macht, Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit,
+übend mit Zung' und Herzen, schon hervorgebracht, wie er auf die
+Verbesserung der Wakfe, die Ausbesserung der Moscheen und Gränzposten, die
+Erleichterung der Strassen der Wallfahrt und anderer dergleichen bedacht,
+so sind diess Attribute, von denen abhängt der Reiche Dauer, die gute. Wenn
+der König herrscht mit Gerechtigkeit und so weder die Feinde begünstigt,
+noch den Tadlern Aufmerksamkeit leiht, und wenn schöne Handlungen und gute
+Werke vollzogen werden, welche nicht aussprechen alle Zungen des Gebotes
+auf Erden, so sind dieses Pflichten, die man schuldig, zu entrichten; diess
+ist grösser, als dass es hätte einen andern Lohn, als sich selbst, als dass
+es durch Ruhm überschätzt, durch Herabsetzung gering geschätzt werden
+könnte, indem es grossem Könige zum Ruhme gereicht, dass er den Ländern und
+Schlössern Zeit gewährt zur Befestigung seines Reichs (welches Gott wolle
+bewahren in Sicherheit!). Weiters, was den Verbot betrifft an die Diener
+und Wachen und an die, welche die Runde machen, dass sie Niemanden
+veruneinigen wollen und die reine Tränke der Ankommenden und Abgehenden
+nicht mit den Splittern von Plackereien verunreinigen sollen, so haben Wir,
+sobald Uns dieser Vorgang zugegangen, ein Gleiches Unseren Nowwaben (Nabob)
+zu Rahbe, Haleb, Bire, Aintab befohlen, und liessen desshalb an die Führer
+Unserer Armeen das Nöthige ergehen. Wenn die Glaubensmeinungen sich in
+Einigkeit gefunden und die Eidschwüre sind gebunden, so sind die Gebote
+besiegelt, in denen sich die Vollziehung der Befehle abspiegelt. Weiters,
+was den Kundschafter betrifft, den Fakir, welcher ergriffen und losgegeben
+ward (als ob dieses die Ursache wäre, dass wegen der Verkleidung von
+Kundschaftern in Fakire alle Fakire todt geschlagen werden würden), so ist
+diess ein Thor, das der Ilchan aufgemacht, und ein Feuerstahl, an dem er
+den Funken angefacht. Denn wie viele verkleidete Fakire sind nicht gekommen
+von jener Seite in diese Reviere, um sich Einsicht zu verschaffen in die
+Geschäfte und des Landes Kräfte. Die Nowwabe haben eine Schaar derselben
+ergriffen; es erhob sich über sie der Säbel, geschliffen, und dennoch wurde
+nicht entdeckt, was die Kutte des Fakirs versteckt, trotz aller angewandten
+Müh' mit _Was_ und _Nein_ und _Wie_. Weiters, was die Andeutung betrifft,
+dass in der Uebereinstimmung des Wortes das Wohl der Welt und dass dasselbe
+die Ordnung des Menschengeschlechtes erhält, so wird nicht zurückgewiesen,
+wer da klopfet am Thor der Einigkeit, und es wird keiner abgewiesen und
+abgewehrt, der gutes Einvernehmen begehrt. Wer mit seinem Zügel vom Treffen
+abweicht, ist wie der, welcher die Hand des Friedens zum Handschlag
+herreicht; der Friede ist ein Gut. Weiters, was die Befestigung und
+Bekräftigung der Befehle betrifft, so ist es nöthig, dass auf dieselben
+Regeln angewandt und dass aus dem Bewiesenen der Nutzen erkannt werde; denn
+die Geschäfte sind gebunden an die Schrift, und es ist nothwendig, dass
+darin jeder Fündige und Kündige darüber entschieden, ob Krieg oder Frieden.
+Hernach ist es nothwendig, dass die Geschäfte werden entschieden in der
+Reihe der Knoten der Verträge und ihrer Belege, dass dieselben, mündlich
+vorgetragen, durch die Annahme dem Antrage zusagen; denn viele Fragen,
+welche die Gesandten mündlich sagen, werden besser erörtert, als wenn
+dieselben in verwischten Papieren werden überschlagen. Was endlich die
+Berufung auf das Wort Gottes betrifft: _Wir senden keine Pein, eh' Wir
+nicht gesandt einen Gesandten_[630], so wird nicht auf diese Art der Stoff
+der Liebe gewebt und nicht auf diesem Wege das Ziel erstrebt, sondern
+vielmehr wegen Unseres Vorrangs im Glauben sind Pflichten zu entrichten und
+Begehren zu gewähren. Wir haben gehört, was mündlich vorgetragen die Zunge
+des entscheidendsten der Richter, des Pols des Glaubens und des Volks
+(Kutbeddin), und es entsprach dem, was das Schreiben versprach von dem
+Eintritte des Ilchans in die wahre Religion, und dass er sich angekettet
+auf der Moslimen Station, was er geübet durch Wohlthätigkeit und
+Gerechtigkeit, durch seine Sitte und seinen Wandel, der berühmt weit und
+breit. Gott sei Dank für die Gnade, welche durch keinen Vorwurf gehindert
+und vermindert wird; Gott der Herr hat seinem Propheten den Vers des Korans
+gegeben Betreff derer, welche ihm den Islam vorwarfen: _Sage, werfet mir
+Euren Islam nicht vor; Gott wird Euch vielmehr vorwerfen, dass er Euch zum
+Glauben geleitet_[631], und mündlich trug er vor, dass Gott der Allmächtige
+dem Ilchan verliehen an Gaben, was ihn darüber hinaussetzt, seine Blicke zu
+richten auf das, was Andere haben an Gut und Land. Wenn also festgesetzt
+nach der Eintracht das Begehren, so ist es leicht, zu gewähren, und Unsere
+Antwort folgt hierauf nach der Geschäfte Lauf. Wann die Uebereinstimmung
+ist erreicht, so ist auch das gute Einvernehmen ausgegleicht. Gott und die
+Menschen sehen, wie Wir aufrichtig zu Werke und Unseren Feinden zu Leibe
+gehen und in Unseren Kämpfen stehen. Wie mancher Freund wird nicht
+gefunden, der besser als Vater, Bruder und Verwandter wird befunden? Die
+mohammedanische Religion wird nicht vollendet und dem Islam nicht die
+Befestigung zugewendet, als nur durch die Gefährten, die werthen. Wenn also
+das Verlangen des Ilchans gerichtet ist auf Einigkeit und auf gutes
+Vernehmen, auf gemeinschaftliches Einvernehmen, auf das Verderben der
+Feinde und auf die Rache derer, welche den Rücken zum Widerstände stemmen,
+so wollen Wir Uns herzlich gern dazu bequemen. Weiters, was mündlich
+vorgebracht: dass, wenn Unser Verlangen sich erstreckte auf das, was der
+Ilchan besitzt von Land und Gut, so bedarf es nicht der Einwirkung der
+Aneiferer, welche die Moslimen nutzlos beleidigen. Hierauf antworten Wir:
+Wenn die Hand der Feindschaft zurückgezogen wird und die Länder
+moslimischer Könige geleert werden, so wird gedämpft die Gluth und
+gestillet das Blut; wie wahr ist es nicht, dass Alles, was Uns von
+denselben verboten wird, in der Natur ganz so zu treffen ist, und dass man
+das, was geboten wird, selbst zu thun vergisst. So befindet sich nun
+_Konghuratai_ dermalen im Lande Rum, welches sich in eueren Händen befindet
+und an euch Steuer zahlt, und nichtsdestoweniger Blutvergiessen,
+Sklavenraub, Verkauf der Freien und Abneigung vor Allem, ausgenommen vor
+der Verlängerung dieser Schäden. Endlich ward mündlich vorgetragen, dass,
+wenn man entschlossen sei, diese Streifzüge nicht aufzuheben und diese
+Spuren nicht aufzugeben, so solle man einen Ort bestimmen auf der Erde, wo
+man sich treffen und schlagen, und Gott dem, dem er wolle, den Sieg
+verleihen werde. Hierauf ist die Antwort: Die Tränken (Oerter), wo die
+beiden Heere auf einander trafen in Waffen, sind noch heil, und wer von
+diesem Volke (den Mongolen) davon gekommen mit Heil, fürchtet sich, dahin
+zurückzukehren, und kann sich durch folgenden Vers beehren:
+
+ Welch' wunderseltnes Jahr doch das verflossne war!
+ Er, welchen »Himss« besiegt, nun widersteht und kriegt.
+ Derselbe scharfe Degen, dem ihr dort seid erlegen,
+ Ist in der Hand des Braven, bereit, euch zu bestrafen.
+
+Und zur Zeit der Schlacht ist die Wissenschaft bei Gott, welcher die
+Bestimmung des Looses macht. Und es ist keine Hilfe, als bei Gott! dem
+Allgeehrten, dem Allweisen! er sendet sie dem und verleihet die Macht, und
+nicht dem, der selbst die Vorherbestimmung des Sieges macht. Wir sind nicht
+von jenen, welche auf Gelegenheit und Vorwand lauern, und nicht von denen,
+welche sich abwenden und niederkauern; und die Stunde der siegreichen
+Schlacht ist nicht anders als die Stunde (des jüngsten Tages), in welcher
+Alles schnell wird abgemacht. Bei Gott! er führt nur zum Guten dieses Volk,
+und er ist der Mächtige, im Stande, jede Kunde und Gnade zu vollenden.
+Geschrieben im Neumonde des Ramasan des obgedachten Jahres.«
+
+[Randnote: Arghun's Bewegungen; Tod Alaeddin Dschuweini's.]
+
+Arghun's ränkeschmiedender, rachebrütender Geist sammelte indessen Wolken
+über dem Haupte Schemseddin's und Teguder's zum Gewitter, aus welchen der
+den Herrscher und seinen Wesir verzehrende Wetterstrahl fahren sollte.
+Nachdem Arghun auf wiederholtes Begehren des Chans demselben den Emir Buka
+gesendet, welcher die Hand Kutui Chatun's (der Wittwe Abaka Chan's)
+ehrenvoll empfing, brach Arghun von Ssughurluk nach Chorasan auf. [RN: 4.
+Reb. II. 681/12. Juli 1282] Ahmed suchte den Oheim Konghuratai für sich zu
+gewinnen, indem er ihm die Frau Tukini, die Wittwe Hulagu's (die Nichte der
+grossen Frau Tokus), zur Gemahlin gab und mit einem grossen Heere zur
+Gränzhuth nach Rum abordnete, nach vierzehn Tagen aber ihm den Emir Akbuka
+nachsandte. [RN: 19. Reb. II. 681/27. Juli] Ahmed war von zwei moslimischen
+Gesetzgelehrten, dem schon erwähnten Abderrahman von Mossul, berathen,
+welcher, Sohn eines Sklaven des letzten Chalifen der Beni Abbas, vom
+Blutbade nach Mossul gerettet, dort eine Zeit lang Tischler, dann von
+Iseddin, dem Herrn Amadia's, bei dem er sich in Kredit gesetzt, dem Abaka
+überlassen worden, und bald durch angebliche Kenntniss von
+Schatzentdeckungskunde und geheimen Wissenschaften sich dessen Vertrauen
+erwarb[632]. Teguder hiess denselben nicht anders, als Vater, und einen
+zweiten Günstling, Namens Mengli, nicht anders, als Sohn; diese und
+Teguder's Mutter, Kutui, eine sehr verständige und zur Regierung tüchtige
+Frau, lenkten die Zügel derselben, während Schiktur Nujan und Sundschak,
+wiewohl denselben Teguder vorzüglich seine Erhöhung auf den Thron dankte,
+zur Seite gesetzt wurden[633]. [RN: 19. Dschem. II. 681/24. Sept. 1282]
+Zwei treulose Diener Atamülk's Dschuweini[634] erschienen vor Arghun, bei
+demselben ihren Herrn anzuschwärzen, dass er dem _Wedschiheddin Sengi_, dem
+Wesir Chorasans, den Befehl zugefertigt, den Prinzen Arghun zu vergiften.
+Arghun liess denselben sogleich in den Kerker werfen, zog das ganze Habe
+desselben ein und schenkte ihm das Leben nur auf Fürbitte der Frau Bulughan
+Chatun, der geliebtesten Gemahlin Abaka's, welche nach dessen Tod in das
+Harem seines Sohnes Arghun übergegangen. Arghun zog gegen Bagdad, um dort
+zu überwintern. [RN: 23. Dschem. II./28. Sept.] Zu Rei empfing er den Melik
+Fachreddin ehrenvoll und bestätigte ihm die Befehlshaberschaft des Landes;
+Ahmed, hiervon in Kenntniss gesetzt, schickte Gesandte, um den Fachreddin
+aufzuheben und nach Schirwan zu bringen, wo er die von Arghun empfangenen
+Ehrenbezeugungen mit der Folter büsste. Arghun, hierüber entrüstet, sandte
+Sendschreiben an die Emire und an Schemseddin, den Inhaber des Diwans, des
+Inhaltes: Sein Vater, Abaka, habe ihm den Melik Fachreddin überlassen, er
+werde die demselben zugefügte Schmach und Pein rächen. Als er nach Bagdad
+gekommen, forderte er von Nedschmeddin Assfer, dem Stellvertreter Alaeddin
+Dschuweini's, dass er die vom Vater, Abaka, geforderten, von Alaeddin nie
+bezahlten Summen erlege. Nedschmeddin ward in den Staub geworfen, und als
+Alaeddin davon die Nachricht erhielt, traf ihn in Arran der Schlag; seine
+Stelle erhielt sein Neffe Harun[635]. [RN: 4. Silhidsche 681/5. März 1283]
+Arghun hatte den Winter zu Bagdad zugebracht und während desselben
+zehntausend der Karawinas, welche nach den Worten Wassaf's: »eine Art von
+Dämonen, die fürchterlichsten der mongolischen Nationen«, sich angeeignet.
+Von den Prinzen des Hauses standen der Bruder Kendschatu und der Vetter
+Baidu, der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's, ihm zur Seite; von
+den Emiren waren ihm mehrere zugefallen[636], deren mächtigster
+Taghadschar, der ehemalige Befehlshaber in Fars, dem er die
+Befehlshaberschaft eines Tomans mit den Insignien der Standarte und Pauken
+verlieh. Der mit ihm einverstandene Prinz Dschuschkab (der Sohn
+Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) überwinterte zu Diarbekr. Auch
+Alinak, der Statthalter Georgiens, welchen Ahmed Teguder an Arghun mit der
+Einladung zum Kurultai gesandt hatte, war von demselben gewonnen worden und
+hatte sich mit ihm verbündet; als er aber an den Hof Ahmed's zurückkam,
+ward derselbe durch Schemseddin's Klugheit, welcher dessen Pläne
+durchschaute, wieder dem Herrscher gewonnen, indem ihm die älteste der
+Töchter Ahmed's, die Prinzessin Kutschuk, vermählt ward. Als Arghun im
+Frühjahre von Bagdad nach Chorasan zurückkehrte, liess er den Prinzen
+Dschuschkab an der Spitze seines Lagers als Vorhuth zurück.
+
+[Randnote: Konguratai getödtet.]
+
+Als Arghun auf seinem Zuge gegen Chorasan nach Rei gekommen, liess er den
+Vogt Teguder's prügeln, ihm an den Hals und an die Füsse einen Block
+schlagen und sandte ihn so auf einem Esel an Teguder, zugleich die
+Forderung der Auslieferung des Wesirs Schemseddin zur Berichtigung der dem
+Vater schuldig gebliebenen Summen stellend. An der Gränze Masenderans kam
+ihm Jankadschi Nujan mit einem Tomane (zehntausend Mann) des Heeres
+entgegen; er sagte zu ihm und zu Hindu Nujan, dem Befehlshaber der beiden
+Tomane, welche die Gränze am Dschihun hüteten: Als mein Vater mich vor
+seinem Tode zu sich berief, war ich bis hierher gekommen, als ich die
+Nachricht, dass er gestorben, erhielt, und weil ich kein Heer hatte, des
+mir bestimmten Thrones verlustig ging; nun bin ich entschlossen, wenn ihr
+mir nur beistehen wollt, denselben mit dem Schwerte zu erobern. Hindu
+antwortete: Wiewohl die Sache sich so verhält, so ist doch Teguder als der
+Aka, d. i. der Aeltere, dermalen Chan, doch du, Gott sei Lob! Herr und
+Padischah in diesem Lande; begnüge dich damit und befolge den Rath des im
+Dienste deines Vaters ergrauten Dieners; sollte aber Teguder dich angreifen
+wollen, so sind wir bereit, die Seele für dich zu opfern. Zu gleicher Zeit,
+als Tarchun gegen Chorasan gezogen, war Teguder nach Alatagh gekommen und
+hatte von hier seinen vertrauten Rathgeber, den Scheich Abderrahman, als
+Gesandten an den Sultan Aegyptens gesandt; er wurde zu Damaskus in den
+Kerker geworfen, aus welchem ihn nur der Tod befreite. Teguder lud seinen
+Bruder, den Prinzen Konguratai, den Statthalter Rum's, ein, auf einem
+Kurultai zu erscheinen. Dieser hatte zwei seiner Vertrauten zu Arghun
+gesendet, welcher dieselben höchst ehrenvoll empfing und dem Oheim zwei
+Kuppeln Panther zum Geschenke sandte; diese Sendung erregte das höchste
+Missvergnügen und den grössten Verdacht Teguder's. Konguratai verschwor
+sich mit zwei Emiren[637] wider das Leben Teguder's, und sie bestimmten zur
+Ausführung ihrer That die Festnacht des neuen Jahrs[638], wo nach
+mongolischem Herkommen zum Andenken des Auszugs aus den Erzgebirgen von
+_Ergenekun_ der Chan mit seinem ganzen Hofe der Schmiedung von Eisenmassen
+beiwohnte. Teguder, hiervon benachrichtigt, begab sich zu Alinak, seinem
+Eidam, und bewog ihn, am Tage vor der neuen Jahresnacht sich zu Konguratai
+zu verfügen und ihm denselben zu bringen. [RN: 26. Schewwal 682/17. Jan.
+1284] Alinak versprach, nicht nur den Konguratai, sondern auch den Arghun
+auf gleiche Weise in Teguder's Hände zu liefern. Dieser überhäufte ihn mit
+Ehren und Geschenken und übertrug ihm den Befehl des ganzen Heeres. Am
+neuen Jahrstage des Affenjahres (des neunten des zwölfjährigen mongolischen
+Thiercyklus) wurde Konguratai getödtet. Zu Karabagh in Arran sassen die
+Richter durch sechs Tage lang zu Gericht und verurtheilten die beiden
+Emire, Mitverschworenen Konguratai's, zum Tode; nach Bagdad erging der
+Befehl, den Prinzen Dschuschkab und sieben Emire Arghun's zu ergreifen[639]
+und gebunden nach Tebris zu bringen, wo sie erst später durch die Ankunft
+Arghun's von ihren Banden befreit wurden; auch den Bruder des Chans, den
+Bruder Kendschatu, welcher sich selbst als ergeben stellte, hatte man nach
+Tebris gesendet, aber auf dem Wege dahin, zu Sawa, entwich er seinem
+Geleite und begab sich zu Arghun. Diesem berichtete der Richter von Kaswin,
+Rasieddin, den Mord Konguratai's, die Gefangennehmung der Emire, die
+Rüstung des Heeres unter dem Oberbefehle Alinak's. [RN: 18. Moharrem 682/6.
+April 1284] Zu Tebris feierte Teguder die Hochzeit mit seiner Nichte Tudai
+Chatun, der Tochter Musa Gurgan's, des Gemahls Tarakai's, der fünften
+Tochter Hulagu's. _Gurgan_ war der Ehrentitel aller Eidame und mit dem
+regierenden Hause verschwägerten Emire.
+
+[Randnote: Ausbruch des Kriegs zwischen Teguder und Arghun.]
+
+Schemseddin, wohl einsehend, dass der Kampf um den Thron auch seiner Macht
+und seinem Leben gelte, bot Alles zur Rüstung eines zahlreichen Heeres auf.
+Hunderttausend auserwählte Reiter aus allen Nationen und Religionen,
+Mongolen, Musulmanen, Armenier, Georgier, Turkmanen nahmen das Feld. Den
+Vortrab von fünfzehntausend befehligte Alinak[640]. Ein Ende Januars
+eingefallener tiefer Schnee verspätete den Aufbruch des Heeres. [RN: 9.
+Silkide 682/29. Jan. 1284] Endlich zog der Vortrab unter dem Befehle von
+_Alinak_, _Baisar Aghul_ und _Taghai Kokoltasch_ gegen Kaswin, wo
+dreihundert dem Arghun eigen gehörige Familien von Usen aufgehoben wurden.
+Arghun sandte, sobald er von dem Anmarsche des Heeres Kunde erhalten, Boten
+an seinen Schatz in Gurgan (Hyrkanien) und an die Werkstätten von
+Nischabur, Tus und Isferain, um Geld, Waffen, Kleider herbeizuschaffen, die
+er unter die Emire des Heeres vertheilte. Melik Fachreddin von Rei, der das
+Register darüber führte, hatte dasselbe: _Verzeichniss der unter das
+siegreiche Heer vertheilten Summen_ überschrieben. Arghun, der zufällig zur
+Vertheilung gekommen und das Register gesehen, nahm die Feder und schrieb
+das Wort: _siegreich_ mit ungemein schönem persischem Schriftzug, dessen er
+vollkommen Meister war, hin. Kawameddin, der persische Wesir, der zugegen,
+deutete diesen Umstand sogleich auf die schönste Erfüllung des gehofften
+Sieges. Am folgenden Tage traf die Nachricht von dem Unfalle Kaswins ein;
+Arghun sandte den Vortrab unter dem Befehle Timur's voraus, liess den
+Sischi Bachschi beim schweren Gepäcke zurück und brach selbst auf der
+Strasse von Temische auf. Ahmed war indessen mit acht Tomanen, d. i. mit
+achtzigtausend Mann[641], über die Ebene von Moghan herangezogen und am
+ersten Mai zeigten sich seine Vorposten zu Thalkan. [RN: 8. Ssafer 683/27.
+April 1284] Von Erdebil hatte er Kurmischi, den Sohn Alinak's, an den Vater
+mit dem Befehle gesandt: die Schlacht nur zu wagen, wenn er dem Feind an
+Macht überlegen, sonst aber seine Ankunft abzuwarten. Er brach von Erdebil
+auf, nachdem er bei dem Gepäcke den Abukjan zurückgelassen. [RN: 18.
+Ssafer/7. Mai] Arghun hatte seinerseits einen Boten an den Emir Newrus
+gesendet, um ihn mit einem Tomane der Karawinas in's Feld zu laden, und
+zugleich den Hindu Nujan zu erscheinen aufgefordert; er selbst verheerte
+mit achttausend Mann das Land. Zu _Chiel büsürg_ stiessen die Vorposten der
+beiden Heere auf einander und in der Ebene von _Ak Chodscha_ in der Nähe
+von Kaswin kam es zur Schlacht. Den rechten Flügel Arghun's befehligten
+_Jula Timur_ und _Amakadschi_, den linken _Bulughan_; das Mitteltreffen
+_Taulai_. Auf der Seite des Chans stand im Mitteltreffen Prinz Huladschu,
+der zwölfte Sohn Hulagu's, der Bruder Teguder's; den linken Flügel
+befehligte _Basaraghul_ und den rechten _Alinak_. Arghun, wiewohl ihm der
+Feind an Stärke bei weitem überlegen, that Wunder der Tapferkeit, wie
+weiland Siawesch und Rustem; aber sein linker Flügel ward von Alinak
+geschlagen, während Jula Timur und Amakadschi den Basaraghul's
+zurückdrängten. Jula Timur verfolgte hierauf den flüchtigen Basaraghul bis
+vor die Thore Kaswin's und verheerte das Land umher. Der Kampf dauerte von
+Mittag bis in die sinkende Nacht. Alinak zog sich von Dschemelabad bis nach
+Ebher, zehn Parasangen, zurück; da seine edle Stute in die Hände der Reiter
+Arghun's gefallen, sandte ihm dieser beleidigende Botschaft: Es wäre mir
+nie eingefallen, dass ein Held, wie du, vor einem Haufen, wie die
+unserigen, wie Schafe vor dem Gebrülle des Löwen fliehen und dass dein
+edles Pferd wie eine Saummähre erbeutet werden würde. Als Arghun zu Rei und
+Tehran, riethen ihm seine Emire, sich nach Kaliusch, das ober Dschadscherm,
+zurückzuziehen, wo sie Meister vortheilhaften Schlachtfeldes und vor den
+Thoren ihre Zelte sein würden. Als sie aber nach Demaghan kamen, trafen sie
+keinen Mann der Karawinas, auf deren Beistand sie gerechnet hatten, und
+erhielten die Nachricht, dass das Heer Arghun's gänzlich geschlagen und
+zerstreut worden sei. Die Karawinas waren in der Ebene von Akchodscha
+angekommen, als die Schlacht schon verloren war; sie verheerten also blos
+das Land und verbrannten Demaghan.
+
+[Randnote: Die Landschaften Kumis und Taberistan; die Scheiche von Semnan,
+Demaghan und Bostam.]
+
+Der Schauplatz, in welchem der Krieg zwischen Teguder und Arghun jetzt
+geführt ward, sind die beiden Landschaften Taberistan und Kumis, welche
+nördlich von Masenderan, westlich vom persischen Irak, östlich und südlich
+von Chorasan begränzt, insgemein von den Reisebeschreibern zu dem
+nördlichen Chorasan gerechnet werden, wiewohl alle morgenländischen
+Erdbeschreibungen dieselben als zwei besondere Landschaften aufführen; sie
+ziehen sich längs des Gebirges hin, so dass Taberistan die untere
+südwestliche, unmittelbar an das Gebiet von Tehran stossende, Kumis die
+nordöstliche obere. In der ersten lagen einige der berühmtesten Schlösser
+der Assassinen, deren schon bei der Eroberung derselben durch Hulagu
+Erwähnung geschehen, wie _Firuskjuh_, d. i. der Glücksberg, und _Girdkjuh_,
+d. i. der Gürtelberg; die Hauptstadt ist _Demawend_, gleichen Namen mit dem
+Berge führend, in dessen Klüfte die persischen Heldensagen den Kerker des
+von Dämonen gefolterten Tyrannen Sohak verlegen; das Gebirgsland Taberistan
+mit seinen Felsenpässen, deren berühmtester der kaspische (wahrscheinlich
+der südliche Pass von Charwar), liegt dem persischen Oesterreich (Chorasan)
+wie Tyrol dem europäischen Chorasan (Oesterreich) als Schutzwehr vor[642].
+Das obere Gebirgsland Kumis zerfällt in vier Distrikte von _Schahrud_,
+_Semnan_, _Demaghan_, _Bostam_, wovon der erste nach dem Berge und Flusse
+so genannt ist, die anderen drei aber nach den gleichnamigen Städten.
+_Semnan_, die südwestlichste dieser drei Städte, am Rande der Wüste,
+unmittelbar nach dem Austritte aus dem kaspischen Passe, gelegen[643],
+kleiner als Demaghan, grösser als Bostam, ist sowohl durch seine Pistazien
+und Feigen, als durch den hier geborenen und begrabenen grossen Scheich
+_Alaeddewlet Semnani_ berühmt[644]. »In dieser alten Stadt«, sagt Fraser,
+»herrscht eine wunderbare Verschiedenheit der Gebäude, grosse luftige
+Häuser von sonnengetrockneten Ziegeln und Lehm in der Form von Schlössern,
+mit Schiesslöchern, Basteien und Thürmen versehen, unstreitig von hohem
+Alterthume; viele tiefe Klüfte innerhalb der Stadtmauern, welche ihren
+Ursprung der Wirkung von Gewässern zu danken scheinen, bilden Höhlen,
+welche ihren Einwohnern und ihren Heerden zum Aufenthalte dienen und von
+ihnen den zahlreichen Ruinen ober der Erde vorgezogen werden.« Das Bad der
+Stadt ward schon im sechsten Jahrhundert der Hidschret erbaut[645]. Die
+Inschriften anderer Denkmäler gehören der späteren Zeit, der Dynastie
+_Ssafewi_ an[646]. In der Nähe ist die von persischen Geschichten und auch
+von Fraser erwähnte Windquelle, welche, verunreinigt, Sturm und Ungewitter
+verursacht[647], eine auch in Europa mehreren Quellen und Höhlen auf hohen
+Gebirgen gemeinsame Volkssage[648]. _Demaghan_, deren Erbauung von
+persischen Geschichtschreibern und Geographen dem Huscheng, dem zweiten der
+alten persischen Könige, zugeschrieben wird (der erste Keiomeers, der
+Stiermann des Budehesch), an dem Zusammenlauf der Strassen von Chorasan,
+Kuhistan, Masenderan und Irak gelegen, stand wahrscheinlich an der Stelle
+des alten _Hekatompylos_, der Stadt von hundert Thoren oder Pässen[649], in
+dessen Nähe der Fluss _Stiboetes_ aus einer schönen Felsenhöhle
+entsprang[650]; diess ist der von den morgenländischen Erdbeschreibern
+gerühmte _Chosrewi_, welcher sich in hundert und zwanzig unterirdische
+Bäche vertheilt[651]; die Stadt liegt heute in Ruinen; das berühmteste
+Grabmal ist das der vierzig Köpfe oder Töchter[652], und von den
+berühmtesten Scheichen der Ssofi ist _Ebu Dschaafer Demaghani_ nach der
+Stadt genannt[653]. Von den Scheichen von _Demaghan_ und den von _Semnan_
+geht weit im Rufe der Heiligkeit und Wunderthätigkeit der Scheich Ebu Jesid
+von _Bostam_, der dritten Hauptstadt von Kumis, vor. Schon in der Hälfte
+des dritten Jahrhunderts der Hidschret gestorben[654], war er der Stifter
+des nach seinem Namen genannten Ordens der Derwische _Bostami_; auch als
+Geburtsort späterer Gelehrten ist Bostam berühmt[655], aber doch keiner,
+wie der Scheich _Ebu Jesid_ oder _Bajesid_, von dem die Antworten auf die
+Frage: wo sein Vaterland? Mein Vaterland ist unter dem höchsten Himmel, und
+auf die Frage: Wie bist du zu Gott gelangt? Indem ich über mich
+hinausgegangen; und dessen Sterbegebet: Mein Gott! was ich in meinem Leben
+zu dir gebetet, war lauer Vollzug von Gebot, und wenn ich dir gedienet,
+war's flauer Dienst in der Noth[656].
+
+[Randnote: Unterhandlungen und Marsch durch Kumis.]
+
+Arghun, als er auf seinem Rückzuge nach Bostam gekommen, wallfahrtete zum
+Grabmale des Scheichs _Ebu Jesid_, während Ahmed Teguder seinerseits am
+Grabe des Scheichs Babi den Beistand desselben erflehte, eine Wallfahrt,
+die von diesem, der den Islam angenommen, natürlicher, als von jenem, der
+kein Moslim war. Teguder befehligte seinen Bruder Huladschu mit einem
+Tomane nach Rei, und befahl dort allen Befehlshabern des Heeres, eine
+Schrift zu unterzeichnen, dass sie Niemanden gehorchen würden, als dem zum
+obersten Feldherrn ernannten Bugha; Alle unterschrieben bis auf Alinak.
+Zwei Gesandte Arghun's, Kotloghschah[657] und Legsi, kamen nach der Ebene
+von Akchodscha bei Kaswin, um Frieden zu bitten und sich über die
+Streifzüge der Truppen Teguder's, welche das Land weitum verwüsteten, zu
+beklagen. [RN: 28. Ssafer 683/13. Mai 1284] Teguder verwies die Gesandten
+an den Inhaber des Diwans, Schemseddin; dieser aber trug vor: Es sei
+unmöglich, dem Rauben des Heeres Einhalt zu thun, indem diese Streifzüge
+die Vorspiele des Krieges; auch Jagdvögeln sei Beute lieber, als täglich
+zugemessene regelmässige Fütterung. »Diese Gedanken des Inhabers des
+Diwans«, sagt Wassaf, »brachten demselben kein Heil und das Reich ward
+schnell dem Verderben zu Theil.« Alle Entschuldigungen, welche die
+Gesandten Arghun's vorbrachten, blieben unbeachtet, und der Sultan (Ahmed)
+befahl abermal dem Heere, in's Feld zu ziehen. _Ssadreddin_ und
+_Assileddin_, die zwei Söhne des grossen Astronomen Nassireddin von Tus,
+welche, wenn nicht die astronomische Wissenschaft des Vaters, doch die
+astrologischen Verrichtungen geerbt hatten, stellten vor, dass die Gestirne
+den Auszug eines Heeres nicht begünstigten, worüber Ahmed ungnädig auf sie.
+Arghun empfing im Dorfe Surch[658], in der Nähe von Semnan, seinen Sohn
+Ghasan und Omer Aghul, den Sohn Niguder's, des Enkels Dschaghatai's, aus
+dessen erstgeborenem Sohne Dschudschi, gleichnamig mit seinem Oheime
+Dschudschi, dem erstgeborenen Sohne Tschengischan's; mit ihnen stellten
+sich Nokai, der Jarghudschi, d. i. der Oberrichter, und Sischi Bachschi,
+d. i. der Staatssekretär, zum Dienste Arghun's ein. Zur Erwiederung der
+Gesandtschaft Arghun's sandte Ahmed die Prinzen _Toghatimur_ (den
+vierzehnten Sohn Hulagu's), welcher, wie sein Bruder Huladschu, im
+Interesse ihres Bruders Teguder, und _Suke_, den dritten Sohn Jaschmut's,
+des dritten Sohnes Hulagu's, mit den Emiren Buka und Doladai Jarghudschi
+mit der Botschaft, dass, wenn Arghun unterthänig, er selbst kommen oder den
+Bruder Kendschatu senden möge. Buka stellte dem Sultan vor, dass, da er nun
+unterhandle, er nicht weiter marschiren dürfe; und Ahmed antwortete: dass
+er zu _Charkan_ ihre Ankunft abwarten wolle. [RN: 14. Rebiulewwel 683/1.
+Juni 1284] Er zog ihnen verheerend über Demaghan nach, dessen Einwohner
+vielfältig gepeinigt wurden; fünf Tage hernach war er zu Charkan angelangt,
+welches ein zu Bostam gehöriges Dorf, nur als Geburtsort und Grabstätte des
+Scheichs _Ebul Hasan Charkani_ berühmt[659]. [RN: 20. Rebiulewwel/7. Juni
+1284] Der Emir _Dschirkudai_, sein Bruder _Jesuder_ und _Bulughan_, der
+Statthalter von Schiras, brachten ihre Huldigung dar. Zu Charkan machte
+Ahmed keineswegs Halt, wie er seinem Gesandten Buka versprochen, sondern
+sandte den Alinak mit dem Vortrab weiter voraus[660]; [RN: 28.
+Rebiulewwel/15. Juni] er selbst lagerte acht Tage hernach zu _Kalpusch_ und
+drei Tage später zu _Kebud Dschame_, d. i. _Blaukleid_, einem zum Gebiete
+von _Dehistan_ (dem alten Sitze der Dahen) gehörigen Orte, das reich an
+Korn, Trauben und Seide[661]. Zwar kam die Wesirschaft Ahmed's, nämlich die
+beiden Prinzen Toghatimur und Suka und die beiden Emire Buka und Doladai,
+zurück und brachten Kendschatu, den Bruder Arghun's, mit sich[662]; mit
+ihnen trafen die Emire _Newrus_ und _Buralighi_ als Gesandte Arghun's ein.
+Buka zürnte darob, dass Ahmed nicht seinem gegebenen Worte getreu zu
+Charkan Halt gemacht; er deutete diese Wortverletzung unglücklich für Ahmed
+und glücklich für Arghun aus. Newrus und Buralighi kehrten unverrichteter
+Dinge zurück. [RN: 3. Rebiulachir] Drei Tage hernach ward von Kalpusch
+aufgebrochen; die Emire Jula Timur und Imkadschin, der Sohn Suntai's,
+brachten ihre Huldigung dar. Ahmed, ungeduldig des Verzuges, gab dem Akbuka
+die Stelle Buka's und machte diesen dadurch um so mehr im Herzen dem Arghun
+zugethan.
+
+[Randnote: Arghun zu Kelat; ergibt sich.]
+
+Arghun hatte sich indessen mit nicht mehr als hundert Begleitern von den
+Fürsten seines Gefolges über Meschhed hinaus in das feste Schloss Kelat
+geflüchtet[663]; dieses bis in die neueste Geschichte als der Schatzhort
+Nadirschah's berühmte feste Schloss spielt schon in der Geschichte der
+ersten moslimischen Dynastien Persiens eine bedeutende Rolle. _Otbi_[664],
+der Verfasser des _Jemini_, d. i. der durch ihren rednerischen Schmuck
+berühmten Geschichte Mahmud's, des Sultans von Ghasna, Eroberers Indiens,
+malt die Höhe desselben durch das Distichon:
+
+ Wind ermüdet, indem er will die Zinnen erklimmen,
+ Und es gleitet das Aug' nieder von schwindelnder Höh'.
+
+Dieses Bergschloss liegt zwischen Kasermian, Serchas, Abiwerd und Tus in
+schönem und fruchtbarem Thale, welches fünfzig bis sechzig englische Meilen
+lang, zehn bis fünfzehn breit, von Osten nach Westen zieht und von den
+Hügeln, welche die Ebene Meschheds von der Wüste trennen, eingeschlossen
+wird. Der Anblick des Thales ist reich und grün, es hat Ueberfluss an
+Pferden und Wildpret und wird ausser dem Strome, welcher dasselbe der Länge
+nach durchfliesst, noch von kleinen, in Cascadellen die Hügel
+herabströmenden Bächen bewässert; aber alle diese Wasser sind schädlich und
+im Herbste sogar tödtlich, wesshalb das Regenwasser zum Trinken in
+Cisternen gesammelt werden muss[665]. In diese durch Natur unbezwingliche
+Bergfeste schloss sich Arghun mit Bulughan, der geliebtesten seiner Frauen,
+ein. Der Emir Newrus, als er Kunde erhielt, dass Alinak wider das Schloss
+im Anzuge, bat kniend, Arghun möge über den Oxus ziehen und in dem Jurte
+Kuwindschi's (des zwölften Sohnes Scheiban's, des fünften Sohnes
+Dschudschi's) Zuflucht suchen. Arghun gab dem wohlgemeinten Rathe kein
+Gehör; _Legsi_, welchen wir oben als Gesandten Arghun's an Ahmed kennen
+gelernt, ging zu diesem über und erbat sich ein Heer, mit welchem er ihm
+den Arghun zu liefern versprach. Ahmed gab ihm Truppen, mit denen er das
+Lager der Frau Kotlogh Chatun, der Gemahlin Arghun's, plünderte. Der Emir
+Newrus kam, um ihn zur Rückkehr zu bewegen; Legsi ergriff die Zügel seines
+Pferdes, um ihn mit sich zum Sultan zu führen; aber Newrus legte die Hand
+an's Schwert, betheuernd, dass er, so lang er athme, den Dienst Arghun's
+nicht verlassen wolle; Legsi liess ihn frei und brachte die Beute des
+Lagers der Frau Kotlogh in das Ahmed's zurück, der ihn davon reichlich
+betheilte. Alinak war indessen vor Kelat angekommen und hatte den Arghun
+beredet, ihm in das Lager des Oheims, der ihm nichts Uebles wolle, zu
+folgen. [RN: 13. Rebiulsani 683/29. Juni 1284] Ahmed umarmte ihn, küsste
+ihn und übergab ihn der Obhuth Alinak's; dieser stellte vor, dass jetzt der
+Augenblick, sich des Feindes zu entledigen; aber Ahmed, der, ganz der Liebe
+seiner neuen Gemahlin Tudai hingegeben, für nichts Anderes Sinn hatte,
+sprach: Was kann er ohne Heer und Schatz unternehmen? Ich will die Frau
+Kutui (seine Mutter), wenn ich sie sehe, um ihre Meinung hierüber fragen.
+Indessen befahl er doch, die Emire Arghun's, _Sischi Bachschi_, _Kadan_,
+_Buraligh_ fest zu setzen, von seinen eigenen einige[666], weil sie dem
+Arghun ergeben, hinzurichten. [RN: 16. Rebiul. II./2. Juli] Er wollte eben
+aufbrechen, als er auf Bitte Buka's, dass er erlauben möge, die Vermählung
+seiner Tochter mit Kipdschak Kaghul, einem Abkömmlinge Dschudschi Kasar's,
+des Bruders Tschengischan's, zu feiern, noch zu bleiben beschloss. Arghun
+war in die Seele betrübt, indem er unglücklichen Ausgang seines Schicksals
+fürchtete. Da sprach ihm die Frau Bulughan, welche seine Gefangenschaft
+getheilt und welche auch von Ahmed gnädig empfangen worden war, indem er
+ihr selbst den Becher reichte[667], Trost ein. Er versprach ihr, dem Arghun
+die Statthalterschaft von Chorasan zu verleihen, und verlieh ihm ein
+kaiserliches Zelt. Ganz in dem Genusse der Frau Tudai schwelgend, hatte
+Ahmed keinen Sinn für die Wichtigkeit des Augenblicks, oder die Gefahr,
+die ihm von den nächsten Umgebungen drohte; er befahl jedoch dem Alinak,
+den Arghun nach dem Aufbruche des Lagers hinzurichten[668]. In der nächsten
+Nacht »sollte das Zelt seines Lebens abgebrochen werden, als durch eine
+unvorgesehene Wendung der Dinge der arabische Spruch, welchen Bulughan dem
+Arghun zu Gemüthe führte: dass die Nächte, schwanger, gar Vieles vor dem
+Morgen gebären, auf das glücklichste ausging«.
+
+[Randnote: Verschwörung Buka's und Ermordung Teguder's.]
+
+_Buka_, welcher wider Ahmed den doppelten Groll ob gebrochenem Wort und
+genommenem Oberbefehl nährte, vermochte mehrere Emire[669] zu einer
+Verschwörung wider Alinak und Ahmed, indem er sie versicherte, dass dieser
+beschlossen, sie an der Gränze von Isferain hinrichten zu lassen; auch den
+Prinzen Huladschu, den Bruder Ahmed's, brachte er auf seine Seite. Sie
+beriethen sich zuerst über das Mittel, sich Alinak's zu entledigen. Buka
+sandte durch einen Vertrauten Arghun's demselben Wort, diesen Abend den
+Alinak zu begehren, und zwei der Verschworenen[670] nahmen es auf sich,
+desgleichen die Emire Karabuka und Taitak zu berufen. Nach dem Nachtgebete
+begab sich Buka, von drei Reitern begleitet, in den von Wachen besetzten
+Umkreis des Zeltes Arghun's und sandte einen hinein, um den Prinzen leise
+zu wecken. Arghun glaubte, es sei List und Verrätherei; als ihm aber dieser
+schwur, dass Nichts zu fürchten und dass Buka als treuer Diener ihn als
+seinen Herrn zu retten gekommen, schloss sich Arghun an denselben an. Als
+sie um den dritten Kreis der Umzäunung[671] kamen, rief sie eine Wache an:
+Wie ist's, dass ihr ginget vier hinein und kommet fünf heraus? Du irrst
+dich, Freund, sagte Buka, deine schlafbenebelten Augen haben ehe um einen
+zu wenig gezählt. So kamen sie glücklich durch in's Zelt Buka's. Arghun
+ward bewaffnet, auf ein Pferd gesetzt, und sie begaben sich in das Zelt
+Alinak's, der im Rausche abgethan, sein Kopf vor's Zelt geworfen ward.
+[RN: 18. Rebiulachir 683/4. Juli 1284] In derselben Nacht wurden Boten an
+Huladschu und Bektu abgesandt, die sich zu Firuskjuh befanden, dass jene an
+Basar Aghul und Abukjan thun möchten, wie sie an Alinak und Taitak gethan;
+in derselben Nacht wurden auch Karabuka und andere Emire ergriffen und am
+nächsten Morgen hingerichtet. Ahmed befand sich im Lager der Tudai mit dem
+Prinzen Kinschu (dem Sohne Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und
+den Emiren Akbuka und Legsi, als er die Nachricht erhielt, dass alle seine
+Treuen getödtet; er unterhielt sich zu Kalpusch noch mit der Frau Tudai und
+floh dann auch von Isferain gegen Kumis und Irak. [RN: 19. Rebiul. II./5.
+Juli] Die Verschworenen hatten ihrerseits den Buri, den Vogt, nach Issfahan
+an die Karawinas, die zu Siakuh hielten, abgesandt, dass sie aufsitzen und
+den Ahmed ergreifen sollten. Dscherik, der Emir des Lagers des
+hingerichteten Prinzen Konghuratai, wurde zur Blutrache seines Herrn mit
+viertausend Reitern dem Ahmed nachgesandt, und Doladai, der Oberrichter,
+machte sich an der Spitze von vierhundert auf den Weg. Die Prinzen
+Huladschu und Kinschu huldigten dem Arghun zu Charkan; die Emire
+berathschlagten nun über die Wahl des Chans. [RN: 24. Rebiul. II./10. Juli]
+Buka erklärte sich laut für Arghun, während sein Bruder Aruk und Kurmischi
+für Dschuschkab, den Bruder Kinschu's, Tekia für Huladschu stimmten. Buka
+legte die Hand an's Schwert und schwur, dass, so lang er es führe, es nur
+für Arghun und seine Feinde dienen solle. Sie fragten nun den Tengir
+Gurgan, den Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's,
+und den Vater Kotloghschah's, der Gemahlin Arghun's, um den letzten Willen
+Abaka's. Er bezeugte: er habe zu seinem Nachfolger seinen Bruder Mengu
+Timur und nach dessen Tode den Arghun ernannt. Arghun bat mit der bei
+mongolischen Thronbesteigungen hergebrachten verstellten Bescheidenheit,
+dass man ihn mit dem Throne verschonen und die Statthalterschaft Chorasan,
+wie bei seines Vaters Lebzeit, lassen wolle. Buka brachte die
+Entschuldigungen zum Schweigen, indem er sagte: das erste sei, sich der
+Person Ahmed's zu versichern, worauf dann mit Beiziehung des Raths der
+Frau Oldschai (der Gemahlin Hulagu's und dann Abaka's) einer der Prinzen
+zum Chan ausgerufen werden solle. Aruk und Dschuschkab zogen mit dem
+Vortrab voraus, Huladschu, Kinschu und Bektu folgten mit dem schweren
+Gepäcke. Zu Konkurlang bei Tebris wurde das Haus Buka's geplündert, sein
+Harem auf Sundschak's Fürbitte verschont. [RN: 27. Rebiul. II./13. Juli]
+Ahmed, der noch gekommen, seine Mutter Kutui zu sehen, wollte nach Derbend
+entfliehen; aber _Schiktur_ und _Karabuka_ sandten Botschaft an Kutui
+Chatun, dass es der Prinzen allgemeiner Wille, sich der Person ihres Sohnes
+zu bemächtigen, und dass sie ihn bis zur Ankunft derselben hüten wollten.
+Die Mutter gab ihre Einwilligung. Schiktur übergab den Sultan einer Wache
+von dreihundert Mann. Unterdessen kamen die unverschämten Räuber, die
+Karawinas, an, welche Buka nach Ssugurluk gesandt hatte; sie plünderten das
+Harem und stiessen sogar die Mutter Kutui Chatun und die Frauen Tudai und
+Ermeni Chatun nackt hinaus. Arghun war unterdessen von Nemuwer vorgerückt
+und hatte zu Abaschur bei Jüs Agadsch gelagert. Karaukai und Schiktimur
+hatten mit den Karawinen den Sultan gefangen; als ihn Arghun erblickte,
+streckte er nach der mongolischen Sitte der siegreichen Pfeilschützen die
+Hände aus und schrie: _Mordio!_[672]; er ward sogleich getödtet. Die von
+Ahmed verhafteten Emire: Taghadschar, Kundschukbal und Toladai erhielten
+nun ihre Freiheit; die Frauen und Emire waren einstimmig in der Wahl
+Arghun's. Ahmed wurde vor's Gericht gestellt; Bektu und der Diener
+Konghuratai's befragten ihn als seine Richter: warum er den Konghuratai
+unschuldiger Weise getödtet, dem Arghun die Statthalterschaft von Chorasan
+missgönnt, ihm den Alinak nachgesandt habe? Ahmed bekannte, dass er übel
+gethan, künftig desgleichen nicht thun wolle. Die Emire wollten sein Leben
+der Frau Kutui schenken, welche bei Allen in grösstem Ansehen; da erhoben
+aber die Mutter Konghuratai's und seine sechs Söhne Geschrei der Blutrache.
+Jetzt erschien Jesu Buka Gurgan, der Gemahl der Prinzessin Kutulun, der
+sechsten Tochter Hulagu's, und schreckte die Versammlung durch die
+Nachricht, dass die Prinzen Huladschu und Dschuschkab an der Gränze
+Hamadan's ein Heer zum Widerstande sammelten. So erging das Jerligh der
+Blutrache Konghuratai's, und Chan Ahmed fiel, der erste der mongolischen
+Herrscher, unter der Sanktion der Jasa, um das vergossene Blut
+Konghuratai's zu büssen; [RN: 26. Dschem. achir 683/10. August 1284] das
+Todesurtheil ward in der Nacht vom Donnerstage am zehnten August vollzogen
+durch Timur und Ildir, zwei Söhne Konghuratai's; sie rächten des Vaters Tod
+durch den des Oheims, indem sie ihm den Rückenwirbel brachen[673].
+
+[Randnote: Arghun's Thronbesteigung, Gemahlinnen, Söhne, Töchter.]
+
+Schon am Tage, welchen die Nacht der Hinrichtung Teguder's heraufgeführt,
+hatte die Thronbesteigung Arghun's mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in
+dem Jurte Suktu statt[674]. Huladschu ergriff die rechte Hand, Inardschi
+die linke Arghun's; sie setzten ihn auf den Thron, vor welchem die Prinzen
+und Emire neunmal niederknieten, den Gürtel um den Hals, die Mützen in die
+Luft warfen und ihm den Becher huldigend darreichten. Die Feste hatten zu
+_Kamsiun_, welches zwischen _Heschtrud_ und _Kurban schire_, statt. Drei
+Tage nach der Thronbesteigung kamen auch die Prinzen Kinschu und
+Dschuschkab, die Söhne Dschumkur's, und unterschrieben die Urkunde der
+Krönung. Abukjan, der Sohn Schiramun's, der Enkel Dschurmaghun's (des
+Befehlshabers in Persien zur Zeit Hulagu's), der Jarghudschi, d. i.
+Oberrichter, wurde als einer der innigsten Anhänger Ahmed's hingerichtet;
+allen anderen Angehörigen Ahmed's sicherte ein Jerligh das Leben und Ruhe;
+die Prinzen Dschuschkab und Baidu (der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes
+Hulagu's) wurden als Statthalter nach Bagdad und Diarbekr, der Oheim
+Huladschu und der Bruder Kendschatu nach Rum gesendet. Georgien erhielt der
+Oheim Adschai (der achte Sohn Hulagu's), dem Sohne Ghasan wurde die
+Statthalterschaft der Landschaften Chorasan, Masenderan, Kumis und Rei
+übertragen, die Stelle des Wesirs der Länder dem Buka, dem Hebel der
+Herrschaft Arghun's, verliehen, ein höchst findiger, zum Regieren tüchtiger
+Kopf. Nach der Sitte mongolischer Investitur wurde demselben Gold über den
+Kopf gestreut, Goldflittern in solchem Ueberflusse, dass er unter der
+angehäuften Masse derselben unsichtbar. Arghun konnte bei seiner
+Thronbesteigung nicht älter als beiläufig dreissig Jahre sein, da sein
+Vater, Abaka, vor zwei Jahren, acht und vierzig alt, gestorben war. Seine
+Mutter war die Beischläferin Abaka's, Kaimisch Ikadschi. Seine Gemahlinnen:
+1. Die Frau _Kotlogh_, die Tochter Tengir's des Uiraten, welcher ein
+doppelter _Gurgan_, d. i. dem Herrscherhaus Verschwägerter, indem er selbst
+mit der vierten Tochter Hulagu's vermählt, des letzten Eidam und Arghun's
+Schwiegervater. 2. _Oldschatai_, die Tochter der Tudukasch, aber nicht aus
+Tengir, sondern aus Sulamisch, dessen Sohn, aus einer anderen Frau, nach
+des Vaters Tod mongolischer Sitte gemäss seine Stiefmutter heirathete, die
+nach dem Tode des Sulamisch noch von dessen Sohne Dschidschek Gurgan, also
+von ihrem Enkel, geheirathet ward[675]. 3. Die Frau _Uruk_, die Tochter
+Sarudsche's, der Schwester Emir Irindschin's, des Keraiten. 4. Die Frau
+_Seldschuk_, die Tochter Sultan Rukneddin's von Rum. Aus dem Frauengemache
+seines Vaters nahm er 5. die Frau _Bulughan_, die Verwandte des Buka
+Jarghudschi, und nach ihrem Tode 6. die Frau _Bulughan_, die Tochter
+Utaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten[676]. So war 7. die
+Frau _Mertai_ die Konghuratin, die Gemahlin Hulagu's, in das Harem seines
+Sohnes Abaka, aus diesem in das Arghun's als Frau übergegangen, so dass
+dieselbe Stief- und Grossmutter ihres Gemahls. 8. _Tudai Chatun_, die
+Tochter Musa Gurgan's (des Enkels Tschengischan's) aus Tarakai, der fünften
+Tochter Hulagu's. Die Leidenschaft, mit welcher Teguder Tudai geliebt,
+hatte ihn über die Gefahren, die seinem Throne drohten, verblendet. Tudai,
+die Enkelin Hulagu's, die Gemahlin Teguder's (ihres und Arghun's Oheim's),
+war also zugleich die Base, Tante und Gemahlin Arghun's. 9. _Kultak
+Ikadschi_, die Mutter seines Erstgeborenen, Ghasan, dessen drei Brüder
+_Jesu Timur_, _Oldschaitu_ (beide aus der Frau Uruk) und _Chatai Aghul_ aus
+der Frau Kotlogh; dann vier Töchter, _Oldschatai_, _Oldschai Timur_,
+_Kotlogh Timur_ (alle drei Töchter der Frau Uruk) und _Dilendschi_, Tochter
+der zweiten, vor allen anderen Frauen geliebten _Bulughai_.
+
+[Randnote: Schemseddin Dschuweini zu Kum.]
+
+Nach dem Herrscher _Arghun_ und seinem Wesire _Buka_[677], der ihn auf den
+Thron gesetzt, steht ein Grösserer als Beide vor uns, nämlich der flüchtige
+Wesir Schemseddin Dschuweini, dessen Auslieferung Arghun zu
+wiederholtenmalen vergebens von Teguder begehrt und welchen sein Feind
+Medschdolmülk nicht nur treuloser Verwaltung der Krongüter Abaka's, sondern
+auch der Vergiftung desselben und des Bruders Mengu Timur angeklagt.
+Nachdem Alinak getödtet und Teguder geschlagen worden, hatte Schemseddin
+von Dschadscherm, wo er sich befand, auf einem Dromedare mit ein Paar
+Dienern sich durch die Wüste nach Issfahan geflüchtet. Die Einwohner,
+sobald sie von der Umwälzung der Dinge Kunde erhalten, beriethen sich mit
+dem Atabeg von Jesd, welchen der Statthalter von Issfahan als einen dem
+Arghun Ergebenen während der Regierung Teguder's in Verhaft gehalten, was
+zu thun. Schemseddin, hiervon benachrichtigt, begab sich unter dem
+Vorwande, zu einer Grabstätte zu wallfahrten, ausser der Stadt und entfloh
+auf trefflichen Rennern nach Kum, sich in das Heiligthum des Grabes der
+Schwester des Imams Risa flüchtend. Dieses Grabmal ist seit einem
+Jahrtausend die sichere Freistätte Unschuldiger und Schuldiger, die in die
+Mauern desselben flüchten. Die Heiligkeit derselben wurde von den Mongolen,
+wie von den früheren Herrschern Persiens, den _Seldschuken_ und _Bujiden_,
+wie von ihren Nachfolgern, den Herrschern der Dynastie _Ssafewi_ und der
+regierenden der _Katscharen_, hoch geachtet. Die Pracht desselben hat
+Chardin ausführlich beschrieben, und noch heute prangt dasselbe mit
+silbernen Gittern und goldbeschlagenen Thoren, und den Schatz, dessen
+Reichthum sich vorzüglich von den Schahen der Familie Ssafewi herschreibt,
+haben reiche Opferspenden Feth Alischah's vermehrt. Er opferte hierher
+einen Kopfschmuck seiner Mutter, wie einst Crösus[678] das Halsband und den
+Gürtel seiner Gemahlin nach Delphi. Feth Ali jagte nie in der Umgegend,
+ohne den Umgang um das heilige Grab, von welchem die Stadt auch die
+_heilige_ heisst, zu verrichten. Wie vor sechsthalbhundert Jahren
+Schemseddin Dschuweini hier Zuflucht gesucht und gefunden, so in unseren
+Tagen der von Feth Alischah und dann von seinem Enkel, dem regierenden
+Schah, verungnadete, in Morier's Hadschi Baba nach dem Leben geschilderte
+Botschafter Mirsa Abul Hasan. »Die Stadt ist heute«, sagt Morier, »nur
+durch drei Dinge merkwürdig: durch die vergoldete Kuppel des Grabmals,
+durch die zahlreichen Märkte und durch ihre Ruinen«; denn der Umfang der
+Mauern betrug ehemals vierzigtausend Ellen, das ist um vierzig Ellen mehr,
+als die von Kaswin[679]. _Kum_ ward im Beginn des achten Jahrhunderts der
+christlichen Zeitrechnung[680], als Hidschadsch, der tyrannische
+Statthalter von Irak, das Heer Abderrahman Asker's schlug, aus sieben
+Dörfern, deren Vorsteher getödtet worden waren, in eine Stadt vereint,
+deren sieben Viertel jene sieben Dörfer und deren eines der Stadt den Namen
+gab[681]. Von derselben erhielten hernach, als persischer Kunstfleiss und
+Handel im höchsten Flore, die schöngewirkten seidenen Stoffe den Namen
+_Kumasch_, den dieselben noch heute führen; sie ist so berühmt durch ihre
+luftigen hohen Cypressen und ihre blauen leichten Trinkkrüge[682], als das
+benachbarte _Kaschan_ durch sein Fayence und seine Scorpionen und
+Giftspinnen, als der Geburtsort des grossen Geschichtschreibers Abderresak,
+des _Verfassers des Aufganges zweier Glücksgestirne_ (der Geschichte
+Timur's und seines Sohnes Schachroch), und des letzten Dichterkönigs Feth
+Ali Chan, des Sängers des Heldenbuchs[683] Feth Alischah's. In dem
+Heiligthume Kums sammelten sich um Schemseddin seine Freunde, deren Meinung
+dahin ging, dass er sich nach Hormusd retten solle, von wo ihm der Weg
+weiter nach Indien offen. Ich kann, antwortete ihnen Schemseddin, meine
+Söhne nicht in den Händen der Mongolen zurücklassen; das Besste ist, ich
+begebe mich zu dem Dienste der Majestät, welche mir vielleicht Emir Buka,
+der mein alter Freund, versöhnen wird; wenn nicht, so geschehe, was Gott
+will. Unschlüssig verweilte er einige Tage, als von Seiten des Chans Melik
+Imameddin von Kaswin und Jusufschah, der Atabeg Grossluristans, erschienen.
+
+[Randnote: Schemseddin durch Jusufschah von Luristan geholt und
+angestellt.]
+
+Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter der Regierung Abaka's
+erzählet worden, wie er, dessen treuer Hilfsgenosse, im Feldzuge wider
+Borrak auf dem Rückmarsche den Chan aus den Händen von Strassenräubern
+gerettet, von demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten hatte.
+Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar ergeben, hatte er, der
+Aufforderung Teguder's, ihn mit einem Heere zu unterstützen, nur
+nothgedrungen Folge leistend, zweitausend Reiter und zehntausend Fussgänger
+in's Feld gestellt. Nach der Niederlage Teguders brach das Heer gleich bei
+Tabs in die Wüste ein, um auf dem kürzesten Wege Luristan zu erreichen;
+diese Unvorsichtigkeit kostete dem grössten Theile das Leben; es war das
+erste Unglück, das den Atabegen Jusufschah betroffen. Jetzt sandte ihn
+Arghun an den vorigen Inhaber des Diwans, um denselben nach Hof zu bringen.
+Arghun's Politik war eine (wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er
+sandte an alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken, um sich
+dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen Sonnenschirm, »welcher«,
+sagt Wassaf, »wie die Flügel des Königsgeiers schattete und dessen Glanz,
+wie das Licht der Sonne, nie ermattete«, um ihn nach Hof einzuladen, denn
+Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu gab dem Botschafter
+keine andere Antwort, als die Frage: Wie weit wird Arghun's Engbrüstigkeit
+noch gehen? Er zog sich nach Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, und
+Dschuschkab brach gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte Aufforderungen
+nicht erschienen, schwur ihnen Arghun:
+
+ Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht,
+ Der schirmt das Diadem der Majestät,
+
+dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden überhäufen werde. Er gab
+jedem derselben Mütze und Gürtel, und sie verbanden sich ihm als Vasallen;
+mehrere der ersten Emire Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt,
+wurden freigesprochen und erhielten Aemter[684]. Jusufschah von Lur,
+welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun zur Gemahlin gegeben[685],
+führte denselben mit sich an den Hof Arghun's. Noch auf dem Wege von Sawa
+kam ihnen der Emir Kumari mit einem Diplome entgegen, wodurch alles
+Vergangene verziehen und vorige Gnade verliehen ward. Sogleich erliess
+Schemseddin Rundschreiben an alle Befehlshaber Iraks, um denselben seine
+Wiederaufnahme in die Gnade des Chans zu künden. [RN: 10. Redscheb 683/21.
+Sept. 1284] Freitags in der Herbst-Tag- und Nachtgleiche traf er zu _Kurban
+Schire_ ein und begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in
+freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige Empfang war
+voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl von beiden Seiten verstellter).
+Am nächsten Tage stellte ihn Buka der Majestät vor. Arghun empfing ihn
+weder gnädig noch ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung, setzte
+ihn aber in seine vorige Stelle als Wesir des Diwans gemeinschaftlich mit
+Buka ein. Schemseddin erklärte öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter
+Buka's im Diwane sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche und
+Geschenke dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten, ward Buka's Eifersucht
+und Gier nach ausschliesslicher Herrschaft schon nach Einer Woche rege; er
+sandte Ali, den Temghadschi (Stempeleinnehmer), nach Tebris, um Jahja, den
+Sohn Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen. Fachreddin Mestufi und
+Hosameddin Ssahib, zwei Untergebene Schemseddin's, schmiedeten wider
+denselben Ränke und bliesen Buka's Neid und Eifersucht zu vollen Flammen
+auf, indem sie ihm vorstellten, dass seine Machtvollkommenheit nur ein
+Schatten, so lang Schemseddin dieselbe mit ihm theile. Buka warf
+seinerseits Saamen des Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm
+vorstellte, dass von dem Verräther seines Vaters keine guten Dienste zu
+erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem Schemseddin an die Seite
+gegeben, und zu Audschan erging der Befehl, demselben zweitausend Tomane
+abzufordern und ihn an Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin kein
+Thor, der das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich bin nicht im Stande,
+tausend Goldstücke aufzubringen; und dem Buka schrieb er: O Emir Buka,
+lehre nicht den Padischah, Wesire zu tödten, denn heute mir und morgen dir.
+Doladai und Kadan wurden gesandt, ihn gerichtlich zu verhören.
+
+[Randnote: Schemseddin's Hinrichtung.]
+
+Schemseddin antwortete auf die wider ihn vorgebrachte Anklage der
+Veruntreuung von Staatsgeldern und von Verrätherei, dass, was den Abgang
+des Staatsschatzes betreffe, er die Verzeihung des Padischah hoffe, dass er
+aber unschuldig des geringsten Verdachts von Verrätherei. Als ihm als
+schuldig Erkanntem die Hände nach mongolischer Sitte gebunden worden,
+erscholl das Geschrei der Türken und Perser: warum man die Nahrungsquellen
+der Völker binde! Zu _Minia_, in der Nähe von _Ebher_, der nördlich von
+Kaswin gelegenen Stadt, ward ihm das Todesurtheil verkündet. Er verrichtete
+sogleich die gesetzliche Abwaschung, stach in den Koran, den er bei sich
+trug, das Loos, begehrte Tintenzeug und Feder, setzte seinen letzten Willen
+für die Söhne auf, und schrieb an die Gesetzgelehrten von Tebris: »Als ich
+den Koran zum Loosaufstechen genommen, ist folgender Vers gekommen: _Die da
+sagen, Gott nur sei Herr, und wandeln auf geraden Pfaden, über sie werden
+Engel niedersteigen und sagen: Betrübt euch nicht und fürchtet euch nicht,
+ich gebe euch die frohe Kunde des Paradieses, das euch versprochen worden._
+Da Gott der Allmächtige diesen seinen Diener in dieser vergänglichen Welt
+immer wohlgehalten, so gestalten, dass er ihm keinen seiner Wünsche versagt
+und ihm sogar die frohe Kunde künftigen Lebens zugesagt, so muss man den
+Mewlana _Mohijeddin_, den Mewlana _Efdhaleddin_, den Mewlana _Schemseddin_,
+den Mewlana _Hemameddin_ und den grossen Scheichen, welche aufzuzählen hier
+zu lang und hier nicht der Ort wäre, diese gute Kunde geben, damit sie
+wissen, dass ich aller Anhänglichkeit an die Welt entsagt habe und mir mit
+ihrem guten Gebete helfen möge[686]. Sie sollen meine Söhne grüssen, die
+ich Gott dem Herrn als Unterpfand empfehle; _denn Gott verliert nicht die
+ihm anvertrauten Pfande_. Ich hoffte sie noch einmal zu sehen und ihnen
+mündliche Lehren zu hinterlassen; da diess aber mir nicht zum Loose
+geworden, so mögen sie (die obgenannten vier Mewlana) es an Nichts
+ermangeln lassen, dieselben zu beschützen, und sie zu gutem Erwerb
+ermuntern und nicht zugeben, dass sie das von Gott ihnen verliehene Gut
+vernachlässigen. Wenn mein Sohn, der Atabeg, und seine Mutter, die Frau
+Choschek, in ihr Haus zurückkehren wollen, so sei ihnen die Erlaubniss
+gegönnt. Meine beiden Söhne Newrus und Mesud sollen mit ihrer Mutter im
+Geleite der Frau Bulughan bleiben und an den beiden Enden meines Grabmals
+stehen; wenn sie für das Speisehaus und das Kloster des Scheichs Fachreddin
+etwas thun können, so sollen sie es unterstützen und sich dahin begeben.
+Ferruch und seine Mutter sollen den Atabeg begleiten, Sekeria auf den
+Gütern des Padischah arbeiten; die anderen Oerter habe ich dem Emir Buka
+vermacht, welchem sie alle Güter und Besitzungen belassen sollen; wenn er
+etwas davon zurück gibt, ist's wohl und gut; wenn nicht, sollen sie sich
+begnügen. Gott spende uns sein Erbarmen und auch seinen Segen! Ich habe
+jetzt mein Gemüth auf die göttliche Majestät gestellt, welche meinen
+Antheil nicht vergessen wolle; das Glück derselben sei beständig! Wenn
+Allerhöchstdieselbe meinen Söhnen etwas lassen will, sollen sie es nehmen
+und sich damit begnügen; wohin nur das grosse Harem von Tebris sich begibt,
+soll auch das meine folgen. Heil dem, der die wahre Leitung sucht!« Dieses
+Schreiben warf er den zur Vollstreckung des Todesurtheils Bestellten vor;
+sie lasen es, ohne dass es Eindruck auf sie gemacht. Schemseddin sagte
+dann: »_Was von dir kommt, o Herr, ist gut, sei es Krankheit, sei es
+Heilung_«; und das Todesurtheil ward vollstreckt. [RN: 4. Schaaban 683/16.
+Oct. 1284] Vier seiner Söhne: _Jahja_, _Ferruchschah_, _Mesud_ und
+_Atabeg_, wurden ihm sogleich in's Grab nachgesandt. Jusufschah, der Eidam
+Schemseddin's, kehrte auf Befehl Arghun's nach Luristan zurück, starb aber
+auf dem Wege dahin. Er hinterliess zwei Söhne: _Edib_ und _Ahmed_, wovon
+der erste mit der Herrschaft Luristans belehnt ward, der zweite am Hofe
+Arghun's als Geissel zurückblieb[687]. Schemseddin ward mit seinen Söhnen
+im Viertel _Dscherendab_, wo schon sein Bruder Alaeddin ruhte, zu Tebris
+bestattet. Unter den vielen Trauergedichten, welche den Schmerz der Völker
+über den Sturz dieser erlauchten Familie aussprachen, ist eines der
+kürzesten und bessten das folgende, bei Wassaf erhaltene:
+
+ O _Dscherendab_, wo zu Tebris sein Grab,
+ Der erste Regen ström' auf dich herab!
+ Die herrlichsten Gesichter deckt dein Staub,
+ Der grössten Männer Wangen sind dein Raub.
+ Hier hat die Sonne[688] höchsten Punkt[689] erreicht,
+ Hier ruht die Pleias, die Vollmonden gleicht.
+ Es weinen über sie die sieben Sterne,
+ In ihrem Licht und ihrer finstern Ferne
+ Die sieben Himmel und die Erden, sieben,
+ Der Meere und der Wochentage Sieben.
+ _Feredschullah_, _Jahja_, _Mesud_, _Harun_
+ (Nothdürftig beizustehen, war ihr Thun)
+ Den Vater Mohammed so hoch geehrt,
+ Es frass dieselben all' das scharfe Schwert.
+ Mich hat der Schmerz des _Atabegs_ verzehrt
+ Wie Flamme, welche in die Höhe fährt;
+ Und ob _Ataul Melik_ gekränket theils,
+ Er, der _Ssahib_, der Herr der Stadt des Heils,
+ Es saget über dieser Gräber Stätte,
+ Wer ehrt den Herrn, die frömmsten der Gebete.
+
+[Randnote: Statthalterschaft von Fars.]
+
+Als Arghun nach Schemseddin's Hinrichtung nach dem im Gebiete von Arran
+gelegenen Palast Manssurije gekommen, kehrten die an den Grosskaan, Oheim
+Kubilai, geschickten Gesandten, Emir Pulad Dschingsang und zwei andere,
+zurück. [RN: 11. Redscheb 683/23. Sept. 1284] Zwischen Serah und Erdebil
+und Ssain wurde Kurultai gehalten, und neun Tage darauf kehrte er nach
+Tebris zurück; [RN: 20. Redscheb/2. October] dann wurde das Winterquartier
+in Arran bezogen; und hier hatte eine der feierlichsten Gerichtssitzungen
+statt, indem die Wittwe Mengu Timur's, die Prinzessin Abisch, die Atabegin
+von Fars, wegen Veruntreuung der ihr anvertrauten Statthalterschaft vor
+Gericht gestellt ward. Um die Wichtigkeit des Rechtshandels in seinem
+ganzen Umfange zu ermessen, müssen wir den Faden der Geschichte der
+Statthalterschaft von Fars dort, wo wir denselben oben abgebrochen, wieder
+aufnehmen. Dort ist zuletzt der unruhigen Statthalterschaft _Bulughan's_
+(des Nachfolgers Taghadschar's, des Statthalters von Fars) erwähnt worden.
+Um die Ruhe wieder herzustellen, war _Taschmenku_ zu seinem Nachfolger
+ernannt und ihm die Hilfe des Atabegen von Lur zugewiesen worden. Als
+seinen Vorläufer sandte er den Stellvertreter des Diwans der Krongüter,
+Hosammeddin, den Sohn Mohammed Ali's von Lur, voraus nach Issfahan.
+Bulughan liess ihn mit Gewalt aufheben und hieb ihn, alsbald er vor ihm
+erschienen, zusammen. _Taschmenku_ sprach sogleich die Hilfe Jusufschah's,
+des Atabegen von Luristan, an, und als Bulughan sah, dass sein Platz als
+Statthalter wider den neu ernannten weiter nicht haltbar, nahm er, was im
+Schatze, und entfloh mit seinen beiden Geschäftsführern _Kawameddin_ und
+_Seifeddin_ nach Chorasan. Taschmenku beschäftigte sich mit den
+Regierungsgeschäften, ward aber seiner Stelle entsetzt, weil er an der
+Spitze der im Namen des Ilchans Ahmed erlassenen Befehle statt der
+hergebrachten Formel blos _Ahmedaga_ schrieb, was wider allen mongolischen
+Kanzleistyl[690]. Nachdem er ein Jahr lang Fars verwaltet, wurde die
+Statthalterschaft der Frau _Abisch_, der gebornen Atabegin, Fürstin des
+Landes, Wittwe Mengu Timur's, des bald nach seinem Bruder Abaka
+verstorbenen eilften Sohnes Hulagu's, übertragen. Sie war, wie oben unter
+der Regierung Hulagu's erwähnt worden, ihrem Gemahle in's Lager der
+Mongolen gefolgt und hatte immer seitdem am Hofe verweilt, jetzt aber ward
+ihr die Erlaubniss der Rückkehr in's Vaterland und die Vollmacht, dasselbe
+im Namen des Ilchans als Statthalter zu verwalten, zu Theil; sie dankte
+diese Gunst hauptsächlich der Verwendung der grossen Frau _Oldschai_, der
+Mutter Mengu Timur's, welche nebst der grossen Frau Tokuschan und der
+Mutter Abaka's vor dreissig Jahren ihren ersten Gemahl, Hulagu, auf dem
+Feldzuge nach Persien begleitet hatte und als Wittwe desselben und dann
+seines Sohnes Abaka des grössten Ansehens genoss. Ganz Fars jubelte über
+die Rückkehr der Prinzessin _Abisch_, des letzten Zweiges des hochverehrten
+erlauchten Herrscherstammes der Salghuren, und der Koransvers: _Ein gutes
+Land, ein gnädiger Herr_, war auf allen Zungen. Zu ihrem Stellvertreter im
+Diwan ernannte sie ihren Verwandten _Dschelaleddin Arkan_[691] und die
+Wesirschaft sammt der Inhaberschaft des Diwans übertrug sie dem Chodscha
+_Nisameddin Ebubekr_, dessen schon Eingangs dieses Buchs im Gegensatze mit
+dem Oberrichter, dem Seid Imadeddin, Erwähnung geschehen. Die Feindschaft
+Nisameddin's und Imadeddin's war die Quelle, aus welcher der Strom
+finanziellen Unheils sich über Fars ergoss.
+
+[Randnote: Die Prinzessin Abisch und dann Seid Imadeddin, Statthalter von
+Fars.]
+
+Nisameddin, ein fündiger Finanzmann, machte der Atabegin den Vorschlag,
+sich durch ein Diplom des Ilchans die Begewaltigung zur Wiedereinlösung der
+in fremden Händen befindlichen Familiengüter zu verschaffen. Ahmed Teguder
+gab in einem Augenblicke der Uebereilung das Diplom im verlangten Sinne.
+Nisameddin machte aber den grössten Missbrauch, indem er Krongüter und
+Privatgüter als Familiengüter der Atabegin ansah und einzog und die
+Bewohner von Schiras, Vornehme und Gemeine, wie gekaufte Sklaven
+behandelte. Der Beginn der Statthalterschaft der Abisch und die
+Finanzverwaltung ihres Wesirs Nisameddin fiel in das Ende der Regierung
+Teguder's. Nach der Thronbesteigung Arghun's begab sich der Seid Imadeddin,
+der Schützling Buka's, an den Hof, um die dem Staatsschatze, wie dem
+Privatvermögen so heillose Verwaltung von Fars in ihrem gehörigen Lichte
+darzustellen. Durch Buka's Einfluss erging ein ilchanisches Diplom, wodurch
+dem Seid Imadeddin die Statthalterschaft von Schiras zu Land und See, d. i.
+mit Einbegriff der Inseln im persischen Meerbusen, ohne Theilnehmer und
+Mitgenossen übertragen ward. Nach den Worten desselben war »die Schliessung
+und Oeffnung der Erfolge, die Bindung und Lösung der Geschäftsschreiben,
+die Anstellung und Absetzung der Emire dem Gutachten des Seid
+anheimgestellt«. Er wurde mit den beiden mongolischen Insignien
+übertragener Herrschaft, dem goldenen Löwenkopfe und dem goldenen
+Katzenkopfe, bekleidet[692]. Wenn sich diese Investitur mittels Löwen- und
+Katzenkopfes in Sanchoniaton oder einer anderen altägyptischen Geschichte
+fände, so möchten dieselben wohl im mystischen Sinn als die Köpfe von Isis
+und Bubastis erklärt werden; bei den Mongolen aber sind sie blos das rohe
+Symbol einschüchternden Herrschergrimms und einschläfernder arglistiger
+Schmeichelei, welche dem Mongolen für die beiden höchsten Herrschertugenden
+gelten. Die mongolische Gerechtigkeitshand ist die Tatze des Löwen und die
+Kralle der Katze. Die beiden Geschäftsleute des vorigen Statthalters
+Bulughan, die beiden Chodscha, d. i. Herren der Finanz, der Kämmerer
+Kawameddin von Bochara und Seifeddin Jusuf, waren indess von Chorasan
+wieder nach Fars zurückgekommen und von der Atabegin mit der Verwaltung der
+Finanz betraut worden. Sie erbitterten die Atabegin in voraus wider den ihr
+zum Nachfolger in der Statthalterschaft bestimmten _Seid_, und als dieser
+von der Gränze aus, wo die Rechnungsabforderung ihren Anfang nahm, gleich
+einen der Vögte der Atabegin an einen Baum hatte aufhenken lassen und der
+Atabegin den Befehl zugefertigt hatte, vor der Majestät des Chans zu
+erscheinen, stieg ihr Zorn immer höher und höher. Sobald der _Seid_ zu
+Schiras angekommen, errichtete er einen königlichen Thron; acht Tage
+hernach hatte das feierliche Festgebet des Bairams statt, wobei die
+Prinzessin nicht wie gewöhnlich erschien. [RN: 22. Ramasan 683/2. Dec.
+1284] Sie hatte erwartet, dass der Seid wenigstens die Formen beobachten
+und ihr schuldiger Weise aufwarten werde; als aber diess nicht geschah, war
+sie so zornig, dass sie vor Wuth weinte und sich in die Lippen biss[693].
+Bald darauf kam die Nachricht, dass Fars von einem Einfalle der
+niguderischen Banden bedroht sei. Der Seid sandte der Prinzessin Wort, dass
+die Annäherung der Feinde zu ihrer Sicherheit erfordere, dass sie sich nach
+dem Schlosse Istachr (Persepolis) begebe. Sie weigerte sich dessen, weil
+sie fürchtete, dass der Seid sie dort einsperren wolle. Während dieser
+Verhandlung kehrte der Seid eines Abends mit grossem Gefolge nach Hause.
+Auf der Gasse kamen ihm Mamluken der Atabegin mit dem Befehle, vor ihr zu
+erscheinen, entgegen; die gebieterischen Worte der Mamluken entgegnete der
+Seid mit rauhen; der erste der Mamluken warf sich auf ihn und sie stürzten
+beide von ihren Pferden. Da führte Seradscheddin Fasli von Lur, welcher
+noch vor wenigen Tagen vom Seid mit Gnaden überhäuft worden war und auf
+dessen Treue, weil er der Anführer seiner Truppen, er vorzüglich gezählt
+hatte, den ersten Streich, und der Seid erlag alsbald den vervielfältigten
+Streichen der Mamluken. [RN: 21. Schewwal/31. Dec. 1284] Der Kopf wurde
+abgeschnitten, der Rumpf hingeworfen, sein Haus der Plünderung
+preisgegeben.
+
+[Randnote: Verurtheilung der Atabegin Abisch, und ihr Tod.]
+
+Abisch liess in den Strassen von Schiras ausrufen, dass, weil der Seid in
+dem Lande schädliche Finanzneuerungen unternommen, derselbe auf ihren
+Befehl sei aus dem Wege geräumt worden; Jedermann solle seinen Geschäften
+nachgehen und die Stadt ruhig bleiben. Der Sturz des Seid's brachte, wie
+jeder Umschwung von Glücksverhältnissen, seltsame Beispiele von Undank und
+treuer Anhänglichkeit in Vorschein. Ein Gelehrter, welchen der Seid mit
+Gnaden überhäuft hatte, brandmarkte sich als einen Undankbaren,
+Niederträchtigen durch die Verse, die er an den Fussschämel der Atabegin
+schrieb:
+
+ Herrscher! deine Wange glüh' aus Freude wie Rubin,
+ Und es sei dein Thron der allerhöchste immerhin;
+ Jeder Kopf, der deinen Wünschen würde nicht zusagen,
+ Sei, wie der Imadeddin's, vom Rumpfe abgeschlagen.
+
+Das Gegenstück hierzu ist die schöne Dankbarkeit des Geschichtschreibers
+Wassaf, welcher seiner Erzählung ein Trauergedicht von siebzehn Distichen
+einverleibt hat, dessen Beginn:
+
+ Eine Sonne ging im Staube unter,
+ Die im Ost des Glückes aufging munter.
+ Um zu stürzen diesen Bau, o Loos!
+ Lässt die Zügel schiessen du dem Ross.
+
+Nach dem Tode des _Seid Imadeddin_ wurde sein Vetter, der _Seid
+Dschemaleddin Mohammed_, welcher, mit Gnaden der Atabegin überhäuft, sich
+für ganz sicher gehalten, an ihre Pforte vorgeladen. Sie berieth sich mit
+einem ihrer Räthe über den zu fassenden Entschluss. Er rieth ihr zur
+Hinrichtung, zu welcher so besserer Grund vorhanden, weil er weit reicher,
+als Imadeddin, welcher blos als ein Opfer der Bewilderung zwischen ihr und
+ihm gefallen sei. Die Mamluken tödteten ihn in der Nacht und streuten am
+Morgen das Gerücht aus, dass er aus dem Kerker entflohen sei. Die bald
+hierauf erfolgte grosse Landplage der Heuschrecken wurde als eine Strafe
+des Himmels für den Mord der beiden _Seide_ angesehen. Mehr als
+hunderttausend Bewohner von Schiras sollen an der als Folge der
+Heuschreckenverheerung entstandenen Hungersnoth zu Grunde gegangen sein.
+Der unmündige Sohn des Seid war mit einigen treuen Dienern in das Lager des
+Chans geflüchtet, wo er Buka's, seines Vaters Schutzherrn, Hilfe anrief.
+Buka trug die Vergehungen der Atabegin dem Ilchan vor, welcher sie und alle
+Gegner des Seid vor Gericht zu laden befahl, und zugleich zurück Botschaft
+an die Frau Oldschai sandte, durch deren Einfluss die Atabegin die
+Statthalterschaft erhalten hatte; diese überhäufte den Gesandten, der sie
+in's Hoflager führen sollte, mit Geschenken, folgte aber nicht. Drei
+Richtern[694] ward die Untersuchung über das unschuldig vergossene Blut der
+beiden Seide und die unrechtmässige Besitznahme von Gütern aufgetragen. Die
+Herren der Finanzkammer wurden in Ketten und Blöcken vorgeführt; als die
+Prinzessin nicht erschien, wurde Kotan Atadschi abgeordnet, um sie mit
+Gewalt in's Hoflager zu bringen. Als die Prinzessin Nachts in's Lager kam,
+führte sie der Haushofmeister Buka's in eines der Zelte seines Herrn.
+Dieser liess ihm aber am folgenden Tage sieben Prügel geben, weil er sich
+unterstanden, eine Prinzessin königlichen Geblüts in das Zelt eines Emirs
+Karadschu, d. i. Unterthanen, wie er, zu führen; trotz dieser dem Range der
+Prinzessin schuldigen wahren oder geheuchelten Ehrfurcht erhielt sie den
+Befehl, am folgenden Morgen vor Gericht zu erscheinen. Ihre Beschützerin,
+die Frau Oldschai, sprach entschuldigend für, indem sie Alles auf
+Dschelaleddin Arkan, den Verwandten der Atabegin, schob; die drei Herren
+der Finanzkammer, Kawameddin, Seifeddin und Schemseddin, erhielten jeder
+nach der Jasa zwei und siebzig Prügel auf die Sohlen; die Mamluken des Seid
+Imadeddin waren den Gerichtsdienern beigegeben, damit deren Strafe
+schonungslos vollzogen werde. Dschelaleddin, zu Rede gestellt, wusch sich
+auf Kosten der Prinzessin rein. Sie und ihre Angehörigen wurden zur Zahlung
+von fünfzig Tomanen Goldes (fünfzigtausend Dukaten) und zwanzig Tomanen an
+die Waisen der ermordeten Seide verurtheilt. Sie überlebte die Schmach
+dieses Urtheils kaum zwei Jahre und starb, nachdem sie deren zwei und
+zwanzig als der letzte Zweig der Salghuren über Fars geherrscht. [RN:
+685/1286] Drei Tage lang wurde für sie zu Schiras in den Moscheen durch
+öffentliche Gebete, Lesungen des Korans und Almosen die Gebühren der
+Trauer, dann ihr letzter Wille vollzogen. Nach diesem wurden ihre
+Familiengüter in vier Theile getheilt; zwei fielen den Töchtern
+Prinzessinnen _Gardudschan_ und _Alghardschi_, der dritte ihren Mamluken
+und Freigelassenen, der vierte dem Prinzen _Taidschu_, dem Sohne Mengu
+Timur's, und diesem noch ausserdem zehntausend Dukaten zu. Die Dynastie der
+Salghuren war in ihr erloschen und mit ihr der letzte Schatten
+einheimischer Herrschaft in Fars verschwunden.
+
+[Randnote: Arghun's Bewegungen; Tod der Frauen Bulughan und Kotlogh;
+Hochzeit Tudai's.]
+
+Ordu Kia, welchen Arghun mit der Nachricht der Thronbesteigung an den Oheim
+Kaan gesendet hatte, kam jetzt mit der Bestätigung derselben und mit dem
+_Dschingsangtitel_ für Buka zurück, und die Thronbesteigung wurde zum
+zweitenmale gefeiert. [RN: 27. Silhidsche 684/6. März 1286] Zehn Tage
+darnach wurden sechzehntausend vom Emir Masuk Kuschdschi, d. i. dem
+Vogelfänger, und vom Dschelairen _Nurinaga_ befehligte Reiter wider die
+Kurden _Hakari_ gesandt, und der Aufruhr derselben gedämpft. Die Frau
+_Bulghan_ starb am Ufer des Kor (Cyrus) und ihr Sarg wurde nach dem Berge
+Sedschas übergeführt. [RN: 10. Ssafer 685/7. April 1286] Im Frühlinge kam
+Arghun nach Tebris und ward von Buka festlich bewirthet. [RN: 23.
+Ssafer/20. April] Ende Mai's brach er von da über Meragha nach Sughurluk
+auf. [RN: 12. Rebiulachir 685/27. Mai 1286] Hier wartete ihm während des
+Sommerlagers der Emir Aruk, der Bruder Buka's, mit den mongolischen
+Sekretären (Bitekdschi) von Bagdad auf; in seinem Geleite befand sich
+Harun, der Sohn Schemseddin Dschuweini's. Aruk, auf die Macht seines
+Bruders Buka gestützt, hatte den Mestufi Seadeddin, Bruder Fachreddin's,
+und den Medschdeddin, Sohn Esir's, ohne vom Chan hierzu begewaltigt zu
+sein, hinrichten lassen. Medschdeddin gehörte einem der Krongüter
+Kendschatu's (des Bruders Arghun's) an, der desshalb wider Aruk erbittert,
+welchem auch _Jesu Gurgan_ (der Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der
+vierten Tochter Hulagu's) abgeneigt. Buka hielt seinen Bruder wider
+Kendschatu und Jesu Gurgan; dem ersten wurde hinterbracht: Aruk habe den
+Sohn Esir's auf Harun's Anstiften hinrichten lassen, wesshalb dieser dem
+Vater und den Brüdern in's Grab nachgesandt ward; und da Jesu Gurgan bald
+hernach starb, zog das Ungewitter, welches wider Buka's Macht brauste,
+diessmal unschädlich vorüber. Arghun Chan kam nach Tebris. [RN: 6. Schaaban
+685/27. Sept. 1286] Zwei Monate hernach [RN: 28. Ramasan 685/17. Nov. 1286]
+kämmte er sich eines Tages zu Arran, als ihm ungewöhnlich viele Haare durch
+den Kamm ausgingen. Diess galt nach mongolischen Begriffen für ein Zeichen
+von gegebenem Gifte, und _Wedschih_, der Sohn Iseddin's, wurde der
+Beibringung von Gift verdächtig hingerichtet. [RN: 20. Silkide 685/7. Jan.
+1287] Vierzehn Tage hernach hatte die Krönung der Frau _Tudai Chatun_, der
+Konghuratin, statt, welche, aus dem Hareme des Vaters in das des Sohnes
+übergegangen, nach dem Tode der Frau Mertai (der Gemahlin Hulagu's,
+Abaka's, Arghun's) mit dem Kopfschmucke der königlichen Gemahlinnen
+(Baghtak) geschmücket ward[695]. [RN: 5. Silkidsche 685/22. Jan. 1287] Zwei
+Monate hernach im Frühling begab er sich nach _Pil Suwar_, [RN: 19. Ssafer
+686/5. April 1287] nach Tebris und von da in's Sommerquartier von Alatagh,
+[RN: 24. Reb. achir 686/18. Juni 1287] und im Herbste in's Winterquartier
+von Arran. [RN: 2. Ramasan/11. Oct. 1287] Im nächsten Frühjahr brachten
+Gesandte aus Chorasan die Nachricht, dass _Kinschu_ (der Sohn Dschumkur's,
+des zweiten Sohnes Hulagu's) und der Emir Newrus (der Sohn des Uiraten
+Arghun, des Statthalters Chorasans unter Hulagu) an der Spitze von
+dreissigtausend Reitern des Heeres Kaidu's (des Enkels Ogotai's) im
+Anmarsche gegen Persien, dass sie das Land um Balch, Merw und Schaburkan
+verheert, bis Chawaf und Sindschar vorgedrungen seien. [RN: 15. Moharrem
+687/20. Februar 1288] Drei Wochen hierauf starb die Frau Kotlogh, die
+Tochter Tengir Gurgan's, des Uiraten, die Mutter Chatai Aghul's, des
+jüngsten der Söhne Arghun's. [RN: 7. Ssafer 687/14. März 1288] Einen Monat
+hernach brachten Buka's Gesandte eine von den Bekennern der Lehre
+Schakamuni's hoch verehrte Reliquie, welche sie _Scharil_ nennen, nämlich
+ein verknöchertes Menschenherz. [RN: 7. Rebiulewwel 687/12. April 1288]
+Nach ihrer Ueberlieferung war _Schakamuni's_ Herz nicht Fleisch, sondern
+Bein, welches im Feuer nicht verbrannte, und nach ihrer Meinung sind
+verknöcherte Herzen die grosser Männer. Arghun, welcher nicht Moslim, wie
+sein Oheim Teguder gewesen, sondern Götzendiener, ging dieser Reliquie mit
+den grössten Ehrenbezeugungen entgegen; es wurde Gold darüber gestreut, und
+es wurden Feste veranstaltet. Drei Wochen hernach, [RN: 30. Rebiulewwel
+687/5. Mai 1288] als sich Arghun zu Pil Suwar befand, traf die Nachricht
+ein, dass Nokai, der Feldherr des Herrschers von Kipdschak, mit fünftausend
+Reitern aus Derbend ausgebrochen, alle Kaufleute der Gegend geplündert
+habe; und Arghun brach schon am nächsten Morgen an der Spitze des Heeres
+gegen Derbend auf, ging über den Kor und blieb zu Schamachi stehen. Buka
+und Kundschukbal, mit einigen Prinzen als Vortrab vorausgesandt, kamen nach
+einigen Tagen mit der guten Nachricht zurück, dass die Feinde
+abgezogen[696].
+
+[Randnote: Buka, der strenge Wesir.]
+
+Buka's Macht und Ansehen hatte den höchsten Grad erreicht; er hatte mit dem
+Titel eines _Dschingsang_ noch ein Diplom ausserordentlicher Privilegien
+vom Kaan erhalten; vermöge derselben konnte er erst, wenn er neun
+Staatsverbrechen begangen, zur Rechenschaft gezogen und auch dann vor kein
+anderes Gericht, als das des Chans selbst, gestellt werden; kein Befehl des
+Chans konnte in Vollzug gesetzt werden, wenn demselben nicht das Siegel
+Buka's beigesetzt, während seine Befehle zur Vollstreckung des Siegels des
+Chans nicht bedurften. So ausserordentlich waren die vom Grosskaan dem Buka
+verliehenen Privilegien, dass die Meinung desselben von der
+Selbstständigkeit Arghun's null zu sein und dass der Botschafter, welcher
+mit dem Diplome der Bestätigung Arghun's auf dem Throne zugleich das mit
+diesen ausserordentlichen Privilegien Buka's brachte, eigentlich jenen nur
+der Form nach, diesen aber in der That zum Herrn eingesetzt zu haben
+schien. So ausserordentliche Macht musste um so mehr den Neid der anderen
+Emire und der Günstlinge Arghun's[697] erwecken, als Buka, hochmüthig und
+heftig, durch seine Strenge sich Feinde machte. »Er war«, sagt Wassaf, »ein
+fürchterlicher Türke, dessen Gedanke weit hinaus zielte und dessen
+Rathschlag den Wunsch bald erfüllte. Er setzte für die Schlichtung
+verworrener Geschäfte, für die Durchführung der Befehle und die Beförderung
+der Reichsangelegenheiten Regeln fest, deren Erwähnung auf dem schwarzen
+und weissen Buche der Zeit bis an's Ende der Aeonen dauern wird. Durch die
+Wirkung seiner Gerechtigkeit und Strenge warf der Falke auf das Repphuhn
+verliebte Blicke; er glich die Gegensätze der Welt aus und des Schicksals
+Tücke.« Seine Gerechtigkeit war so streng, dass er einen Knecht seines
+Marstalls, welcher einen Apfel von einem Fruchtverkäufer genommen,
+hinrichten liess. Solche Strenge war das grösste Verdienst eines
+Staatsmanns nach der Satzung Tschengischan's und erwarb diesem nach allem
+Anscheine das Vertrauen, womit der Grosskaan dessen eisernem Arme die
+Verwaltung Persiens mit so unumschränkter Machtvollkommenheit übertragen.
+Besonders waren ihm Sultan _Aidadschi_ und _Tughan_, Arghun's vertrauter
+Gesellschafter (_Inak_) aufsässig, weil dieser zweimal auf Buka's Befehl
+geprügelt und öffentlich beschimpft worden war. Sie vernachlässigten keine
+Gelegenheit, den Buka beim Herrn zu verschwärzen. Sein Bruder _Aruk_, der
+Statthalter Bagdads, war dort den Emiren nicht weniger verhasst. Er machte
+sich wenig aus den Gesandten des Chans, und verschlang die Einkünfte in
+seinen Beutel, statt sie in die Staatscasse abzuführen; die Geschäftsleute
+Ordu Kaja, der Intendent Scherefeddin und der Jude Saad, welcher alsbald
+als ein höchst bedeutender Charakter auftreten wird, brachten endlich
+einmal fünfhundert Tomane, statt dieselben dem Aruk auszuliefern,
+unmittelbar dem Chan, welcher nun den Aruk, der nie einen Heller
+eingesendet, seiner Statthalterschaft entsetzte. _Ssadreddin Sendschani_,
+der Finanzmann Taghadschar's, von welchem Buka ausständige Gelder der
+Landschaft Fars forderte, stellte dem Taghadschar vor, dass die Tyrannei
+Buka's nicht mehr zu dulden, indem der Chan nur ein Schatten, alle Macht in
+den Händen Buka's sei[698]. Das Ungewitter, welches sich über dem Kopfe
+Buka's zusammenzog, stieg aus den Finanzquellen von Fars auf. Die Vornehmen
+von Schiras stritten sich unter dem Günstling Tughan; sie stellten vor,
+dass, wenn ihnen die Befehlshaberschaft von Fars und die Küste eingeräumt
+würden, sie fünfhundert Tomane abzuführen bereit seien. Sie erhielten
+hierauf verbindende schriftliche Urkunde. Nun wandten sie sich an Tughan um
+einen zur Eintreibung der Summen Begewaltigten, und er ernannte hierzu den
+Seid Fachreddin Mobarek. Buka protestirte wider diese Ernennung und diese
+Maassregel, aber Arghun erliess einen Befehl, dass sich Buka in die
+Verwaltung der Krongüter, welche dem Fachreddin übertragen sei, nicht zu
+mischen habe; denn Fachreddin hatte dem Arghun vorgetragen, dass viele,
+vormals dem Seid Scherefeddin gehörige Güter von den Salghuren eingezogen,
+jetzt als das Eigenthum des Kaans zurückzufordern seien. Arghun übertrug
+die Verwaltung der Familiengüter dem Emir Taghadschar und die des Heeres
+dem Emir Kundschukbal, so dass auf einmal Buka all seiner Macht und seines
+Einflusses beraubt.
+
+[Randnote: Buka's Verschwörung und Sturz.]
+
+Arghun stellte sich nun krank, um nicht öffentliche Demüthigungen
+verschlucken zu müssen; sein Diwan, seine Finanzkammer wurden vor den Chan
+gefordert, alle seine Angehörigen ihrer Stellen entsetzt, vor Allen Emir
+Ali, der _Temghadschi_, d. i. Einnehmer der Mauthgelder von Tebris. Buka,
+als er seinen ganzen Einfluss verschwunden sah, verband sich mit mehreren
+Prinzen und Emiren[699] zur Entthronung Arghun's, indem er den Thron dem
+Prinzen Dschuschkab zudachte. Er sandte an diesen, der an den Ufern des
+Euphrats lagerte, Botschaft, um sich über den Undank Arghun's, der ihm
+allein den Thron verdankte, zu beklagen und diesen dem Dschuschkab
+anzutragen. Dschuschkab sah wohl ein, dass Buka ihn nur zum Werkzeuge
+seiner Herrschgier ausersehen und dass dieser selbst nach dem Throne
+strebe. Er entliess den Gesandten mit der Antwort: Ich bin dem Buka für
+seine gute Absicht sehr verbunden, traue aber mündlichen Versicherungen
+nicht und werde nicht an die Verbindung der mir genannten Prinzen und Emire
+glauben, bis ich von ihnen unterzeichnet die schriftliche Urkunde des
+Vertrags sehe. Buka sandte ihm die Unterschriften der Verschworenen.
+Dschuschkab sandte Wort: das Heer möge in Waffen ihn erwarten; er aber
+begab sich eiligst nach Tebris, um den Neffen Chan von der seinem Throne
+drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Arghun wollte Anfangs der Anklage
+keinen Glauben beimessen; als er aber in der unterschriebenen Urkunde von
+der Schuld Buka's den klarsten Beweis der Verrätherei vor Augen hatte,
+befahl er sogleich den Truppen, aufzusitzen und den Buka aus seinem Lager
+am _Kor_ ihm zuzuführen. Sultan Aidadschi, Doladai und Tughan überfielen
+ihn in seinem Lager, doch hatte er noch Zeit gefunden, aus demselben
+jenseits des _Kor_ in das der Frau Oldschai zu gelangen; sie nahm ihn aber
+nicht auf, nur der Sohn Sengi's, der Emir des Lagers der Frau Oldschai,
+gewährte ihm in seinem Zelte Zuflucht. Sultan Aidadschi und Tughan gingen
+noch in der Nacht über den Fluss und waren im Begriffe, das Lager der Frau
+Oldschai zu stürmen, als ihnen Sengi zitternd den im Zelte seines Sohnes
+versteckten Buka auslieferte. Vor das Gericht gestellt, antwortete er dem
+Schinktur, welcher ihn als die Ursache aller Unruhen anklagte und ihm
+vorwarf, dass er immer anderen Padischah einzusetzen trachte: er habe
+Nichts wider den Padischah, sondern nur wider seine Feinde Sultan Aidadschi
+und Tughan. Einer seiner eigenen Soldaten sagte ihm in's Gesicht: »An dem
+und dem Tage hast du mich gesandt, um das Lager und ein Heer aufzubringen
+und damit vorzudringen.« Buka sprach: »Du irrest dich; ich habe gesagt: um
+was schwer vorzubringen.« Als aber Dschuschkab die unterschriebene Urkunde
+der Verschwörung vorwies, deren Ausbruch für die Festnacht des neuen Jahres
+der Mongolen festgesetzt war[700], konnte er nicht mehr länger läugnen.
+Arghun gab das Zeichen zu dessen Hinrichtung, und Prinz Dschuschkab erbat
+sich die Gunst, dieselbe selbst vollstrecken zu dürfen. Als er auf dem
+Richtplatze angelangt, gab ihm Tughan einen Stoss in die Brust mit den
+Worten: »Das ist der Lohn für deine Lust nach dem Throne«. Dschuschkab
+trennte den Kopf mit Einem Hiebe vom Rumpfe und schnitt ihm dann mit eigner
+Hand Riemen der Haut aus dem Rücken. Der Kopf wurde, mit Stroh ausgestopft,
+unter der Brücke Dschaghan aufgehangen. [RN: 21. Silhidsche 687/17. Jan.
+1289] Am folgenden Tage sassen die Richter abermal zu Gericht, und es
+wurden die verschworenen Emire hingerichtet[701]. Kadan, weil er der
+Gesandte des Kaans, der Bitekdschi _Noghai_, weil er wahres Wort geredet,
+und ein anderer, weil die Emire für ihn gebeten, wurden mit dem Leben
+verschont. Unter den Hingerichteten war auch der Astronom _Imadeddin_, der
+Christ Simon von _Rumkalaa Behaeddewlet Abul Kirem_; _Demitrius_, König
+von Georgien, welcher in diese Verschwörung verwickelt war, wurde an den
+Ufern des Kor hingerichtet[702]; dem Heere wurde befohlen, seinen Jurt zu
+plündern; die Kinder wurden dem Schwerte des Henkers überliefert, die
+Frauen und Töchter unter das Heer vertheilt; es erging der Befehl, die
+Leichname der Erschlagenen in Hügeln aufzuschichten, erst wenn sie von
+Wölfen und Hunden zerfleischt sein würden, die Reste zu begraben. Drei
+Emire[703] wurden nach Diarbekr gesandt, die Söhne und Brüder Buka's zu
+holen. In sechs Tagen rannten sie von Arran nach Irbil, tödteten Ghasan,
+den ältesten Sohn Buka's, der sich bei seinem Oheime Aruk befand, und
+führten diesen nach Tebris. Als er an der Brücke Dschaghan des Bruders
+ausgestopften Kopf sah, fragte er: Wo ist der Kopf Audschan's, seines
+Waffenträgers? und der geforderte fiel. [RN: 9. Moharrem 688/3. Febr. 1289]
+Emir Sengi, welcher dem Buka im Zelte seines Sohnes Zuflucht gestattet,
+wurde von der Frau Oldschai ausgeliefert; sie erklärte, dass sie ihren
+ältesten Sohn, Enbardschi, ausgeliefert haben würde, wenn er sich solcher
+Staatsverbrechen schuldig gemacht hätte. Noch waren vier Söhne Buka's[704]
+übrig, die sich zu Tughan geflüchtet, welcher sich ihrer angenommen; als er
+sie aber nach einiger Zeit dem Arghun, dessen Grimm er versöhnt glaubte,
+vorstellte, befahl dieser, durch ihre Hinrichtung den Stamm auszurotten, so
+dem geschah. [RN: Ende Ssafer 688/Halben Mai 1289]
+
+[Randnote: Der Prinzen Dschuschkab, Huladschu, Karabukai Hinrichtung.]
+
+Der Prinz Dschuschkab, welcher die Verschwörung Buka's angezeigt und dem
+Verräther mit eigener Hand den Kopf abgeschlagen, sah bald hierauf seinen
+eigenen gefährdet; auf die Nachricht, dass er selbst mit herrschsüchtigen
+Plänen umgehe, hatte ihm Arghun Emire[705] mit Truppen nachgesendet, die
+ihn am Flusse Karaman zwischen Ersen und Miafarakain erreichten; er schlug
+sich mit ihnen, floh und wurde nach drei Tagen ergriffen, vor Arghun
+gebracht, von demselben zum Tode verurtheilt. [RN: 15. Dschem. ewwel 688/6.
+Juni 1289] Diese Hinrichtung hatte die Empörung des ihm innigst ergebenen
+_Newrus_, des Sohnes Arghun's (des Statthalters Hulagu's in Persien) zur
+Folge, mit welchem sich die Prinzen _Huladschu_ (der zwölfte Sohn Hulagu's)
+und _Karabukai_, der Sohn Jaschmut's (des dritten Sohnes Hulagu's)
+verbanden; sie wurden von _Muktil_, dem Bruder Ordu Kaja's, welcher im
+Dienste _Karabukai's_ seinen Herrn verrieth, ergriffen und im Schlosse
+_Girdkjuh_, dem alten Assassinenschloss, das so lange den belagernden
+Waffen der Mongolen getrotzt, eingesperrt, und vier Monate hernach
+hingerichtet. [RN: 20. Ramasan 688/7. Oct. 1289] _Huladschu_, der zwölfte
+Sohn Hulagu's, der dritte, der als ein Schlachtopfer der Herrschaft fiel
+(wie vor ihm _Konghuratai_ und _Teguder_); _Karabukai_, der zweite Neffe,
+der wie Dschuschkab des Todes Loos der Oheime theilte. Ein Heer unter dem
+Befehle Arghun's wurde nach Chorasan gesandt, um dort den Kronprinzen
+_Ghasan_ wider den Aufrührer _Newrus_ zu verstärken. Arghunchan hatte das
+Winterquartier von Arran mit dem Sommerlager zu Kongorolang vertauscht und
+zum zweitenmale den _Ordu Kaja_ und den Juden _Seaad_ empfangen, welche ihm
+Gelder von Bagdad brachten. Arghun war damit sehr zufrieden, und als der
+Jude vortrug, dass er das Doppelte abgeführt haben würde, wenn nicht die
+mongolischen Landschreiber ihm entgegen gewesen wären, wurde die
+Hinrichtung derselben befohlen; ihre Köpfe wurden zu Bagdad aufgesteckt;
+auch Manssur, der Sohn Chodscha Alaeddin's Dschuweini, wurde von Hille
+gebracht und hingerichtet; gleiches Schicksal hatte _Dschelaleddin
+Semnani_, welcher, dem Tughan verdächtig, einige Zeit lang auf Fürbitte
+Berende Bachschi's an dem Leben verschont worden war. [RN: 1. Dschem. II.
+688/22. Juni 1289] Arghun hatte die oberste Wesirschaft dem Juden _Seaad_
+übertragen, eine vor und nachdem in den Geschichten des Islams unerhörte
+Begebenheit, dass ein Jude Herr des Guts und Bluts der Moslimen.
+_Seaadeddewlet_, d. i. die Glückseligkeit des Hofes, der Sohn des Juden
+Hebetollah Ben Mohesib von Ebher, war vor fünf Jahren vom Vogte Bagdads
+oder dessen Kammer angestellt worden und hatte durch seine
+Geschäftstüchtigkeit bald sehr grossen Einfluss erworben. Der Befehlshaber
+Bagdads, Kotloghschah, ein vormaliger Diener Alaeddin's Dschuweini,
+Medschdeddin Giti und Andere waren vor zwei Jahren in's Sommerlager von
+Sughurluk gekommen, [RN: 686/1287] um sich bei den Wesiren über Seaad,
+durch welchen ihr Ansehen so sehr in Schatten gesetzt wurde, zu beklagen;
+sie priesen den Seaad als einen vortrefflichen Arzt an, der seiner
+medicinischen Kenntnisse willen an den Hof gezogen zu werden verdiene.
+Seaad, nach Hof berufen, schloss sich an Ordu Kaja an und erhielt durch
+dessen Einfluss Diplom und Löwenkopf mit dem Antrage, die Rückstände der
+Steuern Bagdads, welche fünfhundert Tomane betrugen, einzutreiben. Mittels
+Erpressungen und Qualen brachte er eine ansehnliche Summe Geldes auf, die
+er dem Chan in's Sommerlager von Kongorolang brachte. Arghun, hiermit sehr
+zufrieden, verlieh die Emirschaft von Bagdad dem Emir Ordu Kaja und die
+Vogtschaft dem Baidu Sikurdschi, d. i. Schwertträger; Scherefeddin von
+_Semnan_ wurde zum _Melik_, d. i. Vorsteher der Finanzen, und Seaad zu
+dessen _Moscherrif_[706], d. i. Ceremonienmeister, ernannt. Diese vier
+gleichzeitigen Ernennungen geben Aufschluss über die Einrichtung
+mongolischer Landesverwaltung, deren Häupter der _Emir_ (Befehlshaber der
+Truppen), der _Schohne_ oder Baskak, d. i. Vogt Statthalter, der _Melik_,
+d. i. Intendent der Finanzen, und _Moscherrif_, Gehülfe desselben; dazu
+kamen die Sekretäre und Schreiber, von denen die arabischen _Munschi_, die
+mongolischen _Bitekdschi_, die türkischen _Bachschi_ heissen. Als Seaad zur
+Wesirschaft gelangt, war derselbe nur noch durch den Einfluss seines
+vormaligen Vorstehers Scherefeddin Semnani einigermassen in der Ausübung
+seiner unumschränkten Machtvollkommenheit beschränkt; als aber auch dieser
+auf Arghun's Befehl, weil ihm zu Ohren gekommen, dass er des Juden
+unumschränkte Machtvollkommenheit bitter getadelt, hingerichtet worden,
+herrschte der Jude Arzt mit unumschränkter Vollmacht als Wesir[707].
+
+[Randnote: Seaadeddewlet's Verwaltung.]
+
+Die Verwaltung des Arztes Juden war eine blutige und goldene, Aderlass und
+Schacher. Noch lebten die Enkel seines grossen Vorfahrers in der
+Wesirschaft, Mohammed Schemseddin's, Mahmud und Ali[708], die beiden Söhne
+seines Sohnes Behaeddin, auf den ihnen gelassenen Besitzungen in Irak. Ali
+war mit seiner Mutter, der Tochter Iseddin Tahir's, nach Issfahan gegangen,
+als Medschdeddin Muminan von Kaswin, einer der Blutegel des Wesirs, an
+Arghun Bericht erstattete, dass fasst alle Krongüter in den Händen der
+Enkel Schemseddin's. Der Befehl erging, die Söhne Schemseddins
+hinzurichten. Von diesen wurden _Mesud_ und _Feredschullah_ zu Tebris
+getödtet; [RN: 3. Redscheb 688/23. Juli 1289] dem Enkel _Mahmud_ rettete
+der Vogt das Leben, weil in dem Befehle blos von den Söhnen und nicht von
+den Enkeln die Rede; aber _Ali_, welcher zu Issfahan sich befand, wurde
+getödtet, und sechzehn Tage nach ihm auch sein Oheim Mesud. Noch waren von
+den Söhnen Schemseddin's zwei, nämlich: _Atabeg_ und _Sekeria_, übrig,
+welche, die einzigen, nicht gewaltsamen Todes starben. Der Jude legte nun
+seinem Namen und dem seiner Brüder nach dem Beispiele der Herrscher aus dem
+Hause Buje den Ehrennamen _Dewlet_, d. i. _Reich_ oder _Hof_, bei; er
+nannte sich _Seaadeddewlet_, d. i. das Reichsglück, seine Brüder hiessen:
+_Fachreddewlet_, d. i. Reichsruhm, _Mohesibeddewlet_, d. i. Reichsläuterer,
+desgleichen seinen anderen Angehörigen, unter die er die
+Statthalterschaften des Reichs vertheilte; den beiden genannten Brüdern und
+dem Dschemaleddin von _Destadscherd_ übertrug er die Befehlshaberschaft von
+Bagdad; nach Fars sandte er den Medschdeddewlet, d. i. Reichsglorie, den
+Sohn des Astronomen _Montachabeddewlet_, d. i. des Reichsauserwählten, als
+Statthalter nach Diarbekr seinen Bruder _Emineddewlet_, d. i.
+Reichsintendent, und die Befehlshaberschaft von Tebris verlieh er seinem
+Neffen Ebu Manssur _Mohesibeddewlet_ (ein zweiter Reichsläuterer) dem
+Arzte[709]. Fünf Juden (die vier Brüder und der Neffe) hatten die
+Verwaltung unter sich getheilt. Die Emire _Taghadschar_, _Ordu Kaja_ und
+_Dschuschi_, welche bisher die Finanzen verwaltet, wurden durch ein Patent
+verständigt, dass _Seaadeddewlet_ der Befehlshaber des Staatsschatzes sei,
+»und dass sie ohne dessen Gutheissung kein Geschäft dem Padischah
+vorzutragen ermächtiget seien, dass dem Wesir aber frei stehe, zu jeder
+Zeit Geschäfte zu schlichten, ohne sich nach ihnen zu richten«. Die Wesire
+und Emire der Länder wurden ihm untergeordnet, Könige und Sultane standen
+dem Arzte Juden zu Befehl; wäre nicht Chorasan und Rum wirklich im Besitze
+Ghasan's und Kendschatu's, der beiden Söhne Arghun's, gewesen, so hätte er
+auch diese Länder an seine Geschöpfe verliehen[710]. Er vernichtete gleich
+Anfangs seiner Verwaltung in allen Ländern die _Melik_, wörtlich _Könige_,
+der Finanz, d. i. Intendenten der Pachten und Steuern, und erregte in den
+Herzen der Juden die Erwartung, dass in ihm der versprochene Messias
+erschienen, der Wiederhersteller des Reichs im vorigen Glanze. Die
+Verordnungen, die er in Finanzsachen erliess, waren streng, aber
+verständig, auf die sichere Eintreibung der Steuern und Vermehrung des
+Staatsschatzes berechnet; den Plackereien der Gesandten und Vögte wurde
+gesteuert, arabische und persische Dichter und Philologen mit Geschenken
+und Pensionen zur Verbreitung seines Lobes erkauft. Binnen zwei Jahren war
+ein ihm gewidmetes Buch, welches blos die zu seinem Lobe erschienenen
+_Ghaselen_, _Kassidete_, _Makame_ und Lobreden enthielt, gesammelt, und
+welches sich noch zur Zeit Wassaf's zu Bagdad fand; er nahm sich nicht nur
+mit den Prinzen und Nujanen, sondern auch gegenüber des Schah und dessen
+Gemahlinnen die grössten Freiheiten heraus. Eines Tages, als er mit dem
+Schah langen Puff spielte, streckte er mir nichts dir nichts seine Füsse
+aus, als läge er auf einem Ruhebette; eine der Frauen, welche herein kam,
+redete ihn an: »Wie unterstehst du dich, in Gegenwart eines solchen Chans,
+dessen Sklaven mit dem störrigen Himmel wie mit einer Kugel aus Handteig
+spielen, ohne Scheu den Fuss auszustrecken?« Seaadeddewlet entschuldigte
+sich mit dem Zipperlein, und Arghun liess die Entschuldigung gelten.
+
+[Randnote: Verwaltung von Fars; Emir Tughan.]
+
+Da die grossen Emire _Taghadschar_, _Semaghar_, _Kundschukbal_ und _Tughan_
+ihm alle aufsässig, so suchte er sich wenigstens mit dreien zu befreunden,
+denen er einen Antheil an der Verwaltung überliess; diese waren _Ordu
+Kaja_, den er als Helfer zu sich nahm; _Karadschar_, dem er die Verwaltung
+von Arran anvertraute, und _Dschuschi_, dem er die von Schiras übergab; dem
+letzten gab er noch zwei Beamte[711] und den Sohn Sundschak's als _Serwan_
+oder _Tschausch_, d. i. Vollstrecker der Befehle, an die Seite. Die Herren
+der Finanz zu Schiras versprachen die fünfhundert Tomane, die Ausstände,
+binnen Jahr und Tag herbeizuschaffen, wenn man ihnen den _Dschelaleddin
+Serwistani_ gebunden ausliefere. Diess geschah; als aber die Inhaber der
+Pachtdistrikte[712] und die Landschreiber[713] nicht Wort hielten, wurden
+die ersten, die Herren der Kammer, die schon oben bei der Erzählung der
+Zustände von Fars genannt worden, hingerichtet[714]. Die Steuereinnehmer
+und Verwalter wurden alle gefoltert und durch Vergantungen und
+Confiscationen eine ungeheuere Summe erpresst. Seaadeddewlet's Strenge war
+rücksichtlos gegen die Emire und führte später seinen Sturz durch die Rache
+einer empfindlichen Beleidigung des Emirs Tughan herbei, welcher, wie wir
+gesehen, schon den allmächtigen Buka aus Rache für empfangene Stockschläge
+gestürzt. Tughan, der Sohn Tarakai's, ehemals der Vogt in Kuhistan, einer
+der ersten Inaken, d. i. Hofdiener, »war«, sagt Wassaf, »ein höchst
+scharfsinniger und feiner Kopf[715] an Urtheilskraft, durchdringendem
+Scharfsinn, in der Rede Schlagfertigkeit und Zierlichkeit, hatte er unter
+den Mongolen nicht seines Gleichen«; dazu war er ein gewandter
+Briefsteller, Buchhalter, Dichter und Astronom, ein ganzer _Keschadschem_,
+d. i. ein in den fünf freien Künsten, deren Anfangsbuchstaben in diesem
+Worte enthalten sind[716] (_Schreibkunst_, _Dichtkunst_, _Astronomie_,
+_Philologie und Musik_), vollkommen bewanderter, hochgebildeter Mann. Als
+nach der Hinrichtung Buka's der Emir _Newrus_ in Chorasan rebellirte, wurde
+Tughan mit einem Auftrage dahin abgesandt; bei seiner Rückkehr liess
+Seaadeddewlet dem Schah vortragen, dass die Curiere Tughan's mehr als ihre
+normalmässigen Taxen genommen, und Tughan wurde zu der hierauf durch die
+Jasa gesetzten normalmässigen Strafe von siebzehn Stockprügeln verurtheilt.
+Tughan, welchen Nichts aus der Fassung brachte und welchem ein guter
+Einfall immer zur Hand, sah sich im Saale um und sagte: Was würde es denn
+schaden, wenn jeder der Collegen Emire einen der siebzehn Stockstreiche auf
+sich nehmen wollte? Es waren mehr als siebzehn Emire zugegen. Der Schah
+lachte, und allsogleich citirte Tughan das Distichon Motenebbi's:
+
+ Wenn der Löwe winkt mit Löwenmacht,
+ Meinet ja nicht, dass der Löwe lacht[717].
+
+Durch diesen glücklichen Einfall und seine Geistesgegenwart kam er diessmal
+von der verhängten Strafe los, aber der Groll wider den Juden, der ihm die
+Schmach der Verurtheilung zugezogen, wurzelte so tiefer in seiner Brust,
+und er verband sich zum Sturze desselben mit dem Emir _Kundschukbal_ und
+Anderen, indem sie keine Gelegenheit unterliessen, ihren Feind beim Schah
+zu verschwärzen. Dieser indessen, voll hochfliegender Pläne, stand noch
+immer fest durch den guten Erfolg seiner Finanzverwaltung, welche den
+Schatz füllte, und durch seine Einstreuungen von der Einführung einer neuen
+Religion, deren Oberhaupt der Schah sein sollte[718]. Arghun war nicht
+Moslim, wie sein Vorfahrer, sondern vielmehr den Juden und Christen
+geneigt; von seiner Neigung für die Juden spricht die fünfgetheilte
+Herrschaft der vier Brüder und des Neffen, von seiner Vorliebe für die
+Christen sein Befehl, die von Teguder zerstörten Kirchen wieder
+herzustellen[719], und seine Verbindungen mit den Königen Armeniens und
+Georgiens, seine Gesandtschaften an den Papst und König von Frankreich, von
+denen weiter unten die Rede sein wird. Indessen, da sein Plan der neuen
+Religion noch nicht reif, konnte er nicht umhin, dem Scheine nach den Islam
+zu beschützen, wovon ein von Wassaf erhaltener, zu Gunsten der
+Pilgerkarawane von Mekka erlassener Befehl das Belege; indessen lag ihm
+wenig daran, dass das Blut der Pilger im Umfange des heiligen Hauses
+vergossen wurde, und siebzehn der grössten Imame verbannte er nach Schiras,
+um dort von Schemseddewlet die Strafe der Jasa, d. i. Prügel, zu empfangen.
+
+[Randnote: Feldzug gegen Derbend; Bauten.]
+
+In der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche dieses Jahres begab sich Arghun,
+welcher auch ein Freund der Astronomie, wiewohl er mit Vorliebe Alchymie
+trieb, nach Meragha, um die Sternwarte zu besuchen; [RN: 4. Ramasan 688/21.
+Sept. 1289] in der folgenden Tag- und Nachtgleiche des Frühlings verehrte
+er der Frau Bulughan, der Tochter Otaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des
+Konghuraten, das Lager der verstorbenen Frau Bulughan, welche aus dem
+Hareme des Grossvaters Hulagu und des Vaters Abaka in das seine
+übergegangen war. [RN: 9. Rebiulewwel 689/24. März 1290] Vier Tage nach
+vollzogener Hochzeit kamen Boten, welche feindlichen Einfall an der Gränze
+von Derbend meldeten. [RN: 13. Rebiulewwel 689/28. März 1290] Die Emire
+Schiktur Nujan, Kundschukbal und Taghadschar wurden allsogleich aufzusitzen
+befehligt. Der Chan begab sich nach Pilsuwar und rückte mit dem schweren
+Gepäcke bis Schaburan vor; am Ufer des Karasu traf der Vortrab der beiden
+Heere auf einander. [RN: 1. Reb. achir 689/15. April 1290] Das feindliche
+befehligte _Abadschi_ und _Mengli_, die beiden Söhne _Mengku Timur's_, des
+Herrschers von Kipdschak, und der Feldherr _Nokai_; das Arghun's: die Emire
+_Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Toghruldsche_ und _Taidschu_, der Sohn
+Bukuwa's; die letzten drei setzten über den Fluss, schlugen die
+Kipdschaken, tödteten ihnen dreihundert Mann und machten mehrere
+Gefangene[720]. Hierauf wurde zu Pilsuwar der Sieg mit Festen gefeiert, und
+Seaadeddewlet sandte die frohe Nachricht mittels Siegesschreiben durch's
+Reich[721]. [RN: 17. Reb. achir 689/3. Mai 1290] Da die Ruhe an der Gränze
+von Derbend hergestellt war, wandte sich Taghadschar nach der östlichen, wo
+in Chorasan der Aufruhr des Emirs Newrus in hellen Flammen emporloderte.
+Arghun wurde durch den Tod seines Sohnes _Jesutum_ betrübt; [RN: 7. Dschem.
+ewwel/19. Juni] auch waren der Emir _Sundschak_ und sein Sohn _Schadi_ zu
+Meragha gestorben. Zwei Monate hernach ward zu Tebris _Medschdeddin
+Muminan_, dessen oben als eines Blutegels der Finanz Erwähnung geschehen,
+hingerichtet, und die Fahnen des Schah's trafen im Sommerlager von
+_Alatagh_ ein; [RN: 2. Schaaban/12. August] er kehrte über Wan und Wastan
+zurück. Auf dieser Station wartete dem Schah Kotbeddin der Schiraser auf
+und brachte seinen Atlas der westlichen Meere mit einer Beschreibung ihrer
+Gestade und Inseln, der Länder Rums und des mittelländischen Meeres dar.
+[RN: 13. Schaaban/23. August] Der Blick Arghun's fiel auf die Stadt
+_Amuria_, so berühmt, als die Geburtsstadt des Kaisers Theophilos und die
+Verheerung derselben durch den Chalifen Moteaassim. Arghun liess sich Alles
+erklären und war mit der Erklärung ungemein zufrieden; er ging auf die
+Jagd, und sagte dem Molla, sich nach derselben wieder bei ihm einzufinden,
+weil er mit ihm gerne weiter spreche, da er so wohlberedt. Hierauf ging der
+Wink an Seaadeddewlet, die drei Verwalter, welche aus Rum zurückgekehrt
+waren: _Emirschah_, _Fachreddin_ und den Sohn _Hadschi Leila's_, zu
+ergreifen; dem ersten rettete die Fürbitte Kotbeddin's und Seaadeddewlet's
+das Leben, der dritte ward sogleich getödtet, der zweite unter Aufsicht
+gesetzt und später hingerichtet. Hierauf kamen drei Emire: _Akbuka_,
+_Doladai_ und _Aldschiwaktan_, aus Rum, von denen der erste dorthin
+zurückgesandt ward. [RN: 5. Schewwal 689/13. Oct. 1290] Das Fest des
+Fastenmondes wurde zu Tebris zur Freude der Moslimen mit grosser
+Feierlichkeit begangen. Es wurden vier Minarete erhöht; die Kadi und Imame,
+die Chatibe und Scheiche wurden alle versammelt. Arghun, der ein grosser
+Bauliebhaber, befahl, auf der Westseite der Stadt eine Vorstadt anzulegen,
+welche _Schem_ oder _Schenb_ hiess, und in der später sein Sohn Ghasan sein
+berühmtes Grabmal erbaute; er befahl den Bau einer Stadt zu _Scherujas_,
+nördlich von Kaswin, welche, ebenfalls erst später unter Ghasan vollendet,
+den Namen _Sultanije_ erhielt; eine Tagreise südlich von Sultanije, zu
+_Andscherud_, hatte Arghun's Vater, Abaka, einen Palast in der Ebene
+erbaut, wo ein natürliches Wasserbecken mit zwei Abflüssen, dessen Wasser
+sich nie mindern und mehren soll, wenn auch die Abflüsse verdämmt
+werden[722]. In der Nähe von Sedschas ist der gleichnamige Berg, auf
+welchem hernach Arghun begraben ward; auch im Gebirge Alatagh, welches das
+gewöhnliche Sommerlager schon von Hulagu's Zeit her, baute er ein
+Serai[723]. Zu _Lar_ oder _Lardschan_[724], der gleichnamigen Hauptstadt
+der am Fusse von Hügeln gelegenen Landschaft _Laristan_, baute er einen
+Sommerpalast, welcher das Köschk Arghun's hiess; der Basar der Stadt gilt
+noch heute für den schönsten Persiens; das heute in Ruinen liegende Schloss
+galt ehemals für uneinnehmbar. Die zwölftausend Einwohner leben von dem
+Erzeugnisse ihres Kunstfleisses, Bogen und Baumwollzeugen; alle Häuser sind
+bequem und nett eingerichtet; jedes mit den beiden Luxusanstalten einer
+persischen Sommerwohnung, nämlich einem _Badgir_ und _Serdab_[725], d. i.
+mit einem Windfang und einem unterirdischen Saale, versehen; in diesen
+dringt die Hitze nicht ein, durch jenen kreist im oberen Theile des Hauses
+der Luftzug. Zu Tebris erhielt die von Arghun erbaute Vorstadt den Namen
+_Arghunije_; er gab Jedermann die Freiheit, sich dort anzusiedeln; und
+liess unterirdische Kanäle (Kjaris) graben nach dem in Persien von uralter
+Zeit her eingeführten und heute noch üblichen Systeme unterirdischen
+Kanalbaues. Die kühlen Thäler des Alatagh waren das gewöhnliche
+Sommerlager, die südlichen Ebenen von _Kongorolang_, d. i. die Falkenweide,
+das Sommerlager, wo hernach _Sultania_ gebaut ward; der Frühling und Herbst
+wurde, wie gesagt, wechselweise zu Meragha und Tebris zugebracht, wie
+vormals die persischen Könige ihre Residenz nach den Jahreszeiten zu
+Babylon, Ekbatana oder Susa aufschlugen.
+
+[Randnote: Arghun's Krankheit.]
+
+Arghun, der Alchymie und den geheimen Wissenschaften ergeben, hatte
+indische Bachschi, d. i. Schreiber, gefragt, durch welche Mittel sie sich
+ihr Leben so langwierig fristeten. Sie gaben ihm ein aus Schwefel und
+Merkur zusammengesetztes Mittel als die Panacee der Lebensverlängerung an.
+Arghun nahm dasselbe durch acht Monate, und als ihm hierauf die Bachschi
+eine Quarantäne zu Tebris vorschrieben, schloss er sich dort ein, ohne
+Jemanden Anderen, als Seaadeddewlet und seine Geschäftsführer _Ordu Kaja_
+und _Kadschan_ zu empfangen. Nach den vollendeten vierzig Tagen begab er
+sich in's Winterquartier nach _Arran_, wo er krank ward, vom Arzt
+Emineddewlet Arznei nahm; als diese nicht anschlug, gab ihm einer der
+Bachschi eines Tages drei Becher Weins, worauf er einen Anfall von
+Zipperlein hatte. Nach zweimonatlichen Leiden fiel es ihm ein, die Ursachen
+der Krankheit, welche übernatürlicher Einwirkung Schuld gegeben ward,
+untersuchen zu lassen. Die Einen sagten, sie rühre von bösen Wesen her und
+könne nur durch Almosen geheilet werden; die _Kamen_, welche nach
+mongolischer Art das Geheime und Verborgene aus Schulterbeinen der Schafe
+erforschten, warfen den Verdacht von Zauberei auf. Die Prinzessin
+_Tughandschak_, die Tochter der Frau Ilkotlogh, war die angeheirathete
+Nichte _Dschuschkab's_, dessen Tochter Arghurak mit Schadi Gurgan
+vermählt, mit diesem die Tochter _Tughandschak_ aus dessen Beischläferin
+Ilkotlogh erheirathet hatte. Ilkotlogh war also aus dem Harem _Schadi
+Gurgan's_ in das Arghun's übergegangen, und _Tughandschak_ erscheint hier
+als Nebenbuhlerin ihrer Mutter um die Liebe des Schahs. Sie wurde mit
+anderen Frauen ihres Gefolges vor Gericht geladen. Sie bekannte, dass sie,
+um sich der Liebe des Chans zu versichern, Talismane geschrieben, und dass
+sie, um sein Leben zu retten, gerne das ihrige opfern wolle. Sie wurde der
+Zauberei schuldig erkannt und mit allen ihren Zofen ertränkt. Durch die
+Krankheit des Chans war Seaadeddewlet auf's äusserste bestürzt, indem er
+wohl einsah, dass sein Leben an das des Schahs geknüpft sei. Er nahm nun zu
+guten Werken die Zuflucht; an Einem Tage erliess er siebzig Schreiben,
+sogenannte Gerechtigkeitsbefehle, welche die Ausübung der Gerechtigkeit
+einschärften und Almosen anordneten. Eine seiner grössten Wohlthaten waren
+dreissigtausend Dukaten, womit er den Bewohnern Bagdads ein Geschenk
+gemacht, und hunderttausend, die er den Armen und Frommen von Schiras
+zugedacht. Es ergingen Befehle, wodurch verboten ward, den Verwandten der
+Majestät, den Frauen, Söhnen, Töchtern, Schwägern, das Geringste zu nehmen;
+hierdurch hoffte er, dieselben mit dem Fiskus und sich zu versöhnen; allein
+die Emire[726], denen seine Herrschaft immer unerträglicher, verschworen
+sich zur Abschüttelung dieses Joches, [RN: 4. Ssafer 690/5. Febr. 1291] und
+sie traten zuerst als öffentliche Ankläger wider das Werkzeug der
+Blutbefehle, den Sultan Aidadschi, auf, durch welchen vor zwei Jahren die
+Prinzen Huladschu und Karabukai und eilf andere, in Allem dreizehn Prinzen
+aus dem Geblüte Tschengischan's, hingerichtet worden waren, indem diese
+Hinrichtung nun als die eigentliche Ursache der Krankheit Arghun's
+angegeben ward. Ein Kame sagte aus, die mit ihren Vätern hingerichteten
+unschuldigen Kinder, Söhne Huladschu's und Karabukai's, seien dem Arghun
+erschienen und hätten ihm Vorwürfe über ihre unverschuldete Hinrichtung
+gemacht; er habe ihnen geantwortet: Davon weiss ich nichts; nicht ich bin
+euer Mörder, sondern Sultan Aidadschi. Dieser, hierüber zur Rede gestellt,
+berief sich auf des Chans Befehl. Die Antwort kam: er wisse nicht darum.
+Sultan Aidadschi entgegnete: wie könne der Chan diess gesagt haben, da ihm
+die Krankheit seit langem die Sprache benommen. Die Richter urtheilten,
+dass, wenn der Padischah nicht sprechen könne, die Ursache seiner Krankheit
+keine andere als das durch Aidadschi gegebene Bluturtheil sei, und
+verurtheilten ihn zum Tode. [RN: 1. Rebiulewwel 690/4. März 1291] Am selben
+Tage (es war das Geburtsfest des Prinzen _Chatai Aghul_) wurde Dschudschi
+auf Tughan's Befehl ergriffen und in der Nacht hingerichtet; am folgenden
+Tage zog Taghadschar den Seaadeddewlet und seinen Helfer Ordu Kaja vor
+Gericht, und Beide wurden getödtet[727]; ihre Häuser wurden vom Heere
+geplündert. Sechs Tage hernach starb Arghun zu Baghdschei Arran [RN: 7.
+Rebiulewwel 690/10. März 1291] und zwei Tage später wurde sein Leichnam
+nach dem Berge Sedschas abgeführt, wo sein Grab noch nach dem alten
+Gebrauche der Mongolen verborgen gehalten, bis es in der Folge von seiner
+Tochter entdeckt, mit einem Dome überwölbet ward[728].
+
+[Randnote: Arghun's Verhältniss mit Aegypten und den europäischen Fürsten.]
+
+Noch haben wir in der Regierungsgeschichte Arghun's die Darstellung seiner
+Verhältnisse mit Aegypten und mit christlichen Fürsten nachzutragen.
+Bereits unter der Regierung Ahmed Teguder's ist erwähnt worden, dass der
+Gesandte desselben, Abderrahman, von Sultan Kilawun eingekerkert, im Kerker
+gestorben sei. Nähere Umstände über diesen Botschafter finden sich bei den
+ägyptischen Geschichtschreibern. Kilawun hatte auf seinem Wege von Kairo
+nach Damaskus zu Ghasa den Tod Ahmed Teguder's und die Thronbesteigung
+Arghun's erfahren. [RN: 12. Dschem. ewwel 683/27. Juli 1284] Einen Monat
+hernach gewährte er der persischen Botschaft zu Damaskus Audienz. Sie
+bestand aus dem Scheich Abderrahman, dem Emir Samdaghu und dem Wesir des
+Fürsten von Mardin[729]; der Scheich war in den Habit der Derwische als
+Fakir gekleidet; als er sich nicht freiwillig beugen wollte, wurde er
+gewaltsam zur Erde niedergeworfen, und der Sultan würdigte ihn keines
+Blickes; doch nahm er das Schreiben Ahmed's und liess die Botschafter mit
+Kaftanen bekleiden. Das Schreiben Ahmed's begann mit der gewöhnlichen
+Formel mongolischer Befehle: Unser Wort an den Sultan Aegyptens. Unter den
+Geschenken zeichneten sich sechzig grosse Perlen, ein Topas im Gewichte von
+zweihundert Miskalen und ein Rubinbalasse von zwei und zwanzig Drachmen
+aus. Kilawun liess sie dreimal in seine Gegenwart kommen, und verständigte
+sie das drittemal von Arghun's Thronbesteigung. Sie wurden alle ihres
+Gepäckes beraubt und eingekerkert. Der Scheich starb noch vor Ende des
+Jahres und seine Begleiter wurden dann in Freiheit gesetzt. [RN: 28.
+Ramasan 683/8. Dec. 1284] Während dieser feierlichen, zur Schliessung
+festen Friedens gesandten Botschaft hatte sich Sultan Kilawun zweier
+beträchtlichen festen Plätze bemächtigt. Der eine, _Katibe_, in der
+Landschaft Amid, in der Nähe von Kerker, welcher von den Truppen von Biret,
+Aintab und Rawendan besetzt ward; der andere, _Kachta_, dessen
+aufrührerische Besatzung ihren Befehlshaber tödtete und das Schloss
+verrätherischer Weise an den Befehlshaber von Haleb übergab. Diesem
+fertigte im selben Jahre Arghun den Befehl eines Streifzuges nach Cilicien
+zu, um die Armenier dafür zu strafen, dass sie, als sie zwei Jahre früher
+sich mit den mongolischen Truppen zu Haleb befanden, die grosse Moschee
+eingeäschert. Sie drangen bis _Ajas_ vor, schlugen die armenischen Truppen
+im Passe von Iskenderun, verfolgten sie bis Tell Hamdun und zogen sich dann
+zurück[730]. Zwei Jahre später streiften tausend Mann der Besatzung von
+Haleb nach Mardin und Sindschar und schlugen von Mossul die Besatzung,
+welche einen Ausfall gemacht, mit dem Verluste von zweihundert Mann
+zurück. Mit Papst Nikolaus IV. hatte Arghun wiederholten Verkehr von
+Gesandten, deren einer, _Buscarell_, ein _Kuridschi_, d. i. von seiner
+Leibwache, zugleich Ueberbringer von Schreiben an Eduard, König von
+England, und Philipp den Schönen von Frankreich. Die Gesandten versprachen
+Hilfe wider die Saracenen in Syrien und Bekehrung zum Christenthum. Die
+Gesandten Arghun's versprachen: der Chan wolle sich nach Jerusalems
+Eroberung in der heiligen Stadt taufen lassen; der Papst belehrte ihn in
+seinem Schreiben über die Dogmen und Pflichten des Christenthums. Nikolaus
+schrieb nicht nur an den Chan, sondern auch an dessen Frauen und an seinen
+Sohn _Oldschaitu_, welchen die Mutter (_Urukchan_) getauft und Niklas
+genannt hatte. Der Papst schrieb an die Prinzessin _Ilkotlogh_[731], die er
+zur Verbreitung des Christenthums, nachdem sie beigetreten, aufmunterte;
+die Frau Uruk[732], welche von jeher Christin, bat er, auch die Prinzen
+_Ghasan_ und _Chatai Aghul_[733], welche von anderen Müttern, zur Annahme
+des Christenthums zu bewegen. An König Eduard I. nahm der Gesandte
+Buscarell ein Schreiben des Papstes mit, welcher ihn zu ehrenvollem
+Empfange und geneigtem Gehöre empfahl; dem König Philipp schrieb Arghun im
+fünfhundertsten Jahre vor der französischen Revolution, dass er im
+folgenden mit seinen Truppen vor Damaskus zu lagern hoffe, ihm das eroberte
+Jerusalem schenken werde. Der erste dieser Gesandten Arghun's an den Papst
+war um ein Jahr früher angelangt; diess ist im selben, wo der Jude
+Seaadeddewlet zur vollsten Macht gekommen. Diese Botschaften Arghun's sind
+also wohl weniger dem Christenthume der Frauen und der Taufe der Prinzen
+zuzuschreiben, als der Politik des Juden, welcher durch die Hilfe des
+Papstes die Könige von Frankreich und England, die Aegypter von Syrien
+abzuhalten hoffte. Sie umfassen die vier Jahre seiner Staatsverwaltung bis
+zu seinem, Arghun's fast gleichzeitigem Tode; als aber Nikolaus IV. seine
+Antwort auf das durch den Botschafter Tschagan an ihn und an Eduard, König
+von England, gerichtete Schreiben datirte, waren Seaadeddewlet und Arghun
+schon fünf Monate todt.
+
+[Randnote: Kendschatu's Thronbesteigung.]
+
+Von Arghun's Tod sandten die verschiedenen Parteien der Emire, welche über
+die Nachfolge des Thrones getheilter Meinung, die Kunde an die drei
+Prinzen, denen sie denselben zugedacht; nach Chorasan an _Ghasan_, den
+ältesten Sohn Arghun's, nach Bagdad an _Baidu_, den Sohn Tarakai's, des
+fünften Sohnes Hulagu's, und nach Rum an _Kendschatu_[734], den Bruder
+Arghun's, welchem nach dem mongolischen Erbrechte die Nachfolge der
+Herrschaft als dem Aeltesten des Hauses gebührt. Am ersten Tage waren die
+Emire zwar über die Nachfolge Kendschatu's einig gewesen, aber schon am
+anderen sandten Taghadschar und Semaghar dem Legsi, welcher mit der
+Nachricht des Todes an Kendschatu abgefertigt worden, den Balisad mit der
+Nachricht nach, dass die versammelten Emire und Frauen noch den _Baidu_ als
+den Aeltesten der Familie zum Throne berufen hätten. Hierzu bestimmte die
+beiden genannten Emire einerseits die Furcht vor Ghasan's bekannter Energie
+und Herrscherkraft, bei welcher der ihrigen wenig Raum bliebe, andererseits
+die Aussicht, dass, wenn Kendschatu Chan, er allen Einfluss der Herrschaft
+seinen mit ihm in Rum befindlichen Emiren überlassen und sie mit ihrer
+Partei leer ausgehen würden. Die Partei Baidu's bestand aus den Emiren:
+_Taghadschar_, _Semaghar_, _Kundschukbal_, _Tokal_, _Schiktur_, _Tughan_,
+_Timurbuka_, _Tekne_, _Ildschidai_, _Toghdai_ und _Doladai_; der letzte
+wurde auf der Stelle mit einem Heere nach Fars abgeordnet, wo die Luren
+eingefallen, Schiras erobert, den Vogt todtgeschlagen hatten. [RN: 8.
+Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291] Baidu, klug und umsichtig und ohne Heer, um
+dem an ihn gestellten Antrage anderer Emire Gewicht zu geben, anwortete:
+Nach dem Gesetze Tschengischan's gebührt die Chanschaft den Söhnen des
+Bruders, weil ihr Vater der Aeltere des meinen; welches Recht habe ich auf
+den Thron, so lange jener und andere Prinzen leben, die mir dem Alter nach
+vorgehen? Nach diesem Grundsatze hätte er den von sich gewiesenen Thron dem
+Ghasan als dem Aelteren zuweisen sollen; aber es scheint, dass, weil
+Kendschatu die grösste Partei für sich hatte, er es für klüger fand, sich
+an diesen zu halten, indem er ihm die Nachricht von dem an ihn gelangten
+Antrage mittheilte[735]. Baidu's Weigerung bestürzte die Emire, welche ihm
+den Antrag gemacht, und an deren Spitze Tughan, der Hebel des Sturzes der
+beiden Grosswesire der vorigen Regierung, des Turkmanen Buka und des Juden
+Seaadeddewlet. Einige[736] gingen nach Rum, um sich an Kendschatu
+anzuschliessen. _Kundschukbal_ entfloh, _Tokal_ verliess sich auf einen
+Haufen Georgier, _Tughan_ brütete Aufruhr in Irak, der Prinz _Suka_ (der
+jüngste Sohn Jaschmut's, des dritten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren
+_Tschoban_, dem Suldusen, und _Kurmischi_, der Sohn Alinak's, führten auf
+Tokai's Rath das Lager der Frauen nach dem Gebirge von Alatagh dem
+Kendschatu entgegen. Die Frau _Uruk_, die Wittwe Arghun's, die Mutter
+zweier seiner Söhne und dreier seiner Töchter, war mit ihnen verstanden.
+Die Emire[737] welche dem Baidu zu _Kökbuldagh_[738], d. i. am blauen
+Quelle, in der Nähe von Sughurluk, aufgewartet, verliessen ihn. _Ildschitai
+Kuschdschi_, _Kundschukbal_, _Timurbuka_, _Tschoban_ gingen zu Kendschatu
+über. Als er in die Nähe von Alatagh kam, gingen ihm _Chatai Aghul_, der
+jüngste Sohn Arghun's, und andere Prinzen entgegen. _Taghadschar_, das
+Haupt der Partei _Baidu's_, wurde sogleich in Empfang genommen; _Tughan_,
+welcher nach Gilan entflohen, wurde eingebracht; doch wurde ihm, weil er
+ein Schützling Baidu's, vor der Hand nichts zu Leide gethan. Kendschatu
+bestieg in der Stadt Achlath den Thron. [RN: 4. Redscheb 690/23. Juli]
+
+[Randnote: Gericht über die Emire; Kendschatu's Krankheit und Familie.]
+
+Die erste Staatshandlung Kendschatu's war Bestrafung der beiden Häupter der
+Gegenpartei, der Emire Taghadschar und Kundschukbal, indem er jedem nach
+der Jasa drei Stockstreiche geben liess und den Befehl ihrer Tomane anderen
+übertrug[739], und den Tughan mit den Söhnen der von ihm unmittelbar vor
+dem Tode Arghuns hingerichteten Emire, Dschudschi und Ordu Kaja, welche
+Blutrache forderten, vor Gericht stellte. Als die Emire, des Todschlags
+ihrer Mitgenossen angeklagt, zur Rede gestellt wurden, bekannten sich
+_Schiktur_, _Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Semaghar_, _Tekne_ und Andere
+schuldig und flehten die Gnade des Padischah an, der dieselben auch
+begnadigte, Andere gelinde (mit drei Stockstreichen) bestrafte; nur wider
+Tughan, welchem sowohl der Emir Akbuka, der Betraute Kendschatu's, als die
+Frau _Urukchan_ feind waren, wurden die Söhne _Dschuschi's_ und _Ordu
+Kaja's_ mit der Klage der Blutrache losgelassen; dennoch wollte ihm
+Kendschatu das Leben schenken; auf die Vorstellung der Frau Uruk aber, dass
+Tughan der Urheber alles Unheils, sagte Kendschatu: dass er in diesem Falle
+wohl den Tod verdiene; kaum war dieses Wort seinen Lippen entfahren, als
+Akbuka den Söhnen _Dchuschi's_ und _Ordu Kaja's_ die Blutrache der Väter
+überliess. [RN: 6. Schewwal 690/5. Oct. 1291] Taghadschar und Kundschukbal
+wurden begnadigt, Schiktur wurde zum Stellvertreter in Persien ernannt.
+Kendschatu bezog das Winterquartier in Arran und lagerte zu Karadschal am
+Ufer des _Kor_, seinem ehemaligen Horte. Von hieraus wurden die
+Kundmachungsbefehle der Thronbesteigung in die Länder gesandt; auf ein
+Gutachten der Astronomen wurde in den Diplomen und auf den Münzen dem Namen
+Kendschatu's die geheimnissvolle, ihm von dem _Kamen_ ertheilte Formel,
+_Irindschin Durdschi_[740] beigesetzt. _Senbu_, der Bruder _Suka's_, der
+zweite Sohn Jaschmut's, starb zu Dschaghatu[741]; der Prinz _Enbardschi_,
+der älteste Sohn Mengu Timur's (des eilften Sohnes Hulagu's), wurde in die
+östlichen Länder gesandt. Auch dieser hegte herrschsüchtige Gedanken,
+welche während der Abwesenheit Kendschatu's in Rum, wohin er sogleich nach
+der Thronbesteigung zurückgekehrt war, in seinem Hause durch Taghadschar
+genährt worden. Der Geschäftsmann Stellvertreter des letzten Ssadreddin von
+Sindschar, ein grosses Verwaltungstalent, hatte seinem Bruder Kutbeddin,
+welcher sich im Lager Enbardschi's befand, die ihm von Taghadschar gegebene
+falsche Kunde gesandt, dass Kendschatu's Heer in Rum von den Turkmanen und
+Karamanen aufgerieben sei und dass er sich beeilen möge, Besitz vom Throne
+zu nehmen. Kutbeddin gab diese Nachricht dem Scheich Dschemal von Schiras,
+welcher des Vertrauens Enbardschi's genoss. Dieser, klug und umsichtig,
+sandte den Scheich auf Kundschaft an Schiktur Nujan; auf dem Wege begegnete
+er dem Taghadschar und Ssadreddin, welche ihn bewegen wollten, auf der
+Stelle umzukehren und den Enbardschi zu schnellem Anmarsche zu bewegen. Der
+Scheich stellte sich willfährig, sagte aber, dass er nur, da er schon in
+der Nähe, sein Haus besuchen wolle; statt dieses Besuches begab er sich
+geradewegs nach Karadschal in's Lager Schiktur's, wo er sich von der
+Unwahrheit der Angaben Ssadreddin's überzeugte. Er entledigte sich also
+freundlicher Botschaft im Namen Enbardschi's und theilte dann dem
+_Schiktur_ insgeheim den Auftrag Taghadschar's und Ssadreddin's mit.
+_Schiktur_ sandte ihn mit freundlichem Schreiben und Geschenken an
+_Enbardschi_ zurück; aber am nächsten Morgen überfiel er die Zelte
+_Taghadschar's_ und behielt ihn und _Ssadreddin_ bis zur Rückkehr
+Kendschatu's bei sich; als die Nachricht von dessen Ankunft verlautete,
+sandte er sie in einem Geleite von fünfhundert Reitern demselben bis
+_Ersenrum_ entgegen. [RN: 12. Redscheb 691/30. Juni 1292] Als Kendschatu zu
+_Alatagh_ ankam, befiel ihn Krankheit, die längere Zeit dauerte; während
+derselben wurden von allen Gemeinden der verschiedenen Religionen Gebete
+angestellt; die Imame, Bischöfe, Rabbiner und Budhapriester beteten für die
+Dauer seines Lebens[742]; keiner Religion besonders zugethan, war er für
+alle gleichgültig[743], nur sinnlichen Genüssen ergeben. Seine sechs Frauen
+waren: 1. _Aische_, die Tochter Tughu's, des Sohnes Ilkai Nujan's; 2.
+_Dundi_, die Tochter Akbuka's, des Sohnes Ilkai's, die Base der vorigen; 3.
+_Iltürmisch_, die Tochter Kotlogh Timur Gurgan's, des Konghuraten; 4.
+_Padischah Chatun_, die Tochter Kutbeddin's, des Sultan's von Kerman; aus
+dem Hareme seines Vorfahrers die Frauen: 5. _Bulughan_ und 6. _Uruk_.
+Ausser diesen hatte er die Söhne _Alafreng_ und _Iranschah_ aus der Frau
+_Dundi_ und _Dschinkpulad_ aus der Frau _Bulughan_, drei Töchter aus der
+Frau _Aische_ und eine vierte aus der Beischläferin _Abisch_, der Tochter
+des _Biklimisch_, des Bruders _Audschan's_, des Erlaten.
+
+[Randnote: Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und
+Fars.]
+
+Ssadreddin von Sendschan, der fündige Finanzmann, dessen oben erwähnet
+worden, bemühte sich um die Wesirsstelle durch _Buraldschin Ikadschi_, den
+Günstling Kendschatu's, und _Scherefeddin Semnani_, welcher beim Emir
+Akbuka in grösstem Ansehen und Einfluss. Durch diese beiden Kanäle gelang
+es ihm, mit der Würde des Emirs die des Wesirs zu vereinigen. Er erhielt
+dazu das goldene Ehrenzeichen des Löwenkopfes mit Rossschweif und Pelz und
+einen Toman von Truppen. [RN: 6. Silhidsche 691/19. Nov. 1292] Sein
+Anstellungsdiplom verbot den Prinzen und Prinzessinnen, sich im Geringsten
+in die Geschäfte der Verwaltung und der Finanzen zu mischen; sein Vorname
+_Ssadreddin_, d. i. Vorsitz der Religion, wurde in den von _Ssadri
+dschihan_, d. i. Vorsitz der Welt, umgeändert; zugleich erhielt sein Bruder
+_Kutbeddin_, d. i. Pol der Religion, das Amt des Richters der Richter mit
+der Veränderung seines Namens in _Kutbi dschihan_, d. i. Pol der Welt; ihr
+Oheim _Kawameddin_, d. i. die Feste der Religion, erhielt die
+Befehlshaberschaft von Tebris mit dem Ehrennamen von _Kawamolmülk_, d. i.
+Feste des Reichs. Zum zweitenmale sah Persien die Verwaltung der Geschäfte
+den Gliedern einer einzigen einflussreichen Familie übertragen, wie unter
+Hulagu den beiden Brüdern _Dschuweini_ und dem Sohne des Wesirs
+Schemseddin, Behaeddin, als Befehlshaber von _Schiras_. Die Sorge für die
+Herschaffung der Lebensmittel, das Oberverpflegungsamt des Heeres, wurde
+dem _Fachreddin Aidadschi_ bestätigt[744]; dieser aber bat um
+Entschuldigung, indem er vorstellte, dass er bereits dreissig Jahre lang
+mit diesem Amte betraut, durch die Anforderungen von Zuschüssen der Prinzen
+und Prinzessinnen sich in Schulden gestürzt. Kendschatu wies dreissig
+Tomane zur Zahlung der Schulden an und empfahl ihm fürderhin die grösste
+Freigebigkeit und Gerechtigkeit; denn er wollte, dass seine Regierung der
+Ogotai's gleiche, mit welchem er die Tugenden der Grossmuth und Milde, aber
+auch den Hang zum Wohlleben gemein hatte. Das grösste Lob seiner Regierung
+ist, dass während derselben, einige Hinrichtungen in Luristan
+ausgenommen[745], Niemand getödtet ward; den grössten Beweis seiner Milde
+gibt die Nachsicht, die er den rebellischen Fürsten von Lur und Jesd
+angedeihen liess. _Efrasiab_ von Lur, der Sohn des unter der Regierung
+Abaka's und nachmalig erwähnten Atabegen Jusufschah, hatte unter der
+Regierung Arghun's, trotz der Gegenvorstellungen der Befehlshaber von
+Schiras, den Distrikt des Gebirges Kiluje, welches die Gränzscheide
+zwischen Fars und Lur, überfallen lassen. Er bemächtigte sich des festen
+Schlosses Mandschescht und setzte seinen Neffen Kisil über den neu
+erworbenen Gebirgsdistrikt. Kisil's eilf Brüder standen an der Spitze eben
+so vieler Heeresabtheilungen; es entstand zwischen dem Oheime und Neffen
+Streit über die Verwaltung des Berggebietes; Kisil, einigemal geschlagen,
+floh nach Schiras, kehrte dann aber wieder zurück, und schloss seinen
+Frieden mit dem Oheim; um denselben zu befestigen, verstand sich Efrasiab
+zur Hinrichtung seines Wesirs Dschelaleddin, und Entrichtung von Geldern.
+Als unmittelbar vor dem Tode Arghun's das Reich durch die Uneinigkeit der
+Emire und Arghun's schlaghaften Zustand in der grössten Verwirrung,
+benützte Kisil dieselbe zu einem Einfalle in Irak; er liess zu Issfahan die
+Verwandten des Emirs Dschelaleddin hinrichten, und der mongolische Vogt
+Baidu, der Schwager Taghadschar's ward durch die lurischen Reiter vor der
+Stadt getödtet. [RN: 8. Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291] Kisil sandte seinen
+Bruder Salghurschah in dieselbe, und das Heer der Luren nahm unter dem
+Geschrei: Gott ist gross! davon Besitz. Salghurschah setzte sich in dem
+Hause Chodscha Behaeddin's auf den Thron, und die Münze von Schiras prägte
+auf den Namen Efrasiab's von _Lur_[746]; dann dehnte er seine Herrschaft
+von den Gränzen Hamadan's bis an's Meer von Fars aus, überall lurische
+Vögte ernennend. Dschelaleddin, den Sohn des Atabegen _Tekele_, und Melik
+Nussret sandte er mit zweitausend Pferden[747] wider den Toman Arghasun's;
+auf dem Marsche erhob sich zwischen Beiden Streit über den Vorrang des
+Marsches und sie zogen jeder auf seine Faust. Anfangs schlugen sie zwar die
+Mongolen und machten grosse Beute, aber diese kehrten zurück, und rächten
+die verlorene Beute durch die Niederlage der Luren; in diesem Treffen
+tödtete ein mongolisches Weib allein zehn Luren[748]. Endlich wurde Toladai
+wider die Luren, und Jisudar wider Jusufschah, den Atabeg von Jesd,
+gesandt, welche zu gleicher Zeit sich empört hatten. Toladai schlug die
+Luren und Efrasiab erhielt durch den Kanal der Frau Utruk und Padisch
+Chatun seine Verzeihung; nur Kisil und seine Angehörigen wurden
+hingerichtet.
+
+[Randnote: Eroberung von Kalaaterrum; Bothschaft Tuktai's; Papiergeld.]
+
+Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak und Fars traf die
+Nachricht ein, dass Melik Eschref, der Sultan Aegyptens, Kalaaterrum am
+Uebergange des Euphrats belagere. [RN: 8. Dschem. sani 691/27. Mai 1292]
+Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und dreissig Tage Steine und
+Naftafeuer hinein; endlich ward die Stadt durch Sturm erobert, die
+Besatzung, welche aus Mongolen und Armeniern bestand, niedergehauen,
+zwölfhundert Einwohner mit Weibern und Kindern in die Sklaverei
+geschleppt[749]. [RN: 1. Redscheb 691/26. Juni] Kalaaterrum, das Schloss
+der Römer, von diesen und den Griechen Zeugma, d. i. die Ueberfuhrt,
+genannt, das ober Bire, dem alten Birthe, am Flusse Merseban[750] liegt,
+war seit vier und zwanzig Jahren der Sitz des armenischen Patriarchen,
+dessen Pallast und Kirche bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan
+Eschref, welcher das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien von den
+Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den Namen des Römer- oder
+Griechenschlosses in den des Schlosses der Moslimin; aber der alte lebte
+dennoch fort, und hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kendschatu
+vermählte sich jetzt mit der Frau Bulughan, der geliebten Gemahlin seines
+Vorfahrers und seines Bruders Arghun. _Tekia_ oder _Tetkaul_ starb in dem
+Pallaste Manssurije zu Arran und wurde nach Meragha bestattet. [RN: 3.
+Dsch. ewwel 692/11. April 1293] Von Meragha begab sich der Hof nach
+Siahkuh, wo ein Gesandter Kuwindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des
+Zweitgebornen Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit
+Versicherungen von Freiheit und Eintracht, [RN: 7. Schaaban 692/13. Juli
+1293] und zwei Tage darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes
+Kaidu's, des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben, auch Gesandte
+von Emir Newrus, welcher in Chorasan die Regierung an sich gerissen.
+Zugleich mit diesen Gesandten der Uluse Dschudschi's und Ogotai's trafen
+die Gemahlinnen Kendschatu's, Aische aus Kleinasien und Baitmisch aus
+Diarbekr ein. [RN: 17. Schaaban 692/23. Juli 1293] Kerrai Aghul, der Sohn
+Mengku Timur's (des ältesten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Doladai und
+Kundschukbal, welche nach Chorasan gesendet worden, kehrten zurück. [RN:
+12. Ramasan 692/16. Aug. 1293] Das Hoflager zog nach Audschan, von da nach
+Heschtrud, Meragha und Arran, wo überwintert ward. In diesem Winterquartier
+wurde die Geburt des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu
+Bire gefeiert. [RN: 5. Rebiulewwel 693/24. Jan. 1294] Drei Tage hernach
+traf die Botschaft Tuktai's, des Herrschers von Kipdschak, ein, deren
+Vorsteher der Prinz _Kalintai_. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör
+gewährt. Nach drei Wochen wurden dieselben mit Ehrenbezeugungen entlassen,
+[RN: 8. Rebiulachir/8. März 1294] nachdem sie noch Tags vorher der
+Grundsteinlegung der neuen Stadt am Ufer des Kor beigewohnt, welche den
+Namen _Kotlogh Baligh_, d. i. der guten Balley, erhielt. [RN: 2. Dschem.
+ewwel 693/31. Mai 1294] Kerrai Aghul, welcher vor noch eilf Monaten aus
+Chorasan zurückgekehrt war, ging mit Tod ab, [RN: 7. Redscheb 693/3. Juni
+1294] und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im Hoflager zu Alatak, um
+seine Huldigung darzubringen; [RN: 16. Redscheb 693/12. Juni 1294] er ward
+ungnädig empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner Rückkehr nur auf die
+Fürbitte des Günstlings Burakin Ikadschi, dessen Einfluss, wie oben erzählt
+worden, dem Ssadreddin von Sendschan die Wesirsstelle verschafft hatte.
+Dieser wollte seiner Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch eine neue, in
+China längst übliche, aber in Persien unerhörte Massregel, nämlich durch
+die Einführung des Papiergeldes, das auf mongolisch _Tschaw_ heisst.
+Vergebens stellte _Schiktur Nujan_ vor, dass diese Massregel der Ruin des
+Landes; er wurde aus dem Wege geräumt. Der Emir Akbuka, Taghadschar, der
+Wesir Ssadreddin und der Hofdiener Temachi verfügten sich nach Tebris, um
+dort das Papiergeld einzuführen; [RN: 19. Schaaban 693/15. Juli 1294] sie
+kamen dort im Fastenmonde an, und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer
+Ankunft vermöge einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen Zahlungen an
+Geldes statt anzunehmen befahl und auf die Nichtannahme die Todesstrafe
+setzte. [RN: 10. Ramasan 693/12. Sept. 1294] Dieser den Bewohnern von
+Tebris unvergessliche unheilsame Tag war der zwölfte September[751]. Eine
+Woche lang ward dasselbe durch die Gewalt des Schwertes den Einwohnern
+aufgezwungen; bald aber stieg die Verwirrung auf's höchste, indem aller
+Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen desselben ward als _gebenedeites
+Papiergeld_[752] zum Spotte. Das Gepräge dieses Papiergeldes war das
+mohammedanische Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen Formel:
+_Irdschin Turdschin_, und die Jahreszahl der Entstehung 693 (1294)[753].
+_Iseddin Mosaffer_, welcher dem Wesir diesen Auftrag gegeben, war der
+Gegenstand der allgemeinen Verwünschung. Wiederholte Aufstände und
+Versuche, dem Wesir das Leben zu nehmen, erzwangen vom Bruder endlich die
+Erlaubniss, das Vorhandene um baares Geld verkaufen zu dürfen. Darüber
+entstand allgemeiner Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach
+ein Paar Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte dasselbe nie
+angenommen und sich damit entschuldigt, dass die Luft, welche in Chorasan
+so scharf, dass Waffen binnen Jahresfrist rosteten, das Papier bald
+zerfressen haben würde, und liess das ihm zugeschickte verbrennen; wir
+setzen die Schilderung der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen
+Worten hieher.
+
+[Randnote: Verrath der Emire; Kendschatu's Ende; Baidu's Thronbesteigung.]
+
+Die Unzufriedenheit der Völker Persiens mit dem in Weichlichkeit und
+Wollust versunkenen Leben Kendschatu's ermuthigte den Prinzen Baidu,
+welchem vor ihm von den Emiren der Thron angetragen worden war, zum
+Versuche, denselben wirklich zu behaupten. Nachdem er bei seiner letzten
+Aufwartung von Kendschatu übel aufgenommen, nur durch die Fürbitte des
+Günstlings _Burekdschin Ikadschi_ vorgekommen, beklagte er sich über solche
+Behandlung bei den Emiren, und als von diesen _Tudadschu_, der Oberrichter
+_Dschidschek Gurgan Legsi_, der Sohn Arghun's (des Statthalters) und
+_Iltimur_, der Sohn Hindukur Nujan's, nach Bagdad gekommen, verband er sich
+mit ihnen zum Aufstande wider Kendschatu. Dschemaleddin von Destadscherd,
+der Vorsteher der Sekretäre der Steuer zu Bagdad, schloss sich an dieselben
+an, und schaffte ihnen die für den Unterhalt des Heeres nothwendigen
+Lebensmittel. Baidu schickte Abgeordnete nach Bagdad, um den Mohammed
+Sikurdschi, welcher dort mit dem Diplome Kendschatu's die Vogtei
+verwaltete, zu tödten[754]. _Ghurantai Gurgan_, der Eidam Kendschatu's,
+Gemahl von dessen ältester Tochter Kotlogh, gab durch Eilboten dem
+Schwiegervater von der Verschwörung der Emire, und von dem, was zu Bagdad
+vorgefallen, Nachricht, und warnte ihn wider seine nächsten Umgebungen, die
+Emire _Doladai Ordadschi_, d. i. Kellermeister, _Kundschukbal_ (welchem
+Oldschatai, die erstgeborene Tochter Arghun's, sowie seinem Bruder Ahmed
+früher _Taghai_, die zweite Tochter Abaka's, als Frau bestimmt gewesen),
+_Tukal_ (der Gemahl Oldschai Timur's, der zweiten Tochter Arghun's),
+_Ildschidai_ und _Bukdai_, als dieses Anschlages theilhaftig. Kendschatu
+berieth sich mit Akbuka, in dessen Händen noch immer die Zügel der obersten
+Leitung der Geschäfte, liess die genannten Emire ergreifen und schickte sie
+gebunden nach Tebris[755]. _Hasan_ und _Taidschu_, die beiden mit der
+Leitung der Geschäfte Betrauten Kendschatu's stellten die Nothwendigkeit
+vor, durch die Hinrichtung der Emire das Uebel mit der Wurzel auszurotten;
+aber _Taghadschar_, der schon verderbliche Plane hegte, verhinderte die
+Hinrichtung und schickte sie als Gefangene nach Tebris in Verhaft, den
+_Tukal_ ausgenommen, welcher nach Georgien geschickt ward. Von Arran aus
+gingen Gesandte an Baibuka, den Botschafter, nach Diarbekr, dass er dort
+den Baidu ergreife. Als die Gesandten nach _Irbil_ gekommen, vernahmen sie,
+dass Baibuka von Baidu's Abgesandten aufgehoben worden sei; sie kehrten
+also schnell zurück, um diesen Unfall dem Herrn zu berichten. [RN: 28.
+Rebiulachir 694/17. März 1295] Hierauf wurden die Emire Akbuka und
+Taghadschar mit Truppen wider Baidu gesandt. _Taitak_ führte den Vortrab
+von fünftausend Reitern nach Hamadan, ihm folgten Akbuka und Taghadschar
+mit zwei Tomanen. Ausser Hamadan trafen die Vorposten Taghadschar's und
+Baidu's aufeinander; die Baidu's wurden zurückgeschlagen. [RN: 3.
+Dschemasiulewwel 694/21. März 1295] Der Chan selbst brach mit einem Heere
+vom Thale Aher auf. Taghadschar, welcher, da Akbuka das höchste Vertrauen
+genoss, von Kendschatu sich abgewandt, sandte heimlicher Weise
+verrätherische Botschaft an Baidu, ihn zum Aufruhre ermunternd. Als das
+Heer am Ufer des Dschaghan stand, sagte Akbuka, wiewohl er von der
+heimlichen Sendung Taghadschar's keine Kunde hatte, zu diesem: Du bist ein
+Ränkeschmied, und gewahrest nicht, in welche Dinge du dich einlässest.
+Taghadschar, der sich verrathen glaubte, berieth sich in der Nacht mit
+seinen Emiren und ging zu Baidu über. Akbuka, als er sich auf diese Weise
+verlassen sah, eilte mit dreihundert Reitern zum Dienste des Schah.
+Kendschatu, bestürzt, wollte nach Rum entfliehen, aber seine Angehörigen
+redeten ihm diesen Plan aus, ihn zur Bekämpfung des Feindes ermuthigend.
+Das Lager brach gegen Arran auf; als er zu Pilsuwar stand, entfloh Hasan,
+der Sohn Buku's, welcher von der Wiege auf von den Umgebungen der Majestät,
+um Mitternacht zu Baidu, und die Emire Doladai und Kundschukbal, welche
+bisher zu Tebris in Verhaft gehalten worden waren, thaten desgleichen. Die
+Emire Irindschin und Taidschik verbanden sich mit einigen anderen, und
+setzten ebenfalls den Kifdschak, den Sohn Baidu's welcher vom Vater an
+Kendschatu gesandt, von diesem in Gewahrsam behalten worden war, in
+Freiheit und führten denselben dem Vater zu[756].
+
+[Randnote: Hinrichtung der Emire; Austheilung der Statthalterschaften.]
+
+Drei Tage nach dem ersten Vorpostengefechte ausser Hamadan schlugen sich
+dort _Taitak_ und _Toghruldsche_ mit _Baschmak Aghul_ und _Karadscha_,
+dieser einer der Prinzen des Lagers der Frau Uruk Chan und Eidam Sultan
+Ahmed Tekuder's, indem er dessen Tochter Sailun zur Frau hatte. [RN: 6.
+Dschem. ewwel 694/24. März 1295] Der Sieg war auf der Seite Taitaks; jetzt
+aber war Tukal mit einem in Georgien gesammelten Heere in Anzug; er sandte
+den aus der Haft befreiten, und den noch darin gehaltenen Emiren Wort, dass
+er zum Dienste des Prinzen Baidu heranziehe, und gab ihnen Stelldichein an
+den Ufern des Kur. Eine Truppe von tausend Mann, welche zu Pilsuwar stand
+und den Aufenthalt Kendschatu's kannte, ergriff denselben und lieferte ihn
+den empörten Emiren aus, die ihn am selben Tage tödteten, wo Taitak das
+Heer Baidu's geschlagen. [RN: 6. Dschem. ewwel 694/24. März 1295] Von den
+Günstlingen Kendschatu's wurden _Itogthu_ und _Itpuki_ mit ihm zugleich
+hingerichtet[757]. _Itkuli_, der Hundssklave, wurde an Baidu gesandt, damit
+er über denselben nach seinem Belieben verfüge; dieser schenkte ihm aber
+das Leben. Zwei Tage nach der Hinrichtung der Emire bestieg Baidu den Thron
+zu Audschan[758]. [RN: 8. Dschem. ewwel 694/26. März 1295] Die Emire
+Temadschi und Sertak wurden ihrem Gebieter in's Grab nachgesandt[759]; die
+Emire Akbuka und Taidschu wurden aber nicht jetzt, sondern erst in der
+Folge, als Baidu von Ghasan am Flusse _Heschtrud_ geschlagen ward,
+hingerichtet. Kendschatu war der zweite Herrscher der Mongolen in Iran,
+welcher, wie sein Oheim Ahmed Tekuder, ein Opfer des Aufruhrs der Emire
+gefallen war, und das Regierungsende Arghun's, seines Bruders, war nicht
+weniger blutbefleckt durch der Emire Zwiespalt. Alle drei haben der
+nöthigen Herrscherkraft, um das vielköpfige Ungethüm der Emirenherrschaft
+im Zaum zu halten, ermangelt, und nach Hulagu und Abaka war erst Ghasan,
+der Enkel des letzten, wieder Herrscher im vollsten Sinne des Wortes. Von
+dem Zusammenflusse des Kur (Cyrus) und des _Dschaghantu_, d. i. des
+weisschäumenden Araxes, wurden Eilboten abgesandt an Ghasan, den Neffen
+Kendschatu's in Chorasan, um ihm von dem Vorgefallenen Nachricht zu geben,
+an Baidu, um ihn auf den Thron zu berufen. Baidu, der nähere, welchem der
+Thron schon vor Kendschatu von den Emiren zugedacht worden, bestieg
+denselben [RN: 19. Dschem. ewwel 694/6. April 1295] und erliess in alle
+Länder Kündigungschreiben des Inhaltes: »Da Kendschatu sich von den
+Pflichten der Herrschaft abgewandt und die Gebote Tschengischan's verbannt,
+so haben Wir ihn mit Uebereinstimmung der Prinzen und Prinzessinnen
+entthront; die Besorgung aller Geschäfte der Länder und die Vollendung der
+wichtigsten Geschäfte der Unterthanen liegt nun im Ringe des königlichen
+Willens.« Dem Taghadschar, welcher der Hebel der Erhebung auf den Thron,
+wurde die Würde des Fürsten der Fürsten mit dem Oberbefehle des Heeres und
+der Finanzen verliehen[760]. Die Emire _Kundschukbal_, _Tukal_,
+_Tudadschu_, _Legsi Gurgan_ wurden ihm untergeben. Dschemaleddin von
+Destadscherd, der Steuereinnehmer von Bagdad, welcher sich dort den
+verschworenen Prinzen zuerst angeschlossen, erhielt eine Anstellung in den
+Finanzen, und nahm seinen Vornamen für eine gute Vorbedeutung. In die
+Fusstapfen Abakachan's tretend, welcher alle Landschaften einzelnen Emiren
+übergeben, und diese dafür verantwortlich gemacht hatte, übertrug er Bagdad
+und die Umgegend dem _Tudadschu_; Rum und Diarbekr mit den dazu gehörigen
+Distrikten dem _Taghadschar Nujan_; die Gebiete von _Irak_ und _Lur_ dem
+_Toladai Aidadschi_; die Statthalterschaft von Schiras und Schebankjare
+verlieh er dem _Kundschukbal_; dem _Dschemaleddin_ wurden die
+Statthalterschaften von Schiras mit allem Zubehör zu Land und zur See, wie
+zur Zeit Kendschatu's, mittels Jerlighs, Paise und Kaftans, d. i. mittels
+Patentes, Löwenkopfs und Ehrenkleides, so auch der Prinzessin _Kurdudschin_
+die Statthalterschaft von Kerman bestätigt, von welcher unter der folgenden
+Regierung ausführlicher zu sprechen, der Ort seyn wird; die nur acht Monate
+dauernde Baidu's ist so enge mit den gleichzeitigen Thronansprüchen seines
+Nachfolgers Ghasan verflochten und ist, die entscheidenden Begebenheiten in
+Chorasan abgerechnet, so unbedeutend, dass dieselbe am besten mit der
+Erzählung der Geschichte Ghasan's vor seiner Thronbesteigung im folgenden
+Buche verwebt wird.
+
+
+
+
+I. Beilage.
+
+Auszug aus der Geschichte Haider's über Dschudschi.
+
+Auszug aus der Geschichte Haider's auf der kön. Bibliothek zu Berlin. Band
+II. Blatt 601.
+
+
+Kurz _Dschudschi_ starb ein Jahr nach Tschengis Chan, aber die
+Geschichtschreiber sind über die Zustände Dschudschi's nicht einig. Einige
+sagen, dass Dschudschi Chan, nachdem er sich nach der Eroberung Chuaresm's
+von den Brüdern getrennt, nach _Kipdschak_ gegangen, von dort aber wieder
+zurückgekehrt, an der Gränze Indiens mit des Vaters Gegenwart geadelt ward,
+und demselben tausend Schimmel zum Geschenke schickte; aber _Hafis Ebru_
+setzt das Gegentheil auseinander, nämlich, dass nach der bei der Belagerung
+Chuaresm's zwischen _Dschudschi_, _Ogotai_ und _Dschaghatai_ vorgefallenen
+Misshelligkeit Dschaghatai und Ogotai sich zum Vater begaben und an der
+Gränze Thalkan's und Bedachschan's mit des Vaters Gegenwart geadelt
+worden, und dass sich Dschudschi von Chuaresm gegen den _Irtisch_, wo sich
+dessen schweres Gepäck befand, begab, und sich mit seinen Lagern vereinte.
+Da Tschengis Chan früher befohlen hatte, dass Dschudschi die nördlichen
+Länder, nämlich die der Bulgaren, Baschkiren, Russen, Tscherkessen und
+Deschtkipdschak erobern solle, und Dschudschi sich jetzt gegen den Irtisch
+gewendet hatte, so glaubten die Söhne Tschengis Chan's, dass Dschudschi
+vermöge Befehls diesem Dienste obliege; als es aber zuletzt erhellte, dass
+er Nichts unternahm, und nach Hause gegangen war, um des Wohllebens zu
+geniessen, ergrimmte Tschengis Chan gar sehr und befahl, an demselben, ohne
+dass er sein Antlitz sehe, die Strafe des Gesetzes zu vollziehen.
+Unterdessen war Dschudschi mit Krankheit behaftet und war desshalb, als
+Tschengis Chan aus Persien zurückgekehrt, in sein eigenes Lager gekommen;
+er war nicht im Stande, sich selbst zum Vater zu begeben, und schickte ihm
+blos einige Säcke von Turteltauben[761], indem er sich mit seiner Krankheit
+entschuldigte. Hierauf kam ein Tangute von den Jurten und Gränzen
+Dschudschi's zu Tschengis Chan; auf dem Wege sah er, dass dieser seine
+Jurten verändert, an einen anderen Ort hingezogen, wo gejagt ward; da er
+selber krank, hatte er seine Emire auf die Jagd geschickt; jener, der im
+Vorüberziehen eine Menge Volks jagen gesehen, schloss daraus, dass
+Dschudschi selber jage, und sagte daher, als Tschengis Chan um die
+Krankheit denselben fragte: Ich weiss von seiner Krankheit Nichts, denn als
+ich herzog, habe ich ihn an dem und dem Berge mit der Jagd beschäftigt
+gefunden; dieses Wort brachte Tschengis Chan in den grössten Zorn; denn es
+war in seinem Sinne nun ausgemacht, dass Dschudschi, ein Empörer, auf das
+Wort des Vaters nicht achte; er sagte, Dschudschi ist närrisch geworden und
+hat thörichte Handlungen begangen; nun ist es nothwendig, Truppen wider
+ihn zu schicken, an deren Spitze Dschaghatai und Ogotai ziehen und ihm
+nachsetzen sollen. Unterdessen lief die Nachricht von Dschudschi's Tod ein,
+wodurch Tschengis Chan sehr betrübt ward; er zog genauere Erkundigung ein,
+und als er fand, dass der Bericht jenes Tanguten Lüge und Verläumdung
+gewesen, gab er den Befehl, ihn hinzurichten; allein dieser, hiervon
+verständigt, war früher aus dem Lager entflohen. Die Zeit der Lebensjahre
+Dschudschi's war dreissig Jahre; er hatte fünfzehn Söhne, von denen _Batu_
+ihm in der Chanschaft nachfolgte; die Namen der Söhne Dschudschi's sind die
+folgenden: 1) _Orda_, 2) _Batu_, 3) _Berke_, 4) _Berketschiter_, 5)
+_Jetukami?_, 6) _Scheiban_, 7) _Tangkut_, 8) _Juden_ (Tuden?), 9)
+_Tschilaun_, 10) _Sikur_, 11) _Dschemi_, 12) _Udur_, 13) _Boka Timur_, 14)
+_Schikum_.
+
+Hier sind nur vierzehn statt fünfzehn aufgeführt; es fehlt nämlich der von
+Reschideddin vor _Udur_ aufgeführte _Mohammed_; dafür fehlt bei
+Reschideddin _Jetukami_, welcher interpolirt scheint. Weiter ist über diese
+Namen zu bemerken, dass der dritte bei D'Ohsson S. 325 Berkatschar, in der
+Handschrift Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek _Berktschapar_, was
+jedoch ob Mangel der Punkte zweifelhaft und in meiner Handschrift des
+Dschihanguscha bei der Thronbesteigung Ogotai's _Berketschiter_ genennet
+wird. Das letzte scheint das richtigste und eine Zusammenziehung von _Berke
+kitschikter_, d. i. der kleinere Berke, zu sein; der vierte, hier _Juden_
+oder vielmehr _Tuden_ genannt, heisst bei Reschideddin _Tewal_; der
+folgende bei demselben richtiger _Tschilaikun_ statt _Tschilaun_, was
+daraus zusammengezogen. Der hier _Dschemi_ genannte heisst bei Reschideddin
+_Dschintimai_ und ist aller Wahrscheinlichkeit derselbe mit Suntai, welchen
+Wassaf in dem Abschnitte: von dem Ende Tschengis Chan's und der
+Thronbesteigung seines Nachfolgers, mit dem Bruder _Batu_ nennt, und
+welcher auch im Dschihanguscha als der Befehlshaber des zur Eroberung des
+Restes von Kipdschak gesandten Heeres erscheint; endlich ist vom
+vorletzten, _Boka Timur_, zu bemerken, dass derselbe beim Abul Ghasi (B.
+96 der Textausgabe) _Tokai Timur_ heisst, dass _Boka Timur_ im
+Dschihanguscha im Geleite _Batu's_ bei der Thronbesteigung Ogotai's
+erscheint, während nach Abul Ghasi _Tokai Timur_ als Regent in Kipdschak
+zurückgelassen ward. Hierauf folgt bei Haider die Aufzählung der Chane der
+weissen Horde: 1) _Menkai_, 2) _Sasi Boka_, 3) _Eideren Ben Sasi_, 4)
+_Tschitschai_, Sohn _Eideren's_, 5) _Urus Chan_, Sohn _Tschitschai's_, 6)
+_Tokatmisch Chan_. Im _Munedschimbaschi_ (auf der kais. Hofbibliothek Bl.
+397) heisst 1) _Sasi Boka_ der Sohn _Tuli's_, des Sohnes _Orda's_; ihm
+folgt, 2) _Ebrsan_, der Eideren Haider's, 3) _Mubarek Chodscha_, 4)
+_Schintai_, der _Tschitschai_ Haider's, 5) _Urus Chan_. Hierüber ist zu
+bemerken, dass in den Geschlechtstafeln bei Reschideddin unter den Söhnen
+Orda's kein Menkai vorkömmt, welcher nach Haider's Angabe, sowie _Tuli_
+nach der Munedschinbaschi's, der Vater _Sasi Boka's_ gewesen sein soll;
+nach Reschideddin war _Sasi Boka_ der Sohn _Pajan's_, des Sohnes
+_Kubindschi's_, des Sohnes _Sertaktai's_, des Sohnes _Orda's_, so dass er
+der Ururenkel Orda's und nicht der Enkel desselben gewesen, was wohl als
+das richtigere anzunehmen ist. Im Abul Ghasi (S. 99 der Textausgabe)
+erscheint Tokatmisch als der Sohn Chodschaoghlan's, des Sohnes _Tukkul's_,
+des Sohnes _Saritsche's_, des Sohnes _Us Timur's_, des Sohnes Tokai
+Timur's, des Sohnes Dschudschi's.
+
+
+
+
+II. Beilage.
+
+Auszug aus Wassaf über den Ulus Dschudschi's.
+
+Erwähnung der Länder Dschudschi's.
+
+
+Als Dschudschi vom Dienste Tschengis Chan's zurückkehrte, so ereignete es
+sich alsbald, dass er wider seinen Willen zur Reise in's andere Leben,
+welches die eigentliche grosse Reise ist, aufbrach. Es blieben von ihm
+sieben Söhne[762] zurück, als eben so viele Planeten am Himmel der
+Chanschaft, und die Person des Reiches war gleichsam aus sieben Gliedern
+zusammengesetzt. _Hordu_, _Batu_, _Berestai_, _Schekut_, _Berke_,
+_Berkedschar_, _Buka Timur_. Von ihnen war Batu, ausgezeichnet vor seinen
+Brüdern durch Genius seines Wesens, Gerechtigkeit seines Benehmens und
+Freigebigkeit seiner Anlagen, der Erbe der Länder des Vaters. Vier
+Distrikte (Hesare) der Krongüter Dschudschi's, _Gesek_, _Esan_, _Osek_,
+_Alghui_, welche zusammen mehr als neun Tomane (Landes) ausmachten,
+untergab er der Aufsicht seines älteren Bruders _Hordu_; der Sammelplatz
+der Heere Batu's waren die Distrikte am _Itil_ (Wolga). Er unternahm den
+Bau einer Stadt, deren Ausdehnung weit wie das Feld hohen
+Unternehmungsgeistes und diesen Fröhlichkeit sichernden Ort nannte er
+_Serai_.
+
+Obwohl er der christlichen Secte folgte, deren Beistand und Hülfe Vernunft
+zuwider ist, so neigte er sich doch auf keine Seite der verschiedenen
+Secten hin, und war weit davon entfernt, an einer derselben halsstarrig zu
+halten, als das Feld der Welt durch die Thronbesteigung dieses Siegelringes
+der Zeiten zum Rosenfeld und das Auge der Welt durch die Lichter seiner
+Gerechtigkeit erhellet worden, als Zeit und Raum diese beiden Verse
+declamirten:
+
+ Die Welt ist hell von Deines Thrones Schatten,
+ Er hat die Welt verkehrt in Rosenmatten.
+
+Bei dem zweiten Kuriltai kamen die Prinzen darin überein, dass der Säbel
+mit Grimm wider die Köpfe der Anführer der Russen und Assen geführt werden
+solle, welche den Fuss der Feilheit in die Reihen der Widersetzlichkeit
+gesetzt. Von den Prinzen Mangu Kaan's wurden _Kajuk_, _Kadachan_, _Kurgan_,
+_Turi_, _Paidar_, _Hordu_, _Tangut_, welche letzte beide am Tage der
+Schlacht festen Fusses standen, und _Basintai Behadir_ zu dieser
+Unternehmung bestimmt. Sie setzten sich zur Zeit, als der Frühlingswind in
+voller Kraft wehte:
+
+ Der Rosenstrauch schwang in dem Garten Speere,
+ Das Blatt war Dolch, die Dornen Lanzenspitzen,
+
+in Bewegung. Die Heere kamen an der Gränze Bochara's zusammen und zogen
+wider Russland aus:
+
+ Was Indien, zeigt sein indisch Schwert
+ Den _Assen_, _Russen_ und _Alanen_.
+
+Sie eroberten die Stadt Moskau, gefüllt mit einem Heere zahlreicher als
+Heuschrecken, zanksüchtiger als Fliegen, und das sich bei der Wehr
+zusammennimmt, plünderten und mordeten nach ihrer Gewohnheit. Sie schnitten
+die Ohren der Erschlagenen ab.
+
+ Es füllet in der Welt dein Ruhm die Ohren,
+ Vor deinem Grimm droht Untergang den Ohren.
+
+Man zählte 270,000 abgeschnittene Ohren.
+
+ Du, schärf' das Ohr; der Himmel haut dich über's Ohr.
+
+Die Prinzen und grossen Fürsten und siegreichen Freien waren
+
+ (Der Himmel war zu Willen und das Schicksal folgte)
+
+wunschbefriedigt und die Engel sangen dazu:
+
+ Der, so sich wider Dein Gebot empört,
+ Der, so dein Reich im mindesten nur stört,
+ Dem spalte Partisan' das Aug' inmitten,
+ Dess Körper sei dem Grimm des Dolchs zu Theil,
+ Dem sei vom Messer Zunge abgeschnitten,
+ Dem sei der Hals durchbohret von dem Pfeil.
+
+Als sie zurückgekehrt, hatte Batu Lust, wider die _Kelaren_ und
+_Baschkirden_, welche die christliche Religion befolgten, aufzubrechen. Als
+die Heere des Winters, aus Furcht vor den Dolchen der Neider, das Gesicht
+abwandten, und die Rosen sich, wie das Glück der Glücklichen, mit hundert
+offenen Gesichtern zeigten und die Nachtigall mit bestimmtem Schall:
+
+ Weisst Du, warum der Lyra Saiten gellend schrein?
+ Weil ohne dem Gesicht die Ros' nicht Ros' und Wein nicht Wein.
+ Auf deiner Rosenwange ist das Heer zu schauen,
+ Weil es darauf sich legt mit herzlichem Vertrauen,
+
+ging der Prinz, der das Glück gefunden.
+
+ _Hem._ Die Welt an seinem Zügel, die Zeit an seinem Bügel.
+
+ _Hem._ Wenn deine Bügel weiter gehn,
+ Was Wunder, wenn wir auch nicht stehn!
+
+Er zog, fest wie Schlösser, mit 40,000 Reitern, deren jeder die Stütze
+eines mächtigen Heeres, in's Feld. Zur Zeit, als die beiden Heere auf
+einander trafen, trennte sie ein Fluss mit steilen Ufern. Batu sandte
+seinen Sohn mit einem Tomane Heeres, um über den Fluss zu setzen, und er
+selbst besetzte einen Hügel und betete demüthig vor der Majestät Gottes,
+des absoluten Gnadenverleihers, mit einem Herzen, brennend wie die Lampe
+dessen, der die Nacht durchwacht, und mit einem Hauche, kalt wie der des
+Morgens. So brachte er die Nacht bis an den Tag hin; am andern Tage, als
+der einpferdige Chosroes der Welt frohe Nachricht gebracht, und auf dem
+Degen (Rücken) der Berge das Rad (der Sonne) sichtbar gemacht, reihten sich
+beide Heere zur Schlacht. _Sertak_ fiel den Feind mit einem Toman stürmend
+an, und die anderen auf dem Hügel aufgestellten Heere rannten wie ein
+Gürtel von der Höhe nieder; gleich niederstürzendem Loose, welchem nichts
+zu wehren im Stande, wandten sie ihr Gesicht gegen das feindliche Lager,
+und zerstückten mit ihrem Säbel die Zeltstricke wie den Strick der
+Freundschaft der Verbrecher. Furcht und Schrecken bemächtigten sich der
+Einwohner von _Kelar_, die Waldteufeln glichen; die meisten derselben
+wurden ein Frass des Schwertes und der Hyänen, und so wurde auch dieses
+Land den Schwesterländern beigesellt. Im Jahre 653, als Mangu Kaan ein
+Kuriltai hielt, wurde _Sertak_ zum Dienste des himmelhohen Thrones gesandt.
+Ehe er zurückgekehrt, hatte sich Batu von der Braut der Chanschaft dreimal,
+d. i. unwiderruflich, geschieden und Sertak, mit Gnaden und
+Gunstbezeugungen überhäuft, kehrte in die Residenz zurück, und ohne sich
+lange aufzuhalten, ward er zur Abreise (aus dieser Welt) gezwungen. Vermög
+des Befehles Mangu Kaan's übernahm _Berakdschin Chatun_, welche die grösste
+der Frauen, die Sorge für die Beförderung der Reichsgeschäfte, und erzog
+hiezu den _Ulaghdschi_, den Sohn _Sertak's_; doch auch _Ulaghdschi_
+
+ _Hem._ endete in kurzer Zeit sein Leben.
+
+_Berke Aghul_ erhielt die chanische Krone, dessen Heere sich zu
+wiederholtenmalen mit denen Hulagu's schlugen, und als die Chanschaft an
+_Mangu Timur_ gekommen, war diess der Fall mit den Heeren Abakachan's, wie
+diess schon oben vorgekommen.
+
+
+
+
+III. Beilage.
+
+Auszug aus Wassaf über den Krieg zwischen Hulagu und Berke.
+
+Erwähnung der Ursachen der Bewilderung, welche zwischen Hulagu Chan und
+Berke Aghul statt gefunden.
+
+
+Zur Zeit, als der welterobernde Padischah Dschengis-Chan alle Könige und
+Länder der Welt beherrschte und besass und dieselben seinen vier Söhnen
+Tuschi, Tschagatai, Ogtai und Tuli vertheilte und zumass, als er die Orte
+und Horte auf allen vier Seiten bestimmte, wie es seinem Scharfsinn gut
+dünkte und seinem durchdringenden Genius ziemte (die umständliche Theilung
+der Länder und Gebiete ist in der Geschichte _Dschihanguschai_ ausführlich
+beschrieben), wurden dem Dschagatai die Stationen und Regionen von den
+Gränzen der nigurischen Pässe bis nach Samarkand und Bochara zugetheilt,
+und sein gewöhnlicher Aufenthalt war in der Nachbarschaft von _Almaligh_.
+_Ogotai_, welchen der Vater bei seinen Lebzeiten noch zum Nachfolger
+bestimmt hatte, residirte an den Gränzen von _Imil_ und _Kobak_, welches
+der Chanschaft Thron und der Nabel des Reichs. _Tuli_ besass die Jurte,
+welche an die Chatai's stiessen, und von Kialik und Chuaresm, von den
+äussersten Gränzen von Saksin und Bulghar bis an die Gränzpässe von Derbend
+und Baku, war Alles auf den Namen des ältesten Sohnes Tuschi geschrieben.
+Hinter Derbend, welches insgemein das eiserne Thor heisst, war das
+Winterquartier seiner Heere, von wo dieselben bis Arran streiften, und
+Arran und Aserbeidschan gehörten noch zu ihren Ländern. Die Ursachen,
+welche Stoff zum Streit herbeiführten und die Zwistigkeit schürten, sind
+die folgenden: Im Winter des Jahres 662 (1263), als der Goldschmied der
+Allmacht die Flüsse von Derbend mit Silberplatten überzogen, und der
+Kirschner des Winters nach dem Maasse der Hügel und Haiden denselben
+Hermelinkleider angezogen, als die Oberfläche des Flusses auf die Tiefe
+eines Lanzenfusses gefroren wie Bein und Stein, ging auf Befehl Berke
+Aghul's ein Heer von Mongolen, die unreiner als Wüstenteufel und Ghulen,
+und deren Schaaren zahlreicher als die Tropfen des Regens waren:
+
+ Sie kamen, Flüsse tragend,
+ Wie Teiche Wogen schlagend,
+
+über den gefrornen Fluss wie Feuer und Wind geschwind. Von dem Gewieher und
+Geklirre ihrer Pferde und Truppen war die Zauberin der Erde voll rollender
+Donner und leuchtender Blitze; im flammenden Feuer des Zornes kamen sie bis
+an die Ufer des Kur (Cyrus). Hulaguchan ging ihnen zur Abwehrung des
+Funkens ihres Bösen mit einem Heere entgegen:
+
+ _Arab. Vers._ Morgens trafen sie auf ein vermischtes Heer,
+ Unaufhörlich zog es wie die Erde her.
+ Pferde, schwerbepanzert, mit zwei Reitern liefen
+ Unterm Staub wie Dromedare in die Tiefen;
+ Klingen strahlen weiss und Speere dunkeln braun;
+ Sieh! die Braunen bohren und die Weissen hau'n.
+
+In dem Treffen wurden sie geschlagen und zogen sich alsogleich zurück:
+
+ _Arab. Vers._ Wenn sie fliehen, wird der Feind nach ihnen ziehen,
+ Wenn sie stehen, ist es um ihr Gut geschehen.
+
+Im Passe Baluje standen sie abermal zur Schlacht. Es froren die Füsse dem
+Boden an, und im Heere Berke's hielten Klein und Gross, Mann und Ross aus,
+bis dass sie alle erschlagen, und die Andern, besiegt, die Zügel der Flucht
+davon getragen. Hulagu erlaubte den Heeren nicht, zurückzukehren, bis sie
+nicht über den gefrorenen Fluss gesetzt.
+
+ _Arab. Vers._ Des Blutes Ströme gehn wie Wasserrinnen,
+ Die Säbel löschen ihren Durst darinnen;
+ Sie schwanken zwischen Tod und zwischen Leben
+ Und zwischen Leichtsinn und vernünft'gem Streben.
+
+So wurden von Tag zu Tag die Stationen der Rebellen die Lagerorte des
+ilchanischen Heeres. Sie schlugen auch den Weg friedlicher Unterhandlung
+und Ausgleichung ein, und thaten die Hand der Verlängerung auf, bis sie das
+ganze Land von den Nachtheilen der Usurpation gereinigt und die Uebermacht
+der Fremden daraus verbannt.
+
+ _A. V._ Sie fielen aus im Sturm auf die, so in der Nähe;
+ Wir fielen aus im Sturm auf die uns in der Nähe.
+
+Sie trieben sie in die Enge und verfolgten sie durch einige Stationen
+Länge. Als der feindeverbrennende Padischah mit seinem glücklichen Lager
+herangenaht, gab er den Befehl, die Genossen Berke Aghul's, welche zu
+Tebris im Besitze von Reichthum und Waaren, mit Handel und Wandel
+beschäftigt waren, hinzurichten und ihre Güter in dem Schatze
+aufzuschichten. Viele derselben waren blos Commissaire, in deren Händen die
+Capitale und Güter ihrer Principale geblieben waren. Berke Aghul, um
+Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess die Kaufleute der Länder des
+Chans tödten und legte ihnen auf diese Weise das Geschäft. Der Weg der
+Gehenden und Kommenden, das Reisen der Kaufleute, war nun auf einmal, wie
+das Geschäft der Verdienstvollen, gesperrt und die Teufel der Unruhe waren
+der Flasche der Zeit entsprungen. Indessen hatte Kublai Kaan einen
+Gesandten gesendet und die Dinge Bochara's anders gewendet. Von sechzehn
+Hesaren, welche zu Bochara lagen, waren fünf dem Batu anhänglich, drei der
+Frau _Kutibeg_, der Mutter Hulagu-Chan's, und die übrigen dem Ulugh Kul,
+das ist dem grossen Delai, welche jedem der Kinder Tschengis-Chan's, die
+von dem Throne der Chanschaft Besitz nähmen, zu Befehl. Diese fünf Hesare
+führte _Batu_ in das Feld und las ihnen von den Klingen der Schwerter,
+welche die Bothen des Todes, des rothen, ihr Todesurtheil vor. Ihrer Güter,
+Weiber, Söhne wurde nicht geschont. Da die Regel des Spruches:
+
+ Die Liebe erbt fort und der Groll erbt fort,
+
+in der Ansicht der Vernünftigen gegründet ist, so breitete auch _Mengu
+Timur_, der Sohn _Berke Aghul's_, welcher nach dessen Tode dessen Stelle
+vertrat, wider _Abaka Kaan_ den Teppich der alten Widerspenstigkeit auf,
+und es hatten zwischen ihnen zu widerholtenmalen Streitigkeiten und
+Zwistigkeiten Curs und Lauf. Einmal wurden 30,000 Reiter, säbelschärfende,
+lanzenwerfende, zur Zeit ihrer Rückkehr über den Fluss wie zerbröckeltes
+Eis aufgerieben und in den Abgrund getrieben und das Resultat ihres Lebens
+auf die Platten von Eis geschrieben. Als nun der hohe Abaka Chan mit der
+Menge ihrer Heere und ihrer Kühnheit näher bekannt, zog er gegen Derbend
+eine Mauer durchs Land, welche _Sitab_ genannt, um diesen weltverwirrenden
+Heeren den Einfall und Einbruch zu erschweren. Diese beiderseitige
+Feindschaft bestand, und diese gegenseitige Huth und Scheelsucht hatte
+Bestand, bis Kendschatu, der Chan, im Land. Als _Noghai_ der Erbe des
+Landes Mengu Timur's ward, wurde durch gegenseitige Gesandtschaften und
+Schreibenwechsel der Weg der Kaufleute und Handelsgenossen wieder
+aufgethan. Die Ursachen des Heiles lagen in dem Plan; das Land Arran fing
+durch die Menge von Wagen und Zelten, von Pferden und Schafen Wogen zu
+schlagen an und dieser Länder Waaren nach einigen Jahren wieder an zu
+gebahren.
+
+
+
+
+IV. Beilage.
+
+Auszug aus Wassaf über das Papiergeld.
+
+Erläuterung der Ursachen, welche die Einführung und Vernichtung des
+Papiergeldes (Dschaw) herbeigeführt.
+
+
+Der von ewig her bestehende Spender der Nahrung und der allweise Schöpfer
+(geheiligt seien seine Eigenschaften!), welcher die Bewohner der vier Wände
+der Naturen der Menschheit und die Eingekerkerten der sechs Richtungen
+irdischer Körper bald ohne Anlass geleisteten Dienstes durch den Ausfluss
+seiner, keinen Dank ansprechenden Gnaden bestimmt, und bald ohne
+vorhergehende Schuld seine Geschenke und Spenden zurücknimmt, Er dessen
+ewige Wissenschaft: Koranstext:
+
+ »_Ihm ist kein Sonnenstäubchen fremd
+ auf Erden und im Himmel_«[763].
+
+das vollkommenste Gemälde der Herrschergrösse ist, wollte es so, dass nach
+der Begebenheit (der Thronbesteigung) Arghun-Chan's in alle Herden der
+Mongolen eine Seuche fiel, welche sie in ihrer Sprache _Jut_ nennen. Aus
+diesem Anlass fehlte es den meisten Truppen zu Bagdad, Mossul, Diarbekr und
+Chorasan an den nöthigen Lastthieren und in dem Schatze war durch die
+Veränderung der Chane und Vergeudung des Goldes an die Truppen nichts
+zurückgeblieben; diess war der zweite Unglücksfall; dazu kam noch drittens,
+durch die angeborne Huld und natürliche Freigebigkeit des Vorsitzes der
+Welt und der Zeit, um die Völker zufrieden zu stellen und um Nothdurft zu
+stillen, ein Ausgabenüberschuss und Gnadenüberfluss; das vierte war die
+wenige Achtung des Ilchan's für Geschenke und Gaben und seine Verachtung
+der Oeconomie[764], d. i. des Besitzes in beweglichem und unbeweglichem
+Gut[765], an Geld und Vieh, und das Sprichwort sagt: »_Die Fünf findet sich
+in den Fünfzig._« Er hatte in der Zeit von zwei Jahren, während welchen der
+Welt Vorstand der Wissenschaft und Herrschaft vorstand, gegen fünfhundert
+zu Leihe genommene Tomane mittels rother Fertigungen an die Herren der
+Anweisungen übertragen, so, dass die grossen Fürsten diese Sache endlich
+gewahr wurden. Eines Tages hörte man von dem Munde des Herrn (des
+Grosswesirs) folgende Worte: »_Seadeddewlet_ hat zur Zeit, als er die
+Geschäfte der Länder förderte und tausend Tomane in dem grossen Schatze
+bereit lagen, und die stärkste Veranlassung zu dieser Zusammenhaltung
+Arghun-Chan's genaue Verwaltung gewesen, die Einkünfte und Ausgaben der
+Finanzen ohne rothe Fertigung[766] besorgt und für die Verproviantirung des
+Heeres und alle Erfordernisse der Küche, des Lagers und der Frauen gesorgt,
+und so habe der Ilchan in der kurzen Zeit von vierzig Jahren vom Jurt
+_Dilbertschin_ bis nach _Kiawbasi_ ein und vierzig Tomane für die Frauen,
+Pagen und Vertrauten der Majestät hergegeben.
+
+ _Arab. Vers._ Wenn Du aufgehst, müssen Sonn' und Mond sich
+ niederlegen,
+ Wenn Du scheidest, müssen sich verstecken Meer
+ und Regen.
+
+Zur Zeit Abaka-Chan's und Sultan Ahmed's waren für die ganzen Kosten der
+Küche nur vierzig Tomane bestimmt und doch waren die Verwalter und
+Küchenaufseher[767] nicht sicher vor dem Tadel der Tadelnden und dem Spotte
+der Spottenden und dem Schimpfe der Schimpfenden. Zur Zeit (Unserer) den
+Tag vermehrenden Regierung haben Wir hundert fünf und sechzig Tomane auf
+diese Weise an goldenen Verwendungen ausgetheilt, und dennoch rufen sie
+immerwährend: Wer gibt mehr? Die Prinzen und Prinzessinnen geben immer neue
+Wünsche kund und schliessen, gegen einander rechtend und spiegelfechtend,
+nicht den Mund.« Der Zweck dieser Prolegomenen ist, dass der Schatz auf
+alle Weise für den Bedarf baaren Geldes[768] bedurfte, dass die Einkünfte
+der Länder in einem Jahre 1800 Tomane, die bestimmten Ausgaben 700 Tomane
+betrugen und dass der Rest für die wichtigsten Geschäfte des Reiches, für
+die Gaben und Geschenke des Padischah nicht hinreichte. Der Herr des Diwans
+befahl, die Auflagen der Länder, besonders der von Bagdad und Schiras,
+welche der Gürtel des Reiches, zu läutern[769]; doch der Ueberschuss der
+Ausbeutungen des Dieners (des Grosswesirs) gab für die Majestät, auf deren
+Weberstuhl der Einschlag gestreifter Kleider steht, so viel aus, als der
+arabische Spruch:
+
+ _Arab. Vers._ Es sättigt nicht, was vom Zahnstochern kommt heraus,
+
+und durch diese Massregeln der Läuterung wurde der Verwirrung der Finanzen
+nicht abgeholfen. Da befand sich _Aseddin Mosaffir Ben Mohammed Amid_,
+dessen hässliche Gestalt, dessen geschminktes Gesicht, dessen gebrechliche
+Constitution und schändliches Naturel ein Muster seiner Sitten und
+Eigenschaften war, im Lager an der Seite der Majestät und des Grosswesirs,
+als dessen Berather und leitender Vater. Er war's, der die Mühle des
+Betruges in den Gang gebracht, der mit Hoffnung und Furcht denselben kirr
+gemacht. Aus Eingebung schlechter Seele, welche, allen Geschäften des
+Menschen feind, als das Gegentheil des ursprünglichen Guten erscheint,
+wollte er seinen schlechten Namen bei den Weltbewohnern einfassen in einen
+ewigen Rahmen, damit er auf der Erde bis zu dem Tage der Auferstehung das
+Ziel der Pfeile des Fluches und des Spottes aller Menschen werde. Er
+stellte vor: »Es fehlen zur hinlänglichen Aufbringung der Gelder die
+Quellen; sei es im Schlimmen, sei es im Guten, bedarf der Schatz Gold für
+seinen Bedarf. Die Ueberschüsse der Einkünfte sind Heu und Spreu[770], und
+Anlehen zu machen, gehört künftighin zu den schwierigsten Sachen. Wenn es
+sich darum handelte, schnell das Heer zu rüsten und beritten zu machen,
+würde es schwer halten in allen Sachen, und das tändelnde und schändende
+Gerede der grollenden Feinde, die schnell und hart daherfahrende Fehde
+daimonischer Männer, von denen jetzt keine Rede, würde sich breit machen;
+die Bemühungen und Bestrebungen, welche dermalen gäng und gäbe, um die
+Spalten des Reiches zu verdämmen und um durch rechtliche und wohlthätige
+Gesinnung alles Unrecht zu hemmen, würde ein Ende nehmen, und wollte man
+(was jedoch nicht unmöglich anzunehmen) öffentlich die reinen Wasser mit
+Steuern belegen, oder neue Vergantungen[771] und schwere Strafgelder den
+Unterthanen zumuthen und auflegen, so würde dieses die Gemüther erbittern
+und das Land würde verwittern. Eine Maassregel, welche, vor allem Angriff
+vor Verschwärzern geschützt, schnell zur Herstellung alles Verfalles nützt
+und mannigfaltigen Nutzen umfasst und besitzt, ist mir so in den Sinn
+gekommen, dass man, wie in den Ländern des Kaan, auch in denen des Ilchan
+das Scheingeld, statt Silbers und Goldes, in Umlauf setze, damit dadurch
+die Thore des Verkehres geöffnet würden, damit das Geld ganz in den Schatz
+einlaufe und Schaden und Verlust keinen Menschen treffe auf Erden.« Nach
+diesen vorausgeschickten eingebildeten Gründen trugen der Herr des Diwans
+und _Bulad Dschinksanek_, der Gesandte des Kaans, das Wort vor. Da diese
+Maassregel dem Aeussern nach den Reichthum vermehrte, die Magazine der
+Kaufleute leerte, den Armen und Elenden Beruhigung gewährte, so schien
+dieselbe Anfangs denen, die darüber nachdachten, erspriesslich und gut. Der
+Ilchan erliess ein Diplom, befehlend, absolut und entscheidend, kurz und
+gut, dass man auch in den übrigen Ländern nicht mehr mit baarem Gelde
+Handel und Wandel treibe, sondern dass man überall die Webung goldener
+Kleider abschaffe und nur soviel davon gestatte, als für das Kleid des
+Padischah und seiner nächsten Umgebungen erforderlich sei, dass man sich
+nicht mit Verfertigung goldener und silberner Geschirre und mit keiner
+Kunst, welche Vergeudung des Goldes und Silbers mit sich führe, befasse,
+dass man die Goldschmiedekunst und die Silberarbeiterei der Gesichtsfarbe
+und dem thränenden Auge der Verliebten überlasse; kurz, durch die
+Einflüsterung und Verführung, Verlockung und Versuchung dieses Unholdes und
+gespenstischen Koboldes, der seinen Herrn auf diese Weise schändete,
+geschah es, dass er in alle Länder, in's arabische und persische Irak, nach
+Diarbekr, Rebiaa, Mossul und Miafarakein, nach Chorasan und Kerman und
+Schiras einen grossen mit diesem Geschäfte beauftragten Emir sandte, und
+dass überall eine Fabrik solchen Scheingeldes errichtet, dass Verwalter,
+Schreiber, Schatzmeister und andere Beamte dabei verwendet und überall
+grosse Summen zur Verfertigung des Scheingeldes gespendet wurden. Durch
+die Verlautbarung dieser Geschichten wurden die Völker in den Reif des
+Erstaunens gezwängt und blieben in demselben ohne Seele beengt.
+
+ _Arab. Vers._ Schnell, wie die Hoffnungen, des Lebens Zeit vergeht,
+ Und umgekehrt, auf Persisch heisset _Dem_ nur _Med_[772].
+
+Die Gestalt und Form des Scheingeldes _Dschaw_ war diese: Ein länglichtes,
+viereckiges Blatt Papier mit einigen chinesischen Worten beschrieben, in
+denen immer Fehler geblieben[773]; ober diesen chinesischen Worten stand
+auf beiden Seiten:
+
+ »_Es ist kein Gott als Gott, und Mohammed ist sein Prophet!_«
+
+Dieses war das Gepräge dieses Silberblattes, der Juwelenknoten dieses
+Perlenstates, das Tughra dieser Befehle und das Amulet dieser Kehle; unter
+demselben war geschrieben: _Iritschi Turitschi_, auf Chinesisch
+(uighurisch), d. i. _Sobald es angekommen, sei es für bleibend angenommen!_
+In der Mitte war ein Kreis beschrieben, der aber ausser dem Mittelpunkt
+ruhiger Ansicht liegen geblieben; dabei war der Werth des Papieres von
+einem _halben Dirhem_ bis _zehn Goldstücke_, und dann in Schrift das, was
+folget, geschrieben: »_Der Padischah der Welt hat im Jahre 693 (1293)
+eingesetzt dieses gebenedeite Papiergeld; es soll cursiren in Ländern
+allen; wer es verfälscht oder verändert, sei mit Weib und Kind der
+Todesstrafe und sein Gut dem Fiscus verfallen._« Nach Schiras war ein
+Patent dieses Papiergeldes, das, sehr ausführlich und lang, eingebildete
+Fragen aufwarf und die Antworten darauf aufdrang, gekommen. Ein Exemplar
+desselben ist noch in den Händen und es wäre unnütz, darüber noch mehrere
+Worte zu verschwenden. Das Wesentlichste seines Inhaltes ist: »dass,
+sobald das gebenedeite Papiergeld Goldes statt, wie die Thränen der
+Verbannten Lauf gefunden hat; so wird Armuth und Dürftigkeit und Schaden
+und Elendigkeit verschwunden sein unter den Söhnen der Zeit, Korn und
+Getreide wird zu haben sein in Wohlfeilheit, und Arme oder Reiche sind dann
+einander gleich.« Die Dichter und Trefflichen der Zeit haben zum Lobe des
+Papiergeldes nach der Eingebung ihres Genius dem Padischah und dem Herrn
+des Diwans lobend die Resultate ihrer Gedanken geweiht; als eine Probe von
+diesem Lobe ist das folgende Distichon aus einem Bruchstücke eines der
+Trefflichen hier eingereiht:
+
+ »Geht Papiergeld in der Welt,
+ Sein Entgelt[774] sie frisch erhält.«
+
+Es erging der Befehl, dass alle Künstler und Handwerker, welche Gold und
+Silber in ihren Arbeiten verarbeiten, dasselbe aus dem Hause, wo das
+gebenedeite Papiergeld ausgetheilt ward, erhalten, dass Alle, welche als
+Befehlshaber Länder verwalten, nach ihren Verdiensten ihre Besoldungen und
+Bezahlungen dort beziehen sollen, dass das alte abgenützte Papier dorthin
+gelangen, und der Bringer für den Gehalt von zehn Dinaren alten
+Papiergeldes neun Dinare neues empfangen soll, dass die Kaufleute des
+persischen Meeres, welche in fremde Länder handeln und wandeln aus dem
+Schatze Gold erheben und dafür ihr Papiergeld abgeben sollen,
+vorausgesetzt, dass dabei der Weg der Behutsamkeit beobachtet und ihre
+Erlaubniss und Befugniss von Nowaben und Aufsehern des Diwans gehörig
+betrachtet und erachtet worden sei. Verfügungen dergestalten waren in
+diesem Patente enthalten.
+
+ Tausendmal ist's besser, gar nicht anzufangen,
+ Was zu keinem Resultate kann gelangen.
+
+Wenn (wovon das Gegentheil nicht zu denken) diese Bedingungen nicht schon
+von Grund aus schlechter Art, wenn mittels der Umwälzung der Zustände, der
+Uebertragung der Herrscherkräfte und Veränderung der Geschäfte, diese
+Befehle von allem Fehle beschützt und bewahrt geblieben, wenn die Leute
+ohne Widersetzlichkeit und Blödigkeit, dasselbe zu nehmen und zu geben und
+den Lauf desselben zu gewähren, willig gewesen wären, so wäre es möglich
+gewesen, dass einige dieser präliminären Verfügungen gekommen wären zu
+eines Resultates Ehren; allein, wie man diess immer aus dem Gesichtspunkte
+der Vernunft und der Analogie betrachtet, so ist dieses eine Maassregel,
+nicht verwaltbar und (auf dem Spitz ein Kegel) nicht haltbar, besonders da
+der Zweck dieser Einbildungen ganz und gar kein andrer war, als die Schätze
+des Padischah zu erneuen und die der Unterthanen zu zerstreuen.
+
+ »_Zu bewahren des Moslim's Gut, ist Pflicht,
+ wie zu bewahren des Moslim's Blut._«
+
+In der practischen Philosophie ist durch Beweise festgesetzt, dass das Gold
+von Gott, als die kleine Gesetzgebung, eingesetzt; dass dasselbe den Werth
+der Sachen bestimmt und die Ordnung der Welt in Anspruch nimmt; dass ein
+kleiner Theil desselben eine grosse Menge anderer Sachen vertritt, deren
+Transportirung und Verführung sehr schwer und vielen Ungemaches nicht leer;
+dass wegen seiner inneren Festigkeit und Trefflichkeit dasselbe vor aller
+Gefahr der Vernichtung geschützt; dass es nicht durch Wasser, nicht durch
+Feuer, nicht durch Schneiden und Stossen verwundet wird und abgenützt.
+Diese Bedeutung bedarf keiner Erweiterung und Erläuterung,
+
+ »_Diess ist Erforderniss mündiger Weisheit._«
+
+Die Nothwendigkeit und Dürftigkeit ist's, welche demselben Adel verleiht;
+
+ _Arab. Vers._ Wenn ich ein Gottesfürchtiger nicht wäre,
+ Erwies' ich selbem göttliche Ehre.
+
+»_Für der Welt Wunden ist das Pflaster im Golde gefunden_,« ist ein
+bekanntes Sprichwort;
+
+ _Vers._ »Hätte ich Gold, so wären meine Geschäfte auch golden;
+ Golden sind sie nicht, weil ich besitze nicht Gold.«
+
+ _Ar. V._ Kein Gesandter fährt mit besserem Glück,
+ Als das rundgeprägte Silberstück.
+
+Wenn der Schreiber (dieser Geschichte) die Gleichnisse und seltsamen
+Einfälle, welche die Wohlberedten Arabiens und Persiens über die
+Eigenschaften, den Nutzen und das Lob des Papiergeldes geschrieben, und die
+ihm im Gedächtniss geblieben, aufgeschrieben hätte, so hiesse dieses Buch
+_die goldene Kette_[775] oder _die unvollkommene Erreichung des Zweckes_.
+Würde aber mit diesen Lobsprüchen das Gold zerstieben, woraus würde man
+denn verfertigen die Kronen mächtiger Sultane und Reiter, die Ohrgehänge,
+Armbänder und Knöchelringe der Schönen, welche den sich blähenden Busen
+gewärtigen? und wie könnte denn, mit dem papiernen Geld, die frische Rose,
+welche freudig die goldene Scheibe in der Faust und Goldbarren (die
+Staubfäden) im Busen verborgen hält, wie könnte sie die Wange des Windes
+anlachen? und wie könnte die Blüthe ohne Silber sich einen Schatz für ihr
+Alter zur Hülfe wider das anrückende Heer des Frühlings machen? Die
+trunkene Narcisse ist bemüht, im Zauberschlafe mit dem Traume des Goldes
+ihr sehnendes Auge zu färben, und im steinernen unbarmherzigen Herzen des
+Berges stocken die Blutadern (die Rubinen) aus Begierde, sich von der
+goldausstreuenden Sonne Einiges zu erwerben. Wie könnte das Gold einem
+Stücke Papier sich vergleichen? wie könnte den Werth von jenem dieses
+erreichen, welches durch einen Funken aufgeht in Rauch und wie die Töchter
+der Luft (die Dämpfe) davonfliegt bei des Windes geringstem Hauch, welches
+durch einen Tropfen Thau wird des Wassers Raub und im Staube wird zu Staub?
+Die Prahlerei kannte keine Gränzen mehr, und durch die Vergleichungen und
+Herausstreichungen ward die Traurigkeit immer mehr und mehr. Im Silkide d.
+J. 693 (1293) kam das Papiergeld zu Tebris in Lauf und vermöge der
+Herzensknoten und den Maassregeln von der Vernunft geboten, begann man
+sogleich, um seine Seele zu schützen und um etwas zu besitzen, mit Speisen
+und Waaren niedrigen Handel und Wandel. Binnen drei Tagen war Tebris,
+welches das kleine Kairo hiess, wie der Beutel der Geduld der Sehnsüchtigen
+leer; im Lande war kein Glanz und keine Freude mehr, und die Brust der
+Sicherheit und Rechtlichkeit hatte nicht Fett noch Schmeer. Die Laden und
+Gassen waren wie öde Häuser verlassen und geleert, die Thore des Handels
+und Wandels waren versperrt. Verkaufte man den Man Brotes um Einen Dukaten,
+so glaubten die Käufer, dass sie gewonnen, und die Verkäufer, dass sie
+verloren hatten. Ein Freund erzählte mir vom Blitze der Witze jener Gegend,
+was folgt: In dieser Umstände drängender Gefährde stand ich gaffend zu
+Tebris auf dem Markte der Pferde. Die Verkäufer schlugen ein Pferd, das um
+fünfzehn Goldstücke doppelt bezahlt gewesen wäre, schlugen dasselbe,
+fortgezogen durch der Begebenheiten Wogen, um hundert und fünfzig Dukaten
+Papiergeldes an, und der Käufer, aus Freude über den grossen Preis, lief
+herum im Kreis, um durch diesen Reigen gleichsam die Bewegung des Pferdes
+zu zeigen; dann bestieg er einen Gaul, tummelte denselben nicht faul, bis
+er aus den Augen verschwand. Seine Abreise war zum folgenden Verse der
+Realcommentar:
+
+ _A. V. des Verfass._: Wer das Papiergeld erfand, verführt als
+ schlimmer Betrüger,
+ Unter den Hunden ist keiner so trügrisch wie er.
+
+Der Lärmen und das Getöse, der Saus und Braus der Nationen stieg bis an den
+Gürtel der Constellationen; die Befehlshaber und das Heer hatten keine
+Geduld mehr, das gemeine Volk flehte am Freitag in der Moschee mit
+klagendem Gebete; es verlauteten die Klagen über die Ungerechtigkeit, womit
+sie geschlagen. Sie verfluchten den Aseddin Mosaffir mit allen denen,
+welche zu dieser Neuerung und Theuerung das Gleiche beigetragen:
+
+Spruch der Ueberlieferung: »_Wer schlechte Sitte eingesetzt, dem wird sie
+bleiben als Last bis an den jüngsten Tag._«
+
+Sie wollten ihn mit seinen Einverstandenen erschlagen. Sie flohen aus dem
+Kreise und nahmen mit ihrer Seele bösen Namen mit auf die Reise. Die
+Trefflichen und Dichter der Zeit waren, ihn mit Spottgedichten zu
+durchgeiseln, bereit; so sagte Einer derselben, als er den Namen
+_Amidol-mülk_, die Säule des Reichs, angenommen:
+
+ Das Schiff _Amidol-mülk's_ inmitten Reichsgefahr,
+ Ist wie das Wasser, wenn damit ein Schiff[776] gefüllt.
+ Sein schlechter Bart ist schlechter als des Hundes Haar,
+ Diess ist dagegen Atlas und ein seidner Quilt[777].
+ Sieh, ob er morgen stehet noch auf dem Altar,
+ Wiewohl er heute für des Reiches Summe gilt.
+
+Auch das folgende Bruchstück reimte Einer:
+
+ Du bist nicht Weltenehre, du bist der Schimpf der Welt,
+ Die auf dein Sein und Wohl nicht das Geringste hält.
+ Wenn _Geber_, _Jud_, _Moslim_ vor der Altäre Stufen
+ _Ormusd_, _Jehova_ und _Allah ist gross!_ ausrufen,
+ So flehen alle drei in Unterthänigkeit
+ Zur Majestät des Herrn, der Welten Glück verleiht,
+ Es möge ihm in dieser Welt von allen Dingen
+ Kein einziges nach seines Herzens Wunsch gelingen![778]
+
+Zu Schiras wurden fünf Tomane Goldes in Sachen des Papiergeldes ausgegeben.
+Da das Papier, in welchem das Capital der Männer von Verdienst bestand, auf
+vierzig Weisen ging von Hand zu Hand, so hätte der, welcher heimlich von
+den Nowaben der Papierfabrik einen Teller Goldes hätte erwirkt, spurlos wie
+das Gold sein Dasein verwirkt. Zu dieser Zeit wurde an einen Bruder der
+Reinigkeit (an einen guten Freund) wie es scheint, das folgende Bruchstück
+verfertigt und in der gehörigen Form abgefertigt: »Der Sicherheit Kiel
+laufe auf dem Blatte der Wohlfahrt für NN. zum Ziel! und Gott helfe Dir, wo
+Du immer sein mögest, gleichviel! Der aufrichtige Wohlwünscher und ganz
+eigene Sehnsüchtige legt gleich der Feder den Gürtel freundschaftlicher
+Liebe um die Mitte an; er hat den Mund zu wohlduftendem Preise und
+eröffnendem Wunsche aufgethan, und stellt das Gesicht reinen Verhältnisses
+weiss und klar mit Schriftzeichen der Aufrichtigkeit folgendermaassen dar:
+Das offene Feld der Sehnsucht nach dem Umgange mit dem Freunde, dem
+vertrauten, welcher süsser als das gewöhnliche Leben, hat sich Perlen
+gleich so ausgebreitet, dass es unmöglich ist, die Länge und Breite dieses
+Feldes mittels der Messkunst des zweizüngigten Kieles und mittels der
+Quadratfläche des zweigesichtigen Papieres,
+
+»_Dieses ist heut in der Welt eben so wenig zu finden als der Ambra_,«
+
+auszumessen. Schon geraume Zeit ist's, dass die goldenen Papageien der
+Federn, welche das Wort ausschreien:
+
+ »_Mittels der Federn werden die Länder regiert_,«
+
+von der Moschustränke der Gnaden des Tintenzeuges dem weissen Silbersitze
+der Gärten der Wörter nicht zugeflogen, und dass die Gesandten
+freundschaftlicher Anzeige aus dem _Kairewan_ des Westens nach dem Lande
+des Südens Botschaft bringend ausgezogen. Wenn das Gemüth Gedanken und
+ihren Ausdruck flieht, so muss der Kiel der Denkkraft auf eingebildetem
+Blatte weilen oder die rothe Thräne die Schwärze des gekränkten Auges
+heilen. Es wird erwartet, dass einige Blätter jener Art, von welchen allein
+vor diesem Freund die Rede (einige Blätter Papiergeldes) _wie Blätter der
+Bäume voll Glanz, wie Busen der Schönen geglättet ganz, hell wie das
+aufgehende Licht und wie der aufrichtige Morgen, wenn er anbricht_, die
+Klagen der auf den Kopf geschlagenen Feder stillen werden. Bliebe aber das
+Gesicht dieser begehrten Sicherheit in den Schleier der Verweigerung
+verhüllt, so ist dieses Stoffes genug, dass der trauernde Kiel der Klage
+über Unterdrückung nach dem Papierhemde der Bedrückten lange und das
+Gestöhne der kratzenden Feder bis zum Gipfel des Himmels Merkur's, des
+Schreibers des Himmels, gelange; dass der Kiel mit der Zunge _Chakani's_
+aus Schirwan, des Chakans der Bedeutungen, diesen Vers anwende:
+
+ Für mich sei Freundeshand als Klägerhemd gewandt,
+ Weil er verweigert mir die Feder, das Papier,
+
+und demselben sende.« Als nun die Klage der Erde und der Stunde gedrungen
+zu des Himmels Runde, als die That und das Messer drang in die Seele ein
+und das Messer geschnitten bis an das Bein, als der Strom gelangt war zum
+Munde, stellten die Emire und Nuwianen einstimmig dem Herrn des Diwans vor:
+Wenn dieser Zustand noch einige Zeit dauert; so ist aller Glanz der Länder
+aufgegeben, und es ist unmöglich die weitere Verwirrung zu heben:
+
+»_Willst du, dass man dir gehorche, so fordre nur das Mögliche!_«
+
+Da ergingen wirksame Befehle, dass man das Papiergeld abstelle. Gesandte
+gingen nach allen Seiten, um die Abschneidung des Bösen und Einkleidung
+dieser Maassregel einzuleiten. So ward durch Gottes, des Allmächt'gen,
+Gnade dieses ungeheure Unglück:
+
+ _Koransvers_: Weist du, was da die Flammenwuth?
+ Es ist der Hölle brennende Gluth![779]
+
+abgekehrt und den Gemüthern aller Völker Freude gewährt. Vornehme und
+Gemeine sagten:
+
+»_Gott sei gelobt und gebenedeit! Er hat von uns abgewendet die
+Traurigkeit; denn Er ist unser Herr, der Allen Alles verzeiht; Er liebet
+die Dankbarkeit._«
+
+
+
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+Druckfehler.
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+ 8 17 v. u. statt Recht lies recht
+ 9 9 v. o. st. Ocean l. Onon
+ 11 7 -- -- st. Sprache l. Aussprache
+ 13 8 -- -- st. vier l. vierzig.
+ 15 16 v. u. st. Gjawr l. Gjawe
+ 16 7 v. u. st. der l. das
+ 21 16 v. o. st. Begi l. Bigi
+ 24 2 v. u. st. Tschitschejan l. Tschitschegjan
+ 26 9 v. o. st. darnieder l. worunter
+ 27 17 v. u. st. geschossener Pfeile l. geschossenen Pfeilen
+ 32 9 v. u. st. Thronbesteigung als l. Thronbesteigung, zweimal als
+ -- 14 v. u. st. die Tataren l. der Tataren
+ 33 15 v. o. st. Karachetai l. Karachatai
+ 35 12 v. u. st. Minkburni l. Mankburni
+ 36 15 v. u. st. Sonne der l. Sonne des
+ 43 13 v. u. st. Temur l. Timur
+ 50 3 v. u. st. Mohakkah l. Mohakkak
+ 65 8 v. o. st. Von der l. An der
+ 70 16 v. u. st. am Berge l. vom Berge
+ 72 10 v. u. st. hatten l. herrschten
+ 75 13 v. u. st. Nami l. Nemi
+ 78 4 v. u. st. denselben l. demselben
+ -- 3 v. u. st. erlegen l. erlagen, st. ob denselben l. vor demselben
+ -- 2 v. u. st. derselben l. desselben
+ 81 am Rand st. Gemahlin l. Gemahlinnen
+ 87 1 v. u. st. Journal II. l. Journal asiatique II.
+ 93 13 v. o. st. Weg zu l. Weg zur
+ -- 5 v. u. st. Schebehun l. Schebchun
+ 96 5 v. o. st. und um l. nur um
+ 102 11 v. u. st. dem Adlerneste, dem Hauptsitze l. das Adlernest,
+ den Hauptsitz
+ 109 4 v. o. st. Chalweih l. Chaleweih
+ 117 14 v. o. st. Betekdschi l. Bitekdschi
+ 121 2 v. o. st. einer gleichen l. mit gleicher
+ 124 13 v. u. st. Intendanten l. Intendenten
+ 125 8 v. u. st. des Musters l. des Gründers
+ 163 4 v. u. st. by Naima l. by Neumann
+ 178 9 v. o. st. vor der l. von der
+ 180 9 v. u. st. Thierangels l. Thürangels
+ 185 7 v. o. st. Telbaschil l. Telbaschir
+ 186 11 v. o. st. Hama's oder l. Hama's und
+ 187 4 v. o. st. Quelle entsteigt l. Quelle entspringt
+ -- 18 v. u. st. Amrolkai l. Amrolkai's
+ 189 6 v. o. st. des Turbeysel l. das Turbeysel
+ 208 17 v. o. st. Mahribi l. Mahghribi
+ 211 17 v. u. st. Maillenschläger l. Mailleschläger
+ 214 15 v. o. st. nur vom l. nie vom
+ 214 13 v. u. st. nur eines l. nur der eines
+ 232 7 v. u. st. Ammer l. Aammar
+ 237 4 v. o. st. Betha's l. Batha's
+ 237 11 v. o. st. war ein Vergrösserer l. war ein weit grösserer
+ 239 7 v. o. st. Wenn nur das Glück wie die Beisitzer wäre,
+ l. Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre,
+ 240 2 v. u. st. geistiger Dichter l. persischer Dichter
+ 241 3 v. o. st. Hamkjar l. Hemkjar
+ 242 18 v. u. st. Aasa l. Osa
+ 253 14 v. u. st. Ville Hardouin l. Villehardouin
+ 259 3 v. o. st. Mogholtei l. Mogholtai
+ -- 9 v. o. st. dem Herrscher l. des Herrschers
+ 261 12 v. u. st. Armen l. Arme
+ 262 1 v. u. st. Kuhdschu l. Kukdschu
+ 268 13 v. o. st. Ferjab l. Farab
+ -- 15 v. o. st. Ferjabi l. Farabi
+ 274 5 v. u. st. Kejanenen l. Kejanen
+ -- 17 v. u. st. Vasal l. Vassal
+ 276 12 v. o. st. Mewlane l. Mewlana
+ 280 2 v. u. st. nisadin l. nihaden
+ 283 8 v. u. st. Aufgestochenen l. aufgestochenen
+ 291 2 v. u. st. Suhuri l. Sughuri
+ 293 17 v. u. st. Mineddin l. Moineddin
+ 303 16 v. o. st. Mekka l. Mocha
+ 308 14 v. o. st. (der Oheim Abaka's) l. (der Bruder Abaka's)
+ 315 13 v. u. st. Buse l. Busse
+ 318 13 v. u. st. Denn stets l. Du stets
+ 320 4 v. u. st. nur diesem l. nur in diesem
+ 329 8 v. o. st. Zehrgnadenamt l. Zehrgadenamt
+ 345 10 v. o. st. mir nun l. mir nur
+ -- 14 v. u. st. Rumi's l. Rum's
+ 352 17 v. o. st. gleichzeitig mit l. gleichnamig mit
+ 365 8 v. u. st. und Feder und setzte l. und Feder, setzte
+ 367 5 v. u. st. beizustehn l. beizustehen
+ 374 15 v. o. st. einheimischer Herrscher Herrschaft l. einheimischer
+ Herrschaft
+ 375 8 v. u. st. dass das l. dass sie das
+ 393 11 v. u. st. Derwische Fakir l. Derwische als Fakir
+
+Noch ist zu bemerken, dass durch ein Versehen der Druckerei die in eigenen
+Namen als lange geschriebenen ſ durchaus als kurze gedruckt worden, was
+ebenso wenig gleichgültig, als es im Deutschen gleichgültig ist
+ K r e i ſ'  oder  K r e i s,  r e i ſ'  oder  R e i s  zu schreiben. Mit
+lindem ſ sind also auszusprechen: Abulghaſi, Abderreſak, Aſerbeidschan,
+Aaſiſ, Bacherſ, Bediieſ-ſeman, Chuareſm, Chumiaſ, Chuſistan, Dsheſire,
+Dchuſistan, Erſendschan, Faſl, Faſluje, Firamurſ, Firuſ, Firuſi, Ghaſa,
+Ghaſali, Ghaſna, Hafiſ, Haſret, Heſar, Heſarsif, Irſi, Iſeddin, Jeſd,
+Kjarſun, Kjariſ, Kirgiſ, Kaſwin, Kiſil, Kotoſ, Legſi, Maſenderan, Merſeban,
+Meimundiſ, Merkeſ, Mobariſeddin, Moiſ, Moheſib, Moſaffereddin, Newruſ,
+Nimruſ, Niſam, Niſameddin, Oghuſ, Oneiſe, Ormuſd, Paiſe, Raſieddin, Rabſ
+(besser Rabdh), Sebſ, Sebſewar, Sekiſ, Schahdiſ, Schiraſ, Schirſad, Taſik,
+Tebriſ, Teguſ, Toghuſ, Tokuſ, Tschengiſchan u. a. m.
+
+
+
+
+Fussnoten.
+
+
+[1] Fraehnii de Ilchanorum seu Chulagidarum nummis Commentatio. Petropoli.
+1831.
+
+[2] v. J. d. H. 653 (1255) bis 754 (1353).
+
+[3] Leurs fils actuellement s'imaginoient, qu'ils avoient été connus aussi
+autrefois sous le nom de Mogols. Rechideddin. Journal asiat.
+
+[4] Des peuples turcs qu'on nomme maintenant Mogols, mais dont chacun
+anciennement avoit un nom particulier. Rechideddin. Journ. asiat.
+
+[5] _Be Moghol manende schude end_, welche den Mongholen _ähnlich_ waren,
+an dieselben _mahnen_, denn das persische _Manende_ und das deutsche
+_Mahnende_ ist eins und dasselbe.
+
+[6] Dieser Umstand ist bisher allen mongolischen Geschichtschreibern,
+welche sich über den Ursprung des Namens der _weissen_ und _schwarzen_
+Tataren den Kopf zerbrochen, entgangen.
+
+[7] An anderen Orten heisst er Sungtai.
+
+[8] Meters u rast gui.
+
+[9] Reschideddin.
+
+[10] Weg durch die Gebiete der _Sunit_ Mongolen nach Timkowsky in Ritters
+Asien II. S. 356, auf D'Anville's Karte Souhit, bei Ssetsen _Ssunid_.
+
+[11] _Sekis Muran_, bei Abulghasi sind die Namen derselben sehr
+verstümmelt, bei Reschideddin sind doch wenigstens vier derselben zu
+erkennen, nämlich die _Irkut_ im _Ikra Muran_, die _Oka_ im _Aka Muran_,
+die _Biela_ im _Tschaghlan Muran_, d. i. Weissfluss, die obere _Tunguska_
+in _Dschurdsche Muran_ (Dschurdsche ist der Namen der Tungusen), endlich
+die _Ankara_ und der _Kem_ (Jenisei), in den sie fällt, ganz unverändert.
+
+[12] Das Christenthum desselben bezeugt Reschideddin ausdrücklich: daaweti
+Isa peighamber aleihi selam ba ischan reside we bedini wei der amedend,
+d. i. der Ruf (der Mission) des Herrn Jesus des Propheten kam zu ihnen und
+sie nahmen dessen Glauben an.
+
+[13] Ueber das Land _Tendum_ M. Polo's in Ritters Asien I. S. 248-256 nach
+Klaproth.
+
+[14] Bei Ssetsen.
+
+[15] _Abika_ und _Begtutmisch_.
+
+[16] _Sijurkukteni_, die Gemahlin Tuli's, war nicht die Tochter, sondern
+die Nichte Owang Chan's; bei Ritter I. S. 297 wird sie mit _Turakina_, der
+Gemahlin Ogotai's, vermengt.
+
+[17] Unter denen die _Kerait_, _Merkit_, _Uirat_, _Dschadscherat Tatar_,
+_Katkin_, _Durban_, _Saldschiut_.
+
+[18] _Jeksarik_ oder Niksarit.
+
+[19] Türken sind auch die _Turkatun_, eine Art Wachen, deren nur
+_Abulghasi_ und nicht Reschideddin erwähnt, die _Tilengut_ (Tekait), welche
+Reschideddin unter den Tataren, und die _Mankut_, die er mit den _Nirunen_
+aufzählt.
+
+[20] Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 227 und 372, und Ritter s.
+ebendas.
+
+[21] D'Ohsson Hist. d. Mongols I. p. 22 notes und nach demselben Ritters
+Asien I. 439.
+
+[22] Deguignes L. I. p. 26.
+
+[23] Im Damme Gog versperret waren die Mongolen,
+ Und nahmen dann in Anspruch Würd' und Stamm der Türken.
+ _Kemal Ben Ghajass_.
+
+[24] Rubruquis und Timkowsky.
+
+[25] Timkowsky's Reise nach China. Wien 1826. I. B. S. 228. 244. II. 14.
+
+[26] Reschideddin führt dabei die folgenden Verse an:
+
+ Die Donnerwolk' als Krokodil die Welt durchläuft,
+ Das aus dem Meere steigt mit Ingrimm schwarz beschweift,
+ Sie grinnet als ein Drach, der Unheil prophezeit,
+ Und zwischen Gaum' und Zahn nur Rauch und Feuer speit.
+
+[27] Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 109.
+
+[28] Ebend. S. 407. 408.; über Tschengischan's Begräbnissort s. Ritter I.
+238. 482. 504. 506.
+
+[29] _Konghirat_, _Ikiras_, _Olkonut_, _Karanut_, _Kurlas_, _Kinkut_,
+_Ildschegin_.
+
+[30] Udawkai Jabudak.
+
+[31] In Reschideddin _Karawin_, _Haidun_ oder _Hidun_; bei D'Ohsson I.
+Caraoun Tchidoun u. p. 73 Caravoun Cabdjal.
+
+[32] So heissen in der osmanischen Reichsgeschichte die engl. Bothschafter
+die _Grosshirnichten_ oder _Grossnasichten_. Geschichte des osm. Reichs V.
+532.
+
+[33] Schmidt's Geschichte S. 107.
+
+[34] In der Sprache der Naimanen, in der mongolischen _Bekaul_.
+Reschideddin.
+
+[35] _Binaketi_; bei Ssetsen, der alle Daten der Geschichte Tschengischan's
+verwirrt, ist diese Geschichte in das Jünglingsalter Tschengischan's
+hinaufgerückt. Reschideddin.
+
+[36] Diese Ringe hiessen _Kur_ oder _Kewr_, was dasselbe Wort mit dem
+persischen _Kaer_, wie die Steingräber in Schottland heissen.
+
+[37] Die chinesischen Quellen geben die Geburt Tschengischan's ohne alle
+Datenbestimmung des Monats und Tages um 7 Jahre zu spät an, im J. 1162;
+dieselben verdienen hierin weit weniger Glauben als Reschideddin, welcher
+seine Geschichte aus den mongolischen Archiven verfasst, und Wassaf,
+welcher die Berechnung der chinesischen Cyklen gibt und dann zu Ende der
+Regierung eine chronologische Uebersicht von Jahr zu Jahr beifügt.
+
+[38] H. v. Ohsson sagt: Goulgan, dont on ne connoit que le nom; aber
+Reschideddin meldet, dass Gulgan's Sohn Kodscha nach seines Vaters Tod 6000
+Mann erhielt, dass dessen Sohn Urdui ein Hofdiener Kubilai's war und dass
+Urdui's Sohn Abukian, weil er es mit Kaidu und den mongolischen Prinzen
+hielt, hingerichtet ward.
+
+[39] Dschurdschtai und Dschawur -- Urdschaten.
+
+[40] H. v. Ohsson p. 419 kennt nur fünf: 1. Kutschi (Fudschin) begi, 2.
+Tschitschegjan, 3. Alakai, 4. Tumalin, 5. Ultalin, 6. Ilalu, diese fehlt
+bei D'Ohsson.
+
+[41] Reschideddin.
+
+[42] Derselbe im Hauptstücke der Söhne Jisukai's.
+
+[43] Wassaf im Hauptstücke Tschengischan's.
+
+[44] Bei D'Ohsson Schebourgha.
+
+[45] Reschideddin im Hauptstücke von den Tataren.
+
+[46] Bei Schmidt _Torghan Schaain_, bei d'Ohsson _Scheburghan_.
+
+[47] Bei d'Ohsson p. 72 _Kischlik_ und _Badai_.
+
+[48] _Örlök_ ist wohl Nichts als das türkische _Erlik_ -- Mannhaftigkeit.
+
+[49] Bei Schmidt _Torghon Schaara_.
+
+[50] Bei Schmidt S. 381 _Muchuli_.
+
+[51] Bei Schmidt S. 381 steht _Sso Mergen_, die Dschurdschid (welche ein
+Zweig der Uirangkut), S. 87, wo Subutai Behadir statt der Uirangkute der
+_Dschurdschid_ genannt.
+
+[52] Die Bedeutung gibt Reschideddin.
+
+[53] Bei Schmidt _Chara Kiragho_.
+
+[54] Schmidt S. 89.
+
+[55] Schmidt glaubt, unter den Vierfarbigen seien die Stämme der vier Uirat
+zu verstehen, unter den Fünffarbigen die anderen Mongolen.
+
+[56] _Köke Mongol._
+
+[57] _Jekta_, bei Wassaf im Gegensatz der _Ssu Monghol_.
+
+[58] Schmidt S. 95.
+
+[59] Bei d'Ohsson S. 419 fehlt dieselbe, aber S. 111 wird sie _Altunbegi_
+genannt.
+
+[60] _Dschawut Kuri_, auf chinesisch sagt Reschideddin _Emiri moasem_,
+d. i. Grossfürst.
+
+[61] _Owangchan_, Herr eines Reichs; Padischahi jek mulk.
+
+[62] Kojang übersetzt Reschideddin Padischahi jek nahiet, d. i. Monarch
+eines Distrikts.
+
+[63] Wassaful-hasret.
+
+[64] Schemschul-munschi.
+
+[65] Wassaf.
+
+[66] Die Jasa in Makrisi.
+
+[67] The Shajrat ul Atrak. London 1838. p. 32.
+
+[68] Noch heute im Arabischen: Muschar bil bunan.
+
+[69] XXV. Wort Tschengischan's in Reschideddin.
+
+[70] Von Lafontaine bei der Audienz eines kais. Gesandten einem Türken in
+den Mund gelegt.
+
+[71] Mirchuand.
+
+[72] The treaty made between Kurachar Noyaun and Changeez Khan. _The
+Shajrat ul Atrak_ p. 367; und ebend. p. 381: The covenant renewed between
+Changeez Khan and Kurachar Noyaun.
+
+[73] The Shajrat ul Atrak S. 354.
+
+[74] Timur, der Sohn Emir _Tharagai_ Nujan's, des Sohnes _Tukil_ Nujan's,
+des Sohnes Emir _Belegir_ Nujan's, des Sohnes Emir _Itschil_ Nujan's, des
+Sohnes Emir _Karadschar_ Nujan's; _Abder-vesak_ im _Matlaa es-saadein_.
+
+[75] Nicht _Berolas_, wie Freih. v. d'Ohsson schreibt; im dschaghataischen
+zu Calcutta gedruckten Wörterbuche S. 116.
+
+[76] I. J. 652 (1254).
+
+[77] _The Shajrat ul Atrak_ p. 198. 344. 347. 352. 355. 366; die Namen sind
+aber alle so verstümmelt, dass sie kaum zu erkennen, nämlich _Irdümdschi_
+als Eeroomchi, _Kadschulai_ als Kuchooli, _Songhur Tschitschan_ als Sooghoo
+chi chun.
+
+[78] Wassaf.
+
+[79] Bei Rubruquis _Griut_.
+
+[80] Stritter p. 50. Step. Kniga. I. 342. Rubruquis.
+
+[81] Rubruquis.
+
+[82] Memoir of Baber.
+
+[83] Bergman I. 60.
+
+[84] Wassaf.
+
+[85] Stritt III. 60. _docheia_ eorum lingua vocant; das persische _Dachme_.
+
+[86] Batu, der Herrscher von Kipdschak, sein älterer Bruder Orda und die
+anderen _Scherban_, _Berke_, _Berketschar_, _Tukatimur_, _Bina Timur_.
+
+[87] D'Ohsson II. 193; nach Remusat.
+
+[88] Mohakkak anest ki chodra berawicht, ausgemacht ist es, dass er sich
+erhing. Reschideddin.
+
+[89] D'Ohsson II. 67; nach Mailla p. 115.
+
+[90] Mailla ebend.
+
+[91] Die Hauptstädte Uighuristan's sind: _Almaligh_ und _Pischbaligh_
+erhielt den Ehrennamen der guten Stadt, _Kotloghbaligh_; wie Bamian den der
+bösen, _Mobaligh_.
+
+[92] Rubruquis chap. 44.
+
+[93] Reschideddin.
+
+[94] Guillaume; bei Rubruquis 44.
+
+[95] Bei Rubruquis 33. _Cerasine_ soll _Tarasun_ heissen.
+
+[96] Reschideddin.
+
+[97] Dieser Frühlingssalon fehlt bei d'Ohsson II. 85., sowie
+_Terghubaligh_.
+
+[98] In der Nähe des hohen Bergs _Urmuchtu_ gingen wir herab bis auf die
+Auen des Flusses _Schara_. Pallas Reisebeschreibung I. S. 79.
+
+[99] Mirchuand, fehlt bei d'Ohsson S. 73.
+
+[100] Reschideddin.
+
+[101] Bei Plan Carpin chap. 14. le _Secretaire Chinguy_.
+
+[102] Peigbamter es tarafi choda; dschagataisches Wörterbuch, gedruckt zu
+Calcutta.
+
+[103] Bei d'Ohsson II. p. 85 Keusche, p. 195 geuca; in der Handschrift der
+Geschichte Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek Kösche.
+
+[104] Wassaf nennt von dem Uluse Dschagatai's: _Kisil_, _Buri_, _Paidar_,
+_Jesenbuka_, und dem Uluse Batu's: _Hirdu_, _Bersebai_, _Berke_,
+_Berkedscha_.
+
+[105] _Bajoth noi_, Bajoth est son nom propre, et _Noy_ est un nom de
+dignité. Plan Carpin chap. 10. soll heissen _Baidschu Nojan_ oder _Nowin_,
+was richtig der mongolische Fürstentitel.
+
+[106] Be takallub u tehewwur maaruf heisst heftig und wankelmüthig, nicht
+grave et severe, wie bei d'Ohsson II. 234.
+
+[107] Mirchuand und Dschihanguschai.
+
+[108] Mirchuand.
+
+[109] Plan Carpin chap. 9.
+
+[110] Mirchuand.
+
+[111] Plan Carpin ch. 9.
+
+[112] Au côté droit personne n'étoit assis; ebend.
+
+[113] Reschideddin. Mirchuand.
+
+[114] Bei d'Ohsson II. 249. irrig le général Mangoussar.
+
+[115] Wassaf.
+
+[116] Derselbe.
+
+[117] Dschihanguscha u. Mirchuand und nach demselben d'Ohsson II. 272.
+
+[118] Bei Rubruquis chap. 29. _Jani_ statt _Jam_.
+
+[119] Wassaf; bei d'Ohsson II. 263. à sept.
+
+[120] D'Ohsson II. 267. hat aber Nichts vom Folgenden.
+
+[121] Wassaf.
+
+[122] Firischte und nach demselben d'Ohsson II. 280.
+
+[123] Fethol-fatuh.
+
+[124] Kiran Saadein; dieser Titel ist das Muster des _Matlaai Saadein_,
+d. i. der Aufgang zweier Glückssterne von _Abderresak_.
+
+[125] Dschihannuma S. 281.
+
+[126] Von diesen ist in Deguignes keine Kunde; Wassaf behandelt aber im 13.
+Kap. des IV. Buchs unmittelbar vor der Eroberung Kerman's ihre Geschichte,
+welche auch im Munedschimbaschi und im Dschihannuma S. 279 wiederholt ist.
+
+[127] _Melikol-gharb._
+
+[128] Geschte war, gischte pflanzte, küschte erschlagen, diwan Plural von
+_Diw_ und Diwan die Rathsversammlung.
+
+[129] i. J. 566 (1170).
+
+[130] seit 576 (1180).
+
+[131] seit 629 (1231).
+
+[132] seit 464 (1071).
+
+[133] i. J. 814 (1411).
+
+[134] i. J. 629 (1231).
+
+[135] I. J. 606 (1209).
+
+[136] Von 1209-1349.
+
+[137] Geschichte Taberistan's und Masenderan's von Sahireddin, auf der
+kaiserl. Bibliothek zu Wien, schon in der Geschichte der Assassinen S. 230
+benützt, wo statt _Badusian_ _Badusgan_ gedruckt.
+
+[138] _Ben Dschil_, _B. Gilan_, _B. Firus_, _B. Nersi_, _B. Dschaut_.
+
+[139] i. J. 610 (1214).
+
+[140] En ce même tems les Ambassadeurs de Vastarce étoient logés bien près
+de nous. Rubruquis. Ch. 32.
+
+[141] Dschamischi Mirchuand.
+
+[142] _Dschurdsche Ikadschi_ die Mutter Kuchurtai's, _Il Ikadschi_ die
+Mutter Huladschu des zwölften Sohnes, und die Mutter des vierten Sohnes
+_Tedekadu_.
+
+[143] Les femmes ont un ornement de tête, qu'ils appellent _Botta_. Rubruq.
+ch. 15.
+
+[144] _Banui Mehin._
+
+[145] Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256), gest. 16. Moharrem
+681 (26. April 1282), welcher aber ein Donnerstag, nicht ein Montag, wie in
+Reschideddin vermuthlich durch Schreibfehler, sowie der 23. October 1256
+ein Montag und nicht ein Sonntag war.
+
+[146] Reschideddin im Abschnitte der _Uirat_.
+
+[147] Im Schedschretol Etrak S. 243 heisst er _Tumgha Oghul_; his eldest
+son soll heissen: sein jüngster Sohn; der älteste war Abaka.
+
+[148] Bei Bar. Hebräus ex parte Schagatai Techodar p. 536.
+
+[149] Bei Bar. Hebr. Bulghai filius _Sibkani_ et _Kotar_ et _Koli_.
+
+[150] Relation de l'expédition de Houlagou par Abel Rémusat. Journal
+asiatique II. p. 283.
+
+[151] Ganz übereinstimmend mit dem, was hierüber Rubruquis ch. 29 und Plan
+Carpin 145 berichten, und nach ihnen Ritter, Asia I. S. 429.
+
+[152] Mirchuand.
+
+[153] Das Dschihannuma nennt S. 353 _Rudi Dschadsch_, _Rudi Hasek_, _Rudi
+Dschowan_ und die beiden aus dem Stadtthor fliessenden _Nehr Kassarin_,
+d. i. der Fluss der Walker, und _Nehr Eswed_, d. i. der schwarze Fluss.
+
+[154] _Kohondos_ ist das Schloss, _Scharistan_ die Stadt, _Rabsch_ die
+Vorstadt; die Namen der Thore im Dschihannuma: das _eiserne_, das des
+_Flusses_, das _Abdallah's_ und das _Turkistan's_, welches der Namen eines
+vor demselben gelegenen Dorfes.
+
+[155] als _Kebtaul_(?); Reschideddin sowohl unter dem Artikel _Dschelair_,
+als unter dem _Uirat_.
+
+[156] Reschideddin nennt acht: _Kerrai Melik_, _Turaschi_, _Newrus_,
+_Legsi_, _Dschami_, _Jutkotlogh_, _Bulduk_, _Uiratai_.
+
+[157] Im Schedschretol eschrak S. 243 ist der Name _Scheburghan_ in
+_Surghan_ verstümmelt, und gleich das _Chuarschah_ in _Chuaresmschah_.
+
+[158] Dschihannuma S. 316.
+
+[159] Dschihannuma S. 322 Nushetul-muschtak.
+
+[160] Quatremère mémoire historique sur la vie et le ouvrages _d'Alaeddin
+Ata Melik Djouaeiny_, mines de l'orient I. p. 220.
+
+[161] Nushet.
+
+[162] Reschideddin, schon im Journal asiat. übersetzt.
+
+[163] _Takwimol-boldan_, die Ephemeriden der Länder.
+
+[164] _Nushetol-Kolub_, die Ergötzungen der Herzen.
+
+[165] _Dschihannuma_, die Weltschau.
+
+[166] Schebchun awerdend dscherkera charab kerdend; aus der fehlerhaften
+Schreibart des Manuscripts der Hofbibliothek sind in der französischen
+Uebersetzung irrig zwei eigene Namen von Cheikhorun und Herke entstanden;
+so heisst in der Geschichte der Assassinen _Keitbuka Nujan_ irrig
+Kajukanian.
+
+[167] _Sirkuh_ im Dschihannuma S. 326 mit den Namen der drei dazu gehörigen
+Flecken.
+
+[168] _Mobareseddin Ali Turan_ und _Schudschaaeddin Hasan_.
+
+[169] In Reschideddin ist hier eine Verwirrung der Daten, indem das Jahr
+nicht richtig angegeben; nämlich 651 statt 653, wie aus dem Nushet zu
+ersehen.
+
+[170] _Mohteschim_, so hiessen die Commandeure der Assassinen.
+
+[171] Achlaki Nassiri.
+
+[172] Auf Fraser's Karte _Ghain_ oder _Kain_.
+
+[173] Nushet und nach demselben das Dschihannuma S. 325.
+
+[174] _Chawwaf_ und _Sawa_, ebend. S. 319.
+
+[175] Den Namen Keitbuka verstümmelt der Uebersetzer des
+Schedschretol-etrak in Kunooka S. 245, sowie den Sultan Aegyptens,
+_Seifeddin Kotus_, in Syfe-ud-din Furdooz und _Jaschmut_ in Bishmoot.
+
+[176] 203 (818).
+
+[177] I. J. 193 (809).
+
+[178] Gest. im J. 411 (1020).
+
+[179] Im Dschihannuma S. 318 durch Druckfehler Senabad.
+
+[180] Narrative of a journey into Khorassan 444.
+
+[181] Fraser 519.
+
+[182] Terghu, dies ist der wahre Sinn, der in der französ. Uebersetzung im
+journ. as. verfehlt ist: les dames reçurent des titres.
+
+[183] Manuscript, Mirchuand, Dschihannuma S. 323. bei Quatremère mémoire
+d'Ata Melik dasselbe unrichtig Djouvuchan und unrichtig nach der Eroberung
+Alamut's.
+
+[184] Beigtimur Kurdschi, Sahireddin Sipehsalar Bitekdschi, Schati Emir.
+
+[185] Fraser nach Price im J. 242.
+
+[186] I. J. 261 (874).
+
+[187] Seine Lebensbeschreibung die 42. im Nefhatol Ins. Dschami's.
+
+[188] Gest. i. J. 858 (1454).
+
+[189] I. J. 875 (1470).
+
+[190] Geschichte des osm. Reichs II. B. S. 76 und S. 351, wo die Titel von
+zwanzig seiner Werke.
+
+[191] Merketai und Ikilmisch.
+
+[192] _Reiseddewlet_ und _Muwafikeddewlet_.
+
+[193] _Suseni_, nicht _Rouveni_, wie in der französ. Uebersetzung.
+
+[194] _Ssadreddin_, _Sahireddin_, _Tolek Behadir_ und _Berrak_ (der erste
+fehlt in der franz. Uebersetzung).
+
+[195] Nicht Koudraghoul, wie in der franz. Uebersetzung.
+
+[196] Morier second journ. 363.
+
+[197] Firuskjuh, auf der Strasse von Demghan nach Tehran, nahe bei
+Demawend, auf Frasers Karte; nach dem Nushet ebenfalls hart an Demawend
+gelegen; in Dschihann. S. 339 unter _Girdkjuh_.
+
+[198] Morier second journey p. 357.
+
+[199] The wretched village of Abbasabad. Fraser 248.
+
+[200] Thalkan, wie Semnan, eine Stadt der _Tocharistan_ genannten
+Landschaft. _Nushet_.
+
+[201] _Meimundis_ findet sich weder im Manuscript, noch im Dschihannuma, es
+scheint dasselbe _Meimend_ zu sein, was im Nushet.
+
+[202] _Sergūseschti Sidina._ Wassaf.
+
+[203] Nach ihm auch _Claproth_: »Hier erzählt man sich, er habe, als er
+eine 12 Werste von der Buchtana in einen Felsen gehauene Hieroglyphe nicht
+entziffern konnte, sie heraushauen lassen, um keinem anderen den Ruhm zu
+lassen.« Briefe aus Sibirien; im Ausland Nr. 102 vom 11. April 1836.
+
+[204] Traces of a very extended line of towers connected with walls and so
+situated as to appear to the gazer below absolute impregnable. I. p. 289.
+
+[205] Insgemein _Lemsir_ geschrieben; am 20. Silkide 495 (5. Sept. 1102).
+Wassaf.
+
+[206] Fraser p. 248.
+
+[207] Mulahide sachte end bighajet muhkemest.
+
+[208] Hamdallah und im Dschihannuma _Alamut_ S. 296, _Tun_, _Kain_,
+_Dschenabdar_ S. 325, _Muminabad_ S. 326.
+
+[209] Nach Reschideddin vom J. d. H. 477-654, nach Hadschi Chalfa v. J. d.
+H. 483 angefangen.
+
+[210] Ausführlich zu Ende des _Tarichi Güside_, kürzer im _Nushetol-Kolub_;
+nach beiden und nach dem _Tedwin_ Imam Rafii's, das Dschihannuma S. 293.
+
+[211] I. J. 463 der alexandrinischen Aere.
+
+[212] I. J. 204 (819).
+
+[213] I. J. 411 (1020).
+
+[214] I. J. 572 (1176).
+
+[215] I. J. 500 (1106).
+
+[216] I. J. 548 (1153).
+
+[217] Aasu Kaswine feinnehu min aala babil-dschenneti, Dschihannuma S. 293.
+
+[218] Morier second journey. p. 203.
+
+[219] Dschihannuma, ebend.
+
+[220] Adschaibol machlukat.
+
+[221] Charidetol-gharaib.
+
+[222] Tarichi Güside.
+
+[223] Nushetol-kolub.
+
+[224] Fersendani Aferinisch u Longtar.
+
+[225] Im J. 641 (1243); Nochbetettewarich, der Ort in Reschideddin.
+
+[226] Dschihannuma S. 299 und das Nushet.
+
+[227] Im J. 23 (643).
+
+[228] Im J. 320 (932).
+
+[229] Im J. 618 (1221).
+
+[230] Dschihannuma S. 300.
+
+[231] Morier second journ. p. 265. 269. Malcolm's Geschichte.
+
+[232] Am 1. Dchemasiul sani 627 (26. April 1230). Dewletschah,
+glaubwürdiger, als andere Daten, welche in der Geschichte der persischen
+Redekünste S. 141 durch Druckfehler verstümmelt sind, indem 727, 732 für
+719, 627, 632, 619 steht.
+
+[233] Haitho ch. 18; Marino Sanuto III. pars 13. ch. 5. und nach demselben
+d'Ohsson III. p. 81.
+
+[234] Vincent. Bellov. Spec. hist. L. XXXI. c. 28 und nach demselben
+d'Ohsson III. p. 83.
+
+[235] Bar. Hebr. und d'Ohsson III. 85.
+
+[236] Ascelin, bei Vincent de Beauvais und in Remusat's Mémoire sur les
+rapports des princes Chrétiens avec les Tatares, in den mémoires de
+l'Institut de France VI. p. 422.
+
+[237] Ebenda S. 426.
+
+[238] d'Ohsson III. 103-118.
+
+[239] Mirchuand.
+
+[240] Die grössere Umständlichkeit dieser Uebersicht hat noch die Kritik
+Herrn v. Poujoulat's im Temps 18. Mars 1836 angeregt, welcher findet, dass
+in der Geschichte des osm. Reichs die Anarchie des byzantinischen Reichs
+nicht ausführlich genug charakterisirt worden: Peutêtre devoit il mieux
+caractériser l'anarchie de l'empire grec morcelé par les croisades.
+
+[241] Elmacinus p. 255. -- Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln.
+
+[242] Nochbet; Sojuti.
+
+[243] Munedschimbaschi.
+
+[244] Sojuti, Munedschimbaschi.
+
+[245] Nochbet.
+
+[246] Sojuti und Nochbet.
+
+[247] Munedschimbaschi.
+
+[248] Emineddewlet we eminol-millet.
+
+[249] Moiseddewlet.
+
+[250] Adhadeddewlet.
+
+[251] Fachreddewlet.
+
+[252] Scherfeddewlet.
+
+[253] Ssamssameddewlet.
+
+[254] Behaeddewlet.
+
+[255] Imadeddewlet.
+
+[256] Iseddewlet.
+
+[257] Moschrifeddewlet.
+
+[258] Dschelaleddewlet.
+
+[259] S. Garcin de Tassy und S. de Sacy's Anthologie.
+
+[260] In Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln i. J. 397, 417, 424; im
+Munedschimbaschi i. J. 384 (994).
+
+[261] Im J. 443 (1051) und 458 (1065).
+
+[262] 460 (1067), Nochbet.
+
+[263] Nochbet.
+
+[264] I. J. 462 (1069); Nochbet.
+
+[265] I. J. 466 (1073) und i. J. 454 (1061).
+
+[266] Hei ala chairil ammel.
+
+[267] Nochbet.
+
+[268] I. J. 459 (1066).
+
+[269] Alparslan i. J. 465 (1072); Kaimbiemrillah i. J. 467 (1074).
+
+[270] Melekschah i. J. 485 (1092); Moktefi i. J. 487 (1094).
+
+[271] Das Nochbet nach dem _Ikdol-dscheman_ Ibnol-dschewsi's.
+
+[272] I. J. 514 (1120).
+
+[273] Re, Elif und folglich Raschid, und nicht Reschid, was der Beiname
+Harun's.
+
+[274] Rampoldi VII. 289.
+
+[275] Ruhol-aarifin.
+
+[276] _Danischmend._
+
+[277] _Muid._
+
+[278] Dschihannuma S. 466.
+
+[279] Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln und Kamus.
+
+[280] Haschischin.
+
+[281] Nochbet.
+
+[282] Ebenda nach Noveiri; bei d'Ohsson III. S. 89.
+
+[283] Wassaf.
+
+[284] d'Ohsson III. p. 200, nach Noveiri.
+
+[285] Horna an instrument of conveyance, the Pureyhorn, the Borrstalhorn,
+Brusshorn u. s. w., im dritten Bande der Archaeologia britannica I. 7.
+
+[286] Wassaf.
+
+[287] Derselbe.
+
+[288] Wassaf.
+
+[289] Nochbet.
+
+[290] Nochbet.
+
+[291] Nochbet, Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln.
+
+[292] Reschideddin.
+
+[293] Reschideddin.
+
+[294] d'Ohsson III. 222 gibt die Botschaft, aber nicht die Antwort, und
+sagt: Houlagou les congédia sans faire grande attention à leurs discours.
+
+[295] Dschihannuma S. 456.
+
+[296] Nökeri gesik.
+
+[297] Reschideddin setzt die Verse hinzu:
+
+ Was sind Ameisen mir, was Elephantenwuth,
+ Was Quell, was Fluss und was des Niles Fluth;
+ Und wenn sich der Befehl von Gott nun anders wendet,
+ Wer weiss wohl ausser Ihm, wie dieses Werk noch endet.
+
+[298] Bei Köschk Manssur ober Mesrike; Reschideddin. Wassaf sagt: in der
+Nähe von Dudscheil.
+
+[299] Wassaf.
+
+[300] Wassaf.
+
+[301] _Dscharlik_, eigentlich Diakon.
+
+[302] _Babol-Halbe._
+
+[303] Ein schiitischer Molla, welcher aus der Inschrift das _La_ (nicht)
+weglöschte, ward mit siebzig Stockstreichen bestraft. Wassaf. Mirchuand;
+Noveiri; bei d'Ohsson III. p. 243.
+
+[304] Das Schreiben des Langen noch bei Wassaf.
+
+[305] Reschideddin; Wassaf.
+
+[306] d'Ohsson III. 256. près de Hamadan où étoient restés ses Oghruks
+(Aghrik); das türkische Aghirlik heisst das schwere Gepäck.
+
+[307] _Adabes-Sultanijet._
+
+[308] Am 18. Ramasan 630.
+
+[309] Dschihannuma S. 346 und 347 ein volles Blatt.
+
+[310] Porter sagt hierüber II. 592. 593.
+
+[311] Dschihangir ne Dschihandar.
+
+[312] 1. _Moejeddin Ben Irsi_ von Damaskus, 2. _Nedschmeddin Kjatib_ von
+Kaswin, 3. Fachreddin von Mossul, gebürtig von Meraasch, 4. Fachreddin von
+Tiflis, gebürtig von Achlat.
+
+[313] als die von _Fachir_, _Alai_, _Schahi_, _Guschjar_. Wassaf. d'Ohsson
+III. 265.
+
+[314] _Tarichi Güside._
+
+[315] Ebenda.
+
+[316] Vahram's chronicle of the Armenian Kingdom in Cilicia translated by
+Neumann p. 47.
+
+[317] Haitho c. XXIII.; diese sieben Artikel sind die des Vertrags, von
+welchen die Geschichte Vahram's spricht, die als Antwort auf Neuman's Frage
+in der Note 67: Is this treaty to be any where found?
+
+[318] Sinebaldus Conestabulus regni Armeniae.
+
+[319] S. Martin Mem. II. scheint diese zwei Reisen _Sempad's_ mit den
+seines Bruders _Hethum_ vermengt zu haben.
+
+[320] Orpellian in S. Martin. Mem. II. p. 143.
+
+[321] d'Ohsson III. 268.; nach Dschuweini.
+
+[322] Derselbe S. 269.
+
+[323] Mouradjea d'Ohsson III. 271., nach Bar. Hebr. 530.
+
+[324] S. Martin Mem. I. 112. und Dschih. S. 602.
+
+[325] Der Aufmerksamkeit S. Martin's ist entgangen, dass Kaghzevan (das in
+seinem geographischen Register fehlt) dasselbe mit Kaghseman (Dschih. S.
+408).
+
+[326] S. Martin Mem. p. 145.
+
+[327] Dschihannuma S. 382 und Hamdallah.
+
+[328] Dschihannuma S. 426 und 425.
+
+[329] _Lobasanagut_ oder _Libasanagut_ oder _Lebasanagut_, nur der erste
+Vocal ist zweifelhaft.
+
+[330] Constantin Porphyrogenita.
+
+[331] Dschihannuma S. 419.
+
+[332] Reschideddin.
+
+[333] Beim Bar Hebr. _Maiphercata_.
+
+[334] Bar Hebr. nennt ihn _Aschraph fil. Malic Ghazi_; er hiess aber
+_Kjamil Ben Melik Mosaffer Ghasi_. Nochbet.
+
+[335] Beim Bar Hebr. _Aischmut_, bei Abulfeda IV. 573. _Samud_.
+
+[336] Bar Hebräus ch. 28.
+
+[337] Aus dem 94. Vers der VI. Sura.
+
+[338] Aus dem 226. Vers der XXVI. Sura.
+
+[339] Aus dem 97. Vers der XIX. Sura.
+
+[340] Die 16. Sure, die _Biene_; sie beginnt mit dem Verse: _Gekommen ist
+Gottes Befehl; beschleuniget nicht sein Gericht._
+
+[341] Das Ende der Sura _Ssad_, d. i. der 38., ist der Vers: _Und ihr
+werdet wissen, dass die Kunde wahr, nach einiger Zeit._
+
+[342] _Ummi._
+
+[343] Die ersten 4 Verse der LXXXII. Sura.
+
+[344] Anspielung auf den Ueberlieferungs-Spruch, der auf den Zifferblättern
+morgenländischer Uhren zu sehen: _Eddunja saatun fe edschaalha taaten_, die
+Welt ist Eine Stunde, gehorsam mach' die Runde.
+
+[345] Der 65. Vers der V. Sura.
+
+[346] Der 88. und 89. Vers der XIX. Sura.
+
+[347] Der 226. Vers der XXVI. Sura.
+
+[348] Gesch. des osm. Reichs I., nach Neschri, Seadeddin, Dschenabi.
+
+[349] Primo mense, d. i. des syrischen Jahres, welches Ende September
+begann. Bar Hebr.
+
+[350] Moazem filius Saladini magni beim Bar Hebr. p. 255 ist unrichtig,
+denn Ssalaheddin hatte keinen Sohn, der so hiess; es ist hier die Rede von
+dem ältesten Sohne Nassir's, welcher auch Ssalaheddin hiess, wie sein
+Grossvater.
+
+[351] Reschideddin.
+
+[352] Dschihannuma S. 593. Histoire des Sultans Mamlouks de l'Égypte par
+Makrizi, traduite par Quatremère I. 19.
+
+[353] _Bintol-Hafisa._
+
+[354] Schehabeddin Ben Amru's, das Nedschmeddin's, des Bruders Marsdekin's,
+das Basdedde's, das Alemeddin Kaissar's. Abulfeda IV. 579.
+
+[355] Bar Hebr. 556.
+
+[356] Bar Hebr.
+
+[357] Abulfeda IV. p. 579.
+
+[358] Reschideddin.
+
+[359] nicht vierzig Tage, wie Reschideddin sagt; Abulfeda gibt die Daten
+genau.
+
+[360] Reschideddin, Abulfeda IV. nennt den _Naib_ Amadeddin von Kaswin.
+
+[361] Abulfeda IV. 585.
+
+[362] Wilkens Geschichte der Kreuzzüge I. 180. II. 516. 633. III. 52. 82.
+90. 92. 219. Abulfeda III. 511. 583. 593. 755. IV. 35. 59.
+
+[363] Dschihannuma S. 597; der Richter von Harim zu Selkin, auf der Karte
+_Serkin_.
+
+[364] Abulfeda IV. 581.
+
+[365] Abulfeda IV. 587.
+
+[366] S. Martin Mem. II. 97. Dschihannuma S. 437.
+
+[367] Aini Hausile musemma bu ainden, d. i. aus einer Quelle, welche
+Beckenquelle heisst; es ist also unrichtig, wenn S. Martin p. 97 sagt: le
+Nymphius appellé actuellement _Aynathaoudh_.
+
+[368] Macdonald Kinneir.
+
+[369] Reschideddin setzt noch den Nassir von Haleb hinzu, was aber ein
+Anachronismus, indem dessen Hinrichtung erst nach der Niederlage von
+Aindschalut statthatte, welche, wie wir sogleich zeigen werden, später als
+die Eroberung von Miafarakain.
+
+[370] Da Abulfeda IV. 509 das Datum gibt, so bleibt kein Zweifel übrig über
+die Epoche des Falles von Miafarakain, wiewohl Reschideddin denselben erst
+nach der Schlacht von Aindschalut erzählt.
+
+[371] S. Martin Mem. I. p. 174.
+
+[372] Dschihan. S. 437.
+
+[373] Procop. de bello persico I. 5.
+
+[374] Γιλιγερδον. Theophanes IV. 1.
+
+[375] Haitho Histor. 24.
+
+[376] Hiernach wäre die Stelle in der Gesch. des osm. Reichs II. 448 bei
+einer neuen Ausgabe zu berichtigen.
+
+[377] Theophanes, Cedinus, Justinus und nach denselben Geschichte des osm.
+Reichs II. 443.
+
+[378] Dschihann. S. 441.
+
+[379] Theophylaktus III. 5. S. Gesch. des osm. Reichs II. 448 und 648.
+_Matha_ ist vermuthlich das Schloss der Magyaren und Beiramkai (Macdonald
+Kinneir p. 425) vielleicht das alte Beidum.
+
+[380] Cherefeddin bei La Croix ch. 37. p. 275.
+
+[381] Dschihannuma S. 443.
+
+[382] _Muwad_ und _Schesch_ 96, Reschideddin; also nicht 80jährig, wie
+d'Ohsson sagt.
+
+[383] Nochbet.
+
+[384] Bei d'Ohsson III. 322. Alakuh, der Statthalter Bondokdar's zu Haleb.
+
+[385] Bei d'Ohsson III. 373, nach Bar Heb. _Samdaghun_.
+
+[386] Dschemdschadar.
+
+[387] _Durghan_, Wassaf im V. Bande, Eingangs der Erwähnung des Zuges
+Hulagu's nach Westen.
+
+[388] _Chuthai Tebris_, Dschihannuma S. 381.
+
+[389] Ewlia in der Beschreibung Malatia's und Dschih. S. 600.
+
+[390] Wie _Schaab_, _Ghuta_, _Obolla_, _Soghd_ auf Erden berühmt sind,
+ So ist des Bosporos Gestad' im Paradiese berühmt.
+
+Geschichte des osm. Reichs V. S. 594.
+
+[391] d'Ohsson III. 329. nach Noweiri.
+
+[392] Dschihannuma S. 570.
+
+[393] Banias, wie bei d'Ohsson, nicht zu vermengen mit dem Balanias
+Abulfeda's, welches auf den Karten auch als Banias steht.
+
+[394] Haitho c. 29.
+
+[395] Haitho.
+
+[396] Gurboga, bei Haithon 29.
+
+[397] Haithon 50; bei Wilken VII. 416.
+
+[398] hem harik hem gharik. Nochbet und Abulfeda IV. p. 511.
+
+[399] Burdschi ahmer.
+
+[400] Histoire des Sultans Mamlouks de l'Égypte par Makrizi, traduite par
+Quatremère. I. p. 98.
+
+[401] Ebenda p. 103.
+
+[402] _Soweila_, nicht Zwilah, wie in der Uebersetzung Makrisi's von
+Quatremère I. p. 103 dieser Name irrig geschrieben wird; bei demselben
+findet sich auch S. 101 das Schreiben Hulagu's an Kotos in voller
+Ausdehnung.
+
+[403] 1. Emir Melik Husein Chan; 2. Melik Ichtiareddin Chan; 3. Melik
+Seifeddin Ssadik Chan; 4. Melik Nassireddin Gülschu Chan; 5. Atlas Chan; 6.
+Nassireddin Kimeri.
+
+[404] Kaimeri statt _Kimeri_ ist Reiskische Leseart.
+
+[405] Makrizi, trad. par Quatremère I. p. 104.
+
+[406] Ebenda.
+
+[407] _Burke_, noch heute der tscherkessische Wettermantel.
+
+[408] Abulfeda IV. 595, fehlt in der Stammtafel bei Rehm, so auch sein
+Vater _Asis_.
+
+[409] d'Ohsson III. 335, nach Noweiri und Reschideddin.
+
+[410] Nach Abulfeda V. 621 auch die Nachricht der Schlacht bei Himss, was
+aber ein Widerspruch mit Bar Hebr., welcher als den Tag der Hinrichtung den
+29. October angibt, während die Schlacht von Himss am 10. December statt
+hatte.
+
+[411] Abulfeda IV. p. 621.
+
+[412] Reschideddin bei Bar Hebr. _Mowahid_.
+
+[413] Bar Hebr. p. 559 aber abweichend von Reschideddin.
+
+[414] am 29. October 1260, nicht 1261, wie in Rehm's Stammtafel; denn Bar
+Hebr. gibt den Tag an.
+
+[415] Abulfeda IV. p. 523.
+
+[416] Abulfeda IV. p. 625.
+
+[417] Tebrdar, nicht Taudar, wie bei Reiske IV. 599; aber auch nicht
+hellebardier, wie bei d'Ohsson p. 345, in welchem Falle es Harbedar heissen
+müsste.
+
+[418] Proben dieser Siegesgedichte bei Abulfeda IV. p. 601.
+
+[419] nicht _Elbarli_, wie bei Abulfeda IV. 603.
+
+[420] Abulfeda IV. 344.
+
+[421] d'Ohsson III. 346. nach dem Leben Beibars.
+
+[422] El Hakimbiemrillah Ahmed Ben Hasan Ben Ali B. Ebibekr B. Mosterschid.
+
+[423] Hakimbiemrillah.
+
+[424] Ueber Dschudschi und seinen Ulus siehe die Beilagen I. u. II. aus den
+Geschichten Haider's und Wassaf's.
+
+[425] Bei Bar. Hebräus _Kotar_, d'Ohsson _Tumor_ ist Schreibfehler des
+Manuscripts.
+
+[426] Histoire des Sultans Mamlouks par Makrizi, traduite par Quatremère I.
+p. 212.
+
+[427] Quatremère übersetzt durchaus: Signe de la Noblesse, was nicht
+richtig.
+
+[428] Makrisi nennt die vorzüglichsten: _Keramun_, _Amtagjah_, _Noghai_,
+_Dscherek_, _Kajan_, _Nasagjah_, _Taischur_, _Bentu_, _Sobhi_,
+_Dschaudschelan_, _Adschkarka_, _Adkerek_, _Kerai_, _Salagjah_,
+_Motekaddem_ und _Daragan_. Quatremère I. p. 222.
+
+[429] Ebenda u. S. 235.
+
+[430] 1. _Ilkai_, 2. _Turan Behadir_, 3. _Batu_, 4. _Saldschedai_, 5.
+_Tschaghan_, 6. _Belarghu_, 7. _Doghus_.
+
+[431] Ueber den Feldzug wider Berke siehe die Beilage III. aus Wassaf.
+
+[432] Wassaf.
+
+[433] Derselbe.
+
+[434] Apuschka, Sohn Buri's, des Sohnes Muwatukjan's, des Sohnes
+Dschaghatai's.
+
+[435] In demselben waren _Taghadschar_, _Hulagu_, der Sohn Ildschitai's,
+_Nadin Kadan_.
+
+[436] Reschideddin.
+
+[437] in der Nähe der Stadt _Bulad(?)_, _Tulad(?)_.
+
+[438] Reng Altui, am Flusse Dschaikan.
+
+[439] Mirchuand.
+
+[440] Reschideddin, Mirchuand.
+
+[441] _Taghadschar_, der Sohn Ewbadschi Nujan's, _Jesunke_, der Sohn
+Dschudschi Kasar's, _Jekekadak_, Dschingtimur, der Sohn Kadak's,
+_Aschikai_; die schuldigen Prinzen: _Schiregi_, _Taghai_, _Dscherku_,
+_Baitimur_; die Emire: _Hintunk_ Nujan, _Durbai_, _Pulad_ Dschingsang.
+
+[442] _Huku_, der Sohn Gujukchan's, _Hobat_, der Sohn Nako's, _Kutuk_, der
+Sohn Karadschar's.
+
+[443] _Schiregi_, der Sohn Ogotai's; die Söhne Arikbugha's: _Tukukur_ und
+_Melik Timur_; _Tokatimur_, der Sohn Suktu's; _Urughadai_; die Neffen
+Kubilai's: _Horrak_ und _Ogin_.
+
+[444] Serinerud.
+
+[445] Sonntags den 9. Rebiulachir (8. Febr., Sonntagsbuchstabe D, richtig
+ein Sonntag).
+
+[446] d'Ohsson sagt, ich weiss nicht, auf welche Autorität, dass dies das
+Schloss _Tala_ am See von Urmia; aber Reschideddin sagt: gegenüber von
+_Dehchuaregjan_ (bei d'Ohsson _Sachwareku_), was nur Verstümmelung von
+_Destchawakan_ [Dschihannuma S. 386, welches nicht ferne vom Berge
+_Sehend_.]
+
+[447] Mirchuand, Wassaf.
+
+[448] Odoricus Raynaldus XIV. 1260. N. 29.
+
+[449] _Tschehelsutun._
+
+[450] _Tschehel Minar._
+
+[451] _Nakschi Rustem._
+
+[452] _Meschdschedi Maderi Suleiman._
+
+[453] _Sindani Dschemschid._
+
+[454] _Nakarachana Dschemschid._
+
+[455] _Bend Emir_, d. i. der Damm des Fürsten, nämlich _Adhadeddewlet's_.
+
+[456] Dass Ομηρος dasselbe mit _Omer_, ist in den Jahrbüchern der Literatur
+bei Gelegenheit der Anzeige des Werkes »Ulysse Homere« dargethan worden.
+
+[457] Quatremère mémoires géographiques sur l'Égypte II. p. 506; dann
+Wilken's Geschichte der Kreuzzüge II. 78. 119. 201.
+
+[458] Geschichte des osm. Reichs III. S. 413, nach dem
+Nochbet-_ettewarich_.
+
+[459] Dschihannuma S. 278.
+
+[460] Dschihannuma S. 281.
+
+[461] Tarichi Güside; Wassaf.
+
+[462] Dieser fehlt in der Liste bei Deguignes I. 260.
+
+[463] Lari, Nochbet, Güside, Wassaf, Mirchuand.
+
+[464] Wassaf.
+
+[465] Kämpfer amoenitates exoticae.
+
+[466] Mirchuand und Wassaf führen bei dieser Gelegenheit das Distichon des
+Schahname an:
+
+ In den drei Domen, wo zu Istachar
+ Die Residenz der Schahe von Iran war.
+
+[467] Wassaf.
+
+[468] Derselbe.
+
+[469] Geschichte der schönen Redekünste S. 202. 203. 160 und 161 nach
+Dewletschah.
+
+[470] S. 214.
+
+[471] Wassaf.
+
+[472] _Abisch_, nicht Aische, wie bei Deguignes, auch nicht _Uns_, wie
+d'Ohsson, durch einen Schreibfehler des Manuscripts verleitet, schreibt,
+ist der Namen dieser Prinzessin, welcher die morgenländische Sitte eines
+freundschaftlichen Pikniks bezeichnet. S. Gol. qui atrium alienae domus
+instruit cibo ac potu suo, quod facere apud Arabes inter se amici solent,
+quasi symbola conferentes; eine Art συσιτια.
+
+[473] Donec provisis quae tempus monebat simul excessisse
+ Augustum et rerum potiri Neronem fama eadem tulit.
+
+Tacit. Annal. I. 5.
+
+[474] Reschideddin nennt sieben: 1. _Ilkai_ Nujan; 2. _Sundschak_ N.; 3.
+_Suntai_ N.; 4. _Abtai_ N.; 5. _Semaghar_ N.; 6. _Schiktur_ N.; 7. _Arghun
+Aka_.
+
+[475] Nushet und nach demselben Dschihannuma S. 299.
+
+[476] Dieses übersetzt Miles, ohne das eiserne Thor am kaspischen Meere zu
+erkennen, S. 248: he presented the iron durbund of Shirwan to Bishmoot, und
+_Tuktin_ ist in Tyubeen verstümmelt, _Sundschak_ als Sooghchak,
+_Dschuweini_ als Joini u. s. w.
+
+[477] _Makatii._
+
+[478] Reschideddin.
+
+[479] Wassaf.
+
+[480] Derselbe.
+
+[481] sub rosa.
+
+[482] Scherfijet auf der kais. Hofbibliothek.
+
+[483] Nicht zu verwechseln mit Bulghan Chatun, der Gemahlin Ghasan's,
+welche ebenfalls eine Konghuratin; diese war die Tochter _Tesu's_, jene die
+Tochter Utaman's.
+
+[484] Pachymeres T. I. p. 273. Stritter III. 1044.
+
+[485] Im _Schedschretol Etrak_ wird als das Datum der Schlacht der 20.
+Ssafer 664 angegeben; die Namen sind, wie gewöhnlich, alle verstümmelt,
+Berke in _Boorkeh_ und Nokai in Booka.
+
+[486] Nushet, nach demselben Dschihannuma S. 341.
+
+[487] Noweiri, bei d'Ohsson III. p. 421; Dschebele heisst dort Djeliba.
+
+[488] Bei d'Ohsson nach _Ranan er-Roub?_ und _Sikhulhadid_, d. i. eiserner
+Bratspiess.
+
+[489] Noweiri, Bar Hebräus 645. Haithon hist. orient. c. 33.
+
+[490] Haithon hist. orient. c. 33.
+
+[491] _Jesentewa_, der Sohn Muwatukjan's, heisst im Schedschretol Etrak
+durch die Verstümmelung des Uebersetzers einmal Sookur Kaan, the son of
+Kamkar, S. 250 und S. 251 Tokzur Sookur und _Abaka_ Abukai.
+
+[492] _Robath_; Wassaf.
+
+[493] Derselbe; Schedschretol Etrak p. 360.
+
+[494] Wassaf; aber von dem, was bei d'Ohsson zweimal, III. B. S. 427 und
+429, vorkommt: ils burent ensemble, après avoir choqué leurs coupes, du
+sang où il y avoit de l'or, ist keine Spur im citirten Wassaf, wo bloss vom
+Blute der Rebe die Rede, _Chunireschardend_, sie tranken das Blut der Rebe;
+es scheint, dass H. v. O. _Chuniser_ las, das heissen würde: sie tranken
+das _Blut des Goldes_.
+
+[495] Reschideddin.
+
+[496] Derselbe.
+
+[497] der Sohn Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's.
+
+[498] der Sohn Kaidu's, des siebenten Sohnes Dschagatai's.
+
+[499] der Sohn Serban's, des achten Sohnes Dschagatai's.
+
+[500] der Sohn Gujuk's, des zweiten Nachfolgers Tschengischan's.
+
+[501] der Sohn Kara Hulagu's, der Erstgeborene Muwatukjan's.
+
+[502] der sechste Sohn Ogotai's.
+
+[503] _Kukdschu_ heisst auch der neunte Sohn Kubilai's.
+
+[504] der grosse _Jesawur_, der Bruder Borrak's, bei Wassaf _Besmar_, bei
+Reschideddin auch _Jesas_; der kleine war _Jesawur_, der Sohn Dschudschi's
+(der Bruder Kipdschak's), des Sohnes Kaidu's, des sechsten Sohnes Ogotai's.
+
+[505] der Sohn Batu's, des Sohnes Hindu's, des Sohnes Dschagatai's, des
+zehnten Sohnes Dschudschi's.
+
+[506] In den Jahrbüchern der Literatur VII. 300. irrig _Nertuke_, weil das
+_Ki_ zum Namen gezogen worden.
+
+[507] Nushet; Dschihannuma S. 314.
+
+[508] Dschihannuma S. 315.
+
+[509] Reschideddin.
+
+[510] Wassaf nennt die Prinzen: _Jesdar_, _Kongurtai_, _Adschai_,
+_Tikeschi_, Nigudar Huladschu; die Emire: _Arghesun_, _Masuk Ahmed_,
+_Kotschek_, _Timur_, _Olinak_, _Menkeser_, _Abdullah_, der Sohn Tulak
+Bawerdschi's, und Aradschuk.
+
+[511] _Ala at._
+
+[512] _Alatagh._
+
+[513] Wassaf.
+
+[514] Reschideddin.
+
+[515] d'Ohsson III. 505.
+
+[516] Der Enkel Dschagatai's aus seinem zweiten Sohne Muwatukjan.
+
+[517] Bei d'Ohsson _Jesar_, in Wassaf _Basmar_, in der Handschrift
+Reschideddin's der k. k. Hofbibliothek _Parso_.
+
+[518] In der Handschrift der k. k. Hofbibliothek einmal _Dschanli_ und
+einmal _Dschobai_, in Wassaf _Dschoban_.
+
+[519] Wassaf.
+
+[520] i. J. 703 (1303), Reschideddin von den Frauen Hulagu's.
+
+[521] Vom J. 654 (1256) bis 669 (1270) machen vierzehn Sonnen- und fünfzehn
+Mondjahre, was die Hälfte der von Haithon als Belagerungszeit des Schlosses
+Tigaddo angegebenen dreissig Jahre.
+
+[522] Nushet und Dschihannuma S. 292.
+
+[523] Nushet und Dschihannuma S. 299.
+
+[524] Tarichi Güside.
+
+[525] Geschichte der persischen Redekünste S. 203.
+
+[526] Von drei Seiten von Chorasan umgeben. Dschih. S. 254. Hier sind die
+Schlösser _Firuskuh_ und Girdkjuh.
+
+[527] _Ghardschistan_ Dschih. S. 238, 254, 324.
+
+[528] _Purdestan_, der Sohn Destan's, ist Rustem, der Herr von Nimrus
+(Sistan), der Inhaber der berühmten Stierkeule, welche eine der persischen
+Reichsinsignien.
+
+[529] Wortspiel zwischen _Melik_, König, und _Melek_, Engel.
+
+[530] _dil ber an nihaden_, ganz und gar dasselbe mit dem Englischen: set
+his heart upon some thing.
+
+[531] _Chamrol adschem_, der Wein der Perser, das grüne Opiat; insgemein
+_Esrar_ genannt.
+
+[532] Die Schlangen sollen blind werden, wenn sie Smaragd anschauen.
+
+[533] Reschideddin.
+
+[534] wirklich schreiben es die englischen Reisebeschreiber nicht anders
+als _Fall_.
+
+[535] d'Ohsson vermengt sie III. 516. mit den Karawinen; ces guerriers
+designés sous le nom de _Nigoudariens_ ou Caraviniens.
+
+[536] Aresch, Αρης.
+
+[537] Isfendiar mit dem ehernen Leib gilt insgemein für Xerxes.
+
+[538] Cyrus, der Aschghiane.
+
+[539] Der ritterlichste Fürst der Beni Sasan.
+
+[540] H. v. Ohsson III. 464. bürdet dem Wassaf auf, was er nicht gesagt:
+Beibars fit jetter dans le fleuve jusqu'à 35000 chameaux, dont les corps
+servirent de pont à ses troupes. Wassaf sagt ausdrücklich, dass der Sultan
+der erste den Zügel hineinlenkte.
+
+[541] d'Ohsson III. 468., nach Nuweiri.
+
+[542] Bar Hebr. 546.
+
+[543] i. J. 1188, Wilken IV. 241.
+
+[544] Dschihannuma S. 594 verdruckt als _Derbak_.
+
+[545] Wilken's Geschichte der Kreuzzüge VI. S. 495.
+
+[546] Dschihannuma S. 594.
+
+[547] nicht Manca, wie bei d'Ohsson III. 472.
+
+[548] Mannert VI. II. 49. _Menasikol-hadsch_ S. 43.
+
+[549] _Merdsched-dibadsch._
+
+[550] Ewlia.
+
+[551] Dschihannuma S. 602; auf Paultres Karte nicht richtig Kurtu Cular;
+auf der Karte M. Kinneirs blos Kulaghi als Castabala.
+
+[552] Ebenda.
+
+[553] Sughuri Islam.
+
+[554] S. Martin Mem. I. p. 201.
+
+[555] heute Kisildsche.
+
+[556] heute Gökssu.
+
+[557] Paul Lucas; Dschihannuma S. 603.
+
+[558] d'Ohsson III. S. 475.
+
+[559] Bar Hebräus 553.
+
+[560] Reschideddin.
+
+[561] _Gulek_, Dschihannuma S. 601, oder _Dulek_, S. 40, nicht _Doluk_, wie
+bei d'Ohsson III. 481.
+
+[562] Das kappadocische Komane lag am _Sarus_, welches der _Sihan_; in M.
+Kinneir's Karte am _Kisil Irmak_, welches der obere Pyramus zu seyn
+scheint; nach dem Menasikol-hadsch ist aber dieser Kisil Irmak derselbe mit
+dem _Sihan_, d. i. dem Sarus, so dass die Lage mit der Angabe der alten
+Geographen in Uebereinstimmung. Jahrbücher der Literatur XIV. S. 46.
+
+[563] Bar Hebr. p. 556.
+
+[564] Nuweiri; Bar Hebr. p. 537.
+
+[565] Nuweiri, bei d'Ohsson III. S. 485.
+
+[566] Reschideddin.
+
+[567] Geschichte des osm. Reichs I. u. II. Band.
+
+[568] d'Ohsson IV. S. 490.
+
+[569] Nuweiri, bei d'Ohsson III. 496.
+
+[570] Reschideddin.
+
+[571] Nach Reschideddin im Silhidsche 676 (Mai 1277), nach Nuweiri und
+Makrisi, die hier glaubwürdiger, 5. Moharrem 676 (8. Juni 1277).
+
+[572] Bei Wassaf _Konghosatai_.
+
+[573] Reschideddin nennt es _Koghanie(?)_; fehlt bei d'Ohsson, sowie die
+Botschaft.
+
+[574] Dschihannuma.
+
+[575] Nuweiri, bei d'Ohsson. IV. 498.
+
+[576] Haithon 34.
+
+[577] i. J. 698 (1299).
+
+[578] 700 (1300), d'Ohsson III. 500. nach Munedschimbaschi.
+
+[579] Reschideddin.
+
+[580] Bei d'Ohsson S. 400.
+
+[581] Wassaf.
+
+[582] Wassaf.
+
+[583] Reschideddin.
+
+[584] _Rothes Gesicht_, glücklicher Erfolg; _rothe Brust_, gewaltsamer Tod.
+
+[585] Wassaf.
+
+[586] i. J. 669 (1270).
+
+[587] Wassaf gibt die Glosse _Asaseddin El-Jakubi's_ in achtzehn
+fünfzeiligen Strophen.
+
+[588] d'Ohsson III. macht sie zu denselben mit den Niguderischen Banden:
+Nigoudariens ou Caraounass; aber Reschideddin, in dem Abschnitte
+unmittelbar vor den Begebenheiten Medschdulmülk's und Schemseddin's,
+spricht erst von den Niguderischen Banden in Sistan, dann von den Karawinen
+in Chorasan.
+
+[589] Hier nennt Reschideddin den Schatz _Chasinei Narin_, im Abschnitte
+der Stämme aber bei den Dschelairen _Postin_.
+
+[590] Dschihannuma S. 594.
+
+[591] Die Namen derselben bei d'Ohsson III. 526. nach Noweiri.
+
+[592] Im Schedschretol Etrak S. 254 dasselbe Datum, nur mit der
+gewöhnlichen Verstümmelung des Uebersetzers statt Silhidsche Zi Huj.
+
+[593] Reschideddin, Nuweiri, Bar Hebräus; der letzte irrig Silkide statt
+Silhidsche. Mengu Timur heisst bei Haitho _Mongodamir_; nach ihm wäre Mengu
+Timur schon am achten Tage nach dem Bruder gestorben, und beide durch Gift.
+Verlässiger als der syrische Bischof Bar Hebräus und der armenische Mönch
+Haitho sind hierüber Reschideddin und Wassaf.
+
+[594] Dieser Name ist als Quolibey verstümmelt in Quolibet.
+
+[595] sub qua credulitate lautet fast ironisch.
+
+[596] Reynaldus III. p. 453 und in Moshemii historia Tatarorum ecclesiast.
+p. 72.
+
+[597] Waddington annales Minorum V. 40 und in Moshemius p. 80.
+
+[598] Die umständlichsten und gründlichsten Nachrichten über die Missionen
+enthält die vortreffliche relation des Mongols ou Tartares par M. d'Avezac
+im IV. Bande des recueil de voyages et de mémoires der geographischen
+Gesellschaft zu Paris.
+
+[599] Güside B. 343 gibt das poetische Fetwa desselben über den Rangstreit
+zwischen Sahir und Enweri, welcher von beiden ein grösserer Dichter.
+
+[600] Dewletschah und Güside B. 345.
+
+[601] Geschichte der persischen Redekünste S. 221.
+
+[602] Güside B. 333.
+
+[603] Güside B. 335.
+
+[604] Güside B. 335.
+
+[605] Güside B. 335 gibt als Beispiel den Anfangsvers einer Kassidet:
+
+ Ei kerde ruh ba lebi laali tu _Nokeri_
+ Maaschuki _Usbegi_ we nigari her Chaweri.
+
+Hier sind _Nokeri_ und _Usbegi_ die fremden Wörter.
+
+[606] Güside.
+
+[607] Die letzten sieben Dichter fehlen in Dewletschah, und auch in der
+Geschichte der persischen Poesie, zu der das _Güside_ noch nicht benutzt
+werden konnte.
+
+[608] Güside B. 343.
+
+[609] Lakad fahet el aaud el Komari
+ We faher-raudh kel aaud el Komari.
+
+Das Wortspiel liegt in dem Doppelsinn der Worte _Fahet_ und _Komari_; jenes
+heisst im ersten Verse _klagen_, im zweiten _hauchen_; dieses ist im ersten
+Hemistich der Plural von _Kumri_, Turteltaube, im zweiten Epithet:
+kumarische Aloe.
+
+[610] Haitho C. 37 nennt ihn Tongodar, die Perser nennen ihn durch einen
+aus Versetzung der Punkte leicht erklärbaren Schreibfehler _Nigudar_, was
+der Name des dschaghataischen Prinzen, des Sohnes Dschudschi's, des
+Erstgebornen Dschaghatai's; wahrscheinlich ist _Niguder_ aus seinem
+christlichen Namen _Nikolaus_ entstanden.
+
+[611] Die zwei Brüder _Buka_ und _Oruk_, und Akbuka.
+
+[612] _Schischi Bachschi_, _Doladai Aidadschi_, _Dschuschi_, _Ordukia_.
+
+[613] _Kurdschian._
+
+[614] _Sikurdschian._
+
+[615] _Aktadschian._
+
+[616] Reschideddin, bei d'Ohsson Siahkuh III. 552.
+
+[617] Reschideddin.
+
+[618] 13. Rebiulewwel Sonntags ist der 21. Juni, der richtig ein Sonntag,
+folglich das Datum bei Wassaf, 14. statt 13., wie bei Reschideddin gefehlt;
+das Schedschretol Etrak S. 257 hat das richtige Datum vom 13.
+
+[619] Reschideddin.
+
+[620] Wassaf.
+
+[621] Bei d'Ohsson III. 553 Tuktai.
+
+[622] Derselbe nach Noweiri S. 553.
+
+[623] _Siah kuh nusul kerd_, heisst: er lagerte zu _Siahkuh_, nicht: il
+quitta Siahkuh, wie d'Ohsson übersetzt.
+
+[624] _Kaplandschi_, _Arslandschi_, _Nukadschije_.
+
+[625] 1. _Kutschuk_, aus der Frau Tokus; 2. _Kimdschuk_, aus der Frau
+Ermeni; 3. _Tschitschek_, aus eben derselben; 4. _Mainan_, gleichfalls; 5.
+_Sailun_, aus der Frau _Tudaku_; 6. _Kiltürmisch_, aus der Beischläferin
+_Kurkudschije_.
+
+[626] in der Nacht vom Mittwoch, sagt Reschideddin, was der 12. August war,
+denn der 14. (Sonntagsbuchstabe D) war ein Freitag.
+
+[627] Wassaf.
+
+[628] Wassaf theilt dieselben mit.
+
+[629] Wortspiel zwischen _Moslimen_ Gläubigen, und _Moslim_, dem eigenen
+Namen eines der ersten Ueberlieferer der Sunna.
+
+[630] Das Ende des 15. Verses der XVII. Sura.
+
+[631] Das Ende des 17. Verses der XLIX. Sura.
+
+[632] Bar Hebr. und nach demselben d'Ohsson III. 560.
+
+[633] Reschideddin.
+
+[634] _Ali Dschingsan_ und _Kotlogschah_.
+
+[635] _Buradersade_, Neffe, nicht Bruder, wie bei d'Ohsson S. 582.
+
+[636] _Dschankur_, _Dschinkutur_, _Doladai_, _Idadschi_, _Idschi_,
+_Tetkaul_, _Dschuschi_, _Kimdschkabal_.
+
+[637] _Kutschuk Anukdschi_ und Schadi _Achtadschi_.
+
+[638] _Rusi Kunilamischi_ im angeblichen Beidhawi _Guikesi_, was Schreib-,
+Lese- oder Druckfehler.
+
+[639] 1. _Taghadschar_, 2. _Dschankur_, 3. _Dschinkutur_, 4. _Doladai_, 5.
+_Idschi Tetkaul_, 6. _Dschuschi_, 7. _Kundschukbal_; bei Wassaf heisst
+Dschankur _Dschaigir_, Abai der Sohn _Suntai's_, _Dschenghatu_ der Sohn
+Dschuschi's.
+
+[640] Wassaf nennt die Emire Arghun's: _Jasar Aghul_, _Taghai_, _Adschu
+Sukurdschi_, _Ghasan_, der Ceremonienmeister, _Tokli Schadi_, der Sohn
+_Sundschak's_; Reschideddin.
+
+[641] Wassaf nennt die Emire: _Ainkadschi_, _Nakai Jarghudschi_, _Tawtai_,
+_Kasan_, der Sohn Kotloghbuka's, _Baitmisch Kuschdschi_, _Sertak_,
+_Alghui_, _Oladai Kadaghan_, _Aghman_.
+
+[642] Moriers second journey und darnach in den Jahrbüchern der Literatur
+VII. 257.; vier andere Pässe sind die zwei bei _Firuskjuh_ (_Sawadschi_ und
+_Tengi serensa_), _Tengi Nimrud_ und _Tengi Schimschirbur_.
+
+[643] Moriers second journey.
+
+[644] Dschihannuma S. 339.
+
+[645] i. J. 566 (1170), Fraser 302.
+
+[646] Die im J. 880 (1475) erbaute Moschee kann nicht, wie Fraser sagt, von
+Schahroch erbaut worden sein, da dieser schon fünf und zwanzig Jahre
+früher, im J. 850, starb.
+
+[647] Quelle Belasan beim Dorfe Kohen; nach den _Adschaibol-machlukat_ in
+den Jahrbüchern der Literatur VII. 258. LXII. 43., Fraser 304.
+
+[648] So am Scheckel in Steiermark.
+
+[649] Mannert hält es für das alte _Taghi_.
+
+[650] Adschaibol-machlukat Sekerias.
+
+[651] Baconi in den notices et extraits II. 482.; übereinstimmend mit
+Diodor.
+
+[652] Tschehel seran, _tschehel dochteran_, Fraser.
+
+[653] In Dschami's _Nefhatol Ins_ der 205te.
+
+[654] i. J. 261 (874).
+
+[655] Abderrahman Ben Mohammed, gest. 858 (1454), Verfasser von vierzig
+Werken, und _Mossannifek Bostami_, gest. 875 (1470), der den letzten
+bosnischen König eigenhändig köpfte.
+
+[656] Dschami's _Nefhatol Ins_, die 42te.
+
+[657] Bei Reschideddin _Legsi_ und _Ordubugha_.
+
+[658] _Dih Surch_, bei Reschideddin, ist das _Surikkala_ Frasers; der in
+der Moschee von Semnan eingemauerten Inschrift Schah Abbas I. wird erwähnt
+304.
+
+[659] Nushetol-kolub; Dschihannuma S. 341.
+
+[660] Reschideddin.
+
+[661] Nushetol-kolub; Dschih. 341.
+
+[662] Reschideddin, Wassaf.
+
+[663] Das Schedschretol Etrak S. 358.
+
+[664] Sein ganzer Name: Ebun-nassr Mohammed Ben Abdol-Dschebbar El-otbi.
+
+[665] Fraser S. 245.
+
+[666] _Urtimur Kuschdschi_, _Nikpei Kuschdschi_ und der Bruder _Kadschu
+Achtadschi's_.
+
+[667] Wassaf.
+
+[668] Derselbe.
+
+[669] _Jesubuka Gurgan_, _Aruk_, _Kurmischi_, _Arkasun Nujan_, der Sohn
+_Ilkai's_.
+
+[670] _Kurmischi_ und _Aruk_, die Brüder Buka's.
+
+[671] Nerke.
+
+[672] Wassaf.
+
+[673] Wassaf.
+
+[674] Reschideddin; Wassaf; nach dem Schedschretol etrak S. 350 am 7.
+Dschem. achir.
+
+[675] Reschideddin bei den Töchtern Hulagu's.
+
+[676] Sie lebte noch zur Zeit Reschideddin's.
+
+[677] Im Schedschretol Etrak S. 260 in _Yoogha_ verstümmelt.
+
+[678] Herodot's Clio 51.
+
+[679] Nushetol kulab.
+
+[680] i. J. d. H. 83 (701).
+
+[681] _Kumedan_, hernach _Kum_. Dschihannuma S. 298.
+
+[682] Durch ein unerklärliches Versehen steht im Dschihannuma, dass Kum der
+Geburtsort Nisami's, des Verfassers des Chamse, sei, welcher zu Gendsche
+geboren, auch dort begraben liegt.
+
+[683] Das Schehinschahname von Feth Alischah dem österreichischen Kaiser
+Franz I. durch Mirsa Abul Hasan zum Geschenke gesandt.
+
+[684] Emir _Bukia_, _Tinai_, _Arukian_, _Bastak_, _Huladschu_. Wassaf.
+
+[685] Güside.
+
+[686] d'Ohsson gibt nur die Hälfte aus Wassaf, aber nicht die folgende
+historisch wichtigere Hälfte aus Reschideddin.
+
+[687] Güside.
+
+[688] _Schems_, anspielend auf den Namen Schemseddin.
+
+[689] _Ala_, Höhe, anspielend auf den Namen des Bruders Alaeddin.
+
+[690] Wassaf.
+
+[691] Der Sohn Melikchan B. Mohammed B. Sengi's.
+
+[692] Wassaf.
+
+[693] Das Feuer ihres Zorns entflammte sich in so hohem Grade, dass
+dasselbe die gestockte Feuchtigkeit ihrer Thränenlinse auflöste und bei dem
+Auge ausfliessen liess; Perlen regneten aus dem Narciss und tränkten die
+Rose, Hagel (der Zähne) biss in die Jubeben (des Munds). Wassaf.
+
+[694] _Tuladai Jarghudschi_, _Dschijurghutai_, _Hosameddin_.
+
+[695] Reschideddin auch unter den Frauen Abaka's.
+
+[696] Schedschretol Etrak S. 263.
+
+[697] Reschideddin nennt die sieben: _Taghadschar_, _Kundschukbal_,
+_Doladai_, _Aidadschi_, _Sultan Aidadschi_, _Tughan_, _Dschuschi_,
+_Ordukap_.
+
+[698] Reschideddin.
+
+[699] mit den Prinzen: _Huladschu_, _Karankai_, _Konghschir_, _Togai
+Timur_, _Anberdschin_; mit den Emiren: _Uruk_, _Kurmischi_, _Temdui_,
+_Madschu_, _Toglok Karawinas_; Wassaf. Im Reschideddin noch: _Kurmischi_,
+der Sohn _Haidu Nujan's_, _Audschan_, dem Waffenträger, _Kadan_, dem
+Gesandten, _Sengi_, dem Sohn _Baba Nujan's_, Emir des Lagers der Frau
+_Oldschai_, _Ghasan Behadir_, _Ischik Toghli_, _Aschak Toghli_.
+
+[700] _Kujun Kumischi_. Wassaf.
+
+[701] _Madschu_, _Toghlok_, _Aschak Toghli_, _Serwana_, _Nochschi_,
+_Tuschkina_, _Hosameddin von Kaswin_, Emir _Ali Melik_ der _Temghadschi_
+von Tebris. Wassaf.
+
+[702] Hist. des Orpeliens in S. Martin. mém. II. p. 171.
+
+[703] _Baitmisch Kuschdschi_, _Tamudai Aktadschi_, _Schadi_, Sohn Buka's.
+
+[704] _Abadschi_, _Melik_, _Teichan Timur_, _Kotlogh Timur_.
+
+[705] _Jatmisch Kuschdschi_, _Gharbetai Gurgan_, _Burdschu_, der Sohn
+_Duriai's_, _Boghdai_, _Arkasun Nujan_.
+
+[706] Mocherofago, bei Cassiri.
+
+[707] Reschideddin.
+
+[708] in d'Ohsson IV. 39. irrig fils du Vezir Schemseddin.
+
+[709] Reschideddin.
+
+[710] Wassaf.
+
+[711] Wassaf nennt _Schemseddewlet_ und _Iseddin Mosaffer_, und
+Reschideddin den _Dschelaleddin Serwistani_.
+
+[712] _Asshabi Buluk._
+
+[713] _Bitekdschi._
+
+[714] _Fachreddin Mubarekschah_, _Medschdeddin Rumi_, _Schemseddin
+Huseini_; Wassaf und Reschideddin.
+
+[715] Scharfsichtiger als _Ajas_, feiner als _Kais Ben Soheir_, als
+_Moghairet B. Schaabet_, als _Amru Bel el aass_; Wassaf.
+
+[716] _K. Kjatib_, d. i. der Schreiber, _Sch_, d. i. _Schaair_, Dichter,
+_Dschim_, d. i. _Munedschim_, d. i. Astronom, _Mim_, d. i. Musik; Kamus;
+das Wort und die Erklärung fehlt in Freitag's Wörterbuch.
+
+[717] Wassaf in dem Hauptstücke der Verwaltung von _Schiras_.
+
+[718] Wassaf.
+
+[719] Haithonis hist. C. 38.
+
+[720] Unter den Todten: _Burultai_ und _Kadai_, Emire von Tausenden, und
+der Bruder _Jenitsche's_; unter den Gefangenen: _Huriktai_, der grosse
+Emir.
+
+[721] Reschideddin.
+
+[722] Dschihannuma S. 297.
+
+[723] Dschih. S. 426.
+
+[724] Dschih. S. 341.
+
+[725] M. Kinneir's geographic mem. on the persian Empire p. 84.
+
+[726] Die Emire _Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Tewekkul Toghan_.
+
+[727] Im Schedschretol Etrak ward Seaadeddewlet am letzten Ssafer des J.
+690 hingerichtet und Arghun starb drei Tage hernach, am 3. Rebiulewwel.
+
+[728] Dschihannuma S. 297; im Schedschretol Etrak S. 265 im Berge Sobeir(?)
+nächst der Grabstätte des Propheten Kyde(?).
+
+[729] d'Ohsson III. 612. nach Makrisi.
+
+[730] d'Ohsson p. 616.
+
+[731] Bei Odoric Raynald IV. p. 41 et 42. _Elegag_ und _Tuctan_; d'Ohsson
+IV. 99. meint, unter der letzten sei _Tuktan_, die Wittwe Abaka's, Mutter
+Kendschatu's, zu verstehen, was aber unrichtig, da Reschideddin (unter den
+Frauen Abaka's) ausdrücklich sagt, dass sie bei Lebzeiten Abaka's
+gestorben, durch die Frau Ildürmisch ersetzt worden sei; i. J. 1288, wo
+Nikolaus IV. schrieb, war Tudai seit einem Jahre Gemahlin an der Stelle der
+verstorbenen Bulughan, und den Tod der anderen grossen Frau, Kotlogh,
+konnte Nikolaus nicht wissen, da sie am 12. April 1288 starb und der an sie
+gerichtete Brief vom 12. datirt ist.
+
+[732] Die Tochter Sarudsche's, die Schwester des Emirs Irindschin, des
+Keraiten, die Urenkelin Owang's.
+
+[733] Bei Odericus _Casian_ und _Saron_; da Arghun nur vier Söhne hatte und
+über _Chodabende_ und _Ghasan_ kein Zweifel obwalten kann, so fragt sich
+nur, ob unter _Saron_ der dritte, _Jesu Timur_, oder der vierte, _Chatai
+Aghul_, zu verstehen sei; der letzte hiess ehemals _Sonkar Kanis_.
+Reschideddin.
+
+[734] Nach dem Schedschretol Etrak und anderen _Kendschatu_; bei Haithon
+Cap. XXXIX heist er _Regayto_, was augenscheinlich eine Verstümmelung von
+_Keichatu_ und nicht von _Kendschatu_; aber das Schedschretol Etrak sagt p.
+270 nach der Geschichte der vier Uluse, dass sein Name ursprünglich
+_Enkatu_ gewesen, was auf mongolisch wunderbar, staunenswerth heisse.
+
+[735] durch _Kutla Kokultasch_. Wassaf.
+
+[736] _Tamerbugha_, _Saji Ebdschi_, _Konan Achtadschi_.
+
+[737] _Sati_, _Kuman_, _Tudadschu_.
+
+[738] _Koildagh_ ist ein Schreibfehler.
+
+[739] den _Taghadschar's_ dem _Baidschu Tetkaul_, den _Kundschukbal's_ dem
+_Schiktur Nujan_. Wassaf.
+
+[740] Wassaf und Reschideddin.
+
+[741] Reschideddin.
+
+[742] Wassaf.
+
+[743] nullam habebat legem vel fidem. Haithon C. 39.
+
+[744] Wassaf dem grossen _Ssahib_; Fraser übersetzt in seinem Kuzulbasch
+diesen Ehrentitel mit Sir, Gentlemen, _Eltschi Ssahib_, d. i.
+Heergesandter.
+
+[745] _Kisil_ mit seinen Brüdern _Nussret_ und _Ali Melik_. Wassaf.
+
+[746] Wassaf.
+
+[747] Güside.
+
+[748] Wassaf.
+
+[749] D'Ohsson IV. 88 nach Makrisi und Noweiri, dann Reschideddin und
+Wassaf.
+
+[750] Dschihannuma. S. 598.
+
+[751] S. Beilage IV.
+
+[752] Tschawi mubarek.
+
+[753] Sobald es angekommen, sei es angenommen. Wassaf giebt die Formel für
+chinesisch an, sie ist aber alttürkisch und würde auf neutürkisch: irdükde
+tursun lauten, d. i. wenn es angekommen, soll es stehen (gelten.)
+
+[754] Schedschretol Etrak, S. 268, statt Sikurdschi Skukurchee; jenes
+heisst Speerhalter, dieses Zuckerbäcker.
+
+[755] Reschideddin nach Wassaf giebt die Verhaftung der Emire _Idar_,
+_Kundschukbal_, _Toladai_, Tukjal, _Ildschai_ zu _Kjawabari_. Schedschretol
+Etrak, S. 261.
+
+[756] Reschideddin.
+
+[757] Nach dem Schedschretol Etrak, S. 270, ward er zu Karabagh begraben.
+
+[758] Schedschretol Etrak, S. 270.
+
+[759] Wassaf.
+
+[760] Wassaf.
+
+[761] _Kuku_ steht im Meninski als _Guckguck_, heisst aber auf Persisch
+Turteltaube (Ferheng Schuuri II. Bl. 228); die Türken nennen auch den
+Schwan Kuku.
+
+[762] Batu hatte nicht sieben, sondern vierzehn Söhne.
+
+[763] Der 61. Vers der X. Sura.
+
+[764] _Moktainat_ definirt der Commentar als den an Vieh und Geld ersparten
+Reichthum.
+
+[765] _Natik u Ssamit_, das Sprechende und Stumme, d. i. Schafe und Kamele
+im Gegensatze mit Gold und Silber.
+
+[766] _Kisil Bilka_, [arabischer Text] dasselbe Wort, das als Bilek in der
+Bedeutung der Vorschriften Tschengis-Chans vorkommt.
+
+[767] _Aidadschian_, dasselbe, was die _Kilardschi_ zu Constantinopel, die
+Diener der Speisekammer.
+
+[768] _Wudschuh_, Weisen, Arten, und _Wudschuh_, baares Geld, Plural von
+_Widschh_, Gesicht; derselbe Grundbegriff wie im Französischen faire face
+aux dépenses.
+
+[769] Das mongolische Wort _Ilghamischi_ mit dem arabischen _Tenkih_
+übersetzt, entspricht dem Finanzausdrucke des épuremens.
+
+[770] _Dhigsen ala ibballetin_, ein Heuschüppel zu einem Grasbund, Klein
+auf Klein, d. i. Nichts zu Nichts.
+
+[771] _Kaftschari_, Confiscation.
+
+[772] _Dem_, der Hauch, heisst durch erweiternde Metonymie auch die Zeit;
+wird das Wort umgekehrt, so heisst es _Medd_, welches auf Arabisch
+Erweiterung, Ausdehnung bedeutet.
+
+[773] Wortspiel zwischen _Chata_, das nördliche China, und _Chata_, Fehler.
+
+[774] Das Wortspiel ist im Persischen zwischen _Tschaw_, dem Namen des
+Papiergeldes, und _Dschawidan_, ewig.
+
+[775] _Musehhib es-scheb_, d. i. der Vergolder des Goldes.
+
+[776] _Senbus_, Kahn, scheint mit cymba verwandt.
+
+[777] _Külk_ erklärt der Commentar als gleichbedeutend mit _Chaw_,
+villositas panni holoserici.
+
+[778] Eine Nachahmung der berühmten schönen Verse Firdewsi's, und Wortspiel
+mit den beiden Namen _Iseddin_, Ehre des Glaubens, und _Mosaffir_, der
+Siegreiche, dem sein Wunsch gelingt.
+
+[779] Der 7. und 8. Vers der CI. Sura.
+
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription:
+
+Die Rechtschreibung des Originaltextes wurde beibehalten, ebenso
+unterschiedliche Schreibweisen von Eigennamen. An einigen Stellen wurde
+die Zeichensetzung geändert. Umrechnungen zwischen dem islamischen und dem
+christlichen Kalender, die offensichtlich falsch und deshalb wahrscheinlich
+Druckfehler waren, wurden korrigiert, wobei folgende Hilfsmittel verwendet
+wurden:
+
+1. http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Zeitrechnung (Umrechnungsformel
+für Jahreszahlen),
+
+2. http://www.heinrichbernd.de/calendar (Kalender-Umrechner).
+
+Ansonsten wurden die Datumsangaben des Buches auch dort beibehalten, wo sie
+unstimmig zu sein scheinen.
+
+ S. 2: "Die Gesichte des von Hulagu" wurde geändert in
+ "Die Geschichte des von Hulagu"
+ S. 7: "des Herschers von Kipdschak" wurde geändert in
+ "des Herrschers von Kipdschak"
+ S. 16: "die Wächter der acht weissen Häusser" wurde geändert in
+ "die Wächter der acht weissen Häuser"
+ S. 23: "Verschmähte Brautwerburg" wurde geändert in
+ "Verschmähte Brautwerbung"
+ S. 39: "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte besimmt" wurde geändert in
+ "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte bestimmt"
+ S. 57: "Jltschikidai" wurde geändert in "Iltschikidai"
+ S. 69, Randnote: "624/1337" wurde geändert in "624/1227"
+ S. 71, Randnote: "640/1142" wurde geändert in "640/1242"
+ S. 84, Fussnote 145: "Geboren den 24. Schewwal 614 (25. October 1256)"
+ wurde geändert in "Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256)"
+ (Anmerkung: der im weiteren Verlauf der Fussnote genannte 26. April
+ 1282 war weder ein Donnerstag noch ein Montag, sondern ein Sonntag.)
+ S. 85: "die Sklavinn Ilkadschi" wurde geändert in "die Sklavin Ilkadschi"
+ S. 85: "mit dem Kopfschmucke Bagthak" wurde geändert in
+ "mit dem Kopfschmucke Baghtak"
+ S. 90: "auser der Stadt" wurde geändert in "ausser der Stadt"
+ S. 97, Fussnote 182: "Uebersezung" wurde geändert in "Uebersetzung"
+ S. 104: "zwichen Dilem und Irak" wurde geändert in
+ "zwischen Dilem und Irak"
+ S. 107: nach "der bessten persischen Erdbeschreibung" wurde der Hinweis
+ auf die Fussnote 223 eingefügt
+ S. 109: "schon des Schwert aufgehoben" wurde geändert in
+ "schon das Schwert aufgehoben"
+ S. 133: "der Grösse des Hausses Ejub" wurde geändert in
+ "der Grösse des Hauses Ejub"
+ S. 136: "Auf bem Chalifenstuhle" wurde geändert in
+ "Auf dem Chalifenstuhle"
+ S. 140: "vorauf er" wurde geändert in "worauf er"
+ S. 140, Fussnote 285: "instrunent" wurde geändert in "instrument",
+ "brittancia" wurde geändert in "britannica"
+ S. 141: "Augenklick" wurde geändert in "Augenblick"
+ S. 163, Fussnote 316: "Vahran's" wurde geändert in
+ "Vahram's" (vgl. Google)
+ S. 168: "welche Syrien von Aegyten trennt" wurde geändert in
+ "welche Syrien von Aegypten trennt"
+ S. 170: "wandte sich also jezt" wurde geändert in
+ "wandte sich also jetzt"
+ S. 173, Fussnote 329: "Lobanasagut" wurde geändert in "Lobasanagut"
+ S. 187, Fussnote 368 und S. 192, Fussnote 379: "Macdonald Kineir"
+ wurde geändert in "Macdonald Kinneir" (vgl. Google)
+ S. 194, Fussnote 384: "Statthalttr" wurde geändert in "Statthalter"
+ S. 220: "Es liess alle Kaufleute" wurde geändert in
+ "Er liess alle Kaufleute"
+ S. 234: "Oschelaeddin Dschanli" wurde geändert in
+ "Dschelaleddin Dschanli"
+ S. 241: "Shönredner" wurde geändert in "Schönredner"
+ S. 246: "Sundschar Nujan" wurde geändert in "Sundschak Nujan"
+ S. 258: "vom Kubilai" wurde geändert in "von Kubilai"
+ S. 262: "über den Oxus gehen sollen" wurde geändert in
+ "über den Oxus gehen sollten"
+ S. 265: "verliess Kispdchak erzürnt" wurde geändert in
+ "verliess Kipdschak erzürnt"
+ S. 271: "Sodald Borrak" wurde geändert in "Sobald Borrak"
+ S. 299: "Moinedddin Perwane" wurde geändert in "Moineddin Perwane"
+ S. 311: "in's Gebiet von Haleb ein, wie sie" wurde geändert in
+ "in's Gebiet von Haleb ein, wo sie"
+ S. 314: "nicht wahrscheinlich, dass Akaka" wurde geändert in
+ "nicht wahrscheinlich, dass Abaka"
+ S. 327, Randnote: "8. Dschemmasiulewwel 681/24. August" wurde geändert in
+ "8. Dschemmasiulewwel 681/14. August"
+ S. 329: "vom Richter Medschdolmülk" wurde geändert in
+ "vom Richter Medschdolmülk's"
+ S. 333: "Wir baben befohlen" wurde geändert in "Wir haben befohlen"
+ S. 342: "zum Gemahlin gab" wurde geändert in "zur Gemahlin gab"
+ S. 348: "den linken Flügel kefehligte" wurde geändert in
+ "den linken Flügel befehligte"
+ S. 355: "Sischi, Bachschi" wurde geändert in "Sischi Bachschi"
+ S. 363: "Er zog sich noch Kirbanschir" wurde geändert in
+ "Er zog sich nach Kirbanschir"
+ S. 366: "Ich habe jezt mein Gemüth" wurde geändert in
+ "Ich habe jetzt mein Gemüth"
+ S. 388, Randnote: "9. Rebiulewwel 689/24. Mai 1290" wurde geändert in
+ "9. Rebiulewwel 689/24. März 1290"
+ S. 393, Randnote: "7. Rebiulachir 690/10. März 1291" wurde geändert in
+ "7. Rebiulewwel 690/10. März 1291"
+ S. 400: "das Amts des Richters der Richter" wurde geändert in
+ "das Amt des Richters der Richter"
+ S. 406: "Betrauten Kensdchatu's" wurde geändert in
+ "Betrauten Kendschatu's"
+ S. 406, Randnote: "28. Rebiulachir 694/17. März 1245" wurde geändert in
+ "28. Rebiulachir 694/17. März 1295"
+ S. 407: "die Vorposten Taghadschars's" wurde geändert in
+ "die Vorposten Taghadschar's"
+ S. 432: "Seine Abreise was" wurde geändert in "Seine Abreise war"
+ S. 434: "des zweigesichigen Papieres" wurde geändert in
+ "des zweigesichtigen Papieres"
+
+Die in der Druckfehlerliste am Ende des Buches enthaltenen
+Korrekturanweisungen wurden durchgeführt.
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte der Ilchane, by
+Joseph von Hammer-Purgstall
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DER ILCHANE ***
+
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+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
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+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
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+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
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+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
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+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
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+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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+ </head>
+<body>
+
+
+<pre>
+
+Project Gutenberg's Geschichte der Ilchane, by Joseph von Hammer-Purgstall
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Geschichte der Ilchane
+ das ist der Mongolen in Persien
+
+Author: Joseph von Hammer-Purgstall
+
+Release Date: March 20, 2010 [EBook #31713]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DER ILCHANE ***
+
+
+
+
+Produced by Wolfgang Menges, Karl Eichwalder, Carl Hudkins
+and the Online Distributed Proofreading Team at
+https://www.pgdp.net (This book was produced from scanned
+images of public domain material from the Google Print
+project.)
+
+
+
+
+
+
+</pre>
+
+
+<h1>GESCHICHTE<br />
+<span style="font-size: 60%">DER</span><br />
+<span class="big spaced">ILCHANE</span></h1>
+
+<p style="text-align: center; font-size: 80%; letter-spacing: 0.2em">DAS IST</p>
+
+<p class="title" style="font-size: 110%">DER MONGOLEN IN PERSIEN</p>
+
+<p style="text-align: center; font-size: 80%; letter-spacing: 0.2em">VON</p>
+
+<p class="title big" style="margin-top: 2em">HAMMER-PURGSTALL.</p>
+
+<div style="margin-left: -10%"><hr style="margin-top: 1em; margin-bottom: 1em" /></div>
+
+<p class="center"><span class="spaced">Mit</span><br />
+neun Beilagen und neun Stammtafeln.</p>
+
+<div style="margin-left: -10%"><hr style="margin-top: 1em; margin-bottom: 2em" /></div>
+
+<p class="center"><span class="title spaced">Erster Band.</span><br />
+<span class="spaced">Mit vier Beilagen.</span></p>
+
+<div style="margin-left: -10%"><hr style="width: 25%; margin-top: 4em; margin-bottom: 1em" /></div>
+
+<p class="center" style="margin-top: 1em"><span class="title spaced">Darmstadt.</span><br />
+<span class="smcap spaced">Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske.</span></p>
+
+<div style="margin-left: -10%"><hr style="margin-top: 1em; margin-bottom: 1em" /></div>
+
+<p class="title" style="margin-top: 1em; letter-spacing: 0.2em">1842.</p>
+
+
+<div class="widmung">
+<p style="text-align: center; letter-spacing: 0.2em">An</p>
+
+<p class="title big" style="margin-top: 1em; margin-bottom: 1em">Seine Majestät</p>
+
+<p style="text-align: center; letter-spacing: 0.2em">den</p>
+
+<div style="width: 438px; margin-left: 27%">
+<img src="images/widmung.png" width="438" height="76" alt="widmung" />
+</div>
+
+
+<p style="margin-top: 4em; margin-bottom: 3em"><strong>Allerdurchlauchtigster König,<br />
+Allergnädigster Herr!</strong></p>
+
+
+<p>Von der deutschen Hauptstadt der Künste,
+von der Residenz <strong>Euerer Majestät</strong>, wo
+ich vor drei Tagen mit der Akademie der Wissenschaften
+das <strong>Allerhöchste</strong> Geburts- und Namensfest
+gefeiert, bin ich nach Berchtesgaden geeilt,
+wo der erhabene Schutzgenius der schönen Künste
+im schönsten Tempel der Natur residirt, um demselben
+in <strong>Allerhöchst Ihrer</strong> Person die Verehrung
+und Bewunderung zu zollen, womit der Verein der
+Kunstwunder zu München jeden Besucher erfüllt.</p>
+
+<p>Da mir <strong>Euere Majestät</strong> allergnädigst erlaubet
+haben, mit <strong>Allerhöchst Ihrem</strong> Namen das Giebelfeld
+eines meiner Werke zu schmücken, so erscheint
+die Geschichte der Mongolen Persiens,
+wenigstens durch die Namen ihrer grossen Fürsten,
+Bauherren, Gönner der Künste und Beschützer
+der Wissenschaften, solcher Ehre nicht unwürdig.</p>
+
+<p>Wenn die Bauten Ghasan's und Chodabende's
+zu Tebris und Sultania nach einem halben Jahrtausend
+die Namen ihrer Erbauer nur in Ruinen
+verherrlichen, so liegt die Schuld davon nicht
+sowohl in Elementarereignissen und in feindlicher
+Verheerung, als in dem Mangel an erhaltender
+Fürsorge, welche Werken der Kunst wie den
+Staaten Dauer versichert.</p>
+
+<p>Geruhen <strong>Euere Majestät</strong>, als Schöpfer eines
+Pantheon der Künste, als Erhalter der ältesten
+Denkmale derselben und eines blühenden Reiches,
+die Huldigung meiner tiefsten Ehrfurcht allergnädigst
+zu genehmigen.</p>
+</div>
+
+<p style="margin-top: 6em; font-size: 90%">
+<span style="margin-left: 1.5em;"><i>Berchtesgaden</i>,</span><br />
+an Göthe's Geburtstag           <b>HAMMER-PURGSTALL</b>.<br />
+<span style="margin-left: 3.5em;"><i>1841</i>.</span>
+</p>
+
+
+
+
+<h2><a name="Vorrede" id="Vorrede"></a>Vorrede.</h2>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+
+
+<p>Diese Geschichte der Mongolen in Persien ist das
+Seitenstück zu der im vorigen Jahre erschienenen des
+mongolischen Reiches in Kiptschak; jene ist durch die
+Preisfrage der Petersburger Akademie veranlasst worden,
+die Schreibung dieser ist aus eigenem Antriebe
+hervorgegangen. Bei der zum Behufe der ersten nöthig
+gewordenen Sichtung der aufgeschichteten Massen historischen
+Materials, ward es klar, dass zur zweiten, in
+den orientalischen selbst durch Herrn von d'Ohssons sehr
+schätzbare Geschichte nicht erschöpften Quellen, weit
+mehr dankbarer historischer Stoff vorhanden.</p>
+
+<p>Die Geschichte der Mongolen in Kiptschak liegt
+dem Europäer zwar näher wegen der verheerenden Raubzüge
+durch Polen und Ungarn bis ins Herz von Deutschland,
+und wegen der tatarischen Herrschaft in Russland;
+aber die Geschichte der Mongolen in Iran hat das grössere
+Interesse wichtigerer asiatischer Weltereignisse,
+wie der Ruin der Assassinen und des Chalifates, der
+Sturz alter Dynastien und die Gründung neuer, bisher
+selbst den Orientalisten kaum dem Namen nach bekannter,
+die Feldzüge wider Aegypten und das dschagatai'sche
+Reich, die diplomatischen Verhältnisse zwischen den
+Kreuzfahrern und dem Papste. Der Ulus Dschudschi's
+beherrschte mit dem europäischen das asiatische Russland,
+welches damals noch, wie von allem Anfang der
+Geschichte her, in Asien das Land der Finsterniss und
+der Barbarei, während Persien von der ältesten Zeit an
+das Land geregelter Herrschaft und Religion, der Sitz
+von Wissenschaft und Künsten, der Schauplatz grosser
+Bauten und Gelehrten, und der Mittelpunkt mittelasiatischer
+Cultur.</p>
+
+<p>Zudem beut diese Geschichte keine Lücken, wie
+jene von Kiptschak, und selbst über das zerrissene Ende
+derselben, wo die Thronanmasser über einander stürzen,
+schwebt kein solches Dunkel, wie über die letzten Herrscher
+des Uluses Dschudschi. Der Strom geschichtlicher
+Erzählung fliesst also in geregeltem Flussbette reich und
+ruhig. Der in der Geschichte von Kiptschak zur Rechtfertigung
+vor überstrengen akademischen Richtern nothwendig
+gewordene Reichthum erläuternder Noten enthebt
+hier von der Anhäufung derselben zur Beglaubigung
+vor sachkundigen Gelehrten und billigen Lesern. Die
+Sparsamkeit an Citaten wird also hier nicht bedauert
+werden, und noch weniger der Mangel an aller Polemik,
+welche in der Geschichte von Kiptschak Nothwehr zur
+literarischen Ehrenrettung. Dafür ist in dem Texte keine
+Nachricht von Dynastien oder Oertern übergangen worden,
+wodurch das Gebiet der Geschichte und Erdbeschreibung
+erweitert, keine Kunde von Sitten und Literatur,
+wodurch der Charakter der Völker und ihrer
+geistigen Kultur beleuchtet wird.</p>
+
+<p style="margin-top: 2em">
+<b><span class="spaced">Schloss Hainfeld</span></b>,<br />
+<span class="small" style="margin-left: 2.5em">den 24. October 1841</span>.<br />
+</p>
+
+
+
+
+<p class="title big"><a name="Inhalt" id="Inhalt"></a>Inhalt.</p>
+
+<div style="font-size: smaller">
+<p><a href="#Erstes_Buch">Erstes Buch.</a> Uebersicht der mongolischen Stämme, der Familie
+und Geschichte Tschengischans; sein Gesetzbuch
+und sein Testament; Charakter und Sitte, Aberglauben
+und Gebräuche der Mongolen. Die Regierung
+Ogotai's, Gujuk's, Mengku's; die der gleichzeitigen
+Dynastien in Asien und Aegypten.   <a href="#Page_1">1</a></p>
+
+<p><a href="#Zweites_Buch">Zweites Buch.</a> Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug
+nach Persien wider die Schlösser der Assassinen
+und Bagdad; Rückblick auf die Chalifen und
+die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte
+Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung
+und Verwüstung Bagdad's; Hinrichtung des
+Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin; der Herrscher
+von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten;
+die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's
+und Gross- und Klein-Armenien's.   <a href="#Page_79">79</a></p>
+
+<p><a href="#Drittes_Buch">Drittes Buch.</a> Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb,
+Miafarakain; Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor
+Damaskus; Schlachten von Aindschalut und Himss;
+das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten; Anlass
+des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak;
+Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's,
+Arikbuka, Alghui, Kaidu; Vertheilung der Länder
+und Statthalterschaften; Dynastie der Beni Aamaret
+und Schebankjare von Fars.   <a href="#Page_167">167</a></p>
+
+<p><a href="#Viertes_Buch">Viertes Buch.</a> Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften;
+die Familie desselben und Schemseddin's;
+Schlacht gegen Nokai; armenische und
+ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und
+dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in
+Luristan; der Tod grosser Männer; Schemseddin
+Kert und Dschuweini; die niguderischen Banden
+in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug wider
+Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan;
+Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet
+und wieder zu Gnaden aufgenommen;
+Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht von
+Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die
+Christen.   <a href="#Page_245">245</a></p>
+
+<p><a href="#Funftes_Buch">Fünftes Buch.</a> Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung;
+Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras;
+Konguratai getödtet; Krieg
+zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften
+Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch
+nach Kumis; Arghun vor Kelat; Thronbesteigung
+Arghun's; dessen Gemahlinnen, Söhne und Töchter;
+Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs Schemseddin;
+die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin
+Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz;
+Hinrichtung der Prinzen Dschuschkab, Huladschu
+und Karabuka; Verwaltung des Juden Seadeddewlet;
+Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse
+gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung
+und dessen Familie; Ssadreddin von Sendschan
+Wesir; Einfall der Luren in Irak und Fars,
+und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten;
+Verrath der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's
+und Baidu's Nachfolge.   <a href="#Page_320">320</a></p>
+
+<p><a href="#I_Beilage">I. Beilage</a>. Auszug aus der Geschichte Haider's über
+Dschudschi.   <a href="#Page_411">411</a></p>
+
+<p><a href="#II_Beilage">II. Beilage</a>. Auszug aus Wassaf über den Ulus
+Dschudschi's.   <a href="#Page_415">415</a></p>
+
+<p><a href="#III_Beilage">III. Beilage</a>. Auszug aus Wassaf über den Krieg zwischen
+Hulagu und Berke.   <a href="#Page_419">419</a></p>
+
+<p><a href="#IV_Beilage">IV. Beilage</a>. Auszug aus Wassaf über das Papiergeld.   <a href="#Page_423">423</a></p>
+
+<p><a href="#Druckfehler">Druckfehler.</a></p>
+
+<p><a href="#Fussnoten">Fussnoten.</a></p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_1" id="Page_1">[1]</a></span></p>
+<h2><a name="Erstes_Buch" id="Erstes_Buch"></a><a href="#Inhalt">Erstes Buch.</a></h2>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+
+
+<div class="block"><p>Uebersicht der mongolischen Stämme, der Familie
+und Geschichte Tschengischans; sein Gesetzbuch
+und sein Testament; Charakter und Sitte, Aberglauben
+und Gebräuche der Mongolen. Die Regierung
+Ogotai's, Gujuk's, Mengku's; die der gleichzeitigen
+Dynastien in Asien und Aegypten.</p></div>
+
+<div class="sidenote">Mongolische
+Geschichte.</div>
+
+<p>Tschengischans und seiner Nachkommen Thaten, die von
+ihnen zerstörten und gegründeten Reiche, ihre Raubzüge
+und Gesetzgebung, der Namen der <i>Tartaren</i> oder <i>Tocharen</i>,
+d. i. <i>Tataren</i>, und der der <i>Moalen</i> oder <i>Mogholen</i>, d. i.
+<i>Mongholen</i>, haben Europa durch zwei Jahrhunderte mit
+Erstaunen und Schrecken gefüllt, von der chinesischen Mauer
+bis an die von Wienerischneustadt und Olmütz, und fürchterlich
+hallte der Donner ihrer Heere von den Ufern des
+gelben Flusses bis an die des rothen Meeres, vom Altai
+bis an den Libanon zurück. Naturrevolutionen, mit denen
+<i>Gibbon</i> das Erscheinen der Mongolen so treffend verglichen
+hat, lassen nicht tiefere Spuren ihrer verheerenden Kräfte
+auf der Oberfläche der Erde zurück, als die verheerenden
+Hufen mongolischer Heere, unter denen Reiche und Cultur
+zertreten wurden; sie fuhren daher wie die entfesselten
+Elemente, wie Orkane und grosse Fluthen und das Erdbeben
+und der Wetterstrahl; sie durchackerten die Erde mit dem
+Schwerte und düngten sie mit Blut. Das Jahrhundert ihrer
+so fürchterlichen und verderblichen Grösse und Macht fällt
+zusammen mit dem zweiten der Kreuzzüge, das ist mit dem
+<span class='pagenum'><a name="Page_2" id="Page_2">[2]</a></span>
+dreizehnten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, dem durch
+grosse Begebenheiten vor anderen historisch wichtigen, durch
+die Umgestaltung so vieler asiatischen Reiche und durch den
+regsten Verkehr des Abendlandes mit dem Morgenlande.
+Einen so namhaften Platz die Kreuzzüge auch in der europäischen
+Geschichte einnehmen, so erscheinen sie in der
+asiatischen doch bei weitem nicht so bedeutend, indem dieselben
+nur den Westrand von Asien bestreifen. Die Ringe
+dieses Steinwurfs der Eroberung der Levante verebben schon
+an den Ufern des Nils und des Tigris, während die hochaufschäumende
+Woge mongolischer Eroberungsfluth über
+ganz Asien bis nach Europa, vom Baikalsee bis an den
+Platensee, und vom Kokonor bis an den Ladoga sich verheerend
+fortwälzt. Die Wichtigkeit der Geschichte der
+Mongolen und die Grösse des Stoffes springt also von selbst
+in die Augen. Sie zerfällt in viererlei Geschichten, deren
+jede, bei dem Reichthume der Quellen, Stoff für mehrere
+Bände. <i>Erstens</i> die Geschichte <i>Tschengischans</i>; <i>zweitens</i>
+die der vier <i>Uluse</i>, d. i. der durch die Nachkommen seiner
+vier Söhne beherrschten Reiche; dann nach der Theilung
+der Herrschaft des vierten Uluses in das östliche chinesische
+und in das westliche persische Reich, <i>drittens</i> in die Geschichte
+der <i>Juan</i> oder der chinesischen Kaiser aus den
+Nachkommen <i>Kubilai's</i>; und <i>viertens</i> in die der <i>Ilchane</i> oder
+persischen Herrscher, Nachkommen <i>Hulagu's</i>, des Bruders
+Kubilai's. Eine vollständige Geschichte dieser Reiche könnte
+sich keine engeren Gränzen des Umfangs stecken, als die
+des osmanischen; die vorliegende beschränkt sich nur auf
+den vierten und letzten Zeitraum, als ein Seitenstück zu
+der Geschichte der goldenen Horde in Kipdschak, aber von
+weit grösserem Interesse, als jene, in Bezug auf Asien.</p>
+
+<div class="sidenote">Die der persischen Ilchane.</div>
+
+<p>Die Geschichte des von Hulagu gegründeten Reichs der
+persischen <i>Ilchane</i>, d. i. <i>Landes</i>- und <i>Volksfürsten</i> [denn
+<i>Il</i> heisst sowohl das eine als das andere<a name="FNanchor_1" id="FNanchor_1"></a><a href="#Footnote_1" class="fnanchor">[1]</a>], füllt nur Ein
+<span class='pagenum'><a name="Page_3" id="Page_3">[3]</a></span>
+Jahrhundert, von der Hälfte des dreizehnten bis in die
+Hälfte des vierzehnten unserer Zeitrechnung<a name="FNanchor_2" id="FNanchor_2"></a><a href="#Footnote_2" class="fnanchor">[2]</a>, während
+welchem siebzehn Ilchane gezählet werden, von denen aber
+nur die neun ersten achtzig Jahre den Thron als Alleinherrscher
+füllten, die acht anderen sich um denselben mit
+ihren Mitbewerbern stritten, bis dass das mit so grosser
+Machtäusserung gegründete, mit so grossem Glanze unter
+neun Herrschern aufrecht gehaltene Reich der Ilchane, nach
+dem Tode <i>Ebu Said's</i>, durch die inneren Kriege der Thronanmasser
+zerfiel und sein Andenken nur in drei, aus den
+Ruinen derselben emporgeschossenen Pilzlingen mongolischer
+Dynastien, in denen der <i>Indschu</i>, <i>Tschoban</i> und <i>Ilkaan</i>,
+noch kurze Zeit hinterliess, wie das untergegangene Reich
+der goldenen Horde in Kipdschak in den aus seinen Trümmern
+entstandenen Dynastien der Chane von <i>Kasan</i>, <i>Astrachan</i>
+und der <i>Krim</i> noch längere Zeit fortgelebt. Jene persischen
+und diese kipdschakischen Dynastien gehören aber
+nicht mehr eigentlich der Geschichte der Mongolen an,
+deren Herrschaft nur von Tschengischan's Auftritt als Eroberer
+bis zum Untergange der goldenen Horde in Russland
+und zur Erscheinung Timurs, nur zweihundert Jahre gedauert.
+Die Hälfte dieser Zeit nimmt die Geschichte der
+persischen Ilchane als die glänzendste der vier Uluse in
+Anspruch, die glänzendste durch die Eroberungen des
+Gründers <i>Hulagu</i> und seines Nachfolgers <i>Abaka</i>, durch
+die gesetzgebende Weisheit <i>Ghasan's</i> des siebenten und seines
+Nachfolgers <i>Oldschaitu</i> nicht unrühmliche Regierung, endlich
+durch den Flor der persischen Literatur während dieses
+Jahrhunderts. Die grössten Geschichtschreiber der Perser,
+<i>Dschuweini</i>, der Wesir Hulagu's, und <i>Reschideddin</i>, der
+Wesir Ghasan Chan's, haben die Geschichte Tschengischan's
+und der Ilchane Persiens aus den Quellen des goldenen
+Archiv's, d. i. des mongolischen Staatsarchivs, und der
+Begebenheiten ihrer eigenen Zeit als Augenzeugen und mithandelnde
+Werkzeuge beschrieben. Als Augenzeugen und
+<span class='pagenum'><a name="Page_4" id="Page_4">[4]</a></span>
+Zeitgenossen schrieben auch <i>Hamdallah Mestufi</i>, der Verfasser
+der bessten persischen Geographie und Universalgeschichte,
+<i>Binaketi</i>, der Epitomator des grossen Werkes
+Reschideddin's, und <i>Wassaful-hasret</i>, d. i. der Lobredner
+der Majestät, unter <i>Oldschaitu</i> und <i>Ebu Said</i>, dessen in
+allen Künsten der Rhetorik üppig wuchernder Styl wohl
+das Lesen seines Werkes erschwert, aber der historischen
+Wahrheit so wenig Eintrag thut, dass derselbe die einzige
+verlässliche Quelle, aus welcher die späteren, mit Recht
+geschätzten persischen Schreiber der Universalgeschichte:
+<i>Mirchuand</i>, <i>Chuandemir</i>, <i>Hafis Ebru</i> und <i>Ghaffari</i> geschöpfet.
+Schon Wassaf, wiewohl er erst unter dem achten und neunten
+Herrscher der Ilchane seine Geschichte schrieb, die mit
+Hulagu, dem Gründer der Dynastie, beginnt, fühlte zu
+Ende seines Werkes die Nothwendigkeit, demselben aus
+Dschuweini auch einen kurzen Ueberblick der Geschichte
+Tschengischan's und seiner vier ersten Nachfolger anzuhängen,
+welche besser dieselbe eingeleitet hätte, wie <i>Scherefeddin
+von Jesd</i> die Geschichte Timur's mit einem kurzen
+Ueberblicke der Geschichte Tschengischan's und der vier
+Uluse aus den obigen Quellen eingeleitet hat. Die Nothwendigkeit
+solcher Einleitung dringt sich auch hier um so
+unabweislicher auf, als Tschengischan nur acht und zwanzig
+Jahre vor der Gründung des persischen Reichs durch Hulagu
+verstorben, als die mongolischen Stämme und die der
+Gründung des Reichs Hulagu's gleichzeitigen asiatischen
+Herrscher den Lesern unbekannt. Dieses Buch leitet daher
+dieselben durch die möglichst kurze Kunde über dieses Volk
+des Morgenlandes und seine Stämme, über Tschengischan
+und seine vier ersten Nachfolger, und über die dem Auftritte
+Hulagu's gleichzeitigen Herrscher Asiens in die Geschichte
+der persischen Ilchane ein.</p>
+
+<div class="sidenote">Türken,
+Tataren und
+Mongolen.</div>
+
+<p>Das älteste der Völker, welche die Geschichte in Hochasien
+als Herrscher kennt, sind unstreitig die Türken, deren
+(der chinesischen Quellen zu geschweigen) die byzantinischen
+schon in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der christlichen
+Zeitrechnung erwähnen, wo die griechischen Kaiser
+<span class='pagenum'><a name="Page_5" id="Page_5">[5]</a></span>
+mit dem Chane der Türken am <i>Altai</i>, d. i. dem Goldberge,
+durch Gesandtschaften verkehrten, d. i. schon sechs Jahrhunderte
+früher, als in der Hälfte des zwölften die Tataren
+und Mongolen durch Tschengischan in Europa geschichtlichen
+Namen erhielten. Die Geschlechtsregister der letzten
+sind augenscheinlich türkischen eingepfropft, um dunkeln
+Ursprung der Väter durch berühmte Altvordern zu adeln
+und ihr Geschlecht hinaufzuführen bis Türk, den Sohn
+Japhet's, den gemeinsamen Ahnherrn von Tatarchan und
+Mogolchan, die angeblichen Stammväter der Tataren und
+Mongolen. Der Namen der letzten taucht erst unter Tschengischan
+mit Gewissheit auf, da es nicht ausgemacht, ob die
+ältern <i>Moho</i> der Chinesen eben so gewiss Mongolen, als
+ihre <i>Tata</i> Tataren; wie aber Türken und Tataren ganz
+verschiedenen Stammes, indem jenen der Namen von diesen
+nur durch Missbrauch beigelegt worden, und noch beigelegt
+wird, so sind Tataren und Mongolen ursprünglich ein und
+dasselbe Volk, jenes der ältere unterjochte, dieses der
+jüngere unterjochende Zweig. Die Türken sind vom östlichen
+<i>Altai</i>, die Tataren vom <i>Baikalsee</i> ausgezogen, die
+Mongolen am westlichen <i>Kentei</i>, von den Quellen des <i>Onon</i>
+und <i>Kerulon</i>, wo im bewaldeten Gebirge <i>Burhan Kaldun</i>
+die Geburts- und Grabstätte Tschengischan's. Nachdem
+Tschengischan die ihm feindlichen Stämme der Tataren und
+ihre Verbündeten vernichtet oder unterjocht, nachdem seine
+Herrschaft durch Sieg und Eroberung von den Ufern des
+vaterländischen Sees <i>Dalai Nor</i> bis an die des persischen
+Sees von <i>Meragha</i> über siebzig Längengrade ausgedehnt
+war, buhlten die unterjochten Völker um die Ehre, dem
+siegenden und erobernden, dem gesetzgebenden und herrschenden
+anzugehören; Türken und Tataren zählten sich
+nun den Mongolen bei, wie diese in ihren Stammregistern
+sich früher den Türken angeschlossen, wiewohl beide durch
+die nicht zu überspringende Kluft von verschiedener Sprache
+und Gesichtsbildung von einander scharf getrennt. Tataren
+wollten Mongolen, Türken Tataren heissen; hingegen protestirten
+die Mongolen wider den Namen von Tataren, wie
+<span class='pagenum'><a name="Page_6" id="Page_6">[6]</a></span>
+noch heute die Osmanen wider den von Türken. Die Eitelkeit,
+altem Geschlechte anzugehören, und Adelstolz (derselbe
+bei Völkern, wie bei Individuen), bringt durch
+Ahnen- und Namen-Vermengung in die Stammtafeln von
+beiden nur Irrthum und Verwirrung<a name="FNanchor_3" id="FNanchor_3"></a><a href="#Footnote_3" class="fnanchor">[3]</a>. Eben so richtig
+als lichtvoll ordnet der grosse Geschichtschreiber der Mongolen,
+Reschideddin, Anfangs seines Werkes eine Centurie
+von Stämmen, welche zu seiner Zeit alle auf den Ehrennamen
+von Mongolen Anspruch machten, ausser den Türken
+(denen er die Uighuren der Sprache nach beigezählt) in
+drei Klassen, nämlich in Tataren (desselben Stammes und
+derselben Sprache, wie die Mongolen), welche ursprünglich
+den Namen von Mongolen nicht führten<a name="FNanchor_4" id="FNanchor_4"></a><a href="#Footnote_4" class="fnanchor">[4]</a>; zweitens in
+Völker verschiedenen Ursprungs, welche, weder Tataren
+noch Mongolen, den Namen der letzten der Aehnlichkeit
+wegen annahmen, wie die <i>Turkmanen</i> den der Türken, und
+die daher am bessten <i>Mogolmanen</i> genannt würden, weil
+sie an die Mongolen <i>mahnen</i><a name="FNanchor_5" id="FNanchor_5"></a><a href="#Footnote_5" class="fnanchor">[5]</a>, wie jene an die Türken;
+drittens in die eigentlichen Mongolen, welche wieder in zwei
+Abtheilungen zerfallen, nämlich in die Mongolen <i>Durlegin</i>,
+der neun Geschlechter vor <i>Alankowa</i>, der neunten Ahnfrau
+Tschengischan's, und die Mongolen <i>Nirun</i>, deren Stammväter
+alle aber Nachkommen <i>Alankowa's</i>. Es ist nöthig, den
+Leser wenigstens mit einem Viertel der Centurie von Stämmen,
+die zur Zeit Reschideddin's, d. i. Anfangs des vierzehnten
+Jahrhunderts, bestanden, bekannt zu machen, mit denen
+nämlich, welche ihre Berühmtheit vor anderen entweder
+ihren Helden und Frauen, ihrer Freundschaft für oder ihrer
+Feindschaft gegen Tschengischan, ihrer Opposition oder
+Verschwägerung mit dessen Hause danken.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_7" id="Page_7">[7]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Die Stämme
+Tatar und
+Merkit.</div>
+
+<p>Von den ursprünglichen tatarischen Stämmen nennen
+wir zuerst den sechsgetheilten Stamm der Tataren selbst,
+von denen einer <i>Tschaghlan Tatar</i>, d. i. die weissen Tataren<a name="FNanchor_6" id="FNanchor_6"></a><a href="#Footnote_6" class="fnanchor">[6]</a>,
+hiess, im Gegensatze der übrigen, welche die
+schwarzen genennet werden; in der Folge wurde der Namen
+der weissen Tataren auch den Uiguren, welche Türken,
+und anderen türkischen Stämmen beigelegt, sowie den
+<i>Mandschu's</i> der Namen der <i>Sui Tatar</i>, d. i. der Wasser-
+oder schlechten Tataren; die mächtigsten und gefährlichsten
+der Feinde des Hauses Tschengischan's, welcher bei seiner
+Geburt den Namen <i>Temudschin</i> erhielt, weil am selben
+Tage sein Vater <i>Jesukai Behadir</i> einen tatarischen Fürsten,
+<i>Temudschin</i>, geschlagen und gefangen gemacht. Der Namen,
+den er trug, von dem am Tage seiner Geburt besiegten
+Tatarfürsten hergenommen, und die in seiner Jugend von
+den Erbfeinden seines Stammes erlittenen Unbilden spornten
+den Sohn Jesukai's zur Rache und zum Vertilgungskriege
+wider diese unversöhnlichen Feinde seines Hauses an; sie
+wurden vernichtet, und nur ihre Weiber gingen als Trophäen
+in das Frauengemach Tschengischan's und seiner Söhne über.
+Zwei der fünf Gemahlinnen Tschengischan's, <i>Jisulun</i> und
+<i>Jisulut</i>, und eine seiner Beischläferinnen, Mutter seines als
+Kind verstorbenen Sohnes <i>Uradschagan</i>, waren Tatarinnen,
+so auch eine Frau seines Bruders <i>Dschudschi Kasar</i>, seines
+Sohnes <i>Batu</i> und <i>Tudai Mengku's</i>, des Herrschers von
+Kipdschak. Die beiden Gemahlinnen Tschengischan's erflehten
+von ihm das Leben zweier Kinder ihres Stammgenossen <i>Kuli</i>
+und seines Bruders <i>Karamengku</i>, welche beide gross gewachsen,
+den Dienst von <i>Bawerdschi</i>, d. i. Tafeldecker, bekleideten.
+<i>Kuli</i> genoss des grössten Ansehens und schloss
+sich nach Tschengischan's Tod an die grosse Frau <i>Sijurkukteni</i>,
+die Gemahlin <i>Tuli's</i>, welche ihn zum grossen Emir
+des Lagers und Obersthofmeister <i>Sijuktu's</i><a name="FNanchor_7" id="FNanchor_7"></a><a href="#Footnote_7" class="fnanchor">[7]</a>, des Sohnes
+<span class='pagenum'><a name="Page_8" id="Page_8">[8]</a></span>
+<i>Tuli's</i>, ernannte. <i>Sali</i>, der Sohn Karamengku's, erscheint
+unter der Regierung <i>Mengkukaan's</i>, gleich beim ersten
+Feldzuge Hulagu's, als Sicherer des Rückens des Heers an
+der indischen Gränze; bei Tschengischan selbst aber galt
+mehr, als die beiden von seinen beiden Gemahlinnen zum
+Leben erbetenen obgenannten Kinder, und mehr als die beiden
+Frauen <i>Akutuku's</i>, der Tatare <i>Kutku Nujan</i>; von <i>Tschengischan</i>
+als Findelkind angenommen und seiner ersten Gemahlin,
+noch ehe sie ihm einen Sohn geboren, zur Pflege
+empfohlen, hatte sich <i>Kutku</i> schon als zwölfjähriger Knabe
+Tschengischan's besondere Zuneigung durch seine Tapferkeit
+erworben, indem er taidschutischen Dieben ihre Beute abjagte,
+und als fünfzehnjähriger Jüngling mitten im tiefen
+Schnee allein dreissig Hirsche erlegt hatte. Er durfte den
+Tschengischan <i>Itsche</i>, d. i. Vater, und dessen Gemahlin
+<i>Ike</i>, d. i. Mutter, nennen. <i>Ogotai</i>, der Sohn und Nachfolger
+Tschengischan's, gab ihm den Ehrentitel eines Prinzen,
+<i>Aka</i>, mit dem Vorsitze vor seinen eigenen Söhnen, und
+noch achtzigjährig versah er das Amt des Oberrichters nach
+seinem Wahlspruche: <i>Fürchte Nichts und sprich recht</i>.<a name="FNanchor_8" id="FNanchor_8"></a><a href="#Footnote_8" class="fnanchor">[8]</a>
+Die Tataren sassen an der Gränze China's, dessen Kaisern
+sie meistens steuerpflichtig waren.<a name="FNanchor_9" id="FNanchor_9"></a><a href="#Footnote_9" class="fnanchor">[9]</a> 2. Der zweite feindliche
+Stamm, welchen Tschengischan wie die Tataren als
+unversöhnliche Feinde mit Vernichtungskrieg zu Boden trat,
+war der in vier Zweige getheilte der <i>Merkit</i> oder <i>Mekrit</i>,
+auch <i>Udujut</i> genannt, denen die <i>Solongos</i> beigezählt wurden.
+Ihr Fürst <i>Tuktaibeg</i> fiel mit sechs seiner Söhne als Opfer
+der unversöhnlichen Feindschaft. Selbst der jüngste, welchem
+als einem trefflichen Bogenschützen <i>Dschudschi</i>, der älteste
+Sohn Tschengischan's, das Leben retten wollte, musste hingerichtet
+werden auf ausdrücklichen Befehl des Vaters,
+welcher dem Sohne diese Milde nie vergab. <i>Tairosim</i>, einer
+der Ersten des Stammes, gab dem Tschengischan die Tochter
+<i>Kulan</i> zur Frau, welche ihm den Sohn <i>Kulkan</i> gebar. Vom
+Schwiegervater bekriegt, verlor Tairosim die Schlacht, und
+<span class='pagenum'><a name="Page_9" id="Page_9">[9]</a></span>
+seine Frau <i>Turakina</i>, welche dem Sohne Tschengischan's
+beigelegt wurde, eine der grössten mongolischen Frauen,
+verschaffte als Regentin nach Ogotai's Tode ihrem Sohne
+<i>Gujuk</i> (dessen Gemahlin ebenfalls eine Merkitin) die Herrschaft.
+Die Sitze der Merkit waren im Osten des mongolischen
+Stammgebietes am linken Ufer der <i>Selinga</i>.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Stämme
+Dschelair,
+Sunit,
+Torghod,
+Uirat.</div>
+
+<p>Der zehngetheilte mächtigste Stamm der <i>Dschelairen</i>,
+welche in dem Stammgebiete des Hauses Tschengischan's
+am Onon, in siebzig Ringen, wie die <i>Avaren</i>, jeder Ring
+tausend Familien stark, sassen, ist einer von der ältesten
+bis in die neueste Zeit durch historische Namen und Begebenheiten
+merkwürdigsten. Die Nachkommen des Brüderpaars
+<i>Dschudschi Tumle</i> und <i>Dschudschi Dschawerkai</i>, welche
+der Anlass des Kriegs Tschengischan's mit den Taidschuten,
+haben unter den persischen Ilchanen zahlreiche und wichtige
+Aemter des Staats und Hofs bekleidet; <i>Kadan</i>, der
+Dschelaire vom Gefolge Tschengischan's, hatte zwei Söhne,
+<i>Iluk</i> und <i>Ildschikitai</i>, wovon jener Atabeg, d. i. Obersthofmeister,
+des Sohnes und zweiten Nachfolgers Tschengischan's,
+Ogotai's; dieser schätzte ihn sehr hoch, erlaubte ihm aber nicht,
+den Bruder Ildschikitai zu tödten, der sich vor ihm ebenfalls
+zu Ogotai geflüchtet. Auf dem Landtage der Wahl Mengkukaan's
+spielte Ildschikitai eine höchst wichtige Rolle, indem
+er die Rechte des Uluses Ogotai's auf den Thron wider die
+Ansprüche des Uluses Kubilai's vertheidigte; im Gegentheile
+leistete der Dschelaire <i>Mingkasar Nujan</i>, aus dem Zweige
+der Dschat, Grossfürst und Oberrichter <i>Miafarakain's</i>, dem
+<i>Kubilai</i> bei dem nach dessen Thronbesteigung über Majestätsverbrechen
+gehaltenen Gerichte die grössten Dienste,
+indem er über die widerspenstigen Prinzen der Uluse,
+Dschaghatai und Ogotai, das Todesurtheil aussprach. Der
+Dschelaire <i>Dauldu</i> war Vogt der vier grossen Lager Tschengischan's
+und befehligte eine <i>Ssade</i>, d. i. Centurie, in jedem
+<i>Hesare</i>, d. i. Regiment von tausend Mann; endlich das
+Brüderpaar <i>Olai Kalschu</i> und <i>Karadschai</i>, die Schafhirten
+Jisukai's, des Vaters Tschengischan's, denen er sich immer
+sehr dankbar bewies, weil sie seine in die Gefangenschaft
+<span class='pagenum'><a name="Page_10" id="Page_10">[10]</a></span>
+der Merkit gerathene Gemahlin sicher zu Owangchan, dem
+Fürsten der Kerait, geleiteten; auf dem Rückzuge genas
+sie vom Erstgebornen Tschengischan's, welchen dieser, weil
+die (von Verläumdern sogar als zu spät verdächtigte) Geburt
+des Sohnes unerwartet kam, <i>Dschudschi</i>, d. i. den unverhofften
+Gast, nannte. Tschengischan wollte in der Folge
+das Brüderpaar mit Aemtern belohnen; sie zogen aber vor,
+in ihrem Stande zu bleiben und als Hirten seines Vertrauens
+zu geniessen; aus ihren Nachkommen ist <i>Sertak</i>,
+der Fürst des Lagers zur Zeit Arghunchan's, des fünften
+der persischen Ilchane, und von <i>Katschar</i>, dem Sohne
+<i>Sertak's</i>, leiten die heutigen Schache Persiens ihre Dynastie
+als eine zweite des Stammes der Dschelaire ab; denn eine
+frühere hatte nach Zertrümmerung des persischen Reichs
+der Ilchane der Dschelaire Hasan (beigenannt der <i>Grosse</i>,
+zum Unterschiede von <i>Hasan Dschoban</i>, aus dem Stamme
+<i>Suldu's</i>, welcher Stifter der Dynastie <i>Dschoban</i> der <i>Kleine</i>
+beigenannt ward) in Persien gestiftet, welche von der geschwächten
+Macht der <i>Ilchane</i> Nichts als den verstärkten
+Titel als <i>Ilkaane</i> führten. Aus dem Stamme der <i>Sunit</i>,
+welcher noch heute unter diesem Namen an der chinesischen
+Gränze sitzt,<a name="FNanchor_10" id="FNanchor_10"></a><a href="#Footnote_10" class="fnanchor">[10]</a> war <i>Dschurmaghun</i>, welchen Ogotai, nachdem
+<i>Dschebe</i> und <i>Subetai</i> von ihrem persischen Feldzuge
+über Russland nach Hause gekehrt waren, als Befehlshaber
+Statthalter nach Persien gesandt. Nicht minder mächtig,
+als der Stamm der Dschelairen, war der der <i>Uirat</i>, deren
+Sitz zwischen den acht Flüssen, die sich in die untere <i>Ankara</i>
+ergiessen<a name="FNanchor_11" id="FNanchor_11"></a><a href="#Footnote_11" class="fnanchor">[11]</a>, wo noch heute ihre Nachkommen unter dem
+verwandten Namen der <i>Buirat</i>, von allen Stämmen der mit
+<span class='pagenum'><a name="Page_11" id="Page_11">[11]</a></span>
+dem Hause Tschengischan's am meisten verschwägerte, indem
+acht Uiratinnen in das Haus Tschengischan's verheirathet, und
+sieben Prinzen desselben an Uiratinnen vermählet waren.
+Die Grossmutter Tschengischan's, die Frau <i>Sunigil Futschin</i>,
+war aus dem Stamme der <i>Torghut</i> oder <i>Torghod</i>, welcher
+noch heute ein Zweig der Kalmuken oder Oeluet (das nur
+die chinesische Aussprache für <i>Uirat</i>) und deren Andenken
+in Kleinasien (wohin sie mit Timur's Heere kamen) im
+Namen des Sandschaks <i>Torghud Ili</i> fortlebt.</p>
+
+<div class="sidenote">Der Stamm
+der Kerait,
+Bekrin,
+Naiman,
+Tonghut und
+Uighur.</div>
+
+<p>Drittens die Stämme der <i>Mogholmanen</i>, d. i. der Völker,
+welche weder Tataren noch Mongolen, mit den letzten verbunden,
+auf den Namen derselben Anspruch machten. Die
+mächtigste dieser Völkerschaften, die von nestorianischen
+Priestern zum Christenthum bekehrte<a name="FNanchor_12" id="FNanchor_12"></a><a href="#Footnote_12" class="fnanchor">[12]</a> der <i>Kerait</i>; ihres
+Fürsten chinesischer Ehrentitel <i>Owang Chan</i> erhielt durch die
+Missionarien des Mittelalters als Priester <i>Joannes</i> keine mindere
+Berühmtheit, als in früherer mythologischer Zeit der Fisch
+<i>Oannes</i> als Gesetzgeber an der Küste des rothen Meeres;
+die Hauptstadt derselben war die Stadt <i>Thianto</i> am Flusse
+<i>Hoangho</i>, d. i. am gelben Flusse, das Land Tendum<a name="FNanchor_13" id="FNanchor_13"></a><a href="#Footnote_13" class="fnanchor">[13]</a> <i>Marco
+Polo's</i>; die Geschichte Owang Chan's und seines Bruders
+<i>Hakembo</i><a name="FNanchor_14" id="FNanchor_14"></a><a href="#Footnote_14" class="fnanchor">[14]</a> ist auf das engste mit der Geschichte Tschengischan's
+verbunden, welcher erst der Verbündete Owang
+Chan's, in der Folge denselben, weil er den Feinden
+Tschengischan's Gehör gegeben, bekriegte und vom Throne
+stürzte. Vergebens hatte Tschengischan früher die beiden
+Nichten<a name="FNanchor_15" id="FNanchor_15"></a><a href="#Footnote_15" class="fnanchor">[15]</a> Owang Chan's für sich und seinen ältesten Sohn
+Dschudschi als Gemahlinnen begehrt; sie waren ihm verweigert
+worden, sowie die Hand der Enkelin Owang Chan's
+aus dem Sohne <i>Sinkun</i>; aber die beiden Töchter <i>Ettiku's</i>,
+des Bruders <i>Sinkun's</i>, die Frauen <i>Tokus</i> und <i>Tukini</i>, wurden
+<span class='pagenum'><a name="Page_12" id="Page_12">[12]</a></span>
+beide die Gemahlinnen <i>Hulagu's</i>, und die dritte Nichte
+Owang Chan's, die Schwester der dem Tschengischan und
+seinem ältesten Sohne verweigerten beiden Prinzessinnen,
+war die berühmte <i>Sijurkukteni</i><a name="FNanchor_16" id="FNanchor_16"></a><a href="#Footnote_16" class="fnanchor">[16]</a>, unstreitig die grösste aller
+mongolischen Frauen, welche durch ihre Staatsklugheit dem
+Uluse Kubilai's den Thron verschaffte; Mutter vier der
+grössten Fürsten der mongolischen Geschichte, nämlich der
+Kaane <i>Mengku</i> und <i>Kubilai</i>, des Ilchan's <i>Hulagu</i>, Gründers
+der mongolischen Dynastie in Persien, und <i>Arikbuka's</i>, der
+als Nebenbuhler den Brüdern den Thron streitig machte.
+Auch <i>But Tengri</i>, der Stiefvater Tschengischan's, welcher
+um die Hand der Keraitin <i>Kadan</i> geworben, erhielt einen
+Korb, wie Tschengischan und Dschudchi, von der Nichte
+Owang Chan's. Die nächsten südlichen Nachbarn der <i>Kerait</i>
+waren die <i>Unkut</i>, d. i. die Wächter der grossen chinesischen
+Mauer; ihr Fürst <i>Alakusch</i>, Verräther an seinem Herrn,
+dem chinesischen Kaiser <i>Altun Chan</i>, öffnete dem Heere
+Tschengischan's den Durchgang, und erhielt dafür die Hand
+<i>Olakai Begi's</i>, der Tochter Tschengischan's, deren Sohn
+später mit der Tochter Tuli's vermählet ward; die Unkut
+waren mit dem Hause Tschengischan's, wie die Stämme der
+<i>Uirat</i> und <i>Kerait</i>, durch Verschwägerung eng verbunden.
+Wie die Unkut in der Nähe der Kerait längs der chinesischen
+Mauer, so sassen diesen westlich die <i>Naiman</i>, deren berühmter
+Fürst <i>Kuschluk Chan</i> einer der erbittertsten und
+mächtigsten Feinde Tschengischan's sich wider denselben,
+mit den Fürsten von acht anderen Stämmen er der neunte,
+verbündete.<a name="FNanchor_17" id="FNanchor_17"></a><a href="#Footnote_17" class="fnanchor">[17]</a> <i>Kuschluk's</i> Tochter <i>Linkum</i> ward die Gemahlin
+Tuli's, Mutter seines dritten Sohnes <i>Kutumku</i>; auch
+Tuli's Beischläferin<a name="FNanchor_18" id="FNanchor_18"></a><a href="#Footnote_18" class="fnanchor">[18]</a>, die Mutter seines achten Sohnes
+<i>Muke</i>, welche aber an desselben Statt den vierten Sohn
+Kubilai säugte, war eine Naimanin. Die <i>Bekrin</i> oder <i>Mekrin</i>,
+<span class='pagenum'><a name="Page_13" id="Page_13">[13]</a></span>
+welche weder Mongolen noch Uighuren, sassen im Lande
+der letzten (in der kleinen Bucharei). Tschengischan nahm
+<i>Murkai</i>, die Tochter ihres Fürsten, zur Frau, welche nach
+Tschengischan's Tode, von seinem Sohne und Nachfolger
+<i>Ogotai</i> vor seinen anderen Gemahlinnen geliebt, dem Bruder
+Dschagatai, welcher sie von ihm begehrt hatte, verweigert
+ward; auch die Gemahlin <i>Kaschin's</i>, des fünften Sohnes
+Ogotai's, die Mutter Kaidu's, des Vaters von vierzig Söhnen,
+welcher in der Geschichte des Uluses Dschagatai als Herrscher
+auftrat, war aus dem Stamme <i>Mekrin</i>. Zu den Mogholmanen
+zählt Reschideddin auch die <i>Kirgisen</i> und <i>Kemdschiut</i>,
+welche, Türken<a name="FNanchor_19" id="FNanchor_19"></a><a href="#Footnote_19" class="fnanchor">[19]</a> wie die <i>Ungut</i>, in Sibirien und an dem
+<i>Kem</i> oder Jenisei sassen, von welchen sie ihren Namen
+haben. Die <i>Tanghut</i> im Gebirgslande an der sinesischen
+Gränze, deren Hauptstadt <i>Ninghia</i> am Ufer des gelben
+Flusses. Tschengischan, welcher in vier Feldzügen dieselben
+nicht zu unterjochen im Stande gewesen, starb auf
+dem letzten; und endlich in der kleinen Bucharei die
+<i>Uighuren</i>, deren Sprache türkisch, deren Religionslehre
+aber auf tübetanische hinweist, ein schriftgelehrtes Volk,
+von welchem die Mongolen Schrift und Belehrung annahmen.</p>
+
+<div class="sidenote">Die
+Dürlegin,
+deren Ausbruch
+aus
+Ergenekun.</div>
+
+<p>Alle wirklichen Mongolen behaupteten, unmittelbar von
+<i>Tegus</i> und <i>Kijan</i> abzustammen, welche einige Jahrhunderte
+vor Tschengischan sich mittels eines Durchbruchs aus dem
+Erzgebirge von Ergenekun, aus der Bothmässigkeit ihrer
+Sieger und Zwingherrn befreit hatten. Ein Paar tausend
+Jahre vor Tschengischan, so erzählt die Volkssage, waren
+die Mongolen von ihren Feinden, den Tataren, bis auf zwei
+Männer ausgerottet worden, deren einer <i>Tegus</i>, der andere
+<i>Kijan</i>, d. i. Strom, hiess; sie flüchteten in ein rundum von
+steilen Felsen umschlossenes Thal, wo sie im Verlaufe von
+Jahrhunderten sich vermehrend, ihres Bergkerkers und
+Bergbaues endlich müde, den Ausgang aus demselben sich
+<span class='pagenum'><a name="Page_14" id="Page_14">[14]</a></span>
+nur dadurch bahnten, dass sie mit siebzig Blasbälgen die
+Flamme aufgeschichteter Holzstösse gegen die Erzwand
+trieben, bis dieselbe schmolz und ihnen freien Ausweg aus
+dem Gebirge gewährte, dessen Namen <i>Ergenekun</i> als <i>festes
+Gewölbe</i> oder auch als Gewölbe der <i>Kunen</i> übersetzt werden
+kann; in der mongolischen Volkssage und in ihrem auf die
+Türken gepfropften Stammbaum scheint die geschichtliche
+Wahrheit der Unterjochung und Vertreibung der <i>Hiongnu</i>,
+d. i. Kunen, aus ihrem Reiche am Inschan gegen Norden am
+Altai, wo sie lange Zeit in dunkler Knechtschaft für ihre
+Sieger Bergbau trieben, verlarvt zu seyn. Das Erzgebirge
+<i>Ergenekun</i> ist von europäischen Forschern mongolischer
+Geschichten theils am Kokonor<a name="FNanchor_20" id="FNanchor_20"></a><a href="#Footnote_20" class="fnanchor">[20]</a>, d. i. am blauen See, in
+Tangut im Süden der grossen Sandwüste <i>Schamo</i> oder <i>Kobi</i>,
+theils im Nordosten derselben am See <i>Dalai</i><a name="FNanchor_21" id="FNanchor_21"></a><a href="#Footnote_21" class="fnanchor">[21]</a>, d. i. am heiligen
+See, in welchen sich der Kerulon ergiesst, gesucht
+worden; dort, weil noch heute die steilen Ufer des Sees
+von den Mongolen <i>Gunergi</i><a href="#Footnote_20" class="fnanchor">[20]</a> genannt werden, hier, weil
+der in den See mündende Kerulon aus demselben unter dem
+Namen <i>Ergun</i> ausfliesst<a href="#Footnote_21" class="fnanchor">[21]</a>, und weil die Berge am mittleren
+Unun metallreich, wie der Inschan, an welchem die Herrscher
+der Hiongnu oder Kunen ihre Waffenarbeiter unterhielten<a name="FNanchor_22" id="FNanchor_22"></a><a href="#Footnote_22" class="fnanchor">[22]</a>;
+aber wahrscheinlicher ist dieses Erzgebirge weder hier noch
+dort, sondern am Altai zu suchen, aus dessen an Gold wie
+an Eisen so reichhaltigen Felsenthälern die Türken im
+sechsten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung in der
+byzantinischen Geschichte auftauchen; dorten ist der Felsendamm
+von Gog und Magog, welchen die alte mongolische
+Geographie und Geschichte bis an die kaukasischen Pforten
+zieht, und hinter welchen persische Geschichtschreiber und
+Dichter den Bergkerker der Mongolen verlegen<a name="FNanchor_23" id="FNanchor_23"></a><a href="#Footnote_23" class="fnanchor">[23]</a>; doch
+<span class='pagenum'><a name="Page_15" id="Page_15">[15]</a></span>
+gleichviel, seyen die Mongolen ursprünglich vom Inschan
+oder Kinschan (so nennen die Chinesen den Altai) ausgebrochen,
+seyen sie von den Ufern des <i>blauen</i> oder heiligen
+Sees ausgegangen, das Andenken an diesen Auszug der Väter
+aus der Bergsclaverei lebte von Geschlecht zu Geschlecht
+fort (bis auf den heutigen Tag); das Fest des Auszugs
+ward alljährlich in der Nacht vor dem neuen Jahrestage als
+ein Fest der Bergleute und Schmiede gefeiert. Glühendes
+Eisen wurde in Gegenwart des Herrschers gehämmert und
+Gott für den Auszug aus dem Erzgebirge gedankt; später
+machte die Volkssage den Tschengischan, den Gründer der
+Grösse seines Volkes, selbst zum Schmiede<a name="FNanchor_24" id="FNanchor_24"></a><a href="#Footnote_24" class="fnanchor">[24]</a>, und am
+Berge <i>Tarchan</i>, d. i. der <i>Schmied</i>, welcher auf sieben
+deutsche Meilen sichtbar, aus rothem Granite als Riese den
+Eingang der grossen Sandwüste bewacht, wird noch der
+Ambos bewahrt, auf welchem Tschengischan der Erste das
+Eisen gehämmert; nicht ferne vom Berge <i>Tono</i>, d. i. der
+Rauchfang, wird noch an den Ufern des Kerulon der Rauchfang
+der Jurte gezeigt, in welcher er geschmiedet<a name="FNanchor_25" id="FNanchor_25"></a><a href="#Footnote_25" class="fnanchor">[25]</a> haben
+soll. Auch in der altpersischen Geschichte war der Befreier
+des Volkes von der Tyrannei Sohaks der Schmied <i>Gjawe</i>,
+dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann das Reichspanier,
+und im Mongolischen ist <i>Tarchan</i>, d. i. der <i>Schmied</i>, gleichbedeutend
+mit Freiherr.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Stämme
+der
+Uirangkut
+und
+Konghirat.</div>
+
+<p>Die Mongolen, welche von den Altvordern stammen,
+die aus dem Erzgebirge Ergenekun zogen, heissen <i>Dürlegin</i>,
+bis auf <i>Alankowa</i>, die neunte Ahnfrau Tschengischan's, deren
+Nachkommen aus ihren drei Söhnen, die sie vom himmlischen
+Lichte empfangen, die <i>Nirunen</i>, d. i. die Reinen, heissen;
+von allen mongolischen Stämmen für den Mythologen und
+den Geschichtschreiber des Aberglaubens der Völker merkwürdigster
+Stamm ist der der <i>Uirangkut</i>, die einzigen
+Mongolen, welche nicht vor dem Donner zitterten, sondern
+den Blitz mit Fluchen beschworen; alle anderen fürchteten
+<span class='pagenum'><a name="Page_16" id="Page_16">[16]</a></span>
+den Wetterstrahl als einen feurigen Drachen, der, aus dem
+Meere steigend, die Luft durchzieht und die Erde mit feurigem
+Schweife schlägt<a name="FNanchor_26" id="FNanchor_26"></a><a href="#Footnote_26" class="fnanchor">[26]</a>; sie glaubten, dass ausgegossener
+Wein, süsse und sauere Milch und Trocknung von Schuhen
+den Blitz herbeiziehe, wesshalb dieselben in freier Luft zu
+trocknen verboten war; diese Meinung und dieses Verbot
+zeugt für die Fürchterlichkeit der Ungewitter in jenen Gebirgen
+und Seen, und für die frühe Erfahrung, dass Feuchtigkeit
+der besste elektrische Leiter; aus diesem Stamme
+waren die meisten <i>Kamen</i>, d. i. Schamanen, Beschwörer
+von Ungewittern und Geistern; aus demselben waren <i>Jisun
+Taischi</i> und <i>Jisun Köke</i>, Befehlshaber des linken und rechten
+Flügels im Heere Tschengischan's, <i>Subutai Behadir</i>, der
+berühmte Feldherr, welcher mit <i>Dschebe Nujan</i> die siegreichen
+Waffen der Mongolen durch Persien nach Kipdschak
+trug, endlich <i>Udadschi</i>, der Zeitgenosse Tschengischan's,
+dessen Nachkommen im Gebirge <i>Burhan Kaldun</i> die Grabwächter
+des tschengisischen Familienbegräbnisses, die Wächter
+der acht weissen Häuser (Ordu), welche dort in der Gegend
+<i>Jeke Utek</i>, zwischen der Schattenseite des westlichen Altai
+und der Sonnenseite des östlichen Kentei, aufgerichtet worden<a name="FNanchor_27" id="FNanchor_27"></a><a href="#Footnote_27" class="fnanchor">[27]</a>,
+nach aller Wahrscheinlichkeit die Ahnen des in der
+späteren mongolischen Geschichte erscheinenden und noch
+heute an der chinesischen Gränze sitzenden mächtigen
+Stammes der <i>Ordu's</i><a name="FNanchor_28" id="FNanchor_28"></a><a href="#Footnote_28" class="fnanchor">[28]</a>. Wenn der Stamm der <i>Urianghut</i>
+so merkwürdig für den Mythologen und Ethnographen, so
+ist der siebenzweigige<a name="FNanchor_29" id="FNanchor_29"></a><a href="#Footnote_29" class="fnanchor">[29]</a> der <i>Konghirat</i> noch weit bedeutender
+in der Geschichte Tschengischan's und seiner Nachfolger
+<span class='pagenum'><a name="Page_17" id="Page_17">[17]</a></span>
+durch die vielfältige Verschwägerung desselben mit
+dem Herrscherhause, indem ein Dutzend der Frauen des
+tschengischanischen Hauses aus diesem Stamme in alle vier
+Uluse vermählt waren. Die Mutter Tschengischan's war aus
+einem der Zweige dieses Stammes, eine Olkonutin, und
+Tschengischan vermählte seine Töchter an Konghiraten; so
+gab er dem <i>Schingku Gurgan</i> seine Tochter Tumalin mit
+dem Befehle über viertausend Konghiraten, eine andere
+wollte er dem Konghiraten <i>Tuli Amul</i> zur Frau geben, liess
+ihn aber hinrichten, da dieser den Antrag mit dem kühnen
+Worte erwiederte: Wie soll ich deine Tochter nehmen,
+die Frosch und Schildkröte (quackend und duckmäuserisch
+sicher). Von <i>Bestui</i>, dem Stammvater der Konghirat und
+der sechs mit demselben verwandten Stämme, schreibt sich
+Alles, was in der mongolischen Hofsprache <i>golden</i> heisst,
+her, wesshalb er auch <i>Bestui serin</i>, d. i. der goldene, beigenannt
+wird; daher das goldene Lager, das goldene Archiv,
+das goldene Gesicht und das goldene Zimmer des Herrschers.
+Aus den <i>Kinkliut</i>, einem Zweige der Konghirat, war <i>Miser
+Uluk</i>, von dessen Stärke und Gefühllosigkeit Reschideddin
+seltsame Anecdoten erzählt; drei Tage und Nächte schlief
+er statt der Decke mit Muscheln zugedeckt, so dass Vögel
+auf seinen Rücken nisteten und Eier legten; sein Sohn war
+der Stammvater der <i>Kurulas</i>, aus welchen <i>Merchitai</i> dem
+Tschengischan den wesentlichen Dienst leistete, ihm von
+der Verschwörung der feindlichen Stämme, welche den
+erbitterten Feind <i>Dschamuka</i> zum Gurchan, d. i. zum grossen
+Herrscher ausgerufen hatten, die früheste Kunde zu geben.
+Die Gemahlin <i>Miser Uluk's</i> war eine Chinesin, deren Namen<a name="FNanchor_30" id="FNanchor_30"></a><a href="#Footnote_30" class="fnanchor">[30]</a>
+die auf dem Esel reitende Rose bedeutete, wesshalb der
+Sohn <i>Ildschigin</i>, d. i. Langohr, genannt ward, der Stammvater
+des siebenten Zweiges der Konghirat; sie hatten ihre
+Sitze an der chinesischen Gränze an den finsteren Wäldern
+des Gebirges <i>Hingan</i><a name="FNanchor_31" id="FNanchor_31"></a><a href="#Footnote_31" class="fnanchor">[31]</a>, woher die unter dem Namen der
+<i>Karawinas</i> berühmten Naphtafeuerwerker.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_18" id="Page_18">[18]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Die Stämme
+Kungtan,
+Erlat,
+Huschin,
+Kelkenut,
+Bajaut,
+Suldus.</div>
+
+<p>Der Namen des Stammes <i>Kungtan</i> heisst die Grossnasichten,
+was sowohl physisch als moralisch für stolz und
+anmassend verstanden werden kann.<a name="FNanchor_32" id="FNanchor_32"></a><a href="#Footnote_32" class="fnanchor">[32]</a> Aus diesen und den
+folgenden Stämmen der <i>Erlat</i>, <i>Huschin</i> und <i>Suldus</i> waren
+die bessten persönlichen Freunde Tschengischan's, die werkthätigsten
+Helfer seiner Jugend und seines männlichen Alters.
+<i>Menglik Itschke</i>, der Kungtane, hatte nach Jisukai's Tode
+den dreizehnjährigen <i>Temudschin</i> gepflegt, sein Sohn aus einer
+früheren Ehe, <i>But tanri</i>, d. i. Gottes Ebenbild, trat als
+begeisterter Schamane auf und verwandelte im Namen des
+Himmels den Namen Temudschin's bei dessen Thronbesteigung
+in <i>Tschengis</i>, als gleichbedeutend mit Gewaltiger,
+grosser Chan; der diesem gewogenste Stamm waren die
+<i>Erlat</i> oder <i>Arulad</i>, d. i. die Guten, als deren Chakan
+Tschengischan den Thron bestieg<a name="FNanchor_33" id="FNanchor_33"></a><a href="#Footnote_33" class="fnanchor">[33]</a>; aus diesem Stamme
+war <i>Bughurdschin Nujan</i>, welcher mit <i>Burghul Nujan</i>, aus
+dem Stamme der <i>Huschin</i>, der Lebensretter Temudschin's,
+als er blutspeiend mitten im Schnee zu sterben Gefahr lief,
+wofür beide im höchsten Ansehen stehend in der Folge als
+die Waffengenossen, die ihm am Quell <i>Baldschuna</i> treu
+geblieben waren, zu <i>Tarchanen</i>, d. i. Freiherren, geadelt,
+dieselbe Würde ohne Diplom erhielten und über Diplome
+erhaben erklärt wurden; auch den ganzen freundlichen Stamm
+der <i>Kelkenut</i> adelte Tschengis als Freiherren, wie Kaiser
+Friedrich I. alle Einwohner einer italienischen Stadt zu
+Conti erhob; aus dem nicht minder freundlich gesinnten
+Stamme der Bajaut, welcher in zwei Abtheilungen an der
+Selinga sass, war <i>Böke Gurgan</i>, einer der Eidame Tschengischan's,
+dann <i>Ongkus Keisat</i>, d. i. der Truchsess<a name="FNanchor_34" id="FNanchor_34"></a><a href="#Footnote_34" class="fnanchor">[34]</a>, ob
+der Plünderung der Schätze des chinesischen Kaisers Altan
+Chan in der Folge verungnadet, und <i>Surkan</i>, der betraute
+Rath Tschengischan's, der, als die Fürsten der Tataren
+und <i>Dschadscherat</i> um die oberste Herrschaft der Mongolen
+<span class='pagenum'><a name="Page_19" id="Page_19">[19]</a></span>
+stritten, dasselbe dem Temudschin vorausgesagt. Endlich
+der Stamm <i>Suldus</i>, verherrlicht durch die Familie <i>Surghan
+Schire's</i>, des Retters Temudschin's, als dieser von seinen
+Feinden, den Taidschuten, gefangen, mit dem Blocke am
+Halse sich in einen Teich versteckte, so dass nur die Nase
+über dem Wasser sichtbar. Die alte Frau <i>Baidschu Ikadschi</i>
+hatte sich seiner in dieser Sklaverei erbarmt; aber wichtiger
+war der Dienst, den ihm <i>Surghan Schire</i> erwies, indem er,
+des Verborgenen gewahr, die ihn aufsuchenden Taidschuten
+vom Teiche ableitete, Abends denselben hervorzog und in
+seinem Hause in einem Sacke von Wolle verbarg; die Verfolger
+durchsuchten das Haus und stiessen mit Spiessen in
+den Wollsack; als sie ferne, gab ihm Surghan Schire Kleider,
+Waffen, Mundvorrath und eine weisse Stute, auf welcher
+er seiner Familie zueilte, die längst alle Hoffnung, ihn
+wieder zu sehen, aufgegeben; sein vierter Sohn, Tuli, sagte
+schon mehrere Tage hindurch: Mutter! der Vater kommt
+auf weisser Stute; und desselben Ankunft bestätigte des
+Knaben zweites Gesicht<a name="FNanchor_35" id="FNanchor_35"></a><a href="#Footnote_35" class="fnanchor">[35]</a>. Viele der Nachkommen Surghan
+Schire's kamen mit Hulagu nach Persien, und von denselben
+stammt der berühmte Emir Tschoban, der Feldherr unter
+Ghasan, Oldschaitu und Ebu Said, der in des letzten Regierung
+so wichtige Rolle spielt, und dessen Sohn Hasan
+der Gründer der Dynastie <i>Tschoban</i>, welche, wie die der
+Ilkaane, sich aus den Trümmern des ilchanischen Reichs in
+Iran erhob. Tschengischan zählte unter den Stämmen der
+Durlegin mehrere Freunde als unter den achtzehn der ihm
+nächstverwandten, von den lichtempfangenen Söhnen von
+der neunten Ahnfrau abstammenden <i>Nirunen</i>, d. i. die Reinen.
+Sein eigenes Haus hiess erst von seinem Ahnherrn <i>Kabulchan</i>
+nur das der <i>Kutat</i> oder <i>Kitad</i> und von seinem Vater
+<i>Jisukai</i> das der <i>Kutat Burdschugin</i>, d. i. die rothbräunlichten
+Augen. Von diesen achtzehn Stämmen der <i>Nirunen</i> wollen
+wir hier nur die vier mächtigsten, zwei freundliche, die
+<span class='pagenum'><a name="Page_20" id="Page_20">[20]</a></span>
+<i>Taidschut</i> und <i>Dschadscherat</i>, und zwei feindliche, die
+<i>Barin</i> und <i>Jisut</i>, zur näheren Kenntniss einführen.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Stämme
+der
+Taidschut,
+Dschadscherat,
+Barin
+und Jisut.</div>
+
+<p>Die <i>Taidschut</i>, deren Namen an die Deutschen erinnert,
+wie der der <i>Dschete</i> an die Geten, und der der <i>Dschurmanen</i>
+an die Germanen, stammten mit den ihnen nächstverwandten
+drei Stämmen, der <i>Erikian</i>, <i>Sidschiut</i> und
+<i>Dschinis</i>, von Baiduchan, dem sechsten Ahnherrn Temudschin's,
+dessen Urenkel Ainbaghi von den Tataren gefangen,
+dem chinesischen Kaiser ausgeliefert, auf einem Esel paradirt
+und dann geschunden worden; gleiches Schicksal hatte ein
+anderer Urenkel desselben, <i>Ökin Berkan</i>, und die Blutrache
+dieser beiden Urgrossoheime Temudschin's diente in der
+Folge, den wider die Dynastie der <i>Kin</i> unternommenen Krieg
+zu rechtfertigen; aber früher hatte Temudschin eigene Unbild
+an diesem seinem Hause so nahe verwandten, aber feindlichen
+Stamme zu rächen; nach der Niederlage derselben
+zu <i>Baldschusch</i> wurden die Gefangenen in siebzig Kesseln
+gesotten, welche in der mongolischen Geschichte eben so
+berühmt, als die siebzig Blasbälge, welche die Felsenwand
+von Ergenekun sprengten, als die siebzig Ringe<a name="FNanchor_36" id="FNanchor_36"></a><a href="#Footnote_36" class="fnanchor">[36]</a> der
+Dschelairen, deren jeder aus tausend Familien bestand. An
+der Spitze des zweiten feindlichen Stammes der <i>Dschadscherat</i>
+oder <i>Dschuirat</i>, deren Stammvater Odurbejan, der
+Bruder Kabulchan's, des Urgrossvaters Temudschin's, stand
+Dschamuka, beigenannt <i>Satschan</i>, d. i. der Listige, der gefährlichste
+und unversöhnlichste aller Feinde Tschengischan's,
+dessen Ränke ihn mit Owangchan, dem Herrn der Kerait,
+entzweiten und der von Tschengischan endlich besiegt, dem
+Neffen Iltschidai zur Hinrichtung übergeben ward; doch
+theilten nicht alle Dschadscherat den unversöhnlichen Hass
+ihres Fürsten, indem Tschengischan Mehreren derselben
+wesentliche Dienste dankte, so den Brüdern <i>Kuschaul</i> und
+<i>Dschusuk</i>, welche während Tschengischan's chinesischen Feldzugs
+seinen Jurt hüteten; und <i>Kalender</i>, welchen Tschengis
+<span class='pagenum'><a name="Page_21" id="Page_21">[21]</a></span>
+in der Begleitung eines Uriangkuten mit erdichteter Botschaft
+im Namen seines Bruders <i>Dschudschi Kasar</i> an Owangchan
+sandte, um diesen in die Falle zu locken. Aus dem Stamme
+der <i>Barin</i>, dem nächsten Verwandten der <i>Durban</i>, d. i.
+das Meer, die in den heutigen <i>Törbed</i> fortleben, war <i>Sutukusu</i>
+nach dem berühmten Feldherrn <i>Mokli Kajanik</i> der
+zweite im Befehle, der noch als hundertjähriger Greis zur
+Zeit Ogotai's lebte und sich rühmte, den ersten Hochzeitsschmaus
+mit Tschengischan gefeiert zu haben; dann <i>Bigi</i>,
+der Barine, welchen Tschengis als <i>Ungkun</i>, d. i. freien
+Mann, erklärte, der bei ihm im höchsten Ansehen wie die
+Prinzen vom Geblüte zu seiner Rechten sass, und dessen
+Pferde in einer Hürde mit denen Tschengischan's; da er
+sehr alt, befahl Tschengischan, dass ihm der Rücken eines
+<i>Sukanut</i> beim Aufstehen zum Schemel diene, woher diesem
+Stamme der Name <i>Aktadschi Bigi</i>, d. i. die Stallmeister
+<i>Bigi's</i>, blieb, wider welchen sie protestirten. Die <i>Jisut</i>
+endlich leiten ihren Ursprung von <i>Tschintai Utdschigin</i>, dem
+jüngsten Sohne Kabulchans, des Urgrossvaters Temudschin's,
+ab. <i>Utdschigin</i>, d. i. der Feuerhüter, hiess bei den Mongolen
+der jüngste Sohn, welcher während der Abwesenheit
+des Vaters und der Brüder im Felde das Haus als Ofensitzer
+hüten musste, und welcher nach des Vaters Tode
+dasselbe erbte, weil er besser als die Brüder im Felde sich
+mit der Wirthschaft bekannt zu machen Gelegenheit gehabt.
+Diesen Beinamen führen also mehrere in der mongolischen
+Geschichte berühmte jüngste Söhne als Ofensitzer-Haushüter,
+nebst <i>Tschintai</i> noch <i>Budan Utdschigin</i>, der jüngste
+Sohn <i>Burtan Behadir's</i>, des Grossvaters Tschengischan's;
+<i>Taratai Utdschigin</i>, der jüngste Sohn <i>Jisukai's</i>, des Vaters
+Tschengischan's, und endlich <i>Tuli</i>, des letzten jüngster obengenannter
+Sohn. Diesen Stamm der Jisut verherrlicht die
+grosse zahlreiche Familie <i>Dschebe Nujan's</i>, des Waffengefährten
+<i>Subatai Behadir's</i>, welcher mit demselben den
+dreijährigen Feldzug wider Persien und Russland vollbracht.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_22" id="Page_22">[22]</a></span>
+Erst nach dieser vorläufigen Kenntniss der berühmtesten
+Stämme des mongolischen Reichs ist es gerathen, die Geschichte
+seines Gründers kurz zu überblicken.</p>
+
+<p> </p>
+
+<div class="sidenote">Perioden
+der
+Geschichte
+Tschengischan's.</div>
+
+<p>Temudschin ward am 20. Silkide des fünfhundert neun
+und vierzigsten Jahrs der Hidschret, d. i. am 26. Jänner
+d. J. tausend hundert fünf und fünfzig der christlichen Zeitrechnung,
+im letzten Jahre des alttürkischen Thiercyclus,
+nämlich im Jahre des Schweines, geboren, und starb, zwei
+und siebzig Jahre alt, am vierten Ramasan d. J. d. H. 624,
+d. i. am 18. August 1227, nach dem sechsmal durchlaufenen
+zwölfjährigen Thiercyclus, abermal im Jahre des Schweines,
+ein ominoses Geburtsjahr für den Herrscher der mongolischen
+schweinischen Menge; nicht minder ominos, als dass
+Temudschin ein Stück geronnenes Blut fest in der Hand
+verschliessend zur Welt kam, die er mit Blut überschwemmen
+sollte. Von den ersten zwölf Jahren seines Lebens, in dessen
+dreizehntem er den Vater Jisukai verlor, weiss die Geschichte
+Nichts, als dass dieser ihm den Namen Temudschin
+von dem am Tage seiner Geburt besiegten und gefangen
+eingebrachten Fürsten gab; die übrigen sechzig Jahre seines
+Lebens zerfallen in die frühere kleinere Hälfte, welche
+sieben und zwanzig Jahre umfassend, von seinem dreizehnten
+bis an sein vierzigstes, und in die zweite grössere, welche
+von seinem vierzigsten bis zu seinem Tode zwei und dreissig
+Jahre füllt; von der ersten Hälfte, in welcher er den wiederholten
+Unbilden seiner Feinde ausgesetzt sich nur mühsam
+die Freiheit und Unabhängigkeit erkämpfte, kennt die Geschichte
+verhältnissmässig für die Zahl der Jahre nur wenige
+Begebenheiten, aber desto gellender und ohrenzerreissender
+durchschmettert sein Namen in den folgenden zwei und
+dreissig Jahren die Welt. Der grosse Geschichtschreiber
+Reschideddin hat die Geschichte des Lebens und der Herrschaft
+Tschengischan's von seinem dreizehnten Jahre bis in
+dessen drei und siebzigstes eben so pragmatisch als lichtvoll
+in fünf Perioden, die erste von dreimal neun, die zweite
+von neun, die dritte und vierte von sieben, die fünfte
+<span class='pagenum'><a name="Page_23" id="Page_23">[23]</a></span>
+abermal von neun Jahren eingetheilt.<a name="FNanchor_37" id="FNanchor_37"></a><a href="#Footnote_37" class="fnanchor">[37]</a> In der ersten Periode
+tritt er als Sieger der Taidschut, deren Gefangene in siebzig
+Kesseln gesotten worden, auf; schon wider seinen persönlichen
+Feind, <i>Dschamuka</i>, den Fürsten der <i>Dschadscherat</i>,
+kämpfend, von denen sich jedoch ein Theil ihm unterwirft,
+sowie die Stämme <i>Suldus</i>, <i>Jisut</i> und <i>Barin</i>, deren Emire
+sich seinem Dienste anreihen. Die Gelegenheit eines Festes
+führt einen Streit mit dem Vetter <i>Sedschebegi</i>, dem Fürsten
+des nahverwandten Stammes der <i>Kijat Burkin</i>, herbei, der
+nun Temudschin gegenüber als Bewerber um die oberste
+Herrschaft auftritt; aber diesen Abfall vergütet der Sieg
+über die <i>Tungkait</i>, einen Zweig eines wider seinen Fürsten
+Owangchan, welchem Temudschin Hilfe leistet, empörten
+keraitischen Stammes. In der zweiten Periode erscheint
+Temudschin als Verbündeter Owangchan's, des Fürsten der
+Kerait, wider die ihnen beiden feindlichen Stämme der
+<i>Naiman Merkit</i> und <i>Tataren</i>; nach Besiegung derselben
+unterwirft sich der mächtige Stamm der <i>Konghurat</i> der
+Herrschaft Temudschin's, und er besteigt den Thron als
+Herr der Mongolen in seinem siebenmal siebenten Jahre.
+Verschmähte Brautwerbung und Dschamuka's Ränke führen
+den Krieg mit Owangchan herbei, von welchem Temudschin
+zwar am Quell Baldschuna geschlagen, in der Folge denselben,
+sowie die Naiman und Merkit oder Tangut, besiegt,
+worauf ihm die Uighuren, Kirgisen, huldigen, und er als
+Herrscher aller Mongolen die neungipflige Fahne mit neun
+weissen Rossschweifen aufgepflanzt, und den Namen Temudschin
+in <i>Tchengis</i>, d. i. starker, grosser, gewaltiger Herrscher,
+verwandelt. Die folgende Periode füllt der siebenjährige
+chinesische Krieg und die letzten neun Jahre seines
+<span class='pagenum'><a name="Page_24" id="Page_24">[24]</a></span>
+Lebens die Feldzüge wider Chuaresmschah's über ganz Vorderasien
+verbreitete Macht in Transoxana, Chuaresm, Chorasan,
+Iran und Kipdschak, theils in eigner Person, theils durch
+seine Söhne und Feldherren, zuletzt die vierte wider Tangkut,
+wo er seinen Lauf als Eroberer beschliesst. Gibbon hat
+diese Eroberungen nach den vier Weltgegenden, im Norden,
+Süden, Osten und Westen, überblickt. Da die Geschichte
+Tschengischan's zu schreiben und blos die Eroberungen aufzuzählen,
+hier nicht unser Zweck, so beleuchten wir die
+grosse historische Figur Tschengischan's von vier Seiten,
+zuerst in seiner Familie als Menschen, dann gegenüber
+seinen Feinden als Sieger und Eroberer, hierauf als Staatsmann
+und Gesetzgeber, und endlich in dem Ueberblicke
+seiner Heeresmacht und letzten Anordnungen als den <i>Gewaltigen</i>
+im eigentlichsten Sinne des Worts.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Familie
+Tschengischan's.</div>
+
+<p>Man kennt insgemein nur die vier Söhne Tschengischan's:
+<i>Dschudschi</i>, <i>Dschaghatai</i>, <i>Ogotai</i> und <i>Tuli</i>, die
+Stammväter der vier nach ihnen genannten Uluse aus der
+Konghuratin <i>Burte Fudschin</i>; aber Tschengis hatte noch
+vier andere Söhne: <i>Kulkan</i> oder Gulgan<a name="FNanchor_38" id="FNanchor_38"></a><a href="#Footnote_38" class="fnanchor">[38]</a> aus Kulan Chatun,
+der Tochter Tairosun's, des Fürsten der Merkit, und drei,
+die als Kinder gestorben<a name="FNanchor_39" id="FNanchor_39"></a><a href="#Footnote_39" class="fnanchor">[39]</a>; seine sechs Töchter<a name="FNanchor_40" id="FNanchor_40"></a><a href="#Footnote_40" class="fnanchor">[40]</a>, von
+denen er vier an die Prinzen feindlicher Stämme vermählte,
+um die alte Feindschaft zu sühnen, und nur zwei
+an befreundete Fürsten, nämlich: <i>Alakabegi</i> an den Fürsten
+der Ungkut, welcher ihm den Durchgang der grossen Mauer
+geöffnet, und Kalbi an Idikut, den Fürsten der Uighuren,
+der ihm gehuldigt, so dass er ihn nicht anders als seinen
+fünften Sohn nannte. Das Frauengemach Tschengischan's
+war mit einem halben Tausend von Weibern und Mädchen
+<span class='pagenum'><a name="Page_25" id="Page_25">[25]</a></span>
+bevölkert, aber von diesen fünfhundert hatten nur fünf den
+Titel von grossen Frauen, als die fünf Centurionen dieser
+fünf Weibercenturien, nämlich: 1. <i>Burte Fudschin</i>, die
+Tochter des Stammhauptes der Konghurat, Mutter der vier
+Söhne, Gründer der vier Uluse; 2. <i>Kulan Chatun</i>, die
+Tochter Tairosun's, des Fürsten des feindlichen Stammes
+der Merkit, Mutter des Sohnes Gulgan; 3. die beiden Tatarinnen,
+Schwestern, <i>Jesulat</i> und 4. <i>Jesulun</i>; 5. <i>Kundschu</i>,
+die Tochter des chinesischen Kaisers, welche keine Kinder
+hatte und in deren Lager sich die durch ihre Schönheit
+berühmte <i>Hogutai</i> befand; als die nächsten an diesen fünf
+grossen Frauen sind fünf andere von der Geschichte bezeichnet,
+nämlich die Tochter des viermal mit Krieg überzogenen
+Fürsten von Tanghut, die Tochter <i>Tajangchan's</i>,
+des siebenmal besiegten Fürsten der Naiman, die Naimanin,
+Mutter des Sohnes <i>Dschurdschetai</i>, die Tatarin, Mutter des
+Sohnes <i>Urdschahan</i>, und endlich <i>Abika</i>, die Tochter Hakembu's,
+des Fürsten der Kerait, welche Tschengischan
+durch ein Traumbild erschreckt, dem Vertrauten Kehti
+Nujan, der in dieser Nacht die Nachtwache hielt, mit allen
+ihren Schätzen und Pagen schenkte, und als Andenken von
+ihr nur den Becher, worin sie mit ihm <i>Kumis</i>, d. i. Stutenmilch,
+getrunken, und von ihrem Gefolge einen Tafeldecker
+zurückbehielt. Sollte den Barbaren vielleicht die Ahnung
+einer Neigung zwischen der Prinzessin und dem Leibwächter
+zum grossmüthigen Opfer dieser Abtretung bewogen haben?
+oder hat ihm dieselbe wirklich ein Traum abgeschreckt?
+selbst in diesem Falle ist das zurückbehaltene Andenken
+eine ganz unerwartete Spur menschlichen Gefühls in der
+Brust eines Wütherichs, wie Tschengis, der schon als Knabe,
+ehe er noch dreizehn Jahre alt, in Gemeinschaft mit dem
+Bruder Belgutai den Bruder Belter erschlug; die überlebenden
+vier Brüder Temudschin's sind <i>Belgutai</i>, sein Theilnehmer
+am Brudermord, <i>Kodschuiu</i>, dessen Sohn <i>Iltschidai</i>
+einer der treuesten und eifrigsten Diener des Oheims, auf
+dessen Wink er den gefangenen Todfeind Dschamuka zerhieb;
+der jüngste, <i>Temengu Uldschigin</i>, d. i. der Feuer-
+<span class='pagenum'><a name="Page_26" id="Page_26">[26]</a></span>
+oder Herdhüter (seine Mutter war die Olkunutin <i>Usedenu</i>,
+Verwandte der Mutter Tschengischan's), ein grosser Bauliebhaber,
+der überall, wo er hinkam, baute, und so viel
+es in seinen Kräften stand, &ndash; wenigstens dem Willen nach
+gutmachte, was der Zerstörungstrieb des Bruders Eroberers
+verheerte; endlich <i>Dschudschi Keser</i>, wegen seines athletischen
+Körperbaues und seiner Stärke der Löwe beigenannt;
+seine Brust war so hoch gewölbt, sein Bauch so zurückgezogen,
+dass, wenn er worunter lag, ein Hund unter dem
+Bauche durchlaufen konnte, seine Stärke so gross, dass er
+gefangene Feinde wie Pfeile in die Hand nahm, indem er
+ihnen den Rückenwirbel wie Pfeile zerbrach.<a name="FNanchor_41" id="FNanchor_41"></a><a href="#Footnote_41" class="fnanchor">[41]</a> Er war der
+starke Helfer Tschengischan's, der ihn auszeichnete, aber
+auch ein Paarmal mit ihm unzufrieden, die Beweise seiner
+Zufriedenheit und Unzufriedenheit, die erste ehrenvoll und
+die zweite nachtheilig, auf die Nachkommen desselben vererbte.
+Als Merkmal der Zufriedenheit seiner in dem Kriege
+wider die Naiman bewiesenen Tapferkeit räumte Tschengis
+allen Nachkommen des Oheims das Recht ein, wie die
+Prinzen Söhne auf der rechten Seite des Thrones zu sitzen,
+während alle andere Verwandte des Hauses auf der linken
+Seite mit den Emiren<a name="FNanchor_42" id="FNanchor_42"></a><a href="#Footnote_42" class="fnanchor">[42]</a>; aber als in dem Kriege wider die
+Kerait Dschudschi Keser zu spät kam und zur Zeit des
+Mahles auf sich warten liess, sagte Tschengischan: &bdquo;So erscheinen
+Mücken, nur wenn sie die Sonne bescheint, und
+verschwinden, sobald sie sich versteckt; der Thautropfen
+will, so klein er ist, mittels der Leiter der Sonnenstrahlen
+zum Himmel steigen.&ldquo; In seinem Unwillen gab er die unverbrüchliche
+Satzung, dass kein Glied der Familie Dschudschi
+Keser's je der Chanschaft würdig geachtet werde, und erniedrigte
+also alle Nachkommen desselben für alle künftige
+Zeiten zu blossen Emiren <i>Karadschu</i>, d. i. unterthänigen
+Fürsten.<a name="FNanchor_43" id="FNanchor_43"></a><a href="#Footnote_43" class="fnanchor">[43]</a></p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_27" id="Page_27">[27]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Die Feinde
+Temudschin's
+bis
+zu seiner
+ersten
+Thronbesteigung.</div>
+
+<p>Der Jugendfreunde Temudschin's ist schon oben bei
+den Stämmen Erwähnung geschehen; seine Feinde können
+in vier Klassen getheilt werden, erstens die persönlichen
+unversöhnlichen; zweitens die besiegten und zum Theile,
+wenigstens dem Scheine nach, versöhnten Stämme; drittens
+die sich Herrschaft anmassenden Nebenbuhler um den Thron,
+und viertens, nachdem Tschengischan denselben bestiegen,
+die reichsgefährlichen feindlichen Mächte. Der erbittertste
+seiner persönlichen Feinde ist <i>Dschamuka Sasan</i>, d. i. der
+Listige, der Fürst der Dschadscherat, dessen List ihn mit
+Owangchan entzweite und die Anregung der Verschwägerung
+herbeiführte, welche dann der nächste Anlass des Krieges
+zwischen Owangchan und Tschengischan. Er machte gemeinsame
+Sache mit Taidschuten, welchen alsbald nach dem
+Tode Jisukai's der Stamm der Konghuraten und der mit ihm
+verwandten zugefallen waren. Von den Taidschuten hatte
+Tschengischan die grössten Unbilden seiner Jugend zu erleiden,
+die Sklaverei, aus der ihn <i>Schurkan<a name="FNanchor_44" id="FNanchor_44"></a><a href="#Footnote_44" class="fnanchor">[44]</a> Schire</i>, der
+Sulduse, gerettet, und der Blutsturz, die Folge von zwölf
+ihm an den Hals geschossenen Pfeilen, dessen Todesgefahr
+die Freunde <i>Burghudschi</i> und <i>Burghul</i> abgewendet; solche
+Unbill und Schmach büssten sie in den siebzig Kesseln gesotten.
+Nach den Taidschuten waren die unerbittlichsten der
+Feinde die <i>Tataren</i> und <i>Merkiten</i>, wider welche Tschengis,
+sowie wider die Taidschuten, den Krieg bis zur Vertilgung
+führte, die höchsten der Frauen schonend, die er als Frauen
+und Beischläferinnen in sein eigenes Frauengemach nahm
+oder den Söhnen überliess. Dem ältesten Sohne Dschudschi
+zürnte er unversöhnlich, weil dieser dem jüngsten Sohne
+<i>Tuktabeg</i> des Fürsten der Merkit als einem trefflichen Pfeilschützen
+das Leben retten wollte. Von dem sechsgetheilten
+Stamme der Tataren waren zuletzt auf Fürbitte der beiden
+Schwestern Tatarinnen, Gemahlinnen Tschengischan's, nur
+dreissig Familien das Leben gerettet, und vom Tataren
+Kuli, welchem eben diese beiden Frauen als Kind das Leben
+<span class='pagenum'><a name="Page_28" id="Page_28">[28]</a></span>
+erbeten hatten, in ein Regiment organisirt worden.<a name="FNanchor_45" id="FNanchor_45"></a><a href="#Footnote_45" class="fnanchor">[45]</a> Die
+Taidschuten waren das erstemal zu <i>Baldschusch</i> in der Niederlage
+der siebzig Kessel, <span class="xidenote">I. J. 1198.</span> zum zweitenmale von Temudschin
+und Owangchan zu <i>Kisiltasch</i>, d. i. am rothen Steine, geschlagen
+worden; mit ihnen verbündeten sich aus den Naimanen,
+den nächsten Stammverwandten Temudschin's, die
+Stämme <i>Katagin</i>, <i>Saldschiut</i>, <i>Durbin</i> und <i>Konghurat</i>, ihr
+Bündniss durch das fünffache Opfer eines Pferdes, Stiers,
+Widders, Hundes und Bockes beschwörend; die Fürsten,
+welche mit Tschengischan um die Oberherrschaft der Mongolen
+buhlten, waren <i>Dschamuka</i>, der Fürst der Dschadscherat,
+<i>Olak Odur</i>, der Fürst der Merkiten, <i>Sidschebeg</i>,
+der Fürst der Kijat, <i>Burkin</i>, der nächste Verwandte Temudschin's,
+und <i>Dschudschi Kasar</i>, der Oheim desselben.
+In diese Epoche fällt die Unzufriedenheit Temudschin's
+mit dem Oheim, der Anlass aber des Abfalls des Vetters
+Sidschebeg war der folgende. Bald nach dem ersten Siege
+über die Taidschuten gab Temudschin seiner Mutter <i>Ulun
+Ike</i>, seinen Brüdern Dschudschi, Bilkuti und Utdschigin ein
+Fest, bei welchem sich auch Sidschebeg, das Haupt des
+Stammes der Kijat Burkin, mit seiner grossen und kleinen
+Mutter, d. i. mit seiner wahren und Stiefmutter, einfand;
+die Mutter fand sich beleidigt, weil <i>Sijudscher</i>, der erste
+Tafeldecker Temudschin's, die Stutenmilch ihr nicht der
+ersten vorgesetzt; sie schlug ihn desshalb, und als auch bald
+hierauf Bilgutei beleidigt worden, kam es zwischen den
+Knechten Temudschin's und Sidschebeg's zum Handgemenge,
+die beiden Frauen wurden gefangen, hernach wieder freigegeben,
+aber Sidschebeg trennte sich mit seinem ganzen
+Stamme vom Hause Temudschin's und trat wider ihn mit
+gewaffneter Hand als Anmasser der Oberherrschaft auf. <span class="xidenote">I. J. 1201.</span> Die
+obgenannten verbündeten Stämme riefen den Dschamuka zum
+Oberherrn mit dem Titel <i>Gurchan</i>, d. i. des grossen Herrschers,
+aus. Sie verschworen sich abermal am Ufer der
+Tula, indem sie mit ihren Füssen die Erde des Ufers in
+<span class='pagenum'><a name="Page_29" id="Page_29">[29]</a></span>
+den Fluss stampften und mit ihren Säbeln das Gesträuch
+abhieben: &bdquo;dass der Verräther wie diese Erde zerstampft,
+wie dieses Gesträuch niedergehauen sei!&ldquo; Temudschin
+schlug die sieben Stämme zu <i>Jedi Gurgan</i>, d. i. bei den
+<i>sieben Grabmalen</i>, was ein als ihre Grabstätte, Unglück
+vorbedeutender Namen; als er hierauf auch die Tataren und
+Naimanen geschlagen, <span class="xidenote">I. J. 1201.</span> unterwarfen sich die <i>Konghurat</i>, der
+nächste der Stämme der Naimanen, und Temudschin bestieg
+als grosser Herrscher derselben den Thron.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Feinde
+und Freunde
+Temudschin's
+bis
+zu seiner
+zweiten
+Thronbesteigung
+als
+Tschengischan.</div>
+
+<p>Das bisher zwischen Temudschin und Owangchan bestandene
+Bündniss wurde durch die Einstreuungen Dschamuka's
+getrübt, welcher den Owangchan bestimmte, dem
+Antrage Temudschin's einer näheren Verbindung der beiden
+Häuser durch eine Doppelverbindung kein Gehör zu geben.
+Temudschin warb nämlich für sich um <i>Abika</i>, die Tochter
+Hakembu's, des Bruders Owangchan's, und um ihre Schwester
+<i>Begtutmisch</i> für seinen ältesten Sohn Dschudschi, während
+er dem <i>Singun</i>, dem Sohne Owangchan's, seine älteste
+Tochter <i>Fudschin</i> antrug; die ehemals Verbündeten waren
+nun offene Feinde; Temudschin, der so oft mit den Kerait
+wider ihre gemeinschaftlichen Feinde, die Tataren, Merkit
+und Naiman, gefochten, wurde geschlagen, und flüchtete
+zum schlammichten Quelle Baldschuna, wohin ihm nur die
+Getreuesten folgten. Diese waren in der Folge als die
+Waffengefährten von Baldschuna ausgezeichnet, wie vor sechs
+Jahrhunderten von Mohammed die Waffengefährten von Bedr
+und Ohod, er ernannte sie später alle zu <i>Tarchanen</i>, d. i.
+Freiherren, sowie die beiden Lebensretter, <i>Bughurdschin</i>
+den Erlaten, und <i>Burghul</i> den Huschinen, dann <i>Surgan
+Schire</i><a name="FNanchor_46" id="FNanchor_46"></a><a href="#Footnote_46" class="fnanchor">[46]</a> den Suldusen, die beiden Dschelaire <i>Olai Kalgha</i>
+und <i>Karadschu</i><a name="FNanchor_47" id="FNanchor_47"></a><a href="#Footnote_47" class="fnanchor">[47]</a>, den Taidschuten Jisukai, welcher vormals
+die mit Dschudschi schwangere <i>Burte Fudschin</i> sicher zu
+Owangchan geleitet hatte; Burghul diente von der Pike,
+oder mongolisch richtiger zu sprechen, vom Pfeile auf;
+<span class='pagenum'><a name="Page_30" id="Page_30">[30]</a></span>
+denn Anfangs Tafeldecker, ward er <i>Gesiktu</i>, d. i. vom Vortrabe
+der Pfeilschützen, dann <i>Emir Gesik</i>, Befehlshaber
+derselben, hierauf <i>Emir Toman</i>, d. i. Befehlshaber eines
+Corps von zehntausend Mann, und endlich Grossfürst. Von
+Bughurdschin sagte Tschengischan: Ich schätze ihn unter
+meiner Seele, aber höher als alle Fürsten und <i>Karadschu</i>
+(Unterthanen). Bughurdschin nannte sich selbst den Unfehlbaren
+und sagte von sich selbst: &bdquo;Wann das Geschrei
+der Raben irret und fehlet, irre und fehle ich nicht; wann
+den Vogel des Grabes Schwindel ergreift, bleibt mir Kopf
+und Gehirn frei; wann der Staub von der Erde zum Himmel
+steigt und der Rauch des Himmels zur Erde sinkt, verfehle
+ich meinen Weg nicht, desshalb nennt man mich den Unfehlbaren.&ldquo;
+Als Tschengischan den <i>Burghul</i> und <i>Bughurdschin</i>
+zu Tarchanen ernannte und sie das Diplom begehrten, erklärte
+er sie über alle Diplome erhaben. <i>Bughurdschin</i>
+war der erste der neun <i>Örlök</i><a name="FNanchor_48" id="FNanchor_48"></a><a href="#Footnote_48" class="fnanchor">[48]</a>, d. i. die neun Mannen
+oder Helden, die andern acht: 2. <i>Burghul</i> der Huschine,
+3. <i>Schurkan Schire</i><a name="FNanchor_49" id="FNanchor_49"></a><a href="#Footnote_49" class="fnanchor">[49]</a> der Sulduse, der Lebensretter, wie
+die beiden vorigen; nach diesen Lebensrettern 4. <i>Mokli</i> der
+Dschelaire<a name="FNanchor_50" id="FNanchor_50"></a><a href="#Footnote_50" class="fnanchor">[50]</a>, der Eroberer China's; 5. <i>Dschebe</i> der Jisute;
+6. <i>Subutai Behadir</i><a name="FNanchor_51" id="FNanchor_51"></a><a href="#Footnote_51" class="fnanchor">[51]</a>, der Feldherr wider Persien und
+Kipdschak; 7. <i>Dschelme Oho</i>, d. i. der tapfere Räuber<a name="FNanchor_52" id="FNanchor_52"></a><a href="#Footnote_52" class="fnanchor">[52]</a>,
+der erste Waffengenosse der Raubzüge Tschengischan's, dessen
+Söhne die Befehlshaber des rechten und linken Flügels der
+Leibwachen; 8. <i>Schiki Kuttu</i>, der von Tschengischan, noch
+ehe ihm seine Gemahlin einen Sohn geboren, an Kindesstatt
+angenommene Pflegsohn, dessen Wahlspruch als Richter:
+Fürchte Nichts und sprich Recht; endlich 9. der Uirate
+<i>Kara Karaghu</i><a name="FNanchor_53" id="FNanchor_53"></a><a href="#Footnote_53" class="fnanchor">[53]</a>. Diese neun Helden waren die innigsten
+Waffengefährten Tschengischan's, Stützen seiner Macht wider
+<span class='pagenum'><a name="Page_31" id="Page_31">[31]</a></span>
+seine Feinde: &bdquo;Ihr neun Örlök, kommt mit mir herein, und
+ihr dreihundert und neun Leibwachen, umgebt das Haus!&ldquo;<a name="FNanchor_54" id="FNanchor_54"></a><a href="#Footnote_54" class="fnanchor">[54]</a>
+und als er sieben Jahre nach der ersten Thronbesteigung
+den Owangchan geschlagen und mit ihm Frieden geschlossen,
+nachdem Tajangchan, der Fürst der Naiman, der gefährlichste
+und mächtigste seiner Feinde, in der Niederlage
+gefallen, als er in der Gegenwart von hundert versammelten
+Stämmen den Thron als Herrscher aller Mongolen mit dem
+ihm von seinem gottbegeisterten Stiefvater <i>Buttangri</i> (Ebenbild
+Gottes) ertheilten Ehrentitel des Gewaltigen angenommen
+und die neungipflige Fahne mit den neun weissen
+Rossschweifen und die viergipflige schwarze seines Hauses
+aufgepflanzt, als er Herrscher des Volkes der viermalhunderttausend
+Mongolen, als er die Fünffarbigen und Vierfarbigen<a name="FNanchor_55" id="FNanchor_55"></a><a href="#Footnote_55" class="fnanchor">[55]</a>
+zu Einem Volke vereint, denselben den Namen der <i>blauen
+Mongolen</i><a name="FNanchor_56" id="FNanchor_56"></a><a href="#Footnote_56" class="fnanchor">[56]</a> oder <i>einzigen</i><a name="FNanchor_57" id="FNanchor_57"></a><a href="#Footnote_57" class="fnanchor">[57]</a> beigelegt und seine Staatseinrichtungen
+begann, redete er seinen Wesir Bughurdschin
+und die neun Helden Waffengefährten an: &bdquo;Du mein Bughurdschin,
+dem Leben und Tod stets gleichgültig war, ihr
+neun <i>Örlök</i>, ihr meine Fürsten und Edle, ihr meine Unterthanen
+und du ganzes grosses Volk, dass Keiner ihn neide!
+Er soll die oberste Verwaltung der inneren Reichsangelegenheiten
+führen und über die fünf Farben meines Volkes befehlen;
+er soll die grosse fernhinschmetternde Trompete
+bewahren und als Oberbefehlshaber über die neun Gebiete
+den Titel <i>Kuluk Bugudschi</i> führen;&ldquo; er ward zum Oberhaupte
+der neun Örlök erhoben und seine Gemahlin erhielt
+den Titel <i>Butschin Taibutsan</i><a name="FNanchor_58" id="FNanchor_58"></a><a href="#Footnote_58" class="fnanchor">[58]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Die sieben
+Kurultai,
+die Fürsten,
+welche
+gehuldigt.</div>
+
+<p>Das Kurultai, das ist allgemeine Volksversammlung, der
+Landtag, auf welchem Temudschin als Tschengischan, d. i.
+gewaltiger Herrscher, der Fünf- und Neunfarbigen, der
+blauen und anderen Mongolen ausgerufen worden, war das
+vierte der sieben Kurultai, deren die Geschichte Tschengischan's
+<span class='pagenum'><a name="Page_32" id="Page_32">[32]</a></span>
+erwähnt. Das erste wurde unmittelbar vor dem Feldzuge
+wider die Taidschut und der Niederlage der siebzig
+Kessel, das zweite vor sieben Jahren bei der ersten Thronbesteigung
+als Herrscher der unterworfenen Stämme der
+Konghurat und der mit denselben Verwandten, das dritte
+nach der durch den Fürsten der Tunguten erhaltenen Kundschaft
+von dem Ueberfalle der Naiman und der Niederlage
+Tajangchan's, ihres Fürsten, das vierte wurde zur Aufpflanzung
+der vier schwarzen und neun weissen Rossschweife
+gehalten, das fünfte hat bald hierauf zur Berathung des
+siebenjährigen chinesischen Kriegs, das sechste sieben Jahre
+hernach zur Berathung des siebenjährigen persischen, und
+das siebente und letzte sieben Jahre später und zwei Jahre
+vor seinem Tode bei seiner letzten Rückkehr in die Heimath
+stattgehabt. Diese Kurultai blieben sofort mongolischer
+Reichsbrauch bei den Thronbesteigungen der Fürsten und
+anderen grossen Begebenheiten, welche der Chan mit allen
+Stämmen berieth. Tschengischan spricht in seiner Thronbesteigungsrede
+an die versammelten Stämme von den zwölf
+unterworfenen Reichen, worunter die Gebiete der besiegten,
+ihm unterworfenen Feinde zu verstehen sein dürften; zuerst
+die sieben des ihm nächsten verwandten, mächtigen Stammes
+der <i>Konghurat</i> mit seinen sechs Zweigen, dann die des verwandten
+Stammes der <i>Kijat Burdschin</i>, dann der <i>Tataren</i>
+und des ihnen engverbündeten Stammes der <i>Mekrin</i>, dann
+der <i>Taidschut</i> und der <i>Kerait</i>; der noch unbezwungene,
+mächtigste feindliche Stamm war der der Naiman, wider
+welchen Tschengischan siebenmal zu Felde gezogen, fünfmal
+vor seiner Thronbesteigung, zweimal als gewaltiger Chan der Mongolen,
+und als Verbündeter Owangchan's. Immer waren sie
+an der Spitze der wider Tschengis verschworenen Stämme
+und ihre Niederlagen zu <i>Kisiltasch</i>, d. i. am rothen Steine, <span class="xidenote">I. J. 1198.</span>
+nicht minder berühmt, als die der siebzig Kessel der Taidschut
+zu <i>Baldschusch</i>, die der verbündeten Stämme an
+den sieben Grabhügeln und die Tschengischan's selbst, als
+er nach der wider Owangchan verlornen Schlacht von wenigen
+Treuen begleitet zum Quelle <i>Baldschuna</i> geflohen.
+<span class='pagenum'><a name="Page_33" id="Page_33">[33]</a></span>
+Nachdem in der vierten Schlacht wider die Naimanen ihr
+grosser Fürst Tajangchan geblieben, zog Tschengischan
+wider dessen Bruder <i>Bujuruk</i>, d. i. den Befehlshaber, welcher
+ihm als Fürst seines Volkes gefolgt, und schlug denselben
+an der Sudscha, in der Nachbarschaft des <i>Ulugtag</i>, d. i.
+des grossen Bergs, die Fortsetzung der Bergkette des kleinen
+Altai ober dem Balchasch-See. Tajang's Sohn Kuschluk
+floh mit Tukta, dem Fürsten der Merkit, nach den Ländern
+am Irtisch. Ihre gefährliche Nachbarschaft mochte ein
+Hauptgrund des Untergangs der <i>Kirkis</i> und <i>Kemkemdschiut</i>
+gewesen sein, welche am Irtisch und Jenisei sassen, und
+welche nun dem gewaltigen Herrscher huldigten; so huldigten
+ihm auch im Süden <i>Idikut</i>, der Fürst der Uighuren,
+und die türkischen Fürsten der <i>Hoeihe</i> in der kleinen Bucharei,
+der <i>Gurchan</i> von Karachatai, der Fürst des Stammes
+der Karlik von <i>Kajaligh</i> und der von <i>Almaligh</i>. Tschengis
+besiegelte den Bund der Huldigung durch Verschwägerung,
+indem er dem letzten eine Tochter seines ältesten Sohnes
+Dschudschi, dem Fürsten der Karlik eine andere Prinzessin
+des Tschengischan'schen Hauses, und seine Tochter <i>Il Alti</i>
+dem Fürsten Idikut zur Frau gab, den er seinen fünften
+Sohn nannte.<a name="FNanchor_59" id="FNanchor_59"></a><a href="#Footnote_59" class="fnanchor">[59]</a> Er war nun mit nicht weniger als einem
+Dutzend der mächtigsten Stämme verschwägert; die zwei
+Schwestern Tatarinnen ausgenommen, war jede seiner grossen
+Frauen aus einem anderen Stamme, und ebenso gab er
+nicht mehrere seiner Töchter an Fürsten Eines Stammes,
+sondern jede an einen anderen; nur mit dem Stamme der
+Konghurat war er gegenseitig verschwägert, indem seine
+erste Gemahlin <i>Burte Fudschin</i> eine Konghuratin und er
+seine Tochter <i>Tumalun</i> an den Prinzen der Konghuraten
+vermählte, welcher, wie alle Eidame, den Titel <i>Gurchan</i>
+führte.</p>
+
+<div class="sidenote">Chinesische
+Ehrentitel,
+der chinesische
+und
+persische
+Krieg.</div>
+
+<p>Stark durch Verbindung und Verschwägerung mit den
+mächtigsten Stämmen und Fürsten, vernichtete er so leichter
+<span class='pagenum'><a name="Page_34" id="Page_34">[34]</a></span>
+den Fürsten der Naimanen, <i>Kutschluk</i>, in dem siebenten
+und letzten wider denselben geführten Krieg in der Schlacht
+am <i>Kem</i>, und wagte nun den Krieg wider den Herrscher
+von China selbst, wider <i>Altan Chan</i>, d. i. den goldenen,
+welcher ihm gleich Anfangs seines Auftritts für die dem
+<i>Tschingsang</i> (chinesischen Staatsminister) wider empörte
+Tataren geleistete Hilfe den Ehrentitel eines <i>Grossfürsten</i><a name="FNanchor_60" id="FNanchor_60"></a><a href="#Footnote_60" class="fnanchor">[60]</a>,
+sowie damals der Herrscher der Kerait dem Owangchan<a name="FNanchor_61" id="FNanchor_61"></a><a href="#Footnote_61" class="fnanchor">[61]</a>
+und dem Fürsten der Naiman den Ehrentitel <i>Tajang</i> verliehen
+hatte. Die Seele dieses siebenjährigen chinesischen
+Krieges, welcher mit der Besiegung Altanchan's, des vormaligen
+Oberherrn der Tataren und Mongolen, endete, war
+der Dschelaire <i>Mokli</i>, welcher zur Belohnung seiner Dienste
+den auszeichnenden chinesischen Titel <i>Kojang</i><a name="FNanchor_62" id="FNanchor_62"></a><a href="#Footnote_62" class="fnanchor">[62]</a>, das ist
+Herrscher Eines Distrikts, erhielt. Der Kaiser von China
+war der mächtigste Feind des mongolischen Reichs im Osten,
+sowie Chuaresmschah, dessen Herrschaft sich über ganz
+Mittel- und Vorderasien erstreckte, der mächtigste und gefährlichste
+Nachbar im Westen. Nach dem glücklich vollendeten
+siebenjährigen chinesischen Feldzuge und der Einschüchterung
+des Ostens wandte Tschengischan seine ganze
+Macht wider den Herrscher des Westens, wider Mohammed
+Tekesch, zur Blutrache einer Karawane mongolischer Kaufleute,
+welche Ghairchan, der Statthalter von Otrar, hatte
+ermorden lassen. In diesem siebenjährigen Kriege befehligten
+die zur Eroberung des Westens bestimmten Heere
+theils Tschengischan in Person, theils seine vier Söhne,
+theils seine beiden grossen Feldherren <i>Dschebe Nujan</i> und
+<i>Subutai Behadir</i>; sie eroberten eben so viele Länder:
+<i>Transoxana</i>, <i>Chuaresm</i>, <i>Chorasan</i>, das <i>persische Irak</i>, <i>Masenderan</i>,
+<i>Ghasna</i> und <i>Kipdschak</i>, und die mongolischen
+Heere verheerten die Länder von den Ufern des Indus bis
+an die der Wolga. Ogotai und Dschaghatai belagerten Otrar,
+<span class='pagenum'><a name="Page_35" id="Page_35">[35]</a></span>
+worin sich Ghairchan, dessen Gewaltthat der Anlass und
+die Rechtfertigung des Kriegs, sich zwei Jahre lang tapfer
+vertheidigte. <i>Dschudschi</i>, welcher gegen <i>Chodschend</i> befehligt
+war, kehrte nach einiger Uneinigkeit mit seinen
+Brüdern wieder nach Kipdschak zurück. Tschengischan befehligte
+in eigener Person die Verheerung von Samarkand
+und Bochara, der beiden grössten und bevölkertsten Städte
+Transoxana's, in deren jeder dreissigtausend Schlachtopfer
+bluteten, was nicht unglaublich, wie die Zahl derer, welche
+in den Städten Chorasan's bluteten, mit dessen Eroberung
+der vierte Sohn, Tuli, betraut war. Zu <i>Nischabur</i> soll eine
+Million, zu <i>Sebsewar</i> siebzigtausend gemetzelt worden sein.
+Glaublicher ist die Entvölkerung Chuaresm's, aus dessen
+Hauptstadt allein einmalhunderttausend Künstler und Handwerker
+in die östlichen Länder geschleppt worden. <i>Bamian</i>,
+vor dessen Mauern ein Enkel Tschengischan's, aus seinem
+Sohne Dschaghatai, fiel, erhielt den Namen <i>Mobaligh</i>, d. i.
+verfluchte Ballei, und musste den Mord mit dem Blute
+seiner Einwohner sühnen. Die beiden Feldherren Dschebe
+Nujan und Subutai Behadir durchstäupten Persien bis an
+die Ufer des Sees von Urmia, drangen dann durch die
+Pässe des Kaukasus nach Russland und Kipdschak vor und
+wurden durch die Niederlage der Russen Herrscher an der
+Kalka, die sich in den Donesch ergiesst, wie sie Herrscher
+an der Kalka, die in den Bujursee mündet. Tschengischan
+selbst verfolgte am Indus den Sultan Dschelaleddin Mankburni,
+den Sohn des Mohammed Tekesch, der in einer
+Insel des kaspischen Meeres sein Leben geendet, und konnte
+dem Sohne seine Bewunderung nicht versagen, als derselbe,
+bis an das Ufer des Indus verfolgt, vom steilen Ufer sich
+ganz bewaffnet mit dem Pferde in den Indus stürzte und
+denselben durchschwamm: Ein Sohn, würdig seines Vaters,
+rief Tschengischan, ihm mit Bewunderung nachsehend, aus.
+Beim Kurultai, welches Tschengischan am Karagöl (Schwarzsee)
+zur grossen Jagd an alle Uluse ausgeschrieben hatte,
+erschien der älteste, Dschudschi, nicht, doch sandte er
+seinerstatt kostbare Geschenke an Pferden. Tschengischan
+<span class='pagenum'><a name="Page_36" id="Page_36">[36]</a></span>
+unternahm von da den vierten Feldzug wider das empörte
+Tanghut und starb auf demselben, nachdem er durch letztwillige
+Anordnung zu seinem Nachfolger im Reiche weder
+den ältesten <i>Dschudschi</i>, noch den zweiten <i>Dschagatai</i>, sondern
+den dritten <i>Ogotai</i> ernannt hatte.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Jasa.</div>
+
+<p>Tschengischan's Politik, deren Hauptaugenmerk die
+Versöhnung feindlicher Stämme und die engere Verbindung
+mit freundlichen mittels Verschwägerung, erhellt schon aus
+dem Erzählten; aber seine bürgerliche Gesetzgebung und
+seine Staatseinrichtungen erfordern noch besondere Beleuchtung.
+Er ist der Gesetzgeber seines Volkes. Aus den
+bisherigen europäischen Geschichtschreibern mongolischer
+Geschichte ist nur die bürgerliche Gesetzgebung desselben,
+d. i. die <i>Jasa</i>, bekannt, aber in Wassaf, dem Livius der
+persischen Geschichtschreibung, welcher, berühmt unter
+dem Namen des <i>Lobredners der Majestät</i><a name="FNanchor_63" id="FNanchor_63"></a><a href="#Footnote_63" class="fnanchor">[63]</a>, schon anderthalb
+Jahrhunderte nach Tschengischan, zu Ende des dreizehnten
+Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung und zu
+Anfang des vierzehnten, schrieb, und aus der grossen
+Sammlung von Staatsschreiben, welche ein halbes Jahrhundert
+später der Staatssekretär Mohammed Hinduschah, beigenannt
+die <i>Sonne des Stylisten</i><a name="FNanchor_64" id="FNanchor_64"></a><a href="#Footnote_64" class="fnanchor">[64]</a>, für <i>Schah Oweis Behadirchan</i>,
+den zweiten Herrscher der zweiten Dynastie der
+Ilchane (deren Gründer sein Vater, der grosse Hasan), aus
+den Archiven zusammentrug, lernen wir auch die besonderen
+Namen der Gerichtsordnung und des Militärcodex kennen.
+Die erste, nach welcher den Oberrichtern das Recht zu
+sprechen in ihren Bestallungsdiplomen eingeschärft ward,
+hiess <i>Kutatgu bilik Tschengischani</i>, d. i. das Kutadische
+Tschengischanische überlieferte Wort; denn unter dem Titel
+von <i>Bilik</i> gibt Reschideddin neun und zwanzig überlieferte
+Worte Tschengischan's, und <i>Kutat</i> (oder <i>Kitad</i>) ist der
+Name der Familie Tschengischan's; den Namen des Militärcodex
+hat nur Wassaf aufbewahrt; derselbe hiess: <i>Tumendschin</i>,
+d. i. wovor man sich zu hüten; dieses ging, sowie
+<span class='pagenum'><a name="Page_37" id="Page_37">[37]</a></span>
+das <i>Bilik</i>, unmittelbar von Tschengischan selbst aus, aber
+an der <i>Jasa</i> hatte die Weisheit seines Sohnes Dschagatai
+grossen Antheil. Da die einige und zwanzig Punkte des
+ersten und des zweiten bereits bekannt gemacht worden,
+so genügen hier ein Paar Federstriche zum Umrisse des
+Geistes der Gesetzgebung Tschengischan's. Häufige Todesstrafe
+und Prügel waren die Sanction derselben, die Todesstrafe
+nicht nur auf Verbrechen, sondern auch auf Unsittlichkeit
+und auf die Verletzung abergläubischer Sitte gesetzt;
+so wurde der überwiesene Lügner, Zauberer, der, welcher
+bei Donnerwetter badete, und wer ins Wasser oder auf Asche
+pisste, mit dem Tode bestraft; den Prügeln, womit vorzüglich
+die Uebertretung der Kriegszucht bestraft ward,
+waren auch die Prinzen des Geblüts unterworfen, und dieselben
+entehrten nicht; ihre Zahl immer ungleich, von drei,
+fünf, sieben bis sieben und siebzig.<a name="FNanchor_65" id="FNanchor_65"></a><a href="#Footnote_65" class="fnanchor">[65]</a> Die grösste politische
+Tugend der Mongolen die blindeste Unterwürfigkeit in den
+Willen des Herrschers, indem nur Einer der Herr und alle
+Anderen Sklaven; Nichts von Geburt aus, oder wenn auch
+durch diese und durch Stammverwandtschaft geadelt und zu
+Würden erhoben, wieder Nichts vor des Herrschers Allmacht;
+die zweite Tugend schweinische Unreinigkeit, indem
+es ihnen verboten, ihre Kleider zu waschen, die sie auf
+dem Leibe tragen mussten, bis sie ihnen in Stücken abfielen<a name="FNanchor_66" id="FNanchor_66"></a><a href="#Footnote_66" class="fnanchor">[66]</a>,
+also gerade das Gegentheil jüdischer und moslimischer
+Gesetzgebung, wovon jene zwischen Reinem und
+Unreinem so genau unterscheidet, diese wiederholtes Waschen
+zur Pflicht macht. Gastfreundschaft war geboten, doch
+durfte keiner zum Mahle niedersitzen, ohne dazu geladen
+zu seyn, keiner auf Kosten seiner Tischgenossen schlemmen;
+Titel und Phrasen waren untersagt, selbst der Kaan durfte
+nicht anders als bei seinem Namen angeredet werden; ein
+persischer Sekretär, welcher das im Namen Tschengischan's
+an eine belagerte Stadt erlassene Aufforderungsschreiben
+mit Floskeln ausgeschmückt, büsste dieselben mit seinem
+<span class='pagenum'><a name="Page_38" id="Page_38">[38]</a></span>
+Leben. Alle Mädchen und Frauen der Mongolen standen
+dem Herrscher zu Gebot; die Tarchanen, d. i. Freiherren,
+waren von allen Steuern befreit und hatten zu jeder Stunde
+freien Zutritt zum Kaan. Die Erbfolge in der Familie Tschengischan's
+war durch die Jasa, welche hievon die Brüder
+Dschudschi Kasar's ausschloss und die Herrschaft dem Uluse
+Ogotai's, des zweiten Sohnes, zusprach, festgesetzt, aber
+die Verkündung der Thronbesteigung musste auf einem
+<i>Kurultai</i>, d. i. einem Landtage, feierlich vollzogen werden.
+Der erste und grösste Hofdienst war der des Oberstjägermeisters,
+denn die Jagd als Vorspiel und Vorübung des
+Kriegs vertrat die Stelle der Bildung und Erziehung, da
+das Handwerk und die Kunst der Mongolen nur Krieg und
+Verheerung.</p>
+
+<div class="sidenote">Das Heer
+und das
+Testament.</div>
+
+<p>Die Periode der Staatseinrichtungen Tschengischan's
+fällt in die sieben Jahre, welche von seiner zweiten Thronbesteigung
+als gewaltiger Herrscher bis zum Ausbruche des
+siebenjährigen chinesischen Krieges verflossen; aber die
+militärische Einrichtung des Heeres nach Zehnern, Hunderten,
+Tausenden und Zehntausenden hatte schon früher
+stattgefunden. Das Buch der vier Uluse, dessen Verfasser
+Ulugbeg und welches dem <i>Stammbaume der Türken</i><a name="FNanchor_67" id="FNanchor_67"></a><a href="#Footnote_67" class="fnanchor">[67]</a> zu
+Grunde liegt, schreibt die Eintheilung des mongolischen
+Heeres in sieben Treffen schon dem Oguschan zu; in jedem
+Falle ist diese Einrichtung eine türkische und weit älter,
+als Tschengischan, und verschieden von der arabischen Eintheilung,
+welche nur fünf Abtheilungen des Heeres kennt.
+Die Türken und nach ihnen die Mongolen theilten ihr Heer
+in die folgenden sieben Theile: 1. <i>Buldschunghar</i>, auf
+türkisch <i>Karaul</i>, die Vorposten oder Vedetten; 2. <i>Borunghar</i>,
+auf türkisch <i>Mankalai</i>, der Vortrab des Heeres, auf arabisch
+<i>Makaddemetol-dschisch</i>; 3. <i>Unghar</i>, auf türkisch <i>Ssaghkol</i>,
+der rechte Flügel, auf arabisch <i>Jemin</i>; 4. <i>Dschunghar</i>, auf
+türkisch <i>Ssolkol</i>, der linke Flügel, auf arabisch <i>Jesar</i>;
+5. <i>Ghul</i>, auf türkisch <i>Jesaul</i>, das Mitteltreffen, der Mittelpunkt
+<span class='pagenum'><a name="Page_39" id="Page_39">[39]</a></span>
+des Heeres, die Fahnen und Standarten, die Rossschweife
+und Heerpauken, von den Arabern <i>Kalboldschisch</i>,
+d. i. das Herz des Heeres, genannt; 6. <i>Okdschunghar</i>, auf
+türkisch <i>Tschenkdaul</i>, der Nachtrab, auf arabisch <i>Sakat</i>;
+7. <i>Bestunghar</i>, auf türkisch <i>Bassdürma</i> und auf persisch
+<i>Kemingjah</i>, d. i. der Hinterhalt; dieser Theil des Heeres
+war, wie der türkische und persische Name zeigt, zu Ueberfällen
+aus dem Hinterhalte bestimmt; er zog aber, der letzte,
+in so grosser Entfernung vom Nachtrab, dass er den Staub
+desselben nicht sah. Diese letzte Abtheilung, sowie die
+erste, fehlt in der Strategie der Araber. Ein Corps von
+zehntausend Mann hiess <i>Tumen</i> oder <i>Toman</i>, eine Benennung,
+welche auch den Länderabtheilungen und später Münzen
+beigelegt ward, wie denn noch heute Silber- und Goldtomane
+in Persien cursiren; die Silber- und Goldmünzen
+der Mongolen hiessen <i>Balisch</i>. Die Jagd, Pfeilschiessen,
+Pferdetummeln und Ringen waren die Uebungen des Heeres
+und der Feldherren, welche hierin mit gutem Beispiele
+vorgehen mussten: &bdquo;Die grossen Fürsten und das ganze
+Heer muss sich in der Jagd üben und den Namen bestimmen,
+bei welchem sie, wenn sie ins Feld ziehen, ausgerufen
+werden sollen; sie sollen mit zu Gott gewandtem Herzen
+beten, bis sie mit göttlicher Hilfe die vier Weltgegenden
+unterjocht.&ldquo; lautet das zehnte der hinterlassenen Worte
+Tschengischan's; dann das eilfte: &bdquo;Der Mann sei unter dem
+Volke ruhig und schweigsam, wie ein Kalb, falle aber in
+der Schlacht wie ein hungriger Geyer auf die Feinde.&ldquo;
+und das zwölfte: &bdquo;Jedes Wort, das einmal gesprochen worden
+und von dem man zweifelt, ob es im Scherze oder Ernste
+gesprochen worden, kann nicht mehr zurückgenommen werden,
+&ndash; gilt für Ernst.&ldquo; Die grösste Auszeichnung war,
+wenn der Kaan auf einen mit dem Finger zeigte; dem mit
+dem Finger Ausgezeichneten<a name="FNanchor_68" id="FNanchor_68"></a><a href="#Footnote_68" class="fnanchor">[68]</a> waren die Einkünfte der
+Minen, die guten Pfeilschützen, die Pferde der Post, die
+Jagdvögel, die Jagdhunde der eroberten Länder zugesprochen.<a name="FNanchor_69" id="FNanchor_69"></a><a href="#Footnote_69" class="fnanchor">[69]</a>
+<span class='pagenum'><a name="Page_40" id="Page_40">[40]</a></span>
+Die feste Grundlage des Herrschergesetzes
+Tschengischan's war Familieneinigkeit und festes Zusammenhalten
+der Stammverwandtschaft; eine Lehre, welche er
+durch das bekannte Gleichniss vom Pfeilbündel, dann von
+den zwei Schlangen, der einköpfigen Vielschweifigen<a name="FNanchor_70" id="FNanchor_70"></a><a href="#Footnote_70" class="fnanchor">[70]</a> und
+einschweifigen Vielköpfigen, seinen Söhnen versinnlichte.
+Von diesen bekleidete Ogotai, der Oberste Jägermeister,
+das erste Hofamt, Dschagatai versah die Stelle des Obersten
+Richters und wachte auf die Vollziehung der Jasa, an deren
+Verfassung er so grossen Antheil hatte; dem Ogotai lag die
+innere Verwaltung, d. i. die Erhebung der Steuern, dem
+jüngsten, Tuli, die Sorge für das Haus und die Truppen,
+für den Herd und das Heer ob; der jüngste Sohn war, wie
+schon oben gesagt worden, nach mongolischen Gesetzen der
+Hüter des Herds und der Herden und nach des Vaters Tod
+der Erbe der ganzen Wirthschaft, wiewohl das Haupt der
+Familie und des Stammes stets der Erstgeborne blieb. Das
+mongolische Gesetz trennte also das Ansehen der Erstgeburt
+von dem Stammvermögen, indem die Stammherrschaft zwar
+dem Aeltesten, das Vermögen aber dem Jüngsten des Hauses
+zuerkannt ward. In diesem Sinne sollte Dschudschi, der
+älteste der vier Söhne, dem Vater auf dem Throne gefolgt
+sein, aber mit demselben unzufrieden, besonders seitdem
+er nicht auf dem letzten Kurultai zur grossen Jagd erschienen,
+sprach Tschengischan's letzter Wille die Thronfolge dem
+dritten Sohne, Ogotai, das Stammvermögen aber, das ist
+die grösste Macht des Heeres, dem jüngsten Sohne, Tuli,
+zu. Von hundert neun und zwanzig Toman, d. i. hundert
+neun und zwanzigtausend Mann, aus welchen das Heer bei
+Tschengischan's Tod bestand, hinterliess er hundert ein
+Tausend dem Tuli, jedem der vier anderen: Dschudschi,
+Dschagatai, Ogotai, Gulgan, nur viertausend; den rechten
+Flügel über acht und dreissigtausend Mann befehligte der
+erste der neun Orlöke, der treue Freund und Waffengefährte
+<span class='pagenum'><a name="Page_41" id="Page_41">[41]</a></span>
+Bughurdschi; den linken von zwei und sechzigtausend
+Mann der Eroberer China's, der Kojank Mokli der Dschelaire,
+welchem drei <i>Hesare</i>, d. i. dreitausend Mann Dschelairen
+als ein Leibregiment überlassen worden; fünftausend
+seinem jüngsten Bruder <i>Utdschigin</i>, dreitausend seinem
+Bruder <i>Katschiun</i> und eben so viele seiner Mutter <i>Ulun</i>,
+tausend dem Sohne des Bruders Dschudschi Kasar's. Diese
+Truppen erbten in den Familien fort. Als Tschengischan
+sein Testament machte, liess er aus den Archiven den
+Familienpact holen, welchem noch das goldene Siegel seines
+Vorfahren <i>Tumenai</i> aufgedrückt war und welchem die folgenden
+Ahnen, nämlich: <i>Kabulchan</i>, der Urgrossvater, <i>Bertan
+Behadir</i>, der Grossvater, und <i>Jisukai</i>, der Vater Tschengischan's,
+ihre Unterschriften beigesetzt hatten<a name="FNanchor_71" id="FNanchor_71"></a><a href="#Footnote_71" class="fnanchor">[71]</a>; er zeigte
+diese Familienurkunde, vermöge welcher der letzte Wille
+des Herrschers als Gesetz geachtet werden musste, den
+Söhnen, befahl ihnen, den Bruder Ogotai als Herrn anzuerkennen,
+und empfahl die Leitung der Reichsgeschäfte
+dem Vetter <i>Karadschar Nujan</i>, dem Sohne seines Oheims,
+dem Ahnherrn Timur's. Ogotai erhielt das Reich als oberster
+Herrscher, Tuli das Stammgebiet am Onon und Kerulon und
+die östlichen Länder. Dem Uluse Dschudschi's, der kurz
+vor dem Vater verstorben, ward der Besitz von Kipdschak
+erhalten; Dschagatai's Antheil waren die Länder der Uighuren,
+die kleine und grosse Bucharei, die Länder am <i>Ili</i> und
+zwischen dem <i>Dschihun</i> und <i>Sihun</i> (Oxus und Jaxartes),
+welchen, sowie der türkischen Mundart der Uighuren, der
+Name der <i>Dschagataischen</i> verblieb.</p>
+
+<div class="sidenote">Der Familienvertrag
+zu
+Karadscha.</div>
+
+<p>Der Familienvertrag der Familie Tschengischan's sowohl,
+als der grosse Einfluss Karadschar's als Leiter, Rath und
+Orakel der tschengisischen Familie ist bisher von keinem
+europäischen Schreiber mongolischer Geschichten gehörig
+ins Auge gefasst worden; selbst die soeben angeführte Stelle
+Mirchuand's über den Familienvertrag ist unberücksichtigt
+geblieben. Das seit kurzem erst in englischer Uebersetzung
+<span class='pagenum'><a name="Page_42" id="Page_42">[42]</a></span>
+bekannt gewordene treffliche Werk des <i>Stammbaums der
+Türken</i>, welches den Kern der Geschichte der vier Uluse
+von Ulugbeg enthält, gibt darüber sowohl, als über Karadschar's
+Einfluss und Ansehen umständlichen Bericht; wir
+lernen daraus, dass dieser Familienvertrag <i>Temghai Tumenaichan</i>,
+d. i. das Insiegel <i>Tuminechan's</i>, hiess, und also schon
+vom Ururgrossvater Tschengischan's datirt. Diesen Familienvertrag
+liess Tschengischan auf seinem Sterbebette holen
+und führte seinen Söhnen zu Gemüthe, dass er sowohl,
+als Karadschar, denselben immer genau beobachtet hätten.
+Karadscharchan erscheint also schon hier als das Haupt
+eines Zweiges der Familie Tschengischan's, welches im
+Namen derselben mit Tschengischan einen Familienvertrag
+eingegangen oder vielmehr den erneute, welchen der Ahnherr
+Tumenaichan zwischen seinen Söhnen <i>Kabulchan</i> und
+<i>Katschulai</i> geschlossen und welchen später <i>Jisukai</i> und <i>Temudschin</i>
+bestätigt hatten; mehr als einmal erwähnt desselben
+die <i>Geschichte des Stammbaums</i>; sie erwähnt desselben unter
+der Regierung <i>Tewa's</i>, des eilften Chan's der Familie Dschaghatai,
+als des zwischen Karadschar Nujan und Tschengischan
+geschlossenen Familienvertrags, und abermals unter
+der Regierung von <i>Sijurghurtmisch</i>, dem zwei und dreissigsten
+Chane des Uluses Dschaghatai<a name="FNanchor_72" id="FNanchor_72"></a><a href="#Footnote_72" class="fnanchor">[72]</a>; dieser Familienvertrag des
+tschengisischen Hauses, welcher zuerst von Tumenaichan, dem
+vierten Ahnherrn Tschengischan's, zwischen seinen beiden
+Söhnen Kabul und Katschulai aufgerichtet, von seinem Urenkel
+Jisukai bestätigt worden, ward von seinem Ururenkel
+Tschengischan mit Karadschar erneuert und blieb bis zu
+dem letzten Chane des Uluses Dschaghatai, von Tumenaichan
+bis auf die Zeit Timur's, d. i. durch dreihundert Jahre,
+aufrecht. Karadschar Nujan hätte zweifelsohne den Thron,
+wenigstens im Uluse Dschaghatai, für sich selbst behaupten
+können, aber er wollte lieber denselben verleihen, als selbst
+einnehmen; so erhob er einige Jahre nach dem Tode Dschaghatai's
+<span class='pagenum'><a name="Page_43" id="Page_43">[43]</a></span>
+statt eines Sohnes den Enkel desselben, Kara Hulagu,
+auf den Thron, setzte denselben zwar auf die Vorstellung
+des Grosschan's <i>Gajuk</i> ab und einen Sohn Dschaghatai's als
+Chan, dann aber, als dieser gestorben, den <i>Kara Hulagu</i>
+zum zweitenmal als Chan des Uluses Dschaghatai ein.<a name="FNanchor_73" id="FNanchor_73"></a><a href="#Footnote_73" class="fnanchor">[73]</a>
+Karadschar war der Sohn Emir <i>Songhur Tschitschan's</i>, der
+Enkel Emir <i>Irdümdschi's</i>, der Urenkel Emir <i>Kadschulai's</i>,
+des Sohnes <i>Tumenai's</i> und also der Vetter Tschengischan's
+im dritten Grade, indem ihre Urgrossväter Brüder waren.
+Warum Tumenai, da ihre Urgrossväter Kabul und Katschulai
+Brüder, warum Tumenai, welcher acht Söhne hatte, den
+Hausvertrag der Herrschaft nur unter den beiden obgenannten
+abschloss, erhellt nicht aus den bisher bekannten
+Quellen mongolischer Geschichte; wahrscheinlich weil Katschulai
+dem Kabulchan die Nachfolge streitig machte. Nach
+den vier durch die vier Söhne Tschengischan's begründeten
+Ulusen war das Haus Karadschar's das mächtigste des tschengisischen
+Stammes und Herrschaft und Welteroberung gingen
+auf den Nachkömmling Karadschar's im fünften Grade, auf
+Timur Gurgan, über.<a name="FNanchor_74" id="FNanchor_74"></a><a href="#Footnote_74" class="fnanchor">[74]</a> Der Stamm des Hauses Karadschar's
+war der der Berla's.<a name="FNanchor_75" id="FNanchor_75"></a><a href="#Footnote_75" class="fnanchor">[75]</a> Karadschar, der Rath Tschengischan's
+und seiner Söhne Ogotai und Dschaghatai, starb bald,
+nachdem er den Kara Hulagu, den Enkel Dschaghatai's, zum
+zweitenmale auf den Thron gesetzt, acht und neunzig Jahre
+alt<a name="FNanchor_76" id="FNanchor_76"></a><a href="#Footnote_76" class="fnanchor">[76]</a>, und hinterliess zehn Söhne, deren ältester, <i>Itschel</i>,
+der Ururgrossvater Timur Gurgan's.<a name="FNanchor_77" id="FNanchor_77"></a><a href="#Footnote_77" class="fnanchor">[77]</a></p>
+
+<div class="sidenote">Charakter
+und Sitten
+der
+Mongolen.</div>
+
+<p>Ehe wir von Tschengischan zur Geschichte seiner Nachfolger,
+Herrscher der Mongolen, übergehen, nur noch ein
+<span class='pagenum'><a name="Page_44" id="Page_44">[44]</a></span>
+Paar Worte über den Charakter und die Sitten des Volkes.
+Die beste und kürzeste Schilderung derselben liegt im Namen
+<i>Mongol</i> selbst, sei es, dass derselbe, wie die persischen
+Quellen sagen, <i>trübe</i> und <i>traurig</i>, sei es, dass er, wie ein
+mongolischer Geschichtschreiber behauptet, <i>trotzig</i> und <i>unerschrocken</i>
+bedeute. Es hat mit dem Namen der Mongolen
+dieselbe Bewandtniss, wie mit dem der Slaven, welchen die
+Fremden von <i>Slavo</i>: schwach und feige, die Eingebornen
+von <i>Slaba</i>: Ruhm und Glanz, abgeleitet haben; wie dem auch
+sei, der Charakter der Mongolen entspricht der doppelten
+Angabe der Bedeutung ihres Namens, sie sind eben so ein
+trübes und trauriges, als trotziges und unerschrockenes Volk.
+Die Traurigkeit und Schwermuth spricht sich schon in den
+Klaggesängen, welche vom mongolischen Geschichtschreiber
+Ssetsen aus der ältesten Zeit her erhalten sind, in der wehmüthigen
+Sehnsucht nach den Ufern des Onon und Kerulon,
+sowie in den Volksliedern der heutigen Mongolen aus; ihre
+Tapferkeit hat sich Asien unterworfen und Europa zittern
+gemacht, ein trauriges barbarisches Volk, das erst Tschengischan
+durch das Beil und die Prügel gesittigt, und das
+durch Raubsucht und angeborenen Sklavensinn das tüchtigste
+Werkzeug zur Welteroberung; &bdquo;sie hatten das Herz
+des <i>Löwen</i>, die Geduld der <i>Hunde</i>, die Behutsamkeit des
+<i>Kranichs</i>, die List des <i>Fuchses</i>, die Vorsicht des <i>Raben</i>,
+die Raubsucht des <i>Wolfes</i>, die Heftigkeit der <i>Hahnen</i>, für
+Familie sorgend wie <i>Hühner</i>, die Ruhe der <i>Katzen</i>, die
+Heftigkeit im Anfall vom <i>Schweine</i>&ldquo;, welche Eigenschaften
+der Morgenländer dem vollkommenen Krieger insgemein
+beilegt<a name="FNanchor_78" id="FNanchor_78"></a><a href="#Footnote_78" class="fnanchor">[78]</a>; man könnte aber auch sagen, dass sie alle Eigenschaften
+der zwölf Thiere ihres Jahrescyclus in sich vereinten,
+dass sie diebisch wie <i>Mäuse</i>, stark wie <i>Stiere</i>, raubsüchtig
+wie <i>Panther</i>, vorsichtig wie <i>Hasen</i>, listig wie
+<i>Schlangen</i>, schrecklich wie <i>Drachen</i>, muthige Renner wie
+<i>Pferde</i>, folgsam wie <i>Schafe</i>, kinderliebend wie <i>Affen</i>,
+familiensorgsam wie <i>Hühner</i>, treu wie <i>Hunde</i>, unrein wie
+<span class='pagenum'><a name="Page_45" id="Page_45">[45]</a></span>
+<i>Schweine</i>; der Cyclus ihres Jahres war das Sinnbild ihres
+sittlichen Gesichtskreises. Mittler Statur, breit von Schultern,
+stark vom Rücken, hervorragender Brust und eingezogenen
+Bauchs, von grauen und braunen Augen, die aus
+schiefen Winkeln hervorglotzen, von breiten olivenfarbenen
+Wangen, Stumpfnasen, dicken Lippen, spärlichen Barthaaren,
+aber wucherndem Haarwuchse auf dem Kopfe, dessen Vordertheil
+vom Scheitel bis zu den Ohren hufeisenförmig geschoren;
+leicht, flink, mit ihren Pferden wie Centauren
+zusammengewachsen; gewandte Bogenschützen, wie einst die
+Parther, nie gefährlicher als im Fliehen, mit Kampf und
+Beute gesättigt noch immer nach Kampf und Beute durstend,
+undankbar, schmutzig, grob, raubsüchtig, grausam, aber
+leibeigen, wahrheitsliebend, prunkhassend, tapfer und blindlings
+gehorsam, Niemand war ihnen Freund, aber sie hassten
+der Denuncianten scheussliche Brut. Ihre Nahrung: Hirse,
+Haiden und Fleisch von allen Arten, am liebsten das des
+Pferdes, aber auch Mäuse, Hunde, Katzen und sogar gebratenes
+Menschenfleisch; das Fett leckten sie von den
+Fingern und schmierten damit ihre Stiefel. Ihr liebstes
+Getränke: Stutenmilch sammt dem daraus gezogenen, gegohrnen,
+berauschenden <i>Kumis</i> und <i>Meth</i>; ihre Kleider aus
+Thierfellen genäht, ihre Waffen aus Eisen geschmiedet, ihre
+Kopfbedeckung eine dreieckige, am Rande verbrämte Mütze,
+der sogenannte tatarische Hut, die der Frauen eine ellenhohe
+Pyramide aus leichtem Holz, deren Obertheil mit
+Pfauenfedern und Juwelen geschmückt, mit einem Flore
+bedeckt, welcher <i>Baghtak</i> hiess, woraus die Missionäre
+<i>Botta</i>, die Venezianer <i>Bauta</i> gemacht. Die Weiber, deren
+grösste Schönheit die kleinste Nase, wie bei den Chinesen
+der kleinste Fuss, bereiteten den <i>Kumis</i> und die getrocknete
+sauere Milch, welche <i>Kurut</i><a name="FNanchor_79" id="FNanchor_79"></a><a href="#Footnote_79" class="fnanchor">[79]</a> hiess; sie verfertigten alle Arten
+der Hausgeräthe, Kleider, Zelte, Reitzeug, Schilde, Schuhe,
+Socken, Betten, die vermählten mit weissem, bis auf die
+Brust reichenden Schleier verhüllt, ihre ledernen aufgeschlagenen
+<span class='pagenum'><a name="Page_46" id="Page_46">[46]</a></span>
+Oberkleider hielt ein Gürtel um die Brust zusammen.
+Die Frauen, deren Zahl nur durch die Lust des
+Mannes oder durch seine Mittel, sie zu erhalten, beschränkt
+war, genossen grossen Ansehens und Einflusses, besonders die
+Mütter und die Stiefmütter, deren der Sohn nach des Vaters
+Tod gewöhnlich sich einige als Gemahlinnen aneignete. Sie
+glaubten, dass der Mann in jenem Leben seine Weiber
+wieder finde, aber damit der Herrscher bis zu ihrem Hinscheiden
+im anderen Leben nicht langweile, sandten sie ihm
+seine Beischläferinnen, dieselben schlachtend, ins Grab nach.</p>
+
+<div class="sidenote">Aberglaube
+und
+Gebräuche.</div>
+
+<p>Von dem Aberglauben ist bereits des das Donnerwetter
+betreffenden erwähnt worden; wie sie glaubten, dass die
+<i>Kamen</i> es beschwören könnten, so auch, dass es in ihrer
+Macht stände, mittels des Regensteines, <i>Dschade</i> (welcher
+schon von Japhet her vererbt war), Regen zu machen, und
+die <i>Dschededschi</i>, d. i. die Regenmacher, vertraten bei dem
+mongolischen Heere die Stelle der Auguren des römischen.
+Zauberei wurde geübt, weil geglaubt, und war, wenn die
+Person des Herrschers mit ins Spiel kam, Majestätsverbrechen.
+Um sich wider die Wehen der Zauberei zu bewahren, mussten
+die zu Reinigenden zwischen zwei Feuern durchgehen, die
+polnischen und russischen Gesandten und die des Papstes
+im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, wie schon fünf
+und sechs Jahrhunderte früher der byzantinische Gesandte
+Zemarchos am Hofe des Königs der Türken durchs Feuer
+gereinigt ward.<a name="FNanchor_80" id="FNanchor_80"></a><a href="#Footnote_80" class="fnanchor">[80]</a> Ihre Wahrsager wahrsagten besonders
+aus den Schulterblättern der Schafe; sie schwuren bei dem
+Blute geschlachteter Thiere, bei der in den Strom gestampften
+Erde, bei den abgehauenen Bäumen, bei dem
+Fleisch und Blut ihrer Herrscher, aber nicht im Namen
+Gottes. Ehe die Lehrer des Budhismus und des Islams die
+Mongolen bekehrten, verehrten sie ein höchstes Wesen,
+von Marco Polo <i>Natagai</i>, von Ssetsen <i>Hormusda</i> genannt;
+das letzte ist gewiss der Hormusd der Maghen, das erste
+vielleicht nur die Verstümmelung des türkischen Wortes
+<span class='pagenum'><a name="Page_47" id="Page_47">[47]</a></span>
+<i>Onggan</i>, d. i. Gott. Sie beteten die Sonne und Sterne
+sammt den Elementen an, und weihten diesen ihren Göttern,
+ehe sie assen, Speise und Trank. Bei dem Gebete wurden
+die Gürtel gelöst und über die Schulter geworfen, wie
+Tschengischan gethan, als er in der Nacht hinaus ging auf
+den Berg, um den Beistand des Himmels zu erflehen wider
+den Herrscher des himmlischen Reichs auf Erden. Einer
+der grössten Lobsprüche, welche ihm die Geschichte zollen
+muss, ist seine Duldung gegen alle Religionen. Uighurische
+Kamen und chinesische Bonzen hielten vor ihm Controverse,
+die Budhapriester erhielten die Erlaubniss, ihre Burhanenbilder
+aufzustellen, aber die Kamen blieben in nicht minderem
+Ansehen; neben ihnen wurden die Priester aller
+anderen Religionen, namentlich die <i>Arghaun</i>, d. i. die
+Christlichen, der Nestorianer geduldet. Zu Bochara war
+Tschengischan zwar in die Moschee geritten, stieg aber, als
+er hörte, das sei Gottes Haus, vom Pferde auf die Kanzel
+und ertheilte die Befugniss der allgemeinen Plünderung mit
+den Worten: Das Feld ist gemäht, gebt euren Pferden zu
+fressen, worauf die Korane unter die Hufe der Pferde getreten
+wurden und der Wein die Flur der Moschee überschwemmte,
+während die Imame oder Scheiche als Stallknechte
+die Pferde warten mussten; aber hingegen hatte er
+in der kleinen Bucharei, wo Kuschluk der Naimane den
+Islam unterdrückt, die freie Ausübung desselben gestattet.
+Diese allgemeine Duldung blieb Herrscherprincip der <i>Kaane</i>
+und auch der persischen, und selbst noch zum Theile nach
+ihrer Bekehrung zum Islam. Ausser dem grossen Schmiedefest
+am neuen Jahrestag wurde alljährlich auch das des Geburtstages
+des Chan's, sowie die Thronbesteigung desselben mit
+Trinkgelagen gefeiert. Bei diesen Gelagen gab einer der Diener
+das Zeichen, indem er <i>Ha!</i> schrie, zum Beginne der Musik;
+der Cythernspieler begann sein Spiel, die Männer tanzten
+vor dem Herrn, die Weiber vor der Frau des Hauses,
+Alle in die Hände klatschend. Nachdem der Hausherr getrunken,
+schrie der Diener wieder <i>Ha!</i>, der Cythernspieler
+verstummte, und nun tranken alle Gäste unter Gesang, der
+<span class='pagenum'><a name="Page_48" id="Page_48">[48]</a></span>
+aber mehr ein Geheul.<a name="FNanchor_81" id="FNanchor_81"></a><a href="#Footnote_81" class="fnanchor">[81]</a> Bei diesen Trinkgelagen wurden
+die Preise der Tapferkeit [<i>Ulisch</i><a name="FNanchor_82" id="FNanchor_82"></a><a href="#Footnote_82" class="fnanchor">[82]</a>] vertheilt, und dieselben
+leben noch zum Theil in den kalmukischen <i>Uerrus</i> fort.<a name="FNanchor_83" id="FNanchor_83"></a><a href="#Footnote_83" class="fnanchor">[83]</a>
+Das Seitenspiel zu diesem <i>Ha</i>rufe ist das Zetergeschrei von
+<i>Morio</i> als <i>Mordio</i>, das sie während des Pferderennens oder
+Pfeilschiessens erhoben<a name="FNanchor_84" id="FNanchor_84"></a><a href="#Footnote_84" class="fnanchor">[84]</a>, indem sie die Hände ausstreckten.
+Im Kriege vermieden sie so viel als möglich das Gefecht
+von Mann zu Mann und suchten nur im Fliehen zu verwunden
+oder zu tödten; den Belagerten sicherten sie Schonung
+des Lebens und Eigenthums zu, hielten aber fast
+niemals Wort; die Besatzungen metzelten sie alle nieder
+und schonten manchmal nur der Künstler und Handwerker,
+die sie in die Sklaverei mit sich schleppten. Bei der Todtenzählung
+nach Schlachten oder Gefangnengemetzel wurde
+nach jedem geschlachteten Zehntausend Ein Leichnam mit
+dem Kopfe zur Erde, mit den Füssen in die Höhe als
+Trophäe aufgerichtet. Bei den Begräbnissen ihrer Fürsten
+wurden ihre Sklavinnen oder Beischläferinnen geschlachtet,
+wie schon Terxanthes, der Fürst der Türken, gefangene
+Hunnen am Grabe seines Vaters geschlachtet.<a name="FNanchor_85" id="FNanchor_85"></a><a href="#Footnote_85" class="fnanchor">[85]</a> Bei dem
+Begräbnisse wurde gewöhnlich dem Todten ein Hengst,
+Stute oder Füllen mit ins Grab gegeben mit Sattel und
+Zeug, damit er im anderen Leben sogleich beritten sei,
+damit es ihm an Stutenmilch nicht fehle; ein anderes Pferd
+wurde zum Todtenmal geschlachtet und dann ausgestopft
+über dem Grabe aufgestellt; die Gräber der Vornehmen
+waren aus Stein, Häuser der Todten, nur Tschengischan
+hatte noch bei seinen Lebzeiten geboten, sein Grab geheim
+zu halten und ihn ohne Maal zu begraben unter einem
+grossen Baume im Walde von <i>Burhan Kaldun</i>.</p>
+
+<div class="sidenote">Tschengischan's
+Nachfolger.</div>
+
+<p>Ungeachtet der klaren Anordnung Tschengischan's über
+die Nachfolge auf dem Throne blieb derselbe fast zwei
+Jahre lang ledig, wovon die Ursache wohl nur in der Umsicht
+Ogotai's, welcher seine Brüder Dschaghatai und Tuli und
+<span class='pagenum'><a name="Page_49" id="Page_49">[49]</a></span>
+des Neffen Batu Pläne und Absichten kennen und prüfen
+wollte, ehe er den etwa von ihnen selbst gewünschten Thron
+bestieg. Diese Zögerung zeigt, dass es ihm auch mit der
+dreissigtägigen Weigerung auf dem zur Thronbesteigung im
+Familienhorde Tschengischan's zu <i>Keluran</i> am Onon zusammenberufenen
+Kurultai der Prinzen einigermassen Ernst
+gewesen sein mag; erst am vierzigsten Tage zogen ihn sein
+Bruder Dschagatai und sein Oheim Utdschigin (der jüngste
+Bruder Tschengischan's) auf den Thron, sein jüngster Bruder,
+Tuli, brachte ihm knieend den mit Stutenmilch gefüllten
+Becher dar, im selben Augenblicke warf die ganze Versammlung
+die Mützen in die Höhe und den Gürtel über den
+Rücken, worauf er sich vor der Sonne anbetend niederwarf
+und mit neunmaliger Kniebewegung dem neuen Kaan huldigte.
+Die vorzüglichsten Prinzen, welche auf diesem
+Kurultai erschienen, waren nebst den zwei schon genannten
+Brüdern der Bruder <i>Gulgan</i> und der Oheim <i>Belgetai</i>, sieben
+Neffen, Söhne <i>Dschudschi's</i>, von denen der zweite, <i>Batu</i>,
+der Herrscher in Kipdschak; dann die Neffen <i>Iltschidai</i>,
+der Sohn <i>Dschudschi Kasar's</i>, und <i>Karadschar Nujan</i>,
+welchem Tschengischan die Berathung des Thronfolgers
+anempfohlen. Um dem Herrscher im Grabe zu huldigen,
+wurden ihm vierzig seiner liebsten Sklavinnen unter die Erde
+nachgesandt; um seine Anordnung der Welteroberung nach
+allen vier Weltgegenden in Erfüllung zu sehen, ein dreifacher
+Heereszug beschlossen. <i>Dschurmaghun</i> der Dschelaire wurde
+mit einem Heere nach Persien gesandt, um Dschelaleddin,
+den Schah von Chuaresm, welcher sich nach Tschengischan's
+Tod eines Theils des väterlichen Erbes bemächtigt
+hatte, zu vernichten. <i>Batu</i> und seine Brüder wurden zur
+Eroberung des Westens, das ist Russlands, Polens, Ungarns
+und der angränzenden Länder befehligt<a name="FNanchor_86" id="FNanchor_86"></a><a href="#Footnote_86" class="fnanchor">[86]</a>; <i>Ogotai</i> selbst
+zog wider China aus, um die vom Vater begonnene Eroberung
+des himmlischen Reichs zu vollenden. Unter ihm
+<span class='pagenum'><a name="Page_50" id="Page_50">[50]</a></span>
+befehligten die Abtheilungen des Heeres <i>Subutai</i>, der eine
+der beiden Feldherren, welche vor sieben Jahren Persien
+bis nach Russland durchzogen, und <i>Tatschar</i>, der Sohn des
+hochbetrauten ersten Örlök <i>Bugurdschi</i>, dessen Stelle als
+Wesir jetzt einer der weisesten und menschlichsten und
+folglich grössten Wesire versah, deren die Geschichte erwähnt.
+<i>Mahmud Jelwadsch</i> war ein Perser und Moslim,
+welchen sich die chinesischen Quellen aneignen, indem sie
+den Namen <i>Jelwadsch</i> in <i>Jelui</i> verstümmeln, ihn selbst zu
+einem Chitanen, Bekenner der Lehre des <i>Fo</i>, machen.<a name="FNanchor_87" id="FNanchor_87"></a><a href="#Footnote_87" class="fnanchor">[87]</a>
+Sieben Jahre lang dauerte der Krieg im Osten und Westen,
+glorreich in den nördlichen Provinzen China's, in <i>Schensi</i>,
+<i>Petseli</i> und <i>Iran</i>, in <i>Russland</i>, <i>Polen</i> und <i>Ungarn</i>, erobernd
+und verheerend geführt. Die mongolischen Heere drangen
+zu gleicher Zeit bis an die Ufer des <i>Kara Muran</i>, d. i.
+der schwarzen <i>Mur</i>, oder des gelben Flusses in China und
+fast bis an die der weissschäumenden <i>Mur</i> in Steiermark
+vor; China's Länder wurden bleibend erobert; mit dem
+Falle der Residenz <i>Peanking</i>, deren von Subutai dem mongolischen
+Heere versprochene Plünderung nur durch die
+Vorstellungen <i>Jelui Tschutsai's</i> (Jelwadsch's) abgewendet
+worden, stürzte auch die Dynastie der goldenen Kaiser zusammen,
+deren letzter, von Tschengischan zuerst besiegter,
+sich erhing.<a name="FNanchor_88" id="FNanchor_88"></a><a href="#Footnote_88" class="fnanchor">[88]</a> Im Westen waren die Heere Batu's über
+Russland, Polen und Ungarn bis nach Mähren, Oesterreich
+und Dalmatien vorgedrungen; sie erschienen belagernd vor
+den Mauern von Wienerneustadt und zogen vor denen Wien's
+vorbei; von denen von Olmütz, nachdem die Blüthe des
+mährischen und schlesischen Adels in der unglücklichen
+Schlacht von Lignitz geblutet, wehrte sie Jaroslav von Sternberg
+ab, von dessen Hand <i>Peta</i>, d. i. <i>Paidar</i>, der Sohn
+Dschagatai's, fiel, wie sein Bruder Mowatukan vor den
+Mauern Bamian's gefallen, wesshalb Olmütz für die Mongolen
+eine böse Stadt, wie sie Bamian und Koseslk nannten.
+<span class='pagenum'><a name="Page_51" id="Page_51">[51]</a></span>
+Auf dem Rückzuge von China starb Tuli, welcher während
+des ganzen siebenjährigen Feldzugs dem Bruder eben so
+treu und tapfer als Feldherr gedient, als vormals dem Vater,
+nur vierzig Jahre alt, ein wahrer <i>Spiegel</i> (was sein Name
+Tuli heisst) von Sohnespflicht und Brudertreue.</p>
+
+<div class="sidenote">Ogotai's
+Bauten,
+Feste,
+Jagden,
+Freigebigkeit
+und Unmässigkeit.</div>
+
+<p>Die Verwaltung der von der goldenen Dynastie eroberten
+chinesischen Länder übertrug Ogotai dem weisen Wesire
+Jelwadsch, welcher schon im ersten Jahre des Feldzugs
+zehn Steuerämter zur Einrichtung und Einhebung der Steuern
+niedersetzte, deren jedes einen Präsidenten und Vicepräsidenten
+hatte und deren Beamte chinesische Gelehrte. <span class="xidenote">I. J. 1230.</span> &ndash; &bdquo;Das
+Reich&ldquo;, stellte der weise Staatsmann dem Herrn vor, &bdquo;ist
+zu Pferd erobert worden, kann aber nicht zu Pferd regiert
+werden&ldquo;; sechs Jahre hernach wurden die ersten Tresorscheine
+für die Summe von zehntausend kleinen Barren,
+d. i. für fünfzigtausend Unzen Silber, ausgegeben.<a name="FNanchor_89" id="FNanchor_89"></a><a href="#Footnote_89" class="fnanchor">[89]</a> <span class="xidenote">I. J. 1236.</span> Er
+stiftete zwei hohe Schulen, die eine zu Pingang in <i>Schendai</i>,
+die andere zu Peking in Petsche-li, wohin die mongolischen
+Emire ihre Söhne sandten, um in der Geschichte, Geographie,
+Arithmetik und Astronomie unterrichtet zu werden.<a name="FNanchor_90" id="FNanchor_90"></a><a href="#Footnote_90" class="fnanchor">[90]</a> Durch
+Colonien, aus China weggeschleppte Maurer, Zimmerleute,
+Maler und Vergolder, wurde während des Feldzugs zu Karakorum,
+welches auf der Ostseite des Berges Utekian, in der
+Nähe des Flusses Orghan, ehemals die Residenz der Uighuren,
+die neue Residenz des Herrschers gebaut und geschmückt,
+welche <i>Ordubaligh</i>, d. i. Lagerballei, genannt ward, als
+Seitenstück zur chinesischen Residenz <i>Peking</i>, welche später
+unter Kubilai den Namen von <i>Chanbaligh</i>, d. i. Chansballei,
+erhielt.<a name="FNanchor_91" id="FNanchor_91"></a><a href="#Footnote_91" class="fnanchor">[91]</a> In zwei besonderen Quartieren derselben wohnten
+die Moslimen und Chinesen von den Mongolen getrennt; an
+den nach den vier Himmelsgegenden gelegenen Thoren
+wurden die Märkte der Schafe und Ziegen, Ochsen und
+Pferde gehalten<a name="FNanchor_92" id="FNanchor_92"></a><a href="#Footnote_92" class="fnanchor">[92]</a>; zwölf Götzentempel, zwei Moscheen,
+<span class='pagenum'><a name="Page_52" id="Page_52">[52]</a></span>
+eine christliche Kirche zeigten, dass nebst dem herrschenden
+heidnischen Kultus auch die freie Ausübung der anderen
+gestattet ward. Die Stadt wurde täglich durch fünfhundert
+Wagen verproviantirt, deren einige sehr gross, von acht
+Ochsen gezogen<a name="FNanchor_93" id="FNanchor_93"></a><a href="#Footnote_93" class="fnanchor">[93]</a>; der Palast der Residenz hiess <i>Karschi</i>;
+Goldschmiede, unter denen ein französischer, von den Mongolen
+auf ihrem Raubzuge durch Ungarn von Belgrad weggeschleppter<a name="FNanchor_94" id="FNanchor_94"></a><a href="#Footnote_94" class="fnanchor">[94]</a>,
+arbeiteten an den goldenen und vergoldeten
+künstlichen Thieren, welche als Fontainen an festlichen Tagen
+statt Wassers <i>Kumis</i>, Wein, Meth<a name="FNanchor_95" id="FNanchor_95"></a><a href="#Footnote_95" class="fnanchor">[95]</a> und Reisabsud spien<a name="FNanchor_96" id="FNanchor_96"></a><a href="#Footnote_96" class="fnanchor">[96]</a>.
+Den Frühling brachte der Kaan auf den Weiden zu, wo
+vormals die Herden Efrasiab's geweidet haben sollen und
+wo er das Zelt <i>Gewher Chagan</i>, d. i. des Chakan's Edelstein,
+baute<a name="FNanchor_97" id="FNanchor_97"></a><a href="#Footnote_97" class="fnanchor">[97]</a>, den Sommer am Gebirge <i>Ormektu</i><a name="FNanchor_98" id="FNanchor_98"></a><a href="#Footnote_98" class="fnanchor">[98]</a>, wo das
+goldene Zelt (Sira Ordu) aufgeschlagen, dessen Nägel Gold,
+das von innen mit goldenen Tapeten behangen, tausend
+Personen fassen konnte; den Herbst brachte er zu <i>Köschei
+Nawer</i>, vier Tagreisen von Karakorum, zu, und im Winter
+jagte er grösstentheils zu Ongko, an dem Gebirge von
+<i>Telenku</i>; nur einen Monat lang schenkte er seine Gegenwart
+der Residenz; zwei Parasangen davon hatte er ein hohes
+Köschk erbaut, welches <i>Terghubaligh</i>, d. i. Proviantballei,
+hiess; hier ward vor dem Einzuge in die Stadt Einen Tag
+Rast gemacht, an welchem der ganze Hofstaat einfarbig
+gekleidet erscheinen musste. Während des Aufenthalts in
+der Residenz (Karschi) wurden täglich Feste gegeben und
+die reichsten Geschenke gespendet, denn Ogotai war an
+Freigebigkeit ein zweiter <i>Hatim</i>; die Zeit verging unter
+Bogenschiessen, Scheibenwerfen, Ringen, Jagen. Vor der
+Stadt war ein Stück Landes im Umfange von zwei Tagreisen
+mit einem Walle aus Lehmen und Reisig als Park umfangen,
+in welchen das grosse, auf dreissig Tagreisen ausgedehnte
+<span class='pagenum'><a name="Page_53" id="Page_53">[53]</a></span>
+Jagdrevier des Heeres, immer näher zusammenrückend, das
+ganze Wild der Gegend hineintrieb. Die Prinzen und Emire
+erlegten dasselbe in des Chanes Gegenwart; das erlegte
+wurde unter den Hofstaat und das Volk vertheilt. In Chorasan
+wurde die Stadt Herat, welche bei der Eroberung durch
+das Blutbad von hundertachtzigtausend ihrer Bewohner entvölkert
+und niedergebrannt wurde, wieder aufgebaut; fünfzigtausend
+Gefangene wurden zu diesem Ende dahin befehligt.
+Die Statthalterschaft Chorasan's war dem Uiraten <i>Arghun</i>
+anvertraut<a name="FNanchor_99" id="FNanchor_99"></a><a href="#Footnote_99" class="fnanchor">[99]</a>, die von Persien dem <i>Körges</i> (Blindaug),
+welcher mit Dschurmaghun nach Persien gekommen; über
+die Länder vom Gebirge Chankai bis an den Oxus war
+Mesud, der Sohn von Jelwadsch, als Statthalter bestellt.
+Ogotai's Freigebigkeit kannte keine Gränzen, aber auch
+nicht seine Unmässigkeit im Trinken, welche seinen frühzeitigen
+Tod herbeiführte; sein Bruder Dschagatai hatte
+ihn beschworen, sich die Zahl der Becher zu mindern; er
+minderte die Zahl, nahm aber Becher von grösserem Umfange.
+<i>Abika</i>, die Schwester <i>Sijurkukteni's</i>, die Gemahlin
+Tuli's, um deren Hand Tschengischan vergebens bei Owangchan
+geworben und die heimlich an einen Tafeldecker vermählt
+an der chinesischen Gränze ihren Jurt hatte, kam
+alljährlich mit ihrem Sohne, welcher mit dem Amt eines
+Mundschenken bekleidet war, zur Aufwartung. Eines Nachts,
+wo ihr Sohn den Wein kredenzt hatte, starb Ogotai. <span class="xidenote">11. Dec. 1241.</span> Man
+wollte Abika und ihren Sohn der Vergiftung beschuldigen,
+aber Iltschidai und die anderen Emire vertheidigten ihre
+Unschuld, indem es klar war, dass Ogotai im Uebermasse
+des Rausches vom Schlage getroffen worden.<a name="FNanchor_100" id="FNanchor_100"></a><a href="#Footnote_100" class="fnanchor">[100]</a></p>
+
+<div class="sidenote">Turakina's
+Regentschaft.</div>
+
+<p>Ogotai hatte vier grosse Frauen Gemahlinnen und sechzig
+Beischläferinnen, aus den letzten nur zwei Söhne; die Mutter
+der fünf anderen war die zweite der vier Gemahlinnen,
+<i>Turakina</i>, aus dem Stamme Ohos Merkit, welche von Tschengischan
+ihrem Gemahle Tairosun, dem Fürsten der Merkit,
+geraubt und dem Sohne Ogotai zur Frau gegeben worden,
+<span class='pagenum'><a name="Page_54" id="Page_54">[54]</a></span>
+wiewohl jenem früher die Prinzessin Kulan, die Tochter
+Tschengischan's, vermählt war; sie war nicht schön, aber
+den Mangel an Schönheit ersetzte Herrschsucht und List,
+wodurch sie nach Ogotai's Tod die Kaanschaft ihrem Sohne
+<i>Gujuk</i> verschaffte, wiewohl Ogotai dieselbe dem <i>Schiramun</i>,
+dem Sohne seines geliebten, vor ihm verstorbenen Sohnes
+Kutschu, bestimmt hatte. Nach dem mongolischen Familiengesetze
+war sie nach des Gemahles Tod als Mutter die
+Regentin, welcher alle Stämme bis zur Thronbesteigung des
+neuen Herrschers gehorchen mussten. Durch die Künste
+ihrer Herrschsucht und List verlängerte sie die Regentschaft
+vier volle Jahre, während welcher sie Alleinherrscherin der
+Mongolen. Sie begann ihre Herrschaft mit der Absetzung
+des Staatssecretärs Ogotai's, des Uighuren <i>Tschinkai</i><a name="FNanchor_101" id="FNanchor_101"></a><a href="#Footnote_101" class="fnanchor">[101]</a>,
+welcher die Worte Ogotai's aufgezeichnet, und entzog ihr
+Vertrauen dem weisen Mahmud Jelwadsch, dem Chuaresmier,
+welcher schon von Tschengischan als Gesandter an Chuaresmschah
+verwendet, seinen Beinamen vermuthlich dieser Gesandtschaft
+dankt, wiewohl Jelwadsch eigentlich nur einen
+Gottesgesandten, einen Propheten bedeutet.<a name="FNanchor_102" id="FNanchor_102"></a><a href="#Footnote_102" class="fnanchor">[102]</a> Turakina
+hatte ihr unbeschränktes Vertrauen in Finanzgegenständen
+dem Moslim Abderrahman geschenkt, welcher zu Ende der
+Regierung Ogotai's sich als Pächter der Staatseinkünfte
+China's mit Verdoppelung des bisherigen Pachts von Einer
+Million auf zwei angetragen. Jelwadsch stellte dagegen vor,
+dass man wohl fünf Millionen jährlich erpressen könne, aber
+das Land zu Grund richten würde; der Pacht ward dennoch
+bewilligt, und Abderrahman und die Moslimin Fatima, welche
+bei der Verheerung von Tus geraubt worden, leiteten die
+Rathschläge Turakina's. Bald nach dem Tode Ogotai's hatte
+dessen Oheim <i>Utdschigin</i>, der jüngste Bruder Tschengischan's,
+Miene gemacht, sich der obersten Herrschaft bemächtigen
+zu wollen, indem er mit Truppen der Residenz
+nahte. Turakina sandte ihm Wort: warum er mit so zahlreichem
+<span class='pagenum'><a name="Page_55" id="Page_55">[55]</a></span>
+Gefolge seine Tochter zu besuchen käme? und
+sandte ihm seinen Sohn, der am Hofe Ogotai's verweilte,
+zurück. Utdschigin antwortete, dass er blos gekommen,
+ihr sein Beileid über den Tod des Gemahls zu bezeigen,
+und kehrte zurück. Der ausgeschriebene Landtag hatte
+endlich am See <i>Köke</i><a name="FNanchor_103" id="FNanchor_103"></a><a href="#Footnote_103" class="fnanchor">[103]</a> statt, wo Ogotai den Herbst zuzubringen
+pflegte. Der lange Aufschub rührte vorzüglich von
+Batu her, welcher die Regentin nicht liebte, und ein Uebel
+am Fusse vorschützte, um nicht auf dem Kurultai zu erscheinen;
+endlich versprach er zu kommen, sandte aber seiner
+statt seine Söhne und Enkel; auch der Temgu Utdschigin
+erschien mit achtzig seiner Söhne; die Frau Sijurkukteni,
+die Wittwe Tuli's mit ihren Söhnen und die Dschagatai's<a name="FNanchor_104" id="FNanchor_104"></a><a href="#Footnote_104" class="fnanchor">[104]</a>;
+ausserdem die Statthalter des Reichs: der von Chorasan und
+Persien, <i>Arghun</i>; der von <i>Uighuristan</i> und Turkistan, <i>Mesud</i>,
+der Sohn von Jelwadsch; von den zinsbaren Fürsten <i>Rukneddin</i>,
+der Seldschuke Rum's, <i>Jaroslaw</i>, der russische Grossfürst,
+zwei Prinzen <i>David</i>, die sich um den Thron Georgiens
+stritten, der Bruder des Herrschers von Mossul, aus dem
+Hause Ejub, die beiden Gebieter von Kurdistan, <i>Schemseddin</i>
+und <i>Schihabeddin</i>, im Namen des Fürsten der Assassinen,
+die Herren von Rudbar und Alamut, <i>Fachreddin</i> der Richter
+der Richter, von Seite des Chalifen von Bagdad, der Gesandte des
+Fürsten von Fars und Kerman, und im Namen des Papstes
+Innocenz des vierten die beiden Franziskaner: der Pole Benedict
+und der Franzose Plan Carpin, deren letztem wir das treue
+Gemälde des Kurultai und tatarischer Sitte in seiner Reisebeschreibung
+verdanken. Zugleich waren vier Dominikaner
+Missionäre an <i>Baidschu Nujan</i><a name="FNanchor_105" id="FNanchor_105"></a><a href="#Footnote_105" class="fnanchor">[105]</a>, den mongolischen Befehlshaber
+in Persien, abgegangen, von denen aber nur
+<span class='pagenum'><a name="Page_56" id="Page_56">[56]</a></span>
+Simon von Saint Quentin über die Missionsreise kurzen, im
+Geschichtsspiegel des Vincenz von Beauvais erhaltenen,
+Bericht hinterlassen.</p>
+
+<div class="sidenote">Gujuk's
+Thronbesteigung.</div>
+
+<p>Durch vier Tage wechselten die Prinzen und ihr Gefolge
+den Anzug, indem sie am ersten Tage in weissen
+Kleidern, am zweiten in rothen, am dritten in violeten, am
+vierten in scharlachfarbenen erschienen; zwei Eingänge
+führten zum grossen Wahlzelte, in welchem Raum für zweitausend
+Personen; einer der Eingänge unbewacht, nur für
+den Herrscher; der andere von Bogenschützen besetzt,
+welche die, denen der Eingang nicht gestattet war, abwehrten.
+Die Thronbesteigung sollte schon am Tage der
+Himmelfahrt Mariä statthaben, ward aber ob eines fürchterlichen
+Hagels und Schneegestöbers (welches in der Hälfte
+Augusts für die Rauheit des Klima's im Gebirge von Karakorum
+zeugt und den mongolischen Volksaberglauben der
+donnerbeschwörenden Uriankuten und der hagelmachenden
+Schamanen erklärt) bis an den Bartholomäustag verschoben. <span class="xidenote">24. August 1246.</span>
+Turakina hatte für ihren Plan, den Thron ihrem ältesten
+Sohne Gujuk zuzuwenden, die Stimme Sijurkukteni's und
+ihrer Söhne gewonnen, und der Minister <i>Kaidak</i>, Chinese,
+wie <i>Tschinkai</i>, leiteten die Wahl. Gujuk, von heftigem und
+wankelmüthigem Sinne<a name="FNanchor_106" id="FNanchor_106"></a><a href="#Footnote_106" class="fnanchor">[106]</a>, verstand sich zur Annahme des
+ihm von der Mutter bestimmten Thrones nur unter der
+Bedingniss, dass die Fortdauer der Herrschaft in seinem
+Uluse beschworen werde. Der Vertrag ward mit der Formel
+unterzeichnet: &bdquo;dass, so lange vom Stamme des Kaan's ein
+Stück Fleisch übrig, an der Herrschaft kein Anderer Theil
+nehmen solle&ldquo;.<a name="FNanchor_107" id="FNanchor_107"></a><a href="#Footnote_107" class="fnanchor">[107]</a> Dem Gujuk, wiewohl noch nicht zum
+Herrscher ausgerufen, wurden schon ausschliessliche Ehren
+erwiesen; wenn er aus seinem Zelte ging, traten ihm Sänger
+vor und die Hofdiener neigten vor ihm ihre Ceremonienstäbe
+mit den rothen Quasten.<a name="FNanchor_108" id="FNanchor_108"></a><a href="#Footnote_108" class="fnanchor">[108]</a> Als man endlich mit dem
+Wahlvertrage im Reinen, hatte die Feierlichkeit der Thronbesteigung
+<span class='pagenum'><a name="Page_57" id="Page_57">[57]</a></span>
+statt. Gujuk wurde auf einen goldenen Stuhl
+gesetzt, und die Prinzen und Nujanen erklärten, dass sie
+ihn zum Herrscher wollten. Gujuk fragte: ob sie bereit,
+seinem Worte zu gehorchen, zu gehen und zu kommen nach
+seinem Befehl und zu tödten auf seinen Wink? und als sie
+dies bejaht, sagte er: So wird dann künftig sein mein Wort
+als Schwert. Sie gaben ihre Zustimmung, setzten ihn vom
+goldenen Stuhle auf eine Filzdecke auf die Erde und sagten:
+Schaue auf zu Gott im Himmel und nieder auf den Filz
+zur Erde; wenn du gut regierst, wenn du gerecht, freigebig,
+die Prinzen und Freiherren ehrst, wird dir die Erde
+unterthan sein nach deinem Willen; im Gegentheil wirst du
+arm, verachtet und elend sein und nicht einmal der Filz
+wird dein gehören, auf dem du sitzest<a name="FNanchor_109" id="FNanchor_109"></a><a href="#Footnote_109" class="fnanchor">[109]</a>. Dann setzten sie
+neben ihn seine Gemahlin Oghulkaimisch die Merkitin, hoben
+sie beide auf dem Filze empor und riefen ihn als Chakan
+und <i>Moilchan</i> und sie als grosse Frau der Mongolen aus.
+Die Mützen flogen in die Luft, die Gürtel wurden über die
+Schulter geworfen, die ganze Versammlung beugte neunmal
+das Knie, drei Becher von Stutenmilch, Wein und Meth
+wurden ihm dargebracht, und als er aus dem Zelte ging,
+fiel das versammelte Volk und Heer dreimal vor ihm nieder<a name="FNanchor_110" id="FNanchor_110"></a><a href="#Footnote_110" class="fnanchor">[110]</a>;
+sieben Tage dauerte das Fest, während welches vom Zelte
+des Chakan's Fleisch und Salz und Stutenmilch ausgetheilt
+ward<a name="FNanchor_111" id="FNanchor_111"></a><a href="#Footnote_111" class="fnanchor">[111]</a>. Die Frauen hatten ihre Sitze links des Thrones,
+auf der rechten Seite standen nur die Prinzen<a name="FNanchor_112" id="FNanchor_112"></a><a href="#Footnote_112" class="fnanchor">[112]</a>; die Nujanen
+hatten ihre Sitze inmitten des goldenen Thronzeltes;
+die der Frauen waren von weissem Filz; die Diplome wurden
+erneuert, die Jurte und Privilegien bestätigt, die Statthalterschaften
+vertheilt. Die Feldherren <i>Subutai Behadir</i> und
+<i>Dschaghan</i> wurden nach China, <i>Iltschikidai</i> mit einem
+schweren Heere nach Westen zur Schlichtung der Angelegenheiten
+Rum's und Georgien's abgeordnet, dem <i>Arghun</i>
+wurde die Reichshut wider die Schlösser der Assassinen in
+<span class='pagenum'><a name="Page_58" id="Page_58">[58]</a></span>
+Chorasan und Kuhistan aufgetragen, die Gesandten von
+Alamut und die des Chalifen wurden mit drohenden Briefen
+entlassen, indem über den Fürsten der Assassinen <i>Arghun</i>,
+der Statthalter von Chorasan, über den Chalifen sich <i>Schiramun</i>,
+der Sohn Dschurmaghun's, des vormaligen Feldherrn
+in Persien, beklagt hatten. Die Finanzverwaltung von China
+war in den Händen Abderrahman's; Mesud, der Sohn von
+Jelwadsch, behielt die Verwaltung Turkistan's; die Wesirschaft
+war zwischen den beiden Chinesen <i>Tschinkai</i> und
+<i>Kaidak</i> getheilt, unter denen die nestorianischen Priester
+hoch das Haupt empor trugen und auf deren Einfluss die
+Missionäre des Papstes die Hoffnung der Bekehrung des
+Chan's zum Christenthume bauten. Turakina starb schon
+zwei Monate nach ihres Sohnes Thronbesteigung, und ihre
+Günstlingin Fatima ward unter der Anklage, dass sie dem
+Prinzen Kulan, dem Bruder des Chan's, eine Krankheit angezaubert,
+als Zauberin ertränkt. Im Frühjahre des zweiten
+Jahres seiner Regierung ging Gujuk von Karakorum gegen
+Imil, sein Stammgebiet; die Wittwe Tuli's sandte hievon
+Batu, dem Herrscher von Kipdschak, Kunde, um ihn zu
+warnen, dass der Marsch wider ihn gerichtet sein könnte;
+auf demselben starb Gujuk im drei und vierzigsten Jahre
+als ein Opfer seiner Ausschweifungen in Trunk und Weibern.</p>
+
+<div class="sidenote">Mengku's
+Thronbesteigung.</div>
+
+<p>Der Tod Gujuk's ward nach der von Tschengischan
+herrührenden Staatsmaxime geheim gehalten, bis der Aelteste
+der Familie (dies war Batu, der Herrscher von Kipdschak)
+davon verständigt; er war auf Sijurkukteni's Warnung vom
+Marsche Gujuk's demselben entgegengezogen und bis nach
+<i>Kialik</i> gekommen, als er die Kunde des Todes erhielt. Die
+Regentin, die Frau Oghulkaimisch, sandte an ihn Botschaft
+im Namen ihrer Söhne, von denen der älteste, Chodscha
+Aghul, den Thron vermöge der Jasa und des noch bei der
+Thronbesteigung seines Vaters unterzeichneten Familienvertrags
+in Anspruch nahm; aber auch die Frau Sijurkukteni,
+Wittwe Tuli's, die Mutter vier seiner neun Söhne, nämlich:
+<i>Mengku's</i>, <i>Kubilai's</i>, <i>Hulagu's</i> und <i>Arik Buka's</i>, sandte
+Botschaft, um seine Stimme für den ältesten derselben zu
+<span class='pagenum'><a name="Page_59" id="Page_59">[59]</a></span>
+gewinnen. Sijurkukteni war die Nichte Owangchan's, eine
+Frau von ausserordentlichem Geiste und Verstande, unstreitig
+die grösste aller Frauen, von denen die mongolische
+Geschichte ein Paar Hundert, in die der Herrscher
+verflochten, erwähnt. Hochangesehen durch ihre Geburt
+als die Nichte des grossen Herrschers der Kerait aus seinem
+Bruder Hakembo, war sie es noch mehr durch die Verschwägerung
+mittels ihrer drei Schwestern, von denen
+<i>Begtutmisch</i> eine der vier grossen Frauen Dschudschi's und
+also die Stiefmutter Batu's, und vermöge der mongolischen
+Sitte, nach welcher die Söhne nach des Vaters Tod die
+Stiefmütter zu Gemahlinnen nahmen, eine der Frauen Batu's
+oder doch wenigstens von grossem Einflusse in seinem Frauengemach;
+ausser diesen Vortheilen ihrer Geburt und Verschwägerung
+genoss sie des höchsten Ansehens als die grosse
+Frau Tuli's, des Herdhüters des Hauses Tschengischan's, als
+die Mutter seiner vier obgenannten Söhne und als eine Frau
+von grosser Staatsklugheit. Durch diese hatte sie immer
+den Herrscher Batu sich und ihren Söhnen günstig zu erhalten
+gewusst; als Batu den kranken Fuss vorgeschützt,
+um sich der Gegenwart beim Kurultai der Thronbesteigung
+Gujuk's zu entheben, hatte sie ihre Söhne an ihn gesandt,
+um sich nach seiner Gesundheit an erkundigen; als Gujuk
+gegen die Gränze marschirte, hatte sie ihm die früheste
+Kunde und Warnung gegeben, und fand ihn also ihren
+Wünschen geneigt; ausserdem hatte sie als grosse Menschenkennerin
+die durch Talente oder Heldenmuth ausgezeichnetsten
+Männer der verschiedenen Stämme als Erzieher oder
+Umgebungen ihrer Söhne an sich zu ziehen gewusst und
+sich mit dem Bollwerke ihres Kopfs und Arms umgeben.<a name="FNanchor_113" id="FNanchor_113"></a><a href="#Footnote_113" class="fnanchor">[113]</a>
+Die zahlreichsten Prinzen auf diesem Kurultai waren die der
+Uluse Dschudschi und Tuli. <i>Iltschikidai</i> der Dschelaire, der
+Befehlshaber in Persien, brachte den versammelten Prinzen
+den bei der Thronbesteigung Gujuk's unterschriebenen Familienvertrag
+in Erinnerung: dass, so lang ein Stück Fleisch
+<span class='pagenum'><a name="Page_60" id="Page_60">[60]</a></span>
+von seinem Hause übrig wäre, sie aus keinem anderen den
+Herrscher wählen würden. Ihr habt, entgegnete Kubilai,
+zuerst die Jasa Tschengischan's gebrochen, indem ihr seine
+Tochter <i>Atalun</i> (die Gemahlin Dschawer Satschan's des
+Olkoniten) getödtet, indem ihr die durch Ogotai's letzten
+Willen seinem Enkel <i>Schiramun</i> bestimmte Thronfolge dem
+Gujuk zugewendet. Diese Einwendung unterstützte das Ansehen
+Batu's und der Oberrichter<a name="FNanchor_114" id="FNanchor_114"></a><a href="#Footnote_114" class="fnanchor">[114]</a> Mingkasar Nujan, welcher
+den Heldenmuth Mengku's, des ältesten Sohnes Tuli's, und
+die von ihm in dem chinesischen Feldzuge noch unter dem
+Grossvater Tschengischan und dann im siebenjährigen westlichen
+Kriege wider Europa geleisteten grossen Dienste
+anpries. Die Prinzen trugen den Thron Batu als dem
+Aeltesten des Hauses an; da dieser denselben aber ausschlug,
+übertrugen sie ihm die Ernennung des Herrschers,
+und Batu ernannte dazu Mengku, den ältesten Sohn Tuli's.
+Mengku entschuldigte sich, aber sein Bruder <i>Muke</i> bemerkte,
+dass, da Alle versprochen, sich dem Ausspruche
+Batu's zu fügen, so sei hier Unterwerfung auch für Mengku
+Pflicht; demnach ward ihm als künftigem Herrscher gehuldigt
+und Batu selbst brachte ihm den Becher dar; zugleich
+ward ausgemacht, dass, da die Versammlung nicht vollständig,
+nächsten Frühling im Stammgebiete Keluran auf
+vollzähligem Kurultai die Thronbesteigung gefeiert werden,
+unterdessen die Frau Oghulkaimisch die Regentschaft führen
+solle. Die Söhne Gujuk's ziehen ihren Stellvertreter, der
+hiezu beigestimmt, überschrittener Vollmacht, die Prinzen
+des Uluses Dschagatai und Ogotai weigerten sich, auf dem
+Kurultai zu erscheinen; da sandte Batu seine beiden Brüder,
+Berke und Tokatimur, mit zahlreichem Heere, um den
+Mengku trotz ihrer Abwesenheit als Kaan auszurufen. Drei
+Jahre nach dem Tode Gujuk's wurde Mengku unter den
+gewöhnlichen Feierlichkeiten als Kaan und Moilkan ausgerufen. <span class="xidenote">1. Juli 1251.</span>
+Es wurde ein Regierungsbefehl erlassen, vermöge
+dessen befohlen ward, nicht nur der Menschen, sondern
+<span class='pagenum'><a name="Page_61" id="Page_61">[61]</a></span>
+auch der Lastthiere zu schonen, verboten, die Thiere, deren
+Fleisch gegessen, anders als nach mongolischer Sitte zu
+erwürgen, die Reinheit des Wassers zu trüben. Sieben Tage
+dauerte das Krönungsfest, an deren jedem neues Kleid von
+anderen Farben angezogen, täglich das Fleisch von hundert
+Pferden und Ochsen, fünftausend Schafen verzehrt, die
+Ladung von zweitausend Wägen Weins und Kumis ausgetrunken
+ward.</p>
+
+<div class="sidenote">Hinrichtungen
+der
+Prinzen;
+Feldzug
+gegen Osten
+und Westen.</div>
+
+<p>Während der Feste kam ein Soldat der Leibwache<a name="FNanchor_115" id="FNanchor_115"></a><a href="#Footnote_115" class="fnanchor">[115]</a>,
+welcher sein Maulthier verloren, dasselbe zu suchen ausgegangen,
+in grösster Eile (er hatte in Einem Tage den
+Marsch von dreien durchmessen) mit der Kunde, dass die
+Prinzen des Uluses Ogotai, Schiramun, Baghu und Kutuktu
+mit versteckten Waffen, die sie in bedeckten Wägen mit
+sich führten, im Anzuge. Mingkasar ging ihnen mit Truppen
+entgegen, überfiel sie und führte sie ins Lager mit sich;
+hier brachten sie nach mongolischer Sitte ihre Geschenke,
+neun verschiedene Dinge und von jedem neun Stücke, dar;
+aber am dritten Tage wurden sie beim Eintritt in's Zelt
+verhaftet und von Mengku selbst verhört. Der Hofmeister
+Schiramun's gestand, geprügelt, den Auftrag, und Mengku
+übertrug nun das Gericht über die Schuldigen dem Mingkasar;
+dieser sprach über dieselben nach der Jasa die Todesstrafe
+aus. Siebzig Prinzen und Nujanen wurden hingerichtet,
+unter den letzten zwei Söhne Iltschikidai's, des Feldherrn
+in Persien, deren Vater zu Badgis verhaftet, zu Batu geführt,
+von diesem hingerichtet ward. Die Todesart der
+Nujanen war, dass man ihnen den Mund mit Steinen füllte
+und sie so erstickte; die der Prinzen, dass man sie in
+seidene Tapeten einwickelte und darin zu Tode rollte<a name="FNanchor_116" id="FNanchor_116"></a><a href="#Footnote_116" class="fnanchor">[116]</a>.
+Katakasch, die Mutter Schiramun's, die Nichte Altschi Nujan's,
+sandte Bitte an Sijurkukteni, die Schuld ihres Sohnes bekennend
+und für denselben um Verzeihung flehend; auf die
+Fürbitte der Mutter schenkte Mengku den Aghlanen, d. i.
+den Prinzen Schiramun, Chodscha Aghul, Baghu aus dem
+<span class='pagenum'><a name="Page_62" id="Page_62">[62]</a></span>
+Uluse Ogotai, Jesenbuke aus dem Uluse Dschagatai, das
+Leben, indem er sie nach China sandte, dem Chodscha
+Aghul aber, welchem die Thronfolge gebührt hätte, einen
+Jurt an der Selenga anwies<a name="FNanchor_117" id="FNanchor_117"></a><a href="#Footnote_117" class="fnanchor">[117]</a>; auch den beiden grossen
+Söhnen Ogotai's, <i>Timur</i> und <i>Melik</i>, und denen Kutan's wurde
+das Leben geschenkt, aber in der Folge, als Mengku selbst
+nach China zog, wurde der Prinz Schiramun ertränkt. Seine
+Mutter Katakasch und Oghulkaimisch, die Wittwe Gujuk's,
+wurden das Jahr hierauf vor das Gericht Mingkasar's gestellt,
+beide als überwiesen, dass sie die Söhne zur Widerspenstigkeit
+bei dem Kurultai der Thronbesteigung aufgehetzt,
+zum Tode verurtheilt und in Filz eingewickelt ersäuft.
+Kaidak und Tschinkai, die beiden Räthe der Oghulkaimisch,
+wurden hingerichtet. Buri, der Enkel Dschagatai's, wurde
+an Batu ausgeliefert, der ihn um einige Schimpfreden, die
+er wider ihn ausgestossen, tödten liess. So waren ausser
+siebzig Nujanen die Kaiserin Oghulkaimisch und die Mutter
+Schiramun's, welcher von Ogotai zur Thronfolge bestimmt
+worden war, als Opfer der Herrschaft des Uluses Tuli's
+gefallen. Der Idikut, d. i. Fürst, der Uighuren, welchem
+Turakina die Herrschaft über das Land verliehen, wurde,
+von einem Moslim eines Mordplans wider alle Moslimen in
+seinem Lande angeklagt, vor das Gericht des unerbittlichen
+Mingkasar gestellt; von diesem auf die Folter gelegt, bekannte
+er sich schuldig, wurde zur Todesstrafe verurtheilt
+und nach Pischbaligh gesandt, um dieselbe zu erleiden; an
+einem Freitage, als die Moslimen in die Moschee gingen,
+wurde er zu ihrer grossen Freude geköpft; die Stelle des
+Scharfrichters vertrat sein eigener Bruder, welchem Mengku
+die Herrschaft des Landes der Uighuren verlieh. Berke
+Aghul und Buka Timur, die beiden Söhne Batu's, wurden
+mit Ehren nach Kipdschak, so auch Kara Hulagu, der
+Enkel Dschagatai's, aus dessen vor Bamian's Mauern gefallenem
+Sohne <i>Muwatukan</i>, mit der Oberherrschaft seines
+Uluses entlassen; Mohammed Jelwadsch, welcher, als Mengku
+<span class='pagenum'><a name="Page_63" id="Page_63">[63]</a></span>
+einen Augenblick über die Strafe der schuldigen Prinzen
+unschlüssig, denselben nach der aus der römischen Geschichte
+bekannten Anekdote, der vom Vater Tarquinius als Antwort
+auf des Sohnes anfragende Botschaft stillschweigend abgehauenen
+höheren Pflanzen, zur Todesstrafe bestimmt hatte,
+ward wieder die Finanzverwaltung von China, und seinem
+Sohne Mesud die Statthalterschaft über die Länder zwischen
+dem Oxus und Irtisch anvertraut, dem Aghun die Statthalterschaft
+über ganz Persien, von Chorasan bis nach
+Armenien und an die syrische Gränze bestätiget. Mingkasar
+war der Oberrichter, der Christ Bulghai stand an der Spitze
+der Staatskanzlei, in welcher Sekretäre für die Ausfertigungen
+in sieben Sprachen: Perser, Uighuren, Araber,
+Chinesen, Tibeter, Mandschu und Tanguten angestellt waren.
+Kuikur, der Sohn Dchudschi Kasar's, des Bruders Tschengischan's,
+erhielt die Befehlshaberschaft der Residenz Karakorum;
+Befehle wurden erlassen, um dem Misbrauche der
+von Ogotai eingesetzten Posten <i>Jam</i><a name="FNanchor_118" id="FNanchor_118"></a><a href="#Footnote_118" class="fnanchor">[118]</a> zu steuern, indem
+die Kuriere und Gesandten den Bauern die Pferde wegnahmen;
+die Abgabe <i>Kuntschur</i> von den Herden wurde auf
+Eines vom Hundert bestimmt; die Herde, die nicht Hundert
+zählte, war davon frei. In Persien wurde nach dem Fusse
+der von Jelwadsch in Transoxana eingeführten Besteuerung
+der Kopfsteuer, je nach dem Vermögen von Einem bis
+zehn<a name="FNanchor_119" id="FNanchor_119"></a><a href="#Footnote_119" class="fnanchor">[119]</a>, in China von Einem bis fünfzehn Dukaten festgesetzt.
+Forderungen von Kaufleuten, welche für die unter
+Gujuk gelieferten Waaren keine Bezahlung erhalten hatten,
+wurden mit fünfzigtausend Silberbalischen befriedigt<a name="FNanchor_120" id="FNanchor_120"></a><a href="#Footnote_120" class="fnanchor">[120]</a>; hingegen
+zog er alle Ländereien ein, deren sich nach dem
+Tode Gujuk's seine Wittwe Oghulkaimisch und ihre Söhne Chodscha
+und Baghu bemächtigt hatten, welche siebzehntausend
+Balische Gold eintrugen<a name="FNanchor_121" id="FNanchor_121"></a><a href="#Footnote_121" class="fnanchor">[121]</a>. Der Bruder Kubilai wurde mit
+einem Heere nach China befehligt, und bei dem Aufbruche
+desselben hielt der Kaan ein Kurultai, von Festen aller Art
+<span class='pagenum'><a name="Page_64" id="Page_64">[64]</a></span>
+begleitet; auf diesem erschienen der Richter Schemseddin
+von Kaswin, welcher wider die ihn aufsuchenden Dolche
+der Assassinen zum Throne des Kaans flüchtete, und Abgeordnete
+Baidschu Nujan's, des Befehlshabers in Irak, welcher
+sich über den Chalifen von Bagdad beklagte. Da beschloss
+Mengku den Krieg wider die Assassinen und den Chalifen
+und übertrug die Führung desselben seinem Bruder Hulagu.
+Da einige Geschichtschreiber den Anfang der Herrschaft
+der Mongolen in Persien von diesem Jahre an rechnen,
+wiewohl Hulagu erst drei Jahre später dort als Eroberer
+einzog, so wird auch das folgende Buch am bessten mit
+dem Feldzuge, dessen angekündigter Zweck die Zerstörung
+der Herrschaft der Assassinen und des Chalifats, beginnen,
+aber zuvor thut noch zur Orientirung des Lesers vonnöthen
+ein Ueberblick der damals, das ist in der Hälfte des dreizehnten
+Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung, in
+Asien dem Reiche der Mongolen gleichzeitigen asiatischen
+Dynastien.</p>
+
+<div class="sidenote">Dynastien
+im Osten
+Asiens.</div>
+
+<p>China, dessen nördliche Hälfte unter Mengukaan, dessen
+südliche unter Kubilai zu dauerndem Besitze und zur Gründung
+der Dynastie <i>Juan</i>, d. i. der Mongolen, erobert worden,
+liegt hier eben so, wie das indische Reich von Dehli, dessen
+grosse Stadt <i>Lahur</i> noch unter Gujuk's Regierung von den
+Mongolen belagert und für kurze Zeit erobert worden
+war<a name="FNanchor_122" id="FNanchor_122"></a><a href="#Footnote_122" class="fnanchor">[122]</a>, ausser dem Bereiche dieses Ueberblicks, welcher blos
+die unmittelbar mit der mongolischen Dynastie in Persien
+bei der Eroberung desselben oder später verflochtenen
+asiatischen Reiche und Dynastien ins Auge nimmt. Wir
+wenden den Blick nach sechs Seiten, so dass derselbe Persien
+selbst und seine Gränzländer in Osten, Westen, Süden,
+Norden, sammt dem äussersten des westlichen Asiens, bis
+wohin sich das Reich und die Macht der Ilchane erstreckte,
+in sich begreift. Im Osten zuerst nach dem <i>indischen</i> Gränzreiche,
+nach <i>Chorasan</i>, d. i. dem Ostlande, dem persischen
+Oesterreich und dem daran stossenden <i>Kuhistan</i>; im Süden
+<span class='pagenum'><a name="Page_65" id="Page_65">[65]</a></span>
+gegen <i>Kerman</i> und <i>Jesd</i>, dann nach Persien im engsten
+Sinne, nach <i>Fars</i>, dem persischen <i>Irak</i> und den beiden dazu
+gehörigen <i>Luristan</i>; im Westen nach dem <i>arabischen Irak</i>,
+dem Sitze des Chalifats, und nach dem Reiche der Seldschuken
+in <i>Rum</i>; im Norden nach <i>Gilan</i>, <i>Georgien</i> und <i>Armenien</i>;
+endlich nach dem entfernten <i>Syrien</i> und <i>Aegypten</i> und
+dem <i>byzantinischen</i> Reiche:</p>
+
+<p>I. An der indischen Gränze, von deren Deckung gleich
+beim ersten Feldzuge Hulagu's die Rede sein wird, herrschte
+die in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts gegründete
+Dynastie der <i>Chuldschen</i>, d. i. die fünfte der <i>Ghur</i>,
+nachdem die drei früheren dieses Namens zu <i>Ghasna</i>, <i>Bamian</i>
+und <i>Kabul</i> erloschen, während die vierte, nämlich die der
+<i>Ulugschahe</i>, mit ihnen gleichzeitig zu Dehli herrschte. Die
+Benennung der zweiten tatarischen Dynastie, unter welcher
+<i>Ferischte</i>, der grosse Geschichtschreiber der moslimischen
+Reiche in Indien, die Chuldschen aufführt, könnte gelten,
+wenn es wahr wäre, dass sie von einem Eidam Tschengischan's,
+Namens <i>Choldsch</i>, abstammen; aber keiner der
+Eidame Tschengischan's trägt diesen Namen und keine derselben
+waren <i>Choldsche</i> oder <i>Challadsche</i> (das indische
+Choldsch ist blos eine Verstümmelung des Namens der
+<i>Challadsch</i> oder <i>Kaladsch</i>), welche, wiewohl Türken von
+Abkunft, von Reschideddin den uneigentlichen Mongolen beigesellt
+werden. In der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts
+herrschte aus dieser Dynastie <i>Dschelaleddin Firus</i>, welcher
+sich der Stadt Dehli bemächtigte, und dessen vier glänzende
+Siege der grosse persische Dichter Chosrew von Dehli, in
+einem besonderen: <i>die Eroberung der Eroberungen</i><a name="FNanchor_123" id="FNanchor_123"></a><a href="#Footnote_123" class="fnanchor">[123]</a> betitelten
+Werke beschrieben, und dessen Sohne <i>Alaeddin</i> ein
+anderes seiner Werke, nämlich <i>die Vereinigung der beiden
+glücklichen Gestirne</i><a name="FNanchor_124" id="FNanchor_124"></a><a href="#Footnote_124" class="fnanchor">[124]</a>, gewidmet. Chosrew von Dehli war
+der Lobredner Dschelaleddin's und Alaeddin's, der beiden
+grossen Herrscher der Chuldschen, wie ein halbes Jahrhundert
+<span class='pagenum'><a name="Page_66" id="Page_66">[66]</a></span>
+später <i>Wassaf</i>, der Lobredner der beiden Herrscher
+der Ilchane, <i>Chodabende</i> und <i>Ebu Said</i>. II. In <i>Chorasan</i>
+war erst vor einigen Jahren zu Herat die Dynastie der <i>Kert</i> durch
+Schemseddin Mohammed gegründet worden, welchem Tschengischan
+bei der Eroberung Herats den Besitz desselben eingeräumt,
+Mengku, welchem er mit reichen Geschenken seine
+Huldigung darbrachte, die Herrschaft von Herat und Ghardschistan
+bestätigte. In dem unmittelbar an Herat anstossenden
+und längs der südlichen Gränze von Chorasan sich
+hinziehenden Kuhistan, das ist dem Gebirgslande, sandten:
+III. die Assassinen von ihren hundert Schlössern den Meuchelmord
+wider alle ihre Feinde aus. Der siebente Grossmeister
+dieser Meuchelmörder, <i>Alaeddin Mohammed Gurschah</i>, sass
+seit zwanzig Jahren als Alter vom Berge auf dem Stuhle,
+auf welchen den neunjährigen Knaben die nächsten Verwandten,
+welche den Vater vergiftet, gesetzt und dem er, vom
+eigenen Sohne gemordet, entsank.</p>
+
+<div class="sidenote">Dynastien
+im Süden
+Persiens.</div>
+
+<p>IV. <i>Kerman</i>, die südliche Landschaft Persiens, kam
+nach dem Untergange der Herrschaft der Bujiden in die
+Macht der Seldschuken, von deren fünfgetheilten Herrschergeschlechte
+ein Zweig den Namen von Kerman führt, und
+blieb im Besitze der Söhne Kaurdin's bis zur Regierung
+Dscheladdin Chuaresmschahs, zu dessen Zeit der Kämmerer
+<i>Borrak</i>, zum Islam bekehrt, vom Chalifen mit der Herrschaft
+dieses Landes belehnet und mit dem Ehrentitel <i>Kotlogh
+Sultan</i>, d. i. der gute Sultan, ausgezeichnet ward. Kotlogh
+Sultan war mit dem Atabegen von Jesd Ghajaseddin in vielfältige
+und langwierige Streitigkeiten verwickelt, welche in
+der <i>welteröffnenden Geschichte</i> Dschuweini's erzählet sind.
+Der Sohn Kotlogh Sultan's <i>Rukneddin</i> erhielt trotz der Empörung
+Kutbeddin's, des Neffen Borrak's, vom ersten Nachfolger
+Tschengischan's von Ogotai die Belehnung von Kerman,
+Kutbeddin gewann aber mächtigen Schutz am Hofe des Kaan,
+indem er seine Schwester dem Kasar Beke und eine Tochter dem
+Ssahib Habesch Amid vermählte; zwei Söhne aus dieser Ehe
+waren in der Folge die Stützen des Throns von Kerman wider
+Kutbeddin, welcher von Ogotai nach China gesandt, durch
+<span class='pagenum'><a name="Page_67" id="Page_67">[67]</a></span>
+den Schutz des Grosswesirs Jelwadsch von Mengkutaan das
+Diplom der Herrschaft Kerman's erhielt. Kutbeddin schickte
+mit der Botschaft der Belehnung einen Gesandten an Rukneddin, <span class="xidenote">650/<br />1252</span>
+der, als er beim Atabegen von Fars Mosaffereddin
+Ebubekr vergebens Hilfe gesucht und auch beim Chalifen
+Mosteaassim keine gefunden hatte, sich im folgenden Jahre
+nach Almaligh zum Kaan Mengku begab, wo auch der Nebenbuhler
+um den Thron Kutbeddin mit ihm zugleich eingetroffen.
+Diesem bestätigte Mengku, und später auch Hulagu
+die Herrschaft, die er bis zu seinem, ein Paar Jahre später
+erfolgten Tode behielt. <span class="xidenote">658/<br />1258</span> Fast noch weniger als die Geschichte
+der Sultane Kermans aus der Familie Borrak ist die der
+Atabegen von Jesd aus der Familie Kakuje bisher europäischen
+Geschichtschreibern bekannt. V. Die Atabege von Jesd
+leiten ihren Ursprung vom Dilemiten <i>Ebu Dschaafer Mohammed
+Kakuje</i> ab, dessen Namen die Araber in <i>Kakeweih</i>,
+so wie den der <i>Buje</i> in <i>Boweih</i>, und den der <i>Fasluje</i> in
+<i>Fasleweih</i> verstümmeln; er war der Oheim <i>Side Chatun's</i>,
+der Mutter Medschdeddewlets des Bujiden und Statthalters
+von Issfahan; sein Sohn <i>Ebu Manssur Firamurs</i> hatte vom
+Seldschuken Toghrul vor einem Jahrhunderte die Herrschaft
+von Jesd erhalten; <span class="xidenote">443/<br />1052</span> ihm war in derselben sein Sohn <i>Emir
+Ali Ben Firamurs</i> gefolgt, <span class="xidenote">536/<br />1142</span> welcher im Kriege wider die
+Karachitanen fiel. Sultan Sindschar, der grosse Herrscher
+der persischen Seldschuken, verlieh die Herrschaft von Jesd
+dem <i>Sam Ben Wirdan</i>, <span class="xidenote">515/<br />1122</span> einem Abkömmlinge aus einer Tochter
+Emir Ali's, als Stellvertreter desselben. Sam Ben Wirdan umfing
+das Grab Ali's zu Meschhed mit einer Mauer und verherrlichte
+Jesd durch den Bau einer grossen Moschee. Er überliess
+die Herrschaft seinem Bruder <i>Iseddin Beschker</i>, <span class="xidenote">590/<br />1194</span> welcher,
+ein tapferer Fürst und Feldherr, von den Seldschuken mit
+der Statthalterschaft von Schiras und Issfahan betraut worden,
+zu Anfang des Jahrhunderts starb; <span class="xidenote">604/<br />1208</span> ihm folgte sein
+Bruder <i>Wirdansor</i> durch zwölf Jahre, und dann dessen
+Bruder <i>Ebu Manssur</i>, beigenannt Kutbeddin der Choldsche, <span class="xidenote">gest. 616/<br />1219</span>
+nach ihm dessen Sohn <i>Mahmud</i> durch dreizehn Jahre, und
+nach diesem dessen Sohn <i>Salghurschah</i>, <span class="xidenote">621/<br />1231</span> der Erbauer der nach
+<span class='pagenum'><a name="Page_68" id="Page_68">[68]</a></span>
+ihm genannten Stadt <i>Salghurabad</i>, und dann dessen Sohn
+<i>Toghanschah</i>, der neunte der Herrscher der Familie Kakuje,
+der Zeitgenosse Hulagu's<a name="FNanchor_125" id="FNanchor_125"></a><a href="#Footnote_125" class="fnanchor">[125]</a>, welcher das Dasein dieser Herrscherfamilie
+duldete, bis nach zwei späteren Herrschern
+(Alaeddewlet und dessen Bruder <i>Jusufschah</i>), zu Ende des
+dreizehnten Jahrhunderts, Jesd von Ghasan erobert und
+dessen Ertrag den Einkünften des Diwans einverleibt ward.</p>
+
+<div class="sidenote">Die
+Dynastien
+in Fars.</div>
+
+<p>In Persien herrschten ausser den Atabegen von Jesd
+noch die von Schiras, insgemein bekannt unter dem Namen
+der Salghuren, und zu Darabscherd, einer Landschaft von
+Fars, die Dynastie Schebankjare<a name="FNanchor_126" id="FNanchor_126"></a><a href="#Footnote_126" class="fnanchor">[126]</a> aus der Familie <i>Fasluje</i>.
+VI. Die Vorfahren <i>Fasl Ben Emir Fasluje's</i> waren ursprünglich
+die Ispehbede, d. i. die Heerführer von Fars; schon
+zur Zeit Omar's, als Jesdedschird, der letzte Chosroes der
+Sasan, vor den arabischen Heeren nach Issfahan flüchtete,
+versammelten sich um ihn die Grossen der Schebankjare,
+welche mit den Einwohnern der Ebne Run bei Darabscherd
+einen Bund des Friedens aufrichteten, während Jesdedschird
+nach Kerman ging. Ali Ben Fasluje war die rechte Hand
+Horbeid's, des Schwagers Jesdedschird's, und sein Nachkömmling
+zur Zeit Alp Arslan's des Seldschuken, der obengenannte
+Emir Fasl Ben Fasluje's, insgemein <i>Fasluje Ben
+Hasuje</i> genannt, Isfehsalar d. i. General der Reiterei. Unter
+der Regierung Adhadeddewlet's des grossen Fürsten der Ben
+Buje überzog dessen Statthalter zu Schiras, <i>Tasch Ferrasch
+Schebankjare</i>, das Land mit einem Heere, <span class="xidenote">430/<br />1038</span> und zu dieser
+Zeit siedelte sich die Familie Fasluje in der Ebene von Run,
+in der Nähe der Stadt Darabscherd, an; fünfzehn Jahre
+später bemächtigten sie sich des Gebietes von Fars, zu dessen
+Verwaltung Emir Schebankjare Fasluje angestellt worden.
+Kaurdin, der Bruder Alparslan's, des Seldschuken von Kerman,
+verheerte Fars, Fasluje flüchtete zu Alparslan, und
+pachtete von ihm Fars und Darabscherd für siebenundzwanzig
+<span class='pagenum'><a name="Page_69" id="Page_69">[69]</a></span>
+Millionen Dirhem; da er sich wider seinen Lehensherrn
+empörte, überzog ihn Nisameddin, der grosse Grosswesir
+Melekschah's, mit Krieg, und der Atabege Dschelaleddin
+Dschanli der <i>Chuansalar</i>, d. i. Obersttruchsess, schlug sich
+mit dem Erbauer der Residenz zu Darabscherd, dessen
+langer Namen <i>Nisameddin Mahmud Ben Jahja Ben Hasuje</i>.
+Dschanli starb während des Feldzugs an einem Blutflusse;
+ihm folgte sein Sohn <i>Mobariseddin</i>, dann dessen Sohn <i>Nisameddin II.</i>,
+dann der Bruder <i>Mosaffer Mohammed</i>, <span class="xidenote">624/<br />1227</span> welcher,
+ein weiser und gerechter Fürst, seit vierzehn Jahren herrschte,
+als Hulagu gegen den Westen aufbrach. Von allen Dynastien,
+welche zur Zeit Hulagu's in Persien herrschten, ist keine
+merkwürdiger als die VII. der Atabegen Salghuren, deren
+Geschichte die Hälfte des zweiten Buchs von der Wassaf's
+füllt, und die er mit besonderer Vorliebe und Ausführlichkeit
+behandelt, weil Fars das Stammland Persiens und
+Schiras seine Geburtsstadt; auch wir werden in der Folge
+die Geschichte derselben ausführlicher als die aller übrigen
+Dynastien erzählen, weil die Regierung der fünf ersten
+Fürsten, welche alle den Vornamen <i>Mosaffereddin</i>, d. i. <i>die
+mit dem Siege der Religion Betheilten</i>, führten, eine schöne
+Zeit des Flores der Herrschaft und der Wissenschaft, des
+Lebensgenusses und der Poesie, und weil der Namen des
+letzten <i>Ebubekr Ben Saad's</i> schon durch <i>Saadi's Gülistan</i>
+allein unsterblich. Hier genüge es zu sagen, dass von dem
+Ende der Herrschaft der Dilemiten bis zu dem Auftritte des
+ersten Salghuren <i>Sonkar Ben Mewdud</i> in der Hälfte des
+sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des zwölften der
+christlichen Zeitrechnung, Fars durch sieben Atabege, Statthalter
+der Seldschuken, verwaltet worden. Der erste <i>Fasluje
+Schebankjare</i>, dessen schon oben bei der Dynastie dieses
+Namens Erwähnung geschehen, und von dem die Dichter,
+auf dessen Namen <i>Fasl</i>, d. i. Trefflichkeit, Verdienst, Wohlthat
+und Huld anspielend, gesagt:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Vor Gott, dem Allverehrten, war er Huld und Glück,<br /></span>
+<span class="i0">Den Uebermuth des Aufruhrs hielt <i>Faslui</i> zurück.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_70" id="Page_70">[70]</a></span></p>
+<p>Der zweite <i>Rokneddewlet</i>, d. i. die Reichssäule <i>Chumar Tegin</i>,
+ertrank; der dritte <i>Dschelaleddin Dschanli</i> verheerte das
+Gebiet der Dynastie Schebankjare; der vierte <i>Karadschu</i>
+baute eine Medrese zu Schiras und ward zu Hamadan erschlagen;
+der fünfte <i>Mengubers</i> baute eine Medrese, an der
+er begraben liegt, dessgleichen seine Gemahlin <i>Sahide</i> die
+Medrese <i>Issmeti</i> zu Schiras; der sechste <i>Bosabe</i> ward, wiewohl
+ein gerechter und billiger Herr, gewaltsam getödtet, <span class="xidenote">543/<br />1148</span>
+und der siebente <i>Melekschah</i> hielt der letzte das Ansehen
+der Seldschuken aufrecht, welchem <i>Sonkar Ben Mewdud</i>,
+der Gründer der Dynastie der Salghuren, ein Ende machte,
+indem er sich zum Atabegen unabhängigen Herrscher, aufwarf.</p>
+
+<div class="sidenote">Die
+Dynastien
+von Gross- und
+Klein-Luristan.</div>
+
+<p>Mit der Familie Fasluje's, welche zu Schebankjare
+herrschte, sind die sogenannten <i>grossen Fasluje</i> nicht zu
+vermengen, welche in Gross-Luristan unter dem Namen der
+grossen Atabege, so wie die Familie Chorschid in Klein-Luristan
+unter dem Namen der kleinen Atabege herrschten.
+Die beiden Provinzen haben ihren Namen von zwei Brüdern,
+<i>Lor</i> oder <i>Lur</i>, welche dort Statthalter im dritten Jahrhunderte
+der Hidschret, später über die Stämme herrschten,
+welche um's Jahr fünfhundert der Hidschret vom Berge Saumal
+im nördlichen Syrien in dieses südöstliche Gebirgsland Persiens
+eingewandert, sich unter Anführung Chorschid's in
+Klein-Luristan niederliessen; von ihrer westlichen Abstammung
+heissen sie die Könige des Westens<a name="FNanchor_127" id="FNanchor_127"></a><a href="#Footnote_127" class="fnanchor">[127]</a>. VIII. In Gross-Luristan
+dienten die Anführer dieser ausgewanderten Stämme
+<i>Ali</i> und dessen Sohn <i>Mohammed</i> den Atabegen Salghuren,
+und <i>Abu Tahir</i>, der Sohn Mohammed's, stand dem Atabegen
+Sonkar wider die Schebankjare bei. Sonkar, der Salghure,
+sagte zum Abu Tahir: er möge sich eine Gnade erbitten;
+Abu Tahir begehrte erst den Pfeil, dann das Pferd des
+Atabegen, und als ihn dieser noch mehr begehren hiess, die
+Erlaubniss, Luristan von den Feinden der Atabege zu reinigen;
+er eroberte es, erklärte aber sich selbst zum unabhängigen
+Fürsten und Atabegen. <span class="xidenote">550/<br />1155</span> Bei dieser Gelegenheit siedelten
+<span class='pagenum'><a name="Page_71" id="Page_71">[71]</a></span>
+sich zahlreiche Stämme aus Syrien in Luristan an, und
+vertrieben die <i>Scholen</i> oder <i>Schulen</i>, welche die Ureinwohner
+des Landes. Abu Tahir hatte fünf Söhne, deren
+ältester <i>Hesarsif</i> in beständigem Kriege mit <i>Tikle</i> dem
+Atabegen Salghuren von Fars. Hesarsif verheerte das Gebiet
+der Salghuren, und unterwarf sich das Land bis auf
+vier Farasangen von Issfahan. Hesarsif erhielt für seinen
+Sohn Tikle, welcher denselben Namen trug wie der Atabege
+Salghure von Fars, weil er von mütterlicher Seite ein Enkel
+desselben, ein Herrscherdiplom vom Chalifen Nassir; der
+Salghure Saad sandte Heere wider Tikle, welcher dieselben
+schlug, und auch wider Hosameddin Chalil, den Neffen
+Schudschaaeddin's von Klein-Luristan, siegreich Krieg führte;
+endlich kamen aus Chusistan zwei Feldherren des Chalifen,
+welche den Bruder Tikle's gefangen nahmen. Tikle tödtete
+den einen, nahm den anderen gefangen und löste denselben
+für den Bruder aus. Tikle war der Beherrscher Gross-Luristan's,
+als Hulagu wider Bagdad zog. Zur selben Zeit
+herrschte in Klein-Luristan der kleine Atabege Bedreddin
+Mesud, welcher sich dem Dienste der Mongolen stellte.
+IX. Die Dynastie der kleinen Atabege in Klein-Luristan
+begann ein halbes Jahrhundert später als die der Atabege
+von Gross-Luristan. <i>Schudschaaeddin Chorschid</i>, d. i. <i>der
+Tapfere der Religion, die Sonne</i>, eroberte das Land, nahm,
+der erste, den Titel <i>Atabeg</i> an, und starb nach vierzigjähriger
+Regierung über hundert Jahre alt; <span class="xidenote">580/<br />1184</span> ihm folgte sein
+Neffe <i>Rustem</i>, ein gerechter aber strenger Fürst, den sein
+Bruder <i>Scherefeddin Ebubekr</i> ermordete; dieser wurde von
+seinem Weibe vergiftet; sein Bruder <i>Iseddin Kerschasif</i>
+nahm den Thron ein und die Frau <i>Melike</i>, seines Bruders
+Gemahlin, die Tochter Schihabeddin Suleimanschah's, zur
+Frau; in langwierigen Krieg mit Hosameddin Chalil, dem
+Neffen Schudschaaeddin's, verwickelt, schloss er mit demselben
+Frieden, ward aber von ihm erschlagen. <span class="xidenote">640/<br />1242</span> Die Wittwe
+Melike Chatun sandte ihre drei Söhne (<i>Schudschaaeddin
+Chorschid</i>, <i>Ssafeddin Rustem</i> und <i>Nureddin Mohammed</i>) zu
+ihrem Bruder <i>Suleimanschah</i>, der mit Hosameddin den Krieg
+<span class='pagenum'><a name="Page_72" id="Page_72">[72]</a></span>
+so erbittert führte, dass sie sich in Einem Monate ein und
+dreissigmal schlugen; nach einigen Jahren kam es in der
+Ebene von Schabur zu einer entscheidenden Schlacht, in
+welcher Suleimanschah von sechzigtausend Reitern des Chalifen
+unterstützt ward, während das Heer Hosameddin's nur
+aus dreitausend Reitern und neuntausend Fussgängern bestand;
+dennoch wurde Suleiman Anfangs in die Flucht geschlagen,
+trug aber den Sieg davon, und improvisirte, als man ihm
+den Kopf Hosameddin Chalil's brachte, vier Verse darauf,
+in denen eben so viele Wortspiele:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Chalil der Arme war sich selber nicht bewusst,<br /></span>
+<span class="i0">Er hatte eingepflanzt der Seele Frühlingslust<a name="FNanchor_128" id="FNanchor_128"></a><a href="#Footnote_128" class="fnanchor">[128]</a>;<br /></span>
+<span class="i0">Ein <i>Diw</i>, begehrte er das Reich von Suleiman,<br /></span>
+<span class="i0">Zuletzt im <i>Diwan</i> Salomoni's abgethan.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Die Herrschaft kam an den obengenannten <i>Bedreddin Mesud</i>,
+den Bruder Iseddin Kerschasif's.</p>
+
+<div class="sidenote">Dynastien
+i. arab. Irak,
+in Syrien,
+Aegypten
+und
+Arabien.</div>
+
+<p>Im arabischen Irak herrschten, ausser X. den Chalifen
+zu Bagdad, in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts noch
+drei Dynastien, deren Fürsten den Titel von Atabegen, das
+ist von Hofmeistern (Hausmayern) führten. Von einem
+Dutzend von Dynastien, welche in der morgenländischen
+Geschichte unter diesem Namen berühmt, waren die von
+<i>Damaskus</i>, <i>Haleb</i>, <i>Aserbeidschan</i> und <i>Irbil</i> bereits erloschen,
+und es bestanden nur noch die schon erwähnten persischen
+der Atabege von <i>Jesd</i>, <i>Darabscherd</i>, <i>Schiras</i>, <i>Gross- und
+Klein-Luristan</i>, und die nun zu erwähnenden von <i>Mossul</i>,
+<i>Dschesire</i> und <i>Sindschar</i>. XI. Zu Mossul herrschten seit einem
+Jahrhunderte sechszehn Atabege aus der Familie Amadeddin
+Sengi's, deren Thron vom Chalifen Bagdad's dem <i>Bedreddin
+Lulu</i>, Obersthofmeister der beiden letzten Fürsten, verliehen
+worden; dieser füllte den Thron rühmlich vierzig Jahre
+lang und ward von Hulagu, dem er nach Bagdad's Eroberung
+zu huldigen kam, gnädig aufgenommen. XII. Die Dynastie
+der Atabege von <i>Sindschar</i>, deren Herrschaft vor einem
+<span class='pagenum'><a name="Page_73" id="Page_73">[73]</a></span>
+Jahrhunderte<a name="FNanchor_129" id="FNanchor_129"></a><a href="#Footnote_129" class="fnanchor">[129]</a> begonnen, hatte nur durch ein halbes Jahrhundert
+geherrscht, und ihre Herrschaft war nach Bedreddin
+Lulu's, des Atabegen von Mossul, Tode dem Sohne desselben,
+Mosaffer von Beibars, dem Sultane Aegyptens, zugesprochen
+worden; eben so war die Linie der Atabegen Mossul's, welche
+seit acht und vierzig Jahren<a name="FNanchor_130" id="FNanchor_130"></a><a href="#Footnote_130" class="fnanchor">[130]</a> XIII. zu Dschesire geherrscht,
+erloschen, und an ihre Stelle <i>Modschahid</i>, ein anderer Sohn
+Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, getreten, so
+dass Bedreddin Lulu und seine drei Söhne (der dritte folgte
+ihm als Herr von Mossul nach) als unumschränkte Herrscher
+in die Fussstapfen ihrer vorigen Herren getreten. XIV. Zu
+<i>Mardin</i> herrschte ein Zweig der <i>Beni Ortok</i>, deren Hauptlinie
+von Diarbekr seit zwanzig Jahren<a name="FNanchor_131" id="FNanchor_131"></a><a href="#Footnote_131" class="fnanchor">[131]</a> erloschen war;
+aber aus derselben Familie herrschten zu Mardin schon seit
+hundert sechs und achtzig Jahren<a name="FNanchor_132" id="FNanchor_132"></a><a href="#Footnote_132" class="fnanchor">[132]</a> Fürsten, deren Dynastie
+erst im Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen
+Zeitrechnung erlosch.<a name="FNanchor_133" id="FNanchor_133"></a><a href="#Footnote_133" class="fnanchor">[133]</a> <i>Ilghasi</i>, der Gründer dieser
+Dynastie, Sultan Melekschah's des Seldschukiden Statthalter zu
+Bagdad, hatte sich Nissibin's und Mardin's bemächtigt; ihm war
+sein Sohn <i>Hosameddin Timurtasch</i> und sein Sohn <i>Nedschmeddin</i>,
+diesen die beiden Söhne <i>Hosameddin II.</i> und <i>Nassireddin</i>
+und diesem der Sohn <i>Melik Said</i> gefolgt, welcher der sechste
+Herrscher dieser Dynastie, auf die Festigkeit seiner Residenz
+trotzend, der Belagerung Hulagu's widerstand. Auch zu
+Miafarakain hatte noch vor dreissig Jahren Suleiman, ein
+Sohn Ilghasi's Ortok, geherrscht, aber zur Zeit Hulagu's
+war diese Stadt im Besitze <i>Kjamil's</i> des Ejubiden. XV. Miafarakain's
+Fürstenthum ist also das zehnte des zehnzweigigen
+mächtigen Herrscherstammes der Beni Ejub (die neun
+anderen, die von <i>Kairo</i>, <i>Damaskus</i>, <i>Haleb</i>, <i>Hama</i>, <i>Himss</i>,
+<i>Kerek</i>, <i>Baalbek</i>, <i>Hossnkeif</i> und <i>Jemen</i>); von diesen zehn
+Dynastien der Beni Ejub bestanden in der Hälfte des dreizehnten
+Jahrhunderts nur noch im arabischen Irak die von
+<i>Miafarakain</i> und <i>Hossnkeif</i>, und in Syrien die vier von
+<span class='pagenum'><a name="Page_74" id="Page_74">[74]</a></span>
+<i>Haleb</i>, <i>Hama</i>, <i>Himss</i> und <i>Kerek</i>. Kjamil war der fünfte
+Herrscher der Beni Ejub zu Miafarakain; seine Vorfahren
+<i>Melikol-aadil</i>, der Bruder Ssalaheddin's, dann <i>Melik el-eschref</i>,
+<i>Melik el-ewhad</i>, <i>Melik el-mosaffer</i>, die drei Söhne <i>Melik
+el-aadil's</i>; der Sohn des letzten war <i>Melik Kjamil</i>, der
+Grossneffe Ssalaheddin's, welcher den Versuch, den Waffen
+der Mongolen zu widerstehen, mit dem Verluste seiner
+Hauptstadt und des Lebens bezahlte. XVI. Die Dynastie der
+Beni Ejub zu Hossnkeif hatte vor zwanzig Jahren begonnen<a name="FNanchor_134" id="FNanchor_134"></a><a href="#Footnote_134" class="fnanchor">[134]</a>,
+indem Melik Ssalih Nedschmeddin von seinem Vater Kjamil
+die Städte Amid und Hossnkeif erhalten; nachdem Kjamil,
+um Aegyptens und Syriens Herrschaft zu übernehmen, sich
+dahin begeben, blieb sein Sohn Melik Moaasem Turanschah
+im Besitze des väterlichen Gebiets, und als auch dieser dem
+Vater auf dem Throne Aegyptens gefolgt, verlieh er die
+Herrschaft von Amid und Hossnkeif seinem Sohne <i>Melik
+Mowahid</i>, der wie sein Vetter von Miafarakain ein Opfer
+seines Widerstandes unter dem Schwerte der Mongolen fiel.
+Vier andere Söhne der Beni Ejub herrschten in Syrien.
+XVII. Zu <i>Hama</i> Melik Manssur II., der bei Annäherung der
+Mongolen nach Aegypten flüchtete. Der Gründer des Hauses
+war Takjeddin, der Enkel Ejub's, aus dessen Sohn Schehinschah,
+von seinem Oheim Ssalaheddin als Herr von Hama
+installirt, sein Sohn Nachfolger <i>Melik Manssur I.</i> ob seiner
+wider die Kreuzfahrer erfochtenen Siege und des Schutzes,
+den er Gelehrten und Dichtern angedeihen liess, von jenen
+in zahlreichen ihm gewidmeten Werken, von diesen in Siegeshymnen
+und Elegien gepriesen. XVIII. Die Dynastie der Beni
+Ejub zu Himss leitet ihren Ursprung von Esededdin Schirkuh,
+dem jüngeren Bruder Ejub's, ab, welcher vom grossen Nureddin
+zum Statthalter vom Himss bestellt worden war.
+Ssalaheddin bestätigte seinem Neffen und getreuen Begleiter
+auf allen Feldzügen <i>Melik Nassireddin Mohammed</i> des Vaters
+Statthalterschaft als Eigenthum; nach dessen schnellem Tode
+verlieh er die Herrschaft zwar dem Sohne desselben <i>Melik
+<span class='pagenum'><a name="Page_75" id="Page_75">[75]</a></span>
+Modschahid Schirkuh</i>, zog aber das väterliche Vermögen
+ein, das er nur, durch einen vom zwölfjährigen Neffen citirten
+Koransvers gemahnet, zurückgab; dem Modschahid folgte
+sein Sohn <i>Manssur Ibrahim</i>, der den Chuaresmern tapferen
+Widerstand geleistet, und nach ihm sein Sohn <i>Melik Eschref
+Mosafereddin Musa</i>, der Zeitgenosse Hulagu's, von diesem,
+weil er ihm gehuldigt, in der Herrschaft bestätigt. XIX. Die
+Dynastie der Beni Ejub zu Kerek begann unter <i>Melik Aadil
+Seifeddin Ebubekr</i>, welcher vom Bruder Ssalaheddin die
+eroberte Stadt erhielt; nach des Bruders Tod zur Herrschaft
+von Damaskus berufen, übergab er Kerek seinem Sohne
+<i>Melik Moaasem Isa</i>, welchem der Sohn Melik Nassir Daud
+und diesem <i>Melik Moghis Fetheddin Omar</i> folgte, der Zeitgenosse
+Hulagu's, von diesem ob des Briefwechsels mit Beibars
+getödtet. Beibars war der vierte Sultan der Mamluken
+in XX. Aegypten, deren Dynastie gleichzeitig mit der persischen
+Hulagu's in Persien emporstieg, und als eine Nebenbuhlerin
+derselben um Syriens Herrschaft in der Folge
+genauere Kunde erfordern wird. So herrschte auch zu Mekka
+der vierte Herrscher der XXI. Dynastie der Beni Kitade,
+welcher nach den erloschenen drei Dynastien der <i>Beni
+Ochaissar</i>, <i>Musa sani</i> und <i>Beni Haschim</i> seit einem halben
+Jahrhunderte auf dem Throne sass, welchen der vierte
+Herrscher <i>Ebu Nemi Mohammed</i> durch sieben und vierzig
+Jahre gefüllt.</p>
+
+<div class="sidenote">Dynastien
+des nördl.
+Persiens,
+Armeniens,
+Georgiens u.
+Kleinasiens.</div>
+
+<p>Wir wenden uns nun zuletzt nach dem Norden und zwar
+zuerst nach den nördlichen Landschaften Persiens, nach
+Taberistan und Masenderan, wo seit der Hälfte des ersten
+Jahrhunderts der Hidschret bis in die Hälfte des fünften
+die zwei Dynastien <i>Bawendije</i>, auf einander folgend, geherrscht;
+aus der zweiten, im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts
+der christlichen Zeitrechnung<a name="FNanchor_135" id="FNanchor_135"></a><a href="#Footnote_135" class="fnanchor">[135]</a> erloschenen, erstand
+in der Hälfte des vierzehnten ein Zweig derselben in der
+Dynastie <i>Dschelawije</i>. Das Stillschweigen der Geschichte
+durch diese anderthalb Jahrhunderte<a name="FNanchor_136" id="FNanchor_136"></a><a href="#Footnote_136" class="fnanchor">[136]</a> beweiset, dass Taberistan
+<span class='pagenum'><a name="Page_76" id="Page_76">[76]</a></span>
+während dieser Zeit keine eigenen Herrscher hatte;
+in Gilan herrschten XXII. die Beni <i>Badusian</i> schon seit dem
+vierzigsten Jahre der Hidschret zu Rujan und Rustemdar;
+der Gründer <i>Badusian</i><a name="FNanchor_137" id="FNanchor_137"></a><a href="#Footnote_137" class="fnanchor">[137]</a> war ein Nachkömmling des Schmiedes
+Kjawe, des Befreiers seines Vaterlandes von der Tyrannei,
+dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann Reichspanier.<a name="FNanchor_138" id="FNanchor_138"></a><a href="#Footnote_138" class="fnanchor">[138]</a>
+Sie führten den besonderen Titel <i>Astandar</i>, welches in der
+bisher ganz unbekannten Mundart Taberistan's gleichbedeutend
+mit <i>Scheichol Dschebal</i>, d. i. des Alten vom Berge wie
+der Grossmeister der Assassinen, hiess, welcher diesen Namen
+von den früheren Herrschern Kuhistan's aus der Dynastie
+Bawend geborgt. Die beiden Alten des Gebirgs, der von
+<i>Alamut</i> und der von <i>Rustemdar</i>, bekriegten sich um die
+Hälfte des sechsten Jahrhunderts als unversöhnliche Feinde;
+aber nach dem Tode Keikawu's Ben Hesarsif's schlug sein
+Sohn und Nachfolger Schehrnusch den entgegengesetzten
+Pfad ein, und trat selbst in die Fussstapfen der Assassinen,
+seiner Verbündeten. Nach Schehrnusch herrschte sein Bruder
+<i>Isfendiar Kerkud</i>, nach ihm sein Neffe <i>Serin Kemer</i>,
+d. i. Goldgürtel, der Erste der Sohn Hesarsif's, dann Goldgürtel
+der Zweite, der Sohn Chassin's, der ein und zwanzigste
+Herrscher der Beni Badusian; diesem war zu Anfang des
+dreizehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung<a name="FNanchor_139" id="FNanchor_139"></a><a href="#Footnote_139" class="fnanchor">[139]</a>
+sein Sohn <i>Bisutun</i>, diesem nach zehnjähriger Regierung der
+Sohn <i>Fachreddewlet</i>, diesem nach zwanzigjähriger Regierung
+der Sohn <i>Hosameddewlet Ardeschir</i> und diesem der
+Bruder <i>Iskender</i> gefolgt. Sein Nachfolger <i>Isfendiar Schehrahim</i>,
+der jüngste Fürst der Beni Badusian, regierte drei
+und dreissig Jahre lang als Zeitgenosse Hulaguchan's und
+Abaka's; von diesen wurden die Herrscher Gilan's in Ruhe
+gelassen, und die Eroberung des Landes erst unter ihrem
+Nachfolger <i>Oldschaitu</i>, dem achten Ilchane Persiens, versucht.
+<span class='pagenum'><a name="Page_77" id="Page_77">[77]</a></span>
+XXIII. Der König Kleinarmeniens war Hetum oder
+Haithon I., der vierte Fürst seiner Dynastie durch fünf und
+vierzig Jahre, während welcher er in häufiger Berührung
+mit Hulagu und dem Bruder desselben, dem Grosskaan
+Mengku; ein nicht minder historisch wichtiger, in die Geschichte
+der Mongolen eingreifender, grosser Herrschercharakter
+ist XXIV. die Königin von Georgien, <i>Russuldan</i>,
+die Tochter der <i>Tamar</i>, nach deren Tode das georgische
+Reich unter die beiden Davide, welche bei der Thronbesteigung
+Gujuk's erschienen, nämlich zwischen ihrem Vetter
+David Narin und ihrem Sohne <i>David Ssosslan</i>, getheilet
+ward. Dieser erhielt das obere Georgien, d. i. <i>Karthli</i>,
+<i>Kachethi</i>, <i>Achal-ziche</i> und <i>Schewar</i>; der andere Niedergeorgien,
+d. i. <i>Imerethi</i>, <i>Mingrelien</i>, <i>Sswanethi</i>, <i>Dschikhethi</i>
+und <i>Abchasethi</i>; nach Mengkukaan's Tode zeichnete Hulagu
+den David, Sohn der Russuldan, seiner Tapferkeit willen
+besonders aus. XXV. Das Reich der Seldschuken in Rum
+beherrschte der zwölfte Sultan derselben, <i>Iseddin Keikawus II.</i>,
+erst allein, dann mit seinen Brüdern <i>Rukneddin
+Kilidscharslan IV.</i> und <i>Alaeddin Keikobad II.</i>, von welchen
+der vorletzte bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen
+war. In Nicäa endlich thronte XXVI. der griechische Kaiser
+Vataces, dessen drei und dreissigjährige Regierung, ein
+Muster von Weisheit und Staatsklugheit, die Wiedereroberung
+Konstantinopels aus den Händen der Lateiner vorbereitete,
+und dessen Gesandte sich mit denen <i>Innocenz IV.</i>
+am Hofe Mengukaan's zusammenfanden.<a name="FNanchor_140" id="FNanchor_140"></a><a href="#Footnote_140" class="fnanchor">[140]</a> Der Papst und
+die Könige von Frankreich und Ungarn verkehrten mit den
+Herrschern der Mongolen durch Gesandtschaften; aber weder
+die fränkischen Kaiser von Konstantinopel, noch die Reste
+der Kreuzfahrer in Syrien kamen mit denselben in unmittelbare
+Berührung, wie die hier aufgeführten sechs und zwanzig
+asiatischen Dynastien, welche die Zeitgenossen Hulagu's.
+Wie an der Pforte Mohammed Chuaresmschahs, des mächtigsten
+<span class='pagenum'><a name="Page_78" id="Page_78">[78]</a></span>
+Herrschers Asiens vor Tschengischan, sieben und
+zwanzig besiegte oder huldigende Prinzen fünfmal des Tages
+die Heerpauken schlugen, so schlugen diese sechs und
+zwanzig, dem Ursprunge des mongolischen Reichs in Persien
+gleichzeitigen Dynastien, welche demselben widerstanden,
+erlagen, gehorchten, huldigten oder vor demselben zitterten,
+gleichsam an der Pforte desselben die Heerpauke der
+Herrschaft.</p>
+
+
+
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_79" id="Page_79">[79]</a></span></p>
+<h2><a name="Zweites_Buch" id="Zweites_Buch"></a><a href="#Inhalt">Zweites Buch.</a></h2>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+
+
+<div class="block"><p>Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug
+nach Persien wider die Schlösser der Assassinen
+und Bagdad; Rückblick auf die Chalifen und
+die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte
+Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung
+und Verwüstung Bagdad's; Hinrichtung des
+Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin; der Herrscher
+von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten;
+die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's
+und Gross- und Klein-Armenien's.</p></div>
+
+
+<div class="sidenote">Hulagu.</div>
+
+<p><i>Hulagu</i> oder, wie die Mongolen den Namen schreiben
+und sprechen, <i>Chulagu</i> war der fünfte Sohn Tuli's, des
+jüngsten Sohnes Tschengischan's aus der Frau Sijurkukteni,
+der Nichte Owangchan's, welche ihm vor Hulagu den ersten
+Mengku, den vierten Kubilai, und Arikbuga, den siebenten
+seiner neun Söhne, geboren. Als vor sechs und zwanzig Jahren
+(zwei vor seinem Tode) Tschengischan das letztemal
+in seinen Jurt zurückgekehrt, um das grosse, durch Jagden
+gefeierte <i>Kurultai</i> der Familie zu halten, bei welchem alle
+Söhne mit ihren Frauen und Kindern erschienen (den ältesten
+Dschudschi ausgenommen, der seiner statt nur ein herrliches
+Geschenk von Pferden gesandt), kamen ihm die beiden
+Enkel, Kubilai und Hulagu, jener zehn, dieser neun Jahre
+alt, mit dem ersten Wilde, das sie erjagt, jener mit einem
+Hasen, dieser mit einem Rehe entgegengelaufen. Tschengischan
+vollzog an ihnen beiden den mongolischen Jagdgebrauch
+der <i>Fetteinschmierung</i><a name="FNanchor_141" id="FNanchor_141"></a><a href="#Footnote_141" class="fnanchor">[141]</a>, welcher darin besteht, den
+<span class='pagenum'><a name="Page_80" id="Page_80">[80]</a></span>
+Jünglingen oder Knaben, welche das erste Wild erlegt, den
+Daumen mit dem Fette und Fleische desselben einzuschmieren,
+was als eine günstige Vorbedeutung für die künftige
+Laufbahn der beiden Prinzen mit Festen gefeiert ward; in
+jedem Falle eine minder unmenschliche Vorbedeutung als
+die Handvoll geronnenen Blutes, mit welcher Tschengischan,
+zur Welt gekommen, die er erobernd in Blut getränkt und
+die so grausam in Erfüllung gegangen; auch diese vom Grossvater
+Welteroberer selbst vollzogene Fetteinschmierung ging
+an beiden Enkeln, künftigen Herrschern, Eroberern und
+Stiftern von Dynastien in Erfüllung, indem Beide sich Reiche
+erbeuteten, der Jäger des Hasen das chinesische, als Stifter
+der mongolischen Dynastie der Juan, und Hulagu das persische,
+als Gründer der Dynastie der Ilchane. Hulagu war
+nun fünf und dreissig Jahre alt, in voller Reife männlicher
+Kraft, von welcher das Dasein von zehn Söhnen, die ihm
+von vierzehn, die er hatte, in diesem Alter bereits geboren
+waren, sprechender Beweis. Wir können also die Zahl seiner
+Frauen und Kinder, welche die Biographie sonst gewöhnlich
+am Ende des beschriebenen Lebens aufnimmt, am bessten
+sogleich überblicken, weil die grösste Anzahl derselben schon
+vorhanden, und die Namen der in der Folge vorkommenden
+Frauen und Kinder dann keiner weiteren Einführung bedürfen.
+Hulagu hatte sechs Frauen Gemahlinnen, aus deren vieren
+ihm sechs Söhne und drei Töchter, indem die anderen acht
+der zweimal sieben Söhne und die anderen vier der sieben
+Töchter aus zwölf Beischläferinnen geboren wurden, welche
+die Geschichte aus der grossen Zahl derselben nennt, weil
+sie Mütter von Prinzen oder Prinzessinnen. Von diesen
+zwölf Beischläferinnen waren drei<a name="FNanchor_142" id="FNanchor_142"></a><a href="#Footnote_142" class="fnanchor">[142]</a> aus dem Lager der
+ersten seiner Gemahlinnen, der grossen Frau <i>Tokus</i>, und
+vier aus dem Lager seiner fünften Gemahlin, der Konghuratine
+<i>Kutui</i> Chatun, ein Umstand, der vielleicht weniger für
+ihre Bereitwilligkeit, dem Gemahle gefällig zu sein, als für
+<span class='pagenum'><a name="Page_81" id="Page_81">[81]</a></span>
+ihren guten Geschmack, sich mit schönen Sklavinnen zu
+umgeben, beweiset; die Beischläferinnen werden am schicklichsten
+mit den Namen der Söhne und Töchter, durch
+welche der ihrige in der Geschichte in Vorschein gekommen,
+genannt werden; aber der sechs Gemahlinnen
+wollen wir zuerst und besonders erwähnen, weil dieselben
+als Frauen des grössten Ansehens und Einflusses genossen;
+als Frauen Gemahlinnen trugen sie den hohen pyramidenförmigen,
+mit herabfallendem Schleier bedeckten mongolischen
+Kopfschmuck <i>Baghtak</i>, dessen Namen die europäischen
+Reisenden in <i>Botta</i>, die Venezianer in <i>Baiuta</i> verstümmelt
+haben.<a name="FNanchor_143" id="FNanchor_143"></a><a href="#Footnote_143" class="fnanchor">[143]</a></p>
+
+<div class="sidenote">Die
+Gemahlinnen
+Hulagu's.</div>
+
+<p>Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den
+Mongolen immer den andern weit voraus und welche die
+Frau und Gebieterin des Harems, wie noch heute bei den
+Perserinnen die grosse Frau<a name="FNanchor_144" id="FNanchor_144"></a><a href="#Footnote_144" class="fnanchor">[144]</a>, war <i>Tokus Chatun</i>, d. i.
+die Frau <i>Neun</i>, die Keraitin, welche der Vater Tuli kurz
+vor seinem Tode zur Frau genommen, aber ohne dieselbe
+zu berühren gestorben war. Nach der mongolischen Sitte,
+vermöge welcher die Söhne die vom Vater hinterlassenen
+Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward dieselbe mit Hulagu
+vermählt, sobald das Heer auf dem Rückmarsche aus China
+den Oxus passirt hatte. Tuli war in seinem vierzigsten
+Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn Jahre alt;
+seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht viel älter,
+hätte also wohl bald ihrem stiefmütterlichen Ansehen als
+wirkliche Mutter neues Gewicht beifügen können; allein sie
+ward nie Mutter und behauptete sich dennoch bis zu ihrem
+Tode in dem höchsten Ansehen als grosse Frau und Gebieterin
+des Frauengemachs, als die erste Rathgeberin und
+mütterliche Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt,
+dass sie vielleicht um Vieles älter, erst dem Vater Tuli
+und dann dem Sohne von der Mutter des letzten, der staatsklugen
+<i>Sijurkukteni</i>, ihrer Tante, mehr an die Hand, als
+<span class='pagenum'><a name="Page_82" id="Page_82">[82]</a></span>
+ins Bett gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin
+und ihre Schwester <i>Tukini</i> zur Beischläferin, die ihm eben
+so wenig als die Schwester Kinder gab. Sie waren beide die
+Töchter <i>Ettiko's</i>, des zweiten Sohnes Owangchan's, die Nichten
+der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche die
+Tochter Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren
+also beide die Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijurkukteni,
+und in der freien Ausübung ihres Cultus eben so
+wenig beirrt, als ihre Tante Sijurkukteni vom Gemahle Tuli.
+Inmitten des Lagers Hulagu's hatte sie ihre von nestorianischen
+Christen bediente Kapelle mit Glockengeläute, die
+grosse Beschützerin der Christen und Missionäre bei ihrem
+Gemahle. Wie sich Hulagu zwei Schwestern Keraitinnen, die
+eine als Frau, die andere als Beischläferin, genommen, so
+auch zwei Gemahlinnen Schwestern aus dem mit dem Hause
+Tschengischan's so vielfach verschwägerten Stamme der <i>Uirat</i>,
+nämlich <i>Kubak</i> oder <i>Kojuk Chatun</i>, die Mutter seines zweiten
+Sohnes <i>Dschumkur</i>, und ihre Stiefschwester <i>Oldschai</i>, die
+Mutter seines eilften Sohnes Mengku Timur; beide waren die
+Töchter Turaldschi's, des Sohnes <i>Kutuke's</i>, des Fürsten der
+Uirat. Tschengischan hatte dem Turaldschi seine Tochter
+<i>Dschidschegan</i> zur Frau gegeben, welche ihm den Sohn
+<i>Buka Timur</i> geboren; aus einer anderen Gemahlin hatte
+Turaldschi die beiden Töchter <i>Kubak</i> und <i>Oldschai</i>, welche
+also die Stiefschwestern Dschidschegan's, der Tante Hulagu's,
+seine Stiefbasen waren; die beiden anderen Gemahlinnen
+waren zwei Konghuratinnen: <i>Kutui Chatun</i>, aus deren Lager
+Hulagu sieben Beischläferinnen genommen, die Mutter <i>Tekschin's</i>,
+seines vierten, und <i>Ahmed Tekudar's</i>, seines siebenten
+Sohnes; und <i>Mertai Chatun</i>, welche kinderlos, wie die grosse
+Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini; endlich die
+Frau <i>Jisut</i> oder <i>Jisuntschin</i>, aus dem Stamme Suldus, die
+Mutter des Kronprinzen <i>Abaka</i>. Wir mussten in diese Umständlichkeiten
+eingehen, weil sich nur aus denselben das
+Resultat der die Wahl der Gemahlinnen mongolischer Herrscher
+leitenden Staats- und Familien-Maximen klar herausstellt.
+Von diesen sieben Gemahlinnen waren vier Blutsverwandte,
+<span class='pagenum'><a name="Page_83" id="Page_83">[83]</a></span>
+nämlich zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei
+Stiefbasen; dann waren die zwei Stämme, denen diese zwei
+Schwesterpaare angehörten, nämlich die <i>Kerait</i> und die <i>Uirat</i>,
+sowie der der <i>Konghurat</i>, aus welchem die zwei anderen
+Gemahlinnen, die mit dem Hause Tschengischan's am vielfältigsten
+verschwägerten, die früher als andere der aufsteigenden
+Macht Tschengischan's, sich derselben unterwerfend,
+gehuldigt. Die Wahl der Frauen Gemahlinnen wurde also
+vorzüglich durch die Politik, durch die Freundschaft der
+Stämme und die nächste Verwandtschaft bestimmt.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Söhne
+und Töchter
+Hulagu's.</div>
+
+<p>Der Erstgeborene <i>Abaka</i> war als der Aelteste schon bei
+des Vaters Lebzeiten sein erklärter Thronfolger, als welcher
+er auch nach dessen Tode der zweite der Ilchane in Iran,
+nachdem er demselben gefolgt. Dschumkur der Zweitgeborene,
+nur einen Monat jünger, als Abaka, blieb, als der Vater den
+Feldzug nach Westen unternahm, als dessen Sachwalter im
+Lager des Kaans Bruders zurück; in der Folge, als nach
+dem Tode Mengkukaan's der jüngste Bruder desselben, Arikbugha,
+dem ältesten, Kubilai, den Thron streitig machte,
+ward Dschumkur von jenem gezwungen, sich für ihn wider
+diesen zu erklären, fiel aber, als Arikbugha wider Alghui
+auszog, von ihm ab, um in's Lager des Vaters zurückzukehren,
+und starb auf dem Wege dahin; desselben, sowie seiner beiden
+Söhne <i>Dschuschkub</i> und <i>Kunkuschu</i>, wird im Verlaufe dieser
+Geschichte noch mehrmals erwähnt werden. <i>Jaschmut</i>, der
+dritte Sohn Hulagu's, aus der Chinesin Tukadschi Ikadschi,
+welche eine Sklavin des Lagers der Frau Kutui, war Vater
+von drei Söhnen; Kutui selbst war die Mutter des vierten
+Sohnes, <i>Tekschin</i>, welcher an einem Blasenübel gestorben,
+und dessen Gemahlin <i>Nulun</i>, die Tochter Buka Timur's, des
+Bruders Kubak Chatun's (folglich seine angeheirathete Base),
+nach Tekschin's Tod sein Bruder Dschumkur zur Frau nahm.
+Der fünfte Sohn, <i>Tarakai</i>, aus der dem Lager der Frau
+Kutui entnommenen Beischläferin <i>Borkdschin</i>, ward auf der
+Reise nach Persien vom Blitze erschlagen; merkwürdiger
+durch seinen Sohn <i>Baidu</i>, welcher einige Monate lang der
+sechste Herrscher der Mongolen in Persien, nach <i>Ahmed
+<span class='pagenum'><a name="Page_84" id="Page_84">[84]</a></span>
+Tekudar</i>, dem siebenten Sohne Hulagu's, dem fünften der
+Ilchane; zwischen beiden ward <i>Tusin</i>, der sechste Sohn
+Hulagu's, aus derselben Mutter, wie Jaschmut, geboren.
+<i>Adschai</i>, des achten Sohnes Mutter, war die Beischläferin
+Irtika Ikadschi, aus dem Lager der Frau Kutui; als Hulagu
+nach Persien zog, liess er ihn an der Spitze des Lagers der
+Frau Kutui zur Besorgung der Angelegenheiten zurück; er
+überlebte seinen Bruder Hulagu nur zehn Tage. Die Beischläferin
+<i>Dschudsche Ikadschi</i>, die Mutter des neunten
+Sohnes, <i>Kuikurtai</i>, war eine Sklavin aus dem Lager der
+Frau <i>Tokus</i>; er war Vater von sechs Söhnen und erreichte
+ein sehr hohes Alter. Die Mutter <i>Jisudar's</i>, des zehnten
+Sohnes, war Uwischdschin, aus dem Stamme Kurlaut, dessen
+diese Geschichte weiter nicht, aber noch des eilften Sohnes
+Mengku Timur's<a name="FNanchor_145" id="FNanchor_145"></a><a href="#Footnote_145" class="fnanchor">[145]</a> erwähnen wird, welcher sechs und zwanzig
+Jahre alt starb; Vater von drei Söhnen, allein drei aus der
+Sklavin Ilinak Ikadschi, und keiner aus seinen drei Frauen,
+deren erste Oldschai, die Tochter Buka Timur's, des Bruders
+der Frau Oldschai, Gemahlin Hulagu's, folglich seine Stiefbase;
+die zweite die berühmte Abisch Turkan, Tochter des
+Atabegen von Fars, letzte Herrscherin aus diesem Stamme;
+die dritte Nuhin Chatun. Sie gaben ihm keine Söhne, aber
+mehrere Töchter, deren berühmteste die älteste, <i>Kordotschin</i>,
+aus der Atabegin <i>Abisch</i>, in der Geschichte nicht minder
+oft genannt, als ihre Mutter, indem sie dreimal vermählt
+ward; das erstemal an Dschelaleddin Sijurghutmisch, den
+Sultan Kerman's, dann an den Emir <i>Satilmisch</i> und endlich
+an ihren Vetter <i>Taghai</i>; die Atabegin <i>Abisch</i>, ihre Mutter
+<i>Turkan Chatun</i> und <i>Kordotschin</i>, die obgenannte Tochter
+der Abisch, sind drei der grössten weiblichen Charaktere,
+Hebel grosser Begebenheiten in der Geschichte der Atabege
+von Fars und Sultane Kerman's, welche eng mit der der
+<span class='pagenum'><a name="Page_85" id="Page_85">[85]</a></span>
+Ilchane Persiens verflochten. <i>Huladschu</i>, der zwölfte Sohn
+Hulagu's, hatte die Sklavin <i>Ilkadschi</i>, aus dem Lager der
+Frau Tokus, zur Mutter, welche später mit dem Kopfschmucke
+<i>Baghtak</i> zur Frau erhoben ward; Vater von vier
+Söhnen. Ilkadschi war auch die Mutter <i>Scheibawedschi's</i>,
+des dreizehnten Sohnes; und die des vierzehnten, <i>Taghai
+Timur's</i>, eine Beischläferin Sklavin aus dem Lager der Frau
+<i>Kutui</i>, Vater's von fünf Söhnen. Die sieben Töchter Hulagu's
+waren: die erste <i>Bulughan Aka</i>, aus der Frau <i>Kobak</i>; sie
+wurde mit ihrem Oheim <i>Dschume Gurgan</i>, dem Sohne des
+Tataren <i>Dschudschi</i>, vermählt, dessen Gemahlin die mit der
+Tochter Tschengischan's gleichnamige <i>Dschidschegan</i>, die
+Tochter <i>Utdschigin's</i>, des jüngsten Bruders Tschengischan's;
+<i>Dschume Gurgan</i> erhielt nach dem Tode <i>Bulughan Aka's</i>
+auch die Hand der Nichte <i>Dschemi</i>, der zweiten Tochter
+Hulagu's aus der Frau <i>Oldschai</i>; die dritte Tochter, <i>Mengelugan</i>,
+ebenfalls aus der Frau <i>Oldschai</i>, ward an <i>Dschakir
+Gurgan</i>, den Sohn <i>Buka Timur's</i> den Uiraten, vermählt,
+welcher der Bruder Oldschai's und folglich der Oheim seiner
+Gemahlin; die vierte, <i>Tutukasch</i>, aus einer Beischläferin
+Sklavin des Lagers der Frau Tokus, wurde zuerst an den
+Uiraten <i>Tengkir Gurgan</i>, welcher früher eine Tochter Gujuk's
+zur Frau gehabt und welchem von dieser das Leben
+erbeten ward, dann an dessen Sohn <i>Sulamisch</i> und endlich
+an dessen Sohn <i>Dschidschek Gurgan</i> vermählt, so dass dieser
+der Vater, Sohn und Enkel der Gattin;<a name="FNanchor_146" id="FNanchor_146"></a><a href="#Footnote_146" class="fnanchor">[146]</a> die fünfte, <i>Tarakai</i>,
+deren Mutter die Beischläferin <i>Irtikan Ikadschi</i>, ward dem
+Konghuraten Musa, dem Enkel Tschengischan's aus seiner
+Tochter Tumalun, das ist ihrem Oheim, zur Frau gegeben;
+die sechste Tochter, <i>Kutlukan</i>, aus der Beischläferin <i>Minklikadsch</i>,
+wurde zuerst dem <i>Jisubuka</i>, aus dem Stamme
+<i>Durban</i>, dann nach dessen Tode seinem Sohne <i>Tokel</i> angetraut;
+die Hand der siebenten, <i>Baba</i>, aus der Frau <i>Oldschai</i>,
+erhielt <i>Legsi Gurgan</i>, der Sohn Emir <i>Arghun's</i>, des Staatssecretärs,
+welchen Mengkukaan früher als Hulagu nach Persien
+<span class='pagenum'><a name="Page_86" id="Page_86">[86]</a></span>
+gesendet hatte; also die Töchter ebenfalls meistens an Oheime
+und Vettern vermählt.</p>
+
+<div class="sidenote">Hulagu's
+Aufbruch.</div>
+
+<p>Von zehn Söhnen, von denen Hulagu in seinem fünf
+und dreissigsten Jahre Vater, nahm er auf dem Zuge nach
+Persien den erstgeborenen, <i>Abaka</i>, und den dritten, <i>Juschmut</i>,
+mit sich, trug dem zweiten, <i>Dschumkur</i>, im Lager des Bruders
+Kaan's als seinem Agenten und seinem Bruder <i>Temkjan</i><a name="FNanchor_147" id="FNanchor_147"></a><a href="#Footnote_147" class="fnanchor">[147]</a> in
+seinem Jurte die Besorgung der Geschäfte auf; ausserdem
+aber begleiteten ihn noch sein jüngster Bruder <i>Suntai</i>, der
+neunte Sohn Tuli's, dann aus dem Uluse Dschagatai <i>Tekuder</i><a name="FNanchor_148" id="FNanchor_148"></a><a href="#Footnote_148" class="fnanchor">[148]</a>,
+der Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Sohnes Dschagatai's;
+aus dem Uluse Dschudschi's (mit seinem ebengenannten gleichnamigen
+Neffen nicht zu verwechseln) der Enkel <i>Bulghai</i><a name="FNanchor_149" id="FNanchor_149"></a><a href="#Footnote_149" class="fnanchor">[149]</a>,
+der Sohn Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's; Kuli,
+der Sohn seines Erstgeborenen <i>Orda</i>, und der Urenkel <i>Kotur</i>,
+der Sohn Mongkadr's, des Sohnes seines siebenten Sohnes
+<i>Tewel</i>; endlich <i>Buka Timur</i>, der Sohn Dschidschegan's, der
+Tochter Tschengischan's, welche an Turaldschi, den Sohn
+Kutuka's, des Fürsten der Uirat, vermählt, der Stiefbruder
+von <i>Kubak Chatun</i> und <i>Oldschai Chatun</i>, der zwei Gemahlinnen
+Hulagu's; von diesen begleiteten ihn in's Feld die
+grosse Frau <i>Tokus Chatun</i>, dann <i>Jisut Chatun</i>, die Mutter
+des erstgeborenen Abaka und <i>Oldschai</i>, aus welcher ihm zwei
+Jahre hernach sein eilfter Sohn Mengku Timur geboren ward;
+also in Allem neun Prinzen von Geblüte, nämlich: <i>Hulagu</i>,
+seine Söhne <i>Abaka</i> und <i>Juschmut</i>, sein Bruder <i>Suntai</i>, sein
+Stiefschwager <i>Buka Timur</i>, der Neffe <i>Tekuder</i>; die Vettern:
+<i>Bulghai</i>, <i>Kuli</i> und <i>Kotar</i>. Des Bruders Kaan's Auftrag vom
+Kurultai, auf welchem die Eroberung der Länder im Osten
+und Westen durch Kubilai Chan und Hulagu Chan beschlossen
+worden war, lautete an diesen: die Burgen der Assassinen zu
+brechen; dem Chalifen das Joch der Unterthänigkeit aufzulegen;
+in Allem sich mit der Frau Tokus Chatun zu berathen.
+<span class='pagenum'><a name="Page_87" id="Page_87">[87]</a></span>
+Die Heere, welche schon früher unter Baidschu Nujan und
+Dschurmaghun nach Persien gesendet worden waren, wurden
+nun dem Befehle Hulagu's untergeben; so auch die an der
+indischen Gränze, erst von <i>Dür Nujan</i> und hernach vom
+Tataren <i>Sali Nujan</i> gegen Kaschmir befehligten, welche
+während des Feldzugs Hulagu's in Persien demselben den
+Rücken decken sollten. Durch das ganze Reich ging der
+Befehl, von jeden zehn Mann zwei für den Feldzug nach
+Westen zu stellen; nach China wurden Eilboten gesendet,
+um tausend Familien von Feuerwerkern und Naphthaschleuderern
+aufzubieten; von Karakorum bis an die Ufer des Oxus
+wurden alle Weiden für die Fütterung der Reiterei in Beschlag
+genommen, alle Flüsse mit Brücken versehen und die Strassen
+für das Heer gänge gemacht; überall sollte Mehl und Wein
+als Mundvorrath in Bereitschaft seyn; Baidschu und Dschurmaghun
+erhielten den Befehl, von Persien gegen Kleinasien
+vorzurücken; den Vortrab bildete der Naimane <i>Keitbuka</i>,
+vormals Bawerdschi, d. i. Tafeldecker, mit zwölftausend
+Türken, welcher, bis die Rüstungen vollendet waren, den
+Marsch nach Kuhistan antrat, um dasselbe indessen zu verheeren.
+Nachdem die Rüstungen binnen Jahresfrist vollendet
+waren, wurden zum Abschiede Feste veranstaltet, die begleitenden
+Prinzen und Frauen mit Geschenken überhäuft,
+im letzten Monde des Jahres sechshundert und ein und fünfzig
+der Hidschret, d. i. im Februar des Jahres 1254, der Marsch
+nach Persien angetreten; derselbe ging von der Residenz
+Karakorum sieben Tage lang über das Schneegebirge des
+Changai nach dem Flusse Hoen Murin, über den mit Ruderschiffen
+gesetzt ward, einige Tagreisen später über den
+<i>Arungu</i>, der in den See <i>Kisilbasch</i>, d. i. Rothkopf, fällt;
+weiter hin waren Reisfelder und die Berge mit Lerchenbäumen
+bewachsen. Im Norden der Stadt, welche der chinesische
+über diesen Marsch abgestattete Bericht<a name="FNanchor_150" id="FNanchor_150"></a><a href="#Footnote_150" class="fnanchor">[150]</a> <i>Pfuhle</i>
+nennt, liegt ein Berg, von welchem der Wind oft mit solcher
+<span class='pagenum'><a name="Page_88" id="Page_88">[88]</a></span>
+Heftigkeit herabstürzt, dass er Reisende in den See weht;<a name="FNanchor_151" id="FNanchor_151"></a><a href="#Footnote_151" class="fnanchor">[151]</a>
+durch einen engen Pass, gleich einer fliegenden Brücke, öffnet
+sich der Weg nach <i>Almaligh</i>, einer Stadt voll fliessender
+Brunnen, und deren Einwohner Türken, vermischt mit Chinesen.
+Hier kam ihm Frau Hirghana, die Gemahlin Kara Hulagu's,
+des Sohnes Muwatukan's, des vor Bamians Mauern gefallenen
+zweiten Sohnes Dschagatai's, bewillkommend entgegen und
+bewirthete ihn mit Festen. Hirghana oder Hurkana war die
+Enkelin Tschengischan's, aus der an den Uiraten Turaldschi
+vermählten Tochter Dschidschegan, und folgte der Stiefschwester,
+der Frau Oldschai, welche in der Begleitung
+Hulagu's. Bei dem Eintritt in Turkistan kam ihm <i>Mesud</i>,
+der Sohn von Jelwadsch, bewillkommend entgegen; während
+des Sommers wurde dem Heere in Turkistan Rast gestattet
+und in der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche vor Samarkand
+auf der schönen Ebene von <i>Kjanigül</i>, d. i. die Fundgrube
+der Rosen, gelagert.</p>
+
+<div class="sidenote">Das
+goldene Zelt;
+Arghun;
+Uebergang
+über den
+Oxus.</div>
+
+<p>Hier ward das goldene Zelt aufgeschlagen, aussen und
+innen von Gold gewirkt, mit goldenen Nägeln und goldenen
+Stricken befestigt, und vierzig Tage lang gerastet und getrunken;
+dieses Fest wurde jedoch durch den Tod des Prinzen
+<i>Suntai</i>, des Bruders Hulagu's, getrübt. Hierauf wurde nach
+der Stadt <i>Kesch</i><a name="FNanchor_152" id="FNanchor_152"></a><a href="#Footnote_152" class="fnanchor">[152]</a> vorgerückt, welche in der Folge als der
+Geburtsort und die Grabstätte der Ahnen Timur's unter dem
+Namen von <i>Schehr Sebs</i>, d. i. der grünen Stadt, berühmt;
+diesen Namen dankt sie dem üppigen Grün, von zahlreichen
+Flüssen, deren zwei die Stadt durchströmen<a name="FNanchor_153" id="FNanchor_153"></a><a href="#Footnote_153" class="fnanchor">[153]</a>, genährt. Die
+Stadt besteht aus der Citadelle, der Stadt selbst, welche
+vier Thore hat, und der Vorstadt<a name="FNanchor_154" id="FNanchor_154"></a><a href="#Footnote_154" class="fnanchor">[154]</a>; von fruchtbaren Gärten
+<span class='pagenum'><a name="Page_89" id="Page_89">[89]</a></span>
+umgeben, in welchen alle Arten von Korn und Gemüse gedeihen.
+Hier kam der Fürst von Herat, <i>Schemseddin Mohammed
+Kert</i>, der Gründer der seinen Namen führenden
+und unter mongolischem Schutze seit Tschengischan aufsteigenden
+Dynastie <i>Kert</i>, um den Steigbügel Hulagu's zu küssen
+und von demselben seinen nicht mehr zu trennen; auch
+Arghunaga, der mongolische Statthalter Chorasan's, mit allen
+Grossen und Vornehmen des Landes, um sich dem Befehle
+des Herrn zu stellen. Von Arghunaga und seinen Söhnen
+wird in der Folge dieser Geschichte so oft die Rede sein,
+dass Näheres über ihn zu sagen nöthig. Der Dschelaire <i>Iluke</i>,
+dessen Vater <i>Kadan</i>, aus dem Gefolge Tschengischan's, hatte
+seinen Sohn sammt dessen Truppen dem Dienste Ogotai's gewidmet,
+bei dem er in der Folge als dessen Obersthofmeister
+in hohem Ansehen stand. In einer grossen Hungersnoth verkaufte
+ein armer Uirate, um nicht Hungers zu sterben, seinen
+Sohn dem Emir Atabeg Iluke für ein Stück Fleisch, und als
+sein Sohn Kadan in den Hofdienst<a name="FNanchor_155" id="FNanchor_155"></a><a href="#Footnote_155" class="fnanchor">[155]</a> Ogotai's trat, gab er
+ihm den Sklaven als Diener mit. Dieser um ein Stück Fleisch
+gekaufte Sklave war <i>Arghun</i>. Iluke's Bruder war der schon
+mehr als einmal genannte <i>Iltschidai</i>, welcher vor des Bruders
+Zorn, der ihn tödten wollte, bei Ogotai Zuflucht suchte und
+fand, der hernach aus Dankbarkeit auf dem Kurultai nach
+Gujuk's Tod die Rechte des Hauses Ogotai wider die Aufrührer
+des Uluses Tuli mit so warmer Beredtsamkeit verfocht,
+dann als Statthalter nach Persien gesandt ward, wo ihn die
+Missionäre als <i>Ergutai</i> kennen, und der, nachdem sein Sohn
+in die Verschwörung der Prinzen des Hauses Dschagatai und
+Ogotai begriffen, nach des Sohnes Tode durch's Schwert
+ebenfalls hingerichtet worden. <i>Arghun</i>, durch Verstand, Beredtsamkeit,
+Tapferkeit und Geschäftskenntniss ausgezeichnet,
+schwang sich bald so hoch, dass er nach Mengkukaan's Thronbesteigung
+zum <i>Baskaken</i>, d. i. Statthalter, Chorasan's ernannt
+ward. Vater zahlreicher Söhne<a name="FNanchor_156" id="FNanchor_156"></a><a href="#Footnote_156" class="fnanchor">[156]</a>, von denen <i>Newrus</i>
+<span class='pagenum'><a name="Page_90" id="Page_90">[90]</a></span>
+und <i>Legsi</i> in der Folge die Hand von Prinzessinnen, seine
+Töchter die von Prinzen und Fürsten erhielten. Von der
+Ebene von Kjanigül aus ergingen an alle Sultane und Könige
+Vorderasiens Schreiben und Diplome, ihnen zu künden, dass
+der Zweck des Feldzugs die vom Kaan befohlene Zerstörung
+der gräuelvollen Macht der Assassinen, dass Hülfe und Bereitwilligkeit
+im Dienste wider dieselben durch Länderzuwachs
+ihren Lohn finden, gegentheilige Gesinnung den Verlust der
+besessenen Länder nach sich ziehen werde. Einige der Fürsten
+waren diesen Kündigungsschreiben durch Erscheinung in Person,
+wie Schemseddin von Kert, zuvorgekommen, nämlich die
+beiden Seldschuken Rum's, die Brüder <i>Iseddin</i> und <i>Rokneddin</i>,
+d. i. die Ehre und die Säule der Religion, der Atabeg von
+Fars, <i>Saad</i>, mehrere Fürsten des nördlichen Persiens aus
+Arran, Schirwan, Aserbeidschan und Gurdschistan, welche
+alle, Geschenke darbringend, huldigten. Nachdem die nöthigen
+Schiffe und Nachen, um über den Oxus zu setzen,
+herbeigeschafft worden, hatte der Uebergang über denselben
+statt, durch welchen Persiens Loos, wie das Roms durch
+den Uebergang über den Rubicon, entschieden ward; am
+ersten Tage des letzten Mondes des 653sten Jahres der
+Hidschret, d. i. am ersten Januar des Jahres 1256 unserer
+Zeitrechnung.</p>
+
+<div class="sidenote">Winterquartier
+zu Scheburghan;
+die beiden
+Dschuweini.</div>
+
+<p>Um den Uebergang über den Oxus in dankbarem Andenken
+zu erhalten, hob Hulagu den bisher von allen Schiffen
+genommenen Ueberfuhrszoll auf, was von damals an während
+der ganzen mongolischen Herrschaft Gesetz blieb. Jenseits
+des Oxus wurde auf Löwen gejagt und zehn derselben erlegt.
+Am zehnten Tage nach dem Uebergange (am moslimischen
+Opferfeste) <span class="xidenote">10. Januar 1256.</span> wurde südwestlich von Balch ausser der Stadt
+<i>Scheburghan</i><a name="FNanchor_157" id="FNanchor_157"></a><a href="#Footnote_157" class="fnanchor">[157]</a> gelagert, deren District bei den morgenländischen
+Geschichtschreibern unter dem Namen der Landschaft
+<i>Dschusdschan</i> oder <i>Dschusdschanan</i> bekannt<a name="FNanchor_158" id="FNanchor_158"></a><a href="#Footnote_158" class="fnanchor">[158]</a>; die mit fliessendem
+Wasser reichlich bewässerten Gärten sind vorzüglich
+<span class='pagenum'><a name="Page_91" id="Page_91">[91]</a></span>
+fruchtbar an Wassermelonen, welche getrocknet verführt
+werden. Dem Heere ward verboten, die Stadt zu betreten;
+ein heftiges Schneegestöber, das durch sieben Tage dauerte,
+von grimmiger Kälte begleitet, war vieler Lastthiere Verderben.
+Hulagu beschloss, hier den Rest des Winters abzuwarten.
+Emir Arghun brachte ein prächtiges, mit goldenen
+Nägeln und Stricken versehenes, goldenes Zelt zum Geschenke
+dar, in welchem Hulagu auf goldenem Throne sass, eine
+Vorbedeutung glücklicher Herrschaft, während um ihn die
+Prinzen und Fürsten versammelt, die gegebenen Feste verherrlichten.
+Nach aufgehobenen Festen begab sich Emir
+Arghun an den Hof des Kaan's, um demselben Bericht zu
+erstatten, liess aber für die Besorgung der Geschäfte seiner
+statt seinen Sohn <i>Kerrai Melik</i> und <i>Alaeddin Athamülk
+Dschuweini</i> als Staatssekretär zum Dienste Hulagu's zurück.
+Alaeddin Athamülk und sein älterer Bruder Schemseddin
+Mohammed Dschuweini sind ein leuchtendes Doppelgestirn
+nicht nur der Wesirschaft, sondern auch der Literatur; dieselben
+erscheinen so oft und wirksam in der Geschichte
+Hulagu's und seines Nachfolgers Abaka, dass nähere Bekanntschaft
+mit ihrer Herkunft und ihrem Wirken hier unabweislich.
+Dschuwein ist die arabisirte Aussprache von <i>Kuwan</i><a name="FNanchor_159" id="FNanchor_159"></a><a href="#Footnote_159" class="fnanchor">[159]</a>,
+einem Distrikte der Stadt <i>Nischabur</i> in Chorasan,
+dessen Hauptort <i>Asadwar</i>, auch <i>Dschuwein</i> genannt, durch
+das erlauchte Brüderpaar für immer in der Geschichte geadelt
+worden. Sie waren die Söhne des Imams <i>Abdulmelik
+Dschuweini</i>, aus einer seit langen Jahren durch hohe Staatsdienste
+geehrten Familie. Als Sultan Mohammed Tekesch
+nach Dschuwein zog, <span class="xidenote">I. J. 588/<br />1192</span> bewillkommte ihn Behaeddin, der Urgrossvater
+Alaeddin's, mit einem Distichon, das er gnädig
+aufnahm, und sein Enkel Behaeddin, der Vater Alaeddin's,
+befand sich im Gefolge <i>Dschelaleddin Mankburni's</i>, als dieser
+vor den Mongolen floh. <span class="xidenote">617/<br />1220</span> Dreizehn Jahre hernach floh Behaeddin
+vor den vom mongolischen Emir Dschintimur zur
+Dämpfung von Unruhen gesandten Truppen nach Tus, <span class="xidenote">630/<br />1232</span> und
+<span class='pagenum'><a name="Page_92" id="Page_92">[92]</a></span>
+Dschintimur ernannte ihn zum Herrn des Diwans in Chorasan
+und Masenderan; <span class="xidenote">633/<br />1235</span> drei Jahre später sandte ihn Dschintimur
+an Ogotai, der ihn ehrenvoll empfing und in seinem Amte
+bestätigte; und als abermal drei Jahre später der Emir
+Körgös, der Statthalter von Chorasan, an den Hof des Kaan's
+sich zu vertheidigen ging, übertrug er in seiner Abwesenheit
+die Statthalterschaft Chorasan's an Behaeddin; desgleichen
+that der Nachfolger von Körgös, der Emir Arghun, bei seiner
+ersten Reise in's Hoflager; bei seiner zweiten führte er ihn mit
+sich; endlich starb er zu Issfahan, sechzig Jahre alt. Sein
+Sohn Alaeddin, im Sterbjahre Tschengischan's geboren, kam
+schon in früher Jugend in das Gedränge der Geschäfte des
+Diwan's, und verschloss, wie er selbst reuig in seiner Geschichte
+bekennt, das Ohr den heilsamen Ermahnungen des
+Vaters, welcher ihm gerathen, sich den Wissenschaften zu
+widmen. Später jedoch holte er das Versäumte durch Studien
+nach, von denen seine Geschichte Tschengischan's, welche
+den Titel <i>Dschihanguscha</i>, d. i. die Welteröffnende, führt<a name="FNanchor_160" id="FNanchor_160"></a><a href="#Footnote_160" class="fnanchor">[160]</a>,
+die schönste und bleibende Frucht. In seinem siebzehnten
+und achtzehnten Jahre begleitete er den Emir Arghun auf
+dessen Reisen in's Hoflager und in seinem zwanzigsten zum
+Kurultai der Thronbesteigung Mengkukaan's, an dem er sich
+mehrere Jahre aufgehalten zu haben scheint, da dort die
+Anforderung an ihn erging, die Geschichte Tschengischan's
+zu schreiben, die er im sieben und zwanzigsten Jahre seines
+Alters begann. Er spricht darin von seinen Reisen in Mawereinnehr,
+Turkistan und an die chinesische Gränze und
+beschreibt die in der Nähe Karakorums entdeckten Ruinen
+der vormaligen Hauptstadt der Uighuren. Seit der Abreise
+Arghun's von Schaburghan an den Hof des Kaan's versah
+<i>Athamülk</i> bei Hulagu die wichtige Stelle des Staatssekretärs,
+als Hulagu's unzertrennlicher Begleiter.</p>
+
+<div class="sidenote">Keitbuka
+belagert die
+Schlösser
+der Assassinen.</div>
+
+<p>Keitbuka der Dschelaire war mit dem Vortrabe des
+Heeres gleich nach dem Kurultai, auf welchem der Feldzug
+nach Westen beschlossen worden, gegen Kuhistan aufgebrochen
+<span class='pagenum'><a name="Page_93" id="Page_93">[93]</a></span>
+und mit fünftausend Fussgängern in <i>Kuhistan</i>, d. i.
+im Gebirgslande der Assassinen, an den Fuss des Schlosses
+<i>Girdkjuh</i>, d. i. Kreisberg, einer ihrer beträchtlichsten Festen,
+gelangt. <i>Girdkjuh</i>, auch <i>Derikunbed</i>, d. i. das Gewölbthor,
+genannt, liegt drei Farasangen von Demghan in der Landschaft
+Kumis in der Nähe von Manssurabad oder Manssurije<a name="FNanchor_161" id="FNanchor_161"></a><a href="#Footnote_161" class="fnanchor">[161]</a>.
+Die Belagerungsweise war eine neue, vordem und seitdem
+unerhörte, ächt mongolische oder chinesische; rund um das
+Schloss wurde ein Graben gezogen, hinter demselben eine
+Mauer aufgeführt, hinter der Mauer stand das Heer und
+hinter demselben abermal eine hohe Mauer aufgebaut, damit
+es so von vornen als hinten wider Ueberfälle geschützt und
+auf allen Seiten der Weg zur Feldflucht gesperrt sei<a name="FNanchor_162" id="FNanchor_162"></a><a href="#Footnote_162" class="fnanchor">[162]</a>; so
+war das Bergschloss von einem dreifachen Kreise, dem des
+Heeres und der beiden Mauern, umzüngelt, und verdiente
+im eigentlichsten Sinne den Namen <i>Kreisberg</i>. Da das Schloss
+festhielt, zog er mit Truppenabtheilungen nach den anderen
+Schlössern, von denen die Geschichte dieses Feldzugs ein
+Dutzend nennt, von denen nicht nur bisher auf den bessten
+Karten keine Spur, sondern deren Namen sogar in den bessten
+geographischen Werken des Morgenlandes über Persien, in
+den arabischen Abulfeda's<a name="FNanchor_163" id="FNanchor_163"></a><a href="#Footnote_163" class="fnanchor">[163]</a>, dem persischen Hamdallah Mestufi's<a name="FNanchor_164" id="FNanchor_164"></a><a href="#Footnote_164" class="fnanchor">[164]</a>
+und im türkischen Hadschi<a name="FNanchor_165" id="FNanchor_165"></a><a href="#Footnote_165" class="fnanchor">[165]</a> Chalfa's, der aus beiden
+geschöpft, fehlen. So zog er belagernd vor die Schlösser
+<i>Mehrin</i>, vor dem er Wurfmaschinen aufstellte, <i>Schahdis</i>, wo
+er einen Haufen von Feinden tödtete und zurückkehrte bis
+<i>Tarim</i> und <i>Rudbar</i>, die er verwüstete, an den Fuss von Manssurije
+und Ohlomischin, wo durch achtzehn Tage gekämpfet
+ward; die von <i>Schirkjuh</i> machten indessen einen nächtlichen
+Ueberfall, in welchem sie den Belagerungswall verheerten<a name="FNanchor_166" id="FNanchor_166"></a><a href="#Footnote_166" class="fnanchor">[166]</a>.
+<span class='pagenum'><a name="Page_94" id="Page_94">[94]</a></span>
+Die beiden Schlösser <i>Schir</i> und <i>Sirkjuh</i><a name="FNanchor_167" id="FNanchor_167"></a><a href="#Footnote_167" class="fnanchor">[167]</a> wurden berennt,
+<i>Mehrin</i> genommen; die Besatzung von <i>Girdkjuh</i> hatte indessen
+an Alaeddin Mohammed, den Grossmeister, Wort gesandt,
+dass trotz der tapferen Vertheidigung sie sich würden bald
+ergeben müssen; <span class="xidenote">Schaaban 651/<br />Nov. 1255</span> da sandte der Grossmeister zwei seiner
+Hauptleute<a name="FNanchor_168" id="FNanchor_168"></a><a href="#Footnote_168" class="fnanchor">[168]</a> mit hundert zehn Tapferen, jeden mit drei
+<i>Menn</i> Henna und drei Menn Salz, an welchem das Schloss
+Mangel litt; das Henna nicht zum gewöhnlichen Gebrauche
+der Bartfärbung oder Nägelschminke, sondern als Mittel wider
+die grassirende Pest; denn man hatte bei der Hochzeit der
+Tochter eines Emirs die Erfahrung gemacht, dass alle, welche
+(ob Wassermangels) von dem Wasser, worin das Henna aufgelöset
+worden, getrunken, von der Pest frei geblieben waren.
+Indessen ward Alaeddin der Grossmeister, dessen Vater und
+Nachfolger vor Einem Jahre<a name="FNanchor_169" id="FNanchor_169"></a><a href="#Footnote_169" class="fnanchor">[169]</a> durch die nächsten Verwandten
+vergiftet worden, durch den Meuchler Hasan von Masenderan
+und hierauf der Mörder selbst auf Befehl Chorschah's, des
+Sohnes und Nachfolgers Alaeddin's, getödtet. <span class="xidenote">letzten Schaaban 653/<br />Dec. 1255</span> Der Vatermord
+rächte den Vettermord; der Meuchler ward gemeuchelt.
+Alaeddin war als zehnjähriger Knabe auf den Herrscherstuhl
+gesetzt worden, den er durch vier und dreissig Jahre mit
+Blut und Gräueln aller Art befleckte. Hasan aus Masenderan
+hatte ihm, bis sein Bart grau zu werden anfing, zum Lotterbuben
+gedient, dann hatte er ihm eine seiner Sklavinnen
+geschenkt; da er aber nichtsdestoweniger den Mann und das
+Weib in beider Gegenwart, diese an jenes statt, jenen als
+diese, zu misbrauchen fortfuhr, ergrimmte Hasan über so
+schändlichen Misbrauch des Herrschergelüstes und schwur
+ihm den Tod; er theilte sein blutiges Vorhaben jedoch dem
+mit dem Vater stets entzweiten Sohne mit, und als dieser
+dazu schwieg, führte er, unter vorausgesetzter stillschweigender
+Beistimmung, das Werk der Rache aus. Der Dichter
+<span class='pagenum'><a name="Page_95" id="Page_95">[95]</a></span>
+Schemseddin Ejub Tausi verfertigte auf den Tod Alaeddin's
+ein Gedicht, woraus die Verse:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Der Todesengel trug ihn zu der Hölle Strafen,<br /></span>
+<span class="i0">Um in geschmolznem Pech den Rausch dort auszuschlafen;<br /></span>
+<span class="i0">Entgegen kamen ihm der Hölle Feuerschenken,<br /></span>
+<span class="i0">Um als Gefährten ihn mit Gluthenschwall zu tränken.<br /></span>
+</div></div>
+
+<div class="sidenote">Die Städte
+Tun und Tus.</div>
+
+<p>Hulagu sandte den Herrn von Herat, Schemseddin Kert,
+an den Gebietiger<a name="FNanchor_170" id="FNanchor_170"></a><a href="#Footnote_170" class="fnanchor">[170]</a> des Schlosses <i>Sertacht</i>, an Nassireddin,
+dessen Name durch den grossen Astronomen Nassireddin von
+Tus, welcher seine demselben gewidmete berühmte Ethik
+nach dessen Namen die <i>Nassirische Moral</i><a name="FNanchor_171" id="FNanchor_171"></a><a href="#Footnote_171" class="fnanchor">[171]</a> betitelte, rühmlich
+fortlebt. Der Gebietiger übergab das Schloss und kam mit
+Melik Kert zur Huldigung Hulagu's. Dieser fragte ihn: warum
+er nicht auch die Bewohner des Schlosses mit sich geführt?
+Nassir entgegnete, dass diese dem Grossmeister Chorschah
+und nicht ihm gehorchten. Hulagu liess ihm Diplom und
+das Ehrenzeichen des Löwenkopfs geben und sandte ihn als
+Befehlshaber nach Tun. <i>Tun</i>, eine der vorzüglichsten Städte
+Kuhistan's, zwei Tagreisen südlich von Meschhed auf der
+Strasse von Kerman, nicht ferne von <i>Kain</i><a name="FNanchor_172" id="FNanchor_172"></a><a href="#Footnote_172" class="fnanchor">[172]</a>, zeichnet sich
+durch besondere Anlage der Häuser und Gärten aus, indem
+das Schloss mit tiefem Graben, ausser welchem der Markt
+und die Häuser mit Gärten und diese von Saatfeldern und
+die Felder mit Mauern umgeben, das Ganze mit unterirdischen
+Wasserleitungen und mit Gruben durchschnitten, in
+welchen Wassermelonen trefflich gedeihen<a name="FNanchor_173" id="FNanchor_173"></a><a href="#Footnote_173" class="fnanchor">[173]</a>. Hulagu, nach
+<i>Sawa</i> und <i>Chawwaf</i><a name="FNanchor_174" id="FNanchor_174"></a><a href="#Footnote_174" class="fnanchor">[174]</a> vorgerückt, erlitt einigen Verlust;
+<i>Kuli Ilkai</i> und <i>Keitbuka</i><a name="FNanchor_175" id="FNanchor_175"></a><a href="#Footnote_175" class="fnanchor">[175]</a> wurden weiter an die Gränze von
+Kuhistan vorausgesandt, wo sie einigen Widerstand fanden,
+aber binnen einer Woche denselben besiegten, und dann vor
+Tun die Wurfmaschinen aufpflanzten; in zwölf Tagen war
+<span class='pagenum'><a name="Page_96" id="Page_96">[96]</a></span>
+die Stadt erobert, <span class="xidenote">7. Rebiulachir 654/<br />5. Mai 1256</span> und sie kehrten sogleich zu Hulagu zurück,
+der sich zu Tus befand. Tus, eine der ältesten Städte
+Chorasan's, schon im Beginne des neunten Jahrhunderts der
+christlichen Zeitrechnung<a name="FNanchor_176" id="FNanchor_176"></a><a href="#Footnote_176" class="fnanchor">[176]</a> durch die Grabstätte des Chalifen
+Harun Reschid<a name="FNanchor_177" id="FNanchor_177"></a><a href="#Footnote_177" class="fnanchor">[177]</a> nur um neun Jahre später durch die
+Ali Ben Musa Risa's des achten Imam's, zwei Jahrhunderte
+hernach durch die des grössten persischen ethischen Dichters
+<i>Firdewsi</i><a name="FNanchor_178" id="FNanchor_178"></a><a href="#Footnote_178" class="fnanchor">[178]</a>, als der Geburtsort <i>Ghasali's</i> des grossen Philosophen,
+<i>Nassireddin's</i> des grossen Astronomen und <i>Hamdallah
+Mestufi's</i> des grossen Geographen und Geschichtschreibers,
+verherrlicht. Dieser belehrt uns, dass die Stadt schon von
+Dschemschid gebaut, nach ihrer Verwüstung von Tus, dem
+Sohne <i>Nuser's</i>, wieder aufgebaut, von ihm den Namen erhalten;
+dass das Grabmal Ali Musas, vier Farasangen von
+Tus im Dorfe des Distrikts <i>Sebanabad</i><a name="FNanchor_179" id="FNanchor_179"></a><a href="#Footnote_179" class="fnanchor">[179]</a>, der um dasselbe
+angebauten Stadt den heutigen Namen <i>Meschhed</i> gegeben;
+folglich sind die Ruinen des alten Tus vier Farasangen vom
+heutigen Meschhed, das schon mehrere Reisende besucht,
+keiner so umständlich beschrieben, als Fraser<a name="FNanchor_180" id="FNanchor_180"></a><a href="#Footnote_180" class="fnanchor">[180]</a>. Meschhed,
+der Geburtsort und die Grabstätte so vieler der grössten
+Lichter Persiens, ist heute, was ehemals Bochara war, der
+Sammelplatz der Gelehrten; von einigen und zwanzig Tausend
+Einwohnern der Stadt sind die zahlreichsten die Imame,
+Molla, Muderrise (Professoren) und Danischmende (Studenten),
+welche den verschiedenen Moscheen, Medreseen,
+Grabstätten und Domen angehören. Das Innere einer Medrese
+gleicht einem Karawanserai, nur mit Abwesenheit der Stallgewölbe;
+dem Eingange in die Mitte der Nord- oder Nordostseite
+steht in der Mitte der Süd- oder Südostseite eine
+gewölbte Nische entgegen, welche die Kibla vorstellt und
+wohin sich alle Gesichter beim Gebete wenden; in der Mitte
+der beiden Seitenwände sind Balcone, von Säulen getragen,
+für die Wohnungen der höheren Molla, in der Mitte des
+Hofes ein kleiner Garten und im Mittelpunkte desselben ein
+<span class='pagenum'><a name="Page_97" id="Page_97">[97]</a></span>
+Wasserbecken. Die grosse Moschee von Meschhed, welche
+das Grab Ali Risa's umschliesst, ist hundert fünf und sechzig
+Klafter lang und fünf und zwanzig breit, in der Art eines
+Karawanserai, mit zwei Stock hohen, rings herum laufenden
+Gemächern gebaut, im Mittel und an den Ecken jeder Seite
+hochgewölbte Thore, das Ganze mit glasirten vielfarbigen
+Ziegeln auf das Geschmackvollste bekleidet; dieser herrliche
+Hof heisst <i>Ssahn</i>, d. i. das Feld, wie der Vorhof der grossen
+Moscheen zu Konstantinopel, wesshalb die dort an der
+Moschee Mohammed's II. angestellten Professoren der acht
+Medreseen die Achter vom Felde genannt werden. Der
+Dom des Mausoleums, mit goldenen Ziegeln bedeckt, rings
+herum mit goldenen Inschriften in lazurblauem Felde geschmückt,
+die Schafte der beiden Minarete reich vergoldet
+und oben mit zierlich geschnitzten hölzernen Gallerien gekrönt.
+Von diesen herrlichen, erst unter der Dynastie der
+Ssefi errichteten Gebäuden bestand noch Nichts zur Zeit
+Hulagu's, wohl aber waren die Grabstätten der grossen
+Chalifen Imam's und Dichter ein Gegenstand der Verehrung
+der Wallfahrter; noch sind die Mauern von Tus mit ihren
+Thürmen aus Lehmen sichtbar und ausser den obgenannten
+Grabmälern grosser Männer wird noch das Grab Burk Eswed's
+besucht, welcher nach der Volkssage ein Neger, Freund
+des Herrn Jesus gewesen, nach dessen Tode hierher geflohen,
+hier gestorben und bestattet worden sein soll.<a name="FNanchor_181" id="FNanchor_181"></a><a href="#Footnote_181" class="fnanchor">[181]</a></p>
+
+<div class="sidenote">Tus, Bostam,
+Aufforderung
+an
+Chuarschah.</div>
+
+<p>Hulagu stieg zu Tus im Garten Arghun's im goldenen
+Zelte ab, welches dieser auf ausdrücklichen Befehl des
+Kaan's für Hulagu nach dem Muster der grossen goldenen
+Zelte des Kaan's bereitet hatte; von da begab er sich nach
+dem Garten Manssurije, welchen Arghun von seiner Verwüstung
+wieder hergestellt. Hier brachten die Frauen
+Arghun's und Iseddin Tahir's Proviant dar<a name="FNanchor_182" id="FNanchor_182"></a><a href="#Footnote_182" class="fnanchor">[182]</a>; den nächsten
+Tag begab sich Hulagu nach der Ebene von <i>Radgjan</i>, wohin
+von <i>Merw</i>, <i>Jesrud</i> und <i>Dehistan</i> Wein und Lebensmittel im
+<span class='pagenum'><a name="Page_98" id="Page_98">[98]</a></span>
+Ueberflusse zugeführt worden; hierauf nach dem seit der
+Ankunft der Mongolen verwüsteten Flecken Chabuschan<a name="FNanchor_183" id="FNanchor_183"></a><a href="#Footnote_183" class="fnanchor">[183]</a>.
+Hulagu befahl, denselben wieder herzustellen, liess Kanäle
+graben, eine Fabrik bauen und neben der Moschee einen
+Garten anlegen; den Emiren wurde befohlen, dort Häuser
+zu bauen, und dem Wesir <i>Seifeddin</i> die Leitung und Oberaufsicht
+des Baues aufgetragen. Die drei Gesandte<a name="FNanchor_184" id="FNanchor_184"></a><a href="#Footnote_184" class="fnanchor">[184]</a>, welche
+an Chuarschah, den Grossmeister der Assassinen, abgesandt
+worden, <span class="xidenote">29. Deschem. I. 654/<br />24. Juli 1256</span> kamen unverrichteter Dinge zurück, und es ward
+daher sogleich der Befehl zur Verheerung des Landes gegeben. <span class="xidenote">10. Schaaban/<br />2. Sept.</span>
+Acht Tage hierauf stand das Lager zu Bestam, der
+östlichsten der drei Hauptstädte der Landschaft Kumis (die
+beiden anderen sind Demghan und Semnan). Bestam, eine
+alte, schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der
+Hidschret durch Erdbeben verwüstete Stadt<a name="FNanchor_185" id="FNanchor_185"></a><a href="#Footnote_185" class="fnanchor">[185]</a>, dankt ihren
+Ruhm vorzüglich der Grabstätte des zwanzig Jahre hernach<a name="FNanchor_186" id="FNanchor_186"></a><a href="#Footnote_186" class="fnanchor">[186]</a>
+gestorbenen grossen mystischen Scheichs Bestami<a name="FNanchor_187" id="FNanchor_187"></a><a href="#Footnote_187" class="fnanchor">[187]</a>, dem
+Stifter des nach ihm genannten Ordens der Derwische Bestami;
+später ward dieselbe noch als die Geburtsstadt zweier
+anderer grossen Gelehrten verherrlicht, der eine Abderrahman
+Ben Mohammed Bestami, der in der Hälfte des
+fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung, Verfasser
+von vierzig Werken, starb<a name="FNanchor_188" id="FNanchor_188"></a><a href="#Footnote_188" class="fnanchor">[188]</a>, und Ali Ben Medschdeddin
+Bestami<a name="FNanchor_189" id="FNanchor_189"></a><a href="#Footnote_189" class="fnanchor">[189]</a>, welcher, berühmt unter dem Namen
+<i>Mussannifek</i>, d. i. der kleine Compositor, sich in der osmanischen
+Geschichte keinen minderen Namen durch seine
+zwanzig Werke, als durch seinen Fanatismus erworben,
+welcher ihn dazu antrieb, an dem gefangenen letzten König
+von Bosnien selbst das Amt des Henkers zu vollstrecken<a name="FNanchor_190" id="FNanchor_190"></a><a href="#Footnote_190" class="fnanchor">[190]</a>.
+Von Bestam aus sandte Hulagu abermal zwei Gesandte<a name="FNanchor_191" id="FNanchor_191"></a><a href="#Footnote_191" class="fnanchor">[191]</a>
+<span class='pagenum'><a name="Page_99" id="Page_99">[99]</a></span>
+an den Grossmeister der Assassinen mit Drohungen und Verheissungen.
+Bei demselben befand sich der grosse Astronom
+Nassireddin mit zwei berühmten Aerzten<a name="FNanchor_192" id="FNanchor_192"></a><a href="#Footnote_192" class="fnanchor">[192]</a>, welcher, in die
+Macht der Assassinen gefallen, eine Zeit lang bei Nassir,
+dem Gebietiger von Sertacht, verweilet, jetzt der Arzt und
+Rath des neuen Fürsten der Assassinen. Nassireddin beschloss
+mit seinen Collegen, dem Gräuel der Assassinenherrschaft
+ein Ende zu machen, indem sie zum freundlichen
+Empfange des Botschafters Hulagu's riethen. Chuarschah befolgte
+ihren Rath und sandte mit den freundlich empfangenen
+Botschaftern Hulagu's seinen Bruder Schehinschah und den
+Chodscha Assileddin von Susen<a name="FNanchor_193" id="FNanchor_193"></a><a href="#Footnote_193" class="fnanchor">[193]</a>, um seine Unterwerfung
+dem Hulagu darzubringen. Hulagu empfing sie freundlich
+und sandte abermals vier Botschafter<a name="FNanchor_194" id="FNanchor_194"></a><a href="#Footnote_194" class="fnanchor">[194]</a> mit dem Begehren,
+dass, wenn die Unterwerfung aufrichtig, Chuarschah die
+Schlösser brechen und selbst am Hofe des Chan's erscheinen
+möge. Chuarschah antwortete: wenn mein Vater widerspenstig
+war, will ich unterwürfig sein; er fing an, an einigen
+Schlössern, wie <i>Meimundis</i>, <i>Lemsir</i> und <i>Alamut</i>, Zinnen,
+Thore und Mauern abbrechen zu lassen, begehrte aber die
+Frist eines Jahres bis zu deren gänzlichen Uebergabe. Die
+Frist nicht gewährend, bot Hulagu seine Heere auf und zog
+von Bestam aus wider die Schlösser; der rechte, von Köke
+Ilka und Tukatimur befehligte Flügel zog auf der Strasse von
+Masenderan, der linke, unter dem Befehle des Prinzen
+Tekuder Aghul<a name="FNanchor_195" id="FNanchor_195"></a><a href="#Footnote_195" class="fnanchor">[195]</a> und Keitbuka Nujan's, auf der Strasse
+von Chuar und Semnan; Hulagu, im Mittelpunkte mit einem
+Toman, d. i. mit zehntausend Wackeren, zog gegen <i>Firuskjuh</i>,
+d. i. den Glücksberg, auf welchem heute die Ruinen des
+Schlosses der Assassinen für eine Windmühle und ein Bad
+aus der Zeit Alexander's des Grossen gelten<a name="FNanchor_196" id="FNanchor_196"></a><a href="#Footnote_196" class="fnanchor">[196]</a>. Er sandte
+abermals Aufforderung an Chuarschah, sich unmittelbar zu
+<span class='pagenum'><a name="Page_100" id="Page_100">[100]</a></span>
+ergeben. Als die Fahnen der Mongolen bereits vor Firuskjuh<a name="FNanchor_197" id="FNanchor_197"></a><a href="#Footnote_197" class="fnanchor">[197]</a>,
+kamen die Gesandten und mit ihnen der Wesir
+und traute Gesellschafter Chuarschah's Keikobad zurück.
+Er bat im Namen seines Herrn noch einmal um Frist eines
+Jahres bis zum gänzlichen Auszuge und um die Schonung
+Lemsir's und Alamut's, der ältesten Burgen ihrer Herrschaft;
+er sandte Kabinetsbefehle an die Gebietiger von <i>Girdkjuh</i>
+und <i>Kuhistan</i>, sich sogleich zu unterwerfen, und hoffte so
+den Sturm zu beschwören.</p>
+
+<div class="sidenote">Demawend,
+Fall von
+Meimundis.</div>
+
+<p>Die Fahnen Hulagu's flatterten nun zu Demawend, einer
+der ältesten Städte Iran's, am Fusse des gleichnamigen Berges
+gelegen, der ein vulkanischer, durch Erdbeben und Rauch
+Verwüstungen anrichtet und androht. Hier residirte der
+Tyrann Sohak, dessen Karbunkel auf der Achsel, wo ihn
+der Satan geküsst, nach der Volkssage nur durch das Gehirn
+zweier täglich geschlachteter Menschen gelindert werden
+konnte. Von dieser Tyrannei befreite sein Volk der Schmied
+Gjawe, dessen Schurzfell, an einen Spiess gestekt, die
+Fahne, unter welcher sich die Völker zum Sturze des Tyrannen
+sammelten, vor dessen Grimm sich die Schlachtopfer
+seiner Regierung bis in's Gebirge von Kurdistan geflüchtet
+hatten, und der endlich selbst in's Gebirge von Demawend
+verbannt ward. Alljährlich am 31. August wird, unabhängig
+vom moslimischen Kalender, das Befreiungsfest von der Regierung
+Sohak's zu Demawend gefeiert. Die Bewohner der
+Umgegend sammeln sich, auf Pferden, Mäulern, Eseln beritten,
+und ziehen unter lautem Geschrei durch das Feld<a name="FNanchor_198" id="FNanchor_198"></a><a href="#Footnote_198" class="fnanchor">[198]</a>,
+jubelnd, dass ihre Väter dem Halloh der Tyrannei entflohen,
+welche noch so schwer auf ihnen selbst lastet; Nachts werden
+Feuer auf den Terrassen der Häuser angezündet und
+die Stadt beleuchtet, Freudenfeuer über die Erlösung von
+dem Drucke Sohak's, durch welchen die Seufzer der Unterdrückten
+wie Flammen zum Himmel emporstiegen. Dieses
+<span class='pagenum'><a name="Page_101" id="Page_101">[101]</a></span>
+Fest heisst das Fest der Kurden, auf denen Sohak's Tyrannei
+vorzüglich lastete. Demawend soll schon von Siamek,
+dem Sohne des Keiomer's, des zweiten Herrschers der
+Pischdadier, gebaut worden und von Tahmuras Diwbend,
+d. i. dem Diwbändiger, sollen die Diwe in den Demawend
+gebannt worden sein, wo sich ihr Daseyn noch durch Rauch
+und Erdbeben kund gibt. Von hier sandte Hulagu den
+<i>Schemseddin Kilegi</i> nach Girdkjuh (dem <i>Tigado Haithon's</i>),
+um den Befehlshaber zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und
+einen anderen Gesandten an Chuarschah, um diesen zu
+bringen. Hulagu erwartete den Erfolg dieser Botschaften
+zu Abbasabad<a name="FNanchor_199" id="FNanchor_199"></a><a href="#Footnote_199" class="fnanchor">[199]</a>, in der Nähe von Rei, der alten Hauptstadt
+des persischen Irak. Chuarschah sandte seinen Sohn,
+einen achtjährigen Knaben, <span class="xidenote">17. Ramasan 654/<br />8. Oct. 1256</span> welchen ihm aber Hulagu mit
+der Botschaft zurücksandte, dass, wenn er selbst nicht kommen
+könne, er einen anderen Bruder statt Schehinschah's senden
+möge. Chuarschah sandte seinen Bruder Schiranschah und
+den Chodscha Assileddin mit dreihundert Mann, um seine
+Huldigung darzubringen. <span class="xidenote">1. Schewwal 654/<br />26. Oct.</span> Nach vier Tagen wurden sie mit
+einem Diplome zurückgesendet, welches dem Chuarschah,
+da er Nichts verbrochen, die Gnade des Kaan's versicherte,
+wenn er seine Schlösser ausliefern wollte; zugleich erhielt
+das Heer den Befehl, von allen Seiten aufzubrechen. Köke
+Ilka und Tukatimur nahten sich von der Seite von Ispidar;
+Chuarschah fragte: warum sie kämen, da er zur Unterwerfung
+bereit; sie antworteten: es sei die Heeresstrasse, auf
+der sie nach Fütterung auszögen. Hulagu hatte sich indess
+gegen <i>Thalkan</i><a name="FNanchor_200" id="FNanchor_200"></a><a href="#Footnote_200" class="fnanchor">[200]</a> gewendet, <span class="xidenote">10. Scheww./<br />31. October</span> einer Stadt der Landschaft
+<i>Tocharistan</i>, nach welcher die Mongolen von den Byzantinern
+den Namen <i>Tocharen</i> erhielten, der noch in dem der
+Mongolen <i>Tsacharen</i> fortlebt. Ohne einen eingefallenen
+Regenstrom wäre Chuarschah schon diesen Abend am Fusse
+seines Schlosses gefangen worden; acht Tage hernach, <span class="xidenote">19. Scheww./<br />8. November</span> als
+sich das Wetter aufgeheitert, ward Kriegsrath gehalten, ob
+<span class='pagenum'><a name="Page_102" id="Page_102">[102]</a></span>
+die Belagerung des Schlosses noch bei so weit vorgerückter
+Jahreszeit zu unternehmen, oder auf's nächste Jahr zu verschieben
+sei; der Wesir Seifeddin, die Generale Keitbuka
+und Bukatimur stimmten für die Belagerung. Hulagu sandte
+abermals Botschaft, halb drohend, halb versöhnend, einen
+letzten Termin von fünf Tagen zur Uebergabe bestimmend.
+Chuarschah verlor den Kopf und sandte seinen gelehrten
+Arzt und Rathgeber Nassireddin von Tus mit seinem Bruder
+Iranschah und seinem Sohne Turkia mit vielen Geschenken,
+seine Unterwürfigkeit darzubringen; drei Tage hernach,
+Sonntags den 19. November, <span class="xidenote">19. Nov. 1256</span> kam Chuarschah selbst, um
+den Fuss des Kaan's zu küssen; er kleidete seine Unterwerfung
+in die folgenden beiden, von ihm selbst verfertigten
+Distichen ein:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">O Schah, ich komm' an deinen Hof, gewarnt,<br /></span>
+<span class="i0">Bereuend Schuld, die mich bisher umgarnt.<br /></span>
+<span class="i0">Dein Glück hat diesen Lauf für mich genommen,<br /></span>
+<span class="i0">Wie wär' ich sonst, wozu wär' ich gekommen!<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Hulagu sah, dass er einen unerfahrenen Jüngling vor sich
+hatte; er schmeichelte ihm mit Verheissungen und bewog
+ihn, alle Burgen seiner Vorfahren, deren Zahl auf hundert
+stieg, zu brechen, nur <i>Girdkjuh</i> und <i>Lemsir</i>, in welchen
+sich die Besatzungen noch festhielten, ausgenommen; die zu
+<i>Meimundis</i><a name="FNanchor_201" id="FNanchor_201"></a><a href="#Footnote_201" class="fnanchor">[201]</a> aufgespeicherten Schätze wurden ausgeliefert
+und unter die Emire des Heeres vertheilt. Hulagu zog vor
+<i>Alamut</i>, d. i. das Adlernest, den Hauptsitz des Grossmeisters
+der Assassinen, von wo unter dem Gründer Hasan
+Ssabbah die Macht des Ordens wie ein Adler aufflog. Der
+Befehlshaber ergab sich, nachdem er ein Paar Tage Widerstand
+geleistet. <span class="xidenote">26. Silhidsche 654/<br />15. December</span> Die Mongolen drangen ein, zerbrachen die
+Wurfmaschinen und gaben den Einwohnern drei Tage Frist
+zum Abzuge.</p>
+
+<div class="sidenote">Schlösser
+der
+Assassinen.</div>
+
+<p>Nach Abzug der Besatzung, nach Vertheilung der Beute,
+sandte Hulagu seinen gelehrten Staatssekretär Athamülk
+<span class='pagenum'><a name="Page_103" id="Page_103">[103]</a></span>
+Dschuweini in's Schloss von Alamut, um die Archive und
+die Bibliothek zu durchsuchen. Die Korane und einige andere
+kostbare Werke wurden bei Seite gelegt, darunter eines,
+welches den Titel: <i>Begebenheiten unsers Herrn und Meisters</i><a name="FNanchor_202" id="FNanchor_202"></a><a href="#Footnote_202" class="fnanchor">[202]</a>
+führte und das Leben Hasan Ssabbah, des Gründers
+des Ordens, enthielt, woraus Athamülk in seiner <i>Welteröffnenden
+Geschichte</i> die verlässlichsten Nachrichten über denselben
+gegeben; alle anderen Werke philosophischen und
+freigeisterischen Inhalts über die Lehre der Ismaili wurden
+den Flammen übergeben. Ob er dieses Autodafe der Bücher
+auf Hulagu's Befehl oder aus eigenem Antriebe veranstaltet,
+ob, wenn dieser Brand blos sein Werk gewesen, ihn dazu
+nur der Feuereifer rechtgläubigen Islams, oder, wie ihn
+spätere Geschichtschreiber dessen beschuldigen, verdammenswerthe
+engherzige Habgier ausschliesslicher Gelehrsamkeit
+bewogen, ist heute zu entscheiden unmöglich. Er
+soll nämlich blos die historischen Werke, die er benutzen
+wollte, gerettet und auch diese hernach den Flammen preisgegeben
+haben, um die Gelehrsamkeit als Geschichtschreiber
+zu monopolisiren. Eine ähnliche Anklage lastet auch auf
+dem Andenken des grossen Astronomen Nassireddin und des
+grossen Arztes Ibn Sina<a name="FNanchor_203" id="FNanchor_203"></a><a href="#Footnote_203" class="fnanchor">[203]</a>. In welchem Gelehrtenkopf immer
+solche Barbarei Eingang gefunden haben mag, so ist dieselbe
+doch vom einseitigen Mathematiker und Arzte oder
+Philosophen begreiflicher, als vom Geschichtschreiber,
+welcher, wenn er seine Quellen, statt dieselben anzuführen,
+vernichtet, mit denselben seine Glaubwürdigkeit zerstört.
+Zur Ehre des grossen Geschichtschreibers, Astronomen und
+Arztes, welche so ausschweifender und ausschliesslicher
+Ruhmsucht bezüchtiget werden, wollen wir glauben, dass
+der Gedanke davon nicht in ihrem vielumfassenden Geiste,
+sondern in dem engeren ihrer Ankläger Platz greifen konnte.
+<span class='pagenum'><a name="Page_104" id="Page_104">[104]</a></span>
+<i>Alamut</i>, d. i. das Adler- oder Geyernest, auf einem hohen
+steilen Hügel, nordöstlich von Kaswin gelegen, bietet noch
+heute in seinen Ruinen eine lange Reihe durch Mauern
+mit einander verbundener Thürme dar, welche auch dem,
+der sie, wie Ker Porter, der Maler des persischen Alterthums,
+nur von ferne gesehen, als unbezwingbar ins Auge
+springen.<a name="FNanchor_204" id="FNanchor_204"></a><a href="#Footnote_204" class="fnanchor">[204]</a> Der ganze Gebirgsdistrikt zwischen Dilem und
+Irak, durch dessen Schluchten der Fluss <i>Schahrud</i>, d. i.
+der Königsfluss, sich mühsam den Weg bahnt, heisst <i>Rudbar</i>,
+d. i. das Flussland, und zwar das von Alamut zum Unterschiede
+vom südlichen, von Lur, in Issfahan's Nähe, welches
+der <i>Sendrud</i>, d. i. der lebendige Fluss, durchströmt. Hasan
+Ssabbah hatte sich Alamut's halb mit Gewalt, halb mit List
+bemächtigt, <span class="xidenote">483/<br />1090</span> dann sich vom seldschukischen Sultan <i>Berkjarok</i>
+das in der Nähe von Damaghan gelegene Schloss Girdkjuh
+erbeten, und zwölf Jahre nach der Besitznahme von Alamut
+das im selben Thalwege gelegene feste Schloss von <i>Lembeser</i><a name="FNanchor_205" id="FNanchor_205"></a><a href="#Footnote_205" class="fnanchor">[205]</a>.
+Nebst Alamut, d. i. dem Geyerneste, <i>Girdkjuh</i>,
+d. i. dem Gürtelberg, und <i>Lembeser</i>, d. i. <i>Ruh' im Kopf</i>,
+waren die festesten Schlösser der Assassinen (nach den
+Citadellen der Städte <i>Tun</i> und <i>Kain</i>) in Kuhistan: das von
+<i>Meimundis</i>, d. i. die glückliche Feste, aus welcher der letzte
+Grossmeister abzog, und <i>Muminabad</i>, d. i. der <i>Bau der
+Gläubigen</i>, welches seinen Namen und seine Befestigung
+vermuthlich dem vorvorletzten Grossmeister, welcher den
+Beinamen des <i>neuen Musulman</i> führte, dankt, dessen Name
+in der heutigen Verstümmelung von <i>Meiomend</i><a name="FNanchor_206" id="FNanchor_206"></a><a href="#Footnote_206" class="fnanchor">[206]</a> kaum zu
+erkennen, und dessen ausserordentliche Festigkeit die Geographie
+Hamdallah's anrühmt<a name="FNanchor_207" id="FNanchor_207"></a><a href="#Footnote_207" class="fnanchor">[207]</a>; so auch die des am Berge
+<i>Demawend</i> gelegenen <i>Firuskjuh</i>, d. i. Glücksberg, und das
+Schloss <i>Dschenabdar</i> oder <i>Kebajed</i>, welches aber nicht erst
+<span class='pagenum'><a name="Page_105" id="Page_105">[105]</a></span>
+von den Assassinen, sondern vom Sohne des altpersischen
+Helden <i>Guders</i> befestigt worden sein soll.<a name="FNanchor_208" id="FNanchor_208"></a><a href="#Footnote_208" class="fnanchor">[208]</a></p>
+
+<div class="sidenote">Kaswin.</div>
+
+<p>Von Alamut begab sich Hulagu in den ersten Tagen
+des Januars in das grosse, sieben Farasangen von Kaswin
+aufgeschlagene Lager, <span class="xidenote">16. Silhidsche 654/<br />4. Jan. 1257</span> wo durch sieben Tage Feste gefeiert,
+die Prinzen und Emire zur Aufwartung und zum Glückwunsche
+der Eroberung zugelassen wurden; selbe, sowie
+der Astronom Nassireddin von Tus und die beiden Söhne
+der zwei grossen Aerzte von Hamadan, welche durch ihren
+Rath wesentlich zur Uebergabe von <i>Meimundis</i> beigewirkt,
+wurden beehrt, beschenkt; der Astronom und seine beiden
+Begleiter blieben sofort im Gefolge Hulagu's, von demselben
+bei jeder Gelegenheit ihrer Kenntnisse willen ausgezeichnet.
+Dem Chuarschah ward ein mongolisches Mädchen angetraut
+und die Hochzeit zu Kaswin mit Festen gefeiert. Hulagu
+behandelte ihn mit Schonung, um von ihm die nöthigen
+Befehle an die Gebietiger der Schlösser in Syrien zu erhalten,
+dass sie dieselben bei Ankunft des mongolischen
+Heeres demselben ungesäumt übergeben möchten. Nachdem
+er diesen Befehl von ihm erhalten, sandte ihn Hulagu als
+Trophee an den Hof des Kaan's Mengku. Als dieser die
+Nachricht erhielt, dass Chuarschah sich nahe, sagte er:
+Wozu schickt man ihn? und sandte ihm als Willkomm den
+Todesbefehl entgegen. Er wurde getödtet und hierauf seine
+ganze Familie, Weiber, Brüder und Söhne zu Kaswin niedergemacht.
+So hatte die blutige Dynastie der persischen
+Ismailije, d. i. der Assassinen, nach hundert und sieben
+und siebzig Mondjahren ihr Ende erreicht<a name="FNanchor_209" id="FNanchor_209"></a><a href="#Footnote_209" class="fnanchor">[209]</a>, und der Dolch
+des Meuchlers ward durch das Schwert des Mongolen gebrochen.
+Hulagu hielt sich einige Zeit zu Kaswin auf, wo
+er im Bade Moslim's badete. Hamdallah von Kaswin, der
+Geschichtschreiber und Geograph Persiens, erwähnt in seiner
+<i>auserwählten Geschichte</i> dieses Besuchs als einer der merkwürdigsten
+<span class='pagenum'><a name="Page_106" id="Page_106">[106]</a></span>
+Epochen der Geschichte seiner Vaterstadt, die
+von nun an eine der Hauptstädte des mongolischen Reichs
+in Persien und daher unter dem Geleite Hamdallah's näherer
+Bekanntschaft werth.<a name="FNanchor_210" id="FNanchor_210"></a><a href="#Footnote_210" class="fnanchor">[210]</a>. Zuerst baute Schabur<a name="FNanchor_211" id="FNanchor_211"></a><a href="#Footnote_211" class="fnanchor">[211]</a> hier eine
+Stadt, welche seinen Namen trug, als Feste wider die Dilemiten,
+die feindliches Nachbaren im Norden. Bei einem
+denselben hier gelieferten Treffen, als die Schlachtordnung
+der Perser auf einer Seite in Verwirrung gerieth, soll der
+Chosroes seinem Feldherrn zugerufen haben: <i>an kesch win</i>,
+d. i. <i>jenen Winkel schau</i>, und nach erfochtenem Siege zum
+Andenken desselben die Stadt erbaut haben, welcher sofort
+der Namen <i>Keschwin</i>, d. i. <i>Winkel schau</i>, blieb, das heutige
+<i>Kaswin</i>. Der Chalife aus dem Hause Abbas Hadibillah
+Musa fügte eine dritte Stadt hinzu, <i>Mubarekabad</i>, d. i. der
+gesegnete Bau, genannt; diese drei Städte umfing der Chalife
+Harun Reschid mit einer Mauer, welche den Namen <i>Reschidabad</i>
+erhielt. Der Thronprätendent Husein Ben Said
+bemächtigte sich später der Stadt und vollendete den Bau
+derselben<a name="FNanchor_212" id="FNanchor_212"></a><a href="#Footnote_212" class="fnanchor">[212]</a>. Unter der Regierung Fachreddewlet's des
+Bujiden erneuerte sein berühmter Wesir Ismail Ben Ibad
+die Stadt und vergrösserte dieselbe nach dem Bau des nach
+ihm <i>Ssahibabad</i> genannten Viertels. Hierauf<a name="FNanchor_213" id="FNanchor_213"></a><a href="#Footnote_213" class="fnanchor">[213]</a> vom Dilemiten
+Ibrahim Ben Merseban verwüstet, vom Emir Ebu Ali
+Dschaaferi wieder hergestellt und vom grossen Sultan der
+Seldschuken, Alparslan, erneuert<a name="FNanchor_214" id="FNanchor_214"></a><a href="#Footnote_214" class="fnanchor">[214]</a>, war sie jetzt durch die
+Mongolen abermal verheert worden. Die Mauer, von zehntausend
+dreihundert Ellen im Umfange, war mit zweihundert
+dreissig Thürmen befestigt, hatte sieben Thore und umfing
+neun Viertel, und sechs unterirdische Wasserleitungen, von
+denen die vom Einsiedler Chumar Tekesch<a name="FNanchor_215" id="FNanchor_215"></a><a href="#Footnote_215" class="fnanchor">[215]</a> gebaute das
+besste Wasser gibt; derselbe baute auch ein halbes Jahrhundert
+später<a name="FNanchor_216" id="FNanchor_216"></a><a href="#Footnote_216" class="fnanchor">[216]</a> die nach seinem Namen genannte Moschee;
+<span class='pagenum'><a name="Page_107" id="Page_107">[107]</a></span>
+eine andere hatte schon der tyrannische Statthalter Hidschadsch
+aus einem Götzentempel in einen Betort der
+Moslimen umgeschaffen. Die Schii hassen diese Moschee,
+weil von ihrer Kanzel unter der Regierung der Beni Omeije
+dem Ali geflucht ward. Eine noch frühere Ueberlieferung
+aus dem Munde Mohammed's oder eines der vier ersten
+Chalifen heisst: <i>Ehret Kaswin, welches eine der höchsten
+Pforten des Paradieses</i><a name="FNanchor_217" id="FNanchor_217"></a><a href="#Footnote_217" class="fnanchor">[217]</a>. Kaswin hat Ueberfluss an herrlichen
+Früchten, besonders an Melonen, Wassermelonen und
+Trauben, welche für die bessten ganz Persiens gelten<a name="FNanchor_218" id="FNanchor_218"></a><a href="#Footnote_218" class="fnanchor">[218]</a>;
+die hier verfertigten Klingen wetteifern mit denen von
+Chorasan und Schiras; von den Fabrikaten zeichnen sich die
+aus mannichfarbigen Tuchenden zusammengenähten Pferddecken
+aus. Die Einwohner gelten für die bessten Gesellschafter,
+und ein persisches bekanntes Distichon räth dem
+Schah, vier Männer nur aus vier Städten seines Reichs zu
+wählen; Musiker aus <i>Chorasan</i>, Geschäftsmänner aus <i>Issfahan</i>,
+Krieger aus <i>Tebris</i> und Gesellschafter aus <i>Kaswin</i><a name="FNanchor_219" id="FNanchor_219"></a><a href="#Footnote_219" class="fnanchor">[219]</a>. Zur
+Verherrlichung des literarischen Ruhmes Kaswin's genügen
+die beiden Sekretäre <i>Kaswini</i>, der Verfasser der <i>Wunder
+der Geschöpfe</i><a name="FNanchor_220" id="FNanchor_220"></a><a href="#Footnote_220" class="fnanchor">[220]</a> und der <i>einzigen Perle der Seltenheiten</i><a name="FNanchor_221" id="FNanchor_221"></a><a href="#Footnote_221" class="fnanchor">[221]</a>,
+jenes Naturgeschichte, dieses Geographie, und <i>Hamdallah
+Mestufi</i>, der Verfasser der auserwählten Geschichte<a name="FNanchor_222" id="FNanchor_222"></a><a href="#Footnote_222" class="fnanchor">[222]</a> und
+der bessten persischen Erdbeschreibung<a name="FNanchor_223" id="FNanchor_223"></a><a href="#Footnote_223" class="fnanchor">[223]</a>, so dass persische
+Natur- und Völkergeschichte, Erd- und Ortsbeschreibung
+keiner persischen Stadt mehr verdanken, als dem reichbegabten
+gesellschaftlichen <i>Kaswin</i>.</p>
+
+<div class="sidenote">Hamadan.</div>
+
+<p>Mit Eintritt des Frühjahrs begab sich Hulagu von
+Kaswin nach Hamadan, wo Baidschu Nujan von Aserbeidschan
+zur Aufwartung erschien. Hulagu, mit dessen Unthätigkeit
+unzufrieden, überhäufte ihn mit Vorwürfen: &bdquo;Was hast du,
+seit Dschurmaghun nicht mehr in Iran geblieben, gethan?
+welche Schlachtenreihen hast du gebrochen, welchen Rebellen
+<span class='pagenum'><a name="Page_108" id="Page_108">[108]</a></span>
+geschlagen? Hat dir das mongolische Heer zu Etwas
+Anderem gedient, als durch dessen Macht und Grösse den
+Chalifen zu schrecken?&ldquo; Baidschu kniete nieder und sagte:
+&bdquo;Ich habe mir keine Saumseligkeit zu Schulden kommen
+lassen und, was in meinen Kräften lag, gethan. Von den
+Thoren Rei's bis an die Gränzen Syriens habe ich Alles
+unterworfen, Bagdad ausgenommen, dessen Menschenmenge
+unermesslich und wohin die Zugänge äusserst schwer. Uebrigens
+steht der Befehl in der Hand des Padischah, und ich
+bin bereit, aus derselben Leben oder Tod zu empfangen.&ldquo;
+Diese Unterwürfigkeit milderte den Zorn Hulagu's; er befahl
+ihm, aufzubrechen, den Westen bis an's Meer hin zu unterjochen
+und die Länder Rum's diesseits und jenseits des
+Bosporos den Händen der Griechen und Franken<a name="FNanchor_224" id="FNanchor_224"></a><a href="#Footnote_224" class="fnanchor">[224]</a> zu entreissen.
+Baidschu Nujan hatte schon vor vierzehn Jahren
+mit einem Heere von vierzigtausend Mann das hundertsiebzigtausend
+starke Ghajaseddin Keichosrew's, des Sohnes
+Alaeddin's, zu Kösetagh geschlagen<a name="FNanchor_225" id="FNanchor_225"></a><a href="#Footnote_225" class="fnanchor">[225]</a> und vollendete nun
+die Eroberung Rum's bis an das Gestade des mittelländischen
+Meeres. Hulagu begab sich mit den Prinzen <i>Kuli</i>, <i>Belghai</i>,
+<i>Kotar</i> und mit den Befehlshabern <i>Bukatimur</i>, <i>Sundschak</i>,
+<i>Köke Ilka</i> in die Ebene von Hamadan, um dort das Heer
+zu sammeln. <i>Hamadan</i>, insgemein für das uralte Ecbatana
+gehalten, ist nach allen Quellen persischer Geschichte und
+Geographie eine der ältesten Städte Persiens, welche schon
+Huscheng, der zweite der Pischdadier, erbaut, Nabuchodonoser
+verwüstet, Darius wieder hergestellt haben soll.<a name="FNanchor_226" id="FNanchor_226"></a><a href="#Footnote_226" class="fnanchor">[226]</a>
+Bedil, der Sohn Werka's, eroberte die Stadt im drei und
+zwanzigsten Jahre der Hidschret<a name="FNanchor_227" id="FNanchor_227"></a><a href="#Footnote_227" class="fnanchor">[227]</a>; dreihundert Jahre hernach<a name="FNanchor_228" id="FNanchor_228"></a><a href="#Footnote_228" class="fnanchor">[228]</a>
+wurde dieselbe von <i>Medawidsch</i>, dem Dilemiten,
+und abermal dreihundert Jahre später<a name="FNanchor_229" id="FNanchor_229"></a><a href="#Footnote_229" class="fnanchor">[229]</a> von den mongolischen
+Heeren mit allgemeinem Gemetzel der Einwohner
+verwüstet. Die Stadt hat Ueberfluss an Wasser, selbst wenn
+<span class='pagenum'><a name="Page_109" id="Page_109">[109]</a></span>
+bei der von Hamdallah angegebenen Zahl der Quellen (tausend
+dreihundert) durch Fehler des Abschreibers eine Nulle
+zuviel. Zwei der grössten Philosophen Schöngeister, Eingeborene
+von Hamadan, der Dichter <i>Ibn Chaleweih</i> und <i>Bediesseman</i>,
+d. i. der Wunderseltene der Zeit, haben das
+Klima sowohl als die Einwohner in bekannten Versen<a name="FNanchor_230" id="FNanchor_230"></a><a href="#Footnote_230" class="fnanchor">[230]</a>
+mehr getadelt, als gelobt. Der Erste sagte:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Die Kälte ist vielstimmig zu Hamadan, und sogestalt<br /></span>
+<span class="i0">Ist es, im Winter grimmig, im Sommer mässig kalt.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Der Wunderseltsame der Zeit, der Verfasser der ersten
+Makame, welche denen Hariri's zum Muster gedient, sagte:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Wiewohl geboren ich zu Hamadan,<br /></span>
+<span class="i0">Dasselbe ich dennoch nicht preisen kann;<br /></span>
+<span class="i0">Denn seine Knaben sind altklug, wie Greise,<br /></span>
+<span class="i0">Die Alten kindisch, nach der Knaben Weise.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Das frische Grün der Fluren, das Gemurmel der zahlreichen
+Quellen verscheuchen allen Gram und stimmen zur heitersten
+Lebenslust, wesshalb die Einwohner vorzüglich lebenslustig,
+Spielen und Scherzen ergeben; ausserdem, dass Hamadan
+der Geburtsort zwei so ausgezeichneter Schöngeister, als
+die beiden oberwähnten, wallfahrtet hier der Jude zum
+Grabe <i>Esther's</i> und <i>Mardochai's</i>, der Arzt zu dem <i>Avicena's</i><a name="FNanchor_231" id="FNanchor_231"></a><a href="#Footnote_231" class="fnanchor">[231]</a>,
+die Mystiker zu dem eines der grössten persischen
+Dichter, nämlich: <i>Aththar's</i>, des Verfassers der <i>Vögelgespräche</i>
+und eines Dutzends gereimter Bücher, nämlich:
+des Buchs des <i>Raths</i>, der <i>Drangsale</i>, der <i>Nachtigallen</i>,
+der <i>Kantele</i>, der <i>Geheimnisse der Gänse</i>, der <i>Chosroen</i>,
+der <i>Antworten</i>, der <i>Nöthen</i>, des <i>Auserwählten</i>, des <i>Göttlichen</i>,
+und <i>Haider's</i>, des Biographen der Heiligen, des
+ascetischen Werkes der <i>Brüder der Reinheit</i> und anderer
+mystischer in Versen und Prosa. Bei dem Einfalle des
+mongolischen Heeres hatte Einer schon das Schwert aufgehoben,
+um den Dichter zu tödten, als ein Anderer sagte:
+Tödte diesen Greis nicht, ich kaufe dir sein Leben um
+<span class='pagenum'><a name="Page_110" id="Page_110">[110]</a></span>
+tausend Silberstücke ab. Hüte dich, sagte Aththar, mich
+um so niedrigen Preis wegzugeben; du wirst Käufer finden,
+die mich theuerer bezahlen. Einige Schritte weiter bot ein
+Anderer für Aththar's Leben einen Sack Stroh; hierüber
+ergrimmt, hieb ihn der Mongole nieder.<a name="FNanchor_232" id="FNanchor_232"></a><a href="#Footnote_232" class="fnanchor">[232]</a> Seit diesem
+ersten Einfalle der Mongolen, welche bei der Verfolgung
+Chuaresmschah's bis an's kaspische Meer und an die Gränze
+des arabischen Irak vordrangen, bis zur Erscheinung Hulagu's
+vor Hamadan, waren sieben und zwanzig Jahre verflossen,
+und ehe wir mit Hulagu die Gränze vom persischen
+Irak in's arabische überschreiten, überblicken wir noch die
+Schicksale Persiens unter mongolischer Herrschaft in der
+vom ersten Einfalle der Mongolen bis zur Gründung des
+Reichs der Ilchane verflossenen Zeit.</p>
+
+<div class="sidenote">Die
+Mongolen im
+westlichen
+Persien vor
+Hulagu.</div>
+
+<p>Persien wurde von den Mongolen in zwei Statthalterschaften
+getheilt, wovon die östliche Chuaresm und Chorasan,
+die westliche das persische Irak und Aserbeidschan in sich
+begreift. Um die Statthalter nicht zu vermengen, überblicken
+wir zuerst das westliche oder eigentliche Persien,
+welches in dieser Zeit nur zwei Statthalter hatte, nämlich
+<i>Dchurmaghun</i> und <i>Baidschu Nujan</i>, und dann erst das östliche,
+wo die Begebenheiten verwickelter durch die Ränke
+der Nebenbuhler um die Leitung der Geschäfte. Als die
+Mongolen bei der Verfolgung Chuaresmschah's zum erstenmal
+die Gegend um Irbil verwüsteten, <span class="xidenote">633/<br />1236</span> rüstete der Chalife Mostanssirbillah
+ein Heer und rief die moslimischen Fürsten
+zur Hülfe auf; bei dem zweiten Einfalle nahmen sie die
+Stadt Irbil, doch nicht die Citadelle, ein; sie drangen bis
+Schengabad und Sermenrai vor, der Chalife setzte Bagdad
+in Vertheidigungsstand und rief alle Einwohner zu den
+Waffen auf. Am rothen Berge (Dschebel Hamrin) ober
+Tekrit wurden die Mongolen geschlagen und ihnen die Gefangenen,
+die sie von Irbil und Dakuka weggeschleppt, abgenommen;
+<span class='pagenum'><a name="Page_111" id="Page_111">[111]</a></span>
+ein Corps von fünfzehntausend Mongolen, das
+bald darauf bis <i>Dschaaferije</i> vordrang, zog sich bei der
+Annäherung des Chalifen zurück. Noch im selben Jahre <span class="xidenote">635/<br />1238</span>
+war ein Corps von gleicher Stärke bis Chanekin vorgedrungen
+und schlug das ihnen vom Chalifen entgegengesandte,
+das nur halb so stark. Im Norden hatten sie sich Gendsche's
+bemächtigt, und Dschurmaghun's Heere überschwemmten
+Georgien und Armenien. Er eroberte das Land zwischen
+dem Arras und Kur und in Georgien die Hauptstadt Tiflis
+nebst anderen Städten. Er belagerte und verheerte Rei;
+hierdurch erschreckt, trugen ihm die Bewohner von Karss
+die Schlüssel ihrer Stadt entgegen; nichtsdestoweniger wurden
+die waffentüchtigen Einwohner niedergemacht, mit Ausnahme
+der Kinder und Handwerker, die in die Sklaverei
+geschleppt wurden. Der armenische Prinz <i>Awak</i> begab sich
+mit seiner Schwester <i>Thamtha</i> an den Hof Gujuk's, um
+die Zurückstellung des väterlichen Erbes zu erflehen, und
+sie erhielten hiezu den Befehl an Dschurmaghun. Nach
+dessen Tode setzte sein Nachfolger Baidschu Nujan die
+Eroberungen seines Vorfahrers fort. Er wandte seine
+Waffen gegen Ersenrum, Ersendschan, und schlug das in
+der Ebene von Akschehr bei Ersendschan verstärkte Heer
+des Sultans von Rum, unter dessen Verbündeten zweitausend
+von Johann Limminata aus Cypern und Bonifacio de Castro
+von Genua befehligte Truppen; diess ist die oberwähnte
+Schlacht von Kösetag, welcher Berg sonst <i>Alakjuh</i> hiess.<a name="FNanchor_233" id="FNanchor_233"></a><a href="#Footnote_233" class="fnanchor">[233]</a>
+Nach dem über den Sultan erfochtenen Siege wurden Siwas,
+Tokat und Kaissarije geplündert und verheert; ein General
+des Sultans und der Richter von Amasia kamen in's mongolische
+Lager von Siwas und unterhandelten einen Frieden,
+vermöge dessen der Sultan jährlich einen Tribut von hundert
+zwanzigtausend Goldstücken, fünfhundert Stück Stoffe,
+fünfhundert Kamele, fünfhundert Sklaven zu leisten verbunden.<a name="FNanchor_234" id="FNanchor_234"></a><a href="#Footnote_234" class="fnanchor">[234]</a>
+Keichosrew war zu glücklich, diesen ohne seine
+<span class='pagenum'><a name="Page_112" id="Page_112">[112]</a></span>
+Vollmacht abgeschlossenen Friedensvertrag zu bestätigen.
+Bei ihrem Abzuge erstürmten die Mongolen Ersendschan
+und machten die Einwohner nieder. Malatia kaufte sich
+von der Plünderung durch viertausend Goldstücke los, zu
+deren Vervollständigung die goldenen und silbernen Kirchengefässe,
+die Heiligenschreine und Reliquienkästen ausgeliefert
+werden mussten.<a name="FNanchor_235" id="FNanchor_235"></a><a href="#Footnote_235" class="fnanchor">[235]</a> Wahrscheinlich war es derselbe
+mongolische Feldherr Irsane, welcher zweimal Bohemund V.,
+den Fürsten von Antiochien, auffordern liess, die Mauern
+seiner Festungen zu brechen und ihm dreitausend Jungfrauen
+zu liefern; die Forderung wurde abgeschlagen, aber später
+zahlten die Fürsten von Antiochien an die Mongolen Tribut.
+Schihabeddin, der Fürst von Miafarakain, durch einen
+mongolischen Gesandten aufgefordert, seine Mauern zu
+schleifen, <span class="xidenote">1244</span> antwortete, dass er nur ein kleiner Fürst, dem
+Beispiele der Sultane Syriens und Aegyptens folgen werde.
+Hethum I., der armenische Fürst Ciliciens, suchte durch
+Gesandte mit reichen Geschenken Baidschu's Schutz an.
+Baidschu forderte vor allem die Auslieferung des Harems
+Keichosrew's, des Sultans von Rum, und Hethum erkaufte
+um diesen Preis den Frieden und das Diplom als Vasall des
+grossen Kaan's. Im folgenden Jahre <span class="xidenote">1245</span> eroberten die Mongolen
+die nördlich des Sees von Wan gelegenen Länder, die sie
+auf Ogotai's Befehl der armenischen Prinzessin Thamtha
+übergaben. Sie nahmen Amid, Roha, Nissibin. Der Fürst
+von Mossul, Bedredin Lulu, schloss in seinem und des
+Fürsten von Damaskus Namen einen Vertrag von, in drei
+Klassen geregelter, Kopfsteuer ab. Im folgenden Jahre <span class="xidenote">1246</span> erschienen
+die Mongolen zum fünftenmal in der Nähe von
+Bagdad zu Dakuka, von wo sie der kleine Diwitdar zurückschlug,
+und im folgenden Jahre <span class="xidenote">1247</span> tödteten die Mongolen zu
+Dakuka den Statthalter Belban; sie plünderten die Karawanen,
+und Jesaur verheerte die Gegend um Malatia. Die gleichzeitigen
+Begebenheiten Rum's und Armeniens gehören in
+die Geschichte dieser Länder und ihrer Fürsten; wir erwähnen
+<span class='pagenum'><a name="Page_113" id="Page_113">[113]</a></span>
+nur noch der Mission der vier Dominikaner, welche
+Baidschu auf den ihm im Namen des Papstes gemachten
+Antrag, sich zum Christenthume zu bekehren, tödten wollte.
+Einer seiner Offiziere hatte sogar vorgeschlagen, den ersten
+der Missionäre zu schinden und seine ausgestopfte Haut
+dem Papst als Antwort zu senden<a name="FNanchor_236" id="FNanchor_236"></a><a href="#Footnote_236" class="fnanchor">[236]</a>; doch auf die Fürbitte
+der Gemahlin Baidschu's wurde ihnen nicht nur das Leben
+geschenkt, sondern sie erhielten sogar ein in dem Missionsberichte
+bis auf uns gekommenes Schreiben und wurden
+von zwei Gesandten Baidschu's an den Papst begleitet, der
+sie auf das Ehrenvollste empfing und mit Geschenken überhäufte.<a name="FNanchor_237" id="FNanchor_237"></a><a href="#Footnote_237" class="fnanchor">[237]</a></p>
+
+<div class="sidenote">Dschintimur,
+Körgös,
+Statthalter
+Chorasan's.</div>
+
+<p>In Persien liess Tschengischan, nachdem er abgezogen,
+als Statthalter den Dschintimur zurück, welchem von allen
+vier Ulusen, d. i. Stämmen des <i>Urugh</i>, d. i. des Hauses
+Tschengischan's, ein Amtsgehülfe beigegeben war, indem
+Chorasan als ein, allen vier Söhnen Tschengischan's gemeinsamer
+Besitz betrachtet ward; eine Zeit lang dem Dschurmaghun,
+dem Statthalter Feldherrn in Persien, untergeordnet,
+unter dessen Oberbefehl er die, Chorasan noch verheerenden
+türkischen Schaaren Chuaresmschah's schlug, erhielt Dschintimur
+von Ogotai die unabhängige Statthalterschaft Chorasan's
+und Masenderan's; als Gehülfe vom Blute des Kaan's war
+ihm <i>Kelilat</i> beigegeben; er selbst verlieh beide höchsten
+Staatsämter, nämlich das des Wesirs oder Inhabers des
+Diwans und die Stelle des Staatssekretärs, an zwei Moslimen,
+jenes an <i>Scherefeddin</i> von <i>Jesd</i>, dieses an <i>Behaeddin</i> von
+<i>Dschuwein</i>, den Vater Athamülk's, des Geschichtschreiber's.
+Nach Dschintimur's Tod erhielt seine Stelle <i>Nussal</i>, welcher
+schon von Tschengischan dem Dschintimur als Amtsgehülfe
+von Seite des Uluses Dschudschi's beigegeben worden war.
+Dem Nussal folgte in der Statthalterschaft bald <i>Körgös</i>, d. i.
+Blindaug, welcher, an den Hof Ogotai's gesandt, um über
+die Verwaltung Chorasan's Bericht zu erstatten, gefiel und
+<span class='pagenum'><a name="Page_114" id="Page_114">[114]</a></span>
+von seinem Landsmanne, dem Staatssekretär <i>Dschinkai</i> dem
+Uighuren, begünstigt. Der Kämmerer <i>Danischmend</i>, Gegner
+Dschinkai's, bemühte sich seinerseits, die Statthalterschaft
+Chorasan's dem Sohne Dschintimur's zu verschaffen; Dschinkai
+wünschte jedoch seinem Schützling ein <i>Jerligh</i>, d. i. Diplom,
+des Kaan's zu verschaffen, vermöge welchem ihm die statistische
+Zählung der Bewohner Chorasan's und Masenderan's
+aufgetragen und alle Macht in seine Hände concentrirt
+ward. Der Wesir Scherefeddin und Kelilat, ihrer Wirksamkeit
+durch das Jerligh beraubt, schmiedeten mit <i>Ongu
+Timur</i>, dem Sohne Dschintimur's, Ränke wider Körgös am
+Hofe des Kaan's, der ihn auf ihre Beschwerden zu sich
+berief. Körgös machte sich auf den Weg, indem er den
+Behaeddin von Dschuwein an der Spitze der Verwaltung
+zurückliess. Auf dem Wege in's Hoflager begegnete er zu
+<i>Binaket</i> den Commissären des Kaisers, welche ihm zurückzukehren
+befahlen; es kam vom Wortwechsel zu Thätlichkeiten,
+in welchen Körgös blutig geschlagen und ihm ein
+Zahn gebrochen ward; er musste den Commissären folgen,
+aber in der Nacht sandte er einen Eilboten mit seinem
+blutbefleckten Kleide nach Hof. Ogotai, über diese Behandlung
+seines Statthalters aufgebracht, berief ihn zu sich;
+allein die Gegner <i>Kelilat</i> und der Sohn Dschintimur's folgten
+ihm auf dem Fusse. Zu Bochara wurde bei einem demselben
+gegebenen Feste Kelilat am hellen Tage ermordet.
+Ogotai wollte in dem ihm vom Sohne Dschintimur's dargebrachten
+Zelte speisen; kaum hatte er es verlassen, als es
+ein Windstoss zusammenriss. Ogotai, durch diese böse Vorbedeutung
+erschreckt, befahl, es in Stücke zu zerreissen.
+In dem von Körgös ihm dargebrachten Zelte fand er im
+Gegentheil einen mit Juwelen besetzten Gürtel, nach dessen
+Umbindung sein Lendenschmerz verschwand, so dass er
+guten Muths wieder zechte. Die beiden Nebenbuhler um
+Chorasan's Statthalterschaft blieben mehrere Monate am Hofe
+Ogotai's, welcher wünschte, dass sie sich vertrügen, und
+ihnen befahl, aus demselben Becher zu trinken, dasselbe Zelt
+zu bewohnen, nachdem sie zuvor ihre Waffen abgegeben.
+<span class='pagenum'><a name="Page_115" id="Page_115">[115]</a></span>
+Da sie sich nichtsdestoweniger nicht verglichen, ward, als
+sie Beide in Ogotai's Gegenwart vor Gericht erschienen,
+der Sohn Dschintimur's als schuldig verurtheilt, und sollte
+an den Herrscher seines Uluses, nämlich an Batu, ausgeliefert
+werden. Der Sohn Dschintimur's flehte den Kaan,
+selbst sein Schicksal zu entscheiden, indem ein Hund, wie
+er, nicht werth sei, dass zwei grosse Herrscher, wie Ogotai
+und Batu, sich über ihn beriethen. Du hast Recht, sprach
+Ogotai, Batu's Strenge würde selbst seinem Sohne, wenn
+er sich in deinem Falle befände, nicht verzeihen. Dem
+Sohne Dschintimur's wurde verziehen; aber seine Begleiter
+wurden nach der Jasa bestraft, welche über die Verläumder
+Strafen verhängt. Körgös verwaltete Chorasan mit Gerechtigkeit
+und Einsicht, baute Tus und Herat aus ihrem Schutte
+wieder auf und warf den Ränkeschmied Scherefeddin, welcher
+unter dem Scheine der Freundschaft gearbeitet, in's Gefängniss;
+dieser aber fand mittels seines Weibes Schutz beim
+Uluse Dschagatai, und Arghun wurde mit dem Befehle abgesandt,
+den Körgös lebendig oder todt nach Hofe zu
+bringen.<a name="FNanchor_238" id="FNanchor_238"></a><a href="#Footnote_238" class="fnanchor">[238]</a></p>
+
+<div class="sidenote">Scherefeddin
+von
+Jesd, Blutegel
+der
+Finanz, und
+Arghun.</div>
+
+<p>Körgös, der sich Anfangs in einem von ihm zu Tus
+erbauten Magazine eingesperrt, ging endlich, als man Gewalt
+brauchen wollte, selbst heraus, und ward von den
+Söhnen Dschagatai's nach Hof gesandt, wo sein Beschützer
+Dschinkai von der Regentin Turakina verungnadet worden.
+Körgös, ohne Beschützer, ohne Geld, wurde auf Befehl
+Kara Hulagu's, des Enkels Dschagatai's, hingerichtet, und
+von der Regentin wurde <i>Arghun</i> zum Statthalter Chorasan's
+ernannt. Er begehrte den Scherefeddin als <i>Ulug Bitekdschi</i>,
+d. i. grossen Staatssekretär oder Finanzminister, weil er sich
+verbindlich gemacht, viertausend Balische, welche in den
+beiden Ländern Chorasan und Masenderan an Steuern ausständig,
+einzutreiben. Scherefeddin, Sohn eines Lastträgers
+von Chuaresm und seiner schönen Gestalt willen Lieblingspage
+des Statthalters von Chuaresm, war von diesem, als
+<span class='pagenum'><a name="Page_116" id="Page_116">[116]</a></span>
+der Page die Frische des Jugendreizes verloren, dem Dschintimur
+abgetreten, bei dem er sich durch seine Geschicklichkeit
+als Sekretär und seine Kenntniss der mongolischen
+Sprache als brauchbar empfahl; er stellte ihn in Steuergeschäften
+an, in welchen er bald Proben seines blutaussaugenden
+Druckes gab, wodurch sein Name in der Geschichte
+für immer gebrandmarkt. Er unterschied zwischen
+den Dörfern, welche sich freiwillig den Mongolen ergeben,
+oder mit Gewalt erobert worden waren, und belastete die
+Einwohner der letzten mit allen Arten von Auflagen und
+Qualen<a name="FNanchor_239" id="FNanchor_239"></a><a href="#Footnote_239" class="fnanchor">[239]</a>. In diesem Geiste hatte er unter Körgös das Land
+gedrückt und noch mehr unter Arghun, um die Summe,
+zu deren Eintreibung er sich anheischig gemacht, einzutreiben.
+Weder Weiber noch Waisen wurden verschont und
+Foltern aller Art angewandt, um Geld zu erpressen; die
+Häuser wurden geplündert, den Todten selbst das Leichentuch
+weggenommen, dar Mann vom Weibe, der Vater vom
+Sohne gerissen und als Sklave verkauft; die Männer wurden
+barfuss, die Weiber unverschleiert aus den Häusern geschleppt;
+jene bei den Füssen, diese bei den Brüsten aufgehängt.
+Zu Rei wurden die geraubten Einrichtungen der
+Häuser in der Moschee aufgeschichtet, dort auf Maulthiere
+geladen und diese mit den Teppichen der Moschee zugedeckt.
+So schaltete und waltete er zu Tebris und Kaswin,
+zu Issfahan, Kum, Kaschan, Rei und Hamadan, alle Häuser
+und alle Foltern erschöpfend. Seinen Helfer Mahmud von
+Sebsewar sandte er, um Isferain und Dschadscherm auszusaugen,
+er selbst lag schwer als Alp der Finanz auf Astrabad,
+Amul und den Städten Masenderan's. Als Arghun zu Tus,
+bat der Imam der Grabstätte Musa Risa's um Gnade und
+Schonung, und Arghun gab ihm einen Kabinetsbefehl an
+Scherefeddin zur Zurückstellung eines Theils des Geraubten.
+Scherefeddin befahl, den Vorzeiger des Befehls mit Fäusten
+zu ohrfeigen, so dass er besinnungslos niederfiel. Die
+Pflugstiere nahm er vom Acker, die Heerden aus den Haiden
+<span class='pagenum'><a name="Page_117" id="Page_117">[117]</a></span>
+weg, so dass Ackerbau und Viehzucht darniederlag. Glücklicherweise
+befreite sein Tod das Land von seiner Tyrannei; <span class="xidenote">1244</span>
+aber noch auf dem Todbette sandte er Wort an Arghun,
+ja die Eingesperrten nicht frei zu lassen, bis sie gezahlt,
+und ja keinen Heller nachzusehen, weil sonst alle Ordnung
+zu Ende. Arghun that das Gegentheil, indem er die Gefangenen
+losgab, die noch zu leistenden Zahlungen nachsah
+und sich dadurch den Segen des Landes erwarb. Bei der
+Thronbesteigung Gujuk's brachte Arghun alle eingesammelten
+Anweisungen, welche sich verschiedene Prinzen gesetzwidrig
+auf verschiedene Distrikte Chorasan's verschafft hatten, dem
+neuen Kaan als das angenehmste Geschenk dar; die Stellen
+wurden nach seinem Vorschlag besetzt, die durch den Tod
+des Blutegels Scherefeddin erledigte des Ulugh Bitekdschi
+erhielt <i>Fachreddin Behischti</i>. Nach Gujuk's Tod riss während
+des Zwischenreichs der Missbrauch der Anweisungen,
+wodurch den Prinzen Einkünfte von Dörfern und Flecken
+in Chorasan für Jahre hinaus zugesichert wurden, wieder
+ein. Bei Mengku's Thronbesteigung verschafften sich die
+Klagen des Landes Gehör, und es wurde beschlossen, Chorasan
+auf die von Mohammed Jelwadsch in Transoxana eingeführte
+Weise zu besteuern. Die Statthalterschaft wurde
+ihm mit <i>Jerligh</i> und <i>Paise</i>, d. i. mittels Diploms und Löwenkopfs,
+bestätigt, und Behaeddin von Dschuwein für die
+Finanzverwaltung beigegeben; aber die Brüder des Kaisers:
+Kubilai, Hulagu, Arikbugha, hatten bei ihm ihre Agenten;
+so auch <i>Nikpei</i>, der Herr des Uluses Dschagatai. Persien
+wurde in vier Steuerbezirke abgetheilt und die Vorsteher
+derselben erhielten den Titel <i>Melik</i>, welches gewöhnlich
+König, hier aber so viel als Intendant oder Generalpächter
+bedeutet. Arghun veranstaltete bei seiner Zurückkunft neue
+Zählung und regelte die Kopfsteuer nach den Klassen, was
+bereits, sowie die Einrichtungen Hulagu's durch denselben
+oben erzählt worden.</p>
+
+<div class="sidenote">Rückblick
+auf das
+Chalifat.</div>
+
+<p>Hulagu befand sich Ende Aprils zu Denna, <span class="xidenote">9. Rebiulachir 655/<br />26. April 1257</span> drei Monate
+hernach zu Hamadan; <span class="xidenote">10. Redscheb/<br />26. Juli</span> in der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche
+sandte er einen Gesandten an den Chalifen von
+<span class='pagenum'><a name="Page_118" id="Page_118">[118]</a></span>
+Bagdad mit der Aufforderung von Unterwürfigkeit und dem
+Vorwurfe, dass die zur Besiegung der Assassinen angesprochene
+Hülfe nicht geleistet worden. Doch ehe wir die
+Begebenheiten der zwischen dieser Aufforderung und dem
+Sturze des Chalifats verflossenen fünf Monate erzählen,
+fordert geschichtlicher Zusammenhang den Rückblick auf
+die letzten Zeiten des sinkenden Chalifats, das unter den
+Beni Abbas nun bereits durch fünf Jahrhunderte gedauert.
+Ohne diesen Rückblick auf die ersten und letzten Ursachen
+des Sinkens und gänzlichen Verfalls würde es unmöglich
+sein, zu begreifen, wie der durch fünf Jahrhunderte aufrecht
+stehende Thron des Chalifen in fünf Monaten zertrümmert
+ward<a name="FNanchor_240" id="FNanchor_240"></a><a href="#Footnote_240" class="fnanchor">[240]</a>. Der Wurm hatte schon lange an dem
+Herrscherstabe des Chalifen genagt, ehe derselbe und das
+darauf gestützte Schattenbild der Herrschaft zu Boden fiel.
+Von innen zerrissen das Reich die Partheiungen der Sunni
+und Schii und die Anführer der türkischen Leibwachen,
+mit denen sich schon der achte Chalife <i>Moteaassim</i> in der
+Hoffnung umgeben, durch dieselben den Thron zu schützen,
+die aber statt Vertheidiger Empörer, von Sklaven sich zu
+Sultanen emporschwangen. Von aussen erschütterten und
+zertrümmerten das Reich die mit dem Schwerte den Islam
+reformirende Secte der <i>Karmathen</i> und die überall emporsteigenden
+Dynastien, von denen alle den Titel der Herrschaft
+den durch Gewalt abgenöthigten Diplomen des Chalifen
+dankten, von denen aber die mächtigsten, wie die
+<i>Beni Hamdan</i> und <i>Beni Buje</i>, um die Oberherrschaft über
+den Chalifen buhlten, und desshalb im beständigen Kriege
+mit dem Emirol-umera, d. i. dem Fürsten der Fürsten, dem
+Hausmeyer des Chalifats, bis sie den Titel desselben sich
+selbst angeeignet. Kaum ein Jahrhundert war seit der
+<span class='pagenum'><a name="Page_119" id="Page_119">[119]</a></span>
+Gründung der Dynastie der Beni Abbas durch <i>Abdallah
+es-seffah</i>, d. i. den Diener Gottes, den Blutvergiesser, verflossen,
+als schon mit dem Einflusse der türkischen Leibwachen
+der Saamen des Unheils wuchernd aufschoss; ein
+Jahrhundert hernach unter dem neunzehnten Chalifen <i>Kahirbillah</i>,
+d. i. der <i>Rächende durch Gott</i>, war bereits das Loos
+der Theilung über das Ehrenkleid des Chalifats geworfen
+und die Länder desselben in zwölf Theile zerstückelt. <span class="xidenote">i. J. 325/<br />936</span> Heute
+vor neunhundert Jahren herrschte in Persien die mächtigste,
+in vier Zweige getheilte Dynastie der Beni <i>Buje</i>, in Diarbekr
+und Dijari Rebia, zu Mossul und zu Haleb die Dynastie
+der Beni <i>Hamdan</i>; Chorasan war in den Händen der Beni
+<i>Saman</i>, Masenderan und Dschordschan in denen der Beni
+<i>Dilem</i>; der südlichen arabischen Landschaften hatten sich
+die <i>Karmathen</i>, der südlichen persischen <i>Ahwas</i> und <i>Wasit</i>,
+die Söhne <i>Berid's</i>, als Empörer bemächtigt. In Aegypten
+und Syrien führten die türkischen Sklaven der Familie
+<i>Achschid</i> als Herrn den Titel von Sultanen und zu <i>Bagdad</i>
+selbst den des Fürsten der Fürsten. Zwei Dynastien der
+Beni <i>Sijad</i> regierten zu Sebid in Jemen und die anderen in
+Taberistan; in Kufa die Beni <i>Thaba Thaba</i> aus der Familie
+Ali und die Beni <i>Ochaissar</i> in Hidschas. Den Titel und die
+Macht als Chalifen machten den Beni Abbas die alte Dynastie
+der Beni <i>Omeije</i> in Spanien und die neue der <i>Fatimiten</i>
+in Afrika streitig<a name="FNanchor_241" id="FNanchor_241"></a><a href="#Footnote_241" class="fnanchor">[241]</a>. So hatten sich Leibwachen und
+Sklaven, Sectirer und Empörer, arabische und persische
+Emire in das weite Reich des Chalifats von Osten bis Westen
+getheilt, und das Gebiet desselben war, wie in der letzten
+Zeit des byzantinischen Reichs, fast nur auf das Weichbild
+der Residenz beschränkt; was sich innerhalb den weiten
+Gränzen des ehemaligen Reichs der Chalifen zutrug, gehört
+in die Geschichte der Dynastien, die sich dort erhoben, und
+nicht mehr in die des Chalifats, das seit dem Beginne des zehnten
+Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung noch durch vierthalbhundert
+Jahre seinem Untergange allmählig zusank.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_120" id="Page_120">[120]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Wesire
+Verräther;
+Religionssecten;
+Ueberschwemmungen.</div>
+
+<p>Am Eingange und Ende dieser vierthalbhundertjährigen
+Periode stehen zwei Wesire Staatssekretäre, beide Gelehrte,
+beide als Hebel des Verderbens des Reichs von der Geschichte
+gebrandmarkt. Der erste, <i>Ibn Mokla</i>, der Verbesserer
+der arabischen Schrift in ihrer schönsten, gefälligsten
+Form des <i>Neschi</i>, der dreimal den Koran abgeschrieben,
+dreimal die Wesirschaft verwaltet, dreimal Heere befehligt,
+dreimal die Pilgerreise vollzogen und zuletzt sogar dreimal
+bestattet worden, unterhielt verrätherischen Briefwechsel
+mit <i>Jahkim</i>, dem türkischen Emire, wie <i>Ibn Alkami</i>, der
+letzte gelehrte Wesir des letzten der Chalifen, mit Hulagu;
+jener die Türken, dieser die Mongolen rufend. Der zwischen
+beiden liegende Zeitraum zerfällt in vier Perioden, in deren
+erster die <i>Bujiden</i>, in der zweiten die <i>Seldschuken</i>, in der
+dritten die <i>Chuaresmschahe</i> und endlich die <i>Mongolen</i> die
+mächtigsten Herrscher Mittel- und Vorderasiens. Wir haben
+hier nicht die Geschichte dieser Reiche zu überblicken,
+sondern nur die des unter ihrem eisernen Fusstritte tief
+darniedergebeugten Chalifats. Die erste Periode der Uebermacht
+der Beni Buje bis zum Auftritte der Seldschuken
+unter Toghrul umfasst hundert fünf und zwanzig Jahre, die
+Herrschaft der Seldschuken in Chorasan und Kerman anderthalb
+Jahrhunderte, die überwiegende Macht der Chuaresmschahe
+unter den beiden letzten grossen Sultanen derselben,
+Mohammed Tekesch, die der mongolischen Herrschaft seit
+dem Tode Tschengischan's, dreissig Jahre. Während dieses
+durch die Uebermacht der Beni Buje, der Seldschuken,
+der Chuaresmschahe und der Mongolen unterdrückten, durch
+innere Unruhen zerstückten Chalifats sassen seit dem neunzehnten
+Chalifen, Kahirbillah, noch achtzehn sogenannte
+Schatten Gottes auf Erden als Schatten auf dem Chalifenstuhle,
+mit dem Mantel des Propheten angethan, mit seinem
+Stabe als Richter die weltliche Herrschaft zum Scheine und
+nur noch die geistliche als die Imame des Islams ausübend,
+auch diese nicht unbestritten, sondern von Ketzern und
+Glaubensreformern vielfach beeinträchtigt, von den Chalifen
+der Beni Omeije in Spanien und von denen der Fatimiten
+<span class='pagenum'><a name="Page_121" id="Page_121">[121]</a></span>
+in Afrika in Anspruch genommen. Zuerst entzweite das
+Chalifat die zu Bagdad mit gleicher Erbitterung geführte
+Glaubensspaltung der <i>Sunni</i> und <i>Schii</i>, wovon jene
+die Katholiken, diese die Protestanten des Islams; jene dem
+Hause Abbas, diese dem Ali's und folglich allen denen,
+welche als Verwandte der Prophetenfamilie auf Herrschaft
+Anspruch machten, gewogen. Die für den Thron sowohl
+als für den Altar gefährlichsten Religionsneuerer aber waren
+die <i>Karmathen</i> und <i>Ismailiten</i>, wovon jene mit dem Schwerte
+in der Hand als Zerstörer der Kaaba und Räuber des heiligen
+schwarzen Steines, als Mauerbrecher das feste Gebäude
+des Islams erschütterten; diese unter dem Schleier geheimer
+Lehren und Verbindungen die Grundfeste der Religion untergruben
+und mit dolchbewaffnetem Arm schneidende Beweise
+führten; höchst gefährliche Neuerer der Lehre, welche den
+ihnen beigelegten Namen der <i>Mulhad</i>, d. i. der Freigeister
+oder Gottlosen, wohl verdienten und welche nur unter dem
+tropischen Gewande der Allegorie und Mystik das Skelet
+ihrer Grundlehre: <i>Nichts zu glauben und sich Alles zu
+erlauben</i>, verlarvten; gefährlicher als die Anhänger <i>Masdek's</i>
+unter Nuschirwan, als die <i>Babek's</i> unter den Chalifen Mamun
+und Moteaassim, welche offen die Gemeinschaft der Güter
+und Weiber predigten, das Scheusal ihrer Grundsätze offen
+Preis gaben, während diese es unter dem Schleier ascetischer
+Uebungen und philosophischer Lehren im tiefsten
+Geheimnisse verbargen. Von der Zeit an, wo unter Kahirbillah
+die Karmathen und Beridäer die Länder des Chalifats
+mit Blut überschwemmten bis zur letzten Blutüberschwemmung
+durch die Mongolen, waren die grossen politischen
+Unheile des Reichs fast immer gleichzeitig mit grossen verderblichen
+Naturbegebenheiten, mit Erdbeben, Hungersnoth
+und besonders grossen Verheerungen des Tigris, so dass
+die Ueberschwemmung des letzten nur als ein Vorzeichen
+einer Ueberschwemmung von Blut galt, ein Glaube an eine
+geheime Verbindung physischer und moralischer grosser
+Begebenheiten, welche durch die furchtbaren Ueberschwemmungen
+des Tigris, welche im Jahre der Einnahme Alamut's
+<span class='pagenum'><a name="Page_122" id="Page_122">[122]</a></span>
+statthatte und nur zu bald durch das Blutbad und den Ruin
+Bagdad's bestätigt ward.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Emirol-umera
+aus
+der Familie
+Buje.</div>
+
+<p>Der Tyrann Kahirbillah, Nachfolger des Chalifen Radhi,
+der letzte der Chalifen, welcher dichtete und selbst am
+Freitage das Chutbe verrichtete, berief den Türken <i>Raik</i>
+als Fürsten der Fürsten nach Bagdad und stiftete so die
+oberste Gewalt der Fürsten der Fürsten, um die sich mit
+den Befehlshabern der Leibwachen die mächtigen Fürsten
+des Hauses Hamdan und Buje stritten. Er bestellte, der
+erste, einen Stellvertreter in der Moschee, in welcher vor
+ihm die Chalifen selbst als Imame dem Gebete vorstanden,
+am Freitage die Rede selbst von der Kanzel als <i>Chatibe</i>
+gehalten hatten.<a name="FNanchor_242" id="FNanchor_242"></a><a href="#Footnote_242" class="fnanchor">[242]</a> <span class="xidenote">330/<br />941</span> Unter seines Bruders und Nachfolgers
+<i>Mottakki</i>, d. i. des Gottesfürchtigen, Regierung verkündeten
+grosse Ueberschwemmung des Tigris und grosse Pest und
+Hungersnoth eben so grosses politisches Unheil. Der Anführer
+<i>Beridi</i> verheerte Bagdad dritthalb Monate lang mit
+seinen Truppen, der Türke <i>Tusun</i> drängte sich nach Raik's
+Tod dem Chalifen als Fürst der Fürsten auf, dem byzantinischen
+Kaiser Romanus Lapachenes musste das Schweisstuch
+Christi als Lösegeld ausgeliefert werden; Mottakki
+ward geblendet und vom Throne gestossen. Sein Neffe
+<i>Mostekfibillah</i> verlieh nach Tusun's Tod die Stelle des Fürsten
+der Fürsten dem <i>Schirsad</i>, welchem sie Ahmed der Bujide
+entriss und vom Chalifen mit dem Ehrentitel <i>Moiseddewlet</i>,
+d. i. der den <i>Hof</i> oder das <i>Reich Ehrende</i>, anerkannt ward.
+Er bemächtigte sich der Leitung aller Geschäfte, wies dem
+Chalifen nur fünftausend Dirhem für dessen täglichen Unterhalt
+an, riss ihn endlich gewaltsam vom Throne und verstiess
+ihn geblendet in den Kerker. Die Wesire wurden von nun
+an nicht mehr Wesire, sondern nur <i>Kjatibe</i>, d. i. Sekretäre,
+genannt.<a name="FNanchor_243" id="FNanchor_243"></a><a href="#Footnote_243" class="fnanchor">[243]</a> Sein Nachfolger <i>Motiilillah</i>, d. i. der Gehorsame
+in Gott, war nur den Befehlen Moiseddewlet's und seines
+Sohnes Bachtiar gehorsam, welche die wahren Herren von
+Bagdad, als Schii die Sunni als Ketzer und die Chalifen aus
+<span class='pagenum'><a name="Page_123" id="Page_123">[123]</a></span>
+dem Hause Abbas als ungerechte Thronbesitzer anfeindeten;
+Verwünschungen wider Omar, der <i>Fedek</i>, das Landgut Ali's,
+eingezogen, und den <i>Ebu Serr</i> verdammte, wurden an die
+Thore der Moscheen geschrieben, Nachts zwar von den
+Sunniten wieder ausgelöscht, dann aber dem Moawia von
+den Kanzeln geflucht und das Fest Aaschura zum Preis des
+Martyrthums Husein's eingesetzt<a name="FNanchor_244" id="FNanchor_244"></a><a href="#Footnote_244" class="fnanchor">[244]</a>. Moiseddewlet verkaufte
+die Stelle des Obersten Richters um zwanzigtausend Dirhem,
+das erste Beispiel so schändlicher Verkäuflichkeit im Islam,
+und Bachtiar, als es ihm an Geld mangelte, zwang den
+Chalifen, seine ganze Garderobe und sein Hausgeräthe zu
+verkaufen, und zog die aus der Versteigerung gelösten
+vierzigtausend Dirhem ein, so dass man sagte, er habe den
+Chalifen vergantet<a name="FNanchor_245" id="FNanchor_245"></a><a href="#Footnote_245" class="fnanchor">[245]</a>. Die Karmathen hatten zwar den
+schwarzen heiligen Stein wieder an die Kaaba zurückgestellt,
+aber hingegen eroberten die Griechen alle Gränzfestungen
+des Reichs. Zu Tarsus verwandelten sie die Moscheen in
+einen Stall und verbrannten die Kanzel; Antiochien und
+Haleb, Edessa und Nissibin wurden geplündert. Dschewher,
+der Feldherr der Fatimiten, hatte Aegypten erobert. So
+grosse und schwere Unfälle waren durch ausserordentliche
+Naturverheerungen vorbedeutet oder von denselben begleitet
+worden. <span class="xidenote">346/<br />957</span> Erdbeben verschluckte die Stadt Thalkan mit allen
+ihren Einwohnern, bis auf dreissig<a name="FNanchor_246" id="FNanchor_246"></a><a href="#Footnote_246" class="fnanchor">[246]</a>, und hundert fünfzig
+Dörfer. Die Erde warf die Gebeine der Todten aus und
+sprengte heisses Wasser zum Himmel empor; Kum und
+Holwan wurden durch Erdbeben verwüstet; die Heuschrecken
+verzehrten nicht nur das Gras der Fluren, sondern auch
+die Blätter der Bäume; das Meer trat achtzig Ellen weit
+von seinen Ufern zurück<a name="FNanchor_247" id="FNanchor_247"></a><a href="#Footnote_247" class="fnanchor">[247]</a> und enthüllte die Naturwunder
+seines Schooses; drei Jahre später verschlang es das Gepäck
+der Pilgerkarawane, die ein Wolkenbruch demselben zugeschwemmt; <span class="xidenote">349/<br />960</span>
+in diesem Jahre wurde Kreta von den Griechen
+erobert. Der Sohn Motii's war <i>Thaai</i>, was ebenfalls <i>gehorsam</i>
+<span class='pagenum'><a name="Page_124" id="Page_124">[124]</a></span>
+bedeutet; er gehorsamte, wie der Vater, dem Fürsten
+der Beni Buje, die sich nun mit den Türken und unter
+sich um die Obervormundschaft des gehorsamen Chalifen
+stritten; doch beobachtete Adhadeddewlet, der grosse Fürst
+der Bujiden, wenigstens den äusseren Anstand, indem er
+siebenmal vor dem Chalifen die Erde küsste, während Behaeddewlet
+den Palast des Chalifen plünderte, ihn selbst durch
+zwei Dilemiten von dem Throne reissen liess und geblendet
+in den Kerker verstiess. Adhadeddewlet hatte zu Bagdad
+Spital und Sternwarte gebaut, und inmitten der finsteren
+Nacht, welche den Thron des Chalifats umdunkelte, leuchteten
+am literarischen Himmel Gestirne der ersten Grösse.
+Der Dichter <i>Motenebbi</i>, der Geschichtschreiber <i>Mesudi</i>, der
+Philosoph <i>Farabi</i> und <i>Ebulferedsch von Issfahan</i>, der Verfasser
+der grossen Blüthenlese, <i>Aghani</i>, welcher dem Wesir
+Ibad die fünfhundert Kameellasten von Büchern, die er vor
+Erscheinung derselben mit sich zu führen pflegte, ersparte.</p>
+
+<div class="sidenote">Kadirbillah
+und Kaimbiemrillah.</div>
+
+<p>In die vierzigjährige Regierung Kadirbillah's, des fünf
+und zwanzigsten Chalifen, des Enkels Moktedir's, fällt das
+Ende der Herrschaft der Beni Buje und der Beginn der
+Grösse der Sultane von Ghasna, welche aber zu ferne, um
+unmittelbaren Einfluss auf die Schicksale Bagdads zu nehmen.
+Nichtsdestoweniger ertheilte ihnen der Chalife Ehrentitel,
+indem er dem Vater Sebugtegin den <i>der rechten Hand des
+Hofes und des Intendenten des Volkes</i><a name="FNanchor_248" id="FNanchor_248"></a><a href="#Footnote_248" class="fnanchor">[248]</a> beilegte, wie die
+Fürsten der Buje der <i>Bewahrer</i><a name="FNanchor_249" id="FNanchor_249"></a><a href="#Footnote_249" class="fnanchor">[249]</a>, der <i>Arm</i><a name="FNanchor_250" id="FNanchor_250"></a><a href="#Footnote_250" class="fnanchor">[250]</a>, der <i>Ruhm</i><a name="FNanchor_251" id="FNanchor_251"></a><a href="#Footnote_251" class="fnanchor">[251]</a>,
+der <i>Adel</i><a name="FNanchor_252" id="FNanchor_252"></a><a href="#Footnote_252" class="fnanchor">[252]</a>, das <i>Schwert</i><a name="FNanchor_253" id="FNanchor_253"></a><a href="#Footnote_253" class="fnanchor">[253]</a>, der <i>Werth</i><a name="FNanchor_254" id="FNanchor_254"></a><a href="#Footnote_254" class="fnanchor">[254]</a>, die <i>Säule</i><a name="FNanchor_255" id="FNanchor_255"></a><a href="#Footnote_255" class="fnanchor">[255]</a>
+und die <i>Ehre</i><a name="FNanchor_256" id="FNanchor_256"></a><a href="#Footnote_256" class="fnanchor">[256]</a>, der <i>Veredler</i><a name="FNanchor_257" id="FNanchor_257"></a><a href="#Footnote_257" class="fnanchor">[257]</a>, die <i>Erhabenheit</i><a name="FNanchor_258" id="FNanchor_258"></a><a href="#Footnote_258" class="fnanchor">[258]</a> des
+Reichs und des Hofs geheissen hatten; fünf und vierzig Jahre
+alt, als er den Thron bestieg, füllte <i>Kadir</i>, d. i. der Mächtige,
+denselben vierzig Jahre lang, wenn nicht mit Macht, doch mit
+Anstand und Würde, war genau und eifrig in Vollziehung
+der vorgeschriebenen Religionspflichten im Gegensatze seiner
+<span class='pagenum'><a name="Page_125" id="Page_125">[125]</a></span>
+Vorfahren, welche Wüstlinge und Schlemmer, schrieb ein
+Buch wider die Schismatiker, welche die Lehre, dass der
+Koran erschaffen, vertheidigen, welches alle Freitage in
+der Moschee vorgelesen ward; nur wurde seine lange Regierung
+häufig durch die blutigen Streitigkeiten der Sunni
+und Schii getrübt, weil er die letzten auf Kosten der ersten
+begünstigte. In dem ersten dieser Religionsaufruhre wurde
+der Wesir Behaeddewlet erschlagen, weil er die Todtenfeier
+des Martyrthums Husein's abstellen wollte. <span class="xidenote">i. J. 382/<br />992</span> Neun Jahre
+hernach empörten sich die Ketzer, indem sie die Einführung
+eines neuen Festes, nämlich des schiitischen des <i>Teiches</i>,
+durchsetzten<a name="FNanchor_259" id="FNanchor_259"></a><a href="#Footnote_259" class="fnanchor">[259]</a>. <span class="xidenote">389/<br />998</span> Zehn Jahre hernach, im selben, wo ein
+heftiges Erdbeben die Stadt dreimal, und Hakimbiemrillah
+die Kirche, das heilige Grab zu Jerusalem in Schutt verwandelte,
+schlugen sich die Sunni und Schii in den Strassen
+von Bagdad. <span class="xidenote">i. J. 407/<br />1016</span> Neun Jahre später wurden die Ketzer zu
+Wasith von den Sunni geschlagen und die Kuppel der grossen
+Moschee zu Jerusalem stürzte ein. Schon im nächsten Jahre <span class="xidenote">i. J. 408/<br />1017</span>
+entbrannte der Kampf zwischen ihnen umso heftiger zu Bagdad;
+und abermals nach dreizehn Jahren <span class="xidenote">i. J. 421/<br />1030</span> schlugen sie sich wegen
+des Festes <i>Aaschura</i>, d. i. des Trauerfestes Husein's. Ausser
+dieser so oft wiederholten blutigen Polemik wurde Bagdad
+von Zeit zu Zeit durch Diebsbanden beunruhigt, so dass
+Niemand seines Eigenthums sicher<a name="FNanchor_260" id="FNanchor_260"></a><a href="#Footnote_260" class="fnanchor">[260]</a>. Nichtsdestoweniger
+brachte es Kadir dahin, dass die Beni <i>Okail</i> in Syrien das
+Kanzelgebet auf seinen Namen und nicht auf den der Fatimiten
+verrichteten, deren angeblicher Ursprung von Ali, zu
+Bagdad öffentlich in den Schulen angegriffen ward. <span class="xidenote">i. J. 402/<br />1011</span> Die
+Gleichzeitigkeit <i>Firdewsi's</i> und <i>Kabus Schemsolmaali's</i>, des
+Dilemiten, wie die <i>Hamdan's</i>, des Gründers der Beni Hamdan,
+und <i>Avicena's</i> verherrlichte die vierzigjährige Regierung
+Kadir's nicht minder, als die fünf und vierzigjährige seines
+Sohnes <i>Kaimbiemrillah's</i>, d. i. des auf Befehl Gottes Aufrechtstehenden,
+durch das Aufsteigen <i>Toghrul's</i>, des Gründers
+<span class='pagenum'><a name="Page_126" id="Page_126">[126]</a></span>
+der Dynastie der Seldschuken, als Beginn einer neuen Epoche,
+indem die Vormundschaft der Chalifen von dem Hause Buje
+in das der Seldschuken überging. Toghrul, von dem Chalifen
+um Schutz wider den übermächtigen Türken Besasiri
+angefleht, gewährte denselben, aber gegen die Belehnung
+mit der Herrschaft des Ostens und Westens mittels zweier
+Kopfbünde, zweier Schwerter, sieben Fahnen und sieben
+nacheinander angelegter Ehrenkleider, während der Chalife
+auf sieben Ellen hohem Throne sass. Der Chalife vermählte
+sich mit der Nichte Toghrul's und dieser nahm die Tochter
+des Chalifen zur Frau, starb aber vor Vollzug der Hochzeit
+siebzigjährig. Zwei Kometen<a name="FNanchor_261" id="FNanchor_261"></a><a href="#Footnote_261" class="fnanchor">[261]</a>, Erdbeben, Hungersnoth,
+Meeresebbe und Ueberschwemmungen verkündeten und begleiteten
+diesen neuen Umschwung der Herrschaft des Ostens
+und Westens. In Aegypten und Palästina spie die Erde
+Wasser<a name="FNanchor_262" id="FNanchor_262"></a><a href="#Footnote_262" class="fnanchor">[262]</a>, das Meer zog sich auf einen Tag weit von den
+Gestaden zurück und verschlang in unvermutheter Rückkehr
+die, welche in seinen aufgedeckten Tiefen nach Schätzen
+suchten<a name="FNanchor_263" id="FNanchor_263"></a><a href="#Footnote_263" class="fnanchor">[263]</a>. Die Hungersnoth in Aegypten war so gross,
+dass seit des ägyptischen Joseph's Zeit keine grössere gedacht
+ward<a name="FNanchor_264" id="FNanchor_264"></a><a href="#Footnote_264" class="fnanchor">[264]</a> und die Stärkeren die Schwächeren ohne
+Scheu auffrassen; durch zwei Ueberschwemmungen des
+Tigris<a name="FNanchor_265" id="FNanchor_265"></a><a href="#Footnote_265" class="fnanchor">[265]</a> wurden über hunderttausend Häuser verwüstet.
+Solche Zeichen mussten die Herrschaft der Türken über
+Vorderasien verkünden; aber ausserdem ward Bagdad noch
+durch Diebesbanden und die Religionskämpfe der Sunni und
+Schii verwüstet; diese fügten zum Gebetsaufruf die Formel:
+<i>Auf! zu guten Werken!</i><a name="FNanchor_266" id="FNanchor_266"></a><a href="#Footnote_266" class="fnanchor">[266]</a> bei und schrieben auf ihre Bollwerke:
+<i>Mohammed und Ali sind die bessten der Geschöpfe;
+wer vollzieht, ist dankbar, wer sich dessen weigert, undankbar</i>;
+die Sunni widersetzten sich; die Grabmäler der
+Imame <i>Musa</i> und <i>Takki</i> wurden ihrer goldenen Leuchter
+und Lampen beraubt, die Schreine aus Ebenholz angezündet;
+sie verbrannten auch die Grabdome des Chalifen <i>Emin</i> und
+<span class='pagenum'><a name="Page_127" id="Page_127">[127]</a></span>
+seiner Mutter <i>Sobeide</i>, die der Bujiden <i>Mois</i> und <i>Dschelaleddewlet</i><a name="FNanchor_267" id="FNanchor_267"></a><a href="#Footnote_267" class="fnanchor">[267]</a>;
+die Moscheen der Hanefiten wurden von
+den Schiiten geplündert. Sie unterliessen dafür das Kanzelgebet
+für den Chalifen, weil er sie zu schützen nicht im
+Stande, nicht Chalife und Imam zu heissen verdiene. Doch
+hatte er vor seinem Ende den Trost, dass der Scherif von
+Mekka das Kanzelgebet nicht mehr auf den Namen der
+Fatimiten, sondern auf den der Beni Abbas verrichtete;
+und unter seiner Regierung erhob sich zu Bagdad die erste,
+vom grossen Wesire Melekschah's von Nisameddin gestiftete
+hohe Schule <i>Nisamije</i><a name="FNanchor_268" id="FNanchor_268"></a><a href="#Footnote_268" class="fnanchor">[268]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Chalifen
+Moktefi,
+Mostadhir.</div>
+
+<p>Mit Moktefi, dem Sohne Kaimbiemrillah's, dem sieben
+und zwanzigsten Chalifen, welcher zwanzigjährig den Thron
+bestiegen, setzte sich auf denselben in Chuaresm <i>Itsis</i>, einer
+der Emire Melekschah's, der Gründer der Dynastie der
+Chuaresmschahe, die erst ein Jahrhundert später zum Gipfel
+der Macht emporstieg. <i>Itsis</i> liess das Freitagsgebet wieder
+auf den Namen des Chalifen aus dem Hause Abbas, statt auf
+den der Fatimiten, verrichten. Moktefi vermählte sich mit
+der Tochter seines Schirmvogtes, des grossen Sultan's der
+Seldschuken, Melekschah. Die Hochzeit war die glänzendste,
+welche Bagdad seit der berühmten Mamun's mit der Tochter
+seines Wesirs <i>Sehl</i> gesehen; der grosse Wesir Nisamolmülk
+mit zweitausend Reitern begleitete die Braut; hundert vier
+und dreissig Reihen von Kamelen (jede Reihe zu sieben)
+trugen den Brautschatz, in welchem die juwelenbesetzten
+Pantoffeln das Hauptstück. Die Hochzeit, sowie ein Paar
+Jahre hernach das Geburtsfest des Sohnes Dschaafer aus
+der Frau Turkjan, wurde mit grossen Festen gefeiert; dem
+letzten wohnte Melekschah in eigener Person bei und legte
+bei dieser Gelegenheit den Grund der nach seinem Namen
+genannten Moschee Bagdad's. Nach Verlauf eines Jahres
+zertrugen sich der Chalife und die Tochter Melekschah's,
+welche zu ihrem Vater nach Issfahan zurückkehrte, weil
+Moktefi statt ihres Sohnes Dschaafer's den <i>Mostadhir</i> zum
+<span class='pagenum'><a name="Page_128" id="Page_128">[128]</a></span>
+Thronerben ernannte. Melekschah forderte, dass der Chalife
+die Erbfolge an seinen Enkel Dschaafer, den Sohn Turkjan's,
+übertrage, und war eben im Begriffe, ihm dieses Familiengesetz
+mit gewaffneter Hand aufzuzwingen, als er vergiftet
+starb, was von Bagdads Einwohnern der Wirkung des himmeldurchdringenden
+Gebetes des Chalifen zugeschrieben
+ward. <span class="xidenote">487/<br />1094</span> Moktefi überlebte ihn nur drei Jahre und hatte seinen
+sechzehnjährigen Sohn <i>Mostadhir</i> zum Nachfolger. <span class="xidenote">489/<br />1096</span> Zwei
+Jahre nach seiner Thronbesteigung ward ganz Asien durch
+den Schrecken der Astronomen über den Verein der Planeten,
+den Saturnus ausgenommen, im Zeichen des Fisches
+mit Vorhersagungen von Sündfluth aufgelärmt, indem zur
+Zeit der Sündfluth alle sieben Planeten im Fische gestanden
+haben sollen; wirklich schwemmte ein Wolkenbruch das
+Gepäck der Pilgerkarawane fort; aber verderblicher als
+diese Ueberschwemmung war die der Kreuzfahrer, deren
+Fluth bald hierauf an den syrischen Gestaden emporbrandete. <span class="xidenote">499/<br />1105</span>
+Ein Comet von einer Grösse, dessgleichen nie gesehen
+worden, galt als Vorzeichen des ungeheueren Brandes, dessgleichen
+Bagdad noch nicht erlebt hatte, und in welchem
+nebst dem Palaste des Chalifen die hohe Schule Nisamolmülk's
+und die ganze Flussseite der Stadt in Asche gelegt
+ward; <span class="xidenote">511/<br />1117</span> was vom Brande übrig geblieben, zerstörte ein Erdbeben.
+Brand und Erdbeben mussten den Tod Mohammedschah's
+des Seldschuken und des Chalifen vorbedeutet haben,
+welche bald hierauf im Zwischenraume von wenigen Monaten
+starben. Es war das drittemal, dass der Tod des Chalifen
+mit dem seines seldschukischen Schirmvogtes fast zusammenfiel;
+Sultan <i>Alparslan</i> war zwei Jahre vor dem Chalifen
+<i>Kaim</i><a name="FNanchor_269" id="FNanchor_269"></a><a href="#Footnote_269" class="fnanchor">[269]</a>, Sultan <i>Melekschah</i> zwei Jahre vor dem Chalifen
+<i>Moktefi</i><a name="FNanchor_270" id="FNanchor_270"></a><a href="#Footnote_270" class="fnanchor">[270]</a> und jetzt Sultan Mohammed nur einige Monate
+vor dem Chalifen <i>Mostadhir</i> gestorben, und sowohl die drei
+Sultane als die drei Chalifen gehörten unter die grössten
+und bessten Herrscher ihres Hauses<a name="FNanchor_271" id="FNanchor_271"></a><a href="#Footnote_271" class="fnanchor">[271]</a>. <i>Mostadhir</i>, beredt,
+<span class='pagenum'><a name="Page_129" id="Page_129">[129]</a></span>
+freigebig und Schönschreiber, machte den Bewohnern Bagdads
+angenehme und fröhliche Tage, indem seine vier und zwanzigjährige
+Regierung im Ganzen eine ruhige, während die
+siebzehnjährige seines Sohnes und Nachfolgers <i>Mosterschid</i>
+das Gegentheil durch die Thronnebenbuhlerschaft der beiden
+Seldschuken, Mahmud und Mesud, von denen Mosterschid
+jenen als Oberherrn anerkennend mit sieben, diesen nur mit
+zwei Ehrenkleidern bekleidete. Mesud überzog in der Folge
+den Chalifen mit Krieg, belagerte Bagdad und nahm ihn
+gefangen; als aber sein Oheim Sindschar solche Verletzung
+der dem Oberhaupte des Islams schuldigen Ehrfurcht hoch
+missbilligte, setzte er ihn in Freiheit und ging sogar vor
+dessen Pferde, die Satteldecke desselben tragend, einher.
+Ein Feuerregen zu Mossul und fliegender Skorpionen zu
+Bagdad, an deren Bissen Viele starben, gingen dem gewaltsamen
+Tode des Chalifen voraus, der unter dem Dolche
+der Assassinen fiel. Sie hatten ihn zu ihrem Opfer ausersehen,
+weil er ihnen feind; ein tugendhafter Fürst, ausgezeichneter
+Schönschreiber, Rechtsgelehrter und Ueberlieferer,
+in dessen Gegenwart Lesungen der Ueberlieferungen
+gehalten worden. Unter seiner Regierung wurden zu Hebron
+in einer Felsenhöhle Leichname entdeckt, welche für die
+Abraham's, Isak's und Jakob's galten, deren Gräber seitdem
+dort der Gegenstand moslimischer Verehrung; und zu Bagdad
+fiel, was vordem und seitdem unerhört, mannstiefer Schnee,
+der vierzehn Tage liegen blieb<a name="FNanchor_272" id="FNanchor_272"></a><a href="#Footnote_272" class="fnanchor">[272]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Chalifen
+Raschid und
+Moktefi.</div>
+
+<p>Raschid<a name="FNanchor_273" id="FNanchor_273"></a><a href="#Footnote_273" class="fnanchor">[273]</a>, der Sohn Mosterschid's, der dreissigste
+Chalife, trat keineswegs in seines Vaters und Grossvaters
+Fussstapfen; wider Sultan Mesud lehnte er sich auf, indem
+er das Kanzelgebet zu Bagdad, statt auf dessen Namen, auf
+den David's, des Neffen Mesud's, verrichten liess. Mesud
+plünderte dafür Bagdad mit solcher Raubsucht, dass den
+Frauen und Sklavinnen sogar die Halsbänder und Ohrgehänge
+weggerissen wurden; durch sechzehn Tage und Nächte
+<span class='pagenum'><a name="Page_130" id="Page_130">[130]</a></span>
+bebte die Erde zu Bagdad, und schon eilf Monate, nachdem
+er den Thron bestiegen, dessen ihn die Richter und Rechtsgelehrten
+durch ein Fetwa als unfähig erklärten, fiel er,
+wie sein Vater, unter Meuchlerdolch. Das Reich war so
+gesunken und verarmt, dass, als Raschid's Nachfolger, sein
+Vetter <i>Moktefi</i>, der Sohn Mostadhir's, den Chalifenstuhl
+bestieg, ihm kein Einkommen blieb, als der Ertrag seiner
+Privatgüter; aber auch diesen hätte er nicht eintreiben
+können, wenn ihm nicht die Sklaven Mesud's dazu verholfen
+hätten. Er vermählte sich mit der Schwester Sultan Mesud's,
+welche ihm hunderttausend Dukaten als Heirathsgut zubrachte;
+aber vierzehn Jahre hernach, als die Araber der
+Wüste die ganze Pilgerkarawane plünderten und gefangen
+nahmen, musste die Gemahlin des Chalifen, welche sie gefangen
+behielten, um hunderttausend Dukaten losgekauft
+werden, so dass das Heirathsgut als Lösegeld aufging. Hierauf
+sandte ihm Sultan Sindschar, der Oheim Mesud's, den Mantel
+und den Stab des Propheten, welchen Mesud, als er den
+Chalifen Mosterschid gefangen genommen, dem Oheim gesandt.
+Moktefi hatte während seiner vier und zwanzigjährigen
+Regierung mit Widerwärtigkeiten aller Art zu
+kämpfen. Die Naturbegebenheiten schienen sich wider ihn
+verschworen zu haben, wie die Emire Sultan Mesud's, welche
+Bagdad belagerten und verheerten. Ein Erdbeben, in welchem
+dreissigtausend Menschen zu Grunde gingen, verschlang
+die Stadt <i>Hire</i>, an deren Stätte schwarzes Wasser aufquoll; <span class="xidenote">534/<br />1139</span>
+in Syrien zählte man in Einer Nacht achtzig Erdstösse;
+Orkane und Wolkenbrüche verheerten Kleinasien und ein
+Comet zog flammend von Osten gegen Westen. Zu Bagdad
+rettete sich der Chalife nackt aus den Flammen, welche
+den kaum aufgebauten Palast mit der ganzen Einrichtung
+verzehrten. <span class="xidenote">543/<br />1148</span> In Arabien regnete es Blut; aber mehr noch
+als alle diese Naturerscheinungen bedrängte den Chalifen
+der Druck seines Schwagers Schirmvogtes Mesud; wider
+denselben blieb dem Unterdrückten keine Waffe, als der
+himmeldurchdringende Pfeil des Gebetes; diesem ward der
+gähe Tod Mesud's zugeschrieben, durch welchen nicht nur
+<span class='pagenum'><a name="Page_131" id="Page_131">[131]</a></span>
+Moktefi seines Drängers ledig, sondern auch das nun schon
+dreihundert Jahre auf dem Chalifate schwer lastende Joch
+türkischer Sklaverei für immer zerschlagen ward; <span class="xidenote">547/<br />1152</span> eine
+höchst günstige Begebenheit, wodurch die Chalifen wieder
+ihre Unabhängigkeit genossen, welche sie seit der Einführung
+der türkischen Sklaven unter Moteaassim verloren
+hatten. Doch nützte ihnen dieselbe nicht viel, da das Reich
+zerstücket, ihre Herrschaft nur auf das Grabmal von Bagdad
+und einige Städte des arabischen Irak beschränkt war und
+die Macht der Chuaresmschahe drohend emporwuchs. Indessen
+ist diese Epoche doch eine sehr merkwürdige in der
+Geschichte des Chalifats, welches in dem letzten Jahrhunderte
+seines Daseins keinen Schirmvogt anerkannte. Moktefi
+selbst benützte den ersten freien Odemzug, den ihm der
+Tod Mesud's gewährte, zur Belagerung von Tekrit und
+einem Streifzuge wider die in der Gegend herumziehenden
+Turkmanen, denen er viermalhunderttausend Schafe und
+grosse Beute abnahm und damit zu Bagdad einzog. Suleiman,
+der Sultan der Seldschuken Rum's, kam nach Bagdad, um
+aus der Hand des Chalifen den Titel der Herrschaft und
+den Befehl zur Eroberung des Gebirgslandes zu empfangen.
+Das Erdbeben, das im folgenden Jahre acht Städte der
+Moslimen und fünf der Franken in Syrien verheerte, war
+eines der schrecklichsten; <span class="xidenote">552/<br />1157</span> die Einwohner <i>Hamid's</i> wurden
+alle erschlagen, zu <i>Scheiser</i> blieb nur ein Weib, zu <i>Kefrtab</i>
+keine Seele lebendig. Zu <i>Apamea</i>, <i>Himss</i>, <i>Maarret</i> und
+<i>Tell Hamdan</i> wurde die Hälfte der Einwohner verschüttet,
+die von <i>Hossn Ekrad</i> und <i>Arka</i> gingen alle zu Grunde,
+Niemand wollte innerhalb der Mauern bleiben, und die
+Uebriggebliebenen suchten Rettung im Freien. Im folgenden
+Jahre verwüstete die Ueberschwemmung des Tigris dreissigtausend
+Häuser von Bagdad und Hagel in der Grösse von
+Hühnereiern und den seltsamsten Figuren ging dem Tode
+des sechs und sechzigjährigen Chalifen voraus.</p>
+
+<div class="sidenote">Neue Periode
+des Chalifats;
+Mostendschid.</div>
+
+<p>Die Periode der Unabhängigkeit der Chalifen von dem
+seit Mesud's Tode abgeschüttelten Joche der seldschukischen
+Vogtschaft ist in keiner der bisherigen europäischen Geschichten
+<span class='pagenum'><a name="Page_132" id="Page_132">[132]</a></span>
+des Chalifats gehörig hervorgehoben, kaum mit
+ein Paar Worten über den Charakter der Gemahlin Moktefi's
+angedeutet worden<a name="FNanchor_274" id="FNanchor_274"></a><a href="#Footnote_274" class="fnanchor">[274]</a>; diese, welche <i>Taus</i>, d. i. Pfau, hiess,
+flösste ihrem Gemahle den hohen Sinn und den Muth ein,
+sich von der schmählichen Oberherrschaft der Türken, unter
+denen die Chalifen durch drei Jahrhunderte geschmachtet,
+loszusagen. Das letzte Jahrhundert der Dauer des Chalifats
+war also ein für dasselbe ehrenvolleres, als die drei verflossenen,
+indem die letzten sechs Chalifen keine Obervogtschaft
+anerkannten und selbst ihre Heeresmacht wieder zu
+einer Höhe brachten, wodurch sie in den Stand gesetzt
+wurden, nicht nur die Anmassungen der Chuaresmschahe
+auf gleiche Vogtschaft zurückzuweisen, sondern sogar Empörungen
+niederzuschlagen und ein Paar dem Chalifate längst
+entrissene Landschaften demselben wieder einzuverleiben.
+Die Ursache des gänzlichen Ruines des Chalifats ist, ausser
+der Alles vor sich in den Staub tretenden Uebermacht der
+Mongolen, hauptsächlich die Unterthänigkeit des letzten Chalifen
+aus dem Hause Abbas, welchem, wenn er in die Fussstapfen
+seiner fünf unmittelbaren Vorfahren, und namentlich
+in die <i>Nassirbillah's</i>, getreten wäre, es wohl hätte gelingen
+können, die Macht der Mongolen von den Mauern Bagdad's
+zurückzuschlagen, wie diess ein Paarmal seine Vorfahren
+mit Muth und gutem Glück gethan. Die Periode der vorletzten
+fünf Chalifen gehört, wenn nicht unter die schönsten
+Zeiten des Chalifats aus dem Gesichtspunkte des Glanzes
+und der Macht, doch unter die bessten und ehrenvollsten
+Tage desselben, aus dem Gesichtspunkte äusserer Jochentlastung
+und Unabhängigkeit und innerer Ruhe und Sicherheit
+betrachtet. Der Zeitraum der fünf und achtzig Jahre, welche
+unter den vorletzten fünf Chalifen verflossen, kann mit einigem
+Fuge dem Zeitraume der neun und achtzig verglichen werden,
+in welchem Rom unter der Herrschaft Trajan's, Hadrian's
+und der Antonine aufathmete, das vorige Weltreich
+wieder einigen Ansehens, die Menschheit wieder einiger
+<span class='pagenum'><a name="Page_133" id="Page_133">[133]</a></span>
+Ruhe genoss. Der Name Mostendschid, der mehrere Bedeutungen
+hat, kann in zweien dieser Bedeutungen für den
+geschichtlich bezeichnenden seiner Herrschaft gelten. Mostendschid
+heisst sowohl der einen Vertheidiger Suchende,
+als ein nach überstandener Krankheit seine Kräfte Sammelnder.
+Er hoffte in dem syrischen Atabegen einen Vertheidiger
+des Chalifats zu finden; eine Hoffnung, die nicht
+durch <i>Nureddin</i>, der selbst mit dem ägyptischen Chalifen
+im Kampfe lag, wohl aber unter Ssalaheddin, dem ersten
+Herrscher des mächtigen Hauses Ejub, unter <i>Mostadhir</i>,
+dem Nachfolger <i>Mostendschid's</i>, durch den Sturz des Chalifen
+Nebenbuhlers in Aegypten und durch die Uebertragung
+des Kanzelgebetes von ihrem Namen auf den der Familie
+Abbas einigermassen erfüllet ward. Mostendschid, ein gerechter,
+gebildeter und energischer Fürst, hob die von seinem
+Vorfahrer zum Ruin des Handels eingeführten drückenden
+Stempelgefälle auf, verbot die scholastischen Vorlesungen
+über metaphysische Werke und entriss den Händen der
+<i>Beni Mesud</i> die der Stadt des Heiles so nahe gelegenen
+<i>Hille</i>, <i>Kufa</i> und <i>Enbar</i>.</p>
+
+<div class="sidenote">Mostadhi
+und Nassirlidinillah.</div>
+
+<p>Mostendschid's Sohn und Nachfolger, <i>Mostadhi</i>, d. i.
+der Erleuchtung Suchende, schritt während seiner neunjährigen
+Regierung auf dem von seinem Vater, während
+seiner eilfjährigen, betretenen Pfade fort. Dem Gründer
+der Grösse des Hauses Ejub, dem grossen <i>Ssalaheddin</i>,
+welcher der Herrschaft der Chalifen Nebenbuhler in Aegypten
+ein Ende gemacht und das Kanzelgebet wieder auf den Namen
+der Chalifen aus dem Hause Abbas übertragen, sandte er
+Ehrenkleider und ein höchst ehrenvolles Diplom mit glänzenden
+Titeln und Geschenken. So ward nun wieder in
+Aegypten und Arabien der Chalife Bagdad's von den Kanzeln
+als der rechtmässige erkannt. Grössere Kräfte, als unter den
+nur zwei Jahre füllenden Regierungen Mostendschid's und
+Mostadhi's, sammelte das Chalifat unter der sechs und vierzigjährigen
+<i>Nassirlidinillah's</i>, d. i. des Helfers der Religion
+Gottes, welchem bald nach dem Antritte seiner Regierung
+die Freude ward, dass nach dem Sturze der Beni Omeije
+<span class='pagenum'><a name="Page_134" id="Page_134">[134]</a></span>
+in Spanien nun auch dort von den Herrschern aus der Familie
+Abdol Mumin das Kanzelgebet auf den Namen des
+Chalifen aus dem Hause Abbas verrichtet ward, eine frohe
+Botschaft, welche so, wie unter Mostadhi die von der Veränderung
+des Kanzelgebetes in Aegypten und Arabien, zu
+Bagdad mit Freudenfesten gefeiert ward. Während Ssalaheddin
+die heilige Stadt der Herrschaft der Christen entriss,
+eroberte der Chalife die am Euphrat gelegenen Schlösser
+Aana und Hadise wieder dem Reiche zurück, das sich nun
+wenigstens wieder über den grössten Theil Mesopotamiens,
+von den Ufern des Tigris bis an die des Euphrats, und über
+Chusistan erstreckte, dessen Schlösser der Wesir <i>Ibnol aththar</i>
+wieder der Macht des Chalifen unterwarf. Den Triumph
+Nassir's vollendete der gänzliche Ruin der persischen Seldschuken,
+vormaligen Schirmvögten, indem Sultan Tekesch
+der Chuaresmschah den Kopf des von ihm besiegten letzten
+persischen Seldschuken Toghrulschah dem Chalifen nach Rei
+sandte, wo derselbe an der Moschee als Trophäe aufgehangen
+ward. Den Gesandten des Sultans, welcher die
+Vogtschaft Bagdads, welche jetzt die Seldschuken besassen,
+nun für sich begehrte, entliess er ohne Antwort. Chuaresmschah
+stellte, um die Weigerung zu rächen, das auf den
+Namen Nassir's verrichtete Kanzelgebet ab und ernannte
+sogar einen Gegen-Chalifen in der Person des Seid <i>Alaeddin</i>
+von Tirmid, dem er als Chalifen huldigen liess. Nassir
+sandte, um den Sultan auf bessere Gesinnungen zu bringen,
+den grossen Scheich <i>Schihabeddin Suhrwerdi</i>, der ihn zu
+Hamadan traf. Der Sultan empfing ihn verächtlich, indem
+er ihn nicht einmal niedersetzen hiess; und als der gelehrte
+und beredte Scheich in einer langen Rede die Stellen der
+Ueberlieferung zu Gunsten des Hauses Abbas und die Herrschertugenden
+Nassir's gepriessen, antwortete der Sultan:
+Alles dieses passt nicht auf Nassir; ich ziehe nach Bagdad,
+um dort einen, der wirklich alle von dir hergezählten Eigenschaften
+besitzt, als Chalifen einzusetzen. Er rückte gegen
+Bagdad vor, welches Nassir noch vor kurzem mit einer
+Mauer umfangen hatte, welche die Stadt wohl schwerlich
+<span class='pagenum'><a name="Page_135" id="Page_135">[135]</a></span>
+vor der Uebermacht des Sultans gerettet hätte. Diesen bewog
+ein ungeheures Schneegestöber zum Rückzuge, indem, als
+er nach Holwan gekommen, es zwanzig Tage ununterbrochen
+schneite, so dass der Schnee so hoch als die Zelte, das
+Heer durch ungeheueren Verlust an Menschen und Thieren
+schwächte. Diese Naturbegebenheit war für Bagdad erfolgreicher,
+als einige andere frühere ausserordentliche Erscheinungen; <span class="xidenote">i. J. 583/<br />1186</span>
+diese waren der Verein der sieben Planeten
+im Zeichen der Wage, woraus die Astronomen ungeheuere
+Orkane für die Nacht der Vereinigung vorausgesagt; in
+derselben herrschte aber so grosse Windstille, dass die
+Lampe auf der Sternwarte in freier Luft unausgelöscht
+brannte, zu grosser Beschämung der Astronomen. Sechzehn
+Jahre hernach <span class="xidenote">i. J. 599/<br />1202</span> flammte eine ganze Nacht voll fallender Sterne,
+die nach allen Richtungen hin und herschossen, eine Erscheinung,
+die durch ähnliche in unseren Tagen genauer
+beobachtete beglaubigt wird. Nassir hatte den Chalifenpalast
+zu Bagdad abbrechen lassen, aber ausser der Stadtmauer
+viele Moscheen und Medreseen und ein Speisehaus für die
+Armen gebaut; die erste Anstalt dieser Art, welcher die
+Geschichte des Islams erwähnt. Nassir war ein besonders
+in der Ueberlieferung gelehrter Fürst und hinterliess über
+dieselbe ein Werk, das den Titel: <i>Geist des Erkennenden</i><a name="FNanchor_275" id="FNanchor_275"></a><a href="#Footnote_275" class="fnanchor">[275]</a>
+führt; aber Nassir war auch ein harter, habsüchtiger Fürst,
+dessen Gier, Schätze zu sammeln, keine Gränzen kannte,
+der die Unterthanen durch Gelderpressungen drückte und
+das Heer der Finanzbeamten noch mit einem Heere von
+Ausspähern vermehrte. Von den Kanzeln, wo ehe für die
+Chalifen des Hauses Omeije in Andalus, dann für die des
+Hauses Fatima in Aegypten als Chalifen gebetet worden,
+wurde nun das Kanzelgebet wieder auf den Namen Nassir's
+verrichtet, so auch in Hidschas und Jemen, in Chorasan
+und Masenderan und in Indien auf den Namen Nassir's, als
+des einzigen rechtmässigen Chalifen des Islams.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_136" id="Page_136">[136]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Sahirbiemrillah
+und Mostanssir.</div>
+
+<p>Der Sohn und Nachfolger Nassirlidinillah's, der Chalife
+<i>Sahirbiemrillah</i>, d. i. der Offenbare durch Gottes Befehl,
+war vor allen Chalifen aus dem Hause Abbas seines Beinamens
+werth, nach dem Zeugnisse der Geschichtschreiber,
+dass seit Omar el-assis, dem wegen seiner Frömmigkeit und
+Gottesfurcht berühmten achten Chalifen der Beni Omeije,
+kein Gerechterer auf dem Chalifenstuhle gesessen. Diesen
+guten Klang seines Namens dankt er dem freigebig geschenkten
+Golde und der kurzen Zeit seiner Regierung,
+indem er nur neun Monate lang den Völkern als ein Muster
+des Chalifats mehr gezeigt als bewährt. Er stellte bei seiner
+Thronbesteigung confiscirte Grundstücke ihren Eigenthümern
+zurück, sandte dem Richter der Richter zehntausend Dukaten
+zur Bezahlung der Schulden derer, die desshalb im Thurme
+sassen, setzte die Kopfsteuer von Jakuba, welche vormals
+nur zehntausend Goldstücke betragen, unter seinem Vater
+aber auf's Siebenfache gesteigert worden war, wieder auf
+die obige Summe zurück, liess von der Gesammtsumme der
+Steuern dreimalhundert fünfzigtausend den Unterthanen nach
+und vertheilte am Opferfeste hunderttausend Dinare unter
+die Gesetzgelehrten und Ssofi; denen, die ihn fragten, warum
+er sich so beeile, Gutes zu thun, antwortete er mit Anspielung
+auf das vorgerückte Alter von ein und fünfzig
+Jahren, in welchem er den Thron bestiegen: Ich gleiche
+denen, die erst Nachmittags ihre Buden öffnen und sich
+also beeilen müssen, wenn ihr Handel Gewinn tragen soll;
+hindert mich also nicht in guter Handlungen Handel. In
+seine Fussstapfen, als ein gerechter, freigebiger und gelehrter
+Fürst, trat sein Sohn und Nachfolger <i>Mostanssirbillah</i>,
+d. i. der bei Gott Hülfe Suchende. Er baute die
+berühmte, nach seinem Namen genannte hohe Schule, deren
+Grösse und Glanz die frühere, vom Wesire Nisamolmülk zu
+Bagdad erbaute, bei weitem zurückliess; sie bestand in vier
+besonderen Schulen, nach den vier Ritus des Islams, wo
+die Rechtsgelehrsamkeit nach den Ueberlieferungen <i>Ebu
+Hanife's</i>, <i>Schaafii's</i>, <i>Malik's</i> und <i>Hanbeli's</i> gelehrt ward;
+an jeder dieser vier Medreseen waren zwei und sechzig
+<span class='pagenum'><a name="Page_137" id="Page_137">[137]</a></span>
+Plätze für Studenten<a name="FNanchor_276" id="FNanchor_276"></a><a href="#Footnote_276" class="fnanchor">[276]</a> und zwei für Correpetitoren<a name="FNanchor_277" id="FNanchor_277"></a><a href="#Footnote_277" class="fnanchor">[277]</a> gestiftet.
+In vier Jahren war der Bau vollendet; am Tage
+der Eröffnung besuchte der Chalife mit allen Richtern und
+Rechtsgelehrten die Schulen und vertheilte reiche Geschenke
+unter die Professoren und Studenten. Das Seitenstück zur
+<i>Mostanssirije</i>, d. i. zur hohen Schule <i>Mostanssir's</i>, war die
+<i>Kamerije</i>, d. i. die <i>Mondige</i>, eine am Ufer des Tigris gebaute,
+reich gestiftete Speiseanstalt für Dürftige. Seine
+Wohlthaten strömten vorzüglich den Gelehrten zu, dieselben
+überschritten aber das Maass vernünftigen Staatshaushalts,
+wenn die folgenden Anekdoten wahr. Jedesmal, als aus
+einem mit Gold gefüllten Becken geschöpft ward, rief er
+aus: Ach, wann werde ich dich leeren! während sein Vater
+jedesmal, als Gold hineinfloss: Ach, wann werde ich dich
+füllen! ausgerufen haben soll. Eines Tages, als er von der
+Terrasse seines Palastes rund um auf den Terrassen Wäsche
+aufgehangen sah und der, was dies bedeute, gefragte Wesir
+antwortete, dass es die für das nächste Fest gewaschenen
+alten Kleider seien, wunderte sich Mostanssir, dass nicht
+jeder seiner Unterthanen sich neues Festkleid anschaffen
+könne, liess aus Gold Armbrustkugeln verfertigen und verschoss
+dieselben auf die Terrassen der Nachbarn. Wider
+die Mongolen, welche unter seiner Regierung bis Meragha
+vorgedrungen und Erdebil vom Grunde aus verheeret hatten,
+brachte er ein Heer von siebzigtausend Mann auf, von
+welchem zwar Anfangs die Mongolen, dann aber die Truppen
+des Chalifen zu <i>Dakuk</i>, das seiner Naphthabrunnen willen
+berühmt<a name="FNanchor_278" id="FNanchor_278"></a><a href="#Footnote_278" class="fnanchor">[278]</a>, geschlagen wurden. <span class="xidenote">653/<br />1237</span> Im selben Jahre richteten
+die Mongolen das Blutbad von Issfahan an, in welchem der
+grosse Dichter <i>Ismail Kemal</i> von Issfahan, beigenannt der
+Vater der Bedeutungen, unter ihrem Schwerte erlag, wie
+früher der grosse mystische Dichter Aththar. Unter Mostanssir's
+Regierung blühte vorzüglich die Mystik, und in dieselbe
+fällt der Tod von vier höchst merkwürdigen Männern, Säulen
+der Mystik, des Scheich's <i>Behaeddin Weled</i>, des Vaters
+<span class='pagenum'><a name="Page_138" id="Page_138">[138]</a></span>
+<i>Dschelaleddin Rumi's</i>, des grossen mystischen Dichters <i>Omer
+Ibn Faradh</i>, des grossen Scheich's <i>Schihabeddin Omer
+Suhrwerdi</i> und des Inders <i>Reten</i><a name="FNanchor_279" id="FNanchor_279"></a><a href="#Footnote_279" class="fnanchor">[279]</a>, welcher, der erste, aus
+Indien das berauschende Opiat (Haschische) nach Mittelasien
+gebracht, dessen sich die Assassinen bedienten, um
+ihren todtgeweihten Handlangern die Freuden des Paradieses
+vorzuspiegeln, und von dem sie ihren Namen<a name="FNanchor_280" id="FNanchor_280"></a><a href="#Footnote_280" class="fnanchor">[280]</a> Haschischin,
+d. i. die <i>Kräutler</i>, erhielten.</p>
+
+<div class="sidenote">Moteaassim.</div>
+
+<p><i>Moteaassimbillah</i>, d. i. der an Gott Festhaltende, der
+Sohn Mostanssir's, der sieben und dreissigste und letzte
+Chalife des Hauses Abbas, bestieg den Thron, den er sechzehn
+Jahre gefüllt, im dreissigsten seines Alters; ein prachtliebender,
+grossthuender, schwacher Fürst, doch nicht ohne
+löbliche Eigenschaften und Werke. Ein <i>Hafis</i>, d. i. Bewahrer
+des Koran's (wie Alle heissen, welche denselben
+auswendig wissen), war er den Gesetzgelehrten geneigt
+und baute für dieselben, nach seines Vaters Beispiel, eine
+hohe Schule, gegenüber dem Grabmale des Scheich's <i>Karchi</i>,
+so nach dem, vorzüglich von Schiiten bewohnten Stadtviertel
+Bagdad's genannt, welche aus vier Medreseen für die vier
+Ritus des Islam's bestand<a name="FNanchor_281" id="FNanchor_281"></a><a href="#Footnote_281" class="fnanchor">[281]</a>. Im dritten Jahre seiner Regierung
+erschien ein mongolisches Heer in der Nähe von
+Bagdad, von wo es zu <i>Baakuba</i> durch den kleinen Diwitdar
+(Staatssekretär) zurückgeschlagen ward<a name="FNanchor_282" id="FNanchor_282"></a><a href="#Footnote_282" class="fnanchor">[282]</a>. Dieser Vortheil
+vermehrte den Dünkel Moteaassim's, unter welchem das
+Ceremoniel des Hofes von Bagdad auf einen bisher nie gehörten
+Grad getrieben ward. Die Schwelle des Thronsaales
+war ein schwarzer Stein, welchen Alle, selbst Gesandte und
+Fürsten, die ihre Belehnung empfingen, nicht ausgenommen,
+sich unterwerfend küssen und dann den schwarzen Schleier,
+welcher dem daranstossenden Fenster vorgezogen ward, wie
+den Vorhang des Heiligthums der Kaaba verehren mussten.
+Medschdeddin Ismail, der Gesandte des Atabegen Ebubekr
+Ben Segi, unterwarf sich dem vorgeschriebenen Ceremoniel,
+<span class='pagenum'><a name="Page_139" id="Page_139">[139]</a></span>
+legte aber einen kleinen Koran, den er in der Hand verborgen,
+auf die Schwelle und küsste deren statt den Koran.
+Wann Moteaassim ausritt, sass er auf hohem Rappen, schwarz
+verschleiert mit schwarzem Turban, dessen Enden über die
+Schultern zurückflogen, von vierzig schwarzen Leibwachen
+umgeben; der Rappe war mit goldenem Halsband und edelsteinbesetztem
+Zügel und Bügel geschmückt, und wann ihn
+der Chalife bestieg, erscholl der Siegesruf, dessen Worte
+aus Koranstexten zusammengesetzt: &bdquo;<i>Gott mache das Gute
+zum Stirneknoten des Pferdes und binde es an seine Mähnen;
+er mache die Füsse desselben weiss durch Erreichung aller
+Begehren; er wolle dem Laufe desselben mit losgelassenen
+Zügeln alle Sicherheit gewähren, die Eroberungen sollen
+seinen Wettlauf am Ziele kennen und das Heil des Erfolgs
+seine Zügel dehnen!</i>&ldquo;<a name="FNanchor_283" id="FNanchor_283"></a><a href="#Footnote_283" class="fnanchor">[283]</a> Alle moslimischen Fürsten erhielten
+den Titel rechtmässiger Herrschaft einzig von dem Belehnungsdiplome
+Moteaassim's, welche derselbe mittels Gesandten
+ertheilte, die nebst dem Diplome der Investitur,
+Kaftan, Turban, Fahne, Schwert, Ring und ein Maul mit
+goldbeschlagenen Hufen und juwelengestickter Satteldecke
+zum Geschenke brachten<a name="FNanchor_284" id="FNanchor_284"></a><a href="#Footnote_284" class="fnanchor">[284]</a>. Der Gesandte vollzog nun ein
+Paar Tage nach seinem feierlichen Einzuge in die Residenz
+des Sultans oder Emirs die Investitur, indem er dem Fürsten
+den Kopfbund aufsetzte, den Ring ansteckte, das Diplom
+vorlesen liess und ihm dreimal wiederholte: <i>Sei gerecht
+und übertrete das Gesetz nicht</i>; dann erst ward ihm erlaubt,
+den Thron zu besteigen, und erst, nachdem er den Thron
+bestiegen, ward er für würdig erachtet, dem vom Chalifen
+gesandten Maul in Gegenwart des ganzen Hofes den goldbeschlagenen
+Huf zu küssen. Der Gesandte warf Geld aus
+und begleitete den Sultan, der nun unter einem über seinem
+Kopfe emporgehaltenen Sonnenschirme die Stadt durchritt.
+Wann immer ein Gesandter des Chalifen an den Hof des
+Sultans kam, ward sein Maul bis in den Thronsaal geführt
+und ein Vorhang niedergelassen; der Sultan musste vom
+<span class='pagenum'><a name="Page_140" id="Page_140">[140]</a></span>
+Throne steigen, hinter dem Vorhange den Huf des Maulthieres
+küssen, worauf er mit dem vom Chalifen gesandten
+Ehrenkleide erst wieder den Thron bestieg. Die Insignien
+der Investitur von Seite des Chalifen waren also: <i>Kaftan</i>,
+<i>Turban</i>, <i>Schwert</i>, <i>Ring</i>, <i>Fahnen</i>, <i>Sonnenschirm</i> und der <i>Huf</i>
+des Maulthiers. Krone, Mantel, Schwert, Ring, Fahne finden
+sich auch als Insignien der Investitur fürstlicher und kirchlicher
+Würden im europäischen Mittelalter; nur an die
+Stelle des Hufes trat das Horn, mit welchem dänische und
+angelsächsische Könige ihre Vasallen belehnten<a name="FNanchor_285" id="FNanchor_285"></a><a href="#Footnote_285" class="fnanchor">[285]</a>. Das Heer
+Moteaassim's war hunderttausend Mann stark, von denen
+die Hälfte vom Diwan aus besoldet; der Befehlshaber desselben,
+Suleimanschah, welchen der Dichter <i>Esireddin Umani</i>
+in Lobgedichten gepriesen. Die innere Verwaltung besorgten
+die beiden <i>Diwitdare</i> (Tintenzeughalter), d. i. Staatssekretäre;
+die Geschäfte des Hofes leitete der <i>Scherabdar</i>, Mundschenk,
+aber die Summe der Regierung war in den Händen
+des Wesirs <i>Moejededdin Mohammed Abdolmelik El-Alkami</i>,
+ein ausgezeichneter Gelehrter in Prose und Poesie, in Ueberlieferungs- und
+philosophischen Wissenschaften gleich gewandt,
+der Chalife aber selbst dem Wohlleben und Sinnengenusse
+ergeben. Die nächsten Hebel seines Verderbens
+waren von innen der Wesir Alkami, von aussen der grosse
+Astronome Nassireddin, der sich im Geleite Hulagu's befand.</p>
+
+<div class="sidenote">Alkami;
+Wüsten- und
+Bücherbrand.</div>
+
+<p>Nassireddin von Tus hatte eines Tages, als Moteaassim
+an den Ufern des Tigris sass, demselben huldigend ein Gedicht
+dargebracht, das der Chalife, statt, wie es der Wesir
+erwartet hatte, reich zu belohnen, auf des Wesirs Alkami
+darüber ausgesprochene Kritik in den Tigris warf. Von
+diesem Augenblicke schwur der tief beleidigte, tief grollende
+Astronome Schöngeist dem Wesir und dem Chalifen Rache;
+er verliess Bagdad und verweilte bei dem ihm gleichnamigen
+Comthur des Assassinenschlosses Sertacht. Alkami warnte
+den Comthur wider seinen Schutzgenossen, als wider einen
+<span class='pagenum'><a name="Page_141" id="Page_141">[141]</a></span>
+Ränkeschmied, der ihn im Geiste des Chalifen verderben
+wolle; und diese Warnung war nur ein neuer Sporn in die
+rachedürstenden Weichen des durch Geringschätzung seines
+Gedichtes so tief beleidigten Astronomen Schöngeistes. Als
+Gesandter des letzten Herrschers der Assassinen an Hulagu
+gesandt, hatte er durch sein grosses Talent sich dessen
+Achtung erworben und demselben erst zum Verderben der
+Assassinen, dann zu dem des Chalifats sich als hilfreiches
+Werkzeug angeboten. Sein Feind, der Wesir Alkami, arbeitete
+seiner Rache durch Verrätherei selbst in die Hände.
+Von den nächsten Umgebungen des Chalifen, dem Diwitdar
+und dem Mundschenken, nicht die Achtung geniessend, deren
+er werth zu sein glaubte, und als Schii dem Chalifen grollend,
+weil der Sohn desselben, Ahmed, die Plünderung des
+nur von Schiiten bewohnten Stadtviertels von Karch und die
+hierbei vorgefallenen Gräuel von Schändung und Gemetzel
+begünstigt hatte. Er schrieb an den Seid Tadscheddin al
+Hoseini, welcher damals der erste der Herren der Familie
+des Propheten, klagend: &bdquo;dass die Söhne des Hauses Ali
+geplündert, das Volk des Stammes Haschim gefangen und
+die Schmach, welche vormals Husein, der Enkel des Propheten,
+durch Plünderung seines Harems und Blutvergiessung
+getroffen, jetzt wieder erneuert worden sei&ldquo;<a name="FNanchor_286" id="FNanchor_286"></a><a href="#Footnote_286" class="fnanchor">[286]</a>. Der Seid
+antwortete im Namen aller Prophetenverwandten: &bdquo;Die Ketzer
+müssen ermordet, verbrannt, ihre Rasse ausgerottet werden;
+wenn du nicht mit uns hältst, bist du verloren, du wirst
+zu Bagdad weniger geschätzt sein, als vom Manne das
+Henna der Frauen und als der Ring dessen, dem die Hand
+abgehauen&ldquo;<a name="FNanchor_287" id="FNanchor_287"></a><a href="#Footnote_287" class="fnanchor">[287]</a>. Nach dem Falle von Alamut hielt Alkami
+den Augenblick für günstig zur Förderung seiner Rache; er
+sandte heimlich an Hulagu einen Brief, in welchem er, die
+Macht des Chalifen verkleinernd und die Schwäche Bagdad's
+ins hellste Licht setzend, den Eroberer seine Zügel nach
+der Stadt des Heils zu lenken einlud. Hulagu, wohl eingedenk,
+dass vormals ein Heer von hundert vier und zwanzigtausend
+<span class='pagenum'><a name="Page_142" id="Page_142">[142]</a></span>
+Mann wider die Mongolen gesandt, zweimal den
+Dschurmaghun geschlagen, zauderte, der Einladung Gehör
+zu geben, und berieth sich mit Nassireddin, dem Astronomen,
+und erst, als dieser ihn versichert, dass &bdquo;das Unternehmen
+im Bunde mit der Gestirne günstiger Stunde&ldquo;<a name="FNanchor_288" id="FNanchor_288"></a><a href="#Footnote_288" class="fnanchor">[288]</a>, beschloss
+er den Marsch nach Bagdad, wo indessen ein Versuch des
+kleinen Diwitdar, den Chalifen zu entthronen, das Feuer
+des Bürgerkrieges angeflammt. Moteaassim sah sich gezwungen,
+den Versicherungen des kleinen Diwitdar von
+seiner Treue und Ergebenheit scheinbaren Glauben zu
+schenken. Die Unschuld desselben wurde laut auf den
+Strassen Bagdad's verkündet und der Name des kleinen
+Diwitdar, des Feindes Alkami's, sogar nach dem des Chalifen
+im Kanzelgebete eingeschaltet; das Heer wurde nach
+des Verräthers Alkami Vorschlag um die Hälfte vermindert,
+ein Drittel des verminderten in die nahe gelegenen Städte
+geschickt, so dass nur zwanzigtausend zu Bagdad's Vertheidigung
+blieben<a name="FNanchor_289" id="FNanchor_289"></a><a href="#Footnote_289" class="fnanchor">[289]</a>. In diesem, durch den Fall Alamuts
+und die Verrätherei Alkami's für die Stadt des Heils so
+unheilschwangeren Jahre schreckten nicht nur Ueberschwemmung
+des Tigris und Erdbeben, sondern auch der Brand
+von Medina und der Wüstenbrand in Arabien die moslimische
+Welt auf. Zu Hara, in der Nähe von Medina, brannte die
+Wüste, und allgemein ward geglaubt, diess sei das Feuer,
+welches die Ueberlieferung des Propheten als den Vorboten
+des jüngsten Tages verkündet. Drei Monate lang brannte
+die Wüste in der Ausdehnung von vier Parasangen. Zu
+Medina zündeten die Einwohner des Nachts kein Licht an,
+da der Wüstenbrand die Stadt erhellte. Dieses, wie es
+scheint, elektrische Feuer soll Holz verschont, Eisen verzehrt
+haben, so dass von hineingeschossenen Pfeilen das Holz
+unversehrt, die Spitze zerfressen ward<a name="FNanchor_290" id="FNanchor_290"></a><a href="#Footnote_290" class="fnanchor">[290]</a>. Nach dem Wüstenbrande
+plünderten Beduinen die Stadt, bis man das Thal,
+aus dem sie ausfielen, mit steinerner Mauer verdämmte. Das
+grösste Unglück aber entstand durch die Unvorsichtigkeit
+<span class='pagenum'><a name="Page_143" id="Page_143">[143]</a></span>
+eines der Küster der Moschee des Propheten, der eine
+Kerze umfallen liess, wodurch die Moschee in Brand gerieth
+und mit derselben die ganze grosse Büchersammlung aufflammte<a name="FNanchor_291" id="FNanchor_291"></a><a href="#Footnote_291" class="fnanchor">[291]</a>,
+so dass dieses Jahr zwei der reichsten Bibliotheken
+in Flammen aufgingen, die von Alamut und die von
+Medina; der Verlust von dieser war aus mehr als einem
+Grunde weniger beklagenswerth, als der von jener, indem
+zu Medina meistens nur Korane und Bücher der Ueberlieferung,
+zu Alamut aber mathematische und philosophische
+Werke ein Opfer des Brandes, die dort ein Werk des Zufalls,
+hier der zu verdammenden Willkür des gelehrten
+Wesirs <i>Athamülk Dschuweini</i>.</p>
+
+<div class="sidenote">Gesandtschaften
+Hulagu's an
+den Chalifen
+und Prophezeihungen.</div>
+
+<p>Diess waren die Zustände Bagdads, als Hulagu, durch
+Alkami's Einladung und Nassireddin's Vorhersagung aufgemuntert,
+von seinem Lager zu Hamadan aus an den Chalifen
+einen Gesandten mit dem Begehren schickte, dass er entweder
+selbst erscheine oder eine der vier Säulen seines
+Hofes, nämlich den Wesir, den kleinen Diwitdar, den Heerführer
+Suleimanschah oder den Mundschenken sende. Moteaassim,
+statt diesem befehlartigen Begehren zu willfahren,
+sandte den <i>Scherefeddin Ibnol Dschewsi</i>, einen durch Beredtsamkeit
+ausgezeichneten Gelehrten, und den Bedreddin
+Mohammed von Nachdschiwan. Hulagu, als er von ihrer
+Sendung Kunde erhielt, sagte in aufwallendem Zorne: Der
+Chalife handelt krumm, wie ein Bogen; Gott gebe, dass ich
+ihn wie ein Pfeil gerad machen könne<a name="FNanchor_292" id="FNanchor_292"></a><a href="#Footnote_292" class="fnanchor">[292]</a>. Den Gesandten,
+als sie vor ihm erschienen, herrschte er entgegen: Gott
+hat dem Hause Tschengischan's die Herrschaft vom Osten
+bis Westen verliehen; wer sich uns unterwirft, dessen Blut
+und Gut wird nicht verderbt und vergossen, wenn nicht, ist
+dessen Untergang beschlossen. Wir ziehen mit einem Heer,
+zahlreich wie Heuschrecken und Ameisen, wider Bagdad.
+Als die Gesandten mit dieser Botschaft zurückgekehrt, rieth
+Ibn Alkami, tausend Lasten Korn, tausend Kameele, tausend
+Pferde für Hulagu mit vielen Geschenken für die Prinzen
+<span class='pagenum'><a name="Page_144" id="Page_144">[144]</a></span>
+huldigend, mit Ueberlassung der beiden Majestätsrechte des
+Islams: des Kanzelgebets und der Münze, abzusenden. Der
+kleine Diwitdar <i>Modschahiddin Ibek</i> machte Vorstellungen
+dagegen, aber <i>Ibn Alkami</i>, der die Schwächen und den
+Dünkel des Chalifen kannte, bestärkte ihn in demselben,
+indem er in seinen Reden die Macht der Mongolen verkleinerte,
+die des Chalifen vergrösserte und dem neuaufgeschossenen
+Pilzlinge mongolischer Herrschaft die uralte
+legitime des Hauses Abbas entgegenstellte. Suleimanschah,
+der Oberstbefehlshaber, Fetheddin Ibn Kerr, der grosse
+Diwitdar und der kleine Modschahiddin Ibek versammelten
+sich beim Wesire, ihren Aerger über die Sorglosigkeit und
+Blindheit des Chalifen in bitteren Worten lüftend. Suleimanschah
+trug sich an, dem Feinde entgegen zu ziehen, und
+Alkami ging zum Scheine in den Vorschlag ein, wohl wissend,
+dass der Chalife seinem Rathe folgsam, dass er
+Rüstung und das zum Solde der Truppen nöthige Geld
+verweigern werde<a name="FNanchor_293" id="FNanchor_293"></a><a href="#Footnote_293" class="fnanchor">[293]</a>. Er sandte auf dessen Rath den Bedreddin
+von Nachdschiwan und den Richter Berdindschan
+mit geringen Geschenken und der hochtrabenden Botschaft:
+Alle Fürsten, welche sich jemals wider das Haus Abbas
+zu erheben gewagt, seien zu Grunde gegangen; Beispiele
+davon seien Jakub Leis der Soffaride, der Türke Besasiri,
+der Seldschuke Sultan Mohammed und Mohammed Chuaresmschah,
+welche Alle das Verderben ereilt, das auch Hulagu's
+harre, wenn er auf seinem Vorhaben bestehe. Hulagu,
+ergrimmt, antwortete ihnen mit dem persischen Verse des
+Schahname<a name="FNanchor_294" id="FNanchor_294"></a><a href="#Footnote_294" class="fnanchor">[294]</a>:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Bau' nur zu, aus Eisen deinen Wall,<br /></span>
+<span class="i0">Führe Bollwerk auf mit Zinnen, die von Stahl,<br /></span>
+<span class="i0">Rüst' aus ein Heer von Peris und von Dschinnen,<br /></span>
+<span class="i0">Komm' nur heraus, du wirst den Tod gewinnen;<br /></span>
+<span class="i0">Birgst unter'm Himmel dich, ich will dich suchen,<br /></span>
+<span class="i0">Ich werde dich im Schlund des Löwen suchen.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_145" id="Page_145">[145]</a></span></p>
+<p>Hulagu war nun zuerst bedacht, sich des grossen Passes
+von <i>Deriteng</i>, d. i. Engthor, welcher über das gordiaische
+Gebirge oder den Zagros in die Ebene des arabischen Irak
+führt, zu versichern. Auf steilem Felsen, auf der Heerstrasse
+vom persischen ins arabische Irak erhebt sich das
+Schloss in einer engen Schlucht, wovon es den Namen
+<i>Engthor</i> führt. Die Bewohner dieser Felsenschlucht waren
+nicht minder durch ihre Schönheit, als das Schloss durch
+seine Festigkeit berühmt<a name="FNanchor_295" id="FNanchor_295"></a><a href="#Footnote_295" class="fnanchor">[295]</a>. Dieselbe wird vom <i>Diala</i> durchbrochen,
+welcher in der Entfernung einiger Stunden oben
+an den Ruinen von <i>Kassr Schirin</i> (das alte Artemita) vorbeifliesst.
+Hulagu, dem nicht unbekannt, dass Hosameddin
+Aka, der Befehlshaber des Engpasses, sich über den Chalifen
+zu beklagen habe, lud ihn zu sich, überhäufte ihn mit
+Ehren und Geschenken und schenkte ihm die Schlösser
+<i>Disser</i>, d. i. das Goldschloss, <i>Dis Merdsch</i>, d. i. das Wiesenschloss,
+und einige andere; aber hierdurch übermüthig,
+sandte Aka an <i>Ssalaje</i>, den Befehlshaber von <i>Irbil</i>, Wort,
+dass, wenn ihm der Chalife sein Vertrauen schenken wolle,
+er mit hunderttausend Turkmanen und Kurden den Hulagu
+zurückzutreiben bereit. Der Chalife gab diesem Vorschlage
+kein Gehör. Hulagu, der davon Kunde erhalten, sandte
+den <i>Keitbuka</i> mit dreitausend Reitern mit dem scheinbaren
+Auftrage, sich mit Aka über die Mittel des Marsches nach
+Bagdad zu berathen. Dieser ging in die Falle; Keitbuka,
+Herr seiner Person, forderte die Schleifung der Schlösser
+und er ward, nachdem dieselben geschleift waren, getödtet.
+Kein günstiger Stern waltete über dem Haupte des von
+Mengukaan seinem Bruder zur Berathung beigegebenen
+Astronomen Hosameddin. Um seine Meinung über den Zug
+wider Bagdad befragt, sagte er unter Verbürgung mit seinem
+Kopfe, im Falle, dass der Marsch unternommen werde,
+sieben Unfälle voraus: den Fall von Pferden und Menschen
+durch Seuchen, Mangel an Sonne und Regen, schreckliche
+Orkane und Erdbeben, Unfruchtbarkeit und Hungersnoth
+<span class='pagenum'><a name="Page_146" id="Page_146">[146]</a></span>
+und endlich den Tod eines grossen Monarchen im selben
+Jahre. Hulagu liess sich diese Prophezeihung und Bürgschaft
+schriftlich geben und befragte nun den Astronomen
+Nassireddin, was denn geschehen würde, wenn er nach
+Bagdad zöge; Nichts, antwortete Nassireddin, als dass Hulagu
+die Stelle des Chalifen einnehmen wird. Er zerstreute
+hierauf alle Besorgniss Hulagu's über etwa aus solchem Zuge
+wider Bagdad zu befürchtende Unglücke durch die Anführung
+geschichtlicher Beispiele. Tahir sei aus Chorasan wider
+Bagdad gezogen und habe den Bruder des Chalifen erschlagen;
+Motewekkil und sein Sohn und mehrere Chalifen
+seien erschlagen worden, ohne dass für die Stadt irgend
+ein Unheil daraus entstanden. Hulagu ergab sich gern den
+seinen Wünschen schmeichelnden Versicherungen des Astronomen
+von Tus; der andere wurde, da keine seiner Prophezeihungen
+eingetroffen, fünf Jahre hernach hingerichtet.</p>
+
+<div class="sidenote">Hulagu's
+Marsch nach
+Bagdad.</div>
+
+<p>Die Anordnung der verschiedenen Heereskörper, welche
+vermöge Hulagu's Befehl nun Bagdad von allen Seiten umzingelten,
+ist eines der schönsten Zeugnisse für Hulagu's
+grosses Feldherrntalent. <i>Dschurmaghun</i> und <i>Baidschu Nujan</i>,
+die beiden in den persischen Feldzügen ergrauten Feldherrn,
+welchen aber seit Hulagu's Eintritt in Persien ihr Standort
+in Kleinasien angewiesen worden, befehligten den rechten
+Flügel, der, von Irbil und Mossul heranrückend, über die
+Brücke von Mossul ging und sich auf der Westseite von
+Bagdad niederliess. Mit ihnen vereinten sich die Prinzen
+<i>Bulgha</i>, <i>Kuli</i>, <i>Kotar</i> (der Enkel Batu's) und die persischen
+<i>Buka Timur</i> und <i>Sundschak Nujan</i>, welche die Strasse von
+Schehrsor über <i>Dakuk</i> heranzogen. <i>Keitbuka</i>, der Befehlshaber
+des Vortrabs beim Einmarsche Hulagu's in Persien,
+mit <i>Kurusun</i> und <i>Ilka</i> kamen mit dem linken Flügel von
+Seite Luristan's und Chusistan's. Hulagu selbst stand mit dem
+schweren Gepäcke des ganzen Heeres im Mittelpunkte zu
+Hamadan und brach in den ersten Tagen des Januars des
+Jahres tausend zweihundert acht und fünfzig, gerade zwei
+Jahre nach dem Uebergange über den Oxus, gegen den
+Tigris über Kermanschahan und Holwan auf. In seinem
+<span class='pagenum'><a name="Page_147" id="Page_147">[147]</a></span>
+Geleite die grossen Emire <i>Köke Ilka</i> und <i>Arghunaga</i>, die
+beiden Bitekdschi (Kanzler) <i>Karakai</i> und <i>Seifeddin</i>, der
+Staatssekretär <i>Alaeddin Athamülk</i> von <i>Dschuwein</i>, der grosse
+Geschichtschreiber, und <i>Nassireddin von Tus</i>, der grosse
+Astronom; jener, um die Thaten und Begebenheiten des
+Feldzugs zu beschreiben, dieser, um die durch den Lauf
+der Gestirne angezeigten günstigen Stunden anzugeben; jener
+die Feder, dieser der Zeitmesser des Feldzugs. Von Esedabad
+aus sandte Hulagu abermal einen Gesandten nach
+Bagdad, um den Chalifen zur Uebergabe aufzufordern, und
+zu <i>Deinewer</i> erschien abermal <i>Ibnol Dschewsi</i>, der Gesandte
+des Chalifen, mit dem Antrage: die Summen, welche Hulagu
+aussprechen würde, jährlich in dessen Schatz abzuführen,
+und mit der Bitte: dass das Heer zurückkehren möge.
+Hulagu antwortete: Da wir schon so weit gekommen, um
+den Chalifen zu sehen, wie sollen wir nun umkehren, was
+nach persönlicher Zusammenkunft geschehen mag. Von
+Deinewer ging der Marsch über <i>Kuh Girdaa</i>, und am siebenten
+Tage nach dem Aufbruche von Hamadan ward Kermanschahan
+geplündert und verheert. <span class="xidenote">7. Moharrem 656/<br />13. Januar 1258</span> Von hier wurden Eilboten
+abgefertigt, um die Ankunft von Sundschak, Baidschu
+und Suntai zu beschleunigen; sie warteten zu <i>Takkesrai</i> und
+brachten als Gefangene den Ibek von Haleb und Seifeddin
+Melik mit sich, welche sie streifend aufgegriffen. Hulagu
+schenkte Beiden das Leben und machte sie zu Dienern der
+Schildwachen<a name="FNanchor_296" id="FNanchor_296"></a><a href="#Footnote_296" class="fnanchor">[296]</a>. Die Emire wurden, mit schmeichelhaften
+Beweisen von Gunst und Freigebigkeit überhäuft, zurückgesendet,
+um auf das Eheste den Uebergang über den Tigris
+auf der westlichen Seite von Bagdad zu bewerkstelligen.
+Von dort holten die Verräther des Heeres des Chalifen
+die beiden Chuaresmier <i>Kara Sankor</i> und <i>Sultandschuk</i>,
+die Befehlshaber der mongolischen ein; Kiptschak schrieb
+an den ersten: Du und ich sind von Einem Stamme (Türken);
+wir haben uns unterworfen und befinden uns gut dabei, thuet
+desgleichen. Kara Sankor antwortete in dem Sinne des
+<span class='pagenum'><a name="Page_148" id="Page_148">[148]</a></span>
+Astronomen Hosameddin: Wie sich ein neu aufgeschossener
+Zweig, wie die Herrschaft der Mongolen, mit dem schon
+ein halbes Jahrtausend wurzelnden Stamme des Chalifats
+messen könne? Wenn sich Hulagu unterwerfen wolle, würde
+man trachten, durch Vermittelung des Diwitdars den Frieden
+vom Chalifen zu erwirken. Hulagu, als man ihm dieses
+Schreiben brachte, lachte darüber und sagte: Meine Hilfe
+kommt von Gott und nicht vom Gold; wenn er mir hilft,
+was kümmert mich die Zahl der Heere des Chalifen<a name="FNanchor_297" id="FNanchor_297"></a><a href="#Footnote_297" class="fnanchor">[297]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Bagdad's
+Belagerung.</div>
+
+<p>Ein neuer Gesandter ward nach Bagdad abgefertigt,
+um den Chalifen zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und zugleich
+nach Holwan aufgebrochen, wo eine Woche gerastet
+ward. Indessen gingen die Emire Baidschu, Buka Timur
+und Sundschak über den kleinen Tigris und standen am
+Kanale <i>Nehr Isa</i>. Sundschak erbat sich von Baidschu die
+Erlaubniss aus, den Vortrab des westlichen Heeres gegen
+Bagdad zu befehligen, und nachdem er dieselbe erhalten,
+rückte er bis <i>Dscherbije</i> vor. <i>Mudschahideddin Ibek</i>, der
+kleine Diwitdar, und <i>Fetheddin Ibnol-Kerr</i>, die Feldherren
+des Chalifen, waren mit zehntausend Mann bei Jakuba über
+den <i>Diala</i> und dann über den Tigris gegangen und trafen
+mit dem mongolischen Vortrabe in der Gegend von <i>Enbar</i><a name="FNanchor_298" id="FNanchor_298"></a><a href="#Footnote_298" class="fnanchor">[298]</a>,
+neun Parasangen westlich von Bagdad, zusammen. Fetheddin
+Kerr wollte die Schlacht hier nicht wagen, aber die Ungestümme
+des Diwitdar zwang ihm dieselbe auf. Der Sohn
+Kerr's, um seinen Sinn kund zu geben, dass er auf dem
+Schlachtfelde feststehen und dasselbe keineswegs als Flüchtiger
+verlassen wolle, ritt statt eines Pferdes ein Maulthier,
+dessen Hufe so schwer mit eisernen Schienen beschlagen, dass
+es zur Flucht untauglich<a name="FNanchor_299" id="FNanchor_299"></a><a href="#Footnote_299" class="fnanchor">[299]</a>. Die Schlacht dauerte den ganzen
+<span class='pagenum'><a name="Page_149" id="Page_149">[149]</a></span>
+Tag und endete mit der Vernichtung des Heeres des Chalifen,
+von welchem der Diwitdar nur der Selbdritte entfloh.
+Als er mit der Nachricht des verlorenen Heeres vor dem
+Chalifen erschien, der eben Schah spielte, sagte dieser blos
+dreimal: <i>Gott sei Dank für das Heil Mudschahideddin's</i>.
+Moteaassim's an Blödsinn gränzende Sorglosigkeit und Unwissenheit
+ging so weit, dass, als man ihm die erste Nachricht
+brachte: die Vorposten der Mongolen hätten bereits
+die Höhen von <i>Hamrin</i> (das von Westen nach Osten zwischen
+dem Euphrat und Tigris nach Tekrit laufende niedere Gebirge)
+passirt, er fragte: wie das wohl möglich? Man
+antwortete ihm: &bdquo;Das Heer der Tataren, die wie die Meeresfluthen
+einherfahren, überfliegt der Berge Gipfel wie der
+Adler Schaaren; da sie den Damm von Gog und Magog
+für Spinngeweb' ansehen, was soll auf des Hamrin's Höhen
+aus ihren Hufen wohl anders erstehen, als Staub, was soll
+aus dem Sturme, in dem sie daherfahren, wohl anders aufgehen,
+als Feuer und Raub&ldquo;<a name="FNanchor_300" id="FNanchor_300"></a><a href="#Footnote_300" class="fnanchor">[300]</a>. In der Hälfte des Moharrem <span class="xidenote">14. Moharrem/<br />21. Januar 1258</span>
+stunden die drei Nujane, Baidschu, Buka Timur und Sundschak
+auf der westlichen Seite des Tigris vor Bagdad,
+während Keitbuka und die mit ihm von Nachaire kamen,
+und Hulagu mit dem schweren Gepäcke zu Chanikin stand.
+Am folgenden Tage lagerte er an der östlichen Seite von
+Bagdad, das nun von allen Seiten, wie von Ameisenzügen
+und Heuschreckenschwärmen, und nach der mongolischen
+Belagerungsweise sogleich mit einer Mauer, oder, um richtiger
+zu sprechen, mit einem in aller Eile aufgeworfenen
+Erddamme eingeschlossen ward. Dienstags den neun und
+zwanzigsten Januar begann der Kampf. <span class="xidenote">22. Moharr./<br />29. Januar</span> Hulagu stand auf
+der Heerstrasse von Chorasan, gegenüber dem persischen
+Bollwerk, Ilka Nujan vor dem Gülwadischen Thore, die
+drei Prinzen, Enkel Dschudschi's, mit Schiramun und Arktin
+vor dem Thore des Sultansmarktes, Buka Timur auf der
+Südwestseite an den Mühlen, Baidschu und Sundschak auf
+der Westseite gegenüber dem Spitale, welches Adhaddewlet,
+<span class='pagenum'><a name="Page_150" id="Page_150">[150]</a></span>
+der grosse Herrscher aus dem Hause Buje, der erste zu
+Bagdad, gebaut. Die Belagerungsmaschinen waren vorzüglich
+gegen das persische Bollwerk gerichtet und in demselben
+bald Wallbruch gemacht. Nun sandte Moteaassim den Wesir
+und einen Bischof<a name="FNanchor_301" id="FNanchor_301"></a><a href="#Footnote_301" class="fnanchor">[301]</a> mit der Botschaft, er füge sich dem
+Verlangen des Padischah, welcher verlangt, dass ihm der
+Wesir gesendet werde; &ndash; &bdquo;diess&ldquo;, antwortete Hulagu, &bdquo;war
+mein Begehren zu Hamadan, wie soll ich mich aber vor
+Bagdad's Thoren mit Einem begnügen? Es sollen auch die
+drei anderen Säulen der Herrschaft des Chalifen erscheinen,
+der Diwitdar, der Scherabdar und Suleimanschah, der Oberbefehlshaber
+des Heeres.&ldquo; Am folgenden Tage erschien der
+Wesir mit einer Schaar von Vornehmen, aber ohne die verlangten
+Drei. Hulagu sandte sie zurück; er befahl, ein an
+die Richter, Scheiche, Danischmende (Studenten), Arkaune
+(christlichen Priester) von Bagdad gerichtetes Diplom, wodurch
+denen, die sich friedlich halten würden, das Leben
+zugesichert ward, in sechs Abschriften von sechs Seiten der
+Stadt durch Pfeilflug in dieselbe abzufertigen. Die Wurfmaschinen
+schleuderten in Ermangelung von Steinen Thonflötze,
+die man von Hamrin gebracht, und abgehauene Palmen
+wider das persische Bollwerk, das Freitags am ersten Februar
+zu Boden sank. <span class="xidenote">25. Moharrem/<br />1. Februar</span></p>
+
+<div class="sidenote">Bagdad's
+Eroberung.</div>
+
+<p>Am fünften Februar standen Hulagu's Krieger bereits
+auf der Mauer des Bollwerks, während auf der anderen
+Seite die Prinzen noch nicht bis an den Fuss der Mauer
+vorgedrungen waren. Hulagu sandte ihnen ausscheltendes
+Wort und befahl zugleich, Brücken zu schlagen. <span class="xidenote">28. Moharr./<br />4. Febr.</span> Buka Timur
+wurde mit einem Toman, d. i. mit einer Abtheilung von
+zehntausend Mann, auf der Heerstrasse von Medain und
+Bassra befehligt, um die, so etwa mit den Schiffen auf dem
+Tigris zu entfliehen versuchten, aufzufangen. Der Diwitdar,
+welcher auf diese Weise mit mehreren Schiffen zu entkommen
+hoffte, wurde aufgehalten, drei Schiffe genommen, die anderen
+versenkt oder zerstört. Auf diese Nachricht entsank
+<span class='pagenum'><a name="Page_151" id="Page_151">[151]</a></span>
+dem Chalifen aller Muth zu fernerem Widerstande; er sandte
+den Fachreddin von Demaghan und den Ibn Dernus mit
+wenigen Geschenken; denn er fürchtete, dass, wenn er
+viele sendete, die Grösse derselben für den Maassstab seiner
+Furcht gelten könnte. Hulagu wies dieselben mit den Ueberbringern
+zurück. Am folgenden Tage kam Ebulfadhl Abderrahman
+an der Spitze aller Grossen mit grossen Geschenken;
+aber auch diese wurden nicht genehmigt. <span class="xidenote">29. Moharr./<br />5. Febr.</span> Hulagu sandte
+den Nassireddin von Tus als Gesandten in die Stadt; welcher
+Triumph für den rachsüchtigen Astronomen, welcher seiner
+Empfindlichkeit für die Verschmähung seiner Verse die
+Stadt des Heils und das Heil des Chalifats geopfert, welcher
+Triumph für ihn, dem Chalifen nun im Namen des Siegers
+Gesetze vorzuschreiben! Am folgenden Tage kehrte er
+zurück, und Hulagu sandte die aus der Stadt gekommenen
+drei Gesandten, den <i>Fachreddin Demaghani</i>, den <i>Ibnol
+Dschewsi</i> und <i>Ibn Dernus</i>, mit dem Begehren, dass Suleimanschah
+und der Diwitdar erscheinen mögen. Sie erschienen
+wirklich zwei Tage hernach. <span class="xidenote">1. Ssafer/<br />7. Februar</span> Hulagu sandte sie wieder in
+die Stadt zurück, um die Ihrigen mit sich zu bringen. Die
+syrischen und irakischen Truppen und eine Menge Volkes
+benützten diese Gelegenheit, um die Stadt zu verlassen und
+sich in's Lager der Mongolen, wo sie Rettung und Sicherheit
+zu finden hofften, zu begeben; sie wurden in Tausende,
+Hunderte und Zehn abgetheilt, den mongolischen
+Befehlshabern der Tausender, Hunderter und Zehner übergeben
+und von diesen regelmässig umgebracht. Abgeordnete
+kamen aus der Stadt, um das Leben der noch Zurückgebliebenen
+zu erflehen, die Alle unterwürfig. Hulagu begehrte,
+dass der Chalife seine Söhne sende und selbst komme.
+Während diesen Unterhandlungen ward einem Inder Bitekdschi,
+der bei Hulagu in grossem Ansehen, ein Auge ausgeschossen;
+Hulagu, hierüber ergrimmt, wollte nun von
+weiterem Aufschub nicht mehr hören. Er befahl dem Nassireddin
+von Tus, sich an's Thor der Wettrenner<a name="FNanchor_302" id="FNanchor_302"></a><a href="#Footnote_302" class="fnanchor">[302]</a> zu begeben
+<span class='pagenum'><a name="Page_152" id="Page_152">[152]</a></span>
+und die Einwohner mit Zusicherung des Lebens herauszuführen;
+als diess geschehen, wurden sie Alle niedergemacht. <span class="xidenote">2. Ssafer/<br />8. Febr.</span>
+Suleimanschah wurde mit Siebenhundert der Seinen in die
+Gegenwart Hulagu's geführt. Dieser fragte ihn: Wie kommt's,
+dass du, ein Sternkundiger, nicht den Frieden vorgezogen
+und deinem Herrn nicht dazu gerathen? Suleimanschah
+erwiederte: Der Chalife ist an Geist und Glück verwahrlost
+und leiht denen, die es wohl mit ihm meinen, kein Ohr.
+Suleiman und seine Siebenhundert wurden niedergemetzelt,
+so auch der Diwitdar und dessen Sohn, und die drei Köpfe
+an Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, gesandt, der,
+ein Freund Suleimanschah's, seinen Tod beweinte, aber
+nothgedrungen, um nicht seinen Kopf zu verlieren, den des
+Freundes an dem Thore seines Palastes aufhängen musste.
+Nach diesem tragischen Ende seiner Getreuesten rief der
+Chalife seinen Wesir und fragte ihn, was zu thun; dieser
+antwortete ihm mit dem arabischen Distichon:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Sie wähnen, es sei leicht, Geschäft zu schlichten,<br /></span>
+<span class="i0">Indess das Schwert sich schärft, um hinzurichten.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Endlich begab sich der Chalife, mit seinen drei Söhnen und
+von dreitausend Seiden, Imamen, Scheichen und Kadis begleitet,
+Freitags den zehnten Februar zu Hulagu. <span class="xidenote">4. Ssafer/<br />10. Febr.</span> Dieser
+empfing ihn ohne Merkmal des Zorns und begehrte kalt
+und ruhig, der Chalife möge Wort in die Stadt senden,
+dass die Einwohner die Waffen wegwerfen und zur Zählung
+herauskommen möchten. Der Chalife gehorchte und Bagdad's
+Einwohner gingen wie Schafe zur Schlachtbank, denn statt
+gezählt zu werden, wurden sie ungezählt Alle getödtet, der
+Chalife und seine Söhne in Zelte gewiesen vor dem Gülwadischen
+Thore, wo der Standort Keitbuka's. Drei Tage
+hernach begann die allgemeine Plünderung. <span class="xidenote">7. Ssafer/<br />13. Febr.</span> Alle Paläste
+und Gebäude wurden niedergebrannt, bis auf einige wenige,
+ausdrücklich ausgenommene Häuser von <i>Arkaunen</i>, das ist
+nestorianischen Priestern und Fremden. Die Priester dankten
+diese Schonung vermuthlich Niemanden Anderem, als ihrer
+Glaubensgenossin, der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen
+Frau <i>Tokus</i>, der Keraitin, welcher im Lager Kapelle mit
+<span class='pagenum'><a name="Page_153" id="Page_153">[153]</a></span>
+Glockengeläute gestattet ward. Unter den Fremden sind
+vielleicht fränkische Kaufleute gemeint, Venezianer und
+Genueser, welche sich zu Bagdad des Handels willen aufhielten.</p>
+
+<div class="sidenote">Blutbad und
+Hinrichtung
+des Chalifen.</div>
+
+<p>Freitags am fünfzehnten Februar begab sich Hulagu
+selbst in die entvölkerte, niedergebrannte, verheerte Stadt
+und ordnete auf den Ruinen derselben Feste an. Er liess
+den Chalifen vorführen und sagte ihm: Du bist der Gastgeber
+und ich der Gast; tische uns also auf, was du hast.
+Der Chalife zitterte und hatte aus Furcht alle Besinnung
+verloren, so dass er die Schlüssel zu den Schatzkisten, die
+er ausliefern sollte, nicht fand. Die Kisten wurden erbrochen
+und er brachte huldigend dem Sieger zweitausend Kleider
+und zehntausend Goldstücke nebst vielen Juwelen und anderen
+Kostbarkeiten dar. Hulagu würdigte das Geschenk
+keines Blickes und befahl, es unter die Emire und die
+nächste Umgebung zu vertheilen. Dann herrschte er weiter:
+Was über der Erde von deinen Schätzen, ist klar und
+offenbar; doch nun entdecke uns auch die unterirdischen.
+Der Chalife gab die unterirdische Cisterne an, bei deren
+Anblick sein Urgrossvater <i>Nassir</i> so oft seufzte, dass er dieselbe
+trotz seines Zusammenscharrens von Gold nicht damit
+ganz füllen, sein Vater <i>Mostanssir</i>, dass er dieselbe trotz
+seiner verschwenderischen Freigebigkeit nicht ganz leeren
+konnte. Moteaassim's Geiz hatte den durch des Vaters Freigebigkeit
+entstandenen Abgang wieder ausgefüllt. Hierauf
+wurde das Frauengemach des Chalifen gezählt; es waren
+siebenhundert Sklavinnen und tausend Verschnittene. Der
+Chalife, als er den Zählungsbefehl vernahm, bat um Schonung
+dieser, selbst von Sonne und Mond nie geschauten
+Schönheiten. Hulagu erlaubte ihm, hundert auszuwählen.
+Mit sinkender Nacht kehrte Hulagu aus der Stadt wieder
+in's Lager zurück und befahl dem Sundschak Nujan, die
+Schätze des Chalifen in Besitz zu nehmen; die seit einem
+halben Jahrtausend aufgehäuften Schätze wurden rings des
+Herrscherzeltes aufgeschichtet; die edelsten Wallfahrtsstätten,
+wie die Moschee des Chalifen, die Grabstätte Musa's, die
+<span class='pagenum'><a name="Page_154" id="Page_154">[154]</a></span>
+Grabmäler von Rossafa, wurden geplündert; die noch übrigen
+Einwohner der Stadt baten durch Scherefeddin von Meragha
+und Schihabeddin von Sindschar um Schonung und Vergebung;
+da erging der Befehl, dass das Blutbad und die
+Plünderung aufhöre, denn Bagdad sei sofort des Padischah's
+Eigenthum. <span class="xidenote">14. Ssafer/<br />20. Febr.</span> Hulagu zog nach einigen Tagen, der ungesunden
+Luft willen, sein Lager auf einige Entfernung von
+der Stadt zurück; dann liess er abermals den Chalifen in
+seine Gegenwart fordern. Der Chalife sagte zum Wesir:
+Was ist zu thun? &bdquo;Unser Bart ist lang&ldquo;, antwortete dieser
+in bitterer Beziehung auf das Wort des Diwitdar's, der, als
+der Wesir bei der ersten Aufforderung Hulagu's gerathen,
+sich mit einer reichen Ladung von Schätzen abzufinden, dem
+Chalifen sagte: &bdquo;Der Wesir hat einen langen Bart&ldquo; (auf
+das arabische Sprichwort hindeutend: <i>langer Bart und
+kurzer Verstand</i>). Der Chalife bat nun den Ilchan um die
+Erlaubniss, sich in's Bad zu begeben, welche ihm Hulagu
+unter der Begleitung von fünf Mongolen gewährte. Ich
+wünschte nicht, sagte Moteaassim, die Gesellschaft von fünf
+Folterengeln, und declamirte einige Verse einer berühmten
+Kassidet, deren Anfang:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Wir wachten auf in einem Freudenhorte,<br /></span>
+<span class="i0">Voll Paradieseslust und Pracht;<br /></span>
+<span class="i0">Der Abend findet uns an einem Orte,<br /></span>
+<span class="i0">Woran wir gestern nicht gedacht.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Am selben Tage, wo Hulagu sein Lager von Bagdad
+zurückzog, <span class="xidenote">14. Ssafer/<br />20. Febr.</span> wurde der Chalife, in einen Teppich eingewickelt,
+zu Tode gerollt und unter den Hufen der Pferde
+zertreten; drei seiner Söhne und seine fünf Begleiter wurden
+im Dorfe <i>Wakf</i> hingerichtet, und am folgenden Tage Alle
+die, so am Gülwadischen Thore zurückbehalten worden
+waren, getödtet; der jüngste Sohn des Chalifen, Mubarekschah,
+wurde der Gemahlin Hulagu's, der Frau Oldschai,
+zum Geschenke gemacht, welche ihm eine mongolische Sklavin
+zur Frau gab und an Nassireddin von Tus nach Meragha
+sandte. Am selben Tage mit dem Chalifen wurde der Wesir
+Alkami und der Staatssekretär, Vorsitzer des Diwan's, Fachreddin
+<span class='pagenum'><a name="Page_155" id="Page_155">[155]</a></span>
+von Demaghan in die Stadt gesendet und Ali Behadir,
+der Steuereinnehmer, welcher das Heer während der Belagerung
+mit Lebensmitteln von Baakuba aus versehen hatte,
+zum Statthalter, der Emir Karakai Imadeddin von Kaswin
+zum Naib (Stellvertreter des Richters) ernannt; dem
+Nedschmeddin Ebi Dschaafer Amran, der den schönen Beinamen
+<i>Meliki rast</i>, d. i. des geraden Königs, führte, wurde
+die Steuereinnahme über das östliche Gebiet Bagdad's anvertraut,
+und dem Richter der Richter Nisameddin Abdolmumin
+die Aufrechthaltung der Polizei aufgetragen. Ilka
+Nujan und Kara Buka wurden mit dreitausend Mann zur
+Aufräumung des Schuttes und zur Beerdigung der Todten,
+zur Auferbauung der verheerten Gebäude befehligt; ein
+vergeblicher Befehl, denn das alte Bagdad erstand nie wieder
+in seinem vorigen Glanze; und als sechzig Jahre nach der
+Eroberung der Geschichtschreiber Wassaf Bagdad besuchte,
+war nicht der zehnte Theil der alten Gebäude und Bevölkerung
+vorhanden; dem <i>Ibnol Alkami</i> aber, dessen Verrätherei
+die Hauptursache des Ruins des Chalifats, und
+welcher nur drei Monate die Eroberung Bagdad's überlebte,
+ward noch allgemein geflucht, und an den Thoren der Moscheen
+und Medreseen war die Inschrift zu lesen: <i>Gott
+verfluche den, der nicht fluchet dem Ibnol Alkami</i><a name="FNanchor_303" id="FNanchor_303"></a><a href="#Footnote_303" class="fnanchor">[303]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Gesandtschaften
+an
+Hulagu;
+Alkami's
+Tod; Bibliothekenruin.</div>
+
+<p>Von Hille, das der Sitz der Seide, Prophetenverwandten,
+hatte der Vorsteher derselben, <i>Medschdeddin Mohammed
+Ibnol Hasan Ben Taus</i> (das erste Viertel dieses viertheiligen
+langen Namens heisst <i>Glaubensruhm</i>, das letzte <i>Pfauensohn</i>)
+durch einen Gesandten ein Schreiben unterwürfigen
+Inhalts an Hulagu gesandt<a name="FNanchor_304" id="FNanchor_304"></a><a href="#Footnote_304" class="fnanchor">[304]</a>. Dieser entgegnete ihnen Diplom
+und Geschenke durch Tekele und Ali von Nachdschiwan,
+welcher als Gesandter, der Emir Alaeddin der Perser als
+Statthalter nach Hille gingen<a name="FNanchor_305" id="FNanchor_305"></a><a href="#Footnote_305" class="fnanchor">[305]</a>. Ihnen folgte auf dem Fusse
+<i>Buka Timur</i>, der Bruder der Frau Oldschai, um sich Hille's,
+<span class='pagenum'><a name="Page_156" id="Page_156">[156]</a></span>
+Wasith's und Kufa's zu bemächtigen. <span class="xidenote">10. Ssafer/<br />16. Febr.</span> Die Bewohner Hille's
+kamen ihm freundlich entgegen und erleichterten seinen
+Marsch, indem sie Brücken über den Euphrat schlugen.
+Von den Bewohnern Wasith's, das sich nicht unterwarf,
+wurden vierzigtausend niedergemetzelt. Von Wasith zog Buka
+Timur gegen Chusistan, den Schereffeddin Ibnol-Dschewsi
+mit sich führend, um durch denselben die Einwohner der
+Stadt <i>Schuster</i> zur Uebergabe zu bereden. Bassra und die
+Umgegend unterwarf sich gutwillig, der Emir Seifeddin,
+der Bitekdschi, erbat sich hundert Mongolen als Sicherheitswache
+für die Grabstätte Ali's zu Nedschef; nach Verlauf
+von fünf Wochen war Buka Timur im Lager zurück. <span class="xidenote">19. Rebiulewwel/<br />26. März</span>
+Ein Monat nach der Eroberung Bagdad's wurden die Gesandten
+des Fürsten der Ejubiden zu Haleb mit einem von
+Nassireddin von Tus aufgesetzten arabischen Schreiben zurückgefertigt;
+es lautete: &bdquo;Wir haben gelagert vor Bagdad
+im Jahre sechshundert sechs und fünfzig und übel tagte der
+Morgen über die Bewohner, und wir luden den Besitzer
+ein; er weigerte sich; da ward an ihm das Wort erfüllt,
+und wir nahmen ihn gefangen. Wir laden dich ein zu
+Unserem Gehorsam; wenn du denselben verweigerst, ist's
+dein Verderben. Sei nicht wie der, der sich streitet um
+ein Aas, denn der Listige verliert, er weiss nicht was,
+sonst wirst du seyn von den Verworfenen, welche ihren
+Fleiss auf das irdische Leben wenden an, und die da wähnen,
+sie hätten Etwas für's Künftige gethan; Heil dem, der wahrer
+Leitung folgt!&ldquo; <span class="xidenote">11. Rebiulachir/<br />17. April</span> Hulagu befand sich in der zweiten Hälfte
+Aprils wieder bei seinem schweren Gepäcke<a name="FNanchor_306" id="FNanchor_306"></a><a href="#Footnote_306" class="fnanchor">[306]</a> zu Hamadan,
+wo er seine Gesundheit pflegte, da er unwohl. <span class="xidenote">16. Rebiul. II./<br />22. April</span> Fünf Tage
+später erschienen Ilka und die anderen Emire zur Aufwartung;
+sechs Wochen hernach starb Moejeddin Ibnol Alkami, <span class="xidenote">2. Dschem. II./<br />6. Juni</span>
+welcher wenigstens dem Namen nach die Wesirschaft von
+Bagdad beibehalten hatte; nach dessen Tode erhielt dieselbe
+sein Sohn Scherefeddin. Wiewohl der Name Ibnol Alkami's
+<span class='pagenum'><a name="Page_157" id="Page_157">[157]</a></span>
+nichts anderes als der eines Verräthers auf den Zungen der
+glaubwürdigsten Geschichtschreiber, so erfordert es doch
+unsere Pflicht, als solcher auch des Ehrenvollen zu erwähnen,
+was eine andere, freilich nicht sehr glaubwürdige
+Quelle von demselben meldet. Der Verfasser des <i>Sittenspiegels
+der Herrschaft</i><a name="FNanchor_307" id="FNanchor_307"></a><a href="#Footnote_307" class="fnanchor">[307]</a>, welcher sich im Seltsamen zu
+gefallen scheint, sucht ihn von aller Schuld der Verrätherei
+rein zu waschen, indem er den schlechten Ruf desselben
+einzig als Verläumdung und aus dem Hasse und Neide der
+nächsten Umgebungen des Chalifen, welcher ihm sein ganzes
+Vertrauen geschenkt, zu erklären bemüht ist; dass er des
+Vertrauens des Chalifen nicht ausschliesslich genoss, erhellt
+schon aus dem, dass sein Rath von dem seines Gegners,
+des Diwitdar's, überflügelt worden, und dass ihm Hulagu
+nach Bagdad's Eroberung den Titel der Wesirschaft liess,
+beweiset keineswegs, dass er kein Verräther. Wassaf, welcher
+ein halbes Jahrhundert darauf seine Geschichte schrieb, bestätigt
+die Worte Reschideddin's, seines Zeitgenossen, und
+entkräftet das angebliche Vertrauen, das jenem Sittenspiegel
+zufolge Hulagu in ihn gesetzt haben soll, durch das, was
+er bei dieser Gelegenheit über die löbliche Sitte mongolischer
+Herrscher sagt: die Verrätherei und Anschwärzerei
+zwar zu ihrem Vortheile zu benützen, aber den Verräther
+und Anschwärzer zu verachten; seiner Verrätherei aus
+Niederträchtigkeit und Leidenschaftlichkeit ungeachtet, kann
+Ibnol Alkami sehr wohl ein gebildeter, selbst gelehrter
+Wesir, grosser Gönner und Freund der Gelehrten gewesen
+sein, der eine Bibliothek von zehntausend Bänden besass,
+deren viele ihm gewidmet waren; selbst der grosse Gelehrte
+Nassireddin erscheint in nicht viel besserem Lichte, indem
+ihn gekränkte Eitelkeit zur Rache an dem Chalifen durch
+den Ruin des Chalifats anspornte, und so stehen der gelehrte
+Wesir und der gelehrte Astronom leider beide von
+Seite ihres Charakters und ihrer politischen Grundsätze in
+höchst ungünstigem Lichte vor den Augen der Nachwelt.
+<span class='pagenum'><a name="Page_158" id="Page_158">[158]</a></span>
+Die zehntausend Bände der Bibliothek Ibn Alkami's wurden,
+wie die der anderen Bibliotheken Bagdad's, von den Mongolen
+entweder in den Tigris geworfen oder verbrannt;
+binnen zwei Jahren der dritte grosse, für Bibliotheken verderbliche
+Brand, in welchem zu Alamut, Medina und Bagdad
+die Werke östlicher Weisheit, welche die Welt erleuchten
+sollten, ein Raub der Flammen. Durch diesen dreifachen
+Bibliothekenbrand binnen zwei Jahren ging nur zu sehr in
+leidige Erfüllung die Vorbedeutung des um zwei Jahre
+früheren Brandes der arabischen Wüste.</p>
+
+<div class="sidenote">Irbil's
+grosser,
+wohlthätiger
+Fürst; das
+persische
+Königstein;
+die Sternwarte
+von
+Meragha.</div>
+
+<p>Nach Bagdad's Eroberung befehligte Hulagu den <i>Oroktu
+Nujan</i> zur Eroberung Irbil's, der zwischen dem grossen
+und kleinen Sab, zwei Tagreisen von Mossul gelegenen
+Hauptstadt des oberen Kurdistan's, welches durch die Bauten
+des erst vor acht und zwanzig Jahren<a name="FNanchor_308" id="FNanchor_308"></a><a href="#Footnote_308" class="fnanchor">[308]</a> verstorbenen turkmanischen
+Fürsten <i>Kewkebusi Ben Ebul Hasan Ali</i> damals
+eine der blühendsten Städte des persischen Irak. Dieser
+edle Fürst, von welchem die europäischen Geschichtschreiber
+bisher nicht die geringste Kunde genommen, ist einer der
+wohlthätigsten des Islams und verdient als solcher sehr wohl
+seinen doppelten Ehrennamen <i>Melik Moaasem Mosaffereddin</i>,
+d. i. des grossgeehrten, durch die Religion siegreichen
+Königs. Täglich speiste er Arme und kleidete sie im Winter;
+alljährlich sandte er Commissäre in die Häfen, um Gefangene
+auszulösen, und nach Mekka, um die Pilgerkarawane
+mit Speise und Trank zu versehen. Zu Mekka führte er
+die erste Wasserleitung vom Aarafat und baute mehrere
+Wasserbehälter, zu Irbil gründete er ein Dutzend wohlthätiger
+Anstalten, mehrere solche, von denen weder vordem
+noch seitdem im Islam gehört worden; nämlich: ein Haus
+für Findelkinder, eine Anstalt für Ammen und Säuglinge,
+eine Versorgungsanstalt für Wittwen, ein gemeines Krankenhaus,
+ein besonderes Spital für Blinde, ein Karawanserai,
+in welchem die Reisenden nicht nur umsonst bewirthet,
+sondern auch noch ausserdem mit Reisegeld versehen wurden,
+<span class='pagenum'><a name="Page_159" id="Page_159">[159]</a></span>
+ein Kloster, eine Medrese, an welcher Muderrise für die
+beiden Ritus Hanefi und Schafii, und endlich eine Moschee,
+an welcher alljährlich das Fest der Geburt des Propheten
+mit einer Pracht und einem Zulaufe von Menschen begangen
+ward, wie vordem und seitdem nirgends. Von Mossul,
+Sindschar, Dschesire, Nissibin strömten die Besucher, Prediger,
+Redner, Dichter, Koranleser, Ssofi nach Irbil; einen
+ganzen Monat vor dem Feste waren zwischen der Moschee
+und dem Kloster zwanzig, drei Stock hohe Dome aus Brettern
+aufgeschlagen, von deren Gallerien Dichter declamirten,
+Redner sprachen, Schattenspieler die Zuschauer unterhielten.
+Täglich nach dem Nachmittagsgebete begab sich Mosaffereddin
+zu diesen Domen, wohnte in der Nacht im Kloster
+dem Reigen der Ssofi bei und ging nach dem Morgengebete
+auf die Jagd. Am Geburtsfeste selbst ward eine unzählbare
+Menge von Kameelen, Rindern, Schafen unter Musik auf
+den Platz gebracht, geschlachtet, gesotten und gebraten,
+während der Nacht die Stadt erleuchtet und am folgenden
+Tage die Gäste an zwei grossen Tafeln, deren eine für die
+Vornehmen, die andere für das Volk, bewirthet; im Schlosse
+walzten die Derwische, von den Gallerien wurden die Hymnen
+des Gebets abgesungen, die Sänger, Prediger und Derwische
+reichlich beschenkt. Mosaffereddin wurde in der Nähe von
+Kufa, seine Gemahlin Rebiaa am Berge Kasiun bei Damaskus
+in der von ihr gestifteten Medrese bestattet. In keiner
+Schlacht besiegt, von keinem anderen Fürsten in Stiftungen
+der Wohlthätigkeit übertroffen, verdient dieser turkmanische
+Fürst von Irbil wohl den Namen <i>des durch die Religion
+siegreichen, grossmächtigen Königs</i><a name="FNanchor_309" id="FNanchor_309"></a><a href="#Footnote_309" class="fnanchor">[309]</a>. Das Schloss von
+Irbil erhebt sich auf einem vereinzelten Berge, während
+die Stadt in der Ebene. Tadscheddin, der Sohn Salaje's
+(des oben erwähnten Befehlshabers des Passes von Deriteng
+[Engthor]), war bereit, die Stadt zu übergeben; aber die
+Kurden gehorchten ihm nicht. Oroktu begehrte Hülfstruppen
+von Bedreddin Lulu, dem Fürsten Mossul's, der sie ihm auch
+<span class='pagenum'><a name="Page_160" id="Page_160">[160]</a></span>
+sandte und den guten Rath ertheilte, den Sommer abzuwarten,
+weil dann die Kurden nicht mehr im Schlosse aushalten,
+den Gebirgen zueilen würden. Oroktu übergab die
+Belagerung dem Bedreddin, dessen Vorhersagung durch den
+Abzug der Kurden im Sommer erfüllet ward; er schleifte
+die Mauern. Hulagu schickte einen Theil der erbeuteten
+Schätze mit dem Siegesberichte seines Eroberungszuges
+an den Bruder Kaan, den grössten Theil derselben aber
+speicherte er in dem am See Urmia auf unbezwinglichem
+Felsen gelegenen Schlosse Tala (das heute Gurtschinkalaa
+heisst) auf; eine vereinzelte, auf drei Seiten unzugängliche
+Felsenmasse, welche den englischen Reisenden Porter an
+den Königstein in Sachsen erinnerte und welche ein Steiermärker
+die persische <i>Riegersburg</i> nennen würde<a name="FNanchor_310" id="FNanchor_310"></a><a href="#Footnote_310" class="fnanchor">[310]</a>. Bedreddin
+Lulu, der neunzigjährige Fürst von Mossul, wartete
+dem Eroberer Persiens, für den er Irbil eroberte, zu Meragha
+auf; <span class="xidenote">7. Schaaban 654/<br />9. August 1258</span> ebenda <i>Atabeg Saad</i>, der Salghure, Herr von
+Fars, und die beiden seldschukischen Prinzen von Rum,
+Isededdin und Rokneddin. Hulagu war über jenen sehr
+ungehalten, weil er wider Baidschu Nujan sich zu schlagen
+gewagt. Um den Erzürnten zu versöhnen, stellte sich Isededdin
+zur Audienz mit einem Geschenke von einem Paar
+Pantoffeln, deren Sohlen sein Portrait eingestickt war, und
+mit der Bitte dar, dass der Padischah auf diese Weise ihn,
+den Sklaven, unter den Sohlen in den Staub tretend, adeln
+möge. Hulagu verzieh ihm, durch diese Schmeichelei besänftigt
+und auf die Fürbitte der Frau Tokus. Einen schönen
+Gegensatz zu dieser niederträchtigen Schmeichelei des Sultans
+von Rum bildet die Freimüthigkeit des Astronomen Nassireddin
+von Tus, welcher dem Eroberer in Erinnerung brachte,
+dass, als Chuaresmschah erobernd bis Tebris vorgedrungen,
+er auf die wider die Ausschweifungen seines Heeres vorgebrachten
+Klagen geantwortet: <i>Ich kam als Welteroberer
+und nicht als Welterhalter</i><a name="FNanchor_311" id="FNanchor_311"></a><a href="#Footnote_311" class="fnanchor">[311]</a>; Hulagu antwortete: Ich bin,
+<span class='pagenum'><a name="Page_161" id="Page_161">[161]</a></span>
+Gott sei Dank! sowohl Welteroberer als Welterhalter und
+kein Schwächling, wie Dschelaleddin von Chuaresm. Den
+ersten Beweis von der Wahrheit dieses Wortes gab Hulagu
+durch den Bau der Sternwarte von Meragha, deren Grund
+jetzt gelegt, aber deren Bau erst unter der folgenden Regierung
+vollendet ward. Vier Astronomen<a name="FNanchor_312" id="FNanchor_312"></a><a href="#Footnote_312" class="fnanchor">[312]</a> von Damaskus,
+Kaswin, Achlath und Mossul waren die Gehilfen Nassireddin's
+von Tus, der an dieser Sternwarte die ilchanischen
+Tafeln verfertigte, die, vollkommener als die früheren<a name="FNanchor_313" id="FNanchor_313"></a><a href="#Footnote_313" class="fnanchor">[313]</a>,
+ein bleibendes Denkmal des Ruhmes des Ilchans, Erbauers
+der Sternwarte und des an derselben beobachtenden grossen
+Astronomen Nassireddin's von Tus.</p>
+
+<div class="sidenote">Herrscher
+Gross- und
+Klein-Luristan's</div>
+
+<p>Von den Fürsten, welche dem neuen <i>Ilchan</i> oder Landesherrn
+nach Bagdad's Eroberung zu huldigen kamen, ist bereits
+des Salghuren von Fars und des Seldschuken von Rum,
+sowie des Atabegen von Mossul, Bedreddin Lulu's, welcher
+bei Irbil's Eroberung hilfreiche Hand geleistet, Erwähnung
+geschehen, und es wird von ihnen noch weiter unten die
+Rede sein; doch hier ist noch von anderen Fürsten zu
+melden, deren Staaten nun in unmittelbarer Berührung mit
+der mongolischen Macht, derselben sich nur scheinbar oder
+erst durch Gewalt gezwungen unterworfen; solche waren
+die Atabege von Gross- und Klein-Luristan, die Könige
+Gross- und Klein-Armeniens, endlich die Sultane Syriens
+und Aegyptens. Die ausführliche Erzählung des wider die
+letzten geführten syrischen Krieges ist dem folgenden Buche
+vorbehalten; hier also nur kurz von den Atabegen und den
+christlichen Fürsten. Tekele, der Sohn Hesarsif's, der dritte
+Herrscher der im Geburtsjahre Tschengischan's vor einem
+Jahrhunderte als unabhängig emporgeschossenen Dynastie
+der Atabege von Gross-Luristan, war, als Hulagu gegen
+Bagdad zog, demselben huldigend entgegengekommen und
+von ihm dem Tomane Keitbuka Newin's, des Befehlshabers
+<span class='pagenum'><a name="Page_162" id="Page_162">[162]</a></span>
+des Vortrabes, zugetheilt worden. Nicht im Stande, die
+Aeusserungen seines Schmerzes über den Sturz des Chalifats
+und den Mord der Bewohner Bagdad's zu unterdrücken,
+hatte er sich durch dieselben die Ungnade Hulagu's zugezogen,
+der Truppen wider ihn sandte. Schemseddin Alp
+Arghun, der Bruder Tekele's, bot sich dem Bruder an,
+sich selbst in's Lager des Ilchans zu begeben, um dessen
+Verzeihung zu erflehen. Tekele nahm den Antrag dankbar
+an. An der Gränze Luristan's fiel Alp Arghun den mongolischen
+Truppen in die Hände, deren Heerführer ihn
+trotz seiner Sendung als Unterhändler tödteten. Tekele
+vertheidigte sich in dem Schlosse Mandschascht und ergab
+sich erst, als ihm durch Sendung des Ringes Hulagu's sicheres
+Geleite versprochen ward. Nichtsdestoweniger ward er nach
+Tebris geschleppt und dort hingerichtet und die Herrschaft
+Grossluristan's dem mit dem hingerichteten Bruder Tekele's
+gleichnamigen Schemseddin Alp Arghun verliehen<a name="FNanchor_314" id="FNanchor_314"></a><a href="#Footnote_314" class="fnanchor">[314]</a>. In
+Klein-Luristan war die Herrschaft der vor siebzig Jahren
+unabhängig gegründeten Dynastie in den Händen des vierten
+Herrschers, Bedreddin Mesud, welcher, als er sich auf dem
+Feldzuge Hulagu's gegen Bagdad zum Dienste desselben
+stellte, von ihm die Auslieferung seines Schwagers und
+mächtigen Nebenbuhlers um den Thron, Suleimanschah's, begehrte.
+Hulagu antwortete: Diess ist ein grosses Wort,
+dessen Gewährung bei Gott. Als aber Bagdad erobert und
+Suleimanschah erschlagen worden war, erhielt Bedreddin
+Mesud die von ihm begehrte Familie des Schwagers. Er
+behandelte dieselbe so gütig und beförderte durch weise
+und gerechte Regierung den Wohlstand des Landes so sehr,
+dass, als er ihnen später die Wahl liess, ob sie in Luristan
+bleiben, oder nach dem aus der Asche sich wieder erhebenden
+Bagdad wandern wollten, nur Wenige dahin auswanderten;
+ein gerechter, eingezogener und besonders der
+Ueberlieferungen wohl kundiger Fürst. Die <i>auserwählte Geschichte</i><a name="FNanchor_315" id="FNanchor_315"></a><a href="#Footnote_315" class="fnanchor">[315]</a>
+rühmt an ihm, dass er nie unrechtmässigen Beischlaf
+<span class='pagenum'><a name="Page_163" id="Page_163">[163]</a></span>
+gepflogen und dass er viertausend juridische, nach
+den Grundsätzen des Ritus <i>Schafii</i> entschiedene Rechtsfragen
+auswendig gewusst. Nach seinem, nun zwei Jahre nach dem
+Falle Bagdad's erfolgten Tode stritten sich um die Herrschaft
+Klein-Luristan's seine Söhne <i>Dschemaleddin Bedr</i>
+(Schönheit der Religion, Vollmond) und <i>Nassireddin Omer</i>
+mit <i>Tadscheddin Schah</i>, dem Sohne des in der Schlacht
+wider Suleimanschah gebliebenen Hosameddin Chalil. Dieser
+Streit ward erst unter Abaka, dem Sohne und Nachfolger Hulagu's,
+durch das wider die Söhne Bedreddin Mesud's ausgesprochene
+Todesurtheil blutig entschieden. Der Thron Klein-Luristan's
+wurde dem Sohne Suleimanschah's, <i>Tadscheddin</i>,
+zugesprochen, welcher denselben sieben Jahre lang behauptete,
+welcher dann aber den beiden Brüdern der hingerichteten
+beiden Söhne Bedreddin Mesud's, dem <i>Felekeddin Hasan</i>
+und <i>Iseddin Husein</i>, zugesprochen ward.</p>
+
+<div class="sidenote">Könige
+Gross- und
+Klein-Armenien's.</div>
+
+<p>Der König Klein-Armeniens, Hethum I., welchen die
+Araber <i>Hatim</i>, die Kreuzfahrer <i>Haithon</i> nennen, hatte sich
+bei der Thronbesteigung Mengku's über Kipdschak in das
+Hoflager des grossen Kaan's zu Karakorum und nach einer
+Abwesenheit von sechzehn Monaten wieder in seine Staaten
+zurückbegeben. Mit goldener Krone gekrönt, mit goldenem,
+geweihtem Scepter in der Hand auf hohen goldenen Thron
+gesetzt<a name="FNanchor_316" id="FNanchor_316"></a><a href="#Footnote_316" class="fnanchor">[316]</a>, füllte er denselben fünf und vierzig Jahre mit
+umsichtiger Klugheit, sein Schiff durch den Fluthenschwall
+ungeheuerer Heeresmacht und die Klippen der Scheelsucht
+der Könige Georgien's glücklich durchsteuernd. Wenn seinem
+Vetter, dem genannten Hethum gleichnamiger Mönch, Geschichtschreiber,
+Glauben beizumessen wäre, hätte Mengku
+seinem Vetter König sieben vorgetragene Begehren gewährt,
+aber das angebliche, als Gewährung des ersten Begehrens
+gegebene Versprechen Mengku's, sich taufen zu lassen<a name="FNanchor_317" id="FNanchor_317"></a><a href="#Footnote_317" class="fnanchor">[317]</a>,
+<span class='pagenum'><a name="Page_164" id="Page_164">[164]</a></span>
+verdächtigt auch die Gewährung der anderen sechs Artikel.
+Vor ihm war schon sein Bruder Sempad, der Connetable
+Armenien's<a name="FNanchor_318" id="FNanchor_318"></a><a href="#Footnote_318" class="fnanchor">[318]</a>, in's Hoflager gezogen, und ward nun zum
+zweitenmal dahin gesandt, um Schutz wider die georgischen
+Fürsten aus der Familie <i>Awak</i> anzuflehen, welcher, wie
+Arghun dem mongolischen Statthalter, dem Sempad nach
+dem Leben gestrebt, die Länder seines Bruders Hethum verwüstet<a name="FNanchor_319" id="FNanchor_319"></a><a href="#Footnote_319" class="fnanchor">[319]</a>.
+Bald nach Sempad's Abreise ward auch Arghun
+in's Hoflager berufen, um unter der Anklage von Erpressungen
+über seine Verwaltung Rechenschaft zu geben. Sempad
+fand ihn dort durch den Einfluss seiner Feinde <i>Sewindsch</i>
+und <i>Scherefeddin</i> eingekerkert, welche Arghun's Tod suchten,
+um seine Stelle zu erhalten. Das Zeugniss Sempad's zu
+Gunsten der Verwaltung Arghun's rettete diesem das Leben;
+die Ankläger wurden hingerichtet, Arghun und Sempad
+kehrten nach Armenien und Georgien zurück<a name="FNanchor_320" id="FNanchor_320"></a><a href="#Footnote_320" class="fnanchor">[320]</a>. Arghun
+brachte neue Einrichtung des Steuerwesens mit sich, das
+bisher unverhältnissmässig mehr auf den Armen, als auf den
+Reichen gelastet hatte. Von nun an waren die Reichen mit
+fünfhundert Dinaren, die Armen nur mit Einem besteuert<a name="FNanchor_321" id="FNanchor_321"></a><a href="#Footnote_321" class="fnanchor">[321]</a>.
+Arghun, dankbar gegen seinen Vertheidiger Sempad, unterstützte
+ihn wider seine Feinde, die georgischen Prinzen
+aus dem Hause Awak, von denen David, der Sohn der
+Königin Russadan, sich wider die Mongolen empörte. Hulagu
+sandte wider ihn ein aus Mongolen und Moslimen
+zusammengesetztes Heer, von dem er geschlagen ward<a name="FNanchor_322" id="FNanchor_322"></a><a href="#Footnote_322" class="fnanchor">[322]</a>. <span class="xidenote">657/<br />1259</span>
+Arghun verfügte sich nach Tebris, um über die Zustände
+Georgien's zu berichten. Als Arghun nach Tiflis zurückkehrte,
+hatte sich David zum zweitenmale empört, weil die
+Entrichtung des verspäteten Tributs gefordert worden. Sowohl
+Sempad, der Orpeliane und Herrscher von Grossarmenien,
+als Hethum, der Herrscher von Kleinarmenien,
+<span class='pagenum'><a name="Page_165" id="Page_165">[165]</a></span>
+dem cilicischen Reiche, erhielten sich als Vasallen mongolischer
+Herrschaft auf ihren Fürstenstühlen, Dank dem
+Schutze der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau
+<i>Tokus</i>, welche eine eifrige Christin, durch deren Einfluss
+nach Bagdad's Eroberung der Patriarch der Nestorianer den
+Palast des kleinen Diwitdar zum Sitze des Patriarchats erhalten
+hatte. Nur zu Tekrit siegten die Moslimen über die
+Christen, wo wegen Verheimlichung von Gütern hingerichteter
+Moslimen auf Befehl Hulagu's allgemeines Gemetzel der
+Christen stattfand<a name="FNanchor_323" id="FNanchor_323"></a><a href="#Footnote_323" class="fnanchor">[323]</a>. Die Blutvesper von Tekrit ausgenommen,
+hatten sich die Christen mittels des Schutzes der Frau Tokus
+nur günstiger Behandlung von Hulagu zu erfreuen, namentlich
+Hethum, der Pagratide, Herr von Kleinarmenien, und der
+von Grossarmenien, der Orpeliane Sempad. Die Residenz
+des ersten war die Stadt <i>Ain</i>; am Zusammenflusse zweier
+Ströme, die in den Araxes münden, gelegen, zählte sie im
+eilften Jahrhundert hunderttausend Einwohner und tausend
+Kirchen<a name="FNanchor_324" id="FNanchor_324"></a><a href="#Footnote_324" class="fnanchor">[324]</a>; die Residenz des zweiten, <i>Sis</i>, in Cilicien an
+einem kleinen Flusse, der sich in den Dschihan ergiesst<a href="#Footnote_324" class="fnanchor">[324]</a>,
+der Sitz des armenischen Patriarchen. Der Pagratide Hethum
+und der Orpeliane Sempad standen beide bei Hulagu als
+treue Vasallen in Gnaden, der erste musste ihm das Holz
+zu seinen Bauten am Alatagh liefern, dafür konnte er ungehindert
+kostbare Reliquien in Gold und Silber fassen; so
+die Hirnschale des heil. Gregor des Erleuchteten aus dem
+Kloster bei <i>Kaghseman</i><a name="FNanchor_325" id="FNanchor_325"></a><a href="#Footnote_325" class="fnanchor">[325]</a>, das zwischen Karss und Pasin
+am Durchbruche des Araxes zwischen geklüftetem Gebirge,
+und den Schädel S. Gregor's des Wunderthäters, den er
+der berühmten Kirche von Norevanch schenkte<a name="FNanchor_326" id="FNanchor_326"></a><a href="#Footnote_326" class="fnanchor">[326]</a>. <i>Hethum</i>,
+schon durch die Lage seines Königreichs ferne dem Hulagu
+und näher den Kreuzfahrern, als der nördliche Herrscher
+Grossarmenien's, war mit den angesehensten Fürsten der
+<span class='pagenum'><a name="Page_166" id="Page_166">[166]</a></span>
+Kreuzfahrer durch Vermählung seiner Töchter (mit dem
+Fürsten Antiochien's, Sadan, und dem Herrn von Ibelim)
+verschwägert. Von seinen Söhnen fiel der jüngere, Toros,
+im Kriegsdienste Hulagu's im syrischen Kriege wider den
+Sultan der Mamluken, sowie hernach <i>Purthel</i>, der Neffe
+Sempad's, im Feldzuge Hulagu's wider Kipdschak in der
+Schlacht am Terek blieb. Die christlichen Herrscher Gross-
+und Klein-Armeniens waren also treuere Vasallen des Ilchan's,
+als die moslimischen Gross- und Klein-Luristan's, und es
+darf nicht Wunder nehmen, wenn durch die Namensähnlichkeit
+der Pagratide <i>Hethum</i> in den Geschichten der Araber
+als ein zweiter <i>Hatim</i> (das arabische Muster von Freigebigkeit
+und Grossmuth) und der Orpeliane Sempad (als ein
+zweiter Sindbad, der berühmte Reisende der arabischen
+Mährchen) durch seine Reisen in's mongolische Hoflager
+figurirt.</p>
+
+
+
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_167" id="Page_167">[167]</a></span></p>
+<h2><a name="Drittes_Buch" id="Drittes_Buch"></a><a href="#Inhalt">Drittes Buch.</a></h2>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+
+
+<div class="block"><p>Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb,
+Miafarakain; Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor
+Damaskus; Schlachten von Aindschalut und Himss;
+das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten; Anlass
+des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak;
+Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's,
+Arikbuka, Alghui, Kaidu; Vertheilung der Länder
+und Statthalterschaften; Dynastie der Beni Aamaret
+und Schebankjare von Fars.</p></div>
+
+
+<div class="sidenote">Verhältniss
+Hulagu's mit
+den gleichzeitigen
+asiatischen
+Dynastien.</div>
+
+<p>Die hundert Burgen der Assassinen waren gebrochen,
+der Thron des Chalifats war umgestürzt, die Fürsten von
+Fars und Mossul, von Gross- und Klein-Armenien, von
+Gross- und Klein-Luristan, hatten freiwillig oder gezwungen
+gehuldigt, das ganze Land von den Ufern des Oxus bis zu
+denen des Tigris war der Herrschaft des <i>Ilchan's</i> unterworfen,
+aber hierdurch der Auftrag, welchen der Eroberer
+Hulagu vom Bruder Kaan erhalten, ganz Asien bis an den
+äussersten Westen zu erobern, nur zur Hälfte erfüllt; noch
+blieb Mesopotamien und Syrien bis nach Aegypten hin zu
+erobern übrig. In dem letzten dieser drei Länder war der
+Hauptstamm der Herrschaft der Ejubiden, welche sich zu
+Ende des zwölften Jahrhunderts gleichzeitig mit der der
+Mongolen erhob, vor neun Jahren durch gewaltsame Umwälzung
+gebrochen worden und die Stelle der Herren aus
+dem Hause Ejub hatten ihre Sklaven, die Mamluken, auf
+dem Throne als Herrscher eingenommen; aber von dem
+<span class='pagenum'><a name="Page_168" id="Page_168">[168]</a></span>
+hohen und mächtigen Baume dieses grossen Herrschergeschlechtes
+wurzelten noch sieben Zweige im arabischen Irak
+und in Syrien, vom Jenseits der Wüste an, welche Mesopotamien
+von Syrien, bis zu der, welche Syrien von Aegypten
+trennt, <i>Miafarakain</i> und <i>Hossnkeif</i>, bis nach <i>Damaskus</i> und
+<i>Karak</i>; inmitten derselben die von <i>Haleb</i>, <i>Hama</i> und <i>Himss</i>.
+Wären diese sieben Strahlen der Herrschaft in dem Brennpunkte
+Eines einzigen starken Volkes und Muthes vereint
+gewesen, hätte die sieben Herrscher nur das Band aufrichtiger,
+zusammenwirkender politischer Eintracht verbunden,
+so würde ihre, von einem Einzigen geleitete, aber
+auch immer aufrichtig vereinte Macht der Hulagu's wahrscheinlich
+siegreich widerstanden haben, da sogar Einzelne derselben
+männlichen Widerstand nicht ohne Erfolg versucht und
+den reissenden Strom der Eroberung wenigstens eine Zeit lang
+gehemmt; aber es fehlte Einheit und Eintracht, welche im
+Herrscherhause Ejub nur unter der ruhmwürdigen Regierung
+Ssalaheddin's zwanzig Jahre lang das von ihm gegründete
+Reich befestigte. Nach seinem Tode war die Macht vielgetheilt
+und durch Herrschsucht und Scheelsucht geschwächt,
+nicht im Stande, den andringenden Fluthenschwall mongolischer
+Herrschaft zu gewältigen. Ein Blick auf die gleichzeitig
+im Osten und Westen Asien's emporgestiegene Herrschaft
+des Hauses Tschengischan's und Ejub's zeigt im hellsten
+Lichte die Staatsklugheit des Tschengischan'schen Hauses
+und Grundgesetzes der Einigkeit und Familieneintracht,
+ohne dessen strenge Beobachtung die Herrschaft der Mongolen
+nie zu solcher Macht gediehen wäre. Zwar zeigten
+sich auch schon bald nach Tschengischan's Tode Symptome
+der Uneinigkeit und des Familienzwistes in den Ansprüchen
+auf die oberste Herrschaft, aber das Schwert rottete bei
+Mengku's Thronbesteigung in dem blutigen Sinne der Jasa
+siebzig Prinzen auf einmal aus, und das Reich erhob sich
+unter ihm und seinem Nachfolger Kubilai zu einer Ausdehnung
+von Macht und Grösse, dergleichen die Geschichte
+vor- und nachdem nie gesehen. Erst als die Bande der
+Alles im Mittelpunkte versammelnden Einheit und der Familieneinigkeit
+<span class='pagenum'><a name="Page_169" id="Page_169">[169]</a></span>
+sich lockerten, begannen auch die Thronen
+der mongolischen Herrscher zu wanken, und erlagen fremder
+Uebermacht, wie jetzt der mongolischen die Grösse des
+Herrscherhauses Ejub. Wir nehmen den kurz gedrillten
+Faden der Geschichte von sieben oben erwähnten, Hulagu
+gleichzeitigen Dynastien der Söhne Ejub's da wieder auf,
+wo wir denselben im ersten Buche dieser Geschichte verlassen
+haben.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Beni
+Ejub zu
+Miafarakain
+und
+Hossnkeif.</div>
+
+<p>Von den sieben, Hulagu gleichzeitigen Dynastien des
+Hauses Ejub, welche mit seiner Macht in Berührung, von
+demselben, weil sie widerstanden, vernichtet, oder weil sie
+gehuldigt, noch einige Zeit geduldet worden, war die von
+<i>Haleb</i>, wo die unmittelbaren Nachkommen Ssalaheddin's
+herrschten, die mächtigste, deren Uebermacht soeben die
+von Damaskus verschlungen hatte. In Mesopotamien, zu
+Miafarakain und Hossnkeif, und an der Gränze Syriens, zu
+<i>Kerek</i>, herrschten Abkömmlinge <i>Melikol-aadil's</i> (d. i. des
+gerechten Königs), des Bruders Ssalaheddin's, zu <i>Hama</i>
+die Nachkommen <i>Schehinschah's</i>, des Bruders Ssalaheddin's
+und <i>Melikol-aadil's</i>, und zu <i>Himss</i> die <i>Schirkuh's</i>, des Oheims
+der drei Brüder. <i>Melik Nassir Jusuf</i>, der Urenkel Ssalaheddin's,
+war nach seines Vaters, <i>Melikol-asis</i>, Tode schon
+in seinem siebenten Jahre zur Regierung gelangt, welche
+während seiner Unmündigkeit für ihn seine Grossmutter,
+die Tochter Melikol-aadil's, die Frau <i>Ssaffije</i>, führte. Seinem
+Vetter, dem Herrn von Himss, <i>Manssur Ibrahim</i>, dem Urenkel
+Schirkuh's, des Oheims Ssalaheddin's, stand er mit
+einem Heere wider die Chuaresmier bei, welche nach dem
+Sturze des chuaresmischen Reichs in einzelnen Banden, wie
+die Condottieri des Mittelalters, Mesopotamien und Syrien
+durchrannten und ausraubten. Er bemächtigte sich ihrer
+beiden Hauptplätze, Harran's und Rakka's. <span class="xidenote">646/<br />1248</span> Für den Sohn
+und Nachfolger Manssur Ibrahim's, <i>Melikol-eschref Musa</i>,
+nicht so freundschaftlich gesinnt, wie für dessen Vater,
+hatte er demselben seine Hauptstadt Himss entrissen und
+ihm dafür das aus der Geschichte der Kreuzzüge bekannte
+Schloss von <i>Tell baschir</i> gegeben. Im folgenden Jahre hatte
+<span class='pagenum'><a name="Page_170" id="Page_170">[170]</a></span>
+er wider Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, ein
+Heer gesandt, welches das Feld zu Nissibin behauptete und
+im Besitze des ganzen Lagers des flüchtigen Feindes blieb. <span class="xidenote">647/<br />1249</span>
+Als im nächsten Jahre die Herrschaft des Stammes der Beni
+Ejub in Aegypten erlosch, luden die Emire von Damaskus
+den Herrn von Haleb zur Besitznahme ihrer Stadt ein. <span class="xidenote">648/<br />1250</span> Er
+zog dahin, und, in der Absicht, auch Aegypten zu erobern,
+dem Heere der Mamluken entgegen; er schlug dieselben
+zwar zuerst bei <i>Abbasa</i>, ward aber dann geschlagen und
+floh nach Damaskus zurück. Er zog zum zweitenmale aus,
+und schloss Frieden auf die Bedingniss, dass der Jordan
+die Gränze beider Reiche. Wider Nassir, den mächtigsten
+Herrscher der Beni Ejub in Syrien, wandte sich also jetzt
+Hulagu's erobernde Macht; aber auf dem Wege dahin standen
+ihm noch die nächsten Verwandten Nassir's, die Herren von
+Miafarakain und Hossnkeif, entgegen, welche, auf die Festigkeit
+ihrer Burgen stolz, dem Eroberer trotzten. Zu Miafarakain
+herrschte <i>Melikol-kjamil</i>, der Sohn Melikol-Mosaffer's,
+des dritten der drei Söhne Melikol-aadil's, welche
+nach ihrem Vater Herren dieser festen Stadt; der von
+<i>Hossnkeif</i> war <i>Melikol Mowwahid</i>, der Ururenkel Melikol-aadil's,
+aus dessen Sohne Kjamil. Als Kjamil nach seines
+Vaters Tod den Thron Aegyptens bestieg, gab er seinem
+Sohne Melik Ssalih Nedschmeddin die Stadt Amid und das
+Schloss Hossnkeif als Leibgedinge, und als Ssalih's Enkel
+Moaasem Turanschah sich nach Aegypten begeben, um dort
+die Herrschaft, welche in ihm enden sollte, zu übernehmen,
+blieb Hossnkeif seinem Sohne Mowwahid als Leibgedinge.
+Die beiden Herren von Hossnkeif und Miafarakain waren
+würdige Träger des Namens Ejub, indem sie, stolz auf
+ihren angestammten Herrscheradel und die Festigkeit ihrer
+Burgen, dem mongolischen Eroberer zu huldigen verschmähten,
+während ihr mächtiger Vetter Nassir von Haleb
+huldigend einen Gesandten an Mengkukaan gesandt und von
+demselben <i>Jerligh</i> und <i>Paise</i>, d. i. Diplom und das Ehrenzeichen
+des Löwenkopfes, erhalten hatte. Selbst an Hulagu,
+als er das persische Gebiet betreten, hatte er heimlich
+<span class='pagenum'><a name="Page_171" id="Page_171">[171]</a></span>
+unterwürfige Botschaft gesandt, entfloh aber nun bei der
+Annäherung Hulagu's nach Aegypten.</p>
+
+<div class="sidenote">Aufbruch
+von Tebris.</div>
+
+<p>Nach der Eroberung Bagdad's war Hulagu erst gegen
+Hamadan und von da über Meragha nach Tebris gezogen,
+das von nun an die Hauptstadt von <i>Aserbeidschan</i> (dem
+alten Atropatene), von nun an auch die des neuen mongolischen
+Reichs in Persien und die Residenz des Ilchan's;
+seitdem heisst dieselbe mit dem ganzen Lande umher
+<i>Paitachti Hulagu</i>, d. i. der Fuss des Thrones Hulagu's.
+<i>Tebris</i>, d. i. das <i>warm Rieselnde</i>, hat seinen Namen, der
+gleichbedeutend mit <i>Tepliz</i>, von seinen warmen Quellen;
+es liegt auf der Westseite des Berges <i>Sehend</i> mitten unter
+üppigen Gärten, vom Flusse <i>Surchab</i>, d. i. Rothwasser,
+bespült. Es ist möglich, dass <i>Tebris</i> nur eine Verstümmelung
+des alten, beim Ptolemäus vorkommenden <i>Gabris</i>; aber
+alle Quellen arabischer Geschichte nennen als Erbauerin der
+Stadt die Gemahlin Harun Reschid's, seine Base, die grosse
+Frau <i>Sobeide</i>. <span class="xidenote">175 (791)</span> Schon neun und dreissig Jahre nach ihrer
+Erbauung vom Erdbeben zerstört, wurde Tebris vom Chalifen
+Motewekkil wieder erneuert <span class="xidenote">245 (857)</span> und zweihundert Jahre
+später vom Erdbeben gänzlich in Schutt gelegt. <span class="xidenote">434 (1042)</span> Der Astronom
+<i>Abu Tahir</i> von Schiras hatte das Erdbeben für die Nacht,
+wo es stattfand, vorausgesagt und die Einwohner der Stadt,
+dieselbe zu verlassen, ermahnt; Viele beherzigten seine
+Warnung, aber vierzigtausend, welche in den Häusern zurückblieben,
+wurden unter denselben begraben. Der neue
+Bau ward unter der Leitung des genannten berühmten
+Astronomen im Zeichen des Scorpions begonnen, um dadurch
+für immer die Gefahr gänzlicher Zerstörung durch Erdbeben
+abzuwenden; &bdquo;und wirklich&ldquo;, sagt Hamdallah Mestufi, der
+persische Geschichtschreiber Geographe, &bdquo;haben in den
+seitdem verflossenen dreihundert Jahren mehrmal Erdbeben
+stattgefunden, ohne der Stadt wesentlich zu schaden, so
+dass die Stadt ihren Ruin nicht mehr von Erdbeben, sondern
+nur von Ueberschwemmung fürchtet&ldquo;. Zahlreiche, seitdem
+gegrabene Kanäle und unterirdische Wasserleitungen gewähren
+dem Wasser Abfluss, so dass auch diese Furcht
+<span class='pagenum'><a name="Page_172" id="Page_172">[172]</a></span>
+verschwunden; der vom Berge Sehend niederströmende
+kleine Fluss <i>Mehranrud</i> vertheilt sich in mehr als hundert
+solcher Kanäle, um die Gärten der Stadt zu bewässern; die
+Waldungen rund um die Stadt sind so dicht, dass, als zu
+Beginn des vorigen Jahrhunderts das osmanische Heer hier
+den Befehl erhielt, dieselben auszuhauen, dreitägige Arbeit
+der Axt keinen merklichen Unterschied hervorbrachte, so
+dass sie so dicht, wie ehe, schienen. Die schöne und fruchtbare
+Ebene von Tebris, welche sich auf der Westseite der
+Stadt gegen den See von Urmia hinzieht, wetteifert durch
+üppigen Baumwuchs mit den Zauberthälern von <i>Soghd</i>,
+<i>Damaskus</i>, <i>Schaabbewwan</i> und mit der Ebene von <i>Mamschanrud</i>
+bei Hamadan um edenischen Ruhm. Die Aepfel,
+Birnen, Aprikosen und vorzüglich die Weinbeeren ohne
+Kern sind vortrefflich; die Einwohner blühender Gesichtsfarbe,
+gewerbfleissig und auch nicht ohne Muth, aber durch
+Treulosigkeit verschrien. Derohalben ist von ihnen der
+persische Viervers gang und gäbe:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Als Freund hat Keiner noch Tebrisern je getraut;<br /></span>
+<span class="i0">Die Anderen sind Mark, Tebriser ist nur Haut.<br /></span>
+<span class="i0">Wer in der Freundschaft nicht beständig wird geschaut,<br /></span>
+<span class="i0">Hat, wenn nicht von Tebris, sich dorten angebaut.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Hierauf entgegnete ein Dichter von Tebris:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Tebris ist Paradies, sein Volk ist spiegelrein.<br /></span>
+<span class="i0">Du sagst, dass sie aufrichtig nicht in Freundschaft sei'n;<br /></span>
+<span class="i0">Wie konntest And'res dir von ihnen bilden ein,<br /></span>
+<span class="i0">Der Spiegel wirft zurück von dir den Widerschein.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Vorzüglich hat sich in der Landschaft Aserbeidschan
+von jeher wissenschaftliches Streben kund gegeben, und
+schon Abu Tahir sagte: Aserbeidschan ist im Osten, was
+Andalus im Westen, durch philologischen und medicinischen
+Ruhm. Von den grossen Männern und Dichtern, deren
+Ruhm die Stadt verherrlicht, sowie von den grossen Gebäuden
+derselben, wird unter der Regierung Ghasan's, dessen
+Grabdom noch heute die schönste Ruine der Stadt, zu
+sprechen der Ort sein<a name="FNanchor_327" id="FNanchor_327"></a><a href="#Footnote_327" class="fnanchor">[327]</a>.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_173" id="Page_173">[173]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Marsch
+Hulagu's bis
+Roha.</div>
+
+<p>Von Tebris, seinem neuen Thronsitze, brach Hulagu
+Freitags den zwölften September gegen Syrien auf. <span class="xidenote">22. Ramasan 657/<br />12. September 1259</span> Vor
+seinem Aufbruche sandte er Botschaft an seinen Vasallen
+Bedreddin Lulu, den Herrn von Mossul, ihn seines hohen
+Alters willen der persönlichen Erscheinung im Felde enthebend,
+aber dafür die Gegenwart seines Sohnes Ssalih
+fordernd. Dieser erschien und Hulagu belohnte ihn dafür
+mit der Hand einer Tochter des letzten grossen Sultans von
+Chuareſm, <i>Dſchelaleddin</i>. Seinen Feldherren <i>Baidſchu</i> und
+<i>Schiktur</i> übertrug er den Befehl des rechten, anderen Emiren
+den des linken Flügels, er selbst führte das Mitteltreffen an.
+Wir folgen nun seinem Zuge nach den Stationen, deren die
+persischen Geschichten erwähnen, wie wir demselben von
+Karakorum an bis an den Oxus nach den chinesischen Berichten
+gefolgt sind. Auf der Westseite des Ararat, zwischen
+demselben und Erſerum, südlich von <i>Hasan Kalaa</i>, erhebt
+sich das Gebirge <i>Alatagh</i>, d. i. der bunte Berg, in welchem
+herrliche Alpenweiden, Jagden und die Hauptquelle des
+Euphrat's, nämlich die des <i>Muradſsuji</i>, welcher hier aus
+mehreren Bächen zusammenströmt<a name="FNanchor_328" id="FNanchor_328"></a><a href="#Footnote_328" class="fnanchor">[328]</a>. Hulagu fand so grosses
+Wohlgefallen an den Weiden von <i>Alatagh</i>, dass er denselben
+einen mongolischen Ehrennamen beigelegt<a name="FNanchor_329" id="FNanchor_329"></a><a href="#Footnote_329" class="fnanchor">[329]</a>. Von hier
+wandte er sich südwärts nach <i>Achlath</i>, der auf dem nördlichen
+Ufer des Sees von Wan, gegenüber des Schneegebirgs
+<i>Siban</i>, gelegenen Stadt, die eine uralte, schon zu Nuſchirwan's
+Zeit der Sitz seines Oheims Dschamasb, von den Byzantinern
+Chliat genannt<a name="FNanchor_330" id="FNanchor_330"></a><a href="#Footnote_330" class="fnanchor">[330]</a>, berühmt durch die Grösse seiner
+Aepfel, deren einer bis hundert Drachmen wiegt. Ihren
+Flor verheerte zuerst der Einfall Chuareſmschah's und
+zwanzig Jahre hernach ein Erdbeben. <span class="xidenote">626/<br />1228</span> Seid Husein von
+Achlath, in allen esoterischen Wissenschaften tief gelehrt,
+hatte noch vor dem Einfalle der Mongolen in Persien das
+Unheil Tſchengiſchan's vorausgesagt und war mit zwölftausend
+Familien nach Kairo ausgewandert, wo noch seine Grabstätte
+<span class='pagenum'><a name="Page_174" id="Page_174">[174]</a></span>
+und noch das Stadtviertel der Achlather das Andenken an
+diese Ansiedelung bewährt<a name="FNanchor_331" id="FNanchor_331"></a><a href="#Footnote_331" class="fnanchor">[331]</a>. Die Kurden des Stammes
+<i>Hakkjari</i>, welche um Achlath wohnen, wurden vom Heere
+wie scheues Vieh verfolgt und getödtet<a name="FNanchor_332" id="FNanchor_332"></a><a href="#Footnote_332" class="fnanchor">[332]</a>. Als das Lager
+zu Diarbekr, beschloss Hulagu vor Allem die gänzliche Eroberung
+Mesopotamiens, um auf dem Marsche gegen Syrien
+den Rücken frei zu behalten. Der Herr von Miafarakain<a name="FNanchor_333" id="FNanchor_333"></a><a href="#Footnote_333" class="fnanchor">[333]</a>,
+Melik Kjamil, hatte nicht nur der Einladung zur Unterwürfigkeit
+keine Folge geleistet, sondern auch einen syrischen
+Priester, welcher während der Belagerung Bagdad's
+mit einem Jerligh des grossen Kaan's an ihn abgesendet
+worden, gekreuziget<a name="FNanchor_334" id="FNanchor_334"></a><a href="#Footnote_334" class="fnanchor">[334]</a>. Der Prinz Jaschmut<a name="FNanchor_335" id="FNanchor_335"></a><a href="#Footnote_335" class="fnanchor">[335]</a> und Suntai
+Nujan wurden die Stadt zu belagern befehligt; den Sohn
+Bedreddin Lulu's sandte Hulagu gegen Amid, das heute
+unter dem Namen Diarbekr bekannter; er selbst wandte sich
+nach <i>Roha</i>, das alte Edeſſa, das sich freundlich ergab;
+<i>Harran</i> und <i>Niſsibin</i> wurden mit Gewalt genommen und
+verheert; die Einwohner von <i>Serudsch</i>, die keinen Boten der
+Unterwürfigkeit gesandt, niedergemacht. Zu Roha schlug
+er sein Winterquartier auf und beschied dahin seine Vasallen,
+Hethum, den König Kleinarmeniens, und die Seldschuken
+Rum's; auch an Nassir, den Sultan von Haleb,
+sandte er von hier wiederholte Botschaft, ihn persönlich
+in's Lager zu laden; Nassir schickte seiner statt seinen Sohn
+Melikelasis mit reichen Geschenken. Hulagu behielt ihn
+den ganzen Winter hindurch bei sich und sandte ihn erst
+im nächsten Frühjahre nach Ostern an den Vater mit der
+lakonischen Botschaft zurück: &bdquo;Nicht dich haben wir begehrt,
+sondern deinen Vater; er komme also, sonst kommen
+wir zu ihm&ldquo;. König Hethum erschien an der Spitze einer
+grossen Anzahl gewaffneten Gefolges; ein nicht zu verachtender
+Bundesgenosse, denn er war zwölftausend Reiter
+und vierzigtausend Fussgänger in's Feld zu stellen im
+<span class='pagenum'><a name="Page_175" id="Page_175">[175]</a></span>
+Stande<a name="FNanchor_336" id="FNanchor_336"></a><a href="#Footnote_336" class="fnanchor">[336]</a>. Hethum setzte dem Eroberer die Annehmlichkeit
+Haleb's auseinander und bewog ihn zu dem Entschlusse
+(oder bestärkte ihn darin), vor allen anderen Städten nach
+Haleb seine Waffen zu wenden. Den armenischen König
+scheint zu diesem Rathe hauptsächlich das Interesse der
+Kreuzfahrer und zunächst das seines Schwiegersohnes, des
+Herrschers von Antiochien, des nächsten Nachbars Haleb's,
+bewogen zu haben. Unter die Seldschuken Iseddin und
+Rokneddin wurden die Länder Rum's so vertheilt, dass
+dieser Herr der Länder zwischen Cäsarea und Grossarmenien,
+jener Herr Kleinasiens bis an's mittelländische Meer. <span class="xidenote">20. Juli 1259</span> Von
+hier aus wurde ein Botschafter mit dem berühmten, von
+Nassireddin mit allem Schmucke morgenländischer Rhetorik
+geschwellten Schreiben an Nassir gesandt, welches Wassaf
+sammt der Antwort gibt, wie folgt:</p>
+
+<p>&bdquo;Gott, der Ernährer der Himmel und Erden&ldquo;, so kündet
+der siegreiche König: &bdquo;Wir haben gelagert vor Bagdad im
+sechshundert fünf und fünfzigsten Jahre, wir haben den
+Beherrscher gefangen gemacht und ihn ausgefragt, und da
+er bestand mit nichten, war es nöthig, ihn zu vernichten.
+Er geizte mit seinem Gold, und so kam die Sache dahin,
+wie sie es gesollt; er opferte kostbare Seelen den irdischen
+Lüsten auf, und das war klar aus dem ganzen Verlauf. Sie
+hatten den Lohn ihrer Thaten und der Sagende sagt: Sobald
+ein Ding vollkommen, hat es auch schon abgenommen,
+aber uns kann noch der Wachsthum frommen. Hernach
+sollen wissen die Fürsten, die siegreichen, <i>Seifeddin</i> (das
+Schwert des Glaubens), <i>Ihn Jaghmur</i> und <i>Alaeddin El-Koscheimri</i>
+und die übrigen Emire Syriens und Truppen:
+Ich bin ein Kämpe Gottes, den er erschaffen in seinem
+Grimme, um ihn loszulassen wider die, denen er zürnet.
+Nehmet euch ein Beispiel an dem, was geschehen, um euch
+an den Erschlagenen zu ersehen. Werdet durch fremden
+Schaden klug und ergebt euch Uns, ehe der Vorhang aufgezogen
+wird, und ehe wider euch ergehet der Zug. Wir
+<span class='pagenum'><a name="Page_176" id="Page_176">[176]</a></span>
+erbarmen uns nicht des Weinens und haben kein Mitleiden
+mit der Klage; Gott hat aus Unserem Herzen gerissen die
+Barmherzigkeit. Wehe! und abermals Wehe! denen, die
+nicht streiten auf Unseren Seiten. Wir haben die Länder
+verheert mit Macht und die Kinder zu Waisen gemacht.
+Wir haben über die Erde Verderben gebracht; an euch ist
+die Flucht vor Uns, der euch sucht; wo ist die Erde, die
+euch nährte? und das Land, das euch Zufluchtsort gewährte?
+Ihr werdet Unseren Schwertern nicht enteilen, und habet
+keine Rettung vor Unseren Pfeilen; Unsere Pferde sind
+vorauseilende, Unsere Schwerter leiberzertheilende und Unsere
+Pfeile sicherbetheilende; Unsere harten Herzen halten
+wie Berge Bestand, und die Zahl Unserer Heere ist unzählbar
+wie der Sand. Wer sich Uns ergibt, der findet Heil, und
+wer wider Uns kämpft, dem wird Reue zu Theil. Unser
+Reich wird von keinem Andern begehrt und das Land Unserer
+Nachbarn wird nicht verheert. Wenn ihr Unsere
+Bedingungen annehmet und zu Unserm Gehorsame euch bequemet,
+so ist Unsere Sache die eurige, und die eurige
+die Unsere; wenn ihr aber widerstrebt, und euch wider
+Uns erhebt, wenn ihr verharrt als Rebellen, so schmähet
+hernach nur eure Seelen, denn es wird euch am Ende:
+<i>was erwerben eure Hände</i>. Wer voraus droht, ist entschuldigt
+durch die Noth, und wer da warnt, Niemanden
+unbillig umgarnt. Die Schlösser vor Uns werden umgekehrt,
+und Unsere Heere werden vom Kampfe nicht abgewehrt.
+Euere Bitten werden von Uns weder erhört noch angehört,
+denn ihr habt die Ungerechtigkeit gefressen und den Glauben
+vergessen; ihr habt die Neuerung eingesetzt und das Gemeinwohl
+verletzt; ihr überliesset euch den Lastern und
+der Passion und es waltet in euch der Neid und die Rebellion.
+Nehmet daher in Betrachtung die Kunde der Erniedrigung
+und Verachtung. <i>Heut empfangt ihr den Lohn
+euerer Verachtung, weil ihr hochmüthig gewesen auf Erden
+ohne Wahrheit<a name="FNanchor_337" id="FNanchor_337"></a><a href="#Footnote_337" class="fnanchor">[337]</a>, für euere Laster. Er wird die kennen,
+<span class='pagenum'><a name="Page_177" id="Page_177">[177]</a></span>
+die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden umgewälzt
+werden.</i><a name="FNanchor_338" id="FNanchor_338"></a><a href="#Footnote_338" class="fnanchor">[338]</a> Bei euch ist es ausgemacht, dass wir die
+Ungläubigen, und bei Uns ist es ausgemacht, dass ihr die
+Lasterhaften. Uns hat auf euch losgelassen Er, in dessen
+Hand die Geschäfte, die geleiteten, und die Gebote, die
+von ewig her bereiteten. Von Uns wird verachtet, wer
+euch dünket ein König, und was euch Viel ist, das däucht
+Uns Wenig. Wehe und Furcht dem, der sich vor Uns
+gross macht, und Sicherheit und Verzeihung dem, der erzittert
+Unserer Macht. Wir haben die Erde in Besitz genommen
+im Osten und Westen und die Güter der Reichsten
+und Besten; wir haben sie zerstaubt und alle Schiffe geraubt.
+Unterscheidet mit eurer Vernunft das Wahre und Klare,
+und ihr sollt eilen, uns Antwort zu ertheilen, eh' dass die,
+so ihr unglaubig nennet, euch verbrennet, ehe ihr sehet
+die Funken, ehe ihr unter der Last des Kriegs seid versunken,
+ehe grosses Unglück bei der Hand, und Niemand
+lösche den Brand; <i>weisst du, was das sei, flammender Brand?</i>
+ehe dass Ehre und Würde von euch schwindet, und ihr
+weder Zufluchtsort noch Schutz findet, und ehe dass der
+Ausrufer des Verderbens auch mit den Worten des Korans
+ruft: <i>Ist einer von ihnen zu finden, ist von ihnen zu hören
+der geringste Laut.</i><a name="FNanchor_339" id="FNanchor_339"></a><a href="#Footnote_339" class="fnanchor">[339]</a> Wir sind billig gewesen, indem Wir
+euch senden dieses Schreiben zum Lesen. Antwortet darauf,
+ehe die Strafe nimmt ihren Lauf, und ihr unverständig seid.
+Stellt auf Sternwarten euere Beobachtungen an, eh' der
+Treiber wie Holz zerbricht eueren Plan; und wenn ihr
+leset dieses Schreiben genau, leset zugleich den Anfang
+der Sura: <i>Nachl</i><a name="FNanchor_340" id="FNanchor_340"></a><a href="#Footnote_340" class="fnanchor">[340]</a>, und das Ende der Sura: <i>Ssad</i><a name="FNanchor_341" id="FNanchor_341"></a><a href="#Footnote_341" class="fnanchor">[341]</a>. Wir
+haben Perlen des Worts ausgestreut, und die Antwort wird
+zeigen, wie ihr seid. Heil werde zu Theil dem, der verdient
+Heil.&ldquo;</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_178" id="Page_178">[178]</a></span></p>
+<p style="text-align: center; letter-spacing: 0.2em; margin-top: 2em; font-weight: bold">Antwort.</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Bei Gott ist die Vorsehung. Sag: Gott ist der Besitzer
+des Reichs, es wird gegeben das Reich, wem er will</i>;
+es hat uns seine Vorsehung geleitet, Lob sei Gott, dem
+Herrn der Welten, und Gebet und Lob über den Herrn
+der Gottgesandten, den Schlussring der Propheten, Mohammed
+den Propheten, den Ungebildeten<a name="FNanchor_342" id="FNanchor_342"></a><a href="#Footnote_342" class="fnanchor">[342]</a>, und seine
+ganze Familie. Antwort auf das Schreiben, welches kündend
+gekommen von der Majestät des Ilchan's und der Schwelle
+des Sultan's (Gott wolle dieselbe mit Rechtlichkeit bedräuen
+und derselben die Annahme des Rechten und Wahren verleihen!).
+Hochdieselben sind, wie sie sagen, erschaffen aus
+Gottes Grimme, überwältigend Alle, über welche ergeht
+seines Zornes Stimme, ohne sich der Klagenden zu erbarmen,
+oder für die Weinenden ein Mitleid zu erwarmen, weil
+Hochdenselben Gott aus dem Herzen gerissen das Erbarmen.
+Dieses sind schändliche Eigenschaften der Satane und nicht
+der Sultane. Diese Zeugenschaft genügt als Prediger wider
+euch und von eurem selbst beschriebenen Reich abhaltend
+die Vernünftigen von euch. So sagt der Koran: &bdquo;<i>O ihr
+Ungläubigen, ich bete nicht an, was ihr betet an!</i>&ldquo; Ihr
+habt euch selbst geflucht durch den Brief, den ihr geschrieben,
+und habet euch selbst mit allen Schändlichkeiten
+beschrieben, und alle Propheten haben Euer erwähnt. Wir
+haben von euch Kunde seit der Zeit, wo ihr erschaffen
+worden seid; und ihr, die ihr Ungläubige seid, wie ihr
+dessen selbst im Wahne seid, hat Gott in seinem Buch
+nicht den Drängern gegeben den Fluch? Ihr sagt: wir
+(die Moslimen) hätten Neuerungen gemacht und das Gemeinwesen
+heruntergebracht, den Glauben gebrochen und
+alle Laster verbrochen; das ist kein Wunder. Hat nicht
+Pharao sich die Rolle des Ermahnenden angeeignet und zugleich
+das Gesetz geläugnet? &ndash; Wir halten fest auf der
+Grundfeste, Uns nicht bekümmernd um die Zweige und
+Aeste; Wir sind die Rechtgläubigen fürwahr! Wir nehmen
+<span class='pagenum'><a name="Page_179" id="Page_179">[179]</a></span>
+das Schädliche nicht an und legen den Zweifel in Bann.
+Zu Uns stieg nieder der Koran, und der ewige Gott sieht
+Uns erbarmend an; Wir haben die Sendung des göttlichen
+Worts vergewisst und wissen, wie dasselbe auszulegen ist.
+Es ward für euch das höllische Feuer erschaffen, um eure
+Hartherzigkeit zu strafen.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Wann sich spaltet der Himmel,<br /></span>
+<span class="i0">Wann die Sterne sich zerstreuen,<br /></span>
+<span class="i0">Wann sich mischet der Meere Getümmel,<br /></span>
+<span class="i0">Wann die Gräber ihre Todten ausspeien;<br /></span>
+<span class="i0">Dann weiss die Seele, was war und kommen wird.<a name="FNanchor_343" id="FNanchor_343"></a><a href="#Footnote_343" class="fnanchor">[343]</a><br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Wunderbar, wunderbar! mit Schlägen zu dräuen den Leuen,
+reissenden Thieren mit Streichen von Rappieren und Recken
+mit Stöcken. Unsere Pferde sind blitzende, Unsere Bogen
+ägyptische, Unsere Schwerter jemenische, Unsere Schultern
+festsitzende; Wir sind bekannt zum Bessten in Osten und
+Westen; Unsere Pferde sind Löwen, wenn Wir sie besteigen,
+und Unsere Reiter erreichen den Feind, sobald sie
+sich zeigen; Unsere Schwerter schneiden, wann sie treffen,
+und Unsere Lanzen zermalmen, wann sie sich senken im
+Treffen; Unser Kürass ist Unsere Haut, Unser Panzer ist
+Unsere Brust; Unsere Herzen werden durch keinen Unfall
+erbittert und Unsere Versammlung keiner Drohung erzittert
+durch die Kraft des Allgeehrten und Alllobenswerthen! Durch
+Drohungen werden wir nicht erschreckt, durch Anrücken
+des Heeres nicht geschwächt; wenn wir als Empörer auftreten,
+so ist es des Gehorsames Pflicht, und wenn wir
+tödten, so ist diess ein Kapital von Gewicht. Zwischen
+Unserer Erdenrunde und dem Tode ist nur Eine Stunde<a name="FNanchor_344" id="FNanchor_344"></a><a href="#Footnote_344" class="fnanchor">[344]</a>.
+Ihr sagt: &bdquo;Unsere Herzen halten wie die Berge Stand, und
+Unsere Zahl ist unzählbar, wie Sand&ldquo;. Den Fleischer die
+Menge der Schafe nicht erschreckt, und vieles Holz wird
+durch einen kleinen Funken in Brand gesteckt. Werden
+<span class='pagenum'><a name="Page_180" id="Page_180">[180]</a></span>
+Wir denn vor dem Tode fliehen und die Schmach vorziehen?
+Ist es nicht gefehlt, was ihr befehlt? Wir fliehen vor der
+Schmach und laufen lieber dem Tode nach; der Tod in
+dieser Welt ist, was Uns am meisten gefällt; wenn wir leben,
+sind wir selig, und wenn wir sterben, als Martyrer glückselig:
+<i>Wird nicht Gottes Verein der überwältigende sein?</i><a name="FNanchor_345" id="FNanchor_345"></a><a href="#Footnote_345" class="fnanchor">[345]</a>
+Nach dem Fürsten der Rechtgläubigen, nach dem Nachfolger
+des Propheten Gottes, des Herrn der Welten, fordert
+ihr von Uns Gehorsam. Wir horchen euch nicht und gehorchen
+euch nicht. Die Sehnsucht, ihm (dem Propheten)
+nachzufolgen, genügt, um von Uns abzuwehren die Begierden,
+die schädlichen, und die Phantasien, die leeren. &ndash; Ihr begehrt
+von Uns, dass Wir Uns euch ergeben, ehe sich die
+Decke wird heben, und ehe Wir Uns in die Gefahr begeben.
+Das sind Worte, ungereimt, aus deren Reihung Zweifel
+keimt. Wenn die Decke aufgezogen würde und niedersänke
+des Looses Bürde, so würde sich's zeigen, was grössere
+Sünde sei, ob der Unglaube nach dem Glauben, ob der
+Bruch nach der Bewährung, ob die Lüge nach der Erklärung,
+oder Gehorsam geschworen den Idolen und die Vermessenheit,
+sich einen zweiten Gott zu holen: <i>Ihr habt
+eine unaussprechliche Sache vorgezogen; wenig fehlte, dass
+die Himmel klafften und die Erden sich spalteten und einstürzte
+der Berge Bogen.</i><a name="FNanchor_346" id="FNanchor_346"></a><a href="#Footnote_346" class="fnanchor">[346]</a> Sagt eurem Schreiber, der
+diese und diese Worte angefasst und dieses Schreiben verfasst:
+Wie kurzsichtig ist deine Kürze, wie öde die Uebertreibung
+deiner Rede; dein Schreiben wirkt auf Uns, wie
+des Thürangels Hummen und der Fliegen Summen; du hast
+des Islams Gnade zu leicht genommen, und es wird Gottes
+Pein über dich kommen; du erachtetest zu erweitern durch
+das Schreiben die Pein und betrachtetest den Briefwechsel
+und die lügnerischen Drohungen als Spielerei'n. Dein Zweck
+war, in Vorschein zu bringen deine Beredtsamkeit und zu
+zeigen deine Wohlredenheit. Du bist der, von dem der
+<span class='pagenum'><a name="Page_181" id="Page_181">[181]</a></span>
+Sprechende spricht: <i>Du hast Etwas im Gedächtnisse behalten,
+aber es fliehen dich der Dinge Gestalten.</i> Du hast
+geschrieben den Text: <i>Er wird die kennen, die Unrecht
+gethan, und die Umwälzenden werden umgewälzt werden.</i><a name="FNanchor_347" id="FNanchor_347"></a><a href="#Footnote_347" class="fnanchor">[347]</a>
+Auf dieses Wort kommt die Antwort sofort: <i>Gottes Geschäft
+ist gekommen, beschleunigt es nicht</i>, der König <i>Nassir</i>
+und <i>Jaghmur</i> und <i>Alaeddin Koscheimri</i> und die übrigen
+Emire Syriens achten nicht das Feuerschlagen zwischen
+Kiesel und Stahl, sie erwarten das Wiehern der Rosse und
+das Zusammentreffen im Stosse; sie geloben, sich im heiligen
+Kampf zu erproben, euch den Höllen und dem Abgrund
+zuzugesellen, euch die Haare, welche über die Ohren
+niederstürzen, mit dem Stahle des Schwertes zu kürzen; sie
+sagen euch Alle: Seid ihr zum Kampf bereit, so sei das
+eure Beredtsamkeit; was braucht es, Verse zu citiren und
+Histörchen zu componiren und Lügen einzustudiren. Wir
+sind nun im letzten <i>Ssafer</i> und Unsere Verheissung kommt
+(als eine wahre) vom Morgen her. Gott beflügelt für den,
+wen er will, den Sieg. Wir haben diess nicht bloss prosaisch
+geschrieben und sind dabei im Orte der Schmach
+sitzen geblieben; Wir sagten, was zur Hand, und entschuldigen
+den, der zu schwach zum Widerstand. Heil!&ldquo;</p>
+
+<div class="sidenote">Marsch
+bis Haleb.</div>
+
+<p>Nachdem Hulagu den Sommer in Mesopotamien verweilt,
+trat er erst im Herbste des Jahres zwölfhundert neun und
+fünfzig seinen Marsch nach Syrien an. Auf vier Punkten
+wurden Brücken über den Euphrat geschlagen; diese vier
+Orte sind noch heute die betretensten gewöhnlichen Uebergangspunkte,
+nämlich zu <i>Malatia</i>, <i>Kalaatol Rum</i>, <i>Bire</i> und
+<i>Kirkesia</i>, alle vier als Uebergänge des Euphrats schon aus
+der römischen und byzantinischen Kriegsgeschichte bekannt.
+<i>Malatia</i>, das alte Melitene, <i>Kalaatol Rum</i>, d. i. das Römerschloss,
+an der Stelle des alten Zeugma, d. i. der Brückenverband,
+<i>Bire</i>, das alte Birtha, und <i>Kirkesia</i>, ganz unverändert
+das alte <i>Kirkesion</i>. Das erste Blutbad hatte zu
+<i>Menbedsch</i>, dem alten Hierapolis, statt, dessen heutiger
+<span class='pagenum'><a name="Page_182" id="Page_182">[182]</a></span>
+Name aus dem alten <i>Bambyce</i> verstümmelt; die beiden alten
+Namen enthalten schon statistische und historische Kunde
+der Stadt, die berühmt durch ihre Baumwollpflanzungen
+und ihre Tempel, besonders den der Astarte, der grossen
+syrischen Göttin, vor welchem sich vereinzelte Thürme erhoben,
+Thürme, die heute <i>Minarete</i>, d. i. Leuchtthürme,
+genannt, ursprünglich Phallische Sinnbilder der Zeugung.
+Von hier aus wurden die Castelle am Euphrat, deren Einwohner
+alle unter dem Schwerte fielen, mit Besatzungen
+versehen, nämlich: die Schlösser <i>Nedschm</i>, <i>Rakka</i> und
+<i>Dschaaber</i>. <i>Nedschm</i> heisst das Sternschloss; <i>Rakka</i> hat in
+der römischen und griechischen Kriegsgeschichte als Kalinike
+oder Nicephorium schönen Sieg verkündenden Namen,
+<i>Dschaaber</i> aber in der osmanischen die grösste Wichtigkeit,
+weil hier dreissig Jahre vor dem Uebergange Hulagu's über
+den Euphrat Suleiman, der Grossvater Osman's, des Gründers
+des osmanischen Reichs, als er von Chorasan, vor dem
+Heere Tschengischan's auswandernd, flüchtete, hier bei'm
+Uebergange über den Euphrat vom steilen Ufer in den Fluss
+stürzte und ertrank, wo seine Grabstätte noch heute unter
+dem Namen des Türkengrabs geehrt wird<a name="FNanchor_348" id="FNanchor_348"></a><a href="#Footnote_348" class="fnanchor">[348]</a>. Noch im
+October<a name="FNanchor_349" id="FNanchor_349"></a><a href="#Footnote_349" class="fnanchor">[349]</a> streiften ungeheuere Schaaren bis in die Nachbarschaft
+von Haleb, wo ihnen Moaasem, der Sohn Nassir's,
+der Urenkel<a name="FNanchor_350" id="FNanchor_350"></a><a href="#Footnote_350" class="fnanchor">[350]</a> des grossen Ssalaheddin, entgegen kam, aber
+von ihnen geschlagen in die Stadt floh. Abtheilungen des
+Heeres rückten vor <i>Maarretnaaman</i>, <i>Hama</i> und <i>Himss</i>,
+welche sich ergaben; die Sultane der beiden letzten Städte
+waren nach Aegypten entflohen, so auch <i>Melik Nassir</i>, der
+Sultan von Haleb, welcher sich in das innerste Syrien,
+nach Schaubek und Kerek, gerettet. Damaskus ergab sich
+gutwillig, aber Haleb wurde von Hulagu belagert. Er selbst
+<span class='pagenum'><a name="Page_183" id="Page_183">[183]</a></span>
+lagerte vor dem westlichen Thore, das nach Antiochien führt,
+Oroktu Nujan vor dem Thore der Juden, Keitbuka Nujan
+vor dem Thore der Griechen und Sundsche Nujan vor dem
+südlichen Thore von Damaskus. Vor dem Judenthore, das
+auch Thor der Freude heisst, ist ein grosser<a name="FNanchor_351" id="FNanchor_351"></a><a href="#Footnote_351" class="fnanchor">[351]</a> alter Stein,
+bei welchem Juden und Christen schwören; ausser demselben
+wallfahrtet der Moslim zu Haleb noch zu zwei Stätten Chiser's,
+des Hüters des Lebensquells, dessen Legende in Syrien mit
+der des heil. Georg zusammengewachsen, und zu zwei Stätten
+Abraham's, dessen Heerden hier gemelket worden sein sollen<a name="FNanchor_352" id="FNanchor_352"></a><a href="#Footnote_352" class="fnanchor">[352]</a>,
+eine Legende entstanden aus der Verstümmelung des alten
+Namens <i>Chalybon</i> in <i>Haleb</i>, was auf arabisch Milch heisst.
+Haleb ist durch seine Früchte, sowie durch seinen Handel
+von jeher berühmt gewesen, durch seine Gurken, Wassermelonen,
+Feigen, Aprikosen, vorzüglich aber durch seine
+Pistazien, welche der Araber die <i>Tochter des Gedächtnisses</i><a name="FNanchor_353" id="FNanchor_353"></a><a href="#Footnote_353" class="fnanchor">[353]</a>
+nennt, weil sie gegessen das Gedächtniss stärken sollen; als
+Niederlage indischer Waaren wird Haleb auch das kleine
+Indien genannt.</p>
+
+<div class="sidenote">Eroberung
+von Haleb
+und Harim.</div>
+
+<p>Der Befehlshaber des Schlosses war Moaasem Turanschah,
+der Sohn Nassir's, an welchen die Aufforderung der
+Mongolen erging: Wir wollen euch Nichts Uebles, lautete
+die Botschaft, wir suchen nur den König Nassir auf, um
+uns zu schlagen; nehmt also zwei mongolische Vögte an,
+deren einer in der Stadt, der andere im Schlosse residire,
+so lange noch das Kriegsglück unentschieden; wenn wir das
+moslimische Heer geschlagen, seid ihr uns ohnedies als
+Sklaven verfallen; schmiegt euch daher lieber früher als
+später in's Joch; sollten wir besiegt werden, so steht es
+euch immer frei, unsere Vögte hinaus zu werfen, oder wenn
+ihr lieber wollt, sie zu tödten. Moaasem's Antwort war
+eines Ejubiden würdig: er habe für die Mongolen Nichts,
+als sein blankes Schwert. Auf diese Antwort umzingelten
+die Mongolen die Stadt, besetzten die Brücken, bei deren
+<span class='pagenum'><a name="Page_184" id="Page_184">[184]</a></span>
+Vertheidigung Esededdin, der Sohn Soheir's, des Sohnes
+Nassireddin's, fiel. Das Schwert wüthete durch fünf Tage,
+von Sonntag bis Freitag, bis Hulagu's Befehl dem Morden
+Einhalt that; nur sechs Gebäude waren durch besondere
+Sicherheitsbriefe von der allgemeinen Plünderung ausgenommen<a name="FNanchor_354" id="FNanchor_354"></a><a href="#Footnote_354" class="fnanchor">[354]</a>,
+nämlich vier Häuser von Prälaten, das Kloster
+der Ssofi und die Synagoge der Juden, aber weder die
+griechische noch die syrische Kirche. Während Abulfaradsch,
+der Syrer, welcher die Geschichte dieses Feldzugs als Augenzeuge
+beschrieben, als Abgesandter der Christen an Hulagu
+im Sternschloss aufgehalten ward, drangen die Tataren in
+die Stadt ein und metzelten die Christen nieder, die sich
+in die griechische Kirche geflüchtet, bis auf wenige, welche
+der armenische Priester Toros rettete<a name="FNanchor_355" id="FNanchor_355"></a><a href="#Footnote_355" class="fnanchor">[355]</a>. Das Blutbad war
+gross und grösser, als zu Bagdad<a name="FNanchor_356" id="FNanchor_356"></a><a href="#Footnote_356" class="fnanchor">[356]</a>; die Zahl der in den
+verschonten Gebäuden Geretteten belief sich auf fünfzigtausend<a name="FNanchor_357" id="FNanchor_357"></a><a href="#Footnote_357" class="fnanchor">[357]</a>;
+das Schloss ward mit Wurfmaschinen beschossen.
+Die Emire Kurchan, Adschu Sukurdschi und Ssadik Gurdschi
+wurden verwundet. Hulagu beschenkte sie und sagte: Wie
+die rothe Farbe die Schminke der Weiber, so ist die Schminke
+der Männer das Blut<a name="FNanchor_358" id="FNanchor_358"></a><a href="#Footnote_358" class="fnanchor">[358]</a>. In dem Schlosse wurden Mehrere,
+als des Einverständnisses mit den Mongolen verdächtig, getödtet;
+über zwei Monate<a name="FNanchor_359" id="FNanchor_359"></a><a href="#Footnote_359" class="fnanchor">[359]</a> hatte die Belagerung gedauert,
+als der Besatzung freier Abzug gestattet ward. <span class="xidenote">11. Rebiulachir 659/<br />6. April 1261</span> Die Emire
+der ägyptischen Mamluken, welche sich unter der Besatzung
+befanden, wurden der Sorge eines Kipdschaken empfohlen,
+welcher vormals bei Nassir, dem Herrn Haleb's, Schutz
+gesucht, von demselben gütig aufgenommen, jedoch, weil
+es ihm in Syrien nicht gefiel, wieder zu den Mongolen übergegangen
+war. Ausrufer verkündeten, dass es den Moslimen
+erlaubt sei, in ihre Wohnungen zurückzukehren, und dass
+ihnen Niemand Etwas in den Weg legen solle. Hulagu
+<span class='pagenum'><a name="Page_185" id="Page_185">[185]</a></span>
+ernannte zum Vogte Fachreddin, den Mundschenken, und
+Tokal Bachschi, liess den ersten in der Folge, als sich die
+Einwohner über seine Erpressungen beklagten, hinrichten,
+und gab die Stelle dem Seineddin Hafis<a name="FNanchor_360" id="FNanchor_360"></a><a href="#Footnote_360" class="fnanchor">[360]</a>. Nun kam Melikol-Eschref
+Musa, der Herr von Himss, welchem Nassir, wie
+vordem gesagt worden, die väterliche Stadt weggenommen
+und ihm dafür Telbaschir gegeben hatte, und der mit Nassir
+und dessen Bruder bei Annäherung der Mongolen aus Haleb
+nach Aegypten geflohen, um sich dem Eroberer huldigend
+zu Füssen zu werfen. Hulagu empfing ihn gnädig und setzte
+ihn in das ihm entrissene Fürstenthum von Himss wieder
+ein; auch erschien Mohijeddin, der Sohn Seki's, der Richter
+von Damaskus, um ihm die Huldigung der Stadt darzubringen;
+Hulagu empfing ihn ehrenvoll und sandte ihn nach
+Damaskus mit goldenen Ehrenkleidern für die Gesetzgelehrten
+zurück. Er theilte dieselben dort in öffentlicher
+Versammlung aus und las das Jerligh vor, welches ihm die
+Stelle als Richter von Damaskus verlieh<a name="FNanchor_361" id="FNanchor_361"></a><a href="#Footnote_361" class="fnanchor">[361]</a>. Nachdem Haleb's
+Einrichtung getroffen war, wandte sich Hulagu gegen Harun,
+welches unter dem Namen <i>Harim</i> aus der Geschichte der
+Kreuzzüge bisher besser als seine Lage bekannt, durch
+mehrere Schlachten berühmt; von den Christen eingenommen,
+von Nureddin belagert und erstürmt, fiel es wieder in der
+Kreuzfahrer Hände, denen es Ssalaheddin entriss<a name="FNanchor_362" id="FNanchor_362"></a><a href="#Footnote_362" class="fnanchor">[362]</a>. Es
+liegt zwischen Haleb und Antiochien, zwei Tagreisen von
+jenem und eine von diesem entfernt, und ist besonders
+seiner herrlichen Granatäpfel willen berühmt, welche die
+saftigsten Syriens<a name="FNanchor_363" id="FNanchor_363"></a><a href="#Footnote_363" class="fnanchor">[363]</a>. Die Besatzung erklärte, sie wolle sich
+an Niemanden als an Fachreddin, den Naib (Stellvertreter
+des Richters) von Haleb, ergeben, welcher, herbeigerufen,
+ihre Uebergabe im Namen Hulagu's empfing; diesen aber
+wurmte der ihm hierdurch zugefügte Schimpf so sehr, dass
+<span class='pagenum'><a name="Page_186" id="Page_186">[186]</a></span>
+er trotz des zugesicherten Lebens alle Einwohner mit Weib
+und Kind erwürgen liess. Den Sultan von Himss, Melikol
+Eschref, sandte er nach Hama, dessen Emire, nachdem ihr
+Sultan Melik Manssur sich nach Damaskus geflüchtet hatte,
+dem Hulagu die Schlüssel der Stadt überbracht und um einen
+mongolischen Vogt gebeten. Er sandte ihnen den Wesir
+Chosrewschah, der seinen Stamm vom Schwerte des Islams
+von Chalid, dem Sohne Welid's, dem berühmten Feldherrn
+der beiden ersten Chalifen, dem Eroberer Syriens, herleitete<a name="FNanchor_364" id="FNanchor_364"></a><a href="#Footnote_364" class="fnanchor">[364]</a>.
+Melik Eschref erhielt von Hulagu den Auftrag,
+die Mauern Hama's und die seiner eigenen Stadt Himss zu
+zerstören. Melikol Eschref verfuhr schonungslos zu Hama,
+wo er die Mauern des Schlosses schleifte, das Arsenal verbrannte,
+die schöne Bibliothek versteigerte und auch die
+Mauern der Stadt gebrochen haben würde, wenn nicht ein
+Franke dem mongolischen Zerstörer, dem Perser Chosrewschah,
+vorgestellt, dass die Nachbarschaft der Christen zu
+<i>Hossnol Ekrad</i> es nicht rathsam mache, die Stadt ihres
+Walles zu entmanteln. Nicht so genau vollzog Melikol
+Eschref die Befehle Hulagu's in seiner eigenen Stadt Himss,
+wo er nur Weniges zum Scheine abbrach, sein übriges Erbe
+verschonend<a name="FNanchor_365" id="FNanchor_365"></a><a href="#Footnote_365" class="fnanchor">[365]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Miafarakain.</div>
+
+<p>Ehe wir die Erzählung des syrischen Feldzugs weiter
+verfolgen, wenden wir uns nach Mesopotamien zurück, wo
+Hulagu auf seinem Durchzuge seinen Sohn Jaschmut mit
+einer Heeresabtheilung belagernd vor der Stadt Miafarakain
+gelassen, welche nordöstlich von Diarbekr gelegen. <i>Miafarakain</i>,
+das südlich demselben gelegene <i>Hossnkeif</i> und das noch
+südlichere, am Berge <i>Dschudi</i> oder <i>Masius</i> gelegene <i>Mardin</i>,
+das alte <i>Merde</i>, drei der festesten Horte des arabischen
+Irak und Gränzfestungen des byzantinischen und persischen
+Reichs, wollen ihrer Wichtigkeit wegen vom Leser dieser
+Geschichte näher gekannt sein. Das erste, auf armenisch
+<i>Nefrgerd</i>, auf griechisch die <i>Stadt der Martyrer</i> geheissen,
+ist vielleicht das alte <i>Carcatiocerta</i>, welche die Hauptstadt
+<span class='pagenum'><a name="Page_187" id="Page_187">[187]</a></span>
+<i>Sophiene's</i>, wie Miafarakain die Hauptstadt des Landes Bekr's
+war<a name="FNanchor_366" id="FNanchor_366"></a><a href="#Footnote_366" class="fnanchor">[366]</a>; sie liegt am dritten Gränzflusse des byzantinischen
+und persischen Reichs, am Nymphius, der heute der Goldfluss
+heisst<a name="FNanchor_367" id="FNanchor_367"></a><a href="#Footnote_367" class="fnanchor">[367]</a> und nördlich der Stadt aus einer Quelle entspringt,
+welche die Quelle <i>Bekr's</i> heisst<a name="FNanchor_368" id="FNanchor_368"></a><a href="#Footnote_368" class="fnanchor">[368]</a>. Die orientalischen
+Geographen nennen nur ein einziges Denkmal der
+Stadt, aber dieses einzige macht viele andere zum Ruhme
+der Stadt überflüssig und leuchtet hell hervor aus dem
+Dunkel unbekannter Martyrer, von denen die Stadt den
+armenischen und griechischen Namen hat; es ist das Grabmal
+<i>Seifeddewlet's</i>, d. i. des Reichsschwerts, des grossen Fürsten
+der Beni Hamdan, dessen zahlreiche glückliche und unglückliche
+Kämpfe gegen das byzantinische Reich, dessen Kriegsthaten
+in Asien von Haleb bis an die Ufer des Bosporos die
+Geschichte erzählt und Motenebbi in unsterblichem Gedichte
+verherrlicht hat. Hier ist das eigentliche Land Bekr's, von
+welchem die spätere Hauptstadt desselben, Amid oder Diarbekr,
+den heutigen Namen trägt. Ursprünglich der Sitz
+des Stammes <i>Bekr Ben Wail</i>, dann der Könige von <i>Kinde</i>,
+aus welchen <i>Amrolkai's</i>, einer der sieben grössten Dichter
+vor Mohammed, um des von den Beni Esed erschlagenen
+Vaters Tod zu rächen, Bundesgenosse des griechischen
+Kaisers, zuletzt von seinen Feinden im Bade mittels vergifteten
+Kleides getödtet. Nach der Eroberung unter dem
+Chalifate Omar's herrschten hier die Dynastien der <i>Beni
+Merwan</i> und <i>Beni Ortok</i>, und als Hulagu's Heer vor Miafarakain
+belagernd erschien, war dasselbe seit siebzig Jahren in
+den Händen eines Zweiges der Beni Ejub, deren vierter
+Herrscher, Melikol Kjamil, durch die Hinrichtung des Gesandten
+und durch die Verweigerung der Unterwerfung unter
+die Macht des Kaan's und Ilchan's gesichert. Als Prinz
+Jaschmut mit den beiden ihm untergebenen Feldherren,
+<span class='pagenum'><a name="Page_188" id="Page_188">[188]</a></span>
+<i>Ilkai Nujan</i> und <i>Suntai</i>, zur Uebergabe aufforderte, antwortete
+er: der Prinz möge nicht kaltes Eisen schmieden
+und Unmögliches nicht erwarten. Ist er nicht der Sohn des
+Vaters, der dem Chorschah (dem Fürsten der Assassinen),
+dem Chalifen von Bagdad, dem Hosameddin Aka (dem Befehlshaber
+von Deriteng) und dessen Sohne Tadscheddin
+(dem Befehlshaber von Irbil) das gegebene Wort gebrochen<a name="FNanchor_369" id="FNanchor_369"></a><a href="#Footnote_369" class="fnanchor">[369]</a>
+und sie trotz des gewährten sicheren Geleites getödtet hat?
+Da mich gleiches Loos erwarten würde, wie sie, will ich
+mich bis auf den letzten Odemzug vertheidigen. Er öffnete
+seine Schätze und Magazine der Besatzung und sagte ihnen:
+Theilt euch darein, denn ich bin nicht, Gott sei Dank! der
+Chalife Moteaassim, dessen Geiz die Ursache von Bagdads
+Ruin. Wurfmaschinen wurden wider Wurfmaschinen aufgepflanzt
+und zwar mit so grosser Genauigkeit der Richtung
+der einen gegen die andere, dass die geschleuderten Felsenstücke
+mehrmals in der Luft zusammenstiessen und, durch
+den Zusammenstoss zerschmettert, als Kies und Sand herunterregneten.
+Endlich gelang es den Belagerten, die
+Wurfmaschinen der Belagerer mittels geschleuderten Naphtafeuers
+zu verbrennen.</p>
+
+<div class="sidenote">Eroberung
+von Miafarakain
+und
+Hossnkeif.</div>
+
+<p>Hulagu, von dem Widerstande Miafarakain's unterrichtet,
+sandte den Oroktu mit dem Befehle, dass der Prinz und das
+Heer so lange weile, bis die Stadt durch Hunger zur Uebergabe
+gezwungen seyn würde. Dieser Zeitpunkt trat ein; einen
+ganzen Monat lang schon ass die Besatzung nichts als Hunde,
+Katzen, Mäuse und Ratten, zuletzt Leichname der Erschlagenen.
+Da schrieben die wenigen, noch vom Tode Verschonten
+an Jaschmut: &bdquo;Die Lebensmittel sind ausgegangen
+und die Stadt ist ihrer Vertheidiger entblösst; wenn jetzt
+die Reiter kommen, werden sie keinen Widerstand finden.&ldquo;
+Der Prinz sandte den Oroktu, und dieser fand nur siebzig
+halb verhungerte, halb durch Wunden verstümmelte Männer,
+<span class='pagenum'><a name="Page_189" id="Page_189">[189]</a></span>
+die sich nicht mehr vertheidigen konnten; nur zwei Reiter,
+die während der ganzen Belagerung in wiederholten Ausfällen
+Wunder der Tapferkeit gethan, kämpften auch nun
+mit vorgehaltenen Schilden gegen der Feinde Uebermacht,
+bis sie derselben erlagen. Melik Kjamil wurde mit seinem
+Bruder an Hulagu gesandt, der damals zu Tellbaschir (das
+Turbeysel der Kreuzfahrer in der Nähe von Haleb); Hulagu
+überhäufte ihn mit Vorwürfen über seinen Undank und seine
+Treulosigkeit, dass er den Gesandten des Kaan's, der ihm
+Diplom und Löwenkopf gesandt, getödtet. Er befahl, ihm
+Riemen Fleisches aus dem Leib zu schneiden und in den
+Mund zu stecken; der abgeschnittene Kopf wurde als Trophäe
+in den syrischen Städten zu Haleb, Hama und Damaskus
+unter Musik herumgetragen und in der letzten Stadt an
+einem Fenster des Stadtthores, welches das Thor des Paradieses
+heisst, aufgehängt<a name="FNanchor_370" id="FNanchor_370"></a><a href="#Footnote_370" class="fnanchor">[370]</a>, erst nach Abzug der Mongolen
+in dem Grabmale Husein's beigesetzt. <span class="xidenote">7. Dschem. ewwel 658/<br />21. April 1260</span> Der Scheich Schihabeddin,
+als Dichter unter dem Namen <i>Abu Schama</i>, d. i.
+Vater des Muttermaals, berühmt, beweinte dessen Tod in
+einer berühmten Kassidet, woraus die Verse:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Der Sohn des Kämpen kämpfte wider die Barbaren,<br /></span>
+<span class="i0">Die in Irak aus rauhen Kehlen schnarren;<br /></span>
+<span class="i0">Hellstrahlend und erhaben in Gefahren,<br /></span>
+<span class="i0">Starb er den Martyrtod erst nach zwei Jahren.<br /></span>
+<span class="i0">Entehrt ward nicht sein Haupt durch die Fanfaren,<br /></span>
+<span class="i0">Womit auch das <i>Husein's</i> ward gefahren;<br /></span>
+<span class="i0">Es ruht bei ihm nach Abzug der Tataren;<br /></span>
+<span class="i0">Im Leben und im Tode gleich Verfahren.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Gleiches Schicksal mit dem Fürsten von Miafarakain hatte
+sein Vetter Mowwahid, der Sohn Turanschah's, des letzten
+Sultans der Beni Ejub in Aegypten, der Herr des festen
+Schlosses von <i>Hossnkeif</i>, welches zur selben Zeit wie Miafarakain
+fiel und dessen Fürst ebenfalls von den Mongolen
+getödtet ward. <i>Hossnkeif</i> oder <i>Hissnkeifa</i>, von den Byzantinern
+<span class='pagenum'><a name="Page_190" id="Page_190">[190]</a></span>
+das Schloss des <i>Kiphas</i> genannt<a name="FNanchor_371" id="FNanchor_371"></a><a href="#Footnote_371" class="fnanchor">[371]</a>, liegt auf dem
+westlichen Ufer des Tigris, auf dem Wege von Miafarakain
+nach Mossul<a name="FNanchor_372" id="FNanchor_372"></a><a href="#Footnote_372" class="fnanchor">[372]</a>. Die Stadt hängt mit dem auf einem hohen
+Berge gelegenen Schlosse mittels einer Brücke zusammen;
+bevor dasselbe der ejubidische Emir Merd Mahmare befestigte,
+hiess es bei den Arabern <i>Rasol Ghul</i>, d. i. das
+Dämonenhaupt, weil es, wie im Sternbild des Perseus das
+Haupt der Gorgone, welches der Araber ebenfalls <i>Dämonenhaupt</i>
+nennt, fürchterlich und hoch vom Himmel herunterdroht.
+Nach der arabischen Legende soll der Name Hossn
+oder Hissn Keifa ursprünglich <i>Hasan Keifa</i> gelautet haben,
+und zwar aus folgendem Anlasse: Ein Wackerer, Namens
+Hasan, im Schlosse gefangen gehalten, erbat sich beim
+Emire eines Tages die Erlaubniss, eine seiner Stuten auf
+dem Schlosshofe zu tummeln; die Erlaubniss wurde gewährt;
+Hasan tummelte und tummelte das Pferd und setzte damit
+zuletzt in toddrohendem Sprunge über die Mauer, mit dem
+Pferd hinunterstürzend in den Tigris, den er glücklich
+durchschwamm. Da erscholl der Zuruf der Bewunderung
+solcher Tollkühnheit: <i>Hasan Keifa!</i> d. i. Hasan Wohlauf!
+und der Name blieb dem Schloss. Vielleicht ist es dasselbe
+mit dem alten persischen <i>Schlosse der Vergessenheit</i>, worin
+Prinzen und andere Staatsgefangene zu ewiger Vergessenheit
+eingekerkert worden, und dessen die byzantinischen Geschichtschreiber
+mehrmals erwähnen<a name="FNanchor_373" id="FNanchor_373"></a><a href="#Footnote_373" class="fnanchor">[373]</a>; da aber jenes auf
+persisch <i>Gilgerd</i><a name="FNanchor_374" id="FNanchor_374"></a><a href="#Footnote_374" class="fnanchor">[374]</a> genannt wird, so ist es weit wahrscheinlicher,
+dass dasselbe eins mit einem der festesten Schlösser
+der Assassinen, mit <i>Girdkjuh</i>, dem <i>Tigado</i> Hethum's<a name="FNanchor_375" id="FNanchor_375"></a><a href="#Footnote_375" class="fnanchor">[375]</a>, das
+länger als alle anderen aushielt<a name="FNanchor_376" id="FNanchor_376"></a><a href="#Footnote_376" class="fnanchor">[376]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Mardin's
+Belagerung.</div>
+
+<p>Nach Miafarakain's und Hossnkeif's Eroberung befehligte
+Hulagu seinen Sohn Jaschmut und die ihm beigegebenen
+Emire wider Mardin, die Residenz Melik Said's, des
+Fürsten der Familie Ortok, von denen die ältere Linie zu
+<span class='pagenum'><a name="Page_191" id="Page_191">[191]</a></span>
+Amid und auch zu Hossnkeif geherrscht, ehe das letzte in
+den Besitz der Ejubiden kam. Mardin ist das alte Marde,
+der Sitz des kriegerischen, störrigen Stammes der Marden,
+welche der persische König <i>Arsaces</i> theils hierher, theils
+nach dem Libanon verpflanzte, deren Wohnsitze sich später
+bis nach Satalia an der cilicischen Küste ausdehnten<a name="FNanchor_377" id="FNanchor_377"></a><a href="#Footnote_377" class="fnanchor">[377]</a> und
+deren Nachkommen, im Peloponnesos angesiedelt, noch heute
+in dem tapfersten Stamme der Schipetar oder Albanesen in
+den Mirdaiten fortleben. Der Berg <i>Masius</i>, sogenannt von
+seinen Eichenwäldern [auf persisch Masu<a name="FNanchor_378" id="FNanchor_378"></a><a href="#Footnote_378" class="fnanchor">[378]</a>], ehemals <i>Izale</i>,
+dann von den Arabern Dschudi genannt, ist eine Raubhöhle
+der verschiedenartigsten Stämme und Secten, welche zu
+verschiedenen Zeiten die Freiheit ihres verfolgten Cultus
+in die Eichenwälder und Schluchten dieses Berges gerettet,
+an dessen steilstem Ende nach der moslimischen Ueberlieferung
+die Arche Noah's sitzen geblieben und von wo aus
+er mit seinen Söhnen in die Ebene Mesopotamiens heruntergestiegen
+sein soll. Sunni und Schii, katholische und schismatische
+Armenier, Jacobiten, Nestorianer, Chaldäer und
+Juden, Sonne-, Feuer-, Kalbs- und Teufelsverehrer wohnen
+hier einander über den Köpfen; denn die Stadt steigt in
+Terrassen auf und die Häuser stehen alle eines ober dem
+anderen, so dass Dächer und Thore in einer senkrechten
+Linie sich übereinander erheben; die zahlreichste Bevölkerung
+Kurden, Jesidi, welche dem Teufel göttliche Ehre
+erweisen, wahrscheinlich Nachkommen der Marden, welche
+vermuthlich zur altpersischen Secte gehörten, die das böse
+Princip anbetete. Wenn irgendwo in Asien noch Spuren
+der Ungarn anzutreffen sein sollen, so dürften dieselben
+ausser Sibirien noch in den Eichenwäldern des Masius in
+dem Volksgemische der Umgegend zu suchen sein, denn
+hierherum kennt Theophylaktus das Schloss der <i>Magyaren</i>
+und den Pass der <i>Sabiren</i>, welche die Namen der Ungarn,
+die bei dem Auszuge aus dem Lande zwischen der Wolga
+<span class='pagenum'><a name="Page_192" id="Page_192">[192]</a></span>
+und dem Dniepr sich südlich nach Persien wandten<a name="FNanchor_379" id="FNanchor_379"></a><a href="#Footnote_379" class="fnanchor">[379]</a>. Melik
+Said, Fürst der Familie Ortok, beantwortete mit gleichem
+Muthe und in gleichem Sinne, wie die Herren von Miafarakain
+und Hossnkeif, die Aufforderung Jaschmut's: &bdquo;Ich
+hatte den Sinn, mich euch zu unterwerfen, aber die Art,
+wie ihr die, so sich euch ergaben, behandelt, hat meinen
+Sinn geändert; an lobenswerthen, an tapferen Kurden und
+Türken fehlt es mir, Gott sei Dank! nicht.&ldquo; Oroktu pflanzte
+also die Wurfmaschinen auf, welche acht Monate fruchtlos
+die steile Bergfeste beschossen. Die Mongolen rächten sich
+für den tapferen Widerstand des Schlosses durch die Plünderung
+der Stadt und der nächstgelegenen Städte Ersen
+und Dinsar. Der ältere der beiden Söhne Said's, Mosafereddin,
+hatte zu wiederholtenmalen dem Vater fruchtlose
+Vorstellungen wider die längere Vertheidigung gemacht;
+endlich räumte er dessen längeren Widerstand durch Gift
+aus dem Wege und begab sich in's Lager, sich selbst als
+Vatermörder aus Menschenliebe angebend, weil er überzeugt,
+dass das Schloss doch endlich der Uebermacht der
+Eroberer weichen müsse, durch den Tod des Einen das
+Leben von Tausend habe bewirken wollen. Der Vatermörder
+fand Gnade vor Hulagu, der ihm des Vaters Herrschaft
+verlieh; seine Nachkommen erhielten dieselbe als zahme
+Vasallen der Ilchane. Hundert dreissig Jahre nach dieser
+Unterwerfung trotzte Sultan Isa, der letzte des grossen
+Herrschergeschlechtes der Beni Ortok, noch den welterobernden
+Waffen Timur's, der von den fruchtlos Belagerten
+die gewöhnliche Neunzahl der Geschenke und das Versprechen
+jährlichen Tributs annahm<a name="FNanchor_380" id="FNanchor_380"></a><a href="#Footnote_380" class="fnanchor">[380]</a>. Die Dynastie der
+Beni Ortok erlosch fast gleichzeitig mit der der Beni Ejub
+zu Hossnkeif, wo nach Mowwahid's Hinrichtung dessen Nachkommen
+das Schloss ebenfalls als Vasallen der Mongolen
+besassen, bis der achte derselben der aufsteigenden Dynastie
+<span class='pagenum'><a name="Page_193" id="Page_193">[193]</a></span>
+der Bajandere, d. i. des weissen Hammels, erlag, deren
+Gründer <i>Kara Juluk</i>, d. i. der schwarze Blutegel, von
+Timur mit der Herrschaft von Amid und Mardin belehnt
+ward<a name="FNanchor_381" id="FNanchor_381"></a><a href="#Footnote_381" class="fnanchor">[381]</a>. Zwei der Zweige der Beni Ejub wurden also als
+Vasallen der Mongolen zu <i>Hossnkeif</i> und <i>Himss</i> geduldet,
+während die Dynastien der beiden anderen von <i>Miafarakain</i>
+und <i>Haleb</i> mit ihren Hauptstädten zu Grunde gingen. Ehe
+wir das Ende des mächtigsten dieser Fürsten, nämlich Nassir's
+von Haleb, als Folge der Niederlage von <i>Aindschalut</i>
+erzählen, erwähnen wir noch einmal des Fürsten von Mossul.</p>
+
+<div class="sidenote">Ssalih's,
+des Sohnes
+Bedreddin
+Lulu's,
+Empfang
+und Ende.</div>
+
+<p>Bedreddin Lulu, der sechs und neunzigjährige<a name="FNanchor_382" id="FNanchor_382"></a><a href="#Footnote_382" class="fnanchor">[382]</a> Greis,
+der vierzigjährige Herrscher von Mossul, welchen Hulagu
+in Anbetracht seines hohen Alters der Pflicht, im letzten
+Feldzuge persönlich zu erscheinen, enthoben und seiner
+statt seinem ältesten Sohn Ssalih der Belagerung Miafarakain's
+beizuwohnen, aufgetragen hatte, war während derselben
+gestorben. Bedreddin Lulu, d. i. Vollmond-Perle,
+erst Sklave des sechzehnten Atabegen von Mossul, dann
+Obersthofmeister von dessen beiden Söhnen Mesud und
+Mahmud, eignete sich, nachdem sie bald auf einander gestorben,
+den Thron selbst an und mass seine Macht mit
+der der Fürsten aus dem Hause Ejub; zuerst mit Ssalih
+Nedschmeddin, dem Sohne Kjamil's, dem Herrn von Sindschar,
+das er zweimal belagerte; das erstemal war er durch das
+dem Sultan zu Hilfe eilende Heer Chuaresmschah's die Belagerung
+aufzuheben gezwungen; das zweitemal aber entriss
+er die Stadt dem Enkel Melikol aadil's, <i>Dschewad</i>; hierauf
+die festen Städte <i>Nissibin</i> und <i>Dara</i> den Händen der Chuaresmier,
+den Sohn Melik Ssalih's, den nachmaligen letzten
+Herrscher der Beni Ejub in Aegypten, aus der Gefangenschaft
+der Chuaresmier befreiend. <span class="xidenote">637/<br />1239</span> Zehn Jahre hernach
+wurden ihm diese Städte von dem wider ihn gesandten
+Heere Nassir's von Haleb wieder abgenommen<a name="FNanchor_383" id="FNanchor_383"></a><a href="#Footnote_383" class="fnanchor">[383]</a>. Seiner
+Unterwürfigkeit und Huldigung gegen Hulagu ist schon oben
+<span class='pagenum'><a name="Page_194" id="Page_194">[194]</a></span>
+Erwähnung geschehen. Nach seinem Tode wurden seine
+drei Söhne, Ssalih, Mosaffer Ali und Melik Modschahid,
+von Bondokdar, dem Sultane Aegyptens, mit den Fürstenthümern
+von <i>Mossul</i>, <i>Sindschar</i> und <i>Dschesiret Ben Omar</i>
+belehnt. Ssalih wurde in's Lager gefordert und die Tochter
+Dschelaleddin Chuaresmschah's, welche ihm Hulagu früher
+vermählt, wurde zur Huldigung nach Syrien gefordert; dort
+nahm sich seiner Rokneddin Beidak an; aber Hulagu sandte
+den Senedarghun Nujan mit einem Tomane mongolischen
+Heeres, um Mossul zu besetzen und die Schätze auszuliefern.
+Als Ssalih in seine Stadt zurückeilte, fand er alle Wege
+von Mongolen besetzt; er verweilte zu <i>Dschewsak</i>, wo ihn
+die mongolische Schlachttrompete aus weichlichem Wohlleben
+aufschreckte; da eilte er nach Mossul und rüstete die
+Stadt zur Verteidigung wider die Mongolen, die Einwohner
+mit der Hoffnung tröstend, dass sein Beschützer, <i>Beidak</i>
+der Syrer<a name="FNanchor_384" id="FNanchor_384"></a><a href="#Footnote_384" class="fnanchor">[384]</a>, bald zum Entsatze erscheinen werde. Von
+beiden Seiten flogen Felsenstücke und feuerbeschwingte
+Pfeile; mehrere wackere Mongolen, welche bereits die
+Mauern erstiegen hatten, wurden getödtet und ihre Köpfe
+in's mongolische Lager gepfeilt. Melik Ssalih, von einem
+Pfeile verwundet, eilte in's Lager zu Hulagu, um ihm von
+dieser halsstarrigen Empörung Ssalih's Kunde zu geben.
+Beidak, von der üblen Lage seines Schützlings unterrichtet,
+sandte ihm Truppen zu Hilfe, die von Sindschar aus durch
+Taubenpost von ihrer nächsten Ankunft Wort sandten. Die
+Taube ward von einem Mongolen geschossen, der Brief dem
+<i>Senedarghun Nujan</i> gebracht. Er legte sich in Hinterhalt,
+schlug die von Beidak zu Hilfe gesandten syrischen Truppen
+und steckte die Mongolen in ihre erbeuteten Kleider; unter
+dieser Verlarvung erschienen sie vor den Mauern Mossul's,
+dessen Einwohner, sie für den syrischen Entsatz haltend,
+ihnen entgegen gingen, aber alle niedergemacht wurden;
+dennoch hielt sich die Stadt noch sechs Monate, bis die
+<span class='pagenum'><a name="Page_195" id="Page_195">[195]</a></span>
+Sonne in ihrer höchsten Hitze, im Löwen, und die Hungersnoth
+in der Stadt aufs Höchste gestiegen. Da verliessen
+die Vertheidiger Mossul's, durch Hunger gezwungen,
+die Stadt und wurden vom Schwerte der Mongolen gefressen.
+Ssalih unterhandelte nun die Uebergabe um Schonung des
+Lebens und sicheres Geleite an Hulagu. Senedarghun<a name="FNanchor_385" id="FNanchor_385"></a><a href="#Footnote_385" class="fnanchor">[385]</a>
+verhiess und gewährte beides, aber nur der Person Ssalih's,
+denn die Besatzung wurde bis auf Wenige zusammengehauen.
+Neun Tage dauerte das Morden, die Stadt ward entvölkert,
+nur nach Abzug der Mongolen kamen etwa Tausend, die
+sich in's Gebirg gerettet hatten, wieder in die Stadt zurück. <span class="xidenote">5. Schaaban 660/<br />27. Januar 1262</span>
+Hulagu war über Ssalih's Empörung so ergrimmt, dass er
+an demselben ein Beispiel mehr als gewöhnlicher, ekelhafter,
+unmenschlicher Grausamkeit aufstellte; er wurde,
+das Gesicht auf die Schaam gebunden, in einen Filz gewickelt
+und in die Sonne geworfen; so musste er elend
+verschmachten; sein dreijähriger Sohn wurde nach Mossul
+gesendet, am Ufer des Tigris entzweigehauen und die zwei
+Hälften auf den beiden Seiten des Flusses aufgehangen, bis
+sie verfault, abfielen. Solche echt mongolische Grausamkeit
+schändet den Ruhm Hulagu's, welchem sein Volk den Ehrennamen
+<i>Ssain Adschu</i>, d. i. der Schwierigkeitenlöser, beilegte,
+welcher mit seinen Söhnen für das <i>Hemd</i><a name="FNanchor_386" id="FNanchor_386"></a><a href="#Footnote_386" class="fnanchor">[386]</a> des
+mongolischen Reichs galt, während alle anderen Prinzen
+nur als Oberkleider<a name="FNanchor_387" id="FNanchor_387"></a><a href="#Footnote_387" class="fnanchor">[387]</a> angesehen wurden.</p>
+
+<div class="sidenote">Hulagu's
+Aufbruch
+von Haleb,
+Keitbuka zu
+Damaskus.</div>
+
+<p>Hulagu befand sich nach der Eroberung von Damaskus,
+mit den Plänen weiterer ägyptischer Eroberung beschäftigt,
+zu Haleb, als er die Nachricht von dem Tode seines Bruders,
+des grossen Kaan's Mengku, erhielt. Er brach sogleich
+auf, wie es scheint in der Absicht, die oberste Herrschaft
+des Reichs im Kurultai zu Karakorum für sich selbst
+anzusprechen, erfuhr aber schon zu Tebris, dass sein Bruder
+Kubilai zum <i>Kaan</i> und <i>Moilchan</i> ausgerufen worden, und
+kehrte in der Folge wieder nach Haleb zurück. Ehe er
+<span class='pagenum'><a name="Page_196" id="Page_196">[196]</a></span>
+Haleb verlassen, befahl er die Schleifung der Mauern und
+des Schlosses von Haleb, was vollzogen ward; den Oberbefehl
+über das Heer liess er in den Händen Keitbuka's,
+des bisherigen Befehlshabers des Vortrabs. Dieser war im
+zauberischen Thale von <i>Ghuta</i> gelagert, welches durch die
+üppige Fülle seines Grüns und Baumwuchses eines der vier
+Paradiese des Ostens (die drei anderen sind die Auen von
+<i>Obolla</i> an der Mündung des Euphrats, das Zauberthal
+<i>Schaab Bewwan</i> in Fars und die Ebene von <i>Soghd</i> im Lande
+jenseits des Oxus). Wiewohl diese vier vorzugsweise die
+Paradiese des Ostens heissen, so zählen doch genauere Geographen
+und eifrige Moslimen deren acht, indem nach der
+Lehre des Koran's die Zahl der Höllen sieben, die der
+Paradiese aber acht, indem Gottes Grimm minder als seine
+Huld und jenseits wie diesseits verdiente Strafe von unverdienter
+Gnade überwogen wird. Diese vier anderen Paradiese
+sind das Thal von <i>Tebris</i><a name="FNanchor_388" id="FNanchor_388"></a><a href="#Footnote_388" class="fnanchor">[388]</a>, das von <i>Mamschanrud
+zu Hamadan</i>, der Sommeraufenthalt der Bewohner Malatia's
+zu <i>Sebusi</i><a name="FNanchor_389" id="FNanchor_389"></a><a href="#Footnote_389" class="fnanchor">[389]</a>, dem vom Flusse des Messias bewässerten Thale,
+und endlich das des <i>Bosporos</i>, dessen Schönheiten nach dem
+bekannten Distichon des türkischen Dichters <i>Melhemi</i> die
+Schönheiten der vier ersten Paradiese weichen müssen<a name="FNanchor_390" id="FNanchor_390"></a><a href="#Footnote_390" class="fnanchor">[390]</a>.
+Im schönen Thale von Ghuta gelagert, empfing Keitbuka
+Gesandte der Franken, welche ihm den Prinzen <i>Sahir</i>, den
+Bruder Jusuf Nassir's, des ehemaligen Sultans von Haleb,
+zuführten. Keitbuka bestätigte ihn im Besitze seines Leibgedinges,
+nämlich der Herrschaft von <i>Ssarchad</i><a name="FNanchor_391" id="FNanchor_391"></a><a href="#Footnote_391" class="fnanchor">[391]</a>; eine
+Heeresabtheilung wurde unter Kuschluchan's Befehl gegen
+Nablus (Neapolis) gesandt, das alte, zwischen den Bergen
+<i>Garazin</i> und <i>Tobal</i>, welche die Kibla der Samaritaner, gelegene
+<i>Sichem</i><a name="FNanchor_392" id="FNanchor_392"></a><a href="#Footnote_392" class="fnanchor">[392]</a>, und die Besatzung, welche ausfiel, zusammengehauen.
+<span class='pagenum'><a name="Page_197" id="Page_197">[197]</a></span>
+Die Mongolen kehrten das grosse syrische
+Gestade bis hinunter nach Ghasa sengend und brennend aus.
+<i>Panias</i><a name="FNanchor_393" id="FNanchor_393"></a><a href="#Footnote_393" class="fnanchor">[393]</a>, die anderthalb Tagreise nordöstlich von Damaskus
+gelegene kleine Stadt, wurde verheert. Während dieser
+Begebenheiten ward Keitbuka Herr von Nassir's, des flüchtigen
+Sultan's von Haleb, Person. Nur von seinem Bruder
+Sahir, dem Melik Ssalih Nureddin, dem Sohne des Herrn
+von Himss, und drei kaimarischen (richtiger kimerischen)
+Emiren (gebornen Chuaresmiern) begleitet, war er bis nach
+Kathije an Aegyptens Gränze gekommen, von wo, sich nicht
+weiter in's Land wagend, er nach Schaubek und, alles seines
+Gepäckes und Gefolges verlustig, sich nach <i>Kerek</i> und von
+da nach <i>Belka</i> begab. Durch zwei kurdische Hellebardiere
+an Keitbuka verrathen, wurde er am See von Sisa ergriffen
+und vor Keitbuka geführt, der belagernd vor <i>Adschalun's</i>
+Mauern stand. Keitbuka zwang ihn, den Belagerten den
+Befehl der Uebergabe zuzurufen; die Stadt ergab sich und
+die Mauern derselben, welche Iseddin, einer der Emire
+Ssalaheddin's, erbaut<a name="FNanchor_394" id="FNanchor_394"></a><a href="#Footnote_394" class="fnanchor">[394]</a>, wurden geschleift. Keitbuka sandte
+den Sultan Nassir mit seinem Bruder <i>Sahir</i>, mit <i>Ssalih</i>,
+dem Sohne des Sultans von Himss, und mit <i>Asis</i>, dem minderjährigen
+Sohne von Moghis, dem Sultan von Kerek, nach
+Tebris in die Gegenwart Hulagu's. Dieser empfing die vier
+Prinzen des Hauses Ejub gnädig und versprach dem Sultan
+von Haleb, ihm sein väterliches Erbe zurückzustellen, sobald
+Aegypten im Besitze des mongolischen Heeres.</p>
+
+<div class="sidenote">Keitbuka's
+Stellung
+gegen die
+Kreuzfahrer
+in
+Aegypten.</div>
+
+<p>Wiewohl Keitbuka wie Hulagu die Christen als die
+Feinde seiner Feinde, der Moslimen, begünstigte, so ergrimmte
+er doch wider die Franken von Sidon und Beaufort,
+welche einige den Mongolen zinsbare, im Gebiete von
+Beaufort gelegene saracenische Ortschaften geplündert, mehrere
+der Bewohner getödtet, andere in Gefangenschaft geschleppt,
+einen Neffen Keitbuka's, welcher an sie gesendet
+worden, um die gemachte Beute zurückzubegehren, erschlagen
+<span class='pagenum'><a name="Page_198" id="Page_198">[198]</a></span>
+hatten und dem Keitbuka Zurückstellung der Beute und
+Genugthuung verweigerten. Keitbuka züchtigte sie dafür
+durch die Eroberung von Sidon und die Schleifung eines
+Theiles der Stadtmauer. Die Einwohner flüchteten in die
+nächst der Stadt auf einer Insel gelegene Burg. Durch diese
+Feindseligkeit wurde das bisherige Zutrauen der syrischen
+Christen und Mongolen für immer zerstört<a name="FNanchor_395" id="FNanchor_395"></a><a href="#Footnote_395" class="fnanchor">[395]</a>. Die politische
+Zuneigung Hulagu's für die Christen ward hauptsächlich
+durch die Frauen, durch die Frau Tokus, die erste Gemahlin
+und grosse Frau Hulagu's, seine Begleiterin auf diesem
+Feldzuge, und durch Hethum, den König Kleinarmeniens,
+bestärkt. Diesem dankte sein Eidam, der Prinz von Antiochien,
+einzig seine Rettung, indem sonst nach Haleb's
+Ruin der Antiochien's wohl unvermeidlich gewesen wäre.
+Hulagu sandte ihm aber Geschenke und Diplom, wodurch
+der Fürst von Antiochien wieder in den Besitz aller, zu
+seinem Fürstenthume gehörigen, ihm von den Saracenen
+entrissenen Ortschaften eingesetzt ward<a name="FNanchor_396" id="FNanchor_396"></a><a href="#Footnote_396" class="fnanchor">[396]</a>. Der grössere
+Theil des mongolischen Heeres war theils in Mesopotamien,
+mit der Belagerung oder Huth der dortigen Städte beschäftigt,
+theils in Syrien zu Grunde gegangen, theils dem Hulagu bei
+seinem Aufbruche von Haleb gefolgt; Keitbuka blieb mit
+nicht mehr als zehntausend Mongolen zur Eroberung Aegyptens
+oder doch wenigstens zur Huth Syriens wider Aegypten
+zurück<a name="FNanchor_397" id="FNanchor_397"></a><a href="#Footnote_397" class="fnanchor">[397]</a>. Keitbuka war zu Damaskus auf die Vertheidigung
+und den Schutz Syriens bedacht, als er die Nachricht von
+dem Anmarsche des Sultans von Aegypten, <i>Mois Seifeddin
+Kotos</i>, erhielt, in dessen Gefolge sich <i>Melik el Manssur</i>,
+der Sultan von Hama, mit seinem Enkel <i>Efdhal</i>, dem Vater
+Abulfeda's, des grossen Geographen, Geschichtschreibers,
+und andere moslimische Fürsten befanden, welche sich bei
+der Annäherung der Mongolen nach Aegypten geflüchtet und
+bei dem Sultane der Mamluken vom Nile den Schutz gesucht,
+den ihnen ihre Uneinigkeit wider die Mongolen nicht
+<span class='pagenum'><a name="Page_199" id="Page_199">[199]</a></span>
+gewährte. <i>Kotos</i>, der erst seit einem halben Jahre auf dem
+Throne sass, war der dritte der Sultane Mamluken, welche
+denselben seit dem, der Gefangenschaft des heiligen Ludwig
+gleichzeitigen, Ruine des Hauses Ejub gefüllt; denn nachdem
+Melikolmoaasem Turanschah in dem Aufruhre der Mamluken
+zwischen Gluth und Fluth, halb versengt und halb
+ertränkt<a name="FNanchor_398" id="FNanchor_398"></a><a href="#Footnote_398" class="fnanchor">[398]</a>, endlich von den Pfeilen der Rebellen ereilt,
+geendet hatte, war die Herrschaft Aegyptens erst in den
+Händen der Frau <i>Schedschreteddurr</i>, d. i. Perlenbaum, der
+Gemahlin Ssalih's, des vorletzten Sultans der Beni Ejub, und
+ihres Gemahls, des Turkmanen <i>Iseddin Aibek Dschaschnegir</i>,
+d. i. Glaubensehre, Mondfürst, Truchsess, den sie aber
+selbst durch ihre Sklavinnen im Bade ersticken liess, als sie
+vernommen, dass er die Tochter Bedreddin Lulu's von Mossul
+zur Gemahlin nehmen wolle. Seine Mamluken setzten dessen
+fünfzehnjährigen Sohn auf den Thron und rächten des Vaters
+Mord durch den der Frau Perlenbaum, deren Leichnam
+aus der rothen Burg<a name="FNanchor_399" id="FNanchor_399"></a><a href="#Footnote_399" class="fnanchor">[399]</a>, in der sie unumschränkt befahl,
+hervorgezogen, nackt in den Graben geworfen ward. An
+der Spitze der Bluträcher stand der Emir Atabeg, Oberbefehlshaber
+des Heeres Seifeddin Kotos, welcher unter
+dem scheinbaren Grunde, dass der Mongolen drohende Gefahr
+statt des unerfahrenen Jünglings einen kräftigen Mann
+zum Herrscher Aegyptens dringend fordere, den Sohn
+Aibek's schon nach dritthalb Jahren des Thrones, worauf er
+ihn gesetzt, entsetzte und diesen selbst als Sultan Aegyptens
+einnahm.</p>
+
+<div class="sidenote">Begebenheiten
+zu
+Damaskus;
+Mord der
+mongolischen
+Botschafter zu
+Kairo.</div>
+
+<p>Am dritten Sonntage des Monats Ssafer waren die Abgeordneten
+Hulagu's, vom Richter <i>Muhijeddin Ben Seki</i>
+begleitet, angekommen, welcher sich nach Haleb begeben
+hatte und dort von Hulagu zum Oberrichter ganz Syriens
+ernannt worden war. <span class="xidenote">19. Ssafer 658</span> Am folgenden Morgen versammelten
+sich die Bewohner ohne Furcht in der grossen Moschee;
+<i>Ibn Seki</i>, mit dem Ehrenkleide Hulagu's angethan, las den
+<span class='pagenum'><a name="Page_200" id="Page_200">[200]</a></span>
+versammelten Rechtsgelehrten das Diplom der Investitur
+(<i>Taklid</i>) des mongolischen Herrschers und die Fermane,
+wodurch den Bewohnern von Damaskus Sicherheit ihres
+Lebens und Gutes versprochen ward. <span class="xidenote">16. Reb. ewwel 658/<br />3. März 1260</span> In der Hälfte des
+folgenden Monates waren die Generale Hulagu's an der Spitze
+einer zahlreichen Truppenabtheilung von Tataren im Geleite
+<i>Keitbugha Nujan's</i> erschienen und bald darauf wurde durch
+ein Diplom der Richter <i>Kemaleddin Omer</i> von Tiflis zum
+Stellvertreter der richterlichen Gewalt (<i>Naibol-hukm</i>) ernannt,
+so dass er als Richter der Richter in den Städten
+Syriens zu Mossul, Mardin und Miafarakain Recht sprach.
+Dasselbe Diplom verlieh ihm die Aufsicht der Moscheen und
+der frommen Stiftungen. Die Tataren hatten indessen ganz
+Syrien überschwemmt; sie waren bis <i>Ghasa</i>, <i>Beit</i>, <i>Dschibrail</i>,
+<i>Hebron</i> und <i>Ssalt</i> vorgedrungen, hatten überall geplündert
+und Sklaven gemacht und verkauften die Beute auf den
+Märkten von Damaskus<a name="FNanchor_400" id="FNanchor_400"></a><a href="#Footnote_400" class="fnanchor">[400]</a>. Die Christen von Damaskus, welche
+einen besonderen Schutzbefehl Hulagu's zu Gunsten freier
+Religionsübung erhalten hatten, übernahmen sich in der
+ihnen zugestandenen Freiheit gegen die Moslimen, indem
+sie im Ramasan öffentlich auf den Gassen Wein tranken und
+denselben vor den Moscheen ausschütteten; sie zogen mit
+dem Kreuze durch die Strassen und zwangen die Kaufleute,
+demselben aufzustehen, die sich dessen Weigernden misshandelnd;
+Prozessionen zogen mit dem Kreuze nach der
+Kirche der heiligen Jungfrau, von deren Kanzel der Triumph
+des Christenthums über den Islam verkündet ward. Die
+gekränkten und misshandelten Moslimen beschwerten sich
+darüber beim mongolischen Statthalter, von dem sie, statt
+Ausrichtung zu erhalten, mit Schlägen abgefertigt wurden;
+er überhäufte die christlichen Priester mit Ehren, besuchte
+ihre Kirchen und begünstigte offenbar das Christenthum.
+Eine merkwürdige Epoche für die Geschichte christlicher
+Kirchen in Syrien während der mongolischen Herrschaft
+<span class='pagenum'><a name="Page_201" id="Page_201">[201]</a></span>
+unter der Statthalterschaft Keitbugha's; aber diese dauerte
+nicht lange, denn <i>Melik Eschref</i>, der ejubidische Fürst von
+Himss, erschien mit einem Diplome Hulagu's, welches ihn
+zum Statthalter über ganz Syrien bestellte. Indessen hatte
+der Emir <i>Bedreddin Mohammed Ben Kermdsche</i>, der Festungsbefehlshaber
+der Citadelle von Damaskus, und der
+Emir <i>Dschelaleddin Ben Seirafi</i> den Entschluss gefasst, die
+Thore der Citadelle zu schliessen und sich darin wider die
+Mongolen zu vertheidigen. <i>Keitbugha</i> begann die Belagerung
+des Schlosses. <span class="xidenote">6. Rebiulachir 658/<br />10. März 1260</span> Dieselbe dauerte fünf und vierzig Tage
+mitten unter fürchterlichen Ungewittern, die mit Erdbeben
+begleitet waren; mehr als zwanzig Wurfmaschinen schleuderten
+Felsenstücke wider die Mauern, um sie zu erschüttern,
+während eine Menge anderer Häuser durch das Erdbeben
+einstürzten, und mit den Blitzen kreuzten sich die
+Flammengeschosse des Naphta. <span class="xidenote">22. Dschem. ewwel/<br />7. Mai 1260</span> Nachdem die Belagerten
+endlich zu kapituliren begehrt, plünderten die Tataren das
+Schloss, zündeten dasselbe an mehreren Ecken an, schleiften
+mehrere Thürme und zerstörten alle Kriegsmaschinen; von
+hier zogen sie nach <i>Baalbek</i>, wo die Citadelle ebenfalls zerstört
+ward; eine andere Heeresabtheilung verheerte <i>Bamias</i>
+und die Umgegend. Hulagu, nachdem er von Haleb abgezogen,
+liess dort den Keitbugha und zu Damaskus den <i>Baidera</i>
+als Statthalter zurück und führte sieben Emire der Mamluken
+<i>Bahri</i>, d. i. derer vom Nile, mit sich. Bald darauf
+erschienen Botschafter Hulagu's mit einem Schreiben<a name="FNanchor_401" id="FNanchor_401"></a><a href="#Footnote_401" class="fnanchor">[401]</a> an
+<i>Kotos</i> voll Drohungen, dessen Inhalt in den folgenden Schlussworten
+desselben zusammengedrängt ist: &bdquo;Sag' dem Lande
+Aegypten, Hulagu kommt, begleitet von entblössten Degen
+und schneidenden Schwertern; er wird die Mächtigen demüthigen,
+die Grossen zurechtweisen und die Kinder nachsenden
+den Greisen.&ldquo; Im gehaltenen Kriegsrathe der Emire
+wurde beschlossen, die Botschafter Hulagu's, es waren deren
+vier an der Zahl, zu vernichten; vor der Hand wurden sie
+aber nur in den Kerker geworfen<a href="#Footnote_401" class="fnanchor">[401]</a>. <span class="xidenote">15. Schaaban 658/<br />Juli 1260</span> Hälfte Schaaban's zog
+<span class='pagenum'><a name="Page_202" id="Page_202">[202]</a></span>
+Sultan Kotos, von seinen Truppen begleitet, aus dem Schlosse
+Kairo's gegen Ssalihije aus. Unmittelbar vor seinem Auszuge
+wurden die vier mongolischen Botschafter an vier der volkreichsten
+Plätzen der Stadt, nämlich am Fusse des Schlosses,
+ausser dem Thore <i>Soweila</i><a name="FNanchor_402" id="FNanchor_402"></a><a href="#Footnote_402" class="fnanchor">[402]</a>, dem Thore <i>Nassr</i> und zu
+<i>Ridhania</i> entzweigehauen, ihre Köpfe an dem Thore <i>Soweila</i>
+aufgehangen; vier bedeutungsvolle Stätten, mehr als einmal
+in der späteren mamlukischen und osmanischen Geschichte
+und bis in unsere Tage herunter durch die Schlachten von
+Heeren und das Schlachten von Menschenopfern blutig befleckt;
+durch das Thor <i>Nassr's</i>, d. i. des Sieges, zogen die
+jeweiligen Eroberer Kairo's triumphirend ein, am Fusse
+des Bergschlosses rann das Blut der letzten, von Mohammed
+Ali veranstalteten Mamlukenvesper; in der Schlacht von
+<i>Ridhania</i> zwischen Sultan <i>Selim</i>, dem Eroberer Aegyptens,
+und Sultan Tumanbai, dem letzten Sultan der Mamluken,
+wurde das tragische Schicksal des letzten entschieden, und
+am Thore <i>Soweila</i>, wo jetzt die Köpfe der vier entzweigehauenen
+mongolischen Botschafter hingen, baumelte dritthalbhundert
+Jahre später der Kopf <i>Tumanbai's</i>, des letzten
+Sultan's der Mamluken Tscherkessen. Im Gefolge der mongolischen
+Gesandten befand sich ein Kind, welches der
+Sultan begnadigte und unter die Zahl seiner Mamluken aufnahm.
+Wassaf erzählt diese Botschaft und das Sendschreiben
+derselben auf eine im Wesentlichen zwar übereinstimmende,
+in den Nebenumständen aber abweichende Weise. Nach
+ihm waren nicht vier Botschafter, sondern nur Einer, von
+vierzig Dienern begleitet, und die Botschaft lautete: &bdquo;Gott
+hat dem Hause Tschengischan's die Weltherrschaft zuerkannt;
+der sich Uns unterwirft, hat sich und seiner Familie
+Leben und Gut gerettet. Der Ruf Unseres unzählbaren
+Heeres geht demselben wie die Heldensage <i>Rustem's</i> und
+Isfendiar's voraus; sende unterwürfige Botschaft und komme
+<span class='pagenum'><a name="Page_203" id="Page_203">[203]</a></span>
+selbst, um einen Vogt in Aegypten zu bitten; wenn nicht,
+so sei gerüstet zum Kriege.&ldquo; Sultan Kotos berief bei Ankunft
+der mongolischen Botschaft seine sechs chuaresmischen
+Emire<a name="FNanchor_403" id="FNanchor_403"></a><a href="#Footnote_403" class="fnanchor">[403]</a>, welche nach der Zerstörung der chuaresmischen
+Länder sich von Achlath nach Aegypten geflüchtet und hier
+besonders zur Erhebung Sultans Kotos auf den Thron beigetragen
+hatten. &bdquo;Hulagu&ldquo;, sagte er ihnen, &bdquo;wäre schon
+in Aegypten eingefallen, wenn ihn nicht die Nachricht von
+des Bruders Tod aus Syrien abgerufen hätte; er hat aber
+den Keitbuka an der Gränze zurückgelassen, der das Land
+wie ein grimmiger Löwe und wüthiger Drache zu verheeren
+droht und dem Niemand zu widerstehen im Stande; was
+denket ihr hierüber!&ldquo; Der sechste Emir, <i>Nassireddin
+Kimeri</i><a name="FNanchor_404" id="FNanchor_404"></a><a href="#Footnote_404" class="fnanchor">[404]</a>, von welchem die kimrischen oder cimerischen
+Mamluken ihren Namen haben, sprach: &bdquo;Es wäre keine
+Schande für uns, dem Hulagu, als dem Sohne Tului's, dem
+Enkel Tschengischan's, entgegen zu gehen; welcher Vernünftige
+wird sich aber selbst vergiften und muthwillig dem
+Tode entgegen gehen? Die Beweise seiner Treulosigkeit
+liegen in dem Schicksale der Herren von Alamut, Deriteng,
+Irbil, Miafarakain und des Chalifen offen.&ldquo; Kotos sprach
+im selben Sinne und endete so: &bdquo;Mir bleibt nur eines von
+dreien zu wählen übrig: Freundschaft, Feindschaft oder
+Auswanderung.&ldquo; Alle stimmten für den Krieg. Kotos berieth
+sich noch insbesondere mit <i>Bondokdar</i>, dem Emirol
+umera, dem ersten der ägyptischen Mamluken, welcher sich
+schon seit zehn Jahren dadurch, dass er der erste den
+Todesstreich wider Melik Moaasem, den letzten Herrscher
+Aegyptens aus dem Hause Ejub, führte, Namen und Ansehen
+erworben und seitdem als Fürst der Fürsten behauptet hatte.
+<i>Bondokdar</i>, d. i. der Bogenhalter, der Kipdschake, dessen
+ursprünglich türkischer Name <i>Beibars</i>, d. i. Beg Panther,
+und der später als Sultan Aegyptens der Schrecken der
+<span class='pagenum'><a name="Page_204" id="Page_204">[204]</a></span>
+Franken in Syrien wie der Mongolen, rieth zum Morde
+des Gesandten; noch in derselben Nacht blutete der Gesandte
+und seine vierzig Begleiter bis auf einen als Martyrer
+mamlukischen diplomatischen Verkehrs; ihre Köpfe wurden
+am Thore <i>Soweila</i> aufgesteckt, und am Morgen brach Kotos
+mit zwölftausend Reitern gegen Syrien auf.</p>
+
+<div class="sidenote">Schlacht von Aindschalut.<br />
+25. Ramasan 658/<br />3. Sept. 1260</div>
+
+<p>Zu <i>Ssalihije</i>, dem Vereinigungspunkte des ägyptischen
+Heeres, fand <i>Kotos</i> Widerwillen bei seinen Emiren, wider
+den Feind zu ziehen; mit den Worten: &bdquo;Ich werde allein
+wider die Tataren ziehen&ldquo;, schloss er den Kriegsrath, indem
+er bei einbrechender Nacht die Trommeln zum Aufbruche
+zu rühren befahl. Der Emir <i>Beibars Bondokdari</i> (der nachmalige
+Sultan der Mamluken) erhielt den Befehl, mit einer
+Truppenabtheilung vorauszueilen, um Erkundigung vom
+Feinde einzuziehen. Alsbald er vor den Mauern Ghasa's
+erschienen, wurde die Stadt geräumt. <i>Kotos</i> folgte ihm auf
+dem Fusse nach; aus <i>Aka</i> kamen ihm die Franken mit Anerbietung
+von Hilfe und Begleitung entgegen. Er lehnte den
+Antrag ab und forderte nur das Versprechen der strengsten
+Neutralität, deren Verletzung er zu züchtigen drohte<a name="FNanchor_405" id="FNanchor_405"></a><a href="#Footnote_405" class="fnanchor">[405]</a>.
+Zu <i>Aindschalut</i>, d. i. am Quelle Goliath's, zwischen <i>Beisan</i>
+und <i>Nablus</i>, kam es zur entscheidenden Schlacht. <i>Keitbugha</i>
+und <i>Baidera</i>, die beiden Feldherren, Statthalter Hulagu's
+zu Damaskus und Haleb, hatten alle in Syrien befindlichen
+tatarischen Streitkräfte versammelt. Am ersten Freitag des
+Septembers brauste alsbald nach Sonnenaufgang das ganze
+weite Thal vom Pferdegewieher und Waffengetöse; das Geschrei
+der Dorfbewohner tönte in den unaufhörlich fortrollenden
+Trommelwirbel der Capelle des Sultans und der
+Heermusik seiner Emire<a name="FNanchor_406" id="FNanchor_406"></a><a href="#Footnote_406" class="fnanchor">[406]</a>. Die Aegypter gebrauchten die
+Kriegslist, sich dem mongolischen Heere in weissen Burken,
+d. i. mongolischen Pelzen, zu nahen, so dass sie von den
+Mongolen für Schaaren Ihriger gehalten wurden<a name="FNanchor_407" id="FNanchor_407"></a><a href="#Footnote_407" class="fnanchor">[407]</a>. Einer
+der Flügel des ägyptischen Heeres war bereits in Unordnung
+<span class='pagenum'><a name="Page_205" id="Page_205">[205]</a></span>
+und gebrochen; Sultan <i>Kotos</i> warf seinen Helm zur
+Erde und schrie aus allen Kräften: &bdquo;o Islam!&ldquo; Er stürzte
+sich mit allen, die um ihn waren, auf den Feind und kämpfte
+mit äusserster Unerschrockenheit. Die Mongolen flüchteten
+in's Geröhricht des sumpfigen Thales; Kotos befahl, das
+Geröhricht anzuzünden, und sie gingen zwischen Feuer und
+Schwert elend zu Grunde. Der Emir <i>Beibars</i> that Wunder
+der Tapferkeit vor den Augen des Sultans. Als dieser
+mitten im Gemenge der Schlacht, spannte der mongolische
+Knabe, welchem Kotos aus Mitleiden mit seiner Jugend beim
+Gesandtenmorde das Leben gerettet hatte, seinen Bogen von
+rückwärts auf den Sultan, um durch dessen Tod das vergossene
+Blut der Brüder zu rächen; nach Einigen wurde er
+auf der Stelle von den ihn Umgebenden, welche seines Vorhabens
+gewahr, zusammengehauen, noch ehe der Pfeil abgeflogen;
+nach Anderen, erst nachdem er denselben abgeschossen
+und damit das Pferd des Sultans verwundet hatte,
+welches denselben abwarf. Die Mongolen wurden von den
+Tataren bis in die Nähe von <i>Beisan</i> verfolgt, wo sie sich
+umwandten und noch einmal Stand machten zum hartnäckigsten
+Gefechte. Die Moslimen wankten, da schrie Sultan
+Kotos dreimal mit lauter Stimme: &bdquo;o Islam! o Gott, schütze
+deinen Diener Kotos und verleihe mir Sieg über die Tataren!&ldquo;
+Als diese zum zweitenmale besiegt, stieg der Sultan
+vom Pferde, warf seine Stirne in Staub und verrichtete ein
+Dankgebet von zwei Verbeugungen. Nach Makrisi ward
+<i>Keitbugha</i> in der Schlacht getödtet, nach Wassaf gefangen
+vor Kotos geführt. &bdquo;Sei nicht stolz&ldquo;, sagte der mongolische
+Feldherr dem Sultan der Mamluken, &bdquo;auf deinen Sieg, dem
+die Rache auf dem Fusse folgen wird. Von Aserbeidschan
+nach Aegypten wird die Erde vom Hufe mongolischer Pferde
+gestampft, welche den Sand Aegyptens in Säcken davon
+tragen werden. Hulagu hat dreimalhunderttausend tapfere
+Reiter, von denen ich nur Einer.&ldquo; &ndash; &bdquo;Prahle nicht&ldquo;, sagte
+Kotos, &bdquo;mit eueren Heeren, die nur durch Treulosigkeit
+siegen.&ldquo; &ndash; &bdquo;Ich bin&ldquo;, entgegnete Keitbugha, &bdquo;meinem Herrn
+nur treu gewesen, nicht, wie du, ein Verräther am selben;
+<span class='pagenum'><a name="Page_206" id="Page_206">[206]</a></span>
+mach' es kurz mit mir!&ldquo; Er wurde enthauptet. Das ganze
+mongolische Heer fiel in die Hände der Sieger, die nun
+ganz Syrien verheerend durchstreiften. Die Vögte wurden
+getödtet, die Weiber und Kinder in Gefangenschaft geschleppt,
+der Kopf Keitbugha's nach Kairo gesandt und auf dem Thore
+<i>Soweila</i> aufgesteckt. Hulagu ward von der Kunde der verlorenen
+Schlacht und des getödteten Feldherrn tief betrübt;
+es war die erste Niederlage, welche seine Heere erlitten
+hatten; er brach noch am selben Tage mit seinem Lager
+auf. <i>Melik Nassir Jusuf</i>, der Sohn von <i>Melik Asis</i>, der
+ehemalige Fürst von Damaskus, war kurz vorher zu Hulagu
+gekommen, von ihm mit Ehren überhäuft, seiner innersten
+Gesellschaft beigezogen und neben ihm auf einen Thron
+gesetzt worden; mit einem Diplome zum Fürsten Syriens
+und Aegyptens eingesetzt, mit Ehrenkleidern und Geschenken
+überhäuft, hatte er die Strasse Syriens eingeschlagen; aber
+nachdem die Nachricht der Niederlage von <i>Aindschalut</i> eingetroffen,
+liess ihn Hulagu einholen und im Gebirge von
+Selmas hinrichten; <span class="xidenote">12. Schewwal/<br />22. Sept.</span> dasselbe Schicksal theilte Melik Sahir
+Ghasi, Bruder Nassir's, Melik Ssalik, Sohn Schirkjuh's, und
+andere Prinzen des Hauses Ejub; Tokus Chatun, die Gemahlin
+Hulagu's, hatte für <i>Melik Asis</i>, den Sohn Nassir's,
+fürgebeten, und er wurde, der Einzige aus den bei Hulagu
+befindlichen Prinzen des Hauses Ejub, gerettet, wie diess
+sogleich unter den Folgen, welche die Schlacht von <i>Aindschalut</i>
+für die Christen und das Haus Ejub's hatte, umständlicher
+erzählt werden soll. Sie erhielten den verdienten
+Lohn dafür, dass sie, statt mit anderen Fürsten, ihren
+Stamm- und Glaubensgenossen, sich wider den hereinbrechenden
+Feind des Islams zu verbünden, demselben gehuldigt
+hatten; eine oft wiederholte und dennoch nur selten fruchtende
+blutige Lehre der Geschichte.</p>
+
+<div class="sidenote">Folgen der
+Schlacht von
+Aindschalut
+für die
+Christen und
+das Haus
+Ejub's.</div>
+
+<p>Schrecklich waren die Folgen der mongolischen Niederlage,
+sowohl für die syrischen Christen, als für das Haus
+Ejub's. Während der Gegenwart der Mongolen zu Damaskus
+hatten die Christen die ihnen gewährte grössere Freiheit
+ihres Cultus gegen die Moslimen missbraucht; von allen
+<span class='pagenum'><a name="Page_207" id="Page_207">[207]</a></span>
+Kirchen übertönte das Glockengeläute den Ruf der Muesine,
+und sie trieben den Uebermuth so weit, dass sie Wein in
+die grosse Moschee trugen. Schon am vierten Tage nach
+der Niederlage der Mongolen überfielen die Moslimen die
+grosse, der heiligen Jungfrau geweihte Kirche zu Damaskus
+und schleiften dieselbe. <span class="xidenote">27. Ramasan/<br />7. September</span> Dies war die Kirche, welche der
+Chalife Omar II. Ben Asis den Christen eingeräumt hatte,
+um sie für den Verlust der Kirche des heiligen Joannes zu
+entschädigen, welche ihnen laut der unter Omar I. (Ben
+Chattab) abgeschlossenen Kapitulation der Stadt für immer
+hätte zu eigen bleiben sollen, ihnen aber von Welid, dem
+Sohne Abdolmelik's, weggenommen und in die grosse Moschee,
+das Meisterstück saracenischer Baukunst, verwandelt
+worden war. Kotos hatte bei seinem Auszuge die beiden
+Fürsten des Hauses Ejub, den von Himss, Sultan Eschref,
+und Said, einen Enkel Melikolaadil's von seinem Sohne
+Asis<a name="FNanchor_408" id="FNanchor_408"></a><a href="#Footnote_408" class="fnanchor">[408]</a>, welcher von Hulagu mit dem Besitze von <i>Sobeibe</i>
+und <i>Banias</i> belehnt worden war, zur Hilfe wider die Mongolen
+auffordern lassen. Der Herr von Himss empfing den
+Gesandten des Sultans unterwürfig und trug ihm auf, in
+seinem Namen die Erde vor den Füssen des Sultans zu
+küssen, in dem er den Retter des Islams verehre. Said
+hingegen entliess den Gesandten mit Schimpfreden auf Sultan
+Kotos<a name="FNanchor_409" id="FNanchor_409"></a><a href="#Footnote_409" class="fnanchor">[409]</a>; er focht in den Reihen der Mongolen. Nach der
+Niederlage derselben nahte er sich huldigend dem Pferde
+des Sultans, um demselben die Hand zu küssen. Kotos,
+statt ihm die Hand zum Kusse zu gewähren, stiess ihm die
+Ferse in's Maul, dass das Blut herausschoss; er liess ihn
+dann enthaupten. Eben so tragisch war das Schicksal Melik
+Nassir's, des letzten Sultans von Haleb, der mit seinem
+Bruder sich in seiner alten Residenz befand, wo Hulagu
+die Nachricht von der Niederlage Keitbuka's<a name="FNanchor_410" id="FNanchor_410"></a><a href="#Footnote_410" class="fnanchor">[410]</a> erhalten
+<span class='pagenum'><a name="Page_208" id="Page_208">[208]</a></span>
+hatte. <span class="xidenote">20. Silkide 658/<br />29. Oct. 1260</span> Hulagu überhäufte den vorigen Herrscher Haleb's mit
+Vorwürfen, dass die syrischen Truppen, für deren Unterwürfigkeit
+Nassir gut gestanden, sich auf die Seite der
+Aegypter gewendet. Nassir antwortete, dass, wenn es ihm
+erlaubt gewesen wäre, in Syrien zu weilen, kein syrischer
+Soldat es gewagt haben würde, wider einen Mongolen das
+Schwert zu ziehen; wie könne aber Syrien von Tebris aus
+beherrscht werden? &ndash; Hulagu, statt hierdurch besänftigt
+zu werden, nur noch mehr ergrimmt, schoss einen Pfeil
+nach ihm, der ihn verwundete. Schone meiner! rief ihm
+der unglückliche Nassir zu; aber sein Bruder Sahir ermahnte
+ihn, nicht auf unwürdige Art zu sterben; und er erlag dem
+zweiten, von Hulagu auf ihn geschossenen Pfeile<a name="FNanchor_411" id="FNanchor_411"></a><a href="#Footnote_411" class="fnanchor">[411]</a>. Die
+anderen Prinzen und das Gefolge derselben, in Allem dreihundert
+Reiter, wurden von dreihundert mongolischen Reitern
+getödtet, bis auf Einen, den Astronomen Mohijeddin El
+Mahghribi<a name="FNanchor_412" id="FNanchor_412"></a><a href="#Footnote_412" class="fnanchor">[412]</a>, welchem das Ansehen, worin die Astronomie bei
+den Mongolen stand, das Leben rettete, und aus dessen
+Munde der syrische Geschichtschreiber die Umstände dieses
+Gemetzels erzählt<a name="FNanchor_413" id="FNanchor_413"></a><a href="#Footnote_413" class="fnanchor">[413]</a>. Mit Melik Nassir und seinem Bruder
+Sahir fiel hier unter dem mongolischen Schwerte Melik
+Ssalih, der Sohn Melikol Eschref's, des Herrn von Himss,
+welcher die von seinem Vater dem Gesandten des Sultans
+gegebene unterwürfige Antwort jetzt mit dem Leben büsste<a name="FNanchor_414" id="FNanchor_414"></a><a href="#Footnote_414" class="fnanchor">[414]</a>.
+Nur das Leben Melikolasis, des unmündigen Sohnes Melikonnassir
+Jusuf's, wurde verschont. Sein Vater, Nassir Jusuf
+Ssalaheddin, gleichnamig mit seinem grossen Urgrossvater,
+hatte nicht nur über ganz Syrien, sondern auch über einen
+grossen Theil Mesopotamiens, über Haran, Roha, Rakka,
+Reis Ain, später über Damaskus und bis an Aegyptens
+Gränze geherrscht, wo er schon zum Sultan ausgerufen,
+als solcher wieder den Thron dem Hause Ssalaheddin's erworben
+hätte, wenn ihn nicht in der Schlacht zu <i>Abbasa</i><a name="FNanchor_415" id="FNanchor_415"></a><a href="#Footnote_415" class="fnanchor">[415]</a>
+<span class='pagenum'><a name="Page_209" id="Page_209">[209]</a></span>
+der erste Sultan der Mamluken, der Turkmane Aibek, und
+die von seinem Vater, Asis, ererbten Mamluken verlassen
+hätten. <span class="xidenote">10. Silkide 649/<br />24. Jan. 1252</span> Er liebte den Aufwand, besonders den der Küche,
+in welcher täglich vierhundert Hämmel geschlachtet wurden;
+übrigens viel zu nachsichtig für Diebe und Räuber, die unter
+seiner Regierung durch ganz Syrien grassirten. Zu Damaskus
+hatte er die nach ihm genannte Moschee, zu Ssalihije sein
+Grabmal erbaut, in welches aber nicht er, sondern der
+mongolische Emir Kormun begraben werden sollte<a name="FNanchor_416" id="FNanchor_416"></a><a href="#Footnote_416" class="fnanchor">[416]</a>; der
+Dichtkunst nicht fremd, Verfasser mehrerer türkischer Gedichte,
+aus denen Abulfeda das folgende erhalten:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Bei Gott! wenn du mein Herz in Gram versenktest<br /></span>
+<span class="i0">Und statt der Thränen mich mit Blut nur tränktest,<br /></span>
+<span class="i0">So würdest du nur mehren meine Liebe,<br /></span>
+<span class="i0">Und meinem Geist nicht and're Freundin bliebe.<br /></span>
+</div></div>
+
+<div class="sidenote">Einrichtungen
+Syriens;
+Schlacht bei
+Himss.</div>
+
+<p>Sultan Kotos ordnete nach dem Siege von <i>Aindschalut</i>
+die Verwaltung des nun von der Herrschaft der Mongolen
+der der Mamluken anheim gefallenen Syriens. Dem Ejubiden
+Melik Manssur wurde das väterliche Erbe von <i>Hama</i> zurückgestellt,
+nachdem der mongolische Vogt Chosrewschah daraus
+abgezogen; auch erhielt er <i>Barin</i> und <i>Mearret</i>, welche Melik
+Nassir, der Sultan von Haleb, schon vor fünf und zwanzig
+Jahren vom Fürstenthume Hama abgerissen; nur mit <i>Selimije</i>
+wurde ein arabischer Emir belehnt. Dann zog Kotos, vom
+Fürsten Hama's begleitet, nach Damaskus, wo er im Triumphe
+als der Hort des Islams empfangen ward. Viele Tataren wurden
+hingerichtet, darunter Husein der Kurde, der Beilträger<a name="FNanchor_417" id="FNanchor_417"></a><a href="#Footnote_417" class="fnanchor">[417]</a>
+Melik Nassir's; dreissig Christen wurden gehenkt und der
+christlichen Bevölkerung von Damaskus eine Steuer von
+hundert fünfzigtausend Dirhem auferlegt. Manssur, der Fürst
+Hama's, wurde von hier nach Hause entlassen, und von den
+Dichtern seiner Stadt als Sieger über die Tataren und Wiedereroberer
+Maarra's bewillkommt<a name="FNanchor_418" id="FNanchor_418"></a><a href="#Footnote_418" class="fnanchor">[418]</a>. Kotos setzte über die
+<span class='pagenum'><a name="Page_210" id="Page_210">[210]</a></span>
+südliche Küste Syriens als Statthalter den Emir Schemseddin
+von Berlas<a name="FNanchor_419" id="FNanchor_419"></a><a href="#Footnote_419" class="fnanchor">[419]</a>, einer der asisischen Mamluken, welcher in
+der Schlacht Nassirolmelik's von Haleb wider Aibek, den
+Mamluken, zu diesem verrätherisch übergegangen, für ihn
+die Herrschaft Aegyptens entschieden, dann aber, wider ihn
+Ränke schmiedend, wieder nach Syrien entflohen war, von
+ihm in <i>Adschlun</i> festgesetzt worden; dann, als Melikonnassir
+bei Annäherung der Mongolen gegen Aegypten flüchtete,
+wieder freigelassen, folgte er seinem natürlichen Herrn
+eine Zeit lang, verliess ihn aber zum zweitenmale und ging
+zu Kotos über, der ihn nun dafür mit der Statthalterschaft
+von Ghasa belehnte; die von Damaskus übertrug er dem
+Emir Alemeddin<a name="FNanchor_420" id="FNanchor_420"></a><a href="#Footnote_420" class="fnanchor">[420]</a> Senschar von Haleb, dem vorigen Atabeg
+des Sohnes Aibek's, des ersten Sultans der Mamluken, und
+die von Haleb, welche der Emirol umera Bondokdar für
+sich gewünscht hatte, dem Melikes-Said, dem Sohne Bedreddin
+Lulu's, dem Bruder Ssalih's, dessen schmähliches Ende
+bereits oben erzählt worden. Er selbst brach von Syrien
+nach Aegypten auf. <span class="xidenote">26. Schewwal 658/<br />5. October</span> Bondokdar, der Fürst der Fürsten, welchem
+er die Statthalterschaft Haleb's versagt hatte, verschwor
+sich wider den Sultan, und dieser wurde schon am zwanzigsten
+Tage nach seinem Aufbruche aus Syrien zu Kossair,
+eine Tagreise von Ssalihije, auf der Jagd von den Verschworenen
+ermordet. <span class="xidenote">17. Silkide/<br />25. October</span> Die Emire Kairo's waren dem als
+Sieger über die Tataren im Triumphe zurückkehrenden
+Sultan zum Bewillkomm bis nach Ssalihije entgegen gegangen,
+wo sie den Mord desselben vernahmen; der Emir Ogotai,
+welchen Kotos bei seiner Abreise als seinen Stellvertreter
+an der Spitze der Verwaltung Aegyptens zurückgelassen,
+fragte, als es sich um die Wahl des Sultans handelte, wer
+den Kotos getödtet, weil es der Türken Brauch, dass der
+Tödter die Stelle des Getödteten einnehme. Sie zeigten
+auf <i>Beibars Bondokdar</i>. So besteige du den Thron, sagte
+Ogotai, indem er ihn bei der Hand nahm und auf den Thron
+setzte. Ich setze mich darauf, antwortete Beibars, im Namen
+<span class='pagenum'><a name="Page_211" id="Page_211">[211]</a></span>
+Gottes; leistet den Eid! An dir ist's, sagte Ogotai, der
+erste zu schwören, dass du die Emire als deines Gleichen
+gütig behandeln, dass du ihnen Befehlshaberschaften verleihen,
+ihre Grade vermehren wirst<a name="FNanchor_421" id="FNanchor_421"></a><a href="#Footnote_421" class="fnanchor">[421]</a>. Beibars nahm den
+Titel <i>Melikol kahir</i>, d. i. des rächenden Königs, an, den er
+aber später mit dem von <i>Melikol-dahir</i>, d. i. des Offenbaren,
+vertauschte, und zog zu Kairo unter den Triumphfesten ein,
+welche für seinen Vorfahrer bereitet worden waren. In
+Syrien begann unterdessen Aalemeddin, der Statthalter von
+Damaskus, die geschleiften Mauern wieder aufzubauen, und
+erklärte sich bald hernach selbst zum Sultan, die Macht des
+Sultans des Rächenden, des Offenbaren verhöhnend. Zu
+Haleb hatte Said, der Sohn Bedreddin Lulu's, durch Kopflosigkeit
+und die unbedeutsame Absendung einer zu schwachen
+Truppenabtheilung, welche zu <i>Bire</i> am Euphrat von den
+Mongolen geschlagen wurden, den Hass der Einwohner auf
+sich geladen. Er ward vor den Thoren der Stadt ergriffen
+und gezwungen, seine Schätze zu entdecken, welche die
+Emire unter sich theilten, ihn selbst gefesselt nach Schoghr
+sandten und seiner statt Hosameddin, den Mailleschläger,
+zum Statthalter einsetzten; bald darnach erschienen die
+Mongolen vor Haleb, und Hosameddin flüchtete mit den
+Emiren nach Hama, die Stadt Haleb der Wuth der Mongolen
+überlassend. <span class="xidenote">Silhidsche 658/<br />Nov. 1260</span> Von Hama zogen sie mit dem Fürsten
+Hama's und seinem Bruder Efdhal gegen Himss, ihre Streitkräfte
+mit denen des Fürsten dieser Stadt vereinigend, und
+lieferten vor Himss den Tataren eine Schlacht, in welcher
+diese geschlagen abzogen, auf ihrem Rückzuge von dem
+Befehlshaber Apamia's geharket. <span class="xidenote">5. Moharrem 659/<br />10. Dec. 1260</span> Auch der Statthalter von
+Ghasa, Abusch von Burlas, empörte sich, wie der von
+Damaskus, wider Beibars Bondokdar, den neuen Sultan, und
+dieser und jener wollten die Prinzen von Hama und Himss
+für sich gewinnen; aber diese gaben ihnen kein Gehör,
+und nachdem die beiden Thronnebenbuhler Bondokdar's,
+Senshar und Abusch, geschlagen worden, ward Bondokdar,
+<span class='pagenum'><a name="Page_212" id="Page_212">[212]</a></span>
+der Sultan Aegyptens, auch als solcher in Syrien, zu Haleb
+und Damaskus, zu Hama und Himss anerkannt.</p>
+
+<div class="sidenote">Das Chalifat
+der Beni
+Abbas zu
+Kairo.</div>
+
+<p>Beibars Bondokdar, der sich den Weg zum Throne
+durch doppelten Mord gebahnt, erst durch den Moaasem
+Turanschah's, des letzten Fürsten der Beni Ejub, und dann
+durch den des dritten Sultans der Mamluken, Kotos, war
+vor Allem bedacht, seiner Usurpation des Thrones den
+Mantel der Legitimität umzuhängen. Zu diesem Ende stellte
+er zu Kairo einen angeblichen Abkömmling des Hauses Abbas,
+<i>Abulkasim Ahmed</i>, welcher für einen Sohn Dahir's, des vorvorletzten
+Chalifen, ausgegeben ward, als Phantom eines
+Chalifen auf, der nur dazu diente, kraft seines angestammten
+Rechts als Chalife durch Verleihung von Titeln die Herrschaft
+desselben als legitim zu rechtfertigen. Zu Kairo ward
+feierlicher Einzug desselben veranstaltet, bei welchem die
+Ulema von Missr und Kahir den Koran, die Rabbinen die
+Bibel, die Christen das Evangelium voraustrugen. <span class="xidenote">5. Redscheb 659/<br />9. Juni 1261</span> Vier Tage
+hernach ward in feierlicher Versammlung aller Ulema und
+Emire das Schauspiel des Beweises der vorgegebenen Abstammung
+aufgeführt, der angebliche Sohn Dahir's von Beibars
+als Chalife ausgerufen, und dieser hierauf von ihm, dem
+rechtmässigen Chalifen, als Sultan Aegyptens und Syriens
+belehnt. Der Chalife, mit dem schwarzen Mantel des Hauses
+Abbas angethan, bekleidete den Sultan mit eigener Hand,
+indem er ihm den Kaftan anzog und goldene Kette um den
+Hals gab. Beibars ritt auf einem Schimmel durch die Stadt
+und der Wesir und der Hofmarschall trugen abwechselnd
+das Diplom des Chalifen, auf ihren Händen über den Kopf
+emporgehalten, vor. Am nächsten Freitage predigte der
+Chalife in der Moschee, und als dem Sultan die Predigt zu
+lange währte, indem er fürchtete, dass der Chalife das
+Volk und das Heer sich selbst zuwenden könnte, liess er
+ihm Gold- und Silbermünzen über den Kopf schauern, womit
+die Predigt zu Ende. Nachdem Beibars durch die Investitur
+seinen Zweck erreicht, war ihm die Gegenwart des
+Chalifen überflüssig und konnte ihm sogar gefährlich werden;
+er setzte also das Schauspiel in noch grösserem Maasstabe
+<span class='pagenum'><a name="Page_213" id="Page_213">[213]</a></span>
+fort, indem er ihm einen Hofstaat mit allen Titeln des alten
+Chalifenhofes beilegte und zweitausend Reiter mit einer
+Truppe Beduinen beigab, mit denen er zur Wiedereroberung
+Bagdad's, seiner Hauptstadt, ausziehen sollte. Ihn begleiteten
+die von Beibars mit den Fürstenthümern von Mossul,
+Sindschar und Dschesiret belehnten drei Söhne Bedreddin
+Lulu's. Am Ufer des Euphrats trat <i>Elhakim</i>, ein anderer
+Imam aus dem Hause Abbas, als Nebenbuhler um die Chalifenherrschaft
+auf. Bondokdar's Schützling zog mit Hilfe
+der ihm von diesem beigegebenen Truppen zu <i>Aana</i> und
+<i>Hadise</i> ein, welche ihm Anfangs ihre Thore gesperrt hatten;
+<i>Hadise</i>, das sich widersetzte, wurde mit Gewalt genommen,
+die Christen und Juden geplündert. Unterdessen zogen die
+mongolischen Befehlshaber Karabuga mit fünftausend Reitern
+gegen Enbar und Behadir Ali, der mongolische Statthalter
+von Bagdad, wider den Abenteurer heran, der als der
+wahre Chalife seine alte Residenz einzunehmen kam. <span class="xidenote">4. Moharrem 660/<br />1. Dec. 1261</span> Vor
+Enbar kam es zur Schlacht; der Chalife ordnete die Turkmanen
+auf dem rechten Flügel, die Araber auf dem linken,
+er selbst in der Mitte. Behadir's Truppen ergriffen Anfangs
+die Flucht und stürzten sich die meisten in den Euphrat;
+als aber eine Truppe Mongolen aus einem Hinterhalte herbeiflog,
+wichen die Turkmanen und Araber, und der Chalife
+verschwand. Wie der letzte der Chalifen des Hauses Abbas
+zu Bagdad, war nun der erste der Schatten-Chalifen aus
+demselben Hause zu Kairo unter dem Schwerte der Mongolen
+gefallen. Der Nebenbuhler um diese Schattenherrschaft,
+der Imam Hakim, welcher sein Geschlecht im fünften
+Grade von Mosterschid, dem neun und zwanzigsten Chalifen
+des Hauses Abbas, ableitete<a name="FNanchor_422" id="FNanchor_422"></a><a href="#Footnote_422" class="fnanchor">[422]</a>, flüchtete nach dieser Schlacht
+nach Aegypten, wo ihn Beibars, dem es bequem und angenehm,
+einen solchen Münzwardein der Legitimität unter
+seinen Händen zu haben, die Abstammung desselben aus
+dem Blute der Beni Abbas gerne anerkannte, ihn aber, den
+<span class='pagenum'><a name="Page_214" id="Page_214">[214]</a></span>
+Geflüchteten, im Palaste <i>Menasirolkebesch</i>, d. i. Belvedere
+des Widders, als einen Staatsgefangenen ehrenvoll unterhielt.
+Sein Geschäft war blos die Ertheilung der Investitur und
+der Diplome als Titel der Rechtmässigkeit der Herrschaft;
+er empfing von dem damit Belehnten Geschenke, und schattete
+so durch vierzig Jahre unter dem Titel von Schatten Gottes
+auf Erden, Herrscher durch Gottes Befehl<a name="FNanchor_423" id="FNanchor_423"></a><a href="#Footnote_423" class="fnanchor">[423]</a>, während er
+als Titular-Chalife nur ein Schatten des ehemaligen Chalifen
+unter des Sklaven-Sultans Befehl. Er selbst, nur ein Titelträger
+der Herrschaft, stempelte durch die von ihm ausgehenden
+Diplome die Herrschaft moslimischer Usurpatoren
+zur rechtmässigen; hierdurch gewann <i>Beibars</i> im Angesicht
+der moslimischen Welt einen ungeheueren Vortheil über
+Hulagu, dessen Herrschaftstitel auch nur das Schwert, wie
+der des Sultans Aegyptens, weil er, nicht Moslim, nie vom
+Chalifen als rechtmässig legitimirt werden konnte. Hakim
+war der Stammvater der übrigen ägyptischen Chalifen aus
+dem Hause Abbas, aus welchem mit ihm zwanzig durch
+dritthalbhundert Jahre zu Kairo als Drahtpuppen der Sultane
+figurirten, bis nach dem letzten derselben Selim der Erste,
+der Erbe Aegyptens, ohne Recht der Geburt, nur als Eroberer
+Aegyptens, den Chalifentitel annahm, der seitdem
+dem Titel der osmanischen Sultane beigefügt, wie aus dem
+Gesagten erhellet, nur der eines Schattens vom Schatten.</p>
+
+<div class="sidenote">Anlass des
+Kriegs mit
+Berke.</div>
+
+<p>Hulagu war im Begriffe, ein neues Heer nach Syrien
+zu senden und dasselbe dem Besitze des Sultans der Mamluken
+zu entreissen, als ihn die bis zum offenen Kriege gereifte
+Misshelligkeit mit <i>Berke</i>, dem Herrscher der Mongolen
+in Kipdschak, dorthin sich zu wenden und seine Waffen
+von den Ufern des mittelländischen Meeres an die des kaspischen
+zu übertragen zwang. Die Ursachen dieses, trotz
+des nachdruckvollsten Vermächtnisses Tschengischan's und
+der Jasa, welche die Einigkeit zwischen den Gliedern der
+Familie als die Grundmaxime der Politik des tschengischanischen
+Hauses einschärft, aufflammenden Familienkriegs
+<span class='pagenum'><a name="Page_215" id="Page_215">[215]</a></span>
+waren mehrere, und das Feuer glimmte schon seit längerer
+Zeit unter der Asche; auch hier sind, wie fast bei allen
+Kriegen und Feindschaften (von Staaten, wie von Einzelnen),
+der wirkliche und scheinbare Grund, die Masse, welche
+schon längst das Gefäss füllt, von dem Tropfen, der es erst
+überfliessen macht, wohl von einander zu unterscheiden. Die
+wahre und eigentliche politische Ursache dieses Krieges war
+der streitige Besitz der Landschaften <i>Arran</i> und <i>Aserbeidschan</i>,
+welche, als ausser dem eisernen Thore von Derbend
+gelegen, vermöge der Ländertheilung Tschengischan's
+unter seine vier Söhne nicht zum Jurte des Uluses Dschudschi's
+gehörig, von diesem jetzt angesprochen ward<a name="FNanchor_424" id="FNanchor_424"></a><a href="#Footnote_424" class="fnanchor">[424]</a>.
+Nach dieser Ländertheilung erstreckte sich der Jurt Dschaghatai's
+von den mittägigen Pässen bis nach Samarkand und
+Bochara, der Ogotai's lag im Mittelpunkte des Reichs zu <i>Imil</i>
+und <i>Kobak</i>; Tuli besass die angränzenden Länder von <i>Kialik</i>
+und <i>Chuaresm</i> bis an die äusserste Gränze Kipdschak's und
+die Länder der <i>Ssaksinen</i>; <i>Dschudschi</i> endlich die nördlichen
+Jurte innerhalb der kaukasischen Pässe. Hulagu, Herr der
+westlichen Hälfte der Jurte, als Ilchan des durch ihn gegründeten
+mongolischen Reichs in Persien, konnte unmöglich
+die Ansprüche des Chanes der goldenen Horde von Kipdschak
+auf den Besitz der nördlichsten Gränzlandschaften seines
+Reichs gelten lassen. Dieser politische Grund ward durch
+persönliche Empfindlichkeiten Hulagu's noch eindringlicher
+gemacht. Berke's Einfluss hatte auf dem Kurultai nach
+Mengku's Tode die Wahl der Prinzen für Kubilai wider
+seinen Bruder Hulagu und Arik Bugha, welche ebenfalls
+Ansprüche auf die Kaanschaft machten, entschieden. Als
+der Aeltere der Familie hatte Berke dem Hulagu zu wiederholtenmalen
+Lehren und Ermahnungen zugesandt, als
+neubekehrter Moslim hatte Berke besonders das treulose
+Benehmen Hulagu's gegen moslimische Fürsten, die Verwüstung
+so vieler Städte, das Blutbad so vieler Menschen
+<span class='pagenum'><a name="Page_216" id="Page_216">[216]</a></span>
+und den Ruin des Chalifats hart getadelt. Wiewohl er mein
+Aelterer, sagte Hulagu, so kann ich sein Hofmeistern doch
+nicht weiter ertragen; endlich war der Tropfe, welcher das
+längst gefüllte Gefäss des Grolles überfliessend machte, der
+folgende. Auf dem Zuge nach Syrien war Bulghai, der
+Enkel Dschudschi's, aus seinem fünften Sohne Scheiban,
+gäh nach einem Gastmahle gestorben, und sein Vetter <i>Kutar</i><a name="FNanchor_425" id="FNanchor_425"></a><a href="#Footnote_425" class="fnanchor">[425]</a>
+wurde angeklagt, durch Zauberei den Tod desselben bewirkt
+zu haben. Hulagu, der es nicht auf sich nehmen wollte,
+ihn zu richten, hatte ihn in Begleitung Sundschak Nujan's
+nach Kipdschak geschickt, um dort vor dem Throne Berke's,
+seinem natürlichen Richter, Rede zu stehen. Berke sandte
+denselben wieder zurück und Hulagu liess an ihm das Todesurtheil
+vollstrecken; zugleich mit ihm ward auch <i>Ssadreddin
+Sawedschi</i> als der Zauberei schuldig angeklagt und hingerichtet; <span class="xidenote">17. Ssafer 658/<br />2. Febr. 1260</span>
+da auch bald darauf Kuli, der dritte Prinz des
+Uluses Dschudschi, welcher diesen Feldzug mitmachte, gestorben,
+und ihre Angehörigen sich nach Kipdschak geflüchtet
+hatten, brach die politische Feindseligkeit und
+persönliche Empfindlichkeit in die offenen Flammen des Familienkriegs
+aus. Ein Heer von dreissigtausend Kipdschaken,
+welches <i>Nokai</i>, der Vetter des hingerichteten <i>Kutar</i>, befehligte,
+war von Derbend aufgebrochen und vor Schamachi,
+der Hauptstadt Schirwan's, gelagert.</p>
+
+<div class="sidenote">Verkehr
+zwischen
+Kipdschak
+und
+Aegypten.</div>
+
+<p>Der Umschwung der Verhältnisse zwischen <i>Berke</i> und
+<i>Hulagu</i> hatte natürlicherweise die Politik des ersten gegen
+den Sultan der Mamluken, als Beherrscher Syriens und
+Aegyptens, wesentlich umgestimmt und die feindlichen Gesinnungen
+wider denselben in freundliche verwandelt. Gewiss
+hatte die äussere Politik wenigstens eben so grossen Einfluss
+als die innere auf die Bekehrung <i>Berke's</i> vom mongolischen
+Heidenthume zum Islam. Im Sommer desselben Jahres, mit
+dessen Beginn der Feldzug nach Persien beschlossen ward,
+begab sich eine Gesandtschaft Berke's auf den Weg nach
+<span class='pagenum'><a name="Page_217" id="Page_217">[217]</a></span>
+Aegypten, um die Mitwirkung des Sultans in Anspruch zu
+nehmen; Botschafter waren Emir <i>Dschelaleddin</i>, Sohn des
+Richters, und der Scheich <i>Nureddin Ali</i>, von grossem Gefolge
+begleitet; <span class="xidenote">1. Redscheb 661/<br />11. Mai 1262</span> sie waren Ueberbringer eines am ersten
+Redscheb des laufenden Jahres datirten Beglaubigungsschreibens,
+in welchem <i>Berke</i> seine Annahme des Islams kündete.
+Zu gleicher Zeit war zu Kairo eine Botschaft des byzantinischen
+Kaisers <i>Lascaris</i> erschienen; sie wurden gemeinschaftlich
+mit einem Gastmahle bewirthet, und jeden Mittwoch
+und Sonnabend, wo der Sultan sich in die Maillebahn
+begab, wurden zahlreiche Geschenke unter sie vertheilt. <span class="xidenote">28. Schaab. 661/<br />5. Aug. 1262</span>
+Am letzten Freitage des Monats Schaaban, welcher der erste
+des August, verrichtete der Schattenchalife des Hauses Abbas,
+<i>Hakimbiemrillah</i>, das Kanzelgebet sowohl auf den Namen
+des Sultans <i>Beibars</i>, Herrschers von Syrien und Aegypten,
+als auf den <i>Berke's</i>, des Herrschers Kipdschak's<a name="FNanchor_426" id="FNanchor_426"></a><a href="#Footnote_426" class="fnanchor">[426]</a>. Vier
+Tage hernach hatte die Ceremonie der Investitur des Ritterthums
+für den Chalifen <i>Hakimbiemrillah</i> statt. <i>Futuwwet</i><a name="FNanchor_427" id="FNanchor_427"></a><a href="#Footnote_427" class="fnanchor">[427]</a>
+bedeutet nicht sowohl den Adel, welcher auf arabisch <i>Scherf</i>
+heisst, als das Heldenthum oder eigentlich Ritterthum, als
+den Inbegriff grossmüthiger, edelmüthiger, starkmüthiger
+Gesinnungen und Handlungen. Das bekannte Wort <i>La Feta
+illa Ali</i> kann nur mit den Worten: <i>Es gibt keinen Helden
+oder keinen Ritter als Ali</i>, übersetzt werden, und nicht als:
+<i>Es ist kein Adeliger als Ali</i>. Das Symbol des Heldenthums
+oder vielmehr ritterlicher Gesinnungen bestand aber nicht
+in Schild und Schwert, Panzer oder Helm, welche im
+Abendlande die Insignien des Ritterthums, sondern in einem
+Paar von &ndash; Beinkleidern. Tags darauf, nach der Ceremonie
+der ritterlichen Beinkleiderinvestitur, wurden die Botschafter
+<i>Berke's</i> im Bergschlosse durch den <i>Atabeg</i> (Obersthofmeister)
+mit Ehrenkleidern ausgezeichnet. Das Antwortschreiben
+war so weitläufig gewortet und geschrieben, dass
+es nicht weniger als siebzig Bogen mittleren Formates aus
+<span class='pagenum'><a name="Page_218" id="Page_218">[218]</a></span>
+den Fabriken von Bagdad. Der Schreiber desselben, <i>Mohijeddin
+Abdes-sahir</i>, las dasselbe dem Sultan in der Gegenwart
+der Emire vor, und es ward mit einem herrlichen
+Geschenke den zwei ägyptischen Botschaftern, dem Emir
+<i>Fariseddin Akusch Mesudi</i> und dem Scherif <i>Imadeddin
+Haschimi</i>, übergeben. Auch zu Mekka und Medina wurde
+das Chutbe auf den Namen Berke's verrichtet. Um den
+Faden der Erzählung ägyptischer und mongolischer Verhältnisse
+nicht durch den Bericht des nordischen Feldzuges,
+welchem der nächste Abschnitt gewidmet ist, zu unterbrechen,
+reihen sich hier noch die folgenden Begebenheiten
+ein, welche das unmittelbare Verhältniss der Aegypter und
+Mongolen betreffen. Es waren noch nicht zwei Monate
+nach dem Abgange der Botschaft an Berke verflossen, als
+eine grosse Anzahl mongolischer Emire<a name="FNanchor_428" id="FNanchor_428"></a><a href="#Footnote_428" class="fnanchor">[428]</a> ankamen, um dem
+Sultane ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen. Er ritt ihnen
+zum Empfange entgegen; alsbald sie ihn erblickten, stiegen
+sie vom Pferde und küssten die Erde vor dem Sultane, der
+im Sattel sitzen blieb. Nachdem er sie mit Ehren überhäuft,
+kehrte er in's Schloss zurück. <i>Hosameddin</i>, der Sohn
+Berke's, welcher als ein Beweis der Freundschaft seines
+Vaters für den Sultan nach Kairo gekommen, starb allda; <span class="xidenote">5. Silhidsche 661/<br />9. Nov. 1262</span>
+drei Tage hernach wurden die Botschafter mit Ehrenkleidern
+angethan und der Sultan besuchte das Grabmal des
+Sohnes Berke's. Bald darauf kam eine zweite Schaar und
+endlich eine dritte tatarischer Edelen; der Sultan verlieh
+den Vornehmsten derselben den Rang eines Emirs und sie
+bekehrten sich auf seine Einladung zum Islam<a name="FNanchor_429" id="FNanchor_429"></a><a href="#Footnote_429" class="fnanchor">[429]</a>. Kairo
+war damals von den Tataren beider Parteien, nämlich sowohl
+von der Berke's als Hulagu's, besucht; nur erschienen
+jene öffentlich als Freunde, die sich meistens zum Islam
+bekehrten, diese aber nur heimlich als Kundschafter, die,
+wenn entdeckt, ergriffen wurden. Unter die Emire der
+<span class='pagenum'><a name="Page_219" id="Page_219">[219]</a></span>
+bekehrten Tataren sowohl, als die Franken, welche sich
+zum Islam bekehret hatten, wurden an Einem Tage vom
+Schatzmeister Bedreddin hundert achtzig Pferde vertheilt.
+Dieser Verkehr Berke's mit Beibars durch gegenseitige Botschaften
+erklärt die Verpflanzung mongolischer Hofwürden
+nach Aegypten, wo sich dieselben mit ihren ursprünglichen
+türkischen Namen erhielten, und erklärt die bei Makrisi
+erhaltene Kenntniss von der tatarischen Jasa. Bei der Betrachtung
+des feindlichen Verhältnisses der Oberhäupter der
+beiden Uluse Berke's und Hulagu's und ihrer gegenseitigen
+Verhältnisse mit Aegypten erhellet auch, dass die Kreuzfahrer
+damals nicht gegen alle Tataren gleiche Gesinnungen
+hegen und dieselben insgesammt als Feinde des Sultans von
+Aegypten und also als natürliche Freunde und Verbündete
+betrachten konnten. Dieses waren für die Kreuzfahrer nur
+die Mongolen Persiens, während die Mongolen Kipdschak's
+als die Freunde und Verbündete von Beibars auch die
+Feinde der Christen im gelobten Lande. Da der Krieg
+zwischen Berke und Hulagu dem Sultan in Aegypten und
+Syrien so freiere Hand liess, so konnte derselbe den Kreuzfahrern
+nur höchst unerwünscht sein.</p>
+
+<div class="sidenote">Feldzug
+gegen
+Kipdschak.</div>
+
+<p>Hulagu bot das ganze Heer Persiens zum Zuge wider
+Kipdschak auf, setzte sich mit demselben Hälfte Mai's des
+Jahres zwölfhundert zwei und sechzig von <i>Alatagh</i> aus in
+Bewegung. <span class="xidenote">2. Schewwal 660/<br />14. Mai 1262</span> Schiramun, der Sohn Dschurmaghun's, der vormalige
+Statthalter Persiens, befehligte den Vortrab. Die
+Nujanen <i>Basmaghan</i> und <i>Abatai</i> standen Anfangs Novembers
+vor Schamachi. <span class="xidenote">26. Silkide 660/<br />11. Nov. 1262</span> Schiramun war von dem Heere Berke's
+überfallen und geschlagen worden, aber vier Tage vor Ende
+des moslimischen Jahres schlug Abatai bei <i>Schaburan</i> den
+<i>Nokai</i> in die Flucht. <span class="xidenote">6. Moharrem 661/<br />20. Nov. 1262</span> Hulagu brach hierauf von Schamachi
+gegen Derbend auf. Hier wurden der Kanzler Seifeddin,
+der Chodscha <i>Asis</i> der Georgier und Chodscha <i>Medschdeddin</i>
+von Tebris ergriffen, nach Schaburan gebracht und dort
+sammt dem Astronomen Hosameddin hingerichtet. <i>Melik
+Ssadreddin</i> von Tebris und <i>Ali Melik</i>, die Befehlshaber von
+Irak, schlugen sich in theilweisen Gefechten durch; <span class="xidenote">21. Moharr. 661/<br />7. Dec. 1262</span> am
+<span class='pagenum'><a name="Page_220" id="Page_220">[220]</a></span>
+siebenten December stand das Heer Hulagu's vor den Mauern
+Derbend's. Nach dreitägigem Kampfe wurde die Feste erobert
+und acht Tage hernach Nokai geschlagen. Die Nujanen
+Schiramun und Abatai wollten den Prinzen Abaka, den
+ältesten Sohn Hulagu's, den er ihnen zur Hilfe gesendet,
+zur Rückkehr bewegen; aber dieser trotzte männlich den
+Beschwerden des Feldzugs inmitten des Winters. Hulagu
+ertheilte sieben anderen Nujanen<a name="FNanchor_430" id="FNanchor_430"></a><a href="#Footnote_430" class="fnanchor">[430]</a> den Befehl, sich des
+Lagers der Kipdschaken zu bemächtigen. Sie gingen über
+den Terek und schleppten Zelte und Herden von allen Seiten
+zusammen, sich Ausschweifungen überlassend. Berke, hiervon
+in Kenntniss gesetzt, brach auf einmal mit mächtigem
+Heere aus den Schneegefilden der Steppe auf sie los; <span class="xidenote">7. Rebiulewwel 661/<br />16. Jan. 1263</span> einen
+ganzen Tag ward an den Ufern des Terek gekämpft; als
+die persischen Truppen sich über den Fluss zurückzogen,
+brach das Eis ein und eine grosse Anzahl derselben ging
+zu Grunde; Abaka kam heil nach Schaburan; Berke hielt sich
+inner Derbend und Hulagu kam im Frühjahre nach Tebris
+zurück<a name="FNanchor_431" id="FNanchor_431"></a><a href="#Footnote_431" class="fnanchor">[431]</a>. <span class="xidenote">11. Dschemasiulachir/<br />9. Mai 1263</span> Hulagu rächte sich für die Unfälle des Feldzugs,
+wie nach dem syrischen, durch den Mord von Unschuldigen.
+Er liess alle Kaufleute Kipdschak's, die sich zu Tebris befanden,
+hinrichten und ihre Güter einziehen<a name="FNanchor_432" id="FNanchor_432"></a><a href="#Footnote_432" class="fnanchor">[432]</a>. Berke, um
+Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess alle persischen
+Kaufleute, die in Kipdschak, morden; und Hulagu vergalt
+dieses Blutbad mit dem eines Theiles der Bewohner Bochara's,
+welches sich aus seinem Schutte hervorzuheben
+begann. Von sechzehn Hesaren, d. i. Regimentern, welche zu
+Bochara lagen, gehörten fünf dem Batu, drei der Frau
+<i>Sijurkukteni</i>, der Mutter Hulagu's, die übrigen acht dem
+grossen Eidam Tschengischan's. Die fünf Regimenter Batu's
+liess Hulagu ausrücken und niederhauen<a name="FNanchor_433" id="FNanchor_433"></a><a href="#Footnote_433" class="fnanchor">[433]</a>. Im folgenden
+Jahre erscholl abermal das Gerücht, dass ein Heer aus
+Kipdschak im Anzuge. Hulagu sandte den Scheich Scherif
+<span class='pagenum'><a name="Page_221" id="Page_221">[221]</a></span>
+Tebrisi auf die Strasse von Lesgistan nach Kipdschak, um
+Erkundigung einzuziehen. Er ward ergriffen und vor Nokai
+gebracht. Was macht Hulagu? fragte ihn Nokai, fährt
+er noch fort, aus Grimm unsere Krieger und Edele, unsere
+Kaufleute und Derwische zu morden? &ndash; Der Scheich entgegnete:
+Unser Padischah war vormals erzürnt ob der Misshelligkeit
+mit seinen Brüdern (Kubilai und Arigh) und das
+Feuer seines Grimms verbrannte, was trocken und feucht;
+allein seitdem der Bürgerkrieg um den Thron beendigt ist,
+übt er die strengste Gerechtigkeit. Es waren nämlich Gesandte
+mit der Nachricht angekommen, dass <i>Aiktokt</i>, welcher
+dem Bruder Kubilai den Thron streitig machen wollte, sich
+unterworfen; dass Alghui, der Enkel Dschafer's, aus seinem
+Sohne Paidar, welcher ein anderer Thronprätendent, gestorben,
+dass Kubilai dem Bruder Hulagu das Diplom der
+Herrschaft von den Ufern des Oxus bis an die äussersten
+Gränzen Syriens als <i>Ilchan</i> und <i>Padischah</i> und obendrein
+dreissigtausend auserlesene mongolische Jünglinge zur Hilfe
+gesendet. Diese Nachricht lähmte die Kriegslust Nokai's,
+und der Scheich kehrte mit der Nachricht, dass, wiewohl
+kein Friede, die Feindseligkeiten aufgehört, zu Hulagu
+zurück. Das Interesse Hulagu's ist in die Streitigkeiten der
+Prinzen um die oberste Macht des Kaan's so enge verflochten
+und er hat an denselben durch seinen Gesandten so einwirkenden
+Antheil genommen, dass eine kurze Erzählung jener
+Begebenheiten als unmittelbar in dessen Geschichte gehörig
+hier unabweislich.</p>
+
+<div class="sidenote">Arikbugha.</div>
+
+<p>Nach dem Tode Mengkukaan's, dessen Todeskunde
+seinen Bruder Hulagu zur Rückkehr aus Syrien, wie vor
+vierzig Jahren die Nachricht von dem Tode Ogotai's dessen
+Vetter Batu zum Abzuge aus Ungarn veranlasst, hatten die
+im Kurultai versammelten Prinzen, welche den Kubilai zum
+Kaan und Moilchan ausgerufen, hundert Gesandte an <i>Arikbugha</i>,
+dessen Bruder und Nebenbuhler um den Thron, abgeordnet,
+um ihm die Nachricht zu überbringen, dass durch
+einstimmigen Beschluss der Prinzen <i>Kubilai</i> den Thron als
+grosser Chan bestiegen und <i>Apuschkan</i>, der Urenkel Dschagatai's<a name="FNanchor_434" id="FNanchor_434"></a><a href="#Footnote_434" class="fnanchor">[434]</a>,
+<span class='pagenum'><a name="Page_222" id="Page_222">[222]</a></span>
+dem Uluse seines Grossvaters vorgesetzt, mit
+seinem jüngeren Bruder Kasar dorthin abgesendet worden
+sei. Die hundert Gesandten trafen an der Gränze Tangkut's
+Arikbugha, der sie einkerkern liess und ein von dem zweitgebornen
+Sohne Hulagu's, dem Prinzen <i>Dschumkur</i>, und
+<i>Karatschar</i>, dem Sohne Orda's, befehligtes Heer gegen
+Kubilai sandte; sie wurden geschlagen und gefangen; Arikbugha
+liess die hundert Gesandten hinrichten und zog sich
+in's Land der Kirgisen zurück. Er wandte sich an Alghui,
+den Sohn Paidar's (des vor Olmütz gefallenen Peta), mit
+der Bitte, für ihn als Gränzhüter am Oxus die Truppen
+Hulagu's und Berke's abzuwehren. Indess sammelte sich
+für ihn ein Heer zu Kaschghar, das bald über hundert
+fünfzigtausend stark, in vollem Aufruhre wider Kubilai.
+Dieser sandte wider die Rebellen ein von dem <i>Jeke Kadak</i>
+und <i>Karadschu</i>, dem Sohne Dschudschi Kasar's (des Bruders
+Tschengischan's), befehligtes Heer, das geschlagen und zerstreut
+ward. Die Prinzen Anführer flüchteten zu Arikbugha,
+der flüchtig und halb verhungert (denn Kubilai hatte ihm
+die Zufuhr der Lebensmittel abgeschnitten) im Lager der
+Kirgisen und Kemdschiuten weilte. Kubilai hatte zu Karakorum
+die vier Lager Arikbugha's und das des mit ihm
+verbündeten Gulgan's (des fünften Sohnes Tschengischan's)
+aufgehoben. Arikbugha sandte Botschaft mit dem Bekenntniss
+seiner Schuld und Bitte um Verzeihung; er erwarte nur,
+dass seine Pferde fett und dass Hulagu, Berke und Alghui
+kämen, um sich mit ihnen dem Kaan huldigend zu Füssen
+zu werfen. Kubilai sandte Antwort: dass, wenn er, ohne die
+Ankunft der Prinzen abzuwarten, erscheinen wolle, seine
+Ankunft um so willkommener sein würde, und zog sich nach
+<i>Karawin Dschidun</i>, wo er die zu Karakorum aufgehobenen
+Lager Arikbugha's und Gulgan's freigab. Zu dieser Zeit
+war häufiger Gesandtenwechsel zwischen <i>Kubilai</i> mit seinem
+Bruder Hulagu und seinem Vetter <i>Berke</i>, dem Herrn des
+<span class='pagenum'><a name="Page_223" id="Page_223">[223]</a></span>
+Uluses <i>Dschudschi</i>, und <i>Alghui</i>, dem Haupte des Uluses
+Dschaghatai, die sich nun dem Kaan näherten. Er gab
+ihnen kund, dass Alghui das Land vom Altai bis zum Oxus,
+Hulagu vom Oxus bis nach Aegypten besetzen möge, während
+er selbst die Länder vom Altai bis an's chinesische
+Meer hüten wolle. Arikbugha brach, sobald seine Pferde
+sich wieder erholt hatten, wieder als Rebelle gegen die
+Macht Kubilai's auf, überfiel den Prinzen <i>Jesunke</i>, den
+Neffen Kubilai's, welcher die Vorhut desselben befehligte,
+und schlug ihn. Das Heer Arikbugha's und das Kubilai's<a name="FNanchor_435" id="FNanchor_435"></a><a href="#Footnote_435" class="fnanchor">[435]</a>
+schlugen sich zu <i>Indschije Kutku</i> am Hügel <i>Chodscha Buldak</i>.
+Das Heer der Rebellen wurde geschlagen und viele Uiraten
+getödtet. <i>Suntai</i>, der Sohn des letzten Kaan Mengku's,
+berieth sich mit Arikbugha, und sie beschlossen, eine zweite
+Schlacht zu liefern, am Rande der Sandwüste, in der <i>Olt</i>
+genannten Gegend, zu <i>Schirghan Taghun</i> am Hügel <i>Schilklik</i>.
+Der rechte Flügel Arikbugha's war geschlagen, aber der
+linke hielt tapfer bis in die sinkende Nacht aus, welche die
+beiden Heere trennte, die sich in die Winterquartiere begaben.
+Arikbugha, durch diesen wiederholten Versuch,
+seine Streitkräfte mit denen Kubilai's zu messen, ermuthigt,
+sandte im nächsten Jahre seine Waffen wider <i>Alghui</i>, welchen
+er als Herrn des Uluses Dschaghatai eingesetzt und
+von welchem er zu wiederholtenmalen Hilfe begehrt hatte,
+ohne dieselbe zu erhalten<a name="FNanchor_436" id="FNanchor_436"></a><a href="#Footnote_436" class="fnanchor">[436]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Alghui.</div>
+
+<p><i>Alghui</i>, der Sohn Paidar's (Peta's), der von Arikbugha
+eingesetzte Herrscher des Uluses Dschaghatai, hatte, als
+er nach Turkistan gekommen, ein Heer von mehr als hunderttausend
+Mann gesammelt. Sein Vetter, der Prinz <i>Nikpei
+Aghul</i> (Sohn Sarban's, des achten Sohnes Dschaghatai's),
+war an der Spitze von fünf tausend Mann in Transoxana
+eingefallen, und hatte zu Samarkand und Bochara, das damals
+zum Gebiete Kipdschak's gehörte, geraubt und die
+Angehörigen Berke's getödtet, unter diesen auch den grossen
+<span class='pagenum'><a name="Page_224" id="Page_224">[224]</a></span>
+Scheich <i>Seifeddin Bachersi</i>. Gesandte Arikbugha's, an deren
+Spitze <i>Schadi</i>, der Sohn <i>Jaschmut's</i> des <i>Arkaun</i>, d. i. des
+nestorianischen Priesters, forderten vermittels Jerlighs die
+Zurückstellung der geraubten Güter, welche Alghui verweigerte,
+und eben darum die Gesandten tödtete. Hierüber
+ergrimmt, zog Arikbugha wider denselben; zu Karakorum
+forderte er die Einwohner zur Hilfeleistung auf; die Imame,
+die Schreiber der Christen entschuldigten sich, dass sie die
+Waffen nicht gewohnt, nur für den Erfolg derselben beten
+könnten. Einige Zeit darnach kam der Kaan, der, als er
+das treue Benehmen der Einwohner erfuhr, die alten Privilegien
+Tschengischan's und Mengku's bestätigte, sie alle
+zu Tarchanen (Freiherren) ernannte; Vorfälle in China
+nöthigten ihn, bald wieder zurückzukehren. Karabuka, der
+Befehlshaber des Vortrabs Arikbugha's, war von Alghui zu
+<i>Sutgol</i>, d. i. am Milchsee<a name="FNanchor_437" id="FNanchor_437"></a><a href="#Footnote_437" class="fnanchor">[437]</a>, geschlagen und getödtet worden.
+Alghui zog sich sorglos an's Ufer des <i>Hile Muran</i>; von dem
+Prinzen <i>Suntai</i>, welcher das Heer Arikbugha's befehligte,
+geschlagen, ging er über die Anhöhen von <i>Timurkahalka</i>
+und den <i>Hile Muran</i> nach Almaligh, dem Jurte Alghui's, und
+plünderte denselben aus. Alghui nahm seine Frau und die
+Truppen des rechten Flügels, welche Suntai noch nicht geschlagen,
+und flüchtete damit nach Choten und Kaschghar.
+Arikbugha brachte den Winter am <i>Hile Muran</i> und zu Almaligh
+in Festen zu, liess aber von allen Seiten die Truppen
+des Kaan's aufsuchen und tödten. Alghui hatte sich nach
+Samarkand und Bochara gezogen, wohin auch Dschumkur,
+der bisher von Arikbugha bei sich zurückgehaltene Sohn
+Hulagu's, kam, indem ihm Arikbugha, um seine Gesundheit
+herzustellen, sich jenseits des Oxus zu begeben erlaubt hatte. <span class="xidenote">Rebiulewwel 662/<br />Januar 1263</span>
+Das Benehmen Arikbugha's, welcher überall die Leute des
+Kaan's aufsuchte und tödtete, entwandte ihm die Herzen
+der Bewohner und eine Hungersnoth schwächte gewaltig die
+Zahl seiner Truppen. Dazu kam die böse Vorbedeutung
+eines Sturmes, welcher das an tausend Pflöcken befestigte
+<span class='pagenum'><a name="Page_225" id="Page_225">[225]</a></span>
+Herrscherzelt zusammenriss und im Ruine desselben viele
+Menschen erschlug. Seine Truppen zerstreuten sich nach
+allen Seiten, nur einige wenige blieben mit Arikbugha und
+Suntai zu Almaligh. Unterdessen war <i>Uriktasch</i>, der Sohn
+Mengku's, welcher es nicht, wie sein Bruder <i>Suntai</i>, mit
+Arikbugha, sondern mit Kubilai hielt, am <i>Altai</i><a name="FNanchor_438" id="FNanchor_438"></a><a href="#Footnote_438" class="fnanchor">[438]</a> und die
+Truppen schlugen sich zu ihm. Er sandte an Arikbugha,
+um ihm das grosse Siegel seines Vaters Mengku, welches
+bisher in Arikbugha's Händen, abzufordern, und dieser lieferte
+es aus. Alghui, welchem hieraus die Schwäche Arikbugha's
+kund geworden, zog nun wider ihn, und begehrte
+die Herausgabe der Frau Hirghana, der Gemahlin Kara
+Hulagu's, des Sohnes Muwatukjan's, welche vor einiger Zeit,
+um die Beschwerden Alghui's anzubringen, in's Lager Arikbugha's
+gegangen, von demselben zurückbehalten worden
+war. Er sandte sie mit ihrem Minister <i>Mesud</i>, dem Sohne
+von Jelwadsch, zurück. Alghui empfing sie ehrenvoll und
+bestellte den Mesud zur Verwaltung der Länder jenseits des
+Oxus, wo er zu Samarkand und Bochara residirte. Durch
+seine weise Verwaltung erstarkte der Schatz und die Macht
+Alghui's, der sich zu wiederholtenmalen mit dem Heere
+Berke's schlug, und diesem Otrar entriss; ihm gegenüber
+stand aber als Verbündeter, Schutzgenosse Berke's der Prinz
+<i>Kaidu</i>, der Sohn Kaschin's, des fünften Sohnes Ogotai's.
+Anfangs von der Partei Arikbugha's, hatte er denselben
+verlassen und sich zu Berke geflüchtet, der ihm sein Vertrauen
+schenkte, weil die Astrologen das Horoscop Kaidu's
+ungemein günstig und glückvorbedeutend gefunden<a name="FNanchor_439" id="FNanchor_439"></a><a href="#Footnote_439" class="fnanchor">[439]</a>. Bald
+hierauf starb Alghui und durch die Bemühungen Hirghana's
+ward ihr Sohn Mubarekschah als Herrscher des Uluses
+Dschagatai anerkannt.</p>
+
+<div class="sidenote">Kaidu.</div>
+
+<p>Arikbugha, von seinem Heere verlassen, hatte sich
+reuig an dem Hofe des Bruders eingestellt, an welchem er
+nach dem mongolischen Gebrauche als Schuldiger eingeführt
+ward. Nach dieser Sitte wurden die Schuldigen nicht durch
+<span class='pagenum'><a name="Page_226" id="Page_226">[226]</a></span>
+das gewöhnliche Thor in's Zelt zur Audienz eingeführt,
+sondern bei einer heimlichen Pforte hineingestossen, und
+statt eines Ehrenkleides mit Filz bekleidet<a name="FNanchor_440" id="FNanchor_440"></a><a href="#Footnote_440" class="fnanchor">[440]</a>. Das offene
+Bekenntniss der Schuld ward gnädig aufgenommen; aber
+<i>Dschingkum</i>, der Gesandte Hulagu's, welcher gegenwärtig,
+rieth im Namen seines Herrn, nach der Strenge der Jasa
+zu verfahren und den Prinzen sammt seinen Mitschuldigen
+vor Gericht zu stellen; auch <i>Dschikar</i>, der Bruder Apuschka's,
+welcher durch die Hand des Prinzen Suntai gefallen, warf
+dem Arikbugha hartes Wort, dass er bereit sei, dessen Blut
+zu vergiessen, in's Gesicht. Am folgenden Tage gingen die
+grossen Nujane mit den Prinzen in's Gericht<a name="FNanchor_441" id="FNanchor_441"></a><a href="#Footnote_441" class="fnanchor">[441]</a>. Auf die
+wider sie vorgebrachte Klage schwiegen sie alle; endlich
+redete sie Toman Nujan, einer der edelsten so von Gesicht
+als Gesinnung, an: Warum sprecht ihr nicht, ihr Fürsten!
+Haben wir uns nicht Alle verschworen, den Arikbugha auf
+den Thron zu setzen, oder mit ihm zu sterben? Nun ist
+der Tag gekommen, den zweiten Theil unseres gegebenen
+Wortes zu lösen. Arikbugha erzählte den Hergang des
+Aufruhrs und die Emire bekannten ihre Schuld. Kubilai
+wollte dennoch nicht zur Vollstreckung des Urtheils schreiten,
+ohne zuvor das Gutachten Berke's und Hulagu's und auch
+Alghui's, der damals noch am Leben, eingeholt zu haben;
+nur die schuldigsten der Emire wurden sogleich hingerichtet:
+<i>Bulgha Nujan</i>, der erste Hebel des Aufruhrs, <i>Ildschetai</i>,
+welcher Gurundschi, den Sohn Kadan's, verschwärzt, und
+<i>Tokus</i>, welcher das meiste Blut der Truppen des Kaan's
+vergossen; andere wurden nach Turkistan verbannt<a name="FNanchor_442" id="FNanchor_442"></a><a href="#Footnote_442" class="fnanchor">[442]</a>; nur
+um das über die Prinzen Arikbugha und Suntai zu verhängende
+Loos wurden <i>Berke</i>, <i>Hulagu</i> und <i>Alghui</i> um ihr
+Gutachten befragt. Alghui erklärte, dass er sich der Meinung
+<span class='pagenum'><a name="Page_227" id="Page_227">[227]</a></span>
+des Kaan's und Hulagu's, was immer sie sei, anschliesse.
+Hulagu billigte in Allem den Beschluss der Prinzen und des
+Gerichts und versprach, wenn Berke käme, ebenfalls beim
+Kurultai zu erscheinen. Bald nach der Rückkehr des Gesandten
+starb Arikbugha natürlichen Todes, und es brach
+der Krieg zwischen Hulagu und Berke aus. Kubilai verlieh
+die Herrschaft des Uluses Dschagatai, welche die Frau
+Hirghana ihrem Sohne Mubarekschah zugewandt hatte, dem
+<i>Beirak</i>, dem Sohne <i>Jesun Tewa's</i>, des zweiten Sohnes <i>Muwatukjan's</i>,
+welcher den <i>Mubarekschah</i> zur Abdankung bewog
+und sich der Zügel der Herrschaft des Uluses Dschagatai
+bemächtigte; aber nachdem Arikbugha und Alghui, die
+beiden Thronanmasser aus dem Uluse Tuli's und Dschagatai's,
+verschwunden, hatte Kubilai noch einen dritten aus dem
+Uluse Ogotai's, nämlich Kaidu, den Sohn Kaschin's, zu bekämpfen.
+Kubilai sandte ihm ein von seinen Söhnen <i>Numughan</i>
+und <i>Kukistu</i> befehligtes Heer entgegen, in welchem
+sich Söhne Ogotai's<a name="FNanchor_443" id="FNanchor_443"></a><a href="#Footnote_443" class="fnanchor">[443]</a> und Arikbugha's befanden. Die Prinzen
+Tokatimur und <i>Schiregi</i> (der Sohn Ogotai's) verschworen
+sich mitsammen, ergriffen die beiden Prinzen, Söhne Kubilai's,
+und sandten dieselben an Mengku Timur, den Herrn
+von Kipdschak, aus; zugleich streuten sie das Gerücht aus,
+dass die Söhne Batu's mit den Kaidu's gemeinsame Sache
+machten, das aber nicht dem so. Zwar vereinten sich mit
+Schiregi und Tokatimur auch <i>Sarban</i>, der achte Sohn Dschaghatai's;
+aber sie wurden vom Heere Kubilai's geschlagen,
+und die beiden letzten entflohen nach der Landschaft <i>Narin</i>,
+wo sie am Ufer des Irtisch weilten; während Tokatimur im
+Lande der Kirgisen streifte, ward sein Lager von den Truppen
+Kubilai's geplündert; Tokatimur wandte sich an Schiregi um
+Hilfe, und als dieser sie ihm verweigerte, lockte er den
+Sarban mit Hoffnungen auf die Chanschaft, wie er früher
+den Schiregi damit verlockt hatte. Die beiden gleich getäuschten
+Thronbewerber Sarban und Schiregi bekriegten
+<span class='pagenum'><a name="Page_228" id="Page_228">[228]</a></span>
+sich nun mit einander und rieben sich gegenseitig auf, bis
+beide in die Hände Kubilai's fielen, der jenen in eine durch
+Sumpfluft verpestete Insel sandte, dem Sarban den Befehl
+über eine Abtheilung von Truppen gab. Melik Timur und
+der Sohn Schiregi's begaben sich zu <i>Kaidu</i>, der, noch nach
+vierzig Jahren der mächtige Herrscher des Uluses Ogotai,
+im Verlaufe dieser Geschichte noch mehr als einmal in die
+der Ilchane eingreifend erscheinen wird.</p>
+
+<div class="sidenote">Vertheilung
+der Statthalterschaften;
+Tod
+Hulagu's.</div>
+
+<p>Hulagu beschäftigte sich nach beendigtem Feldzuge wider
+Kipdschak mit dem Baue zweier Schlösser, das eine in der
+Ebene von <i>Alatak</i>, das andere zu <i>Chui</i>, und begab sich
+dann von Tebris an den Goldfluss<a name="FNanchor_444" id="FNanchor_444"></a><a href="#Footnote_444" class="fnanchor">[444]</a>, welchen die Mongolen
+<i>Tschaghatuwunghatu</i> nannten, bei Meragha, dort mit der
+Vollendung der Sternwarte und mit wissenschaftlichen Versammlungen
+beschäftigt; nebst der Astronomie war er vorzüglich
+der Alchymie ergeben und verschwendete grosse
+Summen an Alchemiker, deren Vorspiegelungen so, wie die
+ihnen zugewandten grossen Summen, in Rauch aufgingen.
+Zugleich ordnete er die Verwaltung des durch seine Eroberungen
+gegründeten neuen Reichs. Seinem ältesten Sohne,
+Abaka, übertrug er die Statthalterschaft von Chorasan; seinem
+dritten Sohne, Jaschmut, dem Eroberer Mesopotamiens, die
+Statthalterschaft von Arran und Aserbeidschan; dann die von
+Jaschmut eroberten Landschaften Mesopotamiens: <i>Diari Bekr</i>
+und <i>Rebiaa</i>, von dem Ufer des Tigris bis an das des Euphrats,
+dem Emir <i>Tudan</i>, und die der Länder Rum's dem
+Emir <i>Moineddin Perwane</i>; die Verwaltung von Tebris vertraute
+er den Händen Melik Ssadreddin's, die Kerman's der
+Frau Turkjan Chatun an. Nach der, während des Feldzugs
+von Kipdschak vollzogenen, oben erwähnten Hinrichtung des
+Staatskanzlers <i>Seifeddin Bitekdschi</i> ward dieses höchste
+Staatsamt dem <i>Schemseddin Mohammed Dschuweini</i>, als
+Herrn und Vorsteher des Diwan's, und der Vorsitz des
+Diwan's zu Bagdad seinem Bruder Atamülk, dem Geschichtschreiber,
+verliehen. Besonderes Vertrauen schenkte er
+<span class='pagenum'><a name="Page_229" id="Page_229">[229]</a></span>
+dem Sohne des vormaligen kleinen Diwitdar von Bagdad,
+dem Dschelaleddin; dieser täuschte das Vertrauen Hulagu's
+nicht minder, als sein Vater das des letzten Chalifen getäuscht.
+Er trug ihm vor, dass sich in der Landschaft
+Bagdad's mehrere Tausend Kipdschaken befänden, die, wenn
+Hulagu hierzu den Befehl ertheilen wolle, er zu sammeln
+bereit sei, um dieselben zum Vortrab im nächsten Feldzuge
+wider Kipdschak zu verwenden. Hulagu, durch seinen Vorschlag
+verblendet, gab ihm Diplom und Löwenkopf und
+unumschränkte Vollmacht über alle Truppen und Waffen
+der Landschaft Bagdad's. Er warb die Kipdschaken und
+Andere an, wiegelte sie aber gegen Hulagu auf, indem er
+sie heimlich versicherte, dass er nicht gesonnen, sie wider
+ihre Landsleute auf die Schlachtbank zu führen, sie vielmehr
+retten wolle. Nachdem er sie aus den Zeughäusern Bagdad's
+bewaffnet, führte er sie unter dem gegen den Statthalter
+Bagdad's vorgeschützten Vorwande, dass er mit ihnen nach
+Derbend und Schirwan ausziehe, in's Gebiet des arabischen
+Stammes <i>Chafadsche</i>, das er plündernd durchzog und dann
+mit der ganzen Truppe längs des Euphrats bis Aana und
+Hadise vorbeiziehend nach Syrien und Aegypten aufbrach.
+Der Aerger, so schändlich vom Günstlinge getäuscht worden
+zu sein, nagte als giftiger Wurm in der Brust Hulagu's und
+beschleunigte seinen Tod, der ihn nach kurzer Krankheit
+hingerafft<a name="FNanchor_445" id="FNanchor_445"></a><a href="#Footnote_445" class="fnanchor">[445]</a>. <span class="xidenote">9. Rebiulachir 668/<br />8. Febr. 1265</span> Er ward auf dem Gipfel des Berges <i>Schahu</i><a name="FNanchor_446" id="FNanchor_446"></a><a href="#Footnote_446" class="fnanchor">[446]</a>,
+gegenüber von <i>Destchawakan</i>, bestattet. Nach mongolischem
+Gebrauche wurden ihm Gold und Edelsteine in den Sarg gegeben
+und die schönsten seiner Beischläferinnen geschlachtet<a name="FNanchor_447" id="FNanchor_447"></a><a href="#Footnote_447" class="fnanchor">[447]</a>,
+um ihm die Einsamkeit des Grabes zu versüssen.
+Aber ausser den geschlachteten Beischläferinnen folgten ihm
+bald zwei seiner Frauen natürlichen Todes in's Grab nach,
+<span class='pagenum'><a name="Page_230" id="Page_230">[230]</a></span>
+die Frau Irtekan, die Mutter seines achten Sohnes <i>Adschai</i>,
+schon am neunten Tage nach dem Tode ihres Gemahls, <span class="xidenote">3. Ramasan/<br />17. Febr.</span> und
+vier Monate und eilf Tage später, drei Tage vor der Thronbesteigung
+Abaka's, die Frau <i>Tokus Chatun</i>, die Christin,
+die grosse Beschützerin ihrer Glaubensgenossen. Auf ihren
+Einfluss gründete sich vermuthlich die Hoffnung des Papstes,
+dass Hulagu sich nächstens zum Christenthume bekehren
+werde, wovon ihm der Ungar Joannes die Kunde gebracht
+und worüber sich der Papst in seinem Schreiben an Hulagu
+so hoch erfreut<a name="FNanchor_448" id="FNanchor_448"></a><a href="#Footnote_448" class="fnanchor">[448]</a>. Eine grosse Frau, deren Wirken stiller
+und wohlthätiger, als das zweier der berühmtesten Frauen
+persischer Geschichte, nämlich der Frau <i>Turkjan</i> und der
+Atabegin <i>Abisch</i> aus der Dynastie der Salghuren, welche
+Persien beherrschten, und deren Geschichte in die Hulagu's
+enge verflochten, nun zum Schlusse dieses Buches besonders
+erzählt werden soll.</p>
+
+<div class="sidenote">Fars.</div>
+
+<p>Fars, d. i. Persien im eigentlichsten und engsten Sinne,
+der Kern des persischen Reichs, in welchem das Haupt
+desselben die alte Persepolis, die Geburts- und Grabstätte
+des Cyrus, ist als Vaterland persischen Namens, als Mutterland
+persischen Stammes zu jeder Zeit seiner Geschichte,
+von der ältesten bis zur neuesten, und folglich auch
+binnen des Jahrhunderts mongolischer Herrschaft vor allen
+anderen Landschaften des Reichs von vorwiegendem Interesse
+und Momente. Persien im weitesten Sinne, d. i. <i>Iran</i>, das
+<i>Ariene</i> der Sendbücher, ist das Paradies der Bibel, das
+zwischen den vier Flüssen des biblischen Paradieses, dem
+<i>Digloth</i> (Tigris), <i>Frat</i> (Euphrat), <i>Gihon</i> (Dschihun) und
+<i>Phischon</i> (Sihun), östlich und westlich eingeschlossene asiatische
+Hochland. Persien im engsten Sinne, d. i. <i>Fars</i>, ist
+die von Natur und Kunst vor allen anderen Landschaften
+des Reichs am meisten ausgezeichnete südliche, nördlich
+vom persischen <i>Irak</i>, südlich vom persischen Meerbusen,
+östlich von der Sandwüste Kirmans, westlich vom Gebirgslande
+Luristan begränzt, in welcher das paradiesische Thal
+<i>Schaab Bewwan</i>, von den asiatischen Geschichtschreibern
+<span class='pagenum'><a name="Page_231" id="Page_231">[231]</a></span>
+als eines der vier Paradiese des Ostens gefeiert, die Naturfeste
+<i>Kalaaisefid</i>, d. i. das weisse Schloss, schon aus dem
+Schahname als der Sitz des weissen <i>Diwe's</i> bekannt, die
+Ruinen der vierzig Säulen<a name="FNanchor_449" id="FNanchor_449"></a><a href="#Footnote_449" class="fnanchor">[449]</a> oder der vierzig Leuchtthürme<a name="FNanchor_450" id="FNanchor_450"></a><a href="#Footnote_450" class="fnanchor">[450]</a>,
+die behauene Steinwand des Ebenbildes Rustem's<a name="FNanchor_451" id="FNanchor_451"></a><a href="#Footnote_451" class="fnanchor">[451]</a>, die der
+alten Königsgräber, das Grab der Mutter Salomon's<a name="FNanchor_452" id="FNanchor_452"></a><a href="#Footnote_452" class="fnanchor">[452]</a>, d. i.
+das des Cyrus (ein Felsengrab mit Pehlewiinschrift), die
+des Kerkers<a name="FNanchor_453" id="FNanchor_453"></a><a href="#Footnote_453" class="fnanchor">[453]</a> und der Musikkapelle Dschemschid's<a name="FNanchor_454" id="FNanchor_454"></a><a href="#Footnote_454" class="fnanchor">[454]</a>, Felsengrotten
+mit Inschrifttafeln in Pehlewi, die Sculpturen von
+Schabur, welche den Triumph Schabur's über Valerian verherrlichen,
+Königsgräber, Heldengrotten, Bergaltäre, Feuertempel
+und mehrere andere solcher steinerner Ueberlieferungen
+der ältesten Geschichte des Reichs. Ein von der
+Natur durch mehrere Seltenheiten hochbegünstigtes Land,
+in welchem die Rosen und der Wein von Schiras glühen,
+das reine Wasser von Mossella fliesst, ein Land, das der
+Lebensfluss und der Kor durchströmen, deren erster seinen
+Namen von den lebendigen Bergwässern, dieser in der ältesten
+Zeit von Kyros, in der mittleren vom grössten Fürsten
+der Dynastie Buje den Namen hat<a name="FNanchor_455" id="FNanchor_455"></a><a href="#Footnote_455" class="fnanchor">[455]</a>; das Land, wo der
+königliche Berg der Gräber von Persepolis und das vielfarbige
+Salzgebirge von <i>Darabdscherd</i> sich erheben, wo zu
+Schiras die Berggipfel persischen Dichterruhms in den Grabmälern
+von Hafis und Saadi. Persische Baukunst und Dichtkunst
+haben in Fars ihre höchsten Triumphe gefeiert, und
+ohne von der ältesten Geschichte zu sprechen, so ist seit
+dem Aufblühen neupersischer Poesie und Literatur Fars der
+Mittelpunkt derselben geblieben, bis erst in der jüngsten
+Zeit sich dieselbe in dem Brennpunkte der nach Norden
+übertragenen Hauptstädte von Teheran und Tebris gesammelt.
+In den ersten drei Jahrhunderten der Hidschret blühte morgenländische
+Dichtkunst und Literatur zwar zuerst unter
+der Herrschaft der Beni <i>Saman</i> und <i>Chorasan</i> auf und erhielt
+<span class='pagenum'><a name="Page_232" id="Page_232">[232]</a></span>
+sich dort noch mit der Herrschaft der <i>Seldschuken</i> in bedeutendem
+Flore; denn <i>Fars</i> wetteiferte hierin mit Chorasan
+schon unter der Herrschaft der Beni Buje, und trug unter
+der der Salghuren den ersten Preis davon, welcher demselben
+erst nach dem Untergange dieser Dynastie, unter der
+Herrschaft der Ilchane vom nördlichen Persien, wo die Residenz
+<i>Tebris</i> aufblühte, streitig gemacht, in der Folge aber
+unter der Herrschaft der Dynastien der <i>Beni Mosaffer</i> und
+<i>Sseffi</i> wieder errungen, und bis in die neueste Zeit behauptet
+ward, wo der Lebensfluss geistiger Kultur wieder
+den nördlichen Hauptstädten und Residenzen Teheran und
+Tebris in seichteren Fluthen zufliesst; also schon aus dem
+Gesichtspunkte der Kulturgeschichte allein ist die Geschichte
+der Salghuren, welche ein Jahrhundert vor der Herrschaft
+der Ilchane Fars beherrscht, von der höchsten Wichtigkeit,
+indem dieselbe auch die Kulturgeschichte Persiens während
+der Eroberung und der dreizehnjährigen Herrschaft Hulagu's
+einschliesst.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Beni
+Amare, Beni
+Buje und
+Beni
+Seldschuken.</div>
+
+<p>In Hinsicht auf Kultur hat die bisher europäischen
+Orientalisten und Geschichtschreibern nicht einmal dem
+Namen nach bekannt gewordene Dynastie der Beni <i>Dschelendi</i>,
+welche zur Zeit der arabischen Eroberung von den
+Ufern des persischen Meerbusens bis nach Kerman und Irak
+hin herrschten, einen bedeutungsvollen Beinamen, indem
+dieselben auch Beni <i>Amare</i> oder <i>Imare</i>, d. i. die Söhne
+der Kultur, heissen. Das arabische Wurzelwort <i>Amr</i> oder
+<i>Omr</i> bezeichnet <i>Leben</i> und <i>Kultur</i>, indem die Kultur belebt
+und das Leben ohne Kultur kein geistiges; zunächst verwandt
+mit <i>Omer</i>, d. i. <i>Homeros</i>, dem Inbegriffe ältester
+griechischer geistiger, vom Orient aus belebter Kultur<a name="FNanchor_456" id="FNanchor_456"></a><a href="#Footnote_456" class="fnanchor">[456]</a>.
+<i>Aammar</i> heisst der Hochgebildete, Wohlgerüche Liebende,
+sei es nun die physischen, sei es die geistigen höherer
+Bildung, wovon jene ein treffliches Sinnbild. Bisher kennt
+die europäische Geschichte des Morgenlandes nur zwei Dynastien
+<span class='pagenum'><a name="Page_233" id="Page_233">[233]</a></span>
+der Beni <i>Ammer</i>, die, welche zur Zeit der Kreuzfahrer
+in Tripolis herrschte, wo die herrliche, angeblich
+drei Millionen Bände starke Bibliothek derselben von den
+Kreuzfahrern verbrannt ward<a name="FNanchor_457" id="FNanchor_457"></a><a href="#Footnote_457" class="fnanchor">[457]</a>; die zweite, welche im ersten
+Viertel des vierzehnten Jahrhunderts zu Tripolis an der afrikanischen
+Küste gegründet, unter sieben Fürsten durch sieben
+und siebzig Jahre gedauert<a name="FNanchor_458" id="FNanchor_458"></a><a href="#Footnote_458" class="fnanchor">[458]</a>, welche ebenfalls Freunde
+der Wissenschaften und Literatur; die dritte endlich, die
+hier zum erstenmale in Europa an's Licht gezogen wird,
+die der Beni <i>Amare</i> in Fars, welche, auf ihre Bergfesten
+stolz, nicht nur den arabischen Eroberungen, sondern auch
+noch der in Chorasan aufsteigenden Dynastie der Beni <i>Ssaffer</i>
+trotzten, indem <i>Omer Ben Leis</i>, der Fürst der letzten,
+zwei Jahre lang den Abdallah Ben Ahmed el-Dschelendi,
+den Fürsten der Beni Amare, bekriegte, ohne denselben
+besiegen zu können. Nach den historischen Ueberlieferungen
+der moslimischen Geschichtschreiber sollen die Beni Amare
+als Herren der Küste und Seeräuber schon zur Zeit des
+Moses geherrscht und das Schiff weggenommen haben, dessen
+im Koran bei der Erzählung der Wanderung des Moses mit
+Chisr nach dem Zusammenfluss der beiden Meere (des arabischen
+und persischen oder persischen und indischen) Erwähnung
+geschieht<a name="FNanchor_459" id="FNanchor_459"></a><a href="#Footnote_459" class="fnanchor">[459]</a>. Nach der Herrschaft der Beni Omeije
+erhob sich unter der der Beni Abbas in Fars die der Beni
+Buje, deren grösste Fürsten besonders die neue Hauptstadt
+Schiras durch Bauten verherrlichten. Während der sieben
+und achtzig Jahre, welche vom Ende der Herrschaft der
+Beni Buje bis zu dem Beginne der Herrschaft der Salghuren
+verflossen, ward Fars durch sieben Statthalter Atabege der
+Seldschuken verwaltet. Der erste, <i>Faslui Schebankjare</i>, von
+dem ein Dichter gesagt:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Von Gott, dem Allerhöchsten, war es Huld und Glück,<br /></span>
+<span class="i0">Dass Ungethüm des Aufruhrs hielt <i>Faslu</i> zurück.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_234" id="Page_234">[234]</a></span></p>
+<p>Der zweite, <i>Rokneddin Chumar Tekin</i>, ertrank; der dritte,
+<i>Dschelaleddin Dschanli</i>, zerstörte Schebankjare; der vierte,
+<i>Rokneddin Dschanli</i>, welcher eine Medrese zu Schiras gebaut,
+ward zu Hamadan erschlagen; der fünfte, <i>Mengubers</i>,
+baute eine Medrese, an welcher er begraben liegt, desgleichen
+seine Gemahlin <i>Sahide</i>, d. i. die Einsiedlerin, die
+nach ihr <i>Issmeti</i>, d. i. die keusche, genannte Medrese; der
+sechste, <i>Besabe</i>, ward, wiewohl ein gerechter und billiger
+Herr, gewaltsamer Weise getödtet, und der siebente, <i>Melekschah</i>,
+hielt, der letzte, das Ansehen der Seldschuken aufrecht. <span class="xidenote">i. J. 543/<br />1048</span>
+Wider diesen stand in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts
+der Hidschret, des eilften der christlichen Zeitrechnung,
+<i>Sonkar Ben Mewdud</i>, der Salghure, vormaliger Sklave Melekschahs,
+in Aufruhr auf und masste sich als Atabege die
+Krone an. Er war Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des unmündigen
+Sohnes Sultan Mohammed's, des Seldschuken, gewesen
+und war von ihm zum Statthalter von Fars bestellt
+worden, das er drei Jahre lang verwaltete, dann aber durch
+seines Bruders Tekele List eingesperrt ward<a name="FNanchor_460" id="FNanchor_460"></a><a href="#Footnote_460" class="fnanchor">[460]</a>. Er hatte
+sich am Fusse des Berges <i>Giluje</i> angesiedelt, von wo aus
+er seine neue Herrschaft begründete; er schlug sich zu
+wiederholtenmalen mit Jakub Ben Arslan, dem Herrn von
+Chusistan, und starb, nachdem er die neugegründete Herrschaft
+durch vierzehn Jahre befestigt. Er baute zu Schiras
+Kloster, Moschee, Karawanserai und eine hohe Minaret, er
+selbst ein hoher Leuchtthurm der Herrschaft, welcher durch
+Siege, Einrichtungen und Bauten als Reichsgründer seinen
+zehn Nachfolgern strahlend vorgeleuchtet<a name="FNanchor_461" id="FNanchor_461"></a><a href="#Footnote_461" class="fnanchor">[461]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Die
+fünf ersten
+Atabegen
+Salghuren.</div>
+
+<p>Der Atabeg <i>Mosaffereddin Sengi Ben Mohammed</i>, der
+Bruder des Gründers, vom Sultan der Seldschuken, Toghrul,
+als Atabege bestätigt, behauptete, wie sein Bruder, die Herrschaft
+durch vierzehn Jahre, wiewohl sie ihm von seinem
+Schwager Saik, welcher zu Baidha ein Karawanserai gebaut,
+mit den Waffen in der Hand streitig gemacht ward. Er
+baute für den grossen Scheich Abdollah Chafif eine kleine
+<span class='pagenum'><a name="Page_235" id="Page_235">[235]</a></span>
+Zelle, welche in der Folge bis zu drei Domen vergrössert,
+erst von Schah Ismail, dem Gründer der Dynastie Ssofi,
+zerstöret ward. <span class="xidenote">570/<br />1174</span> Ihm folgte als dritter Atabeg sein Sohn
+Tekele, ein gerechter Fürst, dessen weiser Grosswesir,
+Emineddin Karasun, zu Schiras Moschee und Kloster erbaute;
+im fünften Jahre seiner Regierung verheerte der
+Atabeg von Aserbeidschan, Pehliwan, der Sohn des Ildigis,
+das Land, und die fünfzehn folgenden Jahre derselben waren
+kaum hinreichend, die dem Lande durch die Verheerung
+geschlagenen Wunden durch gerechte Verwaltung zu heilen; <span class="xidenote">590/<br />1194</span>
+kaum vernarbt, wurden dieselben während der siebenjährigen
+seines Vetters und Nachfolgers <i>Toghrul Ben Sonkor</i><a name="FNanchor_462" id="FNanchor_462"></a><a href="#Footnote_462" class="fnanchor">[462]</a> wieder
+durch den Bürgerkrieg, in welchem ihm sein Vetter, der
+fünfte Atabeg, <i>Ebu Schudschaa</i>, d. i. der Vater der Tapferen,
+<i>Saad Ben Sengi</i>, den Thron zu entreissen strebte, aufgerissen
+und durch Landplagen so schmerzlicher gemacht.
+Auf unerhörte Trockenheit folgte schreckliche Hungersnoth,
+in welcher die Leichname der Hungers Gestorbenen von den
+Ueberlebenden verzehrt wurden, und auf die schrecklichste
+Hungersnoth noch schrecklichere Pest. <span class="xidenote">600/<br />1203</span> Usbeg, der
+Sohn Pehliwan's, der Atabege von Aserbeidschan, verheerte
+Schiras, und vierzehn Jahre hernach, als der Sultan Mohammed
+Tekesch, der Schah Chuaresm's, mit dreimalhunderttausend
+Mann auf dem Zuge nach Bagdad sich des Gebirgslandes
+des persischen Irak bemächtigt hatte, schlug
+sich Saad einigemal mit ihm und wurde von ihm gefangen.
+Mohammed Tekesch, selbst ein tapferer Fürst, erhob die
+Tapferkeit des gefangenen Feindes so hoch, dass er ihm
+die Herrschaft von Fars unter der Bedingniss bestätigte,
+dass dessen Tochter <i>Melike Chatun</i> dem Sohne Chuaresmschah's,
+dem grossen und unglücklichen <i>Dschelaleddin Mankburni</i>
+(dem letzten der Chuaresmschahe), vermählt werde;
+dass das Drittel der Einkünfte von Fars in den Schatz
+Chuaresmschah's fliesse und das feste Schloss Istachr chuaresmische
+Besatzung einnähme. Saad's Sohn Ebubekr missbilligte
+<span class='pagenum'><a name="Page_236" id="Page_236">[236]</a></span>
+den vom Vater geschlossenen Rettungsvertrag, stand
+wider denselben mit den Waffen in der Hand auf, schlug
+ihn einigemal und sperrte ihn im Schlosse von Istachr,
+welches sammt den von <i>Ischnekwan</i> von Chuaresmschah hätte
+besetzt werden sollen, ein. Ebubekr hatte die Pflichten des
+Sohnes so sehr ausser Augen gesetzt, dass er sogar nach
+dem Vater mit Keulen schlug; dieser stürzte den Sohn vom
+Pferde und sperrte ihn in einem der drei Schlösser von
+Istachr ein, erfüllte den mit Chuaresmschah geschlossenen
+Vertrag durch Sendung der Tochter und benützte den Frieden
+zum Baue einer Moschee, eines grossen Karawanserai auf
+dem Wege von Tebris, welches <i>Schehrallah</i>, d. i. die Stadt
+Gottes, heisst, und zu Erneuerung der Mauern von Schiras<a name="FNanchor_463" id="FNanchor_463"></a><a href="#Footnote_463" class="fnanchor">[463]</a>.
+Saad's Wesir war <i>Amideddin Abu Nassir Esaad Abrisi</i>,
+welcher einen Band arabischer und persischer Geschichte
+hinterliess und mit welchem Saad, selbst Dichter, sich öfters
+in poetischen Wettstreit einliess. Die Frucht eines derselben
+ist die berühmte, seitdem auf allen Zungen gang und
+gäbe Antithese Chuaresmschah's:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">In Schlachten wie Eisen, bei Festen wie Wachs,<br /></span>
+<span class="i0">Verderblich dem Feinde, gesegnet dem Freunde<a name="FNanchor_464" id="FNanchor_464"></a><a href="#Footnote_464" class="fnanchor">[464]</a>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Der Wesir <i>Amideddin</i> stand in gelehrtem Briefwechsel mit
+dem Meister aller Humanitätswissenschaften, <i>Omer Er-Rasi</i>,
+über die Schwierigkeiten des mystischen Epos <i>Selaman</i> und
+<i>Absal</i>, welches unter der Hülle einer Männerliebe die Allegorie
+des Aufschwungs der Seele zu göttlicher Liebe. Die
+Volkssage hat die Namen der beiden Helden dieses Gedichtes
+altpersischen Ursprungs einer Steinwand von Sculpturen
+von Schiras<a name="FNanchor_465" id="FNanchor_465"></a><a href="#Footnote_465" class="fnanchor">[465]</a> aufgeheftet, sowie denen von Tak
+Bostan bei Kermanschahan die Sage von Chosrew und Schirin.
+Saad hatte den Wesir Amideddin sammt seinem Sohne Tadscheddin
+zu Ischnekwan, einem der Schlösser Istachr's<a name="FNanchor_466" id="FNanchor_466"></a><a href="#Footnote_466" class="fnanchor">[466]</a>,
+<span class='pagenum'><a name="Page_237" id="Page_237">[237]</a></span>
+eingesperrt; er kürzte sich die lange Weile seiner Gefangenschaft
+durch Gedichte, die er an die Wand schrieb, und
+deren eines die berühmte Kassidet, deren Beginn:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Wer bringt meinen Geist zu <i>Batha's</i> freien Tauben?<br /></span>
+<span class="i0">Die sich der reinen Fluth erfreu'n und grüner Lauben.<br /></span>
+</div></div>
+
+<div class="sidenote">Ebubekr Ben
+Saad und
+sein Bruder
+Salghurschah.</div>
+
+<p>Ebubekr ward nach siebenjähriger Gefangenschaft zu
+Istachr unmittelbar vor des Vaters Tod an dessen Sterbebett
+berufen, und bestieg nach dessen acht und zwanzigjähriger
+Regierung den Thron. <span class="xidenote">623/<br />1226</span> Sein Vater, Saad, hatte Kerman
+erobert und die Schebankjare gedemüthigt, aber sein Sohn
+Ebubekr war ein weit grösserer, sei es als Eroberer, Bauherr
+oder Gönner von Dichtern und Gelehrten. Unter ihm wurden
+die Inseln des persischen Meerbusens <i>Kisch</i> und <i>Bahrein</i>
+und das arabische Gebiet von <i>Katif</i> und <i>Lahsa</i> erobert.
+Seine dreissigjährige Regierung ist der Glanzpunkt der
+Salghurenherrschaft. Ueberall erhoben sich in Fars Karawanseraien
+unter dem Namen Mosaffer Ebubekr's, als zu
+<i>Ebrkuh</i>, <i>Beidha</i>, <i>Karun</i>, im Passe <i>Adhadi</i> und an der Küste
+von <i>Dschaaber</i>, die schönste Juwele aber der Strahlenkrone
+seines Ruhms ist Saadi's Zueignung seines Gülistan, in welchem
+der Dichter gleich Eingangs mit einer von dem emphatischen
+Selbstlobe der Lyriker und Epiker sich sehr
+vortheilhaft auszeichnenden Bescheidenheit den Beifall seiner
+Zeitgenossen einzig dem des Atabegen zuschreibt und auf
+ihn und sich den bekannten schönen Apolog des durch die
+Nachbarschaft der Rose durchdufteten Thones anredet:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Blos weil dein Blick auf mich Unwürd'gen gefallen ist;<br /></span>
+<span class="i0">Mein Werk der Sonne gleich berühmt bei Allen ist;<br /></span>
+<span class="i0">Wenn Alles auch an mir nur Fehl' und Mangel ist,<br /></span>
+<span class="i0">Fehlen, das der Sultan billigt, Tugendangel ist.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Die Zeit hat die Anwendung umgekehrt, und Ebubekr ist
+durch Saadi, nicht aber dieser durch jenen berühmt. Nach
+dem Verderben Chuaresmschah's huldigte Ebubekr Ben Saad
+staatsklug den Herrschern der Mongolen und ward als Atabeg
+in der Herrschaft von Fars bestätigt. Er führte jährlich
+nur dreissigtausend Dukaten an den Schatz ab, eine Summe,
+welche damals der kleinste Distrikt von Fars abwarf; mit
+<span class='pagenum'><a name="Page_238" id="Page_238">[238]</a></span>
+dieser Summe sandte er alljährlich den Sohn Saad mit einem
+seiner Neffen an den Chan; die mongolischen Vögte behandelte
+er freigebig, stellte aber zugleich Späher auf, um
+alle Verbindung des Volkes mit denselben zu hindern, damit
+jene nicht die Wahrheit seiner glänzenden Umstände erführen;
+er genoss des Lebens im Stillen im Garten Firusi,
+von wo er jeden Morgen nach dem Lager sich begab und
+nach aufgehobener Mittagstafel wieder in den Garten zurückkehrte.
+Ein grosser Beschützer der Dichter und Gelehrten,
+besonders aber der Frommen und Derwische, die er mehr
+als die Gesetzgelehrten achtete, weil er, wie es scheint,
+dieselben minder fürchtete. Er hatte von Hulagu bei dessen
+Einmarsch in Persien das Diplom der Herrschaft mit dem
+Titel <i>Kotloghschah</i> erhalten; er hatte denselben seinem
+Sohne Saad und seinem Bruder Salghurschah entgegengesandt.
+Der Bruder, beigenannt <i>Karandank Chan</i>, war ein humaner,
+verständiger Prinz, von schöner Gestalt, aber ganz sinnlichen
+Genüssen ergeben, denen er in den von ihm angelegten
+paradiesischen Gärten, welche <i>Ssubuhabad</i>, d. i. Morgentrunksbau,
+hiessen, ungestört nachhing; seiner unablässigen
+Trinkgelagen ungeachtet, schrieb er täglich als Kalligraphe
+einige Verse des Korans und sandte die Abschrift an die
+Kaaba, Verfasser anmuthiger vierzeiliger anacreontischer
+Strophen. Jedem Gedanken auf Herrschaft fern, lebte er
+einzig seinem Vergnügen, und als Ebubekr, durch eine
+lügenhafte Denuntiation aufgelärmt, die ganze Gesellschaft
+unversehens überfiel, fand er Nichts als ein Gelage von
+Trinkern, wie Wassaf sagt:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">&bdquo;Morgentrunk und dann des Weines Gluglu,<br /></span>
+<span class="i0">Rose, Rosenstrauch und Nachtigall dazu,<br /></span>
+<span class="i0">Traute Sänger, die gebunden und betrunken,<br /></span>
+<span class="i0">Neben Flaschen Schenke, dem das Glas entsunken.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Zerbrochen die Krüge, die grossen, der Wein ausgegossen,
+die Schöne zerwühlt, die Halsschleife zerknüllt, die Halbtrommel
+eine Zeit lang von den Ohrfeigen nicht ertönend,
+und aus dem Mund der Flöte einen Augenblick aufgähnend,
+die Haare verwirrt herumtrollen, wie die Schönen, welche
+<span class='pagenum'><a name="Page_239" id="Page_239">[239]</a></span>
+das Gesicht gegen die Wand wenden, wenn sie schmollen,
+von den Aesten sang ein Ghasel die Nachtigall und ein
+Wunder ist's, dass die Schlafenden nicht erwachten von
+dessen Schall und Widerhall.&ldquo; Bei solcher Lebensart vertiefte
+er sich in Schulden, die dann der Bruder grossmüthig
+zahlte. Eines Tages improvisirte Salghurschah:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre,<br /></span>
+<span class="i0">Wenn mir der Kopf voll Groll und Geizes wäre;<br /></span>
+<span class="i0">So würd' ich dich, wie du gewohnt, gen mich zu handeln,<br /></span>
+<span class="i0">An deiner Statt gerade wie du mich behandeln.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Ebubekr sandte ihm zehn Beutel Goldes, zehn Kisten Kleider,
+zehn edle Pferde nebst der Freudenkunde, dass alle seine
+Schulden getilgt seien<a name="FNanchor_467" id="FNanchor_467"></a><a href="#Footnote_467" class="fnanchor">[467]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Eroberung
+von Kisch;
+und
+Literatur.</div>
+
+<p>Die glänzendste der Eroberungen Ebubekr's ist die der
+Inseln <i>Kais</i> oder <i>Kisch</i> (auf persisch Kosch) und <i>Bahrein</i>,
+wo die reichsten Perlenfischereien im persischen Meerbusen.
+Die erste dieser Inseln hat ihren Namen von Kais, dem
+Sohne Kaissar's, eines Schiffsherrn von <i>Siraf</i>, der Hafen-
+und Stapelstadt der mittägigen persischen Küste. Der Ursprung
+der Macht und der Grösse der Beni Kaissar war
+eine Katze, welche die arme Mutter der drei Söhne Kaissar's
+einem Schiffer als ihr einziges Habe auf einer Fahrt nach
+Indien mitgegeben, die sich aber, weil sie dort, wo gelandet
+ward, es keine Katzen und zu viel Mäuse gab, die letzten
+zusammenfrass, mit einem Schatze von Juwelen und Gold
+rentirte. Die Söhne der Wittwe wurden mächtige Schiffsherren
+und dehnten ihre Unternehmungen bis an die indische
+Küste aus; sie bauten auf Kais einen grossen Palast, den
+sie <i>Aferide</i> nannten und welcher mit der Palasthalle Adhadeddewlet's
+zu <i>Nabend</i> (dem östlich von <i>Siraf</i> gelegenen
+Dorfe) und mit den Säulenhallen des Elephantenhauses
+Adhadeddewlet's zu <i>Siraf</i> um den Vorzug buhlte<a name="FNanchor_468" id="FNanchor_468"></a><a href="#Footnote_468" class="fnanchor">[468]</a>, und
+der Chalife Nassirolidinillah verlieh ihnen das Diplom der
+Herrschaft von Kais unter dem Titel: Sultan <i>Ibnol Melik
+Dschemschid</i>. So herrschten die <i>Beni Kaissar</i>, deren Dasein
+<span class='pagenum'><a name="Page_240" id="Page_240">[240]</a></span>
+bisher aber, sowie das der Beni <i>Amare</i> in Fars, europäischen
+Geschichtschreibern entgangen, auf <i>Kais</i>, als Seifeddin
+Abu Nadhr Ali Ben Keikobad, der Herr der Insel Hormus,
+dem Atabeg Ebubekr seine Hilfe zur Eroberung von Kais
+anbot; die Befehlshaber von <i>Germsir</i>, d. i. dem warmen
+Landstriche der südlichen persischen Küste, wurden zur
+Eroberung von Kais befehligt, und Melik Dschemschid wurde
+nur einige Monate vor dem Tode Tschengischan's getödtet. <span class="xidenote">12. Dchem. achir 626/<br />17. Mai 1229</span>
+Der Herr von Hormus hatte die Insel aber für sich und
+nicht für den Atabegen erobert; wie sich diesem <i>Abu Nadhr</i>
+zum Sturze Melik <i>Sultans</i> angetragen, so boten Indienfahrer
+von Kisch, welche mit ihren reichen, nach Malatia bestimmten
+Ladungen zu <i>Chorschif</i> gelandet hatten, ihre Hilfe
+zum Verderben Abu Nadhr's an. Der Atabeg sandte ein
+Heer von Kurden, Luren und Schulen, und Seifeddin, d. i.
+das Schwert der Religion, Abu Nadhr fiel unter dem Schwerte
+der Feinde. <span class="xidenote">4. Moharrem 628/<br />12. Nov. 1230</span> Der Sultan von Kenbajet in Indien huldigte
+dem Atabegen von Fars, der ihn mit einem Diplome beehrte,
+dessen Beginn: Im Namen Gottes der Erbe des Reichs
+Salomon's, des Gerechten der Welt, Sultan zu Land und
+See, König der Welt und der Religion, Ebubekr Ben Saad,
+der Helfer der Diener Gottes, der Rechtgläubigen. Hierauf
+wurde die mit ihren Perlenfischereien in die Steuerregister
+des Chalifats eingetragene Insel <i>Owal</i>, insgemein <i>Bahrein</i>
+genannt, <span class="xidenote">3. Silhidsche 633/<br />8. Aug. 1236</span> und sieben Jahre darnach die Insel <i>Katif</i>, auf
+welcher das Schloss <i>Tharut</i>, erobert und mit jährlichen
+zwölftausend Dukaten vom Ertrage der Perlenernte besteuert.
+Ebubekr, der grösste der Atabegen, starb in seinem sieben
+und siebzigsten Jahre, <span class="xidenote">5. Dschem. achir 658/<br />19. Mai 1260</span> von seinem Sohne Saad II., dem
+siebenten Atabege, nur zwölf Tage überlebt, worauf der
+letzte minderjährige Sohn, Mohammed Ben Saad, unter
+Vormundschaft Turkjan Chatun's, der Schwester des Atabegen
+von Jesd, <i>Alaeddewlet's</i>, den Thron bestieg. Ebubekr,
+des grössten der persischen Atabege Namen, ist nicht
+nur durch das Gülistan Saadi's, sondern auch durch die
+Werke anderer grosser persischer Dichter verherrlicht, und
+seine Regierung umfasst die der Hulagu's gleichzeitige Blüthe
+<span class='pagenum'><a name="Page_241" id="Page_241">[241]</a></span>
+persischer Kultur. Nach dem Beispiele der Fürsten der
+Dynastien Saman, der Seldschuken und Chuaresmschahe
+hatte er einen Dichterkönig, <i>Hemkjar Farsi</i>, beigenannt
+<i>Medschdeddin Semeki</i>, der seinen Stammbaum bis zu Nuschirwan
+hinaufleitete; Schönredner, Schönschreiber, in trautem
+Umgange mit den grossen Dichtern <i>Imami</i> aus Herat, <i>Abdulkadr</i>
+von Nain, <i>Said</i> von Herat, <i>Nefieddin Lokmani</i><a name="FNanchor_469" id="FNanchor_469"></a><a href="#Footnote_469" class="fnanchor">[469]</a>
+und <i>Esireddin Omani</i>, dem Schüler Nassireddin's von Tus.
+Ein Schüler Nassireddin's von Tus war auch der Chodscha
+Hemameddin, der Atticus dieses Zeitalters, ein reicher Mann
+und aufgeweckter Kopf, dessen Haus Dichtern und Gelehrten
+offen stand<a name="FNanchor_470" id="FNanchor_470"></a><a href="#Footnote_470" class="fnanchor">[470]</a>. So günstig, als Ebubekr den Dichtern, so
+wenig liebte er die Gelehrten, besonders die, so sich Philosophen
+nannten; er verbannte mehrere derselben aus Schiras,
+darunter den grossen Imam <i>Ssadreddin Mahmud El-Uschnusi</i>,
+den berühmtesten Prediger seiner Zeit<a name="FNanchor_471" id="FNanchor_471"></a><a href="#Footnote_471" class="fnanchor">[471]</a>; er fürchtete, sagt
+Wassaf, dass die Gelehrten mittels Einsicht und Geldes die
+Regierungsgeheimnisse erfahren, die Regierung in ihrem
+freien Gange beeinträchtigen könnten. Die grösste und
+schönste der Stiftungen Ebubekr's ist das grosse Spital von
+Schiras mit dem dazu gehörigen Garten. Nach Ebubekr's
+Lobpreis steht im Gülistan Saadi's das Saad's, seines Sohnes
+und des grossen Emirs Ben Ebi Nassr.</p>
+
+<div class="sidenote">Turkjan's
+tragisches
+Ende; Fars,
+dem mongolisch.
+Reiche
+einverleibt.</div>
+
+<p>Turkjan, die Regentin von Fars, sandte huldigende Geschenke
+an Hulagu und erhielt von demselben das Diplom
+der Herrschaft auf den Namen ihres Sohnes, welcher schon
+nach zwei Jahren und sieben Monaten sein Leben durch
+einen Sturz vom Dache endete. Der Leiter ihrer Geschäfte
+war der von Saadi im Gülistan gepriesene Grosswesir Nisameddin
+Ebubekr, der als Gesandter an Hulagu ging, ihr bekannter
+Günstling aber der schöne Sklave Schemseddin Miak,
+ein Mamluke des Atabegen Saad; nach Mohammed's Tod
+wurde sein Vetter Mohammed, der Sohn Salghur's, zum
+Herrscher ausgerufen, welchem Turkjan zwar ihre Tochter
+<span class='pagenum'><a name="Page_242" id="Page_242">[242]</a></span>
+<i>Selgham</i> vermählte, aber nichtsdestoweniger wider ihn bei
+Hulagu Ränke schmiedete. Mohammed, der Sohn Salghur's
+(der Bruder Ebubekr's), war ein tapferer Fürst, der im
+Geleite des Ilchan's vor Bagdad durch Proben seiner Tapferkeit
+sich bei Hulagu in Kredit gesetzt, aber als er zur Regierung
+gelangt, sich der Weichlichkeit ergab. Sein im
+Schlosse von Istachr eingesperrter Bruder bat ihn vergebens
+in Versen um Befreiung. Da verschwor sich die Frau
+Turkjan wider ihren Schwiegersohn mit den Emiren der
+Schulen und Turkmanen, liess ihn im Hareme ergreifen
+und sandte ihn nach viermonatlicher Regierung, als der Regierung
+unfähig, an Hulagu. Die Emire der Schulen befreiten
+den gefangenen Bruder <i>Seldschuk</i> und setzten denselben
+auf den Thron. Turkjan Chatun hatte ihm ihre
+Hand gereicht und so sehr darauf gerechnet, seinen Arm
+zu leiten, als er in ihre Schönheit verliebt war; aber bei
+einem Trinkgelage, wo die Sänger und Sängerinnen die
+Charaktere der sieben berühmtesten Liebespaare arabischer
+und persischer Romane vorstellten, nämlich: <i>Koseir</i> und
+<i>Osa</i>, <i>Amrol Kais</i> und <i>Oneise</i>, <i>Irwet</i> und <i>Aafra</i>, <i>Emher</i>
+und <i>Wefa</i>, <i>Leila</i> und <i>Medschnun</i>, <i>Weise</i> und <i>Gilschad</i>,
+<i>Schirin</i> und <i>Ferkad</i>, scheint den schon Trunkenen die
+Furcht, dass er in Liebesbanden gegängelt werde, aufgestachelt
+zu haben; auf den von ihm einem gegenüberstehenden
+Neger gegebenen Wink hieb dieser der Frau Turkjan
+den riesigen Kopf ab, und als ihm derselbe auf goldenem
+Becken dargebracht ward, riss er die grossen Perlen der
+Ohrgehänge weg und warf sie den Sängern vor, wie es
+scheint, als Dank, dass ihn ihr Gesang zu solcher That begeisterte.
+Die beiden mongolischen Vögte <i>Oghlobeg</i> und
+<i>Kotlogh Bitekdschi</i>, die Mordthat missbilligend, suchten zu
+Schiff zu entkommen, aber Seldschuk, ihre Entfernung gewahr,
+eilte ihnen im Hemde, nur mit goldener Keule bewaffnet,
+nach, erschlug den einen und liess den anderen
+ermorden. <i>Miak</i> war an den Hof Hulagu's gegangen, wo
+Mohammed noch gefangen gehalten, erst in Freiheit gesetzt
+und nach Fars bestimmt, bald aber darauf hingerichtet ward.
+<span class='pagenum'><a name="Page_243" id="Page_243">[243]</a></span>
+Hulagu sandte seine Generale <i>Altadschu</i> und <i>Timur</i> nach
+Fars, den Atabegen zu züchtigen; da dieser trotz der an
+ihn ergangenen Aufforderung zur Reue, auf welche Verzeihung
+folgen sollte, den Boten misshandelte, rückte Altadschu,
+verstärkt von den Truppen des Sultans von Kerman
+und des Atabegen von Jesd (des Bruders Turkjan's), in
+Fars ein. Seldschuk flüchtete nach <i>Chorschif</i>. Zu Kjarsun
+kam es zur Schlacht; geschlagen, suchte Seldschuk vergebens
+am Grabmale des Schwagers Morschid Rettung und
+ward am Fusse des weissen Schlosses getödtet. Kanzelgebet
+und Münze wurden nun auf den Namen des einzigen
+übrigen Sprösslings der Atabegen, der Tochter Turkjan's,
+<i>Abisch</i><a name="FNanchor_472" id="FNanchor_472"></a><a href="#Footnote_472" class="fnanchor">[472]</a> (aus Saad Ebubekr), verrichtet. Nach der Niederlage
+Seldschuk's hatte der General Timur auf ein allgemeines
+Gemetzel der Einwohner von Schiras angetragen,
+aber Altadschu gab hierzu seine Einwilligung nicht, und
+wurde in der Folge, als der Seid <i>Scherefeddin</i> neuen Aufruhr
+zu Schiras anzettelte, von Hulagu vor Gericht gestellt
+und, weil er zu milde gewesen, nach der Jasa zur Prügelstrafe
+verurtheilt. <span class="xidenote">661/<br />1262</span> Schon im ersten Jahre nach dem Tode
+Seldschuk's wurde der neue Atabeg, die Frau Abisch, mit
+Mengu Timur, dem eilften Sohne Hulagu's, vermählt; statt
+des Heirathsgutes, das sie dem Prinzen mitbringen sollte,
+wurde ein Sechstel der Besitzungen von Schiras mit den
+Einkünften von jährlichen achttausend Dukaten ausgeschieden,
+und <i>Abisch</i> blieb bei ihrem Gemahle im Lager, wo sie noch
+zwanzig Jahre als Atabeg von Fars geehrt, ihr Land aber
+von mongolischen Vögten (Baskak) und Intendenten (Melik)
+verwaltet ward, von denen in der Folge dieser Geschichte
+noch mehrmal die Rede sein wird. Dieser Erwerb des
+<span class='pagenum'><a name="Page_244" id="Page_244">[244]</a></span>
+Kerns ganz Persiens, der Landschaft Fars, welche, wie
+Wassaf sagt, das Kleid der sieben Erdgürtel, das achte der
+Paradiese, durch Heirath, krönte die Politik Hulagu's zu
+Ende seiner Laufbahn, die er als Brecher der Burgen der
+Assassinen und Eroberer von Bagdad begonnen. Der Krone
+des Ilchan's und Padischah's von Iran durfte die schönste
+Juwele derselben nicht fehlen, welche die Landschaft Fars.</p>
+
+
+
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_245" id="Page_245">[245]</a></span></p>
+<h2><a name="Viertes_Buch" id="Viertes_Buch"></a><a href="#Inhalt">Viertes Buch.</a></h2>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+
+
+<div class="block"><p>Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften;
+die Familie desselben und Schemseddin's;
+Schlacht gegen Nokai; armenische und
+ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und
+dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in
+Luristan; der Tod grosser Männer; Schemseddin
+Kert und Dschuweini; die niguderischen Banden
+in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug wider
+Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan;
+Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet
+und wieder zu Gnaden aufgenommen;
+Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht von
+Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die
+Christen.</p></div>
+
+
+<div class="sidenote">Abaka's
+Thronbesteigung.</div>
+
+<p>Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik
+am sichersten bewegt; am wenigsten bedarf derselben die
+gerade, offene des Völkerwohls, welcher das Gesetz den
+sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel quergängige
+des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler
+gefährdeten Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von
+jeher in östlichen Reichen und auch in westlichen, schon
+vom Hinscheiden des ersten römischen Kaisers angefangen,
+Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange
+als möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen
+zeitgemässen Anstalten die Kunde desselben immer zugleich
+mit der von der Besitzergreifung des Nachfolgers verlaute<a name="FNanchor_473" id="FNanchor_473"></a><a href="#Footnote_473" class="fnanchor">[473]</a>;
+<span class='pagenum'><a name="Page_246" id="Page_246">[246]</a></span>
+daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach
+mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und
+Befehl erlassen, dass Niemand sich von seiner Stätte bewege.
+Ein Eilbote ward an <i>Abaka</i>, den durch des Vaters
+Anordnung zum Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter
+von Chorasan, abgefertigt, und zugleich <i>Arghun</i>, welcher
+bei Abaka die Stelle des Wesirs bekleidete, einberufen.
+Abaka, der sich damals im Winterquartiere von <i>Arran</i>, und
+sein Bruder Jaschmut, der sich an der Gränze von Derbend
+befand, trafen am achten Tage nach des Vaters Tod ein;
+der letzte, der unberufen gekommen, kehrte, als er sah,
+dass die Fluth der Stimmen der Emire wider ihn rinne,
+in zwei Tagen wieder zurück; <span class="xidenote">19. Dschem. ewwel 663/<br />9. März 1265</span> Abaka aber stieg im Lager
+von <i>Tschaghantu</i> (am Goldfluss in der Nähe Meragha's)
+ab, wo ihm die Emire bewillkommend entgegengingen und
+<i>Ilkai</i>, der Emir des Lagers, dem Prinzen als treuer Diener
+zugethan, demselben, der erste, Brod und Wein als Bürgen
+der Sicherheit reichte. Nachdem die Prinzen und Prinzessinnen
+ihr Beileid bezeugt, versammelten sich die grossen
+Emire und Nujane, deren sich eben Viele gegenwärtig befanden<a name="FNanchor_474" id="FNanchor_474"></a><a href="#Footnote_474" class="fnanchor">[474]</a>.
+<i>Sundschak</i> Nujan, welchem Hulagu seinen letzten
+Willen und die Schriften anvertraut hatte, und <i>Arghun</i> bezeugten
+mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's letztwilliger
+Anordnung <i>Abaka</i> zum Nachfolger auf dem Throne
+bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder nieder und
+huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den
+Befehl Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber
+sagten: Du kennst besser als wir die Gebote und Verbote
+der Jasa, der alten und neuen, wie sollte er einen anderen
+ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung
+und herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten
+Juni den Thron im ein und dreissigsten Jahre seines Alters. <span class="xidenote">3. Ramasan 663/<br />19. Juni 1265</span>
+<span class='pagenum'><a name="Page_247" id="Page_247">[247]</a></span>
+Die Prinzen warfen die Mützen in die Höhe, die Gürtel
+um den Hals, um dadurch zu sagen, dass ihr Kopf unbedeckt,
+das ist nicht mehr frei, dass ihr Gürtel bereit, als
+Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren, beugten
+siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem Chan.
+&bdquo;Die Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der
+leichter als des Feuers Schein, und wie des Paradieses
+Quelle rein; sie massen den Wein in kleinen und grossen
+Massen aus goldenen und silbernen Tassen ein.&ldquo; Mehrere
+Tage dauerte das Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin
+von Tus als glücklich bezeichneten Monate hatte die
+Thronbesteigung am <i>Tschaghan Nur</i>, d. i. am weissen See,
+im Distrikte <i>Ferahan</i>, statt; <i>Ferahan</i> ist eine Stadt mittler
+Grösse am Ufer eines Sees, wo nach persischer geschichtlicher
+Ueberlieferung Tahmuras, der Diwbändiger, seine
+Residenz erbaute, die längst in Schutt zerfallen<a name="FNanchor_475" id="FNanchor_475"></a><a href="#Footnote_475" class="fnanchor">[475]</a>; es liegt
+in derselben Höhe und Breite, wie das vier Tagreisen von
+Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan entfernte <i>Dolfabad</i>,
+der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch seinen Witz,
+Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten Emirs <i>Ebu
+Dolf Kasim Ben Isa Ben Idris</i>; südlich vom Gebirge Rasmend,
+an dessen Fusse die grosse Fontaine Chosrew's Perwis.
+An dieser, durch historische Erinnerungen aus der ältesten
+Zeit des persischen Reichs und der des Chalifates so
+reichhaltigen Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an.</p>
+
+<div class="sidenote">Verleihung
+der Befehlshaberschaften.</div>
+
+<p>Abaka wollte bis zur Ankunft der Bestätigung Kubilai's
+nicht auf dem Throne, sondern nur auf einem lehnlosen
+Stuhle sitzen; aber er traf nichtsdestoweniger alle Massregeln
+und Anordnungen der Herrschaft als <i>Chan</i>, <i>Ilchan</i>,
+<i>Schah</i> und <i>Padischah</i>, d. i. als Herr, Landesfürst, König
+und Monarch. Nachdem er die Prinzen und Prinzessinnen,
+die Nujane und Emire der Tomane (der Zehntausenden),
+der Hesare und Ssade (Tausender und Hunderter) mit Geschenken
+überhäuft, flogen in alle Gegenden Boten mit der
+<span class='pagenum'><a name="Page_248" id="Page_248">[248]</a></span>
+Nachricht seines Regierungsantrittes und mit Befehlen für
+Bestätigung und Aufrechthaltung der Jasa Tschengischan's
+und Hulagu's im strengsten Sinne; dann vertheilte er die
+Befehlshaberschaften der Heere und die Statthalterschaften
+des Reichs. Dem Bruder <i>Jaschmut</i> wurde mit wohlgerüstetem
+Heere die Huth der nördlichen Gränze gegen Derbend<a name="FNanchor_476" id="FNanchor_476"></a><a href="#Footnote_476" class="fnanchor">[476]</a>,
+Schirwan, Moghan bis an die Gränze des Altai;
+dem Bruder <i>Tuktin</i> die Huth der östlichen Gränze von
+Masenderan und Chorasan bis an den Oxus anvertraut. Der
+<i>Bitekdschi</i> (Staatssekretär) <i>Tughu</i>, der Sohn Ilkai Nujan's,
+und <i>Tudan</i>, der Bruder Sundschak Nujan's (der Ahnherr
+des zu Ende dieser Geschichte als ein grosser Charakter
+auftretenden Emirs <i>Tschoban</i>), wurden nach Rum gesendet,
+wo sie später von den Emiren <i>Semaghar</i> und <i>Kehurkai</i> abgelöset
+wurden. <i>Dutai</i> Nujan wurde nach Diarbekr und
+<i>Dijar Rebiaa</i> an die syrische Gränze befehligt, die militärische
+Aufsicht Georgiens dem <i>Schiramun</i>, dem Sohne
+Dschurmaghun's, des vormaligen Befehlshabers in Persien,
+die von Bagdad und Fars dem <i>Sundschak</i> Nujan übertragen;
+die Verwaltung der Krongüter erhielt <i>Baltadschu</i> Aga und
+die der Pachten<a name="FNanchor_477" id="FNanchor_477"></a><a href="#Footnote_477" class="fnanchor">[477]</a> <i>Arghunaga</i>. Zur obersten Würde des
+Wesirs als Leiter und Herrn des Diwans zu Tebris wurde
+<i>Schemseddin Mohammed</i> von Dschuwein und zu seinem Stellvertreter
+als Leiter und Inhaber des Diwans sein Bruder
+<i>Alaeddin Atamülk</i>, der Geschichtschreiber, ernannt. Zu
+Issfahan stand der Sohn des Wesirs Schemseddin, <i>Chodscha
+Behaeddin</i>, an der Spitze der Geschäfte. Die Verwaltung
+von <i>Chorasan</i> wurde dem Chodscha <i>Iseddin Tahir</i> und nach
+ihm seinem Sohne Chodscha <i>Wedschiheddin</i> zugewandt;
+<i>Fars</i> wurde im Namen der Atabegin <i>Abisch</i> verwaltet und
+die Aufsicht der Pachten hatte dort <i>Tasiku</i> auf sich. Die
+Herrschaft von <i>Kerman</i> wurde der Prinzessin Turkjan Chatun,
+die von <i>Nimrus</i> dem <i>Melik Schemseddin Mohammed Kert</i>
+<span class='pagenum'><a name="Page_249" id="Page_249">[249]</a></span>
+und von <i>Georgien</i> dem <i>Abd</i> und seinem Sohne <i>Ssadren</i>,
+die <i>Armeniens</i> dem König <i>Hethum</i> bestätigt. <i>Diarbekr</i> wurde
+dem Dschelaleddin Tarsi, <i>Dijar Rebiaa</i> dem <i>Mosaffer Fachreddin
+Kara Arslan</i>, <i>Kaswin</i> und ein Theil Iraks dem
+<i>Iftichareddin Kaswini</i>, Tebris dem <i>Ssadreddin</i> zur Verwaltung
+anvertraut. Aus dieser nach Reschideddin gegebenen
+Uebersicht der Heere und Ländervertheilung erhellet, dass
+schon damals, wie später im osmanischen Reiche, dessen
+Staatseinrichtungen grösstentheils den mongolischen nachgebildet
+sind, die militärischen Befehlshaberschaften der
+Gränze von den Statthalterschaften, die Aemter des Diwans
+von denen der Finanz getrennt waren. Wir haben hier
+sechs grosse militärische Hüter der Gränzen: in <i>Schirwan</i>
+und <i>Chorasan</i>, in <i>Georgien</i>, <i>Kleinasien</i>, in <i>Fars</i> und im
+arabischen <i>Irak</i>, drei Wesire, Inhaber des Diwans: zu <i>Tebris</i>,
+<i>Bagdad</i> und <i>Issfahan</i>, drei Intendenten der Krongüter und
+Pachten, fünf Vorsteher der inneren Verwaltung: in <i>Chorasan</i>,
+<i>Diarbekr</i>, <i>Dijar Rebiaa</i>, zu <i>Kaswin</i> und <i>Tebris</i> und endlich
+die dem Namen nach herrschenden, aber eigentlich nur im
+Namen der Mongolen das Land verwaltenden fünf Fürsten
+von <i>Kerman</i>, <i>Nimrus</i>, <i>Georgien</i>, <i>Armenien</i> und <i>Fars</i>; zählen
+wir hierzu noch die schon oben erwähnten Fürsten, welche
+nur unter der eisernen Keule mongolischer Herrschaft ihr
+Land regierten, nämlich die Atabegen von <i>Gross-</i> und <i>Klein-Luristan</i>
+und von <i>Jesd</i>, die noch zu <i>Mardin</i> herrschenden
+Fürsten aus der Familie Ortok und die zu <i>Hossnkeif</i> aus
+der Familie Ejub (denn die noch übrigen syrischen von
+<i>Himss</i>, <i>Hama</i> und <i>Kerek</i> gehorchten nun dem Sultan Aegyptens),
+so haben wir beim Regierungsantritte Abaka's sieben
+und zwanzig von ihm begewaltigte grosse Befehlshaber der
+Heere und Länder, Vorsteher der Geschäfte und Verwalter
+der Güter.</p>
+
+<div class="sidenote">Schemseddin's
+Familie.</div>
+
+<p>Der Geschichtschreiber Wassaf, statt diese Eintheilung
+zu geben, hebt als die vier Säulen des Ruhms der Zeit
+Abaka's, von welcher die feste und sichere Herrschaft der
+Ilchane in Persien datirt, vier in ihrem Fache ausgezeichnete
+Männer hervor als &bdquo;die vier Grossen unter ihren Zeitgenossen&ldquo;;
+<span class='pagenum'><a name="Page_250" id="Page_250">[250]</a></span>
+der erste derselben der grösste Astronom und
+Philosoph seiner Zeit, <i>Nassireddin</i> von Tus, der Gründer
+der Sternwarte zu Meragha, der Verfasser der grossen
+Metaphysik und Ethik, welcher am Hofe Hulagu's und Abaka's
+die Stelle des Ministers des Unterrichts vertrat und der bei
+Gelegenheit der Thronbesteigung Abaka's hundert seiner
+Schüler mit Geschenken des neuen Herrn bedräute<a name="FNanchor_478" id="FNanchor_478"></a><a href="#Footnote_478" class="fnanchor">[478]</a>. Der
+zweite der Wesir <i>Schemseddin Dschuweini</i>, der dritte der
+Tonkünstler <i>Ssafijeddin Abdolmumin El Ormewi</i> und der
+vierte der Schönschreiber <i>Dschemaleddin Jakut</i>. Von den
+beiden letzten genügt hier der Name, den ersten haben wir
+bereits in dieser Geschichte handeln gesehen; Schemseddin
+Mohammed Dschuweini tritt aber erst jetzt als Wesir an
+die Spitze der Reichsgeschäfte in seiner ganzen Grösse
+auf. &bdquo;Unter seiner Regierung&ldquo;, sagt Wassaf, &bdquo;begehrten
+die Schafe von den Wölfen das mehrjährige Blutgeld, und
+das Repphuhn liebäugelte mit Falken und Habichten; durch
+ihn wurde der gute Name des Padischah auf den schwarzen
+und weissen Blättern der Tage und Nächte mit schöner
+Glückesschrift aufgezeichnet.&ldquo; Unter seiner gerechten Verwaltung
+erhob sich Bagdad, wo sein Bruder sein Stellvertreter,
+wieder aus dem Schutte der Verheerung Hulagu's.
+Mehr als hunderttausend Goldstücke verwandte er auf die
+Grabung eines Kanales, um damit Meschhed (die Grabstätte
+Ali's) und die Umgegend von Nedschef zu bewässern.
+Tadscheddin Ali, der Sohn des Emirs Dolfendi, welcher
+von Schemseddin mit der Ableitung des Kanals aus dem
+Euphrat und mit der Urbarmachung der todten Ländereien
+beauftragt war, hinterliess über dieses verdienstliche Werk
+eine besondere Abhandlung. Seide und Imame, Redner und
+Dichter erschöpften sich in Prose und Versen, im Lobe
+seiner Gerechtigkeit, Weisheit, Freigebigkeit und Milde.
+In seine Fussstapfen trat sein Bruder Atamülk zu Bagdad,
+aber nicht Schemseddin's Sohn, der Chodscha Behaeddin,
+der Inhaber des Diwans zu Issfahan, welcher die öffentliche
+<span class='pagenum'><a name="Page_251" id="Page_251">[251]</a></span>
+Sicherheit nur durch Spähersystem und durch blutige Strenge
+erhielt. Auf den Bericht eines Kundschafters, der die nächtliche
+Runde der Wachen gemacht, dass er den Hauptmann
+wach und eifrig auf seinem Posten, einen Mann der Wache
+aber schlafend, einen anderen abwesend gefunden, befahl
+er, allen dreien zwei und siebzig Prügel zu geben, weil
+der Hauptmann nicht früher als der Kundschafter die Anzeige
+der Bestrafung der zwei Schuldigen gemacht. Einem,
+der ihn zu fest angesehen, liess er die Augen ausstechen;
+einem seiner Kinder, welches, auf seinem Schoosse spielend,
+ihn beim Barte zupfte, schwur er, heftig auffahrend, dafür
+an den Hacken schlagen zu lassen, und da keiner der Grossen
+fürzubitten wagte, packten die Schergen den Knaben und
+schlugen ihn vor des Vaters Augen zur Erfüllung von dessen
+Eidschwur an den Hacken<a name="FNanchor_479" id="FNanchor_479"></a><a href="#Footnote_479" class="fnanchor">[479]</a>. So ein blutiger Tyrann Behaeddin,
+so ein grosser Beschützer war er der Gelehrten,
+und ein trefflicher Oekonome seiner Zeit, die er zwischen
+Studien und Waffenübungen, Reichsversammlungen und Festen
+theilte:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">&bdquo;Zwischen den Federn und zwischen den Fahnen,<br /></span>
+<span class="i0">Zwischen Gelagen und zwischen Diwanen<a name="FNanchor_480" id="FNanchor_480"></a><a href="#Footnote_480" class="fnanchor">[480]</a>.&ldquo;<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Nach aufgehobenem Diwane verbrachte er die Zeit im Gespräche
+mit Gelehrten, eingedenk des Spruchs:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">&bdquo;Gespräch mit Gelehrten ist besser als Kosen mit Liebesgefährten.&ldquo;<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>und schloss sich, nachdem er dieselben entlassen, mit seinen
+Vertrauten ein, um sich dem Genusse des Weines zu überlassen:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">&bdquo;Wein, der unter'm Schleier<a name="FNanchor_481" id="FNanchor_481"></a><a href="#Footnote_481" class="fnanchor">[481]</a> spricht,<br /></span>
+<span class="i0">Durch die Rosen im Gesicht.&ldquo;<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Nach dem Trinkgelage beschäftigte er sich noch tief in die
+Nacht hinein mit politischen Untersuchungen und polemischen
+Studien, nur wenige Stunden dem Hareme und dem
+Schlafe gönnend, und nur seinen Bruder <i>Harun</i>, der es
+ihm an Gründlichkeit philosophischer Studien zuvorthat, um
+diesen Vorzug mit Recht beneidend. Diesem widmete der
+<span class='pagenum'><a name="Page_252" id="Page_252">[252]</a></span>
+grosse obgenannte Tonkünstler Ssafijeddin Abdolmumin seine
+Abhandlungen über die Volkslieder<a name="FNanchor_482" id="FNanchor_482"></a><a href="#Footnote_482" class="fnanchor">[482]</a>, über ihren Ursprung,
+Composition und Tonarten. Eines Tages, als in einer Versammlung
+bei Behaeddin, wo auch der grosse Tonkünstler
+gegenwärtig, Harun, vom Weine erhitzt, diesen ganz kurzweg
+<i>Ssafijeddin</i> anredete, entschuldigte Behaeddin vor den
+Gegenwärtigen die Freiheit des Bruders, einen so grossen
+Künstler schlichtweg bei seinem Zunamen angeredet zu haben,
+indem er sagte: <i>Harun</i>, der den Namen des grössten der
+Chalifen trägt, der eine Verwandte des letzten der Chalifen
+zur Frau hat, dessen Sohn Mamun heisst und der zu Bagdad
+wohnt, denkt sich erlaubt, den grossen Künstler nach der
+Gewohnheit des Chalifen bloss mit dessen Zunamen statt
+mit dessen Vornamen und eigenen Namen anzureden. Diess
+waren die Söhne Schemseddin's, des Wesirs, die Neffen
+seines Bruders <i>Atamülk</i>, des Verfassers der <i>Welterobernden
+Geschichte</i>.</p>
+
+<div class="sidenote">Abaka's
+Familie.</div>
+
+<p>Nachdem die Leser auf diese Weise die Heerführer,
+Statthalter und Wesire Abaka's kennen gelernt, müssen sie
+sich auch mit seiner eigenen Familie näher bekannt machen.
+Diese bestand, die kinderlosen Beischläferinnen ungerechnet,
+aus der Mutter, eilf Frauen, drei Beischläferinnen Müttern,
+sieben Töchtern und zwei Söhnen. Seine Mutter war die
+Frau <i>Jesundschin</i> aus dem Stamme Suldus. Von seinen
+Frauen nennen wir die beiden, nach des Vaters Tode aus
+dessen Harem in das seine herübergenommenen zuerst, weil
+sie durch Ansehen und Würde den übrigen vorgingen; diese
+waren: die Frau <i>Oldschai Chatun</i>, welche mit <i>Tokus</i> Chatun
+den Vater Hulagu auf seinem Auszuge nach Persien begleitet
+hatte, die treue Gefährtin desselben auf seinen dreizehnjährigen
+Feldzügen; dann <i>Tokini</i> Chatun, die Base der
+grossen Frau Tokus, die Beischläferin Hulagu's, welcher
+Abaka nach dem Tode ihrer Base das Lager derselben aneignete,
+ihr als Frau den <i>Baghtak</i>, d. i. den Frauenkopfschmuck,
+aufsetzte und an die Stelle <i>Durdschi Chatun's</i> als
+<span class='pagenum'><a name="Page_253" id="Page_253">[253]</a></span>
+grosse Frau erklärte. Die vierte seiner Gemahlinnen war
+die Tatarin <i>Nukdan</i>, die Mutter seines Sohnes <i>Kendschatu</i>,
+welche aber jung starb. Ihr folgte <i>Iltürmisch</i> Chatun, die
+Tochter Timurgurgan's, die Schwester <i>Turka Gurgan's</i>, des
+Konghuraten. Hierauf nahm er die Prinzessin <i>Padischah</i>
+Chatun, die Tochter Sultan Kutbeddin Mohammed Chan's
+von Kerman, die er an die Stelle seiner Mutter, <i>Jesundschin</i>,
+setzte, so dass ihr die ersten Ehren des Frauengemachs
+erwiesen wurden. Die siebente und achte Gemahlin waren
+ebenfalls zwei Wittwen Hulagu's, die Konghuratinnen Frauen
+<i>Mertai</i> und <i>Kuti Chatun</i>, Schwestern Musa Gurgan's, des
+Sohnes der Tochter Tschengischan's, von denen die erste
+unter der Regierung Arghun's gestorben. Die neunte Gemahlin,
+<i>Tudai</i> Chatun, die Konghuratin, und nach ihr
+<i>Bulghan</i> Chatun, die Verwandte des Oberstrichters <i>Nokai</i>
+[die Konghuratin<a name="FNanchor_483" id="FNanchor_483"></a><a href="#Footnote_483" class="fnanchor">[483]</a>], welche er vor allen anderen liebte
+und daher im Range sowohl der <i>Mertai</i> als der <i>Despina</i>,
+d. i. der griechischen Prinzessin, vorsetzte. Die letzte war
+<i>Maria</i>, die natürliche Tochter Michael's, des Paläologen,
+aus einer Diplowatzerin. Michael, welcher gegen das Ende
+der Regierung Hulagu's mit demselben Frieden und Freundschaft
+unterhandelt hatte, sandte ihm zum Unterpfande desselben
+die Tochter vom Archimandriten des Klosters des
+Pantokrators von Villehardouin, dem Bruder des Fürsten
+des Peloponnesos, mit reichen Geschenken begleitet; unter
+diesen befand sich eine tragbare Kirche in Gestalt eines
+Zeltes, dessen Wände und Dach dichte seidene Stoffe, mit
+goldenen Kreuzen und Heiligenbildern und den Opfergefässen<a name="FNanchor_484" id="FNanchor_484"></a><a href="#Footnote_484" class="fnanchor">[484]</a>.
+Der Paläolog durfte sich schmeicheln, dass dieselbe
+als Christin von ihrer Glaubensgenossin, der Frau
+<i>Tokus</i>, wohl empfangen, wie dieselbe die Freiheit öffentlichen
+Gottesdienstes im Lager mit Glocken geniessen würde.
+In Cäsarea angelangt, erhielt sie die Nachricht vom Tode
+<span class='pagenum'><a name="Page_254" id="Page_254">[254]</a></span>
+Hulagu's; aber Michael, gleich folgerecht in seiner Politik,
+welcher er die Tochter opferte, und in der mongolischen
+Ansicht, nach welcher die Gemahlinnen und Bräute aus dem
+Frauengemache der Väter in das der Söhne übergingen,
+sandte den Befehl zur Fortsetzung der Reise an den Hof
+Abaka's, in dessen Frauengemach sie doch der aus persönlicher
+Neigung vorgezogenen Frau Bulghan weichen musste.
+Von seinen Beischläferinnen gebar ihm <i>Kaitmisch Ikadschi</i>
+den Sohn <i>Arghun</i>, dann <i>Kewkebi Ikadschi</i> die Tochter
+<i>Toghandschuk</i>, hierauf <i>Buludschin Ikadschi</i> die beiden Töchter
+<i>Ilkotlogh</i> und <i>Oldschatai</i>; die vier anderen wurden ihm von
+Gemahlinnen geboren, nämlich <i>Julkotlogh</i> und <i>Taghai</i> aus
+der Frau <i>Tudai</i>, dann <i>Nudschin</i> aus der Frau <i>Mertai</i> und
+endlich <i>Melike</i> aus der Frau Bulghan. Diese sieben Töchter
+waren keine an Prinzen vom Geblüte, sondern nur an Söhne
+von Emiren oder grossen Beamten vermählt; so <i>Julkotlogh</i>
+an den <i>Ildschitai Kuschdschi</i> von der Leibwache, Toghandschuk
+an den Emir <i>Newrus</i>, den Sohn Arghunaga's, Melike
+an <i>Taghai Buka</i>, den Sohn des Oberrichters Nokai. In
+dieser Gallerie von Frauen sind die merkwürdigsten die
+griechische Prinzessin <i>Maria</i>, die karachitaische Prinzessin
+<i>Padischah Chatun</i> und vor allen <i>Bulghan Chatun</i>, eine gewiss
+eben so an Schönheit als an Geist hochbegabte Frau, welche
+ohne so ausgezeichnete Vorzüge nicht die grosse Rolle gespielt
+haben könnte, in welcher sie, von einem Frauengemache
+der Herrscher in's andere wandernd, dieselben
+mehr oder minder beherrschte durch Schönheit und Geist,
+hohen Muth und Charakter ein ganzes Menschenalter hindurch,
+dreissig Jahre lang.</p>
+
+<div class="sidenote">Schlacht
+mit Nokai.</div>
+
+<p>Die erste Waffenthat der Regierung Abaka's hatte an der
+nördlichen Gränze statt, wo Nokai, um die unter Hulagu erlittene
+Schlappe zu rächen, aus Derbend auf das Heer des
+Prinzen Jaschmut ausgefallen, über den <i>Kor</i> gezogen war.
+Die Schlacht begab sich an den Ufern des Flusses <i>Akssu</i><a name="FNanchor_485" id="FNanchor_485"></a><a href="#Footnote_485" class="fnanchor">[485]</a>, <span class="xidenote">3. Schewwal 663/<br />19. Juli 1265</span>
+<span class='pagenum'><a name="Page_255" id="Page_255">[255]</a></span>
+den die Mongolen <i>Tschaghan Muran</i> nennen (das eine und
+andere heisst <i>Weisswasser</i>). Der Verlust war von beiden
+Seiten gross. Nokai, von einem Pfeile in's Auge getroffen,
+flüchtete nach Schirwan. Jaschmut ging über den <i>Kor</i>, aber
+wieder zurück, als er vernahm, dass Berke mit einem Heere
+von dreimalhunderttausend Mann nahe; die Brücken waren
+alle abgerissen worden, so dass Berke, nachdem er vierzehn
+Tage lang vergebens am Ufer des Kor geweilet hatte, wieder
+nach Tiflis zurückging, um dort leichter über den Fluss zu
+setzen; aber auf dem Wege erkrankte und starb er. Abaka
+befahl, von <i>Delai Nor</i> bis an die Wüste der Kurden einen
+Wall mit einem tiefen Graben längs des Kor zu ziehen, an
+dem er Truppen zur Gränzhuth zurückliess, ohne dass desshalb
+der Handelsverkehr der beiden Länder mittels der
+Karawanen unterbrochen ward. Nach Beendigung dieses
+Werkes entliess er von dort den Prinzen Mengu Timur (den
+eilften Sohn Hulagu's, Gemahl der Atabegin Abisch und der
+Frau Oldschai) und brachte den Winter in Masenderan und
+Gurgan (dem alten Hyrkanien) zu. <span class="xidenote">665/<br />1266</span> Während dieses Winters
+erschien <i>Mesudbeg</i>, der Sohn des berühmten Wesirs Mahmud
+Jelwadsch, als Gesandter Kaidu's, des Herrschers des Uluses
+Ogotai, im Lager Abaka's, um die noch ausständige Rechnung
+der Einkünfte seiner Krongüter zu begehren. Abaka
+empfing denselben sehr ehrenvoll, liess ihm das Kleid
+Tschengischan's anziehen und wies ihm seinen Sitz ober
+allen Emiren an, ausgenommen Ilkai. Abaka trug dem Inhaber
+des Diwans, dem Wesir Schemseddin, auf, die Rechnung
+auf's schnellste auszufertigen, und binnen einer Woche
+kehrte der Gesandte, reich beschenkt, schnell zurück. Erst
+einige Tage nach seiner Abreise, als die Nachricht eintraf,
+dass sich am Ufer des Dschihun ein Heer sammle, sah
+Abaka, dass dies Begehren der Rechnung nur ein Vorwand
+gewesen und dass Mesud als Kundschafter <i>Borrak's</i>, des
+Urenkels Dschaghatai's, gekommen, welcher dem Mubarekschah
+die Herrschaft des Uluses Dschagatai entrissen.
+Abaka fertigte sogleich Gesandte ab, um den verkappten
+Kundschafter Borrak's zurückzubringen; sie erreichten aber
+<span class='pagenum'><a name="Page_256" id="Page_256">[256]</a></span>
+die Ufer des Oxus in dem Augenblicke, als Mesudbeg eben
+über denselben gesetzt. Abaka ging nach Chorasan bis
+Serchas und wandte sich dann in's Winterquartier nach
+Masenderan. Zu <i>Kebuddschame</i>, d. i. Blaukleid, in der an
+Korn, Wein und Seide fruchtbaren Stadt Taberistan's<a name="FNanchor_486" id="FNanchor_486"></a><a href="#Footnote_486" class="fnanchor">[486]</a>,
+ging er dem Gepäcke Hulagu's entgegen, welches mit dessen
+Wittwe Kuti Chatun und den Söhnen Hulagu's, <i>Tekschin</i>
+und <i>Tekuder</i>, und mit dem Enkel desselben, <i>Dschuschkab</i>,
+dem Sohne Dschumkur's, <i>Badu</i>, dem Sohne Tarakai's, und
+Jesundschin Chatun, der Mutter Abaka's, welche zur Zeit
+des Aufbruches Hulagu's nach Persien im Hoflager Mengkukaan's
+geblieben waren. Dschumkur, der Vater Dschuschkab's
+und Kendschu's, war in dem Bürgerkriege zwischen Kubilai
+und Arikbugha gezwungen gewesen, die Partei des letzten
+zu ergreifen, was jetzt die Söhne entschuldigten; er war
+seitdem gestorben; die Frau Kuti hatte zu Bedachschan den
+Tod Hulagu's vernommen und sich blind geweint; er verlieh
+ihr die Einkünfte von Diarbekr, Miafarakain und einigen
+anderen Oertern als Nadelgeld, das bei den Mongolen
+<i>Tonlik</i>, das Geld auf Unterhosen, heisst. Die Einkünfte
+betrugen das Jahr über hunderttausend Goldstücke. Er
+brachte den Winter zu <i>Tschanganlu</i> (in der Gegend von
+Meragha), den Sommer in den Weiden von <i>Alatagh</i> an den
+Quellen des Euphrats und zu <i>Siahkuh</i> (Schwarzberg) zu,
+und überwinterte dann in der Landschaft <i>Arran</i>.</p>
+
+<div class="sidenote">Armenische
+und ägyptische
+Verhältnisse.</div>
+
+<p>Während dieser beiden Jahre, wo Abaka Nichts gethan,
+um die weiteren Fortschritte Sultan Beibars in Syrien
+zu hindern, hatte dieser den Kreuzfahrern die Städte <i>Cäsarea</i>,
+<i>Arssuf</i>, <i>Ssafed</i>, <i>Jafa</i>, <i>Schakif</i>, die Schlösser <i>Haifa</i>, <i>Arka</i>,
+<i>Kaliat</i>, <i>Meluhat</i>, <i>Dschebele</i> entrissen<a name="FNanchor_487" id="FNanchor_487"></a><a href="#Footnote_487" class="fnanchor">[487]</a> und war in Cilicien
+in die Staaten König Hethum's eingefallen, welcher erst
+beim mongolischen Befehlshaber in Rum und dann bei Abaka
+selbst vergeblich Hilfe gesucht. Indessen Leon, der Sohn
+Hethum's, den Pass von <i>Iskenderun</i> (Alexandriette) besetzt
+<span class='pagenum'><a name="Page_257" id="Page_257">[257]</a></span>
+hielt, ward er von den Aegyptern umgangen und dann bei
+Serwend geschlagen und gefangen; sein Bruder <i>Toros</i> und
+einer seiner Oheime fielen in der Schlacht. Die Sieger
+kamen am folgenden Tage nach Tel Hamdun, setzten über
+den Dschihun und bemächtigten sich des den Templern
+gehörigen, auf einem steilen Hügel gelegenen Schlosses
+Amudin, das verbrannt ward. Gleiches Schicksal hatte <i>Sir</i>,
+die Hauptstadt Kleinarmeniens. Der Herr von Hama, der
+jetzt in den Reihen der Aegypter focht, lagerte an den
+Ruinen dieser Stadt, während der ägyptische Feldherr <i>Kilawun</i>
+(der nachmalige Sultan) die Städte Ajas, Massissa und
+Adana verheerte. Das ägyptische Heer kehrte mit so reicher
+Beute beladen, mit so vielen geraubten Heerden zurück,
+dass der Ochs, im Lager um zwei Dirhem losgeschlagen,
+keinen Käufer fand. Hethum, der vergebens bei Abaka
+Hilfe gesucht, sah sich gezwungen, den Frieden mit Beibars
+auf dessen Bedingungen abzuschliessen. Dieser begehrte die
+Zurückstellung mehrerer von den Mongolen den Aegyptern
+entrissener, dem Königreiche Armenien einverleibter Schlösser
+und die Freigebung des ägyptischen Generals <i>Schemseddin
+Sonkar el-Aschkar</i>, d. i. Sonne der Religion, Falke der
+Falbe, seines alten Waffengefährten, welchen Hulagu zu
+Haleb gefangen, nach Persien gesendet hatte. <span class="xidenote">Juni 1267</span> Der Friede
+wurde zu Antiochien unterschrieben; die festen Plätze Behesna,
+Derbesek, Merseban<a name="FNanchor_488" id="FNanchor_488"></a><a href="#Footnote_488" class="fnanchor">[488]</a> wurden zurückgestellt, der
+Emir Sonkar gegen den bisher im Schlosse von Kairo in
+Verhaft gehaltenen Prinzen Leon ausgewechselt<a name="FNanchor_489" id="FNanchor_489"></a><a href="#Footnote_489" class="fnanchor">[489]</a>. Bald
+darauf verfügte sich König Hethum an den Hof Abaka's, der
+sich damals zu Bagdad befand, um ihm für die Auslösung
+seines Sohnes zu danken und um die Erlaubniss zu bitten,
+dem Sohne den Thron abtreten zu dürfen. <span class="xidenote">1269</span> Nachdem er
+dieselbe erhalten, rief er die Grossen seines Reichs zu
+Tarsus zusammen, entsagte der Krone zu Gunsten Leon's
+und zog sich nach fünf und vierzigjähriger Regierung unter
+<span class='pagenum'><a name="Page_258" id="Page_258">[258]</a></span>
+dem Namen Makarius in's Kloster von <i>Trazargh</i> zurück, wo
+er einige Monate hierauf starb<a name="FNanchor_490" id="FNanchor_490"></a><a href="#Footnote_490" class="fnanchor">[490]</a>. Im selben Jahre sandte
+Abaka Gesandte an Beibars, welcher dieselben zu Damaskus
+zugleich mit den Gesandten des griechischen Kaisers und
+Mengku Timur's, des Nachfolgers Berke's auf dem Throne
+von Kipdschak, empfing. Abaka warf in seinem Schreiben
+dem Sultan Aegyptens den an seinem Herrn Kotos begangenen
+Königsmord vor und fragte, wie er, der vormals zu
+Siwas verkaufte Mamluke, es wagen könne, den Königen,
+Söhnen der Könige, gebornen Weltbeherrschern, zu widerstehen.
+Er drohte, ihn anzugreifen und Alles dem Schwerte
+zu opfern; er schrieb an Beibars selbst: &bdquo;und wenn du in
+die Wolken aufflögest, und wenn du unter die Erde hinunterstiegest,
+du würdest mir nicht entfliehen&ldquo;. Beibars
+antwortete: &bdquo;Es ist wahr, dass ich den Kotos getödtet, aber
+die Sultanschaft ist mir durch freie Wahl der Bege übertragen
+worden; wenn es dir Ernst, mich anzugreifen, so
+komm', wir werden bereit sein, dich zu empfangen, um
+die den Musulmanen entrissenen Länder denselben wieder
+zurückzuerobern.&ldquo; Abaka war nicht im Stande, seinen Drohungen
+Folge zu geben; daran hinderte ihn das von Osten
+sein Reich bedrohende Ungewitter, indem Borrak, der
+Herrscher des Uluses Dschagatai, wider Chorasan herangezogen.
+Die feindliche Stellung Borrak's gegen Abaka würde
+vom Leser nicht gehörig beurtheilt werden können, wenn
+derselbe nicht in Kenntniss der früheren Begebenheiten,
+welche zwischen diesem und Kaidu, dem Herrscher des
+Uluses Ogotai, vorgefallen und die wir nun nach Reschideddin
+erzählen.</p>
+
+<div class="sidenote">Kaidu's und
+Borrak's
+Vertrag.</div>
+
+<p>Kaidu's, des Sohnes Kaschim's, des fünften Sohnes
+Ogotai's, ist bereits Erwähnung geschehen, so auch Borrak's,
+des Sohnes Jesentewa's, des zweiten Sohnes Muwatukjan's,
+des zweiten Sohnes Dschagatai's<a name="FNanchor_491" id="FNanchor_491"></a><a href="#Footnote_491" class="fnanchor">[491]</a>. Dieser, von Kubilai
+<span class='pagenum'><a name="Page_259" id="Page_259">[259]</a></span>
+zum Herrscher des Uluses Dschagatai ernannt, hatte sich
+nicht sobald in den Besitz des Uluses gesetzt, als er mit
+dem Statthalter Turkistan's, <i>Mogholtai</i>, Streit begann. Dieser
+sandte den Emir <i>Tekmisch</i>, jener den Emir <i>Kuwindschi</i> mit
+einem Heere; Tekmisch ward von Kuwindschi geschlagen,
+aber dieser musste sich vor einem zweiten stärkeren Borrak's
+zurückziehen. Borrak verwüstete Choten und schlug auch
+das Heer, welches Kaidu und Kipdschak, der Feldherr
+Mengu Timur's, des Herrschers von Kipdschak, wider ihn
+geführt. Mengu Timur, hierüber ergrimmt, sandte seinen
+Oheim Berekdschar mit fünfzigtausend Mann zu Hilfe Kaidu's.
+Borrak, von demselben geschlagen, zog sich nach Samarkand
+in der Absicht, das fruchtbare Land zu verheeren. Kaidu
+und Kipdschak beriethen sich, wie das Unheil abzuwenden,
+und Kipdschak, zwischen welchem und Borrak alte Freundschaftsbande
+bestanden, trug sich an, den Frieden zu unterhandeln.
+In der Ebene von Soghd empfing Borrak den
+Kipdschak auf dem Throne, setzte ihn neben sich, trank
+mit ihm und bewirthete ihn mehrere Tage hindurch in der
+Steppe von <i>Katwan</i> in der Nähe des Karawanserai<a name="FNanchor_492" id="FNanchor_492"></a><a href="#Footnote_492" class="fnanchor">[492]</a>. Abu
+Mohammed's Tonkünstler spielten in den in Kipdschak beliebtesten
+Tonarten, um dem Prinzen Kipdschakaghul zu
+gefallen. Dieser war der Sohn Durdschi's, des Sohnes Kadan's,
+des sechsten Sohnes Ogotai's und folglich ein Neffe
+Kaidu's. Er kam mit Borrak überein, dass sich dieser und
+Kaidu mit den Truppen, mit denen sie dermalen zu Samarkand
+und Bochara standen, begnügen, dieselben nicht vermehren
+sollten und Borrak Bochara verschone. Kaidu und
+Berekdschar gaben ihre Zustimmung, und die Prinzen versammelten
+sich im Frühjahre <span class="xidenote">667/<br />1269</span> in der Ebene von Talas und
+Kundschuk, wo nach achttägiger Gasterei Kurultai stattfand<a name="FNanchor_493" id="FNanchor_493"></a><a href="#Footnote_493" class="fnanchor">[493]</a>.
+Kaidu sprach von dem Vertrage Tschengischan's
+und wie alle Zwietracht der Prinzen demselben zuwider;
+dann nahm Borrak das Wort und sagte: da Kaidu an der
+Spitze des Uluses Ogotai stehe, wie Mengu Timur an der
+<span class='pagenum'><a name="Page_260" id="Page_260">[260]</a></span>
+des Uluses Dschudschi's in Kipdschak, wie Kubilai und Abaka
+die Herrschaft des Uluses Tuli's im Osten und Westen
+theilten, so möge man auch ihn als Oberhaupt des Uluses
+Dschagatai unangefochten lassen und sich friedlich mit ihm
+verständigen. Die drei Prinzen der drei Uluse kamen dann
+überein, das Land zwischen dem Dschihun und Sihun in
+drei Theile zu theilen, wovon einer von Borrak, die beiden
+anderen von Truppen Kaidu's und Mengu Timur's besetzt
+bleiben sollten; sie verbanden sich gegenseitig, mit ihren
+Reitern nur in den Steppen herum zu ziehen, die Städte
+nicht zu betreten, die Unterthanen zu schonen; im folgenden
+Frühjahre aber sollte dem Borrak freistehen, gegen Chorasan
+zu ziehen und sich auf Kosten Abaka's zu vergrössern:
+&bdquo;Sie besiegelten ihren Vertrag nach mongolischer Sitte mit
+gewechselten Bechern und Kleidern, indem sie die Hefe
+auf die Erde gossen&ldquo;<a name="FNanchor_494" id="FNanchor_494"></a><a href="#Footnote_494" class="fnanchor">[494]</a>. Eine Zeit lang genoss das Land
+unter der gerechten Verwaltung Mesud's, der als weiser
+Wesir in seines Vaters Jelwadsch Fussstapfen trat, des erwünschten
+Wohlstandes, bis bald darauf, als Mengu Timur
+und Kaidu sich veruneinigt hatten, das Heer des letzten
+dem des ersten entgegenziehend Bochara verlassen, die
+Besitzungen desselben berannte, das Land, trotz der Vorstellungen
+seines Wesirs Mesudbeg, durch Erpressungen
+verheerend. Borrak, im Besitze des Landes zwischen dem
+Dschihun und Sihun, war nun auf den Feldzug gegen Abaka
+bedacht, worüber ihm die Herrscher des Hauses Ogotai und
+Dschudschi, als Feinde des Uluses Tuli, freie Hand gelassen,
+sandte aber zuerst die schon oben erwähnte Gesandtschaft
+an Abaka, um den Zustand desselben besser zu
+erkunden.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_261" id="Page_261">[261]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Botschaft
+Borrak's
+und
+Rüstungen
+desselben.</div>
+
+<p>Der öffentliche Auftrag dieser Botschaft lautete, wie
+schon oben gesagt worden, die ausständigen Rechnungen
+über die beiden Prinzen gemeinsamen Krongüter zu verlangen;
+aber ein geheimer war, den Prinzen Nigudaraghul,
+den ersten Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Dschagatai's,
+welcher im Heere Abaka's diente, von demselben
+abspenstig zu machen. Zu diesem Ende war der Gesandte
+mit einem der geheimen Briefpfeile versehen, welche die
+Mongolen <i>Tughane</i> nennen, in deren Schaft die geheime
+Depesche verborgen<a name="FNanchor_495" id="FNanchor_495"></a><a href="#Footnote_495" class="fnanchor">[495]</a>. In dem Briefe gab Borrak dem
+Prinzen Kunde, dass er im Begriffe, wider Abaka in's Feld
+zu ziehen; er möge, als ein Prinz des Uluses Dschagatai,
+sich hüten, dem Feinde ferner zu dienen. Die Aufforderung
+fruchtete; Nigudar, zu einem Kriegsrathe berufen, entschuldigte
+sich und bat um Erlaubniss, in seinen Jurt nach
+Georgien zurückkehren zu dürfen; er hoffte über Derbend,
+im Norden des kaspischen Meeres, das Lager Borrak's zu
+erreichen; aber Dschiramun Nujan, welchem die Huth der
+nördlichen Gränze übertragen war, hinderte ihn an der
+Ausführung dieses Planes, indem er ihn, sich nach Georgien
+zu werfen, zwang, wo er durch die Hand der Tochter des
+Königs David Bürgschaft seiner Sicherheit suchte, aber nicht
+fand; denn die Gegner trachteten ihm nach dem Leben, so
+dass er im folgenden Jahre mit Weib und Kind sich auf
+Gnade und Ungnade in die Arme Abaka's warf. <span class="xidenote">668/<br />1270</span> Abaka
+liess sechs seiner Emire hinrichten, seine Truppen unter
+die Tausender, Hunderter und Zehner vertheilen, setzte
+ihm fünfzig Mongolen als Aufseher und ihn selbst zu Derjar
+Kebudan in Verhaft, aus welchem er jedoch in der Folge,
+nach der Niederlage Borrak's, entlassen ward<a name="FNanchor_496" id="FNanchor_496"></a><a href="#Footnote_496" class="fnanchor">[496]</a>. Der Botschaft
+Borrak's ritt Schemseddin Dschuweini, der Wesir
+Abaka's, bewillkommend entgegen, und trotz der hohen
+Meinung, die er von sich selber hatte, stieg er, als er in
+die Nähe Mesud's kam, doch vom Pferde und küsste dem
+Mesudbeg ehrfurchtsvoll die Bügel. Dieser, minder bescheiden,
+<span class='pagenum'><a name="Page_262" id="Page_262">[262]</a></span>
+als sein Vater, Jelwadsch, sagte, verächtlich auf
+Schemseddin herabsehend: &bdquo;Du bist der Inhaber des Diwan's!
+Dein Name ist besser, als dein Aussehen.&ldquo; Schemseddin's
+Klugheit verschmerzte den bitteren Gruss für den Augenblick
+mit Stillschweigen, rächte sich aber bald hernach
+durch die Nachsendung der Boten, welche den Gesandten
+als Kundschafter zurückbringen sollten, und als diese zu
+spät kamen, durch die Entflammung des Krieges wider
+Borrak, der seinen Bundesgenossen Kaidu um Hilfe ansprach.
+Kaidu sandte Jerligh an die Prinzen <i>Ahmed Ben Buri</i><a name="FNanchor_497" id="FNanchor_497"></a><a href="#Footnote_497" class="fnanchor">[497]</a>,
+<i>Balighu</i><a name="FNanchor_498" id="FNanchor_498"></a><a href="#Footnote_498" class="fnanchor">[498]</a> und <i>Nikpei Aghul</i><a name="FNanchor_499" id="FNanchor_499"></a><a href="#Footnote_499" class="fnanchor">[499]</a>, dass sie bei Tirwed über
+den Oxus gehen sollten; <i>Tschabad</i>, der Sohn Huku's<a name="FNanchor_500" id="FNanchor_500"></a><a href="#Footnote_500" class="fnanchor">[500]</a>, <i>Mobarekschah</i><a name="FNanchor_501" id="FNanchor_501"></a><a href="#Footnote_501" class="fnanchor">[501]</a>
+und <i>Kipdschak</i>, der Sohn Kaidu's<a name="FNanchor_502" id="FNanchor_502"></a><a href="#Footnote_502" class="fnanchor">[502]</a>, erhielten
+den Befehl, mit Borrak zu Amu über den Dschihun zu
+setzen; weiter hinauf sollten <i>Kokadschu</i><a name="FNanchor_503" id="FNanchor_503"></a><a href="#Footnote_503" class="fnanchor">[503]</a> der grosse und
+<i>Banial</i> bei Chiwa, <i>Kokadschu</i> der kleine aber bei <i>Mingkkischlagh</i>,
+welches der gewöhnliche Ueberfuhrsort von Chuaresm,
+über den Fluss gehen und sich mit Borrak jenseits
+desselben vereinen. Dieser rüstete den Krieg aus allen Kräften,
+alle Pferde wurden zum Dienste des Heeres weggenommen
+und des Tages mit sieben Menn Gerste und Korn gefüttert,
+um sie fett, alle Hunde wurden getödtet, um aus ihren
+Häuten Schilde zu machen; so entstand Theuerung und
+Mangel. Um dem Heere Proviant zu verschaffen, befahl
+Borrak, das Land bis Bochara und Samarkand zu verheeren.
+Mesud machte ihm abermals Vorstellungen dagegen und auf
+die Unklugheit aufmerksam, sich auf diese Weise selbst
+sicheren Rückzug abzuschneiden. Borrak bestrafte diese freimüthige
+Vorstellung des weisen Wesirs mit sieben Prügelstreichen,
+nahm aber den Befehl der Verheerung zurück.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_263" id="Page_263">[263]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Borrak zieht
+über den
+Oxus und
+wird von
+Kipdschak
+verlassen.</div>
+
+<p>Ausser den oben genannten, von Kaidu zur Hilfe Borrak's
+bestellten neun Prinzen des Uluses Ogotai und Dschagatai
+stellten sich zu seinem Dienste noch vier des Uluses Dschudschi,
+nämlich die beiden Jesawur [der grosse und kleine]<a name="FNanchor_504" id="FNanchor_504"></a><a href="#Footnote_504" class="fnanchor">[504]</a>,
+<i>Meraghul</i> und <i>Dschelertai</i><a name="FNanchor_505" id="FNanchor_505"></a><a href="#Footnote_505" class="fnanchor">[505]</a>. Mit diesem Heere eroberte
+Borrak Chorasan von den Gränzen Bedachschan's und Schiburghan's
+(bei Balch) bis nach Nischabur. Ehe er noch
+über den Oxus gesetzt, sandte er Botschaft an Tekschin (den
+vierten Sohn Hulagu's, den Bruder Abaka's), welchem vom
+Vater die Herrschaft über das Gebiet von <i>Badghis</i>, östlich
+von Herat, eingeräumt, vom Bruder bestätigt worden. <i>Badghis</i>,
+was nur verderbte Aussprache von <i>Badchis</i>, d. i. Windaufstehend,
+weil dort immer die Winde rege, hiess vormals
+<i>Pasin</i> und war die Hauptstadt der Hunnen Euthaliten; die
+Wälder der Gegend sind meistens Pistazienwälder, von denen
+Herat und andere Städte mit Pistazien versehen werden.
+In diesem Bezirke liegt das unbezwingliche Schloss <i>Nertku</i><a name="FNanchor_506" id="FNanchor_506"></a><a href="#Footnote_506" class="fnanchor">[506]</a>,
+das <i>Aornos</i> Chorasan's, auf einem tausend Ellen hohen Felsen,
+zu welchem eine halbe Stunde lang ein nur für Einen Menschen
+gangbarer Pfad führt, noch nie durch Gewalt der
+Waffen bezwungen; die Gegend umher ist so kalt, dass die
+Rosen hier erst im Juli blühen; das Holz zu dem Baue der
+Häuser von Herat kommt aus diesen Wäldern und ist so
+trefflicher Eigenschaft, dass es weder austrocknet noch
+fault, der Boden so fruchtbar, dass derselbe ohne Mühe
+und Kultur hundertfach trägt<a name="FNanchor_507" id="FNanchor_507"></a><a href="#Footnote_507" class="fnanchor">[507]</a>. Nach der Felsenburg
+<i>Nertku</i> ist <i>Kiasis</i> ein geschichtlich merkwürdiger Ort des
+Gebietes von <i>Badghis</i>, weil es die Grabstätte <i>Mokannaa's</i>,
+des berühmten falschen Propheten, der allnächtlich aus einem
+Brunnen von <i>Nachscheb</i> einen Mond aufsteigen liess (vermuthlich
+<span class='pagenum'><a name="Page_264" id="Page_264">[264]</a></span>
+von bengalischem Feuer), der die Gegend weit
+umher erleuchtete<a name="FNanchor_508" id="FNanchor_508"></a><a href="#Footnote_508" class="fnanchor">[508]</a>. Borrak liess den Prinzen Tekschin
+wissen, das Land von Badghis bis Ghasnin und dem Indus
+gehöre zur Weide seiner Väter, und er möge daher dasselbe
+räumen. Tekschin antwortete: er hätte es als väterliches
+Erbe von seinem <i>Aka</i>, d. i. dem älteren Bruder und
+Herrn Abaka, bei dem er sich erst anfragen müsse. Abaka
+antwortete: dass das Land von Badghis zu den Krongütern
+des Hauses Hulagu's gehöre und dass er dasselbe wider den
+Angriff Borrak's zu vertheidigen wissen werde. Auf diese
+Antwort hatte Borrak mit den Prinzen, die in seinem Geleite,
+Kriegsrath gehalten und war über den Oxus gegangen,
+nachdem er seinen Sohn Begtimur mit tausend Reitern zu
+Kesch und Nachscheb zurückgelassen. Melik Schemseddin
+Kert von Herat kam dem Prinzen huldigend entgegen, um
+die Schonung seines Landes zu erhalten, welche auch zugestanden,
+aber die Verheerung alles übrigen, dem Kubilai
+oder seinem Neffen Abaka gehörigen Landes befohlen ward<a name="FNanchor_509" id="FNanchor_509"></a><a href="#Footnote_509" class="fnanchor">[509]</a>.
+Von Seite Abaka's befehligte sein älterer Sohn Arghun,
+welchem die Statthalterschaft von Chorasan verliehen ward,
+das Heer; in demselben befand sich ein Emir der Tausender
+Namens <i>Sidschektu</i>, welcher ehemals ein Hausgenosse des
+Prinzen Kipdschak; als er hörte, dass dieser sich im Heere
+Borrak's befände, sandte er ihm ein Geschenk von Pferden,
+das dieser mit gleichem entgegnete; diess war der Anlass
+eines heftigen Streites zwischen Kipdschak und dem Feldherrn
+Dschelartai dem Dschelairen, welcher dem Kipdschak
+in Borrak's Gegenwart vorwarf, die bessten Pferde für sich
+behalten und nur die schlechteren dem Borrak gegeben zu
+haben. Kipdschak rief aus: &bdquo;Hat je ein Karadschu, d. i.
+ein Unterthan, solche Worte gegen einen Abkömmling
+Tschengischan's so gesprochen, dass sich solch ein Hund
+solcher Worte erfrechen darf.&ldquo; &ndash; &bdquo;Wenn ich ein Hund
+bin&ldquo;, antwortete Dschelartai, &bdquo;bin ich der Hund Borrak's
+und nicht der deine.&ldquo; &ndash; &bdquo;Ich werde dich entzwei hauen,&ldquo;
+<span class='pagenum'><a name="Page_265" id="Page_265">[265]</a></span>
+rief Kipdschak, &bdquo;ohne dass mein <i>Aka</i> es mir verarge.&ldquo; &ndash;
+&bdquo;Und ich,&ldquo; entgegnete Dschelartai, die Hand auf den Dolch
+legend, &bdquo;wenn du nahest, dir den Bauch spalten.&ldquo; Da
+Borrak durch sein Stillschweigen dem Dschelartai Recht gab,
+verliess Kipdschak erzürnt die Versammlung und in der
+Nacht mit zweitausend Reitern das Lager. Die Versuche
+Borrak's, denselben durch die Sendung von drei Prinzen
+zur Rückkehr zu bewegen, waren vergebens. Dschelartai
+folgte mit dreitausend Mann, in der Hoffnung, ihn zu überrumpeln;
+aber da die Prinzen fürchteten, dass, wenn die
+Truppen desselben in Sicht kämen, Kipdschak sie mit sich
+führen würde, kehrten sie unverrichteter Dinge zurück.
+Kaidu fühlte empfindlich diese, seinem Vetter zugefügte
+Beleidigung; er machte gegen Abaka die Flucht Kipdschak's
+aus dem Lager Borrak's als ein Verdienst geltend, und verband
+sich, seinen alten Verbündeten Borrak verlassend, mit
+Abaka in Freundschaft, so dass sie sich fortan <i>Ortak</i>, d. i.
+Genossen, hiessen.</p>
+
+<div class="sidenote">Held
+Merghaul,
+Dschebat's
+Flucht.</div>
+
+<p>Abaka sandte den Prinzen Jaschmut mit einem Heere
+zu Hilfe Tekschin's, welcher dem Anfalle des Heeres Borrak's
+preisgegeben, während Schiramun im Norden sich mit Nigudar,
+dem in Abaka's Lager flüchtigen dschagataischen
+Prinzen, schlug. Mit fünf Tomanen, d. i. mit fünfzigtausend
+Mann, trat Borrak den Zug durch Chorasan an<a name="FNanchor_510" id="FNanchor_510"></a><a href="#Footnote_510" class="fnanchor">[510]</a>; seine
+beiden tapfersten Feldherren, <i>Dschelartai</i> der Dschelaire
+und <i>Merghaul</i>, jener ein Bogenschütze, wie <i>Aresch</i>, der
+berühmte Bogenschütze der altpersischen Geschichte; den
+Bogen Dschelartai's vermochte kein Anderer zu spannen, als
+er selbst. Merghaul war vorzüglich in der Kunde des <i>Dschade</i>,
+d. i. des Wetter- und Hagelmachens mittels des Regensteines,
+bewandert; er sagte von sich selbst: &bdquo;Ich binde den Gaul
+zu <i>Konghus Alanik</i> an und reite nicht faul den Falben<a name="FNanchor_511" id="FNanchor_511"></a><a href="#Footnote_511" class="fnanchor">[511]</a>
+<span class='pagenum'><a name="Page_266" id="Page_266">[266]</a></span>
+bis an die Alpen desselben<a name="FNanchor_512" id="FNanchor_512"></a><a href="#Footnote_512" class="fnanchor">[512]</a>, ohne dass, um auszuruhn,
+ich den Zügel vom Kopf muss thun, und ohne dass die
+Schweissdecke trocken werde.&ldquo; <i>Purbaha Dschami</i>, der
+persische berühmte Dichter, welcher, ein Türke oder Mongole
+von Geburt, zur Zeit Arghun's (des Sohnes Abaka's)
+halb aus persischen, halb aus türkischen und mongolischen
+Worten bestehende Mischlingsgedichte verfertigte, sagt in
+seiner zum Lobe Schemseddin Dschuweini's verfassten Kassidet:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Die Trennung <i>Merghaul</i> verheert Geduld mit Schwert,<br /></span>
+<span class="i0">Wie jüngst <i>Borrak</i> mit seinem Heer das Land verheert<a name="FNanchor_513" id="FNanchor_513"></a><a href="#Footnote_513" class="fnanchor">[513]</a>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Solchen Kräften und Helden vermochten die Prinzen Arghun,
+Jaschmut und Tekschin (jener der Sohn, diese die Oheime
+Abaka's) nicht zu widerstehen, und er zog also selbst an
+der Spitze eines Heeres nach Herat. Indessen hatte Borrak
+Gesandte an Kaidu geschickt, um sich über die Empörungen
+der beiden Prinzen <i>Kipdschak</i> und <i>Dschebat</i>, welche er ihm
+zu Hilfe gesandt und die ihn nun verlassen, zu beklagen.
+Als Dschebat an die Gränze Bochara's gelangt, rastete er
+einige Tage aus. Die Emire der Tadschiken (Perser) gaben
+hiervon dem Begtimur Aghul, welchen der Vater, Borrak,
+jenseits des Oxus zurückgelassen, Kunde: &bdquo;Könntest du,&ldquo;
+fragte Begtimur den Tasikaka (den Emir der Tadschiken),
+&bdquo;mit fünfhundert Reitern denselben nicht abwehren?&ldquo; &ndash;
+Tasik antwortete: &bdquo;Ich bin <i>Karadschu</i>, d. i. Unterthan, und
+Dschebat ist <i>Urugh</i>, d. i. vom Herrscherhause, wie kann
+sich der Karadschu mit dem Urugh schlagen?&ldquo; &ndash; Da sass
+Begtimur selbst zur Verfolgung Dschebat's auf, der sich mit
+genauer Mühe mit zehn Reitern rettete, nachdem er die
+Brücke von <i>Tschirameghan</i> zerstört; dreissig Parasangen
+weit verfolgte ihn die Truppe Borrak's, ohne ihn erreichen
+zu können. Borrak machte sich jedoch nicht viel aus der
+Entweichung der beiden ogotaischen Prinzen, Kipdschak und
+Dschebat, vertheilte ihre zurückgebliebenen Truppen unter
+die seinen, und schwelgte, unbesorgt der Zukunft. Merghaul
+<span class='pagenum'><a name="Page_267" id="Page_267">[267]</a></span>
+wurde nach Nischabur gesandt, Borrak blieb zu Thalkan;
+Nischabur wurde geplündert, und gleiches Loos hatte Borrak
+der Stadt Herat bestimmt. <span class="xidenote">6. Ramasan 668/<br />30. April 1269</span> Da stellte ihm Kotlogh Timur
+vor, dass, wenn er sich den Herrn von Herat, Melik Schemseddin
+Kert, zum Feinde mache, derselbe ganz Chorasan
+empören würde. Borrak gab der Vorstellung Gehör und
+sandte den Kotloghbeg mit fünfhundert Reitern, den Herrn
+von Herat in's Lager zu laden. Im Schlosse <i>Chaisar</i> trafen
+sie zusammen. Melik Schemseddin, ein staatskluger Kopf,
+folgte der Einladung; er ward von Borrak ehrenvoll empfangen
+und mit Chorasan belehnt; Mehreres noch versprach
+ihm Borrak nach Persiens Eroberung; sie sprachen von
+Nichts, als von der Verheerung Bagdads und der Stadt
+Tebris, deren Schätze sie schon im Gedanken theilten, indem
+der Herr von Herat sich dem Lieblingsplane Borrak's
+hingab. Dieser begehrte von ihm eine Liste der reichsten
+Einwohner Chorasan's. Schemseddin gab auch diese und
+begehrte die Erlaubniss, nach Herat zurückzukehren, um
+dort Waffen und Pferde aufzubringen. Die Einwohner Herat's
+gingen ihm entgegen und vernahmen trostlos die mongolische
+Forderung; da aber indessen die Nachricht vom Anzuge
+des Heeres Abaka's verlautete, zog sich Melik Schemseddin
+in das östlich von Herat gelegene Schloss <i>Chaisar</i> zurück;
+hier erwartete er politisch den Ausgang des Kampfes zwischen
+dem Uluse Dschagatai und Hulagu's, zwischen Abaka
+und Borrak, den Untergang des letzten voraussehend<a name="FNanchor_514" id="FNanchor_514"></a><a href="#Footnote_514" class="fnanchor">[514]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Abaka's
+Aufbruch;
+Borrak's
+Niederlage.</div>
+
+<p>Fast zwei Tage früher, als Borrak Nischabur verheerte,
+brach Abaka, von allen seinen Brüdern, Jaschmut und Tekschin
+ausgenommen, die schon in Chorasan, begleitet, dahin
+von der Gränze Aserbeidschan's auf. <span class="xidenote">4. Ramasan 668/<br />28. April 1269</span> Als er nach dem
+zwischen <i>Sendschan</i> und <i>Ebher</i> gelegenen Distrikt <i>Schirgis</i><a name="FNanchor_515" id="FNanchor_515"></a><a href="#Footnote_515" class="fnanchor">[515]</a>
+gekommen (wo später die Stadt <i>Sultanie</i> erbaut ward),
+welchen die Mongolen <i>Kungurulang</i> nennen, wartete ihm
+der von Kubilai an ihn geschickte Gesandte <i>Tekadschek</i> auf,
+welcher von Borrak aufgefangen und in Verhaft gehalten,
+<span class='pagenum'><a name="Page_268" id="Page_268">[268]</a></span>
+demselben entflohen war. Auf die durch ihn erhaltene
+Kundschaft von der Schwelgerei und der Sorglosigkeit Borrak's
+beschleunigte Abaka seinen Marsch; jenseits Rei, zu <i>Kumis</i>,
+kamen ihm sein Bruder Tekschin, der General Arghun und
+sein Sohn Arghun und mit ihnen der Sultan Kerman's bewillkommend
+entgegen; auf der Ebene von Radegan wurden
+Gold und Silber in Menge unter das Heer vertheilt und
+demselben mit Drohungen und Verheissungen die Erfüllung
+seiner Pflichten eingebunden. Von hier ging der Marsch
+nach <i>Bachers</i>, dem zwischen Nischabur und Herat gelegenen
+Distrikte, in der Literaturgeschichte durch <i>Bachersi</i>, den
+Verfasser der berühmten Blüthenlese, für immer geadelt.
+Gegen <i>Farab</i>, nicht zu verwechseln mit Farab, dem Geburtsorte
+des grössten Philosophen und Gesetzgebers der
+Tonkunst, <i>Farabi</i>, welchen die Araber den zweiten Lehrer,
+wie Aristoteles den ersten, nennen, sandte er Streifparteien
+aus und beschäftigte sich mit der Vertheilung des Heeres
+in verschiedenen Richtungen. Dem Bruder Jaschmut übertrug
+er den Befehl des rechten Flügels, den <i>Obotai</i> Nujan
+behielt er bei sich im Mittelpunkte, den Bruder Tekschin
+sandte er nach <i>Beldschaghran</i>, dem Jurte Merghaul's, wo
+einige der Vorposten Merghaul's getödtet wurden; dieser
+eilte, dem Borrak die Kunde zu bringen, dass ein feindliches
+Heer zugegen. Borrak sagte: Wenn Tekschin und
+Arghun wieder zurückgekommen, so wissen wir schon, was
+von ihnen zu halten, da wir sie geschlagen; ein Anderes
+wäre es mit Abaka; geh' und verrenne ihnen den Weg, bis
+wir zur Schlacht gerüstet. Von Badghis aus sandte Abaka
+einen fündigen Gesandten an Borrak mit Friedensanträgen:
+er wolle ihm Ghasnin und Kerman und das Land bis an den
+Indus überlassen, er möge freiwillig zurückkehren; wenn nicht,
+zur Schlacht gerüstet sein. Prinz Jesawur rieth zum Frieden,
+weil Kipdschak und Dschebat entflohen und die Pferde noch
+schwach. Merghaul ereiferte sich dagegen und behauptete,
+das anziehende Heer seien nur die Truppen Tekschin's und
+Jaschmut's, indem das Abaka's in Syrien beschäftigt sei.
+Dschelartai sprach im Sinne Merghauls: Wir sind zum Kriege
+<span class='pagenum'><a name="Page_269" id="Page_269">[269]</a></span>
+ausgezogen; wenn du Frieden gewünscht, wärest du besser
+jenseits des Oxus geblieben. Borrak fragte den Astrologen
+<i>Dschelal</i>; dieser rieth, einen Monat zu warten, indem die
+Ansichten der Gestirne ungünstig. Merghaul und Dschelartai
+sprachen erzürnt dagegen; die Schlacht ward beschlossen.
+Abaka befahl dem Emire Toghus, das Terrain auszuwählen.
+Er bestimmte am Fusse eines Berges eine grosse Ebene,
+vom Flusse <i>Karasu</i> durchschnitten. Drei hier aufgegriffene
+Kundschafter wurden durch eine Kriegslist Abaka's getäuscht,
+indem in ihrer Gegenwart ein eingelernter Bote die falsche
+Nachricht brachte, dass zu Hause ihr Jurt von den Feinden
+im Norden überfallen, schleunigen Rückzug fordere. Dieser
+wurde in der grössten Eile veranstaltet, das ganze Lager
+im Stich gelassen; der Befehl zur Hinrichtung der Kundschafter
+ward öffentlich, heimlich der gegeben, dass man
+einen derselben entwischen lasse. Borrak mit seinen beiden
+schlachtlustigen Feldherren, Merghaul und Dschelartai, gingen
+in die Falle; das zurückgelassene Lager ward geplündert
+und dann der flüchtige Feind verfolgt bis an den Ort, welchen
+Abaka zum Schlachtfeld ausersehen; Borrak, betroffen, stellte
+sich am Flusse in Schlachtordnung auf. Abaka gab den Befehl
+des rechten Flügels dem Bruder Tekschin und dem
+Emir Semghur, den des linken dem Bruder Jaschmut, unter
+welchem die Generale Suntai und Arghunaga; der letzte
+befehligte die Hilfstruppen von Kerman und Fars, deren
+Anführer Sultan Hidschadsch und der Atabeg Jusufschah;
+Obotai befehligte das Mitteltreffen. Merghaul fiel gleich
+Anfangs der Schlacht, Dschelartai schlug den linken Flügel
+und drückte denselben bis Fuschendsch zurück; der rechte
+Flügel und der Mittelpunkt hielten noch fest; als aber auch
+die Truppen Abaka's zu wanken begannen, liess sich Suntai,
+der neunzigjährige Feldherr desselben, auf einem Sessel
+mitten im Schlachtfeld nieder und sagte zu den ihn umgebenden
+Offizieren: &bdquo;Heut' ist der Tag, uns dankbar gegen
+Abaka zu erweisen durch Sieg oder Tod.&ldquo; Nach dreimaligem
+Angriffe wurde Borrak geschlagen; sein ganzes Heer wäre
+verloren gewesen ohne Dschelartai's Muth und Geistesgegenwart.
+<span class='pagenum'><a name="Page_270" id="Page_270">[270]</a></span>
+Er sammelte die zerstreuten Flüchtlinge und
+bewirkte ihren Rückzug über den Oxus.</p>
+
+<div class="sidenote">Ende
+Borrak's.</div>
+
+<p>Borrak, der auf der Flucht vom Pferde gefallen und
+dazu vom Schlage berührt worden, kam gelähmt nach Bochara,
+wo er sich zum Islam bekehrte und den Namen
+Ghajaseddin annahm. Viele seiner Feldherren, seiner üblen
+Laune ausgesetzt, verliessen denselben unter verschiedenen
+Vorwänden. Der Prinz Ahmed Aghul, der Sohn Buri's<a name="FNanchor_516" id="FNanchor_516"></a><a href="#Footnote_516" class="fnanchor">[516]</a>,
+zog missvergnügt mit seinen Truppen nach Pischbaligh.
+Tukai, die starkmüthige Gemahlin Borrak's, als sie dessen
+Rückzug vernahm, bot sich ihrem kranken Gemahle an, aufzusitzen
+und ihm den Prinzen zurückzubringen. Der Emir
+Mauldan erhielt den Befehl zur Verfolgung, Borrak folgte
+in einer Senfte; auf der zweiten Station traf die Nachricht
+ein, dass Prinz Nikpei, der Sohn Serban's, sich nach
+Chodschend entfernt. Borrak sandte ihm den Prinzen Balighu,
+den Sohn Kadaki's, des Sohnes Buri's, nach, und
+erschöpfte sich in Klagen über die Unstätigkeit seiner Hilfsgenossen
+und über die Unfälle der letzten Schlacht: &bdquo;Als
+ich,&ldquo; sagte er, &bdquo;vom Pferde gefallen, als ich rief: Ich bin
+euer Padischah, gebt mir ein Pferd! hörte mich keiner;
+Alle stürmten vorbei auf der Flucht, bis ein <i>Karawine</i> (ein
+Naphtafeuerwerker), Namens <i>Sali</i>, vom Pferde stieg, mir
+dasselbe gab und statt desselben einige Pfeile begehrte, die
+ich ihm reichte.&ldquo; Er sandte den Bruder Jesar<a name="FNanchor_517" id="FNanchor_517"></a><a href="#Footnote_517" class="fnanchor">[517]</a> an Kaidu,
+um sich über den Abfall der Prinzen Kipdschak und Dschebat
+zu beklagen. Kaidu brachte ihm die Treulosigkeit Borrak's
+in Erinnerung, welcher, während die Prinzen, seine Brüder,
+mit Kipdschak die Rückkehr unterhandelten, den Dschelartai
+nachsandte, um ihn zu überfallen; Jesar läugnete es. Kaidu
+versammelte seine Emire zum Rath, stellte ihnen vor, wie
+verächtlich bisher die Verbindung mit Borrak für das Haus
+Ogotai's gewesen; es ward beschlossen, den Jesar in Gewahr
+zu halten und dass Kaidu selbst mit ein Paar Tomanen unter
+<span class='pagenum'><a name="Page_271" id="Page_271">[271]</a></span>
+dem Scheine, dem Borrak die begehrte Hilfe zu leisten,
+aufsitze, weil, ehe sie ankämen, sein Loos entschieden sein
+würde. Indessen hatte <i>Nauldar</i> den Prinzen <i>Ahmed Buri</i>
+und <i>Balighu</i> den Prinzen <i>Nikpei</i> verfolgend erreicht und in
+dem ihnen gelieferten Treffen fielen Ahmed Buri und Nikpei.
+Sobald Borrak hiervon Kunde erhalten hatte, sandte er an
+Kaidu, dessen wahre Absicht er ahnte, Wort, um ihm für
+seine Hilfe zu danken, die nun überflüssig geworden sei.
+Kaidu setzte nichtsdestoweniger seinen Marsch fort; ehe er
+noch das Lager Borrak's erreicht, war dieser plötzlich gestorben,
+vermuthlich durch neuen Schlaganfall getroffen.
+Als Kaidu dem Lager nahte, hörte er die Todtenklage und
+sah die Wachen mit fliegenden Haaren. Kaidu und alle
+Prinzen beweinten den Tod Borrak's; sie zogen die Trauer
+an und Borrak's Leichnam wurde auf einem hohen Berge
+bestattet. Am folgenden Tage erschienen die Prinzen <i>Mubarekschah</i>
+(der Enkel Muwatukjan's, aus dessen Sohn Kara
+Hulagu und der Frau Hirghana), <i>Kajan</i> und <i>Dschobai</i>, die
+Enkel des vor Olmütz gefallenen Paidar [Peta]<a name="FNanchor_518" id="FNanchor_518"></a><a href="#Footnote_518" class="fnanchor">[518]</a>, und
+liessen sich vor ihm, als dem älteren Prinzen, auf die Kniee
+nieder, sich seinen Befehlen fügend. Sie klagten über die
+Behandlung, die sie von Borrak erlitten; Kaidu versprach
+ihnen die Zurückstellung der ihnen weggenommenen Güter
+und überliess ihnen den Schatz Borrak's zur Theilung. Mubarekschah
+nahm mit eigener Hand die Ohrgehänge der
+Frau <i>Tukai</i>, der Gemahlin Borrak's, vom Ohre. Borrak
+hatte vier Söhne hinterlassen: <i>Peik Timur</i>, <i>Tewaburi</i>, <i>Tehu</i>
+und <i>Uladai</i>; mit ihnen vereinigten sich die Söhne Alghui's,
+die beiden obgenannten, <i>Dschobai</i> und <i>Kijan</i>; des dem Kaidu
+gegebenen Wortes vergessend, verheerten sie das ganze
+Land von Chodschend bis Bochara und bis jenseits des Oxus. <span class="xidenote">671/<br />1272</span>
+Drei Jahre hernach kam auf Vortrag des Wesirs Schemseddin,
+dass es die höchste Zeit, den Unordnungen im Lande
+jenseits des Oxus ein Ende zu machen, ein Heer unter dem
+<span class='pagenum'><a name="Page_272" id="Page_272">[272]</a></span>
+Befehle Jusuf's und Kurughdai's, der Söhne Dschintimur's,
+des vormaligen Statthalters in Persien, nach Chuaresm; Gurgendsch,
+Chiwa und Karakusch, wurden von Gütern geleert,
+mit Leichnamen gefüllt. Vor Bochara schlugen sie sich mit
+dem dschagataischen Heere; <span class="xidenote">7. Redscheb 671/<br />20. Jan. 1273</span> sieben Tage dauerte die Schlacht,
+zehntausend Todte deckten die Erde. Bochara ward von
+neuem mit Feuer und Schwert verwüstet, die Medrese und
+die Bibliothek Mesudbeg's gingen in Flammen auf. Dies
+war eine strenge Antwort (bemerkt Wassaf) auf das verächtliche
+Wort, welches Mesudbeg dem Grosswesir Schemseddin
+zum Willkommen gesagt. Fünfzigtausend Jünglinge
+und Mädchen wurden als Sklaven weggeschleppt; Dschobai
+und Kijan nahmen ihnen jedoch die Hälfte wieder ab.
+Dieser Raubzug war das Werk der Einstreuungen des Turkmanen
+<i>Okbal</i><a name="FNanchor_519" id="FNanchor_519"></a><a href="#Footnote_519" class="fnanchor">[519]</a>. Sieben Jahre lang blieb die Stadt verödet.</p>
+
+<div class="sidenote">Zweite
+Thronbesteigung;
+Halswunde;
+Todesfälle.</div>
+
+<p>Nach der Niederlage Borrak's zog Abaka mit dem Heere
+nach seinem Thronsitze in Aserbeidschan zurück; die Kriegszucht
+ward so strenge gehalten, dass, wie auf dem Hinmarsche
+im Frühling, der Huf seiner Pferde kein Saatfeld
+zertrat, jetzt auf dem Rückwege im Herbste vom Soldaten
+keine Garbe geraubt, keine Traube abgerissen ward; eine
+Kriegszucht, so löblicher, je ungezügelter die Raubsucht
+mongolischer Heere im feindlichen Lande. <span class="xidenote">1. Rebiulewwel 669/<br />18. Oct. 1270</span> Am achtzehnten
+October, dem in der Geschichte durch vielfache Schlachten
+als Kriegsfest so berühmten Tage, stieg er zu Meragha ab
+und zwanzig Tage hernach hatte im Lager zu <i>Dschaghantu</i>
+die zweite feierliche Thronbesteigung und Krönung statt, <span class="xidenote">20. Rebiulewwel/<br />6. November</span>
+indem die Gesandtschaft des Kaan's mit der Bestätigung der
+Herrschaft als <i>Ilchan und Padischah in Iran</i> mit dem Herrscherdiplome
+eingetroffen war. Der Grund, dass sich diese
+Bestätigung volle sechs Jahre erwarten liess, kann wohl blos
+in dem Bürgerkriege Abaka's mit Nigudar und Borrak gelegen
+haben, weil, ehe das Loos der Waffen durch die
+Niederlage von den beiden letzten die bleibende Herrschaft
+des ersten entschieden, dieselbe feierlich zu bestätigen der
+<span class='pagenum'><a name="Page_273" id="Page_273">[273]</a></span>
+Kaan Anstand nahm. Zu gleicher Zeit mit den Gesandten
+des Kaan's trafen auch die Mengutimur's, des Herrschers
+von Kipdschak, mit Geschenken ein, um zur siegreichen
+Beendigung des Feldzugs Glück zu wünschen. Sie wurden
+ehrenvoll empfangen und reich beschenkt entlassen. Auf
+einer der Stationen des Marsches, vor der Ankunft zu Meragha, <span class="xidenote">2. Ssafer 669/<br />20. Sept.</span>
+war Abaka auf der Jagd durch das Horn eines wilden
+Stieres am Halse verwundet worden, so dass das Blut aus
+der Wunde floss; um dasselbe zu stillen, unterband einer
+der <i>Aidadschi</i>, d. i. der Küchenmeister, die Haut mit einer
+Bogensehne, so dass es zu fliessen aufhörte, und er dafür
+von Abaka reichlich belohnt ward; aber es hatte sich ein
+Senkel gebildet, welcher höchst beschwerlich fiel und auch
+gefährlich schien. Keiner der Aerzte getraute sich denselben
+zu öffnen, nur der grosse Astronom Nassireddin,
+welcher auch ein geschickter Arzt, verbürgte sich, die
+Operation ohne Gefahr zu unternehmen; er schnitt den
+Blutsack auf und reinigte die Wunde, die binnen einer
+Woche geheilt war. Die allgemeine Freude hierüber ward
+durch den Tod der beiden Prinzen <i>Jaschmut</i> und <i>Tekschin</i>,
+die Oheime und treuen Waffengefährten Abaka's in dem
+Kriege wider Nigudar und Borrak, getrübt. <span class="xidenote">8. Silhidsche 669/<br />18. Juli 1271</span> Sechs Monate
+früher war auch Jesundschin, die Mutter Abaka's, gestorben;
+ihr Lager erhielt die Gemahlin Abaka's, die Prinzessin
+Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultans
+von Kerman. So hatte Abaka Chan nach dem Tode seiner
+Stiefmutter, der grossen Frau Tokuschatun, ihr Lager ihrer
+Nichte Tukini, der Beischläferin seines Vaters Hulagu, verliehen,
+welche dreissig Jahre lang im Besitze desselben,
+worauf es Kukadschi Chatun, eine Verwandte der grossen
+Frau Bulughan, der Gemahlin Ghasan's, und nach deren
+Tode die Frau Keramun, die Tochter eines Vetters der Frau
+Bulughan, erhielt, nach dessen Tode dieselbe unter der
+Regierung Oldschaitu Chodabende's (des achten Ilchanen)
+die Frau Kotloghschah, die Tochter Emir Irindschi's, eines
+Neffen der grossen Tokus, verliehen ward<a name="FNanchor_520" id="FNanchor_520"></a><a href="#Footnote_520" class="fnanchor">[520]</a>. So erbte der
+<span class='pagenum'><a name="Page_274" id="Page_274">[274]</a></span>
+Besitz der Lager der Prinzessinnen zwar nicht regelmässig
+fort, sondern ward theils mit Rücksicht auf die Erbfolge,
+theils aus Gunst verliehen. In diesem Jahre der Rückkehr
+aus Chorasan ergab sich endlich das Schloss der Assassinen
+<i>Girdkjuh</i>, <span class="xidenote">6. Rebiulachir 669/<br />15. Dec. 1270</span> welches seit der Uebergabe von Alamut noch
+vierzehn Jahre<a name="FNanchor_521" id="FNanchor_521"></a><a href="#Footnote_521" class="fnanchor">[521]</a> ausgehalten, weil der letzte Fürst der Assassinen
+demselben zwar den von Hulagu gestellten öffentlichen
+Befehl, sich zu übergeben, aber heimlich sich zu halten,
+Wort gesandt hatte. <i>Girdkjuh</i>, das letzte blutige Nest der
+Assassinen, vielleicht das <i>Gilgerd</i> der Byzantiner, das Schloss
+der Lethe, in welchem Staatsgefangene zur ewigen Vergessenheit
+eingesperrt wurden; sowohl der Name als die
+Festigkeit desselben geben dieser Vermuthung Wahrscheinlichkeit.</p>
+
+<div class="sidenote">Herrscher
+von Luristan;
+Tod
+grosser
+Männer.</div>
+
+<p>Auf dem Rückmarsche von Chorasan nach Aserbeidschan
+war Abaka an der Gränze Gilan's von einer Schaar dilemischen
+Gesindels aus einem Hinterhalte angefallen worden.
+Jusufschah, der Sohn Schemseddin Alp Arghaun's, der Atabeg
+von Gross-Luristan, welcher auf diesem Feldzuge den Chan
+als Vassal begleitet hatte und sich eben in dessen Nähe befand,
+sprang vom Pferde und wehrte durch seine Tapferkeit
+die Gefahr vom Haupte Abaka's ab. Zur Belohnung dafür
+verlieh ihm der Chan zu Gross-Luristan noch den Besitz
+von Chusistan, das Gebirge <i>Kiluje</i> und die beiden Städte
+<i>Firusan</i> und <i>Dscherbadakan</i>; die erste, im persischen Irak
+in der Nähe von Firusan gelegen, ward von <i>Firus</i>, dem
+Könige der altpersischen Dynastie der Beni Sasan, erbaut,
+von welchem sie den Namen hat, in einer an Baumwolle,
+Korn und Früchten aller Art gesegneten Gegend gelegen<a name="FNanchor_522" id="FNanchor_522"></a><a href="#Footnote_522" class="fnanchor">[522]</a>.
+Dscherbadakan, auch <i>Derbajekan</i> oder <i>Güljadkjan</i> genannt,
+ist eine zwischen Kerdsch und Hamadan gelegene Stadt,
+welche Humai, die Tochter Behmen's, des Kejanen (die
+<span class='pagenum'><a name="Page_275" id="Page_275">[275]</a></span>
+Parisatis der Griechen), baute und <i>Samere</i> nannte<a name="FNanchor_523" id="FNanchor_523"></a><a href="#Footnote_523" class="fnanchor">[523]</a>. Jusufschah
+begab sich nach dem Gebirge Kiluje (in Luristan)
+und schlug die Schulen, den Sieg mit seines Bruders
+Nedschmeddin Tod bezahlend<a name="FNanchor_524" id="FNanchor_524"></a><a href="#Footnote_524" class="fnanchor">[524]</a>. In Chorasan schlugen sich
+indessen die Feldherren <i>Nikpei Behdi</i> und der Turkmane
+<i>Akbeg</i> wider die dschagataischen Prinzen <i>Dschoba</i> und
+<i>Kapan</i>, den Sohn Alghui's, das Land verödend, wie bereits
+oben gesagt worden. Akbeg hätte sich gerne mit seiner
+Beute zu Kaidu geflüchtet, aber einer seiner Brüder kam
+zum Dienste des Steigbügels des Prinzen Arghun und entdeckte
+demselben des Bruders Anschlag. Arghun berief den
+Turkmanen ein, um ihn an den Hof Abaka's zu senden; auf
+dem Wege dahin wurde er zu <i>Kökdsche denis</i>, d. i. am
+blauen Meere (am Uralssee), abgethan; so ward auch der
+Intendent Melik Ssadreddin zu Rei hingerichtet. Der von
+Hulagu und Abaka hochgeschätzte Sekretär <i>Dschenglaun
+Bachschi</i> und der Feldherr Emir Arghun, der Sohn Dschurmaghun's,
+starben natürlichen Todes. Zu Tebris stürzten
+alle Thürme im Erdbeben ein. <span class="xidenote">671/<br />1272</span> In diesem Jahre, wo zu
+Tebris Melik Ssadreddin hingerichtet ward, starb zu Konia
+in Rum, dessen Fürsten unter der eisernen Ruthe mongolischer
+Vogtschaft standen, der grosse mystische Scheich
+Ssadreddin von Konia; im nächsten Jahre aber hatten
+Astronomie und Philosophie, Mystik und Poesie noch weit
+grösseren Verlust zu beklagen in dem Tode Nassireddin's
+von Tus, des Werkzeugs des Sturzes der Assassinen und
+des Chalifats, des Errichters der Sternwarte von Meragha,
+des Verfassers der berühmten Metaphysik und Ethik, deren
+schon oben Erwähnung geschehen, und des grössten mystischen
+Dichters der Perser, <i>Mewlana Dschelaleddin's</i> Rumi,
+beigenannt der Molla Kaiser, des Verfassers des Mesnewi,
+des Stifters der Mewlewi. Nassireddin von Tus befand sich
+am Hofe Abaka's im Mittelpunkte des Reichs als der Repräsentant
+der Wissenschaft, während die Mystik und Poesie
+in den äussersten Enden desselben, in Rum und in Fars,
+<span class='pagenum'><a name="Page_276" id="Page_276">[276]</a></span>
+blühten, in Rum durch die obengenannten beiden grossen
+Scheiche Dichter, in Fars noch durch <i>Saadi</i>, den wahren
+König der persischen Dichter seiner Zeit, wiewohl <i>Hemker
+Farsi</i> das Amt des Dichterkönigs am Hofe der Atabegen zu
+Schiras bekleidete; dass aber schon damals der Dichterkönig
+von Amtswegen nicht unbedingt als der grösste Dichter erkannt ward,
+beweiset, was Dewletschah in seinen Lebensbeschreibungen
+persischer Dichter bei der Imami's von Herat
+erzählet. In einer Abendversammlung stritten sich die vier
+geistreichsten und gelehrtesten Staatsmänner Abaka's, nämlich
+der Wesir Schemseddin Dschuweini, der Statthalter Rums
+Moineddin Perwane, der Richter Mewlana Schemseddin und
+der Intendent Melik Iftichareddin von Kerman, einen Abend
+lang darüber, ob <i>Saadi</i>, ob <i>Imami</i> aus Herat oder <i>Hemker
+Farsi</i> (der Dichterkönig) der grösste Dichter; sie kleideten
+diese Frage in Versen ein<a name="FNanchor_525" id="FNanchor_525"></a><a href="#Footnote_525" class="fnanchor">[525]</a> und sandten dieselben zur
+Entscheidung an den Dichterkönig von Amtswegen; dieser
+antwortete bescheiden und wahr:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Obwohl ich bin ein Papagei durch süssen Sang,<br /></span>
+<span class="i0">Bin ich die Fliege nur von Saadi's Zuckermund;<br /></span>
+<span class="i0">Und soll ich thun ein allgemeines Urtheil kund,<br /></span>
+<span class="i0">So läuft <i>Imami</i> mir und <i>Saadi</i> ab den Rang.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Wie tief persische poetische Bildung damals in Staatsgeschäfte
+eingriff, wird sogleich aus dem Verhältnisse und
+Briefwechsel des gelehrten Wesirs Schemseddin Dschuweini
+mit Melik Schemseddin Kert, dem Herrn von Herat, erhellen.</p>
+
+<div class="sidenote">Schemseddin
+Kert.</div>
+
+<p>Melik Schemseddin Kert, welchem schon Tschengischan
+die Herrschaft von Herat überlassen und welchen sein dritter
+Nachfolger, Mengku, als Herrn von <i>Herat</i>, <i>Sebsewar</i>, <i>Ghur</i>
+und <i>Ghardschistan</i> bestätiget hatte, war ein unternehmender,
+staatskluger, hochgebildeter Fürst, dessen Arm nie seinem
+Kopfe zuvoreilte und dieser nie hinter jenem zurückblieb.
+&bdquo;Er war,&ldquo; sagt Wassaf, &bdquo;ein Mann von hohem Geist und
+erhabenem Sinne, der sich der Humanitätswissenschaften
+befleisst. Er vereinigte in sich die beiden Lehren von den
+<span class='pagenum'><a name="Page_277" id="Page_277">[277]</a></span>
+Fingern und von den Speeren, gleich geschickt zu tanzen
+den Reigen der Worte und der Lanzen. Inhaber von Büchern
+und von Heeresschaaren, ein Bereiter, kundig, die
+Stufen und Grade zu bewahren, der auf Orion's Schultern
+sass und auf denselben, als seinem Reitpferde, die Himmel
+durchmass.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Schüttelt die Hand er zum Wohlthun, so ist sie ein Meer,<br /></span>
+<span class="i0">Schüttelt die Hand er zum Kampfe, so ist sie ein Speer;<br /></span>
+<span class="i0">Wann sich die Erde verfinstert, so ist er die Sonne,<br /></span>
+<span class="i0">Wann sie verdorret, erfrischt er als Guss sie mit Wonne.&ldquo;<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Sein Vater, <i>Kert</i>, war zur Zeit der Sultane <i>Ghurs</i> einer ihrer
+Emire und gehörte zu den nächsten Umgebungen Sultan
+Schihabeddin's, des neunten Herrschers von Ghur, welcher
+vor Sultan Mohammed Chuaresmschah sich nie gebeugt. Zu
+Beginn der Regierung Mengkukaan's, als wider diesen Jesui
+Menluk, der dritte Sohn Dschagatai's, ein Heer gerüstet,
+ward Schemseddin Kert geschlagen und flüchtete zu Batu,
+fand sich aber, sobald Mengku die Prinzen, seine Nebenbuhler
+um den Thron, aus dem Wege geräumt, am Hofe
+desselben huldigend ein. Er trug vor, dass, weil er bei
+der Annäherung des Heeres Tschengischan's demselben huldigend
+entgegengekommen, er von demselben mit dem Lande
+Ghur<a name="FNanchor_526" id="FNanchor_526"></a><a href="#Footnote_526" class="fnanchor">[526]</a> mit dem tiefeingeschnittenen Schluchtlande des nordöstlichen
+Sistan's ober Kabul und mit Ghardschistan, dem
+nördlich von Ghur unter Balch gelegenen Gebirgslande belehnt
+worden sey. Mengku bestätigte ihm nicht allein den
+Besitz der beiden Gebirgslandschaften von Ghur und Ghardschistan<a name="FNanchor_527" id="FNanchor_527"></a><a href="#Footnote_527" class="fnanchor">[527]</a>,
+deren Einwohner derselbe Schlag von Menschen,
+durch Diplom und das Ehrenzeichen des Löwenkopfs, sondern
+schlug noch Herat und Nimrus, jenes östlich, dieses
+südlich von Ghur (das eigentliche Sistan), dazu. Schemseddin
+begab sich in den Dienst Arghun's, des Statthalters
+in Chorasan, und erhielt von demselben das ganze Land bis
+an die Ufer des Oxus in Acht und Pacht. Auch Hulagu
+<span class='pagenum'><a name="Page_278" id="Page_278">[278]</a></span>
+hatte denselben mit Ehren und Geschenken ausgezeichnet,
+aber schon im Jahre nach der Eroberung Bagdads <span class="xidenote">658/<br />1259</span> (bei
+welcher er nicht im Heere Hulagu's erschienen) entbrannte
+wider ihn der Zorn Hulagu's in so hohem Grade, dass er
+dem wider ihn gesandten Heerführer Tegur den Auftrag
+gab, ihm die Haut Schemseddin Kert's mit Stroh ausgestopft
+zu schicken. Kert schlug nicht nur die Truppen Tegur's,
+sondern auch ein zweites, wider ihn gesandtes ilchanisches
+Heer zu Schelaun, an der Gränze Herats, sandte aber dann
+Botschaft der Unterwürfigkeit und Geschenke an Hulagu
+und erhielt dessen Verzeihung. Als er, am Hofe angelangt,
+von Hulagu befragt ward, warum er ohne Befehl den Statthalter
+von Nimrus getödtet, antwortete er schlagfertig:
+&bdquo;damit der Padischah an ihn nicht dieselbe Frage stelle,
+wie jetzt an mich.&ldquo; Dem Hulagu gefiel die Antwort, und
+er nahm den Herrn von Herat und Ghur wieder zu Gnaden
+auf; Schemseddin machte in Hulagu's Geleite den Feldzug
+wider Berke mit und erwarb sich dessen Zufriedenheit durch
+Tapferkeit und Ergebenheit; aber in dem Feldzuge wider
+Chorasan fiel er in die Ungnade Abaka's, weil er der Einladung
+des Prinzen <i>Tebsin</i>, in dessen Lager zu erscheinen,
+nicht Folge geleistet, in seinem festen Schlosse von Chaisar
+fest sass. Abaka sandte Truppen, um denselben durch Gewalt
+zu bezwingen. Schemseddin machte Vorstellungen wider
+diese Massregel, wodurch Chorasan von neuem verheert
+werden würde; er bat den Ilchan, die Schlichtung dieses
+Geschäfts seinem Sohne Chodscha Behaeddin, dem Statthalter
+von Issfahan, zu überlassen.</p>
+
+<div class="sidenote">Briefwechsel
+zwischen
+den beiden
+Schemseddin
+(Kert und
+Dschuweini)</div>
+
+<p>Schemseddin Kert, an hohem Muthe und Geist ein
+würdiger Zeitgenosse und Nebenbuhler des Wesirs Schemseddin
+Mohammed Dschuweini, sandte an diesen, als er die
+Annäherung der wider ihn gesandten Truppen vernahm, die
+folgenden Verse:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Wer schickt nach Chata Botschaft an den Türkenchan?<br /></span>
+<span class="i0">Ist nicht <i>Nimrus</i> das Vaterland von <i>Purdestan</i><a name="FNanchor_528" id="FNanchor_528"></a><a href="#Footnote_528" class="fnanchor">[528]</a>,<br /></span>
+<span class='pagenum'><a name="Page_279" id="Page_279">[279]</a></span>
+<span class="i0">Von dessen Schwerte und von dessen Stiereskeule<br /></span>
+<span class="i0">Das Haus Efrasiab's noch heute trägt die Beule?<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Schemseddin Dschuweini, um als Dichter nicht zurückzubleiben
+und um die Sache in Gutem beizulegen, sandte
+Schemseddin Kert das folgende Schreiben, halb in Versen,
+halb in Prose:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">&bdquo;Reichsglanz, o König <i>Schemseddin Mohammed Kert</i>,<br /></span>
+<span class="i0">In dem der König und der Engel<a name="FNanchor_529" id="FNanchor_529"></a><a href="#Footnote_529" class="fnanchor">[529]</a> sich bewährt.<br /></span>
+<span class="i0">Wie schwer dem Herzen deine Trennung fällt zur Last,<br /></span>
+<span class="i0">Wird nicht von Genien, von Menschen nicht gefasst.<br /></span>
+<span class="i0">O Du von hellem Sinn und von wahrhaftem Wesen,<br /></span>
+<span class="i0">Es ziemt sich, dass, wenn du diess Schreiben hast gelesen,<br /></span>
+<span class="i0">Du, wie der Wind, entflammst der Wunscherreichung Gluth,<br /></span>
+<span class="i0">Und diesen Staub abwaschest mit der Vorsicht Fluth.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Da der Gebrauch des lieblosen Himmels und des trübseligen
+Erdgetümmels droht, dass sie das Begehrte und Beliebte
+hinter dem Schleier der Verwehrung verstecken und den
+Zweck des Herzens und der Seele ferne stecken, so geschieht
+es, dass alle Lüsten und Mühen, welche sich der
+Menschenliebe geben, nur Beschwerden und Gefahren nach
+sich ziehen, und dass sie allzumal in der Wahl der Sicherheit,
+wie sie dieselbe immer erfinden, nur Stoff der Entäusserung
+und Täuschung finden.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i4">Weltenbrauch ist's einmal nun,<br /></span>
+<span class="i4">Stäts das Gegentheil zu thun;<br /></span>
+<span class="i4">Hätten wir die Eintracht nicht begehrt,<br /></span>
+<span class="i4">Hätte Welt dieselbe uns gewährt.<br /></span>
+</div></div>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">O wenn Genuss zu uns doch heute wiederkehrte,<br /></span>
+<span class="i0">Ich würde sagen ihm, wie Trennung uns beschwerte.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Der Sinn des Gesagten ist: Seit Jahren ist das Ohr der
+Seele und die Seele des Ohrs mit dem Schalle der Grossmuth
+des Königs des Islams, des Herrschers von Iran, des
+Chosrews der Erde, die Sonne der Wahrheit und der Religion
+(die Welt sei seinen Geboten und Verboten unterthänig
+und der Himmel seinem Vorhaben günstig!) als mit
+einem Ohrgehänge geschmücket und entzücket worden, und
+<span class='pagenum'><a name="Page_280" id="Page_280">[280]</a></span>
+dieser elende Sklave Mohammed Ben Mohammed El-Dschuweini
+hat gewünscht, dass er von Angesicht zu Angesicht
+denselben schaue; als es nahe daran war, dass dieser Wunsch
+erfüllet worden ganz und gar, brach von dem Loos eine
+geheime Absicht der Verzögerung los (sie möge nur Gutes
+bewirken!); das erstaunte Herz blieb ohne Kopf und die
+Seele blieb nur das Ergebniss des Spruchs: <i>Der Gierige
+bleibt beraubt zurück:</i></p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Ein Engel sitzt an des lazurnen Daches Rand,<br /></span>
+<span class="i0">Der für die Liebenden dort bildet Scheidewand.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Seit einigen Tagen sind Boten des Prinzen Mohammed von
+jener Seite gekommen und haben erfreuliche Nachrichten
+von beglückter höchstdero Seite gebracht. Diese Kunden
+hatten des Messias Eigenschaft, dessen Wunderkraft Todte
+in's Leben rafft; der Kiel des Schreibers der Kunden hatte
+über die Nothwendigkeit, sich vor Seiner Majestät dem Ilchan
+zu hüten, sich herausgelassen; hier erkühnt man sich aber,
+zu schreiben, dass der Weg unnöthiger Behutsamkeit des
+leeren Verdachts möge verschlossen bleiben, indem der
+Vorsatz jener Majestät (des Ilchan's) nach Westen und nicht
+nach Osten steht.&ldquo;</p>
+
+<p>Hierauf antwortete Schemseddin Kert, wie folgt:</p>
+
+<p>&bdquo;Da die Tage und Nächte, die nacheinander ziehen,
+sich dahin bemühen, dass kein Geschöpf den Wunsch des
+Herzens erreiche, und dass jeder Gedanke, auf welchen
+man das Herz setzt<a name="FNanchor_530" id="FNanchor_530"></a><a href="#Footnote_530" class="fnanchor">[530]</a>, verändert sich nimmer gleiche, so
+nützen Nichts Fleiss und Streben, und Mühen und Beschwerden
+können keinen Gewinn geben. Jahre sind es,
+dass ich mit Gebet und Fasten und Bitten ohne Rasten gewünscht
+das verehrte Antlitz des grossen Inhabers (des
+Diwans), des gerechtesten und geehrtesten Wesirs, dessen
+Rath und That gesiegt, der die Sonne des Reichs und der
+Religion (seine Würde werde vermehrt!), zu sehen und
+demselben alten und neuen Gram zu gestehen, aber</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_281" id="Page_281">[281]</a></span></p>
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Da mit den Feinden viel der Freund ist umgegangen,<br /></span>
+<span class="i0">Geziemt sich nicht, von diesem Freunde zu verlangen:<br /></span>
+<span class="i0">Hüt' vor dem Honig dich, dem Gift ist beigemischt,<br /></span>
+<span class="i0">Und vor der Fliege, die gesessen ist bei Schlangen.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Durch die Frische der Rosenzeit und durch die Bewässerung
+der Jahre wurden die Banden der Eintracht und Freundschaft
+und die Formen der Liebe zwischen beiden Seiten
+befestigt und das Gebäude der Einigkeit stark und hart vor
+den Giftwunden alles Fremdartigen bewahrt, die Kibla der
+Wahrheit zugewendet, und es wurden alle Tage Briefe gesendet,
+einzuladen Tataren und lasterhafte Barbaren. (Hemistich)</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Was dir gefällt, gefällt mir nicht.</i><br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Diess liegt aber ausser der gesunden Vernunft Pfaden, und
+es ist zuwider dem reinen prophetischen Gesetze und den
+Ueberlieferungen Mustafas, des Freunds der Gnaden.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Besser ist's, dass Weiser einsam streife,<br /></span>
+<span class="i0">Dass nach Winkeln er als Festen greife,<br /></span>
+<span class="i0">Dass er trinke, küsse und ausschweife,<br /></span>
+<span class="i0">Bis dass Welt Beständigkeit ergreife.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>In diesen Tagen wird an den Sohn Mohammed kommen,
+was soll frommen, so Gott will, der Allgeehrte.&ldquo;</p>
+
+<div class="sidenote">Schemseddin's
+Verse:
+das Grün
+und Roth.</div>
+
+<p>Die Verse, welche Schemseddin Kert mit Schemseddin
+Mohammed gewechselt, sind nicht die einzigen, welche die
+Geschichte von diesen beiden <i>Sonnen der Religion</i> aufbehalten;
+vom zweiten wird noch in dieser und in der folgenden
+Regierung die Rede seyn; vom ersten sprechen wir
+hier zum letztenmale und erwähnen daher noch zwei anderer
+Früchte seines Dichtertalentes, wovon das eine nur von geringem
+poetischem Werthe, weil das grösste Verdienst desselben
+im Wortspiel, das andere aber so merkwürdiger, als
+es in Europa neuer Beitrag nicht zur ethnographischen,
+wohl aber zur ethographischen Farbentheorie der Morgenländer.
+Das erste, eine Antwort an <i>Siadeddin</i>, das ist
+<i>Glanz der Religion</i>, den König von Kabul, mit welchem
+Schemseddin in grosser Zerwürfniss und Bewilderung. Jener
+schrieb ihm:</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_282" id="Page_282">[282]</a></span></p>
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Aus Groll gen Kabul wollte ghurscher Junge<br /></span>
+<span class="i0">Nicht lösen zum Gespräch mit mir die Zunge;<br /></span>
+<span class="i0">Du bist die <i>Sonn'</i>, ich <i>Glanz</i>; ein Jeder weiss,<br /></span>
+<span class="i0">Die Sonne macht durch Glanz nur hell und heiss.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Schemseddin Kert entgegnete hierauf:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Du, deiner nicht bewusst, nimm dich in Acht!<br /></span>
+<span class="i0">Warum hast Feindschaft du mit mir gemacht?<br /></span>
+<span class="i0">Ich bin die <i>Sonne</i> und du bist der <i>Glanz</i>,<br /></span>
+<span class="i0">Der von der Sonne kommt; was will der Glanz?<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Die zweiten Verse sind zum Lobe des <i>Grünen</i> im Gegensatze
+mit dem <i>Rothen</i>, worunter aber keineswegs das Grün
+der Erde, des Meers oder Smaragds, oder das Roth des
+Morgens oder der Blumen oder des Rubins, sondern ganz
+ein anderes Grün und Roth verstanden wird. Ohne nähere
+Belehrung hierüber würde das folgende Lob des <i>Grünen</i>
+und <i>Rothen</i> einem Abendländer eben so unverständlich sein,
+als einem Morgenländer die <i>grüne</i> und <i>blaue</i> Partei des
+Rennplatzes gleich Eingangs der Commentare Mark Aurel's.
+Die Farben des Lebens und Todes des Morgenländers sind,
+wie bei den Abendländern, das Weiss der Tage und das
+Schwarz der Nächte, jenes Glück, dieses Unglück vorbedeutend,
+worin er mit dem Abendländer übereinstimmt;
+aber schon bei dem Unterschiede der Menschenrassen setzt
+jener den Schwarzen nicht die <i>Weissen</i>, sondern nur die
+<i>Rothen</i> entgegen; so ist Mohammed der an die <i>Rothen</i> und
+<i>Schwarzen</i>, d. i. an alle Rassen der Menschen, gesandte
+Prophet; die <i>Rothen</i> sind jenen die blutigen Säbel und
+der gewaltsame Tod, die <i>Schwarzen</i> die giftgeschwollenen
+Schlangen und der Tod durch die Pest; dem <i>Schwarzen</i>
+steht das <i>Grün</i> entgegen; dem <i>schwarzen Korn</i>, die Begier,
+das jedem Menschensohn in die Brust gepflanzt ist, und das
+nur dem Propheten durch Gabriel der gespaltenen Brust
+entnommen ward, ist entgegengesetzt das <i>grüne</i> Korn der
+Mystiker, welches, durch Beschauung gross gezogen, in der
+Brust des Menschen zum Baume des Lebens und der Erkenntniss
+aufwächst. Das <i>grüne Korn</i> in rein sinnlicher
+Bedeutung ist aber das des Bilsenkrauts und des daraus
+<span class='pagenum'><a name="Page_283" id="Page_283">[283]</a></span>
+bereiteten Opiats als Berauschungsmittel, im Gegensatze des
+<i>Rothen</i>, d. i. des Weins. Schemseddin, dem Genusse des
+ersten ergeben, sang zum Lobe desselben die folgenden
+Verse:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Der Reiche, welcher trinket Wein, wird warm,<br /></span>
+<span class="i0">Die Welt füllt sich für ihn mit Lust statt Harm.<br /></span>
+<span class="i0">Ich giess' Smaragd in den Rubin gelinde<a name="FNanchor_531" id="FNanchor_531"></a><a href="#Footnote_531" class="fnanchor">[531]</a>,<br /></span>
+<span class="i0">Damit das Aug' der Gramesschlang' erblinde<a name="FNanchor_532" id="FNanchor_532"></a><a href="#Footnote_532" class="fnanchor">[532]</a>.<br /></span>
+<span class="i0">Wenn Staub des grünen Korns versüsst das Maul,<br /></span>
+<span class="i0">Besteige ich des Himmels grünen Gaul;<br /></span>
+<span class="i0">Mit <i>Grünen</i> ess' ich <i>Grünes</i> in dem <i>Grün</i>,<br /></span>
+<span class="i0">Bis dass mein Staub wird einst als Pflanze grün.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Wassaf entgegnet hierauf zum Lobe des <i>Rothen</i>:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Rothe</i> Rose, <i>rother</i> Wein und <i>rothe</i> Wangen;<br /></span>
+<span class="i0">Trink', so lang noch frisch und <i>roth</i> ist das Verlangen;<br /></span>
+<span class="i0">Gilb' nicht dein Gesicht mit Gram, denn <i>blau</i> ist Himmel,<br /></span>
+<span class="i0">Wenn auch <i>schwarz</i> und <i>weiss</i> des Tags, der Nacht Gewimmel.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Behaeddin, der Sohn Schemseddin Dschuweini's, beredete
+zwar den Herrn Herats, sich an den Hof Abaka's zu begeben,
+aber dieser liess ihn im Schlosse von Tebris einsperren,
+wo er bald hierauf starb, wie es heisst, durch
+Gift, das er im Ringe trug und selbst in die Speise gemischt
+haben soll. Die Meinung von seiner Listigkeit war
+so gross, dass der zur Begräbniss bestellte Emir, fürchtend,
+er möge sich nur todt stellen, um dann zu entwischen, ihn
+in zwei ineinander geschachtelte Särge legen und beide in
+seiner Gegenwart fest vernageln liess<a name="FNanchor_533" id="FNanchor_533"></a><a href="#Footnote_533" class="fnanchor">[533]</a>. Das auf seinen
+Tod verfasste Distichon finde hier Raum, weil dasselbe, wie
+die obigen Verse, sich auf eine dem Morgenländer eigene
+Sitte, nämlich auf die der Orakelverse aus dem aufgestochenen
+des Korans beziehen. Dieses Aufstechen heisst <i>Fal</i>,
+was vielleicht dasselbe mit dem deutschen und englischen
+<i>Fall</i><a name="FNanchor_534" id="FNanchor_534"></a><a href="#Footnote_534" class="fnanchor">[534]</a>.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_284" id="Page_284">[284]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Schewwal 676/<br />März 1278</div>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Im Jahr sechshundert sechs und siebzig im Schewwal,<br /></span>
+<span class="i0">Da schlug in dem Koran das Schicksal auf als <i>Fal</i><br /></span>
+<span class="i0">Dem Leu'n des Islams, der genannt <i>Mohammed Kert</i>,<br /></span>
+<span class="i0">Den Vers: <i>Verfinstert ward die Sonne allzumal</i>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<div class="sidenote">Die Niguderischen
+Banden
+in Fars;
+Lob der Mongolen
+aus
+dem Munde
+Wassaf's.</div>
+
+<p>Das Todesjahr Schemseddin Kert's, dasselbe, in welchem
+in Europa Rudolph von Habsburg die Macht seines Hauses
+nach dem Siege über Ottokar befestigte, war für Persien
+ein unheilbringendes durch die Vergiessung seines Herzblutes
+in Fars durch den Einfall und die Verheerung der
+Niguderischen Banden<a name="FNanchor_535" id="FNanchor_535"></a><a href="#Footnote_535" class="fnanchor">[535]</a>, d. i. die Truppen des dschagataischen
+Prinzen Niguder, welcher, wie oben erzählt worden,
+auf Borrak's Schreiben aus dem Lager Abaka's entwichen,
+im Norden eine Zeit lang den Krieg fortführte, welchen
+nach seinem Tode seine Heere durch Raub und Verheerung
+fortsetzten, wie ehemals nach dem Sturze Chuaresmschah's
+die chuaresmischen Banden in Syrien. Die niguderischen
+Banden bestanden aus Raubgesindel aller Nationen, aus
+Scholen, Mongolen, Turkmanen und Kurden. Sie fielen in
+Fars im Distrikte <i>Korbal</i> ein und schlugen das persische
+Heer zu <i>Teng Schikem</i>, wo die Emire desselben die Brücke
+so abgebrochen hatten, dass nur für Einen Mann Raum zum
+Uebergang. Zwei Vögte Abaka's ertranken im Flusse, nur
+<i>Bulghtuwan</i> hieb sich mit dreihundert Reitern durch den
+rechten Flügel der Feinde und rannte, indem er die Brücke
+hinter sich verbrannte, fliehend bis Issfahan; der Rest des
+Heeres wurde zerstreut oder ertrank. <span class="xidenote">17. Ramasan 677/<br />1. Febr. 1278</span> Korbal wurde geplündert,
+dreitausend verschnittene Pferde wurden sammt
+einer Horde von Mädchen und Knaben weggeschleppt. Drei
+Jahre später <span class="xidenote">680/<br />1281</span> überschwemmten die mongolischen Banden
+abermal Germsir, d. i. die südlichste Landschaft von Fars,
+und wandten sich dann gegen Sistan; jeden Winter fürchtete
+man zu Schiras ihre Rückkehr und war mit Ausbesserung
+der Mauern beschäftigt, denn auf die verweichlichten Truppen
+von Fars war kein Vertrauen zu setzen. Wassaf setzt der
+<span class='pagenum'><a name="Page_285" id="Page_285">[285]</a></span>
+Schilderung der Weichlichkeit von jenen die der Tapferkeit
+der Mongolen mit folgenden Worten entgegen:</p>
+
+<p>&bdquo;Wenn die Braven der alten Zeit, denen noch nach
+Jahrtausenden die Erzählungen der Kunden in Vers und
+Prose geweiht, und deren Mannhaftigkeit und Tapferkeit
+die Gemälde der Bücher und Blätter weit und breit, wieder
+zur Welt zurückkämen, so könnten sie auf der Rennbahn
+ritterlicher Waffenthat in den Sitten und Gebräuchen der
+Schlacht von jedem einzelnen Mongolen Lection nehmen
+und Nichts Besseres thun, als im Dienste ihres Steigbügels
+die Satteldecke auf die Schulter zu nehmen. Wenn die berühmtesten
+Bogenschützen vergangener Völker, von den
+Arabern die Stämme <i>Siraa</i> und <i>Kara</i> und von den vier persischen
+Dynastien die berühmtesten vier Schützen, nämlich:
+<i>Aresch Schefatir</i><a name="FNanchor_536" id="FNanchor_536"></a><a href="#Footnote_536" class="fnanchor">[536]</a>, <i>Isfendiar Rujinten</i><a name="FNanchor_537" id="FNanchor_537"></a><a href="#Footnote_537" class="fnanchor">[537]</a>, <i>Koresch Aschghan</i><a name="FNanchor_538" id="FNanchor_538"></a><a href="#Footnote_538" class="fnanchor">[538]</a>
+und <i>Behramgur</i><a name="FNanchor_539" id="FNanchor_539"></a><a href="#Footnote_539" class="fnanchor">[539]</a>, deren Bogenkunde das Buch
+von den <i>Graden der Reiter</i> so umständlich ausführt und
+commentirt; wenn diese den Flug der Geschosse der Mongolen,
+die Stärke ihres Arms, die Spannung ihrer Bogen,
+die Wirkung ihrer Pfeile erführen, so würden sie sich nur
+als Verwundete des Pfeiles der Eifersucht getroffen vor
+dem Geschosse der Schmach und den Pfeilen des Schmerzes
+prostituiren. Ueber die Heftigkeit und Hartherzigkeit, die
+Gewaltsamkeit und den Grimm der Mongolen, über ihr
+Talent, Schwierigkeiten zu besiegen, und die zu erniedrigen,
+die ihnen unterliegen, über ihre Kunst, zu kriegen und
+Helfer anzufesseln ihren Siegen, ist es überflüssig, Etwas
+zu wiederholen: <i>Was thut Saturnus Noth, wenn du die
+Sonne schaust!</i> Sie gewähren der Gelegenheit die Macht,
+mit kühnem Herzen einzig in der Kraft durch Geduld Alles
+zu verschmerzen, listiger als der Fuchs, wenn sie Etwas
+verfolgen; am Tage der Schlacht spalten sie die Herzen
+der Löwen mit Macht und brechen den Damm der Zufälle,
+<span class='pagenum'><a name="Page_286" id="Page_286">[286]</a></span>
+so dass es kracht. Die Ueberlieferung von Nassir Ben Sejar,
+einem der Rechtsgelehrten Turkistans, bestätigt diese Worte
+und steht hier an ihrem Orte. Man sagt, dass der Kämpe
+der vollkommene zehn Eigenschaften der Thiere besitzen
+müsse: die Tapferkeit des <i>Hahns</i>, die Milde des <i>Huhns</i>,
+das Herz des <i>Löwen</i>, den Anfall des <i>Schweins</i>, die Geduld
+des <i>Hundes</i> in Ertragung von Wunden, die Behutsamkeit
+des <i>Kranichs</i>, die List des <i>Fuchses</i>, die Vorsicht der <i>Raben</i>,
+die Raubsucht des <i>Wolfs</i> und die Ruhe der <i>Katze</i>. Diese
+Lehre schärfen sie bei jeder Gelegenheit ein. Mit Billigkeit
+muss man gestehen und zugeben, dass das Werk der Welteroberung
+und Reichszertrümmerung für dieses Volk ward
+gegeben; ihre Folgsamkeit für die Befehle ihrer Befehlshaber,
+ihre Sorgfalt, sich von aller Empörung zu enthalten,
+ihre Hut von Haus und Gut ist von allen Vernünftigen geschätzt
+und ausser Zweifel gesetzt.&ldquo;</p>
+
+<div class="sidenote">Verhältnisse
+mit Aegypten;
+natürliche
+Politik.</div>
+
+<p>Auf die kriegerischen Eigenschaften der Mongolen und
+ihre Feindschaft gegen die Mamluken hatten die Kreuzfahrer
+in Syrien ihre Hoffnungen gebaut, und eine Gesandtschaft
+derselben flehte Abaka um thätige Hilfe an. Auf seinen
+Befehl fiel ein von <i>Semaghar</i>, dem Befehlshaber der mongolischen
+Streitkräfte in Kleinasien, und von <i>Perwane</i>, dem
+mongolischen Vogte Kleinasiens, befehligtes Heer in Syrien
+ein. <span class="xidenote">670/<br />1271</span> Der Vortrab von tausend fünfhundert Mann hieb einen
+zwischen Harun und Antiochien gelagerten turkmanischen
+Stamm zusammen und verheerte das Gebiet von Harun und
+Murudsch. Auf die erste Kunde hatte Bondokdar, der sich
+zu Damaskus befand, <span class="xidenote">18. Rebiulewwel/<br />24. Oct. 1271</span> einen Eilboten nach Kairo mit dem
+Befehle, dass der General <i>Beiseri</i> mit dreitausend Mann
+aufbreche, gesandt. Bondokdar verliess mit demselben Haleb, <span class="xidenote">12. Nov.</span>
+aber die Mongolen hatten sich schon aus Syrien zurückgezogen.
+Sultan Beibars sandte eine Truppenabtheilung
+nach Meraasch, dem alten Germanicia, der Hauptstadt der
+noch heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft,
+die anderen nach Harran (dem alten Carra zur Römerzeit),
+durch den Tod des Caligula, durch die Niederlage des
+Cassius, in älterer Zeit durch den Tempel der Sabäer,
+<span class='pagenum'><a name="Page_287" id="Page_287">[287]</a></span>
+namentlich durch den der Luna, und als der Wohnsitz
+Abraham's im Lande <i>Ur</i> geschichtlich geadelt. Die Einwohner
+Harran's öffneten die Thore und zerstreuten sich
+in die Städte Syriens; aber im nächsten Jahre kam eine
+mongolische Truppe und schleifte die Mauern der Stadt.
+Zu Damaskus erschienen vor Bondokdar Gesandte Semaghar's
+und Perwane's, welche im Namen Abaka's Friedensunterhändler
+begehrten; der Sultan sandte zwei seiner Officiere
+mit ihnen, welche den Feldherrn Semaghar zu Siwas fanden
+und ihm statt der gewöhnlichen neunmal neun Geschenke
+nur neun Bogen und neun Pfeile darbrachten, den Abgang
+der andern neunmal sieben durch die Eilfertigkeit ihres Ritts
+entschuldigend. Perwane begleitete die Gesandten des Sultans
+an den Hof Abaka's, dem sie zum Geschenke einen
+Helm von Igelstacheln, einen Säbel und neun Pferde darbrachten
+und ihm den von Mengu Timur, dem Herrn von
+Kipdschak, gemachten Vorschlag eines gemeinschaftlichen
+Angriffs auf die Länder Abaka's im Norden und Süden mittheilten.
+Die Stammeifersucht zwischen dem Feldherrn des
+Uluses Hulagu's und Dschudschi's, welche unter Hulagu und
+Berke in offenen Krieg ausgebrochen, unter Abaka's Regierung
+nur durch Waffenruhe, nicht durch Frieden besänftiget
+war, machte die Herrscher Kipdschaks zum natürlichen
+Verbündeten der Sultane von Aegypten, so wie gemeinsames
+Interesse wider die letzten die Kreuzfahrer wider
+die Mongolen verband, während die Schaukelpolitik der
+byzantinischen Kaiser sowohl an den Herrscher des Uluses
+Dschudschi's als an den des Uluses Hulagu's die Sendung
+von Gesandtschaften und Prinzessinnen vervielfältigte, um
+ihre, den Rest des byzantinischen Reichs in der Hauptstadt
+bedrohende, von allen Seiten hervorbrechende Macht so
+lange als möglich ferne zu halten. Dieses sogenannte natürliche
+Interesse, wodurch die nächsten Nachbarn geborne
+Feinde eines Staats, sowie die unmittelbaren Gränznachbarn
+der Feinde geborene Verbündete, ist eine Parallele barbarischer
+Politik zu der nicht minder barbarischen türkischen
+Ansicht der Familienverhältnisse, vermöge welcher die Söhne
+<span class='pagenum'><a name="Page_288" id="Page_288">[288]</a></span>
+die natürlichen Feinde der Väter, sowie ihre natürlichen
+Freunde die Enkel, weil diese als Feinde ihrer Väter geboren.
+Hier wie dort misst der niedrigste Eigennutz der
+Habsucht die Grade der Freundschaft und Feindschaft im
+umgekehrten Verhältnisse der Entfernungen der Länder und
+des Bluts, und diese bisher sogenannte natürliche Schaukelpolitik,
+welche vielmehr mit dem Namen der unnatürlichen
+gebrandmarkt sein sollte, muss in dem Masse verschwinden,
+als sich die Völker durch gegenseitigen Austausch der Ideen
+verbinden und die Bildung der Humanität fortschreitet; sie
+wird sich (sowie die Familienansicht der Feindschaft der
+Söhne und Freundschaft der Enkel schon heute keine christliche
+und europäische mehr) zuletzt nur bei den Barbaren
+finden, so lange es deren noch auf Erden geben wird; dass
+diese Politik aber im Mittelalter und besonders im byzantinischen
+und mongolischen Reiche, bei den Mamluken und
+Kreuzfahrern culminirte, darf bei der allen gemeinsamen,
+vorherrschenden Barbarei jener Zeit nicht Wunder nehmen.</p>
+
+<div class="sidenote">Streifzug
+in
+Armenien.</div>
+
+<p>Im folgenden Jahre sandte Abaka eine zweite Botschaft
+an Beibars, um zu begehren, dass der Sultan selbst oder
+einer der ersten Männer des Reichs an den Hof Abaka's
+komme, den Frieden zu unterhandeln. <span class="xidenote">Ssafer 671/<br />Aug. 1272</span> Bondokdar antwortete:
+wolle der Ilchan den Frieden, so möge er selbst oder einer
+seiner Brüder an den Hof des Sultans kommen. Auf die
+Nachricht, dass mongolische Truppen die beiden Gränzplätze
+<i>Rahbet</i> und <i>Birtha</i> am Euphrat bedrohten, brach
+Bondokdar auf und führte auf Kameelen zerlegte Schiffe
+mit sich, um damit den Euphrat zu überschiffen. <span class="xidenote">9. Rebiulewwel 671/<br />4. Oct. 1272</span> So haben
+wir noch jüngst erlebt, dass zur Einrichtung der Dampfschifffahrt
+auf dem Euphrat das Schiff der Wüste durch
+die Wüste Schiffe trug. Durch die Taubenpost hatte Bondokdar
+die Nachricht erhalten, dass die Mongolen vor Bire,
+und durch dieselbe versprach er der Stadt den schleunigsten
+Entsatz. Er hielt Wort; denn die sieben und zwanzig Poststationen
+zwischen Damaskus und Bire wurden in sieben
+Tagen zurückgelegt; die mitgeführten Schiffe waren aber
+entweder nicht angelangt oder zu wenig, denn der Uebergang
+<span class='pagenum'><a name="Page_289" id="Page_289">[289]</a></span>
+über den Euphrat ward mittels fünf und dreissigtausend
+Kameelen<a name="FNanchor_540" id="FNanchor_540"></a><a href="#Footnote_540" class="fnanchor">[540]</a> bewerkstelligt, auf denen das Heer
+überschwamm. Die Mongolen, wiewohl an Zahl doppelt
+dem ägyptischen Heere überlegen, zogen sich zurück; Bondokdar
+verfolgte sie und erbeutete von den Nachzüglern
+einen grossen Theil des Gepäcks; mit demselben und einer
+grossen Anzahl von Gefangenen zog er im Triumphe zu
+Damaskus ein. Der Befehlshaber von Haleb, Hossameddin
+von Aintab, sandte einen Streifzug nach Armenien, weil
+dasselbe für die Streifereien des Kastellans von <i>Kinuk</i> die
+begehrte Genugthuung nicht gegeben. Kinuk wurde genommen,
+die Männer wurden niedergehauen, die Weiber
+in die Sklaverei geschleppt; die Mauern der Hauptstadt Sis
+widerstanden, aber Tarsus wurde eingenommen und verheert.
+Beibars vernahm zu Kairo die Verheerung Armeniens
+und den Marsch Abaka's längs des Sab gegen den
+Euphrat; er bot das ganze Heer auf und begab sich nach
+Damaskus, wo er ruhig blieb, da kein Feind sich zeigte.
+An seinem Hofe erschien der vom Hofe Abaka's flüchtige
+Melik Schemseddin Behadir, Herr von Samosate, Sohn des
+Grossmundschenken des letzten Schahs von Chuaresm, welcher
+nach desselben Tod sich einiger Schlösser um Nachdschiwan
+und endlich der Stadt Akserai bemächtigt hatte; <span class="xidenote">17. Ssafer 672/<br />2. Sept. 1273</span> er hatte
+schon seit geraumer Zeit dem Sultan verrätherische Dienste
+geleistet und durch einen auf seine Veranlassung im Namen
+des Sultans an einen christlichen Bischof in Persien geschriebenen,
+von Reliquien begleiteten Brief, den er hernach
+auffangen liess, die Hinrichtung dieses Bischofs bewirkt<a name="FNanchor_541" id="FNanchor_541"></a><a href="#Footnote_541" class="fnanchor">[541]</a>;
+auch wider den Katholikos, d. i. den Patriarchen der Nestorianer,
+welcher, von den Moslimen durch falsche Anklagen
+verfolgt, Bagdad verlassen und sich zu Irbil niedergelassen
+hatte, war neue Verfolgung im Anzuge; um derselben zu
+<span class='pagenum'><a name="Page_290" id="Page_290">[290]</a></span>
+entgehen, verlegte er seinen Sitz von Irbil nach Aschim in
+Aserbeidschan<a name="FNanchor_542" id="FNanchor_542"></a><a href="#Footnote_542" class="fnanchor">[542]</a>, in der Nähe der Hauptstadt, weil die
+Tyrannei nur am leidentlichsten im Mittelpunkte. Beibars,
+der sich über Verletzungen des mit dem Könige von
+Armenien geschlossenen Vertrags zu beklagen hatte, beschloss,
+Cilicien zu verheeren. Er brach von Damaskus im Geleite
+Manssur's, des Herrschers von Hama, und Scherefeddin
+Isa's, des Emirs der syrischen Beduinen, auf. <span class="xidenote">3. Schaaban 673/<br />1. Febr. 1275</span> Der Emir
+und Hossameddin von Aintab, der Befehlshaber von Haleb,
+erhielten den Befehl, als Vortrab die Richtung von Bire zu
+nehmen; aber zu Sermin angelangt, liess Beibars dort sein
+Gepäcke unter der Obhut des Befehlshabers Ben Sonkar
+zurück und nahm den Weg von Derbesak. Diese durch die
+Einnahme Ssalaheddin's<a name="FNanchor_543" id="FNanchor_543"></a><a href="#Footnote_543" class="fnanchor">[543]</a> und fünfzig Jahre hernach durch
+einen Sieg der Saracenen über die Templer in der Geschichte
+der Kreuzzüge schwarz gezeichnete feste Burg
+liegt am <i>Nehr Eswed</i>, d. i. am schwarzen Flusse, welcher
+dem See von Antiochien zueilt, auf einer Anhöhe inmitten
+fruchtbarer Fluren und Gärten<a name="FNanchor_544" id="FNanchor_544"></a><a href="#Footnote_544" class="fnanchor">[544]</a>. Von den Mongolen erobert,
+ward sie an König Hethum abgetreten, von diesem
+vor neun Jahren dem Sultan Bondokdar übergeben worden<a name="FNanchor_545" id="FNanchor_545"></a><a href="#Footnote_545" class="fnanchor">[545]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Verheerung
+Ciliciens.</div>
+
+<p>Bondokdar lagerte zwischen Derbesak und dem zehn
+Miglien davon gelegenen Baghr, dessen Einwohner meistens
+christliche Fischer<a name="FNanchor_546" id="FNanchor_546"></a><a href="#Footnote_546" class="fnanchor">[546]</a>, und sandte von hier Truppenabtheilungen
+zu tausend Mann, jede mit Fackeln und mit Barken
+zur Ueberschiffung von Flüssen versehen, nach verschiedenen
+Richtungen in's Gebirge. Er lagerte zu Iskenderun hinter
+einer von König Hethum, dem Vater des regierenden Königs
+Leo, aufgeführten Mauer und rückte dann gegen <i>Merkes</i><a name="FNanchor_547" id="FNanchor_547"></a><a href="#Footnote_547" class="fnanchor">[547]</a>
+durch den syrischen Felsenpass vor, welcher wegen seiner
+Enge <i>Ssakaltutan</i>, d. i. Bartanhaltend, heisst. Der Fluss
+von Merkes ist der alte <i>Kersos</i>, dessen Name sich in dem
+<span class='pagenum'><a name="Page_291" id="Page_291">[291]</a></span>
+des Schlosses zum Theile erhalten<a name="FNanchor_548" id="FNanchor_548"></a><a href="#Footnote_548" class="fnanchor">[548]</a>. Die ägyptischen
+Truppen verheerten Massissa, das alte <i>Mopsuestia</i>, d. i. der
+Feuerherd des Mopsus, das, auf beiden Seiten des Dschihan
+(Pyramus) gebaut, zwölf Miglien von der, unter dem Namen
+der Goldstoffwiese<a name="FNanchor_549" id="FNanchor_549"></a><a href="#Footnote_549" class="fnanchor">[549]</a> in den Kriegen der Byzantiner mit
+Seifeddewlet durch Schlachten berühmten Ebene, eine halbe
+Tagreise von Adana; eine steinerne Brücke verbindet den
+diesseits und jenseits des Flusses gelegenen Theil der Stadt.
+Die auslaufende Bergkette des Taurus, welche sich von
+Massissa bis an das Meer zieht, heisst der <i>Dschebelon-nur</i>,
+d. i. der Lichtberg, auf welchem die schönsten Hiacinthen
+und seltene Pflanzen, unter andern Mandragoren und ein
+Kraut, welches, weil es die Zähne der Schafe gelb färbt,
+von den Alchymikern als ein Hauptbestandtheil des Steins
+der Weisen gesucht wird<a name="FNanchor_550" id="FNanchor_550"></a><a href="#Footnote_550" class="fnanchor">[550]</a>. Unter Massissa liegt die tiefe
+Felsenschlucht, welche <i>Kurd Kulaghi</i>, d. i. das Wolfsohr<a name="FNanchor_551" id="FNanchor_551"></a><a href="#Footnote_551" class="fnanchor">[551]</a>,
+heisst, zur Linken auf einem hohen Berge das weisse Schloss
+<i>Jilan Kalaasi</i>, d. i. das Schlangenschloss, das für die Residenz
+der Schlangenkönigin gilt<a name="FNanchor_552" id="FNanchor_552"></a><a href="#Footnote_552" class="fnanchor">[552]</a>, die sich mit der Kronjuwele
+auf dem Haupte manchmal auf der Goldstoffwiese
+und auf den Höhen des Lichtbergs sonnt. Bondokdar drang
+in dem Gebirgspasse bis nach <i>Sis</i>, der Hauptstadt des alten
+armenischen Königreichs, vor, welche mit den nahe gelegenen
+Festen von <i>Ainsarbe</i>, <i>Tel Hamdun</i>, <i>Serfendkjar</i> und
+<i>Bersbert</i> von den Arabern die Schneidezähne<a name="FNanchor_553" id="FNanchor_553"></a><a href="#Footnote_553" class="fnanchor">[553]</a>, d. i. die
+Gränzfesten des Islams, genannt werden; die letzte war
+der Schatzhort der armenischen Könige und eine Zeit lang
+die Residenz derselben<a name="FNanchor_554" id="FNanchor_554"></a><a href="#Footnote_554" class="fnanchor">[554]</a>. Nachdem <i>Sis</i> verbrannt worden,
+kehrte der Sultan durch die Felsenschlösser zurück. Vier
+seiner Truppenabtheilungen hatten sich gegen die am Meere
+gelegenen cilicischen Städte <i>Tarsus</i>, <i>Adana</i>, <i>Barin</i> und <i>Ajas</i>
+gewendet. <i>Tarsus</i>, dessen Ruhm bis in die Zeit der assyrischen
+<span class='pagenum'><a name="Page_292" id="Page_292">[292]</a></span>
+Könige hinauf datirt, indem sich Sardanapalus dasselbe
+erbauet zu haben rühmte, ist in der des Chalifats als
+der Ort, wo der grösste Chalife des Hauses Abbas den Geist
+aufgab, die in den morgenländischen Geschichten und Geographien
+berühmteste Stadt Ciliciens; am Cydnus<a name="FNanchor_555" id="FNanchor_555"></a><a href="#Footnote_555" class="fnanchor">[555]</a>, welcher
+die Mauern derselben wäscht, hatte Alexander nicht
+ohne Nachtheil seiner Gesundheit kalt gebadet, glücklicher
+als Friedrich Barbarossa, welcher in den Fluthen des Saleph
+oder Calycadnus<a name="FNanchor_556" id="FNanchor_556"></a><a href="#Footnote_556" class="fnanchor">[556]</a>, der bei Selefke vorbeiströmt, den Tod
+gefunden. Den Cydnus war Kleopatra in ihrer mit purpurnen
+Segeln und vielfarbigen Flaggen bepfauten goldenen Galeere
+hinaufgefahren; hiervon weiss die moslimische Ueberlieferung
+nichts, doch zeigt dieselbe das Felsen-Sopha der Dschinnen<a name="FNanchor_557" id="FNanchor_557"></a><a href="#Footnote_557" class="fnanchor">[557]</a>,
+wo der Chalife Mamun am vorbeifliessenden Wasser sass und
+einen über eine Elle langen Fisch aus dem Wasser zu ziehen
+befahl. Der schöne Silberfisch (vermuthlich ein Dschinne)
+sprang wieder in's Wasser, so dass derselbe die Kleider
+Mamun's bespritzte; dieser, zornig hierüber, befahl, den
+Fisch wieder herauszuziehen. &bdquo;Nun werde ich dich sogleich
+gebraten essen&ldquo;, sagte der Chalife, und übergab ihn dem
+Koch, aber im selben Augenblicke ergriff ihn ein heftiger
+Fieberschauer; als der Fisch ihm gebraten vorgesetzt wurde,
+war er nicht mehr im Stande, davon zu essen, und nach
+einigen Tagen ward er vom Fieber hinweggerafft. Durch
+diese Volkssage und durch die, welche nach Tarsus die
+Höhle der Siebenschläfer verleget (wiewohl man sie auch
+zu Ephesus und Damaskus zeigt), ist Tarsus nicht minder
+geschichtlich merkwürdig, als in der Geschichte der byzantinischen
+Feldzüge, <span class="xidenote">i. J. 350/<br />961</span> in welchen Tarsus, vom byzantinischen
+Befehlshaber gütlich übergeben, die äusserste Gränzfeste
+des Islams ward. Zu <i>Adana</i>, der Hauptstadt der heute
+darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, welche
+Harun Raschid am Ufer des Sihan, d. i. des Sarus, erbaut
+hatte, wurden die Männer getödtet, die Weiber und Kinder
+<span class='pagenum'><a name="Page_293" id="Page_293">[293]</a></span>
+geraubt. Ajas, am Ufer des Meeres, zwei Tagreisen von
+Baghras und eine von Tel Hamdun entfernt, war in den
+Händen der Franken, welche ihr Habe auf die Schiffe im
+Hafen retteten. Die Stadt wurde von den Aegyptern verbrannt;
+tausend Franken und Armenier, die sich zur See
+retten wollten, gingen in derselben zu Grunde<a name="FNanchor_558" id="FNanchor_558"></a><a href="#Footnote_558" class="fnanchor">[558]</a>. Massissa
+wurde verbrannt. Im folgenden Spätjahre wurde Bire von
+Obotai vergebens belagert; nach aufgehobener Belagerung
+zog eine ägyptische Truppenabtheilung nach Cilicien, wo
+dieselbe in der Nähe von Meraasch von Sinbad, dem Oheim
+des Königs, angegriffen ward. <span class="xidenote">29. Nov. 1275</span> Das Treffen kostete dem
+Oheim des Königs, vierzehn Grafen und dreihundert Armeniern
+das Leben. Die Turkmanen, wiewohl Sieger, zogen
+sich zurück<a name="FNanchor_559" id="FNanchor_559"></a><a href="#Footnote_559" class="fnanchor">[559]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Unruhen in
+Rum;
+Schlacht von
+Albestan.</div>
+
+<p>Die Unruhen, welche in Rum ausgebrochen, führten bald
+neue feindliche Berührung zwischen dem Sultan Aegyptens
+und dem Ilchane Persiens herbei. Wir haben schon im
+vorigen Buche, in der Geschichte Hulagu's, der beiden
+Brüder Herrscher Rums, Rokneddin's und Iseddin's, und
+der Theilung Rums zwischen beiden erwähnt. <i>Moineddin
+Ssahib Perwane</i>, d. i. der Inhaber des Kabinetssiegels, der
+Wesir Rokneddin's, hatte den Mitregenten seines Herrn bei
+Alindschak, dem mongolischen Befehlshaber in Rum, eines
+Einverständnisses mit dem Sultan Aegyptens angeklagt; in
+der That hatte Iseddin Gesandte an Beibars mit dem Antrage
+der Abtretung der Hälfte seines Landes gesandt, wenn
+er ihm wider den Bruder beistehen wolle. Iseddin, auf
+dem Wege in's Hoflager zu Hulagu wider die Ränke seines
+Bruders und dessen Wesirs gewarnt, kehrte um und flüchtete
+sich zum byzantinischen Kaiser, welcher, um dem Hulagu
+gefällig zu seyn, denselben zu Ainos als Staatsgefangenen
+einsperrte. Iseddin interessirte für sich Berke, den Herrscher
+von Kipdschak, der in Feindschaft mit Hulagu, dem
+von diesem verfolgten Prinzen Truppen zu Hilfe schickte,
+die ihn aus Ainos befreiten; er starb als Vassal des Herrschers
+<span class='pagenum'><a name="Page_294" id="Page_294">[294]</a></span>
+der goldenen Horde in der Krim. Rokneddin herrschte
+nun allein, aber nur dem Namen nach, denn der eigentliche
+Herrscher war Perwane. Dieser beinzüchtigte seinen Herrn
+bei Abaka empörerischer Plane und erhielt den Befehl seiner
+Hinrichtung. <span class="xidenote">666/<br />1268</span> Rokneddin, von Perwane zu einem Feste geladen,
+wurde mit einer Bogensehne erwürgt, im selben Jahre,
+wo der letzte der Hohenstaufen, Konradin von Schwaben,
+auf dem Blutgerüste zu Neapel den Geist aushauchte. Perwane
+herrschte nun im Namen Ghajaseddin's, des vierzehnjährigen
+Sohnes Rokneddin's. Mehrere der Bege Rums,
+unter diesen auch der Sohn Perwane's<a name="FNanchor_560" id="FNanchor_560"></a><a href="#Footnote_560" class="fnanchor">[560]</a>, flüchteten zu
+Beibars und hetzten ihn zum Kriege wider Abaka auf. Nachdem
+er das Heer gerüstet, seinen schon vor neun Jahren
+zum Nachfolger ernannten Sohn <i>Said Berke</i> in seiner Abwesenheit
+mit unumschränkter Macht in Aegypten bekleidet
+hatte, brach er nach Syrien und von da gegen Cilicien auf.
+Der Befehlshaber von Haleb und der Emir der Wüste (Isa,
+der Sohn Mohenna's) schlugen eine Truppe der Araber
+Chafadsche, welche die Mongolen wider sie gesandt. Bondokdar
+zog über Aintab, Dulak<a name="FNanchor_561" id="FNanchor_561"></a><a href="#Footnote_561" class="fnanchor">[561]</a>, Kinuk, d. i. durch den
+taurischen Pass, die heutige Strasse der Pilgerkarawane.
+Er mündete in der Ebene von <i>Ablestan</i> oder <i>Albostan</i>, wohin
+Geographen und Reisebeschreiber das dritte der drei berühmten
+Tempelstädte <i>Komane</i>, nämlich das kappadocische,
+verlegen<a name="FNanchor_562" id="FNanchor_562"></a><a href="#Footnote_562" class="fnanchor">[562]</a>; hier sowohl als in der goldenen Komane an
+der Vereinigung der beiden Arme des Euphrat in Sakasene
+und im pontischen wurde die taurische <i>Artemis</i> als <i>Anaitis</i>
+oder die Kriegsgöttin <i>Enyo</i> in Tempeln verehrt, die unter
+Hut grosser Priestergesellschaften die Kapitole dieser Gegenden.
+Der Name <i>Albestan</i>, d. i. der Garten, scheint derselbe
+<span class='pagenum'><a name="Page_295" id="Page_295">[295]</a></span>
+mit dem des alten <i>Pästum</i> zu seyn, dessen Tempel
+vielleicht demselben Kultus heilig waren. Das pontische
+Komane ist in der römischen Kriegsgeschichte durch den
+Sieg Cäsar's über den Mithridates berühmt, und gleichen
+Ruhm sollte nun das kappadocische in der Kriegsgeschichte
+der Mamluken und Mongolen durch die Niederlage der
+letzten erhalten. Die Reiterei der Mongolen, aus eilf Regimentern
+von tausend Mann bestehend, ward von <i>Tokus</i>,
+seinem Bruder <i>Uruktu</i> und von <i>Tudaun</i>, dem Bruder Sughurdschak's,
+dem Suldusen, befehligt; die Hilfstruppen bestanden
+aus türkischen, deren Treue<a name="FNanchor_563" id="FNanchor_563"></a><a href="#Footnote_563" class="fnanchor">[563]</a> in einer Schlacht
+wider Moslimen zweifelhaft, und aus einem georgischen
+Hilfscorps von dreitausend Mann. <span class="xidenote">11. Silhidsche 675/<br />16. April 1277</span> Freitags in der Hälfte
+Aprils, am Freitage, welches der liebste Schlachttag Ssalaheddin's
+und auch Rudolph's von Habsburg (vielleicht weil
+dieser vernommen, dass Ssalaheddin seine Siege alle an
+einem Freitage erfochten), hatte die Schlacht statt. Der
+linke Flügel der Mongolen warf das Mitteltreffen der Mamluken,
+in welchem das Panier des Sultans flatterte, auf den
+rechten Flügel; aber Beibars unterstützte denselben und
+stellte die gebrochene Schlachtordnung wieder her. Uruktu
+und Tudaun sassen mit ihrer Reiterei ab, um den Anfall
+der ägyptischen mittels Pfeilregens aufzuhalten; aber die
+ausharrende Tapferkeit Bondokdar's siegte. Die Mongolen
+wurden geschlagen; ihre Feldherren Tokus und Tudaun
+und sechstausend siebenhundert siebzig gezählte Mongolen
+deckten das Schlachtfeld. Beibars lies sich die Gefangenen
+vorführen und dieselben zusammenhauen, einige Officiere
+ausgenommen, mongolische und armenische; die letzten
+überhäufte er mit Vorwürfen, dass sie sich in den Reihen
+der Ungläubigen schlügen; unter den Gefangenen befand
+sich ein Sohn, ein Neffe und die Mutter Perwane's<a name="FNanchor_564" id="FNanchor_564"></a><a href="#Footnote_564" class="fnanchor">[564]</a>. Ein
+Diener Tudaun's brachte die Nachricht der Niederlage dem
+Ilchan, der erzürnt nach Tebris zurückkehrte.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_296" id="Page_296">[296]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Beibars zu
+Cäsarea.</div>
+
+<p>Acht Tage nach dem Siege, Freitags, zog Beibars zu
+Kaissarije (Cäsarea) im Triumphe, unter einem Thronhimmel,
+wie derselbe ober dem Haupte der Sultane Seldschuken
+getragen ward, in den Palast des Sultans ein und
+setzte sich auf den Thron. <span class="xidenote">18. Silkide/<br />23. April</span> Mit dem Sultansbunde auf dem
+Kopfe nahte er sich dem Thore des Harems und sandte
+den Prinzessinnen des Herrscherhauses von Rum seine ehrfurchtvollsten
+Grüsse; dann setzte er sich wieder auf den
+Thron und empfing die Huldigung der <i>Ulema</i> und <i>Kadi</i>,
+der <i>Imame</i> und <i>Scheiche</i>, der Prediger und Leser des
+Korans, der <i>Fakihe</i> und <i>Fakire</i>; der Ceremonienmeister,
+mit grossem Kopfwulste und weitem Mantel angethan, wies
+jedem die ihm gehörige Stelle an; die Heermusik spielte
+den Tusch, der zur Zeit des Gebetes nur für den Landesherrn
+erscholl, die Leser lasen Suren des Korans, Dichter
+declamirten Lobgedichte; Alle wurden mit einem Frühmahle
+königlich bewirthet; dann begab sich Beibars in die Moschee
+des Sultans, wo das Kanzelgebet auf seinen Namen verrichtet
+ward, so auch in den übrigen sechs Moscheen der Stadt<a name="FNanchor_565" id="FNanchor_565"></a><a href="#Footnote_565" class="fnanchor">[565]</a>;
+das ausgeworfene Geld war auf seinen Namen gemünzt<a name="FNanchor_566" id="FNanchor_566"></a><a href="#Footnote_566" class="fnanchor">[566]</a>.
+Die Schätze, welche Perwane und seine Gemahlin zu Kaissarije
+zurückgelassen, wurden unter die Emire vertheilt. Perwane,
+welcher in der Schlacht von Albestan das Heer des Sultans
+von Rum befehligt hatte, war nach Verlust derselben nach
+Kaissarije geflohen und hatte sich von hier mit dem Namensträger
+der Herrschaft Rums, mit Sultan Ghajaseddin,
+nach der Feste Tokat zurückgezogen; auf dem Wege dahin
+war seine von vierhundert Sklavinnen begleitete Gemahlin
+Gurdschi Chatun, die Tochter Ghajaseddin's, des Herrn
+von Erserum, gestorben. Perwane schrieb an Beibars, um
+ihm als Herrscher Rums zu huldigen; in seiner Antwort
+forderte Beibars ihn auf, persönlich zu erscheinen. Perwane
+bat um einen Aufschub von vierzehn Tagen, in der Hoffnung,
+dass Beibars, von dem Anmarsche Abaka's benachrichtigt,
+eher Cäsarea verlassen haben würde, das er
+<span class='pagenum'><a name="Page_297" id="Page_297">[297]</a></span>
+wirklich am fünften Tage nach seinem Einzuge verliess.
+Beibars verliess Cäsarea in dem Augenblicke, wo zu erwarten
+stand, dass er seine Eroberungen in Rum verfolgen
+würde. Einige Christen und Armenier liess er hinrichten,
+sonst wurden die Einwohner von seinen Truppen, welche
+die Lieferungen genau bezahlten, nicht misshandelt. Während
+seines Aufenthaltes zu Cäsarea hatte Beibars die Huldigung
+des Herrschers von Karaman empfangen, welcher,
+der Gründer der Macht dieses Hauses, von nun an durch
+vier und zwanzig Jahre ein Nebenbuhler des der Seldschuken
+und dann durch hundert sechs und siebzig Jahre der Osmanen,
+bis dass es nach zwei Jahrhunderten und in zehn
+von den Osmanen wider dieselben geführten Kriegen zertrümmert
+ward<a name="FNanchor_567" id="FNanchor_567"></a><a href="#Footnote_567" class="fnanchor">[567]</a>. Schemseddin Mohammed, der Karamane,
+zog an der Spitze von dreitausend Reitern nach der Hauptstadt
+Konia, vor welcher er die ihm von Sultan Beibars
+gesandten Fahnen aufpflanzte und die Stadt zur Uebergabe
+aufforderte. Die Einwohner antworteten, sie übergäben die
+Stadt nicht, doch würden sie ihn nicht hindern, wenn er
+die Thore verbrennen wolle, einzuziehen. Er verbrannte
+zwei Thore, besetzte die Stadt und bemächtigte sich der
+Citadelle durch List und Gold; dann zog er dem Heere
+entgegen, welches Fachreddin Ali, der Wesir Ghajaseddin's,
+von seinen beiden Söhnen befehligt, wider ihn gesendet; <span class="xidenote">29. Silkide 675/<br />3. Juni 1277</span>
+der Karamane schlug es und kehrte mit den Köpfen der
+beiden Söhne des Wesirs nach Konia, verliess dasselbe aber
+nach sieben und dreissig Tagen und zog sich in's cilicische
+Gebirge zurück. <span class="xidenote">Ssafer 676/<br />Juli 1277</span> Im folgenden Frühlinge zog Abaka dreimal
+gegen Rum<a name="FNanchor_568" id="FNanchor_568"></a><a href="#Footnote_568" class="fnanchor">[568]</a>. Zu Ablistan oder Elbestan wartete ihm der
+Sultan Ghajaseddin mit seinem Wesire Fachreddin von Issfahan
+auf; als Abaka auf dem Schlachtfelde die noch unbegrabenen
+Mongolen sah, weinte er, liess mehrere Turkmanen,
+Urheber von Unruhen, hinrichten und gab den Befehl zur
+Verheerung der Städte Rums. In dem Ausfluge von sieben
+<span class='pagenum'><a name="Page_298" id="Page_298">[298]</a></span>
+Tagreisen wurden die Städte verheert, die Einwohner geschlachtet;
+es fielen mehr als hunderttausend derselben als
+ein Opfer des Schwertes<a name="FNanchor_569" id="FNanchor_569"></a><a href="#Footnote_569" class="fnanchor">[569]</a>. Mohammed Schemseddin
+Dschuweini, der gerechte und gelehrte Grosswesir, kaufte
+mehrere derselben mit seinem Gelde los; schon war Siwas
+zur Hälfte verheert, als er die andere Hälfte durch seine
+Vorstellungen, dass die Einwohner unschuldig der Rache
+verfallen, rettete. Nureddin Chasneji und Sahireddin Ibn
+Husch wurden hingerichtet<a name="FNanchor_570" id="FNanchor_570"></a><a href="#Footnote_570" class="fnanchor">[570]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Gesandtschaft
+an
+Beibars,
+dessen Tod,
+Perwane's
+Hinrichtung.</div>
+
+<p>Abaka wollte von Rum unmittelbar nach Syrien ziehen.
+Die Emire stellten ihm vor, dass in der Mitte des Sommers
+die Beschwerden des Zuges zu gross, dass der Marsch
+besser bis auf den Herbst verschoben bliebe. Er sandte
+also indessen Botschaft an Bondokdar: &bdquo;Ihr seid wie Räuber
+auf die Vorwachen unserer Heere gefallen und habt dieselben
+erschlagen, und als Wir uns genaht, seid ihr wie
+Diebe entflohen; seid ihr Männer, so erscheinet nun auf
+dem Kampfplatze:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Komm', dass du meine Lanze streifest,<br /></span>
+<span class="i0">Komm', dass du meinen Zügel greifest;<br /></span>
+<span class="i0">Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben,<br /></span>
+<span class="i0">Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben;<br /></span>
+<span class="i0">Hast du von Männern je gehört der Schlachten,<br /></span>
+<span class="i0">Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?&ldquo;<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Beibars empfing die Botschaft zu Damaskus, wo er bald
+darauf starb<a name="FNanchor_571" id="FNanchor_571"></a><a href="#Footnote_571" class="fnanchor">[571]</a>. Abaka übergab die Verwaltung Rums seinem
+Bruder, dem Prinzen Konghurtai<a name="FNanchor_572" id="FNanchor_572"></a><a href="#Footnote_572" class="fnanchor">[572]</a> Aghul zur Huth, liess
+Tokat und das Schloss Perwane's verwüsten<a name="FNanchor_573" id="FNanchor_573"></a><a href="#Footnote_573" class="fnanchor">[573]</a> und kehrte
+nach Alatak zurück. Als er am Schlosse von Baiburt vorbeikam,
+das in Armenien durch die Schönheit seiner Mädchen
+berühmt, wie Ersendschan durch die Fette seiner Schafe
+und Kumach durch die Feinheit seiner Leindwand<a name="FNanchor_574" id="FNanchor_574"></a><a href="#Footnote_574" class="fnanchor">[574]</a>, erbat
+<span class='pagenum'><a name="Page_299" id="Page_299">[299]</a></span>
+sich ein Scheich die Erlaubniss, ihm frei die Wahrheit sagen
+zu dürfen; nach gegebener Erlaubniss sprach er: &bdquo;Herr,
+dein Feind ist in deine Länder eingefallen, ohne deinen
+Unterthanen Uebles zuzufügen; weil er deinem Grimme
+entwischet, hast du denselben an deinen Völkern ausgelassen,
+hast deine Unterthanen getödtet, deine eigenen
+Länder verheert; welcher deiner Vorfahren hat desgleichen
+gethan?&ldquo; Die Worte des Scheichs machten tiefen Eindruck
+auf Abaka, der die Freigebung von viermalhunderttausend
+Gefangenen befahl<a name="FNanchor_575" id="FNanchor_575"></a><a href="#Footnote_575" class="fnanchor">[575]</a>. Im Lager von Alatak wurde Moineddin
+Perwane vor Gericht gestellt, dreier Staatsverbrechen angeklagt:
+dass er zu Ablistan geflohen, dass er nach der Niederlage
+sich nicht zum Herrn begeben, dass er denselben nicht
+frühzeitig genug vom Anzuge der Aegypter unterrichtet.
+Die von Syrien zurückgekommenen Gesandten Abaka's sagten
+überdiess wider ihn aus, was sie dort erfahren, dass Beibars
+auf dessen Einladung nach Rum gekommen, das er in seine
+Hände zu liefern versprochen, dass er hernach aber vor
+demselben geflohen sei. An Perwane, welcher den Sultan
+Rums mit Bogensehne erwürgt hatte, ward nun Gleiches
+mit Gleichem vergolten; <span class="xidenote">1. Rebiulewwel 677/<br />23. Juli 1278</span> Abaka war schon auf dem Punkte,
+ihm zu verzeihen und ihn nach Rum zurückzusenden, als
+die Wittwen der zu Ablistan Gefallenen Wehe- und Rachegeschrei
+vor dem Palaste Abaka's erhoben. Kutschuk Tukdschi
+Behadir mit zweihundert Reisigen erhielt den Befehl
+der Hinrichtung; Perwane war, sobald er sich umringt sah,
+seines Looses gewärtig und bat, nur noch ein Gebet von
+zwei Verbeugungen verrichten zu dürfen; nachdem er es
+verrichtet, wurde er zusammengehauen. Die Angabe des
+armenischen Mönchs Geschichtschreibers<a name="FNanchor_576" id="FNanchor_576"></a><a href="#Footnote_576" class="fnanchor">[576]</a>, dass Abaka vom
+Fleische Perwane's in alle Speisen zu mischen befohlen und
+selbst davon gegessen haben soll, verdient wenig Glauben.
+Moineddin Suleiman Perwane aus Dilem war der Sohn Mobariseddin
+Ali's, welcher, in früherer Jugend nach Rum
+gekommen, vom Finanzminister Sultan Alaeddin Keikobad's
+<span class='pagenum'><a name="Page_300" id="Page_300">[300]</a></span>
+als Eidam begünstigt, nach des Schwiegervaters Tod die Stelle
+als Wesir erhalten hatte. Sein Sohn Perwane beherrschte
+Rum im Namen der Seldschuken als unumschränkter Herr;
+Rokneddin Kilidsch Arslan hatte ihm die Stadt Sinope verpachtet,
+deren Besitz auch nach seiner Hinrichtung auf
+seinen Sohn Mohammed und von diesem auf den Enkel Perwane's,
+Mohesebeddin Mesud, überging<a name="FNanchor_577" id="FNanchor_577"></a><a href="#Footnote_577" class="fnanchor">[577]</a>. Dieser bemächtigte
+sich Dschaniks und Ssamssuns, das nach seinem Tode<a name="FNanchor_578" id="FNanchor_578"></a><a href="#Footnote_578" class="fnanchor">[578]</a>
+in den Besitz des Fürsten von Kastemuni fiel. Sechs Wochen
+nach der Hinrichtung Perwane's ward der Wesir Schemseddin
+nach Rum gesandt, um dem verwüsteten Lande wieder
+aufzuhelfen; <span class="xidenote">17. Rebiulachir/<br />7. Sept.</span> er baute die verheerten Städte wieder auf,
+führte aber auch die Stempelgebühr ein, welche vordem in
+Rum nicht bestanden. Der Fürst von Karaman, der sich
+in unwegsamen Wäldern verborgen hielt, ward mit denselben
+verbrannt. Iseddin Ibek der Syrier erhielt die Statthalterschaft
+Malatia's. Schemseddin, nachdem er die Angelegenheiten
+Rums eingerichtet, wandte sich nach dem Kaukasus
+und Lesgistan, wo er die störrigen Bergvölker der mongolischen
+Herrschaft unterwarf<a name="FNanchor_579" id="FNanchor_579"></a><a href="#Footnote_579" class="fnanchor">[579]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Verungnadung
+Schemseddin's
+und
+Wiederaufnahme
+zu
+Gnaden.</div>
+
+<p>In dem Augenblicke, wo Schemseddin durch die Einrichtung
+Rums nach der Unterwerfung Lesgistans dem Reiche
+die wichtigsten Dienste erweisend und seine Macht im
+höchsten, war auch seine Verungnadung am nächsten. Dieselbe
+war das Werk der Ränke <i>Medschdulmülk's</i>, des Sohnes
+<i>Ssafiolmülk's</i>, des vormaligen Wesirs der Atabegen von Jesd.
+Zuerst im Dienste Behaeddin's, des Sohnes Schemseddin's,
+zu Issfahan, war er von diesem dem Vater empfohlen worden,
+welcher ihn in verschiedenen Aufträgen und zur Zählung
+der Einwohner Georgiens und noch zuletzt in Rum verwendet
+hatte. Medschdulmülk hinterbrachte dem <i>Jesu Buka
+Gurgan</i>, welcher als Gemahl Kutlukan's, der sechsten Tochter
+Hulagu's, der Schwager Abaka's, dass Medschdeddin Esir, der
+Bestellte Alaeddin Dschuweini's (des Bruders Schemseddin's),
+<span class='pagenum'><a name="Page_301" id="Page_301">[301]</a></span>
+in seinem und seines Bruders Namen geheimes Einverständniss
+mit den Aegyptern unterhalte, um diesen Bagdad zu überliefern.
+Abaka, hiervon durch seinen Schwager unterrichtet,
+befragte den Medschdeddin Esir, von dem aber selbst fünfhundert
+Prügel kein Geständniss erpressten. Schemseddin,
+in der Hoffnung, einen gefährlichen Feind zu versöhnen,
+verlieh seinem Ankläger Medschdulmülk die Statthalterschaft
+von Siwas mit einer Anweisung von zehntausend Dinaren
+auf den Schatz von Rum. Aber undankbar und unversöhnlich
+suchte Medschdulmülk neue Wege zum Gehöre Abaka's
+mittels dessen Sohnes, des Prinzen Arghun; diesem machte
+er zu Kaswin in einer geheimen Unterredung weis, Perwane
+habe auf Schemseddin's Einflüsterung den Bondokdar nach
+Syrien eingeladen, sein Bruder Alaeddin habe für sich eine
+mit Edelsteinen besetzte Krone verfertigen lassen; er könne
+dem Wesir beweisen, dass er sich viertausend Tomane<a name="FNanchor_580" id="FNanchor_580"></a><a href="#Footnote_580" class="fnanchor">[580]</a>
+von den Krongütern erpresst, dass er ausserdem zweitausend
+Tomane an Heerden und Juwelen besitze, ohne zu rechnen,
+was er von den Schlössern der Assassinen und von Bagdad
+weggeschleppt; sein Sohn Behaeddin, der Statthalter von
+Issfahan, habe dort ausser den aufgelegten Steuern sechshundert
+Tomane erpresst; um ihm das Maul zu stopfen,
+habe er ihm die Statthalterschaft von Siwas mit einer Summe
+Geldes verliehen. Arghun hinterbrachte diese Reden seinem
+Vater; als dieser sich zu <i>Scherujas</i> (in der Ebene zwischen
+Ebher und Serdschan) befand, ward Medschdulmülk durch
+Vermittelung des Emirs Taghadschar von Abaka im Bade
+empfangen. Abaka, hierdurch in seiner guten Meinung von
+Schemseddin's Finanzverwaltung beirrt, gab dem Ankläger
+den Auftrag, die Rechnungen der letzten Jahre zu untersuchen
+und die Güterbeschreibungen zu durchgehen, ohne
+dass einer der Emire oder Prinzen sich dessen weigern
+dürfe. Zugleich gab er ihm die Insignien des Löwenkopfes
+glänzender und schöner, als dieselben Sultanen und Königen
+verliehen worden<a name="FNanchor_581" id="FNanchor_581"></a><a href="#Footnote_581" class="fnanchor">[581]</a>. Die Naibe oder Stellvertreter der
+<span class='pagenum'><a name="Page_302" id="Page_302">[302]</a></span>
+Steuervögte wurden nach Tebris einberufen. Medschdulmülk
+stand auf einmal in hoher Gunst und verkündete dieselbe
+durch seinen Aufwand; er umgab sich mit berittenen Pagen,
+die auf arabischen Pferden mit goldenen Gürteln, und
+spannte ein von vierzig Säulen getragenes Zelt aus Atlas
+von <i>Schuster</i> aus. Schemseddin wandte sich an seine Gönnerin
+und Beschützerin Oldschai Chatun, welche den aufgebrachten
+Gemahl dem Wesir zu versöhnen sich bestrebte.
+Er erhielt eine Audienz: &bdquo;Wir haben dich&ldquo;, redete ihn
+Abaka an, &bdquo;in dem dir von Unserem Vater verliehenen
+Amte der Wesirschaft mit unumschränkter Machtvollkommenheit
+bestätigt und alle Länder deiner Feder untergeben;
+wie hast du unser Vertrauen zu misbrauchen und das Doppelte
+der Gebühren undankbarerweise dir anzueignen gewagt?&ldquo;
+Der Chalife Motedhad biemrillah hat gesagt: &bdquo;Ueber den,
+der die Gnaden der Könige mit Undank erwiedert, werden
+die Schwerter Recht sprechen.&ldquo; Schemseddin antwortete:
+&bdquo;Ein Theil der eingenommenen Gelder ward im Dienste der
+Finanzen, ein anderer in dem der Prinzen und Prinzessinnen,
+ein Theil zu Gaben und Almosen für's allgemeine Besste
+verwendet; was ich besitze an Kapitalien und Gütern, an
+Mamluken und Heerden, ist ein Brosamen der Gnaden und
+ein Abfall der Huld des Padischah's, den ich auf jeden
+Wink zurückzugeben erbötig.&ldquo; Abaka, durch diese Sprache
+des Wesirs versöhnt, verzieh ihm; er sagte: &bdquo;Alle deine
+Schuld, die sich begeben und die sich nicht begeben, habe
+ich dir vergeben<a name="FNanchor_582" id="FNanchor_582"></a><a href="#Footnote_582" class="fnanchor">[582]</a> und dich in deinem Amte neuerdings
+bestätigt.&ldquo; Die gegebenen Befehle der Verhaftnehmung der
+Intendenten des Wesirs wurden widerrufen und Schemseddin
+erliess Rundschreiben, um die Wiedererlangung Allerhöchster
+Gnade kund zu thun; in demselben waren die
+Worte Abaka's, wie folgt, angeführt: &bdquo;Eine Zeit ist es,
+dass durch verlautende Kunden der Veränderung Unserer
+Gnade dir die Sicherheit der Nahrung und die Süssigkeit
+des Schlafes geraubt worden; nun gehe von hier in Unserem
+<span class='pagenum'><a name="Page_303" id="Page_303">[303]</a></span>
+Dienste betrunken nach Haus, strecke mit Herzen voll Lust
+und mit gesättigter Brust Hand und Fuss fröhlich im Hareme
+aus; lege dich früh nieder und stehe spät auf.&ldquo;</p>
+
+<div class="sidenote">Medschdulmülk,
+Amtsgenosse
+Schemseddin's.</div>
+
+<p>Medschdulmülk, durch die Wiederaufnahme des Wesirs
+zu vorigen Gnaden beunruhigt, bat, dass Abaka ihn unter
+den Schutz eines der Emire seines Hofes stellen oder davon
+entfernen möge. Abaka antwortete, dass, wiewohl er den
+Schemseddin wieder zu Gnaden aufgenommen, er dem
+Medschdulmülk Nichts Uebles wolle und dass er beim Emir
+<i>Taghadschar</i> bleiben könne. Medschdulmülk, von seinem
+Rathe und Gelehrten Ssadreddin von Sendschan unterstützt,
+fuhr fort, Ränke zu schmieden, und zwar mit so gutem
+Erfolge, dass ein Diplom erging, vermöge dessen Medschdulmülk
+von Jesd dem Inhaber des Diwans an die Seite
+gegeben ward. <span class="xidenote">679/<br />1280</span> Dieses Diplom ward im Götzentempel zu
+Mocha in Gegenwart aller Prinzen und Prinzessinnen öffentlich
+verlesen und alle Geschäftsleute bemerkten, dass noch
+kein Perser von den mongolischen Herrschern dergleichen
+Jerligh erhalten. Abaka empfahl dem Medschdulmülk die
+grösste Wachsamkeit in Bewahrung und Gebahrung der
+Staatsgelder und sich nicht vom Hofe zu entfernen, wo er
+unter seinem Schutze stehe<a name="FNanchor_583" id="FNanchor_583"></a><a href="#Footnote_583" class="fnanchor">[583]</a>. Medschdulmülk stellte in
+allen Ländern Stellvertreter mit zahlreichem Gefolge an,
+und in den Erlassen des Diwans wurde der Name Schemseddin's
+als des Inhabers rechts, der Medschdulmülk's links
+auf derselben Höhe geschrieben. Zu dieser Zeit schrieb
+Medschdulmülk, seine Feindschaft nicht verhehlend, an
+Schemseddin die Verse:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen,<br /></span>
+<span class="i0">Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen;<br /></span>
+<span class="i0">Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust,<br /></span>
+<span class="i0">Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust<a name="FNanchor_584" id="FNanchor_584"></a><a href="#Footnote_584" class="fnanchor">[584]</a>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Schemseddin antwortete hierauf:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Da es unmöglich, Schahe zu verklagen,<br /></span>
+<span class="i0">So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen;<br /></span>
+<span class='pagenum'><a name="Page_304" id="Page_304">[304]</a></span>
+<span class="i0">Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen,<br /></span>
+<span class="i0">Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Schemseddin, starkmüthiger Geduld, schlürfte den Becher
+der Demüthigung bis zum Hefen aus. Als er eines Tages
+mit seinem Amtsgenossen Feinde auf den Stufen des Thrones
+erschienen, befahl ihm Abaka, die untere Stufe einzunehmen;
+ein andermal, bei einem Gastmahle, verweigerte Abaka
+dreimal den ihm von Schemseddin dargebrachten Becher,
+den dieser hiernach dem ober ihm knienden Feinde darbrachte;
+Abaka reichte hierauf dem Schemseddin, dem
+eifrigen Moslime, ein Stück Schweinfleisch, das dieser
+schweigend verschluckte; da sagte Abaka zu den Trinkgenossen:
+Dort ist ein guter und ausharrender Mann; ich
+hatte beschlossen, hätte er sich das Schweinfleisch zu essen
+geweigert, ihm mit der Spitze des Messers das Aug' auszustechen. <span class="xidenote">Rebiulewwel 680/<br />1281</span>
+Nun erschien Alaeddin, der Statthalter Bagdads,
+der Bruder Schemseddin's, welcher mit demselben in der
+Anklage von Gelderpressung verwickelt war, zu Bagdad
+ohne allen Aufwand in reinlicher Kleidung, und sogleich
+war von allen Seiten ein Heer von Anklägern und Zwischenträgern
+in der Luft; Medschdulmülk zeigte an: Alaeddin
+habe nun durch zwanzig Jahre die Steuerausschreibung des
+arabischen Irak und Chusistan's verwaltet und in jedem dieser
+Jahre über zwanzig Tomane Zuschuss erhoben. Alaeddin
+rechtfertigte sich &bdquo;durch die ihm aufgebürdeten Ausgaben
+für die Prinzen und Frauen, für die Emire und Intendenten
+der Gauen, durch den Aufwand für die Gesandten am Hofe,
+für Geschenke und reiche Stoffe, welche alle die wichtigen
+Lasten der Pachten die Diwanseinnahmen vollmachten&ldquo;<a name="FNanchor_585" id="FNanchor_585"></a><a href="#Footnote_585" class="fnanchor">[585]</a>.
+Da die Ankläger hierin nicht aufkamen, änderten sie ihr
+Spiel. &bdquo;Sie stellten&ldquo;, sind Wassaf's Worte, &bdquo;dem Könige
+gegenüber einen anderen Bau als Thurm auf und trugen
+vor, dass von den vor zehn Jahren<a name="FNanchor_586" id="FNanchor_586"></a><a href="#Footnote_586" class="fnanchor">[586]</a> gelegten Rechnungen
+noch zweihundert fünfzig Tomane zu zahlen übrig seien.&ldquo;
+Bei gepflogener Untersuchung zeigte es sich, dass diese
+<span class='pagenum'><a name="Page_305" id="Page_305">[305]</a></span>
+Summe nicht dem Statthalter, sondern den Pächtern der
+Districte zur Last falle, von denen dieselbe einzutreiben
+unmöglich. So wurde darüber hinausgegangen und Alaeddin
+wieder nach Bagdad zur Verwaltung seines Amtes zurückgesandt.
+Was den Anklägern Schemseddin's und seines
+Bruders vorzüglich zu statten kam, war der durch die neuen
+Kriegsrüstungen eingetretene Geldmangel. Von Aegypten
+her nahten sich die ägyptischen Befehlshaber <i>Elfi</i> und
+<i>Aschkar Sonkar</i> mit einem Heere, welchem der Prinz Mengu
+Timur entgegengesandt ward; ein anderes Heer ging nach
+Osten zum Dienste des Kronprinzen Arghun in Chorasan,
+und ein drittes war zur Huth der Gränze von Derbend erforderlich.
+Abaka war in der Absicht, zu Bagdad zu überwintern,
+auf der Strasse von Irbil und Mossul aufgebrochen
+und Alaeddin hatte auf dieser Seite die Vorhuth vorausgesandt. <span class="xidenote">1. Redscheb 680/<br />16. Oct. 1281</span>
+Zu Rahbet hielt Abaka grosse Kreisjagd und trat
+von hier den Weg nach Bagdad an. Diesen Augenblick
+benutzte Medschdulmülk, um dem Padischah zur Füllung
+der geleerten Cassen die von Alaeddin dem Schatze schuldigen
+Summen in's Gedächtniss zu rufen.</p>
+
+<div class="sidenote">Alaeddin
+opfert sein
+Habe
+und wird
+verbannt.</div>
+
+<p>Alaeddin, von allen Seiten der neuen, seinem Habe
+und Blute drohenden Gefahr benachrichtigt, ergriff das einzige
+Rettungsmittel des letzten durch freiwilliges Opfer des
+ersten. Er sandte sogleich sein ganzes Habe vom Grössten
+bis zum Kleinsten an den Fuss der Majestät: &bdquo;Sein ganzes
+Habe&ldquo;, nach den Worten des in der ganzen Fülle asiatischen
+Styles wuchernden Wassaf, &bdquo;von den glänzenden Perlen,
+welche wie Glückessterne strahlten, bis zu den geringsten
+Korallen und den hölzernen Geschirren, den gemalten, von
+den kostbarsten Tapeten geflochten aus den goldenen Drähten
+bis zu den schlechtesten Kotzen und strohgeflochtenen Matten,
+von den Reinsten und Schöngestaltetsten bis zu den Niedrigsten
+und Veraltetsten, von den Gefässen, den vergoldeten,
+den auserwählten, bis zu den alten Hausgeräthen, den in
+die Rumpelkammer gestellten, von den Gürteln und Floren
+bis zu den Vorhängen von Thoren, von den Sklavinnen, den
+schönsten der Zeit, deren Wangen Rubinen von Bedachschan,
+<span class='pagenum'><a name="Page_306" id="Page_306">[306]</a></span>
+bis zu den Stallknechten (Kutal), mit groben Kitteln angethan;
+er schaffte herbei aus der Musikkapelle die Pfeifen
+und Trommeln, an deren Stelle die wiehernden und yahenden,
+die sich stattlich und mannichfarbig als Reitthier nahenden,
+von den Mäulern und Pferden die wohlfeilen und die werthen,
+Kameele und Kameelinnen, Böcke und Widder. Sein Zweck
+war, in Ehren zu beharren und nicht die Waaren zu bewahren;
+er war bereit, Alles zu wagen und beizutragen
+und setzte den Fuss auf den Spruch:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Gott soll nach meiner Ehre mein Gut nicht segnen</i>,<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>als auf seinen höchsten und unabänderlichsten Entschluss.&ldquo;
+Zugleich eilte Alaeddin dem Ilchan entgegen und warf sich
+auf der Station Dodscheil zu seinen Füssen. Da die Summe
+der eingelieferten Schätze doch noch unter der Erwartung
+geblieben, wurde er ungnädig empfangen, und es erging
+ein Jerligh, um den Emir Taghadschar zur Einleitung des
+Prozesses nach Bagdad zu berufen; er plünderte noch das
+von Alaeddin gestiftete Karawanserai (Robath) Kloster, und
+da im Hause Alaeddin's nur der Besitzer allein zurückgeblieben
+war, wurde dieser in Empfang und Verhaft genommen.
+Alaeddin wurde in den Halsblock geschlagen, auf
+die Folter gelegt, nackt zu Bagdad hineingeführt und dann
+verbannt. In dieser Tiefe seines Elends sandte er an seinen
+Bruder, den Wesir, die arabischen Verse:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Freund! dein Ohr dem Manne schenke,<br /></span>
+<span class="i0">Den man führt zur Todestränke;<br /></span>
+<span class="i0">Meinem gnädigen Herrn klag' ich<br /></span>
+<span class="i0">Und der Zeiten Unbill trag' ich;<br /></span>
+<span class="i0">Nacken schlanker Mädchen steht mir an,<br /></span>
+<span class="i0">Nicht der Bannstrahl im Dorfe <i>Ban</i>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p><i>Ban</i> heisst das Dorf bei Nissibin, nach welchem er verbannt
+ward und dessen Name hier mit <i>Ban</i> spielt, dem Namen
+der babylonischen Weide, mit deren biegsamen Stamm und
+Aesten der Nacken und die Glieder der Schönen verglichen
+werden. Seine Feinde fanden in diesen Versen neuen Stoff
+von Anschwärzung und Verfolgung; sie ärgerten sich darüber,
+dass er inmitten seines Unglücks noch Lust und Geist genug
+<span class='pagenum'><a name="Page_307" id="Page_307">[307]</a></span>
+besitze zu arabischen Versen und Wortspielen. Einem
+Freunde, der ihm von der Stimmung der Feinde Nachricht
+gab, schrieb er:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Dem Freunde send' ich Wort: Mich beugt Erniedrung nicht,<br /></span>
+<span class="i0">Wann Nächte wenden sich mit seltsamem Gesicht;<br /></span>
+<span class="i0">Wie soll ich kümmern mich um der Geschäfte Macht,<br /></span>
+<span class="i0">Da Gott sich meiner annimmt, mich beschützt, bewacht.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Alaeddin, welcher europäischen Orientalisten bisher nur als
+Geschichtschreiber bekannt gewesen, verfasste in seinem
+Elende mehrere Gedichte, deren einige in dem Buche des
+<i>Trostes der Brüder</i>, welche eine Art von arabischen Boethius,
+gesammelt sind. Seine berühmte Kassidet allein, deren
+Beginn:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Wenn dich die Welt anschauet schief,<br /></span>
+<span class="i0">Bewege diess dir nicht die Brust,<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>haben über siebzig Dichter durch Glossen commentirt<a name="FNanchor_587" id="FNanchor_587"></a><a href="#Footnote_587" class="fnanchor">[587]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Alaeddin's
+fernere
+Schicksale.</div>
+
+<p>Die Feinde Alaeddin's, um seinen Ruin zu vollenden,
+nahmen zu neuen Listen und Lügen, Verschwärzungen und
+Verläumdungen die Zuflucht. Sie klagten ihn verrätherischen
+Briefwechsels mit Aegypten an und bedienten sich als
+Werkzeuges ihrer Ränke eines unbekannten Juden. Dieser
+beschrieb zu wiederholtenmalen ein Papier mit farbigen
+Linien aus Safran und Grünspan als einen Talisman, und
+dieses wurde während der Hausuntersuchung in den Kleidern
+Alaeddin's verborgen. Dieser falschen Anklage sollten die
+ägyptischen Zustände Glaubwürdigkeit geben. Vor einigen
+Monaten war zwischen <i>Kilawun Elfi</i>, dem im Namen des
+unmündigen Sohnes Bondokdar's Aegypten beherrschenden
+Fürsten, und den Begen der Mamluken Uneinigkeit ausgebrochen
+und Sonkar Aschkar hatte sich mit Isa Ben Mohenna,
+dem Emire der syrischen Beduinen, verbunden; wider dieselben
+sandte Elfi ein Heer nach Damaskus, welches bis
+nach Aana und Hadise an die Ufer des Euphrats streifte.
+Abaka sandte einen Gesandten an Elfi und Sonkar, um sie
+<span class='pagenum'><a name="Page_308" id="Page_308">[308]</a></span>
+einzuladen, die Länder des Ilchan's nicht zu belästigen und
+sich ihm zu unterwerfen. Diese Gesandtschaft traf in dem
+Augenblicke ein, als die beiden verbündeten Emire von
+Elfi geschlagen worden waren; sie versprachen sich Hilfe
+von Abaka, und der Emir der Wüste sandte seinen Bruder
+mit dem Gesandten nach Bagdad, als Alaeddin dort noch
+in der Machtvollkommenheit seines Amtes stand. Er berichtete
+an den Ilchan die wahre Lage der Dinge und erhielt
+den Befehl desselben, den Sonkar und den Bruder des Emirs
+freundlich zu behandeln. Diesem Befehle gemäss hatte Alaeddin
+dieselben freundlich empfangen und ihnen zu Bagdad
+Gold und Korn angewiesen; dies war Alles, was an der
+Verbindung Alaeddin's mit Aegypten wirklich und wahr.
+Zu dieser Zeit hatte Mengu Timur (der Bruder Abaka's)
+ein zahlreiches Heer an die Ufer des Euphrats geführt;
+Sonkar und Isa schickten Gesandte an Abaka, um den Rückmarsch
+dieses sie bedrohenden Heeres zu bitten, und Mengu
+Timur erhielt den Befehl, sich vom Euphrat abzuwenden,
+während auf der anderen Seite gleichzeitig Prinz Baidu,
+der Sohn Tarakai's (des fünften Sohnes Hulagu's) und
+folglich der Neffe Abaka's, mit einem Heere in Syrien einfiel.
+Diesen scheinbaren Widerspruch der Bewegung der
+mongolischen Heere in Syrien und am Euphrat, indem sie
+dort vordrangen, hier sich zurückzogen, rissen die Feinde
+Alaeddin's als eine Waffe wider denselben an sich, und indem
+sie den Gesandten des Beduinenfürsten für sich gewannen,
+traten sie mit Alaeddin in Banden die Reise nach dem
+Hofe an, der damals zu Hamadan. Alaeddin's Trost in
+dieser misslichen Lage waren die Beweise von Theilnahme,
+die er von allen Grossen erhielt, die ihm dieselben in
+Briefen und Gedichten kund gaben. So schrieb ihm Behaeddin
+Ali:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Ich höre, dass du immer klagst und weinest<br /></span>
+<span class="i0">Und früh und spät mit deinem Kummer greinest;<br /></span>
+<span class="i0">Wie lang' setzt Welt dir an den Hals das Messer?<br /></span>
+<span class="i0">Sei ruhig und geduldig, es ist besser.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_309" id="Page_309">[309]</a></span></p>
+<p>Alaeddin antwortete hierauf:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Wie soll ich klagen nicht, mein Aug' nicht weinen,<br /></span>
+<span class="i0">Da wenig fehlt, dass mich zertrümmern Peinen?<br /></span>
+<span class="i0">Die Welt hat angefallen mich mit Steinen,<br /></span>
+<span class="i0">Wie soll ich schlottern nicht in den Gebeinen?<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Als Alaeddin, von seinen Feinden geführt, auf dem Wege
+von Bagdad nach Hamadan auf die Höhe von Esedabad gekommen,
+begegnete ihnen die Nachricht von dem Tode
+Abaka's, welcher dem Schicksale Alaeddin's und seines
+Bruders günstigere Wendung gab. Ehe wir des Todes
+Abaka's umständlicher erwähnen, liegt uns noch ob, einige
+frühere Begebenheiten und den weiteren Verfolg des syrischen
+Feldzuges zu erzählen.</p>
+
+<div class="sidenote">Feldzug wider
+Sistan,
+Chorasan,
+Syrien.</div>
+
+<p>Drei Jahre vor seinem Tode war Abaka selbst von Tebris
+gegen Chorasan aufgebrochen, wohin er seinen Sohn <i>Arghun</i>
+vorausgesandt, um die Niguderischen Banden, deren Einfall
+in Fars oben erzählt worden, zu Paaren zu treiben; er kam
+aber nicht weiter, als bis Sistan, dessen Hauptstadt er belagerte
+und dann wieder zurückkehrte; <span class="xidenote">1. Moharrem 677/<br />25. Mai 1278</span> er brachte den
+Oldschai Buka, den ältesten Sohn Mubarekschah's (des Sohnes
+Muwatukjan's), und andere Prinzen des Uluses Dschaghatai
+mit sich; <span class="xidenote">14. Reb. II. 677/<br />5. Aug. 1278</span> dann begab er sich nach Herat, wo ihm die Emire
+der Karawinas<a name="FNanchor_588" id="FNanchor_588"></a><a href="#Footnote_588" class="fnanchor">[588]</a>, eines der kriegerischsten und, wie Wassaf
+sagt, der teuflischen Stämme der Mongolen (die Naphtafeuerwerker),
+huldigten, welche ihren Namen vermuthlich
+von ihrem Sitze zu <i>Karawin dscheidun</i> haben. Bei seiner
+Rückkehr nach Tebris vertheilte er nach dem Beispiele seines
+Vaters, Hulagu, Ländereien als Leibgedinge der Frauen. <span class="xidenote">2. Reb. II./<br />23. August 1278</span>
+Die Frau Kutui erhielt Miafarakain, die Frau Oldschai einen
+Theil Diarbekrs und <i>Dschiseretol-Omar</i>, der Gemahlin Dschumkur's,
+<i>Nulun Chatun</i>, des Oheims Abaka's, und ihren beiden
+Söhnen, <i>Dschuschkab</i> und <i>Kunschu</i>, wurde Selmas mit seinem
+<span class='pagenum'><a name="Page_310" id="Page_310">[310]</a></span>
+Gebiete verliehen. Buka, der Sohn Hukutai's, der Dschelaire,
+welcher, nach des Vaters Tod ein unmündiger Waise,
+unter Abaka's Augen erzogen worden, wurde zu einem der
+grossen <i>Inaken</i>, d. i. der vertrauten Hofdiener, und später
+zum Schatzmeister des Pelzschatzes (<i>Postin</i><a name="FNanchor_589" id="FNanchor_589"></a><a href="#Footnote_589" class="fnanchor">[589]</a>, woher das
+<i>Postelnik</i> der Russen und Wallachen) ernannt. Die Niguderischen
+Banden waren kaum aus Fars abgezogen, als die
+Nachricht eintraf von einem Angriffe der Aegypter auf
+<i>Kalaater Rum</i>, d. i. das Römerschloss, welches an der Stelle
+des alten <i>Zeugma</i> den Uebergang über den Euphrat vertheidigt.
+Sultan Said, der Sohn und Nachfolger Bondokdar's
+(unter der Vormundschaft Kilawin Elfi's), hatte ein Heer
+von neunzigtausend Reitern und viertausend Fussgängern
+wider diese Festung abgesandt. Die ägyptischen Truppen
+befehligte der Emir <i>Beiseri</i>, die syrischen Hossameddin von
+Aintab. Die Stadt wurde eingenommen und verbrannt; da
+die Citadelle aber fest hielt, zogen die Eroberer nach fünf
+Tagen beutebeladen ab. Sultan Said war in Aegypten abgesetzt,
+mit dem Leibgedinge von Kerek dahin verwiesen
+und die Sultanschaft dem Emir Kilawin Elfi, dem Kipdschaken
+aus dem Stamme Burdsch Oghlu, übertragen worden; dieser
+nahm dieselbe vor der Hand nicht an, sondern begnügte
+sich, im Namen des siebenjährigen Selamisch, des Sohnes
+Bondokdar's, als der Atabeg desselben zu herrschen; aber
+die Namensherrschaft des siebenjährigen Knaben dauerte nur
+hundert Tage, nach welchen er abgesetzt und zu seinem
+Bruder nach Kerek verwiesen ward. <span class="xidenote">2. Redscheb 678/<br />27. Nov. 1279</span> Kilawin Elfi, so beigenannt,
+weil er um tausend Goldstücke gekauft worden,
+und <i>Ssalihi</i>, weil er ein Mamluke Ssalih's, des letzten
+ägyptischen Sultans aus der Familie Ejub, bestieg den Thron
+als Sultan Manssur, d. i. der Siegreiche, ein Beiname, dessen
+gute Vorbedeutung während seiner ganzen Regierung erfüllet
+ward. Der Emir <i>Sonkar aschkar</i>, d. i. der Blonde,
+machte ihm als Nebenbuhler den Thron streitig, indem er
+<span class='pagenum'><a name="Page_311" id="Page_311">[311]</a></span>
+sich zu Damaskus zum Sultan ausrufen liess, aber bald mit
+seinem Verbündeten, Isa Ben Mohenna, von den Truppen
+des Sultans geschlagen, hatte er sich, wie oben erwähnt
+worden, mit Alaeddin, dem Wesire Abaka's, zu Bagdad in
+Unterhandlung eingelassen und sich dann in's syrische Schloss
+<i>Sahiun</i>, eines der festesten, ehemals den Assassinen gehörigen,
+geworfen. Abaka hielt diesen Augenblick günstig
+für den syrischen Feldzug. <span class="xidenote">18. Oct. 1280</span> Seine Truppen marschirten in's
+Gebiet von Haleb ein, wo sie <i>Aintab</i>, <i>Derbesak</i> und <i>Baghras</i>
+besetzten und bis nach Haleb vordrangen, rennend, brennend,
+staubend, raubend, Männer tödtend, nur den Weibern als
+Sklavinnen das Leben rettend. Kilawin war von Aegypten,
+wo er seinen Sohn unter dem Namen <i>Melik ess-Ssalih</i> als
+Thronfolger ausgerufen, gegen Syrien aufgebrochen; als er
+vernommen, dass der Feind mit der Beute von Haleb abgezogen,
+wieder nach Kairo zurückgekehrt.</p>
+
+<div class="sidenote">Schlacht von
+Himss;
+Abaka's
+Tod.</div>
+
+<p>Im folgenden Frühjahre zog Kilawin wider seinen Thronnebenbuhler
+<i>Sonkar</i> aus, der noch im festen Schlosse <i>Scheiser</i>
+hielt. <span class="xidenote">19. Moharrem 680/<br />10. Mai 1281</span> Er versprach die Auslieferung desselben für die Abtretung
+von <i>Famia</i> (Apamia), Antiochien, <i>Latakia</i> (Laodicea)
+und der Schlösser <i>Sahiun</i>, <i>Belatonus</i>, <i>Bersijet</i>; auch
+die beiden letzten gehörten, wie Sahiun, unter die festesten
+Schlösser der Assassinen vom Gebirge, welches von ihnen
+den Namen des <i>Messers</i> (<i>Sikin</i>) führt. Belatonus ist das
+alte Banias an der Seeküste nördlich von Merkab und Bersijet,
+ein kleines Schloss an dem westlichen Saume des Berges
+<i>Chait</i>, welcher auf der Ostseite des Sees von Apamea<a name="FNanchor_590" id="FNanchor_590"></a><a href="#Footnote_590" class="fnanchor">[590]</a>.
+Diese Forderung war kaum zugestanden, als Kilawin den
+Anzug zweier mongolischer Heere vernahm, deren eines, von
+Abaka selbst befehligt, sich gegen Rahbet wandte, das andere,
+unter dem Befehle Mengu Timur's, des Bruders Abaka's,
+zwischen Kaissarije und Ablistan (Cäsarea und Comane)
+gelagert hatte. Mengu Timur zog langsam in Syrien auf
+der Strasse nach Aintab und stand, nachdem er Hama verheert,
+vor Himss, wo auch Kilawin, durch die Truppen
+<span class='pagenum'><a name="Page_312" id="Page_312">[312]</a></span>
+Sonkar's verstärkt, eingetroffen war. <span class="xidenote">14. Redscheb 680/<br />30. Oct. 1281</span> Die Schlacht blutete
+in der Ebene nicht ferne vom Grabmale <i>Chalid's</i> (beigenannt
+das Schwert Gottes), des Eroberers Syriens unter dem
+Chalifate Omar's. Das Heer Mengu Timur's zählte fünf und
+zwanzigtausend Mongolen, fünftausend Georgier, eine armenische,
+von König Leo befehligte Truppenabtheilung und
+eine der Türken Rums; auch das ägyptische Heer, welches
+die ersten der Emire<a name="FNanchor_591" id="FNanchor_591"></a><a href="#Footnote_591" class="fnanchor">[591]</a> befehligten, war von syrischen
+Turkmanen und Kurden verstärkt. Der linke Flügel der
+Aegypter vom rechten der Mongolen, welchen Mengu Timur
+an der Spitze der Uiraten, Georgier und Armenier befehligte,
+wurde bis an die Thore von Himss zurückgeschlagen;
+aber Mengu Timur selbst, bald hernach vom Emir Usdemir
+verwundet, ergriff die Flucht; seine Flucht zog die Niederlage
+des mongolischen Heeres nach sich, das nach allen
+Seiten floh. Von Seite der Mongolen war Semaghar, einer
+ihrer tapfersten Feldherrn, von Seiten der Aegypter der
+Emir Usdemir, welcher den Prinzen Timur verwundet und
+vom Pferde gestürzt hatte, geblieben. Die Mongolen hatten
+sich theils gegen Haleb, theils gegen Selemijet, die an der
+Gränze der Wüste gelegene Stadt, geflüchtet; die letzten,
+durch den ägyptischen Befehlshaber Rahbet's abgeschnitten,
+irrten in der Wüste, wo sie dem Hunger und Durst erlagen;
+nur sechshundert Reiter wurden gefangen und zu Rahbet
+geköpft; eine andere, vor Burt gelagerte mongolische Truppenabtheilung
+wurde gleichzeitig von den Belagerten angegriffen,
+die fünfhundert derselben tödteten. Mengu Timur
+zog sich nach Dschesiret, dem Leibgedinge seiner Mutter,
+Oldschai Chatun, zurück. <span class="xidenote">9. Dschemm. sani/<br />25. Sept.</span> Abaka war, während Mengu Timur
+in Syrien einmarschirt, jagend bis Rahbet gekommen, kehrte
+aber dann nach Sindschar zurück und war Anfangs Novembers
+in seinem Lager vor Mossul eingetroffen. Hier erhielt er
+die Kunde der Niederlage seines Heeres. Erzürnt kündete
+er für den nächsten Frühling ein Kurultai an, wo die Feldherren,
+die ihre Schuldigkeit in der Schlacht nicht gethan,
+<span class='pagenum'><a name="Page_313" id="Page_313">[313]</a></span>
+bestraft werden sollten. <span class="xidenote">6. Silkide/<br />13. Februar</span> In der Hälfte des Februars brach
+Abaka von Bagdad nach Hamadan auf, wo er im Palaste
+Fachreddin Minotschehr's abstieg. Er überliess sich dem
+Genusse geistiger Getränke, dem er unmässig ergeben. Eines
+Abends glaubte er in seiner Trunkenheit einen schwarzen
+Vogel vor sich zu sehen: Weg mit dem schwarzen Vogel,
+rief er; aber so viel die Leibwachen auch spähten, war von
+einem schwarzen Vogel nichts zu sehen. Auf einmal schloss
+er die Augen und gab, auf goldenem Throne sitzend, den
+Geist auf<a name="FNanchor_592" id="FNanchor_592"></a><a href="#Footnote_592" class="fnanchor">[592]</a>. <span class="xidenote">20. Silhidsche 680/<br />1. April 1282</span> Er wurde an der Seite seines Vaters in dem
+Schlosse <i>Teke</i> am See von Meragha bestattet; schon am
+fünf und zwanzigsten Tage nach seinem Tode folgte ihm
+auch sein Bruder Mengu Timur in's Grab zu Teke<a name="FNanchor_593" id="FNanchor_593"></a><a href="#Footnote_593" class="fnanchor">[593]</a>. Abaka
+starb acht und vierzig Jahre alt, von denen er siebzehn
+geherrscht, der Befestiger der Herrschaft der Ilchane in
+Persien und Georgien im Geiste des Gründers Hulagu; kein
+Eroberer, wie dieser, aber auch minder grausam. &bdquo;Abaka&ldquo;,
+sagt der Mönch Haitho, &bdquo;war ein staatskluger, sein Reich
+glücklich verwaltender Herrscher, der nur in zwei Dingen
+unglücklich; erstens, dass er nicht Christ werden wollte
+und als Götzendiener den Götzenpriestern Glauben beimass;
+zweitens, dass er, in beständigem Kriege mit den Nachbarn
+verwickelt, den Sultan Aegyptens in Ruhe lassen musste,
+der sich durch mongolische Ueberläufer und durch Bündnisse
+mit dem Herrscher des Uluses Kipdschak verstärkte.&ldquo;</p>
+
+<div class="sidenote">Verhältniss
+gegen die
+Christen.</div>
+
+<p>Die Klage Haitho's, dass Abaka nicht Christ werden
+wollte, beweiset schon, dass Hoffnungen oder Bemühungen
+zu seiner Bekehrung rege waren; ferneren Beweis liefern die
+in den Geschichtschreibern der Päpste erhaltenen Schreiben
+<span class='pagenum'><a name="Page_314" id="Page_314">[314]</a></span>
+desselben an Abaka. Papst Clemens IV. meldet in einem
+aus Veterbo erlassenen Schreiben, dass er das Schreiben
+des Chan's erhalten; <span class="xidenote">1267</span> bedauert aber, dass dasselbe nicht
+lateinisch abgefasst, weil Niemand dasselbe lesen und verdolmetschen
+konnte und er also den Worten des Boten allein
+Glauben beimessen müsste; dieser scheint wirklich seine
+Botschaft grossentheils aus sich selbst geschöpft zu haben,
+denn es ist nicht wahrscheinlich, dass Abaka (wie ihm
+Clemens dafür dankt) ihm seine Freude über die Niederlage
+Manfred's des Hohenstaufen bezeugt, dass er ihm seine Bereitwilligkeit
+gemeldet, mit seinem Schwiegervater dem
+Paläologen und den Lateinern zu helfen, und noch unwahrscheinlicher,
+dass er gegen ihn den Wunsch, Christ zu
+werden, geäussert habe. <span class="xidenote">26. Jan. 1274</span> Sieben Jahre später waren Gesandte
+Abaka's mit Schreiben nicht nur an den Papst, sondern
+auch an andere christliche Könige beglaubigt. Eduard I.,
+der König von England, ermuthigte ihn in seinem Antwortschreiben,
+in dem Entschlusse der Bekehrung zum Christenthume
+zu verharren, und Gregor X. empfing den Gesandten
+Abaka's auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo statt des
+Senders wenigstens der Gesandte getauft ward. <span class="xidenote">1277</span> Drei Jahre
+hernach erschienen abermals zwei Fremde, die sich für Gesandte
+Abaka's ausgaben, am Hofe des Papstes Joannes XXI.
+mit einem Aufrufe an alle christlichen Fürsten zu einem
+Kreuzzuge nach Palästina. Man bewog sie, an den Hof der
+Könige von Frankreich und England sich zu begeben. Dem
+Könige Philipp versprachen sie den Beistand Abaka's, wenn
+er zu Akka landen wollte. Diese beiden Gesandte, welche
+georgische Christen gewesen zu sein scheinen, hatten zu
+Rom versichert, dass Abaka und sein Oheim, der Grosskaan
+Kubilai, bereit seien, zum Christenthume überzutreten;
+Joann XXI. bestimmte fünf Franziskaner zur Erwiederung
+der Botschaft; da er aber vor ihrer Abreise starb, traten
+sie erst im folgenden Jahre mit Schreiben Nikolaus III. an
+Abaka und seinen Oheim Kubilai<a name="FNanchor_594" id="FNanchor_594"></a><a href="#Footnote_594" class="fnanchor">[594]</a> die Reise an. &bdquo;Die
+<span class='pagenum'><a name="Page_315" id="Page_315">[315]</a></span>
+römische Mutterkirche&ldquo;, schreibt Nikolaus an Abaka, &bdquo;freut
+sich des Inhaltes des durch die Gesandten Deiner Herrlichkeit,
+Joannes und Jakob <i>Vussali</i>, Unserem Vorfahren gebrachten
+Schreibens, welches, wenn ein christliches Heer in Syrien
+landete, demselben Verpflegung verheissen, und an dem
+Ende Wir Allem, was sie mündlich sagen, Glauben beizumessen
+aufgefordert werden. Unter dieser Beglaubigung<a name="FNanchor_595" id="FNanchor_595"></a><a href="#Footnote_595" class="fnanchor">[595]</a>
+haben sie Unserem Vorfahren, unter dessen Cardinälen Wir
+uns damals befanden, die höchst angenehme Nachricht gegeben,
+dass Deine Herrlichkeit und Dein Oheim Kubilai, Ihr
+beide unsere in Christo geliebteste Söhne, einige Personen
+verlangt, um Euch und Eueren Sohn in der christlichen
+Lehre zu unterrichten und zu taufen.&ldquo; Der Papst bittet
+den Chan, die Missionäre gütig aufzunehmen, ihnen in allem,
+was sie ihm über die Taufe, Dogmen und Religionspflichten
+sagen werden, Glauben beizumessen, sie auf ihrer Reise
+zum Grosschan frei zu halten, und empfielt ihm dann alle
+Christen Unterthanen des Chans als Freunde<a name="FNanchor_596" id="FNanchor_596"></a><a href="#Footnote_596" class="fnanchor">[596]</a>. In dem
+den fünf Franziskanern ertheilten Breve begewaltigt er sie,
+in allen den Tataren untergebenen Ländern das Wort Gottes
+zu predigen, den Abaka und alle, die sich zum christlichen
+Glauben bekehren wollten, zu taufen, die Excommunicirten
+zu absolviren, Beicht zu hören und Busse aufzulegen, auch
+sogar die Mörder von Clerikern und Priestern loszusprechen,
+wenn sie nur an Kirchen und Klöster gehöriges Sühnungsgeld
+zahlen, neue Kirchen zu stiften, den Neuvermählten
+ihre Frauen, die ihnen nicht in verbotenen Graden verwandt,
+zu gestatten, in Ehesachen zu entscheiden, selbst
+dort, wo weder Kirche noch Oratorium, Messe zu lesen,
+die Grundfeste einzusegnen, Gelübde umzuändern, Messkleider
+und Altäre zu weihen, wo katholische Bischöfe nicht
+vorhanden, und alles gemeinsam oder einzeln zu unternehmen,
+was zur grösseren Ehre Gottes und Verbreitung der katholischen
+<span class='pagenum'><a name="Page_316" id="Page_316">[316]</a></span>
+Lehre förderlich und erspriesslich<a name="FNanchor_597" id="FNanchor_597"></a><a href="#Footnote_597" class="fnanchor">[597]</a>. Die Bekehrung
+Kubilai's und Abaka's wurde durch diese fünf Franziskaner
+eben so wenig bewirkt, als dreissig Jahre früher die
+Batu's und Gujukchan's durch die Missionäre Gregor's IV.;
+aber von diesen letzten bestehen die Reiseberichte Plan
+Carpin's und Rubruquis über die Länder, Sitten und Herrscher
+der Mongolen, während von der Mission der fünf
+Franziskaner keine weitere Spur<a name="FNanchor_598" id="FNanchor_598"></a><a href="#Footnote_598" class="fnanchor">[598]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Literatur.</div>
+
+<p>Unter Abaka's Regierung dauerte der Flor der Literatur,
+dessen wir schon unter der Hulagu's und weiter oben erwähnt
+haben, in erfreulichem Glanze fort; das grösste Verdienst
+dieser Stätigkeit gebührt nach Nassireddin von Tus wohl
+dem gelehrten Brüderpaar <i>Schemseddin</i> und <i>Alaeddin Dschuweini</i>,
+welche schon von Hulagu als Wesire mit der höchsten
+Leitung der Reichsgeschäfte betraut, denselben auch während
+der siebzehnjährigen Regierung Abaka's vorstanden,
+bis zum Schlusse derselben ihr Kredit und Ansehen, erschüttert,
+wankte. In Rum hatte sich die schönste Blüthe
+mystischer Philosophie und Poesie in den Werken <i>Ssadreddin's
+von Konia</i> und <i>Dschelaleddin Rum's</i> entfaltet. Zu
+Schiras lebte noch der hundertjährige <i>Saadi</i> (dessen Lebenscenturie
+zugleich das Jahrhundert des grössten Aufschwungs
+persischer Poesie) in Freundschaft mit dem Dichterkönig
+und Schönschreiber Hemker Farsi, der als Dichterkönig
+<i>Medschdeddin Semeki</i><a name="FNanchor_599" id="FNanchor_599"></a><a href="#Footnote_599" class="fnanchor">[599]</a> hiess, mit <i>Imami</i> aus Herat und
+mit Chodscha <i>Hemameddin</i><a name="FNanchor_600" id="FNanchor_600"></a><a href="#Footnote_600" class="fnanchor">[600]</a>, dem Schreiber Nassireddin's
+von Tus, dem reichen und gastfreien Manne, welcher den
+Sohn des Wesirs Schemseddin zu Tebris mit einem in vierhundert
+porcellanenen Schüsseln aufgetragenen Gastmahle
+<span class='pagenum'><a name="Page_317" id="Page_317">[317]</a></span>
+bewirthete. Ausserdem noch die folgenden Dichter: <i>Purbeha
+Dschami</i>, welcher halb mongolisch, halb persisch dichtete
+und mit Chodscha Hemameddin besonders im künstlichen
+und schweren Versmaasse wetteiferte<a name="FNanchor_601" id="FNanchor_601"></a><a href="#Footnote_601" class="fnanchor">[601]</a>; <i>Abulmadhi Raigani</i>,
+so von dem in der Nähe Kaswins gelegenen Dorfe <i>Raigan</i>
+beigenannt, berühmt durch einen auf die fromme Stiftung
+Melik Iftichareddin's von Kaswin aus dem Stegreife gesagten
+Viervers<a name="FNanchor_602" id="FNanchor_602"></a><a href="#Footnote_602" class="fnanchor">[602]</a>. <i>Dschemaleddin von Kaschan</i>, welcher eine
+berühmte Redondille Saadi's mit gleicher entgegnete<a name="FNanchor_603" id="FNanchor_603"></a><a href="#Footnote_603" class="fnanchor">[603]</a>.
+<i>Dschemaleddin Rastak ol kotu</i>, welcher seinen Beinamen
+von Rastak, einem Stadtviertel Kaswin's, hat und unter der
+Regierung Abaka's neunzigjährig starb<a name="FNanchor_604" id="FNanchor_604"></a><a href="#Footnote_604" class="fnanchor">[604]</a>; der Richter <i>Behaeddin
+Sendschani</i>, der Lobredner Schemseddin's des Wesirs,
+welcher so, wie Purbeha, mongolische und türkische Wörter
+persischen einmischte<a name="FNanchor_605" id="FNanchor_605"></a><a href="#Footnote_605" class="fnanchor">[605]</a>. <i>Rasijeddin Bela</i> war Intendent
+der Pachten von Diarbekr; als ihn Abaka absetzte und seine
+Stelle dem Emir Dschelaleddin verlieh, welcher ursprünglich
+ein Halbtrommelschläger, hatte Rasijeddin den Muth, dem
+Wesir Schemseddin den Viervers zuzusenden:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">O Schah! du nahmst das Land von uns zum Zeitvertreib,<br /></span>
+<span class="i0">Gabst einem Zwitter es, der weder Mann noch Weib;<br /></span>
+<span class="i0">Es ist nun sonnenklar dem Aug' der beiden Welten,<br /></span>
+<span class="i0">Was dir der Schlag des Schwerts und der der Trommel gelten<a name="FNanchor_606" id="FNanchor_606"></a><a href="#Footnote_606" class="fnanchor">[606]</a>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Nedschmeddin Serkub, d. i. der Goldschläger, ein Zeitgenosse
+Abaka's, der aber auch unter der Regierung Arghun's
+lebte und seine Beschäftigung und Armuth durch die folgenden
+Verse schilderte:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Mein Handwerk ist, zu schlagen Gold;<br /></span>
+<span class="i0">Das Leben wird dadurch nicht heller.<br /></span>
+<span class='pagenum'><a name="Page_318" id="Page_318">[318]</a></span>
+<span class="i0">Ich sitze immer zwischen Gold<br /></span>
+<span class="i0">Und habe niemals einen Heller<a name="FNanchor_607" id="FNanchor_607"></a><a href="#Footnote_607" class="fnanchor">[607]</a>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Endlich Nisameddin von Issfahan, der arabisch und persisch
+dichtete und von welchem der Schreiber der auserwählten
+Geschichte eine Kassidet zum Lobe des grossen Wesirs
+Schemseddin Dschuweini<a name="FNanchor_608" id="FNanchor_608"></a><a href="#Footnote_608" class="fnanchor">[608]</a> erhalten, welche, da Schemseddin
+und sein Bruder Alaeddin die Pole persischer Kultur
+und Literatur während der Regierung Abaka's so füglicher
+diese Uebersicht persischer Literatur zur Zeit Abaka's
+schliesst, als der Schluss des Lobgedichtes selbst ein arabisches
+Distichon des grossen Wesirs Schemseddin:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Komm', lass dir von dem Streit' des Baches sagen,<br /></span>
+<span class="i0">Der sich mit der Cypresse zugetragen.<br /></span>
+<span class="i0">Der Bach sprach viel von seiner reinen Fluth<br /></span>
+<span class="i0">In hundert Zungen und in hundert Sagen;<br /></span>
+<span class="i0">Da sprach zu ihm Cypresse so: O Freund,<br /></span>
+<span class="i0">Willst du, warum ich zittere, mich fragen?<br /></span>
+<span class="i0">Ich bin gerad' und stehe festen Fusses,<br /></span>
+<span class="i0">Indess dich krumm die Spötter weiter tragen.<br /></span>
+<span class="i0">Bei Gott! du gehst vorbei: und willst dir so<br /></span>
+<span class="i0">Den alten Trauten aus dem Kopfe schlagen.<br /></span>
+<span class="i0">Bald brausest du mit Heftigkeit einher,<br /></span>
+<span class="i0">Bald bleibest du im Dümpfel sitzen mit Behagen.<br /></span>
+<span class="i0">Als Antwort sprach der Bach, der tief beschämt,<br /></span>
+<span class="i0">Aus Schaam den Kopf empor kaum konnte tragen:<br /></span>
+<span class="i0">Ich seh', Cypresse, du hast Sanftmuth nicht<br /></span>
+<span class="i0">Und kannst mit Freunden dich nicht gut vertragen;<br /></span>
+<span class="i0">Du stets aufstrebend und empörerisch,<br /></span>
+<span class="i0">Und weich und lind und mild ist mein Betragen.<br /></span>
+<span class="i0">Du, prahle dich hinfür mit Freiheit nicht,<br /></span>
+<span class="i0">Nicht mit Beständigkeit und Liebesklagen;<br /></span>
+<span class="i0">Du nährtest vormals dich in meinem Schooss,<br /></span>
+<span class="i0">Nun willst du hoch empor den Kopf nur tragen,<br /></span>
+<span class="i0">Du weihest nun sehr wenig Schatten mir,<br /></span>
+<span class="i0">Weisst nichts von Huld und goldnen Fruchtgelagen;<br /></span>
+<span class="i0">Verzweifelnd fliehe ich von dir in's Feld,<br /></span>
+<span class="i0">Um an dem Fels' die Brust mir wund zu schlagen;<br /></span>
+<span class='pagenum'><a name="Page_319" id="Page_319">[319]</a></span>
+<span class="i0">Du trägst das Haupt gen Himmel hoch empor,<br /></span>
+<span class="i0">Schaust nicht auf mich, der dir zu Füssen liegt;<br /></span>
+<span class="i0">Dein Haupt ist grün, du bist so frisch und schön,<br /></span>
+<span class="i0">Und ich verachtet mit zerrissnem Kragen;<br /></span>
+<span class="i0">Geniesse stolz die Ruh', du stehest fest,<br /></span>
+<span class="i0">Indessen mich von dir die Winde jagen.<br /></span>
+<span class="i0">So sprach der Bach und barg sich in den Staub,<br /></span>
+<span class="i0">In Thränen fliessend hin und Weheklagen;<br /></span>
+<span class="i0">Cypresse ward darob gar sehr verwirrt,<br /></span>
+<span class="i0">Des Freundes wegen fühlt' sie Unbehagen,<br /></span>
+<span class="i0">Im Garten schlug die Hände sie zusammen;<br /></span>
+<span class="i0">Der Vögel Chor begann, darob zu klagen,<br /></span>
+<span class="i0">Da war die Zeit, den Vers von <i>Schemseddin</i>,<br /></span>
+<span class="i0">Inhaber des Diwans, dem Herrn zu sagen:<br /></span>
+<span class="i0"><i>Der Garten haucht wie Aloe aus Hind,</i><br /></span>
+<span class="i0"><i>Auf Aloen die Turteltauben klagen</i><a name="FNanchor_609" id="FNanchor_609"></a><a href="#Footnote_609" class="fnanchor">[609]</a>.<br /></span>
+</div></div>
+
+
+
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_320" id="Page_320">[320]</a></span></p>
+<h2><a name="Funftes_Buch" id="Funftes_Buch"></a><a href="#Inhalt">Fünftes Buch.</a></h2>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+
+
+<div class="block"><p>Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung;
+Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras;
+Konguratai getödtet; Krieg
+zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften
+Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch
+nach Kumis; Arghun vor Kelat; Thronbesteigung
+Arghun's; dessen Gemahlinnen, Söhne und Töchter;
+Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs Schemseddin;
+die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin
+Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz;
+Hinrichtung der Prinzen Dschuschkab, Huladschu
+und Karabuka; Verwaltung des Juden Seadeddewlet;
+Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse
+gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung
+und dessen Familie; Ssadreddin von Sendschan
+Wesir; Einfall der Luren in Irak und Fars,
+und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten;
+Verrath der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's
+und Baidu's Nachfolge.</p></div>
+
+
+<div class="sidenote">Parteiungen
+um die
+Thronfolge.</div>
+
+<p>Wir haben die achtjährige Regierung Hulagu's, des
+Gründers des Reichs, in zwei Büchern, die der siebzehnjährigen
+seines Nachfolgers in dem vorhergehenden erzählt;
+wir werden auch, so Gott will, das Leben und die Regierung
+der achtjährigen Regierung Ghasan's, des siebenten
+und grössten mongolischen Herrschers in Persien, in zwei
+Büchern beschreiben; aber nur in diesem Einen die Regierungen
+von <i>Teguder</i>, <i>Arghun</i> und <i>Kendschatu</i>, die durch
+zwölf Jahre nacheinander geherrscht. Hulagu, der erste
+der Ilchane, hat das Reich als Eroberer gegründet; <i>Abaka</i>,
+<span class='pagenum'><a name="Page_321" id="Page_321">[321]</a></span>
+der zweite, dasselbe zwar nicht erweitert, aber durch die
+Stätigkeit seiner Wesire, des grossen Brüderpaars Schemseddin
+und Alaeddin, auf derselben Höhe erhalten; unter
+den vier nächsten ward es durch innere Unruhen und Streit
+der Prinzen um den Thron zerrüttet, bis Ghasan das erschütterte
+Gebäude der Herrschaft wieder mit blutigem
+Mörtel befestigte und durch weise Einrichtungen zum Giebel
+seiner Grösse emporhob. Der dieses Buch füllende zwölfjährige
+Zeitraum des Bürgerkriegs und der Zerrüttung mag einigermassen
+mit dem zehnjährigen der osmanischen Geschichte
+verglichen werden, in welchem nach Bajesid's des Wetterstrahls
+Tod die Söhne desselben sich um den Thron stritten
+und das getheilte Reich erschütterten; nur herrschten dort
+längere Zeit drei und dann zwei gleichzeitig, während
+hier die schnelle Entscheidung des Thronstreites durch das
+Schwert nur zwischen <i>Baidu</i> und <i>Ghasan</i> getheilter Herrschaft
+Raum übrig liess. In der osmanischen Geschichte
+ist die gleichzeitige Regierung der drei Brüder <i>Suleiman</i>,
+<i>Musa</i> und <i>Mohammed</i> eine Zwischenherrschaft, während hier
+die drei ersten genannten Herrscher nicht gleichzeitig regiert,
+sondern den bestrittenen und dem Vorfahrer entrissenen
+Thron nur nach einander durch kurze Zeit behauptet haben.
+Abaka hatte seinen Sohn Arghun zu seinem Nachfolger im
+Reiche bestimmt und demselben als solchem die Statthalterschaft
+von Chorasan verliehen. Die Entfernung würde denselben
+nicht gehindert haben, sein Recht auf den Thron zu
+behaupten, hätten nicht andere Umstände dem Oheime Teguder
+und seiner Partei Vorschub gethan. Dieser war der
+Aka Arghun's, d. i. der Aeltere der Familie, und das höhere
+Alter gab, wie schon beim Streite zwischen Hulagu und
+Berke zu bemerken Gelegenheit gewesen, in der mongolischen
+Familienhierarchie immer Vorrang und Ansehen vor
+dem <i>Ini</i>, d. i. dem Jüngeren; aber dieser Altersvorzug würde
+dem Teguder eben so wenig zum Throne verholfen, als die
+Entfernung von der Residenz dem Arghun denselben geraubt
+haben, wären nicht andere Hebel wirksam thätig gewesen.
+Die persischen Quellen stellen dieselben gar nicht gehörig
+<span class='pagenum'><a name="Page_322" id="Page_322">[322]</a></span>
+heraus und lassen über die nächsten Beweggründe der veränderten
+Thronfolge einiges Dunkel; dieses aber verschwindet
+bei näherer Betrachtung des zu Ende des vorigen Buches
+berührten Verhältnisses zwischen Arghun und dem gestürzten
+Bruderpaare Schemseddin und Alaeddin, welche seit Hulagu
+zu Tebris und Bagdad das Steuer der Regierung geführt.
+Arghun war der Kanal gewesen, durch welchen die Anklagen
+Medschdolmülk's, des Todfeindes Schemseddin's und Alaeddin's,
+bei Abaka Eingang gefunden; ihre ganze, durch
+zwanzigjährige unumschränkte Machtvollkommenheit mächtig
+gewordene, durch ihren Sturz aber in den Staub getretene
+Partei hatte von der Thronfolge Arghun's und der tyrannischen
+Verwaltung Medschdolmülk's Nichts zu hoffen und
+Alles zu fürchten; diese Partei also war es wohl hauptsächlich,
+welche dem Neffen Arghun, dem Sohne Abaka's,
+dessen Oheim Teguder vorzog und diesem die Stimme der
+Völker (die in Persien alle Moslimen) durch den Uebertritt
+zum Islam gewann.</p>
+
+<div class="sidenote">Teguder's
+Thronbesteigung.</div>
+
+<p>Teguder war der Sohn der Frau Kutui Chatun, welche mit
+ihm und seinem Bruder Tekschin, jener der siebente, dieser
+der vierte Sohn Hulagu's, während des persischen Feldzugs
+im Lager Mengkukaan's zurückbehalten und unter Abaka's
+Regierung von Kubilai nach Persien gesandt worden; in
+seiner Jugend war derselbe getauft worden und hatte den
+Namen Nikolaus erhalten<a name="FNanchor_610" id="FNanchor_610"></a><a href="#Footnote_610" class="fnanchor">[610]</a>. Hierdurch schon dem Götzendienste
+des Budhismus entfremdet, mochte er so leichter
+zum Islam zu bekehren gewesen sein, als seine Bekehrer
+nicht ermangelt haben werden, nach moslimischer Ansicht
+der Dreifaltigkeit, als einer Trimurti, und den Uebertritt
+zum Islam als eine Erhebung zu reinerem Gottesdienste,
+durch den Aufschwung von Vielgötterei zur Anbetung eines
+<span class='pagenum'><a name="Page_323" id="Page_323">[323]</a></span>
+einzigen Gottes darzustellen; der mächtigste Bekehrungsgrund
+war aber ganz gewiss die Aussicht auf den Thron,
+indem er den Islam erst, als er denselben bestieg, annahm.
+Die Nebenbuhler um denselben nach dem Tode Abaka's
+waren drei; Arghun hatte die Emire des Hauses seines
+Vaters<a name="FNanchor_611" id="FNanchor_611"></a><a href="#Footnote_611" class="fnanchor">[611]</a>, mehrere der grossen Emire<a name="FNanchor_612" id="FNanchor_612"></a><a href="#Footnote_612" class="fnanchor">[612]</a> auf seiner Seite;
+die drei Prinzen <i>Adschai</i>, <i>Kungurtai</i>, <i>Huladschu</i> (die drei
+Söhne Hulagu's), <i>Dschuskab</i> und <i>Kunkschu</i>, die Söhne
+<i>Tschumkur's</i>, des zweiten Sohnes Hulagu's, die Emire
+<i>Schingtur</i>, <i>Sughundschak</i> und andere stimmten für <i>Teguder</i>;
+endlich suchte die Frau Oldschai Chatun, die Mutter Mengu
+Timur's, demselben eine Partei zu gewinnen; als dieser aber
+am fünf und zwanzigsten Tage nach Abaka's Tode gestorben,
+schlug sie sich mit der Frau Kutui, der Wittwe Abaka's,
+auf die Seite Arghun's, welcher der Sohn aus der Beischläferin
+Kaimisch Ikadschi. Alsbald nach Abaka's Tode eilte
+Teguder aus Kurdistan nach Tebris und Arghun, welcher
+ohnedies auf dem Wege von Chorasan nach der Residenz,
+begegnete auf der vierten Station vor Tebris dem <i>Schingtur</i>
+Nujan, welcher ihm mit der Nachricht von des Vaters Tod
+entgegengesendet worden. Arghun vollzog die Gebühren
+der Trauer nach mongolischer Sitte mit dem gewöhnlichen
+Todtenmahle, bei welchem, wie bei Festgelagen, der Becher
+mit <i>Kumis</i> herumging; die Leibwachen<a name="FNanchor_613" id="FNanchor_613"></a><a href="#Footnote_613" class="fnanchor">[613]</a>, Speerträger<a name="FNanchor_614" id="FNanchor_614"></a><a href="#Footnote_614" class="fnanchor">[614]</a>
+und Stallmeister<a name="FNanchor_615" id="FNanchor_615"></a><a href="#Footnote_615" class="fnanchor">[615]</a> seines Vaters wurden ihm übergeben.
+Die Prinzen des Hauses, die Oheime und Neffen Arghun's,
+beriethen sich und stimmten für <i>Teguder</i>, und auf den Rath
+des weisen Emirs <i>Schischi Bachschi</i> that Arghun, um sein
+Leben zu retten, keinen Einspruch. <span class="xidenote">26. Moharrem 681/<br />6. Mai 1282</span> Fünf Wochen nach
+dem Tode Abaka's wurde Teguder als Chan und Ilchan,
+Schah und Padischah ausgerufen; die Herrlichkeit der festlichen
+Thronbesteigung wurde auf zwei Monate hinausgeschoben.
+Arghun begab sich nach <i>Alatagh</i><a name="FNanchor_616" id="FNanchor_616"></a><a href="#Footnote_616" class="fnanchor">[616]</a>, um dort von
+<span class='pagenum'><a name="Page_324" id="Page_324">[324]</a></span>
+dem Lager und dem Schatze seines Vaters Besitz zu nehmen;
+Taghadschar kam aus Fars zu seinem Dienste und die Frau
+Kutui mit ihren Anhängern begab sich ebenfalls in's Lager
+Arghun's. Der Wesir Schemseddin, welcher sich in dessen
+Macht befand, wurde ihm abgefordert, und der Emir des
+Lagers der Frau Kutui brachte denselben zu Teguder<a name="FNanchor_617" id="FNanchor_617"></a><a href="#Footnote_617" class="fnanchor">[617]</a>.
+Am Tage der Sommersonnenwende<a name="FNanchor_618" id="FNanchor_618"></a><a href="#Footnote_618" class="fnanchor">[618]</a> hatte die feierliche
+Thronbesteigung statt. <span class="xidenote">13. Rebiulewwel/<br />21. Juni 1282</span> Nach dem uralten, schon auf den
+ägyptischen Denkmalen abgebildeten Krönungsgebrauche, vermöge
+welchem zwei Geleitsmänner den König, der eine zur
+rechten, der andere zur linken Hand, auf den Thron einführend,
+wurde Teguder vom Bruder Kungurtai und vom
+Emir Schingtur Nujan auf den Thron gesetzt, indem jener
+dessen rechte, dieser dessen linke Hand ergriff<a name="FNanchor_619" id="FNanchor_619"></a><a href="#Footnote_619" class="fnanchor">[619]</a>; die
+Prinzen warfen, mit dem Gürtel um den Nacken, ihre
+Mützen in die Luft, zu sagen, dass ihr Hals bereit, auf den
+Wink des Herrschers mit dem Gürtel oder Strang zugeschnürt
+zu werden, und dass sie nicht mehr kopfbedeckt,
+das ist, nicht mehr frei. Mit siebenmaliger Niederwerfung
+wurde die Sonne, mit neunmaliger der neue Herrscher verehrt
+zur glücklichen, durch die Astronomen ausersehenen
+Stunde.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Zu einer guten Stunde, wo die Glücksgestirne<br /></span>
+<span class="i0">Im Ort des Aufgangs niederwarfen ihre Stirne<a name="FNanchor_620" id="FNanchor_620"></a><a href="#Footnote_620" class="fnanchor">[620]</a>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<div class="sidenote">Schemseddin
+geschützt
+von einer der
+Gemahlinnen
+Teguder's.</div>
+
+<p>Nach Beendigung der Krönungsfeste liess sich Teguder
+die im unbezwinglichen Schlosse <i>Schahutela</i> (dem persischen
+Königstein) aufbewahrten Schätze bringen und vertheilte
+dieselben unter die Prinzen, Nujanen und Emire des Hauses
+und des Heeres; jeder Soldat erhielt zwanzig Dinare und
+Arghun, der sich beklagte, dass man auf ihn mit der Krönungsfeierlichkeit
+nicht gewartet, zwanzig Goldbalische.
+Bei dieser Gelegenheit verbanden sich Arghun und sein
+Oheim Konghuratai (der neunte Sohn Hulagu's) im Lager
+<span class='pagenum'><a name="Page_325" id="Page_325">[325]</a></span>
+der Frau Tuktini<a name="FNanchor_621" id="FNanchor_621"></a><a href="#Footnote_621" class="fnanchor">[621]</a> durch Eidschwur in unzertrennlicher
+Freundschaft, welche hernach den häufigen Gesandtenwechsel
+zwischen ihnen und den gewaltsamen Tod Konghuratai's herbeiführte.
+Teguder befahl, seine Bekehrung zum Islame
+auszurufen, und erliess an die Obrigkeiten von Bagdad ein
+Jerligh, dass sie die gute Kunde den Einwohnern Bagdads
+mittheilen, den frommen Stiftungen ihre Einkünfte wie zur
+Zeit des Chalifats wieder geben, den Moscheen und Medreseen
+ihre vorigen Rechte wieder einräumen sollten; der
+Prophet habe gesagt, dass der Islam nicht aufhören werde,
+siegreich zu sein, bis an den Tag des Gerichts<a name="FNanchor_622" id="FNanchor_622"></a><a href="#Footnote_622" class="fnanchor">[622]</a>. <span class="xidenote">2. Rebiul./<br />4. Juli</span> Tags
+darauf lagerte er zu <i>Siahkuh</i><a name="FNanchor_623" id="FNanchor_623"></a><a href="#Footnote_623" class="fnanchor">[623]</a> und sandte Befehl nach
+Hamadan, dass Medschdolmülk und <i>Atamülk Dschuweini</i>,
+der noch als dessen Schlachtopfer dort gefangen gehalten
+ward, vor ihm erscheine. Medschdolmülk begann seine
+alten Ränke wider Schemseddin, und wenig fehlte, dass er
+nicht auch diesmal gesiegt hätte; nur der Schutz Ermeni
+Chatun's, der Gemahlin Teguder's, zu welcher Schemseddin
+flüchtete, rettete ihm und dem Bruder das Leben und verschaffte
+ihnen den Triumph über den Todfeind. Ermeni
+Chatun war nicht die Herrin des Harems, d. i. die erste
+Gemahlin oder grosse Frau Teguder's (welche Tokus Chatun,
+die Konghuratin), sondern die zweite, keine Armenierin,
+wie der Name glauben machen konnte, sondern auch eine
+Konghuratin; die dritte, <i>Tudakun Chatun</i>, die Tochter
+<i>Musa Gurgan's</i>, des Konghuraten, des Eidams Hulagu's,
+welchem dieser seine fünfte Tochter, <i>Tarakai</i>, zur Gemahlin
+gegeben, und folglich die Nichte Arghun's; die vierte <i>Baitegin</i>,
+die Tochter Huseinaga's; die fünfte, <i>Ilkotlogh</i>, die
+Mutter <i>Tughandschik's</i>, der Tochter Schadi Nujan's, des
+Gemahls der Prinzessin <i>Arguruk</i>, Tochter Dschumkur's, des
+zweiten Sohnes Hulagu's, aber nicht aus dieser, sondern
+aus der Beischläferin <i>Ilkotlogh</i>; Tughandschik, während der
+Herrschaft Teguder's getraut, wurde ob Verdacht von Zauberei
+<span class='pagenum'><a name="Page_326" id="Page_326">[326]</a></span>
+in den <i>Kor</i> (Cyrus) geworfen; die sechste, <i>Tudai
+Chatun</i>; diese gaben ihm drei Söhne<a name="FNanchor_624" id="FNanchor_624"></a><a href="#Footnote_624" class="fnanchor">[624]</a> und sechs Töchter<a name="FNanchor_625" id="FNanchor_625"></a><a href="#Footnote_625" class="fnanchor">[625]</a>.
+Stark durch den Schutz <i>Ermeni Chatun's</i>, arbeitete nun
+Schemseddin an dem Sturze Medschdolmülk's, denselben in
+allerhand Klagen verwickelnd und vor Gericht fordernd.
+Medschdolmülk, seines drohenden Ruines gewahr, sandte
+Wort an den Prinzen Arghun: Schemseddin habe Abaka
+vergiftet, und wenn nun er (Medschdolmülk) mit seinem
+Leben büssen müsse, geschähe es, um den Beweis der Vergiftung
+zu unterdrücken; auf diese Art warf er, selbst des
+Todes gewärtig, den Saamen der Rache am Todfeind in
+die Brust Arghun's, wo derselbe später zur blutigen Frucht
+zeitigen sollte. Schemseddin bediente sich als Werkzeug
+zum Sturze Medschdolmülk's eines Neffen des letzten, Namens
+Seaadeddin, welcher vom Oheime wegen Geldveruntreuungen
+seines Amtes entsetzt worden war; demselben
+ward die Stelle eines <i>Mestufi</i> (Finanzpräsidenten) in Irak
+und Persien versprochen, und er klagte dafür den Oheim
+verrätherischen Briefwechsels mit Arghun an; demselben
+wurde die Zurückstellung aller von seinem Oheim confiscirten
+Güter Atamülk's, des Bruders Schemseddin's, aufgetragen,
+Medschdolmülk selbst vor Gericht gestellt.</p>
+
+<div class="sidenote">Hinrichtung
+Medschdolmülk's.</div>
+
+<p>Die Richter Medschdolmülk's waren die Obersten, Befehlshaber
+der Truppen, <i>Sundschak</i> und <i>Arukaka</i>. Dem
+<i>Medschdolmülk</i> wurde nun mit gleichem Maasse eingemessen;
+wie er wider <i>Kudschuk Atamülk</i> Papiere, mit Zügen und
+Schnörkeln beschrieben, als Beweise der Zauberei vorgebracht,
+so wurde als gleicher Beweis nun dem Medschdolmülk
+eine mit gelben und rothen Figuren bemalte Löwenhaut
+vorgehalten, welche sich unter seinen confiscirten reichen
+Stoffen gefunden und welche seine Feinde bei der Untersuchung
+eben so eingeschwärzt hatten, wie vormals er selbst
+<span class='pagenum'><a name="Page_327" id="Page_327">[327]</a></span>
+unter das Habe Atamülk's; die Bachschi und Kamen, d. i.
+die mongolischen Schreiber und Wahrsager, gaben ihr Gutachten
+ab, dass diese Haut in Wasser geweicht, das Wasser
+dem Beklagten zu trinken gegeben werde, damit das Uebel
+der Zauberei an ihm selbst ausgehen möge. Medschdolmülk
+weigerte sich dessen, weil er wohl wusste, dass diesen
+Talisman der Scheich Abderrahman, ein Geschöpf Schemseddin's,
+verfertigt und denselben vermuthlich mit Gift getränkt
+habe. Trotz dieser Beweise wollten sie, so sehr
+auch der Scheich und Atamülk darauf drangen, das Todesurtheil
+nicht aussprechen; als aber Sughundschak, durch
+ein Fussübel zu Hause gehalten, zu Gericht zu sitzen verhindert
+war, besuchte ihn der Scheich und drang so lang
+in ihn, bis er das Urtheil erhielt. Es lautete dahin, dass
+er dem Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin übergeben
+und von denselben nach der Jasa, d. i. mit dem Tode bestraft
+werden solle. Schemseddin wollte ihn mit dem Leben
+begnadigen, aber sein Bruder Alaeddin und sein Sohn Harun
+drangen auf die Todesstrafe. <i>Medschdolmülk</i> (der Reichsruhm)
+wurde in das Zelt Atamülk's (Reichsgabe) geführt,
+wo er vom Nachmittagsgebete bis zum Abendgebete Rechenschaft
+über alle von ihm ausgestellten Urkunden, Diplome,
+Schenkungen, Vergantungen ablegen und, ausser allen Besitzungen,
+dreihundert Tomane zu Bagdad erpresster Gelder
+herausgeben musste. Als Alaeddin sich zum Abendgebete
+begab, wurde sein Todfeind vors Zelt geführt und der vor
+demselben versammelten Menge als Schlachtopfer vorgeworfen<a name="FNanchor_626" id="FNanchor_626"></a><a href="#Footnote_626" class="fnanchor">[626]</a>. <span class="xidenote">8. Dschemmasiulewwel 681/<br />14. August</span>
+Er ward sogleich zerstückt und Kopf und Zunge
+und Hände und Füsse in die Hauptstädte des Reichs zur
+Aussteckung gesandt; der Kopf nach Bagdad, wo er denselben
+so stolz erhoben. Der Geschichtschreiber Reschideddin
+sagt hierüber:</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_328" id="Page_328">[328]</a></span></p>
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen,<br /></span>
+<span class="i0">So der Wesirschaft selbst für sich vermessen,<br /></span>
+<span class="i0">Ich sah ihn als des Henkers Spiel und Tand<br /></span>
+<span class="i0">Und jedes Glied in eines And'ren Hand.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Seine Zunge kaufte einer um hundert Goldstücke und brachte
+dieselbe nach Tebris, und Wassaf commentirt hierzu:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Hättest schweigend deine Zunge du bewährt,<br /></span>
+<span class="i0">Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Die Füsse wurden nach Schiras gesandt, wo er so hochmüthig
+aufgetreten war, und die Hände nach Issfahan, wo
+er dieselben so gierig ausgestreckt. Der schon mehr als
+einmal erwähnte Dichter <i>Pur Beha Dschami</i> sagte, als die
+Hände ankamen:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand;<br /></span>
+<span class="i0">Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>und ein anderer Dichter Zeitgenosse dichtete auf diese
+Gliederversendung die Verse:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Ein Paar Tage lang beschwärztest du Rollen und Listen,<br /></span>
+<span class="i2">Suchtest dir dadurch Reichthum zu mehren und Gut;<br /></span>
+<span class="i0">Deiner Glieder jegliches ging in andres Land aus,<br /></span>
+<span class="i2">Welteroberer wardst du in der Woche Verlauf<a name="FNanchor_627" id="FNanchor_627"></a><a href="#Footnote_627" class="fnanchor">[627]</a>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Alaeddin erhielt nun wieder die Statthalterschaft von Bagdad
+und die Investitur derselben mittels eines vom Chane selbst
+getragenen Kaftans, Schemseddin die Wesirschaft in der
+vorigen Machtvollkommenheit und der Scheich Kemaleddin
+Abderrahman Er-Raſii die oberste Würde des Islams mit
+der Verwaltung aller Religionsgüter und dem Auftrage: die
+Einkünfte derselben auf die Pensionen grosser und berühmter
+Gelehrten und Almosen für Ssofi und Derwische und die
+Verwandlung der christlichen Kirchen in Moscheen zu verwenden.</p>
+
+<div class="sidenote">Wassaf bei
+Schemseddin;
+Zustände
+von
+Schiras.</div>
+
+<p>Schemseddin, welchem unter Abaka's Regierung von
+seinen Anklägern Vergeudung der Staatsgelder zur Last
+gelegt worden und der sich ausgewiesen, dass dieselben
+zum Theil für den Hofstaat der Prinzen und andere Ausgaben
+<span class='pagenum'><a name="Page_329" id="Page_329">[329]</a></span>
+des Hofes aufgegangen, begann seine neue Verwaltung
+mit Einschränkungen der Ausgaben der Küche des
+Chans und des Hofstaates der Prinzen und Prinzessinnen.
+Die Ausgaben der Küche, welche bisher unter dem Oberstküchenmeister
+Fachreddin jährlich achtzig Tomane (Toman
+ist zehntausend) betragen hatten, wurden nun ohne Einmischung
+des Oberstküchenmeisters mit der Hälfte dieser
+Summe bestritten. Dieser besonders wider das Zehrgadenamt
+gerichteten Oekonomie lag einige Persönlichkeit Schemseddin's
+wider Fachreddin zum Grunde, weil diesem gleich nach
+der Thronbesteigung Teguder die Wesirschaft verleihen
+wollte, was sich Fachreddin verbeten hatte; nichtsdestoweniger
+war Schemseddin auf denselben eifersüchtig; Wassaf,
+bei welchem sich diese Angabe findet, konnte um so besser
+von der Sache unterrichtet sein, als er gerade in diesem
+Jahre dem Wesir Schemseddin persönlich aufwartete, und
+einige Spannung, in welcher er mit demselben gestanden,
+auszugleichen bemüht war; es scheint nämlich, dass Wassaf
+sich einigen Tadel über des Wesirs frühere Verwaltung
+erlaubt, worüber ihn der Wesir zur Rede stellte. Wassaf
+bekräftigte zwar mit den stärksten Schwüren das Gegentheil
+und sandte zweimal entschuldigende und um Vergebung
+flehende Verse an Schemseddin<a name="FNanchor_628" id="FNanchor_628"></a><a href="#Footnote_628" class="fnanchor">[628]</a>, aber &bdquo;ohne dadurch&ldquo;,
+wie er sagt, &bdquo;den leicht zu lösenden Knoten der Entfremdung
+des Inhabers des Diwans zu entwirren&ldquo;. Wiewohl
+Wassaf weder den Gegenstand des Tadels, noch den Anlass
+seiner Reise ins Hoflager näher angibt, so betrafen wahrscheinlich
+beide die Angelegenheiten seines Vaterlandes, die
+Landschaft Fars, deren Geschichte er der seinen so umständlich
+einverleibt hat. <span class="xidenote">678/<br />1279</span> Zu Ende der Regierung Abaka's
+war die Statthalterschaft von Schiras dem Emir Sughundschak
+(von dem so eben als vom Richter Medschdolmülk's die
+Rede gewesen) anvertraut, von dessen Scharfsinn und die
+Wahrheit ergründenden Urtheilen Wassaf Belege erzählt.
+Unzufrieden mit den Pächtern der Steuereinnahme, ernannte
+<span class='pagenum'><a name="Page_330" id="Page_330">[330]</a></span>
+er einen derselben, der die wenigsten Staatsgelder unterschlagen
+hatte, den Chodscha <i>Nisameddin</i>, zum Wesir und
+ordnete ihm die anderen Pächter unter. Zum Richter der
+Richter ernannte er den <i>Ebu Mohammed Jahja Imadeddin</i>,
+wiewohl der grössere Theil der Einwohner den hochgelehrten
+<i>Seid Abdallah</i>, den Verfasser vieler Werke über
+die Exegese und Hermeneutik, über die Ueberlieferung und
+Rechtsgelehrsamkeit, über Dogmatik und Philosophie für
+den Würdigeren erkannten. Sughundschak begab sich mit
+einigen Pächtern, deren Summen noch ausständig, nach Hof;
+nur als es in seiner Abwesenheit zwischen dem Wesir und
+dem Oberrichter zu Reibungen kam, sandte er einen Befehl,
+vermöge dessen der letzte im Hause des ersten in Verhaft
+gesetzt ward. Zu dieser Zeit (wo eben Medschdolmülk's
+Anklage wider Schemseddin angebracht und Abaka's Sinn
+auf Zusammenscharren des Goldes erpicht war) wandte sich
+der Seid Richter an Buka, einen der geheimen Schatzmeister
+Abaka's, welcher sich damals zu Schiras befand, und dieser
+sandte den Seid und den Intendenten Schemseddin nach
+Hof, wo sie, von Abaka wohl empfangen, ihre Beschwerden
+wider die Verwaltung Sughundschak's und des von ihm bestellten
+Wesirs Nisameddin anbrachten. Abaka reichte ihnen
+mit eigener Hand einen Becher Wein und befahl, dass
+Nisameddin zweihundert der ausständigen Tomane abtrage;
+dieser wurde nun im Hause des Seid Imadeddin festgesetzt
+und der Emir Taghadschar kam, die Eintreibung der Summe
+zu vollstrecken; die Pächter aber, hierdurch aufgelärmt,
+machten mit Nisameddin gemeinsame Sache, und wiewohl
+sie dem Scheine nach sich den Befehlen Taghadschar's
+fügten, so ruhten sie doch nicht, bis sie den Nisameddin
+aus der Haft befreit und Taghadschar in Verlegenheit
+brachten. Dieser begab sich, da unterdessen die Thronbesteigung
+Teguder's stattgefunden, an's Hoflager und führte
+seine beiden Schutzgenossen, den Melik Schemseddin und
+den Seid Imadeddin, mit sich. Teguder verlieh dem letzten
+die Wesirschaft von Schiras und forderte den Statthalter
+Bulghuwan, welcher öffentlich die Partei der Intendenten
+<span class='pagenum'><a name="Page_331" id="Page_331">[331]</a></span>
+wider Taghadschar ergriffen hatte, nach Hof; dieser hielt
+die Gesandten des Chans zu Schiras auf, ohne ihnen Erlaubniss
+zur Rückkehr zu gewähren, und wandte sich heimlich
+an den Prinzen Arghun in Chorasan, von dessen Umtrieben
+weiter unten die Rede sein wird. Diess war der Zustand
+der Dinge in Fars, als Wassaf sich bei Schemseddin rein
+zu waschen bemüht war.</p>
+
+<p>Auf Veranlassung Schemseddin's wurde eine feierliche
+Botschaft an den Sultan Aegyptens abgesandt, um demselben
+von dem Uebertritte Teguder's zum Islam Kunde zu geben.
+Das Beglaubigungsschreiben der beiden Gesandten und die
+Antwort Kilawin's sind so durch Gehalt als Styl merkwürdig
+genug, um unverändert hier in sach- und wortgetreuer
+Uebersetzung zu folgen:</p>
+
+<p>&bdquo;Durch Gottes des Allmächtigen Kraft (welcher erhöhet
+werde!) Ferman des Kaan Ahmed an Aegyptens Sultan.
+Gott der Allmächtige hat durch die Vorgänge seiner Gnaden
+und das Licht seiner Leitung in der ersten Jugend und
+Frische Uns geleitet auf die wahren Pfade zur Kenntniss
+seiner Herrlichkeit und zum Geständniss seiner Einheit, zur
+Zeugenschaft, dass Mohammed (über welchen das reinste
+Gebet!) Gottes Prophet, zum schönen Glauben in seine
+Heiligen und frommen Männer. Wen Gott leiten will, dessen
+Brust erleichtert er durch den Islam, und Wir haben nicht
+aufgehört, Uns für die Erhöhung der Religion und Zurechtbringung
+der Geschäfte des Islams geneigt zu zeigen, bis
+von Unserem Vater, dem Bessten, und Unserem Bruder,
+dem Grössten, die Reihe der Regierung auf Uns gekommen,
+bis dass über Uns der Schmuck seiner Gnaden ausgegossen
+und Wir von seinen Wohlthaten, was Wir verdienten, genossen
+in dem Uebermaasse seiner Gnaden, der grossen;
+und es ward Uns das Brautgemach des Reichs aufgeschlossen
+und die Braut Uns vorgeführt unverdrossen. Es wurde von
+Uns ein gebenedeites <i>Kurultai</i> versammelt, diess ist die
+Versammlung, wo einen Funken gibt der Feuerstahl der
+Brüder und Kinder, der Emire, der Grossen, der Führer
+des Heers, der Vorgesetzten der Truppen; ihr Wort stimmte
+<span class='pagenum'><a name="Page_332" id="Page_332">[332]</a></span>
+darin überein, die Verfügung Unseres Bruders des Grossen
+auszuführen in der Aufstellung eines allgemeinen Aufgebotes
+Unserer Heere: die Erde ist zu enge vor ihrer Menge, und
+es füllet die Herzen Schrecken vor der Gewalt, womit sie
+die Erde bedecken; vor ihrem hohen Muthe werden die
+Berge zu Ebenen ausgegleichet und die härtesten Felsen
+erweichet. Wir dachten nach über das, was sie sich vorgenommen
+und worin ihre Begierden übereingekommen, und
+Wir fanden, dass ihre Absicht widerstreite mit dem, was
+Wir in Unserem Innern beschlossen zur Bewirkung allgemeinen
+Wohls. Hierunter verstehen Wir die Stärkung der
+Satzungen des Islams, dass so viel als möglich keiner von
+Unseren Befehlen in anderer Absicht ergehe, als um Blut
+und Brand zu stillen und alle Länder mit dem Wehen der
+Winde der Ruhe und der Sicherheit zu erfüllen, und damit
+ausruhen mögen die Könige der anderen Länder auf dem
+Lager der Milde und Wohlthätigkeit, um Gottes Befehle zu
+ehren und dem Volke Gottes Mitleid zu gewähren. Gott hat
+Uns eingegeben, dieses Feuer auszulöschen und diese Unruhe
+zu stillen, und die Anzeige dessen, den Gott der Allmächtige
+hierauf geleitet hat, ist die des Vorschlags der Mittel,
+womit die Heilung der Welt von den Gebrechen erzweckt
+und die Anwendung der letzten verschoben würde; denn
+Wir lieben, nicht schneller die Pfeile zu senden und uns
+zu den Lanzen des Kampfes zu wenden, als nachdem Wir
+das Nöthige erklärt, und Wir gestatten diess nicht, als
+nachdem Wir die Wahrheit und Nothwendigkeit mit Beweisen
+bewährt. Wir wurden bestärkt in dem, was wir
+Uns Gutes vorgenommen hatten, und in der Durchführung
+gemeinnütziger Thaten durch die frommen Wünsche des
+Scheichs des Islams, des Musterbildes der Erkennenden,
+dessen Hilfe Uns in den Geschäften der Religion nützt und
+unterstützt, und Wir haben dieses Schreiben erlassen als
+Gottes Barmherzigkeit für den, der sich demselben fügt,
+wie sich's gehört, und als Pein wider den, der sich abwendet
+und empört. Wir haben damit betraut den entscheidendsten
+der Richter, den Pol der Religion und des
+<span class='pagenum'><a name="Page_333" id="Page_333">[333]</a></span>
+Volks (Kutbeddin), und den Atabeg (Behaeddin), welche
+beide von den Bewährtesten und Gelehrtesten dieses blühenden
+Reichs, weil sie Unsere Wege kennen und weil sie
+mit Gewissheit wissen, was Uns eingibt Unser Gewissen zum
+allgemeinen Wohl der Moslimen. Wir haben sie in dieser
+Absicht gesendet, denn Wir sind von Gott auf die Wachsamkeit
+angewiesen, denn der Islam liebt, was ihn empfängt,
+und Gott der Allmächtige hat in Unser Herz gelegt, dass
+Wir der Wahrheit und ihren Bekennern folgen sollen, damit
+sie bezeugen die grosse Gnade Gottes über die Gesammtheit
+in dem, was wir fordern als Vertrag der Ursachen der
+Wohlthat. Sucht dieses nicht zu erproben durch einen
+Rückblick auf Unsere Brüder (die Herrscher vergangener
+Zeit), denn jedem Tage ist anderes Loos bereit. Wenn
+die Seelen Einsicht nehmen wollen in einen Beweis, wodurch
+die Forderung des Vertrauens befestiget würde, und in eine
+Urkunde, worin sie die Erfüllung ihres Wunsches fänden,
+so sollen sie ihre Blicke auf Unsere Denkmale richten, deren
+Ruhm nicht klein und deren Wirkung allgemein. Wir haben
+unter Gottes Leitung angefangen, die Spuren der Religion
+zu erheben, dieselben in jedem Dinge an Tag zu legen
+und auszuheben zur Aufrechterhaltung der Novellen des
+Gesetzes, des mohammedanischen, nach Erforderniss der
+Kanone der Gerechtigkeit, der ahmedischen, um es zu erheben
+und demselben Ehre zu geben. Wir liessen Freude
+scheinen in die Herzen des Wesens, des gemeinen, Wir
+haben nachgesehen die Vergehen und den Schuldigen verziehen
+und stellten auf die Verbesserung der Geschäfte Unser
+Bemühen, auf die frommen Stiftungen der Moslimen, von
+Moscheen, Grabstätten, Medreseen, auf den Bau frommer
+Zellen und verfallener Wachposten, indem Wir die Einkünfte
+derselben denen, so dieselben verdienen, verlieh'n
+und dadurch erfüllet der Stifter Sinn; Wir haben verwehrt,
+dass Neuerung in denselben werde begehrt und dass das
+Geringste werde verletzt von dem, was ursprünglich festgesetzt;
+Wir haben befohlen, den Pilgerreisen die grösste
+Ehre zu erweisen, ihre Schaaren zu bewahren, ihre Wege
+<span class='pagenum'><a name="Page_334" id="Page_334">[334]</a></span>
+zu sichern und zu ebnen die Bahnen der Karawanen; Wir
+haben freigelassen die Strassen den Kaufleuten, die von
+Land zu Land wandeln und handeln, damit sie nach ihrer
+Willkür und mit ihrem bessten Vermögen reisen mögen;
+Wir verwehren den Heeren, den Wachen und denen, welche
+die Runde machen, dass sie denselben auf ihren Wegen,
+wenn sie kommen oder gehen, das Geringste in den Weg
+legen. Eine Unserer Wachen hat einen Kundschafter ergriffen
+in der Verkleidung eines Fakirs, und wiewohl es in
+der Ordnung gewesen wäre, denselben zu tödten, so wollten
+Wir doch nicht sein Blut vergiessen lassen aus Schonung
+dessen, was Gott verboten, und Wir haben denselben zurückgesandt.
+Indessen ist es denselben nicht unbekannt, dass
+die Kundschafter ein Schaden im Land; denn so lang unsere
+Armeen dieselben in der Gestalt von Fakiren und Andächtigen
+sehen, ist ihre Meinung von diesen Leuten schlecht,
+sie tödten den Mann und thun, was sie gethan: die Nothwendigkeit
+davon ist, Gott sei Dank, erhöhet durch das,
+was Wir ergehen liessen, um die Wege aufzuschliessen dem
+Zuge der Kaufleute und anderer Wanderer. Wenn dieselben
+diesen Geschäften einiges Bedenken schenken, so wird denselben
+nicht verborgen sein, dass diese Eigenschaften uns
+angeboren als zweite Natur und dass darin von Affectation
+keine Spur; und da die Sache so liegt, so sind alle Anforderungen
+gegenseitiger Abneigung, welche zum Widerstand
+führten, aus dem Wege geräumt. Diese gründeten
+sich vormals auf den Weg verschiedener Religion und der
+Entfernung von dem Schoosse des Islams; aber nun ist durch
+Gottes Huld und die Gunst Unseres Glückes das helle Licht
+erschienen, und wenn es vormals Ursachen gab, so wandten
+wir uns nun von denselben zum Besseren ab; Wir sind auf
+dem Pfade der Gnade, wo Einkehr und Rückkehr. Wir
+haben den Schleier aufgehoben durch dieser Anrede Farben
+und haben dieselben unterrichtet von dem, was wir zu thun
+aufrichtig gesonnen, und haben hiermit begonnen; Wir haben
+Unseren Heeren verboten, zuwider zu handeln diesen Geboten,
+Gott und seinem Propheten zu Gefallen. Damit auf
+<span class='pagenum'><a name="Page_335" id="Page_335">[335]</a></span>
+den Blättern die Spuren des Glücks und der Annahme erscheinen,
+damit die Welt über die Verschiedenheit des
+Wortes beruhiget werde, damit durch das Licht des Einverständnisses
+verschwinde die Finsterniss des Missverständnisses,
+damit ausruhen mögen unter dem weiten Schatten
+die Städter und die Bewohner der Matten, und damit sich
+erfrischen die Seelen, welchen die Plagen gestiegen in die
+Kehlen. Wenn Gott der Herr den Sultan Aegyptens leitet
+zum Besten der Welt und zu dem, was die Ordnung der
+Menschen erhält, so ist's nöthig für ihn, den Eimer fester
+Anhänglichkeit zu erfassen und zu wandeln dergleichen
+Strassen durch Eröffnung der Thore der Unterwürfigkeit
+und Einigkeit, durch Erwähnung der Aufrichtigkeit, damit
+diese Länder sich dieser Gnaden erfreuen, damit die Unruhen
+sich legen, welche zerstreuen, damit die Schwerter,
+welche schneiden, gesteckt werden in die Scheiden, damit
+die ganze Erde ein Eden der Ruhe werde, damit die Nacken
+der Moslimen werden befreit von dem Joche der Verachtung
+und Niedrigkeit. Sollte aber böse Meinung die Oberhand
+behalten über das, was Wir aus Gottes des Allverleihers
+Barmherzigkeit behalten, und sollte dieselbe verwehren,
+diesem Antrage, wie er es verdient, Anerkennung zu gewähren,
+so wird Gott Unsere Bemühungen ehren und Unsere
+Entschuldigungen lassen gewähren. Wir haben Uns nicht
+zur Strafe gewandt, ehe Wir einen Gesandten gesandt; bei
+Gott, er leitet zur Rechtlichkeit und zum rechten Verstand!
+Er bewahret sicher die Unterthanen und das Land. Wir rechnen
+auf Gott den Einen. Geschrieben Ende Dschemmasiulewwels
+681 (Anfangs September 1282).&ldquo;</p>
+
+
+<p style="text-align: center; letter-spacing: 0.2em; margin-top: 2em; font-weight: bold">Antwort.</p>
+
+<p>&bdquo;Im Namen Gottes des Allmilden, des Allbarmherzigen.
+Durch Gottes des Allmächtigen Kraft, das Wort Kilaun's an
+Sultan Ahmed: Lob sei Gott! welcher Uns den Pfad der
+Wahrheit erhellt. In Uns ist die Hilfe und der Sieg Gottes
+gekommen, und Er hat uns schaarweise in die Religion
+Gottes aufgenommen. Gebet über Unseren Herrn Mohammed;
+<span class='pagenum'><a name="Page_336" id="Page_336">[336]</a></span>
+Er, den Gott über Alles, wodurch sein Volk gerettet ward,
+erhöht, und über alle Propheten, welche retten, und über
+seine Familie und seine Gefährten! Gebet, welches erleuchtet
+die finstere Nacht und dunkeles Leben hell macht. Gefälligkeit
+und Ergebenheit vom Imam <i>Hakim biemrillah</i>, dem
+<i>Emirolmuminin</i>, dem Abkömmlinge der Chalifen, der den
+wahren Weg betreten, dem Vetter des Herrn der Propheten,
+dem Chalifen, welchem die Religiosen huldigen. Es ist
+angekommen das Schreiben, das verehrliche, das Ehren
+gewährliche, enthaltend die grosse Kunde von dem Eintritte
+in die Religion und dem Ausfalle wider Alle, welche dem
+wahren Leben widerstreben. Nachdem geöffnet worden dieses
+Schreiben, welches Kunde der Ueberlieferungen haucht,
+Ueberlieferungen, welche für die Moslimen gewiss, die gewissesten
+der Ueberlieferungen, welche überlieferte <i>Moslim</i><a name="FNanchor_629" id="FNanchor_629"></a><a href="#Footnote_629" class="fnanchor">[629]</a>,
+wurden die Gesichter zu Gott dem Allmächtigen gewendet
+mit der Bitte, dass er diess befestige mit dem Worte, dem
+festen, und dass der Samen dieser Religion im Herzen sprosse,
+wie die schönsten der Pflanzen aus dem härtesten Boden
+sprossen. In nachdenkender Achtung stellten Wir an treffliche
+Betrachtung über die Erwähnung der aufrichtigen
+Absicht, dass im Anfang des Lebens und in der Frische
+jugendlichen Strebens die Einheit Gottes verkündet und der
+Eintritt in das Volk Mohammed's mit Wort und That und
+Einsicht und Rath begründet werde. Gott sei Lob! dass
+er die Brust des Sultans für den Islam erweitert und dieselbe
+mit der edelsten der Eingebungen aufgeheitert; Gott
+sei Lob! dass er uns unter die Vorgehenden, die ersten
+gesetzt zu diesem erhabenen Orte, und dass er Unsere Füsse
+befestiget auf jedem Standorte des Kampfs, im Feld und
+mit dem Worte. Weiters über die Reihenfolge im Reiche
+durch Erbschaft nach dem Abtritte des Vaters des Bessten
+und des Bruders des Grössten, über die Ausgiessung dieser
+grossen Gnaden auf den Sultan, wie derselbe den Gipfel
+<span class='pagenum'><a name="Page_337" id="Page_337">[337]</a></span>
+der Glaubensreinigung erklommen und den Titel der Herrschaft
+angenommen, nachdem ihm Gott dieselbe zugezählt
+und ihn aus seinen Dienern auserwählt durch die wahren
+Kunden von den Wundern seiner Helfer und Diener; und
+weiters über die Versammlung der Brüder und Kinder der
+Fürsten, der grossen, der Führer des Heers, der Vorsteher
+der Truppen in der Versammlung des <i>Kuriltai</i>, wo die
+Menge zusammengeflockt und der Feuerstahl dem Kiesel die
+Funken der Meinungen entlockt, und wie ihr Wort mit den
+Geboten des weiland grossen Bruders übereingestimmt in
+der Sendung der Heere nach dieser Seite, dass aber derselbe
+(der Ilchan) nachgedacht über das, was ihre gesammte
+Meinung vorgebracht, und dass er sich mit ihrem
+Verlangen bekannt gemacht und dasselbe im Widerspruch
+gefunden mit dem, was er selbst in seinem Innern ausgedacht,
+indem er nur das Gute bezwecke und sich die Verbesserung
+zum Ziel stecke, damit er lösche dieses Feuer
+und stille die Unruh, die nicht geheuer. Diesen Schritt
+hat der König (Ilchan) aus Liebe zu seinem Volke gemacht,
+indem er das Ende mit durchdringendem Sinne erwägend
+bedacht. Wäre diess nicht so gewesen und hätten sie die
+Sache der Entscheidung des Schwertes überlassen, so wäre
+dieser Kampf der Kämpfe letzter gewesen; allein der Ilchan
+ist wie Einer, der die Stationen seines Herrn fürchtet, der
+seiner Begier das Verbotene verwehrt, der nicht der Rede
+des Irrenden beistimmt und Nichts im Irrthum unternimmt.
+Was nun das Wort des Ilchans betrifft, dass er nicht eilt
+zum Schlachtfeld, wo die Lanze Stösse austheilt, als nachdem
+er das Nöthige erklärt, so weiss Gott der Allmächtige,
+und es wissen alle Menschen, dass wir nur aufstehen, um
+dem Volke zu helfen, und dass, wenn wir mit That und
+Worten streiten, es nur Gottes wegen geschieht; und da
+nun der Ilchan mit uns eingetreten in Gottes Religion, so
+ging die Feindschaft davon, und indem die Abneigung aufgehoben,
+wird sich glücklicher Erfolg erproben. Der Glaube
+ist wie ein Gebäude, in welchem ein Theil den andern befestigt
+und hält; wer eine Minaret aufgerichtet, dem fehlt
+<span class='pagenum'><a name="Page_338" id="Page_338">[338]</a></span>
+es nicht an freien Bewohnern an jedem Orte und an gesitteten
+Nachbarn auf der ganzen Erde. Weiters, was die
+Versicherung betrifft, dass dieser Nutzen, der allgemeine,
+der Erwähnung des Scheichs des Islams, des Musters der
+Erlernenden, <i>Kemaleddin Abderrahman</i> (Gott vergelte ihm's
+mit seinem Segen!) zu danken sei, so haben Wir von keinem
+Heiligen früher solch heiliges Werk gesehen. Wir hoffen
+von seinem Segen und von dem der frommen Männer, dass
+jedes Haus zum Islam erwache, bis dass jede Bedingniss des
+Glaubens erfüllet werde und der Islam umfasse die ganze
+Erde, Alles umfassend, von den Bessten Nichts übrig lassend.
+Es ist kein Zweifel, dass des Scheichs heiliges Werk der
+Anfang dieser Beständigkeit der Existenz, und jede Wahrheit
+kehrt mit seinem Segen zu ihrem Ursprung zurück.
+Weiters, was die Wirksamkeit des entscheidendsten der
+Richter des Islams, des Glaubens und des Reichs (<i>Kutbeddin</i>)
+und des Atabegs (<i>Behaeddin</i>), welche Beide mit Ueberbringung
+dieses wohlberedten Sendschreibens beauftragt
+waren, so sind dieselben Beide erschienen, bereit, sich aller
+guten Worte zu bedienen, welche die Umstände eingeben
+und die sich im Gemüthe erheben, welche Erwartender
+mag erwarten mit Lob und Dank von allen Arten, so dass sie
+im Namen Ahmed's (des Ilchans) Ueberlieferungen sprachen,
+festgegründet, wie die Ahmed's (des Propheten). Weiters,
+was die Andeutung betrifft, dass, wenn die Seelen die Einsicht
+des geraden Beweises nicht verfehlen, dadurch die
+Anforderungen vollkommener Liebe befriedigt würden und
+dass man betrachten solle die Monumente, die er im Beginne
+der Ausübung seiner Macht, Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit,
+übend mit Zung' und Herzen, schon hervorgebracht,
+wie er auf die Verbesserung der Wakfe, die Ausbesserung
+der Moscheen und Gränzposten, die Erleichterung
+der Strassen der Wallfahrt und anderer dergleichen bedacht,
+so sind diess Attribute, von denen abhängt der Reiche
+Dauer, die gute. Wenn der König herrscht mit Gerechtigkeit
+und so weder die Feinde begünstigt, noch den Tadlern
+Aufmerksamkeit leiht, und wenn schöne Handlungen und
+<span class='pagenum'><a name="Page_339" id="Page_339">[339]</a></span>
+gute Werke vollzogen werden, welche nicht aussprechen
+alle Zungen des Gebotes auf Erden, so sind dieses Pflichten,
+die man schuldig, zu entrichten; diess ist grösser, als dass
+es hätte einen andern Lohn, als sich selbst, als dass es
+durch Ruhm überschätzt, durch Herabsetzung gering geschätzt
+werden könnte, indem es grossem Könige zum Ruhme
+gereicht, dass er den Ländern und Schlössern Zeit gewährt
+zur Befestigung seines Reichs (welches Gott wolle bewahren
+in Sicherheit!). Weiters, was den Verbot betrifft an die
+Diener und Wachen und an die, welche die Runde machen,
+dass sie Niemanden veruneinigen wollen und die reine Tränke
+der Ankommenden und Abgehenden nicht mit den Splittern
+von Plackereien verunreinigen sollen, so haben Wir, sobald
+Uns dieser Vorgang zugegangen, ein Gleiches Unseren
+Nowwaben (Nabob) zu Rahbe, Haleb, Bire, Aintab befohlen,
+und liessen desshalb an die Führer Unserer Armeen
+das Nöthige ergehen. Wenn die Glaubensmeinungen sich
+in Einigkeit gefunden und die Eidschwüre sind gebunden,
+so sind die Gebote besiegelt, in denen sich die Vollziehung
+der Befehle abspiegelt. Weiters, was den Kundschafter betrifft,
+den Fakir, welcher ergriffen und losgegeben ward
+(als ob dieses die Ursache wäre, dass wegen der Verkleidung
+von Kundschaftern in Fakire alle Fakire todt geschlagen
+werden würden), so ist diess ein Thor, das der
+Ilchan aufgemacht, und ein Feuerstahl, an dem er den
+Funken angefacht. Denn wie viele verkleidete Fakire sind
+nicht gekommen von jener Seite in diese Reviere, um sich
+Einsicht zu verschaffen in die Geschäfte und des Landes
+Kräfte. Die Nowwabe haben eine Schaar derselben ergriffen;
+es erhob sich über sie der Säbel, geschliffen, und dennoch
+wurde nicht entdeckt, was die Kutte des Fakirs versteckt,
+trotz aller angewandten Müh' mit <i>Was</i> und <i>Nein</i> und <i>Wie</i>.
+Weiters, was die Andeutung betrifft, dass in der Uebereinstimmung
+des Wortes das Wohl der Welt und dass dasselbe
+die Ordnung des Menschengeschlechtes erhält, so wird
+nicht zurückgewiesen, wer da klopfet am Thor der Einigkeit,
+und es wird keiner abgewiesen und abgewehrt, der gutes
+<span class='pagenum'><a name="Page_340" id="Page_340">[340]</a></span>
+Einvernehmen begehrt. Wer mit seinem Zügel vom Treffen
+abweicht, ist wie der, welcher die Hand des Friedens zum
+Handschlag herreicht; der Friede ist ein Gut. Weiters,
+was die Befestigung und Bekräftigung der Befehle betrifft,
+so ist es nöthig, dass auf dieselben Regeln angewandt und
+dass aus dem Bewiesenen der Nutzen erkannt werde; denn
+die Geschäfte sind gebunden an die Schrift, und es ist
+nothwendig, dass darin jeder Fündige und Kündige darüber
+entschieden, ob Krieg oder Frieden. Hernach ist es nothwendig,
+dass die Geschäfte werden entschieden in der Reihe
+der Knoten der Verträge und ihrer Belege, dass dieselben,
+mündlich vorgetragen, durch die Annahme dem Antrage
+zusagen; denn viele Fragen, welche die Gesandten mündlich
+sagen, werden besser erörtert, als wenn dieselben in verwischten
+Papieren werden überschlagen. Was endlich die
+Berufung auf das Wort Gottes betrifft: <i>Wir senden keine
+Pein, eh' Wir nicht gesandt einen Gesandten</i><a name="FNanchor_630" id="FNanchor_630"></a><a href="#Footnote_630" class="fnanchor">[630]</a>, so wird
+nicht auf diese Art der Stoff der Liebe gewebt und nicht
+auf diesem Wege das Ziel erstrebt, sondern vielmehr wegen
+Unseres Vorrangs im Glauben sind Pflichten zu entrichten
+und Begehren zu gewähren. Wir haben gehört, was mündlich
+vorgetragen die Zunge des entscheidendsten der Richter,
+des Pols des Glaubens und des Volks (Kutbeddin), und es
+entsprach dem, was das Schreiben versprach von dem Eintritte
+des Ilchans in die wahre Religion, und dass er sich
+angekettet auf der Moslimen Station, was er geübet durch
+Wohlthätigkeit und Gerechtigkeit, durch seine Sitte und
+seinen Wandel, der berühmt weit und breit. Gott sei Dank
+für die Gnade, welche durch keinen Vorwurf gehindert und
+vermindert wird; Gott der Herr hat seinem Propheten den
+Vers des Korans gegeben Betreff derer, welche ihm den
+Islam vorwarfen: <i>Sage, werfet mir Euren Islam nicht vor;
+Gott wird Euch vielmehr vorwerfen, dass er Euch zum
+Glauben geleitet</i><a name="FNanchor_631" id="FNanchor_631"></a><a href="#Footnote_631" class="fnanchor">[631]</a>, und mündlich trug er vor, dass Gott
+<span class='pagenum'><a name="Page_341" id="Page_341">[341]</a></span>
+der Allmächtige dem Ilchan verliehen an Gaben, was ihn
+darüber hinaussetzt, seine Blicke zu richten auf das, was
+Andere haben an Gut und Land. Wenn also festgesetzt
+nach der Eintracht das Begehren, so ist es leicht, zu gewähren,
+und Unsere Antwort folgt hierauf nach der Geschäfte
+Lauf. Wann die Uebereinstimmung ist erreicht, so
+ist auch das gute Einvernehmen ausgegleicht. Gott und die
+Menschen sehen, wie Wir aufrichtig zu Werke und Unseren
+Feinden zu Leibe gehen und in Unseren Kämpfen stehen.
+Wie mancher Freund wird nicht gefunden, der besser als
+Vater, Bruder und Verwandter wird befunden? Die mohammedanische
+Religion wird nicht vollendet und dem Islam
+nicht die Befestigung zugewendet, als nur durch die Gefährten,
+die werthen. Wenn also das Verlangen des Ilchans
+gerichtet ist auf Einigkeit und auf gutes Vernehmen, auf
+gemeinschaftliches Einvernehmen, auf das Verderben der
+Feinde und auf die Rache derer, welche den Rücken zum
+Widerstände stemmen, so wollen Wir Uns herzlich gern
+dazu bequemen. Weiters, was mündlich vorgebracht: dass,
+wenn Unser Verlangen sich erstreckte auf das, was der
+Ilchan besitzt von Land und Gut, so bedarf es nicht der
+Einwirkung der Aneiferer, welche die Moslimen nutzlos beleidigen.
+Hierauf antworten Wir: Wenn die Hand der
+Feindschaft zurückgezogen wird und die Länder moslimischer
+Könige geleert werden, so wird gedämpft die Gluth
+und gestillet das Blut; wie wahr ist es nicht, dass Alles,
+was Uns von denselben verboten wird, in der Natur ganz so
+zu treffen ist, und dass man das, was geboten wird, selbst
+zu thun vergisst. So befindet sich nun <i>Konghuratai</i> dermalen
+im Lande Rum, welches sich in eueren Händen befindet
+und an euch Steuer zahlt, und nichtsdestoweniger
+Blutvergiessen, Sklavenraub, Verkauf der Freien und Abneigung
+vor Allem, ausgenommen vor der Verlängerung
+dieser Schäden. Endlich ward mündlich vorgetragen, dass,
+wenn man entschlossen sei, diese Streifzüge nicht aufzuheben
+und diese Spuren nicht aufzugeben, so solle man
+einen Ort bestimmen auf der Erde, wo man sich treffen
+<span class='pagenum'><a name="Page_342" id="Page_342">[342]</a></span>
+und schlagen, und Gott dem, dem er wolle, den Sieg verleihen
+werde. Hierauf ist die Antwort: Die Tränken (Oerter),
+wo die beiden Heere auf einander trafen in Waffen, sind
+noch heil, und wer von diesem Volke (den Mongolen) davon
+gekommen mit Heil, fürchtet sich, dahin zurückzukehren,
+und kann sich durch folgenden Vers beehren:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Welch' wunderseltnes Jahr doch das verflossne war!<br /></span>
+<span class="i0">Er, welchen &bdquo;Himss&ldquo; besiegt, nun widersteht und kriegt.<br /></span>
+<span class="i0">Derselbe scharfe Degen, dem ihr dort seid erlegen,<br /></span>
+<span class="i0">Ist in der Hand des Braven, bereit, euch zu bestrafen.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Und zur Zeit der Schlacht ist die Wissenschaft bei Gott,
+welcher die Bestimmung des Looses macht. Und es ist
+keine Hilfe, als bei Gott! dem Allgeehrten, dem Allweisen!
+er sendet sie dem und verleihet die Macht, und nicht dem,
+der selbst die Vorherbestimmung des Sieges macht. Wir
+sind nicht von jenen, welche auf Gelegenheit und Vorwand
+lauern, und nicht von denen, welche sich abwenden und
+niederkauern; und die Stunde der siegreichen Schlacht ist
+nicht anders als die Stunde (des jüngsten Tages), in welcher
+Alles schnell wird abgemacht. Bei Gott! er führt nur
+zum Guten dieses Volk, und er ist der Mächtige, im Stande,
+jede Kunde und Gnade zu vollenden. Geschrieben im Neumonde
+des Ramasan des obgedachten Jahres.&ldquo;</p>
+
+<div class="sidenote">Arghun's
+Bewegungen;
+Tod
+Alaeddin
+Dschuweini's.</div>
+
+<p>Arghun's ränkeschmiedender, rachebrütender Geist sammelte
+indessen Wolken über dem Haupte Schemseddin's und
+Teguder's zum Gewitter, aus welchen der den Herrscher
+und seinen Wesir verzehrende Wetterstrahl fahren sollte.
+Nachdem Arghun auf wiederholtes Begehren des Chans demselben
+den Emir Buka gesendet, welcher die Hand Kutui
+Chatun's (der Wittwe Abaka Chan's) ehrenvoll empfing,
+brach Arghun von Ssughurluk nach Chorasan auf. <span class="xidenote">4. Reb. II. 681/<br />12. Juli 1282</span> Ahmed
+suchte den Oheim Konghuratai für sich zu gewinnen, indem
+er ihm die Frau Tukini, die Wittwe Hulagu's (die Nichte
+der grossen Frau Tokus), zur Gemahlin gab und mit einem
+grossen Heere zur Gränzhuth nach Rum abordnete, nach
+vierzehn Tagen aber ihm den Emir Akbuka nachsandte. <span class="xidenote">19. Reb. II. 681/<br />27. Juli</span>
+Ahmed war von zwei moslimischen Gesetzgelehrten, dem
+<span class='pagenum'><a name="Page_343" id="Page_343">[343]</a></span>
+schon erwähnten Abderrahman von Mossul, berathen, welcher,
+Sohn eines Sklaven des letzten Chalifen der Beni Abbas,
+vom Blutbade nach Mossul gerettet, dort eine Zeit lang
+Tischler, dann von Iseddin, dem Herrn Amadia's, bei dem
+er sich in Kredit gesetzt, dem Abaka überlassen worden,
+und bald durch angebliche Kenntniss von Schatzentdeckungskunde
+und geheimen Wissenschaften sich dessen Vertrauen
+erwarb<a name="FNanchor_632" id="FNanchor_632"></a><a href="#Footnote_632" class="fnanchor">[632]</a>. Teguder hiess denselben nicht anders, als Vater,
+und einen zweiten Günstling, Namens Mengli, nicht anders,
+als Sohn; diese und Teguder's Mutter, Kutui, eine sehr
+verständige und zur Regierung tüchtige Frau, lenkten die
+Zügel derselben, während Schiktur Nujan und Sundschak,
+wiewohl denselben Teguder vorzüglich seine Erhöhung auf
+den Thron dankte, zur Seite gesetzt wurden<a name="FNanchor_633" id="FNanchor_633"></a><a href="#Footnote_633" class="fnanchor">[633]</a>. <span class="xidenote">19. Dschem. II. 681/<br />24. Sept. 1282</span> Zwei treulose
+Diener Atamülk's Dschuweini<a name="FNanchor_634" id="FNanchor_634"></a><a href="#Footnote_634" class="fnanchor">[634]</a> erschienen vor Arghun,
+bei demselben ihren Herrn anzuschwärzen, dass er dem
+<i>Wedschiheddin Sengi</i>, dem Wesir Chorasans, den Befehl zugefertigt,
+den Prinzen Arghun zu vergiften. Arghun liess
+denselben sogleich in den Kerker werfen, zog das ganze Habe
+desselben ein und schenkte ihm das Leben nur auf Fürbitte
+der Frau Bulughan Chatun, der geliebtesten Gemahlin Abaka's,
+welche nach dessen Tod in das Harem seines Sohnes Arghun
+übergegangen. Arghun zog gegen Bagdad, um dort zu
+überwintern. <span class="xidenote">23. Dschem. II./<br />28. Sept.</span> Zu Rei empfing er den Melik Fachreddin
+ehrenvoll und bestätigte ihm die Befehlshaberschaft des
+Landes; Ahmed, hiervon in Kenntniss gesetzt, schickte Gesandte,
+um den Fachreddin aufzuheben und nach Schirwan
+zu bringen, wo er die von Arghun empfangenen Ehrenbezeugungen
+mit der Folter büsste. Arghun, hierüber entrüstet,
+sandte Sendschreiben an die Emire und an Schemseddin,
+den Inhaber des Diwans, des Inhaltes: Sein Vater,
+Abaka, habe ihm den Melik Fachreddin überlassen, er
+werde die demselben zugefügte Schmach und Pein rächen.
+Als er nach Bagdad gekommen, forderte er von Nedschmeddin
+<span class='pagenum'><a name="Page_344" id="Page_344">[344]</a></span>
+Assfer, dem Stellvertreter Alaeddin Dschuweini's, dass
+er die vom Vater, Abaka, geforderten, von Alaeddin nie
+bezahlten Summen erlege. Nedschmeddin ward in den Staub
+geworfen, und als Alaeddin davon die Nachricht erhielt,
+traf ihn in Arran der Schlag; seine Stelle erhielt sein Neffe
+Harun<a name="FNanchor_635" id="FNanchor_635"></a><a href="#Footnote_635" class="fnanchor">[635]</a>. <span class="xidenote">4. Silhidsche 681/<br />5. März 1283</span> Arghun hatte den Winter zu Bagdad zugebracht
+und während desselben zehntausend der Karawinas, welche
+nach den Worten Wassaf's: &bdquo;eine Art von Dämonen, die
+fürchterlichsten der mongolischen Nationen&ldquo;, sich angeeignet.
+Von den Prinzen des Hauses standen der Bruder Kendschatu
+und der Vetter Baidu, der Sohn Tarakai's, des fünften
+Sohnes Hulagu's, ihm zur Seite; von den Emiren waren ihm
+mehrere zugefallen<a name="FNanchor_636" id="FNanchor_636"></a><a href="#Footnote_636" class="fnanchor">[636]</a>, deren mächtigster Taghadschar, der
+ehemalige Befehlshaber in Fars, dem er die Befehlshaberschaft
+eines Tomans mit den Insignien der Standarte und Pauken
+verlieh. Der mit ihm einverstandene Prinz Dschuschkab
+(der Sohn Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) überwinterte
+zu Diarbekr. Auch Alinak, der Statthalter Georgiens,
+welchen Ahmed Teguder an Arghun mit der Einladung
+zum Kurultai gesandt hatte, war von demselben gewonnen
+worden und hatte sich mit ihm verbündet; als er
+aber an den Hof Ahmed's zurückkam, ward derselbe durch
+Schemseddin's Klugheit, welcher dessen Pläne durchschaute,
+wieder dem Herrscher gewonnen, indem ihm die älteste
+der Töchter Ahmed's, die Prinzessin Kutschuk, vermählt
+ward. Als Arghun im Frühjahre von Bagdad nach Chorasan
+zurückkehrte, liess er den Prinzen Dschuschkab an der
+Spitze seines Lagers als Vorhuth zurück.</p>
+
+<div class="sidenote">Konguratai
+getödtet.</div>
+
+<p>Als Arghun auf seinem Zuge gegen Chorasan nach Rei
+gekommen, liess er den Vogt Teguder's prügeln, ihm an
+den Hals und an die Füsse einen Block schlagen und sandte
+ihn so auf einem Esel an Teguder, zugleich die Forderung
+der Auslieferung des Wesirs Schemseddin zur Berichtigung
+<span class='pagenum'><a name="Page_345" id="Page_345">[345]</a></span>
+der dem Vater schuldig gebliebenen Summen stellend. An
+der Gränze Masenderans kam ihm Jankadschi Nujan mit
+einem Tomane (zehntausend Mann) des Heeres entgegen;
+er sagte zu ihm und zu Hindu Nujan, dem Befehlshaber der
+beiden Tomane, welche die Gränze am Dschihun hüteten:
+Als mein Vater mich vor seinem Tode zu sich berief, war
+ich bis hierher gekommen, als ich die Nachricht, dass er
+gestorben, erhielt, und weil ich kein Heer hatte, des mir
+bestimmten Thrones verlustig ging; nun bin ich entschlossen,
+wenn ihr mir nur beistehen wollt, denselben mit dem Schwerte
+zu erobern. Hindu antwortete: Wiewohl die Sache sich so
+verhält, so ist doch Teguder als der Aka, d. i. der Aeltere,
+dermalen Chan, doch du, Gott sei Lob! Herr und Padischah
+in diesem Lande; begnüge dich damit und befolge den Rath
+des im Dienste deines Vaters ergrauten Dieners; sollte aber
+Teguder dich angreifen wollen, so sind wir bereit, die Seele
+für dich zu opfern. Zu gleicher Zeit, als Tarchun gegen
+Chorasan gezogen, war Teguder nach Alatagh gekommen
+und hatte von hier seinen vertrauten Rathgeber, den Scheich
+Abderrahman, als Gesandten an den Sultan Aegyptens gesandt;
+er wurde zu Damaskus in den Kerker geworfen, aus
+welchem ihn nur der Tod befreite. Teguder lud seinen
+Bruder, den Prinzen Konguratai, den Statthalter Rum's,
+ein, auf einem Kurultai zu erscheinen. Dieser hatte zwei
+seiner Vertrauten zu Arghun gesendet, welcher dieselben
+höchst ehrenvoll empfing und dem Oheim zwei Kuppeln
+Panther zum Geschenke sandte; diese Sendung erregte das
+höchste Missvergnügen und den grössten Verdacht Teguder's.
+Konguratai verschwor sich mit zwei Emiren<a name="FNanchor_637" id="FNanchor_637"></a><a href="#Footnote_637" class="fnanchor">[637]</a> wider das
+Leben Teguder's, und sie bestimmten zur Ausführung ihrer
+That die Festnacht des neuen Jahrs<a name="FNanchor_638" id="FNanchor_638"></a><a href="#Footnote_638" class="fnanchor">[638]</a>, wo nach mongolischem
+Herkommen zum Andenken des Auszugs aus den
+Erzgebirgen von <i>Ergenekun</i> der Chan mit seinem ganzen
+<span class='pagenum'><a name="Page_346" id="Page_346">[346]</a></span>
+Hofe der Schmiedung von Eisenmassen beiwohnte. Teguder,
+hiervon benachrichtigt, begab sich zu Alinak, seinem Eidam,
+und bewog ihn, am Tage vor der neuen Jahresnacht sich
+zu Konguratai zu verfügen und ihm denselben zu bringen. <span class="xidenote">26. Schewwal 682/<br />17. Jan. 1284</span>
+Alinak versprach, nicht nur den Konguratai, sondern auch
+den Arghun auf gleiche Weise in Teguder's Hände zu liefern.
+Dieser überhäufte ihn mit Ehren und Geschenken und übertrug
+ihm den Befehl des ganzen Heeres. Am neuen Jahrstage
+des Affenjahres (des neunten des zwölfjährigen mongolischen
+Thiercyklus) wurde Konguratai getödtet. Zu
+Karabagh in Arran sassen die Richter durch sechs Tage
+lang zu Gericht und verurtheilten die beiden Emire, Mitverschworenen
+Konguratai's, zum Tode; nach Bagdad erging
+der Befehl, den Prinzen Dschuschkab und sieben Emire
+Arghun's zu ergreifen<a name="FNanchor_639" id="FNanchor_639"></a><a href="#Footnote_639" class="fnanchor">[639]</a> und gebunden nach Tebris zu
+bringen, wo sie erst später durch die Ankunft Arghun's
+von ihren Banden befreit wurden; auch den Bruder des Chans,
+den Bruder Kendschatu, welcher sich selbst als ergeben
+stellte, hatte man nach Tebris gesendet, aber auf dem Wege
+dahin, zu Sawa, entwich er seinem Geleite und begab sich
+zu Arghun. Diesem berichtete der Richter von Kaswin,
+Rasieddin, den Mord Konguratai's, die Gefangennehmung
+der Emire, die Rüstung des Heeres unter dem Oberbefehle
+Alinak's. <span class="xidenote">18. Moharrem 682/<br />6. April 1284</span> Zu Tebris feierte Teguder die Hochzeit mit seiner
+Nichte Tudai Chatun, der Tochter Musa Gurgan's, des Gemahls
+Tarakai's, der fünften Tochter Hulagu's. <i>Gurgan</i> war
+der Ehrentitel aller Eidame und mit dem regierenden Hause
+verschwägerten Emire.</p>
+
+<div class="sidenote">Ausbruch
+des Kriegs
+zwischen
+Teguder und
+Arghun.</div>
+
+<p>Schemseddin, wohl einsehend, dass der Kampf um den
+Thron auch seiner Macht und seinem Leben gelte, bot Alles
+zur Rüstung eines zahlreichen Heeres auf. Hunderttausend
+auserwählte Reiter aus allen Nationen und Religionen, Mongolen,
+Musulmanen, Armenier, Georgier, Turkmanen nahmen
+<span class='pagenum'><a name="Page_347" id="Page_347">[347]</a></span>
+das Feld. Den Vortrab von fünfzehntausend befehligte
+Alinak<a name="FNanchor_640" id="FNanchor_640"></a><a href="#Footnote_640" class="fnanchor">[640]</a>. Ein Ende Januars eingefallener tiefer Schnee
+verspätete den Aufbruch des Heeres. <span class="xidenote">9. Silkide 682/<br />29. Jan. 1284</span> Endlich zog der Vortrab
+unter dem Befehle von <i>Alinak</i>, <i>Baisar Aghul</i> und
+<i>Taghai Kokoltasch</i> gegen Kaswin, wo dreihundert dem
+Arghun eigen gehörige Familien von Usen aufgehoben wurden.
+Arghun sandte, sobald er von dem Anmarsche des
+Heeres Kunde erhalten, Boten an seinen Schatz in Gurgan
+(Hyrkanien) und an die Werkstätten von Nischabur, Tus
+und Isferain, um Geld, Waffen, Kleider herbeizuschaffen,
+die er unter die Emire des Heeres vertheilte. Melik Fachreddin
+von Rei, der das Register darüber führte, hatte dasselbe:
+<i>Verzeichniss der unter das siegreiche Heer vertheilten
+Summen</i> überschrieben. Arghun, der zufällig zur Vertheilung
+gekommen und das Register gesehen, nahm die Feder
+und schrieb das Wort: <i>siegreich</i> mit ungemein schönem persischem
+Schriftzug, dessen er vollkommen Meister war, hin.
+Kawameddin, der persische Wesir, der zugegen, deutete
+diesen Umstand sogleich auf die schönste Erfüllung des gehofften
+Sieges. Am folgenden Tage traf die Nachricht von
+dem Unfalle Kaswins ein; Arghun sandte den Vortrab unter
+dem Befehle Timur's voraus, liess den Sischi Bachschi beim
+schweren Gepäcke zurück und brach selbst auf der Strasse
+von Temische auf. Ahmed war indessen mit acht Tomanen,
+d. i. mit achtzigtausend Mann<a name="FNanchor_641" id="FNanchor_641"></a><a href="#Footnote_641" class="fnanchor">[641]</a>, über die Ebene von Moghan
+herangezogen und am ersten Mai zeigten sich seine
+Vorposten zu Thalkan. <span class="xidenote">8. Ssafer 683/<br />27. April 1284</span> Von Erdebil hatte er Kurmischi,
+den Sohn Alinak's, an den Vater mit dem Befehle gesandt:
+die Schlacht nur zu wagen, wenn er dem Feind an Macht
+überlegen, sonst aber seine Ankunft abzuwarten. Er brach
+von Erdebil auf, nachdem er bei dem Gepäcke den Abukjan
+<span class='pagenum'><a name="Page_348" id="Page_348">[348]</a></span>
+zurückgelassen. <span class="xidenote">18. Ssafer/<br />7. Mai</span> Arghun hatte seinerseits einen Boten an
+den Emir Newrus gesendet, um ihn mit einem Tomane der
+Karawinas in's Feld zu laden, und zugleich den Hindu Nujan
+zu erscheinen aufgefordert; er selbst verheerte mit achttausend
+Mann das Land. Zu <i>Chiel büsürg</i> stiessen die Vorposten
+der beiden Heere auf einander und in der Ebene
+von <i>Ak Chodscha</i> in der Nähe von Kaswin kam es zur
+Schlacht. Den rechten Flügel Arghun's befehligten <i>Jula
+Timur</i> und <i>Amakadschi</i>, den linken <i>Bulughan</i>; das Mitteltreffen
+<i>Taulai</i>. Auf der Seite des Chans stand im Mitteltreffen
+Prinz Huladschu, der zwölfte Sohn Hulagu's, der
+Bruder Teguder's; den linken Flügel befehligte <i>Basaraghul</i>
+und den rechten <i>Alinak</i>. Arghun, wiewohl ihm der Feind
+an Stärke bei weitem überlegen, that Wunder der Tapferkeit,
+wie weiland Siawesch und Rustem; aber sein linker
+Flügel ward von Alinak geschlagen, während Jula Timur
+und Amakadschi den Basaraghul's zurückdrängten. Jula
+Timur verfolgte hierauf den flüchtigen Basaraghul bis vor die
+Thore Kaswin's und verheerte das Land umher. Der Kampf
+dauerte von Mittag bis in die sinkende Nacht. Alinak zog
+sich von Dschemelabad bis nach Ebher, zehn Parasangen,
+zurück; da seine edle Stute in die Hände der Reiter Arghun's
+gefallen, sandte ihm dieser beleidigende Botschaft: Es wäre
+mir nie eingefallen, dass ein Held, wie du, vor einem Haufen,
+wie die unserigen, wie Schafe vor dem Gebrülle des Löwen
+fliehen und dass dein edles Pferd wie eine Saummähre erbeutet
+werden würde. Als Arghun zu Rei und Tehran,
+riethen ihm seine Emire, sich nach Kaliusch, das ober
+Dschadscherm, zurückzuziehen, wo sie Meister vortheilhaften
+Schlachtfeldes und vor den Thoren ihre Zelte sein
+würden. Als sie aber nach Demaghan kamen, trafen sie
+keinen Mann der Karawinas, auf deren Beistand sie gerechnet
+hatten, und erhielten die Nachricht, dass das Heer
+Arghun's gänzlich geschlagen und zerstreut worden sei. Die
+Karawinas waren in der Ebene von Akchodscha angekommen,
+als die Schlacht schon verloren war; sie verheerten also
+blos das Land und verbrannten Demaghan.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_349" id="Page_349">[349]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Die Landschaften
+Kumis und
+Taberistan;
+die Scheiche
+von Semnan,
+Demaghan
+und Bostam.</div>
+
+<p>Der Schauplatz, in welchem der Krieg zwischen Teguder
+und Arghun jetzt geführt ward, sind die beiden Landschaften
+Taberistan und Kumis, welche nördlich von Masenderan,
+westlich vom persischen Irak, östlich und südlich von
+Chorasan begränzt, insgemein von den Reisebeschreibern zu
+dem nördlichen Chorasan gerechnet werden, wiewohl alle
+morgenländischen Erdbeschreibungen dieselben als zwei besondere
+Landschaften aufführen; sie ziehen sich längs des
+Gebirges hin, so dass Taberistan die untere südwestliche,
+unmittelbar an das Gebiet von Tehran stossende, Kumis die
+nordöstliche obere. In der ersten lagen einige der berühmtesten
+Schlösser der Assassinen, deren schon bei der Eroberung
+derselben durch Hulagu Erwähnung geschehen, wie
+<i>Firuskjuh</i>, d. i. der Glücksberg, und <i>Girdkjuh</i>, d. i. der
+Gürtelberg; die Hauptstadt ist <i>Demawend</i>, gleichen Namen
+mit dem Berge führend, in dessen Klüfte die persischen
+Heldensagen den Kerker des von Dämonen gefolterten Tyrannen
+Sohak verlegen; das Gebirgsland Taberistan mit seinen
+Felsenpässen, deren berühmtester der kaspische (wahrscheinlich
+der südliche Pass von Charwar), liegt dem persischen
+Oesterreich (Chorasan) wie Tyrol dem europäischen
+Chorasan (Oesterreich) als Schutzwehr vor<a name="FNanchor_642" id="FNanchor_642"></a><a href="#Footnote_642" class="fnanchor">[642]</a>. Das obere
+Gebirgsland Kumis zerfällt in vier Distrikte von <i>Schahrud</i>,
+<i>Semnan</i>, <i>Demaghan</i>, <i>Bostam</i>, wovon der erste nach dem
+Berge und Flusse so genannt ist, die anderen drei aber
+nach den gleichnamigen Städten. <i>Semnan</i>, die südwestlichste
+dieser drei Städte, am Rande der Wüste, unmittelbar nach
+dem Austritte aus dem kaspischen Passe, gelegen<a name="FNanchor_643" id="FNanchor_643"></a><a href="#Footnote_643" class="fnanchor">[643]</a>, kleiner
+als Demaghan, grösser als Bostam, ist sowohl durch seine
+Pistazien und Feigen, als durch den hier geborenen und
+begrabenen grossen Scheich <i>Alaeddewlet Semnani</i> berühmt<a name="FNanchor_644" id="FNanchor_644"></a><a href="#Footnote_644" class="fnanchor">[644]</a>.
+&bdquo;In dieser alten Stadt&ldquo;, sagt Fraser, &bdquo;herrscht eine wunderbare
+Verschiedenheit der Gebäude, grosse luftige Häuser
+<span class='pagenum'><a name="Page_350" id="Page_350">[350]</a></span>
+von sonnengetrockneten Ziegeln und Lehm in der Form von
+Schlössern, mit Schiesslöchern, Basteien und Thürmen versehen,
+unstreitig von hohem Alterthume; viele tiefe Klüfte
+innerhalb der Stadtmauern, welche ihren Ursprung der
+Wirkung von Gewässern zu danken scheinen, bilden Höhlen,
+welche ihren Einwohnern und ihren Heerden zum Aufenthalte
+dienen und von ihnen den zahlreichen Ruinen ober
+der Erde vorgezogen werden.&ldquo; Das Bad der Stadt ward
+schon im sechsten Jahrhundert der Hidschret erbaut<a name="FNanchor_645" id="FNanchor_645"></a><a href="#Footnote_645" class="fnanchor">[645]</a>. Die
+Inschriften anderer Denkmäler gehören der späteren Zeit,
+der Dynastie <i>Ssafewi</i> an<a name="FNanchor_646" id="FNanchor_646"></a><a href="#Footnote_646" class="fnanchor">[646]</a>. In der Nähe ist die von persischen
+Geschichten und auch von Fraser erwähnte Windquelle,
+welche, verunreinigt, Sturm und Ungewitter verursacht<a name="FNanchor_647" id="FNanchor_647"></a><a href="#Footnote_647" class="fnanchor">[647]</a>,
+eine auch in Europa mehreren Quellen und
+Höhlen auf hohen Gebirgen gemeinsame Volkssage<a name="FNanchor_648" id="FNanchor_648"></a><a href="#Footnote_648" class="fnanchor">[648]</a>. <i>Demaghan</i>,
+deren Erbauung von persischen Geschichtschreibern
+und Geographen dem Huscheng, dem zweiten der alten
+persischen Könige, zugeschrieben wird (der erste Keiomeers,
+der Stiermann des Budehesch), an dem Zusammenlauf
+der Strassen von Chorasan, Kuhistan, Masenderan und
+Irak gelegen, stand wahrscheinlich an der Stelle des alten
+<i>Hekatompylos</i>, der Stadt von hundert Thoren oder Pässen<a name="FNanchor_649" id="FNanchor_649"></a><a href="#Footnote_649" class="fnanchor">[649]</a>,
+in dessen Nähe der Fluss <i>Stiboetes</i> aus einer schönen Felsenhöhle
+entsprang<a name="FNanchor_650" id="FNanchor_650"></a><a href="#Footnote_650" class="fnanchor">[650]</a>; diess ist der von den morgenländischen
+Erdbeschreibern gerühmte <i>Chosrewi</i>, welcher sich in hundert
+und zwanzig unterirdische Bäche vertheilt<a name="FNanchor_651" id="FNanchor_651"></a><a href="#Footnote_651" class="fnanchor">[651]</a>; die Stadt
+liegt heute in Ruinen; das berühmteste Grabmal ist das der
+vierzig Köpfe oder Töchter<a name="FNanchor_652" id="FNanchor_652"></a><a href="#Footnote_652" class="fnanchor">[652]</a>, und von den berühmtesten
+Scheichen der Ssofi ist <i>Ebu Dschaafer Demaghani</i> nach der
+<span class='pagenum'><a name="Page_351" id="Page_351">[351]</a></span>
+Stadt genannt<a name="FNanchor_653" id="FNanchor_653"></a><a href="#Footnote_653" class="fnanchor">[653]</a>. Von den Scheichen von <i>Demaghan</i> und
+den von <i>Semnan</i> geht weit im Rufe der Heiligkeit und
+Wunderthätigkeit der Scheich Ebu Jesid von <i>Bostam</i>, der
+dritten Hauptstadt von Kumis, vor. Schon in der Hälfte
+des dritten Jahrhunderts der Hidschret gestorben<a name="FNanchor_654" id="FNanchor_654"></a><a href="#Footnote_654" class="fnanchor">[654]</a>, war
+er der Stifter des nach seinem Namen genannten Ordens
+der Derwische <i>Bostami</i>; auch als Geburtsort späterer Gelehrten
+ist Bostam berühmt<a name="FNanchor_655" id="FNanchor_655"></a><a href="#Footnote_655" class="fnanchor">[655]</a>, aber doch keiner, wie der
+Scheich <i>Ebu Jesid</i> oder <i>Bajesid</i>, von dem die Antworten
+auf die Frage: wo sein Vaterland? Mein Vaterland ist unter
+dem höchsten Himmel, und auf die Frage: Wie bist du zu
+Gott gelangt? Indem ich über mich hinausgegangen; und
+dessen Sterbegebet: Mein Gott! was ich in meinem Leben
+zu dir gebetet, war lauer Vollzug von Gebot, und wenn
+ich dir gedienet, war's flauer Dienst in der Noth<a name="FNanchor_656" id="FNanchor_656"></a><a href="#Footnote_656" class="fnanchor">[656]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Unterhandlungen
+und
+Marsch
+durch
+Kumis.</div>
+
+<p>Arghun, als er auf seinem Rückzuge nach Bostam gekommen,
+wallfahrtete zum Grabmale des Scheichs <i>Ebu Jesid</i>,
+während Ahmed Teguder seinerseits am Grabe des Scheichs
+Babi den Beistand desselben erflehte, eine Wallfahrt, die
+von diesem, der den Islam angenommen, natürlicher, als
+von jenem, der kein Moslim war. Teguder befehligte seinen
+Bruder Huladschu mit einem Tomane nach Rei, und befahl
+dort allen Befehlshabern des Heeres, eine Schrift zu unterzeichnen,
+dass sie Niemanden gehorchen würden, als dem
+zum obersten Feldherrn ernannten Bugha; Alle unterschrieben
+bis auf Alinak. Zwei Gesandte Arghun's, Kotloghschah<a name="FNanchor_657" id="FNanchor_657"></a><a href="#Footnote_657" class="fnanchor">[657]</a>
+und Legsi, kamen nach der Ebene von Akchodscha bei
+Kaswin, um Frieden zu bitten und sich über die Streifzüge
+der Truppen Teguder's, welche das Land weitum verwüsteten,
+zu beklagen. <span class="xidenote">28. Ssafer 683/<br />13. Mai 1284</span> Teguder verwies die Gesandten an den
+Inhaber des Diwans, Schemseddin; dieser aber trug vor:
+Es sei unmöglich, dem Rauben des Heeres Einhalt zu thun,
+<span class='pagenum'><a name="Page_352" id="Page_352">[352]</a></span>
+indem diese Streifzüge die Vorspiele des Krieges; auch
+Jagdvögeln sei Beute lieber, als täglich zugemessene regelmässige
+Fütterung. &bdquo;Diese Gedanken des Inhabers des
+Diwans&ldquo;, sagt Wassaf, &bdquo;brachten demselben kein Heil und
+das Reich ward schnell dem Verderben zu Theil.&ldquo; Alle Entschuldigungen,
+welche die Gesandten Arghun's vorbrachten,
+blieben unbeachtet, und der Sultan (Ahmed) befahl abermal
+dem Heere, in's Feld zu ziehen. <i>Ssadreddin</i> und <i>Assileddin</i>,
+die zwei Söhne des grossen Astronomen Nassireddin von
+Tus, welche, wenn nicht die astronomische Wissenschaft
+des Vaters, doch die astrologischen Verrichtungen geerbt
+hatten, stellten vor, dass die Gestirne den Auszug eines
+Heeres nicht begünstigten, worüber Ahmed ungnädig auf sie.
+Arghun empfing im Dorfe Surch<a name="FNanchor_658" id="FNanchor_658"></a><a href="#Footnote_658" class="fnanchor">[658]</a>, in der Nähe von Semnan,
+seinen Sohn Ghasan und Omer Aghul, den Sohn Niguder's,
+des Enkels Dschaghatai's, aus dessen erstgeborenem Sohne
+Dschudschi, gleichnamig mit seinem Oheime Dschudschi,
+dem erstgeborenen Sohne Tschengischan's; mit ihnen stellten
+sich Nokai, der Jarghudschi, d. i. der Oberrichter, und Sischi
+Bachschi, d. i. der Staatssekretär, zum Dienste Arghun's ein.
+Zur Erwiederung der Gesandtschaft Arghun's sandte Ahmed
+die Prinzen <i>Toghatimur</i> (den vierzehnten Sohn Hulagu's),
+welcher, wie sein Bruder Huladschu, im Interesse ihres
+Bruders Teguder, und <i>Suke</i>, den dritten Sohn Jaschmut's,
+des dritten Sohnes Hulagu's, mit den Emiren Buka und
+Doladai Jarghudschi mit der Botschaft, dass, wenn Arghun
+unterthänig, er selbst kommen oder den Bruder Kendschatu
+senden möge. Buka stellte dem Sultan vor, dass, da er
+nun unterhandle, er nicht weiter marschiren dürfe; und
+Ahmed antwortete: dass er zu <i>Charkan</i> ihre Ankunft abwarten
+wolle. <span class="xidenote">14. Rebiulewwel 683/<br />1. Juni 1284</span> Er zog ihnen verheerend über Demaghan
+nach, dessen Einwohner vielfältig gepeinigt wurden; fünf
+Tage hernach war er zu Charkan angelangt, welches ein
+zu Bostam gehöriges Dorf, nur als Geburtsort und Grabstätte
+<span class='pagenum'><a name="Page_353" id="Page_353">[353]</a></span>
+des Scheichs <i>Ebul Hasan Charkani</i> berühmt<a name="FNanchor_659" id="FNanchor_659"></a><a href="#Footnote_659" class="fnanchor">[659]</a>. <span class="xidenote">20. Rebiulewwel/<br />7. Juni 1284</span> Der
+Emir <i>Dschirkudai</i>, sein Bruder <i>Jesuder</i> und <i>Bulughan</i>, der
+Statthalter von Schiras, brachten ihre Huldigung dar. Zu
+Charkan machte Ahmed keineswegs Halt, wie er seinem
+Gesandten Buka versprochen, sondern sandte den Alinak
+mit dem Vortrab weiter voraus<a name="FNanchor_660" id="FNanchor_660"></a><a href="#Footnote_660" class="fnanchor">[660]</a>; <span class="xidenote">28. Rebiulewwel/<br />15. Juni</span> er selbst lagerte acht
+Tage hernach zu <i>Kalpusch</i> und drei Tage später zu <i>Kebud
+Dschame</i>, d. i. <i>Blaukleid</i>, einem zum Gebiete von <i>Dehistan</i>
+(dem alten Sitze der Dahen) gehörigen Orte, das reich an
+Korn, Trauben und Seide<a name="FNanchor_661" id="FNanchor_661"></a><a href="#Footnote_661" class="fnanchor">[661]</a>. Zwar kam die Wesirschaft
+Ahmed's, nämlich die beiden Prinzen Toghatimur und Suka
+und die beiden Emire Buka und Doladai, zurück und brachten
+Kendschatu, den Bruder Arghun's, mit sich<a name="FNanchor_662" id="FNanchor_662"></a><a href="#Footnote_662" class="fnanchor">[662]</a>; mit ihnen
+trafen die Emire <i>Newrus</i> und <i>Buralighi</i> als Gesandte Arghun's
+ein. Buka zürnte darob, dass Ahmed nicht seinem gegebenen
+Worte getreu zu Charkan Halt gemacht; er deutete diese
+Wortverletzung unglücklich für Ahmed und glücklich für
+Arghun aus. Newrus und Buralighi kehrten unverrichteter
+Dinge zurück. <span class="xidenote">3. Rebiulachir</span> Drei Tage hernach ward von Kalpusch aufgebrochen;
+die Emire Jula Timur und Imkadschin, der Sohn
+Suntai's, brachten ihre Huldigung dar. Ahmed, ungeduldig
+des Verzuges, gab dem Akbuka die Stelle Buka's und machte
+diesen dadurch um so mehr im Herzen dem Arghun zugethan.</p>
+
+<div class="sidenote">Arghun zu
+Kelat;
+ergibt sich.</div>
+
+<p>Arghun hatte sich indessen mit nicht mehr als hundert
+Begleitern von den Fürsten seines Gefolges über Meschhed
+hinaus in das feste Schloss Kelat geflüchtet<a name="FNanchor_663" id="FNanchor_663"></a><a href="#Footnote_663" class="fnanchor">[663]</a>; dieses bis in
+die neueste Geschichte als der Schatzhort Nadirschah's berühmte
+feste Schloss spielt schon in der Geschichte der
+ersten moslimischen Dynastien Persiens eine bedeutende
+Rolle. <i>Otbi</i><a name="FNanchor_664" id="FNanchor_664"></a><a href="#Footnote_664" class="fnanchor">[664]</a>, der Verfasser des <i>Jemini</i>, d. i. der durch
+ihren rednerischen Schmuck berühmten Geschichte Mahmud's,
+<span class='pagenum'><a name="Page_354" id="Page_354">[354]</a></span>
+des Sultans von Ghasna, Eroberers Indiens, malt die Höhe
+desselben durch das Distichon:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Wind ermüdet, indem er will die Zinnen erklimmen,<br /></span>
+<span class="i2">Und es gleitet das Aug' nieder von schwindelnder Höh'.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Dieses Bergschloss liegt zwischen Kasermian, Serchas, Abiwerd
+und Tus in schönem und fruchtbarem Thale, welches
+fünfzig bis sechzig englische Meilen lang, zehn bis fünfzehn
+breit, von Osten nach Westen zieht und von den Hügeln,
+welche die Ebene Meschheds von der Wüste trennen, eingeschlossen
+wird. Der Anblick des Thales ist reich und
+grün, es hat Ueberfluss an Pferden und Wildpret und wird
+ausser dem Strome, welcher dasselbe der Länge nach durchfliesst,
+noch von kleinen, in Cascadellen die Hügel herabströmenden
+Bächen bewässert; aber alle diese Wasser sind
+schädlich und im Herbste sogar tödtlich, wesshalb das Regenwasser
+zum Trinken in Cisternen gesammelt werden muss<a name="FNanchor_665" id="FNanchor_665"></a><a href="#Footnote_665" class="fnanchor">[665]</a>.
+In diese durch Natur unbezwingliche Bergfeste schloss sich
+Arghun mit Bulughan, der geliebtesten seiner Frauen, ein.
+Der Emir Newrus, als er Kunde erhielt, dass Alinak wider
+das Schloss im Anzuge, bat kniend, Arghun möge über den
+Oxus ziehen und in dem Jurte Kuwindschi's (des zwölften
+Sohnes Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's) Zuflucht
+suchen. Arghun gab dem wohlgemeinten Rathe kein Gehör;
+<i>Legsi</i>, welchen wir oben als Gesandten Arghun's an Ahmed
+kennen gelernt, ging zu diesem über und erbat sich ein
+Heer, mit welchem er ihm den Arghun zu liefern versprach.
+Ahmed gab ihm Truppen, mit denen er das Lager der Frau
+Kotlogh Chatun, der Gemahlin Arghun's, plünderte. Der
+Emir Newrus kam, um ihn zur Rückkehr zu bewegen; Legsi
+ergriff die Zügel seines Pferdes, um ihn mit sich zum Sultan
+zu führen; aber Newrus legte die Hand an's Schwert, betheuernd,
+dass er, so lang er athme, den Dienst Arghun's
+nicht verlassen wolle; Legsi liess ihn frei und brachte die
+Beute des Lagers der Frau Kotlogh in das Ahmed's zurück,
+der ihn davon reichlich betheilte. Alinak war indessen vor
+<span class='pagenum'><a name="Page_355" id="Page_355">[355]</a></span>
+Kelat angekommen und hatte den Arghun beredet, ihm in
+das Lager des Oheims, der ihm nichts Uebles wolle, zu
+folgen. <span class="xidenote">13. Rebiulsani 683/<br />29. Juni 1284</span> Ahmed umarmte ihn, küsste ihn und übergab ihn
+der Obhuth Alinak's; dieser stellte vor, dass jetzt der Augenblick,
+sich des Feindes zu entledigen; aber Ahmed, der,
+ganz der Liebe seiner neuen Gemahlin Tudai hingegeben,
+für nichts Anderes Sinn hatte, sprach: Was kann er ohne
+Heer und Schatz unternehmen? Ich will die Frau Kutui
+(seine Mutter), wenn ich sie sehe, um ihre Meinung hierüber
+fragen. Indessen befahl er doch, die Emire Arghun's,
+<i>Sischi Bachschi</i>, <i>Kadan</i>, <i>Buraligh</i> fest zu setzen, von seinen
+eigenen einige<a name="FNanchor_666" id="FNanchor_666"></a><a href="#Footnote_666" class="fnanchor">[666]</a>, weil sie dem Arghun ergeben, hinzurichten. <span class="xidenote">16. Rebiul. II./<br />2. Juli</span>
+Er wollte eben aufbrechen, als er auf Bitte Buka's,
+dass er erlauben möge, die Vermählung seiner Tochter mit
+Kipdschak Kaghul, einem Abkömmlinge Dschudschi Kasar's,
+des Bruders Tschengischan's, zu feiern, noch zu bleiben
+beschloss. Arghun war in die Seele betrübt, indem er unglücklichen
+Ausgang seines Schicksals fürchtete. Da sprach
+ihm die Frau Bulughan, welche seine Gefangenschaft getheilt
+und welche auch von Ahmed gnädig empfangen worden war,
+indem er ihr selbst den Becher reichte<a name="FNanchor_667" id="FNanchor_667"></a><a href="#Footnote_667" class="fnanchor">[667]</a>, Trost
+ein. Er versprach ihr, dem Arghun die Statthalterschaft
+von Chorasan zu verleihen, und verlieh ihm ein kaiserliches
+Zelt. Ganz in dem Genusse der Frau Tudai schwelgend,
+hatte Ahmed keinen Sinn für die Wichtigkeit des Augenblicks,
+oder die Gefahr, die ihm von den nächsten Umgebungen
+drohte; er befahl jedoch dem Alinak, den Arghun
+nach dem Aufbruche des Lagers hinzurichten<a name="FNanchor_668" id="FNanchor_668"></a><a href="#Footnote_668" class="fnanchor">[668]</a>. In der
+nächsten Nacht &bdquo;sollte das Zelt seines Lebens abgebrochen
+werden, als durch eine unvorgesehene Wendung der Dinge
+der arabische Spruch, welchen Bulughan dem Arghun zu
+Gemüthe führte: dass die Nächte, schwanger, gar Vieles
+vor dem Morgen gebären, auf das glücklichste ausging&ldquo;.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_356" id="Page_356">[356]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Verschwörung
+Buka's
+und
+Ermordung
+Teguder's.</div>
+
+<p><i>Buka</i>, welcher wider Ahmed den doppelten Groll ob
+gebrochenem Wort und genommenem Oberbefehl nährte,
+vermochte mehrere Emire<a name="FNanchor_669" id="FNanchor_669"></a><a href="#Footnote_669" class="fnanchor">[669]</a> zu einer Verschwörung wider
+Alinak und Ahmed, indem er sie versicherte, dass dieser
+beschlossen, sie an der Gränze von Isferain hinrichten zu
+lassen; auch den Prinzen Huladschu, den Bruder Ahmed's,
+brachte er auf seine Seite. Sie beriethen sich zuerst über
+das Mittel, sich Alinak's zu entledigen. Buka sandte durch
+einen Vertrauten Arghun's demselben Wort, diesen Abend
+den Alinak zu begehren, und zwei der Verschworenen<a name="FNanchor_670" id="FNanchor_670"></a><a href="#Footnote_670" class="fnanchor">[670]</a>
+nahmen es auf sich, desgleichen die Emire Karabuka und
+Taitak zu berufen. Nach dem Nachtgebete begab sich Buka,
+von drei Reitern begleitet, in den von Wachen besetzten
+Umkreis des Zeltes Arghun's und sandte einen hinein, um
+den Prinzen leise zu wecken. Arghun glaubte, es sei List
+und Verrätherei; als ihm aber dieser schwur, dass Nichts
+zu fürchten und dass Buka als treuer Diener ihn als seinen
+Herrn zu retten gekommen, schloss sich Arghun an denselben
+an. Als sie um den dritten Kreis der Umzäunung<a name="FNanchor_671" id="FNanchor_671"></a><a href="#Footnote_671" class="fnanchor">[671]</a>
+kamen, rief sie eine Wache an: Wie ist's, dass ihr ginget
+vier hinein und kommet fünf heraus? Du irrst dich, Freund,
+sagte Buka, deine schlafbenebelten Augen haben ehe um
+einen zu wenig gezählt. So kamen sie glücklich durch in's
+Zelt Buka's. Arghun ward bewaffnet, auf ein Pferd gesetzt,
+und sie begaben sich in das Zelt Alinak's, der im Rausche
+abgethan, sein Kopf vor's Zelt geworfen ward. <span class="xidenote">18. Rebiulachir 683/<br />4. Juli 1284</span> In derselben
+Nacht wurden Boten an Huladschu und Bektu abgesandt,
+die sich zu Firuskjuh befanden, dass jene an Basar Aghul
+und Abukjan thun möchten, wie sie an Alinak und Taitak
+gethan; in derselben Nacht wurden auch Karabuka und andere
+Emire ergriffen und am nächsten Morgen hingerichtet.
+Ahmed befand sich im Lager der Tudai mit dem Prinzen
+Kinschu (dem Sohne Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's)
+und den Emiren Akbuka und Legsi, als er die
+<span class='pagenum'><a name="Page_357" id="Page_357">[357]</a></span>
+Nachricht erhielt, dass alle seine Treuen getödtet; er unterhielt
+sich zu Kalpusch noch mit der Frau Tudai und floh
+dann auch von Isferain gegen Kumis und Irak. <span class="xidenote">19. Rebiul. II./<br />5. Juli</span> Die Verschworenen
+hatten ihrerseits den Buri, den Vogt, nach Issfahan
+an die Karawinas, die zu Siakuh hielten, abgesandt,
+dass sie aufsitzen und den Ahmed ergreifen sollten. Dscherik,
+der Emir des Lagers des hingerichteten Prinzen Konghuratai,
+wurde zur Blutrache seines Herrn mit viertausend Reitern
+dem Ahmed nachgesandt, und Doladai, der Oberrichter,
+machte sich an der Spitze von vierhundert auf den Weg.
+Die Prinzen Huladschu und Kinschu huldigten dem Arghun
+zu Charkan; die Emire berathschlagten nun über die Wahl
+des Chans. <span class="xidenote">24. Rebiul. II./<br />10. Juli</span> Buka erklärte sich laut für Arghun, während
+sein Bruder Aruk und Kurmischi für Dschuschkab, den
+Bruder Kinschu's, Tekia für Huladschu stimmten. Buka
+legte die Hand an's Schwert und schwur, dass, so lang er
+es führe, es nur für Arghun und seine Feinde dienen solle.
+Sie fragten nun den Tengir Gurgan, den Gemahl der Prinzessin
+Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's, und den
+Vater Kotloghschah's, der Gemahlin Arghun's, um den letzten
+Willen Abaka's. Er bezeugte: er habe zu seinem Nachfolger
+seinen Bruder Mengu Timur und nach dessen Tode den
+Arghun ernannt. Arghun bat mit der bei mongolischen
+Thronbesteigungen hergebrachten verstellten Bescheidenheit,
+dass man ihn mit dem Throne verschonen und die Statthalterschaft
+Chorasan, wie bei seines Vaters Lebzeit, lassen
+wolle. Buka brachte die Entschuldigungen zum Schweigen,
+indem er sagte: das erste sei, sich der Person Ahmed's zu
+versichern, worauf dann mit Beiziehung des Raths der Frau
+Oldschai (der Gemahlin Hulagu's und dann Abaka's) einer
+der Prinzen zum Chan ausgerufen werden solle. Aruk und
+Dschuschkab zogen mit dem Vortrab voraus, Huladschu,
+Kinschu und Bektu folgten mit dem schweren Gepäcke. Zu
+Konkurlang bei Tebris wurde das Haus Buka's geplündert,
+sein Harem auf Sundschak's Fürbitte verschont. <span class="xidenote">27. Rebiul. II./<br />13. Juli</span> Ahmed,
+der noch gekommen, seine Mutter Kutui zu sehen, wollte
+nach Derbend entfliehen; aber <i>Schiktur</i> und <i>Karabuka</i> sandten
+<span class='pagenum'><a name="Page_358" id="Page_358">[358]</a></span>
+Botschaft an Kutui Chatun, dass es der Prinzen allgemeiner
+Wille, sich der Person ihres Sohnes zu bemächtigen, und
+dass sie ihn bis zur Ankunft derselben hüten wollten. Die
+Mutter gab ihre Einwilligung. Schiktur übergab den Sultan
+einer Wache von dreihundert Mann. Unterdessen kamen
+die unverschämten Räuber, die Karawinas, an, welche Buka
+nach Ssugurluk gesandt hatte; sie plünderten das Harem
+und stiessen sogar die Mutter Kutui Chatun und die Frauen
+Tudai und Ermeni Chatun nackt hinaus. Arghun war unterdessen
+von Nemuwer vorgerückt und hatte zu Abaschur bei
+Jüs Agadsch gelagert. Karaukai und Schiktimur hatten mit
+den Karawinen den Sultan gefangen; als ihn Arghun erblickte,
+streckte er nach der mongolischen Sitte der siegreichen
+Pfeilschützen die Hände aus und schrie: <i>Mordio!</i><a name="FNanchor_672" id="FNanchor_672"></a><a href="#Footnote_672" class="fnanchor">[672]</a>; er
+ward sogleich getödtet. Die von Ahmed verhafteten Emire:
+Taghadschar, Kundschukbal und Toladai erhielten nun ihre
+Freiheit; die Frauen und Emire waren einstimmig in der
+Wahl Arghun's. Ahmed wurde vor's Gericht gestellt; Bektu
+und der Diener Konghuratai's befragten ihn als seine Richter:
+warum er den Konghuratai unschuldiger Weise getödtet, dem
+Arghun die Statthalterschaft von Chorasan missgönnt, ihm
+den Alinak nachgesandt habe? Ahmed bekannte, dass er
+übel gethan, künftig desgleichen nicht thun wolle. Die
+Emire wollten sein Leben der Frau Kutui schenken, welche
+bei Allen in grösstem Ansehen; da erhoben aber die Mutter
+Konghuratai's und seine sechs Söhne Geschrei der Blutrache.
+Jetzt erschien Jesu Buka Gurgan, der Gemahl der Prinzessin
+Kutulun, der sechsten Tochter Hulagu's, und schreckte die
+Versammlung durch die Nachricht, dass die Prinzen Huladschu
+und Dschuschkab an der Gränze Hamadan's ein Heer
+zum Widerstande sammelten. So erging das Jerligh der
+Blutrache Konghuratai's, und Chan Ahmed fiel, der erste
+der mongolischen Herrscher, unter der Sanktion der Jasa,
+um das vergossene Blut Konghuratai's zu büssen; <span class="xidenote">26. Dschem. achir 683/<br />10. August 1284</span> das Todesurtheil
+ward in der Nacht vom Donnerstage am zehnten
+<span class='pagenum'><a name="Page_359" id="Page_359">[359]</a></span>
+August vollzogen durch Timur und Ildir, zwei Söhne Konghuratai's;
+sie rächten des Vaters Tod durch den des Oheims,
+indem sie ihm den Rückenwirbel brachen<a name="FNanchor_673" id="FNanchor_673"></a><a href="#Footnote_673" class="fnanchor">[673]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Arghun's
+Thronbesteigung,
+Gemahlinnen,
+Söhne, Töchter.</div>
+
+<p>Schon am Tage, welchen die Nacht der Hinrichtung
+Teguder's heraufgeführt, hatte die Thronbesteigung Arghun's
+mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in dem Jurte Suktu
+statt<a name="FNanchor_674" id="FNanchor_674"></a><a href="#Footnote_674" class="fnanchor">[674]</a>. Huladschu ergriff die rechte Hand, Inardschi die
+linke Arghun's; sie setzten ihn auf den Thron, vor welchem
+die Prinzen und Emire neunmal niederknieten, den Gürtel
+um den Hals, die Mützen in die Luft warfen und ihm den
+Becher huldigend darreichten. Die Feste hatten zu <i>Kamsiun</i>,
+welches zwischen <i>Heschtrud</i> und <i>Kurban schire</i>, statt. Drei
+Tage nach der Thronbesteigung kamen auch die Prinzen
+Kinschu und Dschuschkab, die Söhne Dschumkur's, und
+unterschrieben die Urkunde der Krönung. Abukjan, der
+Sohn Schiramun's, der Enkel Dschurmaghun's (des Befehlshabers
+in Persien zur Zeit Hulagu's), der Jarghudschi, d. i.
+Oberrichter, wurde als einer der innigsten Anhänger Ahmed's
+hingerichtet; allen anderen Angehörigen Ahmed's sicherte
+ein Jerligh das Leben und Ruhe; die Prinzen Dschuschkab
+und Baidu (der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's)
+wurden als Statthalter nach Bagdad und Diarbekr,
+der Oheim Huladschu und der Bruder Kendschatu nach Rum
+gesendet. Georgien erhielt der Oheim Adschai (der achte
+Sohn Hulagu's), dem Sohne Ghasan wurde die Statthalterschaft
+der Landschaften Chorasan, Masenderan, Kumis und
+Rei übertragen, die Stelle des Wesirs der Länder dem Buka,
+dem Hebel der Herrschaft Arghun's, verliehen, ein höchst
+findiger, zum Regieren tüchtiger Kopf. Nach der Sitte
+mongolischer Investitur wurde demselben Gold über den
+Kopf gestreut, Goldflittern in solchem Ueberflusse, dass er
+unter der angehäuften Masse derselben unsichtbar. Arghun
+konnte bei seiner Thronbesteigung nicht älter als beiläufig
+dreissig Jahre sein, da sein Vater, Abaka, vor zwei Jahren,
+<span class='pagenum'><a name="Page_360" id="Page_360">[360]</a></span>
+acht und vierzig alt, gestorben war. Seine Mutter war die
+Beischläferin Abaka's, Kaimisch Ikadschi. Seine Gemahlinnen:
+1. Die Frau <i>Kotlogh</i>, die Tochter Tengir's des
+Uiraten, welcher ein doppelter <i>Gurgan</i>, d. i. dem Herrscherhaus
+Verschwägerter, indem er selbst mit der vierten
+Tochter Hulagu's vermählt, des letzten Eidam und Arghun's
+Schwiegervater. 2. <i>Oldschatai</i>, die Tochter der Tudukasch,
+aber nicht aus Tengir, sondern aus Sulamisch, dessen Sohn,
+aus einer anderen Frau, nach des Vaters Tod mongolischer
+Sitte gemäss seine Stiefmutter heirathete, die nach dem
+Tode des Sulamisch noch von dessen Sohne Dschidschek
+Gurgan, also von ihrem Enkel, geheirathet ward<a name="FNanchor_675" id="FNanchor_675"></a><a href="#Footnote_675" class="fnanchor">[675]</a>. 3. Die
+Frau <i>Uruk</i>, die Tochter Sarudsche's, der Schwester Emir
+Irindschin's, des Keraiten. 4. Die Frau <i>Seldschuk</i>, die
+Tochter Sultan Rukneddin's von Rum. Aus dem Frauengemache
+seines Vaters nahm er 5. die Frau <i>Bulughan</i>, die
+Verwandte des Buka Jarghudschi, und nach ihrem Tode
+6. die Frau <i>Bulughan</i>, die Tochter Utaman's, des Sohnes
+Obotai Nujan's des Konghuraten<a name="FNanchor_676" id="FNanchor_676"></a><a href="#Footnote_676" class="fnanchor">[676]</a>. So war 7. die Frau
+<i>Mertai</i> die Konghuratin, die Gemahlin Hulagu's, in das
+Harem seines Sohnes Abaka, aus diesem in das Arghun's als
+Frau übergegangen, so dass dieselbe Stief- und Grossmutter
+ihres Gemahls. 8. <i>Tudai Chatun</i>, die Tochter Musa Gurgan's
+(des Enkels Tschengischan's) aus Tarakai, der fünften
+Tochter Hulagu's. Die Leidenschaft, mit welcher Teguder
+Tudai geliebt, hatte ihn über die Gefahren, die seinem
+Throne drohten, verblendet. Tudai, die Enkelin Hulagu's,
+die Gemahlin Teguder's (ihres und Arghun's Oheim's), war
+also zugleich die Base, Tante und Gemahlin Arghun's.
+9. <i>Kultak Ikadschi</i>, die Mutter seines Erstgeborenen, Ghasan,
+dessen drei Brüder <i>Jesu Timur</i>, <i>Oldschaitu</i> (beide aus der
+Frau Uruk) und <i>Chatai Aghul</i> aus der Frau Kotlogh; dann
+vier Töchter, <i>Oldschatai</i>, <i>Oldschai Timur</i>, <i>Kotlogh Timur</i>
+(alle drei Töchter der Frau Uruk) und <i>Dilendschi</i>,
+<span class='pagenum'><a name="Page_361" id="Page_361">[361]</a></span>
+Tochter der zweiten, vor allen anderen Frauen geliebten
+<i>Bulughai</i>.</p>
+
+<div class="sidenote">Schemseddin
+Dschuweini
+zu Kum.</div>
+
+<p>Nach dem Herrscher <i>Arghun</i> und seinem Wesire <i>Buka</i><a name="FNanchor_677" id="FNanchor_677"></a><a href="#Footnote_677" class="fnanchor">[677]</a>,
+der ihn auf den Thron gesetzt, steht ein Grösserer als Beide
+vor uns, nämlich der flüchtige Wesir Schemseddin Dschuweini,
+dessen Auslieferung Arghun zu wiederholtenmalen
+vergebens von Teguder begehrt und welchen sein Feind
+Medschdolmülk nicht nur treuloser Verwaltung der Krongüter
+Abaka's, sondern auch der Vergiftung desselben und
+des Bruders Mengu Timur angeklagt. Nachdem Alinak getödtet
+und Teguder geschlagen worden, hatte Schemseddin
+von Dschadscherm, wo er sich befand, auf einem Dromedare
+mit ein Paar Dienern sich durch die Wüste nach Issfahan
+geflüchtet. Die Einwohner, sobald sie von der Umwälzung
+der Dinge Kunde erhalten, beriethen sich mit dem Atabeg
+von Jesd, welchen der Statthalter von Issfahan als einen
+dem Arghun Ergebenen während der Regierung Teguder's
+in Verhaft gehalten, was zu thun. Schemseddin, hiervon
+benachrichtigt, begab sich unter dem Vorwande, zu einer
+Grabstätte zu wallfahrten, ausser der Stadt und entfloh auf
+trefflichen Rennern nach Kum, sich in das Heiligthum des
+Grabes der Schwester des Imams Risa flüchtend. Dieses
+Grabmal ist seit einem Jahrtausend die sichere Freistätte
+Unschuldiger und Schuldiger, die in die Mauern desselben
+flüchten. Die Heiligkeit derselben wurde von den Mongolen,
+wie von den früheren Herrschern Persiens, den <i>Seldschuken</i>
+und <i>Bujiden</i>, wie von ihren Nachfolgern, den Herrschern
+der Dynastie <i>Ssafewi</i> und der regierenden der <i>Katscharen</i>,
+hoch geachtet. Die Pracht desselben hat Chardin ausführlich
+beschrieben, und noch heute prangt dasselbe mit silbernen
+Gittern und goldbeschlagenen Thoren, und den Schatz,
+dessen Reichthum sich vorzüglich von den Schahen der
+Familie Ssafewi herschreibt, haben reiche Opferspenden
+Feth Alischah's vermehrt. Er opferte hierher einen Kopfschmuck
+seiner Mutter, wie einst Crösus<a name="FNanchor_678" id="FNanchor_678"></a><a href="#Footnote_678" class="fnanchor">[678]</a> das Halsband
+<span class='pagenum'><a name="Page_362" id="Page_362">[362]</a></span>
+und den Gürtel seiner Gemahlin nach Delphi. Feth Ali
+jagte nie in der Umgegend, ohne den Umgang um das
+heilige Grab, von welchem die Stadt auch die <i>heilige</i> heisst,
+zu verrichten. Wie vor sechsthalbhundert Jahren Schemseddin
+Dschuweini hier Zuflucht gesucht und gefunden, so
+in unseren Tagen der von Feth Alischah und dann von
+seinem Enkel, dem regierenden Schah, verungnadete, in
+Morier's Hadschi Baba nach dem Leben geschilderte Botschafter
+Mirsa Abul Hasan. &bdquo;Die Stadt ist heute&ldquo;, sagt
+Morier, &bdquo;nur durch drei Dinge merkwürdig: durch die vergoldete
+Kuppel des Grabmals, durch die zahlreichen Märkte
+und durch ihre Ruinen&ldquo;; denn der Umfang der Mauern
+betrug ehemals vierzigtausend Ellen, das ist um vierzig Ellen
+mehr, als die von Kaswin<a name="FNanchor_679" id="FNanchor_679"></a><a href="#Footnote_679" class="fnanchor">[679]</a>. <i>Kum</i> ward im Beginn des
+achten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung<a name="FNanchor_680" id="FNanchor_680"></a><a href="#Footnote_680" class="fnanchor">[680]</a>, als
+Hidschadsch, der tyrannische Statthalter von Irak, das Heer
+Abderrahman Asker's schlug, aus sieben Dörfern, deren Vorsteher
+getödtet worden waren, in eine Stadt vereint, deren
+sieben Viertel jene sieben Dörfer und deren eines der Stadt
+den Namen gab<a name="FNanchor_681" id="FNanchor_681"></a><a href="#Footnote_681" class="fnanchor">[681]</a>. Von derselben erhielten hernach, als
+persischer Kunstfleiss und Handel im höchsten Flore, die
+schöngewirkten seidenen Stoffe den Namen <i>Kumasch</i>, den
+dieselben noch heute führen; sie ist so berühmt durch ihre
+luftigen hohen Cypressen und ihre blauen leichten Trinkkrüge<a name="FNanchor_682" id="FNanchor_682"></a><a href="#Footnote_682" class="fnanchor">[682]</a>,
+als das benachbarte <i>Kaschan</i> durch sein Fayence
+und seine Scorpionen und Giftspinnen, als der Geburtsort
+des grossen Geschichtschreibers Abderresak, des <i>Verfassers
+des Aufganges zweier Glücksgestirne</i> (der Geschichte Timur's
+und seines Sohnes Schachroch), und des letzten Dichterkönigs
+Feth Ali Chan, des Sängers des Heldenbuchs<a name="FNanchor_683" id="FNanchor_683"></a><a href="#Footnote_683" class="fnanchor">[683]</a> Feth
+<span class='pagenum'><a name="Page_363" id="Page_363">[363]</a></span>
+Alischah's. In dem Heiligthume Kums sammelten sich um
+Schemseddin seine Freunde, deren Meinung dahin ging,
+dass er sich nach Hormusd retten solle, von wo ihm der
+Weg weiter nach Indien offen. Ich kann, antwortete ihnen
+Schemseddin, meine Söhne nicht in den Händen der Mongolen
+zurücklassen; das Besste ist, ich begebe mich zu dem
+Dienste der Majestät, welche mir vielleicht Emir Buka, der
+mein alter Freund, versöhnen wird; wenn nicht, so geschehe,
+was Gott will. Unschlüssig verweilte er einige Tage,
+als von Seiten des Chans Melik Imameddin von Kaswin und
+Jusufschah, der Atabeg Grossluristans, erschienen.</p>
+
+<div class="sidenote">Schemseddin
+durch Jusufschah
+von
+Luristan
+geholt und
+angestellt.</div>
+
+<p>Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter
+der Regierung Abaka's erzählet worden, wie er, dessen
+treuer Hilfsgenosse, im Feldzuge wider Borrak auf dem
+Rückmarsche den Chan aus den Händen von Strassenräubern
+gerettet, von demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten
+hatte. Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar
+ergeben, hatte er, der Aufforderung Teguder's, ihn mit
+einem Heere zu unterstützen, nur nothgedrungen Folge
+leistend, zweitausend Reiter und zehntausend Fussgänger
+in's Feld gestellt. Nach der Niederlage Teguders brach
+das Heer gleich bei Tabs in die Wüste ein, um auf dem
+kürzesten Wege Luristan zu erreichen; diese Unvorsichtigkeit
+kostete dem grössten Theile das Leben; es war das erste
+Unglück, das den Atabegen Jusufschah betroffen. Jetzt
+sandte ihn Arghun an den vorigen Inhaber des Diwans, um
+denselben nach Hof zu bringen. Arghun's Politik war eine
+(wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er sandte an
+alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken,
+um sich dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen
+Sonnenschirm, &bdquo;welcher&ldquo;, sagt Wassaf, &bdquo;wie die Flügel des
+Königsgeiers schattete und dessen Glanz, wie das Licht der
+Sonne, nie ermattete&ldquo;, um ihn nach Hof einzuladen, denn
+Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu
+gab dem Botschafter keine andere Antwort, als die Frage:
+Wie weit wird Arghun's Engbrüstigkeit noch gehen? Er
+zog sich nach Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, und
+<span class='pagenum'><a name="Page_364" id="Page_364">[364]</a></span>
+Dschuschkab brach gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte
+Aufforderungen nicht erschienen, schwur ihnen Arghun:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht,<br /></span>
+<span class="i4">Der schirmt das Diadem der Majestät,<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden überhäufen
+werde. Er gab jedem derselben Mütze und Gürtel,
+und sie verbanden sich ihm als Vasallen; mehrere der ersten
+Emire Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt,
+wurden freigesprochen und erhielten Aemter<a name="FNanchor_684" id="FNanchor_684"></a><a href="#Footnote_684" class="fnanchor">[684]</a>. Jusufschah
+von Lur, welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun
+zur Gemahlin gegeben<a name="FNanchor_685" id="FNanchor_685"></a><a href="#Footnote_685" class="fnanchor">[685]</a>, führte denselben mit sich an den
+Hof Arghun's. Noch auf dem Wege von Sawa kam ihnen
+der Emir Kumari mit einem Diplome entgegen, wodurch
+alles Vergangene verziehen und vorige Gnade verliehen
+ward. Sogleich erliess Schemseddin Rundschreiben an alle
+Befehlshaber Iraks, um denselben seine Wiederaufnahme in
+die Gnade des Chans zu künden. <span class="xidenote">10. Redscheb 683/<br />21. Sept. 1284</span> Freitags in der Herbst-Tag-
+und Nachtgleiche traf er zu <i>Kurban Schire</i> ein und
+begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in
+freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige
+Empfang war voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl
+von beiden Seiten verstellter). Am nächsten Tage stellte
+ihn Buka der Majestät vor. Arghun empfing ihn weder
+gnädig noch ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung,
+setzte ihn aber in seine vorige Stelle als Wesir
+des Diwans gemeinschaftlich mit Buka ein. Schemseddin
+erklärte öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter Buka's
+im Diwane sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche
+und Geschenke dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten,
+ward Buka's Eifersucht und Gier nach ausschliesslicher
+Herrschaft schon nach Einer Woche rege; er sandte Ali,
+den Temghadschi (Stempeleinnehmer), nach Tebris, um
+Jahja, den Sohn Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen.
+Fachreddin Mestufi und Hosameddin Ssahib, zwei
+<span class='pagenum'><a name="Page_365" id="Page_365">[365]</a></span>
+Untergebene Schemseddin's, schmiedeten wider denselben
+Ränke und bliesen Buka's Neid und Eifersucht zu vollen
+Flammen auf, indem sie ihm vorstellten, dass seine Machtvollkommenheit
+nur ein Schatten, so lang Schemseddin dieselbe
+mit ihm theile. Buka warf seinerseits Saamen des
+Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm vorstellte,
+dass von dem Verräther seines Vaters keine guten Dienste
+zu erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem
+Schemseddin an die Seite gegeben, und zu Audschan erging
+der Befehl, demselben zweitausend Tomane abzufordern und
+ihn an Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin
+kein Thor, der das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich
+bin nicht im Stande, tausend Goldstücke aufzubringen; und
+dem Buka schrieb er: O Emir Buka, lehre nicht den Padischah,
+Wesire zu tödten, denn heute mir und morgen dir.
+Doladai und Kadan wurden gesandt, ihn gerichtlich zu
+verhören.</p>
+
+<div class="sidenote">Schemseddin's
+Hinrichtung.</div>
+
+<p>Schemseddin antwortete auf die wider ihn vorgebrachte
+Anklage der Veruntreuung von Staatsgeldern und von Verrätherei,
+dass, was den Abgang des Staatsschatzes betreffe,
+er die Verzeihung des Padischah hoffe, dass er aber unschuldig
+des geringsten Verdachts von Verrätherei. Als ihm
+als schuldig Erkanntem die Hände nach mongolischer Sitte
+gebunden worden, erscholl das Geschrei der Türken und
+Perser: warum man die Nahrungsquellen der Völker binde!
+Zu <i>Minia</i>, in der Nähe von <i>Ebher</i>, der nördlich von Kaswin
+gelegenen Stadt, ward ihm das Todesurtheil verkündet. Er
+verrichtete sogleich die gesetzliche Abwaschung, stach in
+den Koran, den er bei sich trug, das Loos, begehrte Tintenzeug
+und Feder, setzte seinen letzten Willen für die
+Söhne auf, und schrieb an die Gesetzgelehrten von Tebris:
+&bdquo;Als ich den Koran zum Loosaufstechen genommen, ist folgender
+Vers gekommen: <i>Die da sagen, Gott nur sei
+Herr, und wandeln auf geraden Pfaden, über sie werden
+Engel niedersteigen und sagen: Betrübt euch nicht und
+fürchtet euch nicht, ich gebe euch die frohe Kunde des Paradieses,
+das euch versprochen worden.</i> Da Gott der Allmächtige
+<span class='pagenum'><a name="Page_366" id="Page_366">[366]</a></span>
+diesen seinen Diener in dieser vergänglichen Welt
+immer wohlgehalten, so gestalten, dass er ihm keinen seiner
+Wünsche versagt und ihm sogar die frohe Kunde künftigen
+Lebens zugesagt, so muss man den Mewlana <i>Mohijeddin</i>,
+den Mewlana <i>Efdhaleddin</i>, den Mewlana <i>Schemseddin</i>, den
+Mewlana <i>Hemameddin</i> und den grossen Scheichen, welche
+aufzuzählen hier zu lang und hier nicht der Ort wäre, diese
+gute Kunde geben, damit sie wissen, dass ich aller Anhänglichkeit
+an die Welt entsagt habe und mir mit ihrem guten
+Gebete helfen möge<a name="FNanchor_686" id="FNanchor_686"></a><a href="#Footnote_686" class="fnanchor">[686]</a>. Sie sollen meine Söhne grüssen, die
+ich Gott dem Herrn als Unterpfand empfehle; <i>denn Gott
+verliert nicht die ihm anvertrauten Pfande</i>. Ich hoffte
+sie noch einmal zu sehen und ihnen mündliche Lehren zu
+hinterlassen; da diess aber mir nicht zum Loose geworden,
+so mögen sie (die obgenannten vier Mewlana) es an Nichts
+ermangeln lassen, dieselben zu beschützen, und sie zu gutem
+Erwerb ermuntern und nicht zugeben, dass sie das von Gott
+ihnen verliehene Gut vernachlässigen. Wenn mein Sohn,
+der Atabeg, und seine Mutter, die Frau Choschek, in ihr
+Haus zurückkehren wollen, so sei ihnen die Erlaubniss gegönnt.
+Meine beiden Söhne Newrus und Mesud sollen mit
+ihrer Mutter im Geleite der Frau Bulughan bleiben und an
+den beiden Enden meines Grabmals stehen; wenn sie für
+das Speisehaus und das Kloster des Scheichs Fachreddin
+etwas thun können, so sollen sie es unterstützen und sich
+dahin begeben. Ferruch und seine Mutter sollen den Atabeg
+begleiten, Sekeria auf den Gütern des Padischah arbeiten;
+die anderen Oerter habe ich dem Emir Buka vermacht,
+welchem sie alle Güter und Besitzungen belassen sollen;
+wenn er etwas davon zurück gibt, ist's wohl und gut; wenn
+nicht, sollen sie sich begnügen. Gott spende uns sein Erbarmen
+und auch seinen Segen! Ich habe jetzt mein Gemüth
+auf die göttliche Majestät gestellt, welche meinen Antheil
+nicht vergessen wolle; das Glück derselben sei beständig!
+<span class='pagenum'><a name="Page_367" id="Page_367">[367]</a></span>
+Wenn Allerhöchstdieselbe meinen Söhnen etwas lassen will,
+sollen sie es nehmen und sich damit begnügen; wohin nur
+das grosse Harem von Tebris sich begibt, soll auch das
+meine folgen. Heil dem, der die wahre Leitung sucht!&ldquo;
+Dieses Schreiben warf er den zur Vollstreckung des Todesurtheils
+Bestellten vor; sie lasen es, ohne dass es Eindruck
+auf sie gemacht. Schemseddin sagte dann: &bdquo;<i>Was von dir
+kommt, o Herr, ist gut, sei es Krankheit, sei es Heilung</i>&ldquo;;
+und das Todesurtheil ward vollstreckt. <span class="xidenote">4. Schaaban 683/<br />16. Oct. 1284</span> Vier seiner Söhne:
+<i>Jahja</i>, <i>Ferruchschah</i>, <i>Mesud</i> und <i>Atabeg</i>, wurden ihm sogleich
+in's Grab nachgesandt. Jusufschah, der Eidam Schemseddin's,
+kehrte auf Befehl Arghun's nach Luristan zurück,
+starb aber auf dem Wege dahin. Er hinterliess zwei Söhne:
+<i>Edib</i> und <i>Ahmed</i>, wovon der erste mit der Herrschaft Luristans
+belehnt ward, der zweite am Hofe Arghun's als
+Geissel zurückblieb<a name="FNanchor_687" id="FNanchor_687"></a><a href="#Footnote_687" class="fnanchor">[687]</a>. Schemseddin ward mit seinen Söhnen
+im Viertel <i>Dscherendab</i>, wo schon sein Bruder Alaeddin
+ruhte, zu Tebris bestattet. Unter den vielen Trauergedichten,
+welche den Schmerz der Völker über den Sturz
+dieser erlauchten Familie aussprachen, ist eines der kürzesten
+und bessten das folgende, bei Wassaf erhaltene:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">O <i>Dscherendab</i>, wo zu Tebris sein Grab,<br /></span>
+<span class="i0">Der erste Regen ström' auf dich herab!<br /></span>
+<span class="i0">Die herrlichsten Gesichter deckt dein Staub,<br /></span>
+<span class="i0">Der grössten Männer Wangen sind dein Raub.<br /></span>
+<span class="i0">Hier hat die Sonne<a name="FNanchor_688" id="FNanchor_688"></a><a href="#Footnote_688" class="fnanchor">[688]</a> höchsten Punkt<a name="FNanchor_689" id="FNanchor_689"></a><a href="#Footnote_689" class="fnanchor">[689]</a> erreicht,<br /></span>
+<span class="i0">Hier ruht die Pleias, die Vollmonden gleicht.<br /></span>
+<span class="i0">Es weinen über sie die sieben Sterne,<br /></span>
+<span class="i0">In ihrem Licht und ihrer finstern Ferne<br /></span>
+<span class="i0">Die sieben Himmel und die Erden, sieben,<br /></span>
+<span class="i0">Der Meere und der Wochentage Sieben.<br /></span>
+<span class="i0"><i>Feredschullah</i>, <i>Jahja</i>, <i>Mesud</i>, <i>Harun</i><br /></span>
+<span class="i0">(Nothdürftig beizustehen, war ihr Thun)<br /></span>
+<span class="i0">Den Vater Mohammed so hoch geehrt,<br /></span>
+<span class="i0">Es frass dieselben all' das scharfe Schwert.<br /></span>
+<span class='pagenum'><a name="Page_368" id="Page_368">[368]</a></span>
+<span class="i0">Mich hat der Schmerz des <i>Atabegs</i> verzehrt<br /></span>
+<span class="i0">Wie Flamme, welche in die Höhe fährt;<br /></span>
+<span class="i0">Und ob <i>Ataul Melik</i> gekränket theils,<br /></span>
+<span class="i0">Er, der <i>Ssahib</i>, der Herr der Stadt des Heils,<br /></span>
+<span class="i0">Es saget über dieser Gräber Stätte,<br /></span>
+<span class="i0">Wer ehrt den Herrn, die frömmsten der Gebete.<br /></span>
+</div></div>
+
+<div class="sidenote">Statthalterschaft
+von
+Fars.</div>
+
+<p>Als Arghun nach Schemseddin's Hinrichtung nach dem im
+Gebiete von Arran gelegenen Palast Manssurije gekommen,
+kehrten die an den Grosskaan, Oheim Kubilai, geschickten
+Gesandten, Emir Pulad Dschingsang und zwei andere, zurück. <span class="xidenote">11. Redscheb 683/<br />23. Sept. 1284</span>
+Zwischen Serah und Erdebil und Ssain wurde Kurultai
+gehalten, und neun Tage darauf kehrte er nach Tebris
+zurück; <span class="xidenote">20. Redscheb/<br />2. October</span> dann wurde das Winterquartier in Arran bezogen;
+und hier hatte eine der feierlichsten Gerichtssitzungen statt,
+indem die Wittwe Mengu Timur's, die Prinzessin Abisch,
+die Atabegin von Fars, wegen Veruntreuung der ihr anvertrauten
+Statthalterschaft vor Gericht gestellt ward. Um die
+Wichtigkeit des Rechtshandels in seinem ganzen Umfange
+zu ermessen, müssen wir den Faden der Geschichte der
+Statthalterschaft von Fars dort, wo wir denselben oben abgebrochen,
+wieder aufnehmen. Dort ist zuletzt der unruhigen
+Statthalterschaft <i>Bulughan's</i> (des Nachfolgers Taghadschar's,
+des Statthalters von Fars) erwähnt worden. Um
+die Ruhe wieder herzustellen, war <i>Taschmenku</i> zu seinem
+Nachfolger ernannt und ihm die Hilfe des Atabegen von
+Lur zugewiesen worden. Als seinen Vorläufer sandte er
+den Stellvertreter des Diwans der Krongüter, Hosammeddin,
+den Sohn Mohammed Ali's von Lur, voraus nach Issfahan.
+Bulughan liess ihn mit Gewalt aufheben und hieb ihn, alsbald
+er vor ihm erschienen, zusammen. <i>Taschmenku</i> sprach
+sogleich die Hilfe Jusufschah's, des Atabegen von Luristan,
+an, und als Bulughan sah, dass sein Platz als Statthalter
+wider den neu ernannten weiter nicht haltbar, nahm er,
+was im Schatze, und entfloh mit seinen beiden Geschäftsführern
+<i>Kawameddin</i> und <i>Seifeddin</i> nach Chorasan. Taschmenku
+beschäftigte sich mit den Regierungsgeschäften, ward
+aber seiner Stelle entsetzt, weil er an der Spitze der im
+<span class='pagenum'><a name="Page_369" id="Page_369">[369]</a></span>
+Namen des Ilchans Ahmed erlassenen Befehle statt der hergebrachten
+Formel blos <i>Ahmedaga</i> schrieb, was wider allen
+mongolischen Kanzleistyl<a name="FNanchor_690" id="FNanchor_690"></a><a href="#Footnote_690" class="fnanchor">[690]</a>. Nachdem er ein Jahr lang Fars
+verwaltet, wurde die Statthalterschaft der Frau <i>Abisch</i>, der
+gebornen Atabegin, Fürstin des Landes, Wittwe Mengu
+Timur's, des bald nach seinem Bruder Abaka verstorbenen
+eilften Sohnes Hulagu's, übertragen. Sie war, wie oben
+unter der Regierung Hulagu's erwähnt worden, ihrem Gemahle
+in's Lager der Mongolen gefolgt und hatte immer
+seitdem am Hofe verweilt, jetzt aber ward ihr die Erlaubniss
+der Rückkehr in's Vaterland und die Vollmacht, dasselbe
+im Namen des Ilchans als Statthalter zu verwalten, zu Theil;
+sie dankte diese Gunst hauptsächlich der Verwendung der
+grossen Frau <i>Oldschai</i>, der Mutter Mengu Timur's, welche
+nebst der grossen Frau Tokuschan und der Mutter Abaka's
+vor dreissig Jahren ihren ersten Gemahl, Hulagu, auf dem
+Feldzuge nach Persien begleitet hatte und als Wittwe desselben
+und dann seines Sohnes Abaka des grössten Ansehens
+genoss. Ganz Fars jubelte über die Rückkehr der Prinzessin
+<i>Abisch</i>, des letzten Zweiges des hochverehrten erlauchten
+Herrscherstammes der Salghuren, und der Koransvers:
+<i>Ein gutes Land, ein gnädiger Herr</i>, war auf allen
+Zungen. Zu ihrem Stellvertreter im Diwan ernannte sie
+ihren Verwandten <i>Dschelaleddin Arkan</i><a name="FNanchor_691" id="FNanchor_691"></a><a href="#Footnote_691" class="fnanchor">[691]</a> und die Wesirschaft
+sammt der Inhaberschaft des Diwans übertrug sie dem
+Chodscha <i>Nisameddin Ebubekr</i>, dessen schon Eingangs dieses
+Buchs im Gegensatze mit dem Oberrichter, dem Seid Imadeddin,
+Erwähnung geschehen. Die Feindschaft Nisameddin's
+und Imadeddin's war die Quelle, aus welcher der Strom
+finanziellen Unheils sich über Fars ergoss.</p>
+
+<div class="sidenote">Die Prinzessin
+Abisch
+und dann
+Seid Imadeddin,
+Statthalter
+von
+Fars.</div>
+
+<p>Nisameddin, ein fündiger Finanzmann, machte der Atabegin
+den Vorschlag, sich durch ein Diplom des Ilchans die
+Begewaltigung zur Wiedereinlösung der in fremden Händen
+befindlichen Familiengüter zu verschaffen. Ahmed Teguder
+gab in einem Augenblicke der Uebereilung das Diplom im
+<span class='pagenum'><a name="Page_370" id="Page_370">[370]</a></span>
+verlangten Sinne. Nisameddin machte aber den grössten
+Missbrauch, indem er Krongüter und Privatgüter als Familiengüter
+der Atabegin ansah und einzog und die Bewohner
+von Schiras, Vornehme und Gemeine, wie gekaufte Sklaven
+behandelte. Der Beginn der Statthalterschaft der Abisch
+und die Finanzverwaltung ihres Wesirs Nisameddin fiel in das
+Ende der Regierung Teguder's. Nach der Thronbesteigung
+Arghun's begab sich der Seid Imadeddin, der Schützling
+Buka's, an den Hof, um die dem Staatsschatze, wie dem
+Privatvermögen so heillose Verwaltung von Fars in ihrem
+gehörigen Lichte darzustellen. Durch Buka's Einfluss erging
+ein ilchanisches Diplom, wodurch dem Seid Imadeddin die
+Statthalterschaft von Schiras zu Land und See, d. i. mit
+Einbegriff der Inseln im persischen Meerbusen, ohne Theilnehmer
+und Mitgenossen übertragen ward. Nach den Worten
+desselben war &bdquo;die Schliessung und Oeffnung der Erfolge,
+die Bindung und Lösung der Geschäftsschreiben, die Anstellung
+und Absetzung der Emire dem Gutachten des Seid
+anheimgestellt&ldquo;. Er wurde mit den beiden mongolischen
+Insignien übertragener Herrschaft, dem goldenen Löwenkopfe
+und dem goldenen Katzenkopfe, bekleidet<a name="FNanchor_692" id="FNanchor_692"></a><a href="#Footnote_692" class="fnanchor">[692]</a>. Wenn
+sich diese Investitur mittels Löwen- und Katzenkopfes in
+Sanchoniaton oder einer anderen altägyptischen Geschichte
+fände, so möchten dieselben wohl im mystischen Sinn als
+die Köpfe von Isis und Bubastis erklärt werden; bei den
+Mongolen aber sind sie blos das rohe Symbol einschüchternden
+Herrschergrimms und einschläfernder arglistiger
+Schmeichelei, welche dem Mongolen für die beiden höchsten
+Herrschertugenden gelten. Die mongolische Gerechtigkeitshand
+ist die Tatze des Löwen und die Kralle der Katze.
+Die beiden Geschäftsleute des vorigen Statthalters Bulughan,
+die beiden Chodscha, d. i. Herren der Finanz, der Kämmerer
+Kawameddin von Bochara und Seifeddin Jusuf, waren
+indess von Chorasan wieder nach Fars zurückgekommen und
+von der Atabegin mit der Verwaltung der Finanz betraut
+<span class='pagenum'><a name="Page_371" id="Page_371">[371]</a></span>
+worden. Sie erbitterten die Atabegin in voraus wider den
+ihr zum Nachfolger in der Statthalterschaft bestimmten <i>Seid</i>,
+und als dieser von der Gränze aus, wo die Rechnungsabforderung
+ihren Anfang nahm, gleich einen der Vögte der
+Atabegin an einen Baum hatte aufhenken lassen und der
+Atabegin den Befehl zugefertigt hatte, vor der Majestät des
+Chans zu erscheinen, stieg ihr Zorn immer höher und höher.
+Sobald der <i>Seid</i> zu Schiras angekommen, errichtete er einen
+königlichen Thron; acht Tage hernach hatte das feierliche
+Festgebet des Bairams statt, wobei die Prinzessin nicht wie
+gewöhnlich erschien. <span class="xidenote">22. Ramasan 683/<br />2. Dec. 1284</span> Sie hatte erwartet, dass der Seid
+wenigstens die Formen beobachten und ihr schuldiger Weise
+aufwarten werde; als aber diess nicht geschah, war sie so
+zornig, dass sie vor Wuth weinte und sich in die Lippen
+biss<a name="FNanchor_693" id="FNanchor_693"></a><a href="#Footnote_693" class="fnanchor">[693]</a>. Bald darauf kam die Nachricht, dass Fars von einem
+Einfalle der niguderischen Banden bedroht sei. Der Seid
+sandte der Prinzessin Wort, dass die Annäherung der Feinde
+zu ihrer Sicherheit erfordere, dass sie sich nach dem Schlosse
+Istachr (Persepolis) begebe. Sie weigerte sich dessen, weil
+sie fürchtete, dass der Seid sie dort einsperren wolle. Während
+dieser Verhandlung kehrte der Seid eines Abends mit
+grossem Gefolge nach Hause. Auf der Gasse kamen ihm
+Mamluken der Atabegin mit dem Befehle, vor ihr zu erscheinen,
+entgegen; die gebieterischen Worte der Mamluken
+entgegnete der Seid mit rauhen; der erste der Mamluken
+warf sich auf ihn und sie stürzten beide von ihren
+Pferden. Da führte Seradscheddin Fasli von Lur, welcher
+noch vor wenigen Tagen vom Seid mit Gnaden überhäuft
+worden war und auf dessen Treue, weil er der Anführer
+seiner Truppen, er vorzüglich gezählt hatte, den ersten
+Streich, und der Seid erlag alsbald den vervielfältigten Streichen
+<span class='pagenum'><a name="Page_372" id="Page_372">[372]</a></span>
+der Mamluken. <span class="xidenote">21. Schewwal/<br />31. Dec. 1284</span> Der Kopf wurde abgeschnitten, der
+Rumpf hingeworfen, sein Haus der Plünderung preisgegeben.</p>
+
+<div class="sidenote">Verurtheilung
+der
+Atabegin
+Abisch, und
+ihr Tod.</div>
+
+<p>Abisch liess in den Strassen von Schiras ausrufen, dass,
+weil der Seid in dem Lande schädliche Finanzneuerungen
+unternommen, derselbe auf ihren Befehl sei aus dem Wege
+geräumt worden; Jedermann solle seinen Geschäften nachgehen
+und die Stadt ruhig bleiben. Der Sturz des Seid's
+brachte, wie jeder Umschwung von Glücksverhältnissen,
+seltsame Beispiele von Undank und treuer Anhänglichkeit
+in Vorschein. Ein Gelehrter, welchen der Seid mit Gnaden
+überhäuft hatte, brandmarkte sich als einen Undankbaren,
+Niederträchtigen durch die Verse, die er an den Fussschämel
+der Atabegin schrieb:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Herrscher! deine Wange glüh' aus Freude wie Rubin,<br /></span>
+<span class="i0">Und es sei dein Thron der allerhöchste immerhin;<br /></span>
+<span class="i0">Jeder Kopf, der deinen Wünschen würde nicht zusagen,<br /></span>
+<span class="i0">Sei, wie der Imadeddin's, vom Rumpfe abgeschlagen.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Das Gegenstück hierzu ist die schöne Dankbarkeit des Geschichtschreibers
+Wassaf, welcher seiner Erzählung ein
+Trauergedicht von siebzehn Distichen einverleibt hat, dessen
+Beginn:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Eine Sonne ging im Staube unter,<br /></span>
+<span class="i0">Die im Ost des Glückes aufging munter.<br /></span>
+<span class="i0">Um zu stürzen diesen Bau, o Loos!<br /></span>
+<span class="i0">Lässt die Zügel schiessen du dem Ross.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Nach dem Tode des <i>Seid Imadeddin</i> wurde sein Vetter, der
+<i>Seid Dschemaleddin Mohammed</i>, welcher, mit Gnaden der
+Atabegin überhäuft, sich für ganz sicher gehalten, an ihre
+Pforte vorgeladen. Sie berieth sich mit einem ihrer Räthe
+über den zu fassenden Entschluss. Er rieth ihr zur Hinrichtung,
+zu welcher so besserer Grund vorhanden, weil er
+weit reicher, als Imadeddin, welcher blos als ein Opfer der
+Bewilderung zwischen ihr und ihm gefallen sei. Die Mamluken
+tödteten ihn in der Nacht und streuten am Morgen
+das Gerücht aus, dass er aus dem Kerker entflohen sei.
+Die bald hierauf erfolgte grosse Landplage der Heuschrecken
+wurde als eine Strafe des Himmels für den Mord der beiden
+<span class='pagenum'><a name="Page_373" id="Page_373">[373]</a></span>
+<i>Seide</i> angesehen. Mehr als hunderttausend Bewohner von
+Schiras sollen an der als Folge der Heuschreckenverheerung
+entstandenen Hungersnoth zu Grunde gegangen sein. Der
+unmündige Sohn des Seid war mit einigen treuen Dienern
+in das Lager des Chans geflüchtet, wo er Buka's, seines
+Vaters Schutzherrn, Hilfe anrief. Buka trug die Vergehungen
+der Atabegin dem Ilchan vor, welcher sie und alle
+Gegner des Seid vor Gericht zu laden befahl, und zugleich
+zurück Botschaft an die Frau Oldschai sandte, durch deren
+Einfluss die Atabegin die Statthalterschaft erhalten hatte;
+diese überhäufte den Gesandten, der sie in's Hoflager führen
+sollte, mit Geschenken, folgte aber nicht. Drei Richtern<a name="FNanchor_694" id="FNanchor_694"></a><a href="#Footnote_694" class="fnanchor">[694]</a>
+ward die Untersuchung über das unschuldig vergossene Blut
+der beiden Seide und die unrechtmässige Besitznahme von
+Gütern aufgetragen. Die Herren der Finanzkammer wurden
+in Ketten und Blöcken vorgeführt; als die Prinzessin nicht
+erschien, wurde Kotan Atadschi abgeordnet, um sie mit
+Gewalt in's Hoflager zu bringen. Als die Prinzessin Nachts
+in's Lager kam, führte sie der Haushofmeister Buka's in
+eines der Zelte seines Herrn. Dieser liess ihm aber am
+folgenden Tage sieben Prügel geben, weil er sich unterstanden,
+eine Prinzessin königlichen Geblüts in das Zelt
+eines Emirs Karadschu, d. i. Unterthanen, wie er, zu führen;
+trotz dieser dem Range der Prinzessin schuldigen wahren
+oder geheuchelten Ehrfurcht erhielt sie den Befehl, am
+folgenden Morgen vor Gericht zu erscheinen. Ihre Beschützerin,
+die Frau Oldschai, sprach entschuldigend für,
+indem sie Alles auf Dschelaleddin Arkan, den Verwandten
+der Atabegin, schob; die drei Herren der Finanzkammer,
+Kawameddin, Seifeddin und Schemseddin, erhielten jeder
+nach der Jasa zwei und siebzig Prügel auf die Sohlen; die
+Mamluken des Seid Imadeddin waren den Gerichtsdienern
+beigegeben, damit deren Strafe schonungslos vollzogen werde.
+Dschelaleddin, zu Rede gestellt, wusch sich auf Kosten der
+Prinzessin rein. Sie und ihre Angehörigen wurden zur
+<span class='pagenum'><a name="Page_374" id="Page_374">[374]</a></span>
+Zahlung von fünfzig Tomanen Goldes (fünfzigtausend Dukaten)
+und zwanzig Tomanen an die Waisen der ermordeten
+Seide verurtheilt. Sie überlebte die Schmach dieses Urtheils
+kaum zwei Jahre und starb, nachdem sie deren zwei und
+zwanzig als der letzte Zweig der Salghuren über Fars geherrscht. <span class="xidenote">685/<br />1286</span>
+Drei Tage lang wurde für sie zu Schiras in den
+Moscheen durch öffentliche Gebete, Lesungen des Korans
+und Almosen die Gebühren der Trauer, dann ihr letzter
+Wille vollzogen. Nach diesem wurden ihre Familiengüter
+in vier Theile getheilt; zwei fielen den Töchtern Prinzessinnen
+<i>Gardudschan</i> und <i>Alghardschi</i>, der dritte ihren Mamluken
+und Freigelassenen, der vierte dem Prinzen <i>Taidschu</i>,
+dem Sohne Mengu Timur's, und diesem noch ausserdem
+zehntausend Dukaten zu. Die Dynastie der Salghuren war
+in ihr erloschen und mit ihr der letzte Schatten einheimischer
+Herrschaft in Fars verschwunden.</p>
+
+<div class="sidenote">Arghun's
+Bewegungen;
+Tod der
+Frauen Bulughan
+und
+Kotlogh;
+Hochzeit
+Tudai's.</div>
+
+<p>Ordu Kia, welchen Arghun mit der Nachricht der Thronbesteigung
+an den Oheim Kaan gesendet hatte, kam jetzt
+mit der Bestätigung derselben und mit dem <i>Dschingsangtitel</i>
+für Buka zurück, und die Thronbesteigung wurde zum
+zweitenmale gefeiert. <span class="xidenote">27. Silhidsche 684/<br />6. März 1286</span> Zehn Tage darnach wurden sechzehntausend
+vom Emir Masuk Kuschdschi, d. i. dem Vogelfänger,
+und vom Dschelairen <i>Nurinaga</i> befehligte Reiter
+wider die Kurden <i>Hakari</i> gesandt, und der Aufruhr derselben
+gedämpft. Die Frau <i>Bulghan</i> starb am Ufer des
+Kor (Cyrus) und ihr Sarg wurde nach dem Berge Sedschas
+übergeführt. <span class="xidenote">10. Ssafer 685/<br />7. April 1286</span> Im Frühlinge kam Arghun nach Tebris und ward
+von Buka festlich bewirthet. <span class="xidenote">23. Ssafer/<br />20. April</span> Ende Mai's brach er von da
+über Meragha nach Sughurluk auf. <span class="xidenote">12. Rebiulachir 685/<br />27. Mai 1286</span> Hier wartete ihm während
+des Sommerlagers der Emir Aruk, der Bruder Buka's,
+mit den mongolischen Sekretären (Bitekdschi) von Bagdad
+auf; in seinem Geleite befand sich Harun, der Sohn Schemseddin
+Dschuweini's. Aruk, auf die Macht seines Bruders
+Buka gestützt, hatte den Mestufi Seadeddin, Bruder Fachreddin's,
+und den Medschdeddin, Sohn Esir's, ohne vom Chan
+hierzu begewaltigt zu sein, hinrichten lassen. Medschdeddin
+gehörte einem der Krongüter Kendschatu's (des Bruders
+<span class='pagenum'><a name="Page_375" id="Page_375">[375]</a></span>
+Arghun's) an, der desshalb wider Aruk erbittert, welchem
+auch <i>Jesu Gurgan</i> (der Gemahl der Prinzessin Tudukasch,
+der vierten Tochter Hulagu's) abgeneigt. Buka hielt seinen
+Bruder wider Kendschatu und Jesu Gurgan; dem ersten
+wurde hinterbracht: Aruk habe den Sohn Esir's auf Harun's
+Anstiften hinrichten lassen, wesshalb dieser dem Vater und
+den Brüdern in's Grab nachgesandt ward; und da Jesu
+Gurgan bald hernach starb, zog das Ungewitter, welches
+wider Buka's Macht brauste, diessmal unschädlich vorüber.
+Arghun Chan kam nach Tebris. <span class="xidenote">6. Schaaban 685/<br />27. Sept. 1286</span> Zwei Monate hernach <span class="xidenote">28. Ramasan 685/<br />17. Nov. 1286</span>
+kämmte er sich eines Tages zu Arran, als ihm ungewöhnlich
+viele Haare durch den Kamm ausgingen. Diess galt nach
+mongolischen Begriffen für ein Zeichen von gegebenem Gifte,
+und <i>Wedschih</i>, der Sohn Iseddin's, wurde der Beibringung
+von Gift verdächtig hingerichtet. <span class="xidenote">20. Silkide 685/<br />7. Jan. 1287</span> Vierzehn Tage hernach
+hatte die Krönung der Frau <i>Tudai Chatun</i>, der Konghuratin,
+statt, welche, aus dem Hareme des Vaters in das des Sohnes
+übergegangen, nach dem Tode der Frau Mertai (der Gemahlin
+Hulagu's, Abaka's, Arghun's) mit dem Kopfschmucke
+der königlichen Gemahlinnen (Baghtak) geschmücket ward<a name="FNanchor_695" id="FNanchor_695"></a><a href="#Footnote_695" class="fnanchor">[695]</a>. <span class="xidenote">5. Silkidsche 685/<br />22. Jan. 1287</span>
+Zwei Monate hernach im Frühling begab er sich nach <i>Pil
+Suwar</i>, <span class="xidenote">19. Ssafer 686/<br />5. April 1287</span> nach Tebris und von da in's Sommerquartier von
+Alatagh, <span class="xidenote">24. Reb. achir 686/<br />18. Juni 1287</span> und im Herbste in's Winterquartier von Arran. <span class="xidenote">2. Ramasan/<br />11. Oct. 1287</span>
+Im nächsten Frühjahr brachten Gesandte aus Chorasan die
+Nachricht, dass <i>Kinschu</i> (der Sohn Dschumkur's, des zweiten
+Sohnes Hulagu's) und der Emir Newrus (der Sohn des
+Uiraten Arghun, des Statthalters Chorasans unter Hulagu)
+an der Spitze von dreissigtausend Reitern des Heeres Kaidu's
+(des Enkels Ogotai's) im Anmarsche gegen Persien, dass sie
+das Land um Balch, Merw und Schaburkan verheert, bis
+Chawaf und Sindschar vorgedrungen seien. <span class="xidenote">15. Moharrem 687/<br />20. Februar 1288</span> Drei Wochen
+hierauf starb die Frau Kotlogh, die Tochter Tengir Gurgan's,
+des Uiraten, die Mutter Chatai Aghul's, des jüngsten der
+Söhne Arghun's. <span class="xidenote">7. Ssafer 687/<br />14. März 1288</span> Einen Monat hernach brachten Buka's Gesandte
+eine von den Bekennern der Lehre Schakamuni's
+<span class='pagenum'><a name="Page_376" id="Page_376">[376]</a></span>
+hoch verehrte Reliquie, welche sie <i>Scharil</i> nennen, nämlich
+ein verknöchertes Menschenherz. <span class="xidenote">7. Rebiulewwel 687/<br />12. April 1288</span> Nach ihrer Ueberlieferung
+war <i>Schakamuni's</i> Herz nicht Fleisch, sondern Bein, welches
+im Feuer nicht verbrannte, und nach ihrer Meinung sind
+verknöcherte Herzen die grosser Männer. Arghun, welcher
+nicht Moslim, wie sein Oheim Teguder gewesen, sondern
+Götzendiener, ging dieser Reliquie mit den grössten Ehrenbezeugungen
+entgegen; es wurde Gold darüber gestreut,
+und es wurden Feste veranstaltet. Drei Wochen hernach, <span class="xidenote">30. Rebiulewwel 687/<br />5. Mai 1288</span>
+als sich Arghun zu Pil Suwar befand, traf die Nachricht
+ein, dass Nokai, der Feldherr des Herrschers von Kipdschak,
+mit fünftausend Reitern aus Derbend ausgebrochen, alle
+Kaufleute der Gegend geplündert habe; und Arghun brach
+schon am nächsten Morgen an der Spitze des Heeres gegen
+Derbend auf, ging über den Kor und blieb zu Schamachi
+stehen. Buka und Kundschukbal, mit einigen Prinzen als
+Vortrab vorausgesandt, kamen nach einigen Tagen mit der
+guten Nachricht zurück, dass die Feinde abgezogen<a name="FNanchor_696" id="FNanchor_696"></a><a href="#Footnote_696" class="fnanchor">[696]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Buka,
+der strenge
+Wesir.</div>
+
+<p>Buka's Macht und Ansehen hatte den höchsten Grad
+erreicht; er hatte mit dem Titel eines <i>Dschingsang</i> noch
+ein Diplom ausserordentlicher Privilegien vom Kaan erhalten;
+vermöge derselben konnte er erst, wenn er neun Staatsverbrechen
+begangen, zur Rechenschaft gezogen und auch
+dann vor kein anderes Gericht, als das des Chans selbst,
+gestellt werden; kein Befehl des Chans konnte in Vollzug
+gesetzt werden, wenn demselben nicht das Siegel Buka's
+beigesetzt, während seine Befehle zur Vollstreckung des
+Siegels des Chans nicht bedurften. So ausserordentlich
+waren die vom Grosskaan dem Buka verliehenen Privilegien,
+dass die Meinung desselben von der Selbstständigkeit Arghun's
+null zu sein und dass der Botschafter, welcher mit dem
+Diplome der Bestätigung Arghun's auf dem Throne zugleich
+das mit diesen ausserordentlichen Privilegien Buka's brachte,
+eigentlich jenen nur der Form nach, diesen aber in der
+That zum Herrn eingesetzt zu haben schien. So ausserordentliche
+<span class='pagenum'><a name="Page_377" id="Page_377">[377]</a></span>
+Macht musste um so mehr den Neid der anderen
+Emire und der Günstlinge Arghun's<a name="FNanchor_697" id="FNanchor_697"></a><a href="#Footnote_697" class="fnanchor">[697]</a> erwecken, als Buka,
+hochmüthig und heftig, durch seine Strenge sich Feinde
+machte. &bdquo;Er war&ldquo;, sagt Wassaf, &bdquo;ein fürchterlicher Türke,
+dessen Gedanke weit hinaus zielte und dessen Rathschlag
+den Wunsch bald erfüllte. Er setzte für die Schlichtung
+verworrener Geschäfte, für die Durchführung der Befehle
+und die Beförderung der Reichsangelegenheiten Regeln fest,
+deren Erwähnung auf dem schwarzen und weissen Buche
+der Zeit bis an's Ende der Aeonen dauern wird. Durch
+die Wirkung seiner Gerechtigkeit und Strenge warf der
+Falke auf das Repphuhn verliebte Blicke; er glich die Gegensätze
+der Welt aus und des Schicksals Tücke.&ldquo; Seine
+Gerechtigkeit war so streng, dass er einen Knecht seines
+Marstalls, welcher einen Apfel von einem Fruchtverkäufer
+genommen, hinrichten liess. Solche Strenge war das grösste
+Verdienst eines Staatsmanns nach der Satzung Tschengischan's
+und erwarb diesem nach allem Anscheine das Vertrauen,
+womit der Grosskaan dessen eisernem Arme die
+Verwaltung Persiens mit so unumschränkter Machtvollkommenheit
+übertragen. Besonders waren ihm Sultan <i>Aidadschi</i>
+und <i>Tughan</i>, Arghun's vertrauter Gesellschafter (<i>Inak</i>) aufsässig,
+weil dieser zweimal auf Buka's Befehl geprügelt und
+öffentlich beschimpft worden war. Sie vernachlässigten keine
+Gelegenheit, den Buka beim Herrn zu verschwärzen. Sein
+Bruder <i>Aruk</i>, der Statthalter Bagdads, war dort den Emiren
+nicht weniger verhasst. Er machte sich wenig aus den Gesandten
+des Chans, und verschlang die Einkünfte in seinen
+Beutel, statt sie in die Staatscasse abzuführen; die Geschäftsleute
+Ordu Kaja, der Intendent Scherefeddin und der
+Jude Saad, welcher alsbald als ein höchst bedeutender
+Charakter auftreten wird, brachten endlich einmal fünfhundert
+Tomane, statt dieselben dem Aruk auszuliefern, unmittelbar
+dem Chan, welcher nun den Aruk, der nie einen
+<span class='pagenum'><a name="Page_378" id="Page_378">[378]</a></span>
+Heller eingesendet, seiner Statthalterschaft entsetzte. <i>Ssadreddin
+Sendschani</i>, der Finanzmann Taghadschar's, von welchem
+Buka ausständige Gelder der Landschaft Fars forderte,
+stellte dem Taghadschar vor, dass die Tyrannei Buka's nicht
+mehr zu dulden, indem der Chan nur ein Schatten, alle
+Macht in den Händen Buka's sei<a name="FNanchor_698" id="FNanchor_698"></a><a href="#Footnote_698" class="fnanchor">[698]</a>. Das Ungewitter, welches
+sich über dem Kopfe Buka's zusammenzog, stieg aus den
+Finanzquellen von Fars auf. Die Vornehmen von Schiras
+stritten sich unter dem Günstling Tughan; sie stellten vor,
+dass, wenn ihnen die Befehlshaberschaft von Fars und die
+Küste eingeräumt würden, sie fünfhundert Tomane abzuführen
+bereit seien. Sie erhielten hierauf verbindende
+schriftliche Urkunde. Nun wandten sie sich an Tughan
+um einen zur Eintreibung der Summen Begewaltigten, und
+er ernannte hierzu den Seid Fachreddin Mobarek. Buka
+protestirte wider diese Ernennung und diese Maassregel,
+aber Arghun erliess einen Befehl, dass sich Buka in die
+Verwaltung der Krongüter, welche dem Fachreddin übertragen
+sei, nicht zu mischen habe; denn Fachreddin hatte
+dem Arghun vorgetragen, dass viele, vormals dem Seid
+Scherefeddin gehörige Güter von den Salghuren eingezogen,
+jetzt als das Eigenthum des Kaans zurückzufordern seien.
+Arghun übertrug die Verwaltung der Familiengüter dem
+Emir Taghadschar und die des Heeres dem Emir Kundschukbal,
+so dass auf einmal Buka all seiner Macht und
+seines Einflusses beraubt.</p>
+
+<div class="sidenote">Buka's Verschwörung
+und Sturz.</div>
+
+<p>Arghun stellte sich nun krank, um nicht öffentliche
+Demüthigungen verschlucken zu müssen; sein Diwan, seine
+Finanzkammer wurden vor den Chan gefordert, alle seine
+Angehörigen ihrer Stellen entsetzt, vor Allen Emir Ali, der
+<i>Temghadschi</i>, d. i. Einnehmer der Mauthgelder von Tebris.
+Buka, als er seinen ganzen Einfluss verschwunden sah, verband
+sich mit mehreren Prinzen und Emiren<a name="FNanchor_699" id="FNanchor_699"></a><a href="#Footnote_699" class="fnanchor">[699]</a> zur Entthronung
+<span class='pagenum'><a name="Page_379" id="Page_379">[379]</a></span>
+Arghun's, indem er den Thron dem Prinzen
+Dschuschkab zudachte. Er sandte an diesen, der an den
+Ufern des Euphrats lagerte, Botschaft, um sich über den
+Undank Arghun's, der ihm allein den Thron verdankte, zu beklagen
+und diesen dem Dschuschkab anzutragen. Dschuschkab
+sah wohl ein, dass Buka ihn nur zum Werkzeuge seiner
+Herrschgier ausersehen und dass dieser selbst nach dem
+Throne strebe. Er entliess den Gesandten mit der Antwort:
+Ich bin dem Buka für seine gute Absicht sehr verbunden,
+traue aber mündlichen Versicherungen nicht und werde
+nicht an die Verbindung der mir genannten Prinzen und
+Emire glauben, bis ich von ihnen unterzeichnet die schriftliche
+Urkunde des Vertrags sehe. Buka sandte ihm die
+Unterschriften der Verschworenen. Dschuschkab sandte
+Wort: das Heer möge in Waffen ihn erwarten; er aber begab
+sich eiligst nach Tebris, um den Neffen Chan von der
+seinem Throne drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Arghun
+wollte Anfangs der Anklage keinen Glauben beimessen; als
+er aber in der unterschriebenen Urkunde von der Schuld
+Buka's den klarsten Beweis der Verrätherei vor Augen hatte,
+befahl er sogleich den Truppen, aufzusitzen und den Buka
+aus seinem Lager am <i>Kor</i> ihm zuzuführen. Sultan Aidadschi,
+Doladai und Tughan überfielen ihn in seinem Lager, doch
+hatte er noch Zeit gefunden, aus demselben jenseits des
+<i>Kor</i> in das der Frau Oldschai zu gelangen; sie nahm ihn
+aber nicht auf, nur der Sohn Sengi's, der Emir des Lagers
+der Frau Oldschai, gewährte ihm in seinem Zelte Zuflucht.
+Sultan Aidadschi und Tughan gingen noch in der Nacht
+über den Fluss und waren im Begriffe, das Lager der Frau
+Oldschai zu stürmen, als ihnen Sengi zitternd den im Zelte
+seines Sohnes versteckten Buka auslieferte. Vor das Gericht
+gestellt, antwortete er dem Schinktur, welcher ihn als die
+Ursache aller Unruhen anklagte und ihm vorwarf, dass er
+immer anderen Padischah einzusetzen trachte: er habe Nichts
+<span class='pagenum'><a name="Page_380" id="Page_380">[380]</a></span>
+wider den Padischah, sondern nur wider seine Feinde Sultan
+Aidadschi und Tughan. Einer seiner eigenen Soldaten sagte
+ihm in's Gesicht: &bdquo;An dem und dem Tage hast du mich
+gesandt, um das Lager und ein Heer aufzubringen und damit
+vorzudringen.&ldquo; Buka sprach: &bdquo;Du irrest dich; ich habe
+gesagt: um was schwer vorzubringen.&ldquo; Als aber Dschuschkab
+die unterschriebene Urkunde der Verschwörung vorwies,
+deren Ausbruch für die Festnacht des neuen Jahres der
+Mongolen festgesetzt war<a name="FNanchor_700" id="FNanchor_700"></a><a href="#Footnote_700" class="fnanchor">[700]</a>, konnte er nicht mehr länger
+läugnen. Arghun gab das Zeichen zu dessen Hinrichtung,
+und Prinz Dschuschkab erbat sich die Gunst, dieselbe selbst
+vollstrecken zu dürfen. Als er auf dem Richtplatze angelangt,
+gab ihm Tughan einen Stoss in die Brust mit den
+Worten: &bdquo;Das ist der Lohn für deine Lust nach dem Throne&ldquo;.
+Dschuschkab trennte den Kopf mit Einem Hiebe vom Rumpfe
+und schnitt ihm dann mit eigner Hand Riemen der Haut aus
+dem Rücken. Der Kopf wurde, mit Stroh ausgestopft,
+unter der Brücke Dschaghan aufgehangen. <span class="xidenote">21. Silhidsche 687/<br />17. Jan. 1289</span> Am folgenden
+Tage sassen die Richter abermal zu Gericht, und es wurden
+die verschworenen Emire hingerichtet<a name="FNanchor_701" id="FNanchor_701"></a><a href="#Footnote_701" class="fnanchor">[701]</a>. Kadan, weil er
+der Gesandte des Kaans, der Bitekdschi <i>Noghai</i>, weil er
+wahres Wort geredet, und ein anderer, weil die Emire für
+ihn gebeten, wurden mit dem Leben verschont. Unter den
+Hingerichteten war auch der Astronom <i>Imadeddin</i>, der
+Christ Simon von <i>Rumkalaa Behaeddewlet Abul Kirem</i>;
+<i>Demitrius</i>, König von Georgien, welcher in diese Verschwörung
+verwickelt war, wurde an den Ufern des Kor hingerichtet<a name="FNanchor_702" id="FNanchor_702"></a><a href="#Footnote_702" class="fnanchor">[702]</a>;
+dem Heere wurde befohlen, seinen Jurt zu
+plündern; die Kinder wurden dem Schwerte des Henkers
+überliefert, die Frauen und Töchter unter das Heer vertheilt;
+es erging der Befehl, die Leichname der Erschlagenen
+in Hügeln aufzuschichten, erst wenn sie von Wölfen
+und Hunden zerfleischt sein würden, die Reste zu begraben.
+<span class='pagenum'><a name="Page_381" id="Page_381">[381]</a></span>
+Drei Emire<a name="FNanchor_703" id="FNanchor_703"></a><a href="#Footnote_703" class="fnanchor">[703]</a> wurden nach Diarbekr gesandt, die Söhne
+und Brüder Buka's zu holen. In sechs Tagen rannten sie
+von Arran nach Irbil, tödteten Ghasan, den ältesten Sohn
+Buka's, der sich bei seinem Oheime Aruk befand, und
+führten diesen nach Tebris. Als er an der Brücke Dschaghan
+des Bruders ausgestopften Kopf sah, fragte er: Wo ist der
+Kopf Audschan's, seines Waffenträgers? und der geforderte
+fiel. <span class="xidenote">9. Moharrem 688/<br />3. Febr. 1289</span> Emir Sengi, welcher dem Buka im Zelte seines Sohnes
+Zuflucht gestattet, wurde von der Frau Oldschai ausgeliefert;
+sie erklärte, dass sie ihren ältesten Sohn, Enbardschi, ausgeliefert
+haben würde, wenn er sich solcher Staatsverbrechen
+schuldig gemacht hätte. Noch waren vier Söhne Buka's<a name="FNanchor_704" id="FNanchor_704"></a><a href="#Footnote_704" class="fnanchor">[704]</a>
+übrig, die sich zu Tughan geflüchtet, welcher sich ihrer
+angenommen; <span class="xidenote">Ende Ssafer 688/<br />Halben Mai 1289</span> als er sie aber nach einiger Zeit dem Arghun,
+dessen Grimm er versöhnt glaubte, vorstellte, befahl dieser,
+durch ihre Hinrichtung den Stamm auszurotten, so dem
+geschah.</p>
+
+<div class="sidenote">Der Prinzen
+Dschuschkab,
+Huladschu,
+Karabukai
+Hinrichtung.</div>
+
+<p>Der Prinz Dschuschkab, welcher die Verschwörung
+Buka's angezeigt und dem Verräther mit eigener Hand den
+Kopf abgeschlagen, sah bald hierauf seinen eigenen gefährdet;
+auf die Nachricht, dass er selbst mit herrschsüchtigen
+Plänen umgehe, hatte ihm Arghun Emire<a name="FNanchor_705" id="FNanchor_705"></a><a href="#Footnote_705" class="fnanchor">[705]</a> mit Truppen
+nachgesendet, die ihn am Flusse Karaman zwischen Ersen
+und Miafarakain erreichten; er schlug sich mit ihnen, floh
+und wurde nach drei Tagen ergriffen, vor Arghun gebracht,
+von demselben zum Tode verurtheilt. <span class="xidenote">15. Dschem. ewwel 688/<br />6. Juni 1289</span> Diese Hinrichtung
+hatte die Empörung des ihm innigst ergebenen <i>Newrus</i>, des
+Sohnes Arghun's (des Statthalters Hulagu's in Persien) zur
+Folge, mit welchem sich die Prinzen <i>Huladschu</i> (der zwölfte
+Sohn Hulagu's) und <i>Karabukai</i>, der Sohn Jaschmut's (des
+dritten Sohnes Hulagu's) verbanden; sie wurden von <i>Muktil</i>,
+dem Bruder Ordu Kaja's, welcher im Dienste <i>Karabukai's</i>
+seinen Herrn verrieth, ergriffen und im Schlosse <i>Girdkjuh</i>,
+<span class='pagenum'><a name="Page_382" id="Page_382">[382]</a></span>
+dem alten Assassinenschloss, das so lange den belagernden
+Waffen der Mongolen getrotzt, eingesperrt, und vier Monate
+hernach hingerichtet. <span class="xidenote">20. Ramasan 688/<br />7. Oct. 1289</span> <i>Huladschu</i>, der zwölfte Sohn Hulagu's,
+der dritte, der als ein Schlachtopfer der Herrschaft fiel
+(wie vor ihm <i>Konghuratai</i> und <i>Teguder</i>); <i>Karabukai</i>, der
+zweite Neffe, der wie Dschuschkab des Todes Loos der
+Oheime theilte. Ein Heer unter dem Befehle Arghun's
+wurde nach Chorasan gesandt, um dort den Kronprinzen
+<i>Ghasan</i> wider den Aufrührer <i>Newrus</i> zu verstärken. Arghunchan
+hatte das Winterquartier von Arran mit dem Sommerlager
+zu Kongorolang vertauscht und zum zweitenmale den
+<i>Ordu Kaja</i> und den Juden <i>Seaad</i> empfangen, welche ihm
+Gelder von Bagdad brachten. Arghun war damit sehr zufrieden,
+und als der Jude vortrug, dass er das Doppelte
+abgeführt haben würde, wenn nicht die mongolischen Landschreiber
+ihm entgegen gewesen wären, wurde die Hinrichtung
+derselben befohlen; ihre Köpfe wurden zu Bagdad
+aufgesteckt; auch Manssur, der Sohn Chodscha Alaeddin's
+Dschuweini, wurde von Hille gebracht und hingerichtet;
+gleiches Schicksal hatte <i>Dschelaleddin Semnani</i>, welcher,
+dem Tughan verdächtig, einige Zeit lang auf Fürbitte Berende
+Bachschi's an dem Leben verschont worden war. <span class="xidenote">1. Dschem. II. 688/<br />22. Juni 1289</span>
+Arghun hatte die oberste Wesirschaft dem Juden <i>Seaad</i>
+übertragen, eine vor und nachdem in den Geschichten des
+Islams unerhörte Begebenheit, dass ein Jude Herr des Guts
+und Bluts der Moslimen. <i>Seaadeddewlet</i>, d. i. die Glückseligkeit
+des Hofes, der Sohn des Juden Hebetollah Ben
+Mohesib von Ebher, war vor fünf Jahren vom Vogte Bagdads
+oder dessen Kammer angestellt worden und hatte durch
+seine Geschäftstüchtigkeit bald sehr grossen Einfluss erworben.
+Der Befehlshaber Bagdads, Kotloghschah, ein vormaliger
+Diener Alaeddin's Dschuweini, Medschdeddin Giti
+und Andere waren vor zwei Jahren in's Sommerlager von
+Sughurluk gekommen, <span class="xidenote">686/<br />1287</span> um sich bei den Wesiren über Seaad,
+durch welchen ihr Ansehen so sehr in Schatten gesetzt
+wurde, zu beklagen; sie priesen den Seaad als einen vortrefflichen
+Arzt an, der seiner medicinischen Kenntnisse
+<span class='pagenum'><a name="Page_383" id="Page_383">[383]</a></span>
+willen an den Hof gezogen zu werden verdiene. Seaad,
+nach Hof berufen, schloss sich an Ordu Kaja an und erhielt
+durch dessen Einfluss Diplom und Löwenkopf mit dem Antrage,
+die Rückstände der Steuern Bagdads, welche fünfhundert
+Tomane betrugen, einzutreiben. Mittels Erpressungen
+und Qualen brachte er eine ansehnliche Summe Geldes
+auf, die er dem Chan in's Sommerlager von Kongorolang
+brachte. Arghun, hiermit sehr zufrieden, verlieh die Emirschaft
+von Bagdad dem Emir Ordu Kaja und die Vogtschaft
+dem Baidu Sikurdschi, d. i. Schwertträger; Scherefeddin
+von <i>Semnan</i> wurde zum <i>Melik</i>, d. i. Vorsteher der Finanzen,
+und Seaad zu dessen <i>Moscherrif</i><a name="FNanchor_706" id="FNanchor_706"></a><a href="#Footnote_706" class="fnanchor">[706]</a>, d. i. Ceremonienmeister,
+ernannt. Diese vier gleichzeitigen Ernennungen geben Aufschluss
+über die Einrichtung mongolischer Landesverwaltung,
+deren Häupter der <i>Emir</i> (Befehlshaber der Truppen), der
+<i>Schohne</i> oder Baskak, d. i. Vogt Statthalter, der <i>Melik</i>,
+d. i. Intendent der Finanzen, und <i>Moscherrif</i>, Gehülfe desselben;
+dazu kamen die Sekretäre und Schreiber, von denen
+die arabischen <i>Munschi</i>, die mongolischen <i>Bitekdschi</i>, die
+türkischen <i>Bachschi</i> heissen. Als Seaad zur Wesirschaft
+gelangt, war derselbe nur noch durch den Einfluss seines
+vormaligen Vorstehers Scherefeddin Semnani einigermassen
+in der Ausübung seiner unumschränkten Machtvollkommenheit
+beschränkt; als aber auch dieser auf Arghun's Befehl,
+weil ihm zu Ohren gekommen, dass er des Juden unumschränkte
+Machtvollkommenheit bitter getadelt, hingerichtet
+worden, herrschte der Jude Arzt mit unumschränkter Vollmacht
+als Wesir<a name="FNanchor_707" id="FNanchor_707"></a><a href="#Footnote_707" class="fnanchor">[707]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Seaadeddewlet's
+Verwaltung.</div>
+
+<p>Die Verwaltung des Arztes Juden war eine blutige und
+goldene, Aderlass und Schacher. Noch lebten die Enkel
+seines grossen Vorfahrers in der Wesirschaft, Mohammed
+Schemseddin's, Mahmud und Ali<a name="FNanchor_708" id="FNanchor_708"></a><a href="#Footnote_708" class="fnanchor">[708]</a>, die beiden Söhne seines
+Sohnes Behaeddin, auf den ihnen gelassenen Besitzungen in
+Irak. Ali war mit seiner Mutter, der Tochter Iseddin Tahir's,
+<span class='pagenum'><a name="Page_384" id="Page_384">[384]</a></span>
+nach Issfahan gegangen, als Medschdeddin Muminan von
+Kaswin, einer der Blutegel des Wesirs, an Arghun Bericht
+erstattete, dass fasst alle Krongüter in den Händen der
+Enkel Schemseddin's. Der Befehl erging, die Söhne Schemseddins
+hinzurichten. Von diesen wurden <i>Mesud</i> und <i>Feredschullah</i>
+zu Tebris getödtet; <span class="xidenote">3. Redscheb 688/<br />23. Juli 1289</span> dem Enkel <i>Mahmud</i> rettete
+der Vogt das Leben, weil in dem Befehle blos von den
+Söhnen und nicht von den Enkeln die Rede; aber <i>Ali</i>,
+welcher zu Issfahan sich befand, wurde getödtet, und sechzehn
+Tage nach ihm auch sein Oheim Mesud. Noch waren
+von den Söhnen Schemseddin's zwei, nämlich: <i>Atabeg</i> und
+<i>Sekeria</i>, übrig, welche, die einzigen, nicht gewaltsamen
+Todes starben. Der Jude legte nun seinem Namen und dem
+seiner Brüder nach dem Beispiele der Herrscher aus dem
+Hause Buje den Ehrennamen <i>Dewlet</i>, d. i. <i>Reich</i> oder <i>Hof</i>,
+bei; er nannte sich <i>Seaadeddewlet</i>, d. i. das Reichsglück,
+seine Brüder hiessen: <i>Fachreddewlet</i>, d. i. Reichsruhm,
+<i>Mohesibeddewlet</i>, d. i. Reichsläuterer, desgleichen seinen
+anderen Angehörigen, unter die er die Statthalterschaften
+des Reichs vertheilte; den beiden genannten Brüdern und
+dem Dschemaleddin von <i>Destadscherd</i> übertrug er die Befehlshaberschaft
+von Bagdad; nach Fars sandte er den
+Medschdeddewlet, d. i. Reichsglorie, den Sohn des Astronomen
+<i>Montachabeddewlet</i>, d. i. des Reichsauserwählten,
+als Statthalter nach Diarbekr seinen Bruder <i>Emineddewlet</i>,
+d. i. Reichsintendent, und die Befehlshaberschaft von Tebris
+verlieh er seinem Neffen Ebu Manssur <i>Mohesibeddewlet</i> (ein
+zweiter Reichsläuterer) dem Arzte<a name="FNanchor_709" id="FNanchor_709"></a><a href="#Footnote_709" class="fnanchor">[709]</a>. Fünf Juden (die
+vier Brüder und der Neffe) hatten die Verwaltung unter
+sich getheilt. Die Emire <i>Taghadschar</i>, <i>Ordu Kaja</i> und
+<i>Dschuschi</i>, welche bisher die Finanzen verwaltet, wurden
+durch ein Patent verständigt, dass <i>Seaadeddewlet</i> der Befehlshaber
+des Staatsschatzes sei, &bdquo;und dass sie ohne dessen
+Gutheissung kein Geschäft dem Padischah vorzutragen ermächtiget
+seien, dass dem Wesir aber frei stehe, zu jeder
+<span class='pagenum'><a name="Page_385" id="Page_385">[385]</a></span>
+Zeit Geschäfte zu schlichten, ohne sich nach ihnen zu
+richten&ldquo;. Die Wesire und Emire der Länder wurden ihm
+untergeordnet, Könige und Sultane standen dem Arzte Juden
+zu Befehl; wäre nicht Chorasan und Rum wirklich im Besitze
+Ghasan's und Kendschatu's, der beiden Söhne Arghun's,
+gewesen, so hätte er auch diese Länder an seine Geschöpfe
+verliehen<a name="FNanchor_710" id="FNanchor_710"></a><a href="#Footnote_710" class="fnanchor">[710]</a>. Er vernichtete gleich Anfangs seiner Verwaltung
+in allen Ländern die <i>Melik</i>, wörtlich <i>Könige</i>, der
+Finanz, d. i. Intendenten der Pachten und Steuern, und
+erregte in den Herzen der Juden die Erwartung, dass in
+ihm der versprochene Messias erschienen, der Wiederhersteller
+des Reichs im vorigen Glanze. Die Verordnungen,
+die er in Finanzsachen erliess, waren streng, aber verständig,
+auf die sichere Eintreibung der Steuern und Vermehrung
+des Staatsschatzes berechnet; den Plackereien der Gesandten
+und Vögte wurde gesteuert, arabische und persische Dichter
+und Philologen mit Geschenken und Pensionen zur Verbreitung
+seines Lobes erkauft. Binnen zwei Jahren war
+ein ihm gewidmetes Buch, welches blos die zu seinem Lobe
+erschienenen <i>Ghaselen</i>, <i>Kassidete</i>, <i>Makame</i> und Lobreden
+enthielt, gesammelt, und welches sich noch zur Zeit Wassaf's
+zu Bagdad fand; er nahm sich nicht nur mit den Prinzen
+und Nujanen, sondern auch gegenüber des Schah und dessen
+Gemahlinnen die grössten Freiheiten heraus. Eines Tages,
+als er mit dem Schah langen Puff spielte, streckte er mir
+nichts dir nichts seine Füsse aus, als läge er auf einem
+Ruhebette; eine der Frauen, welche herein kam, redete
+ihn an: &bdquo;Wie unterstehst du dich, in Gegenwart eines
+solchen Chans, dessen Sklaven mit dem störrigen Himmel
+wie mit einer Kugel aus Handteig spielen, ohne Scheu den
+Fuss auszustrecken?&ldquo; Seaadeddewlet entschuldigte sich
+mit dem Zipperlein, und Arghun liess die Entschuldigung
+gelten.</p>
+
+<div class="sidenote">Verwaltung
+von Fars;
+Emir
+Tughan.</div>
+
+<p>Da die grossen Emire <i>Taghadschar</i>, <i>Semaghar</i>, <i>Kundschukbal</i>
+und <i>Tughan</i> ihm alle aufsässig, so suchte er sich
+<span class='pagenum'><a name="Page_386" id="Page_386">[386]</a></span>
+wenigstens mit dreien zu befreunden, denen er einen Antheil
+an der Verwaltung überliess; diese waren <i>Ordu Kaja</i>, den
+er als Helfer zu sich nahm; <i>Karadschar</i>, dem er die Verwaltung
+von Arran anvertraute, und <i>Dschuschi</i>, dem er die
+von Schiras übergab; dem letzten gab er noch zwei Beamte<a name="FNanchor_711" id="FNanchor_711"></a><a href="#Footnote_711" class="fnanchor">[711]</a>
+und den Sohn Sundschak's als <i>Serwan</i> oder <i>Tschausch</i>, d. i.
+Vollstrecker der Befehle, an die Seite. Die Herren der
+Finanz zu Schiras versprachen die fünfhundert Tomane, die
+Ausstände, binnen Jahr und Tag herbeizuschaffen, wenn
+man ihnen den <i>Dschelaleddin Serwistani</i> gebunden ausliefere.
+Diess geschah; als aber die Inhaber der Pachtdistrikte<a name="FNanchor_712" id="FNanchor_712"></a><a href="#Footnote_712" class="fnanchor">[712]</a>
+und die Landschreiber<a name="FNanchor_713" id="FNanchor_713"></a><a href="#Footnote_713" class="fnanchor">[713]</a> nicht Wort hielten, wurden die
+ersten, die Herren der Kammer, die schon oben bei der
+Erzählung der Zustände von Fars genannt worden, hingerichtet<a name="FNanchor_714" id="FNanchor_714"></a><a href="#Footnote_714" class="fnanchor">[714]</a>.
+Die Steuereinnehmer und Verwalter wurden alle
+gefoltert und durch Vergantungen und Confiscationen eine
+ungeheuere Summe erpresst. Seaadeddewlet's Strenge war
+rücksichtlos gegen die Emire und führte später seinen Sturz
+durch die Rache einer empfindlichen Beleidigung des Emirs
+Tughan herbei, welcher, wie wir gesehen, schon den allmächtigen
+Buka aus Rache für empfangene Stockschläge gestürzt.
+Tughan, der Sohn Tarakai's, ehemals der Vogt in Kuhistan,
+einer der ersten Inaken, d. i. Hofdiener, &bdquo;war&ldquo;, sagt Wassaf,
+&bdquo;ein höchst scharfsinniger und feiner Kopf<a name="FNanchor_715" id="FNanchor_715"></a><a href="#Footnote_715" class="fnanchor">[715]</a> an Urtheilskraft,
+durchdringendem Scharfsinn, in der Rede Schlagfertigkeit
+und Zierlichkeit, hatte er unter den Mongolen
+nicht seines Gleichen&ldquo;; dazu war er ein gewandter Briefsteller,
+Buchhalter, Dichter und Astronom, ein ganzer <i>Keschadschem</i>,
+d. i. ein in den fünf freien Künsten, deren Anfangsbuchstaben
+in diesem Worte enthalten sind<a name="FNanchor_716" id="FNanchor_716"></a><a href="#Footnote_716" class="fnanchor">[716]</a> (<i>Schreibkunst</i>,
+<span class='pagenum'><a name="Page_387" id="Page_387">[387]</a></span>
+<i>Dichtkunst</i>, <i>Astronomie</i>, <i>Philologie und Musik</i>), vollkommen
+bewanderter, hochgebildeter Mann. Als nach der Hinrichtung
+Buka's der Emir <i>Newrus</i> in Chorasan rebellirte, wurde
+Tughan mit einem Auftrage dahin abgesandt; bei seiner
+Rückkehr liess Seaadeddewlet dem Schah vortragen, dass
+die Curiere Tughan's mehr als ihre normalmässigen Taxen
+genommen, und Tughan wurde zu der hierauf durch die
+Jasa gesetzten normalmässigen Strafe von siebzehn Stockprügeln
+verurtheilt. Tughan, welchen Nichts aus der Fassung
+brachte und welchem ein guter Einfall immer zur Hand,
+sah sich im Saale um und sagte: Was würde es denn schaden,
+wenn jeder der Collegen Emire einen der siebzehn Stockstreiche
+auf sich nehmen wollte? Es waren mehr als siebzehn
+Emire zugegen. Der Schah lachte, und allsogleich citirte
+Tughan das Distichon Motenebbi's:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Wenn der Löwe winkt mit Löwenmacht,<br /></span>
+<span class="i0">Meinet ja nicht, dass der Löwe lacht<a name="FNanchor_717" id="FNanchor_717"></a><a href="#Footnote_717" class="fnanchor">[717]</a>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Durch diesen glücklichen Einfall und seine Geistesgegenwart
+kam er diessmal von der verhängten Strafe los, aber der
+Groll wider den Juden, der ihm die Schmach der Verurtheilung
+zugezogen, wurzelte so tiefer in seiner Brust, und
+er verband sich zum Sturze desselben mit dem Emir <i>Kundschukbal</i>
+und Anderen, indem sie keine Gelegenheit unterliessen,
+ihren Feind beim Schah zu verschwärzen. Dieser
+indessen, voll hochfliegender Pläne, stand noch immer fest
+durch den guten Erfolg seiner Finanzverwaltung, welche
+den Schatz füllte, und durch seine Einstreuungen von der
+Einführung einer neuen Religion, deren Oberhaupt der Schah
+sein sollte<a name="FNanchor_718" id="FNanchor_718"></a><a href="#Footnote_718" class="fnanchor">[718]</a>. Arghun war nicht Moslim, wie sein Vorfahrer,
+sondern vielmehr den Juden und Christen geneigt; von seiner
+Neigung für die Juden spricht die fünfgetheilte Herrschaft
+der vier Brüder und des Neffen, von seiner Vorliebe für
+die Christen sein Befehl, die von Teguder zerstörten Kirchen
+wieder herzustellen<a name="FNanchor_719" id="FNanchor_719"></a><a href="#Footnote_719" class="fnanchor">[719]</a>, und seine Verbindungen mit den
+<span class='pagenum'><a name="Page_388" id="Page_388">[388]</a></span>
+Königen Armeniens und Georgiens, seine Gesandtschaften
+an den Papst und König von Frankreich, von denen weiter
+unten die Rede sein wird. Indessen, da sein Plan der
+neuen Religion noch nicht reif, konnte er nicht umhin, dem
+Scheine nach den Islam zu beschützen, wovon ein von
+Wassaf erhaltener, zu Gunsten der Pilgerkarawane von
+Mekka erlassener Befehl das Belege; indessen lag ihm wenig
+daran, dass das Blut der Pilger im Umfange des heiligen
+Hauses vergossen wurde, und siebzehn der grössten Imame
+verbannte er nach Schiras, um dort von Schemseddewlet
+die Strafe der Jasa, d. i. Prügel, zu empfangen.</p>
+
+<div class="sidenote">Feldzug gegen
+Derbend;
+Bauten.</div>
+
+<p>In der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche dieses Jahres
+begab sich Arghun, welcher auch ein Freund der Astronomie,
+wiewohl er mit Vorliebe Alchymie trieb, nach Meragha,
+um die Sternwarte zu besuchen; <span class="xidenote">4. Ramasan 688/<br />21. Sept. 1289</span> in der folgenden Tag- und
+Nachtgleiche des Frühlings verehrte er der Frau Bulughan,
+der Tochter Otaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten,
+das Lager der verstorbenen Frau Bulughan, welche
+aus dem Hareme des Grossvaters Hulagu und des Vaters
+Abaka in das seine übergegangen war. <span class="xidenote">9. Rebiulewwel 689/<br />24. März 1290</span> Vier Tage nach
+vollzogener Hochzeit kamen Boten, welche feindlichen Einfall
+an der Gränze von Derbend meldeten. <span class="xidenote">13. Rebiulewwel 689/<br />28. März 1290</span> Die Emire Schiktur
+Nujan, Kundschukbal und Taghadschar wurden allsogleich
+aufzusitzen befehligt. Der Chan begab sich nach Pilsuwar
+und rückte mit dem schweren Gepäcke bis Schaburan vor;
+am Ufer des Karasu traf der Vortrab der beiden Heere
+auf einander. <span class="xidenote">1. Reb. achir 689/<br />15. April 1290</span> Das feindliche befehligte <i>Abadschi</i> und <i>Mengli</i>,
+die beiden Söhne <i>Mengku Timur's</i>, des Herrschers von
+Kipdschak, und der Feldherr <i>Nokai</i>; das Arghun's: die
+Emire <i>Taghadschar</i>, <i>Kundschukbal</i>, <i>Toghruldsche</i> und <i>Taidschu</i>,
+der Sohn Bukuwa's; die letzten drei setzten über
+den Fluss, schlugen die Kipdschaken, tödteten ihnen dreihundert
+Mann und machten mehrere Gefangene<a name="FNanchor_720" id="FNanchor_720"></a><a href="#Footnote_720" class="fnanchor">[720]</a>. Hierauf
+<span class='pagenum'><a name="Page_389" id="Page_389">[389]</a></span>
+wurde zu Pilsuwar der Sieg mit Festen gefeiert, und Seaadeddewlet
+sandte die frohe Nachricht mittels Siegesschreiben
+durch's Reich<a name="FNanchor_721" id="FNanchor_721"></a><a href="#Footnote_721" class="fnanchor">[721]</a>. <span class="xidenote">17. Reb. achir 689/<br />3. Mai 1290</span> Da die Ruhe an der Gränze von Derbend
+hergestellt war, wandte sich Taghadschar nach der östlichen,
+wo in Chorasan der Aufruhr des Emirs Newrus in hellen
+Flammen emporloderte. Arghun wurde durch den Tod seines
+Sohnes <i>Jesutum</i> betrübt; <span class="xidenote">7. Dschem. ewwel/<br />19. Juni</span> auch waren der Emir <i>Sundschak</i>
+und sein Sohn <i>Schadi</i> zu Meragha gestorben. Zwei Monate
+hernach ward zu Tebris <i>Medschdeddin Muminan</i>, dessen
+oben als eines Blutegels der Finanz Erwähnung geschehen,
+hingerichtet, und die Fahnen des Schah's trafen im Sommerlager
+von <i>Alatagh</i> ein; <span class="xidenote">2. Schaaban/<br />12. August</span> er kehrte über Wan und Wastan
+zurück. Auf dieser Station wartete dem Schah Kotbeddin
+der Schiraser auf und brachte seinen Atlas der westlichen
+Meere mit einer Beschreibung ihrer Gestade und Inseln, der
+Länder Rums und des mittelländischen Meeres dar. <span class="xidenote">13. Schaaban/<br />23. August</span> Der
+Blick Arghun's fiel auf die Stadt <i>Amuria</i>, so berühmt, als
+die Geburtsstadt des Kaisers Theophilos und die Verheerung
+derselben durch den Chalifen Moteaassim. Arghun liess
+sich Alles erklären und war mit der Erklärung ungemein
+zufrieden; er ging auf die Jagd, und sagte dem Molla, sich
+nach derselben wieder bei ihm einzufinden, weil er mit ihm
+gerne weiter spreche, da er so wohlberedt. Hierauf ging
+der Wink an Seaadeddewlet, die drei Verwalter, welche
+aus Rum zurückgekehrt waren: <i>Emirschah</i>, <i>Fachreddin</i> und
+den Sohn <i>Hadschi Leila's</i>, zu ergreifen; dem ersten rettete
+die Fürbitte Kotbeddin's und Seaadeddewlet's das Leben,
+der dritte ward sogleich getödtet, der zweite unter Aufsicht
+gesetzt und später hingerichtet. Hierauf kamen drei Emire:
+<i>Akbuka</i>, <i>Doladai</i> und <i>Aldschiwaktan</i>, aus Rum, von denen
+der erste dorthin zurückgesandt ward. <span class="xidenote">5. Schewwal 689/<br />13. Oct. 1290</span> Das Fest des Fastenmondes
+wurde zu Tebris zur Freude der Moslimen mit
+grosser Feierlichkeit begangen. Es wurden vier Minarete
+erhöht; die Kadi und Imame, die Chatibe und Scheiche
+wurden alle versammelt. Arghun, der ein grosser Bauliebhaber,
+<span class='pagenum'><a name="Page_390" id="Page_390">[390]</a></span>
+befahl, auf der Westseite der Stadt eine Vorstadt
+anzulegen, welche <i>Schem</i> oder <i>Schenb</i> hiess, und in der
+später sein Sohn Ghasan sein berühmtes Grabmal erbaute;
+er befahl den Bau einer Stadt zu <i>Scherujas</i>, nördlich von
+Kaswin, welche, ebenfalls erst später unter Ghasan vollendet,
+den Namen <i>Sultanije</i> erhielt; eine Tagreise südlich von Sultanije,
+zu <i>Andscherud</i>, hatte Arghun's Vater, Abaka, einen
+Palast in der Ebene erbaut, wo ein natürliches Wasserbecken
+mit zwei Abflüssen, dessen Wasser sich nie mindern
+und mehren soll, wenn auch die Abflüsse verdämmt werden<a name="FNanchor_722" id="FNanchor_722"></a><a href="#Footnote_722" class="fnanchor">[722]</a>.
+In der Nähe von Sedschas ist der gleichnamige
+Berg, auf welchem hernach Arghun begraben ward; auch
+im Gebirge Alatagh, welches das gewöhnliche Sommerlager
+schon von Hulagu's Zeit her, baute er ein Serai<a name="FNanchor_723" id="FNanchor_723"></a><a href="#Footnote_723" class="fnanchor">[723]</a>. Zu
+<i>Lar</i> oder <i>Lardschan</i><a name="FNanchor_724" id="FNanchor_724"></a><a href="#Footnote_724" class="fnanchor">[724]</a>, der gleichnamigen Hauptstadt der
+am Fusse von Hügeln gelegenen Landschaft <i>Laristan</i>, baute
+er einen Sommerpalast, welcher das Köschk Arghun's hiess;
+der Basar der Stadt gilt noch heute für den schönsten Persiens;
+das heute in Ruinen liegende Schloss galt ehemals
+für uneinnehmbar. Die zwölftausend Einwohner leben von
+dem Erzeugnisse ihres Kunstfleisses, Bogen und Baumwollzeugen;
+alle Häuser sind bequem und nett eingerichtet;
+jedes mit den beiden Luxusanstalten einer persischen Sommerwohnung,
+nämlich einem <i>Badgir</i> und <i>Serdab</i><a name="FNanchor_725" id="FNanchor_725"></a><a href="#Footnote_725" class="fnanchor">[725]</a>, d. i.
+mit einem Windfang und einem unterirdischen Saale, versehen;
+in diesen dringt die Hitze nicht ein, durch jenen
+kreist im oberen Theile des Hauses der Luftzug. Zu Tebris
+erhielt die von Arghun erbaute Vorstadt den Namen <i>Arghunije</i>;
+er gab Jedermann die Freiheit, sich dort anzusiedeln;
+und liess unterirdische Kanäle (Kjaris) graben nach
+dem in Persien von uralter Zeit her eingeführten und heute
+noch üblichen Systeme unterirdischen Kanalbaues. Die kühlen
+Thäler des Alatagh waren das gewöhnliche Sommerlager,
+die südlichen Ebenen von <i>Kongorolang</i>, d. i. die Falkenweide,
+<span class='pagenum'><a name="Page_391" id="Page_391">[391]</a></span>
+das Sommerlager, wo hernach <i>Sultania</i> gebaut ward;
+der Frühling und Herbst wurde, wie gesagt, wechselweise
+zu Meragha und Tebris zugebracht, wie vormals die persischen
+Könige ihre Residenz nach den Jahreszeiten zu
+Babylon, Ekbatana oder Susa aufschlugen.</p>
+
+<div class="sidenote">Arghun's
+Krankheit.</div>
+
+<p>Arghun, der Alchymie und den geheimen Wissenschaften
+ergeben, hatte indische Bachschi, d. i. Schreiber, gefragt,
+durch welche Mittel sie sich ihr Leben so langwierig fristeten.
+Sie gaben ihm ein aus Schwefel und Merkur zusammengesetztes
+Mittel als die Panacee der Lebensverlängerung
+an. Arghun nahm dasselbe durch acht Monate, und
+als ihm hierauf die Bachschi eine Quarantäne zu Tebris
+vorschrieben, schloss er sich dort ein, ohne Jemanden Anderen,
+als Seaadeddewlet und seine Geschäftsführer <i>Ordu
+Kaja</i> und <i>Kadschan</i> zu empfangen. Nach den vollendeten
+vierzig Tagen begab er sich in's Winterquartier nach <i>Arran</i>,
+wo er krank ward, vom Arzt Emineddewlet Arznei nahm;
+als diese nicht anschlug, gab ihm einer der Bachschi eines
+Tages drei Becher Weins, worauf er einen Anfall von Zipperlein
+hatte. Nach zweimonatlichen Leiden fiel es ihm ein,
+die Ursachen der Krankheit, welche übernatürlicher Einwirkung
+Schuld gegeben ward, untersuchen zu lassen. Die
+Einen sagten, sie rühre von bösen Wesen her und könne
+nur durch Almosen geheilet werden; die <i>Kamen</i>, welche
+nach mongolischer Art das Geheime und Verborgene aus
+Schulterbeinen der Schafe erforschten, warfen den Verdacht
+von Zauberei auf. Die Prinzessin <i>Tughandschak</i>, die Tochter
+der Frau Ilkotlogh, war die angeheirathete Nichte <i>Dschuschkab's</i>,
+dessen Tochter Arghurak mit Schadi Gurgan vermählt,
+mit diesem die Tochter <i>Tughandschak</i> aus dessen Beischläferin
+Ilkotlogh erheirathet hatte. Ilkotlogh war also aus
+dem Harem <i>Schadi Gurgan's</i> in das Arghun's übergegangen,
+und <i>Tughandschak</i> erscheint hier als Nebenbuhlerin ihrer
+Mutter um die Liebe des Schahs. Sie wurde mit anderen
+Frauen ihres Gefolges vor Gericht geladen. Sie bekannte,
+dass sie, um sich der Liebe des Chans zu versichern, Talismane
+geschrieben, und dass sie, um sein Leben zu retten,
+<span class='pagenum'><a name="Page_392" id="Page_392">[392]</a></span>
+gerne das ihrige opfern wolle. Sie wurde der Zauberei
+schuldig erkannt und mit allen ihren Zofen ertränkt. Durch
+die Krankheit des Chans war Seaadeddewlet auf's äusserste
+bestürzt, indem er wohl einsah, dass sein Leben an das des
+Schahs geknüpft sei. Er nahm nun zu guten Werken die
+Zuflucht; an Einem Tage erliess er siebzig Schreiben, sogenannte
+Gerechtigkeitsbefehle, welche die Ausübung der Gerechtigkeit
+einschärften und Almosen anordneten. Eine seiner
+grössten Wohlthaten waren dreissigtausend Dukaten, womit
+er den Bewohnern Bagdads ein Geschenk gemacht, und
+hunderttausend, die er den Armen und Frommen von Schiras
+zugedacht. Es ergingen Befehle, wodurch verboten ward,
+den Verwandten der Majestät, den Frauen, Söhnen, Töchtern,
+Schwägern, das Geringste zu nehmen; hierdurch hoffte
+er, dieselben mit dem Fiskus und sich zu versöhnen; allein
+die Emire<a name="FNanchor_726" id="FNanchor_726"></a><a href="#Footnote_726" class="fnanchor">[726]</a>, denen seine Herrschaft immer unerträglicher,
+verschworen sich zur Abschüttelung dieses Joches, <span class="xidenote">4. Ssafer 690/<br />5. Febr. 1291</span> und sie
+traten zuerst als öffentliche Ankläger wider das Werkzeug
+der Blutbefehle, den Sultan Aidadschi, auf, durch welchen
+vor zwei Jahren die Prinzen Huladschu und Karabukai und
+eilf andere, in Allem dreizehn Prinzen aus dem Geblüte
+Tschengischan's, hingerichtet worden waren, indem diese
+Hinrichtung nun als die eigentliche Ursache der Krankheit
+Arghun's angegeben ward. Ein Kame sagte aus, die mit
+ihren Vätern hingerichteten unschuldigen Kinder, Söhne
+Huladschu's und Karabukai's, seien dem Arghun erschienen
+und hätten ihm Vorwürfe über ihre unverschuldete Hinrichtung
+gemacht; er habe ihnen geantwortet: Davon weiss
+ich nichts; nicht ich bin euer Mörder, sondern Sultan
+Aidadschi. Dieser, hierüber zur Rede gestellt, berief sich
+auf des Chans Befehl. Die Antwort kam: er wisse nicht
+darum. Sultan Aidadschi entgegnete: wie könne der Chan
+diess gesagt haben, da ihm die Krankheit seit langem die
+Sprache benommen. Die Richter urtheilten, dass, wenn
+der Padischah nicht sprechen könne, die Ursache seiner
+<span class='pagenum'><a name="Page_393" id="Page_393">[393]</a></span>
+Krankheit keine andere als das durch Aidadschi gegebene
+Bluturtheil sei, und verurtheilten ihn zum Tode. <span class="xidenote">1. Rebiulewwel 690/<br />4. März 1291</span> Am selben
+Tage (es war das Geburtsfest des Prinzen <i>Chatai Aghul</i>)
+wurde Dschudschi auf Tughan's Befehl ergriffen und in der
+Nacht hingerichtet; am folgenden Tage zog Taghadschar
+den Seaadeddewlet und seinen Helfer Ordu Kaja vor Gericht,
+und Beide wurden getödtet<a name="FNanchor_727" id="FNanchor_727"></a><a href="#Footnote_727" class="fnanchor">[727]</a>; ihre Häuser wurden vom
+Heere geplündert. Sechs Tage hernach starb Arghun zu
+Baghdschei Arran <span class="xidenote">7. Rebiulewwel 690/<br />10. März 1291</span> und zwei Tage später wurde sein Leichnam
+nach dem Berge Sedschas abgeführt, wo sein Grab noch
+nach dem alten Gebrauche der Mongolen verborgen gehalten,
+bis es in der Folge von seiner Tochter entdeckt,
+mit einem Dome überwölbet ward<a name="FNanchor_728" id="FNanchor_728"></a><a href="#Footnote_728" class="fnanchor">[728]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Arghun's
+Verhältniss
+mit Aegypten
+und den
+europäischen
+Fürsten.</div>
+
+<p>Noch haben wir in der Regierungsgeschichte Arghun's
+die Darstellung seiner Verhältnisse mit Aegypten und mit
+christlichen Fürsten nachzutragen. Bereits unter der Regierung
+Ahmed Teguder's ist erwähnt worden, dass der
+Gesandte desselben, Abderrahman, von Sultan Kilawun eingekerkert,
+im Kerker gestorben sei. Nähere Umstände über
+diesen Botschafter finden sich bei den ägyptischen Geschichtschreibern.
+Kilawun hatte auf seinem Wege von Kairo nach
+Damaskus zu Ghasa den Tod Ahmed Teguder's und die
+Thronbesteigung Arghun's erfahren. <span class="xidenote">12. Dschem. ewwel 683/<br />27. Juli 1284</span> Einen Monat hernach
+gewährte er der persischen Botschaft zu Damaskus Audienz.
+Sie bestand aus dem Scheich Abderrahman, dem Emir Samdaghu
+und dem Wesir des Fürsten von Mardin<a name="FNanchor_729" id="FNanchor_729"></a><a href="#Footnote_729" class="fnanchor">[729]</a>; der
+Scheich war in den Habit der Derwische als Fakir gekleidet;
+als er sich nicht freiwillig beugen wollte, wurde er gewaltsam
+zur Erde niedergeworfen, und der Sultan würdigte
+ihn keines Blickes; doch nahm er das Schreiben Ahmed's
+und liess die Botschafter mit Kaftanen bekleiden. Das
+Schreiben Ahmed's begann mit der gewöhnlichen Formel
+<span class='pagenum'><a name="Page_394" id="Page_394">[394]</a></span>
+mongolischer Befehle: Unser Wort an den Sultan Aegyptens.
+Unter den Geschenken zeichneten sich sechzig grosse Perlen,
+ein Topas im Gewichte von zweihundert Miskalen und ein
+Rubinbalasse von zwei und zwanzig Drachmen aus. Kilawun
+liess sie dreimal in seine Gegenwart kommen, und verständigte
+sie das drittemal von Arghun's Thronbesteigung. Sie
+wurden alle ihres Gepäckes beraubt und eingekerkert. Der
+Scheich starb noch vor Ende des Jahres und seine Begleiter
+wurden dann in Freiheit gesetzt. <span class="xidenote">28. Ramasan 683/<br />8. Dec. 1284</span> Während dieser feierlichen,
+zur Schliessung festen Friedens gesandten Botschaft
+hatte sich Sultan Kilawun zweier beträchtlichen festen Plätze
+bemächtigt. Der eine, <i>Katibe</i>, in der Landschaft Amid, in
+der Nähe von Kerker, welcher von den Truppen von Biret,
+Aintab und Rawendan besetzt ward; der andere, <i>Kachta</i>,
+dessen aufrührerische Besatzung ihren Befehlshaber tödtete
+und das Schloss verrätherischer Weise an den Befehlshaber
+von Haleb übergab. Diesem fertigte im selben Jahre Arghun
+den Befehl eines Streifzuges nach Cilicien zu, um die Armenier
+dafür zu strafen, dass sie, als sie zwei Jahre früher
+sich mit den mongolischen Truppen zu Haleb befanden, die
+grosse Moschee eingeäschert. Sie drangen bis <i>Ajas</i> vor,
+schlugen die armenischen Truppen im Passe von Iskenderun,
+verfolgten sie bis Tell Hamdun und zogen sich dann zurück<a name="FNanchor_730" id="FNanchor_730"></a><a href="#Footnote_730" class="fnanchor">[730]</a>.
+Zwei Jahre später streiften tausend Mann der Besatzung
+von Haleb nach Mardin und Sindschar und schlugen
+von Mossul die Besatzung, welche einen Ausfall gemacht,
+mit dem Verluste von zweihundert Mann zurück. Mit Papst
+Nikolaus IV. hatte Arghun wiederholten Verkehr von Gesandten,
+deren einer, <i>Buscarell</i>, ein <i>Kuridschi</i>, d. i. von
+seiner Leibwache, zugleich Ueberbringer von Schreiben an
+Eduard, König von England, und Philipp den Schönen von
+Frankreich. Die Gesandten versprachen Hilfe wider die
+Saracenen in Syrien und Bekehrung zum Christenthum. Die
+Gesandten Arghun's versprachen: der Chan wolle sich nach
+Jerusalems Eroberung in der heiligen Stadt taufen lassen;
+<span class='pagenum'><a name="Page_395" id="Page_395">[395]</a></span>
+der Papst belehrte ihn in seinem Schreiben über die Dogmen
+und Pflichten des Christenthums. Nikolaus schrieb nicht nur
+an den Chan, sondern auch an dessen Frauen und an seinen
+Sohn <i>Oldschaitu</i>, welchen die Mutter (<i>Urukchan</i>) getauft
+und Niklas genannt hatte. Der Papst schrieb an die Prinzessin
+<i>Ilkotlogh</i><a name="FNanchor_731" id="FNanchor_731"></a><a href="#Footnote_731" class="fnanchor">[731]</a>, die er zur Verbreitung des Christenthums,
+nachdem sie beigetreten, aufmunterte; die Frau
+Uruk<a name="FNanchor_732" id="FNanchor_732"></a><a href="#Footnote_732" class="fnanchor">[732]</a>, welche von jeher Christin, bat er, auch die Prinzen
+<i>Ghasan</i> und <i>Chatai Aghul</i><a name="FNanchor_733" id="FNanchor_733"></a><a href="#Footnote_733" class="fnanchor">[733]</a>, welche von anderen Müttern,
+zur Annahme des Christenthums zu bewegen. An König
+Eduard I. nahm der Gesandte Buscarell ein Schreiben des
+Papstes mit, welcher ihn zu ehrenvollem Empfange und
+geneigtem Gehöre empfahl; dem König Philipp schrieb
+Arghun im fünfhundertsten Jahre vor der französischen Revolution,
+dass er im folgenden mit seinen Truppen vor
+Damaskus zu lagern hoffe, ihm das eroberte Jerusalem
+schenken werde. Der erste dieser Gesandten Arghun's an
+den Papst war um ein Jahr früher angelangt; diess ist im
+selben, wo der Jude Seaadeddewlet zur vollsten Macht gekommen.
+Diese Botschaften Arghun's sind also wohl weniger
+dem Christenthume der Frauen und der Taufe der Prinzen
+zuzuschreiben, als der Politik des Juden, welcher durch
+die Hilfe des Papstes die Könige von Frankreich und England,
+<span class='pagenum'><a name="Page_396" id="Page_396">[396]</a></span>
+die Aegypter von Syrien abzuhalten hoffte. Sie umfassen
+die vier Jahre seiner Staatsverwaltung bis zu seinem,
+Arghun's fast gleichzeitigem Tode; als aber Nikolaus IV. seine
+Antwort auf das durch den Botschafter Tschagan an ihn
+und an Eduard, König von England, gerichtete Schreiben
+datirte, waren Seaadeddewlet und Arghun schon fünf Monate
+todt.</p>
+
+<div class="sidenote">Kendschatu's
+Thronbesteigung.</div>
+
+<p>Von Arghun's Tod sandten die verschiedenen Parteien
+der Emire, welche über die Nachfolge des Thrones getheilter
+Meinung, die Kunde an die drei Prinzen, denen sie
+denselben zugedacht; nach Chorasan an <i>Ghasan</i>, den ältesten
+Sohn Arghun's, nach Bagdad an <i>Baidu</i>, den Sohn Tarakai's,
+des fünften Sohnes Hulagu's, und nach Rum an <i>Kendschatu</i><a name="FNanchor_734" id="FNanchor_734"></a><a href="#Footnote_734" class="fnanchor">[734]</a>,
+den Bruder Arghun's, welchem nach dem mongolischen
+Erbrechte die Nachfolge der Herrschaft als dem Aeltesten
+des Hauses gebührt. Am ersten Tage waren die Emire
+zwar über die Nachfolge Kendschatu's einig gewesen, aber
+schon am anderen sandten Taghadschar und Semaghar dem
+Legsi, welcher mit der Nachricht des Todes an Kendschatu
+abgefertigt worden, den Balisad mit der Nachricht nach, dass
+die versammelten Emire und Frauen noch den <i>Baidu</i> als
+den Aeltesten der Familie zum Throne berufen hätten.
+Hierzu bestimmte die beiden genannten Emire einerseits
+die Furcht vor Ghasan's bekannter Energie und Herrscherkraft,
+bei welcher der ihrigen wenig Raum bliebe, andererseits
+die Aussicht, dass, wenn Kendschatu Chan, er allen
+Einfluss der Herrschaft seinen mit ihm in Rum befindlichen
+Emiren überlassen und sie mit ihrer Partei leer ausgehen
+würden. Die Partei Baidu's bestand aus den Emiren:
+<i>Taghadschar</i>, <i>Semaghar</i>, <i>Kundschukbal</i>, <i>Tokal</i>, <i>Schiktur</i>,
+<i>Tughan</i>, <i>Timurbuka</i>, <i>Tekne</i>, <i>Ildschidai</i>, <i>Toghdai</i> und <i>Doladai</i>;
+<span class='pagenum'><a name="Page_397" id="Page_397">[397]</a></span>
+der letzte wurde auf der Stelle mit einem Heere nach Fars
+abgeordnet, wo die Luren eingefallen, Schiras erobert, den
+Vogt todtgeschlagen hatten. <span class="xidenote">8. Dschem. ewwel 690/<br />9. Mai 1291</span> Baidu, klug und umsichtig
+und ohne Heer, um dem an ihn gestellten Antrage anderer
+Emire Gewicht zu geben, anwortete: Nach dem Gesetze
+Tschengischan's gebührt die Chanschaft den Söhnen des
+Bruders, weil ihr Vater der Aeltere des meinen; welches
+Recht habe ich auf den Thron, so lange jener und andere
+Prinzen leben, die mir dem Alter nach vorgehen? Nach
+diesem Grundsatze hätte er den von sich gewiesenen Thron
+dem Ghasan als dem Aelteren zuweisen sollen; aber es
+scheint, dass, weil Kendschatu die grösste Partei für sich
+hatte, er es für klüger fand, sich an diesen zu halten, indem
+er ihm die Nachricht von dem an ihn gelangten Antrage
+mittheilte<a name="FNanchor_735" id="FNanchor_735"></a><a href="#Footnote_735" class="fnanchor">[735]</a>. Baidu's Weigerung bestürzte die Emire,
+welche ihm den Antrag gemacht, und an deren Spitze
+Tughan, der Hebel des Sturzes der beiden Grosswesire der
+vorigen Regierung, des Turkmanen Buka und des Juden
+Seaadeddewlet. Einige<a name="FNanchor_736" id="FNanchor_736"></a><a href="#Footnote_736" class="fnanchor">[736]</a> gingen nach Rum, um sich an
+Kendschatu anzuschliessen. <i>Kundschukbal</i> entfloh, <i>Tokal</i>
+verliess sich auf einen Haufen Georgier, <i>Tughan</i> brütete
+Aufruhr in Irak, der Prinz <i>Suka</i> (der jüngste Sohn Jaschmut's,
+des dritten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren
+<i>Tschoban</i>, dem Suldusen, und <i>Kurmischi</i>, der Sohn Alinak's,
+führten auf Tokai's Rath das Lager der Frauen nach dem
+Gebirge von Alatagh dem Kendschatu entgegen. Die Frau
+<i>Uruk</i>, die Wittwe Arghun's, die Mutter zweier seiner Söhne
+und dreier seiner Töchter, war mit ihnen verstanden. Die
+Emire<a name="FNanchor_737" id="FNanchor_737"></a><a href="#Footnote_737" class="fnanchor">[737]</a> welche dem Baidu zu <i>Kökbuldagh</i><a name="FNanchor_738" id="FNanchor_738"></a><a href="#Footnote_738" class="fnanchor">[738]</a>, d. i. am
+blauen Quelle, in der Nähe von Sughurluk, aufgewartet,
+verliessen ihn. <i>Ildschitai Kuschdschi</i>, <i>Kundschukbal</i>, <i>Timurbuka</i>,
+<i>Tschoban</i> gingen zu Kendschatu über. Als er in die
+Nähe von Alatagh kam, gingen ihm <i>Chatai Aghul</i>, der jüngste
+Sohn Arghun's, und andere Prinzen entgegen. <i>Taghadschar</i>,
+<span class='pagenum'><a name="Page_398" id="Page_398">[398]</a></span>
+das Haupt der Partei <i>Baidu's</i>, wurde sogleich in Empfang
+genommen; <i>Tughan</i>, welcher nach Gilan entflohen, wurde
+eingebracht; <span class="xidenote">4. Redscheb 690/<br />23. Juli</span> doch wurde ihm, weil er ein Schützling Baidu's,
+vor der Hand nichts zu Leide gethan. Kendschatu bestieg
+in der Stadt Achlath den Thron.</p>
+
+<div class="sidenote">Gericht über
+die Emire;
+Kendschatu's
+Krankheit und
+Familie.</div>
+
+<p>Die erste Staatshandlung Kendschatu's war Bestrafung
+der beiden Häupter der Gegenpartei, der Emire Taghadschar
+und Kundschukbal, indem er jedem nach der Jasa drei Stockstreiche
+geben liess und den Befehl ihrer Tomane anderen
+übertrug<a name="FNanchor_739" id="FNanchor_739"></a><a href="#Footnote_739" class="fnanchor">[739]</a>, und den Tughan mit den Söhnen der von ihm
+unmittelbar vor dem Tode Arghuns hingerichteten Emire,
+Dschudschi und Ordu Kaja, welche Blutrache forderten, vor
+Gericht stellte. Als die Emire, des Todschlags ihrer Mitgenossen
+angeklagt, zur Rede gestellt wurden, bekannten
+sich <i>Schiktur</i>, <i>Taghadschar</i>, <i>Kundschukbal</i>, <i>Semaghar</i>,
+<i>Tekne</i> und Andere schuldig und flehten die Gnade des
+Padischah an, der dieselben auch begnadigte, Andere gelinde
+(mit drei Stockstreichen) bestrafte; nur wider Tughan,
+welchem sowohl der Emir Akbuka, der Betraute Kendschatu's,
+als die Frau <i>Urukchan</i> feind waren, wurden die Söhne
+<i>Dschuschi's</i> und <i>Ordu Kaja's</i> mit der Klage der Blutrache
+losgelassen; dennoch wollte ihm Kendschatu das Leben
+schenken; auf die Vorstellung der Frau Uruk aber, dass
+Tughan der Urheber alles Unheils, sagte Kendschatu: dass
+er in diesem Falle wohl den Tod verdiene; kaum war dieses
+Wort seinen Lippen entfahren, als Akbuka den Söhnen
+<i>Dchuschi's</i> und <i>Ordu Kaja's</i> die Blutrache der Väter überliess. <span class="xidenote">6. Schewwal 690/<br />5. Oct. 1291</span>
+Taghadschar und Kundschukbal wurden begnadigt,
+Schiktur wurde zum Stellvertreter in Persien ernannt. Kendschatu
+bezog das Winterquartier in Arran und lagerte zu
+Karadschal am Ufer des <i>Kor</i>, seinem ehemaligen Horte.
+Von hieraus wurden die Kundmachungsbefehle der Thronbesteigung
+in die Länder gesandt; auf ein Gutachten der
+Astronomen wurde in den Diplomen und auf den Münzen
+<span class='pagenum'><a name="Page_399" id="Page_399">[399]</a></span>
+dem Namen Kendschatu's die geheimnissvolle, ihm von dem
+<i>Kamen</i> ertheilte Formel, <i>Irindschin Durdschi</i><a name="FNanchor_740" id="FNanchor_740"></a><a href="#Footnote_740" class="fnanchor">[740]</a> beigesetzt.
+<i>Senbu</i>, der Bruder <i>Suka's</i>, der zweite Sohn Jaschmut's, starb
+zu Dschaghatu<a name="FNanchor_741" id="FNanchor_741"></a><a href="#Footnote_741" class="fnanchor">[741]</a>; der Prinz <i>Enbardschi</i>, der älteste Sohn
+Mengu Timur's (des eilften Sohnes Hulagu's), wurde in
+die östlichen Länder gesandt. Auch dieser hegte herrschsüchtige
+Gedanken, welche während der Abwesenheit Kendschatu's
+in Rum, wohin er sogleich nach der Thronbesteigung
+zurückgekehrt war, in seinem Hause durch Taghadschar
+genährt worden. Der Geschäftsmann Stellvertreter des letzten
+Ssadreddin von Sindschar, ein grosses Verwaltungstalent,
+hatte seinem Bruder Kutbeddin, welcher sich im Lager
+Enbardschi's befand, die ihm von Taghadschar gegebene
+falsche Kunde gesandt, dass Kendschatu's Heer in Rum von
+den Turkmanen und Karamanen aufgerieben sei und dass
+er sich beeilen möge, Besitz vom Throne zu nehmen. Kutbeddin
+gab diese Nachricht dem Scheich Dschemal von
+Schiras, welcher des Vertrauens Enbardschi's genoss. Dieser,
+klug und umsichtig, sandte den Scheich auf Kundschaft an
+Schiktur Nujan; auf dem Wege begegnete er dem Taghadschar
+und Ssadreddin, welche ihn bewegen wollten, auf
+der Stelle umzukehren und den Enbardschi zu schnellem
+Anmarsche zu bewegen. Der Scheich stellte sich willfährig,
+sagte aber, dass er nur, da er schon in der Nähe, sein
+Haus besuchen wolle; statt dieses Besuches begab er sich
+geradewegs nach Karadschal in's Lager Schiktur's, wo er
+sich von der Unwahrheit der Angaben Ssadreddin's überzeugte.
+Er entledigte sich also freundlicher Botschaft im
+Namen Enbardschi's und theilte dann dem <i>Schiktur</i> insgeheim
+den Auftrag Taghadschar's und Ssadreddin's mit.
+<i>Schiktur</i> sandte ihn mit freundlichem Schreiben und Geschenken
+an <i>Enbardschi</i> zurück; aber am nächsten Morgen
+überfiel er die Zelte <i>Taghadschar's</i> und behielt ihn und
+<i>Ssadreddin</i> bis zur Rückkehr Kendschatu's bei sich; als die
+Nachricht von dessen Ankunft verlautete, sandte er sie in
+<span class='pagenum'><a name="Page_400" id="Page_400">[400]</a></span>
+einem Geleite von fünfhundert Reitern demselben bis <i>Ersenrum</i>
+entgegen. <span class="xidenote">12. Redscheb 691/<br />30. Juni 1292</span> Als Kendschatu zu <i>Alatagh</i> ankam, befiel
+ihn Krankheit, die längere Zeit dauerte; während derselben
+wurden von allen Gemeinden der verschiedenen Religionen
+Gebete angestellt; die Imame, Bischöfe, Rabbiner und
+Budhapriester beteten für die Dauer seines Lebens<a name="FNanchor_742" id="FNanchor_742"></a><a href="#Footnote_742" class="fnanchor">[742]</a>; keiner
+Religion besonders zugethan, war er für alle gleichgültig<a name="FNanchor_743" id="FNanchor_743"></a><a href="#Footnote_743" class="fnanchor">[743]</a>,
+nur sinnlichen Genüssen ergeben. Seine sechs Frauen
+waren: 1. <i>Aische</i>, die Tochter Tughu's, des Sohnes Ilkai
+Nujan's; 2. <i>Dundi</i>, die Tochter Akbuka's, des Sohnes Ilkai's,
+die Base der vorigen; 3. <i>Iltürmisch</i>, die Tochter Kotlogh
+Timur Gurgan's, des Konghuraten; 4. <i>Padischah Chatun</i>,
+die Tochter Kutbeddin's, des Sultan's von Kerman; aus dem
+Hareme seines Vorfahrers die Frauen: 5. <i>Bulughan</i> und
+6. <i>Uruk</i>. Ausser diesen hatte er die Söhne <i>Alafreng</i> und
+<i>Iranschah</i> aus der Frau <i>Dundi</i> und <i>Dschinkpulad</i> aus der
+Frau <i>Bulughan</i>, drei Töchter aus der Frau <i>Aische</i> und
+eine vierte aus der Beischläferin <i>Abisch</i>, der Tochter des
+<i>Biklimisch</i>, des Bruders <i>Audschan's</i>, des Erlaten.</p>
+
+<div class="sidenote">Ssadreddin
+von Sendschan
+Wesir; Einfall
+der Luren in
+Irak und
+Fars.</div>
+
+<p>Ssadreddin von Sendschan, der fündige Finanzmann,
+dessen oben erwähnet worden, bemühte sich um die Wesirsstelle
+durch <i>Buraldschin Ikadschi</i>, den Günstling Kendschatu's,
+und <i>Scherefeddin Semnani</i>, welcher beim Emir Akbuka in
+grösstem Ansehen und Einfluss. Durch diese beiden Kanäle
+gelang es ihm, mit der Würde des Emirs die des Wesirs
+zu vereinigen. Er erhielt dazu das goldene Ehrenzeichen
+des Löwenkopfes mit Rossschweif und Pelz und einen Toman
+von Truppen. <span class="xidenote">6. Silhidsche 691/<br />19. Nov. 1292</span> Sein Anstellungsdiplom verbot den Prinzen
+und Prinzessinnen, sich im Geringsten in die Geschäfte der
+Verwaltung und der Finanzen zu mischen; sein Vorname
+<i>Ssadreddin</i>, d. i. Vorsitz der Religion, wurde in den von
+<i>Ssadri dschihan</i>, d. i. Vorsitz der Welt, umgeändert; zugleich
+erhielt sein Bruder <i>Kutbeddin</i>, d. i. Pol der Religion,
+das Amt des Richters der Richter mit der Veränderung
+seines Namens in <i>Kutbi dschihan</i>, d. i. Pol der Welt; ihr
+<span class='pagenum'><a name="Page_401" id="Page_401">[401]</a></span>
+Oheim <i>Kawameddin</i>, d. i. die Feste der Religion, erhielt
+die Befehlshaberschaft von Tebris mit dem Ehrennamen von
+<i>Kawamolmülk</i>, d. i. Feste des Reichs. Zum zweitenmale
+sah Persien die Verwaltung der Geschäfte den Gliedern
+einer einzigen einflussreichen Familie übertragen, wie unter
+Hulagu den beiden Brüdern <i>Dschuweini</i> und dem Sohne des
+Wesirs Schemseddin, Behaeddin, als Befehlshaber von <i>Schiras</i>.
+Die Sorge für die Herschaffung der Lebensmittel, das Oberverpflegungsamt
+des Heeres, wurde dem <i>Fachreddin Aidadschi</i>
+bestätigt<a name="FNanchor_744" id="FNanchor_744"></a><a href="#Footnote_744" class="fnanchor">[744]</a>; dieser aber bat um Entschuldigung, indem
+er vorstellte, dass er bereits dreissig Jahre lang mit diesem
+Amte betraut, durch die Anforderungen von Zuschüssen der
+Prinzen und Prinzessinnen sich in Schulden gestürzt. Kendschatu
+wies dreissig Tomane zur Zahlung der Schulden an
+und empfahl ihm fürderhin die grösste Freigebigkeit und
+Gerechtigkeit; denn er wollte, dass seine Regierung der
+Ogotai's gleiche, mit welchem er die Tugenden der Grossmuth
+und Milde, aber auch den Hang zum Wohlleben gemein
+hatte. Das grösste Lob seiner Regierung ist, dass
+während derselben, einige Hinrichtungen in Luristan ausgenommen<a name="FNanchor_745" id="FNanchor_745"></a><a href="#Footnote_745" class="fnanchor">[745]</a>,
+Niemand getödtet ward; den grössten Beweis
+seiner Milde gibt die Nachsicht, die er den rebellischen
+Fürsten von Lur und Jesd angedeihen liess. <i>Efrasiab</i> von
+Lur, der Sohn des unter der Regierung Abaka's und nachmalig
+erwähnten Atabegen Jusufschah, hatte unter der Regierung
+Arghun's, trotz der Gegenvorstellungen der Befehlshaber
+von Schiras, den Distrikt des Gebirges Kiluje, welches
+die Gränzscheide zwischen Fars und Lur, überfallen lassen.
+Er bemächtigte sich des festen Schlosses Mandschescht und
+setzte seinen Neffen Kisil über den neu erworbenen Gebirgsdistrikt.
+Kisil's eilf Brüder standen an der Spitze eben so
+vieler Heeresabtheilungen; es entstand zwischen dem Oheime
+<span class='pagenum'><a name="Page_402" id="Page_402">[402]</a></span>
+und Neffen Streit über die Verwaltung des Berggebietes;
+Kisil, einigemal geschlagen, floh nach Schiras, kehrte dann
+aber wieder zurück, und schloss seinen Frieden mit dem
+Oheim; um denselben zu befestigen, verstand sich Efrasiab
+zur Hinrichtung seines Wesirs Dschelaleddin, und Entrichtung
+von Geldern. Als unmittelbar vor dem Tode Arghun's
+das Reich durch die Uneinigkeit der Emire und Arghun's
+schlaghaften Zustand in der grössten Verwirrung, benützte
+Kisil dieselbe zu einem Einfalle in Irak; er liess zu Issfahan
+die Verwandten des Emirs Dschelaleddin hinrichten,
+und der mongolische Vogt Baidu, der Schwager Taghadschar's
+ward durch die lurischen Reiter vor der Stadt
+getödtet. <span class="xidenote">8. Dschem. ewwel 690/<br />9. Mai 1291</span> Kisil sandte seinen Bruder Salghurschah in dieselbe,
+und das Heer der Luren nahm unter dem Geschrei:
+Gott ist gross! davon Besitz. Salghurschah setzte sich in
+dem Hause Chodscha Behaeddin's auf den Thron, und die
+Münze von Schiras prägte auf den Namen Efrasiab's von
+<i>Lur</i><a name="FNanchor_746" id="FNanchor_746"></a><a href="#Footnote_746" class="fnanchor">[746]</a>; dann dehnte er seine Herrschaft von den Gränzen
+Hamadan's bis an's Meer von Fars aus, überall lurische
+Vögte ernennend. Dschelaleddin, den Sohn des Atabegen
+<i>Tekele</i>, und Melik Nussret sandte er mit zweitausend Pferden<a name="FNanchor_747" id="FNanchor_747"></a><a href="#Footnote_747" class="fnanchor">[747]</a>
+wider den Toman Arghasun's; auf dem Marsche erhob
+sich zwischen Beiden Streit über den Vorrang des
+Marsches und sie zogen jeder auf seine Faust. Anfangs
+schlugen sie zwar die Mongolen und machten grosse Beute,
+aber diese kehrten zurück, und rächten die verlorene Beute
+durch die Niederlage der Luren; in diesem Treffen tödtete
+ein mongolisches Weib allein zehn Luren<a name="FNanchor_748" id="FNanchor_748"></a><a href="#Footnote_748" class="fnanchor">[748]</a>. Endlich wurde
+Toladai wider die Luren, und Jisudar wider Jusufschah,
+den Atabeg von Jesd, gesandt, welche zu gleicher Zeit sich
+empört hatten. Toladai schlug die Luren und Efrasiab erhielt
+durch den Kanal der Frau Utruk und Padisch Chatun
+seine Verzeihung; nur Kisil und seine Angehörigen wurden
+hingerichtet.</p>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_403" id="Page_403">[403]</a></span></p>
+<div class="sidenote">Eroberung
+von Kalaaterrum;
+Bothschaft
+Tuktai's;
+Papiergeld.</div>
+
+<p>Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak
+und Fars traf die Nachricht ein, dass Melik Eschref, der
+Sultan Aegyptens, Kalaaterrum am Uebergange des Euphrats
+belagere. <span class="xidenote">8. Dschem. sani 691/<br />27. Mai 1292</span> Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und
+dreissig Tage Steine und Naftafeuer hinein; endlich ward
+die Stadt durch Sturm erobert, die Besatzung, welche aus
+Mongolen und Armeniern bestand, niedergehauen, zwölfhundert
+Einwohner mit Weibern und Kindern in die Sklaverei
+geschleppt<a name="FNanchor_749" id="FNanchor_749"></a><a href="#Footnote_749" class="fnanchor">[749]</a>. <span class="xidenote">1. Redscheb 691/<br />26. Juni</span> Kalaaterrum, das Schloss der Römer,
+von diesen und den Griechen Zeugma, d. i. die Ueberfuhrt,
+genannt, das ober Bire, dem alten Birthe, am Flusse
+Merseban<a name="FNanchor_750" id="FNanchor_750"></a><a href="#Footnote_750" class="fnanchor">[750]</a> liegt, war seit vier und zwanzig Jahren der
+Sitz des armenischen Patriarchen, dessen Pallast und Kirche
+bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan Eschref,
+welcher das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien
+von den Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den
+Namen des Römer- oder Griechenschlosses in den des
+Schlosses der Moslimin; aber der alte lebte dennoch fort,
+und hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kendschatu
+vermählte sich jetzt mit der Frau Bulughan, der geliebten
+Gemahlin seines Vorfahrers und seines Bruders Arghun.
+<i>Tekia</i> oder <i>Tetkaul</i> starb in dem Pallaste Manssurije zu
+Arran und wurde nach Meragha bestattet. <span class="xidenote">3. Dsch. ewwel 692/<br />11. April 1293</span> Von Meragha
+begab sich der Hof nach Siahkuh, wo ein Gesandter Kuwindschi's,
+des Sohnes Sertaktai's, des Zweitgebornen
+Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit Versicherungen
+von Freiheit und Eintracht, <span class="xidenote">7. Schaaban 692/<br />13. Juli 1293</span> und zwei Tage
+darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes
+Kaidu's, des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben,
+auch Gesandte von Emir Newrus, welcher in Chorasan
+die Regierung an sich gerissen. Zugleich mit diesen
+Gesandten der Uluse Dschudschi's und Ogotai's trafen die
+Gemahlinnen Kendschatu's, Aische aus Kleinasien und Baitmisch
+aus Diarbekr ein. <span class="xidenote">17. Schaaban 692/<br />23. Juli 1293</span> Kerrai Aghul, der Sohn Mengku
+<span class='pagenum'><a name="Page_404" id="Page_404">[404]</a></span>
+Timur's (des ältesten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren
+Doladai und Kundschukbal, welche nach Chorasan gesendet
+worden, kehrten zurück. <span class="xidenote">12. Ramasan 692/<br />16. Aug. 1293</span> Das Hoflager zog nach Audschan,
+von da nach Heschtrud, Meragha und Arran, wo überwintert
+ward. In diesem Winterquartier wurde die Geburt
+des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu
+Bire gefeiert. <span class="xidenote">5. Rebiulewwel 693/<br />24. Jan. 1294</span> Drei Tage hernach traf die Botschaft Tuktai's,
+des Herrschers von Kipdschak, ein, deren Vorsteher
+der Prinz <i>Kalintai</i>. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör
+gewährt. Nach drei Wochen wurden dieselben mit
+Ehrenbezeugungen entlassen, <span class="xidenote">8. Rebiulachir/<br />8. März 1294</span> nachdem sie noch Tags vorher
+der Grundsteinlegung der neuen Stadt am Ufer des
+Kor beigewohnt, welche den Namen <i>Kotlogh Baligh</i>, d. i.
+der guten Balley, erhielt. <span class="xidenote">2. Dschem. ewwel 693/<br />31. Mai 1294</span> Kerrai Aghul, welcher vor noch
+eilf Monaten aus Chorasan zurückgekehrt war, ging mit
+Tod ab, <span class="xidenote">7. Redscheb 693/<br />3. Juni 1294</span> und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im
+Hoflager zu Alatak, um seine Huldigung darzubringen; <span class="xidenote">16. Redscheb 693/<br />12. Juni 1294</span> er
+ward ungnädig empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner
+Rückkehr nur auf die Fürbitte des Günstlings Burakin
+Ikadschi, dessen Einfluss, wie oben erzählt worden, dem
+Ssadreddin von Sendschan die Wesirsstelle verschafft hatte.
+Dieser wollte seiner Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch
+eine neue, in China längst übliche, aber in Persien unerhörte
+Massregel, nämlich durch die Einführung des Papiergeldes,
+das auf mongolisch <i>Tschaw</i> heisst. Vergebens stellte
+<i>Schiktur Nujan</i> vor, dass diese Massregel der Ruin des
+Landes; er wurde aus dem Wege geräumt. Der Emir Akbuka,
+Taghadschar, der Wesir Ssadreddin und der Hofdiener
+Temachi verfügten sich nach Tebris, um dort das
+Papiergeld einzuführen; <span class="xidenote">19. Schaaban 693/<br />15. Juli 1294</span> sie kamen dort im Fastenmonde
+an, und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer Ankunft
+vermöge einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen
+Zahlungen an Geldes statt anzunehmen befahl und auf die
+Nichtannahme die Todesstrafe setzte. <span class="xidenote">10. Ramasan 693/<br />12. Sept. 1294</span> Dieser den Bewohnern
+von Tebris unvergessliche unheilsame Tag war der
+zwölfte September<a name="FNanchor_751" id="FNanchor_751"></a><a href="#Footnote_751" class="fnanchor">[751]</a>. Eine Woche lang ward dasselbe
+<span class='pagenum'><a name="Page_405" id="Page_405">[405]</a></span>
+durch die Gewalt des Schwertes den Einwohnern aufgezwungen;
+bald aber stieg die Verwirrung auf's höchste,
+indem aller Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen
+desselben ward als <i>gebenedeites Papiergeld</i><a name="FNanchor_752" id="FNanchor_752"></a><a href="#Footnote_752" class="fnanchor">[752]</a> zum
+Spotte. Das Gepräge dieses Papiergeldes war das mohammedanische
+Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen
+Formel: <i>Irdschin Turdschin</i>, und die Jahreszahl der Entstehung
+693 (1294)<a name="FNanchor_753" id="FNanchor_753"></a><a href="#Footnote_753" class="fnanchor">[753]</a>. <i>Iseddin Mosaffer</i>, welcher dem Wesir
+diesen Auftrag gegeben, war der Gegenstand der allgemeinen
+Verwünschung. Wiederholte Aufstände und Versuche,
+dem Wesir das Leben zu nehmen, erzwangen vom
+Bruder endlich die Erlaubniss, das Vorhandene um baares
+Geld verkaufen zu dürfen. Darüber entstand allgemeiner
+Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach ein
+Paar Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte
+dasselbe nie angenommen und sich damit entschuldigt, dass
+die Luft, welche in Chorasan so scharf, dass Waffen binnen
+Jahresfrist rosteten, das Papier bald zerfressen haben würde,
+und liess das ihm zugeschickte verbrennen; wir setzen die
+Schilderung der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen
+Worten hieher.</p>
+
+<div class="sidenote">Verrath der
+Emire; Kendschatu's
+Ende; Baidu's
+Thronbesteigung.</div>
+
+<p>Die Unzufriedenheit der Völker Persiens mit dem in
+Weichlichkeit und Wollust versunkenen Leben Kendschatu's
+ermuthigte den Prinzen Baidu, welchem vor ihm von den
+Emiren der Thron angetragen worden war, zum Versuche,
+denselben wirklich zu behaupten. Nachdem er bei seiner
+letzten Aufwartung von Kendschatu übel aufgenommen, nur
+durch die Fürbitte des Günstlings <i>Burekdschin Ikadschi</i>
+vorgekommen, beklagte er sich über solche Behandlung bei
+den Emiren, und als von diesen <i>Tudadschu</i>, der Oberrichter
+<i>Dschidschek Gurgan Legsi</i>, der Sohn Arghun's (des Statthalters)
+und <i>Iltimur</i>, der Sohn Hindukur Nujan's, nach
+Bagdad gekommen, verband er sich mit ihnen zum Aufstande
+<span class='pagenum'><a name="Page_406" id="Page_406">[406]</a></span>
+wider Kendschatu. Dschemaleddin von Destadscherd,
+der Vorsteher der Sekretäre der Steuer zu Bagdad, schloss
+sich an dieselben an, und schaffte ihnen die für den Unterhalt
+des Heeres nothwendigen Lebensmittel. Baidu
+schickte Abgeordnete nach Bagdad, um den Mohammed
+Sikurdschi, welcher dort mit dem Diplome Kendschatu's
+die Vogtei verwaltete, zu tödten<a name="FNanchor_754" id="FNanchor_754"></a><a href="#Footnote_754" class="fnanchor">[754]</a>. <i>Ghurantai Gurgan</i>,
+der Eidam Kendschatu's, Gemahl von dessen ältester Tochter
+Kotlogh, gab durch Eilboten dem Schwiegervater von
+der Verschwörung der Emire, und von dem, was zu Bagdad
+vorgefallen, Nachricht, und warnte ihn wider seine
+nächsten Umgebungen, die Emire <i>Doladai Ordadschi</i>, d. i.
+Kellermeister, <i>Kundschukbal</i> (welchem Oldschatai, die erstgeborene
+Tochter Arghun's, sowie seinem Bruder Ahmed früher
+<i>Taghai</i>, die zweite Tochter Abaka's, als Frau bestimmt
+gewesen), <i>Tukal</i> (der Gemahl Oldschai Timur's, der zweiten
+Tochter Arghun's), <i>Ildschidai</i> und <i>Bukdai</i>, als dieses Anschlages
+theilhaftig. Kendschatu berieth sich mit Akbuka, in dessen
+Händen noch immer die Zügel der obersten Leitung der
+Geschäfte, liess die genannten Emire ergreifen und schickte sie
+gebunden nach Tebris<a name="FNanchor_755" id="FNanchor_755"></a><a href="#Footnote_755" class="fnanchor">[755]</a>. <i>Hasan</i> und <i>Taidschu</i>, die beiden
+mit der Leitung der Geschäfte Betrauten Kendschatu's stellten
+die Nothwendigkeit vor, durch die Hinrichtung der
+Emire das Uebel mit der Wurzel auszurotten; aber <i>Taghadschar</i>,
+der schon verderbliche Plane hegte, verhinderte
+die Hinrichtung und schickte sie als Gefangene nach Tebris
+in Verhaft, den <i>Tukal</i> ausgenommen, welcher nach
+Georgien geschickt ward. Von Arran aus gingen Gesandte
+an Baibuka, den Botschafter, nach Diarbekr, dass er dort
+den Baidu ergreife. Als die Gesandten nach <i>Irbil</i> gekommen,
+vernahmen sie, dass Baibuka von Baidu's Abgesandten
+aufgehoben worden sei; sie kehrten also schnell zurück, um
+<span class='pagenum'><a name="Page_407" id="Page_407">[407]</a></span>
+diesen Unfall dem Herrn zu berichten. <span class="xidenote">28. Rebiulachir 694/<br />17. März 1295</span> Hierauf wurden
+die Emire Akbuka und Taghadschar mit Truppen wider
+Baidu gesandt. <i>Taitak</i> führte den Vortrab von fünftausend
+Reitern nach Hamadan, ihm folgten Akbuka und Taghadschar
+mit zwei Tomanen. Ausser Hamadan trafen die
+Vorposten Taghadschar's und Baidu's aufeinander; die Baidu's
+wurden zurückgeschlagen. <span class="xidenote">3. Dschemasiulewwel 694/<br />21. März 1295</span> Der Chan selbst brach mit
+einem Heere vom Thale Aher auf. Taghadschar, welcher,
+da Akbuka das höchste Vertrauen genoss, von Kendschatu
+sich abgewandt, sandte heimlicher Weise verrätherische
+Botschaft an Baidu, ihn zum Aufruhre ermunternd. Als
+das Heer am Ufer des Dschaghan stand, sagte Akbuka,
+wiewohl er von der heimlichen Sendung Taghadschar's
+keine Kunde hatte, zu diesem: Du bist ein Ränkeschmied,
+und gewahrest nicht, in welche Dinge du dich einlässest.
+Taghadschar, der sich verrathen glaubte, berieth sich in
+der Nacht mit seinen Emiren und ging zu Baidu über. Akbuka,
+als er sich auf diese Weise verlassen sah, eilte mit
+dreihundert Reitern zum Dienste des Schah. Kendschatu,
+bestürzt, wollte nach Rum entfliehen, aber seine Angehörigen
+redeten ihm diesen Plan aus, ihn zur Bekämpfung
+des Feindes ermuthigend. Das Lager brach gegen Arran
+auf; als er zu Pilsuwar stand, entfloh Hasan, der Sohn
+Buku's, welcher von der Wiege auf von den Umgebungen
+der Majestät, um Mitternacht zu Baidu, und die Emire
+Doladai und Kundschukbal, welche bisher zu Tebris in Verhaft
+gehalten worden waren, thaten desgleichen. Die Emire
+Irindschin und Taidschik verbanden sich mit einigen anderen,
+und setzten ebenfalls den Kifdschak, den Sohn Baidu's
+welcher vom Vater an Kendschatu gesandt, von diesem in
+Gewahrsam behalten worden war, in Freiheit und führten
+denselben dem Vater zu<a name="FNanchor_756" id="FNanchor_756"></a><a href="#Footnote_756" class="fnanchor">[756]</a>.</p>
+
+<div class="sidenote">Hinrichtung
+der Emire;
+Austheilung
+der Statthalterschaften.</div>
+
+<p>Drei Tage nach dem ersten Vorpostengefechte ausser
+Hamadan schlugen sich dort <i>Taitak</i> und <i>Toghruldsche</i> mit
+<span class='pagenum'><a name="Page_408" id="Page_408">[408]</a></span>
+<i>Baschmak Aghul</i> und <i>Karadscha</i>, dieser einer der Prinzen
+des Lagers der Frau Uruk Chan und Eidam Sultan
+Ahmed Tekuder's, indem er dessen Tochter Sailun zur
+Frau hatte. <span class="xidenote">6. Dschem. ewwel 694/<br />24. März 1295</span> Der Sieg war auf der Seite Taitaks; jetzt aber
+war Tukal mit einem in Georgien gesammelten Heere in
+Anzug; er sandte den aus der Haft befreiten, und den noch
+darin gehaltenen Emiren Wort, dass er zum Dienste des
+Prinzen Baidu heranziehe, und gab ihnen Stelldichein an
+den Ufern des Kur. Eine Truppe von tausend Mann, welche
+zu Pilsuwar stand und den Aufenthalt Kendschatu's kannte,
+ergriff denselben und lieferte ihn den empörten Emiren
+aus, die ihn am selben Tage tödteten, wo Taitak das Heer
+Baidu's geschlagen. <span class="xidenote">6. Dschem. ewwel 694/<br />24. März 1295</span> Von den Günstlingen Kendschatu's
+wurden <i>Itogthu</i> und <i>Itpuki</i> mit ihm zugleich hingerichtet<a name="FNanchor_757" id="FNanchor_757"></a><a href="#Footnote_757" class="fnanchor">[757]</a>.
+<i>Itkuli</i>, der Hundssklave, wurde an Baidu gesandt, damit er
+über denselben nach seinem Belieben verfüge; dieser schenkte
+ihm aber das Leben. Zwei Tage nach der Hinrichtung
+der Emire bestieg Baidu den Thron zu Audschan<a name="FNanchor_758" id="FNanchor_758"></a><a href="#Footnote_758" class="fnanchor">[758]</a>. <span class="xidenote">8. Dschem. ewwel 694/<br />26. März 1295</span> Die
+Emire Temadschi und Sertak wurden ihrem Gebieter in's
+Grab nachgesandt<a name="FNanchor_759" id="FNanchor_759"></a><a href="#Footnote_759" class="fnanchor">[759]</a>; die Emire Akbuka und Taidschu wurden
+aber nicht jetzt, sondern erst in der Folge, als Baidu
+von Ghasan am Flusse <i>Heschtrud</i> geschlagen ward, hingerichtet.
+Kendschatu war der zweite Herrscher der Mongolen
+in Iran, welcher, wie sein Oheim Ahmed Tekuder,
+ein Opfer des Aufruhrs der Emire gefallen war, und das
+Regierungsende Arghun's, seines Bruders, war nicht weniger
+blutbefleckt durch der Emire Zwiespalt. Alle drei
+haben der nöthigen Herrscherkraft, um das vielköpfige
+Ungethüm der Emirenherrschaft im Zaum zu halten, ermangelt,
+und nach Hulagu und Abaka war erst Ghasan, der
+Enkel des letzten, wieder Herrscher im vollsten Sinne des
+Wortes. Von dem Zusammenflusse des Kur (Cyrus) und
+des <i>Dschaghantu</i>, d. i. des weisschäumenden Araxes, wurden
+Eilboten abgesandt an Ghasan, den Neffen Kendschatu's
+<span class='pagenum'><a name="Page_409" id="Page_409">[409]</a></span>
+in Chorasan, um ihm von dem Vorgefallenen Nachricht zu
+geben, an Baidu, um ihn auf den Thron zu berufen. Baidu,
+der nähere, welchem der Thron schon vor Kendschatu von
+den Emiren zugedacht worden, bestieg denselben <span class="xidenote">19. Dschem. ewwel 694/<br />6. April 1295</span> und erliess
+in alle Länder Kündigungschreiben des Inhaltes: &bdquo;Da
+Kendschatu sich von den Pflichten der Herrschaft abgewandt
+und die Gebote Tschengischan's verbannt, so haben
+Wir ihn mit Uebereinstimmung der Prinzen und Prinzessinnen
+entthront; die Besorgung aller Geschäfte der Länder
+und die Vollendung der wichtigsten Geschäfte der Unterthanen
+liegt nun im Ringe des königlichen Willens.&ldquo; Dem
+Taghadschar, welcher der Hebel der Erhebung auf den
+Thron, wurde die Würde des Fürsten der Fürsten mit dem
+Oberbefehle des Heeres und der Finanzen verliehen<a name="FNanchor_760" id="FNanchor_760"></a><a href="#Footnote_760" class="fnanchor">[760]</a>. Die
+Emire <i>Kundschukbal</i>, <i>Tukal</i>, <i>Tudadschu</i>, <i>Legsi Gurgan</i>
+wurden ihm untergeben. Dschemaleddin von Destadscherd,
+der Steuereinnehmer von Bagdad, welcher sich dort den
+verschworenen Prinzen zuerst angeschlossen, erhielt eine
+Anstellung in den Finanzen, und nahm seinen Vornamen
+für eine gute Vorbedeutung. In die Fusstapfen Abakachan's
+tretend, welcher alle Landschaften einzelnen Emiren
+übergeben, und diese dafür verantwortlich gemacht hatte,
+übertrug er Bagdad und die Umgegend dem <i>Tudadschu</i>;
+Rum und Diarbekr mit den dazu gehörigen Distrikten dem
+<i>Taghadschar Nujan</i>; die Gebiete von <i>Irak</i> und <i>Lur</i> dem
+<i>Toladai Aidadschi</i>; die Statthalterschaft von Schiras und
+Schebankjare verlieh er dem <i>Kundschukbal</i>; dem <i>Dschemaleddin</i>
+wurden die Statthalterschaften von Schiras mit
+allem Zubehör zu Land und zur See, wie zur Zeit Kendschatu's,
+mittels Jerlighs, Paise und Kaftans, d. i. mittels
+Patentes, Löwenkopfs und Ehrenkleides, so auch der Prinzessin
+<i>Kurdudschin</i> die Statthalterschaft von Kerman bestätigt,
+von welcher unter der folgenden Regierung ausführlicher
+zu sprechen, der Ort seyn wird; die nur acht
+<span class='pagenum'><a name="Page_410" id="Page_410">[410]</a></span>
+Monate dauernde Baidu's ist so enge mit den gleichzeitigen
+Thronansprüchen seines Nachfolgers Ghasan verflochten
+und ist, die entscheidenden Begebenheiten in Chorasan abgerechnet,
+so unbedeutend, dass dieselbe am besten mit der
+Erzählung der Geschichte Ghasan's vor seiner Thronbesteigung
+im folgenden Buche verwebt wird.</p>
+
+
+
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_411" id="Page_411">[411]</a></span></p>
+<h2><a name="I_Beilage" id="I_Beilage"></a><a href="#Inhalt">I. Beilage.</a></h2>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+<p class="center" style="font-size: larger">Auszug aus der Geschichte Haider's über
+Dschudschi.</p>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+<div class="block">
+<p>Auszug aus der Geschichte Haider's auf der kön.
+Bibliothek zu Berlin. Band II. Blatt 601.</p>
+</div>
+
+
+<p>Kurz <i>Dschudschi</i> starb ein Jahr nach Tschengis Chan,
+aber die Geschichtschreiber sind über die Zustände Dschudschi's
+nicht einig. Einige sagen, dass Dschudschi Chan,
+nachdem er sich nach der Eroberung Chuaresm's von den
+Brüdern getrennt, nach <i>Kipdschak</i> gegangen, von dort aber
+wieder zurückgekehrt, an der Gränze Indiens mit des Vaters
+Gegenwart geadelt ward, und demselben tausend
+Schimmel zum Geschenke schickte; aber <i>Hafis Ebru</i> setzt
+das Gegentheil auseinander, nämlich, dass nach der bei
+der Belagerung Chuaresm's zwischen <i>Dschudschi</i>, <i>Ogotai</i>
+und <i>Dschaghatai</i> vorgefallenen Misshelligkeit Dschaghatai
+und Ogotai sich zum Vater begaben und an der Gränze
+Thalkan's und Bedachschan's mit des Vaters Gegenwart
+geadelt worden, und dass sich Dschudschi von Chuaresm
+gegen den <i>Irtisch</i>, wo sich dessen schweres Gepäck befand,
+begab, und sich mit seinen Lagern vereinte. Da Tschengis
+Chan früher befohlen hatte, dass Dschudschi die nördlichen
+Länder, nämlich die der Bulgaren, Baschkiren, Russen,
+Tscherkessen und Deschtkipdschak erobern solle, und
+Dschudschi sich jetzt gegen den Irtisch gewendet hatte, so
+glaubten die Söhne Tschengis Chan's, dass Dschudschi vermöge
+Befehls diesem Dienste obliege; als es aber zuletzt
+<span class='pagenum'><a name="Page_412" id="Page_412">[412]</a></span>
+erhellte, dass er Nichts unternahm, und nach Hause gegangen
+war, um des Wohllebens zu geniessen, ergrimmte
+Tschengis Chan gar sehr und befahl, an demselben, ohne
+dass er sein Antlitz sehe, die Strafe des Gesetzes zu vollziehen.
+Unterdessen war Dschudschi mit Krankheit behaftet
+und war desshalb, als Tschengis Chan aus Persien zurückgekehrt,
+in sein eigenes Lager gekommen; er war nicht
+im Stande, sich selbst zum Vater zu begeben, und schickte
+ihm blos einige Säcke von Turteltauben<a name="FNanchor_761" id="FNanchor_761"></a><a href="#Footnote_761" class="fnanchor">[761]</a>, indem er sich
+mit seiner Krankheit entschuldigte. Hierauf kam ein Tangute
+von den Jurten und Gränzen Dschudschi's zu Tschengis
+Chan; auf dem Wege sah er, dass dieser seine Jurten verändert,
+an einen anderen Ort hingezogen, wo gejagt ward;
+da er selber krank, hatte er seine Emire auf die Jagd geschickt;
+jener, der im Vorüberziehen eine Menge Volks
+jagen gesehen, schloss daraus, dass Dschudschi selber jage,
+und sagte daher, als Tschengis Chan um die Krankheit
+denselben fragte: Ich weiss von seiner Krankheit Nichts,
+denn als ich herzog, habe ich ihn an dem und dem Berge
+mit der Jagd beschäftigt gefunden; dieses Wort brachte
+Tschengis Chan in den grössten Zorn; denn es war in seinem
+Sinne nun ausgemacht, dass Dschudschi, ein Empörer,
+auf das Wort des Vaters nicht achte; er sagte, Dschudschi
+ist närrisch geworden und hat thörichte Handlungen begangen;
+nun ist es nothwendig, Truppen wider ihn zu
+schicken, an deren Spitze Dschaghatai und Ogotai ziehen
+und ihm nachsetzen sollen. Unterdessen lief die Nachricht
+von Dschudschi's Tod ein, wodurch Tschengis Chan sehr
+betrübt ward; er zog genauere Erkundigung ein, und als
+er fand, dass der Bericht jenes Tanguten Lüge und Verläumdung
+gewesen, gab er den Befehl, ihn hinzurichten;
+allein dieser, hiervon verständigt, war früher aus dem Lager
+entflohen. Die Zeit der Lebensjahre Dschudschi's war
+<span class='pagenum'><a name="Page_413" id="Page_413">[413]</a></span>
+dreissig Jahre; er hatte fünfzehn Söhne, von denen <i>Batu</i>
+ihm in der Chanschaft nachfolgte; die Namen der Söhne
+Dschudschi's sind die folgenden: 1) <i>Orda</i>, 2) <i>Batu</i>, 3)
+<i>Berke</i>, 4) <i>Berketschiter</i>, 5) <i>Jetukami?</i>, 6) <i>Scheiban</i>, 7)
+<i>Tangkut</i>, 8) <i>Juden</i> (Tuden?), 9) <i>Tschilaun</i>, 10) <i>Sikur</i>,
+11) <i>Dschemi</i>, 12) <i>Udur</i>, 13) <i>Boka Timur</i>, 14) <i>Schikum</i>.</p>
+
+<p>Hier sind nur vierzehn statt fünfzehn aufgeführt; es
+fehlt nämlich der von Reschideddin vor <i>Udur</i> aufgeführte
+<i>Mohammed</i>; dafür fehlt bei Reschideddin <i>Jetukami</i>, welcher
+interpolirt scheint. Weiter ist über diese Namen zu bemerken,
+dass der dritte bei D'Ohsson S. 325 Berkatschar,
+in der Handschrift Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek
+<i>Berktschapar</i>, was jedoch ob Mangel der Punkte
+zweifelhaft und in meiner Handschrift des Dschihanguscha
+bei der Thronbesteigung Ogotai's <i>Berketschiter</i> genennet
+wird. Das letzte scheint das richtigste und eine Zusammenziehung
+von <i>Berke kitschikter</i>, d. i. der kleinere Berke,
+zu sein; der vierte, hier <i>Juden</i> oder vielmehr <i>Tuden</i> genannt,
+heisst bei Reschideddin <i>Tewal</i>; der folgende bei
+demselben richtiger <i>Tschilaikun</i> statt <i>Tschilaun</i>, was daraus
+zusammengezogen. Der hier <i>Dschemi</i> genannte heisst bei
+Reschideddin <i>Dschintimai</i> und ist aller Wahrscheinlichkeit
+derselbe mit Suntai, welchen Wassaf in dem Abschnitte:
+von dem Ende Tschengis Chan's und der Thronbesteigung
+seines Nachfolgers, mit dem Bruder <i>Batu</i> nennt, und welcher
+auch im Dschihanguscha als der Befehlshaber des zur
+Eroberung des Restes von Kipdschak gesandten Heeres erscheint;
+endlich ist vom vorletzten, <i>Boka Timur</i>, zu bemerken,
+dass derselbe beim Abul Ghasi (B. 96 der Textausgabe)
+<i>Tokai Timur</i> heisst, dass <i>Boka Timur</i> im Dschihanguscha
+im Geleite <i>Batu's</i> bei der Thronbesteigung Ogotai's
+erscheint, während nach Abul Ghasi <i>Tokai Timur</i> als Regent
+in Kipdschak zurückgelassen ward. Hierauf folgt bei
+Haider die Aufzählung der Chane der weissen Horde:
+1) <i>Menkai</i>, 2) <i>Sasi Boka</i>, 3) <i>Eideren Ben Sasi</i>,
+4) <i>Tschitschai</i>, Sohn <i>Eideren's</i>, 5) <i>Urus Chan</i>, Sohn
+<i>Tschitschai's</i>, 6) <i>Tokatmisch Chan</i>. Im <i>Munedschimbaschi</i>
+<span class='pagenum'><a name="Page_414" id="Page_414">[414]</a></span>
+(auf der kais. Hofbibliothek Bl. 397) heisst 1) <i>Sasi Boka</i>
+der Sohn <i>Tuli's</i>, des Sohnes <i>Orda's</i>; ihm folgt, 2) <i>Ebrsan</i>,
+der Eideren Haider's, 3) <i>Mubarek Chodscha</i>, 4) <i>Schintai</i>,
+der <i>Tschitschai</i> Haider's, 5) <i>Urus Chan</i>. Hierüber ist zu
+bemerken, dass in den Geschlechtstafeln bei Reschideddin
+unter den Söhnen Orda's kein Menkai vorkömmt, welcher
+nach Haider's Angabe, sowie <i>Tuli</i> nach der Munedschinbaschi's,
+der Vater <i>Sasi Boka's</i> gewesen sein soll; nach Reschideddin
+war <i>Sasi Boka</i> der Sohn <i>Pajan's</i>, des Sohnes
+<i>Kubindschi's</i>, des Sohnes <i>Sertaktai's</i>, des Sohnes <i>Orda's</i>,
+so dass er der Ururenkel Orda's und nicht der Enkel desselben
+gewesen, was wohl als das richtigere anzunehmen
+ist. Im Abul Ghasi (S. 99 der Textausgabe) erscheint
+Tokatmisch als der Sohn Chodschaoghlan's, des Sohnes
+<i>Tukkul's</i>, des Sohnes <i>Saritsche's</i>, des Sohnes <i>Us Timur's</i>,
+des Sohnes Tokai Timur's, des Sohnes Dschudschi's.</p>
+
+
+
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_415" id="Page_415">[415]</a></span></p>
+<h2><a name="II_Beilage" id="II_Beilage"></a><a href="#Inhalt">II. Beilage.</a></h2>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+<p class="center" style="font-size: larger">Auszug aus Wassaf über den Ulus
+Dschudschi's.</p>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+<div class="block">
+<p class="center">Erwähnung der Länder Dschudschi's.</p>
+</div>
+
+
+<p>Als Dschudschi vom Dienste Tschengis Chan's zurückkehrte,
+so ereignete es sich alsbald, dass er wider seinen
+Willen zur Reise in's andere Leben, welches die eigentliche
+grosse Reise ist, aufbrach. Es blieben von ihm sieben
+Söhne<a name="FNanchor_762" id="FNanchor_762"></a><a href="#Footnote_762" class="fnanchor">[762]</a> zurück, als eben so viele Planeten am Himmel
+der Chanschaft, und die Person des Reiches war gleichsam
+aus sieben Gliedern zusammengesetzt. <i>Hordu</i>, <i>Batu</i>,
+<i>Berestai</i>, <i>Schekut</i>, <i>Berke</i>, <i>Berkedschar</i>, <i>Buka Timur</i>. Von
+ihnen war Batu, ausgezeichnet vor seinen Brüdern durch
+Genius seines Wesens, Gerechtigkeit seines Benehmens und
+Freigebigkeit seiner Anlagen, der Erbe der Länder des
+Vaters. Vier Distrikte (Hesare) der Krongüter Dschudschi's,
+<i>Gesek</i>, <i>Esan</i>, <i>Osek</i>, <i>Alghui</i>, welche zusammen
+mehr als neun Tomane (Landes) ausmachten, untergab er
+der Aufsicht seines älteren Bruders <i>Hordu</i>; der Sammelplatz
+der Heere Batu's waren die Distrikte am <i>Itil</i>
+(Wolga). Er unternahm den Bau einer Stadt, deren Ausdehnung
+weit wie das Feld hohen Unternehmungsgeistes
+und diesen Fröhlichkeit sichernden Ort nannte er <i>Serai</i>.</p>
+
+<p>Obwohl er der christlichen Secte folgte, deren Beistand
+und Hülfe Vernunft zuwider ist, so neigte er sich doch
+auf keine Seite der verschiedenen Secten hin, und war weit
+<span class='pagenum'><a name="Page_416" id="Page_416">[416]</a></span>
+davon entfernt, an einer derselben halsstarrig zu halten,
+als das Feld der Welt durch die Thronbesteigung dieses
+Siegelringes der Zeiten zum Rosenfeld und das Auge der
+Welt durch die Lichter seiner Gerechtigkeit erhellet worden,
+als Zeit und Raum diese beiden Verse declamirten:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Die Welt ist hell von Deines Thrones Schatten,<br /></span>
+<span class="i0">Er hat die Welt verkehrt in Rosenmatten.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Bei dem zweiten Kuriltai kamen die Prinzen darin überein,
+dass der Säbel mit Grimm wider die Köpfe der Anführer
+der Russen und Assen geführt werden solle, welche den
+Fuss der Feilheit in die Reihen der Widersetzlichkeit gesetzt.
+Von den Prinzen Mangu Kaan's wurden <i>Kajuk</i>, <i>Kadachan</i>,
+<i>Kurgan</i>, <i>Turi</i>, <i>Paidar</i>, <i>Hordu</i>, <i>Tangut</i>, welche
+letzte beide am Tage der Schlacht festen Fusses standen,
+und <i>Basintai Behadir</i> zu dieser Unternehmung bestimmt.
+Sie setzten sich zur Zeit, als der Frühlingswind in voller
+Kraft wehte:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Der Rosenstrauch schwang in dem Garten Speere,<br /></span>
+<span class="i0">Das Blatt war Dolch, die Dornen Lanzenspitzen,<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>in Bewegung. Die Heere kamen an der Gränze Bochara's
+zusammen und zogen wider Russland aus:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Was Indien, zeigt sein indisch Schwert<br /></span>
+<span class="i0">Den <i>Assen</i>, <i>Russen</i> und <i>Alanen</i>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Sie eroberten die Stadt Moskau, gefüllt mit einem Heere
+zahlreicher als Heuschrecken, zanksüchtiger als Fliegen,
+und das sich bei der Wehr zusammennimmt, plünderten
+und mordeten nach ihrer Gewohnheit. Sie schnitten die
+Ohren der Erschlagenen ab.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Es füllet in der Welt dein Ruhm die Ohren,<br /></span>
+<span class="i0">Vor deinem Grimm droht Untergang den Ohren.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Man zählte 270,000 abgeschnittene Ohren.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Du, schärf' das Ohr; der Himmel haut dich über's Ohr.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Die Prinzen und grossen Fürsten und siegreichen Freien
+waren</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">(Der Himmel war zu Willen und das Schicksal folgte)<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>wunschbefriedigt und die Engel sangen dazu:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Der, so sich wider Dein Gebot empört,<br /></span>
+<span class="i0">Der, so dein Reich im mindesten nur stört,<br /></span>
+<span class='pagenum'><a name="Page_417" id="Page_417">[417]</a></span>
+<span class="i0">Dem spalte Partisan' das Aug' inmitten,<br /></span>
+<span class="i0">Dess Körper sei dem Grimm des Dolchs zu Theil,<br /></span>
+<span class="i0">Dem sei vom Messer Zunge abgeschnitten,<br /></span>
+<span class="i0">Dem sei der Hals durchbohret von dem Pfeil.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Als sie zurückgekehrt, hatte Batu Lust, wider die <i>Kelaren</i>
+und <i>Baschkirden</i>, welche die christliche Religion befolgten,
+aufzubrechen. Als die Heere des Winters, aus
+Furcht vor den Dolchen der Neider, das Gesicht abwandten,
+und die Rosen sich, wie das Glück der Glücklichen,
+mit hundert offenen Gesichtern zeigten und die Nachtigall
+mit bestimmtem Schall:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Weisst Du, warum der Lyra Saiten gellend schrein?<br /></span>
+<span class="i0">Weil ohne dem Gesicht die Ros' nicht Ros' und Wein nicht Wein.<br /></span>
+<span class="i0">Auf deiner Rosenwange ist das Heer zu schauen,<br /></span>
+<span class="i0">Weil es darauf sich legt mit herzlichem Vertrauen,<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>ging der Prinz, der das Glück gefunden.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Hem.</i> Die Welt an seinem Zügel, die Zeit an seinem Bügel.<br /></span>
+</div><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Hem.</i> Wenn deine Bügel weiter gehn,<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Hem. </span>Was Wunder, wenn wir auch nicht stehn!<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Er zog, fest wie Schlösser, mit 40,000 Reitern, deren jeder
+die Stütze eines mächtigen Heeres, in's Feld. Zur Zeit,
+als die beiden Heere auf einander trafen, trennte sie ein
+Fluss mit steilen Ufern. Batu sandte seinen Sohn mit einem
+Tomane Heeres, um über den Fluss zu setzen, und er
+selbst besetzte einen Hügel und betete demüthig vor der
+Majestät Gottes, des absoluten Gnadenverleihers, mit einem
+Herzen, brennend wie die Lampe dessen, der die Nacht
+durchwacht, und mit einem Hauche, kalt wie der des
+Morgens. So brachte er die Nacht bis an den Tag hin;
+am andern Tage, als der einpferdige Chosroes der Welt
+frohe Nachricht gebracht, und auf dem Degen (Rücken)
+der Berge das Rad (der Sonne) sichtbar gemacht, reihten
+sich beide Heere zur Schlacht. <i>Sertak</i> fiel den Feind mit
+einem Toman stürmend an, und die anderen auf dem Hügel
+aufgestellten Heere rannten wie ein Gürtel von der
+Höhe nieder; gleich niederstürzendem Loose, welchem
+nichts zu wehren im Stande, wandten sie ihr Gesicht gegen
+das feindliche Lager, und zerstückten mit ihrem Säbel die
+<span class='pagenum'><a name="Page_418" id="Page_418">[418]</a></span>
+Zeltstricke wie den Strick der Freundschaft der Verbrecher.
+Furcht und Schrecken bemächtigten sich der Einwohner
+von <i>Kelar</i>, die Waldteufeln glichen; die meisten derselben
+wurden ein Frass des Schwertes und der Hyänen, und so
+wurde auch dieses Land den Schwesterländern beigesellt.
+Im Jahre 653, als Mangu Kaan ein Kuriltai hielt, wurde
+<i>Sertak</i> zum Dienste des himmelhohen Thrones gesandt. Ehe
+er zurückgekehrt, hatte sich Batu von der Braut der Chanschaft
+dreimal, d. i. unwiderruflich, geschieden und Sertak,
+mit Gnaden und Gunstbezeugungen überhäuft, kehrte in die
+Residenz zurück, und ohne sich lange aufzuhalten, ward
+er zur Abreise (aus dieser Welt) gezwungen. Vermög
+des Befehles Mangu Kaan's übernahm <i>Berakdschin Chatun</i>,
+welche die grösste der Frauen, die Sorge für die Beförderung
+der Reichsgeschäfte, und erzog hiezu den <i>Ulaghdschi</i>,
+den Sohn <i>Sertak's</i>; doch auch <i>Ulaghdschi</i></p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Hem.</i> endete in kurzer Zeit sein Leben.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p><i>Berke Aghul</i> erhielt die chanische Krone, dessen Heere
+sich zu wiederholtenmalen mit denen Hulagu's schlugen,
+und als die Chanschaft an <i>Mangu Timur</i> gekommen, war
+diess der Fall mit den Heeren Abakachan's, wie diess schon
+oben vorgekommen.</p>
+
+
+
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_419" id="Page_419">[419]</a></span></p>
+<h2><a name="III_Beilage" id="III_Beilage"></a><a href="#Inhalt">III. Beilage.</a></h2>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+<p class="center" style="font-size: larger">Auszug aus Wassaf über den Krieg zwischen
+Hulagu und Berke.</p>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+<div class="block">
+<p>Erwähnung der Ursachen der Bewilderung, welche
+zwischen Hulagu Chan und Berke Aghul
+statt gefunden.</p>
+</div>
+
+
+<p>Zur Zeit, als der welterobernde Padischah Dschengis-Chan
+alle Könige und Länder der Welt beherrschte und
+besass und dieselben seinen vier Söhnen Tuschi, Tschagatai,
+Ogtai und Tuli vertheilte und zumass, als er die Orte
+und Horte auf allen vier Seiten bestimmte, wie es seinem
+Scharfsinn gut dünkte und seinem durchdringenden Genius
+ziemte (die umständliche Theilung der Länder und Gebiete
+ist in der Geschichte <i>Dschihanguschai</i> ausführlich
+beschrieben), wurden dem Dschagatai die Stationen und
+Regionen von den Gränzen der nigurischen Pässe bis nach
+Samarkand und Bochara zugetheilt, und sein gewöhnlicher
+Aufenthalt war in der Nachbarschaft von <i>Almaligh</i>. <i>Ogotai</i>,
+welchen der Vater bei seinen Lebzeiten noch zum
+Nachfolger bestimmt hatte, residirte an den Gränzen von
+<i>Imil</i> und <i>Kobak</i>, welches der Chanschaft Thron und der
+Nabel des Reichs. <i>Tuli</i> besass die Jurte, welche an die
+Chatai's stiessen, und von Kialik und Chuaresm, von den
+äussersten Gränzen von Saksin und Bulghar bis an die
+Gränzpässe von Derbend und Baku, war Alles auf den Namen
+des ältesten Sohnes Tuschi geschrieben. Hinter Derbend,
+welches insgemein das eiserne Thor heisst, war das
+<span class='pagenum'><a name="Page_420" id="Page_420">[420]</a></span>
+Winterquartier seiner Heere, von wo dieselben bis Arran
+streiften, und Arran und Aserbeidschan gehörten noch zu
+ihren Ländern. Die Ursachen, welche Stoff zum Streit
+herbeiführten und die Zwistigkeit schürten, sind die folgenden:
+Im Winter des Jahres 662 (1263), als der Goldschmied
+der Allmacht die Flüsse von Derbend mit Silberplatten
+überzogen, und der Kirschner des Winters nach dem
+Maasse der Hügel und Haiden denselben Hermelinkleider
+angezogen, als die Oberfläche des Flusses auf die Tiefe
+eines Lanzenfusses gefroren wie Bein und Stein, ging auf
+Befehl Berke Aghul's ein Heer von Mongolen, die unreiner
+als Wüstenteufel und Ghulen, und deren Schaaren
+zahlreicher als die Tropfen des Regens waren:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Sie kamen, Flüsse tragend,<br /></span>
+<span class="i0">Wie Teiche Wogen schlagend,<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>über den gefrornen Fluss wie Feuer und Wind geschwind.
+Von dem Gewieher und Geklirre ihrer Pferde und Truppen
+war die Zauberin der Erde voll rollender Donner und
+leuchtender Blitze; im flammenden Feuer des Zornes kamen
+sie bis an die Ufer des Kur (Cyrus). Hulaguchan
+ging ihnen zur Abwehrung des Funkens ihres Bösen mit
+einem Heere entgegen:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Morgens trafen sie auf ein vermischtes Heer,<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Unaufhörlich zog es wie die Erde her.<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Pferde, schwerbepanzert, mit zwei Reitern liefen<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Unterm Staub wie Dromedare in die Tiefen;<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Klingen strahlen weiss und Speere dunkeln braun;<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Sieh! die Braunen bohren und die Weissen hau'n.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>In dem Treffen wurden sie geschlagen und zogen sich
+alsogleich zurück:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Wenn sie fliehen, wird der Feind nach ihnen ziehen,<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Wenn sie stehen, ist es um ihr Gut geschehen.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Im Passe Baluje standen sie abermal zur Schlacht. Es froren
+die Füsse dem Boden an, und im Heere Berke's
+hielten Klein und Gross, Mann und Ross aus, bis dass
+sie alle erschlagen, und die Andern, besiegt, die Zügel
+der Flucht davon getragen. Hulagu erlaubte den Heeren
+<span class='pagenum'><a name="Page_421" id="Page_421">[421]</a></span>
+nicht, zurückzukehren, bis sie nicht über den gefrorenen
+Fluss gesetzt.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Des Blutes Ströme gehn wie Wasserrinnen,<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Die Säbel löschen ihren Durst darinnen;<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Sie schwanken zwischen Tod und zwischen Leben<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Und zwischen Leichtsinn und vernünft'gem Streben.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>So wurden von Tag zu Tag die Stationen der Rebellen die
+Lagerorte des ilchanischen Heeres. Sie schlugen auch den
+Weg friedlicher Unterhandlung und Ausgleichung ein, und
+thaten die Hand der Verlängerung auf, bis sie das ganze
+Land von den Nachtheilen der Usurpation gereinigt und
+die Uebermacht der Fremden daraus verbannt.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>A. V.</i> Sie fielen aus im Sturm auf die, so in der Nähe;<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">A. V. </span>Wir fielen aus im Sturm auf die uns in der Nähe.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Sie trieben sie in die Enge und verfolgten sie durch einige
+Stationen Länge. Als der feindeverbrennende Padischah mit
+seinem glücklichen Lager herangenaht, gab er den Befehl,
+die Genossen Berke Aghul's, welche zu Tebris im Besitze
+von Reichthum und Waaren, mit Handel und Wandel beschäftigt
+waren, hinzurichten und ihre Güter in dem Schatze
+aufzuschichten. Viele derselben waren blos Commissaire,
+in deren Händen die Capitale und Güter ihrer Principale
+geblieben waren. Berke Aghul, um Gleiches mit Gleichem
+zu vergelten, liess die Kaufleute der Länder des Chans
+tödten und legte ihnen auf diese Weise das Geschäft. Der
+Weg der Gehenden und Kommenden, das Reisen der Kaufleute,
+war nun auf einmal, wie das Geschäft der Verdienstvollen,
+gesperrt und die Teufel der Unruhe waren der
+Flasche der Zeit entsprungen. Indessen hatte Kublai Kaan
+einen Gesandten gesendet und die Dinge Bochara's anders
+gewendet. Von sechzehn Hesaren, welche zu Bochara lagen,
+waren fünf dem Batu anhänglich, drei der Frau <i>Kutibeg</i>,
+der Mutter Hulagu-Chan's, und die übrigen dem
+Ulugh Kul, das ist dem grossen Delai, welche jedem der
+Kinder Tschengis-Chan's, die von dem Throne der Chanschaft
+Besitz nähmen, zu Befehl. Diese fünf Hesare führte
+<i>Batu</i> in das Feld und las ihnen von den Klingen der
+<span class='pagenum'><a name="Page_422" id="Page_422">[422]</a></span>
+Schwerter, welche die Bothen des Todes, des rothen, ihr
+Todesurtheil vor. Ihrer Güter, Weiber, Söhne wurde nicht
+geschont. Da die Regel des Spruches:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Die Liebe erbt fort und der Groll erbt fort,<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>in der Ansicht der Vernünftigen gegründet ist, so breitete
+auch <i>Mengu Timur</i>, der Sohn <i>Berke Aghul's</i>, welcher
+nach dessen Tode dessen Stelle vertrat, wider <i>Abaka Kaan</i>
+den Teppich der alten Widerspenstigkeit auf, und es hatten
+zwischen ihnen zu widerholtenmalen Streitigkeiten und
+Zwistigkeiten Curs und Lauf. Einmal wurden 30,000 Reiter,
+säbelschärfende, lanzenwerfende, zur Zeit ihrer Rückkehr
+über den Fluss wie zerbröckeltes Eis aufgerieben und
+in den Abgrund getrieben und das Resultat ihres Lebens
+auf die Platten von Eis geschrieben. Als nun der hohe
+Abaka Chan mit der Menge ihrer Heere und ihrer Kühnheit
+näher bekannt, zog er gegen Derbend eine Mauer durchs
+Land, welche <i>Sitab</i> genannt, um diesen weltverwirrenden
+Heeren den Einfall und Einbruch zu erschweren. Diese
+beiderseitige Feindschaft bestand, und diese gegenseitige
+Huth und Scheelsucht hatte Bestand, bis Kendschatu, der
+Chan, im Land. Als <i>Noghai</i> der Erbe des Landes Mengu
+Timur's ward, wurde durch gegenseitige Gesandtschaften und
+Schreibenwechsel der Weg der Kaufleute und Handelsgenossen
+wieder aufgethan. Die Ursachen des Heiles lagen
+in dem Plan; das Land Arran fing durch die Menge von
+Wagen und Zelten, von Pferden und Schafen Wogen zu
+schlagen an und dieser Länder Waaren nach einigen Jahren
+wieder an zu gebahren.</p>
+
+
+
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_423" id="Page_423">[423]</a></span></p>
+<h2><a name="IV_Beilage" id="IV_Beilage"></a><a href="#Inhalt">IV. Beilage.</a></h2>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+<p class="center" style="font-size: larger">Auszug aus Wassaf über das Papiergeld.</p>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+<div class="block">
+<p>Erläuterung der Ursachen, welche die Einführung
+und Vernichtung des Papiergeldes (Dschaw)
+herbeigeführt.</p>
+</div>
+
+
+<p>Der von ewig her bestehende Spender der Nahrung und
+der allweise Schöpfer (geheiligt seien seine Eigenschaften!),
+welcher die Bewohner der vier Wände der Naturen der
+Menschheit und die Eingekerkerten der sechs Richtungen
+irdischer Körper bald ohne Anlass geleisteten Dienstes durch
+den Ausfluss seiner, keinen Dank ansprechenden Gnaden bestimmt,
+und bald ohne vorhergehende Schuld seine Geschenke
+und Spenden zurücknimmt, Er dessen ewige Wissenschaft:
+Koranstext:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">&bdquo;<i>Ihm ist kein Sonnenstäubchen fremd</i><br /></span>
+<span class="i2"><i>auf Erden und im Himmel</i>&ldquo;<a name="FNanchor_763" id="FNanchor_763"></a><a href="#Footnote_763" class="fnanchor">[763]</a>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>das vollkommenste Gemälde der Herrschergrösse ist, wollte
+es so, dass nach der Begebenheit (der Thronbesteigung)
+Arghun-Chan's in alle Herden der Mongolen eine Seuche
+fiel, welche sie in ihrer Sprache <i>Jut</i> nennen. Aus diesem
+Anlass fehlte es den meisten Truppen zu Bagdad, Mossul,
+Diarbekr und Chorasan an den nöthigen Lastthieren und in
+dem Schatze war durch die Veränderung der Chane und
+Vergeudung des Goldes an die Truppen nichts zurückgeblieben;
+<span class='pagenum'><a name="Page_424" id="Page_424">[424]</a></span>
+diess war der zweite Unglücksfall; dazu kam noch
+drittens, durch die angeborne Huld und natürliche Freigebigkeit
+des Vorsitzes der Welt und der Zeit, um die
+Völker zufrieden zu stellen und um Nothdurft zu stillen,
+ein Ausgabenüberschuss und Gnadenüberfluss; das vierte
+war die wenige Achtung des Ilchan's für Geschenke und
+Gaben und seine Verachtung der Oeconomie<a name="FNanchor_764" id="FNanchor_764"></a><a href="#Footnote_764" class="fnanchor">[764]</a>, d. i. des
+Besitzes in beweglichem und unbeweglichem Gut<a name="FNanchor_765" id="FNanchor_765"></a><a href="#Footnote_765" class="fnanchor">[765]</a>, an
+Geld und Vieh, und das Sprichwort sagt: &bdquo;<i>Die Fünf
+findet sich in den Fünfzig.</i>&ldquo; Er hatte in der Zeit von
+zwei Jahren, während welchen der Welt Vorstand der
+Wissenschaft und Herrschaft vorstand, gegen fünfhundert
+zu Leihe genommene Tomane mittels rother Fertigungen
+an die Herren der Anweisungen übertragen, so, dass die
+grossen Fürsten diese Sache endlich gewahr wurden. Eines
+Tages hörte man von dem Munde des Herrn (des Grosswesirs)
+folgende Worte: &bdquo;<i>Seadeddewlet</i> hat zur Zeit, als
+er die Geschäfte der Länder förderte und tausend Tomane
+in dem grossen Schatze bereit lagen, und die
+stärkste Veranlassung zu dieser Zusammenhaltung Arghun-Chan's
+genaue Verwaltung gewesen, die Einkünfte und
+Ausgaben der Finanzen ohne rothe Fertigung<a name="FNanchor_766" id="FNanchor_766"></a><a href="#Footnote_766" class="fnanchor">[766]</a> besorgt
+und für die Verproviantirung des Heeres und alle Erfordernisse
+der Küche, des Lagers und der Frauen gesorgt,
+und so habe der Ilchan in der kurzen Zeit von vierzig
+Jahren vom Jurt <i>Dilbertschin</i> bis nach <i>Kiawbasi</i> ein und
+vierzig Tomane für die Frauen, Pagen und Vertrauten der
+Majestät hergegeben.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Wenn Du aufgehst, müssen Sonn' und Mond sich niederlegen,<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Wenn Du scheidest, müssen sich verstecken Meer und Regen.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_425" id="Page_425">[425]</a></span></p>
+<p>Zur Zeit Abaka-Chan's und Sultan Ahmed's waren für die
+ganzen Kosten der Küche nur vierzig Tomane bestimmt
+und doch waren die Verwalter und Küchenaufseher<a name="FNanchor_767" id="FNanchor_767"></a><a href="#Footnote_767" class="fnanchor">[767]</a> nicht
+sicher vor dem Tadel der Tadelnden und dem Spotte der
+Spottenden und dem Schimpfe der Schimpfenden. Zur Zeit
+(Unserer) den Tag vermehrenden Regierung haben Wir
+hundert fünf und sechzig Tomane auf diese Weise an goldenen
+Verwendungen ausgetheilt, und dennoch rufen sie
+immerwährend: Wer gibt mehr? Die Prinzen und Prinzessinnen
+geben immer neue Wünsche kund und schliessen,
+gegen einander rechtend und spiegelfechtend, nicht den
+Mund.&ldquo; Der Zweck dieser Prolegomenen ist, dass der
+Schatz auf alle Weise für den Bedarf baaren Geldes<a name="FNanchor_768" id="FNanchor_768"></a><a href="#Footnote_768" class="fnanchor">[768]</a> bedurfte,
+dass die Einkünfte der Länder in einem Jahre 1800
+Tomane, die bestimmten Ausgaben 700 Tomane betrugen
+und dass der Rest für die wichtigsten Geschäfte des Reiches,
+für die Gaben und Geschenke des Padischah nicht
+hinreichte. Der Herr des Diwans befahl, die Auflagen der
+Länder, besonders der von Bagdad und Schiras, welche
+der Gürtel des Reiches, zu läutern<a name="FNanchor_769" id="FNanchor_769"></a><a href="#Footnote_769" class="fnanchor">[769]</a>; doch der Ueberschuss
+der Ausbeutungen des Dieners (des Grosswesirs) gab
+für die Majestät, auf deren Weberstuhl der Einschlag gestreifter
+Kleider steht, so viel aus, als der arabische Spruch:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Es sättigt nicht, was vom Zahnstochern kommt heraus,<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>und durch diese Massregeln der Läuterung wurde der Verwirrung
+der Finanzen nicht abgeholfen. Da befand sich
+<i>Aseddin Mosaffir Ben Mohammed Amid</i>, dessen hässliche
+Gestalt, dessen geschminktes Gesicht, dessen gebrechliche
+Constitution und schändliches Naturel ein Muster seiner
+Sitten und Eigenschaften war, im Lager an der Seite der
+Majestät und des Grosswesirs, als dessen Berather und leitender
+<span class='pagenum'><a name="Page_426" id="Page_426">[426]</a></span>
+Vater. Er war's, der die Mühle des Betruges in
+den Gang gebracht, der mit Hoffnung und Furcht denselben
+kirr gemacht. Aus Eingebung schlechter Seele, welche,
+allen Geschäften des Menschen feind, als das Gegentheil
+des ursprünglichen Guten erscheint, wollte er seinen
+schlechten Namen bei den Weltbewohnern einfassen in einen
+ewigen Rahmen, damit er auf der Erde bis zu dem Tage
+der Auferstehung das Ziel der Pfeile des Fluches und des
+Spottes aller Menschen werde. Er stellte vor: &bdquo;Es fehlen
+zur hinlänglichen Aufbringung der Gelder die Quellen; sei
+es im Schlimmen, sei es im Guten, bedarf der Schatz Gold
+für seinen Bedarf. Die Ueberschüsse der Einkünfte sind
+Heu und Spreu<a name="FNanchor_770" id="FNanchor_770"></a><a href="#Footnote_770" class="fnanchor">[770]</a>, und Anlehen zu machen, gehört künftighin
+zu den schwierigsten Sachen. Wenn es sich darum
+handelte, schnell das Heer zu rüsten und beritten zu machen,
+würde es schwer halten in allen Sachen, und das
+tändelnde und schändende Gerede der grollenden Feinde,
+die schnell und hart daherfahrende Fehde daimonischer
+Männer, von denen jetzt keine Rede, würde sich breit
+machen; die Bemühungen und Bestrebungen, welche dermalen
+gäng und gäbe, um die Spalten des Reiches zu verdämmen
+und um durch rechtliche und wohlthätige Gesinnung
+alles Unrecht zu hemmen, würde ein Ende nehmen,
+und wollte man (was jedoch nicht unmöglich anzunehmen)
+öffentlich die reinen Wasser mit Steuern belegen, oder neue
+Vergantungen<a name="FNanchor_771" id="FNanchor_771"></a><a href="#Footnote_771" class="fnanchor">[771]</a> und schwere Strafgelder den Unterthanen
+zumuthen und auflegen, so würde dieses die Gemüther erbittern
+und das Land würde verwittern. Eine Maassregel,
+welche, vor allem Angriff vor Verschwärzern geschützt,
+schnell zur Herstellung alles Verfalles nützt und mannigfaltigen
+Nutzen umfasst und besitzt, ist mir so in den Sinn
+gekommen, dass man, wie in den Ländern des Kaan, auch
+in denen des Ilchan das Scheingeld, statt Silbers und Goldes,
+in Umlauf setze, damit dadurch die Thore des Verkehres
+geöffnet würden, damit das Geld ganz in den Schatz
+<span class='pagenum'><a name="Page_427" id="Page_427">[427]</a></span>
+einlaufe und Schaden und Verlust keinen Menschen treffe
+auf Erden.&ldquo; Nach diesen vorausgeschickten eingebildeten
+Gründen trugen der Herr des Diwans und <i>Bulad Dschinksanek</i>,
+der Gesandte des Kaans, das Wort vor. Da diese
+Maassregel dem Aeussern nach den Reichthum vermehrte,
+die Magazine der Kaufleute leerte, den Armen und Elenden
+Beruhigung gewährte, so schien dieselbe Anfangs denen,
+die darüber nachdachten, erspriesslich und gut. Der
+Ilchan erliess ein Diplom, befehlend, absolut und entscheidend,
+kurz und gut, dass man auch in den übrigen Ländern
+nicht mehr mit baarem Gelde Handel und Wandel
+treibe, sondern dass man überall die Webung goldener
+Kleider abschaffe und nur soviel davon gestatte, als für das
+Kleid des Padischah und seiner nächsten Umgebungen erforderlich
+sei, dass man sich nicht mit Verfertigung goldener
+und silberner Geschirre und mit keiner Kunst, welche
+Vergeudung des Goldes und Silbers mit sich führe, befasse,
+dass man die Goldschmiedekunst und die Silberarbeiterei
+der Gesichtsfarbe und dem thränenden Auge der
+Verliebten überlasse; kurz, durch die Einflüsterung und
+Verführung, Verlockung und Versuchung dieses Unholdes
+und gespenstischen Koboldes, der seinen Herrn auf diese
+Weise schändete, geschah es, dass er in alle Länder, in's
+arabische und persische Irak, nach Diarbekr, Rebiaa, Mossul
+und Miafarakein, nach Chorasan und Kerman und Schiras
+einen grossen mit diesem Geschäfte beauftragten Emir
+sandte, und dass überall eine Fabrik solchen Scheingeldes
+errichtet, dass Verwalter, Schreiber, Schatzmeister und
+andere Beamte dabei verwendet und überall grosse Summen
+zur Verfertigung des Scheingeldes gespendet wurden.
+Durch die Verlautbarung dieser Geschichten wurden die
+Völker in den Reif des Erstaunens gezwängt und blieben
+in demselben ohne Seele beengt.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Schnell, wie die Hoffnungen, des Lebens Zeit vergeht,<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Und umgekehrt, auf Persisch heisset <i>Dem</i> nur <i>Med</i><a name="FNanchor_772" id="FNanchor_772"></a><a href="#Footnote_772" class="fnanchor">[772]</a>.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p><span class='pagenum'><a name="Page_428" id="Page_428">[428]</a></span></p>
+<p>Die Gestalt und Form des Scheingeldes <i>Dschaw</i> war diese:
+Ein länglichtes, viereckiges Blatt Papier mit einigen chinesischen
+Worten beschrieben, in denen immer Fehler geblieben<a name="FNanchor_773" id="FNanchor_773"></a><a href="#Footnote_773" class="fnanchor">[773]</a>;
+ober diesen chinesischen Worten stand auf beiden
+Seiten:</p>
+
+<p class="center">&bdquo;<i>Es ist kein Gott als Gott, und Mohammed ist sein Prophet!</i>&ldquo;</p>
+
+<p>Dieses war das Gepräge dieses Silberblattes, der Juwelenknoten
+dieses Perlenstates, das Tughra dieser Befehle und
+das Amulet dieser Kehle; unter demselben war geschrieben:
+<i>Iritschi Turitschi</i>, auf Chinesisch (uighurisch), d. i.
+<i>Sobald es angekommen, sei es für bleibend angenommen!</i>
+In der Mitte war ein Kreis beschrieben, der aber ausser
+dem Mittelpunkt ruhiger Ansicht liegen geblieben; dabei
+war der Werth des Papieres von einem <i>halben Dirhem</i> bis
+<i>zehn Goldstücke</i>, und dann in Schrift das, was folget, geschrieben:
+&bdquo;<i>Der Padischah der Welt hat im Jahre 693
+(1293) eingesetzt dieses gebenedeite Papiergeld; es soll
+cursiren in Ländern allen; wer es verfälscht oder verändert,
+sei mit Weib und Kind der Todesstrafe und sein Gut
+dem Fiscus verfallen.</i>&ldquo; Nach Schiras war ein Patent dieses
+Papiergeldes, das, sehr ausführlich und lang, eingebildete
+Fragen aufwarf und die Antworten darauf aufdrang,
+gekommen. Ein Exemplar desselben ist noch in den Händen
+und es wäre unnütz, darüber noch mehrere Worte zu
+verschwenden. Das Wesentlichste seines Inhaltes ist: &bdquo;dass,
+sobald das gebenedeite Papiergeld Goldes statt, wie die
+Thränen der Verbannten Lauf gefunden hat; so wird Armuth
+und Dürftigkeit und Schaden und Elendigkeit verschwunden
+sein unter den Söhnen der Zeit, Korn und Getreide
+wird zu haben sein in Wohlfeilheit, und Arme oder
+Reiche sind dann einander gleich.&ldquo; Die Dichter und Trefflichen
+der Zeit haben zum Lobe des Papiergeldes nach
+der Eingebung ihres Genius dem Padischah und dem Herrn
+<span class='pagenum'><a name="Page_429" id="Page_429">[429]</a></span>
+des Diwans lobend die Resultate ihrer Gedanken geweiht;
+als eine Probe von diesem Lobe ist das folgende Distichon
+aus einem Bruchstücke eines der Trefflichen hier eingereiht:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">&bdquo;Geht Papiergeld in der Welt,<br /></span>
+<span class="i0">Sein Entgelt<a name="FNanchor_774" id="FNanchor_774"></a><a href="#Footnote_774" class="fnanchor">[774]</a> sie frisch erhält.&ldquo;<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Es erging der Befehl, dass alle Künstler und Handwerker,
+welche Gold und Silber in ihren Arbeiten verarbeiten, dasselbe
+aus dem Hause, wo das gebenedeite Papiergeld ausgetheilt
+ward, erhalten, dass Alle, welche als Befehlshaber
+Länder verwalten, nach ihren Verdiensten ihre Besoldungen
+und Bezahlungen dort beziehen sollen, dass das alte abgenützte
+Papier dorthin gelangen, und der Bringer für den
+Gehalt von zehn Dinaren alten Papiergeldes neun Dinare
+neues empfangen soll, dass die Kaufleute des persischen
+Meeres, welche in fremde Länder handeln und wandeln aus
+dem Schatze Gold erheben und dafür ihr Papiergeld abgeben
+sollen, vorausgesetzt, dass dabei der Weg der Behutsamkeit
+beobachtet und ihre Erlaubniss und Befugniss
+von Nowaben und Aufsehern des Diwans gehörig betrachtet
+und erachtet worden sei. Verfügungen dergestalten waren
+in diesem Patente enthalten.</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Tausendmal ist's besser, gar nicht anzufangen,<br /></span>
+<span class="i0">Was zu keinem Resultate kann gelangen.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Wenn (wovon das Gegentheil nicht zu denken) diese Bedingungen
+nicht schon von Grund aus schlechter Art, wenn
+mittels der Umwälzung der Zustände, der Uebertragung der
+Herrscherkräfte und Veränderung der Geschäfte, diese Befehle
+von allem Fehle beschützt und bewahrt geblieben,
+wenn die Leute ohne Widersetzlichkeit und Blödigkeit,
+dasselbe zu nehmen und zu geben und den Lauf desselben
+zu gewähren, willig gewesen wären, so wäre es möglich
+gewesen, dass einige dieser präliminären Verfügungen gekommen
+wären zu eines Resultates Ehren; allein, wie man
+diess immer aus dem Gesichtspunkte der Vernunft und der
+<span class='pagenum'><a name="Page_430" id="Page_430">[430]</a></span>
+Analogie betrachtet, so ist dieses eine Maassregel, nicht
+verwaltbar und (auf dem Spitz ein Kegel) nicht haltbar,
+besonders da der Zweck dieser Einbildungen ganz und gar
+kein andrer war, als die Schätze des Padischah zu erneuen
+und die der Unterthanen zu zerstreuen.</p>
+
+<p class="center">&bdquo;<i>Zu bewahren des Moslim's Gut, ist Pflicht,<br />
+wie zu bewahren des Moslim's Blut.</i>&ldquo;</p>
+
+<p>In der practischen Philosophie ist durch Beweise festgesetzt,
+dass das Gold von Gott, als die kleine Gesetzgebung, eingesetzt;
+dass dasselbe den Werth der Sachen bestimmt und
+die Ordnung der Welt in Anspruch nimmt; dass ein kleiner
+Theil desselben eine grosse Menge anderer Sachen vertritt,
+deren Transportirung und Verführung sehr schwer und vielen
+Ungemaches nicht leer; dass wegen seiner inneren Festigkeit
+und Trefflichkeit dasselbe vor aller Gefahr der
+Vernichtung geschützt; dass es nicht durch Wasser, nicht
+durch Feuer, nicht durch Schneiden und Stossen verwundet
+wird und abgenützt. Diese Bedeutung bedarf keiner
+Erweiterung und Erläuterung,</p>
+
+<p class="center">&bdquo;<i>Diess ist Erforderniss mündiger Weisheit.</i>&ldquo;</p>
+
+<p>Die Nothwendigkeit und Dürftigkeit ist's, welche demselben
+Adel verleiht;</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Wenn ich ein Gottesfürchtiger nicht wäre,<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Erwies' ich selbem göttliche Ehre.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>&bdquo;<i>Für der Welt Wunden ist das Pflaster im Golde gefunden</i>,&ldquo;
+ist ein bekanntes Sprichwort;</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Vers.</i> &bdquo;Hätte ich Gold, so wären meine Geschäfte auch golden;<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Vers. </span>Golden sind sie nicht, weil ich besitze nicht Gold.&ldquo;<br /></span>
+</div><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Ar. V.</i> Kein Gesandter fährt mit besserem Glück,<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Ar. V. </span>Als das rundgeprägte Silberstück.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Wenn der Schreiber (dieser Geschichte) die Gleichnisse und
+seltsamen Einfälle, welche die Wohlberedten Arabiens und
+Persiens über die Eigenschaften, den Nutzen und das Lob des
+Papiergeldes geschrieben, und die ihm im Gedächtniss geblieben,
+aufgeschrieben hätte, so hiesse dieses Buch <i>die goldene
+Kette</i><a name="FNanchor_775" id="FNanchor_775"></a><a href="#Footnote_775" class="fnanchor">[775]</a> oder <i>die unvollkommene Erreichung des
+<span class='pagenum'><a name="Page_431" id="Page_431">[431]</a></span>
+Zweckes</i>. Würde aber mit diesen Lobsprüchen das Gold
+zerstieben, woraus würde man denn verfertigen die Kronen
+mächtiger Sultane und Reiter, die Ohrgehänge, Armbänder
+und Knöchelringe der Schönen, welche den sich blähenden
+Busen gewärtigen? und wie könnte denn, mit dem papiernen
+Geld, die frische Rose, welche freudig die goldene
+Scheibe in der Faust und Goldbarren (die Staubfäden) im
+Busen verborgen hält, wie könnte sie die Wange des Windes
+anlachen? und wie könnte die Blüthe ohne Silber sich
+einen Schatz für ihr Alter zur Hülfe wider das anrückende
+Heer des Frühlings machen? Die trunkene Narcisse ist
+bemüht, im Zauberschlafe mit dem Traume des Goldes ihr
+sehnendes Auge zu färben, und im steinernen unbarmherzigen
+Herzen des Berges stocken die Blutadern (die Rubinen)
+aus Begierde, sich von der goldausstreuenden Sonne
+Einiges zu erwerben. Wie könnte das Gold einem Stücke
+Papier sich vergleichen? wie könnte den Werth von jenem
+dieses erreichen, welches durch einen Funken aufgeht in
+Rauch und wie die Töchter der Luft (die Dämpfe) davonfliegt
+bei des Windes geringstem Hauch, welches durch
+einen Tropfen Thau wird des Wassers Raub und im Staube
+wird zu Staub? Die Prahlerei kannte keine Gränzen mehr,
+und durch die Vergleichungen und Herausstreichungen ward
+die Traurigkeit immer mehr und mehr. Im Silkide d. J.
+693 (1293) kam das Papiergeld zu Tebris in Lauf und vermöge
+der Herzensknoten und den Maassregeln von der Vernunft
+geboten, begann man sogleich, um seine Seele zu
+schützen und um etwas zu besitzen, mit Speisen und Waaren
+niedrigen Handel und Wandel. Binnen drei Tagen war
+Tebris, welches das kleine Kairo hiess, wie der Beutel der
+Geduld der Sehnsüchtigen leer; im Lande war kein Glanz
+und keine Freude mehr, und die Brust der Sicherheit und
+Rechtlichkeit hatte nicht Fett noch Schmeer. Die Laden
+und Gassen waren wie öde Häuser verlassen und geleert,
+die Thore des Handels und Wandels waren versperrt. Verkaufte
+man den Man Brotes um Einen Dukaten, so glaubten
+die Käufer, dass sie gewonnen, und die Verkäufer,
+<span class='pagenum'><a name="Page_432" id="Page_432">[432]</a></span>
+dass sie verloren hatten. Ein Freund erzählte mir vom
+Blitze der Witze jener Gegend, was folgt: In dieser Umstände
+drängender Gefährde stand ich gaffend zu Tebris
+auf dem Markte der Pferde. Die Verkäufer schlugen ein
+Pferd, das um fünfzehn Goldstücke doppelt bezahlt gewesen
+wäre, schlugen dasselbe, fortgezogen durch der Begebenheiten
+Wogen, um hundert und fünfzig Dukaten Papiergeldes
+an, und der Käufer, aus Freude über den grossen
+Preis, lief herum im Kreis, um durch diesen Reigen gleichsam
+die Bewegung des Pferdes zu zeigen; dann bestieg er
+einen Gaul, tummelte denselben nicht faul, bis er aus den
+Augen verschwand. Seine Abreise war zum folgenden Verse
+der Realcommentar:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>A. V. des Verfass.</i>: Wer das Papiergeld erfand, verführt als schlimmer Betrüger,<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">A. V. des Verfass.: </span>Unter den Hunden ist keiner so trügrisch wie er.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Der Lärmen und das Getöse, der Saus und Braus der Nationen
+stieg bis an den Gürtel der Constellationen; die Befehlshaber
+und das Heer hatten keine Geduld mehr, das
+gemeine Volk flehte am Freitag in der Moschee mit klagendem
+Gebete; es verlauteten die Klagen über die Ungerechtigkeit,
+womit sie geschlagen. Sie verfluchten den
+Aseddin Mosaffir mit allen denen, welche zu dieser Neuerung
+und Theuerung das Gleiche beigetragen:</p>
+
+<p>Spruch der Ueberlieferung: &bdquo;<i>Wer schlechte Sitte eingesetzt,
+dem wird sie bleiben als Last bis an den jüngsten
+Tag.</i>&ldquo;</p>
+
+<p>Sie wollten ihn mit seinen Einverstandenen erschlagen. Sie
+flohen aus dem Kreise und nahmen mit ihrer Seele bösen
+Namen mit auf die Reise. Die Trefflichen und Dichter der Zeit
+waren, ihn mit Spottgedichten zu durchgeiseln, bereit; so
+sagte Einer derselben, als er den Namen <i>Amidol-mülk</i>, die
+Säule des Reichs, angenommen:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Das Schiff <i>Amidol-mülk's</i> inmitten Reichsgefahr,<br /></span>
+<span class="i0">Ist wie das Wasser, wenn damit ein Schiff<a name="FNanchor_776" id="FNanchor_776"></a><a href="#Footnote_776" class="fnanchor">[776]</a> gefüllt.<br /></span>
+<span class="i0">Sein schlechter Bart ist schlechter als des Hundes Haar,<br /></span>
+<span class='pagenum'><a name="Page_433" id="Page_433">[433]</a></span>
+<span class="i0">Diess ist dagegen Atlas und ein seidner Quilt<a name="FNanchor_777" id="FNanchor_777"></a><a href="#Footnote_777" class="fnanchor">[777]</a>.<br /></span>
+<span class="i0">Sieh, ob er morgen stehet noch auf dem Altar,<br /></span>
+<span class="i0">Wiewohl er heute für des Reiches Summe gilt.<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Auch das folgende Bruchstück reimte Einer:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Du bist nicht Weltenehre, du bist der Schimpf der Welt,<br /></span>
+<span class="i0">Die auf dein Sein und Wohl nicht das Geringste hält.<br /></span>
+<span class="i0">Wenn <i>Geber</i>, <i>Jud</i>, <i>Moslim</i> vor der Altäre Stufen<br /></span>
+<span class="i0"><i>Ormusd</i>, <i>Jehova</i> und <i>Allah ist gross!</i> ausrufen,<br /></span>
+<span class="i0">So flehen alle drei in Unterthänigkeit<br /></span>
+<span class="i0">Zur Majestät des Herrn, der Welten Glück verleiht,<br /></span>
+<span class="i0">Es möge ihm in dieser Welt von allen Dingen<br /></span>
+<span class="i0">Kein einziges nach seines Herzens Wunsch gelingen!<a name="FNanchor_778" id="FNanchor_778"></a><a href="#Footnote_778" class="fnanchor">[778]</a><br /></span>
+</div></div>
+
+<p>Zu Schiras wurden fünf Tomane Goldes in Sachen des Papiergeldes
+ausgegeben. Da das Papier, in welchem das
+Capital der Männer von Verdienst bestand, auf vierzig Weisen
+ging von Hand zu Hand, so hätte der, welcher heimlich
+von den Nowaben der Papierfabrik einen Teller Goldes
+hätte erwirkt, spurlos wie das Gold sein Dasein verwirkt.
+Zu dieser Zeit wurde an einen Bruder der Reinigkeit (an
+einen guten Freund) wie es scheint, das folgende Bruchstück
+verfertigt und in der gehörigen Form abgefertigt:
+&bdquo;Der Sicherheit Kiel laufe auf dem Blatte der Wohlfahrt
+für NN. zum Ziel! und Gott helfe Dir, wo Du immer sein
+mögest, gleichviel! Der aufrichtige Wohlwünscher und
+ganz eigene Sehnsüchtige legt gleich der Feder den Gürtel
+freundschaftlicher Liebe um die Mitte an; er hat den
+Mund zu wohlduftendem Preise und eröffnendem Wunsche
+aufgethan, und stellt das Gesicht reinen Verhältnisses weiss
+und klar mit Schriftzeichen der Aufrichtigkeit folgendermaassen
+dar: Das offene Feld der Sehnsucht nach dem Umgange
+mit dem Freunde, dem vertrauten, welcher süsser
+als das gewöhnliche Leben, hat sich Perlen gleich so ausgebreitet,
+dass es unmöglich ist, die Länge und Breite dieses
+<span class='pagenum'><a name="Page_434" id="Page_434">[434]</a></span>
+Feldes mittels der Messkunst des zweizüngigten Kieles
+und mittels der Quadratfläche des zweigesichtigen Papieres,</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Dieses ist heut in der Welt eben so wenig zu finden
+als der Ambra</i>,&ldquo;</p>
+
+<p>auszumessen. Schon geraume Zeit ist's, dass die goldenen
+Papageien der Federn, welche das Wort ausschreien:</p>
+
+<p class="center">&bdquo;<i>Mittels der Federn werden die Länder regiert</i>,&ldquo;</p>
+
+<p>von der Moschustränke der Gnaden des Tintenzeuges dem
+weissen Silbersitze der Gärten der Wörter nicht zugeflogen,
+und dass die Gesandten freundschaftlicher Anzeige aus dem
+<i>Kairewan</i> des Westens nach dem Lande des Südens Botschaft
+bringend ausgezogen. Wenn das Gemüth Gedanken
+und ihren Ausdruck flieht, so muss der Kiel der Denkkraft
+auf eingebildetem Blatte weilen oder die rothe Thräne die
+Schwärze des gekränkten Auges heilen. Es wird erwartet,
+dass einige Blätter jener Art, von welchen allein vor diesem
+Freund die Rede (einige Blätter Papiergeldes) <i>wie
+Blätter der Bäume voll Glanz, wie Busen der Schönen
+geglättet ganz, hell wie das aufgehende Licht und wie der
+aufrichtige Morgen, wenn er anbricht</i>, die Klagen der auf
+den Kopf geschlagenen Feder stillen werden. Bliebe aber
+das Gesicht dieser begehrten Sicherheit in den Schleier
+der Verweigerung verhüllt, so ist dieses Stoffes genug, dass
+der trauernde Kiel der Klage über Unterdrückung nach
+dem Papierhemde der Bedrückten lange und das Gestöhne
+der kratzenden Feder bis zum Gipfel des Himmels Merkur's,
+des Schreibers des Himmels, gelange; dass der Kiel
+mit der Zunge <i>Chakani's</i> aus Schirwan, des Chakans der
+Bedeutungen, diesen Vers anwende:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Für mich sei Freundeshand als Klägerhemd gewandt,<br /></span>
+<span class="i0">Weil er verweigert mir die Feder, das Papier,<br /></span>
+</div></div>
+
+<p>und demselben sende.&ldquo; Als nun die Klage der Erde und
+der Stunde gedrungen zu des Himmels Runde, als die That
+und das Messer drang in die Seele ein und das Messer
+geschnitten bis an das Bein, als der Strom gelangt war
+zum Munde, stellten die Emire und Nuwianen einstimmig
+dem Herrn des Diwans vor: Wenn dieser Zustand noch
+<span class='pagenum'><a name="Page_435" id="Page_435">[435]</a></span>
+einige Zeit dauert; so ist aller Glanz der Länder aufgegeben,
+und es ist unmöglich die weitere Verwirrung zu heben:</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Willst du, dass man dir gehorche, so fordre nur das
+Mögliche!</i>&ldquo;</p>
+
+<p>Da ergingen wirksame Befehle, dass man das Papiergeld
+abstelle. Gesandte gingen nach allen Seiten, um die Abschneidung
+des Bösen und Einkleidung dieser Maassregel
+einzuleiten. So ward durch Gottes, des Allmächt'gen, Gnade
+dieses ungeheure Unglück:</p>
+
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0"><i>Koransvers</i>: Weist du, was da die Flammenwuth?<br /></span>
+<span class="i0"><span class="invisible">Koransvers: </span>Es ist der Hölle brennende Gluth!<a name="FNanchor_779" id="FNanchor_779"></a><a href="#Footnote_779" class="fnanchor">[779]</a><br /></span>
+</div></div>
+
+<p>abgekehrt und den Gemüthern aller Völker Freude gewährt.
+Vornehme und Gemeine sagten:</p>
+
+<p>&bdquo;<i>Gott sei gelobt und gebenedeit! Er hat von uns abgewendet
+die Traurigkeit; denn Er ist unser Herr, der
+Allen Alles verzeiht; Er liebet die Dankbarkeit.</i>&ldquo;</p>
+
+
+
+
+<p class="title big"><a name="Druckfehler" id="Druckfehler"></a><a href="#Inhalt">Druckfehler.</a></p>
+<div style="margin-left: -10%"><hr /></div>
+
+
+<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="Druckfehler">
+<tr><td align='right'>Seite.</td>
+<td align='right'>Zeile.</td>
+<td align='right'> </td>
+<td align='left'> </td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_8">8</a></td>
+<td align='right'>17</td>
+<td align='right'>v. u. statt</td>
+<td align='left'>Recht lies recht</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_9">9</a></td>
+<td align='right'>9</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Ocean l. Onon</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_11">11</a></td>
+<td align='right'>7</td>
+<td align='right'>&ndash;&ndash; &ndash;&ndash; st.</td>
+<td align='left'>Sprache l. Aussprache</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_13">13</a></td>
+<td align='right'>8</td>
+<td align='right'>&ndash;&ndash; &ndash;&ndash; st.</td>
+<td align='left'>vier l. vierzig.</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_15">15</a></td>
+<td align='right'>16</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Gjawr l. Gjawe</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_16">16</a></td>
+<td align='right'>7</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>der l. das</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_21">21</a></td>
+<td align='right'>16</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Begi l. Bigi</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_24">24</a></td>
+<td align='right'>2</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Tschitschejan l. Tschitschegjan</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_26">26</a></td>
+<td align='right'>9</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>darnieder l. worunter</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_27">27</a></td>
+<td align='right'>17</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>geschossener Pfeile l. geschossenen Pfeilen</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_32">32</a></td>
+<td align='right'>9</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Thronbesteigung als l. Thronbesteigung, zweimal als</td></tr>
+
+<tr><td align='right'> &ndash;&ndash;</td>
+<td align='right'>14</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>die Tataren l. der Tataren</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_33">33</a></td>
+<td align='right'>15</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Karachetai l. Karachatai</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_35">35</a></td>
+<td align='right'>12</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Minkburni l. Mankburni</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_36">36</a></td>
+<td align='right'>15</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Sonne der l. Sonne des</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_43">43</a></td>
+<td align='right'>13</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Temur l. Timur</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_50">50</a></td>
+<td align='right'>3</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Mohakkah l. Mohakkak</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_65">65</a></td>
+<td align='right'>8</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Von der l. An der</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_70">70</a></td>
+<td align='right'>16</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>am Berge l. vom Berge</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_72">72</a></td>
+<td align='right'>10</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>hatten l. herrschten</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_75">75</a></td>
+<td align='right'>13</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Nami l. Nemi</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_78">78</a></td>
+<td align='right'>4</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>denselben l. demselben</td></tr>
+
+<tr><td align='right'> &ndash;&ndash;</td>
+<td align='right'>3</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>erlegen l. erlagen, st. ob denselben l. vor demselben</td></tr>
+
+<tr><td align='right'> &ndash;&ndash;</td>
+<td align='right'>2</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>derselben l. desselben</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_81">81</a></td>
+<td align='right'> </td>
+<td align='right'>am Rand st.</td>
+<td align='left'>Gemahlin l. Gemahlinnen</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_87">87</a></td>
+<td align='right'>1</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Journal II. l. Journal asiatique II.</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_93">93</a></td>
+<td align='right'>13</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Weg zu l. Weg zur</td></tr>
+
+<tr><td align='right'> &ndash;&ndash;</td>
+<td align='right'>5</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Schebehun l. Schebchun</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_96">96</a></td>
+<td align='right'>5</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>und um l. nur um</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_102">102</a></td>
+<td align='right'>11</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>dem Adlerneste, dem Hauptsitze l. das Adlernest, den Hauptsitz</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_109">109</a></td>
+<td align='right'>4</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Chalweih l. Chaleweih</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_117">117</a></td>
+<td align='right'>14</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Betekdschi l. Bitekdschi</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_121">121</a></td>
+<td align='right'>2</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>einer gleichen l. mit gleicher</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_124">124</a></td>
+<td align='right'>13</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Intendanten l. Intendenten</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_125">125</a></td>
+<td align='right'>8</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>des Musters l. des Gründers</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_163">163</a></td>
+<td align='right'>4</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>by Naima l. by Neumann</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_178">178</a></td>
+<td align='right'>9</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>vor der l. von der</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_180">180</a></td>
+<td align='right'>9</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Thierangels l. Thürangels</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_185">185</a></td>
+<td align='right'>7</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Telbaschil l. Telbaschir</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_186">186</a></td>
+<td align='right'>11</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Hama's oder l. Hama's und</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_187">187</a></td>
+<td align='right'>4</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Quelle entsteigt l. Quelle entspringt</td></tr>
+
+<tr><td align='right'> &ndash;&ndash;</td>
+<td align='right'>18</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Amrolkai l. Amrolkai's</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_189">189</a></td>
+<td align='right'>6</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>des Turbeysel l. das Turbeysel</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_208">208</a></td>
+<td align='right'>17</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Mahribi l. Mahghribi</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_211">211</a></td>
+<td align='right'>17</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Maillenschläger l. Mailleschläger</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_214">214</a></td>
+<td align='right'>15</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>nur vom l. nie vom</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_214">214</a></td>
+<td align='right'>13</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>nur eines l. nur der eines</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_232">232</a></td>
+<td align='right'>7</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Ammer l. Aammar</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_237">237</a></td>
+<td align='right'>4</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Betha's l. Batha's</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_237">237</a></td>
+<td align='right'>11</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>war ein Vergrösserer l. war ein weit grösserer</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_239">239</a></td>
+<td align='right'>7</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Wenn nur das Glück wie die Beisitzer wäre,</td></tr>
+
+<tr><td align='right'> </td>
+<td align='right'> </td>
+<td align='right'>l.</td>
+<td align='left'>Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre,</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_240">240</a></td>
+<td align='right'>2</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>geistiger Dichter l. persischer Dichter</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_241">241</a></td>
+<td align='right'>3</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Hamkjar l. Hemkjar</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_242">242</a></td>
+<td align='right'>18</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Aasa l. Osa</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_253">253</a></td>
+<td align='right'>14</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Ville Hardouin l. Villehardouin</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_259">259</a></td>
+<td align='right'>3</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Mogholtei l. Mogholtai</td></tr>
+
+<tr><td align='right'> &ndash;&ndash;</td>
+<td align='right'>9</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>dem Herrscher l. des Herrschers</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_261">261</a></td>
+<td align='right'>12</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Armen l. Arme</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_262">262</a></td>
+<td align='right'>1</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Kuhdschu l. Kukdschu</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_268">268</a></td>
+<td align='right'>13</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Ferjab l. Farab</td></tr>
+
+<tr><td align='right'> &ndash;&ndash;</td>
+<td align='right'>15</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Ferjabi l. Farabi</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_274">274</a></td>
+<td align='right'>5</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Kejanenen l. Kejanen</td></tr>
+
+<tr><td align='right'> &ndash;&ndash;</td>
+<td align='right'>17</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Vasal l. Vassal</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_276">276</a></td>
+<td align='right'>12</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Mewlane l. Mewlana</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_280">280</a></td>
+<td align='right'>2</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>nisadin l. nihaden</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_283">283</a></td>
+<td align='right'>8</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Aufgestochenen l. aufgestochenen</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_291">291</a></td>
+<td align='right'>2</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Suhuri l. Sughuri</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_293">293</a></td>
+<td align='right'>17</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Mineddin l. Moineddin</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_303">303</a></td>
+<td align='right'>16</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Mekka l. Mocha</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_308">308</a></td>
+<td align='right'>14</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>(der Oheim Abaka's) l. (der Bruder Abaka's)</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_315">315</a></td>
+<td align='right'>13</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Buse l. Busse</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_318">318</a></td>
+<td align='right'>13</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Denn stets l. Du stets</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_320">320</a></td>
+<td align='right'>4</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>nur diesem l. nur in diesem</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_329">329</a></td>
+<td align='right'>8</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>Zehrgnadenamt l. Zehrgadenamt</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_345">345</a></td>
+<td align='right'>10</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>mir nun l. mir nur</td></tr>
+
+<tr><td align='right'> &ndash;&ndash;</td>
+<td align='right'>14</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Rumi's l. Rum's</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_352">352</a></td>
+<td align='right'>17</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>gleichzeitig mit l. gleichnamig mit</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_365">365</a></td>
+<td align='right'>8</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>und Feder und setzte l. und Feder, setzte</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_367">367</a></td>
+<td align='right'>5</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>beizustehn l. beizustehen</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_374">374</a></td>
+<td align='right'>15</td>
+<td align='right'>v. o. st.</td>
+<td align='left'>einheimischer Herrscher Herrschaft l. einheimischer Herrschaft</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_375">375</a></td>
+<td align='right'>8</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>dass das l. dass sie das</td></tr>
+
+<tr><td align='right'><a href="#Page_393">393</a></td>
+<td align='right'>11</td>
+<td align='right'>v. u. st.</td>
+<td align='left'>Derwische Fakir l. Derwische als Fakir</td></tr>
+</table>
+
+<p>Noch ist zu bemerken, dass durch ein Versehen der Druckerei
+die in eigenen Namen als lange geschriebenen ſ durchaus als kurze
+gedruckt worden, was ebenso wenig gleichgültig, als es im Deutschen
+gleichgültig ist <span class="spaced">Kreiſ'</span> oder <span class="spaced">Kreis</span>, <span class="spaced">reiſ'</span> oder <span class="spaced">Reis</span> zu
+schreiben. Mit lindem ſ sind also auszusprechen: Abulghaſi, Abderreſak,
+Aſerbeidschan, Aaſiſ, Bacherſ, Bediieſ-ſeman, Chuareſm,
+Chumiaſ, Chuſistan, Dsheſire, Dchuſistan, Erſendschan, Faſl,
+Faſluje, Firamurſ, Firuſ, Firuſi, Ghaſa, Ghaſali, Ghaſna, Hafiſ,
+Haſret, Heſar, Heſarsif, Irſi, Iſeddin, Jeſd, Kjarſun, Kjariſ, Kirgiſ,
+Kaſwin, Kiſil, Kotoſ, Legſi, Maſenderan, Merſeban, Meimundiſ,
+Merkeſ, Mobariſeddin, Moiſ, Moheſib, Moſaffereddin,
+Newruſ, Nimruſ, Niſam, Niſameddin, Oghuſ, Oneiſe, Ormuſd, Paiſe,
+Raſieddin, Rabſ (besser Rabdh), Sebſ, Sebſewar, Sekiſ, Schahdiſ,
+Schiraſ, Schirſad, Taſik, Tebriſ, Teguſ, Toghuſ, Tokuſ, Tschengiſchan
+u. a. m.</p>
+
+
+
+<p class="title big"><a name="Fussnoten" id="Fussnoten"></a><a href="#Inhalt">Fussnoten.</a></p>
+
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1" id="Footnote_1"></a><a href="#FNanchor_1"><span class="label">[1]</span></a> Fraehnii de Ilchanorum seu Chulagidarum nummis Commentatio.
+Petropoli. 1831.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2" id="Footnote_2"></a><a href="#FNanchor_2"><span class="label">[2]</span></a> v. J. d. H. 653 (1255) bis 754 (1353).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_3" id="Footnote_3"></a><a href="#FNanchor_3"><span class="label">[3]</span></a> Leurs fils actuellement s'imaginoient, qu'ils avoient été
+connus aussi autrefois sous le nom de Mogols. Rechideddin. Journal asiat.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_4" id="Footnote_4"></a><a href="#FNanchor_4"><span class="label">[4]</span></a> Des peuples turcs qu'on nomme maintenant Mogols, mais dont
+chacun anciennement avoit un nom particulier. Rechideddin. Journ. asiat.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_5" id="Footnote_5"></a><a href="#FNanchor_5"><span class="label">[5]</span></a> <i>Be Moghol manende schude end</i>, welche den Mongholen <i>ähnlich</i>
+waren, an dieselben <i>mahnen</i>, denn das persische <i>Manende</i> und das deutsche
+<i>Mahnende</i> ist eins und dasselbe.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_6" id="Footnote_6"></a><a href="#FNanchor_6"><span class="label">[6]</span></a> Dieser Umstand ist bisher allen mongolischen
+Geschichtschreibern, welche sich über den Ursprung des Namens der <i>weissen</i>
+und <i>schwarzen</i> Tataren den Kopf zerbrochen, entgangen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_7" id="Footnote_7"></a><a href="#FNanchor_7"><span class="label">[7]</span></a> An anderen Orten heisst er Sungtai.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_8" id="Footnote_8"></a><a href="#FNanchor_8"><span class="label">[8]</span></a> Meters u rast gui.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_9" id="Footnote_9"></a><a href="#FNanchor_9"><span class="label">[9]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_10" id="Footnote_10"></a><a href="#FNanchor_10"><span class="label">[10]</span></a> Weg durch die Gebiete der <i>Sunit</i> Mongolen nach Timkowsky in
+Ritters Asien II. S. 356, auf D'Anville's Karte Souhit, bei Ssetsen
+<i>Ssunid</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_11" id="Footnote_11"></a><a href="#FNanchor_11"><span class="label">[11]</span></a> <i>Sekis Muran</i>, bei Abulghasi sind die Namen derselben sehr
+verstümmelt, bei Reschideddin sind doch wenigstens vier derselben zu
+erkennen, nämlich die <i>Irkut</i> im <i>Ikra Muran</i>, die <i>Oka</i> im <i>Aka Muran</i>,
+die <i>Biela</i> im <i>Tschaghlan Muran</i>, d. i. Weissfluss, die obere <i>Tunguska</i>
+in <i>Dschurdsche Muran</i> (Dschurdsche ist der Namen der Tungusen), endlich
+die <i>Ankara</i> und der <i>Kem</i> (Jenisei), in den sie fällt, ganz unverändert.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_12" id="Footnote_12"></a><a href="#FNanchor_12"><span class="label">[12]</span></a> Das Christenthum desselben bezeugt Reschideddin ausdrücklich:
+daaweti Isa peighamber aleihi selam ba ischan reside we bedini wei der
+amedend, d. i. der Ruf (der Mission) des Herrn Jesus des Propheten kam zu
+ihnen und sie nahmen dessen Glauben an.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_13" id="Footnote_13"></a><a href="#FNanchor_13"><span class="label">[13]</span></a> Ueber das Land <i>Tendum</i> M. Polo's in Ritters Asien I. S.
+248&ndash;256 nach Klaproth.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_14" id="Footnote_14"></a><a href="#FNanchor_14"><span class="label">[14]</span></a> Bei Ssetsen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_15" id="Footnote_15"></a><a href="#FNanchor_15"><span class="label">[15]</span></a> <i>Abika</i> und <i>Begtutmisch</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_16" id="Footnote_16"></a><a href="#FNanchor_16"><span class="label">[16]</span></a> <i>Sijurkukteni</i>, die Gemahlin Tuli's, war nicht die Tochter,
+sondern die Nichte Owang Chan's; bei Ritter I. S. 297 wird sie mit
+<i>Turakina</i>, der Gemahlin Ogotai's, vermengt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_17" id="Footnote_17"></a><a href="#FNanchor_17"><span class="label">[17]</span></a> Unter denen die <i>Kerait</i>, <i>Merkit</i>, <i>Uirat</i>, <i>Dschadscherat
+Tatar</i>, <i>Katkin</i>, <i>Durban</i>, <i>Saldschiut</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_18" id="Footnote_18"></a><a href="#FNanchor_18"><span class="label">[18]</span></a> <i>Jeksarik</i> oder Niksarit.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_19" id="Footnote_19"></a><a href="#FNanchor_19"><span class="label">[19]</span></a> Türken sind auch die <i>Turkatun</i>, eine Art Wachen, deren nur
+<i>Abulghasi</i> und nicht Reschideddin erwähnt, die <i>Tilengut</i> (Tekait), welche
+Reschideddin unter den Tataren, und die <i>Mankut</i>, die er mit den <i>Nirunen</i>
+aufzählt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_20" id="Footnote_20"></a><a href="#FNanchor_20"><span class="label">[20]</span></a> Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 227 und 372, und Ritter
+s. ebendas.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_21" id="Footnote_21"></a><a href="#FNanchor_21"><span class="label">[21]</span></a> D'Ohsson Hist. d. Mongols I. p. 22 notes und nach demselben
+Ritters Asien I. 439.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_22" id="Footnote_22"></a><a href="#FNanchor_22"><span class="label">[22]</span></a> Deguignes L. I. p. 26.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_23" id="Footnote_23"></a><a href="#FNanchor_23"><span class="label">[23]</span></a></p>
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Im Damme Gog versperret waren die Mongolen,<br /></span>
+<span class="i0">Und nahmen dann in Anspruch Würd' und Stamm der Türken.<br /></span>
+<span class="i16"><i>Kemal Ben Ghajass</i>.<br /></span>
+</div></div>
+</div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_24" id="Footnote_24"></a><a href="#FNanchor_24"><span class="label">[24]</span></a> Rubruquis und Timkowsky.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_25" id="Footnote_25"></a><a href="#FNanchor_25"><span class="label">[25]</span></a> Timkowsky's Reise nach China. Wien 1826. I. B. S. 228. 244.
+II. 14.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_26" id="Footnote_26"></a><a href="#FNanchor_26"><span class="label">[26]</span></a> Reschideddin führt dabei die folgenden Verse an:</p>
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Die Donnerwolk' als Krokodil die Welt durchläuft,<br /></span>
+<span class="i0">Das aus dem Meere steigt mit Ingrimm schwarz beschweift,<br /></span>
+<span class="i0">Sie grinnet als ein Drach, der Unheil prophezeit,<br /></span>
+<span class="i0">Und zwischen Gaum' und Zahn nur Rauch und Feuer speit.<br /></span>
+</div></div>
+</div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_27" id="Footnote_27"></a><a href="#FNanchor_27"><span class="label">[27]</span></a> Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 109.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_28" id="Footnote_28"></a><a href="#FNanchor_28"><span class="label">[28]</span></a> Ebend. S. 407. 408.; über Tschengischan's Begräbnissort s.
+Ritter I. 238. 482. 504. 506.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_29" id="Footnote_29"></a><a href="#FNanchor_29"><span class="label">[29]</span></a> <i>Konghirat</i>, <i>Ikiras</i>, <i>Olkonut</i>, <i>Karanut</i>, <i>Kurlas</i>,
+<i>Kinkut</i>, <i>Ildschegin</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_30" id="Footnote_30"></a><a href="#FNanchor_30"><span class="label">[30]</span></a> Udawkai Jabudak.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_31" id="Footnote_31"></a><a href="#FNanchor_31"><span class="label">[31]</span></a> In Reschideddin <i>Karawin</i>, <i>Haidun</i> oder <i>Hidun</i>; bei
+D'Ohsson I. Caraoun Tchidoun u. p. 73 Caravoun Cabdjal.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_32" id="Footnote_32"></a><a href="#FNanchor_32"><span class="label">[32]</span></a> So heissen in der osmanischen Reichsgeschichte die engl.
+Bothschafter die <i>Grosshirnichten</i> oder <i>Grossnasichten</i>. Geschichte des
+osm. Reichs V. 532.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_33" id="Footnote_33"></a><a href="#FNanchor_33"><span class="label">[33]</span></a> Schmidt's Geschichte S. 107.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_34" id="Footnote_34"></a><a href="#FNanchor_34"><span class="label">[34]</span></a> In der Sprache der Naimanen, in der mongolischen <i>Bekaul</i>.
+Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_35" id="Footnote_35"></a><a href="#FNanchor_35"><span class="label">[35]</span></a> <i>Binaketi</i>; bei Ssetsen, der alle Daten der Geschichte
+Tschengischan's verwirrt, ist diese Geschichte in das Jünglingsalter
+Tschengischan's hinaufgerückt. Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_36" id="Footnote_36"></a><a href="#FNanchor_36"><span class="label">[36]</span></a> Diese Ringe hiessen <i>Kur</i> oder <i>Kewr</i>, was dasselbe Wort mit
+dem persischen <i>Kaer</i>, wie die Steingräber in Schottland heissen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_37" id="Footnote_37"></a><a href="#FNanchor_37"><span class="label">[37]</span></a> Die chinesischen Quellen geben die Geburt Tschengischan's
+ohne alle Datenbestimmung des Monats und Tages um 7 Jahre zu spät an, im J.
+1162; dieselben verdienen hierin weit weniger Glauben als Reschideddin,
+welcher seine Geschichte aus den mongolischen Archiven verfasst, und
+Wassaf, welcher die Berechnung der chinesischen Cyklen gibt und dann zu
+Ende der Regierung eine chronologische Uebersicht von Jahr zu Jahr
+beifügt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_38" id="Footnote_38"></a><a href="#FNanchor_38"><span class="label">[38]</span></a> H. v. Ohsson sagt: Goulgan, dont on ne connoit que le nom;
+aber Reschideddin meldet, dass Gulgan's Sohn Kodscha nach seines Vaters Tod
+6000 Mann erhielt, dass dessen Sohn Urdui ein Hofdiener Kubilai's war und
+dass Urdui's Sohn Abukian, weil er es mit Kaidu und den mongolischen
+Prinzen hielt, hingerichtet ward.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_39" id="Footnote_39"></a><a href="#FNanchor_39"><span class="label">[39]</span></a> Dschurdschtai und Dschawur &ndash; Urdschaten.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_40" id="Footnote_40"></a><a href="#FNanchor_40"><span class="label">[40]</span></a> H. v. Ohsson p. 419 kennt nur fünf: 1. Kutschi (Fudschin)
+begi, 2. Tschitschegjan, 3. Alakai, 4. Tumalin, 5. Ultalin, 6. Ilalu, diese
+fehlt bei D'Ohsson.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_41" id="Footnote_41"></a><a href="#FNanchor_41"><span class="label">[41]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_42" id="Footnote_42"></a><a href="#FNanchor_42"><span class="label">[42]</span></a> Derselbe im Hauptstücke der Söhne Jisukai's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_43" id="Footnote_43"></a><a href="#FNanchor_43"><span class="label">[43]</span></a> Wassaf im Hauptstücke Tschengischan's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_44" id="Footnote_44"></a><a href="#FNanchor_44"><span class="label">[44]</span></a> Bei D'Ohsson Schebourgha.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_45" id="Footnote_45"></a><a href="#FNanchor_45"><span class="label">[45]</span></a> Reschideddin im Hauptstücke von den Tataren.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_46" id="Footnote_46"></a><a href="#FNanchor_46"><span class="label">[46]</span></a> Bei Schmidt <i>Torghan Schaain</i>, bei d'Ohsson <i>Scheburghan</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_47" id="Footnote_47"></a><a href="#FNanchor_47"><span class="label">[47]</span></a> Bei d'Ohsson p. 72 <i>Kischlik</i> und <i>Badai</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_48" id="Footnote_48"></a><a href="#FNanchor_48"><span class="label">[48]</span></a> <i>Örlök</i> ist wohl Nichts als das türkische <i>Erlik</i> &ndash;
+Mannhaftigkeit.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_49" id="Footnote_49"></a><a href="#FNanchor_49"><span class="label">[49]</span></a> Bei Schmidt <i>Torghon Schaara</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_50" id="Footnote_50"></a><a href="#FNanchor_50"><span class="label">[50]</span></a> Bei Schmidt S. 381 <i>Muchuli</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_51" id="Footnote_51"></a><a href="#FNanchor_51"><span class="label">[51]</span></a> Bei Schmidt S. 381 steht <i>Sso Mergen</i>, die Dschurdschid
+(welche ein Zweig der Uirangkut), S. 87, wo Subutai Behadir statt der
+Uirangkute der <i>Dschurdschid</i> genannt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_52" id="Footnote_52"></a><a href="#FNanchor_52"><span class="label">[52]</span></a> Die Bedeutung gibt Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_53" id="Footnote_53"></a><a href="#FNanchor_53"><span class="label">[53]</span></a> Bei Schmidt <i>Chara Kiragho</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_54" id="Footnote_54"></a><a href="#FNanchor_54"><span class="label">[54]</span></a> Schmidt S. 89.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_55" id="Footnote_55"></a><a href="#FNanchor_55"><span class="label">[55]</span></a> Schmidt glaubt, unter den Vierfarbigen seien die Stämme der
+vier Uirat zu verstehen, unter den Fünffarbigen die anderen Mongolen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_56" id="Footnote_56"></a><a href="#FNanchor_56"><span class="label">[56]</span></a> <i>Köke Mongol.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_57" id="Footnote_57"></a><a href="#FNanchor_57"><span class="label">[57]</span></a> <i>Jekta</i>, bei Wassaf im Gegensatz der <i>Ssu Monghol</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_58" id="Footnote_58"></a><a href="#FNanchor_58"><span class="label">[58]</span></a> Schmidt S. 95.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_59" id="Footnote_59"></a><a href="#FNanchor_59"><span class="label">[59]</span></a> Bei d'Ohsson S. 419 fehlt dieselbe, aber S. 111 wird sie
+<i>Altunbegi</i> genannt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_60" id="Footnote_60"></a><a href="#FNanchor_60"><span class="label">[60]</span></a> <i>Dschawut Kuri</i>, auf chinesisch sagt Reschideddin <i>Emiri
+moasem</i>, d. i. Grossfürst.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_61" id="Footnote_61"></a><a href="#FNanchor_61"><span class="label">[61]</span></a> <i>Owangchan</i>, Herr eines Reichs; Padischahi jek mulk.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_62" id="Footnote_62"></a><a href="#FNanchor_62"><span class="label">[62]</span></a> Kojang übersetzt Reschideddin Padischahi jek nahiet, d. i.
+Monarch eines Distrikts.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_63" id="Footnote_63"></a><a href="#FNanchor_63"><span class="label">[63]</span></a> Wassaful-hasret.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_64" id="Footnote_64"></a><a href="#FNanchor_64"><span class="label">[64]</span></a> Schemschul-munschi.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_65" id="Footnote_65"></a><a href="#FNanchor_65"><span class="label">[65]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_66" id="Footnote_66"></a><a href="#FNanchor_66"><span class="label">[66]</span></a> Die Jasa in Makrisi.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_67" id="Footnote_67"></a><a href="#FNanchor_67"><span class="label">[67]</span></a> The Shajrat ul Atrak. London 1838. p. 32.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_68" id="Footnote_68"></a><a href="#FNanchor_68"><span class="label">[68]</span></a> Noch heute im Arabischen: Muschar bil bunan.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_69" id="Footnote_69"></a><a href="#FNanchor_69"><span class="label">[69]</span></a> XXV. Wort Tschengischan's in Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_70" id="Footnote_70"></a><a href="#FNanchor_70"><span class="label">[70]</span></a> Von Lafontaine bei der Audienz eines kais. Gesandten einem
+Türken in den Mund gelegt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_71" id="Footnote_71"></a><a href="#FNanchor_71"><span class="label">[71]</span></a> Mirchuand.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_72" id="Footnote_72"></a><a href="#FNanchor_72"><span class="label">[72]</span></a> The treaty made between Kurachar Noyaun and Changeez Khan.
+<i>The Shajrat ul Atrak</i> p. 367; und ebend. p. 381: The covenant renewed
+between Changeez Khan and Kurachar Noyaun.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_73" id="Footnote_73"></a><a href="#FNanchor_73"><span class="label">[73]</span></a> The Shajrat ul Atrak S. 354.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_74" id="Footnote_74"></a><a href="#FNanchor_74"><span class="label">[74]</span></a> Timur, der Sohn Emir <i>Tharagai</i> Nujan's, des Sohnes <i>Tukil</i>
+Nujan's, des Sohnes Emir <i>Belegir</i> Nujan's, des Sohnes Emir <i>Itschil</i>
+Nujan's, des Sohnes Emir <i>Karadschar</i> Nujan's; <i>Abder-vesak</i> im <i>Matlaa
+es-saadein</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_75" id="Footnote_75"></a><a href="#FNanchor_75"><span class="label">[75]</span></a> Nicht <i>Berolas</i>, wie Freih. v. d'Ohsson schreibt; im
+dschaghataischen zu Calcutta gedruckten Wörterbuche S. 116.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_76" id="Footnote_76"></a><a href="#FNanchor_76"><span class="label">[76]</span></a> I. J. 652 (1254).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_77" id="Footnote_77"></a><a href="#FNanchor_77"><span class="label">[77]</span></a> <i>The Shajrat ul Atrak</i> p. 198. 344. 347. 352. 355. 366; die
+Namen sind aber alle so verstümmelt, dass sie kaum zu erkennen, nämlich
+<i>Irdümdschi</i> als Eeroomchi, <i>Kadschulai</i> als Kuchooli, <i>Songhur
+Tschitschan</i> als Sooghoo chi chun.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_78" id="Footnote_78"></a><a href="#FNanchor_78"><span class="label">[78]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_79" id="Footnote_79"></a><a href="#FNanchor_79"><span class="label">[79]</span></a> Bei Rubruquis <i>Griut</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_80" id="Footnote_80"></a><a href="#FNanchor_80"><span class="label">[80]</span></a> Stritter p. 50. Step. Kniga. I. 342. Rubruquis.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_81" id="Footnote_81"></a><a href="#FNanchor_81"><span class="label">[81]</span></a> Rubruquis.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_82" id="Footnote_82"></a><a href="#FNanchor_82"><span class="label">[82]</span></a> Memoir of Baber.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_83" id="Footnote_83"></a><a href="#FNanchor_83"><span class="label">[83]</span></a> Bergman I. 60.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_84" id="Footnote_84"></a><a href="#FNanchor_84"><span class="label">[84]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_85" id="Footnote_85"></a><a href="#FNanchor_85"><span class="label">[85]</span></a> Stritt III. 60. <i>docheia</i> eorum lingua vocant; das persische
+<i>Dachme</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_86" id="Footnote_86"></a><a href="#FNanchor_86"><span class="label">[86]</span></a> Batu, der Herrscher von Kipdschak, sein älterer Bruder Orda
+und die anderen <i>Scherban</i>, <i>Berke</i>, <i>Berketschar</i>, <i>Tukatimur</i>, <i>Bina
+Timur</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_87" id="Footnote_87"></a><a href="#FNanchor_87"><span class="label">[87]</span></a> D'Ohsson II. 193; nach Remusat.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_88" id="Footnote_88"></a><a href="#FNanchor_88"><span class="label">[88]</span></a> Mohakkak anest ki chodra berawicht, ausgemacht ist es, dass
+er sich erhing. Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_89" id="Footnote_89"></a><a href="#FNanchor_89"><span class="label">[89]</span></a> D'Ohsson II. 67; nach Mailla p. 115.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_90" id="Footnote_90"></a><a href="#FNanchor_90"><span class="label">[90]</span></a> Mailla ebend.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_91" id="Footnote_91"></a><a href="#FNanchor_91"><span class="label">[91]</span></a> Die Hauptstädte Uighuristan's sind: <i>Almaligh</i> und
+<i>Pischbaligh</i> erhielt den Ehrennamen der guten Stadt, <i>Kotloghbaligh</i>; wie
+Bamian den der bösen, <i>Mobaligh</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_92" id="Footnote_92"></a><a href="#FNanchor_92"><span class="label">[92]</span></a> Rubruquis chap. 44.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_93" id="Footnote_93"></a><a href="#FNanchor_93"><span class="label">[93]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_94" id="Footnote_94"></a><a href="#FNanchor_94"><span class="label">[94]</span></a> Guillaume; bei Rubruquis 44.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_95" id="Footnote_95"></a><a href="#FNanchor_95"><span class="label">[95]</span></a> Bei Rubruquis 33. <i>Cerasine</i> soll <i>Tarasun</i> heissen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_96" id="Footnote_96"></a><a href="#FNanchor_96"><span class="label">[96]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_97" id="Footnote_97"></a><a href="#FNanchor_97"><span class="label">[97]</span></a> Dieser Frühlingssalon fehlt bei d'Ohsson II. 85., sowie
+<i>Terghubaligh</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_98" id="Footnote_98"></a><a href="#FNanchor_98"><span class="label">[98]</span></a> In der Nähe des hohen Bergs <i>Urmuchtu</i> gingen wir herab bis
+auf die Auen des Flusses <i>Schara</i>. Pallas Reisebeschreibung I. S. 79.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_99" id="Footnote_99"></a><a href="#FNanchor_99"><span class="label">[99]</span></a> Mirchuand, fehlt bei d'Ohsson S. 73.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_100" id="Footnote_100"></a><a href="#FNanchor_100"><span class="label">[100]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_101" id="Footnote_101"></a><a href="#FNanchor_101"><span class="label">[101]</span></a> Bei Plan Carpin chap. 14. le <i>Secretaire Chinguy</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_102" id="Footnote_102"></a><a href="#FNanchor_102"><span class="label">[102]</span></a> Peigbamter es tarafi choda; dschagataisches Wörterbuch,
+gedruckt zu Calcutta.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_103" id="Footnote_103"></a><a href="#FNanchor_103"><span class="label">[103]</span></a> Bei d'Ohsson II. p. 85 Keusche, p. 195 geuca; in der
+Handschrift der Geschichte Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek
+Kösche.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_104" id="Footnote_104"></a><a href="#FNanchor_104"><span class="label">[104]</span></a> Wassaf nennt von dem Uluse Dschagatai's: <i>Kisil</i>, <i>Buri</i>,
+<i>Paidar</i>, <i>Jesenbuka</i>, und dem Uluse Batu's: <i>Hirdu</i>, <i>Bersebai</i>, <i>Berke</i>,
+<i>Berkedscha</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_105" id="Footnote_105"></a><a href="#FNanchor_105"><span class="label">[105]</span></a> <i>Bajoth noi</i>, Bajoth est son nom propre, et <i>Noy</i> est un nom
+de dignité. Plan Carpin chap. 10. soll heissen <i>Baidschu Nojan</i> oder
+<i>Nowin</i>, was richtig der mongolische Fürstentitel.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_106" id="Footnote_106"></a><a href="#FNanchor_106"><span class="label">[106]</span></a> Be takallub u tehewwur maaruf heisst heftig und
+wankelmüthig, nicht grave et severe, wie bei d'Ohsson II. 234.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_107" id="Footnote_107"></a><a href="#FNanchor_107"><span class="label">[107]</span></a> Mirchuand und Dschihanguschai.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_108" id="Footnote_108"></a><a href="#FNanchor_108"><span class="label">[108]</span></a> Mirchuand.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_109" id="Footnote_109"></a><a href="#FNanchor_109"><span class="label">[109]</span></a> Plan Carpin chap. 9.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_110" id="Footnote_110"></a><a href="#FNanchor_110"><span class="label">[110]</span></a> Mirchuand.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_111" id="Footnote_111"></a><a href="#FNanchor_111"><span class="label">[111]</span></a> Plan Carpin ch. 9.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_112" id="Footnote_112"></a><a href="#FNanchor_112"><span class="label">[112]</span></a> Au côté droit personne n'étoit assis; ebend.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_113" id="Footnote_113"></a><a href="#FNanchor_113"><span class="label">[113]</span></a> Reschideddin. Mirchuand.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_114" id="Footnote_114"></a><a href="#FNanchor_114"><span class="label">[114]</span></a> Bei d'Ohsson II. 249. irrig le général Mangoussar.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_115" id="Footnote_115"></a><a href="#FNanchor_115"><span class="label">[115]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_116" id="Footnote_116"></a><a href="#FNanchor_116"><span class="label">[116]</span></a> Derselbe.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_117" id="Footnote_117"></a><a href="#FNanchor_117"><span class="label">[117]</span></a> Dschihanguscha u. Mirchuand und nach demselben d'Ohsson II.
+272.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_118" id="Footnote_118"></a><a href="#FNanchor_118"><span class="label">[118]</span></a> Bei Rubruquis chap. 29. <i>Jani</i> statt <i>Jam</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_119" id="Footnote_119"></a><a href="#FNanchor_119"><span class="label">[119]</span></a> Wassaf; bei d'Ohsson II. 263. à sept.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_120" id="Footnote_120"></a><a href="#FNanchor_120"><span class="label">[120]</span></a> D'Ohsson II. 267. hat aber Nichts vom Folgenden.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_121" id="Footnote_121"></a><a href="#FNanchor_121"><span class="label">[121]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_122" id="Footnote_122"></a><a href="#FNanchor_122"><span class="label">[122]</span></a> Firischte und nach demselben d'Ohsson II. 280.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_123" id="Footnote_123"></a><a href="#FNanchor_123"><span class="label">[123]</span></a> Fethol-fatuh.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_124" id="Footnote_124"></a><a href="#FNanchor_124"><span class="label">[124]</span></a> Kiran Saadein; dieser Titel ist das Muster des <i>Matlaai
+Saadein</i>, d. i. der Aufgang zweier Glückssterne von <i>Abderresak</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_125" id="Footnote_125"></a><a href="#FNanchor_125"><span class="label">[125]</span></a> Dschihannuma S. 281.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_126" id="Footnote_126"></a><a href="#FNanchor_126"><span class="label">[126]</span></a> Von diesen ist in Deguignes keine Kunde; Wassaf behandelt
+aber im 13. Kap. des IV. Buchs unmittelbar vor der Eroberung Kerman's ihre
+Geschichte, welche auch im Munedschimbaschi und im Dschihannuma S. 279
+wiederholt ist.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_127" id="Footnote_127"></a><a href="#FNanchor_127"><span class="label">[127]</span></a> <i>Melikol-gharb.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_128" id="Footnote_128"></a><a href="#FNanchor_128"><span class="label">[128]</span></a> Geschte war, gischte pflanzte, küschte erschlagen, diwan
+Plural von <i>Diw</i> und Diwan die Rathsversammlung.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_129" id="Footnote_129"></a><a href="#FNanchor_129"><span class="label">[129]</span></a> i. J. 566 (1170).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_130" id="Footnote_130"></a><a href="#FNanchor_130"><span class="label">[130]</span></a> seit 576 (1180).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_131" id="Footnote_131"></a><a href="#FNanchor_131"><span class="label">[131]</span></a> seit 629 (1231).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_132" id="Footnote_132"></a><a href="#FNanchor_132"><span class="label">[132]</span></a> seit 464 (1071).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_133" id="Footnote_133"></a><a href="#FNanchor_133"><span class="label">[133]</span></a> i. J. 814 (1411).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_134" id="Footnote_134"></a><a href="#FNanchor_134"><span class="label">[134]</span></a> i. J. 629 (1231).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_135" id="Footnote_135"></a><a href="#FNanchor_135"><span class="label">[135]</span></a> I. J. 606 (1209).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_136" id="Footnote_136"></a><a href="#FNanchor_136"><span class="label">[136]</span></a> Von 1209&ndash;1349.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_137" id="Footnote_137"></a><a href="#FNanchor_137"><span class="label">[137]</span></a> Geschichte Taberistan's und Masenderan's von Sahireddin, auf
+der kaiserl. Bibliothek zu Wien, schon in der Geschichte der Assassinen S.
+230 benützt, wo statt <i>Badusian</i> <i>Badusgan</i> gedruckt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_138" id="Footnote_138"></a><a href="#FNanchor_138"><span class="label">[138]</span></a> <i>Ben Dschil</i>, <i>B. Gilan</i>, <i>B. Firus</i>, <i>B. Nersi</i>, <i>B.
+Dschaut</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_139" id="Footnote_139"></a><a href="#FNanchor_139"><span class="label">[139]</span></a> i. J. 610 (1214).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_140" id="Footnote_140"></a><a href="#FNanchor_140"><span class="label">[140]</span></a> En ce même tems les Ambassadeurs de Vastarce étoient logés
+bien près de nous. Rubruquis. Ch. 32.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_141" id="Footnote_141"></a><a href="#FNanchor_141"><span class="label">[141]</span></a> Dschamischi Mirchuand.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_142" id="Footnote_142"></a><a href="#FNanchor_142"><span class="label">[142]</span></a> <i>Dschurdsche Ikadschi</i> die Mutter Kuchurtai's, <i>Il Ikadschi</i>
+die Mutter Huladschu des zwölften Sohnes, und die Mutter des vierten Sohnes
+<i>Tedekadu</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_143" id="Footnote_143"></a><a href="#FNanchor_143"><span class="label">[143]</span></a> Les femmes ont un ornement de tête, qu'ils appellent
+<i>Botta</i>. Rubruq. ch. 15.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_144" id="Footnote_144"></a><a href="#FNanchor_144"><span class="label">[144]</span></a> <i>Banui Mehin.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_145" id="Footnote_145"></a><a href="#FNanchor_145"><span class="label">[145]</span></a> Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256), gest. 16.
+Moharrem 681 (26. April 1282), welcher aber ein Donnerstag, nicht ein
+Montag, wie in Reschideddin vermuthlich durch Schreibfehler, sowie der 23.
+October 1256 ein Montag und nicht ein Sonntag war.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_146" id="Footnote_146"></a><a href="#FNanchor_146"><span class="label">[146]</span></a> Reschideddin im Abschnitte der <i>Uirat</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_147" id="Footnote_147"></a><a href="#FNanchor_147"><span class="label">[147]</span></a> Im Schedschretol Etrak S. 243 heisst er <i>Tumgha Oghul</i>; his
+eldest son soll heissen: sein jüngster Sohn; der älteste war Abaka.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_148" id="Footnote_148"></a><a href="#FNanchor_148"><span class="label">[148]</span></a> Bei Bar. Hebräus ex parte Schagatai Techodar p. 536.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_149" id="Footnote_149"></a><a href="#FNanchor_149"><span class="label">[149]</span></a> Bei Bar. Hebr. Bulghai filius <i>Sibkani</i> et <i>Kotar</i> et
+<i>Koli</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_150" id="Footnote_150"></a><a href="#FNanchor_150"><span class="label">[150]</span></a> Relation de l'expédition de Houlagou par Abel Rémusat.
+Journal asiatique II. p. 283.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_151" id="Footnote_151"></a><a href="#FNanchor_151"><span class="label">[151]</span></a> Ganz übereinstimmend mit dem, was hierüber Rubruquis ch. 29
+und Plan Carpin 145 berichten, und nach ihnen Ritter, Asia I. S. 429.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_152" id="Footnote_152"></a><a href="#FNanchor_152"><span class="label">[152]</span></a> Mirchuand.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_153" id="Footnote_153"></a><a href="#FNanchor_153"><span class="label">[153]</span></a> Das Dschihannuma nennt S. 353 <i>Rudi Dschadsch</i>, <i>Rudi
+Hasek</i>, <i>Rudi Dschowan</i> und die beiden aus dem Stadtthor fliessenden <i>Nehr
+Kassarin</i>, d. i. der Fluss der Walker, und <i>Nehr Eswed</i>, d. i. der schwarze
+Fluss.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_154" id="Footnote_154"></a><a href="#FNanchor_154"><span class="label">[154]</span></a> <i>Kohondos</i> ist das Schloss, <i>Scharistan</i> die Stadt, <i>Rabsch</i>
+die Vorstadt; die Namen der Thore im Dschihannuma: das <i>eiserne</i>, das des
+<i>Flusses</i>, das <i>Abdallah's</i> und das <i>Turkistan's</i>, welches der Namen eines
+vor demselben gelegenen Dorfes.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_155" id="Footnote_155"></a><a href="#FNanchor_155"><span class="label">[155]</span></a> als <i>Kebtaul</i>(?); Reschideddin sowohl unter dem Artikel
+<i>Dschelair</i>, als unter dem <i>Uirat</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_156" id="Footnote_156"></a><a href="#FNanchor_156"><span class="label">[156]</span></a> Reschideddin nennt acht: <i>Kerrai Melik</i>, <i>Turaschi</i>,
+<i>Newrus</i>, <i>Legsi</i>, <i>Dschami</i>, <i>Jutkotlogh</i>, <i>Bulduk</i>, <i>Uiratai</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_157" id="Footnote_157"></a><a href="#FNanchor_157"><span class="label">[157]</span></a> Im Schedschretol eschrak S. 243 ist der Name <i>Scheburghan</i>
+in <i>Surghan</i> verstümmelt, und gleich das <i>Chuarschah</i> in <i>Chuaresmschah</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_158" id="Footnote_158"></a><a href="#FNanchor_158"><span class="label">[158]</span></a> Dschihannuma S. 316.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_159" id="Footnote_159"></a><a href="#FNanchor_159"><span class="label">[159]</span></a> Dschihannuma S. 322 Nushetul-muschtak.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_160" id="Footnote_160"></a><a href="#FNanchor_160"><span class="label">[160]</span></a> Quatremère mémoire historique sur la vie et le ouvrages
+<i>d'Alaeddin Ata Melik Djouaeiny</i>, mines de l'orient I. p. 220.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_161" id="Footnote_161"></a><a href="#FNanchor_161"><span class="label">[161]</span></a> Nushet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_162" id="Footnote_162"></a><a href="#FNanchor_162"><span class="label">[162]</span></a> Reschideddin, schon im Journal asiat. übersetzt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_163" id="Footnote_163"></a><a href="#FNanchor_163"><span class="label">[163]</span></a> <i>Takwimol-boldan</i>, die Ephemeriden der Länder.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_164" id="Footnote_164"></a><a href="#FNanchor_164"><span class="label">[164]</span></a> <i>Nushetol-Kolub</i>, die Ergötzungen der Herzen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_165" id="Footnote_165"></a><a href="#FNanchor_165"><span class="label">[165]</span></a> <i>Dschihannuma</i>, die Weltschau.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_166" id="Footnote_166"></a><a href="#FNanchor_166"><span class="label">[166]</span></a> Schebchun awerdend dscherkera charab kerdend; aus der
+fehlerhaften Schreibart des Manuscripts der Hofbibliothek sind in der
+französischen Uebersetzung irrig zwei eigene Namen von Cheikhorun und Herke
+entstanden; so heisst in der Geschichte der Assassinen <i>Keitbuka Nujan</i>
+irrig Kajukanian.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_167" id="Footnote_167"></a><a href="#FNanchor_167"><span class="label">[167]</span></a> <i>Sirkuh</i> im Dschihannuma S. 326 mit den Namen der drei dazu
+gehörigen Flecken.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_168" id="Footnote_168"></a><a href="#FNanchor_168"><span class="label">[168]</span></a> <i>Mobareseddin Ali Turan</i> und <i>Schudschaaeddin Hasan</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_169" id="Footnote_169"></a><a href="#FNanchor_169"><span class="label">[169]</span></a> In Reschideddin ist hier eine Verwirrung der Daten, indem
+das Jahr nicht richtig angegeben; nämlich 651 statt 653, wie aus dem Nushet
+zu ersehen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_170" id="Footnote_170"></a><a href="#FNanchor_170"><span class="label">[170]</span></a> <i>Mohteschim</i>, so hiessen die Commandeure der Assassinen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_171" id="Footnote_171"></a><a href="#FNanchor_171"><span class="label">[171]</span></a> Achlaki Nassiri.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_172" id="Footnote_172"></a><a href="#FNanchor_172"><span class="label">[172]</span></a> Auf Fraser's Karte <i>Ghain</i> oder <i>Kain</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_173" id="Footnote_173"></a><a href="#FNanchor_173"><span class="label">[173]</span></a> Nushet und nach demselben das Dschihannuma S. 325.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_174" id="Footnote_174"></a><a href="#FNanchor_174"><span class="label">[174]</span></a> <i>Chawwaf</i> und <i>Sawa</i>, ebend. S. 319.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_175" id="Footnote_175"></a><a href="#FNanchor_175"><span class="label">[175]</span></a> Den Namen Keitbuka verstümmelt der Uebersetzer des
+Schedschretol-etrak in Kunooka S. 245, sowie den Sultan Aegyptens,
+<i>Seifeddin Kotus</i>, in Syfe-ud-din Furdooz und <i>Jaschmut</i> in Bishmoot.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_176" id="Footnote_176"></a><a href="#FNanchor_176"><span class="label">[176]</span></a> 203 (818).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_177" id="Footnote_177"></a><a href="#FNanchor_177"><span class="label">[177]</span></a> I. J. 193 (809).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_178" id="Footnote_178"></a><a href="#FNanchor_178"><span class="label">[178]</span></a> Gest. im J. 411 (1020).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_179" id="Footnote_179"></a><a href="#FNanchor_179"><span class="label">[179]</span></a> Im Dschihannuma S. 318 durch Druckfehler Senabad.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_180" id="Footnote_180"></a><a href="#FNanchor_180"><span class="label">[180]</span></a> Narrative of a journey into Khorassan 444.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_181" id="Footnote_181"></a><a href="#FNanchor_181"><span class="label">[181]</span></a> Fraser 519.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_182" id="Footnote_182"></a><a href="#FNanchor_182"><span class="label">[182]</span></a> Terghu, dies ist der wahre Sinn, der in der französ.
+Uebersetzung im journ. as. verfehlt ist: les dames reçurent des titres.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_183" id="Footnote_183"></a><a href="#FNanchor_183"><span class="label">[183]</span></a> Manuscript, Mirchuand, Dschihannuma S. 323. bei Quatremère
+mémoire d'Ata Melik dasselbe unrichtig Djouvuchan und unrichtig nach der
+Eroberung Alamut's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_184" id="Footnote_184"></a><a href="#FNanchor_184"><span class="label">[184]</span></a> Beigtimur Kurdschi, Sahireddin Sipehsalar Bitekdschi, Schati
+Emir.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_185" id="Footnote_185"></a><a href="#FNanchor_185"><span class="label">[185]</span></a> Fraser nach Price im J. 242.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_186" id="Footnote_186"></a><a href="#FNanchor_186"><span class="label">[186]</span></a> I. J. 261 (874).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_187" id="Footnote_187"></a><a href="#FNanchor_187"><span class="label">[187]</span></a> Seine Lebensbeschreibung die 42. im Nefhatol Ins.
+Dschami's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_188" id="Footnote_188"></a><a href="#FNanchor_188"><span class="label">[188]</span></a> Gest. i. J. 858 (1454).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_189" id="Footnote_189"></a><a href="#FNanchor_189"><span class="label">[189]</span></a> I. J. 875 (1470).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_190" id="Footnote_190"></a><a href="#FNanchor_190"><span class="label">[190]</span></a> Geschichte des osm. Reichs II. B. S. 76 und S. 351, wo die
+Titel von zwanzig seiner Werke.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_191" id="Footnote_191"></a><a href="#FNanchor_191"><span class="label">[191]</span></a> Merketai und Ikilmisch.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_192" id="Footnote_192"></a><a href="#FNanchor_192"><span class="label">[192]</span></a> <i>Reiseddewlet</i> und <i>Muwafikeddewlet</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_193" id="Footnote_193"></a><a href="#FNanchor_193"><span class="label">[193]</span></a> <i>Suseni</i>, nicht <i>Rouveni</i>, wie in der französ.
+Uebersetzung.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_194" id="Footnote_194"></a><a href="#FNanchor_194"><span class="label">[194]</span></a> <i>Ssadreddin</i>, <i>Sahireddin</i>, <i>Tolek Behadir</i> und <i>Berrak</i>
+(der erste fehlt in der franz. Uebersetzung).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_195" id="Footnote_195"></a><a href="#FNanchor_195"><span class="label">[195]</span></a> Nicht Koudraghoul, wie in der franz. Uebersetzung.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_196" id="Footnote_196"></a><a href="#FNanchor_196"><span class="label">[196]</span></a> Morier second journ. 363.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_197" id="Footnote_197"></a><a href="#FNanchor_197"><span class="label">[197]</span></a> Firuskjuh, auf der Strasse von Demghan nach Tehran, nahe bei
+Demawend, auf Frasers Karte; nach dem Nushet ebenfalls hart an Demawend
+gelegen; in Dschihann. S. 339 unter <i>Girdkjuh</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_198" id="Footnote_198"></a><a href="#FNanchor_198"><span class="label">[198]</span></a> Morier second journey p. 357.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_199" id="Footnote_199"></a><a href="#FNanchor_199"><span class="label">[199]</span></a> The wretched village of Abbasabad. Fraser 248.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_200" id="Footnote_200"></a><a href="#FNanchor_200"><span class="label">[200]</span></a> Thalkan, wie Semnan, eine Stadt der <i>Tocharistan</i> genannten
+Landschaft. <i>Nushet</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_201" id="Footnote_201"></a><a href="#FNanchor_201"><span class="label">[201]</span></a> <i>Meimundis</i> findet sich weder im Manuscript, noch im
+Dschihannuma, es scheint dasselbe <i>Meimend</i> zu sein, was im Nushet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_202" id="Footnote_202"></a><a href="#FNanchor_202"><span class="label">[202]</span></a> <i>Sergūseschti Sidina.</i> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_203" id="Footnote_203"></a><a href="#FNanchor_203"><span class="label">[203]</span></a> Nach ihm auch <i>Claproth</i>: &bdquo;Hier erzählt man sich, er habe,
+als er eine 12 Werste von der Buchtana in einen Felsen gehauene Hieroglyphe
+nicht entziffern konnte, sie heraushauen lassen, um keinem anderen den Ruhm
+zu lassen.&ldquo; Briefe aus Sibirien; im Ausland Nr. 102 vom 11. April 1836.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_204" id="Footnote_204"></a><a href="#FNanchor_204"><span class="label">[204]</span></a> Traces of a very extended line of towers connected with
+walls and so situated as to appear to the gazer below absolute impregnable.
+I. p. 289.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_205" id="Footnote_205"></a><a href="#FNanchor_205"><span class="label">[205]</span></a> Insgemein <i>Lemsir</i> geschrieben; am 20. Silkide 495 (5. Sept.
+1102). Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_206" id="Footnote_206"></a><a href="#FNanchor_206"><span class="label">[206]</span></a> Fraser p. 248.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_207" id="Footnote_207"></a><a href="#FNanchor_207"><span class="label">[207]</span></a> Mulahide sachte end bighajet muhkemest.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_208" id="Footnote_208"></a><a href="#FNanchor_208"><span class="label">[208]</span></a> Hamdallah und im Dschihannuma <i>Alamut</i> S. 296, <i>Tun</i>,
+<i>Kain</i>, <i>Dschenabdar</i> S. 325, <i>Muminabad</i> S. 326.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_209" id="Footnote_209"></a><a href="#FNanchor_209"><span class="label">[209]</span></a> Nach Reschideddin vom J. d. H. 477&ndash;654, nach Hadschi Chalfa
+v. J. d. H. 483 angefangen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_210" id="Footnote_210"></a><a href="#FNanchor_210"><span class="label">[210]</span></a> Ausführlich zu Ende des <i>Tarichi Güside</i>, kürzer im
+<i>Nushetol-Kolub</i>; nach beiden und nach dem <i>Tedwin</i> Imam Rafii's, das
+Dschihannuma S. 293.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_211" id="Footnote_211"></a><a href="#FNanchor_211"><span class="label">[211]</span></a> I. J. 463 der alexandrinischen Aere.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_212" id="Footnote_212"></a><a href="#FNanchor_212"><span class="label">[212]</span></a> I. J. 204 (819).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_213" id="Footnote_213"></a><a href="#FNanchor_213"><span class="label">[213]</span></a> I. J. 411 (1020).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_214" id="Footnote_214"></a><a href="#FNanchor_214"><span class="label">[214]</span></a> I. J. 572 (1176).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_215" id="Footnote_215"></a><a href="#FNanchor_215"><span class="label">[215]</span></a> I. J. 500 (1106).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_216" id="Footnote_216"></a><a href="#FNanchor_216"><span class="label">[216]</span></a> I. J. 548 (1153).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_217" id="Footnote_217"></a><a href="#FNanchor_217"><span class="label">[217]</span></a> Aasu Kaswine feinnehu min aala babil-dschenneti,
+Dschihannuma S. 293.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_218" id="Footnote_218"></a><a href="#FNanchor_218"><span class="label">[218]</span></a> Morier second journey. p. 203.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_219" id="Footnote_219"></a><a href="#FNanchor_219"><span class="label">[219]</span></a> Dschihannuma, ebend.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_220" id="Footnote_220"></a><a href="#FNanchor_220"><span class="label">[220]</span></a> Adschaibol machlukat.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_221" id="Footnote_221"></a><a href="#FNanchor_221"><span class="label">[221]</span></a> Charidetol-gharaib.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_222" id="Footnote_222"></a><a href="#FNanchor_222"><span class="label">[222]</span></a> Tarichi Güside.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_223" id="Footnote_223"></a><a href="#FNanchor_223"><span class="label">[223]</span></a> Nushetol-kolub.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_224" id="Footnote_224"></a><a href="#FNanchor_224"><span class="label">[224]</span></a> Fersendani Aferinisch u Longtar.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_225" id="Footnote_225"></a><a href="#FNanchor_225"><span class="label">[225]</span></a> Im J. 641 (1243); Nochbetettewarich, der Ort in
+Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_226" id="Footnote_226"></a><a href="#FNanchor_226"><span class="label">[226]</span></a> Dschihannuma S. 299 und das Nushet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_227" id="Footnote_227"></a><a href="#FNanchor_227"><span class="label">[227]</span></a> Im J. 23 (643).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_228" id="Footnote_228"></a><a href="#FNanchor_228"><span class="label">[228]</span></a> Im J. 320 (932).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_229" id="Footnote_229"></a><a href="#FNanchor_229"><span class="label">[229]</span></a> Im J. 618 (1221).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_230" id="Footnote_230"></a><a href="#FNanchor_230"><span class="label">[230]</span></a> Dschihannuma S. 300.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_231" id="Footnote_231"></a><a href="#FNanchor_231"><span class="label">[231]</span></a> Morier second journ. p. 265. 269. Malcolm's Geschichte.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_232" id="Footnote_232"></a><a href="#FNanchor_232"><span class="label">[232]</span></a> Am 1. Dchemasiul sani 627 (26. April 1230). Dewletschah,
+glaubwürdiger, als andere Daten, welche in der Geschichte der persischen
+Redekünste S. 141 durch Druckfehler verstümmelt sind, indem 727, 732 für
+719, 627, 632, 619 steht.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_233" id="Footnote_233"></a><a href="#FNanchor_233"><span class="label">[233]</span></a> Haitho ch. 18; Marino Sanuto III. pars 13. ch. 5. und nach
+demselben d'Ohsson III. p. 81.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_234" id="Footnote_234"></a><a href="#FNanchor_234"><span class="label">[234]</span></a> Vincent. Bellov. Spec. hist. L. XXXI. c. 28 und nach
+demselben d'Ohsson III. p. 83.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_235" id="Footnote_235"></a><a href="#FNanchor_235"><span class="label">[235]</span></a> Bar. Hebr. und d'Ohsson III. 85.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_236" id="Footnote_236"></a><a href="#FNanchor_236"><span class="label">[236]</span></a> Ascelin, bei Vincent de Beauvais und in Remusat's Mémoire
+sur les rapports des princes Chrétiens avec les Tatares, in den mémoires de
+l'Institut de France VI. p. 422.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_237" id="Footnote_237"></a><a href="#FNanchor_237"><span class="label">[237]</span></a> Ebenda S. 426.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_238" id="Footnote_238"></a><a href="#FNanchor_238"><span class="label">[238]</span></a> d'Ohsson III. 103&ndash;118.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_239" id="Footnote_239"></a><a href="#FNanchor_239"><span class="label">[239]</span></a> Mirchuand.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_240" id="Footnote_240"></a><a href="#FNanchor_240"><span class="label">[240]</span></a> Die grössere Umständlichkeit dieser Uebersicht hat noch die
+Kritik Herrn v. Poujoulat's im Temps 18. Mars 1836 angeregt, welcher
+findet, dass in der Geschichte des osm. Reichs die Anarchie des
+byzantinischen Reichs nicht ausführlich genug charakterisirt worden:
+Peutêtre devoit il mieux caractériser l'anarchie de l'empire grec morcelé
+par les croisades.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_241" id="Footnote_241"></a><a href="#FNanchor_241"><span class="label">[241]</span></a> Elmacinus p. 255. &ndash; Hadschi Chalfa's chronologische
+Tafeln.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_242" id="Footnote_242"></a><a href="#FNanchor_242"><span class="label">[242]</span></a> Nochbet; Sojuti.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_243" id="Footnote_243"></a><a href="#FNanchor_243"><span class="label">[243]</span></a> Munedschimbaschi.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_244" id="Footnote_244"></a><a href="#FNanchor_244"><span class="label">[244]</span></a> Sojuti, Munedschimbaschi.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_245" id="Footnote_245"></a><a href="#FNanchor_245"><span class="label">[245]</span></a> Nochbet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_246" id="Footnote_246"></a><a href="#FNanchor_246"><span class="label">[246]</span></a> Sojuti und Nochbet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_247" id="Footnote_247"></a><a href="#FNanchor_247"><span class="label">[247]</span></a> Munedschimbaschi.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_248" id="Footnote_248"></a><a href="#FNanchor_248"><span class="label">[248]</span></a> Emineddewlet we eminol-millet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_249" id="Footnote_249"></a><a href="#FNanchor_249"><span class="label">[249]</span></a> Moiseddewlet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_250" id="Footnote_250"></a><a href="#FNanchor_250"><span class="label">[250]</span></a> Adhadeddewlet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_251" id="Footnote_251"></a><a href="#FNanchor_251"><span class="label">[251]</span></a> Fachreddewlet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_252" id="Footnote_252"></a><a href="#FNanchor_252"><span class="label">[252]</span></a> Scherfeddewlet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_253" id="Footnote_253"></a><a href="#FNanchor_253"><span class="label">[253]</span></a> Ssamssameddewlet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_254" id="Footnote_254"></a><a href="#FNanchor_254"><span class="label">[254]</span></a> Behaeddewlet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_255" id="Footnote_255"></a><a href="#FNanchor_255"><span class="label">[255]</span></a> Imadeddewlet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_256" id="Footnote_256"></a><a href="#FNanchor_256"><span class="label">[256]</span></a> Iseddewlet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_257" id="Footnote_257"></a><a href="#FNanchor_257"><span class="label">[257]</span></a> Moschrifeddewlet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_258" id="Footnote_258"></a><a href="#FNanchor_258"><span class="label">[258]</span></a> Dschelaleddewlet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_259" id="Footnote_259"></a><a href="#FNanchor_259"><span class="label">[259]</span></a> S. Garcin de Tassy und S. de Sacy's Anthologie.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_260" id="Footnote_260"></a><a href="#FNanchor_260"><span class="label">[260]</span></a> In Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln i. J. 397, 417, 424; im
+Munedschimbaschi i. J. 384 (994).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_261" id="Footnote_261"></a><a href="#FNanchor_261"><span class="label">[261]</span></a> Im J. 443 (1051) und 458 (1065).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_262" id="Footnote_262"></a><a href="#FNanchor_262"><span class="label">[262]</span></a> 460 (1067), Nochbet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_263" id="Footnote_263"></a><a href="#FNanchor_263"><span class="label">[263]</span></a> Nochbet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_264" id="Footnote_264"></a><a href="#FNanchor_264"><span class="label">[264]</span></a> I. J. 462 (1069); Nochbet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_265" id="Footnote_265"></a><a href="#FNanchor_265"><span class="label">[265]</span></a> I. J. 466 (1073) und i. J. 454 (1061).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_266" id="Footnote_266"></a><a href="#FNanchor_266"><span class="label">[266]</span></a> Hei ala chairil ammel.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_267" id="Footnote_267"></a><a href="#FNanchor_267"><span class="label">[267]</span></a> Nochbet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_268" id="Footnote_268"></a><a href="#FNanchor_268"><span class="label">[268]</span></a> I. J. 459 (1066).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_269" id="Footnote_269"></a><a href="#FNanchor_269"><span class="label">[269]</span></a> Alparslan i. J. 465 (1072); Kaimbiemrillah i. J. 467
+(1074).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_270" id="Footnote_270"></a><a href="#FNanchor_270"><span class="label">[270]</span></a> Melekschah i. J. 485 (1092); Moktefi i. J. 487 (1094).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_271" id="Footnote_271"></a><a href="#FNanchor_271"><span class="label">[271]</span></a> Das Nochbet nach dem <i>Ikdol-dscheman</i> Ibnol-dschewsi's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_272" id="Footnote_272"></a><a href="#FNanchor_272"><span class="label">[272]</span></a> I. J. 514 (1120).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_273" id="Footnote_273"></a><a href="#FNanchor_273"><span class="label">[273]</span></a> Re, Elif und folglich Raschid, und nicht Reschid, was der
+Beiname Harun's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_274" id="Footnote_274"></a><a href="#FNanchor_274"><span class="label">[274]</span></a> Rampoldi VII. 289.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_275" id="Footnote_275"></a><a href="#FNanchor_275"><span class="label">[275]</span></a> Ruhol-aarifin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_276" id="Footnote_276"></a><a href="#FNanchor_276"><span class="label">[276]</span></a> <i>Danischmend.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_277" id="Footnote_277"></a><a href="#FNanchor_277"><span class="label">[277]</span></a> <i>Muid.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_278" id="Footnote_278"></a><a href="#FNanchor_278"><span class="label">[278]</span></a> Dschihannuma S. 466.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_279" id="Footnote_279"></a><a href="#FNanchor_279"><span class="label">[279]</span></a> Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln und Kamus.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_280" id="Footnote_280"></a><a href="#FNanchor_280"><span class="label">[280]</span></a> Haschischin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_281" id="Footnote_281"></a><a href="#FNanchor_281"><span class="label">[281]</span></a> Nochbet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_282" id="Footnote_282"></a><a href="#FNanchor_282"><span class="label">[282]</span></a> Ebenda nach Noveiri; bei d'Ohsson III. S. 89.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_283" id="Footnote_283"></a><a href="#FNanchor_283"><span class="label">[283]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_284" id="Footnote_284"></a><a href="#FNanchor_284"><span class="label">[284]</span></a> d'Ohsson III. p. 200, nach Noveiri.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_285" id="Footnote_285"></a><a href="#FNanchor_285"><span class="label">[285]</span></a> Horna an instrument of conveyance, the Pureyhorn, the
+Borrstalhorn, Brusshorn u. s. w., im dritten Bande der Archaeologia
+britannica I. 7.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_286" id="Footnote_286"></a><a href="#FNanchor_286"><span class="label">[286]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_287" id="Footnote_287"></a><a href="#FNanchor_287"><span class="label">[287]</span></a> Derselbe.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_288" id="Footnote_288"></a><a href="#FNanchor_288"><span class="label">[288]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_289" id="Footnote_289"></a><a href="#FNanchor_289"><span class="label">[289]</span></a> Nochbet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_290" id="Footnote_290"></a><a href="#FNanchor_290"><span class="label">[290]</span></a> Nochbet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_291" id="Footnote_291"></a><a href="#FNanchor_291"><span class="label">[291]</span></a> Nochbet, Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_292" id="Footnote_292"></a><a href="#FNanchor_292"><span class="label">[292]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_293" id="Footnote_293"></a><a href="#FNanchor_293"><span class="label">[293]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_294" id="Footnote_294"></a><a href="#FNanchor_294"><span class="label">[294]</span></a> d'Ohsson III. 222 gibt die Botschaft, aber nicht die
+Antwort, und sagt: Houlagou les congédia sans faire grande attention à
+leurs discours.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_295" id="Footnote_295"></a><a href="#FNanchor_295"><span class="label">[295]</span></a> Dschihannuma S. 456.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_296" id="Footnote_296"></a><a href="#FNanchor_296"><span class="label">[296]</span></a> Nökeri gesik.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_297" id="Footnote_297"></a><a href="#FNanchor_297"><span class="label">[297]</span></a> Reschideddin setzt die Verse hinzu:</p>
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Was sind Ameisen mir, was Elephantenwuth,<br /></span>
+<span class="i0">Was Quell, was Fluss und was des Niles Fluth;<br /></span>
+<span class="i0">Und wenn sich der Befehl von Gott nun anders wendet,<br /></span>
+<span class="i0">Wer weiss wohl ausser Ihm, wie dieses Werk noch endet.<br /></span>
+</div></div>
+</div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_298" id="Footnote_298"></a><a href="#FNanchor_298"><span class="label">[298]</span></a> Bei Köschk Manssur ober Mesrike; Reschideddin. Wassaf sagt:
+in der Nähe von Dudscheil.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_299" id="Footnote_299"></a><a href="#FNanchor_299"><span class="label">[299]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_300" id="Footnote_300"></a><a href="#FNanchor_300"><span class="label">[300]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_301" id="Footnote_301"></a><a href="#FNanchor_301"><span class="label">[301]</span></a> <i>Dscharlik</i>, eigentlich Diakon.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_302" id="Footnote_302"></a><a href="#FNanchor_302"><span class="label">[302]</span></a> <i>Babol-Halbe.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_303" id="Footnote_303"></a><a href="#FNanchor_303"><span class="label">[303]</span></a> Ein schiitischer Molla, welcher aus der Inschrift das <i>La</i>
+(nicht) weglöschte, ward mit siebzig Stockstreichen bestraft. Wassaf.
+Mirchuand; Noveiri; bei d'Ohsson III. p. 243.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_304" id="Footnote_304"></a><a href="#FNanchor_304"><span class="label">[304]</span></a> Das Schreiben des Langen noch bei Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_305" id="Footnote_305"></a><a href="#FNanchor_305"><span class="label">[305]</span></a> Reschideddin; Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_306" id="Footnote_306"></a><a href="#FNanchor_306"><span class="label">[306]</span></a> d'Ohsson III. 256. près de Hamadan où étoient restés ses
+Oghruks (Aghrik); das türkische Aghirlik heisst das schwere Gepäck.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_307" id="Footnote_307"></a><a href="#FNanchor_307"><span class="label">[307]</span></a> <i>Adabes-Sultanijet.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_308" id="Footnote_308"></a><a href="#FNanchor_308"><span class="label">[308]</span></a> Am 18. Ramasan 630.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_309" id="Footnote_309"></a><a href="#FNanchor_309"><span class="label">[309]</span></a> Dschihannuma S. 346 und 347 ein volles Blatt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_310" id="Footnote_310"></a><a href="#FNanchor_310"><span class="label">[310]</span></a> Porter sagt hierüber II. 592. 593.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_311" id="Footnote_311"></a><a href="#FNanchor_311"><span class="label">[311]</span></a> Dschihangir ne Dschihandar.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_312" id="Footnote_312"></a><a href="#FNanchor_312"><span class="label">[312]</span></a> 1. <i>Moejeddin Ben Irsi</i> von Damaskus, 2. <i>Nedschmeddin
+Kjatib</i> von Kaswin, 3. Fachreddin von Mossul, gebürtig von Meraasch, 4.
+Fachreddin von Tiflis, gebürtig von Achlat.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_313" id="Footnote_313"></a><a href="#FNanchor_313"><span class="label">[313]</span></a> als die von <i>Fachir</i>, <i>Alai</i>, <i>Schahi</i>, <i>Guschjar</i>. Wassaf.
+d'Ohsson III. 265.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_314" id="Footnote_314"></a><a href="#FNanchor_314"><span class="label">[314]</span></a> <i>Tarichi Güside.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_315" id="Footnote_315"></a><a href="#FNanchor_315"><span class="label">[315]</span></a> Ebenda.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_316" id="Footnote_316"></a><a href="#FNanchor_316"><span class="label">[316]</span></a> Vahram's chronicle of the Armenian Kingdom in Cilicia
+translated by Neumann p. 47.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_317" id="Footnote_317"></a><a href="#FNanchor_317"><span class="label">[317]</span></a> Haitho c. XXIII.; diese sieben Artikel sind die des
+Vertrags, von welchen die Geschichte Vahram's spricht, die als Antwort auf
+Neuman's Frage in der Note 67: Is this treaty to be any where found?</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_318" id="Footnote_318"></a><a href="#FNanchor_318"><span class="label">[318]</span></a> Sinebaldus Conestabulus regni Armeniae.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_319" id="Footnote_319"></a><a href="#FNanchor_319"><span class="label">[319]</span></a> S. Martin Mem. II. scheint diese zwei Reisen <i>Sempad's</i> mit
+den seines Bruders <i>Hethum</i> vermengt zu haben.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_320" id="Footnote_320"></a><a href="#FNanchor_320"><span class="label">[320]</span></a> Orpellian in S. Martin. Mem. II. p. 143.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_321" id="Footnote_321"></a><a href="#FNanchor_321"><span class="label">[321]</span></a> d'Ohsson III. 268.; nach Dschuweini.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_322" id="Footnote_322"></a><a href="#FNanchor_322"><span class="label">[322]</span></a> Derselbe S. 269.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_323" id="Footnote_323"></a><a href="#FNanchor_323"><span class="label">[323]</span></a> Mouradjea d'Ohsson III. 271., nach Bar. Hebr. 530.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_324" id="Footnote_324"></a><a href="#FNanchor_324"><span class="label">[324]</span></a> S. Martin Mem. I. 112. und Dschih. S. 602.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_325" id="Footnote_325"></a><a href="#FNanchor_325"><span class="label">[325]</span></a> Der Aufmerksamkeit S. Martin's ist entgangen, dass Kaghzevan
+(das in seinem geographischen Register fehlt) dasselbe mit Kaghseman
+(Dschih. S. 408).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_326" id="Footnote_326"></a><a href="#FNanchor_326"><span class="label">[326]</span></a> S. Martin Mem. p. 145.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_327" id="Footnote_327"></a><a href="#FNanchor_327"><span class="label">[327]</span></a> Dschihannuma S. 382 und Hamdallah.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_328" id="Footnote_328"></a><a href="#FNanchor_328"><span class="label">[328]</span></a> Dschihannuma S. 426 und 425.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_329" id="Footnote_329"></a><a href="#FNanchor_329"><span class="label">[329]</span></a> <i>Lobasanagut</i> oder <i>Libasanagut</i> oder <i>Lebasanagut</i>, nur der
+erste Vocal ist zweifelhaft.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_330" id="Footnote_330"></a><a href="#FNanchor_330"><span class="label">[330]</span></a> Constantin Porphyrogenita.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_331" id="Footnote_331"></a><a href="#FNanchor_331"><span class="label">[331]</span></a> Dschihannuma S. 419.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_332" id="Footnote_332"></a><a href="#FNanchor_332"><span class="label">[332]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_333" id="Footnote_333"></a><a href="#FNanchor_333"><span class="label">[333]</span></a> Beim Bar Hebr. <i>Maiphercata</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_334" id="Footnote_334"></a><a href="#FNanchor_334"><span class="label">[334]</span></a> Bar Hebr. nennt ihn <i>Aschraph fil. Malic Ghazi</i>; er hiess
+aber <i>Kjamil Ben Melik Mosaffer Ghasi</i>. Nochbet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_335" id="Footnote_335"></a><a href="#FNanchor_335"><span class="label">[335]</span></a> Beim Bar Hebr. <i>Aischmut</i>, bei Abulfeda IV. 573. <i>Samud</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_336" id="Footnote_336"></a><a href="#FNanchor_336"><span class="label">[336]</span></a> Bar Hebräus ch. 28.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_337" id="Footnote_337"></a><a href="#FNanchor_337"><span class="label">[337]</span></a> Aus dem 94. Vers der VI. Sura.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_338" id="Footnote_338"></a><a href="#FNanchor_338"><span class="label">[338]</span></a> Aus dem 226. Vers der XXVI. Sura.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_339" id="Footnote_339"></a><a href="#FNanchor_339"><span class="label">[339]</span></a> Aus dem 97. Vers der XIX. Sura.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_340" id="Footnote_340"></a><a href="#FNanchor_340"><span class="label">[340]</span></a> Die 16. Sure, die <i>Biene</i>; sie beginnt mit dem Verse:
+<i>Gekommen ist Gottes Befehl; beschleuniget nicht sein Gericht.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_341" id="Footnote_341"></a><a href="#FNanchor_341"><span class="label">[341]</span></a> Das Ende der Sura <i>Ssad</i>, d. i. der 38., ist der Vers: <i>Und
+ihr werdet wissen, dass die Kunde wahr, nach einiger Zeit.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_342" id="Footnote_342"></a><a href="#FNanchor_342"><span class="label">[342]</span></a> <i>Ummi.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_343" id="Footnote_343"></a><a href="#FNanchor_343"><span class="label">[343]</span></a> Die ersten 4 Verse der LXXXII. Sura.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_344" id="Footnote_344"></a><a href="#FNanchor_344"><span class="label">[344]</span></a> Anspielung auf den Ueberlieferungs-Spruch, der auf den
+Zifferblättern morgenländischer Uhren zu sehen: <i>Eddunja saatun fe
+edschaalha taaten</i>, die Welt ist Eine Stunde, gehorsam mach' die Runde.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_345" id="Footnote_345"></a><a href="#FNanchor_345"><span class="label">[345]</span></a> Der 65. Vers der V. Sura.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_346" id="Footnote_346"></a><a href="#FNanchor_346"><span class="label">[346]</span></a> Der 88. und 89. Vers der XIX. Sura.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_347" id="Footnote_347"></a><a href="#FNanchor_347"><span class="label">[347]</span></a> Der 226. Vers der XXVI. Sura.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_348" id="Footnote_348"></a><a href="#FNanchor_348"><span class="label">[348]</span></a> Gesch. des osm. Reichs I., nach Neschri, Seadeddin,
+Dschenabi.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_349" id="Footnote_349"></a><a href="#FNanchor_349"><span class="label">[349]</span></a> Primo mense, d. i. des syrischen Jahres, welches Ende
+September begann. Bar Hebr.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_350" id="Footnote_350"></a><a href="#FNanchor_350"><span class="label">[350]</span></a> Moazem filius Saladini magni beim Bar Hebr. p. 255 ist
+unrichtig, denn Ssalaheddin hatte keinen Sohn, der so hiess; es ist hier
+die Rede von dem ältesten Sohne Nassir's, welcher auch Ssalaheddin hiess,
+wie sein Grossvater.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_351" id="Footnote_351"></a><a href="#FNanchor_351"><span class="label">[351]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_352" id="Footnote_352"></a><a href="#FNanchor_352"><span class="label">[352]</span></a> Dschihannuma S. 593. Histoire des Sultans Mamlouks de
+l'Égypte par Makrizi, traduite par Quatremère I. 19.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_353" id="Footnote_353"></a><a href="#FNanchor_353"><span class="label">[353]</span></a> <i>Bintol-Hafisa.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_354" id="Footnote_354"></a><a href="#FNanchor_354"><span class="label">[354]</span></a> Schehabeddin Ben Amru's, das Nedschmeddin's, des Bruders
+Marsdekin's, das Basdedde's, das Alemeddin Kaissar's. Abulfeda IV. 579.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_355" id="Footnote_355"></a><a href="#FNanchor_355"><span class="label">[355]</span></a> Bar Hebr. 556.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_356" id="Footnote_356"></a><a href="#FNanchor_356"><span class="label">[356]</span></a> Bar Hebr.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_357" id="Footnote_357"></a><a href="#FNanchor_357"><span class="label">[357]</span></a> Abulfeda IV. p. 579.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_358" id="Footnote_358"></a><a href="#FNanchor_358"><span class="label">[358]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_359" id="Footnote_359"></a><a href="#FNanchor_359"><span class="label">[359]</span></a> nicht vierzig Tage, wie Reschideddin sagt; Abulfeda gibt die
+Daten genau.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_360" id="Footnote_360"></a><a href="#FNanchor_360"><span class="label">[360]</span></a> Reschideddin, Abulfeda IV. nennt den <i>Naib</i> Amadeddin von
+Kaswin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_361" id="Footnote_361"></a><a href="#FNanchor_361"><span class="label">[361]</span></a> Abulfeda IV. 585.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_362" id="Footnote_362"></a><a href="#FNanchor_362"><span class="label">[362]</span></a> Wilkens Geschichte der Kreuzzüge I. 180. II. 516. 633. III.
+52. 82. 90. 92. 219. Abulfeda III. 511. 583. 593. 755. IV. 35. 59.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_363" id="Footnote_363"></a><a href="#FNanchor_363"><span class="label">[363]</span></a> Dschihannuma S. 597; der Richter von Harim zu Selkin, auf
+der Karte <i>Serkin</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_364" id="Footnote_364"></a><a href="#FNanchor_364"><span class="label">[364]</span></a> Abulfeda IV. 581.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_365" id="Footnote_365"></a><a href="#FNanchor_365"><span class="label">[365]</span></a> Abulfeda IV. 587.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_366" id="Footnote_366"></a><a href="#FNanchor_366"><span class="label">[366]</span></a> S. Martin Mem. II. 97. Dschihannuma S. 437.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_367" id="Footnote_367"></a><a href="#FNanchor_367"><span class="label">[367]</span></a> Aini Hausile musemma bu ainden, d. i. aus einer Quelle,
+welche Beckenquelle heisst; es ist also unrichtig, wenn S. Martin p. 97
+sagt: le Nymphius appellé actuellement <i>Aynathaoudh</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_368" id="Footnote_368"></a><a href="#FNanchor_368"><span class="label">[368]</span></a> Macdonald Kinneir.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_369" id="Footnote_369"></a><a href="#FNanchor_369"><span class="label">[369]</span></a> Reschideddin setzt noch den Nassir von Haleb hinzu, was aber
+ein Anachronismus, indem dessen Hinrichtung erst nach der Niederlage von
+Aindschalut statthatte, welche, wie wir sogleich zeigen werden, später als
+die Eroberung von Miafarakain.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_370" id="Footnote_370"></a><a href="#FNanchor_370"><span class="label">[370]</span></a> Da Abulfeda IV. 509 das Datum gibt, so bleibt kein Zweifel
+übrig über die Epoche des Falles von Miafarakain, wiewohl Reschideddin
+denselben erst nach der Schlacht von Aindschalut erzählt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_371" id="Footnote_371"></a><a href="#FNanchor_371"><span class="label">[371]</span></a> S. Martin Mem. I. p. 174.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_372" id="Footnote_372"></a><a href="#FNanchor_372"><span class="label">[372]</span></a> Dschihan. S. 437.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_373" id="Footnote_373"></a><a href="#FNanchor_373"><span class="label">[373]</span></a> Procop. de bello persico I. 5.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_374" id="Footnote_374"></a><a href="#FNanchor_374"><span class="label">[374]</span></a> <i>Γιλιγερδον</i>. Theophanes IV. 1.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_375" id="Footnote_375"></a><a href="#FNanchor_375"><span class="label">[375]</span></a> Haitho Histor. 24.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_376" id="Footnote_376"></a><a href="#FNanchor_376"><span class="label">[376]</span></a> Hiernach wäre die Stelle in der Gesch. des osm. Reichs II.
+448 bei einer neuen Ausgabe zu berichtigen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_377" id="Footnote_377"></a><a href="#FNanchor_377"><span class="label">[377]</span></a> Theophanes, Cedinus, Justinus und nach denselben Geschichte
+des osm. Reichs II. 443.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_378" id="Footnote_378"></a><a href="#FNanchor_378"><span class="label">[378]</span></a> Dschihann. S. 441.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_379" id="Footnote_379"></a><a href="#FNanchor_379"><span class="label">[379]</span></a> Theophylaktus III. 5. S. Gesch. des osm. Reichs II. 448 und
+648. <i>Matha</i> ist vermuthlich das Schloss der Magyaren und Beiramkai
+(Macdonald Kinneir p. 425) vielleicht das alte Beidum.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_380" id="Footnote_380"></a><a href="#FNanchor_380"><span class="label">[380]</span></a> Cherefeddin bei La Croix ch. 37. p. 275.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_381" id="Footnote_381"></a><a href="#FNanchor_381"><span class="label">[381]</span></a> Dschihannuma S. 443.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_382" id="Footnote_382"></a><a href="#FNanchor_382"><span class="label">[382]</span></a> <i>Muwad</i> und <i>Schesch</i> 96, Reschideddin; also nicht 80jährig,
+wie d'Ohsson sagt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_383" id="Footnote_383"></a><a href="#FNanchor_383"><span class="label">[383]</span></a> Nochbet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_384" id="Footnote_384"></a><a href="#FNanchor_384"><span class="label">[384]</span></a> Bei d'Ohsson III. 322. Alakuh, der Statthalter Bondokdar's
+zu Haleb.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_385" id="Footnote_385"></a><a href="#FNanchor_385"><span class="label">[385]</span></a> Bei d'Ohsson III. 373, nach Bar Heb. <i>Samdaghun</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_386" id="Footnote_386"></a><a href="#FNanchor_386"><span class="label">[386]</span></a> Dschemdschadar.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_387" id="Footnote_387"></a><a href="#FNanchor_387"><span class="label">[387]</span></a> <i>Durghan</i>, Wassaf im V. Bande, Eingangs der Erwähnung des
+Zuges Hulagu's nach Westen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_388" id="Footnote_388"></a><a href="#FNanchor_388"><span class="label">[388]</span></a> <i>Chuthai Tebris</i>, Dschihannuma S. 381.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_389" id="Footnote_389"></a><a href="#FNanchor_389"><span class="label">[389]</span></a> Ewlia in der Beschreibung Malatia's und Dschih. S. 600.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_390" id="Footnote_390"></a><a href="#FNanchor_390"><span class="label">[390]</span></a></p>
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Wie <i>Schaab</i>, <i>Ghuta</i>, <i>Obolla</i>, <i>Soghd</i> auf Erden berühmt sind,<br /></span>
+<span class="i0">So ist des Bosporos Gestad' im Paradiese berühmt.<br /></span>
+</div></div>
+<p>Geschichte des osm. Reichs V. S. 594.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_391" id="Footnote_391"></a><a href="#FNanchor_391"><span class="label">[391]</span></a> d'Ohsson III. 329. nach Noweiri.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_392" id="Footnote_392"></a><a href="#FNanchor_392"><span class="label">[392]</span></a> Dschihannuma S. 570.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_393" id="Footnote_393"></a><a href="#FNanchor_393"><span class="label">[393]</span></a> Banias, wie bei d'Ohsson, nicht zu vermengen mit dem
+Balanias Abulfeda's, welches auf den Karten auch als Banias steht.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_394" id="Footnote_394"></a><a href="#FNanchor_394"><span class="label">[394]</span></a> Haitho c. 29.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_395" id="Footnote_395"></a><a href="#FNanchor_395"><span class="label">[395]</span></a> Haitho.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_396" id="Footnote_396"></a><a href="#FNanchor_396"><span class="label">[396]</span></a> Gurboga, bei Haithon 29.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_397" id="Footnote_397"></a><a href="#FNanchor_397"><span class="label">[397]</span></a> Haithon 50; bei Wilken VII. 416.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_398" id="Footnote_398"></a><a href="#FNanchor_398"><span class="label">[398]</span></a> hem harik hem gharik. Nochbet und Abulfeda IV. p. 511.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_399" id="Footnote_399"></a><a href="#FNanchor_399"><span class="label">[399]</span></a> Burdschi ahmer.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_400" id="Footnote_400"></a><a href="#FNanchor_400"><span class="label">[400]</span></a> Histoire des Sultans Mamlouks de l'Égypte par Makrizi,
+traduite par Quatremère. I. p. 98.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_401" id="Footnote_401"></a><a href="#FNanchor_401"><span class="label">[401]</span></a> Ebenda p. 103.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_402" id="Footnote_402"></a><a href="#FNanchor_402"><span class="label">[402]</span></a> <i>Soweila</i>, nicht Zwilah, wie in der Uebersetzung Makrisi's
+von Quatremère I. p. 103 dieser Name irrig geschrieben wird; bei demselben
+findet sich auch S. 101 das Schreiben Hulagu's an Kotos in voller
+Ausdehnung.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_403" id="Footnote_403"></a><a href="#FNanchor_403"><span class="label">[403]</span></a> 1. Emir Melik Husein Chan; 2. Melik Ichtiareddin Chan; 3.
+Melik Seifeddin Ssadik Chan; 4. Melik Nassireddin Gülschu Chan; 5. Atlas
+Chan; 6. Nassireddin Kimeri.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_404" id="Footnote_404"></a><a href="#FNanchor_404"><span class="label">[404]</span></a> Kaimeri statt <i>Kimeri</i> ist Reiskische Leseart.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_405" id="Footnote_405"></a><a href="#FNanchor_405"><span class="label">[405]</span></a> Makrizi, trad. par Quatremère I. p. 104.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_406" id="Footnote_406"></a><a href="#FNanchor_406"><span class="label">[406]</span></a> Ebenda.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_407" id="Footnote_407"></a><a href="#FNanchor_407"><span class="label">[407]</span></a> <i>Burke</i>, noch heute der tscherkessische Wettermantel.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_408" id="Footnote_408"></a><a href="#FNanchor_408"><span class="label">[408]</span></a> Abulfeda IV. 595, fehlt in der Stammtafel bei Rehm, so auch
+sein Vater <i>Asis</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_409" id="Footnote_409"></a><a href="#FNanchor_409"><span class="label">[409]</span></a> d'Ohsson III. 335, nach Noweiri und Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_410" id="Footnote_410"></a><a href="#FNanchor_410"><span class="label">[410]</span></a> Nach Abulfeda V. 621 auch die Nachricht der Schlacht bei
+Himss, was aber ein Widerspruch mit Bar Hebr., welcher als den Tag der
+Hinrichtung den 29. October angibt, während die Schlacht von Himss am 10.
+December statt hatte.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_411" id="Footnote_411"></a><a href="#FNanchor_411"><span class="label">[411]</span></a> Abulfeda IV. p. 621.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_412" id="Footnote_412"></a><a href="#FNanchor_412"><span class="label">[412]</span></a> Reschideddin bei Bar Hebr. <i>Mowahid</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_413" id="Footnote_413"></a><a href="#FNanchor_413"><span class="label">[413]</span></a> Bar Hebr. p. 559 aber abweichend von Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_414" id="Footnote_414"></a><a href="#FNanchor_414"><span class="label">[414]</span></a> am 29. October 1260, nicht 1261, wie in Rehm's Stammtafel;
+denn Bar Hebr. gibt den Tag an.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_415" id="Footnote_415"></a><a href="#FNanchor_415"><span class="label">[415]</span></a> Abulfeda IV. p. 523.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_416" id="Footnote_416"></a><a href="#FNanchor_416"><span class="label">[416]</span></a> Abulfeda IV. p. 625.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_417" id="Footnote_417"></a><a href="#FNanchor_417"><span class="label">[417]</span></a> Tebrdar, nicht Taudar, wie bei Reiske IV. 599; aber auch
+nicht hellebardier, wie bei d'Ohsson p. 345, in welchem Falle es Harbedar
+heissen müsste.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_418" id="Footnote_418"></a><a href="#FNanchor_418"><span class="label">[418]</span></a> Proben dieser Siegesgedichte bei Abulfeda IV. p. 601.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_419" id="Footnote_419"></a><a href="#FNanchor_419"><span class="label">[419]</span></a> nicht <i>Elbarli</i>, wie bei Abulfeda IV. 603.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_420" id="Footnote_420"></a><a href="#FNanchor_420"><span class="label">[420]</span></a> Abulfeda IV. 344.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_421" id="Footnote_421"></a><a href="#FNanchor_421"><span class="label">[421]</span></a> d'Ohsson III. 346. nach dem Leben Beibars.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_422" id="Footnote_422"></a><a href="#FNanchor_422"><span class="label">[422]</span></a> El Hakimbiemrillah Ahmed Ben Hasan Ben Ali B. Ebibekr B.
+Mosterschid.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_423" id="Footnote_423"></a><a href="#FNanchor_423"><span class="label">[423]</span></a> Hakimbiemrillah.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_424" id="Footnote_424"></a><a href="#FNanchor_424"><span class="label">[424]</span></a> Ueber Dschudschi und seinen Ulus siehe die Beilagen I. u.
+II. aus den Geschichten Haider's und Wassaf's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_425" id="Footnote_425"></a><a href="#FNanchor_425"><span class="label">[425]</span></a> Bei Bar. Hebräus <i>Kotar</i>, d'Ohsson <i>Tumor</i> ist Schreibfehler
+des Manuscripts.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_426" id="Footnote_426"></a><a href="#FNanchor_426"><span class="label">[426]</span></a> Histoire des Sultans Mamlouks par Makrizi, traduite par
+Quatremère I. p. 212.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_427" id="Footnote_427"></a><a href="#FNanchor_427"><span class="label">[427]</span></a> Quatremère übersetzt durchaus: Signe de la Noblesse, was
+nicht richtig.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_428" id="Footnote_428"></a><a href="#FNanchor_428"><span class="label">[428]</span></a> Makrisi nennt die vorzüglichsten: <i>Keramun</i>, <i>Amtagjah</i>,
+<i>Noghai</i>, <i>Dscherek</i>, <i>Kajan</i>, <i>Nasagjah</i>, <i>Taischur</i>, <i>Bentu</i>, <i>Sobhi</i>,
+<i>Dschaudschelan</i>, <i>Adschkarka</i>, <i>Adkerek</i>, <i>Kerai</i>, <i>Salagjah</i>,
+<i>Motekaddem</i> und <i>Daragan</i>. Quatremère I. p. 222.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_429" id="Footnote_429"></a><a href="#FNanchor_429"><span class="label">[429]</span></a> Ebenda u. S. 235.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_430" id="Footnote_430"></a><a href="#FNanchor_430"><span class="label">[430]</span></a> 1. <i>Ilkai</i>, 2. <i>Turan Behadir</i>, 3. <i>Batu</i>, 4. <i>Saldschedai</i>,
+5. <i>Tschaghan</i>, 6. <i>Belarghu</i>, 7. <i>Doghus</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_431" id="Footnote_431"></a><a href="#FNanchor_431"><span class="label">[431]</span></a> Ueber den Feldzug wider Berke siehe die Beilage III. aus
+Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_432" id="Footnote_432"></a><a href="#FNanchor_432"><span class="label">[432]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_433" id="Footnote_433"></a><a href="#FNanchor_433"><span class="label">[433]</span></a> Derselbe.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_434" id="Footnote_434"></a><a href="#FNanchor_434"><span class="label">[434]</span></a> Apuschka, Sohn Buri's, des Sohnes Muwatukjan's, des Sohnes
+Dschaghatai's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_435" id="Footnote_435"></a><a href="#FNanchor_435"><span class="label">[435]</span></a> In demselben waren <i>Taghadschar</i>, <i>Hulagu</i>, der Sohn
+Ildschitai's, <i>Nadin Kadan</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_436" id="Footnote_436"></a><a href="#FNanchor_436"><span class="label">[436]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_437" id="Footnote_437"></a><a href="#FNanchor_437"><span class="label">[437]</span></a> in der Nähe der Stadt <i>Bulad(?)</i>, <i>Tulad(?)</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_438" id="Footnote_438"></a><a href="#FNanchor_438"><span class="label">[438]</span></a> Reng Altui, am Flusse Dschaikan.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_439" id="Footnote_439"></a><a href="#FNanchor_439"><span class="label">[439]</span></a> Mirchuand.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_440" id="Footnote_440"></a><a href="#FNanchor_440"><span class="label">[440]</span></a> Reschideddin, Mirchuand.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_441" id="Footnote_441"></a><a href="#FNanchor_441"><span class="label">[441]</span></a> <i>Taghadschar</i>, der Sohn Ewbadschi Nujan's, <i>Jesunke</i>, der
+Sohn Dschudschi Kasar's, <i>Jekekadak</i>, Dschingtimur, der Sohn Kadak's,
+<i>Aschikai</i>; die schuldigen Prinzen: <i>Schiregi</i>, <i>Taghai</i>, <i>Dscherku</i>,
+<i>Baitimur</i>; die Emire: <i>Hintunk</i> Nujan, <i>Durbai</i>, <i>Pulad</i> Dschingsang.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_442" id="Footnote_442"></a><a href="#FNanchor_442"><span class="label">[442]</span></a> <i>Huku</i>, der Sohn Gujukchan's, <i>Hobat</i>, der Sohn Nako's,
+<i>Kutuk</i>, der Sohn Karadschar's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_443" id="Footnote_443"></a><a href="#FNanchor_443"><span class="label">[443]</span></a> <i>Schiregi</i>, der Sohn Ogotai's; die Söhne Arikbugha's:
+<i>Tukukur</i> und <i>Melik Timur</i>; <i>Tokatimur</i>, der Sohn Suktu's; <i>Urughadai</i>;
+die Neffen Kubilai's: <i>Horrak</i> und <i>Ogin</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_444" id="Footnote_444"></a><a href="#FNanchor_444"><span class="label">[444]</span></a> Serinerud.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_445" id="Footnote_445"></a><a href="#FNanchor_445"><span class="label">[445]</span></a> Sonntags den 9. Rebiulachir (8. Febr., Sonntagsbuchstabe D,
+richtig ein Sonntag).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_446" id="Footnote_446"></a><a href="#FNanchor_446"><span class="label">[446]</span></a> d'Ohsson sagt, ich weiss nicht, auf welche Autorität, dass
+dies das Schloss <i>Tala</i> am See von Urmia; aber Reschideddin sagt: gegenüber
+von <i>Dehchuaregjan</i> (bei d'Ohsson <i>Sachwareku</i>), was nur Verstümmelung von
+<i>Destchawakan</i> [Dschihannuma S. 386], welches nicht ferne vom Berge
+<i>Sehend</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_447" id="Footnote_447"></a><a href="#FNanchor_447"><span class="label">[447]</span></a> Mirchuand, Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_448" id="Footnote_448"></a><a href="#FNanchor_448"><span class="label">[448]</span></a> Odoricus Raynaldus XIV. 1260. N. 29.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_449" id="Footnote_449"></a><a href="#FNanchor_449"><span class="label">[449]</span></a> <i>Tschehelsutun.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_450" id="Footnote_450"></a><a href="#FNanchor_450"><span class="label">[450]</span></a> <i>Tschehel Minar.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_451" id="Footnote_451"></a><a href="#FNanchor_451"><span class="label">[451]</span></a> <i>Nakschi Rustem.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_452" id="Footnote_452"></a><a href="#FNanchor_452"><span class="label">[452]</span></a> <i>Meschdschedi Maderi Suleiman.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_453" id="Footnote_453"></a><a href="#FNanchor_453"><span class="label">[453]</span></a> <i>Sindani Dschemschid.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_454" id="Footnote_454"></a><a href="#FNanchor_454"><span class="label">[454]</span></a> <i>Nakarachana Dschemschid.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_455" id="Footnote_455"></a><a href="#FNanchor_455"><span class="label">[455]</span></a> <i>Bend Emir</i>, d. i. der Damm des Fürsten, nämlich
+<i>Adhadeddewlet's</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_456" id="Footnote_456"></a><a href="#FNanchor_456"><span class="label">[456]</span></a> Dass <i>Ομηρος</i> dasselbe mit <i>Omer</i>, ist in den Jahrbüchern der
+Literatur bei Gelegenheit der Anzeige des Werkes &bdquo;Ulysse Homere&ldquo; dargethan
+worden.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_457" id="Footnote_457"></a><a href="#FNanchor_457"><span class="label">[457]</span></a> Quatremère mémoires géographiques sur l'Égypte II. p. 506;
+dann Wilken's Geschichte der Kreuzzüge II. 78. 119. 201.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_458" id="Footnote_458"></a><a href="#FNanchor_458"><span class="label">[458]</span></a> Geschichte des osm. Reichs III. S. 413, nach dem
+Nochbet-<i>ettewarich</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_459" id="Footnote_459"></a><a href="#FNanchor_459"><span class="label">[459]</span></a> Dschihannuma S. 278.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_460" id="Footnote_460"></a><a href="#FNanchor_460"><span class="label">[460]</span></a> Dschihannuma S. 281.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_461" id="Footnote_461"></a><a href="#FNanchor_461"><span class="label">[461]</span></a> Tarichi Güside; Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_462" id="Footnote_462"></a><a href="#FNanchor_462"><span class="label">[462]</span></a> Dieser fehlt in der Liste bei Deguignes I. 260.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_463" id="Footnote_463"></a><a href="#FNanchor_463"><span class="label">[463]</span></a> Lari, Nochbet, Güside, Wassaf, Mirchuand.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_464" id="Footnote_464"></a><a href="#FNanchor_464"><span class="label">[464]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_465" id="Footnote_465"></a><a href="#FNanchor_465"><span class="label">[465]</span></a> Kämpfer amoenitates exoticae.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_466" id="Footnote_466"></a><a href="#FNanchor_466"><span class="label">[466]</span></a> Mirchuand und Wassaf führen bei dieser Gelegenheit das
+Distichon des Schahname an:</p>
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">In den drei Domen, wo zu Istachar<br /></span>
+<span class="i0">Die Residenz der Schahe von Iran war.<br /></span>
+</div></div>
+</div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_467" id="Footnote_467"></a><a href="#FNanchor_467"><span class="label">[467]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_468" id="Footnote_468"></a><a href="#FNanchor_468"><span class="label">[468]</span></a> Derselbe.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_469" id="Footnote_469"></a><a href="#FNanchor_469"><span class="label">[469]</span></a> Geschichte der schönen Redekünste S. 202. 203. 160 und 161
+nach Dewletschah.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_470" id="Footnote_470"></a><a href="#FNanchor_470"><span class="label">[470]</span></a> S. 214.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_471" id="Footnote_471"></a><a href="#FNanchor_471"><span class="label">[471]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_472" id="Footnote_472"></a><a href="#FNanchor_472"><span class="label">[472]</span></a> <i>Abisch</i>, nicht Aische, wie bei Deguignes, auch nicht <i>Uns</i>,
+wie d'Ohsson, durch einen Schreibfehler des Manuscripts verleitet,
+schreibt, ist der Namen dieser Prinzessin, welcher die morgenländische
+Sitte eines freundschaftlichen Pikniks bezeichnet. S. Gol. qui atrium
+alienae domus instruit cibo ac potu suo, quod facere apud Arabes inter se
+amici solent, quasi symbola conferentes; eine Art <i>συσιτια</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_473" id="Footnote_473"></a><a href="#FNanchor_473"><span class="label">[473]</span></a></p>
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Donec provisis quae tempus monebat simul excessisse<br /></span>
+<span class="i0">Augustum et rerum potiri Neronem fama eadem tulit.<br /></span>
+</div></div>
+<p>Tacit. Annal. I. 5.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_474" id="Footnote_474"></a><a href="#FNanchor_474"><span class="label">[474]</span></a> Reschideddin nennt sieben: 1. <i>Ilkai</i> Nujan; 2. <i>Sundschak</i>
+N.; 3. <i>Suntai</i> N.; 4. <i>Abtai</i> N.; 5. <i>Semaghar</i> N.; 6. <i>Schiktur</i> N.; 7.
+<i>Arghun Aka</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_475" id="Footnote_475"></a><a href="#FNanchor_475"><span class="label">[475]</span></a> Nushet und nach demselben Dschihannuma S. 299.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_476" id="Footnote_476"></a><a href="#FNanchor_476"><span class="label">[476]</span></a> Dieses übersetzt Miles, ohne das eiserne Thor am kaspischen
+Meere zu erkennen, S. 248: he presented the iron durbund of Shirwan to
+Bishmoot, und <i>Tuktin</i> ist in Tyubeen verstümmelt, <i>Sundschak</i> als
+Sooghchak, <i>Dschuweini</i> als Joini u. s. w.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_477" id="Footnote_477"></a><a href="#FNanchor_477"><span class="label">[477]</span></a> <i>Makatii.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_478" id="Footnote_478"></a><a href="#FNanchor_478"><span class="label">[478]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_479" id="Footnote_479"></a><a href="#FNanchor_479"><span class="label">[479]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_480" id="Footnote_480"></a><a href="#FNanchor_480"><span class="label">[480]</span></a> Derselbe.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_481" id="Footnote_481"></a><a href="#FNanchor_481"><span class="label">[481]</span></a> sub rosa.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_482" id="Footnote_482"></a><a href="#FNanchor_482"><span class="label">[482]</span></a> Scherfijet auf der kais. Hofbibliothek.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_483" id="Footnote_483"></a><a href="#FNanchor_483"><span class="label">[483]</span></a> Nicht zu verwechseln mit Bulghan Chatun, der Gemahlin
+Ghasan's, welche ebenfalls eine Konghuratin; diese war die Tochter
+<i>Tesu's</i>, jene die Tochter Utaman's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_484" id="Footnote_484"></a><a href="#FNanchor_484"><span class="label">[484]</span></a> Pachymeres T. I. p. 273. Stritter III. 1044.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_485" id="Footnote_485"></a><a href="#FNanchor_485"><span class="label">[485]</span></a> Im <i>Schedschretol Etrak</i> wird als das Datum der Schlacht der
+20. Ssafer 664 angegeben; die Namen sind, wie gewöhnlich, alle verstümmelt,
+Berke in <i>Boorkeh</i> und Nokai in Booka.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_486" id="Footnote_486"></a><a href="#FNanchor_486"><span class="label">[486]</span></a> Nushet, nach demselben Dschihannuma S. 341.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_487" id="Footnote_487"></a><a href="#FNanchor_487"><span class="label">[487]</span></a> Noweiri, bei d'Ohsson III. p. 421; Dschebele heisst dort
+Djeliba.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_488" id="Footnote_488"></a><a href="#FNanchor_488"><span class="label">[488]</span></a> Bei d'Ohsson nach <i>Ranan er-Roub?</i> und <i>Sikhulhadid</i>, d. i.
+eiserner Bratspiess.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_489" id="Footnote_489"></a><a href="#FNanchor_489"><span class="label">[489]</span></a> Noweiri, Bar Hebräus 645. Haithon hist. orient. c. 33.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_490" id="Footnote_490"></a><a href="#FNanchor_490"><span class="label">[490]</span></a> Haithon hist. orient. c. 33.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_491" id="Footnote_491"></a><a href="#FNanchor_491"><span class="label">[491]</span></a> <i>Jesentewa</i>, der Sohn Muwatukjan's, heisst im Schedschretol
+Etrak durch die Verstümmelung des Uebersetzers einmal Sookur Kaan, the son
+of Kamkar, S. 250 und S. 251 Tokzur Sookur und <i>Abaka</i> Abukai.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_492" id="Footnote_492"></a><a href="#FNanchor_492"><span class="label">[492]</span></a> <i>Robath</i>; Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_493" id="Footnote_493"></a><a href="#FNanchor_493"><span class="label">[493]</span></a> Derselbe; Schedschretol Etrak p. 360.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_494" id="Footnote_494"></a><a href="#FNanchor_494"><span class="label">[494]</span></a> Wassaf; aber von dem, was bei d'Ohsson zweimal, III. B. S.
+427 und 429, vorkommt: ils burent ensemble, après avoir choqué leurs
+coupes, du sang où il y avoit de l'or, ist keine Spur im citirten Wassaf,
+wo bloss vom Blute der Rebe die Rede, <i>Chunireschardend</i>, sie tranken das
+Blut der Rebe; es scheint, dass H. v. O. <i>Chuniser</i> las, das heissen würde:
+sie tranken das <i>Blut des Goldes</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_495" id="Footnote_495"></a><a href="#FNanchor_495"><span class="label">[495]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_496" id="Footnote_496"></a><a href="#FNanchor_496"><span class="label">[496]</span></a> Derselbe.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_497" id="Footnote_497"></a><a href="#FNanchor_497"><span class="label">[497]</span></a> der Sohn Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_498" id="Footnote_498"></a><a href="#FNanchor_498"><span class="label">[498]</span></a> der Sohn Kaidu's, des siebenten Sohnes Dschagatai's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_499" id="Footnote_499"></a><a href="#FNanchor_499"><span class="label">[499]</span></a> der Sohn Serban's, des achten Sohnes Dschagatai's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_500" id="Footnote_500"></a><a href="#FNanchor_500"><span class="label">[500]</span></a> der Sohn Gujuk's, des zweiten Nachfolgers Tschengischan's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_501" id="Footnote_501"></a><a href="#FNanchor_501"><span class="label">[501]</span></a> der Sohn Kara Hulagu's, der Erstgeborene Muwatukjan's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_502" id="Footnote_502"></a><a href="#FNanchor_502"><span class="label">[502]</span></a> der sechste Sohn Ogotai's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_503" id="Footnote_503"></a><a href="#FNanchor_503"><span class="label">[503]</span></a> <i>Kukdschu</i> heisst auch der neunte Sohn Kubilai's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_504" id="Footnote_504"></a><a href="#FNanchor_504"><span class="label">[504]</span></a> der grosse <i>Jesawur</i>, der Bruder Borrak's, bei Wassaf
+<i>Besmar</i>, bei Reschideddin auch <i>Jesas</i>; der kleine war <i>Jesawur</i>, der Sohn
+Dschudschi's (der Bruder Kipdschak's), des Sohnes Kaidu's, des sechsten
+Sohnes Ogotai's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_505" id="Footnote_505"></a><a href="#FNanchor_505"><span class="label">[505]</span></a> der Sohn Batu's, des Sohnes Hindu's, des Sohnes
+Dschagatai's, des zehnten Sohnes Dschudschi's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_506" id="Footnote_506"></a><a href="#FNanchor_506"><span class="label">[506]</span></a> In den Jahrbüchern der Literatur VII. 300. irrig <i>Nertuke</i>,
+weil das <i>Ki</i> zum Namen gezogen worden.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_507" id="Footnote_507"></a><a href="#FNanchor_507"><span class="label">[507]</span></a> Nushet; Dschihannuma S. 314.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_508" id="Footnote_508"></a><a href="#FNanchor_508"><span class="label">[508]</span></a> Dschihannuma S. 315.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_509" id="Footnote_509"></a><a href="#FNanchor_509"><span class="label">[509]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_510" id="Footnote_510"></a><a href="#FNanchor_510"><span class="label">[510]</span></a> Wassaf nennt die Prinzen: <i>Jesdar</i>, <i>Kongurtai</i>, <i>Adschai</i>,
+<i>Tikeschi</i>, Nigudar Huladschu; die Emire: <i>Arghesun</i>, <i>Masuk Ahmed</i>,
+<i>Kotschek</i>, <i>Timur</i>, <i>Olinak</i>, <i>Menkeser</i>, <i>Abdullah</i>, der Sohn Tulak
+Bawerdschi's, und Aradschuk.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_511" id="Footnote_511"></a><a href="#FNanchor_511"><span class="label">[511]</span></a> <i>Ala at.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_512" id="Footnote_512"></a><a href="#FNanchor_512"><span class="label">[512]</span></a> <i>Alatagh.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_513" id="Footnote_513"></a><a href="#FNanchor_513"><span class="label">[513]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_514" id="Footnote_514"></a><a href="#FNanchor_514"><span class="label">[514]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_515" id="Footnote_515"></a><a href="#FNanchor_515"><span class="label">[515]</span></a> d'Ohsson III. 505.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_516" id="Footnote_516"></a><a href="#FNanchor_516"><span class="label">[516]</span></a> Der Enkel Dschagatai's aus seinem zweiten Sohne Muwatukjan.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_517" id="Footnote_517"></a><a href="#FNanchor_517"><span class="label">[517]</span></a> Bei d'Ohsson <i>Jesar</i>, in Wassaf <i>Basmar</i>, in der Handschrift
+Reschideddin's der k. k. Hofbibliothek <i>Parso</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_518" id="Footnote_518"></a><a href="#FNanchor_518"><span class="label">[518]</span></a> In der Handschrift der k. k. Hofbibliothek einmal <i>Dschanli</i>
+und einmal <i>Dschobai</i>, in Wassaf <i>Dschoban</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_519" id="Footnote_519"></a><a href="#FNanchor_519"><span class="label">[519]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_520" id="Footnote_520"></a><a href="#FNanchor_520"><span class="label">[520]</span></a> i. J. 703 (1303), Reschideddin von den Frauen Hulagu's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_521" id="Footnote_521"></a><a href="#FNanchor_521"><span class="label">[521]</span></a> Vom J. 654 (1256) bis 669 (1270) machen vierzehn Sonnen- und
+fünfzehn Mondjahre, was die Hälfte der von Haithon als Belagerungszeit des
+Schlosses Tigaddo angegebenen dreissig Jahre.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_522" id="Footnote_522"></a><a href="#FNanchor_522"><span class="label">[522]</span></a> Nushet und Dschihannuma S. 292.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_523" id="Footnote_523"></a><a href="#FNanchor_523"><span class="label">[523]</span></a> Nushet und Dschihannuma S. 299.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_524" id="Footnote_524"></a><a href="#FNanchor_524"><span class="label">[524]</span></a> Tarichi Güside.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_525" id="Footnote_525"></a><a href="#FNanchor_525"><span class="label">[525]</span></a> Geschichte der persischen Redekünste S. 203.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_526" id="Footnote_526"></a><a href="#FNanchor_526"><span class="label">[526]</span></a> Von drei Seiten von Chorasan umgeben. Dschih. S. 254. Hier
+sind die Schlösser <i>Firuskuh</i> und Girdkjuh.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_527" id="Footnote_527"></a><a href="#FNanchor_527"><span class="label">[527]</span></a> <i>Ghardschistan</i> Dschih. S. 238, 254, 324.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_528" id="Footnote_528"></a><a href="#FNanchor_528"><span class="label">[528]</span></a> <i>Purdestan</i>, der Sohn Destan's, ist Rustem, der Herr von
+Nimrus (Sistan), der Inhaber der berühmten Stierkeule, welche eine der
+persischen Reichsinsignien.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_529" id="Footnote_529"></a><a href="#FNanchor_529"><span class="label">[529]</span></a> Wortspiel zwischen <i>Melik</i>, König, und <i>Melek</i>, Engel.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_530" id="Footnote_530"></a><a href="#FNanchor_530"><span class="label">[530]</span></a> <i>dil ber an nihaden</i>, ganz und gar dasselbe mit dem
+Englischen: set his heart upon some thing.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_531" id="Footnote_531"></a><a href="#FNanchor_531"><span class="label">[531]</span></a> <i>Chamrol adschem</i>, der Wein der Perser, das grüne Opiat;
+insgemein <i>Esrar</i> genannt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_532" id="Footnote_532"></a><a href="#FNanchor_532"><span class="label">[532]</span></a> Die Schlangen sollen blind werden, wenn sie Smaragd
+anschauen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_533" id="Footnote_533"></a><a href="#FNanchor_533"><span class="label">[533]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_534" id="Footnote_534"></a><a href="#FNanchor_534"><span class="label">[534]</span></a> wirklich schreiben es die englischen Reisebeschreiber nicht
+anders als <i>Fall</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_535" id="Footnote_535"></a><a href="#FNanchor_535"><span class="label">[535]</span></a> d'Ohsson vermengt sie III. 516. mit den Karawinen; ces
+guerriers designés sous le nom de <i>Nigoudariens</i> ou Caraviniens.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_536" id="Footnote_536"></a><a href="#FNanchor_536"><span class="label">[536]</span></a> Aresch, <i>Αρης</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_537" id="Footnote_537"></a><a href="#FNanchor_537"><span class="label">[537]</span></a> Isfendiar mit dem ehernen Leib gilt insgemein für Xerxes.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_538" id="Footnote_538"></a><a href="#FNanchor_538"><span class="label">[538]</span></a> Cyrus, der Aschghiane.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_539" id="Footnote_539"></a><a href="#FNanchor_539"><span class="label">[539]</span></a> Der ritterlichste Fürst der Beni Sasan.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_540" id="Footnote_540"></a><a href="#FNanchor_540"><span class="label">[540]</span></a> H. v. Ohsson III. 464. bürdet dem Wassaf auf, was er nicht
+gesagt: Beibars fit jetter dans le fleuve jusqu'à 35000 chameaux, dont les
+corps servirent de pont à ses troupes. Wassaf sagt ausdrücklich, dass der
+Sultan der erste den Zügel hineinlenkte.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_541" id="Footnote_541"></a><a href="#FNanchor_541"><span class="label">[541]</span></a> d'Ohsson III. 468., nach Nuweiri.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_542" id="Footnote_542"></a><a href="#FNanchor_542"><span class="label">[542]</span></a> Bar Hebr. 546.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_543" id="Footnote_543"></a><a href="#FNanchor_543"><span class="label">[543]</span></a> i. J. 1188, Wilken IV. 241.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_544" id="Footnote_544"></a><a href="#FNanchor_544"><span class="label">[544]</span></a> Dschihannuma S. 594 verdruckt als <i>Derbak</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_545" id="Footnote_545"></a><a href="#FNanchor_545"><span class="label">[545]</span></a> Wilken's Geschichte der Kreuzzüge VI. S. 495.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_546" id="Footnote_546"></a><a href="#FNanchor_546"><span class="label">[546]</span></a> Dschihannuma S. 594.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_547" id="Footnote_547"></a><a href="#FNanchor_547"><span class="label">[547]</span></a> nicht Manca, wie bei d'Ohsson III. 472.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_548" id="Footnote_548"></a><a href="#FNanchor_548"><span class="label">[548]</span></a> Mannert VI. II. 49. <i>Menasikol-hadsch</i> S. 43.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_549" id="Footnote_549"></a><a href="#FNanchor_549"><span class="label">[549]</span></a> <i>Merdsched-dibadsch.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_550" id="Footnote_550"></a><a href="#FNanchor_550"><span class="label">[550]</span></a> Ewlia.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_551" id="Footnote_551"></a><a href="#FNanchor_551"><span class="label">[551]</span></a> Dschihannuma S. 602; auf Paultres Karte nicht richtig Kurtu
+Cular; auf der Karte M. Kinneirs blos Kulaghi als Castabala.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_552" id="Footnote_552"></a><a href="#FNanchor_552"><span class="label">[552]</span></a> Ebenda.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_553" id="Footnote_553"></a><a href="#FNanchor_553"><span class="label">[553]</span></a> Sughuri Islam.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_554" id="Footnote_554"></a><a href="#FNanchor_554"><span class="label">[554]</span></a> S. Martin Mem. I. p. 201.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_555" id="Footnote_555"></a><a href="#FNanchor_555"><span class="label">[555]</span></a> heute Kisildsche.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_556" id="Footnote_556"></a><a href="#FNanchor_556"><span class="label">[556]</span></a> heute Gökssu.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_557" id="Footnote_557"></a><a href="#FNanchor_557"><span class="label">[557]</span></a> Paul Lucas; Dschihannuma S. 603.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_558" id="Footnote_558"></a><a href="#FNanchor_558"><span class="label">[558]</span></a> d'Ohsson III. S. 475.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_559" id="Footnote_559"></a><a href="#FNanchor_559"><span class="label">[559]</span></a> Bar Hebräus 553.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_560" id="Footnote_560"></a><a href="#FNanchor_560"><span class="label">[560]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_561" id="Footnote_561"></a><a href="#FNanchor_561"><span class="label">[561]</span></a> <i>Gulek</i>, Dschihannuma S. 601, oder <i>Dulek</i>, S. 40, nicht
+<i>Doluk</i>, wie bei d'Ohsson III. 481.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_562" id="Footnote_562"></a><a href="#FNanchor_562"><span class="label">[562]</span></a> Das kappadocische Komane lag am <i>Sarus</i>, welches der
+<i>Sihan</i>; in M. Kinneir's Karte am <i>Kisil Irmak</i>, welches der obere Pyramus
+zu seyn scheint; nach dem Menasikol-hadsch ist aber dieser Kisil Irmak
+derselbe mit dem <i>Sihan</i>, d. i. dem Sarus, so dass die Lage mit der Angabe
+der alten Geographen in Uebereinstimmung. Jahrbücher der Literatur XIV. S.
+46.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_563" id="Footnote_563"></a><a href="#FNanchor_563"><span class="label">[563]</span></a> Bar Hebr. p. 556.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_564" id="Footnote_564"></a><a href="#FNanchor_564"><span class="label">[564]</span></a> Nuweiri; Bar Hebr. p. 537.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_565" id="Footnote_565"></a><a href="#FNanchor_565"><span class="label">[565]</span></a> Nuweiri, bei d'Ohsson III. S. 485.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_566" id="Footnote_566"></a><a href="#FNanchor_566"><span class="label">[566]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_567" id="Footnote_567"></a><a href="#FNanchor_567"><span class="label">[567]</span></a> Geschichte des osm. Reichs I. u. II. Band.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_568" id="Footnote_568"></a><a href="#FNanchor_568"><span class="label">[568]</span></a> d'Ohsson IV. S. 490.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_569" id="Footnote_569"></a><a href="#FNanchor_569"><span class="label">[569]</span></a> Nuweiri, bei d'Ohsson III. 496.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_570" id="Footnote_570"></a><a href="#FNanchor_570"><span class="label">[570]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_571" id="Footnote_571"></a><a href="#FNanchor_571"><span class="label">[571]</span></a> Nach Reschideddin im Silhidsche 676 (Mai 1277), nach Nuweiri
+und Makrisi, die hier glaubwürdiger, 5. Moharrem 676 (8. Juni 1277).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_572" id="Footnote_572"></a><a href="#FNanchor_572"><span class="label">[572]</span></a> Bei Wassaf <i>Konghosatai</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_573" id="Footnote_573"></a><a href="#FNanchor_573"><span class="label">[573]</span></a> Reschideddin nennt es <i>Koghanie(?)</i>; fehlt bei d'Ohsson,
+sowie die Botschaft.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_574" id="Footnote_574"></a><a href="#FNanchor_574"><span class="label">[574]</span></a> Dschihannuma.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_575" id="Footnote_575"></a><a href="#FNanchor_575"><span class="label">[575]</span></a> Nuweiri, bei d'Ohsson. IV. 498.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_576" id="Footnote_576"></a><a href="#FNanchor_576"><span class="label">[576]</span></a> Haithon 34.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_577" id="Footnote_577"></a><a href="#FNanchor_577"><span class="label">[577]</span></a> i. J. 698 (1299).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_578" id="Footnote_578"></a><a href="#FNanchor_578"><span class="label">[578]</span></a> 700 (1300), d'Ohsson III. 500. nach Munedschimbaschi.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_579" id="Footnote_579"></a><a href="#FNanchor_579"><span class="label">[579]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_580" id="Footnote_580"></a><a href="#FNanchor_580"><span class="label">[580]</span></a> Bei d'Ohsson S. 400.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_581" id="Footnote_581"></a><a href="#FNanchor_581"><span class="label">[581]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_582" id="Footnote_582"></a><a href="#FNanchor_582"><span class="label">[582]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_583" id="Footnote_583"></a><a href="#FNanchor_583"><span class="label">[583]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_584" id="Footnote_584"></a><a href="#FNanchor_584"><span class="label">[584]</span></a> <i>Rothes Gesicht</i>, glücklicher Erfolg; <i>rothe Brust</i>,
+gewaltsamer Tod.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_585" id="Footnote_585"></a><a href="#FNanchor_585"><span class="label">[585]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_586" id="Footnote_586"></a><a href="#FNanchor_586"><span class="label">[586]</span></a> i. J. 669 (1270).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_587" id="Footnote_587"></a><a href="#FNanchor_587"><span class="label">[587]</span></a> Wassaf gibt die Glosse <i>Asaseddin El-Jakubi's</i> in achtzehn
+fünfzeiligen Strophen.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_588" id="Footnote_588"></a><a href="#FNanchor_588"><span class="label">[588]</span></a> d'Ohsson III. macht sie zu denselben mit den Niguderischen
+Banden: Nigoudariens ou Caraounass; aber Reschideddin, in dem Abschnitte
+unmittelbar vor den Begebenheiten Medschdulmülk's und Schemseddin's,
+spricht erst von den Niguderischen Banden in Sistan, dann von den Karawinen
+in Chorasan.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_589" id="Footnote_589"></a><a href="#FNanchor_589"><span class="label">[589]</span></a> Hier nennt Reschideddin den Schatz <i>Chasinei Narin</i>, im
+Abschnitte der Stämme aber bei den Dschelairen <i>Postin</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_590" id="Footnote_590"></a><a href="#FNanchor_590"><span class="label">[590]</span></a> Dschihannuma S. 594.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_591" id="Footnote_591"></a><a href="#FNanchor_591"><span class="label">[591]</span></a> Die Namen derselben bei d'Ohsson III. 526. nach Noweiri.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_592" id="Footnote_592"></a><a href="#FNanchor_592"><span class="label">[592]</span></a> Im Schedschretol Etrak S. 254 dasselbe Datum, nur mit der
+gewöhnlichen Verstümmelung des Uebersetzers statt Silhidsche Zi Huj.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_593" id="Footnote_593"></a><a href="#FNanchor_593"><span class="label">[593]</span></a> Reschideddin, Nuweiri, Bar Hebräus; der letzte irrig Silkide
+statt Silhidsche. Mengu Timur heisst bei Haitho <i>Mongodamir</i>; nach ihm wäre
+Mengu Timur schon am achten Tage nach dem Bruder gestorben, und beide durch
+Gift. Verlässiger als der syrische Bischof Bar Hebräus und der armenische
+Mönch Haitho sind hierüber Reschideddin und Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_594" id="Footnote_594"></a><a href="#FNanchor_594"><span class="label">[594]</span></a> Dieser Name ist als Quolibey verstümmelt in Quolibet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_595" id="Footnote_595"></a><a href="#FNanchor_595"><span class="label">[595]</span></a> sub qua credulitate lautet fast ironisch.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_596" id="Footnote_596"></a><a href="#FNanchor_596"><span class="label">[596]</span></a> Reynaldus III. p. 453 und in Moshemii historia Tatarorum
+ecclesiast. p. 72.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_597" id="Footnote_597"></a><a href="#FNanchor_597"><span class="label">[597]</span></a> Waddington annales Minorum V. 40 und in Moshemius p. 80.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_598" id="Footnote_598"></a><a href="#FNanchor_598"><span class="label">[598]</span></a> Die umständlichsten und gründlichsten Nachrichten über die
+Missionen enthält die vortreffliche relation des Mongols ou Tartares par M.
+d'Avezac im IV. Bande des recueil de voyages et de mémoires der
+geographischen Gesellschaft zu Paris.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_599" id="Footnote_599"></a><a href="#FNanchor_599"><span class="label">[599]</span></a> Güside B. 343 gibt das poetische Fetwa desselben über den
+Rangstreit zwischen Sahir und Enweri, welcher von beiden ein grösserer
+Dichter.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_600" id="Footnote_600"></a><a href="#FNanchor_600"><span class="label">[600]</span></a> Dewletschah und Güside B. 345.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_601" id="Footnote_601"></a><a href="#FNanchor_601"><span class="label">[601]</span></a> Geschichte der persischen Redekünste S. 221.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_602" id="Footnote_602"></a><a href="#FNanchor_602"><span class="label">[602]</span></a> Güside B. 333.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_603" id="Footnote_603"></a><a href="#FNanchor_603"><span class="label">[603]</span></a> Güside B. 335.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_604" id="Footnote_604"></a><a href="#FNanchor_604"><span class="label">[604]</span></a> Güside B. 335.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_605" id="Footnote_605"></a><a href="#FNanchor_605"><span class="label">[605]</span></a> Güside B. 335 gibt als Beispiel den Anfangsvers einer
+Kassidet:</p>
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Ei kerde ruh ba lebi laali tu <i>Nokeri</i><br /></span>
+<span class="i0">Maaschuki <i>Usbegi</i> we nigari her Chaweri.<br /></span>
+</div></div>
+<p>Hier sind <i>Nokeri</i> und <i>Usbegi</i> die fremden Wörter.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_606" id="Footnote_606"></a><a href="#FNanchor_606"><span class="label">[606]</span></a> Güside.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_607" id="Footnote_607"></a><a href="#FNanchor_607"><span class="label">[607]</span></a> Die letzten sieben Dichter fehlen in Dewletschah, und auch
+in der Geschichte der persischen Poesie, zu der das <i>Güside</i> noch nicht
+benutzt werden konnte.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_608" id="Footnote_608"></a><a href="#FNanchor_608"><span class="label">[608]</span></a> Güside B. 343.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_609" id="Footnote_609"></a><a href="#FNanchor_609"><span class="label">[609]</span></a></p>
+<div class="poem"><div class="stanza">
+<span class="i0">Lakad fahet el aaud el Komari<br /></span>
+<span class="i0">We faher-raudh kel aaud el Komari.<br /></span>
+</div></div>
+<p>
+Das Wortspiel liegt in dem Doppelsinn der Worte <i>Fahet</i> und <i>Komari</i>; jenes
+heisst im ersten Verse <i>klagen</i>, im zweiten <i>hauchen</i>; dieses ist im ersten
+Hemistich der Plural von <i>Kumri</i>, Turteltaube, im zweiten Epithet:
+kumarische Aloe.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_610" id="Footnote_610"></a><a href="#FNanchor_610"><span class="label">[610]</span></a> Haitho C. 37 nennt ihn Tongodar, die Perser nennen ihn durch
+einen aus Versetzung der Punkte leicht erklärbaren Schreibfehler <i>Nigudar</i>,
+was der Name des dschaghataischen Prinzen, des Sohnes Dschudschi's, des
+Erstgebornen Dschaghatai's; wahrscheinlich ist <i>Niguder</i> aus seinem
+christlichen Namen <i>Nikolaus</i> entstanden.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_611" id="Footnote_611"></a><a href="#FNanchor_611"><span class="label">[611]</span></a> Die zwei Brüder <i>Buka</i> und <i>Oruk</i>, und Akbuka.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_612" id="Footnote_612"></a><a href="#FNanchor_612"><span class="label">[612]</span></a> <i>Schischi Bachschi</i>, <i>Doladai Aidadschi</i>, <i>Dschuschi</i>,
+<i>Ordukia</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_613" id="Footnote_613"></a><a href="#FNanchor_613"><span class="label">[613]</span></a> <i>Kurdschian.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_614" id="Footnote_614"></a><a href="#FNanchor_614"><span class="label">[614]</span></a> <i>Sikurdschian.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_615" id="Footnote_615"></a><a href="#FNanchor_615"><span class="label">[615]</span></a> <i>Aktadschian.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_616" id="Footnote_616"></a><a href="#FNanchor_616"><span class="label">[616]</span></a> Reschideddin, bei d'Ohsson Siahkuh III. 552.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_617" id="Footnote_617"></a><a href="#FNanchor_617"><span class="label">[617]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_618" id="Footnote_618"></a><a href="#FNanchor_618"><span class="label">[618]</span></a> 13. Rebiulewwel Sonntags ist der 21. Juni, der richtig ein
+Sonntag, folglich das Datum bei Wassaf, 14. statt 13., wie bei Reschideddin
+gefehlt; das Schedschretol Etrak S. 257 hat das richtige Datum vom 13.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_619" id="Footnote_619"></a><a href="#FNanchor_619"><span class="label">[619]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_620" id="Footnote_620"></a><a href="#FNanchor_620"><span class="label">[620]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_621" id="Footnote_621"></a><a href="#FNanchor_621"><span class="label">[621]</span></a> Bei d'Ohsson III. 553 Tuktai.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_622" id="Footnote_622"></a><a href="#FNanchor_622"><span class="label">[622]</span></a> Derselbe nach Noweiri S. 553.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_623" id="Footnote_623"></a><a href="#FNanchor_623"><span class="label">[623]</span></a> <i>Siah kuh nusul kerd</i>, heisst: er lagerte zu <i>Siahkuh</i>,
+nicht: il quitta Siahkuh, wie d'Ohsson übersetzt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_624" id="Footnote_624"></a><a href="#FNanchor_624"><span class="label">[624]</span></a> <i>Kaplandschi</i>, <i>Arslandschi</i>, <i>Nukadschije</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_625" id="Footnote_625"></a><a href="#FNanchor_625"><span class="label">[625]</span></a> 1. <i>Kutschuk</i>, aus der Frau Tokus; 2. <i>Kimdschuk</i>, aus der
+Frau Ermeni; 3. <i>Tschitschek</i>, aus eben derselben; 4. <i>Mainan</i>,
+gleichfalls; 5. <i>Sailun</i>, aus der Frau <i>Tudaku</i>; 6. <i>Kiltürmisch</i>, aus der
+Beischläferin <i>Kurkudschije</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_626" id="Footnote_626"></a><a href="#FNanchor_626"><span class="label">[626]</span></a> in der Nacht vom Mittwoch, sagt Reschideddin, was der 12.
+August war, denn der 14. (Sonntagsbuchstabe D) war ein Freitag.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_627" id="Footnote_627"></a><a href="#FNanchor_627"><span class="label">[627]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_628" id="Footnote_628"></a><a href="#FNanchor_628"><span class="label">[628]</span></a> Wassaf theilt dieselben mit.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_629" id="Footnote_629"></a><a href="#FNanchor_629"><span class="label">[629]</span></a> Wortspiel zwischen <i>Moslimen</i> Gläubigen, und <i>Moslim</i>, dem
+eigenen Namen eines der ersten Ueberlieferer der Sunna.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_630" id="Footnote_630"></a><a href="#FNanchor_630"><span class="label">[630]</span></a> Das Ende des 15. Verses der XVII. Sura.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_631" id="Footnote_631"></a><a href="#FNanchor_631"><span class="label">[631]</span></a> Das Ende des 17. Verses der XLIX. Sura.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_632" id="Footnote_632"></a><a href="#FNanchor_632"><span class="label">[632]</span></a> Bar Hebr. und nach demselben d'Ohsson III. 560.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_633" id="Footnote_633"></a><a href="#FNanchor_633"><span class="label">[633]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_634" id="Footnote_634"></a><a href="#FNanchor_634"><span class="label">[634]</span></a> <i>Ali Dschingsan</i> und <i>Kotlogschah</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_635" id="Footnote_635"></a><a href="#FNanchor_635"><span class="label">[635]</span></a> <i>Buradersade</i>, Neffe, nicht Bruder, wie bei d'Ohsson S.
+582.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_636" id="Footnote_636"></a><a href="#FNanchor_636"><span class="label">[636]</span></a> <i>Dschankur</i>, <i>Dschinkutur</i>, <i>Doladai</i>, <i>Idadschi</i>, <i>Idschi</i>,
+<i>Tetkaul</i>, <i>Dschuschi</i>, <i>Kimdschkabal</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_637" id="Footnote_637"></a><a href="#FNanchor_637"><span class="label">[637]</span></a> <i>Kutschuk Anukdschi</i> und Schadi <i>Achtadschi</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_638" id="Footnote_638"></a><a href="#FNanchor_638"><span class="label">[638]</span></a> <i>Rusi Kunilamischi</i> im angeblichen Beidhawi <i>Guikesi</i>, was
+Schreib-, Lese- oder Druckfehler.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_639" id="Footnote_639"></a><a href="#FNanchor_639"><span class="label">[639]</span></a> 1. <i>Taghadschar</i>, 2. <i>Dschankur</i>, 3. <i>Dschinkutur</i>, 4.
+<i>Doladai</i>, 5. <i>Idschi Tetkaul</i>, 6. <i>Dschuschi</i>, 7. <i>Kundschukbal</i>; bei
+Wassaf heisst Dschankur <i>Dschaigir</i>, Abai der Sohn <i>Suntai's</i>,
+<i>Dschenghatu</i> der Sohn Dschuschi's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_640" id="Footnote_640"></a><a href="#FNanchor_640"><span class="label">[640]</span></a> Wassaf nennt die Emire Arghun's: <i>Jasar Aghul</i>, <i>Taghai</i>,
+<i>Adschu Sukurdschi</i>, <i>Ghasan</i>, der Ceremonienmeister, <i>Tokli Schadi</i>, der
+Sohn <i>Sundschak's</i>; Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_641" id="Footnote_641"></a><a href="#FNanchor_641"><span class="label">[641]</span></a> Wassaf nennt die Emire: <i>Ainkadschi</i>, <i>Nakai Jarghudschi</i>,
+<i>Tawtai</i>, <i>Kasan</i>, der Sohn Kotloghbuka's, <i>Baitmisch Kuschdschi</i>,
+<i>Sertak</i>, <i>Alghui</i>, <i>Oladai Kadaghan</i>, <i>Aghman</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_642" id="Footnote_642"></a><a href="#FNanchor_642"><span class="label">[642]</span></a> Moriers second journey und darnach in den Jahrbüchern der
+Literatur VII. 257.; vier andere Pässe sind die zwei bei <i>Firuskjuh</i>
+(<i>Sawadschi</i> und <i>Tengi serensa</i>), <i>Tengi Nimrud</i> und <i>Tengi
+Schimschirbur</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_643" id="Footnote_643"></a><a href="#FNanchor_643"><span class="label">[643]</span></a> Moriers second journey.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_644" id="Footnote_644"></a><a href="#FNanchor_644"><span class="label">[644]</span></a> Dschihannuma S. 339.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_645" id="Footnote_645"></a><a href="#FNanchor_645"><span class="label">[645]</span></a> i. J. 566 (1170), Fraser 302.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_646" id="Footnote_646"></a><a href="#FNanchor_646"><span class="label">[646]</span></a> Die im J. 880 (1475) erbaute Moschee kann nicht, wie Fraser
+sagt, von Schahroch erbaut worden sein, da dieser schon fünf und zwanzig
+Jahre früher, im J. 850, starb.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_647" id="Footnote_647"></a><a href="#FNanchor_647"><span class="label">[647]</span></a> Quelle Belasan beim Dorfe Kohen; nach den
+<i>Adschaibol-machlukat</i> in den Jahrbüchern der Literatur VII. 258. LXII.
+43., Fraser 304.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_648" id="Footnote_648"></a><a href="#FNanchor_648"><span class="label">[648]</span></a> So am Scheckel in Steiermark.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_649" id="Footnote_649"></a><a href="#FNanchor_649"><span class="label">[649]</span></a> Mannert hält es für das alte <i>Taghi</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_650" id="Footnote_650"></a><a href="#FNanchor_650"><span class="label">[650]</span></a> Adschaibol-machlukat Sekerias.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_651" id="Footnote_651"></a><a href="#FNanchor_651"><span class="label">[651]</span></a> Baconi in den notices et extraits II. 482.; übereinstimmend
+mit Diodor.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_652" id="Footnote_652"></a><a href="#FNanchor_652"><span class="label">[652]</span></a> Tschehel seran, <i>tschehel dochteran</i>, Fraser.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_653" id="Footnote_653"></a><a href="#FNanchor_653"><span class="label">[653]</span></a> In Dschami's <i>Nefhatol Ins</i> der 205te.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_654" id="Footnote_654"></a><a href="#FNanchor_654"><span class="label">[654]</span></a> i. J. 261 (874).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_655" id="Footnote_655"></a><a href="#FNanchor_655"><span class="label">[655]</span></a> Abderrahman Ben Mohammed, gest. 858 (1454), Verfasser von
+vierzig Werken, und <i>Mossannifek Bostami</i>, gest. 875 (1470), der den
+letzten bosnischen König eigenhändig köpfte.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_656" id="Footnote_656"></a><a href="#FNanchor_656"><span class="label">[656]</span></a> Dschami's <i>Nefhatol Ins</i>, die 42te.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_657" id="Footnote_657"></a><a href="#FNanchor_657"><span class="label">[657]</span></a> Bei Reschideddin <i>Legsi</i> und <i>Ordubugha</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_658" id="Footnote_658"></a><a href="#FNanchor_658"><span class="label">[658]</span></a> <i>Dih Surch</i>, bei Reschideddin, ist das <i>Surikkala</i> Frasers;
+der in der Moschee von Semnan eingemauerten Inschrift Schah Abbas I. wird
+erwähnt 304.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_659" id="Footnote_659"></a><a href="#FNanchor_659"><span class="label">[659]</span></a> Nushetol-kolub; Dschihannuma S. 341.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_660" id="Footnote_660"></a><a href="#FNanchor_660"><span class="label">[660]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_661" id="Footnote_661"></a><a href="#FNanchor_661"><span class="label">[661]</span></a> Nushetol-kolub; Dschih. 341.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_662" id="Footnote_662"></a><a href="#FNanchor_662"><span class="label">[662]</span></a> Reschideddin, Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_663" id="Footnote_663"></a><a href="#FNanchor_663"><span class="label">[663]</span></a> Das Schedschretol Etrak S. 358.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_664" id="Footnote_664"></a><a href="#FNanchor_664"><span class="label">[664]</span></a> Sein ganzer Name: Ebun-nassr Mohammed Ben Abdol-Dschebbar
+El-otbi.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_665" id="Footnote_665"></a><a href="#FNanchor_665"><span class="label">[665]</span></a> Fraser S. 245.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_666" id="Footnote_666"></a><a href="#FNanchor_666"><span class="label">[666]</span></a> <i>Urtimur Kuschdschi</i>, <i>Nikpei Kuschdschi</i> und der Bruder
+<i>Kadschu Achtadschi's</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_667" id="Footnote_667"></a><a href="#FNanchor_667"><span class="label">[667]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_668" id="Footnote_668"></a><a href="#FNanchor_668"><span class="label">[668]</span></a> Derselbe.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_669" id="Footnote_669"></a><a href="#FNanchor_669"><span class="label">[669]</span></a> <i>Jesubuka Gurgan</i>, <i>Aruk</i>, <i>Kurmischi</i>, <i>Arkasun Nujan</i>, der
+Sohn <i>Ilkai's</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_670" id="Footnote_670"></a><a href="#FNanchor_670"><span class="label">[670]</span></a> <i>Kurmischi</i> und <i>Aruk</i>, die Brüder Buka's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_671" id="Footnote_671"></a><a href="#FNanchor_671"><span class="label">[671]</span></a> Nerke.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_672" id="Footnote_672"></a><a href="#FNanchor_672"><span class="label">[672]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_673" id="Footnote_673"></a><a href="#FNanchor_673"><span class="label">[673]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_674" id="Footnote_674"></a><a href="#FNanchor_674"><span class="label">[674]</span></a> Reschideddin; Wassaf; nach dem Schedschretol etrak S. 350 am
+7. Dschem. achir.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_675" id="Footnote_675"></a><a href="#FNanchor_675"><span class="label">[675]</span></a> Reschideddin bei den Töchtern Hulagu's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_676" id="Footnote_676"></a><a href="#FNanchor_676"><span class="label">[676]</span></a> Sie lebte noch zur Zeit Reschideddin's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_677" id="Footnote_677"></a><a href="#FNanchor_677"><span class="label">[677]</span></a> Im Schedschretol Etrak S. 260 in <i>Yoogha</i> verstümmelt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_678" id="Footnote_678"></a><a href="#FNanchor_678"><span class="label">[678]</span></a> Herodot's Clio 51.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_679" id="Footnote_679"></a><a href="#FNanchor_679"><span class="label">[679]</span></a> Nushetol kulab.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_680" id="Footnote_680"></a><a href="#FNanchor_680"><span class="label">[680]</span></a> i. J. d. H. 83 (701).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_681" id="Footnote_681"></a><a href="#FNanchor_681"><span class="label">[681]</span></a> <i>Kumedan</i>, hernach <i>Kum</i>. Dschihannuma S. 298.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_682" id="Footnote_682"></a><a href="#FNanchor_682"><span class="label">[682]</span></a> Durch ein unerklärliches Versehen steht im Dschihannuma,
+dass Kum der Geburtsort Nisami's, des Verfassers des Chamse, sei, welcher
+zu Gendsche geboren, auch dort begraben liegt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_683" id="Footnote_683"></a><a href="#FNanchor_683"><span class="label">[683]</span></a> Das Schehinschahname von Feth Alischah dem österreichischen
+Kaiser Franz I. durch Mirsa Abul Hasan zum Geschenke gesandt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_684" id="Footnote_684"></a><a href="#FNanchor_684"><span class="label">[684]</span></a> Emir <i>Bukia</i>, <i>Tinai</i>, <i>Arukian</i>, <i>Bastak</i>, <i>Huladschu</i>.
+Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_685" id="Footnote_685"></a><a href="#FNanchor_685"><span class="label">[685]</span></a> Güside.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_686" id="Footnote_686"></a><a href="#FNanchor_686"><span class="label">[686]</span></a> d'Ohsson gibt nur die Hälfte aus Wassaf, aber nicht die
+folgende historisch wichtigere Hälfte aus Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_687" id="Footnote_687"></a><a href="#FNanchor_687"><span class="label">[687]</span></a> Güside.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_688" id="Footnote_688"></a><a href="#FNanchor_688"><span class="label">[688]</span></a> <i>Schems</i>, anspielend auf den Namen Schemseddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_689" id="Footnote_689"></a><a href="#FNanchor_689"><span class="label">[689]</span></a> <i>Ala</i>, Höhe, anspielend auf den Namen des Bruders Alaeddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_690" id="Footnote_690"></a><a href="#FNanchor_690"><span class="label">[690]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_691" id="Footnote_691"></a><a href="#FNanchor_691"><span class="label">[691]</span></a> Der Sohn Melikchan B. Mohammed B. Sengi's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_692" id="Footnote_692"></a><a href="#FNanchor_692"><span class="label">[692]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_693" id="Footnote_693"></a><a href="#FNanchor_693"><span class="label">[693]</span></a> Das Feuer ihres Zorns entflammte sich in so hohem Grade,
+dass dasselbe die gestockte Feuchtigkeit ihrer Thränenlinse auflöste und
+bei dem Auge ausfliessen liess; Perlen regneten aus dem Narciss und
+tränkten die Rose, Hagel (der Zähne) biss in die Jubeben (des Munds).
+Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_694" id="Footnote_694"></a><a href="#FNanchor_694"><span class="label">[694]</span></a> <i>Tuladai Jarghudschi</i>, <i>Dschijurghutai</i>, <i>Hosameddin</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_695" id="Footnote_695"></a><a href="#FNanchor_695"><span class="label">[695]</span></a> Reschideddin auch unter den Frauen Abaka's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_696" id="Footnote_696"></a><a href="#FNanchor_696"><span class="label">[696]</span></a> Schedschretol Etrak S. 263.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_697" id="Footnote_697"></a><a href="#FNanchor_697"><span class="label">[697]</span></a> Reschideddin nennt die sieben: <i>Taghadschar</i>,
+<i>Kundschukbal</i>, <i>Doladai</i>, <i>Aidadschi</i>, <i>Sultan Aidadschi</i>, <i>Tughan</i>,
+<i>Dschuschi</i>, <i>Ordukap</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_698" id="Footnote_698"></a><a href="#FNanchor_698"><span class="label">[698]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_699" id="Footnote_699"></a><a href="#FNanchor_699"><span class="label">[699]</span></a> mit den Prinzen: <i>Huladschu</i>, <i>Karankai</i>, <i>Konghschir</i>,
+<i>Togai Timur</i>, <i>Anberdschin</i>; mit den Emiren: <i>Uruk</i>, <i>Kurmischi</i>,
+<i>Temdui</i>, <i>Madschu</i>, <i>Toglok Karawinas</i>; Wassaf. Im Reschideddin noch:
+<i>Kurmischi</i>, der Sohn <i>Haidu Nujan's</i>, <i>Audschan</i>, dem Waffenträger,
+<i>Kadan</i>, dem Gesandten, <i>Sengi</i>, dem Sohn <i>Baba Nujan's</i>, Emir des Lagers
+der Frau <i>Oldschai</i>, <i>Ghasan Behadir</i>, <i>Ischik Toghli</i>, <i>Aschak Toghli</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_700" id="Footnote_700"></a><a href="#FNanchor_700"><span class="label">[700]</span></a> <i>Kujun Kumischi</i>. Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_701" id="Footnote_701"></a><a href="#FNanchor_701"><span class="label">[701]</span></a> <i>Madschu</i>, <i>Toghlok</i>, <i>Aschak Toghli</i>, <i>Serwana</i>,
+<i>Nochschi</i>, <i>Tuschkina</i>, <i>Hosameddin von Kaswin</i>, Emir <i>Ali Melik</i> der
+<i>Temghadschi</i> von Tebris. Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_702" id="Footnote_702"></a><a href="#FNanchor_702"><span class="label">[702]</span></a> Hist. des Orpeliens in S. Martin. mém. II. p. 171.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_703" id="Footnote_703"></a><a href="#FNanchor_703"><span class="label">[703]</span></a> <i>Baitmisch Kuschdschi</i>, <i>Tamudai Aktadschi</i>, <i>Schadi</i>, Sohn
+Buka's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_704" id="Footnote_704"></a><a href="#FNanchor_704"><span class="label">[704]</span></a> <i>Abadschi</i>, <i>Melik</i>, <i>Teichan Timur</i>, <i>Kotlogh Timur</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_705" id="Footnote_705"></a><a href="#FNanchor_705"><span class="label">[705]</span></a> <i>Jatmisch Kuschdschi</i>, <i>Gharbetai Gurgan</i>, <i>Burdschu</i>, der
+Sohn <i>Duriai's</i>, <i>Boghdai</i>, <i>Arkasun Nujan</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_706" id="Footnote_706"></a><a href="#FNanchor_706"><span class="label">[706]</span></a> Mocherofago, bei Cassiri.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_707" id="Footnote_707"></a><a href="#FNanchor_707"><span class="label">[707]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_708" id="Footnote_708"></a><a href="#FNanchor_708"><span class="label">[708]</span></a> in d'Ohsson IV. 39. irrig fils du Vezir Schemseddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_709" id="Footnote_709"></a><a href="#FNanchor_709"><span class="label">[709]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_710" id="Footnote_710"></a><a href="#FNanchor_710"><span class="label">[710]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_711" id="Footnote_711"></a><a href="#FNanchor_711"><span class="label">[711]</span></a> Wassaf nennt <i>Schemseddewlet</i> und <i>Iseddin Mosaffer</i>, und
+Reschideddin den <i>Dschelaleddin Serwistani</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_712" id="Footnote_712"></a><a href="#FNanchor_712"><span class="label">[712]</span></a> <i>Asshabi Buluk.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_713" id="Footnote_713"></a><a href="#FNanchor_713"><span class="label">[713]</span></a> <i>Bitekdschi.</i></p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_714" id="Footnote_714"></a><a href="#FNanchor_714"><span class="label">[714]</span></a> <i>Fachreddin Mubarekschah</i>, <i>Medschdeddin Rumi</i>, <i>Schemseddin
+Huseini</i>; Wassaf und Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_715" id="Footnote_715"></a><a href="#FNanchor_715"><span class="label">[715]</span></a> Scharfsichtiger als <i>Ajas</i>, feiner als <i>Kais Ben Soheir</i>,
+als <i>Moghairet B. Schaabet</i>, als <i>Amru Bel el aass</i>; Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_716" id="Footnote_716"></a><a href="#FNanchor_716"><span class="label">[716]</span></a> <i>K. Kjatib</i>, d. i. der Schreiber, <i>Sch</i>, d. i. <i>Schaair</i>,
+Dichter, <i>Dschim</i>, d. i. <i>Munedschim</i>, d. i. Astronom, <i>Mim</i>, d. i. Musik;
+Kamus; das Wort und die Erklärung fehlt in Freitag's Wörterbuch.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_717" id="Footnote_717"></a><a href="#FNanchor_717"><span class="label">[717]</span></a> Wassaf in dem Hauptstücke der Verwaltung von <i>Schiras</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_718" id="Footnote_718"></a><a href="#FNanchor_718"><span class="label">[718]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_719" id="Footnote_719"></a><a href="#FNanchor_719"><span class="label">[719]</span></a> Haithonis hist. C. 38.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_720" id="Footnote_720"></a><a href="#FNanchor_720"><span class="label">[720]</span></a> Unter den Todten: <i>Burultai</i> und <i>Kadai</i>, Emire von
+Tausenden, und der Bruder <i>Jenitsche's</i>; unter den Gefangenen: <i>Huriktai</i>,
+der grosse Emir.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_721" id="Footnote_721"></a><a href="#FNanchor_721"><span class="label">[721]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_722" id="Footnote_722"></a><a href="#FNanchor_722"><span class="label">[722]</span></a> Dschihannuma S. 297.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_723" id="Footnote_723"></a><a href="#FNanchor_723"><span class="label">[723]</span></a> Dschih. S. 426.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_724" id="Footnote_724"></a><a href="#FNanchor_724"><span class="label">[724]</span></a> Dschih. S. 341.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_725" id="Footnote_725"></a><a href="#FNanchor_725"><span class="label">[725]</span></a> M. Kinneir's geographic mem. on the persian Empire p. 84.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_726" id="Footnote_726"></a><a href="#FNanchor_726"><span class="label">[726]</span></a> Die Emire <i>Taghadschar</i>, <i>Kundschukbal</i>, <i>Tewekkul Toghan</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_727" id="Footnote_727"></a><a href="#FNanchor_727"><span class="label">[727]</span></a> Im Schedschretol Etrak ward Seaadeddewlet am letzten Ssafer
+des J. 690 hingerichtet und Arghun starb drei Tage hernach, am 3.
+Rebiulewwel.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_728" id="Footnote_728"></a><a href="#FNanchor_728"><span class="label">[728]</span></a> Dschihannuma S. 297; im Schedschretol Etrak S. 265 im Berge
+Sobeir(?) nächst der Grabstätte des Propheten Kyde(?).</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_729" id="Footnote_729"></a><a href="#FNanchor_729"><span class="label">[729]</span></a> d'Ohsson III. 612. nach Makrisi.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_730" id="Footnote_730"></a><a href="#FNanchor_730"><span class="label">[730]</span></a> d'Ohsson p. 616.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_731" id="Footnote_731"></a><a href="#FNanchor_731"><span class="label">[731]</span></a> Bei Odoric Raynald IV. p. 41 et 42. <i>Elegag</i> und <i>Tuctan</i>;
+d'Ohsson IV. 99. meint, unter der letzten sei <i>Tuktan</i>, die Wittwe Abaka's,
+Mutter Kendschatu's, zu verstehen, was aber unrichtig, da Reschideddin
+(unter den Frauen Abaka's) ausdrücklich sagt, dass sie bei Lebzeiten
+Abaka's gestorben, durch die Frau Ildürmisch ersetzt worden sei; i. J.
+1288, wo Nikolaus IV. schrieb, war Tudai seit einem Jahre Gemahlin an der
+Stelle der verstorbenen Bulughan, und den Tod der anderen grossen Frau,
+Kotlogh, konnte Nikolaus nicht wissen, da sie am 12. April 1288 starb und
+der an sie gerichtete Brief vom 12. datirt ist.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_732" id="Footnote_732"></a><a href="#FNanchor_732"><span class="label">[732]</span></a> Die Tochter Sarudsche's, die Schwester des Emirs Irindschin,
+des Keraiten, die Urenkelin Owang's.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_733" id="Footnote_733"></a><a href="#FNanchor_733"><span class="label">[733]</span></a> Bei Odericus <i>Casian</i> und <i>Saron</i>; da Arghun nur vier Söhne
+hatte und über <i>Chodabende</i> und <i>Ghasan</i> kein Zweifel obwalten kann, so
+fragt sich nur, ob unter <i>Saron</i> der dritte, <i>Jesu Timur</i>, oder der vierte,
+<i>Chatai Aghul</i>, zu verstehen sei; der letzte hiess ehemals <i>Sonkar Kanis</i>.
+Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_734" id="Footnote_734"></a><a href="#FNanchor_734"><span class="label">[734]</span></a> Nach dem Schedschretol Etrak und anderen <i>Kendschatu</i>; bei
+Haithon Cap. XXXIX heist er <i>Regayto</i>, was augenscheinlich eine
+Verstümmelung von <i>Keichatu</i> und nicht von <i>Kendschatu</i>; aber das
+Schedschretol Etrak sagt p. 270 nach der Geschichte der vier Uluse, dass
+sein Name ursprünglich <i>Enkatu</i> gewesen, was auf mongolisch wunderbar,
+staunenswerth heisse.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_735" id="Footnote_735"></a><a href="#FNanchor_735"><span class="label">[735]</span></a> durch <i>Kutla Kokultasch</i>. Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_736" id="Footnote_736"></a><a href="#FNanchor_736"><span class="label">[736]</span></a> <i>Tamerbugha</i>, <i>Saji Ebdschi</i>, <i>Konan Achtadschi</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_737" id="Footnote_737"></a><a href="#FNanchor_737"><span class="label">[737]</span></a> <i>Sati</i>, <i>Kuman</i>, <i>Tudadschu</i>.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_738" id="Footnote_738"></a><a href="#FNanchor_738"><span class="label">[738]</span></a> <i>Koildagh</i> ist ein Schreibfehler.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_739" id="Footnote_739"></a><a href="#FNanchor_739"><span class="label">[739]</span></a> den <i>Taghadschar's</i> dem <i>Baidschu Tetkaul</i>, den
+<i>Kundschukbal's</i> dem <i>Schiktur Nujan</i>. Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_740" id="Footnote_740"></a><a href="#FNanchor_740"><span class="label">[740]</span></a> Wassaf und Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_741" id="Footnote_741"></a><a href="#FNanchor_741"><span class="label">[741]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_742" id="Footnote_742"></a><a href="#FNanchor_742"><span class="label">[742]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_743" id="Footnote_743"></a><a href="#FNanchor_743"><span class="label">[743]</span></a> nullam habebat legem vel fidem. Haithon C. 39.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_744" id="Footnote_744"></a><a href="#FNanchor_744"><span class="label">[744]</span></a> Wassaf dem grossen <i>Ssahib</i>; Fraser übersetzt in seinem
+Kuzulbasch diesen Ehrentitel mit Sir, Gentlemen, <i>Eltschi Ssahib</i>, d. i.
+Heergesandter.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_745" id="Footnote_745"></a><a href="#FNanchor_745"><span class="label">[745]</span></a> <i>Kisil</i> mit seinen Brüdern <i>Nussret</i> und <i>Ali Melik</i>.
+Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_746" id="Footnote_746"></a><a href="#FNanchor_746"><span class="label">[746]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_747" id="Footnote_747"></a><a href="#FNanchor_747"><span class="label">[747]</span></a> Güside.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_748" id="Footnote_748"></a><a href="#FNanchor_748"><span class="label">[748]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_749" id="Footnote_749"></a><a href="#FNanchor_749"><span class="label">[749]</span></a> D'Ohsson IV. 88 nach Makrisi und Noweiri, dann Reschideddin
+und Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_750" id="Footnote_750"></a><a href="#FNanchor_750"><span class="label">[750]</span></a> Dschihannuma. S. 598.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_751" id="Footnote_751"></a><a href="#FNanchor_751"><span class="label">[751]</span></a> S. Beilage IV.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_752" id="Footnote_752"></a><a href="#FNanchor_752"><span class="label">[752]</span></a> Tschawi mubarek.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_753" id="Footnote_753"></a><a href="#FNanchor_753"><span class="label">[753]</span></a> Sobald es angekommen, sei es angenommen. Wassaf giebt die
+Formel für chinesisch an, sie ist aber alttürkisch und würde auf
+neutürkisch: irdükde tursun lauten, d. i. wenn es angekommen, soll es
+stehen (gelten.)</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_754" id="Footnote_754"></a><a href="#FNanchor_754"><span class="label">[754]</span></a> Schedschretol Etrak, S. 268, statt Sikurdschi Skukurchee;
+jenes heisst Speerhalter, dieses Zuckerbäcker.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_755" id="Footnote_755"></a><a href="#FNanchor_755"><span class="label">[755]</span></a> Reschideddin nach Wassaf giebt die Verhaftung der Emire
+<i>Idar</i>, <i>Kundschukbal</i>, <i>Toladai</i>, Tukjal, <i>Ildschai</i> zu <i>Kjawabari</i>.
+Schedschretol Etrak, S. 261.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_756" id="Footnote_756"></a><a href="#FNanchor_756"><span class="label">[756]</span></a> Reschideddin.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_757" id="Footnote_757"></a><a href="#FNanchor_757"><span class="label">[757]</span></a> Nach dem Schedschretol Etrak, S. 270, ward er zu Karabagh
+begraben.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_758" id="Footnote_758"></a><a href="#FNanchor_758"><span class="label">[758]</span></a> Schedschretol Etrak, S. 270.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_759" id="Footnote_759"></a><a href="#FNanchor_759"><span class="label">[759]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_760" id="Footnote_760"></a><a href="#FNanchor_760"><span class="label">[760]</span></a> Wassaf.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_761" id="Footnote_761"></a><a href="#FNanchor_761"><span class="label">[761]</span></a> <i>Kuku</i> steht im Meninski als <i>Guckguck</i>, heisst aber auf
+Persisch Turteltaube (Ferheng Schuuri II. Bl. 228); die Türken nennen auch
+den Schwan Kuku.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_762" id="Footnote_762"></a><a href="#FNanchor_762"><span class="label">[762]</span></a> Batu hatte nicht sieben, sondern vierzehn Söhne.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_763" id="Footnote_763"></a><a href="#FNanchor_763"><span class="label">[763]</span></a> Der 61. Vers der X. Sura.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_764" id="Footnote_764"></a><a href="#FNanchor_764"><span class="label">[764]</span></a> <i>Moktainat</i> definirt der Commentar als den an Vieh und Geld
+ersparten Reichthum.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_765" id="Footnote_765"></a><a href="#FNanchor_765"><span class="label">[765]</span></a> <i>Natik u Ssamit</i>, das Sprechende und Stumme, d. i. Schafe
+und Kamele im Gegensatze mit Gold und Silber.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_766" id="Footnote_766"></a><a href="#FNanchor_766"><span class="label">[766]</span></a> <i>Kisil Bilka</i>, <img src="images/arabic.png" width="79" height="30" alt="" style="vertical-align: middle" /> dasselbe Wort, das als
+Bilek in der Bedeutung der Vorschriften Tschengis-Chans vorkommt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_767" id="Footnote_767"></a><a href="#FNanchor_767"><span class="label">[767]</span></a> <i>Aidadschian</i>, dasselbe, was die <i>Kilardschi</i> zu
+Constantinopel, die Diener der Speisekammer.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_768" id="Footnote_768"></a><a href="#FNanchor_768"><span class="label">[768]</span></a> <i>Wudschuh</i>, Weisen, Arten, und <i>Wudschuh</i>, baares Geld,
+Plural von <i>Widschh</i>, Gesicht; derselbe Grundbegriff wie im Französischen
+faire face aux dépenses.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_769" id="Footnote_769"></a><a href="#FNanchor_769"><span class="label">[769]</span></a> Das mongolische Wort <i>Ilghamischi</i> mit dem arabischen
+<i>Tenkih</i> übersetzt, entspricht dem Finanzausdrucke des épuremens.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_770" id="Footnote_770"></a><a href="#FNanchor_770"><span class="label">[770]</span></a> <i>Dhigsen ala ibballetin</i>, ein Heuschüppel zu einem Grasbund,
+Klein auf Klein, d. i. Nichts zu Nichts.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_771" id="Footnote_771"></a><a href="#FNanchor_771"><span class="label">[771]</span></a> <i>Kaftschari</i>, Confiscation.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_772" id="Footnote_772"></a><a href="#FNanchor_772"><span class="label">[772]</span></a> <i>Dem</i>, der Hauch, heisst durch erweiternde Metonymie auch
+die Zeit; wird das Wort umgekehrt, so heisst es <i>Medd</i>, welches auf
+Arabisch Erweiterung, Ausdehnung bedeutet.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_773" id="Footnote_773"></a><a href="#FNanchor_773"><span class="label">[773]</span></a> Wortspiel zwischen <i>Chata</i>, das nördliche China, und
+<i>Chata</i>, Fehler.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_774" id="Footnote_774"></a><a href="#FNanchor_774"><span class="label">[774]</span></a> Das Wortspiel ist im Persischen zwischen <i>Tschaw</i>, dem Namen
+des Papiergeldes, und <i>Dschawidan</i>, ewig.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_775" id="Footnote_775"></a><a href="#FNanchor_775"><span class="label">[775]</span></a> <i>Musehhib es-scheb</i>, d. i. der Vergolder des Goldes.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_776" id="Footnote_776"></a><a href="#FNanchor_776"><span class="label">[776]</span></a> <i>Senbus</i>, Kahn, scheint mit cymba verwandt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_777" id="Footnote_777"></a><a href="#FNanchor_777"><span class="label">[777]</span></a> <i>Külk</i> erklärt der Commentar als gleichbedeutend mit <i>Chaw</i>,
+villositas panni holoserici.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_778" id="Footnote_778"></a><a href="#FNanchor_778"><span class="label">[778]</span></a> Eine Nachahmung der berühmten schönen Verse Firdewsi's, und
+Wortspiel mit den beiden Namen <i>Iseddin</i>, Ehre des Glaubens, und
+<i>Mosaffir</i>, der Siegreiche, dem sein Wunsch gelingt.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_779" id="Footnote_779"></a><a href="#FNanchor_779"><span class="label">[779]</span></a> Der 7. und 8. Vers der CI. Sura.</p></div>
+
+
+
+<div class="ppnote">
+<p>Anmerkungen zur Transkription:</p>
+
+<p>Die Rechtschreibung des Originaltextes wurde beibehalten, ebenso unterschiedliche Schreibweisen von Eigennamen.
+An einigen Stellen wurde die Zeichensetzung geändert. Umrechnungen zwischen dem islamischen und dem christlichen Kalender,
+die offensichtlich falsch und deshalb wahrscheinlich Druckfehler waren, wurden korrigiert, wobei folgende Hilfsmittel
+verwendet wurden:</p>
+<ol>
+<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Zeitrechnung">http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Zeitrechnung</a> (Umrechnungsformel für Jahreszahlen),</li>
+<li><a href="http://www.heinrichbernd.de/calendar">http://www.heinrichbernd.de/calendar</a> (Kalender-Umrechner).</li>
+</ol>
+<p>Ansonsten wurden die Datumsangaben des Buches auch dort beibehalten, wo sie unstimmig zu sein scheinen.</p>
+
+<p><a href="#Page_2">S. 2</a>: "Die Gesichte des von Hulagu" wurde geändert in "Die Geschichte des von Hulagu"<br />
+<a href="#Page_7">S. 7</a>: "des Herschers von Kipdschak" wurde geändert in "des Herrschers von Kipdschak"<br />
+<a href="#Page_16">S. 16</a>: "die Wächter der acht weissen Häusser" wurde geändert in "die Wächter der acht weissen Häuser"<br />
+<a href="#Page_23">S. 23</a>: "Verschmähte Brautwerburg" wurde geändert in "Verschmähte Brautwerbung"<br />
+<a href="#Page_39">S. 39</a>: "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte besimmt" wurde geändert in "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte bestimmt"<br />
+<a href="#Page_57">S. 57</a>: "Jltschikidai" wurde geändert in "Iltschikidai"<br />
+<a href="#Page_69">S. 69</a>, Randnote: "624/1337" wurde geändert in "624/1227"<br />
+<a href="#Page_71">S. 71</a>, Randnote: "640/1142" wurde geändert in "640/1242"<br />
+<a href="#Page_84">S. 84</a>, <a href="#Footnote_145">Fussnote 145</a>: "Geboren den 24. Schewwal 614 (25. October 1256)"
+ wurde geändert in "Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256)"<br />
+ (Anmerkung: der im weiteren Verlauf der Fussnote genannte 26. April 1282
+ war weder ein Donnerstag noch ein Montag, sondern ein Sonntag.)<br />
+<a href="#Page_85">S. 85</a>: "die Sklavinn Ilkadschi" wurde geändert in "die Sklavin Ilkadschi"<br />
+<a href="#Page_85">S. 85</a>: "mit dem Kopfschmucke Bagthak" wurde geändert in "mit dem Kopfschmucke Baghtak"<br />
+<a href="#Page_90">S. 90</a>: "auser der Stadt" wurde geändert in "ausser der Stadt"<br />
+<a href="#Page_97">S. 97</a>, <a href="#Footnote_182">Fussnote 182</a>: "Uebersezung" wurde geändert in "Uebersetzung"<br />
+<a href="#Page_104">S. 104</a>: "zwichen Dilem und Irak" wurde geändert in "zwischen Dilem und Irak"<br />
+<a href="#Page_107">S. 107</a>: nach "der bessten persischen Erdbeschreibung" wurde der Hinweis auf die <a href="#Footnote_223">Fussnote 223</a> eingefügt<br />
+<a href="#Page_109">S. 109</a>: "schon des Schwert aufgehoben" wurde geändert in "schon das Schwert aufgehoben"<br />
+<a href="#Page_133">S. 133</a>: "der Grösse des Hausses Ejub" wurde geändert in "der Grösse des Hauses Ejub"<br />
+<a href="#Page_136">S. 136</a>: "Auf bem Chalifenstuhle" wurde geändert in "Auf dem Chalifenstuhle"<br />
+<a href="#Page_140">S. 140</a>: "vorauf er" wurde geändert in "worauf er"<br />
+<a href="#Page_140">S. 140</a>, <a href="#Footnote_285">Fussnote 285</a>: "instrunent" wurde geändert in "instrument", "brittancia" wurde geändert in "britannica"<br />
+<a href="#Page_141">S. 141</a>: "Augenklick" wurde geändert in "Augenblick"<br />
+<a href="#Page_163">S. 163</a>, <a href="#Footnote_316">Fussnote 316</a>: "Vahran's" wurde geändert in "Vahram's" (vgl. Google)<br />
+<a href="#Page_168">S. 168</a>: "welche Syrien von Aegyten trennt" wurde geändert in "welche Syrien von Aegypten trennt"<br />
+<a href="#Page_170">S. 170</a>: "wandte sich also jezt" wurde geändert in "wandte sich also jetzt"<br />
+<a href="#Page_173">S. 173</a>, <a href="#Footnote_329">Fussnote 329</a>: "Lobanasagut" wurde geändert in "Lobasanagut"<br />
+<a href="#Page_187">S. 187</a>, <a href="#Footnote_368">Fussnote 368</a> und <a href="#Page_192">S. 192</a>, <a href="#Footnote_379">Fussnote 379</a>: "Macdonald Kineir" wurde geändert in "Macdonald Kinneir" (vgl. Google)<br />
+<a href="#Page_194">S. 194</a>, <a href="#Footnote_384">Fussnote 384</a>: "Statthalttr" wurde geändert in "Statthalter"<br />
+<a href="#Page_220">S. 220</a>: "Es liess alle Kaufleute" wurde geändert in "Er liess alle Kaufleute"<br />
+<a href="#Page_234">S. 234</a>: "Oschelaeddin Dschanli" wurde geändert in "Dschelaleddin Dschanli"<br />
+<a href="#Page_241">S. 241</a>: "Shönredner" wurde geändert in "Schönredner"<br />
+<a href="#Page_246">S. 246</a>: "Sundschar Nujan" wurde geändert in "Sundschak Nujan"<br />
+<a href="#Page_258">S. 258</a>: "vom Kubilai" wurde geändert in "von Kubilai"<br />
+<a href="#Page_262">S. 262</a>: "über den Oxus gehen sollen" wurde geändert in "über den Oxus gehen sollten"<br />
+<a href="#Page_265">S. 265</a>: "verliess Kispdchak erzürnt" wurde geändert in "verliess Kipdschak erzürnt"<br />
+<a href="#Page_271">S. 271</a>: "Sodald Borrak" wurde geändert in "Sobald Borrak"<br />
+<a href="#Page_299">S. 299</a>: "Moinedddin Perwane" wurde geändert in "Moineddin Perwane"<br />
+<a href="#Page_311">S. 311</a>: "in's Gebiet von Haleb ein, wie sie" wurde geändert in "in's Gebiet von Haleb ein, wo sie"<br />
+<a href="#Page_314">S. 314</a>: "nicht wahrscheinlich, dass Akaka" wurde geändert in "nicht wahrscheinlich, dass Abaka"<br />
+<a href="#Page_327">S. 327</a>, Randnote: "8. Dschemmasiulewwel 681/24. August" wurde geändert in "8. Dschemmasiulewwel 681/14. August"<br />
+<a href="#Page_329">S. 329</a>: "vom Richter Medschdolmülk" wurde geändert in "vom Richter Medschdolmülk's"<br />
+<a href="#Page_333">S. 333</a>: "Wir baben befohlen" wurde geändert in "Wir haben befohlen"<br />
+<a href="#Page_342">S. 342</a>: "zum Gemahlin gab" wurde geändert in "zur Gemahlin gab"<br />
+<a href="#Page_348">S. 348</a>: "den linken Flügel kefehligte" wurde geändert in "den linken Flügel befehligte"<br />
+<a href="#Page_355">S. 355</a>: "Sischi, Bachschi" wurde geändert in "Sischi Bachschi"<br />
+<a href="#Page_363">S. 363</a>: "Er zog sich noch Kirbanschir" wurde geändert in "Er zog sich nach Kirbanschir"<br />
+<a href="#Page_366">S. 366</a>: "Ich habe jezt mein Gemüth" wurde geändert in "Ich habe jetzt mein Gemüth"<br />
+<a href="#Page_388">S. 388</a>, Randnote: "9. Rebiulewwel 689/24. Mai 1290" wurde geändert in "9. Rebiulewwel 689/24. März 1290"<br />
+<a href="#Page_393">S. 393</a>, Randnote: "7. Rebiulachir 690/10. März 1291" wurde geändert in "7. Rebiulewwel 690/10. März 1291"<br />
+<a href="#Page_400">S. 400</a>: "das Amts des Richters der Richter" wurde geändert in "das Amt des Richters der Richter"<br />
+<a href="#Page_406">S. 406</a>: "Betrauten Kensdchatu's" wurde geändert in "Betrauten Kendschatu's"<br />
+<a href="#Page_406">S. 406</a>, Randnote: "28. Rebiulachir 694/17. März 1245" wurde geändert in "28. Rebiulachir 694/17. März 1295"<br />
+<a href="#Page_407">S. 407</a>: "die Vorposten Taghadschars's" wurde geändert in "die Vorposten Taghadschar's"<br />
+<a href="#Page_432">S. 432</a>: "Seine Abreise was" wurde geändert in "Seine Abreise war"<br />
+<a href="#Page_434">S. 434</a>: "des zweigesichigen Papieres" wurde geändert in "des zweigesichtigen Papieres"</p>
+
+<p>Die in der Druckfehlerliste am Ende des Buches enthaltenen Korrekturanweisungen wurden durchgeführt.</p>
+
+<p>Das Inhaltsverzeichnis wurde zusätzlich erstellt und eingefügt.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte der Ilchane, by
+Joseph von Hammer-Purgstall
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DER ILCHANE ***
+
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+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
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+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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