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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-14 19:56:17 -0700 |
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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Geschichte der Ilchane + das ist der Mongolen in Persien + +Author: Joseph von Hammer-Purgstall + +Release Date: March 20, 2010 [EBook #31713] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DER ILCHANE *** + + + + +Produced by Wolfgang Menges, Karl Eichwalder, Carl Hudkins +and the Online Distributed Proofreading Team at +https://www.pgdp.net (This book was produced from scanned +images of public domain material from the Google Print +project.) + + + + + + +Anmerkungen zur Transkription: + +Kursiv gedruckte Passagen im Originaltext sind hier durch _Unterstriche_ +gekennzeichnet, fett gedruckte Stellen durch GROSSBUCHSTABEN. "RN" steht +für "Randnote". Weitere Anmerkungen befinden sich am Ende des Textes. + + + + +GESCHICHTE + +DER + +ILCHANE + +DAS IST + +DER MONGOLEN IN PERSIEN + +VON + +HAMMER-PURGSTALL. + + +Mit + +neun Beilagen und neun Stammtafeln. + + +Erster Band. + +Mit vier Beilagen. + + +Darmstadt. + +DRUCK UND VERLAG VON CARL WILHELM LESKE. + +1842. + + + + +An + +SEINE MAJESTÄT + +den + +KÖNIG VON BAYERN. + + + Allerdurchlauchtigster König, + Allergnädigster Herr! + +Von der deutschen Hauptstadt der Künste, von der Residenz EUERER MAJESTÄT, +wo ich vor drei Tagen mit der Akademie der Wissenschaften das ALLERHÖCHSTE +Geburts- und Namensfest gefeiert, bin ich nach Berchtesgaden geeilt, wo der +erhabene Schutzgenius der schönen Künste im schönsten Tempel der Natur +residirt, um demselben in ALLERHÖCHST IHRER Person die Verehrung und +Bewunderung zu zollen, womit der Verein der Kunstwunder zu München jeden +Besucher erfüllt. + +Da mir EUERE MAJESTÄT allergnädigst erlaubet haben, mit ALLERHÖCHST IHREM +Namen das Giebelfeld eines meiner Werke zu schmücken, so erscheint die +Geschichte der Mongolen Persiens, wenigstens durch die Namen ihrer grossen +Fürsten, Bauherren, Gönner der Künste und Beschützer der Wissenschaften, +solcher Ehre nicht unwürdig. + +Wenn die Bauten Ghasan's und Chodabende's zu Tebris und Sultania nach einem +halben Jahrtausend die Namen ihrer Erbauer nur in Ruinen verherrlichen, so +liegt die Schuld davon nicht sowohl in Elementarereignissen und in +feindlicher Verheerung, als in dem Mangel an erhaltender Fürsorge, welche +Werken der Kunst wie den Staaten Dauer versichert. + +Geruhen EUERE MAJESTÄT, als Schöpfer eines Pantheon der Künste, als +Erhalter der ältesten Denkmale derselben und eines blühenden Reiches, die +Huldigung meiner tiefsten Ehrfurcht allergnädigst zu genehmigen. + + _Berchtesgaden_, + an Göthe's Geburtstag HAMMER-PURGSTALL. + _1841_. + + + + +Vorrede. + + +Diese Geschichte der Mongolen in Persien ist das Seitenstück zu der im +vorigen Jahre erschienenen des mongolischen Reiches in Kiptschak; jene ist +durch die Preisfrage der Petersburger Akademie veranlasst worden, die +Schreibung dieser ist aus eigenem Antriebe hervorgegangen. Bei der zum +Behufe der ersten nöthig gewordenen Sichtung der aufgeschichteten Massen +historischen Materials, ward es klar, dass zur zweiten, in den +orientalischen selbst durch Herrn von d'Ohssons sehr schätzbare Geschichte +nicht erschöpften Quellen, weit mehr dankbarer historischer Stoff +vorhanden. + +Die Geschichte der Mongolen in Kiptschak liegt dem Europäer zwar näher +wegen der verheerenden Raubzüge durch Polen und Ungarn bis ins Herz von +Deutschland, und wegen der tatarischen Herrschaft in Russland; aber die +Geschichte der Mongolen in Iran hat das grössere Interesse wichtigerer +asiatischer Weltereignisse, wie der Ruin der Assassinen und des Chalifates, +der Sturz alter Dynastien und die Gründung neuer, bisher selbst den +Orientalisten kaum dem Namen nach bekannter, die Feldzüge wider Aegypten +und das dschagatai'sche Reich, die diplomatischen Verhältnisse zwischen den +Kreuzfahrern und dem Papste. Der Ulus Dschudschi's beherrschte mit dem +europäischen das asiatische Russland, welches damals noch, wie von allem +Anfang der Geschichte her, in Asien das Land der Finsterniss und der +Barbarei, während Persien von der ältesten Zeit an das Land geregelter +Herrschaft und Religion, der Sitz von Wissenschaft und Künsten, der +Schauplatz grosser Bauten und Gelehrten, und der Mittelpunkt +mittelasiatischer Cultur. + +Zudem beut diese Geschichte keine Lücken, wie jene von Kiptschak, und +selbst über das zerrissene Ende derselben, wo die Thronanmasser über +einander stürzen, schwebt kein solches Dunkel, wie über die letzten +Herrscher des Uluses Dschudschi. Der Strom geschichtlicher Erzählung +fliesst also in geregeltem Flussbette reich und ruhig. Der in der +Geschichte von Kiptschak zur Rechtfertigung vor überstrengen akademischen +Richtern nothwendig gewordene Reichthum erläuternder Noten enthebt hier von +der Anhäufung derselben zur Beglaubigung vor sachkundigen Gelehrten und +billigen Lesern. Die Sparsamkeit an Citaten wird also hier nicht bedauert +werden, und noch weniger der Mangel an aller Polemik, welche in der +Geschichte von Kiptschak Nothwehr zur literarischen Ehrenrettung. Dafür ist +in dem Texte keine Nachricht von Dynastien oder Oertern übergangen worden, +wodurch das Gebiet der Geschichte und Erdbeschreibung erweitert, keine +Kunde von Sitten und Literatur, wodurch der Charakter der Völker und ihrer +geistigen Kultur beleuchtet wird. + + SCHLOSS HAINFELD, + den 24. October 1841. + + + + +Erstes Buch. + + Uebersicht der mongolischen Stämme, der Familie und Geschichte + Tschengischans; sein Gesetzbuch und sein Testament; Charakter + und Sitte, Aberglauben und Gebräuche der Mongolen. Die Regierung + Ogotai's, Gujuk's, Mengku's; die der gleichzeitigen Dynastien in + Asien und Aegypten. + + +[Randnote: Mongolische Geschichte.] + +Tschengischans und seiner Nachkommen Thaten, die von ihnen zerstörten und +gegründeten Reiche, ihre Raubzüge und Gesetzgebung, der Namen der +_Tartaren_ oder _Tocharen_, d. i. _Tataren_, und der der _Moalen_ oder +_Mogholen_, d. i. _Mongholen_, haben Europa durch zwei Jahrhunderte mit +Erstaunen und Schrecken gefüllt, von der chinesischen Mauer bis an die von +Wienerischneustadt und Olmütz, und fürchterlich hallte der Donner ihrer +Heere von den Ufern des gelben Flusses bis an die des rothen Meeres, vom +Altai bis an den Libanon zurück. Naturrevolutionen, mit denen _Gibbon_ das +Erscheinen der Mongolen so treffend verglichen hat, lassen nicht tiefere +Spuren ihrer verheerenden Kräfte auf der Oberfläche der Erde zurück, als +die verheerenden Hufen mongolischer Heere, unter denen Reiche und Cultur +zertreten wurden; sie fuhren daher wie die entfesselten Elemente, wie +Orkane und grosse Fluthen und das Erdbeben und der Wetterstrahl; sie +durchackerten die Erde mit dem Schwerte und düngten sie mit Blut. Das +Jahrhundert ihrer so fürchterlichen und verderblichen Grösse und Macht +fällt zusammen mit dem zweiten der Kreuzzüge, das ist mit dem dreizehnten +Jahrhundert unserer Zeitrechnung, dem durch grosse Begebenheiten vor +anderen historisch wichtigen, durch die Umgestaltung so vieler asiatischen +Reiche und durch den regsten Verkehr des Abendlandes mit dem Morgenlande. +Einen so namhaften Platz die Kreuzzüge auch in der europäischen Geschichte +einnehmen, so erscheinen sie in der asiatischen doch bei weitem nicht so +bedeutend, indem dieselben nur den Westrand von Asien bestreifen. Die Ringe +dieses Steinwurfs der Eroberung der Levante verebben schon an den Ufern des +Nils und des Tigris, während die hochaufschäumende Woge mongolischer +Eroberungsfluth über ganz Asien bis nach Europa, vom Baikalsee bis an den +Platensee, und vom Kokonor bis an den Ladoga sich verheerend fortwälzt. Die +Wichtigkeit der Geschichte der Mongolen und die Grösse des Stoffes springt +also von selbst in die Augen. Sie zerfällt in viererlei Geschichten, deren +jede, bei dem Reichthume der Quellen, Stoff für mehrere Bände. _Erstens_ +die Geschichte _Tschengischans_; _zweitens_ die der vier _Uluse_, d. i. der +durch die Nachkommen seiner vier Söhne beherrschten Reiche; dann nach der +Theilung der Herrschaft des vierten Uluses in das östliche chinesische und +in das westliche persische Reich, _drittens_ in die Geschichte der _Juan_ +oder der chinesischen Kaiser aus den Nachkommen _Kubilai's_; und _viertens_ +in die der _Ilchane_ oder persischen Herrscher, Nachkommen _Hulagu's_, des +Bruders Kubilai's. Eine vollständige Geschichte dieser Reiche könnte sich +keine engeren Gränzen des Umfangs stecken, als die des osmanischen; die +vorliegende beschränkt sich nur auf den vierten und letzten Zeitraum, als +ein Seitenstück zu der Geschichte der goldenen Horde in Kipdschak, aber von +weit grösserem Interesse, als jene, in Bezug auf Asien. + +[Randnote: Die der persischen Ilchane.] + +Die Geschichte des von Hulagu gegründeten Reichs der persischen _Ilchane_, +d. i. _Landes_- und _Volksfürsten_ [denn _Il_ heisst sowohl das eine als +das andere[1]], füllt nur Ein Jahrhundert, von der Hälfte des dreizehnten +bis in die Hälfte des vierzehnten unserer Zeitrechnung[2], während welchem +siebzehn Ilchane gezählet werden, von denen aber nur die neun ersten +achtzig Jahre den Thron als Alleinherrscher füllten, die acht anderen sich +um denselben mit ihren Mitbewerbern stritten, bis dass das mit so grosser +Machtäusserung gegründete, mit so grossem Glanze unter neun Herrschern +aufrecht gehaltene Reich der Ilchane, nach dem Tode _Ebu Said's_, durch die +inneren Kriege der Thronanmasser zerfiel und sein Andenken nur in drei, aus +den Ruinen derselben emporgeschossenen Pilzlingen mongolischer Dynastien, +in denen der _Indschu_, _Tschoban_ und _Ilkaan_, noch kurze Zeit +hinterliess, wie das untergegangene Reich der goldenen Horde in Kipdschak +in den aus seinen Trümmern entstandenen Dynastien der Chane von _Kasan_, +_Astrachan_ und der _Krim_ noch längere Zeit fortgelebt. Jene persischen +und diese kipdschakischen Dynastien gehören aber nicht mehr eigentlich der +Geschichte der Mongolen an, deren Herrschaft nur von Tschengischan's +Auftritt als Eroberer bis zum Untergange der goldenen Horde in Russland und +zur Erscheinung Timurs, nur zweihundert Jahre gedauert. Die Hälfte dieser +Zeit nimmt die Geschichte der persischen Ilchane als die glänzendste der +vier Uluse in Anspruch, die glänzendste durch die Eroberungen des Gründers +_Hulagu_ und seines Nachfolgers _Abaka_, durch die gesetzgebende Weisheit +_Ghasan's_ des siebenten und seines Nachfolgers _Oldschaitu_ nicht +unrühmliche Regierung, endlich durch den Flor der persischen Literatur +während dieses Jahrhunderts. Die grössten Geschichtschreiber der Perser, +_Dschuweini_, der Wesir Hulagu's, und _Reschideddin_, der Wesir Ghasan +Chan's, haben die Geschichte Tschengischan's und der Ilchane Persiens aus +den Quellen des goldenen Archiv's, d. i. des mongolischen Staatsarchivs, +und der Begebenheiten ihrer eigenen Zeit als Augenzeugen und mithandelnde +Werkzeuge beschrieben. Als Augenzeugen und Zeitgenossen schrieben auch +_Hamdallah Mestufi_, der Verfasser der bessten persischen Geographie und +Universalgeschichte, _Binaketi_, der Epitomator des grossen Werkes +Reschideddin's, und _Wassaful-hasret_, d. i. der Lobredner der Majestät, +unter _Oldschaitu_ und _Ebu Said_, dessen in allen Künsten der Rhetorik +üppig wuchernder Styl wohl das Lesen seines Werkes erschwert, aber der +historischen Wahrheit so wenig Eintrag thut, dass derselbe die einzige +verlässliche Quelle, aus welcher die späteren, mit Recht geschätzten +persischen Schreiber der Universalgeschichte: _Mirchuand_, _Chuandemir_, +_Hafis Ebru_ und _Ghaffari_ geschöpfet. Schon Wassaf, wiewohl er erst unter +dem achten und neunten Herrscher der Ilchane seine Geschichte schrieb, die +mit Hulagu, dem Gründer der Dynastie, beginnt, fühlte zu Ende seines Werkes +die Nothwendigkeit, demselben aus Dschuweini auch einen kurzen Ueberblick +der Geschichte Tschengischan's und seiner vier ersten Nachfolger +anzuhängen, welche besser dieselbe eingeleitet hätte, wie _Scherefeddin von +Jesd_ die Geschichte Timur's mit einem kurzen Ueberblicke der Geschichte +Tschengischan's und der vier Uluse aus den obigen Quellen eingeleitet hat. +Die Nothwendigkeit solcher Einleitung dringt sich auch hier um so +unabweislicher auf, als Tschengischan nur acht und zwanzig Jahre vor der +Gründung des persischen Reichs durch Hulagu verstorben, als die +mongolischen Stämme und die der Gründung des Reichs Hulagu's gleichzeitigen +asiatischen Herrscher den Lesern unbekannt. Dieses Buch leitet daher +dieselben durch die möglichst kurze Kunde über dieses Volk des Morgenlandes +und seine Stämme, über Tschengischan und seine vier ersten Nachfolger, und +über die dem Auftritte Hulagu's gleichzeitigen Herrscher Asiens in die +Geschichte der persischen Ilchane ein. + +[Randnote: Türken, Tataren und Mongolen.] + +Das älteste der Völker, welche die Geschichte in Hochasien als Herrscher +kennt, sind unstreitig die Türken, deren (der chinesischen Quellen zu +geschweigen) die byzantinischen schon in der Hälfte des sechsten +Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung erwähnen, wo die griechischen +Kaiser mit dem Chane der Türken am _Altai_, d. i. dem Goldberge, durch +Gesandtschaften verkehrten, d. i. schon sechs Jahrhunderte früher, als in +der Hälfte des zwölften die Tataren und Mongolen durch Tschengischan in +Europa geschichtlichen Namen erhielten. Die Geschlechtsregister der letzten +sind augenscheinlich türkischen eingepfropft, um dunkeln Ursprung der Väter +durch berühmte Altvordern zu adeln und ihr Geschlecht hinaufzuführen bis +Türk, den Sohn Japhet's, den gemeinsamen Ahnherrn von Tatarchan und +Mogolchan, die angeblichen Stammväter der Tataren und Mongolen. Der Namen +der letzten taucht erst unter Tschengischan mit Gewissheit auf, da es nicht +ausgemacht, ob die ältern _Moho_ der Chinesen eben so gewiss Mongolen, als +ihre _Tata_ Tataren; wie aber Türken und Tataren ganz verschiedenen +Stammes, indem jenen der Namen von diesen nur durch Missbrauch beigelegt +worden, und noch beigelegt wird, so sind Tataren und Mongolen ursprünglich +ein und dasselbe Volk, jenes der ältere unterjochte, dieses der jüngere +unterjochende Zweig. Die Türken sind vom östlichen _Altai_, die Tataren vom +_Baikalsee_ ausgezogen, die Mongolen am westlichen _Kentei_, von den +Quellen des _Onon_ und _Kerulon_, wo im bewaldeten Gebirge _Burhan Kaldun_ +die Geburts- und Grabstätte Tschengischan's. Nachdem Tschengischan die ihm +feindlichen Stämme der Tataren und ihre Verbündeten vernichtet oder +unterjocht, nachdem seine Herrschaft durch Sieg und Eroberung von den Ufern +des vaterländischen Sees _Dalai Nor_ bis an die des persischen Sees von +_Meragha_ über siebzig Längengrade ausgedehnt war, buhlten die unterjochten +Völker um die Ehre, dem siegenden und erobernden, dem gesetzgebenden und +herrschenden anzugehören; Türken und Tataren zählten sich nun den Mongolen +bei, wie diese in ihren Stammregistern sich früher den Türken +angeschlossen, wiewohl beide durch die nicht zu überspringende Kluft von +verschiedener Sprache und Gesichtsbildung von einander scharf getrennt. +Tataren wollten Mongolen, Türken Tataren heissen; hingegen protestirten die +Mongolen wider den Namen von Tataren, wie noch heute die Osmanen wider den +von Türken. Die Eitelkeit, altem Geschlechte anzugehören, und Adelstolz +(derselbe bei Völkern, wie bei Individuen), bringt durch Ahnen- und +Namen-Vermengung in die Stammtafeln von beiden nur Irrthum und +Verwirrung[3]. Eben so richtig als lichtvoll ordnet der grosse +Geschichtschreiber der Mongolen, Reschideddin, Anfangs seines Werkes eine +Centurie von Stämmen, welche zu seiner Zeit alle auf den Ehrennamen von +Mongolen Anspruch machten, ausser den Türken (denen er die Uighuren der +Sprache nach beigezählt) in drei Klassen, nämlich in Tataren (desselben +Stammes und derselben Sprache, wie die Mongolen), welche ursprünglich den +Namen von Mongolen nicht führten[4]; zweitens in Völker verschiedenen +Ursprungs, welche, weder Tataren noch Mongolen, den Namen der letzten der +Aehnlichkeit wegen annahmen, wie die _Turkmanen_ den der Türken, und die +daher am bessten _Mogolmanen_ genannt würden, weil sie an die Mongolen +_mahnen_[5], wie jene an die Türken; drittens in die eigentlichen Mongolen, +welche wieder in zwei Abtheilungen zerfallen, nämlich in die Mongolen +_Durlegin_, der neun Geschlechter vor _Alankowa_, der neunten Ahnfrau +Tschengischan's, und die Mongolen _Nirun_, deren Stammväter alle aber +Nachkommen _Alankowa's_. Es ist nöthig, den Leser wenigstens mit einem +Viertel der Centurie von Stämmen, die zur Zeit Reschideddin's, d. i. +Anfangs des vierzehnten Jahrhunderts, bestanden, bekannt zu machen, mit +denen nämlich, welche ihre Berühmtheit vor anderen entweder ihren Helden +und Frauen, ihrer Freundschaft für oder ihrer Feindschaft gegen +Tschengischan, ihrer Opposition oder Verschwägerung mit dessen Hause +danken. + +[Randnote: Die Stämme Tatar und Merkit.] + +Von den ursprünglichen tatarischen Stämmen nennen wir zuerst den +sechsgetheilten Stamm der Tataren selbst, von denen einer _Tschaghlan +Tatar_, d. i. die weissen Tataren[6], hiess, im Gegensatze der übrigen, +welche die schwarzen genennet werden; in der Folge wurde der Namen der +weissen Tataren auch den Uiguren, welche Türken, und anderen türkischen +Stämmen beigelegt, sowie den _Mandschu's_ der Namen der _Sui Tatar_, d. i. +der Wasser- oder schlechten Tataren; die mächtigsten und gefährlichsten der +Feinde des Hauses Tschengischan's, welcher bei seiner Geburt den Namen +_Temudschin_ erhielt, weil am selben Tage sein Vater _Jesukai Behadir_ +einen tatarischen Fürsten, _Temudschin_, geschlagen und gefangen gemacht. +Der Namen, den er trug, von dem am Tage seiner Geburt besiegten +Tatarfürsten hergenommen, und die in seiner Jugend von den Erbfeinden +seines Stammes erlittenen Unbilden spornten den Sohn Jesukai's zur Rache +und zum Vertilgungskriege wider diese unversöhnlichen Feinde seines Hauses +an; sie wurden vernichtet, und nur ihre Weiber gingen als Trophäen in das +Frauengemach Tschengischan's und seiner Söhne über. Zwei der fünf +Gemahlinnen Tschengischan's, _Jisulun_ und _Jisulut_, und eine seiner +Beischläferinnen, Mutter seines als Kind verstorbenen Sohnes _Uradschagan_, +waren Tatarinnen, so auch eine Frau seines Bruders _Dschudschi Kasar_, +seines Sohnes _Batu_ und _Tudai Mengku's_, des Herrschers von Kipdschak. +Die beiden Gemahlinnen Tschengischan's erflehten von ihm das Leben zweier +Kinder ihres Stammgenossen _Kuli_ und seines Bruders _Karamengku_, welche +beide gross gewachsen, den Dienst von _Bawerdschi_, d. i. Tafeldecker, +bekleideten. _Kuli_ genoss des grössten Ansehens und schloss sich nach +Tschengischan's Tod an die grosse Frau _Sijurkukteni_, die Gemahlin +_Tuli's_, welche ihn zum grossen Emir des Lagers und Obersthofmeister +_Sijuktu's_[7], des Sohnes _Tuli's_, ernannte. _Sali_, der Sohn +Karamengku's, erscheint unter der Regierung _Mengkukaan's_, gleich beim +ersten Feldzuge Hulagu's, als Sicherer des Rückens des Heers an der +indischen Gränze; bei Tschengischan selbst aber galt mehr, als die beiden +von seinen beiden Gemahlinnen zum Leben erbetenen obgenannten Kinder, und +mehr als die beiden Frauen _Akutuku's_, der Tatare _Kutku Nujan_; von +_Tschengischan_ als Findelkind angenommen und seiner ersten Gemahlin, noch +ehe sie ihm einen Sohn geboren, zur Pflege empfohlen, hatte sich _Kutku_ +schon als zwölfjähriger Knabe Tschengischan's besondere Zuneigung durch +seine Tapferkeit erworben, indem er taidschutischen Dieben ihre Beute +abjagte, und als fünfzehnjähriger Jüngling mitten im tiefen Schnee allein +dreissig Hirsche erlegt hatte. Er durfte den Tschengischan _Itsche_, d. i. +Vater, und dessen Gemahlin _Ike_, d. i. Mutter, nennen. _Ogotai_, der Sohn +und Nachfolger Tschengischan's, gab ihm den Ehrentitel eines Prinzen, +_Aka_, mit dem Vorsitze vor seinen eigenen Söhnen, und noch achtzigjährig +versah er das Amt des Oberrichters nach seinem Wahlspruche: _Fürchte Nichts +und sprich recht_.[8] Die Tataren sassen an der Gränze China's, dessen +Kaisern sie meistens steuerpflichtig waren.[9] 2. Der zweite feindliche +Stamm, welchen Tschengischan wie die Tataren als unversöhnliche Feinde mit +Vernichtungskrieg zu Boden trat, war der in vier Zweige getheilte der +_Merkit_ oder _Mekrit_, auch _Udujut_ genannt, denen die _Solongos_ +beigezählt wurden. Ihr Fürst _Tuktaibeg_ fiel mit sechs seiner Söhne als +Opfer der unversöhnlichen Feindschaft. Selbst der jüngste, welchem als +einem trefflichen Bogenschützen _Dschudschi_, der älteste Sohn +Tschengischan's, das Leben retten wollte, musste hingerichtet werden auf +ausdrücklichen Befehl des Vaters, welcher dem Sohne diese Milde nie vergab. +_Tairosim_, einer der Ersten des Stammes, gab dem Tschengischan die Tochter +_Kulan_ zur Frau, welche ihm den Sohn _Kulkan_ gebar. Vom Schwiegervater +bekriegt, verlor Tairosim die Schlacht, und seine Frau _Turakina_, welche +dem Sohne Tschengischan's beigelegt wurde, eine der grössten mongolischen +Frauen, verschaffte als Regentin nach Ogotai's Tode ihrem Sohne _Gujuk_ +(dessen Gemahlin ebenfalls eine Merkitin) die Herrschaft. Die Sitze der +Merkit waren im Osten des mongolischen Stammgebietes am linken Ufer der +_Selinga_. + +[Randnote: Die Stämme Dschelair, Sunit, Torghod, Uirat.] + +Der zehngetheilte mächtigste Stamm der _Dschelairen_, welche in dem +Stammgebiete des Hauses Tschengischan's am Onon, in siebzig Ringen, wie die +_Avaren_, jeder Ring tausend Familien stark, sassen, ist einer von der +ältesten bis in die neueste Zeit durch historische Namen und Begebenheiten +merkwürdigsten. Die Nachkommen des Brüderpaars _Dschudschi Tumle_ und +_Dschudschi Dschawerkai_, welche der Anlass des Kriegs Tschengischan's mit +den Taidschuten, haben unter den persischen Ilchanen zahlreiche und +wichtige Aemter des Staats und Hofs bekleidet; _Kadan_, der Dschelaire vom +Gefolge Tschengischan's, hatte zwei Söhne, _Iluk_ und _Ildschikitai_, wovon +jener Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des Sohnes und zweiten Nachfolgers +Tschengischan's, Ogotai's; dieser schätzte ihn sehr hoch, erlaubte ihm aber +nicht, den Bruder Ildschikitai zu tödten, der sich vor ihm ebenfalls zu +Ogotai geflüchtet. Auf dem Landtage der Wahl Mengkukaan's spielte +Ildschikitai eine höchst wichtige Rolle, indem er die Rechte des Uluses +Ogotai's auf den Thron wider die Ansprüche des Uluses Kubilai's +vertheidigte; im Gegentheile leistete der Dschelaire _Mingkasar Nujan_, aus +dem Zweige der Dschat, Grossfürst und Oberrichter _Miafarakain's_, dem +_Kubilai_ bei dem nach dessen Thronbesteigung über Majestätsverbrechen +gehaltenen Gerichte die grössten Dienste, indem er über die +widerspenstigen Prinzen der Uluse, Dschaghatai und Ogotai, das Todesurtheil +aussprach. Der Dschelaire _Dauldu_ war Vogt der vier grossen Lager +Tschengischan's und befehligte eine _Ssade_, d. i. Centurie, in jedem +_Hesare_, d. i. Regiment von tausend Mann; endlich das Brüderpaar _Olai +Kalschu_ und _Karadschai_, die Schafhirten Jisukai's, des Vaters +Tschengischan's, denen er sich immer sehr dankbar bewies, weil sie seine in +die Gefangenschaft der Merkit gerathene Gemahlin sicher zu Owangchan, dem +Fürsten der Kerait, geleiteten; auf dem Rückzuge genas sie vom Erstgebornen +Tschengischan's, welchen dieser, weil die (von Verläumdern sogar als zu +spät verdächtigte) Geburt des Sohnes unerwartet kam, _Dschudschi_, d. i. +den unverhofften Gast, nannte. Tschengischan wollte in der Folge das +Brüderpaar mit Aemtern belohnen; sie zogen aber vor, in ihrem Stande zu +bleiben und als Hirten seines Vertrauens zu geniessen; aus ihren Nachkommen +ist _Sertak_, der Fürst des Lagers zur Zeit Arghunchan's, des fünften der +persischen Ilchane, und von _Katschar_, dem Sohne _Sertak's_, leiten die +heutigen Schache Persiens ihre Dynastie als eine zweite des Stammes der +Dschelaire ab; denn eine frühere hatte nach Zertrümmerung des persischen +Reichs der Ilchane der Dschelaire Hasan (beigenannt der _Grosse_, zum +Unterschiede von _Hasan Dschoban_, aus dem Stamme _Suldu's_, welcher +Stifter der Dynastie _Dschoban_ der _Kleine_ beigenannt ward) in Persien +gestiftet, welche von der geschwächten Macht der _Ilchane_ Nichts als den +verstärkten Titel als _Ilkaane_ führten. Aus dem Stamme der _Sunit_, +welcher noch heute unter diesem Namen an der chinesischen Gränze +sitzt,[10] war _Dschurmaghun_, welchen Ogotai, nachdem _Dschebe_ und +_Subetai_ von ihrem persischen Feldzuge über Russland nach Hause gekehrt +waren, als Befehlshaber Statthalter nach Persien gesandt. Nicht minder +mächtig, als der Stamm der Dschelairen, war der der _Uirat_, deren Sitz +zwischen den acht Flüssen, die sich in die untere _Ankara_ ergiessen[11], +wo noch heute ihre Nachkommen unter dem verwandten Namen der _Buirat_, von +allen Stämmen der mit dem Hause Tschengischan's am meisten verschwägerte, +indem acht Uiratinnen in das Haus Tschengischan's verheirathet, und sieben +Prinzen desselben an Uiratinnen vermählet waren. Die Grossmutter +Tschengischan's, die Frau _Sunigil Futschin_, war aus dem Stamme der +_Torghut_ oder _Torghod_, welcher noch heute ein Zweig der Kalmuken oder +Oeluet (das nur die chinesische Aussprache für _Uirat_) und deren Andenken +in Kleinasien (wohin sie mit Timur's Heere kamen) im Namen des Sandschaks +_Torghud Ili_ fortlebt. + +[Randnote: Der Stamm der Kerait, Bekrin, Naiman, Tonghut und Uighur.] + +Drittens die Stämme der _Mogholmanen_, d. i. der Völker, welche weder +Tataren noch Mongolen, mit den letzten verbunden, auf den Namen derselben +Anspruch machten. Die mächtigste dieser Völkerschaften, die von +nestorianischen Priestern zum Christenthum bekehrte[12] der _Kerait_; ihres +Fürsten chinesischer Ehrentitel _Owang Chan_ erhielt durch die Missionarien +des Mittelalters als Priester _Joannes_ keine mindere Berühmtheit, als in +früherer mythologischer Zeit der Fisch _Oannes_ als Gesetzgeber an der +Küste des rothen Meeres; die Hauptstadt derselben war die Stadt _Thianto_ +am Flusse _Hoangho_, d. i. am gelben Flusse, das Land Tendum[13] _Marco +Polo's_; die Geschichte Owang Chan's und seines Bruders _Hakembo_[14] ist +auf das engste mit der Geschichte Tschengischan's verbunden, welcher erst +der Verbündete Owang Chan's, in der Folge denselben, weil er den Feinden +Tschengischan's Gehör gegeben, bekriegte und vom Throne stürzte. Vergebens +hatte Tschengischan früher die beiden Nichten[15] Owang Chan's für sich und +seinen ältesten Sohn Dschudschi als Gemahlinnen begehrt; sie waren ihm +verweigert worden, sowie die Hand der Enkelin Owang Chan's aus dem Sohne +_Sinkun_; aber die beiden Töchter _Ettiku's_, des Bruders _Sinkun's_, die +Frauen _Tokus_ und _Tukini_, wurden beide die Gemahlinnen _Hulagu's_, und +die dritte Nichte Owang Chan's, die Schwester der dem Tschengischan und +seinem ältesten Sohne verweigerten beiden Prinzessinnen, war die berühmte +_Sijurkukteni_[16], unstreitig die grösste aller mongolischen Frauen, +welche durch ihre Staatsklugheit dem Uluse Kubilai's den Thron verschaffte; +Mutter vier der grössten Fürsten der mongolischen Geschichte, nämlich der +Kaane _Mengku_ und _Kubilai_, des Ilchan's _Hulagu_, Gründers der +mongolischen Dynastie in Persien, und _Arikbuka's_, der als Nebenbuhler den +Brüdern den Thron streitig machte. Auch _But Tengri_, der Stiefvater +Tschengischan's, welcher um die Hand der Keraitin _Kadan_ geworben, erhielt +einen Korb, wie Tschengischan und Dschudchi, von der Nichte Owang Chan's. +Die nächsten südlichen Nachbarn der _Kerait_ waren die _Unkut_, d. i. die +Wächter der grossen chinesischen Mauer; ihr Fürst _Alakusch_, Verräther an +seinem Herrn, dem chinesischen Kaiser _Altun Chan_, öffnete dem Heere +Tschengischan's den Durchgang, und erhielt dafür die Hand _Olakai Begi's_, +der Tochter Tschengischan's, deren Sohn später mit der Tochter Tuli's +vermählet ward; die Unkut waren mit dem Hause Tschengischan's, wie die +Stämme der _Uirat_ und _Kerait_, durch Verschwägerung eng verbunden. Wie +die Unkut in der Nähe der Kerait längs der chinesischen Mauer, so sassen +diesen westlich die _Naiman_, deren berühmter Fürst _Kuschluk Chan_ einer +der erbittertsten und mächtigsten Feinde Tschengischan's sich wider +denselben, mit den Fürsten von acht anderen Stämmen er der neunte, +verbündete.[17] _Kuschluk's_ Tochter _Linkum_ ward die Gemahlin Tuli's, +Mutter seines dritten Sohnes _Kutumku_; auch Tuli's Beischläferin[18], die +Mutter seines achten Sohnes _Muke_, welche aber an desselben Statt den +vierten Sohn Kubilai säugte, war eine Naimanin. Die _Bekrin_ oder _Mekrin_, +welche weder Mongolen noch Uighuren, sassen im Lande der letzten (in der +kleinen Bucharei). Tschengischan nahm _Murkai_, die Tochter ihres Fürsten, +zur Frau, welche nach Tschengischan's Tode, von seinem Sohne und Nachfolger +_Ogotai_ vor seinen anderen Gemahlinnen geliebt, dem Bruder Dschagatai, +welcher sie von ihm begehrt hatte, verweigert ward; auch die Gemahlin +_Kaschin's_, des fünften Sohnes Ogotai's, die Mutter Kaidu's, des Vaters +von vierzig Söhnen, welcher in der Geschichte des Uluses Dschagatai als +Herrscher auftrat, war aus dem Stamme _Mekrin_. Zu den Mogholmanen zählt +Reschideddin auch die _Kirgisen_ und _Kemdschiut_, welche, Türken[19] wie +die _Ungut_, in Sibirien und an dem _Kem_ oder Jenisei sassen, von welchen +sie ihren Namen haben. Die _Tanghut_ im Gebirgslande an der sinesischen +Gränze, deren Hauptstadt _Ninghia_ am Ufer des gelben Flusses. +Tschengischan, welcher in vier Feldzügen dieselben nicht zu unterjochen im +Stande gewesen, starb auf dem letzten; und endlich in der kleinen Bucharei +die _Uighuren_, deren Sprache türkisch, deren Religionslehre aber auf +tübetanische hinweist, ein schriftgelehrtes Volk, von welchem die Mongolen +Schrift und Belehrung annahmen. + +[Randnote: Die Dürlegin, deren Ausbruch aus Ergenekun.] + +Alle wirklichen Mongolen behaupteten, unmittelbar von _Tegus_ und _Kijan_ +abzustammen, welche einige Jahrhunderte vor Tschengischan sich mittels +eines Durchbruchs aus dem Erzgebirge von Ergenekun, aus der Bothmässigkeit +ihrer Sieger und Zwingherrn befreit hatten. Ein Paar tausend Jahre vor +Tschengischan, so erzählt die Volkssage, waren die Mongolen von ihren +Feinden, den Tataren, bis auf zwei Männer ausgerottet worden, deren einer +_Tegus_, der andere _Kijan_, d. i. Strom, hiess; sie flüchteten in ein +rundum von steilen Felsen umschlossenes Thal, wo sie im Verlaufe von +Jahrhunderten sich vermehrend, ihres Bergkerkers und Bergbaues endlich +müde, den Ausgang aus demselben sich nur dadurch bahnten, dass sie mit +siebzig Blasbälgen die Flamme aufgeschichteter Holzstösse gegen die Erzwand +trieben, bis dieselbe schmolz und ihnen freien Ausweg aus dem Gebirge +gewährte, dessen Namen _Ergenekun_ als _festes Gewölbe_ oder auch als +Gewölbe der _Kunen_ übersetzt werden kann; in der mongolischen Volkssage +und in ihrem auf die Türken gepfropften Stammbaum scheint die +geschichtliche Wahrheit der Unterjochung und Vertreibung der _Hiongnu_, +d. i. Kunen, aus ihrem Reiche am Inschan gegen Norden am Altai, wo sie +lange Zeit in dunkler Knechtschaft für ihre Sieger Bergbau trieben, +verlarvt zu seyn. Das Erzgebirge _Ergenekun_ ist von europäischen Forschern +mongolischer Geschichten theils am Kokonor[20], d. i. am blauen See, in +Tangut im Süden der grossen Sandwüste _Schamo_ oder _Kobi_, theils im +Nordosten derselben am See _Dalai_[21], d. i. am heiligen See, in welchen +sich der Kerulon ergiesst, gesucht worden; dort, weil noch heute die +steilen Ufer des Sees von den Mongolen _Gunergi_[20] genannt werden, hier, +weil der in den See mündende Kerulon aus demselben unter dem Namen _Ergun_ +ausfliesst[21], und weil die Berge am mittleren Unun metallreich, wie der +Inschan, an welchem die Herrscher der Hiongnu oder Kunen ihre +Waffenarbeiter unterhielten[22]; aber wahrscheinlicher ist dieses +Erzgebirge weder hier noch dort, sondern am Altai zu suchen, aus dessen an +Gold wie an Eisen so reichhaltigen Felsenthälern die Türken im sechsten +Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung in der byzantinischen Geschichte +auftauchen; dorten ist der Felsendamm von Gog und Magog, welchen die alte +mongolische Geographie und Geschichte bis an die kaukasischen Pforten +zieht, und hinter welchen persische Geschichtschreiber und Dichter den +Bergkerker der Mongolen verlegen[23]; doch gleichviel, seyen die Mongolen +ursprünglich vom Inschan oder Kinschan (so nennen die Chinesen den Altai) +ausgebrochen, seyen sie von den Ufern des _blauen_ oder heiligen Sees +ausgegangen, das Andenken an diesen Auszug der Väter aus der Bergsclaverei +lebte von Geschlecht zu Geschlecht fort (bis auf den heutigen Tag); das +Fest des Auszugs ward alljährlich in der Nacht vor dem neuen Jahrestage als +ein Fest der Bergleute und Schmiede gefeiert. Glühendes Eisen wurde in +Gegenwart des Herrschers gehämmert und Gott für den Auszug aus dem +Erzgebirge gedankt; später machte die Volkssage den Tschengischan, den +Gründer der Grösse seines Volkes, selbst zum Schmiede[24], und am Berge +_Tarchan_, d. i. der _Schmied_, welcher auf sieben deutsche Meilen +sichtbar, aus rothem Granite als Riese den Eingang der grossen Sandwüste +bewacht, wird noch der Ambos bewahrt, auf welchem Tschengischan der Erste +das Eisen gehämmert; nicht ferne vom Berge _Tono_, d. i. der Rauchfang, +wird noch an den Ufern des Kerulon der Rauchfang der Jurte gezeigt, in +welcher er geschmiedet[25] haben soll. Auch in der altpersischen Geschichte +war der Befreier des Volkes von der Tyrannei Sohaks der Schmied _Gjawe_, +dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann das Reichspanier, und im +Mongolischen ist _Tarchan_, d. i. der _Schmied_, gleichbedeutend mit +Freiherr. + +[Randnote: Die Stämme der Uirangkut und Konghirat.] + +Die Mongolen, welche von den Altvordern stammen, die aus dem Erzgebirge +Ergenekun zogen, heissen _Dürlegin_, bis auf _Alankowa_, die neunte Ahnfrau +Tschengischan's, deren Nachkommen aus ihren drei Söhnen, die sie vom +himmlischen Lichte empfangen, die _Nirunen_, d. i. die Reinen, heissen; von +allen mongolischen Stämmen für den Mythologen und den Geschichtschreiber +des Aberglaubens der Völker merkwürdigster Stamm ist der der _Uirangkut_, +die einzigen Mongolen, welche nicht vor dem Donner zitterten, sondern den +Blitz mit Fluchen beschworen; alle anderen fürchteten den Wetterstrahl als +einen feurigen Drachen, der, aus dem Meere steigend, die Luft durchzieht +und die Erde mit feurigem Schweife schlägt[26]; sie glaubten, dass +ausgegossener Wein, süsse und sauere Milch und Trocknung von Schuhen den +Blitz herbeiziehe, wesshalb dieselben in freier Luft zu trocknen verboten +war; diese Meinung und dieses Verbot zeugt für die Fürchterlichkeit der +Ungewitter in jenen Gebirgen und Seen, und für die frühe Erfahrung, dass +Feuchtigkeit der besste elektrische Leiter; aus diesem Stamme waren die +meisten _Kamen_, d. i. Schamanen, Beschwörer von Ungewittern und Geistern; +aus demselben waren _Jisun Taischi_ und _Jisun Köke_, Befehlshaber des +linken und rechten Flügels im Heere Tschengischan's, _Subutai Behadir_, der +berühmte Feldherr, welcher mit _Dschebe Nujan_ die siegreichen Waffen der +Mongolen durch Persien nach Kipdschak trug, endlich _Udadschi_, der +Zeitgenosse Tschengischan's, dessen Nachkommen im Gebirge _Burhan Kaldun_ +die Grabwächter des tschengisischen Familienbegräbnisses, die Wächter der +acht weissen Häuser (Ordu), welche dort in der Gegend _Jeke Utek_, +zwischen der Schattenseite des westlichen Altai und der Sonnenseite des +östlichen Kentei, aufgerichtet worden[27], nach aller Wahrscheinlichkeit +die Ahnen des in der späteren mongolischen Geschichte erscheinenden und +noch heute an der chinesischen Gränze sitzenden mächtigen Stammes der +_Ordu's_[28]. Wenn der Stamm der _Urianghut_ so merkwürdig für den +Mythologen und Ethnographen, so ist der siebenzweigige[29] der _Konghirat_ +noch weit bedeutender in der Geschichte Tschengischan's und seiner +Nachfolger durch die vielfältige Verschwägerung desselben mit dem +Herrscherhause, indem ein Dutzend der Frauen des tschengischanischen Hauses +aus diesem Stamme in alle vier Uluse vermählt waren. Die Mutter +Tschengischan's war aus einem der Zweige dieses Stammes, eine Olkonutin, +und Tschengischan vermählte seine Töchter an Konghiraten; so gab er dem +_Schingku Gurgan_ seine Tochter Tumalin mit dem Befehle über viertausend +Konghiraten, eine andere wollte er dem Konghiraten _Tuli Amul_ zur Frau +geben, liess ihn aber hinrichten, da dieser den Antrag mit dem kühnen Worte +erwiederte: Wie soll ich deine Tochter nehmen, die Frosch und Schildkröte +(quackend und duckmäuserisch sicher). Von _Bestui_, dem Stammvater der +Konghirat und der sechs mit demselben verwandten Stämme, schreibt sich +Alles, was in der mongolischen Hofsprache _golden_ heisst, her, wesshalb er +auch _Bestui serin_, d. i. der goldene, beigenannt wird; daher das goldene +Lager, das goldene Archiv, das goldene Gesicht und das goldene Zimmer des +Herrschers. Aus den _Kinkliut_, einem Zweige der Konghirat, war _Miser +Uluk_, von dessen Stärke und Gefühllosigkeit Reschideddin seltsame +Anecdoten erzählt; drei Tage und Nächte schlief er statt der Decke mit +Muscheln zugedeckt, so dass Vögel auf seinen Rücken nisteten und Eier +legten; sein Sohn war der Stammvater der _Kurulas_, aus welchen _Merchitai_ +dem Tschengischan den wesentlichen Dienst leistete, ihm von der +Verschwörung der feindlichen Stämme, welche den erbitterten Feind +_Dschamuka_ zum Gurchan, d. i. zum grossen Herrscher ausgerufen hatten, +die früheste Kunde zu geben. Die Gemahlin _Miser Uluk's_ war eine Chinesin, +deren Namen[30] die auf dem Esel reitende Rose bedeutete, wesshalb der Sohn +_Ildschigin_, d. i. Langohr, genannt ward, der Stammvater des siebenten +Zweiges der Konghirat; sie hatten ihre Sitze an der chinesischen Gränze an +den finsteren Wäldern des Gebirges _Hingan_[31], woher die unter dem Namen +der _Karawinas_ berühmten Naphtafeuerwerker. + +[Randnote: Die Stämme Kungtan, Erlat, Huschin, Kelkenut, Bajaut, Suldus.] + +Der Namen des Stammes _Kungtan_ heisst die Grossnasichten, was sowohl +physisch als moralisch für stolz und anmassend verstanden werden kann.[32] +Aus diesen und den folgenden Stämmen der _Erlat_, _Huschin_ und _Suldus_ +waren die bessten persönlichen Freunde Tschengischan's, die werkthätigsten +Helfer seiner Jugend und seines männlichen Alters. _Menglik Itschke_, der +Kungtane, hatte nach Jisukai's Tode den dreizehnjährigen _Temudschin_ +gepflegt, sein Sohn aus einer früheren Ehe, _But tanri_, d. i. Gottes +Ebenbild, trat als begeisterter Schamane auf und verwandelte im Namen des +Himmels den Namen Temudschin's bei dessen Thronbesteigung in _Tschengis_, +als gleichbedeutend mit Gewaltiger, grosser Chan; der diesem gewogenste +Stamm waren die _Erlat_ oder _Arulad_, d. i. die Guten, als deren Chakan +Tschengischan den Thron bestieg[33]; aus diesem Stamme war _Bughurdschin +Nujan_, welcher mit _Burghul Nujan_, aus dem Stamme der _Huschin_, der +Lebensretter Temudschin's, als er blutspeiend mitten im Schnee zu sterben +Gefahr lief, wofür beide im höchsten Ansehen stehend in der Folge als die +Waffengenossen, die ihm am Quell _Baldschuna_ treu geblieben waren, zu +_Tarchanen_, d. i. Freiherren, geadelt, dieselbe Würde ohne Diplom +erhielten und über Diplome erhaben erklärt wurden; auch den ganzen +freundlichen Stamm der _Kelkenut_ adelte Tschengis als Freiherren, wie +Kaiser Friedrich I. alle Einwohner einer italienischen Stadt zu Conti +erhob; aus dem nicht minder freundlich gesinnten Stamme der Bajaut, welcher +in zwei Abtheilungen an der Selinga sass, war _Böke Gurgan_, einer der +Eidame Tschengischan's, dann _Ongkus Keisat_, d. i. der Truchsess[34], ob +der Plünderung der Schätze des chinesischen Kaisers Altan Chan in der Folge +verungnadet, und _Surkan_, der betraute Rath Tschengischan's, der, als die +Fürsten der Tataren und _Dschadscherat_ um die oberste Herrschaft der +Mongolen stritten, dasselbe dem Temudschin vorausgesagt. Endlich der Stamm +_Suldus_, verherrlicht durch die Familie _Surghan Schire's_, des Retters +Temudschin's, als dieser von seinen Feinden, den Taidschuten, gefangen, mit +dem Blocke am Halse sich in einen Teich versteckte, so dass nur die Nase +über dem Wasser sichtbar. Die alte Frau _Baidschu Ikadschi_ hatte sich +seiner in dieser Sklaverei erbarmt; aber wichtiger war der Dienst, den ihm +_Surghan Schire_ erwies, indem er, des Verborgenen gewahr, die ihn +aufsuchenden Taidschuten vom Teiche ableitete, Abends denselben hervorzog +und in seinem Hause in einem Sacke von Wolle verbarg; die Verfolger +durchsuchten das Haus und stiessen mit Spiessen in den Wollsack; als sie +ferne, gab ihm Surghan Schire Kleider, Waffen, Mundvorrath und eine weisse +Stute, auf welcher er seiner Familie zueilte, die längst alle Hoffnung, ihn +wieder zu sehen, aufgegeben; sein vierter Sohn, Tuli, sagte schon mehrere +Tage hindurch: Mutter! der Vater kommt auf weisser Stute; und desselben +Ankunft bestätigte des Knaben zweites Gesicht[35]. Viele der Nachkommen +Surghan Schire's kamen mit Hulagu nach Persien, und von denselben stammt +der berühmte Emir Tschoban, der Feldherr unter Ghasan, Oldschaitu und Ebu +Said, der in des letzten Regierung so wichtige Rolle spielt, und dessen +Sohn Hasan der Gründer der Dynastie _Tschoban_, welche, wie die der +Ilkaane, sich aus den Trümmern des ilchanischen Reichs in Iran erhob. +Tschengischan zählte unter den Stämmen der Durlegin mehrere Freunde als +unter den achtzehn der ihm nächstverwandten, von den lichtempfangenen +Söhnen von der neunten Ahnfrau abstammenden _Nirunen_, d. i. die Reinen. +Sein eigenes Haus hiess erst von seinem Ahnherrn _Kabulchan_ nur das der +_Kutat_ oder _Kitad_ und von seinem Vater _Jisukai_ das der _Kutat +Burdschugin_, d. i. die rothbräunlichten Augen. Von diesen achtzehn Stämmen +der _Nirunen_ wollen wir hier nur die vier mächtigsten, zwei freundliche, +die _Taidschut_ und _Dschadscherat_, und zwei feindliche, die _Barin_ und +_Jisut_, zur näheren Kenntniss einführen. + +[Randnote: Die Stämme der Taidschut, Dschadscherat, Barin und Jisut.] + +Die _Taidschut_, deren Namen an die Deutschen erinnert, wie der der +_Dschete_ an die Geten, und der der _Dschurmanen_ an die Germanen, stammten +mit den ihnen nächstverwandten drei Stämmen, der _Erikian_, _Sidschiut_ und +_Dschinis_, von Baiduchan, dem sechsten Ahnherrn Temudschin's, dessen +Urenkel Ainbaghi von den Tataren gefangen, dem chinesischen Kaiser +ausgeliefert, auf einem Esel paradirt und dann geschunden worden; gleiches +Schicksal hatte ein anderer Urenkel desselben, _Ökin Berkan_, und die +Blutrache dieser beiden Urgrossoheime Temudschin's diente in der Folge, den +wider die Dynastie der _Kin_ unternommenen Krieg zu rechtfertigen; aber +früher hatte Temudschin eigene Unbild an diesem seinem Hause so nahe +verwandten, aber feindlichen Stamme zu rächen; nach der Niederlage +derselben zu _Baldschusch_ wurden die Gefangenen in siebzig Kesseln +gesotten, welche in der mongolischen Geschichte eben so berühmt, als die +siebzig Blasbälge, welche die Felsenwand von Ergenekun sprengten, als die +siebzig Ringe[36] der Dschelairen, deren jeder aus tausend Familien +bestand. An der Spitze des zweiten feindlichen Stammes der _Dschadscherat_ +oder _Dschuirat_, deren Stammvater Odurbejan, der Bruder Kabulchan's, des +Urgrossvaters Temudschin's, stand Dschamuka, beigenannt _Satschan_, d. i. +der Listige, der gefährlichste und unversöhnlichste aller Feinde +Tschengischan's, dessen Ränke ihn mit Owangchan, dem Herrn der Kerait, +entzweiten und der von Tschengischan endlich besiegt, dem Neffen Iltschidai +zur Hinrichtung übergeben ward; doch theilten nicht alle Dschadscherat den +unversöhnlichen Hass ihres Fürsten, indem Tschengischan Mehreren derselben +wesentliche Dienste dankte, so den Brüdern _Kuschaul_ und _Dschusuk_, +welche während Tschengischan's chinesischen Feldzugs seinen Jurt hüteten; +und _Kalender_, welchen Tschengis in der Begleitung eines Uriangkuten mit +erdichteter Botschaft im Namen seines Bruders _Dschudschi Kasar_ an +Owangchan sandte, um diesen in die Falle zu locken. Aus dem Stamme der +_Barin_, dem nächsten Verwandten der _Durban_, d. i. das Meer, die in den +heutigen _Törbed_ fortleben, war _Sutukusu_ nach dem berühmten Feldherrn +_Mokli Kajanik_ der zweite im Befehle, der noch als hundertjähriger Greis +zur Zeit Ogotai's lebte und sich rühmte, den ersten Hochzeitsschmaus mit +Tschengischan gefeiert zu haben; dann _Bigi_, der Barine, welchen Tschengis +als _Ungkun_, d. i. freien Mann, erklärte, der bei ihm im höchsten Ansehen +wie die Prinzen vom Geblüte zu seiner Rechten sass, und dessen Pferde in +einer Hürde mit denen Tschengischan's; da er sehr alt, befahl +Tschengischan, dass ihm der Rücken eines _Sukanut_ beim Aufstehen zum +Schemel diene, woher diesem Stamme der Name _Aktadschi Bigi_, d. i. die +Stallmeister _Bigi's_, blieb, wider welchen sie protestirten. Die _Jisut_ +endlich leiten ihren Ursprung von _Tschintai Utdschigin_, dem jüngsten +Sohne Kabulchans, des Urgrossvaters Temudschin's, ab. _Utdschigin_, d. i. +der Feuerhüter, hiess bei den Mongolen der jüngste Sohn, welcher während +der Abwesenheit des Vaters und der Brüder im Felde das Haus als Ofensitzer +hüten musste, und welcher nach des Vaters Tode dasselbe erbte, weil er +besser als die Brüder im Felde sich mit der Wirthschaft bekannt zu machen +Gelegenheit gehabt. Diesen Beinamen führen also mehrere in der mongolischen +Geschichte berühmte jüngste Söhne als Ofensitzer-Haushüter, nebst +_Tschintai_ noch _Budan Utdschigin_, der jüngste Sohn _Burtan Behadir's_, +des Grossvaters Tschengischan's; _Taratai Utdschigin_, der jüngste Sohn +_Jisukai's_, des Vaters Tschengischan's, und endlich _Tuli_, des letzten +jüngster obengenannter Sohn. Diesen Stamm der Jisut verherrlicht die grosse +zahlreiche Familie _Dschebe Nujan's_, des Waffengefährten _Subatai +Behadir's_, welcher mit demselben den dreijährigen Feldzug wider Persien +und Russland vollbracht. + +Erst nach dieser vorläufigen Kenntniss der berühmtesten Stämme des +mongolischen Reichs ist es gerathen, die Geschichte seines Gründers kurz zu +überblicken. + +[Randnote: Perioden der Geschichte Tschengischan's.] + +Temudschin ward am 20. Silkide des fünfhundert neun und vierzigsten Jahrs +der Hidschret, d. i. am 26. Jänner d. J. tausend hundert fünf und fünfzig +der christlichen Zeitrechnung, im letzten Jahre des alttürkischen +Thiercyclus, nämlich im Jahre des Schweines, geboren, und starb, zwei und +siebzig Jahre alt, am vierten Ramasan d. J. d. H. 624, d. i. am 18. August +1227, nach dem sechsmal durchlaufenen zwölfjährigen Thiercyclus, abermal im +Jahre des Schweines, ein ominoses Geburtsjahr für den Herrscher der +mongolischen schweinischen Menge; nicht minder ominos, als dass Temudschin +ein Stück geronnenes Blut fest in der Hand verschliessend zur Welt kam, die +er mit Blut überschwemmen sollte. Von den ersten zwölf Jahren seines +Lebens, in dessen dreizehntem er den Vater Jisukai verlor, weiss die +Geschichte Nichts, als dass dieser ihm den Namen Temudschin von dem am Tage +seiner Geburt besiegten und gefangen eingebrachten Fürsten gab; die übrigen +sechzig Jahre seines Lebens zerfallen in die frühere kleinere Hälfte, +welche sieben und zwanzig Jahre umfassend, von seinem dreizehnten bis an +sein vierzigstes, und in die zweite grössere, welche von seinem vierzigsten +bis zu seinem Tode zwei und dreissig Jahre füllt; von der ersten Hälfte, in +welcher er den wiederholten Unbilden seiner Feinde ausgesetzt sich nur +mühsam die Freiheit und Unabhängigkeit erkämpfte, kennt die Geschichte +verhältnissmässig für die Zahl der Jahre nur wenige Begebenheiten, aber +desto gellender und ohrenzerreissender durchschmettert sein Namen in den +folgenden zwei und dreissig Jahren die Welt. Der grosse Geschichtschreiber +Reschideddin hat die Geschichte des Lebens und der Herrschaft +Tschengischan's von seinem dreizehnten Jahre bis in dessen drei und +siebzigstes eben so pragmatisch als lichtvoll in fünf Perioden, die erste +von dreimal neun, die zweite von neun, die dritte und vierte von sieben, +die fünfte abermal von neun Jahren eingetheilt.[37] In der ersten Periode +tritt er als Sieger der Taidschut, deren Gefangene in siebzig Kesseln +gesotten worden, auf; schon wider seinen persönlichen Feind, _Dschamuka_, +den Fürsten der _Dschadscherat_, kämpfend, von denen sich jedoch ein Theil +ihm unterwirft, sowie die Stämme _Suldus_, _Jisut_ und _Barin_, deren Emire +sich seinem Dienste anreihen. Die Gelegenheit eines Festes führt einen +Streit mit dem Vetter _Sedschebegi_, dem Fürsten des nahverwandten Stammes +der _Kijat Burkin_, herbei, der nun Temudschin gegenüber als Bewerber um +die oberste Herrschaft auftritt; aber diesen Abfall vergütet der Sieg über +die _Tungkait_, einen Zweig eines wider seinen Fürsten Owangchan, welchem +Temudschin Hilfe leistet, empörten keraitischen Stammes. In der zweiten +Periode erscheint Temudschin als Verbündeter Owangchan's, des Fürsten der +Kerait, wider die ihnen beiden feindlichen Stämme der _Naiman Merkit_ und +_Tataren_; nach Besiegung derselben unterwirft sich der mächtige Stamm der +_Konghurat_ der Herrschaft Temudschin's, und er besteigt den Thron als Herr +der Mongolen in seinem siebenmal siebenten Jahre. Verschmähte Brautwerbung +und Dschamuka's Ränke führen den Krieg mit Owangchan herbei, von welchem +Temudschin zwar am Quell Baldschuna geschlagen, in der Folge denselben, +sowie die Naiman und Merkit oder Tangut, besiegt, worauf ihm die Uighuren, +Kirgisen, huldigen, und er als Herrscher aller Mongolen die neungipflige +Fahne mit neun weissen Rossschweifen aufgepflanzt, und den Namen Temudschin +in _Tchengis_, d. i. starker, grosser, gewaltiger Herrscher, verwandelt. +Die folgende Periode füllt der siebenjährige chinesische Krieg und die +letzten neun Jahre seines Lebens die Feldzüge wider Chuaresmschah's über +ganz Vorderasien verbreitete Macht in Transoxana, Chuaresm, Chorasan, Iran +und Kipdschak, theils in eigner Person, theils durch seine Söhne und +Feldherren, zuletzt die vierte wider Tangkut, wo er seinen Lauf als +Eroberer beschliesst. Gibbon hat diese Eroberungen nach den vier +Weltgegenden, im Norden, Süden, Osten und Westen, überblickt. Da die +Geschichte Tschengischan's zu schreiben und blos die Eroberungen +aufzuzählen, hier nicht unser Zweck, so beleuchten wir die grosse +historische Figur Tschengischan's von vier Seiten, zuerst in seiner Familie +als Menschen, dann gegenüber seinen Feinden als Sieger und Eroberer, +hierauf als Staatsmann und Gesetzgeber, und endlich in dem Ueberblicke +seiner Heeresmacht und letzten Anordnungen als den _Gewaltigen_ im +eigentlichsten Sinne des Worts. + +[Randnote: Die Familie Tschengischan's.] + +Man kennt insgemein nur die vier Söhne Tschengischan's: _Dschudschi_, +_Dschaghatai_, _Ogotai_ und _Tuli_, die Stammväter der vier nach ihnen +genannten Uluse aus der Konghuratin _Burte Fudschin_; aber Tschengis hatte +noch vier andere Söhne: _Kulkan_ oder Gulgan[38] aus Kulan Chatun, der +Tochter Tairosun's, des Fürsten der Merkit, und drei, die als Kinder +gestorben[39]; seine sechs Töchter[40], von denen er vier an die Prinzen +feindlicher Stämme vermählte, um die alte Feindschaft zu sühnen, und nur +zwei an befreundete Fürsten, nämlich: _Alakabegi_ an den Fürsten der +Ungkut, welcher ihm den Durchgang der grossen Mauer geöffnet, und Kalbi an +Idikut, den Fürsten der Uighuren, der ihm gehuldigt, so dass er ihn nicht +anders als seinen fünften Sohn nannte. Das Frauengemach Tschengischan's war +mit einem halben Tausend von Weibern und Mädchen bevölkert, aber von diesen +fünfhundert hatten nur fünf den Titel von grossen Frauen, als die fünf +Centurionen dieser fünf Weibercenturien, nämlich: 1. _Burte Fudschin_, die +Tochter des Stammhauptes der Konghurat, Mutter der vier Söhne, Gründer der +vier Uluse; 2. _Kulan Chatun_, die Tochter Tairosun's, des Fürsten des +feindlichen Stammes der Merkit, Mutter des Sohnes Gulgan; 3. die beiden +Tatarinnen, Schwestern, _Jesulat_ und 4. _Jesulun_; 5. _Kundschu_, die +Tochter des chinesischen Kaisers, welche keine Kinder hatte und in deren +Lager sich die durch ihre Schönheit berühmte _Hogutai_ befand; als die +nächsten an diesen fünf grossen Frauen sind fünf andere von der Geschichte +bezeichnet, nämlich die Tochter des viermal mit Krieg überzogenen Fürsten +von Tanghut, die Tochter _Tajangchan's_, des siebenmal besiegten Fürsten +der Naiman, die Naimanin, Mutter des Sohnes _Dschurdschetai_, die Tatarin, +Mutter des Sohnes _Urdschahan_, und endlich _Abika_, die Tochter Hakembu's, +des Fürsten der Kerait, welche Tschengischan durch ein Traumbild +erschreckt, dem Vertrauten Kehti Nujan, der in dieser Nacht die Nachtwache +hielt, mit allen ihren Schätzen und Pagen schenkte, und als Andenken von +ihr nur den Becher, worin sie mit ihm _Kumis_, d. i. Stutenmilch, +getrunken, und von ihrem Gefolge einen Tafeldecker zurückbehielt. Sollte +den Barbaren vielleicht die Ahnung einer Neigung zwischen der Prinzessin +und dem Leibwächter zum grossmüthigen Opfer dieser Abtretung bewogen haben? +oder hat ihm dieselbe wirklich ein Traum abgeschreckt? selbst in diesem +Falle ist das zurückbehaltene Andenken eine ganz unerwartete Spur +menschlichen Gefühls in der Brust eines Wütherichs, wie Tschengis, der +schon als Knabe, ehe er noch dreizehn Jahre alt, in Gemeinschaft mit dem +Bruder Belgutai den Bruder Belter erschlug; die überlebenden vier Brüder +Temudschin's sind _Belgutai_, sein Theilnehmer am Brudermord, _Kodschuiu_, +dessen Sohn _Iltschidai_ einer der treuesten und eifrigsten Diener des +Oheims, auf dessen Wink er den gefangenen Todfeind Dschamuka zerhieb; der +jüngste, _Temengu Uldschigin_, d. i. der Feuer- oder Herdhüter (seine +Mutter war die Olkunutin _Usedenu_, Verwandte der Mutter Tschengischan's), +ein grosser Bauliebhaber, der überall, wo er hinkam, baute, und so viel es +in seinen Kräften stand, -- wenigstens dem Willen nach gutmachte, was der +Zerstörungstrieb des Bruders Eroberers verheerte; endlich _Dschudschi +Keser_, wegen seines athletischen Körperbaues und seiner Stärke der Löwe +beigenannt; seine Brust war so hoch gewölbt, sein Bauch so zurückgezogen, +dass, wenn er worunter lag, ein Hund unter dem Bauche durchlaufen konnte, +seine Stärke so gross, dass er gefangene Feinde wie Pfeile in die Hand +nahm, indem er ihnen den Rückenwirbel wie Pfeile zerbrach.[41] Er war der +starke Helfer Tschengischan's, der ihn auszeichnete, aber auch ein Paarmal +mit ihm unzufrieden, die Beweise seiner Zufriedenheit und Unzufriedenheit, +die erste ehrenvoll und die zweite nachtheilig, auf die Nachkommen +desselben vererbte. Als Merkmal der Zufriedenheit seiner in dem Kriege +wider die Naiman bewiesenen Tapferkeit räumte Tschengis allen Nachkommen +des Oheims das Recht ein, wie die Prinzen Söhne auf der rechten Seite des +Thrones zu sitzen, während alle andere Verwandte des Hauses auf der linken +Seite mit den Emiren[42]; aber als in dem Kriege wider die Kerait +Dschudschi Keser zu spät kam und zur Zeit des Mahles auf sich warten liess, +sagte Tschengischan: »So erscheinen Mücken, nur wenn sie die Sonne +bescheint, und verschwinden, sobald sie sich versteckt; der Thautropfen +will, so klein er ist, mittels der Leiter der Sonnenstrahlen zum Himmel +steigen.« In seinem Unwillen gab er die unverbrüchliche Satzung, dass kein +Glied der Familie Dschudschi Keser's je der Chanschaft würdig geachtet +werde, und erniedrigte also alle Nachkommen desselben für alle künftige +Zeiten zu blossen Emiren _Karadschu_, d. i. unterthänigen Fürsten.[43] + +[Randnote: Die Feinde Temudschin's bis zu seiner ersten Thronbesteigung.] + +Der Jugendfreunde Temudschin's ist schon oben bei den Stämmen Erwähnung +geschehen; seine Feinde können in vier Klassen getheilt werden, erstens die +persönlichen unversöhnlichen; zweitens die besiegten und zum Theile, +wenigstens dem Scheine nach, versöhnten Stämme; drittens die sich +Herrschaft anmassenden Nebenbuhler um den Thron, und viertens, nachdem +Tschengischan denselben bestiegen, die reichsgefährlichen feindlichen +Mächte. Der erbittertste seiner persönlichen Feinde ist _Dschamuka Sasan_, +d. i. der Listige, der Fürst der Dschadscherat, dessen List ihn mit +Owangchan entzweite und die Anregung der Verschwägerung herbeiführte, +welche dann der nächste Anlass des Krieges zwischen Owangchan und +Tschengischan. Er machte gemeinsame Sache mit Taidschuten, welchen alsbald +nach dem Tode Jisukai's der Stamm der Konghuraten und der mit ihm +verwandten zugefallen waren. Von den Taidschuten hatte Tschengischan die +grössten Unbilden seiner Jugend zu erleiden, die Sklaverei, aus der ihn +_Schurkan[44] Schire_, der Sulduse, gerettet, und der Blutsturz, die Folge +von zwölf ihm an den Hals geschossenen Pfeilen, dessen Todesgefahr die +Freunde _Burghudschi_ und _Burghul_ abgewendet; solche Unbill und Schmach +büssten sie in den siebzig Kesseln gesotten. Nach den Taidschuten waren die +unerbittlichsten der Feinde die _Tataren_ und _Merkiten_, wider welche +Tschengis, sowie wider die Taidschuten, den Krieg bis zur Vertilgung +führte, die höchsten der Frauen schonend, die er als Frauen und +Beischläferinnen in sein eigenes Frauengemach nahm oder den Söhnen +überliess. Dem ältesten Sohne Dschudschi zürnte er unversöhnlich, weil +dieser dem jüngsten Sohne _Tuktabeg_ des Fürsten der Merkit als einem +trefflichen Pfeilschützen das Leben retten wollte. Von dem sechsgetheilten +Stamme der Tataren waren zuletzt auf Fürbitte der beiden Schwestern +Tatarinnen, Gemahlinnen Tschengischan's, nur dreissig Familien das Leben +gerettet, und vom Tataren Kuli, welchem eben diese beiden Frauen als Kind +das Leben erbeten hatten, in ein Regiment organisirt worden.[45] Die +Taidschuten waren das erstemal zu _Baldschusch_ in der Niederlage der +siebzig Kessel, [RN: I. J. 1198.] zum zweitenmale von Temudschin und +Owangchan zu _Kisiltasch_, d. i. am rothen Steine, geschlagen worden; mit +ihnen verbündeten sich aus den Naimanen, den nächsten Stammverwandten +Temudschin's, die Stämme _Katagin_, _Saldschiut_, _Durbin_ und _Konghurat_, +ihr Bündniss durch das fünffache Opfer eines Pferdes, Stiers, Widders, +Hundes und Bockes beschwörend; die Fürsten, welche mit Tschengischan um die +Oberherrschaft der Mongolen buhlten, waren _Dschamuka_, der Fürst der +Dschadscherat, _Olak Odur_, der Fürst der Merkiten, _Sidschebeg_, der Fürst +der Kijat, _Burkin_, der nächste Verwandte Temudschin's, und _Dschudschi +Kasar_, der Oheim desselben. In diese Epoche fällt die Unzufriedenheit +Temudschin's mit dem Oheim, der Anlass aber des Abfalls des Vetters +Sidschebeg war der folgende. Bald nach dem ersten Siege über die +Taidschuten gab Temudschin seiner Mutter _Ulun Ike_, seinen Brüdern +Dschudschi, Bilkuti und Utdschigin ein Fest, bei welchem sich auch +Sidschebeg, das Haupt des Stammes der Kijat Burkin, mit seiner grossen und +kleinen Mutter, d. i. mit seiner wahren und Stiefmutter, einfand; die +Mutter fand sich beleidigt, weil _Sijudscher_, der erste Tafeldecker +Temudschin's, die Stutenmilch ihr nicht der ersten vorgesetzt; sie schlug +ihn desshalb, und als auch bald hierauf Bilgutei beleidigt worden, kam es +zwischen den Knechten Temudschin's und Sidschebeg's zum Handgemenge, die +beiden Frauen wurden gefangen, hernach wieder freigegeben, aber Sidschebeg +trennte sich mit seinem ganzen Stamme vom Hause Temudschin's und trat wider +ihn mit gewaffneter Hand als Anmasser der Oberherrschaft auf. [RN: I. J. +1201.] Die obgenannten verbündeten Stämme riefen den Dschamuka zum +Oberherrn mit dem Titel _Gurchan_, d. i. des grossen Herrschers, aus. Sie +verschworen sich abermal am Ufer der Tula, indem sie mit ihren Füssen die +Erde des Ufers in den Fluss stampften und mit ihren Säbeln das Gesträuch +abhieben: »dass der Verräther wie diese Erde zerstampft, wie dieses +Gesträuch niedergehauen sei!« Temudschin schlug die sieben Stämme zu _Jedi +Gurgan_, d. i. bei den _sieben Grabmalen_, was ein als ihre Grabstätte, +Unglück vorbedeutender Namen; als er hierauf auch die Tataren und Naimanen +geschlagen, [RN: I. J. 1201.] unterwarfen sich die _Konghurat_, der nächste +der Stämme der Naimanen, und Temudschin bestieg als grosser Herrscher +derselben den Thron. + +[Randnote: Die Feinde und Freunde Temudschin's bis zu seiner zweiten +Thronbesteigung als Tschengischan.] + +Das bisher zwischen Temudschin und Owangchan bestandene Bündniss wurde +durch die Einstreuungen Dschamuka's getrübt, welcher den Owangchan +bestimmte, dem Antrage Temudschin's einer näheren Verbindung der beiden +Häuser durch eine Doppelverbindung kein Gehör zu geben. Temudschin warb +nämlich für sich um _Abika_, die Tochter Hakembu's, des Bruders +Owangchan's, und um ihre Schwester _Begtutmisch_ für seinen ältesten Sohn +Dschudschi, während er dem _Singun_, dem Sohne Owangchan's, seine älteste +Tochter _Fudschin_ antrug; die ehemals Verbündeten waren nun offene Feinde; +Temudschin, der so oft mit den Kerait wider ihre gemeinschaftlichen Feinde, +die Tataren, Merkit und Naiman, gefochten, wurde geschlagen, und flüchtete +zum schlammichten Quelle Baldschuna, wohin ihm nur die Getreuesten folgten. +Diese waren in der Folge als die Waffengefährten von Baldschuna +ausgezeichnet, wie vor sechs Jahrhunderten von Mohammed die +Waffengefährten von Bedr und Ohod, er ernannte sie später alle zu +_Tarchanen_, d. i. Freiherren, sowie die beiden Lebensretter, +_Bughurdschin_ den Erlaten, und _Burghul_ den Huschinen, dann _Surgan +Schire_[46] den Suldusen, die beiden Dschelaire _Olai Kalgha_ und +_Karadschu_[47], den Taidschuten Jisukai, welcher vormals die mit +Dschudschi schwangere _Burte Fudschin_ sicher zu Owangchan geleitet hatte; +Burghul diente von der Pike, oder mongolisch richtiger zu sprechen, vom +Pfeile auf; denn Anfangs Tafeldecker, ward er _Gesiktu_, d. i. vom Vortrabe +der Pfeilschützen, dann _Emir Gesik_, Befehlshaber derselben, hierauf _Emir +Toman_, d. i. Befehlshaber eines Corps von zehntausend Mann, und endlich +Grossfürst. Von Bughurdschin sagte Tschengischan: Ich schätze ihn unter +meiner Seele, aber höher als alle Fürsten und _Karadschu_ (Unterthanen). +Bughurdschin nannte sich selbst den Unfehlbaren und sagte von sich selbst: +»Wann das Geschrei der Raben irret und fehlet, irre und fehle ich nicht; +wann den Vogel des Grabes Schwindel ergreift, bleibt mir Kopf und Gehirn +frei; wann der Staub von der Erde zum Himmel steigt und der Rauch des +Himmels zur Erde sinkt, verfehle ich meinen Weg nicht, desshalb nennt man +mich den Unfehlbaren.« Als Tschengischan den _Burghul_ und _Bughurdschin_ +zu Tarchanen ernannte und sie das Diplom begehrten, erklärte er sie über +alle Diplome erhaben. _Bughurdschin_ war der erste der neun _Örlök_[48], +d. i. die neun Mannen oder Helden, die andern acht: 2. _Burghul_ der +Huschine, 3. _Schurkan Schire_[49] der Sulduse, der Lebensretter, wie die +beiden vorigen; nach diesen Lebensrettern 4. _Mokli_ der Dschelaire[50], +der Eroberer China's; 5. _Dschebe_ der Jisute; 6. _Subutai Behadir_[51], +der Feldherr wider Persien und Kipdschak; 7. _Dschelme Oho_, d. i. der +tapfere Räuber[52], der erste Waffengenosse der Raubzüge Tschengischan's, +dessen Söhne die Befehlshaber des rechten und linken Flügels der +Leibwachen; 8. _Schiki Kuttu_, der von Tschengischan, noch ehe ihm seine +Gemahlin einen Sohn geboren, an Kindesstatt angenommene Pflegsohn, dessen +Wahlspruch als Richter: Fürchte Nichts und sprich Recht; endlich 9. der +Uirate _Kara Karaghu_[53]. Diese neun Helden waren die innigsten +Waffengefährten Tschengischan's, Stützen seiner Macht wider seine Feinde: +»Ihr neun Örlök, kommt mit mir herein, und ihr dreihundert und neun +Leibwachen, umgebt das Haus!«[54] und als er sieben Jahre nach der ersten +Thronbesteigung den Owangchan geschlagen und mit ihm Frieden geschlossen, +nachdem Tajangchan, der Fürst der Naiman, der gefährlichste und mächtigste +seiner Feinde, in der Niederlage gefallen, als er in der Gegenwart von +hundert versammelten Stämmen den Thron als Herrscher aller Mongolen mit dem +ihm von seinem gottbegeisterten Stiefvater _Buttangri_ (Ebenbild Gottes) +ertheilten Ehrentitel des Gewaltigen angenommen und die neungipflige Fahne +mit den neun weissen Rossschweifen und die viergipflige schwarze seines +Hauses aufgepflanzt, als er Herrscher des Volkes der viermalhunderttausend +Mongolen, als er die Fünffarbigen und Vierfarbigen[55] zu Einem Volke +vereint, denselben den Namen der _blauen Mongolen_[56] oder _einzigen_[57] +beigelegt und seine Staatseinrichtungen begann, redete er seinen Wesir +Bughurdschin und die neun Helden Waffengefährten an: »Du mein Bughurdschin, +dem Leben und Tod stets gleichgültig war, ihr neun _Örlök_, ihr meine +Fürsten und Edle, ihr meine Unterthanen und du ganzes grosses Volk, dass +Keiner ihn neide! Er soll die oberste Verwaltung der inneren +Reichsangelegenheiten führen und über die fünf Farben meines Volkes +befehlen; er soll die grosse fernhinschmetternde Trompete bewahren und als +Oberbefehlshaber über die neun Gebiete den Titel _Kuluk Bugudschi_ führen;« +er ward zum Oberhaupte der neun Örlök erhoben und seine Gemahlin erhielt +den Titel _Butschin Taibutsan_[58]. + +[Randnote: Die sieben Kurultai, die Fürsten, welche gehuldigt.] + +Das Kurultai, das ist allgemeine Volksversammlung, der Landtag, auf welchem +Temudschin als Tschengischan, d. i. gewaltiger Herrscher, der Fünf- und +Neunfarbigen, der blauen und anderen Mongolen ausgerufen worden, war das +vierte der sieben Kurultai, deren die Geschichte Tschengischan's erwähnt. +Das erste wurde unmittelbar vor dem Feldzuge wider die Taidschut und der +Niederlage der siebzig Kessel, das zweite vor sieben Jahren bei der ersten +Thronbesteigung als Herrscher der unterworfenen Stämme der Konghurat und +der mit denselben Verwandten, das dritte nach der durch den Fürsten der +Tunguten erhaltenen Kundschaft von dem Ueberfalle der Naiman und der +Niederlage Tajangchan's, ihres Fürsten, das vierte wurde zur Aufpflanzung +der vier schwarzen und neun weissen Rossschweife gehalten, das fünfte hat +bald hierauf zur Berathung des siebenjährigen chinesischen Kriegs, das +sechste sieben Jahre hernach zur Berathung des siebenjährigen persischen, +und das siebente und letzte sieben Jahre später und zwei Jahre vor seinem +Tode bei seiner letzten Rückkehr in die Heimath stattgehabt. Diese Kurultai +blieben sofort mongolischer Reichsbrauch bei den Thronbesteigungen der +Fürsten und anderen grossen Begebenheiten, welche der Chan mit allen +Stämmen berieth. Tschengischan spricht in seiner Thronbesteigungsrede an +die versammelten Stämme von den zwölf unterworfenen Reichen, worunter die +Gebiete der besiegten, ihm unterworfenen Feinde zu verstehen sein dürften; +zuerst die sieben des ihm nächsten verwandten, mächtigen Stammes der +_Konghurat_ mit seinen sechs Zweigen, dann die des verwandten Stammes der +_Kijat Burdschin_, dann der _Tataren_ und des ihnen engverbündeten Stammes +der _Mekrin_, dann der _Taidschut_ und der _Kerait_; der noch unbezwungene, +mächtigste feindliche Stamm war der der Naiman, wider welchen Tschengischan +siebenmal zu Felde gezogen, fünfmal vor seiner Thronbesteigung, zweimal +als gewaltiger Chan der Mongolen, und als Verbündeter Owangchan's. Immer +waren sie an der Spitze der wider Tschengis verschworenen Stämme und ihre +Niederlagen zu _Kisiltasch_, d. i. am rothen Steine, [RN: I. J. 1198.] +nicht minder berühmt, als die der siebzig Kessel der Taidschut zu +_Baldschusch_, die der verbündeten Stämme an den sieben Grabhügeln und die +Tschengischan's selbst, als er nach der wider Owangchan verlornen Schlacht +von wenigen Treuen begleitet zum Quelle _Baldschuna_ geflohen. Nachdem in +der vierten Schlacht wider die Naimanen ihr grosser Fürst Tajangchan +geblieben, zog Tschengischan wider dessen Bruder _Bujuruk_, d. i. den +Befehlshaber, welcher ihm als Fürst seines Volkes gefolgt, und schlug +denselben an der Sudscha, in der Nachbarschaft des _Ulugtag_, d. i. des +grossen Bergs, die Fortsetzung der Bergkette des kleinen Altai ober dem +Balchasch-See. Tajang's Sohn Kuschluk floh mit Tukta, dem Fürsten der +Merkit, nach den Ländern am Irtisch. Ihre gefährliche Nachbarschaft mochte +ein Hauptgrund des Untergangs der _Kirkis_ und _Kemkemdschiut_ gewesen +sein, welche am Irtisch und Jenisei sassen, und welche nun dem gewaltigen +Herrscher huldigten; so huldigten ihm auch im Süden _Idikut_, der Fürst der +Uighuren, und die türkischen Fürsten der _Hoeihe_ in der kleinen Bucharei, +der _Gurchan_ von Karachatai, der Fürst des Stammes der Karlik von +_Kajaligh_ und der von _Almaligh_. Tschengis besiegelte den Bund der +Huldigung durch Verschwägerung, indem er dem letzten eine Tochter seines +ältesten Sohnes Dschudschi, dem Fürsten der Karlik eine andere Prinzessin +des Tschengischan'schen Hauses, und seine Tochter _Il Alti_ dem Fürsten +Idikut zur Frau gab, den er seinen fünften Sohn nannte.[59] Er war nun mit +nicht weniger als einem Dutzend der mächtigsten Stämme verschwägert; die +zwei Schwestern Tatarinnen ausgenommen, war jede seiner grossen Frauen aus +einem anderen Stamme, und ebenso gab er nicht mehrere seiner Töchter an +Fürsten Eines Stammes, sondern jede an einen anderen; nur mit dem Stamme +der Konghurat war er gegenseitig verschwägert, indem seine erste Gemahlin +_Burte Fudschin_ eine Konghuratin und er seine Tochter _Tumalun_ an den +Prinzen der Konghuraten vermählte, welcher, wie alle Eidame, den Titel +_Gurchan_ führte. + +[Randnote: Chinesische Ehrentitel, der chinesische und persische Krieg.] + +Stark durch Verbindung und Verschwägerung mit den mächtigsten Stämmen und +Fürsten, vernichtete er so leichter den Fürsten der Naimanen, _Kutschluk_, +in dem siebenten und letzten wider denselben geführten Krieg in der +Schlacht am _Kem_, und wagte nun den Krieg wider den Herrscher von China +selbst, wider _Altan Chan_, d. i. den goldenen, welcher ihm gleich Anfangs +seines Auftritts für die dem _Tschingsang_ (chinesischen Staatsminister) +wider empörte Tataren geleistete Hilfe den Ehrentitel eines +_Grossfürsten_[60], sowie damals der Herrscher der Kerait dem Owangchan[61] +und dem Fürsten der Naiman den Ehrentitel _Tajang_ verliehen hatte. Die +Seele dieses siebenjährigen chinesischen Krieges, welcher mit der Besiegung +Altanchan's, des vormaligen Oberherrn der Tataren und Mongolen, endete, war +der Dschelaire _Mokli_, welcher zur Belohnung seiner Dienste den +auszeichnenden chinesischen Titel _Kojang_[62], das ist Herrscher Eines +Distrikts, erhielt. Der Kaiser von China war der mächtigste Feind des +mongolischen Reichs im Osten, sowie Chuaresmschah, dessen Herrschaft sich +über ganz Mittel- und Vorderasien erstreckte, der mächtigste und +gefährlichste Nachbar im Westen. Nach dem glücklich vollendeten +siebenjährigen chinesischen Feldzuge und der Einschüchterung des Ostens +wandte Tschengischan seine ganze Macht wider den Herrscher des Westens, +wider Mohammed Tekesch, zur Blutrache einer Karawane mongolischer +Kaufleute, welche Ghairchan, der Statthalter von Otrar, hatte ermorden +lassen. In diesem siebenjährigen Kriege befehligten die zur Eroberung des +Westens bestimmten Heere theils Tschengischan in Person, theils seine vier +Söhne, theils seine beiden grossen Feldherren _Dschebe Nujan_ und _Subutai +Behadir_; sie eroberten eben so viele Länder: _Transoxana_, _Chuaresm_, +_Chorasan_, das _persische Irak_, _Masenderan_, _Ghasna_ und _Kipdschak_, +und die mongolischen Heere verheerten die Länder von den Ufern des Indus +bis an die der Wolga. Ogotai und Dschaghatai belagerten Otrar, worin sich +Ghairchan, dessen Gewaltthat der Anlass und die Rechtfertigung des Kriegs, +sich zwei Jahre lang tapfer vertheidigte. _Dschudschi_, welcher gegen +_Chodschend_ befehligt war, kehrte nach einiger Uneinigkeit mit seinen +Brüdern wieder nach Kipdschak zurück. Tschengischan befehligte in eigener +Person die Verheerung von Samarkand und Bochara, der beiden grössten und +bevölkertsten Städte Transoxana's, in deren jeder dreissigtausend +Schlachtopfer bluteten, was nicht unglaublich, wie die Zahl derer, welche +in den Städten Chorasan's bluteten, mit dessen Eroberung der vierte Sohn, +Tuli, betraut war. Zu _Nischabur_ soll eine Million, zu _Sebsewar_ +siebzigtausend gemetzelt worden sein. Glaublicher ist die Entvölkerung +Chuaresm's, aus dessen Hauptstadt allein einmalhunderttausend Künstler und +Handwerker in die östlichen Länder geschleppt worden. _Bamian_, vor dessen +Mauern ein Enkel Tschengischan's, aus seinem Sohne Dschaghatai, fiel, +erhielt den Namen _Mobaligh_, d. i. verfluchte Ballei, und musste den Mord +mit dem Blute seiner Einwohner sühnen. Die beiden Feldherren Dschebe Nujan +und Subutai Behadir durchstäupten Persien bis an die Ufer des Sees von +Urmia, drangen dann durch die Pässe des Kaukasus nach Russland und +Kipdschak vor und wurden durch die Niederlage der Russen Herrscher an der +Kalka, die sich in den Donesch ergiesst, wie sie Herrscher an der Kalka, +die in den Bujursee mündet. Tschengischan selbst verfolgte am Indus den +Sultan Dschelaleddin Mankburni, den Sohn des Mohammed Tekesch, der in einer +Insel des kaspischen Meeres sein Leben geendet, und konnte dem Sohne seine +Bewunderung nicht versagen, als derselbe, bis an das Ufer des Indus +verfolgt, vom steilen Ufer sich ganz bewaffnet mit dem Pferde in den Indus +stürzte und denselben durchschwamm: Ein Sohn, würdig seines Vaters, rief +Tschengischan, ihm mit Bewunderung nachsehend, aus. Beim Kurultai, welches +Tschengischan am Karagöl (Schwarzsee) zur grossen Jagd an alle Uluse +ausgeschrieben hatte, erschien der älteste, Dschudschi, nicht, doch sandte +er seinerstatt kostbare Geschenke an Pferden. Tschengischan unternahm von +da den vierten Feldzug wider das empörte Tanghut und starb auf demselben, +nachdem er durch letztwillige Anordnung zu seinem Nachfolger im Reiche +weder den ältesten _Dschudschi_, noch den zweiten _Dschagatai_, sondern den +dritten _Ogotai_ ernannt hatte. + +[Randnote: Die Jasa.] + +Tschengischan's Politik, deren Hauptaugenmerk die Versöhnung feindlicher +Stämme und die engere Verbindung mit freundlichen mittels Verschwägerung, +erhellt schon aus dem Erzählten; aber seine bürgerliche Gesetzgebung und +seine Staatseinrichtungen erfordern noch besondere Beleuchtung. Er ist der +Gesetzgeber seines Volkes. Aus den bisherigen europäischen +Geschichtschreibern mongolischer Geschichte ist nur die bürgerliche +Gesetzgebung desselben, d. i. die _Jasa_, bekannt, aber in Wassaf, dem +Livius der persischen Geschichtschreibung, welcher, berühmt unter dem Namen +des _Lobredners der Majestät_[63], schon anderthalb Jahrhunderte nach +Tschengischan, zu Ende des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen +Zeitrechnung und zu Anfang des vierzehnten, schrieb, und aus der grossen +Sammlung von Staatsschreiben, welche ein halbes Jahrhundert später der +Staatssekretär Mohammed Hinduschah, beigenannt die _Sonne des +Stylisten_[64], für _Schah Oweis Behadirchan_, den zweiten Herrscher der +zweiten Dynastie der Ilchane (deren Gründer sein Vater, der grosse Hasan), +aus den Archiven zusammentrug, lernen wir auch die besonderen Namen der +Gerichtsordnung und des Militärcodex kennen. Die erste, nach welcher den +Oberrichtern das Recht zu sprechen in ihren Bestallungsdiplomen +eingeschärft ward, hiess _Kutatgu bilik Tschengischani_, d. i. das +Kutadische Tschengischanische überlieferte Wort; denn unter dem Titel von +_Bilik_ gibt Reschideddin neun und zwanzig überlieferte Worte +Tschengischan's, und _Kutat_ (oder _Kitad_) ist der Name der Familie +Tschengischan's; den Namen des Militärcodex hat nur Wassaf aufbewahrt; +derselbe hiess: _Tumendschin_, d. i. wovor man sich zu hüten; dieses ging, +sowie das _Bilik_, unmittelbar von Tschengischan selbst aus, aber an der +_Jasa_ hatte die Weisheit seines Sohnes Dschagatai grossen Antheil. Da die +einige und zwanzig Punkte des ersten und des zweiten bereits bekannt +gemacht worden, so genügen hier ein Paar Federstriche zum Umrisse des +Geistes der Gesetzgebung Tschengischan's. Häufige Todesstrafe und Prügel +waren die Sanction derselben, die Todesstrafe nicht nur auf Verbrechen, +sondern auch auf Unsittlichkeit und auf die Verletzung abergläubischer +Sitte gesetzt; so wurde der überwiesene Lügner, Zauberer, der, welcher bei +Donnerwetter badete, und wer ins Wasser oder auf Asche pisste, mit dem Tode +bestraft; den Prügeln, womit vorzüglich die Uebertretung der Kriegszucht +bestraft ward, waren auch die Prinzen des Geblüts unterworfen, und +dieselben entehrten nicht; ihre Zahl immer ungleich, von drei, fünf, sieben +bis sieben und siebzig.[65] Die grösste politische Tugend der Mongolen die +blindeste Unterwürfigkeit in den Willen des Herrschers, indem nur Einer der +Herr und alle Anderen Sklaven; Nichts von Geburt aus, oder wenn auch durch +diese und durch Stammverwandtschaft geadelt und zu Würden erhoben, wieder +Nichts vor des Herrschers Allmacht; die zweite Tugend schweinische +Unreinigkeit, indem es ihnen verboten, ihre Kleider zu waschen, die sie auf +dem Leibe tragen mussten, bis sie ihnen in Stücken abfielen[66], also +gerade das Gegentheil jüdischer und moslimischer Gesetzgebung, wovon jene +zwischen Reinem und Unreinem so genau unterscheidet, diese wiederholtes +Waschen zur Pflicht macht. Gastfreundschaft war geboten, doch durfte keiner +zum Mahle niedersitzen, ohne dazu geladen zu seyn, keiner auf Kosten seiner +Tischgenossen schlemmen; Titel und Phrasen waren untersagt, selbst der Kaan +durfte nicht anders als bei seinem Namen angeredet werden; ein persischer +Sekretär, welcher das im Namen Tschengischan's an eine belagerte Stadt +erlassene Aufforderungsschreiben mit Floskeln ausgeschmückt, büsste +dieselben mit seinem Leben. Alle Mädchen und Frauen der Mongolen standen +dem Herrscher zu Gebot; die Tarchanen, d. i. Freiherren, waren von allen +Steuern befreit und hatten zu jeder Stunde freien Zutritt zum Kaan. Die +Erbfolge in der Familie Tschengischan's war durch die Jasa, welche hievon +die Brüder Dschudschi Kasar's ausschloss und die Herrschaft dem Uluse +Ogotai's, des zweiten Sohnes, zusprach, festgesetzt, aber die Verkündung +der Thronbesteigung musste auf einem _Kurultai_, d. i. einem Landtage, +feierlich vollzogen werden. Der erste und grösste Hofdienst war der des +Oberstjägermeisters, denn die Jagd als Vorspiel und Vorübung des Kriegs +vertrat die Stelle der Bildung und Erziehung, da das Handwerk und die Kunst +der Mongolen nur Krieg und Verheerung. + +[Randnote: Das Heer und das Testament.] + +Die Periode der Staatseinrichtungen Tschengischan's fällt in die sieben +Jahre, welche von seiner zweiten Thronbesteigung als gewaltiger Herrscher +bis zum Ausbruche des siebenjährigen chinesischen Krieges verflossen; aber +die militärische Einrichtung des Heeres nach Zehnern, Hunderten, Tausenden +und Zehntausenden hatte schon früher stattgefunden. Das Buch der vier +Uluse, dessen Verfasser Ulugbeg und welches dem _Stammbaume der Türken_[67] +zu Grunde liegt, schreibt die Eintheilung des mongolischen Heeres in sieben +Treffen schon dem Oguschan zu; in jedem Falle ist diese Einrichtung eine +türkische und weit älter, als Tschengischan, und verschieden von der +arabischen Eintheilung, welche nur fünf Abtheilungen des Heeres kennt. Die +Türken und nach ihnen die Mongolen theilten ihr Heer in die folgenden +sieben Theile: 1. _Buldschunghar_, auf türkisch _Karaul_, die Vorposten +oder Vedetten; 2. _Borunghar_, auf türkisch _Mankalai_, der Vortrab des +Heeres, auf arabisch _Makaddemetol-dschisch_; 3. _Unghar_, auf türkisch +_Ssaghkol_, der rechte Flügel, auf arabisch _Jemin_; 4. _Dschunghar_, auf +türkisch _Ssolkol_, der linke Flügel, auf arabisch _Jesar_; 5. _Ghul_, auf +türkisch _Jesaul_, das Mitteltreffen, der Mittelpunkt des Heeres, die +Fahnen und Standarten, die Rossschweife und Heerpauken, von den Arabern +_Kalboldschisch_, d. i. das Herz des Heeres, genannt; 6. _Okdschunghar_, +auf türkisch _Tschenkdaul_, der Nachtrab, auf arabisch _Sakat_; 7. +_Bestunghar_, auf türkisch _Bassdürma_ und auf persisch _Kemingjah_, d. i. +der Hinterhalt; dieser Theil des Heeres war, wie der türkische und +persische Name zeigt, zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte bestimmt; er zog +aber, der letzte, in so grosser Entfernung vom Nachtrab, dass er den Staub +desselben nicht sah. Diese letzte Abtheilung, sowie die erste, fehlt in der +Strategie der Araber. Ein Corps von zehntausend Mann hiess _Tumen_ oder +_Toman_, eine Benennung, welche auch den Länderabtheilungen und später +Münzen beigelegt ward, wie denn noch heute Silber- und Goldtomane in +Persien cursiren; die Silber- und Goldmünzen der Mongolen hiessen +_Balisch_. Die Jagd, Pfeilschiessen, Pferdetummeln und Ringen waren die +Uebungen des Heeres und der Feldherren, welche hierin mit gutem Beispiele +vorgehen mussten: »Die grossen Fürsten und das ganze Heer muss sich in der +Jagd üben und den Namen bestimmen, bei welchem sie, wenn sie ins Feld +ziehen, ausgerufen werden sollen; sie sollen mit zu Gott gewandtem Herzen +beten, bis sie mit göttlicher Hilfe die vier Weltgegenden unterjocht.« +lautet das zehnte der hinterlassenen Worte Tschengischan's; dann das +eilfte: »Der Mann sei unter dem Volke ruhig und schweigsam, wie ein Kalb, +falle aber in der Schlacht wie ein hungriger Geyer auf die Feinde.« und +das zwölfte: »Jedes Wort, das einmal gesprochen worden und von dem man +zweifelt, ob es im Scherze oder Ernste gesprochen worden, kann nicht mehr +zurückgenommen werden, -- gilt für Ernst.« Die grösste Auszeichnung war, +wenn der Kaan auf einen mit dem Finger zeigte; dem mit dem Finger +Ausgezeichneten[68] waren die Einkünfte der Minen, die guten Pfeilschützen, +die Pferde der Post, die Jagdvögel, die Jagdhunde der eroberten Länder +zugesprochen.[69] Die feste Grundlage des Herrschergesetzes Tschengischan's +war Familieneinigkeit und festes Zusammenhalten der Stammverwandtschaft; +eine Lehre, welche er durch das bekannte Gleichniss vom Pfeilbündel, dann +von den zwei Schlangen, der einköpfigen Vielschweifigen[70] und +einschweifigen Vielköpfigen, seinen Söhnen versinnlichte. Von diesen +bekleidete Ogotai, der Oberste Jägermeister, das erste Hofamt, Dschagatai +versah die Stelle des Obersten Richters und wachte auf die Vollziehung der +Jasa, an deren Verfassung er so grossen Antheil hatte; dem Ogotai lag die +innere Verwaltung, d. i. die Erhebung der Steuern, dem jüngsten, Tuli, die +Sorge für das Haus und die Truppen, für den Herd und das Heer ob; der +jüngste Sohn war, wie schon oben gesagt worden, nach mongolischen Gesetzen +der Hüter des Herds und der Herden und nach des Vaters Tod der Erbe der +ganzen Wirthschaft, wiewohl das Haupt der Familie und des Stammes stets der +Erstgeborne blieb. Das mongolische Gesetz trennte also das Ansehen der +Erstgeburt von dem Stammvermögen, indem die Stammherrschaft zwar dem +Aeltesten, das Vermögen aber dem Jüngsten des Hauses zuerkannt ward. In +diesem Sinne sollte Dschudschi, der älteste der vier Söhne, dem Vater auf +dem Throne gefolgt sein, aber mit demselben unzufrieden, besonders seitdem +er nicht auf dem letzten Kurultai zur grossen Jagd erschienen, sprach +Tschengischan's letzter Wille die Thronfolge dem dritten Sohne, Ogotai, +das Stammvermögen aber, das ist die grösste Macht des Heeres, dem jüngsten +Sohne, Tuli, zu. Von hundert neun und zwanzig Toman, d. i. hundert neun und +zwanzigtausend Mann, aus welchen das Heer bei Tschengischan's Tod bestand, +hinterliess er hundert ein Tausend dem Tuli, jedem der vier anderen: +Dschudschi, Dschagatai, Ogotai, Gulgan, nur viertausend; den rechten Flügel +über acht und dreissigtausend Mann befehligte der erste der neun Orlöke, +der treue Freund und Waffengefährte Bughurdschi; den linken von zwei und +sechzigtausend Mann der Eroberer China's, der Kojank Mokli der Dschelaire, +welchem drei _Hesare_, d. i. dreitausend Mann Dschelairen als ein +Leibregiment überlassen worden; fünftausend seinem jüngsten Bruder +_Utdschigin_, dreitausend seinem Bruder _Katschiun_ und eben so viele +seiner Mutter _Ulun_, tausend dem Sohne des Bruders Dschudschi Kasar's. +Diese Truppen erbten in den Familien fort. Als Tschengischan sein Testament +machte, liess er aus den Archiven den Familienpact holen, welchem noch das +goldene Siegel seines Vorfahren _Tumenai_ aufgedrückt war und welchem die +folgenden Ahnen, nämlich: _Kabulchan_, der Urgrossvater, _Bertan Behadir_, +der Grossvater, und _Jisukai_, der Vater Tschengischan's, ihre +Unterschriften beigesetzt hatten[71]; er zeigte diese Familienurkunde, +vermöge welcher der letzte Wille des Herrschers als Gesetz geachtet werden +musste, den Söhnen, befahl ihnen, den Bruder Ogotai als Herrn anzuerkennen, +und empfahl die Leitung der Reichsgeschäfte dem Vetter _Karadschar Nujan_, +dem Sohne seines Oheims, dem Ahnherrn Timur's. Ogotai erhielt das Reich als +oberster Herrscher, Tuli das Stammgebiet am Onon und Kerulon und die +östlichen Länder. Dem Uluse Dschudschi's, der kurz vor dem Vater +verstorben, ward der Besitz von Kipdschak erhalten; Dschagatai's Antheil +waren die Länder der Uighuren, die kleine und grosse Bucharei, die Länder +am _Ili_ und zwischen dem _Dschihun_ und _Sihun_ (Oxus und Jaxartes), +welchen, sowie der türkischen Mundart der Uighuren, der Name der +_Dschagataischen_ verblieb. + +[Randnote: Der Familienvertrag zu Karadscha.] + +Der Familienvertrag der Familie Tschengischan's sowohl, als der grosse +Einfluss Karadschar's als Leiter, Rath und Orakel der tschengisischen +Familie ist bisher von keinem europäischen Schreiber mongolischer +Geschichten gehörig ins Auge gefasst worden; selbst die soeben angeführte +Stelle Mirchuand's über den Familienvertrag ist unberücksichtigt geblieben. +Das seit kurzem erst in englischer Uebersetzung bekannt gewordene +treffliche Werk des _Stammbaums der Türken_, welches den Kern der +Geschichte der vier Uluse von Ulugbeg enthält, gibt darüber sowohl, als +über Karadschar's Einfluss und Ansehen umständlichen Bericht; wir lernen +daraus, dass dieser Familienvertrag _Temghai Tumenaichan_, d. i. das +Insiegel _Tuminechan's_, hiess, und also schon vom Ururgrossvater +Tschengischan's datirt. Diesen Familienvertrag liess Tschengischan auf +seinem Sterbebette holen und führte seinen Söhnen zu Gemüthe, dass er +sowohl, als Karadschar, denselben immer genau beobachtet hätten. +Karadscharchan erscheint also schon hier als das Haupt eines Zweiges der +Familie Tschengischan's, welches im Namen derselben mit Tschengischan einen +Familienvertrag eingegangen oder vielmehr den erneute, welchen der Ahnherr +Tumenaichan zwischen seinen Söhnen _Kabulchan_ und _Katschulai_ geschlossen +und welchen später _Jisukai_ und _Temudschin_ bestätigt hatten; mehr als +einmal erwähnt desselben die _Geschichte des Stammbaums_; sie erwähnt +desselben unter der Regierung _Tewa's_, des eilften Chan's der Familie +Dschaghatai, als des zwischen Karadschar Nujan und Tschengischan +geschlossenen Familienvertrags, und abermals unter der Regierung von +_Sijurghurtmisch_, dem zwei und dreissigsten Chane des Uluses +Dschaghatai[72]; dieser Familienvertrag des tschengisischen Hauses, welcher +zuerst von Tumenaichan, dem vierten Ahnherrn Tschengischan's, zwischen +seinen beiden Söhnen Kabul und Katschulai aufgerichtet, von seinem Urenkel +Jisukai bestätigt worden, ward von seinem Ururenkel Tschengischan mit +Karadschar erneuert und blieb bis zu dem letzten Chane des Uluses +Dschaghatai, von Tumenaichan bis auf die Zeit Timur's, d. i. durch +dreihundert Jahre, aufrecht. Karadschar Nujan hätte zweifelsohne den Thron, +wenigstens im Uluse Dschaghatai, für sich selbst behaupten können, aber er +wollte lieber denselben verleihen, als selbst einnehmen; so erhob er einige +Jahre nach dem Tode Dschaghatai's statt eines Sohnes den Enkel desselben, +Kara Hulagu, auf den Thron, setzte denselben zwar auf die Vorstellung des +Grosschan's _Gajuk_ ab und einen Sohn Dschaghatai's als Chan, dann aber, +als dieser gestorben, den _Kara Hulagu_ zum zweitenmal als Chan des Uluses +Dschaghatai ein.[73] Karadschar war der Sohn Emir _Songhur Tschitschan's_, +der Enkel Emir _Irdümdschi's_, der Urenkel Emir _Kadschulai's_, des Sohnes +_Tumenai's_ und also der Vetter Tschengischan's im dritten Grade, indem +ihre Urgrossväter Brüder waren. Warum Tumenai, da ihre Urgrossväter Kabul +und Katschulai Brüder, warum Tumenai, welcher acht Söhne hatte, den +Hausvertrag der Herrschaft nur unter den beiden obgenannten abschloss, +erhellt nicht aus den bisher bekannten Quellen mongolischer Geschichte; +wahrscheinlich weil Katschulai dem Kabulchan die Nachfolge streitig machte. +Nach den vier durch die vier Söhne Tschengischan's begründeten Ulusen war +das Haus Karadschar's das mächtigste des tschengisischen Stammes und +Herrschaft und Welteroberung gingen auf den Nachkömmling Karadschar's im +fünften Grade, auf Timur Gurgan, über.[74] Der Stamm des Hauses +Karadschar's war der der Berla's.[75] Karadschar, der Rath Tschengischan's +und seiner Söhne Ogotai und Dschaghatai, starb bald, nachdem er den Kara +Hulagu, den Enkel Dschaghatai's, zum zweitenmale auf den Thron gesetzt, +acht und neunzig Jahre alt[76], und hinterliess zehn Söhne, deren ältester, +_Itschel_, der Ururgrossvater Timur Gurgan's.[77] + +[Randnote: Charakter und Sitten der Mongolen.] + +Ehe wir von Tschengischan zur Geschichte seiner Nachfolger, Herrscher der +Mongolen, übergehen, nur noch ein Paar Worte über den Charakter und die +Sitten des Volkes. Die beste und kürzeste Schilderung derselben liegt im +Namen _Mongol_ selbst, sei es, dass derselbe, wie die persischen Quellen +sagen, _trübe_ und _traurig_, sei es, dass er, wie ein mongolischer +Geschichtschreiber behauptet, _trotzig_ und _unerschrocken_ bedeute. Es hat +mit dem Namen der Mongolen dieselbe Bewandtniss, wie mit dem der Slaven, +welchen die Fremden von _Slavo_: schwach und feige, die Eingebornen von +_Slaba_: Ruhm und Glanz, abgeleitet haben; wie dem auch sei, der Charakter +der Mongolen entspricht der doppelten Angabe der Bedeutung ihres Namens, +sie sind eben so ein trübes und trauriges, als trotziges und +unerschrockenes Volk. Die Traurigkeit und Schwermuth spricht sich schon in +den Klaggesängen, welche vom mongolischen Geschichtschreiber Ssetsen aus +der ältesten Zeit her erhalten sind, in der wehmüthigen Sehnsucht nach den +Ufern des Onon und Kerulon, sowie in den Volksliedern der heutigen Mongolen +aus; ihre Tapferkeit hat sich Asien unterworfen und Europa zittern gemacht, +ein trauriges barbarisches Volk, das erst Tschengischan durch das Beil und +die Prügel gesittigt, und das durch Raubsucht und angeborenen Sklavensinn +das tüchtigste Werkzeug zur Welteroberung; »sie hatten das Herz des +_Löwen_, die Geduld der _Hunde_, die Behutsamkeit des _Kranichs_, die List +des _Fuchses_, die Vorsicht des _Raben_, die Raubsucht des _Wolfes_, die +Heftigkeit der _Hahnen_, für Familie sorgend wie _Hühner_, die Ruhe der +_Katzen_, die Heftigkeit im Anfall vom _Schweine_«, welche Eigenschaften +der Morgenländer dem vollkommenen Krieger insgemein beilegt[78]; man könnte +aber auch sagen, dass sie alle Eigenschaften der zwölf Thiere ihres +Jahrescyclus in sich vereinten, dass sie diebisch wie _Mäuse_, stark wie +_Stiere_, raubsüchtig wie _Panther_, vorsichtig wie _Hasen_, listig wie +_Schlangen_, schrecklich wie _Drachen_, muthige Renner wie _Pferde_, +folgsam wie _Schafe_, kinderliebend wie _Affen_, familiensorgsam wie +_Hühner_, treu wie _Hunde_, unrein wie _Schweine_; der Cyclus ihres Jahres +war das Sinnbild ihres sittlichen Gesichtskreises. Mittler Statur, breit +von Schultern, stark vom Rücken, hervorragender Brust und eingezogenen +Bauchs, von grauen und braunen Augen, die aus schiefen Winkeln +hervorglotzen, von breiten olivenfarbenen Wangen, Stumpfnasen, dicken +Lippen, spärlichen Barthaaren, aber wucherndem Haarwuchse auf dem Kopfe, +dessen Vordertheil vom Scheitel bis zu den Ohren hufeisenförmig geschoren; +leicht, flink, mit ihren Pferden wie Centauren zusammengewachsen; gewandte +Bogenschützen, wie einst die Parther, nie gefährlicher als im Fliehen, mit +Kampf und Beute gesättigt noch immer nach Kampf und Beute durstend, +undankbar, schmutzig, grob, raubsüchtig, grausam, aber leibeigen, +wahrheitsliebend, prunkhassend, tapfer und blindlings gehorsam, Niemand war +ihnen Freund, aber sie hassten der Denuncianten scheussliche Brut. Ihre +Nahrung: Hirse, Haiden und Fleisch von allen Arten, am liebsten das des +Pferdes, aber auch Mäuse, Hunde, Katzen und sogar gebratenes +Menschenfleisch; das Fett leckten sie von den Fingern und schmierten damit +ihre Stiefel. Ihr liebstes Getränke: Stutenmilch sammt dem daraus +gezogenen, gegohrnen, berauschenden _Kumis_ und _Meth_; ihre Kleider aus +Thierfellen genäht, ihre Waffen aus Eisen geschmiedet, ihre Kopfbedeckung +eine dreieckige, am Rande verbrämte Mütze, der sogenannte tatarische Hut, +die der Frauen eine ellenhohe Pyramide aus leichtem Holz, deren Obertheil +mit Pfauenfedern und Juwelen geschmückt, mit einem Flore bedeckt, welcher +_Baghtak_ hiess, woraus die Missionäre _Botta_, die Venezianer _Bauta_ +gemacht. Die Weiber, deren grösste Schönheit die kleinste Nase, wie bei den +Chinesen der kleinste Fuss, bereiteten den _Kumis_ und die getrocknete +sauere Milch, welche _Kurut_[79] hiess; sie verfertigten alle Arten der +Hausgeräthe, Kleider, Zelte, Reitzeug, Schilde, Schuhe, Socken, Betten, die +vermählten mit weissem, bis auf die Brust reichenden Schleier verhüllt, +ihre ledernen aufgeschlagenen Oberkleider hielt ein Gürtel um die Brust +zusammen. Die Frauen, deren Zahl nur durch die Lust des Mannes oder durch +seine Mittel, sie zu erhalten, beschränkt war, genossen grossen Ansehens +und Einflusses, besonders die Mütter und die Stiefmütter, deren der Sohn +nach des Vaters Tod gewöhnlich sich einige als Gemahlinnen aneignete. Sie +glaubten, dass der Mann in jenem Leben seine Weiber wieder finde, aber +damit der Herrscher bis zu ihrem Hinscheiden im anderen Leben nicht +langweile, sandten sie ihm seine Beischläferinnen, dieselben schlachtend, +ins Grab nach. + +[Randnote: Aberglaube und Gebräuche.] + +Von dem Aberglauben ist bereits des das Donnerwetter betreffenden erwähnt +worden; wie sie glaubten, dass die _Kamen_ es beschwören könnten, so auch, +dass es in ihrer Macht stände, mittels des Regensteines, _Dschade_ (welcher +schon von Japhet her vererbt war), Regen zu machen, und die _Dschededschi_, +d. i. die Regenmacher, vertraten bei dem mongolischen Heere die Stelle der +Auguren des römischen. Zauberei wurde geübt, weil geglaubt, und war, wenn +die Person des Herrschers mit ins Spiel kam, Majestätsverbrechen. Um sich +wider die Wehen der Zauberei zu bewahren, mussten die zu Reinigenden +zwischen zwei Feuern durchgehen, die polnischen und russischen Gesandten +und die des Papstes im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, wie schon +fünf und sechs Jahrhunderte früher der byzantinische Gesandte Zemarchos am +Hofe des Königs der Türken durchs Feuer gereinigt ward.[80] Ihre Wahrsager +wahrsagten besonders aus den Schulterblättern der Schafe; sie schwuren bei +dem Blute geschlachteter Thiere, bei der in den Strom gestampften Erde, bei +den abgehauenen Bäumen, bei dem Fleisch und Blut ihrer Herrscher, aber +nicht im Namen Gottes. Ehe die Lehrer des Budhismus und des Islams die +Mongolen bekehrten, verehrten sie ein höchstes Wesen, von Marco Polo +_Natagai_, von Ssetsen _Hormusda_ genannt; das letzte ist gewiss der +Hormusd der Maghen, das erste vielleicht nur die Verstümmelung des +türkischen Wortes _Onggan_, d. i. Gott. Sie beteten die Sonne und Sterne +sammt den Elementen an, und weihten diesen ihren Göttern, ehe sie assen, +Speise und Trank. Bei dem Gebete wurden die Gürtel gelöst und über die +Schulter geworfen, wie Tschengischan gethan, als er in der Nacht hinaus +ging auf den Berg, um den Beistand des Himmels zu erflehen wider den +Herrscher des himmlischen Reichs auf Erden. Einer der grössten Lobsprüche, +welche ihm die Geschichte zollen muss, ist seine Duldung gegen alle +Religionen. Uighurische Kamen und chinesische Bonzen hielten vor ihm +Controverse, die Budhapriester erhielten die Erlaubniss, ihre +Burhanenbilder aufzustellen, aber die Kamen blieben in nicht minderem +Ansehen; neben ihnen wurden die Priester aller anderen Religionen, +namentlich die _Arghaun_, d. i. die Christlichen, der Nestorianer geduldet. +Zu Bochara war Tschengischan zwar in die Moschee geritten, stieg aber, als +er hörte, das sei Gottes Haus, vom Pferde auf die Kanzel und ertheilte die +Befugniss der allgemeinen Plünderung mit den Worten: Das Feld ist gemäht, +gebt euren Pferden zu fressen, worauf die Korane unter die Hufe der Pferde +getreten wurden und der Wein die Flur der Moschee überschwemmte, während +die Imame oder Scheiche als Stallknechte die Pferde warten mussten; aber +hingegen hatte er in der kleinen Bucharei, wo Kuschluk der Naimane den +Islam unterdrückt, die freie Ausübung desselben gestattet. Diese allgemeine +Duldung blieb Herrscherprincip der _Kaane_ und auch der persischen, und +selbst noch zum Theile nach ihrer Bekehrung zum Islam. Ausser dem grossen +Schmiedefest am neuen Jahrestag wurde alljährlich auch das des +Geburtstages des Chan's, sowie die Thronbesteigung desselben mit +Trinkgelagen gefeiert. Bei diesen Gelagen gab einer der Diener das Zeichen, +indem er _Ha!_ schrie, zum Beginne der Musik; der Cythernspieler begann +sein Spiel, die Männer tanzten vor dem Herrn, die Weiber vor der Frau des +Hauses, Alle in die Hände klatschend. Nachdem der Hausherr getrunken, +schrie der Diener wieder _Ha!_, der Cythernspieler verstummte, und nun +tranken alle Gäste unter Gesang, der aber mehr ein Geheul.[81] Bei diesen +Trinkgelagen wurden die Preise der Tapferkeit [_Ulisch_[82]] vertheilt, und +dieselben leben noch zum Theil in den kalmukischen _Uerrus_ fort.[83] Das +Seitenspiel zu diesem _Ha_rufe ist das Zetergeschrei von _Morio_ als +_Mordio_, das sie während des Pferderennens oder Pfeilschiessens +erhoben[84], indem sie die Hände ausstreckten. Im Kriege vermieden sie so +viel als möglich das Gefecht von Mann zu Mann und suchten nur im Fliehen zu +verwunden oder zu tödten; den Belagerten sicherten sie Schonung des Lebens +und Eigenthums zu, hielten aber fast niemals Wort; die Besatzungen +metzelten sie alle nieder und schonten manchmal nur der Künstler und +Handwerker, die sie in die Sklaverei mit sich schleppten. Bei der +Todtenzählung nach Schlachten oder Gefangnengemetzel wurde nach jedem +geschlachteten Zehntausend Ein Leichnam mit dem Kopfe zur Erde, mit den +Füssen in die Höhe als Trophäe aufgerichtet. Bei den Begräbnissen ihrer +Fürsten wurden ihre Sklavinnen oder Beischläferinnen geschlachtet, wie +schon Terxanthes, der Fürst der Türken, gefangene Hunnen am Grabe seines +Vaters geschlachtet.[85] Bei dem Begräbnisse wurde gewöhnlich dem Todten +ein Hengst, Stute oder Füllen mit ins Grab gegeben mit Sattel und Zeug, +damit er im anderen Leben sogleich beritten sei, damit es ihm an +Stutenmilch nicht fehle; ein anderes Pferd wurde zum Todtenmal geschlachtet +und dann ausgestopft über dem Grabe aufgestellt; die Gräber der Vornehmen +waren aus Stein, Häuser der Todten, nur Tschengischan hatte noch bei seinen +Lebzeiten geboten, sein Grab geheim zu halten und ihn ohne Maal zu begraben +unter einem grossen Baume im Walde von _Burhan Kaldun_. + +[Randnote: Tschengischan's Nachfolger.] + +Ungeachtet der klaren Anordnung Tschengischan's über die Nachfolge auf dem +Throne blieb derselbe fast zwei Jahre lang ledig, wovon die Ursache wohl +nur in der Umsicht Ogotai's, welcher seine Brüder Dschaghatai und Tuli und +des Neffen Batu Pläne und Absichten kennen und prüfen wollte, ehe er den +etwa von ihnen selbst gewünschten Thron bestieg. Diese Zögerung zeigt, dass +es ihm auch mit der dreissigtägigen Weigerung auf dem zur Thronbesteigung +im Familienhorde Tschengischan's zu _Keluran_ am Onon zusammenberufenen +Kurultai der Prinzen einigermassen Ernst gewesen sein mag; erst am +vierzigsten Tage zogen ihn sein Bruder Dschagatai und sein Oheim Utdschigin +(der jüngste Bruder Tschengischan's) auf den Thron, sein jüngster Bruder, +Tuli, brachte ihm knieend den mit Stutenmilch gefüllten Becher dar, im +selben Augenblicke warf die ganze Versammlung die Mützen in die Höhe und +den Gürtel über den Rücken, worauf er sich vor der Sonne anbetend +niederwarf und mit neunmaliger Kniebewegung dem neuen Kaan huldigte. Die +vorzüglichsten Prinzen, welche auf diesem Kurultai erschienen, waren nebst +den zwei schon genannten Brüdern der Bruder _Gulgan_ und der Oheim +_Belgetai_, sieben Neffen, Söhne _Dschudschi's_, von denen der zweite, +_Batu_, der Herrscher in Kipdschak; dann die Neffen _Iltschidai_, der Sohn +_Dschudschi Kasar's_, und _Karadschar Nujan_, welchem Tschengischan die +Berathung des Thronfolgers anempfohlen. Um dem Herrscher im Grabe zu +huldigen, wurden ihm vierzig seiner liebsten Sklavinnen unter die Erde +nachgesandt; um seine Anordnung der Welteroberung nach allen vier +Weltgegenden in Erfüllung zu sehen, ein dreifacher Heereszug beschlossen. +_Dschurmaghun_ der Dschelaire wurde mit einem Heere nach Persien gesandt, +um Dschelaleddin, den Schah von Chuaresm, welcher sich nach Tschengischan's +Tod eines Theils des väterlichen Erbes bemächtigt hatte, zu vernichten. +_Batu_ und seine Brüder wurden zur Eroberung des Westens, das ist +Russlands, Polens, Ungarns und der angränzenden Länder befehligt[86]; +_Ogotai_ selbst zog wider China aus, um die vom Vater begonnene Eroberung +des himmlischen Reichs zu vollenden. Unter ihm befehligten die Abtheilungen +des Heeres _Subutai_, der eine der beiden Feldherren, welche vor sieben +Jahren Persien bis nach Russland durchzogen, und _Tatschar_, der Sohn des +hochbetrauten ersten Örlök _Bugurdschi_, dessen Stelle als Wesir jetzt +einer der weisesten und menschlichsten und folglich grössten Wesire versah, +deren die Geschichte erwähnt. _Mahmud Jelwadsch_ war ein Perser und Moslim, +welchen sich die chinesischen Quellen aneignen, indem sie den Namen +_Jelwadsch_ in _Jelui_ verstümmeln, ihn selbst zu einem Chitanen, Bekenner +der Lehre des _Fo_, machen.[87] Sieben Jahre lang dauerte der Krieg im +Osten und Westen, glorreich in den nördlichen Provinzen China's, in +_Schensi_, _Petseli_ und _Iran_, in _Russland_, _Polen_ und _Ungarn_, +erobernd und verheerend geführt. Die mongolischen Heere drangen zu gleicher +Zeit bis an die Ufer des _Kara Muran_, d. i. der schwarzen _Mur_, oder des +gelben Flusses in China und fast bis an die der weissschäumenden _Mur_ in +Steiermark vor; China's Länder wurden bleibend erobert; mit dem Falle der +Residenz _Peanking_, deren von Subutai dem mongolischen Heere versprochene +Plünderung nur durch die Vorstellungen _Jelui Tschutsai's_ (Jelwadsch's) +abgewendet worden, stürzte auch die Dynastie der goldenen Kaiser zusammen, +deren letzter, von Tschengischan zuerst besiegter, sich erhing.[88] Im +Westen waren die Heere Batu's über Russland, Polen und Ungarn bis nach +Mähren, Oesterreich und Dalmatien vorgedrungen; sie erschienen belagernd +vor den Mauern von Wienerneustadt und zogen vor denen Wien's vorbei; von +denen von Olmütz, nachdem die Blüthe des mährischen und schlesischen Adels +in der unglücklichen Schlacht von Lignitz geblutet, wehrte sie Jaroslav von +Sternberg ab, von dessen Hand _Peta_, d. i. _Paidar_, der Sohn +Dschagatai's, fiel, wie sein Bruder Mowatukan vor den Mauern Bamian's +gefallen, wesshalb Olmütz für die Mongolen eine böse Stadt, wie sie Bamian +und Koseslk nannten. Auf dem Rückzuge von China starb Tuli, welcher während +des ganzen siebenjährigen Feldzugs dem Bruder eben so treu und tapfer als +Feldherr gedient, als vormals dem Vater, nur vierzig Jahre alt, ein wahrer +_Spiegel_ (was sein Name Tuli heisst) von Sohnespflicht und Brudertreue. + +[Randnote: Ogotai's Bauten, Feste, Jagden, Freigebigkeit und Unmässigkeit.] + +Die Verwaltung der von der goldenen Dynastie eroberten chinesischen Länder +übertrug Ogotai dem weisen Wesire Jelwadsch, welcher schon im ersten Jahre +des Feldzugs zehn Steuerämter zur Einrichtung und Einhebung der Steuern +niedersetzte, deren jedes einen Präsidenten und Vicepräsidenten hatte und +deren Beamte chinesische Gelehrte. [RN: I. J. 1230.] -- »Das Reich«, +stellte der weise Staatsmann dem Herrn vor, »ist zu Pferd erobert worden, +kann aber nicht zu Pferd regiert werden«; sechs Jahre hernach wurden die +ersten Tresorscheine für die Summe von zehntausend kleinen Barren, d. i. +für fünfzigtausend Unzen Silber, ausgegeben.[89] [RN: I. J. 1236.] Er +stiftete zwei hohe Schulen, die eine zu Pingang in _Schendai_, die andere +zu Peking in Petsche-li, wohin die mongolischen Emire ihre Söhne sandten, +um in der Geschichte, Geographie, Arithmetik und Astronomie unterrichtet zu +werden.[90] Durch Colonien, aus China weggeschleppte Maurer, Zimmerleute, +Maler und Vergolder, wurde während des Feldzugs zu Karakorum, welches auf +der Ostseite des Berges Utekian, in der Nähe des Flusses Orghan, ehemals +die Residenz der Uighuren, die neue Residenz des Herrschers gebaut und +geschmückt, welche _Ordubaligh_, d. i. Lagerballei, genannt ward, als +Seitenstück zur chinesischen Residenz _Peking_, welche später unter Kubilai +den Namen von _Chanbaligh_, d. i. Chansballei, erhielt.[91] In zwei +besonderen Quartieren derselben wohnten die Moslimen und Chinesen von den +Mongolen getrennt; an den nach den vier Himmelsgegenden gelegenen Thoren +wurden die Märkte der Schafe und Ziegen, Ochsen und Pferde gehalten[92]; +zwölf Götzentempel, zwei Moscheen, eine christliche Kirche zeigten, dass +nebst dem herrschenden heidnischen Kultus auch die freie Ausübung der +anderen gestattet ward. Die Stadt wurde täglich durch fünfhundert Wagen +verproviantirt, deren einige sehr gross, von acht Ochsen gezogen[93]; der +Palast der Residenz hiess _Karschi_; Goldschmiede, unter denen ein +französischer, von den Mongolen auf ihrem Raubzuge durch Ungarn von Belgrad +weggeschleppter[94], arbeiteten an den goldenen und vergoldeten künstlichen +Thieren, welche als Fontainen an festlichen Tagen statt Wassers _Kumis_, +Wein, Meth[95] und Reisabsud spien[96]. Den Frühling brachte der Kaan auf +den Weiden zu, wo vormals die Herden Efrasiab's geweidet haben sollen und +wo er das Zelt _Gewher Chagan_, d. i. des Chakan's Edelstein, baute[97], +den Sommer am Gebirge _Ormektu_[98], wo das goldene Zelt (Sira Ordu) +aufgeschlagen, dessen Nägel Gold, das von innen mit goldenen Tapeten +behangen, tausend Personen fassen konnte; den Herbst brachte er zu _Köschei +Nawer_, vier Tagreisen von Karakorum, zu, und im Winter jagte er +grösstentheils zu Ongko, an dem Gebirge von _Telenku_; nur einen Monat lang +schenkte er seine Gegenwart der Residenz; zwei Parasangen davon hatte er +ein hohes Köschk erbaut, welches _Terghubaligh_, d. i. Proviantballei, +hiess; hier ward vor dem Einzuge in die Stadt Einen Tag Rast gemacht, an +welchem der ganze Hofstaat einfarbig gekleidet erscheinen musste. Während +des Aufenthalts in der Residenz (Karschi) wurden täglich Feste gegeben und +die reichsten Geschenke gespendet, denn Ogotai war an Freigebigkeit ein +zweiter _Hatim_; die Zeit verging unter Bogenschiessen, Scheibenwerfen, +Ringen, Jagen. Vor der Stadt war ein Stück Landes im Umfange von zwei +Tagreisen mit einem Walle aus Lehmen und Reisig als Park umfangen, in +welchen das grosse, auf dreissig Tagreisen ausgedehnte Jagdrevier des +Heeres, immer näher zusammenrückend, das ganze Wild der Gegend hineintrieb. +Die Prinzen und Emire erlegten dasselbe in des Chanes Gegenwart; das +erlegte wurde unter den Hofstaat und das Volk vertheilt. In Chorasan wurde +die Stadt Herat, welche bei der Eroberung durch das Blutbad von +hundertachtzigtausend ihrer Bewohner entvölkert und niedergebrannt wurde, +wieder aufgebaut; fünfzigtausend Gefangene wurden zu diesem Ende dahin +befehligt. Die Statthalterschaft Chorasan's war dem Uiraten _Arghun_ +anvertraut[99], die von Persien dem _Körges_ (Blindaug), welcher mit +Dschurmaghun nach Persien gekommen; über die Länder vom Gebirge Chankai bis +an den Oxus war Mesud, der Sohn von Jelwadsch, als Statthalter bestellt. +Ogotai's Freigebigkeit kannte keine Gränzen, aber auch nicht seine +Unmässigkeit im Trinken, welche seinen frühzeitigen Tod herbeiführte; sein +Bruder Dschagatai hatte ihn beschworen, sich die Zahl der Becher zu +mindern; er minderte die Zahl, nahm aber Becher von grösserem Umfange. +_Abika_, die Schwester _Sijurkukteni's_, die Gemahlin Tuli's, um deren Hand +Tschengischan vergebens bei Owangchan geworben und die heimlich an einen +Tafeldecker vermählt an der chinesischen Gränze ihren Jurt hatte, kam +alljährlich mit ihrem Sohne, welcher mit dem Amt eines Mundschenken +bekleidet war, zur Aufwartung. Eines Nachts, wo ihr Sohn den Wein kredenzt +hatte, starb Ogotai. [RN: 11. Dec. 1241.] Man wollte Abika und ihren Sohn +der Vergiftung beschuldigen, aber Iltschidai und die anderen Emire +vertheidigten ihre Unschuld, indem es klar war, dass Ogotai im Uebermasse +des Rausches vom Schlage getroffen worden.[100] + +[Randnote: Turakina's Regentschaft.] + +Ogotai hatte vier grosse Frauen Gemahlinnen und sechzig Beischläferinnen, +aus den letzten nur zwei Söhne; die Mutter der fünf anderen war die zweite +der vier Gemahlinnen, _Turakina_, aus dem Stamme Ohos Merkit, welche von +Tschengischan ihrem Gemahle Tairosun, dem Fürsten der Merkit, geraubt und +dem Sohne Ogotai zur Frau gegeben worden, wiewohl jenem früher die +Prinzessin Kulan, die Tochter Tschengischan's, vermählt war; sie war nicht +schön, aber den Mangel an Schönheit ersetzte Herrschsucht und List, wodurch +sie nach Ogotai's Tod die Kaanschaft ihrem Sohne _Gujuk_ verschaffte, +wiewohl Ogotai dieselbe dem _Schiramun_, dem Sohne seines geliebten, vor +ihm verstorbenen Sohnes Kutschu, bestimmt hatte. Nach dem mongolischen +Familiengesetze war sie nach des Gemahles Tod als Mutter die Regentin, +welcher alle Stämme bis zur Thronbesteigung des neuen Herrschers gehorchen +mussten. Durch die Künste ihrer Herrschsucht und List verlängerte sie die +Regentschaft vier volle Jahre, während welcher sie Alleinherrscherin der +Mongolen. Sie begann ihre Herrschaft mit der Absetzung des Staatssecretärs +Ogotai's, des Uighuren _Tschinkai_[101], welcher die Worte Ogotai's +aufgezeichnet, und entzog ihr Vertrauen dem weisen Mahmud Jelwadsch, dem +Chuaresmier, welcher schon von Tschengischan als Gesandter an Chuaresmschah +verwendet, seinen Beinamen vermuthlich dieser Gesandtschaft dankt, wiewohl +Jelwadsch eigentlich nur einen Gottesgesandten, einen Propheten +bedeutet.[102] Turakina hatte ihr unbeschränktes Vertrauen in +Finanzgegenständen dem Moslim Abderrahman geschenkt, welcher zu Ende der +Regierung Ogotai's sich als Pächter der Staatseinkünfte China's mit +Verdoppelung des bisherigen Pachts von Einer Million auf zwei angetragen. +Jelwadsch stellte dagegen vor, dass man wohl fünf Millionen jährlich +erpressen könne, aber das Land zu Grund richten würde; der Pacht ward +dennoch bewilligt, und Abderrahman und die Moslimin Fatima, welche bei der +Verheerung von Tus geraubt worden, leiteten die Rathschläge Turakina's. +Bald nach dem Tode Ogotai's hatte dessen Oheim _Utdschigin_, der jüngste +Bruder Tschengischan's, Miene gemacht, sich der obersten Herrschaft +bemächtigen zu wollen, indem er mit Truppen der Residenz nahte. Turakina +sandte ihm Wort: warum er mit so zahlreichem Gefolge seine Tochter zu +besuchen käme? und sandte ihm seinen Sohn, der am Hofe Ogotai's verweilte, +zurück. Utdschigin antwortete, dass er blos gekommen, ihr sein Beileid über +den Tod des Gemahls zu bezeigen, und kehrte zurück. Der ausgeschriebene +Landtag hatte endlich am See _Köke_[103] statt, wo Ogotai den Herbst +zuzubringen pflegte. Der lange Aufschub rührte vorzüglich von Batu her, +welcher die Regentin nicht liebte, und ein Uebel am Fusse vorschützte, um +nicht auf dem Kurultai zu erscheinen; endlich versprach er zu kommen, +sandte aber seiner statt seine Söhne und Enkel; auch der Temgu Utdschigin +erschien mit achtzig seiner Söhne; die Frau Sijurkukteni, die Wittwe Tuli's +mit ihren Söhnen und die Dschagatai's[104]; ausserdem die Statthalter des +Reichs: der von Chorasan und Persien, _Arghun_; der von _Uighuristan_ und +Turkistan, _Mesud_, der Sohn von Jelwadsch; von den zinsbaren Fürsten +_Rukneddin_, der Seldschuke Rum's, _Jaroslaw_, der russische Grossfürst, +zwei Prinzen _David_, die sich um den Thron Georgiens stritten, der Bruder +des Herrschers von Mossul, aus dem Hause Ejub, die beiden Gebieter von +Kurdistan, _Schemseddin_ und _Schihabeddin_, im Namen des Fürsten der +Assassinen, die Herren von Rudbar und Alamut, _Fachreddin_ der Richter der +Richter, von Seite des Chalifen von Bagdad, der Gesandte des Fürsten von +Fars und Kerman, und im Namen des Papstes Innocenz des vierten die beiden +Franziskaner: der Pole Benedict und der Franzose Plan Carpin, deren letztem +wir das treue Gemälde des Kurultai und tatarischer Sitte in seiner +Reisebeschreibung verdanken. Zugleich waren vier Dominikaner Missionäre an +_Baidschu Nujan_[105], den mongolischen Befehlshaber in Persien, +abgegangen, von denen aber nur Simon von Saint Quentin über die +Missionsreise kurzen, im Geschichtsspiegel des Vincenz von Beauvais +erhaltenen, Bericht hinterlassen. + +[Randnote: Gujuk's Thronbesteigung.] + +Durch vier Tage wechselten die Prinzen und ihr Gefolge den Anzug, indem sie +am ersten Tage in weissen Kleidern, am zweiten in rothen, am dritten in +violeten, am vierten in scharlachfarbenen erschienen; zwei Eingänge führten +zum grossen Wahlzelte, in welchem Raum für zweitausend Personen; einer der +Eingänge unbewacht, nur für den Herrscher; der andere von Bogenschützen +besetzt, welche die, denen der Eingang nicht gestattet war, abwehrten. Die +Thronbesteigung sollte schon am Tage der Himmelfahrt Mariä statthaben, ward +aber ob eines fürchterlichen Hagels und Schneegestöbers (welches in der +Hälfte Augusts für die Rauheit des Klima's im Gebirge von Karakorum zeugt +und den mongolischen Volksaberglauben der donnerbeschwörenden Uriankuten +und der hagelmachenden Schamanen erklärt) bis an den Bartholomäustag +verschoben. [RN: 24. August 1246.] Turakina hatte für ihren Plan, den Thron +ihrem ältesten Sohne Gujuk zuzuwenden, die Stimme Sijurkukteni's und ihrer +Söhne gewonnen, und der Minister _Kaidak_, Chinese, wie _Tschinkai_, +leiteten die Wahl. Gujuk, von heftigem und wankelmüthigem Sinne[106], +verstand sich zur Annahme des ihm von der Mutter bestimmten Thrones nur +unter der Bedingniss, dass die Fortdauer der Herrschaft in seinem Uluse +beschworen werde. Der Vertrag ward mit der Formel unterzeichnet: »dass, so +lange vom Stamme des Kaan's ein Stück Fleisch übrig, an der Herrschaft kein +Anderer Theil nehmen solle«.[107] Dem Gujuk, wiewohl noch nicht zum +Herrscher ausgerufen, wurden schon ausschliessliche Ehren erwiesen; wenn er +aus seinem Zelte ging, traten ihm Sänger vor und die Hofdiener neigten vor +ihm ihre Ceremonienstäbe mit den rothen Quasten.[108] Als man endlich mit +dem Wahlvertrage im Reinen, hatte die Feierlichkeit der Thronbesteigung +statt. Gujuk wurde auf einen goldenen Stuhl gesetzt, und die Prinzen und +Nujanen erklärten, dass sie ihn zum Herrscher wollten. Gujuk fragte: ob sie +bereit, seinem Worte zu gehorchen, zu gehen und zu kommen nach seinem +Befehl und zu tödten auf seinen Wink? und als sie dies bejaht, sagte er: So +wird dann künftig sein mein Wort als Schwert. Sie gaben ihre Zustimmung, +setzten ihn vom goldenen Stuhle auf eine Filzdecke auf die Erde und sagten: +Schaue auf zu Gott im Himmel und nieder auf den Filz zur Erde; wenn du gut +regierst, wenn du gerecht, freigebig, die Prinzen und Freiherren ehrst, +wird dir die Erde unterthan sein nach deinem Willen; im Gegentheil wirst du +arm, verachtet und elend sein und nicht einmal der Filz wird dein gehören, +auf dem du sitzest[109]. Dann setzten sie neben ihn seine Gemahlin +Oghulkaimisch die Merkitin, hoben sie beide auf dem Filze empor und riefen +ihn als Chakan und _Moilchan_ und sie als grosse Frau der Mongolen aus. Die +Mützen flogen in die Luft, die Gürtel wurden über die Schulter geworfen, +die ganze Versammlung beugte neunmal das Knie, drei Becher von Stutenmilch, +Wein und Meth wurden ihm dargebracht, und als er aus dem Zelte ging, fiel +das versammelte Volk und Heer dreimal vor ihm nieder[110]; sieben Tage +dauerte das Fest, während welches vom Zelte des Chakan's Fleisch und Salz +und Stutenmilch ausgetheilt ward[111]. Die Frauen hatten ihre Sitze links +des Thrones, auf der rechten Seite standen nur die Prinzen[112]; die +Nujanen hatten ihre Sitze inmitten des goldenen Thronzeltes; die der Frauen +waren von weissem Filz; die Diplome wurden erneuert, die Jurte und +Privilegien bestätigt, die Statthalterschaften vertheilt. Die Feldherren +_Subutai Behadir_ und _Dschaghan_ wurden nach China, _Iltschikidai_ mit +einem schweren Heere nach Westen zur Schlichtung der Angelegenheiten Rum's +und Georgien's abgeordnet, dem _Arghun_ wurde die Reichshut wider die +Schlösser der Assassinen in Chorasan und Kuhistan aufgetragen, die +Gesandten von Alamut und die des Chalifen wurden mit drohenden Briefen +entlassen, indem über den Fürsten der Assassinen _Arghun_, der Statthalter +von Chorasan, über den Chalifen sich _Schiramun_, der Sohn Dschurmaghun's, +des vormaligen Feldherrn in Persien, beklagt hatten. Die Finanzverwaltung +von China war in den Händen Abderrahman's; Mesud, der Sohn von Jelwadsch, +behielt die Verwaltung Turkistan's; die Wesirschaft war zwischen den beiden +Chinesen _Tschinkai_ und _Kaidak_ getheilt, unter denen die nestorianischen +Priester hoch das Haupt empor trugen und auf deren Einfluss die Missionäre +des Papstes die Hoffnung der Bekehrung des Chan's zum Christenthume bauten. +Turakina starb schon zwei Monate nach ihres Sohnes Thronbesteigung, und +ihre Günstlingin Fatima ward unter der Anklage, dass sie dem Prinzen Kulan, +dem Bruder des Chan's, eine Krankheit angezaubert, als Zauberin ertränkt. +Im Frühjahre des zweiten Jahres seiner Regierung ging Gujuk von Karakorum +gegen Imil, sein Stammgebiet; die Wittwe Tuli's sandte hievon Batu, dem +Herrscher von Kipdschak, Kunde, um ihn zu warnen, dass der Marsch wider ihn +gerichtet sein könnte; auf demselben starb Gujuk im drei und vierzigsten +Jahre als ein Opfer seiner Ausschweifungen in Trunk und Weibern. + +[Randnote: Mengku's Thronbesteigung.] + +Der Tod Gujuk's ward nach der von Tschengischan herrührenden Staatsmaxime +geheim gehalten, bis der Aelteste der Familie (dies war Batu, der Herrscher +von Kipdschak) davon verständigt; er war auf Sijurkukteni's Warnung vom +Marsche Gujuk's demselben entgegengezogen und bis nach _Kialik_ gekommen, +als er die Kunde des Todes erhielt. Die Regentin, die Frau Oghulkaimisch, +sandte an ihn Botschaft im Namen ihrer Söhne, von denen der älteste, +Chodscha Aghul, den Thron vermöge der Jasa und des noch bei der +Thronbesteigung seines Vaters unterzeichneten Familienvertrags in Anspruch +nahm; aber auch die Frau Sijurkukteni, Wittwe Tuli's, die Mutter vier +seiner neun Söhne, nämlich: _Mengku's_, _Kubilai's_, _Hulagu's_ und _Arik +Buka's_, sandte Botschaft, um seine Stimme für den ältesten derselben zu +gewinnen. Sijurkukteni war die Nichte Owangchan's, eine Frau von +ausserordentlichem Geiste und Verstande, unstreitig die grösste aller +Frauen, von denen die mongolische Geschichte ein Paar Hundert, in die der +Herrscher verflochten, erwähnt. Hochangesehen durch ihre Geburt als die +Nichte des grossen Herrschers der Kerait aus seinem Bruder Hakembo, war sie +es noch mehr durch die Verschwägerung mittels ihrer drei Schwestern, von +denen _Begtutmisch_ eine der vier grossen Frauen Dschudschi's und also die +Stiefmutter Batu's, und vermöge der mongolischen Sitte, nach welcher die +Söhne nach des Vaters Tod die Stiefmütter zu Gemahlinnen nahmen, eine der +Frauen Batu's oder doch wenigstens von grossem Einflusse in seinem +Frauengemach; ausser diesen Vortheilen ihrer Geburt und Verschwägerung +genoss sie des höchsten Ansehens als die grosse Frau Tuli's, des Herdhüters +des Hauses Tschengischan's, als die Mutter seiner vier obgenannten Söhne +und als eine Frau von grosser Staatsklugheit. Durch diese hatte sie immer +den Herrscher Batu sich und ihren Söhnen günstig zu erhalten gewusst; als +Batu den kranken Fuss vorgeschützt, um sich der Gegenwart beim Kurultai der +Thronbesteigung Gujuk's zu entheben, hatte sie ihre Söhne an ihn gesandt, +um sich nach seiner Gesundheit an erkundigen; als Gujuk gegen die Gränze +marschirte, hatte sie ihm die früheste Kunde und Warnung gegeben, und fand +ihn also ihren Wünschen geneigt; ausserdem hatte sie als grosse +Menschenkennerin die durch Talente oder Heldenmuth ausgezeichnetsten +Männer der verschiedenen Stämme als Erzieher oder Umgebungen ihrer Söhne an +sich zu ziehen gewusst und sich mit dem Bollwerke ihres Kopfs und Arms +umgeben.[113] Die zahlreichsten Prinzen auf diesem Kurultai waren die der +Uluse Dschudschi und Tuli. _Iltschikidai_ der Dschelaire, der Befehlshaber +in Persien, brachte den versammelten Prinzen den bei der Thronbesteigung +Gujuk's unterschriebenen Familienvertrag in Erinnerung: dass, so lang ein +Stück Fleisch von seinem Hause übrig wäre, sie aus keinem anderen den +Herrscher wählen würden. Ihr habt, entgegnete Kubilai, zuerst die Jasa +Tschengischan's gebrochen, indem ihr seine Tochter _Atalun_ (die Gemahlin +Dschawer Satschan's des Olkoniten) getödtet, indem ihr die durch Ogotai's +letzten Willen seinem Enkel _Schiramun_ bestimmte Thronfolge dem Gujuk +zugewendet. Diese Einwendung unterstützte das Ansehen Batu's und der +Oberrichter[114] Mingkasar Nujan, welcher den Heldenmuth Mengku's, des +ältesten Sohnes Tuli's, und die von ihm in dem chinesischen Feldzuge noch +unter dem Grossvater Tschengischan und dann im siebenjährigen westlichen +Kriege wider Europa geleisteten grossen Dienste anpries. Die Prinzen trugen +den Thron Batu als dem Aeltesten des Hauses an; da dieser denselben aber +ausschlug, übertrugen sie ihm die Ernennung des Herrschers, und Batu +ernannte dazu Mengku, den ältesten Sohn Tuli's. Mengku entschuldigte sich, +aber sein Bruder _Muke_ bemerkte, dass, da Alle versprochen, sich dem +Ausspruche Batu's zu fügen, so sei hier Unterwerfung auch für Mengku +Pflicht; demnach ward ihm als künftigem Herrscher gehuldigt und Batu selbst +brachte ihm den Becher dar; zugleich ward ausgemacht, dass, da die +Versammlung nicht vollständig, nächsten Frühling im Stammgebiete Keluran +auf vollzähligem Kurultai die Thronbesteigung gefeiert werden, unterdessen +die Frau Oghulkaimisch die Regentschaft führen solle. Die Söhne Gujuk's +ziehen ihren Stellvertreter, der hiezu beigestimmt, überschrittener +Vollmacht, die Prinzen des Uluses Dschagatai und Ogotai weigerten sich, auf +dem Kurultai zu erscheinen; da sandte Batu seine beiden Brüder, Berke und +Tokatimur, mit zahlreichem Heere, um den Mengku trotz ihrer Abwesenheit als +Kaan auszurufen. Drei Jahre nach dem Tode Gujuk's wurde Mengku unter den +gewöhnlichen Feierlichkeiten als Kaan und Moilkan ausgerufen. [RN: 1. Juli +1251.] Es wurde ein Regierungsbefehl erlassen, vermöge dessen befohlen +ward, nicht nur der Menschen, sondern auch der Lastthiere zu schonen, +verboten, die Thiere, deren Fleisch gegessen, anders als nach mongolischer +Sitte zu erwürgen, die Reinheit des Wassers zu trüben. Sieben Tage dauerte +das Krönungsfest, an deren jedem neues Kleid von anderen Farben angezogen, +täglich das Fleisch von hundert Pferden und Ochsen, fünftausend Schafen +verzehrt, die Ladung von zweitausend Wägen Weins und Kumis ausgetrunken +ward. + +[Randnote: Hinrichtungen der Prinzen; Feldzug gegen Osten und Westen.] + +Während der Feste kam ein Soldat der Leibwache[115], welcher sein Maulthier +verloren, dasselbe zu suchen ausgegangen, in grösster Eile (er hatte in +Einem Tage den Marsch von dreien durchmessen) mit der Kunde, dass die +Prinzen des Uluses Ogotai, Schiramun, Baghu und Kutuktu mit versteckten +Waffen, die sie in bedeckten Wägen mit sich führten, im Anzuge. Mingkasar +ging ihnen mit Truppen entgegen, überfiel sie und führte sie ins Lager mit +sich; hier brachten sie nach mongolischer Sitte ihre Geschenke, neun +verschiedene Dinge und von jedem neun Stücke, dar; aber am dritten Tage +wurden sie beim Eintritt in's Zelt verhaftet und von Mengku selbst verhört. +Der Hofmeister Schiramun's gestand, geprügelt, den Auftrag, und Mengku +übertrug nun das Gericht über die Schuldigen dem Mingkasar; dieser sprach +über dieselben nach der Jasa die Todesstrafe aus. Siebzig Prinzen und +Nujanen wurden hingerichtet, unter den letzten zwei Söhne Iltschikidai's, +des Feldherrn in Persien, deren Vater zu Badgis verhaftet, zu Batu geführt, +von diesem hingerichtet ward. Die Todesart der Nujanen war, dass man ihnen +den Mund mit Steinen füllte und sie so erstickte; die der Prinzen, dass man +sie in seidene Tapeten einwickelte und darin zu Tode rollte[116]. +Katakasch, die Mutter Schiramun's, die Nichte Altschi Nujan's, sandte Bitte +an Sijurkukteni, die Schuld ihres Sohnes bekennend und für denselben um +Verzeihung flehend; auf die Fürbitte der Mutter schenkte Mengku den +Aghlanen, d. i. den Prinzen Schiramun, Chodscha Aghul, Baghu aus dem Uluse +Ogotai, Jesenbuke aus dem Uluse Dschagatai, das Leben, indem er sie nach +China sandte, dem Chodscha Aghul aber, welchem die Thronfolge gebührt +hätte, einen Jurt an der Selenga anwies[117]; auch den beiden grossen +Söhnen Ogotai's, _Timur_ und _Melik_, und denen Kutan's wurde das Leben +geschenkt, aber in der Folge, als Mengku selbst nach China zog, wurde der +Prinz Schiramun ertränkt. Seine Mutter Katakasch und Oghulkaimisch, die +Wittwe Gujuk's, wurden das Jahr hierauf vor das Gericht Mingkasar's +gestellt, beide als überwiesen, dass sie die Söhne zur Widerspenstigkeit +bei dem Kurultai der Thronbesteigung aufgehetzt, zum Tode verurtheilt und +in Filz eingewickelt ersäuft. Kaidak und Tschinkai, die beiden Räthe der +Oghulkaimisch, wurden hingerichtet. Buri, der Enkel Dschagatai's, wurde an +Batu ausgeliefert, der ihn um einige Schimpfreden, die er wider ihn +ausgestossen, tödten liess. So waren ausser siebzig Nujanen die Kaiserin +Oghulkaimisch und die Mutter Schiramun's, welcher von Ogotai zur Thronfolge +bestimmt worden war, als Opfer der Herrschaft des Uluses Tuli's gefallen. +Der Idikut, d. i. Fürst, der Uighuren, welchem Turakina die Herrschaft über +das Land verliehen, wurde, von einem Moslim eines Mordplans wider alle +Moslimen in seinem Lande angeklagt, vor das Gericht des unerbittlichen +Mingkasar gestellt; von diesem auf die Folter gelegt, bekannte er sich +schuldig, wurde zur Todesstrafe verurtheilt und nach Pischbaligh gesandt, +um dieselbe zu erleiden; an einem Freitage, als die Moslimen in die +Moschee gingen, wurde er zu ihrer grossen Freude geköpft; die Stelle des +Scharfrichters vertrat sein eigener Bruder, welchem Mengku die Herrschaft +des Landes der Uighuren verlieh. Berke Aghul und Buka Timur, die beiden +Söhne Batu's, wurden mit Ehren nach Kipdschak, so auch Kara Hulagu, der +Enkel Dschagatai's, aus dessen vor Bamian's Mauern gefallenem Sohne +_Muwatukan_, mit der Oberherrschaft seines Uluses entlassen; Mohammed +Jelwadsch, welcher, als Mengku einen Augenblick über die Strafe der +schuldigen Prinzen unschlüssig, denselben nach der aus der römischen +Geschichte bekannten Anekdote, der vom Vater Tarquinius als Antwort auf des +Sohnes anfragende Botschaft stillschweigend abgehauenen höheren Pflanzen, +zur Todesstrafe bestimmt hatte, ward wieder die Finanzverwaltung von China, +und seinem Sohne Mesud die Statthalterschaft über die Länder zwischen dem +Oxus und Irtisch anvertraut, dem Aghun die Statthalterschaft über ganz +Persien, von Chorasan bis nach Armenien und an die syrische Gränze +bestätiget. Mingkasar war der Oberrichter, der Christ Bulghai stand an der +Spitze der Staatskanzlei, in welcher Sekretäre für die Ausfertigungen in +sieben Sprachen: Perser, Uighuren, Araber, Chinesen, Tibeter, Mandschu und +Tanguten angestellt waren. Kuikur, der Sohn Dchudschi Kasar's, des Bruders +Tschengischan's, erhielt die Befehlshaberschaft der Residenz Karakorum; +Befehle wurden erlassen, um dem Misbrauche der von Ogotai eingesetzten +Posten _Jam_[118] zu steuern, indem die Kuriere und Gesandten den Bauern +die Pferde wegnahmen; die Abgabe _Kuntschur_ von den Herden wurde auf Eines +vom Hundert bestimmt; die Herde, die nicht Hundert zählte, war davon frei. +In Persien wurde nach dem Fusse der von Jelwadsch in Transoxana +eingeführten Besteuerung der Kopfsteuer, je nach dem Vermögen von Einem bis +zehn[119], in China von Einem bis fünfzehn Dukaten festgesetzt. +Forderungen von Kaufleuten, welche für die unter Gujuk gelieferten Waaren +keine Bezahlung erhalten hatten, wurden mit fünfzigtausend Silberbalischen +befriedigt[120]; hingegen zog er alle Ländereien ein, deren sich nach dem +Tode Gujuk's seine Wittwe Oghulkaimisch und ihre Söhne Chodscha und Baghu +bemächtigt hatten, welche siebzehntausend Balische Gold eintrugen[121]. Der +Bruder Kubilai wurde mit einem Heere nach China befehligt, und bei dem +Aufbruche desselben hielt der Kaan ein Kurultai, von Festen aller Art +begleitet; auf diesem erschienen der Richter Schemseddin von Kaswin, +welcher wider die ihn aufsuchenden Dolche der Assassinen zum Throne des +Kaans flüchtete, und Abgeordnete Baidschu Nujan's, des Befehlshabers in +Irak, welcher sich über den Chalifen von Bagdad beklagte. Da beschloss +Mengku den Krieg wider die Assassinen und den Chalifen und übertrug die +Führung desselben seinem Bruder Hulagu. Da einige Geschichtschreiber den +Anfang der Herrschaft der Mongolen in Persien von diesem Jahre an rechnen, +wiewohl Hulagu erst drei Jahre später dort als Eroberer einzog, so wird +auch das folgende Buch am bessten mit dem Feldzuge, dessen angekündigter +Zweck die Zerstörung der Herrschaft der Assassinen und des Chalifats, +beginnen, aber zuvor thut noch zur Orientirung des Lesers vonnöthen ein +Ueberblick der damals, das ist in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts +der christlichen Zeitrechnung, in Asien dem Reiche der Mongolen +gleichzeitigen asiatischen Dynastien. + +[Randnote: Dynastien im Osten Asiens.] + +China, dessen nördliche Hälfte unter Mengukaan, dessen südliche unter +Kubilai zu dauerndem Besitze und zur Gründung der Dynastie _Juan_, d. i. +der Mongolen, erobert worden, liegt hier eben so, wie das indische Reich +von Dehli, dessen grosse Stadt _Lahur_ noch unter Gujuk's Regierung von den +Mongolen belagert und für kurze Zeit erobert worden war[122], ausser dem +Bereiche dieses Ueberblicks, welcher blos die unmittelbar mit der +mongolischen Dynastie in Persien bei der Eroberung desselben oder später +verflochtenen asiatischen Reiche und Dynastien ins Auge nimmt. Wir wenden +den Blick nach sechs Seiten, so dass derselbe Persien selbst und seine +Gränzländer in Osten, Westen, Süden, Norden, sammt dem äussersten des +westlichen Asiens, bis wohin sich das Reich und die Macht der Ilchane +erstreckte, in sich begreift. Im Osten zuerst nach dem _indischen_ +Gränzreiche, nach _Chorasan_, d. i. dem Ostlande, dem persischen +Oesterreich und dem daran stossenden _Kuhistan_; im Süden gegen _Kerman_ +und _Jesd_, dann nach Persien im engsten Sinne, nach _Fars_, dem persischen +_Irak_ und den beiden dazu gehörigen _Luristan_; im Westen nach dem +_arabischen Irak_, dem Sitze des Chalifats, und nach dem Reiche der +Seldschuken in _Rum_; im Norden nach _Gilan_, _Georgien_ und _Armenien_; +endlich nach dem entfernten _Syrien_ und _Aegypten_ und dem +_byzantinischen_ Reiche: + +I. An der indischen Gränze, von deren Deckung gleich beim ersten Feldzuge +Hulagu's die Rede sein wird, herrschte die in der ersten Hälfte des +dreizehnten Jahrhunderts gegründete Dynastie der _Chuldschen_, d. i. die +fünfte der _Ghur_, nachdem die drei früheren dieses Namens zu _Ghasna_, +_Bamian_ und _Kabul_ erloschen, während die vierte, nämlich die der +_Ulugschahe_, mit ihnen gleichzeitig zu Dehli herrschte. Die Benennung der +zweiten tatarischen Dynastie, unter welcher _Ferischte_, der grosse +Geschichtschreiber der moslimischen Reiche in Indien, die Chuldschen +aufführt, könnte gelten, wenn es wahr wäre, dass sie von einem Eidam +Tschengischan's, Namens _Choldsch_, abstammen; aber keiner der Eidame +Tschengischan's trägt diesen Namen und keine derselben waren _Choldsche_ +oder _Challadsche_ (das indische Choldsch ist blos eine Verstümmelung des +Namens der _Challadsch_ oder _Kaladsch_), welche, wiewohl Türken von +Abkunft, von Reschideddin den uneigentlichen Mongolen beigesellt werden. In +der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts herrschte aus dieser Dynastie +_Dschelaleddin Firus_, welcher sich der Stadt Dehli bemächtigte, und dessen +vier glänzende Siege der grosse persische Dichter Chosrew von Dehli, in +einem besonderen: _die Eroberung der Eroberungen_[123] betitelten Werke +beschrieben, und dessen Sohne _Alaeddin_ ein anderes seiner Werke, nämlich +_die Vereinigung der beiden glücklichen Gestirne_[124], gewidmet. Chosrew +von Dehli war der Lobredner Dschelaleddin's und Alaeddin's, der beiden +grossen Herrscher der Chuldschen, wie ein halbes Jahrhundert später +_Wassaf_, der Lobredner der beiden Herrscher der Ilchane, _Chodabende_ und +_Ebu Said_. II. In _Chorasan_ war erst vor einigen Jahren zu Herat die +Dynastie der _Kert_ durch Schemseddin Mohammed gegründet worden, welchem +Tschengischan bei der Eroberung Herats den Besitz desselben eingeräumt, +Mengku, welchem er mit reichen Geschenken seine Huldigung darbrachte, die +Herrschaft von Herat und Ghardschistan bestätigte. In dem unmittelbar an +Herat anstossenden und längs der südlichen Gränze von Chorasan sich +hinziehenden Kuhistan, das ist dem Gebirgslande, sandten: III. die +Assassinen von ihren hundert Schlössern den Meuchelmord wider alle ihre +Feinde aus. Der siebente Grossmeister dieser Meuchelmörder, _Alaeddin +Mohammed Gurschah_, sass seit zwanzig Jahren als Alter vom Berge auf dem +Stuhle, auf welchen den neunjährigen Knaben die nächsten Verwandten, welche +den Vater vergiftet, gesetzt und dem er, vom eigenen Sohne gemordet, +entsank. + +[Randnote: Dynastien im Süden Persiens.] + +IV. _Kerman_, die südliche Landschaft Persiens, kam nach dem Untergange der +Herrschaft der Bujiden in die Macht der Seldschuken, von deren +fünfgetheilten Herrschergeschlechte ein Zweig den Namen von Kerman führt, +und blieb im Besitze der Söhne Kaurdin's bis zur Regierung Dscheladdin +Chuaresmschahs, zu dessen Zeit der Kämmerer _Borrak_, zum Islam bekehrt, +vom Chalifen mit der Herrschaft dieses Landes belehnet und mit dem +Ehrentitel _Kotlogh Sultan_, d. i. der gute Sultan, ausgezeichnet ward. +Kotlogh Sultan war mit dem Atabegen von Jesd Ghajaseddin in vielfältige und +langwierige Streitigkeiten verwickelt, welche in der _welteröffnenden +Geschichte_ Dschuweini's erzählet sind. Der Sohn Kotlogh Sultan's +_Rukneddin_ erhielt trotz der Empörung Kutbeddin's, des Neffen Borrak's, +vom ersten Nachfolger Tschengischan's von Ogotai die Belehnung von Kerman, +Kutbeddin gewann aber mächtigen Schutz am Hofe des Kaan, indem er seine +Schwester dem Kasar Beke und eine Tochter dem Ssahib Habesch Amid +vermählte; zwei Söhne aus dieser Ehe waren in der Folge die Stützen des +Throns von Kerman wider Kutbeddin, welcher von Ogotai nach China gesandt, +durch den Schutz des Grosswesirs Jelwadsch von Mengkutaan das Diplom der +Herrschaft Kerman's erhielt. Kutbeddin schickte mit der Botschaft der +Belehnung einen Gesandten an Rukneddin, [RN: 650/1252] der, als er beim +Atabegen von Fars Mosaffereddin Ebubekr vergebens Hilfe gesucht und auch +beim Chalifen Mosteaassim keine gefunden hatte, sich im folgenden Jahre +nach Almaligh zum Kaan Mengku begab, wo auch der Nebenbuhler um den Thron +Kutbeddin mit ihm zugleich eingetroffen. Diesem bestätigte Mengku, und +später auch Hulagu die Herrschaft, die er bis zu seinem, ein Paar Jahre +später erfolgten Tode behielt. [RN: 658/1258] Fast noch weniger als die +Geschichte der Sultane Kermans aus der Familie Borrak ist die der Atabegen +von Jesd aus der Familie Kakuje bisher europäischen Geschichtschreibern +bekannt. V. Die Atabege von Jesd leiten ihren Ursprung vom Dilemiten _Ebu +Dschaafer Mohammed Kakuje_ ab, dessen Namen die Araber in _Kakeweih_, so +wie den der _Buje_ in _Boweih_, und den der _Fasluje_ in _Fasleweih_ +verstümmeln; er war der Oheim _Side Chatun's_, der Mutter Medschdeddewlets +des Bujiden und Statthalters von Issfahan; sein Sohn _Ebu Manssur Firamurs_ +hatte vom Seldschuken Toghrul vor einem Jahrhunderte die Herrschaft von +Jesd erhalten; [RN: 443/1052] ihm war in derselben sein Sohn _Emir Ali Ben +Firamurs_ gefolgt, [RN: 536/1142] welcher im Kriege wider die Karachitanen +fiel. Sultan Sindschar, der grosse Herrscher der persischen Seldschuken, +verlieh die Herrschaft von Jesd dem _Sam Ben Wirdan_, [RN: 515/1122] einem +Abkömmlinge aus einer Tochter Emir Ali's, als Stellvertreter desselben. Sam +Ben Wirdan umfing das Grab Ali's zu Meschhed mit einer Mauer und +verherrlichte Jesd durch den Bau einer grossen Moschee. Er überliess die +Herrschaft seinem Bruder _Iseddin Beschker_, [RN: 590/1194] welcher, ein +tapferer Fürst und Feldherr, von den Seldschuken mit der Statthalterschaft +von Schiras und Issfahan betraut worden, zu Anfang des Jahrhunderts starb; +[RN: 604/1208] ihm folgte sein Bruder _Wirdansor_ durch zwölf Jahre, und +dann dessen Bruder _Ebu Manssur_, beigenannt Kutbeddin der Choldsche, [RN: +gest. 616/1219] nach ihm dessen Sohn _Mahmud_ durch dreizehn Jahre, und +nach diesem dessen Sohn _Salghurschah_, [RN: 621/1231] der Erbauer der nach +ihm genannten Stadt _Salghurabad_, und dann dessen Sohn _Toghanschah_, der +neunte der Herrscher der Familie Kakuje, der Zeitgenosse Hulagu's[125], +welcher das Dasein dieser Herrscherfamilie duldete, bis nach zwei späteren +Herrschern (Alaeddewlet und dessen Bruder _Jusufschah_), zu Ende des +dreizehnten Jahrhunderts, Jesd von Ghasan erobert und dessen Ertrag den +Einkünften des Diwans einverleibt ward. + +[Randnote: Die Dynastien in Fars.] + +In Persien herrschten ausser den Atabegen von Jesd noch die von Schiras, +insgemein bekannt unter dem Namen der Salghuren, und zu Darabscherd, einer +Landschaft von Fars, die Dynastie Schebankjare[126] aus der Familie +_Fasluje_. VI. Die Vorfahren _Fasl Ben Emir Fasluje's_ waren ursprünglich +die Ispehbede, d. i. die Heerführer von Fars; schon zur Zeit Omar's, als +Jesdedschird, der letzte Chosroes der Sasan, vor den arabischen Heeren nach +Issfahan flüchtete, versammelten sich um ihn die Grossen der Schebankjare, +welche mit den Einwohnern der Ebne Run bei Darabscherd einen Bund des +Friedens aufrichteten, während Jesdedschird nach Kerman ging. Ali Ben +Fasluje war die rechte Hand Horbeid's, des Schwagers Jesdedschird's, und +sein Nachkömmling zur Zeit Alp Arslan's des Seldschuken, der obengenannte +Emir Fasl Ben Fasluje's, insgemein _Fasluje Ben Hasuje_ genannt, Isfehsalar +d. i. General der Reiterei. Unter der Regierung Adhadeddewlet's des grossen +Fürsten der Ben Buje überzog dessen Statthalter zu Schiras, _Tasch +Ferrasch Schebankjare_, das Land mit einem Heere, [RN: 430/1038] und zu +dieser Zeit siedelte sich die Familie Fasluje in der Ebene von Run, in der +Nähe der Stadt Darabscherd, an; fünfzehn Jahre später bemächtigten sie sich +des Gebietes von Fars, zu dessen Verwaltung Emir Schebankjare Fasluje +angestellt worden. Kaurdin, der Bruder Alparslan's, des Seldschuken von +Kerman, verheerte Fars, Fasluje flüchtete zu Alparslan, und pachtete von +ihm Fars und Darabscherd für siebenundzwanzig Millionen Dirhem; da er sich +wider seinen Lehensherrn empörte, überzog ihn Nisameddin, der grosse +Grosswesir Melekschah's, mit Krieg, und der Atabege Dschelaleddin Dschanli +der _Chuansalar_, d. i. Obersttruchsess, schlug sich mit dem Erbauer der +Residenz zu Darabscherd, dessen langer Namen _Nisameddin Mahmud Ben Jahja +Ben Hasuje_. Dschanli starb während des Feldzugs an einem Blutflusse; ihm +folgte sein Sohn _Mobariseddin_, dann dessen Sohn _Nisameddin II._, dann +der Bruder _Mosaffer Mohammed_, [RN: 624/1227] welcher, ein weiser und +gerechter Fürst, seit vierzehn Jahren herrschte, als Hulagu gegen den +Westen aufbrach. Von allen Dynastien, welche zur Zeit Hulagu's in Persien +herrschten, ist keine merkwürdiger als die VII. der Atabegen Salghuren, +deren Geschichte die Hälfte des zweiten Buchs von der Wassaf's füllt, und +die er mit besonderer Vorliebe und Ausführlichkeit behandelt, weil Fars das +Stammland Persiens und Schiras seine Geburtsstadt; auch wir werden in der +Folge die Geschichte derselben ausführlicher als die aller übrigen +Dynastien erzählen, weil die Regierung der fünf ersten Fürsten, welche alle +den Vornamen _Mosaffereddin_, d. i. _die mit dem Siege der Religion +Betheilten_, führten, eine schöne Zeit des Flores der Herrschaft und der +Wissenschaft, des Lebensgenusses und der Poesie, und weil der Namen des +letzten _Ebubekr Ben Saad's_ schon durch _Saadi's Gülistan_ allein +unsterblich. Hier genüge es zu sagen, dass von dem Ende der Herrschaft der +Dilemiten bis zu dem Auftritte des ersten Salghuren _Sonkar Ben Mewdud_ in +der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des zwölften der +christlichen Zeitrechnung, Fars durch sieben Atabege, Statthalter der +Seldschuken, verwaltet worden. Der erste _Fasluje Schebankjare_, dessen +schon oben bei der Dynastie dieses Namens Erwähnung geschehen, und von dem +die Dichter, auf dessen Namen _Fasl_, d. i. Trefflichkeit, Verdienst, +Wohlthat und Huld anspielend, gesagt: + + Vor Gott, dem Allverehrten, war er Huld und Glück, + Den Uebermuth des Aufruhrs hielt _Faslui_ zurück. + +Der zweite _Rokneddewlet_, d. i. die Reichssäule _Chumar Tegin_, ertrank; +der dritte _Dschelaleddin Dschanli_ verheerte das Gebiet der Dynastie +Schebankjare; der vierte _Karadschu_ baute eine Medrese zu Schiras und ward +zu Hamadan erschlagen; der fünfte _Mengubers_ baute eine Medrese, an der er +begraben liegt, dessgleichen seine Gemahlin _Sahide_ die Medrese _Issmeti_ +zu Schiras; der sechste _Bosabe_ ward, wiewohl ein gerechter und billiger +Herr, gewaltsam getödtet, [RN: 543/1148] und der siebente _Melekschah_ +hielt der letzte das Ansehen der Seldschuken aufrecht, welchem _Sonkar Ben +Mewdud_, der Gründer der Dynastie der Salghuren, ein Ende machte, indem er +sich zum Atabegen unabhängigen Herrscher, aufwarf. + +[Randnote: Die Dynastien von Gross- und Klein-Luristan.] + +Mit der Familie Fasluje's, welche zu Schebankjare herrschte, sind die +sogenannten _grossen Fasluje_ nicht zu vermengen, welche in Gross-Luristan +unter dem Namen der grossen Atabege, so wie die Familie Chorschid in +Klein-Luristan unter dem Namen der kleinen Atabege herrschten. Die beiden +Provinzen haben ihren Namen von zwei Brüdern, _Lor_ oder _Lur_, welche dort +Statthalter im dritten Jahrhunderte der Hidschret, später über die Stämme +herrschten, welche um's Jahr fünfhundert der Hidschret vom Berge Saumal im +nördlichen Syrien in dieses südöstliche Gebirgsland Persiens eingewandert, +sich unter Anführung Chorschid's in Klein-Luristan niederliessen; von ihrer +westlichen Abstammung heissen sie die Könige des Westens[127]. VIII. In +Gross-Luristan dienten die Anführer dieser ausgewanderten Stämme _Ali_ und +dessen Sohn _Mohammed_ den Atabegen Salghuren, und _Abu Tahir_, der Sohn +Mohammed's, stand dem Atabegen Sonkar wider die Schebankjare bei. Sonkar, +der Salghure, sagte zum Abu Tahir: er möge sich eine Gnade erbitten; Abu +Tahir begehrte erst den Pfeil, dann das Pferd des Atabegen, und als ihn +dieser noch mehr begehren hiess, die Erlaubniss, Luristan von den Feinden +der Atabege zu reinigen; er eroberte es, erklärte aber sich selbst zum +unabhängigen Fürsten und Atabegen. [RN: 550/1155] Bei dieser Gelegenheit +siedelten sich zahlreiche Stämme aus Syrien in Luristan an, und vertrieben +die _Scholen_ oder _Schulen_, welche die Ureinwohner des Landes. Abu Tahir +hatte fünf Söhne, deren ältester _Hesarsif_ in beständigem Kriege mit +_Tikle_ dem Atabegen Salghuren von Fars. Hesarsif verheerte das Gebiet der +Salghuren, und unterwarf sich das Land bis auf vier Farasangen von +Issfahan. Hesarsif erhielt für seinen Sohn Tikle, welcher denselben Namen +trug wie der Atabege Salghure von Fars, weil er von mütterlicher Seite ein +Enkel desselben, ein Herrscherdiplom vom Chalifen Nassir; der Salghure Saad +sandte Heere wider Tikle, welcher dieselben schlug, und auch wider +Hosameddin Chalil, den Neffen Schudschaaeddin's von Klein-Luristan, +siegreich Krieg führte; endlich kamen aus Chusistan zwei Feldherren des +Chalifen, welche den Bruder Tikle's gefangen nahmen. Tikle tödtete den +einen, nahm den anderen gefangen und löste denselben für den Bruder aus. +Tikle war der Beherrscher Gross-Luristan's, als Hulagu wider Bagdad zog. +Zur selben Zeit herrschte in Klein-Luristan der kleine Atabege Bedreddin +Mesud, welcher sich dem Dienste der Mongolen stellte. IX. Die Dynastie der +kleinen Atabege in Klein-Luristan begann ein halbes Jahrhundert später als +die der Atabege von Gross-Luristan. _Schudschaaeddin Chorschid_, d. i. _der +Tapfere der Religion, die Sonne_, eroberte das Land, nahm, der erste, den +Titel _Atabeg_ an, und starb nach vierzigjähriger Regierung über hundert +Jahre alt; [RN: 580/1184] ihm folgte sein Neffe _Rustem_, ein gerechter +aber strenger Fürst, den sein Bruder _Scherefeddin Ebubekr_ ermordete; +dieser wurde von seinem Weibe vergiftet; sein Bruder _Iseddin Kerschasif_ +nahm den Thron ein und die Frau _Melike_, seines Bruders Gemahlin, die +Tochter Schihabeddin Suleimanschah's, zur Frau; in langwierigen Krieg mit +Hosameddin Chalil, dem Neffen Schudschaaeddin's, verwickelt, schloss er mit +demselben Frieden, ward aber von ihm erschlagen. [RN: 640/1242] Die Wittwe +Melike Chatun sandte ihre drei Söhne (_Schudschaaeddin Chorschid_, +_Ssafeddin Rustem_ und _Nureddin Mohammed_) zu ihrem Bruder +_Suleimanschah_, der mit Hosameddin den Krieg so erbittert führte, dass sie +sich in Einem Monate ein und dreissigmal schlugen; nach einigen Jahren kam +es in der Ebene von Schabur zu einer entscheidenden Schlacht, in welcher +Suleimanschah von sechzigtausend Reitern des Chalifen unterstützt ward, +während das Heer Hosameddin's nur aus dreitausend Reitern und neuntausend +Fussgängern bestand; dennoch wurde Suleiman Anfangs in die Flucht +geschlagen, trug aber den Sieg davon, und improvisirte, als man ihm den +Kopf Hosameddin Chalil's brachte, vier Verse darauf, in denen eben so viele +Wortspiele: + + Chalil der Arme war sich selber nicht bewusst, + Er hatte eingepflanzt der Seele Frühlingslust[128]; + Ein _Diw_, begehrte er das Reich von Suleiman, + Zuletzt im _Diwan_ Salomoni's abgethan. + +Die Herrschaft kam an den obengenannten _Bedreddin Mesud_, den Bruder +Iseddin Kerschasif's. + +[Randnote: Dynastien i. arab. Irak, in Syrien, Aegypten und Arabien.] + +Im arabischen Irak herrschten, ausser X. den Chalifen zu Bagdad, in der +Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts noch drei Dynastien, deren Fürsten den +Titel von Atabegen, das ist von Hofmeistern (Hausmayern) führten. Von einem +Dutzend von Dynastien, welche in der morgenländischen Geschichte unter +diesem Namen berühmt, waren die von _Damaskus_, _Haleb_, _Aserbeidschan_ +und _Irbil_ bereits erloschen, und es bestanden nur noch die schon +erwähnten persischen der Atabege von _Jesd_, _Darabscherd_, _Schiras_, +_Gross- und Klein-Luristan_, und die nun zu erwähnenden von _Mossul_, +_Dschesire_ und _Sindschar_. XI. Zu Mossul herrschten seit einem +Jahrhunderte sechszehn Atabege aus der Familie Amadeddin Sengi's, deren +Thron vom Chalifen Bagdad's dem _Bedreddin Lulu_, Obersthofmeister der +beiden letzten Fürsten, verliehen worden; dieser füllte den Thron rühmlich +vierzig Jahre lang und ward von Hulagu, dem er nach Bagdad's Eroberung zu +huldigen kam, gnädig aufgenommen. XII. Die Dynastie der Atabege von +_Sindschar_, deren Herrschaft vor einem Jahrhunderte[129] begonnen, hatte +nur durch ein halbes Jahrhundert geherrscht, und ihre Herrschaft war nach +Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, Tode dem Sohne desselben, +Mosaffer von Beibars, dem Sultane Aegyptens, zugesprochen worden; eben so +war die Linie der Atabegen Mossul's, welche seit acht und vierzig +Jahren[130] XIII. zu Dschesire geherrscht, erloschen, und an ihre Stelle +_Modschahid_, ein anderer Sohn Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, +getreten, so dass Bedreddin Lulu und seine drei Söhne (der dritte folgte +ihm als Herr von Mossul nach) als unumschränkte Herrscher in die +Fussstapfen ihrer vorigen Herren getreten. XIV. Zu _Mardin_ herrschte ein +Zweig der _Beni Ortok_, deren Hauptlinie von Diarbekr seit zwanzig +Jahren[131] erloschen war; aber aus derselben Familie herrschten zu Mardin +schon seit hundert sechs und achtzig Jahren[132] Fürsten, deren Dynastie +erst im Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung +erlosch.[133] _Ilghasi_, der Gründer dieser Dynastie, Sultan Melekschah's +des Seldschukiden Statthalter zu Bagdad, hatte sich Nissibin's und Mardin's +bemächtigt; ihm war sein Sohn _Hosameddin Timurtasch_ und sein Sohn +_Nedschmeddin_, diesen die beiden Söhne _Hosameddin II._ und _Nassireddin_ +und diesem der Sohn _Melik Said_ gefolgt, welcher der sechste Herrscher +dieser Dynastie, auf die Festigkeit seiner Residenz trotzend, der +Belagerung Hulagu's widerstand. Auch zu Miafarakain hatte noch vor dreissig +Jahren Suleiman, ein Sohn Ilghasi's Ortok, geherrscht, aber zur Zeit +Hulagu's war diese Stadt im Besitze _Kjamil's_ des Ejubiden. XV. +Miafarakain's Fürstenthum ist also das zehnte des zehnzweigigen mächtigen +Herrscherstammes der Beni Ejub (die neun anderen, die von _Kairo_, +_Damaskus_, _Haleb_, _Hama_, _Himss_, _Kerek_, _Baalbek_, _Hossnkeif_ und +_Jemen_); von diesen zehn Dynastien der Beni Ejub bestanden in der Hälfte +des dreizehnten Jahrhunderts nur noch im arabischen Irak die von +_Miafarakain_ und _Hossnkeif_, und in Syrien die vier von _Haleb_, _Hama_, +_Himss_ und _Kerek_. Kjamil war der fünfte Herrscher der Beni Ejub zu +Miafarakain; seine Vorfahren _Melikol-aadil_, der Bruder Ssalaheddin's, +dann _Melik el-eschref_, _Melik el-ewhad_, _Melik el-mosaffer_, die drei +Söhne _Melik el-aadil's_; der Sohn des letzten war _Melik Kjamil_, der +Grossneffe Ssalaheddin's, welcher den Versuch, den Waffen der Mongolen zu +widerstehen, mit dem Verluste seiner Hauptstadt und des Lebens bezahlte. +XVI. Die Dynastie der Beni Ejub zu Hossnkeif hatte vor zwanzig Jahren +begonnen[134], indem Melik Ssalih Nedschmeddin von seinem Vater Kjamil die +Städte Amid und Hossnkeif erhalten; nachdem Kjamil, um Aegyptens und +Syriens Herrschaft zu übernehmen, sich dahin begeben, blieb sein Sohn Melik +Moaasem Turanschah im Besitze des väterlichen Gebiets, und als auch dieser +dem Vater auf dem Throne Aegyptens gefolgt, verlieh er die Herrschaft von +Amid und Hossnkeif seinem Sohne _Melik Mowahid_, der wie sein Vetter von +Miafarakain ein Opfer seines Widerstandes unter dem Schwerte der Mongolen +fiel. Vier andere Söhne der Beni Ejub herrschten in Syrien. XVII. Zu _Hama_ +Melik Manssur II., der bei Annäherung der Mongolen nach Aegypten flüchtete. +Der Gründer des Hauses war Takjeddin, der Enkel Ejub's, aus dessen Sohn +Schehinschah, von seinem Oheim Ssalaheddin als Herr von Hama installirt, +sein Sohn Nachfolger _Melik Manssur I._ ob seiner wider die Kreuzfahrer +erfochtenen Siege und des Schutzes, den er Gelehrten und Dichtern +angedeihen liess, von jenen in zahlreichen ihm gewidmeten Werken, von +diesen in Siegeshymnen und Elegien gepriesen. XVIII. Die Dynastie der Beni +Ejub zu Himss leitet ihren Ursprung von Esededdin Schirkuh, dem jüngeren +Bruder Ejub's, ab, welcher vom grossen Nureddin zum Statthalter vom Himss +bestellt worden war. Ssalaheddin bestätigte seinem Neffen und getreuen +Begleiter auf allen Feldzügen _Melik Nassireddin Mohammed_ des Vaters +Statthalterschaft als Eigenthum; nach dessen schnellem Tode verlieh er die +Herrschaft zwar dem Sohne desselben _Melik Modschahid Schirkuh_, zog aber +das väterliche Vermögen ein, das er nur, durch einen vom zwölfjährigen +Neffen citirten Koransvers gemahnet, zurückgab; dem Modschahid folgte sein +Sohn _Manssur Ibrahim_, der den Chuaresmern tapferen Widerstand geleistet, +und nach ihm sein Sohn _Melik Eschref Mosafereddin Musa_, der Zeitgenosse +Hulagu's, von diesem, weil er ihm gehuldigt, in der Herrschaft bestätigt. +XIX. Die Dynastie der Beni Ejub zu Kerek begann unter _Melik Aadil +Seifeddin Ebubekr_, welcher vom Bruder Ssalaheddin die eroberte Stadt +erhielt; nach des Bruders Tod zur Herrschaft von Damaskus berufen, übergab +er Kerek seinem Sohne _Melik Moaasem Isa_, welchem der Sohn Melik Nassir +Daud und diesem _Melik Moghis Fetheddin Omar_ folgte, der Zeitgenosse +Hulagu's, von diesem ob des Briefwechsels mit Beibars getödtet. Beibars war +der vierte Sultan der Mamluken in XX. Aegypten, deren Dynastie gleichzeitig +mit der persischen Hulagu's in Persien emporstieg, und als eine +Nebenbuhlerin derselben um Syriens Herrschaft in der Folge genauere Kunde +erfordern wird. So herrschte auch zu Mekka der vierte Herrscher der XXI. +Dynastie der Beni Kitade, welcher nach den erloschenen drei Dynastien der +_Beni Ochaissar_, _Musa sani_ und _Beni Haschim_ seit einem halben +Jahrhunderte auf dem Throne sass, welchen der vierte Herrscher _Ebu Nemi +Mohammed_ durch sieben und vierzig Jahre gefüllt. + +[Randnote: Dynastien des nördl. Persiens, Armeniens, Georgiens u. +Kleinasiens.] + +Wir wenden uns nun zuletzt nach dem Norden und zwar zuerst nach den +nördlichen Landschaften Persiens, nach Taberistan und Masenderan, wo seit +der Hälfte des ersten Jahrhunderts der Hidschret bis in die Hälfte des +fünften die zwei Dynastien _Bawendije_, auf einander folgend, geherrscht; +aus der zweiten, im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen +Zeitrechnung[135] erloschenen, erstand in der Hälfte des vierzehnten ein +Zweig derselben in der Dynastie _Dschelawije_. Das Stillschweigen der +Geschichte durch diese anderthalb Jahrhunderte[136] beweiset, dass +Taberistan während dieser Zeit keine eigenen Herrscher hatte; in Gilan +herrschten XXII. die Beni _Badusian_ schon seit dem vierzigsten Jahre der +Hidschret zu Rujan und Rustemdar; der Gründer _Badusian_[137] war ein +Nachkömmling des Schmiedes Kjawe, des Befreiers seines Vaterlandes von der +Tyrannei, dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann Reichspanier.[138] +Sie führten den besonderen Titel _Astandar_, welches in der bisher ganz +unbekannten Mundart Taberistan's gleichbedeutend mit _Scheichol Dschebal_, +d. i. des Alten vom Berge wie der Grossmeister der Assassinen, hiess, +welcher diesen Namen von den früheren Herrschern Kuhistan's aus der +Dynastie Bawend geborgt. Die beiden Alten des Gebirgs, der von _Alamut_ und +der von _Rustemdar_, bekriegten sich um die Hälfte des sechsten +Jahrhunderts als unversöhnliche Feinde; aber nach dem Tode Keikawu's Ben +Hesarsif's schlug sein Sohn und Nachfolger Schehrnusch den +entgegengesetzten Pfad ein, und trat selbst in die Fussstapfen der +Assassinen, seiner Verbündeten. Nach Schehrnusch herrschte sein Bruder +_Isfendiar Kerkud_, nach ihm sein Neffe _Serin Kemer_, d. i. Goldgürtel, +der Erste der Sohn Hesarsif's, dann Goldgürtel der Zweite, der Sohn +Chassin's, der ein und zwanzigste Herrscher der Beni Badusian; diesem war +zu Anfang des dreizehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung[139] +sein Sohn _Bisutun_, diesem nach zehnjähriger Regierung der Sohn +_Fachreddewlet_, diesem nach zwanzigjähriger Regierung der Sohn +_Hosameddewlet Ardeschir_ und diesem der Bruder _Iskender_ gefolgt. Sein +Nachfolger _Isfendiar Schehrahim_, der jüngste Fürst der Beni Badusian, +regierte drei und dreissig Jahre lang als Zeitgenosse Hulaguchan's und +Abaka's; von diesen wurden die Herrscher Gilan's in Ruhe gelassen, und die +Eroberung des Landes erst unter ihrem Nachfolger _Oldschaitu_, dem achten +Ilchane Persiens, versucht. XXIII. Der König Kleinarmeniens war Hetum oder +Haithon I., der vierte Fürst seiner Dynastie durch fünf und vierzig Jahre, +während welcher er in häufiger Berührung mit Hulagu und dem Bruder +desselben, dem Grosskaan Mengku; ein nicht minder historisch wichtiger, in +die Geschichte der Mongolen eingreifender, grosser Herrschercharakter ist +XXIV. die Königin von Georgien, _Russuldan_, die Tochter der _Tamar_, nach +deren Tode das georgische Reich unter die beiden Davide, welche bei der +Thronbesteigung Gujuk's erschienen, nämlich zwischen ihrem Vetter David +Narin und ihrem Sohne _David Ssosslan_, getheilet ward. Dieser erhielt das +obere Georgien, d. i. _Karthli_, _Kachethi_, _Achal-ziche_ und _Schewar_; +der andere Niedergeorgien, d. i. _Imerethi_, _Mingrelien_, _Sswanethi_, +_Dschikhethi_ und _Abchasethi_; nach Mengkukaan's Tode zeichnete Hulagu den +David, Sohn der Russuldan, seiner Tapferkeit willen besonders aus. XXV. Das +Reich der Seldschuken in Rum beherrschte der zwölfte Sultan derselben, +_Iseddin Keikawus II._, erst allein, dann mit seinen Brüdern _Rukneddin +Kilidscharslan IV._ und _Alaeddin Keikobad II._, von welchen der vorletzte +bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen war. In Nicäa endlich thronte +XXVI. der griechische Kaiser Vataces, dessen drei und dreissigjährige +Regierung, ein Muster von Weisheit und Staatsklugheit, die Wiedereroberung +Konstantinopels aus den Händen der Lateiner vorbereitete, und dessen +Gesandte sich mit denen _Innocenz IV._ am Hofe Mengukaan's +zusammenfanden.[140] Der Papst und die Könige von Frankreich und Ungarn +verkehrten mit den Herrschern der Mongolen durch Gesandtschaften; aber +weder die fränkischen Kaiser von Konstantinopel, noch die Reste der +Kreuzfahrer in Syrien kamen mit denselben in unmittelbare Berührung, wie +die hier aufgeführten sechs und zwanzig asiatischen Dynastien, welche die +Zeitgenossen Hulagu's. Wie an der Pforte Mohammed Chuaresmschahs, des +mächtigsten Herrschers Asiens vor Tschengischan, sieben und zwanzig +besiegte oder huldigende Prinzen fünfmal des Tages die Heerpauken schlugen, +so schlugen diese sechs und zwanzig, dem Ursprunge des mongolischen Reichs +in Persien gleichzeitigen Dynastien, welche demselben widerstanden, +erlagen, gehorchten, huldigten oder vor demselben zitterten, gleichsam an +der Pforte desselben die Heerpauke der Herrschaft. + + + + +Zweites Buch. + + Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug nach Persien + wider die Schlösser der Assassinen und Bagdad; Rückblick auf die + Chalifen und die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte + Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung und Verwüstung + Bagdad's; Hinrichtung des Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin; + der Herrscher von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten; + die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's und Gross- + und Klein-Armenien's. + + +[Randnote: Hulagu.] + +_Hulagu_ oder, wie die Mongolen den Namen schreiben und sprechen, _Chulagu_ +war der fünfte Sohn Tuli's, des jüngsten Sohnes Tschengischan's aus der +Frau Sijurkukteni, der Nichte Owangchan's, welche ihm vor Hulagu den ersten +Mengku, den vierten Kubilai, und Arikbuga, den siebenten seiner neun Söhne, +geboren. Als vor sechs und zwanzig Jahren (zwei vor seinem Tode) +Tschengischan das letztemal in seinen Jurt zurückgekehrt, um das grosse, +durch Jagden gefeierte _Kurultai_ der Familie zu halten, bei welchem alle +Söhne mit ihren Frauen und Kindern erschienen (den ältesten Dschudschi +ausgenommen, der seiner statt nur ein herrliches Geschenk von Pferden +gesandt), kamen ihm die beiden Enkel, Kubilai und Hulagu, jener zehn, +dieser neun Jahre alt, mit dem ersten Wilde, das sie erjagt, jener mit +einem Hasen, dieser mit einem Rehe entgegengelaufen. Tschengischan vollzog +an ihnen beiden den mongolischen Jagdgebrauch der _Fetteinschmierung_[141], +welcher darin besteht, den Jünglingen oder Knaben, welche das erste Wild +erlegt, den Daumen mit dem Fette und Fleische desselben einzuschmieren, was +als eine günstige Vorbedeutung für die künftige Laufbahn der beiden Prinzen +mit Festen gefeiert ward; in jedem Falle eine minder unmenschliche +Vorbedeutung als die Handvoll geronnenen Blutes, mit welcher Tschengischan, +zur Welt gekommen, die er erobernd in Blut getränkt und die so grausam in +Erfüllung gegangen; auch diese vom Grossvater Welteroberer selbst +vollzogene Fetteinschmierung ging an beiden Enkeln, künftigen Herrschern, +Eroberern und Stiftern von Dynastien in Erfüllung, indem Beide sich Reiche +erbeuteten, der Jäger des Hasen das chinesische, als Stifter der +mongolischen Dynastie der Juan, und Hulagu das persische, als Gründer der +Dynastie der Ilchane. Hulagu war nun fünf und dreissig Jahre alt, in voller +Reife männlicher Kraft, von welcher das Dasein von zehn Söhnen, die ihm von +vierzehn, die er hatte, in diesem Alter bereits geboren waren, sprechender +Beweis. Wir können also die Zahl seiner Frauen und Kinder, welche die +Biographie sonst gewöhnlich am Ende des beschriebenen Lebens aufnimmt, am +bessten sogleich überblicken, weil die grösste Anzahl derselben schon +vorhanden, und die Namen der in der Folge vorkommenden Frauen und Kinder +dann keiner weiteren Einführung bedürfen. Hulagu hatte sechs Frauen +Gemahlinnen, aus deren vieren ihm sechs Söhne und drei Töchter, indem die +anderen acht der zweimal sieben Söhne und die anderen vier der sieben +Töchter aus zwölf Beischläferinnen geboren wurden, welche die Geschichte +aus der grossen Zahl derselben nennt, weil sie Mütter von Prinzen oder +Prinzessinnen. Von diesen zwölf Beischläferinnen waren drei[142] aus dem +Lager der ersten seiner Gemahlinnen, der grossen Frau _Tokus_, und vier aus +dem Lager seiner fünften Gemahlin, der Konghuratine _Kutui_ Chatun, ein +Umstand, der vielleicht weniger für ihre Bereitwilligkeit, dem Gemahle +gefällig zu sein, als für ihren guten Geschmack, sich mit schönen +Sklavinnen zu umgeben, beweiset; die Beischläferinnen werden am +schicklichsten mit den Namen der Söhne und Töchter, durch welche der ihrige +in der Geschichte in Vorschein gekommen, genannt werden; aber der sechs +Gemahlinnen wollen wir zuerst und besonders erwähnen, weil dieselben als +Frauen des grössten Ansehens und Einflusses genossen; als Frauen +Gemahlinnen trugen sie den hohen pyramidenförmigen, mit herabfallendem +Schleier bedeckten mongolischen Kopfschmuck _Baghtak_, dessen Namen die +europäischen Reisenden in _Botta_, die Venezianer in _Baiuta_ verstümmelt +haben.[143] + +[Randnote: Die Gemahlinnen Hulagu's.] + +Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den Mongolen immer den +andern weit voraus und welche die Frau und Gebieterin des Harems, wie noch +heute bei den Perserinnen die grosse Frau[144], war _Tokus Chatun_, d. i. +die Frau _Neun_, die Keraitin, welche der Vater Tuli kurz vor seinem Tode +zur Frau genommen, aber ohne dieselbe zu berühren gestorben war. Nach der +mongolischen Sitte, vermöge welcher die Söhne die vom Vater hinterlassenen +Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward dieselbe mit Hulagu vermählt, +sobald das Heer auf dem Rückmarsche aus China den Oxus passirt hatte. Tuli +war in seinem vierzigsten Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn Jahre +alt; seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht viel älter, hätte +also wohl bald ihrem stiefmütterlichen Ansehen als wirkliche Mutter neues +Gewicht beifügen können; allein sie ward nie Mutter und behauptete sich +dennoch bis zu ihrem Tode in dem höchsten Ansehen als grosse Frau und +Gebieterin des Frauengemachs, als die erste Rathgeberin und mütterliche +Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt, dass sie vielleicht um Vieles +älter, erst dem Vater Tuli und dann dem Sohne von der Mutter des letzten, +der staatsklugen _Sijurkukteni_, ihrer Tante, mehr an die Hand, als ins +Bett gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin und ihre Schwester +_Tukini_ zur Beischläferin, die ihm eben so wenig als die Schwester Kinder +gab. Sie waren beide die Töchter _Ettiko's_, des zweiten Sohnes +Owangchan's, die Nichten der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche +die Tochter Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren also beide die +Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijurkukteni, und in der freien +Ausübung ihres Cultus eben so wenig beirrt, als ihre Tante Sijurkukteni vom +Gemahle Tuli. Inmitten des Lagers Hulagu's hatte sie ihre von +nestorianischen Christen bediente Kapelle mit Glockengeläute, die grosse +Beschützerin der Christen und Missionäre bei ihrem Gemahle. Wie sich Hulagu +zwei Schwestern Keraitinnen, die eine als Frau, die andere als +Beischläferin, genommen, so auch zwei Gemahlinnen Schwestern aus dem mit +dem Hause Tschengischan's so vielfach verschwägerten Stamme der _Uirat_, +nämlich _Kubak_ oder _Kojuk Chatun_, die Mutter seines zweiten Sohnes +_Dschumkur_, und ihre Stiefschwester _Oldschai_, die Mutter seines eilften +Sohnes Mengku Timur; beide waren die Töchter Turaldschi's, des Sohnes +_Kutuke's_, des Fürsten der Uirat. Tschengischan hatte dem Turaldschi seine +Tochter _Dschidschegan_ zur Frau gegeben, welche ihm den Sohn _Buka Timur_ +geboren; aus einer anderen Gemahlin hatte Turaldschi die beiden Töchter +_Kubak_ und _Oldschai_, welche also die Stiefschwestern Dschidschegan's, +der Tante Hulagu's, seine Stiefbasen waren; die beiden anderen Gemahlinnen +waren zwei Konghuratinnen: _Kutui Chatun_, aus deren Lager Hulagu sieben +Beischläferinnen genommen, die Mutter _Tekschin's_, seines vierten, und +_Ahmed Tekudar's_, seines siebenten Sohnes; und _Mertai Chatun_, welche +kinderlos, wie die grosse Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini; +endlich die Frau _Jisut_ oder _Jisuntschin_, aus dem Stamme Suldus, die +Mutter des Kronprinzen _Abaka_. Wir mussten in diese Umständlichkeiten +eingehen, weil sich nur aus denselben das Resultat der die Wahl der +Gemahlinnen mongolischer Herrscher leitenden Staats- und Familien-Maximen +klar herausstellt. Von diesen sieben Gemahlinnen waren vier Blutsverwandte, +nämlich zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei Stiefbasen; dann waren +die zwei Stämme, denen diese zwei Schwesterpaare angehörten, nämlich die +_Kerait_ und die _Uirat_, sowie der der _Konghurat_, aus welchem die zwei +anderen Gemahlinnen, die mit dem Hause Tschengischan's am vielfältigsten +verschwägerten, die früher als andere der aufsteigenden Macht +Tschengischan's, sich derselben unterwerfend, gehuldigt. Die Wahl der +Frauen Gemahlinnen wurde also vorzüglich durch die Politik, durch die +Freundschaft der Stämme und die nächste Verwandtschaft bestimmt. + +[Randnote: Die Söhne und Töchter Hulagu's.] + +Der Erstgeborene _Abaka_ war als der Aelteste schon bei des Vaters +Lebzeiten sein erklärter Thronfolger, als welcher er auch nach dessen Tode +der zweite der Ilchane in Iran, nachdem er demselben gefolgt. Dschumkur der +Zweitgeborene, nur einen Monat jünger, als Abaka, blieb, als der Vater den +Feldzug nach Westen unternahm, als dessen Sachwalter im Lager des Kaans +Bruders zurück; in der Folge, als nach dem Tode Mengkukaan's der jüngste +Bruder desselben, Arikbugha, dem ältesten, Kubilai, den Thron streitig +machte, ward Dschumkur von jenem gezwungen, sich für ihn wider diesen zu +erklären, fiel aber, als Arikbugha wider Alghui auszog, von ihm ab, um in's +Lager des Vaters zurückzukehren, und starb auf dem Wege dahin; desselben, +sowie seiner beiden Söhne _Dschuschkub_ und _Kunkuschu_, wird im Verlaufe +dieser Geschichte noch mehrmals erwähnt werden. _Jaschmut_, der dritte Sohn +Hulagu's, aus der Chinesin Tukadschi Ikadschi, welche eine Sklavin des +Lagers der Frau Kutui, war Vater von drei Söhnen; Kutui selbst war die +Mutter des vierten Sohnes, _Tekschin_, welcher an einem Blasenübel +gestorben, und dessen Gemahlin _Nulun_, die Tochter Buka Timur's, des +Bruders Kubak Chatun's (folglich seine angeheirathete Base), nach +Tekschin's Tod sein Bruder Dschumkur zur Frau nahm. Der fünfte Sohn, +_Tarakai_, aus der dem Lager der Frau Kutui entnommenen Beischläferin +_Borkdschin_, ward auf der Reise nach Persien vom Blitze erschlagen; +merkwürdiger durch seinen Sohn _Baidu_, welcher einige Monate lang der +sechste Herrscher der Mongolen in Persien, nach _Ahmed Tekudar_, dem +siebenten Sohne Hulagu's, dem fünften der Ilchane; zwischen beiden ward +_Tusin_, der sechste Sohn Hulagu's, aus derselben Mutter, wie Jaschmut, +geboren. _Adschai_, des achten Sohnes Mutter, war die Beischläferin Irtika +Ikadschi, aus dem Lager der Frau Kutui; als Hulagu nach Persien zog, liess +er ihn an der Spitze des Lagers der Frau Kutui zur Besorgung der +Angelegenheiten zurück; er überlebte seinen Bruder Hulagu nur zehn Tage. +Die Beischläferin _Dschudsche Ikadschi_, die Mutter des neunten Sohnes, +_Kuikurtai_, war eine Sklavin aus dem Lager der Frau _Tokus_; er war Vater +von sechs Söhnen und erreichte ein sehr hohes Alter. Die Mutter +_Jisudar's_, des zehnten Sohnes, war Uwischdschin, aus dem Stamme Kurlaut, +dessen diese Geschichte weiter nicht, aber noch des eilften Sohnes Mengku +Timur's[145] erwähnen wird, welcher sechs und zwanzig Jahre alt starb; +Vater von drei Söhnen, allein drei aus der Sklavin Ilinak Ikadschi, und +keiner aus seinen drei Frauen, deren erste Oldschai, die Tochter Buka +Timur's, des Bruders der Frau Oldschai, Gemahlin Hulagu's, folglich seine +Stiefbase; die zweite die berühmte Abisch Turkan, Tochter des Atabegen von +Fars, letzte Herrscherin aus diesem Stamme; die dritte Nuhin Chatun. Sie +gaben ihm keine Söhne, aber mehrere Töchter, deren berühmteste die älteste, +_Kordotschin_, aus der Atabegin _Abisch_, in der Geschichte nicht minder +oft genannt, als ihre Mutter, indem sie dreimal vermählt ward; das erstemal +an Dschelaleddin Sijurghutmisch, den Sultan Kerman's, dann an den Emir +_Satilmisch_ und endlich an ihren Vetter _Taghai_; die Atabegin _Abisch_, +ihre Mutter _Turkan Chatun_ und _Kordotschin_, die obgenannte Tochter der +Abisch, sind drei der grössten weiblichen Charaktere, Hebel grosser +Begebenheiten in der Geschichte der Atabege von Fars und Sultane Kerman's, +welche eng mit der der Ilchane Persiens verflochten. _Huladschu_, der +zwölfte Sohn Hulagu's, hatte die Sklavin _Ilkadschi_, aus dem Lager der +Frau Tokus, zur Mutter, welche später mit dem Kopfschmucke _Baghtak_ zur +Frau erhoben ward; Vater von vier Söhnen. Ilkadschi war auch die Mutter +_Scheibawedschi's_, des dreizehnten Sohnes; und die des vierzehnten, +_Taghai Timur's_, eine Beischläferin Sklavin aus dem Lager der Frau +_Kutui_, Vater's von fünf Söhnen. Die sieben Töchter Hulagu's waren: die +erste _Bulughan Aka_, aus der Frau _Kobak_; sie wurde mit ihrem Oheim +_Dschume Gurgan_, dem Sohne des Tataren _Dschudschi_, vermählt, dessen +Gemahlin die mit der Tochter Tschengischan's gleichnamige _Dschidschegan_, +die Tochter _Utdschigin's_, des jüngsten Bruders Tschengischan's; _Dschume +Gurgan_ erhielt nach dem Tode _Bulughan Aka's_ auch die Hand der Nichte +_Dschemi_, der zweiten Tochter Hulagu's aus der Frau _Oldschai_; die dritte +Tochter, _Mengelugan_, ebenfalls aus der Frau _Oldschai_, ward an _Dschakir +Gurgan_, den Sohn _Buka Timur's_ den Uiraten, vermählt, welcher der Bruder +Oldschai's und folglich der Oheim seiner Gemahlin; die vierte, _Tutukasch_, +aus einer Beischläferin Sklavin des Lagers der Frau Tokus, wurde zuerst an +den Uiraten _Tengkir Gurgan_, welcher früher eine Tochter Gujuk's zur Frau +gehabt und welchem von dieser das Leben erbeten ward, dann an dessen Sohn +_Sulamisch_ und endlich an dessen Sohn _Dschidschek Gurgan_ vermählt, so +dass dieser der Vater, Sohn und Enkel der Gattin;[146] die fünfte, +_Tarakai_, deren Mutter die Beischläferin _Irtikan Ikadschi_, ward dem +Konghuraten Musa, dem Enkel Tschengischan's aus seiner Tochter Tumalun, das +ist ihrem Oheim, zur Frau gegeben; die sechste Tochter, _Kutlukan_, aus der +Beischläferin _Minklikadsch_, wurde zuerst dem _Jisubuka_, aus dem Stamme +_Durban_, dann nach dessen Tode seinem Sohne _Tokel_ angetraut; die Hand +der siebenten, _Baba_, aus der Frau _Oldschai_, erhielt _Legsi Gurgan_, der +Sohn Emir _Arghun's_, des Staatssecretärs, welchen Mengkukaan früher als +Hulagu nach Persien gesendet hatte; also die Töchter ebenfalls meistens an +Oheime und Vettern vermählt. + +[Randnote: Hulagu's Aufbruch.] + +Von zehn Söhnen, von denen Hulagu in seinem fünf und dreissigsten Jahre +Vater, nahm er auf dem Zuge nach Persien den erstgeborenen, _Abaka_, und +den dritten, _Juschmut_, mit sich, trug dem zweiten, _Dschumkur_, im Lager +des Bruders Kaan's als seinem Agenten und seinem Bruder _Temkjan_[147] in +seinem Jurte die Besorgung der Geschäfte auf; ausserdem aber begleiteten +ihn noch sein jüngster Bruder _Suntai_, der neunte Sohn Tuli's, dann aus +dem Uluse Dschagatai _Tekuder_[148], der Sohn Dschudschi's, des +erstgeborenen Sohnes Dschagatai's; aus dem Uluse Dschudschi's (mit seinem +ebengenannten gleichnamigen Neffen nicht zu verwechseln) der Enkel +_Bulghai_[149], der Sohn Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's; Kuli, +der Sohn seines Erstgeborenen _Orda_, und der Urenkel _Kotur_, der Sohn +Mongkadr's, des Sohnes seines siebenten Sohnes _Tewel_; endlich _Buka +Timur_, der Sohn Dschidschegan's, der Tochter Tschengischan's, welche an +Turaldschi, den Sohn Kutuka's, des Fürsten der Uirat, vermählt, der +Stiefbruder von _Kubak Chatun_ und _Oldschai Chatun_, der zwei Gemahlinnen +Hulagu's; von diesen begleiteten ihn in's Feld die grosse Frau _Tokus +Chatun_, dann _Jisut Chatun_, die Mutter des erstgeborenen Abaka und +_Oldschai_, aus welcher ihm zwei Jahre hernach sein eilfter Sohn Mengku +Timur geboren ward; also in Allem neun Prinzen von Geblüte, nämlich: +_Hulagu_, seine Söhne _Abaka_ und _Juschmut_, sein Bruder _Suntai_, sein +Stiefschwager _Buka Timur_, der Neffe _Tekuder_; die Vettern: _Bulghai_, +_Kuli_ und _Kotar_. Des Bruders Kaan's Auftrag vom Kurultai, auf welchem +die Eroberung der Länder im Osten und Westen durch Kubilai Chan und Hulagu +Chan beschlossen worden war, lautete an diesen: die Burgen der Assassinen +zu brechen; dem Chalifen das Joch der Unterthänigkeit aufzulegen; in Allem +sich mit der Frau Tokus Chatun zu berathen. Die Heere, welche schon früher +unter Baidschu Nujan und Dschurmaghun nach Persien gesendet worden waren, +wurden nun dem Befehle Hulagu's untergeben; so auch die an der indischen +Gränze, erst von _Dür Nujan_ und hernach vom Tataren _Sali Nujan_ gegen +Kaschmir befehligten, welche während des Feldzugs Hulagu's in Persien +demselben den Rücken decken sollten. Durch das ganze Reich ging der Befehl, +von jeden zehn Mann zwei für den Feldzug nach Westen zu stellen; nach China +wurden Eilboten gesendet, um tausend Familien von Feuerwerkern und +Naphthaschleuderern aufzubieten; von Karakorum bis an die Ufer des Oxus +wurden alle Weiden für die Fütterung der Reiterei in Beschlag genommen, +alle Flüsse mit Brücken versehen und die Strassen für das Heer gänge +gemacht; überall sollte Mehl und Wein als Mundvorrath in Bereitschaft seyn; +Baidschu und Dschurmaghun erhielten den Befehl, von Persien gegen +Kleinasien vorzurücken; den Vortrab bildete der Naimane _Keitbuka_, vormals +Bawerdschi, d. i. Tafeldecker, mit zwölftausend Türken, welcher, bis die +Rüstungen vollendet waren, den Marsch nach Kuhistan antrat, um dasselbe +indessen zu verheeren. Nachdem die Rüstungen binnen Jahresfrist vollendet +waren, wurden zum Abschiede Feste veranstaltet, die begleitenden Prinzen +und Frauen mit Geschenken überhäuft, im letzten Monde des Jahres +sechshundert und ein und fünfzig der Hidschret, d. i. im Februar des Jahres +1254, der Marsch nach Persien angetreten; derselbe ging von der Residenz +Karakorum sieben Tage lang über das Schneegebirge des Changai nach dem +Flusse Hoen Murin, über den mit Ruderschiffen gesetzt ward, einige +Tagreisen später über den _Arungu_, der in den See _Kisilbasch_, d. i. +Rothkopf, fällt; weiter hin waren Reisfelder und die Berge mit +Lerchenbäumen bewachsen. Im Norden der Stadt, welche der chinesische über +diesen Marsch abgestattete Bericht[150] _Pfuhle_ nennt, liegt ein Berg, von +welchem der Wind oft mit solcher Heftigkeit herabstürzt, dass er Reisende +in den See weht;[151] durch einen engen Pass, gleich einer fliegenden +Brücke, öffnet sich der Weg nach _Almaligh_, einer Stadt voll fliessender +Brunnen, und deren Einwohner Türken, vermischt mit Chinesen. Hier kam ihm +Frau Hirghana, die Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukan's, des vor +Bamians Mauern gefallenen zweiten Sohnes Dschagatai's, bewillkommend +entgegen und bewirthete ihn mit Festen. Hirghana oder Hurkana war die +Enkelin Tschengischan's, aus der an den Uiraten Turaldschi vermählten +Tochter Dschidschegan, und folgte der Stiefschwester, der Frau Oldschai, +welche in der Begleitung Hulagu's. Bei dem Eintritt in Turkistan kam ihm +_Mesud_, der Sohn von Jelwadsch, bewillkommend entgegen; während des +Sommers wurde dem Heere in Turkistan Rast gestattet und in der herbstlichen +Tag- und Nachtgleiche vor Samarkand auf der schönen Ebene von _Kjanigül_, +d. i. die Fundgrube der Rosen, gelagert. + +[Randnote: Das goldene Zelt; Arghun; Uebergang über den Oxus.] + +Hier ward das goldene Zelt aufgeschlagen, aussen und innen von Gold +gewirkt, mit goldenen Nägeln und goldenen Stricken befestigt, und vierzig +Tage lang gerastet und getrunken; dieses Fest wurde jedoch durch den Tod +des Prinzen _Suntai_, des Bruders Hulagu's, getrübt. Hierauf wurde nach der +Stadt _Kesch_[152] vorgerückt, welche in der Folge als der Geburtsort und +die Grabstätte der Ahnen Timur's unter dem Namen von _Schehr Sebs_, d. i. +der grünen Stadt, berühmt; diesen Namen dankt sie dem üppigen Grün, von +zahlreichen Flüssen, deren zwei die Stadt durchströmen[153], genährt. Die +Stadt besteht aus der Citadelle, der Stadt selbst, welche vier Thore hat, +und der Vorstadt[154]; von fruchtbaren Gärten umgeben, in welchen alle +Arten von Korn und Gemüse gedeihen. Hier kam der Fürst von Herat, +_Schemseddin Mohammed Kert_, der Gründer der seinen Namen führenden und +unter mongolischem Schutze seit Tschengischan aufsteigenden Dynastie +_Kert_, um den Steigbügel Hulagu's zu küssen und von demselben seinen nicht +mehr zu trennen; auch Arghunaga, der mongolische Statthalter Chorasan's, +mit allen Grossen und Vornehmen des Landes, um sich dem Befehle des Herrn +zu stellen. Von Arghunaga und seinen Söhnen wird in der Folge dieser +Geschichte so oft die Rede sein, dass Näheres über ihn zu sagen nöthig. Der +Dschelaire _Iluke_, dessen Vater _Kadan_, aus dem Gefolge Tschengischan's, +hatte seinen Sohn sammt dessen Truppen dem Dienste Ogotai's gewidmet, bei +dem er in der Folge als dessen Obersthofmeister in hohem Ansehen stand. In +einer grossen Hungersnoth verkaufte ein armer Uirate, um nicht Hungers zu +sterben, seinen Sohn dem Emir Atabeg Iluke für ein Stück Fleisch, und als +sein Sohn Kadan in den Hofdienst[155] Ogotai's trat, gab er ihm den Sklaven +als Diener mit. Dieser um ein Stück Fleisch gekaufte Sklave war _Arghun_. +Iluke's Bruder war der schon mehr als einmal genannte _Iltschidai_, welcher +vor des Bruders Zorn, der ihn tödten wollte, bei Ogotai Zuflucht suchte und +fand, der hernach aus Dankbarkeit auf dem Kurultai nach Gujuk's Tod die +Rechte des Hauses Ogotai wider die Aufrührer des Uluses Tuli mit so warmer +Beredtsamkeit verfocht, dann als Statthalter nach Persien gesandt ward, wo +ihn die Missionäre als _Ergutai_ kennen, und der, nachdem sein Sohn in die +Verschwörung der Prinzen des Hauses Dschagatai und Ogotai begriffen, nach +des Sohnes Tode durch's Schwert ebenfalls hingerichtet worden. _Arghun_, +durch Verstand, Beredtsamkeit, Tapferkeit und Geschäftskenntniss +ausgezeichnet, schwang sich bald so hoch, dass er nach Mengkukaan's +Thronbesteigung zum _Baskaken_, d. i. Statthalter, Chorasan's ernannt ward. +Vater zahlreicher Söhne[156], von denen _Newrus_ und _Legsi_ in der Folge +die Hand von Prinzessinnen, seine Töchter die von Prinzen und Fürsten +erhielten. Von der Ebene von Kjanigül aus ergingen an alle Sultane und +Könige Vorderasiens Schreiben und Diplome, ihnen zu künden, dass der Zweck +des Feldzugs die vom Kaan befohlene Zerstörung der gräuelvollen Macht der +Assassinen, dass Hülfe und Bereitwilligkeit im Dienste wider dieselben +durch Länderzuwachs ihren Lohn finden, gegentheilige Gesinnung den Verlust +der besessenen Länder nach sich ziehen werde. Einige der Fürsten waren +diesen Kündigungsschreiben durch Erscheinung in Person, wie Schemseddin von +Kert, zuvorgekommen, nämlich die beiden Seldschuken Rum's, die Brüder +_Iseddin_ und _Rokneddin_, d. i. die Ehre und die Säule der Religion, der +Atabeg von Fars, _Saad_, mehrere Fürsten des nördlichen Persiens aus Arran, +Schirwan, Aserbeidschan und Gurdschistan, welche alle, Geschenke +darbringend, huldigten. Nachdem die nöthigen Schiffe und Nachen, um über +den Oxus zu setzen, herbeigeschafft worden, hatte der Uebergang über +denselben statt, durch welchen Persiens Loos, wie das Roms durch den +Uebergang über den Rubicon, entschieden ward; am ersten Tage des letzten +Mondes des 653sten Jahres der Hidschret, d. i. am ersten Januar des Jahres +1256 unserer Zeitrechnung. + +[Randnote: Winterquartier zu Scheburghan; die beiden Dschuweini.] + +Um den Uebergang über den Oxus in dankbarem Andenken zu erhalten, hob +Hulagu den bisher von allen Schiffen genommenen Ueberfuhrszoll auf, was +von damals an während der ganzen mongolischen Herrschaft Gesetz blieb. +Jenseits des Oxus wurde auf Löwen gejagt und zehn derselben erlegt. Am +zehnten Tage nach dem Uebergange (am moslimischen Opferfeste) [RN: 10. +Januar 1256.] wurde südwestlich von Balch ausser der Stadt +_Scheburghan_[157] gelagert, deren District bei den morgenländischen +Geschichtschreibern unter dem Namen der Landschaft _Dschusdschan_ oder +_Dschusdschanan_ bekannt[158]; die mit fliessendem Wasser reichlich +bewässerten Gärten sind vorzüglich fruchtbar an Wassermelonen, welche +getrocknet verführt werden. Dem Heere ward verboten, die Stadt zu betreten; +ein heftiges Schneegestöber, das durch sieben Tage dauerte, von grimmiger +Kälte begleitet, war vieler Lastthiere Verderben. Hulagu beschloss, hier +den Rest des Winters abzuwarten. Emir Arghun brachte ein prächtiges, mit +goldenen Nägeln und Stricken versehenes, goldenes Zelt zum Geschenke dar, +in welchem Hulagu auf goldenem Throne sass, eine Vorbedeutung glücklicher +Herrschaft, während um ihn die Prinzen und Fürsten versammelt, die +gegebenen Feste verherrlichten. Nach aufgehobenen Festen begab sich Emir +Arghun an den Hof des Kaan's, um demselben Bericht zu erstatten, liess aber +für die Besorgung der Geschäfte seiner statt seinen Sohn _Kerrai Melik_ und +_Alaeddin Athamülk Dschuweini_ als Staatssekretär zum Dienste Hulagu's +zurück. Alaeddin Athamülk und sein älterer Bruder Schemseddin Mohammed +Dschuweini sind ein leuchtendes Doppelgestirn nicht nur der Wesirschaft, +sondern auch der Literatur; dieselben erscheinen so oft und wirksam in der +Geschichte Hulagu's und seines Nachfolgers Abaka, dass nähere Bekanntschaft +mit ihrer Herkunft und ihrem Wirken hier unabweislich. Dschuwein ist die +arabisirte Aussprache von _Kuwan_[159], einem Distrikte der Stadt +_Nischabur_ in Chorasan, dessen Hauptort _Asadwar_, auch _Dschuwein_ +genannt, durch das erlauchte Brüderpaar für immer in der Geschichte geadelt +worden. Sie waren die Söhne des Imams _Abdulmelik Dschuweini_, aus einer +seit langen Jahren durch hohe Staatsdienste geehrten Familie. Als Sultan +Mohammed Tekesch nach Dschuwein zog, [RN: I. J. 588/1192] bewillkommte ihn +Behaeddin, der Urgrossvater Alaeddin's, mit einem Distichon, das er gnädig +aufnahm, und sein Enkel Behaeddin, der Vater Alaeddin's, befand sich im +Gefolge _Dschelaleddin Mankburni's_, als dieser vor den Mongolen floh. [RN: +617/1220] Dreizehn Jahre hernach floh Behaeddin vor den vom mongolischen +Emir Dschintimur zur Dämpfung von Unruhen gesandten Truppen nach Tus, [RN: +630/1232] und Dschintimur ernannte ihn zum Herrn des Diwans in Chorasan und +Masenderan; [RN: 633/1235] drei Jahre später sandte ihn Dschintimur an +Ogotai, der ihn ehrenvoll empfing und in seinem Amte bestätigte; und als +abermal drei Jahre später der Emir Körgös, der Statthalter von Chorasan, an +den Hof des Kaan's sich zu vertheidigen ging, übertrug er in seiner +Abwesenheit die Statthalterschaft Chorasan's an Behaeddin; desgleichen that +der Nachfolger von Körgös, der Emir Arghun, bei seiner ersten Reise in's +Hoflager; bei seiner zweiten führte er ihn mit sich; endlich starb er zu +Issfahan, sechzig Jahre alt. Sein Sohn Alaeddin, im Sterbjahre +Tschengischan's geboren, kam schon in früher Jugend in das Gedränge der +Geschäfte des Diwan's, und verschloss, wie er selbst reuig in seiner +Geschichte bekennt, das Ohr den heilsamen Ermahnungen des Vaters, welcher +ihm gerathen, sich den Wissenschaften zu widmen. Später jedoch holte er das +Versäumte durch Studien nach, von denen seine Geschichte Tschengischan's, +welche den Titel _Dschihanguscha_, d. i. die Welteröffnende, führt[160], +die schönste und bleibende Frucht. In seinem siebzehnten und achtzehnten +Jahre begleitete er den Emir Arghun auf dessen Reisen in's Hoflager und in +seinem zwanzigsten zum Kurultai der Thronbesteigung Mengkukaan's, an dem er +sich mehrere Jahre aufgehalten zu haben scheint, da dort die Anforderung an +ihn erging, die Geschichte Tschengischan's zu schreiben, die er im sieben +und zwanzigsten Jahre seines Alters begann. Er spricht darin von seinen +Reisen in Mawereinnehr, Turkistan und an die chinesische Gränze und +beschreibt die in der Nähe Karakorums entdeckten Ruinen der vormaligen +Hauptstadt der Uighuren. Seit der Abreise Arghun's von Schaburghan an den +Hof des Kaan's versah _Athamülk_ bei Hulagu die wichtige Stelle des +Staatssekretärs, als Hulagu's unzertrennlicher Begleiter. + +[Randnote: Keitbuka belagert die Schlösser der Assassinen.] + +Keitbuka der Dschelaire war mit dem Vortrabe des Heeres gleich nach dem +Kurultai, auf welchem der Feldzug nach Westen beschlossen worden, gegen +Kuhistan aufgebrochen und mit fünftausend Fussgängern in _Kuhistan_, d. i. +im Gebirgslande der Assassinen, an den Fuss des Schlosses _Girdkjuh_, d. i. +Kreisberg, einer ihrer beträchtlichsten Festen, gelangt. _Girdkjuh_, auch +_Derikunbed_, d. i. das Gewölbthor, genannt, liegt drei Farasangen von +Demghan in der Landschaft Kumis in der Nähe von Manssurabad oder +Manssurije[161]. Die Belagerungsweise war eine neue, vordem und seitdem +unerhörte, ächt mongolische oder chinesische; rund um das Schloss wurde ein +Graben gezogen, hinter demselben eine Mauer aufgeführt, hinter der Mauer +stand das Heer und hinter demselben abermal eine hohe Mauer aufgebaut, +damit es so von vornen als hinten wider Ueberfälle geschützt und auf allen +Seiten der Weg zur Feldflucht gesperrt sei[162]; so war das Bergschloss von +einem dreifachen Kreise, dem des Heeres und der beiden Mauern, umzüngelt, +und verdiente im eigentlichsten Sinne den Namen _Kreisberg_. Da das Schloss +festhielt, zog er mit Truppenabtheilungen nach den anderen Schlössern, von +denen die Geschichte dieses Feldzugs ein Dutzend nennt, von denen nicht nur +bisher auf den bessten Karten keine Spur, sondern deren Namen sogar in den +bessten geographischen Werken des Morgenlandes über Persien, in den +arabischen Abulfeda's[163], dem persischen Hamdallah Mestufi's[164] und im +türkischen Hadschi[165] Chalfa's, der aus beiden geschöpft, fehlen. So zog +er belagernd vor die Schlösser _Mehrin_, vor dem er Wurfmaschinen +aufstellte, _Schahdis_, wo er einen Haufen von Feinden tödtete und +zurückkehrte bis _Tarim_ und _Rudbar_, die er verwüstete, an den Fuss von +Manssurije und Ohlomischin, wo durch achtzehn Tage gekämpfet ward; die von +_Schirkjuh_ machten indessen einen nächtlichen Ueberfall, in welchem sie +den Belagerungswall verheerten[166]. Die beiden Schlösser _Schir_ und +_Sirkjuh_[167] wurden berennt, _Mehrin_ genommen; die Besatzung von +_Girdkjuh_ hatte indessen an Alaeddin Mohammed, den Grossmeister, Wort +gesandt, dass trotz der tapferen Vertheidigung sie sich würden bald ergeben +müssen; [RN: Schaaban 651/Nov. 1255] da sandte der Grossmeister zwei seiner +Hauptleute[168] mit hundert zehn Tapferen, jeden mit drei _Menn_ Henna und +drei Menn Salz, an welchem das Schloss Mangel litt; das Henna nicht zum +gewöhnlichen Gebrauche der Bartfärbung oder Nägelschminke, sondern als +Mittel wider die grassirende Pest; denn man hatte bei der Hochzeit der +Tochter eines Emirs die Erfahrung gemacht, dass alle, welche (ob +Wassermangels) von dem Wasser, worin das Henna aufgelöset worden, +getrunken, von der Pest frei geblieben waren. Indessen ward Alaeddin der +Grossmeister, dessen Vater und Nachfolger vor Einem Jahre[169] durch die +nächsten Verwandten vergiftet worden, durch den Meuchler Hasan von +Masenderan und hierauf der Mörder selbst auf Befehl Chorschah's, des Sohnes +und Nachfolgers Alaeddin's, getödtet. [RN: letzten Schaaban 653/Dec. 1255] +Der Vatermord rächte den Vettermord; der Meuchler ward gemeuchelt. Alaeddin +war als zehnjähriger Knabe auf den Herrscherstuhl gesetzt worden, den er +durch vier und dreissig Jahre mit Blut und Gräueln aller Art befleckte. +Hasan aus Masenderan hatte ihm, bis sein Bart grau zu werden anfing, zum +Lotterbuben gedient, dann hatte er ihm eine seiner Sklavinnen geschenkt; +da er aber nichtsdestoweniger den Mann und das Weib in beider Gegenwart, +diese an jenes statt, jenen als diese, zu misbrauchen fortfuhr, ergrimmte +Hasan über so schändlichen Misbrauch des Herrschergelüstes und schwur ihm +den Tod; er theilte sein blutiges Vorhaben jedoch dem mit dem Vater stets +entzweiten Sohne mit, und als dieser dazu schwieg, führte er, unter +vorausgesetzter stillschweigender Beistimmung, das Werk der Rache aus. Der +Dichter Schemseddin Ejub Tausi verfertigte auf den Tod Alaeddin's ein +Gedicht, woraus die Verse: + + Der Todesengel trug ihn zu der Hölle Strafen, + Um in geschmolznem Pech den Rausch dort auszuschlafen; + Entgegen kamen ihm der Hölle Feuerschenken, + Um als Gefährten ihn mit Gluthenschwall zu tränken. + +[Randnote: Die Städte Tun und Tus.] + +Hulagu sandte den Herrn von Herat, Schemseddin Kert, an den Gebietiger[170] +des Schlosses _Sertacht_, an Nassireddin, dessen Name durch den grossen +Astronomen Nassireddin von Tus, welcher seine demselben gewidmete berühmte +Ethik nach dessen Namen die _Nassirische Moral_[171] betitelte, rühmlich +fortlebt. Der Gebietiger übergab das Schloss und kam mit Melik Kert zur +Huldigung Hulagu's. Dieser fragte ihn: warum er nicht auch die Bewohner des +Schlosses mit sich geführt? Nassir entgegnete, dass diese dem Grossmeister +Chorschah und nicht ihm gehorchten. Hulagu liess ihm Diplom und das +Ehrenzeichen des Löwenkopfs geben und sandte ihn als Befehlshaber nach Tun. +_Tun_, eine der vorzüglichsten Städte Kuhistan's, zwei Tagreisen südlich +von Meschhed auf der Strasse von Kerman, nicht ferne von _Kain_[172], +zeichnet sich durch besondere Anlage der Häuser und Gärten aus, indem das +Schloss mit tiefem Graben, ausser welchem der Markt und die Häuser mit +Gärten und diese von Saatfeldern und die Felder mit Mauern umgeben, das +Ganze mit unterirdischen Wasserleitungen und mit Gruben durchschnitten, in +welchen Wassermelonen trefflich gedeihen[173]. Hulagu, nach _Sawa_ und +_Chawwaf_[174] vorgerückt, erlitt einigen Verlust; _Kuli Ilkai_ und +_Keitbuka_[175] wurden weiter an die Gränze von Kuhistan vorausgesandt, wo +sie einigen Widerstand fanden, aber binnen einer Woche denselben besiegten, +und dann vor Tun die Wurfmaschinen aufpflanzten; in zwölf Tagen war die +Stadt erobert, [RN: 7. Rebiulachir 654/5. Mai 1256] und sie kehrten +sogleich zu Hulagu zurück, der sich zu Tus befand. Tus, eine der ältesten +Städte Chorasan's, schon im Beginne des neunten Jahrhunderts der +christlichen Zeitrechnung[176] durch die Grabstätte des Chalifen Harun +Reschid[177] nur um neun Jahre später durch die Ali Ben Musa Risa's des +achten Imam's, zwei Jahrhunderte hernach durch die des grössten persischen +ethischen Dichters _Firdewsi_[178], als der Geburtsort _Ghasali's_ des +grossen Philosophen, _Nassireddin's_ des grossen Astronomen und _Hamdallah +Mestufi's_ des grossen Geographen und Geschichtschreibers, verherrlicht. +Dieser belehrt uns, dass die Stadt schon von Dschemschid gebaut, nach ihrer +Verwüstung von Tus, dem Sohne _Nuser's_, wieder aufgebaut, von ihm den +Namen erhalten; dass das Grabmal Ali Musas, vier Farasangen von Tus im +Dorfe des Distrikts _Sebanabad_[179], der um dasselbe angebauten Stadt den +heutigen Namen _Meschhed_ gegeben; folglich sind die Ruinen des alten Tus +vier Farasangen vom heutigen Meschhed, das schon mehrere Reisende besucht, +keiner so umständlich beschrieben, als Fraser[180]. Meschhed, der +Geburtsort und die Grabstätte so vieler der grössten Lichter Persiens, ist +heute, was ehemals Bochara war, der Sammelplatz der Gelehrten; von einigen +und zwanzig Tausend Einwohnern der Stadt sind die zahlreichsten die Imame, +Molla, Muderrise (Professoren) und Danischmende (Studenten), welche den +verschiedenen Moscheen, Medreseen, Grabstätten und Domen angehören. Das +Innere einer Medrese gleicht einem Karawanserai, nur mit Abwesenheit der +Stallgewölbe; dem Eingange in die Mitte der Nord- oder Nordostseite steht +in der Mitte der Süd- oder Südostseite eine gewölbte Nische entgegen, +welche die Kibla vorstellt und wohin sich alle Gesichter beim Gebete +wenden; in der Mitte der beiden Seitenwände sind Balcone, von Säulen +getragen, für die Wohnungen der höheren Molla, in der Mitte des Hofes ein +kleiner Garten und im Mittelpunkte desselben ein Wasserbecken. Die grosse +Moschee von Meschhed, welche das Grab Ali Risa's umschliesst, ist hundert +fünf und sechzig Klafter lang und fünf und zwanzig breit, in der Art eines +Karawanserai, mit zwei Stock hohen, rings herum laufenden Gemächern gebaut, +im Mittel und an den Ecken jeder Seite hochgewölbte Thore, das Ganze mit +glasirten vielfarbigen Ziegeln auf das Geschmackvollste bekleidet; dieser +herrliche Hof heisst _Ssahn_, d. i. das Feld, wie der Vorhof der grossen +Moscheen zu Konstantinopel, wesshalb die dort an der Moschee Mohammed's II. +angestellten Professoren der acht Medreseen die Achter vom Felde genannt +werden. Der Dom des Mausoleums, mit goldenen Ziegeln bedeckt, rings herum +mit goldenen Inschriften in lazurblauem Felde geschmückt, die Schafte der +beiden Minarete reich vergoldet und oben mit zierlich geschnitzten +hölzernen Gallerien gekrönt. Von diesen herrlichen, erst unter der Dynastie +der Ssefi errichteten Gebäuden bestand noch Nichts zur Zeit Hulagu's, wohl +aber waren die Grabstätten der grossen Chalifen Imam's und Dichter ein +Gegenstand der Verehrung der Wallfahrter; noch sind die Mauern von Tus mit +ihren Thürmen aus Lehmen sichtbar und ausser den obgenannten Grabmälern +grosser Männer wird noch das Grab Burk Eswed's besucht, welcher nach der +Volkssage ein Neger, Freund des Herrn Jesus gewesen, nach dessen Tode +hierher geflohen, hier gestorben und bestattet worden sein soll.[181] + +[Randnote: Tus, Bostam, Aufforderung an Chuarschah.] + +Hulagu stieg zu Tus im Garten Arghun's im goldenen Zelte ab, welches +dieser auf ausdrücklichen Befehl des Kaan's für Hulagu nach dem Muster der +grossen goldenen Zelte des Kaan's bereitet hatte; von da begab er sich nach +dem Garten Manssurije, welchen Arghun von seiner Verwüstung wieder +hergestellt. Hier brachten die Frauen Arghun's und Iseddin Tahir's Proviant +dar[182]; den nächsten Tag begab sich Hulagu nach der Ebene von _Radgjan_, +wohin von _Merw_, _Jesrud_ und _Dehistan_ Wein und Lebensmittel im +Ueberflusse zugeführt worden; hierauf nach dem seit der Ankunft der +Mongolen verwüsteten Flecken Chabuschan[183]. Hulagu befahl, denselben +wieder herzustellen, liess Kanäle graben, eine Fabrik bauen und neben der +Moschee einen Garten anlegen; den Emiren wurde befohlen, dort Häuser zu +bauen, und dem Wesir _Seifeddin_ die Leitung und Oberaufsicht des Baues +aufgetragen. Die drei Gesandte[184], welche an Chuarschah, den Grossmeister +der Assassinen, abgesandt worden, [RN: 29. Deschem. I. 654/24. Juli 1256] +kamen unverrichteter Dinge zurück, und es ward daher sogleich der Befehl +zur Verheerung des Landes gegeben. [RN: 10. Schaaban/2. Sept.] Acht Tage +hierauf stand das Lager zu Bestam, der östlichsten der drei Hauptstädte der +Landschaft Kumis (die beiden anderen sind Demghan und Semnan). Bestam, eine +alte, schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der Hidschret durch +Erdbeben verwüstete Stadt[185], dankt ihren Ruhm vorzüglich der Grabstätte +des zwanzig Jahre hernach[186] gestorbenen grossen mystischen Scheichs +Bestami[187], dem Stifter des nach ihm genannten Ordens der Derwische +Bestami; später ward dieselbe noch als die Geburtsstadt zweier anderer +grossen Gelehrten verherrlicht, der eine Abderrahman Ben Mohammed Bestami, +der in der Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen +Zeitrechnung, Verfasser von vierzig Werken, starb[188], und Ali Ben +Medschdeddin Bestami[189], welcher, berühmt unter dem Namen _Mussannifek_, +d. i. der kleine Compositor, sich in der osmanischen Geschichte keinen +minderen Namen durch seine zwanzig Werke, als durch seinen Fanatismus +erworben, welcher ihn dazu antrieb, an dem gefangenen letzten König von +Bosnien selbst das Amt des Henkers zu vollstrecken[190]. Von Bestam aus +sandte Hulagu abermal zwei Gesandte[191] an den Grossmeister der Assassinen +mit Drohungen und Verheissungen. Bei demselben befand sich der grosse +Astronom Nassireddin mit zwei berühmten Aerzten[192], welcher, in die Macht +der Assassinen gefallen, eine Zeit lang bei Nassir, dem Gebietiger von +Sertacht, verweilet, jetzt der Arzt und Rath des neuen Fürsten der +Assassinen. Nassireddin beschloss mit seinen Collegen, dem Gräuel der +Assassinenherrschaft ein Ende zu machen, indem sie zum freundlichen +Empfange des Botschafters Hulagu's riethen. Chuarschah befolgte ihren Rath +und sandte mit den freundlich empfangenen Botschaftern Hulagu's seinen +Bruder Schehinschah und den Chodscha Assileddin von Susen[193], um seine +Unterwerfung dem Hulagu darzubringen. Hulagu empfing sie freundlich und +sandte abermals vier Botschafter[194] mit dem Begehren, dass, wenn die +Unterwerfung aufrichtig, Chuarschah die Schlösser brechen und selbst am +Hofe des Chan's erscheinen möge. Chuarschah antwortete: wenn mein Vater +widerspenstig war, will ich unterwürfig sein; er fing an, an einigen +Schlössern, wie _Meimundis_, _Lemsir_ und _Alamut_, Zinnen, Thore und +Mauern abbrechen zu lassen, begehrte aber die Frist eines Jahres bis zu +deren gänzlichen Uebergabe. Die Frist nicht gewährend, bot Hulagu seine +Heere auf und zog von Bestam aus wider die Schlösser; der rechte, von Köke +Ilka und Tukatimur befehligte Flügel zog auf der Strasse von Masenderan, +der linke, unter dem Befehle des Prinzen Tekuder Aghul[195] und Keitbuka +Nujan's, auf der Strasse von Chuar und Semnan; Hulagu, im Mittelpunkte mit +einem Toman, d. i. mit zehntausend Wackeren, zog gegen _Firuskjuh_, d. i. +den Glücksberg, auf welchem heute die Ruinen des Schlosses der Assassinen +für eine Windmühle und ein Bad aus der Zeit Alexander's des Grossen +gelten[196]. Er sandte abermals Aufforderung an Chuarschah, sich +unmittelbar zu ergeben. Als die Fahnen der Mongolen bereits vor +Firuskjuh[197], kamen die Gesandten und mit ihnen der Wesir und traute +Gesellschafter Chuarschah's Keikobad zurück. Er bat im Namen seines Herrn +noch einmal um Frist eines Jahres bis zum gänzlichen Auszuge und um die +Schonung Lemsir's und Alamut's, der ältesten Burgen ihrer Herrschaft; er +sandte Kabinetsbefehle an die Gebietiger von _Girdkjuh_ und _Kuhistan_, +sich sogleich zu unterwerfen, und hoffte so den Sturm zu beschwören. + +[Randnote: Demawend, Fall von Meimundis.] + +Die Fahnen Hulagu's flatterten nun zu Demawend, einer der ältesten Städte +Iran's, am Fusse des gleichnamigen Berges gelegen, der ein vulkanischer, +durch Erdbeben und Rauch Verwüstungen anrichtet und androht. Hier residirte +der Tyrann Sohak, dessen Karbunkel auf der Achsel, wo ihn der Satan +geküsst, nach der Volkssage nur durch das Gehirn zweier täglich +geschlachteter Menschen gelindert werden konnte. Von dieser Tyrannei +befreite sein Volk der Schmied Gjawe, dessen Schurzfell, an einen Spiess +gestekt, die Fahne, unter welcher sich die Völker zum Sturze des Tyrannen +sammelten, vor dessen Grimm sich die Schlachtopfer seiner Regierung bis +in's Gebirge von Kurdistan geflüchtet hatten, und der endlich selbst in's +Gebirge von Demawend verbannt ward. Alljährlich am 31. August wird, +unabhängig vom moslimischen Kalender, das Befreiungsfest von der Regierung +Sohak's zu Demawend gefeiert. Die Bewohner der Umgegend sammeln sich, auf +Pferden, Mäulern, Eseln beritten, und ziehen unter lautem Geschrei durch +das Feld[198], jubelnd, dass ihre Väter dem Halloh der Tyrannei entflohen, +welche noch so schwer auf ihnen selbst lastet; Nachts werden Feuer auf den +Terrassen der Häuser angezündet und die Stadt beleuchtet, Freudenfeuer über +die Erlösung von dem Drucke Sohak's, durch welchen die Seufzer der +Unterdrückten wie Flammen zum Himmel emporstiegen. Dieses Fest heisst das +Fest der Kurden, auf denen Sohak's Tyrannei vorzüglich lastete. Demawend +soll schon von Siamek, dem Sohne des Keiomer's, des zweiten Herrschers der +Pischdadier, gebaut worden und von Tahmuras Diwbend, d. i. dem Diwbändiger, +sollen die Diwe in den Demawend gebannt worden sein, wo sich ihr Daseyn +noch durch Rauch und Erdbeben kund gibt. Von hier sandte Hulagu den +_Schemseddin Kilegi_ nach Girdkjuh (dem _Tigado Haithon's_), um den +Befehlshaber zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und einen anderen Gesandten +an Chuarschah, um diesen zu bringen. Hulagu erwartete den Erfolg dieser +Botschaften zu Abbasabad[199], in der Nähe von Rei, der alten Hauptstadt +des persischen Irak. Chuarschah sandte seinen Sohn, einen achtjährigen +Knaben, [RN: 17. Ramasan 654/8. Oct. 1256] welchen ihm aber Hulagu mit der +Botschaft zurücksandte, dass, wenn er selbst nicht kommen könne, er einen +anderen Bruder statt Schehinschah's senden möge. Chuarschah sandte seinen +Bruder Schiranschah und den Chodscha Assileddin mit dreihundert Mann, um +seine Huldigung darzubringen. [RN: 1. Schewwal 654/26. Oct.] Nach vier +Tagen wurden sie mit einem Diplome zurückgesendet, welches dem Chuarschah, +da er Nichts verbrochen, die Gnade des Kaan's versicherte, wenn er seine +Schlösser ausliefern wollte; zugleich erhielt das Heer den Befehl, von +allen Seiten aufzubrechen. Köke Ilka und Tukatimur nahten sich von der +Seite von Ispidar; Chuarschah fragte: warum sie kämen, da er zur +Unterwerfung bereit; sie antworteten: es sei die Heeresstrasse, auf der +sie nach Fütterung auszögen. Hulagu hatte sich indess gegen _Thalkan_[200] +gewendet, [RN: 10. Scheww./31. October] einer Stadt der Landschaft +_Tocharistan_, nach welcher die Mongolen von den Byzantinern den Namen +_Tocharen_ erhielten, der noch in dem der Mongolen _Tsacharen_ fortlebt. +Ohne einen eingefallenen Regenstrom wäre Chuarschah schon diesen Abend am +Fusse seines Schlosses gefangen worden; acht Tage hernach, [RN: 19. +Scheww./8. November] als sich das Wetter aufgeheitert, ward Kriegsrath +gehalten, ob die Belagerung des Schlosses noch bei so weit vorgerückter +Jahreszeit zu unternehmen, oder auf's nächste Jahr zu verschieben sei; der +Wesir Seifeddin, die Generale Keitbuka und Bukatimur stimmten für die +Belagerung. Hulagu sandte abermals Botschaft, halb drohend, halb +versöhnend, einen letzten Termin von fünf Tagen zur Uebergabe bestimmend. +Chuarschah verlor den Kopf und sandte seinen gelehrten Arzt und Rathgeber +Nassireddin von Tus mit seinem Bruder Iranschah und seinem Sohne Turkia mit +vielen Geschenken, seine Unterwürfigkeit darzubringen; drei Tage hernach, +Sonntags den 19. November, [RN: 19. Nov. 1256] kam Chuarschah selbst, um +den Fuss des Kaan's zu küssen; er kleidete seine Unterwerfung in die +folgenden beiden, von ihm selbst verfertigten Distichen ein: + + O Schah, ich komm' an deinen Hof, gewarnt, + Bereuend Schuld, die mich bisher umgarnt. + Dein Glück hat diesen Lauf für mich genommen, + Wie wär' ich sonst, wozu wär' ich gekommen! + +Hulagu sah, dass er einen unerfahrenen Jüngling vor sich hatte; er +schmeichelte ihm mit Verheissungen und bewog ihn, alle Burgen seiner +Vorfahren, deren Zahl auf hundert stieg, zu brechen, nur _Girdkjuh_ und +_Lemsir_, in welchen sich die Besatzungen noch festhielten, ausgenommen; +die zu _Meimundis_[201] aufgespeicherten Schätze wurden ausgeliefert und +unter die Emire des Heeres vertheilt. Hulagu zog vor _Alamut_, d. i. das +Adlernest, den Hauptsitz des Grossmeisters der Assassinen, von wo unter dem +Gründer Hasan Ssabbah die Macht des Ordens wie ein Adler aufflog. Der +Befehlshaber ergab sich, nachdem er ein Paar Tage Widerstand geleistet. +[RN: 26. Silhidsche 654/15. December] Die Mongolen drangen ein, zerbrachen +die Wurfmaschinen und gaben den Einwohnern drei Tage Frist zum Abzuge. + +[Randnote: Schlösser der Assassinen.] + +Nach Abzug der Besatzung, nach Vertheilung der Beute, sandte Hulagu seinen +gelehrten Staatssekretär Athamülk Dschuweini in's Schloss von Alamut, um +die Archive und die Bibliothek zu durchsuchen. Die Korane und einige andere +kostbare Werke wurden bei Seite gelegt, darunter eines, welches den Titel: +_Begebenheiten unsers Herrn und Meisters_[202] führte und das Leben Hasan +Ssabbah, des Gründers des Ordens, enthielt, woraus Athamülk in seiner +_Welteröffnenden Geschichte_ die verlässlichsten Nachrichten über denselben +gegeben; alle anderen Werke philosophischen und freigeisterischen Inhalts +über die Lehre der Ismaili wurden den Flammen übergeben. Ob er dieses +Autodafe der Bücher auf Hulagu's Befehl oder aus eigenem Antriebe +veranstaltet, ob, wenn dieser Brand blos sein Werk gewesen, ihn dazu nur +der Feuereifer rechtgläubigen Islams, oder, wie ihn spätere +Geschichtschreiber dessen beschuldigen, verdammenswerthe engherzige Habgier +ausschliesslicher Gelehrsamkeit bewogen, ist heute zu entscheiden +unmöglich. Er soll nämlich blos die historischen Werke, die er benutzen +wollte, gerettet und auch diese hernach den Flammen preisgegeben haben, um +die Gelehrsamkeit als Geschichtschreiber zu monopolisiren. Eine ähnliche +Anklage lastet auch auf dem Andenken des grossen Astronomen Nassireddin und +des grossen Arztes Ibn Sina[203]. In welchem Gelehrtenkopf immer solche +Barbarei Eingang gefunden haben mag, so ist dieselbe doch vom einseitigen +Mathematiker und Arzte oder Philosophen begreiflicher, als vom +Geschichtschreiber, welcher, wenn er seine Quellen, statt dieselben +anzuführen, vernichtet, mit denselben seine Glaubwürdigkeit zerstört. Zur +Ehre des grossen Geschichtschreibers, Astronomen und Arztes, welche so +ausschweifender und ausschliesslicher Ruhmsucht bezüchtiget werden, wollen +wir glauben, dass der Gedanke davon nicht in ihrem vielumfassenden Geiste, +sondern in dem engeren ihrer Ankläger Platz greifen konnte. _Alamut_, d. i. +das Adler- oder Geyernest, auf einem hohen steilen Hügel, nordöstlich von +Kaswin gelegen, bietet noch heute in seinen Ruinen eine lange Reihe durch +Mauern mit einander verbundener Thürme dar, welche auch dem, der sie, wie +Ker Porter, der Maler des persischen Alterthums, nur von ferne gesehen, als +unbezwingbar ins Auge springen.[204] Der ganze Gebirgsdistrikt zwischen +Dilem und Irak, durch dessen Schluchten der Fluss _Schahrud_, d. i. der +Königsfluss, sich mühsam den Weg bahnt, heisst _Rudbar_, d. i. das +Flussland, und zwar das von Alamut zum Unterschiede vom südlichen, von Lur, +in Issfahan's Nähe, welches der _Sendrud_, d. i. der lebendige Fluss, +durchströmt. Hasan Ssabbah hatte sich Alamut's halb mit Gewalt, halb mit +List bemächtigt, [RN: 483/1090] dann sich vom seldschukischen Sultan +_Berkjarok_ das in der Nähe von Damaghan gelegene Schloss Girdkjuh erbeten, +und zwölf Jahre nach der Besitznahme von Alamut das im selben Thalwege +gelegene feste Schloss von _Lembeser_[205]. Nebst Alamut, d. i. dem +Geyerneste, _Girdkjuh_, d. i. dem Gürtelberg, und _Lembeser_, d. i. _Ruh' +im Kopf_, waren die festesten Schlösser der Assassinen (nach den Citadellen +der Städte _Tun_ und _Kain_) in Kuhistan: das von _Meimundis_, d. i. die +glückliche Feste, aus welcher der letzte Grossmeister abzog, und +_Muminabad_, d. i. der _Bau der Gläubigen_, welches seinen Namen und seine +Befestigung vermuthlich dem vorvorletzten Grossmeister, welcher den +Beinamen des _neuen Musulman_ führte, dankt, dessen Name in der heutigen +Verstümmelung von _Meiomend_[206] kaum zu erkennen, und dessen +ausserordentliche Festigkeit die Geographie Hamdallah's anrühmt[207]; so +auch die des am Berge _Demawend_ gelegenen _Firuskjuh_, d. i. Glücksberg, +und das Schloss _Dschenabdar_ oder _Kebajed_, welches aber nicht erst von +den Assassinen, sondern vom Sohne des altpersischen Helden _Guders_ +befestigt worden sein soll.[208] + +[Randnote: Kaswin.] + +Von Alamut begab sich Hulagu in den ersten Tagen des Januars in das grosse, +sieben Farasangen von Kaswin aufgeschlagene Lager, [RN: 16. Silhidsche +654/4. Jan. 1257] wo durch sieben Tage Feste gefeiert, die Prinzen und +Emire zur Aufwartung und zum Glückwunsche der Eroberung zugelassen wurden; +selbe, sowie der Astronom Nassireddin von Tus und die beiden Söhne der zwei +grossen Aerzte von Hamadan, welche durch ihren Rath wesentlich zur +Uebergabe von _Meimundis_ beigewirkt, wurden beehrt, beschenkt; der +Astronom und seine beiden Begleiter blieben sofort im Gefolge Hulagu's, von +demselben bei jeder Gelegenheit ihrer Kenntnisse willen ausgezeichnet. Dem +Chuarschah ward ein mongolisches Mädchen angetraut und die Hochzeit zu +Kaswin mit Festen gefeiert. Hulagu behandelte ihn mit Schonung, um von ihm +die nöthigen Befehle an die Gebietiger der Schlösser in Syrien zu erhalten, +dass sie dieselben bei Ankunft des mongolischen Heeres demselben ungesäumt +übergeben möchten. Nachdem er diesen Befehl von ihm erhalten, sandte ihn +Hulagu als Trophee an den Hof des Kaan's Mengku. Als dieser die Nachricht +erhielt, dass Chuarschah sich nahe, sagte er: Wozu schickt man ihn? und +sandte ihm als Willkomm den Todesbefehl entgegen. Er wurde getödtet und +hierauf seine ganze Familie, Weiber, Brüder und Söhne zu Kaswin +niedergemacht. So hatte die blutige Dynastie der persischen Ismailije, +d. i. der Assassinen, nach hundert und sieben und siebzig Mondjahren ihr +Ende erreicht[209], und der Dolch des Meuchlers ward durch das Schwert des +Mongolen gebrochen. Hulagu hielt sich einige Zeit zu Kaswin auf, wo er im +Bade Moslim's badete. Hamdallah von Kaswin, der Geschichtschreiber und +Geograph Persiens, erwähnt in seiner _auserwählten Geschichte_ dieses +Besuchs als einer der merkwürdigsten Epochen der Geschichte seiner +Vaterstadt, die von nun an eine der Hauptstädte des mongolischen Reichs in +Persien und daher unter dem Geleite Hamdallah's näherer Bekanntschaft +werth.[210]. Zuerst baute Schabur[211] hier eine Stadt, welche seinen Namen +trug, als Feste wider die Dilemiten, die feindliches Nachbaren im Norden. +Bei einem denselben hier gelieferten Treffen, als die Schlachtordnung der +Perser auf einer Seite in Verwirrung gerieth, soll der Chosroes seinem +Feldherrn zugerufen haben: _an kesch win_, d. i. _jenen Winkel schau_, und +nach erfochtenem Siege zum Andenken desselben die Stadt erbaut haben, +welcher sofort der Namen _Keschwin_, d. i. _Winkel schau_, blieb, das +heutige _Kaswin_. Der Chalife aus dem Hause Abbas Hadibillah Musa fügte +eine dritte Stadt hinzu, _Mubarekabad_, d. i. der gesegnete Bau, genannt; +diese drei Städte umfing der Chalife Harun Reschid mit einer Mauer, welche +den Namen _Reschidabad_ erhielt. Der Thronprätendent Husein Ben Said +bemächtigte sich später der Stadt und vollendete den Bau derselben[212]. +Unter der Regierung Fachreddewlet's des Bujiden erneuerte sein berühmter +Wesir Ismail Ben Ibad die Stadt und vergrösserte dieselbe nach dem Bau des +nach ihm _Ssahibabad_ genannten Viertels. Hierauf[213] vom Dilemiten +Ibrahim Ben Merseban verwüstet, vom Emir Ebu Ali Dschaaferi wieder +hergestellt und vom grossen Sultan der Seldschuken, Alparslan, +erneuert[214], war sie jetzt durch die Mongolen abermal verheert worden. +Die Mauer, von zehntausend dreihundert Ellen im Umfange, war mit +zweihundert dreissig Thürmen befestigt, hatte sieben Thore und umfing neun +Viertel, und sechs unterirdische Wasserleitungen, von denen die vom +Einsiedler Chumar Tekesch[215] gebaute das besste Wasser gibt; derselbe +baute auch ein halbes Jahrhundert später[216] die nach seinem Namen +genannte Moschee; eine andere hatte schon der tyrannische Statthalter +Hidschadsch aus einem Götzentempel in einen Betort der Moslimen +umgeschaffen. Die Schii hassen diese Moschee, weil von ihrer Kanzel unter +der Regierung der Beni Omeije dem Ali geflucht ward. Eine noch frühere +Ueberlieferung aus dem Munde Mohammed's oder eines der vier ersten Chalifen +heisst: _Ehret Kaswin, welches eine der höchsten Pforten des +Paradieses_[217]. Kaswin hat Ueberfluss an herrlichen Früchten, besonders +an Melonen, Wassermelonen und Trauben, welche für die bessten ganz Persiens +gelten[218]; die hier verfertigten Klingen wetteifern mit denen von +Chorasan und Schiras; von den Fabrikaten zeichnen sich die aus +mannichfarbigen Tuchenden zusammengenähten Pferddecken aus. Die Einwohner +gelten für die bessten Gesellschafter, und ein persisches bekanntes +Distichon räth dem Schah, vier Männer nur aus vier Städten seines Reichs zu +wählen; Musiker aus _Chorasan_, Geschäftsmänner aus _Issfahan_, Krieger aus +_Tebris_ und Gesellschafter aus _Kaswin_[219]. Zur Verherrlichung des +literarischen Ruhmes Kaswin's genügen die beiden Sekretäre _Kaswini_, der +Verfasser der _Wunder der Geschöpfe_[220] und der _einzigen Perle der +Seltenheiten_[221], jenes Naturgeschichte, dieses Geographie, und +_Hamdallah Mestufi_, der Verfasser der auserwählten Geschichte[222] und der +bessten persischen Erdbeschreibung[223], so dass persische Natur- und +Völkergeschichte, Erd- und Ortsbeschreibung keiner persischen Stadt mehr +verdanken, als dem reichbegabten gesellschaftlichen _Kaswin_. + +[Randnote: Hamadan.] + +Mit Eintritt des Frühjahrs begab sich Hulagu von Kaswin nach Hamadan, wo +Baidschu Nujan von Aserbeidschan zur Aufwartung erschien. Hulagu, mit +dessen Unthätigkeit unzufrieden, überhäufte ihn mit Vorwürfen: »Was hast +du, seit Dschurmaghun nicht mehr in Iran geblieben, gethan? welche +Schlachtenreihen hast du gebrochen, welchen Rebellen geschlagen? Hat dir +das mongolische Heer zu Etwas Anderem gedient, als durch dessen Macht und +Grösse den Chalifen zu schrecken?« Baidschu kniete nieder und sagte: »Ich +habe mir keine Saumseligkeit zu Schulden kommen lassen und, was in meinen +Kräften lag, gethan. Von den Thoren Rei's bis an die Gränzen Syriens habe +ich Alles unterworfen, Bagdad ausgenommen, dessen Menschenmenge +unermesslich und wohin die Zugänge äusserst schwer. Uebrigens steht der +Befehl in der Hand des Padischah, und ich bin bereit, aus derselben Leben +oder Tod zu empfangen.« Diese Unterwürfigkeit milderte den Zorn Hulagu's; +er befahl ihm, aufzubrechen, den Westen bis an's Meer hin zu unterjochen +und die Länder Rum's diesseits und jenseits des Bosporos den Händen der +Griechen und Franken[224] zu entreissen. Baidschu Nujan hatte schon vor +vierzehn Jahren mit einem Heere von vierzigtausend Mann das +hundertsiebzigtausend starke Ghajaseddin Keichosrew's, des Sohnes +Alaeddin's, zu Kösetagh geschlagen[225] und vollendete nun die Eroberung +Rum's bis an das Gestade des mittelländischen Meeres. Hulagu begab sich mit +den Prinzen _Kuli_, _Belghai_, _Kotar_ und mit den Befehlshabern +_Bukatimur_, _Sundschak_, _Köke Ilka_ in die Ebene von Hamadan, um dort das +Heer zu sammeln. _Hamadan_, insgemein für das uralte Ecbatana gehalten, ist +nach allen Quellen persischer Geschichte und Geographie eine der ältesten +Städte Persiens, welche schon Huscheng, der zweite der Pischdadier, erbaut, +Nabuchodonoser verwüstet, Darius wieder hergestellt haben soll.[226] Bedil, +der Sohn Werka's, eroberte die Stadt im drei und zwanzigsten Jahre der +Hidschret[227]; dreihundert Jahre hernach[228] wurde dieselbe von +_Medawidsch_, dem Dilemiten, und abermal dreihundert Jahre später[229] von +den mongolischen Heeren mit allgemeinem Gemetzel der Einwohner verwüstet. +Die Stadt hat Ueberfluss an Wasser, selbst wenn bei der von Hamdallah +angegebenen Zahl der Quellen (tausend dreihundert) durch Fehler des +Abschreibers eine Nulle zuviel. Zwei der grössten Philosophen Schöngeister, +Eingeborene von Hamadan, der Dichter _Ibn Chaleweih_ und _Bediesseman_, +d. i. der Wunderseltene der Zeit, haben das Klima sowohl als die Einwohner +in bekannten Versen[230] mehr getadelt, als gelobt. Der Erste sagte: + + Die Kälte ist vielstimmig zu Hamadan, und sogestalt + Ist es, im Winter grimmig, im Sommer mässig kalt. + +Der Wunderseltsame der Zeit, der Verfasser der ersten Makame, welche denen +Hariri's zum Muster gedient, sagte: + + Wiewohl geboren ich zu Hamadan, + Dasselbe ich dennoch nicht preisen kann; + Denn seine Knaben sind altklug, wie Greise, + Die Alten kindisch, nach der Knaben Weise. + +Das frische Grün der Fluren, das Gemurmel der zahlreichen Quellen +verscheuchen allen Gram und stimmen zur heitersten Lebenslust, wesshalb die +Einwohner vorzüglich lebenslustig, Spielen und Scherzen ergeben; ausserdem, +dass Hamadan der Geburtsort zwei so ausgezeichneter Schöngeister, als die +beiden oberwähnten, wallfahrtet hier der Jude zum Grabe _Esther's_ und +_Mardochai's_, der Arzt zu dem _Avicena's_[231], die Mystiker zu dem eines +der grössten persischen Dichter, nämlich: _Aththar's_, des Verfassers der +_Vögelgespräche_ und eines Dutzends gereimter Bücher, nämlich: des Buchs +des _Raths_, der _Drangsale_, der _Nachtigallen_, der _Kantele_, der +_Geheimnisse der Gänse_, der _Chosroen_, der _Antworten_, der _Nöthen_, des +_Auserwählten_, des _Göttlichen_, und _Haider's_, des Biographen der +Heiligen, des ascetischen Werkes der _Brüder der Reinheit_ und anderer +mystischer in Versen und Prosa. Bei dem Einfalle des mongolischen Heeres +hatte Einer schon das Schwert aufgehoben, um den Dichter zu tödten, als ein +Anderer sagte: Tödte diesen Greis nicht, ich kaufe dir sein Leben um +tausend Silberstücke ab. Hüte dich, sagte Aththar, mich um so niedrigen +Preis wegzugeben; du wirst Käufer finden, die mich theuerer bezahlen. +Einige Schritte weiter bot ein Anderer für Aththar's Leben einen Sack +Stroh; hierüber ergrimmt, hieb ihn der Mongole nieder.[232] Seit diesem +ersten Einfalle der Mongolen, welche bei der Verfolgung Chuaresmschah's bis +an's kaspische Meer und an die Gränze des arabischen Irak vordrangen, bis +zur Erscheinung Hulagu's vor Hamadan, waren sieben und zwanzig Jahre +verflossen, und ehe wir mit Hulagu die Gränze vom persischen Irak in's +arabische überschreiten, überblicken wir noch die Schicksale Persiens unter +mongolischer Herrschaft in der vom ersten Einfalle der Mongolen bis zur +Gründung des Reichs der Ilchane verflossenen Zeit. + +[Randnote: Die Mongolen im westlichen Persien vor Hulagu.] + +Persien wurde von den Mongolen in zwei Statthalterschaften getheilt, wovon +die östliche Chuaresm und Chorasan, die westliche das persische Irak und +Aserbeidschan in sich begreift. Um die Statthalter nicht zu vermengen, +überblicken wir zuerst das westliche oder eigentliche Persien, welches in +dieser Zeit nur zwei Statthalter hatte, nämlich _Dchurmaghun_ und _Baidschu +Nujan_, und dann erst das östliche, wo die Begebenheiten verwickelter durch +die Ränke der Nebenbuhler um die Leitung der Geschäfte. Als die Mongolen +bei der Verfolgung Chuaresmschah's zum erstenmal die Gegend um Irbil +verwüsteten, [RN: 633/1236] rüstete der Chalife Mostanssirbillah ein Heer +und rief die moslimischen Fürsten zur Hülfe auf; bei dem zweiten Einfalle +nahmen sie die Stadt Irbil, doch nicht die Citadelle, ein; sie drangen bis +Schengabad und Sermenrai vor, der Chalife setzte Bagdad in +Vertheidigungsstand und rief alle Einwohner zu den Waffen auf. Am rothen +Berge (Dschebel Hamrin) ober Tekrit wurden die Mongolen geschlagen und +ihnen die Gefangenen, die sie von Irbil und Dakuka weggeschleppt, +abgenommen; ein Corps von fünfzehntausend Mongolen, das bald darauf bis +_Dschaaferije_ vordrang, zog sich bei der Annäherung des Chalifen zurück. +Noch im selben Jahre [RN: 635/1238] war ein Corps von gleicher Stärke bis +Chanekin vorgedrungen und schlug das ihnen vom Chalifen entgegengesandte, +das nur halb so stark. Im Norden hatten sie sich Gendsche's bemächtigt, und +Dschurmaghun's Heere überschwemmten Georgien und Armenien. Er eroberte das +Land zwischen dem Arras und Kur und in Georgien die Hauptstadt Tiflis nebst +anderen Städten. Er belagerte und verheerte Rei; hierdurch erschreckt, +trugen ihm die Bewohner von Karss die Schlüssel ihrer Stadt entgegen; +nichtsdestoweniger wurden die waffentüchtigen Einwohner niedergemacht, mit +Ausnahme der Kinder und Handwerker, die in die Sklaverei geschleppt wurden. +Der armenische Prinz _Awak_ begab sich mit seiner Schwester _Thamtha_ an +den Hof Gujuk's, um die Zurückstellung des väterlichen Erbes zu erflehen, +und sie erhielten hiezu den Befehl an Dschurmaghun. Nach dessen Tode setzte +sein Nachfolger Baidschu Nujan die Eroberungen seines Vorfahrers fort. Er +wandte seine Waffen gegen Ersenrum, Ersendschan, und schlug das in der +Ebene von Akschehr bei Ersendschan verstärkte Heer des Sultans von Rum, +unter dessen Verbündeten zweitausend von Johann Limminata aus Cypern und +Bonifacio de Castro von Genua befehligte Truppen; diess ist die oberwähnte +Schlacht von Kösetag, welcher Berg sonst _Alakjuh_ hiess.[233] Nach dem +über den Sultan erfochtenen Siege wurden Siwas, Tokat und Kaissarije +geplündert und verheert; ein General des Sultans und der Richter von Amasia +kamen in's mongolische Lager von Siwas und unterhandelten einen Frieden, +vermöge dessen der Sultan jährlich einen Tribut von hundert zwanzigtausend +Goldstücken, fünfhundert Stück Stoffe, fünfhundert Kamele, fünfhundert +Sklaven zu leisten verbunden.[234] Keichosrew war zu glücklich, diesen ohne +seine Vollmacht abgeschlossenen Friedensvertrag zu bestätigen. Bei ihrem +Abzuge erstürmten die Mongolen Ersendschan und machten die Einwohner +nieder. Malatia kaufte sich von der Plünderung durch viertausend Goldstücke +los, zu deren Vervollständigung die goldenen und silbernen Kirchengefässe, +die Heiligenschreine und Reliquienkästen ausgeliefert werden mussten.[235] +Wahrscheinlich war es derselbe mongolische Feldherr Irsane, welcher zweimal +Bohemund V., den Fürsten von Antiochien, auffordern liess, die Mauern +seiner Festungen zu brechen und ihm dreitausend Jungfrauen zu liefern; die +Forderung wurde abgeschlagen, aber später zahlten die Fürsten von +Antiochien an die Mongolen Tribut. Schihabeddin, der Fürst von Miafarakain, +durch einen mongolischen Gesandten aufgefordert, seine Mauern zu schleifen, +[RN: 1244] antwortete, dass er nur ein kleiner Fürst, dem Beispiele der +Sultane Syriens und Aegyptens folgen werde. Hethum I., der armenische Fürst +Ciliciens, suchte durch Gesandte mit reichen Geschenken Baidschu's Schutz +an. Baidschu forderte vor allem die Auslieferung des Harems Keichosrew's, +des Sultans von Rum, und Hethum erkaufte um diesen Preis den Frieden und +das Diplom als Vasall des grossen Kaan's. Im folgenden Jahre [RN: 1245] +eroberten die Mongolen die nördlich des Sees von Wan gelegenen Länder, die +sie auf Ogotai's Befehl der armenischen Prinzessin Thamtha übergaben. Sie +nahmen Amid, Roha, Nissibin. Der Fürst von Mossul, Bedredin Lulu, schloss +in seinem und des Fürsten von Damaskus Namen einen Vertrag von, in drei +Klassen geregelter, Kopfsteuer ab. Im folgenden Jahre [RN: 1246] erschienen +die Mongolen zum fünftenmal in der Nähe von Bagdad zu Dakuka, von wo sie +der kleine Diwitdar zurückschlug, und im folgenden Jahre [RN: 1247] +tödteten die Mongolen zu Dakuka den Statthalter Belban; sie plünderten die +Karawanen, und Jesaur verheerte die Gegend um Malatia. Die gleichzeitigen +Begebenheiten Rum's und Armeniens gehören in die Geschichte dieser Länder +und ihrer Fürsten; wir erwähnen nur noch der Mission der vier Dominikaner, +welche Baidschu auf den ihm im Namen des Papstes gemachten Antrag, sich zum +Christenthume zu bekehren, tödten wollte. Einer seiner Offiziere hatte +sogar vorgeschlagen, den ersten der Missionäre zu schinden und seine +ausgestopfte Haut dem Papst als Antwort zu senden[236]; doch auf die +Fürbitte der Gemahlin Baidschu's wurde ihnen nicht nur das Leben geschenkt, +sondern sie erhielten sogar ein in dem Missionsberichte bis auf uns +gekommenes Schreiben und wurden von zwei Gesandten Baidschu's an den Papst +begleitet, der sie auf das Ehrenvollste empfing und mit Geschenken +überhäufte.[237] + +[Randnote: Dschintimur, Körgös, Statthalter Chorasan's.] + +In Persien liess Tschengischan, nachdem er abgezogen, als Statthalter den +Dschintimur zurück, welchem von allen vier Ulusen, d. i. Stämmen des +_Urugh_, d. i. des Hauses Tschengischan's, ein Amtsgehülfe beigegeben war, +indem Chorasan als ein, allen vier Söhnen Tschengischan's gemeinsamer +Besitz betrachtet ward; eine Zeit lang dem Dschurmaghun, dem Statthalter +Feldherrn in Persien, untergeordnet, unter dessen Oberbefehl er die, +Chorasan noch verheerenden türkischen Schaaren Chuaresmschah's schlug, +erhielt Dschintimur von Ogotai die unabhängige Statthalterschaft Chorasan's +und Masenderan's; als Gehülfe vom Blute des Kaan's war ihm _Kelilat_ +beigegeben; er selbst verlieh beide höchsten Staatsämter, nämlich das des +Wesirs oder Inhabers des Diwans und die Stelle des Staatssekretärs, an +zwei Moslimen, jenes an _Scherefeddin_ von _Jesd_, dieses an _Behaeddin_ +von _Dschuwein_, den Vater Athamülk's, des Geschichtschreiber's. Nach +Dschintimur's Tod erhielt seine Stelle _Nussal_, welcher schon von +Tschengischan dem Dschintimur als Amtsgehülfe von Seite des Uluses +Dschudschi's beigegeben worden war. Dem Nussal folgte in der +Statthalterschaft bald _Körgös_, d. i. Blindaug, welcher, an den Hof +Ogotai's gesandt, um über die Verwaltung Chorasan's Bericht zu erstatten, +gefiel und von seinem Landsmanne, dem Staatssekretär _Dschinkai_ dem +Uighuren, begünstigt. Der Kämmerer _Danischmend_, Gegner Dschinkai's, +bemühte sich seinerseits, die Statthalterschaft Chorasan's dem Sohne +Dschintimur's zu verschaffen; Dschinkai wünschte jedoch seinem Schützling +ein _Jerligh_, d. i. Diplom, des Kaan's zu verschaffen, vermöge welchem ihm +die statistische Zählung der Bewohner Chorasan's und Masenderan's +aufgetragen und alle Macht in seine Hände concentrirt ward. Der Wesir +Scherefeddin und Kelilat, ihrer Wirksamkeit durch das Jerligh beraubt, +schmiedeten mit _Ongu Timur_, dem Sohne Dschintimur's, Ränke wider Körgös +am Hofe des Kaan's, der ihn auf ihre Beschwerden zu sich berief. Körgös +machte sich auf den Weg, indem er den Behaeddin von Dschuwein an der Spitze +der Verwaltung zurückliess. Auf dem Wege in's Hoflager begegnete er zu +_Binaket_ den Commissären des Kaisers, welche ihm zurückzukehren befahlen; +es kam vom Wortwechsel zu Thätlichkeiten, in welchen Körgös blutig +geschlagen und ihm ein Zahn gebrochen ward; er musste den Commissären +folgen, aber in der Nacht sandte er einen Eilboten mit seinem +blutbefleckten Kleide nach Hof. Ogotai, über diese Behandlung seines +Statthalters aufgebracht, berief ihn zu sich; allein die Gegner _Kelilat_ +und der Sohn Dschintimur's folgten ihm auf dem Fusse. Zu Bochara wurde bei +einem demselben gegebenen Feste Kelilat am hellen Tage ermordet. Ogotai +wollte in dem ihm vom Sohne Dschintimur's dargebrachten Zelte speisen; kaum +hatte er es verlassen, als es ein Windstoss zusammenriss. Ogotai, durch +diese böse Vorbedeutung erschreckt, befahl, es in Stücke zu zerreissen. In +dem von Körgös ihm dargebrachten Zelte fand er im Gegentheil einen mit +Juwelen besetzten Gürtel, nach dessen Umbindung sein Lendenschmerz +verschwand, so dass er guten Muths wieder zechte. Die beiden Nebenbuhler um +Chorasan's Statthalterschaft blieben mehrere Monate am Hofe Ogotai's, +welcher wünschte, dass sie sich vertrügen, und ihnen befahl, aus demselben +Becher zu trinken, dasselbe Zelt zu bewohnen, nachdem sie zuvor ihre Waffen +abgegeben. Da sie sich nichtsdestoweniger nicht verglichen, ward, als sie +Beide in Ogotai's Gegenwart vor Gericht erschienen, der Sohn Dschintimur's +als schuldig verurtheilt, und sollte an den Herrscher seines Uluses, +nämlich an Batu, ausgeliefert werden. Der Sohn Dschintimur's flehte den +Kaan, selbst sein Schicksal zu entscheiden, indem ein Hund, wie er, nicht +werth sei, dass zwei grosse Herrscher, wie Ogotai und Batu, sich über ihn +beriethen. Du hast Recht, sprach Ogotai, Batu's Strenge würde selbst seinem +Sohne, wenn er sich in deinem Falle befände, nicht verzeihen. Dem Sohne +Dschintimur's wurde verziehen; aber seine Begleiter wurden nach der Jasa +bestraft, welche über die Verläumder Strafen verhängt. Körgös verwaltete +Chorasan mit Gerechtigkeit und Einsicht, baute Tus und Herat aus ihrem +Schutte wieder auf und warf den Ränkeschmied Scherefeddin, welcher unter +dem Scheine der Freundschaft gearbeitet, in's Gefängniss; dieser aber fand +mittels seines Weibes Schutz beim Uluse Dschagatai, und Arghun wurde mit +dem Befehle abgesandt, den Körgös lebendig oder todt nach Hofe zu +bringen.[238] + +[Randnote: Scherefeddin von Jesd, Blutegel der Finanz, und Arghun.] + +Körgös, der sich Anfangs in einem von ihm zu Tus erbauten Magazine +eingesperrt, ging endlich, als man Gewalt brauchen wollte, selbst heraus, +und ward von den Söhnen Dschagatai's nach Hof gesandt, wo sein Beschützer +Dschinkai von der Regentin Turakina verungnadet worden. Körgös, ohne +Beschützer, ohne Geld, wurde auf Befehl Kara Hulagu's, des Enkels +Dschagatai's, hingerichtet, und von der Regentin wurde _Arghun_ zum +Statthalter Chorasan's ernannt. Er begehrte den Scherefeddin als _Ulug +Bitekdschi_, d. i. grossen Staatssekretär oder Finanzminister, weil er sich +verbindlich gemacht, viertausend Balische, welche in den beiden Ländern +Chorasan und Masenderan an Steuern ausständig, einzutreiben. Scherefeddin, +Sohn eines Lastträgers von Chuaresm und seiner schönen Gestalt willen +Lieblingspage des Statthalters von Chuaresm, war von diesem, als der Page +die Frische des Jugendreizes verloren, dem Dschintimur abgetreten, bei dem +er sich durch seine Geschicklichkeit als Sekretär und seine Kenntniss der +mongolischen Sprache als brauchbar empfahl; er stellte ihn in +Steuergeschäften an, in welchen er bald Proben seines blutaussaugenden +Druckes gab, wodurch sein Name in der Geschichte für immer gebrandmarkt. Er +unterschied zwischen den Dörfern, welche sich freiwillig den Mongolen +ergeben, oder mit Gewalt erobert worden waren, und belastete die Einwohner +der letzten mit allen Arten von Auflagen und Qualen[239]. In diesem Geiste +hatte er unter Körgös das Land gedrückt und noch mehr unter Arghun, um die +Summe, zu deren Eintreibung er sich anheischig gemacht, einzutreiben. Weder +Weiber noch Waisen wurden verschont und Foltern aller Art angewandt, um +Geld zu erpressen; die Häuser wurden geplündert, den Todten selbst das +Leichentuch weggenommen, dar Mann vom Weibe, der Vater vom Sohne gerissen +und als Sklave verkauft; die Männer wurden barfuss, die Weiber +unverschleiert aus den Häusern geschleppt; jene bei den Füssen, diese bei +den Brüsten aufgehängt. Zu Rei wurden die geraubten Einrichtungen der +Häuser in der Moschee aufgeschichtet, dort auf Maulthiere geladen und diese +mit den Teppichen der Moschee zugedeckt. So schaltete und waltete er zu +Tebris und Kaswin, zu Issfahan, Kum, Kaschan, Rei und Hamadan, alle Häuser +und alle Foltern erschöpfend. Seinen Helfer Mahmud von Sebsewar sandte er, +um Isferain und Dschadscherm auszusaugen, er selbst lag schwer als Alp der +Finanz auf Astrabad, Amul und den Städten Masenderan's. Als Arghun zu Tus, +bat der Imam der Grabstätte Musa Risa's um Gnade und Schonung, und Arghun +gab ihm einen Kabinetsbefehl an Scherefeddin zur Zurückstellung eines +Theils des Geraubten. Scherefeddin befahl, den Vorzeiger des Befehls mit +Fäusten zu ohrfeigen, so dass er besinnungslos niederfiel. Die Pflugstiere +nahm er vom Acker, die Heerden aus den Haiden weg, so dass Ackerbau und +Viehzucht darniederlag. Glücklicherweise befreite sein Tod das Land von +seiner Tyrannei; [RN: 1244] aber noch auf dem Todbette sandte er Wort an +Arghun, ja die Eingesperrten nicht frei zu lassen, bis sie gezahlt, und ja +keinen Heller nachzusehen, weil sonst alle Ordnung zu Ende. Arghun that das +Gegentheil, indem er die Gefangenen losgab, die noch zu leistenden +Zahlungen nachsah und sich dadurch den Segen des Landes erwarb. Bei der +Thronbesteigung Gujuk's brachte Arghun alle eingesammelten Anweisungen, +welche sich verschiedene Prinzen gesetzwidrig auf verschiedene Distrikte +Chorasan's verschafft hatten, dem neuen Kaan als das angenehmste Geschenk +dar; die Stellen wurden nach seinem Vorschlag besetzt, die durch den Tod +des Blutegels Scherefeddin erledigte des Ulugh Bitekdschi erhielt +_Fachreddin Behischti_. Nach Gujuk's Tod riss während des Zwischenreichs +der Missbrauch der Anweisungen, wodurch den Prinzen Einkünfte von Dörfern +und Flecken in Chorasan für Jahre hinaus zugesichert wurden, wieder ein. +Bei Mengku's Thronbesteigung verschafften sich die Klagen des Landes Gehör, +und es wurde beschlossen, Chorasan auf die von Mohammed Jelwadsch in +Transoxana eingeführte Weise zu besteuern. Die Statthalterschaft wurde ihm +mit _Jerligh_ und _Paise_, d. i. mittels Diploms und Löwenkopfs, bestätigt, +und Behaeddin von Dschuwein für die Finanzverwaltung beigegeben; aber die +Brüder des Kaisers: Kubilai, Hulagu, Arikbugha, hatten bei ihm ihre +Agenten; so auch _Nikpei_, der Herr des Uluses Dschagatai. Persien wurde in +vier Steuerbezirke abgetheilt und die Vorsteher derselben erhielten den +Titel _Melik_, welches gewöhnlich König, hier aber so viel als Intendant +oder Generalpächter bedeutet. Arghun veranstaltete bei seiner Zurückkunft +neue Zählung und regelte die Kopfsteuer nach den Klassen, was bereits, +sowie die Einrichtungen Hulagu's durch denselben oben erzählt worden. + +[Randnote: Rückblick auf das Chalifat.] + +Hulagu befand sich Ende Aprils zu Denna, [RN: 9. Rebiulachir 655/26. April +1257] drei Monate hernach zu Hamadan; [RN: 10. Redscheb/26. Juli] in der +herbstlichen Tag- und Nachtgleiche sandte er einen Gesandten an den +Chalifen von Bagdad mit der Aufforderung von Unterwürfigkeit und dem +Vorwurfe, dass die zur Besiegung der Assassinen angesprochene Hülfe nicht +geleistet worden. Doch ehe wir die Begebenheiten der zwischen dieser +Aufforderung und dem Sturze des Chalifats verflossenen fünf Monate +erzählen, fordert geschichtlicher Zusammenhang den Rückblick auf die +letzten Zeiten des sinkenden Chalifats, das unter den Beni Abbas nun +bereits durch fünf Jahrhunderte gedauert. Ohne diesen Rückblick auf die +ersten und letzten Ursachen des Sinkens und gänzlichen Verfalls würde es +unmöglich sein, zu begreifen, wie der durch fünf Jahrhunderte aufrecht +stehende Thron des Chalifen in fünf Monaten zertrümmert ward[240]. Der Wurm +hatte schon lange an dem Herrscherstabe des Chalifen genagt, ehe derselbe +und das darauf gestützte Schattenbild der Herrschaft zu Boden fiel. Von +innen zerrissen das Reich die Partheiungen der Sunni und Schii und die +Anführer der türkischen Leibwachen, mit denen sich schon der achte Chalife +_Moteaassim_ in der Hoffnung umgeben, durch dieselben den Thron zu +schützen, die aber statt Vertheidiger Empörer, von Sklaven sich zu Sultanen +emporschwangen. Von aussen erschütterten und zertrümmerten das Reich die +mit dem Schwerte den Islam reformirende Secte der _Karmathen_ und die +überall emporsteigenden Dynastien, von denen alle den Titel der Herrschaft +den durch Gewalt abgenöthigten Diplomen des Chalifen dankten, von denen +aber die mächtigsten, wie die _Beni Hamdan_ und _Beni Buje_, um die +Oberherrschaft über den Chalifen buhlten, und desshalb im beständigen +Kriege mit dem Emirol-umera, d. i. dem Fürsten der Fürsten, dem Hausmeyer +des Chalifats, bis sie den Titel desselben sich selbst angeeignet. Kaum ein +Jahrhundert war seit der Gründung der Dynastie der Beni Abbas durch +_Abdallah es-seffah_, d. i. den Diener Gottes, den Blutvergiesser, +verflossen, als schon mit dem Einflusse der türkischen Leibwachen der +Saamen des Unheils wuchernd aufschoss; ein Jahrhundert hernach unter dem +neunzehnten Chalifen _Kahirbillah_, d. i. der _Rächende durch Gott_, war +bereits das Loos der Theilung über das Ehrenkleid des Chalifats geworfen +und die Länder desselben in zwölf Theile zerstückelt. [RN: i. J. 325/936] +Heute vor neunhundert Jahren herrschte in Persien die mächtigste, in vier +Zweige getheilte Dynastie der Beni _Buje_, in Diarbekr und Dijari Rebia, zu +Mossul und zu Haleb die Dynastie der Beni _Hamdan_; Chorasan war in den +Händen der Beni _Saman_, Masenderan und Dschordschan in denen der Beni +_Dilem_; der südlichen arabischen Landschaften hatten sich die _Karmathen_, +der südlichen persischen _Ahwas_ und _Wasit_, die Söhne _Berid's_, als +Empörer bemächtigt. In Aegypten und Syrien führten die türkischen Sklaven +der Familie _Achschid_ als Herrn den Titel von Sultanen und zu _Bagdad_ +selbst den des Fürsten der Fürsten. Zwei Dynastien der Beni _Sijad_ +regierten zu Sebid in Jemen und die anderen in Taberistan; in Kufa die Beni +_Thaba Thaba_ aus der Familie Ali und die Beni _Ochaissar_ in Hidschas. Den +Titel und die Macht als Chalifen machten den Beni Abbas die alte Dynastie +der Beni _Omeije_ in Spanien und die neue der _Fatimiten_ in Afrika +streitig[241]. So hatten sich Leibwachen und Sklaven, Sectirer und Empörer, +arabische und persische Emire in das weite Reich des Chalifats von Osten +bis Westen getheilt, und das Gebiet desselben war, wie in der letzten Zeit +des byzantinischen Reichs, fast nur auf das Weichbild der Residenz +beschränkt; was sich innerhalb den weiten Gränzen des ehemaligen Reichs der +Chalifen zutrug, gehört in die Geschichte der Dynastien, die sich dort +erhoben, und nicht mehr in die des Chalifats, das seit dem Beginne des +zehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung noch durch +vierthalbhundert Jahre seinem Untergange allmählig zusank. + +[Randnote: Wesire Verräther; Religionssecten; Ueberschwemmungen.] + +Am Eingange und Ende dieser vierthalbhundertjährigen Periode stehen zwei +Wesire Staatssekretäre, beide Gelehrte, beide als Hebel des Verderbens des +Reichs von der Geschichte gebrandmarkt. Der erste, _Ibn Mokla_, der +Verbesserer der arabischen Schrift in ihrer schönsten, gefälligsten Form +des _Neschi_, der dreimal den Koran abgeschrieben, dreimal die Wesirschaft +verwaltet, dreimal Heere befehligt, dreimal die Pilgerreise vollzogen und +zuletzt sogar dreimal bestattet worden, unterhielt verrätherischen +Briefwechsel mit _Jahkim_, dem türkischen Emire, wie _Ibn Alkami_, der +letzte gelehrte Wesir des letzten der Chalifen, mit Hulagu; jener die +Türken, dieser die Mongolen rufend. Der zwischen beiden liegende Zeitraum +zerfällt in vier Perioden, in deren erster die _Bujiden_, in der zweiten +die _Seldschuken_, in der dritten die _Chuaresmschahe_ und endlich die +_Mongolen_ die mächtigsten Herrscher Mittel- und Vorderasiens. Wir haben +hier nicht die Geschichte dieser Reiche zu überblicken, sondern nur die des +unter ihrem eisernen Fusstritte tief darniedergebeugten Chalifats. Die +erste Periode der Uebermacht der Beni Buje bis zum Auftritte der +Seldschuken unter Toghrul umfasst hundert fünf und zwanzig Jahre, die +Herrschaft der Seldschuken in Chorasan und Kerman anderthalb Jahrhunderte, +die überwiegende Macht der Chuaresmschahe unter den beiden letzten grossen +Sultanen derselben, Mohammed Tekesch, die der mongolischen Herrschaft seit +dem Tode Tschengischan's, dreissig Jahre. Während dieses durch die +Uebermacht der Beni Buje, der Seldschuken, der Chuaresmschahe und der +Mongolen unterdrückten, durch innere Unruhen zerstückten Chalifats sassen +seit dem neunzehnten Chalifen, Kahirbillah, noch achtzehn sogenannte +Schatten Gottes auf Erden als Schatten auf dem Chalifenstuhle, mit dem +Mantel des Propheten angethan, mit seinem Stabe als Richter die weltliche +Herrschaft zum Scheine und nur noch die geistliche als die Imame des Islams +ausübend, auch diese nicht unbestritten, sondern von Ketzern und +Glaubensreformern vielfach beeinträchtigt, von den Chalifen der Beni Omeije +in Spanien und von denen der Fatimiten in Afrika in Anspruch genommen. +Zuerst entzweite das Chalifat die zu Bagdad mit gleicher Erbitterung +geführte Glaubensspaltung der _Sunni_ und _Schii_, wovon jene die +Katholiken, diese die Protestanten des Islams; jene dem Hause Abbas, diese +dem Ali's und folglich allen denen, welche als Verwandte der +Prophetenfamilie auf Herrschaft Anspruch machten, gewogen. Die für den +Thron sowohl als für den Altar gefährlichsten Religionsneuerer aber waren +die _Karmathen_ und _Ismailiten_, wovon jene mit dem Schwerte in der Hand +als Zerstörer der Kaaba und Räuber des heiligen schwarzen Steines, als +Mauerbrecher das feste Gebäude des Islams erschütterten; diese unter dem +Schleier geheimer Lehren und Verbindungen die Grundfeste der Religion +untergruben und mit dolchbewaffnetem Arm schneidende Beweise führten; +höchst gefährliche Neuerer der Lehre, welche den ihnen beigelegten Namen +der _Mulhad_, d. i. der Freigeister oder Gottlosen, wohl verdienten und +welche nur unter dem tropischen Gewande der Allegorie und Mystik das Skelet +ihrer Grundlehre: _Nichts zu glauben und sich Alles zu erlauben_, +verlarvten; gefährlicher als die Anhänger _Masdek's_ unter Nuschirwan, als +die _Babek's_ unter den Chalifen Mamun und Moteaassim, welche offen die +Gemeinschaft der Güter und Weiber predigten, das Scheusal ihrer Grundsätze +offen Preis gaben, während diese es unter dem Schleier ascetischer Uebungen +und philosophischer Lehren im tiefsten Geheimnisse verbargen. Von der Zeit +an, wo unter Kahirbillah die Karmathen und Beridäer die Länder des +Chalifats mit Blut überschwemmten bis zur letzten Blutüberschwemmung durch +die Mongolen, waren die grossen politischen Unheile des Reichs fast immer +gleichzeitig mit grossen verderblichen Naturbegebenheiten, mit Erdbeben, +Hungersnoth und besonders grossen Verheerungen des Tigris, so dass die +Ueberschwemmung des letzten nur als ein Vorzeichen einer Ueberschwemmung +von Blut galt, ein Glaube an eine geheime Verbindung physischer und +moralischer grosser Begebenheiten, welche durch die furchtbaren +Ueberschwemmungen des Tigris, welche im Jahre der Einnahme Alamut's +statthatte und nur zu bald durch das Blutbad und den Ruin Bagdad's +bestätigt ward. + +[Randnote: Die Emirol-umera aus der Familie Buje.] + +Der Tyrann Kahirbillah, Nachfolger des Chalifen Radhi, der letzte der +Chalifen, welcher dichtete und selbst am Freitage das Chutbe verrichtete, +berief den Türken _Raik_ als Fürsten der Fürsten nach Bagdad und stiftete +so die oberste Gewalt der Fürsten der Fürsten, um die sich mit den +Befehlshabern der Leibwachen die mächtigen Fürsten des Hauses Hamdan und +Buje stritten. Er bestellte, der erste, einen Stellvertreter in der +Moschee, in welcher vor ihm die Chalifen selbst als Imame dem Gebete +vorstanden, am Freitage die Rede selbst von der Kanzel als _Chatibe_ +gehalten hatten.[242] [RN: 330/941] Unter seines Bruders und Nachfolgers +_Mottakki_, d. i. des Gottesfürchtigen, Regierung verkündeten grosse +Ueberschwemmung des Tigris und grosse Pest und Hungersnoth eben so grosses +politisches Unheil. Der Anführer _Beridi_ verheerte Bagdad dritthalb Monate +lang mit seinen Truppen, der Türke _Tusun_ drängte sich nach Raik's Tod dem +Chalifen als Fürst der Fürsten auf, dem byzantinischen Kaiser Romanus +Lapachenes musste das Schweisstuch Christi als Lösegeld ausgeliefert +werden; Mottakki ward geblendet und vom Throne gestossen. Sein Neffe +_Mostekfibillah_ verlieh nach Tusun's Tod die Stelle des Fürsten der +Fürsten dem _Schirsad_, welchem sie Ahmed der Bujide entriss und vom +Chalifen mit dem Ehrentitel _Moiseddewlet_, d. i. der den _Hof_ oder das +_Reich Ehrende_, anerkannt ward. Er bemächtigte sich der Leitung aller +Geschäfte, wies dem Chalifen nur fünftausend Dirhem für dessen täglichen +Unterhalt an, riss ihn endlich gewaltsam vom Throne und verstiess ihn +geblendet in den Kerker. Die Wesire wurden von nun an nicht mehr Wesire, +sondern nur _Kjatibe_, d. i. Sekretäre, genannt.[243] Sein Nachfolger +_Motiilillah_, d. i. der Gehorsame in Gott, war nur den Befehlen +Moiseddewlet's und seines Sohnes Bachtiar gehorsam, welche die wahren +Herren von Bagdad, als Schii die Sunni als Ketzer und die Chalifen aus dem +Hause Abbas als ungerechte Thronbesitzer anfeindeten; Verwünschungen wider +Omar, der _Fedek_, das Landgut Ali's, eingezogen, und den _Ebu Serr_ +verdammte, wurden an die Thore der Moscheen geschrieben, Nachts zwar von +den Sunniten wieder ausgelöscht, dann aber dem Moawia von den Kanzeln +geflucht und das Fest Aaschura zum Preis des Martyrthums Husein's +eingesetzt[244]. Moiseddewlet verkaufte die Stelle des Obersten Richters um +zwanzigtausend Dirhem, das erste Beispiel so schändlicher Verkäuflichkeit +im Islam, und Bachtiar, als es ihm an Geld mangelte, zwang den Chalifen, +seine ganze Garderobe und sein Hausgeräthe zu verkaufen, und zog die aus +der Versteigerung gelösten vierzigtausend Dirhem ein, so dass man sagte, er +habe den Chalifen vergantet[245]. Die Karmathen hatten zwar den schwarzen +heiligen Stein wieder an die Kaaba zurückgestellt, aber hingegen eroberten +die Griechen alle Gränzfestungen des Reichs. Zu Tarsus verwandelten sie die +Moscheen in einen Stall und verbrannten die Kanzel; Antiochien und Haleb, +Edessa und Nissibin wurden geplündert. Dschewher, der Feldherr der +Fatimiten, hatte Aegypten erobert. So grosse und schwere Unfälle waren +durch ausserordentliche Naturverheerungen vorbedeutet oder von denselben +begleitet worden. [RN: 346/957] Erdbeben verschluckte die Stadt Thalkan mit +allen ihren Einwohnern, bis auf dreissig[246], und hundert fünfzig Dörfer. +Die Erde warf die Gebeine der Todten aus und sprengte heisses Wasser zum +Himmel empor; Kum und Holwan wurden durch Erdbeben verwüstet; die +Heuschrecken verzehrten nicht nur das Gras der Fluren, sondern auch die +Blätter der Bäume; das Meer trat achtzig Ellen weit von seinen Ufern +zurück[247] und enthüllte die Naturwunder seines Schooses; drei Jahre +später verschlang es das Gepäck der Pilgerkarawane, die ein Wolkenbruch +demselben zugeschwemmt; [RN: 349/960] in diesem Jahre wurde Kreta von den +Griechen erobert. Der Sohn Motii's war _Thaai_, was ebenfalls _gehorsam_ +bedeutet; er gehorsamte, wie der Vater, dem Fürsten der Beni Buje, die sich +nun mit den Türken und unter sich um die Obervormundschaft des gehorsamen +Chalifen stritten; doch beobachtete Adhadeddewlet, der grosse Fürst der +Bujiden, wenigstens den äusseren Anstand, indem er siebenmal vor dem +Chalifen die Erde küsste, während Behaeddewlet den Palast des Chalifen +plünderte, ihn selbst durch zwei Dilemiten von dem Throne reissen liess und +geblendet in den Kerker verstiess. Adhadeddewlet hatte zu Bagdad Spital und +Sternwarte gebaut, und inmitten der finsteren Nacht, welche den Thron des +Chalifats umdunkelte, leuchteten am literarischen Himmel Gestirne der +ersten Grösse. Der Dichter _Motenebbi_, der Geschichtschreiber _Mesudi_, +der Philosoph _Farabi_ und _Ebulferedsch von Issfahan_, der Verfasser der +grossen Blüthenlese, _Aghani_, welcher dem Wesir Ibad die fünfhundert +Kameellasten von Büchern, die er vor Erscheinung derselben mit sich zu +führen pflegte, ersparte. + +[Randnote: Kadirbillah und Kaimbiemrillah.] + +In die vierzigjährige Regierung Kadirbillah's, des fünf und zwanzigsten +Chalifen, des Enkels Moktedir's, fällt das Ende der Herrschaft der Beni +Buje und der Beginn der Grösse der Sultane von Ghasna, welche aber zu +ferne, um unmittelbaren Einfluss auf die Schicksale Bagdads zu nehmen. +Nichtsdestoweniger ertheilte ihnen der Chalife Ehrentitel, indem er dem +Vater Sebugtegin den _der rechten Hand des Hofes und des Intendenten des +Volkes_[248] beilegte, wie die Fürsten der Buje der _Bewahrer_[249], der +_Arm_[250], der _Ruhm_[251], der _Adel_[252], das _Schwert_[253], der +_Werth_[254], die _Säule_[255] und die _Ehre_[256], der _Veredler_[257], +die _Erhabenheit_[258] des Reichs und des Hofs geheissen hatten; fünf und +vierzig Jahre alt, als er den Thron bestieg, füllte _Kadir_, d. i. der +Mächtige, denselben vierzig Jahre lang, wenn nicht mit Macht, doch mit +Anstand und Würde, war genau und eifrig in Vollziehung der vorgeschriebenen +Religionspflichten im Gegensatze seiner Vorfahren, welche Wüstlinge und +Schlemmer, schrieb ein Buch wider die Schismatiker, welche die Lehre, dass +der Koran erschaffen, vertheidigen, welches alle Freitage in der Moschee +vorgelesen ward; nur wurde seine lange Regierung häufig durch die blutigen +Streitigkeiten der Sunni und Schii getrübt, weil er die letzten auf Kosten +der ersten begünstigte. In dem ersten dieser Religionsaufruhre wurde der +Wesir Behaeddewlet erschlagen, weil er die Todtenfeier des Martyrthums +Husein's abstellen wollte. [RN: i. J. 382/992] Neun Jahre hernach empörten +sich die Ketzer, indem sie die Einführung eines neuen Festes, nämlich des +schiitischen des _Teiches_, durchsetzten[259]. [RN: 389/998] Zehn Jahre +hernach, im selben, wo ein heftiges Erdbeben die Stadt dreimal, und +Hakimbiemrillah die Kirche, das heilige Grab zu Jerusalem in Schutt +verwandelte, schlugen sich die Sunni und Schii in den Strassen von Bagdad. +[RN: i. J. 407/1016] Neun Jahre später wurden die Ketzer zu Wasith von den +Sunni geschlagen und die Kuppel der grossen Moschee zu Jerusalem stürzte +ein. Schon im nächsten Jahre [RN: i. J. 408/1017] entbrannte der Kampf +zwischen ihnen umso heftiger zu Bagdad; und abermals nach dreizehn Jahren +[RN: i. J. 421/1030] schlugen sie sich wegen des Festes _Aaschura_, d. i. +des Trauerfestes Husein's. Ausser dieser so oft wiederholten blutigen +Polemik wurde Bagdad von Zeit zu Zeit durch Diebsbanden beunruhigt, so +dass Niemand seines Eigenthums sicher[260]. Nichtsdestoweniger brachte es +Kadir dahin, dass die Beni _Okail_ in Syrien das Kanzelgebet auf seinen +Namen und nicht auf den der Fatimiten verrichteten, deren angeblicher +Ursprung von Ali, zu Bagdad öffentlich in den Schulen angegriffen ward. +[RN: i. J. 402/1011] Die Gleichzeitigkeit _Firdewsi's_ und _Kabus +Schemsolmaali's_, des Dilemiten, wie die _Hamdan's_, des Gründers der Beni +Hamdan, und _Avicena's_ verherrlichte die vierzigjährige Regierung Kadir's +nicht minder, als die fünf und vierzigjährige seines Sohnes +_Kaimbiemrillah's_, d. i. des auf Befehl Gottes Aufrechtstehenden, durch +das Aufsteigen _Toghrul's_, des Gründers der Dynastie der Seldschuken, als +Beginn einer neuen Epoche, indem die Vormundschaft der Chalifen von dem +Hause Buje in das der Seldschuken überging. Toghrul, von dem Chalifen um +Schutz wider den übermächtigen Türken Besasiri angefleht, gewährte +denselben, aber gegen die Belehnung mit der Herrschaft des Ostens und +Westens mittels zweier Kopfbünde, zweier Schwerter, sieben Fahnen und +sieben nacheinander angelegter Ehrenkleider, während der Chalife auf sieben +Ellen hohem Throne sass. Der Chalife vermählte sich mit der Nichte +Toghrul's und dieser nahm die Tochter des Chalifen zur Frau, starb aber vor +Vollzug der Hochzeit siebzigjährig. Zwei Kometen[261], Erdbeben, +Hungersnoth, Meeresebbe und Ueberschwemmungen verkündeten und begleiteten +diesen neuen Umschwung der Herrschaft des Ostens und Westens. In Aegypten +und Palästina spie die Erde Wasser[262], das Meer zog sich auf einen Tag +weit von den Gestaden zurück und verschlang in unvermutheter Rückkehr die, +welche in seinen aufgedeckten Tiefen nach Schätzen suchten[263]. Die +Hungersnoth in Aegypten war so gross, dass seit des ägyptischen Joseph's +Zeit keine grössere gedacht ward[264] und die Stärkeren die Schwächeren +ohne Scheu auffrassen; durch zwei Ueberschwemmungen des Tigris[265] wurden +über hunderttausend Häuser verwüstet. Solche Zeichen mussten die Herrschaft +der Türken über Vorderasien verkünden; aber ausserdem ward Bagdad noch +durch Diebesbanden und die Religionskämpfe der Sunni und Schii verwüstet; +diese fügten zum Gebetsaufruf die Formel: _Auf! zu guten Werken!_[266] bei +und schrieben auf ihre Bollwerke: _Mohammed und Ali sind die bessten der +Geschöpfe; wer vollzieht, ist dankbar, wer sich dessen weigert, undankbar_; +die Sunni widersetzten sich; die Grabmäler der Imame _Musa_ und _Takki_ +wurden ihrer goldenen Leuchter und Lampen beraubt, die Schreine aus +Ebenholz angezündet; sie verbrannten auch die Grabdome des Chalifen _Emin_ +und seiner Mutter _Sobeide_, die der Bujiden _Mois_ und +_Dschelaleddewlet_[267]; die Moscheen der Hanefiten wurden von den Schiiten +geplündert. Sie unterliessen dafür das Kanzelgebet für den Chalifen, weil +er sie zu schützen nicht im Stande, nicht Chalife und Imam zu heissen +verdiene. Doch hatte er vor seinem Ende den Trost, dass der Scherif von +Mekka das Kanzelgebet nicht mehr auf den Namen der Fatimiten, sondern auf +den der Beni Abbas verrichtete; und unter seiner Regierung erhob sich zu +Bagdad die erste, vom grossen Wesire Melekschah's von Nisameddin gestiftete +hohe Schule _Nisamije_[268]. + +[Randnote: Die Chalifen Moktefi, Mostadhir.] + +Mit Moktefi, dem Sohne Kaimbiemrillah's, dem sieben und zwanzigsten +Chalifen, welcher zwanzigjährig den Thron bestiegen, setzte sich auf +denselben in Chuaresm _Itsis_, einer der Emire Melekschah's, der Gründer +der Dynastie der Chuaresmschahe, die erst ein Jahrhundert später zum Gipfel +der Macht emporstieg. _Itsis_ liess das Freitagsgebet wieder auf den Namen +des Chalifen aus dem Hause Abbas, statt auf den der Fatimiten, verrichten. +Moktefi vermählte sich mit der Tochter seines Schirmvogtes, des grossen +Sultan's der Seldschuken, Melekschah. Die Hochzeit war die glänzendste, +welche Bagdad seit der berühmten Mamun's mit der Tochter seines Wesirs +_Sehl_ gesehen; der grosse Wesir Nisamolmülk mit zweitausend Reitern +begleitete die Braut; hundert vier und dreissig Reihen von Kamelen (jede +Reihe zu sieben) trugen den Brautschatz, in welchem die juwelenbesetzten +Pantoffeln das Hauptstück. Die Hochzeit, sowie ein Paar Jahre hernach das +Geburtsfest des Sohnes Dschaafer aus der Frau Turkjan, wurde mit grossen +Festen gefeiert; dem letzten wohnte Melekschah in eigener Person bei und +legte bei dieser Gelegenheit den Grund der nach seinem Namen genannten +Moschee Bagdad's. Nach Verlauf eines Jahres zertrugen sich der Chalife und +die Tochter Melekschah's, welche zu ihrem Vater nach Issfahan zurückkehrte, +weil Moktefi statt ihres Sohnes Dschaafer's den _Mostadhir_ zum Thronerben +ernannte. Melekschah forderte, dass der Chalife die Erbfolge an seinen +Enkel Dschaafer, den Sohn Turkjan's, übertrage, und war eben im Begriffe, +ihm dieses Familiengesetz mit gewaffneter Hand aufzuzwingen, als er +vergiftet starb, was von Bagdads Einwohnern der Wirkung des +himmeldurchdringenden Gebetes des Chalifen zugeschrieben ward. [RN: +487/1094] Moktefi überlebte ihn nur drei Jahre und hatte seinen +sechzehnjährigen Sohn _Mostadhir_ zum Nachfolger. [RN: 489/1096] Zwei Jahre +nach seiner Thronbesteigung ward ganz Asien durch den Schrecken der +Astronomen über den Verein der Planeten, den Saturnus ausgenommen, im +Zeichen des Fisches mit Vorhersagungen von Sündfluth aufgelärmt, indem zur +Zeit der Sündfluth alle sieben Planeten im Fische gestanden haben sollen; +wirklich schwemmte ein Wolkenbruch das Gepäck der Pilgerkarawane fort; aber +verderblicher als diese Ueberschwemmung war die der Kreuzfahrer, deren +Fluth bald hierauf an den syrischen Gestaden emporbrandete. [RN: 499/1105] +Ein Comet von einer Grösse, dessgleichen nie gesehen worden, galt als +Vorzeichen des ungeheueren Brandes, dessgleichen Bagdad noch nicht erlebt +hatte, und in welchem nebst dem Palaste des Chalifen die hohe Schule +Nisamolmülk's und die ganze Flussseite der Stadt in Asche gelegt ward; [RN: +511/1117] was vom Brande übrig geblieben, zerstörte ein Erdbeben. Brand und +Erdbeben mussten den Tod Mohammedschah's des Seldschuken und des Chalifen +vorbedeutet haben, welche bald hierauf im Zwischenraume von wenigen +Monaten starben. Es war das drittemal, dass der Tod des Chalifen mit dem +seines seldschukischen Schirmvogtes fast zusammenfiel; Sultan _Alparslan_ +war zwei Jahre vor dem Chalifen _Kaim_[269], Sultan _Melekschah_ zwei Jahre +vor dem Chalifen _Moktefi_[270] und jetzt Sultan Mohammed nur einige Monate +vor dem Chalifen _Mostadhir_ gestorben, und sowohl die drei Sultane als die +drei Chalifen gehörten unter die grössten und bessten Herrscher ihres +Hauses[271]. _Mostadhir_, beredt, freigebig und Schönschreiber, machte den +Bewohnern Bagdads angenehme und fröhliche Tage, indem seine vier und +zwanzigjährige Regierung im Ganzen eine ruhige, während die siebzehnjährige +seines Sohnes und Nachfolgers _Mosterschid_ das Gegentheil durch die +Thronnebenbuhlerschaft der beiden Seldschuken, Mahmud und Mesud, von denen +Mosterschid jenen als Oberherrn anerkennend mit sieben, diesen nur mit zwei +Ehrenkleidern bekleidete. Mesud überzog in der Folge den Chalifen mit +Krieg, belagerte Bagdad und nahm ihn gefangen; als aber sein Oheim +Sindschar solche Verletzung der dem Oberhaupte des Islams schuldigen +Ehrfurcht hoch missbilligte, setzte er ihn in Freiheit und ging sogar vor +dessen Pferde, die Satteldecke desselben tragend, einher. Ein Feuerregen zu +Mossul und fliegender Skorpionen zu Bagdad, an deren Bissen Viele starben, +gingen dem gewaltsamen Tode des Chalifen voraus, der unter dem Dolche der +Assassinen fiel. Sie hatten ihn zu ihrem Opfer ausersehen, weil er ihnen +feind; ein tugendhafter Fürst, ausgezeichneter Schönschreiber, +Rechtsgelehrter und Ueberlieferer, in dessen Gegenwart Lesungen der +Ueberlieferungen gehalten worden. Unter seiner Regierung wurden zu Hebron +in einer Felsenhöhle Leichname entdeckt, welche für die Abraham's, Isak's +und Jakob's galten, deren Gräber seitdem dort der Gegenstand moslimischer +Verehrung; und zu Bagdad fiel, was vordem und seitdem unerhört, mannstiefer +Schnee, der vierzehn Tage liegen blieb[272]. + +[Randnote: Die Chalifen Raschid und Moktefi.] + +Raschid[273], der Sohn Mosterschid's, der dreissigste Chalife, trat +keineswegs in seines Vaters und Grossvaters Fussstapfen; wider Sultan Mesud +lehnte er sich auf, indem er das Kanzelgebet zu Bagdad, statt auf dessen +Namen, auf den David's, des Neffen Mesud's, verrichten liess. Mesud +plünderte dafür Bagdad mit solcher Raubsucht, dass den Frauen und +Sklavinnen sogar die Halsbänder und Ohrgehänge weggerissen wurden; durch +sechzehn Tage und Nächte bebte die Erde zu Bagdad, und schon eilf Monate, +nachdem er den Thron bestiegen, dessen ihn die Richter und Rechtsgelehrten +durch ein Fetwa als unfähig erklärten, fiel er, wie sein Vater, unter +Meuchlerdolch. Das Reich war so gesunken und verarmt, dass, als Raschid's +Nachfolger, sein Vetter _Moktefi_, der Sohn Mostadhir's, den Chalifenstuhl +bestieg, ihm kein Einkommen blieb, als der Ertrag seiner Privatgüter; aber +auch diesen hätte er nicht eintreiben können, wenn ihm nicht die Sklaven +Mesud's dazu verholfen hätten. Er vermählte sich mit der Schwester Sultan +Mesud's, welche ihm hunderttausend Dukaten als Heirathsgut zubrachte; aber +vierzehn Jahre hernach, als die Araber der Wüste die ganze Pilgerkarawane +plünderten und gefangen nahmen, musste die Gemahlin des Chalifen, welche +sie gefangen behielten, um hunderttausend Dukaten losgekauft werden, so +dass das Heirathsgut als Lösegeld aufging. Hierauf sandte ihm Sultan +Sindschar, der Oheim Mesud's, den Mantel und den Stab des Propheten, +welchen Mesud, als er den Chalifen Mosterschid gefangen genommen, dem Oheim +gesandt. Moktefi hatte während seiner vier und zwanzigjährigen Regierung +mit Widerwärtigkeiten aller Art zu kämpfen. Die Naturbegebenheiten schienen +sich wider ihn verschworen zu haben, wie die Emire Sultan Mesud's, welche +Bagdad belagerten und verheerten. Ein Erdbeben, in welchem dreissigtausend +Menschen zu Grunde gingen, verschlang die Stadt _Hire_, an deren Stätte +schwarzes Wasser aufquoll; [RN: 534/1139] in Syrien zählte man in Einer +Nacht achtzig Erdstösse; Orkane und Wolkenbrüche verheerten Kleinasien und +ein Comet zog flammend von Osten gegen Westen. Zu Bagdad rettete sich der +Chalife nackt aus den Flammen, welche den kaum aufgebauten Palast mit der +ganzen Einrichtung verzehrten. [RN: 543/1148] In Arabien regnete es Blut; +aber mehr noch als alle diese Naturerscheinungen bedrängte den Chalifen der +Druck seines Schwagers Schirmvogtes Mesud; wider denselben blieb dem +Unterdrückten keine Waffe, als der himmeldurchdringende Pfeil des Gebetes; +diesem ward der gähe Tod Mesud's zugeschrieben, durch welchen nicht nur +Moktefi seines Drängers ledig, sondern auch das nun schon dreihundert Jahre +auf dem Chalifate schwer lastende Joch türkischer Sklaverei für immer +zerschlagen ward; [RN: 547/1152] eine höchst günstige Begebenheit, wodurch +die Chalifen wieder ihre Unabhängigkeit genossen, welche sie seit der +Einführung der türkischen Sklaven unter Moteaassim verloren hatten. Doch +nützte ihnen dieselbe nicht viel, da das Reich zerstücket, ihre Herrschaft +nur auf das Grabmal von Bagdad und einige Städte des arabischen Irak +beschränkt war und die Macht der Chuaresmschahe drohend emporwuchs. +Indessen ist diese Epoche doch eine sehr merkwürdige in der Geschichte des +Chalifats, welches in dem letzten Jahrhunderte seines Daseins keinen +Schirmvogt anerkannte. Moktefi selbst benützte den ersten freien Odemzug, +den ihm der Tod Mesud's gewährte, zur Belagerung von Tekrit und einem +Streifzuge wider die in der Gegend herumziehenden Turkmanen, denen er +viermalhunderttausend Schafe und grosse Beute abnahm und damit zu Bagdad +einzog. Suleiman, der Sultan der Seldschuken Rum's, kam nach Bagdad, um aus +der Hand des Chalifen den Titel der Herrschaft und den Befehl zur Eroberung +des Gebirgslandes zu empfangen. Das Erdbeben, das im folgenden Jahre acht +Städte der Moslimen und fünf der Franken in Syrien verheerte, war eines der +schrecklichsten; [RN: 552/1157] die Einwohner _Hamid's_ wurden alle +erschlagen, zu _Scheiser_ blieb nur ein Weib, zu _Kefrtab_ keine Seele +lebendig. Zu _Apamea_, _Himss_, _Maarret_ und _Tell Hamdan_ wurde die +Hälfte der Einwohner verschüttet, die von _Hossn Ekrad_ und _Arka_ gingen +alle zu Grunde, Niemand wollte innerhalb der Mauern bleiben, und die +Uebriggebliebenen suchten Rettung im Freien. Im folgenden Jahre verwüstete +die Ueberschwemmung des Tigris dreissigtausend Häuser von Bagdad und Hagel +in der Grösse von Hühnereiern und den seltsamsten Figuren ging dem Tode +des sechs und sechzigjährigen Chalifen voraus. + +[Randnote: Neue Periode des Chalifats; Mostendschid.] + +Die Periode der Unabhängigkeit der Chalifen von dem seit Mesud's Tode +abgeschüttelten Joche der seldschukischen Vogtschaft ist in keiner der +bisherigen europäischen Geschichten des Chalifats gehörig hervorgehoben, +kaum mit ein Paar Worten über den Charakter der Gemahlin Moktefi's +angedeutet worden[274]; diese, welche _Taus_, d. i. Pfau, hiess, flösste +ihrem Gemahle den hohen Sinn und den Muth ein, sich von der schmählichen +Oberherrschaft der Türken, unter denen die Chalifen durch drei Jahrhunderte +geschmachtet, loszusagen. Das letzte Jahrhundert der Dauer des Chalifats +war also ein für dasselbe ehrenvolleres, als die drei verflossenen, indem +die letzten sechs Chalifen keine Obervogtschaft anerkannten und selbst ihre +Heeresmacht wieder zu einer Höhe brachten, wodurch sie in den Stand gesetzt +wurden, nicht nur die Anmassungen der Chuaresmschahe auf gleiche Vogtschaft +zurückzuweisen, sondern sogar Empörungen niederzuschlagen und ein Paar dem +Chalifate längst entrissene Landschaften demselben wieder einzuverleiben. +Die Ursache des gänzlichen Ruines des Chalifats ist, ausser der Alles vor +sich in den Staub tretenden Uebermacht der Mongolen, hauptsächlich die +Unterthänigkeit des letzten Chalifen aus dem Hause Abbas, welchem, wenn er +in die Fussstapfen seiner fünf unmittelbaren Vorfahren, und namentlich in +die _Nassirbillah's_, getreten wäre, es wohl hätte gelingen können, die +Macht der Mongolen von den Mauern Bagdad's zurückzuschlagen, wie diess ein +Paarmal seine Vorfahren mit Muth und gutem Glück gethan. Die Periode der +vorletzten fünf Chalifen gehört, wenn nicht unter die schönsten Zeiten des +Chalifats aus dem Gesichtspunkte des Glanzes und der Macht, doch unter die +bessten und ehrenvollsten Tage desselben, aus dem Gesichtspunkte äusserer +Jochentlastung und Unabhängigkeit und innerer Ruhe und Sicherheit +betrachtet. Der Zeitraum der fünf und achtzig Jahre, welche unter den +vorletzten fünf Chalifen verflossen, kann mit einigem Fuge dem Zeitraume +der neun und achtzig verglichen werden, in welchem Rom unter der Herrschaft +Trajan's, Hadrian's und der Antonine aufathmete, das vorige Weltreich +wieder einigen Ansehens, die Menschheit wieder einiger Ruhe genoss. Der +Name Mostendschid, der mehrere Bedeutungen hat, kann in zweien dieser +Bedeutungen für den geschichtlich bezeichnenden seiner Herrschaft gelten. +Mostendschid heisst sowohl der einen Vertheidiger Suchende, als ein nach +überstandener Krankheit seine Kräfte Sammelnder. Er hoffte in dem syrischen +Atabegen einen Vertheidiger des Chalifats zu finden; eine Hoffnung, die +nicht durch _Nureddin_, der selbst mit dem ägyptischen Chalifen im Kampfe +lag, wohl aber unter Ssalaheddin, dem ersten Herrscher des mächtigen Hauses +Ejub, unter _Mostadhir_, dem Nachfolger _Mostendschid's_, durch den Sturz +des Chalifen Nebenbuhlers in Aegypten und durch die Uebertragung des +Kanzelgebetes von ihrem Namen auf den der Familie Abbas einigermassen +erfüllet ward. Mostendschid, ein gerechter, gebildeter und energischer +Fürst, hob die von seinem Vorfahrer zum Ruin des Handels eingeführten +drückenden Stempelgefälle auf, verbot die scholastischen Vorlesungen über +metaphysische Werke und entriss den Händen der _Beni Mesud_ die der Stadt +des Heiles so nahe gelegenen _Hille_, _Kufa_ und _Enbar_. + +[Randnote: Mostadhi und Nassirlidinillah.] + +Mostendschid's Sohn und Nachfolger, _Mostadhi_, d. i. der Erleuchtung +Suchende, schritt während seiner neunjährigen Regierung auf dem von seinem +Vater, während seiner eilfjährigen, betretenen Pfade fort. Dem Gründer der +Grösse des Hauses Ejub, dem grossen _Ssalaheddin_, welcher der Herrschaft +der Chalifen Nebenbuhler in Aegypten ein Ende gemacht und das Kanzelgebet +wieder auf den Namen der Chalifen aus dem Hause Abbas übertragen, sandte er +Ehrenkleider und ein höchst ehrenvolles Diplom mit glänzenden Titeln und +Geschenken. So ward nun wieder in Aegypten und Arabien der Chalife Bagdad's +von den Kanzeln als der rechtmässige erkannt. Grössere Kräfte, als unter +den nur zwei Jahre füllenden Regierungen Mostendschid's und Mostadhi's, +sammelte das Chalifat unter der sechs und vierzigjährigen +_Nassirlidinillah's_, d. i. des Helfers der Religion Gottes, welchem bald +nach dem Antritte seiner Regierung die Freude ward, dass nach dem Sturze +der Beni Omeije in Spanien nun auch dort von den Herrschern aus der Familie +Abdol Mumin das Kanzelgebet auf den Namen des Chalifen aus dem Hause Abbas +verrichtet ward, eine frohe Botschaft, welche so, wie unter Mostadhi die +von der Veränderung des Kanzelgebetes in Aegypten und Arabien, zu Bagdad +mit Freudenfesten gefeiert ward. Während Ssalaheddin die heilige Stadt der +Herrschaft der Christen entriss, eroberte der Chalife die am Euphrat +gelegenen Schlösser Aana und Hadise wieder dem Reiche zurück, das sich nun +wenigstens wieder über den grössten Theil Mesopotamiens, von den Ufern des +Tigris bis an die des Euphrats, und über Chusistan erstreckte, dessen +Schlösser der Wesir _Ibnol aththar_ wieder der Macht des Chalifen +unterwarf. Den Triumph Nassir's vollendete der gänzliche Ruin der +persischen Seldschuken, vormaligen Schirmvögten, indem Sultan Tekesch der +Chuaresmschah den Kopf des von ihm besiegten letzten persischen Seldschuken +Toghrulschah dem Chalifen nach Rei sandte, wo derselbe an der Moschee als +Trophäe aufgehangen ward. Den Gesandten des Sultans, welcher die Vogtschaft +Bagdads, welche jetzt die Seldschuken besassen, nun für sich begehrte, +entliess er ohne Antwort. Chuaresmschah stellte, um die Weigerung zu +rächen, das auf den Namen Nassir's verrichtete Kanzelgebet ab und ernannte +sogar einen Gegen-Chalifen in der Person des Seid _Alaeddin_ von Tirmid, +dem er als Chalifen huldigen liess. Nassir sandte, um den Sultan auf +bessere Gesinnungen zu bringen, den grossen Scheich _Schihabeddin +Suhrwerdi_, der ihn zu Hamadan traf. Der Sultan empfing ihn verächtlich, +indem er ihn nicht einmal niedersetzen hiess; und als der gelehrte und +beredte Scheich in einer langen Rede die Stellen der Ueberlieferung zu +Gunsten des Hauses Abbas und die Herrschertugenden Nassir's gepriessen, +antwortete der Sultan: Alles dieses passt nicht auf Nassir; ich ziehe nach +Bagdad, um dort einen, der wirklich alle von dir hergezählten Eigenschaften +besitzt, als Chalifen einzusetzen. Er rückte gegen Bagdad vor, welches +Nassir noch vor kurzem mit einer Mauer umfangen hatte, welche die Stadt +wohl schwerlich vor der Uebermacht des Sultans gerettet hätte. Diesen bewog +ein ungeheures Schneegestöber zum Rückzuge, indem, als er nach Holwan +gekommen, es zwanzig Tage ununterbrochen schneite, so dass der Schnee so +hoch als die Zelte, das Heer durch ungeheueren Verlust an Menschen und +Thieren schwächte. Diese Naturbegebenheit war für Bagdad erfolgreicher, als +einige andere frühere ausserordentliche Erscheinungen; [RN: i. J. 583/1186] +diese waren der Verein der sieben Planeten im Zeichen der Wage, woraus die +Astronomen ungeheuere Orkane für die Nacht der Vereinigung vorausgesagt; in +derselben herrschte aber so grosse Windstille, dass die Lampe auf der +Sternwarte in freier Luft unausgelöscht brannte, zu grosser Beschämung der +Astronomen. Sechzehn Jahre hernach [RN: i. J. 599/1202] flammte eine ganze +Nacht voll fallender Sterne, die nach allen Richtungen hin und herschossen, +eine Erscheinung, die durch ähnliche in unseren Tagen genauer beobachtete +beglaubigt wird. Nassir hatte den Chalifenpalast zu Bagdad abbrechen +lassen, aber ausser der Stadtmauer viele Moscheen und Medreseen und ein +Speisehaus für die Armen gebaut; die erste Anstalt dieser Art, welcher die +Geschichte des Islams erwähnt. Nassir war ein besonders in der +Ueberlieferung gelehrter Fürst und hinterliess über dieselbe ein Werk, das +den Titel: _Geist des Erkennenden_[275] führt; aber Nassir war auch ein +harter, habsüchtiger Fürst, dessen Gier, Schätze zu sammeln, keine Gränzen +kannte, der die Unterthanen durch Gelderpressungen drückte und das Heer +der Finanzbeamten noch mit einem Heere von Ausspähern vermehrte. Von den +Kanzeln, wo ehe für die Chalifen des Hauses Omeije in Andalus, dann für die +des Hauses Fatima in Aegypten als Chalifen gebetet worden, wurde nun das +Kanzelgebet wieder auf den Namen Nassir's verrichtet, so auch in Hidschas +und Jemen, in Chorasan und Masenderan und in Indien auf den Namen Nassir's, +als des einzigen rechtmässigen Chalifen des Islams. + +[Randnote: Sahirbiemrillah und Mostanssir.] + +Der Sohn und Nachfolger Nassirlidinillah's, der Chalife _Sahirbiemrillah_, +d. i. der Offenbare durch Gottes Befehl, war vor allen Chalifen aus dem +Hause Abbas seines Beinamens werth, nach dem Zeugnisse der +Geschichtschreiber, dass seit Omar el-assis, dem wegen seiner Frömmigkeit +und Gottesfurcht berühmten achten Chalifen der Beni Omeije, kein +Gerechterer auf dem Chalifenstuhle gesessen. Diesen guten Klang seines +Namens dankt er dem freigebig geschenkten Golde und der kurzen Zeit seiner +Regierung, indem er nur neun Monate lang den Völkern als ein Muster des +Chalifats mehr gezeigt als bewährt. Er stellte bei seiner Thronbesteigung +confiscirte Grundstücke ihren Eigenthümern zurück, sandte dem Richter der +Richter zehntausend Dukaten zur Bezahlung der Schulden derer, die desshalb +im Thurme sassen, setzte die Kopfsteuer von Jakuba, welche vormals nur +zehntausend Goldstücke betragen, unter seinem Vater aber auf's Siebenfache +gesteigert worden war, wieder auf die obige Summe zurück, liess von der +Gesammtsumme der Steuern dreimalhundert fünfzigtausend den Unterthanen nach +und vertheilte am Opferfeste hunderttausend Dinare unter die +Gesetzgelehrten und Ssofi; denen, die ihn fragten, warum er sich so beeile, +Gutes zu thun, antwortete er mit Anspielung auf das vorgerückte Alter von +ein und fünfzig Jahren, in welchem er den Thron bestiegen: Ich gleiche +denen, die erst Nachmittags ihre Buden öffnen und sich also beeilen müssen, +wenn ihr Handel Gewinn tragen soll; hindert mich also nicht in guter +Handlungen Handel. In seine Fussstapfen, als ein gerechter, freigebiger und +gelehrter Fürst, trat sein Sohn und Nachfolger _Mostanssirbillah_, d. i. +der bei Gott Hülfe Suchende. Er baute die berühmte, nach seinem Namen +genannte hohe Schule, deren Grösse und Glanz die frühere, vom Wesire +Nisamolmülk zu Bagdad erbaute, bei weitem zurückliess; sie bestand in vier +besonderen Schulen, nach den vier Ritus des Islams, wo die +Rechtsgelehrsamkeit nach den Ueberlieferungen _Ebu Hanife's_, _Schaafii's_, +_Malik's_ und _Hanbeli's_ gelehrt ward; an jeder dieser vier Medreseen +waren zwei und sechzig Plätze für Studenten[276] und zwei für +Correpetitoren[277] gestiftet. In vier Jahren war der Bau vollendet; am +Tage der Eröffnung besuchte der Chalife mit allen Richtern und +Rechtsgelehrten die Schulen und vertheilte reiche Geschenke unter die +Professoren und Studenten. Das Seitenstück zur _Mostanssirije_, d. i. zur +hohen Schule _Mostanssir's_, war die _Kamerije_, d. i. die _Mondige_, eine +am Ufer des Tigris gebaute, reich gestiftete Speiseanstalt für Dürftige. +Seine Wohlthaten strömten vorzüglich den Gelehrten zu, dieselben +überschritten aber das Maass vernünftigen Staatshaushalts, wenn die +folgenden Anekdoten wahr. Jedesmal, als aus einem mit Gold gefüllten Becken +geschöpft ward, rief er aus: Ach, wann werde ich dich leeren! während sein +Vater jedesmal, als Gold hineinfloss: Ach, wann werde ich dich füllen! +ausgerufen haben soll. Eines Tages, als er von der Terrasse seines Palastes +rund um auf den Terrassen Wäsche aufgehangen sah und der, was dies bedeute, +gefragte Wesir antwortete, dass es die für das nächste Fest gewaschenen +alten Kleider seien, wunderte sich Mostanssir, dass nicht jeder seiner +Unterthanen sich neues Festkleid anschaffen könne, liess aus Gold +Armbrustkugeln verfertigen und verschoss dieselben auf die Terrassen der +Nachbarn. Wider die Mongolen, welche unter seiner Regierung bis Meragha +vorgedrungen und Erdebil vom Grunde aus verheeret hatten, brachte er ein +Heer von siebzigtausend Mann auf, von welchem zwar Anfangs die Mongolen, +dann aber die Truppen des Chalifen zu _Dakuk_, das seiner Naphthabrunnen +willen berühmt[278], geschlagen wurden. [RN: 653/1237] Im selben Jahre +richteten die Mongolen das Blutbad von Issfahan an, in welchem der grosse +Dichter _Ismail Kemal_ von Issfahan, beigenannt der Vater der Bedeutungen, +unter ihrem Schwerte erlag, wie früher der grosse mystische Dichter +Aththar. Unter Mostanssir's Regierung blühte vorzüglich die Mystik, und in +dieselbe fällt der Tod von vier höchst merkwürdigen Männern, Säulen der +Mystik, des Scheich's _Behaeddin Weled_, des Vaters _Dschelaleddin Rumi's_, +des grossen mystischen Dichters _Omer Ibn Faradh_, des grossen Scheich's +_Schihabeddin Omer Suhrwerdi_ und des Inders _Reten_[279], welcher, der +erste, aus Indien das berauschende Opiat (Haschische) nach Mittelasien +gebracht, dessen sich die Assassinen bedienten, um ihren todtgeweihten +Handlangern die Freuden des Paradieses vorzuspiegeln, und von dem sie ihren +Namen[280] Haschischin, d. i. die _Kräutler_, erhielten. + +[Randnote: Moteaassim.] + +_Moteaassimbillah_, d. i. der an Gott Festhaltende, der Sohn Mostanssir's, +der sieben und dreissigste und letzte Chalife des Hauses Abbas, bestieg den +Thron, den er sechzehn Jahre gefüllt, im dreissigsten seines Alters; ein +prachtliebender, grossthuender, schwacher Fürst, doch nicht ohne löbliche +Eigenschaften und Werke. Ein _Hafis_, d. i. Bewahrer des Koran's (wie Alle +heissen, welche denselben auswendig wissen), war er den Gesetzgelehrten +geneigt und baute für dieselben, nach seines Vaters Beispiel, eine hohe +Schule, gegenüber dem Grabmale des Scheich's _Karchi_, so nach dem, +vorzüglich von Schiiten bewohnten Stadtviertel Bagdad's genannt, welche aus +vier Medreseen für die vier Ritus des Islam's bestand[281]. Im dritten +Jahre seiner Regierung erschien ein mongolisches Heer in der Nähe von +Bagdad, von wo es zu _Baakuba_ durch den kleinen Diwitdar (Staatssekretär) +zurückgeschlagen ward[282]. Dieser Vortheil vermehrte den Dünkel +Moteaassim's, unter welchem das Ceremoniel des Hofes von Bagdad auf einen +bisher nie gehörten Grad getrieben ward. Die Schwelle des Thronsaales war +ein schwarzer Stein, welchen Alle, selbst Gesandte und Fürsten, die ihre +Belehnung empfingen, nicht ausgenommen, sich unterwerfend küssen und dann +den schwarzen Schleier, welcher dem daranstossenden Fenster vorgezogen +ward, wie den Vorhang des Heiligthums der Kaaba verehren mussten. +Medschdeddin Ismail, der Gesandte des Atabegen Ebubekr Ben Segi, unterwarf +sich dem vorgeschriebenen Ceremoniel, legte aber einen kleinen Koran, den +er in der Hand verborgen, auf die Schwelle und küsste deren statt den +Koran. Wann Moteaassim ausritt, sass er auf hohem Rappen, schwarz +verschleiert mit schwarzem Turban, dessen Enden über die Schultern +zurückflogen, von vierzig schwarzen Leibwachen umgeben; der Rappe war mit +goldenem Halsband und edelsteinbesetztem Zügel und Bügel geschmückt, und +wann ihn der Chalife bestieg, erscholl der Siegesruf, dessen Worte aus +Koranstexten zusammengesetzt: »_Gott mache das Gute zum Stirneknoten des +Pferdes und binde es an seine Mähnen; er mache die Füsse desselben weiss +durch Erreichung aller Begehren; er wolle dem Laufe desselben mit +losgelassenen Zügeln alle Sicherheit gewähren, die Eroberungen sollen +seinen Wettlauf am Ziele kennen und das Heil des Erfolgs seine Zügel +dehnen!_«[283] Alle moslimischen Fürsten erhielten den Titel rechtmässiger +Herrschaft einzig von dem Belehnungsdiplome Moteaassim's, welche derselbe +mittels Gesandten ertheilte, die nebst dem Diplome der Investitur, Kaftan, +Turban, Fahne, Schwert, Ring und ein Maul mit goldbeschlagenen Hufen und +juwelengestickter Satteldecke zum Geschenke brachten[284]. Der Gesandte +vollzog nun ein Paar Tage nach seinem feierlichen Einzuge in die Residenz +des Sultans oder Emirs die Investitur, indem er dem Fürsten den Kopfbund +aufsetzte, den Ring ansteckte, das Diplom vorlesen liess und ihm dreimal +wiederholte: _Sei gerecht und übertrete das Gesetz nicht_; dann erst ward +ihm erlaubt, den Thron zu besteigen, und erst, nachdem er den Thron +bestiegen, ward er für würdig erachtet, dem vom Chalifen gesandten Maul in +Gegenwart des ganzen Hofes den goldbeschlagenen Huf zu küssen. Der Gesandte +warf Geld aus und begleitete den Sultan, der nun unter einem über seinem +Kopfe emporgehaltenen Sonnenschirme die Stadt durchritt. Wann immer ein +Gesandter des Chalifen an den Hof des Sultans kam, ward sein Maul bis in +den Thronsaal geführt und ein Vorhang niedergelassen; der Sultan musste vom +Throne steigen, hinter dem Vorhange den Huf des Maulthieres küssen, worauf +er mit dem vom Chalifen gesandten Ehrenkleide erst wieder den Thron +bestieg. Die Insignien der Investitur von Seite des Chalifen waren also: +_Kaftan_, _Turban_, _Schwert_, _Ring_, _Fahnen_, _Sonnenschirm_ und der +_Huf_ des Maulthiers. Krone, Mantel, Schwert, Ring, Fahne finden sich auch +als Insignien der Investitur fürstlicher und kirchlicher Würden im +europäischen Mittelalter; nur an die Stelle des Hufes trat das Horn, mit +welchem dänische und angelsächsische Könige ihre Vasallen belehnten[285]. +Das Heer Moteaassim's war hunderttausend Mann stark, von denen die Hälfte +vom Diwan aus besoldet; der Befehlshaber desselben, Suleimanschah, welchen +der Dichter _Esireddin Umani_ in Lobgedichten gepriesen. Die innere +Verwaltung besorgten die beiden _Diwitdare_ (Tintenzeughalter), d. i. +Staatssekretäre; die Geschäfte des Hofes leitete der _Scherabdar_, +Mundschenk, aber die Summe der Regierung war in den Händen des Wesirs +_Moejededdin Mohammed Abdolmelik El-Alkami_, ein ausgezeichneter Gelehrter +in Prose und Poesie, in Ueberlieferungs- und philosophischen Wissenschaften +gleich gewandt, der Chalife aber selbst dem Wohlleben und Sinnengenusse +ergeben. Die nächsten Hebel seines Verderbens waren von innen der Wesir +Alkami, von aussen der grosse Astronome Nassireddin, der sich im Geleite +Hulagu's befand. + +[Randnote: Alkami; Wüsten- und Bücherbrand.] + +Nassireddin von Tus hatte eines Tages, als Moteaassim an den Ufern des +Tigris sass, demselben huldigend ein Gedicht dargebracht, das der Chalife, +statt, wie es der Wesir erwartet hatte, reich zu belohnen, auf des Wesirs +Alkami darüber ausgesprochene Kritik in den Tigris warf. Von diesem +Augenblicke schwur der tief beleidigte, tief grollende Astronome Schöngeist +dem Wesir und dem Chalifen Rache; er verliess Bagdad und verweilte bei dem +ihm gleichnamigen Comthur des Assassinenschlosses Sertacht. Alkami warnte +den Comthur wider seinen Schutzgenossen, als wider einen Ränkeschmied, der +ihn im Geiste des Chalifen verderben wolle; und diese Warnung war nur ein +neuer Sporn in die rachedürstenden Weichen des durch Geringschätzung seines +Gedichtes so tief beleidigten Astronomen Schöngeistes. Als Gesandter des +letzten Herrschers der Assassinen an Hulagu gesandt, hatte er durch sein +grosses Talent sich dessen Achtung erworben und demselben erst zum +Verderben der Assassinen, dann zu dem des Chalifats sich als hilfreiches +Werkzeug angeboten. Sein Feind, der Wesir Alkami, arbeitete seiner Rache +durch Verrätherei selbst in die Hände. Von den nächsten Umgebungen des +Chalifen, dem Diwitdar und dem Mundschenken, nicht die Achtung geniessend, +deren er werth zu sein glaubte, und als Schii dem Chalifen grollend, weil +der Sohn desselben, Ahmed, die Plünderung des nur von Schiiten bewohnten +Stadtviertels von Karch und die hierbei vorgefallenen Gräuel von Schändung +und Gemetzel begünstigt hatte. Er schrieb an den Seid Tadscheddin al +Hoseini, welcher damals der erste der Herren der Familie des Propheten, +klagend: »dass die Söhne des Hauses Ali geplündert, das Volk des Stammes +Haschim gefangen und die Schmach, welche vormals Husein, der Enkel des +Propheten, durch Plünderung seines Harems und Blutvergiessung getroffen, +jetzt wieder erneuert worden sei«[286]. Der Seid antwortete im Namen aller +Prophetenverwandten: »Die Ketzer müssen ermordet, verbrannt, ihre Rasse +ausgerottet werden; wenn du nicht mit uns hältst, bist du verloren, du +wirst zu Bagdad weniger geschätzt sein, als vom Manne das Henna der Frauen +und als der Ring dessen, dem die Hand abgehauen«[287]. Nach dem Falle von +Alamut hielt Alkami den Augenblick für günstig zur Förderung seiner Rache; +er sandte heimlich an Hulagu einen Brief, in welchem er, die Macht des +Chalifen verkleinernd und die Schwäche Bagdad's ins hellste Licht setzend, +den Eroberer seine Zügel nach der Stadt des Heils zu lenken einlud. Hulagu, +wohl eingedenk, dass vormals ein Heer von hundert vier und zwanzigtausend +Mann wider die Mongolen gesandt, zweimal den Dschurmaghun geschlagen, +zauderte, der Einladung Gehör zu geben, und berieth sich mit Nassireddin, +dem Astronomen, und erst, als dieser ihn versichert, dass »das Unternehmen +im Bunde mit der Gestirne günstiger Stunde«[288], beschloss er den Marsch +nach Bagdad, wo indessen ein Versuch des kleinen Diwitdar, den Chalifen zu +entthronen, das Feuer des Bürgerkrieges angeflammt. Moteaassim sah sich +gezwungen, den Versicherungen des kleinen Diwitdar von seiner Treue und +Ergebenheit scheinbaren Glauben zu schenken. Die Unschuld desselben wurde +laut auf den Strassen Bagdad's verkündet und der Name des kleinen Diwitdar, +des Feindes Alkami's, sogar nach dem des Chalifen im Kanzelgebete +eingeschaltet; das Heer wurde nach des Verräthers Alkami Vorschlag um die +Hälfte vermindert, ein Drittel des verminderten in die nahe gelegenen +Städte geschickt, so dass nur zwanzigtausend zu Bagdad's Vertheidigung +blieben[289]. In diesem, durch den Fall Alamuts und die Verrätherei +Alkami's für die Stadt des Heils so unheilschwangeren Jahre schreckten +nicht nur Ueberschwemmung des Tigris und Erdbeben, sondern auch der Brand +von Medina und der Wüstenbrand in Arabien die moslimische Welt auf. Zu +Hara, in der Nähe von Medina, brannte die Wüste, und allgemein ward +geglaubt, diess sei das Feuer, welches die Ueberlieferung des Propheten als +den Vorboten des jüngsten Tages verkündet. Drei Monate lang brannte die +Wüste in der Ausdehnung von vier Parasangen. Zu Medina zündeten die +Einwohner des Nachts kein Licht an, da der Wüstenbrand die Stadt erhellte. +Dieses, wie es scheint, elektrische Feuer soll Holz verschont, Eisen +verzehrt haben, so dass von hineingeschossenen Pfeilen das Holz unversehrt, +die Spitze zerfressen ward[290]. Nach dem Wüstenbrande plünderten Beduinen +die Stadt, bis man das Thal, aus dem sie ausfielen, mit steinerner Mauer +verdämmte. Das grösste Unglück aber entstand durch die Unvorsichtigkeit +eines der Küster der Moschee des Propheten, der eine Kerze umfallen liess, +wodurch die Moschee in Brand gerieth und mit derselben die ganze grosse +Büchersammlung aufflammte[291], so dass dieses Jahr zwei der reichsten +Bibliotheken in Flammen aufgingen, die von Alamut und die von Medina; der +Verlust von dieser war aus mehr als einem Grunde weniger beklagenswerth, +als der von jener, indem zu Medina meistens nur Korane und Bücher der +Ueberlieferung, zu Alamut aber mathematische und philosophische Werke ein +Opfer des Brandes, die dort ein Werk des Zufalls, hier der zu verdammenden +Willkür des gelehrten Wesirs _Athamülk Dschuweini_. + +[Randnote: Gesandtschaften Hulagu's an den Chalifen und Prophezeihungen.] + +Diess waren die Zustände Bagdads, als Hulagu, durch Alkami's Einladung und +Nassireddin's Vorhersagung aufgemuntert, von seinem Lager zu Hamadan aus an +den Chalifen einen Gesandten mit dem Begehren schickte, dass er entweder +selbst erscheine oder eine der vier Säulen seines Hofes, nämlich den Wesir, +den kleinen Diwitdar, den Heerführer Suleimanschah oder den Mundschenken +sende. Moteaassim, statt diesem befehlartigen Begehren zu willfahren, +sandte den _Scherefeddin Ibnol Dschewsi_, einen durch Beredtsamkeit +ausgezeichneten Gelehrten, und den Bedreddin Mohammed von Nachdschiwan. +Hulagu, als er von ihrer Sendung Kunde erhielt, sagte in aufwallendem +Zorne: Der Chalife handelt krumm, wie ein Bogen; Gott gebe, dass ich ihn +wie ein Pfeil gerad machen könne[292]. Den Gesandten, als sie vor ihm +erschienen, herrschte er entgegen: Gott hat dem Hause Tschengischan's die +Herrschaft vom Osten bis Westen verliehen; wer sich uns unterwirft, dessen +Blut und Gut wird nicht verderbt und vergossen, wenn nicht, ist dessen +Untergang beschlossen. Wir ziehen mit einem Heer, zahlreich wie +Heuschrecken und Ameisen, wider Bagdad. Als die Gesandten mit dieser +Botschaft zurückgekehrt, rieth Ibn Alkami, tausend Lasten Korn, tausend +Kameele, tausend Pferde für Hulagu mit vielen Geschenken für die Prinzen +huldigend, mit Ueberlassung der beiden Majestätsrechte des Islams: des +Kanzelgebets und der Münze, abzusenden. Der kleine Diwitdar _Modschahiddin +Ibek_ machte Vorstellungen dagegen, aber _Ibn Alkami_, der die Schwächen +und den Dünkel des Chalifen kannte, bestärkte ihn in demselben, indem er in +seinen Reden die Macht der Mongolen verkleinerte, die des Chalifen +vergrösserte und dem neuaufgeschossenen Pilzlinge mongolischer Herrschaft +die uralte legitime des Hauses Abbas entgegenstellte. Suleimanschah, der +Oberstbefehlshaber, Fetheddin Ibn Kerr, der grosse Diwitdar und der kleine +Modschahiddin Ibek versammelten sich beim Wesire, ihren Aerger über die +Sorglosigkeit und Blindheit des Chalifen in bitteren Worten lüftend. +Suleimanschah trug sich an, dem Feinde entgegen zu ziehen, und Alkami ging +zum Scheine in den Vorschlag ein, wohl wissend, dass der Chalife seinem +Rathe folgsam, dass er Rüstung und das zum Solde der Truppen nöthige Geld +verweigern werde[293]. Er sandte auf dessen Rath den Bedreddin von +Nachdschiwan und den Richter Berdindschan mit geringen Geschenken und der +hochtrabenden Botschaft: Alle Fürsten, welche sich jemals wider das Haus +Abbas zu erheben gewagt, seien zu Grunde gegangen; Beispiele davon seien +Jakub Leis der Soffaride, der Türke Besasiri, der Seldschuke Sultan +Mohammed und Mohammed Chuaresmschah, welche Alle das Verderben ereilt, das +auch Hulagu's harre, wenn er auf seinem Vorhaben bestehe. Hulagu, ergrimmt, +antwortete ihnen mit dem persischen Verse des Schahname[294]: + + Bau' nur zu, aus Eisen deinen Wall, + Führe Bollwerk auf mit Zinnen, die von Stahl, + Rüst' aus ein Heer von Peris und von Dschinnen, + Komm' nur heraus, du wirst den Tod gewinnen; + Birgst unter'm Himmel dich, ich will dich suchen, + Ich werde dich im Schlund des Löwen suchen. + +Hulagu war nun zuerst bedacht, sich des grossen Passes von _Deriteng_, +d. i. Engthor, welcher über das gordiaische Gebirge oder den Zagros in die +Ebene des arabischen Irak führt, zu versichern. Auf steilem Felsen, auf der +Heerstrasse vom persischen ins arabische Irak erhebt sich das Schloss in +einer engen Schlucht, wovon es den Namen _Engthor_ führt. Die Bewohner +dieser Felsenschlucht waren nicht minder durch ihre Schönheit, als das +Schloss durch seine Festigkeit berühmt[295]. Dieselbe wird vom _Diala_ +durchbrochen, welcher in der Entfernung einiger Stunden oben an den Ruinen +von _Kassr Schirin_ (das alte Artemita) vorbeifliesst. Hulagu, dem nicht +unbekannt, dass Hosameddin Aka, der Befehlshaber des Engpasses, sich über +den Chalifen zu beklagen habe, lud ihn zu sich, überhäufte ihn mit Ehren +und Geschenken und schenkte ihm die Schlösser _Disser_, d. i. das +Goldschloss, _Dis Merdsch_, d. i. das Wiesenschloss, und einige andere; +aber hierdurch übermüthig, sandte Aka an _Ssalaje_, den Befehlshaber von +_Irbil_, Wort, dass, wenn ihm der Chalife sein Vertrauen schenken wolle, er +mit hunderttausend Turkmanen und Kurden den Hulagu zurückzutreiben bereit. +Der Chalife gab diesem Vorschlage kein Gehör. Hulagu, der davon Kunde +erhalten, sandte den _Keitbuka_ mit dreitausend Reitern mit dem scheinbaren +Auftrage, sich mit Aka über die Mittel des Marsches nach Bagdad zu +berathen. Dieser ging in die Falle; Keitbuka, Herr seiner Person, forderte +die Schleifung der Schlösser und er ward, nachdem dieselben geschleift +waren, getödtet. Kein günstiger Stern waltete über dem Haupte des von +Mengukaan seinem Bruder zur Berathung beigegebenen Astronomen Hosameddin. +Um seine Meinung über den Zug wider Bagdad befragt, sagte er unter +Verbürgung mit seinem Kopfe, im Falle, dass der Marsch unternommen werde, +sieben Unfälle voraus: den Fall von Pferden und Menschen durch Seuchen, +Mangel an Sonne und Regen, schreckliche Orkane und Erdbeben, +Unfruchtbarkeit und Hungersnoth und endlich den Tod eines grossen Monarchen +im selben Jahre. Hulagu liess sich diese Prophezeihung und Bürgschaft +schriftlich geben und befragte nun den Astronomen Nassireddin, was denn +geschehen würde, wenn er nach Bagdad zöge; Nichts, antwortete Nassireddin, +als dass Hulagu die Stelle des Chalifen einnehmen wird. Er zerstreute +hierauf alle Besorgniss Hulagu's über etwa aus solchem Zuge wider Bagdad zu +befürchtende Unglücke durch die Anführung geschichtlicher Beispiele. Tahir +sei aus Chorasan wider Bagdad gezogen und habe den Bruder des Chalifen +erschlagen; Motewekkil und sein Sohn und mehrere Chalifen seien erschlagen +worden, ohne dass für die Stadt irgend ein Unheil daraus entstanden. Hulagu +ergab sich gern den seinen Wünschen schmeichelnden Versicherungen des +Astronomen von Tus; der andere wurde, da keine seiner Prophezeihungen +eingetroffen, fünf Jahre hernach hingerichtet. + +[Randnote: Hulagu's Marsch nach Bagdad.] + +Die Anordnung der verschiedenen Heereskörper, welche vermöge Hulagu's +Befehl nun Bagdad von allen Seiten umzingelten, ist eines der schönsten +Zeugnisse für Hulagu's grosses Feldherrntalent. _Dschurmaghun_ und +_Baidschu Nujan_, die beiden in den persischen Feldzügen ergrauten +Feldherrn, welchen aber seit Hulagu's Eintritt in Persien ihr Standort in +Kleinasien angewiesen worden, befehligten den rechten Flügel, der, von +Irbil und Mossul heranrückend, über die Brücke von Mossul ging und sich auf +der Westseite von Bagdad niederliess. Mit ihnen vereinten sich die Prinzen +_Bulgha_, _Kuli_, _Kotar_ (der Enkel Batu's) und die persischen _Buka +Timur_ und _Sundschak Nujan_, welche die Strasse von Schehrsor über +_Dakuk_ heranzogen. _Keitbuka_, der Befehlshaber des Vortrabs beim +Einmarsche Hulagu's in Persien, mit _Kurusun_ und _Ilka_ kamen mit dem +linken Flügel von Seite Luristan's und Chusistan's. Hulagu selbst stand mit +dem schweren Gepäcke des ganzen Heeres im Mittelpunkte zu Hamadan und brach +in den ersten Tagen des Januars des Jahres tausend zweihundert acht und +fünfzig, gerade zwei Jahre nach dem Uebergange über den Oxus, gegen den +Tigris über Kermanschahan und Holwan auf. In seinem Geleite die grossen +Emire _Köke Ilka_ und _Arghunaga_, die beiden Bitekdschi (Kanzler) +_Karakai_ und _Seifeddin_, der Staatssekretär _Alaeddin Athamülk_ von +_Dschuwein_, der grosse Geschichtschreiber, und _Nassireddin von Tus_, der +grosse Astronom; jener, um die Thaten und Begebenheiten des Feldzugs zu +beschreiben, dieser, um die durch den Lauf der Gestirne angezeigten +günstigen Stunden anzugeben; jener die Feder, dieser der Zeitmesser des +Feldzugs. Von Esedabad aus sandte Hulagu abermal einen Gesandten nach +Bagdad, um den Chalifen zur Uebergabe aufzufordern, und zu _Deinewer_ +erschien abermal _Ibnol Dschewsi_, der Gesandte des Chalifen, mit dem +Antrage: die Summen, welche Hulagu aussprechen würde, jährlich in dessen +Schatz abzuführen, und mit der Bitte: dass das Heer zurückkehren möge. +Hulagu antwortete: Da wir schon so weit gekommen, um den Chalifen zu sehen, +wie sollen wir nun umkehren, was nach persönlicher Zusammenkunft geschehen +mag. Von Deinewer ging der Marsch über _Kuh Girdaa_, und am siebenten Tage +nach dem Aufbruche von Hamadan ward Kermanschahan geplündert und verheert. +[RN: 7. Moharrem 656/13. Januar 1258] Von hier wurden Eilboten abgefertigt, +um die Ankunft von Sundschak, Baidschu und Suntai zu beschleunigen; sie +warteten zu _Takkesrai_ und brachten als Gefangene den Ibek von Haleb und +Seifeddin Melik mit sich, welche sie streifend aufgegriffen. Hulagu +schenkte Beiden das Leben und machte sie zu Dienern der Schildwachen[296]. +Die Emire wurden, mit schmeichelhaften Beweisen von Gunst und +Freigebigkeit überhäuft, zurückgesendet, um auf das Eheste den Uebergang +über den Tigris auf der westlichen Seite von Bagdad zu bewerkstelligen. Von +dort holten die Verräther des Heeres des Chalifen die beiden Chuaresmier +_Kara Sankor_ und _Sultandschuk_, die Befehlshaber der mongolischen ein; +Kiptschak schrieb an den ersten: Du und ich sind von Einem Stamme (Türken); +wir haben uns unterworfen und befinden uns gut dabei, thuet desgleichen. +Kara Sankor antwortete in dem Sinne des Astronomen Hosameddin: Wie sich ein +neu aufgeschossener Zweig, wie die Herrschaft der Mongolen, mit dem schon +ein halbes Jahrtausend wurzelnden Stamme des Chalifats messen könne? Wenn +sich Hulagu unterwerfen wolle, würde man trachten, durch Vermittelung des +Diwitdars den Frieden vom Chalifen zu erwirken. Hulagu, als man ihm dieses +Schreiben brachte, lachte darüber und sagte: Meine Hilfe kommt von Gott und +nicht vom Gold; wenn er mir hilft, was kümmert mich die Zahl der Heere des +Chalifen[297]. + +[Randnote: Bagdad's Belagerung.] + +Ein neuer Gesandter ward nach Bagdad abgefertigt, um den Chalifen zur +Unterwürfigkeit aufzufordern, und zugleich nach Holwan aufgebrochen, wo +eine Woche gerastet ward. Indessen gingen die Emire Baidschu, Buka Timur +und Sundschak über den kleinen Tigris und standen am Kanale _Nehr Isa_. +Sundschak erbat sich von Baidschu die Erlaubniss aus, den Vortrab des +westlichen Heeres gegen Bagdad zu befehligen, und nachdem er dieselbe +erhalten, rückte er bis _Dscherbije_ vor. _Mudschahideddin Ibek_, der +kleine Diwitdar, und _Fetheddin Ibnol-Kerr_, die Feldherren des Chalifen, +waren mit zehntausend Mann bei Jakuba über den _Diala_ und dann über den +Tigris gegangen und trafen mit dem mongolischen Vortrabe in der Gegend von +_Enbar_[298], neun Parasangen westlich von Bagdad, zusammen. Fetheddin Kerr +wollte die Schlacht hier nicht wagen, aber die Ungestümme des Diwitdar +zwang ihm dieselbe auf. Der Sohn Kerr's, um seinen Sinn kund zu geben, dass +er auf dem Schlachtfelde feststehen und dasselbe keineswegs als Flüchtiger +verlassen wolle, ritt statt eines Pferdes ein Maulthier, dessen Hufe so +schwer mit eisernen Schienen beschlagen, dass es zur Flucht +untauglich[299]. Die Schlacht dauerte den ganzen Tag und endete mit der +Vernichtung des Heeres des Chalifen, von welchem der Diwitdar nur der +Selbdritte entfloh. Als er mit der Nachricht des verlorenen Heeres vor dem +Chalifen erschien, der eben Schah spielte, sagte dieser blos dreimal: _Gott +sei Dank für das Heil Mudschahideddin's_. Moteaassim's an Blödsinn +gränzende Sorglosigkeit und Unwissenheit ging so weit, dass, als man ihm +die erste Nachricht brachte: die Vorposten der Mongolen hätten bereits die +Höhen von _Hamrin_ (das von Westen nach Osten zwischen dem Euphrat und +Tigris nach Tekrit laufende niedere Gebirge) passirt, er fragte: wie das +wohl möglich? Man antwortete ihm: »Das Heer der Tataren, die wie die +Meeresfluthen einherfahren, überfliegt der Berge Gipfel wie der Adler +Schaaren; da sie den Damm von Gog und Magog für Spinngeweb' ansehen, was +soll auf des Hamrin's Höhen aus ihren Hufen wohl anders erstehen, als +Staub, was soll aus dem Sturme, in dem sie daherfahren, wohl anders +aufgehen, als Feuer und Raub«[300]. In der Hälfte des Moharrem [RN: 14. +Moharrem/21. Januar 1258] stunden die drei Nujane, Baidschu, Buka Timur und +Sundschak auf der westlichen Seite des Tigris vor Bagdad, während Keitbuka +und die mit ihm von Nachaire kamen, und Hulagu mit dem schweren Gepäcke zu +Chanikin stand. Am folgenden Tage lagerte er an der östlichen Seite von +Bagdad, das nun von allen Seiten, wie von Ameisenzügen und +Heuschreckenschwärmen, und nach der mongolischen Belagerungsweise sogleich +mit einer Mauer, oder, um richtiger zu sprechen, mit einem in aller Eile +aufgeworfenen Erddamme eingeschlossen ward. Dienstags den neun und +zwanzigsten Januar begann der Kampf. [RN: 22. Moharr./29. Januar] Hulagu +stand auf der Heerstrasse von Chorasan, gegenüber dem persischen Bollwerk, +Ilka Nujan vor dem Gülwadischen Thore, die drei Prinzen, Enkel +Dschudschi's, mit Schiramun und Arktin vor dem Thore des Sultansmarktes, +Buka Timur auf der Südwestseite an den Mühlen, Baidschu und Sundschak auf +der Westseite gegenüber dem Spitale, welches Adhaddewlet, der grosse +Herrscher aus dem Hause Buje, der erste zu Bagdad, gebaut. Die +Belagerungsmaschinen waren vorzüglich gegen das persische Bollwerk +gerichtet und in demselben bald Wallbruch gemacht. Nun sandte Moteaassim +den Wesir und einen Bischof[301] mit der Botschaft, er füge sich dem +Verlangen des Padischah, welcher verlangt, dass ihm der Wesir gesendet +werde; -- »diess«, antwortete Hulagu, »war mein Begehren zu Hamadan, wie +soll ich mich aber vor Bagdad's Thoren mit Einem begnügen? Es sollen auch +die drei anderen Säulen der Herrschaft des Chalifen erscheinen, der +Diwitdar, der Scherabdar und Suleimanschah, der Oberbefehlshaber des +Heeres.« Am folgenden Tage erschien der Wesir mit einer Schaar von +Vornehmen, aber ohne die verlangten Drei. Hulagu sandte sie zurück; er +befahl, ein an die Richter, Scheiche, Danischmende (Studenten), Arkaune +(christlichen Priester) von Bagdad gerichtetes Diplom, wodurch denen, die +sich friedlich halten würden, das Leben zugesichert ward, in sechs +Abschriften von sechs Seiten der Stadt durch Pfeilflug in dieselbe +abzufertigen. Die Wurfmaschinen schleuderten in Ermangelung von Steinen +Thonflötze, die man von Hamrin gebracht, und abgehauene Palmen wider das +persische Bollwerk, das Freitags am ersten Februar zu Boden sank. [RN: 25. +Moharrem/1. Februar] + +[Randnote: Bagdad's Eroberung.] + +Am fünften Februar standen Hulagu's Krieger bereits auf der Mauer des +Bollwerks, während auf der anderen Seite die Prinzen noch nicht bis an den +Fuss der Mauer vorgedrungen waren. Hulagu sandte ihnen ausscheltendes Wort +und befahl zugleich, Brücken zu schlagen. [RN: 28. Moharr./4. Febr.] Buka +Timur wurde mit einem Toman, d. i. mit einer Abtheilung von zehntausend +Mann, auf der Heerstrasse von Medain und Bassra befehligt, um die, so etwa +mit den Schiffen auf dem Tigris zu entfliehen versuchten, aufzufangen. Der +Diwitdar, welcher auf diese Weise mit mehreren Schiffen zu entkommen +hoffte, wurde aufgehalten, drei Schiffe genommen, die anderen versenkt oder +zerstört. Auf diese Nachricht entsank dem Chalifen aller Muth zu fernerem +Widerstande; er sandte den Fachreddin von Demaghan und den Ibn Dernus mit +wenigen Geschenken; denn er fürchtete, dass, wenn er viele sendete, die +Grösse derselben für den Maassstab seiner Furcht gelten könnte. Hulagu wies +dieselben mit den Ueberbringern zurück. Am folgenden Tage kam Ebulfadhl +Abderrahman an der Spitze aller Grossen mit grossen Geschenken; aber auch +diese wurden nicht genehmigt. [RN: 29. Moharr./5. Febr.] Hulagu sandte den +Nassireddin von Tus als Gesandten in die Stadt; welcher Triumph für den +rachsüchtigen Astronomen, welcher seiner Empfindlichkeit für die +Verschmähung seiner Verse die Stadt des Heils und das Heil des Chalifats +geopfert, welcher Triumph für ihn, dem Chalifen nun im Namen des Siegers +Gesetze vorzuschreiben! Am folgenden Tage kehrte er zurück, und Hulagu +sandte die aus der Stadt gekommenen drei Gesandten, den _Fachreddin +Demaghani_, den _Ibnol Dschewsi_ und _Ibn Dernus_, mit dem Begehren, dass +Suleimanschah und der Diwitdar erscheinen mögen. Sie erschienen wirklich +zwei Tage hernach. [RN: 1. Ssafer/7. Februar] Hulagu sandte sie wieder in +die Stadt zurück, um die Ihrigen mit sich zu bringen. Die syrischen und +irakischen Truppen und eine Menge Volkes benützten diese Gelegenheit, um +die Stadt zu verlassen und sich in's Lager der Mongolen, wo sie Rettung und +Sicherheit zu finden hofften, zu begeben; sie wurden in Tausende, Hunderte +und Zehn abgetheilt, den mongolischen Befehlshabern der Tausender, +Hunderter und Zehner übergeben und von diesen regelmässig umgebracht. +Abgeordnete kamen aus der Stadt, um das Leben der noch Zurückgebliebenen zu +erflehen, die Alle unterwürfig. Hulagu begehrte, dass der Chalife seine +Söhne sende und selbst komme. Während diesen Unterhandlungen ward einem +Inder Bitekdschi, der bei Hulagu in grossem Ansehen, ein Auge +ausgeschossen; Hulagu, hierüber ergrimmt, wollte nun von weiterem Aufschub +nicht mehr hören. Er befahl dem Nassireddin von Tus, sich an's Thor der +Wettrenner[302] zu begeben und die Einwohner mit Zusicherung des Lebens +herauszuführen; als diess geschehen, wurden sie Alle niedergemacht. [RN: 2. +Ssafer/8. Febr.] Suleimanschah wurde mit Siebenhundert der Seinen in die +Gegenwart Hulagu's geführt. Dieser fragte ihn: Wie kommt's, dass du, ein +Sternkundiger, nicht den Frieden vorgezogen und deinem Herrn nicht dazu +gerathen? Suleimanschah erwiederte: Der Chalife ist an Geist und Glück +verwahrlost und leiht denen, die es wohl mit ihm meinen, kein Ohr. Suleiman +und seine Siebenhundert wurden niedergemetzelt, so auch der Diwitdar und +dessen Sohn, und die drei Köpfe an Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, +gesandt, der, ein Freund Suleimanschah's, seinen Tod beweinte, aber +nothgedrungen, um nicht seinen Kopf zu verlieren, den des Freundes an dem +Thore seines Palastes aufhängen musste. Nach diesem tragischen Ende seiner +Getreuesten rief der Chalife seinen Wesir und fragte ihn, was zu thun; +dieser antwortete ihm mit dem arabischen Distichon: + + Sie wähnen, es sei leicht, Geschäft zu schlichten, + Indess das Schwert sich schärft, um hinzurichten. + +Endlich begab sich der Chalife, mit seinen drei Söhnen und von dreitausend +Seiden, Imamen, Scheichen und Kadis begleitet, Freitags den zehnten Februar +zu Hulagu. [RN: 4. Ssafer/10. Febr.] Dieser empfing ihn ohne Merkmal des +Zorns und begehrte kalt und ruhig, der Chalife möge Wort in die Stadt +senden, dass die Einwohner die Waffen wegwerfen und zur Zählung +herauskommen möchten. Der Chalife gehorchte und Bagdad's Einwohner gingen +wie Schafe zur Schlachtbank, denn statt gezählt zu werden, wurden sie +ungezählt Alle getödtet, der Chalife und seine Söhne in Zelte gewiesen vor +dem Gülwadischen Thore, wo der Standort Keitbuka's. Drei Tage hernach +begann die allgemeine Plünderung. [RN: 7. Ssafer/13. Febr.] Alle Paläste +und Gebäude wurden niedergebrannt, bis auf einige wenige, ausdrücklich +ausgenommene Häuser von _Arkaunen_, das ist nestorianischen Priestern und +Fremden. Die Priester dankten diese Schonung vermuthlich Niemanden Anderem, +als ihrer Glaubensgenossin, der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau +_Tokus_, der Keraitin, welcher im Lager Kapelle mit Glockengeläute +gestattet ward. Unter den Fremden sind vielleicht fränkische Kaufleute +gemeint, Venezianer und Genueser, welche sich zu Bagdad des Handels willen +aufhielten. + +[Randnote: Blutbad und Hinrichtung des Chalifen.] + +Freitags am fünfzehnten Februar begab sich Hulagu selbst in die +entvölkerte, niedergebrannte, verheerte Stadt und ordnete auf den Ruinen +derselben Feste an. Er liess den Chalifen vorführen und sagte ihm: Du bist +der Gastgeber und ich der Gast; tische uns also auf, was du hast. Der +Chalife zitterte und hatte aus Furcht alle Besinnung verloren, so dass er +die Schlüssel zu den Schatzkisten, die er ausliefern sollte, nicht fand. +Die Kisten wurden erbrochen und er brachte huldigend dem Sieger zweitausend +Kleider und zehntausend Goldstücke nebst vielen Juwelen und anderen +Kostbarkeiten dar. Hulagu würdigte das Geschenk keines Blickes und befahl, +es unter die Emire und die nächste Umgebung zu vertheilen. Dann herrschte +er weiter: Was über der Erde von deinen Schätzen, ist klar und offenbar; +doch nun entdecke uns auch die unterirdischen. Der Chalife gab die +unterirdische Cisterne an, bei deren Anblick sein Urgrossvater _Nassir_ so +oft seufzte, dass er dieselbe trotz seines Zusammenscharrens von Gold nicht +damit ganz füllen, sein Vater _Mostanssir_, dass er dieselbe trotz seiner +verschwenderischen Freigebigkeit nicht ganz leeren konnte. Moteaassim's +Geiz hatte den durch des Vaters Freigebigkeit entstandenen Abgang wieder +ausgefüllt. Hierauf wurde das Frauengemach des Chalifen gezählt; es waren +siebenhundert Sklavinnen und tausend Verschnittene. Der Chalife, als er +den Zählungsbefehl vernahm, bat um Schonung dieser, selbst von Sonne und +Mond nie geschauten Schönheiten. Hulagu erlaubte ihm, hundert auszuwählen. +Mit sinkender Nacht kehrte Hulagu aus der Stadt wieder in's Lager zurück +und befahl dem Sundschak Nujan, die Schätze des Chalifen in Besitz zu +nehmen; die seit einem halben Jahrtausend aufgehäuften Schätze wurden rings +des Herrscherzeltes aufgeschichtet; die edelsten Wallfahrtsstätten, wie die +Moschee des Chalifen, die Grabstätte Musa's, die Grabmäler von Rossafa, +wurden geplündert; die noch übrigen Einwohner der Stadt baten durch +Scherefeddin von Meragha und Schihabeddin von Sindschar um Schonung und +Vergebung; da erging der Befehl, dass das Blutbad und die Plünderung +aufhöre, denn Bagdad sei sofort des Padischah's Eigenthum. [RN: 14. +Ssafer/20. Febr.] Hulagu zog nach einigen Tagen, der ungesunden Luft +willen, sein Lager auf einige Entfernung von der Stadt zurück; dann liess +er abermals den Chalifen in seine Gegenwart fordern. Der Chalife sagte zum +Wesir: Was ist zu thun? »Unser Bart ist lang«, antwortete dieser in +bitterer Beziehung auf das Wort des Diwitdar's, der, als der Wesir bei der +ersten Aufforderung Hulagu's gerathen, sich mit einer reichen Ladung von +Schätzen abzufinden, dem Chalifen sagte: »Der Wesir hat einen langen Bart« +(auf das arabische Sprichwort hindeutend: _langer Bart und kurzer +Verstand_). Der Chalife bat nun den Ilchan um die Erlaubniss, sich in's Bad +zu begeben, welche ihm Hulagu unter der Begleitung von fünf Mongolen +gewährte. Ich wünschte nicht, sagte Moteaassim, die Gesellschaft von fünf +Folterengeln, und declamirte einige Verse einer berühmten Kassidet, deren +Anfang: + + Wir wachten auf in einem Freudenhorte, + Voll Paradieseslust und Pracht; + Der Abend findet uns an einem Orte, + Woran wir gestern nicht gedacht. + +Am selben Tage, [RN: 14. Ssafer/20. Febr.] wo Hulagu sein Lager von Bagdad +zurückzog, wurde der Chalife, in einen Teppich eingewickelt, zu Tode +gerollt und unter den Hufen der Pferde zertreten; drei seiner Söhne und +seine fünf Begleiter wurden im Dorfe _Wakf_ hingerichtet, und am folgenden +Tage Alle die, so am Gülwadischen Thore zurückbehalten worden waren, +getödtet; der jüngste Sohn des Chalifen, Mubarekschah, wurde der Gemahlin +Hulagu's, der Frau Oldschai, zum Geschenke gemacht, welche ihm eine +mongolische Sklavin zur Frau gab und an Nassireddin von Tus nach Meragha +sandte. Am selben Tage mit dem Chalifen wurde der Wesir Alkami und der +Staatssekretär, Vorsitzer des Diwan's, Fachreddin von Demaghan in die Stadt +gesendet und Ali Behadir, der Steuereinnehmer, welcher das Heer während der +Belagerung mit Lebensmitteln von Baakuba aus versehen hatte, zum +Statthalter, der Emir Karakai Imadeddin von Kaswin zum Naib (Stellvertreter +des Richters) ernannt; dem Nedschmeddin Ebi Dschaafer Amran, der den +schönen Beinamen _Meliki rast_, d. i. des geraden Königs, führte, wurde die +Steuereinnahme über das östliche Gebiet Bagdad's anvertraut, und dem +Richter der Richter Nisameddin Abdolmumin die Aufrechthaltung der Polizei +aufgetragen. Ilka Nujan und Kara Buka wurden mit dreitausend Mann zur +Aufräumung des Schuttes und zur Beerdigung der Todten, zur Auferbauung der +verheerten Gebäude befehligt; ein vergeblicher Befehl, denn das alte Bagdad +erstand nie wieder in seinem vorigen Glanze; und als sechzig Jahre nach der +Eroberung der Geschichtschreiber Wassaf Bagdad besuchte, war nicht der +zehnte Theil der alten Gebäude und Bevölkerung vorhanden; dem _Ibnol +Alkami_ aber, dessen Verrätherei die Hauptursache des Ruins des Chalifats, +und welcher nur drei Monate die Eroberung Bagdad's überlebte, ward noch +allgemein geflucht, und an den Thoren der Moscheen und Medreseen war die +Inschrift zu lesen: _Gott verfluche den, der nicht fluchet dem Ibnol +Alkami_[303]. + +[Randnote: Gesandtschaften an Hulagu; Alkami's Tod; Bibliothekenruin.] + +Von Hille, das der Sitz der Seide, Prophetenverwandten, hatte der +Vorsteher derselben, _Medschdeddin Mohammed Ibnol Hasan Ben Taus_ (das +erste Viertel dieses viertheiligen langen Namens heisst _Glaubensruhm_, das +letzte _Pfauensohn_) durch einen Gesandten ein Schreiben unterwürfigen +Inhalts an Hulagu gesandt[304]. Dieser entgegnete ihnen Diplom und +Geschenke durch Tekele und Ali von Nachdschiwan, welcher als Gesandter, der +Emir Alaeddin der Perser als Statthalter nach Hille gingen[305]. Ihnen +folgte auf dem Fusse _Buka Timur_, der Bruder der Frau Oldschai, um sich +Hille's, Wasith's und Kufa's zu bemächtigen. [RN: 10. Ssafer/16. Febr.] Die +Bewohner Hille's kamen ihm freundlich entgegen und erleichterten seinen +Marsch, indem sie Brücken über den Euphrat schlugen. Von den Bewohnern +Wasith's, das sich nicht unterwarf, wurden vierzigtausend niedergemetzelt. +Von Wasith zog Buka Timur gegen Chusistan, den Schereffeddin Ibnol-Dschewsi +mit sich führend, um durch denselben die Einwohner der Stadt _Schuster_ zur +Uebergabe zu bereden. Bassra und die Umgegend unterwarf sich gutwillig, der +Emir Seifeddin, der Bitekdschi, erbat sich hundert Mongolen als +Sicherheitswache für die Grabstätte Ali's zu Nedschef; nach Verlauf von +fünf Wochen war Buka Timur im Lager zurück. [RN: 19. Rebiulewwel/26. März] +Ein Monat nach der Eroberung Bagdad's wurden die Gesandten des Fürsten der +Ejubiden zu Haleb mit einem von Nassireddin von Tus aufgesetzten arabischen +Schreiben zurückgefertigt; es lautete: »Wir haben gelagert vor Bagdad im +Jahre sechshundert sechs und fünfzig und übel tagte der Morgen über die +Bewohner, und wir luden den Besitzer ein; er weigerte sich; da ward an ihm +das Wort erfüllt, und wir nahmen ihn gefangen. Wir laden dich ein zu +Unserem Gehorsam; wenn du denselben verweigerst, ist's dein Verderben. Sei +nicht wie der, der sich streitet um ein Aas, denn der Listige verliert, er +weiss nicht was, sonst wirst du seyn von den Verworfenen, welche ihren +Fleiss auf das irdische Leben wenden an, und die da wähnen, sie hätten +Etwas für's Künftige gethan; Heil dem, der wahrer Leitung folgt!« [RN: 11. +Rebiulachir/17. April] Hulagu befand sich in der zweiten Hälfte Aprils +wieder bei seinem schweren Gepäcke[306] zu Hamadan, wo er seine Gesundheit +pflegte, da er unwohl. [RN: 16. Rebiul. II./22. April] Fünf Tage später +erschienen Ilka und die anderen Emire zur Aufwartung; sechs Wochen hernach +starb Moejeddin Ibnol Alkami, [RN: 2. Dschem. II./6. Juni] welcher +wenigstens dem Namen nach die Wesirschaft von Bagdad beibehalten hatte; +nach dessen Tode erhielt dieselbe sein Sohn Scherefeddin. Wiewohl der Name +Ibnol Alkami's nichts anderes als der eines Verräthers auf den Zungen der +glaubwürdigsten Geschichtschreiber, so erfordert es doch unsere Pflicht, +als solcher auch des Ehrenvollen zu erwähnen, was eine andere, freilich +nicht sehr glaubwürdige Quelle von demselben meldet. Der Verfasser des +_Sittenspiegels der Herrschaft_[307], welcher sich im Seltsamen zu gefallen +scheint, sucht ihn von aller Schuld der Verrätherei rein zu waschen, indem +er den schlechten Ruf desselben einzig als Verläumdung und aus dem Hasse +und Neide der nächsten Umgebungen des Chalifen, welcher ihm sein ganzes +Vertrauen geschenkt, zu erklären bemüht ist; dass er des Vertrauens des +Chalifen nicht ausschliesslich genoss, erhellt schon aus dem, dass sein +Rath von dem seines Gegners, des Diwitdar's, überflügelt worden, und dass +ihm Hulagu nach Bagdad's Eroberung den Titel der Wesirschaft liess, +beweiset keineswegs, dass er kein Verräther. Wassaf, welcher ein halbes +Jahrhundert darauf seine Geschichte schrieb, bestätigt die Worte +Reschideddin's, seines Zeitgenossen, und entkräftet das angebliche +Vertrauen, das jenem Sittenspiegel zufolge Hulagu in ihn gesetzt haben +soll, durch das, was er bei dieser Gelegenheit über die löbliche Sitte +mongolischer Herrscher sagt: die Verrätherei und Anschwärzerei zwar zu +ihrem Vortheile zu benützen, aber den Verräther und Anschwärzer zu +verachten; seiner Verrätherei aus Niederträchtigkeit und +Leidenschaftlichkeit ungeachtet, kann Ibnol Alkami sehr wohl ein +gebildeter, selbst gelehrter Wesir, grosser Gönner und Freund der +Gelehrten gewesen sein, der eine Bibliothek von zehntausend Bänden besass, +deren viele ihm gewidmet waren; selbst der grosse Gelehrte Nassireddin +erscheint in nicht viel besserem Lichte, indem ihn gekränkte Eitelkeit zur +Rache an dem Chalifen durch den Ruin des Chalifats anspornte, und so stehen +der gelehrte Wesir und der gelehrte Astronom leider beide von Seite ihres +Charakters und ihrer politischen Grundsätze in höchst ungünstigem Lichte +vor den Augen der Nachwelt. Die zehntausend Bände der Bibliothek Ibn +Alkami's wurden, wie die der anderen Bibliotheken Bagdad's, von den +Mongolen entweder in den Tigris geworfen oder verbrannt; binnen zwei Jahren +der dritte grosse, für Bibliotheken verderbliche Brand, in welchem zu +Alamut, Medina und Bagdad die Werke östlicher Weisheit, welche die Welt +erleuchten sollten, ein Raub der Flammen. Durch diesen dreifachen +Bibliothekenbrand binnen zwei Jahren ging nur zu sehr in leidige Erfüllung +die Vorbedeutung des um zwei Jahre früheren Brandes der arabischen Wüste. + +[Randnote: Irbil's grosser, wohlthätiger Fürst; das persische Königstein; +die Sternwarte von Meragha.] + +Nach Bagdad's Eroberung befehligte Hulagu den _Oroktu Nujan_ zur Eroberung +Irbil's, der zwischen dem grossen und kleinen Sab, zwei Tagreisen von +Mossul gelegenen Hauptstadt des oberen Kurdistan's, welches durch die +Bauten des erst vor acht und zwanzig Jahren[308] verstorbenen turkmanischen +Fürsten _Kewkebusi Ben Ebul Hasan Ali_ damals eine der blühendsten Städte +des persischen Irak. Dieser edle Fürst, von welchem die europäischen +Geschichtschreiber bisher nicht die geringste Kunde genommen, ist einer der +wohlthätigsten des Islams und verdient als solcher sehr wohl seinen +doppelten Ehrennamen _Melik Moaasem Mosaffereddin_, d. i. des +grossgeehrten, durch die Religion siegreichen Königs. Täglich speiste er +Arme und kleidete sie im Winter; alljährlich sandte er Commissäre in die +Häfen, um Gefangene auszulösen, und nach Mekka, um die Pilgerkarawane mit +Speise und Trank zu versehen. Zu Mekka führte er die erste Wasserleitung +vom Aarafat und baute mehrere Wasserbehälter, zu Irbil gründete er ein +Dutzend wohlthätiger Anstalten, mehrere solche, von denen weder vordem noch +seitdem im Islam gehört worden; nämlich: ein Haus für Findelkinder, eine +Anstalt für Ammen und Säuglinge, eine Versorgungsanstalt für Wittwen, ein +gemeines Krankenhaus, ein besonderes Spital für Blinde, ein Karawanserai, +in welchem die Reisenden nicht nur umsonst bewirthet, sondern auch noch +ausserdem mit Reisegeld versehen wurden, ein Kloster, eine Medrese, an +welcher Muderrise für die beiden Ritus Hanefi und Schafii, und endlich eine +Moschee, an welcher alljährlich das Fest der Geburt des Propheten mit einer +Pracht und einem Zulaufe von Menschen begangen ward, wie vordem und seitdem +nirgends. Von Mossul, Sindschar, Dschesire, Nissibin strömten die Besucher, +Prediger, Redner, Dichter, Koranleser, Ssofi nach Irbil; einen ganzen Monat +vor dem Feste waren zwischen der Moschee und dem Kloster zwanzig, drei +Stock hohe Dome aus Brettern aufgeschlagen, von deren Gallerien Dichter +declamirten, Redner sprachen, Schattenspieler die Zuschauer unterhielten. +Täglich nach dem Nachmittagsgebete begab sich Mosaffereddin zu diesen +Domen, wohnte in der Nacht im Kloster dem Reigen der Ssofi bei und ging +nach dem Morgengebete auf die Jagd. Am Geburtsfeste selbst ward eine +unzählbare Menge von Kameelen, Rindern, Schafen unter Musik auf den Platz +gebracht, geschlachtet, gesotten und gebraten, während der Nacht die Stadt +erleuchtet und am folgenden Tage die Gäste an zwei grossen Tafeln, deren +eine für die Vornehmen, die andere für das Volk, bewirthet; im Schlosse +walzten die Derwische, von den Gallerien wurden die Hymnen des Gebets +abgesungen, die Sänger, Prediger und Derwische reichlich beschenkt. +Mosaffereddin wurde in der Nähe von Kufa, seine Gemahlin Rebiaa am Berge +Kasiun bei Damaskus in der von ihr gestifteten Medrese bestattet. In keiner +Schlacht besiegt, von keinem anderen Fürsten in Stiftungen der +Wohlthätigkeit übertroffen, verdient dieser turkmanische Fürst von Irbil +wohl den Namen _des durch die Religion siegreichen, grossmächtigen +Königs_[309]. Das Schloss von Irbil erhebt sich auf einem vereinzelten +Berge, während die Stadt in der Ebene. Tadscheddin, der Sohn Salaje's (des +oben erwähnten Befehlshabers des Passes von Deriteng [Engthor]), war +bereit, die Stadt zu übergeben; aber die Kurden gehorchten ihm nicht. +Oroktu begehrte Hülfstruppen von Bedreddin Lulu, dem Fürsten Mossul's, der +sie ihm auch sandte und den guten Rath ertheilte, den Sommer abzuwarten, +weil dann die Kurden nicht mehr im Schlosse aushalten, den Gebirgen zueilen +würden. Oroktu übergab die Belagerung dem Bedreddin, dessen Vorhersagung +durch den Abzug der Kurden im Sommer erfüllet ward; er schleifte die +Mauern. Hulagu schickte einen Theil der erbeuteten Schätze mit dem +Siegesberichte seines Eroberungszuges an den Bruder Kaan, den grössten +Theil derselben aber speicherte er in dem am See Urmia auf unbezwinglichem +Felsen gelegenen Schlosse Tala (das heute Gurtschinkalaa heisst) auf; eine +vereinzelte, auf drei Seiten unzugängliche Felsenmasse, welche den +englischen Reisenden Porter an den Königstein in Sachsen erinnerte und +welche ein Steiermärker die persische _Riegersburg_ nennen würde[310]. +Bedreddin Lulu, der neunzigjährige Fürst von Mossul, wartete dem Eroberer +Persiens, für den er Irbil eroberte, zu Meragha auf; [RN: 7. Schaaban +654/9. August 1258] ebenda _Atabeg Saad_, der Salghure, Herr von Fars, und +die beiden seldschukischen Prinzen von Rum, Isededdin und Rokneddin. Hulagu +war über jenen sehr ungehalten, weil er wider Baidschu Nujan sich zu +schlagen gewagt. Um den Erzürnten zu versöhnen, stellte sich Isededdin zur +Audienz mit einem Geschenke von einem Paar Pantoffeln, deren Sohlen sein +Portrait eingestickt war, und mit der Bitte dar, dass der Padischah auf +diese Weise ihn, den Sklaven, unter den Sohlen in den Staub tretend, adeln +möge. Hulagu verzieh ihm, durch diese Schmeichelei besänftigt und auf die +Fürbitte der Frau Tokus. Einen schönen Gegensatz zu dieser niederträchtigen +Schmeichelei des Sultans von Rum bildet die Freimüthigkeit des Astronomen +Nassireddin von Tus, welcher dem Eroberer in Erinnerung brachte, dass, als +Chuaresmschah erobernd bis Tebris vorgedrungen, er auf die wider die +Ausschweifungen seines Heeres vorgebrachten Klagen geantwortet: _Ich kam +als Welteroberer und nicht als Welterhalter_[311]; Hulagu antwortete: Ich +bin, Gott sei Dank! sowohl Welteroberer als Welterhalter und kein +Schwächling, wie Dschelaleddin von Chuaresm. Den ersten Beweis von der +Wahrheit dieses Wortes gab Hulagu durch den Bau der Sternwarte von Meragha, +deren Grund jetzt gelegt, aber deren Bau erst unter der folgenden Regierung +vollendet ward. Vier Astronomen[312] von Damaskus, Kaswin, Achlath und +Mossul waren die Gehilfen Nassireddin's von Tus, der an dieser Sternwarte +die ilchanischen Tafeln verfertigte, die, vollkommener als die +früheren[313], ein bleibendes Denkmal des Ruhmes des Ilchans, Erbauers der +Sternwarte und des an derselben beobachtenden grossen Astronomen +Nassireddin's von Tus. + +[Randnote: Herrscher Gross- und Klein-Luristan's] + +Von den Fürsten, welche dem neuen _Ilchan_ oder Landesherrn nach Bagdad's +Eroberung zu huldigen kamen, ist bereits des Salghuren von Fars und des +Seldschuken von Rum, sowie des Atabegen von Mossul, Bedreddin Lulu's, +welcher bei Irbil's Eroberung hilfreiche Hand geleistet, Erwähnung +geschehen, und es wird von ihnen noch weiter unten die Rede sein; doch hier +ist noch von anderen Fürsten zu melden, deren Staaten nun in unmittelbarer +Berührung mit der mongolischen Macht, derselben sich nur scheinbar oder +erst durch Gewalt gezwungen unterworfen; solche waren die Atabege von +Gross- und Klein-Luristan, die Könige Gross- und Klein-Armeniens, endlich +die Sultane Syriens und Aegyptens. Die ausführliche Erzählung des wider +die letzten geführten syrischen Krieges ist dem folgenden Buche +vorbehalten; hier also nur kurz von den Atabegen und den christlichen +Fürsten. Tekele, der Sohn Hesarsif's, der dritte Herrscher der im +Geburtsjahre Tschengischan's vor einem Jahrhunderte als unabhängig +emporgeschossenen Dynastie der Atabege von Gross-Luristan, war, als Hulagu +gegen Bagdad zog, demselben huldigend entgegengekommen und von ihm dem +Tomane Keitbuka Newin's, des Befehlshabers des Vortrabes, zugetheilt +worden. Nicht im Stande, die Aeusserungen seines Schmerzes über den Sturz +des Chalifats und den Mord der Bewohner Bagdad's zu unterdrücken, hatte er +sich durch dieselben die Ungnade Hulagu's zugezogen, der Truppen wider ihn +sandte. Schemseddin Alp Arghun, der Bruder Tekele's, bot sich dem Bruder +an, sich selbst in's Lager des Ilchans zu begeben, um dessen Verzeihung zu +erflehen. Tekele nahm den Antrag dankbar an. An der Gränze Luristan's fiel +Alp Arghun den mongolischen Truppen in die Hände, deren Heerführer ihn +trotz seiner Sendung als Unterhändler tödteten. Tekele vertheidigte sich in +dem Schlosse Mandschascht und ergab sich erst, als ihm durch Sendung des +Ringes Hulagu's sicheres Geleite versprochen ward. Nichtsdestoweniger ward +er nach Tebris geschleppt und dort hingerichtet und die Herrschaft +Grossluristan's dem mit dem hingerichteten Bruder Tekele's gleichnamigen +Schemseddin Alp Arghun verliehen[314]. In Klein-Luristan war die Herrschaft +der vor siebzig Jahren unabhängig gegründeten Dynastie in den Händen des +vierten Herrschers, Bedreddin Mesud, welcher, als er sich auf dem Feldzuge +Hulagu's gegen Bagdad zum Dienste desselben stellte, von ihm die +Auslieferung seines Schwagers und mächtigen Nebenbuhlers um den Thron, +Suleimanschah's, begehrte. Hulagu antwortete: Diess ist ein grosses Wort, +dessen Gewährung bei Gott. Als aber Bagdad erobert und Suleimanschah +erschlagen worden war, erhielt Bedreddin Mesud die von ihm begehrte +Familie des Schwagers. Er behandelte dieselbe so gütig und beförderte durch +weise und gerechte Regierung den Wohlstand des Landes so sehr, dass, als er +ihnen später die Wahl liess, ob sie in Luristan bleiben, oder nach dem aus +der Asche sich wieder erhebenden Bagdad wandern wollten, nur Wenige dahin +auswanderten; ein gerechter, eingezogener und besonders der +Ueberlieferungen wohl kundiger Fürst. Die _auserwählte Geschichte_[315] +rühmt an ihm, dass er nie unrechtmässigen Beischlaf gepflogen und dass er +viertausend juridische, nach den Grundsätzen des Ritus _Schafii_ +entschiedene Rechtsfragen auswendig gewusst. Nach seinem, nun zwei Jahre +nach dem Falle Bagdad's erfolgten Tode stritten sich um die Herrschaft +Klein-Luristan's seine Söhne _Dschemaleddin Bedr_ (Schönheit der Religion, +Vollmond) und _Nassireddin Omer_ mit _Tadscheddin Schah_, dem Sohne des in +der Schlacht wider Suleimanschah gebliebenen Hosameddin Chalil. Dieser +Streit ward erst unter Abaka, dem Sohne und Nachfolger Hulagu's, durch das +wider die Söhne Bedreddin Mesud's ausgesprochene Todesurtheil blutig +entschieden. Der Thron Klein-Luristan's wurde dem Sohne Suleimanschah's, +_Tadscheddin_, zugesprochen, welcher denselben sieben Jahre lang +behauptete, welcher dann aber den beiden Brüdern der hingerichteten beiden +Söhne Bedreddin Mesud's, dem _Felekeddin Hasan_ und _Iseddin Husein_, +zugesprochen ward. + +[Randnote: Könige Gross- und Klein-Armenien's.] + +Der König Klein-Armeniens, Hethum I., welchen die Araber _Hatim_, die +Kreuzfahrer _Haithon_ nennen, hatte sich bei der Thronbesteigung Mengku's +über Kipdschak in das Hoflager des grossen Kaan's zu Karakorum und nach +einer Abwesenheit von sechzehn Monaten wieder in seine Staaten +zurückbegeben. Mit goldener Krone gekrönt, mit goldenem, geweihtem Scepter +in der Hand auf hohen goldenen Thron gesetzt[316], füllte er denselben +fünf und vierzig Jahre mit umsichtiger Klugheit, sein Schiff durch den +Fluthenschwall ungeheuerer Heeresmacht und die Klippen der Scheelsucht der +Könige Georgien's glücklich durchsteuernd. Wenn seinem Vetter, dem +genannten Hethum gleichnamiger Mönch, Geschichtschreiber, Glauben +beizumessen wäre, hätte Mengku seinem Vetter König sieben vorgetragene +Begehren gewährt, aber das angebliche, als Gewährung des ersten Begehrens +gegebene Versprechen Mengku's, sich taufen zu lassen[317], verdächtigt auch +die Gewährung der anderen sechs Artikel. Vor ihm war schon sein Bruder +Sempad, der Connetable Armenien's[318], in's Hoflager gezogen, und ward nun +zum zweitenmal dahin gesandt, um Schutz wider die georgischen Fürsten aus +der Familie _Awak_ anzuflehen, welcher, wie Arghun dem mongolischen +Statthalter, dem Sempad nach dem Leben gestrebt, die Länder seines Bruders +Hethum verwüstet[319]. Bald nach Sempad's Abreise ward auch Arghun in's +Hoflager berufen, um unter der Anklage von Erpressungen über seine +Verwaltung Rechenschaft zu geben. Sempad fand ihn dort durch den Einfluss +seiner Feinde _Sewindsch_ und _Scherefeddin_ eingekerkert, welche Arghun's +Tod suchten, um seine Stelle zu erhalten. Das Zeugniss Sempad's zu Gunsten +der Verwaltung Arghun's rettete diesem das Leben; die Ankläger wurden +hingerichtet, Arghun und Sempad kehrten nach Armenien und Georgien +zurück[320]. Arghun brachte neue Einrichtung des Steuerwesens mit sich, das +bisher unverhältnissmässig mehr auf den Armen, als auf den Reichen gelastet +hatte. Von nun an waren die Reichen mit fünfhundert Dinaren, die Armen nur +mit Einem besteuert[321]. Arghun, dankbar gegen seinen Vertheidiger Sempad, +unterstützte ihn wider seine Feinde, die georgischen Prinzen aus dem Hause +Awak, von denen David, der Sohn der Königin Russadan, sich wider die +Mongolen empörte. Hulagu sandte wider ihn ein aus Mongolen und Moslimen +zusammengesetztes Heer, von dem er geschlagen ward[322]. [RN: 657/1259] +Arghun verfügte sich nach Tebris, um über die Zustände Georgien's zu +berichten. Als Arghun nach Tiflis zurückkehrte, hatte sich David zum +zweitenmale empört, weil die Entrichtung des verspäteten Tributs gefordert +worden. Sowohl Sempad, der Orpeliane und Herrscher von Grossarmenien, als +Hethum, der Herrscher von Kleinarmenien, dem cilicischen Reiche, erhielten +sich als Vasallen mongolischer Herrschaft auf ihren Fürstenstühlen, Dank +dem Schutze der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau _Tokus_, welche +eine eifrige Christin, durch deren Einfluss nach Bagdad's Eroberung der +Patriarch der Nestorianer den Palast des kleinen Diwitdar zum Sitze des +Patriarchats erhalten hatte. Nur zu Tekrit siegten die Moslimen über die +Christen, wo wegen Verheimlichung von Gütern hingerichteter Moslimen auf +Befehl Hulagu's allgemeines Gemetzel der Christen stattfand[323]. Die +Blutvesper von Tekrit ausgenommen, hatten sich die Christen mittels des +Schutzes der Frau Tokus nur günstiger Behandlung von Hulagu zu erfreuen, +namentlich Hethum, der Pagratide, Herr von Kleinarmenien, und der von +Grossarmenien, der Orpeliane Sempad. Die Residenz des ersten war die Stadt +_Ain_; am Zusammenflusse zweier Ströme, die in den Araxes münden, gelegen, +zählte sie im eilften Jahrhundert hunderttausend Einwohner und tausend +Kirchen[324]; die Residenz des zweiten, _Sis_, in Cilicien an einem kleinen +Flusse, der sich in den Dschihan ergiesst[324], der Sitz des armenischen +Patriarchen. Der Pagratide Hethum und der Orpeliane Sempad standen beide +bei Hulagu als treue Vasallen in Gnaden, der erste musste ihm das Holz zu +seinen Bauten am Alatagh liefern, dafür konnte er ungehindert kostbare +Reliquien in Gold und Silber fassen; so die Hirnschale des heil. Gregor des +Erleuchteten aus dem Kloster bei _Kaghseman_[325], das zwischen Karss und +Pasin am Durchbruche des Araxes zwischen geklüftetem Gebirge, und den +Schädel S. Gregor's des Wunderthäters, den er der berühmten Kirche von +Norevanch schenkte[326]. _Hethum_, schon durch die Lage seines Königreichs +ferne dem Hulagu und näher den Kreuzfahrern, als der nördliche Herrscher +Grossarmenien's, war mit den angesehensten Fürsten der Kreuzfahrer durch +Vermählung seiner Töchter (mit dem Fürsten Antiochien's, Sadan, und dem +Herrn von Ibelim) verschwägert. Von seinen Söhnen fiel der jüngere, Toros, +im Kriegsdienste Hulagu's im syrischen Kriege wider den Sultan der +Mamluken, sowie hernach _Purthel_, der Neffe Sempad's, im Feldzuge Hulagu's +wider Kipdschak in der Schlacht am Terek blieb. Die christlichen Herrscher +Gross- und Klein-Armeniens waren also treuere Vasallen des Ilchan's, als +die moslimischen Gross- und Klein-Luristan's, und es darf nicht Wunder +nehmen, wenn durch die Namensähnlichkeit der Pagratide _Hethum_ in den +Geschichten der Araber als ein zweiter _Hatim_ (das arabische Muster von +Freigebigkeit und Grossmuth) und der Orpeliane Sempad (als ein zweiter +Sindbad, der berühmte Reisende der arabischen Mährchen) durch seine Reisen +in's mongolische Hoflager figurirt. + + + + +Drittes Buch. + + Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb, Miafarakain; + Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor Damaskus; Schlachten von + Aindschalut und Himss; das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten; + Anlass des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak; + Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's, Arikbuka, Alghui, + Kaidu; Vertheilung der Länder und Statthalterschaften; Dynastie + der Beni Aamaret und Schebankjare von Fars. + + +[Randnote: Verhältniss Hulagu's mit den gleichzeitigen asiatischen +Dynastien.] + +Die hundert Burgen der Assassinen waren gebrochen, der Thron des Chalifats +war umgestürzt, die Fürsten von Fars und Mossul, von Gross- und +Klein-Armenien, von Gross- und Klein-Luristan, hatten freiwillig oder +gezwungen gehuldigt, das ganze Land von den Ufern des Oxus bis zu denen des +Tigris war der Herrschaft des _Ilchan's_ unterworfen, aber hierdurch der +Auftrag, welchen der Eroberer Hulagu vom Bruder Kaan erhalten, ganz Asien +bis an den äussersten Westen zu erobern, nur zur Hälfte erfüllt; noch +blieb Mesopotamien und Syrien bis nach Aegypten hin zu erobern übrig. In +dem letzten dieser drei Länder war der Hauptstamm der Herrschaft der +Ejubiden, welche sich zu Ende des zwölften Jahrhunderts gleichzeitig mit +der der Mongolen erhob, vor neun Jahren durch gewaltsame Umwälzung +gebrochen worden und die Stelle der Herren aus dem Hause Ejub hatten ihre +Sklaven, die Mamluken, auf dem Throne als Herrscher eingenommen; aber von +dem hohen und mächtigen Baume dieses grossen Herrschergeschlechtes +wurzelten noch sieben Zweige im arabischen Irak und in Syrien, vom Jenseits +der Wüste an, welche Mesopotamien von Syrien, bis zu der, welche Syrien von +Aegypten trennt, _Miafarakain_ und _Hossnkeif_, bis nach _Damaskus_ und +_Karak_; inmitten derselben die von _Haleb_, _Hama_ und _Himss_. Wären +diese sieben Strahlen der Herrschaft in dem Brennpunkte Eines einzigen +starken Volkes und Muthes vereint gewesen, hätte die sieben Herrscher nur +das Band aufrichtiger, zusammenwirkender politischer Eintracht verbunden, +so würde ihre, von einem Einzigen geleitete, aber auch immer aufrichtig +vereinte Macht der Hulagu's wahrscheinlich siegreich widerstanden haben, da +sogar Einzelne derselben männlichen Widerstand nicht ohne Erfolg versucht +und den reissenden Strom der Eroberung wenigstens eine Zeit lang gehemmt; +aber es fehlte Einheit und Eintracht, welche im Herrscherhause Ejub nur +unter der ruhmwürdigen Regierung Ssalaheddin's zwanzig Jahre lang das von +ihm gegründete Reich befestigte. Nach seinem Tode war die Macht +vielgetheilt und durch Herrschsucht und Scheelsucht geschwächt, nicht im +Stande, den andringenden Fluthenschwall mongolischer Herrschaft zu +gewältigen. Ein Blick auf die gleichzeitig im Osten und Westen Asien's +emporgestiegene Herrschaft des Hauses Tschengischan's und Ejub's zeigt im +hellsten Lichte die Staatsklugheit des Tschengischan'schen Hauses und +Grundgesetzes der Einigkeit und Familieneintracht, ohne dessen strenge +Beobachtung die Herrschaft der Mongolen nie zu solcher Macht gediehen wäre. +Zwar zeigten sich auch schon bald nach Tschengischan's Tode Symptome der +Uneinigkeit und des Familienzwistes in den Ansprüchen auf die oberste +Herrschaft, aber das Schwert rottete bei Mengku's Thronbesteigung in dem +blutigen Sinne der Jasa siebzig Prinzen auf einmal aus, und das Reich erhob +sich unter ihm und seinem Nachfolger Kubilai zu einer Ausdehnung von Macht +und Grösse, dergleichen die Geschichte vor- und nachdem nie gesehen. Erst +als die Bande der Alles im Mittelpunkte versammelnden Einheit und der +Familieneinigkeit sich lockerten, begannen auch die Thronen der +mongolischen Herrscher zu wanken, und erlagen fremder Uebermacht, wie jetzt +der mongolischen die Grösse des Herrscherhauses Ejub. Wir nehmen den kurz +gedrillten Faden der Geschichte von sieben oben erwähnten, Hulagu +gleichzeitigen Dynastien der Söhne Ejub's da wieder auf, wo wir denselben +im ersten Buche dieser Geschichte verlassen haben. + +[Randnote: Die Beni Ejub zu Miafarakain und Hossnkeif.] + +Von den sieben, Hulagu gleichzeitigen Dynastien des Hauses Ejub, welche mit +seiner Macht in Berührung, von demselben, weil sie widerstanden, +vernichtet, oder weil sie gehuldigt, noch einige Zeit geduldet worden, war +die von _Haleb_, wo die unmittelbaren Nachkommen Ssalaheddin's herrschten, +die mächtigste, deren Uebermacht soeben die von Damaskus verschlungen +hatte. In Mesopotamien, zu Miafarakain und Hossnkeif, und an der Gränze +Syriens, zu _Kerek_, herrschten Abkömmlinge _Melikol-aadil's_ (d. i. des +gerechten Königs), des Bruders Ssalaheddin's, zu _Hama_ die Nachkommen +_Schehinschah's_, des Bruders Ssalaheddin's und _Melikol-aadil's_, und zu +_Himss_ die _Schirkuh's_, des Oheims der drei Brüder. _Melik Nassir Jusuf_, +der Urenkel Ssalaheddin's, war nach seines Vaters, _Melikol-asis_, Tode +schon in seinem siebenten Jahre zur Regierung gelangt, welche während +seiner Unmündigkeit für ihn seine Grossmutter, die Tochter Melikol-aadil's, +die Frau _Ssaffije_, führte. Seinem Vetter, dem Herrn von Himss, _Manssur +Ibrahim_, dem Urenkel Schirkuh's, des Oheims Ssalaheddin's, stand er mit +einem Heere wider die Chuaresmier bei, welche nach dem Sturze des +chuaresmischen Reichs in einzelnen Banden, wie die Condottieri des +Mittelalters, Mesopotamien und Syrien durchrannten und ausraubten. Er +bemächtigte sich ihrer beiden Hauptplätze, Harran's und Rakka's. [RN: +646/1248] Für den Sohn und Nachfolger Manssur Ibrahim's, _Melikol-eschref +Musa_, nicht so freundschaftlich gesinnt, wie für dessen Vater, hatte er +demselben seine Hauptstadt Himss entrissen und ihm dafür das aus der +Geschichte der Kreuzzüge bekannte Schloss von _Tell baschir_ gegeben. Im +folgenden Jahre hatte er wider Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, ein +Heer gesandt, welches das Feld zu Nissibin behauptete und im Besitze des +ganzen Lagers des flüchtigen Feindes blieb. [RN: 647/1249] Als im nächsten +Jahre die Herrschaft des Stammes der Beni Ejub in Aegypten erlosch, luden +die Emire von Damaskus den Herrn von Haleb zur Besitznahme ihrer Stadt ein. +[RN: 648/1250] Er zog dahin, und, in der Absicht, auch Aegypten zu erobern, +dem Heere der Mamluken entgegen; er schlug dieselben zwar zuerst bei +_Abbasa_, ward aber dann geschlagen und floh nach Damaskus zurück. Er zog +zum zweitenmale aus, und schloss Frieden auf die Bedingniss, dass der +Jordan die Gränze beider Reiche. Wider Nassir, den mächtigsten Herrscher +der Beni Ejub in Syrien, wandte sich also jetzt Hulagu's erobernde Macht; +aber auf dem Wege dahin standen ihm noch die nächsten Verwandten Nassir's, +die Herren von Miafarakain und Hossnkeif, entgegen, welche, auf die +Festigkeit ihrer Burgen stolz, dem Eroberer trotzten. Zu Miafarakain +herrschte _Melikol-kjamil_, der Sohn Melikol-Mosaffer's, des dritten der +drei Söhne Melikol-aadil's, welche nach ihrem Vater Herren dieser festen +Stadt; der von _Hossnkeif_ war _Melikol Mowwahid_, der Ururenkel +Melikol-aadil's, aus dessen Sohne Kjamil. Als Kjamil nach seines Vaters Tod +den Thron Aegyptens bestieg, gab er seinem Sohne Melik Ssalih Nedschmeddin +die Stadt Amid und das Schloss Hossnkeif als Leibgedinge, und als Ssalih's +Enkel Moaasem Turanschah sich nach Aegypten begeben, um dort die +Herrschaft, welche in ihm enden sollte, zu übernehmen, blieb Hossnkeif +seinem Sohne Mowwahid als Leibgedinge. Die beiden Herren von Hossnkeif und +Miafarakain waren würdige Träger des Namens Ejub, indem sie, stolz auf +ihren angestammten Herrscheradel und die Festigkeit ihrer Burgen, dem +mongolischen Eroberer zu huldigen verschmähten, während ihr mächtiger +Vetter Nassir von Haleb huldigend einen Gesandten an Mengkukaan gesandt und +von demselben _Jerligh_ und _Paise_, d. i. Diplom und das Ehrenzeichen des +Löwenkopfes, erhalten hatte. Selbst an Hulagu, als er das persische Gebiet +betreten, hatte er heimlich unterwürfige Botschaft gesandt, entfloh aber +nun bei der Annäherung Hulagu's nach Aegypten. + +[Randnote: Aufbruch von Tebris.] + +Nach der Eroberung Bagdad's war Hulagu erst gegen Hamadan und von da über +Meragha nach Tebris gezogen, das von nun an die Hauptstadt von +_Aserbeidschan_ (dem alten Atropatene), von nun an auch die des neuen +mongolischen Reichs in Persien und die Residenz des Ilchan's; seitdem +heisst dieselbe mit dem ganzen Lande umher _Paitachti Hulagu_, d. i. der +Fuss des Thrones Hulagu's. _Tebris_, d. i. das _warm Rieselnde_, hat seinen +Namen, der gleichbedeutend mit _Tepliz_, von seinen warmen Quellen; es +liegt auf der Westseite des Berges _Sehend_ mitten unter üppigen Gärten, +vom Flusse _Surchab_, d. i. Rothwasser, bespült. Es ist möglich, dass +_Tebris_ nur eine Verstümmelung des alten, beim Ptolemäus vorkommenden +_Gabris_; aber alle Quellen arabischer Geschichte nennen als Erbauerin der +Stadt die Gemahlin Harun Reschid's, seine Base, die grosse Frau _Sobeide_. +[RN: 175 (791)] Schon neun und dreissig Jahre nach ihrer Erbauung vom +Erdbeben zerstört, wurde Tebris vom Chalifen Motewekkil wieder erneuert +[RN: 245 (857)] und zweihundert Jahre später vom Erdbeben gänzlich in +Schutt gelegt. [RN: 434 (1042)] Der Astronom _Abu Tahir_ von Schiras hatte +das Erdbeben für die Nacht, wo es stattfand, vorausgesagt und die Einwohner +der Stadt, dieselbe zu verlassen, ermahnt; Viele beherzigten seine Warnung, +aber vierzigtausend, welche in den Häusern zurückblieben, wurden unter +denselben begraben. Der neue Bau ward unter der Leitung des genannten +berühmten Astronomen im Zeichen des Scorpions begonnen, um dadurch für +immer die Gefahr gänzlicher Zerstörung durch Erdbeben abzuwenden; »und +wirklich«, sagt Hamdallah Mestufi, der persische Geschichtschreiber +Geographe, »haben in den seitdem verflossenen dreihundert Jahren mehrmal +Erdbeben stattgefunden, ohne der Stadt wesentlich zu schaden, so dass die +Stadt ihren Ruin nicht mehr von Erdbeben, sondern nur von Ueberschwemmung +fürchtet«. Zahlreiche, seitdem gegrabene Kanäle und unterirdische +Wasserleitungen gewähren dem Wasser Abfluss, so dass auch diese Furcht +verschwunden; der vom Berge Sehend niederströmende kleine Fluss _Mehranrud_ +vertheilt sich in mehr als hundert solcher Kanäle, um die Gärten der Stadt +zu bewässern; die Waldungen rund um die Stadt sind so dicht, dass, als zu +Beginn des vorigen Jahrhunderts das osmanische Heer hier den Befehl +erhielt, dieselben auszuhauen, dreitägige Arbeit der Axt keinen merklichen +Unterschied hervorbrachte, so dass sie so dicht, wie ehe, schienen. Die +schöne und fruchtbare Ebene von Tebris, welche sich auf der Westseite der +Stadt gegen den See von Urmia hinzieht, wetteifert durch üppigen Baumwuchs +mit den Zauberthälern von _Soghd_, _Damaskus_, _Schaabbewwan_ und mit der +Ebene von _Mamschanrud_ bei Hamadan um edenischen Ruhm. Die Aepfel, Birnen, +Aprikosen und vorzüglich die Weinbeeren ohne Kern sind vortrefflich; die +Einwohner blühender Gesichtsfarbe, gewerbfleissig und auch nicht ohne Muth, +aber durch Treulosigkeit verschrien. Derohalben ist von ihnen der persische +Viervers gang und gäbe: + + Als Freund hat Keiner noch Tebrisern je getraut; + Die Anderen sind Mark, Tebriser ist nur Haut. + Wer in der Freundschaft nicht beständig wird geschaut, + Hat, wenn nicht von Tebris, sich dorten angebaut. + +Hierauf entgegnete ein Dichter von Tebris: + + Tebris ist Paradies, sein Volk ist spiegelrein. + Du sagst, dass sie aufrichtig nicht in Freundschaft sei'n; + Wie konntest And'res dir von ihnen bilden ein, + Der Spiegel wirft zurück von dir den Widerschein. + +Vorzüglich hat sich in der Landschaft Aserbeidschan von jeher +wissenschaftliches Streben kund gegeben, und schon Abu Tahir sagte: +Aserbeidschan ist im Osten, was Andalus im Westen, durch philologischen und +medicinischen Ruhm. Von den grossen Männern und Dichtern, deren Ruhm die +Stadt verherrlicht, sowie von den grossen Gebäuden derselben, wird unter +der Regierung Ghasan's, dessen Grabdom noch heute die schönste Ruine der +Stadt, zu sprechen der Ort sein[327]. + +[Randnote: Marsch Hulagu's bis Roha.] + +Von Tebris, seinem neuen Thronsitze, brach Hulagu Freitags den zwölften +September gegen Syrien auf. [RN: 22. Ramasan 657/12. September 1259] Vor +seinem Aufbruche sandte er Botschaft an seinen Vasallen Bedreddin Lulu, den +Herrn von Mossul, ihn seines hohen Alters willen der persönlichen +Erscheinung im Felde enthebend, aber dafür die Gegenwart seines Sohnes +Ssalih fordernd. Dieser erschien und Hulagu belohnte ihn dafür mit der Hand +einer Tochter des letzten grossen Sultans von Chuareſm, _Dſchelaleddin_. +Seinen Feldherren _Baidſchu_ und _Schiktur_ übertrug er den Befehl des +rechten, anderen Emiren den des linken Flügels, er selbst führte das +Mitteltreffen an. Wir folgen nun seinem Zuge nach den Stationen, deren die +persischen Geschichten erwähnen, wie wir demselben von Karakorum an bis an +den Oxus nach den chinesischen Berichten gefolgt sind. Auf der Westseite +des Ararat, zwischen demselben und Erſerum, südlich von _Hasan Kalaa_, +erhebt sich das Gebirge _Alatagh_, d. i. der bunte Berg, in welchem +herrliche Alpenweiden, Jagden und die Hauptquelle des Euphrat's, nämlich +die des _Muradſsuji_, welcher hier aus mehreren Bächen zusammenströmt[328]. +Hulagu fand so grosses Wohlgefallen an den Weiden von _Alatagh_, dass er +denselben einen mongolischen Ehrennamen beigelegt[329]. Von hier wandte er +sich südwärts nach _Achlath_, der auf dem nördlichen Ufer des Sees von Wan, +gegenüber des Schneegebirgs _Siban_, gelegenen Stadt, die eine uralte, +schon zu Nuſchirwan's Zeit der Sitz seines Oheims Dschamasb, von den +Byzantinern Chliat genannt[330], berühmt durch die Grösse seiner Aepfel, +deren einer bis hundert Drachmen wiegt. Ihren Flor verheerte zuerst der +Einfall Chuareſmschah's und zwanzig Jahre hernach ein Erdbeben. [RN: +626/1228] Seid Husein von Achlath, in allen esoterischen Wissenschaften +tief gelehrt, hatte noch vor dem Einfalle der Mongolen in Persien das +Unheil Tſchengiſchan's vorausgesagt und war mit zwölftausend Familien nach +Kairo ausgewandert, wo noch seine Grabstätte und noch das Stadtviertel der +Achlather das Andenken an diese Ansiedelung bewährt[331]. Die Kurden des +Stammes _Hakkjari_, welche um Achlath wohnen, wurden vom Heere wie scheues +Vieh verfolgt und getödtet[332]. Als das Lager zu Diarbekr, beschloss +Hulagu vor Allem die gänzliche Eroberung Mesopotamiens, um auf dem Marsche +gegen Syrien den Rücken frei zu behalten. Der Herr von Miafarakain[333], +Melik Kjamil, hatte nicht nur der Einladung zur Unterwürfigkeit keine Folge +geleistet, sondern auch einen syrischen Priester, welcher während der +Belagerung Bagdad's mit einem Jerligh des grossen Kaan's an ihn abgesendet +worden, gekreuziget[334]. Der Prinz Jaschmut[335] und Suntai Nujan wurden +die Stadt zu belagern befehligt; den Sohn Bedreddin Lulu's sandte Hulagu +gegen Amid, das heute unter dem Namen Diarbekr bekannter; er selbst wandte +sich nach _Roha_, das alte Edeſſa, das sich freundlich ergab; _Harran_ und +_Niſsibin_ wurden mit Gewalt genommen und verheert; die Einwohner von +_Serudsch_, die keinen Boten der Unterwürfigkeit gesandt, niedergemacht. Zu +Roha schlug er sein Winterquartier auf und beschied dahin seine Vasallen, +Hethum, den König Kleinarmeniens, und die Seldschuken Rum's; auch an +Nassir, den Sultan von Haleb, sandte er von hier wiederholte Botschaft, ihn +persönlich in's Lager zu laden; Nassir schickte seiner statt seinen Sohn +Melikelasis mit reichen Geschenken. Hulagu behielt ihn den ganzen Winter +hindurch bei sich und sandte ihn erst im nächsten Frühjahre nach Ostern an +den Vater mit der lakonischen Botschaft zurück: »Nicht dich haben wir +begehrt, sondern deinen Vater; er komme also, sonst kommen wir zu ihm«. +König Hethum erschien an der Spitze einer grossen Anzahl gewaffneten +Gefolges; ein nicht zu verachtender Bundesgenosse, denn er war zwölftausend +Reiter und vierzigtausend Fussgänger in's Feld zu stellen im Stande[336]. +Hethum setzte dem Eroberer die Annehmlichkeit Haleb's auseinander und bewog +ihn zu dem Entschlusse (oder bestärkte ihn darin), vor allen anderen +Städten nach Haleb seine Waffen zu wenden. Den armenischen König scheint zu +diesem Rathe hauptsächlich das Interesse der Kreuzfahrer und zunächst das +seines Schwiegersohnes, des Herrschers von Antiochien, des nächsten +Nachbars Haleb's, bewogen zu haben. Unter die Seldschuken Iseddin und +Rokneddin wurden die Länder Rum's so vertheilt, dass dieser Herr der Länder +zwischen Cäsarea und Grossarmenien, jener Herr Kleinasiens bis an's +mittelländische Meer. [RN: 20. Juli 1259] Von hier aus wurde ein +Botschafter mit dem berühmten, von Nassireddin mit allem Schmucke +morgenländischer Rhetorik geschwellten Schreiben an Nassir gesandt, welches +Wassaf sammt der Antwort gibt, wie folgt: + +»Gott, der Ernährer der Himmel und Erden«, so kündet der siegreiche König: +»Wir haben gelagert vor Bagdad im sechshundert fünf und fünfzigsten Jahre, +wir haben den Beherrscher gefangen gemacht und ihn ausgefragt, und da er +bestand mit nichten, war es nöthig, ihn zu vernichten. Er geizte mit seinem +Gold, und so kam die Sache dahin, wie sie es gesollt; er opferte kostbare +Seelen den irdischen Lüsten auf, und das war klar aus dem ganzen Verlauf. +Sie hatten den Lohn ihrer Thaten und der Sagende sagt: Sobald ein Ding +vollkommen, hat es auch schon abgenommen, aber uns kann noch der Wachsthum +frommen. Hernach sollen wissen die Fürsten, die siegreichen, _Seifeddin_ +(das Schwert des Glaubens), _Ihn Jaghmur_ und _Alaeddin El-Koscheimri_ und +die übrigen Emire Syriens und Truppen: Ich bin ein Kämpe Gottes, den er +erschaffen in seinem Grimme, um ihn loszulassen wider die, denen er zürnet. +Nehmet euch ein Beispiel an dem, was geschehen, um euch an den Erschlagenen +zu ersehen. Werdet durch fremden Schaden klug und ergebt euch Uns, ehe der +Vorhang aufgezogen wird, und ehe wider euch ergehet der Zug. Wir erbarmen +uns nicht des Weinens und haben kein Mitleiden mit der Klage; Gott hat aus +Unserem Herzen gerissen die Barmherzigkeit. Wehe! und abermals Wehe! denen, +die nicht streiten auf Unseren Seiten. Wir haben die Länder verheert mit +Macht und die Kinder zu Waisen gemacht. Wir haben über die Erde Verderben +gebracht; an euch ist die Flucht vor Uns, der euch sucht; wo ist die Erde, +die euch nährte? und das Land, das euch Zufluchtsort gewährte? Ihr werdet +Unseren Schwertern nicht enteilen, und habet keine Rettung vor Unseren +Pfeilen; Unsere Pferde sind vorauseilende, Unsere Schwerter +leiberzertheilende und Unsere Pfeile sicherbetheilende; Unsere harten +Herzen halten wie Berge Bestand, und die Zahl Unserer Heere ist unzählbar +wie der Sand. Wer sich Uns ergibt, der findet Heil, und wer wider Uns +kämpft, dem wird Reue zu Theil. Unser Reich wird von keinem Andern begehrt +und das Land Unserer Nachbarn wird nicht verheert. Wenn ihr Unsere +Bedingungen annehmet und zu Unserm Gehorsame euch bequemet, so ist Unsere +Sache die eurige, und die eurige die Unsere; wenn ihr aber widerstrebt, und +euch wider Uns erhebt, wenn ihr verharrt als Rebellen, so schmähet hernach +nur eure Seelen, denn es wird euch am Ende: _was erwerben eure Hände_. Wer +voraus droht, ist entschuldigt durch die Noth, und wer da warnt, Niemanden +unbillig umgarnt. Die Schlösser vor Uns werden umgekehrt, und Unsere Heere +werden vom Kampfe nicht abgewehrt. Euere Bitten werden von Uns weder +erhört noch angehört, denn ihr habt die Ungerechtigkeit gefressen und den +Glauben vergessen; ihr habt die Neuerung eingesetzt und das Gemeinwohl +verletzt; ihr überliesset euch den Lastern und der Passion und es waltet in +euch der Neid und die Rebellion. Nehmet daher in Betrachtung die Kunde der +Erniedrigung und Verachtung. _Heut empfangt ihr den Lohn euerer Verachtung, +weil ihr hochmüthig gewesen auf Erden ohne Wahrheit[337], für euere Laster. +Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden +umgewälzt werden._[338] Bei euch ist es ausgemacht, dass wir die +Ungläubigen, und bei Uns ist es ausgemacht, dass ihr die Lasterhaften. Uns +hat auf euch losgelassen Er, in dessen Hand die Geschäfte, die geleiteten, +und die Gebote, die von ewig her bereiteten. Von Uns wird verachtet, wer +euch dünket ein König, und was euch Viel ist, das däucht Uns Wenig. Wehe +und Furcht dem, der sich vor Uns gross macht, und Sicherheit und Verzeihung +dem, der erzittert Unserer Macht. Wir haben die Erde in Besitz genommen im +Osten und Westen und die Güter der Reichsten und Besten; wir haben sie +zerstaubt und alle Schiffe geraubt. Unterscheidet mit eurer Vernunft das +Wahre und Klare, und ihr sollt eilen, uns Antwort zu ertheilen, eh' dass +die, so ihr unglaubig nennet, euch verbrennet, ehe ihr sehet die Funken, +ehe ihr unter der Last des Kriegs seid versunken, ehe grosses Unglück bei +der Hand, und Niemand lösche den Brand; _weisst du, was das sei, flammender +Brand?_ ehe dass Ehre und Würde von euch schwindet, und ihr weder +Zufluchtsort noch Schutz findet, und ehe dass der Ausrufer des Verderbens +auch mit den Worten des Korans ruft: _Ist einer von ihnen zu finden, ist +von ihnen zu hören der geringste Laut._[339] Wir sind billig gewesen, indem +Wir euch senden dieses Schreiben zum Lesen. Antwortet darauf, ehe die +Strafe nimmt ihren Lauf, und ihr unverständig seid. Stellt auf Sternwarten +euere Beobachtungen an, eh' der Treiber wie Holz zerbricht eueren Plan; und +wenn ihr leset dieses Schreiben genau, leset zugleich den Anfang der Sura: +_Nachl_[340], und das Ende der Sura: _Ssad_[341]. Wir haben Perlen des +Worts ausgestreut, und die Antwort wird zeigen, wie ihr seid. Heil werde zu +Theil dem, der verdient Heil.« + + +Antwort. + +»_Bei Gott ist die Vorsehung. Sag: Gott ist der Besitzer des Reichs, es +wird gegeben das Reich, wem er will_; es hat uns seine Vorsehung geleitet, +Lob sei Gott, dem Herrn der Welten, und Gebet und Lob über den Herrn der +Gottgesandten, den Schlussring der Propheten, Mohammed den Propheten, den +Ungebildeten[342], und seine ganze Familie. Antwort auf das Schreiben, +welches kündend gekommen von der Majestät des Ilchan's und der Schwelle des +Sultan's (Gott wolle dieselbe mit Rechtlichkeit bedräuen und derselben die +Annahme des Rechten und Wahren verleihen!). Hochdieselben sind, wie sie +sagen, erschaffen aus Gottes Grimme, überwältigend Alle, über welche ergeht +seines Zornes Stimme, ohne sich der Klagenden zu erbarmen, oder für die +Weinenden ein Mitleid zu erwarmen, weil Hochdenselben Gott aus dem Herzen +gerissen das Erbarmen. Dieses sind schändliche Eigenschaften der Satane und +nicht der Sultane. Diese Zeugenschaft genügt als Prediger wider euch und +von eurem selbst beschriebenen Reich abhaltend die Vernünftigen von euch. +So sagt der Koran: »_O ihr Ungläubigen, ich bete nicht an, was ihr betet +an!_« Ihr habt euch selbst geflucht durch den Brief, den ihr geschrieben, +und habet euch selbst mit allen Schändlichkeiten beschrieben, und alle +Propheten haben Euer erwähnt. Wir haben von euch Kunde seit der Zeit, wo +ihr erschaffen worden seid; und ihr, die ihr Ungläubige seid, wie ihr +dessen selbst im Wahne seid, hat Gott in seinem Buch nicht den Drängern +gegeben den Fluch? Ihr sagt: wir (die Moslimen) hätten Neuerungen gemacht +und das Gemeinwesen heruntergebracht, den Glauben gebrochen und alle Laster +verbrochen; das ist kein Wunder. Hat nicht Pharao sich die Rolle des +Ermahnenden angeeignet und zugleich das Gesetz geläugnet? -- Wir halten +fest auf der Grundfeste, Uns nicht bekümmernd um die Zweige und Aeste; Wir +sind die Rechtgläubigen fürwahr! Wir nehmen das Schädliche nicht an und +legen den Zweifel in Bann. Zu Uns stieg nieder der Koran, und der ewige +Gott sieht Uns erbarmend an; Wir haben die Sendung des göttlichen Worts +vergewisst und wissen, wie dasselbe auszulegen ist. Es ward für euch das +höllische Feuer erschaffen, um eure Hartherzigkeit zu strafen. + + Wann sich spaltet der Himmel, + Wann die Sterne sich zerstreuen, + Wann sich mischet der Meere Getümmel, + Wann die Gräber ihre Todten ausspeien; + Dann weiss die Seele, was war und kommen wird.[343] + +Wunderbar, wunderbar! mit Schlägen zu dräuen den Leuen, reissenden Thieren +mit Streichen von Rappieren und Recken mit Stöcken. Unsere Pferde sind +blitzende, Unsere Bogen ägyptische, Unsere Schwerter jemenische, Unsere +Schultern festsitzende; Wir sind bekannt zum Bessten in Osten und Westen; +Unsere Pferde sind Löwen, wenn Wir sie besteigen, und Unsere Reiter +erreichen den Feind, sobald sie sich zeigen; Unsere Schwerter schneiden, +wann sie treffen, und Unsere Lanzen zermalmen, wann sie sich senken im +Treffen; Unser Kürass ist Unsere Haut, Unser Panzer ist Unsere Brust; +Unsere Herzen werden durch keinen Unfall erbittert und Unsere Versammlung +keiner Drohung erzittert durch die Kraft des Allgeehrten und +Alllobenswerthen! Durch Drohungen werden wir nicht erschreckt, durch +Anrücken des Heeres nicht geschwächt; wenn wir als Empörer auftreten, so +ist es des Gehorsames Pflicht, und wenn wir tödten, so ist diess ein +Kapital von Gewicht. Zwischen Unserer Erdenrunde und dem Tode ist nur Eine +Stunde[344]. Ihr sagt: »Unsere Herzen halten wie die Berge Stand, und +Unsere Zahl ist unzählbar, wie Sand«. Den Fleischer die Menge der Schafe +nicht erschreckt, und vieles Holz wird durch einen kleinen Funken in Brand +gesteckt. Werden Wir denn vor dem Tode fliehen und die Schmach vorziehen? +Ist es nicht gefehlt, was ihr befehlt? Wir fliehen vor der Schmach und +laufen lieber dem Tode nach; der Tod in dieser Welt ist, was Uns am meisten +gefällt; wenn wir leben, sind wir selig, und wenn wir sterben, als Martyrer +glückselig: _Wird nicht Gottes Verein der überwältigende sein?_[345] Nach +dem Fürsten der Rechtgläubigen, nach dem Nachfolger des Propheten Gottes, +des Herrn der Welten, fordert ihr von Uns Gehorsam. Wir horchen euch nicht +und gehorchen euch nicht. Die Sehnsucht, ihm (dem Propheten) nachzufolgen, +genügt, um von Uns abzuwehren die Begierden, die schädlichen, und die +Phantasien, die leeren. -- Ihr begehrt von Uns, dass Wir Uns euch ergeben, +ehe sich die Decke wird heben, und ehe Wir Uns in die Gefahr begeben. Das +sind Worte, ungereimt, aus deren Reihung Zweifel keimt. Wenn die Decke +aufgezogen würde und niedersänke des Looses Bürde, so würde sich's zeigen, +was grössere Sünde sei, ob der Unglaube nach dem Glauben, ob der Bruch nach +der Bewährung, ob die Lüge nach der Erklärung, oder Gehorsam geschworen den +Idolen und die Vermessenheit, sich einen zweiten Gott zu holen: _Ihr habt +eine unaussprechliche Sache vorgezogen; wenig fehlte, dass die Himmel +klafften und die Erden sich spalteten und einstürzte der Berge Bogen._[346] +Sagt eurem Schreiber, der diese und diese Worte angefasst und dieses +Schreiben verfasst: Wie kurzsichtig ist deine Kürze, wie öde die +Uebertreibung deiner Rede; dein Schreiben wirkt auf Uns, wie des Thürangels +Hummen und der Fliegen Summen; du hast des Islams Gnade zu leicht genommen, +und es wird Gottes Pein über dich kommen; du erachtetest zu erweitern durch +das Schreiben die Pein und betrachtetest den Briefwechsel und die +lügnerischen Drohungen als Spielerei'n. Dein Zweck war, in Vorschein zu +bringen deine Beredtsamkeit und zu zeigen deine Wohlredenheit. Du bist der, +von dem der Sprechende spricht: _Du hast Etwas im Gedächtnisse behalten, +aber es fliehen dich der Dinge Gestalten._ Du hast geschrieben den Text: +_Er wird die kennen, die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden +umgewälzt werden._[347] Auf dieses Wort kommt die Antwort sofort: _Gottes +Geschäft ist gekommen, beschleunigt es nicht_, der König _Nassir_ und +_Jaghmur_ und _Alaeddin Koscheimri_ und die übrigen Emire Syriens achten +nicht das Feuerschlagen zwischen Kiesel und Stahl, sie erwarten das Wiehern +der Rosse und das Zusammentreffen im Stosse; sie geloben, sich im heiligen +Kampf zu erproben, euch den Höllen und dem Abgrund zuzugesellen, euch die +Haare, welche über die Ohren niederstürzen, mit dem Stahle des Schwertes zu +kürzen; sie sagen euch Alle: Seid ihr zum Kampf bereit, so sei das eure +Beredtsamkeit; was braucht es, Verse zu citiren und Histörchen zu +componiren und Lügen einzustudiren. Wir sind nun im letzten _Ssafer_ und +Unsere Verheissung kommt (als eine wahre) vom Morgen her. Gott beflügelt +für den, wen er will, den Sieg. Wir haben diess nicht bloss prosaisch +geschrieben und sind dabei im Orte der Schmach sitzen geblieben; Wir +sagten, was zur Hand, und entschuldigen den, der zu schwach zum Widerstand. +Heil!« + +[Randnote: Marsch bis Haleb.] + +Nachdem Hulagu den Sommer in Mesopotamien verweilt, trat er erst im Herbste +des Jahres zwölfhundert neun und fünfzig seinen Marsch nach Syrien an. Auf +vier Punkten wurden Brücken über den Euphrat geschlagen; diese vier Orte +sind noch heute die betretensten gewöhnlichen Uebergangspunkte, nämlich zu +_Malatia_, _Kalaatol Rum_, _Bire_ und _Kirkesia_, alle vier als Uebergänge +des Euphrats schon aus der römischen und byzantinischen Kriegsgeschichte +bekannt. _Malatia_, das alte Melitene, _Kalaatol Rum_, d. i. das +Römerschloss, an der Stelle des alten Zeugma, d. i. der Brückenverband, +_Bire_, das alte Birtha, und _Kirkesia_, ganz unverändert das alte +_Kirkesion_. Das erste Blutbad hatte zu _Menbedsch_, dem alten Hierapolis, +statt, dessen heutiger Name aus dem alten _Bambyce_ verstümmelt; die beiden +alten Namen enthalten schon statistische und historische Kunde der Stadt, +die berühmt durch ihre Baumwollpflanzungen und ihre Tempel, besonders den +der Astarte, der grossen syrischen Göttin, vor welchem sich vereinzelte +Thürme erhoben, Thürme, die heute _Minarete_, d. i. Leuchtthürme, genannt, +ursprünglich Phallische Sinnbilder der Zeugung. Von hier aus wurden die +Castelle am Euphrat, deren Einwohner alle unter dem Schwerte fielen, mit +Besatzungen versehen, nämlich: die Schlösser _Nedschm_, _Rakka_ und +_Dschaaber_. _Nedschm_ heisst das Sternschloss; _Rakka_ hat in der +römischen und griechischen Kriegsgeschichte als Kalinike oder Nicephorium +schönen Sieg verkündenden Namen, _Dschaaber_ aber in der osmanischen die +grösste Wichtigkeit, weil hier dreissig Jahre vor dem Uebergange Hulagu's +über den Euphrat Suleiman, der Grossvater Osman's, des Gründers des +osmanischen Reichs, als er von Chorasan, vor dem Heere Tschengischan's +auswandernd, flüchtete, hier bei'm Uebergange über den Euphrat vom steilen +Ufer in den Fluss stürzte und ertrank, wo seine Grabstätte noch heute unter +dem Namen des Türkengrabs geehrt wird[348]. Noch im October[349] streiften +ungeheuere Schaaren bis in die Nachbarschaft von Haleb, wo ihnen Moaasem, +der Sohn Nassir's, der Urenkel[350] des grossen Ssalaheddin, entgegen kam, +aber von ihnen geschlagen in die Stadt floh. Abtheilungen des Heeres +rückten vor _Maarretnaaman_, _Hama_ und _Himss_, welche sich ergaben; die +Sultane der beiden letzten Städte waren nach Aegypten entflohen, so auch +_Melik Nassir_, der Sultan von Haleb, welcher sich in das innerste Syrien, +nach Schaubek und Kerek, gerettet. Damaskus ergab sich gutwillig, aber +Haleb wurde von Hulagu belagert. Er selbst lagerte vor dem westlichen +Thore, das nach Antiochien führt, Oroktu Nujan vor dem Thore der Juden, +Keitbuka Nujan vor dem Thore der Griechen und Sundsche Nujan vor dem +südlichen Thore von Damaskus. Vor dem Judenthore, das auch Thor der Freude +heisst, ist ein grosser[351] alter Stein, bei welchem Juden und Christen +schwören; ausser demselben wallfahrtet der Moslim zu Haleb noch zu zwei +Stätten Chiser's, des Hüters des Lebensquells, dessen Legende in Syrien mit +der des heil. Georg zusammengewachsen, und zu zwei Stätten Abraham's, +dessen Heerden hier gemelket worden sein sollen[352], eine Legende +entstanden aus der Verstümmelung des alten Namens _Chalybon_ in _Haleb_, +was auf arabisch Milch heisst. Haleb ist durch seine Früchte, sowie durch +seinen Handel von jeher berühmt gewesen, durch seine Gurken, Wassermelonen, +Feigen, Aprikosen, vorzüglich aber durch seine Pistazien, welche der Araber +die _Tochter des Gedächtnisses_[353] nennt, weil sie gegessen das +Gedächtniss stärken sollen; als Niederlage indischer Waaren wird Haleb auch +das kleine Indien genannt. + +[Randnote: Eroberung von Haleb und Harim.] + +Der Befehlshaber des Schlosses war Moaasem Turanschah, der Sohn Nassir's, +an welchen die Aufforderung der Mongolen erging: Wir wollen euch Nichts +Uebles, lautete die Botschaft, wir suchen nur den König Nassir auf, um uns +zu schlagen; nehmt also zwei mongolische Vögte an, deren einer in der +Stadt, der andere im Schlosse residire, so lange noch das Kriegsglück +unentschieden; wenn wir das moslimische Heer geschlagen, seid ihr uns +ohnedies als Sklaven verfallen; schmiegt euch daher lieber früher als +später in's Joch; sollten wir besiegt werden, so steht es euch immer frei, +unsere Vögte hinaus zu werfen, oder wenn ihr lieber wollt, sie zu tödten. +Moaasem's Antwort war eines Ejubiden würdig: er habe für die Mongolen +Nichts, als sein blankes Schwert. Auf diese Antwort umzingelten die +Mongolen die Stadt, besetzten die Brücken, bei deren Vertheidigung +Esededdin, der Sohn Soheir's, des Sohnes Nassireddin's, fiel. Das Schwert +wüthete durch fünf Tage, von Sonntag bis Freitag, bis Hulagu's Befehl dem +Morden Einhalt that; nur sechs Gebäude waren durch besondere +Sicherheitsbriefe von der allgemeinen Plünderung ausgenommen[354], nämlich +vier Häuser von Prälaten, das Kloster der Ssofi und die Synagoge der Juden, +aber weder die griechische noch die syrische Kirche. Während Abulfaradsch, +der Syrer, welcher die Geschichte dieses Feldzugs als Augenzeuge +beschrieben, als Abgesandter der Christen an Hulagu im Sternschloss +aufgehalten ward, drangen die Tataren in die Stadt ein und metzelten die +Christen nieder, die sich in die griechische Kirche geflüchtet, bis auf +wenige, welche der armenische Priester Toros rettete[355]. Das Blutbad war +gross und grösser, als zu Bagdad[356]; die Zahl der in den verschonten +Gebäuden Geretteten belief sich auf fünfzigtausend[357]; das Schloss ward +mit Wurfmaschinen beschossen. Die Emire Kurchan, Adschu Sukurdschi und +Ssadik Gurdschi wurden verwundet. Hulagu beschenkte sie und sagte: Wie die +rothe Farbe die Schminke der Weiber, so ist die Schminke der Männer das +Blut[358]. In dem Schlosse wurden Mehrere, als des Einverständnisses mit +den Mongolen verdächtig, getödtet; über zwei Monate[359] hatte die +Belagerung gedauert, als der Besatzung freier Abzug gestattet ward. [RN: +11. Rebiulachir 659/6. April 1261] Die Emire der ägyptischen Mamluken, +welche sich unter der Besatzung befanden, wurden der Sorge eines +Kipdschaken empfohlen, welcher vormals bei Nassir, dem Herrn Haleb's, +Schutz gesucht, von demselben gütig aufgenommen, jedoch, weil es ihm in +Syrien nicht gefiel, wieder zu den Mongolen übergegangen war. Ausrufer +verkündeten, dass es den Moslimen erlaubt sei, in ihre Wohnungen +zurückzukehren, und dass ihnen Niemand Etwas in den Weg legen solle. Hulagu +ernannte zum Vogte Fachreddin, den Mundschenken, und Tokal Bachschi, liess +den ersten in der Folge, als sich die Einwohner über seine Erpressungen +beklagten, hinrichten, und gab die Stelle dem Seineddin Hafis[360]. Nun kam +Melikol-Eschref Musa, der Herr von Himss, welchem Nassir, wie vordem gesagt +worden, die väterliche Stadt weggenommen und ihm dafür Telbaschir gegeben +hatte, und der mit Nassir und dessen Bruder bei Annäherung der Mongolen aus +Haleb nach Aegypten geflohen, um sich dem Eroberer huldigend zu Füssen zu +werfen. Hulagu empfing ihn gnädig und setzte ihn in das ihm entrissene +Fürstenthum von Himss wieder ein; auch erschien Mohijeddin, der Sohn +Seki's, der Richter von Damaskus, um ihm die Huldigung der Stadt +darzubringen; Hulagu empfing ihn ehrenvoll und sandte ihn nach Damaskus mit +goldenen Ehrenkleidern für die Gesetzgelehrten zurück. Er theilte dieselben +dort in öffentlicher Versammlung aus und las das Jerligh vor, welches ihm +die Stelle als Richter von Damaskus verlieh[361]. Nachdem Haleb's +Einrichtung getroffen war, wandte sich Hulagu gegen Harun, welches unter +dem Namen _Harim_ aus der Geschichte der Kreuzzüge bisher besser als seine +Lage bekannt, durch mehrere Schlachten berühmt; von den Christen +eingenommen, von Nureddin belagert und erstürmt, fiel es wieder in der +Kreuzfahrer Hände, denen es Ssalaheddin entriss[362]. Es liegt zwischen +Haleb und Antiochien, zwei Tagreisen von jenem und eine von diesem +entfernt, und ist besonders seiner herrlichen Granatäpfel willen berühmt, +welche die saftigsten Syriens[363]. Die Besatzung erklärte, sie wolle sich +an Niemanden als an Fachreddin, den Naib (Stellvertreter des Richters) von +Haleb, ergeben, welcher, herbeigerufen, ihre Uebergabe im Namen Hulagu's +empfing; diesen aber wurmte der ihm hierdurch zugefügte Schimpf so sehr, +dass er trotz des zugesicherten Lebens alle Einwohner mit Weib und Kind +erwürgen liess. Den Sultan von Himss, Melikol Eschref, sandte er nach Hama, +dessen Emire, nachdem ihr Sultan Melik Manssur sich nach Damaskus +geflüchtet hatte, dem Hulagu die Schlüssel der Stadt überbracht und um +einen mongolischen Vogt gebeten. Er sandte ihnen den Wesir Chosrewschah, +der seinen Stamm vom Schwerte des Islams von Chalid, dem Sohne Welid's, dem +berühmten Feldherrn der beiden ersten Chalifen, dem Eroberer Syriens, +herleitete[364]. Melik Eschref erhielt von Hulagu den Auftrag, die Mauern +Hama's und die seiner eigenen Stadt Himss zu zerstören. Melikol Eschref +verfuhr schonungslos zu Hama, wo er die Mauern des Schlosses schleifte, das +Arsenal verbrannte, die schöne Bibliothek versteigerte und auch die Mauern +der Stadt gebrochen haben würde, wenn nicht ein Franke dem mongolischen +Zerstörer, dem Perser Chosrewschah, vorgestellt, dass die Nachbarschaft der +Christen zu _Hossnol Ekrad_ es nicht rathsam mache, die Stadt ihres Walles +zu entmanteln. Nicht so genau vollzog Melikol Eschref die Befehle Hulagu's +in seiner eigenen Stadt Himss, wo er nur Weniges zum Scheine abbrach, sein +übriges Erbe verschonend[365]. + +[Randnote: Miafarakain.] + +Ehe wir die Erzählung des syrischen Feldzugs weiter verfolgen, wenden wir +uns nach Mesopotamien zurück, wo Hulagu auf seinem Durchzuge seinen Sohn +Jaschmut mit einer Heeresabtheilung belagernd vor der Stadt Miafarakain +gelassen, welche nordöstlich von Diarbekr gelegen. _Miafarakain_, das +südlich demselben gelegene _Hossnkeif_ und das noch südlichere, am Berge +_Dschudi_ oder _Masius_ gelegene _Mardin_, das alte _Merde_, drei der +festesten Horte des arabischen Irak und Gränzfestungen des byzantinischen +und persischen Reichs, wollen ihrer Wichtigkeit wegen vom Leser dieser +Geschichte näher gekannt sein. Das erste, auf armenisch _Nefrgerd_, auf +griechisch die _Stadt der Martyrer_ geheissen, ist vielleicht das alte +_Carcatiocerta_, welche die Hauptstadt _Sophiene's_, wie Miafarakain die +Hauptstadt des Landes Bekr's war[366]; sie liegt am dritten Gränzflusse des +byzantinischen und persischen Reichs, am Nymphius, der heute der Goldfluss +heisst[367] und nördlich der Stadt aus einer Quelle entspringt, welche die +Quelle _Bekr's_ heisst[368]. Die orientalischen Geographen nennen nur ein +einziges Denkmal der Stadt, aber dieses einzige macht viele andere zum +Ruhme der Stadt überflüssig und leuchtet hell hervor aus dem Dunkel +unbekannter Martyrer, von denen die Stadt den armenischen und griechischen +Namen hat; es ist das Grabmal _Seifeddewlet's_, d. i. des Reichsschwerts, +des grossen Fürsten der Beni Hamdan, dessen zahlreiche glückliche und +unglückliche Kämpfe gegen das byzantinische Reich, dessen Kriegsthaten in +Asien von Haleb bis an die Ufer des Bosporos die Geschichte erzählt und +Motenebbi in unsterblichem Gedichte verherrlicht hat. Hier ist das +eigentliche Land Bekr's, von welchem die spätere Hauptstadt desselben, Amid +oder Diarbekr, den heutigen Namen trägt. Ursprünglich der Sitz des Stammes +_Bekr Ben Wail_, dann der Könige von _Kinde_, aus welchen _Amrolkai's_, +einer der sieben grössten Dichter vor Mohammed, um des von den Beni Esed +erschlagenen Vaters Tod zu rächen, Bundesgenosse des griechischen Kaisers, +zuletzt von seinen Feinden im Bade mittels vergifteten Kleides getödtet. +Nach der Eroberung unter dem Chalifate Omar's herrschten hier die Dynastien +der _Beni Merwan_ und _Beni Ortok_, und als Hulagu's Heer vor Miafarakain +belagernd erschien, war dasselbe seit siebzig Jahren in den Händen eines +Zweiges der Beni Ejub, deren vierter Herrscher, Melikol Kjamil, durch die +Hinrichtung des Gesandten und durch die Verweigerung der Unterwerfung unter +die Macht des Kaan's und Ilchan's gesichert. Als Prinz Jaschmut mit den +beiden ihm untergebenen Feldherren, _Ilkai Nujan_ und _Suntai_, zur +Uebergabe aufforderte, antwortete er: der Prinz möge nicht kaltes Eisen +schmieden und Unmögliches nicht erwarten. Ist er nicht der Sohn des Vaters, +der dem Chorschah (dem Fürsten der Assassinen), dem Chalifen von Bagdad, +dem Hosameddin Aka (dem Befehlshaber von Deriteng) und dessen Sohne +Tadscheddin (dem Befehlshaber von Irbil) das gegebene Wort gebrochen[369] +und sie trotz des gewährten sicheren Geleites getödtet hat? Da mich +gleiches Loos erwarten würde, wie sie, will ich mich bis auf den letzten +Odemzug vertheidigen. Er öffnete seine Schätze und Magazine der Besatzung +und sagte ihnen: Theilt euch darein, denn ich bin nicht, Gott sei Dank! der +Chalife Moteaassim, dessen Geiz die Ursache von Bagdads Ruin. Wurfmaschinen +wurden wider Wurfmaschinen aufgepflanzt und zwar mit so grosser Genauigkeit +der Richtung der einen gegen die andere, dass die geschleuderten +Felsenstücke mehrmals in der Luft zusammenstiessen und, durch den +Zusammenstoss zerschmettert, als Kies und Sand herunterregneten. Endlich +gelang es den Belagerten, die Wurfmaschinen der Belagerer mittels +geschleuderten Naphtafeuers zu verbrennen. + +[Randnote: Eroberung von Miafarakain und Hossnkeif.] + +Hulagu, von dem Widerstande Miafarakain's unterrichtet, sandte den Oroktu +mit dem Befehle, dass der Prinz und das Heer so lange weile, bis die Stadt +durch Hunger zur Uebergabe gezwungen seyn würde. Dieser Zeitpunkt trat +ein; einen ganzen Monat lang schon ass die Besatzung nichts als Hunde, +Katzen, Mäuse und Ratten, zuletzt Leichname der Erschlagenen. Da schrieben +die wenigen, noch vom Tode Verschonten an Jaschmut: »Die Lebensmittel sind +ausgegangen und die Stadt ist ihrer Vertheidiger entblösst; wenn jetzt die +Reiter kommen, werden sie keinen Widerstand finden.« Der Prinz sandte den +Oroktu, und dieser fand nur siebzig halb verhungerte, halb durch Wunden +verstümmelte Männer, die sich nicht mehr vertheidigen konnten; nur zwei +Reiter, die während der ganzen Belagerung in wiederholten Ausfällen Wunder +der Tapferkeit gethan, kämpften auch nun mit vorgehaltenen Schilden gegen +der Feinde Uebermacht, bis sie derselben erlagen. Melik Kjamil wurde mit +seinem Bruder an Hulagu gesandt, der damals zu Tellbaschir (das Turbeysel +der Kreuzfahrer in der Nähe von Haleb); Hulagu überhäufte ihn mit Vorwürfen +über seinen Undank und seine Treulosigkeit, dass er den Gesandten des +Kaan's, der ihm Diplom und Löwenkopf gesandt, getödtet. Er befahl, ihm +Riemen Fleisches aus dem Leib zu schneiden und in den Mund zu stecken; der +abgeschnittene Kopf wurde als Trophäe in den syrischen Städten zu Haleb, +Hama und Damaskus unter Musik herumgetragen und in der letzten Stadt an +einem Fenster des Stadtthores, welches das Thor des Paradieses heisst, +aufgehängt[370], erst nach Abzug der Mongolen in dem Grabmale Husein's +beigesetzt. [RN: 7. Dschem. ewwel 658/21. April 1260] Der Scheich +Schihabeddin, als Dichter unter dem Namen _Abu Schama_, d. i. Vater des +Muttermaals, berühmt, beweinte dessen Tod in einer berühmten Kassidet, +woraus die Verse: + + Der Sohn des Kämpen kämpfte wider die Barbaren, + Die in Irak aus rauhen Kehlen schnarren; + Hellstrahlend und erhaben in Gefahren, + Starb er den Martyrtod erst nach zwei Jahren. + Entehrt ward nicht sein Haupt durch die Fanfaren, + Womit auch das _Husein's_ ward gefahren; + Es ruht bei ihm nach Abzug der Tataren; + Im Leben und im Tode gleich Verfahren. + +Gleiches Schicksal mit dem Fürsten von Miafarakain hatte sein Vetter +Mowwahid, der Sohn Turanschah's, des letzten Sultans der Beni Ejub in +Aegypten, der Herr des festen Schlosses von _Hossnkeif_, welches zur selben +Zeit wie Miafarakain fiel und dessen Fürst ebenfalls von den Mongolen +getödtet ward. _Hossnkeif_ oder _Hissnkeifa_, von den Byzantinern das +Schloss des _Kiphas_ genannt[371], liegt auf dem westlichen Ufer des +Tigris, auf dem Wege von Miafarakain nach Mossul[372]. Die Stadt hängt mit +dem auf einem hohen Berge gelegenen Schlosse mittels einer Brücke zusammen; +bevor dasselbe der ejubidische Emir Merd Mahmare befestigte, hiess es bei +den Arabern _Rasol Ghul_, d. i. das Dämonenhaupt, weil es, wie im Sternbild +des Perseus das Haupt der Gorgone, welches der Araber ebenfalls +_Dämonenhaupt_ nennt, fürchterlich und hoch vom Himmel herunterdroht. Nach +der arabischen Legende soll der Name Hossn oder Hissn Keifa ursprünglich +_Hasan Keifa_ gelautet haben, und zwar aus folgendem Anlasse: Ein Wackerer, +Namens Hasan, im Schlosse gefangen gehalten, erbat sich beim Emire eines +Tages die Erlaubniss, eine seiner Stuten auf dem Schlosshofe zu tummeln; +die Erlaubniss wurde gewährt; Hasan tummelte und tummelte das Pferd und +setzte damit zuletzt in toddrohendem Sprunge über die Mauer, mit dem Pferd +hinunterstürzend in den Tigris, den er glücklich durchschwamm. Da erscholl +der Zuruf der Bewunderung solcher Tollkühnheit: _Hasan Keifa!_ d. i. Hasan +Wohlauf! und der Name blieb dem Schloss. Vielleicht ist es dasselbe mit dem +alten persischen _Schlosse der Vergessenheit_, worin Prinzen und andere +Staatsgefangene zu ewiger Vergessenheit eingekerkert worden, und dessen die +byzantinischen Geschichtschreiber mehrmals erwähnen[373]; da aber jenes auf +persisch _Gilgerd_[374] genannt wird, so ist es weit wahrscheinlicher, dass +dasselbe eins mit einem der festesten Schlösser der Assassinen, mit +_Girdkjuh_, dem _Tigado_ Hethum's[375], das länger als alle anderen +aushielt[376]. + +[Randnote: Mardin's Belagerung.] + +Nach Miafarakain's und Hossnkeif's Eroberung befehligte Hulagu seinen Sohn +Jaschmut und die ihm beigegebenen Emire wider Mardin, die Residenz Melik +Said's, des Fürsten der Familie Ortok, von denen die ältere Linie zu Amid +und auch zu Hossnkeif geherrscht, ehe das letzte in den Besitz der Ejubiden +kam. Mardin ist das alte Marde, der Sitz des kriegerischen, störrigen +Stammes der Marden, welche der persische König _Arsaces_ theils hierher, +theils nach dem Libanon verpflanzte, deren Wohnsitze sich später bis nach +Satalia an der cilicischen Küste ausdehnten[377] und deren Nachkommen, im +Peloponnesos angesiedelt, noch heute in dem tapfersten Stamme der Schipetar +oder Albanesen in den Mirdaiten fortleben. Der Berg _Masius_, sogenannt von +seinen Eichenwäldern [auf persisch Masu[378]], ehemals _Izale_, dann von +den Arabern Dschudi genannt, ist eine Raubhöhle der verschiedenartigsten +Stämme und Secten, welche zu verschiedenen Zeiten die Freiheit ihres +verfolgten Cultus in die Eichenwälder und Schluchten dieses Berges +gerettet, an dessen steilstem Ende nach der moslimischen Ueberlieferung die +Arche Noah's sitzen geblieben und von wo aus er mit seinen Söhnen in die +Ebene Mesopotamiens heruntergestiegen sein soll. Sunni und Schii, +katholische und schismatische Armenier, Jacobiten, Nestorianer, Chaldäer +und Juden, Sonne-, Feuer-, Kalbs- und Teufelsverehrer wohnen hier einander +über den Köpfen; denn die Stadt steigt in Terrassen auf und die Häuser +stehen alle eines ober dem anderen, so dass Dächer und Thore in einer +senkrechten Linie sich übereinander erheben; die zahlreichste Bevölkerung +Kurden, Jesidi, welche dem Teufel göttliche Ehre erweisen, wahrscheinlich +Nachkommen der Marden, welche vermuthlich zur altpersischen Secte gehörten, +die das böse Princip anbetete. Wenn irgendwo in Asien noch Spuren der +Ungarn anzutreffen sein sollen, so dürften dieselben ausser Sibirien noch +in den Eichenwäldern des Masius in dem Volksgemische der Umgegend zu suchen +sein, denn hierherum kennt Theophylaktus das Schloss der _Magyaren_ und den +Pass der _Sabiren_, welche die Namen der Ungarn, die bei dem Auszuge aus +dem Lande zwischen der Wolga und dem Dniepr sich südlich nach Persien +wandten[379]. Melik Said, Fürst der Familie Ortok, beantwortete mit +gleichem Muthe und in gleichem Sinne, wie die Herren von Miafarakain und +Hossnkeif, die Aufforderung Jaschmut's: »Ich hatte den Sinn, mich euch zu +unterwerfen, aber die Art, wie ihr die, so sich euch ergaben, behandelt, +hat meinen Sinn geändert; an lobenswerthen, an tapferen Kurden und Türken +fehlt es mir, Gott sei Dank! nicht.« Oroktu pflanzte also die Wurfmaschinen +auf, welche acht Monate fruchtlos die steile Bergfeste beschossen. Die +Mongolen rächten sich für den tapferen Widerstand des Schlosses durch die +Plünderung der Stadt und der nächstgelegenen Städte Ersen und Dinsar. Der +ältere der beiden Söhne Said's, Mosafereddin, hatte zu wiederholtenmalen +dem Vater fruchtlose Vorstellungen wider die längere Vertheidigung gemacht; +endlich räumte er dessen längeren Widerstand durch Gift aus dem Wege und +begab sich in's Lager, sich selbst als Vatermörder aus Menschenliebe +angebend, weil er überzeugt, dass das Schloss doch endlich der Uebermacht +der Eroberer weichen müsse, durch den Tod des Einen das Leben von Tausend +habe bewirken wollen. Der Vatermörder fand Gnade vor Hulagu, der ihm des +Vaters Herrschaft verlieh; seine Nachkommen erhielten dieselbe als zahme +Vasallen der Ilchane. Hundert dreissig Jahre nach dieser Unterwerfung +trotzte Sultan Isa, der letzte des grossen Herrschergeschlechtes der Beni +Ortok, noch den welterobernden Waffen Timur's, der von den fruchtlos +Belagerten die gewöhnliche Neunzahl der Geschenke und das Versprechen +jährlichen Tributs annahm[380]. Die Dynastie der Beni Ortok erlosch fast +gleichzeitig mit der der Beni Ejub zu Hossnkeif, wo nach Mowwahid's +Hinrichtung dessen Nachkommen das Schloss ebenfalls als Vasallen der +Mongolen besassen, bis der achte derselben der aufsteigenden Dynastie der +Bajandere, d. i. des weissen Hammels, erlag, deren Gründer _Kara Juluk_, +d. i. der schwarze Blutegel, von Timur mit der Herrschaft von Amid und +Mardin belehnt ward[381]. Zwei der Zweige der Beni Ejub wurden also als +Vasallen der Mongolen zu _Hossnkeif_ und _Himss_ geduldet, während die +Dynastien der beiden anderen von _Miafarakain_ und _Haleb_ mit ihren +Hauptstädten zu Grunde gingen. Ehe wir das Ende des mächtigsten dieser +Fürsten, nämlich Nassir's von Haleb, als Folge der Niederlage von +_Aindschalut_ erzählen, erwähnen wir noch einmal des Fürsten von Mossul. + +[Randnote: Ssalih's, des Sohnes Bedreddin Lulu's, Empfang und Ende.] + +Bedreddin Lulu, der sechs und neunzigjährige[382] Greis, der vierzigjährige +Herrscher von Mossul, welchen Hulagu in Anbetracht seines hohen Alters der +Pflicht, im letzten Feldzuge persönlich zu erscheinen, enthoben und seiner +statt seinem ältesten Sohn Ssalih der Belagerung Miafarakain's beizuwohnen, +aufgetragen hatte, war während derselben gestorben. Bedreddin Lulu, d. i. +Vollmond-Perle, erst Sklave des sechzehnten Atabegen von Mossul, dann +Obersthofmeister von dessen beiden Söhnen Mesud und Mahmud, eignete sich, +nachdem sie bald auf einander gestorben, den Thron selbst an und mass seine +Macht mit der der Fürsten aus dem Hause Ejub; zuerst mit Ssalih +Nedschmeddin, dem Sohne Kjamil's, dem Herrn von Sindschar, das er zweimal +belagerte; das erstemal war er durch das dem Sultan zu Hilfe eilende Heer +Chuaresmschah's die Belagerung aufzuheben gezwungen; das zweitemal aber +entriss er die Stadt dem Enkel Melikol aadil's, _Dschewad_; hierauf die +festen Städte _Nissibin_ und _Dara_ den Händen der Chuaresmier, den Sohn +Melik Ssalih's, den nachmaligen letzten Herrscher der Beni Ejub in +Aegypten, aus der Gefangenschaft der Chuaresmier befreiend. [RN: 637/1239] +Zehn Jahre hernach wurden ihm diese Städte von dem wider ihn gesandten +Heere Nassir's von Haleb wieder abgenommen[383]. Seiner Unterwürfigkeit und +Huldigung gegen Hulagu ist schon oben Erwähnung geschehen. Nach seinem Tode +wurden seine drei Söhne, Ssalih, Mosaffer Ali und Melik Modschahid, von +Bondokdar, dem Sultane Aegyptens, mit den Fürstenthümern von _Mossul_, +_Sindschar_ und _Dschesiret Ben Omar_ belehnt. Ssalih wurde in's Lager +gefordert und die Tochter Dschelaleddin Chuaresmschah's, welche ihm Hulagu +früher vermählt, wurde zur Huldigung nach Syrien gefordert; dort nahm sich +seiner Rokneddin Beidak an; aber Hulagu sandte den Senedarghun Nujan mit +einem Tomane mongolischen Heeres, um Mossul zu besetzen und die Schätze +auszuliefern. Als Ssalih in seine Stadt zurückeilte, fand er alle Wege von +Mongolen besetzt; er verweilte zu _Dschewsak_, wo ihn die mongolische +Schlachttrompete aus weichlichem Wohlleben aufschreckte; da eilte er nach +Mossul und rüstete die Stadt zur Verteidigung wider die Mongolen, die +Einwohner mit der Hoffnung tröstend, dass sein Beschützer, _Beidak_ der +Syrer[384], bald zum Entsatze erscheinen werde. Von beiden Seiten flogen +Felsenstücke und feuerbeschwingte Pfeile; mehrere wackere Mongolen, welche +bereits die Mauern erstiegen hatten, wurden getödtet und ihre Köpfe in's +mongolische Lager gepfeilt. Melik Ssalih, von einem Pfeile verwundet, eilte +in's Lager zu Hulagu, um ihm von dieser halsstarrigen Empörung Ssalih's +Kunde zu geben. Beidak, von der üblen Lage seines Schützlings unterrichtet, +sandte ihm Truppen zu Hilfe, die von Sindschar aus durch Taubenpost von +ihrer nächsten Ankunft Wort sandten. Die Taube ward von einem Mongolen +geschossen, der Brief dem _Senedarghun Nujan_ gebracht. Er legte sich in +Hinterhalt, schlug die von Beidak zu Hilfe gesandten syrischen Truppen und +steckte die Mongolen in ihre erbeuteten Kleider; unter dieser Verlarvung +erschienen sie vor den Mauern Mossul's, dessen Einwohner, sie für den +syrischen Entsatz haltend, ihnen entgegen gingen, aber alle niedergemacht +wurden; dennoch hielt sich die Stadt noch sechs Monate, bis die Sonne in +ihrer höchsten Hitze, im Löwen, und die Hungersnoth in der Stadt aufs +Höchste gestiegen. Da verliessen die Vertheidiger Mossul's, durch Hunger +gezwungen, die Stadt und wurden vom Schwerte der Mongolen gefressen. Ssalih +unterhandelte nun die Uebergabe um Schonung des Lebens und sicheres Geleite +an Hulagu. Senedarghun[385] verhiess und gewährte beides, aber nur der +Person Ssalih's, denn die Besatzung wurde bis auf Wenige zusammengehauen. +Neun Tage dauerte das Morden, die Stadt ward entvölkert, nur nach Abzug der +Mongolen kamen etwa Tausend, die sich in's Gebirg gerettet hatten, wieder +in die Stadt zurück. [RN: 5. Schaaban 660/27. Januar 1262] Hulagu war über +Ssalih's Empörung so ergrimmt, dass er an demselben ein Beispiel mehr als +gewöhnlicher, ekelhafter, unmenschlicher Grausamkeit aufstellte; er wurde, +das Gesicht auf die Schaam gebunden, in einen Filz gewickelt und in die +Sonne geworfen; so musste er elend verschmachten; sein dreijähriger Sohn +wurde nach Mossul gesendet, am Ufer des Tigris entzweigehauen und die zwei +Hälften auf den beiden Seiten des Flusses aufgehangen, bis sie verfault, +abfielen. Solche echt mongolische Grausamkeit schändet den Ruhm Hulagu's, +welchem sein Volk den Ehrennamen _Ssain Adschu_, d. i. der +Schwierigkeitenlöser, beilegte, welcher mit seinen Söhnen für das +_Hemd_[386] des mongolischen Reichs galt, während alle anderen Prinzen nur +als Oberkleider[387] angesehen wurden. + +[Randnote: Hulagu's Aufbruch von Haleb, Keitbuka zu Damaskus.] + +Hulagu befand sich nach der Eroberung von Damaskus, mit den Plänen +weiterer ägyptischer Eroberung beschäftigt, zu Haleb, als er die Nachricht +von dem Tode seines Bruders, des grossen Kaan's Mengku, erhielt. Er brach +sogleich auf, wie es scheint in der Absicht, die oberste Herrschaft des +Reichs im Kurultai zu Karakorum für sich selbst anzusprechen, erfuhr aber +schon zu Tebris, dass sein Bruder Kubilai zum _Kaan_ und _Moilchan_ +ausgerufen worden, und kehrte in der Folge wieder nach Haleb zurück. Ehe er +Haleb verlassen, befahl er die Schleifung der Mauern und des Schlosses von +Haleb, was vollzogen ward; den Oberbefehl über das Heer liess er in den +Händen Keitbuka's, des bisherigen Befehlshabers des Vortrabs. Dieser war im +zauberischen Thale von _Ghuta_ gelagert, welches durch die üppige Fülle +seines Grüns und Baumwuchses eines der vier Paradiese des Ostens (die drei +anderen sind die Auen von _Obolla_ an der Mündung des Euphrats, das +Zauberthal _Schaab Bewwan_ in Fars und die Ebene von _Soghd_ im Lande +jenseits des Oxus). Wiewohl diese vier vorzugsweise die Paradiese des +Ostens heissen, so zählen doch genauere Geographen und eifrige Moslimen +deren acht, indem nach der Lehre des Koran's die Zahl der Höllen sieben, +die der Paradiese aber acht, indem Gottes Grimm minder als seine Huld und +jenseits wie diesseits verdiente Strafe von unverdienter Gnade überwogen +wird. Diese vier anderen Paradiese sind das Thal von _Tebris_[388], das von +_Mamschanrud zu Hamadan_, der Sommeraufenthalt der Bewohner Malatia's zu +_Sebusi_[389], dem vom Flusse des Messias bewässerten Thale, und endlich +das des _Bosporos_, dessen Schönheiten nach dem bekannten Distichon des +türkischen Dichters _Melhemi_ die Schönheiten der vier ersten Paradiese +weichen müssen[390]. Im schönen Thale von Ghuta gelagert, empfing Keitbuka +Gesandte der Franken, welche ihm den Prinzen _Sahir_, den Bruder Jusuf +Nassir's, des ehemaligen Sultans von Haleb, zuführten. Keitbuka bestätigte +ihn im Besitze seines Leibgedinges, nämlich der Herrschaft von +_Ssarchad_[391]; eine Heeresabtheilung wurde unter Kuschluchan's Befehl +gegen Nablus (Neapolis) gesandt, das alte, zwischen den Bergen _Garazin_ +und _Tobal_, welche die Kibla der Samaritaner, gelegene _Sichem_[392], und +die Besatzung, welche ausfiel, zusammengehauen. Die Mongolen kehrten das +grosse syrische Gestade bis hinunter nach Ghasa sengend und brennend aus. +_Panias_[393], die anderthalb Tagreise nordöstlich von Damaskus gelegene +kleine Stadt, wurde verheert. Während dieser Begebenheiten ward Keitbuka +Herr von Nassir's, des flüchtigen Sultan's von Haleb, Person. Nur von +seinem Bruder Sahir, dem Melik Ssalih Nureddin, dem Sohne des Herrn von +Himss, und drei kaimarischen (richtiger kimerischen) Emiren (gebornen +Chuaresmiern) begleitet, war er bis nach Kathije an Aegyptens Gränze +gekommen, von wo, sich nicht weiter in's Land wagend, er nach Schaubek und, +alles seines Gepäckes und Gefolges verlustig, sich nach _Kerek_ und von da +nach _Belka_ begab. Durch zwei kurdische Hellebardiere an Keitbuka +verrathen, wurde er am See von Sisa ergriffen und vor Keitbuka geführt, der +belagernd vor _Adschalun's_ Mauern stand. Keitbuka zwang ihn, den +Belagerten den Befehl der Uebergabe zuzurufen; die Stadt ergab sich und die +Mauern derselben, welche Iseddin, einer der Emire Ssalaheddin's, +erbaut[394], wurden geschleift. Keitbuka sandte den Sultan Nassir mit +seinem Bruder _Sahir_, mit _Ssalih_, dem Sohne des Sultans von Himss, und +mit _Asis_, dem minderjährigen Sohne von Moghis, dem Sultan von Kerek, nach +Tebris in die Gegenwart Hulagu's. Dieser empfing die vier Prinzen des +Hauses Ejub gnädig und versprach dem Sultan von Haleb, ihm sein väterliches +Erbe zurückzustellen, sobald Aegypten im Besitze des mongolischen Heeres. + +[Randnote: Keitbuka's Stellung gegen die Kreuzfahrer in Aegypten.] + +Wiewohl Keitbuka wie Hulagu die Christen als die Feinde seiner Feinde, der +Moslimen, begünstigte, so ergrimmte er doch wider die Franken von Sidon und +Beaufort, welche einige den Mongolen zinsbare, im Gebiete von Beaufort +gelegene saracenische Ortschaften geplündert, mehrere der Bewohner +getödtet, andere in Gefangenschaft geschleppt, einen Neffen Keitbuka's, +welcher an sie gesendet worden, um die gemachte Beute zurückzubegehren, +erschlagen hatten und dem Keitbuka Zurückstellung der Beute und Genugthuung +verweigerten. Keitbuka züchtigte sie dafür durch die Eroberung von Sidon +und die Schleifung eines Theiles der Stadtmauer. Die Einwohner flüchteten +in die nächst der Stadt auf einer Insel gelegene Burg. Durch diese +Feindseligkeit wurde das bisherige Zutrauen der syrischen Christen und +Mongolen für immer zerstört[395]. Die politische Zuneigung Hulagu's für die +Christen ward hauptsächlich durch die Frauen, durch die Frau Tokus, die +erste Gemahlin und grosse Frau Hulagu's, seine Begleiterin auf diesem +Feldzuge, und durch Hethum, den König Kleinarmeniens, bestärkt. Diesem +dankte sein Eidam, der Prinz von Antiochien, einzig seine Rettung, indem +sonst nach Haleb's Ruin der Antiochien's wohl unvermeidlich gewesen wäre. +Hulagu sandte ihm aber Geschenke und Diplom, wodurch der Fürst von +Antiochien wieder in den Besitz aller, zu seinem Fürstenthume gehörigen, +ihm von den Saracenen entrissenen Ortschaften eingesetzt ward[396]. Der +grössere Theil des mongolischen Heeres war theils in Mesopotamien, mit der +Belagerung oder Huth der dortigen Städte beschäftigt, theils in Syrien zu +Grunde gegangen, theils dem Hulagu bei seinem Aufbruche von Haleb gefolgt; +Keitbuka blieb mit nicht mehr als zehntausend Mongolen zur Eroberung +Aegyptens oder doch wenigstens zur Huth Syriens wider Aegypten zurück[397]. +Keitbuka war zu Damaskus auf die Vertheidigung und den Schutz Syriens +bedacht, als er die Nachricht von dem Anmarsche des Sultans von Aegypten, +_Mois Seifeddin Kotos_, erhielt, in dessen Gefolge sich _Melik el Manssur_, +der Sultan von Hama, mit seinem Enkel _Efdhal_, dem Vater Abulfeda's, des +grossen Geographen, Geschichtschreibers, und andere moslimische Fürsten +befanden, welche sich bei der Annäherung der Mongolen nach Aegypten +geflüchtet und bei dem Sultane der Mamluken vom Nile den Schutz gesucht, +den ihnen ihre Uneinigkeit wider die Mongolen nicht gewährte. _Kotos_, der +erst seit einem halben Jahre auf dem Throne sass, war der dritte der +Sultane Mamluken, welche denselben seit dem, der Gefangenschaft des +heiligen Ludwig gleichzeitigen, Ruine des Hauses Ejub gefüllt; denn nachdem +Melikolmoaasem Turanschah in dem Aufruhre der Mamluken zwischen Gluth und +Fluth, halb versengt und halb ertränkt[398], endlich von den Pfeilen der +Rebellen ereilt, geendet hatte, war die Herrschaft Aegyptens erst in den +Händen der Frau _Schedschreteddurr_, d. i. Perlenbaum, der Gemahlin +Ssalih's, des vorletzten Sultans der Beni Ejub, und ihres Gemahls, des +Turkmanen _Iseddin Aibek Dschaschnegir_, d. i. Glaubensehre, Mondfürst, +Truchsess, den sie aber selbst durch ihre Sklavinnen im Bade ersticken +liess, als sie vernommen, dass er die Tochter Bedreddin Lulu's von Mossul +zur Gemahlin nehmen wolle. Seine Mamluken setzten dessen fünfzehnjährigen +Sohn auf den Thron und rächten des Vaters Mord durch den der Frau +Perlenbaum, deren Leichnam aus der rothen Burg[399], in der sie +unumschränkt befahl, hervorgezogen, nackt in den Graben geworfen ward. An +der Spitze der Bluträcher stand der Emir Atabeg, Oberbefehlshaber des +Heeres Seifeddin Kotos, welcher unter dem scheinbaren Grunde, dass der +Mongolen drohende Gefahr statt des unerfahrenen Jünglings einen kräftigen +Mann zum Herrscher Aegyptens dringend fordere, den Sohn Aibek's schon nach +dritthalb Jahren des Thrones, worauf er ihn gesetzt, entsetzte und diesen +selbst als Sultan Aegyptens einnahm. + +[Randnote: Begebenheiten zu Damaskus; Mord der mongolischen Botschafter zu +Kairo.] + +Am dritten Sonntage des Monats Ssafer waren die Abgeordneten Hulagu's, vom +Richter _Muhijeddin Ben Seki_ begleitet, angekommen, welcher sich nach +Haleb begeben hatte und dort von Hulagu zum Oberrichter ganz Syriens +ernannt worden war. [RN: 19. Ssafer 658] Am folgenden Morgen versammelten +sich die Bewohner ohne Furcht in der grossen Moschee; _Ibn Seki_, mit dem +Ehrenkleide Hulagu's angethan, las den versammelten Rechtsgelehrten das +Diplom der Investitur (_Taklid_) des mongolischen Herrschers und die +Fermane, wodurch den Bewohnern von Damaskus Sicherheit ihres Lebens und +Gutes versprochen ward. [RN: 16. Reb. ewwel 658/3. März 1260] In der Hälfte +des folgenden Monates waren die Generale Hulagu's an der Spitze einer +zahlreichen Truppenabtheilung von Tataren im Geleite _Keitbugha Nujan's_ +erschienen und bald darauf wurde durch ein Diplom der Richter _Kemaleddin +Omer_ von Tiflis zum Stellvertreter der richterlichen Gewalt +(_Naibol-hukm_) ernannt, so dass er als Richter der Richter in den Städten +Syriens zu Mossul, Mardin und Miafarakain Recht sprach. Dasselbe Diplom +verlieh ihm die Aufsicht der Moscheen und der frommen Stiftungen. Die +Tataren hatten indessen ganz Syrien überschwemmt; sie waren bis _Ghasa_, +_Beit_, _Dschibrail_, _Hebron_ und _Ssalt_ vorgedrungen, hatten überall +geplündert und Sklaven gemacht und verkauften die Beute auf den Märkten von +Damaskus[400]. Die Christen von Damaskus, welche einen besonderen +Schutzbefehl Hulagu's zu Gunsten freier Religionsübung erhalten hatten, +übernahmen sich in der ihnen zugestandenen Freiheit gegen die Moslimen, +indem sie im Ramasan öffentlich auf den Gassen Wein tranken und denselben +vor den Moscheen ausschütteten; sie zogen mit dem Kreuze durch die Strassen +und zwangen die Kaufleute, demselben aufzustehen, die sich dessen +Weigernden misshandelnd; Prozessionen zogen mit dem Kreuze nach der Kirche +der heiligen Jungfrau, von deren Kanzel der Triumph des Christenthums über +den Islam verkündet ward. Die gekränkten und misshandelten Moslimen +beschwerten sich darüber beim mongolischen Statthalter, von dem sie, statt +Ausrichtung zu erhalten, mit Schlägen abgefertigt wurden; er überhäufte die +christlichen Priester mit Ehren, besuchte ihre Kirchen und begünstigte +offenbar das Christenthum. Eine merkwürdige Epoche für die Geschichte +christlicher Kirchen in Syrien während der mongolischen Herrschaft unter +der Statthalterschaft Keitbugha's; aber diese dauerte nicht lange, denn +_Melik Eschref_, der ejubidische Fürst von Himss, erschien mit einem +Diplome Hulagu's, welches ihn zum Statthalter über ganz Syrien bestellte. +Indessen hatte der Emir _Bedreddin Mohammed Ben Kermdsche_, der +Festungsbefehlshaber der Citadelle von Damaskus, und der Emir +_Dschelaleddin Ben Seirafi_ den Entschluss gefasst, die Thore der Citadelle +zu schliessen und sich darin wider die Mongolen zu vertheidigen. +_Keitbugha_ begann die Belagerung des Schlosses. [RN: 6. Rebiulachir +658/10. März 1260] Dieselbe dauerte fünf und vierzig Tage mitten unter +fürchterlichen Ungewittern, die mit Erdbeben begleitet waren; mehr als +zwanzig Wurfmaschinen schleuderten Felsenstücke wider die Mauern, um sie zu +erschüttern, während eine Menge anderer Häuser durch das Erdbeben +einstürzten, und mit den Blitzen kreuzten sich die Flammengeschosse des +Naphta. [RN: 22. Dschem. ewwel/7. Mai 1260] Nachdem die Belagerten endlich +zu kapituliren begehrt, plünderten die Tataren das Schloss, zündeten +dasselbe an mehreren Ecken an, schleiften mehrere Thürme und zerstörten +alle Kriegsmaschinen; von hier zogen sie nach _Baalbek_, wo die Citadelle +ebenfalls zerstört ward; eine andere Heeresabtheilung verheerte _Bamias_ +und die Umgegend. Hulagu, nachdem er von Haleb abgezogen, liess dort den +Keitbugha und zu Damaskus den _Baidera_ als Statthalter zurück und führte +sieben Emire der Mamluken _Bahri_, d. i. derer vom Nile, mit sich. Bald +darauf erschienen Botschafter Hulagu's mit einem Schreiben[401] an _Kotos_ +voll Drohungen, dessen Inhalt in den folgenden Schlussworten desselben +zusammengedrängt ist: »Sag' dem Lande Aegypten, Hulagu kommt, begleitet von +entblössten Degen und schneidenden Schwertern; er wird die Mächtigen +demüthigen, die Grossen zurechtweisen und die Kinder nachsenden den +Greisen.« Im gehaltenen Kriegsrathe der Emire wurde beschlossen, die +Botschafter Hulagu's, es waren deren vier an der Zahl, zu vernichten; vor +der Hand wurden sie aber nur in den Kerker geworfen[401]. [RN: 15. Schaaban +658/Juli 1260] Hälfte Schaaban's zog Sultan Kotos, von seinen Truppen +begleitet, aus dem Schlosse Kairo's gegen Ssalihije aus. Unmittelbar vor +seinem Auszuge wurden die vier mongolischen Botschafter an vier der +volkreichsten Plätzen der Stadt, nämlich am Fusse des Schlosses, ausser dem +Thore _Soweila_[402], dem Thore _Nassr_ und zu _Ridhania_ entzweigehauen, +ihre Köpfe an dem Thore _Soweila_ aufgehangen; vier bedeutungsvolle +Stätten, mehr als einmal in der späteren mamlukischen und osmanischen +Geschichte und bis in unsere Tage herunter durch die Schlachten von Heeren +und das Schlachten von Menschenopfern blutig befleckt; durch das Thor +_Nassr's_, d. i. des Sieges, zogen die jeweiligen Eroberer Kairo's +triumphirend ein, am Fusse des Bergschlosses rann das Blut der letzten, von +Mohammed Ali veranstalteten Mamlukenvesper; in der Schlacht von _Ridhania_ +zwischen Sultan _Selim_, dem Eroberer Aegyptens, und Sultan Tumanbai, dem +letzten Sultan der Mamluken, wurde das tragische Schicksal des letzten +entschieden, und am Thore _Soweila_, wo jetzt die Köpfe der vier +entzweigehauenen mongolischen Botschafter hingen, baumelte dritthalbhundert +Jahre später der Kopf _Tumanbai's_, des letzten Sultan's der Mamluken +Tscherkessen. Im Gefolge der mongolischen Gesandten befand sich ein Kind, +welches der Sultan begnadigte und unter die Zahl seiner Mamluken aufnahm. +Wassaf erzählt diese Botschaft und das Sendschreiben derselben auf eine im +Wesentlichen zwar übereinstimmende, in den Nebenumständen aber abweichende +Weise. Nach ihm waren nicht vier Botschafter, sondern nur Einer, von +vierzig Dienern begleitet, und die Botschaft lautete: »Gott hat dem Hause +Tschengischan's die Weltherrschaft zuerkannt; der sich Uns unterwirft, hat +sich und seiner Familie Leben und Gut gerettet. Der Ruf Unseres unzählbaren +Heeres geht demselben wie die Heldensage _Rustem's_ und Isfendiar's voraus; +sende unterwürfige Botschaft und komme selbst, um einen Vogt in Aegypten zu +bitten; wenn nicht, so sei gerüstet zum Kriege.« Sultan Kotos berief bei +Ankunft der mongolischen Botschaft seine sechs chuaresmischen Emire[403], +welche nach der Zerstörung der chuaresmischen Länder sich von Achlath nach +Aegypten geflüchtet und hier besonders zur Erhebung Sultans Kotos auf den +Thron beigetragen hatten. »Hulagu«, sagte er ihnen, »wäre schon in Aegypten +eingefallen, wenn ihn nicht die Nachricht von des Bruders Tod aus Syrien +abgerufen hätte; er hat aber den Keitbuka an der Gränze zurückgelassen, der +das Land wie ein grimmiger Löwe und wüthiger Drache zu verheeren droht und +dem Niemand zu widerstehen im Stande; was denket ihr hierüber!« Der sechste +Emir, _Nassireddin Kimeri_[404], von welchem die kimrischen oder +cimerischen Mamluken ihren Namen haben, sprach: »Es wäre keine Schande für +uns, dem Hulagu, als dem Sohne Tului's, dem Enkel Tschengischan's, entgegen +zu gehen; welcher Vernünftige wird sich aber selbst vergiften und +muthwillig dem Tode entgegen gehen? Die Beweise seiner Treulosigkeit liegen +in dem Schicksale der Herren von Alamut, Deriteng, Irbil, Miafarakain und +des Chalifen offen.« Kotos sprach im selben Sinne und endete so: »Mir +bleibt nur eines von dreien zu wählen übrig: Freundschaft, Feindschaft oder +Auswanderung.« Alle stimmten für den Krieg. Kotos berieth sich noch +insbesondere mit _Bondokdar_, dem Emirol umera, dem ersten der ägyptischen +Mamluken, welcher sich schon seit zehn Jahren dadurch, dass er der erste +den Todesstreich wider Melik Moaasem, den letzten Herrscher Aegyptens aus +dem Hause Ejub, führte, Namen und Ansehen erworben und seitdem als Fürst +der Fürsten behauptet hatte. _Bondokdar_, d. i. der Bogenhalter, der +Kipdschake, dessen ursprünglich türkischer Name _Beibars_, d. i. Beg +Panther, und der später als Sultan Aegyptens der Schrecken der Franken in +Syrien wie der Mongolen, rieth zum Morde des Gesandten; noch in derselben +Nacht blutete der Gesandte und seine vierzig Begleiter bis auf einen als +Martyrer mamlukischen diplomatischen Verkehrs; ihre Köpfe wurden am Thore +_Soweila_ aufgesteckt, und am Morgen brach Kotos mit zwölftausend Reitern +gegen Syrien auf. + +[Randnote: Schlacht von Aindschalut. 25. Ramasan 658/3. Sept. 1260] + +Zu _Ssalihije_, dem Vereinigungspunkte des ägyptischen Heeres, fand _Kotos_ +Widerwillen bei seinen Emiren, wider den Feind zu ziehen; mit den Worten: +»Ich werde allein wider die Tataren ziehen«, schloss er den Kriegsrath, +indem er bei einbrechender Nacht die Trommeln zum Aufbruche zu rühren +befahl. Der Emir _Beibars Bondokdari_ (der nachmalige Sultan der Mamluken) +erhielt den Befehl, mit einer Truppenabtheilung vorauszueilen, um +Erkundigung vom Feinde einzuziehen. Alsbald er vor den Mauern Ghasa's +erschienen, wurde die Stadt geräumt. _Kotos_ folgte ihm auf dem Fusse nach; +aus _Aka_ kamen ihm die Franken mit Anerbietung von Hilfe und Begleitung +entgegen. Er lehnte den Antrag ab und forderte nur das Versprechen der +strengsten Neutralität, deren Verletzung er zu züchtigen drohte[405]. Zu +_Aindschalut_, d. i. am Quelle Goliath's, zwischen _Beisan_ und _Nablus_, +kam es zur entscheidenden Schlacht. _Keitbugha_ und _Baidera_, die beiden +Feldherren, Statthalter Hulagu's zu Damaskus und Haleb, hatten alle in +Syrien befindlichen tatarischen Streitkräfte versammelt. Am ersten Freitag +des Septembers brauste alsbald nach Sonnenaufgang das ganze weite Thal vom +Pferdegewieher und Waffengetöse; das Geschrei der Dorfbewohner tönte in den +unaufhörlich fortrollenden Trommelwirbel der Capelle des Sultans und der +Heermusik seiner Emire[406]. Die Aegypter gebrauchten die Kriegslist, sich +dem mongolischen Heere in weissen Burken, d. i. mongolischen Pelzen, zu +nahen, so dass sie von den Mongolen für Schaaren Ihriger gehalten +wurden[407]. Einer der Flügel des ägyptischen Heeres war bereits in +Unordnung und gebrochen; Sultan _Kotos_ warf seinen Helm zur Erde und +schrie aus allen Kräften: »o Islam!« Er stürzte sich mit allen, die um ihn +waren, auf den Feind und kämpfte mit äusserster Unerschrockenheit. Die +Mongolen flüchteten in's Geröhricht des sumpfigen Thales; Kotos befahl, das +Geröhricht anzuzünden, und sie gingen zwischen Feuer und Schwert elend zu +Grunde. Der Emir _Beibars_ that Wunder der Tapferkeit vor den Augen des +Sultans. Als dieser mitten im Gemenge der Schlacht, spannte der mongolische +Knabe, welchem Kotos aus Mitleiden mit seiner Jugend beim Gesandtenmorde +das Leben gerettet hatte, seinen Bogen von rückwärts auf den Sultan, um +durch dessen Tod das vergossene Blut der Brüder zu rächen; nach Einigen +wurde er auf der Stelle von den ihn Umgebenden, welche seines Vorhabens +gewahr, zusammengehauen, noch ehe der Pfeil abgeflogen; nach Anderen, erst +nachdem er denselben abgeschossen und damit das Pferd des Sultans verwundet +hatte, welches denselben abwarf. Die Mongolen wurden von den Tataren bis in +die Nähe von _Beisan_ verfolgt, wo sie sich umwandten und noch einmal Stand +machten zum hartnäckigsten Gefechte. Die Moslimen wankten, da schrie Sultan +Kotos dreimal mit lauter Stimme: »o Islam! o Gott, schütze deinen Diener +Kotos und verleihe mir Sieg über die Tataren!« Als diese zum zweitenmale +besiegt, stieg der Sultan vom Pferde, warf seine Stirne in Staub und +verrichtete ein Dankgebet von zwei Verbeugungen. Nach Makrisi ward +_Keitbugha_ in der Schlacht getödtet, nach Wassaf gefangen vor Kotos +geführt. »Sei nicht stolz«, sagte der mongolische Feldherr dem Sultan der +Mamluken, »auf deinen Sieg, dem die Rache auf dem Fusse folgen wird. Von +Aserbeidschan nach Aegypten wird die Erde vom Hufe mongolischer Pferde +gestampft, welche den Sand Aegyptens in Säcken davon tragen werden. Hulagu +hat dreimalhunderttausend tapfere Reiter, von denen ich nur Einer.« -- +»Prahle nicht«, sagte Kotos, »mit eueren Heeren, die nur durch +Treulosigkeit siegen.« -- »Ich bin«, entgegnete Keitbugha, »meinem Herrn +nur treu gewesen, nicht, wie du, ein Verräther am selben; mach' es kurz mit +mir!« Er wurde enthauptet. Das ganze mongolische Heer fiel in die Hände der +Sieger, die nun ganz Syrien verheerend durchstreiften. Die Vögte wurden +getödtet, die Weiber und Kinder in Gefangenschaft geschleppt, der Kopf +Keitbugha's nach Kairo gesandt und auf dem Thore _Soweila_ aufgesteckt. +Hulagu ward von der Kunde der verlorenen Schlacht und des getödteten +Feldherrn tief betrübt; es war die erste Niederlage, welche seine Heere +erlitten hatten; er brach noch am selben Tage mit seinem Lager auf. _Melik +Nassir Jusuf_, der Sohn von _Melik Asis_, der ehemalige Fürst von Damaskus, +war kurz vorher zu Hulagu gekommen, von ihm mit Ehren überhäuft, seiner +innersten Gesellschaft beigezogen und neben ihm auf einen Thron gesetzt +worden; mit einem Diplome zum Fürsten Syriens und Aegyptens eingesetzt, mit +Ehrenkleidern und Geschenken überhäuft, hatte er die Strasse Syriens +eingeschlagen; aber nachdem die Nachricht der Niederlage von _Aindschalut_ +eingetroffen, liess ihn Hulagu einholen und im Gebirge von Selmas +hinrichten; [RN: 12. Schewwal/22. Sept.] dasselbe Schicksal theilte Melik +Sahir Ghasi, Bruder Nassir's, Melik Ssalik, Sohn Schirkjuh's, und andere +Prinzen des Hauses Ejub; Tokus Chatun, die Gemahlin Hulagu's, hatte für +_Melik Asis_, den Sohn Nassir's, fürgebeten, und er wurde, der Einzige aus +den bei Hulagu befindlichen Prinzen des Hauses Ejub, gerettet, wie diess +sogleich unter den Folgen, welche die Schlacht von _Aindschalut_ für die +Christen und das Haus Ejub's hatte, umständlicher erzählt werden soll. Sie +erhielten den verdienten Lohn dafür, dass sie, statt mit anderen Fürsten, +ihren Stamm- und Glaubensgenossen, sich wider den hereinbrechenden Feind +des Islams zu verbünden, demselben gehuldigt hatten; eine oft wiederholte +und dennoch nur selten fruchtende blutige Lehre der Geschichte. + +[Randnote: Folgen der Schlacht von Aindschalut für die Christen und das +Haus Ejub's.] + +Schrecklich waren die Folgen der mongolischen Niederlage, sowohl für die +syrischen Christen, als für das Haus Ejub's. Während der Gegenwart der +Mongolen zu Damaskus hatten die Christen die ihnen gewährte grössere +Freiheit ihres Cultus gegen die Moslimen missbraucht; von allen Kirchen +übertönte das Glockengeläute den Ruf der Muesine, und sie trieben den +Uebermuth so weit, dass sie Wein in die grosse Moschee trugen. Schon am +vierten Tage nach der Niederlage der Mongolen überfielen die Moslimen die +grosse, der heiligen Jungfrau geweihte Kirche zu Damaskus und schleiften +dieselbe. [RN: 27. Ramasan/7. September] Dies war die Kirche, welche der +Chalife Omar II. Ben Asis den Christen eingeräumt hatte, um sie für den +Verlust der Kirche des heiligen Joannes zu entschädigen, welche ihnen laut +der unter Omar I. (Ben Chattab) abgeschlossenen Kapitulation der Stadt für +immer hätte zu eigen bleiben sollen, ihnen aber von Welid, dem Sohne +Abdolmelik's, weggenommen und in die grosse Moschee, das Meisterstück +saracenischer Baukunst, verwandelt worden war. Kotos hatte bei seinem +Auszuge die beiden Fürsten des Hauses Ejub, den von Himss, Sultan Eschref, +und Said, einen Enkel Melikolaadil's von seinem Sohne Asis[408], welcher +von Hulagu mit dem Besitze von _Sobeibe_ und _Banias_ belehnt worden war, +zur Hilfe wider die Mongolen auffordern lassen. Der Herr von Himss empfing +den Gesandten des Sultans unterwürfig und trug ihm auf, in seinem Namen die +Erde vor den Füssen des Sultans zu küssen, in dem er den Retter des Islams +verehre. Said hingegen entliess den Gesandten mit Schimpfreden auf Sultan +Kotos[409]; er focht in den Reihen der Mongolen. Nach der Niederlage +derselben nahte er sich huldigend dem Pferde des Sultans, um demselben die +Hand zu küssen. Kotos, statt ihm die Hand zum Kusse zu gewähren, stiess ihm +die Ferse in's Maul, dass das Blut herausschoss; er liess ihn dann +enthaupten. Eben so tragisch war das Schicksal Melik Nassir's, des letzten +Sultans von Haleb, der mit seinem Bruder sich in seiner alten Residenz +befand, wo Hulagu die Nachricht von der Niederlage Keitbuka's[410] erhalten +hatte. [RN: 20. Silkide 658/29. Oct. 1260] Hulagu überhäufte den vorigen +Herrscher Haleb's mit Vorwürfen, dass die syrischen Truppen, für deren +Unterwürfigkeit Nassir gut gestanden, sich auf die Seite der Aegypter +gewendet. Nassir antwortete, dass, wenn es ihm erlaubt gewesen wäre, in +Syrien zu weilen, kein syrischer Soldat es gewagt haben würde, wider einen +Mongolen das Schwert zu ziehen; wie könne aber Syrien von Tebris aus +beherrscht werden? -- Hulagu, statt hierdurch besänftigt zu werden, nur +noch mehr ergrimmt, schoss einen Pfeil nach ihm, der ihn verwundete. Schone +meiner! rief ihm der unglückliche Nassir zu; aber sein Bruder Sahir +ermahnte ihn, nicht auf unwürdige Art zu sterben; und er erlag dem zweiten, +von Hulagu auf ihn geschossenen Pfeile[411]. Die anderen Prinzen und das +Gefolge derselben, in Allem dreihundert Reiter, wurden von dreihundert +mongolischen Reitern getödtet, bis auf Einen, den Astronomen Mohijeddin El +Mahghribi[412], welchem das Ansehen, worin die Astronomie bei den Mongolen +stand, das Leben rettete, und aus dessen Munde der syrische +Geschichtschreiber die Umstände dieses Gemetzels erzählt[413]. Mit Melik +Nassir und seinem Bruder Sahir fiel hier unter dem mongolischen Schwerte +Melik Ssalih, der Sohn Melikol Eschref's, des Herrn von Himss, welcher die +von seinem Vater dem Gesandten des Sultans gegebene unterwürfige Antwort +jetzt mit dem Leben büsste[414]. Nur das Leben Melikolasis, des unmündigen +Sohnes Melikonnassir Jusuf's, wurde verschont. Sein Vater, Nassir Jusuf +Ssalaheddin, gleichnamig mit seinem grossen Urgrossvater, hatte nicht nur +über ganz Syrien, sondern auch über einen grossen Theil Mesopotamiens, über +Haran, Roha, Rakka, Reis Ain, später über Damaskus und bis an Aegyptens +Gränze geherrscht, wo er schon zum Sultan ausgerufen, als solcher wieder +den Thron dem Hause Ssalaheddin's erworben hätte, wenn ihn nicht in der +Schlacht zu _Abbasa_[415] der erste Sultan der Mamluken, der Turkmane +Aibek, und die von seinem Vater, Asis, ererbten Mamluken verlassen hätten. +[RN: 10. Silkide 649/24. Jan. 1252] Er liebte den Aufwand, besonders den +der Küche, in welcher täglich vierhundert Hämmel geschlachtet wurden; +übrigens viel zu nachsichtig für Diebe und Räuber, die unter seiner +Regierung durch ganz Syrien grassirten. Zu Damaskus hatte er die nach ihm +genannte Moschee, zu Ssalihije sein Grabmal erbaut, in welches aber nicht +er, sondern der mongolische Emir Kormun begraben werden sollte[416]; der +Dichtkunst nicht fremd, Verfasser mehrerer türkischer Gedichte, aus denen +Abulfeda das folgende erhalten: + + Bei Gott! wenn du mein Herz in Gram versenktest + Und statt der Thränen mich mit Blut nur tränktest, + So würdest du nur mehren meine Liebe, + Und meinem Geist nicht and're Freundin bliebe. + +[Randnote: Einrichtungen Syriens; Schlacht bei Himss.] + +Sultan Kotos ordnete nach dem Siege von _Aindschalut_ die Verwaltung des +nun von der Herrschaft der Mongolen der der Mamluken anheim gefallenen +Syriens. Dem Ejubiden Melik Manssur wurde das väterliche Erbe von _Hama_ +zurückgestellt, nachdem der mongolische Vogt Chosrewschah daraus abgezogen; +auch erhielt er _Barin_ und _Mearret_, welche Melik Nassir, der Sultan von +Haleb, schon vor fünf und zwanzig Jahren vom Fürstenthume Hama abgerissen; +nur mit _Selimije_ wurde ein arabischer Emir belehnt. Dann zog Kotos, vom +Fürsten Hama's begleitet, nach Damaskus, wo er im Triumphe als der Hort +des Islams empfangen ward. Viele Tataren wurden hingerichtet, darunter +Husein der Kurde, der Beilträger[417] Melik Nassir's; dreissig Christen +wurden gehenkt und der christlichen Bevölkerung von Damaskus eine Steuer +von hundert fünfzigtausend Dirhem auferlegt. Manssur, der Fürst Hama's, +wurde von hier nach Hause entlassen, und von den Dichtern seiner Stadt als +Sieger über die Tataren und Wiedereroberer Maarra's bewillkommt[418]. Kotos +setzte über die südliche Küste Syriens als Statthalter den Emir Schemseddin +von Berlas[419], einer der asisischen Mamluken, welcher in der Schlacht +Nassirolmelik's von Haleb wider Aibek, den Mamluken, zu diesem +verrätherisch übergegangen, für ihn die Herrschaft Aegyptens entschieden, +dann aber, wider ihn Ränke schmiedend, wieder nach Syrien entflohen war, +von ihm in _Adschlun_ festgesetzt worden; dann, als Melikonnassir bei +Annäherung der Mongolen gegen Aegypten flüchtete, wieder freigelassen, +folgte er seinem natürlichen Herrn eine Zeit lang, verliess ihn aber zum +zweitenmale und ging zu Kotos über, der ihn nun dafür mit der +Statthalterschaft von Ghasa belehnte; die von Damaskus übertrug er dem Emir +Alemeddin[420] Senschar von Haleb, dem vorigen Atabeg des Sohnes Aibek's, +des ersten Sultans der Mamluken, und die von Haleb, welche der Emirol umera +Bondokdar für sich gewünscht hatte, dem Melikes-Said, dem Sohne Bedreddin +Lulu's, dem Bruder Ssalih's, dessen schmähliches Ende bereits oben erzählt +worden. Er selbst brach von Syrien nach Aegypten auf. [RN: 26. Schewwal +658/5. October] Bondokdar, der Fürst der Fürsten, welchem er die +Statthalterschaft Haleb's versagt hatte, verschwor sich wider den Sultan, +und dieser wurde schon am zwanzigsten Tage nach seinem Aufbruche aus Syrien +zu Kossair, eine Tagreise von Ssalihije, auf der Jagd von den Verschworenen +ermordet. [RN: 17. Silkide/25. October] Die Emire Kairo's waren dem als +Sieger über die Tataren im Triumphe zurückkehrenden Sultan zum Bewillkomm +bis nach Ssalihije entgegen gegangen, wo sie den Mord desselben vernahmen; +der Emir Ogotai, welchen Kotos bei seiner Abreise als seinen Stellvertreter +an der Spitze der Verwaltung Aegyptens zurückgelassen, fragte, als es sich +um die Wahl des Sultans handelte, wer den Kotos getödtet, weil es der +Türken Brauch, dass der Tödter die Stelle des Getödteten einnehme. Sie +zeigten auf _Beibars Bondokdar_. So besteige du den Thron, sagte Ogotai, +indem er ihn bei der Hand nahm und auf den Thron setzte. Ich setze mich +darauf, antwortete Beibars, im Namen Gottes; leistet den Eid! An dir ist's, +sagte Ogotai, der erste zu schwören, dass du die Emire als deines Gleichen +gütig behandeln, dass du ihnen Befehlshaberschaften verleihen, ihre Grade +vermehren wirst[421]. Beibars nahm den Titel _Melikol kahir_, d. i. des +rächenden Königs, an, den er aber später mit dem von _Melikol-dahir_, d. i. +des Offenbaren, vertauschte, und zog zu Kairo unter den Triumphfesten ein, +welche für seinen Vorfahrer bereitet worden waren. In Syrien begann +unterdessen Aalemeddin, der Statthalter von Damaskus, die geschleiften +Mauern wieder aufzubauen, und erklärte sich bald hernach selbst zum Sultan, +die Macht des Sultans des Rächenden, des Offenbaren verhöhnend. Zu Haleb +hatte Said, der Sohn Bedreddin Lulu's, durch Kopflosigkeit und die +unbedeutsame Absendung einer zu schwachen Truppenabtheilung, welche zu +_Bire_ am Euphrat von den Mongolen geschlagen wurden, den Hass der +Einwohner auf sich geladen. Er ward vor den Thoren der Stadt ergriffen und +gezwungen, seine Schätze zu entdecken, welche die Emire unter sich +theilten, ihn selbst gefesselt nach Schoghr sandten und seiner statt +Hosameddin, den Mailleschläger, zum Statthalter einsetzten; bald darnach +erschienen die Mongolen vor Haleb, und Hosameddin flüchtete mit den Emiren +nach Hama, die Stadt Haleb der Wuth der Mongolen überlassend. [RN: +Silhidsche 658/Nov. 1260] Von Hama zogen sie mit dem Fürsten Hama's und +seinem Bruder Efdhal gegen Himss, ihre Streitkräfte mit denen des Fürsten +dieser Stadt vereinigend, und lieferten vor Himss den Tataren eine +Schlacht, in welcher diese geschlagen abzogen, auf ihrem Rückzuge von dem +Befehlshaber Apamia's geharket. [RN: 5. Moharrem 659/10. Dec. 1260] Auch +der Statthalter von Ghasa, Abusch von Burlas, empörte sich, wie der von +Damaskus, wider Beibars Bondokdar, den neuen Sultan, und dieser und jener +wollten die Prinzen von Hama und Himss für sich gewinnen; aber diese gaben +ihnen kein Gehör, und nachdem die beiden Thronnebenbuhler Bondokdar's, +Senshar und Abusch, geschlagen worden, ward Bondokdar, der Sultan +Aegyptens, auch als solcher in Syrien, zu Haleb und Damaskus, zu Hama und +Himss anerkannt. + +[Randnote: Das Chalifat der Beni Abbas zu Kairo.] + +Beibars Bondokdar, der sich den Weg zum Throne durch doppelten Mord +gebahnt, erst durch den Moaasem Turanschah's, des letzten Fürsten der Beni +Ejub, und dann durch den des dritten Sultans der Mamluken, Kotos, war vor +Allem bedacht, seiner Usurpation des Thrones den Mantel der Legitimität +umzuhängen. Zu diesem Ende stellte er zu Kairo einen angeblichen Abkömmling +des Hauses Abbas, _Abulkasim Ahmed_, welcher für einen Sohn Dahir's, des +vorvorletzten Chalifen, ausgegeben ward, als Phantom eines Chalifen auf, +der nur dazu diente, kraft seines angestammten Rechts als Chalife durch +Verleihung von Titeln die Herrschaft desselben als legitim zu +rechtfertigen. Zu Kairo ward feierlicher Einzug desselben veranstaltet, bei +welchem die Ulema von Missr und Kahir den Koran, die Rabbinen die Bibel, +die Christen das Evangelium voraustrugen. [RN: 5. Redscheb 659/9. Juni +1261] Vier Tage hernach ward in feierlicher Versammlung aller Ulema und +Emire das Schauspiel des Beweises der vorgegebenen Abstammung aufgeführt, +der angebliche Sohn Dahir's von Beibars als Chalife ausgerufen, und dieser +hierauf von ihm, dem rechtmässigen Chalifen, als Sultan Aegyptens und +Syriens belehnt. Der Chalife, mit dem schwarzen Mantel des Hauses Abbas +angethan, bekleidete den Sultan mit eigener Hand, indem er ihm den Kaftan +anzog und goldene Kette um den Hals gab. Beibars ritt auf einem Schimmel +durch die Stadt und der Wesir und der Hofmarschall trugen abwechselnd das +Diplom des Chalifen, auf ihren Händen über den Kopf emporgehalten, vor. Am +nächsten Freitage predigte der Chalife in der Moschee, und als dem Sultan +die Predigt zu lange währte, indem er fürchtete, dass der Chalife das Volk +und das Heer sich selbst zuwenden könnte, liess er ihm Gold- und +Silbermünzen über den Kopf schauern, womit die Predigt zu Ende. Nachdem +Beibars durch die Investitur seinen Zweck erreicht, war ihm die Gegenwart +des Chalifen überflüssig und konnte ihm sogar gefährlich werden; er setzte +also das Schauspiel in noch grösserem Maasstabe fort, indem er ihm einen +Hofstaat mit allen Titeln des alten Chalifenhofes beilegte und zweitausend +Reiter mit einer Truppe Beduinen beigab, mit denen er zur Wiedereroberung +Bagdad's, seiner Hauptstadt, ausziehen sollte. Ihn begleiteten die von +Beibars mit den Fürstenthümern von Mossul, Sindschar und Dschesiret +belehnten drei Söhne Bedreddin Lulu's. Am Ufer des Euphrats trat _Elhakim_, +ein anderer Imam aus dem Hause Abbas, als Nebenbuhler um die +Chalifenherrschaft auf. Bondokdar's Schützling zog mit Hilfe der ihm von +diesem beigegebenen Truppen zu _Aana_ und _Hadise_ ein, welche ihm Anfangs +ihre Thore gesperrt hatten; _Hadise_, das sich widersetzte, wurde mit +Gewalt genommen, die Christen und Juden geplündert. Unterdessen zogen die +mongolischen Befehlshaber Karabuga mit fünftausend Reitern gegen Enbar und +Behadir Ali, der mongolische Statthalter von Bagdad, wider den Abenteurer +heran, der als der wahre Chalife seine alte Residenz einzunehmen kam. [RN: +4. Moharrem 660/1. Dec. 1261] Vor Enbar kam es zur Schlacht; der Chalife +ordnete die Turkmanen auf dem rechten Flügel, die Araber auf dem linken, er +selbst in der Mitte. Behadir's Truppen ergriffen Anfangs die Flucht und +stürzten sich die meisten in den Euphrat; als aber eine Truppe Mongolen aus +einem Hinterhalte herbeiflog, wichen die Turkmanen und Araber, und der +Chalife verschwand. Wie der letzte der Chalifen des Hauses Abbas zu Bagdad, +war nun der erste der Schatten-Chalifen aus demselben Hause zu Kairo unter +dem Schwerte der Mongolen gefallen. Der Nebenbuhler um diese +Schattenherrschaft, der Imam Hakim, welcher sein Geschlecht im fünften +Grade von Mosterschid, dem neun und zwanzigsten Chalifen des Hauses Abbas, +ableitete[422], flüchtete nach dieser Schlacht nach Aegypten, wo ihn +Beibars, dem es bequem und angenehm, einen solchen Münzwardein der +Legitimität unter seinen Händen zu haben, die Abstammung desselben aus dem +Blute der Beni Abbas gerne anerkannte, ihn aber, den Geflüchteten, im +Palaste _Menasirolkebesch_, d. i. Belvedere des Widders, als einen +Staatsgefangenen ehrenvoll unterhielt. Sein Geschäft war blos die +Ertheilung der Investitur und der Diplome als Titel der Rechtmässigkeit der +Herrschaft; er empfing von dem damit Belehnten Geschenke, und schattete so +durch vierzig Jahre unter dem Titel von Schatten Gottes auf Erden, +Herrscher durch Gottes Befehl[423], während er als Titular-Chalife nur ein +Schatten des ehemaligen Chalifen unter des Sklaven-Sultans Befehl. Er +selbst, nur ein Titelträger der Herrschaft, stempelte durch die von ihm +ausgehenden Diplome die Herrschaft moslimischer Usurpatoren zur +rechtmässigen; hierdurch gewann _Beibars_ im Angesicht der moslimischen +Welt einen ungeheueren Vortheil über Hulagu, dessen Herrschaftstitel auch +nur das Schwert, wie der des Sultans Aegyptens, weil er, nicht Moslim, nie +vom Chalifen als rechtmässig legitimirt werden konnte. Hakim war der +Stammvater der übrigen ägyptischen Chalifen aus dem Hause Abbas, aus +welchem mit ihm zwanzig durch dritthalbhundert Jahre zu Kairo als +Drahtpuppen der Sultane figurirten, bis nach dem letzten derselben Selim +der Erste, der Erbe Aegyptens, ohne Recht der Geburt, nur als Eroberer +Aegyptens, den Chalifentitel annahm, der seitdem dem Titel der osmanischen +Sultane beigefügt, wie aus dem Gesagten erhellet, nur der eines Schattens +vom Schatten. + +[Randnote: Anlass des Kriegs mit Berke.] + +Hulagu war im Begriffe, ein neues Heer nach Syrien zu senden und dasselbe +dem Besitze des Sultans der Mamluken zu entreissen, als ihn die bis zum +offenen Kriege gereifte Misshelligkeit mit _Berke_, dem Herrscher der +Mongolen in Kipdschak, dorthin sich zu wenden und seine Waffen von den +Ufern des mittelländischen Meeres an die des kaspischen zu übertragen +zwang. Die Ursachen dieses, trotz des nachdruckvollsten Vermächtnisses +Tschengischan's und der Jasa, welche die Einigkeit zwischen den Gliedern +der Familie als die Grundmaxime der Politik des tschengischanischen Hauses +einschärft, aufflammenden Familienkriegs waren mehrere, und das Feuer +glimmte schon seit längerer Zeit unter der Asche; auch hier sind, wie fast +bei allen Kriegen und Feindschaften (von Staaten, wie von Einzelnen), der +wirkliche und scheinbare Grund, die Masse, welche schon längst das Gefäss +füllt, von dem Tropfen, der es erst überfliessen macht, wohl von einander +zu unterscheiden. Die wahre und eigentliche politische Ursache dieses +Krieges war der streitige Besitz der Landschaften _Arran_ und +_Aserbeidschan_, welche, als ausser dem eisernen Thore von Derbend gelegen, +vermöge der Ländertheilung Tschengischan's unter seine vier Söhne nicht zum +Jurte des Uluses Dschudschi's gehörig, von diesem jetzt angesprochen +ward[424]. Nach dieser Ländertheilung erstreckte sich der Jurt +Dschaghatai's von den mittägigen Pässen bis nach Samarkand und Bochara, der +Ogotai's lag im Mittelpunkte des Reichs zu _Imil_ und _Kobak_; Tuli besass +die angränzenden Länder von _Kialik_ und _Chuaresm_ bis an die äusserste +Gränze Kipdschak's und die Länder der _Ssaksinen_; _Dschudschi_ endlich die +nördlichen Jurte innerhalb der kaukasischen Pässe. Hulagu, Herr der +westlichen Hälfte der Jurte, als Ilchan des durch ihn gegründeten +mongolischen Reichs in Persien, konnte unmöglich die Ansprüche des Chanes +der goldenen Horde von Kipdschak auf den Besitz der nördlichsten +Gränzlandschaften seines Reichs gelten lassen. Dieser politische Grund ward +durch persönliche Empfindlichkeiten Hulagu's noch eindringlicher gemacht. +Berke's Einfluss hatte auf dem Kurultai nach Mengku's Tode die Wahl der +Prinzen für Kubilai wider seinen Bruder Hulagu und Arik Bugha, welche +ebenfalls Ansprüche auf die Kaanschaft machten, entschieden. Als der +Aeltere der Familie hatte Berke dem Hulagu zu wiederholtenmalen Lehren und +Ermahnungen zugesandt, als neubekehrter Moslim hatte Berke besonders das +treulose Benehmen Hulagu's gegen moslimische Fürsten, die Verwüstung so +vieler Städte, das Blutbad so vieler Menschen und den Ruin des Chalifats +hart getadelt. Wiewohl er mein Aelterer, sagte Hulagu, so kann ich sein +Hofmeistern doch nicht weiter ertragen; endlich war der Tropfe, welcher das +längst gefüllte Gefäss des Grolles überfliessend machte, der folgende. Auf +dem Zuge nach Syrien war Bulghai, der Enkel Dschudschi's, aus seinem +fünften Sohne Scheiban, gäh nach einem Gastmahle gestorben, und sein Vetter +_Kutar_[425] wurde angeklagt, durch Zauberei den Tod desselben bewirkt zu +haben. Hulagu, der es nicht auf sich nehmen wollte, ihn zu richten, hatte +ihn in Begleitung Sundschak Nujan's nach Kipdschak geschickt, um dort vor +dem Throne Berke's, seinem natürlichen Richter, Rede zu stehen. Berke +sandte denselben wieder zurück und Hulagu liess an ihm das Todesurtheil +vollstrecken; zugleich mit ihm ward auch _Ssadreddin Sawedschi_ als der +Zauberei schuldig angeklagt und hingerichtet; [RN: 17. Ssafer 658/2. Febr. +1260] da auch bald darauf Kuli, der dritte Prinz des Uluses Dschudschi, +welcher diesen Feldzug mitmachte, gestorben, und ihre Angehörigen sich nach +Kipdschak geflüchtet hatten, brach die politische Feindseligkeit und +persönliche Empfindlichkeit in die offenen Flammen des Familienkriegs aus. +Ein Heer von dreissigtausend Kipdschaken, welches _Nokai_, der Vetter des +hingerichteten _Kutar_, befehligte, war von Derbend aufgebrochen und vor +Schamachi, der Hauptstadt Schirwan's, gelagert. + +[Randnote: Verkehr zwischen Kipdschak und Aegypten.] + +Der Umschwung der Verhältnisse zwischen _Berke_ und _Hulagu_ hatte +natürlicherweise die Politik des ersten gegen den Sultan der Mamluken, als +Beherrscher Syriens und Aegyptens, wesentlich umgestimmt und die +feindlichen Gesinnungen wider denselben in freundliche verwandelt. Gewiss +hatte die äussere Politik wenigstens eben so grossen Einfluss als die +innere auf die Bekehrung _Berke's_ vom mongolischen Heidenthume zum Islam. +Im Sommer desselben Jahres, mit dessen Beginn der Feldzug nach Persien +beschlossen ward, begab sich eine Gesandtschaft Berke's auf den Weg nach +Aegypten, um die Mitwirkung des Sultans in Anspruch zu nehmen; Botschafter +waren Emir _Dschelaleddin_, Sohn des Richters, und der Scheich _Nureddin +Ali_, von grossem Gefolge begleitet; [RN: 1. Redscheb 661/11. Mai 1262] sie +waren Ueberbringer eines am ersten Redscheb des laufenden Jahres datirten +Beglaubigungsschreibens, in welchem _Berke_ seine Annahme des Islams +kündete. Zu gleicher Zeit war zu Kairo eine Botschaft des byzantinischen +Kaisers _Lascaris_ erschienen; sie wurden gemeinschaftlich mit einem +Gastmahle bewirthet, und jeden Mittwoch und Sonnabend, wo der Sultan sich +in die Maillebahn begab, wurden zahlreiche Geschenke unter sie vertheilt. +[RN: 28. Schaab. 661/5. Aug. 1262] Am letzten Freitage des Monats Schaaban, +welcher der erste des August, verrichtete der Schattenchalife des Hauses +Abbas, _Hakimbiemrillah_, das Kanzelgebet sowohl auf den Namen des Sultans +_Beibars_, Herrschers von Syrien und Aegypten, als auf den _Berke's_, des +Herrschers Kipdschak's[426]. Vier Tage hernach hatte die Ceremonie der +Investitur des Ritterthums für den Chalifen _Hakimbiemrillah_ statt. +_Futuwwet_[427] bedeutet nicht sowohl den Adel, welcher auf arabisch +_Scherf_ heisst, als das Heldenthum oder eigentlich Ritterthum, als den +Inbegriff grossmüthiger, edelmüthiger, starkmüthiger Gesinnungen und +Handlungen. Das bekannte Wort _La Feta illa Ali_ kann nur mit den Worten: +_Es gibt keinen Helden oder keinen Ritter als Ali_, übersetzt werden, und +nicht als: _Es ist kein Adeliger als Ali_. Das Symbol des Heldenthums oder +vielmehr ritterlicher Gesinnungen bestand aber nicht in Schild und Schwert, +Panzer oder Helm, welche im Abendlande die Insignien des Ritterthums, +sondern in einem Paar von -- Beinkleidern. Tags darauf, nach der Ceremonie +der ritterlichen Beinkleiderinvestitur, wurden die Botschafter _Berke's_ im +Bergschlosse durch den _Atabeg_ (Obersthofmeister) mit Ehrenkleidern +ausgezeichnet. Das Antwortschreiben war so weitläufig gewortet und +geschrieben, dass es nicht weniger als siebzig Bogen mittleren Formates aus +den Fabriken von Bagdad. Der Schreiber desselben, _Mohijeddin Abdes-sahir_, +las dasselbe dem Sultan in der Gegenwart der Emire vor, und es ward mit +einem herrlichen Geschenke den zwei ägyptischen Botschaftern, dem Emir +_Fariseddin Akusch Mesudi_ und dem Scherif _Imadeddin Haschimi_, übergeben. +Auch zu Mekka und Medina wurde das Chutbe auf den Namen Berke's verrichtet. +Um den Faden der Erzählung ägyptischer und mongolischer Verhältnisse nicht +durch den Bericht des nordischen Feldzuges, welchem der nächste Abschnitt +gewidmet ist, zu unterbrechen, reihen sich hier noch die folgenden +Begebenheiten ein, welche das unmittelbare Verhältniss der Aegypter und +Mongolen betreffen. Es waren noch nicht zwei Monate nach dem Abgange der +Botschaft an Berke verflossen, als eine grosse Anzahl mongolischer +Emire[428] ankamen, um dem Sultane ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen. Er +ritt ihnen zum Empfange entgegen; alsbald sie ihn erblickten, stiegen sie +vom Pferde und küssten die Erde vor dem Sultane, der im Sattel sitzen +blieb. Nachdem er sie mit Ehren überhäuft, kehrte er in's Schloss zurück. +_Hosameddin_, der Sohn Berke's, welcher als ein Beweis der Freundschaft +seines Vaters für den Sultan nach Kairo gekommen, starb allda; [RN: 5. +Silhidsche 661/9. Nov. 1262] drei Tage hernach wurden die Botschafter mit +Ehrenkleidern angethan und der Sultan besuchte das Grabmal des Sohnes +Berke's. Bald darauf kam eine zweite Schaar und endlich eine dritte +tatarischer Edelen; der Sultan verlieh den Vornehmsten derselben den Rang +eines Emirs und sie bekehrten sich auf seine Einladung zum Islam[429]. +Kairo war damals von den Tataren beider Parteien, nämlich sowohl von der +Berke's als Hulagu's, besucht; nur erschienen jene öffentlich als Freunde, +die sich meistens zum Islam bekehrten, diese aber nur heimlich als +Kundschafter, die, wenn entdeckt, ergriffen wurden. Unter die Emire der +bekehrten Tataren sowohl, als die Franken, welche sich zum Islam bekehret +hatten, wurden an Einem Tage vom Schatzmeister Bedreddin hundert achtzig +Pferde vertheilt. Dieser Verkehr Berke's mit Beibars durch gegenseitige +Botschaften erklärt die Verpflanzung mongolischer Hofwürden nach Aegypten, +wo sich dieselben mit ihren ursprünglichen türkischen Namen erhielten, und +erklärt die bei Makrisi erhaltene Kenntniss von der tatarischen Jasa. Bei +der Betrachtung des feindlichen Verhältnisses der Oberhäupter der beiden +Uluse Berke's und Hulagu's und ihrer gegenseitigen Verhältnisse mit +Aegypten erhellet auch, dass die Kreuzfahrer damals nicht gegen alle +Tataren gleiche Gesinnungen hegen und dieselben insgesammt als Feinde des +Sultans von Aegypten und also als natürliche Freunde und Verbündete +betrachten konnten. Dieses waren für die Kreuzfahrer nur die Mongolen +Persiens, während die Mongolen Kipdschak's als die Freunde und Verbündete +von Beibars auch die Feinde der Christen im gelobten Lande. Da der Krieg +zwischen Berke und Hulagu dem Sultan in Aegypten und Syrien so freiere Hand +liess, so konnte derselbe den Kreuzfahrern nur höchst unerwünscht sein. + +[Randnote: Feldzug gegen Kipdschak.] + +Hulagu bot das ganze Heer Persiens zum Zuge wider Kipdschak auf, setzte +sich mit demselben Hälfte Mai's des Jahres zwölfhundert zwei und sechzig +von _Alatagh_ aus in Bewegung. [RN: 2. Schewwal 660/14. Mai 1262] +Schiramun, der Sohn Dschurmaghun's, der vormalige Statthalter Persiens, +befehligte den Vortrab. Die Nujanen _Basmaghan_ und _Abatai_ standen +Anfangs Novembers vor Schamachi. [RN: 26. Silkide 660/11. Nov. 1262] +Schiramun war von dem Heere Berke's überfallen und geschlagen worden, aber +vier Tage vor Ende des moslimischen Jahres schlug Abatai bei _Schaburan_ +den _Nokai_ in die Flucht. [RN: 6. Moharrem 661/20. Nov. 1262] Hulagu brach +hierauf von Schamachi gegen Derbend auf. Hier wurden der Kanzler Seifeddin, +der Chodscha _Asis_ der Georgier und Chodscha _Medschdeddin_ von Tebris +ergriffen, nach Schaburan gebracht und dort sammt dem Astronomen Hosameddin +hingerichtet. _Melik Ssadreddin_ von Tebris und _Ali Melik_, die +Befehlshaber von Irak, schlugen sich in theilweisen Gefechten durch; [RN: +21. Moharr. 661/7. Dec. 1262] am siebenten December stand das Heer Hulagu's +vor den Mauern Derbend's. Nach dreitägigem Kampfe wurde die Feste erobert +und acht Tage hernach Nokai geschlagen. Die Nujanen Schiramun und Abatai +wollten den Prinzen Abaka, den ältesten Sohn Hulagu's, den er ihnen zur +Hilfe gesendet, zur Rückkehr bewegen; aber dieser trotzte männlich den +Beschwerden des Feldzugs inmitten des Winters. Hulagu ertheilte sieben +anderen Nujanen[430] den Befehl, sich des Lagers der Kipdschaken zu +bemächtigen. Sie gingen über den Terek und schleppten Zelte und Herden von +allen Seiten zusammen, sich Ausschweifungen überlassend. Berke, hiervon in +Kenntniss gesetzt, brach auf einmal mit mächtigem Heere aus den +Schneegefilden der Steppe auf sie los; [RN: 7. Rebiulewwel 661/16. Jan. +1263] einen ganzen Tag ward an den Ufern des Terek gekämpft; als die +persischen Truppen sich über den Fluss zurückzogen, brach das Eis ein und +eine grosse Anzahl derselben ging zu Grunde; Abaka kam heil nach Schaburan; +Berke hielt sich inner Derbend und Hulagu kam im Frühjahre nach Tebris +zurück[431]. [RN: 11. Dschemasiulachir/9. Mai 1263] Hulagu rächte sich für +die Unfälle des Feldzugs, wie nach dem syrischen, durch den Mord von +Unschuldigen. Er liess alle Kaufleute Kipdschak's, die sich zu Tebris +befanden, hinrichten und ihre Güter einziehen[432]. Berke, um Gleiches mit +Gleichem zu vergelten, liess alle persischen Kaufleute, die in Kipdschak, +morden; und Hulagu vergalt dieses Blutbad mit dem eines Theiles der +Bewohner Bochara's, welches sich aus seinem Schutte hervorzuheben begann. +Von sechzehn Hesaren, d. i. Regimentern, welche zu Bochara lagen, gehörten +fünf dem Batu, drei der Frau _Sijurkukteni_, der Mutter Hulagu's, die +übrigen acht dem grossen Eidam Tschengischan's. Die fünf Regimenter Batu's +liess Hulagu ausrücken und niederhauen[433]. Im folgenden Jahre erscholl +abermal das Gerücht, dass ein Heer aus Kipdschak im Anzuge. Hulagu sandte +den Scheich Scherif Tebrisi auf die Strasse von Lesgistan nach Kipdschak, +um Erkundigung einzuziehen. Er ward ergriffen und vor Nokai gebracht. Was +macht Hulagu? fragte ihn Nokai, fährt er noch fort, aus Grimm unsere +Krieger und Edele, unsere Kaufleute und Derwische zu morden? -- Der Scheich +entgegnete: Unser Padischah war vormals erzürnt ob der Misshelligkeit mit +seinen Brüdern (Kubilai und Arigh) und das Feuer seines Grimms verbrannte, +was trocken und feucht; allein seitdem der Bürgerkrieg um den Thron +beendigt ist, übt er die strengste Gerechtigkeit. Es waren nämlich Gesandte +mit der Nachricht angekommen, dass _Aiktokt_, welcher dem Bruder Kubilai +den Thron streitig machen wollte, sich unterworfen; dass Alghui, der Enkel +Dschafer's, aus seinem Sohne Paidar, welcher ein anderer Thronprätendent, +gestorben, dass Kubilai dem Bruder Hulagu das Diplom der Herrschaft von den +Ufern des Oxus bis an die äussersten Gränzen Syriens als _Ilchan_ und +_Padischah_ und obendrein dreissigtausend auserlesene mongolische Jünglinge +zur Hilfe gesendet. Diese Nachricht lähmte die Kriegslust Nokai's, und der +Scheich kehrte mit der Nachricht, dass, wiewohl kein Friede, die +Feindseligkeiten aufgehört, zu Hulagu zurück. Das Interesse Hulagu's ist in +die Streitigkeiten der Prinzen um die oberste Macht des Kaan's so enge +verflochten und er hat an denselben durch seinen Gesandten so einwirkenden +Antheil genommen, dass eine kurze Erzählung jener Begebenheiten als +unmittelbar in dessen Geschichte gehörig hier unabweislich. + +[Randnote: Arikbugha.] + +Nach dem Tode Mengkukaan's, dessen Todeskunde seinen Bruder Hulagu zur +Rückkehr aus Syrien, wie vor vierzig Jahren die Nachricht von dem Tode +Ogotai's dessen Vetter Batu zum Abzuge aus Ungarn veranlasst, hatten die im +Kurultai versammelten Prinzen, welche den Kubilai zum Kaan und Moilchan +ausgerufen, hundert Gesandte an _Arikbugha_, dessen Bruder und Nebenbuhler +um den Thron, abgeordnet, um ihm die Nachricht zu überbringen, dass durch +einstimmigen Beschluss der Prinzen _Kubilai_ den Thron als grosser Chan +bestiegen und _Apuschkan_, der Urenkel Dschagatai's[434], dem Uluse seines +Grossvaters vorgesetzt, mit seinem jüngeren Bruder Kasar dorthin abgesendet +worden sei. Die hundert Gesandten trafen an der Gränze Tangkut's Arikbugha, +der sie einkerkern liess und ein von dem zweitgebornen Sohne Hulagu's, dem +Prinzen _Dschumkur_, und _Karatschar_, dem Sohne Orda's, befehligtes Heer +gegen Kubilai sandte; sie wurden geschlagen und gefangen; Arikbugha liess +die hundert Gesandten hinrichten und zog sich in's Land der Kirgisen +zurück. Er wandte sich an Alghui, den Sohn Paidar's (des vor Olmütz +gefallenen Peta), mit der Bitte, für ihn als Gränzhüter am Oxus die Truppen +Hulagu's und Berke's abzuwehren. Indess sammelte sich für ihn ein Heer zu +Kaschghar, das bald über hundert fünfzigtausend stark, in vollem Aufruhre +wider Kubilai. Dieser sandte wider die Rebellen ein von dem _Jeke Kadak_ +und _Karadschu_, dem Sohne Dschudschi Kasar's (des Bruders +Tschengischan's), befehligtes Heer, das geschlagen und zerstreut ward. Die +Prinzen Anführer flüchteten zu Arikbugha, der flüchtig und halb verhungert +(denn Kubilai hatte ihm die Zufuhr der Lebensmittel abgeschnitten) im Lager +der Kirgisen und Kemdschiuten weilte. Kubilai hatte zu Karakorum die vier +Lager Arikbugha's und das des mit ihm verbündeten Gulgan's (des fünften +Sohnes Tschengischan's) aufgehoben. Arikbugha sandte Botschaft mit dem +Bekenntniss seiner Schuld und Bitte um Verzeihung; er erwarte nur, dass +seine Pferde fett und dass Hulagu, Berke und Alghui kämen, um sich mit +ihnen dem Kaan huldigend zu Füssen zu werfen. Kubilai sandte Antwort: dass, +wenn er, ohne die Ankunft der Prinzen abzuwarten, erscheinen wolle, seine +Ankunft um so willkommener sein würde, und zog sich nach _Karawin +Dschidun_, wo er die zu Karakorum aufgehobenen Lager Arikbugha's und +Gulgan's freigab. Zu dieser Zeit war häufiger Gesandtenwechsel zwischen +_Kubilai_ mit seinem Bruder Hulagu und seinem Vetter _Berke_, dem Herrn des +Uluses _Dschudschi_, und _Alghui_, dem Haupte des Uluses Dschaghatai, die +sich nun dem Kaan näherten. Er gab ihnen kund, dass Alghui das Land vom +Altai bis zum Oxus, Hulagu vom Oxus bis nach Aegypten besetzen möge, +während er selbst die Länder vom Altai bis an's chinesische Meer hüten +wolle. Arikbugha brach, sobald seine Pferde sich wieder erholt hatten, +wieder als Rebelle gegen die Macht Kubilai's auf, überfiel den Prinzen +_Jesunke_, den Neffen Kubilai's, welcher die Vorhut desselben befehligte, +und schlug ihn. Das Heer Arikbugha's und das Kubilai's[435] schlugen sich +zu _Indschije Kutku_ am Hügel _Chodscha Buldak_. Das Heer der Rebellen +wurde geschlagen und viele Uiraten getödtet. _Suntai_, der Sohn des letzten +Kaan Mengku's, berieth sich mit Arikbugha, und sie beschlossen, eine zweite +Schlacht zu liefern, am Rande der Sandwüste, in der _Olt_ genannten Gegend, +zu _Schirghan Taghun_ am Hügel _Schilklik_. Der rechte Flügel Arikbugha's +war geschlagen, aber der linke hielt tapfer bis in die sinkende Nacht aus, +welche die beiden Heere trennte, die sich in die Winterquartiere begaben. +Arikbugha, durch diesen wiederholten Versuch, seine Streitkräfte mit denen +Kubilai's zu messen, ermuthigt, sandte im nächsten Jahre seine Waffen wider +_Alghui_, welchen er als Herrn des Uluses Dschaghatai eingesetzt und von +welchem er zu wiederholtenmalen Hilfe begehrt hatte, ohne dieselbe zu +erhalten[436]. + +[Randnote: Alghui.] + +_Alghui_, der Sohn Paidar's (Peta's), der von Arikbugha eingesetzte +Herrscher des Uluses Dschaghatai, hatte, als er nach Turkistan gekommen, +ein Heer von mehr als hunderttausend Mann gesammelt. Sein Vetter, der Prinz +_Nikpei Aghul_ (Sohn Sarban's, des achten Sohnes Dschaghatai's), war an der +Spitze von fünf tausend Mann in Transoxana eingefallen, und hatte zu +Samarkand und Bochara, das damals zum Gebiete Kipdschak's gehörte, geraubt +und die Angehörigen Berke's getödtet, unter diesen auch den grossen Scheich +_Seifeddin Bachersi_. Gesandte Arikbugha's, an deren Spitze _Schadi_, der +Sohn _Jaschmut's_ des _Arkaun_, d. i. des nestorianischen Priesters, +forderten vermittels Jerlighs die Zurückstellung der geraubten Güter, +welche Alghui verweigerte, und eben darum die Gesandten tödtete. Hierüber +ergrimmt, zog Arikbugha wider denselben; zu Karakorum forderte er die +Einwohner zur Hilfeleistung auf; die Imame, die Schreiber der Christen +entschuldigten sich, dass sie die Waffen nicht gewohnt, nur für den Erfolg +derselben beten könnten. Einige Zeit darnach kam der Kaan, der, als er das +treue Benehmen der Einwohner erfuhr, die alten Privilegien Tschengischan's +und Mengku's bestätigte, sie alle zu Tarchanen (Freiherren) ernannte; +Vorfälle in China nöthigten ihn, bald wieder zurückzukehren. Karabuka, der +Befehlshaber des Vortrabs Arikbugha's, war von Alghui zu _Sutgol_, d. i. am +Milchsee[437], geschlagen und getödtet worden. Alghui zog sich sorglos an's +Ufer des _Hile Muran_; von dem Prinzen _Suntai_, welcher das Heer +Arikbugha's befehligte, geschlagen, ging er über die Anhöhen von +_Timurkahalka_ und den _Hile Muran_ nach Almaligh, dem Jurte Alghui's, und +plünderte denselben aus. Alghui nahm seine Frau und die Truppen des rechten +Flügels, welche Suntai noch nicht geschlagen, und flüchtete damit nach +Choten und Kaschghar. Arikbugha brachte den Winter am _Hile Muran_ und zu +Almaligh in Festen zu, liess aber von allen Seiten die Truppen des Kaan's +aufsuchen und tödten. Alghui hatte sich nach Samarkand und Bochara +gezogen, wohin auch Dschumkur, der bisher von Arikbugha bei sich +zurückgehaltene Sohn Hulagu's, kam, indem ihm Arikbugha, um seine +Gesundheit herzustellen, sich jenseits des Oxus zu begeben erlaubt hatte. +[RN: Rebiulewwel 662/Januar 1263] Das Benehmen Arikbugha's, welcher überall +die Leute des Kaan's aufsuchte und tödtete, entwandte ihm die Herzen der +Bewohner und eine Hungersnoth schwächte gewaltig die Zahl seiner Truppen. +Dazu kam die böse Vorbedeutung eines Sturmes, welcher das an tausend +Pflöcken befestigte Herrscherzelt zusammenriss und im Ruine desselben viele +Menschen erschlug. Seine Truppen zerstreuten sich nach allen Seiten, nur +einige wenige blieben mit Arikbugha und Suntai zu Almaligh. Unterdessen war +_Uriktasch_, der Sohn Mengku's, welcher es nicht, wie sein Bruder _Suntai_, +mit Arikbugha, sondern mit Kubilai hielt, am _Altai_[438] und die Truppen +schlugen sich zu ihm. Er sandte an Arikbugha, um ihm das grosse Siegel +seines Vaters Mengku, welches bisher in Arikbugha's Händen, abzufordern, +und dieser lieferte es aus. Alghui, welchem hieraus die Schwäche +Arikbugha's kund geworden, zog nun wider ihn, und begehrte die Herausgabe +der Frau Hirghana, der Gemahlin Kara Hulagu's, des Sohnes Muwatukjan's, +welche vor einiger Zeit, um die Beschwerden Alghui's anzubringen, in's +Lager Arikbugha's gegangen, von demselben zurückbehalten worden war. Er +sandte sie mit ihrem Minister _Mesud_, dem Sohne von Jelwadsch, zurück. +Alghui empfing sie ehrenvoll und bestellte den Mesud zur Verwaltung der +Länder jenseits des Oxus, wo er zu Samarkand und Bochara residirte. Durch +seine weise Verwaltung erstarkte der Schatz und die Macht Alghui's, der +sich zu wiederholtenmalen mit dem Heere Berke's schlug, und diesem Otrar +entriss; ihm gegenüber stand aber als Verbündeter, Schutzgenosse Berke's +der Prinz _Kaidu_, der Sohn Kaschin's, des fünften Sohnes Ogotai's. Anfangs +von der Partei Arikbugha's, hatte er denselben verlassen und sich zu Berke +geflüchtet, der ihm sein Vertrauen schenkte, weil die Astrologen das +Horoscop Kaidu's ungemein günstig und glückvorbedeutend gefunden[439]. Bald +hierauf starb Alghui und durch die Bemühungen Hirghana's ward ihr Sohn +Mubarekschah als Herrscher des Uluses Dschagatai anerkannt. + +[Randnote: Kaidu.] + +Arikbugha, von seinem Heere verlassen, hatte sich reuig an dem Hofe des +Bruders eingestellt, an welchem er nach dem mongolischen Gebrauche als +Schuldiger eingeführt ward. Nach dieser Sitte wurden die Schuldigen nicht +durch das gewöhnliche Thor in's Zelt zur Audienz eingeführt, sondern bei +einer heimlichen Pforte hineingestossen, und statt eines Ehrenkleides mit +Filz bekleidet[440]. Das offene Bekenntniss der Schuld ward gnädig +aufgenommen; aber _Dschingkum_, der Gesandte Hulagu's, welcher gegenwärtig, +rieth im Namen seines Herrn, nach der Strenge der Jasa zu verfahren und den +Prinzen sammt seinen Mitschuldigen vor Gericht zu stellen; auch _Dschikar_, +der Bruder Apuschka's, welcher durch die Hand des Prinzen Suntai gefallen, +warf dem Arikbugha hartes Wort, dass er bereit sei, dessen Blut zu +vergiessen, in's Gesicht. Am folgenden Tage gingen die grossen Nujane mit +den Prinzen in's Gericht[441]. Auf die wider sie vorgebrachte Klage +schwiegen sie alle; endlich redete sie Toman Nujan, einer der edelsten so +von Gesicht als Gesinnung, an: Warum sprecht ihr nicht, ihr Fürsten! Haben +wir uns nicht Alle verschworen, den Arikbugha auf den Thron zu setzen, oder +mit ihm zu sterben? Nun ist der Tag gekommen, den zweiten Theil unseres +gegebenen Wortes zu lösen. Arikbugha erzählte den Hergang des Aufruhrs und +die Emire bekannten ihre Schuld. Kubilai wollte dennoch nicht zur +Vollstreckung des Urtheils schreiten, ohne zuvor das Gutachten Berke's und +Hulagu's und auch Alghui's, der damals noch am Leben, eingeholt zu haben; +nur die schuldigsten der Emire wurden sogleich hingerichtet: _Bulgha +Nujan_, der erste Hebel des Aufruhrs, _Ildschetai_, welcher Gurundschi, den +Sohn Kadan's, verschwärzt, und _Tokus_, welcher das meiste Blut der Truppen +des Kaan's vergossen; andere wurden nach Turkistan verbannt[442]; nur um +das über die Prinzen Arikbugha und Suntai zu verhängende Loos wurden +_Berke_, _Hulagu_ und _Alghui_ um ihr Gutachten befragt. Alghui erklärte, +dass er sich der Meinung des Kaan's und Hulagu's, was immer sie sei, +anschliesse. Hulagu billigte in Allem den Beschluss der Prinzen und des +Gerichts und versprach, wenn Berke käme, ebenfalls beim Kurultai zu +erscheinen. Bald nach der Rückkehr des Gesandten starb Arikbugha +natürlichen Todes, und es brach der Krieg zwischen Hulagu und Berke aus. +Kubilai verlieh die Herrschaft des Uluses Dschagatai, welche die Frau +Hirghana ihrem Sohne Mubarekschah zugewandt hatte, dem _Beirak_, dem Sohne +_Jesun Tewa's_, des zweiten Sohnes _Muwatukjan's_, welcher den +_Mubarekschah_ zur Abdankung bewog und sich der Zügel der Herrschaft des +Uluses Dschagatai bemächtigte; aber nachdem Arikbugha und Alghui, die +beiden Thronanmasser aus dem Uluse Tuli's und Dschagatai's, verschwunden, +hatte Kubilai noch einen dritten aus dem Uluse Ogotai's, nämlich Kaidu, den +Sohn Kaschin's, zu bekämpfen. Kubilai sandte ihm ein von seinen Söhnen +_Numughan_ und _Kukistu_ befehligtes Heer entgegen, in welchem sich Söhne +Ogotai's[443] und Arikbugha's befanden. Die Prinzen Tokatimur und +_Schiregi_ (der Sohn Ogotai's) verschworen sich mitsammen, ergriffen die +beiden Prinzen, Söhne Kubilai's, und sandten dieselben an Mengku Timur, den +Herrn von Kipdschak, aus; zugleich streuten sie das Gerücht aus, dass die +Söhne Batu's mit den Kaidu's gemeinsame Sache machten, das aber nicht dem +so. Zwar vereinten sich mit Schiregi und Tokatimur auch _Sarban_, der achte +Sohn Dschaghatai's; aber sie wurden vom Heere Kubilai's geschlagen, und +die beiden letzten entflohen nach der Landschaft _Narin_, wo sie am Ufer +des Irtisch weilten; während Tokatimur im Lande der Kirgisen streifte, ward +sein Lager von den Truppen Kubilai's geplündert; Tokatimur wandte sich an +Schiregi um Hilfe, und als dieser sie ihm verweigerte, lockte er den Sarban +mit Hoffnungen auf die Chanschaft, wie er früher den Schiregi damit +verlockt hatte. Die beiden gleich getäuschten Thronbewerber Sarban und +Schiregi bekriegten sich nun mit einander und rieben sich gegenseitig auf, +bis beide in die Hände Kubilai's fielen, der jenen in eine durch Sumpfluft +verpestete Insel sandte, dem Sarban den Befehl über eine Abtheilung von +Truppen gab. Melik Timur und der Sohn Schiregi's begaben sich zu _Kaidu_, +der, noch nach vierzig Jahren der mächtige Herrscher des Uluses Ogotai, im +Verlaufe dieser Geschichte noch mehr als einmal in die der Ilchane +eingreifend erscheinen wird. + +[Randnote: Vertheilung der Statthalterschaften; Tod Hulagu's.] + +Hulagu beschäftigte sich nach beendigtem Feldzuge wider Kipdschak mit dem +Baue zweier Schlösser, das eine in der Ebene von _Alatak_, das andere zu +_Chui_, und begab sich dann von Tebris an den Goldfluss[444], welchen die +Mongolen _Tschaghatuwunghatu_ nannten, bei Meragha, dort mit der Vollendung +der Sternwarte und mit wissenschaftlichen Versammlungen beschäftigt; nebst +der Astronomie war er vorzüglich der Alchymie ergeben und verschwendete +grosse Summen an Alchemiker, deren Vorspiegelungen so, wie die ihnen +zugewandten grossen Summen, in Rauch aufgingen. Zugleich ordnete er die +Verwaltung des durch seine Eroberungen gegründeten neuen Reichs. Seinem +ältesten Sohne, Abaka, übertrug er die Statthalterschaft von Chorasan; +seinem dritten Sohne, Jaschmut, dem Eroberer Mesopotamiens, die +Statthalterschaft von Arran und Aserbeidschan; dann die von Jaschmut +eroberten Landschaften Mesopotamiens: _Diari Bekr_ und _Rebiaa_, von dem +Ufer des Tigris bis an das des Euphrats, dem Emir _Tudan_, und die der +Länder Rum's dem Emir _Moineddin Perwane_; die Verwaltung von Tebris +vertraute er den Händen Melik Ssadreddin's, die Kerman's der Frau Turkjan +Chatun an. Nach der, während des Feldzugs von Kipdschak vollzogenen, oben +erwähnten Hinrichtung des Staatskanzlers _Seifeddin Bitekdschi_ ward dieses +höchste Staatsamt dem _Schemseddin Mohammed Dschuweini_, als Herrn und +Vorsteher des Diwan's, und der Vorsitz des Diwan's zu Bagdad seinem Bruder +Atamülk, dem Geschichtschreiber, verliehen. Besonderes Vertrauen schenkte +er dem Sohne des vormaligen kleinen Diwitdar von Bagdad, dem Dschelaleddin; +dieser täuschte das Vertrauen Hulagu's nicht minder, als sein Vater das des +letzten Chalifen getäuscht. Er trug ihm vor, dass sich in der Landschaft +Bagdad's mehrere Tausend Kipdschaken befänden, die, wenn Hulagu hierzu den +Befehl ertheilen wolle, er zu sammeln bereit sei, um dieselben zum Vortrab +im nächsten Feldzuge wider Kipdschak zu verwenden. Hulagu, durch seinen +Vorschlag verblendet, gab ihm Diplom und Löwenkopf und unumschränkte +Vollmacht über alle Truppen und Waffen der Landschaft Bagdad's. Er warb die +Kipdschaken und Andere an, wiegelte sie aber gegen Hulagu auf, indem er sie +heimlich versicherte, dass er nicht gesonnen, sie wider ihre Landsleute auf +die Schlachtbank zu führen, sie vielmehr retten wolle. Nachdem er sie aus +den Zeughäusern Bagdad's bewaffnet, führte er sie unter dem gegen den +Statthalter Bagdad's vorgeschützten Vorwande, dass er mit ihnen nach +Derbend und Schirwan ausziehe, in's Gebiet des arabischen Stammes +_Chafadsche_, das er plündernd durchzog und dann mit der ganzen Truppe +längs des Euphrats bis Aana und Hadise vorbeiziehend nach Syrien und +Aegypten aufbrach. Der Aerger, so schändlich vom Günstlinge getäuscht +worden zu sein, nagte als giftiger Wurm in der Brust Hulagu's und +beschleunigte seinen Tod, der ihn nach kurzer Krankheit hingerafft[445]. +[RN: 9. Rebiulachir 668/8. Febr. 1265] Er ward auf dem Gipfel des Berges +_Schahu_[446], gegenüber von _Destchawakan_, bestattet. Nach mongolischem +Gebrauche wurden ihm Gold und Edelsteine in den Sarg gegeben und die +schönsten seiner Beischläferinnen geschlachtet[447], um ihm die Einsamkeit +des Grabes zu versüssen. Aber ausser den geschlachteten Beischläferinnen +folgten ihm bald zwei seiner Frauen natürlichen Todes in's Grab nach, die +Frau Irtekan, die Mutter seines achten Sohnes _Adschai_, schon am neunten +Tage nach dem Tode ihres Gemahls, [RN: 3. Ramasan/17. Febr.] und vier +Monate und eilf Tage später, drei Tage vor der Thronbesteigung Abaka's, die +Frau _Tokus Chatun_, die Christin, die grosse Beschützerin ihrer +Glaubensgenossen. Auf ihren Einfluss gründete sich vermuthlich die Hoffnung +des Papstes, dass Hulagu sich nächstens zum Christenthume bekehren werde, +wovon ihm der Ungar Joannes die Kunde gebracht und worüber sich der Papst +in seinem Schreiben an Hulagu so hoch erfreut[448]. Eine grosse Frau, deren +Wirken stiller und wohlthätiger, als das zweier der berühmtesten Frauen +persischer Geschichte, nämlich der Frau _Turkjan_ und der Atabegin _Abisch_ +aus der Dynastie der Salghuren, welche Persien beherrschten, und deren +Geschichte in die Hulagu's enge verflochten, nun zum Schlusse dieses Buches +besonders erzählt werden soll. + +[Randnote: Fars.] + +Fars, d. i. Persien im eigentlichsten und engsten Sinne, der Kern des +persischen Reichs, in welchem das Haupt desselben die alte Persepolis, die +Geburts- und Grabstätte des Cyrus, ist als Vaterland persischen Namens, als +Mutterland persischen Stammes zu jeder Zeit seiner Geschichte, von der +ältesten bis zur neuesten, und folglich auch binnen des Jahrhunderts +mongolischer Herrschaft vor allen anderen Landschaften des Reichs von +vorwiegendem Interesse und Momente. Persien im weitesten Sinne, d. i. +_Iran_, das _Ariene_ der Sendbücher, ist das Paradies der Bibel, das +zwischen den vier Flüssen des biblischen Paradieses, dem _Digloth_ +(Tigris), _Frat_ (Euphrat), _Gihon_ (Dschihun) und _Phischon_ (Sihun), +östlich und westlich eingeschlossene asiatische Hochland. Persien im +engsten Sinne, d. i. _Fars_, ist die von Natur und Kunst vor allen anderen +Landschaften des Reichs am meisten ausgezeichnete südliche, nördlich vom +persischen _Irak_, südlich vom persischen Meerbusen, östlich von der +Sandwüste Kirmans, westlich vom Gebirgslande Luristan begränzt, in welcher +das paradiesische Thal _Schaab Bewwan_, von den asiatischen +Geschichtschreibern als eines der vier Paradiese des Ostens gefeiert, die +Naturfeste _Kalaaisefid_, d. i. das weisse Schloss, schon aus dem Schahname +als der Sitz des weissen _Diwe's_ bekannt, die Ruinen der vierzig +Säulen[449] oder der vierzig Leuchtthürme[450], die behauene Steinwand des +Ebenbildes Rustem's[451], die der alten Königsgräber, das Grab der Mutter +Salomon's[452], d. i. das des Cyrus (ein Felsengrab mit Pehlewiinschrift), +die des Kerkers[453] und der Musikkapelle Dschemschid's[454], Felsengrotten +mit Inschrifttafeln in Pehlewi, die Sculpturen von Schabur, welche den +Triumph Schabur's über Valerian verherrlichen, Königsgräber, Heldengrotten, +Bergaltäre, Feuertempel und mehrere andere solcher steinerner +Ueberlieferungen der ältesten Geschichte des Reichs. Ein von der Natur +durch mehrere Seltenheiten hochbegünstigtes Land, in welchem die Rosen und +der Wein von Schiras glühen, das reine Wasser von Mossella fliesst, ein +Land, das der Lebensfluss und der Kor durchströmen, deren erster seinen +Namen von den lebendigen Bergwässern, dieser in der ältesten Zeit von +Kyros, in der mittleren vom grössten Fürsten der Dynastie Buje den Namen +hat[455]; das Land, wo der königliche Berg der Gräber von Persepolis und +das vielfarbige Salzgebirge von _Darabdscherd_ sich erheben, wo zu Schiras +die Berggipfel persischen Dichterruhms in den Grabmälern von Hafis und +Saadi. Persische Baukunst und Dichtkunst haben in Fars ihre höchsten +Triumphe gefeiert, und ohne von der ältesten Geschichte zu sprechen, so ist +seit dem Aufblühen neupersischer Poesie und Literatur Fars der Mittelpunkt +derselben geblieben, bis erst in der jüngsten Zeit sich dieselbe in dem +Brennpunkte der nach Norden übertragenen Hauptstädte von Teheran und Tebris +gesammelt. In den ersten drei Jahrhunderten der Hidschret blühte +morgenländische Dichtkunst und Literatur zwar zuerst unter der Herrschaft +der Beni _Saman_ und _Chorasan_ auf und erhielt sich dort noch mit der +Herrschaft der _Seldschuken_ in bedeutendem Flore; denn _Fars_ wetteiferte +hierin mit Chorasan schon unter der Herrschaft der Beni Buje, und trug +unter der der Salghuren den ersten Preis davon, welcher demselben erst nach +dem Untergange dieser Dynastie, unter der Herrschaft der Ilchane vom +nördlichen Persien, wo die Residenz _Tebris_ aufblühte, streitig gemacht, +in der Folge aber unter der Herrschaft der Dynastien der _Beni Mosaffer_ +und _Sseffi_ wieder errungen, und bis in die neueste Zeit behauptet ward, +wo der Lebensfluss geistiger Kultur wieder den nördlichen Hauptstädten und +Residenzen Teheran und Tebris in seichteren Fluthen zufliesst; also schon +aus dem Gesichtspunkte der Kulturgeschichte allein ist die Geschichte der +Salghuren, welche ein Jahrhundert vor der Herrschaft der Ilchane Fars +beherrscht, von der höchsten Wichtigkeit, indem dieselbe auch die +Kulturgeschichte Persiens während der Eroberung und der dreizehnjährigen +Herrschaft Hulagu's einschliesst. + +[Randnote: Die Beni Amare, Beni Buje und Beni Seldschuken.] + +In Hinsicht auf Kultur hat die bisher europäischen Orientalisten und +Geschichtschreibern nicht einmal dem Namen nach bekannt gewordene Dynastie +der Beni _Dschelendi_, welche zur Zeit der arabischen Eroberung von den +Ufern des persischen Meerbusens bis nach Kerman und Irak hin herrschten, +einen bedeutungsvollen Beinamen, indem dieselben auch Beni _Amare_ oder +_Imare_, d. i. die Söhne der Kultur, heissen. Das arabische Wurzelwort +_Amr_ oder _Omr_ bezeichnet _Leben_ und _Kultur_, indem die Kultur belebt +und das Leben ohne Kultur kein geistiges; zunächst verwandt mit _Omer_, +d. i. _Homeros_, dem Inbegriffe ältester griechischer geistiger, vom Orient +aus belebter Kultur[456]. _Aammar_ heisst der Hochgebildete, Wohlgerüche +Liebende, sei es nun die physischen, sei es die geistigen höherer Bildung, +wovon jene ein treffliches Sinnbild. Bisher kennt die europäische +Geschichte des Morgenlandes nur zwei Dynastien der Beni _Ammer_, die, +welche zur Zeit der Kreuzfahrer in Tripolis herrschte, wo die herrliche, +angeblich drei Millionen Bände starke Bibliothek derselben von den +Kreuzfahrern verbrannt ward[457]; die zweite, welche im ersten Viertel des +vierzehnten Jahrhunderts zu Tripolis an der afrikanischen Küste gegründet, +unter sieben Fürsten durch sieben und siebzig Jahre gedauert[458], welche +ebenfalls Freunde der Wissenschaften und Literatur; die dritte endlich, die +hier zum erstenmale in Europa an's Licht gezogen wird, die der Beni _Amare_ +in Fars, welche, auf ihre Bergfesten stolz, nicht nur den arabischen +Eroberungen, sondern auch noch der in Chorasan aufsteigenden Dynastie der +Beni _Ssaffer_ trotzten, indem _Omer Ben Leis_, der Fürst der letzten, zwei +Jahre lang den Abdallah Ben Ahmed el-Dschelendi, den Fürsten der Beni +Amare, bekriegte, ohne denselben besiegen zu können. Nach den historischen +Ueberlieferungen der moslimischen Geschichtschreiber sollen die Beni Amare +als Herren der Küste und Seeräuber schon zur Zeit des Moses geherrscht und +das Schiff weggenommen haben, dessen im Koran bei der Erzählung der +Wanderung des Moses mit Chisr nach dem Zusammenfluss der beiden Meere (des +arabischen und persischen oder persischen und indischen) Erwähnung +geschieht[459]. Nach der Herrschaft der Beni Omeije erhob sich unter der +der Beni Abbas in Fars die der Beni Buje, deren grösste Fürsten besonders +die neue Hauptstadt Schiras durch Bauten verherrlichten. Während der sieben +und achtzig Jahre, welche vom Ende der Herrschaft der Beni Buje bis zu dem +Beginne der Herrschaft der Salghuren verflossen, ward Fars durch sieben +Statthalter Atabege der Seldschuken verwaltet. Der erste, _Faslui +Schebankjare_, von dem ein Dichter gesagt: + + Von Gott, dem Allerhöchsten, war es Huld und Glück, + Dass Ungethüm des Aufruhrs hielt _Faslu_ zurück. + +Der zweite, _Rokneddin Chumar Tekin_, ertrank; der dritte, _Dschelaleddin +Dschanli_, zerstörte Schebankjare; der vierte, _Rokneddin Dschanli_, +welcher eine Medrese zu Schiras gebaut, ward zu Hamadan erschlagen; der +fünfte, _Mengubers_, baute eine Medrese, an welcher er begraben liegt, +desgleichen seine Gemahlin _Sahide_, d. i. die Einsiedlerin, die nach ihr +_Issmeti_, d. i. die keusche, genannte Medrese; der sechste, _Besabe_, +ward, wiewohl ein gerechter und billiger Herr, gewaltsamer Weise getödtet, +und der siebente, _Melekschah_, hielt, der letzte, das Ansehen der +Seldschuken aufrecht. [RN: i. J. 543/1048] Wider diesen stand in der Hälfte +des sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des eilften der christlichen +Zeitrechnung, _Sonkar Ben Mewdud_, der Salghure, vormaliger Sklave +Melekschahs, in Aufruhr auf und masste sich als Atabege die Krone an. Er +war Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des unmündigen Sohnes Sultan +Mohammed's, des Seldschuken, gewesen und war von ihm zum Statthalter von +Fars bestellt worden, das er drei Jahre lang verwaltete, dann aber durch +seines Bruders Tekele List eingesperrt ward[460]. Er hatte sich am Fusse +des Berges _Giluje_ angesiedelt, von wo aus er seine neue Herrschaft +begründete; er schlug sich zu wiederholtenmalen mit Jakub Ben Arslan, dem +Herrn von Chusistan, und starb, nachdem er die neugegründete Herrschaft +durch vierzehn Jahre befestigt. Er baute zu Schiras Kloster, Moschee, +Karawanserai und eine hohe Minaret, er selbst ein hoher Leuchtthurm der +Herrschaft, welcher durch Siege, Einrichtungen und Bauten als Reichsgründer +seinen zehn Nachfolgern strahlend vorgeleuchtet[461]. + +[Randnote: Die fünf ersten Atabegen Salghuren.] + +Der Atabeg _Mosaffereddin Sengi Ben Mohammed_, der Bruder des Gründers, vom +Sultan der Seldschuken, Toghrul, als Atabege bestätigt, behauptete, wie +sein Bruder, die Herrschaft durch vierzehn Jahre, wiewohl sie ihm von +seinem Schwager Saik, welcher zu Baidha ein Karawanserai gebaut, mit den +Waffen in der Hand streitig gemacht ward. Er baute für den grossen Scheich +Abdollah Chafif eine kleine Zelle, welche in der Folge bis zu drei Domen +vergrössert, erst von Schah Ismail, dem Gründer der Dynastie Ssofi, +zerstöret ward. [RN: 570/1174] Ihm folgte als dritter Atabeg sein Sohn +Tekele, ein gerechter Fürst, dessen weiser Grosswesir, Emineddin Karasun, +zu Schiras Moschee und Kloster erbaute; im fünften Jahre seiner Regierung +verheerte der Atabeg von Aserbeidschan, Pehliwan, der Sohn des Ildigis, das +Land, und die fünfzehn folgenden Jahre derselben waren kaum hinreichend, +die dem Lande durch die Verheerung geschlagenen Wunden durch gerechte +Verwaltung zu heilen; [RN: 590/1194] kaum vernarbt, wurden dieselben +während der siebenjährigen seines Vetters und Nachfolgers _Toghrul Ben +Sonkor_[462] wieder durch den Bürgerkrieg, in welchem ihm sein Vetter, der +fünfte Atabeg, _Ebu Schudschaa_, d. i. der Vater der Tapferen, _Saad Ben +Sengi_, den Thron zu entreissen strebte, aufgerissen und durch Landplagen +so schmerzlicher gemacht. Auf unerhörte Trockenheit folgte schreckliche +Hungersnoth, in welcher die Leichname der Hungers Gestorbenen von den +Ueberlebenden verzehrt wurden, und auf die schrecklichste Hungersnoth noch +schrecklichere Pest. [RN: 600/1203] Usbeg, der Sohn Pehliwan's, der Atabege +von Aserbeidschan, verheerte Schiras, und vierzehn Jahre hernach, als der +Sultan Mohammed Tekesch, der Schah Chuaresm's, mit dreimalhunderttausend +Mann auf dem Zuge nach Bagdad sich des Gebirgslandes des persischen Irak +bemächtigt hatte, schlug sich Saad einigemal mit ihm und wurde von ihm +gefangen. Mohammed Tekesch, selbst ein tapferer Fürst, erhob die +Tapferkeit des gefangenen Feindes so hoch, dass er ihm die Herrschaft von +Fars unter der Bedingniss bestätigte, dass dessen Tochter _Melike Chatun_ +dem Sohne Chuaresmschah's, dem grossen und unglücklichen _Dschelaleddin +Mankburni_ (dem letzten der Chuaresmschahe), vermählt werde; dass das +Drittel der Einkünfte von Fars in den Schatz Chuaresmschah's fliesse und +das feste Schloss Istachr chuaresmische Besatzung einnähme. Saad's Sohn +Ebubekr missbilligte den vom Vater geschlossenen Rettungsvertrag, stand +wider denselben mit den Waffen in der Hand auf, schlug ihn einigemal und +sperrte ihn im Schlosse von Istachr, welches sammt den von _Ischnekwan_ von +Chuaresmschah hätte besetzt werden sollen, ein. Ebubekr hatte die Pflichten +des Sohnes so sehr ausser Augen gesetzt, dass er sogar nach dem Vater mit +Keulen schlug; dieser stürzte den Sohn vom Pferde und sperrte ihn in einem +der drei Schlösser von Istachr ein, erfüllte den mit Chuaresmschah +geschlossenen Vertrag durch Sendung der Tochter und benützte den Frieden +zum Baue einer Moschee, eines grossen Karawanserai auf dem Wege von Tebris, +welches _Schehrallah_, d. i. die Stadt Gottes, heisst, und zu Erneuerung +der Mauern von Schiras[463]. Saad's Wesir war _Amideddin Abu Nassir Esaad +Abrisi_, welcher einen Band arabischer und persischer Geschichte +hinterliess und mit welchem Saad, selbst Dichter, sich öfters in poetischen +Wettstreit einliess. Die Frucht eines derselben ist die berühmte, seitdem +auf allen Zungen gang und gäbe Antithese Chuaresmschah's: + + In Schlachten wie Eisen, bei Festen wie Wachs, + Verderblich dem Feinde, gesegnet dem Freunde[464]. + +Der Wesir _Amideddin_ stand in gelehrtem Briefwechsel mit dem Meister aller +Humanitätswissenschaften, _Omer Er-Rasi_, über die Schwierigkeiten des +mystischen Epos _Selaman_ und _Absal_, welches unter der Hülle einer +Männerliebe die Allegorie des Aufschwungs der Seele zu göttlicher Liebe. +Die Volkssage hat die Namen der beiden Helden dieses Gedichtes +altpersischen Ursprungs einer Steinwand von Sculpturen von Schiras[465] +aufgeheftet, sowie denen von Tak Bostan bei Kermanschahan die Sage von +Chosrew und Schirin. Saad hatte den Wesir Amideddin sammt seinem Sohne +Tadscheddin zu Ischnekwan, einem der Schlösser Istachr's[466], eingesperrt; +er kürzte sich die lange Weile seiner Gefangenschaft durch Gedichte, die er +an die Wand schrieb, und deren eines die berühmte Kassidet, deren Beginn: + + Wer bringt meinen Geist zu _Batha's_ freien Tauben? + Die sich der reinen Fluth erfreu'n und grüner Lauben. + +[Randnote: Ebubekr Ben Saad und sein Bruder Salghurschah.] + +Ebubekr ward nach siebenjähriger Gefangenschaft zu Istachr unmittelbar vor +des Vaters Tod an dessen Sterbebett berufen, und bestieg nach dessen acht +und zwanzigjähriger Regierung den Thron. [RN: 623/1226] Sein Vater, Saad, +hatte Kerman erobert und die Schebankjare gedemüthigt, aber sein Sohn +Ebubekr war ein weit grösserer, sei es als Eroberer, Bauherr oder Gönner +von Dichtern und Gelehrten. Unter ihm wurden die Inseln des persischen +Meerbusens _Kisch_ und _Bahrein_ und das arabische Gebiet von _Katif_ und +_Lahsa_ erobert. Seine dreissigjährige Regierung ist der Glanzpunkt der +Salghurenherrschaft. Ueberall erhoben sich in Fars Karawanseraien unter dem +Namen Mosaffer Ebubekr's, als zu _Ebrkuh_, _Beidha_, _Karun_, im Passe +_Adhadi_ und an der Küste von _Dschaaber_, die schönste Juwele aber der +Strahlenkrone seines Ruhms ist Saadi's Zueignung seines Gülistan, in +welchem der Dichter gleich Eingangs mit einer von dem emphatischen +Selbstlobe der Lyriker und Epiker sich sehr vortheilhaft auszeichnenden +Bescheidenheit den Beifall seiner Zeitgenossen einzig dem des Atabegen +zuschreibt und auf ihn und sich den bekannten schönen Apolog des durch die +Nachbarschaft der Rose durchdufteten Thones anredet: + + Blos weil dein Blick auf mich Unwürd'gen gefallen ist; + Mein Werk der Sonne gleich berühmt bei Allen ist; + Wenn Alles auch an mir nur Fehl' und Mangel ist, + Fehlen, das der Sultan billigt, Tugendangel ist. + +Die Zeit hat die Anwendung umgekehrt, und Ebubekr ist durch Saadi, nicht +aber dieser durch jenen berühmt. Nach dem Verderben Chuaresmschah's +huldigte Ebubekr Ben Saad staatsklug den Herrschern der Mongolen und ward +als Atabeg in der Herrschaft von Fars bestätigt. Er führte jährlich nur +dreissigtausend Dukaten an den Schatz ab, eine Summe, welche damals der +kleinste Distrikt von Fars abwarf; mit dieser Summe sandte er alljährlich +den Sohn Saad mit einem seiner Neffen an den Chan; die mongolischen Vögte +behandelte er freigebig, stellte aber zugleich Späher auf, um alle +Verbindung des Volkes mit denselben zu hindern, damit jene nicht die +Wahrheit seiner glänzenden Umstände erführen; er genoss des Lebens im +Stillen im Garten Firusi, von wo er jeden Morgen nach dem Lager sich begab +und nach aufgehobener Mittagstafel wieder in den Garten zurückkehrte. Ein +grosser Beschützer der Dichter und Gelehrten, besonders aber der Frommen +und Derwische, die er mehr als die Gesetzgelehrten achtete, weil er, wie es +scheint, dieselben minder fürchtete. Er hatte von Hulagu bei dessen +Einmarsch in Persien das Diplom der Herrschaft mit dem Titel _Kotloghschah_ +erhalten; er hatte denselben seinem Sohne Saad und seinem Bruder +Salghurschah entgegengesandt. Der Bruder, beigenannt _Karandank Chan_, war +ein humaner, verständiger Prinz, von schöner Gestalt, aber ganz sinnlichen +Genüssen ergeben, denen er in den von ihm angelegten paradiesischen Gärten, +welche _Ssubuhabad_, d. i. Morgentrunksbau, hiessen, ungestört nachhing; +seiner unablässigen Trinkgelagen ungeachtet, schrieb er täglich als +Kalligraphe einige Verse des Korans und sandte die Abschrift an die Kaaba, +Verfasser anmuthiger vierzeiliger anacreontischer Strophen. Jedem Gedanken +auf Herrschaft fern, lebte er einzig seinem Vergnügen, und als Ebubekr, +durch eine lügenhafte Denuntiation aufgelärmt, die ganze Gesellschaft +unversehens überfiel, fand er Nichts als ein Gelage von Trinkern, wie +Wassaf sagt: + + »Morgentrunk und dann des Weines Gluglu, + Rose, Rosenstrauch und Nachtigall dazu, + Traute Sänger, die gebunden und betrunken, + Neben Flaschen Schenke, dem das Glas entsunken. + +Zerbrochen die Krüge, die grossen, der Wein ausgegossen, die Schöne +zerwühlt, die Halsschleife zerknüllt, die Halbtrommel eine Zeit lang von +den Ohrfeigen nicht ertönend, und aus dem Mund der Flöte einen Augenblick +aufgähnend, die Haare verwirrt herumtrollen, wie die Schönen, welche das +Gesicht gegen die Wand wenden, wenn sie schmollen, von den Aesten sang ein +Ghasel die Nachtigall und ein Wunder ist's, dass die Schlafenden nicht +erwachten von dessen Schall und Widerhall.« Bei solcher Lebensart vertiefte +er sich in Schulden, die dann der Bruder grossmüthig zahlte. Eines Tages +improvisirte Salghurschah: + + Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre, + Wenn mir der Kopf voll Groll und Geizes wäre; + So würd' ich dich, wie du gewohnt, gen mich zu handeln, + An deiner Statt gerade wie du mich behandeln. + +Ebubekr sandte ihm zehn Beutel Goldes, zehn Kisten Kleider, zehn edle +Pferde nebst der Freudenkunde, dass alle seine Schulden getilgt seien[467]. + +[Randnote: Eroberung von Kisch; und Literatur.] + +Die glänzendste der Eroberungen Ebubekr's ist die der Inseln _Kais_ oder +_Kisch_ (auf persisch Kosch) und _Bahrein_, wo die reichsten +Perlenfischereien im persischen Meerbusen. Die erste dieser Inseln hat +ihren Namen von Kais, dem Sohne Kaissar's, eines Schiffsherrn von _Siraf_, +der Hafen- und Stapelstadt der mittägigen persischen Küste. Der Ursprung +der Macht und der Grösse der Beni Kaissar war eine Katze, welche die arme +Mutter der drei Söhne Kaissar's einem Schiffer als ihr einziges Habe auf +einer Fahrt nach Indien mitgegeben, die sich aber, weil sie dort, wo +gelandet ward, es keine Katzen und zu viel Mäuse gab, die letzten +zusammenfrass, mit einem Schatze von Juwelen und Gold rentirte. Die Söhne +der Wittwe wurden mächtige Schiffsherren und dehnten ihre Unternehmungen +bis an die indische Küste aus; sie bauten auf Kais einen grossen Palast, +den sie _Aferide_ nannten und welcher mit der Palasthalle Adhadeddewlet's +zu _Nabend_ (dem östlich von _Siraf_ gelegenen Dorfe) und mit den +Säulenhallen des Elephantenhauses Adhadeddewlet's zu _Siraf_ um den Vorzug +buhlte[468], und der Chalife Nassirolidinillah verlieh ihnen das Diplom der +Herrschaft von Kais unter dem Titel: Sultan _Ibnol Melik Dschemschid_. So +herrschten die _Beni Kaissar_, deren Dasein bisher aber, sowie das der Beni +_Amare_ in Fars, europäischen Geschichtschreibern entgangen, auf _Kais_, +als Seifeddin Abu Nadhr Ali Ben Keikobad, der Herr der Insel Hormus, dem +Atabeg Ebubekr seine Hilfe zur Eroberung von Kais anbot; die Befehlshaber +von _Germsir_, d. i. dem warmen Landstriche der südlichen persischen Küste, +wurden zur Eroberung von Kais befehligt, und Melik Dschemschid wurde nur +einige Monate vor dem Tode Tschengischan's getödtet. [RN: 12. Dchem. achir +626/17. Mai 1229] Der Herr von Hormus hatte die Insel aber für sich und +nicht für den Atabegen erobert; wie sich diesem _Abu Nadhr_ zum Sturze +Melik _Sultans_ angetragen, so boten Indienfahrer von Kisch, welche mit +ihren reichen, nach Malatia bestimmten Ladungen zu _Chorschif_ gelandet +hatten, ihre Hilfe zum Verderben Abu Nadhr's an. Der Atabeg sandte ein Heer +von Kurden, Luren und Schulen, und Seifeddin, d. i. das Schwert der +Religion, Abu Nadhr fiel unter dem Schwerte der Feinde. [RN: 4. Moharrem +628/12. Nov. 1230] Der Sultan von Kenbajet in Indien huldigte dem Atabegen +von Fars, der ihn mit einem Diplome beehrte, dessen Beginn: Im Namen Gottes +der Erbe des Reichs Salomon's, des Gerechten der Welt, Sultan zu Land und +See, König der Welt und der Religion, Ebubekr Ben Saad, der Helfer der +Diener Gottes, der Rechtgläubigen. Hierauf wurde die mit ihren +Perlenfischereien in die Steuerregister des Chalifats eingetragene Insel +_Owal_, insgemein _Bahrein_ genannt, [RN: 3. Silhidsche 633/8. Aug. 1236] +und sieben Jahre darnach die Insel _Katif_, auf welcher das Schloss +_Tharut_, erobert und mit jährlichen zwölftausend Dukaten vom Ertrage der +Perlenernte besteuert. Ebubekr, der grösste der Atabegen, starb in seinem +sieben und siebzigsten Jahre, [RN: 5. Dschem. achir 658/19. Mai 1260] von +seinem Sohne Saad II., dem siebenten Atabege, nur zwölf Tage überlebt, +worauf der letzte minderjährige Sohn, Mohammed Ben Saad, unter +Vormundschaft Turkjan Chatun's, der Schwester des Atabegen von Jesd, +_Alaeddewlet's_, den Thron bestieg. Ebubekr, des grössten der persischen +Atabege Namen, ist nicht nur durch das Gülistan Saadi's, sondern auch durch +die Werke anderer grosser persischer Dichter verherrlicht, und seine +Regierung umfasst die der Hulagu's gleichzeitige Blüthe persischer Kultur. +Nach dem Beispiele der Fürsten der Dynastien Saman, der Seldschuken und +Chuaresmschahe hatte er einen Dichterkönig, _Hemkjar Farsi_, beigenannt +_Medschdeddin Semeki_, der seinen Stammbaum bis zu Nuschirwan +hinaufleitete; Schönredner, Schönschreiber, in trautem Umgange mit den +grossen Dichtern _Imami_ aus Herat, _Abdulkadr_ von Nain, _Said_ von Herat, +_Nefieddin Lokmani_[469] und _Esireddin Omani_, dem Schüler Nassireddin's +von Tus. Ein Schüler Nassireddin's von Tus war auch der Chodscha +Hemameddin, der Atticus dieses Zeitalters, ein reicher Mann und +aufgeweckter Kopf, dessen Haus Dichtern und Gelehrten offen stand[470]. So +günstig, als Ebubekr den Dichtern, so wenig liebte er die Gelehrten, +besonders die, so sich Philosophen nannten; er verbannte mehrere derselben +aus Schiras, darunter den grossen Imam _Ssadreddin Mahmud El-Uschnusi_, den +berühmtesten Prediger seiner Zeit[471]; er fürchtete, sagt Wassaf, dass die +Gelehrten mittels Einsicht und Geldes die Regierungsgeheimnisse erfahren, +die Regierung in ihrem freien Gange beeinträchtigen könnten. Die grösste +und schönste der Stiftungen Ebubekr's ist das grosse Spital von Schiras mit +dem dazu gehörigen Garten. Nach Ebubekr's Lobpreis steht im Gülistan +Saadi's das Saad's, seines Sohnes und des grossen Emirs Ben Ebi Nassr. + +[Randnote: Turkjan's tragisches Ende; Fars, dem mongolisch. Reiche +einverleibt.] + +Turkjan, die Regentin von Fars, sandte huldigende Geschenke an Hulagu und +erhielt von demselben das Diplom der Herrschaft auf den Namen ihres +Sohnes, welcher schon nach zwei Jahren und sieben Monaten sein Leben durch +einen Sturz vom Dache endete. Der Leiter ihrer Geschäfte war der von Saadi +im Gülistan gepriesene Grosswesir Nisameddin Ebubekr, der als Gesandter an +Hulagu ging, ihr bekannter Günstling aber der schöne Sklave Schemseddin +Miak, ein Mamluke des Atabegen Saad; nach Mohammed's Tod wurde sein Vetter +Mohammed, der Sohn Salghur's, zum Herrscher ausgerufen, welchem Turkjan +zwar ihre Tochter _Selgham_ vermählte, aber nichtsdestoweniger wider ihn +bei Hulagu Ränke schmiedete. Mohammed, der Sohn Salghur's (der Bruder +Ebubekr's), war ein tapferer Fürst, der im Geleite des Ilchan's vor Bagdad +durch Proben seiner Tapferkeit sich bei Hulagu in Kredit gesetzt, aber als +er zur Regierung gelangt, sich der Weichlichkeit ergab. Sein im Schlosse +von Istachr eingesperrter Bruder bat ihn vergebens in Versen um Befreiung. +Da verschwor sich die Frau Turkjan wider ihren Schwiegersohn mit den Emiren +der Schulen und Turkmanen, liess ihn im Hareme ergreifen und sandte ihn +nach viermonatlicher Regierung, als der Regierung unfähig, an Hulagu. Die +Emire der Schulen befreiten den gefangenen Bruder _Seldschuk_ und setzten +denselben auf den Thron. Turkjan Chatun hatte ihm ihre Hand gereicht und so +sehr darauf gerechnet, seinen Arm zu leiten, als er in ihre Schönheit +verliebt war; aber bei einem Trinkgelage, wo die Sänger und Sängerinnen die +Charaktere der sieben berühmtesten Liebespaare arabischer und persischer +Romane vorstellten, nämlich: _Koseir_ und _Osa_, _Amrol Kais_ und _Oneise_, +_Irwet_ und _Aafra_, _Emher_ und _Wefa_, _Leila_ und _Medschnun_, _Weise_ +und _Gilschad_, _Schirin_ und _Ferkad_, scheint den schon Trunkenen die +Furcht, dass er in Liebesbanden gegängelt werde, aufgestachelt zu haben; +auf den von ihm einem gegenüberstehenden Neger gegebenen Wink hieb dieser +der Frau Turkjan den riesigen Kopf ab, und als ihm derselbe auf goldenem +Becken dargebracht ward, riss er die grossen Perlen der Ohrgehänge weg und +warf sie den Sängern vor, wie es scheint, als Dank, dass ihn ihr Gesang zu +solcher That begeisterte. Die beiden mongolischen Vögte _Oghlobeg_ und +_Kotlogh Bitekdschi_, die Mordthat missbilligend, suchten zu Schiff zu +entkommen, aber Seldschuk, ihre Entfernung gewahr, eilte ihnen im Hemde, +nur mit goldener Keule bewaffnet, nach, erschlug den einen und liess den +anderen ermorden. _Miak_ war an den Hof Hulagu's gegangen, wo Mohammed noch +gefangen gehalten, erst in Freiheit gesetzt und nach Fars bestimmt, bald +aber darauf hingerichtet ward. Hulagu sandte seine Generale _Altadschu_ und +_Timur_ nach Fars, den Atabegen zu züchtigen; da dieser trotz der an ihn +ergangenen Aufforderung zur Reue, auf welche Verzeihung folgen sollte, den +Boten misshandelte, rückte Altadschu, verstärkt von den Truppen des Sultans +von Kerman und des Atabegen von Jesd (des Bruders Turkjan's), in Fars ein. +Seldschuk flüchtete nach _Chorschif_. Zu Kjarsun kam es zur Schlacht; +geschlagen, suchte Seldschuk vergebens am Grabmale des Schwagers Morschid +Rettung und ward am Fusse des weissen Schlosses getödtet. Kanzelgebet und +Münze wurden nun auf den Namen des einzigen übrigen Sprösslings der +Atabegen, der Tochter Turkjan's, _Abisch_[472] (aus Saad Ebubekr), +verrichtet. Nach der Niederlage Seldschuk's hatte der General Timur auf ein +allgemeines Gemetzel der Einwohner von Schiras angetragen, aber Altadschu +gab hierzu seine Einwilligung nicht, und wurde in der Folge, als der Seid +_Scherefeddin_ neuen Aufruhr zu Schiras anzettelte, von Hulagu vor Gericht +gestellt und, weil er zu milde gewesen, nach der Jasa zur Prügelstrafe +verurtheilt. [RN: 661/1262] Schon im ersten Jahre nach dem Tode Seldschuk's +wurde der neue Atabeg, die Frau Abisch, mit Mengu Timur, dem eilften Sohne +Hulagu's, vermählt; statt des Heirathsgutes, das sie dem Prinzen mitbringen +sollte, wurde ein Sechstel der Besitzungen von Schiras mit den Einkünften +von jährlichen achttausend Dukaten ausgeschieden, und _Abisch_ blieb bei +ihrem Gemahle im Lager, wo sie noch zwanzig Jahre als Atabeg von Fars +geehrt, ihr Land aber von mongolischen Vögten (Baskak) und Intendenten +(Melik) verwaltet ward, von denen in der Folge dieser Geschichte noch +mehrmal die Rede sein wird. Dieser Erwerb des Kerns ganz Persiens, der +Landschaft Fars, welche, wie Wassaf sagt, das Kleid der sieben Erdgürtel, +das achte der Paradiese, durch Heirath, krönte die Politik Hulagu's zu +Ende seiner Laufbahn, die er als Brecher der Burgen der Assassinen und +Eroberer von Bagdad begonnen. Der Krone des Ilchan's und Padischah's von +Iran durfte die schönste Juwele derselben nicht fehlen, welche die +Landschaft Fars. + + + + +Viertes Buch. + + Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften; + die Familie desselben und Schemseddin's; Schlacht gegen Nokai; + armenische und ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und + dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in Luristan; der Tod + grosser Männer; Schemseddin Kert und Dschuweini; die + niguderischen Banden in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug + wider Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan; + Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet und wieder zu + Gnaden aufgenommen; Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht + von Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die Christen. + + +[Randnote: Abaka's Thronbesteigung.] + +Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik am sichersten +bewegt; am wenigsten bedarf derselben die gerade, offene des Völkerwohls, +welcher das Gesetz den sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel +quergängige des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler gefährdeten +Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von jeher in östlichen Reichen +und auch in westlichen, schon vom Hinscheiden des ersten römischen Kaisers +angefangen, Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange als +möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen zeitgemässen Anstalten +die Kunde desselben immer zugleich mit der von der Besitzergreifung des +Nachfolgers verlaute[473]; daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach +mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und Befehl erlassen, dass +Niemand sich von seiner Stätte bewege. Ein Eilbote ward an _Abaka_, den +durch des Vaters Anordnung zum Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter +von Chorasan, abgefertigt, und zugleich _Arghun_, welcher bei Abaka die +Stelle des Wesirs bekleidete, einberufen. Abaka, der sich damals im +Winterquartiere von _Arran_, und sein Bruder Jaschmut, der sich an der +Gränze von Derbend befand, trafen am achten Tage nach des Vaters Tod ein; +der letzte, der unberufen gekommen, kehrte, als er sah, dass die Fluth der +Stimmen der Emire wider ihn rinne, in zwei Tagen wieder zurück; [RN: 19. +Dschem. ewwel 663/9. März 1265] Abaka aber stieg im Lager von _Tschaghantu_ +(am Goldfluss in der Nähe Meragha's) ab, wo ihm die Emire bewillkommend +entgegengingen und _Ilkai_, der Emir des Lagers, dem Prinzen als treuer +Diener zugethan, demselben, der erste, Brod und Wein als Bürgen der +Sicherheit reichte. Nachdem die Prinzen und Prinzessinnen ihr Beileid +bezeugt, versammelten sich die grossen Emire und Nujane, deren sich eben +Viele gegenwärtig befanden[474]. _Sundschak_ Nujan, welchem Hulagu seinen +letzten Willen und die Schriften anvertraut hatte, und _Arghun_ bezeugten +mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's letztwilliger Anordnung _Abaka_ +zum Nachfolger auf dem Throne bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder +nieder und huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den Befehl +Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber sagten: Du kennst besser +als wir die Gebote und Verbote der Jasa, der alten und neuen, wie sollte er +einen anderen ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung +und herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten Juni den Thron im ein +und dreissigsten Jahre seines Alters. [RN: 3. Ramasan 663/19. Juni 1265] +Die Prinzen warfen die Mützen in die Höhe, die Gürtel um den Hals, um +dadurch zu sagen, dass ihr Kopf unbedeckt, das ist nicht mehr frei, dass +ihr Gürtel bereit, als Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren, +beugten siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem Chan. »Die +Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der leichter als des Feuers +Schein, und wie des Paradieses Quelle rein; sie massen den Wein in kleinen +und grossen Massen aus goldenen und silbernen Tassen ein.« Mehrere Tage +dauerte das Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin von Tus als glücklich +bezeichneten Monate hatte die Thronbesteigung am _Tschaghan Nur_, d. i. am +weissen See, im Distrikte _Ferahan_, statt; _Ferahan_ ist eine Stadt +mittler Grösse am Ufer eines Sees, wo nach persischer geschichtlicher +Ueberlieferung Tahmuras, der Diwbändiger, seine Residenz erbaute, die +längst in Schutt zerfallen[475]; es liegt in derselben Höhe und Breite, wie +das vier Tagreisen von Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan entfernte +_Dolfabad_, der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch seinen Witz, +Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten Emirs _Ebu Dolf Kasim Ben Isa +Ben Idris_; südlich vom Gebirge Rasmend, an dessen Fusse die grosse +Fontaine Chosrew's Perwis. An dieser, durch historische Erinnerungen aus +der ältesten Zeit des persischen Reichs und der des Chalifates so +reichhaltigen Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an. + +[Randnote: Verleihung der Befehlshaberschaften.] + +Abaka wollte bis zur Ankunft der Bestätigung Kubilai's nicht auf dem +Throne, sondern nur auf einem lehnlosen Stuhle sitzen; aber er traf +nichtsdestoweniger alle Massregeln und Anordnungen der Herrschaft als +_Chan_, _Ilchan_, _Schah_ und _Padischah_, d. i. als Herr, Landesfürst, +König und Monarch. Nachdem er die Prinzen und Prinzessinnen, die Nujane und +Emire der Tomane (der Zehntausenden), der Hesare und Ssade (Tausender und +Hunderter) mit Geschenken überhäuft, flogen in alle Gegenden Boten mit der +Nachricht seines Regierungsantrittes und mit Befehlen für Bestätigung und +Aufrechthaltung der Jasa Tschengischan's und Hulagu's im strengsten Sinne; +dann vertheilte er die Befehlshaberschaften der Heere und die +Statthalterschaften des Reichs. Dem Bruder _Jaschmut_ wurde mit +wohlgerüstetem Heere die Huth der nördlichen Gränze gegen Derbend[476], +Schirwan, Moghan bis an die Gränze des Altai; dem Bruder _Tuktin_ die Huth +der östlichen Gränze von Masenderan und Chorasan bis an den Oxus +anvertraut. Der _Bitekdschi_ (Staatssekretär) _Tughu_, der Sohn Ilkai +Nujan's, und _Tudan_, der Bruder Sundschak Nujan's (der Ahnherr des zu Ende +dieser Geschichte als ein grosser Charakter auftretenden Emirs _Tschoban_), +wurden nach Rum gesendet, wo sie später von den Emiren _Semaghar_ und +_Kehurkai_ abgelöset wurden. _Dutai_ Nujan wurde nach Diarbekr und _Dijar +Rebiaa_ an die syrische Gränze befehligt, die militärische Aufsicht +Georgiens dem _Schiramun_, dem Sohne Dschurmaghun's, des vormaligen +Befehlshabers in Persien, die von Bagdad und Fars dem _Sundschak_ Nujan +übertragen; die Verwaltung der Krongüter erhielt _Baltadschu_ Aga und die +der Pachten[477] _Arghunaga_. Zur obersten Würde des Wesirs als Leiter und +Herrn des Diwans zu Tebris wurde _Schemseddin Mohammed_ von Dschuwein und +zu seinem Stellvertreter als Leiter und Inhaber des Diwans sein Bruder +_Alaeddin Atamülk_, der Geschichtschreiber, ernannt. Zu Issfahan stand der +Sohn des Wesirs Schemseddin, _Chodscha Behaeddin_, an der Spitze der +Geschäfte. Die Verwaltung von _Chorasan_ wurde dem Chodscha _Iseddin Tahir_ +und nach ihm seinem Sohne Chodscha _Wedschiheddin_ zugewandt; _Fars_ wurde +im Namen der Atabegin _Abisch_ verwaltet und die Aufsicht der Pachten hatte +dort _Tasiku_ auf sich. Die Herrschaft von _Kerman_ wurde der Prinzessin +Turkjan Chatun, die von _Nimrus_ dem _Melik Schemseddin Mohammed Kert_ und +von _Georgien_ dem _Abd_ und seinem Sohne _Ssadren_, die _Armeniens_ dem +König _Hethum_ bestätigt. _Diarbekr_ wurde dem Dschelaleddin Tarsi, _Dijar +Rebiaa_ dem _Mosaffer Fachreddin Kara Arslan_, _Kaswin_ und ein Theil Iraks +dem _Iftichareddin Kaswini_, Tebris dem _Ssadreddin_ zur Verwaltung +anvertraut. Aus dieser nach Reschideddin gegebenen Uebersicht der Heere und +Ländervertheilung erhellet, dass schon damals, wie später im osmanischen +Reiche, dessen Staatseinrichtungen grösstentheils den mongolischen +nachgebildet sind, die militärischen Befehlshaberschaften der Gränze von +den Statthalterschaften, die Aemter des Diwans von denen der Finanz +getrennt waren. Wir haben hier sechs grosse militärische Hüter der Gränzen: +in _Schirwan_ und _Chorasan_, in _Georgien_, _Kleinasien_, in _Fars_ und im +arabischen _Irak_, drei Wesire, Inhaber des Diwans: zu _Tebris_, _Bagdad_ +und _Issfahan_, drei Intendenten der Krongüter und Pachten, fünf Vorsteher +der inneren Verwaltung: in _Chorasan_, _Diarbekr_, _Dijar Rebiaa_, zu +_Kaswin_ und _Tebris_ und endlich die dem Namen nach herrschenden, aber +eigentlich nur im Namen der Mongolen das Land verwaltenden fünf Fürsten von +_Kerman_, _Nimrus_, _Georgien_, _Armenien_ und _Fars_; zählen wir hierzu +noch die schon oben erwähnten Fürsten, welche nur unter der eisernen Keule +mongolischer Herrschaft ihr Land regierten, nämlich die Atabegen von +_Gross-_ und _Klein-Luristan_ und von _Jesd_, die noch zu _Mardin_ +herrschenden Fürsten aus der Familie Ortok und die zu _Hossnkeif_ aus der +Familie Ejub (denn die noch übrigen syrischen von _Himss_, _Hama_ und +_Kerek_ gehorchten nun dem Sultan Aegyptens), so haben wir beim +Regierungsantritte Abaka's sieben und zwanzig von ihm begewaltigte grosse +Befehlshaber der Heere und Länder, Vorsteher der Geschäfte und Verwalter +der Güter. + +[Randnote: Schemseddin's Familie.] + +Der Geschichtschreiber Wassaf, statt diese Eintheilung zu geben, hebt als +die vier Säulen des Ruhms der Zeit Abaka's, von welcher die feste und +sichere Herrschaft der Ilchane in Persien datirt, vier in ihrem Fache +ausgezeichnete Männer hervor als »die vier Grossen unter ihren +Zeitgenossen«; der erste derselben der grösste Astronom und Philosoph +seiner Zeit, _Nassireddin_ von Tus, der Gründer der Sternwarte zu Meragha, +der Verfasser der grossen Metaphysik und Ethik, welcher am Hofe Hulagu's +und Abaka's die Stelle des Ministers des Unterrichts vertrat und der bei +Gelegenheit der Thronbesteigung Abaka's hundert seiner Schüler mit +Geschenken des neuen Herrn bedräute[478]. Der zweite der Wesir _Schemseddin +Dschuweini_, der dritte der Tonkünstler _Ssafijeddin Abdolmumin El Ormewi_ +und der vierte der Schönschreiber _Dschemaleddin Jakut_. Von den beiden +letzten genügt hier der Name, den ersten haben wir bereits in dieser +Geschichte handeln gesehen; Schemseddin Mohammed Dschuweini tritt aber erst +jetzt als Wesir an die Spitze der Reichsgeschäfte in seiner ganzen Grösse +auf. »Unter seiner Regierung«, sagt Wassaf, »begehrten die Schafe von den +Wölfen das mehrjährige Blutgeld, und das Repphuhn liebäugelte mit Falken +und Habichten; durch ihn wurde der gute Name des Padischah auf den +schwarzen und weissen Blättern der Tage und Nächte mit schöner +Glückesschrift aufgezeichnet.« Unter seiner gerechten Verwaltung erhob sich +Bagdad, wo sein Bruder sein Stellvertreter, wieder aus dem Schutte der +Verheerung Hulagu's. Mehr als hunderttausend Goldstücke verwandte er auf +die Grabung eines Kanales, um damit Meschhed (die Grabstätte Ali's) und die +Umgegend von Nedschef zu bewässern. Tadscheddin Ali, der Sohn des Emirs +Dolfendi, welcher von Schemseddin mit der Ableitung des Kanals aus dem +Euphrat und mit der Urbarmachung der todten Ländereien beauftragt war, +hinterliess über dieses verdienstliche Werk eine besondere Abhandlung. +Seide und Imame, Redner und Dichter erschöpften sich in Prose und Versen, +im Lobe seiner Gerechtigkeit, Weisheit, Freigebigkeit und Milde. In seine +Fussstapfen trat sein Bruder Atamülk zu Bagdad, aber nicht Schemseddin's +Sohn, der Chodscha Behaeddin, der Inhaber des Diwans zu Issfahan, welcher +die öffentliche Sicherheit nur durch Spähersystem und durch blutige Strenge +erhielt. Auf den Bericht eines Kundschafters, der die nächtliche Runde der +Wachen gemacht, dass er den Hauptmann wach und eifrig auf seinem Posten, +einen Mann der Wache aber schlafend, einen anderen abwesend gefunden, +befahl er, allen dreien zwei und siebzig Prügel zu geben, weil der +Hauptmann nicht früher als der Kundschafter die Anzeige der Bestrafung der +zwei Schuldigen gemacht. Einem, der ihn zu fest angesehen, liess er die +Augen ausstechen; einem seiner Kinder, welches, auf seinem Schoosse +spielend, ihn beim Barte zupfte, schwur er, heftig auffahrend, dafür an den +Hacken schlagen zu lassen, und da keiner der Grossen fürzubitten wagte, +packten die Schergen den Knaben und schlugen ihn vor des Vaters Augen zur +Erfüllung von dessen Eidschwur an den Hacken[479]. So ein blutiger Tyrann +Behaeddin, so ein grosser Beschützer war er der Gelehrten, und ein +trefflicher Oekonome seiner Zeit, die er zwischen Studien und +Waffenübungen, Reichsversammlungen und Festen theilte: + + »Zwischen den Federn und zwischen den Fahnen, + Zwischen Gelagen und zwischen Diwanen[480].« + +Nach aufgehobenem Diwane verbrachte er die Zeit im Gespräche mit Gelehrten, +eingedenk des Spruchs: + + »Gespräch mit Gelehrten ist besser als Kosen mit Liebesgefährten.« + +und schloss sich, nachdem er dieselben entlassen, mit seinen Vertrauten +ein, um sich dem Genusse des Weines zu überlassen: + + »Wein, der unter'm Schleier[481] spricht, + Durch die Rosen im Gesicht.« + +Nach dem Trinkgelage beschäftigte er sich noch tief in die Nacht hinein mit +politischen Untersuchungen und polemischen Studien, nur wenige Stunden dem +Hareme und dem Schlafe gönnend, und nur seinen Bruder _Harun_, der es ihm +an Gründlichkeit philosophischer Studien zuvorthat, um diesen Vorzug mit +Recht beneidend. Diesem widmete der grosse obgenannte Tonkünstler +Ssafijeddin Abdolmumin seine Abhandlungen über die Volkslieder[482], über +ihren Ursprung, Composition und Tonarten. Eines Tages, als in einer +Versammlung bei Behaeddin, wo auch der grosse Tonkünstler gegenwärtig, +Harun, vom Weine erhitzt, diesen ganz kurzweg _Ssafijeddin_ anredete, +entschuldigte Behaeddin vor den Gegenwärtigen die Freiheit des Bruders, +einen so grossen Künstler schlichtweg bei seinem Zunamen angeredet zu +haben, indem er sagte: _Harun_, der den Namen des grössten der Chalifen +trägt, der eine Verwandte des letzten der Chalifen zur Frau hat, dessen +Sohn Mamun heisst und der zu Bagdad wohnt, denkt sich erlaubt, den grossen +Künstler nach der Gewohnheit des Chalifen bloss mit dessen Zunamen statt +mit dessen Vornamen und eigenen Namen anzureden. Diess waren die Söhne +Schemseddin's, des Wesirs, die Neffen seines Bruders _Atamülk_, des +Verfassers der _Welterobernden Geschichte_. + +[Randnote: Abaka's Familie.] + +Nachdem die Leser auf diese Weise die Heerführer, Statthalter und Wesire +Abaka's kennen gelernt, müssen sie sich auch mit seiner eigenen Familie +näher bekannt machen. Diese bestand, die kinderlosen Beischläferinnen +ungerechnet, aus der Mutter, eilf Frauen, drei Beischläferinnen Müttern, +sieben Töchtern und zwei Söhnen. Seine Mutter war die Frau _Jesundschin_ +aus dem Stamme Suldus. Von seinen Frauen nennen wir die beiden, nach des +Vaters Tode aus dessen Harem in das seine herübergenommenen zuerst, weil +sie durch Ansehen und Würde den übrigen vorgingen; diese waren: die Frau +_Oldschai Chatun_, welche mit _Tokus_ Chatun den Vater Hulagu auf seinem +Auszuge nach Persien begleitet hatte, die treue Gefährtin desselben auf +seinen dreizehnjährigen Feldzügen; dann _Tokini_ Chatun, die Base der +grossen Frau Tokus, die Beischläferin Hulagu's, welcher Abaka nach dem Tode +ihrer Base das Lager derselben aneignete, ihr als Frau den _Baghtak_, d. i. +den Frauenkopfschmuck, aufsetzte und an die Stelle _Durdschi Chatun's_ als +grosse Frau erklärte. Die vierte seiner Gemahlinnen war die Tatarin +_Nukdan_, die Mutter seines Sohnes _Kendschatu_, welche aber jung starb. +Ihr folgte _Iltürmisch_ Chatun, die Tochter Timurgurgan's, die Schwester +_Turka Gurgan's_, des Konghuraten. Hierauf nahm er die Prinzessin +_Padischah_ Chatun, die Tochter Sultan Kutbeddin Mohammed Chan's von +Kerman, die er an die Stelle seiner Mutter, _Jesundschin_, setzte, so dass +ihr die ersten Ehren des Frauengemachs erwiesen wurden. Die siebente und +achte Gemahlin waren ebenfalls zwei Wittwen Hulagu's, die Konghuratinnen +Frauen _Mertai_ und _Kuti Chatun_, Schwestern Musa Gurgan's, des Sohnes der +Tochter Tschengischan's, von denen die erste unter der Regierung Arghun's +gestorben. Die neunte Gemahlin, _Tudai_ Chatun, die Konghuratin, und nach +ihr _Bulghan_ Chatun, die Verwandte des Oberstrichters _Nokai_ [die +Konghuratin[483]], welche er vor allen anderen liebte und daher im Range +sowohl der _Mertai_ als der _Despina_, d. i. der griechischen Prinzessin, +vorsetzte. Die letzte war _Maria_, die natürliche Tochter Michael's, des +Paläologen, aus einer Diplowatzerin. Michael, welcher gegen das Ende der +Regierung Hulagu's mit demselben Frieden und Freundschaft unterhandelt +hatte, sandte ihm zum Unterpfande desselben die Tochter vom Archimandriten +des Klosters des Pantokrators von Villehardouin, dem Bruder des Fürsten +des Peloponnesos, mit reichen Geschenken begleitet; unter diesen befand +sich eine tragbare Kirche in Gestalt eines Zeltes, dessen Wände und Dach +dichte seidene Stoffe, mit goldenen Kreuzen und Heiligenbildern und den +Opfergefässen[484]. Der Paläolog durfte sich schmeicheln, dass dieselbe als +Christin von ihrer Glaubensgenossin, der Frau _Tokus_, wohl empfangen, wie +dieselbe die Freiheit öffentlichen Gottesdienstes im Lager mit Glocken +geniessen würde. In Cäsarea angelangt, erhielt sie die Nachricht vom Tode +Hulagu's; aber Michael, gleich folgerecht in seiner Politik, welcher er die +Tochter opferte, und in der mongolischen Ansicht, nach welcher die +Gemahlinnen und Bräute aus dem Frauengemache der Väter in das der Söhne +übergingen, sandte den Befehl zur Fortsetzung der Reise an den Hof Abaka's, +in dessen Frauengemach sie doch der aus persönlicher Neigung vorgezogenen +Frau Bulghan weichen musste. Von seinen Beischläferinnen gebar ihm +_Kaitmisch Ikadschi_ den Sohn _Arghun_, dann _Kewkebi Ikadschi_ die Tochter +_Toghandschuk_, hierauf _Buludschin Ikadschi_ die beiden Töchter +_Ilkotlogh_ und _Oldschatai_; die vier anderen wurden ihm von Gemahlinnen +geboren, nämlich _Julkotlogh_ und _Taghai_ aus der Frau _Tudai_, dann +_Nudschin_ aus der Frau _Mertai_ und endlich _Melike_ aus der Frau Bulghan. +Diese sieben Töchter waren keine an Prinzen vom Geblüte, sondern nur an +Söhne von Emiren oder grossen Beamten vermählt; so _Julkotlogh_ an den +_Ildschitai Kuschdschi_ von der Leibwache, Toghandschuk an den Emir +_Newrus_, den Sohn Arghunaga's, Melike an _Taghai Buka_, den Sohn des +Oberrichters Nokai. In dieser Gallerie von Frauen sind die merkwürdigsten +die griechische Prinzessin _Maria_, die karachitaische Prinzessin +_Padischah Chatun_ und vor allen _Bulghan Chatun_, eine gewiss eben so an +Schönheit als an Geist hochbegabte Frau, welche ohne so ausgezeichnete +Vorzüge nicht die grosse Rolle gespielt haben könnte, in welcher sie, von +einem Frauengemache der Herrscher in's andere wandernd, dieselben mehr oder +minder beherrschte durch Schönheit und Geist, hohen Muth und Charakter ein +ganzes Menschenalter hindurch, dreissig Jahre lang. + +[Randnote: Schlacht mit Nokai.] + +Die erste Waffenthat der Regierung Abaka's hatte an der nördlichen Gränze +statt, wo Nokai, um die unter Hulagu erlittene Schlappe zu rächen, aus +Derbend auf das Heer des Prinzen Jaschmut ausgefallen, über den _Kor_ +gezogen war. Die Schlacht begab sich an den Ufern des Flusses _Akssu_[485], +[RN: 3. Schewwal 663/19. Juli 1265] den die Mongolen _Tschaghan Muran_ +nennen (das eine und andere heisst _Weisswasser_). Der Verlust war von +beiden Seiten gross. Nokai, von einem Pfeile in's Auge getroffen, flüchtete +nach Schirwan. Jaschmut ging über den _Kor_, aber wieder zurück, als er +vernahm, dass Berke mit einem Heere von dreimalhunderttausend Mann nahe; +die Brücken waren alle abgerissen worden, so dass Berke, nachdem er +vierzehn Tage lang vergebens am Ufer des Kor geweilet hatte, wieder nach +Tiflis zurückging, um dort leichter über den Fluss zu setzen; aber auf dem +Wege erkrankte und starb er. Abaka befahl, von _Delai Nor_ bis an die Wüste +der Kurden einen Wall mit einem tiefen Graben längs des Kor zu ziehen, an +dem er Truppen zur Gränzhuth zurückliess, ohne dass desshalb der +Handelsverkehr der beiden Länder mittels der Karawanen unterbrochen ward. +Nach Beendigung dieses Werkes entliess er von dort den Prinzen Mengu Timur +(den eilften Sohn Hulagu's, Gemahl der Atabegin Abisch und der Frau +Oldschai) und brachte den Winter in Masenderan und Gurgan (dem alten +Hyrkanien) zu. [RN: 665/1266] Während dieses Winters erschien _Mesudbeg_, +der Sohn des berühmten Wesirs Mahmud Jelwadsch, als Gesandter Kaidu's, des +Herrschers des Uluses Ogotai, im Lager Abaka's, um die noch ausständige +Rechnung der Einkünfte seiner Krongüter zu begehren. Abaka empfing +denselben sehr ehrenvoll, liess ihm das Kleid Tschengischan's anziehen und +wies ihm seinen Sitz ober allen Emiren an, ausgenommen Ilkai. Abaka trug +dem Inhaber des Diwans, dem Wesir Schemseddin, auf, die Rechnung auf's +schnellste auszufertigen, und binnen einer Woche kehrte der Gesandte, +reich beschenkt, schnell zurück. Erst einige Tage nach seiner Abreise, als +die Nachricht eintraf, dass sich am Ufer des Dschihun ein Heer sammle, sah +Abaka, dass dies Begehren der Rechnung nur ein Vorwand gewesen und dass +Mesud als Kundschafter _Borrak's_, des Urenkels Dschaghatai's, gekommen, +welcher dem Mubarekschah die Herrschaft des Uluses Dschagatai entrissen. +Abaka fertigte sogleich Gesandte ab, um den verkappten Kundschafter +Borrak's zurückzubringen; sie erreichten aber die Ufer des Oxus in dem +Augenblicke, als Mesudbeg eben über denselben gesetzt. Abaka ging nach +Chorasan bis Serchas und wandte sich dann in's Winterquartier nach +Masenderan. Zu _Kebuddschame_, d. i. Blaukleid, in der an Korn, Wein und +Seide fruchtbaren Stadt Taberistan's[486], ging er dem Gepäcke Hulagu's +entgegen, welches mit dessen Wittwe Kuti Chatun und den Söhnen Hulagu's, +_Tekschin_ und _Tekuder_, und mit dem Enkel desselben, _Dschuschkab_, dem +Sohne Dschumkur's, _Badu_, dem Sohne Tarakai's, und Jesundschin Chatun, der +Mutter Abaka's, welche zur Zeit des Aufbruches Hulagu's nach Persien im +Hoflager Mengkukaan's geblieben waren. Dschumkur, der Vater Dschuschkab's +und Kendschu's, war in dem Bürgerkriege zwischen Kubilai und Arikbugha +gezwungen gewesen, die Partei des letzten zu ergreifen, was jetzt die Söhne +entschuldigten; er war seitdem gestorben; die Frau Kuti hatte zu +Bedachschan den Tod Hulagu's vernommen und sich blind geweint; er verlieh +ihr die Einkünfte von Diarbekr, Miafarakain und einigen anderen Oertern als +Nadelgeld, das bei den Mongolen _Tonlik_, das Geld auf Unterhosen, heisst. +Die Einkünfte betrugen das Jahr über hunderttausend Goldstücke. Er brachte +den Winter zu _Tschanganlu_ (in der Gegend von Meragha), den Sommer in den +Weiden von _Alatagh_ an den Quellen des Euphrats und zu _Siahkuh_ +(Schwarzberg) zu, und überwinterte dann in der Landschaft _Arran_. + +[Randnote: Armenische und ägyptische Verhältnisse.] + +Während dieser beiden Jahre, wo Abaka Nichts gethan, um die weiteren +Fortschritte Sultan Beibars in Syrien zu hindern, hatte dieser den +Kreuzfahrern die Städte _Cäsarea_, _Arssuf_, _Ssafed_, _Jafa_, _Schakif_, +die Schlösser _Haifa_, _Arka_, _Kaliat_, _Meluhat_, _Dschebele_ +entrissen[487] und war in Cilicien in die Staaten König Hethum's +eingefallen, welcher erst beim mongolischen Befehlshaber in Rum und dann +bei Abaka selbst vergeblich Hilfe gesucht. Indessen Leon, der Sohn +Hethum's, den Pass von _Iskenderun_ (Alexandriette) besetzt hielt, ward er +von den Aegyptern umgangen und dann bei Serwend geschlagen und gefangen; +sein Bruder _Toros_ und einer seiner Oheime fielen in der Schlacht. Die +Sieger kamen am folgenden Tage nach Tel Hamdun, setzten über den Dschihun +und bemächtigten sich des den Templern gehörigen, auf einem steilen Hügel +gelegenen Schlosses Amudin, das verbrannt ward. Gleiches Schicksal hatte +_Sir_, die Hauptstadt Kleinarmeniens. Der Herr von Hama, der jetzt in den +Reihen der Aegypter focht, lagerte an den Ruinen dieser Stadt, während der +ägyptische Feldherr _Kilawun_ (der nachmalige Sultan) die Städte Ajas, +Massissa und Adana verheerte. Das ägyptische Heer kehrte mit so reicher +Beute beladen, mit so vielen geraubten Heerden zurück, dass der Ochs, im +Lager um zwei Dirhem losgeschlagen, keinen Käufer fand. Hethum, der +vergebens bei Abaka Hilfe gesucht, sah sich gezwungen, den Frieden mit +Beibars auf dessen Bedingungen abzuschliessen. Dieser begehrte die +Zurückstellung mehrerer von den Mongolen den Aegyptern entrissener, dem +Königreiche Armenien einverleibter Schlösser und die Freigebung des +ägyptischen Generals _Schemseddin Sonkar el-Aschkar_, d. i. Sonne der +Religion, Falke der Falbe, seines alten Waffengefährten, welchen Hulagu zu +Haleb gefangen, nach Persien gesendet hatte. [RN: Juni 1267] Der Friede +wurde zu Antiochien unterschrieben; die festen Plätze Behesna, Derbesek, +Merseban[488] wurden zurückgestellt, der Emir Sonkar gegen den bisher im +Schlosse von Kairo in Verhaft gehaltenen Prinzen Leon ausgewechselt[489]. +Bald darauf verfügte sich König Hethum an den Hof Abaka's, der sich damals +zu Bagdad befand, um ihm für die Auslösung seines Sohnes zu danken und um +die Erlaubniss zu bitten, dem Sohne den Thron abtreten zu dürfen. [RN: +1269] Nachdem er dieselbe erhalten, rief er die Grossen seines Reichs zu +Tarsus zusammen, entsagte der Krone zu Gunsten Leon's und zog sich nach +fünf und vierzigjähriger Regierung unter dem Namen Makarius in's Kloster +von _Trazargh_ zurück, wo er einige Monate hierauf starb[490]. Im selben +Jahre sandte Abaka Gesandte an Beibars, welcher dieselben zu Damaskus +zugleich mit den Gesandten des griechischen Kaisers und Mengku Timur's, des +Nachfolgers Berke's auf dem Throne von Kipdschak, empfing. Abaka warf in +seinem Schreiben dem Sultan Aegyptens den an seinem Herrn Kotos begangenen +Königsmord vor und fragte, wie er, der vormals zu Siwas verkaufte Mamluke, +es wagen könne, den Königen, Söhnen der Könige, gebornen Weltbeherrschern, +zu widerstehen. Er drohte, ihn anzugreifen und Alles dem Schwerte zu +opfern; er schrieb an Beibars selbst: »und wenn du in die Wolken +aufflögest, und wenn du unter die Erde hinunterstiegest, du würdest mir +nicht entfliehen«. Beibars antwortete: »Es ist wahr, dass ich den Kotos +getödtet, aber die Sultanschaft ist mir durch freie Wahl der Bege +übertragen worden; wenn es dir Ernst, mich anzugreifen, so komm', wir +werden bereit sein, dich zu empfangen, um die den Musulmanen entrissenen +Länder denselben wieder zurückzuerobern.« Abaka war nicht im Stande, seinen +Drohungen Folge zu geben; daran hinderte ihn das von Osten sein Reich +bedrohende Ungewitter, indem Borrak, der Herrscher des Uluses Dschagatai, +wider Chorasan herangezogen. Die feindliche Stellung Borrak's gegen Abaka +würde vom Leser nicht gehörig beurtheilt werden können, wenn derselbe nicht +in Kenntniss der früheren Begebenheiten, welche zwischen diesem und Kaidu, +dem Herrscher des Uluses Ogotai, vorgefallen und die wir nun nach +Reschideddin erzählen. + +[Randnote: Kaidu's und Borrak's Vertrag.] + +Kaidu's, des Sohnes Kaschim's, des fünften Sohnes Ogotai's, ist bereits +Erwähnung geschehen, so auch Borrak's, des Sohnes Jesentewa's, des zweiten +Sohnes Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's[491]. Dieser, von +Kubilai zum Herrscher des Uluses Dschagatai ernannt, hatte sich nicht +sobald in den Besitz des Uluses gesetzt, als er mit dem Statthalter +Turkistan's, _Mogholtai_, Streit begann. Dieser sandte den Emir _Tekmisch_, +jener den Emir _Kuwindschi_ mit einem Heere; Tekmisch ward von Kuwindschi +geschlagen, aber dieser musste sich vor einem zweiten stärkeren Borrak's +zurückziehen. Borrak verwüstete Choten und schlug auch das Heer, welches +Kaidu und Kipdschak, der Feldherr Mengu Timur's, des Herrschers von +Kipdschak, wider ihn geführt. Mengu Timur, hierüber ergrimmt, sandte seinen +Oheim Berekdschar mit fünfzigtausend Mann zu Hilfe Kaidu's. Borrak, von +demselben geschlagen, zog sich nach Samarkand in der Absicht, das +fruchtbare Land zu verheeren. Kaidu und Kipdschak beriethen sich, wie das +Unheil abzuwenden, und Kipdschak, zwischen welchem und Borrak alte +Freundschaftsbande bestanden, trug sich an, den Frieden zu unterhandeln. In +der Ebene von Soghd empfing Borrak den Kipdschak auf dem Throne, setzte ihn +neben sich, trank mit ihm und bewirthete ihn mehrere Tage hindurch in der +Steppe von _Katwan_ in der Nähe des Karawanserai[492]. Abu Mohammed's +Tonkünstler spielten in den in Kipdschak beliebtesten Tonarten, um dem +Prinzen Kipdschakaghul zu gefallen. Dieser war der Sohn Durdschi's, des +Sohnes Kadan's, des sechsten Sohnes Ogotai's und folglich ein Neffe +Kaidu's. Er kam mit Borrak überein, dass sich dieser und Kaidu mit den +Truppen, mit denen sie dermalen zu Samarkand und Bochara standen, +begnügen, dieselben nicht vermehren sollten und Borrak Bochara verschone. +Kaidu und Berekdschar gaben ihre Zustimmung, und die Prinzen versammelten +sich im Frühjahre [RN: 667/1269] in der Ebene von Talas und Kundschuk, wo +nach achttägiger Gasterei Kurultai stattfand[493]. Kaidu sprach von dem +Vertrage Tschengischan's und wie alle Zwietracht der Prinzen demselben +zuwider; dann nahm Borrak das Wort und sagte: da Kaidu an der Spitze des +Uluses Ogotai stehe, wie Mengu Timur an der des Uluses Dschudschi's in +Kipdschak, wie Kubilai und Abaka die Herrschaft des Uluses Tuli's im Osten +und Westen theilten, so möge man auch ihn als Oberhaupt des Uluses +Dschagatai unangefochten lassen und sich friedlich mit ihm verständigen. +Die drei Prinzen der drei Uluse kamen dann überein, das Land zwischen dem +Dschihun und Sihun in drei Theile zu theilen, wovon einer von Borrak, die +beiden anderen von Truppen Kaidu's und Mengu Timur's besetzt bleiben +sollten; sie verbanden sich gegenseitig, mit ihren Reitern nur in den +Steppen herum zu ziehen, die Städte nicht zu betreten, die Unterthanen zu +schonen; im folgenden Frühjahre aber sollte dem Borrak freistehen, gegen +Chorasan zu ziehen und sich auf Kosten Abaka's zu vergrössern: »Sie +besiegelten ihren Vertrag nach mongolischer Sitte mit gewechselten Bechern +und Kleidern, indem sie die Hefe auf die Erde gossen«[494]. Eine Zeit lang +genoss das Land unter der gerechten Verwaltung Mesud's, der als weiser +Wesir in seines Vaters Jelwadsch Fussstapfen trat, des erwünschten +Wohlstandes, bis bald darauf, als Mengu Timur und Kaidu sich veruneinigt +hatten, das Heer des letzten dem des ersten entgegenziehend Bochara +verlassen, die Besitzungen desselben berannte, das Land, trotz der +Vorstellungen seines Wesirs Mesudbeg, durch Erpressungen verheerend. +Borrak, im Besitze des Landes zwischen dem Dschihun und Sihun, war nun auf +den Feldzug gegen Abaka bedacht, worüber ihm die Herrscher des Hauses +Ogotai und Dschudschi, als Feinde des Uluses Tuli, freie Hand gelassen, +sandte aber zuerst die schon oben erwähnte Gesandtschaft an Abaka, um den +Zustand desselben besser zu erkunden. + +[Randnote: Botschaft Borrak's und Rüstungen desselben.] + +Der öffentliche Auftrag dieser Botschaft lautete, wie schon oben gesagt +worden, die ausständigen Rechnungen über die beiden Prinzen gemeinsamen +Krongüter zu verlangen; aber ein geheimer war, den Prinzen Nigudaraghul, +den ersten Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Dschagatai's, welcher im +Heere Abaka's diente, von demselben abspenstig zu machen. Zu diesem Ende +war der Gesandte mit einem der geheimen Briefpfeile versehen, welche die +Mongolen _Tughane_ nennen, in deren Schaft die geheime Depesche +verborgen[495]. In dem Briefe gab Borrak dem Prinzen Kunde, dass er im +Begriffe, wider Abaka in's Feld zu ziehen; er möge, als ein Prinz des +Uluses Dschagatai, sich hüten, dem Feinde ferner zu dienen. Die +Aufforderung fruchtete; Nigudar, zu einem Kriegsrathe berufen, +entschuldigte sich und bat um Erlaubniss, in seinen Jurt nach Georgien +zurückkehren zu dürfen; er hoffte über Derbend, im Norden des kaspischen +Meeres, das Lager Borrak's zu erreichen; aber Dschiramun Nujan, welchem die +Huth der nördlichen Gränze übertragen war, hinderte ihn an der Ausführung +dieses Planes, indem er ihn, sich nach Georgien zu werfen, zwang, wo er +durch die Hand der Tochter des Königs David Bürgschaft seiner Sicherheit +suchte, aber nicht fand; denn die Gegner trachteten ihm nach dem Leben, so +dass er im folgenden Jahre mit Weib und Kind sich auf Gnade und Ungnade in +die Arme Abaka's warf. [RN: 668/1270] Abaka liess sechs seiner Emire +hinrichten, seine Truppen unter die Tausender, Hunderter und Zehner +vertheilen, setzte ihm fünfzig Mongolen als Aufseher und ihn selbst zu +Derjar Kebudan in Verhaft, aus welchem er jedoch in der Folge, nach der +Niederlage Borrak's, entlassen ward[496]. Der Botschaft Borrak's ritt +Schemseddin Dschuweini, der Wesir Abaka's, bewillkommend entgegen, und +trotz der hohen Meinung, die er von sich selber hatte, stieg er, als er in +die Nähe Mesud's kam, doch vom Pferde und küsste dem Mesudbeg +ehrfurchtsvoll die Bügel. Dieser, minder bescheiden, als sein Vater, +Jelwadsch, sagte, verächtlich auf Schemseddin herabsehend: »Du bist der +Inhaber des Diwan's! Dein Name ist besser, als dein Aussehen.« +Schemseddin's Klugheit verschmerzte den bitteren Gruss für den Augenblick +mit Stillschweigen, rächte sich aber bald hernach durch die Nachsendung der +Boten, welche den Gesandten als Kundschafter zurückbringen sollten, und als +diese zu spät kamen, durch die Entflammung des Krieges wider Borrak, der +seinen Bundesgenossen Kaidu um Hilfe ansprach. Kaidu sandte Jerligh an die +Prinzen _Ahmed Ben Buri_[497], _Balighu_[498] und _Nikpei Aghul_[499], dass +sie bei Tirwed über den Oxus gehen sollten; _Tschabad_, der Sohn +Huku's[500], _Mobarekschah_[501] und _Kipdschak_, der Sohn Kaidu's[502], +erhielten den Befehl, mit Borrak zu Amu über den Dschihun zu setzen; weiter +hinauf sollten _Kokadschu_[503] der grosse und _Banial_ bei Chiwa, +_Kokadschu_ der kleine aber bei _Mingkkischlagh_, welches der gewöhnliche +Ueberfuhrsort von Chuaresm, über den Fluss gehen und sich mit Borrak +jenseits desselben vereinen. Dieser rüstete den Krieg aus allen Kräften, +alle Pferde wurden zum Dienste des Heeres weggenommen und des Tages mit +sieben Menn Gerste und Korn gefüttert, um sie fett, alle Hunde wurden +getödtet, um aus ihren Häuten Schilde zu machen; so entstand Theuerung und +Mangel. Um dem Heere Proviant zu verschaffen, befahl Borrak, das Land bis +Bochara und Samarkand zu verheeren. Mesud machte ihm abermals Vorstellungen +dagegen und auf die Unklugheit aufmerksam, sich auf diese Weise selbst +sicheren Rückzug abzuschneiden. Borrak bestrafte diese freimüthige +Vorstellung des weisen Wesirs mit sieben Prügelstreichen, nahm aber den +Befehl der Verheerung zurück. + +[Randnote: Borrak zieht über den Oxus und wird von Kipdschak verlassen.] + +Ausser den oben genannten, von Kaidu zur Hilfe Borrak's bestellten neun +Prinzen des Uluses Ogotai und Dschagatai stellten sich zu seinem Dienste +noch vier des Uluses Dschudschi, nämlich die beiden Jesawur [der grosse und +kleine][504], _Meraghul_ und _Dschelertai_[505]. Mit diesem Heere eroberte +Borrak Chorasan von den Gränzen Bedachschan's und Schiburghan's (bei Balch) +bis nach Nischabur. Ehe er noch über den Oxus gesetzt, sandte er Botschaft +an Tekschin (den vierten Sohn Hulagu's, den Bruder Abaka's), welchem vom +Vater die Herrschaft über das Gebiet von _Badghis_, östlich von Herat, +eingeräumt, vom Bruder bestätigt worden. _Badghis_, was nur verderbte +Aussprache von _Badchis_, d. i. Windaufstehend, weil dort immer die Winde +rege, hiess vormals _Pasin_ und war die Hauptstadt der Hunnen Euthaliten; +die Wälder der Gegend sind meistens Pistazienwälder, von denen Herat und +andere Städte mit Pistazien versehen werden. In diesem Bezirke liegt das +unbezwingliche Schloss _Nertku_[506], das _Aornos_ Chorasan's, auf einem +tausend Ellen hohen Felsen, zu welchem eine halbe Stunde lang ein nur für +Einen Menschen gangbarer Pfad führt, noch nie durch Gewalt der Waffen +bezwungen; die Gegend umher ist so kalt, dass die Rosen hier erst im Juli +blühen; das Holz zu dem Baue der Häuser von Herat kommt aus diesen Wäldern +und ist so trefflicher Eigenschaft, dass es weder austrocknet noch fault, +der Boden so fruchtbar, dass derselbe ohne Mühe und Kultur hundertfach +trägt[507]. Nach der Felsenburg _Nertku_ ist _Kiasis_ ein geschichtlich +merkwürdiger Ort des Gebietes von _Badghis_, weil es die Grabstätte +_Mokannaa's_, des berühmten falschen Propheten, der allnächtlich aus einem +Brunnen von _Nachscheb_ einen Mond aufsteigen liess (vermuthlich von +bengalischem Feuer), der die Gegend weit umher erleuchtete[508]. Borrak +liess den Prinzen Tekschin wissen, das Land von Badghis bis Ghasnin und dem +Indus gehöre zur Weide seiner Väter, und er möge daher dasselbe räumen. +Tekschin antwortete: er hätte es als väterliches Erbe von seinem _Aka_, +d. i. dem älteren Bruder und Herrn Abaka, bei dem er sich erst anfragen +müsse. Abaka antwortete: dass das Land von Badghis zu den Krongütern des +Hauses Hulagu's gehöre und dass er dasselbe wider den Angriff Borrak's zu +vertheidigen wissen werde. Auf diese Antwort hatte Borrak mit den Prinzen, +die in seinem Geleite, Kriegsrath gehalten und war über den Oxus gegangen, +nachdem er seinen Sohn Begtimur mit tausend Reitern zu Kesch und Nachscheb +zurückgelassen. Melik Schemseddin Kert von Herat kam dem Prinzen huldigend +entgegen, um die Schonung seines Landes zu erhalten, welche auch +zugestanden, aber die Verheerung alles übrigen, dem Kubilai oder seinem +Neffen Abaka gehörigen Landes befohlen ward[509]. Von Seite Abaka's +befehligte sein älterer Sohn Arghun, welchem die Statthalterschaft von +Chorasan verliehen ward, das Heer; in demselben befand sich ein Emir der +Tausender Namens _Sidschektu_, welcher ehemals ein Hausgenosse des Prinzen +Kipdschak; als er hörte, dass dieser sich im Heere Borrak's befände, sandte +er ihm ein Geschenk von Pferden, das dieser mit gleichem entgegnete; diess +war der Anlass eines heftigen Streites zwischen Kipdschak und dem Feldherrn +Dschelartai dem Dschelairen, welcher dem Kipdschak in Borrak's Gegenwart +vorwarf, die bessten Pferde für sich behalten und nur die schlechteren dem +Borrak gegeben zu haben. Kipdschak rief aus: »Hat je ein Karadschu, d. i. +ein Unterthan, solche Worte gegen einen Abkömmling Tschengischan's so +gesprochen, dass sich solch ein Hund solcher Worte erfrechen darf.« -- +»Wenn ich ein Hund bin«, antwortete Dschelartai, »bin ich der Hund Borrak's +und nicht der deine.« -- »Ich werde dich entzwei hauen,« rief Kipdschak, +»ohne dass mein _Aka_ es mir verarge.« -- »Und ich,« entgegnete +Dschelartai, die Hand auf den Dolch legend, »wenn du nahest, dir den Bauch +spalten.« Da Borrak durch sein Stillschweigen dem Dschelartai Recht gab, +verliess Kipdschak erzürnt die Versammlung und in der Nacht mit zweitausend +Reitern das Lager. Die Versuche Borrak's, denselben durch die Sendung von +drei Prinzen zur Rückkehr zu bewegen, waren vergebens. Dschelartai folgte +mit dreitausend Mann, in der Hoffnung, ihn zu überrumpeln; aber da die +Prinzen fürchteten, dass, wenn die Truppen desselben in Sicht kämen, +Kipdschak sie mit sich führen würde, kehrten sie unverrichteter Dinge +zurück. Kaidu fühlte empfindlich diese, seinem Vetter zugefügte +Beleidigung; er machte gegen Abaka die Flucht Kipdschak's aus dem Lager +Borrak's als ein Verdienst geltend, und verband sich, seinen alten +Verbündeten Borrak verlassend, mit Abaka in Freundschaft, so dass sie sich +fortan _Ortak_, d. i. Genossen, hiessen. + +[Randnote: Held Merghaul, Dschebat's Flucht.] + +Abaka sandte den Prinzen Jaschmut mit einem Heere zu Hilfe Tekschin's, +welcher dem Anfalle des Heeres Borrak's preisgegeben, während Schiramun im +Norden sich mit Nigudar, dem in Abaka's Lager flüchtigen dschagataischen +Prinzen, schlug. Mit fünf Tomanen, d. i. mit fünfzigtausend Mann, trat +Borrak den Zug durch Chorasan an[510]; seine beiden tapfersten Feldherren, +_Dschelartai_ der Dschelaire und _Merghaul_, jener ein Bogenschütze, wie +_Aresch_, der berühmte Bogenschütze der altpersischen Geschichte; den Bogen +Dschelartai's vermochte kein Anderer zu spannen, als er selbst. Merghaul +war vorzüglich in der Kunde des _Dschade_, d. i. des Wetter- und +Hagelmachens mittels des Regensteines, bewandert; er sagte von sich selbst: +»Ich binde den Gaul zu _Konghus Alanik_ an und reite nicht faul den +Falben[511] bis an die Alpen desselben[512], ohne dass, um auszuruhn, ich +den Zügel vom Kopf muss thun, und ohne dass die Schweissdecke trocken +werde.« _Purbaha Dschami_, der persische berühmte Dichter, welcher, ein +Türke oder Mongole von Geburt, zur Zeit Arghun's (des Sohnes Abaka's) halb +aus persischen, halb aus türkischen und mongolischen Worten bestehende +Mischlingsgedichte verfertigte, sagt in seiner zum Lobe Schemseddin +Dschuweini's verfassten Kassidet: + + Die Trennung _Merghaul_ verheert Geduld mit Schwert, + Wie jüngst _Borrak_ mit seinem Heer das Land verheert[513]. + +Solchen Kräften und Helden vermochten die Prinzen Arghun, Jaschmut und +Tekschin (jener der Sohn, diese die Oheime Abaka's) nicht zu widerstehen, +und er zog also selbst an der Spitze eines Heeres nach Herat. Indessen +hatte Borrak Gesandte an Kaidu geschickt, um sich über die Empörungen der +beiden Prinzen _Kipdschak_ und _Dschebat_, welche er ihm zu Hilfe gesandt +und die ihn nun verlassen, zu beklagen. Als Dschebat an die Gränze +Bochara's gelangt, rastete er einige Tage aus. Die Emire der Tadschiken +(Perser) gaben hiervon dem Begtimur Aghul, welchen der Vater, Borrak, +jenseits des Oxus zurückgelassen, Kunde: »Könntest du,« fragte Begtimur den +Tasikaka (den Emir der Tadschiken), »mit fünfhundert Reitern denselben +nicht abwehren?« -- Tasik antwortete: »Ich bin _Karadschu_, d. i. +Unterthan, und Dschebat ist _Urugh_, d. i. vom Herrscherhause, wie kann +sich der Karadschu mit dem Urugh schlagen?« -- Da sass Begtimur selbst zur +Verfolgung Dschebat's auf, der sich mit genauer Mühe mit zehn Reitern +rettete, nachdem er die Brücke von _Tschirameghan_ zerstört; dreissig +Parasangen weit verfolgte ihn die Truppe Borrak's, ohne ihn erreichen zu +können. Borrak machte sich jedoch nicht viel aus der Entweichung der beiden +ogotaischen Prinzen, Kipdschak und Dschebat, vertheilte ihre +zurückgebliebenen Truppen unter die seinen, und schwelgte, unbesorgt der +Zukunft. Merghaul wurde nach Nischabur gesandt, Borrak blieb zu Thalkan; +Nischabur wurde geplündert, und gleiches Loos hatte Borrak der Stadt Herat +bestimmt. [RN: 6. Ramasan 668/30. April 1269] Da stellte ihm Kotlogh Timur +vor, dass, wenn er sich den Herrn von Herat, Melik Schemseddin Kert, zum +Feinde mache, derselbe ganz Chorasan empören würde. Borrak gab der +Vorstellung Gehör und sandte den Kotloghbeg mit fünfhundert Reitern, den +Herrn von Herat in's Lager zu laden. Im Schlosse _Chaisar_ trafen sie +zusammen. Melik Schemseddin, ein staatskluger Kopf, folgte der Einladung; +er ward von Borrak ehrenvoll empfangen und mit Chorasan belehnt; Mehreres +noch versprach ihm Borrak nach Persiens Eroberung; sie sprachen von Nichts, +als von der Verheerung Bagdads und der Stadt Tebris, deren Schätze sie +schon im Gedanken theilten, indem der Herr von Herat sich dem +Lieblingsplane Borrak's hingab. Dieser begehrte von ihm eine Liste der +reichsten Einwohner Chorasan's. Schemseddin gab auch diese und begehrte die +Erlaubniss, nach Herat zurückzukehren, um dort Waffen und Pferde +aufzubringen. Die Einwohner Herat's gingen ihm entgegen und vernahmen +trostlos die mongolische Forderung; da aber indessen die Nachricht vom +Anzuge des Heeres Abaka's verlautete, zog sich Melik Schemseddin in das +östlich von Herat gelegene Schloss _Chaisar_ zurück; hier erwartete er +politisch den Ausgang des Kampfes zwischen dem Uluse Dschagatai und +Hulagu's, zwischen Abaka und Borrak, den Untergang des letzten +voraussehend[514]. + +[Randnote: Abaka's Aufbruch; Borrak's Niederlage.] + +Fast zwei Tage früher, als Borrak Nischabur verheerte, brach Abaka, von +allen seinen Brüdern, Jaschmut und Tekschin ausgenommen, die schon in +Chorasan, begleitet, dahin von der Gränze Aserbeidschan's auf. [RN: 4. +Ramasan 668/28. April 1269] Als er nach dem zwischen _Sendschan_ und +_Ebher_ gelegenen Distrikt _Schirgis_[515] gekommen (wo später die Stadt +_Sultanie_ erbaut ward), welchen die Mongolen _Kungurulang_ nennen, wartete +ihm der von Kubilai an ihn geschickte Gesandte _Tekadschek_ auf, welcher +von Borrak aufgefangen und in Verhaft gehalten, demselben entflohen war. +Auf die durch ihn erhaltene Kundschaft von der Schwelgerei und der +Sorglosigkeit Borrak's beschleunigte Abaka seinen Marsch; jenseits Rei, zu +_Kumis_, kamen ihm sein Bruder Tekschin, der General Arghun und sein Sohn +Arghun und mit ihnen der Sultan Kerman's bewillkommend entgegen; auf der +Ebene von Radegan wurden Gold und Silber in Menge unter das Heer vertheilt +und demselben mit Drohungen und Verheissungen die Erfüllung seiner +Pflichten eingebunden. Von hier ging der Marsch nach _Bachers_, dem +zwischen Nischabur und Herat gelegenen Distrikte, in der +Literaturgeschichte durch _Bachersi_, den Verfasser der berühmten +Blüthenlese, für immer geadelt. Gegen _Farab_, nicht zu verwechseln mit +Farab, dem Geburtsorte des grössten Philosophen und Gesetzgebers der +Tonkunst, _Farabi_, welchen die Araber den zweiten Lehrer, wie Aristoteles +den ersten, nennen, sandte er Streifparteien aus und beschäftigte sich mit +der Vertheilung des Heeres in verschiedenen Richtungen. Dem Bruder Jaschmut +übertrug er den Befehl des rechten Flügels, den _Obotai_ Nujan behielt er +bei sich im Mittelpunkte, den Bruder Tekschin sandte er nach +_Beldschaghran_, dem Jurte Merghaul's, wo einige der Vorposten Merghaul's +getödtet wurden; dieser eilte, dem Borrak die Kunde zu bringen, dass ein +feindliches Heer zugegen. Borrak sagte: Wenn Tekschin und Arghun wieder +zurückgekommen, so wissen wir schon, was von ihnen zu halten, da wir sie +geschlagen; ein Anderes wäre es mit Abaka; geh' und verrenne ihnen den Weg, +bis wir zur Schlacht gerüstet. Von Badghis aus sandte Abaka einen fündigen +Gesandten an Borrak mit Friedensanträgen: er wolle ihm Ghasnin und Kerman +und das Land bis an den Indus überlassen, er möge freiwillig zurückkehren; +wenn nicht, zur Schlacht gerüstet sein. Prinz Jesawur rieth zum Frieden, +weil Kipdschak und Dschebat entflohen und die Pferde noch schwach. Merghaul +ereiferte sich dagegen und behauptete, das anziehende Heer seien nur die +Truppen Tekschin's und Jaschmut's, indem das Abaka's in Syrien beschäftigt +sei. Dschelartai sprach im Sinne Merghauls: Wir sind zum Kriege ausgezogen; +wenn du Frieden gewünscht, wärest du besser jenseits des Oxus geblieben. +Borrak fragte den Astrologen _Dschelal_; dieser rieth, einen Monat zu +warten, indem die Ansichten der Gestirne ungünstig. Merghaul und +Dschelartai sprachen erzürnt dagegen; die Schlacht ward beschlossen. Abaka +befahl dem Emire Toghus, das Terrain auszuwählen. Er bestimmte am Fusse +eines Berges eine grosse Ebene, vom Flusse _Karasu_ durchschnitten. Drei +hier aufgegriffene Kundschafter wurden durch eine Kriegslist Abaka's +getäuscht, indem in ihrer Gegenwart ein eingelernter Bote die falsche +Nachricht brachte, dass zu Hause ihr Jurt von den Feinden im Norden +überfallen, schleunigen Rückzug fordere. Dieser wurde in der grössten Eile +veranstaltet, das ganze Lager im Stich gelassen; der Befehl zur Hinrichtung +der Kundschafter ward öffentlich, heimlich der gegeben, dass man einen +derselben entwischen lasse. Borrak mit seinen beiden schlachtlustigen +Feldherren, Merghaul und Dschelartai, gingen in die Falle; das +zurückgelassene Lager ward geplündert und dann der flüchtige Feind verfolgt +bis an den Ort, welchen Abaka zum Schlachtfeld ausersehen; Borrak, +betroffen, stellte sich am Flusse in Schlachtordnung auf. Abaka gab den +Befehl des rechten Flügels dem Bruder Tekschin und dem Emir Semghur, den +des linken dem Bruder Jaschmut, unter welchem die Generale Suntai und +Arghunaga; der letzte befehligte die Hilfstruppen von Kerman und Fars, +deren Anführer Sultan Hidschadsch und der Atabeg Jusufschah; Obotai +befehligte das Mitteltreffen. Merghaul fiel gleich Anfangs der Schlacht, +Dschelartai schlug den linken Flügel und drückte denselben bis Fuschendsch +zurück; der rechte Flügel und der Mittelpunkt hielten noch fest; als aber +auch die Truppen Abaka's zu wanken begannen, liess sich Suntai, der +neunzigjährige Feldherr desselben, auf einem Sessel mitten im Schlachtfeld +nieder und sagte zu den ihn umgebenden Offizieren: »Heut' ist der Tag, uns +dankbar gegen Abaka zu erweisen durch Sieg oder Tod.« Nach dreimaligem +Angriffe wurde Borrak geschlagen; sein ganzes Heer wäre verloren gewesen +ohne Dschelartai's Muth und Geistesgegenwart. Er sammelte die zerstreuten +Flüchtlinge und bewirkte ihren Rückzug über den Oxus. + +[Randnote: Ende Borrak's.] + +Borrak, der auf der Flucht vom Pferde gefallen und dazu vom Schlage berührt +worden, kam gelähmt nach Bochara, wo er sich zum Islam bekehrte und den +Namen Ghajaseddin annahm. Viele seiner Feldherren, seiner üblen Laune +ausgesetzt, verliessen denselben unter verschiedenen Vorwänden. Der Prinz +Ahmed Aghul, der Sohn Buri's[516], zog missvergnügt mit seinen Truppen nach +Pischbaligh. Tukai, die starkmüthige Gemahlin Borrak's, als sie dessen +Rückzug vernahm, bot sich ihrem kranken Gemahle an, aufzusitzen und ihm den +Prinzen zurückzubringen. Der Emir Mauldan erhielt den Befehl zur +Verfolgung, Borrak folgte in einer Senfte; auf der zweiten Station traf die +Nachricht ein, dass Prinz Nikpei, der Sohn Serban's, sich nach Chodschend +entfernt. Borrak sandte ihm den Prinzen Balighu, den Sohn Kadaki's, des +Sohnes Buri's, nach, und erschöpfte sich in Klagen über die Unstätigkeit +seiner Hilfsgenossen und über die Unfälle der letzten Schlacht: »Als ich,« +sagte er, »vom Pferde gefallen, als ich rief: Ich bin euer Padischah, gebt +mir ein Pferd! hörte mich keiner; Alle stürmten vorbei auf der Flucht, bis +ein _Karawine_ (ein Naphtafeuerwerker), Namens _Sali_, vom Pferde stieg, +mir dasselbe gab und statt desselben einige Pfeile begehrte, die ich ihm +reichte.« Er sandte den Bruder Jesar[517] an Kaidu, um sich über den +Abfall der Prinzen Kipdschak und Dschebat zu beklagen. Kaidu brachte ihm +die Treulosigkeit Borrak's in Erinnerung, welcher, während die Prinzen, +seine Brüder, mit Kipdschak die Rückkehr unterhandelten, den Dschelartai +nachsandte, um ihn zu überfallen; Jesar läugnete es. Kaidu versammelte +seine Emire zum Rath, stellte ihnen vor, wie verächtlich bisher die +Verbindung mit Borrak für das Haus Ogotai's gewesen; es ward beschlossen, +den Jesar in Gewahr zu halten und dass Kaidu selbst mit ein Paar Tomanen +unter dem Scheine, dem Borrak die begehrte Hilfe zu leisten, aufsitze, +weil, ehe sie ankämen, sein Loos entschieden sein würde. Indessen hatte +_Nauldar_ den Prinzen _Ahmed Buri_ und _Balighu_ den Prinzen _Nikpei_ +verfolgend erreicht und in dem ihnen gelieferten Treffen fielen Ahmed Buri +und Nikpei. Sobald Borrak hiervon Kunde erhalten hatte, sandte er an Kaidu, +dessen wahre Absicht er ahnte, Wort, um ihm für seine Hilfe zu danken, die +nun überflüssig geworden sei. Kaidu setzte nichtsdestoweniger seinen Marsch +fort; ehe er noch das Lager Borrak's erreicht, war dieser plötzlich +gestorben, vermuthlich durch neuen Schlaganfall getroffen. Als Kaidu dem +Lager nahte, hörte er die Todtenklage und sah die Wachen mit fliegenden +Haaren. Kaidu und alle Prinzen beweinten den Tod Borrak's; sie zogen die +Trauer an und Borrak's Leichnam wurde auf einem hohen Berge bestattet. Am +folgenden Tage erschienen die Prinzen _Mubarekschah_ (der Enkel +Muwatukjan's, aus dessen Sohn Kara Hulagu und der Frau Hirghana), _Kajan_ +und _Dschobai_, die Enkel des vor Olmütz gefallenen Paidar [Peta][518], und +liessen sich vor ihm, als dem älteren Prinzen, auf die Kniee nieder, sich +seinen Befehlen fügend. Sie klagten über die Behandlung, die sie von Borrak +erlitten; Kaidu versprach ihnen die Zurückstellung der ihnen weggenommenen +Güter und überliess ihnen den Schatz Borrak's zur Theilung. Mubarekschah +nahm mit eigener Hand die Ohrgehänge der Frau _Tukai_, der Gemahlin +Borrak's, vom Ohre. Borrak hatte vier Söhne hinterlassen: _Peik Timur_, +_Tewaburi_, _Tehu_ und _Uladai_; mit ihnen vereinigten sich die Söhne +Alghui's, die beiden obgenannten, _Dschobai_ und _Kijan_; des dem Kaidu +gegebenen Wortes vergessend, verheerten sie das ganze Land von Chodschend +bis Bochara und bis jenseits des Oxus. [RN: 671/1272] Drei Jahre hernach +kam auf Vortrag des Wesirs Schemseddin, dass es die höchste Zeit, den +Unordnungen im Lande jenseits des Oxus ein Ende zu machen, ein Heer unter +dem Befehle Jusuf's und Kurughdai's, der Söhne Dschintimur's, des +vormaligen Statthalters in Persien, nach Chuaresm; Gurgendsch, Chiwa und +Karakusch, wurden von Gütern geleert, mit Leichnamen gefüllt. Vor Bochara +schlugen sie sich mit dem dschagataischen Heere; [RN: 7. Redscheb 671/20. +Jan. 1273] sieben Tage dauerte die Schlacht, zehntausend Todte deckten die +Erde. Bochara ward von neuem mit Feuer und Schwert verwüstet, die Medrese +und die Bibliothek Mesudbeg's gingen in Flammen auf. Dies war eine strenge +Antwort (bemerkt Wassaf) auf das verächtliche Wort, welches Mesudbeg dem +Grosswesir Schemseddin zum Willkommen gesagt. Fünfzigtausend Jünglinge und +Mädchen wurden als Sklaven weggeschleppt; Dschobai und Kijan nahmen ihnen +jedoch die Hälfte wieder ab. Dieser Raubzug war das Werk der Einstreuungen +des Turkmanen _Okbal_[519]. Sieben Jahre lang blieb die Stadt verödet. + +[Randnote: Zweite Thronbesteigung; Halswunde; Todesfälle.] + +Nach der Niederlage Borrak's zog Abaka mit dem Heere nach seinem Thronsitze +in Aserbeidschan zurück; die Kriegszucht ward so strenge gehalten, dass, +wie auf dem Hinmarsche im Frühling, der Huf seiner Pferde kein Saatfeld +zertrat, jetzt auf dem Rückwege im Herbste vom Soldaten keine Garbe +geraubt, keine Traube abgerissen ward; eine Kriegszucht, so löblicher, je +ungezügelter die Raubsucht mongolischer Heere im feindlichen Lande. [RN: 1. +Rebiulewwel 669/18. Oct. 1270] Am achtzehnten October, dem in der +Geschichte durch vielfache Schlachten als Kriegsfest so berühmten Tage, +stieg er zu Meragha ab und zwanzig Tage hernach hatte im Lager zu +_Dschaghantu_ die zweite feierliche Thronbesteigung und Krönung statt, +[RN: 20. Rebiulewwel/6. November] indem die Gesandtschaft des Kaan's mit +der Bestätigung der Herrschaft als _Ilchan und Padischah in Iran_ mit dem +Herrscherdiplome eingetroffen war. Der Grund, dass sich diese Bestätigung +volle sechs Jahre erwarten liess, kann wohl blos in dem Bürgerkriege +Abaka's mit Nigudar und Borrak gelegen haben, weil, ehe das Loos der Waffen +durch die Niederlage von den beiden letzten die bleibende Herrschaft des +ersten entschieden, dieselbe feierlich zu bestätigen der Kaan Anstand nahm. +Zu gleicher Zeit mit den Gesandten des Kaan's trafen auch die Mengutimur's, +des Herrschers von Kipdschak, mit Geschenken ein, um zur siegreichen +Beendigung des Feldzugs Glück zu wünschen. Sie wurden ehrenvoll empfangen +und reich beschenkt entlassen. Auf einer der Stationen des Marsches, vor +der Ankunft zu Meragha, [RN: 2. Ssafer 669/20. Sept.] war Abaka auf der +Jagd durch das Horn eines wilden Stieres am Halse verwundet worden, so dass +das Blut aus der Wunde floss; um dasselbe zu stillen, unterband einer der +_Aidadschi_, d. i. der Küchenmeister, die Haut mit einer Bogensehne, so +dass es zu fliessen aufhörte, und er dafür von Abaka reichlich belohnt +ward; aber es hatte sich ein Senkel gebildet, welcher höchst beschwerlich +fiel und auch gefährlich schien. Keiner der Aerzte getraute sich denselben +zu öffnen, nur der grosse Astronom Nassireddin, welcher auch ein +geschickter Arzt, verbürgte sich, die Operation ohne Gefahr zu unternehmen; +er schnitt den Blutsack auf und reinigte die Wunde, die binnen einer Woche +geheilt war. Die allgemeine Freude hierüber ward durch den Tod der beiden +Prinzen _Jaschmut_ und _Tekschin_, die Oheime und treuen Waffengefährten +Abaka's in dem Kriege wider Nigudar und Borrak, getrübt. [RN: 8. Silhidsche +669/18. Juli 1271] Sechs Monate früher war auch Jesundschin, die Mutter +Abaka's, gestorben; ihr Lager erhielt die Gemahlin Abaka's, die Prinzessin +Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultans von Kerman. So hatte +Abaka Chan nach dem Tode seiner Stiefmutter, der grossen Frau Tokuschatun, +ihr Lager ihrer Nichte Tukini, der Beischläferin seines Vaters Hulagu, +verliehen, welche dreissig Jahre lang im Besitze desselben, worauf es +Kukadschi Chatun, eine Verwandte der grossen Frau Bulughan, der Gemahlin +Ghasan's, und nach deren Tode die Frau Keramun, die Tochter eines Vetters +der Frau Bulughan, erhielt, nach dessen Tode dieselbe unter der Regierung +Oldschaitu Chodabende's (des achten Ilchanen) die Frau Kotloghschah, die +Tochter Emir Irindschi's, eines Neffen der grossen Tokus, verliehen +ward[520]. So erbte der Besitz der Lager der Prinzessinnen zwar nicht +regelmässig fort, sondern ward theils mit Rücksicht auf die Erbfolge, +theils aus Gunst verliehen. In diesem Jahre der Rückkehr aus Chorasan ergab +sich endlich das Schloss der Assassinen _Girdkjuh_, [RN: 6. Rebiulachir +669/15. Dec. 1270] welches seit der Uebergabe von Alamut noch vierzehn +Jahre[521] ausgehalten, weil der letzte Fürst der Assassinen demselben zwar +den von Hulagu gestellten öffentlichen Befehl, sich zu übergeben, aber +heimlich sich zu halten, Wort gesandt hatte. _Girdkjuh_, das letzte blutige +Nest der Assassinen, vielleicht das _Gilgerd_ der Byzantiner, das Schloss +der Lethe, in welchem Staatsgefangene zur ewigen Vergessenheit eingesperrt +wurden; sowohl der Name als die Festigkeit desselben geben dieser +Vermuthung Wahrscheinlichkeit. + +[Randnote: Herrscher von Luristan; Tod grosser Männer.] + +Auf dem Rückmarsche von Chorasan nach Aserbeidschan war Abaka an der Gränze +Gilan's von einer Schaar dilemischen Gesindels aus einem Hinterhalte +angefallen worden. Jusufschah, der Sohn Schemseddin Alp Arghaun's, der +Atabeg von Gross-Luristan, welcher auf diesem Feldzuge den Chan als Vassal +begleitet hatte und sich eben in dessen Nähe befand, sprang vom Pferde und +wehrte durch seine Tapferkeit die Gefahr vom Haupte Abaka's ab. Zur +Belohnung dafür verlieh ihm der Chan zu Gross-Luristan noch den Besitz von +Chusistan, das Gebirge _Kiluje_ und die beiden Städte _Firusan_ und +_Dscherbadakan_; die erste, im persischen Irak in der Nähe von Firusan +gelegen, ward von _Firus_, dem Könige der altpersischen Dynastie der Beni +Sasan, erbaut, von welchem sie den Namen hat, in einer an Baumwolle, Korn +und Früchten aller Art gesegneten Gegend gelegen[522]. Dscherbadakan, auch +_Derbajekan_ oder _Güljadkjan_ genannt, ist eine zwischen Kerdsch und +Hamadan gelegene Stadt, welche Humai, die Tochter Behmen's, des Kejanen +(die Parisatis der Griechen), baute und _Samere_ nannte[523]. Jusufschah +begab sich nach dem Gebirge Kiluje (in Luristan) und schlug die Schulen, +den Sieg mit seines Bruders Nedschmeddin Tod bezahlend[524]. In Chorasan +schlugen sich indessen die Feldherren _Nikpei Behdi_ und der Turkmane +_Akbeg_ wider die dschagataischen Prinzen _Dschoba_ und _Kapan_, den Sohn +Alghui's, das Land verödend, wie bereits oben gesagt worden. Akbeg hätte +sich gerne mit seiner Beute zu Kaidu geflüchtet, aber einer seiner Brüder +kam zum Dienste des Steigbügels des Prinzen Arghun und entdeckte demselben +des Bruders Anschlag. Arghun berief den Turkmanen ein, um ihn an den Hof +Abaka's zu senden; auf dem Wege dahin wurde er zu _Kökdsche denis_, d. i. +am blauen Meere (am Uralssee), abgethan; so ward auch der Intendent Melik +Ssadreddin zu Rei hingerichtet. Der von Hulagu und Abaka hochgeschätzte +Sekretär _Dschenglaun Bachschi_ und der Feldherr Emir Arghun, der Sohn +Dschurmaghun's, starben natürlichen Todes. Zu Tebris stürzten alle Thürme +im Erdbeben ein. [RN: 671/1272] In diesem Jahre, wo zu Tebris Melik +Ssadreddin hingerichtet ward, starb zu Konia in Rum, dessen Fürsten unter +der eisernen Ruthe mongolischer Vogtschaft standen, der grosse mystische +Scheich Ssadreddin von Konia; im nächsten Jahre aber hatten Astronomie und +Philosophie, Mystik und Poesie noch weit grösseren Verlust zu beklagen in +dem Tode Nassireddin's von Tus, des Werkzeugs des Sturzes der Assassinen +und des Chalifats, des Errichters der Sternwarte von Meragha, des +Verfassers der berühmten Metaphysik und Ethik, deren schon oben Erwähnung +geschehen, und des grössten mystischen Dichters der Perser, _Mewlana +Dschelaleddin's_ Rumi, beigenannt der Molla Kaiser, des Verfassers des +Mesnewi, des Stifters der Mewlewi. Nassireddin von Tus befand sich am Hofe +Abaka's im Mittelpunkte des Reichs als der Repräsentant der Wissenschaft, +während die Mystik und Poesie in den äussersten Enden desselben, in Rum und +in Fars, blühten, in Rum durch die obengenannten beiden grossen Scheiche +Dichter, in Fars noch durch _Saadi_, den wahren König der persischen +Dichter seiner Zeit, wiewohl _Hemker Farsi_ das Amt des Dichterkönigs am +Hofe der Atabegen zu Schiras bekleidete; dass aber schon damals der +Dichterkönig von Amtswegen nicht unbedingt als der grösste Dichter erkannt +ward, beweiset, was Dewletschah in seinen Lebensbeschreibungen persischer +Dichter bei der Imami's von Herat erzählet. In einer Abendversammlung +stritten sich die vier geistreichsten und gelehrtesten Staatsmänner +Abaka's, nämlich der Wesir Schemseddin Dschuweini, der Statthalter Rums +Moineddin Perwane, der Richter Mewlana Schemseddin und der Intendent Melik +Iftichareddin von Kerman, einen Abend lang darüber, ob _Saadi_, ob _Imami_ +aus Herat oder _Hemker Farsi_ (der Dichterkönig) der grösste Dichter; sie +kleideten diese Frage in Versen ein[525] und sandten dieselben zur +Entscheidung an den Dichterkönig von Amtswegen; dieser antwortete +bescheiden und wahr: + + Obwohl ich bin ein Papagei durch süssen Sang, + Bin ich die Fliege nur von Saadi's Zuckermund; + Und soll ich thun ein allgemeines Urtheil kund, + So läuft _Imami_ mir und _Saadi_ ab den Rang. + +Wie tief persische poetische Bildung damals in Staatsgeschäfte eingriff, +wird sogleich aus dem Verhältnisse und Briefwechsel des gelehrten Wesirs +Schemseddin Dschuweini mit Melik Schemseddin Kert, dem Herrn von Herat, +erhellen. + +[Randnote: Schemseddin Kert.] + +Melik Schemseddin Kert, welchem schon Tschengischan die Herrschaft von +Herat überlassen und welchen sein dritter Nachfolger, Mengku, als Herrn von +_Herat_, _Sebsewar_, _Ghur_ und _Ghardschistan_ bestätiget hatte, war ein +unternehmender, staatskluger, hochgebildeter Fürst, dessen Arm nie seinem +Kopfe zuvoreilte und dieser nie hinter jenem zurückblieb. »Er war,« sagt +Wassaf, »ein Mann von hohem Geist und erhabenem Sinne, der sich der +Humanitätswissenschaften befleisst. Er vereinigte in sich die beiden Lehren +von den Fingern und von den Speeren, gleich geschickt zu tanzen den Reigen +der Worte und der Lanzen. Inhaber von Büchern und von Heeresschaaren, ein +Bereiter, kundig, die Stufen und Grade zu bewahren, der auf Orion's +Schultern sass und auf denselben, als seinem Reitpferde, die Himmel +durchmass. + + Schüttelt die Hand er zum Wohlthun, so ist sie ein Meer, + Schüttelt die Hand er zum Kampfe, so ist sie ein Speer; + Wann sich die Erde verfinstert, so ist er die Sonne, + Wann sie verdorret, erfrischt er als Guss sie mit Wonne.« + +Sein Vater, _Kert_, war zur Zeit der Sultane _Ghurs_ einer ihrer Emire und +gehörte zu den nächsten Umgebungen Sultan Schihabeddin's, des neunten +Herrschers von Ghur, welcher vor Sultan Mohammed Chuaresmschah sich nie +gebeugt. Zu Beginn der Regierung Mengkukaan's, als wider diesen Jesui +Menluk, der dritte Sohn Dschagatai's, ein Heer gerüstet, ward Schemseddin +Kert geschlagen und flüchtete zu Batu, fand sich aber, sobald Mengku die +Prinzen, seine Nebenbuhler um den Thron, aus dem Wege geräumt, am Hofe +desselben huldigend ein. Er trug vor, dass, weil er bei der Annäherung des +Heeres Tschengischan's demselben huldigend entgegengekommen, er von +demselben mit dem Lande Ghur[526] mit dem tiefeingeschnittenen +Schluchtlande des nordöstlichen Sistan's ober Kabul und mit Ghardschistan, +dem nördlich von Ghur unter Balch gelegenen Gebirgslande belehnt worden +sey. Mengku bestätigte ihm nicht allein den Besitz der beiden +Gebirgslandschaften von Ghur und Ghardschistan[527], deren Einwohner +derselbe Schlag von Menschen, durch Diplom und das Ehrenzeichen des +Löwenkopfs, sondern schlug noch Herat und Nimrus, jenes östlich, dieses +südlich von Ghur (das eigentliche Sistan), dazu. Schemseddin begab sich in +den Dienst Arghun's, des Statthalters in Chorasan, und erhielt von +demselben das ganze Land bis an die Ufer des Oxus in Acht und Pacht. Auch +Hulagu hatte denselben mit Ehren und Geschenken ausgezeichnet, aber schon +im Jahre nach der Eroberung Bagdads [RN: 658/1259] (bei welcher er nicht im +Heere Hulagu's erschienen) entbrannte wider ihn der Zorn Hulagu's in so +hohem Grade, dass er dem wider ihn gesandten Heerführer Tegur den Auftrag +gab, ihm die Haut Schemseddin Kert's mit Stroh ausgestopft zu schicken. +Kert schlug nicht nur die Truppen Tegur's, sondern auch ein zweites, wider +ihn gesandtes ilchanisches Heer zu Schelaun, an der Gränze Herats, sandte +aber dann Botschaft der Unterwürfigkeit und Geschenke an Hulagu und erhielt +dessen Verzeihung. Als er, am Hofe angelangt, von Hulagu befragt ward, +warum er ohne Befehl den Statthalter von Nimrus getödtet, antwortete er +schlagfertig: »damit der Padischah an ihn nicht dieselbe Frage stelle, wie +jetzt an mich.« Dem Hulagu gefiel die Antwort, und er nahm den Herrn von +Herat und Ghur wieder zu Gnaden auf; Schemseddin machte in Hulagu's Geleite +den Feldzug wider Berke mit und erwarb sich dessen Zufriedenheit durch +Tapferkeit und Ergebenheit; aber in dem Feldzuge wider Chorasan fiel er in +die Ungnade Abaka's, weil er der Einladung des Prinzen _Tebsin_, in dessen +Lager zu erscheinen, nicht Folge geleistet, in seinem festen Schlosse von +Chaisar fest sass. Abaka sandte Truppen, um denselben durch Gewalt zu +bezwingen. Schemseddin machte Vorstellungen wider diese Massregel, wodurch +Chorasan von neuem verheert werden würde; er bat den Ilchan, die +Schlichtung dieses Geschäfts seinem Sohne Chodscha Behaeddin, dem +Statthalter von Issfahan, zu überlassen. + +[Randnote: Briefwechsel zwischen den beiden Schemseddin (Kert und +Dschuweini)] + +Schemseddin Kert, an hohem Muthe und Geist ein würdiger Zeitgenosse und +Nebenbuhler des Wesirs Schemseddin Mohammed Dschuweini, sandte an diesen, +als er die Annäherung der wider ihn gesandten Truppen vernahm, die +folgenden Verse: + + Wer schickt nach Chata Botschaft an den Türkenchan? + Ist nicht _Nimrus_ das Vaterland von _Purdestan_[528], + Von dessen Schwerte und von dessen Stiereskeule + Das Haus Efrasiab's noch heute trägt die Beule? + +Schemseddin Dschuweini, um als Dichter nicht zurückzubleiben und um die +Sache in Gutem beizulegen, sandte Schemseddin Kert das folgende Schreiben, +halb in Versen, halb in Prose: + + »Reichsglanz, o König _Schemseddin Mohammed Kert_, + In dem der König und der Engel[529] sich bewährt. + Wie schwer dem Herzen deine Trennung fällt zur Last, + Wird nicht von Genien, von Menschen nicht gefasst. + O Du von hellem Sinn und von wahrhaftem Wesen, + Es ziemt sich, dass, wenn du diess Schreiben hast gelesen, + Du, wie der Wind, entflammst der Wunscherreichung Gluth, + Und diesen Staub abwaschest mit der Vorsicht Fluth. + +Da der Gebrauch des lieblosen Himmels und des trübseligen Erdgetümmels +droht, dass sie das Begehrte und Beliebte hinter dem Schleier der +Verwehrung verstecken und den Zweck des Herzens und der Seele ferne +stecken, so geschieht es, dass alle Lüsten und Mühen, welche sich der +Menschenliebe geben, nur Beschwerden und Gefahren nach sich ziehen, und +dass sie allzumal in der Wahl der Sicherheit, wie sie dieselbe immer +erfinden, nur Stoff der Entäusserung und Täuschung finden. + + Weltenbrauch ist's einmal nun, + Stäts das Gegentheil zu thun; + Hätten wir die Eintracht nicht begehrt, + Hätte Welt dieselbe uns gewährt. + + O wenn Genuss zu uns doch heute wiederkehrte, + Ich würde sagen ihm, wie Trennung uns beschwerte. + +Der Sinn des Gesagten ist: Seit Jahren ist das Ohr der Seele und die Seele +des Ohrs mit dem Schalle der Grossmuth des Königs des Islams, des +Herrschers von Iran, des Chosrews der Erde, die Sonne der Wahrheit und der +Religion (die Welt sei seinen Geboten und Verboten unterthänig und der +Himmel seinem Vorhaben günstig!) als mit einem Ohrgehänge geschmücket und +entzücket worden, und dieser elende Sklave Mohammed Ben Mohammed +El-Dschuweini hat gewünscht, dass er von Angesicht zu Angesicht denselben +schaue; als es nahe daran war, dass dieser Wunsch erfüllet worden ganz und +gar, brach von dem Loos eine geheime Absicht der Verzögerung los (sie möge +nur Gutes bewirken!); das erstaunte Herz blieb ohne Kopf und die Seele +blieb nur das Ergebniss des Spruchs: _Der Gierige bleibt beraubt zurück:_ + + Ein Engel sitzt an des lazurnen Daches Rand, + Der für die Liebenden dort bildet Scheidewand. + +Seit einigen Tagen sind Boten des Prinzen Mohammed von jener Seite gekommen +und haben erfreuliche Nachrichten von beglückter höchstdero Seite gebracht. +Diese Kunden hatten des Messias Eigenschaft, dessen Wunderkraft Todte in's +Leben rafft; der Kiel des Schreibers der Kunden hatte über die +Nothwendigkeit, sich vor Seiner Majestät dem Ilchan zu hüten, sich +herausgelassen; hier erkühnt man sich aber, zu schreiben, dass der Weg +unnöthiger Behutsamkeit des leeren Verdachts möge verschlossen bleiben, +indem der Vorsatz jener Majestät (des Ilchan's) nach Westen und nicht nach +Osten steht.« + +Hierauf antwortete Schemseddin Kert, wie folgt: + +»Da die Tage und Nächte, die nacheinander ziehen, sich dahin bemühen, dass +kein Geschöpf den Wunsch des Herzens erreiche, und dass jeder Gedanke, auf +welchen man das Herz setzt[530], verändert sich nimmer gleiche, so nützen +Nichts Fleiss und Streben, und Mühen und Beschwerden können keinen Gewinn +geben. Jahre sind es, dass ich mit Gebet und Fasten und Bitten ohne Rasten +gewünscht das verehrte Antlitz des grossen Inhabers (des Diwans), des +gerechtesten und geehrtesten Wesirs, dessen Rath und That gesiegt, der die +Sonne des Reichs und der Religion (seine Würde werde vermehrt!), zu sehen +und demselben alten und neuen Gram zu gestehen, aber + + Da mit den Feinden viel der Freund ist umgegangen, + Geziemt sich nicht, von diesem Freunde zu verlangen: + Hüt' vor dem Honig dich, dem Gift ist beigemischt, + Und vor der Fliege, die gesessen ist bei Schlangen. + +Durch die Frische der Rosenzeit und durch die Bewässerung der Jahre wurden +die Banden der Eintracht und Freundschaft und die Formen der Liebe zwischen +beiden Seiten befestigt und das Gebäude der Einigkeit stark und hart vor +den Giftwunden alles Fremdartigen bewahrt, die Kibla der Wahrheit +zugewendet, und es wurden alle Tage Briefe gesendet, einzuladen Tataren und +lasterhafte Barbaren. (Hemistich) + + _Was dir gefällt, gefällt mir nicht._ + +Diess liegt aber ausser der gesunden Vernunft Pfaden, und es ist zuwider +dem reinen prophetischen Gesetze und den Ueberlieferungen Mustafas, des +Freunds der Gnaden. + + Besser ist's, dass Weiser einsam streife, + Dass nach Winkeln er als Festen greife, + Dass er trinke, küsse und ausschweife, + Bis dass Welt Beständigkeit ergreife. + +In diesen Tagen wird an den Sohn Mohammed kommen, was soll frommen, so Gott +will, der Allgeehrte.« + +[Randnote: Schemseddin's Verse: das Grün und Roth.] + +Die Verse, welche Schemseddin Kert mit Schemseddin Mohammed gewechselt, +sind nicht die einzigen, welche die Geschichte von diesen beiden _Sonnen +der Religion_ aufbehalten; vom zweiten wird noch in dieser und in der +folgenden Regierung die Rede seyn; vom ersten sprechen wir hier zum +letztenmale und erwähnen daher noch zwei anderer Früchte seines +Dichtertalentes, wovon das eine nur von geringem poetischem Werthe, weil +das grösste Verdienst desselben im Wortspiel, das andere aber so +merkwürdiger, als es in Europa neuer Beitrag nicht zur ethnographischen, +wohl aber zur ethographischen Farbentheorie der Morgenländer. Das erste, +eine Antwort an _Siadeddin_, das ist _Glanz der Religion_, den König von +Kabul, mit welchem Schemseddin in grosser Zerwürfniss und Bewilderung. +Jener schrieb ihm: + + Aus Groll gen Kabul wollte ghurscher Junge + Nicht lösen zum Gespräch mit mir die Zunge; + Du bist die _Sonn'_, ich _Glanz_; ein Jeder weiss, + Die Sonne macht durch Glanz nur hell und heiss. + +Schemseddin Kert entgegnete hierauf: + + Du, deiner nicht bewusst, nimm dich in Acht! + Warum hast Feindschaft du mit mir gemacht? + Ich bin die _Sonne_ und du bist der _Glanz_, + Der von der Sonne kommt; was will der Glanz? + +Die zweiten Verse sind zum Lobe des _Grünen_ im Gegensatze mit dem +_Rothen_, worunter aber keineswegs das Grün der Erde, des Meers oder +Smaragds, oder das Roth des Morgens oder der Blumen oder des Rubins, +sondern ganz ein anderes Grün und Roth verstanden wird. Ohne nähere +Belehrung hierüber würde das folgende Lob des _Grünen_ und _Rothen_ einem +Abendländer eben so unverständlich sein, als einem Morgenländer die _grüne_ +und _blaue_ Partei des Rennplatzes gleich Eingangs der Commentare Mark +Aurel's. Die Farben des Lebens und Todes des Morgenländers sind, wie bei +den Abendländern, das Weiss der Tage und das Schwarz der Nächte, jenes +Glück, dieses Unglück vorbedeutend, worin er mit dem Abendländer +übereinstimmt; aber schon bei dem Unterschiede der Menschenrassen setzt +jener den Schwarzen nicht die _Weissen_, sondern nur die _Rothen_ entgegen; +so ist Mohammed der an die _Rothen_ und _Schwarzen_, d. i. an alle Rassen +der Menschen, gesandte Prophet; die _Rothen_ sind jenen die blutigen Säbel +und der gewaltsame Tod, die _Schwarzen_ die giftgeschwollenen Schlangen +und der Tod durch die Pest; dem _Schwarzen_ steht das _Grün_ entgegen; dem +_schwarzen Korn_, die Begier, das jedem Menschensohn in die Brust gepflanzt +ist, und das nur dem Propheten durch Gabriel der gespaltenen Brust +entnommen ward, ist entgegengesetzt das _grüne_ Korn der Mystiker, welches, +durch Beschauung gross gezogen, in der Brust des Menschen zum Baume des +Lebens und der Erkenntniss aufwächst. Das _grüne Korn_ in rein sinnlicher +Bedeutung ist aber das des Bilsenkrauts und des daraus bereiteten Opiats +als Berauschungsmittel, im Gegensatze des _Rothen_, d. i. des Weins. +Schemseddin, dem Genusse des ersten ergeben, sang zum Lobe desselben die +folgenden Verse: + + Der Reiche, welcher trinket Wein, wird warm, + Die Welt füllt sich für ihn mit Lust statt Harm. + Ich giess' Smaragd in den Rubin gelinde[531], + Damit das Aug' der Gramesschlang' erblinde[532]. + Wenn Staub des grünen Korns versüsst das Maul, + Besteige ich des Himmels grünen Gaul; + Mit _Grünen_ ess' ich _Grünes_ in dem _Grün_, + Bis dass mein Staub wird einst als Pflanze grün. + +Wassaf entgegnet hierauf zum Lobe des _Rothen_: + + _Rothe_ Rose, _rother_ Wein und _rothe_ Wangen; + Trink', so lang noch frisch und _roth_ ist das Verlangen; + Gilb' nicht dein Gesicht mit Gram, denn _blau_ ist Himmel, + Wenn auch _schwarz_ und _weiss_ des Tags, der Nacht Gewimmel. + +Behaeddin, der Sohn Schemseddin Dschuweini's, beredete zwar den Herrn +Herats, sich an den Hof Abaka's zu begeben, aber dieser liess ihn im +Schlosse von Tebris einsperren, wo er bald hierauf starb, wie es heisst, +durch Gift, das er im Ringe trug und selbst in die Speise gemischt haben +soll. Die Meinung von seiner Listigkeit war so gross, dass der zur +Begräbniss bestellte Emir, fürchtend, er möge sich nur todt stellen, um +dann zu entwischen, ihn in zwei ineinander geschachtelte Särge legen und +beide in seiner Gegenwart fest vernageln liess[533]. Das auf seinen Tod +verfasste Distichon finde hier Raum, weil dasselbe, wie die obigen Verse, +sich auf eine dem Morgenländer eigene Sitte, nämlich auf die der +Orakelverse aus dem aufgestochenen des Korans beziehen. Dieses Aufstechen +heisst _Fal_, was vielleicht dasselbe mit dem deutschen und englischen +_Fall_[534]. + +[Randnote: Schewwal 676/März 1278] + + Im Jahr sechshundert sechs und siebzig im Schewwal, + Da schlug in dem Koran das Schicksal auf als _Fal_ + Dem Leu'n des Islams, der genannt _Mohammed Kert_, + Den Vers: _Verfinstert ward die Sonne allzumal_. + +[Randnote: Die Niguderischen Banden in Fars; Lob der Mongolen aus dem Munde +Wassaf's.] + +Das Todesjahr Schemseddin Kert's, dasselbe, in welchem in Europa Rudolph +von Habsburg die Macht seines Hauses nach dem Siege über Ottokar +befestigte, war für Persien ein unheilbringendes durch die Vergiessung +seines Herzblutes in Fars durch den Einfall und die Verheerung der +Niguderischen Banden[535], d. i. die Truppen des dschagataischen Prinzen +Niguder, welcher, wie oben erzählt worden, auf Borrak's Schreiben aus dem +Lager Abaka's entwichen, im Norden eine Zeit lang den Krieg fortführte, +welchen nach seinem Tode seine Heere durch Raub und Verheerung fortsetzten, +wie ehemals nach dem Sturze Chuaresmschah's die chuaresmischen Banden in +Syrien. Die niguderischen Banden bestanden aus Raubgesindel aller Nationen, +aus Scholen, Mongolen, Turkmanen und Kurden. Sie fielen in Fars im +Distrikte _Korbal_ ein und schlugen das persische Heer zu _Teng Schikem_, +wo die Emire desselben die Brücke so abgebrochen hatten, dass nur für Einen +Mann Raum zum Uebergang. Zwei Vögte Abaka's ertranken im Flusse, nur +_Bulghtuwan_ hieb sich mit dreihundert Reitern durch den rechten Flügel der +Feinde und rannte, indem er die Brücke hinter sich verbrannte, fliehend bis +Issfahan; der Rest des Heeres wurde zerstreut oder ertrank. [RN: 17. +Ramasan 677/1. Febr. 1278] Korbal wurde geplündert, dreitausend +verschnittene Pferde wurden sammt einer Horde von Mädchen und Knaben +weggeschleppt. Drei Jahre später [RN: 680/1281] überschwemmten die +mongolischen Banden abermal Germsir, d. i. die südlichste Landschaft von +Fars, und wandten sich dann gegen Sistan; jeden Winter fürchtete man zu +Schiras ihre Rückkehr und war mit Ausbesserung der Mauern beschäftigt, denn +auf die verweichlichten Truppen von Fars war kein Vertrauen zu setzen. +Wassaf setzt der Schilderung der Weichlichkeit von jenen die der Tapferkeit +der Mongolen mit folgenden Worten entgegen: + +»Wenn die Braven der alten Zeit, denen noch nach Jahrtausenden die +Erzählungen der Kunden in Vers und Prose geweiht, und deren Mannhaftigkeit +und Tapferkeit die Gemälde der Bücher und Blätter weit und breit, wieder +zur Welt zurückkämen, so könnten sie auf der Rennbahn ritterlicher +Waffenthat in den Sitten und Gebräuchen der Schlacht von jedem einzelnen +Mongolen Lection nehmen und Nichts Besseres thun, als im Dienste ihres +Steigbügels die Satteldecke auf die Schulter zu nehmen. Wenn die +berühmtesten Bogenschützen vergangener Völker, von den Arabern die Stämme +_Siraa_ und _Kara_ und von den vier persischen Dynastien die berühmtesten +vier Schützen, nämlich: _Aresch Schefatir_[536], _Isfendiar Rujinten_[537], +_Koresch Aschghan_[538] und _Behramgur_[539], deren Bogenkunde das Buch von +den _Graden der Reiter_ so umständlich ausführt und commentirt; wenn diese +den Flug der Geschosse der Mongolen, die Stärke ihres Arms, die Spannung +ihrer Bogen, die Wirkung ihrer Pfeile erführen, so würden sie sich nur als +Verwundete des Pfeiles der Eifersucht getroffen vor dem Geschosse der +Schmach und den Pfeilen des Schmerzes prostituiren. Ueber die Heftigkeit +und Hartherzigkeit, die Gewaltsamkeit und den Grimm der Mongolen, über ihr +Talent, Schwierigkeiten zu besiegen, und die zu erniedrigen, die ihnen +unterliegen, über ihre Kunst, zu kriegen und Helfer anzufesseln ihren +Siegen, ist es überflüssig, Etwas zu wiederholen: _Was thut Saturnus Noth, +wenn du die Sonne schaust!_ Sie gewähren der Gelegenheit die Macht, mit +kühnem Herzen einzig in der Kraft durch Geduld Alles zu verschmerzen, +listiger als der Fuchs, wenn sie Etwas verfolgen; am Tage der Schlacht +spalten sie die Herzen der Löwen mit Macht und brechen den Damm der +Zufälle, so dass es kracht. Die Ueberlieferung von Nassir Ben Sejar, einem +der Rechtsgelehrten Turkistans, bestätigt diese Worte und steht hier an +ihrem Orte. Man sagt, dass der Kämpe der vollkommene zehn Eigenschaften der +Thiere besitzen müsse: die Tapferkeit des _Hahns_, die Milde des _Huhns_, +das Herz des _Löwen_, den Anfall des _Schweins_, die Geduld des _Hundes_ in +Ertragung von Wunden, die Behutsamkeit des _Kranichs_, die List des +_Fuchses_, die Vorsicht der _Raben_, die Raubsucht des _Wolfs_ und die Ruhe +der _Katze_. Diese Lehre schärfen sie bei jeder Gelegenheit ein. Mit +Billigkeit muss man gestehen und zugeben, dass das Werk der Welteroberung +und Reichszertrümmerung für dieses Volk ward gegeben; ihre Folgsamkeit für +die Befehle ihrer Befehlshaber, ihre Sorgfalt, sich von aller Empörung zu +enthalten, ihre Hut von Haus und Gut ist von allen Vernünftigen geschätzt +und ausser Zweifel gesetzt.« + +[Randnote: Verhältnisse mit Aegypten; natürliche Politik.] + +Auf die kriegerischen Eigenschaften der Mongolen und ihre Feindschaft gegen +die Mamluken hatten die Kreuzfahrer in Syrien ihre Hoffnungen gebaut, und +eine Gesandtschaft derselben flehte Abaka um thätige Hilfe an. Auf seinen +Befehl fiel ein von _Semaghar_, dem Befehlshaber der mongolischen +Streitkräfte in Kleinasien, und von _Perwane_, dem mongolischen Vogte +Kleinasiens, befehligtes Heer in Syrien ein. [RN: 670/1271] Der Vortrab von +tausend fünfhundert Mann hieb einen zwischen Harun und Antiochien +gelagerten turkmanischen Stamm zusammen und verheerte das Gebiet von Harun +und Murudsch. Auf die erste Kunde hatte Bondokdar, der sich zu Damaskus +befand, [RN: 18. Rebiulewwel/24. Oct. 1271] einen Eilboten nach Kairo mit +dem Befehle, dass der General _Beiseri_ mit dreitausend Mann aufbreche, +gesandt. Bondokdar verliess mit demselben Haleb, [RN: 12. Nov.] aber die +Mongolen hatten sich schon aus Syrien zurückgezogen. Sultan Beibars sandte +eine Truppenabtheilung nach Meraasch, dem alten Germanicia, der Hauptstadt +der noch heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, die anderen +nach Harran (dem alten Carra zur Römerzeit), durch den Tod des Caligula, +durch die Niederlage des Cassius, in älterer Zeit durch den Tempel der +Sabäer, namentlich durch den der Luna, und als der Wohnsitz Abraham's im +Lande _Ur_ geschichtlich geadelt. Die Einwohner Harran's öffneten die Thore +und zerstreuten sich in die Städte Syriens; aber im nächsten Jahre kam eine +mongolische Truppe und schleifte die Mauern der Stadt. Zu Damaskus +erschienen vor Bondokdar Gesandte Semaghar's und Perwane's, welche im Namen +Abaka's Friedensunterhändler begehrten; der Sultan sandte zwei seiner +Officiere mit ihnen, welche den Feldherrn Semaghar zu Siwas fanden und ihm +statt der gewöhnlichen neunmal neun Geschenke nur neun Bogen und neun +Pfeile darbrachten, den Abgang der andern neunmal sieben durch die +Eilfertigkeit ihres Ritts entschuldigend. Perwane begleitete die Gesandten +des Sultans an den Hof Abaka's, dem sie zum Geschenke einen Helm von +Igelstacheln, einen Säbel und neun Pferde darbrachten und ihm den von Mengu +Timur, dem Herrn von Kipdschak, gemachten Vorschlag eines +gemeinschaftlichen Angriffs auf die Länder Abaka's im Norden und Süden +mittheilten. Die Stammeifersucht zwischen dem Feldherrn des Uluses Hulagu's +und Dschudschi's, welche unter Hulagu und Berke in offenen Krieg +ausgebrochen, unter Abaka's Regierung nur durch Waffenruhe, nicht durch +Frieden besänftiget war, machte die Herrscher Kipdschaks zum natürlichen +Verbündeten der Sultane von Aegypten, so wie gemeinsames Interesse wider +die letzten die Kreuzfahrer wider die Mongolen verband, während die +Schaukelpolitik der byzantinischen Kaiser sowohl an den Herrscher des +Uluses Dschudschi's als an den des Uluses Hulagu's die Sendung von +Gesandtschaften und Prinzessinnen vervielfältigte, um ihre, den Rest des +byzantinischen Reichs in der Hauptstadt bedrohende, von allen Seiten +hervorbrechende Macht so lange als möglich ferne zu halten. Dieses +sogenannte natürliche Interesse, wodurch die nächsten Nachbarn geborne +Feinde eines Staats, sowie die unmittelbaren Gränznachbarn der Feinde +geborene Verbündete, ist eine Parallele barbarischer Politik zu der nicht +minder barbarischen türkischen Ansicht der Familienverhältnisse, vermöge +welcher die Söhne die natürlichen Feinde der Väter, sowie ihre natürlichen +Freunde die Enkel, weil diese als Feinde ihrer Väter geboren. Hier wie dort +misst der niedrigste Eigennutz der Habsucht die Grade der Freundschaft und +Feindschaft im umgekehrten Verhältnisse der Entfernungen der Länder und des +Bluts, und diese bisher sogenannte natürliche Schaukelpolitik, welche +vielmehr mit dem Namen der unnatürlichen gebrandmarkt sein sollte, muss in +dem Masse verschwinden, als sich die Völker durch gegenseitigen Austausch +der Ideen verbinden und die Bildung der Humanität fortschreitet; sie wird +sich (sowie die Familienansicht der Feindschaft der Söhne und Freundschaft +der Enkel schon heute keine christliche und europäische mehr) zuletzt nur +bei den Barbaren finden, so lange es deren noch auf Erden geben wird; dass +diese Politik aber im Mittelalter und besonders im byzantinischen und +mongolischen Reiche, bei den Mamluken und Kreuzfahrern culminirte, darf bei +der allen gemeinsamen, vorherrschenden Barbarei jener Zeit nicht Wunder +nehmen. + +[Randnote: Streifzug in Armenien.] + +Im folgenden Jahre sandte Abaka eine zweite Botschaft an Beibars, um zu +begehren, dass der Sultan selbst oder einer der ersten Männer des Reichs an +den Hof Abaka's komme, den Frieden zu unterhandeln. [RN: Ssafer 671/Aug. +1272] Bondokdar antwortete: wolle der Ilchan den Frieden, so möge er selbst +oder einer seiner Brüder an den Hof des Sultans kommen. Auf die Nachricht, +dass mongolische Truppen die beiden Gränzplätze _Rahbet_ und _Birtha_ am +Euphrat bedrohten, brach Bondokdar auf und führte auf Kameelen zerlegte +Schiffe mit sich, um damit den Euphrat zu überschiffen. [RN: 9. Rebiulewwel +671/4. Oct. 1272] So haben wir noch jüngst erlebt, dass zur Einrichtung +der Dampfschifffahrt auf dem Euphrat das Schiff der Wüste durch die Wüste +Schiffe trug. Durch die Taubenpost hatte Bondokdar die Nachricht erhalten, +dass die Mongolen vor Bire, und durch dieselbe versprach er der Stadt den +schleunigsten Entsatz. Er hielt Wort; denn die sieben und zwanzig +Poststationen zwischen Damaskus und Bire wurden in sieben Tagen +zurückgelegt; die mitgeführten Schiffe waren aber entweder nicht angelangt +oder zu wenig, denn der Uebergang über den Euphrat ward mittels fünf und +dreissigtausend Kameelen[540] bewerkstelligt, auf denen das Heer +überschwamm. Die Mongolen, wiewohl an Zahl doppelt dem ägyptischen Heere +überlegen, zogen sich zurück; Bondokdar verfolgte sie und erbeutete von den +Nachzüglern einen grossen Theil des Gepäcks; mit demselben und einer +grossen Anzahl von Gefangenen zog er im Triumphe zu Damaskus ein. Der +Befehlshaber von Haleb, Hossameddin von Aintab, sandte einen Streifzug nach +Armenien, weil dasselbe für die Streifereien des Kastellans von _Kinuk_ die +begehrte Genugthuung nicht gegeben. Kinuk wurde genommen, die Männer wurden +niedergehauen, die Weiber in die Sklaverei geschleppt; die Mauern der +Hauptstadt Sis widerstanden, aber Tarsus wurde eingenommen und verheert. +Beibars vernahm zu Kairo die Verheerung Armeniens und den Marsch Abaka's +längs des Sab gegen den Euphrat; er bot das ganze Heer auf und begab sich +nach Damaskus, wo er ruhig blieb, da kein Feind sich zeigte. An seinem Hofe +erschien der vom Hofe Abaka's flüchtige Melik Schemseddin Behadir, Herr von +Samosate, Sohn des Grossmundschenken des letzten Schahs von Chuaresm, +welcher nach desselben Tod sich einiger Schlösser um Nachdschiwan und +endlich der Stadt Akserai bemächtigt hatte; [RN: 17. Ssafer 672/2. Sept. +1273] er hatte schon seit geraumer Zeit dem Sultan verrätherische Dienste +geleistet und durch einen auf seine Veranlassung im Namen des Sultans an +einen christlichen Bischof in Persien geschriebenen, von Reliquien +begleiteten Brief, den er hernach auffangen liess, die Hinrichtung dieses +Bischofs bewirkt[541]; auch wider den Katholikos, d. i. den Patriarchen der +Nestorianer, welcher, von den Moslimen durch falsche Anklagen verfolgt, +Bagdad verlassen und sich zu Irbil niedergelassen hatte, war neue +Verfolgung im Anzuge; um derselben zu entgehen, verlegte er seinen Sitz von +Irbil nach Aschim in Aserbeidschan[542], in der Nähe der Hauptstadt, weil +die Tyrannei nur am leidentlichsten im Mittelpunkte. Beibars, der sich über +Verletzungen des mit dem Könige von Armenien geschlossenen Vertrags zu +beklagen hatte, beschloss, Cilicien zu verheeren. Er brach von Damaskus im +Geleite Manssur's, des Herrschers von Hama, und Scherefeddin Isa's, des +Emirs der syrischen Beduinen, auf. [RN: 3. Schaaban 673/1. Febr. 1275] Der +Emir und Hossameddin von Aintab, der Befehlshaber von Haleb, erhielten den +Befehl, als Vortrab die Richtung von Bire zu nehmen; aber zu Sermin +angelangt, liess Beibars dort sein Gepäcke unter der Obhut des +Befehlshabers Ben Sonkar zurück und nahm den Weg von Derbesak. Diese durch +die Einnahme Ssalaheddin's[543] und fünfzig Jahre hernach durch einen Sieg +der Saracenen über die Templer in der Geschichte der Kreuzzüge schwarz +gezeichnete feste Burg liegt am _Nehr Eswed_, d. i. am schwarzen Flusse, +welcher dem See von Antiochien zueilt, auf einer Anhöhe inmitten +fruchtbarer Fluren und Gärten[544]. Von den Mongolen erobert, ward sie an +König Hethum abgetreten, von diesem vor neun Jahren dem Sultan Bondokdar +übergeben worden[545]. + +[Randnote: Verheerung Ciliciens.] + +Bondokdar lagerte zwischen Derbesak und dem zehn Miglien davon gelegenen +Baghr, dessen Einwohner meistens christliche Fischer[546], und sandte von +hier Truppenabtheilungen zu tausend Mann, jede mit Fackeln und mit Barken +zur Ueberschiffung von Flüssen versehen, nach verschiedenen Richtungen in's +Gebirge. Er lagerte zu Iskenderun hinter einer von König Hethum, dem Vater +des regierenden Königs Leo, aufgeführten Mauer und rückte dann gegen +_Merkes_[547] durch den syrischen Felsenpass vor, welcher wegen seiner Enge +_Ssakaltutan_, d. i. Bartanhaltend, heisst. Der Fluss von Merkes ist der +alte _Kersos_, dessen Name sich in dem des Schlosses zum Theile +erhalten[548]. Die ägyptischen Truppen verheerten Massissa, das alte +_Mopsuestia_, d. i. der Feuerherd des Mopsus, das, auf beiden Seiten des +Dschihan (Pyramus) gebaut, zwölf Miglien von der, unter dem Namen der +Goldstoffwiese[549] in den Kriegen der Byzantiner mit Seifeddewlet durch +Schlachten berühmten Ebene, eine halbe Tagreise von Adana; eine steinerne +Brücke verbindet den diesseits und jenseits des Flusses gelegenen Theil der +Stadt. Die auslaufende Bergkette des Taurus, welche sich von Massissa bis +an das Meer zieht, heisst der _Dschebelon-nur_, d. i. der Lichtberg, auf +welchem die schönsten Hiacinthen und seltene Pflanzen, unter andern +Mandragoren und ein Kraut, welches, weil es die Zähne der Schafe gelb +färbt, von den Alchymikern als ein Hauptbestandtheil des Steins der Weisen +gesucht wird[550]. Unter Massissa liegt die tiefe Felsenschlucht, welche +_Kurd Kulaghi_, d. i. das Wolfsohr[551], heisst, zur Linken auf einem hohen +Berge das weisse Schloss _Jilan Kalaasi_, d. i. das Schlangenschloss, das +für die Residenz der Schlangenkönigin gilt[552], die sich mit der +Kronjuwele auf dem Haupte manchmal auf der Goldstoffwiese und auf den Höhen +des Lichtbergs sonnt. Bondokdar drang in dem Gebirgspasse bis nach _Sis_, +der Hauptstadt des alten armenischen Königreichs, vor, welche mit den nahe +gelegenen Festen von _Ainsarbe_, _Tel Hamdun_, _Serfendkjar_ und +_Bersbert_ von den Arabern die Schneidezähne[553], d. i. die Gränzfesten +des Islams, genannt werden; die letzte war der Schatzhort der armenischen +Könige und eine Zeit lang die Residenz derselben[554]. Nachdem _Sis_ +verbrannt worden, kehrte der Sultan durch die Felsenschlösser zurück. Vier +seiner Truppenabtheilungen hatten sich gegen die am Meere gelegenen +cilicischen Städte _Tarsus_, _Adana_, _Barin_ und _Ajas_ gewendet. +_Tarsus_, dessen Ruhm bis in die Zeit der assyrischen Könige hinauf datirt, +indem sich Sardanapalus dasselbe erbauet zu haben rühmte, ist in der des +Chalifats als der Ort, wo der grösste Chalife des Hauses Abbas den Geist +aufgab, die in den morgenländischen Geschichten und Geographien berühmteste +Stadt Ciliciens; am Cydnus[555], welcher die Mauern derselben wäscht, hatte +Alexander nicht ohne Nachtheil seiner Gesundheit kalt gebadet, glücklicher +als Friedrich Barbarossa, welcher in den Fluthen des Saleph oder +Calycadnus[556], der bei Selefke vorbeiströmt, den Tod gefunden. Den Cydnus +war Kleopatra in ihrer mit purpurnen Segeln und vielfarbigen Flaggen +bepfauten goldenen Galeere hinaufgefahren; hiervon weiss die moslimische +Ueberlieferung nichts, doch zeigt dieselbe das Felsen-Sopha der +Dschinnen[557], wo der Chalife Mamun am vorbeifliessenden Wasser sass und +einen über eine Elle langen Fisch aus dem Wasser zu ziehen befahl. Der +schöne Silberfisch (vermuthlich ein Dschinne) sprang wieder in's Wasser, so +dass derselbe die Kleider Mamun's bespritzte; dieser, zornig hierüber, +befahl, den Fisch wieder herauszuziehen. »Nun werde ich dich sogleich +gebraten essen«, sagte der Chalife, und übergab ihn dem Koch, aber im +selben Augenblicke ergriff ihn ein heftiger Fieberschauer; als der Fisch +ihm gebraten vorgesetzt wurde, war er nicht mehr im Stande, davon zu essen, +und nach einigen Tagen ward er vom Fieber hinweggerafft. Durch diese +Volkssage und durch die, welche nach Tarsus die Höhle der Siebenschläfer +verleget (wiewohl man sie auch zu Ephesus und Damaskus zeigt), ist Tarsus +nicht minder geschichtlich merkwürdig, als in der Geschichte der +byzantinischen Feldzüge, [RN: i. J. 350/961] in welchen Tarsus, vom +byzantinischen Befehlshaber gütlich übergeben, die äusserste Gränzfeste des +Islams ward. Zu _Adana_, der Hauptstadt der heute darnach genannten +osmanischen Statthalterschaft, welche Harun Raschid am Ufer des Sihan, +d. i. des Sarus, erbaut hatte, wurden die Männer getödtet, die Weiber und +Kinder geraubt. Ajas, am Ufer des Meeres, zwei Tagreisen von Baghras und +eine von Tel Hamdun entfernt, war in den Händen der Franken, welche ihr +Habe auf die Schiffe im Hafen retteten. Die Stadt wurde von den Aegyptern +verbrannt; tausend Franken und Armenier, die sich zur See retten wollten, +gingen in derselben zu Grunde[558]. Massissa wurde verbrannt. Im folgenden +Spätjahre wurde Bire von Obotai vergebens belagert; nach aufgehobener +Belagerung zog eine ägyptische Truppenabtheilung nach Cilicien, wo dieselbe +in der Nähe von Meraasch von Sinbad, dem Oheim des Königs, angegriffen +ward. [RN: 29. Nov. 1275] Das Treffen kostete dem Oheim des Königs, +vierzehn Grafen und dreihundert Armeniern das Leben. Die Turkmanen, wiewohl +Sieger, zogen sich zurück[559]. + +[Randnote: Unruhen in Rum; Schlacht von Albestan.] + +Die Unruhen, welche in Rum ausgebrochen, führten bald neue feindliche +Berührung zwischen dem Sultan Aegyptens und dem Ilchane Persiens herbei. +Wir haben schon im vorigen Buche, in der Geschichte Hulagu's, der beiden +Brüder Herrscher Rums, Rokneddin's und Iseddin's, und der Theilung Rums +zwischen beiden erwähnt. _Moineddin Ssahib Perwane_, d. i. der Inhaber des +Kabinetssiegels, der Wesir Rokneddin's, hatte den Mitregenten seines Herrn +bei Alindschak, dem mongolischen Befehlshaber in Rum, eines +Einverständnisses mit dem Sultan Aegyptens angeklagt; in der That hatte +Iseddin Gesandte an Beibars mit dem Antrage der Abtretung der Hälfte seines +Landes gesandt, wenn er ihm wider den Bruder beistehen wolle. Iseddin, auf +dem Wege in's Hoflager zu Hulagu wider die Ränke seines Bruders und dessen +Wesirs gewarnt, kehrte um und flüchtete sich zum byzantinischen Kaiser, +welcher, um dem Hulagu gefällig zu seyn, denselben zu Ainos als +Staatsgefangenen einsperrte. Iseddin interessirte für sich Berke, den +Herrscher von Kipdschak, der in Feindschaft mit Hulagu, dem von diesem +verfolgten Prinzen Truppen zu Hilfe schickte, die ihn aus Ainos befreiten; +er starb als Vassal des Herrschers der goldenen Horde in der Krim. +Rokneddin herrschte nun allein, aber nur dem Namen nach, denn der +eigentliche Herrscher war Perwane. Dieser beinzüchtigte seinen Herrn bei +Abaka empörerischer Plane und erhielt den Befehl seiner Hinrichtung. [RN: +666/1268] Rokneddin, von Perwane zu einem Feste geladen, wurde mit einer +Bogensehne erwürgt, im selben Jahre, wo der letzte der Hohenstaufen, +Konradin von Schwaben, auf dem Blutgerüste zu Neapel den Geist aushauchte. +Perwane herrschte nun im Namen Ghajaseddin's, des vierzehnjährigen Sohnes +Rokneddin's. Mehrere der Bege Rums, unter diesen auch der Sohn +Perwane's[560], flüchteten zu Beibars und hetzten ihn zum Kriege wider +Abaka auf. Nachdem er das Heer gerüstet, seinen schon vor neun Jahren zum +Nachfolger ernannten Sohn _Said Berke_ in seiner Abwesenheit mit +unumschränkter Macht in Aegypten bekleidet hatte, brach er nach Syrien und +von da gegen Cilicien auf. Der Befehlshaber von Haleb und der Emir der +Wüste (Isa, der Sohn Mohenna's) schlugen eine Truppe der Araber Chafadsche, +welche die Mongolen wider sie gesandt. Bondokdar zog über Aintab, +Dulak[561], Kinuk, d. i. durch den taurischen Pass, die heutige Strasse der +Pilgerkarawane. Er mündete in der Ebene von _Ablestan_ oder _Albostan_, +wohin Geographen und Reisebeschreiber das dritte der drei berühmten +Tempelstädte _Komane_, nämlich das kappadocische, verlegen[562]; hier +sowohl als in der goldenen Komane an der Vereinigung der beiden Arme des +Euphrat in Sakasene und im pontischen wurde die taurische _Artemis_ als +_Anaitis_ oder die Kriegsgöttin _Enyo_ in Tempeln verehrt, die unter Hut +grosser Priestergesellschaften die Kapitole dieser Gegenden. Der Name +_Albestan_, d. i. der Garten, scheint derselbe mit dem des alten _Pästum_ +zu seyn, dessen Tempel vielleicht demselben Kultus heilig waren. Das +pontische Komane ist in der römischen Kriegsgeschichte durch den Sieg +Cäsar's über den Mithridates berühmt, und gleichen Ruhm sollte nun das +kappadocische in der Kriegsgeschichte der Mamluken und Mongolen durch die +Niederlage der letzten erhalten. Die Reiterei der Mongolen, aus eilf +Regimentern von tausend Mann bestehend, ward von _Tokus_, seinem Bruder +_Uruktu_ und von _Tudaun_, dem Bruder Sughurdschak's, dem Suldusen, +befehligt; die Hilfstruppen bestanden aus türkischen, deren Treue[563] in +einer Schlacht wider Moslimen zweifelhaft, und aus einem georgischen +Hilfscorps von dreitausend Mann. [RN: 11. Silhidsche 675/16. April 1277] +Freitags in der Hälfte Aprils, am Freitage, welches der liebste Schlachttag +Ssalaheddin's und auch Rudolph's von Habsburg (vielleicht weil dieser +vernommen, dass Ssalaheddin seine Siege alle an einem Freitage erfochten), +hatte die Schlacht statt. Der linke Flügel der Mongolen warf das +Mitteltreffen der Mamluken, in welchem das Panier des Sultans flatterte, +auf den rechten Flügel; aber Beibars unterstützte denselben und stellte die +gebrochene Schlachtordnung wieder her. Uruktu und Tudaun sassen mit ihrer +Reiterei ab, um den Anfall der ägyptischen mittels Pfeilregens aufzuhalten; +aber die ausharrende Tapferkeit Bondokdar's siegte. Die Mongolen wurden +geschlagen; ihre Feldherren Tokus und Tudaun und sechstausend siebenhundert +siebzig gezählte Mongolen deckten das Schlachtfeld. Beibars lies sich die +Gefangenen vorführen und dieselben zusammenhauen, einige Officiere +ausgenommen, mongolische und armenische; die letzten überhäufte er mit +Vorwürfen, dass sie sich in den Reihen der Ungläubigen schlügen; unter den +Gefangenen befand sich ein Sohn, ein Neffe und die Mutter Perwane's[564]. +Ein Diener Tudaun's brachte die Nachricht der Niederlage dem Ilchan, der +erzürnt nach Tebris zurückkehrte. + +[Randnote: Beibars zu Cäsarea.] + +Acht Tage nach dem Siege, Freitags, zog Beibars zu Kaissarije (Cäsarea) im +Triumphe, unter einem Thronhimmel, wie derselbe ober dem Haupte der Sultane +Seldschuken getragen ward, in den Palast des Sultans ein und setzte sich +auf den Thron. [RN: 18. Silkide/23. April] Mit dem Sultansbunde auf dem +Kopfe nahte er sich dem Thore des Harems und sandte den Prinzessinnen des +Herrscherhauses von Rum seine ehrfurchtvollsten Grüsse; dann setzte er sich +wieder auf den Thron und empfing die Huldigung der _Ulema_ und _Kadi_, der +_Imame_ und _Scheiche_, der Prediger und Leser des Korans, der _Fakihe_ und +_Fakire_; der Ceremonienmeister, mit grossem Kopfwulste und weitem Mantel +angethan, wies jedem die ihm gehörige Stelle an; die Heermusik spielte den +Tusch, der zur Zeit des Gebetes nur für den Landesherrn erscholl, die Leser +lasen Suren des Korans, Dichter declamirten Lobgedichte; Alle wurden mit +einem Frühmahle königlich bewirthet; dann begab sich Beibars in die Moschee +des Sultans, wo das Kanzelgebet auf seinen Namen verrichtet ward, so auch +in den übrigen sechs Moscheen der Stadt[565]; das ausgeworfene Geld war auf +seinen Namen gemünzt[566]. Die Schätze, welche Perwane und seine Gemahlin +zu Kaissarije zurückgelassen, wurden unter die Emire vertheilt. Perwane, +welcher in der Schlacht von Albestan das Heer des Sultans von Rum befehligt +hatte, war nach Verlust derselben nach Kaissarije geflohen und hatte sich +von hier mit dem Namensträger der Herrschaft Rums, mit Sultan Ghajaseddin, +nach der Feste Tokat zurückgezogen; auf dem Wege dahin war seine von +vierhundert Sklavinnen begleitete Gemahlin Gurdschi Chatun, die Tochter +Ghajaseddin's, des Herrn von Erserum, gestorben. Perwane schrieb an +Beibars, um ihm als Herrscher Rums zu huldigen; in seiner Antwort forderte +Beibars ihn auf, persönlich zu erscheinen. Perwane bat um einen Aufschub +von vierzehn Tagen, in der Hoffnung, dass Beibars, von dem Anmarsche +Abaka's benachrichtigt, eher Cäsarea verlassen haben würde, das er wirklich +am fünften Tage nach seinem Einzuge verliess. Beibars verliess Cäsarea in +dem Augenblicke, wo zu erwarten stand, dass er seine Eroberungen in Rum +verfolgen würde. Einige Christen und Armenier liess er hinrichten, sonst +wurden die Einwohner von seinen Truppen, welche die Lieferungen genau +bezahlten, nicht misshandelt. Während seines Aufenthaltes zu Cäsarea hatte +Beibars die Huldigung des Herrschers von Karaman empfangen, welcher, der +Gründer der Macht dieses Hauses, von nun an durch vier und zwanzig Jahre +ein Nebenbuhler des der Seldschuken und dann durch hundert sechs und +siebzig Jahre der Osmanen, bis dass es nach zwei Jahrhunderten und in zehn +von den Osmanen wider dieselben geführten Kriegen zertrümmert ward[567]. +Schemseddin Mohammed, der Karamane, zog an der Spitze von dreitausend +Reitern nach der Hauptstadt Konia, vor welcher er die ihm von Sultan +Beibars gesandten Fahnen aufpflanzte und die Stadt zur Uebergabe +aufforderte. Die Einwohner antworteten, sie übergäben die Stadt nicht, doch +würden sie ihn nicht hindern, wenn er die Thore verbrennen wolle, +einzuziehen. Er verbrannte zwei Thore, besetzte die Stadt und bemächtigte +sich der Citadelle durch List und Gold; dann zog er dem Heere entgegen, +welches Fachreddin Ali, der Wesir Ghajaseddin's, von seinen beiden Söhnen +befehligt, wider ihn gesendet; [RN: 29. Silkide 675/3. Juni 1277] der +Karamane schlug es und kehrte mit den Köpfen der beiden Söhne des Wesirs +nach Konia, verliess dasselbe aber nach sieben und dreissig Tagen und zog +sich in's cilicische Gebirge zurück. [RN: Ssafer 676/Juli 1277] Im +folgenden Frühlinge zog Abaka dreimal gegen Rum[568]. Zu Ablistan oder +Elbestan wartete ihm der Sultan Ghajaseddin mit seinem Wesire Fachreddin +von Issfahan auf; als Abaka auf dem Schlachtfelde die noch unbegrabenen +Mongolen sah, weinte er, liess mehrere Turkmanen, Urheber von Unruhen, +hinrichten und gab den Befehl zur Verheerung der Städte Rums. In dem +Ausfluge von sieben Tagreisen wurden die Städte verheert, die Einwohner +geschlachtet; es fielen mehr als hunderttausend derselben als ein Opfer des +Schwertes[569]. Mohammed Schemseddin Dschuweini, der gerechte und gelehrte +Grosswesir, kaufte mehrere derselben mit seinem Gelde los; schon war Siwas +zur Hälfte verheert, als er die andere Hälfte durch seine Vorstellungen, +dass die Einwohner unschuldig der Rache verfallen, rettete. Nureddin +Chasneji und Sahireddin Ibn Husch wurden hingerichtet[570]. + +[Randnote: Gesandtschaft an Beibars, dessen Tod, Perwane's Hinrichtung.] + +Abaka wollte von Rum unmittelbar nach Syrien ziehen. Die Emire stellten ihm +vor, dass in der Mitte des Sommers die Beschwerden des Zuges zu gross, dass +der Marsch besser bis auf den Herbst verschoben bliebe. Er sandte also +indessen Botschaft an Bondokdar: »Ihr seid wie Räuber auf die Vorwachen +unserer Heere gefallen und habt dieselben erschlagen, und als Wir uns +genaht, seid ihr wie Diebe entflohen; seid ihr Männer, so erscheinet nun +auf dem Kampfplatze: + + Komm', dass du meine Lanze streifest, + Komm', dass du meinen Zügel greifest; + Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben, + Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben; + Hast du von Männern je gehört der Schlachten, + Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?« + +Beibars empfing die Botschaft zu Damaskus, wo er bald darauf starb[571]. +Abaka übergab die Verwaltung Rums seinem Bruder, dem Prinzen +Konghurtai[572] Aghul zur Huth, liess Tokat und das Schloss Perwane's +verwüsten[573] und kehrte nach Alatak zurück. Als er am Schlosse von +Baiburt vorbeikam, das in Armenien durch die Schönheit seiner Mädchen +berühmt, wie Ersendschan durch die Fette seiner Schafe und Kumach durch die +Feinheit seiner Leindwand[574], erbat sich ein Scheich die Erlaubniss, ihm +frei die Wahrheit sagen zu dürfen; nach gegebener Erlaubniss sprach er: +»Herr, dein Feind ist in deine Länder eingefallen, ohne deinen Unterthanen +Uebles zuzufügen; weil er deinem Grimme entwischet, hast du denselben an +deinen Völkern ausgelassen, hast deine Unterthanen getödtet, deine eigenen +Länder verheert; welcher deiner Vorfahren hat desgleichen gethan?« Die +Worte des Scheichs machten tiefen Eindruck auf Abaka, der die Freigebung +von viermalhunderttausend Gefangenen befahl[575]. Im Lager von Alatak wurde +Moineddin Perwane vor Gericht gestellt, dreier Staatsverbrechen angeklagt: +dass er zu Ablistan geflohen, dass er nach der Niederlage sich nicht zum +Herrn begeben, dass er denselben nicht frühzeitig genug vom Anzuge der +Aegypter unterrichtet. Die von Syrien zurückgekommenen Gesandten Abaka's +sagten überdiess wider ihn aus, was sie dort erfahren, dass Beibars auf +dessen Einladung nach Rum gekommen, das er in seine Hände zu liefern +versprochen, dass er hernach aber vor demselben geflohen sei. An Perwane, +welcher den Sultan Rums mit Bogensehne erwürgt hatte, ward nun Gleiches mit +Gleichem vergolten; [RN: 1. Rebiulewwel 677/23. Juli 1278] Abaka war schon +auf dem Punkte, ihm zu verzeihen und ihn nach Rum zurückzusenden, als die +Wittwen der zu Ablistan Gefallenen Wehe- und Rachegeschrei vor dem Palaste +Abaka's erhoben. Kutschuk Tukdschi Behadir mit zweihundert Reisigen erhielt +den Befehl der Hinrichtung; Perwane war, sobald er sich umringt sah, +seines Looses gewärtig und bat, nur noch ein Gebet von zwei Verbeugungen +verrichten zu dürfen; nachdem er es verrichtet, wurde er zusammengehauen. +Die Angabe des armenischen Mönchs Geschichtschreibers[576], dass Abaka vom +Fleische Perwane's in alle Speisen zu mischen befohlen und selbst davon +gegessen haben soll, verdient wenig Glauben. Moineddin Suleiman Perwane aus +Dilem war der Sohn Mobariseddin Ali's, welcher, in früherer Jugend nach Rum +gekommen, vom Finanzminister Sultan Alaeddin Keikobad's als Eidam +begünstigt, nach des Schwiegervaters Tod die Stelle als Wesir erhalten +hatte. Sein Sohn Perwane beherrschte Rum im Namen der Seldschuken als +unumschränkter Herr; Rokneddin Kilidsch Arslan hatte ihm die Stadt Sinope +verpachtet, deren Besitz auch nach seiner Hinrichtung auf seinen Sohn +Mohammed und von diesem auf den Enkel Perwane's, Mohesebeddin Mesud, +überging[577]. Dieser bemächtigte sich Dschaniks und Ssamssuns, das nach +seinem Tode[578] in den Besitz des Fürsten von Kastemuni fiel. Sechs Wochen +nach der Hinrichtung Perwane's ward der Wesir Schemseddin nach Rum gesandt, +um dem verwüsteten Lande wieder aufzuhelfen; [RN: 17. Rebiulachir/7. Sept.] +er baute die verheerten Städte wieder auf, führte aber auch die +Stempelgebühr ein, welche vordem in Rum nicht bestanden. Der Fürst von +Karaman, der sich in unwegsamen Wäldern verborgen hielt, ward mit denselben +verbrannt. Iseddin Ibek der Syrier erhielt die Statthalterschaft Malatia's. +Schemseddin, nachdem er die Angelegenheiten Rums eingerichtet, wandte sich +nach dem Kaukasus und Lesgistan, wo er die störrigen Bergvölker der +mongolischen Herrschaft unterwarf[579]. + +[Randnote: Verungnadung Schemseddin's und Wiederaufnahme zu Gnaden.] + +In dem Augenblicke, wo Schemseddin durch die Einrichtung Rums nach der +Unterwerfung Lesgistans dem Reiche die wichtigsten Dienste erweisend und +seine Macht im höchsten, war auch seine Verungnadung am nächsten. Dieselbe +war das Werk der Ränke _Medschdulmülk's_, des Sohnes _Ssafiolmülk's_, des +vormaligen Wesirs der Atabegen von Jesd. Zuerst im Dienste Behaeddin's, des +Sohnes Schemseddin's, zu Issfahan, war er von diesem dem Vater empfohlen +worden, welcher ihn in verschiedenen Aufträgen und zur Zählung der +Einwohner Georgiens und noch zuletzt in Rum verwendet hatte. Medschdulmülk +hinterbrachte dem _Jesu Buka Gurgan_, welcher als Gemahl Kutlukan's, der +sechsten Tochter Hulagu's, der Schwager Abaka's, dass Medschdeddin Esir, +der Bestellte Alaeddin Dschuweini's (des Bruders Schemseddin's), in seinem +und seines Bruders Namen geheimes Einverständniss mit den Aegyptern +unterhalte, um diesen Bagdad zu überliefern. Abaka, hiervon durch seinen +Schwager unterrichtet, befragte den Medschdeddin Esir, von dem aber selbst +fünfhundert Prügel kein Geständniss erpressten. Schemseddin, in der +Hoffnung, einen gefährlichen Feind zu versöhnen, verlieh seinem Ankläger +Medschdulmülk die Statthalterschaft von Siwas mit einer Anweisung von +zehntausend Dinaren auf den Schatz von Rum. Aber undankbar und +unversöhnlich suchte Medschdulmülk neue Wege zum Gehöre Abaka's mittels +dessen Sohnes, des Prinzen Arghun; diesem machte er zu Kaswin in einer +geheimen Unterredung weis, Perwane habe auf Schemseddin's Einflüsterung den +Bondokdar nach Syrien eingeladen, sein Bruder Alaeddin habe für sich eine +mit Edelsteinen besetzte Krone verfertigen lassen; er könne dem Wesir +beweisen, dass er sich viertausend Tomane[580] von den Krongütern erpresst, +dass er ausserdem zweitausend Tomane an Heerden und Juwelen besitze, ohne +zu rechnen, was er von den Schlössern der Assassinen und von Bagdad +weggeschleppt; sein Sohn Behaeddin, der Statthalter von Issfahan, habe dort +ausser den aufgelegten Steuern sechshundert Tomane erpresst; um ihm das +Maul zu stopfen, habe er ihm die Statthalterschaft von Siwas mit einer +Summe Geldes verliehen. Arghun hinterbrachte diese Reden seinem Vater; als +dieser sich zu _Scherujas_ (in der Ebene zwischen Ebher und Serdschan) +befand, ward Medschdulmülk durch Vermittelung des Emirs Taghadschar von +Abaka im Bade empfangen. Abaka, hierdurch in seiner guten Meinung von +Schemseddin's Finanzverwaltung beirrt, gab dem Ankläger den Auftrag, die +Rechnungen der letzten Jahre zu untersuchen und die Güterbeschreibungen zu +durchgehen, ohne dass einer der Emire oder Prinzen sich dessen weigern +dürfe. Zugleich gab er ihm die Insignien des Löwenkopfes glänzender und +schöner, als dieselben Sultanen und Königen verliehen worden[581]. Die +Naibe oder Stellvertreter der Steuervögte wurden nach Tebris einberufen. +Medschdulmülk stand auf einmal in hoher Gunst und verkündete dieselbe durch +seinen Aufwand; er umgab sich mit berittenen Pagen, die auf arabischen +Pferden mit goldenen Gürteln, und spannte ein von vierzig Säulen getragenes +Zelt aus Atlas von _Schuster_ aus. Schemseddin wandte sich an seine +Gönnerin und Beschützerin Oldschai Chatun, welche den aufgebrachten Gemahl +dem Wesir zu versöhnen sich bestrebte. Er erhielt eine Audienz: »Wir haben +dich«, redete ihn Abaka an, »in dem dir von Unserem Vater verliehenen Amte +der Wesirschaft mit unumschränkter Machtvollkommenheit bestätigt und alle +Länder deiner Feder untergeben; wie hast du unser Vertrauen zu misbrauchen +und das Doppelte der Gebühren undankbarerweise dir anzueignen gewagt?« Der +Chalife Motedhad biemrillah hat gesagt: »Ueber den, der die Gnaden der +Könige mit Undank erwiedert, werden die Schwerter Recht sprechen.« +Schemseddin antwortete: »Ein Theil der eingenommenen Gelder ward im Dienste +der Finanzen, ein anderer in dem der Prinzen und Prinzessinnen, ein Theil +zu Gaben und Almosen für's allgemeine Besste verwendet; was ich besitze an +Kapitalien und Gütern, an Mamluken und Heerden, ist ein Brosamen der Gnaden +und ein Abfall der Huld des Padischah's, den ich auf jeden Wink +zurückzugeben erbötig.« Abaka, durch diese Sprache des Wesirs versöhnt, +verzieh ihm; er sagte: »Alle deine Schuld, die sich begeben und die sich +nicht begeben, habe ich dir vergeben[582] und dich in deinem Amte +neuerdings bestätigt.« Die gegebenen Befehle der Verhaftnehmung der +Intendenten des Wesirs wurden widerrufen und Schemseddin erliess +Rundschreiben, um die Wiedererlangung Allerhöchster Gnade kund zu thun; in +demselben waren die Worte Abaka's, wie folgt, angeführt: »Eine Zeit ist es, +dass durch verlautende Kunden der Veränderung Unserer Gnade dir die +Sicherheit der Nahrung und die Süssigkeit des Schlafes geraubt worden; nun +gehe von hier in Unserem Dienste betrunken nach Haus, strecke mit Herzen +voll Lust und mit gesättigter Brust Hand und Fuss fröhlich im Hareme aus; +lege dich früh nieder und stehe spät auf.« + +[Randnote: Medschdulmülk, Amtsgenosse Schemseddin's.] + +Medschdulmülk, durch die Wiederaufnahme des Wesirs zu vorigen Gnaden +beunruhigt, bat, dass Abaka ihn unter den Schutz eines der Emire seines +Hofes stellen oder davon entfernen möge. Abaka antwortete, dass, wiewohl er +den Schemseddin wieder zu Gnaden aufgenommen, er dem Medschdulmülk Nichts +Uebles wolle und dass er beim Emir _Taghadschar_ bleiben könne. +Medschdulmülk, von seinem Rathe und Gelehrten Ssadreddin von Sendschan +unterstützt, fuhr fort, Ränke zu schmieden, und zwar mit so gutem Erfolge, +dass ein Diplom erging, vermöge dessen Medschdulmülk von Jesd dem Inhaber +des Diwans an die Seite gegeben ward. [RN: 679/1280] Dieses Diplom ward im +Götzentempel zu Mocha in Gegenwart aller Prinzen und Prinzessinnen +öffentlich verlesen und alle Geschäftsleute bemerkten, dass noch kein +Perser von den mongolischen Herrschern dergleichen Jerligh erhalten. Abaka +empfahl dem Medschdulmülk die grösste Wachsamkeit in Bewahrung und +Gebahrung der Staatsgelder und sich nicht vom Hofe zu entfernen, wo er +unter seinem Schutze stehe[583]. Medschdulmülk stellte in allen Ländern +Stellvertreter mit zahlreichem Gefolge an, und in den Erlassen des Diwans +wurde der Name Schemseddin's als des Inhabers rechts, der Medschdulmülk's +links auf derselben Höhe geschrieben. Zu dieser Zeit schrieb Medschdulmülk, +seine Feindschaft nicht verhehlend, an Schemseddin die Verse: + + Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen, + Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen; + Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust, + Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust[584]. + +Schemseddin antwortete hierauf: + + Da es unmöglich, Schahe zu verklagen, + So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen; + Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen, + Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen. + +Schemseddin, starkmüthiger Geduld, schlürfte den Becher der Demüthigung bis +zum Hefen aus. Als er eines Tages mit seinem Amtsgenossen Feinde auf den +Stufen des Thrones erschienen, befahl ihm Abaka, die untere Stufe +einzunehmen; ein andermal, bei einem Gastmahle, verweigerte Abaka dreimal +den ihm von Schemseddin dargebrachten Becher, den dieser hiernach dem ober +ihm knienden Feinde darbrachte; Abaka reichte hierauf dem Schemseddin, dem +eifrigen Moslime, ein Stück Schweinfleisch, das dieser schweigend +verschluckte; da sagte Abaka zu den Trinkgenossen: Dort ist ein guter und +ausharrender Mann; ich hatte beschlossen, hätte er sich das Schweinfleisch +zu essen geweigert, ihm mit der Spitze des Messers das Aug' auszustechen. +[RN: Rebiulewwel 680/1281] Nun erschien Alaeddin, der Statthalter Bagdads, +der Bruder Schemseddin's, welcher mit demselben in der Anklage von +Gelderpressung verwickelt war, zu Bagdad ohne allen Aufwand in reinlicher +Kleidung, und sogleich war von allen Seiten ein Heer von Anklägern und +Zwischenträgern in der Luft; Medschdulmülk zeigte an: Alaeddin habe nun +durch zwanzig Jahre die Steuerausschreibung des arabischen Irak und +Chusistan's verwaltet und in jedem dieser Jahre über zwanzig Tomane +Zuschuss erhoben. Alaeddin rechtfertigte sich »durch die ihm aufgebürdeten +Ausgaben für die Prinzen und Frauen, für die Emire und Intendenten der +Gauen, durch den Aufwand für die Gesandten am Hofe, für Geschenke und +reiche Stoffe, welche alle die wichtigen Lasten der Pachten die +Diwanseinnahmen vollmachten«[585]. Da die Ankläger hierin nicht aufkamen, +änderten sie ihr Spiel. »Sie stellten«, sind Wassaf's Worte, »dem Könige +gegenüber einen anderen Bau als Thurm auf und trugen vor, dass von den vor +zehn Jahren[586] gelegten Rechnungen noch zweihundert fünfzig Tomane zu +zahlen übrig seien.« Bei gepflogener Untersuchung zeigte es sich, dass +diese Summe nicht dem Statthalter, sondern den Pächtern der Districte zur +Last falle, von denen dieselbe einzutreiben unmöglich. So wurde darüber +hinausgegangen und Alaeddin wieder nach Bagdad zur Verwaltung seines Amtes +zurückgesandt. Was den Anklägern Schemseddin's und seines Bruders +vorzüglich zu statten kam, war der durch die neuen Kriegsrüstungen +eingetretene Geldmangel. Von Aegypten her nahten sich die ägyptischen +Befehlshaber _Elfi_ und _Aschkar Sonkar_ mit einem Heere, welchem der Prinz +Mengu Timur entgegengesandt ward; ein anderes Heer ging nach Osten zum +Dienste des Kronprinzen Arghun in Chorasan, und ein drittes war zur Huth +der Gränze von Derbend erforderlich. Abaka war in der Absicht, zu Bagdad zu +überwintern, auf der Strasse von Irbil und Mossul aufgebrochen und Alaeddin +hatte auf dieser Seite die Vorhuth vorausgesandt. [RN: 1. Redscheb 680/16. +Oct. 1281] Zu Rahbet hielt Abaka grosse Kreisjagd und trat von hier den Weg +nach Bagdad an. Diesen Augenblick benutzte Medschdulmülk, um dem Padischah +zur Füllung der geleerten Cassen die von Alaeddin dem Schatze schuldigen +Summen in's Gedächtniss zu rufen. + +[Randnote: Alaeddin opfert sein Habe und wird verbannt.] + +Alaeddin, von allen Seiten der neuen, seinem Habe und Blute drohenden +Gefahr benachrichtigt, ergriff das einzige Rettungsmittel des letzten durch +freiwilliges Opfer des ersten. Er sandte sogleich sein ganzes Habe vom +Grössten bis zum Kleinsten an den Fuss der Majestät: »Sein ganzes Habe«, +nach den Worten des in der ganzen Fülle asiatischen Styles wuchernden +Wassaf, »von den glänzenden Perlen, welche wie Glückessterne strahlten, bis +zu den geringsten Korallen und den hölzernen Geschirren, den gemalten, von +den kostbarsten Tapeten geflochten aus den goldenen Drähten bis zu den +schlechtesten Kotzen und strohgeflochtenen Matten, von den Reinsten und +Schöngestaltetsten bis zu den Niedrigsten und Veraltetsten, von den +Gefässen, den vergoldeten, den auserwählten, bis zu den alten Hausgeräthen, +den in die Rumpelkammer gestellten, von den Gürteln und Floren bis zu den +Vorhängen von Thoren, von den Sklavinnen, den schönsten der Zeit, deren +Wangen Rubinen von Bedachschan, bis zu den Stallknechten (Kutal), mit +groben Kitteln angethan; er schaffte herbei aus der Musikkapelle die +Pfeifen und Trommeln, an deren Stelle die wiehernden und yahenden, die sich +stattlich und mannichfarbig als Reitthier nahenden, von den Mäulern und +Pferden die wohlfeilen und die werthen, Kameele und Kameelinnen, Böcke und +Widder. Sein Zweck war, in Ehren zu beharren und nicht die Waaren zu +bewahren; er war bereit, Alles zu wagen und beizutragen und setzte den Fuss +auf den Spruch: + + _Gott soll nach meiner Ehre mein Gut nicht segnen_, + +als auf seinen höchsten und unabänderlichsten Entschluss.« Zugleich eilte +Alaeddin dem Ilchan entgegen und warf sich auf der Station Dodscheil zu +seinen Füssen. Da die Summe der eingelieferten Schätze doch noch unter der +Erwartung geblieben, wurde er ungnädig empfangen, und es erging ein +Jerligh, um den Emir Taghadschar zur Einleitung des Prozesses nach Bagdad +zu berufen; er plünderte noch das von Alaeddin gestiftete Karawanserai +(Robath) Kloster, und da im Hause Alaeddin's nur der Besitzer allein +zurückgeblieben war, wurde dieser in Empfang und Verhaft genommen. Alaeddin +wurde in den Halsblock geschlagen, auf die Folter gelegt, nackt zu Bagdad +hineingeführt und dann verbannt. In dieser Tiefe seines Elends sandte er an +seinen Bruder, den Wesir, die arabischen Verse: + + Freund! dein Ohr dem Manne schenke, + Den man führt zur Todestränke; + Meinem gnädigen Herrn klag' ich + Und der Zeiten Unbill trag' ich; + Nacken schlanker Mädchen steht mir an, + Nicht der Bannstrahl im Dorfe _Ban_. + +_Ban_ heisst das Dorf bei Nissibin, nach welchem er verbannt ward und +dessen Name hier mit _Ban_ spielt, dem Namen der babylonischen Weide, mit +deren biegsamen Stamm und Aesten der Nacken und die Glieder der Schönen +verglichen werden. Seine Feinde fanden in diesen Versen neuen Stoff von +Anschwärzung und Verfolgung; sie ärgerten sich darüber, dass er inmitten +seines Unglücks noch Lust und Geist genug besitze zu arabischen Versen und +Wortspielen. Einem Freunde, der ihm von der Stimmung der Feinde Nachricht +gab, schrieb er: + + Dem Freunde send' ich Wort: Mich beugt Erniedrung nicht, + Wann Nächte wenden sich mit seltsamem Gesicht; + Wie soll ich kümmern mich um der Geschäfte Macht, + Da Gott sich meiner annimmt, mich beschützt, bewacht. + +Alaeddin, welcher europäischen Orientalisten bisher nur als +Geschichtschreiber bekannt gewesen, verfasste in seinem Elende mehrere +Gedichte, deren einige in dem Buche des _Trostes der Brüder_, welche eine +Art von arabischen Boethius, gesammelt sind. Seine berühmte Kassidet +allein, deren Beginn: + + Wenn dich die Welt anschauet schief, + Bewege diess dir nicht die Brust, + +haben über siebzig Dichter durch Glossen commentirt[587]. + +[Randnote: Alaeddin's fernere Schicksale.] + +Die Feinde Alaeddin's, um seinen Ruin zu vollenden, nahmen zu neuen Listen +und Lügen, Verschwärzungen und Verläumdungen die Zuflucht. Sie klagten ihn +verrätherischen Briefwechsels mit Aegypten an und bedienten sich als +Werkzeuges ihrer Ränke eines unbekannten Juden. Dieser beschrieb zu +wiederholtenmalen ein Papier mit farbigen Linien aus Safran und Grünspan +als einen Talisman, und dieses wurde während der Hausuntersuchung in den +Kleidern Alaeddin's verborgen. Dieser falschen Anklage sollten die +ägyptischen Zustände Glaubwürdigkeit geben. Vor einigen Monaten war +zwischen _Kilawun Elfi_, dem im Namen des unmündigen Sohnes Bondokdar's +Aegypten beherrschenden Fürsten, und den Begen der Mamluken Uneinigkeit +ausgebrochen und Sonkar Aschkar hatte sich mit Isa Ben Mohenna, dem Emire +der syrischen Beduinen, verbunden; wider dieselben sandte Elfi ein Heer +nach Damaskus, welches bis nach Aana und Hadise an die Ufer des Euphrats +streifte. Abaka sandte einen Gesandten an Elfi und Sonkar, um sie +einzuladen, die Länder des Ilchan's nicht zu belästigen und sich ihm zu +unterwerfen. Diese Gesandtschaft traf in dem Augenblicke ein, als die +beiden verbündeten Emire von Elfi geschlagen worden waren; sie versprachen +sich Hilfe von Abaka, und der Emir der Wüste sandte seinen Bruder mit dem +Gesandten nach Bagdad, als Alaeddin dort noch in der Machtvollkommenheit +seines Amtes stand. Er berichtete an den Ilchan die wahre Lage der Dinge +und erhielt den Befehl desselben, den Sonkar und den Bruder des Emirs +freundlich zu behandeln. Diesem Befehle gemäss hatte Alaeddin dieselben +freundlich empfangen und ihnen zu Bagdad Gold und Korn angewiesen; dies war +Alles, was an der Verbindung Alaeddin's mit Aegypten wirklich und wahr. Zu +dieser Zeit hatte Mengu Timur (der Bruder Abaka's) ein zahlreiches Heer an +die Ufer des Euphrats geführt; Sonkar und Isa schickten Gesandte an Abaka, +um den Rückmarsch dieses sie bedrohenden Heeres zu bitten, und Mengu Timur +erhielt den Befehl, sich vom Euphrat abzuwenden, während auf der anderen +Seite gleichzeitig Prinz Baidu, der Sohn Tarakai's (des fünften Sohnes +Hulagu's) und folglich der Neffe Abaka's, mit einem Heere in Syrien +einfiel. Diesen scheinbaren Widerspruch der Bewegung der mongolischen Heere +in Syrien und am Euphrat, indem sie dort vordrangen, hier sich zurückzogen, +rissen die Feinde Alaeddin's als eine Waffe wider denselben an sich, und +indem sie den Gesandten des Beduinenfürsten für sich gewannen, traten sie +mit Alaeddin in Banden die Reise nach dem Hofe an, der damals zu Hamadan. +Alaeddin's Trost in dieser misslichen Lage waren die Beweise von +Theilnahme, die er von allen Grossen erhielt, die ihm dieselben in Briefen +und Gedichten kund gaben. So schrieb ihm Behaeddin Ali: + + Ich höre, dass du immer klagst und weinest + Und früh und spät mit deinem Kummer greinest; + Wie lang' setzt Welt dir an den Hals das Messer? + Sei ruhig und geduldig, es ist besser. + +Alaeddin antwortete hierauf: + + Wie soll ich klagen nicht, mein Aug' nicht weinen, + Da wenig fehlt, dass mich zertrümmern Peinen? + Die Welt hat angefallen mich mit Steinen, + Wie soll ich schlottern nicht in den Gebeinen? + +Als Alaeddin, von seinen Feinden geführt, auf dem Wege von Bagdad nach +Hamadan auf die Höhe von Esedabad gekommen, begegnete ihnen die Nachricht +von dem Tode Abaka's, welcher dem Schicksale Alaeddin's und seines Bruders +günstigere Wendung gab. Ehe wir des Todes Abaka's umständlicher erwähnen, +liegt uns noch ob, einige frühere Begebenheiten und den weiteren Verfolg +des syrischen Feldzuges zu erzählen. + +[Randnote: Feldzug wider Sistan, Chorasan, Syrien.] + +Drei Jahre vor seinem Tode war Abaka selbst von Tebris gegen Chorasan +aufgebrochen, wohin er seinen Sohn _Arghun_ vorausgesandt, um die +Niguderischen Banden, deren Einfall in Fars oben erzählt worden, zu Paaren +zu treiben; er kam aber nicht weiter, als bis Sistan, dessen Hauptstadt er +belagerte und dann wieder zurückkehrte; [RN: 1. Moharrem 677/25. Mai 1278] +er brachte den Oldschai Buka, den ältesten Sohn Mubarekschah's (des Sohnes +Muwatukjan's), und andere Prinzen des Uluses Dschaghatai mit sich; [RN: 14. +Reb. II. 677/5. Aug. 1278] dann begab er sich nach Herat, wo ihm die Emire +der Karawinas[588], eines der kriegerischsten und, wie Wassaf sagt, der +teuflischen Stämme der Mongolen (die Naphtafeuerwerker), huldigten, welche +ihren Namen vermuthlich von ihrem Sitze zu _Karawin dscheidun_ haben. Bei +seiner Rückkehr nach Tebris vertheilte er nach dem Beispiele seines Vaters, +Hulagu, Ländereien als Leibgedinge der Frauen. [RN: 2. Reb. II./23. August +1278] Die Frau Kutui erhielt Miafarakain, die Frau Oldschai einen Theil +Diarbekrs und _Dschiseretol-Omar_, der Gemahlin Dschumkur's, _Nulun +Chatun_, des Oheims Abaka's, und ihren beiden Söhnen, _Dschuschkab_ und +_Kunschu_, wurde Selmas mit seinem Gebiete verliehen. Buka, der Sohn +Hukutai's, der Dschelaire, welcher, nach des Vaters Tod ein unmündiger +Waise, unter Abaka's Augen erzogen worden, wurde zu einem der grossen +_Inaken_, d. i. der vertrauten Hofdiener, und später zum Schatzmeister des +Pelzschatzes (_Postin_[589], woher das _Postelnik_ der Russen und +Wallachen) ernannt. Die Niguderischen Banden waren kaum aus Fars abgezogen, +als die Nachricht eintraf von einem Angriffe der Aegypter auf _Kalaater +Rum_, d. i. das Römerschloss, welches an der Stelle des alten _Zeugma_ den +Uebergang über den Euphrat vertheidigt. Sultan Said, der Sohn und +Nachfolger Bondokdar's (unter der Vormundschaft Kilawin Elfi's), hatte ein +Heer von neunzigtausend Reitern und viertausend Fussgängern wider diese +Festung abgesandt. Die ägyptischen Truppen befehligte der Emir _Beiseri_, +die syrischen Hossameddin von Aintab. Die Stadt wurde eingenommen und +verbrannt; da die Citadelle aber fest hielt, zogen die Eroberer nach fünf +Tagen beutebeladen ab. Sultan Said war in Aegypten abgesetzt, mit dem +Leibgedinge von Kerek dahin verwiesen und die Sultanschaft dem Emir Kilawin +Elfi, dem Kipdschaken aus dem Stamme Burdsch Oghlu, übertragen worden; +dieser nahm dieselbe vor der Hand nicht an, sondern begnügte sich, im Namen +des siebenjährigen Selamisch, des Sohnes Bondokdar's, als der Atabeg +desselben zu herrschen; aber die Namensherrschaft des siebenjährigen Knaben +dauerte nur hundert Tage, nach welchen er abgesetzt und zu seinem Bruder +nach Kerek verwiesen ward. [RN: 2. Redscheb 678/27. Nov. 1279] Kilawin +Elfi, so beigenannt, weil er um tausend Goldstücke gekauft worden, und +_Ssalihi_, weil er ein Mamluke Ssalih's, des letzten ägyptischen Sultans +aus der Familie Ejub, bestieg den Thron als Sultan Manssur, d. i. der +Siegreiche, ein Beiname, dessen gute Vorbedeutung während seiner ganzen +Regierung erfüllet ward. Der Emir _Sonkar aschkar_, d. i. der Blonde, +machte ihm als Nebenbuhler den Thron streitig, indem er sich zu Damaskus +zum Sultan ausrufen liess, aber bald mit seinem Verbündeten, Isa Ben +Mohenna, von den Truppen des Sultans geschlagen, hatte er sich, wie oben +erwähnt worden, mit Alaeddin, dem Wesire Abaka's, zu Bagdad in +Unterhandlung eingelassen und sich dann in's syrische Schloss _Sahiun_, +eines der festesten, ehemals den Assassinen gehörigen, geworfen. Abaka +hielt diesen Augenblick günstig für den syrischen Feldzug. [RN: 18. Oct. +1280] Seine Truppen marschirten in's Gebiet von Haleb ein, wo sie _Aintab_, +_Derbesak_ und _Baghras_ besetzten und bis nach Haleb vordrangen, rennend, +brennend, staubend, raubend, Männer tödtend, nur den Weibern als Sklavinnen +das Leben rettend. Kilawin war von Aegypten, wo er seinen Sohn unter dem +Namen _Melik ess-Ssalih_ als Thronfolger ausgerufen, gegen Syrien +aufgebrochen; als er vernommen, dass der Feind mit der Beute von Haleb +abgezogen, wieder nach Kairo zurückgekehrt. + +[Randnote: Schlacht von Himss; Abaka's Tod.] + +Im folgenden Frühjahre zog Kilawin wider seinen Thronnebenbuhler _Sonkar_ +aus, der noch im festen Schlosse _Scheiser_ hielt. [RN: 19. Moharrem +680/10. Mai 1281] Er versprach die Auslieferung desselben für die Abtretung +von _Famia_ (Apamia), Antiochien, _Latakia_ (Laodicea) und der Schlösser +_Sahiun_, _Belatonus_, _Bersijet_; auch die beiden letzten gehörten, wie +Sahiun, unter die festesten Schlösser der Assassinen vom Gebirge, welches +von ihnen den Namen des _Messers_ (_Sikin_) führt. Belatonus ist das alte +Banias an der Seeküste nördlich von Merkab und Bersijet, ein kleines +Schloss an dem westlichen Saume des Berges _Chait_, welcher auf der +Ostseite des Sees von Apamea[590]. Diese Forderung war kaum zugestanden, +als Kilawin den Anzug zweier mongolischer Heere vernahm, deren eines, von +Abaka selbst befehligt, sich gegen Rahbet wandte, das andere, unter dem +Befehle Mengu Timur's, des Bruders Abaka's, zwischen Kaissarije und +Ablistan (Cäsarea und Comane) gelagert hatte. Mengu Timur zog langsam in +Syrien auf der Strasse nach Aintab und stand, nachdem er Hama verheert, vor +Himss, wo auch Kilawin, durch die Truppen Sonkar's verstärkt, eingetroffen +war. [RN: 14. Redscheb 680/30. Oct. 1281] Die Schlacht blutete in der Ebene +nicht ferne vom Grabmale _Chalid's_ (beigenannt das Schwert Gottes), des +Eroberers Syriens unter dem Chalifate Omar's. Das Heer Mengu Timur's zählte +fünf und zwanzigtausend Mongolen, fünftausend Georgier, eine armenische, +von König Leo befehligte Truppenabtheilung und eine der Türken Rums; auch +das ägyptische Heer, welches die ersten der Emire[591] befehligten, war von +syrischen Turkmanen und Kurden verstärkt. Der linke Flügel der Aegypter vom +rechten der Mongolen, welchen Mengu Timur an der Spitze der Uiraten, +Georgier und Armenier befehligte, wurde bis an die Thore von Himss +zurückgeschlagen; aber Mengu Timur selbst, bald hernach vom Emir Usdemir +verwundet, ergriff die Flucht; seine Flucht zog die Niederlage des +mongolischen Heeres nach sich, das nach allen Seiten floh. Von Seite der +Mongolen war Semaghar, einer ihrer tapfersten Feldherrn, von Seiten der +Aegypter der Emir Usdemir, welcher den Prinzen Timur verwundet und vom +Pferde gestürzt hatte, geblieben. Die Mongolen hatten sich theils gegen +Haleb, theils gegen Selemijet, die an der Gränze der Wüste gelegene Stadt, +geflüchtet; die letzten, durch den ägyptischen Befehlshaber Rahbet's +abgeschnitten, irrten in der Wüste, wo sie dem Hunger und Durst erlagen; +nur sechshundert Reiter wurden gefangen und zu Rahbet geköpft; eine andere, +vor Burt gelagerte mongolische Truppenabtheilung wurde gleichzeitig von den +Belagerten angegriffen, die fünfhundert derselben tödteten. Mengu Timur +zog sich nach Dschesiret, dem Leibgedinge seiner Mutter, Oldschai Chatun, +zurück. [RN: 9. Dschemm. sani/25. Sept.] Abaka war, während Mengu Timur in +Syrien einmarschirt, jagend bis Rahbet gekommen, kehrte aber dann nach +Sindschar zurück und war Anfangs Novembers in seinem Lager vor Mossul +eingetroffen. Hier erhielt er die Kunde der Niederlage seines Heeres. +Erzürnt kündete er für den nächsten Frühling ein Kurultai an, wo die +Feldherren, die ihre Schuldigkeit in der Schlacht nicht gethan, bestraft +werden sollten. [RN: 6. Silkide/13. Februar] In der Hälfte des Februars +brach Abaka von Bagdad nach Hamadan auf, wo er im Palaste Fachreddin +Minotschehr's abstieg. Er überliess sich dem Genusse geistiger Getränke, +dem er unmässig ergeben. Eines Abends glaubte er in seiner Trunkenheit +einen schwarzen Vogel vor sich zu sehen: Weg mit dem schwarzen Vogel, rief +er; aber so viel die Leibwachen auch spähten, war von einem schwarzen Vogel +nichts zu sehen. Auf einmal schloss er die Augen und gab, auf goldenem +Throne sitzend, den Geist auf[592]. [RN: 20. Silhidsche 680/1. April 1282] +Er wurde an der Seite seines Vaters in dem Schlosse _Teke_ am See von +Meragha bestattet; schon am fünf und zwanzigsten Tage nach seinem Tode +folgte ihm auch sein Bruder Mengu Timur in's Grab zu Teke[593]. Abaka starb +acht und vierzig Jahre alt, von denen er siebzehn geherrscht, der +Befestiger der Herrschaft der Ilchane in Persien und Georgien im Geiste des +Gründers Hulagu; kein Eroberer, wie dieser, aber auch minder grausam. +»Abaka«, sagt der Mönch Haitho, »war ein staatskluger, sein Reich glücklich +verwaltender Herrscher, der nur in zwei Dingen unglücklich; erstens, dass +er nicht Christ werden wollte und als Götzendiener den Götzenpriestern +Glauben beimass; zweitens, dass er, in beständigem Kriege mit den Nachbarn +verwickelt, den Sultan Aegyptens in Ruhe lassen musste, der sich durch +mongolische Ueberläufer und durch Bündnisse mit dem Herrscher des Uluses +Kipdschak verstärkte.« + +[Randnote: Verhältniss gegen die Christen.] + +Die Klage Haitho's, dass Abaka nicht Christ werden wollte, beweiset schon, +dass Hoffnungen oder Bemühungen zu seiner Bekehrung rege waren; ferneren +Beweis liefern die in den Geschichtschreibern der Päpste erhaltenen +Schreiben desselben an Abaka. Papst Clemens IV. meldet in einem aus Veterbo +erlassenen Schreiben, dass er das Schreiben des Chan's erhalten; [RN: 1267] +bedauert aber, dass dasselbe nicht lateinisch abgefasst, weil Niemand +dasselbe lesen und verdolmetschen konnte und er also den Worten des Boten +allein Glauben beimessen müsste; dieser scheint wirklich seine Botschaft +grossentheils aus sich selbst geschöpft zu haben, denn es ist nicht +wahrscheinlich, dass Abaka (wie ihm Clemens dafür dankt) ihm seine Freude +über die Niederlage Manfred's des Hohenstaufen bezeugt, dass er ihm seine +Bereitwilligkeit gemeldet, mit seinem Schwiegervater dem Paläologen und den +Lateinern zu helfen, und noch unwahrscheinlicher, dass er gegen ihn den +Wunsch, Christ zu werden, geäussert habe. [RN: 26. Jan. 1274] Sieben Jahre +später waren Gesandte Abaka's mit Schreiben nicht nur an den Papst, sondern +auch an andere christliche Könige beglaubigt. Eduard I., der König von +England, ermuthigte ihn in seinem Antwortschreiben, in dem Entschlusse der +Bekehrung zum Christenthume zu verharren, und Gregor X. empfing den +Gesandten Abaka's auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo statt des Senders +wenigstens der Gesandte getauft ward. [RN: 1277] Drei Jahre hernach +erschienen abermals zwei Fremde, die sich für Gesandte Abaka's ausgaben, am +Hofe des Papstes Joannes XXI. mit einem Aufrufe an alle christlichen +Fürsten zu einem Kreuzzuge nach Palästina. Man bewog sie, an den Hof der +Könige von Frankreich und England sich zu begeben. Dem Könige Philipp +versprachen sie den Beistand Abaka's, wenn er zu Akka landen wollte. Diese +beiden Gesandte, welche georgische Christen gewesen zu sein scheinen, +hatten zu Rom versichert, dass Abaka und sein Oheim, der Grosskaan Kubilai, +bereit seien, zum Christenthume überzutreten; Joann XXI. bestimmte fünf +Franziskaner zur Erwiederung der Botschaft; da er aber vor ihrer Abreise +starb, traten sie erst im folgenden Jahre mit Schreiben Nikolaus III. an +Abaka und seinen Oheim Kubilai[594] die Reise an. »Die römische +Mutterkirche«, schreibt Nikolaus an Abaka, »freut sich des Inhaltes des +durch die Gesandten Deiner Herrlichkeit, Joannes und Jakob _Vussali_, +Unserem Vorfahren gebrachten Schreibens, welches, wenn ein christliches +Heer in Syrien landete, demselben Verpflegung verheissen, und an dem Ende +Wir Allem, was sie mündlich sagen, Glauben beizumessen aufgefordert werden. +Unter dieser Beglaubigung[595] haben sie Unserem Vorfahren, unter dessen +Cardinälen Wir uns damals befanden, die höchst angenehme Nachricht gegeben, +dass Deine Herrlichkeit und Dein Oheim Kubilai, Ihr beide unsere in Christo +geliebteste Söhne, einige Personen verlangt, um Euch und Eueren Sohn in der +christlichen Lehre zu unterrichten und zu taufen.« Der Papst bittet den +Chan, die Missionäre gütig aufzunehmen, ihnen in allem, was sie ihm über +die Taufe, Dogmen und Religionspflichten sagen werden, Glauben beizumessen, +sie auf ihrer Reise zum Grosschan frei zu halten, und empfielt ihm dann +alle Christen Unterthanen des Chans als Freunde[596]. In dem den fünf +Franziskanern ertheilten Breve begewaltigt er sie, in allen den Tataren +untergebenen Ländern das Wort Gottes zu predigen, den Abaka und alle, die +sich zum christlichen Glauben bekehren wollten, zu taufen, die +Excommunicirten zu absolviren, Beicht zu hören und Busse aufzulegen, auch +sogar die Mörder von Clerikern und Priestern loszusprechen, wenn sie nur +an Kirchen und Klöster gehöriges Sühnungsgeld zahlen, neue Kirchen zu +stiften, den Neuvermählten ihre Frauen, die ihnen nicht in verbotenen +Graden verwandt, zu gestatten, in Ehesachen zu entscheiden, selbst dort, wo +weder Kirche noch Oratorium, Messe zu lesen, die Grundfeste einzusegnen, +Gelübde umzuändern, Messkleider und Altäre zu weihen, wo katholische +Bischöfe nicht vorhanden, und alles gemeinsam oder einzeln zu unternehmen, +was zur grösseren Ehre Gottes und Verbreitung der katholischen Lehre +förderlich und erspriesslich[597]. Die Bekehrung Kubilai's und Abaka's +wurde durch diese fünf Franziskaner eben so wenig bewirkt, als dreissig +Jahre früher die Batu's und Gujukchan's durch die Missionäre Gregor's IV.; +aber von diesen letzten bestehen die Reiseberichte Plan Carpin's und +Rubruquis über die Länder, Sitten und Herrscher der Mongolen, während von +der Mission der fünf Franziskaner keine weitere Spur[598]. + +[Randnote: Literatur.] + +Unter Abaka's Regierung dauerte der Flor der Literatur, dessen wir schon +unter der Hulagu's und weiter oben erwähnt haben, in erfreulichem Glanze +fort; das grösste Verdienst dieser Stätigkeit gebührt nach Nassireddin von +Tus wohl dem gelehrten Brüderpaar _Schemseddin_ und _Alaeddin Dschuweini_, +welche schon von Hulagu als Wesire mit der höchsten Leitung der +Reichsgeschäfte betraut, denselben auch während der siebzehnjährigen +Regierung Abaka's vorstanden, bis zum Schlusse derselben ihr Kredit und +Ansehen, erschüttert, wankte. In Rum hatte sich die schönste Blüthe +mystischer Philosophie und Poesie in den Werken _Ssadreddin's von Konia_ +und _Dschelaleddin Rum's_ entfaltet. Zu Schiras lebte noch der +hundertjährige _Saadi_ (dessen Lebenscenturie zugleich das Jahrhundert des +grössten Aufschwungs persischer Poesie) in Freundschaft mit dem +Dichterkönig und Schönschreiber Hemker Farsi, der als Dichterkönig +_Medschdeddin Semeki_[599] hiess, mit _Imami_ aus Herat und mit Chodscha +_Hemameddin_[600], dem Schreiber Nassireddin's von Tus, dem reichen und +gastfreien Manne, welcher den Sohn des Wesirs Schemseddin zu Tebris mit +einem in vierhundert porcellanenen Schüsseln aufgetragenen Gastmahle +bewirthete. Ausserdem noch die folgenden Dichter: _Purbeha Dschami_, +welcher halb mongolisch, halb persisch dichtete und mit Chodscha Hemameddin +besonders im künstlichen und schweren Versmaasse wetteiferte[601]; +_Abulmadhi Raigani_, so von dem in der Nähe Kaswins gelegenen Dorfe +_Raigan_ beigenannt, berühmt durch einen auf die fromme Stiftung Melik +Iftichareddin's von Kaswin aus dem Stegreife gesagten Viervers[602]. +_Dschemaleddin von Kaschan_, welcher eine berühmte Redondille Saadi's mit +gleicher entgegnete[603]. _Dschemaleddin Rastak ol kotu_, welcher seinen +Beinamen von Rastak, einem Stadtviertel Kaswin's, hat und unter der +Regierung Abaka's neunzigjährig starb[604]; der Richter _Behaeddin +Sendschani_, der Lobredner Schemseddin's des Wesirs, welcher so, wie +Purbeha, mongolische und türkische Wörter persischen einmischte[605]. +_Rasijeddin Bela_ war Intendent der Pachten von Diarbekr; als ihn Abaka +absetzte und seine Stelle dem Emir Dschelaleddin verlieh, welcher +ursprünglich ein Halbtrommelschläger, hatte Rasijeddin den Muth, dem Wesir +Schemseddin den Viervers zuzusenden: + + O Schah! du nahmst das Land von uns zum Zeitvertreib, + Gabst einem Zwitter es, der weder Mann noch Weib; + Es ist nun sonnenklar dem Aug' der beiden Welten, + Was dir der Schlag des Schwerts und der der Trommel gelten[606]. + +Nedschmeddin Serkub, d. i. der Goldschläger, ein Zeitgenosse Abaka's, der +aber auch unter der Regierung Arghun's lebte und seine Beschäftigung und +Armuth durch die folgenden Verse schilderte: + + Mein Handwerk ist, zu schlagen Gold; + Das Leben wird dadurch nicht heller. + Ich sitze immer zwischen Gold + Und habe niemals einen Heller[607]. + +Endlich Nisameddin von Issfahan, der arabisch und persisch dichtete und von +welchem der Schreiber der auserwählten Geschichte eine Kassidet zum Lobe +des grossen Wesirs Schemseddin Dschuweini[608] erhalten, welche, da +Schemseddin und sein Bruder Alaeddin die Pole persischer Kultur und +Literatur während der Regierung Abaka's so füglicher diese Uebersicht +persischer Literatur zur Zeit Abaka's schliesst, als der Schluss des +Lobgedichtes selbst ein arabisches Distichon des grossen Wesirs +Schemseddin: + + Komm', lass dir von dem Streit' des Baches sagen, + Der sich mit der Cypresse zugetragen. + Der Bach sprach viel von seiner reinen Fluth + In hundert Zungen und in hundert Sagen; + Da sprach zu ihm Cypresse so: O Freund, + Willst du, warum ich zittere, mich fragen? + Ich bin gerad' und stehe festen Fusses, + Indess dich krumm die Spötter weiter tragen. + Bei Gott! du gehst vorbei: und willst dir so + Den alten Trauten aus dem Kopfe schlagen. + Bald brausest du mit Heftigkeit einher, + Bald bleibest du im Dümpfel sitzen mit Behagen. + Als Antwort sprach der Bach, der tief beschämt, + Aus Schaam den Kopf empor kaum konnte tragen: + Ich seh', Cypresse, du hast Sanftmuth nicht + Und kannst mit Freunden dich nicht gut vertragen; + Du stets aufstrebend und empörerisch, + Und weich und lind und mild ist mein Betragen. + Du, prahle dich hinfür mit Freiheit nicht, + Nicht mit Beständigkeit und Liebesklagen; + Du nährtest vormals dich in meinem Schooss, + Nun willst du hoch empor den Kopf nur tragen, + Du weihest nun sehr wenig Schatten mir, + Weisst nichts von Huld und goldnen Fruchtgelagen; + Verzweifelnd fliehe ich von dir in's Feld, + Um an dem Fels' die Brust mir wund zu schlagen; + Du trägst das Haupt gen Himmel hoch empor, + Schaust nicht auf mich, der dir zu Füssen liegt; + Dein Haupt ist grün, du bist so frisch und schön, + Und ich verachtet mit zerrissnem Kragen; + Geniesse stolz die Ruh', du stehest fest, + Indessen mich von dir die Winde jagen. + So sprach der Bach und barg sich in den Staub, + In Thränen fliessend hin und Weheklagen; + Cypresse ward darob gar sehr verwirrt, + Des Freundes wegen fühlt' sie Unbehagen, + Im Garten schlug die Hände sie zusammen; + Der Vögel Chor begann, darob zu klagen, + Da war die Zeit, den Vers von _Schemseddin_, + Inhaber des Diwans, dem Herrn zu sagen: + _Der Garten haucht wie Aloe aus Hind, + Auf Aloen die Turteltauben klagen_[609]. + + + + +Fünftes Buch. + + Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung; + Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras; Konguratai + getödtet; Krieg zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften + Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch nach Kumis; + Arghun vor Kelat; Thronbesteigung Arghun's; dessen Gemahlinnen, + Söhne und Töchter; Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs + Schemseddin; die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin + Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz; Hinrichtung der + Prinzen Dschuschkab, Huladschu und Karabuka; Verwaltung des + Juden Seadeddewlet; Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse + gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung und dessen Familie; + Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und + Fars, und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten; Verrath + der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's und Baidu's Nachfolge. + + +[Randnote: Parteiungen um die Thronfolge.] + +Wir haben die achtjährige Regierung Hulagu's, des Gründers des Reichs, in +zwei Büchern, die der siebzehnjährigen seines Nachfolgers in dem +vorhergehenden erzählt; wir werden auch, so Gott will, das Leben und die +Regierung der achtjährigen Regierung Ghasan's, des siebenten und grössten +mongolischen Herrschers in Persien, in zwei Büchern beschreiben; aber nur +in diesem Einen die Regierungen von _Teguder_, _Arghun_ und _Kendschatu_, +die durch zwölf Jahre nacheinander geherrscht. Hulagu, der erste der +Ilchane, hat das Reich als Eroberer gegründet; _Abaka_, der zweite, +dasselbe zwar nicht erweitert, aber durch die Stätigkeit seiner Wesire, des +grossen Brüderpaars Schemseddin und Alaeddin, auf derselben Höhe erhalten; +unter den vier nächsten ward es durch innere Unruhen und Streit der Prinzen +um den Thron zerrüttet, bis Ghasan das erschütterte Gebäude der Herrschaft +wieder mit blutigem Mörtel befestigte und durch weise Einrichtungen zum +Giebel seiner Grösse emporhob. Der dieses Buch füllende zwölfjährige +Zeitraum des Bürgerkriegs und der Zerrüttung mag einigermassen mit dem +zehnjährigen der osmanischen Geschichte verglichen werden, in welchem nach +Bajesid's des Wetterstrahls Tod die Söhne desselben sich um den Thron +stritten und das getheilte Reich erschütterten; nur herrschten dort längere +Zeit drei und dann zwei gleichzeitig, während hier die schnelle +Entscheidung des Thronstreites durch das Schwert nur zwischen _Baidu_ und +_Ghasan_ getheilter Herrschaft Raum übrig liess. In der osmanischen +Geschichte ist die gleichzeitige Regierung der drei Brüder _Suleiman_, +_Musa_ und _Mohammed_ eine Zwischenherrschaft, während hier die drei ersten +genannten Herrscher nicht gleichzeitig regiert, sondern den bestrittenen +und dem Vorfahrer entrissenen Thron nur nach einander durch kurze Zeit +behauptet haben. Abaka hatte seinen Sohn Arghun zu seinem Nachfolger im +Reiche bestimmt und demselben als solchem die Statthalterschaft von +Chorasan verliehen. Die Entfernung würde denselben nicht gehindert haben, +sein Recht auf den Thron zu behaupten, hätten nicht andere Umstände dem +Oheime Teguder und seiner Partei Vorschub gethan. Dieser war der Aka +Arghun's, d. i. der Aeltere der Familie, und das höhere Alter gab, wie +schon beim Streite zwischen Hulagu und Berke zu bemerken Gelegenheit +gewesen, in der mongolischen Familienhierarchie immer Vorrang und Ansehen +vor dem _Ini_, d. i. dem Jüngeren; aber dieser Altersvorzug würde dem +Teguder eben so wenig zum Throne verholfen, als die Entfernung von der +Residenz dem Arghun denselben geraubt haben, wären nicht andere Hebel +wirksam thätig gewesen. Die persischen Quellen stellen dieselben gar nicht +gehörig heraus und lassen über die nächsten Beweggründe der veränderten +Thronfolge einiges Dunkel; dieses aber verschwindet bei näherer Betrachtung +des zu Ende des vorigen Buches berührten Verhältnisses zwischen Arghun und +dem gestürzten Bruderpaare Schemseddin und Alaeddin, welche seit Hulagu zu +Tebris und Bagdad das Steuer der Regierung geführt. Arghun war der Kanal +gewesen, durch welchen die Anklagen Medschdolmülk's, des Todfeindes +Schemseddin's und Alaeddin's, bei Abaka Eingang gefunden; ihre ganze, durch +zwanzigjährige unumschränkte Machtvollkommenheit mächtig gewordene, durch +ihren Sturz aber in den Staub getretene Partei hatte von der Thronfolge +Arghun's und der tyrannischen Verwaltung Medschdolmülk's Nichts zu hoffen +und Alles zu fürchten; diese Partei also war es wohl hauptsächlich, welche +dem Neffen Arghun, dem Sohne Abaka's, dessen Oheim Teguder vorzog und +diesem die Stimme der Völker (die in Persien alle Moslimen) durch den +Uebertritt zum Islam gewann. + +[Randnote: Teguder's Thronbesteigung.] + +Teguder war der Sohn der Frau Kutui Chatun, welche mit ihm und seinem +Bruder Tekschin, jener der siebente, dieser der vierte Sohn Hulagu's, +während des persischen Feldzugs im Lager Mengkukaan's zurückbehalten und +unter Abaka's Regierung von Kubilai nach Persien gesandt worden; in seiner +Jugend war derselbe getauft worden und hatte den Namen Nikolaus +erhalten[610]. Hierdurch schon dem Götzendienste des Budhismus entfremdet, +mochte er so leichter zum Islam zu bekehren gewesen sein, als seine +Bekehrer nicht ermangelt haben werden, nach moslimischer Ansicht der +Dreifaltigkeit, als einer Trimurti, und den Uebertritt zum Islam als eine +Erhebung zu reinerem Gottesdienste, durch den Aufschwung von Vielgötterei +zur Anbetung eines einzigen Gottes darzustellen; der mächtigste +Bekehrungsgrund war aber ganz gewiss die Aussicht auf den Thron, indem er +den Islam erst, als er denselben bestieg, annahm. Die Nebenbuhler um +denselben nach dem Tode Abaka's waren drei; Arghun hatte die Emire des +Hauses seines Vaters[611], mehrere der grossen Emire[612] auf seiner Seite; +die drei Prinzen _Adschai_, _Kungurtai_, _Huladschu_ (die drei Söhne +Hulagu's), _Dschuskab_ und _Kunkschu_, die Söhne _Tschumkur's_, des zweiten +Sohnes Hulagu's, die Emire _Schingtur_, _Sughundschak_ und andere stimmten +für _Teguder_; endlich suchte die Frau Oldschai Chatun, die Mutter Mengu +Timur's, demselben eine Partei zu gewinnen; als dieser aber am fünf und +zwanzigsten Tage nach Abaka's Tode gestorben, schlug sie sich mit der Frau +Kutui, der Wittwe Abaka's, auf die Seite Arghun's, welcher der Sohn aus der +Beischläferin Kaimisch Ikadschi. Alsbald nach Abaka's Tode eilte Teguder +aus Kurdistan nach Tebris und Arghun, welcher ohnedies auf dem Wege von +Chorasan nach der Residenz, begegnete auf der vierten Station vor Tebris +dem _Schingtur_ Nujan, welcher ihm mit der Nachricht von des Vaters Tod +entgegengesendet worden. Arghun vollzog die Gebühren der Trauer nach +mongolischer Sitte mit dem gewöhnlichen Todtenmahle, bei welchem, wie bei +Festgelagen, der Becher mit _Kumis_ herumging; die Leibwachen[613], +Speerträger[614] und Stallmeister[615] seines Vaters wurden ihm übergeben. +Die Prinzen des Hauses, die Oheime und Neffen Arghun's, beriethen sich und +stimmten für _Teguder_, und auf den Rath des weisen Emirs _Schischi +Bachschi_ that Arghun, um sein Leben zu retten, keinen Einspruch. [RN: 26. +Moharrem 681/6. Mai 1282] Fünf Wochen nach dem Tode Abaka's wurde Teguder +als Chan und Ilchan, Schah und Padischah ausgerufen; die Herrlichkeit der +festlichen Thronbesteigung wurde auf zwei Monate hinausgeschoben. Arghun +begab sich nach _Alatagh_[616], um dort von dem Lager und dem Schatze +seines Vaters Besitz zu nehmen; Taghadschar kam aus Fars zu seinem Dienste +und die Frau Kutui mit ihren Anhängern begab sich ebenfalls in's Lager +Arghun's. Der Wesir Schemseddin, welcher sich in dessen Macht befand, wurde +ihm abgefordert, und der Emir des Lagers der Frau Kutui brachte denselben +zu Teguder[617]. Am Tage der Sommersonnenwende[618] hatte die feierliche +Thronbesteigung statt. [RN: 13. Rebiulewwel/21. Juni 1282] Nach dem +uralten, schon auf den ägyptischen Denkmalen abgebildeten +Krönungsgebrauche, vermöge welchem zwei Geleitsmänner den König, der eine +zur rechten, der andere zur linken Hand, auf den Thron einführend, wurde +Teguder vom Bruder Kungurtai und vom Emir Schingtur Nujan auf den Thron +gesetzt, indem jener dessen rechte, dieser dessen linke Hand ergriff[619]; +die Prinzen warfen, mit dem Gürtel um den Nacken, ihre Mützen in die Luft, +zu sagen, dass ihr Hals bereit, auf den Wink des Herrschers mit dem Gürtel +oder Strang zugeschnürt zu werden, und dass sie nicht mehr kopfbedeckt, das +ist, nicht mehr frei. Mit siebenmaliger Niederwerfung wurde die Sonne, mit +neunmaliger der neue Herrscher verehrt zur glücklichen, durch die +Astronomen ausersehenen Stunde. + + Zu einer guten Stunde, wo die Glücksgestirne + Im Ort des Aufgangs niederwarfen ihre Stirne[620]. + +[Randnote: Schemseddin geschützt von einer der Gemahlinnen Teguder's.] + +Nach Beendigung der Krönungsfeste liess sich Teguder die im +unbezwinglichen Schlosse _Schahutela_ (dem persischen Königstein) +aufbewahrten Schätze bringen und vertheilte dieselben unter die Prinzen, +Nujanen und Emire des Hauses und des Heeres; jeder Soldat erhielt zwanzig +Dinare und Arghun, der sich beklagte, dass man auf ihn mit der +Krönungsfeierlichkeit nicht gewartet, zwanzig Goldbalische. Bei dieser +Gelegenheit verbanden sich Arghun und sein Oheim Konghuratai (der neunte +Sohn Hulagu's) im Lager der Frau Tuktini[621] durch Eidschwur in +unzertrennlicher Freundschaft, welche hernach den häufigen Gesandtenwechsel +zwischen ihnen und den gewaltsamen Tod Konghuratai's herbeiführte. Teguder +befahl, seine Bekehrung zum Islame auszurufen, und erliess an die +Obrigkeiten von Bagdad ein Jerligh, dass sie die gute Kunde den Einwohnern +Bagdads mittheilen, den frommen Stiftungen ihre Einkünfte wie zur Zeit des +Chalifats wieder geben, den Moscheen und Medreseen ihre vorigen Rechte +wieder einräumen sollten; der Prophet habe gesagt, dass der Islam nicht +aufhören werde, siegreich zu sein, bis an den Tag des Gerichts[622]. [RN: +2. Rebiul./4. Juli] Tags darauf lagerte er zu _Siahkuh_[623] und sandte +Befehl nach Hamadan, dass Medschdolmülk und _Atamülk Dschuweini_, der noch +als dessen Schlachtopfer dort gefangen gehalten ward, vor ihm erscheine. +Medschdolmülk begann seine alten Ränke wider Schemseddin, und wenig fehlte, +dass er nicht auch diesmal gesiegt hätte; nur der Schutz Ermeni Chatun's, +der Gemahlin Teguder's, zu welcher Schemseddin flüchtete, rettete ihm und +dem Bruder das Leben und verschaffte ihnen den Triumph über den Todfeind. +Ermeni Chatun war nicht die Herrin des Harems, d. i. die erste Gemahlin +oder grosse Frau Teguder's (welche Tokus Chatun, die Konghuratin), sondern +die zweite, keine Armenierin, wie der Name glauben machen konnte, sondern +auch eine Konghuratin; die dritte, _Tudakun Chatun_, die Tochter _Musa +Gurgan's_, des Konghuraten, des Eidams Hulagu's, welchem dieser seine +fünfte Tochter, _Tarakai_, zur Gemahlin gegeben, und folglich die Nichte +Arghun's; die vierte _Baitegin_, die Tochter Huseinaga's; die fünfte, +_Ilkotlogh_, die Mutter _Tughandschik's_, der Tochter Schadi Nujan's, des +Gemahls der Prinzessin _Arguruk_, Tochter Dschumkur's, des zweiten Sohnes +Hulagu's, aber nicht aus dieser, sondern aus der Beischläferin _Ilkotlogh_; +Tughandschik, während der Herrschaft Teguder's getraut, wurde ob Verdacht +von Zauberei in den _Kor_ (Cyrus) geworfen; die sechste, _Tudai Chatun_; +diese gaben ihm drei Söhne[624] und sechs Töchter[625]. Stark durch den +Schutz _Ermeni Chatun's_, arbeitete nun Schemseddin an dem Sturze +Medschdolmülk's, denselben in allerhand Klagen verwickelnd und vor Gericht +fordernd. Medschdolmülk, seines drohenden Ruines gewahr, sandte Wort an den +Prinzen Arghun: Schemseddin habe Abaka vergiftet, und wenn nun er +(Medschdolmülk) mit seinem Leben büssen müsse, geschähe es, um den Beweis +der Vergiftung zu unterdrücken; auf diese Art warf er, selbst des Todes +gewärtig, den Saamen der Rache am Todfeind in die Brust Arghun's, wo +derselbe später zur blutigen Frucht zeitigen sollte. Schemseddin bediente +sich als Werkzeug zum Sturze Medschdolmülk's eines Neffen des letzten, +Namens Seaadeddin, welcher vom Oheime wegen Geldveruntreuungen seines Amtes +entsetzt worden war; demselben ward die Stelle eines _Mestufi_ +(Finanzpräsidenten) in Irak und Persien versprochen, und er klagte dafür +den Oheim verrätherischen Briefwechsels mit Arghun an; demselben wurde die +Zurückstellung aller von seinem Oheim confiscirten Güter Atamülk's, des +Bruders Schemseddin's, aufgetragen, Medschdolmülk selbst vor Gericht +gestellt. + +[Randnote: Hinrichtung Medschdolmülk's.] + +Die Richter Medschdolmülk's waren die Obersten, Befehlshaber der Truppen, +_Sundschak_ und _Arukaka_. Dem _Medschdolmülk_ wurde nun mit gleichem +Maasse eingemessen; wie er wider _Kudschuk Atamülk_ Papiere, mit Zügen und +Schnörkeln beschrieben, als Beweise der Zauberei vorgebracht, so wurde als +gleicher Beweis nun dem Medschdolmülk eine mit gelben und rothen Figuren +bemalte Löwenhaut vorgehalten, welche sich unter seinen confiscirten +reichen Stoffen gefunden und welche seine Feinde bei der Untersuchung eben +so eingeschwärzt hatten, wie vormals er selbst unter das Habe Atamülk's; +die Bachschi und Kamen, d. i. die mongolischen Schreiber und Wahrsager, +gaben ihr Gutachten ab, dass diese Haut in Wasser geweicht, das Wasser dem +Beklagten zu trinken gegeben werde, damit das Uebel der Zauberei an ihm +selbst ausgehen möge. Medschdolmülk weigerte sich dessen, weil er wohl +wusste, dass diesen Talisman der Scheich Abderrahman, ein Geschöpf +Schemseddin's, verfertigt und denselben vermuthlich mit Gift getränkt habe. +Trotz dieser Beweise wollten sie, so sehr auch der Scheich und Atamülk +darauf drangen, das Todesurtheil nicht aussprechen; als aber Sughundschak, +durch ein Fussübel zu Hause gehalten, zu Gericht zu sitzen verhindert war, +besuchte ihn der Scheich und drang so lang in ihn, bis er das Urtheil +erhielt. Es lautete dahin, dass er dem Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin +übergeben und von denselben nach der Jasa, d. i. mit dem Tode bestraft +werden solle. Schemseddin wollte ihn mit dem Leben begnadigen, aber sein +Bruder Alaeddin und sein Sohn Harun drangen auf die Todesstrafe. +_Medschdolmülk_ (der Reichsruhm) wurde in das Zelt Atamülk's (Reichsgabe) +geführt, wo er vom Nachmittagsgebete bis zum Abendgebete Rechenschaft über +alle von ihm ausgestellten Urkunden, Diplome, Schenkungen, Vergantungen +ablegen und, ausser allen Besitzungen, dreihundert Tomane zu Bagdad +erpresster Gelder herausgeben musste. Als Alaeddin sich zum Abendgebete +begab, wurde sein Todfeind vors Zelt geführt und der vor demselben +versammelten Menge als Schlachtopfer vorgeworfen[626]. [RN: 8. +Dschemmasiulewwel 681/14. August] Er ward sogleich zerstückt und Kopf und +Zunge und Hände und Füsse in die Hauptstädte des Reichs zur Aussteckung +gesandt; der Kopf nach Bagdad, wo er denselben so stolz erhoben. Der +Geschichtschreiber Reschideddin sagt hierüber: + + Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen, + So der Wesirschaft selbst für sich vermessen, + Ich sah ihn als des Henkers Spiel und Tand + Und jedes Glied in eines And'ren Hand. + +Seine Zunge kaufte einer um hundert Goldstücke und brachte dieselbe nach +Tebris, und Wassaf commentirt hierzu: + + Hättest schweigend deine Zunge du bewährt, + Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert. + +Die Füsse wurden nach Schiras gesandt, wo er so hochmüthig aufgetreten war, +und die Hände nach Issfahan, wo er dieselben so gierig ausgestreckt. Der +schon mehr als einmal erwähnte Dichter _Pur Beha Dschami_ sagte, als die +Hände ankamen: + + Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand; + Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand. + +und ein anderer Dichter Zeitgenosse dichtete auf diese Gliederversendung +die Verse: + + Ein Paar Tage lang beschwärztest du Rollen und Listen, + Suchtest dir dadurch Reichthum zu mehren und Gut; + Deiner Glieder jegliches ging in andres Land aus, + Welteroberer wardst du in der Woche Verlauf[627]. + +Alaeddin erhielt nun wieder die Statthalterschaft von Bagdad und die +Investitur derselben mittels eines vom Chane selbst getragenen Kaftans, +Schemseddin die Wesirschaft in der vorigen Machtvollkommenheit und der +Scheich Kemaleddin Abderrahman Er-Raſii die oberste Würde des Islams mit +der Verwaltung aller Religionsgüter und dem Auftrage: die Einkünfte +derselben auf die Pensionen grosser und berühmter Gelehrten und Almosen für +Ssofi und Derwische und die Verwandlung der christlichen Kirchen in +Moscheen zu verwenden. + +[Randnote: Wassaf bei Schemseddin; Zustände von Schiras.] + +Schemseddin, welchem unter Abaka's Regierung von seinen Anklägern +Vergeudung der Staatsgelder zur Last gelegt worden und der sich +ausgewiesen, dass dieselben zum Theil für den Hofstaat der Prinzen und +andere Ausgaben des Hofes aufgegangen, begann seine neue Verwaltung mit +Einschränkungen der Ausgaben der Küche des Chans und des Hofstaates der +Prinzen und Prinzessinnen. Die Ausgaben der Küche, welche bisher unter dem +Oberstküchenmeister Fachreddin jährlich achtzig Tomane (Toman ist +zehntausend) betragen hatten, wurden nun ohne Einmischung des +Oberstküchenmeisters mit der Hälfte dieser Summe bestritten. Dieser +besonders wider das Zehrgadenamt gerichteten Oekonomie lag einige +Persönlichkeit Schemseddin's wider Fachreddin zum Grunde, weil diesem +gleich nach der Thronbesteigung Teguder die Wesirschaft verleihen wollte, +was sich Fachreddin verbeten hatte; nichtsdestoweniger war Schemseddin auf +denselben eifersüchtig; Wassaf, bei welchem sich diese Angabe findet, +konnte um so besser von der Sache unterrichtet sein, als er gerade in +diesem Jahre dem Wesir Schemseddin persönlich aufwartete, und einige +Spannung, in welcher er mit demselben gestanden, auszugleichen bemüht war; +es scheint nämlich, dass Wassaf sich einigen Tadel über des Wesirs frühere +Verwaltung erlaubt, worüber ihn der Wesir zur Rede stellte. Wassaf +bekräftigte zwar mit den stärksten Schwüren das Gegentheil und sandte +zweimal entschuldigende und um Vergebung flehende Verse an +Schemseddin[628], aber »ohne dadurch«, wie er sagt, »den leicht zu lösenden +Knoten der Entfremdung des Inhabers des Diwans zu entwirren«. Wiewohl +Wassaf weder den Gegenstand des Tadels, noch den Anlass seiner Reise ins +Hoflager näher angibt, so betrafen wahrscheinlich beide die Angelegenheiten +seines Vaterlandes, die Landschaft Fars, deren Geschichte er der seinen so +umständlich einverleibt hat. [RN: 678/1279] Zu Ende der Regierung Abaka's +war die Statthalterschaft von Schiras dem Emir Sughundschak (von dem so +eben als vom Richter Medschdolmülk's die Rede gewesen) anvertraut, von +dessen Scharfsinn und die Wahrheit ergründenden Urtheilen Wassaf Belege +erzählt. Unzufrieden mit den Pächtern der Steuereinnahme, ernannte er einen +derselben, der die wenigsten Staatsgelder unterschlagen hatte, den Chodscha +_Nisameddin_, zum Wesir und ordnete ihm die anderen Pächter unter. Zum +Richter der Richter ernannte er den _Ebu Mohammed Jahja Imadeddin_, wiewohl +der grössere Theil der Einwohner den hochgelehrten _Seid Abdallah_, den +Verfasser vieler Werke über die Exegese und Hermeneutik, über die +Ueberlieferung und Rechtsgelehrsamkeit, über Dogmatik und Philosophie für +den Würdigeren erkannten. Sughundschak begab sich mit einigen Pächtern, +deren Summen noch ausständig, nach Hof; nur als es in seiner Abwesenheit +zwischen dem Wesir und dem Oberrichter zu Reibungen kam, sandte er einen +Befehl, vermöge dessen der letzte im Hause des ersten in Verhaft gesetzt +ward. Zu dieser Zeit (wo eben Medschdolmülk's Anklage wider Schemseddin +angebracht und Abaka's Sinn auf Zusammenscharren des Goldes erpicht war) +wandte sich der Seid Richter an Buka, einen der geheimen Schatzmeister +Abaka's, welcher sich damals zu Schiras befand, und dieser sandte den Seid +und den Intendenten Schemseddin nach Hof, wo sie, von Abaka wohl empfangen, +ihre Beschwerden wider die Verwaltung Sughundschak's und des von ihm +bestellten Wesirs Nisameddin anbrachten. Abaka reichte ihnen mit eigener +Hand einen Becher Wein und befahl, dass Nisameddin zweihundert der +ausständigen Tomane abtrage; dieser wurde nun im Hause des Seid Imadeddin +festgesetzt und der Emir Taghadschar kam, die Eintreibung der Summe zu +vollstrecken; die Pächter aber, hierdurch aufgelärmt, machten mit +Nisameddin gemeinsame Sache, und wiewohl sie dem Scheine nach sich den +Befehlen Taghadschar's fügten, so ruhten sie doch nicht, bis sie den +Nisameddin aus der Haft befreit und Taghadschar in Verlegenheit brachten. +Dieser begab sich, da unterdessen die Thronbesteigung Teguder's +stattgefunden, an's Hoflager und führte seine beiden Schutzgenossen, den +Melik Schemseddin und den Seid Imadeddin, mit sich. Teguder verlieh dem +letzten die Wesirschaft von Schiras und forderte den Statthalter Bulghuwan, +welcher öffentlich die Partei der Intendenten wider Taghadschar ergriffen +hatte, nach Hof; dieser hielt die Gesandten des Chans zu Schiras auf, ohne +ihnen Erlaubniss zur Rückkehr zu gewähren, und wandte sich heimlich an den +Prinzen Arghun in Chorasan, von dessen Umtrieben weiter unten die Rede sein +wird. Diess war der Zustand der Dinge in Fars, als Wassaf sich bei +Schemseddin rein zu waschen bemüht war. + +Auf Veranlassung Schemseddin's wurde eine feierliche Botschaft an den +Sultan Aegyptens abgesandt, um demselben von dem Uebertritte Teguder's zum +Islam Kunde zu geben. Das Beglaubigungsschreiben der beiden Gesandten und +die Antwort Kilawin's sind so durch Gehalt als Styl merkwürdig genug, um +unverändert hier in sach- und wortgetreuer Uebersetzung zu folgen: + +»Durch Gottes des Allmächtigen Kraft (welcher erhöhet werde!) Ferman des +Kaan Ahmed an Aegyptens Sultan. Gott der Allmächtige hat durch die Vorgänge +seiner Gnaden und das Licht seiner Leitung in der ersten Jugend und Frische +Uns geleitet auf die wahren Pfade zur Kenntniss seiner Herrlichkeit und zum +Geständniss seiner Einheit, zur Zeugenschaft, dass Mohammed (über welchen +das reinste Gebet!) Gottes Prophet, zum schönen Glauben in seine Heiligen +und frommen Männer. Wen Gott leiten will, dessen Brust erleichtert er durch +den Islam, und Wir haben nicht aufgehört, Uns für die Erhöhung der Religion +und Zurechtbringung der Geschäfte des Islams geneigt zu zeigen, bis von +Unserem Vater, dem Bessten, und Unserem Bruder, dem Grössten, die Reihe der +Regierung auf Uns gekommen, bis dass über Uns der Schmuck seiner Gnaden +ausgegossen und Wir von seinen Wohlthaten, was Wir verdienten, genossen in +dem Uebermaasse seiner Gnaden, der grossen; und es ward Uns das Brautgemach +des Reichs aufgeschlossen und die Braut Uns vorgeführt unverdrossen. Es +wurde von Uns ein gebenedeites _Kurultai_ versammelt, diess ist die +Versammlung, wo einen Funken gibt der Feuerstahl der Brüder und Kinder, der +Emire, der Grossen, der Führer des Heers, der Vorgesetzten der Truppen; ihr +Wort stimmte darin überein, die Verfügung Unseres Bruders des Grossen +auszuführen in der Aufstellung eines allgemeinen Aufgebotes Unserer Heere: +die Erde ist zu enge vor ihrer Menge, und es füllet die Herzen Schrecken +vor der Gewalt, womit sie die Erde bedecken; vor ihrem hohen Muthe werden +die Berge zu Ebenen ausgegleichet und die härtesten Felsen erweichet. Wir +dachten nach über das, was sie sich vorgenommen und worin ihre Begierden +übereingekommen, und Wir fanden, dass ihre Absicht widerstreite mit dem, +was Wir in Unserem Innern beschlossen zur Bewirkung allgemeinen Wohls. +Hierunter verstehen Wir die Stärkung der Satzungen des Islams, dass so viel +als möglich keiner von Unseren Befehlen in anderer Absicht ergehe, als um +Blut und Brand zu stillen und alle Länder mit dem Wehen der Winde der Ruhe +und der Sicherheit zu erfüllen, und damit ausruhen mögen die Könige der +anderen Länder auf dem Lager der Milde und Wohlthätigkeit, um Gottes +Befehle zu ehren und dem Volke Gottes Mitleid zu gewähren. Gott hat Uns +eingegeben, dieses Feuer auszulöschen und diese Unruhe zu stillen, und die +Anzeige dessen, den Gott der Allmächtige hierauf geleitet hat, ist die des +Vorschlags der Mittel, womit die Heilung der Welt von den Gebrechen +erzweckt und die Anwendung der letzten verschoben würde; denn Wir lieben, +nicht schneller die Pfeile zu senden und uns zu den Lanzen des Kampfes zu +wenden, als nachdem Wir das Nöthige erklärt, und Wir gestatten diess nicht, +als nachdem Wir die Wahrheit und Nothwendigkeit mit Beweisen bewährt. Wir +wurden bestärkt in dem, was wir Uns Gutes vorgenommen hatten, und in der +Durchführung gemeinnütziger Thaten durch die frommen Wünsche des Scheichs +des Islams, des Musterbildes der Erkennenden, dessen Hilfe Uns in den +Geschäften der Religion nützt und unterstützt, und Wir haben dieses +Schreiben erlassen als Gottes Barmherzigkeit für den, der sich demselben +fügt, wie sich's gehört, und als Pein wider den, der sich abwendet und +empört. Wir haben damit betraut den entscheidendsten der Richter, den Pol +der Religion und des Volks (Kutbeddin), und den Atabeg (Behaeddin), welche +beide von den Bewährtesten und Gelehrtesten dieses blühenden Reichs, weil +sie Unsere Wege kennen und weil sie mit Gewissheit wissen, was Uns eingibt +Unser Gewissen zum allgemeinen Wohl der Moslimen. Wir haben sie in dieser +Absicht gesendet, denn Wir sind von Gott auf die Wachsamkeit angewiesen, +denn der Islam liebt, was ihn empfängt, und Gott der Allmächtige hat in +Unser Herz gelegt, dass Wir der Wahrheit und ihren Bekennern folgen sollen, +damit sie bezeugen die grosse Gnade Gottes über die Gesammtheit in dem, was +wir fordern als Vertrag der Ursachen der Wohlthat. Sucht dieses nicht zu +erproben durch einen Rückblick auf Unsere Brüder (die Herrscher vergangener +Zeit), denn jedem Tage ist anderes Loos bereit. Wenn die Seelen Einsicht +nehmen wollen in einen Beweis, wodurch die Forderung des Vertrauens +befestiget würde, und in eine Urkunde, worin sie die Erfüllung ihres +Wunsches fänden, so sollen sie ihre Blicke auf Unsere Denkmale richten, +deren Ruhm nicht klein und deren Wirkung allgemein. Wir haben unter Gottes +Leitung angefangen, die Spuren der Religion zu erheben, dieselben in jedem +Dinge an Tag zu legen und auszuheben zur Aufrechterhaltung der Novellen des +Gesetzes, des mohammedanischen, nach Erforderniss der Kanone der +Gerechtigkeit, der ahmedischen, um es zu erheben und demselben Ehre zu +geben. Wir liessen Freude scheinen in die Herzen des Wesens, des gemeinen, +Wir haben nachgesehen die Vergehen und den Schuldigen verziehen und +stellten auf die Verbesserung der Geschäfte Unser Bemühen, auf die frommen +Stiftungen der Moslimen, von Moscheen, Grabstätten, Medreseen, auf den Bau +frommer Zellen und verfallener Wachposten, indem Wir die Einkünfte +derselben denen, so dieselben verdienen, verlieh'n und dadurch erfüllet der +Stifter Sinn; Wir haben verwehrt, dass Neuerung in denselben werde begehrt +und dass das Geringste werde verletzt von dem, was ursprünglich +festgesetzt; Wir haben befohlen, den Pilgerreisen die grösste Ehre zu +erweisen, ihre Schaaren zu bewahren, ihre Wege zu sichern und zu ebnen die +Bahnen der Karawanen; Wir haben freigelassen die Strassen den Kaufleuten, +die von Land zu Land wandeln und handeln, damit sie nach ihrer Willkür und +mit ihrem bessten Vermögen reisen mögen; Wir verwehren den Heeren, den +Wachen und denen, welche die Runde machen, dass sie denselben auf ihren +Wegen, wenn sie kommen oder gehen, das Geringste in den Weg legen. Eine +Unserer Wachen hat einen Kundschafter ergriffen in der Verkleidung eines +Fakirs, und wiewohl es in der Ordnung gewesen wäre, denselben zu tödten, so +wollten Wir doch nicht sein Blut vergiessen lassen aus Schonung dessen, was +Gott verboten, und Wir haben denselben zurückgesandt. Indessen ist es +denselben nicht unbekannt, dass die Kundschafter ein Schaden im Land; denn +so lang unsere Armeen dieselben in der Gestalt von Fakiren und Andächtigen +sehen, ist ihre Meinung von diesen Leuten schlecht, sie tödten den Mann und +thun, was sie gethan: die Nothwendigkeit davon ist, Gott sei Dank, erhöhet +durch das, was Wir ergehen liessen, um die Wege aufzuschliessen dem Zuge +der Kaufleute und anderer Wanderer. Wenn dieselben diesen Geschäften +einiges Bedenken schenken, so wird denselben nicht verborgen sein, dass +diese Eigenschaften uns angeboren als zweite Natur und dass darin von +Affectation keine Spur; und da die Sache so liegt, so sind alle +Anforderungen gegenseitiger Abneigung, welche zum Widerstand führten, aus +dem Wege geräumt. Diese gründeten sich vormals auf den Weg verschiedener +Religion und der Entfernung von dem Schoosse des Islams; aber nun ist durch +Gottes Huld und die Gunst Unseres Glückes das helle Licht erschienen, und +wenn es vormals Ursachen gab, so wandten wir uns nun von denselben zum +Besseren ab; Wir sind auf dem Pfade der Gnade, wo Einkehr und Rückkehr. Wir +haben den Schleier aufgehoben durch dieser Anrede Farben und haben +dieselben unterrichtet von dem, was wir zu thun aufrichtig gesonnen, und +haben hiermit begonnen; Wir haben Unseren Heeren verboten, zuwider zu +handeln diesen Geboten, Gott und seinem Propheten zu Gefallen. Damit auf +den Blättern die Spuren des Glücks und der Annahme erscheinen, damit die +Welt über die Verschiedenheit des Wortes beruhiget werde, damit durch das +Licht des Einverständnisses verschwinde die Finsterniss des +Missverständnisses, damit ausruhen mögen unter dem weiten Schatten die +Städter und die Bewohner der Matten, und damit sich erfrischen die Seelen, +welchen die Plagen gestiegen in die Kehlen. Wenn Gott der Herr den Sultan +Aegyptens leitet zum Besten der Welt und zu dem, was die Ordnung der +Menschen erhält, so ist's nöthig für ihn, den Eimer fester Anhänglichkeit +zu erfassen und zu wandeln dergleichen Strassen durch Eröffnung der Thore +der Unterwürfigkeit und Einigkeit, durch Erwähnung der Aufrichtigkeit, +damit diese Länder sich dieser Gnaden erfreuen, damit die Unruhen sich +legen, welche zerstreuen, damit die Schwerter, welche schneiden, gesteckt +werden in die Scheiden, damit die ganze Erde ein Eden der Ruhe werde, damit +die Nacken der Moslimen werden befreit von dem Joche der Verachtung und +Niedrigkeit. Sollte aber böse Meinung die Oberhand behalten über das, was +Wir aus Gottes des Allverleihers Barmherzigkeit behalten, und sollte +dieselbe verwehren, diesem Antrage, wie er es verdient, Anerkennung zu +gewähren, so wird Gott Unsere Bemühungen ehren und Unsere Entschuldigungen +lassen gewähren. Wir haben Uns nicht zur Strafe gewandt, ehe Wir einen +Gesandten gesandt; bei Gott, er leitet zur Rechtlichkeit und zum rechten +Verstand! Er bewahret sicher die Unterthanen und das Land. Wir rechnen auf +Gott den Einen. Geschrieben Ende Dschemmasiulewwels 681 (Anfangs September +1282).« + + +Antwort. + +»Im Namen Gottes des Allmilden, des Allbarmherzigen. Durch Gottes des +Allmächtigen Kraft, das Wort Kilaun's an Sultan Ahmed: Lob sei Gott! +welcher Uns den Pfad der Wahrheit erhellt. In Uns ist die Hilfe und der +Sieg Gottes gekommen, und Er hat uns schaarweise in die Religion Gottes +aufgenommen. Gebet über Unseren Herrn Mohammed; Er, den Gott über Alles, +wodurch sein Volk gerettet ward, erhöht, und über alle Propheten, welche +retten, und über seine Familie und seine Gefährten! Gebet, welches +erleuchtet die finstere Nacht und dunkeles Leben hell macht. Gefälligkeit +und Ergebenheit vom Imam _Hakim biemrillah_, dem _Emirolmuminin_, dem +Abkömmlinge der Chalifen, der den wahren Weg betreten, dem Vetter des Herrn +der Propheten, dem Chalifen, welchem die Religiosen huldigen. Es ist +angekommen das Schreiben, das verehrliche, das Ehren gewährliche, +enthaltend die grosse Kunde von dem Eintritte in die Religion und dem +Ausfalle wider Alle, welche dem wahren Leben widerstreben. Nachdem geöffnet +worden dieses Schreiben, welches Kunde der Ueberlieferungen haucht, +Ueberlieferungen, welche für die Moslimen gewiss, die gewissesten der +Ueberlieferungen, welche überlieferte _Moslim_[629], wurden die Gesichter +zu Gott dem Allmächtigen gewendet mit der Bitte, dass er diess befestige +mit dem Worte, dem festen, und dass der Samen dieser Religion im Herzen +sprosse, wie die schönsten der Pflanzen aus dem härtesten Boden sprossen. +In nachdenkender Achtung stellten Wir an treffliche Betrachtung über die +Erwähnung der aufrichtigen Absicht, dass im Anfang des Lebens und in der +Frische jugendlichen Strebens die Einheit Gottes verkündet und der Eintritt +in das Volk Mohammed's mit Wort und That und Einsicht und Rath begründet +werde. Gott sei Lob! dass er die Brust des Sultans für den Islam erweitert +und dieselbe mit der edelsten der Eingebungen aufgeheitert; Gott sei Lob! +dass er uns unter die Vorgehenden, die ersten gesetzt zu diesem erhabenen +Orte, und dass er Unsere Füsse befestiget auf jedem Standorte des Kampfs, +im Feld und mit dem Worte. Weiters über die Reihenfolge im Reiche durch +Erbschaft nach dem Abtritte des Vaters des Bessten und des Bruders des +Grössten, über die Ausgiessung dieser grossen Gnaden auf den Sultan, wie +derselbe den Gipfel der Glaubensreinigung erklommen und den Titel der +Herrschaft angenommen, nachdem ihm Gott dieselbe zugezählt und ihn aus +seinen Dienern auserwählt durch die wahren Kunden von den Wundern seiner +Helfer und Diener; und weiters über die Versammlung der Brüder und Kinder +der Fürsten, der grossen, der Führer des Heers, der Vorsteher der Truppen +in der Versammlung des _Kuriltai_, wo die Menge zusammengeflockt und der +Feuerstahl dem Kiesel die Funken der Meinungen entlockt, und wie ihr Wort +mit den Geboten des weiland grossen Bruders übereingestimmt in der Sendung +der Heere nach dieser Seite, dass aber derselbe (der Ilchan) nachgedacht +über das, was ihre gesammte Meinung vorgebracht, und dass er sich mit ihrem +Verlangen bekannt gemacht und dasselbe im Widerspruch gefunden mit dem, was +er selbst in seinem Innern ausgedacht, indem er nur das Gute bezwecke und +sich die Verbesserung zum Ziel stecke, damit er lösche dieses Feuer und +stille die Unruh, die nicht geheuer. Diesen Schritt hat der König (Ilchan) +aus Liebe zu seinem Volke gemacht, indem er das Ende mit durchdringendem +Sinne erwägend bedacht. Wäre diess nicht so gewesen und hätten sie die +Sache der Entscheidung des Schwertes überlassen, so wäre dieser Kampf der +Kämpfe letzter gewesen; allein der Ilchan ist wie Einer, der die Stationen +seines Herrn fürchtet, der seiner Begier das Verbotene verwehrt, der nicht +der Rede des Irrenden beistimmt und Nichts im Irrthum unternimmt. Was nun +das Wort des Ilchans betrifft, dass er nicht eilt zum Schlachtfeld, wo die +Lanze Stösse austheilt, als nachdem er das Nöthige erklärt, so weiss Gott +der Allmächtige, und es wissen alle Menschen, dass wir nur aufstehen, um +dem Volke zu helfen, und dass, wenn wir mit That und Worten streiten, es +nur Gottes wegen geschieht; und da nun der Ilchan mit uns eingetreten in +Gottes Religion, so ging die Feindschaft davon, und indem die Abneigung +aufgehoben, wird sich glücklicher Erfolg erproben. Der Glaube ist wie ein +Gebäude, in welchem ein Theil den andern befestigt und hält; wer eine +Minaret aufgerichtet, dem fehlt es nicht an freien Bewohnern an jedem Orte +und an gesitteten Nachbarn auf der ganzen Erde. Weiters, was die +Versicherung betrifft, dass dieser Nutzen, der allgemeine, der Erwähnung +des Scheichs des Islams, des Musters der Erlernenden, _Kemaleddin +Abderrahman_ (Gott vergelte ihm's mit seinem Segen!) zu danken sei, so +haben Wir von keinem Heiligen früher solch heiliges Werk gesehen. Wir +hoffen von seinem Segen und von dem der frommen Männer, dass jedes Haus zum +Islam erwache, bis dass jede Bedingniss des Glaubens erfüllet werde und der +Islam umfasse die ganze Erde, Alles umfassend, von den Bessten Nichts übrig +lassend. Es ist kein Zweifel, dass des Scheichs heiliges Werk der Anfang +dieser Beständigkeit der Existenz, und jede Wahrheit kehrt mit seinem Segen +zu ihrem Ursprung zurück. Weiters, was die Wirksamkeit des entscheidendsten +der Richter des Islams, des Glaubens und des Reichs (_Kutbeddin_) und des +Atabegs (_Behaeddin_), welche Beide mit Ueberbringung dieses wohlberedten +Sendschreibens beauftragt waren, so sind dieselben Beide erschienen, +bereit, sich aller guten Worte zu bedienen, welche die Umstände eingeben +und die sich im Gemüthe erheben, welche Erwartender mag erwarten mit Lob +und Dank von allen Arten, so dass sie im Namen Ahmed's (des Ilchans) +Ueberlieferungen sprachen, festgegründet, wie die Ahmed's (des Propheten). +Weiters, was die Andeutung betrifft, dass, wenn die Seelen die Einsicht des +geraden Beweises nicht verfehlen, dadurch die Anforderungen vollkommener +Liebe befriedigt würden und dass man betrachten solle die Monumente, die er +im Beginne der Ausübung seiner Macht, Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit, +übend mit Zung' und Herzen, schon hervorgebracht, wie er auf die +Verbesserung der Wakfe, die Ausbesserung der Moscheen und Gränzposten, die +Erleichterung der Strassen der Wallfahrt und anderer dergleichen bedacht, +so sind diess Attribute, von denen abhängt der Reiche Dauer, die gute. Wenn +der König herrscht mit Gerechtigkeit und so weder die Feinde begünstigt, +noch den Tadlern Aufmerksamkeit leiht, und wenn schöne Handlungen und gute +Werke vollzogen werden, welche nicht aussprechen alle Zungen des Gebotes +auf Erden, so sind dieses Pflichten, die man schuldig, zu entrichten; diess +ist grösser, als dass es hätte einen andern Lohn, als sich selbst, als dass +es durch Ruhm überschätzt, durch Herabsetzung gering geschätzt werden +könnte, indem es grossem Könige zum Ruhme gereicht, dass er den Ländern und +Schlössern Zeit gewährt zur Befestigung seines Reichs (welches Gott wolle +bewahren in Sicherheit!). Weiters, was den Verbot betrifft an die Diener +und Wachen und an die, welche die Runde machen, dass sie Niemanden +veruneinigen wollen und die reine Tränke der Ankommenden und Abgehenden +nicht mit den Splittern von Plackereien verunreinigen sollen, so haben Wir, +sobald Uns dieser Vorgang zugegangen, ein Gleiches Unseren Nowwaben (Nabob) +zu Rahbe, Haleb, Bire, Aintab befohlen, und liessen desshalb an die Führer +Unserer Armeen das Nöthige ergehen. Wenn die Glaubensmeinungen sich in +Einigkeit gefunden und die Eidschwüre sind gebunden, so sind die Gebote +besiegelt, in denen sich die Vollziehung der Befehle abspiegelt. Weiters, +was den Kundschafter betrifft, den Fakir, welcher ergriffen und losgegeben +ward (als ob dieses die Ursache wäre, dass wegen der Verkleidung von +Kundschaftern in Fakire alle Fakire todt geschlagen werden würden), so ist +diess ein Thor, das der Ilchan aufgemacht, und ein Feuerstahl, an dem er +den Funken angefacht. Denn wie viele verkleidete Fakire sind nicht gekommen +von jener Seite in diese Reviere, um sich Einsicht zu verschaffen in die +Geschäfte und des Landes Kräfte. Die Nowwabe haben eine Schaar derselben +ergriffen; es erhob sich über sie der Säbel, geschliffen, und dennoch wurde +nicht entdeckt, was die Kutte des Fakirs versteckt, trotz aller angewandten +Müh' mit _Was_ und _Nein_ und _Wie_. Weiters, was die Andeutung betrifft, +dass in der Uebereinstimmung des Wortes das Wohl der Welt und dass dasselbe +die Ordnung des Menschengeschlechtes erhält, so wird nicht zurückgewiesen, +wer da klopfet am Thor der Einigkeit, und es wird keiner abgewiesen und +abgewehrt, der gutes Einvernehmen begehrt. Wer mit seinem Zügel vom Treffen +abweicht, ist wie der, welcher die Hand des Friedens zum Handschlag +herreicht; der Friede ist ein Gut. Weiters, was die Befestigung und +Bekräftigung der Befehle betrifft, so ist es nöthig, dass auf dieselben +Regeln angewandt und dass aus dem Bewiesenen der Nutzen erkannt werde; denn +die Geschäfte sind gebunden an die Schrift, und es ist nothwendig, dass +darin jeder Fündige und Kündige darüber entschieden, ob Krieg oder Frieden. +Hernach ist es nothwendig, dass die Geschäfte werden entschieden in der +Reihe der Knoten der Verträge und ihrer Belege, dass dieselben, mündlich +vorgetragen, durch die Annahme dem Antrage zusagen; denn viele Fragen, +welche die Gesandten mündlich sagen, werden besser erörtert, als wenn +dieselben in verwischten Papieren werden überschlagen. Was endlich die +Berufung auf das Wort Gottes betrifft: _Wir senden keine Pein, eh' Wir +nicht gesandt einen Gesandten_[630], so wird nicht auf diese Art der Stoff +der Liebe gewebt und nicht auf diesem Wege das Ziel erstrebt, sondern +vielmehr wegen Unseres Vorrangs im Glauben sind Pflichten zu entrichten und +Begehren zu gewähren. Wir haben gehört, was mündlich vorgetragen die Zunge +des entscheidendsten der Richter, des Pols des Glaubens und des Volks +(Kutbeddin), und es entsprach dem, was das Schreiben versprach von dem +Eintritte des Ilchans in die wahre Religion, und dass er sich angekettet +auf der Moslimen Station, was er geübet durch Wohlthätigkeit und +Gerechtigkeit, durch seine Sitte und seinen Wandel, der berühmt weit und +breit. Gott sei Dank für die Gnade, welche durch keinen Vorwurf gehindert +und vermindert wird; Gott der Herr hat seinem Propheten den Vers des Korans +gegeben Betreff derer, welche ihm den Islam vorwarfen: _Sage, werfet mir +Euren Islam nicht vor; Gott wird Euch vielmehr vorwerfen, dass er Euch zum +Glauben geleitet_[631], und mündlich trug er vor, dass Gott der Allmächtige +dem Ilchan verliehen an Gaben, was ihn darüber hinaussetzt, seine Blicke zu +richten auf das, was Andere haben an Gut und Land. Wenn also festgesetzt +nach der Eintracht das Begehren, so ist es leicht, zu gewähren, und Unsere +Antwort folgt hierauf nach der Geschäfte Lauf. Wann die Uebereinstimmung +ist erreicht, so ist auch das gute Einvernehmen ausgegleicht. Gott und die +Menschen sehen, wie Wir aufrichtig zu Werke und Unseren Feinden zu Leibe +gehen und in Unseren Kämpfen stehen. Wie mancher Freund wird nicht +gefunden, der besser als Vater, Bruder und Verwandter wird befunden? Die +mohammedanische Religion wird nicht vollendet und dem Islam nicht die +Befestigung zugewendet, als nur durch die Gefährten, die werthen. Wenn also +das Verlangen des Ilchans gerichtet ist auf Einigkeit und auf gutes +Vernehmen, auf gemeinschaftliches Einvernehmen, auf das Verderben der +Feinde und auf die Rache derer, welche den Rücken zum Widerstände stemmen, +so wollen Wir Uns herzlich gern dazu bequemen. Weiters, was mündlich +vorgebracht: dass, wenn Unser Verlangen sich erstreckte auf das, was der +Ilchan besitzt von Land und Gut, so bedarf es nicht der Einwirkung der +Aneiferer, welche die Moslimen nutzlos beleidigen. Hierauf antworten Wir: +Wenn die Hand der Feindschaft zurückgezogen wird und die Länder +moslimischer Könige geleert werden, so wird gedämpft die Gluth und +gestillet das Blut; wie wahr ist es nicht, dass Alles, was Uns von +denselben verboten wird, in der Natur ganz so zu treffen ist, und dass man +das, was geboten wird, selbst zu thun vergisst. So befindet sich nun +_Konghuratai_ dermalen im Lande Rum, welches sich in eueren Händen befindet +und an euch Steuer zahlt, und nichtsdestoweniger Blutvergiessen, +Sklavenraub, Verkauf der Freien und Abneigung vor Allem, ausgenommen vor +der Verlängerung dieser Schäden. Endlich ward mündlich vorgetragen, dass, +wenn man entschlossen sei, diese Streifzüge nicht aufzuheben und diese +Spuren nicht aufzugeben, so solle man einen Ort bestimmen auf der Erde, wo +man sich treffen und schlagen, und Gott dem, dem er wolle, den Sieg +verleihen werde. Hierauf ist die Antwort: Die Tränken (Oerter), wo die +beiden Heere auf einander trafen in Waffen, sind noch heil, und wer von +diesem Volke (den Mongolen) davon gekommen mit Heil, fürchtet sich, dahin +zurückzukehren, und kann sich durch folgenden Vers beehren: + + Welch' wunderseltnes Jahr doch das verflossne war! + Er, welchen »Himss« besiegt, nun widersteht und kriegt. + Derselbe scharfe Degen, dem ihr dort seid erlegen, + Ist in der Hand des Braven, bereit, euch zu bestrafen. + +Und zur Zeit der Schlacht ist die Wissenschaft bei Gott, welcher die +Bestimmung des Looses macht. Und es ist keine Hilfe, als bei Gott! dem +Allgeehrten, dem Allweisen! er sendet sie dem und verleihet die Macht, und +nicht dem, der selbst die Vorherbestimmung des Sieges macht. Wir sind nicht +von jenen, welche auf Gelegenheit und Vorwand lauern, und nicht von denen, +welche sich abwenden und niederkauern; und die Stunde der siegreichen +Schlacht ist nicht anders als die Stunde (des jüngsten Tages), in welcher +Alles schnell wird abgemacht. Bei Gott! er führt nur zum Guten dieses Volk, +und er ist der Mächtige, im Stande, jede Kunde und Gnade zu vollenden. +Geschrieben im Neumonde des Ramasan des obgedachten Jahres.« + +[Randnote: Arghun's Bewegungen; Tod Alaeddin Dschuweini's.] + +Arghun's ränkeschmiedender, rachebrütender Geist sammelte indessen Wolken +über dem Haupte Schemseddin's und Teguder's zum Gewitter, aus welchen der +den Herrscher und seinen Wesir verzehrende Wetterstrahl fahren sollte. +Nachdem Arghun auf wiederholtes Begehren des Chans demselben den Emir Buka +gesendet, welcher die Hand Kutui Chatun's (der Wittwe Abaka Chan's) +ehrenvoll empfing, brach Arghun von Ssughurluk nach Chorasan auf. [RN: 4. +Reb. II. 681/12. Juli 1282] Ahmed suchte den Oheim Konghuratai für sich zu +gewinnen, indem er ihm die Frau Tukini, die Wittwe Hulagu's (die Nichte der +grossen Frau Tokus), zur Gemahlin gab und mit einem grossen Heere zur +Gränzhuth nach Rum abordnete, nach vierzehn Tagen aber ihm den Emir Akbuka +nachsandte. [RN: 19. Reb. II. 681/27. Juli] Ahmed war von zwei moslimischen +Gesetzgelehrten, dem schon erwähnten Abderrahman von Mossul, berathen, +welcher, Sohn eines Sklaven des letzten Chalifen der Beni Abbas, vom +Blutbade nach Mossul gerettet, dort eine Zeit lang Tischler, dann von +Iseddin, dem Herrn Amadia's, bei dem er sich in Kredit gesetzt, dem Abaka +überlassen worden, und bald durch angebliche Kenntniss von +Schatzentdeckungskunde und geheimen Wissenschaften sich dessen Vertrauen +erwarb[632]. Teguder hiess denselben nicht anders, als Vater, und einen +zweiten Günstling, Namens Mengli, nicht anders, als Sohn; diese und +Teguder's Mutter, Kutui, eine sehr verständige und zur Regierung tüchtige +Frau, lenkten die Zügel derselben, während Schiktur Nujan und Sundschak, +wiewohl denselben Teguder vorzüglich seine Erhöhung auf den Thron dankte, +zur Seite gesetzt wurden[633]. [RN: 19. Dschem. II. 681/24. Sept. 1282] +Zwei treulose Diener Atamülk's Dschuweini[634] erschienen vor Arghun, bei +demselben ihren Herrn anzuschwärzen, dass er dem _Wedschiheddin Sengi_, dem +Wesir Chorasans, den Befehl zugefertigt, den Prinzen Arghun zu vergiften. +Arghun liess denselben sogleich in den Kerker werfen, zog das ganze Habe +desselben ein und schenkte ihm das Leben nur auf Fürbitte der Frau Bulughan +Chatun, der geliebtesten Gemahlin Abaka's, welche nach dessen Tod in das +Harem seines Sohnes Arghun übergegangen. Arghun zog gegen Bagdad, um dort +zu überwintern. [RN: 23. Dschem. II./28. Sept.] Zu Rei empfing er den Melik +Fachreddin ehrenvoll und bestätigte ihm die Befehlshaberschaft des Landes; +Ahmed, hiervon in Kenntniss gesetzt, schickte Gesandte, um den Fachreddin +aufzuheben und nach Schirwan zu bringen, wo er die von Arghun empfangenen +Ehrenbezeugungen mit der Folter büsste. Arghun, hierüber entrüstet, sandte +Sendschreiben an die Emire und an Schemseddin, den Inhaber des Diwans, des +Inhaltes: Sein Vater, Abaka, habe ihm den Melik Fachreddin überlassen, er +werde die demselben zugefügte Schmach und Pein rächen. Als er nach Bagdad +gekommen, forderte er von Nedschmeddin Assfer, dem Stellvertreter Alaeddin +Dschuweini's, dass er die vom Vater, Abaka, geforderten, von Alaeddin nie +bezahlten Summen erlege. Nedschmeddin ward in den Staub geworfen, und als +Alaeddin davon die Nachricht erhielt, traf ihn in Arran der Schlag; seine +Stelle erhielt sein Neffe Harun[635]. [RN: 4. Silhidsche 681/5. März 1283] +Arghun hatte den Winter zu Bagdad zugebracht und während desselben +zehntausend der Karawinas, welche nach den Worten Wassaf's: »eine Art von +Dämonen, die fürchterlichsten der mongolischen Nationen«, sich angeeignet. +Von den Prinzen des Hauses standen der Bruder Kendschatu und der Vetter +Baidu, der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's, ihm zur Seite; von +den Emiren waren ihm mehrere zugefallen[636], deren mächtigster +Taghadschar, der ehemalige Befehlshaber in Fars, dem er die +Befehlshaberschaft eines Tomans mit den Insignien der Standarte und Pauken +verlieh. Der mit ihm einverstandene Prinz Dschuschkab (der Sohn +Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) überwinterte zu Diarbekr. Auch +Alinak, der Statthalter Georgiens, welchen Ahmed Teguder an Arghun mit der +Einladung zum Kurultai gesandt hatte, war von demselben gewonnen worden und +hatte sich mit ihm verbündet; als er aber an den Hof Ahmed's zurückkam, +ward derselbe durch Schemseddin's Klugheit, welcher dessen Pläne +durchschaute, wieder dem Herrscher gewonnen, indem ihm die älteste der +Töchter Ahmed's, die Prinzessin Kutschuk, vermählt ward. Als Arghun im +Frühjahre von Bagdad nach Chorasan zurückkehrte, liess er den Prinzen +Dschuschkab an der Spitze seines Lagers als Vorhuth zurück. + +[Randnote: Konguratai getödtet.] + +Als Arghun auf seinem Zuge gegen Chorasan nach Rei gekommen, liess er den +Vogt Teguder's prügeln, ihm an den Hals und an die Füsse einen Block +schlagen und sandte ihn so auf einem Esel an Teguder, zugleich die +Forderung der Auslieferung des Wesirs Schemseddin zur Berichtigung der dem +Vater schuldig gebliebenen Summen stellend. An der Gränze Masenderans kam +ihm Jankadschi Nujan mit einem Tomane (zehntausend Mann) des Heeres +entgegen; er sagte zu ihm und zu Hindu Nujan, dem Befehlshaber der beiden +Tomane, welche die Gränze am Dschihun hüteten: Als mein Vater mich vor +seinem Tode zu sich berief, war ich bis hierher gekommen, als ich die +Nachricht, dass er gestorben, erhielt, und weil ich kein Heer hatte, des +mir bestimmten Thrones verlustig ging; nun bin ich entschlossen, wenn ihr +mir nur beistehen wollt, denselben mit dem Schwerte zu erobern. Hindu +antwortete: Wiewohl die Sache sich so verhält, so ist doch Teguder als der +Aka, d. i. der Aeltere, dermalen Chan, doch du, Gott sei Lob! Herr und +Padischah in diesem Lande; begnüge dich damit und befolge den Rath des im +Dienste deines Vaters ergrauten Dieners; sollte aber Teguder dich angreifen +wollen, so sind wir bereit, die Seele für dich zu opfern. Zu gleicher Zeit, +als Tarchun gegen Chorasan gezogen, war Teguder nach Alatagh gekommen und +hatte von hier seinen vertrauten Rathgeber, den Scheich Abderrahman, als +Gesandten an den Sultan Aegyptens gesandt; er wurde zu Damaskus in den +Kerker geworfen, aus welchem ihn nur der Tod befreite. Teguder lud seinen +Bruder, den Prinzen Konguratai, den Statthalter Rum's, ein, auf einem +Kurultai zu erscheinen. Dieser hatte zwei seiner Vertrauten zu Arghun +gesendet, welcher dieselben höchst ehrenvoll empfing und dem Oheim zwei +Kuppeln Panther zum Geschenke sandte; diese Sendung erregte das höchste +Missvergnügen und den grössten Verdacht Teguder's. Konguratai verschwor +sich mit zwei Emiren[637] wider das Leben Teguder's, und sie bestimmten zur +Ausführung ihrer That die Festnacht des neuen Jahrs[638], wo nach +mongolischem Herkommen zum Andenken des Auszugs aus den Erzgebirgen von +_Ergenekun_ der Chan mit seinem ganzen Hofe der Schmiedung von Eisenmassen +beiwohnte. Teguder, hiervon benachrichtigt, begab sich zu Alinak, seinem +Eidam, und bewog ihn, am Tage vor der neuen Jahresnacht sich zu Konguratai +zu verfügen und ihm denselben zu bringen. [RN: 26. Schewwal 682/17. Jan. +1284] Alinak versprach, nicht nur den Konguratai, sondern auch den Arghun +auf gleiche Weise in Teguder's Hände zu liefern. Dieser überhäufte ihn mit +Ehren und Geschenken und übertrug ihm den Befehl des ganzen Heeres. Am +neuen Jahrstage des Affenjahres (des neunten des zwölfjährigen mongolischen +Thiercyklus) wurde Konguratai getödtet. Zu Karabagh in Arran sassen die +Richter durch sechs Tage lang zu Gericht und verurtheilten die beiden +Emire, Mitverschworenen Konguratai's, zum Tode; nach Bagdad erging der +Befehl, den Prinzen Dschuschkab und sieben Emire Arghun's zu ergreifen[639] +und gebunden nach Tebris zu bringen, wo sie erst später durch die Ankunft +Arghun's von ihren Banden befreit wurden; auch den Bruder des Chans, den +Bruder Kendschatu, welcher sich selbst als ergeben stellte, hatte man nach +Tebris gesendet, aber auf dem Wege dahin, zu Sawa, entwich er seinem +Geleite und begab sich zu Arghun. Diesem berichtete der Richter von Kaswin, +Rasieddin, den Mord Konguratai's, die Gefangennehmung der Emire, die +Rüstung des Heeres unter dem Oberbefehle Alinak's. [RN: 18. Moharrem 682/6. +April 1284] Zu Tebris feierte Teguder die Hochzeit mit seiner Nichte Tudai +Chatun, der Tochter Musa Gurgan's, des Gemahls Tarakai's, der fünften +Tochter Hulagu's. _Gurgan_ war der Ehrentitel aller Eidame und mit dem +regierenden Hause verschwägerten Emire. + +[Randnote: Ausbruch des Kriegs zwischen Teguder und Arghun.] + +Schemseddin, wohl einsehend, dass der Kampf um den Thron auch seiner Macht +und seinem Leben gelte, bot Alles zur Rüstung eines zahlreichen Heeres auf. +Hunderttausend auserwählte Reiter aus allen Nationen und Religionen, +Mongolen, Musulmanen, Armenier, Georgier, Turkmanen nahmen das Feld. Den +Vortrab von fünfzehntausend befehligte Alinak[640]. Ein Ende Januars +eingefallener tiefer Schnee verspätete den Aufbruch des Heeres. [RN: 9. +Silkide 682/29. Jan. 1284] Endlich zog der Vortrab unter dem Befehle von +_Alinak_, _Baisar Aghul_ und _Taghai Kokoltasch_ gegen Kaswin, wo +dreihundert dem Arghun eigen gehörige Familien von Usen aufgehoben wurden. +Arghun sandte, sobald er von dem Anmarsche des Heeres Kunde erhalten, Boten +an seinen Schatz in Gurgan (Hyrkanien) und an die Werkstätten von +Nischabur, Tus und Isferain, um Geld, Waffen, Kleider herbeizuschaffen, die +er unter die Emire des Heeres vertheilte. Melik Fachreddin von Rei, der das +Register darüber führte, hatte dasselbe: _Verzeichniss der unter das +siegreiche Heer vertheilten Summen_ überschrieben. Arghun, der zufällig zur +Vertheilung gekommen und das Register gesehen, nahm die Feder und schrieb +das Wort: _siegreich_ mit ungemein schönem persischem Schriftzug, dessen er +vollkommen Meister war, hin. Kawameddin, der persische Wesir, der zugegen, +deutete diesen Umstand sogleich auf die schönste Erfüllung des gehofften +Sieges. Am folgenden Tage traf die Nachricht von dem Unfalle Kaswins ein; +Arghun sandte den Vortrab unter dem Befehle Timur's voraus, liess den +Sischi Bachschi beim schweren Gepäcke zurück und brach selbst auf der +Strasse von Temische auf. Ahmed war indessen mit acht Tomanen, d. i. mit +achtzigtausend Mann[641], über die Ebene von Moghan herangezogen und am +ersten Mai zeigten sich seine Vorposten zu Thalkan. [RN: 8. Ssafer 683/27. +April 1284] Von Erdebil hatte er Kurmischi, den Sohn Alinak's, an den Vater +mit dem Befehle gesandt: die Schlacht nur zu wagen, wenn er dem Feind an +Macht überlegen, sonst aber seine Ankunft abzuwarten. Er brach von Erdebil +auf, nachdem er bei dem Gepäcke den Abukjan zurückgelassen. [RN: 18. +Ssafer/7. Mai] Arghun hatte seinerseits einen Boten an den Emir Newrus +gesendet, um ihn mit einem Tomane der Karawinas in's Feld zu laden, und +zugleich den Hindu Nujan zu erscheinen aufgefordert; er selbst verheerte +mit achttausend Mann das Land. Zu _Chiel büsürg_ stiessen die Vorposten der +beiden Heere auf einander und in der Ebene von _Ak Chodscha_ in der Nähe +von Kaswin kam es zur Schlacht. Den rechten Flügel Arghun's befehligten +_Jula Timur_ und _Amakadschi_, den linken _Bulughan_; das Mitteltreffen +_Taulai_. Auf der Seite des Chans stand im Mitteltreffen Prinz Huladschu, +der zwölfte Sohn Hulagu's, der Bruder Teguder's; den linken Flügel +befehligte _Basaraghul_ und den rechten _Alinak_. Arghun, wiewohl ihm der +Feind an Stärke bei weitem überlegen, that Wunder der Tapferkeit, wie +weiland Siawesch und Rustem; aber sein linker Flügel ward von Alinak +geschlagen, während Jula Timur und Amakadschi den Basaraghul's +zurückdrängten. Jula Timur verfolgte hierauf den flüchtigen Basaraghul bis +vor die Thore Kaswin's und verheerte das Land umher. Der Kampf dauerte von +Mittag bis in die sinkende Nacht. Alinak zog sich von Dschemelabad bis nach +Ebher, zehn Parasangen, zurück; da seine edle Stute in die Hände der Reiter +Arghun's gefallen, sandte ihm dieser beleidigende Botschaft: Es wäre mir +nie eingefallen, dass ein Held, wie du, vor einem Haufen, wie die +unserigen, wie Schafe vor dem Gebrülle des Löwen fliehen und dass dein +edles Pferd wie eine Saummähre erbeutet werden würde. Als Arghun zu Rei und +Tehran, riethen ihm seine Emire, sich nach Kaliusch, das ober Dschadscherm, +zurückzuziehen, wo sie Meister vortheilhaften Schlachtfeldes und vor den +Thoren ihre Zelte sein würden. Als sie aber nach Demaghan kamen, trafen sie +keinen Mann der Karawinas, auf deren Beistand sie gerechnet hatten, und +erhielten die Nachricht, dass das Heer Arghun's gänzlich geschlagen und +zerstreut worden sei. Die Karawinas waren in der Ebene von Akchodscha +angekommen, als die Schlacht schon verloren war; sie verheerten also blos +das Land und verbrannten Demaghan. + +[Randnote: Die Landschaften Kumis und Taberistan; die Scheiche von Semnan, +Demaghan und Bostam.] + +Der Schauplatz, in welchem der Krieg zwischen Teguder und Arghun jetzt +geführt ward, sind die beiden Landschaften Taberistan und Kumis, welche +nördlich von Masenderan, westlich vom persischen Irak, östlich und südlich +von Chorasan begränzt, insgemein von den Reisebeschreibern zu dem +nördlichen Chorasan gerechnet werden, wiewohl alle morgenländischen +Erdbeschreibungen dieselben als zwei besondere Landschaften aufführen; sie +ziehen sich längs des Gebirges hin, so dass Taberistan die untere +südwestliche, unmittelbar an das Gebiet von Tehran stossende, Kumis die +nordöstliche obere. In der ersten lagen einige der berühmtesten Schlösser +der Assassinen, deren schon bei der Eroberung derselben durch Hulagu +Erwähnung geschehen, wie _Firuskjuh_, d. i. der Glücksberg, und _Girdkjuh_, +d. i. der Gürtelberg; die Hauptstadt ist _Demawend_, gleichen Namen mit dem +Berge führend, in dessen Klüfte die persischen Heldensagen den Kerker des +von Dämonen gefolterten Tyrannen Sohak verlegen; das Gebirgsland Taberistan +mit seinen Felsenpässen, deren berühmtester der kaspische (wahrscheinlich +der südliche Pass von Charwar), liegt dem persischen Oesterreich (Chorasan) +wie Tyrol dem europäischen Chorasan (Oesterreich) als Schutzwehr vor[642]. +Das obere Gebirgsland Kumis zerfällt in vier Distrikte von _Schahrud_, +_Semnan_, _Demaghan_, _Bostam_, wovon der erste nach dem Berge und Flusse +so genannt ist, die anderen drei aber nach den gleichnamigen Städten. +_Semnan_, die südwestlichste dieser drei Städte, am Rande der Wüste, +unmittelbar nach dem Austritte aus dem kaspischen Passe, gelegen[643], +kleiner als Demaghan, grösser als Bostam, ist sowohl durch seine Pistazien +und Feigen, als durch den hier geborenen und begrabenen grossen Scheich +_Alaeddewlet Semnani_ berühmt[644]. »In dieser alten Stadt«, sagt Fraser, +»herrscht eine wunderbare Verschiedenheit der Gebäude, grosse luftige +Häuser von sonnengetrockneten Ziegeln und Lehm in der Form von Schlössern, +mit Schiesslöchern, Basteien und Thürmen versehen, unstreitig von hohem +Alterthume; viele tiefe Klüfte innerhalb der Stadtmauern, welche ihren +Ursprung der Wirkung von Gewässern zu danken scheinen, bilden Höhlen, +welche ihren Einwohnern und ihren Heerden zum Aufenthalte dienen und von +ihnen den zahlreichen Ruinen ober der Erde vorgezogen werden.« Das Bad der +Stadt ward schon im sechsten Jahrhundert der Hidschret erbaut[645]. Die +Inschriften anderer Denkmäler gehören der späteren Zeit, der Dynastie +_Ssafewi_ an[646]. In der Nähe ist die von persischen Geschichten und auch +von Fraser erwähnte Windquelle, welche, verunreinigt, Sturm und Ungewitter +verursacht[647], eine auch in Europa mehreren Quellen und Höhlen auf hohen +Gebirgen gemeinsame Volkssage[648]. _Demaghan_, deren Erbauung von +persischen Geschichtschreibern und Geographen dem Huscheng, dem zweiten der +alten persischen Könige, zugeschrieben wird (der erste Keiomeers, der +Stiermann des Budehesch), an dem Zusammenlauf der Strassen von Chorasan, +Kuhistan, Masenderan und Irak gelegen, stand wahrscheinlich an der Stelle +des alten _Hekatompylos_, der Stadt von hundert Thoren oder Pässen[649], in +dessen Nähe der Fluss _Stiboetes_ aus einer schönen Felsenhöhle +entsprang[650]; diess ist der von den morgenländischen Erdbeschreibern +gerühmte _Chosrewi_, welcher sich in hundert und zwanzig unterirdische +Bäche vertheilt[651]; die Stadt liegt heute in Ruinen; das berühmteste +Grabmal ist das der vierzig Köpfe oder Töchter[652], und von den +berühmtesten Scheichen der Ssofi ist _Ebu Dschaafer Demaghani_ nach der +Stadt genannt[653]. Von den Scheichen von _Demaghan_ und den von _Semnan_ +geht weit im Rufe der Heiligkeit und Wunderthätigkeit der Scheich Ebu Jesid +von _Bostam_, der dritten Hauptstadt von Kumis, vor. Schon in der Hälfte +des dritten Jahrhunderts der Hidschret gestorben[654], war er der Stifter +des nach seinem Namen genannten Ordens der Derwische _Bostami_; auch als +Geburtsort späterer Gelehrten ist Bostam berühmt[655], aber doch keiner, +wie der Scheich _Ebu Jesid_ oder _Bajesid_, von dem die Antworten auf die +Frage: wo sein Vaterland? Mein Vaterland ist unter dem höchsten Himmel, und +auf die Frage: Wie bist du zu Gott gelangt? Indem ich über mich +hinausgegangen; und dessen Sterbegebet: Mein Gott! was ich in meinem Leben +zu dir gebetet, war lauer Vollzug von Gebot, und wenn ich dir gedienet, +war's flauer Dienst in der Noth[656]. + +[Randnote: Unterhandlungen und Marsch durch Kumis.] + +Arghun, als er auf seinem Rückzuge nach Bostam gekommen, wallfahrtete zum +Grabmale des Scheichs _Ebu Jesid_, während Ahmed Teguder seinerseits am +Grabe des Scheichs Babi den Beistand desselben erflehte, eine Wallfahrt, +die von diesem, der den Islam angenommen, natürlicher, als von jenem, der +kein Moslim war. Teguder befehligte seinen Bruder Huladschu mit einem +Tomane nach Rei, und befahl dort allen Befehlshabern des Heeres, eine +Schrift zu unterzeichnen, dass sie Niemanden gehorchen würden, als dem zum +obersten Feldherrn ernannten Bugha; Alle unterschrieben bis auf Alinak. +Zwei Gesandte Arghun's, Kotloghschah[657] und Legsi, kamen nach der Ebene +von Akchodscha bei Kaswin, um Frieden zu bitten und sich über die +Streifzüge der Truppen Teguder's, welche das Land weitum verwüsteten, zu +beklagen. [RN: 28. Ssafer 683/13. Mai 1284] Teguder verwies die Gesandten +an den Inhaber des Diwans, Schemseddin; dieser aber trug vor: Es sei +unmöglich, dem Rauben des Heeres Einhalt zu thun, indem diese Streifzüge +die Vorspiele des Krieges; auch Jagdvögeln sei Beute lieber, als täglich +zugemessene regelmässige Fütterung. »Diese Gedanken des Inhabers des +Diwans«, sagt Wassaf, »brachten demselben kein Heil und das Reich ward +schnell dem Verderben zu Theil.« Alle Entschuldigungen, welche die +Gesandten Arghun's vorbrachten, blieben unbeachtet, und der Sultan (Ahmed) +befahl abermal dem Heere, in's Feld zu ziehen. _Ssadreddin_ und +_Assileddin_, die zwei Söhne des grossen Astronomen Nassireddin von Tus, +welche, wenn nicht die astronomische Wissenschaft des Vaters, doch die +astrologischen Verrichtungen geerbt hatten, stellten vor, dass die Gestirne +den Auszug eines Heeres nicht begünstigten, worüber Ahmed ungnädig auf sie. +Arghun empfing im Dorfe Surch[658], in der Nähe von Semnan, seinen Sohn +Ghasan und Omer Aghul, den Sohn Niguder's, des Enkels Dschaghatai's, aus +dessen erstgeborenem Sohne Dschudschi, gleichnamig mit seinem Oheime +Dschudschi, dem erstgeborenen Sohne Tschengischan's; mit ihnen stellten +sich Nokai, der Jarghudschi, d. i. der Oberrichter, und Sischi Bachschi, +d. i. der Staatssekretär, zum Dienste Arghun's ein. Zur Erwiederung der +Gesandtschaft Arghun's sandte Ahmed die Prinzen _Toghatimur_ (den +vierzehnten Sohn Hulagu's), welcher, wie sein Bruder Huladschu, im +Interesse ihres Bruders Teguder, und _Suke_, den dritten Sohn Jaschmut's, +des dritten Sohnes Hulagu's, mit den Emiren Buka und Doladai Jarghudschi +mit der Botschaft, dass, wenn Arghun unterthänig, er selbst kommen oder den +Bruder Kendschatu senden möge. Buka stellte dem Sultan vor, dass, da er nun +unterhandle, er nicht weiter marschiren dürfe; und Ahmed antwortete: dass +er zu _Charkan_ ihre Ankunft abwarten wolle. [RN: 14. Rebiulewwel 683/1. +Juni 1284] Er zog ihnen verheerend über Demaghan nach, dessen Einwohner +vielfältig gepeinigt wurden; fünf Tage hernach war er zu Charkan angelangt, +welches ein zu Bostam gehöriges Dorf, nur als Geburtsort und Grabstätte des +Scheichs _Ebul Hasan Charkani_ berühmt[659]. [RN: 20. Rebiulewwel/7. Juni +1284] Der Emir _Dschirkudai_, sein Bruder _Jesuder_ und _Bulughan_, der +Statthalter von Schiras, brachten ihre Huldigung dar. Zu Charkan machte +Ahmed keineswegs Halt, wie er seinem Gesandten Buka versprochen, sondern +sandte den Alinak mit dem Vortrab weiter voraus[660]; [RN: 28. +Rebiulewwel/15. Juni] er selbst lagerte acht Tage hernach zu _Kalpusch_ und +drei Tage später zu _Kebud Dschame_, d. i. _Blaukleid_, einem zum Gebiete +von _Dehistan_ (dem alten Sitze der Dahen) gehörigen Orte, das reich an +Korn, Trauben und Seide[661]. Zwar kam die Wesirschaft Ahmed's, nämlich die +beiden Prinzen Toghatimur und Suka und die beiden Emire Buka und Doladai, +zurück und brachten Kendschatu, den Bruder Arghun's, mit sich[662]; mit +ihnen trafen die Emire _Newrus_ und _Buralighi_ als Gesandte Arghun's ein. +Buka zürnte darob, dass Ahmed nicht seinem gegebenen Worte getreu zu +Charkan Halt gemacht; er deutete diese Wortverletzung unglücklich für Ahmed +und glücklich für Arghun aus. Newrus und Buralighi kehrten unverrichteter +Dinge zurück. [RN: 3. Rebiulachir] Drei Tage hernach ward von Kalpusch +aufgebrochen; die Emire Jula Timur und Imkadschin, der Sohn Suntai's, +brachten ihre Huldigung dar. Ahmed, ungeduldig des Verzuges, gab dem Akbuka +die Stelle Buka's und machte diesen dadurch um so mehr im Herzen dem Arghun +zugethan. + +[Randnote: Arghun zu Kelat; ergibt sich.] + +Arghun hatte sich indessen mit nicht mehr als hundert Begleitern von den +Fürsten seines Gefolges über Meschhed hinaus in das feste Schloss Kelat +geflüchtet[663]; dieses bis in die neueste Geschichte als der Schatzhort +Nadirschah's berühmte feste Schloss spielt schon in der Geschichte der +ersten moslimischen Dynastien Persiens eine bedeutende Rolle. _Otbi_[664], +der Verfasser des _Jemini_, d. i. der durch ihren rednerischen Schmuck +berühmten Geschichte Mahmud's, des Sultans von Ghasna, Eroberers Indiens, +malt die Höhe desselben durch das Distichon: + + Wind ermüdet, indem er will die Zinnen erklimmen, + Und es gleitet das Aug' nieder von schwindelnder Höh'. + +Dieses Bergschloss liegt zwischen Kasermian, Serchas, Abiwerd und Tus in +schönem und fruchtbarem Thale, welches fünfzig bis sechzig englische Meilen +lang, zehn bis fünfzehn breit, von Osten nach Westen zieht und von den +Hügeln, welche die Ebene Meschheds von der Wüste trennen, eingeschlossen +wird. Der Anblick des Thales ist reich und grün, es hat Ueberfluss an +Pferden und Wildpret und wird ausser dem Strome, welcher dasselbe der Länge +nach durchfliesst, noch von kleinen, in Cascadellen die Hügel +herabströmenden Bächen bewässert; aber alle diese Wasser sind schädlich und +im Herbste sogar tödtlich, wesshalb das Regenwasser zum Trinken in +Cisternen gesammelt werden muss[665]. In diese durch Natur unbezwingliche +Bergfeste schloss sich Arghun mit Bulughan, der geliebtesten seiner Frauen, +ein. Der Emir Newrus, als er Kunde erhielt, dass Alinak wider das Schloss +im Anzuge, bat kniend, Arghun möge über den Oxus ziehen und in dem Jurte +Kuwindschi's (des zwölften Sohnes Scheiban's, des fünften Sohnes +Dschudschi's) Zuflucht suchen. Arghun gab dem wohlgemeinten Rathe kein +Gehör; _Legsi_, welchen wir oben als Gesandten Arghun's an Ahmed kennen +gelernt, ging zu diesem über und erbat sich ein Heer, mit welchem er ihm +den Arghun zu liefern versprach. Ahmed gab ihm Truppen, mit denen er das +Lager der Frau Kotlogh Chatun, der Gemahlin Arghun's, plünderte. Der Emir +Newrus kam, um ihn zur Rückkehr zu bewegen; Legsi ergriff die Zügel seines +Pferdes, um ihn mit sich zum Sultan zu führen; aber Newrus legte die Hand +an's Schwert, betheuernd, dass er, so lang er athme, den Dienst Arghun's +nicht verlassen wolle; Legsi liess ihn frei und brachte die Beute des +Lagers der Frau Kotlogh in das Ahmed's zurück, der ihn davon reichlich +betheilte. Alinak war indessen vor Kelat angekommen und hatte den Arghun +beredet, ihm in das Lager des Oheims, der ihm nichts Uebles wolle, zu +folgen. [RN: 13. Rebiulsani 683/29. Juni 1284] Ahmed umarmte ihn, küsste +ihn und übergab ihn der Obhuth Alinak's; dieser stellte vor, dass jetzt der +Augenblick, sich des Feindes zu entledigen; aber Ahmed, der, ganz der Liebe +seiner neuen Gemahlin Tudai hingegeben, für nichts Anderes Sinn hatte, +sprach: Was kann er ohne Heer und Schatz unternehmen? Ich will die Frau +Kutui (seine Mutter), wenn ich sie sehe, um ihre Meinung hierüber fragen. +Indessen befahl er doch, die Emire Arghun's, _Sischi Bachschi_, _Kadan_, +_Buraligh_ fest zu setzen, von seinen eigenen einige[666], weil sie dem +Arghun ergeben, hinzurichten. [RN: 16. Rebiul. II./2. Juli] Er wollte eben +aufbrechen, als er auf Bitte Buka's, dass er erlauben möge, die Vermählung +seiner Tochter mit Kipdschak Kaghul, einem Abkömmlinge Dschudschi Kasar's, +des Bruders Tschengischan's, zu feiern, noch zu bleiben beschloss. Arghun +war in die Seele betrübt, indem er unglücklichen Ausgang seines Schicksals +fürchtete. Da sprach ihm die Frau Bulughan, welche seine Gefangenschaft +getheilt und welche auch von Ahmed gnädig empfangen worden war, indem er +ihr selbst den Becher reichte[667], Trost ein. Er versprach ihr, dem Arghun +die Statthalterschaft von Chorasan zu verleihen, und verlieh ihm ein +kaiserliches Zelt. Ganz in dem Genusse der Frau Tudai schwelgend, hatte +Ahmed keinen Sinn für die Wichtigkeit des Augenblicks, oder die Gefahr, +die ihm von den nächsten Umgebungen drohte; er befahl jedoch dem Alinak, +den Arghun nach dem Aufbruche des Lagers hinzurichten[668]. In der nächsten +Nacht »sollte das Zelt seines Lebens abgebrochen werden, als durch eine +unvorgesehene Wendung der Dinge der arabische Spruch, welchen Bulughan dem +Arghun zu Gemüthe führte: dass die Nächte, schwanger, gar Vieles vor dem +Morgen gebären, auf das glücklichste ausging«. + +[Randnote: Verschwörung Buka's und Ermordung Teguder's.] + +_Buka_, welcher wider Ahmed den doppelten Groll ob gebrochenem Wort und +genommenem Oberbefehl nährte, vermochte mehrere Emire[669] zu einer +Verschwörung wider Alinak und Ahmed, indem er sie versicherte, dass dieser +beschlossen, sie an der Gränze von Isferain hinrichten zu lassen; auch den +Prinzen Huladschu, den Bruder Ahmed's, brachte er auf seine Seite. Sie +beriethen sich zuerst über das Mittel, sich Alinak's zu entledigen. Buka +sandte durch einen Vertrauten Arghun's demselben Wort, diesen Abend den +Alinak zu begehren, und zwei der Verschworenen[670] nahmen es auf sich, +desgleichen die Emire Karabuka und Taitak zu berufen. Nach dem Nachtgebete +begab sich Buka, von drei Reitern begleitet, in den von Wachen besetzten +Umkreis des Zeltes Arghun's und sandte einen hinein, um den Prinzen leise +zu wecken. Arghun glaubte, es sei List und Verrätherei; als ihm aber dieser +schwur, dass Nichts zu fürchten und dass Buka als treuer Diener ihn als +seinen Herrn zu retten gekommen, schloss sich Arghun an denselben an. Als +sie um den dritten Kreis der Umzäunung[671] kamen, rief sie eine Wache an: +Wie ist's, dass ihr ginget vier hinein und kommet fünf heraus? Du irrst +dich, Freund, sagte Buka, deine schlafbenebelten Augen haben ehe um einen +zu wenig gezählt. So kamen sie glücklich durch in's Zelt Buka's. Arghun +ward bewaffnet, auf ein Pferd gesetzt, und sie begaben sich in das Zelt +Alinak's, der im Rausche abgethan, sein Kopf vor's Zelt geworfen ward. +[RN: 18. Rebiulachir 683/4. Juli 1284] In derselben Nacht wurden Boten an +Huladschu und Bektu abgesandt, die sich zu Firuskjuh befanden, dass jene an +Basar Aghul und Abukjan thun möchten, wie sie an Alinak und Taitak gethan; +in derselben Nacht wurden auch Karabuka und andere Emire ergriffen und am +nächsten Morgen hingerichtet. Ahmed befand sich im Lager der Tudai mit dem +Prinzen Kinschu (dem Sohne Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) und +den Emiren Akbuka und Legsi, als er die Nachricht erhielt, dass alle seine +Treuen getödtet; er unterhielt sich zu Kalpusch noch mit der Frau Tudai und +floh dann auch von Isferain gegen Kumis und Irak. [RN: 19. Rebiul. II./5. +Juli] Die Verschworenen hatten ihrerseits den Buri, den Vogt, nach Issfahan +an die Karawinas, die zu Siakuh hielten, abgesandt, dass sie aufsitzen und +den Ahmed ergreifen sollten. Dscherik, der Emir des Lagers des +hingerichteten Prinzen Konghuratai, wurde zur Blutrache seines Herrn mit +viertausend Reitern dem Ahmed nachgesandt, und Doladai, der Oberrichter, +machte sich an der Spitze von vierhundert auf den Weg. Die Prinzen +Huladschu und Kinschu huldigten dem Arghun zu Charkan; die Emire +berathschlagten nun über die Wahl des Chans. [RN: 24. Rebiul. II./10. Juli] +Buka erklärte sich laut für Arghun, während sein Bruder Aruk und Kurmischi +für Dschuschkab, den Bruder Kinschu's, Tekia für Huladschu stimmten. Buka +legte die Hand an's Schwert und schwur, dass, so lang er es führe, es nur +für Arghun und seine Feinde dienen solle. Sie fragten nun den Tengir +Gurgan, den Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's, +und den Vater Kotloghschah's, der Gemahlin Arghun's, um den letzten Willen +Abaka's. Er bezeugte: er habe zu seinem Nachfolger seinen Bruder Mengu +Timur und nach dessen Tode den Arghun ernannt. Arghun bat mit der bei +mongolischen Thronbesteigungen hergebrachten verstellten Bescheidenheit, +dass man ihn mit dem Throne verschonen und die Statthalterschaft Chorasan, +wie bei seines Vaters Lebzeit, lassen wolle. Buka brachte die +Entschuldigungen zum Schweigen, indem er sagte: das erste sei, sich der +Person Ahmed's zu versichern, worauf dann mit Beiziehung des Raths der +Frau Oldschai (der Gemahlin Hulagu's und dann Abaka's) einer der Prinzen +zum Chan ausgerufen werden solle. Aruk und Dschuschkab zogen mit dem +Vortrab voraus, Huladschu, Kinschu und Bektu folgten mit dem schweren +Gepäcke. Zu Konkurlang bei Tebris wurde das Haus Buka's geplündert, sein +Harem auf Sundschak's Fürbitte verschont. [RN: 27. Rebiul. II./13. Juli] +Ahmed, der noch gekommen, seine Mutter Kutui zu sehen, wollte nach Derbend +entfliehen; aber _Schiktur_ und _Karabuka_ sandten Botschaft an Kutui +Chatun, dass es der Prinzen allgemeiner Wille, sich der Person ihres Sohnes +zu bemächtigen, und dass sie ihn bis zur Ankunft derselben hüten wollten. +Die Mutter gab ihre Einwilligung. Schiktur übergab den Sultan einer Wache +von dreihundert Mann. Unterdessen kamen die unverschämten Räuber, die +Karawinas, an, welche Buka nach Ssugurluk gesandt hatte; sie plünderten das +Harem und stiessen sogar die Mutter Kutui Chatun und die Frauen Tudai und +Ermeni Chatun nackt hinaus. Arghun war unterdessen von Nemuwer vorgerückt +und hatte zu Abaschur bei Jüs Agadsch gelagert. Karaukai und Schiktimur +hatten mit den Karawinen den Sultan gefangen; als ihn Arghun erblickte, +streckte er nach der mongolischen Sitte der siegreichen Pfeilschützen die +Hände aus und schrie: _Mordio!_[672]; er ward sogleich getödtet. Die von +Ahmed verhafteten Emire: Taghadschar, Kundschukbal und Toladai erhielten +nun ihre Freiheit; die Frauen und Emire waren einstimmig in der Wahl +Arghun's. Ahmed wurde vor's Gericht gestellt; Bektu und der Diener +Konghuratai's befragten ihn als seine Richter: warum er den Konghuratai +unschuldiger Weise getödtet, dem Arghun die Statthalterschaft von Chorasan +missgönnt, ihm den Alinak nachgesandt habe? Ahmed bekannte, dass er übel +gethan, künftig desgleichen nicht thun wolle. Die Emire wollten sein Leben +der Frau Kutui schenken, welche bei Allen in grösstem Ansehen; da erhoben +aber die Mutter Konghuratai's und seine sechs Söhne Geschrei der Blutrache. +Jetzt erschien Jesu Buka Gurgan, der Gemahl der Prinzessin Kutulun, der +sechsten Tochter Hulagu's, und schreckte die Versammlung durch die +Nachricht, dass die Prinzen Huladschu und Dschuschkab an der Gränze +Hamadan's ein Heer zum Widerstande sammelten. So erging das Jerligh der +Blutrache Konghuratai's, und Chan Ahmed fiel, der erste der mongolischen +Herrscher, unter der Sanktion der Jasa, um das vergossene Blut +Konghuratai's zu büssen; [RN: 26. Dschem. achir 683/10. August 1284] das +Todesurtheil ward in der Nacht vom Donnerstage am zehnten August vollzogen +durch Timur und Ildir, zwei Söhne Konghuratai's; sie rächten des Vaters Tod +durch den des Oheims, indem sie ihm den Rückenwirbel brachen[673]. + +[Randnote: Arghun's Thronbesteigung, Gemahlinnen, Söhne, Töchter.] + +Schon am Tage, welchen die Nacht der Hinrichtung Teguder's heraufgeführt, +hatte die Thronbesteigung Arghun's mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in +dem Jurte Suktu statt[674]. Huladschu ergriff die rechte Hand, Inardschi +die linke Arghun's; sie setzten ihn auf den Thron, vor welchem die Prinzen +und Emire neunmal niederknieten, den Gürtel um den Hals, die Mützen in die +Luft warfen und ihm den Becher huldigend darreichten. Die Feste hatten zu +_Kamsiun_, welches zwischen _Heschtrud_ und _Kurban schire_, statt. Drei +Tage nach der Thronbesteigung kamen auch die Prinzen Kinschu und +Dschuschkab, die Söhne Dschumkur's, und unterschrieben die Urkunde der +Krönung. Abukjan, der Sohn Schiramun's, der Enkel Dschurmaghun's (des +Befehlshabers in Persien zur Zeit Hulagu's), der Jarghudschi, d. i. +Oberrichter, wurde als einer der innigsten Anhänger Ahmed's hingerichtet; +allen anderen Angehörigen Ahmed's sicherte ein Jerligh das Leben und Ruhe; +die Prinzen Dschuschkab und Baidu (der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes +Hulagu's) wurden als Statthalter nach Bagdad und Diarbekr, der Oheim +Huladschu und der Bruder Kendschatu nach Rum gesendet. Georgien erhielt der +Oheim Adschai (der achte Sohn Hulagu's), dem Sohne Ghasan wurde die +Statthalterschaft der Landschaften Chorasan, Masenderan, Kumis und Rei +übertragen, die Stelle des Wesirs der Länder dem Buka, dem Hebel der +Herrschaft Arghun's, verliehen, ein höchst findiger, zum Regieren tüchtiger +Kopf. Nach der Sitte mongolischer Investitur wurde demselben Gold über den +Kopf gestreut, Goldflittern in solchem Ueberflusse, dass er unter der +angehäuften Masse derselben unsichtbar. Arghun konnte bei seiner +Thronbesteigung nicht älter als beiläufig dreissig Jahre sein, da sein +Vater, Abaka, vor zwei Jahren, acht und vierzig alt, gestorben war. Seine +Mutter war die Beischläferin Abaka's, Kaimisch Ikadschi. Seine Gemahlinnen: +1. Die Frau _Kotlogh_, die Tochter Tengir's des Uiraten, welcher ein +doppelter _Gurgan_, d. i. dem Herrscherhaus Verschwägerter, indem er selbst +mit der vierten Tochter Hulagu's vermählt, des letzten Eidam und Arghun's +Schwiegervater. 2. _Oldschatai_, die Tochter der Tudukasch, aber nicht aus +Tengir, sondern aus Sulamisch, dessen Sohn, aus einer anderen Frau, nach +des Vaters Tod mongolischer Sitte gemäss seine Stiefmutter heirathete, die +nach dem Tode des Sulamisch noch von dessen Sohne Dschidschek Gurgan, also +von ihrem Enkel, geheirathet ward[675]. 3. Die Frau _Uruk_, die Tochter +Sarudsche's, der Schwester Emir Irindschin's, des Keraiten. 4. Die Frau +_Seldschuk_, die Tochter Sultan Rukneddin's von Rum. Aus dem Frauengemache +seines Vaters nahm er 5. die Frau _Bulughan_, die Verwandte des Buka +Jarghudschi, und nach ihrem Tode 6. die Frau _Bulughan_, die Tochter +Utaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten[676]. So war 7. die +Frau _Mertai_ die Konghuratin, die Gemahlin Hulagu's, in das Harem seines +Sohnes Abaka, aus diesem in das Arghun's als Frau übergegangen, so dass +dieselbe Stief- und Grossmutter ihres Gemahls. 8. _Tudai Chatun_, die +Tochter Musa Gurgan's (des Enkels Tschengischan's) aus Tarakai, der fünften +Tochter Hulagu's. Die Leidenschaft, mit welcher Teguder Tudai geliebt, +hatte ihn über die Gefahren, die seinem Throne drohten, verblendet. Tudai, +die Enkelin Hulagu's, die Gemahlin Teguder's (ihres und Arghun's Oheim's), +war also zugleich die Base, Tante und Gemahlin Arghun's. 9. _Kultak +Ikadschi_, die Mutter seines Erstgeborenen, Ghasan, dessen drei Brüder +_Jesu Timur_, _Oldschaitu_ (beide aus der Frau Uruk) und _Chatai Aghul_ aus +der Frau Kotlogh; dann vier Töchter, _Oldschatai_, _Oldschai Timur_, +_Kotlogh Timur_ (alle drei Töchter der Frau Uruk) und _Dilendschi_, Tochter +der zweiten, vor allen anderen Frauen geliebten _Bulughai_. + +[Randnote: Schemseddin Dschuweini zu Kum.] + +Nach dem Herrscher _Arghun_ und seinem Wesire _Buka_[677], der ihn auf den +Thron gesetzt, steht ein Grösserer als Beide vor uns, nämlich der flüchtige +Wesir Schemseddin Dschuweini, dessen Auslieferung Arghun zu +wiederholtenmalen vergebens von Teguder begehrt und welchen sein Feind +Medschdolmülk nicht nur treuloser Verwaltung der Krongüter Abaka's, sondern +auch der Vergiftung desselben und des Bruders Mengu Timur angeklagt. +Nachdem Alinak getödtet und Teguder geschlagen worden, hatte Schemseddin +von Dschadscherm, wo er sich befand, auf einem Dromedare mit ein Paar +Dienern sich durch die Wüste nach Issfahan geflüchtet. Die Einwohner, +sobald sie von der Umwälzung der Dinge Kunde erhalten, beriethen sich mit +dem Atabeg von Jesd, welchen der Statthalter von Issfahan als einen dem +Arghun Ergebenen während der Regierung Teguder's in Verhaft gehalten, was +zu thun. Schemseddin, hiervon benachrichtigt, begab sich unter dem +Vorwande, zu einer Grabstätte zu wallfahrten, ausser der Stadt und entfloh +auf trefflichen Rennern nach Kum, sich in das Heiligthum des Grabes der +Schwester des Imams Risa flüchtend. Dieses Grabmal ist seit einem +Jahrtausend die sichere Freistätte Unschuldiger und Schuldiger, die in die +Mauern desselben flüchten. Die Heiligkeit derselben wurde von den Mongolen, +wie von den früheren Herrschern Persiens, den _Seldschuken_ und _Bujiden_, +wie von ihren Nachfolgern, den Herrschern der Dynastie _Ssafewi_ und der +regierenden der _Katscharen_, hoch geachtet. Die Pracht desselben hat +Chardin ausführlich beschrieben, und noch heute prangt dasselbe mit +silbernen Gittern und goldbeschlagenen Thoren, und den Schatz, dessen +Reichthum sich vorzüglich von den Schahen der Familie Ssafewi herschreibt, +haben reiche Opferspenden Feth Alischah's vermehrt. Er opferte hierher +einen Kopfschmuck seiner Mutter, wie einst Crösus[678] das Halsband und den +Gürtel seiner Gemahlin nach Delphi. Feth Ali jagte nie in der Umgegend, +ohne den Umgang um das heilige Grab, von welchem die Stadt auch die +_heilige_ heisst, zu verrichten. Wie vor sechsthalbhundert Jahren +Schemseddin Dschuweini hier Zuflucht gesucht und gefunden, so in unseren +Tagen der von Feth Alischah und dann von seinem Enkel, dem regierenden +Schah, verungnadete, in Morier's Hadschi Baba nach dem Leben geschilderte +Botschafter Mirsa Abul Hasan. »Die Stadt ist heute«, sagt Morier, »nur +durch drei Dinge merkwürdig: durch die vergoldete Kuppel des Grabmals, +durch die zahlreichen Märkte und durch ihre Ruinen«; denn der Umfang der +Mauern betrug ehemals vierzigtausend Ellen, das ist um vierzig Ellen mehr, +als die von Kaswin[679]. _Kum_ ward im Beginn des achten Jahrhunderts der +christlichen Zeitrechnung[680], als Hidschadsch, der tyrannische +Statthalter von Irak, das Heer Abderrahman Asker's schlug, aus sieben +Dörfern, deren Vorsteher getödtet worden waren, in eine Stadt vereint, +deren sieben Viertel jene sieben Dörfer und deren eines der Stadt den Namen +gab[681]. Von derselben erhielten hernach, als persischer Kunstfleiss und +Handel im höchsten Flore, die schöngewirkten seidenen Stoffe den Namen +_Kumasch_, den dieselben noch heute führen; sie ist so berühmt durch ihre +luftigen hohen Cypressen und ihre blauen leichten Trinkkrüge[682], als das +benachbarte _Kaschan_ durch sein Fayence und seine Scorpionen und +Giftspinnen, als der Geburtsort des grossen Geschichtschreibers Abderresak, +des _Verfassers des Aufganges zweier Glücksgestirne_ (der Geschichte +Timur's und seines Sohnes Schachroch), und des letzten Dichterkönigs Feth +Ali Chan, des Sängers des Heldenbuchs[683] Feth Alischah's. In dem +Heiligthume Kums sammelten sich um Schemseddin seine Freunde, deren Meinung +dahin ging, dass er sich nach Hormusd retten solle, von wo ihm der Weg +weiter nach Indien offen. Ich kann, antwortete ihnen Schemseddin, meine +Söhne nicht in den Händen der Mongolen zurücklassen; das Besste ist, ich +begebe mich zu dem Dienste der Majestät, welche mir vielleicht Emir Buka, +der mein alter Freund, versöhnen wird; wenn nicht, so geschehe, was Gott +will. Unschlüssig verweilte er einige Tage, als von Seiten des Chans Melik +Imameddin von Kaswin und Jusufschah, der Atabeg Grossluristans, erschienen. + +[Randnote: Schemseddin durch Jusufschah von Luristan geholt und +angestellt.] + +Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter der Regierung Abaka's +erzählet worden, wie er, dessen treuer Hilfsgenosse, im Feldzuge wider +Borrak auf dem Rückmarsche den Chan aus den Händen von Strassenräubern +gerettet, von demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten hatte. +Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar ergeben, hatte er, der +Aufforderung Teguder's, ihn mit einem Heere zu unterstützen, nur +nothgedrungen Folge leistend, zweitausend Reiter und zehntausend Fussgänger +in's Feld gestellt. Nach der Niederlage Teguders brach das Heer gleich bei +Tabs in die Wüste ein, um auf dem kürzesten Wege Luristan zu erreichen; +diese Unvorsichtigkeit kostete dem grössten Theile das Leben; es war das +erste Unglück, das den Atabegen Jusufschah betroffen. Jetzt sandte ihn +Arghun an den vorigen Inhaber des Diwans, um denselben nach Hof zu bringen. +Arghun's Politik war eine (wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er +sandte an alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken, um sich +dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen Sonnenschirm, »welcher«, +sagt Wassaf, »wie die Flügel des Königsgeiers schattete und dessen Glanz, +wie das Licht der Sonne, nie ermattete«, um ihn nach Hof einzuladen, denn +Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu gab dem Botschafter +keine andere Antwort, als die Frage: Wie weit wird Arghun's Engbrüstigkeit +noch gehen? Er zog sich nach Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, und +Dschuschkab brach gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte Aufforderungen +nicht erschienen, schwur ihnen Arghun: + + Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht, + Der schirmt das Diadem der Majestät, + +dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden überhäufen werde. Er gab +jedem derselben Mütze und Gürtel, und sie verbanden sich ihm als Vasallen; +mehrere der ersten Emire Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt, +wurden freigesprochen und erhielten Aemter[684]. Jusufschah von Lur, +welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun zur Gemahlin gegeben[685], +führte denselben mit sich an den Hof Arghun's. Noch auf dem Wege von Sawa +kam ihnen der Emir Kumari mit einem Diplome entgegen, wodurch alles +Vergangene verziehen und vorige Gnade verliehen ward. Sogleich erliess +Schemseddin Rundschreiben an alle Befehlshaber Iraks, um denselben seine +Wiederaufnahme in die Gnade des Chans zu künden. [RN: 10. Redscheb 683/21. +Sept. 1284] Freitags in der Herbst-Tag- und Nachtgleiche traf er zu _Kurban +Schire_ ein und begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in +freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige Empfang war +voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl von beiden Seiten verstellter). +Am nächsten Tage stellte ihn Buka der Majestät vor. Arghun empfing ihn +weder gnädig noch ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung, setzte +ihn aber in seine vorige Stelle als Wesir des Diwans gemeinschaftlich mit +Buka ein. Schemseddin erklärte öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter +Buka's im Diwane sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche und +Geschenke dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten, ward Buka's Eifersucht +und Gier nach ausschliesslicher Herrschaft schon nach Einer Woche rege; er +sandte Ali, den Temghadschi (Stempeleinnehmer), nach Tebris, um Jahja, den +Sohn Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen. Fachreddin Mestufi und +Hosameddin Ssahib, zwei Untergebene Schemseddin's, schmiedeten wider +denselben Ränke und bliesen Buka's Neid und Eifersucht zu vollen Flammen +auf, indem sie ihm vorstellten, dass seine Machtvollkommenheit nur ein +Schatten, so lang Schemseddin dieselbe mit ihm theile. Buka warf +seinerseits Saamen des Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm +vorstellte, dass von dem Verräther seines Vaters keine guten Dienste zu +erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem Schemseddin an die Seite +gegeben, und zu Audschan erging der Befehl, demselben zweitausend Tomane +abzufordern und ihn an Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin kein +Thor, der das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich bin nicht im Stande, +tausend Goldstücke aufzubringen; und dem Buka schrieb er: O Emir Buka, +lehre nicht den Padischah, Wesire zu tödten, denn heute mir und morgen dir. +Doladai und Kadan wurden gesandt, ihn gerichtlich zu verhören. + +[Randnote: Schemseddin's Hinrichtung.] + +Schemseddin antwortete auf die wider ihn vorgebrachte Anklage der +Veruntreuung von Staatsgeldern und von Verrätherei, dass, was den Abgang +des Staatsschatzes betreffe, er die Verzeihung des Padischah hoffe, dass er +aber unschuldig des geringsten Verdachts von Verrätherei. Als ihm als +schuldig Erkanntem die Hände nach mongolischer Sitte gebunden worden, +erscholl das Geschrei der Türken und Perser: warum man die Nahrungsquellen +der Völker binde! Zu _Minia_, in der Nähe von _Ebher_, der nördlich von +Kaswin gelegenen Stadt, ward ihm das Todesurtheil verkündet. Er verrichtete +sogleich die gesetzliche Abwaschung, stach in den Koran, den er bei sich +trug, das Loos, begehrte Tintenzeug und Feder, setzte seinen letzten Willen +für die Söhne auf, und schrieb an die Gesetzgelehrten von Tebris: »Als ich +den Koran zum Loosaufstechen genommen, ist folgender Vers gekommen: _Die da +sagen, Gott nur sei Herr, und wandeln auf geraden Pfaden, über sie werden +Engel niedersteigen und sagen: Betrübt euch nicht und fürchtet euch nicht, +ich gebe euch die frohe Kunde des Paradieses, das euch versprochen worden._ +Da Gott der Allmächtige diesen seinen Diener in dieser vergänglichen Welt +immer wohlgehalten, so gestalten, dass er ihm keinen seiner Wünsche versagt +und ihm sogar die frohe Kunde künftigen Lebens zugesagt, so muss man den +Mewlana _Mohijeddin_, den Mewlana _Efdhaleddin_, den Mewlana _Schemseddin_, +den Mewlana _Hemameddin_ und den grossen Scheichen, welche aufzuzählen hier +zu lang und hier nicht der Ort wäre, diese gute Kunde geben, damit sie +wissen, dass ich aller Anhänglichkeit an die Welt entsagt habe und mir mit +ihrem guten Gebete helfen möge[686]. Sie sollen meine Söhne grüssen, die +ich Gott dem Herrn als Unterpfand empfehle; _denn Gott verliert nicht die +ihm anvertrauten Pfande_. Ich hoffte sie noch einmal zu sehen und ihnen +mündliche Lehren zu hinterlassen; da diess aber mir nicht zum Loose +geworden, so mögen sie (die obgenannten vier Mewlana) es an Nichts +ermangeln lassen, dieselben zu beschützen, und sie zu gutem Erwerb +ermuntern und nicht zugeben, dass sie das von Gott ihnen verliehene Gut +vernachlässigen. Wenn mein Sohn, der Atabeg, und seine Mutter, die Frau +Choschek, in ihr Haus zurückkehren wollen, so sei ihnen die Erlaubniss +gegönnt. Meine beiden Söhne Newrus und Mesud sollen mit ihrer Mutter im +Geleite der Frau Bulughan bleiben und an den beiden Enden meines Grabmals +stehen; wenn sie für das Speisehaus und das Kloster des Scheichs Fachreddin +etwas thun können, so sollen sie es unterstützen und sich dahin begeben. +Ferruch und seine Mutter sollen den Atabeg begleiten, Sekeria auf den +Gütern des Padischah arbeiten; die anderen Oerter habe ich dem Emir Buka +vermacht, welchem sie alle Güter und Besitzungen belassen sollen; wenn er +etwas davon zurück gibt, ist's wohl und gut; wenn nicht, sollen sie sich +begnügen. Gott spende uns sein Erbarmen und auch seinen Segen! Ich habe +jetzt mein Gemüth auf die göttliche Majestät gestellt, welche meinen +Antheil nicht vergessen wolle; das Glück derselben sei beständig! Wenn +Allerhöchstdieselbe meinen Söhnen etwas lassen will, sollen sie es nehmen +und sich damit begnügen; wohin nur das grosse Harem von Tebris sich begibt, +soll auch das meine folgen. Heil dem, der die wahre Leitung sucht!« Dieses +Schreiben warf er den zur Vollstreckung des Todesurtheils Bestellten vor; +sie lasen es, ohne dass es Eindruck auf sie gemacht. Schemseddin sagte +dann: »_Was von dir kommt, o Herr, ist gut, sei es Krankheit, sei es +Heilung_«; und das Todesurtheil ward vollstreckt. [RN: 4. Schaaban 683/16. +Oct. 1284] Vier seiner Söhne: _Jahja_, _Ferruchschah_, _Mesud_ und +_Atabeg_, wurden ihm sogleich in's Grab nachgesandt. Jusufschah, der Eidam +Schemseddin's, kehrte auf Befehl Arghun's nach Luristan zurück, starb aber +auf dem Wege dahin. Er hinterliess zwei Söhne: _Edib_ und _Ahmed_, wovon +der erste mit der Herrschaft Luristans belehnt ward, der zweite am Hofe +Arghun's als Geissel zurückblieb[687]. Schemseddin ward mit seinen Söhnen +im Viertel _Dscherendab_, wo schon sein Bruder Alaeddin ruhte, zu Tebris +bestattet. Unter den vielen Trauergedichten, welche den Schmerz der Völker +über den Sturz dieser erlauchten Familie aussprachen, ist eines der +kürzesten und bessten das folgende, bei Wassaf erhaltene: + + O _Dscherendab_, wo zu Tebris sein Grab, + Der erste Regen ström' auf dich herab! + Die herrlichsten Gesichter deckt dein Staub, + Der grössten Männer Wangen sind dein Raub. + Hier hat die Sonne[688] höchsten Punkt[689] erreicht, + Hier ruht die Pleias, die Vollmonden gleicht. + Es weinen über sie die sieben Sterne, + In ihrem Licht und ihrer finstern Ferne + Die sieben Himmel und die Erden, sieben, + Der Meere und der Wochentage Sieben. + _Feredschullah_, _Jahja_, _Mesud_, _Harun_ + (Nothdürftig beizustehen, war ihr Thun) + Den Vater Mohammed so hoch geehrt, + Es frass dieselben all' das scharfe Schwert. + Mich hat der Schmerz des _Atabegs_ verzehrt + Wie Flamme, welche in die Höhe fährt; + Und ob _Ataul Melik_ gekränket theils, + Er, der _Ssahib_, der Herr der Stadt des Heils, + Es saget über dieser Gräber Stätte, + Wer ehrt den Herrn, die frömmsten der Gebete. + +[Randnote: Statthalterschaft von Fars.] + +Als Arghun nach Schemseddin's Hinrichtung nach dem im Gebiete von Arran +gelegenen Palast Manssurije gekommen, kehrten die an den Grosskaan, Oheim +Kubilai, geschickten Gesandten, Emir Pulad Dschingsang und zwei andere, +zurück. [RN: 11. Redscheb 683/23. Sept. 1284] Zwischen Serah und Erdebil +und Ssain wurde Kurultai gehalten, und neun Tage darauf kehrte er nach +Tebris zurück; [RN: 20. Redscheb/2. October] dann wurde das Winterquartier +in Arran bezogen; und hier hatte eine der feierlichsten Gerichtssitzungen +statt, indem die Wittwe Mengu Timur's, die Prinzessin Abisch, die Atabegin +von Fars, wegen Veruntreuung der ihr anvertrauten Statthalterschaft vor +Gericht gestellt ward. Um die Wichtigkeit des Rechtshandels in seinem +ganzen Umfange zu ermessen, müssen wir den Faden der Geschichte der +Statthalterschaft von Fars dort, wo wir denselben oben abgebrochen, wieder +aufnehmen. Dort ist zuletzt der unruhigen Statthalterschaft _Bulughan's_ +(des Nachfolgers Taghadschar's, des Statthalters von Fars) erwähnt worden. +Um die Ruhe wieder herzustellen, war _Taschmenku_ zu seinem Nachfolger +ernannt und ihm die Hilfe des Atabegen von Lur zugewiesen worden. Als +seinen Vorläufer sandte er den Stellvertreter des Diwans der Krongüter, +Hosammeddin, den Sohn Mohammed Ali's von Lur, voraus nach Issfahan. +Bulughan liess ihn mit Gewalt aufheben und hieb ihn, alsbald er vor ihm +erschienen, zusammen. _Taschmenku_ sprach sogleich die Hilfe Jusufschah's, +des Atabegen von Luristan, an, und als Bulughan sah, dass sein Platz als +Statthalter wider den neu ernannten weiter nicht haltbar, nahm er, was im +Schatze, und entfloh mit seinen beiden Geschäftsführern _Kawameddin_ und +_Seifeddin_ nach Chorasan. Taschmenku beschäftigte sich mit den +Regierungsgeschäften, ward aber seiner Stelle entsetzt, weil er an der +Spitze der im Namen des Ilchans Ahmed erlassenen Befehle statt der +hergebrachten Formel blos _Ahmedaga_ schrieb, was wider allen mongolischen +Kanzleistyl[690]. Nachdem er ein Jahr lang Fars verwaltet, wurde die +Statthalterschaft der Frau _Abisch_, der gebornen Atabegin, Fürstin des +Landes, Wittwe Mengu Timur's, des bald nach seinem Bruder Abaka +verstorbenen eilften Sohnes Hulagu's, übertragen. Sie war, wie oben unter +der Regierung Hulagu's erwähnt worden, ihrem Gemahle in's Lager der +Mongolen gefolgt und hatte immer seitdem am Hofe verweilt, jetzt aber ward +ihr die Erlaubniss der Rückkehr in's Vaterland und die Vollmacht, dasselbe +im Namen des Ilchans als Statthalter zu verwalten, zu Theil; sie dankte +diese Gunst hauptsächlich der Verwendung der grossen Frau _Oldschai_, der +Mutter Mengu Timur's, welche nebst der grossen Frau Tokuschan und der +Mutter Abaka's vor dreissig Jahren ihren ersten Gemahl, Hulagu, auf dem +Feldzuge nach Persien begleitet hatte und als Wittwe desselben und dann +seines Sohnes Abaka des grössten Ansehens genoss. Ganz Fars jubelte über +die Rückkehr der Prinzessin _Abisch_, des letzten Zweiges des hochverehrten +erlauchten Herrscherstammes der Salghuren, und der Koransvers: _Ein gutes +Land, ein gnädiger Herr_, war auf allen Zungen. Zu ihrem Stellvertreter im +Diwan ernannte sie ihren Verwandten _Dschelaleddin Arkan_[691] und die +Wesirschaft sammt der Inhaberschaft des Diwans übertrug sie dem Chodscha +_Nisameddin Ebubekr_, dessen schon Eingangs dieses Buchs im Gegensatze mit +dem Oberrichter, dem Seid Imadeddin, Erwähnung geschehen. Die Feindschaft +Nisameddin's und Imadeddin's war die Quelle, aus welcher der Strom +finanziellen Unheils sich über Fars ergoss. + +[Randnote: Die Prinzessin Abisch und dann Seid Imadeddin, Statthalter von +Fars.] + +Nisameddin, ein fündiger Finanzmann, machte der Atabegin den Vorschlag, +sich durch ein Diplom des Ilchans die Begewaltigung zur Wiedereinlösung der +in fremden Händen befindlichen Familiengüter zu verschaffen. Ahmed Teguder +gab in einem Augenblicke der Uebereilung das Diplom im verlangten Sinne. +Nisameddin machte aber den grössten Missbrauch, indem er Krongüter und +Privatgüter als Familiengüter der Atabegin ansah und einzog und die +Bewohner von Schiras, Vornehme und Gemeine, wie gekaufte Sklaven +behandelte. Der Beginn der Statthalterschaft der Abisch und die +Finanzverwaltung ihres Wesirs Nisameddin fiel in das Ende der Regierung +Teguder's. Nach der Thronbesteigung Arghun's begab sich der Seid Imadeddin, +der Schützling Buka's, an den Hof, um die dem Staatsschatze, wie dem +Privatvermögen so heillose Verwaltung von Fars in ihrem gehörigen Lichte +darzustellen. Durch Buka's Einfluss erging ein ilchanisches Diplom, wodurch +dem Seid Imadeddin die Statthalterschaft von Schiras zu Land und See, d. i. +mit Einbegriff der Inseln im persischen Meerbusen, ohne Theilnehmer und +Mitgenossen übertragen ward. Nach den Worten desselben war »die Schliessung +und Oeffnung der Erfolge, die Bindung und Lösung der Geschäftsschreiben, +die Anstellung und Absetzung der Emire dem Gutachten des Seid +anheimgestellt«. Er wurde mit den beiden mongolischen Insignien +übertragener Herrschaft, dem goldenen Löwenkopfe und dem goldenen +Katzenkopfe, bekleidet[692]. Wenn sich diese Investitur mittels Löwen- und +Katzenkopfes in Sanchoniaton oder einer anderen altägyptischen Geschichte +fände, so möchten dieselben wohl im mystischen Sinn als die Köpfe von Isis +und Bubastis erklärt werden; bei den Mongolen aber sind sie blos das rohe +Symbol einschüchternden Herrschergrimms und einschläfernder arglistiger +Schmeichelei, welche dem Mongolen für die beiden höchsten Herrschertugenden +gelten. Die mongolische Gerechtigkeitshand ist die Tatze des Löwen und die +Kralle der Katze. Die beiden Geschäftsleute des vorigen Statthalters +Bulughan, die beiden Chodscha, d. i. Herren der Finanz, der Kämmerer +Kawameddin von Bochara und Seifeddin Jusuf, waren indess von Chorasan +wieder nach Fars zurückgekommen und von der Atabegin mit der Verwaltung der +Finanz betraut worden. Sie erbitterten die Atabegin in voraus wider den ihr +zum Nachfolger in der Statthalterschaft bestimmten _Seid_, und als dieser +von der Gränze aus, wo die Rechnungsabforderung ihren Anfang nahm, gleich +einen der Vögte der Atabegin an einen Baum hatte aufhenken lassen und der +Atabegin den Befehl zugefertigt hatte, vor der Majestät des Chans zu +erscheinen, stieg ihr Zorn immer höher und höher. Sobald der _Seid_ zu +Schiras angekommen, errichtete er einen königlichen Thron; acht Tage +hernach hatte das feierliche Festgebet des Bairams statt, wobei die +Prinzessin nicht wie gewöhnlich erschien. [RN: 22. Ramasan 683/2. Dec. +1284] Sie hatte erwartet, dass der Seid wenigstens die Formen beobachten +und ihr schuldiger Weise aufwarten werde; als aber diess nicht geschah, war +sie so zornig, dass sie vor Wuth weinte und sich in die Lippen biss[693]. +Bald darauf kam die Nachricht, dass Fars von einem Einfalle der +niguderischen Banden bedroht sei. Der Seid sandte der Prinzessin Wort, dass +die Annäherung der Feinde zu ihrer Sicherheit erfordere, dass sie sich nach +dem Schlosse Istachr (Persepolis) begebe. Sie weigerte sich dessen, weil +sie fürchtete, dass der Seid sie dort einsperren wolle. Während dieser +Verhandlung kehrte der Seid eines Abends mit grossem Gefolge nach Hause. +Auf der Gasse kamen ihm Mamluken der Atabegin mit dem Befehle, vor ihr zu +erscheinen, entgegen; die gebieterischen Worte der Mamluken entgegnete der +Seid mit rauhen; der erste der Mamluken warf sich auf ihn und sie stürzten +beide von ihren Pferden. Da führte Seradscheddin Fasli von Lur, welcher +noch vor wenigen Tagen vom Seid mit Gnaden überhäuft worden war und auf +dessen Treue, weil er der Anführer seiner Truppen, er vorzüglich gezählt +hatte, den ersten Streich, und der Seid erlag alsbald den vervielfältigten +Streichen der Mamluken. [RN: 21. Schewwal/31. Dec. 1284] Der Kopf wurde +abgeschnitten, der Rumpf hingeworfen, sein Haus der Plünderung +preisgegeben. + +[Randnote: Verurtheilung der Atabegin Abisch, und ihr Tod.] + +Abisch liess in den Strassen von Schiras ausrufen, dass, weil der Seid in +dem Lande schädliche Finanzneuerungen unternommen, derselbe auf ihren +Befehl sei aus dem Wege geräumt worden; Jedermann solle seinen Geschäften +nachgehen und die Stadt ruhig bleiben. Der Sturz des Seid's brachte, wie +jeder Umschwung von Glücksverhältnissen, seltsame Beispiele von Undank und +treuer Anhänglichkeit in Vorschein. Ein Gelehrter, welchen der Seid mit +Gnaden überhäuft hatte, brandmarkte sich als einen Undankbaren, +Niederträchtigen durch die Verse, die er an den Fussschämel der Atabegin +schrieb: + + Herrscher! deine Wange glüh' aus Freude wie Rubin, + Und es sei dein Thron der allerhöchste immerhin; + Jeder Kopf, der deinen Wünschen würde nicht zusagen, + Sei, wie der Imadeddin's, vom Rumpfe abgeschlagen. + +Das Gegenstück hierzu ist die schöne Dankbarkeit des Geschichtschreibers +Wassaf, welcher seiner Erzählung ein Trauergedicht von siebzehn Distichen +einverleibt hat, dessen Beginn: + + Eine Sonne ging im Staube unter, + Die im Ost des Glückes aufging munter. + Um zu stürzen diesen Bau, o Loos! + Lässt die Zügel schiessen du dem Ross. + +Nach dem Tode des _Seid Imadeddin_ wurde sein Vetter, der _Seid +Dschemaleddin Mohammed_, welcher, mit Gnaden der Atabegin überhäuft, sich +für ganz sicher gehalten, an ihre Pforte vorgeladen. Sie berieth sich mit +einem ihrer Räthe über den zu fassenden Entschluss. Er rieth ihr zur +Hinrichtung, zu welcher so besserer Grund vorhanden, weil er weit reicher, +als Imadeddin, welcher blos als ein Opfer der Bewilderung zwischen ihr und +ihm gefallen sei. Die Mamluken tödteten ihn in der Nacht und streuten am +Morgen das Gerücht aus, dass er aus dem Kerker entflohen sei. Die bald +hierauf erfolgte grosse Landplage der Heuschrecken wurde als eine Strafe +des Himmels für den Mord der beiden _Seide_ angesehen. Mehr als +hunderttausend Bewohner von Schiras sollen an der als Folge der +Heuschreckenverheerung entstandenen Hungersnoth zu Grunde gegangen sein. +Der unmündige Sohn des Seid war mit einigen treuen Dienern in das Lager des +Chans geflüchtet, wo er Buka's, seines Vaters Schutzherrn, Hilfe anrief. +Buka trug die Vergehungen der Atabegin dem Ilchan vor, welcher sie und alle +Gegner des Seid vor Gericht zu laden befahl, und zugleich zurück Botschaft +an die Frau Oldschai sandte, durch deren Einfluss die Atabegin die +Statthalterschaft erhalten hatte; diese überhäufte den Gesandten, der sie +in's Hoflager führen sollte, mit Geschenken, folgte aber nicht. Drei +Richtern[694] ward die Untersuchung über das unschuldig vergossene Blut der +beiden Seide und die unrechtmässige Besitznahme von Gütern aufgetragen. Die +Herren der Finanzkammer wurden in Ketten und Blöcken vorgeführt; als die +Prinzessin nicht erschien, wurde Kotan Atadschi abgeordnet, um sie mit +Gewalt in's Hoflager zu bringen. Als die Prinzessin Nachts in's Lager kam, +führte sie der Haushofmeister Buka's in eines der Zelte seines Herrn. +Dieser liess ihm aber am folgenden Tage sieben Prügel geben, weil er sich +unterstanden, eine Prinzessin königlichen Geblüts in das Zelt eines Emirs +Karadschu, d. i. Unterthanen, wie er, zu führen; trotz dieser dem Range der +Prinzessin schuldigen wahren oder geheuchelten Ehrfurcht erhielt sie den +Befehl, am folgenden Morgen vor Gericht zu erscheinen. Ihre Beschützerin, +die Frau Oldschai, sprach entschuldigend für, indem sie Alles auf +Dschelaleddin Arkan, den Verwandten der Atabegin, schob; die drei Herren +der Finanzkammer, Kawameddin, Seifeddin und Schemseddin, erhielten jeder +nach der Jasa zwei und siebzig Prügel auf die Sohlen; die Mamluken des Seid +Imadeddin waren den Gerichtsdienern beigegeben, damit deren Strafe +schonungslos vollzogen werde. Dschelaleddin, zu Rede gestellt, wusch sich +auf Kosten der Prinzessin rein. Sie und ihre Angehörigen wurden zur Zahlung +von fünfzig Tomanen Goldes (fünfzigtausend Dukaten) und zwanzig Tomanen an +die Waisen der ermordeten Seide verurtheilt. Sie überlebte die Schmach +dieses Urtheils kaum zwei Jahre und starb, nachdem sie deren zwei und +zwanzig als der letzte Zweig der Salghuren über Fars geherrscht. [RN: +685/1286] Drei Tage lang wurde für sie zu Schiras in den Moscheen durch +öffentliche Gebete, Lesungen des Korans und Almosen die Gebühren der +Trauer, dann ihr letzter Wille vollzogen. Nach diesem wurden ihre +Familiengüter in vier Theile getheilt; zwei fielen den Töchtern +Prinzessinnen _Gardudschan_ und _Alghardschi_, der dritte ihren Mamluken +und Freigelassenen, der vierte dem Prinzen _Taidschu_, dem Sohne Mengu +Timur's, und diesem noch ausserdem zehntausend Dukaten zu. Die Dynastie der +Salghuren war in ihr erloschen und mit ihr der letzte Schatten +einheimischer Herrschaft in Fars verschwunden. + +[Randnote: Arghun's Bewegungen; Tod der Frauen Bulughan und Kotlogh; +Hochzeit Tudai's.] + +Ordu Kia, welchen Arghun mit der Nachricht der Thronbesteigung an den Oheim +Kaan gesendet hatte, kam jetzt mit der Bestätigung derselben und mit dem +_Dschingsangtitel_ für Buka zurück, und die Thronbesteigung wurde zum +zweitenmale gefeiert. [RN: 27. Silhidsche 684/6. März 1286] Zehn Tage +darnach wurden sechzehntausend vom Emir Masuk Kuschdschi, d. i. dem +Vogelfänger, und vom Dschelairen _Nurinaga_ befehligte Reiter wider die +Kurden _Hakari_ gesandt, und der Aufruhr derselben gedämpft. Die Frau +_Bulghan_ starb am Ufer des Kor (Cyrus) und ihr Sarg wurde nach dem Berge +Sedschas übergeführt. [RN: 10. Ssafer 685/7. April 1286] Im Frühlinge kam +Arghun nach Tebris und ward von Buka festlich bewirthet. [RN: 23. +Ssafer/20. April] Ende Mai's brach er von da über Meragha nach Sughurluk +auf. [RN: 12. Rebiulachir 685/27. Mai 1286] Hier wartete ihm während des +Sommerlagers der Emir Aruk, der Bruder Buka's, mit den mongolischen +Sekretären (Bitekdschi) von Bagdad auf; in seinem Geleite befand sich +Harun, der Sohn Schemseddin Dschuweini's. Aruk, auf die Macht seines +Bruders Buka gestützt, hatte den Mestufi Seadeddin, Bruder Fachreddin's, +und den Medschdeddin, Sohn Esir's, ohne vom Chan hierzu begewaltigt zu +sein, hinrichten lassen. Medschdeddin gehörte einem der Krongüter +Kendschatu's (des Bruders Arghun's) an, der desshalb wider Aruk erbittert, +welchem auch _Jesu Gurgan_ (der Gemahl der Prinzessin Tudukasch, der +vierten Tochter Hulagu's) abgeneigt. Buka hielt seinen Bruder wider +Kendschatu und Jesu Gurgan; dem ersten wurde hinterbracht: Aruk habe den +Sohn Esir's auf Harun's Anstiften hinrichten lassen, wesshalb dieser dem +Vater und den Brüdern in's Grab nachgesandt ward; und da Jesu Gurgan bald +hernach starb, zog das Ungewitter, welches wider Buka's Macht brauste, +diessmal unschädlich vorüber. Arghun Chan kam nach Tebris. [RN: 6. Schaaban +685/27. Sept. 1286] Zwei Monate hernach [RN: 28. Ramasan 685/17. Nov. 1286] +kämmte er sich eines Tages zu Arran, als ihm ungewöhnlich viele Haare durch +den Kamm ausgingen. Diess galt nach mongolischen Begriffen für ein Zeichen +von gegebenem Gifte, und _Wedschih_, der Sohn Iseddin's, wurde der +Beibringung von Gift verdächtig hingerichtet. [RN: 20. Silkide 685/7. Jan. +1287] Vierzehn Tage hernach hatte die Krönung der Frau _Tudai Chatun_, der +Konghuratin, statt, welche, aus dem Hareme des Vaters in das des Sohnes +übergegangen, nach dem Tode der Frau Mertai (der Gemahlin Hulagu's, +Abaka's, Arghun's) mit dem Kopfschmucke der königlichen Gemahlinnen +(Baghtak) geschmücket ward[695]. [RN: 5. Silkidsche 685/22. Jan. 1287] Zwei +Monate hernach im Frühling begab er sich nach _Pil Suwar_, [RN: 19. Ssafer +686/5. April 1287] nach Tebris und von da in's Sommerquartier von Alatagh, +[RN: 24. Reb. achir 686/18. Juni 1287] und im Herbste in's Winterquartier +von Arran. [RN: 2. Ramasan/11. Oct. 1287] Im nächsten Frühjahr brachten +Gesandte aus Chorasan die Nachricht, dass _Kinschu_ (der Sohn Dschumkur's, +des zweiten Sohnes Hulagu's) und der Emir Newrus (der Sohn des Uiraten +Arghun, des Statthalters Chorasans unter Hulagu) an der Spitze von +dreissigtausend Reitern des Heeres Kaidu's (des Enkels Ogotai's) im +Anmarsche gegen Persien, dass sie das Land um Balch, Merw und Schaburkan +verheert, bis Chawaf und Sindschar vorgedrungen seien. [RN: 15. Moharrem +687/20. Februar 1288] Drei Wochen hierauf starb die Frau Kotlogh, die +Tochter Tengir Gurgan's, des Uiraten, die Mutter Chatai Aghul's, des +jüngsten der Söhne Arghun's. [RN: 7. Ssafer 687/14. März 1288] Einen Monat +hernach brachten Buka's Gesandte eine von den Bekennern der Lehre +Schakamuni's hoch verehrte Reliquie, welche sie _Scharil_ nennen, nämlich +ein verknöchertes Menschenherz. [RN: 7. Rebiulewwel 687/12. April 1288] +Nach ihrer Ueberlieferung war _Schakamuni's_ Herz nicht Fleisch, sondern +Bein, welches im Feuer nicht verbrannte, und nach ihrer Meinung sind +verknöcherte Herzen die grosser Männer. Arghun, welcher nicht Moslim, wie +sein Oheim Teguder gewesen, sondern Götzendiener, ging dieser Reliquie mit +den grössten Ehrenbezeugungen entgegen; es wurde Gold darüber gestreut, und +es wurden Feste veranstaltet. Drei Wochen hernach, [RN: 30. Rebiulewwel +687/5. Mai 1288] als sich Arghun zu Pil Suwar befand, traf die Nachricht +ein, dass Nokai, der Feldherr des Herrschers von Kipdschak, mit fünftausend +Reitern aus Derbend ausgebrochen, alle Kaufleute der Gegend geplündert +habe; und Arghun brach schon am nächsten Morgen an der Spitze des Heeres +gegen Derbend auf, ging über den Kor und blieb zu Schamachi stehen. Buka +und Kundschukbal, mit einigen Prinzen als Vortrab vorausgesandt, kamen nach +einigen Tagen mit der guten Nachricht zurück, dass die Feinde +abgezogen[696]. + +[Randnote: Buka, der strenge Wesir.] + +Buka's Macht und Ansehen hatte den höchsten Grad erreicht; er hatte mit dem +Titel eines _Dschingsang_ noch ein Diplom ausserordentlicher Privilegien +vom Kaan erhalten; vermöge derselben konnte er erst, wenn er neun +Staatsverbrechen begangen, zur Rechenschaft gezogen und auch dann vor kein +anderes Gericht, als das des Chans selbst, gestellt werden; kein Befehl des +Chans konnte in Vollzug gesetzt werden, wenn demselben nicht das Siegel +Buka's beigesetzt, während seine Befehle zur Vollstreckung des Siegels des +Chans nicht bedurften. So ausserordentlich waren die vom Grosskaan dem Buka +verliehenen Privilegien, dass die Meinung desselben von der +Selbstständigkeit Arghun's null zu sein und dass der Botschafter, welcher +mit dem Diplome der Bestätigung Arghun's auf dem Throne zugleich das mit +diesen ausserordentlichen Privilegien Buka's brachte, eigentlich jenen nur +der Form nach, diesen aber in der That zum Herrn eingesetzt zu haben +schien. So ausserordentliche Macht musste um so mehr den Neid der anderen +Emire und der Günstlinge Arghun's[697] erwecken, als Buka, hochmüthig und +heftig, durch seine Strenge sich Feinde machte. »Er war«, sagt Wassaf, »ein +fürchterlicher Türke, dessen Gedanke weit hinaus zielte und dessen +Rathschlag den Wunsch bald erfüllte. Er setzte für die Schlichtung +verworrener Geschäfte, für die Durchführung der Befehle und die Beförderung +der Reichsangelegenheiten Regeln fest, deren Erwähnung auf dem schwarzen +und weissen Buche der Zeit bis an's Ende der Aeonen dauern wird. Durch die +Wirkung seiner Gerechtigkeit und Strenge warf der Falke auf das Repphuhn +verliebte Blicke; er glich die Gegensätze der Welt aus und des Schicksals +Tücke.« Seine Gerechtigkeit war so streng, dass er einen Knecht seines +Marstalls, welcher einen Apfel von einem Fruchtverkäufer genommen, +hinrichten liess. Solche Strenge war das grösste Verdienst eines +Staatsmanns nach der Satzung Tschengischan's und erwarb diesem nach allem +Anscheine das Vertrauen, womit der Grosskaan dessen eisernem Arme die +Verwaltung Persiens mit so unumschränkter Machtvollkommenheit übertragen. +Besonders waren ihm Sultan _Aidadschi_ und _Tughan_, Arghun's vertrauter +Gesellschafter (_Inak_) aufsässig, weil dieser zweimal auf Buka's Befehl +geprügelt und öffentlich beschimpft worden war. Sie vernachlässigten keine +Gelegenheit, den Buka beim Herrn zu verschwärzen. Sein Bruder _Aruk_, der +Statthalter Bagdads, war dort den Emiren nicht weniger verhasst. Er machte +sich wenig aus den Gesandten des Chans, und verschlang die Einkünfte in +seinen Beutel, statt sie in die Staatscasse abzuführen; die Geschäftsleute +Ordu Kaja, der Intendent Scherefeddin und der Jude Saad, welcher alsbald +als ein höchst bedeutender Charakter auftreten wird, brachten endlich +einmal fünfhundert Tomane, statt dieselben dem Aruk auszuliefern, +unmittelbar dem Chan, welcher nun den Aruk, der nie einen Heller +eingesendet, seiner Statthalterschaft entsetzte. _Ssadreddin Sendschani_, +der Finanzmann Taghadschar's, von welchem Buka ausständige Gelder der +Landschaft Fars forderte, stellte dem Taghadschar vor, dass die Tyrannei +Buka's nicht mehr zu dulden, indem der Chan nur ein Schatten, alle Macht in +den Händen Buka's sei[698]. Das Ungewitter, welches sich über dem Kopfe +Buka's zusammenzog, stieg aus den Finanzquellen von Fars auf. Die Vornehmen +von Schiras stritten sich unter dem Günstling Tughan; sie stellten vor, +dass, wenn ihnen die Befehlshaberschaft von Fars und die Küste eingeräumt +würden, sie fünfhundert Tomane abzuführen bereit seien. Sie erhielten +hierauf verbindende schriftliche Urkunde. Nun wandten sie sich an Tughan um +einen zur Eintreibung der Summen Begewaltigten, und er ernannte hierzu den +Seid Fachreddin Mobarek. Buka protestirte wider diese Ernennung und diese +Maassregel, aber Arghun erliess einen Befehl, dass sich Buka in die +Verwaltung der Krongüter, welche dem Fachreddin übertragen sei, nicht zu +mischen habe; denn Fachreddin hatte dem Arghun vorgetragen, dass viele, +vormals dem Seid Scherefeddin gehörige Güter von den Salghuren eingezogen, +jetzt als das Eigenthum des Kaans zurückzufordern seien. Arghun übertrug +die Verwaltung der Familiengüter dem Emir Taghadschar und die des Heeres +dem Emir Kundschukbal, so dass auf einmal Buka all seiner Macht und seines +Einflusses beraubt. + +[Randnote: Buka's Verschwörung und Sturz.] + +Arghun stellte sich nun krank, um nicht öffentliche Demüthigungen +verschlucken zu müssen; sein Diwan, seine Finanzkammer wurden vor den Chan +gefordert, alle seine Angehörigen ihrer Stellen entsetzt, vor Allen Emir +Ali, der _Temghadschi_, d. i. Einnehmer der Mauthgelder von Tebris. Buka, +als er seinen ganzen Einfluss verschwunden sah, verband sich mit mehreren +Prinzen und Emiren[699] zur Entthronung Arghun's, indem er den Thron dem +Prinzen Dschuschkab zudachte. Er sandte an diesen, der an den Ufern des +Euphrats lagerte, Botschaft, um sich über den Undank Arghun's, der ihm +allein den Thron verdankte, zu beklagen und diesen dem Dschuschkab +anzutragen. Dschuschkab sah wohl ein, dass Buka ihn nur zum Werkzeuge +seiner Herrschgier ausersehen und dass dieser selbst nach dem Throne +strebe. Er entliess den Gesandten mit der Antwort: Ich bin dem Buka für +seine gute Absicht sehr verbunden, traue aber mündlichen Versicherungen +nicht und werde nicht an die Verbindung der mir genannten Prinzen und Emire +glauben, bis ich von ihnen unterzeichnet die schriftliche Urkunde des +Vertrags sehe. Buka sandte ihm die Unterschriften der Verschworenen. +Dschuschkab sandte Wort: das Heer möge in Waffen ihn erwarten; er aber +begab sich eiligst nach Tebris, um den Neffen Chan von der seinem Throne +drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Arghun wollte Anfangs der Anklage +keinen Glauben beimessen; als er aber in der unterschriebenen Urkunde von +der Schuld Buka's den klarsten Beweis der Verrätherei vor Augen hatte, +befahl er sogleich den Truppen, aufzusitzen und den Buka aus seinem Lager +am _Kor_ ihm zuzuführen. Sultan Aidadschi, Doladai und Tughan überfielen +ihn in seinem Lager, doch hatte er noch Zeit gefunden, aus demselben +jenseits des _Kor_ in das der Frau Oldschai zu gelangen; sie nahm ihn aber +nicht auf, nur der Sohn Sengi's, der Emir des Lagers der Frau Oldschai, +gewährte ihm in seinem Zelte Zuflucht. Sultan Aidadschi und Tughan gingen +noch in der Nacht über den Fluss und waren im Begriffe, das Lager der Frau +Oldschai zu stürmen, als ihnen Sengi zitternd den im Zelte seines Sohnes +versteckten Buka auslieferte. Vor das Gericht gestellt, antwortete er dem +Schinktur, welcher ihn als die Ursache aller Unruhen anklagte und ihm +vorwarf, dass er immer anderen Padischah einzusetzen trachte: er habe +Nichts wider den Padischah, sondern nur wider seine Feinde Sultan Aidadschi +und Tughan. Einer seiner eigenen Soldaten sagte ihm in's Gesicht: »An dem +und dem Tage hast du mich gesandt, um das Lager und ein Heer aufzubringen +und damit vorzudringen.« Buka sprach: »Du irrest dich; ich habe gesagt: um +was schwer vorzubringen.« Als aber Dschuschkab die unterschriebene Urkunde +der Verschwörung vorwies, deren Ausbruch für die Festnacht des neuen Jahres +der Mongolen festgesetzt war[700], konnte er nicht mehr länger läugnen. +Arghun gab das Zeichen zu dessen Hinrichtung, und Prinz Dschuschkab erbat +sich die Gunst, dieselbe selbst vollstrecken zu dürfen. Als er auf dem +Richtplatze angelangt, gab ihm Tughan einen Stoss in die Brust mit den +Worten: »Das ist der Lohn für deine Lust nach dem Throne«. Dschuschkab +trennte den Kopf mit Einem Hiebe vom Rumpfe und schnitt ihm dann mit eigner +Hand Riemen der Haut aus dem Rücken. Der Kopf wurde, mit Stroh ausgestopft, +unter der Brücke Dschaghan aufgehangen. [RN: 21. Silhidsche 687/17. Jan. +1289] Am folgenden Tage sassen die Richter abermal zu Gericht, und es +wurden die verschworenen Emire hingerichtet[701]. Kadan, weil er der +Gesandte des Kaans, der Bitekdschi _Noghai_, weil er wahres Wort geredet, +und ein anderer, weil die Emire für ihn gebeten, wurden mit dem Leben +verschont. Unter den Hingerichteten war auch der Astronom _Imadeddin_, der +Christ Simon von _Rumkalaa Behaeddewlet Abul Kirem_; _Demitrius_, König +von Georgien, welcher in diese Verschwörung verwickelt war, wurde an den +Ufern des Kor hingerichtet[702]; dem Heere wurde befohlen, seinen Jurt zu +plündern; die Kinder wurden dem Schwerte des Henkers überliefert, die +Frauen und Töchter unter das Heer vertheilt; es erging der Befehl, die +Leichname der Erschlagenen in Hügeln aufzuschichten, erst wenn sie von +Wölfen und Hunden zerfleischt sein würden, die Reste zu begraben. Drei +Emire[703] wurden nach Diarbekr gesandt, die Söhne und Brüder Buka's zu +holen. In sechs Tagen rannten sie von Arran nach Irbil, tödteten Ghasan, +den ältesten Sohn Buka's, der sich bei seinem Oheime Aruk befand, und +führten diesen nach Tebris. Als er an der Brücke Dschaghan des Bruders +ausgestopften Kopf sah, fragte er: Wo ist der Kopf Audschan's, seines +Waffenträgers? und der geforderte fiel. [RN: 9. Moharrem 688/3. Febr. 1289] +Emir Sengi, welcher dem Buka im Zelte seines Sohnes Zuflucht gestattet, +wurde von der Frau Oldschai ausgeliefert; sie erklärte, dass sie ihren +ältesten Sohn, Enbardschi, ausgeliefert haben würde, wenn er sich solcher +Staatsverbrechen schuldig gemacht hätte. Noch waren vier Söhne Buka's[704] +übrig, die sich zu Tughan geflüchtet, welcher sich ihrer angenommen; als er +sie aber nach einiger Zeit dem Arghun, dessen Grimm er versöhnt glaubte, +vorstellte, befahl dieser, durch ihre Hinrichtung den Stamm auszurotten, so +dem geschah. [RN: Ende Ssafer 688/Halben Mai 1289] + +[Randnote: Der Prinzen Dschuschkab, Huladschu, Karabukai Hinrichtung.] + +Der Prinz Dschuschkab, welcher die Verschwörung Buka's angezeigt und dem +Verräther mit eigener Hand den Kopf abgeschlagen, sah bald hierauf seinen +eigenen gefährdet; auf die Nachricht, dass er selbst mit herrschsüchtigen +Plänen umgehe, hatte ihm Arghun Emire[705] mit Truppen nachgesendet, die +ihn am Flusse Karaman zwischen Ersen und Miafarakain erreichten; er schlug +sich mit ihnen, floh und wurde nach drei Tagen ergriffen, vor Arghun +gebracht, von demselben zum Tode verurtheilt. [RN: 15. Dschem. ewwel 688/6. +Juni 1289] Diese Hinrichtung hatte die Empörung des ihm innigst ergebenen +_Newrus_, des Sohnes Arghun's (des Statthalters Hulagu's in Persien) zur +Folge, mit welchem sich die Prinzen _Huladschu_ (der zwölfte Sohn Hulagu's) +und _Karabukai_, der Sohn Jaschmut's (des dritten Sohnes Hulagu's) +verbanden; sie wurden von _Muktil_, dem Bruder Ordu Kaja's, welcher im +Dienste _Karabukai's_ seinen Herrn verrieth, ergriffen und im Schlosse +_Girdkjuh_, dem alten Assassinenschloss, das so lange den belagernden +Waffen der Mongolen getrotzt, eingesperrt, und vier Monate hernach +hingerichtet. [RN: 20. Ramasan 688/7. Oct. 1289] _Huladschu_, der zwölfte +Sohn Hulagu's, der dritte, der als ein Schlachtopfer der Herrschaft fiel +(wie vor ihm _Konghuratai_ und _Teguder_); _Karabukai_, der zweite Neffe, +der wie Dschuschkab des Todes Loos der Oheime theilte. Ein Heer unter dem +Befehle Arghun's wurde nach Chorasan gesandt, um dort den Kronprinzen +_Ghasan_ wider den Aufrührer _Newrus_ zu verstärken. Arghunchan hatte das +Winterquartier von Arran mit dem Sommerlager zu Kongorolang vertauscht und +zum zweitenmale den _Ordu Kaja_ und den Juden _Seaad_ empfangen, welche ihm +Gelder von Bagdad brachten. Arghun war damit sehr zufrieden, und als der +Jude vortrug, dass er das Doppelte abgeführt haben würde, wenn nicht die +mongolischen Landschreiber ihm entgegen gewesen wären, wurde die +Hinrichtung derselben befohlen; ihre Köpfe wurden zu Bagdad aufgesteckt; +auch Manssur, der Sohn Chodscha Alaeddin's Dschuweini, wurde von Hille +gebracht und hingerichtet; gleiches Schicksal hatte _Dschelaleddin +Semnani_, welcher, dem Tughan verdächtig, einige Zeit lang auf Fürbitte +Berende Bachschi's an dem Leben verschont worden war. [RN: 1. Dschem. II. +688/22. Juni 1289] Arghun hatte die oberste Wesirschaft dem Juden _Seaad_ +übertragen, eine vor und nachdem in den Geschichten des Islams unerhörte +Begebenheit, dass ein Jude Herr des Guts und Bluts der Moslimen. +_Seaadeddewlet_, d. i. die Glückseligkeit des Hofes, der Sohn des Juden +Hebetollah Ben Mohesib von Ebher, war vor fünf Jahren vom Vogte Bagdads +oder dessen Kammer angestellt worden und hatte durch seine +Geschäftstüchtigkeit bald sehr grossen Einfluss erworben. Der Befehlshaber +Bagdads, Kotloghschah, ein vormaliger Diener Alaeddin's Dschuweini, +Medschdeddin Giti und Andere waren vor zwei Jahren in's Sommerlager von +Sughurluk gekommen, [RN: 686/1287] um sich bei den Wesiren über Seaad, +durch welchen ihr Ansehen so sehr in Schatten gesetzt wurde, zu beklagen; +sie priesen den Seaad als einen vortrefflichen Arzt an, der seiner +medicinischen Kenntnisse willen an den Hof gezogen zu werden verdiene. +Seaad, nach Hof berufen, schloss sich an Ordu Kaja an und erhielt durch +dessen Einfluss Diplom und Löwenkopf mit dem Antrage, die Rückstände der +Steuern Bagdads, welche fünfhundert Tomane betrugen, einzutreiben. Mittels +Erpressungen und Qualen brachte er eine ansehnliche Summe Geldes auf, die +er dem Chan in's Sommerlager von Kongorolang brachte. Arghun, hiermit sehr +zufrieden, verlieh die Emirschaft von Bagdad dem Emir Ordu Kaja und die +Vogtschaft dem Baidu Sikurdschi, d. i. Schwertträger; Scherefeddin von +_Semnan_ wurde zum _Melik_, d. i. Vorsteher der Finanzen, und Seaad zu +dessen _Moscherrif_[706], d. i. Ceremonienmeister, ernannt. Diese vier +gleichzeitigen Ernennungen geben Aufschluss über die Einrichtung +mongolischer Landesverwaltung, deren Häupter der _Emir_ (Befehlshaber der +Truppen), der _Schohne_ oder Baskak, d. i. Vogt Statthalter, der _Melik_, +d. i. Intendent der Finanzen, und _Moscherrif_, Gehülfe desselben; dazu +kamen die Sekretäre und Schreiber, von denen die arabischen _Munschi_, die +mongolischen _Bitekdschi_, die türkischen _Bachschi_ heissen. Als Seaad zur +Wesirschaft gelangt, war derselbe nur noch durch den Einfluss seines +vormaligen Vorstehers Scherefeddin Semnani einigermassen in der Ausübung +seiner unumschränkten Machtvollkommenheit beschränkt; als aber auch dieser +auf Arghun's Befehl, weil ihm zu Ohren gekommen, dass er des Juden +unumschränkte Machtvollkommenheit bitter getadelt, hingerichtet worden, +herrschte der Jude Arzt mit unumschränkter Vollmacht als Wesir[707]. + +[Randnote: Seaadeddewlet's Verwaltung.] + +Die Verwaltung des Arztes Juden war eine blutige und goldene, Aderlass und +Schacher. Noch lebten die Enkel seines grossen Vorfahrers in der +Wesirschaft, Mohammed Schemseddin's, Mahmud und Ali[708], die beiden Söhne +seines Sohnes Behaeddin, auf den ihnen gelassenen Besitzungen in Irak. Ali +war mit seiner Mutter, der Tochter Iseddin Tahir's, nach Issfahan gegangen, +als Medschdeddin Muminan von Kaswin, einer der Blutegel des Wesirs, an +Arghun Bericht erstattete, dass fasst alle Krongüter in den Händen der +Enkel Schemseddin's. Der Befehl erging, die Söhne Schemseddins +hinzurichten. Von diesen wurden _Mesud_ und _Feredschullah_ zu Tebris +getödtet; [RN: 3. Redscheb 688/23. Juli 1289] dem Enkel _Mahmud_ rettete +der Vogt das Leben, weil in dem Befehle blos von den Söhnen und nicht von +den Enkeln die Rede; aber _Ali_, welcher zu Issfahan sich befand, wurde +getödtet, und sechzehn Tage nach ihm auch sein Oheim Mesud. Noch waren von +den Söhnen Schemseddin's zwei, nämlich: _Atabeg_ und _Sekeria_, übrig, +welche, die einzigen, nicht gewaltsamen Todes starben. Der Jude legte nun +seinem Namen und dem seiner Brüder nach dem Beispiele der Herrscher aus dem +Hause Buje den Ehrennamen _Dewlet_, d. i. _Reich_ oder _Hof_, bei; er +nannte sich _Seaadeddewlet_, d. i. das Reichsglück, seine Brüder hiessen: +_Fachreddewlet_, d. i. Reichsruhm, _Mohesibeddewlet_, d. i. Reichsläuterer, +desgleichen seinen anderen Angehörigen, unter die er die +Statthalterschaften des Reichs vertheilte; den beiden genannten Brüdern und +dem Dschemaleddin von _Destadscherd_ übertrug er die Befehlshaberschaft von +Bagdad; nach Fars sandte er den Medschdeddewlet, d. i. Reichsglorie, den +Sohn des Astronomen _Montachabeddewlet_, d. i. des Reichsauserwählten, als +Statthalter nach Diarbekr seinen Bruder _Emineddewlet_, d. i. +Reichsintendent, und die Befehlshaberschaft von Tebris verlieh er seinem +Neffen Ebu Manssur _Mohesibeddewlet_ (ein zweiter Reichsläuterer) dem +Arzte[709]. Fünf Juden (die vier Brüder und der Neffe) hatten die +Verwaltung unter sich getheilt. Die Emire _Taghadschar_, _Ordu Kaja_ und +_Dschuschi_, welche bisher die Finanzen verwaltet, wurden durch ein Patent +verständigt, dass _Seaadeddewlet_ der Befehlshaber des Staatsschatzes sei, +»und dass sie ohne dessen Gutheissung kein Geschäft dem Padischah +vorzutragen ermächtiget seien, dass dem Wesir aber frei stehe, zu jeder +Zeit Geschäfte zu schlichten, ohne sich nach ihnen zu richten«. Die Wesire +und Emire der Länder wurden ihm untergeordnet, Könige und Sultane standen +dem Arzte Juden zu Befehl; wäre nicht Chorasan und Rum wirklich im Besitze +Ghasan's und Kendschatu's, der beiden Söhne Arghun's, gewesen, so hätte er +auch diese Länder an seine Geschöpfe verliehen[710]. Er vernichtete gleich +Anfangs seiner Verwaltung in allen Ländern die _Melik_, wörtlich _Könige_, +der Finanz, d. i. Intendenten der Pachten und Steuern, und erregte in den +Herzen der Juden die Erwartung, dass in ihm der versprochene Messias +erschienen, der Wiederhersteller des Reichs im vorigen Glanze. Die +Verordnungen, die er in Finanzsachen erliess, waren streng, aber +verständig, auf die sichere Eintreibung der Steuern und Vermehrung des +Staatsschatzes berechnet; den Plackereien der Gesandten und Vögte wurde +gesteuert, arabische und persische Dichter und Philologen mit Geschenken +und Pensionen zur Verbreitung seines Lobes erkauft. Binnen zwei Jahren war +ein ihm gewidmetes Buch, welches blos die zu seinem Lobe erschienenen +_Ghaselen_, _Kassidete_, _Makame_ und Lobreden enthielt, gesammelt, und +welches sich noch zur Zeit Wassaf's zu Bagdad fand; er nahm sich nicht nur +mit den Prinzen und Nujanen, sondern auch gegenüber des Schah und dessen +Gemahlinnen die grössten Freiheiten heraus. Eines Tages, als er mit dem +Schah langen Puff spielte, streckte er mir nichts dir nichts seine Füsse +aus, als läge er auf einem Ruhebette; eine der Frauen, welche herein kam, +redete ihn an: »Wie unterstehst du dich, in Gegenwart eines solchen Chans, +dessen Sklaven mit dem störrigen Himmel wie mit einer Kugel aus Handteig +spielen, ohne Scheu den Fuss auszustrecken?« Seaadeddewlet entschuldigte +sich mit dem Zipperlein, und Arghun liess die Entschuldigung gelten. + +[Randnote: Verwaltung von Fars; Emir Tughan.] + +Da die grossen Emire _Taghadschar_, _Semaghar_, _Kundschukbal_ und _Tughan_ +ihm alle aufsässig, so suchte er sich wenigstens mit dreien zu befreunden, +denen er einen Antheil an der Verwaltung überliess; diese waren _Ordu +Kaja_, den er als Helfer zu sich nahm; _Karadschar_, dem er die Verwaltung +von Arran anvertraute, und _Dschuschi_, dem er die von Schiras übergab; dem +letzten gab er noch zwei Beamte[711] und den Sohn Sundschak's als _Serwan_ +oder _Tschausch_, d. i. Vollstrecker der Befehle, an die Seite. Die Herren +der Finanz zu Schiras versprachen die fünfhundert Tomane, die Ausstände, +binnen Jahr und Tag herbeizuschaffen, wenn man ihnen den _Dschelaleddin +Serwistani_ gebunden ausliefere. Diess geschah; als aber die Inhaber der +Pachtdistrikte[712] und die Landschreiber[713] nicht Wort hielten, wurden +die ersten, die Herren der Kammer, die schon oben bei der Erzählung der +Zustände von Fars genannt worden, hingerichtet[714]. Die Steuereinnehmer +und Verwalter wurden alle gefoltert und durch Vergantungen und +Confiscationen eine ungeheuere Summe erpresst. Seaadeddewlet's Strenge war +rücksichtlos gegen die Emire und führte später seinen Sturz durch die Rache +einer empfindlichen Beleidigung des Emirs Tughan herbei, welcher, wie wir +gesehen, schon den allmächtigen Buka aus Rache für empfangene Stockschläge +gestürzt. Tughan, der Sohn Tarakai's, ehemals der Vogt in Kuhistan, einer +der ersten Inaken, d. i. Hofdiener, »war«, sagt Wassaf, »ein höchst +scharfsinniger und feiner Kopf[715] an Urtheilskraft, durchdringendem +Scharfsinn, in der Rede Schlagfertigkeit und Zierlichkeit, hatte er unter +den Mongolen nicht seines Gleichen«; dazu war er ein gewandter +Briefsteller, Buchhalter, Dichter und Astronom, ein ganzer _Keschadschem_, +d. i. ein in den fünf freien Künsten, deren Anfangsbuchstaben in diesem +Worte enthalten sind[716] (_Schreibkunst_, _Dichtkunst_, _Astronomie_, +_Philologie und Musik_), vollkommen bewanderter, hochgebildeter Mann. Als +nach der Hinrichtung Buka's der Emir _Newrus_ in Chorasan rebellirte, wurde +Tughan mit einem Auftrage dahin abgesandt; bei seiner Rückkehr liess +Seaadeddewlet dem Schah vortragen, dass die Curiere Tughan's mehr als ihre +normalmässigen Taxen genommen, und Tughan wurde zu der hierauf durch die +Jasa gesetzten normalmässigen Strafe von siebzehn Stockprügeln verurtheilt. +Tughan, welchen Nichts aus der Fassung brachte und welchem ein guter +Einfall immer zur Hand, sah sich im Saale um und sagte: Was würde es denn +schaden, wenn jeder der Collegen Emire einen der siebzehn Stockstreiche auf +sich nehmen wollte? Es waren mehr als siebzehn Emire zugegen. Der Schah +lachte, und allsogleich citirte Tughan das Distichon Motenebbi's: + + Wenn der Löwe winkt mit Löwenmacht, + Meinet ja nicht, dass der Löwe lacht[717]. + +Durch diesen glücklichen Einfall und seine Geistesgegenwart kam er diessmal +von der verhängten Strafe los, aber der Groll wider den Juden, der ihm die +Schmach der Verurtheilung zugezogen, wurzelte so tiefer in seiner Brust, +und er verband sich zum Sturze desselben mit dem Emir _Kundschukbal_ und +Anderen, indem sie keine Gelegenheit unterliessen, ihren Feind beim Schah +zu verschwärzen. Dieser indessen, voll hochfliegender Pläne, stand noch +immer fest durch den guten Erfolg seiner Finanzverwaltung, welche den +Schatz füllte, und durch seine Einstreuungen von der Einführung einer neuen +Religion, deren Oberhaupt der Schah sein sollte[718]. Arghun war nicht +Moslim, wie sein Vorfahrer, sondern vielmehr den Juden und Christen +geneigt; von seiner Neigung für die Juden spricht die fünfgetheilte +Herrschaft der vier Brüder und des Neffen, von seiner Vorliebe für die +Christen sein Befehl, die von Teguder zerstörten Kirchen wieder +herzustellen[719], und seine Verbindungen mit den Königen Armeniens und +Georgiens, seine Gesandtschaften an den Papst und König von Frankreich, von +denen weiter unten die Rede sein wird. Indessen, da sein Plan der neuen +Religion noch nicht reif, konnte er nicht umhin, dem Scheine nach den Islam +zu beschützen, wovon ein von Wassaf erhaltener, zu Gunsten der +Pilgerkarawane von Mekka erlassener Befehl das Belege; indessen lag ihm +wenig daran, dass das Blut der Pilger im Umfange des heiligen Hauses +vergossen wurde, und siebzehn der grössten Imame verbannte er nach Schiras, +um dort von Schemseddewlet die Strafe der Jasa, d. i. Prügel, zu empfangen. + +[Randnote: Feldzug gegen Derbend; Bauten.] + +In der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche dieses Jahres begab sich Arghun, +welcher auch ein Freund der Astronomie, wiewohl er mit Vorliebe Alchymie +trieb, nach Meragha, um die Sternwarte zu besuchen; [RN: 4. Ramasan 688/21. +Sept. 1289] in der folgenden Tag- und Nachtgleiche des Frühlings verehrte +er der Frau Bulughan, der Tochter Otaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des +Konghuraten, das Lager der verstorbenen Frau Bulughan, welche aus dem +Hareme des Grossvaters Hulagu und des Vaters Abaka in das seine +übergegangen war. [RN: 9. Rebiulewwel 689/24. März 1290] Vier Tage nach +vollzogener Hochzeit kamen Boten, welche feindlichen Einfall an der Gränze +von Derbend meldeten. [RN: 13. Rebiulewwel 689/28. März 1290] Die Emire +Schiktur Nujan, Kundschukbal und Taghadschar wurden allsogleich aufzusitzen +befehligt. Der Chan begab sich nach Pilsuwar und rückte mit dem schweren +Gepäcke bis Schaburan vor; am Ufer des Karasu traf der Vortrab der beiden +Heere auf einander. [RN: 1. Reb. achir 689/15. April 1290] Das feindliche +befehligte _Abadschi_ und _Mengli_, die beiden Söhne _Mengku Timur's_, des +Herrschers von Kipdschak, und der Feldherr _Nokai_; das Arghun's: die Emire +_Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Toghruldsche_ und _Taidschu_, der Sohn +Bukuwa's; die letzten drei setzten über den Fluss, schlugen die +Kipdschaken, tödteten ihnen dreihundert Mann und machten mehrere +Gefangene[720]. Hierauf wurde zu Pilsuwar der Sieg mit Festen gefeiert, und +Seaadeddewlet sandte die frohe Nachricht mittels Siegesschreiben durch's +Reich[721]. [RN: 17. Reb. achir 689/3. Mai 1290] Da die Ruhe an der Gränze +von Derbend hergestellt war, wandte sich Taghadschar nach der östlichen, wo +in Chorasan der Aufruhr des Emirs Newrus in hellen Flammen emporloderte. +Arghun wurde durch den Tod seines Sohnes _Jesutum_ betrübt; [RN: 7. Dschem. +ewwel/19. Juni] auch waren der Emir _Sundschak_ und sein Sohn _Schadi_ zu +Meragha gestorben. Zwei Monate hernach ward zu Tebris _Medschdeddin +Muminan_, dessen oben als eines Blutegels der Finanz Erwähnung geschehen, +hingerichtet, und die Fahnen des Schah's trafen im Sommerlager von +_Alatagh_ ein; [RN: 2. Schaaban/12. August] er kehrte über Wan und Wastan +zurück. Auf dieser Station wartete dem Schah Kotbeddin der Schiraser auf +und brachte seinen Atlas der westlichen Meere mit einer Beschreibung ihrer +Gestade und Inseln, der Länder Rums und des mittelländischen Meeres dar. +[RN: 13. Schaaban/23. August] Der Blick Arghun's fiel auf die Stadt +_Amuria_, so berühmt, als die Geburtsstadt des Kaisers Theophilos und die +Verheerung derselben durch den Chalifen Moteaassim. Arghun liess sich Alles +erklären und war mit der Erklärung ungemein zufrieden; er ging auf die +Jagd, und sagte dem Molla, sich nach derselben wieder bei ihm einzufinden, +weil er mit ihm gerne weiter spreche, da er so wohlberedt. Hierauf ging der +Wink an Seaadeddewlet, die drei Verwalter, welche aus Rum zurückgekehrt +waren: _Emirschah_, _Fachreddin_ und den Sohn _Hadschi Leila's_, zu +ergreifen; dem ersten rettete die Fürbitte Kotbeddin's und Seaadeddewlet's +das Leben, der dritte ward sogleich getödtet, der zweite unter Aufsicht +gesetzt und später hingerichtet. Hierauf kamen drei Emire: _Akbuka_, +_Doladai_ und _Aldschiwaktan_, aus Rum, von denen der erste dorthin +zurückgesandt ward. [RN: 5. Schewwal 689/13. Oct. 1290] Das Fest des +Fastenmondes wurde zu Tebris zur Freude der Moslimen mit grosser +Feierlichkeit begangen. Es wurden vier Minarete erhöht; die Kadi und Imame, +die Chatibe und Scheiche wurden alle versammelt. Arghun, der ein grosser +Bauliebhaber, befahl, auf der Westseite der Stadt eine Vorstadt anzulegen, +welche _Schem_ oder _Schenb_ hiess, und in der später sein Sohn Ghasan sein +berühmtes Grabmal erbaute; er befahl den Bau einer Stadt zu _Scherujas_, +nördlich von Kaswin, welche, ebenfalls erst später unter Ghasan vollendet, +den Namen _Sultanije_ erhielt; eine Tagreise südlich von Sultanije, zu +_Andscherud_, hatte Arghun's Vater, Abaka, einen Palast in der Ebene +erbaut, wo ein natürliches Wasserbecken mit zwei Abflüssen, dessen Wasser +sich nie mindern und mehren soll, wenn auch die Abflüsse verdämmt +werden[722]. In der Nähe von Sedschas ist der gleichnamige Berg, auf +welchem hernach Arghun begraben ward; auch im Gebirge Alatagh, welches das +gewöhnliche Sommerlager schon von Hulagu's Zeit her, baute er ein +Serai[723]. Zu _Lar_ oder _Lardschan_[724], der gleichnamigen Hauptstadt +der am Fusse von Hügeln gelegenen Landschaft _Laristan_, baute er einen +Sommerpalast, welcher das Köschk Arghun's hiess; der Basar der Stadt gilt +noch heute für den schönsten Persiens; das heute in Ruinen liegende Schloss +galt ehemals für uneinnehmbar. Die zwölftausend Einwohner leben von dem +Erzeugnisse ihres Kunstfleisses, Bogen und Baumwollzeugen; alle Häuser sind +bequem und nett eingerichtet; jedes mit den beiden Luxusanstalten einer +persischen Sommerwohnung, nämlich einem _Badgir_ und _Serdab_[725], d. i. +mit einem Windfang und einem unterirdischen Saale, versehen; in diesen +dringt die Hitze nicht ein, durch jenen kreist im oberen Theile des Hauses +der Luftzug. Zu Tebris erhielt die von Arghun erbaute Vorstadt den Namen +_Arghunije_; er gab Jedermann die Freiheit, sich dort anzusiedeln; und +liess unterirdische Kanäle (Kjaris) graben nach dem in Persien von uralter +Zeit her eingeführten und heute noch üblichen Systeme unterirdischen +Kanalbaues. Die kühlen Thäler des Alatagh waren das gewöhnliche +Sommerlager, die südlichen Ebenen von _Kongorolang_, d. i. die Falkenweide, +das Sommerlager, wo hernach _Sultania_ gebaut ward; der Frühling und Herbst +wurde, wie gesagt, wechselweise zu Meragha und Tebris zugebracht, wie +vormals die persischen Könige ihre Residenz nach den Jahreszeiten zu +Babylon, Ekbatana oder Susa aufschlugen. + +[Randnote: Arghun's Krankheit.] + +Arghun, der Alchymie und den geheimen Wissenschaften ergeben, hatte +indische Bachschi, d. i. Schreiber, gefragt, durch welche Mittel sie sich +ihr Leben so langwierig fristeten. Sie gaben ihm ein aus Schwefel und +Merkur zusammengesetztes Mittel als die Panacee der Lebensverlängerung an. +Arghun nahm dasselbe durch acht Monate, und als ihm hierauf die Bachschi +eine Quarantäne zu Tebris vorschrieben, schloss er sich dort ein, ohne +Jemanden Anderen, als Seaadeddewlet und seine Geschäftsführer _Ordu Kaja_ +und _Kadschan_ zu empfangen. Nach den vollendeten vierzig Tagen begab er +sich in's Winterquartier nach _Arran_, wo er krank ward, vom Arzt +Emineddewlet Arznei nahm; als diese nicht anschlug, gab ihm einer der +Bachschi eines Tages drei Becher Weins, worauf er einen Anfall von +Zipperlein hatte. Nach zweimonatlichen Leiden fiel es ihm ein, die Ursachen +der Krankheit, welche übernatürlicher Einwirkung Schuld gegeben ward, +untersuchen zu lassen. Die Einen sagten, sie rühre von bösen Wesen her und +könne nur durch Almosen geheilet werden; die _Kamen_, welche nach +mongolischer Art das Geheime und Verborgene aus Schulterbeinen der Schafe +erforschten, warfen den Verdacht von Zauberei auf. Die Prinzessin +_Tughandschak_, die Tochter der Frau Ilkotlogh, war die angeheirathete +Nichte _Dschuschkab's_, dessen Tochter Arghurak mit Schadi Gurgan +vermählt, mit diesem die Tochter _Tughandschak_ aus dessen Beischläferin +Ilkotlogh erheirathet hatte. Ilkotlogh war also aus dem Harem _Schadi +Gurgan's_ in das Arghun's übergegangen, und _Tughandschak_ erscheint hier +als Nebenbuhlerin ihrer Mutter um die Liebe des Schahs. Sie wurde mit +anderen Frauen ihres Gefolges vor Gericht geladen. Sie bekannte, dass sie, +um sich der Liebe des Chans zu versichern, Talismane geschrieben, und dass +sie, um sein Leben zu retten, gerne das ihrige opfern wolle. Sie wurde der +Zauberei schuldig erkannt und mit allen ihren Zofen ertränkt. Durch die +Krankheit des Chans war Seaadeddewlet auf's äusserste bestürzt, indem er +wohl einsah, dass sein Leben an das des Schahs geknüpft sei. Er nahm nun zu +guten Werken die Zuflucht; an Einem Tage erliess er siebzig Schreiben, +sogenannte Gerechtigkeitsbefehle, welche die Ausübung der Gerechtigkeit +einschärften und Almosen anordneten. Eine seiner grössten Wohlthaten waren +dreissigtausend Dukaten, womit er den Bewohnern Bagdads ein Geschenk +gemacht, und hunderttausend, die er den Armen und Frommen von Schiras +zugedacht. Es ergingen Befehle, wodurch verboten ward, den Verwandten der +Majestät, den Frauen, Söhnen, Töchtern, Schwägern, das Geringste zu nehmen; +hierdurch hoffte er, dieselben mit dem Fiskus und sich zu versöhnen; allein +die Emire[726], denen seine Herrschaft immer unerträglicher, verschworen +sich zur Abschüttelung dieses Joches, [RN: 4. Ssafer 690/5. Febr. 1291] und +sie traten zuerst als öffentliche Ankläger wider das Werkzeug der +Blutbefehle, den Sultan Aidadschi, auf, durch welchen vor zwei Jahren die +Prinzen Huladschu und Karabukai und eilf andere, in Allem dreizehn Prinzen +aus dem Geblüte Tschengischan's, hingerichtet worden waren, indem diese +Hinrichtung nun als die eigentliche Ursache der Krankheit Arghun's +angegeben ward. Ein Kame sagte aus, die mit ihren Vätern hingerichteten +unschuldigen Kinder, Söhne Huladschu's und Karabukai's, seien dem Arghun +erschienen und hätten ihm Vorwürfe über ihre unverschuldete Hinrichtung +gemacht; er habe ihnen geantwortet: Davon weiss ich nichts; nicht ich bin +euer Mörder, sondern Sultan Aidadschi. Dieser, hierüber zur Rede gestellt, +berief sich auf des Chans Befehl. Die Antwort kam: er wisse nicht darum. +Sultan Aidadschi entgegnete: wie könne der Chan diess gesagt haben, da ihm +die Krankheit seit langem die Sprache benommen. Die Richter urtheilten, +dass, wenn der Padischah nicht sprechen könne, die Ursache seiner Krankheit +keine andere als das durch Aidadschi gegebene Bluturtheil sei, und +verurtheilten ihn zum Tode. [RN: 1. Rebiulewwel 690/4. März 1291] Am selben +Tage (es war das Geburtsfest des Prinzen _Chatai Aghul_) wurde Dschudschi +auf Tughan's Befehl ergriffen und in der Nacht hingerichtet; am folgenden +Tage zog Taghadschar den Seaadeddewlet und seinen Helfer Ordu Kaja vor +Gericht, und Beide wurden getödtet[727]; ihre Häuser wurden vom Heere +geplündert. Sechs Tage hernach starb Arghun zu Baghdschei Arran [RN: 7. +Rebiulewwel 690/10. März 1291] und zwei Tage später wurde sein Leichnam +nach dem Berge Sedschas abgeführt, wo sein Grab noch nach dem alten +Gebrauche der Mongolen verborgen gehalten, bis es in der Folge von seiner +Tochter entdeckt, mit einem Dome überwölbet ward[728]. + +[Randnote: Arghun's Verhältniss mit Aegypten und den europäischen Fürsten.] + +Noch haben wir in der Regierungsgeschichte Arghun's die Darstellung seiner +Verhältnisse mit Aegypten und mit christlichen Fürsten nachzutragen. +Bereits unter der Regierung Ahmed Teguder's ist erwähnt worden, dass der +Gesandte desselben, Abderrahman, von Sultan Kilawun eingekerkert, im Kerker +gestorben sei. Nähere Umstände über diesen Botschafter finden sich bei den +ägyptischen Geschichtschreibern. Kilawun hatte auf seinem Wege von Kairo +nach Damaskus zu Ghasa den Tod Ahmed Teguder's und die Thronbesteigung +Arghun's erfahren. [RN: 12. Dschem. ewwel 683/27. Juli 1284] Einen Monat +hernach gewährte er der persischen Botschaft zu Damaskus Audienz. Sie +bestand aus dem Scheich Abderrahman, dem Emir Samdaghu und dem Wesir des +Fürsten von Mardin[729]; der Scheich war in den Habit der Derwische als +Fakir gekleidet; als er sich nicht freiwillig beugen wollte, wurde er +gewaltsam zur Erde niedergeworfen, und der Sultan würdigte ihn keines +Blickes; doch nahm er das Schreiben Ahmed's und liess die Botschafter mit +Kaftanen bekleiden. Das Schreiben Ahmed's begann mit der gewöhnlichen +Formel mongolischer Befehle: Unser Wort an den Sultan Aegyptens. Unter den +Geschenken zeichneten sich sechzig grosse Perlen, ein Topas im Gewichte von +zweihundert Miskalen und ein Rubinbalasse von zwei und zwanzig Drachmen +aus. Kilawun liess sie dreimal in seine Gegenwart kommen, und verständigte +sie das drittemal von Arghun's Thronbesteigung. Sie wurden alle ihres +Gepäckes beraubt und eingekerkert. Der Scheich starb noch vor Ende des +Jahres und seine Begleiter wurden dann in Freiheit gesetzt. [RN: 28. +Ramasan 683/8. Dec. 1284] Während dieser feierlichen, zur Schliessung +festen Friedens gesandten Botschaft hatte sich Sultan Kilawun zweier +beträchtlichen festen Plätze bemächtigt. Der eine, _Katibe_, in der +Landschaft Amid, in der Nähe von Kerker, welcher von den Truppen von Biret, +Aintab und Rawendan besetzt ward; der andere, _Kachta_, dessen +aufrührerische Besatzung ihren Befehlshaber tödtete und das Schloss +verrätherischer Weise an den Befehlshaber von Haleb übergab. Diesem +fertigte im selben Jahre Arghun den Befehl eines Streifzuges nach Cilicien +zu, um die Armenier dafür zu strafen, dass sie, als sie zwei Jahre früher +sich mit den mongolischen Truppen zu Haleb befanden, die grosse Moschee +eingeäschert. Sie drangen bis _Ajas_ vor, schlugen die armenischen Truppen +im Passe von Iskenderun, verfolgten sie bis Tell Hamdun und zogen sich dann +zurück[730]. Zwei Jahre später streiften tausend Mann der Besatzung von +Haleb nach Mardin und Sindschar und schlugen von Mossul die Besatzung, +welche einen Ausfall gemacht, mit dem Verluste von zweihundert Mann +zurück. Mit Papst Nikolaus IV. hatte Arghun wiederholten Verkehr von +Gesandten, deren einer, _Buscarell_, ein _Kuridschi_, d. i. von seiner +Leibwache, zugleich Ueberbringer von Schreiben an Eduard, König von +England, und Philipp den Schönen von Frankreich. Die Gesandten versprachen +Hilfe wider die Saracenen in Syrien und Bekehrung zum Christenthum. Die +Gesandten Arghun's versprachen: der Chan wolle sich nach Jerusalems +Eroberung in der heiligen Stadt taufen lassen; der Papst belehrte ihn in +seinem Schreiben über die Dogmen und Pflichten des Christenthums. Nikolaus +schrieb nicht nur an den Chan, sondern auch an dessen Frauen und an seinen +Sohn _Oldschaitu_, welchen die Mutter (_Urukchan_) getauft und Niklas +genannt hatte. Der Papst schrieb an die Prinzessin _Ilkotlogh_[731], die er +zur Verbreitung des Christenthums, nachdem sie beigetreten, aufmunterte; +die Frau Uruk[732], welche von jeher Christin, bat er, auch die Prinzen +_Ghasan_ und _Chatai Aghul_[733], welche von anderen Müttern, zur Annahme +des Christenthums zu bewegen. An König Eduard I. nahm der Gesandte +Buscarell ein Schreiben des Papstes mit, welcher ihn zu ehrenvollem +Empfange und geneigtem Gehöre empfahl; dem König Philipp schrieb Arghun im +fünfhundertsten Jahre vor der französischen Revolution, dass er im +folgenden mit seinen Truppen vor Damaskus zu lagern hoffe, ihm das eroberte +Jerusalem schenken werde. Der erste dieser Gesandten Arghun's an den Papst +war um ein Jahr früher angelangt; diess ist im selben, wo der Jude +Seaadeddewlet zur vollsten Macht gekommen. Diese Botschaften Arghun's sind +also wohl weniger dem Christenthume der Frauen und der Taufe der Prinzen +zuzuschreiben, als der Politik des Juden, welcher durch die Hilfe des +Papstes die Könige von Frankreich und England, die Aegypter von Syrien +abzuhalten hoffte. Sie umfassen die vier Jahre seiner Staatsverwaltung bis +zu seinem, Arghun's fast gleichzeitigem Tode; als aber Nikolaus IV. seine +Antwort auf das durch den Botschafter Tschagan an ihn und an Eduard, König +von England, gerichtete Schreiben datirte, waren Seaadeddewlet und Arghun +schon fünf Monate todt. + +[Randnote: Kendschatu's Thronbesteigung.] + +Von Arghun's Tod sandten die verschiedenen Parteien der Emire, welche über +die Nachfolge des Thrones getheilter Meinung, die Kunde an die drei +Prinzen, denen sie denselben zugedacht; nach Chorasan an _Ghasan_, den +ältesten Sohn Arghun's, nach Bagdad an _Baidu_, den Sohn Tarakai's, des +fünften Sohnes Hulagu's, und nach Rum an _Kendschatu_[734], den Bruder +Arghun's, welchem nach dem mongolischen Erbrechte die Nachfolge der +Herrschaft als dem Aeltesten des Hauses gebührt. Am ersten Tage waren die +Emire zwar über die Nachfolge Kendschatu's einig gewesen, aber schon am +anderen sandten Taghadschar und Semaghar dem Legsi, welcher mit der +Nachricht des Todes an Kendschatu abgefertigt worden, den Balisad mit der +Nachricht nach, dass die versammelten Emire und Frauen noch den _Baidu_ als +den Aeltesten der Familie zum Throne berufen hätten. Hierzu bestimmte die +beiden genannten Emire einerseits die Furcht vor Ghasan's bekannter Energie +und Herrscherkraft, bei welcher der ihrigen wenig Raum bliebe, andererseits +die Aussicht, dass, wenn Kendschatu Chan, er allen Einfluss der Herrschaft +seinen mit ihm in Rum befindlichen Emiren überlassen und sie mit ihrer +Partei leer ausgehen würden. Die Partei Baidu's bestand aus den Emiren: +_Taghadschar_, _Semaghar_, _Kundschukbal_, _Tokal_, _Schiktur_, _Tughan_, +_Timurbuka_, _Tekne_, _Ildschidai_, _Toghdai_ und _Doladai_; der letzte +wurde auf der Stelle mit einem Heere nach Fars abgeordnet, wo die Luren +eingefallen, Schiras erobert, den Vogt todtgeschlagen hatten. [RN: 8. +Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291] Baidu, klug und umsichtig und ohne Heer, um +dem an ihn gestellten Antrage anderer Emire Gewicht zu geben, anwortete: +Nach dem Gesetze Tschengischan's gebührt die Chanschaft den Söhnen des +Bruders, weil ihr Vater der Aeltere des meinen; welches Recht habe ich auf +den Thron, so lange jener und andere Prinzen leben, die mir dem Alter nach +vorgehen? Nach diesem Grundsatze hätte er den von sich gewiesenen Thron dem +Ghasan als dem Aelteren zuweisen sollen; aber es scheint, dass, weil +Kendschatu die grösste Partei für sich hatte, er es für klüger fand, sich +an diesen zu halten, indem er ihm die Nachricht von dem an ihn gelangten +Antrage mittheilte[735]. Baidu's Weigerung bestürzte die Emire, welche ihm +den Antrag gemacht, und an deren Spitze Tughan, der Hebel des Sturzes der +beiden Grosswesire der vorigen Regierung, des Turkmanen Buka und des Juden +Seaadeddewlet. Einige[736] gingen nach Rum, um sich an Kendschatu +anzuschliessen. _Kundschukbal_ entfloh, _Tokal_ verliess sich auf einen +Haufen Georgier, _Tughan_ brütete Aufruhr in Irak, der Prinz _Suka_ (der +jüngste Sohn Jaschmut's, des dritten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren +_Tschoban_, dem Suldusen, und _Kurmischi_, der Sohn Alinak's, führten auf +Tokai's Rath das Lager der Frauen nach dem Gebirge von Alatagh dem +Kendschatu entgegen. Die Frau _Uruk_, die Wittwe Arghun's, die Mutter +zweier seiner Söhne und dreier seiner Töchter, war mit ihnen verstanden. +Die Emire[737] welche dem Baidu zu _Kökbuldagh_[738], d. i. am blauen +Quelle, in der Nähe von Sughurluk, aufgewartet, verliessen ihn. _Ildschitai +Kuschdschi_, _Kundschukbal_, _Timurbuka_, _Tschoban_ gingen zu Kendschatu +über. Als er in die Nähe von Alatagh kam, gingen ihm _Chatai Aghul_, der +jüngste Sohn Arghun's, und andere Prinzen entgegen. _Taghadschar_, das +Haupt der Partei _Baidu's_, wurde sogleich in Empfang genommen; _Tughan_, +welcher nach Gilan entflohen, wurde eingebracht; doch wurde ihm, weil er +ein Schützling Baidu's, vor der Hand nichts zu Leide gethan. Kendschatu +bestieg in der Stadt Achlath den Thron. [RN: 4. Redscheb 690/23. Juli] + +[Randnote: Gericht über die Emire; Kendschatu's Krankheit und Familie.] + +Die erste Staatshandlung Kendschatu's war Bestrafung der beiden Häupter der +Gegenpartei, der Emire Taghadschar und Kundschukbal, indem er jedem nach +der Jasa drei Stockstreiche geben liess und den Befehl ihrer Tomane anderen +übertrug[739], und den Tughan mit den Söhnen der von ihm unmittelbar vor +dem Tode Arghuns hingerichteten Emire, Dschudschi und Ordu Kaja, welche +Blutrache forderten, vor Gericht stellte. Als die Emire, des Todschlags +ihrer Mitgenossen angeklagt, zur Rede gestellt wurden, bekannten sich +_Schiktur_, _Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Semaghar_, _Tekne_ und Andere +schuldig und flehten die Gnade des Padischah an, der dieselben auch +begnadigte, Andere gelinde (mit drei Stockstreichen) bestrafte; nur wider +Tughan, welchem sowohl der Emir Akbuka, der Betraute Kendschatu's, als die +Frau _Urukchan_ feind waren, wurden die Söhne _Dschuschi's_ und _Ordu +Kaja's_ mit der Klage der Blutrache losgelassen; dennoch wollte ihm +Kendschatu das Leben schenken; auf die Vorstellung der Frau Uruk aber, dass +Tughan der Urheber alles Unheils, sagte Kendschatu: dass er in diesem Falle +wohl den Tod verdiene; kaum war dieses Wort seinen Lippen entfahren, als +Akbuka den Söhnen _Dchuschi's_ und _Ordu Kaja's_ die Blutrache der Väter +überliess. [RN: 6. Schewwal 690/5. Oct. 1291] Taghadschar und Kundschukbal +wurden begnadigt, Schiktur wurde zum Stellvertreter in Persien ernannt. +Kendschatu bezog das Winterquartier in Arran und lagerte zu Karadschal am +Ufer des _Kor_, seinem ehemaligen Horte. Von hieraus wurden die +Kundmachungsbefehle der Thronbesteigung in die Länder gesandt; auf ein +Gutachten der Astronomen wurde in den Diplomen und auf den Münzen dem Namen +Kendschatu's die geheimnissvolle, ihm von dem _Kamen_ ertheilte Formel, +_Irindschin Durdschi_[740] beigesetzt. _Senbu_, der Bruder _Suka's_, der +zweite Sohn Jaschmut's, starb zu Dschaghatu[741]; der Prinz _Enbardschi_, +der älteste Sohn Mengu Timur's (des eilften Sohnes Hulagu's), wurde in die +östlichen Länder gesandt. Auch dieser hegte herrschsüchtige Gedanken, +welche während der Abwesenheit Kendschatu's in Rum, wohin er sogleich nach +der Thronbesteigung zurückgekehrt war, in seinem Hause durch Taghadschar +genährt worden. Der Geschäftsmann Stellvertreter des letzten Ssadreddin von +Sindschar, ein grosses Verwaltungstalent, hatte seinem Bruder Kutbeddin, +welcher sich im Lager Enbardschi's befand, die ihm von Taghadschar gegebene +falsche Kunde gesandt, dass Kendschatu's Heer in Rum von den Turkmanen und +Karamanen aufgerieben sei und dass er sich beeilen möge, Besitz vom Throne +zu nehmen. Kutbeddin gab diese Nachricht dem Scheich Dschemal von Schiras, +welcher des Vertrauens Enbardschi's genoss. Dieser, klug und umsichtig, +sandte den Scheich auf Kundschaft an Schiktur Nujan; auf dem Wege begegnete +er dem Taghadschar und Ssadreddin, welche ihn bewegen wollten, auf der +Stelle umzukehren und den Enbardschi zu schnellem Anmarsche zu bewegen. Der +Scheich stellte sich willfährig, sagte aber, dass er nur, da er schon in +der Nähe, sein Haus besuchen wolle; statt dieses Besuches begab er sich +geradewegs nach Karadschal in's Lager Schiktur's, wo er sich von der +Unwahrheit der Angaben Ssadreddin's überzeugte. Er entledigte sich also +freundlicher Botschaft im Namen Enbardschi's und theilte dann dem +_Schiktur_ insgeheim den Auftrag Taghadschar's und Ssadreddin's mit. +_Schiktur_ sandte ihn mit freundlichem Schreiben und Geschenken an +_Enbardschi_ zurück; aber am nächsten Morgen überfiel er die Zelte +_Taghadschar's_ und behielt ihn und _Ssadreddin_ bis zur Rückkehr +Kendschatu's bei sich; als die Nachricht von dessen Ankunft verlautete, +sandte er sie in einem Geleite von fünfhundert Reitern demselben bis +_Ersenrum_ entgegen. [RN: 12. Redscheb 691/30. Juni 1292] Als Kendschatu zu +_Alatagh_ ankam, befiel ihn Krankheit, die längere Zeit dauerte; während +derselben wurden von allen Gemeinden der verschiedenen Religionen Gebete +angestellt; die Imame, Bischöfe, Rabbiner und Budhapriester beteten für die +Dauer seines Lebens[742]; keiner Religion besonders zugethan, war er für +alle gleichgültig[743], nur sinnlichen Genüssen ergeben. Seine sechs Frauen +waren: 1. _Aische_, die Tochter Tughu's, des Sohnes Ilkai Nujan's; 2. +_Dundi_, die Tochter Akbuka's, des Sohnes Ilkai's, die Base der vorigen; 3. +_Iltürmisch_, die Tochter Kotlogh Timur Gurgan's, des Konghuraten; 4. +_Padischah Chatun_, die Tochter Kutbeddin's, des Sultan's von Kerman; aus +dem Hareme seines Vorfahrers die Frauen: 5. _Bulughan_ und 6. _Uruk_. +Ausser diesen hatte er die Söhne _Alafreng_ und _Iranschah_ aus der Frau +_Dundi_ und _Dschinkpulad_ aus der Frau _Bulughan_, drei Töchter aus der +Frau _Aische_ und eine vierte aus der Beischläferin _Abisch_, der Tochter +des _Biklimisch_, des Bruders _Audschan's_, des Erlaten. + +[Randnote: Ssadreddin von Sendschan Wesir; Einfall der Luren in Irak und +Fars.] + +Ssadreddin von Sendschan, der fündige Finanzmann, dessen oben erwähnet +worden, bemühte sich um die Wesirsstelle durch _Buraldschin Ikadschi_, den +Günstling Kendschatu's, und _Scherefeddin Semnani_, welcher beim Emir +Akbuka in grösstem Ansehen und Einfluss. Durch diese beiden Kanäle gelang +es ihm, mit der Würde des Emirs die des Wesirs zu vereinigen. Er erhielt +dazu das goldene Ehrenzeichen des Löwenkopfes mit Rossschweif und Pelz und +einen Toman von Truppen. [RN: 6. Silhidsche 691/19. Nov. 1292] Sein +Anstellungsdiplom verbot den Prinzen und Prinzessinnen, sich im Geringsten +in die Geschäfte der Verwaltung und der Finanzen zu mischen; sein Vorname +_Ssadreddin_, d. i. Vorsitz der Religion, wurde in den von _Ssadri +dschihan_, d. i. Vorsitz der Welt, umgeändert; zugleich erhielt sein Bruder +_Kutbeddin_, d. i. Pol der Religion, das Amt des Richters der Richter mit +der Veränderung seines Namens in _Kutbi dschihan_, d. i. Pol der Welt; ihr +Oheim _Kawameddin_, d. i. die Feste der Religion, erhielt die +Befehlshaberschaft von Tebris mit dem Ehrennamen von _Kawamolmülk_, d. i. +Feste des Reichs. Zum zweitenmale sah Persien die Verwaltung der Geschäfte +den Gliedern einer einzigen einflussreichen Familie übertragen, wie unter +Hulagu den beiden Brüdern _Dschuweini_ und dem Sohne des Wesirs +Schemseddin, Behaeddin, als Befehlshaber von _Schiras_. Die Sorge für die +Herschaffung der Lebensmittel, das Oberverpflegungsamt des Heeres, wurde +dem _Fachreddin Aidadschi_ bestätigt[744]; dieser aber bat um +Entschuldigung, indem er vorstellte, dass er bereits dreissig Jahre lang +mit diesem Amte betraut, durch die Anforderungen von Zuschüssen der Prinzen +und Prinzessinnen sich in Schulden gestürzt. Kendschatu wies dreissig +Tomane zur Zahlung der Schulden an und empfahl ihm fürderhin die grösste +Freigebigkeit und Gerechtigkeit; denn er wollte, dass seine Regierung der +Ogotai's gleiche, mit welchem er die Tugenden der Grossmuth und Milde, aber +auch den Hang zum Wohlleben gemein hatte. Das grösste Lob seiner Regierung +ist, dass während derselben, einige Hinrichtungen in Luristan +ausgenommen[745], Niemand getödtet ward; den grössten Beweis seiner Milde +gibt die Nachsicht, die er den rebellischen Fürsten von Lur und Jesd +angedeihen liess. _Efrasiab_ von Lur, der Sohn des unter der Regierung +Abaka's und nachmalig erwähnten Atabegen Jusufschah, hatte unter der +Regierung Arghun's, trotz der Gegenvorstellungen der Befehlshaber von +Schiras, den Distrikt des Gebirges Kiluje, welches die Gränzscheide +zwischen Fars und Lur, überfallen lassen. Er bemächtigte sich des festen +Schlosses Mandschescht und setzte seinen Neffen Kisil über den neu +erworbenen Gebirgsdistrikt. Kisil's eilf Brüder standen an der Spitze eben +so vieler Heeresabtheilungen; es entstand zwischen dem Oheime und Neffen +Streit über die Verwaltung des Berggebietes; Kisil, einigemal geschlagen, +floh nach Schiras, kehrte dann aber wieder zurück, und schloss seinen +Frieden mit dem Oheim; um denselben zu befestigen, verstand sich Efrasiab +zur Hinrichtung seines Wesirs Dschelaleddin, und Entrichtung von Geldern. +Als unmittelbar vor dem Tode Arghun's das Reich durch die Uneinigkeit der +Emire und Arghun's schlaghaften Zustand in der grössten Verwirrung, +benützte Kisil dieselbe zu einem Einfalle in Irak; er liess zu Issfahan die +Verwandten des Emirs Dschelaleddin hinrichten, und der mongolische Vogt +Baidu, der Schwager Taghadschar's ward durch die lurischen Reiter vor der +Stadt getödtet. [RN: 8. Dschem. ewwel 690/9. Mai 1291] Kisil sandte seinen +Bruder Salghurschah in dieselbe, und das Heer der Luren nahm unter dem +Geschrei: Gott ist gross! davon Besitz. Salghurschah setzte sich in dem +Hause Chodscha Behaeddin's auf den Thron, und die Münze von Schiras prägte +auf den Namen Efrasiab's von _Lur_[746]; dann dehnte er seine Herrschaft +von den Gränzen Hamadan's bis an's Meer von Fars aus, überall lurische +Vögte ernennend. Dschelaleddin, den Sohn des Atabegen _Tekele_, und Melik +Nussret sandte er mit zweitausend Pferden[747] wider den Toman Arghasun's; +auf dem Marsche erhob sich zwischen Beiden Streit über den Vorrang des +Marsches und sie zogen jeder auf seine Faust. Anfangs schlugen sie zwar die +Mongolen und machten grosse Beute, aber diese kehrten zurück, und rächten +die verlorene Beute durch die Niederlage der Luren; in diesem Treffen +tödtete ein mongolisches Weib allein zehn Luren[748]. Endlich wurde Toladai +wider die Luren, und Jisudar wider Jusufschah, den Atabeg von Jesd, +gesandt, welche zu gleicher Zeit sich empört hatten. Toladai schlug die +Luren und Efrasiab erhielt durch den Kanal der Frau Utruk und Padisch +Chatun seine Verzeihung; nur Kisil und seine Angehörigen wurden +hingerichtet. + +[Randnote: Eroberung von Kalaaterrum; Bothschaft Tuktai's; Papiergeld.] + +Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak und Fars traf die +Nachricht ein, dass Melik Eschref, der Sultan Aegyptens, Kalaaterrum am +Uebergange des Euphrats belagere. [RN: 8. Dschem. sani 691/27. Mai 1292] +Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und dreissig Tage Steine und +Naftafeuer hinein; endlich ward die Stadt durch Sturm erobert, die +Besatzung, welche aus Mongolen und Armeniern bestand, niedergehauen, +zwölfhundert Einwohner mit Weibern und Kindern in die Sklaverei +geschleppt[749]. [RN: 1. Redscheb 691/26. Juni] Kalaaterrum, das Schloss +der Römer, von diesen und den Griechen Zeugma, d. i. die Ueberfuhrt, +genannt, das ober Bire, dem alten Birthe, am Flusse Merseban[750] liegt, +war seit vier und zwanzig Jahren der Sitz des armenischen Patriarchen, +dessen Pallast und Kirche bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan +Eschref, welcher das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien von den +Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den Namen des Römer- oder +Griechenschlosses in den des Schlosses der Moslimin; aber der alte lebte +dennoch fort, und hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kendschatu +vermählte sich jetzt mit der Frau Bulughan, der geliebten Gemahlin seines +Vorfahrers und seines Bruders Arghun. _Tekia_ oder _Tetkaul_ starb in dem +Pallaste Manssurije zu Arran und wurde nach Meragha bestattet. [RN: 3. +Dsch. ewwel 692/11. April 1293] Von Meragha begab sich der Hof nach +Siahkuh, wo ein Gesandter Kuwindschi's, des Sohnes Sertaktai's, des +Zweitgebornen Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit +Versicherungen von Freiheit und Eintracht, [RN: 7. Schaaban 692/13. Juli +1293] und zwei Tage darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes +Kaidu's, des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben, auch Gesandte +von Emir Newrus, welcher in Chorasan die Regierung an sich gerissen. +Zugleich mit diesen Gesandten der Uluse Dschudschi's und Ogotai's trafen +die Gemahlinnen Kendschatu's, Aische aus Kleinasien und Baitmisch aus +Diarbekr ein. [RN: 17. Schaaban 692/23. Juli 1293] Kerrai Aghul, der Sohn +Mengku Timur's (des ältesten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren Doladai und +Kundschukbal, welche nach Chorasan gesendet worden, kehrten zurück. [RN: +12. Ramasan 692/16. Aug. 1293] Das Hoflager zog nach Audschan, von da nach +Heschtrud, Meragha und Arran, wo überwintert ward. In diesem Winterquartier +wurde die Geburt des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu +Bire gefeiert. [RN: 5. Rebiulewwel 693/24. Jan. 1294] Drei Tage hernach +traf die Botschaft Tuktai's, des Herrschers von Kipdschak, ein, deren +Vorsteher der Prinz _Kalintai_. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör +gewährt. Nach drei Wochen wurden dieselben mit Ehrenbezeugungen entlassen, +[RN: 8. Rebiulachir/8. März 1294] nachdem sie noch Tags vorher der +Grundsteinlegung der neuen Stadt am Ufer des Kor beigewohnt, welche den +Namen _Kotlogh Baligh_, d. i. der guten Balley, erhielt. [RN: 2. Dschem. +ewwel 693/31. Mai 1294] Kerrai Aghul, welcher vor noch eilf Monaten aus +Chorasan zurückgekehrt war, ging mit Tod ab, [RN: 7. Redscheb 693/3. Juni +1294] und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im Hoflager zu Alatak, um +seine Huldigung darzubringen; [RN: 16. Redscheb 693/12. Juni 1294] er ward +ungnädig empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner Rückkehr nur auf die +Fürbitte des Günstlings Burakin Ikadschi, dessen Einfluss, wie oben erzählt +worden, dem Ssadreddin von Sendschan die Wesirsstelle verschafft hatte. +Dieser wollte seiner Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch eine neue, in +China längst übliche, aber in Persien unerhörte Massregel, nämlich durch +die Einführung des Papiergeldes, das auf mongolisch _Tschaw_ heisst. +Vergebens stellte _Schiktur Nujan_ vor, dass diese Massregel der Ruin des +Landes; er wurde aus dem Wege geräumt. Der Emir Akbuka, Taghadschar, der +Wesir Ssadreddin und der Hofdiener Temachi verfügten sich nach Tebris, um +dort das Papiergeld einzuführen; [RN: 19. Schaaban 693/15. Juli 1294] sie +kamen dort im Fastenmonde an, und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer +Ankunft vermöge einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen Zahlungen an +Geldes statt anzunehmen befahl und auf die Nichtannahme die Todesstrafe +setzte. [RN: 10. Ramasan 693/12. Sept. 1294] Dieser den Bewohnern von +Tebris unvergessliche unheilsame Tag war der zwölfte September[751]. Eine +Woche lang ward dasselbe durch die Gewalt des Schwertes den Einwohnern +aufgezwungen; bald aber stieg die Verwirrung auf's höchste, indem aller +Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen desselben ward als _gebenedeites +Papiergeld_[752] zum Spotte. Das Gepräge dieses Papiergeldes war das +mohammedanische Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen Formel: +_Irdschin Turdschin_, und die Jahreszahl der Entstehung 693 (1294)[753]. +_Iseddin Mosaffer_, welcher dem Wesir diesen Auftrag gegeben, war der +Gegenstand der allgemeinen Verwünschung. Wiederholte Aufstände und +Versuche, dem Wesir das Leben zu nehmen, erzwangen vom Bruder endlich die +Erlaubniss, das Vorhandene um baares Geld verkaufen zu dürfen. Darüber +entstand allgemeiner Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach +ein Paar Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte dasselbe nie +angenommen und sich damit entschuldigt, dass die Luft, welche in Chorasan +so scharf, dass Waffen binnen Jahresfrist rosteten, das Papier bald +zerfressen haben würde, und liess das ihm zugeschickte verbrennen; wir +setzen die Schilderung der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen +Worten hieher. + +[Randnote: Verrath der Emire; Kendschatu's Ende; Baidu's Thronbesteigung.] + +Die Unzufriedenheit der Völker Persiens mit dem in Weichlichkeit und +Wollust versunkenen Leben Kendschatu's ermuthigte den Prinzen Baidu, +welchem vor ihm von den Emiren der Thron angetragen worden war, zum +Versuche, denselben wirklich zu behaupten. Nachdem er bei seiner letzten +Aufwartung von Kendschatu übel aufgenommen, nur durch die Fürbitte des +Günstlings _Burekdschin Ikadschi_ vorgekommen, beklagte er sich über solche +Behandlung bei den Emiren, und als von diesen _Tudadschu_, der Oberrichter +_Dschidschek Gurgan Legsi_, der Sohn Arghun's (des Statthalters) und +_Iltimur_, der Sohn Hindukur Nujan's, nach Bagdad gekommen, verband er sich +mit ihnen zum Aufstande wider Kendschatu. Dschemaleddin von Destadscherd, +der Vorsteher der Sekretäre der Steuer zu Bagdad, schloss sich an dieselben +an, und schaffte ihnen die für den Unterhalt des Heeres nothwendigen +Lebensmittel. Baidu schickte Abgeordnete nach Bagdad, um den Mohammed +Sikurdschi, welcher dort mit dem Diplome Kendschatu's die Vogtei +verwaltete, zu tödten[754]. _Ghurantai Gurgan_, der Eidam Kendschatu's, +Gemahl von dessen ältester Tochter Kotlogh, gab durch Eilboten dem +Schwiegervater von der Verschwörung der Emire, und von dem, was zu Bagdad +vorgefallen, Nachricht, und warnte ihn wider seine nächsten Umgebungen, die +Emire _Doladai Ordadschi_, d. i. Kellermeister, _Kundschukbal_ (welchem +Oldschatai, die erstgeborene Tochter Arghun's, sowie seinem Bruder Ahmed +früher _Taghai_, die zweite Tochter Abaka's, als Frau bestimmt gewesen), +_Tukal_ (der Gemahl Oldschai Timur's, der zweiten Tochter Arghun's), +_Ildschidai_ und _Bukdai_, als dieses Anschlages theilhaftig. Kendschatu +berieth sich mit Akbuka, in dessen Händen noch immer die Zügel der obersten +Leitung der Geschäfte, liess die genannten Emire ergreifen und schickte sie +gebunden nach Tebris[755]. _Hasan_ und _Taidschu_, die beiden mit der +Leitung der Geschäfte Betrauten Kendschatu's stellten die Nothwendigkeit +vor, durch die Hinrichtung der Emire das Uebel mit der Wurzel auszurotten; +aber _Taghadschar_, der schon verderbliche Plane hegte, verhinderte die +Hinrichtung und schickte sie als Gefangene nach Tebris in Verhaft, den +_Tukal_ ausgenommen, welcher nach Georgien geschickt ward. Von Arran aus +gingen Gesandte an Baibuka, den Botschafter, nach Diarbekr, dass er dort +den Baidu ergreife. Als die Gesandten nach _Irbil_ gekommen, vernahmen sie, +dass Baibuka von Baidu's Abgesandten aufgehoben worden sei; sie kehrten +also schnell zurück, um diesen Unfall dem Herrn zu berichten. [RN: 28. +Rebiulachir 694/17. März 1295] Hierauf wurden die Emire Akbuka und +Taghadschar mit Truppen wider Baidu gesandt. _Taitak_ führte den Vortrab +von fünftausend Reitern nach Hamadan, ihm folgten Akbuka und Taghadschar +mit zwei Tomanen. Ausser Hamadan trafen die Vorposten Taghadschar's und +Baidu's aufeinander; die Baidu's wurden zurückgeschlagen. [RN: 3. +Dschemasiulewwel 694/21. März 1295] Der Chan selbst brach mit einem Heere +vom Thale Aher auf. Taghadschar, welcher, da Akbuka das höchste Vertrauen +genoss, von Kendschatu sich abgewandt, sandte heimlicher Weise +verrätherische Botschaft an Baidu, ihn zum Aufruhre ermunternd. Als das +Heer am Ufer des Dschaghan stand, sagte Akbuka, wiewohl er von der +heimlichen Sendung Taghadschar's keine Kunde hatte, zu diesem: Du bist ein +Ränkeschmied, und gewahrest nicht, in welche Dinge du dich einlässest. +Taghadschar, der sich verrathen glaubte, berieth sich in der Nacht mit +seinen Emiren und ging zu Baidu über. Akbuka, als er sich auf diese Weise +verlassen sah, eilte mit dreihundert Reitern zum Dienste des Schah. +Kendschatu, bestürzt, wollte nach Rum entfliehen, aber seine Angehörigen +redeten ihm diesen Plan aus, ihn zur Bekämpfung des Feindes ermuthigend. +Das Lager brach gegen Arran auf; als er zu Pilsuwar stand, entfloh Hasan, +der Sohn Buku's, welcher von der Wiege auf von den Umgebungen der Majestät, +um Mitternacht zu Baidu, und die Emire Doladai und Kundschukbal, welche +bisher zu Tebris in Verhaft gehalten worden waren, thaten desgleichen. Die +Emire Irindschin und Taidschik verbanden sich mit einigen anderen, und +setzten ebenfalls den Kifdschak, den Sohn Baidu's welcher vom Vater an +Kendschatu gesandt, von diesem in Gewahrsam behalten worden war, in +Freiheit und führten denselben dem Vater zu[756]. + +[Randnote: Hinrichtung der Emire; Austheilung der Statthalterschaften.] + +Drei Tage nach dem ersten Vorpostengefechte ausser Hamadan schlugen sich +dort _Taitak_ und _Toghruldsche_ mit _Baschmak Aghul_ und _Karadscha_, +dieser einer der Prinzen des Lagers der Frau Uruk Chan und Eidam Sultan +Ahmed Tekuder's, indem er dessen Tochter Sailun zur Frau hatte. [RN: 6. +Dschem. ewwel 694/24. März 1295] Der Sieg war auf der Seite Taitaks; jetzt +aber war Tukal mit einem in Georgien gesammelten Heere in Anzug; er sandte +den aus der Haft befreiten, und den noch darin gehaltenen Emiren Wort, dass +er zum Dienste des Prinzen Baidu heranziehe, und gab ihnen Stelldichein an +den Ufern des Kur. Eine Truppe von tausend Mann, welche zu Pilsuwar stand +und den Aufenthalt Kendschatu's kannte, ergriff denselben und lieferte ihn +den empörten Emiren aus, die ihn am selben Tage tödteten, wo Taitak das +Heer Baidu's geschlagen. [RN: 6. Dschem. ewwel 694/24. März 1295] Von den +Günstlingen Kendschatu's wurden _Itogthu_ und _Itpuki_ mit ihm zugleich +hingerichtet[757]. _Itkuli_, der Hundssklave, wurde an Baidu gesandt, damit +er über denselben nach seinem Belieben verfüge; dieser schenkte ihm aber +das Leben. Zwei Tage nach der Hinrichtung der Emire bestieg Baidu den Thron +zu Audschan[758]. [RN: 8. Dschem. ewwel 694/26. März 1295] Die Emire +Temadschi und Sertak wurden ihrem Gebieter in's Grab nachgesandt[759]; die +Emire Akbuka und Taidschu wurden aber nicht jetzt, sondern erst in der +Folge, als Baidu von Ghasan am Flusse _Heschtrud_ geschlagen ward, +hingerichtet. Kendschatu war der zweite Herrscher der Mongolen in Iran, +welcher, wie sein Oheim Ahmed Tekuder, ein Opfer des Aufruhrs der Emire +gefallen war, und das Regierungsende Arghun's, seines Bruders, war nicht +weniger blutbefleckt durch der Emire Zwiespalt. Alle drei haben der +nöthigen Herrscherkraft, um das vielköpfige Ungethüm der Emirenherrschaft +im Zaum zu halten, ermangelt, und nach Hulagu und Abaka war erst Ghasan, +der Enkel des letzten, wieder Herrscher im vollsten Sinne des Wortes. Von +dem Zusammenflusse des Kur (Cyrus) und des _Dschaghantu_, d. i. des +weisschäumenden Araxes, wurden Eilboten abgesandt an Ghasan, den Neffen +Kendschatu's in Chorasan, um ihm von dem Vorgefallenen Nachricht zu geben, +an Baidu, um ihn auf den Thron zu berufen. Baidu, der nähere, welchem der +Thron schon vor Kendschatu von den Emiren zugedacht worden, bestieg +denselben [RN: 19. Dschem. ewwel 694/6. April 1295] und erliess in alle +Länder Kündigungschreiben des Inhaltes: »Da Kendschatu sich von den +Pflichten der Herrschaft abgewandt und die Gebote Tschengischan's verbannt, +so haben Wir ihn mit Uebereinstimmung der Prinzen und Prinzessinnen +entthront; die Besorgung aller Geschäfte der Länder und die Vollendung der +wichtigsten Geschäfte der Unterthanen liegt nun im Ringe des königlichen +Willens.« Dem Taghadschar, welcher der Hebel der Erhebung auf den Thron, +wurde die Würde des Fürsten der Fürsten mit dem Oberbefehle des Heeres und +der Finanzen verliehen[760]. Die Emire _Kundschukbal_, _Tukal_, +_Tudadschu_, _Legsi Gurgan_ wurden ihm untergeben. Dschemaleddin von +Destadscherd, der Steuereinnehmer von Bagdad, welcher sich dort den +verschworenen Prinzen zuerst angeschlossen, erhielt eine Anstellung in den +Finanzen, und nahm seinen Vornamen für eine gute Vorbedeutung. In die +Fusstapfen Abakachan's tretend, welcher alle Landschaften einzelnen Emiren +übergeben, und diese dafür verantwortlich gemacht hatte, übertrug er Bagdad +und die Umgegend dem _Tudadschu_; Rum und Diarbekr mit den dazu gehörigen +Distrikten dem _Taghadschar Nujan_; die Gebiete von _Irak_ und _Lur_ dem +_Toladai Aidadschi_; die Statthalterschaft von Schiras und Schebankjare +verlieh er dem _Kundschukbal_; dem _Dschemaleddin_ wurden die +Statthalterschaften von Schiras mit allem Zubehör zu Land und zur See, wie +zur Zeit Kendschatu's, mittels Jerlighs, Paise und Kaftans, d. i. mittels +Patentes, Löwenkopfs und Ehrenkleides, so auch der Prinzessin _Kurdudschin_ +die Statthalterschaft von Kerman bestätigt, von welcher unter der folgenden +Regierung ausführlicher zu sprechen, der Ort seyn wird; die nur acht Monate +dauernde Baidu's ist so enge mit den gleichzeitigen Thronansprüchen seines +Nachfolgers Ghasan verflochten und ist, die entscheidenden Begebenheiten in +Chorasan abgerechnet, so unbedeutend, dass dieselbe am besten mit der +Erzählung der Geschichte Ghasan's vor seiner Thronbesteigung im folgenden +Buche verwebt wird. + + + + +I. Beilage. + +Auszug aus der Geschichte Haider's über Dschudschi. + +Auszug aus der Geschichte Haider's auf der kön. Bibliothek zu Berlin. Band +II. Blatt 601. + + +Kurz _Dschudschi_ starb ein Jahr nach Tschengis Chan, aber die +Geschichtschreiber sind über die Zustände Dschudschi's nicht einig. Einige +sagen, dass Dschudschi Chan, nachdem er sich nach der Eroberung Chuaresm's +von den Brüdern getrennt, nach _Kipdschak_ gegangen, von dort aber wieder +zurückgekehrt, an der Gränze Indiens mit des Vaters Gegenwart geadelt ward, +und demselben tausend Schimmel zum Geschenke schickte; aber _Hafis Ebru_ +setzt das Gegentheil auseinander, nämlich, dass nach der bei der Belagerung +Chuaresm's zwischen _Dschudschi_, _Ogotai_ und _Dschaghatai_ vorgefallenen +Misshelligkeit Dschaghatai und Ogotai sich zum Vater begaben und an der +Gränze Thalkan's und Bedachschan's mit des Vaters Gegenwart geadelt +worden, und dass sich Dschudschi von Chuaresm gegen den _Irtisch_, wo sich +dessen schweres Gepäck befand, begab, und sich mit seinen Lagern vereinte. +Da Tschengis Chan früher befohlen hatte, dass Dschudschi die nördlichen +Länder, nämlich die der Bulgaren, Baschkiren, Russen, Tscherkessen und +Deschtkipdschak erobern solle, und Dschudschi sich jetzt gegen den Irtisch +gewendet hatte, so glaubten die Söhne Tschengis Chan's, dass Dschudschi +vermöge Befehls diesem Dienste obliege; als es aber zuletzt erhellte, dass +er Nichts unternahm, und nach Hause gegangen war, um des Wohllebens zu +geniessen, ergrimmte Tschengis Chan gar sehr und befahl, an demselben, ohne +dass er sein Antlitz sehe, die Strafe des Gesetzes zu vollziehen. +Unterdessen war Dschudschi mit Krankheit behaftet und war desshalb, als +Tschengis Chan aus Persien zurückgekehrt, in sein eigenes Lager gekommen; +er war nicht im Stande, sich selbst zum Vater zu begeben, und schickte ihm +blos einige Säcke von Turteltauben[761], indem er sich mit seiner Krankheit +entschuldigte. Hierauf kam ein Tangute von den Jurten und Gränzen +Dschudschi's zu Tschengis Chan; auf dem Wege sah er, dass dieser seine +Jurten verändert, an einen anderen Ort hingezogen, wo gejagt ward; da er +selber krank, hatte er seine Emire auf die Jagd geschickt; jener, der im +Vorüberziehen eine Menge Volks jagen gesehen, schloss daraus, dass +Dschudschi selber jage, und sagte daher, als Tschengis Chan um die +Krankheit denselben fragte: Ich weiss von seiner Krankheit Nichts, denn als +ich herzog, habe ich ihn an dem und dem Berge mit der Jagd beschäftigt +gefunden; dieses Wort brachte Tschengis Chan in den grössten Zorn; denn es +war in seinem Sinne nun ausgemacht, dass Dschudschi, ein Empörer, auf das +Wort des Vaters nicht achte; er sagte, Dschudschi ist närrisch geworden und +hat thörichte Handlungen begangen; nun ist es nothwendig, Truppen wider +ihn zu schicken, an deren Spitze Dschaghatai und Ogotai ziehen und ihm +nachsetzen sollen. Unterdessen lief die Nachricht von Dschudschi's Tod ein, +wodurch Tschengis Chan sehr betrübt ward; er zog genauere Erkundigung ein, +und als er fand, dass der Bericht jenes Tanguten Lüge und Verläumdung +gewesen, gab er den Befehl, ihn hinzurichten; allein dieser, hiervon +verständigt, war früher aus dem Lager entflohen. Die Zeit der Lebensjahre +Dschudschi's war dreissig Jahre; er hatte fünfzehn Söhne, von denen _Batu_ +ihm in der Chanschaft nachfolgte; die Namen der Söhne Dschudschi's sind die +folgenden: 1) _Orda_, 2) _Batu_, 3) _Berke_, 4) _Berketschiter_, 5) +_Jetukami?_, 6) _Scheiban_, 7) _Tangkut_, 8) _Juden_ (Tuden?), 9) +_Tschilaun_, 10) _Sikur_, 11) _Dschemi_, 12) _Udur_, 13) _Boka Timur_, 14) +_Schikum_. + +Hier sind nur vierzehn statt fünfzehn aufgeführt; es fehlt nämlich der von +Reschideddin vor _Udur_ aufgeführte _Mohammed_; dafür fehlt bei +Reschideddin _Jetukami_, welcher interpolirt scheint. Weiter ist über diese +Namen zu bemerken, dass der dritte bei D'Ohsson S. 325 Berkatschar, in der +Handschrift Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek _Berktschapar_, was +jedoch ob Mangel der Punkte zweifelhaft und in meiner Handschrift des +Dschihanguscha bei der Thronbesteigung Ogotai's _Berketschiter_ genennet +wird. Das letzte scheint das richtigste und eine Zusammenziehung von _Berke +kitschikter_, d. i. der kleinere Berke, zu sein; der vierte, hier _Juden_ +oder vielmehr _Tuden_ genannt, heisst bei Reschideddin _Tewal_; der +folgende bei demselben richtiger _Tschilaikun_ statt _Tschilaun_, was +daraus zusammengezogen. Der hier _Dschemi_ genannte heisst bei Reschideddin +_Dschintimai_ und ist aller Wahrscheinlichkeit derselbe mit Suntai, welchen +Wassaf in dem Abschnitte: von dem Ende Tschengis Chan's und der +Thronbesteigung seines Nachfolgers, mit dem Bruder _Batu_ nennt, und +welcher auch im Dschihanguscha als der Befehlshaber des zur Eroberung des +Restes von Kipdschak gesandten Heeres erscheint; endlich ist vom +vorletzten, _Boka Timur_, zu bemerken, dass derselbe beim Abul Ghasi (B. +96 der Textausgabe) _Tokai Timur_ heisst, dass _Boka Timur_ im +Dschihanguscha im Geleite _Batu's_ bei der Thronbesteigung Ogotai's +erscheint, während nach Abul Ghasi _Tokai Timur_ als Regent in Kipdschak +zurückgelassen ward. Hierauf folgt bei Haider die Aufzählung der Chane der +weissen Horde: 1) _Menkai_, 2) _Sasi Boka_, 3) _Eideren Ben Sasi_, 4) +_Tschitschai_, Sohn _Eideren's_, 5) _Urus Chan_, Sohn _Tschitschai's_, 6) +_Tokatmisch Chan_. Im _Munedschimbaschi_ (auf der kais. Hofbibliothek Bl. +397) heisst 1) _Sasi Boka_ der Sohn _Tuli's_, des Sohnes _Orda's_; ihm +folgt, 2) _Ebrsan_, der Eideren Haider's, 3) _Mubarek Chodscha_, 4) +_Schintai_, der _Tschitschai_ Haider's, 5) _Urus Chan_. Hierüber ist zu +bemerken, dass in den Geschlechtstafeln bei Reschideddin unter den Söhnen +Orda's kein Menkai vorkömmt, welcher nach Haider's Angabe, sowie _Tuli_ +nach der Munedschinbaschi's, der Vater _Sasi Boka's_ gewesen sein soll; +nach Reschideddin war _Sasi Boka_ der Sohn _Pajan's_, des Sohnes +_Kubindschi's_, des Sohnes _Sertaktai's_, des Sohnes _Orda's_, so dass er +der Ururenkel Orda's und nicht der Enkel desselben gewesen, was wohl als +das richtigere anzunehmen ist. Im Abul Ghasi (S. 99 der Textausgabe) +erscheint Tokatmisch als der Sohn Chodschaoghlan's, des Sohnes _Tukkul's_, +des Sohnes _Saritsche's_, des Sohnes _Us Timur's_, des Sohnes Tokai +Timur's, des Sohnes Dschudschi's. + + + + +II. Beilage. + +Auszug aus Wassaf über den Ulus Dschudschi's. + +Erwähnung der Länder Dschudschi's. + + +Als Dschudschi vom Dienste Tschengis Chan's zurückkehrte, so ereignete es +sich alsbald, dass er wider seinen Willen zur Reise in's andere Leben, +welches die eigentliche grosse Reise ist, aufbrach. Es blieben von ihm +sieben Söhne[762] zurück, als eben so viele Planeten am Himmel der +Chanschaft, und die Person des Reiches war gleichsam aus sieben Gliedern +zusammengesetzt. _Hordu_, _Batu_, _Berestai_, _Schekut_, _Berke_, +_Berkedschar_, _Buka Timur_. Von ihnen war Batu, ausgezeichnet vor seinen +Brüdern durch Genius seines Wesens, Gerechtigkeit seines Benehmens und +Freigebigkeit seiner Anlagen, der Erbe der Länder des Vaters. Vier +Distrikte (Hesare) der Krongüter Dschudschi's, _Gesek_, _Esan_, _Osek_, +_Alghui_, welche zusammen mehr als neun Tomane (Landes) ausmachten, +untergab er der Aufsicht seines älteren Bruders _Hordu_; der Sammelplatz +der Heere Batu's waren die Distrikte am _Itil_ (Wolga). Er unternahm den +Bau einer Stadt, deren Ausdehnung weit wie das Feld hohen +Unternehmungsgeistes und diesen Fröhlichkeit sichernden Ort nannte er +_Serai_. + +Obwohl er der christlichen Secte folgte, deren Beistand und Hülfe Vernunft +zuwider ist, so neigte er sich doch auf keine Seite der verschiedenen +Secten hin, und war weit davon entfernt, an einer derselben halsstarrig zu +halten, als das Feld der Welt durch die Thronbesteigung dieses Siegelringes +der Zeiten zum Rosenfeld und das Auge der Welt durch die Lichter seiner +Gerechtigkeit erhellet worden, als Zeit und Raum diese beiden Verse +declamirten: + + Die Welt ist hell von Deines Thrones Schatten, + Er hat die Welt verkehrt in Rosenmatten. + +Bei dem zweiten Kuriltai kamen die Prinzen darin überein, dass der Säbel +mit Grimm wider die Köpfe der Anführer der Russen und Assen geführt werden +solle, welche den Fuss der Feilheit in die Reihen der Widersetzlichkeit +gesetzt. Von den Prinzen Mangu Kaan's wurden _Kajuk_, _Kadachan_, _Kurgan_, +_Turi_, _Paidar_, _Hordu_, _Tangut_, welche letzte beide am Tage der +Schlacht festen Fusses standen, und _Basintai Behadir_ zu dieser +Unternehmung bestimmt. Sie setzten sich zur Zeit, als der Frühlingswind in +voller Kraft wehte: + + Der Rosenstrauch schwang in dem Garten Speere, + Das Blatt war Dolch, die Dornen Lanzenspitzen, + +in Bewegung. Die Heere kamen an der Gränze Bochara's zusammen und zogen +wider Russland aus: + + Was Indien, zeigt sein indisch Schwert + Den _Assen_, _Russen_ und _Alanen_. + +Sie eroberten die Stadt Moskau, gefüllt mit einem Heere zahlreicher als +Heuschrecken, zanksüchtiger als Fliegen, und das sich bei der Wehr +zusammennimmt, plünderten und mordeten nach ihrer Gewohnheit. Sie schnitten +die Ohren der Erschlagenen ab. + + Es füllet in der Welt dein Ruhm die Ohren, + Vor deinem Grimm droht Untergang den Ohren. + +Man zählte 270,000 abgeschnittene Ohren. + + Du, schärf' das Ohr; der Himmel haut dich über's Ohr. + +Die Prinzen und grossen Fürsten und siegreichen Freien waren + + (Der Himmel war zu Willen und das Schicksal folgte) + +wunschbefriedigt und die Engel sangen dazu: + + Der, so sich wider Dein Gebot empört, + Der, so dein Reich im mindesten nur stört, + Dem spalte Partisan' das Aug' inmitten, + Dess Körper sei dem Grimm des Dolchs zu Theil, + Dem sei vom Messer Zunge abgeschnitten, + Dem sei der Hals durchbohret von dem Pfeil. + +Als sie zurückgekehrt, hatte Batu Lust, wider die _Kelaren_ und +_Baschkirden_, welche die christliche Religion befolgten, aufzubrechen. Als +die Heere des Winters, aus Furcht vor den Dolchen der Neider, das Gesicht +abwandten, und die Rosen sich, wie das Glück der Glücklichen, mit hundert +offenen Gesichtern zeigten und die Nachtigall mit bestimmtem Schall: + + Weisst Du, warum der Lyra Saiten gellend schrein? + Weil ohne dem Gesicht die Ros' nicht Ros' und Wein nicht Wein. + Auf deiner Rosenwange ist das Heer zu schauen, + Weil es darauf sich legt mit herzlichem Vertrauen, + +ging der Prinz, der das Glück gefunden. + + _Hem._ Die Welt an seinem Zügel, die Zeit an seinem Bügel. + + _Hem._ Wenn deine Bügel weiter gehn, + Was Wunder, wenn wir auch nicht stehn! + +Er zog, fest wie Schlösser, mit 40,000 Reitern, deren jeder die Stütze +eines mächtigen Heeres, in's Feld. Zur Zeit, als die beiden Heere auf +einander trafen, trennte sie ein Fluss mit steilen Ufern. Batu sandte +seinen Sohn mit einem Tomane Heeres, um über den Fluss zu setzen, und er +selbst besetzte einen Hügel und betete demüthig vor der Majestät Gottes, +des absoluten Gnadenverleihers, mit einem Herzen, brennend wie die Lampe +dessen, der die Nacht durchwacht, und mit einem Hauche, kalt wie der des +Morgens. So brachte er die Nacht bis an den Tag hin; am andern Tage, als +der einpferdige Chosroes der Welt frohe Nachricht gebracht, und auf dem +Degen (Rücken) der Berge das Rad (der Sonne) sichtbar gemacht, reihten sich +beide Heere zur Schlacht. _Sertak_ fiel den Feind mit einem Toman stürmend +an, und die anderen auf dem Hügel aufgestellten Heere rannten wie ein +Gürtel von der Höhe nieder; gleich niederstürzendem Loose, welchem nichts +zu wehren im Stande, wandten sie ihr Gesicht gegen das feindliche Lager, +und zerstückten mit ihrem Säbel die Zeltstricke wie den Strick der +Freundschaft der Verbrecher. Furcht und Schrecken bemächtigten sich der +Einwohner von _Kelar_, die Waldteufeln glichen; die meisten derselben +wurden ein Frass des Schwertes und der Hyänen, und so wurde auch dieses +Land den Schwesterländern beigesellt. Im Jahre 653, als Mangu Kaan ein +Kuriltai hielt, wurde _Sertak_ zum Dienste des himmelhohen Thrones gesandt. +Ehe er zurückgekehrt, hatte sich Batu von der Braut der Chanschaft dreimal, +d. i. unwiderruflich, geschieden und Sertak, mit Gnaden und +Gunstbezeugungen überhäuft, kehrte in die Residenz zurück, und ohne sich +lange aufzuhalten, ward er zur Abreise (aus dieser Welt) gezwungen. Vermög +des Befehles Mangu Kaan's übernahm _Berakdschin Chatun_, welche die grösste +der Frauen, die Sorge für die Beförderung der Reichsgeschäfte, und erzog +hiezu den _Ulaghdschi_, den Sohn _Sertak's_; doch auch _Ulaghdschi_ + + _Hem._ endete in kurzer Zeit sein Leben. + +_Berke Aghul_ erhielt die chanische Krone, dessen Heere sich zu +wiederholtenmalen mit denen Hulagu's schlugen, und als die Chanschaft an +_Mangu Timur_ gekommen, war diess der Fall mit den Heeren Abakachan's, wie +diess schon oben vorgekommen. + + + + +III. Beilage. + +Auszug aus Wassaf über den Krieg zwischen Hulagu und Berke. + +Erwähnung der Ursachen der Bewilderung, welche zwischen Hulagu Chan und +Berke Aghul statt gefunden. + + +Zur Zeit, als der welterobernde Padischah Dschengis-Chan alle Könige und +Länder der Welt beherrschte und besass und dieselben seinen vier Söhnen +Tuschi, Tschagatai, Ogtai und Tuli vertheilte und zumass, als er die Orte +und Horte auf allen vier Seiten bestimmte, wie es seinem Scharfsinn gut +dünkte und seinem durchdringenden Genius ziemte (die umständliche Theilung +der Länder und Gebiete ist in der Geschichte _Dschihanguschai_ ausführlich +beschrieben), wurden dem Dschagatai die Stationen und Regionen von den +Gränzen der nigurischen Pässe bis nach Samarkand und Bochara zugetheilt, +und sein gewöhnlicher Aufenthalt war in der Nachbarschaft von _Almaligh_. +_Ogotai_, welchen der Vater bei seinen Lebzeiten noch zum Nachfolger +bestimmt hatte, residirte an den Gränzen von _Imil_ und _Kobak_, welches +der Chanschaft Thron und der Nabel des Reichs. _Tuli_ besass die Jurte, +welche an die Chatai's stiessen, und von Kialik und Chuaresm, von den +äussersten Gränzen von Saksin und Bulghar bis an die Gränzpässe von Derbend +und Baku, war Alles auf den Namen des ältesten Sohnes Tuschi geschrieben. +Hinter Derbend, welches insgemein das eiserne Thor heisst, war das +Winterquartier seiner Heere, von wo dieselben bis Arran streiften, und +Arran und Aserbeidschan gehörten noch zu ihren Ländern. Die Ursachen, +welche Stoff zum Streit herbeiführten und die Zwistigkeit schürten, sind +die folgenden: Im Winter des Jahres 662 (1263), als der Goldschmied der +Allmacht die Flüsse von Derbend mit Silberplatten überzogen, und der +Kirschner des Winters nach dem Maasse der Hügel und Haiden denselben +Hermelinkleider angezogen, als die Oberfläche des Flusses auf die Tiefe +eines Lanzenfusses gefroren wie Bein und Stein, ging auf Befehl Berke +Aghul's ein Heer von Mongolen, die unreiner als Wüstenteufel und Ghulen, +und deren Schaaren zahlreicher als die Tropfen des Regens waren: + + Sie kamen, Flüsse tragend, + Wie Teiche Wogen schlagend, + +über den gefrornen Fluss wie Feuer und Wind geschwind. Von dem Gewieher und +Geklirre ihrer Pferde und Truppen war die Zauberin der Erde voll rollender +Donner und leuchtender Blitze; im flammenden Feuer des Zornes kamen sie bis +an die Ufer des Kur (Cyrus). Hulaguchan ging ihnen zur Abwehrung des +Funkens ihres Bösen mit einem Heere entgegen: + + _Arab. Vers._ Morgens trafen sie auf ein vermischtes Heer, + Unaufhörlich zog es wie die Erde her. + Pferde, schwerbepanzert, mit zwei Reitern liefen + Unterm Staub wie Dromedare in die Tiefen; + Klingen strahlen weiss und Speere dunkeln braun; + Sieh! die Braunen bohren und die Weissen hau'n. + +In dem Treffen wurden sie geschlagen und zogen sich alsogleich zurück: + + _Arab. Vers._ Wenn sie fliehen, wird der Feind nach ihnen ziehen, + Wenn sie stehen, ist es um ihr Gut geschehen. + +Im Passe Baluje standen sie abermal zur Schlacht. Es froren die Füsse dem +Boden an, und im Heere Berke's hielten Klein und Gross, Mann und Ross aus, +bis dass sie alle erschlagen, und die Andern, besiegt, die Zügel der Flucht +davon getragen. Hulagu erlaubte den Heeren nicht, zurückzukehren, bis sie +nicht über den gefrorenen Fluss gesetzt. + + _Arab. Vers._ Des Blutes Ströme gehn wie Wasserrinnen, + Die Säbel löschen ihren Durst darinnen; + Sie schwanken zwischen Tod und zwischen Leben + Und zwischen Leichtsinn und vernünft'gem Streben. + +So wurden von Tag zu Tag die Stationen der Rebellen die Lagerorte des +ilchanischen Heeres. Sie schlugen auch den Weg friedlicher Unterhandlung +und Ausgleichung ein, und thaten die Hand der Verlängerung auf, bis sie das +ganze Land von den Nachtheilen der Usurpation gereinigt und die Uebermacht +der Fremden daraus verbannt. + + _A. V._ Sie fielen aus im Sturm auf die, so in der Nähe; + Wir fielen aus im Sturm auf die uns in der Nähe. + +Sie trieben sie in die Enge und verfolgten sie durch einige Stationen +Länge. Als der feindeverbrennende Padischah mit seinem glücklichen Lager +herangenaht, gab er den Befehl, die Genossen Berke Aghul's, welche zu +Tebris im Besitze von Reichthum und Waaren, mit Handel und Wandel +beschäftigt waren, hinzurichten und ihre Güter in dem Schatze +aufzuschichten. Viele derselben waren blos Commissaire, in deren Händen die +Capitale und Güter ihrer Principale geblieben waren. Berke Aghul, um +Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess die Kaufleute der Länder des +Chans tödten und legte ihnen auf diese Weise das Geschäft. Der Weg der +Gehenden und Kommenden, das Reisen der Kaufleute, war nun auf einmal, wie +das Geschäft der Verdienstvollen, gesperrt und die Teufel der Unruhe waren +der Flasche der Zeit entsprungen. Indessen hatte Kublai Kaan einen +Gesandten gesendet und die Dinge Bochara's anders gewendet. Von sechzehn +Hesaren, welche zu Bochara lagen, waren fünf dem Batu anhänglich, drei der +Frau _Kutibeg_, der Mutter Hulagu-Chan's, und die übrigen dem Ulugh Kul, +das ist dem grossen Delai, welche jedem der Kinder Tschengis-Chan's, die +von dem Throne der Chanschaft Besitz nähmen, zu Befehl. Diese fünf Hesare +führte _Batu_ in das Feld und las ihnen von den Klingen der Schwerter, +welche die Bothen des Todes, des rothen, ihr Todesurtheil vor. Ihrer Güter, +Weiber, Söhne wurde nicht geschont. Da die Regel des Spruches: + + Die Liebe erbt fort und der Groll erbt fort, + +in der Ansicht der Vernünftigen gegründet ist, so breitete auch _Mengu +Timur_, der Sohn _Berke Aghul's_, welcher nach dessen Tode dessen Stelle +vertrat, wider _Abaka Kaan_ den Teppich der alten Widerspenstigkeit auf, +und es hatten zwischen ihnen zu widerholtenmalen Streitigkeiten und +Zwistigkeiten Curs und Lauf. Einmal wurden 30,000 Reiter, säbelschärfende, +lanzenwerfende, zur Zeit ihrer Rückkehr über den Fluss wie zerbröckeltes +Eis aufgerieben und in den Abgrund getrieben und das Resultat ihres Lebens +auf die Platten von Eis geschrieben. Als nun der hohe Abaka Chan mit der +Menge ihrer Heere und ihrer Kühnheit näher bekannt, zog er gegen Derbend +eine Mauer durchs Land, welche _Sitab_ genannt, um diesen weltverwirrenden +Heeren den Einfall und Einbruch zu erschweren. Diese beiderseitige +Feindschaft bestand, und diese gegenseitige Huth und Scheelsucht hatte +Bestand, bis Kendschatu, der Chan, im Land. Als _Noghai_ der Erbe des +Landes Mengu Timur's ward, wurde durch gegenseitige Gesandtschaften und +Schreibenwechsel der Weg der Kaufleute und Handelsgenossen wieder +aufgethan. Die Ursachen des Heiles lagen in dem Plan; das Land Arran fing +durch die Menge von Wagen und Zelten, von Pferden und Schafen Wogen zu +schlagen an und dieser Länder Waaren nach einigen Jahren wieder an zu +gebahren. + + + + +IV. Beilage. + +Auszug aus Wassaf über das Papiergeld. + +Erläuterung der Ursachen, welche die Einführung und Vernichtung des +Papiergeldes (Dschaw) herbeigeführt. + + +Der von ewig her bestehende Spender der Nahrung und der allweise Schöpfer +(geheiligt seien seine Eigenschaften!), welcher die Bewohner der vier Wände +der Naturen der Menschheit und die Eingekerkerten der sechs Richtungen +irdischer Körper bald ohne Anlass geleisteten Dienstes durch den Ausfluss +seiner, keinen Dank ansprechenden Gnaden bestimmt, und bald ohne +vorhergehende Schuld seine Geschenke und Spenden zurücknimmt, Er dessen +ewige Wissenschaft: Koranstext: + + »_Ihm ist kein Sonnenstäubchen fremd + auf Erden und im Himmel_«[763]. + +das vollkommenste Gemälde der Herrschergrösse ist, wollte es so, dass nach +der Begebenheit (der Thronbesteigung) Arghun-Chan's in alle Herden der +Mongolen eine Seuche fiel, welche sie in ihrer Sprache _Jut_ nennen. Aus +diesem Anlass fehlte es den meisten Truppen zu Bagdad, Mossul, Diarbekr und +Chorasan an den nöthigen Lastthieren und in dem Schatze war durch die +Veränderung der Chane und Vergeudung des Goldes an die Truppen nichts +zurückgeblieben; diess war der zweite Unglücksfall; dazu kam noch drittens, +durch die angeborne Huld und natürliche Freigebigkeit des Vorsitzes der +Welt und der Zeit, um die Völker zufrieden zu stellen und um Nothdurft zu +stillen, ein Ausgabenüberschuss und Gnadenüberfluss; das vierte war die +wenige Achtung des Ilchan's für Geschenke und Gaben und seine Verachtung +der Oeconomie[764], d. i. des Besitzes in beweglichem und unbeweglichem +Gut[765], an Geld und Vieh, und das Sprichwort sagt: »_Die Fünf findet sich +in den Fünfzig._« Er hatte in der Zeit von zwei Jahren, während welchen der +Welt Vorstand der Wissenschaft und Herrschaft vorstand, gegen fünfhundert +zu Leihe genommene Tomane mittels rother Fertigungen an die Herren der +Anweisungen übertragen, so, dass die grossen Fürsten diese Sache endlich +gewahr wurden. Eines Tages hörte man von dem Munde des Herrn (des +Grosswesirs) folgende Worte: »_Seadeddewlet_ hat zur Zeit, als er die +Geschäfte der Länder förderte und tausend Tomane in dem grossen Schatze +bereit lagen, und die stärkste Veranlassung zu dieser Zusammenhaltung +Arghun-Chan's genaue Verwaltung gewesen, die Einkünfte und Ausgaben der +Finanzen ohne rothe Fertigung[766] besorgt und für die Verproviantirung des +Heeres und alle Erfordernisse der Küche, des Lagers und der Frauen gesorgt, +und so habe der Ilchan in der kurzen Zeit von vierzig Jahren vom Jurt +_Dilbertschin_ bis nach _Kiawbasi_ ein und vierzig Tomane für die Frauen, +Pagen und Vertrauten der Majestät hergegeben. + + _Arab. Vers._ Wenn Du aufgehst, müssen Sonn' und Mond sich + niederlegen, + Wenn Du scheidest, müssen sich verstecken Meer + und Regen. + +Zur Zeit Abaka-Chan's und Sultan Ahmed's waren für die ganzen Kosten der +Küche nur vierzig Tomane bestimmt und doch waren die Verwalter und +Küchenaufseher[767] nicht sicher vor dem Tadel der Tadelnden und dem Spotte +der Spottenden und dem Schimpfe der Schimpfenden. Zur Zeit (Unserer) den +Tag vermehrenden Regierung haben Wir hundert fünf und sechzig Tomane auf +diese Weise an goldenen Verwendungen ausgetheilt, und dennoch rufen sie +immerwährend: Wer gibt mehr? Die Prinzen und Prinzessinnen geben immer neue +Wünsche kund und schliessen, gegen einander rechtend und spiegelfechtend, +nicht den Mund.« Der Zweck dieser Prolegomenen ist, dass der Schatz auf +alle Weise für den Bedarf baaren Geldes[768] bedurfte, dass die Einkünfte +der Länder in einem Jahre 1800 Tomane, die bestimmten Ausgaben 700 Tomane +betrugen und dass der Rest für die wichtigsten Geschäfte des Reiches, für +die Gaben und Geschenke des Padischah nicht hinreichte. Der Herr des Diwans +befahl, die Auflagen der Länder, besonders der von Bagdad und Schiras, +welche der Gürtel des Reiches, zu läutern[769]; doch der Ueberschuss der +Ausbeutungen des Dieners (des Grosswesirs) gab für die Majestät, auf deren +Weberstuhl der Einschlag gestreifter Kleider steht, so viel aus, als der +arabische Spruch: + + _Arab. Vers._ Es sättigt nicht, was vom Zahnstochern kommt heraus, + +und durch diese Massregeln der Läuterung wurde der Verwirrung der Finanzen +nicht abgeholfen. Da befand sich _Aseddin Mosaffir Ben Mohammed Amid_, +dessen hässliche Gestalt, dessen geschminktes Gesicht, dessen gebrechliche +Constitution und schändliches Naturel ein Muster seiner Sitten und +Eigenschaften war, im Lager an der Seite der Majestät und des Grosswesirs, +als dessen Berather und leitender Vater. Er war's, der die Mühle des +Betruges in den Gang gebracht, der mit Hoffnung und Furcht denselben kirr +gemacht. Aus Eingebung schlechter Seele, welche, allen Geschäften des +Menschen feind, als das Gegentheil des ursprünglichen Guten erscheint, +wollte er seinen schlechten Namen bei den Weltbewohnern einfassen in einen +ewigen Rahmen, damit er auf der Erde bis zu dem Tage der Auferstehung das +Ziel der Pfeile des Fluches und des Spottes aller Menschen werde. Er +stellte vor: »Es fehlen zur hinlänglichen Aufbringung der Gelder die +Quellen; sei es im Schlimmen, sei es im Guten, bedarf der Schatz Gold für +seinen Bedarf. Die Ueberschüsse der Einkünfte sind Heu und Spreu[770], und +Anlehen zu machen, gehört künftighin zu den schwierigsten Sachen. Wenn es +sich darum handelte, schnell das Heer zu rüsten und beritten zu machen, +würde es schwer halten in allen Sachen, und das tändelnde und schändende +Gerede der grollenden Feinde, die schnell und hart daherfahrende Fehde +daimonischer Männer, von denen jetzt keine Rede, würde sich breit machen; +die Bemühungen und Bestrebungen, welche dermalen gäng und gäbe, um die +Spalten des Reiches zu verdämmen und um durch rechtliche und wohlthätige +Gesinnung alles Unrecht zu hemmen, würde ein Ende nehmen, und wollte man +(was jedoch nicht unmöglich anzunehmen) öffentlich die reinen Wasser mit +Steuern belegen, oder neue Vergantungen[771] und schwere Strafgelder den +Unterthanen zumuthen und auflegen, so würde dieses die Gemüther erbittern +und das Land würde verwittern. Eine Maassregel, welche, vor allem Angriff +vor Verschwärzern geschützt, schnell zur Herstellung alles Verfalles nützt +und mannigfaltigen Nutzen umfasst und besitzt, ist mir so in den Sinn +gekommen, dass man, wie in den Ländern des Kaan, auch in denen des Ilchan +das Scheingeld, statt Silbers und Goldes, in Umlauf setze, damit dadurch +die Thore des Verkehres geöffnet würden, damit das Geld ganz in den Schatz +einlaufe und Schaden und Verlust keinen Menschen treffe auf Erden.« Nach +diesen vorausgeschickten eingebildeten Gründen trugen der Herr des Diwans +und _Bulad Dschinksanek_, der Gesandte des Kaans, das Wort vor. Da diese +Maassregel dem Aeussern nach den Reichthum vermehrte, die Magazine der +Kaufleute leerte, den Armen und Elenden Beruhigung gewährte, so schien +dieselbe Anfangs denen, die darüber nachdachten, erspriesslich und gut. Der +Ilchan erliess ein Diplom, befehlend, absolut und entscheidend, kurz und +gut, dass man auch in den übrigen Ländern nicht mehr mit baarem Gelde +Handel und Wandel treibe, sondern dass man überall die Webung goldener +Kleider abschaffe und nur soviel davon gestatte, als für das Kleid des +Padischah und seiner nächsten Umgebungen erforderlich sei, dass man sich +nicht mit Verfertigung goldener und silberner Geschirre und mit keiner +Kunst, welche Vergeudung des Goldes und Silbers mit sich führe, befasse, +dass man die Goldschmiedekunst und die Silberarbeiterei der Gesichtsfarbe +und dem thränenden Auge der Verliebten überlasse; kurz, durch die +Einflüsterung und Verführung, Verlockung und Versuchung dieses Unholdes und +gespenstischen Koboldes, der seinen Herrn auf diese Weise schändete, +geschah es, dass er in alle Länder, in's arabische und persische Irak, nach +Diarbekr, Rebiaa, Mossul und Miafarakein, nach Chorasan und Kerman und +Schiras einen grossen mit diesem Geschäfte beauftragten Emir sandte, und +dass überall eine Fabrik solchen Scheingeldes errichtet, dass Verwalter, +Schreiber, Schatzmeister und andere Beamte dabei verwendet und überall +grosse Summen zur Verfertigung des Scheingeldes gespendet wurden. Durch +die Verlautbarung dieser Geschichten wurden die Völker in den Reif des +Erstaunens gezwängt und blieben in demselben ohne Seele beengt. + + _Arab. Vers._ Schnell, wie die Hoffnungen, des Lebens Zeit vergeht, + Und umgekehrt, auf Persisch heisset _Dem_ nur _Med_[772]. + +Die Gestalt und Form des Scheingeldes _Dschaw_ war diese: Ein länglichtes, +viereckiges Blatt Papier mit einigen chinesischen Worten beschrieben, in +denen immer Fehler geblieben[773]; ober diesen chinesischen Worten stand +auf beiden Seiten: + + »_Es ist kein Gott als Gott, und Mohammed ist sein Prophet!_« + +Dieses war das Gepräge dieses Silberblattes, der Juwelenknoten dieses +Perlenstates, das Tughra dieser Befehle und das Amulet dieser Kehle; unter +demselben war geschrieben: _Iritschi Turitschi_, auf Chinesisch +(uighurisch), d. i. _Sobald es angekommen, sei es für bleibend angenommen!_ +In der Mitte war ein Kreis beschrieben, der aber ausser dem Mittelpunkt +ruhiger Ansicht liegen geblieben; dabei war der Werth des Papieres von +einem _halben Dirhem_ bis _zehn Goldstücke_, und dann in Schrift das, was +folget, geschrieben: »_Der Padischah der Welt hat im Jahre 693 (1293) +eingesetzt dieses gebenedeite Papiergeld; es soll cursiren in Ländern +allen; wer es verfälscht oder verändert, sei mit Weib und Kind der +Todesstrafe und sein Gut dem Fiscus verfallen._« Nach Schiras war ein +Patent dieses Papiergeldes, das, sehr ausführlich und lang, eingebildete +Fragen aufwarf und die Antworten darauf aufdrang, gekommen. Ein Exemplar +desselben ist noch in den Händen und es wäre unnütz, darüber noch mehrere +Worte zu verschwenden. Das Wesentlichste seines Inhaltes ist: »dass, +sobald das gebenedeite Papiergeld Goldes statt, wie die Thränen der +Verbannten Lauf gefunden hat; so wird Armuth und Dürftigkeit und Schaden +und Elendigkeit verschwunden sein unter den Söhnen der Zeit, Korn und +Getreide wird zu haben sein in Wohlfeilheit, und Arme oder Reiche sind dann +einander gleich.« Die Dichter und Trefflichen der Zeit haben zum Lobe des +Papiergeldes nach der Eingebung ihres Genius dem Padischah und dem Herrn +des Diwans lobend die Resultate ihrer Gedanken geweiht; als eine Probe von +diesem Lobe ist das folgende Distichon aus einem Bruchstücke eines der +Trefflichen hier eingereiht: + + »Geht Papiergeld in der Welt, + Sein Entgelt[774] sie frisch erhält.« + +Es erging der Befehl, dass alle Künstler und Handwerker, welche Gold und +Silber in ihren Arbeiten verarbeiten, dasselbe aus dem Hause, wo das +gebenedeite Papiergeld ausgetheilt ward, erhalten, dass Alle, welche als +Befehlshaber Länder verwalten, nach ihren Verdiensten ihre Besoldungen und +Bezahlungen dort beziehen sollen, dass das alte abgenützte Papier dorthin +gelangen, und der Bringer für den Gehalt von zehn Dinaren alten +Papiergeldes neun Dinare neues empfangen soll, dass die Kaufleute des +persischen Meeres, welche in fremde Länder handeln und wandeln aus dem +Schatze Gold erheben und dafür ihr Papiergeld abgeben sollen, +vorausgesetzt, dass dabei der Weg der Behutsamkeit beobachtet und ihre +Erlaubniss und Befugniss von Nowaben und Aufsehern des Diwans gehörig +betrachtet und erachtet worden sei. Verfügungen dergestalten waren in +diesem Patente enthalten. + + Tausendmal ist's besser, gar nicht anzufangen, + Was zu keinem Resultate kann gelangen. + +Wenn (wovon das Gegentheil nicht zu denken) diese Bedingungen nicht schon +von Grund aus schlechter Art, wenn mittels der Umwälzung der Zustände, der +Uebertragung der Herrscherkräfte und Veränderung der Geschäfte, diese +Befehle von allem Fehle beschützt und bewahrt geblieben, wenn die Leute +ohne Widersetzlichkeit und Blödigkeit, dasselbe zu nehmen und zu geben und +den Lauf desselben zu gewähren, willig gewesen wären, so wäre es möglich +gewesen, dass einige dieser präliminären Verfügungen gekommen wären zu +eines Resultates Ehren; allein, wie man diess immer aus dem Gesichtspunkte +der Vernunft und der Analogie betrachtet, so ist dieses eine Maassregel, +nicht verwaltbar und (auf dem Spitz ein Kegel) nicht haltbar, besonders da +der Zweck dieser Einbildungen ganz und gar kein andrer war, als die Schätze +des Padischah zu erneuen und die der Unterthanen zu zerstreuen. + + »_Zu bewahren des Moslim's Gut, ist Pflicht, + wie zu bewahren des Moslim's Blut._« + +In der practischen Philosophie ist durch Beweise festgesetzt, dass das Gold +von Gott, als die kleine Gesetzgebung, eingesetzt; dass dasselbe den Werth +der Sachen bestimmt und die Ordnung der Welt in Anspruch nimmt; dass ein +kleiner Theil desselben eine grosse Menge anderer Sachen vertritt, deren +Transportirung und Verführung sehr schwer und vielen Ungemaches nicht leer; +dass wegen seiner inneren Festigkeit und Trefflichkeit dasselbe vor aller +Gefahr der Vernichtung geschützt; dass es nicht durch Wasser, nicht durch +Feuer, nicht durch Schneiden und Stossen verwundet wird und abgenützt. +Diese Bedeutung bedarf keiner Erweiterung und Erläuterung, + + »_Diess ist Erforderniss mündiger Weisheit._« + +Die Nothwendigkeit und Dürftigkeit ist's, welche demselben Adel verleiht; + + _Arab. Vers._ Wenn ich ein Gottesfürchtiger nicht wäre, + Erwies' ich selbem göttliche Ehre. + +»_Für der Welt Wunden ist das Pflaster im Golde gefunden_,« ist ein +bekanntes Sprichwort; + + _Vers._ »Hätte ich Gold, so wären meine Geschäfte auch golden; + Golden sind sie nicht, weil ich besitze nicht Gold.« + + _Ar. V._ Kein Gesandter fährt mit besserem Glück, + Als das rundgeprägte Silberstück. + +Wenn der Schreiber (dieser Geschichte) die Gleichnisse und seltsamen +Einfälle, welche die Wohlberedten Arabiens und Persiens über die +Eigenschaften, den Nutzen und das Lob des Papiergeldes geschrieben, und die +ihm im Gedächtniss geblieben, aufgeschrieben hätte, so hiesse dieses Buch +_die goldene Kette_[775] oder _die unvollkommene Erreichung des Zweckes_. +Würde aber mit diesen Lobsprüchen das Gold zerstieben, woraus würde man +denn verfertigen die Kronen mächtiger Sultane und Reiter, die Ohrgehänge, +Armbänder und Knöchelringe der Schönen, welche den sich blähenden Busen +gewärtigen? und wie könnte denn, mit dem papiernen Geld, die frische Rose, +welche freudig die goldene Scheibe in der Faust und Goldbarren (die +Staubfäden) im Busen verborgen hält, wie könnte sie die Wange des Windes +anlachen? und wie könnte die Blüthe ohne Silber sich einen Schatz für ihr +Alter zur Hülfe wider das anrückende Heer des Frühlings machen? Die +trunkene Narcisse ist bemüht, im Zauberschlafe mit dem Traume des Goldes +ihr sehnendes Auge zu färben, und im steinernen unbarmherzigen Herzen des +Berges stocken die Blutadern (die Rubinen) aus Begierde, sich von der +goldausstreuenden Sonne Einiges zu erwerben. Wie könnte das Gold einem +Stücke Papier sich vergleichen? wie könnte den Werth von jenem dieses +erreichen, welches durch einen Funken aufgeht in Rauch und wie die Töchter +der Luft (die Dämpfe) davonfliegt bei des Windes geringstem Hauch, welches +durch einen Tropfen Thau wird des Wassers Raub und im Staube wird zu Staub? +Die Prahlerei kannte keine Gränzen mehr, und durch die Vergleichungen und +Herausstreichungen ward die Traurigkeit immer mehr und mehr. Im Silkide d. +J. 693 (1293) kam das Papiergeld zu Tebris in Lauf und vermöge der +Herzensknoten und den Maassregeln von der Vernunft geboten, begann man +sogleich, um seine Seele zu schützen und um etwas zu besitzen, mit Speisen +und Waaren niedrigen Handel und Wandel. Binnen drei Tagen war Tebris, +welches das kleine Kairo hiess, wie der Beutel der Geduld der Sehnsüchtigen +leer; im Lande war kein Glanz und keine Freude mehr, und die Brust der +Sicherheit und Rechtlichkeit hatte nicht Fett noch Schmeer. Die Laden und +Gassen waren wie öde Häuser verlassen und geleert, die Thore des Handels +und Wandels waren versperrt. Verkaufte man den Man Brotes um Einen Dukaten, +so glaubten die Käufer, dass sie gewonnen, und die Verkäufer, dass sie +verloren hatten. Ein Freund erzählte mir vom Blitze der Witze jener Gegend, +was folgt: In dieser Umstände drängender Gefährde stand ich gaffend zu +Tebris auf dem Markte der Pferde. Die Verkäufer schlugen ein Pferd, das um +fünfzehn Goldstücke doppelt bezahlt gewesen wäre, schlugen dasselbe, +fortgezogen durch der Begebenheiten Wogen, um hundert und fünfzig Dukaten +Papiergeldes an, und der Käufer, aus Freude über den grossen Preis, lief +herum im Kreis, um durch diesen Reigen gleichsam die Bewegung des Pferdes +zu zeigen; dann bestieg er einen Gaul, tummelte denselben nicht faul, bis +er aus den Augen verschwand. Seine Abreise war zum folgenden Verse der +Realcommentar: + + _A. V. des Verfass._: Wer das Papiergeld erfand, verführt als + schlimmer Betrüger, + Unter den Hunden ist keiner so trügrisch wie er. + +Der Lärmen und das Getöse, der Saus und Braus der Nationen stieg bis an den +Gürtel der Constellationen; die Befehlshaber und das Heer hatten keine +Geduld mehr, das gemeine Volk flehte am Freitag in der Moschee mit +klagendem Gebete; es verlauteten die Klagen über die Ungerechtigkeit, womit +sie geschlagen. Sie verfluchten den Aseddin Mosaffir mit allen denen, +welche zu dieser Neuerung und Theuerung das Gleiche beigetragen: + +Spruch der Ueberlieferung: »_Wer schlechte Sitte eingesetzt, dem wird sie +bleiben als Last bis an den jüngsten Tag._« + +Sie wollten ihn mit seinen Einverstandenen erschlagen. Sie flohen aus dem +Kreise und nahmen mit ihrer Seele bösen Namen mit auf die Reise. Die +Trefflichen und Dichter der Zeit waren, ihn mit Spottgedichten zu +durchgeiseln, bereit; so sagte Einer derselben, als er den Namen +_Amidol-mülk_, die Säule des Reichs, angenommen: + + Das Schiff _Amidol-mülk's_ inmitten Reichsgefahr, + Ist wie das Wasser, wenn damit ein Schiff[776] gefüllt. + Sein schlechter Bart ist schlechter als des Hundes Haar, + Diess ist dagegen Atlas und ein seidner Quilt[777]. + Sieh, ob er morgen stehet noch auf dem Altar, + Wiewohl er heute für des Reiches Summe gilt. + +Auch das folgende Bruchstück reimte Einer: + + Du bist nicht Weltenehre, du bist der Schimpf der Welt, + Die auf dein Sein und Wohl nicht das Geringste hält. + Wenn _Geber_, _Jud_, _Moslim_ vor der Altäre Stufen + _Ormusd_, _Jehova_ und _Allah ist gross!_ ausrufen, + So flehen alle drei in Unterthänigkeit + Zur Majestät des Herrn, der Welten Glück verleiht, + Es möge ihm in dieser Welt von allen Dingen + Kein einziges nach seines Herzens Wunsch gelingen![778] + +Zu Schiras wurden fünf Tomane Goldes in Sachen des Papiergeldes ausgegeben. +Da das Papier, in welchem das Capital der Männer von Verdienst bestand, auf +vierzig Weisen ging von Hand zu Hand, so hätte der, welcher heimlich von +den Nowaben der Papierfabrik einen Teller Goldes hätte erwirkt, spurlos wie +das Gold sein Dasein verwirkt. Zu dieser Zeit wurde an einen Bruder der +Reinigkeit (an einen guten Freund) wie es scheint, das folgende Bruchstück +verfertigt und in der gehörigen Form abgefertigt: »Der Sicherheit Kiel +laufe auf dem Blatte der Wohlfahrt für NN. zum Ziel! und Gott helfe Dir, wo +Du immer sein mögest, gleichviel! Der aufrichtige Wohlwünscher und ganz +eigene Sehnsüchtige legt gleich der Feder den Gürtel freundschaftlicher +Liebe um die Mitte an; er hat den Mund zu wohlduftendem Preise und +eröffnendem Wunsche aufgethan, und stellt das Gesicht reinen Verhältnisses +weiss und klar mit Schriftzeichen der Aufrichtigkeit folgendermaassen dar: +Das offene Feld der Sehnsucht nach dem Umgange mit dem Freunde, dem +vertrauten, welcher süsser als das gewöhnliche Leben, hat sich Perlen +gleich so ausgebreitet, dass es unmöglich ist, die Länge und Breite dieses +Feldes mittels der Messkunst des zweizüngigten Kieles und mittels der +Quadratfläche des zweigesichtigen Papieres, + +»_Dieses ist heut in der Welt eben so wenig zu finden als der Ambra_,« + +auszumessen. Schon geraume Zeit ist's, dass die goldenen Papageien der +Federn, welche das Wort ausschreien: + + »_Mittels der Federn werden die Länder regiert_,« + +von der Moschustränke der Gnaden des Tintenzeuges dem weissen Silbersitze +der Gärten der Wörter nicht zugeflogen, und dass die Gesandten +freundschaftlicher Anzeige aus dem _Kairewan_ des Westens nach dem Lande +des Südens Botschaft bringend ausgezogen. Wenn das Gemüth Gedanken und +ihren Ausdruck flieht, so muss der Kiel der Denkkraft auf eingebildetem +Blatte weilen oder die rothe Thräne die Schwärze des gekränkten Auges +heilen. Es wird erwartet, dass einige Blätter jener Art, von welchen allein +vor diesem Freund die Rede (einige Blätter Papiergeldes) _wie Blätter der +Bäume voll Glanz, wie Busen der Schönen geglättet ganz, hell wie das +aufgehende Licht und wie der aufrichtige Morgen, wenn er anbricht_, die +Klagen der auf den Kopf geschlagenen Feder stillen werden. Bliebe aber das +Gesicht dieser begehrten Sicherheit in den Schleier der Verweigerung +verhüllt, so ist dieses Stoffes genug, dass der trauernde Kiel der Klage +über Unterdrückung nach dem Papierhemde der Bedrückten lange und das +Gestöhne der kratzenden Feder bis zum Gipfel des Himmels Merkur's, des +Schreibers des Himmels, gelange; dass der Kiel mit der Zunge _Chakani's_ +aus Schirwan, des Chakans der Bedeutungen, diesen Vers anwende: + + Für mich sei Freundeshand als Klägerhemd gewandt, + Weil er verweigert mir die Feder, das Papier, + +und demselben sende.« Als nun die Klage der Erde und der Stunde gedrungen +zu des Himmels Runde, als die That und das Messer drang in die Seele ein +und das Messer geschnitten bis an das Bein, als der Strom gelangt war zum +Munde, stellten die Emire und Nuwianen einstimmig dem Herrn des Diwans vor: +Wenn dieser Zustand noch einige Zeit dauert; so ist aller Glanz der Länder +aufgegeben, und es ist unmöglich die weitere Verwirrung zu heben: + +»_Willst du, dass man dir gehorche, so fordre nur das Mögliche!_« + +Da ergingen wirksame Befehle, dass man das Papiergeld abstelle. Gesandte +gingen nach allen Seiten, um die Abschneidung des Bösen und Einkleidung +dieser Maassregel einzuleiten. So ward durch Gottes, des Allmächt'gen, +Gnade dieses ungeheure Unglück: + + _Koransvers_: Weist du, was da die Flammenwuth? + Es ist der Hölle brennende Gluth![779] + +abgekehrt und den Gemüthern aller Völker Freude gewährt. Vornehme und +Gemeine sagten: + +»_Gott sei gelobt und gebenedeit! Er hat von uns abgewendet die +Traurigkeit; denn Er ist unser Herr, der Allen Alles verzeiht; Er liebet +die Dankbarkeit._« + + + + +Druckfehler. + + +Seite. Zeile. + + 8 17 v. u. statt Recht lies recht + 9 9 v. o. st. Ocean l. Onon + 11 7 -- -- st. Sprache l. Aussprache + 13 8 -- -- st. vier l. vierzig. + 15 16 v. u. st. Gjawr l. Gjawe + 16 7 v. u. st. der l. das + 21 16 v. o. st. Begi l. Bigi + 24 2 v. u. st. Tschitschejan l. Tschitschegjan + 26 9 v. o. st. darnieder l. worunter + 27 17 v. u. st. geschossener Pfeile l. geschossenen Pfeilen + 32 9 v. u. st. Thronbesteigung als l. Thronbesteigung, zweimal als + -- 14 v. u. st. die Tataren l. der Tataren + 33 15 v. o. st. Karachetai l. Karachatai + 35 12 v. u. st. Minkburni l. Mankburni + 36 15 v. u. st. Sonne der l. Sonne des + 43 13 v. u. st. Temur l. Timur + 50 3 v. u. st. Mohakkah l. Mohakkak + 65 8 v. o. st. Von der l. An der + 70 16 v. u. st. am Berge l. vom Berge + 72 10 v. u. st. hatten l. herrschten + 75 13 v. u. st. Nami l. Nemi + 78 4 v. u. st. denselben l. demselben + -- 3 v. u. st. erlegen l. erlagen, st. ob denselben l. vor demselben + -- 2 v. u. st. derselben l. desselben + 81 am Rand st. Gemahlin l. Gemahlinnen + 87 1 v. u. st. Journal II. l. Journal asiatique II. + 93 13 v. o. st. Weg zu l. Weg zur + -- 5 v. u. st. Schebehun l. Schebchun + 96 5 v. o. st. und um l. nur um + 102 11 v. u. st. dem Adlerneste, dem Hauptsitze l. das Adlernest, + den Hauptsitz + 109 4 v. o. st. Chalweih l. Chaleweih + 117 14 v. o. st. Betekdschi l. Bitekdschi + 121 2 v. o. st. einer gleichen l. mit gleicher + 124 13 v. u. st. Intendanten l. Intendenten + 125 8 v. u. st. des Musters l. des Gründers + 163 4 v. u. st. by Naima l. by Neumann + 178 9 v. o. st. vor der l. von der + 180 9 v. u. st. Thierangels l. Thürangels + 185 7 v. o. st. Telbaschil l. Telbaschir + 186 11 v. o. st. Hama's oder l. Hama's und + 187 4 v. o. st. Quelle entsteigt l. Quelle entspringt + -- 18 v. u. st. Amrolkai l. Amrolkai's + 189 6 v. o. st. des Turbeysel l. das Turbeysel + 208 17 v. o. st. Mahribi l. Mahghribi + 211 17 v. u. st. Maillenschläger l. Mailleschläger + 214 15 v. o. st. nur vom l. nie vom + 214 13 v. u. st. nur eines l. nur der eines + 232 7 v. u. st. Ammer l. Aammar + 237 4 v. o. st. Betha's l. Batha's + 237 11 v. o. st. war ein Vergrösserer l. war ein weit grösserer + 239 7 v. o. st. Wenn nur das Glück wie die Beisitzer wäre, + l. Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre, + 240 2 v. u. st. geistiger Dichter l. persischer Dichter + 241 3 v. o. st. Hamkjar l. Hemkjar + 242 18 v. u. st. Aasa l. Osa + 253 14 v. u. st. Ville Hardouin l. Villehardouin + 259 3 v. o. st. Mogholtei l. Mogholtai + -- 9 v. o. st. dem Herrscher l. des Herrschers + 261 12 v. u. st. Armen l. Arme + 262 1 v. u. st. Kuhdschu l. Kukdschu + 268 13 v. o. st. Ferjab l. Farab + -- 15 v. o. st. Ferjabi l. Farabi + 274 5 v. u. st. Kejanenen l. Kejanen + -- 17 v. u. st. Vasal l. Vassal + 276 12 v. o. st. Mewlane l. Mewlana + 280 2 v. u. st. nisadin l. nihaden + 283 8 v. u. st. Aufgestochenen l. aufgestochenen + 291 2 v. u. st. Suhuri l. Sughuri + 293 17 v. u. st. Mineddin l. Moineddin + 303 16 v. o. st. Mekka l. Mocha + 308 14 v. o. st. (der Oheim Abaka's) l. (der Bruder Abaka's) + 315 13 v. u. st. Buse l. Busse + 318 13 v. u. st. Denn stets l. Du stets + 320 4 v. u. st. nur diesem l. nur in diesem + 329 8 v. o. st. Zehrgnadenamt l. Zehrgadenamt + 345 10 v. o. st. mir nun l. mir nur + -- 14 v. u. st. Rumi's l. Rum's + 352 17 v. o. st. gleichzeitig mit l. gleichnamig mit + 365 8 v. u. st. und Feder und setzte l. und Feder, setzte + 367 5 v. u. st. beizustehn l. beizustehen + 374 15 v. o. st. einheimischer Herrscher Herrschaft l. einheimischer + Herrschaft + 375 8 v. u. st. dass das l. dass sie das + 393 11 v. u. st. Derwische Fakir l. Derwische als Fakir + +Noch ist zu bemerken, dass durch ein Versehen der Druckerei die in eigenen +Namen als lange geschriebenen ſ durchaus als kurze gedruckt worden, was +ebenso wenig gleichgültig, als es im Deutschen gleichgültig ist + K r e i ſ' oder K r e i s, r e i ſ' oder R e i s zu schreiben. Mit +lindem ſ sind also auszusprechen: Abulghaſi, Abderreſak, Aſerbeidschan, +Aaſiſ, Bacherſ, Bediieſ-ſeman, Chuareſm, Chumiaſ, Chuſistan, Dsheſire, +Dchuſistan, Erſendschan, Faſl, Faſluje, Firamurſ, Firuſ, Firuſi, Ghaſa, +Ghaſali, Ghaſna, Hafiſ, Haſret, Heſar, Heſarsif, Irſi, Iſeddin, Jeſd, +Kjarſun, Kjariſ, Kirgiſ, Kaſwin, Kiſil, Kotoſ, Legſi, Maſenderan, Merſeban, +Meimundiſ, Merkeſ, Mobariſeddin, Moiſ, Moheſib, Moſaffereddin, Newruſ, +Nimruſ, Niſam, Niſameddin, Oghuſ, Oneiſe, Ormuſd, Paiſe, Raſieddin, Rabſ +(besser Rabdh), Sebſ, Sebſewar, Sekiſ, Schahdiſ, Schiraſ, Schirſad, Taſik, +Tebriſ, Teguſ, Toghuſ, Tokuſ, Tschengiſchan u. a. m. + + + + +Fussnoten. + + +[1] Fraehnii de Ilchanorum seu Chulagidarum nummis Commentatio. Petropoli. +1831. + +[2] v. J. d. H. 653 (1255) bis 754 (1353). + +[3] Leurs fils actuellement s'imaginoient, qu'ils avoient été connus aussi +autrefois sous le nom de Mogols. Rechideddin. Journal asiat. + +[4] Des peuples turcs qu'on nomme maintenant Mogols, mais dont chacun +anciennement avoit un nom particulier. Rechideddin. Journ. asiat. + +[5] _Be Moghol manende schude end_, welche den Mongholen _ähnlich_ waren, +an dieselben _mahnen_, denn das persische _Manende_ und das deutsche +_Mahnende_ ist eins und dasselbe. + +[6] Dieser Umstand ist bisher allen mongolischen Geschichtschreibern, +welche sich über den Ursprung des Namens der _weissen_ und _schwarzen_ +Tataren den Kopf zerbrochen, entgangen. + +[7] An anderen Orten heisst er Sungtai. + +[8] Meters u rast gui. + +[9] Reschideddin. + +[10] Weg durch die Gebiete der _Sunit_ Mongolen nach Timkowsky in Ritters +Asien II. S. 356, auf D'Anville's Karte Souhit, bei Ssetsen _Ssunid_. + +[11] _Sekis Muran_, bei Abulghasi sind die Namen derselben sehr +verstümmelt, bei Reschideddin sind doch wenigstens vier derselben zu +erkennen, nämlich die _Irkut_ im _Ikra Muran_, die _Oka_ im _Aka Muran_, +die _Biela_ im _Tschaghlan Muran_, d. i. Weissfluss, die obere _Tunguska_ +in _Dschurdsche Muran_ (Dschurdsche ist der Namen der Tungusen), endlich +die _Ankara_ und der _Kem_ (Jenisei), in den sie fällt, ganz unverändert. + +[12] Das Christenthum desselben bezeugt Reschideddin ausdrücklich: daaweti +Isa peighamber aleihi selam ba ischan reside we bedini wei der amedend, +d. i. der Ruf (der Mission) des Herrn Jesus des Propheten kam zu ihnen und +sie nahmen dessen Glauben an. + +[13] Ueber das Land _Tendum_ M. Polo's in Ritters Asien I. S. 248-256 nach +Klaproth. + +[14] Bei Ssetsen. + +[15] _Abika_ und _Begtutmisch_. + +[16] _Sijurkukteni_, die Gemahlin Tuli's, war nicht die Tochter, sondern +die Nichte Owang Chan's; bei Ritter I. S. 297 wird sie mit _Turakina_, der +Gemahlin Ogotai's, vermengt. + +[17] Unter denen die _Kerait_, _Merkit_, _Uirat_, _Dschadscherat Tatar_, +_Katkin_, _Durban_, _Saldschiut_. + +[18] _Jeksarik_ oder Niksarit. + +[19] Türken sind auch die _Turkatun_, eine Art Wachen, deren nur +_Abulghasi_ und nicht Reschideddin erwähnt, die _Tilengut_ (Tekait), welche +Reschideddin unter den Tataren, und die _Mankut_, die er mit den _Nirunen_ +aufzählt. + +[20] Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 227 und 372, und Ritter s. +ebendas. + +[21] D'Ohsson Hist. d. Mongols I. p. 22 notes und nach demselben Ritters +Asien I. 439. + +[22] Deguignes L. I. p. 26. + +[23] Im Damme Gog versperret waren die Mongolen, + Und nahmen dann in Anspruch Würd' und Stamm der Türken. + _Kemal Ben Ghajass_. + +[24] Rubruquis und Timkowsky. + +[25] Timkowsky's Reise nach China. Wien 1826. I. B. S. 228. 244. II. 14. + +[26] Reschideddin führt dabei die folgenden Verse an: + + Die Donnerwolk' als Krokodil die Welt durchläuft, + Das aus dem Meere steigt mit Ingrimm schwarz beschweift, + Sie grinnet als ein Drach, der Unheil prophezeit, + Und zwischen Gaum' und Zahn nur Rauch und Feuer speit. + +[27] Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 109. + +[28] Ebend. S. 407. 408.; über Tschengischan's Begräbnissort s. Ritter I. +238. 482. 504. 506. + +[29] _Konghirat_, _Ikiras_, _Olkonut_, _Karanut_, _Kurlas_, _Kinkut_, +_Ildschegin_. + +[30] Udawkai Jabudak. + +[31] In Reschideddin _Karawin_, _Haidun_ oder _Hidun_; bei D'Ohsson I. +Caraoun Tchidoun u. p. 73 Caravoun Cabdjal. + +[32] So heissen in der osmanischen Reichsgeschichte die engl. Bothschafter +die _Grosshirnichten_ oder _Grossnasichten_. Geschichte des osm. Reichs V. +532. + +[33] Schmidt's Geschichte S. 107. + +[34] In der Sprache der Naimanen, in der mongolischen _Bekaul_. +Reschideddin. + +[35] _Binaketi_; bei Ssetsen, der alle Daten der Geschichte Tschengischan's +verwirrt, ist diese Geschichte in das Jünglingsalter Tschengischan's +hinaufgerückt. Reschideddin. + +[36] Diese Ringe hiessen _Kur_ oder _Kewr_, was dasselbe Wort mit dem +persischen _Kaer_, wie die Steingräber in Schottland heissen. + +[37] Die chinesischen Quellen geben die Geburt Tschengischan's ohne alle +Datenbestimmung des Monats und Tages um 7 Jahre zu spät an, im J. 1162; +dieselben verdienen hierin weit weniger Glauben als Reschideddin, welcher +seine Geschichte aus den mongolischen Archiven verfasst, und Wassaf, +welcher die Berechnung der chinesischen Cyklen gibt und dann zu Ende der +Regierung eine chronologische Uebersicht von Jahr zu Jahr beifügt. + +[38] H. v. Ohsson sagt: Goulgan, dont on ne connoit que le nom; aber +Reschideddin meldet, dass Gulgan's Sohn Kodscha nach seines Vaters Tod 6000 +Mann erhielt, dass dessen Sohn Urdui ein Hofdiener Kubilai's war und dass +Urdui's Sohn Abukian, weil er es mit Kaidu und den mongolischen Prinzen +hielt, hingerichtet ward. + +[39] Dschurdschtai und Dschawur -- Urdschaten. + +[40] H. v. Ohsson p. 419 kennt nur fünf: 1. Kutschi (Fudschin) begi, 2. +Tschitschegjan, 3. Alakai, 4. Tumalin, 5. Ultalin, 6. Ilalu, diese fehlt +bei D'Ohsson. + +[41] Reschideddin. + +[42] Derselbe im Hauptstücke der Söhne Jisukai's. + +[43] Wassaf im Hauptstücke Tschengischan's. + +[44] Bei D'Ohsson Schebourgha. + +[45] Reschideddin im Hauptstücke von den Tataren. + +[46] Bei Schmidt _Torghan Schaain_, bei d'Ohsson _Scheburghan_. + +[47] Bei d'Ohsson p. 72 _Kischlik_ und _Badai_. + +[48] _Örlök_ ist wohl Nichts als das türkische _Erlik_ -- Mannhaftigkeit. + +[49] Bei Schmidt _Torghon Schaara_. + +[50] Bei Schmidt S. 381 _Muchuli_. + +[51] Bei Schmidt S. 381 steht _Sso Mergen_, die Dschurdschid (welche ein +Zweig der Uirangkut), S. 87, wo Subutai Behadir statt der Uirangkute der +_Dschurdschid_ genannt. + +[52] Die Bedeutung gibt Reschideddin. + +[53] Bei Schmidt _Chara Kiragho_. + +[54] Schmidt S. 89. + +[55] Schmidt glaubt, unter den Vierfarbigen seien die Stämme der vier Uirat +zu verstehen, unter den Fünffarbigen die anderen Mongolen. + +[56] _Köke Mongol._ + +[57] _Jekta_, bei Wassaf im Gegensatz der _Ssu Monghol_. + +[58] Schmidt S. 95. + +[59] Bei d'Ohsson S. 419 fehlt dieselbe, aber S. 111 wird sie _Altunbegi_ +genannt. + +[60] _Dschawut Kuri_, auf chinesisch sagt Reschideddin _Emiri moasem_, +d. i. Grossfürst. + +[61] _Owangchan_, Herr eines Reichs; Padischahi jek mulk. + +[62] Kojang übersetzt Reschideddin Padischahi jek nahiet, d. i. Monarch +eines Distrikts. + +[63] Wassaful-hasret. + +[64] Schemschul-munschi. + +[65] Wassaf. + +[66] Die Jasa in Makrisi. + +[67] The Shajrat ul Atrak. London 1838. p. 32. + +[68] Noch heute im Arabischen: Muschar bil bunan. + +[69] XXV. Wort Tschengischan's in Reschideddin. + +[70] Von Lafontaine bei der Audienz eines kais. Gesandten einem Türken in +den Mund gelegt. + +[71] Mirchuand. + +[72] The treaty made between Kurachar Noyaun and Changeez Khan. _The +Shajrat ul Atrak_ p. 367; und ebend. p. 381: The covenant renewed between +Changeez Khan and Kurachar Noyaun. + +[73] The Shajrat ul Atrak S. 354. + +[74] Timur, der Sohn Emir _Tharagai_ Nujan's, des Sohnes _Tukil_ Nujan's, +des Sohnes Emir _Belegir_ Nujan's, des Sohnes Emir _Itschil_ Nujan's, des +Sohnes Emir _Karadschar_ Nujan's; _Abder-vesak_ im _Matlaa es-saadein_. + +[75] Nicht _Berolas_, wie Freih. v. d'Ohsson schreibt; im dschaghataischen +zu Calcutta gedruckten Wörterbuche S. 116. + +[76] I. J. 652 (1254). + +[77] _The Shajrat ul Atrak_ p. 198. 344. 347. 352. 355. 366; die Namen sind +aber alle so verstümmelt, dass sie kaum zu erkennen, nämlich _Irdümdschi_ +als Eeroomchi, _Kadschulai_ als Kuchooli, _Songhur Tschitschan_ als Sooghoo +chi chun. + +[78] Wassaf. + +[79] Bei Rubruquis _Griut_. + +[80] Stritter p. 50. Step. Kniga. I. 342. Rubruquis. + +[81] Rubruquis. + +[82] Memoir of Baber. + +[83] Bergman I. 60. + +[84] Wassaf. + +[85] Stritt III. 60. _docheia_ eorum lingua vocant; das persische _Dachme_. + +[86] Batu, der Herrscher von Kipdschak, sein älterer Bruder Orda und die +anderen _Scherban_, _Berke_, _Berketschar_, _Tukatimur_, _Bina Timur_. + +[87] D'Ohsson II. 193; nach Remusat. + +[88] Mohakkak anest ki chodra berawicht, ausgemacht ist es, dass er sich +erhing. Reschideddin. + +[89] D'Ohsson II. 67; nach Mailla p. 115. + +[90] Mailla ebend. + +[91] Die Hauptstädte Uighuristan's sind: _Almaligh_ und _Pischbaligh_ +erhielt den Ehrennamen der guten Stadt, _Kotloghbaligh_; wie Bamian den der +bösen, _Mobaligh_. + +[92] Rubruquis chap. 44. + +[93] Reschideddin. + +[94] Guillaume; bei Rubruquis 44. + +[95] Bei Rubruquis 33. _Cerasine_ soll _Tarasun_ heissen. + +[96] Reschideddin. + +[97] Dieser Frühlingssalon fehlt bei d'Ohsson II. 85., sowie +_Terghubaligh_. + +[98] In der Nähe des hohen Bergs _Urmuchtu_ gingen wir herab bis auf die +Auen des Flusses _Schara_. Pallas Reisebeschreibung I. S. 79. + +[99] Mirchuand, fehlt bei d'Ohsson S. 73. + +[100] Reschideddin. + +[101] Bei Plan Carpin chap. 14. le _Secretaire Chinguy_. + +[102] Peigbamter es tarafi choda; dschagataisches Wörterbuch, gedruckt zu +Calcutta. + +[103] Bei d'Ohsson II. p. 85 Keusche, p. 195 geuca; in der Handschrift der +Geschichte Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek Kösche. + +[104] Wassaf nennt von dem Uluse Dschagatai's: _Kisil_, _Buri_, _Paidar_, +_Jesenbuka_, und dem Uluse Batu's: _Hirdu_, _Bersebai_, _Berke_, +_Berkedscha_. + +[105] _Bajoth noi_, Bajoth est son nom propre, et _Noy_ est un nom de +dignité. Plan Carpin chap. 10. soll heissen _Baidschu Nojan_ oder _Nowin_, +was richtig der mongolische Fürstentitel. + +[106] Be takallub u tehewwur maaruf heisst heftig und wankelmüthig, nicht +grave et severe, wie bei d'Ohsson II. 234. + +[107] Mirchuand und Dschihanguschai. + +[108] Mirchuand. + +[109] Plan Carpin chap. 9. + +[110] Mirchuand. + +[111] Plan Carpin ch. 9. + +[112] Au côté droit personne n'étoit assis; ebend. + +[113] Reschideddin. Mirchuand. + +[114] Bei d'Ohsson II. 249. irrig le général Mangoussar. + +[115] Wassaf. + +[116] Derselbe. + +[117] Dschihanguscha u. Mirchuand und nach demselben d'Ohsson II. 272. + +[118] Bei Rubruquis chap. 29. _Jani_ statt _Jam_. + +[119] Wassaf; bei d'Ohsson II. 263. à sept. + +[120] D'Ohsson II. 267. hat aber Nichts vom Folgenden. + +[121] Wassaf. + +[122] Firischte und nach demselben d'Ohsson II. 280. + +[123] Fethol-fatuh. + +[124] Kiran Saadein; dieser Titel ist das Muster des _Matlaai Saadein_, +d. i. der Aufgang zweier Glückssterne von _Abderresak_. + +[125] Dschihannuma S. 281. + +[126] Von diesen ist in Deguignes keine Kunde; Wassaf behandelt aber im 13. +Kap. des IV. Buchs unmittelbar vor der Eroberung Kerman's ihre Geschichte, +welche auch im Munedschimbaschi und im Dschihannuma S. 279 wiederholt ist. + +[127] _Melikol-gharb._ + +[128] Geschte war, gischte pflanzte, küschte erschlagen, diwan Plural von +_Diw_ und Diwan die Rathsversammlung. + +[129] i. J. 566 (1170). + +[130] seit 576 (1180). + +[131] seit 629 (1231). + +[132] seit 464 (1071). + +[133] i. J. 814 (1411). + +[134] i. J. 629 (1231). + +[135] I. J. 606 (1209). + +[136] Von 1209-1349. + +[137] Geschichte Taberistan's und Masenderan's von Sahireddin, auf der +kaiserl. Bibliothek zu Wien, schon in der Geschichte der Assassinen S. 230 +benützt, wo statt _Badusian_ _Badusgan_ gedruckt. + +[138] _Ben Dschil_, _B. Gilan_, _B. Firus_, _B. Nersi_, _B. Dschaut_. + +[139] i. J. 610 (1214). + +[140] En ce même tems les Ambassadeurs de Vastarce étoient logés bien près +de nous. Rubruquis. Ch. 32. + +[141] Dschamischi Mirchuand. + +[142] _Dschurdsche Ikadschi_ die Mutter Kuchurtai's, _Il Ikadschi_ die +Mutter Huladschu des zwölften Sohnes, und die Mutter des vierten Sohnes +_Tedekadu_. + +[143] Les femmes ont un ornement de tête, qu'ils appellent _Botta_. Rubruq. +ch. 15. + +[144] _Banui Mehin._ + +[145] Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256), gest. 16. Moharrem +681 (26. April 1282), welcher aber ein Donnerstag, nicht ein Montag, wie in +Reschideddin vermuthlich durch Schreibfehler, sowie der 23. October 1256 +ein Montag und nicht ein Sonntag war. + +[146] Reschideddin im Abschnitte der _Uirat_. + +[147] Im Schedschretol Etrak S. 243 heisst er _Tumgha Oghul_; his eldest +son soll heissen: sein jüngster Sohn; der älteste war Abaka. + +[148] Bei Bar. Hebräus ex parte Schagatai Techodar p. 536. + +[149] Bei Bar. Hebr. Bulghai filius _Sibkani_ et _Kotar_ et _Koli_. + +[150] Relation de l'expédition de Houlagou par Abel Rémusat. Journal +asiatique II. p. 283. + +[151] Ganz übereinstimmend mit dem, was hierüber Rubruquis ch. 29 und Plan +Carpin 145 berichten, und nach ihnen Ritter, Asia I. S. 429. + +[152] Mirchuand. + +[153] Das Dschihannuma nennt S. 353 _Rudi Dschadsch_, _Rudi Hasek_, _Rudi +Dschowan_ und die beiden aus dem Stadtthor fliessenden _Nehr Kassarin_, +d. i. der Fluss der Walker, und _Nehr Eswed_, d. i. der schwarze Fluss. + +[154] _Kohondos_ ist das Schloss, _Scharistan_ die Stadt, _Rabsch_ die +Vorstadt; die Namen der Thore im Dschihannuma: das _eiserne_, das des +_Flusses_, das _Abdallah's_ und das _Turkistan's_, welches der Namen eines +vor demselben gelegenen Dorfes. + +[155] als _Kebtaul_(?); Reschideddin sowohl unter dem Artikel _Dschelair_, +als unter dem _Uirat_. + +[156] Reschideddin nennt acht: _Kerrai Melik_, _Turaschi_, _Newrus_, +_Legsi_, _Dschami_, _Jutkotlogh_, _Bulduk_, _Uiratai_. + +[157] Im Schedschretol eschrak S. 243 ist der Name _Scheburghan_ in +_Surghan_ verstümmelt, und gleich das _Chuarschah_ in _Chuaresmschah_. + +[158] Dschihannuma S. 316. + +[159] Dschihannuma S. 322 Nushetul-muschtak. + +[160] Quatremère mémoire historique sur la vie et le ouvrages _d'Alaeddin +Ata Melik Djouaeiny_, mines de l'orient I. p. 220. + +[161] Nushet. + +[162] Reschideddin, schon im Journal asiat. übersetzt. + +[163] _Takwimol-boldan_, die Ephemeriden der Länder. + +[164] _Nushetol-Kolub_, die Ergötzungen der Herzen. + +[165] _Dschihannuma_, die Weltschau. + +[166] Schebchun awerdend dscherkera charab kerdend; aus der fehlerhaften +Schreibart des Manuscripts der Hofbibliothek sind in der französischen +Uebersetzung irrig zwei eigene Namen von Cheikhorun und Herke entstanden; +so heisst in der Geschichte der Assassinen _Keitbuka Nujan_ irrig +Kajukanian. + +[167] _Sirkuh_ im Dschihannuma S. 326 mit den Namen der drei dazu gehörigen +Flecken. + +[168] _Mobareseddin Ali Turan_ und _Schudschaaeddin Hasan_. + +[169] In Reschideddin ist hier eine Verwirrung der Daten, indem das Jahr +nicht richtig angegeben; nämlich 651 statt 653, wie aus dem Nushet zu +ersehen. + +[170] _Mohteschim_, so hiessen die Commandeure der Assassinen. + +[171] Achlaki Nassiri. + +[172] Auf Fraser's Karte _Ghain_ oder _Kain_. + +[173] Nushet und nach demselben das Dschihannuma S. 325. + +[174] _Chawwaf_ und _Sawa_, ebend. S. 319. + +[175] Den Namen Keitbuka verstümmelt der Uebersetzer des +Schedschretol-etrak in Kunooka S. 245, sowie den Sultan Aegyptens, +_Seifeddin Kotus_, in Syfe-ud-din Furdooz und _Jaschmut_ in Bishmoot. + +[176] 203 (818). + +[177] I. J. 193 (809). + +[178] Gest. im J. 411 (1020). + +[179] Im Dschihannuma S. 318 durch Druckfehler Senabad. + +[180] Narrative of a journey into Khorassan 444. + +[181] Fraser 519. + +[182] Terghu, dies ist der wahre Sinn, der in der französ. Uebersetzung im +journ. as. verfehlt ist: les dames reçurent des titres. + +[183] Manuscript, Mirchuand, Dschihannuma S. 323. bei Quatremère mémoire +d'Ata Melik dasselbe unrichtig Djouvuchan und unrichtig nach der Eroberung +Alamut's. + +[184] Beigtimur Kurdschi, Sahireddin Sipehsalar Bitekdschi, Schati Emir. + +[185] Fraser nach Price im J. 242. + +[186] I. J. 261 (874). + +[187] Seine Lebensbeschreibung die 42. im Nefhatol Ins. Dschami's. + +[188] Gest. i. J. 858 (1454). + +[189] I. J. 875 (1470). + +[190] Geschichte des osm. Reichs II. B. S. 76 und S. 351, wo die Titel von +zwanzig seiner Werke. + +[191] Merketai und Ikilmisch. + +[192] _Reiseddewlet_ und _Muwafikeddewlet_. + +[193] _Suseni_, nicht _Rouveni_, wie in der französ. Uebersetzung. + +[194] _Ssadreddin_, _Sahireddin_, _Tolek Behadir_ und _Berrak_ (der erste +fehlt in der franz. Uebersetzung). + +[195] Nicht Koudraghoul, wie in der franz. Uebersetzung. + +[196] Morier second journ. 363. + +[197] Firuskjuh, auf der Strasse von Demghan nach Tehran, nahe bei +Demawend, auf Frasers Karte; nach dem Nushet ebenfalls hart an Demawend +gelegen; in Dschihann. S. 339 unter _Girdkjuh_. + +[198] Morier second journey p. 357. + +[199] The wretched village of Abbasabad. Fraser 248. + +[200] Thalkan, wie Semnan, eine Stadt der _Tocharistan_ genannten +Landschaft. _Nushet_. + +[201] _Meimundis_ findet sich weder im Manuscript, noch im Dschihannuma, es +scheint dasselbe _Meimend_ zu sein, was im Nushet. + +[202] _Sergūseschti Sidina._ Wassaf. + +[203] Nach ihm auch _Claproth_: »Hier erzählt man sich, er habe, als er +eine 12 Werste von der Buchtana in einen Felsen gehauene Hieroglyphe nicht +entziffern konnte, sie heraushauen lassen, um keinem anderen den Ruhm zu +lassen.« Briefe aus Sibirien; im Ausland Nr. 102 vom 11. April 1836. + +[204] Traces of a very extended line of towers connected with walls and so +situated as to appear to the gazer below absolute impregnable. I. p. 289. + +[205] Insgemein _Lemsir_ geschrieben; am 20. Silkide 495 (5. Sept. 1102). +Wassaf. + +[206] Fraser p. 248. + +[207] Mulahide sachte end bighajet muhkemest. + +[208] Hamdallah und im Dschihannuma _Alamut_ S. 296, _Tun_, _Kain_, +_Dschenabdar_ S. 325, _Muminabad_ S. 326. + +[209] Nach Reschideddin vom J. d. H. 477-654, nach Hadschi Chalfa v. J. d. +H. 483 angefangen. + +[210] Ausführlich zu Ende des _Tarichi Güside_, kürzer im _Nushetol-Kolub_; +nach beiden und nach dem _Tedwin_ Imam Rafii's, das Dschihannuma S. 293. + +[211] I. J. 463 der alexandrinischen Aere. + +[212] I. J. 204 (819). + +[213] I. J. 411 (1020). + +[214] I. J. 572 (1176). + +[215] I. J. 500 (1106). + +[216] I. J. 548 (1153). + +[217] Aasu Kaswine feinnehu min aala babil-dschenneti, Dschihannuma S. 293. + +[218] Morier second journey. p. 203. + +[219] Dschihannuma, ebend. + +[220] Adschaibol machlukat. + +[221] Charidetol-gharaib. + +[222] Tarichi Güside. + +[223] Nushetol-kolub. + +[224] Fersendani Aferinisch u Longtar. + +[225] Im J. 641 (1243); Nochbetettewarich, der Ort in Reschideddin. + +[226] Dschihannuma S. 299 und das Nushet. + +[227] Im J. 23 (643). + +[228] Im J. 320 (932). + +[229] Im J. 618 (1221). + +[230] Dschihannuma S. 300. + +[231] Morier second journ. p. 265. 269. Malcolm's Geschichte. + +[232] Am 1. Dchemasiul sani 627 (26. April 1230). Dewletschah, +glaubwürdiger, als andere Daten, welche in der Geschichte der persischen +Redekünste S. 141 durch Druckfehler verstümmelt sind, indem 727, 732 für +719, 627, 632, 619 steht. + +[233] Haitho ch. 18; Marino Sanuto III. pars 13. ch. 5. und nach demselben +d'Ohsson III. p. 81. + +[234] Vincent. Bellov. Spec. hist. L. XXXI. c. 28 und nach demselben +d'Ohsson III. p. 83. + +[235] Bar. Hebr. und d'Ohsson III. 85. + +[236] Ascelin, bei Vincent de Beauvais und in Remusat's Mémoire sur les +rapports des princes Chrétiens avec les Tatares, in den mémoires de +l'Institut de France VI. p. 422. + +[237] Ebenda S. 426. + +[238] d'Ohsson III. 103-118. + +[239] Mirchuand. + +[240] Die grössere Umständlichkeit dieser Uebersicht hat noch die Kritik +Herrn v. Poujoulat's im Temps 18. Mars 1836 angeregt, welcher findet, dass +in der Geschichte des osm. Reichs die Anarchie des byzantinischen Reichs +nicht ausführlich genug charakterisirt worden: Peutêtre devoit il mieux +caractériser l'anarchie de l'empire grec morcelé par les croisades. + +[241] Elmacinus p. 255. -- Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln. + +[242] Nochbet; Sojuti. + +[243] Munedschimbaschi. + +[244] Sojuti, Munedschimbaschi. + +[245] Nochbet. + +[246] Sojuti und Nochbet. + +[247] Munedschimbaschi. + +[248] Emineddewlet we eminol-millet. + +[249] Moiseddewlet. + +[250] Adhadeddewlet. + +[251] Fachreddewlet. + +[252] Scherfeddewlet. + +[253] Ssamssameddewlet. + +[254] Behaeddewlet. + +[255] Imadeddewlet. + +[256] Iseddewlet. + +[257] Moschrifeddewlet. + +[258] Dschelaleddewlet. + +[259] S. Garcin de Tassy und S. de Sacy's Anthologie. + +[260] In Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln i. J. 397, 417, 424; im +Munedschimbaschi i. J. 384 (994). + +[261] Im J. 443 (1051) und 458 (1065). + +[262] 460 (1067), Nochbet. + +[263] Nochbet. + +[264] I. J. 462 (1069); Nochbet. + +[265] I. J. 466 (1073) und i. J. 454 (1061). + +[266] Hei ala chairil ammel. + +[267] Nochbet. + +[268] I. J. 459 (1066). + +[269] Alparslan i. J. 465 (1072); Kaimbiemrillah i. J. 467 (1074). + +[270] Melekschah i. J. 485 (1092); Moktefi i. J. 487 (1094). + +[271] Das Nochbet nach dem _Ikdol-dscheman_ Ibnol-dschewsi's. + +[272] I. J. 514 (1120). + +[273] Re, Elif und folglich Raschid, und nicht Reschid, was der Beiname +Harun's. + +[274] Rampoldi VII. 289. + +[275] Ruhol-aarifin. + +[276] _Danischmend._ + +[277] _Muid._ + +[278] Dschihannuma S. 466. + +[279] Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln und Kamus. + +[280] Haschischin. + +[281] Nochbet. + +[282] Ebenda nach Noveiri; bei d'Ohsson III. S. 89. + +[283] Wassaf. + +[284] d'Ohsson III. p. 200, nach Noveiri. + +[285] Horna an instrument of conveyance, the Pureyhorn, the Borrstalhorn, +Brusshorn u. s. w., im dritten Bande der Archaeologia britannica I. 7. + +[286] Wassaf. + +[287] Derselbe. + +[288] Wassaf. + +[289] Nochbet. + +[290] Nochbet. + +[291] Nochbet, Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln. + +[292] Reschideddin. + +[293] Reschideddin. + +[294] d'Ohsson III. 222 gibt die Botschaft, aber nicht die Antwort, und +sagt: Houlagou les congédia sans faire grande attention à leurs discours. + +[295] Dschihannuma S. 456. + +[296] Nökeri gesik. + +[297] Reschideddin setzt die Verse hinzu: + + Was sind Ameisen mir, was Elephantenwuth, + Was Quell, was Fluss und was des Niles Fluth; + Und wenn sich der Befehl von Gott nun anders wendet, + Wer weiss wohl ausser Ihm, wie dieses Werk noch endet. + +[298] Bei Köschk Manssur ober Mesrike; Reschideddin. Wassaf sagt: in der +Nähe von Dudscheil. + +[299] Wassaf. + +[300] Wassaf. + +[301] _Dscharlik_, eigentlich Diakon. + +[302] _Babol-Halbe._ + +[303] Ein schiitischer Molla, welcher aus der Inschrift das _La_ (nicht) +weglöschte, ward mit siebzig Stockstreichen bestraft. Wassaf. Mirchuand; +Noveiri; bei d'Ohsson III. p. 243. + +[304] Das Schreiben des Langen noch bei Wassaf. + +[305] Reschideddin; Wassaf. + +[306] d'Ohsson III. 256. près de Hamadan où étoient restés ses Oghruks +(Aghrik); das türkische Aghirlik heisst das schwere Gepäck. + +[307] _Adabes-Sultanijet._ + +[308] Am 18. Ramasan 630. + +[309] Dschihannuma S. 346 und 347 ein volles Blatt. + +[310] Porter sagt hierüber II. 592. 593. + +[311] Dschihangir ne Dschihandar. + +[312] 1. _Moejeddin Ben Irsi_ von Damaskus, 2. _Nedschmeddin Kjatib_ von +Kaswin, 3. Fachreddin von Mossul, gebürtig von Meraasch, 4. Fachreddin von +Tiflis, gebürtig von Achlat. + +[313] als die von _Fachir_, _Alai_, _Schahi_, _Guschjar_. Wassaf. d'Ohsson +III. 265. + +[314] _Tarichi Güside._ + +[315] Ebenda. + +[316] Vahram's chronicle of the Armenian Kingdom in Cilicia translated by +Neumann p. 47. + +[317] Haitho c. XXIII.; diese sieben Artikel sind die des Vertrags, von +welchen die Geschichte Vahram's spricht, die als Antwort auf Neuman's Frage +in der Note 67: Is this treaty to be any where found? + +[318] Sinebaldus Conestabulus regni Armeniae. + +[319] S. Martin Mem. II. scheint diese zwei Reisen _Sempad's_ mit den +seines Bruders _Hethum_ vermengt zu haben. + +[320] Orpellian in S. Martin. Mem. II. p. 143. + +[321] d'Ohsson III. 268.; nach Dschuweini. + +[322] Derselbe S. 269. + +[323] Mouradjea d'Ohsson III. 271., nach Bar. Hebr. 530. + +[324] S. Martin Mem. I. 112. und Dschih. S. 602. + +[325] Der Aufmerksamkeit S. Martin's ist entgangen, dass Kaghzevan (das in +seinem geographischen Register fehlt) dasselbe mit Kaghseman (Dschih. S. +408). + +[326] S. Martin Mem. p. 145. + +[327] Dschihannuma S. 382 und Hamdallah. + +[328] Dschihannuma S. 426 und 425. + +[329] _Lobasanagut_ oder _Libasanagut_ oder _Lebasanagut_, nur der erste +Vocal ist zweifelhaft. + +[330] Constantin Porphyrogenita. + +[331] Dschihannuma S. 419. + +[332] Reschideddin. + +[333] Beim Bar Hebr. _Maiphercata_. + +[334] Bar Hebr. nennt ihn _Aschraph fil. Malic Ghazi_; er hiess aber +_Kjamil Ben Melik Mosaffer Ghasi_. Nochbet. + +[335] Beim Bar Hebr. _Aischmut_, bei Abulfeda IV. 573. _Samud_. + +[336] Bar Hebräus ch. 28. + +[337] Aus dem 94. Vers der VI. Sura. + +[338] Aus dem 226. Vers der XXVI. Sura. + +[339] Aus dem 97. Vers der XIX. Sura. + +[340] Die 16. Sure, die _Biene_; sie beginnt mit dem Verse: _Gekommen ist +Gottes Befehl; beschleuniget nicht sein Gericht._ + +[341] Das Ende der Sura _Ssad_, d. i. der 38., ist der Vers: _Und ihr +werdet wissen, dass die Kunde wahr, nach einiger Zeit._ + +[342] _Ummi._ + +[343] Die ersten 4 Verse der LXXXII. Sura. + +[344] Anspielung auf den Ueberlieferungs-Spruch, der auf den Zifferblättern +morgenländischer Uhren zu sehen: _Eddunja saatun fe edschaalha taaten_, die +Welt ist Eine Stunde, gehorsam mach' die Runde. + +[345] Der 65. Vers der V. Sura. + +[346] Der 88. und 89. Vers der XIX. Sura. + +[347] Der 226. Vers der XXVI. Sura. + +[348] Gesch. des osm. Reichs I., nach Neschri, Seadeddin, Dschenabi. + +[349] Primo mense, d. i. des syrischen Jahres, welches Ende September +begann. Bar Hebr. + +[350] Moazem filius Saladini magni beim Bar Hebr. p. 255 ist unrichtig, +denn Ssalaheddin hatte keinen Sohn, der so hiess; es ist hier die Rede von +dem ältesten Sohne Nassir's, welcher auch Ssalaheddin hiess, wie sein +Grossvater. + +[351] Reschideddin. + +[352] Dschihannuma S. 593. Histoire des Sultans Mamlouks de l'Égypte par +Makrizi, traduite par Quatremère I. 19. + +[353] _Bintol-Hafisa._ + +[354] Schehabeddin Ben Amru's, das Nedschmeddin's, des Bruders Marsdekin's, +das Basdedde's, das Alemeddin Kaissar's. Abulfeda IV. 579. + +[355] Bar Hebr. 556. + +[356] Bar Hebr. + +[357] Abulfeda IV. p. 579. + +[358] Reschideddin. + +[359] nicht vierzig Tage, wie Reschideddin sagt; Abulfeda gibt die Daten +genau. + +[360] Reschideddin, Abulfeda IV. nennt den _Naib_ Amadeddin von Kaswin. + +[361] Abulfeda IV. 585. + +[362] Wilkens Geschichte der Kreuzzüge I. 180. II. 516. 633. III. 52. 82. +90. 92. 219. Abulfeda III. 511. 583. 593. 755. IV. 35. 59. + +[363] Dschihannuma S. 597; der Richter von Harim zu Selkin, auf der Karte +_Serkin_. + +[364] Abulfeda IV. 581. + +[365] Abulfeda IV. 587. + +[366] S. Martin Mem. II. 97. Dschihannuma S. 437. + +[367] Aini Hausile musemma bu ainden, d. i. aus einer Quelle, welche +Beckenquelle heisst; es ist also unrichtig, wenn S. Martin p. 97 sagt: le +Nymphius appellé actuellement _Aynathaoudh_. + +[368] Macdonald Kinneir. + +[369] Reschideddin setzt noch den Nassir von Haleb hinzu, was aber ein +Anachronismus, indem dessen Hinrichtung erst nach der Niederlage von +Aindschalut statthatte, welche, wie wir sogleich zeigen werden, später als +die Eroberung von Miafarakain. + +[370] Da Abulfeda IV. 509 das Datum gibt, so bleibt kein Zweifel übrig über +die Epoche des Falles von Miafarakain, wiewohl Reschideddin denselben erst +nach der Schlacht von Aindschalut erzählt. + +[371] S. Martin Mem. I. p. 174. + +[372] Dschihan. S. 437. + +[373] Procop. de bello persico I. 5. + +[374] Γιλιγερδον. Theophanes IV. 1. + +[375] Haitho Histor. 24. + +[376] Hiernach wäre die Stelle in der Gesch. des osm. Reichs II. 448 bei +einer neuen Ausgabe zu berichtigen. + +[377] Theophanes, Cedinus, Justinus und nach denselben Geschichte des osm. +Reichs II. 443. + +[378] Dschihann. S. 441. + +[379] Theophylaktus III. 5. S. Gesch. des osm. Reichs II. 448 und 648. +_Matha_ ist vermuthlich das Schloss der Magyaren und Beiramkai (Macdonald +Kinneir p. 425) vielleicht das alte Beidum. + +[380] Cherefeddin bei La Croix ch. 37. p. 275. + +[381] Dschihannuma S. 443. + +[382] _Muwad_ und _Schesch_ 96, Reschideddin; also nicht 80jährig, wie +d'Ohsson sagt. + +[383] Nochbet. + +[384] Bei d'Ohsson III. 322. Alakuh, der Statthalter Bondokdar's zu Haleb. + +[385] Bei d'Ohsson III. 373, nach Bar Heb. _Samdaghun_. + +[386] Dschemdschadar. + +[387] _Durghan_, Wassaf im V. Bande, Eingangs der Erwähnung des Zuges +Hulagu's nach Westen. + +[388] _Chuthai Tebris_, Dschihannuma S. 381. + +[389] Ewlia in der Beschreibung Malatia's und Dschih. S. 600. + +[390] Wie _Schaab_, _Ghuta_, _Obolla_, _Soghd_ auf Erden berühmt sind, + So ist des Bosporos Gestad' im Paradiese berühmt. + +Geschichte des osm. Reichs V. S. 594. + +[391] d'Ohsson III. 329. nach Noweiri. + +[392] Dschihannuma S. 570. + +[393] Banias, wie bei d'Ohsson, nicht zu vermengen mit dem Balanias +Abulfeda's, welches auf den Karten auch als Banias steht. + +[394] Haitho c. 29. + +[395] Haitho. + +[396] Gurboga, bei Haithon 29. + +[397] Haithon 50; bei Wilken VII. 416. + +[398] hem harik hem gharik. Nochbet und Abulfeda IV. p. 511. + +[399] Burdschi ahmer. + +[400] Histoire des Sultans Mamlouks de l'Égypte par Makrizi, traduite par +Quatremère. I. p. 98. + +[401] Ebenda p. 103. + +[402] _Soweila_, nicht Zwilah, wie in der Uebersetzung Makrisi's von +Quatremère I. p. 103 dieser Name irrig geschrieben wird; bei demselben +findet sich auch S. 101 das Schreiben Hulagu's an Kotos in voller +Ausdehnung. + +[403] 1. Emir Melik Husein Chan; 2. Melik Ichtiareddin Chan; 3. Melik +Seifeddin Ssadik Chan; 4. Melik Nassireddin Gülschu Chan; 5. Atlas Chan; 6. +Nassireddin Kimeri. + +[404] Kaimeri statt _Kimeri_ ist Reiskische Leseart. + +[405] Makrizi, trad. par Quatremère I. p. 104. + +[406] Ebenda. + +[407] _Burke_, noch heute der tscherkessische Wettermantel. + +[408] Abulfeda IV. 595, fehlt in der Stammtafel bei Rehm, so auch sein +Vater _Asis_. + +[409] d'Ohsson III. 335, nach Noweiri und Reschideddin. + +[410] Nach Abulfeda V. 621 auch die Nachricht der Schlacht bei Himss, was +aber ein Widerspruch mit Bar Hebr., welcher als den Tag der Hinrichtung den +29. October angibt, während die Schlacht von Himss am 10. December statt +hatte. + +[411] Abulfeda IV. p. 621. + +[412] Reschideddin bei Bar Hebr. _Mowahid_. + +[413] Bar Hebr. p. 559 aber abweichend von Reschideddin. + +[414] am 29. October 1260, nicht 1261, wie in Rehm's Stammtafel; denn Bar +Hebr. gibt den Tag an. + +[415] Abulfeda IV. p. 523. + +[416] Abulfeda IV. p. 625. + +[417] Tebrdar, nicht Taudar, wie bei Reiske IV. 599; aber auch nicht +hellebardier, wie bei d'Ohsson p. 345, in welchem Falle es Harbedar heissen +müsste. + +[418] Proben dieser Siegesgedichte bei Abulfeda IV. p. 601. + +[419] nicht _Elbarli_, wie bei Abulfeda IV. 603. + +[420] Abulfeda IV. 344. + +[421] d'Ohsson III. 346. nach dem Leben Beibars. + +[422] El Hakimbiemrillah Ahmed Ben Hasan Ben Ali B. Ebibekr B. Mosterschid. + +[423] Hakimbiemrillah. + +[424] Ueber Dschudschi und seinen Ulus siehe die Beilagen I. u. II. aus den +Geschichten Haider's und Wassaf's. + +[425] Bei Bar. Hebräus _Kotar_, d'Ohsson _Tumor_ ist Schreibfehler des +Manuscripts. + +[426] Histoire des Sultans Mamlouks par Makrizi, traduite par Quatremère I. +p. 212. + +[427] Quatremère übersetzt durchaus: Signe de la Noblesse, was nicht +richtig. + +[428] Makrisi nennt die vorzüglichsten: _Keramun_, _Amtagjah_, _Noghai_, +_Dscherek_, _Kajan_, _Nasagjah_, _Taischur_, _Bentu_, _Sobhi_, +_Dschaudschelan_, _Adschkarka_, _Adkerek_, _Kerai_, _Salagjah_, +_Motekaddem_ und _Daragan_. Quatremère I. p. 222. + +[429] Ebenda u. S. 235. + +[430] 1. _Ilkai_, 2. _Turan Behadir_, 3. _Batu_, 4. _Saldschedai_, 5. +_Tschaghan_, 6. _Belarghu_, 7. _Doghus_. + +[431] Ueber den Feldzug wider Berke siehe die Beilage III. aus Wassaf. + +[432] Wassaf. + +[433] Derselbe. + +[434] Apuschka, Sohn Buri's, des Sohnes Muwatukjan's, des Sohnes +Dschaghatai's. + +[435] In demselben waren _Taghadschar_, _Hulagu_, der Sohn Ildschitai's, +_Nadin Kadan_. + +[436] Reschideddin. + +[437] in der Nähe der Stadt _Bulad(?)_, _Tulad(?)_. + +[438] Reng Altui, am Flusse Dschaikan. + +[439] Mirchuand. + +[440] Reschideddin, Mirchuand. + +[441] _Taghadschar_, der Sohn Ewbadschi Nujan's, _Jesunke_, der Sohn +Dschudschi Kasar's, _Jekekadak_, Dschingtimur, der Sohn Kadak's, +_Aschikai_; die schuldigen Prinzen: _Schiregi_, _Taghai_, _Dscherku_, +_Baitimur_; die Emire: _Hintunk_ Nujan, _Durbai_, _Pulad_ Dschingsang. + +[442] _Huku_, der Sohn Gujukchan's, _Hobat_, der Sohn Nako's, _Kutuk_, der +Sohn Karadschar's. + +[443] _Schiregi_, der Sohn Ogotai's; die Söhne Arikbugha's: _Tukukur_ und +_Melik Timur_; _Tokatimur_, der Sohn Suktu's; _Urughadai_; die Neffen +Kubilai's: _Horrak_ und _Ogin_. + +[444] Serinerud. + +[445] Sonntags den 9. Rebiulachir (8. Febr., Sonntagsbuchstabe D, richtig +ein Sonntag). + +[446] d'Ohsson sagt, ich weiss nicht, auf welche Autorität, dass dies das +Schloss _Tala_ am See von Urmia; aber Reschideddin sagt: gegenüber von +_Dehchuaregjan_ (bei d'Ohsson _Sachwareku_), was nur Verstümmelung von +_Destchawakan_ [Dschihannuma S. 386, welches nicht ferne vom Berge +_Sehend_.] + +[447] Mirchuand, Wassaf. + +[448] Odoricus Raynaldus XIV. 1260. N. 29. + +[449] _Tschehelsutun._ + +[450] _Tschehel Minar._ + +[451] _Nakschi Rustem._ + +[452] _Meschdschedi Maderi Suleiman._ + +[453] _Sindani Dschemschid._ + +[454] _Nakarachana Dschemschid._ + +[455] _Bend Emir_, d. i. der Damm des Fürsten, nämlich _Adhadeddewlet's_. + +[456] Dass Ομηρος dasselbe mit _Omer_, ist in den Jahrbüchern der Literatur +bei Gelegenheit der Anzeige des Werkes »Ulysse Homere« dargethan worden. + +[457] Quatremère mémoires géographiques sur l'Égypte II. p. 506; dann +Wilken's Geschichte der Kreuzzüge II. 78. 119. 201. + +[458] Geschichte des osm. Reichs III. S. 413, nach dem +Nochbet-_ettewarich_. + +[459] Dschihannuma S. 278. + +[460] Dschihannuma S. 281. + +[461] Tarichi Güside; Wassaf. + +[462] Dieser fehlt in der Liste bei Deguignes I. 260. + +[463] Lari, Nochbet, Güside, Wassaf, Mirchuand. + +[464] Wassaf. + +[465] Kämpfer amoenitates exoticae. + +[466] Mirchuand und Wassaf führen bei dieser Gelegenheit das Distichon des +Schahname an: + + In den drei Domen, wo zu Istachar + Die Residenz der Schahe von Iran war. + +[467] Wassaf. + +[468] Derselbe. + +[469] Geschichte der schönen Redekünste S. 202. 203. 160 und 161 nach +Dewletschah. + +[470] S. 214. + +[471] Wassaf. + +[472] _Abisch_, nicht Aische, wie bei Deguignes, auch nicht _Uns_, wie +d'Ohsson, durch einen Schreibfehler des Manuscripts verleitet, schreibt, +ist der Namen dieser Prinzessin, welcher die morgenländische Sitte eines +freundschaftlichen Pikniks bezeichnet. S. Gol. qui atrium alienae domus +instruit cibo ac potu suo, quod facere apud Arabes inter se amici solent, +quasi symbola conferentes; eine Art συσιτια. + +[473] Donec provisis quae tempus monebat simul excessisse + Augustum et rerum potiri Neronem fama eadem tulit. + +Tacit. Annal. I. 5. + +[474] Reschideddin nennt sieben: 1. _Ilkai_ Nujan; 2. _Sundschak_ N.; 3. +_Suntai_ N.; 4. _Abtai_ N.; 5. _Semaghar_ N.; 6. _Schiktur_ N.; 7. _Arghun +Aka_. + +[475] Nushet und nach demselben Dschihannuma S. 299. + +[476] Dieses übersetzt Miles, ohne das eiserne Thor am kaspischen Meere zu +erkennen, S. 248: he presented the iron durbund of Shirwan to Bishmoot, und +_Tuktin_ ist in Tyubeen verstümmelt, _Sundschak_ als Sooghchak, +_Dschuweini_ als Joini u. s. w. + +[477] _Makatii._ + +[478] Reschideddin. + +[479] Wassaf. + +[480] Derselbe. + +[481] sub rosa. + +[482] Scherfijet auf der kais. Hofbibliothek. + +[483] Nicht zu verwechseln mit Bulghan Chatun, der Gemahlin Ghasan's, +welche ebenfalls eine Konghuratin; diese war die Tochter _Tesu's_, jene die +Tochter Utaman's. + +[484] Pachymeres T. I. p. 273. Stritter III. 1044. + +[485] Im _Schedschretol Etrak_ wird als das Datum der Schlacht der 20. +Ssafer 664 angegeben; die Namen sind, wie gewöhnlich, alle verstümmelt, +Berke in _Boorkeh_ und Nokai in Booka. + +[486] Nushet, nach demselben Dschihannuma S. 341. + +[487] Noweiri, bei d'Ohsson III. p. 421; Dschebele heisst dort Djeliba. + +[488] Bei d'Ohsson nach _Ranan er-Roub?_ und _Sikhulhadid_, d. i. eiserner +Bratspiess. + +[489] Noweiri, Bar Hebräus 645. Haithon hist. orient. c. 33. + +[490] Haithon hist. orient. c. 33. + +[491] _Jesentewa_, der Sohn Muwatukjan's, heisst im Schedschretol Etrak +durch die Verstümmelung des Uebersetzers einmal Sookur Kaan, the son of +Kamkar, S. 250 und S. 251 Tokzur Sookur und _Abaka_ Abukai. + +[492] _Robath_; Wassaf. + +[493] Derselbe; Schedschretol Etrak p. 360. + +[494] Wassaf; aber von dem, was bei d'Ohsson zweimal, III. B. S. 427 und +429, vorkommt: ils burent ensemble, après avoir choqué leurs coupes, du +sang où il y avoit de l'or, ist keine Spur im citirten Wassaf, wo bloss vom +Blute der Rebe die Rede, _Chunireschardend_, sie tranken das Blut der Rebe; +es scheint, dass H. v. O. _Chuniser_ las, das heissen würde: sie tranken +das _Blut des Goldes_. + +[495] Reschideddin. + +[496] Derselbe. + +[497] der Sohn Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's. + +[498] der Sohn Kaidu's, des siebenten Sohnes Dschagatai's. + +[499] der Sohn Serban's, des achten Sohnes Dschagatai's. + +[500] der Sohn Gujuk's, des zweiten Nachfolgers Tschengischan's. + +[501] der Sohn Kara Hulagu's, der Erstgeborene Muwatukjan's. + +[502] der sechste Sohn Ogotai's. + +[503] _Kukdschu_ heisst auch der neunte Sohn Kubilai's. + +[504] der grosse _Jesawur_, der Bruder Borrak's, bei Wassaf _Besmar_, bei +Reschideddin auch _Jesas_; der kleine war _Jesawur_, der Sohn Dschudschi's +(der Bruder Kipdschak's), des Sohnes Kaidu's, des sechsten Sohnes Ogotai's. + +[505] der Sohn Batu's, des Sohnes Hindu's, des Sohnes Dschagatai's, des +zehnten Sohnes Dschudschi's. + +[506] In den Jahrbüchern der Literatur VII. 300. irrig _Nertuke_, weil das +_Ki_ zum Namen gezogen worden. + +[507] Nushet; Dschihannuma S. 314. + +[508] Dschihannuma S. 315. + +[509] Reschideddin. + +[510] Wassaf nennt die Prinzen: _Jesdar_, _Kongurtai_, _Adschai_, +_Tikeschi_, Nigudar Huladschu; die Emire: _Arghesun_, _Masuk Ahmed_, +_Kotschek_, _Timur_, _Olinak_, _Menkeser_, _Abdullah_, der Sohn Tulak +Bawerdschi's, und Aradschuk. + +[511] _Ala at._ + +[512] _Alatagh._ + +[513] Wassaf. + +[514] Reschideddin. + +[515] d'Ohsson III. 505. + +[516] Der Enkel Dschagatai's aus seinem zweiten Sohne Muwatukjan. + +[517] Bei d'Ohsson _Jesar_, in Wassaf _Basmar_, in der Handschrift +Reschideddin's der k. k. Hofbibliothek _Parso_. + +[518] In der Handschrift der k. k. Hofbibliothek einmal _Dschanli_ und +einmal _Dschobai_, in Wassaf _Dschoban_. + +[519] Wassaf. + +[520] i. J. 703 (1303), Reschideddin von den Frauen Hulagu's. + +[521] Vom J. 654 (1256) bis 669 (1270) machen vierzehn Sonnen- und fünfzehn +Mondjahre, was die Hälfte der von Haithon als Belagerungszeit des Schlosses +Tigaddo angegebenen dreissig Jahre. + +[522] Nushet und Dschihannuma S. 292. + +[523] Nushet und Dschihannuma S. 299. + +[524] Tarichi Güside. + +[525] Geschichte der persischen Redekünste S. 203. + +[526] Von drei Seiten von Chorasan umgeben. Dschih. S. 254. Hier sind die +Schlösser _Firuskuh_ und Girdkjuh. + +[527] _Ghardschistan_ Dschih. S. 238, 254, 324. + +[528] _Purdestan_, der Sohn Destan's, ist Rustem, der Herr von Nimrus +(Sistan), der Inhaber der berühmten Stierkeule, welche eine der persischen +Reichsinsignien. + +[529] Wortspiel zwischen _Melik_, König, und _Melek_, Engel. + +[530] _dil ber an nihaden_, ganz und gar dasselbe mit dem Englischen: set +his heart upon some thing. + +[531] _Chamrol adschem_, der Wein der Perser, das grüne Opiat; insgemein +_Esrar_ genannt. + +[532] Die Schlangen sollen blind werden, wenn sie Smaragd anschauen. + +[533] Reschideddin. + +[534] wirklich schreiben es die englischen Reisebeschreiber nicht anders +als _Fall_. + +[535] d'Ohsson vermengt sie III. 516. mit den Karawinen; ces guerriers +designés sous le nom de _Nigoudariens_ ou Caraviniens. + +[536] Aresch, Αρης. + +[537] Isfendiar mit dem ehernen Leib gilt insgemein für Xerxes. + +[538] Cyrus, der Aschghiane. + +[539] Der ritterlichste Fürst der Beni Sasan. + +[540] H. v. Ohsson III. 464. bürdet dem Wassaf auf, was er nicht gesagt: +Beibars fit jetter dans le fleuve jusqu'à 35000 chameaux, dont les corps +servirent de pont à ses troupes. Wassaf sagt ausdrücklich, dass der Sultan +der erste den Zügel hineinlenkte. + +[541] d'Ohsson III. 468., nach Nuweiri. + +[542] Bar Hebr. 546. + +[543] i. J. 1188, Wilken IV. 241. + +[544] Dschihannuma S. 594 verdruckt als _Derbak_. + +[545] Wilken's Geschichte der Kreuzzüge VI. S. 495. + +[546] Dschihannuma S. 594. + +[547] nicht Manca, wie bei d'Ohsson III. 472. + +[548] Mannert VI. II. 49. _Menasikol-hadsch_ S. 43. + +[549] _Merdsched-dibadsch._ + +[550] Ewlia. + +[551] Dschihannuma S. 602; auf Paultres Karte nicht richtig Kurtu Cular; +auf der Karte M. Kinneirs blos Kulaghi als Castabala. + +[552] Ebenda. + +[553] Sughuri Islam. + +[554] S. Martin Mem. I. p. 201. + +[555] heute Kisildsche. + +[556] heute Gökssu. + +[557] Paul Lucas; Dschihannuma S. 603. + +[558] d'Ohsson III. S. 475. + +[559] Bar Hebräus 553. + +[560] Reschideddin. + +[561] _Gulek_, Dschihannuma S. 601, oder _Dulek_, S. 40, nicht _Doluk_, wie +bei d'Ohsson III. 481. + +[562] Das kappadocische Komane lag am _Sarus_, welches der _Sihan_; in M. +Kinneir's Karte am _Kisil Irmak_, welches der obere Pyramus zu seyn +scheint; nach dem Menasikol-hadsch ist aber dieser Kisil Irmak derselbe mit +dem _Sihan_, d. i. dem Sarus, so dass die Lage mit der Angabe der alten +Geographen in Uebereinstimmung. Jahrbücher der Literatur XIV. S. 46. + +[563] Bar Hebr. p. 556. + +[564] Nuweiri; Bar Hebr. p. 537. + +[565] Nuweiri, bei d'Ohsson III. S. 485. + +[566] Reschideddin. + +[567] Geschichte des osm. Reichs I. u. II. Band. + +[568] d'Ohsson IV. S. 490. + +[569] Nuweiri, bei d'Ohsson III. 496. + +[570] Reschideddin. + +[571] Nach Reschideddin im Silhidsche 676 (Mai 1277), nach Nuweiri und +Makrisi, die hier glaubwürdiger, 5. Moharrem 676 (8. Juni 1277). + +[572] Bei Wassaf _Konghosatai_. + +[573] Reschideddin nennt es _Koghanie(?)_; fehlt bei d'Ohsson, sowie die +Botschaft. + +[574] Dschihannuma. + +[575] Nuweiri, bei d'Ohsson. IV. 498. + +[576] Haithon 34. + +[577] i. J. 698 (1299). + +[578] 700 (1300), d'Ohsson III. 500. nach Munedschimbaschi. + +[579] Reschideddin. + +[580] Bei d'Ohsson S. 400. + +[581] Wassaf. + +[582] Wassaf. + +[583] Reschideddin. + +[584] _Rothes Gesicht_, glücklicher Erfolg; _rothe Brust_, gewaltsamer Tod. + +[585] Wassaf. + +[586] i. J. 669 (1270). + +[587] Wassaf gibt die Glosse _Asaseddin El-Jakubi's_ in achtzehn +fünfzeiligen Strophen. + +[588] d'Ohsson III. macht sie zu denselben mit den Niguderischen Banden: +Nigoudariens ou Caraounass; aber Reschideddin, in dem Abschnitte +unmittelbar vor den Begebenheiten Medschdulmülk's und Schemseddin's, +spricht erst von den Niguderischen Banden in Sistan, dann von den Karawinen +in Chorasan. + +[589] Hier nennt Reschideddin den Schatz _Chasinei Narin_, im Abschnitte +der Stämme aber bei den Dschelairen _Postin_. + +[590] Dschihannuma S. 594. + +[591] Die Namen derselben bei d'Ohsson III. 526. nach Noweiri. + +[592] Im Schedschretol Etrak S. 254 dasselbe Datum, nur mit der +gewöhnlichen Verstümmelung des Uebersetzers statt Silhidsche Zi Huj. + +[593] Reschideddin, Nuweiri, Bar Hebräus; der letzte irrig Silkide statt +Silhidsche. Mengu Timur heisst bei Haitho _Mongodamir_; nach ihm wäre Mengu +Timur schon am achten Tage nach dem Bruder gestorben, und beide durch Gift. +Verlässiger als der syrische Bischof Bar Hebräus und der armenische Mönch +Haitho sind hierüber Reschideddin und Wassaf. + +[594] Dieser Name ist als Quolibey verstümmelt in Quolibet. + +[595] sub qua credulitate lautet fast ironisch. + +[596] Reynaldus III. p. 453 und in Moshemii historia Tatarorum ecclesiast. +p. 72. + +[597] Waddington annales Minorum V. 40 und in Moshemius p. 80. + +[598] Die umständlichsten und gründlichsten Nachrichten über die Missionen +enthält die vortreffliche relation des Mongols ou Tartares par M. d'Avezac +im IV. Bande des recueil de voyages et de mémoires der geographischen +Gesellschaft zu Paris. + +[599] Güside B. 343 gibt das poetische Fetwa desselben über den Rangstreit +zwischen Sahir und Enweri, welcher von beiden ein grösserer Dichter. + +[600] Dewletschah und Güside B. 345. + +[601] Geschichte der persischen Redekünste S. 221. + +[602] Güside B. 333. + +[603] Güside B. 335. + +[604] Güside B. 335. + +[605] Güside B. 335 gibt als Beispiel den Anfangsvers einer Kassidet: + + Ei kerde ruh ba lebi laali tu _Nokeri_ + Maaschuki _Usbegi_ we nigari her Chaweri. + +Hier sind _Nokeri_ und _Usbegi_ die fremden Wörter. + +[606] Güside. + +[607] Die letzten sieben Dichter fehlen in Dewletschah, und auch in der +Geschichte der persischen Poesie, zu der das _Güside_ noch nicht benutzt +werden konnte. + +[608] Güside B. 343. + +[609] Lakad fahet el aaud el Komari + We faher-raudh kel aaud el Komari. + +Das Wortspiel liegt in dem Doppelsinn der Worte _Fahet_ und _Komari_; jenes +heisst im ersten Verse _klagen_, im zweiten _hauchen_; dieses ist im ersten +Hemistich der Plural von _Kumri_, Turteltaube, im zweiten Epithet: +kumarische Aloe. + +[610] Haitho C. 37 nennt ihn Tongodar, die Perser nennen ihn durch einen +aus Versetzung der Punkte leicht erklärbaren Schreibfehler _Nigudar_, was +der Name des dschaghataischen Prinzen, des Sohnes Dschudschi's, des +Erstgebornen Dschaghatai's; wahrscheinlich ist _Niguder_ aus seinem +christlichen Namen _Nikolaus_ entstanden. + +[611] Die zwei Brüder _Buka_ und _Oruk_, und Akbuka. + +[612] _Schischi Bachschi_, _Doladai Aidadschi_, _Dschuschi_, _Ordukia_. + +[613] _Kurdschian._ + +[614] _Sikurdschian._ + +[615] _Aktadschian._ + +[616] Reschideddin, bei d'Ohsson Siahkuh III. 552. + +[617] Reschideddin. + +[618] 13. Rebiulewwel Sonntags ist der 21. Juni, der richtig ein Sonntag, +folglich das Datum bei Wassaf, 14. statt 13., wie bei Reschideddin gefehlt; +das Schedschretol Etrak S. 257 hat das richtige Datum vom 13. + +[619] Reschideddin. + +[620] Wassaf. + +[621] Bei d'Ohsson III. 553 Tuktai. + +[622] Derselbe nach Noweiri S. 553. + +[623] _Siah kuh nusul kerd_, heisst: er lagerte zu _Siahkuh_, nicht: il +quitta Siahkuh, wie d'Ohsson übersetzt. + +[624] _Kaplandschi_, _Arslandschi_, _Nukadschije_. + +[625] 1. _Kutschuk_, aus der Frau Tokus; 2. _Kimdschuk_, aus der Frau +Ermeni; 3. _Tschitschek_, aus eben derselben; 4. _Mainan_, gleichfalls; 5. +_Sailun_, aus der Frau _Tudaku_; 6. _Kiltürmisch_, aus der Beischläferin +_Kurkudschije_. + +[626] in der Nacht vom Mittwoch, sagt Reschideddin, was der 12. August war, +denn der 14. (Sonntagsbuchstabe D) war ein Freitag. + +[627] Wassaf. + +[628] Wassaf theilt dieselben mit. + +[629] Wortspiel zwischen _Moslimen_ Gläubigen, und _Moslim_, dem eigenen +Namen eines der ersten Ueberlieferer der Sunna. + +[630] Das Ende des 15. Verses der XVII. Sura. + +[631] Das Ende des 17. Verses der XLIX. Sura. + +[632] Bar Hebr. und nach demselben d'Ohsson III. 560. + +[633] Reschideddin. + +[634] _Ali Dschingsan_ und _Kotlogschah_. + +[635] _Buradersade_, Neffe, nicht Bruder, wie bei d'Ohsson S. 582. + +[636] _Dschankur_, _Dschinkutur_, _Doladai_, _Idadschi_, _Idschi_, +_Tetkaul_, _Dschuschi_, _Kimdschkabal_. + +[637] _Kutschuk Anukdschi_ und Schadi _Achtadschi_. + +[638] _Rusi Kunilamischi_ im angeblichen Beidhawi _Guikesi_, was Schreib-, +Lese- oder Druckfehler. + +[639] 1. _Taghadschar_, 2. _Dschankur_, 3. _Dschinkutur_, 4. _Doladai_, 5. +_Idschi Tetkaul_, 6. _Dschuschi_, 7. _Kundschukbal_; bei Wassaf heisst +Dschankur _Dschaigir_, Abai der Sohn _Suntai's_, _Dschenghatu_ der Sohn +Dschuschi's. + +[640] Wassaf nennt die Emire Arghun's: _Jasar Aghul_, _Taghai_, _Adschu +Sukurdschi_, _Ghasan_, der Ceremonienmeister, _Tokli Schadi_, der Sohn +_Sundschak's_; Reschideddin. + +[641] Wassaf nennt die Emire: _Ainkadschi_, _Nakai Jarghudschi_, _Tawtai_, +_Kasan_, der Sohn Kotloghbuka's, _Baitmisch Kuschdschi_, _Sertak_, +_Alghui_, _Oladai Kadaghan_, _Aghman_. + +[642] Moriers second journey und darnach in den Jahrbüchern der Literatur +VII. 257.; vier andere Pässe sind die zwei bei _Firuskjuh_ (_Sawadschi_ und +_Tengi serensa_), _Tengi Nimrud_ und _Tengi Schimschirbur_. + +[643] Moriers second journey. + +[644] Dschihannuma S. 339. + +[645] i. J. 566 (1170), Fraser 302. + +[646] Die im J. 880 (1475) erbaute Moschee kann nicht, wie Fraser sagt, von +Schahroch erbaut worden sein, da dieser schon fünf und zwanzig Jahre +früher, im J. 850, starb. + +[647] Quelle Belasan beim Dorfe Kohen; nach den _Adschaibol-machlukat_ in +den Jahrbüchern der Literatur VII. 258. LXII. 43., Fraser 304. + +[648] So am Scheckel in Steiermark. + +[649] Mannert hält es für das alte _Taghi_. + +[650] Adschaibol-machlukat Sekerias. + +[651] Baconi in den notices et extraits II. 482.; übereinstimmend mit +Diodor. + +[652] Tschehel seran, _tschehel dochteran_, Fraser. + +[653] In Dschami's _Nefhatol Ins_ der 205te. + +[654] i. J. 261 (874). + +[655] Abderrahman Ben Mohammed, gest. 858 (1454), Verfasser von vierzig +Werken, und _Mossannifek Bostami_, gest. 875 (1470), der den letzten +bosnischen König eigenhändig köpfte. + +[656] Dschami's _Nefhatol Ins_, die 42te. + +[657] Bei Reschideddin _Legsi_ und _Ordubugha_. + +[658] _Dih Surch_, bei Reschideddin, ist das _Surikkala_ Frasers; der in +der Moschee von Semnan eingemauerten Inschrift Schah Abbas I. wird erwähnt +304. + +[659] Nushetol-kolub; Dschihannuma S. 341. + +[660] Reschideddin. + +[661] Nushetol-kolub; Dschih. 341. + +[662] Reschideddin, Wassaf. + +[663] Das Schedschretol Etrak S. 358. + +[664] Sein ganzer Name: Ebun-nassr Mohammed Ben Abdol-Dschebbar El-otbi. + +[665] Fraser S. 245. + +[666] _Urtimur Kuschdschi_, _Nikpei Kuschdschi_ und der Bruder _Kadschu +Achtadschi's_. + +[667] Wassaf. + +[668] Derselbe. + +[669] _Jesubuka Gurgan_, _Aruk_, _Kurmischi_, _Arkasun Nujan_, der Sohn +_Ilkai's_. + +[670] _Kurmischi_ und _Aruk_, die Brüder Buka's. + +[671] Nerke. + +[672] Wassaf. + +[673] Wassaf. + +[674] Reschideddin; Wassaf; nach dem Schedschretol etrak S. 350 am 7. +Dschem. achir. + +[675] Reschideddin bei den Töchtern Hulagu's. + +[676] Sie lebte noch zur Zeit Reschideddin's. + +[677] Im Schedschretol Etrak S. 260 in _Yoogha_ verstümmelt. + +[678] Herodot's Clio 51. + +[679] Nushetol kulab. + +[680] i. J. d. H. 83 (701). + +[681] _Kumedan_, hernach _Kum_. Dschihannuma S. 298. + +[682] Durch ein unerklärliches Versehen steht im Dschihannuma, dass Kum der +Geburtsort Nisami's, des Verfassers des Chamse, sei, welcher zu Gendsche +geboren, auch dort begraben liegt. + +[683] Das Schehinschahname von Feth Alischah dem österreichischen Kaiser +Franz I. durch Mirsa Abul Hasan zum Geschenke gesandt. + +[684] Emir _Bukia_, _Tinai_, _Arukian_, _Bastak_, _Huladschu_. Wassaf. + +[685] Güside. + +[686] d'Ohsson gibt nur die Hälfte aus Wassaf, aber nicht die folgende +historisch wichtigere Hälfte aus Reschideddin. + +[687] Güside. + +[688] _Schems_, anspielend auf den Namen Schemseddin. + +[689] _Ala_, Höhe, anspielend auf den Namen des Bruders Alaeddin. + +[690] Wassaf. + +[691] Der Sohn Melikchan B. Mohammed B. Sengi's. + +[692] Wassaf. + +[693] Das Feuer ihres Zorns entflammte sich in so hohem Grade, dass +dasselbe die gestockte Feuchtigkeit ihrer Thränenlinse auflöste und bei dem +Auge ausfliessen liess; Perlen regneten aus dem Narciss und tränkten die +Rose, Hagel (der Zähne) biss in die Jubeben (des Munds). Wassaf. + +[694] _Tuladai Jarghudschi_, _Dschijurghutai_, _Hosameddin_. + +[695] Reschideddin auch unter den Frauen Abaka's. + +[696] Schedschretol Etrak S. 263. + +[697] Reschideddin nennt die sieben: _Taghadschar_, _Kundschukbal_, +_Doladai_, _Aidadschi_, _Sultan Aidadschi_, _Tughan_, _Dschuschi_, +_Ordukap_. + +[698] Reschideddin. + +[699] mit den Prinzen: _Huladschu_, _Karankai_, _Konghschir_, _Togai +Timur_, _Anberdschin_; mit den Emiren: _Uruk_, _Kurmischi_, _Temdui_, +_Madschu_, _Toglok Karawinas_; Wassaf. Im Reschideddin noch: _Kurmischi_, +der Sohn _Haidu Nujan's_, _Audschan_, dem Waffenträger, _Kadan_, dem +Gesandten, _Sengi_, dem Sohn _Baba Nujan's_, Emir des Lagers der Frau +_Oldschai_, _Ghasan Behadir_, _Ischik Toghli_, _Aschak Toghli_. + +[700] _Kujun Kumischi_. Wassaf. + +[701] _Madschu_, _Toghlok_, _Aschak Toghli_, _Serwana_, _Nochschi_, +_Tuschkina_, _Hosameddin von Kaswin_, Emir _Ali Melik_ der _Temghadschi_ +von Tebris. Wassaf. + +[702] Hist. des Orpeliens in S. Martin. mém. II. p. 171. + +[703] _Baitmisch Kuschdschi_, _Tamudai Aktadschi_, _Schadi_, Sohn Buka's. + +[704] _Abadschi_, _Melik_, _Teichan Timur_, _Kotlogh Timur_. + +[705] _Jatmisch Kuschdschi_, _Gharbetai Gurgan_, _Burdschu_, der Sohn +_Duriai's_, _Boghdai_, _Arkasun Nujan_. + +[706] Mocherofago, bei Cassiri. + +[707] Reschideddin. + +[708] in d'Ohsson IV. 39. irrig fils du Vezir Schemseddin. + +[709] Reschideddin. + +[710] Wassaf. + +[711] Wassaf nennt _Schemseddewlet_ und _Iseddin Mosaffer_, und +Reschideddin den _Dschelaleddin Serwistani_. + +[712] _Asshabi Buluk._ + +[713] _Bitekdschi._ + +[714] _Fachreddin Mubarekschah_, _Medschdeddin Rumi_, _Schemseddin +Huseini_; Wassaf und Reschideddin. + +[715] Scharfsichtiger als _Ajas_, feiner als _Kais Ben Soheir_, als +_Moghairet B. Schaabet_, als _Amru Bel el aass_; Wassaf. + +[716] _K. Kjatib_, d. i. der Schreiber, _Sch_, d. i. _Schaair_, Dichter, +_Dschim_, d. i. _Munedschim_, d. i. Astronom, _Mim_, d. i. Musik; Kamus; +das Wort und die Erklärung fehlt in Freitag's Wörterbuch. + +[717] Wassaf in dem Hauptstücke der Verwaltung von _Schiras_. + +[718] Wassaf. + +[719] Haithonis hist. C. 38. + +[720] Unter den Todten: _Burultai_ und _Kadai_, Emire von Tausenden, und +der Bruder _Jenitsche's_; unter den Gefangenen: _Huriktai_, der grosse +Emir. + +[721] Reschideddin. + +[722] Dschihannuma S. 297. + +[723] Dschih. S. 426. + +[724] Dschih. S. 341. + +[725] M. Kinneir's geographic mem. on the persian Empire p. 84. + +[726] Die Emire _Taghadschar_, _Kundschukbal_, _Tewekkul Toghan_. + +[727] Im Schedschretol Etrak ward Seaadeddewlet am letzten Ssafer des J. +690 hingerichtet und Arghun starb drei Tage hernach, am 3. Rebiulewwel. + +[728] Dschihannuma S. 297; im Schedschretol Etrak S. 265 im Berge Sobeir(?) +nächst der Grabstätte des Propheten Kyde(?). + +[729] d'Ohsson III. 612. nach Makrisi. + +[730] d'Ohsson p. 616. + +[731] Bei Odoric Raynald IV. p. 41 et 42. _Elegag_ und _Tuctan_; d'Ohsson +IV. 99. meint, unter der letzten sei _Tuktan_, die Wittwe Abaka's, Mutter +Kendschatu's, zu verstehen, was aber unrichtig, da Reschideddin (unter den +Frauen Abaka's) ausdrücklich sagt, dass sie bei Lebzeiten Abaka's +gestorben, durch die Frau Ildürmisch ersetzt worden sei; i. J. 1288, wo +Nikolaus IV. schrieb, war Tudai seit einem Jahre Gemahlin an der Stelle der +verstorbenen Bulughan, und den Tod der anderen grossen Frau, Kotlogh, +konnte Nikolaus nicht wissen, da sie am 12. April 1288 starb und der an sie +gerichtete Brief vom 12. datirt ist. + +[732] Die Tochter Sarudsche's, die Schwester des Emirs Irindschin, des +Keraiten, die Urenkelin Owang's. + +[733] Bei Odericus _Casian_ und _Saron_; da Arghun nur vier Söhne hatte und +über _Chodabende_ und _Ghasan_ kein Zweifel obwalten kann, so fragt sich +nur, ob unter _Saron_ der dritte, _Jesu Timur_, oder der vierte, _Chatai +Aghul_, zu verstehen sei; der letzte hiess ehemals _Sonkar Kanis_. +Reschideddin. + +[734] Nach dem Schedschretol Etrak und anderen _Kendschatu_; bei Haithon +Cap. XXXIX heist er _Regayto_, was augenscheinlich eine Verstümmelung von +_Keichatu_ und nicht von _Kendschatu_; aber das Schedschretol Etrak sagt p. +270 nach der Geschichte der vier Uluse, dass sein Name ursprünglich +_Enkatu_ gewesen, was auf mongolisch wunderbar, staunenswerth heisse. + +[735] durch _Kutla Kokultasch_. Wassaf. + +[736] _Tamerbugha_, _Saji Ebdschi_, _Konan Achtadschi_. + +[737] _Sati_, _Kuman_, _Tudadschu_. + +[738] _Koildagh_ ist ein Schreibfehler. + +[739] den _Taghadschar's_ dem _Baidschu Tetkaul_, den _Kundschukbal's_ dem +_Schiktur Nujan_. Wassaf. + +[740] Wassaf und Reschideddin. + +[741] Reschideddin. + +[742] Wassaf. + +[743] nullam habebat legem vel fidem. Haithon C. 39. + +[744] Wassaf dem grossen _Ssahib_; Fraser übersetzt in seinem Kuzulbasch +diesen Ehrentitel mit Sir, Gentlemen, _Eltschi Ssahib_, d. i. +Heergesandter. + +[745] _Kisil_ mit seinen Brüdern _Nussret_ und _Ali Melik_. Wassaf. + +[746] Wassaf. + +[747] Güside. + +[748] Wassaf. + +[749] D'Ohsson IV. 88 nach Makrisi und Noweiri, dann Reschideddin und +Wassaf. + +[750] Dschihannuma. S. 598. + +[751] S. Beilage IV. + +[752] Tschawi mubarek. + +[753] Sobald es angekommen, sei es angenommen. Wassaf giebt die Formel für +chinesisch an, sie ist aber alttürkisch und würde auf neutürkisch: irdükde +tursun lauten, d. i. wenn es angekommen, soll es stehen (gelten.) + +[754] Schedschretol Etrak, S. 268, statt Sikurdschi Skukurchee; jenes +heisst Speerhalter, dieses Zuckerbäcker. + +[755] Reschideddin nach Wassaf giebt die Verhaftung der Emire _Idar_, +_Kundschukbal_, _Toladai_, Tukjal, _Ildschai_ zu _Kjawabari_. Schedschretol +Etrak, S. 261. + +[756] Reschideddin. + +[757] Nach dem Schedschretol Etrak, S. 270, ward er zu Karabagh begraben. + +[758] Schedschretol Etrak, S. 270. + +[759] Wassaf. + +[760] Wassaf. + +[761] _Kuku_ steht im Meninski als _Guckguck_, heisst aber auf Persisch +Turteltaube (Ferheng Schuuri II. Bl. 228); die Türken nennen auch den +Schwan Kuku. + +[762] Batu hatte nicht sieben, sondern vierzehn Söhne. + +[763] Der 61. Vers der X. Sura. + +[764] _Moktainat_ definirt der Commentar als den an Vieh und Geld ersparten +Reichthum. + +[765] _Natik u Ssamit_, das Sprechende und Stumme, d. i. Schafe und Kamele +im Gegensatze mit Gold und Silber. + +[766] _Kisil Bilka_, [arabischer Text] dasselbe Wort, das als Bilek in der +Bedeutung der Vorschriften Tschengis-Chans vorkommt. + +[767] _Aidadschian_, dasselbe, was die _Kilardschi_ zu Constantinopel, die +Diener der Speisekammer. + +[768] _Wudschuh_, Weisen, Arten, und _Wudschuh_, baares Geld, Plural von +_Widschh_, Gesicht; derselbe Grundbegriff wie im Französischen faire face +aux dépenses. + +[769] Das mongolische Wort _Ilghamischi_ mit dem arabischen _Tenkih_ +übersetzt, entspricht dem Finanzausdrucke des épuremens. + +[770] _Dhigsen ala ibballetin_, ein Heuschüppel zu einem Grasbund, Klein +auf Klein, d. i. Nichts zu Nichts. + +[771] _Kaftschari_, Confiscation. + +[772] _Dem_, der Hauch, heisst durch erweiternde Metonymie auch die Zeit; +wird das Wort umgekehrt, so heisst es _Medd_, welches auf Arabisch +Erweiterung, Ausdehnung bedeutet. + +[773] Wortspiel zwischen _Chata_, das nördliche China, und _Chata_, Fehler. + +[774] Das Wortspiel ist im Persischen zwischen _Tschaw_, dem Namen des +Papiergeldes, und _Dschawidan_, ewig. + +[775] _Musehhib es-scheb_, d. i. der Vergolder des Goldes. + +[776] _Senbus_, Kahn, scheint mit cymba verwandt. + +[777] _Külk_ erklärt der Commentar als gleichbedeutend mit _Chaw_, +villositas panni holoserici. + +[778] Eine Nachahmung der berühmten schönen Verse Firdewsi's, und Wortspiel +mit den beiden Namen _Iseddin_, Ehre des Glaubens, und _Mosaffir_, der +Siegreiche, dem sein Wunsch gelingt. + +[779] Der 7. und 8. Vers der CI. Sura. + + + + +Anmerkungen zur Transkription: + +Die Rechtschreibung des Originaltextes wurde beibehalten, ebenso +unterschiedliche Schreibweisen von Eigennamen. An einigen Stellen wurde +die Zeichensetzung geändert. Umrechnungen zwischen dem islamischen und dem +christlichen Kalender, die offensichtlich falsch und deshalb wahrscheinlich +Druckfehler waren, wurden korrigiert, wobei folgende Hilfsmittel verwendet +wurden: + +1. http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Zeitrechnung (Umrechnungsformel +für Jahreszahlen), + +2. http://www.heinrichbernd.de/calendar (Kalender-Umrechner). + +Ansonsten wurden die Datumsangaben des Buches auch dort beibehalten, wo sie +unstimmig zu sein scheinen. + + S. 2: "Die Gesichte des von Hulagu" wurde geändert in + "Die Geschichte des von Hulagu" + S. 7: "des Herschers von Kipdschak" wurde geändert in + "des Herrschers von Kipdschak" + S. 16: "die Wächter der acht weissen Häusser" wurde geändert in + "die Wächter der acht weissen Häuser" + S. 23: "Verschmähte Brautwerburg" wurde geändert in + "Verschmähte Brautwerbung" + S. 39: "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte besimmt" wurde geändert in + "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte bestimmt" + S. 57: "Jltschikidai" wurde geändert in "Iltschikidai" + S. 69, Randnote: "624/1337" wurde geändert in "624/1227" + S. 71, Randnote: "640/1142" wurde geändert in "640/1242" + S. 84, Fussnote 145: "Geboren den 24. Schewwal 614 (25. October 1256)" + wurde geändert in "Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256)" + (Anmerkung: der im weiteren Verlauf der Fussnote genannte 26. April + 1282 war weder ein Donnerstag noch ein Montag, sondern ein Sonntag.) + S. 85: "die Sklavinn Ilkadschi" wurde geändert in "die Sklavin Ilkadschi" + S. 85: "mit dem Kopfschmucke Bagthak" wurde geändert in + "mit dem Kopfschmucke Baghtak" + S. 90: "auser der Stadt" wurde geändert in "ausser der Stadt" + S. 97, Fussnote 182: "Uebersezung" wurde geändert in "Uebersetzung" + S. 104: "zwichen Dilem und Irak" wurde geändert in + "zwischen Dilem und Irak" + S. 107: nach "der bessten persischen Erdbeschreibung" wurde der Hinweis + auf die Fussnote 223 eingefügt + S. 109: "schon des Schwert aufgehoben" wurde geändert in + "schon das Schwert aufgehoben" + S. 133: "der Grösse des Hausses Ejub" wurde geändert in + "der Grösse des Hauses Ejub" + S. 136: "Auf bem Chalifenstuhle" wurde geändert in + "Auf dem Chalifenstuhle" + S. 140: "vorauf er" wurde geändert in "worauf er" + S. 140, Fussnote 285: "instrunent" wurde geändert in "instrument", + "brittancia" wurde geändert in "britannica" + S. 141: "Augenklick" wurde geändert in "Augenblick" + S. 163, Fussnote 316: "Vahran's" wurde geändert in + "Vahram's" (vgl. Google) + S. 168: "welche Syrien von Aegyten trennt" wurde geändert in + "welche Syrien von Aegypten trennt" + S. 170: "wandte sich also jezt" wurde geändert in + "wandte sich also jetzt" + S. 173, Fussnote 329: "Lobanasagut" wurde geändert in "Lobasanagut" + S. 187, Fussnote 368 und S. 192, Fussnote 379: "Macdonald Kineir" + wurde geändert in "Macdonald Kinneir" (vgl. Google) + S. 194, Fussnote 384: "Statthalttr" wurde geändert in "Statthalter" + S. 220: "Es liess alle Kaufleute" wurde geändert in + "Er liess alle Kaufleute" + S. 234: "Oschelaeddin Dschanli" wurde geändert in + "Dschelaleddin Dschanli" + S. 241: "Shönredner" wurde geändert in "Schönredner" + S. 246: "Sundschar Nujan" wurde geändert in "Sundschak Nujan" + S. 258: "vom Kubilai" wurde geändert in "von Kubilai" + S. 262: "über den Oxus gehen sollen" wurde geändert in + "über den Oxus gehen sollten" + S. 265: "verliess Kispdchak erzürnt" wurde geändert in + "verliess Kipdschak erzürnt" + S. 271: "Sodald Borrak" wurde geändert in "Sobald Borrak" + S. 299: "Moinedddin Perwane" wurde geändert in "Moineddin Perwane" + S. 311: "in's Gebiet von Haleb ein, wie sie" wurde geändert in + "in's Gebiet von Haleb ein, wo sie" + S. 314: "nicht wahrscheinlich, dass Akaka" wurde geändert in + "nicht wahrscheinlich, dass Abaka" + S. 327, Randnote: "8. Dschemmasiulewwel 681/24. August" wurde geändert in + "8. Dschemmasiulewwel 681/14. August" + S. 329: "vom Richter Medschdolmülk" wurde geändert in + "vom Richter Medschdolmülk's" + S. 333: "Wir baben befohlen" wurde geändert in "Wir haben befohlen" + S. 342: "zum Gemahlin gab" wurde geändert in "zur Gemahlin gab" + S. 348: "den linken Flügel kefehligte" wurde geändert in + "den linken Flügel befehligte" + S. 355: "Sischi, Bachschi" wurde geändert in "Sischi Bachschi" + S. 363: "Er zog sich noch Kirbanschir" wurde geändert in + "Er zog sich nach Kirbanschir" + S. 366: "Ich habe jezt mein Gemüth" wurde geändert in + "Ich habe jetzt mein Gemüth" + S. 388, Randnote: "9. Rebiulewwel 689/24. Mai 1290" wurde geändert in + "9. Rebiulewwel 689/24. März 1290" + S. 393, Randnote: "7. Rebiulachir 690/10. März 1291" wurde geändert in + "7. Rebiulewwel 690/10. März 1291" + S. 400: "das Amts des Richters der Richter" wurde geändert in + "das Amt des Richters der Richter" + S. 406: "Betrauten Kensdchatu's" wurde geändert in + "Betrauten Kendschatu's" + S. 406, Randnote: "28. Rebiulachir 694/17. März 1245" wurde geändert in + "28. Rebiulachir 694/17. März 1295" + S. 407: "die Vorposten Taghadschars's" wurde geändert in + "die Vorposten Taghadschar's" + S. 432: "Seine Abreise was" wurde geändert in "Seine Abreise war" + S. 434: "des zweigesichigen Papieres" wurde geändert in + "des zweigesichtigen Papieres" + +Die in der Druckfehlerliste am Ende des Buches enthaltenen +Korrekturanweisungen wurden durchgeführt. + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte der Ilchane, by +Joseph von Hammer-Purgstall + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DER ILCHANE *** + +***** This file should be named 31713-0.txt or 31713-0.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/1/7/1/31713/ + +Produced by Wolfgang Menges, Karl Eichwalder, Carl Hudkins +and the Online Distributed Proofreading Team at +https://www.pgdp.net (This book was produced from scanned +images of public domain material from the Google Print +project.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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Donations are accepted in a number of other +ways including including checks, online payments and credit card +donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate + + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic +works. + +Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Geschichte der Ilchane + das ist der Mongolen in Persien + +Author: Joseph von Hammer-Purgstall + +Release Date: March 20, 2010 [EBook #31713] + +Language: German + +Character set encoding: UTF-8 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DER ILCHANE *** + + + + +Produced by Wolfgang Menges, Karl Eichwalder, Carl Hudkins +and the Online Distributed Proofreading Team at +https://www.pgdp.net (This book was produced from scanned +images of public domain material from the Google Print +project.) + + + + + + +</pre> + + +<h1>GESCHICHTE<br /> +<span style="font-size: 60%">DER</span><br /> +<span class="big spaced">ILCHANE</span></h1> + +<p style="text-align: center; font-size: 80%; letter-spacing: 0.2em">DAS IST</p> + +<p class="title" style="font-size: 110%">DER MONGOLEN IN PERSIEN</p> + +<p style="text-align: center; font-size: 80%; letter-spacing: 0.2em">VON</p> + +<p class="title big" style="margin-top: 2em">HAMMER-PURGSTALL.</p> + +<div style="margin-left: -10%"><hr style="margin-top: 1em; margin-bottom: 1em" /></div> + +<p class="center"><span class="spaced">Mit</span><br /> +neun Beilagen und neun Stammtafeln.</p> + +<div style="margin-left: -10%"><hr style="margin-top: 1em; margin-bottom: 2em" /></div> + +<p class="center"><span class="title spaced">Erster Band.</span><br /> +<span class="spaced">Mit vier Beilagen.</span></p> + +<div style="margin-left: -10%"><hr style="width: 25%; margin-top: 4em; margin-bottom: 1em" /></div> + +<p class="center" style="margin-top: 1em"><span class="title spaced">Darmstadt.</span><br /> +<span class="smcap spaced">Druck und Verlag von Carl Wilhelm Leske.</span></p> + +<div style="margin-left: -10%"><hr style="margin-top: 1em; margin-bottom: 1em" /></div> + +<p class="title" style="margin-top: 1em; letter-spacing: 0.2em">1842.</p> + + +<div class="widmung"> +<p style="text-align: center; letter-spacing: 0.2em">An</p> + +<p class="title big" style="margin-top: 1em; margin-bottom: 1em">Seine Majestät</p> + +<p style="text-align: center; letter-spacing: 0.2em">den</p> + +<div style="width: 438px; margin-left: 27%"> +<img src="images/widmung.png" width="438" height="76" alt="widmung" /> +</div> + + +<p style="margin-top: 4em; margin-bottom: 3em"><strong>Allerdurchlauchtigster König,<br /> +Allergnädigster Herr!</strong></p> + + +<p>Von der deutschen Hauptstadt der Künste, +von der Residenz <strong>Euerer Majestät</strong>, wo +ich vor drei Tagen mit der Akademie der Wissenschaften +das <strong>Allerhöchste</strong> Geburts- und Namensfest +gefeiert, bin ich nach Berchtesgaden geeilt, +wo der erhabene Schutzgenius der schönen Künste +im schönsten Tempel der Natur residirt, um demselben +in <strong>Allerhöchst Ihrer</strong> Person die Verehrung +und Bewunderung zu zollen, womit der Verein der +Kunstwunder zu München jeden Besucher erfüllt.</p> + +<p>Da mir <strong>Euere Majestät</strong> allergnädigst erlaubet +haben, mit <strong>Allerhöchst Ihrem</strong> Namen das Giebelfeld +eines meiner Werke zu schmücken, so erscheint +die Geschichte der Mongolen Persiens, +wenigstens durch die Namen ihrer grossen Fürsten, +Bauherren, Gönner der Künste und Beschützer +der Wissenschaften, solcher Ehre nicht unwürdig.</p> + +<p>Wenn die Bauten Ghasan's und Chodabende's +zu Tebris und Sultania nach einem halben Jahrtausend +die Namen ihrer Erbauer nur in Ruinen +verherrlichen, so liegt die Schuld davon nicht +sowohl in Elementarereignissen und in feindlicher +Verheerung, als in dem Mangel an erhaltender +Fürsorge, welche Werken der Kunst wie den +Staaten Dauer versichert.</p> + +<p>Geruhen <strong>Euere Majestät</strong>, als Schöpfer eines +Pantheon der Künste, als Erhalter der ältesten +Denkmale derselben und eines blühenden Reiches, +die Huldigung meiner tiefsten Ehrfurcht allergnädigst +zu genehmigen.</p> +</div> + +<p style="margin-top: 6em; font-size: 90%"> +<span style="margin-left: 1.5em;"><i>Berchtesgaden</i>,</span><br /> +an Göthe's Geburtstag <b>HAMMER-PURGSTALL</b>.<br /> +<span style="margin-left: 3.5em;"><i>1841</i>.</span> +</p> + + + + +<h2><a name="Vorrede" id="Vorrede"></a>Vorrede.</h2> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> + + +<p>Diese Geschichte der Mongolen in Persien ist das +Seitenstück zu der im vorigen Jahre erschienenen des +mongolischen Reiches in Kiptschak; jene ist durch die +Preisfrage der Petersburger Akademie veranlasst worden, +die Schreibung dieser ist aus eigenem Antriebe +hervorgegangen. Bei der zum Behufe der ersten nöthig +gewordenen Sichtung der aufgeschichteten Massen historischen +Materials, ward es klar, dass zur zweiten, in +den orientalischen selbst durch Herrn von d'Ohssons sehr +schätzbare Geschichte nicht erschöpften Quellen, weit +mehr dankbarer historischer Stoff vorhanden.</p> + +<p>Die Geschichte der Mongolen in Kiptschak liegt +dem Europäer zwar näher wegen der verheerenden Raubzüge +durch Polen und Ungarn bis ins Herz von Deutschland, +und wegen der tatarischen Herrschaft in Russland; +aber die Geschichte der Mongolen in Iran hat das grössere +Interesse wichtigerer asiatischer Weltereignisse, +wie der Ruin der Assassinen und des Chalifates, der +Sturz alter Dynastien und die Gründung neuer, bisher +selbst den Orientalisten kaum dem Namen nach bekannter, +die Feldzüge wider Aegypten und das dschagatai'sche +Reich, die diplomatischen Verhältnisse zwischen den +Kreuzfahrern und dem Papste. Der Ulus Dschudschi's +beherrschte mit dem europäischen das asiatische Russland, +welches damals noch, wie von allem Anfang der +Geschichte her, in Asien das Land der Finsterniss und +der Barbarei, während Persien von der ältesten Zeit an +das Land geregelter Herrschaft und Religion, der Sitz +von Wissenschaft und Künsten, der Schauplatz grosser +Bauten und Gelehrten, und der Mittelpunkt mittelasiatischer +Cultur.</p> + +<p>Zudem beut diese Geschichte keine Lücken, wie +jene von Kiptschak, und selbst über das zerrissene Ende +derselben, wo die Thronanmasser über einander stürzen, +schwebt kein solches Dunkel, wie über die letzten Herrscher +des Uluses Dschudschi. Der Strom geschichtlicher +Erzählung fliesst also in geregeltem Flussbette reich und +ruhig. Der in der Geschichte von Kiptschak zur Rechtfertigung +vor überstrengen akademischen Richtern nothwendig +gewordene Reichthum erläuternder Noten enthebt +hier von der Anhäufung derselben zur Beglaubigung +vor sachkundigen Gelehrten und billigen Lesern. Die +Sparsamkeit an Citaten wird also hier nicht bedauert +werden, und noch weniger der Mangel an aller Polemik, +welche in der Geschichte von Kiptschak Nothwehr zur +literarischen Ehrenrettung. Dafür ist in dem Texte keine +Nachricht von Dynastien oder Oertern übergangen worden, +wodurch das Gebiet der Geschichte und Erdbeschreibung +erweitert, keine Kunde von Sitten und Literatur, +wodurch der Charakter der Völker und ihrer +geistigen Kultur beleuchtet wird.</p> + +<p style="margin-top: 2em"> +<b><span class="spaced">Schloss Hainfeld</span></b>,<br /> +<span class="small" style="margin-left: 2.5em">den 24. October 1841</span>.<br /> +</p> + + + + +<p class="title big"><a name="Inhalt" id="Inhalt"></a>Inhalt.</p> + +<div style="font-size: smaller"> +<p><a href="#Erstes_Buch">Erstes Buch.</a> Uebersicht der mongolischen Stämme, der Familie +und Geschichte Tschengischans; sein Gesetzbuch +und sein Testament; Charakter und Sitte, Aberglauben +und Gebräuche der Mongolen. Die Regierung +Ogotai's, Gujuk's, Mengku's; die der gleichzeitigen +Dynastien in Asien und Aegypten. <a href="#Page_1">1</a></p> + +<p><a href="#Zweites_Buch">Zweites Buch.</a> Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug +nach Persien wider die Schlösser der Assassinen +und Bagdad; Rückblick auf die Chalifen und +die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte +Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung +und Verwüstung Bagdad's; Hinrichtung des +Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin; der Herrscher +von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten; +die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's +und Gross- und Klein-Armenien's. <a href="#Page_79">79</a></p> + +<p><a href="#Drittes_Buch">Drittes Buch.</a> Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb, +Miafarakain; Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor +Damaskus; Schlachten von Aindschalut und Himss; +das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten; Anlass +des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak; +Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's, +Arikbuka, Alghui, Kaidu; Vertheilung der Länder +und Statthalterschaften; Dynastie der Beni Aamaret +und Schebankjare von Fars. <a href="#Page_167">167</a></p> + +<p><a href="#Viertes_Buch">Viertes Buch.</a> Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften; +die Familie desselben und Schemseddin's; +Schlacht gegen Nokai; armenische und +ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und +dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in +Luristan; der Tod grosser Männer; Schemseddin +Kert und Dschuweini; die niguderischen Banden +in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug wider +Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan; +Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet +und wieder zu Gnaden aufgenommen; +Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht von +Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die +Christen. <a href="#Page_245">245</a></p> + +<p><a href="#Funftes_Buch">Fünftes Buch.</a> Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung; +Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras; +Konguratai getödtet; Krieg +zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften +Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch +nach Kumis; Arghun vor Kelat; Thronbesteigung +Arghun's; dessen Gemahlinnen, Söhne und Töchter; +Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs Schemseddin; +die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin +Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz; +Hinrichtung der Prinzen Dschuschkab, Huladschu +und Karabuka; Verwaltung des Juden Seadeddewlet; +Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse +gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung +und dessen Familie; Ssadreddin von Sendschan +Wesir; Einfall der Luren in Irak und Fars, +und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten; +Verrath der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's +und Baidu's Nachfolge. <a href="#Page_320">320</a></p> + +<p><a href="#I_Beilage">I. Beilage</a>. Auszug aus der Geschichte Haider's über +Dschudschi. <a href="#Page_411">411</a></p> + +<p><a href="#II_Beilage">II. Beilage</a>. Auszug aus Wassaf über den Ulus +Dschudschi's. <a href="#Page_415">415</a></p> + +<p><a href="#III_Beilage">III. Beilage</a>. Auszug aus Wassaf über den Krieg zwischen +Hulagu und Berke. <a href="#Page_419">419</a></p> + +<p><a href="#IV_Beilage">IV. Beilage</a>. Auszug aus Wassaf über das Papiergeld. <a href="#Page_423">423</a></p> + +<p><a href="#Druckfehler">Druckfehler.</a></p> + +<p><a href="#Fussnoten">Fussnoten.</a></p> +</div> + + + + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_1" id="Page_1">[1]</a></span></p> +<h2><a name="Erstes_Buch" id="Erstes_Buch"></a><a href="#Inhalt">Erstes Buch.</a></h2> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> + + +<div class="block"><p>Uebersicht der mongolischen Stämme, der Familie +und Geschichte Tschengischans; sein Gesetzbuch +und sein Testament; Charakter und Sitte, Aberglauben +und Gebräuche der Mongolen. Die Regierung +Ogotai's, Gujuk's, Mengku's; die der gleichzeitigen +Dynastien in Asien und Aegypten.</p></div> + +<div class="sidenote">Mongolische +Geschichte.</div> + +<p>Tschengischans und seiner Nachkommen Thaten, die von +ihnen zerstörten und gegründeten Reiche, ihre Raubzüge +und Gesetzgebung, der Namen der <i>Tartaren</i> oder <i>Tocharen</i>, +d. i. <i>Tataren</i>, und der der <i>Moalen</i> oder <i>Mogholen</i>, d. i. +<i>Mongholen</i>, haben Europa durch zwei Jahrhunderte mit +Erstaunen und Schrecken gefüllt, von der chinesischen Mauer +bis an die von Wienerischneustadt und Olmütz, und fürchterlich +hallte der Donner ihrer Heere von den Ufern des +gelben Flusses bis an die des rothen Meeres, vom Altai +bis an den Libanon zurück. Naturrevolutionen, mit denen +<i>Gibbon</i> das Erscheinen der Mongolen so treffend verglichen +hat, lassen nicht tiefere Spuren ihrer verheerenden Kräfte +auf der Oberfläche der Erde zurück, als die verheerenden +Hufen mongolischer Heere, unter denen Reiche und Cultur +zertreten wurden; sie fuhren daher wie die entfesselten +Elemente, wie Orkane und grosse Fluthen und das Erdbeben +und der Wetterstrahl; sie durchackerten die Erde mit dem +Schwerte und düngten sie mit Blut. Das Jahrhundert ihrer +so fürchterlichen und verderblichen Grösse und Macht fällt +zusammen mit dem zweiten der Kreuzzüge, das ist mit dem +<span class='pagenum'><a name="Page_2" id="Page_2">[2]</a></span> +dreizehnten Jahrhundert unserer Zeitrechnung, dem durch +grosse Begebenheiten vor anderen historisch wichtigen, durch +die Umgestaltung so vieler asiatischen Reiche und durch den +regsten Verkehr des Abendlandes mit dem Morgenlande. +Einen so namhaften Platz die Kreuzzüge auch in der europäischen +Geschichte einnehmen, so erscheinen sie in der +asiatischen doch bei weitem nicht so bedeutend, indem dieselben +nur den Westrand von Asien bestreifen. Die Ringe +dieses Steinwurfs der Eroberung der Levante verebben schon +an den Ufern des Nils und des Tigris, während die hochaufschäumende +Woge mongolischer Eroberungsfluth über +ganz Asien bis nach Europa, vom Baikalsee bis an den +Platensee, und vom Kokonor bis an den Ladoga sich verheerend +fortwälzt. Die Wichtigkeit der Geschichte der +Mongolen und die Grösse des Stoffes springt also von selbst +in die Augen. Sie zerfällt in viererlei Geschichten, deren +jede, bei dem Reichthume der Quellen, Stoff für mehrere +Bände. <i>Erstens</i> die Geschichte <i>Tschengischans</i>; <i>zweitens</i> +die der vier <i>Uluse</i>, d. i. der durch die Nachkommen seiner +vier Söhne beherrschten Reiche; dann nach der Theilung +der Herrschaft des vierten Uluses in das östliche chinesische +und in das westliche persische Reich, <i>drittens</i> in die Geschichte +der <i>Juan</i> oder der chinesischen Kaiser aus den +Nachkommen <i>Kubilai's</i>; und <i>viertens</i> in die der <i>Ilchane</i> oder +persischen Herrscher, Nachkommen <i>Hulagu's</i>, des Bruders +Kubilai's. Eine vollständige Geschichte dieser Reiche könnte +sich keine engeren Gränzen des Umfangs stecken, als die +des osmanischen; die vorliegende beschränkt sich nur auf +den vierten und letzten Zeitraum, als ein Seitenstück zu +der Geschichte der goldenen Horde in Kipdschak, aber von +weit grösserem Interesse, als jene, in Bezug auf Asien.</p> + +<div class="sidenote">Die der persischen Ilchane.</div> + +<p>Die Geschichte des von Hulagu gegründeten Reichs der +persischen <i>Ilchane</i>, d. i. <i>Landes</i>- und <i>Volksfürsten</i> [denn +<i>Il</i> heisst sowohl das eine als das andere<a name="FNanchor_1" id="FNanchor_1"></a><a href="#Footnote_1" class="fnanchor">[1]</a>], füllt nur Ein +<span class='pagenum'><a name="Page_3" id="Page_3">[3]</a></span> +Jahrhundert, von der Hälfte des dreizehnten bis in die +Hälfte des vierzehnten unserer Zeitrechnung<a name="FNanchor_2" id="FNanchor_2"></a><a href="#Footnote_2" class="fnanchor">[2]</a>, während +welchem siebzehn Ilchane gezählet werden, von denen aber +nur die neun ersten achtzig Jahre den Thron als Alleinherrscher +füllten, die acht anderen sich um denselben mit +ihren Mitbewerbern stritten, bis dass das mit so grosser +Machtäusserung gegründete, mit so grossem Glanze unter +neun Herrschern aufrecht gehaltene Reich der Ilchane, nach +dem Tode <i>Ebu Said's</i>, durch die inneren Kriege der Thronanmasser +zerfiel und sein Andenken nur in drei, aus den +Ruinen derselben emporgeschossenen Pilzlingen mongolischer +Dynastien, in denen der <i>Indschu</i>, <i>Tschoban</i> und <i>Ilkaan</i>, +noch kurze Zeit hinterliess, wie das untergegangene Reich +der goldenen Horde in Kipdschak in den aus seinen Trümmern +entstandenen Dynastien der Chane von <i>Kasan</i>, <i>Astrachan</i> +und der <i>Krim</i> noch längere Zeit fortgelebt. Jene persischen +und diese kipdschakischen Dynastien gehören aber +nicht mehr eigentlich der Geschichte der Mongolen an, +deren Herrschaft nur von Tschengischan's Auftritt als Eroberer +bis zum Untergange der goldenen Horde in Russland +und zur Erscheinung Timurs, nur zweihundert Jahre gedauert. +Die Hälfte dieser Zeit nimmt die Geschichte der +persischen Ilchane als die glänzendste der vier Uluse in +Anspruch, die glänzendste durch die Eroberungen des +Gründers <i>Hulagu</i> und seines Nachfolgers <i>Abaka</i>, durch +die gesetzgebende Weisheit <i>Ghasan's</i> des siebenten und seines +Nachfolgers <i>Oldschaitu</i> nicht unrühmliche Regierung, endlich +durch den Flor der persischen Literatur während dieses +Jahrhunderts. Die grössten Geschichtschreiber der Perser, +<i>Dschuweini</i>, der Wesir Hulagu's, und <i>Reschideddin</i>, der +Wesir Ghasan Chan's, haben die Geschichte Tschengischan's +und der Ilchane Persiens aus den Quellen des goldenen +Archiv's, d. i. des mongolischen Staatsarchivs, und der +Begebenheiten ihrer eigenen Zeit als Augenzeugen und mithandelnde +Werkzeuge beschrieben. Als Augenzeugen und +<span class='pagenum'><a name="Page_4" id="Page_4">[4]</a></span> +Zeitgenossen schrieben auch <i>Hamdallah Mestufi</i>, der Verfasser +der bessten persischen Geographie und Universalgeschichte, +<i>Binaketi</i>, der Epitomator des grossen Werkes +Reschideddin's, und <i>Wassaful-hasret</i>, d. i. der Lobredner +der Majestät, unter <i>Oldschaitu</i> und <i>Ebu Said</i>, dessen in +allen Künsten der Rhetorik üppig wuchernder Styl wohl +das Lesen seines Werkes erschwert, aber der historischen +Wahrheit so wenig Eintrag thut, dass derselbe die einzige +verlässliche Quelle, aus welcher die späteren, mit Recht +geschätzten persischen Schreiber der Universalgeschichte: +<i>Mirchuand</i>, <i>Chuandemir</i>, <i>Hafis Ebru</i> und <i>Ghaffari</i> geschöpfet. +Schon Wassaf, wiewohl er erst unter dem achten und neunten +Herrscher der Ilchane seine Geschichte schrieb, die mit +Hulagu, dem Gründer der Dynastie, beginnt, fühlte zu +Ende seines Werkes die Nothwendigkeit, demselben aus +Dschuweini auch einen kurzen Ueberblick der Geschichte +Tschengischan's und seiner vier ersten Nachfolger anzuhängen, +welche besser dieselbe eingeleitet hätte, wie <i>Scherefeddin +von Jesd</i> die Geschichte Timur's mit einem kurzen +Ueberblicke der Geschichte Tschengischan's und der vier +Uluse aus den obigen Quellen eingeleitet hat. Die Nothwendigkeit +solcher Einleitung dringt sich auch hier um so +unabweislicher auf, als Tschengischan nur acht und zwanzig +Jahre vor der Gründung des persischen Reichs durch Hulagu +verstorben, als die mongolischen Stämme und die der +Gründung des Reichs Hulagu's gleichzeitigen asiatischen +Herrscher den Lesern unbekannt. Dieses Buch leitet daher +dieselben durch die möglichst kurze Kunde über dieses Volk +des Morgenlandes und seine Stämme, über Tschengischan +und seine vier ersten Nachfolger, und über die dem Auftritte +Hulagu's gleichzeitigen Herrscher Asiens in die Geschichte +der persischen Ilchane ein.</p> + +<div class="sidenote">Türken, +Tataren und +Mongolen.</div> + +<p>Das älteste der Völker, welche die Geschichte in Hochasien +als Herrscher kennt, sind unstreitig die Türken, deren +(der chinesischen Quellen zu geschweigen) die byzantinischen +schon in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts der christlichen +Zeitrechnung erwähnen, wo die griechischen Kaiser +<span class='pagenum'><a name="Page_5" id="Page_5">[5]</a></span> +mit dem Chane der Türken am <i>Altai</i>, d. i. dem Goldberge, +durch Gesandtschaften verkehrten, d. i. schon sechs Jahrhunderte +früher, als in der Hälfte des zwölften die Tataren +und Mongolen durch Tschengischan in Europa geschichtlichen +Namen erhielten. Die Geschlechtsregister der letzten +sind augenscheinlich türkischen eingepfropft, um dunkeln +Ursprung der Väter durch berühmte Altvordern zu adeln +und ihr Geschlecht hinaufzuführen bis Türk, den Sohn +Japhet's, den gemeinsamen Ahnherrn von Tatarchan und +Mogolchan, die angeblichen Stammväter der Tataren und +Mongolen. Der Namen der letzten taucht erst unter Tschengischan +mit Gewissheit auf, da es nicht ausgemacht, ob die +ältern <i>Moho</i> der Chinesen eben so gewiss Mongolen, als +ihre <i>Tata</i> Tataren; wie aber Türken und Tataren ganz +verschiedenen Stammes, indem jenen der Namen von diesen +nur durch Missbrauch beigelegt worden, und noch beigelegt +wird, so sind Tataren und Mongolen ursprünglich ein und +dasselbe Volk, jenes der ältere unterjochte, dieses der +jüngere unterjochende Zweig. Die Türken sind vom östlichen +<i>Altai</i>, die Tataren vom <i>Baikalsee</i> ausgezogen, die +Mongolen am westlichen <i>Kentei</i>, von den Quellen des <i>Onon</i> +und <i>Kerulon</i>, wo im bewaldeten Gebirge <i>Burhan Kaldun</i> +die Geburts- und Grabstätte Tschengischan's. Nachdem +Tschengischan die ihm feindlichen Stämme der Tataren und +ihre Verbündeten vernichtet oder unterjocht, nachdem seine +Herrschaft durch Sieg und Eroberung von den Ufern des +vaterländischen Sees <i>Dalai Nor</i> bis an die des persischen +Sees von <i>Meragha</i> über siebzig Längengrade ausgedehnt +war, buhlten die unterjochten Völker um die Ehre, dem +siegenden und erobernden, dem gesetzgebenden und herrschenden +anzugehören; Türken und Tataren zählten sich +nun den Mongolen bei, wie diese in ihren Stammregistern +sich früher den Türken angeschlossen, wiewohl beide durch +die nicht zu überspringende Kluft von verschiedener Sprache +und Gesichtsbildung von einander scharf getrennt. Tataren +wollten Mongolen, Türken Tataren heissen; hingegen protestirten +die Mongolen wider den Namen von Tataren, wie +<span class='pagenum'><a name="Page_6" id="Page_6">[6]</a></span> +noch heute die Osmanen wider den von Türken. Die Eitelkeit, +altem Geschlechte anzugehören, und Adelstolz (derselbe +bei Völkern, wie bei Individuen), bringt durch +Ahnen- und Namen-Vermengung in die Stammtafeln von +beiden nur Irrthum und Verwirrung<a name="FNanchor_3" id="FNanchor_3"></a><a href="#Footnote_3" class="fnanchor">[3]</a>. Eben so richtig +als lichtvoll ordnet der grosse Geschichtschreiber der Mongolen, +Reschideddin, Anfangs seines Werkes eine Centurie +von Stämmen, welche zu seiner Zeit alle auf den Ehrennamen +von Mongolen Anspruch machten, ausser den Türken +(denen er die Uighuren der Sprache nach beigezählt) in +drei Klassen, nämlich in Tataren (desselben Stammes und +derselben Sprache, wie die Mongolen), welche ursprünglich +den Namen von Mongolen nicht führten<a name="FNanchor_4" id="FNanchor_4"></a><a href="#Footnote_4" class="fnanchor">[4]</a>; zweitens in +Völker verschiedenen Ursprungs, welche, weder Tataren +noch Mongolen, den Namen der letzten der Aehnlichkeit +wegen annahmen, wie die <i>Turkmanen</i> den der Türken, und +die daher am bessten <i>Mogolmanen</i> genannt würden, weil +sie an die Mongolen <i>mahnen</i><a name="FNanchor_5" id="FNanchor_5"></a><a href="#Footnote_5" class="fnanchor">[5]</a>, wie jene an die Türken; +drittens in die eigentlichen Mongolen, welche wieder in zwei +Abtheilungen zerfallen, nämlich in die Mongolen <i>Durlegin</i>, +der neun Geschlechter vor <i>Alankowa</i>, der neunten Ahnfrau +Tschengischan's, und die Mongolen <i>Nirun</i>, deren Stammväter +alle aber Nachkommen <i>Alankowa's</i>. Es ist nöthig, den +Leser wenigstens mit einem Viertel der Centurie von Stämmen, +die zur Zeit Reschideddin's, d. i. Anfangs des vierzehnten +Jahrhunderts, bestanden, bekannt zu machen, mit denen +nämlich, welche ihre Berühmtheit vor anderen entweder +ihren Helden und Frauen, ihrer Freundschaft für oder ihrer +Feindschaft gegen Tschengischan, ihrer Opposition oder +Verschwägerung mit dessen Hause danken.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_7" id="Page_7">[7]</a></span></p> +<div class="sidenote">Die Stämme +Tatar und +Merkit.</div> + +<p>Von den ursprünglichen tatarischen Stämmen nennen +wir zuerst den sechsgetheilten Stamm der Tataren selbst, +von denen einer <i>Tschaghlan Tatar</i>, d. i. die weissen Tataren<a name="FNanchor_6" id="FNanchor_6"></a><a href="#Footnote_6" class="fnanchor">[6]</a>, +hiess, im Gegensatze der übrigen, welche die +schwarzen genennet werden; in der Folge wurde der Namen +der weissen Tataren auch den Uiguren, welche Türken, +und anderen türkischen Stämmen beigelegt, sowie den +<i>Mandschu's</i> der Namen der <i>Sui Tatar</i>, d. i. der Wasser- +oder schlechten Tataren; die mächtigsten und gefährlichsten +der Feinde des Hauses Tschengischan's, welcher bei seiner +Geburt den Namen <i>Temudschin</i> erhielt, weil am selben +Tage sein Vater <i>Jesukai Behadir</i> einen tatarischen Fürsten, +<i>Temudschin</i>, geschlagen und gefangen gemacht. Der Namen, +den er trug, von dem am Tage seiner Geburt besiegten +Tatarfürsten hergenommen, und die in seiner Jugend von +den Erbfeinden seines Stammes erlittenen Unbilden spornten +den Sohn Jesukai's zur Rache und zum Vertilgungskriege +wider diese unversöhnlichen Feinde seines Hauses an; sie +wurden vernichtet, und nur ihre Weiber gingen als Trophäen +in das Frauengemach Tschengischan's und seiner Söhne über. +Zwei der fünf Gemahlinnen Tschengischan's, <i>Jisulun</i> und +<i>Jisulut</i>, und eine seiner Beischläferinnen, Mutter seines als +Kind verstorbenen Sohnes <i>Uradschagan</i>, waren Tatarinnen, +so auch eine Frau seines Bruders <i>Dschudschi Kasar</i>, seines +Sohnes <i>Batu</i> und <i>Tudai Mengku's</i>, des Herrschers von +Kipdschak. Die beiden Gemahlinnen Tschengischan's erflehten +von ihm das Leben zweier Kinder ihres Stammgenossen <i>Kuli</i> +und seines Bruders <i>Karamengku</i>, welche beide gross gewachsen, +den Dienst von <i>Bawerdschi</i>, d. i. Tafeldecker, bekleideten. +<i>Kuli</i> genoss des grössten Ansehens und schloss +sich nach Tschengischan's Tod an die grosse Frau <i>Sijurkukteni</i>, +die Gemahlin <i>Tuli's</i>, welche ihn zum grossen Emir +des Lagers und Obersthofmeister <i>Sijuktu's</i><a name="FNanchor_7" id="FNanchor_7"></a><a href="#Footnote_7" class="fnanchor">[7]</a>, des Sohnes +<span class='pagenum'><a name="Page_8" id="Page_8">[8]</a></span> +<i>Tuli's</i>, ernannte. <i>Sali</i>, der Sohn Karamengku's, erscheint +unter der Regierung <i>Mengkukaan's</i>, gleich beim ersten +Feldzuge Hulagu's, als Sicherer des Rückens des Heers an +der indischen Gränze; bei Tschengischan selbst aber galt +mehr, als die beiden von seinen beiden Gemahlinnen zum +Leben erbetenen obgenannten Kinder, und mehr als die beiden +Frauen <i>Akutuku's</i>, der Tatare <i>Kutku Nujan</i>; von <i>Tschengischan</i> +als Findelkind angenommen und seiner ersten Gemahlin, +noch ehe sie ihm einen Sohn geboren, zur Pflege +empfohlen, hatte sich <i>Kutku</i> schon als zwölfjähriger Knabe +Tschengischan's besondere Zuneigung durch seine Tapferkeit +erworben, indem er taidschutischen Dieben ihre Beute abjagte, +und als fünfzehnjähriger Jüngling mitten im tiefen +Schnee allein dreissig Hirsche erlegt hatte. Er durfte den +Tschengischan <i>Itsche</i>, d. i. Vater, und dessen Gemahlin +<i>Ike</i>, d. i. Mutter, nennen. <i>Ogotai</i>, der Sohn und Nachfolger +Tschengischan's, gab ihm den Ehrentitel eines Prinzen, +<i>Aka</i>, mit dem Vorsitze vor seinen eigenen Söhnen, und +noch achtzigjährig versah er das Amt des Oberrichters nach +seinem Wahlspruche: <i>Fürchte Nichts und sprich recht</i>.<a name="FNanchor_8" id="FNanchor_8"></a><a href="#Footnote_8" class="fnanchor">[8]</a> +Die Tataren sassen an der Gränze China's, dessen Kaisern +sie meistens steuerpflichtig waren.<a name="FNanchor_9" id="FNanchor_9"></a><a href="#Footnote_9" class="fnanchor">[9]</a> 2. Der zweite feindliche +Stamm, welchen Tschengischan wie die Tataren als +unversöhnliche Feinde mit Vernichtungskrieg zu Boden trat, +war der in vier Zweige getheilte der <i>Merkit</i> oder <i>Mekrit</i>, +auch <i>Udujut</i> genannt, denen die <i>Solongos</i> beigezählt wurden. +Ihr Fürst <i>Tuktaibeg</i> fiel mit sechs seiner Söhne als Opfer +der unversöhnlichen Feindschaft. Selbst der jüngste, welchem +als einem trefflichen Bogenschützen <i>Dschudschi</i>, der älteste +Sohn Tschengischan's, das Leben retten wollte, musste hingerichtet +werden auf ausdrücklichen Befehl des Vaters, +welcher dem Sohne diese Milde nie vergab. <i>Tairosim</i>, einer +der Ersten des Stammes, gab dem Tschengischan die Tochter +<i>Kulan</i> zur Frau, welche ihm den Sohn <i>Kulkan</i> gebar. Vom +Schwiegervater bekriegt, verlor Tairosim die Schlacht, und +<span class='pagenum'><a name="Page_9" id="Page_9">[9]</a></span> +seine Frau <i>Turakina</i>, welche dem Sohne Tschengischan's +beigelegt wurde, eine der grössten mongolischen Frauen, +verschaffte als Regentin nach Ogotai's Tode ihrem Sohne +<i>Gujuk</i> (dessen Gemahlin ebenfalls eine Merkitin) die Herrschaft. +Die Sitze der Merkit waren im Osten des mongolischen +Stammgebietes am linken Ufer der <i>Selinga</i>.</p> + +<div class="sidenote">Die Stämme +Dschelair, +Sunit, +Torghod, +Uirat.</div> + +<p>Der zehngetheilte mächtigste Stamm der <i>Dschelairen</i>, +welche in dem Stammgebiete des Hauses Tschengischan's +am Onon, in siebzig Ringen, wie die <i>Avaren</i>, jeder Ring +tausend Familien stark, sassen, ist einer von der ältesten +bis in die neueste Zeit durch historische Namen und Begebenheiten +merkwürdigsten. Die Nachkommen des Brüderpaars +<i>Dschudschi Tumle</i> und <i>Dschudschi Dschawerkai</i>, welche +der Anlass des Kriegs Tschengischan's mit den Taidschuten, +haben unter den persischen Ilchanen zahlreiche und wichtige +Aemter des Staats und Hofs bekleidet; <i>Kadan</i>, der +Dschelaire vom Gefolge Tschengischan's, hatte zwei Söhne, +<i>Iluk</i> und <i>Ildschikitai</i>, wovon jener Atabeg, d. i. Obersthofmeister, +des Sohnes und zweiten Nachfolgers Tschengischan's, +Ogotai's; dieser schätzte ihn sehr hoch, erlaubte ihm aber nicht, +den Bruder Ildschikitai zu tödten, der sich vor ihm ebenfalls +zu Ogotai geflüchtet. Auf dem Landtage der Wahl Mengkukaan's +spielte Ildschikitai eine höchst wichtige Rolle, indem +er die Rechte des Uluses Ogotai's auf den Thron wider die +Ansprüche des Uluses Kubilai's vertheidigte; im Gegentheile +leistete der Dschelaire <i>Mingkasar Nujan</i>, aus dem Zweige +der Dschat, Grossfürst und Oberrichter <i>Miafarakain's</i>, dem +<i>Kubilai</i> bei dem nach dessen Thronbesteigung über Majestätsverbrechen +gehaltenen Gerichte die grössten Dienste, +indem er über die widerspenstigen Prinzen der Uluse, +Dschaghatai und Ogotai, das Todesurtheil aussprach. Der +Dschelaire <i>Dauldu</i> war Vogt der vier grossen Lager Tschengischan's +und befehligte eine <i>Ssade</i>, d. i. Centurie, in jedem +<i>Hesare</i>, d. i. Regiment von tausend Mann; endlich das +Brüderpaar <i>Olai Kalschu</i> und <i>Karadschai</i>, die Schafhirten +Jisukai's, des Vaters Tschengischan's, denen er sich immer +sehr dankbar bewies, weil sie seine in die Gefangenschaft +<span class='pagenum'><a name="Page_10" id="Page_10">[10]</a></span> +der Merkit gerathene Gemahlin sicher zu Owangchan, dem +Fürsten der Kerait, geleiteten; auf dem Rückzuge genas +sie vom Erstgebornen Tschengischan's, welchen dieser, weil +die (von Verläumdern sogar als zu spät verdächtigte) Geburt +des Sohnes unerwartet kam, <i>Dschudschi</i>, d. i. den unverhofften +Gast, nannte. Tschengischan wollte in der Folge +das Brüderpaar mit Aemtern belohnen; sie zogen aber vor, +in ihrem Stande zu bleiben und als Hirten seines Vertrauens +zu geniessen; aus ihren Nachkommen ist <i>Sertak</i>, +der Fürst des Lagers zur Zeit Arghunchan's, des fünften +der persischen Ilchane, und von <i>Katschar</i>, dem Sohne +<i>Sertak's</i>, leiten die heutigen Schache Persiens ihre Dynastie +als eine zweite des Stammes der Dschelaire ab; denn eine +frühere hatte nach Zertrümmerung des persischen Reichs +der Ilchane der Dschelaire Hasan (beigenannt der <i>Grosse</i>, +zum Unterschiede von <i>Hasan Dschoban</i>, aus dem Stamme +<i>Suldu's</i>, welcher Stifter der Dynastie <i>Dschoban</i> der <i>Kleine</i> +beigenannt ward) in Persien gestiftet, welche von der geschwächten +Macht der <i>Ilchane</i> Nichts als den verstärkten +Titel als <i>Ilkaane</i> führten. Aus dem Stamme der <i>Sunit</i>, +welcher noch heute unter diesem Namen an der chinesischen +Gränze sitzt,<a name="FNanchor_10" id="FNanchor_10"></a><a href="#Footnote_10" class="fnanchor">[10]</a> war <i>Dschurmaghun</i>, welchen Ogotai, nachdem +<i>Dschebe</i> und <i>Subetai</i> von ihrem persischen Feldzuge +über Russland nach Hause gekehrt waren, als Befehlshaber +Statthalter nach Persien gesandt. Nicht minder mächtig, +als der Stamm der Dschelairen, war der der <i>Uirat</i>, deren +Sitz zwischen den acht Flüssen, die sich in die untere <i>Ankara</i> +ergiessen<a name="FNanchor_11" id="FNanchor_11"></a><a href="#Footnote_11" class="fnanchor">[11]</a>, wo noch heute ihre Nachkommen unter dem +verwandten Namen der <i>Buirat</i>, von allen Stämmen der mit +<span class='pagenum'><a name="Page_11" id="Page_11">[11]</a></span> +dem Hause Tschengischan's am meisten verschwägerte, indem +acht Uiratinnen in das Haus Tschengischan's verheirathet, und +sieben Prinzen desselben an Uiratinnen vermählet waren. +Die Grossmutter Tschengischan's, die Frau <i>Sunigil Futschin</i>, +war aus dem Stamme der <i>Torghut</i> oder <i>Torghod</i>, welcher +noch heute ein Zweig der Kalmuken oder Oeluet (das nur +die chinesische Aussprache für <i>Uirat</i>) und deren Andenken +in Kleinasien (wohin sie mit Timur's Heere kamen) im +Namen des Sandschaks <i>Torghud Ili</i> fortlebt.</p> + +<div class="sidenote">Der Stamm +der Kerait, +Bekrin, +Naiman, +Tonghut und +Uighur.</div> + +<p>Drittens die Stämme der <i>Mogholmanen</i>, d. i. der Völker, +welche weder Tataren noch Mongolen, mit den letzten verbunden, +auf den Namen derselben Anspruch machten. Die +mächtigste dieser Völkerschaften, die von nestorianischen +Priestern zum Christenthum bekehrte<a name="FNanchor_12" id="FNanchor_12"></a><a href="#Footnote_12" class="fnanchor">[12]</a> der <i>Kerait</i>; ihres +Fürsten chinesischer Ehrentitel <i>Owang Chan</i> erhielt durch die +Missionarien des Mittelalters als Priester <i>Joannes</i> keine mindere +Berühmtheit, als in früherer mythologischer Zeit der Fisch +<i>Oannes</i> als Gesetzgeber an der Küste des rothen Meeres; +die Hauptstadt derselben war die Stadt <i>Thianto</i> am Flusse +<i>Hoangho</i>, d. i. am gelben Flusse, das Land Tendum<a name="FNanchor_13" id="FNanchor_13"></a><a href="#Footnote_13" class="fnanchor">[13]</a> <i>Marco +Polo's</i>; die Geschichte Owang Chan's und seines Bruders +<i>Hakembo</i><a name="FNanchor_14" id="FNanchor_14"></a><a href="#Footnote_14" class="fnanchor">[14]</a> ist auf das engste mit der Geschichte Tschengischan's +verbunden, welcher erst der Verbündete Owang +Chan's, in der Folge denselben, weil er den Feinden +Tschengischan's Gehör gegeben, bekriegte und vom Throne +stürzte. Vergebens hatte Tschengischan früher die beiden +Nichten<a name="FNanchor_15" id="FNanchor_15"></a><a href="#Footnote_15" class="fnanchor">[15]</a> Owang Chan's für sich und seinen ältesten Sohn +Dschudschi als Gemahlinnen begehrt; sie waren ihm verweigert +worden, sowie die Hand der Enkelin Owang Chan's +aus dem Sohne <i>Sinkun</i>; aber die beiden Töchter <i>Ettiku's</i>, +des Bruders <i>Sinkun's</i>, die Frauen <i>Tokus</i> und <i>Tukini</i>, wurden +<span class='pagenum'><a name="Page_12" id="Page_12">[12]</a></span> +beide die Gemahlinnen <i>Hulagu's</i>, und die dritte Nichte +Owang Chan's, die Schwester der dem Tschengischan und +seinem ältesten Sohne verweigerten beiden Prinzessinnen, +war die berühmte <i>Sijurkukteni</i><a name="FNanchor_16" id="FNanchor_16"></a><a href="#Footnote_16" class="fnanchor">[16]</a>, unstreitig die grösste aller +mongolischen Frauen, welche durch ihre Staatsklugheit dem +Uluse Kubilai's den Thron verschaffte; Mutter vier der +grössten Fürsten der mongolischen Geschichte, nämlich der +Kaane <i>Mengku</i> und <i>Kubilai</i>, des Ilchan's <i>Hulagu</i>, Gründers +der mongolischen Dynastie in Persien, und <i>Arikbuka's</i>, der +als Nebenbuhler den Brüdern den Thron streitig machte. +Auch <i>But Tengri</i>, der Stiefvater Tschengischan's, welcher +um die Hand der Keraitin <i>Kadan</i> geworben, erhielt einen +Korb, wie Tschengischan und Dschudchi, von der Nichte +Owang Chan's. Die nächsten südlichen Nachbarn der <i>Kerait</i> +waren die <i>Unkut</i>, d. i. die Wächter der grossen chinesischen +Mauer; ihr Fürst <i>Alakusch</i>, Verräther an seinem Herrn, +dem chinesischen Kaiser <i>Altun Chan</i>, öffnete dem Heere +Tschengischan's den Durchgang, und erhielt dafür die Hand +<i>Olakai Begi's</i>, der Tochter Tschengischan's, deren Sohn +später mit der Tochter Tuli's vermählet ward; die Unkut +waren mit dem Hause Tschengischan's, wie die Stämme der +<i>Uirat</i> und <i>Kerait</i>, durch Verschwägerung eng verbunden. +Wie die Unkut in der Nähe der Kerait längs der chinesischen +Mauer, so sassen diesen westlich die <i>Naiman</i>, deren berühmter +Fürst <i>Kuschluk Chan</i> einer der erbittertsten und +mächtigsten Feinde Tschengischan's sich wider denselben, +mit den Fürsten von acht anderen Stämmen er der neunte, +verbündete.<a name="FNanchor_17" id="FNanchor_17"></a><a href="#Footnote_17" class="fnanchor">[17]</a> <i>Kuschluk's</i> Tochter <i>Linkum</i> ward die Gemahlin +Tuli's, Mutter seines dritten Sohnes <i>Kutumku</i>; auch +Tuli's Beischläferin<a name="FNanchor_18" id="FNanchor_18"></a><a href="#Footnote_18" class="fnanchor">[18]</a>, die Mutter seines achten Sohnes +<i>Muke</i>, welche aber an desselben Statt den vierten Sohn +Kubilai säugte, war eine Naimanin. Die <i>Bekrin</i> oder <i>Mekrin</i>, +<span class='pagenum'><a name="Page_13" id="Page_13">[13]</a></span> +welche weder Mongolen noch Uighuren, sassen im Lande +der letzten (in der kleinen Bucharei). Tschengischan nahm +<i>Murkai</i>, die Tochter ihres Fürsten, zur Frau, welche nach +Tschengischan's Tode, von seinem Sohne und Nachfolger +<i>Ogotai</i> vor seinen anderen Gemahlinnen geliebt, dem Bruder +Dschagatai, welcher sie von ihm begehrt hatte, verweigert +ward; auch die Gemahlin <i>Kaschin's</i>, des fünften Sohnes +Ogotai's, die Mutter Kaidu's, des Vaters von vierzig Söhnen, +welcher in der Geschichte des Uluses Dschagatai als Herrscher +auftrat, war aus dem Stamme <i>Mekrin</i>. Zu den Mogholmanen +zählt Reschideddin auch die <i>Kirgisen</i> und <i>Kemdschiut</i>, +welche, Türken<a name="FNanchor_19" id="FNanchor_19"></a><a href="#Footnote_19" class="fnanchor">[19]</a> wie die <i>Ungut</i>, in Sibirien und an dem +<i>Kem</i> oder Jenisei sassen, von welchen sie ihren Namen +haben. Die <i>Tanghut</i> im Gebirgslande an der sinesischen +Gränze, deren Hauptstadt <i>Ninghia</i> am Ufer des gelben +Flusses. Tschengischan, welcher in vier Feldzügen dieselben +nicht zu unterjochen im Stande gewesen, starb auf +dem letzten; und endlich in der kleinen Bucharei die +<i>Uighuren</i>, deren Sprache türkisch, deren Religionslehre +aber auf tübetanische hinweist, ein schriftgelehrtes Volk, +von welchem die Mongolen Schrift und Belehrung annahmen.</p> + +<div class="sidenote">Die +Dürlegin, +deren Ausbruch +aus +Ergenekun.</div> + +<p>Alle wirklichen Mongolen behaupteten, unmittelbar von +<i>Tegus</i> und <i>Kijan</i> abzustammen, welche einige Jahrhunderte +vor Tschengischan sich mittels eines Durchbruchs aus dem +Erzgebirge von Ergenekun, aus der Bothmässigkeit ihrer +Sieger und Zwingherrn befreit hatten. Ein Paar tausend +Jahre vor Tschengischan, so erzählt die Volkssage, waren +die Mongolen von ihren Feinden, den Tataren, bis auf zwei +Männer ausgerottet worden, deren einer <i>Tegus</i>, der andere +<i>Kijan</i>, d. i. Strom, hiess; sie flüchteten in ein rundum von +steilen Felsen umschlossenes Thal, wo sie im Verlaufe von +Jahrhunderten sich vermehrend, ihres Bergkerkers und +Bergbaues endlich müde, den Ausgang aus demselben sich +<span class='pagenum'><a name="Page_14" id="Page_14">[14]</a></span> +nur dadurch bahnten, dass sie mit siebzig Blasbälgen die +Flamme aufgeschichteter Holzstösse gegen die Erzwand +trieben, bis dieselbe schmolz und ihnen freien Ausweg aus +dem Gebirge gewährte, dessen Namen <i>Ergenekun</i> als <i>festes +Gewölbe</i> oder auch als Gewölbe der <i>Kunen</i> übersetzt werden +kann; in der mongolischen Volkssage und in ihrem auf die +Türken gepfropften Stammbaum scheint die geschichtliche +Wahrheit der Unterjochung und Vertreibung der <i>Hiongnu</i>, +d. i. Kunen, aus ihrem Reiche am Inschan gegen Norden am +Altai, wo sie lange Zeit in dunkler Knechtschaft für ihre +Sieger Bergbau trieben, verlarvt zu seyn. Das Erzgebirge +<i>Ergenekun</i> ist von europäischen Forschern mongolischer +Geschichten theils am Kokonor<a name="FNanchor_20" id="FNanchor_20"></a><a href="#Footnote_20" class="fnanchor">[20]</a>, d. i. am blauen See, in +Tangut im Süden der grossen Sandwüste <i>Schamo</i> oder <i>Kobi</i>, +theils im Nordosten derselben am See <i>Dalai</i><a name="FNanchor_21" id="FNanchor_21"></a><a href="#Footnote_21" class="fnanchor">[21]</a>, d. i. am heiligen +See, in welchen sich der Kerulon ergiesst, gesucht +worden; dort, weil noch heute die steilen Ufer des Sees +von den Mongolen <i>Gunergi</i><a href="#Footnote_20" class="fnanchor">[20]</a> genannt werden, hier, weil +der in den See mündende Kerulon aus demselben unter dem +Namen <i>Ergun</i> ausfliesst<a href="#Footnote_21" class="fnanchor">[21]</a>, und weil die Berge am mittleren +Unun metallreich, wie der Inschan, an welchem die Herrscher +der Hiongnu oder Kunen ihre Waffenarbeiter unterhielten<a name="FNanchor_22" id="FNanchor_22"></a><a href="#Footnote_22" class="fnanchor">[22]</a>; +aber wahrscheinlicher ist dieses Erzgebirge weder hier noch +dort, sondern am Altai zu suchen, aus dessen an Gold wie +an Eisen so reichhaltigen Felsenthälern die Türken im +sechsten Jahrhundert der christlichen Zeitrechnung in der +byzantinischen Geschichte auftauchen; dorten ist der Felsendamm +von Gog und Magog, welchen die alte mongolische +Geographie und Geschichte bis an die kaukasischen Pforten +zieht, und hinter welchen persische Geschichtschreiber und +Dichter den Bergkerker der Mongolen verlegen<a name="FNanchor_23" id="FNanchor_23"></a><a href="#Footnote_23" class="fnanchor">[23]</a>; doch +<span class='pagenum'><a name="Page_15" id="Page_15">[15]</a></span> +gleichviel, seyen die Mongolen ursprünglich vom Inschan +oder Kinschan (so nennen die Chinesen den Altai) ausgebrochen, +seyen sie von den Ufern des <i>blauen</i> oder heiligen +Sees ausgegangen, das Andenken an diesen Auszug der Väter +aus der Bergsclaverei lebte von Geschlecht zu Geschlecht +fort (bis auf den heutigen Tag); das Fest des Auszugs +ward alljährlich in der Nacht vor dem neuen Jahrestage als +ein Fest der Bergleute und Schmiede gefeiert. Glühendes +Eisen wurde in Gegenwart des Herrschers gehämmert und +Gott für den Auszug aus dem Erzgebirge gedankt; später +machte die Volkssage den Tschengischan, den Gründer der +Grösse seines Volkes, selbst zum Schmiede<a name="FNanchor_24" id="FNanchor_24"></a><a href="#Footnote_24" class="fnanchor">[24]</a>, und am +Berge <i>Tarchan</i>, d. i. der <i>Schmied</i>, welcher auf sieben +deutsche Meilen sichtbar, aus rothem Granite als Riese den +Eingang der grossen Sandwüste bewacht, wird noch der +Ambos bewahrt, auf welchem Tschengischan der Erste das +Eisen gehämmert; nicht ferne vom Berge <i>Tono</i>, d. i. der +Rauchfang, wird noch an den Ufern des Kerulon der Rauchfang +der Jurte gezeigt, in welcher er geschmiedet<a name="FNanchor_25" id="FNanchor_25"></a><a href="#Footnote_25" class="fnanchor">[25]</a> haben +soll. Auch in der altpersischen Geschichte war der Befreier +des Volkes von der Tyrannei Sohaks der Schmied <i>Gjawe</i>, +dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann das Reichspanier, +und im Mongolischen ist <i>Tarchan</i>, d. i. der <i>Schmied</i>, gleichbedeutend +mit Freiherr.</p> + +<div class="sidenote">Die Stämme +der +Uirangkut +und +Konghirat.</div> + +<p>Die Mongolen, welche von den Altvordern stammen, +die aus dem Erzgebirge Ergenekun zogen, heissen <i>Dürlegin</i>, +bis auf <i>Alankowa</i>, die neunte Ahnfrau Tschengischan's, deren +Nachkommen aus ihren drei Söhnen, die sie vom himmlischen +Lichte empfangen, die <i>Nirunen</i>, d. i. die Reinen, heissen; +von allen mongolischen Stämmen für den Mythologen und +den Geschichtschreiber des Aberglaubens der Völker merkwürdigster +Stamm ist der der <i>Uirangkut</i>, die einzigen +Mongolen, welche nicht vor dem Donner zitterten, sondern +den Blitz mit Fluchen beschworen; alle anderen fürchteten +<span class='pagenum'><a name="Page_16" id="Page_16">[16]</a></span> +den Wetterstrahl als einen feurigen Drachen, der, aus dem +Meere steigend, die Luft durchzieht und die Erde mit feurigem +Schweife schlägt<a name="FNanchor_26" id="FNanchor_26"></a><a href="#Footnote_26" class="fnanchor">[26]</a>; sie glaubten, dass ausgegossener +Wein, süsse und sauere Milch und Trocknung von Schuhen +den Blitz herbeiziehe, wesshalb dieselben in freier Luft zu +trocknen verboten war; diese Meinung und dieses Verbot +zeugt für die Fürchterlichkeit der Ungewitter in jenen Gebirgen +und Seen, und für die frühe Erfahrung, dass Feuchtigkeit +der besste elektrische Leiter; aus diesem Stamme +waren die meisten <i>Kamen</i>, d. i. Schamanen, Beschwörer +von Ungewittern und Geistern; aus demselben waren <i>Jisun +Taischi</i> und <i>Jisun Köke</i>, Befehlshaber des linken und rechten +Flügels im Heere Tschengischan's, <i>Subutai Behadir</i>, der +berühmte Feldherr, welcher mit <i>Dschebe Nujan</i> die siegreichen +Waffen der Mongolen durch Persien nach Kipdschak +trug, endlich <i>Udadschi</i>, der Zeitgenosse Tschengischan's, +dessen Nachkommen im Gebirge <i>Burhan Kaldun</i> die Grabwächter +des tschengisischen Familienbegräbnisses, die Wächter +der acht weissen Häuser (Ordu), welche dort in der Gegend +<i>Jeke Utek</i>, zwischen der Schattenseite des westlichen Altai +und der Sonnenseite des östlichen Kentei, aufgerichtet worden<a name="FNanchor_27" id="FNanchor_27"></a><a href="#Footnote_27" class="fnanchor">[27]</a>, +nach aller Wahrscheinlichkeit die Ahnen des in der +späteren mongolischen Geschichte erscheinenden und noch +heute an der chinesischen Gränze sitzenden mächtigen +Stammes der <i>Ordu's</i><a name="FNanchor_28" id="FNanchor_28"></a><a href="#Footnote_28" class="fnanchor">[28]</a>. Wenn der Stamm der <i>Urianghut</i> +so merkwürdig für den Mythologen und Ethnographen, so +ist der siebenzweigige<a name="FNanchor_29" id="FNanchor_29"></a><a href="#Footnote_29" class="fnanchor">[29]</a> der <i>Konghirat</i> noch weit bedeutender +in der Geschichte Tschengischan's und seiner Nachfolger +<span class='pagenum'><a name="Page_17" id="Page_17">[17]</a></span> +durch die vielfältige Verschwägerung desselben mit +dem Herrscherhause, indem ein Dutzend der Frauen des +tschengischanischen Hauses aus diesem Stamme in alle vier +Uluse vermählt waren. Die Mutter Tschengischan's war aus +einem der Zweige dieses Stammes, eine Olkonutin, und +Tschengischan vermählte seine Töchter an Konghiraten; so +gab er dem <i>Schingku Gurgan</i> seine Tochter Tumalin mit +dem Befehle über viertausend Konghiraten, eine andere +wollte er dem Konghiraten <i>Tuli Amul</i> zur Frau geben, liess +ihn aber hinrichten, da dieser den Antrag mit dem kühnen +Worte erwiederte: Wie soll ich deine Tochter nehmen, +die Frosch und Schildkröte (quackend und duckmäuserisch +sicher). Von <i>Bestui</i>, dem Stammvater der Konghirat und +der sechs mit demselben verwandten Stämme, schreibt sich +Alles, was in der mongolischen Hofsprache <i>golden</i> heisst, +her, wesshalb er auch <i>Bestui serin</i>, d. i. der goldene, beigenannt +wird; daher das goldene Lager, das goldene Archiv, +das goldene Gesicht und das goldene Zimmer des Herrschers. +Aus den <i>Kinkliut</i>, einem Zweige der Konghirat, war <i>Miser +Uluk</i>, von dessen Stärke und Gefühllosigkeit Reschideddin +seltsame Anecdoten erzählt; drei Tage und Nächte schlief +er statt der Decke mit Muscheln zugedeckt, so dass Vögel +auf seinen Rücken nisteten und Eier legten; sein Sohn war +der Stammvater der <i>Kurulas</i>, aus welchen <i>Merchitai</i> dem +Tschengischan den wesentlichen Dienst leistete, ihm von +der Verschwörung der feindlichen Stämme, welche den +erbitterten Feind <i>Dschamuka</i> zum Gurchan, d. i. zum grossen +Herrscher ausgerufen hatten, die früheste Kunde zu geben. +Die Gemahlin <i>Miser Uluk's</i> war eine Chinesin, deren Namen<a name="FNanchor_30" id="FNanchor_30"></a><a href="#Footnote_30" class="fnanchor">[30]</a> +die auf dem Esel reitende Rose bedeutete, wesshalb der +Sohn <i>Ildschigin</i>, d. i. Langohr, genannt ward, der Stammvater +des siebenten Zweiges der Konghirat; sie hatten ihre +Sitze an der chinesischen Gränze an den finsteren Wäldern +des Gebirges <i>Hingan</i><a name="FNanchor_31" id="FNanchor_31"></a><a href="#Footnote_31" class="fnanchor">[31]</a>, woher die unter dem Namen der +<i>Karawinas</i> berühmten Naphtafeuerwerker.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_18" id="Page_18">[18]</a></span></p> +<div class="sidenote">Die Stämme +Kungtan, +Erlat, +Huschin, +Kelkenut, +Bajaut, +Suldus.</div> + +<p>Der Namen des Stammes <i>Kungtan</i> heisst die Grossnasichten, +was sowohl physisch als moralisch für stolz und +anmassend verstanden werden kann.<a name="FNanchor_32" id="FNanchor_32"></a><a href="#Footnote_32" class="fnanchor">[32]</a> Aus diesen und den +folgenden Stämmen der <i>Erlat</i>, <i>Huschin</i> und <i>Suldus</i> waren +die bessten persönlichen Freunde Tschengischan's, die werkthätigsten +Helfer seiner Jugend und seines männlichen Alters. +<i>Menglik Itschke</i>, der Kungtane, hatte nach Jisukai's Tode +den dreizehnjährigen <i>Temudschin</i> gepflegt, sein Sohn aus einer +früheren Ehe, <i>But tanri</i>, d. i. Gottes Ebenbild, trat als +begeisterter Schamane auf und verwandelte im Namen des +Himmels den Namen Temudschin's bei dessen Thronbesteigung +in <i>Tschengis</i>, als gleichbedeutend mit Gewaltiger, +grosser Chan; der diesem gewogenste Stamm waren die +<i>Erlat</i> oder <i>Arulad</i>, d. i. die Guten, als deren Chakan +Tschengischan den Thron bestieg<a name="FNanchor_33" id="FNanchor_33"></a><a href="#Footnote_33" class="fnanchor">[33]</a>; aus diesem Stamme +war <i>Bughurdschin Nujan</i>, welcher mit <i>Burghul Nujan</i>, aus +dem Stamme der <i>Huschin</i>, der Lebensretter Temudschin's, +als er blutspeiend mitten im Schnee zu sterben Gefahr lief, +wofür beide im höchsten Ansehen stehend in der Folge als +die Waffengenossen, die ihm am Quell <i>Baldschuna</i> treu +geblieben waren, zu <i>Tarchanen</i>, d. i. Freiherren, geadelt, +dieselbe Würde ohne Diplom erhielten und über Diplome +erhaben erklärt wurden; auch den ganzen freundlichen Stamm +der <i>Kelkenut</i> adelte Tschengis als Freiherren, wie Kaiser +Friedrich I. alle Einwohner einer italienischen Stadt zu +Conti erhob; aus dem nicht minder freundlich gesinnten +Stamme der Bajaut, welcher in zwei Abtheilungen an der +Selinga sass, war <i>Böke Gurgan</i>, einer der Eidame Tschengischan's, +dann <i>Ongkus Keisat</i>, d. i. der Truchsess<a name="FNanchor_34" id="FNanchor_34"></a><a href="#Footnote_34" class="fnanchor">[34]</a>, ob +der Plünderung der Schätze des chinesischen Kaisers Altan +Chan in der Folge verungnadet, und <i>Surkan</i>, der betraute +Rath Tschengischan's, der, als die Fürsten der Tataren +und <i>Dschadscherat</i> um die oberste Herrschaft der Mongolen +<span class='pagenum'><a name="Page_19" id="Page_19">[19]</a></span> +stritten, dasselbe dem Temudschin vorausgesagt. Endlich +der Stamm <i>Suldus</i>, verherrlicht durch die Familie <i>Surghan +Schire's</i>, des Retters Temudschin's, als dieser von seinen +Feinden, den Taidschuten, gefangen, mit dem Blocke am +Halse sich in einen Teich versteckte, so dass nur die Nase +über dem Wasser sichtbar. Die alte Frau <i>Baidschu Ikadschi</i> +hatte sich seiner in dieser Sklaverei erbarmt; aber wichtiger +war der Dienst, den ihm <i>Surghan Schire</i> erwies, indem er, +des Verborgenen gewahr, die ihn aufsuchenden Taidschuten +vom Teiche ableitete, Abends denselben hervorzog und in +seinem Hause in einem Sacke von Wolle verbarg; die Verfolger +durchsuchten das Haus und stiessen mit Spiessen in +den Wollsack; als sie ferne, gab ihm Surghan Schire Kleider, +Waffen, Mundvorrath und eine weisse Stute, auf welcher +er seiner Familie zueilte, die längst alle Hoffnung, ihn +wieder zu sehen, aufgegeben; sein vierter Sohn, Tuli, sagte +schon mehrere Tage hindurch: Mutter! der Vater kommt +auf weisser Stute; und desselben Ankunft bestätigte des +Knaben zweites Gesicht<a name="FNanchor_35" id="FNanchor_35"></a><a href="#Footnote_35" class="fnanchor">[35]</a>. Viele der Nachkommen Surghan +Schire's kamen mit Hulagu nach Persien, und von denselben +stammt der berühmte Emir Tschoban, der Feldherr unter +Ghasan, Oldschaitu und Ebu Said, der in des letzten Regierung +so wichtige Rolle spielt, und dessen Sohn Hasan +der Gründer der Dynastie <i>Tschoban</i>, welche, wie die der +Ilkaane, sich aus den Trümmern des ilchanischen Reichs in +Iran erhob. Tschengischan zählte unter den Stämmen der +Durlegin mehrere Freunde als unter den achtzehn der ihm +nächstverwandten, von den lichtempfangenen Söhnen von +der neunten Ahnfrau abstammenden <i>Nirunen</i>, d. i. die Reinen. +Sein eigenes Haus hiess erst von seinem Ahnherrn <i>Kabulchan</i> +nur das der <i>Kutat</i> oder <i>Kitad</i> und von seinem Vater +<i>Jisukai</i> das der <i>Kutat Burdschugin</i>, d. i. die rothbräunlichten +Augen. Von diesen achtzehn Stämmen der <i>Nirunen</i> wollen +wir hier nur die vier mächtigsten, zwei freundliche, die +<span class='pagenum'><a name="Page_20" id="Page_20">[20]</a></span> +<i>Taidschut</i> und <i>Dschadscherat</i>, und zwei feindliche, die +<i>Barin</i> und <i>Jisut</i>, zur näheren Kenntniss einführen.</p> + +<div class="sidenote">Die Stämme +der +Taidschut, +Dschadscherat, +Barin +und Jisut.</div> + +<p>Die <i>Taidschut</i>, deren Namen an die Deutschen erinnert, +wie der der <i>Dschete</i> an die Geten, und der der <i>Dschurmanen</i> +an die Germanen, stammten mit den ihnen nächstverwandten +drei Stämmen, der <i>Erikian</i>, <i>Sidschiut</i> und +<i>Dschinis</i>, von Baiduchan, dem sechsten Ahnherrn Temudschin's, +dessen Urenkel Ainbaghi von den Tataren gefangen, +dem chinesischen Kaiser ausgeliefert, auf einem Esel paradirt +und dann geschunden worden; gleiches Schicksal hatte ein +anderer Urenkel desselben, <i>Ökin Berkan</i>, und die Blutrache +dieser beiden Urgrossoheime Temudschin's diente in der +Folge, den wider die Dynastie der <i>Kin</i> unternommenen Krieg +zu rechtfertigen; aber früher hatte Temudschin eigene Unbild +an diesem seinem Hause so nahe verwandten, aber feindlichen +Stamme zu rächen; nach der Niederlage derselben +zu <i>Baldschusch</i> wurden die Gefangenen in siebzig Kesseln +gesotten, welche in der mongolischen Geschichte eben so +berühmt, als die siebzig Blasbälge, welche die Felsenwand +von Ergenekun sprengten, als die siebzig Ringe<a name="FNanchor_36" id="FNanchor_36"></a><a href="#Footnote_36" class="fnanchor">[36]</a> der +Dschelairen, deren jeder aus tausend Familien bestand. An +der Spitze des zweiten feindlichen Stammes der <i>Dschadscherat</i> +oder <i>Dschuirat</i>, deren Stammvater Odurbejan, der +Bruder Kabulchan's, des Urgrossvaters Temudschin's, stand +Dschamuka, beigenannt <i>Satschan</i>, d. i. der Listige, der gefährlichste +und unversöhnlichste aller Feinde Tschengischan's, +dessen Ränke ihn mit Owangchan, dem Herrn der Kerait, +entzweiten und der von Tschengischan endlich besiegt, dem +Neffen Iltschidai zur Hinrichtung übergeben ward; doch +theilten nicht alle Dschadscherat den unversöhnlichen Hass +ihres Fürsten, indem Tschengischan Mehreren derselben +wesentliche Dienste dankte, so den Brüdern <i>Kuschaul</i> und +<i>Dschusuk</i>, welche während Tschengischan's chinesischen Feldzugs +seinen Jurt hüteten; und <i>Kalender</i>, welchen Tschengis +<span class='pagenum'><a name="Page_21" id="Page_21">[21]</a></span> +in der Begleitung eines Uriangkuten mit erdichteter Botschaft +im Namen seines Bruders <i>Dschudschi Kasar</i> an Owangchan +sandte, um diesen in die Falle zu locken. Aus dem Stamme +der <i>Barin</i>, dem nächsten Verwandten der <i>Durban</i>, d. i. +das Meer, die in den heutigen <i>Törbed</i> fortleben, war <i>Sutukusu</i> +nach dem berühmten Feldherrn <i>Mokli Kajanik</i> der +zweite im Befehle, der noch als hundertjähriger Greis zur +Zeit Ogotai's lebte und sich rühmte, den ersten Hochzeitsschmaus +mit Tschengischan gefeiert zu haben; dann <i>Bigi</i>, +der Barine, welchen Tschengis als <i>Ungkun</i>, d. i. freien +Mann, erklärte, der bei ihm im höchsten Ansehen wie die +Prinzen vom Geblüte zu seiner Rechten sass, und dessen +Pferde in einer Hürde mit denen Tschengischan's; da er +sehr alt, befahl Tschengischan, dass ihm der Rücken eines +<i>Sukanut</i> beim Aufstehen zum Schemel diene, woher diesem +Stamme der Name <i>Aktadschi Bigi</i>, d. i. die Stallmeister +<i>Bigi's</i>, blieb, wider welchen sie protestirten. Die <i>Jisut</i> +endlich leiten ihren Ursprung von <i>Tschintai Utdschigin</i>, dem +jüngsten Sohne Kabulchans, des Urgrossvaters Temudschin's, +ab. <i>Utdschigin</i>, d. i. der Feuerhüter, hiess bei den Mongolen +der jüngste Sohn, welcher während der Abwesenheit +des Vaters und der Brüder im Felde das Haus als Ofensitzer +hüten musste, und welcher nach des Vaters Tode +dasselbe erbte, weil er besser als die Brüder im Felde sich +mit der Wirthschaft bekannt zu machen Gelegenheit gehabt. +Diesen Beinamen führen also mehrere in der mongolischen +Geschichte berühmte jüngste Söhne als Ofensitzer-Haushüter, +nebst <i>Tschintai</i> noch <i>Budan Utdschigin</i>, der jüngste +Sohn <i>Burtan Behadir's</i>, des Grossvaters Tschengischan's; +<i>Taratai Utdschigin</i>, der jüngste Sohn <i>Jisukai's</i>, des Vaters +Tschengischan's, und endlich <i>Tuli</i>, des letzten jüngster obengenannter +Sohn. Diesen Stamm der Jisut verherrlicht die +grosse zahlreiche Familie <i>Dschebe Nujan's</i>, des Waffengefährten +<i>Subatai Behadir's</i>, welcher mit demselben den +dreijährigen Feldzug wider Persien und Russland vollbracht.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_22" id="Page_22">[22]</a></span> +Erst nach dieser vorläufigen Kenntniss der berühmtesten +Stämme des mongolischen Reichs ist es gerathen, die Geschichte +seines Gründers kurz zu überblicken.</p> + +<p> </p> + +<div class="sidenote">Perioden +der +Geschichte +Tschengischan's.</div> + +<p>Temudschin ward am 20. Silkide des fünfhundert neun +und vierzigsten Jahrs der Hidschret, d. i. am 26. Jänner +d. J. tausend hundert fünf und fünfzig der christlichen Zeitrechnung, +im letzten Jahre des alttürkischen Thiercyclus, +nämlich im Jahre des Schweines, geboren, und starb, zwei +und siebzig Jahre alt, am vierten Ramasan d. J. d. H. 624, +d. i. am 18. August 1227, nach dem sechsmal durchlaufenen +zwölfjährigen Thiercyclus, abermal im Jahre des Schweines, +ein ominoses Geburtsjahr für den Herrscher der mongolischen +schweinischen Menge; nicht minder ominos, als dass +Temudschin ein Stück geronnenes Blut fest in der Hand +verschliessend zur Welt kam, die er mit Blut überschwemmen +sollte. Von den ersten zwölf Jahren seines Lebens, in dessen +dreizehntem er den Vater Jisukai verlor, weiss die Geschichte +Nichts, als dass dieser ihm den Namen Temudschin +von dem am Tage seiner Geburt besiegten und gefangen +eingebrachten Fürsten gab; die übrigen sechzig Jahre seines +Lebens zerfallen in die frühere kleinere Hälfte, welche +sieben und zwanzig Jahre umfassend, von seinem dreizehnten +bis an sein vierzigstes, und in die zweite grössere, welche +von seinem vierzigsten bis zu seinem Tode zwei und dreissig +Jahre füllt; von der ersten Hälfte, in welcher er den wiederholten +Unbilden seiner Feinde ausgesetzt sich nur mühsam +die Freiheit und Unabhängigkeit erkämpfte, kennt die Geschichte +verhältnissmässig für die Zahl der Jahre nur wenige +Begebenheiten, aber desto gellender und ohrenzerreissender +durchschmettert sein Namen in den folgenden zwei und +dreissig Jahren die Welt. Der grosse Geschichtschreiber +Reschideddin hat die Geschichte des Lebens und der Herrschaft +Tschengischan's von seinem dreizehnten Jahre bis in +dessen drei und siebzigstes eben so pragmatisch als lichtvoll +in fünf Perioden, die erste von dreimal neun, die zweite +von neun, die dritte und vierte von sieben, die fünfte +<span class='pagenum'><a name="Page_23" id="Page_23">[23]</a></span> +abermal von neun Jahren eingetheilt.<a name="FNanchor_37" id="FNanchor_37"></a><a href="#Footnote_37" class="fnanchor">[37]</a> In der ersten Periode +tritt er als Sieger der Taidschut, deren Gefangene in siebzig +Kesseln gesotten worden, auf; schon wider seinen persönlichen +Feind, <i>Dschamuka</i>, den Fürsten der <i>Dschadscherat</i>, +kämpfend, von denen sich jedoch ein Theil ihm unterwirft, +sowie die Stämme <i>Suldus</i>, <i>Jisut</i> und <i>Barin</i>, deren Emire +sich seinem Dienste anreihen. Die Gelegenheit eines Festes +führt einen Streit mit dem Vetter <i>Sedschebegi</i>, dem Fürsten +des nahverwandten Stammes der <i>Kijat Burkin</i>, herbei, der +nun Temudschin gegenüber als Bewerber um die oberste +Herrschaft auftritt; aber diesen Abfall vergütet der Sieg +über die <i>Tungkait</i>, einen Zweig eines wider seinen Fürsten +Owangchan, welchem Temudschin Hilfe leistet, empörten +keraitischen Stammes. In der zweiten Periode erscheint +Temudschin als Verbündeter Owangchan's, des Fürsten der +Kerait, wider die ihnen beiden feindlichen Stämme der +<i>Naiman Merkit</i> und <i>Tataren</i>; nach Besiegung derselben +unterwirft sich der mächtige Stamm der <i>Konghurat</i> der +Herrschaft Temudschin's, und er besteigt den Thron als +Herr der Mongolen in seinem siebenmal siebenten Jahre. +Verschmähte Brautwerbung und Dschamuka's Ränke führen +den Krieg mit Owangchan herbei, von welchem Temudschin +zwar am Quell Baldschuna geschlagen, in der Folge denselben, +sowie die Naiman und Merkit oder Tangut, besiegt, +worauf ihm die Uighuren, Kirgisen, huldigen, und er als +Herrscher aller Mongolen die neungipflige Fahne mit neun +weissen Rossschweifen aufgepflanzt, und den Namen Temudschin +in <i>Tchengis</i>, d. i. starker, grosser, gewaltiger Herrscher, +verwandelt. Die folgende Periode füllt der siebenjährige +chinesische Krieg und die letzten neun Jahre seines +<span class='pagenum'><a name="Page_24" id="Page_24">[24]</a></span> +Lebens die Feldzüge wider Chuaresmschah's über ganz Vorderasien +verbreitete Macht in Transoxana, Chuaresm, Chorasan, +Iran und Kipdschak, theils in eigner Person, theils durch +seine Söhne und Feldherren, zuletzt die vierte wider Tangkut, +wo er seinen Lauf als Eroberer beschliesst. Gibbon hat +diese Eroberungen nach den vier Weltgegenden, im Norden, +Süden, Osten und Westen, überblickt. Da die Geschichte +Tschengischan's zu schreiben und blos die Eroberungen aufzuzählen, +hier nicht unser Zweck, so beleuchten wir die +grosse historische Figur Tschengischan's von vier Seiten, +zuerst in seiner Familie als Menschen, dann gegenüber +seinen Feinden als Sieger und Eroberer, hierauf als Staatsmann +und Gesetzgeber, und endlich in dem Ueberblicke +seiner Heeresmacht und letzten Anordnungen als den <i>Gewaltigen</i> +im eigentlichsten Sinne des Worts.</p> + +<div class="sidenote">Die Familie +Tschengischan's.</div> + +<p>Man kennt insgemein nur die vier Söhne Tschengischan's: +<i>Dschudschi</i>, <i>Dschaghatai</i>, <i>Ogotai</i> und <i>Tuli</i>, die +Stammväter der vier nach ihnen genannten Uluse aus der +Konghuratin <i>Burte Fudschin</i>; aber Tschengis hatte noch +vier andere Söhne: <i>Kulkan</i> oder Gulgan<a name="FNanchor_38" id="FNanchor_38"></a><a href="#Footnote_38" class="fnanchor">[38]</a> aus Kulan Chatun, +der Tochter Tairosun's, des Fürsten der Merkit, und drei, +die als Kinder gestorben<a name="FNanchor_39" id="FNanchor_39"></a><a href="#Footnote_39" class="fnanchor">[39]</a>; seine sechs Töchter<a name="FNanchor_40" id="FNanchor_40"></a><a href="#Footnote_40" class="fnanchor">[40]</a>, von +denen er vier an die Prinzen feindlicher Stämme vermählte, +um die alte Feindschaft zu sühnen, und nur zwei +an befreundete Fürsten, nämlich: <i>Alakabegi</i> an den Fürsten +der Ungkut, welcher ihm den Durchgang der grossen Mauer +geöffnet, und Kalbi an Idikut, den Fürsten der Uighuren, +der ihm gehuldigt, so dass er ihn nicht anders als seinen +fünften Sohn nannte. Das Frauengemach Tschengischan's +war mit einem halben Tausend von Weibern und Mädchen +<span class='pagenum'><a name="Page_25" id="Page_25">[25]</a></span> +bevölkert, aber von diesen fünfhundert hatten nur fünf den +Titel von grossen Frauen, als die fünf Centurionen dieser +fünf Weibercenturien, nämlich: 1. <i>Burte Fudschin</i>, die +Tochter des Stammhauptes der Konghurat, Mutter der vier +Söhne, Gründer der vier Uluse; 2. <i>Kulan Chatun</i>, die +Tochter Tairosun's, des Fürsten des feindlichen Stammes +der Merkit, Mutter des Sohnes Gulgan; 3. die beiden Tatarinnen, +Schwestern, <i>Jesulat</i> und 4. <i>Jesulun</i>; 5. <i>Kundschu</i>, +die Tochter des chinesischen Kaisers, welche keine Kinder +hatte und in deren Lager sich die durch ihre Schönheit +berühmte <i>Hogutai</i> befand; als die nächsten an diesen fünf +grossen Frauen sind fünf andere von der Geschichte bezeichnet, +nämlich die Tochter des viermal mit Krieg überzogenen +Fürsten von Tanghut, die Tochter <i>Tajangchan's</i>, +des siebenmal besiegten Fürsten der Naiman, die Naimanin, +Mutter des Sohnes <i>Dschurdschetai</i>, die Tatarin, Mutter des +Sohnes <i>Urdschahan</i>, und endlich <i>Abika</i>, die Tochter Hakembu's, +des Fürsten der Kerait, welche Tschengischan +durch ein Traumbild erschreckt, dem Vertrauten Kehti +Nujan, der in dieser Nacht die Nachtwache hielt, mit allen +ihren Schätzen und Pagen schenkte, und als Andenken von +ihr nur den Becher, worin sie mit ihm <i>Kumis</i>, d. i. Stutenmilch, +getrunken, und von ihrem Gefolge einen Tafeldecker +zurückbehielt. Sollte den Barbaren vielleicht die Ahnung +einer Neigung zwischen der Prinzessin und dem Leibwächter +zum grossmüthigen Opfer dieser Abtretung bewogen haben? +oder hat ihm dieselbe wirklich ein Traum abgeschreckt? +selbst in diesem Falle ist das zurückbehaltene Andenken +eine ganz unerwartete Spur menschlichen Gefühls in der +Brust eines Wütherichs, wie Tschengis, der schon als Knabe, +ehe er noch dreizehn Jahre alt, in Gemeinschaft mit dem +Bruder Belgutai den Bruder Belter erschlug; die überlebenden +vier Brüder Temudschin's sind <i>Belgutai</i>, sein Theilnehmer +am Brudermord, <i>Kodschuiu</i>, dessen Sohn <i>Iltschidai</i> +einer der treuesten und eifrigsten Diener des Oheims, auf +dessen Wink er den gefangenen Todfeind Dschamuka zerhieb; +der jüngste, <i>Temengu Uldschigin</i>, d. i. der Feuer- +<span class='pagenum'><a name="Page_26" id="Page_26">[26]</a></span> +oder Herdhüter (seine Mutter war die Olkunutin <i>Usedenu</i>, +Verwandte der Mutter Tschengischan's), ein grosser Bauliebhaber, +der überall, wo er hinkam, baute, und so viel +es in seinen Kräften stand, – wenigstens dem Willen nach +gutmachte, was der Zerstörungstrieb des Bruders Eroberers +verheerte; endlich <i>Dschudschi Keser</i>, wegen seines athletischen +Körperbaues und seiner Stärke der Löwe beigenannt; +seine Brust war so hoch gewölbt, sein Bauch so zurückgezogen, +dass, wenn er worunter lag, ein Hund unter dem +Bauche durchlaufen konnte, seine Stärke so gross, dass er +gefangene Feinde wie Pfeile in die Hand nahm, indem er +ihnen den Rückenwirbel wie Pfeile zerbrach.<a name="FNanchor_41" id="FNanchor_41"></a><a href="#Footnote_41" class="fnanchor">[41]</a> Er war der +starke Helfer Tschengischan's, der ihn auszeichnete, aber +auch ein Paarmal mit ihm unzufrieden, die Beweise seiner +Zufriedenheit und Unzufriedenheit, die erste ehrenvoll und +die zweite nachtheilig, auf die Nachkommen desselben vererbte. +Als Merkmal der Zufriedenheit seiner in dem Kriege +wider die Naiman bewiesenen Tapferkeit räumte Tschengis +allen Nachkommen des Oheims das Recht ein, wie die +Prinzen Söhne auf der rechten Seite des Thrones zu sitzen, +während alle andere Verwandte des Hauses auf der linken +Seite mit den Emiren<a name="FNanchor_42" id="FNanchor_42"></a><a href="#Footnote_42" class="fnanchor">[42]</a>; aber als in dem Kriege wider die +Kerait Dschudschi Keser zu spät kam und zur Zeit des +Mahles auf sich warten liess, sagte Tschengischan: „So erscheinen +Mücken, nur wenn sie die Sonne bescheint, und +verschwinden, sobald sie sich versteckt; der Thautropfen +will, so klein er ist, mittels der Leiter der Sonnenstrahlen +zum Himmel steigen.“ In seinem Unwillen gab er die unverbrüchliche +Satzung, dass kein Glied der Familie Dschudschi +Keser's je der Chanschaft würdig geachtet werde, und erniedrigte +also alle Nachkommen desselben für alle künftige +Zeiten zu blossen Emiren <i>Karadschu</i>, d. i. unterthänigen +Fürsten.<a name="FNanchor_43" id="FNanchor_43"></a><a href="#Footnote_43" class="fnanchor">[43]</a></p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_27" id="Page_27">[27]</a></span></p> +<div class="sidenote">Die Feinde +Temudschin's +bis +zu seiner +ersten +Thronbesteigung.</div> + +<p>Der Jugendfreunde Temudschin's ist schon oben bei +den Stämmen Erwähnung geschehen; seine Feinde können +in vier Klassen getheilt werden, erstens die persönlichen +unversöhnlichen; zweitens die besiegten und zum Theile, +wenigstens dem Scheine nach, versöhnten Stämme; drittens +die sich Herrschaft anmassenden Nebenbuhler um den Thron, +und viertens, nachdem Tschengischan denselben bestiegen, +die reichsgefährlichen feindlichen Mächte. Der erbittertste +seiner persönlichen Feinde ist <i>Dschamuka Sasan</i>, d. i. der +Listige, der Fürst der Dschadscherat, dessen List ihn mit +Owangchan entzweite und die Anregung der Verschwägerung +herbeiführte, welche dann der nächste Anlass des Krieges +zwischen Owangchan und Tschengischan. Er machte gemeinsame +Sache mit Taidschuten, welchen alsbald nach dem +Tode Jisukai's der Stamm der Konghuraten und der mit ihm +verwandten zugefallen waren. Von den Taidschuten hatte +Tschengischan die grössten Unbilden seiner Jugend zu erleiden, +die Sklaverei, aus der ihn <i>Schurkan<a name="FNanchor_44" id="FNanchor_44"></a><a href="#Footnote_44" class="fnanchor">[44]</a> Schire</i>, der +Sulduse, gerettet, und der Blutsturz, die Folge von zwölf +ihm an den Hals geschossenen Pfeilen, dessen Todesgefahr +die Freunde <i>Burghudschi</i> und <i>Burghul</i> abgewendet; solche +Unbill und Schmach büssten sie in den siebzig Kesseln gesotten. +Nach den Taidschuten waren die unerbittlichsten der +Feinde die <i>Tataren</i> und <i>Merkiten</i>, wider welche Tschengis, +sowie wider die Taidschuten, den Krieg bis zur Vertilgung +führte, die höchsten der Frauen schonend, die er als Frauen +und Beischläferinnen in sein eigenes Frauengemach nahm +oder den Söhnen überliess. Dem ältesten Sohne Dschudschi +zürnte er unversöhnlich, weil dieser dem jüngsten Sohne +<i>Tuktabeg</i> des Fürsten der Merkit als einem trefflichen Pfeilschützen +das Leben retten wollte. Von dem sechsgetheilten +Stamme der Tataren waren zuletzt auf Fürbitte der beiden +Schwestern Tatarinnen, Gemahlinnen Tschengischan's, nur +dreissig Familien das Leben gerettet, und vom Tataren +Kuli, welchem eben diese beiden Frauen als Kind das Leben +<span class='pagenum'><a name="Page_28" id="Page_28">[28]</a></span> +erbeten hatten, in ein Regiment organisirt worden.<a name="FNanchor_45" id="FNanchor_45"></a><a href="#Footnote_45" class="fnanchor">[45]</a> Die +Taidschuten waren das erstemal zu <i>Baldschusch</i> in der Niederlage +der siebzig Kessel, <span class="xidenote">I. J. 1198.</span> zum zweitenmale von Temudschin +und Owangchan zu <i>Kisiltasch</i>, d. i. am rothen Steine, geschlagen +worden; mit ihnen verbündeten sich aus den Naimanen, +den nächsten Stammverwandten Temudschin's, die +Stämme <i>Katagin</i>, <i>Saldschiut</i>, <i>Durbin</i> und <i>Konghurat</i>, ihr +Bündniss durch das fünffache Opfer eines Pferdes, Stiers, +Widders, Hundes und Bockes beschwörend; die Fürsten, +welche mit Tschengischan um die Oberherrschaft der Mongolen +buhlten, waren <i>Dschamuka</i>, der Fürst der Dschadscherat, +<i>Olak Odur</i>, der Fürst der Merkiten, <i>Sidschebeg</i>, +der Fürst der Kijat, <i>Burkin</i>, der nächste Verwandte Temudschin's, +und <i>Dschudschi Kasar</i>, der Oheim desselben. +In diese Epoche fällt die Unzufriedenheit Temudschin's +mit dem Oheim, der Anlass aber des Abfalls des Vetters +Sidschebeg war der folgende. Bald nach dem ersten Siege +über die Taidschuten gab Temudschin seiner Mutter <i>Ulun +Ike</i>, seinen Brüdern Dschudschi, Bilkuti und Utdschigin ein +Fest, bei welchem sich auch Sidschebeg, das Haupt des +Stammes der Kijat Burkin, mit seiner grossen und kleinen +Mutter, d. i. mit seiner wahren und Stiefmutter, einfand; +die Mutter fand sich beleidigt, weil <i>Sijudscher</i>, der erste +Tafeldecker Temudschin's, die Stutenmilch ihr nicht der +ersten vorgesetzt; sie schlug ihn desshalb, und als auch bald +hierauf Bilgutei beleidigt worden, kam es zwischen den +Knechten Temudschin's und Sidschebeg's zum Handgemenge, +die beiden Frauen wurden gefangen, hernach wieder freigegeben, +aber Sidschebeg trennte sich mit seinem ganzen +Stamme vom Hause Temudschin's und trat wider ihn mit +gewaffneter Hand als Anmasser der Oberherrschaft auf. <span class="xidenote">I. J. 1201.</span> Die +obgenannten verbündeten Stämme riefen den Dschamuka zum +Oberherrn mit dem Titel <i>Gurchan</i>, d. i. des grossen Herrschers, +aus. Sie verschworen sich abermal am Ufer der +Tula, indem sie mit ihren Füssen die Erde des Ufers in +<span class='pagenum'><a name="Page_29" id="Page_29">[29]</a></span> +den Fluss stampften und mit ihren Säbeln das Gesträuch +abhieben: „dass der Verräther wie diese Erde zerstampft, +wie dieses Gesträuch niedergehauen sei!“ Temudschin +schlug die sieben Stämme zu <i>Jedi Gurgan</i>, d. i. bei den +<i>sieben Grabmalen</i>, was ein als ihre Grabstätte, Unglück +vorbedeutender Namen; als er hierauf auch die Tataren und +Naimanen geschlagen, <span class="xidenote">I. J. 1201.</span> unterwarfen sich die <i>Konghurat</i>, der +nächste der Stämme der Naimanen, und Temudschin bestieg +als grosser Herrscher derselben den Thron.</p> + +<div class="sidenote">Die Feinde +und Freunde +Temudschin's +bis +zu seiner +zweiten +Thronbesteigung +als +Tschengischan.</div> + +<p>Das bisher zwischen Temudschin und Owangchan bestandene +Bündniss wurde durch die Einstreuungen Dschamuka's +getrübt, welcher den Owangchan bestimmte, dem +Antrage Temudschin's einer näheren Verbindung der beiden +Häuser durch eine Doppelverbindung kein Gehör zu geben. +Temudschin warb nämlich für sich um <i>Abika</i>, die Tochter +Hakembu's, des Bruders Owangchan's, und um ihre Schwester +<i>Begtutmisch</i> für seinen ältesten Sohn Dschudschi, während +er dem <i>Singun</i>, dem Sohne Owangchan's, seine älteste +Tochter <i>Fudschin</i> antrug; die ehemals Verbündeten waren +nun offene Feinde; Temudschin, der so oft mit den Kerait +wider ihre gemeinschaftlichen Feinde, die Tataren, Merkit +und Naiman, gefochten, wurde geschlagen, und flüchtete +zum schlammichten Quelle Baldschuna, wohin ihm nur die +Getreuesten folgten. Diese waren in der Folge als die +Waffengefährten von Baldschuna ausgezeichnet, wie vor sechs +Jahrhunderten von Mohammed die Waffengefährten von Bedr +und Ohod, er ernannte sie später alle zu <i>Tarchanen</i>, d. i. +Freiherren, sowie die beiden Lebensretter, <i>Bughurdschin</i> +den Erlaten, und <i>Burghul</i> den Huschinen, dann <i>Surgan +Schire</i><a name="FNanchor_46" id="FNanchor_46"></a><a href="#Footnote_46" class="fnanchor">[46]</a> den Suldusen, die beiden Dschelaire <i>Olai Kalgha</i> +und <i>Karadschu</i><a name="FNanchor_47" id="FNanchor_47"></a><a href="#Footnote_47" class="fnanchor">[47]</a>, den Taidschuten Jisukai, welcher vormals +die mit Dschudschi schwangere <i>Burte Fudschin</i> sicher zu +Owangchan geleitet hatte; Burghul diente von der Pike, +oder mongolisch richtiger zu sprechen, vom Pfeile auf; +<span class='pagenum'><a name="Page_30" id="Page_30">[30]</a></span> +denn Anfangs Tafeldecker, ward er <i>Gesiktu</i>, d. i. vom Vortrabe +der Pfeilschützen, dann <i>Emir Gesik</i>, Befehlshaber +derselben, hierauf <i>Emir Toman</i>, d. i. Befehlshaber eines +Corps von zehntausend Mann, und endlich Grossfürst. Von +Bughurdschin sagte Tschengischan: Ich schätze ihn unter +meiner Seele, aber höher als alle Fürsten und <i>Karadschu</i> +(Unterthanen). Bughurdschin nannte sich selbst den Unfehlbaren +und sagte von sich selbst: „Wann das Geschrei +der Raben irret und fehlet, irre und fehle ich nicht; wann +den Vogel des Grabes Schwindel ergreift, bleibt mir Kopf +und Gehirn frei; wann der Staub von der Erde zum Himmel +steigt und der Rauch des Himmels zur Erde sinkt, verfehle +ich meinen Weg nicht, desshalb nennt man mich den Unfehlbaren.“ +Als Tschengischan den <i>Burghul</i> und <i>Bughurdschin</i> +zu Tarchanen ernannte und sie das Diplom begehrten, erklärte +er sie über alle Diplome erhaben. <i>Bughurdschin</i> +war der erste der neun <i>Örlök</i><a name="FNanchor_48" id="FNanchor_48"></a><a href="#Footnote_48" class="fnanchor">[48]</a>, d. i. die neun Mannen +oder Helden, die andern acht: 2. <i>Burghul</i> der Huschine, +3. <i>Schurkan Schire</i><a name="FNanchor_49" id="FNanchor_49"></a><a href="#Footnote_49" class="fnanchor">[49]</a> der Sulduse, der Lebensretter, wie +die beiden vorigen; nach diesen Lebensrettern 4. <i>Mokli</i> der +Dschelaire<a name="FNanchor_50" id="FNanchor_50"></a><a href="#Footnote_50" class="fnanchor">[50]</a>, der Eroberer China's; 5. <i>Dschebe</i> der Jisute; +6. <i>Subutai Behadir</i><a name="FNanchor_51" id="FNanchor_51"></a><a href="#Footnote_51" class="fnanchor">[51]</a>, der Feldherr wider Persien und +Kipdschak; 7. <i>Dschelme Oho</i>, d. i. der tapfere Räuber<a name="FNanchor_52" id="FNanchor_52"></a><a href="#Footnote_52" class="fnanchor">[52]</a>, +der erste Waffengenosse der Raubzüge Tschengischan's, dessen +Söhne die Befehlshaber des rechten und linken Flügels der +Leibwachen; 8. <i>Schiki Kuttu</i>, der von Tschengischan, noch +ehe ihm seine Gemahlin einen Sohn geboren, an Kindesstatt +angenommene Pflegsohn, dessen Wahlspruch als Richter: +Fürchte Nichts und sprich Recht; endlich 9. der Uirate +<i>Kara Karaghu</i><a name="FNanchor_53" id="FNanchor_53"></a><a href="#Footnote_53" class="fnanchor">[53]</a>. Diese neun Helden waren die innigsten +Waffengefährten Tschengischan's, Stützen seiner Macht wider +<span class='pagenum'><a name="Page_31" id="Page_31">[31]</a></span> +seine Feinde: „Ihr neun Örlök, kommt mit mir herein, und +ihr dreihundert und neun Leibwachen, umgebt das Haus!“<a name="FNanchor_54" id="FNanchor_54"></a><a href="#Footnote_54" class="fnanchor">[54]</a> +und als er sieben Jahre nach der ersten Thronbesteigung +den Owangchan geschlagen und mit ihm Frieden geschlossen, +nachdem Tajangchan, der Fürst der Naiman, der gefährlichste +und mächtigste seiner Feinde, in der Niederlage +gefallen, als er in der Gegenwart von hundert versammelten +Stämmen den Thron als Herrscher aller Mongolen mit dem +ihm von seinem gottbegeisterten Stiefvater <i>Buttangri</i> (Ebenbild +Gottes) ertheilten Ehrentitel des Gewaltigen angenommen +und die neungipflige Fahne mit den neun weissen +Rossschweifen und die viergipflige schwarze seines Hauses +aufgepflanzt, als er Herrscher des Volkes der viermalhunderttausend +Mongolen, als er die Fünffarbigen und Vierfarbigen<a name="FNanchor_55" id="FNanchor_55"></a><a href="#Footnote_55" class="fnanchor">[55]</a> +zu Einem Volke vereint, denselben den Namen der <i>blauen +Mongolen</i><a name="FNanchor_56" id="FNanchor_56"></a><a href="#Footnote_56" class="fnanchor">[56]</a> oder <i>einzigen</i><a name="FNanchor_57" id="FNanchor_57"></a><a href="#Footnote_57" class="fnanchor">[57]</a> beigelegt und seine Staatseinrichtungen +begann, redete er seinen Wesir Bughurdschin +und die neun Helden Waffengefährten an: „Du mein Bughurdschin, +dem Leben und Tod stets gleichgültig war, ihr +neun <i>Örlök</i>, ihr meine Fürsten und Edle, ihr meine Unterthanen +und du ganzes grosses Volk, dass Keiner ihn neide! +Er soll die oberste Verwaltung der inneren Reichsangelegenheiten +führen und über die fünf Farben meines Volkes befehlen; +er soll die grosse fernhinschmetternde Trompete +bewahren und als Oberbefehlshaber über die neun Gebiete +den Titel <i>Kuluk Bugudschi</i> führen;“ er ward zum Oberhaupte +der neun Örlök erhoben und seine Gemahlin erhielt +den Titel <i>Butschin Taibutsan</i><a name="FNanchor_58" id="FNanchor_58"></a><a href="#Footnote_58" class="fnanchor">[58]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Die sieben +Kurultai, +die Fürsten, +welche +gehuldigt.</div> + +<p>Das Kurultai, das ist allgemeine Volksversammlung, der +Landtag, auf welchem Temudschin als Tschengischan, d. i. +gewaltiger Herrscher, der Fünf- und Neunfarbigen, der +blauen und anderen Mongolen ausgerufen worden, war das +vierte der sieben Kurultai, deren die Geschichte Tschengischan's +<span class='pagenum'><a name="Page_32" id="Page_32">[32]</a></span> +erwähnt. Das erste wurde unmittelbar vor dem Feldzuge +wider die Taidschut und der Niederlage der siebzig +Kessel, das zweite vor sieben Jahren bei der ersten Thronbesteigung +als Herrscher der unterworfenen Stämme der +Konghurat und der mit denselben Verwandten, das dritte +nach der durch den Fürsten der Tunguten erhaltenen Kundschaft +von dem Ueberfalle der Naiman und der Niederlage +Tajangchan's, ihres Fürsten, das vierte wurde zur Aufpflanzung +der vier schwarzen und neun weissen Rossschweife +gehalten, das fünfte hat bald hierauf zur Berathung des +siebenjährigen chinesischen Kriegs, das sechste sieben Jahre +hernach zur Berathung des siebenjährigen persischen, und +das siebente und letzte sieben Jahre später und zwei Jahre +vor seinem Tode bei seiner letzten Rückkehr in die Heimath +stattgehabt. Diese Kurultai blieben sofort mongolischer +Reichsbrauch bei den Thronbesteigungen der Fürsten und +anderen grossen Begebenheiten, welche der Chan mit allen +Stämmen berieth. Tschengischan spricht in seiner Thronbesteigungsrede +an die versammelten Stämme von den zwölf +unterworfenen Reichen, worunter die Gebiete der besiegten, +ihm unterworfenen Feinde zu verstehen sein dürften; zuerst +die sieben des ihm nächsten verwandten, mächtigen Stammes +der <i>Konghurat</i> mit seinen sechs Zweigen, dann die des verwandten +Stammes der <i>Kijat Burdschin</i>, dann der <i>Tataren</i> +und des ihnen engverbündeten Stammes der <i>Mekrin</i>, dann +der <i>Taidschut</i> und der <i>Kerait</i>; der noch unbezwungene, +mächtigste feindliche Stamm war der der Naiman, wider +welchen Tschengischan siebenmal zu Felde gezogen, fünfmal +vor seiner Thronbesteigung, zweimal als gewaltiger Chan der Mongolen, +und als Verbündeter Owangchan's. Immer waren sie +an der Spitze der wider Tschengis verschworenen Stämme +und ihre Niederlagen zu <i>Kisiltasch</i>, d. i. am rothen Steine, <span class="xidenote">I. J. 1198.</span> +nicht minder berühmt, als die der siebzig Kessel der Taidschut +zu <i>Baldschusch</i>, die der verbündeten Stämme an +den sieben Grabhügeln und die Tschengischan's selbst, als +er nach der wider Owangchan verlornen Schlacht von wenigen +Treuen begleitet zum Quelle <i>Baldschuna</i> geflohen. +<span class='pagenum'><a name="Page_33" id="Page_33">[33]</a></span> +Nachdem in der vierten Schlacht wider die Naimanen ihr +grosser Fürst Tajangchan geblieben, zog Tschengischan +wider dessen Bruder <i>Bujuruk</i>, d. i. den Befehlshaber, welcher +ihm als Fürst seines Volkes gefolgt, und schlug denselben +an der Sudscha, in der Nachbarschaft des <i>Ulugtag</i>, d. i. +des grossen Bergs, die Fortsetzung der Bergkette des kleinen +Altai ober dem Balchasch-See. Tajang's Sohn Kuschluk +floh mit Tukta, dem Fürsten der Merkit, nach den Ländern +am Irtisch. Ihre gefährliche Nachbarschaft mochte ein +Hauptgrund des Untergangs der <i>Kirkis</i> und <i>Kemkemdschiut</i> +gewesen sein, welche am Irtisch und Jenisei sassen, und +welche nun dem gewaltigen Herrscher huldigten; so huldigten +ihm auch im Süden <i>Idikut</i>, der Fürst der Uighuren, +und die türkischen Fürsten der <i>Hoeihe</i> in der kleinen Bucharei, +der <i>Gurchan</i> von Karachatai, der Fürst des Stammes +der Karlik von <i>Kajaligh</i> und der von <i>Almaligh</i>. Tschengis +besiegelte den Bund der Huldigung durch Verschwägerung, +indem er dem letzten eine Tochter seines ältesten Sohnes +Dschudschi, dem Fürsten der Karlik eine andere Prinzessin +des Tschengischan'schen Hauses, und seine Tochter <i>Il Alti</i> +dem Fürsten Idikut zur Frau gab, den er seinen fünften +Sohn nannte.<a name="FNanchor_59" id="FNanchor_59"></a><a href="#Footnote_59" class="fnanchor">[59]</a> Er war nun mit nicht weniger als einem +Dutzend der mächtigsten Stämme verschwägert; die zwei +Schwestern Tatarinnen ausgenommen, war jede seiner grossen +Frauen aus einem anderen Stamme, und ebenso gab er +nicht mehrere seiner Töchter an Fürsten Eines Stammes, +sondern jede an einen anderen; nur mit dem Stamme der +Konghurat war er gegenseitig verschwägert, indem seine +erste Gemahlin <i>Burte Fudschin</i> eine Konghuratin und er +seine Tochter <i>Tumalun</i> an den Prinzen der Konghuraten +vermählte, welcher, wie alle Eidame, den Titel <i>Gurchan</i> +führte.</p> + +<div class="sidenote">Chinesische +Ehrentitel, +der chinesische +und +persische +Krieg.</div> + +<p>Stark durch Verbindung und Verschwägerung mit den +mächtigsten Stämmen und Fürsten, vernichtete er so leichter +<span class='pagenum'><a name="Page_34" id="Page_34">[34]</a></span> +den Fürsten der Naimanen, <i>Kutschluk</i>, in dem siebenten +und letzten wider denselben geführten Krieg in der Schlacht +am <i>Kem</i>, und wagte nun den Krieg wider den Herrscher +von China selbst, wider <i>Altan Chan</i>, d. i. den goldenen, +welcher ihm gleich Anfangs seines Auftritts für die dem +<i>Tschingsang</i> (chinesischen Staatsminister) wider empörte +Tataren geleistete Hilfe den Ehrentitel eines <i>Grossfürsten</i><a name="FNanchor_60" id="FNanchor_60"></a><a href="#Footnote_60" class="fnanchor">[60]</a>, +sowie damals der Herrscher der Kerait dem Owangchan<a name="FNanchor_61" id="FNanchor_61"></a><a href="#Footnote_61" class="fnanchor">[61]</a> +und dem Fürsten der Naiman den Ehrentitel <i>Tajang</i> verliehen +hatte. Die Seele dieses siebenjährigen chinesischen +Krieges, welcher mit der Besiegung Altanchan's, des vormaligen +Oberherrn der Tataren und Mongolen, endete, war +der Dschelaire <i>Mokli</i>, welcher zur Belohnung seiner Dienste +den auszeichnenden chinesischen Titel <i>Kojang</i><a name="FNanchor_62" id="FNanchor_62"></a><a href="#Footnote_62" class="fnanchor">[62]</a>, das ist +Herrscher Eines Distrikts, erhielt. Der Kaiser von China +war der mächtigste Feind des mongolischen Reichs im Osten, +sowie Chuaresmschah, dessen Herrschaft sich über ganz +Mittel- und Vorderasien erstreckte, der mächtigste und gefährlichste +Nachbar im Westen. Nach dem glücklich vollendeten +siebenjährigen chinesischen Feldzuge und der Einschüchterung +des Ostens wandte Tschengischan seine ganze +Macht wider den Herrscher des Westens, wider Mohammed +Tekesch, zur Blutrache einer Karawane mongolischer Kaufleute, +welche Ghairchan, der Statthalter von Otrar, hatte +ermorden lassen. In diesem siebenjährigen Kriege befehligten +die zur Eroberung des Westens bestimmten Heere +theils Tschengischan in Person, theils seine vier Söhne, +theils seine beiden grossen Feldherren <i>Dschebe Nujan</i> und +<i>Subutai Behadir</i>; sie eroberten eben so viele Länder: +<i>Transoxana</i>, <i>Chuaresm</i>, <i>Chorasan</i>, das <i>persische Irak</i>, <i>Masenderan</i>, +<i>Ghasna</i> und <i>Kipdschak</i>, und die mongolischen +Heere verheerten die Länder von den Ufern des Indus bis +an die der Wolga. Ogotai und Dschaghatai belagerten Otrar, +<span class='pagenum'><a name="Page_35" id="Page_35">[35]</a></span> +worin sich Ghairchan, dessen Gewaltthat der Anlass und +die Rechtfertigung des Kriegs, sich zwei Jahre lang tapfer +vertheidigte. <i>Dschudschi</i>, welcher gegen <i>Chodschend</i> befehligt +war, kehrte nach einiger Uneinigkeit mit seinen +Brüdern wieder nach Kipdschak zurück. Tschengischan befehligte +in eigener Person die Verheerung von Samarkand +und Bochara, der beiden grössten und bevölkertsten Städte +Transoxana's, in deren jeder dreissigtausend Schlachtopfer +bluteten, was nicht unglaublich, wie die Zahl derer, welche +in den Städten Chorasan's bluteten, mit dessen Eroberung +der vierte Sohn, Tuli, betraut war. Zu <i>Nischabur</i> soll eine +Million, zu <i>Sebsewar</i> siebzigtausend gemetzelt worden sein. +Glaublicher ist die Entvölkerung Chuaresm's, aus dessen +Hauptstadt allein einmalhunderttausend Künstler und Handwerker +in die östlichen Länder geschleppt worden. <i>Bamian</i>, +vor dessen Mauern ein Enkel Tschengischan's, aus seinem +Sohne Dschaghatai, fiel, erhielt den Namen <i>Mobaligh</i>, d. i. +verfluchte Ballei, und musste den Mord mit dem Blute +seiner Einwohner sühnen. Die beiden Feldherren Dschebe +Nujan und Subutai Behadir durchstäupten Persien bis an +die Ufer des Sees von Urmia, drangen dann durch die +Pässe des Kaukasus nach Russland und Kipdschak vor und +wurden durch die Niederlage der Russen Herrscher an der +Kalka, die sich in den Donesch ergiesst, wie sie Herrscher +an der Kalka, die in den Bujursee mündet. Tschengischan +selbst verfolgte am Indus den Sultan Dschelaleddin Mankburni, +den Sohn des Mohammed Tekesch, der in einer +Insel des kaspischen Meeres sein Leben geendet, und konnte +dem Sohne seine Bewunderung nicht versagen, als derselbe, +bis an das Ufer des Indus verfolgt, vom steilen Ufer sich +ganz bewaffnet mit dem Pferde in den Indus stürzte und +denselben durchschwamm: Ein Sohn, würdig seines Vaters, +rief Tschengischan, ihm mit Bewunderung nachsehend, aus. +Beim Kurultai, welches Tschengischan am Karagöl (Schwarzsee) +zur grossen Jagd an alle Uluse ausgeschrieben hatte, +erschien der älteste, Dschudschi, nicht, doch sandte er +seinerstatt kostbare Geschenke an Pferden. Tschengischan +<span class='pagenum'><a name="Page_36" id="Page_36">[36]</a></span> +unternahm von da den vierten Feldzug wider das empörte +Tanghut und starb auf demselben, nachdem er durch letztwillige +Anordnung zu seinem Nachfolger im Reiche weder +den ältesten <i>Dschudschi</i>, noch den zweiten <i>Dschagatai</i>, sondern +den dritten <i>Ogotai</i> ernannt hatte.</p> + +<div class="sidenote">Die Jasa.</div> + +<p>Tschengischan's Politik, deren Hauptaugenmerk die +Versöhnung feindlicher Stämme und die engere Verbindung +mit freundlichen mittels Verschwägerung, erhellt schon aus +dem Erzählten; aber seine bürgerliche Gesetzgebung und +seine Staatseinrichtungen erfordern noch besondere Beleuchtung. +Er ist der Gesetzgeber seines Volkes. Aus den +bisherigen europäischen Geschichtschreibern mongolischer +Geschichte ist nur die bürgerliche Gesetzgebung desselben, +d. i. die <i>Jasa</i>, bekannt, aber in Wassaf, dem Livius der +persischen Geschichtschreibung, welcher, berühmt unter +dem Namen des <i>Lobredners der Majestät</i><a name="FNanchor_63" id="FNanchor_63"></a><a href="#Footnote_63" class="fnanchor">[63]</a>, schon anderthalb +Jahrhunderte nach Tschengischan, zu Ende des dreizehnten +Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung und zu +Anfang des vierzehnten, schrieb, und aus der grossen +Sammlung von Staatsschreiben, welche ein halbes Jahrhundert +später der Staatssekretär Mohammed Hinduschah, beigenannt +die <i>Sonne des Stylisten</i><a name="FNanchor_64" id="FNanchor_64"></a><a href="#Footnote_64" class="fnanchor">[64]</a>, für <i>Schah Oweis Behadirchan</i>, +den zweiten Herrscher der zweiten Dynastie der +Ilchane (deren Gründer sein Vater, der grosse Hasan), aus +den Archiven zusammentrug, lernen wir auch die besonderen +Namen der Gerichtsordnung und des Militärcodex kennen. +Die erste, nach welcher den Oberrichtern das Recht zu +sprechen in ihren Bestallungsdiplomen eingeschärft ward, +hiess <i>Kutatgu bilik Tschengischani</i>, d. i. das Kutadische +Tschengischanische überlieferte Wort; denn unter dem Titel +von <i>Bilik</i> gibt Reschideddin neun und zwanzig überlieferte +Worte Tschengischan's, und <i>Kutat</i> (oder <i>Kitad</i>) ist der +Name der Familie Tschengischan's; den Namen des Militärcodex +hat nur Wassaf aufbewahrt; derselbe hiess: <i>Tumendschin</i>, +d. i. wovor man sich zu hüten; dieses ging, sowie +<span class='pagenum'><a name="Page_37" id="Page_37">[37]</a></span> +das <i>Bilik</i>, unmittelbar von Tschengischan selbst aus, aber +an der <i>Jasa</i> hatte die Weisheit seines Sohnes Dschagatai +grossen Antheil. Da die einige und zwanzig Punkte des +ersten und des zweiten bereits bekannt gemacht worden, +so genügen hier ein Paar Federstriche zum Umrisse des +Geistes der Gesetzgebung Tschengischan's. Häufige Todesstrafe +und Prügel waren die Sanction derselben, die Todesstrafe +nicht nur auf Verbrechen, sondern auch auf Unsittlichkeit +und auf die Verletzung abergläubischer Sitte gesetzt; +so wurde der überwiesene Lügner, Zauberer, der, welcher +bei Donnerwetter badete, und wer ins Wasser oder auf Asche +pisste, mit dem Tode bestraft; den Prügeln, womit vorzüglich +die Uebertretung der Kriegszucht bestraft ward, +waren auch die Prinzen des Geblüts unterworfen, und dieselben +entehrten nicht; ihre Zahl immer ungleich, von drei, +fünf, sieben bis sieben und siebzig.<a name="FNanchor_65" id="FNanchor_65"></a><a href="#Footnote_65" class="fnanchor">[65]</a> Die grösste politische +Tugend der Mongolen die blindeste Unterwürfigkeit in den +Willen des Herrschers, indem nur Einer der Herr und alle +Anderen Sklaven; Nichts von Geburt aus, oder wenn auch +durch diese und durch Stammverwandtschaft geadelt und zu +Würden erhoben, wieder Nichts vor des Herrschers Allmacht; +die zweite Tugend schweinische Unreinigkeit, indem +es ihnen verboten, ihre Kleider zu waschen, die sie auf +dem Leibe tragen mussten, bis sie ihnen in Stücken abfielen<a name="FNanchor_66" id="FNanchor_66"></a><a href="#Footnote_66" class="fnanchor">[66]</a>, +also gerade das Gegentheil jüdischer und moslimischer +Gesetzgebung, wovon jene zwischen Reinem und +Unreinem so genau unterscheidet, diese wiederholtes Waschen +zur Pflicht macht. Gastfreundschaft war geboten, doch +durfte keiner zum Mahle niedersitzen, ohne dazu geladen +zu seyn, keiner auf Kosten seiner Tischgenossen schlemmen; +Titel und Phrasen waren untersagt, selbst der Kaan durfte +nicht anders als bei seinem Namen angeredet werden; ein +persischer Sekretär, welcher das im Namen Tschengischan's +an eine belagerte Stadt erlassene Aufforderungsschreiben +mit Floskeln ausgeschmückt, büsste dieselben mit seinem +<span class='pagenum'><a name="Page_38" id="Page_38">[38]</a></span> +Leben. Alle Mädchen und Frauen der Mongolen standen +dem Herrscher zu Gebot; die Tarchanen, d. i. Freiherren, +waren von allen Steuern befreit und hatten zu jeder Stunde +freien Zutritt zum Kaan. Die Erbfolge in der Familie Tschengischan's +war durch die Jasa, welche hievon die Brüder +Dschudschi Kasar's ausschloss und die Herrschaft dem Uluse +Ogotai's, des zweiten Sohnes, zusprach, festgesetzt, aber +die Verkündung der Thronbesteigung musste auf einem +<i>Kurultai</i>, d. i. einem Landtage, feierlich vollzogen werden. +Der erste und grösste Hofdienst war der des Oberstjägermeisters, +denn die Jagd als Vorspiel und Vorübung des +Kriegs vertrat die Stelle der Bildung und Erziehung, da +das Handwerk und die Kunst der Mongolen nur Krieg und +Verheerung.</p> + +<div class="sidenote">Das Heer +und das +Testament.</div> + +<p>Die Periode der Staatseinrichtungen Tschengischan's +fällt in die sieben Jahre, welche von seiner zweiten Thronbesteigung +als gewaltiger Herrscher bis zum Ausbruche des +siebenjährigen chinesischen Krieges verflossen; aber die +militärische Einrichtung des Heeres nach Zehnern, Hunderten, +Tausenden und Zehntausenden hatte schon früher +stattgefunden. Das Buch der vier Uluse, dessen Verfasser +Ulugbeg und welches dem <i>Stammbaume der Türken</i><a name="FNanchor_67" id="FNanchor_67"></a><a href="#Footnote_67" class="fnanchor">[67]</a> zu +Grunde liegt, schreibt die Eintheilung des mongolischen +Heeres in sieben Treffen schon dem Oguschan zu; in jedem +Falle ist diese Einrichtung eine türkische und weit älter, +als Tschengischan, und verschieden von der arabischen Eintheilung, +welche nur fünf Abtheilungen des Heeres kennt. +Die Türken und nach ihnen die Mongolen theilten ihr Heer +in die folgenden sieben Theile: 1. <i>Buldschunghar</i>, auf +türkisch <i>Karaul</i>, die Vorposten oder Vedetten; 2. <i>Borunghar</i>, +auf türkisch <i>Mankalai</i>, der Vortrab des Heeres, auf arabisch +<i>Makaddemetol-dschisch</i>; 3. <i>Unghar</i>, auf türkisch <i>Ssaghkol</i>, +der rechte Flügel, auf arabisch <i>Jemin</i>; 4. <i>Dschunghar</i>, auf +türkisch <i>Ssolkol</i>, der linke Flügel, auf arabisch <i>Jesar</i>; +5. <i>Ghul</i>, auf türkisch <i>Jesaul</i>, das Mitteltreffen, der Mittelpunkt +<span class='pagenum'><a name="Page_39" id="Page_39">[39]</a></span> +des Heeres, die Fahnen und Standarten, die Rossschweife +und Heerpauken, von den Arabern <i>Kalboldschisch</i>, +d. i. das Herz des Heeres, genannt; 6. <i>Okdschunghar</i>, auf +türkisch <i>Tschenkdaul</i>, der Nachtrab, auf arabisch <i>Sakat</i>; +7. <i>Bestunghar</i>, auf türkisch <i>Bassdürma</i> und auf persisch +<i>Kemingjah</i>, d. i. der Hinterhalt; dieser Theil des Heeres +war, wie der türkische und persische Name zeigt, zu Ueberfällen +aus dem Hinterhalte bestimmt; er zog aber, der letzte, +in so grosser Entfernung vom Nachtrab, dass er den Staub +desselben nicht sah. Diese letzte Abtheilung, sowie die +erste, fehlt in der Strategie der Araber. Ein Corps von +zehntausend Mann hiess <i>Tumen</i> oder <i>Toman</i>, eine Benennung, +welche auch den Länderabtheilungen und später Münzen +beigelegt ward, wie denn noch heute Silber- und Goldtomane +in Persien cursiren; die Silber- und Goldmünzen +der Mongolen hiessen <i>Balisch</i>. Die Jagd, Pfeilschiessen, +Pferdetummeln und Ringen waren die Uebungen des Heeres +und der Feldherren, welche hierin mit gutem Beispiele +vorgehen mussten: „Die grossen Fürsten und das ganze +Heer muss sich in der Jagd üben und den Namen bestimmen, +bei welchem sie, wenn sie ins Feld ziehen, ausgerufen +werden sollen; sie sollen mit zu Gott gewandtem Herzen +beten, bis sie mit göttlicher Hilfe die vier Weltgegenden +unterjocht.“ lautet das zehnte der hinterlassenen Worte +Tschengischan's; dann das eilfte: „Der Mann sei unter dem +Volke ruhig und schweigsam, wie ein Kalb, falle aber in +der Schlacht wie ein hungriger Geyer auf die Feinde.“ +und das zwölfte: „Jedes Wort, das einmal gesprochen worden +und von dem man zweifelt, ob es im Scherze oder Ernste +gesprochen worden, kann nicht mehr zurückgenommen werden, +– gilt für Ernst.“ Die grösste Auszeichnung war, +wenn der Kaan auf einen mit dem Finger zeigte; dem mit +dem Finger Ausgezeichneten<a name="FNanchor_68" id="FNanchor_68"></a><a href="#Footnote_68" class="fnanchor">[68]</a> waren die Einkünfte der +Minen, die guten Pfeilschützen, die Pferde der Post, die +Jagdvögel, die Jagdhunde der eroberten Länder zugesprochen.<a name="FNanchor_69" id="FNanchor_69"></a><a href="#Footnote_69" class="fnanchor">[69]</a> +<span class='pagenum'><a name="Page_40" id="Page_40">[40]</a></span> +Die feste Grundlage des Herrschergesetzes +Tschengischan's war Familieneinigkeit und festes Zusammenhalten +der Stammverwandtschaft; eine Lehre, welche er +durch das bekannte Gleichniss vom Pfeilbündel, dann von +den zwei Schlangen, der einköpfigen Vielschweifigen<a name="FNanchor_70" id="FNanchor_70"></a><a href="#Footnote_70" class="fnanchor">[70]</a> und +einschweifigen Vielköpfigen, seinen Söhnen versinnlichte. +Von diesen bekleidete Ogotai, der Oberste Jägermeister, +das erste Hofamt, Dschagatai versah die Stelle des Obersten +Richters und wachte auf die Vollziehung der Jasa, an deren +Verfassung er so grossen Antheil hatte; dem Ogotai lag die +innere Verwaltung, d. i. die Erhebung der Steuern, dem +jüngsten, Tuli, die Sorge für das Haus und die Truppen, +für den Herd und das Heer ob; der jüngste Sohn war, wie +schon oben gesagt worden, nach mongolischen Gesetzen der +Hüter des Herds und der Herden und nach des Vaters Tod +der Erbe der ganzen Wirthschaft, wiewohl das Haupt der +Familie und des Stammes stets der Erstgeborne blieb. Das +mongolische Gesetz trennte also das Ansehen der Erstgeburt +von dem Stammvermögen, indem die Stammherrschaft zwar +dem Aeltesten, das Vermögen aber dem Jüngsten des Hauses +zuerkannt ward. In diesem Sinne sollte Dschudschi, der +älteste der vier Söhne, dem Vater auf dem Throne gefolgt +sein, aber mit demselben unzufrieden, besonders seitdem +er nicht auf dem letzten Kurultai zur grossen Jagd erschienen, +sprach Tschengischan's letzter Wille die Thronfolge dem +dritten Sohne, Ogotai, das Stammvermögen aber, das ist +die grösste Macht des Heeres, dem jüngsten Sohne, Tuli, +zu. Von hundert neun und zwanzig Toman, d. i. hundert +neun und zwanzigtausend Mann, aus welchen das Heer bei +Tschengischan's Tod bestand, hinterliess er hundert ein +Tausend dem Tuli, jedem der vier anderen: Dschudschi, +Dschagatai, Ogotai, Gulgan, nur viertausend; den rechten +Flügel über acht und dreissigtausend Mann befehligte der +erste der neun Orlöke, der treue Freund und Waffengefährte +<span class='pagenum'><a name="Page_41" id="Page_41">[41]</a></span> +Bughurdschi; den linken von zwei und sechzigtausend +Mann der Eroberer China's, der Kojank Mokli der Dschelaire, +welchem drei <i>Hesare</i>, d. i. dreitausend Mann Dschelairen +als ein Leibregiment überlassen worden; fünftausend +seinem jüngsten Bruder <i>Utdschigin</i>, dreitausend seinem +Bruder <i>Katschiun</i> und eben so viele seiner Mutter <i>Ulun</i>, +tausend dem Sohne des Bruders Dschudschi Kasar's. Diese +Truppen erbten in den Familien fort. Als Tschengischan +sein Testament machte, liess er aus den Archiven den +Familienpact holen, welchem noch das goldene Siegel seines +Vorfahren <i>Tumenai</i> aufgedrückt war und welchem die folgenden +Ahnen, nämlich: <i>Kabulchan</i>, der Urgrossvater, <i>Bertan +Behadir</i>, der Grossvater, und <i>Jisukai</i>, der Vater Tschengischan's, +ihre Unterschriften beigesetzt hatten<a name="FNanchor_71" id="FNanchor_71"></a><a href="#Footnote_71" class="fnanchor">[71]</a>; er zeigte +diese Familienurkunde, vermöge welcher der letzte Wille +des Herrschers als Gesetz geachtet werden musste, den +Söhnen, befahl ihnen, den Bruder Ogotai als Herrn anzuerkennen, +und empfahl die Leitung der Reichsgeschäfte +dem Vetter <i>Karadschar Nujan</i>, dem Sohne seines Oheims, +dem Ahnherrn Timur's. Ogotai erhielt das Reich als oberster +Herrscher, Tuli das Stammgebiet am Onon und Kerulon und +die östlichen Länder. Dem Uluse Dschudschi's, der kurz +vor dem Vater verstorben, ward der Besitz von Kipdschak +erhalten; Dschagatai's Antheil waren die Länder der Uighuren, +die kleine und grosse Bucharei, die Länder am <i>Ili</i> und +zwischen dem <i>Dschihun</i> und <i>Sihun</i> (Oxus und Jaxartes), +welchen, sowie der türkischen Mundart der Uighuren, der +Name der <i>Dschagataischen</i> verblieb.</p> + +<div class="sidenote">Der Familienvertrag +zu +Karadscha.</div> + +<p>Der Familienvertrag der Familie Tschengischan's sowohl, +als der grosse Einfluss Karadschar's als Leiter, Rath und +Orakel der tschengisischen Familie ist bisher von keinem +europäischen Schreiber mongolischer Geschichten gehörig +ins Auge gefasst worden; selbst die soeben angeführte Stelle +Mirchuand's über den Familienvertrag ist unberücksichtigt +geblieben. Das seit kurzem erst in englischer Uebersetzung +<span class='pagenum'><a name="Page_42" id="Page_42">[42]</a></span> +bekannt gewordene treffliche Werk des <i>Stammbaums der +Türken</i>, welches den Kern der Geschichte der vier Uluse +von Ulugbeg enthält, gibt darüber sowohl, als über Karadschar's +Einfluss und Ansehen umständlichen Bericht; wir +lernen daraus, dass dieser Familienvertrag <i>Temghai Tumenaichan</i>, +d. i. das Insiegel <i>Tuminechan's</i>, hiess, und also schon +vom Ururgrossvater Tschengischan's datirt. Diesen Familienvertrag +liess Tschengischan auf seinem Sterbebette holen +und führte seinen Söhnen zu Gemüthe, dass er sowohl, +als Karadschar, denselben immer genau beobachtet hätten. +Karadscharchan erscheint also schon hier als das Haupt +eines Zweiges der Familie Tschengischan's, welches im +Namen derselben mit Tschengischan einen Familienvertrag +eingegangen oder vielmehr den erneute, welchen der Ahnherr +Tumenaichan zwischen seinen Söhnen <i>Kabulchan</i> und +<i>Katschulai</i> geschlossen und welchen später <i>Jisukai</i> und <i>Temudschin</i> +bestätigt hatten; mehr als einmal erwähnt desselben +die <i>Geschichte des Stammbaums</i>; sie erwähnt desselben unter +der Regierung <i>Tewa's</i>, des eilften Chan's der Familie Dschaghatai, +als des zwischen Karadschar Nujan und Tschengischan +geschlossenen Familienvertrags, und abermals unter +der Regierung von <i>Sijurghurtmisch</i>, dem zwei und dreissigsten +Chane des Uluses Dschaghatai<a name="FNanchor_72" id="FNanchor_72"></a><a href="#Footnote_72" class="fnanchor">[72]</a>; dieser Familienvertrag des +tschengisischen Hauses, welcher zuerst von Tumenaichan, dem +vierten Ahnherrn Tschengischan's, zwischen seinen beiden +Söhnen Kabul und Katschulai aufgerichtet, von seinem Urenkel +Jisukai bestätigt worden, ward von seinem Ururenkel +Tschengischan mit Karadschar erneuert und blieb bis zu +dem letzten Chane des Uluses Dschaghatai, von Tumenaichan +bis auf die Zeit Timur's, d. i. durch dreihundert Jahre, +aufrecht. Karadschar Nujan hätte zweifelsohne den Thron, +wenigstens im Uluse Dschaghatai, für sich selbst behaupten +können, aber er wollte lieber denselben verleihen, als selbst +einnehmen; so erhob er einige Jahre nach dem Tode Dschaghatai's +<span class='pagenum'><a name="Page_43" id="Page_43">[43]</a></span> +statt eines Sohnes den Enkel desselben, Kara Hulagu, +auf den Thron, setzte denselben zwar auf die Vorstellung +des Grosschan's <i>Gajuk</i> ab und einen Sohn Dschaghatai's als +Chan, dann aber, als dieser gestorben, den <i>Kara Hulagu</i> +zum zweitenmal als Chan des Uluses Dschaghatai ein.<a name="FNanchor_73" id="FNanchor_73"></a><a href="#Footnote_73" class="fnanchor">[73]</a> +Karadschar war der Sohn Emir <i>Songhur Tschitschan's</i>, der +Enkel Emir <i>Irdümdschi's</i>, der Urenkel Emir <i>Kadschulai's</i>, +des Sohnes <i>Tumenai's</i> und also der Vetter Tschengischan's +im dritten Grade, indem ihre Urgrossväter Brüder waren. +Warum Tumenai, da ihre Urgrossväter Kabul und Katschulai +Brüder, warum Tumenai, welcher acht Söhne hatte, den +Hausvertrag der Herrschaft nur unter den beiden obgenannten +abschloss, erhellt nicht aus den bisher bekannten +Quellen mongolischer Geschichte; wahrscheinlich weil Katschulai +dem Kabulchan die Nachfolge streitig machte. Nach +den vier durch die vier Söhne Tschengischan's begründeten +Ulusen war das Haus Karadschar's das mächtigste des tschengisischen +Stammes und Herrschaft und Welteroberung gingen +auf den Nachkömmling Karadschar's im fünften Grade, auf +Timur Gurgan, über.<a name="FNanchor_74" id="FNanchor_74"></a><a href="#Footnote_74" class="fnanchor">[74]</a> Der Stamm des Hauses Karadschar's +war der der Berla's.<a name="FNanchor_75" id="FNanchor_75"></a><a href="#Footnote_75" class="fnanchor">[75]</a> Karadschar, der Rath Tschengischan's +und seiner Söhne Ogotai und Dschaghatai, starb bald, +nachdem er den Kara Hulagu, den Enkel Dschaghatai's, zum +zweitenmale auf den Thron gesetzt, acht und neunzig Jahre +alt<a name="FNanchor_76" id="FNanchor_76"></a><a href="#Footnote_76" class="fnanchor">[76]</a>, und hinterliess zehn Söhne, deren ältester, <i>Itschel</i>, +der Ururgrossvater Timur Gurgan's.<a name="FNanchor_77" id="FNanchor_77"></a><a href="#Footnote_77" class="fnanchor">[77]</a></p> + +<div class="sidenote">Charakter +und Sitten +der +Mongolen.</div> + +<p>Ehe wir von Tschengischan zur Geschichte seiner Nachfolger, +Herrscher der Mongolen, übergehen, nur noch ein +<span class='pagenum'><a name="Page_44" id="Page_44">[44]</a></span> +Paar Worte über den Charakter und die Sitten des Volkes. +Die beste und kürzeste Schilderung derselben liegt im Namen +<i>Mongol</i> selbst, sei es, dass derselbe, wie die persischen +Quellen sagen, <i>trübe</i> und <i>traurig</i>, sei es, dass er, wie ein +mongolischer Geschichtschreiber behauptet, <i>trotzig</i> und <i>unerschrocken</i> +bedeute. Es hat mit dem Namen der Mongolen +dieselbe Bewandtniss, wie mit dem der Slaven, welchen die +Fremden von <i>Slavo</i>: schwach und feige, die Eingebornen +von <i>Slaba</i>: Ruhm und Glanz, abgeleitet haben; wie dem auch +sei, der Charakter der Mongolen entspricht der doppelten +Angabe der Bedeutung ihres Namens, sie sind eben so ein +trübes und trauriges, als trotziges und unerschrockenes Volk. +Die Traurigkeit und Schwermuth spricht sich schon in den +Klaggesängen, welche vom mongolischen Geschichtschreiber +Ssetsen aus der ältesten Zeit her erhalten sind, in der wehmüthigen +Sehnsucht nach den Ufern des Onon und Kerulon, +sowie in den Volksliedern der heutigen Mongolen aus; ihre +Tapferkeit hat sich Asien unterworfen und Europa zittern +gemacht, ein trauriges barbarisches Volk, das erst Tschengischan +durch das Beil und die Prügel gesittigt, und das +durch Raubsucht und angeborenen Sklavensinn das tüchtigste +Werkzeug zur Welteroberung; „sie hatten das Herz +des <i>Löwen</i>, die Geduld der <i>Hunde</i>, die Behutsamkeit des +<i>Kranichs</i>, die List des <i>Fuchses</i>, die Vorsicht des <i>Raben</i>, +die Raubsucht des <i>Wolfes</i>, die Heftigkeit der <i>Hahnen</i>, für +Familie sorgend wie <i>Hühner</i>, die Ruhe der <i>Katzen</i>, die +Heftigkeit im Anfall vom <i>Schweine</i>“, welche Eigenschaften +der Morgenländer dem vollkommenen Krieger insgemein +beilegt<a name="FNanchor_78" id="FNanchor_78"></a><a href="#Footnote_78" class="fnanchor">[78]</a>; man könnte aber auch sagen, dass sie alle Eigenschaften +der zwölf Thiere ihres Jahrescyclus in sich vereinten, +dass sie diebisch wie <i>Mäuse</i>, stark wie <i>Stiere</i>, raubsüchtig +wie <i>Panther</i>, vorsichtig wie <i>Hasen</i>, listig wie +<i>Schlangen</i>, schrecklich wie <i>Drachen</i>, muthige Renner wie +<i>Pferde</i>, folgsam wie <i>Schafe</i>, kinderliebend wie <i>Affen</i>, +familiensorgsam wie <i>Hühner</i>, treu wie <i>Hunde</i>, unrein wie +<span class='pagenum'><a name="Page_45" id="Page_45">[45]</a></span> +<i>Schweine</i>; der Cyclus ihres Jahres war das Sinnbild ihres +sittlichen Gesichtskreises. Mittler Statur, breit von Schultern, +stark vom Rücken, hervorragender Brust und eingezogenen +Bauchs, von grauen und braunen Augen, die aus +schiefen Winkeln hervorglotzen, von breiten olivenfarbenen +Wangen, Stumpfnasen, dicken Lippen, spärlichen Barthaaren, +aber wucherndem Haarwuchse auf dem Kopfe, dessen Vordertheil +vom Scheitel bis zu den Ohren hufeisenförmig geschoren; +leicht, flink, mit ihren Pferden wie Centauren +zusammengewachsen; gewandte Bogenschützen, wie einst die +Parther, nie gefährlicher als im Fliehen, mit Kampf und +Beute gesättigt noch immer nach Kampf und Beute durstend, +undankbar, schmutzig, grob, raubsüchtig, grausam, aber +leibeigen, wahrheitsliebend, prunkhassend, tapfer und blindlings +gehorsam, Niemand war ihnen Freund, aber sie hassten +der Denuncianten scheussliche Brut. Ihre Nahrung: Hirse, +Haiden und Fleisch von allen Arten, am liebsten das des +Pferdes, aber auch Mäuse, Hunde, Katzen und sogar gebratenes +Menschenfleisch; das Fett leckten sie von den +Fingern und schmierten damit ihre Stiefel. Ihr liebstes +Getränke: Stutenmilch sammt dem daraus gezogenen, gegohrnen, +berauschenden <i>Kumis</i> und <i>Meth</i>; ihre Kleider aus +Thierfellen genäht, ihre Waffen aus Eisen geschmiedet, ihre +Kopfbedeckung eine dreieckige, am Rande verbrämte Mütze, +der sogenannte tatarische Hut, die der Frauen eine ellenhohe +Pyramide aus leichtem Holz, deren Obertheil mit +Pfauenfedern und Juwelen geschmückt, mit einem Flore +bedeckt, welcher <i>Baghtak</i> hiess, woraus die Missionäre +<i>Botta</i>, die Venezianer <i>Bauta</i> gemacht. Die Weiber, deren +grösste Schönheit die kleinste Nase, wie bei den Chinesen +der kleinste Fuss, bereiteten den <i>Kumis</i> und die getrocknete +sauere Milch, welche <i>Kurut</i><a name="FNanchor_79" id="FNanchor_79"></a><a href="#Footnote_79" class="fnanchor">[79]</a> hiess; sie verfertigten alle Arten +der Hausgeräthe, Kleider, Zelte, Reitzeug, Schilde, Schuhe, +Socken, Betten, die vermählten mit weissem, bis auf die +Brust reichenden Schleier verhüllt, ihre ledernen aufgeschlagenen +<span class='pagenum'><a name="Page_46" id="Page_46">[46]</a></span> +Oberkleider hielt ein Gürtel um die Brust zusammen. +Die Frauen, deren Zahl nur durch die Lust des +Mannes oder durch seine Mittel, sie zu erhalten, beschränkt +war, genossen grossen Ansehens und Einflusses, besonders die +Mütter und die Stiefmütter, deren der Sohn nach des Vaters +Tod gewöhnlich sich einige als Gemahlinnen aneignete. Sie +glaubten, dass der Mann in jenem Leben seine Weiber +wieder finde, aber damit der Herrscher bis zu ihrem Hinscheiden +im anderen Leben nicht langweile, sandten sie ihm +seine Beischläferinnen, dieselben schlachtend, ins Grab nach.</p> + +<div class="sidenote">Aberglaube +und +Gebräuche.</div> + +<p>Von dem Aberglauben ist bereits des das Donnerwetter +betreffenden erwähnt worden; wie sie glaubten, dass die +<i>Kamen</i> es beschwören könnten, so auch, dass es in ihrer +Macht stände, mittels des Regensteines, <i>Dschade</i> (welcher +schon von Japhet her vererbt war), Regen zu machen, und +die <i>Dschededschi</i>, d. i. die Regenmacher, vertraten bei dem +mongolischen Heere die Stelle der Auguren des römischen. +Zauberei wurde geübt, weil geglaubt, und war, wenn die +Person des Herrschers mit ins Spiel kam, Majestätsverbrechen. +Um sich wider die Wehen der Zauberei zu bewahren, mussten +die zu Reinigenden zwischen zwei Feuern durchgehen, die +polnischen und russischen Gesandten und die des Papstes +im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, wie schon fünf +und sechs Jahrhunderte früher der byzantinische Gesandte +Zemarchos am Hofe des Königs der Türken durchs Feuer +gereinigt ward.<a name="FNanchor_80" id="FNanchor_80"></a><a href="#Footnote_80" class="fnanchor">[80]</a> Ihre Wahrsager wahrsagten besonders +aus den Schulterblättern der Schafe; sie schwuren bei dem +Blute geschlachteter Thiere, bei der in den Strom gestampften +Erde, bei den abgehauenen Bäumen, bei dem +Fleisch und Blut ihrer Herrscher, aber nicht im Namen +Gottes. Ehe die Lehrer des Budhismus und des Islams die +Mongolen bekehrten, verehrten sie ein höchstes Wesen, +von Marco Polo <i>Natagai</i>, von Ssetsen <i>Hormusda</i> genannt; +das letzte ist gewiss der Hormusd der Maghen, das erste +vielleicht nur die Verstümmelung des türkischen Wortes +<span class='pagenum'><a name="Page_47" id="Page_47">[47]</a></span> +<i>Onggan</i>, d. i. Gott. Sie beteten die Sonne und Sterne +sammt den Elementen an, und weihten diesen ihren Göttern, +ehe sie assen, Speise und Trank. Bei dem Gebete wurden +die Gürtel gelöst und über die Schulter geworfen, wie +Tschengischan gethan, als er in der Nacht hinaus ging auf +den Berg, um den Beistand des Himmels zu erflehen wider +den Herrscher des himmlischen Reichs auf Erden. Einer +der grössten Lobsprüche, welche ihm die Geschichte zollen +muss, ist seine Duldung gegen alle Religionen. Uighurische +Kamen und chinesische Bonzen hielten vor ihm Controverse, +die Budhapriester erhielten die Erlaubniss, ihre Burhanenbilder +aufzustellen, aber die Kamen blieben in nicht minderem +Ansehen; neben ihnen wurden die Priester aller +anderen Religionen, namentlich die <i>Arghaun</i>, d. i. die +Christlichen, der Nestorianer geduldet. Zu Bochara war +Tschengischan zwar in die Moschee geritten, stieg aber, als +er hörte, das sei Gottes Haus, vom Pferde auf die Kanzel +und ertheilte die Befugniss der allgemeinen Plünderung mit +den Worten: Das Feld ist gemäht, gebt euren Pferden zu +fressen, worauf die Korane unter die Hufe der Pferde getreten +wurden und der Wein die Flur der Moschee überschwemmte, +während die Imame oder Scheiche als Stallknechte +die Pferde warten mussten; aber hingegen hatte er +in der kleinen Bucharei, wo Kuschluk der Naimane den +Islam unterdrückt, die freie Ausübung desselben gestattet. +Diese allgemeine Duldung blieb Herrscherprincip der <i>Kaane</i> +und auch der persischen, und selbst noch zum Theile nach +ihrer Bekehrung zum Islam. Ausser dem grossen Schmiedefest +am neuen Jahrestag wurde alljährlich auch das des Geburtstages +des Chan's, sowie die Thronbesteigung desselben mit +Trinkgelagen gefeiert. Bei diesen Gelagen gab einer der Diener +das Zeichen, indem er <i>Ha!</i> schrie, zum Beginne der Musik; +der Cythernspieler begann sein Spiel, die Männer tanzten +vor dem Herrn, die Weiber vor der Frau des Hauses, +Alle in die Hände klatschend. Nachdem der Hausherr getrunken, +schrie der Diener wieder <i>Ha!</i>, der Cythernspieler +verstummte, und nun tranken alle Gäste unter Gesang, der +<span class='pagenum'><a name="Page_48" id="Page_48">[48]</a></span> +aber mehr ein Geheul.<a name="FNanchor_81" id="FNanchor_81"></a><a href="#Footnote_81" class="fnanchor">[81]</a> Bei diesen Trinkgelagen wurden +die Preise der Tapferkeit [<i>Ulisch</i><a name="FNanchor_82" id="FNanchor_82"></a><a href="#Footnote_82" class="fnanchor">[82]</a>] vertheilt, und dieselben +leben noch zum Theil in den kalmukischen <i>Uerrus</i> fort.<a name="FNanchor_83" id="FNanchor_83"></a><a href="#Footnote_83" class="fnanchor">[83]</a> +Das Seitenspiel zu diesem <i>Ha</i>rufe ist das Zetergeschrei von +<i>Morio</i> als <i>Mordio</i>, das sie während des Pferderennens oder +Pfeilschiessens erhoben<a name="FNanchor_84" id="FNanchor_84"></a><a href="#Footnote_84" class="fnanchor">[84]</a>, indem sie die Hände ausstreckten. +Im Kriege vermieden sie so viel als möglich das Gefecht +von Mann zu Mann und suchten nur im Fliehen zu verwunden +oder zu tödten; den Belagerten sicherten sie Schonung +des Lebens und Eigenthums zu, hielten aber fast +niemals Wort; die Besatzungen metzelten sie alle nieder +und schonten manchmal nur der Künstler und Handwerker, +die sie in die Sklaverei mit sich schleppten. Bei der Todtenzählung +nach Schlachten oder Gefangnengemetzel wurde +nach jedem geschlachteten Zehntausend Ein Leichnam mit +dem Kopfe zur Erde, mit den Füssen in die Höhe als +Trophäe aufgerichtet. Bei den Begräbnissen ihrer Fürsten +wurden ihre Sklavinnen oder Beischläferinnen geschlachtet, +wie schon Terxanthes, der Fürst der Türken, gefangene +Hunnen am Grabe seines Vaters geschlachtet.<a name="FNanchor_85" id="FNanchor_85"></a><a href="#Footnote_85" class="fnanchor">[85]</a> Bei dem +Begräbnisse wurde gewöhnlich dem Todten ein Hengst, +Stute oder Füllen mit ins Grab gegeben mit Sattel und +Zeug, damit er im anderen Leben sogleich beritten sei, +damit es ihm an Stutenmilch nicht fehle; ein anderes Pferd +wurde zum Todtenmal geschlachtet und dann ausgestopft +über dem Grabe aufgestellt; die Gräber der Vornehmen +waren aus Stein, Häuser der Todten, nur Tschengischan +hatte noch bei seinen Lebzeiten geboten, sein Grab geheim +zu halten und ihn ohne Maal zu begraben unter einem +grossen Baume im Walde von <i>Burhan Kaldun</i>.</p> + +<div class="sidenote">Tschengischan's +Nachfolger.</div> + +<p>Ungeachtet der klaren Anordnung Tschengischan's über +die Nachfolge auf dem Throne blieb derselbe fast zwei +Jahre lang ledig, wovon die Ursache wohl nur in der Umsicht +Ogotai's, welcher seine Brüder Dschaghatai und Tuli und +<span class='pagenum'><a name="Page_49" id="Page_49">[49]</a></span> +des Neffen Batu Pläne und Absichten kennen und prüfen +wollte, ehe er den etwa von ihnen selbst gewünschten Thron +bestieg. Diese Zögerung zeigt, dass es ihm auch mit der +dreissigtägigen Weigerung auf dem zur Thronbesteigung im +Familienhorde Tschengischan's zu <i>Keluran</i> am Onon zusammenberufenen +Kurultai der Prinzen einigermassen Ernst +gewesen sein mag; erst am vierzigsten Tage zogen ihn sein +Bruder Dschagatai und sein Oheim Utdschigin (der jüngste +Bruder Tschengischan's) auf den Thron, sein jüngster Bruder, +Tuli, brachte ihm knieend den mit Stutenmilch gefüllten +Becher dar, im selben Augenblicke warf die ganze Versammlung +die Mützen in die Höhe und den Gürtel über den +Rücken, worauf er sich vor der Sonne anbetend niederwarf +und mit neunmaliger Kniebewegung dem neuen Kaan huldigte. +Die vorzüglichsten Prinzen, welche auf diesem +Kurultai erschienen, waren nebst den zwei schon genannten +Brüdern der Bruder <i>Gulgan</i> und der Oheim <i>Belgetai</i>, sieben +Neffen, Söhne <i>Dschudschi's</i>, von denen der zweite, <i>Batu</i>, +der Herrscher in Kipdschak; dann die Neffen <i>Iltschidai</i>, +der Sohn <i>Dschudschi Kasar's</i>, und <i>Karadschar Nujan</i>, +welchem Tschengischan die Berathung des Thronfolgers +anempfohlen. Um dem Herrscher im Grabe zu huldigen, +wurden ihm vierzig seiner liebsten Sklavinnen unter die Erde +nachgesandt; um seine Anordnung der Welteroberung nach +allen vier Weltgegenden in Erfüllung zu sehen, ein dreifacher +Heereszug beschlossen. <i>Dschurmaghun</i> der Dschelaire wurde +mit einem Heere nach Persien gesandt, um Dschelaleddin, +den Schah von Chuaresm, welcher sich nach Tschengischan's +Tod eines Theils des väterlichen Erbes bemächtigt +hatte, zu vernichten. <i>Batu</i> und seine Brüder wurden zur +Eroberung des Westens, das ist Russlands, Polens, Ungarns +und der angränzenden Länder befehligt<a name="FNanchor_86" id="FNanchor_86"></a><a href="#Footnote_86" class="fnanchor">[86]</a>; <i>Ogotai</i> selbst +zog wider China aus, um die vom Vater begonnene Eroberung +des himmlischen Reichs zu vollenden. Unter ihm +<span class='pagenum'><a name="Page_50" id="Page_50">[50]</a></span> +befehligten die Abtheilungen des Heeres <i>Subutai</i>, der eine +der beiden Feldherren, welche vor sieben Jahren Persien +bis nach Russland durchzogen, und <i>Tatschar</i>, der Sohn des +hochbetrauten ersten Örlök <i>Bugurdschi</i>, dessen Stelle als +Wesir jetzt einer der weisesten und menschlichsten und +folglich grössten Wesire versah, deren die Geschichte erwähnt. +<i>Mahmud Jelwadsch</i> war ein Perser und Moslim, +welchen sich die chinesischen Quellen aneignen, indem sie +den Namen <i>Jelwadsch</i> in <i>Jelui</i> verstümmeln, ihn selbst zu +einem Chitanen, Bekenner der Lehre des <i>Fo</i>, machen.<a name="FNanchor_87" id="FNanchor_87"></a><a href="#Footnote_87" class="fnanchor">[87]</a> +Sieben Jahre lang dauerte der Krieg im Osten und Westen, +glorreich in den nördlichen Provinzen China's, in <i>Schensi</i>, +<i>Petseli</i> und <i>Iran</i>, in <i>Russland</i>, <i>Polen</i> und <i>Ungarn</i>, erobernd +und verheerend geführt. Die mongolischen Heere drangen +zu gleicher Zeit bis an die Ufer des <i>Kara Muran</i>, d. i. +der schwarzen <i>Mur</i>, oder des gelben Flusses in China und +fast bis an die der weissschäumenden <i>Mur</i> in Steiermark +vor; China's Länder wurden bleibend erobert; mit dem +Falle der Residenz <i>Peanking</i>, deren von Subutai dem mongolischen +Heere versprochene Plünderung nur durch die +Vorstellungen <i>Jelui Tschutsai's</i> (Jelwadsch's) abgewendet +worden, stürzte auch die Dynastie der goldenen Kaiser zusammen, +deren letzter, von Tschengischan zuerst besiegter, +sich erhing.<a name="FNanchor_88" id="FNanchor_88"></a><a href="#Footnote_88" class="fnanchor">[88]</a> Im Westen waren die Heere Batu's über +Russland, Polen und Ungarn bis nach Mähren, Oesterreich +und Dalmatien vorgedrungen; sie erschienen belagernd vor +den Mauern von Wienerneustadt und zogen vor denen Wien's +vorbei; von denen von Olmütz, nachdem die Blüthe des +mährischen und schlesischen Adels in der unglücklichen +Schlacht von Lignitz geblutet, wehrte sie Jaroslav von Sternberg +ab, von dessen Hand <i>Peta</i>, d. i. <i>Paidar</i>, der Sohn +Dschagatai's, fiel, wie sein Bruder Mowatukan vor den +Mauern Bamian's gefallen, wesshalb Olmütz für die Mongolen +eine böse Stadt, wie sie Bamian und Koseslk nannten. +<span class='pagenum'><a name="Page_51" id="Page_51">[51]</a></span> +Auf dem Rückzuge von China starb Tuli, welcher während +des ganzen siebenjährigen Feldzugs dem Bruder eben so +treu und tapfer als Feldherr gedient, als vormals dem Vater, +nur vierzig Jahre alt, ein wahrer <i>Spiegel</i> (was sein Name +Tuli heisst) von Sohnespflicht und Brudertreue.</p> + +<div class="sidenote">Ogotai's +Bauten, +Feste, +Jagden, +Freigebigkeit +und Unmässigkeit.</div> + +<p>Die Verwaltung der von der goldenen Dynastie eroberten +chinesischen Länder übertrug Ogotai dem weisen Wesire +Jelwadsch, welcher schon im ersten Jahre des Feldzugs +zehn Steuerämter zur Einrichtung und Einhebung der Steuern +niedersetzte, deren jedes einen Präsidenten und Vicepräsidenten +hatte und deren Beamte chinesische Gelehrte. <span class="xidenote">I. J. 1230.</span> – „Das +Reich“, stellte der weise Staatsmann dem Herrn vor, „ist +zu Pferd erobert worden, kann aber nicht zu Pferd regiert +werden“; sechs Jahre hernach wurden die ersten Tresorscheine +für die Summe von zehntausend kleinen Barren, +d. i. für fünfzigtausend Unzen Silber, ausgegeben.<a name="FNanchor_89" id="FNanchor_89"></a><a href="#Footnote_89" class="fnanchor">[89]</a> <span class="xidenote">I. J. 1236.</span> Er +stiftete zwei hohe Schulen, die eine zu Pingang in <i>Schendai</i>, +die andere zu Peking in Petsche-li, wohin die mongolischen +Emire ihre Söhne sandten, um in der Geschichte, Geographie, +Arithmetik und Astronomie unterrichtet zu werden.<a name="FNanchor_90" id="FNanchor_90"></a><a href="#Footnote_90" class="fnanchor">[90]</a> Durch +Colonien, aus China weggeschleppte Maurer, Zimmerleute, +Maler und Vergolder, wurde während des Feldzugs zu Karakorum, +welches auf der Ostseite des Berges Utekian, in der +Nähe des Flusses Orghan, ehemals die Residenz der Uighuren, +die neue Residenz des Herrschers gebaut und geschmückt, +welche <i>Ordubaligh</i>, d. i. Lagerballei, genannt ward, als +Seitenstück zur chinesischen Residenz <i>Peking</i>, welche später +unter Kubilai den Namen von <i>Chanbaligh</i>, d. i. Chansballei, +erhielt.<a name="FNanchor_91" id="FNanchor_91"></a><a href="#Footnote_91" class="fnanchor">[91]</a> In zwei besonderen Quartieren derselben wohnten +die Moslimen und Chinesen von den Mongolen getrennt; an +den nach den vier Himmelsgegenden gelegenen Thoren +wurden die Märkte der Schafe und Ziegen, Ochsen und +Pferde gehalten<a name="FNanchor_92" id="FNanchor_92"></a><a href="#Footnote_92" class="fnanchor">[92]</a>; zwölf Götzentempel, zwei Moscheen, +<span class='pagenum'><a name="Page_52" id="Page_52">[52]</a></span> +eine christliche Kirche zeigten, dass nebst dem herrschenden +heidnischen Kultus auch die freie Ausübung der anderen +gestattet ward. Die Stadt wurde täglich durch fünfhundert +Wagen verproviantirt, deren einige sehr gross, von acht +Ochsen gezogen<a name="FNanchor_93" id="FNanchor_93"></a><a href="#Footnote_93" class="fnanchor">[93]</a>; der Palast der Residenz hiess <i>Karschi</i>; +Goldschmiede, unter denen ein französischer, von den Mongolen +auf ihrem Raubzuge durch Ungarn von Belgrad weggeschleppter<a name="FNanchor_94" id="FNanchor_94"></a><a href="#Footnote_94" class="fnanchor">[94]</a>, +arbeiteten an den goldenen und vergoldeten +künstlichen Thieren, welche als Fontainen an festlichen Tagen +statt Wassers <i>Kumis</i>, Wein, Meth<a name="FNanchor_95" id="FNanchor_95"></a><a href="#Footnote_95" class="fnanchor">[95]</a> und Reisabsud spien<a name="FNanchor_96" id="FNanchor_96"></a><a href="#Footnote_96" class="fnanchor">[96]</a>. +Den Frühling brachte der Kaan auf den Weiden zu, wo +vormals die Herden Efrasiab's geweidet haben sollen und +wo er das Zelt <i>Gewher Chagan</i>, d. i. des Chakan's Edelstein, +baute<a name="FNanchor_97" id="FNanchor_97"></a><a href="#Footnote_97" class="fnanchor">[97]</a>, den Sommer am Gebirge <i>Ormektu</i><a name="FNanchor_98" id="FNanchor_98"></a><a href="#Footnote_98" class="fnanchor">[98]</a>, wo das +goldene Zelt (Sira Ordu) aufgeschlagen, dessen Nägel Gold, +das von innen mit goldenen Tapeten behangen, tausend +Personen fassen konnte; den Herbst brachte er zu <i>Köschei +Nawer</i>, vier Tagreisen von Karakorum, zu, und im Winter +jagte er grösstentheils zu Ongko, an dem Gebirge von +<i>Telenku</i>; nur einen Monat lang schenkte er seine Gegenwart +der Residenz; zwei Parasangen davon hatte er ein hohes +Köschk erbaut, welches <i>Terghubaligh</i>, d. i. Proviantballei, +hiess; hier ward vor dem Einzuge in die Stadt Einen Tag +Rast gemacht, an welchem der ganze Hofstaat einfarbig +gekleidet erscheinen musste. Während des Aufenthalts in +der Residenz (Karschi) wurden täglich Feste gegeben und +die reichsten Geschenke gespendet, denn Ogotai war an +Freigebigkeit ein zweiter <i>Hatim</i>; die Zeit verging unter +Bogenschiessen, Scheibenwerfen, Ringen, Jagen. Vor der +Stadt war ein Stück Landes im Umfange von zwei Tagreisen +mit einem Walle aus Lehmen und Reisig als Park umfangen, +in welchen das grosse, auf dreissig Tagreisen ausgedehnte +<span class='pagenum'><a name="Page_53" id="Page_53">[53]</a></span> +Jagdrevier des Heeres, immer näher zusammenrückend, das +ganze Wild der Gegend hineintrieb. Die Prinzen und Emire +erlegten dasselbe in des Chanes Gegenwart; das erlegte +wurde unter den Hofstaat und das Volk vertheilt. In Chorasan +wurde die Stadt Herat, welche bei der Eroberung durch +das Blutbad von hundertachtzigtausend ihrer Bewohner entvölkert +und niedergebrannt wurde, wieder aufgebaut; fünfzigtausend +Gefangene wurden zu diesem Ende dahin befehligt. +Die Statthalterschaft Chorasan's war dem Uiraten <i>Arghun</i> +anvertraut<a name="FNanchor_99" id="FNanchor_99"></a><a href="#Footnote_99" class="fnanchor">[99]</a>, die von Persien dem <i>Körges</i> (Blindaug), +welcher mit Dschurmaghun nach Persien gekommen; über +die Länder vom Gebirge Chankai bis an den Oxus war +Mesud, der Sohn von Jelwadsch, als Statthalter bestellt. +Ogotai's Freigebigkeit kannte keine Gränzen, aber auch +nicht seine Unmässigkeit im Trinken, welche seinen frühzeitigen +Tod herbeiführte; sein Bruder Dschagatai hatte +ihn beschworen, sich die Zahl der Becher zu mindern; er +minderte die Zahl, nahm aber Becher von grösserem Umfange. +<i>Abika</i>, die Schwester <i>Sijurkukteni's</i>, die Gemahlin +Tuli's, um deren Hand Tschengischan vergebens bei Owangchan +geworben und die heimlich an einen Tafeldecker vermählt +an der chinesischen Gränze ihren Jurt hatte, kam +alljährlich mit ihrem Sohne, welcher mit dem Amt eines +Mundschenken bekleidet war, zur Aufwartung. Eines Nachts, +wo ihr Sohn den Wein kredenzt hatte, starb Ogotai. <span class="xidenote">11. Dec. 1241.</span> Man +wollte Abika und ihren Sohn der Vergiftung beschuldigen, +aber Iltschidai und die anderen Emire vertheidigten ihre +Unschuld, indem es klar war, dass Ogotai im Uebermasse +des Rausches vom Schlage getroffen worden.<a name="FNanchor_100" id="FNanchor_100"></a><a href="#Footnote_100" class="fnanchor">[100]</a></p> + +<div class="sidenote">Turakina's +Regentschaft.</div> + +<p>Ogotai hatte vier grosse Frauen Gemahlinnen und sechzig +Beischläferinnen, aus den letzten nur zwei Söhne; die Mutter +der fünf anderen war die zweite der vier Gemahlinnen, +<i>Turakina</i>, aus dem Stamme Ohos Merkit, welche von Tschengischan +ihrem Gemahle Tairosun, dem Fürsten der Merkit, +geraubt und dem Sohne Ogotai zur Frau gegeben worden, +<span class='pagenum'><a name="Page_54" id="Page_54">[54]</a></span> +wiewohl jenem früher die Prinzessin Kulan, die Tochter +Tschengischan's, vermählt war; sie war nicht schön, aber +den Mangel an Schönheit ersetzte Herrschsucht und List, +wodurch sie nach Ogotai's Tod die Kaanschaft ihrem Sohne +<i>Gujuk</i> verschaffte, wiewohl Ogotai dieselbe dem <i>Schiramun</i>, +dem Sohne seines geliebten, vor ihm verstorbenen Sohnes +Kutschu, bestimmt hatte. Nach dem mongolischen Familiengesetze +war sie nach des Gemahles Tod als Mutter die +Regentin, welcher alle Stämme bis zur Thronbesteigung des +neuen Herrschers gehorchen mussten. Durch die Künste +ihrer Herrschsucht und List verlängerte sie die Regentschaft +vier volle Jahre, während welcher sie Alleinherrscherin der +Mongolen. Sie begann ihre Herrschaft mit der Absetzung +des Staatssecretärs Ogotai's, des Uighuren <i>Tschinkai</i><a name="FNanchor_101" id="FNanchor_101"></a><a href="#Footnote_101" class="fnanchor">[101]</a>, +welcher die Worte Ogotai's aufgezeichnet, und entzog ihr +Vertrauen dem weisen Mahmud Jelwadsch, dem Chuaresmier, +welcher schon von Tschengischan als Gesandter an Chuaresmschah +verwendet, seinen Beinamen vermuthlich dieser Gesandtschaft +dankt, wiewohl Jelwadsch eigentlich nur einen +Gottesgesandten, einen Propheten bedeutet.<a name="FNanchor_102" id="FNanchor_102"></a><a href="#Footnote_102" class="fnanchor">[102]</a> Turakina +hatte ihr unbeschränktes Vertrauen in Finanzgegenständen +dem Moslim Abderrahman geschenkt, welcher zu Ende der +Regierung Ogotai's sich als Pächter der Staatseinkünfte +China's mit Verdoppelung des bisherigen Pachts von Einer +Million auf zwei angetragen. Jelwadsch stellte dagegen vor, +dass man wohl fünf Millionen jährlich erpressen könne, aber +das Land zu Grund richten würde; der Pacht ward dennoch +bewilligt, und Abderrahman und die Moslimin Fatima, welche +bei der Verheerung von Tus geraubt worden, leiteten die +Rathschläge Turakina's. Bald nach dem Tode Ogotai's hatte +dessen Oheim <i>Utdschigin</i>, der jüngste Bruder Tschengischan's, +Miene gemacht, sich der obersten Herrschaft bemächtigen +zu wollen, indem er mit Truppen der Residenz +nahte. Turakina sandte ihm Wort: warum er mit so zahlreichem +<span class='pagenum'><a name="Page_55" id="Page_55">[55]</a></span> +Gefolge seine Tochter zu besuchen käme? und +sandte ihm seinen Sohn, der am Hofe Ogotai's verweilte, +zurück. Utdschigin antwortete, dass er blos gekommen, +ihr sein Beileid über den Tod des Gemahls zu bezeigen, +und kehrte zurück. Der ausgeschriebene Landtag hatte +endlich am See <i>Köke</i><a name="FNanchor_103" id="FNanchor_103"></a><a href="#Footnote_103" class="fnanchor">[103]</a> statt, wo Ogotai den Herbst zuzubringen +pflegte. Der lange Aufschub rührte vorzüglich von +Batu her, welcher die Regentin nicht liebte, und ein Uebel +am Fusse vorschützte, um nicht auf dem Kurultai zu erscheinen; +endlich versprach er zu kommen, sandte aber seiner +statt seine Söhne und Enkel; auch der Temgu Utdschigin +erschien mit achtzig seiner Söhne; die Frau Sijurkukteni, +die Wittwe Tuli's mit ihren Söhnen und die Dschagatai's<a name="FNanchor_104" id="FNanchor_104"></a><a href="#Footnote_104" class="fnanchor">[104]</a>; +ausserdem die Statthalter des Reichs: der von Chorasan und +Persien, <i>Arghun</i>; der von <i>Uighuristan</i> und Turkistan, <i>Mesud</i>, +der Sohn von Jelwadsch; von den zinsbaren Fürsten <i>Rukneddin</i>, +der Seldschuke Rum's, <i>Jaroslaw</i>, der russische Grossfürst, +zwei Prinzen <i>David</i>, die sich um den Thron Georgiens +stritten, der Bruder des Herrschers von Mossul, aus dem +Hause Ejub, die beiden Gebieter von Kurdistan, <i>Schemseddin</i> +und <i>Schihabeddin</i>, im Namen des Fürsten der Assassinen, +die Herren von Rudbar und Alamut, <i>Fachreddin</i> der Richter +der Richter, von Seite des Chalifen von Bagdad, der Gesandte des +Fürsten von Fars und Kerman, und im Namen des Papstes +Innocenz des vierten die beiden Franziskaner: der Pole Benedict +und der Franzose Plan Carpin, deren letztem wir das treue +Gemälde des Kurultai und tatarischer Sitte in seiner Reisebeschreibung +verdanken. Zugleich waren vier Dominikaner +Missionäre an <i>Baidschu Nujan</i><a name="FNanchor_105" id="FNanchor_105"></a><a href="#Footnote_105" class="fnanchor">[105]</a>, den mongolischen Befehlshaber +in Persien, abgegangen, von denen aber nur +<span class='pagenum'><a name="Page_56" id="Page_56">[56]</a></span> +Simon von Saint Quentin über die Missionsreise kurzen, im +Geschichtsspiegel des Vincenz von Beauvais erhaltenen, +Bericht hinterlassen.</p> + +<div class="sidenote">Gujuk's +Thronbesteigung.</div> + +<p>Durch vier Tage wechselten die Prinzen und ihr Gefolge +den Anzug, indem sie am ersten Tage in weissen +Kleidern, am zweiten in rothen, am dritten in violeten, am +vierten in scharlachfarbenen erschienen; zwei Eingänge +führten zum grossen Wahlzelte, in welchem Raum für zweitausend +Personen; einer der Eingänge unbewacht, nur für +den Herrscher; der andere von Bogenschützen besetzt, +welche die, denen der Eingang nicht gestattet war, abwehrten. +Die Thronbesteigung sollte schon am Tage der +Himmelfahrt Mariä statthaben, ward aber ob eines fürchterlichen +Hagels und Schneegestöbers (welches in der Hälfte +Augusts für die Rauheit des Klima's im Gebirge von Karakorum +zeugt und den mongolischen Volksaberglauben der +donnerbeschwörenden Uriankuten und der hagelmachenden +Schamanen erklärt) bis an den Bartholomäustag verschoben. <span class="xidenote">24. August 1246.</span> +Turakina hatte für ihren Plan, den Thron ihrem ältesten +Sohne Gujuk zuzuwenden, die Stimme Sijurkukteni's und +ihrer Söhne gewonnen, und der Minister <i>Kaidak</i>, Chinese, +wie <i>Tschinkai</i>, leiteten die Wahl. Gujuk, von heftigem und +wankelmüthigem Sinne<a name="FNanchor_106" id="FNanchor_106"></a><a href="#Footnote_106" class="fnanchor">[106]</a>, verstand sich zur Annahme des +ihm von der Mutter bestimmten Thrones nur unter der +Bedingniss, dass die Fortdauer der Herrschaft in seinem +Uluse beschworen werde. Der Vertrag ward mit der Formel +unterzeichnet: „dass, so lange vom Stamme des Kaan's ein +Stück Fleisch übrig, an der Herrschaft kein Anderer Theil +nehmen solle“.<a name="FNanchor_107" id="FNanchor_107"></a><a href="#Footnote_107" class="fnanchor">[107]</a> Dem Gujuk, wiewohl noch nicht zum +Herrscher ausgerufen, wurden schon ausschliessliche Ehren +erwiesen; wenn er aus seinem Zelte ging, traten ihm Sänger +vor und die Hofdiener neigten vor ihm ihre Ceremonienstäbe +mit den rothen Quasten.<a name="FNanchor_108" id="FNanchor_108"></a><a href="#Footnote_108" class="fnanchor">[108]</a> Als man endlich mit dem +Wahlvertrage im Reinen, hatte die Feierlichkeit der Thronbesteigung +<span class='pagenum'><a name="Page_57" id="Page_57">[57]</a></span> +statt. Gujuk wurde auf einen goldenen Stuhl +gesetzt, und die Prinzen und Nujanen erklärten, dass sie +ihn zum Herrscher wollten. Gujuk fragte: ob sie bereit, +seinem Worte zu gehorchen, zu gehen und zu kommen nach +seinem Befehl und zu tödten auf seinen Wink? und als sie +dies bejaht, sagte er: So wird dann künftig sein mein Wort +als Schwert. Sie gaben ihre Zustimmung, setzten ihn vom +goldenen Stuhle auf eine Filzdecke auf die Erde und sagten: +Schaue auf zu Gott im Himmel und nieder auf den Filz +zur Erde; wenn du gut regierst, wenn du gerecht, freigebig, +die Prinzen und Freiherren ehrst, wird dir die Erde +unterthan sein nach deinem Willen; im Gegentheil wirst du +arm, verachtet und elend sein und nicht einmal der Filz +wird dein gehören, auf dem du sitzest<a name="FNanchor_109" id="FNanchor_109"></a><a href="#Footnote_109" class="fnanchor">[109]</a>. Dann setzten sie +neben ihn seine Gemahlin Oghulkaimisch die Merkitin, hoben +sie beide auf dem Filze empor und riefen ihn als Chakan +und <i>Moilchan</i> und sie als grosse Frau der Mongolen aus. +Die Mützen flogen in die Luft, die Gürtel wurden über die +Schulter geworfen, die ganze Versammlung beugte neunmal +das Knie, drei Becher von Stutenmilch, Wein und Meth +wurden ihm dargebracht, und als er aus dem Zelte ging, +fiel das versammelte Volk und Heer dreimal vor ihm nieder<a name="FNanchor_110" id="FNanchor_110"></a><a href="#Footnote_110" class="fnanchor">[110]</a>; +sieben Tage dauerte das Fest, während welches vom Zelte +des Chakan's Fleisch und Salz und Stutenmilch ausgetheilt +ward<a name="FNanchor_111" id="FNanchor_111"></a><a href="#Footnote_111" class="fnanchor">[111]</a>. Die Frauen hatten ihre Sitze links des Thrones, +auf der rechten Seite standen nur die Prinzen<a name="FNanchor_112" id="FNanchor_112"></a><a href="#Footnote_112" class="fnanchor">[112]</a>; die Nujanen +hatten ihre Sitze inmitten des goldenen Thronzeltes; +die der Frauen waren von weissem Filz; die Diplome wurden +erneuert, die Jurte und Privilegien bestätigt, die Statthalterschaften +vertheilt. Die Feldherren <i>Subutai Behadir</i> und +<i>Dschaghan</i> wurden nach China, <i>Iltschikidai</i> mit einem +schweren Heere nach Westen zur Schlichtung der Angelegenheiten +Rum's und Georgien's abgeordnet, dem <i>Arghun</i> +wurde die Reichshut wider die Schlösser der Assassinen in +<span class='pagenum'><a name="Page_58" id="Page_58">[58]</a></span> +Chorasan und Kuhistan aufgetragen, die Gesandten von +Alamut und die des Chalifen wurden mit drohenden Briefen +entlassen, indem über den Fürsten der Assassinen <i>Arghun</i>, +der Statthalter von Chorasan, über den Chalifen sich <i>Schiramun</i>, +der Sohn Dschurmaghun's, des vormaligen Feldherrn +in Persien, beklagt hatten. Die Finanzverwaltung von China +war in den Händen Abderrahman's; Mesud, der Sohn von +Jelwadsch, behielt die Verwaltung Turkistan's; die Wesirschaft +war zwischen den beiden Chinesen <i>Tschinkai</i> und +<i>Kaidak</i> getheilt, unter denen die nestorianischen Priester +hoch das Haupt empor trugen und auf deren Einfluss die +Missionäre des Papstes die Hoffnung der Bekehrung des +Chan's zum Christenthume bauten. Turakina starb schon +zwei Monate nach ihres Sohnes Thronbesteigung, und ihre +Günstlingin Fatima ward unter der Anklage, dass sie dem +Prinzen Kulan, dem Bruder des Chan's, eine Krankheit angezaubert, +als Zauberin ertränkt. Im Frühjahre des zweiten +Jahres seiner Regierung ging Gujuk von Karakorum gegen +Imil, sein Stammgebiet; die Wittwe Tuli's sandte hievon +Batu, dem Herrscher von Kipdschak, Kunde, um ihn zu +warnen, dass der Marsch wider ihn gerichtet sein könnte; +auf demselben starb Gujuk im drei und vierzigsten Jahre +als ein Opfer seiner Ausschweifungen in Trunk und Weibern.</p> + +<div class="sidenote">Mengku's +Thronbesteigung.</div> + +<p>Der Tod Gujuk's ward nach der von Tschengischan +herrührenden Staatsmaxime geheim gehalten, bis der Aelteste +der Familie (dies war Batu, der Herrscher von Kipdschak) +davon verständigt; er war auf Sijurkukteni's Warnung vom +Marsche Gujuk's demselben entgegengezogen und bis nach +<i>Kialik</i> gekommen, als er die Kunde des Todes erhielt. Die +Regentin, die Frau Oghulkaimisch, sandte an ihn Botschaft +im Namen ihrer Söhne, von denen der älteste, Chodscha +Aghul, den Thron vermöge der Jasa und des noch bei der +Thronbesteigung seines Vaters unterzeichneten Familienvertrags +in Anspruch nahm; aber auch die Frau Sijurkukteni, +Wittwe Tuli's, die Mutter vier seiner neun Söhne, nämlich: +<i>Mengku's</i>, <i>Kubilai's</i>, <i>Hulagu's</i> und <i>Arik Buka's</i>, sandte +Botschaft, um seine Stimme für den ältesten derselben zu +<span class='pagenum'><a name="Page_59" id="Page_59">[59]</a></span> +gewinnen. Sijurkukteni war die Nichte Owangchan's, eine +Frau von ausserordentlichem Geiste und Verstande, unstreitig +die grösste aller Frauen, von denen die mongolische +Geschichte ein Paar Hundert, in die der Herrscher +verflochten, erwähnt. Hochangesehen durch ihre Geburt +als die Nichte des grossen Herrschers der Kerait aus seinem +Bruder Hakembo, war sie es noch mehr durch die Verschwägerung +mittels ihrer drei Schwestern, von denen +<i>Begtutmisch</i> eine der vier grossen Frauen Dschudschi's und +also die Stiefmutter Batu's, und vermöge der mongolischen +Sitte, nach welcher die Söhne nach des Vaters Tod die +Stiefmütter zu Gemahlinnen nahmen, eine der Frauen Batu's +oder doch wenigstens von grossem Einflusse in seinem Frauengemach; +ausser diesen Vortheilen ihrer Geburt und Verschwägerung +genoss sie des höchsten Ansehens als die grosse +Frau Tuli's, des Herdhüters des Hauses Tschengischan's, als +die Mutter seiner vier obgenannten Söhne und als eine Frau +von grosser Staatsklugheit. Durch diese hatte sie immer +den Herrscher Batu sich und ihren Söhnen günstig zu erhalten +gewusst; als Batu den kranken Fuss vorgeschützt, +um sich der Gegenwart beim Kurultai der Thronbesteigung +Gujuk's zu entheben, hatte sie ihre Söhne an ihn gesandt, +um sich nach seiner Gesundheit an erkundigen; als Gujuk +gegen die Gränze marschirte, hatte sie ihm die früheste +Kunde und Warnung gegeben, und fand ihn also ihren +Wünschen geneigt; ausserdem hatte sie als grosse Menschenkennerin +die durch Talente oder Heldenmuth ausgezeichnetsten +Männer der verschiedenen Stämme als Erzieher oder +Umgebungen ihrer Söhne an sich zu ziehen gewusst und +sich mit dem Bollwerke ihres Kopfs und Arms umgeben.<a name="FNanchor_113" id="FNanchor_113"></a><a href="#Footnote_113" class="fnanchor">[113]</a> +Die zahlreichsten Prinzen auf diesem Kurultai waren die der +Uluse Dschudschi und Tuli. <i>Iltschikidai</i> der Dschelaire, der +Befehlshaber in Persien, brachte den versammelten Prinzen +den bei der Thronbesteigung Gujuk's unterschriebenen Familienvertrag +in Erinnerung: dass, so lang ein Stück Fleisch +<span class='pagenum'><a name="Page_60" id="Page_60">[60]</a></span> +von seinem Hause übrig wäre, sie aus keinem anderen den +Herrscher wählen würden. Ihr habt, entgegnete Kubilai, +zuerst die Jasa Tschengischan's gebrochen, indem ihr seine +Tochter <i>Atalun</i> (die Gemahlin Dschawer Satschan's des +Olkoniten) getödtet, indem ihr die durch Ogotai's letzten +Willen seinem Enkel <i>Schiramun</i> bestimmte Thronfolge dem +Gujuk zugewendet. Diese Einwendung unterstützte das Ansehen +Batu's und der Oberrichter<a name="FNanchor_114" id="FNanchor_114"></a><a href="#Footnote_114" class="fnanchor">[114]</a> Mingkasar Nujan, welcher +den Heldenmuth Mengku's, des ältesten Sohnes Tuli's, und +die von ihm in dem chinesischen Feldzuge noch unter dem +Grossvater Tschengischan und dann im siebenjährigen westlichen +Kriege wider Europa geleisteten grossen Dienste +anpries. Die Prinzen trugen den Thron Batu als dem +Aeltesten des Hauses an; da dieser denselben aber ausschlug, +übertrugen sie ihm die Ernennung des Herrschers, +und Batu ernannte dazu Mengku, den ältesten Sohn Tuli's. +Mengku entschuldigte sich, aber sein Bruder <i>Muke</i> bemerkte, +dass, da Alle versprochen, sich dem Ausspruche +Batu's zu fügen, so sei hier Unterwerfung auch für Mengku +Pflicht; demnach ward ihm als künftigem Herrscher gehuldigt +und Batu selbst brachte ihm den Becher dar; zugleich +ward ausgemacht, dass, da die Versammlung nicht vollständig, +nächsten Frühling im Stammgebiete Keluran auf +vollzähligem Kurultai die Thronbesteigung gefeiert werden, +unterdessen die Frau Oghulkaimisch die Regentschaft führen +solle. Die Söhne Gujuk's ziehen ihren Stellvertreter, der +hiezu beigestimmt, überschrittener Vollmacht, die Prinzen +des Uluses Dschagatai und Ogotai weigerten sich, auf dem +Kurultai zu erscheinen; da sandte Batu seine beiden Brüder, +Berke und Tokatimur, mit zahlreichem Heere, um den +Mengku trotz ihrer Abwesenheit als Kaan auszurufen. Drei +Jahre nach dem Tode Gujuk's wurde Mengku unter den +gewöhnlichen Feierlichkeiten als Kaan und Moilkan ausgerufen. <span class="xidenote">1. Juli 1251.</span> +Es wurde ein Regierungsbefehl erlassen, vermöge +dessen befohlen ward, nicht nur der Menschen, sondern +<span class='pagenum'><a name="Page_61" id="Page_61">[61]</a></span> +auch der Lastthiere zu schonen, verboten, die Thiere, deren +Fleisch gegessen, anders als nach mongolischer Sitte zu +erwürgen, die Reinheit des Wassers zu trüben. Sieben Tage +dauerte das Krönungsfest, an deren jedem neues Kleid von +anderen Farben angezogen, täglich das Fleisch von hundert +Pferden und Ochsen, fünftausend Schafen verzehrt, die +Ladung von zweitausend Wägen Weins und Kumis ausgetrunken +ward.</p> + +<div class="sidenote">Hinrichtungen +der +Prinzen; +Feldzug +gegen Osten +und Westen.</div> + +<p>Während der Feste kam ein Soldat der Leibwache<a name="FNanchor_115" id="FNanchor_115"></a><a href="#Footnote_115" class="fnanchor">[115]</a>, +welcher sein Maulthier verloren, dasselbe zu suchen ausgegangen, +in grösster Eile (er hatte in Einem Tage den +Marsch von dreien durchmessen) mit der Kunde, dass die +Prinzen des Uluses Ogotai, Schiramun, Baghu und Kutuktu +mit versteckten Waffen, die sie in bedeckten Wägen mit +sich führten, im Anzuge. Mingkasar ging ihnen mit Truppen +entgegen, überfiel sie und führte sie ins Lager mit sich; +hier brachten sie nach mongolischer Sitte ihre Geschenke, +neun verschiedene Dinge und von jedem neun Stücke, dar; +aber am dritten Tage wurden sie beim Eintritt in's Zelt +verhaftet und von Mengku selbst verhört. Der Hofmeister +Schiramun's gestand, geprügelt, den Auftrag, und Mengku +übertrug nun das Gericht über die Schuldigen dem Mingkasar; +dieser sprach über dieselben nach der Jasa die Todesstrafe +aus. Siebzig Prinzen und Nujanen wurden hingerichtet, +unter den letzten zwei Söhne Iltschikidai's, des Feldherrn +in Persien, deren Vater zu Badgis verhaftet, zu Batu geführt, +von diesem hingerichtet ward. Die Todesart der +Nujanen war, dass man ihnen den Mund mit Steinen füllte +und sie so erstickte; die der Prinzen, dass man sie in +seidene Tapeten einwickelte und darin zu Tode rollte<a name="FNanchor_116" id="FNanchor_116"></a><a href="#Footnote_116" class="fnanchor">[116]</a>. +Katakasch, die Mutter Schiramun's, die Nichte Altschi Nujan's, +sandte Bitte an Sijurkukteni, die Schuld ihres Sohnes bekennend +und für denselben um Verzeihung flehend; auf die +Fürbitte der Mutter schenkte Mengku den Aghlanen, d. i. +den Prinzen Schiramun, Chodscha Aghul, Baghu aus dem +<span class='pagenum'><a name="Page_62" id="Page_62">[62]</a></span> +Uluse Ogotai, Jesenbuke aus dem Uluse Dschagatai, das +Leben, indem er sie nach China sandte, dem Chodscha +Aghul aber, welchem die Thronfolge gebührt hätte, einen +Jurt an der Selenga anwies<a name="FNanchor_117" id="FNanchor_117"></a><a href="#Footnote_117" class="fnanchor">[117]</a>; auch den beiden grossen +Söhnen Ogotai's, <i>Timur</i> und <i>Melik</i>, und denen Kutan's wurde +das Leben geschenkt, aber in der Folge, als Mengku selbst +nach China zog, wurde der Prinz Schiramun ertränkt. Seine +Mutter Katakasch und Oghulkaimisch, die Wittwe Gujuk's, +wurden das Jahr hierauf vor das Gericht Mingkasar's gestellt, +beide als überwiesen, dass sie die Söhne zur Widerspenstigkeit +bei dem Kurultai der Thronbesteigung aufgehetzt, +zum Tode verurtheilt und in Filz eingewickelt ersäuft. +Kaidak und Tschinkai, die beiden Räthe der Oghulkaimisch, +wurden hingerichtet. Buri, der Enkel Dschagatai's, wurde +an Batu ausgeliefert, der ihn um einige Schimpfreden, die +er wider ihn ausgestossen, tödten liess. So waren ausser +siebzig Nujanen die Kaiserin Oghulkaimisch und die Mutter +Schiramun's, welcher von Ogotai zur Thronfolge bestimmt +worden war, als Opfer der Herrschaft des Uluses Tuli's +gefallen. Der Idikut, d. i. Fürst, der Uighuren, welchem +Turakina die Herrschaft über das Land verliehen, wurde, +von einem Moslim eines Mordplans wider alle Moslimen in +seinem Lande angeklagt, vor das Gericht des unerbittlichen +Mingkasar gestellt; von diesem auf die Folter gelegt, bekannte +er sich schuldig, wurde zur Todesstrafe verurtheilt +und nach Pischbaligh gesandt, um dieselbe zu erleiden; an +einem Freitage, als die Moslimen in die Moschee gingen, +wurde er zu ihrer grossen Freude geköpft; die Stelle des +Scharfrichters vertrat sein eigener Bruder, welchem Mengku +die Herrschaft des Landes der Uighuren verlieh. Berke +Aghul und Buka Timur, die beiden Söhne Batu's, wurden +mit Ehren nach Kipdschak, so auch Kara Hulagu, der +Enkel Dschagatai's, aus dessen vor Bamian's Mauern gefallenem +Sohne <i>Muwatukan</i>, mit der Oberherrschaft seines +Uluses entlassen; Mohammed Jelwadsch, welcher, als Mengku +<span class='pagenum'><a name="Page_63" id="Page_63">[63]</a></span> +einen Augenblick über die Strafe der schuldigen Prinzen +unschlüssig, denselben nach der aus der römischen Geschichte +bekannten Anekdote, der vom Vater Tarquinius als Antwort +auf des Sohnes anfragende Botschaft stillschweigend abgehauenen +höheren Pflanzen, zur Todesstrafe bestimmt hatte, +ward wieder die Finanzverwaltung von China, und seinem +Sohne Mesud die Statthalterschaft über die Länder zwischen +dem Oxus und Irtisch anvertraut, dem Aghun die Statthalterschaft +über ganz Persien, von Chorasan bis nach +Armenien und an die syrische Gränze bestätiget. Mingkasar +war der Oberrichter, der Christ Bulghai stand an der Spitze +der Staatskanzlei, in welcher Sekretäre für die Ausfertigungen +in sieben Sprachen: Perser, Uighuren, Araber, +Chinesen, Tibeter, Mandschu und Tanguten angestellt waren. +Kuikur, der Sohn Dchudschi Kasar's, des Bruders Tschengischan's, +erhielt die Befehlshaberschaft der Residenz Karakorum; +Befehle wurden erlassen, um dem Misbrauche der +von Ogotai eingesetzten Posten <i>Jam</i><a name="FNanchor_118" id="FNanchor_118"></a><a href="#Footnote_118" class="fnanchor">[118]</a> zu steuern, indem +die Kuriere und Gesandten den Bauern die Pferde wegnahmen; +die Abgabe <i>Kuntschur</i> von den Herden wurde auf +Eines vom Hundert bestimmt; die Herde, die nicht Hundert +zählte, war davon frei. In Persien wurde nach dem Fusse +der von Jelwadsch in Transoxana eingeführten Besteuerung +der Kopfsteuer, je nach dem Vermögen von Einem bis +zehn<a name="FNanchor_119" id="FNanchor_119"></a><a href="#Footnote_119" class="fnanchor">[119]</a>, in China von Einem bis fünfzehn Dukaten festgesetzt. +Forderungen von Kaufleuten, welche für die unter +Gujuk gelieferten Waaren keine Bezahlung erhalten hatten, +wurden mit fünfzigtausend Silberbalischen befriedigt<a name="FNanchor_120" id="FNanchor_120"></a><a href="#Footnote_120" class="fnanchor">[120]</a>; hingegen +zog er alle Ländereien ein, deren sich nach dem +Tode Gujuk's seine Wittwe Oghulkaimisch und ihre Söhne Chodscha +und Baghu bemächtigt hatten, welche siebzehntausend +Balische Gold eintrugen<a name="FNanchor_121" id="FNanchor_121"></a><a href="#Footnote_121" class="fnanchor">[121]</a>. Der Bruder Kubilai wurde mit +einem Heere nach China befehligt, und bei dem Aufbruche +desselben hielt der Kaan ein Kurultai, von Festen aller Art +<span class='pagenum'><a name="Page_64" id="Page_64">[64]</a></span> +begleitet; auf diesem erschienen der Richter Schemseddin +von Kaswin, welcher wider die ihn aufsuchenden Dolche +der Assassinen zum Throne des Kaans flüchtete, und Abgeordnete +Baidschu Nujan's, des Befehlshabers in Irak, welcher +sich über den Chalifen von Bagdad beklagte. Da beschloss +Mengku den Krieg wider die Assassinen und den Chalifen +und übertrug die Führung desselben seinem Bruder Hulagu. +Da einige Geschichtschreiber den Anfang der Herrschaft +der Mongolen in Persien von diesem Jahre an rechnen, +wiewohl Hulagu erst drei Jahre später dort als Eroberer +einzog, so wird auch das folgende Buch am bessten mit +dem Feldzuge, dessen angekündigter Zweck die Zerstörung +der Herrschaft der Assassinen und des Chalifats, beginnen, +aber zuvor thut noch zur Orientirung des Lesers vonnöthen +ein Ueberblick der damals, das ist in der Hälfte des dreizehnten +Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung, in +Asien dem Reiche der Mongolen gleichzeitigen asiatischen +Dynastien.</p> + +<div class="sidenote">Dynastien +im Osten +Asiens.</div> + +<p>China, dessen nördliche Hälfte unter Mengukaan, dessen +südliche unter Kubilai zu dauerndem Besitze und zur Gründung +der Dynastie <i>Juan</i>, d. i. der Mongolen, erobert worden, +liegt hier eben so, wie das indische Reich von Dehli, dessen +grosse Stadt <i>Lahur</i> noch unter Gujuk's Regierung von den +Mongolen belagert und für kurze Zeit erobert worden +war<a name="FNanchor_122" id="FNanchor_122"></a><a href="#Footnote_122" class="fnanchor">[122]</a>, ausser dem Bereiche dieses Ueberblicks, welcher blos +die unmittelbar mit der mongolischen Dynastie in Persien +bei der Eroberung desselben oder später verflochtenen +asiatischen Reiche und Dynastien ins Auge nimmt. Wir +wenden den Blick nach sechs Seiten, so dass derselbe Persien +selbst und seine Gränzländer in Osten, Westen, Süden, +Norden, sammt dem äussersten des westlichen Asiens, bis +wohin sich das Reich und die Macht der Ilchane erstreckte, +in sich begreift. Im Osten zuerst nach dem <i>indischen</i> Gränzreiche, +nach <i>Chorasan</i>, d. i. dem Ostlande, dem persischen +Oesterreich und dem daran stossenden <i>Kuhistan</i>; im Süden +<span class='pagenum'><a name="Page_65" id="Page_65">[65]</a></span> +gegen <i>Kerman</i> und <i>Jesd</i>, dann nach Persien im engsten +Sinne, nach <i>Fars</i>, dem persischen <i>Irak</i> und den beiden dazu +gehörigen <i>Luristan</i>; im Westen nach dem <i>arabischen Irak</i>, +dem Sitze des Chalifats, und nach dem Reiche der Seldschuken +in <i>Rum</i>; im Norden nach <i>Gilan</i>, <i>Georgien</i> und <i>Armenien</i>; +endlich nach dem entfernten <i>Syrien</i> und <i>Aegypten</i> und +dem <i>byzantinischen</i> Reiche:</p> + +<p>I. An der indischen Gränze, von deren Deckung gleich +beim ersten Feldzuge Hulagu's die Rede sein wird, herrschte +die in der ersten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts gegründete +Dynastie der <i>Chuldschen</i>, d. i. die fünfte der <i>Ghur</i>, +nachdem die drei früheren dieses Namens zu <i>Ghasna</i>, <i>Bamian</i> +und <i>Kabul</i> erloschen, während die vierte, nämlich die der +<i>Ulugschahe</i>, mit ihnen gleichzeitig zu Dehli herrschte. Die +Benennung der zweiten tatarischen Dynastie, unter welcher +<i>Ferischte</i>, der grosse Geschichtschreiber der moslimischen +Reiche in Indien, die Chuldschen aufführt, könnte gelten, +wenn es wahr wäre, dass sie von einem Eidam Tschengischan's, +Namens <i>Choldsch</i>, abstammen; aber keiner der +Eidame Tschengischan's trägt diesen Namen und keine derselben +waren <i>Choldsche</i> oder <i>Challadsche</i> (das indische +Choldsch ist blos eine Verstümmelung des Namens der +<i>Challadsch</i> oder <i>Kaladsch</i>), welche, wiewohl Türken von +Abkunft, von Reschideddin den uneigentlichen Mongolen beigesellt +werden. In der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts +herrschte aus dieser Dynastie <i>Dschelaleddin Firus</i>, welcher +sich der Stadt Dehli bemächtigte, und dessen vier glänzende +Siege der grosse persische Dichter Chosrew von Dehli, in +einem besonderen: <i>die Eroberung der Eroberungen</i><a name="FNanchor_123" id="FNanchor_123"></a><a href="#Footnote_123" class="fnanchor">[123]</a> betitelten +Werke beschrieben, und dessen Sohne <i>Alaeddin</i> ein +anderes seiner Werke, nämlich <i>die Vereinigung der beiden +glücklichen Gestirne</i><a name="FNanchor_124" id="FNanchor_124"></a><a href="#Footnote_124" class="fnanchor">[124]</a>, gewidmet. Chosrew von Dehli war +der Lobredner Dschelaleddin's und Alaeddin's, der beiden +grossen Herrscher der Chuldschen, wie ein halbes Jahrhundert +<span class='pagenum'><a name="Page_66" id="Page_66">[66]</a></span> +später <i>Wassaf</i>, der Lobredner der beiden Herrscher +der Ilchane, <i>Chodabende</i> und <i>Ebu Said</i>. II. In <i>Chorasan</i> +war erst vor einigen Jahren zu Herat die Dynastie der <i>Kert</i> durch +Schemseddin Mohammed gegründet worden, welchem Tschengischan +bei der Eroberung Herats den Besitz desselben eingeräumt, +Mengku, welchem er mit reichen Geschenken seine +Huldigung darbrachte, die Herrschaft von Herat und Ghardschistan +bestätigte. In dem unmittelbar an Herat anstossenden +und längs der südlichen Gränze von Chorasan sich +hinziehenden Kuhistan, das ist dem Gebirgslande, sandten: +III. die Assassinen von ihren hundert Schlössern den Meuchelmord +wider alle ihre Feinde aus. Der siebente Grossmeister +dieser Meuchelmörder, <i>Alaeddin Mohammed Gurschah</i>, sass +seit zwanzig Jahren als Alter vom Berge auf dem Stuhle, +auf welchen den neunjährigen Knaben die nächsten Verwandten, +welche den Vater vergiftet, gesetzt und dem er, vom +eigenen Sohne gemordet, entsank.</p> + +<div class="sidenote">Dynastien +im Süden +Persiens.</div> + +<p>IV. <i>Kerman</i>, die südliche Landschaft Persiens, kam +nach dem Untergange der Herrschaft der Bujiden in die +Macht der Seldschuken, von deren fünfgetheilten Herrschergeschlechte +ein Zweig den Namen von Kerman führt, und +blieb im Besitze der Söhne Kaurdin's bis zur Regierung +Dscheladdin Chuaresmschahs, zu dessen Zeit der Kämmerer +<i>Borrak</i>, zum Islam bekehrt, vom Chalifen mit der Herrschaft +dieses Landes belehnet und mit dem Ehrentitel <i>Kotlogh +Sultan</i>, d. i. der gute Sultan, ausgezeichnet ward. Kotlogh +Sultan war mit dem Atabegen von Jesd Ghajaseddin in vielfältige +und langwierige Streitigkeiten verwickelt, welche in +der <i>welteröffnenden Geschichte</i> Dschuweini's erzählet sind. +Der Sohn Kotlogh Sultan's <i>Rukneddin</i> erhielt trotz der Empörung +Kutbeddin's, des Neffen Borrak's, vom ersten Nachfolger +Tschengischan's von Ogotai die Belehnung von Kerman, +Kutbeddin gewann aber mächtigen Schutz am Hofe des Kaan, +indem er seine Schwester dem Kasar Beke und eine Tochter dem +Ssahib Habesch Amid vermählte; zwei Söhne aus dieser Ehe +waren in der Folge die Stützen des Throns von Kerman wider +Kutbeddin, welcher von Ogotai nach China gesandt, durch +<span class='pagenum'><a name="Page_67" id="Page_67">[67]</a></span> +den Schutz des Grosswesirs Jelwadsch von Mengkutaan das +Diplom der Herrschaft Kerman's erhielt. Kutbeddin schickte +mit der Botschaft der Belehnung einen Gesandten an Rukneddin, <span class="xidenote">650/<br />1252</span> +der, als er beim Atabegen von Fars Mosaffereddin +Ebubekr vergebens Hilfe gesucht und auch beim Chalifen +Mosteaassim keine gefunden hatte, sich im folgenden Jahre +nach Almaligh zum Kaan Mengku begab, wo auch der Nebenbuhler +um den Thron Kutbeddin mit ihm zugleich eingetroffen. +Diesem bestätigte Mengku, und später auch Hulagu +die Herrschaft, die er bis zu seinem, ein Paar Jahre später +erfolgten Tode behielt. <span class="xidenote">658/<br />1258</span> Fast noch weniger als die Geschichte +der Sultane Kermans aus der Familie Borrak ist die der +Atabegen von Jesd aus der Familie Kakuje bisher europäischen +Geschichtschreibern bekannt. V. Die Atabege von Jesd +leiten ihren Ursprung vom Dilemiten <i>Ebu Dschaafer Mohammed +Kakuje</i> ab, dessen Namen die Araber in <i>Kakeweih</i>, +so wie den der <i>Buje</i> in <i>Boweih</i>, und den der <i>Fasluje</i> in +<i>Fasleweih</i> verstümmeln; er war der Oheim <i>Side Chatun's</i>, +der Mutter Medschdeddewlets des Bujiden und Statthalters +von Issfahan; sein Sohn <i>Ebu Manssur Firamurs</i> hatte vom +Seldschuken Toghrul vor einem Jahrhunderte die Herrschaft +von Jesd erhalten; <span class="xidenote">443/<br />1052</span> ihm war in derselben sein Sohn <i>Emir +Ali Ben Firamurs</i> gefolgt, <span class="xidenote">536/<br />1142</span> welcher im Kriege wider die +Karachitanen fiel. Sultan Sindschar, der grosse Herrscher +der persischen Seldschuken, verlieh die Herrschaft von Jesd +dem <i>Sam Ben Wirdan</i>, <span class="xidenote">515/<br />1122</span> einem Abkömmlinge aus einer Tochter +Emir Ali's, als Stellvertreter desselben. Sam Ben Wirdan umfing +das Grab Ali's zu Meschhed mit einer Mauer und verherrlichte +Jesd durch den Bau einer grossen Moschee. Er überliess +die Herrschaft seinem Bruder <i>Iseddin Beschker</i>, <span class="xidenote">590/<br />1194</span> welcher, +ein tapferer Fürst und Feldherr, von den Seldschuken mit +der Statthalterschaft von Schiras und Issfahan betraut worden, +zu Anfang des Jahrhunderts starb; <span class="xidenote">604/<br />1208</span> ihm folgte sein +Bruder <i>Wirdansor</i> durch zwölf Jahre, und dann dessen +Bruder <i>Ebu Manssur</i>, beigenannt Kutbeddin der Choldsche, <span class="xidenote">gest. 616/<br />1219</span> +nach ihm dessen Sohn <i>Mahmud</i> durch dreizehn Jahre, und +nach diesem dessen Sohn <i>Salghurschah</i>, <span class="xidenote">621/<br />1231</span> der Erbauer der nach +<span class='pagenum'><a name="Page_68" id="Page_68">[68]</a></span> +ihm genannten Stadt <i>Salghurabad</i>, und dann dessen Sohn +<i>Toghanschah</i>, der neunte der Herrscher der Familie Kakuje, +der Zeitgenosse Hulagu's<a name="FNanchor_125" id="FNanchor_125"></a><a href="#Footnote_125" class="fnanchor">[125]</a>, welcher das Dasein dieser Herrscherfamilie +duldete, bis nach zwei späteren Herrschern +(Alaeddewlet und dessen Bruder <i>Jusufschah</i>), zu Ende des +dreizehnten Jahrhunderts, Jesd von Ghasan erobert und +dessen Ertrag den Einkünften des Diwans einverleibt ward.</p> + +<div class="sidenote">Die +Dynastien +in Fars.</div> + +<p>In Persien herrschten ausser den Atabegen von Jesd +noch die von Schiras, insgemein bekannt unter dem Namen +der Salghuren, und zu Darabscherd, einer Landschaft von +Fars, die Dynastie Schebankjare<a name="FNanchor_126" id="FNanchor_126"></a><a href="#Footnote_126" class="fnanchor">[126]</a> aus der Familie <i>Fasluje</i>. +VI. Die Vorfahren <i>Fasl Ben Emir Fasluje's</i> waren ursprünglich +die Ispehbede, d. i. die Heerführer von Fars; schon +zur Zeit Omar's, als Jesdedschird, der letzte Chosroes der +Sasan, vor den arabischen Heeren nach Issfahan flüchtete, +versammelten sich um ihn die Grossen der Schebankjare, +welche mit den Einwohnern der Ebne Run bei Darabscherd +einen Bund des Friedens aufrichteten, während Jesdedschird +nach Kerman ging. Ali Ben Fasluje war die rechte Hand +Horbeid's, des Schwagers Jesdedschird's, und sein Nachkömmling +zur Zeit Alp Arslan's des Seldschuken, der obengenannte +Emir Fasl Ben Fasluje's, insgemein <i>Fasluje Ben +Hasuje</i> genannt, Isfehsalar d. i. General der Reiterei. Unter +der Regierung Adhadeddewlet's des grossen Fürsten der Ben +Buje überzog dessen Statthalter zu Schiras, <i>Tasch Ferrasch +Schebankjare</i>, das Land mit einem Heere, <span class="xidenote">430/<br />1038</span> und zu dieser +Zeit siedelte sich die Familie Fasluje in der Ebene von Run, +in der Nähe der Stadt Darabscherd, an; fünfzehn Jahre +später bemächtigten sie sich des Gebietes von Fars, zu dessen +Verwaltung Emir Schebankjare Fasluje angestellt worden. +Kaurdin, der Bruder Alparslan's, des Seldschuken von Kerman, +verheerte Fars, Fasluje flüchtete zu Alparslan, und +pachtete von ihm Fars und Darabscherd für siebenundzwanzig +<span class='pagenum'><a name="Page_69" id="Page_69">[69]</a></span> +Millionen Dirhem; da er sich wider seinen Lehensherrn +empörte, überzog ihn Nisameddin, der grosse Grosswesir +Melekschah's, mit Krieg, und der Atabege Dschelaleddin +Dschanli der <i>Chuansalar</i>, d. i. Obersttruchsess, schlug sich +mit dem Erbauer der Residenz zu Darabscherd, dessen +langer Namen <i>Nisameddin Mahmud Ben Jahja Ben Hasuje</i>. +Dschanli starb während des Feldzugs an einem Blutflusse; +ihm folgte sein Sohn <i>Mobariseddin</i>, dann dessen Sohn <i>Nisameddin II.</i>, +dann der Bruder <i>Mosaffer Mohammed</i>, <span class="xidenote">624/<br />1227</span> welcher, +ein weiser und gerechter Fürst, seit vierzehn Jahren herrschte, +als Hulagu gegen den Westen aufbrach. Von allen Dynastien, +welche zur Zeit Hulagu's in Persien herrschten, ist keine +merkwürdiger als die VII. der Atabegen Salghuren, deren +Geschichte die Hälfte des zweiten Buchs von der Wassaf's +füllt, und die er mit besonderer Vorliebe und Ausführlichkeit +behandelt, weil Fars das Stammland Persiens und +Schiras seine Geburtsstadt; auch wir werden in der Folge +die Geschichte derselben ausführlicher als die aller übrigen +Dynastien erzählen, weil die Regierung der fünf ersten +Fürsten, welche alle den Vornamen <i>Mosaffereddin</i>, d. i. <i>die +mit dem Siege der Religion Betheilten</i>, führten, eine schöne +Zeit des Flores der Herrschaft und der Wissenschaft, des +Lebensgenusses und der Poesie, und weil der Namen des +letzten <i>Ebubekr Ben Saad's</i> schon durch <i>Saadi's Gülistan</i> +allein unsterblich. Hier genüge es zu sagen, dass von dem +Ende der Herrschaft der Dilemiten bis zu dem Auftritte des +ersten Salghuren <i>Sonkar Ben Mewdud</i> in der Hälfte des +sechsten Jahrhunderts der Hidschret, des zwölften der +christlichen Zeitrechnung, Fars durch sieben Atabege, Statthalter +der Seldschuken, verwaltet worden. Der erste <i>Fasluje +Schebankjare</i>, dessen schon oben bei der Dynastie dieses +Namens Erwähnung geschehen, und von dem die Dichter, +auf dessen Namen <i>Fasl</i>, d. i. Trefflichkeit, Verdienst, Wohlthat +und Huld anspielend, gesagt:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Vor Gott, dem Allverehrten, war er Huld und Glück,<br /></span> +<span class="i0">Den Uebermuth des Aufruhrs hielt <i>Faslui</i> zurück.<br /></span> +</div></div> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_70" id="Page_70">[70]</a></span></p> +<p>Der zweite <i>Rokneddewlet</i>, d. i. die Reichssäule <i>Chumar Tegin</i>, +ertrank; der dritte <i>Dschelaleddin Dschanli</i> verheerte das +Gebiet der Dynastie Schebankjare; der vierte <i>Karadschu</i> +baute eine Medrese zu Schiras und ward zu Hamadan erschlagen; +der fünfte <i>Mengubers</i> baute eine Medrese, an der +er begraben liegt, dessgleichen seine Gemahlin <i>Sahide</i> die +Medrese <i>Issmeti</i> zu Schiras; der sechste <i>Bosabe</i> ward, wiewohl +ein gerechter und billiger Herr, gewaltsam getödtet, <span class="xidenote">543/<br />1148</span> +und der siebente <i>Melekschah</i> hielt der letzte das Ansehen +der Seldschuken aufrecht, welchem <i>Sonkar Ben Mewdud</i>, +der Gründer der Dynastie der Salghuren, ein Ende machte, +indem er sich zum Atabegen unabhängigen Herrscher, aufwarf.</p> + +<div class="sidenote">Die +Dynastien +von Gross- und +Klein-Luristan.</div> + +<p>Mit der Familie Fasluje's, welche zu Schebankjare +herrschte, sind die sogenannten <i>grossen Fasluje</i> nicht zu +vermengen, welche in Gross-Luristan unter dem Namen der +grossen Atabege, so wie die Familie Chorschid in Klein-Luristan +unter dem Namen der kleinen Atabege herrschten. +Die beiden Provinzen haben ihren Namen von zwei Brüdern, +<i>Lor</i> oder <i>Lur</i>, welche dort Statthalter im dritten Jahrhunderte +der Hidschret, später über die Stämme herrschten, +welche um's Jahr fünfhundert der Hidschret vom Berge Saumal +im nördlichen Syrien in dieses südöstliche Gebirgsland Persiens +eingewandert, sich unter Anführung Chorschid's in +Klein-Luristan niederliessen; von ihrer westlichen Abstammung +heissen sie die Könige des Westens<a name="FNanchor_127" id="FNanchor_127"></a><a href="#Footnote_127" class="fnanchor">[127]</a>. VIII. In Gross-Luristan +dienten die Anführer dieser ausgewanderten Stämme +<i>Ali</i> und dessen Sohn <i>Mohammed</i> den Atabegen Salghuren, +und <i>Abu Tahir</i>, der Sohn Mohammed's, stand dem Atabegen +Sonkar wider die Schebankjare bei. Sonkar, der Salghure, +sagte zum Abu Tahir: er möge sich eine Gnade erbitten; +Abu Tahir begehrte erst den Pfeil, dann das Pferd des +Atabegen, und als ihn dieser noch mehr begehren hiess, die +Erlaubniss, Luristan von den Feinden der Atabege zu reinigen; +er eroberte es, erklärte aber sich selbst zum unabhängigen +Fürsten und Atabegen. <span class="xidenote">550/<br />1155</span> Bei dieser Gelegenheit siedelten +<span class='pagenum'><a name="Page_71" id="Page_71">[71]</a></span> +sich zahlreiche Stämme aus Syrien in Luristan an, und +vertrieben die <i>Scholen</i> oder <i>Schulen</i>, welche die Ureinwohner +des Landes. Abu Tahir hatte fünf Söhne, deren +ältester <i>Hesarsif</i> in beständigem Kriege mit <i>Tikle</i> dem +Atabegen Salghuren von Fars. Hesarsif verheerte das Gebiet +der Salghuren, und unterwarf sich das Land bis auf +vier Farasangen von Issfahan. Hesarsif erhielt für seinen +Sohn Tikle, welcher denselben Namen trug wie der Atabege +Salghure von Fars, weil er von mütterlicher Seite ein Enkel +desselben, ein Herrscherdiplom vom Chalifen Nassir; der +Salghure Saad sandte Heere wider Tikle, welcher dieselben +schlug, und auch wider Hosameddin Chalil, den Neffen +Schudschaaeddin's von Klein-Luristan, siegreich Krieg führte; +endlich kamen aus Chusistan zwei Feldherren des Chalifen, +welche den Bruder Tikle's gefangen nahmen. Tikle tödtete +den einen, nahm den anderen gefangen und löste denselben +für den Bruder aus. Tikle war der Beherrscher Gross-Luristan's, +als Hulagu wider Bagdad zog. Zur selben Zeit +herrschte in Klein-Luristan der kleine Atabege Bedreddin +Mesud, welcher sich dem Dienste der Mongolen stellte. +IX. Die Dynastie der kleinen Atabege in Klein-Luristan +begann ein halbes Jahrhundert später als die der Atabege +von Gross-Luristan. <i>Schudschaaeddin Chorschid</i>, d. i. <i>der +Tapfere der Religion, die Sonne</i>, eroberte das Land, nahm, +der erste, den Titel <i>Atabeg</i> an, und starb nach vierzigjähriger +Regierung über hundert Jahre alt; <span class="xidenote">580/<br />1184</span> ihm folgte sein +Neffe <i>Rustem</i>, ein gerechter aber strenger Fürst, den sein +Bruder <i>Scherefeddin Ebubekr</i> ermordete; dieser wurde von +seinem Weibe vergiftet; sein Bruder <i>Iseddin Kerschasif</i> +nahm den Thron ein und die Frau <i>Melike</i>, seines Bruders +Gemahlin, die Tochter Schihabeddin Suleimanschah's, zur +Frau; in langwierigen Krieg mit Hosameddin Chalil, dem +Neffen Schudschaaeddin's, verwickelt, schloss er mit demselben +Frieden, ward aber von ihm erschlagen. <span class="xidenote">640/<br />1242</span> Die Wittwe +Melike Chatun sandte ihre drei Söhne (<i>Schudschaaeddin +Chorschid</i>, <i>Ssafeddin Rustem</i> und <i>Nureddin Mohammed</i>) zu +ihrem Bruder <i>Suleimanschah</i>, der mit Hosameddin den Krieg +<span class='pagenum'><a name="Page_72" id="Page_72">[72]</a></span> +so erbittert führte, dass sie sich in Einem Monate ein und +dreissigmal schlugen; nach einigen Jahren kam es in der +Ebene von Schabur zu einer entscheidenden Schlacht, in +welcher Suleimanschah von sechzigtausend Reitern des Chalifen +unterstützt ward, während das Heer Hosameddin's nur +aus dreitausend Reitern und neuntausend Fussgängern bestand; +dennoch wurde Suleiman Anfangs in die Flucht geschlagen, +trug aber den Sieg davon, und improvisirte, als man ihm +den Kopf Hosameddin Chalil's brachte, vier Verse darauf, +in denen eben so viele Wortspiele:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Chalil der Arme war sich selber nicht bewusst,<br /></span> +<span class="i0">Er hatte eingepflanzt der Seele Frühlingslust<a name="FNanchor_128" id="FNanchor_128"></a><a href="#Footnote_128" class="fnanchor">[128]</a>;<br /></span> +<span class="i0">Ein <i>Diw</i>, begehrte er das Reich von Suleiman,<br /></span> +<span class="i0">Zuletzt im <i>Diwan</i> Salomoni's abgethan.<br /></span> +</div></div> + +<p>Die Herrschaft kam an den obengenannten <i>Bedreddin Mesud</i>, +den Bruder Iseddin Kerschasif's.</p> + +<div class="sidenote">Dynastien +i. arab. Irak, +in Syrien, +Aegypten +und +Arabien.</div> + +<p>Im arabischen Irak herrschten, ausser X. den Chalifen +zu Bagdad, in der Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts noch +drei Dynastien, deren Fürsten den Titel von Atabegen, das +ist von Hofmeistern (Hausmayern) führten. Von einem +Dutzend von Dynastien, welche in der morgenländischen +Geschichte unter diesem Namen berühmt, waren die von +<i>Damaskus</i>, <i>Haleb</i>, <i>Aserbeidschan</i> und <i>Irbil</i> bereits erloschen, +und es bestanden nur noch die schon erwähnten persischen +der Atabege von <i>Jesd</i>, <i>Darabscherd</i>, <i>Schiras</i>, <i>Gross- und +Klein-Luristan</i>, und die nun zu erwähnenden von <i>Mossul</i>, +<i>Dschesire</i> und <i>Sindschar</i>. XI. Zu Mossul herrschten seit einem +Jahrhunderte sechszehn Atabege aus der Familie Amadeddin +Sengi's, deren Thron vom Chalifen Bagdad's dem <i>Bedreddin +Lulu</i>, Obersthofmeister der beiden letzten Fürsten, verliehen +worden; dieser füllte den Thron rühmlich vierzig Jahre +lang und ward von Hulagu, dem er nach Bagdad's Eroberung +zu huldigen kam, gnädig aufgenommen. XII. Die Dynastie +der Atabege von <i>Sindschar</i>, deren Herrschaft vor einem +<span class='pagenum'><a name="Page_73" id="Page_73">[73]</a></span> +Jahrhunderte<a name="FNanchor_129" id="FNanchor_129"></a><a href="#Footnote_129" class="fnanchor">[129]</a> begonnen, hatte nur durch ein halbes Jahrhundert +geherrscht, und ihre Herrschaft war nach Bedreddin +Lulu's, des Atabegen von Mossul, Tode dem Sohne desselben, +Mosaffer von Beibars, dem Sultane Aegyptens, zugesprochen +worden; eben so war die Linie der Atabegen Mossul's, welche +seit acht und vierzig Jahren<a name="FNanchor_130" id="FNanchor_130"></a><a href="#Footnote_130" class="fnanchor">[130]</a> XIII. zu Dschesire geherrscht, +erloschen, und an ihre Stelle <i>Modschahid</i>, ein anderer Sohn +Bedreddin Lulu's, des Atabegen von Mossul, getreten, so +dass Bedreddin Lulu und seine drei Söhne (der dritte folgte +ihm als Herr von Mossul nach) als unumschränkte Herrscher +in die Fussstapfen ihrer vorigen Herren getreten. XIV. Zu +<i>Mardin</i> herrschte ein Zweig der <i>Beni Ortok</i>, deren Hauptlinie +von Diarbekr seit zwanzig Jahren<a name="FNanchor_131" id="FNanchor_131"></a><a href="#Footnote_131" class="fnanchor">[131]</a> erloschen war; +aber aus derselben Familie herrschten zu Mardin schon seit +hundert sechs und achtzig Jahren<a name="FNanchor_132" id="FNanchor_132"></a><a href="#Footnote_132" class="fnanchor">[132]</a> Fürsten, deren Dynastie +erst im Beginne des fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen +Zeitrechnung erlosch.<a name="FNanchor_133" id="FNanchor_133"></a><a href="#Footnote_133" class="fnanchor">[133]</a> <i>Ilghasi</i>, der Gründer dieser +Dynastie, Sultan Melekschah's des Seldschukiden Statthalter zu +Bagdad, hatte sich Nissibin's und Mardin's bemächtigt; ihm war +sein Sohn <i>Hosameddin Timurtasch</i> und sein Sohn <i>Nedschmeddin</i>, +diesen die beiden Söhne <i>Hosameddin II.</i> und <i>Nassireddin</i> +und diesem der Sohn <i>Melik Said</i> gefolgt, welcher der sechste +Herrscher dieser Dynastie, auf die Festigkeit seiner Residenz +trotzend, der Belagerung Hulagu's widerstand. Auch zu +Miafarakain hatte noch vor dreissig Jahren Suleiman, ein +Sohn Ilghasi's Ortok, geherrscht, aber zur Zeit Hulagu's +war diese Stadt im Besitze <i>Kjamil's</i> des Ejubiden. XV. Miafarakain's +Fürstenthum ist also das zehnte des zehnzweigigen +mächtigen Herrscherstammes der Beni Ejub (die neun +anderen, die von <i>Kairo</i>, <i>Damaskus</i>, <i>Haleb</i>, <i>Hama</i>, <i>Himss</i>, +<i>Kerek</i>, <i>Baalbek</i>, <i>Hossnkeif</i> und <i>Jemen</i>); von diesen zehn +Dynastien der Beni Ejub bestanden in der Hälfte des dreizehnten +Jahrhunderts nur noch im arabischen Irak die von +<i>Miafarakain</i> und <i>Hossnkeif</i>, und in Syrien die vier von +<span class='pagenum'><a name="Page_74" id="Page_74">[74]</a></span> +<i>Haleb</i>, <i>Hama</i>, <i>Himss</i> und <i>Kerek</i>. Kjamil war der fünfte +Herrscher der Beni Ejub zu Miafarakain; seine Vorfahren +<i>Melikol-aadil</i>, der Bruder Ssalaheddin's, dann <i>Melik el-eschref</i>, +<i>Melik el-ewhad</i>, <i>Melik el-mosaffer</i>, die drei Söhne <i>Melik +el-aadil's</i>; der Sohn des letzten war <i>Melik Kjamil</i>, der +Grossneffe Ssalaheddin's, welcher den Versuch, den Waffen +der Mongolen zu widerstehen, mit dem Verluste seiner +Hauptstadt und des Lebens bezahlte. XVI. Die Dynastie der +Beni Ejub zu Hossnkeif hatte vor zwanzig Jahren begonnen<a name="FNanchor_134" id="FNanchor_134"></a><a href="#Footnote_134" class="fnanchor">[134]</a>, +indem Melik Ssalih Nedschmeddin von seinem Vater Kjamil +die Städte Amid und Hossnkeif erhalten; nachdem Kjamil, +um Aegyptens und Syriens Herrschaft zu übernehmen, sich +dahin begeben, blieb sein Sohn Melik Moaasem Turanschah +im Besitze des väterlichen Gebiets, und als auch dieser dem +Vater auf dem Throne Aegyptens gefolgt, verlieh er die +Herrschaft von Amid und Hossnkeif seinem Sohne <i>Melik +Mowahid</i>, der wie sein Vetter von Miafarakain ein Opfer +seines Widerstandes unter dem Schwerte der Mongolen fiel. +Vier andere Söhne der Beni Ejub herrschten in Syrien. +XVII. Zu <i>Hama</i> Melik Manssur II., der bei Annäherung der +Mongolen nach Aegypten flüchtete. Der Gründer des Hauses +war Takjeddin, der Enkel Ejub's, aus dessen Sohn Schehinschah, +von seinem Oheim Ssalaheddin als Herr von Hama +installirt, sein Sohn Nachfolger <i>Melik Manssur I.</i> ob seiner +wider die Kreuzfahrer erfochtenen Siege und des Schutzes, +den er Gelehrten und Dichtern angedeihen liess, von jenen +in zahlreichen ihm gewidmeten Werken, von diesen in Siegeshymnen +und Elegien gepriesen. XVIII. Die Dynastie der Beni +Ejub zu Himss leitet ihren Ursprung von Esededdin Schirkuh, +dem jüngeren Bruder Ejub's, ab, welcher vom grossen Nureddin +zum Statthalter vom Himss bestellt worden war. +Ssalaheddin bestätigte seinem Neffen und getreuen Begleiter +auf allen Feldzügen <i>Melik Nassireddin Mohammed</i> des Vaters +Statthalterschaft als Eigenthum; nach dessen schnellem Tode +verlieh er die Herrschaft zwar dem Sohne desselben <i>Melik +<span class='pagenum'><a name="Page_75" id="Page_75">[75]</a></span> +Modschahid Schirkuh</i>, zog aber das väterliche Vermögen +ein, das er nur, durch einen vom zwölfjährigen Neffen citirten +Koransvers gemahnet, zurückgab; dem Modschahid folgte +sein Sohn <i>Manssur Ibrahim</i>, der den Chuaresmern tapferen +Widerstand geleistet, und nach ihm sein Sohn <i>Melik Eschref +Mosafereddin Musa</i>, der Zeitgenosse Hulagu's, von diesem, +weil er ihm gehuldigt, in der Herrschaft bestätigt. XIX. Die +Dynastie der Beni Ejub zu Kerek begann unter <i>Melik Aadil +Seifeddin Ebubekr</i>, welcher vom Bruder Ssalaheddin die +eroberte Stadt erhielt; nach des Bruders Tod zur Herrschaft +von Damaskus berufen, übergab er Kerek seinem Sohne +<i>Melik Moaasem Isa</i>, welchem der Sohn Melik Nassir Daud +und diesem <i>Melik Moghis Fetheddin Omar</i> folgte, der Zeitgenosse +Hulagu's, von diesem ob des Briefwechsels mit Beibars +getödtet. Beibars war der vierte Sultan der Mamluken +in XX. Aegypten, deren Dynastie gleichzeitig mit der persischen +Hulagu's in Persien emporstieg, und als eine Nebenbuhlerin +derselben um Syriens Herrschaft in der Folge +genauere Kunde erfordern wird. So herrschte auch zu Mekka +der vierte Herrscher der XXI. Dynastie der Beni Kitade, +welcher nach den erloschenen drei Dynastien der <i>Beni +Ochaissar</i>, <i>Musa sani</i> und <i>Beni Haschim</i> seit einem halben +Jahrhunderte auf dem Throne sass, welchen der vierte +Herrscher <i>Ebu Nemi Mohammed</i> durch sieben und vierzig +Jahre gefüllt.</p> + +<div class="sidenote">Dynastien +des nördl. +Persiens, +Armeniens, +Georgiens u. +Kleinasiens.</div> + +<p>Wir wenden uns nun zuletzt nach dem Norden und zwar +zuerst nach den nördlichen Landschaften Persiens, nach +Taberistan und Masenderan, wo seit der Hälfte des ersten +Jahrhunderts der Hidschret bis in die Hälfte des fünften +die zwei Dynastien <i>Bawendije</i>, auf einander folgend, geherrscht; +aus der zweiten, im Anfang des dreizehnten Jahrhunderts +der christlichen Zeitrechnung<a name="FNanchor_135" id="FNanchor_135"></a><a href="#Footnote_135" class="fnanchor">[135]</a> erloschenen, erstand +in der Hälfte des vierzehnten ein Zweig derselben in der +Dynastie <i>Dschelawije</i>. Das Stillschweigen der Geschichte +durch diese anderthalb Jahrhunderte<a name="FNanchor_136" id="FNanchor_136"></a><a href="#Footnote_136" class="fnanchor">[136]</a> beweiset, dass Taberistan +<span class='pagenum'><a name="Page_76" id="Page_76">[76]</a></span> +während dieser Zeit keine eigenen Herrscher hatte; +in Gilan herrschten XXII. die Beni <i>Badusian</i> schon seit dem +vierzigsten Jahre der Hidschret zu Rujan und Rustemdar; +der Gründer <i>Badusian</i><a name="FNanchor_137" id="FNanchor_137"></a><a href="#Footnote_137" class="fnanchor">[137]</a> war ein Nachkömmling des Schmiedes +Kjawe, des Befreiers seines Vaterlandes von der Tyrannei, +dessen Schurzfell erst Freiheitsfahne, dann Reichspanier.<a name="FNanchor_138" id="FNanchor_138"></a><a href="#Footnote_138" class="fnanchor">[138]</a> +Sie führten den besonderen Titel <i>Astandar</i>, welches in der +bisher ganz unbekannten Mundart Taberistan's gleichbedeutend +mit <i>Scheichol Dschebal</i>, d. i. des Alten vom Berge wie +der Grossmeister der Assassinen, hiess, welcher diesen Namen +von den früheren Herrschern Kuhistan's aus der Dynastie +Bawend geborgt. Die beiden Alten des Gebirgs, der von +<i>Alamut</i> und der von <i>Rustemdar</i>, bekriegten sich um die +Hälfte des sechsten Jahrhunderts als unversöhnliche Feinde; +aber nach dem Tode Keikawu's Ben Hesarsif's schlug sein +Sohn und Nachfolger Schehrnusch den entgegengesetzten +Pfad ein, und trat selbst in die Fussstapfen der Assassinen, +seiner Verbündeten. Nach Schehrnusch herrschte sein Bruder +<i>Isfendiar Kerkud</i>, nach ihm sein Neffe <i>Serin Kemer</i>, +d. i. Goldgürtel, der Erste der Sohn Hesarsif's, dann Goldgürtel +der Zweite, der Sohn Chassin's, der ein und zwanzigste +Herrscher der Beni Badusian; diesem war zu Anfang des +dreizehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung<a name="FNanchor_139" id="FNanchor_139"></a><a href="#Footnote_139" class="fnanchor">[139]</a> +sein Sohn <i>Bisutun</i>, diesem nach zehnjähriger Regierung der +Sohn <i>Fachreddewlet</i>, diesem nach zwanzigjähriger Regierung +der Sohn <i>Hosameddewlet Ardeschir</i> und diesem der +Bruder <i>Iskender</i> gefolgt. Sein Nachfolger <i>Isfendiar Schehrahim</i>, +der jüngste Fürst der Beni Badusian, regierte drei +und dreissig Jahre lang als Zeitgenosse Hulaguchan's und +Abaka's; von diesen wurden die Herrscher Gilan's in Ruhe +gelassen, und die Eroberung des Landes erst unter ihrem +Nachfolger <i>Oldschaitu</i>, dem achten Ilchane Persiens, versucht. +<span class='pagenum'><a name="Page_77" id="Page_77">[77]</a></span> +XXIII. Der König Kleinarmeniens war Hetum oder +Haithon I., der vierte Fürst seiner Dynastie durch fünf und +vierzig Jahre, während welcher er in häufiger Berührung +mit Hulagu und dem Bruder desselben, dem Grosskaan +Mengku; ein nicht minder historisch wichtiger, in die Geschichte +der Mongolen eingreifender, grosser Herrschercharakter +ist XXIV. die Königin von Georgien, <i>Russuldan</i>, +die Tochter der <i>Tamar</i>, nach deren Tode das georgische +Reich unter die beiden Davide, welche bei der Thronbesteigung +Gujuk's erschienen, nämlich zwischen ihrem Vetter +David Narin und ihrem Sohne <i>David Ssosslan</i>, getheilet +ward. Dieser erhielt das obere Georgien, d. i. <i>Karthli</i>, +<i>Kachethi</i>, <i>Achal-ziche</i> und <i>Schewar</i>; der andere Niedergeorgien, +d. i. <i>Imerethi</i>, <i>Mingrelien</i>, <i>Sswanethi</i>, <i>Dschikhethi</i> +und <i>Abchasethi</i>; nach Mengkukaan's Tode zeichnete Hulagu +den David, Sohn der Russuldan, seiner Tapferkeit willen +besonders aus. XXV. Das Reich der Seldschuken in Rum +beherrschte der zwölfte Sultan derselben, <i>Iseddin Keikawus II.</i>, +erst allein, dann mit seinen Brüdern <i>Rukneddin +Kilidscharslan IV.</i> und <i>Alaeddin Keikobad II.</i>, von welchen +der vorletzte bei der Thronbesteigung Gujuk's erschienen +war. In Nicäa endlich thronte XXVI. der griechische Kaiser +Vataces, dessen drei und dreissigjährige Regierung, ein +Muster von Weisheit und Staatsklugheit, die Wiedereroberung +Konstantinopels aus den Händen der Lateiner vorbereitete, +und dessen Gesandte sich mit denen <i>Innocenz IV.</i> +am Hofe Mengukaan's zusammenfanden.<a name="FNanchor_140" id="FNanchor_140"></a><a href="#Footnote_140" class="fnanchor">[140]</a> Der Papst und +die Könige von Frankreich und Ungarn verkehrten mit den +Herrschern der Mongolen durch Gesandtschaften; aber weder +die fränkischen Kaiser von Konstantinopel, noch die Reste +der Kreuzfahrer in Syrien kamen mit denselben in unmittelbare +Berührung, wie die hier aufgeführten sechs und zwanzig +asiatischen Dynastien, welche die Zeitgenossen Hulagu's. +Wie an der Pforte Mohammed Chuaresmschahs, des mächtigsten +<span class='pagenum'><a name="Page_78" id="Page_78">[78]</a></span> +Herrschers Asiens vor Tschengischan, sieben und +zwanzig besiegte oder huldigende Prinzen fünfmal des Tages +die Heerpauken schlugen, so schlugen diese sechs und +zwanzig, dem Ursprunge des mongolischen Reichs in Persien +gleichzeitigen Dynastien, welche demselben widerstanden, +erlagen, gehorchten, huldigten oder vor demselben zitterten, +gleichsam an der Pforte desselben die Heerpauke der +Herrschaft.</p> + + + + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_79" id="Page_79">[79]</a></span></p> +<h2><a name="Zweites_Buch" id="Zweites_Buch"></a><a href="#Inhalt">Zweites Buch.</a></h2> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> + + +<div class="block"><p>Regierungsantritt Hulagu's; seine Familie; Feldzug +nach Persien wider die Schlösser der Assassinen +und Bagdad; Rückblick auf die Chalifen und +die Emirol-umera, Moteaassimbillah, der letzte +Chalife; Alkami der Wesir; Belagerung, Eroberung +und Verwüstung Bagdad's; Hinrichtung des +Chalifen Melik Moaasem Mosaffereddin; der Herrscher +von Irbil, Stifter der Geburtsfeier des Propheten; +die damaligen Herrscher Gross- und Klein-Luristan's +und Gross- und Klein-Armenien's.</p></div> + + +<div class="sidenote">Hulagu.</div> + +<p><i>Hulagu</i> oder, wie die Mongolen den Namen schreiben +und sprechen, <i>Chulagu</i> war der fünfte Sohn Tuli's, des +jüngsten Sohnes Tschengischan's aus der Frau Sijurkukteni, +der Nichte Owangchan's, welche ihm vor Hulagu den ersten +Mengku, den vierten Kubilai, und Arikbuga, den siebenten +seiner neun Söhne, geboren. Als vor sechs und zwanzig Jahren +(zwei vor seinem Tode) Tschengischan das letztemal +in seinen Jurt zurückgekehrt, um das grosse, durch Jagden +gefeierte <i>Kurultai</i> der Familie zu halten, bei welchem alle +Söhne mit ihren Frauen und Kindern erschienen (den ältesten +Dschudschi ausgenommen, der seiner statt nur ein herrliches +Geschenk von Pferden gesandt), kamen ihm die beiden +Enkel, Kubilai und Hulagu, jener zehn, dieser neun Jahre +alt, mit dem ersten Wilde, das sie erjagt, jener mit einem +Hasen, dieser mit einem Rehe entgegengelaufen. Tschengischan +vollzog an ihnen beiden den mongolischen Jagdgebrauch +der <i>Fetteinschmierung</i><a name="FNanchor_141" id="FNanchor_141"></a><a href="#Footnote_141" class="fnanchor">[141]</a>, welcher darin besteht, den +<span class='pagenum'><a name="Page_80" id="Page_80">[80]</a></span> +Jünglingen oder Knaben, welche das erste Wild erlegt, den +Daumen mit dem Fette und Fleische desselben einzuschmieren, +was als eine günstige Vorbedeutung für die künftige +Laufbahn der beiden Prinzen mit Festen gefeiert ward; in +jedem Falle eine minder unmenschliche Vorbedeutung als +die Handvoll geronnenen Blutes, mit welcher Tschengischan, +zur Welt gekommen, die er erobernd in Blut getränkt und +die so grausam in Erfüllung gegangen; auch diese vom Grossvater +Welteroberer selbst vollzogene Fetteinschmierung ging +an beiden Enkeln, künftigen Herrschern, Eroberern und +Stiftern von Dynastien in Erfüllung, indem Beide sich Reiche +erbeuteten, der Jäger des Hasen das chinesische, als Stifter +der mongolischen Dynastie der Juan, und Hulagu das persische, +als Gründer der Dynastie der Ilchane. Hulagu war +nun fünf und dreissig Jahre alt, in voller Reife männlicher +Kraft, von welcher das Dasein von zehn Söhnen, die ihm +von vierzehn, die er hatte, in diesem Alter bereits geboren +waren, sprechender Beweis. Wir können also die Zahl seiner +Frauen und Kinder, welche die Biographie sonst gewöhnlich +am Ende des beschriebenen Lebens aufnimmt, am bessten +sogleich überblicken, weil die grösste Anzahl derselben schon +vorhanden, und die Namen der in der Folge vorkommenden +Frauen und Kinder dann keiner weiteren Einführung bedürfen. +Hulagu hatte sechs Frauen Gemahlinnen, aus deren vieren +ihm sechs Söhne und drei Töchter, indem die anderen acht +der zweimal sieben Söhne und die anderen vier der sieben +Töchter aus zwölf Beischläferinnen geboren wurden, welche +die Geschichte aus der grossen Zahl derselben nennt, weil +sie Mütter von Prinzen oder Prinzessinnen. Von diesen +zwölf Beischläferinnen waren drei<a name="FNanchor_142" id="FNanchor_142"></a><a href="#Footnote_142" class="fnanchor">[142]</a> aus dem Lager der +ersten seiner Gemahlinnen, der grossen Frau <i>Tokus</i>, und +vier aus dem Lager seiner fünften Gemahlin, der Konghuratine +<i>Kutui</i> Chatun, ein Umstand, der vielleicht weniger für +ihre Bereitwilligkeit, dem Gemahle gefällig zu sein, als für +<span class='pagenum'><a name="Page_81" id="Page_81">[81]</a></span> +ihren guten Geschmack, sich mit schönen Sklavinnen zu +umgeben, beweiset; die Beischläferinnen werden am schicklichsten +mit den Namen der Söhne und Töchter, durch +welche der ihrige in der Geschichte in Vorschein gekommen, +genannt werden; aber der sechs Gemahlinnen +wollen wir zuerst und besonders erwähnen, weil dieselben +als Frauen des grössten Ansehens und Einflusses genossen; +als Frauen Gemahlinnen trugen sie den hohen pyramidenförmigen, +mit herabfallendem Schleier bedeckten mongolischen +Kopfschmuck <i>Baghtak</i>, dessen Namen die europäischen +Reisenden in <i>Botta</i>, die Venezianer in <i>Baiuta</i> verstümmelt +haben.<a name="FNanchor_143" id="FNanchor_143"></a><a href="#Footnote_143" class="fnanchor">[143]</a></p> + +<div class="sidenote">Die +Gemahlinnen +Hulagu's.</div> + +<p>Die erste und grösste Gemahlin, deren Rang bei den +Mongolen immer den andern weit voraus und welche die +Frau und Gebieterin des Harems, wie noch heute bei den +Perserinnen die grosse Frau<a name="FNanchor_144" id="FNanchor_144"></a><a href="#Footnote_144" class="fnanchor">[144]</a>, war <i>Tokus Chatun</i>, d. i. +die Frau <i>Neun</i>, die Keraitin, welche der Vater Tuli kurz +vor seinem Tode zur Frau genommen, aber ohne dieselbe +zu berühren gestorben war. Nach der mongolischen Sitte, +vermöge welcher die Söhne die vom Vater hinterlassenen +Stiefmütter als Gemahlinnen erben, ward dieselbe mit Hulagu +vermählt, sobald das Heer auf dem Rückmarsche aus China +den Oxus passirt hatte. Tuli war in seinem vierzigsten +Jahre gestorben und Hulagu damals sechzehn Jahre alt; +seine Stiefmutter, vielleicht jünger oder nicht viel älter, +hätte also wohl bald ihrem stiefmütterlichen Ansehen als +wirkliche Mutter neues Gewicht beifügen können; allein sie +ward nie Mutter und behauptete sich dennoch bis zu ihrem +Tode in dem höchsten Ansehen als grosse Frau und Gebieterin +des Frauengemachs, als die erste Rathgeberin und +mütterliche Freundin Hulagu's, was fast vermuthen lässt, +dass sie vielleicht um Vieles älter, erst dem Vater Tuli +und dann dem Sohne von der Mutter des letzten, der staatsklugen +<i>Sijurkukteni</i>, ihrer Tante, mehr an die Hand, als +<span class='pagenum'><a name="Page_82" id="Page_82">[82]</a></span> +ins Bett gegeben worden. Hulagu nahm sie zur Gemahlin +und ihre Schwester <i>Tukini</i> zur Beischläferin, die ihm eben +so wenig als die Schwester Kinder gab. Sie waren beide die +Töchter <i>Ettiko's</i>, des zweiten Sohnes Owangchan's, die Nichten +der Frau Sijurkukteni, der Mutter Hulagu's, welche die +Tochter Hakembo's, des Bruders Owangchan's, und waren +also beide die Basen Hulagu's, beide Christinnen, wie Sijurkukteni, +und in der freien Ausübung ihres Cultus eben so +wenig beirrt, als ihre Tante Sijurkukteni vom Gemahle Tuli. +Inmitten des Lagers Hulagu's hatte sie ihre von nestorianischen +Christen bediente Kapelle mit Glockengeläute, die +grosse Beschützerin der Christen und Missionäre bei ihrem +Gemahle. Wie sich Hulagu zwei Schwestern Keraitinnen, die +eine als Frau, die andere als Beischläferin, genommen, so +auch zwei Gemahlinnen Schwestern aus dem mit dem Hause +Tschengischan's so vielfach verschwägerten Stamme der <i>Uirat</i>, +nämlich <i>Kubak</i> oder <i>Kojuk Chatun</i>, die Mutter seines zweiten +Sohnes <i>Dschumkur</i>, und ihre Stiefschwester <i>Oldschai</i>, die +Mutter seines eilften Sohnes Mengku Timur; beide waren die +Töchter Turaldschi's, des Sohnes <i>Kutuke's</i>, des Fürsten der +Uirat. Tschengischan hatte dem Turaldschi seine Tochter +<i>Dschidschegan</i> zur Frau gegeben, welche ihm den Sohn +<i>Buka Timur</i> geboren; aus einer anderen Gemahlin hatte +Turaldschi die beiden Töchter <i>Kubak</i> und <i>Oldschai</i>, welche +also die Stiefschwestern Dschidschegan's, der Tante Hulagu's, +seine Stiefbasen waren; die beiden anderen Gemahlinnen +waren zwei Konghuratinnen: <i>Kutui Chatun</i>, aus deren Lager +Hulagu sieben Beischläferinnen genommen, die Mutter <i>Tekschin's</i>, +seines vierten, und <i>Ahmed Tekudar's</i>, seines siebenten +Sohnes; und <i>Mertai Chatun</i>, welche kinderlos, wie die grosse +Frau Tokus Chatun und ihre Schwester Tukini; endlich die +Frau <i>Jisut</i> oder <i>Jisuntschin</i>, aus dem Stamme Suldus, die +Mutter des Kronprinzen <i>Abaka</i>. Wir mussten in diese Umständlichkeiten +eingehen, weil sich nur aus denselben das +Resultat der die Wahl der Gemahlinnen mongolischer Herrscher +leitenden Staats- und Familien-Maximen klar herausstellt. +Von diesen sieben Gemahlinnen waren vier Blutsverwandte, +<span class='pagenum'><a name="Page_83" id="Page_83">[83]</a></span> +nämlich zwei Basen, obendrein Stiefmütter, und zwei +Stiefbasen; dann waren die zwei Stämme, denen diese zwei +Schwesterpaare angehörten, nämlich die <i>Kerait</i> und die <i>Uirat</i>, +sowie der der <i>Konghurat</i>, aus welchem die zwei anderen +Gemahlinnen, die mit dem Hause Tschengischan's am vielfältigsten +verschwägerten, die früher als andere der aufsteigenden +Macht Tschengischan's, sich derselben unterwerfend, +gehuldigt. Die Wahl der Frauen Gemahlinnen wurde also +vorzüglich durch die Politik, durch die Freundschaft der +Stämme und die nächste Verwandtschaft bestimmt.</p> + +<div class="sidenote">Die Söhne +und Töchter +Hulagu's.</div> + +<p>Der Erstgeborene <i>Abaka</i> war als der Aelteste schon bei +des Vaters Lebzeiten sein erklärter Thronfolger, als welcher +er auch nach dessen Tode der zweite der Ilchane in Iran, +nachdem er demselben gefolgt. Dschumkur der Zweitgeborene, +nur einen Monat jünger, als Abaka, blieb, als der Vater den +Feldzug nach Westen unternahm, als dessen Sachwalter im +Lager des Kaans Bruders zurück; in der Folge, als nach +dem Tode Mengkukaan's der jüngste Bruder desselben, Arikbugha, +dem ältesten, Kubilai, den Thron streitig machte, +ward Dschumkur von jenem gezwungen, sich für ihn wider +diesen zu erklären, fiel aber, als Arikbugha wider Alghui +auszog, von ihm ab, um in's Lager des Vaters zurückzukehren, +und starb auf dem Wege dahin; desselben, sowie seiner beiden +Söhne <i>Dschuschkub</i> und <i>Kunkuschu</i>, wird im Verlaufe dieser +Geschichte noch mehrmals erwähnt werden. <i>Jaschmut</i>, der +dritte Sohn Hulagu's, aus der Chinesin Tukadschi Ikadschi, +welche eine Sklavin des Lagers der Frau Kutui, war Vater +von drei Söhnen; Kutui selbst war die Mutter des vierten +Sohnes, <i>Tekschin</i>, welcher an einem Blasenübel gestorben, +und dessen Gemahlin <i>Nulun</i>, die Tochter Buka Timur's, des +Bruders Kubak Chatun's (folglich seine angeheirathete Base), +nach Tekschin's Tod sein Bruder Dschumkur zur Frau nahm. +Der fünfte Sohn, <i>Tarakai</i>, aus der dem Lager der Frau +Kutui entnommenen Beischläferin <i>Borkdschin</i>, ward auf der +Reise nach Persien vom Blitze erschlagen; merkwürdiger +durch seinen Sohn <i>Baidu</i>, welcher einige Monate lang der +sechste Herrscher der Mongolen in Persien, nach <i>Ahmed +<span class='pagenum'><a name="Page_84" id="Page_84">[84]</a></span> +Tekudar</i>, dem siebenten Sohne Hulagu's, dem fünften der +Ilchane; zwischen beiden ward <i>Tusin</i>, der sechste Sohn +Hulagu's, aus derselben Mutter, wie Jaschmut, geboren. +<i>Adschai</i>, des achten Sohnes Mutter, war die Beischläferin +Irtika Ikadschi, aus dem Lager der Frau Kutui; als Hulagu +nach Persien zog, liess er ihn an der Spitze des Lagers der +Frau Kutui zur Besorgung der Angelegenheiten zurück; er +überlebte seinen Bruder Hulagu nur zehn Tage. Die Beischläferin +<i>Dschudsche Ikadschi</i>, die Mutter des neunten +Sohnes, <i>Kuikurtai</i>, war eine Sklavin aus dem Lager der +Frau <i>Tokus</i>; er war Vater von sechs Söhnen und erreichte +ein sehr hohes Alter. Die Mutter <i>Jisudar's</i>, des zehnten +Sohnes, war Uwischdschin, aus dem Stamme Kurlaut, dessen +diese Geschichte weiter nicht, aber noch des eilften Sohnes +Mengku Timur's<a name="FNanchor_145" id="FNanchor_145"></a><a href="#Footnote_145" class="fnanchor">[145]</a> erwähnen wird, welcher sechs und zwanzig +Jahre alt starb; Vater von drei Söhnen, allein drei aus der +Sklavin Ilinak Ikadschi, und keiner aus seinen drei Frauen, +deren erste Oldschai, die Tochter Buka Timur's, des Bruders +der Frau Oldschai, Gemahlin Hulagu's, folglich seine Stiefbase; +die zweite die berühmte Abisch Turkan, Tochter des +Atabegen von Fars, letzte Herrscherin aus diesem Stamme; +die dritte Nuhin Chatun. Sie gaben ihm keine Söhne, aber +mehrere Töchter, deren berühmteste die älteste, <i>Kordotschin</i>, +aus der Atabegin <i>Abisch</i>, in der Geschichte nicht minder +oft genannt, als ihre Mutter, indem sie dreimal vermählt +ward; das erstemal an Dschelaleddin Sijurghutmisch, den +Sultan Kerman's, dann an den Emir <i>Satilmisch</i> und endlich +an ihren Vetter <i>Taghai</i>; die Atabegin <i>Abisch</i>, ihre Mutter +<i>Turkan Chatun</i> und <i>Kordotschin</i>, die obgenannte Tochter +der Abisch, sind drei der grössten weiblichen Charaktere, +Hebel grosser Begebenheiten in der Geschichte der Atabege +von Fars und Sultane Kerman's, welche eng mit der der +<span class='pagenum'><a name="Page_85" id="Page_85">[85]</a></span> +Ilchane Persiens verflochten. <i>Huladschu</i>, der zwölfte Sohn +Hulagu's, hatte die Sklavin <i>Ilkadschi</i>, aus dem Lager der +Frau Tokus, zur Mutter, welche später mit dem Kopfschmucke +<i>Baghtak</i> zur Frau erhoben ward; Vater von vier +Söhnen. Ilkadschi war auch die Mutter <i>Scheibawedschi's</i>, +des dreizehnten Sohnes; und die des vierzehnten, <i>Taghai +Timur's</i>, eine Beischläferin Sklavin aus dem Lager der Frau +<i>Kutui</i>, Vater's von fünf Söhnen. Die sieben Töchter Hulagu's +waren: die erste <i>Bulughan Aka</i>, aus der Frau <i>Kobak</i>; sie +wurde mit ihrem Oheim <i>Dschume Gurgan</i>, dem Sohne des +Tataren <i>Dschudschi</i>, vermählt, dessen Gemahlin die mit der +Tochter Tschengischan's gleichnamige <i>Dschidschegan</i>, die +Tochter <i>Utdschigin's</i>, des jüngsten Bruders Tschengischan's; +<i>Dschume Gurgan</i> erhielt nach dem Tode <i>Bulughan Aka's</i> +auch die Hand der Nichte <i>Dschemi</i>, der zweiten Tochter +Hulagu's aus der Frau <i>Oldschai</i>; die dritte Tochter, <i>Mengelugan</i>, +ebenfalls aus der Frau <i>Oldschai</i>, ward an <i>Dschakir +Gurgan</i>, den Sohn <i>Buka Timur's</i> den Uiraten, vermählt, +welcher der Bruder Oldschai's und folglich der Oheim seiner +Gemahlin; die vierte, <i>Tutukasch</i>, aus einer Beischläferin +Sklavin des Lagers der Frau Tokus, wurde zuerst an den +Uiraten <i>Tengkir Gurgan</i>, welcher früher eine Tochter Gujuk's +zur Frau gehabt und welchem von dieser das Leben +erbeten ward, dann an dessen Sohn <i>Sulamisch</i> und endlich +an dessen Sohn <i>Dschidschek Gurgan</i> vermählt, so dass dieser +der Vater, Sohn und Enkel der Gattin;<a name="FNanchor_146" id="FNanchor_146"></a><a href="#Footnote_146" class="fnanchor">[146]</a> die fünfte, <i>Tarakai</i>, +deren Mutter die Beischläferin <i>Irtikan Ikadschi</i>, ward dem +Konghuraten Musa, dem Enkel Tschengischan's aus seiner +Tochter Tumalun, das ist ihrem Oheim, zur Frau gegeben; +die sechste Tochter, <i>Kutlukan</i>, aus der Beischläferin <i>Minklikadsch</i>, +wurde zuerst dem <i>Jisubuka</i>, aus dem Stamme +<i>Durban</i>, dann nach dessen Tode seinem Sohne <i>Tokel</i> angetraut; +die Hand der siebenten, <i>Baba</i>, aus der Frau <i>Oldschai</i>, +erhielt <i>Legsi Gurgan</i>, der Sohn Emir <i>Arghun's</i>, des Staatssecretärs, +welchen Mengkukaan früher als Hulagu nach Persien +<span class='pagenum'><a name="Page_86" id="Page_86">[86]</a></span> +gesendet hatte; also die Töchter ebenfalls meistens an Oheime +und Vettern vermählt.</p> + +<div class="sidenote">Hulagu's +Aufbruch.</div> + +<p>Von zehn Söhnen, von denen Hulagu in seinem fünf +und dreissigsten Jahre Vater, nahm er auf dem Zuge nach +Persien den erstgeborenen, <i>Abaka</i>, und den dritten, <i>Juschmut</i>, +mit sich, trug dem zweiten, <i>Dschumkur</i>, im Lager des Bruders +Kaan's als seinem Agenten und seinem Bruder <i>Temkjan</i><a name="FNanchor_147" id="FNanchor_147"></a><a href="#Footnote_147" class="fnanchor">[147]</a> in +seinem Jurte die Besorgung der Geschäfte auf; ausserdem +aber begleiteten ihn noch sein jüngster Bruder <i>Suntai</i>, der +neunte Sohn Tuli's, dann aus dem Uluse Dschagatai <i>Tekuder</i><a name="FNanchor_148" id="FNanchor_148"></a><a href="#Footnote_148" class="fnanchor">[148]</a>, +der Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Sohnes Dschagatai's; +aus dem Uluse Dschudschi's (mit seinem ebengenannten gleichnamigen +Neffen nicht zu verwechseln) der Enkel <i>Bulghai</i><a name="FNanchor_149" id="FNanchor_149"></a><a href="#Footnote_149" class="fnanchor">[149]</a>, +der Sohn Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's; Kuli, +der Sohn seines Erstgeborenen <i>Orda</i>, und der Urenkel <i>Kotur</i>, +der Sohn Mongkadr's, des Sohnes seines siebenten Sohnes +<i>Tewel</i>; endlich <i>Buka Timur</i>, der Sohn Dschidschegan's, der +Tochter Tschengischan's, welche an Turaldschi, den Sohn +Kutuka's, des Fürsten der Uirat, vermählt, der Stiefbruder +von <i>Kubak Chatun</i> und <i>Oldschai Chatun</i>, der zwei Gemahlinnen +Hulagu's; von diesen begleiteten ihn in's Feld die +grosse Frau <i>Tokus Chatun</i>, dann <i>Jisut Chatun</i>, die Mutter +des erstgeborenen Abaka und <i>Oldschai</i>, aus welcher ihm zwei +Jahre hernach sein eilfter Sohn Mengku Timur geboren ward; +also in Allem neun Prinzen von Geblüte, nämlich: <i>Hulagu</i>, +seine Söhne <i>Abaka</i> und <i>Juschmut</i>, sein Bruder <i>Suntai</i>, sein +Stiefschwager <i>Buka Timur</i>, der Neffe <i>Tekuder</i>; die Vettern: +<i>Bulghai</i>, <i>Kuli</i> und <i>Kotar</i>. Des Bruders Kaan's Auftrag vom +Kurultai, auf welchem die Eroberung der Länder im Osten +und Westen durch Kubilai Chan und Hulagu Chan beschlossen +worden war, lautete an diesen: die Burgen der Assassinen zu +brechen; dem Chalifen das Joch der Unterthänigkeit aufzulegen; +in Allem sich mit der Frau Tokus Chatun zu berathen. +<span class='pagenum'><a name="Page_87" id="Page_87">[87]</a></span> +Die Heere, welche schon früher unter Baidschu Nujan und +Dschurmaghun nach Persien gesendet worden waren, wurden +nun dem Befehle Hulagu's untergeben; so auch die an der +indischen Gränze, erst von <i>Dür Nujan</i> und hernach vom +Tataren <i>Sali Nujan</i> gegen Kaschmir befehligten, welche +während des Feldzugs Hulagu's in Persien demselben den +Rücken decken sollten. Durch das ganze Reich ging der +Befehl, von jeden zehn Mann zwei für den Feldzug nach +Westen zu stellen; nach China wurden Eilboten gesendet, +um tausend Familien von Feuerwerkern und Naphthaschleuderern +aufzubieten; von Karakorum bis an die Ufer des Oxus +wurden alle Weiden für die Fütterung der Reiterei in Beschlag +genommen, alle Flüsse mit Brücken versehen und die Strassen +für das Heer gänge gemacht; überall sollte Mehl und Wein +als Mundvorrath in Bereitschaft seyn; Baidschu und Dschurmaghun +erhielten den Befehl, von Persien gegen Kleinasien +vorzurücken; den Vortrab bildete der Naimane <i>Keitbuka</i>, +vormals Bawerdschi, d. i. Tafeldecker, mit zwölftausend +Türken, welcher, bis die Rüstungen vollendet waren, den +Marsch nach Kuhistan antrat, um dasselbe indessen zu verheeren. +Nachdem die Rüstungen binnen Jahresfrist vollendet +waren, wurden zum Abschiede Feste veranstaltet, die begleitenden +Prinzen und Frauen mit Geschenken überhäuft, +im letzten Monde des Jahres sechshundert und ein und fünfzig +der Hidschret, d. i. im Februar des Jahres 1254, der Marsch +nach Persien angetreten; derselbe ging von der Residenz +Karakorum sieben Tage lang über das Schneegebirge des +Changai nach dem Flusse Hoen Murin, über den mit Ruderschiffen +gesetzt ward, einige Tagreisen später über den +<i>Arungu</i>, der in den See <i>Kisilbasch</i>, d. i. Rothkopf, fällt; +weiter hin waren Reisfelder und die Berge mit Lerchenbäumen +bewachsen. Im Norden der Stadt, welche der chinesische +über diesen Marsch abgestattete Bericht<a name="FNanchor_150" id="FNanchor_150"></a><a href="#Footnote_150" class="fnanchor">[150]</a> <i>Pfuhle</i> +nennt, liegt ein Berg, von welchem der Wind oft mit solcher +<span class='pagenum'><a name="Page_88" id="Page_88">[88]</a></span> +Heftigkeit herabstürzt, dass er Reisende in den See weht;<a name="FNanchor_151" id="FNanchor_151"></a><a href="#Footnote_151" class="fnanchor">[151]</a> +durch einen engen Pass, gleich einer fliegenden Brücke, öffnet +sich der Weg nach <i>Almaligh</i>, einer Stadt voll fliessender +Brunnen, und deren Einwohner Türken, vermischt mit Chinesen. +Hier kam ihm Frau Hirghana, die Gemahlin Kara Hulagu's, +des Sohnes Muwatukan's, des vor Bamians Mauern gefallenen +zweiten Sohnes Dschagatai's, bewillkommend entgegen und +bewirthete ihn mit Festen. Hirghana oder Hurkana war die +Enkelin Tschengischan's, aus der an den Uiraten Turaldschi +vermählten Tochter Dschidschegan, und folgte der Stiefschwester, +der Frau Oldschai, welche in der Begleitung +Hulagu's. Bei dem Eintritt in Turkistan kam ihm <i>Mesud</i>, +der Sohn von Jelwadsch, bewillkommend entgegen; während +des Sommers wurde dem Heere in Turkistan Rast gestattet +und in der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche vor Samarkand +auf der schönen Ebene von <i>Kjanigül</i>, d. i. die Fundgrube +der Rosen, gelagert.</p> + +<div class="sidenote">Das +goldene Zelt; +Arghun; +Uebergang +über den +Oxus.</div> + +<p>Hier ward das goldene Zelt aufgeschlagen, aussen und +innen von Gold gewirkt, mit goldenen Nägeln und goldenen +Stricken befestigt, und vierzig Tage lang gerastet und getrunken; +dieses Fest wurde jedoch durch den Tod des Prinzen +<i>Suntai</i>, des Bruders Hulagu's, getrübt. Hierauf wurde nach +der Stadt <i>Kesch</i><a name="FNanchor_152" id="FNanchor_152"></a><a href="#Footnote_152" class="fnanchor">[152]</a> vorgerückt, welche in der Folge als der +Geburtsort und die Grabstätte der Ahnen Timur's unter dem +Namen von <i>Schehr Sebs</i>, d. i. der grünen Stadt, berühmt; +diesen Namen dankt sie dem üppigen Grün, von zahlreichen +Flüssen, deren zwei die Stadt durchströmen<a name="FNanchor_153" id="FNanchor_153"></a><a href="#Footnote_153" class="fnanchor">[153]</a>, genährt. Die +Stadt besteht aus der Citadelle, der Stadt selbst, welche +vier Thore hat, und der Vorstadt<a name="FNanchor_154" id="FNanchor_154"></a><a href="#Footnote_154" class="fnanchor">[154]</a>; von fruchtbaren Gärten +<span class='pagenum'><a name="Page_89" id="Page_89">[89]</a></span> +umgeben, in welchen alle Arten von Korn und Gemüse gedeihen. +Hier kam der Fürst von Herat, <i>Schemseddin Mohammed +Kert</i>, der Gründer der seinen Namen führenden +und unter mongolischem Schutze seit Tschengischan aufsteigenden +Dynastie <i>Kert</i>, um den Steigbügel Hulagu's zu küssen +und von demselben seinen nicht mehr zu trennen; auch +Arghunaga, der mongolische Statthalter Chorasan's, mit allen +Grossen und Vornehmen des Landes, um sich dem Befehle +des Herrn zu stellen. Von Arghunaga und seinen Söhnen +wird in der Folge dieser Geschichte so oft die Rede sein, +dass Näheres über ihn zu sagen nöthig. Der Dschelaire <i>Iluke</i>, +dessen Vater <i>Kadan</i>, aus dem Gefolge Tschengischan's, hatte +seinen Sohn sammt dessen Truppen dem Dienste Ogotai's gewidmet, +bei dem er in der Folge als dessen Obersthofmeister +in hohem Ansehen stand. In einer grossen Hungersnoth verkaufte +ein armer Uirate, um nicht Hungers zu sterben, seinen +Sohn dem Emir Atabeg Iluke für ein Stück Fleisch, und als +sein Sohn Kadan in den Hofdienst<a name="FNanchor_155" id="FNanchor_155"></a><a href="#Footnote_155" class="fnanchor">[155]</a> Ogotai's trat, gab er +ihm den Sklaven als Diener mit. Dieser um ein Stück Fleisch +gekaufte Sklave war <i>Arghun</i>. Iluke's Bruder war der schon +mehr als einmal genannte <i>Iltschidai</i>, welcher vor des Bruders +Zorn, der ihn tödten wollte, bei Ogotai Zuflucht suchte und +fand, der hernach aus Dankbarkeit auf dem Kurultai nach +Gujuk's Tod die Rechte des Hauses Ogotai wider die Aufrührer +des Uluses Tuli mit so warmer Beredtsamkeit verfocht, +dann als Statthalter nach Persien gesandt ward, wo ihn die +Missionäre als <i>Ergutai</i> kennen, und der, nachdem sein Sohn +in die Verschwörung der Prinzen des Hauses Dschagatai und +Ogotai begriffen, nach des Sohnes Tode durch's Schwert +ebenfalls hingerichtet worden. <i>Arghun</i>, durch Verstand, Beredtsamkeit, +Tapferkeit und Geschäftskenntniss ausgezeichnet, +schwang sich bald so hoch, dass er nach Mengkukaan's Thronbesteigung +zum <i>Baskaken</i>, d. i. Statthalter, Chorasan's ernannt +ward. Vater zahlreicher Söhne<a name="FNanchor_156" id="FNanchor_156"></a><a href="#Footnote_156" class="fnanchor">[156]</a>, von denen <i>Newrus</i> +<span class='pagenum'><a name="Page_90" id="Page_90">[90]</a></span> +und <i>Legsi</i> in der Folge die Hand von Prinzessinnen, seine +Töchter die von Prinzen und Fürsten erhielten. Von der +Ebene von Kjanigül aus ergingen an alle Sultane und Könige +Vorderasiens Schreiben und Diplome, ihnen zu künden, dass +der Zweck des Feldzugs die vom Kaan befohlene Zerstörung +der gräuelvollen Macht der Assassinen, dass Hülfe und Bereitwilligkeit +im Dienste wider dieselben durch Länderzuwachs +ihren Lohn finden, gegentheilige Gesinnung den Verlust der +besessenen Länder nach sich ziehen werde. Einige der Fürsten +waren diesen Kündigungsschreiben durch Erscheinung in Person, +wie Schemseddin von Kert, zuvorgekommen, nämlich die +beiden Seldschuken Rum's, die Brüder <i>Iseddin</i> und <i>Rokneddin</i>, +d. i. die Ehre und die Säule der Religion, der Atabeg von +Fars, <i>Saad</i>, mehrere Fürsten des nördlichen Persiens aus +Arran, Schirwan, Aserbeidschan und Gurdschistan, welche +alle, Geschenke darbringend, huldigten. Nachdem die nöthigen +Schiffe und Nachen, um über den Oxus zu setzen, +herbeigeschafft worden, hatte der Uebergang über denselben +statt, durch welchen Persiens Loos, wie das Roms durch +den Uebergang über den Rubicon, entschieden ward; am +ersten Tage des letzten Mondes des 653sten Jahres der +Hidschret, d. i. am ersten Januar des Jahres 1256 unserer +Zeitrechnung.</p> + +<div class="sidenote">Winterquartier +zu Scheburghan; +die beiden +Dschuweini.</div> + +<p>Um den Uebergang über den Oxus in dankbarem Andenken +zu erhalten, hob Hulagu den bisher von allen Schiffen +genommenen Ueberfuhrszoll auf, was von damals an während +der ganzen mongolischen Herrschaft Gesetz blieb. Jenseits +des Oxus wurde auf Löwen gejagt und zehn derselben erlegt. +Am zehnten Tage nach dem Uebergange (am moslimischen +Opferfeste) <span class="xidenote">10. Januar 1256.</span> wurde südwestlich von Balch ausser der Stadt +<i>Scheburghan</i><a name="FNanchor_157" id="FNanchor_157"></a><a href="#Footnote_157" class="fnanchor">[157]</a> gelagert, deren District bei den morgenländischen +Geschichtschreibern unter dem Namen der Landschaft +<i>Dschusdschan</i> oder <i>Dschusdschanan</i> bekannt<a name="FNanchor_158" id="FNanchor_158"></a><a href="#Footnote_158" class="fnanchor">[158]</a>; die mit fliessendem +Wasser reichlich bewässerten Gärten sind vorzüglich +<span class='pagenum'><a name="Page_91" id="Page_91">[91]</a></span> +fruchtbar an Wassermelonen, welche getrocknet verführt +werden. Dem Heere ward verboten, die Stadt zu betreten; +ein heftiges Schneegestöber, das durch sieben Tage dauerte, +von grimmiger Kälte begleitet, war vieler Lastthiere Verderben. +Hulagu beschloss, hier den Rest des Winters abzuwarten. +Emir Arghun brachte ein prächtiges, mit goldenen +Nägeln und Stricken versehenes, goldenes Zelt zum Geschenke +dar, in welchem Hulagu auf goldenem Throne sass, eine +Vorbedeutung glücklicher Herrschaft, während um ihn die +Prinzen und Fürsten versammelt, die gegebenen Feste verherrlichten. +Nach aufgehobenen Festen begab sich Emir +Arghun an den Hof des Kaan's, um demselben Bericht zu +erstatten, liess aber für die Besorgung der Geschäfte seiner +statt seinen Sohn <i>Kerrai Melik</i> und <i>Alaeddin Athamülk +Dschuweini</i> als Staatssekretär zum Dienste Hulagu's zurück. +Alaeddin Athamülk und sein älterer Bruder Schemseddin +Mohammed Dschuweini sind ein leuchtendes Doppelgestirn +nicht nur der Wesirschaft, sondern auch der Literatur; dieselben +erscheinen so oft und wirksam in der Geschichte +Hulagu's und seines Nachfolgers Abaka, dass nähere Bekanntschaft +mit ihrer Herkunft und ihrem Wirken hier unabweislich. +Dschuwein ist die arabisirte Aussprache von <i>Kuwan</i><a name="FNanchor_159" id="FNanchor_159"></a><a href="#Footnote_159" class="fnanchor">[159]</a>, +einem Distrikte der Stadt <i>Nischabur</i> in Chorasan, +dessen Hauptort <i>Asadwar</i>, auch <i>Dschuwein</i> genannt, durch +das erlauchte Brüderpaar für immer in der Geschichte geadelt +worden. Sie waren die Söhne des Imams <i>Abdulmelik +Dschuweini</i>, aus einer seit langen Jahren durch hohe Staatsdienste +geehrten Familie. Als Sultan Mohammed Tekesch +nach Dschuwein zog, <span class="xidenote">I. J. 588/<br />1192</span> bewillkommte ihn Behaeddin, der Urgrossvater +Alaeddin's, mit einem Distichon, das er gnädig +aufnahm, und sein Enkel Behaeddin, der Vater Alaeddin's, +befand sich im Gefolge <i>Dschelaleddin Mankburni's</i>, als dieser +vor den Mongolen floh. <span class="xidenote">617/<br />1220</span> Dreizehn Jahre hernach floh Behaeddin +vor den vom mongolischen Emir Dschintimur zur +Dämpfung von Unruhen gesandten Truppen nach Tus, <span class="xidenote">630/<br />1232</span> und +<span class='pagenum'><a name="Page_92" id="Page_92">[92]</a></span> +Dschintimur ernannte ihn zum Herrn des Diwans in Chorasan +und Masenderan; <span class="xidenote">633/<br />1235</span> drei Jahre später sandte ihn Dschintimur +an Ogotai, der ihn ehrenvoll empfing und in seinem Amte +bestätigte; und als abermal drei Jahre später der Emir +Körgös, der Statthalter von Chorasan, an den Hof des Kaan's +sich zu vertheidigen ging, übertrug er in seiner Abwesenheit +die Statthalterschaft Chorasan's an Behaeddin; desgleichen +that der Nachfolger von Körgös, der Emir Arghun, bei seiner +ersten Reise in's Hoflager; bei seiner zweiten führte er ihn mit +sich; endlich starb er zu Issfahan, sechzig Jahre alt. Sein +Sohn Alaeddin, im Sterbjahre Tschengischan's geboren, kam +schon in früher Jugend in das Gedränge der Geschäfte des +Diwan's, und verschloss, wie er selbst reuig in seiner Geschichte +bekennt, das Ohr den heilsamen Ermahnungen des +Vaters, welcher ihm gerathen, sich den Wissenschaften zu +widmen. Später jedoch holte er das Versäumte durch Studien +nach, von denen seine Geschichte Tschengischan's, welche +den Titel <i>Dschihanguscha</i>, d. i. die Welteröffnende, führt<a name="FNanchor_160" id="FNanchor_160"></a><a href="#Footnote_160" class="fnanchor">[160]</a>, +die schönste und bleibende Frucht. In seinem siebzehnten +und achtzehnten Jahre begleitete er den Emir Arghun auf +dessen Reisen in's Hoflager und in seinem zwanzigsten zum +Kurultai der Thronbesteigung Mengkukaan's, an dem er sich +mehrere Jahre aufgehalten zu haben scheint, da dort die +Anforderung an ihn erging, die Geschichte Tschengischan's +zu schreiben, die er im sieben und zwanzigsten Jahre seines +Alters begann. Er spricht darin von seinen Reisen in Mawereinnehr, +Turkistan und an die chinesische Gränze und +beschreibt die in der Nähe Karakorums entdeckten Ruinen +der vormaligen Hauptstadt der Uighuren. Seit der Abreise +Arghun's von Schaburghan an den Hof des Kaan's versah +<i>Athamülk</i> bei Hulagu die wichtige Stelle des Staatssekretärs, +als Hulagu's unzertrennlicher Begleiter.</p> + +<div class="sidenote">Keitbuka +belagert die +Schlösser +der Assassinen.</div> + +<p>Keitbuka der Dschelaire war mit dem Vortrabe des +Heeres gleich nach dem Kurultai, auf welchem der Feldzug +nach Westen beschlossen worden, gegen Kuhistan aufgebrochen +<span class='pagenum'><a name="Page_93" id="Page_93">[93]</a></span> +und mit fünftausend Fussgängern in <i>Kuhistan</i>, d. i. +im Gebirgslande der Assassinen, an den Fuss des Schlosses +<i>Girdkjuh</i>, d. i. Kreisberg, einer ihrer beträchtlichsten Festen, +gelangt. <i>Girdkjuh</i>, auch <i>Derikunbed</i>, d. i. das Gewölbthor, +genannt, liegt drei Farasangen von Demghan in der Landschaft +Kumis in der Nähe von Manssurabad oder Manssurije<a name="FNanchor_161" id="FNanchor_161"></a><a href="#Footnote_161" class="fnanchor">[161]</a>. +Die Belagerungsweise war eine neue, vordem und seitdem +unerhörte, ächt mongolische oder chinesische; rund um das +Schloss wurde ein Graben gezogen, hinter demselben eine +Mauer aufgeführt, hinter der Mauer stand das Heer und +hinter demselben abermal eine hohe Mauer aufgebaut, damit +es so von vornen als hinten wider Ueberfälle geschützt und +auf allen Seiten der Weg zur Feldflucht gesperrt sei<a name="FNanchor_162" id="FNanchor_162"></a><a href="#Footnote_162" class="fnanchor">[162]</a>; so +war das Bergschloss von einem dreifachen Kreise, dem des +Heeres und der beiden Mauern, umzüngelt, und verdiente +im eigentlichsten Sinne den Namen <i>Kreisberg</i>. Da das Schloss +festhielt, zog er mit Truppenabtheilungen nach den anderen +Schlössern, von denen die Geschichte dieses Feldzugs ein +Dutzend nennt, von denen nicht nur bisher auf den bessten +Karten keine Spur, sondern deren Namen sogar in den bessten +geographischen Werken des Morgenlandes über Persien, in +den arabischen Abulfeda's<a name="FNanchor_163" id="FNanchor_163"></a><a href="#Footnote_163" class="fnanchor">[163]</a>, dem persischen Hamdallah Mestufi's<a name="FNanchor_164" id="FNanchor_164"></a><a href="#Footnote_164" class="fnanchor">[164]</a> +und im türkischen Hadschi<a name="FNanchor_165" id="FNanchor_165"></a><a href="#Footnote_165" class="fnanchor">[165]</a> Chalfa's, der aus beiden +geschöpft, fehlen. So zog er belagernd vor die Schlösser +<i>Mehrin</i>, vor dem er Wurfmaschinen aufstellte, <i>Schahdis</i>, wo +er einen Haufen von Feinden tödtete und zurückkehrte bis +<i>Tarim</i> und <i>Rudbar</i>, die er verwüstete, an den Fuss von Manssurije +und Ohlomischin, wo durch achtzehn Tage gekämpfet +ward; die von <i>Schirkjuh</i> machten indessen einen nächtlichen +Ueberfall, in welchem sie den Belagerungswall verheerten<a name="FNanchor_166" id="FNanchor_166"></a><a href="#Footnote_166" class="fnanchor">[166]</a>. +<span class='pagenum'><a name="Page_94" id="Page_94">[94]</a></span> +Die beiden Schlösser <i>Schir</i> und <i>Sirkjuh</i><a name="FNanchor_167" id="FNanchor_167"></a><a href="#Footnote_167" class="fnanchor">[167]</a> wurden berennt, +<i>Mehrin</i> genommen; die Besatzung von <i>Girdkjuh</i> hatte indessen +an Alaeddin Mohammed, den Grossmeister, Wort gesandt, +dass trotz der tapferen Vertheidigung sie sich würden bald +ergeben müssen; <span class="xidenote">Schaaban 651/<br />Nov. 1255</span> da sandte der Grossmeister zwei seiner +Hauptleute<a name="FNanchor_168" id="FNanchor_168"></a><a href="#Footnote_168" class="fnanchor">[168]</a> mit hundert zehn Tapferen, jeden mit drei +<i>Menn</i> Henna und drei Menn Salz, an welchem das Schloss +Mangel litt; das Henna nicht zum gewöhnlichen Gebrauche +der Bartfärbung oder Nägelschminke, sondern als Mittel wider +die grassirende Pest; denn man hatte bei der Hochzeit der +Tochter eines Emirs die Erfahrung gemacht, dass alle, welche +(ob Wassermangels) von dem Wasser, worin das Henna aufgelöset +worden, getrunken, von der Pest frei geblieben waren. +Indessen ward Alaeddin der Grossmeister, dessen Vater und +Nachfolger vor Einem Jahre<a name="FNanchor_169" id="FNanchor_169"></a><a href="#Footnote_169" class="fnanchor">[169]</a> durch die nächsten Verwandten +vergiftet worden, durch den Meuchler Hasan von Masenderan +und hierauf der Mörder selbst auf Befehl Chorschah's, des +Sohnes und Nachfolgers Alaeddin's, getödtet. <span class="xidenote">letzten Schaaban 653/<br />Dec. 1255</span> Der Vatermord +rächte den Vettermord; der Meuchler ward gemeuchelt. +Alaeddin war als zehnjähriger Knabe auf den Herrscherstuhl +gesetzt worden, den er durch vier und dreissig Jahre mit +Blut und Gräueln aller Art befleckte. Hasan aus Masenderan +hatte ihm, bis sein Bart grau zu werden anfing, zum Lotterbuben +gedient, dann hatte er ihm eine seiner Sklavinnen +geschenkt; da er aber nichtsdestoweniger den Mann und das +Weib in beider Gegenwart, diese an jenes statt, jenen als +diese, zu misbrauchen fortfuhr, ergrimmte Hasan über so +schändlichen Misbrauch des Herrschergelüstes und schwur +ihm den Tod; er theilte sein blutiges Vorhaben jedoch dem +mit dem Vater stets entzweiten Sohne mit, und als dieser +dazu schwieg, führte er, unter vorausgesetzter stillschweigender +Beistimmung, das Werk der Rache aus. Der Dichter +<span class='pagenum'><a name="Page_95" id="Page_95">[95]</a></span> +Schemseddin Ejub Tausi verfertigte auf den Tod Alaeddin's +ein Gedicht, woraus die Verse:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Der Todesengel trug ihn zu der Hölle Strafen,<br /></span> +<span class="i0">Um in geschmolznem Pech den Rausch dort auszuschlafen;<br /></span> +<span class="i0">Entgegen kamen ihm der Hölle Feuerschenken,<br /></span> +<span class="i0">Um als Gefährten ihn mit Gluthenschwall zu tränken.<br /></span> +</div></div> + +<div class="sidenote">Die Städte +Tun und Tus.</div> + +<p>Hulagu sandte den Herrn von Herat, Schemseddin Kert, +an den Gebietiger<a name="FNanchor_170" id="FNanchor_170"></a><a href="#Footnote_170" class="fnanchor">[170]</a> des Schlosses <i>Sertacht</i>, an Nassireddin, +dessen Name durch den grossen Astronomen Nassireddin von +Tus, welcher seine demselben gewidmete berühmte Ethik +nach dessen Namen die <i>Nassirische Moral</i><a name="FNanchor_171" id="FNanchor_171"></a><a href="#Footnote_171" class="fnanchor">[171]</a> betitelte, rühmlich +fortlebt. Der Gebietiger übergab das Schloss und kam mit +Melik Kert zur Huldigung Hulagu's. Dieser fragte ihn: warum +er nicht auch die Bewohner des Schlosses mit sich geführt? +Nassir entgegnete, dass diese dem Grossmeister Chorschah +und nicht ihm gehorchten. Hulagu liess ihm Diplom und +das Ehrenzeichen des Löwenkopfs geben und sandte ihn als +Befehlshaber nach Tun. <i>Tun</i>, eine der vorzüglichsten Städte +Kuhistan's, zwei Tagreisen südlich von Meschhed auf der +Strasse von Kerman, nicht ferne von <i>Kain</i><a name="FNanchor_172" id="FNanchor_172"></a><a href="#Footnote_172" class="fnanchor">[172]</a>, zeichnet sich +durch besondere Anlage der Häuser und Gärten aus, indem +das Schloss mit tiefem Graben, ausser welchem der Markt +und die Häuser mit Gärten und diese von Saatfeldern und +die Felder mit Mauern umgeben, das Ganze mit unterirdischen +Wasserleitungen und mit Gruben durchschnitten, in +welchen Wassermelonen trefflich gedeihen<a name="FNanchor_173" id="FNanchor_173"></a><a href="#Footnote_173" class="fnanchor">[173]</a>. Hulagu, nach +<i>Sawa</i> und <i>Chawwaf</i><a name="FNanchor_174" id="FNanchor_174"></a><a href="#Footnote_174" class="fnanchor">[174]</a> vorgerückt, erlitt einigen Verlust; +<i>Kuli Ilkai</i> und <i>Keitbuka</i><a name="FNanchor_175" id="FNanchor_175"></a><a href="#Footnote_175" class="fnanchor">[175]</a> wurden weiter an die Gränze von +Kuhistan vorausgesandt, wo sie einigen Widerstand fanden, +aber binnen einer Woche denselben besiegten, und dann vor +Tun die Wurfmaschinen aufpflanzten; in zwölf Tagen war +<span class='pagenum'><a name="Page_96" id="Page_96">[96]</a></span> +die Stadt erobert, <span class="xidenote">7. Rebiulachir 654/<br />5. Mai 1256</span> und sie kehrten sogleich zu Hulagu zurück, +der sich zu Tus befand. Tus, eine der ältesten Städte +Chorasan's, schon im Beginne des neunten Jahrhunderts der +christlichen Zeitrechnung<a name="FNanchor_176" id="FNanchor_176"></a><a href="#Footnote_176" class="fnanchor">[176]</a> durch die Grabstätte des Chalifen +Harun Reschid<a name="FNanchor_177" id="FNanchor_177"></a><a href="#Footnote_177" class="fnanchor">[177]</a> nur um neun Jahre später durch die +Ali Ben Musa Risa's des achten Imam's, zwei Jahrhunderte +hernach durch die des grössten persischen ethischen Dichters +<i>Firdewsi</i><a name="FNanchor_178" id="FNanchor_178"></a><a href="#Footnote_178" class="fnanchor">[178]</a>, als der Geburtsort <i>Ghasali's</i> des grossen Philosophen, +<i>Nassireddin's</i> des grossen Astronomen und <i>Hamdallah +Mestufi's</i> des grossen Geographen und Geschichtschreibers, +verherrlicht. Dieser belehrt uns, dass die Stadt schon von +Dschemschid gebaut, nach ihrer Verwüstung von Tus, dem +Sohne <i>Nuser's</i>, wieder aufgebaut, von ihm den Namen erhalten; +dass das Grabmal Ali Musas, vier Farasangen von +Tus im Dorfe des Distrikts <i>Sebanabad</i><a name="FNanchor_179" id="FNanchor_179"></a><a href="#Footnote_179" class="fnanchor">[179]</a>, der um dasselbe +angebauten Stadt den heutigen Namen <i>Meschhed</i> gegeben; +folglich sind die Ruinen des alten Tus vier Farasangen vom +heutigen Meschhed, das schon mehrere Reisende besucht, +keiner so umständlich beschrieben, als Fraser<a name="FNanchor_180" id="FNanchor_180"></a><a href="#Footnote_180" class="fnanchor">[180]</a>. Meschhed, +der Geburtsort und die Grabstätte so vieler der grössten +Lichter Persiens, ist heute, was ehemals Bochara war, der +Sammelplatz der Gelehrten; von einigen und zwanzig Tausend +Einwohnern der Stadt sind die zahlreichsten die Imame, +Molla, Muderrise (Professoren) und Danischmende (Studenten), +welche den verschiedenen Moscheen, Medreseen, +Grabstätten und Domen angehören. Das Innere einer Medrese +gleicht einem Karawanserai, nur mit Abwesenheit der Stallgewölbe; +dem Eingange in die Mitte der Nord- oder Nordostseite +steht in der Mitte der Süd- oder Südostseite eine +gewölbte Nische entgegen, welche die Kibla vorstellt und +wohin sich alle Gesichter beim Gebete wenden; in der Mitte +der beiden Seitenwände sind Balcone, von Säulen getragen, +für die Wohnungen der höheren Molla, in der Mitte des +Hofes ein kleiner Garten und im Mittelpunkte desselben ein +<span class='pagenum'><a name="Page_97" id="Page_97">[97]</a></span> +Wasserbecken. Die grosse Moschee von Meschhed, welche +das Grab Ali Risa's umschliesst, ist hundert fünf und sechzig +Klafter lang und fünf und zwanzig breit, in der Art eines +Karawanserai, mit zwei Stock hohen, rings herum laufenden +Gemächern gebaut, im Mittel und an den Ecken jeder Seite +hochgewölbte Thore, das Ganze mit glasirten vielfarbigen +Ziegeln auf das Geschmackvollste bekleidet; dieser herrliche +Hof heisst <i>Ssahn</i>, d. i. das Feld, wie der Vorhof der grossen +Moscheen zu Konstantinopel, wesshalb die dort an der +Moschee Mohammed's II. angestellten Professoren der acht +Medreseen die Achter vom Felde genannt werden. Der +Dom des Mausoleums, mit goldenen Ziegeln bedeckt, rings +herum mit goldenen Inschriften in lazurblauem Felde geschmückt, +die Schafte der beiden Minarete reich vergoldet +und oben mit zierlich geschnitzten hölzernen Gallerien gekrönt. +Von diesen herrlichen, erst unter der Dynastie der +Ssefi errichteten Gebäuden bestand noch Nichts zur Zeit +Hulagu's, wohl aber waren die Grabstätten der grossen +Chalifen Imam's und Dichter ein Gegenstand der Verehrung +der Wallfahrter; noch sind die Mauern von Tus mit ihren +Thürmen aus Lehmen sichtbar und ausser den obgenannten +Grabmälern grosser Männer wird noch das Grab Burk Eswed's +besucht, welcher nach der Volkssage ein Neger, Freund +des Herrn Jesus gewesen, nach dessen Tode hierher geflohen, +hier gestorben und bestattet worden sein soll.<a name="FNanchor_181" id="FNanchor_181"></a><a href="#Footnote_181" class="fnanchor">[181]</a></p> + +<div class="sidenote">Tus, Bostam, +Aufforderung +an +Chuarschah.</div> + +<p>Hulagu stieg zu Tus im Garten Arghun's im goldenen +Zelte ab, welches dieser auf ausdrücklichen Befehl des +Kaan's für Hulagu nach dem Muster der grossen goldenen +Zelte des Kaan's bereitet hatte; von da begab er sich nach +dem Garten Manssurije, welchen Arghun von seiner Verwüstung +wieder hergestellt. Hier brachten die Frauen +Arghun's und Iseddin Tahir's Proviant dar<a name="FNanchor_182" id="FNanchor_182"></a><a href="#Footnote_182" class="fnanchor">[182]</a>; den nächsten +Tag begab sich Hulagu nach der Ebene von <i>Radgjan</i>, wohin +von <i>Merw</i>, <i>Jesrud</i> und <i>Dehistan</i> Wein und Lebensmittel im +<span class='pagenum'><a name="Page_98" id="Page_98">[98]</a></span> +Ueberflusse zugeführt worden; hierauf nach dem seit der +Ankunft der Mongolen verwüsteten Flecken Chabuschan<a name="FNanchor_183" id="FNanchor_183"></a><a href="#Footnote_183" class="fnanchor">[183]</a>. +Hulagu befahl, denselben wieder herzustellen, liess Kanäle +graben, eine Fabrik bauen und neben der Moschee einen +Garten anlegen; den Emiren wurde befohlen, dort Häuser +zu bauen, und dem Wesir <i>Seifeddin</i> die Leitung und Oberaufsicht +des Baues aufgetragen. Die drei Gesandte<a name="FNanchor_184" id="FNanchor_184"></a><a href="#Footnote_184" class="fnanchor">[184]</a>, welche +an Chuarschah, den Grossmeister der Assassinen, abgesandt +worden, <span class="xidenote">29. Deschem. I. 654/<br />24. Juli 1256</span> kamen unverrichteter Dinge zurück, und es ward +daher sogleich der Befehl zur Verheerung des Landes gegeben. <span class="xidenote">10. Schaaban/<br />2. Sept.</span> +Acht Tage hierauf stand das Lager zu Bestam, der +östlichsten der drei Hauptstädte der Landschaft Kumis (die +beiden anderen sind Demghan und Semnan). Bestam, eine +alte, schon in der Hälfte des dritten Jahrhunderts der +Hidschret durch Erdbeben verwüstete Stadt<a name="FNanchor_185" id="FNanchor_185"></a><a href="#Footnote_185" class="fnanchor">[185]</a>, dankt ihren +Ruhm vorzüglich der Grabstätte des zwanzig Jahre hernach<a name="FNanchor_186" id="FNanchor_186"></a><a href="#Footnote_186" class="fnanchor">[186]</a> +gestorbenen grossen mystischen Scheichs Bestami<a name="FNanchor_187" id="FNanchor_187"></a><a href="#Footnote_187" class="fnanchor">[187]</a>, dem +Stifter des nach ihm genannten Ordens der Derwische Bestami; +später ward dieselbe noch als die Geburtsstadt zweier +anderer grossen Gelehrten verherrlicht, der eine Abderrahman +Ben Mohammed Bestami, der in der Hälfte des +fünfzehnten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung, Verfasser +von vierzig Werken, starb<a name="FNanchor_188" id="FNanchor_188"></a><a href="#Footnote_188" class="fnanchor">[188]</a>, und Ali Ben Medschdeddin +Bestami<a name="FNanchor_189" id="FNanchor_189"></a><a href="#Footnote_189" class="fnanchor">[189]</a>, welcher, berühmt unter dem Namen +<i>Mussannifek</i>, d. i. der kleine Compositor, sich in der osmanischen +Geschichte keinen minderen Namen durch seine +zwanzig Werke, als durch seinen Fanatismus erworben, +welcher ihn dazu antrieb, an dem gefangenen letzten König +von Bosnien selbst das Amt des Henkers zu vollstrecken<a name="FNanchor_190" id="FNanchor_190"></a><a href="#Footnote_190" class="fnanchor">[190]</a>. +Von Bestam aus sandte Hulagu abermal zwei Gesandte<a name="FNanchor_191" id="FNanchor_191"></a><a href="#Footnote_191" class="fnanchor">[191]</a> +<span class='pagenum'><a name="Page_99" id="Page_99">[99]</a></span> +an den Grossmeister der Assassinen mit Drohungen und Verheissungen. +Bei demselben befand sich der grosse Astronom +Nassireddin mit zwei berühmten Aerzten<a name="FNanchor_192" id="FNanchor_192"></a><a href="#Footnote_192" class="fnanchor">[192]</a>, welcher, in die +Macht der Assassinen gefallen, eine Zeit lang bei Nassir, +dem Gebietiger von Sertacht, verweilet, jetzt der Arzt und +Rath des neuen Fürsten der Assassinen. Nassireddin beschloss +mit seinen Collegen, dem Gräuel der Assassinenherrschaft +ein Ende zu machen, indem sie zum freundlichen +Empfange des Botschafters Hulagu's riethen. Chuarschah befolgte +ihren Rath und sandte mit den freundlich empfangenen +Botschaftern Hulagu's seinen Bruder Schehinschah und den +Chodscha Assileddin von Susen<a name="FNanchor_193" id="FNanchor_193"></a><a href="#Footnote_193" class="fnanchor">[193]</a>, um seine Unterwerfung +dem Hulagu darzubringen. Hulagu empfing sie freundlich +und sandte abermals vier Botschafter<a name="FNanchor_194" id="FNanchor_194"></a><a href="#Footnote_194" class="fnanchor">[194]</a> mit dem Begehren, +dass, wenn die Unterwerfung aufrichtig, Chuarschah die +Schlösser brechen und selbst am Hofe des Chan's erscheinen +möge. Chuarschah antwortete: wenn mein Vater widerspenstig +war, will ich unterwürfig sein; er fing an, an einigen +Schlössern, wie <i>Meimundis</i>, <i>Lemsir</i> und <i>Alamut</i>, Zinnen, +Thore und Mauern abbrechen zu lassen, begehrte aber die +Frist eines Jahres bis zu deren gänzlichen Uebergabe. Die +Frist nicht gewährend, bot Hulagu seine Heere auf und zog +von Bestam aus wider die Schlösser; der rechte, von Köke +Ilka und Tukatimur befehligte Flügel zog auf der Strasse von +Masenderan, der linke, unter dem Befehle des Prinzen +Tekuder Aghul<a name="FNanchor_195" id="FNanchor_195"></a><a href="#Footnote_195" class="fnanchor">[195]</a> und Keitbuka Nujan's, auf der Strasse +von Chuar und Semnan; Hulagu, im Mittelpunkte mit einem +Toman, d. i. mit zehntausend Wackeren, zog gegen <i>Firuskjuh</i>, +d. i. den Glücksberg, auf welchem heute die Ruinen des +Schlosses der Assassinen für eine Windmühle und ein Bad +aus der Zeit Alexander's des Grossen gelten<a name="FNanchor_196" id="FNanchor_196"></a><a href="#Footnote_196" class="fnanchor">[196]</a>. Er sandte +abermals Aufforderung an Chuarschah, sich unmittelbar zu +<span class='pagenum'><a name="Page_100" id="Page_100">[100]</a></span> +ergeben. Als die Fahnen der Mongolen bereits vor Firuskjuh<a name="FNanchor_197" id="FNanchor_197"></a><a href="#Footnote_197" class="fnanchor">[197]</a>, +kamen die Gesandten und mit ihnen der Wesir +und traute Gesellschafter Chuarschah's Keikobad zurück. +Er bat im Namen seines Herrn noch einmal um Frist eines +Jahres bis zum gänzlichen Auszuge und um die Schonung +Lemsir's und Alamut's, der ältesten Burgen ihrer Herrschaft; +er sandte Kabinetsbefehle an die Gebietiger von <i>Girdkjuh</i> +und <i>Kuhistan</i>, sich sogleich zu unterwerfen, und hoffte so +den Sturm zu beschwören.</p> + +<div class="sidenote">Demawend, +Fall von +Meimundis.</div> + +<p>Die Fahnen Hulagu's flatterten nun zu Demawend, einer +der ältesten Städte Iran's, am Fusse des gleichnamigen Berges +gelegen, der ein vulkanischer, durch Erdbeben und Rauch +Verwüstungen anrichtet und androht. Hier residirte der +Tyrann Sohak, dessen Karbunkel auf der Achsel, wo ihn +der Satan geküsst, nach der Volkssage nur durch das Gehirn +zweier täglich geschlachteter Menschen gelindert werden +konnte. Von dieser Tyrannei befreite sein Volk der Schmied +Gjawe, dessen Schurzfell, an einen Spiess gestekt, die +Fahne, unter welcher sich die Völker zum Sturze des Tyrannen +sammelten, vor dessen Grimm sich die Schlachtopfer +seiner Regierung bis in's Gebirge von Kurdistan geflüchtet +hatten, und der endlich selbst in's Gebirge von Demawend +verbannt ward. Alljährlich am 31. August wird, unabhängig +vom moslimischen Kalender, das Befreiungsfest von der Regierung +Sohak's zu Demawend gefeiert. Die Bewohner der +Umgegend sammeln sich, auf Pferden, Mäulern, Eseln beritten, +und ziehen unter lautem Geschrei durch das Feld<a name="FNanchor_198" id="FNanchor_198"></a><a href="#Footnote_198" class="fnanchor">[198]</a>, +jubelnd, dass ihre Väter dem Halloh der Tyrannei entflohen, +welche noch so schwer auf ihnen selbst lastet; Nachts werden +Feuer auf den Terrassen der Häuser angezündet und +die Stadt beleuchtet, Freudenfeuer über die Erlösung von +dem Drucke Sohak's, durch welchen die Seufzer der Unterdrückten +wie Flammen zum Himmel emporstiegen. Dieses +<span class='pagenum'><a name="Page_101" id="Page_101">[101]</a></span> +Fest heisst das Fest der Kurden, auf denen Sohak's Tyrannei +vorzüglich lastete. Demawend soll schon von Siamek, +dem Sohne des Keiomer's, des zweiten Herrschers der +Pischdadier, gebaut worden und von Tahmuras Diwbend, +d. i. dem Diwbändiger, sollen die Diwe in den Demawend +gebannt worden sein, wo sich ihr Daseyn noch durch Rauch +und Erdbeben kund gibt. Von hier sandte Hulagu den +<i>Schemseddin Kilegi</i> nach Girdkjuh (dem <i>Tigado Haithon's</i>), +um den Befehlshaber zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und +einen anderen Gesandten an Chuarschah, um diesen zu +bringen. Hulagu erwartete den Erfolg dieser Botschaften +zu Abbasabad<a name="FNanchor_199" id="FNanchor_199"></a><a href="#Footnote_199" class="fnanchor">[199]</a>, in der Nähe von Rei, der alten Hauptstadt +des persischen Irak. Chuarschah sandte seinen Sohn, +einen achtjährigen Knaben, <span class="xidenote">17. Ramasan 654/<br />8. Oct. 1256</span> welchen ihm aber Hulagu mit +der Botschaft zurücksandte, dass, wenn er selbst nicht kommen +könne, er einen anderen Bruder statt Schehinschah's senden +möge. Chuarschah sandte seinen Bruder Schiranschah und +den Chodscha Assileddin mit dreihundert Mann, um seine +Huldigung darzubringen. <span class="xidenote">1. Schewwal 654/<br />26. Oct.</span> Nach vier Tagen wurden sie mit +einem Diplome zurückgesendet, welches dem Chuarschah, +da er Nichts verbrochen, die Gnade des Kaan's versicherte, +wenn er seine Schlösser ausliefern wollte; zugleich erhielt +das Heer den Befehl, von allen Seiten aufzubrechen. Köke +Ilka und Tukatimur nahten sich von der Seite von Ispidar; +Chuarschah fragte: warum sie kämen, da er zur Unterwerfung +bereit; sie antworteten: es sei die Heeresstrasse, auf +der sie nach Fütterung auszögen. Hulagu hatte sich indess +gegen <i>Thalkan</i><a name="FNanchor_200" id="FNanchor_200"></a><a href="#Footnote_200" class="fnanchor">[200]</a> gewendet, <span class="xidenote">10. Scheww./<br />31. October</span> einer Stadt der Landschaft +<i>Tocharistan</i>, nach welcher die Mongolen von den Byzantinern +den Namen <i>Tocharen</i> erhielten, der noch in dem der +Mongolen <i>Tsacharen</i> fortlebt. Ohne einen eingefallenen +Regenstrom wäre Chuarschah schon diesen Abend am Fusse +seines Schlosses gefangen worden; acht Tage hernach, <span class="xidenote">19. Scheww./<br />8. November</span> als +sich das Wetter aufgeheitert, ward Kriegsrath gehalten, ob +<span class='pagenum'><a name="Page_102" id="Page_102">[102]</a></span> +die Belagerung des Schlosses noch bei so weit vorgerückter +Jahreszeit zu unternehmen, oder auf's nächste Jahr zu verschieben +sei; der Wesir Seifeddin, die Generale Keitbuka +und Bukatimur stimmten für die Belagerung. Hulagu sandte +abermals Botschaft, halb drohend, halb versöhnend, einen +letzten Termin von fünf Tagen zur Uebergabe bestimmend. +Chuarschah verlor den Kopf und sandte seinen gelehrten +Arzt und Rathgeber Nassireddin von Tus mit seinem Bruder +Iranschah und seinem Sohne Turkia mit vielen Geschenken, +seine Unterwürfigkeit darzubringen; drei Tage hernach, +Sonntags den 19. November, <span class="xidenote">19. Nov. 1256</span> kam Chuarschah selbst, um +den Fuss des Kaan's zu küssen; er kleidete seine Unterwerfung +in die folgenden beiden, von ihm selbst verfertigten +Distichen ein:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">O Schah, ich komm' an deinen Hof, gewarnt,<br /></span> +<span class="i0">Bereuend Schuld, die mich bisher umgarnt.<br /></span> +<span class="i0">Dein Glück hat diesen Lauf für mich genommen,<br /></span> +<span class="i0">Wie wär' ich sonst, wozu wär' ich gekommen!<br /></span> +</div></div> + +<p>Hulagu sah, dass er einen unerfahrenen Jüngling vor sich +hatte; er schmeichelte ihm mit Verheissungen und bewog +ihn, alle Burgen seiner Vorfahren, deren Zahl auf hundert +stieg, zu brechen, nur <i>Girdkjuh</i> und <i>Lemsir</i>, in welchen +sich die Besatzungen noch festhielten, ausgenommen; die zu +<i>Meimundis</i><a name="FNanchor_201" id="FNanchor_201"></a><a href="#Footnote_201" class="fnanchor">[201]</a> aufgespeicherten Schätze wurden ausgeliefert +und unter die Emire des Heeres vertheilt. Hulagu zog vor +<i>Alamut</i>, d. i. das Adlernest, den Hauptsitz des Grossmeisters +der Assassinen, von wo unter dem Gründer Hasan +Ssabbah die Macht des Ordens wie ein Adler aufflog. Der +Befehlshaber ergab sich, nachdem er ein Paar Tage Widerstand +geleistet. <span class="xidenote">26. Silhidsche 654/<br />15. December</span> Die Mongolen drangen ein, zerbrachen die +Wurfmaschinen und gaben den Einwohnern drei Tage Frist +zum Abzuge.</p> + +<div class="sidenote">Schlösser +der +Assassinen.</div> + +<p>Nach Abzug der Besatzung, nach Vertheilung der Beute, +sandte Hulagu seinen gelehrten Staatssekretär Athamülk +<span class='pagenum'><a name="Page_103" id="Page_103">[103]</a></span> +Dschuweini in's Schloss von Alamut, um die Archive und +die Bibliothek zu durchsuchen. Die Korane und einige andere +kostbare Werke wurden bei Seite gelegt, darunter eines, +welches den Titel: <i>Begebenheiten unsers Herrn und Meisters</i><a name="FNanchor_202" id="FNanchor_202"></a><a href="#Footnote_202" class="fnanchor">[202]</a> +führte und das Leben Hasan Ssabbah, des Gründers +des Ordens, enthielt, woraus Athamülk in seiner <i>Welteröffnenden +Geschichte</i> die verlässlichsten Nachrichten über denselben +gegeben; alle anderen Werke philosophischen und +freigeisterischen Inhalts über die Lehre der Ismaili wurden +den Flammen übergeben. Ob er dieses Autodafe der Bücher +auf Hulagu's Befehl oder aus eigenem Antriebe veranstaltet, +ob, wenn dieser Brand blos sein Werk gewesen, ihn dazu +nur der Feuereifer rechtgläubigen Islams, oder, wie ihn +spätere Geschichtschreiber dessen beschuldigen, verdammenswerthe +engherzige Habgier ausschliesslicher Gelehrsamkeit +bewogen, ist heute zu entscheiden unmöglich. Er +soll nämlich blos die historischen Werke, die er benutzen +wollte, gerettet und auch diese hernach den Flammen preisgegeben +haben, um die Gelehrsamkeit als Geschichtschreiber +zu monopolisiren. Eine ähnliche Anklage lastet auch auf +dem Andenken des grossen Astronomen Nassireddin und des +grossen Arztes Ibn Sina<a name="FNanchor_203" id="FNanchor_203"></a><a href="#Footnote_203" class="fnanchor">[203]</a>. In welchem Gelehrtenkopf immer +solche Barbarei Eingang gefunden haben mag, so ist dieselbe +doch vom einseitigen Mathematiker und Arzte oder +Philosophen begreiflicher, als vom Geschichtschreiber, +welcher, wenn er seine Quellen, statt dieselben anzuführen, +vernichtet, mit denselben seine Glaubwürdigkeit zerstört. +Zur Ehre des grossen Geschichtschreibers, Astronomen und +Arztes, welche so ausschweifender und ausschliesslicher +Ruhmsucht bezüchtiget werden, wollen wir glauben, dass +der Gedanke davon nicht in ihrem vielumfassenden Geiste, +sondern in dem engeren ihrer Ankläger Platz greifen konnte. +<span class='pagenum'><a name="Page_104" id="Page_104">[104]</a></span> +<i>Alamut</i>, d. i. das Adler- oder Geyernest, auf einem hohen +steilen Hügel, nordöstlich von Kaswin gelegen, bietet noch +heute in seinen Ruinen eine lange Reihe durch Mauern +mit einander verbundener Thürme dar, welche auch dem, +der sie, wie Ker Porter, der Maler des persischen Alterthums, +nur von ferne gesehen, als unbezwingbar ins Auge +springen.<a name="FNanchor_204" id="FNanchor_204"></a><a href="#Footnote_204" class="fnanchor">[204]</a> Der ganze Gebirgsdistrikt zwischen Dilem und +Irak, durch dessen Schluchten der Fluss <i>Schahrud</i>, d. i. +der Königsfluss, sich mühsam den Weg bahnt, heisst <i>Rudbar</i>, +d. i. das Flussland, und zwar das von Alamut zum Unterschiede +vom südlichen, von Lur, in Issfahan's Nähe, welches +der <i>Sendrud</i>, d. i. der lebendige Fluss, durchströmt. Hasan +Ssabbah hatte sich Alamut's halb mit Gewalt, halb mit List +bemächtigt, <span class="xidenote">483/<br />1090</span> dann sich vom seldschukischen Sultan <i>Berkjarok</i> +das in der Nähe von Damaghan gelegene Schloss Girdkjuh +erbeten, und zwölf Jahre nach der Besitznahme von Alamut +das im selben Thalwege gelegene feste Schloss von <i>Lembeser</i><a name="FNanchor_205" id="FNanchor_205"></a><a href="#Footnote_205" class="fnanchor">[205]</a>. +Nebst Alamut, d. i. dem Geyerneste, <i>Girdkjuh</i>, +d. i. dem Gürtelberg, und <i>Lembeser</i>, d. i. <i>Ruh' im Kopf</i>, +waren die festesten Schlösser der Assassinen (nach den +Citadellen der Städte <i>Tun</i> und <i>Kain</i>) in Kuhistan: das von +<i>Meimundis</i>, d. i. die glückliche Feste, aus welcher der letzte +Grossmeister abzog, und <i>Muminabad</i>, d. i. der <i>Bau der +Gläubigen</i>, welches seinen Namen und seine Befestigung +vermuthlich dem vorvorletzten Grossmeister, welcher den +Beinamen des <i>neuen Musulman</i> führte, dankt, dessen Name +in der heutigen Verstümmelung von <i>Meiomend</i><a name="FNanchor_206" id="FNanchor_206"></a><a href="#Footnote_206" class="fnanchor">[206]</a> kaum zu +erkennen, und dessen ausserordentliche Festigkeit die Geographie +Hamdallah's anrühmt<a name="FNanchor_207" id="FNanchor_207"></a><a href="#Footnote_207" class="fnanchor">[207]</a>; so auch die des am Berge +<i>Demawend</i> gelegenen <i>Firuskjuh</i>, d. i. Glücksberg, und das +Schloss <i>Dschenabdar</i> oder <i>Kebajed</i>, welches aber nicht erst +<span class='pagenum'><a name="Page_105" id="Page_105">[105]</a></span> +von den Assassinen, sondern vom Sohne des altpersischen +Helden <i>Guders</i> befestigt worden sein soll.<a name="FNanchor_208" id="FNanchor_208"></a><a href="#Footnote_208" class="fnanchor">[208]</a></p> + +<div class="sidenote">Kaswin.</div> + +<p>Von Alamut begab sich Hulagu in den ersten Tagen +des Januars in das grosse, sieben Farasangen von Kaswin +aufgeschlagene Lager, <span class="xidenote">16. Silhidsche 654/<br />4. Jan. 1257</span> wo durch sieben Tage Feste gefeiert, +die Prinzen und Emire zur Aufwartung und zum Glückwunsche +der Eroberung zugelassen wurden; selbe, sowie +der Astronom Nassireddin von Tus und die beiden Söhne +der zwei grossen Aerzte von Hamadan, welche durch ihren +Rath wesentlich zur Uebergabe von <i>Meimundis</i> beigewirkt, +wurden beehrt, beschenkt; der Astronom und seine beiden +Begleiter blieben sofort im Gefolge Hulagu's, von demselben +bei jeder Gelegenheit ihrer Kenntnisse willen ausgezeichnet. +Dem Chuarschah ward ein mongolisches Mädchen angetraut +und die Hochzeit zu Kaswin mit Festen gefeiert. Hulagu +behandelte ihn mit Schonung, um von ihm die nöthigen +Befehle an die Gebietiger der Schlösser in Syrien zu erhalten, +dass sie dieselben bei Ankunft des mongolischen +Heeres demselben ungesäumt übergeben möchten. Nachdem +er diesen Befehl von ihm erhalten, sandte ihn Hulagu als +Trophee an den Hof des Kaan's Mengku. Als dieser die +Nachricht erhielt, dass Chuarschah sich nahe, sagte er: +Wozu schickt man ihn? und sandte ihm als Willkomm den +Todesbefehl entgegen. Er wurde getödtet und hierauf seine +ganze Familie, Weiber, Brüder und Söhne zu Kaswin niedergemacht. +So hatte die blutige Dynastie der persischen +Ismailije, d. i. der Assassinen, nach hundert und sieben +und siebzig Mondjahren ihr Ende erreicht<a name="FNanchor_209" id="FNanchor_209"></a><a href="#Footnote_209" class="fnanchor">[209]</a>, und der Dolch +des Meuchlers ward durch das Schwert des Mongolen gebrochen. +Hulagu hielt sich einige Zeit zu Kaswin auf, wo +er im Bade Moslim's badete. Hamdallah von Kaswin, der +Geschichtschreiber und Geograph Persiens, erwähnt in seiner +<i>auserwählten Geschichte</i> dieses Besuchs als einer der merkwürdigsten +<span class='pagenum'><a name="Page_106" id="Page_106">[106]</a></span> +Epochen der Geschichte seiner Vaterstadt, die +von nun an eine der Hauptstädte des mongolischen Reichs +in Persien und daher unter dem Geleite Hamdallah's näherer +Bekanntschaft werth.<a name="FNanchor_210" id="FNanchor_210"></a><a href="#Footnote_210" class="fnanchor">[210]</a>. Zuerst baute Schabur<a name="FNanchor_211" id="FNanchor_211"></a><a href="#Footnote_211" class="fnanchor">[211]</a> hier eine +Stadt, welche seinen Namen trug, als Feste wider die Dilemiten, +die feindliches Nachbaren im Norden. Bei einem +denselben hier gelieferten Treffen, als die Schlachtordnung +der Perser auf einer Seite in Verwirrung gerieth, soll der +Chosroes seinem Feldherrn zugerufen haben: <i>an kesch win</i>, +d. i. <i>jenen Winkel schau</i>, und nach erfochtenem Siege zum +Andenken desselben die Stadt erbaut haben, welcher sofort +der Namen <i>Keschwin</i>, d. i. <i>Winkel schau</i>, blieb, das heutige +<i>Kaswin</i>. Der Chalife aus dem Hause Abbas Hadibillah +Musa fügte eine dritte Stadt hinzu, <i>Mubarekabad</i>, d. i. der +gesegnete Bau, genannt; diese drei Städte umfing der Chalife +Harun Reschid mit einer Mauer, welche den Namen <i>Reschidabad</i> +erhielt. Der Thronprätendent Husein Ben Said +bemächtigte sich später der Stadt und vollendete den Bau +derselben<a name="FNanchor_212" id="FNanchor_212"></a><a href="#Footnote_212" class="fnanchor">[212]</a>. Unter der Regierung Fachreddewlet's des +Bujiden erneuerte sein berühmter Wesir Ismail Ben Ibad +die Stadt und vergrösserte dieselbe nach dem Bau des nach +ihm <i>Ssahibabad</i> genannten Viertels. Hierauf<a name="FNanchor_213" id="FNanchor_213"></a><a href="#Footnote_213" class="fnanchor">[213]</a> vom Dilemiten +Ibrahim Ben Merseban verwüstet, vom Emir Ebu Ali +Dschaaferi wieder hergestellt und vom grossen Sultan der +Seldschuken, Alparslan, erneuert<a name="FNanchor_214" id="FNanchor_214"></a><a href="#Footnote_214" class="fnanchor">[214]</a>, war sie jetzt durch die +Mongolen abermal verheert worden. Die Mauer, von zehntausend +dreihundert Ellen im Umfange, war mit zweihundert +dreissig Thürmen befestigt, hatte sieben Thore und umfing +neun Viertel, und sechs unterirdische Wasserleitungen, von +denen die vom Einsiedler Chumar Tekesch<a name="FNanchor_215" id="FNanchor_215"></a><a href="#Footnote_215" class="fnanchor">[215]</a> gebaute das +besste Wasser gibt; derselbe baute auch ein halbes Jahrhundert +später<a name="FNanchor_216" id="FNanchor_216"></a><a href="#Footnote_216" class="fnanchor">[216]</a> die nach seinem Namen genannte Moschee; +<span class='pagenum'><a name="Page_107" id="Page_107">[107]</a></span> +eine andere hatte schon der tyrannische Statthalter Hidschadsch +aus einem Götzentempel in einen Betort der +Moslimen umgeschaffen. Die Schii hassen diese Moschee, +weil von ihrer Kanzel unter der Regierung der Beni Omeije +dem Ali geflucht ward. Eine noch frühere Ueberlieferung +aus dem Munde Mohammed's oder eines der vier ersten +Chalifen heisst: <i>Ehret Kaswin, welches eine der höchsten +Pforten des Paradieses</i><a name="FNanchor_217" id="FNanchor_217"></a><a href="#Footnote_217" class="fnanchor">[217]</a>. Kaswin hat Ueberfluss an herrlichen +Früchten, besonders an Melonen, Wassermelonen und +Trauben, welche für die bessten ganz Persiens gelten<a name="FNanchor_218" id="FNanchor_218"></a><a href="#Footnote_218" class="fnanchor">[218]</a>; +die hier verfertigten Klingen wetteifern mit denen von +Chorasan und Schiras; von den Fabrikaten zeichnen sich die +aus mannichfarbigen Tuchenden zusammengenähten Pferddecken +aus. Die Einwohner gelten für die bessten Gesellschafter, +und ein persisches bekanntes Distichon räth dem +Schah, vier Männer nur aus vier Städten seines Reichs zu +wählen; Musiker aus <i>Chorasan</i>, Geschäftsmänner aus <i>Issfahan</i>, +Krieger aus <i>Tebris</i> und Gesellschafter aus <i>Kaswin</i><a name="FNanchor_219" id="FNanchor_219"></a><a href="#Footnote_219" class="fnanchor">[219]</a>. Zur +Verherrlichung des literarischen Ruhmes Kaswin's genügen +die beiden Sekretäre <i>Kaswini</i>, der Verfasser der <i>Wunder +der Geschöpfe</i><a name="FNanchor_220" id="FNanchor_220"></a><a href="#Footnote_220" class="fnanchor">[220]</a> und der <i>einzigen Perle der Seltenheiten</i><a name="FNanchor_221" id="FNanchor_221"></a><a href="#Footnote_221" class="fnanchor">[221]</a>, +jenes Naturgeschichte, dieses Geographie, und <i>Hamdallah +Mestufi</i>, der Verfasser der auserwählten Geschichte<a name="FNanchor_222" id="FNanchor_222"></a><a href="#Footnote_222" class="fnanchor">[222]</a> und +der bessten persischen Erdbeschreibung<a name="FNanchor_223" id="FNanchor_223"></a><a href="#Footnote_223" class="fnanchor">[223]</a>, so dass persische +Natur- und Völkergeschichte, Erd- und Ortsbeschreibung +keiner persischen Stadt mehr verdanken, als dem reichbegabten +gesellschaftlichen <i>Kaswin</i>.</p> + +<div class="sidenote">Hamadan.</div> + +<p>Mit Eintritt des Frühjahrs begab sich Hulagu von +Kaswin nach Hamadan, wo Baidschu Nujan von Aserbeidschan +zur Aufwartung erschien. Hulagu, mit dessen Unthätigkeit +unzufrieden, überhäufte ihn mit Vorwürfen: „Was hast du, +seit Dschurmaghun nicht mehr in Iran geblieben, gethan? +welche Schlachtenreihen hast du gebrochen, welchen Rebellen +<span class='pagenum'><a name="Page_108" id="Page_108">[108]</a></span> +geschlagen? Hat dir das mongolische Heer zu Etwas +Anderem gedient, als durch dessen Macht und Grösse den +Chalifen zu schrecken?“ Baidschu kniete nieder und sagte: +„Ich habe mir keine Saumseligkeit zu Schulden kommen +lassen und, was in meinen Kräften lag, gethan. Von den +Thoren Rei's bis an die Gränzen Syriens habe ich Alles +unterworfen, Bagdad ausgenommen, dessen Menschenmenge +unermesslich und wohin die Zugänge äusserst schwer. Uebrigens +steht der Befehl in der Hand des Padischah, und ich +bin bereit, aus derselben Leben oder Tod zu empfangen.“ +Diese Unterwürfigkeit milderte den Zorn Hulagu's; er befahl +ihm, aufzubrechen, den Westen bis an's Meer hin zu unterjochen +und die Länder Rum's diesseits und jenseits des +Bosporos den Händen der Griechen und Franken<a name="FNanchor_224" id="FNanchor_224"></a><a href="#Footnote_224" class="fnanchor">[224]</a> zu entreissen. +Baidschu Nujan hatte schon vor vierzehn Jahren +mit einem Heere von vierzigtausend Mann das hundertsiebzigtausend +starke Ghajaseddin Keichosrew's, des Sohnes +Alaeddin's, zu Kösetagh geschlagen<a name="FNanchor_225" id="FNanchor_225"></a><a href="#Footnote_225" class="fnanchor">[225]</a> und vollendete nun +die Eroberung Rum's bis an das Gestade des mittelländischen +Meeres. Hulagu begab sich mit den Prinzen <i>Kuli</i>, <i>Belghai</i>, +<i>Kotar</i> und mit den Befehlshabern <i>Bukatimur</i>, <i>Sundschak</i>, +<i>Köke Ilka</i> in die Ebene von Hamadan, um dort das Heer +zu sammeln. <i>Hamadan</i>, insgemein für das uralte Ecbatana +gehalten, ist nach allen Quellen persischer Geschichte und +Geographie eine der ältesten Städte Persiens, welche schon +Huscheng, der zweite der Pischdadier, erbaut, Nabuchodonoser +verwüstet, Darius wieder hergestellt haben soll.<a name="FNanchor_226" id="FNanchor_226"></a><a href="#Footnote_226" class="fnanchor">[226]</a> +Bedil, der Sohn Werka's, eroberte die Stadt im drei und +zwanzigsten Jahre der Hidschret<a name="FNanchor_227" id="FNanchor_227"></a><a href="#Footnote_227" class="fnanchor">[227]</a>; dreihundert Jahre hernach<a name="FNanchor_228" id="FNanchor_228"></a><a href="#Footnote_228" class="fnanchor">[228]</a> +wurde dieselbe von <i>Medawidsch</i>, dem Dilemiten, +und abermal dreihundert Jahre später<a name="FNanchor_229" id="FNanchor_229"></a><a href="#Footnote_229" class="fnanchor">[229]</a> von den mongolischen +Heeren mit allgemeinem Gemetzel der Einwohner +verwüstet. Die Stadt hat Ueberfluss an Wasser, selbst wenn +<span class='pagenum'><a name="Page_109" id="Page_109">[109]</a></span> +bei der von Hamdallah angegebenen Zahl der Quellen (tausend +dreihundert) durch Fehler des Abschreibers eine Nulle +zuviel. Zwei der grössten Philosophen Schöngeister, Eingeborene +von Hamadan, der Dichter <i>Ibn Chaleweih</i> und <i>Bediesseman</i>, +d. i. der Wunderseltene der Zeit, haben das +Klima sowohl als die Einwohner in bekannten Versen<a name="FNanchor_230" id="FNanchor_230"></a><a href="#Footnote_230" class="fnanchor">[230]</a> +mehr getadelt, als gelobt. Der Erste sagte:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Die Kälte ist vielstimmig zu Hamadan, und sogestalt<br /></span> +<span class="i0">Ist es, im Winter grimmig, im Sommer mässig kalt.<br /></span> +</div></div> + +<p>Der Wunderseltsame der Zeit, der Verfasser der ersten +Makame, welche denen Hariri's zum Muster gedient, sagte:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Wiewohl geboren ich zu Hamadan,<br /></span> +<span class="i0">Dasselbe ich dennoch nicht preisen kann;<br /></span> +<span class="i0">Denn seine Knaben sind altklug, wie Greise,<br /></span> +<span class="i0">Die Alten kindisch, nach der Knaben Weise.<br /></span> +</div></div> + +<p>Das frische Grün der Fluren, das Gemurmel der zahlreichen +Quellen verscheuchen allen Gram und stimmen zur heitersten +Lebenslust, wesshalb die Einwohner vorzüglich lebenslustig, +Spielen und Scherzen ergeben; ausserdem, dass Hamadan +der Geburtsort zwei so ausgezeichneter Schöngeister, als +die beiden oberwähnten, wallfahrtet hier der Jude zum +Grabe <i>Esther's</i> und <i>Mardochai's</i>, der Arzt zu dem <i>Avicena's</i><a name="FNanchor_231" id="FNanchor_231"></a><a href="#Footnote_231" class="fnanchor">[231]</a>, +die Mystiker zu dem eines der grössten persischen +Dichter, nämlich: <i>Aththar's</i>, des Verfassers der <i>Vögelgespräche</i> +und eines Dutzends gereimter Bücher, nämlich: +des Buchs des <i>Raths</i>, der <i>Drangsale</i>, der <i>Nachtigallen</i>, +der <i>Kantele</i>, der <i>Geheimnisse der Gänse</i>, der <i>Chosroen</i>, +der <i>Antworten</i>, der <i>Nöthen</i>, des <i>Auserwählten</i>, des <i>Göttlichen</i>, +und <i>Haider's</i>, des Biographen der Heiligen, des +ascetischen Werkes der <i>Brüder der Reinheit</i> und anderer +mystischer in Versen und Prosa. Bei dem Einfalle des +mongolischen Heeres hatte Einer schon das Schwert aufgehoben, +um den Dichter zu tödten, als ein Anderer sagte: +Tödte diesen Greis nicht, ich kaufe dir sein Leben um +<span class='pagenum'><a name="Page_110" id="Page_110">[110]</a></span> +tausend Silberstücke ab. Hüte dich, sagte Aththar, mich +um so niedrigen Preis wegzugeben; du wirst Käufer finden, +die mich theuerer bezahlen. Einige Schritte weiter bot ein +Anderer für Aththar's Leben einen Sack Stroh; hierüber +ergrimmt, hieb ihn der Mongole nieder.<a name="FNanchor_232" id="FNanchor_232"></a><a href="#Footnote_232" class="fnanchor">[232]</a> Seit diesem +ersten Einfalle der Mongolen, welche bei der Verfolgung +Chuaresmschah's bis an's kaspische Meer und an die Gränze +des arabischen Irak vordrangen, bis zur Erscheinung Hulagu's +vor Hamadan, waren sieben und zwanzig Jahre verflossen, +und ehe wir mit Hulagu die Gränze vom persischen +Irak in's arabische überschreiten, überblicken wir noch die +Schicksale Persiens unter mongolischer Herrschaft in der +vom ersten Einfalle der Mongolen bis zur Gründung des +Reichs der Ilchane verflossenen Zeit.</p> + +<div class="sidenote">Die +Mongolen im +westlichen +Persien vor +Hulagu.</div> + +<p>Persien wurde von den Mongolen in zwei Statthalterschaften +getheilt, wovon die östliche Chuaresm und Chorasan, +die westliche das persische Irak und Aserbeidschan in sich +begreift. Um die Statthalter nicht zu vermengen, überblicken +wir zuerst das westliche oder eigentliche Persien, +welches in dieser Zeit nur zwei Statthalter hatte, nämlich +<i>Dchurmaghun</i> und <i>Baidschu Nujan</i>, und dann erst das östliche, +wo die Begebenheiten verwickelter durch die Ränke +der Nebenbuhler um die Leitung der Geschäfte. Als die +Mongolen bei der Verfolgung Chuaresmschah's zum erstenmal +die Gegend um Irbil verwüsteten, <span class="xidenote">633/<br />1236</span> rüstete der Chalife Mostanssirbillah +ein Heer und rief die moslimischen Fürsten +zur Hülfe auf; bei dem zweiten Einfalle nahmen sie die +Stadt Irbil, doch nicht die Citadelle, ein; sie drangen bis +Schengabad und Sermenrai vor, der Chalife setzte Bagdad +in Vertheidigungsstand und rief alle Einwohner zu den +Waffen auf. Am rothen Berge (Dschebel Hamrin) ober +Tekrit wurden die Mongolen geschlagen und ihnen die Gefangenen, +die sie von Irbil und Dakuka weggeschleppt, abgenommen; +<span class='pagenum'><a name="Page_111" id="Page_111">[111]</a></span> +ein Corps von fünfzehntausend Mongolen, das +bald darauf bis <i>Dschaaferije</i> vordrang, zog sich bei der +Annäherung des Chalifen zurück. Noch im selben Jahre <span class="xidenote">635/<br />1238</span> +war ein Corps von gleicher Stärke bis Chanekin vorgedrungen +und schlug das ihnen vom Chalifen entgegengesandte, +das nur halb so stark. Im Norden hatten sie sich Gendsche's +bemächtigt, und Dschurmaghun's Heere überschwemmten +Georgien und Armenien. Er eroberte das Land zwischen +dem Arras und Kur und in Georgien die Hauptstadt Tiflis +nebst anderen Städten. Er belagerte und verheerte Rei; +hierdurch erschreckt, trugen ihm die Bewohner von Karss +die Schlüssel ihrer Stadt entgegen; nichtsdestoweniger wurden +die waffentüchtigen Einwohner niedergemacht, mit Ausnahme +der Kinder und Handwerker, die in die Sklaverei +geschleppt wurden. Der armenische Prinz <i>Awak</i> begab sich +mit seiner Schwester <i>Thamtha</i> an den Hof Gujuk's, um +die Zurückstellung des väterlichen Erbes zu erflehen, und +sie erhielten hiezu den Befehl an Dschurmaghun. Nach +dessen Tode setzte sein Nachfolger Baidschu Nujan die +Eroberungen seines Vorfahrers fort. Er wandte seine +Waffen gegen Ersenrum, Ersendschan, und schlug das in +der Ebene von Akschehr bei Ersendschan verstärkte Heer +des Sultans von Rum, unter dessen Verbündeten zweitausend +von Johann Limminata aus Cypern und Bonifacio de Castro +von Genua befehligte Truppen; diess ist die oberwähnte +Schlacht von Kösetag, welcher Berg sonst <i>Alakjuh</i> hiess.<a name="FNanchor_233" id="FNanchor_233"></a><a href="#Footnote_233" class="fnanchor">[233]</a> +Nach dem über den Sultan erfochtenen Siege wurden Siwas, +Tokat und Kaissarije geplündert und verheert; ein General +des Sultans und der Richter von Amasia kamen in's mongolische +Lager von Siwas und unterhandelten einen Frieden, +vermöge dessen der Sultan jährlich einen Tribut von hundert +zwanzigtausend Goldstücken, fünfhundert Stück Stoffe, +fünfhundert Kamele, fünfhundert Sklaven zu leisten verbunden.<a name="FNanchor_234" id="FNanchor_234"></a><a href="#Footnote_234" class="fnanchor">[234]</a> +Keichosrew war zu glücklich, diesen ohne seine +<span class='pagenum'><a name="Page_112" id="Page_112">[112]</a></span> +Vollmacht abgeschlossenen Friedensvertrag zu bestätigen. +Bei ihrem Abzuge erstürmten die Mongolen Ersendschan +und machten die Einwohner nieder. Malatia kaufte sich +von der Plünderung durch viertausend Goldstücke los, zu +deren Vervollständigung die goldenen und silbernen Kirchengefässe, +die Heiligenschreine und Reliquienkästen ausgeliefert +werden mussten.<a name="FNanchor_235" id="FNanchor_235"></a><a href="#Footnote_235" class="fnanchor">[235]</a> Wahrscheinlich war es derselbe +mongolische Feldherr Irsane, welcher zweimal Bohemund V., +den Fürsten von Antiochien, auffordern liess, die Mauern +seiner Festungen zu brechen und ihm dreitausend Jungfrauen +zu liefern; die Forderung wurde abgeschlagen, aber später +zahlten die Fürsten von Antiochien an die Mongolen Tribut. +Schihabeddin, der Fürst von Miafarakain, durch einen +mongolischen Gesandten aufgefordert, seine Mauern zu +schleifen, <span class="xidenote">1244</span> antwortete, dass er nur ein kleiner Fürst, dem +Beispiele der Sultane Syriens und Aegyptens folgen werde. +Hethum I., der armenische Fürst Ciliciens, suchte durch +Gesandte mit reichen Geschenken Baidschu's Schutz an. +Baidschu forderte vor allem die Auslieferung des Harems +Keichosrew's, des Sultans von Rum, und Hethum erkaufte +um diesen Preis den Frieden und das Diplom als Vasall des +grossen Kaan's. Im folgenden Jahre <span class="xidenote">1245</span> eroberten die Mongolen +die nördlich des Sees von Wan gelegenen Länder, die sie +auf Ogotai's Befehl der armenischen Prinzessin Thamtha +übergaben. Sie nahmen Amid, Roha, Nissibin. Der Fürst +von Mossul, Bedredin Lulu, schloss in seinem und des +Fürsten von Damaskus Namen einen Vertrag von, in drei +Klassen geregelter, Kopfsteuer ab. Im folgenden Jahre <span class="xidenote">1246</span> erschienen +die Mongolen zum fünftenmal in der Nähe von +Bagdad zu Dakuka, von wo sie der kleine Diwitdar zurückschlug, +und im folgenden Jahre <span class="xidenote">1247</span> tödteten die Mongolen zu +Dakuka den Statthalter Belban; sie plünderten die Karawanen, +und Jesaur verheerte die Gegend um Malatia. Die gleichzeitigen +Begebenheiten Rum's und Armeniens gehören in +die Geschichte dieser Länder und ihrer Fürsten; wir erwähnen +<span class='pagenum'><a name="Page_113" id="Page_113">[113]</a></span> +nur noch der Mission der vier Dominikaner, welche +Baidschu auf den ihm im Namen des Papstes gemachten +Antrag, sich zum Christenthume zu bekehren, tödten wollte. +Einer seiner Offiziere hatte sogar vorgeschlagen, den ersten +der Missionäre zu schinden und seine ausgestopfte Haut +dem Papst als Antwort zu senden<a name="FNanchor_236" id="FNanchor_236"></a><a href="#Footnote_236" class="fnanchor">[236]</a>; doch auf die Fürbitte +der Gemahlin Baidschu's wurde ihnen nicht nur das Leben +geschenkt, sondern sie erhielten sogar ein in dem Missionsberichte +bis auf uns gekommenes Schreiben und wurden +von zwei Gesandten Baidschu's an den Papst begleitet, der +sie auf das Ehrenvollste empfing und mit Geschenken überhäufte.<a name="FNanchor_237" id="FNanchor_237"></a><a href="#Footnote_237" class="fnanchor">[237]</a></p> + +<div class="sidenote">Dschintimur, +Körgös, +Statthalter +Chorasan's.</div> + +<p>In Persien liess Tschengischan, nachdem er abgezogen, +als Statthalter den Dschintimur zurück, welchem von allen +vier Ulusen, d. i. Stämmen des <i>Urugh</i>, d. i. des Hauses +Tschengischan's, ein Amtsgehülfe beigegeben war, indem +Chorasan als ein, allen vier Söhnen Tschengischan's gemeinsamer +Besitz betrachtet ward; eine Zeit lang dem Dschurmaghun, +dem Statthalter Feldherrn in Persien, untergeordnet, +unter dessen Oberbefehl er die, Chorasan noch verheerenden +türkischen Schaaren Chuaresmschah's schlug, erhielt Dschintimur +von Ogotai die unabhängige Statthalterschaft Chorasan's +und Masenderan's; als Gehülfe vom Blute des Kaan's war +ihm <i>Kelilat</i> beigegeben; er selbst verlieh beide höchsten +Staatsämter, nämlich das des Wesirs oder Inhabers des +Diwans und die Stelle des Staatssekretärs, an zwei Moslimen, +jenes an <i>Scherefeddin</i> von <i>Jesd</i>, dieses an <i>Behaeddin</i> von +<i>Dschuwein</i>, den Vater Athamülk's, des Geschichtschreiber's. +Nach Dschintimur's Tod erhielt seine Stelle <i>Nussal</i>, welcher +schon von Tschengischan dem Dschintimur als Amtsgehülfe +von Seite des Uluses Dschudschi's beigegeben worden war. +Dem Nussal folgte in der Statthalterschaft bald <i>Körgös</i>, d. i. +Blindaug, welcher, an den Hof Ogotai's gesandt, um über +die Verwaltung Chorasan's Bericht zu erstatten, gefiel und +<span class='pagenum'><a name="Page_114" id="Page_114">[114]</a></span> +von seinem Landsmanne, dem Staatssekretär <i>Dschinkai</i> dem +Uighuren, begünstigt. Der Kämmerer <i>Danischmend</i>, Gegner +Dschinkai's, bemühte sich seinerseits, die Statthalterschaft +Chorasan's dem Sohne Dschintimur's zu verschaffen; Dschinkai +wünschte jedoch seinem Schützling ein <i>Jerligh</i>, d. i. Diplom, +des Kaan's zu verschaffen, vermöge welchem ihm die statistische +Zählung der Bewohner Chorasan's und Masenderan's +aufgetragen und alle Macht in seine Hände concentrirt +ward. Der Wesir Scherefeddin und Kelilat, ihrer Wirksamkeit +durch das Jerligh beraubt, schmiedeten mit <i>Ongu +Timur</i>, dem Sohne Dschintimur's, Ränke wider Körgös am +Hofe des Kaan's, der ihn auf ihre Beschwerden zu sich +berief. Körgös machte sich auf den Weg, indem er den +Behaeddin von Dschuwein an der Spitze der Verwaltung +zurückliess. Auf dem Wege in's Hoflager begegnete er zu +<i>Binaket</i> den Commissären des Kaisers, welche ihm zurückzukehren +befahlen; es kam vom Wortwechsel zu Thätlichkeiten, +in welchen Körgös blutig geschlagen und ihm ein +Zahn gebrochen ward; er musste den Commissären folgen, +aber in der Nacht sandte er einen Eilboten mit seinem +blutbefleckten Kleide nach Hof. Ogotai, über diese Behandlung +seines Statthalters aufgebracht, berief ihn zu sich; +allein die Gegner <i>Kelilat</i> und der Sohn Dschintimur's folgten +ihm auf dem Fusse. Zu Bochara wurde bei einem demselben +gegebenen Feste Kelilat am hellen Tage ermordet. +Ogotai wollte in dem ihm vom Sohne Dschintimur's dargebrachten +Zelte speisen; kaum hatte er es verlassen, als es +ein Windstoss zusammenriss. Ogotai, durch diese böse Vorbedeutung +erschreckt, befahl, es in Stücke zu zerreissen. +In dem von Körgös ihm dargebrachten Zelte fand er im +Gegentheil einen mit Juwelen besetzten Gürtel, nach dessen +Umbindung sein Lendenschmerz verschwand, so dass er +guten Muths wieder zechte. Die beiden Nebenbuhler um +Chorasan's Statthalterschaft blieben mehrere Monate am Hofe +Ogotai's, welcher wünschte, dass sie sich vertrügen, und +ihnen befahl, aus demselben Becher zu trinken, dasselbe Zelt +zu bewohnen, nachdem sie zuvor ihre Waffen abgegeben. +<span class='pagenum'><a name="Page_115" id="Page_115">[115]</a></span> +Da sie sich nichtsdestoweniger nicht verglichen, ward, als +sie Beide in Ogotai's Gegenwart vor Gericht erschienen, +der Sohn Dschintimur's als schuldig verurtheilt, und sollte +an den Herrscher seines Uluses, nämlich an Batu, ausgeliefert +werden. Der Sohn Dschintimur's flehte den Kaan, +selbst sein Schicksal zu entscheiden, indem ein Hund, wie +er, nicht werth sei, dass zwei grosse Herrscher, wie Ogotai +und Batu, sich über ihn beriethen. Du hast Recht, sprach +Ogotai, Batu's Strenge würde selbst seinem Sohne, wenn +er sich in deinem Falle befände, nicht verzeihen. Dem +Sohne Dschintimur's wurde verziehen; aber seine Begleiter +wurden nach der Jasa bestraft, welche über die Verläumder +Strafen verhängt. Körgös verwaltete Chorasan mit Gerechtigkeit +und Einsicht, baute Tus und Herat aus ihrem Schutte +wieder auf und warf den Ränkeschmied Scherefeddin, welcher +unter dem Scheine der Freundschaft gearbeitet, in's Gefängniss; +dieser aber fand mittels seines Weibes Schutz beim +Uluse Dschagatai, und Arghun wurde mit dem Befehle abgesandt, +den Körgös lebendig oder todt nach Hofe zu +bringen.<a name="FNanchor_238" id="FNanchor_238"></a><a href="#Footnote_238" class="fnanchor">[238]</a></p> + +<div class="sidenote">Scherefeddin +von +Jesd, Blutegel +der +Finanz, und +Arghun.</div> + +<p>Körgös, der sich Anfangs in einem von ihm zu Tus +erbauten Magazine eingesperrt, ging endlich, als man Gewalt +brauchen wollte, selbst heraus, und ward von den +Söhnen Dschagatai's nach Hof gesandt, wo sein Beschützer +Dschinkai von der Regentin Turakina verungnadet worden. +Körgös, ohne Beschützer, ohne Geld, wurde auf Befehl +Kara Hulagu's, des Enkels Dschagatai's, hingerichtet, und +von der Regentin wurde <i>Arghun</i> zum Statthalter Chorasan's +ernannt. Er begehrte den Scherefeddin als <i>Ulug Bitekdschi</i>, +d. i. grossen Staatssekretär oder Finanzminister, weil er sich +verbindlich gemacht, viertausend Balische, welche in den +beiden Ländern Chorasan und Masenderan an Steuern ausständig, +einzutreiben. Scherefeddin, Sohn eines Lastträgers +von Chuaresm und seiner schönen Gestalt willen Lieblingspage +des Statthalters von Chuaresm, war von diesem, als +<span class='pagenum'><a name="Page_116" id="Page_116">[116]</a></span> +der Page die Frische des Jugendreizes verloren, dem Dschintimur +abgetreten, bei dem er sich durch seine Geschicklichkeit +als Sekretär und seine Kenntniss der mongolischen +Sprache als brauchbar empfahl; er stellte ihn in Steuergeschäften +an, in welchen er bald Proben seines blutaussaugenden +Druckes gab, wodurch sein Name in der Geschichte +für immer gebrandmarkt. Er unterschied zwischen +den Dörfern, welche sich freiwillig den Mongolen ergeben, +oder mit Gewalt erobert worden waren, und belastete die +Einwohner der letzten mit allen Arten von Auflagen und +Qualen<a name="FNanchor_239" id="FNanchor_239"></a><a href="#Footnote_239" class="fnanchor">[239]</a>. In diesem Geiste hatte er unter Körgös das Land +gedrückt und noch mehr unter Arghun, um die Summe, +zu deren Eintreibung er sich anheischig gemacht, einzutreiben. +Weder Weiber noch Waisen wurden verschont und +Foltern aller Art angewandt, um Geld zu erpressen; die +Häuser wurden geplündert, den Todten selbst das Leichentuch +weggenommen, dar Mann vom Weibe, der Vater vom +Sohne gerissen und als Sklave verkauft; die Männer wurden +barfuss, die Weiber unverschleiert aus den Häusern geschleppt; +jene bei den Füssen, diese bei den Brüsten aufgehängt. +Zu Rei wurden die geraubten Einrichtungen der +Häuser in der Moschee aufgeschichtet, dort auf Maulthiere +geladen und diese mit den Teppichen der Moschee zugedeckt. +So schaltete und waltete er zu Tebris und Kaswin, +zu Issfahan, Kum, Kaschan, Rei und Hamadan, alle Häuser +und alle Foltern erschöpfend. Seinen Helfer Mahmud von +Sebsewar sandte er, um Isferain und Dschadscherm auszusaugen, +er selbst lag schwer als Alp der Finanz auf Astrabad, +Amul und den Städten Masenderan's. Als Arghun zu Tus, +bat der Imam der Grabstätte Musa Risa's um Gnade und +Schonung, und Arghun gab ihm einen Kabinetsbefehl an +Scherefeddin zur Zurückstellung eines Theils des Geraubten. +Scherefeddin befahl, den Vorzeiger des Befehls mit Fäusten +zu ohrfeigen, so dass er besinnungslos niederfiel. Die +Pflugstiere nahm er vom Acker, die Heerden aus den Haiden +<span class='pagenum'><a name="Page_117" id="Page_117">[117]</a></span> +weg, so dass Ackerbau und Viehzucht darniederlag. Glücklicherweise +befreite sein Tod das Land von seiner Tyrannei; <span class="xidenote">1244</span> +aber noch auf dem Todbette sandte er Wort an Arghun, +ja die Eingesperrten nicht frei zu lassen, bis sie gezahlt, +und ja keinen Heller nachzusehen, weil sonst alle Ordnung +zu Ende. Arghun that das Gegentheil, indem er die Gefangenen +losgab, die noch zu leistenden Zahlungen nachsah +und sich dadurch den Segen des Landes erwarb. Bei der +Thronbesteigung Gujuk's brachte Arghun alle eingesammelten +Anweisungen, welche sich verschiedene Prinzen gesetzwidrig +auf verschiedene Distrikte Chorasan's verschafft hatten, dem +neuen Kaan als das angenehmste Geschenk dar; die Stellen +wurden nach seinem Vorschlag besetzt, die durch den Tod +des Blutegels Scherefeddin erledigte des Ulugh Bitekdschi +erhielt <i>Fachreddin Behischti</i>. Nach Gujuk's Tod riss während +des Zwischenreichs der Missbrauch der Anweisungen, +wodurch den Prinzen Einkünfte von Dörfern und Flecken +in Chorasan für Jahre hinaus zugesichert wurden, wieder +ein. Bei Mengku's Thronbesteigung verschafften sich die +Klagen des Landes Gehör, und es wurde beschlossen, Chorasan +auf die von Mohammed Jelwadsch in Transoxana eingeführte +Weise zu besteuern. Die Statthalterschaft wurde +ihm mit <i>Jerligh</i> und <i>Paise</i>, d. i. mittels Diploms und Löwenkopfs, +bestätigt, und Behaeddin von Dschuwein für die +Finanzverwaltung beigegeben; aber die Brüder des Kaisers: +Kubilai, Hulagu, Arikbugha, hatten bei ihm ihre Agenten; +so auch <i>Nikpei</i>, der Herr des Uluses Dschagatai. Persien +wurde in vier Steuerbezirke abgetheilt und die Vorsteher +derselben erhielten den Titel <i>Melik</i>, welches gewöhnlich +König, hier aber so viel als Intendant oder Generalpächter +bedeutet. Arghun veranstaltete bei seiner Zurückkunft neue +Zählung und regelte die Kopfsteuer nach den Klassen, was +bereits, sowie die Einrichtungen Hulagu's durch denselben +oben erzählt worden.</p> + +<div class="sidenote">Rückblick +auf das +Chalifat.</div> + +<p>Hulagu befand sich Ende Aprils zu Denna, <span class="xidenote">9. Rebiulachir 655/<br />26. April 1257</span> drei Monate +hernach zu Hamadan; <span class="xidenote">10. Redscheb/<br />26. Juli</span> in der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche +sandte er einen Gesandten an den Chalifen von +<span class='pagenum'><a name="Page_118" id="Page_118">[118]</a></span> +Bagdad mit der Aufforderung von Unterwürfigkeit und dem +Vorwurfe, dass die zur Besiegung der Assassinen angesprochene +Hülfe nicht geleistet worden. Doch ehe wir die +Begebenheiten der zwischen dieser Aufforderung und dem +Sturze des Chalifats verflossenen fünf Monate erzählen, +fordert geschichtlicher Zusammenhang den Rückblick auf +die letzten Zeiten des sinkenden Chalifats, das unter den +Beni Abbas nun bereits durch fünf Jahrhunderte gedauert. +Ohne diesen Rückblick auf die ersten und letzten Ursachen +des Sinkens und gänzlichen Verfalls würde es unmöglich +sein, zu begreifen, wie der durch fünf Jahrhunderte aufrecht +stehende Thron des Chalifen in fünf Monaten zertrümmert +ward<a name="FNanchor_240" id="FNanchor_240"></a><a href="#Footnote_240" class="fnanchor">[240]</a>. Der Wurm hatte schon lange an dem +Herrscherstabe des Chalifen genagt, ehe derselbe und das +darauf gestützte Schattenbild der Herrschaft zu Boden fiel. +Von innen zerrissen das Reich die Partheiungen der Sunni +und Schii und die Anführer der türkischen Leibwachen, +mit denen sich schon der achte Chalife <i>Moteaassim</i> in der +Hoffnung umgeben, durch dieselben den Thron zu schützen, +die aber statt Vertheidiger Empörer, von Sklaven sich zu +Sultanen emporschwangen. Von aussen erschütterten und +zertrümmerten das Reich die mit dem Schwerte den Islam +reformirende Secte der <i>Karmathen</i> und die überall emporsteigenden +Dynastien, von denen alle den Titel der Herrschaft +den durch Gewalt abgenöthigten Diplomen des Chalifen +dankten, von denen aber die mächtigsten, wie die +<i>Beni Hamdan</i> und <i>Beni Buje</i>, um die Oberherrschaft über +den Chalifen buhlten, und desshalb im beständigen Kriege +mit dem Emirol-umera, d. i. dem Fürsten der Fürsten, dem +Hausmeyer des Chalifats, bis sie den Titel desselben sich +selbst angeeignet. Kaum ein Jahrhundert war seit der +<span class='pagenum'><a name="Page_119" id="Page_119">[119]</a></span> +Gründung der Dynastie der Beni Abbas durch <i>Abdallah +es-seffah</i>, d. i. den Diener Gottes, den Blutvergiesser, verflossen, +als schon mit dem Einflusse der türkischen Leibwachen +der Saamen des Unheils wuchernd aufschoss; ein +Jahrhundert hernach unter dem neunzehnten Chalifen <i>Kahirbillah</i>, +d. i. der <i>Rächende durch Gott</i>, war bereits das Loos +der Theilung über das Ehrenkleid des Chalifats geworfen +und die Länder desselben in zwölf Theile zerstückelt. <span class="xidenote">i. J. 325/<br />936</span> Heute +vor neunhundert Jahren herrschte in Persien die mächtigste, +in vier Zweige getheilte Dynastie der Beni <i>Buje</i>, in Diarbekr +und Dijari Rebia, zu Mossul und zu Haleb die Dynastie +der Beni <i>Hamdan</i>; Chorasan war in den Händen der Beni +<i>Saman</i>, Masenderan und Dschordschan in denen der Beni +<i>Dilem</i>; der südlichen arabischen Landschaften hatten sich +die <i>Karmathen</i>, der südlichen persischen <i>Ahwas</i> und <i>Wasit</i>, +die Söhne <i>Berid's</i>, als Empörer bemächtigt. In Aegypten +und Syrien führten die türkischen Sklaven der Familie +<i>Achschid</i> als Herrn den Titel von Sultanen und zu <i>Bagdad</i> +selbst den des Fürsten der Fürsten. Zwei Dynastien der +Beni <i>Sijad</i> regierten zu Sebid in Jemen und die anderen in +Taberistan; in Kufa die Beni <i>Thaba Thaba</i> aus der Familie +Ali und die Beni <i>Ochaissar</i> in Hidschas. Den Titel und die +Macht als Chalifen machten den Beni Abbas die alte Dynastie +der Beni <i>Omeije</i> in Spanien und die neue der <i>Fatimiten</i> +in Afrika streitig<a name="FNanchor_241" id="FNanchor_241"></a><a href="#Footnote_241" class="fnanchor">[241]</a>. So hatten sich Leibwachen und +Sklaven, Sectirer und Empörer, arabische und persische +Emire in das weite Reich des Chalifats von Osten bis Westen +getheilt, und das Gebiet desselben war, wie in der letzten +Zeit des byzantinischen Reichs, fast nur auf das Weichbild +der Residenz beschränkt; was sich innerhalb den weiten +Gränzen des ehemaligen Reichs der Chalifen zutrug, gehört +in die Geschichte der Dynastien, die sich dort erhoben, und +nicht mehr in die des Chalifats, das seit dem Beginne des zehnten +Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung noch durch vierthalbhundert +Jahre seinem Untergange allmählig zusank.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_120" id="Page_120">[120]</a></span></p> +<div class="sidenote">Wesire +Verräther; +Religionssecten; +Ueberschwemmungen.</div> + +<p>Am Eingange und Ende dieser vierthalbhundertjährigen +Periode stehen zwei Wesire Staatssekretäre, beide Gelehrte, +beide als Hebel des Verderbens des Reichs von der Geschichte +gebrandmarkt. Der erste, <i>Ibn Mokla</i>, der Verbesserer +der arabischen Schrift in ihrer schönsten, gefälligsten +Form des <i>Neschi</i>, der dreimal den Koran abgeschrieben, +dreimal die Wesirschaft verwaltet, dreimal Heere befehligt, +dreimal die Pilgerreise vollzogen und zuletzt sogar dreimal +bestattet worden, unterhielt verrätherischen Briefwechsel +mit <i>Jahkim</i>, dem türkischen Emire, wie <i>Ibn Alkami</i>, der +letzte gelehrte Wesir des letzten der Chalifen, mit Hulagu; +jener die Türken, dieser die Mongolen rufend. Der zwischen +beiden liegende Zeitraum zerfällt in vier Perioden, in deren +erster die <i>Bujiden</i>, in der zweiten die <i>Seldschuken</i>, in der +dritten die <i>Chuaresmschahe</i> und endlich die <i>Mongolen</i> die +mächtigsten Herrscher Mittel- und Vorderasiens. Wir haben +hier nicht die Geschichte dieser Reiche zu überblicken, +sondern nur die des unter ihrem eisernen Fusstritte tief +darniedergebeugten Chalifats. Die erste Periode der Uebermacht +der Beni Buje bis zum Auftritte der Seldschuken +unter Toghrul umfasst hundert fünf und zwanzig Jahre, die +Herrschaft der Seldschuken in Chorasan und Kerman anderthalb +Jahrhunderte, die überwiegende Macht der Chuaresmschahe +unter den beiden letzten grossen Sultanen derselben, +Mohammed Tekesch, die der mongolischen Herrschaft seit +dem Tode Tschengischan's, dreissig Jahre. Während dieses +durch die Uebermacht der Beni Buje, der Seldschuken, +der Chuaresmschahe und der Mongolen unterdrückten, durch +innere Unruhen zerstückten Chalifats sassen seit dem neunzehnten +Chalifen, Kahirbillah, noch achtzehn sogenannte +Schatten Gottes auf Erden als Schatten auf dem Chalifenstuhle, +mit dem Mantel des Propheten angethan, mit seinem +Stabe als Richter die weltliche Herrschaft zum Scheine und +nur noch die geistliche als die Imame des Islams ausübend, +auch diese nicht unbestritten, sondern von Ketzern und +Glaubensreformern vielfach beeinträchtigt, von den Chalifen +der Beni Omeije in Spanien und von denen der Fatimiten +<span class='pagenum'><a name="Page_121" id="Page_121">[121]</a></span> +in Afrika in Anspruch genommen. Zuerst entzweite das +Chalifat die zu Bagdad mit gleicher Erbitterung geführte +Glaubensspaltung der <i>Sunni</i> und <i>Schii</i>, wovon jene +die Katholiken, diese die Protestanten des Islams; jene dem +Hause Abbas, diese dem Ali's und folglich allen denen, +welche als Verwandte der Prophetenfamilie auf Herrschaft +Anspruch machten, gewogen. Die für den Thron sowohl +als für den Altar gefährlichsten Religionsneuerer aber waren +die <i>Karmathen</i> und <i>Ismailiten</i>, wovon jene mit dem Schwerte +in der Hand als Zerstörer der Kaaba und Räuber des heiligen +schwarzen Steines, als Mauerbrecher das feste Gebäude +des Islams erschütterten; diese unter dem Schleier geheimer +Lehren und Verbindungen die Grundfeste der Religion untergruben +und mit dolchbewaffnetem Arm schneidende Beweise +führten; höchst gefährliche Neuerer der Lehre, welche den +ihnen beigelegten Namen der <i>Mulhad</i>, d. i. der Freigeister +oder Gottlosen, wohl verdienten und welche nur unter dem +tropischen Gewande der Allegorie und Mystik das Skelet +ihrer Grundlehre: <i>Nichts zu glauben und sich Alles zu +erlauben</i>, verlarvten; gefährlicher als die Anhänger <i>Masdek's</i> +unter Nuschirwan, als die <i>Babek's</i> unter den Chalifen Mamun +und Moteaassim, welche offen die Gemeinschaft der Güter +und Weiber predigten, das Scheusal ihrer Grundsätze offen +Preis gaben, während diese es unter dem Schleier ascetischer +Uebungen und philosophischer Lehren im tiefsten +Geheimnisse verbargen. Von der Zeit an, wo unter Kahirbillah +die Karmathen und Beridäer die Länder des Chalifats +mit Blut überschwemmten bis zur letzten Blutüberschwemmung +durch die Mongolen, waren die grossen politischen +Unheile des Reichs fast immer gleichzeitig mit grossen verderblichen +Naturbegebenheiten, mit Erdbeben, Hungersnoth +und besonders grossen Verheerungen des Tigris, so dass +die Ueberschwemmung des letzten nur als ein Vorzeichen +einer Ueberschwemmung von Blut galt, ein Glaube an eine +geheime Verbindung physischer und moralischer grosser +Begebenheiten, welche durch die furchtbaren Ueberschwemmungen +des Tigris, welche im Jahre der Einnahme Alamut's +<span class='pagenum'><a name="Page_122" id="Page_122">[122]</a></span> +statthatte und nur zu bald durch das Blutbad und den Ruin +Bagdad's bestätigt ward.</p> + +<div class="sidenote">Die Emirol-umera +aus +der Familie +Buje.</div> + +<p>Der Tyrann Kahirbillah, Nachfolger des Chalifen Radhi, +der letzte der Chalifen, welcher dichtete und selbst am +Freitage das Chutbe verrichtete, berief den Türken <i>Raik</i> +als Fürsten der Fürsten nach Bagdad und stiftete so die +oberste Gewalt der Fürsten der Fürsten, um die sich mit +den Befehlshabern der Leibwachen die mächtigen Fürsten +des Hauses Hamdan und Buje stritten. Er bestellte, der +erste, einen Stellvertreter in der Moschee, in welcher vor +ihm die Chalifen selbst als Imame dem Gebete vorstanden, +am Freitage die Rede selbst von der Kanzel als <i>Chatibe</i> +gehalten hatten.<a name="FNanchor_242" id="FNanchor_242"></a><a href="#Footnote_242" class="fnanchor">[242]</a> <span class="xidenote">330/<br />941</span> Unter seines Bruders und Nachfolgers +<i>Mottakki</i>, d. i. des Gottesfürchtigen, Regierung verkündeten +grosse Ueberschwemmung des Tigris und grosse Pest und +Hungersnoth eben so grosses politisches Unheil. Der Anführer +<i>Beridi</i> verheerte Bagdad dritthalb Monate lang mit +seinen Truppen, der Türke <i>Tusun</i> drängte sich nach Raik's +Tod dem Chalifen als Fürst der Fürsten auf, dem byzantinischen +Kaiser Romanus Lapachenes musste das Schweisstuch +Christi als Lösegeld ausgeliefert werden; Mottakki +ward geblendet und vom Throne gestossen. Sein Neffe +<i>Mostekfibillah</i> verlieh nach Tusun's Tod die Stelle des Fürsten +der Fürsten dem <i>Schirsad</i>, welchem sie Ahmed der Bujide +entriss und vom Chalifen mit dem Ehrentitel <i>Moiseddewlet</i>, +d. i. der den <i>Hof</i> oder das <i>Reich Ehrende</i>, anerkannt ward. +Er bemächtigte sich der Leitung aller Geschäfte, wies dem +Chalifen nur fünftausend Dirhem für dessen täglichen Unterhalt +an, riss ihn endlich gewaltsam vom Throne und verstiess +ihn geblendet in den Kerker. Die Wesire wurden von nun +an nicht mehr Wesire, sondern nur <i>Kjatibe</i>, d. i. Sekretäre, +genannt.<a name="FNanchor_243" id="FNanchor_243"></a><a href="#Footnote_243" class="fnanchor">[243]</a> Sein Nachfolger <i>Motiilillah</i>, d. i. der Gehorsame +in Gott, war nur den Befehlen Moiseddewlet's und seines +Sohnes Bachtiar gehorsam, welche die wahren Herren von +Bagdad, als Schii die Sunni als Ketzer und die Chalifen aus +<span class='pagenum'><a name="Page_123" id="Page_123">[123]</a></span> +dem Hause Abbas als ungerechte Thronbesitzer anfeindeten; +Verwünschungen wider Omar, der <i>Fedek</i>, das Landgut Ali's, +eingezogen, und den <i>Ebu Serr</i> verdammte, wurden an die +Thore der Moscheen geschrieben, Nachts zwar von den +Sunniten wieder ausgelöscht, dann aber dem Moawia von +den Kanzeln geflucht und das Fest Aaschura zum Preis des +Martyrthums Husein's eingesetzt<a name="FNanchor_244" id="FNanchor_244"></a><a href="#Footnote_244" class="fnanchor">[244]</a>. Moiseddewlet verkaufte +die Stelle des Obersten Richters um zwanzigtausend Dirhem, +das erste Beispiel so schändlicher Verkäuflichkeit im Islam, +und Bachtiar, als es ihm an Geld mangelte, zwang den +Chalifen, seine ganze Garderobe und sein Hausgeräthe zu +verkaufen, und zog die aus der Versteigerung gelösten +vierzigtausend Dirhem ein, so dass man sagte, er habe den +Chalifen vergantet<a name="FNanchor_245" id="FNanchor_245"></a><a href="#Footnote_245" class="fnanchor">[245]</a>. Die Karmathen hatten zwar den +schwarzen heiligen Stein wieder an die Kaaba zurückgestellt, +aber hingegen eroberten die Griechen alle Gränzfestungen +des Reichs. Zu Tarsus verwandelten sie die Moscheen in +einen Stall und verbrannten die Kanzel; Antiochien und +Haleb, Edessa und Nissibin wurden geplündert. Dschewher, +der Feldherr der Fatimiten, hatte Aegypten erobert. So +grosse und schwere Unfälle waren durch ausserordentliche +Naturverheerungen vorbedeutet oder von denselben begleitet +worden. <span class="xidenote">346/<br />957</span> Erdbeben verschluckte die Stadt Thalkan mit allen +ihren Einwohnern, bis auf dreissig<a name="FNanchor_246" id="FNanchor_246"></a><a href="#Footnote_246" class="fnanchor">[246]</a>, und hundert fünfzig +Dörfer. Die Erde warf die Gebeine der Todten aus und +sprengte heisses Wasser zum Himmel empor; Kum und +Holwan wurden durch Erdbeben verwüstet; die Heuschrecken +verzehrten nicht nur das Gras der Fluren, sondern auch +die Blätter der Bäume; das Meer trat achtzig Ellen weit +von seinen Ufern zurück<a name="FNanchor_247" id="FNanchor_247"></a><a href="#Footnote_247" class="fnanchor">[247]</a> und enthüllte die Naturwunder +seines Schooses; drei Jahre später verschlang es das Gepäck +der Pilgerkarawane, die ein Wolkenbruch demselben zugeschwemmt; <span class="xidenote">349/<br />960</span> +in diesem Jahre wurde Kreta von den Griechen +erobert. Der Sohn Motii's war <i>Thaai</i>, was ebenfalls <i>gehorsam</i> +<span class='pagenum'><a name="Page_124" id="Page_124">[124]</a></span> +bedeutet; er gehorsamte, wie der Vater, dem Fürsten +der Beni Buje, die sich nun mit den Türken und unter +sich um die Obervormundschaft des gehorsamen Chalifen +stritten; doch beobachtete Adhadeddewlet, der grosse Fürst +der Bujiden, wenigstens den äusseren Anstand, indem er +siebenmal vor dem Chalifen die Erde küsste, während Behaeddewlet +den Palast des Chalifen plünderte, ihn selbst durch +zwei Dilemiten von dem Throne reissen liess und geblendet +in den Kerker verstiess. Adhadeddewlet hatte zu Bagdad +Spital und Sternwarte gebaut, und inmitten der finsteren +Nacht, welche den Thron des Chalifats umdunkelte, leuchteten +am literarischen Himmel Gestirne der ersten Grösse. +Der Dichter <i>Motenebbi</i>, der Geschichtschreiber <i>Mesudi</i>, der +Philosoph <i>Farabi</i> und <i>Ebulferedsch von Issfahan</i>, der Verfasser +der grossen Blüthenlese, <i>Aghani</i>, welcher dem Wesir +Ibad die fünfhundert Kameellasten von Büchern, die er vor +Erscheinung derselben mit sich zu führen pflegte, ersparte.</p> + +<div class="sidenote">Kadirbillah +und Kaimbiemrillah.</div> + +<p>In die vierzigjährige Regierung Kadirbillah's, des fünf +und zwanzigsten Chalifen, des Enkels Moktedir's, fällt das +Ende der Herrschaft der Beni Buje und der Beginn der +Grösse der Sultane von Ghasna, welche aber zu ferne, um +unmittelbaren Einfluss auf die Schicksale Bagdads zu nehmen. +Nichtsdestoweniger ertheilte ihnen der Chalife Ehrentitel, +indem er dem Vater Sebugtegin den <i>der rechten Hand des +Hofes und des Intendenten des Volkes</i><a name="FNanchor_248" id="FNanchor_248"></a><a href="#Footnote_248" class="fnanchor">[248]</a> beilegte, wie die +Fürsten der Buje der <i>Bewahrer</i><a name="FNanchor_249" id="FNanchor_249"></a><a href="#Footnote_249" class="fnanchor">[249]</a>, der <i>Arm</i><a name="FNanchor_250" id="FNanchor_250"></a><a href="#Footnote_250" class="fnanchor">[250]</a>, der <i>Ruhm</i><a name="FNanchor_251" id="FNanchor_251"></a><a href="#Footnote_251" class="fnanchor">[251]</a>, +der <i>Adel</i><a name="FNanchor_252" id="FNanchor_252"></a><a href="#Footnote_252" class="fnanchor">[252]</a>, das <i>Schwert</i><a name="FNanchor_253" id="FNanchor_253"></a><a href="#Footnote_253" class="fnanchor">[253]</a>, der <i>Werth</i><a name="FNanchor_254" id="FNanchor_254"></a><a href="#Footnote_254" class="fnanchor">[254]</a>, die <i>Säule</i><a name="FNanchor_255" id="FNanchor_255"></a><a href="#Footnote_255" class="fnanchor">[255]</a> +und die <i>Ehre</i><a name="FNanchor_256" id="FNanchor_256"></a><a href="#Footnote_256" class="fnanchor">[256]</a>, der <i>Veredler</i><a name="FNanchor_257" id="FNanchor_257"></a><a href="#Footnote_257" class="fnanchor">[257]</a>, die <i>Erhabenheit</i><a name="FNanchor_258" id="FNanchor_258"></a><a href="#Footnote_258" class="fnanchor">[258]</a> des +Reichs und des Hofs geheissen hatten; fünf und vierzig Jahre +alt, als er den Thron bestieg, füllte <i>Kadir</i>, d. i. der Mächtige, +denselben vierzig Jahre lang, wenn nicht mit Macht, doch mit +Anstand und Würde, war genau und eifrig in Vollziehung +der vorgeschriebenen Religionspflichten im Gegensatze seiner +<span class='pagenum'><a name="Page_125" id="Page_125">[125]</a></span> +Vorfahren, welche Wüstlinge und Schlemmer, schrieb ein +Buch wider die Schismatiker, welche die Lehre, dass der +Koran erschaffen, vertheidigen, welches alle Freitage in +der Moschee vorgelesen ward; nur wurde seine lange Regierung +häufig durch die blutigen Streitigkeiten der Sunni +und Schii getrübt, weil er die letzten auf Kosten der ersten +begünstigte. In dem ersten dieser Religionsaufruhre wurde +der Wesir Behaeddewlet erschlagen, weil er die Todtenfeier +des Martyrthums Husein's abstellen wollte. <span class="xidenote">i. J. 382/<br />992</span> Neun Jahre +hernach empörten sich die Ketzer, indem sie die Einführung +eines neuen Festes, nämlich des schiitischen des <i>Teiches</i>, +durchsetzten<a name="FNanchor_259" id="FNanchor_259"></a><a href="#Footnote_259" class="fnanchor">[259]</a>. <span class="xidenote">389/<br />998</span> Zehn Jahre hernach, im selben, wo ein +heftiges Erdbeben die Stadt dreimal, und Hakimbiemrillah +die Kirche, das heilige Grab zu Jerusalem in Schutt verwandelte, +schlugen sich die Sunni und Schii in den Strassen +von Bagdad. <span class="xidenote">i. J. 407/<br />1016</span> Neun Jahre später wurden die Ketzer zu +Wasith von den Sunni geschlagen und die Kuppel der grossen +Moschee zu Jerusalem stürzte ein. Schon im nächsten Jahre <span class="xidenote">i. J. 408/<br />1017</span> +entbrannte der Kampf zwischen ihnen umso heftiger zu Bagdad; +und abermals nach dreizehn Jahren <span class="xidenote">i. J. 421/<br />1030</span> schlugen sie sich wegen +des Festes <i>Aaschura</i>, d. i. des Trauerfestes Husein's. Ausser +dieser so oft wiederholten blutigen Polemik wurde Bagdad +von Zeit zu Zeit durch Diebsbanden beunruhigt, so dass +Niemand seines Eigenthums sicher<a name="FNanchor_260" id="FNanchor_260"></a><a href="#Footnote_260" class="fnanchor">[260]</a>. Nichtsdestoweniger +brachte es Kadir dahin, dass die Beni <i>Okail</i> in Syrien das +Kanzelgebet auf seinen Namen und nicht auf den der Fatimiten +verrichteten, deren angeblicher Ursprung von Ali, zu +Bagdad öffentlich in den Schulen angegriffen ward. <span class="xidenote">i. J. 402/<br />1011</span> Die +Gleichzeitigkeit <i>Firdewsi's</i> und <i>Kabus Schemsolmaali's</i>, des +Dilemiten, wie die <i>Hamdan's</i>, des Gründers der Beni Hamdan, +und <i>Avicena's</i> verherrlichte die vierzigjährige Regierung +Kadir's nicht minder, als die fünf und vierzigjährige seines +Sohnes <i>Kaimbiemrillah's</i>, d. i. des auf Befehl Gottes Aufrechtstehenden, +durch das Aufsteigen <i>Toghrul's</i>, des Gründers +<span class='pagenum'><a name="Page_126" id="Page_126">[126]</a></span> +der Dynastie der Seldschuken, als Beginn einer neuen Epoche, +indem die Vormundschaft der Chalifen von dem Hause Buje +in das der Seldschuken überging. Toghrul, von dem Chalifen +um Schutz wider den übermächtigen Türken Besasiri +angefleht, gewährte denselben, aber gegen die Belehnung +mit der Herrschaft des Ostens und Westens mittels zweier +Kopfbünde, zweier Schwerter, sieben Fahnen und sieben +nacheinander angelegter Ehrenkleider, während der Chalife +auf sieben Ellen hohem Throne sass. Der Chalife vermählte +sich mit der Nichte Toghrul's und dieser nahm die Tochter +des Chalifen zur Frau, starb aber vor Vollzug der Hochzeit +siebzigjährig. Zwei Kometen<a name="FNanchor_261" id="FNanchor_261"></a><a href="#Footnote_261" class="fnanchor">[261]</a>, Erdbeben, Hungersnoth, +Meeresebbe und Ueberschwemmungen verkündeten und begleiteten +diesen neuen Umschwung der Herrschaft des Ostens +und Westens. In Aegypten und Palästina spie die Erde +Wasser<a name="FNanchor_262" id="FNanchor_262"></a><a href="#Footnote_262" class="fnanchor">[262]</a>, das Meer zog sich auf einen Tag weit von den +Gestaden zurück und verschlang in unvermutheter Rückkehr +die, welche in seinen aufgedeckten Tiefen nach Schätzen +suchten<a name="FNanchor_263" id="FNanchor_263"></a><a href="#Footnote_263" class="fnanchor">[263]</a>. Die Hungersnoth in Aegypten war so gross, +dass seit des ägyptischen Joseph's Zeit keine grössere gedacht +ward<a name="FNanchor_264" id="FNanchor_264"></a><a href="#Footnote_264" class="fnanchor">[264]</a> und die Stärkeren die Schwächeren ohne +Scheu auffrassen; durch zwei Ueberschwemmungen des +Tigris<a name="FNanchor_265" id="FNanchor_265"></a><a href="#Footnote_265" class="fnanchor">[265]</a> wurden über hunderttausend Häuser verwüstet. +Solche Zeichen mussten die Herrschaft der Türken über +Vorderasien verkünden; aber ausserdem ward Bagdad noch +durch Diebesbanden und die Religionskämpfe der Sunni und +Schii verwüstet; diese fügten zum Gebetsaufruf die Formel: +<i>Auf! zu guten Werken!</i><a name="FNanchor_266" id="FNanchor_266"></a><a href="#Footnote_266" class="fnanchor">[266]</a> bei und schrieben auf ihre Bollwerke: +<i>Mohammed und Ali sind die bessten der Geschöpfe; +wer vollzieht, ist dankbar, wer sich dessen weigert, undankbar</i>; +die Sunni widersetzten sich; die Grabmäler der +Imame <i>Musa</i> und <i>Takki</i> wurden ihrer goldenen Leuchter +und Lampen beraubt, die Schreine aus Ebenholz angezündet; +sie verbrannten auch die Grabdome des Chalifen <i>Emin</i> und +<span class='pagenum'><a name="Page_127" id="Page_127">[127]</a></span> +seiner Mutter <i>Sobeide</i>, die der Bujiden <i>Mois</i> und <i>Dschelaleddewlet</i><a name="FNanchor_267" id="FNanchor_267"></a><a href="#Footnote_267" class="fnanchor">[267]</a>; +die Moscheen der Hanefiten wurden von +den Schiiten geplündert. Sie unterliessen dafür das Kanzelgebet +für den Chalifen, weil er sie zu schützen nicht im +Stande, nicht Chalife und Imam zu heissen verdiene. Doch +hatte er vor seinem Ende den Trost, dass der Scherif von +Mekka das Kanzelgebet nicht mehr auf den Namen der +Fatimiten, sondern auf den der Beni Abbas verrichtete; +und unter seiner Regierung erhob sich zu Bagdad die erste, +vom grossen Wesire Melekschah's von Nisameddin gestiftete +hohe Schule <i>Nisamije</i><a name="FNanchor_268" id="FNanchor_268"></a><a href="#Footnote_268" class="fnanchor">[268]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Die Chalifen +Moktefi, +Mostadhir.</div> + +<p>Mit Moktefi, dem Sohne Kaimbiemrillah's, dem sieben +und zwanzigsten Chalifen, welcher zwanzigjährig den Thron +bestiegen, setzte sich auf denselben in Chuaresm <i>Itsis</i>, einer +der Emire Melekschah's, der Gründer der Dynastie der +Chuaresmschahe, die erst ein Jahrhundert später zum Gipfel +der Macht emporstieg. <i>Itsis</i> liess das Freitagsgebet wieder +auf den Namen des Chalifen aus dem Hause Abbas, statt auf +den der Fatimiten, verrichten. Moktefi vermählte sich mit +der Tochter seines Schirmvogtes, des grossen Sultan's der +Seldschuken, Melekschah. Die Hochzeit war die glänzendste, +welche Bagdad seit der berühmten Mamun's mit der Tochter +seines Wesirs <i>Sehl</i> gesehen; der grosse Wesir Nisamolmülk +mit zweitausend Reitern begleitete die Braut; hundert vier +und dreissig Reihen von Kamelen (jede Reihe zu sieben) +trugen den Brautschatz, in welchem die juwelenbesetzten +Pantoffeln das Hauptstück. Die Hochzeit, sowie ein Paar +Jahre hernach das Geburtsfest des Sohnes Dschaafer aus +der Frau Turkjan, wurde mit grossen Festen gefeiert; dem +letzten wohnte Melekschah in eigener Person bei und legte +bei dieser Gelegenheit den Grund der nach seinem Namen +genannten Moschee Bagdad's. Nach Verlauf eines Jahres +zertrugen sich der Chalife und die Tochter Melekschah's, +welche zu ihrem Vater nach Issfahan zurückkehrte, weil +Moktefi statt ihres Sohnes Dschaafer's den <i>Mostadhir</i> zum +<span class='pagenum'><a name="Page_128" id="Page_128">[128]</a></span> +Thronerben ernannte. Melekschah forderte, dass der Chalife +die Erbfolge an seinen Enkel Dschaafer, den Sohn Turkjan's, +übertrage, und war eben im Begriffe, ihm dieses Familiengesetz +mit gewaffneter Hand aufzuzwingen, als er vergiftet +starb, was von Bagdads Einwohnern der Wirkung des himmeldurchdringenden +Gebetes des Chalifen zugeschrieben +ward. <span class="xidenote">487/<br />1094</span> Moktefi überlebte ihn nur drei Jahre und hatte seinen +sechzehnjährigen Sohn <i>Mostadhir</i> zum Nachfolger. <span class="xidenote">489/<br />1096</span> Zwei +Jahre nach seiner Thronbesteigung ward ganz Asien durch +den Schrecken der Astronomen über den Verein der Planeten, +den Saturnus ausgenommen, im Zeichen des Fisches +mit Vorhersagungen von Sündfluth aufgelärmt, indem zur +Zeit der Sündfluth alle sieben Planeten im Fische gestanden +haben sollen; wirklich schwemmte ein Wolkenbruch das +Gepäck der Pilgerkarawane fort; aber verderblicher als +diese Ueberschwemmung war die der Kreuzfahrer, deren +Fluth bald hierauf an den syrischen Gestaden emporbrandete. <span class="xidenote">499/<br />1105</span> +Ein Comet von einer Grösse, dessgleichen nie gesehen +worden, galt als Vorzeichen des ungeheueren Brandes, dessgleichen +Bagdad noch nicht erlebt hatte, und in welchem +nebst dem Palaste des Chalifen die hohe Schule Nisamolmülk's +und die ganze Flussseite der Stadt in Asche gelegt +ward; <span class="xidenote">511/<br />1117</span> was vom Brande übrig geblieben, zerstörte ein Erdbeben. +Brand und Erdbeben mussten den Tod Mohammedschah's +des Seldschuken und des Chalifen vorbedeutet haben, +welche bald hierauf im Zwischenraume von wenigen Monaten +starben. Es war das drittemal, dass der Tod des Chalifen +mit dem seines seldschukischen Schirmvogtes fast zusammenfiel; +Sultan <i>Alparslan</i> war zwei Jahre vor dem Chalifen +<i>Kaim</i><a name="FNanchor_269" id="FNanchor_269"></a><a href="#Footnote_269" class="fnanchor">[269]</a>, Sultan <i>Melekschah</i> zwei Jahre vor dem Chalifen +<i>Moktefi</i><a name="FNanchor_270" id="FNanchor_270"></a><a href="#Footnote_270" class="fnanchor">[270]</a> und jetzt Sultan Mohammed nur einige Monate +vor dem Chalifen <i>Mostadhir</i> gestorben, und sowohl die drei +Sultane als die drei Chalifen gehörten unter die grössten +und bessten Herrscher ihres Hauses<a name="FNanchor_271" id="FNanchor_271"></a><a href="#Footnote_271" class="fnanchor">[271]</a>. <i>Mostadhir</i>, beredt, +<span class='pagenum'><a name="Page_129" id="Page_129">[129]</a></span> +freigebig und Schönschreiber, machte den Bewohnern Bagdads +angenehme und fröhliche Tage, indem seine vier und zwanzigjährige +Regierung im Ganzen eine ruhige, während die +siebzehnjährige seines Sohnes und Nachfolgers <i>Mosterschid</i> +das Gegentheil durch die Thronnebenbuhlerschaft der beiden +Seldschuken, Mahmud und Mesud, von denen Mosterschid +jenen als Oberherrn anerkennend mit sieben, diesen nur mit +zwei Ehrenkleidern bekleidete. Mesud überzog in der Folge +den Chalifen mit Krieg, belagerte Bagdad und nahm ihn +gefangen; als aber sein Oheim Sindschar solche Verletzung +der dem Oberhaupte des Islams schuldigen Ehrfurcht hoch +missbilligte, setzte er ihn in Freiheit und ging sogar vor +dessen Pferde, die Satteldecke desselben tragend, einher. +Ein Feuerregen zu Mossul und fliegender Skorpionen zu +Bagdad, an deren Bissen Viele starben, gingen dem gewaltsamen +Tode des Chalifen voraus, der unter dem Dolche +der Assassinen fiel. Sie hatten ihn zu ihrem Opfer ausersehen, +weil er ihnen feind; ein tugendhafter Fürst, ausgezeichneter +Schönschreiber, Rechtsgelehrter und Ueberlieferer, +in dessen Gegenwart Lesungen der Ueberlieferungen +gehalten worden. Unter seiner Regierung wurden zu Hebron +in einer Felsenhöhle Leichname entdeckt, welche für die +Abraham's, Isak's und Jakob's galten, deren Gräber seitdem +dort der Gegenstand moslimischer Verehrung; und zu Bagdad +fiel, was vordem und seitdem unerhört, mannstiefer Schnee, +der vierzehn Tage liegen blieb<a name="FNanchor_272" id="FNanchor_272"></a><a href="#Footnote_272" class="fnanchor">[272]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Die Chalifen +Raschid und +Moktefi.</div> + +<p>Raschid<a name="FNanchor_273" id="FNanchor_273"></a><a href="#Footnote_273" class="fnanchor">[273]</a>, der Sohn Mosterschid's, der dreissigste +Chalife, trat keineswegs in seines Vaters und Grossvaters +Fussstapfen; wider Sultan Mesud lehnte er sich auf, indem +er das Kanzelgebet zu Bagdad, statt auf dessen Namen, auf +den David's, des Neffen Mesud's, verrichten liess. Mesud +plünderte dafür Bagdad mit solcher Raubsucht, dass den +Frauen und Sklavinnen sogar die Halsbänder und Ohrgehänge +weggerissen wurden; durch sechzehn Tage und Nächte +<span class='pagenum'><a name="Page_130" id="Page_130">[130]</a></span> +bebte die Erde zu Bagdad, und schon eilf Monate, nachdem +er den Thron bestiegen, dessen ihn die Richter und Rechtsgelehrten +durch ein Fetwa als unfähig erklärten, fiel er, +wie sein Vater, unter Meuchlerdolch. Das Reich war so +gesunken und verarmt, dass, als Raschid's Nachfolger, sein +Vetter <i>Moktefi</i>, der Sohn Mostadhir's, den Chalifenstuhl +bestieg, ihm kein Einkommen blieb, als der Ertrag seiner +Privatgüter; aber auch diesen hätte er nicht eintreiben +können, wenn ihm nicht die Sklaven Mesud's dazu verholfen +hätten. Er vermählte sich mit der Schwester Sultan Mesud's, +welche ihm hunderttausend Dukaten als Heirathsgut zubrachte; +aber vierzehn Jahre hernach, als die Araber der +Wüste die ganze Pilgerkarawane plünderten und gefangen +nahmen, musste die Gemahlin des Chalifen, welche sie gefangen +behielten, um hunderttausend Dukaten losgekauft +werden, so dass das Heirathsgut als Lösegeld aufging. Hierauf +sandte ihm Sultan Sindschar, der Oheim Mesud's, den Mantel +und den Stab des Propheten, welchen Mesud, als er den +Chalifen Mosterschid gefangen genommen, dem Oheim gesandt. +Moktefi hatte während seiner vier und zwanzigjährigen +Regierung mit Widerwärtigkeiten aller Art zu +kämpfen. Die Naturbegebenheiten schienen sich wider ihn +verschworen zu haben, wie die Emire Sultan Mesud's, welche +Bagdad belagerten und verheerten. Ein Erdbeben, in welchem +dreissigtausend Menschen zu Grunde gingen, verschlang +die Stadt <i>Hire</i>, an deren Stätte schwarzes Wasser aufquoll; <span class="xidenote">534/<br />1139</span> +in Syrien zählte man in Einer Nacht achtzig Erdstösse; +Orkane und Wolkenbrüche verheerten Kleinasien und ein +Comet zog flammend von Osten gegen Westen. Zu Bagdad +rettete sich der Chalife nackt aus den Flammen, welche +den kaum aufgebauten Palast mit der ganzen Einrichtung +verzehrten. <span class="xidenote">543/<br />1148</span> In Arabien regnete es Blut; aber mehr noch +als alle diese Naturerscheinungen bedrängte den Chalifen +der Druck seines Schwagers Schirmvogtes Mesud; wider +denselben blieb dem Unterdrückten keine Waffe, als der +himmeldurchdringende Pfeil des Gebetes; diesem ward der +gähe Tod Mesud's zugeschrieben, durch welchen nicht nur +<span class='pagenum'><a name="Page_131" id="Page_131">[131]</a></span> +Moktefi seines Drängers ledig, sondern auch das nun schon +dreihundert Jahre auf dem Chalifate schwer lastende Joch +türkischer Sklaverei für immer zerschlagen ward; <span class="xidenote">547/<br />1152</span> eine +höchst günstige Begebenheit, wodurch die Chalifen wieder +ihre Unabhängigkeit genossen, welche sie seit der Einführung +der türkischen Sklaven unter Moteaassim verloren +hatten. Doch nützte ihnen dieselbe nicht viel, da das Reich +zerstücket, ihre Herrschaft nur auf das Grabmal von Bagdad +und einige Städte des arabischen Irak beschränkt war und +die Macht der Chuaresmschahe drohend emporwuchs. Indessen +ist diese Epoche doch eine sehr merkwürdige in der +Geschichte des Chalifats, welches in dem letzten Jahrhunderte +seines Daseins keinen Schirmvogt anerkannte. Moktefi +selbst benützte den ersten freien Odemzug, den ihm der +Tod Mesud's gewährte, zur Belagerung von Tekrit und +einem Streifzuge wider die in der Gegend herumziehenden +Turkmanen, denen er viermalhunderttausend Schafe und +grosse Beute abnahm und damit zu Bagdad einzog. Suleiman, +der Sultan der Seldschuken Rum's, kam nach Bagdad, um +aus der Hand des Chalifen den Titel der Herrschaft und +den Befehl zur Eroberung des Gebirgslandes zu empfangen. +Das Erdbeben, das im folgenden Jahre acht Städte der +Moslimen und fünf der Franken in Syrien verheerte, war +eines der schrecklichsten; <span class="xidenote">552/<br />1157</span> die Einwohner <i>Hamid's</i> wurden +alle erschlagen, zu <i>Scheiser</i> blieb nur ein Weib, zu <i>Kefrtab</i> +keine Seele lebendig. Zu <i>Apamea</i>, <i>Himss</i>, <i>Maarret</i> und +<i>Tell Hamdan</i> wurde die Hälfte der Einwohner verschüttet, +die von <i>Hossn Ekrad</i> und <i>Arka</i> gingen alle zu Grunde, +Niemand wollte innerhalb der Mauern bleiben, und die +Uebriggebliebenen suchten Rettung im Freien. Im folgenden +Jahre verwüstete die Ueberschwemmung des Tigris dreissigtausend +Häuser von Bagdad und Hagel in der Grösse von +Hühnereiern und den seltsamsten Figuren ging dem Tode +des sechs und sechzigjährigen Chalifen voraus.</p> + +<div class="sidenote">Neue Periode +des Chalifats; +Mostendschid.</div> + +<p>Die Periode der Unabhängigkeit der Chalifen von dem +seit Mesud's Tode abgeschüttelten Joche der seldschukischen +Vogtschaft ist in keiner der bisherigen europäischen Geschichten +<span class='pagenum'><a name="Page_132" id="Page_132">[132]</a></span> +des Chalifats gehörig hervorgehoben, kaum mit +ein Paar Worten über den Charakter der Gemahlin Moktefi's +angedeutet worden<a name="FNanchor_274" id="FNanchor_274"></a><a href="#Footnote_274" class="fnanchor">[274]</a>; diese, welche <i>Taus</i>, d. i. Pfau, hiess, +flösste ihrem Gemahle den hohen Sinn und den Muth ein, +sich von der schmählichen Oberherrschaft der Türken, unter +denen die Chalifen durch drei Jahrhunderte geschmachtet, +loszusagen. Das letzte Jahrhundert der Dauer des Chalifats +war also ein für dasselbe ehrenvolleres, als die drei verflossenen, +indem die letzten sechs Chalifen keine Obervogtschaft +anerkannten und selbst ihre Heeresmacht wieder zu +einer Höhe brachten, wodurch sie in den Stand gesetzt +wurden, nicht nur die Anmassungen der Chuaresmschahe +auf gleiche Vogtschaft zurückzuweisen, sondern sogar Empörungen +niederzuschlagen und ein Paar dem Chalifate längst +entrissene Landschaften demselben wieder einzuverleiben. +Die Ursache des gänzlichen Ruines des Chalifats ist, ausser +der Alles vor sich in den Staub tretenden Uebermacht der +Mongolen, hauptsächlich die Unterthänigkeit des letzten Chalifen +aus dem Hause Abbas, welchem, wenn er in die Fussstapfen +seiner fünf unmittelbaren Vorfahren, und namentlich +in die <i>Nassirbillah's</i>, getreten wäre, es wohl hätte gelingen +können, die Macht der Mongolen von den Mauern Bagdad's +zurückzuschlagen, wie diess ein Paarmal seine Vorfahren +mit Muth und gutem Glück gethan. Die Periode der vorletzten +fünf Chalifen gehört, wenn nicht unter die schönsten +Zeiten des Chalifats aus dem Gesichtspunkte des Glanzes +und der Macht, doch unter die bessten und ehrenvollsten +Tage desselben, aus dem Gesichtspunkte äusserer Jochentlastung +und Unabhängigkeit und innerer Ruhe und Sicherheit +betrachtet. Der Zeitraum der fünf und achtzig Jahre, welche +unter den vorletzten fünf Chalifen verflossen, kann mit einigem +Fuge dem Zeitraume der neun und achtzig verglichen werden, +in welchem Rom unter der Herrschaft Trajan's, Hadrian's +und der Antonine aufathmete, das vorige Weltreich +wieder einigen Ansehens, die Menschheit wieder einiger +<span class='pagenum'><a name="Page_133" id="Page_133">[133]</a></span> +Ruhe genoss. Der Name Mostendschid, der mehrere Bedeutungen +hat, kann in zweien dieser Bedeutungen für den +geschichtlich bezeichnenden seiner Herrschaft gelten. Mostendschid +heisst sowohl der einen Vertheidiger Suchende, +als ein nach überstandener Krankheit seine Kräfte Sammelnder. +Er hoffte in dem syrischen Atabegen einen Vertheidiger +des Chalifats zu finden; eine Hoffnung, die nicht +durch <i>Nureddin</i>, der selbst mit dem ägyptischen Chalifen +im Kampfe lag, wohl aber unter Ssalaheddin, dem ersten +Herrscher des mächtigen Hauses Ejub, unter <i>Mostadhir</i>, +dem Nachfolger <i>Mostendschid's</i>, durch den Sturz des Chalifen +Nebenbuhlers in Aegypten und durch die Uebertragung +des Kanzelgebetes von ihrem Namen auf den der Familie +Abbas einigermassen erfüllet ward. Mostendschid, ein gerechter, +gebildeter und energischer Fürst, hob die von seinem +Vorfahrer zum Ruin des Handels eingeführten drückenden +Stempelgefälle auf, verbot die scholastischen Vorlesungen +über metaphysische Werke und entriss den Händen der +<i>Beni Mesud</i> die der Stadt des Heiles so nahe gelegenen +<i>Hille</i>, <i>Kufa</i> und <i>Enbar</i>.</p> + +<div class="sidenote">Mostadhi +und Nassirlidinillah.</div> + +<p>Mostendschid's Sohn und Nachfolger, <i>Mostadhi</i>, d. i. +der Erleuchtung Suchende, schritt während seiner neunjährigen +Regierung auf dem von seinem Vater, während +seiner eilfjährigen, betretenen Pfade fort. Dem Gründer +der Grösse des Hauses Ejub, dem grossen <i>Ssalaheddin</i>, +welcher der Herrschaft der Chalifen Nebenbuhler in Aegypten +ein Ende gemacht und das Kanzelgebet wieder auf den Namen +der Chalifen aus dem Hause Abbas übertragen, sandte er +Ehrenkleider und ein höchst ehrenvolles Diplom mit glänzenden +Titeln und Geschenken. So ward nun wieder in +Aegypten und Arabien der Chalife Bagdad's von den Kanzeln +als der rechtmässige erkannt. Grössere Kräfte, als unter den +nur zwei Jahre füllenden Regierungen Mostendschid's und +Mostadhi's, sammelte das Chalifat unter der sechs und vierzigjährigen +<i>Nassirlidinillah's</i>, d. i. des Helfers der Religion +Gottes, welchem bald nach dem Antritte seiner Regierung +die Freude ward, dass nach dem Sturze der Beni Omeije +<span class='pagenum'><a name="Page_134" id="Page_134">[134]</a></span> +in Spanien nun auch dort von den Herrschern aus der Familie +Abdol Mumin das Kanzelgebet auf den Namen des +Chalifen aus dem Hause Abbas verrichtet ward, eine frohe +Botschaft, welche so, wie unter Mostadhi die von der Veränderung +des Kanzelgebetes in Aegypten und Arabien, zu +Bagdad mit Freudenfesten gefeiert ward. Während Ssalaheddin +die heilige Stadt der Herrschaft der Christen entriss, +eroberte der Chalife die am Euphrat gelegenen Schlösser +Aana und Hadise wieder dem Reiche zurück, das sich nun +wenigstens wieder über den grössten Theil Mesopotamiens, +von den Ufern des Tigris bis an die des Euphrats, und über +Chusistan erstreckte, dessen Schlösser der Wesir <i>Ibnol aththar</i> +wieder der Macht des Chalifen unterwarf. Den Triumph +Nassir's vollendete der gänzliche Ruin der persischen Seldschuken, +vormaligen Schirmvögten, indem Sultan Tekesch +der Chuaresmschah den Kopf des von ihm besiegten letzten +persischen Seldschuken Toghrulschah dem Chalifen nach Rei +sandte, wo derselbe an der Moschee als Trophäe aufgehangen +ward. Den Gesandten des Sultans, welcher die +Vogtschaft Bagdads, welche jetzt die Seldschuken besassen, +nun für sich begehrte, entliess er ohne Antwort. Chuaresmschah +stellte, um die Weigerung zu rächen, das auf den +Namen Nassir's verrichtete Kanzelgebet ab und ernannte +sogar einen Gegen-Chalifen in der Person des Seid <i>Alaeddin</i> +von Tirmid, dem er als Chalifen huldigen liess. Nassir +sandte, um den Sultan auf bessere Gesinnungen zu bringen, +den grossen Scheich <i>Schihabeddin Suhrwerdi</i>, der ihn zu +Hamadan traf. Der Sultan empfing ihn verächtlich, indem +er ihn nicht einmal niedersetzen hiess; und als der gelehrte +und beredte Scheich in einer langen Rede die Stellen der +Ueberlieferung zu Gunsten des Hauses Abbas und die Herrschertugenden +Nassir's gepriessen, antwortete der Sultan: +Alles dieses passt nicht auf Nassir; ich ziehe nach Bagdad, +um dort einen, der wirklich alle von dir hergezählten Eigenschaften +besitzt, als Chalifen einzusetzen. Er rückte gegen +Bagdad vor, welches Nassir noch vor kurzem mit einer +Mauer umfangen hatte, welche die Stadt wohl schwerlich +<span class='pagenum'><a name="Page_135" id="Page_135">[135]</a></span> +vor der Uebermacht des Sultans gerettet hätte. Diesen bewog +ein ungeheures Schneegestöber zum Rückzuge, indem, als +er nach Holwan gekommen, es zwanzig Tage ununterbrochen +schneite, so dass der Schnee so hoch als die Zelte, das +Heer durch ungeheueren Verlust an Menschen und Thieren +schwächte. Diese Naturbegebenheit war für Bagdad erfolgreicher, +als einige andere frühere ausserordentliche Erscheinungen; <span class="xidenote">i. J. 583/<br />1186</span> +diese waren der Verein der sieben Planeten +im Zeichen der Wage, woraus die Astronomen ungeheuere +Orkane für die Nacht der Vereinigung vorausgesagt; in +derselben herrschte aber so grosse Windstille, dass die +Lampe auf der Sternwarte in freier Luft unausgelöscht +brannte, zu grosser Beschämung der Astronomen. Sechzehn +Jahre hernach <span class="xidenote">i. J. 599/<br />1202</span> flammte eine ganze Nacht voll fallender Sterne, +die nach allen Richtungen hin und herschossen, eine Erscheinung, +die durch ähnliche in unseren Tagen genauer +beobachtete beglaubigt wird. Nassir hatte den Chalifenpalast +zu Bagdad abbrechen lassen, aber ausser der Stadtmauer +viele Moscheen und Medreseen und ein Speisehaus für die +Armen gebaut; die erste Anstalt dieser Art, welcher die +Geschichte des Islams erwähnt. Nassir war ein besonders +in der Ueberlieferung gelehrter Fürst und hinterliess über +dieselbe ein Werk, das den Titel: <i>Geist des Erkennenden</i><a name="FNanchor_275" id="FNanchor_275"></a><a href="#Footnote_275" class="fnanchor">[275]</a> +führt; aber Nassir war auch ein harter, habsüchtiger Fürst, +dessen Gier, Schätze zu sammeln, keine Gränzen kannte, +der die Unterthanen durch Gelderpressungen drückte und +das Heer der Finanzbeamten noch mit einem Heere von +Ausspähern vermehrte. Von den Kanzeln, wo ehe für die +Chalifen des Hauses Omeije in Andalus, dann für die des +Hauses Fatima in Aegypten als Chalifen gebetet worden, +wurde nun das Kanzelgebet wieder auf den Namen Nassir's +verrichtet, so auch in Hidschas und Jemen, in Chorasan +und Masenderan und in Indien auf den Namen Nassir's, als +des einzigen rechtmässigen Chalifen des Islams.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_136" id="Page_136">[136]</a></span></p> +<div class="sidenote">Sahirbiemrillah +und Mostanssir.</div> + +<p>Der Sohn und Nachfolger Nassirlidinillah's, der Chalife +<i>Sahirbiemrillah</i>, d. i. der Offenbare durch Gottes Befehl, +war vor allen Chalifen aus dem Hause Abbas seines Beinamens +werth, nach dem Zeugnisse der Geschichtschreiber, +dass seit Omar el-assis, dem wegen seiner Frömmigkeit und +Gottesfurcht berühmten achten Chalifen der Beni Omeije, +kein Gerechterer auf dem Chalifenstuhle gesessen. Diesen +guten Klang seines Namens dankt er dem freigebig geschenkten +Golde und der kurzen Zeit seiner Regierung, +indem er nur neun Monate lang den Völkern als ein Muster +des Chalifats mehr gezeigt als bewährt. Er stellte bei seiner +Thronbesteigung confiscirte Grundstücke ihren Eigenthümern +zurück, sandte dem Richter der Richter zehntausend Dukaten +zur Bezahlung der Schulden derer, die desshalb im Thurme +sassen, setzte die Kopfsteuer von Jakuba, welche vormals +nur zehntausend Goldstücke betragen, unter seinem Vater +aber auf's Siebenfache gesteigert worden war, wieder auf +die obige Summe zurück, liess von der Gesammtsumme der +Steuern dreimalhundert fünfzigtausend den Unterthanen nach +und vertheilte am Opferfeste hunderttausend Dinare unter +die Gesetzgelehrten und Ssofi; denen, die ihn fragten, warum +er sich so beeile, Gutes zu thun, antwortete er mit Anspielung +auf das vorgerückte Alter von ein und fünfzig +Jahren, in welchem er den Thron bestiegen: Ich gleiche +denen, die erst Nachmittags ihre Buden öffnen und sich +also beeilen müssen, wenn ihr Handel Gewinn tragen soll; +hindert mich also nicht in guter Handlungen Handel. In +seine Fussstapfen, als ein gerechter, freigebiger und gelehrter +Fürst, trat sein Sohn und Nachfolger <i>Mostanssirbillah</i>, +d. i. der bei Gott Hülfe Suchende. Er baute die +berühmte, nach seinem Namen genannte hohe Schule, deren +Grösse und Glanz die frühere, vom Wesire Nisamolmülk zu +Bagdad erbaute, bei weitem zurückliess; sie bestand in vier +besonderen Schulen, nach den vier Ritus des Islams, wo +die Rechtsgelehrsamkeit nach den Ueberlieferungen <i>Ebu +Hanife's</i>, <i>Schaafii's</i>, <i>Malik's</i> und <i>Hanbeli's</i> gelehrt ward; +an jeder dieser vier Medreseen waren zwei und sechzig +<span class='pagenum'><a name="Page_137" id="Page_137">[137]</a></span> +Plätze für Studenten<a name="FNanchor_276" id="FNanchor_276"></a><a href="#Footnote_276" class="fnanchor">[276]</a> und zwei für Correpetitoren<a name="FNanchor_277" id="FNanchor_277"></a><a href="#Footnote_277" class="fnanchor">[277]</a> gestiftet. +In vier Jahren war der Bau vollendet; am Tage +der Eröffnung besuchte der Chalife mit allen Richtern und +Rechtsgelehrten die Schulen und vertheilte reiche Geschenke +unter die Professoren und Studenten. Das Seitenstück zur +<i>Mostanssirije</i>, d. i. zur hohen Schule <i>Mostanssir's</i>, war die +<i>Kamerije</i>, d. i. die <i>Mondige</i>, eine am Ufer des Tigris gebaute, +reich gestiftete Speiseanstalt für Dürftige. Seine +Wohlthaten strömten vorzüglich den Gelehrten zu, dieselben +überschritten aber das Maass vernünftigen Staatshaushalts, +wenn die folgenden Anekdoten wahr. Jedesmal, als aus +einem mit Gold gefüllten Becken geschöpft ward, rief er +aus: Ach, wann werde ich dich leeren! während sein Vater +jedesmal, als Gold hineinfloss: Ach, wann werde ich dich +füllen! ausgerufen haben soll. Eines Tages, als er von der +Terrasse seines Palastes rund um auf den Terrassen Wäsche +aufgehangen sah und der, was dies bedeute, gefragte Wesir +antwortete, dass es die für das nächste Fest gewaschenen +alten Kleider seien, wunderte sich Mostanssir, dass nicht +jeder seiner Unterthanen sich neues Festkleid anschaffen +könne, liess aus Gold Armbrustkugeln verfertigen und verschoss +dieselben auf die Terrassen der Nachbarn. Wider +die Mongolen, welche unter seiner Regierung bis Meragha +vorgedrungen und Erdebil vom Grunde aus verheeret hatten, +brachte er ein Heer von siebzigtausend Mann auf, von +welchem zwar Anfangs die Mongolen, dann aber die Truppen +des Chalifen zu <i>Dakuk</i>, das seiner Naphthabrunnen willen +berühmt<a name="FNanchor_278" id="FNanchor_278"></a><a href="#Footnote_278" class="fnanchor">[278]</a>, geschlagen wurden. <span class="xidenote">653/<br />1237</span> Im selben Jahre richteten +die Mongolen das Blutbad von Issfahan an, in welchem der +grosse Dichter <i>Ismail Kemal</i> von Issfahan, beigenannt der +Vater der Bedeutungen, unter ihrem Schwerte erlag, wie +früher der grosse mystische Dichter Aththar. Unter Mostanssir's +Regierung blühte vorzüglich die Mystik, und in dieselbe +fällt der Tod von vier höchst merkwürdigen Männern, Säulen +der Mystik, des Scheich's <i>Behaeddin Weled</i>, des Vaters +<span class='pagenum'><a name="Page_138" id="Page_138">[138]</a></span> +<i>Dschelaleddin Rumi's</i>, des grossen mystischen Dichters <i>Omer +Ibn Faradh</i>, des grossen Scheich's <i>Schihabeddin Omer +Suhrwerdi</i> und des Inders <i>Reten</i><a name="FNanchor_279" id="FNanchor_279"></a><a href="#Footnote_279" class="fnanchor">[279]</a>, welcher, der erste, aus +Indien das berauschende Opiat (Haschische) nach Mittelasien +gebracht, dessen sich die Assassinen bedienten, um +ihren todtgeweihten Handlangern die Freuden des Paradieses +vorzuspiegeln, und von dem sie ihren Namen<a name="FNanchor_280" id="FNanchor_280"></a><a href="#Footnote_280" class="fnanchor">[280]</a> Haschischin, +d. i. die <i>Kräutler</i>, erhielten.</p> + +<div class="sidenote">Moteaassim.</div> + +<p><i>Moteaassimbillah</i>, d. i. der an Gott Festhaltende, der +Sohn Mostanssir's, der sieben und dreissigste und letzte +Chalife des Hauses Abbas, bestieg den Thron, den er sechzehn +Jahre gefüllt, im dreissigsten seines Alters; ein prachtliebender, +grossthuender, schwacher Fürst, doch nicht ohne +löbliche Eigenschaften und Werke. Ein <i>Hafis</i>, d. i. Bewahrer +des Koran's (wie Alle heissen, welche denselben +auswendig wissen), war er den Gesetzgelehrten geneigt +und baute für dieselben, nach seines Vaters Beispiel, eine +hohe Schule, gegenüber dem Grabmale des Scheich's <i>Karchi</i>, +so nach dem, vorzüglich von Schiiten bewohnten Stadtviertel +Bagdad's genannt, welche aus vier Medreseen für die vier +Ritus des Islam's bestand<a name="FNanchor_281" id="FNanchor_281"></a><a href="#Footnote_281" class="fnanchor">[281]</a>. Im dritten Jahre seiner Regierung +erschien ein mongolisches Heer in der Nähe von +Bagdad, von wo es zu <i>Baakuba</i> durch den kleinen Diwitdar +(Staatssekretär) zurückgeschlagen ward<a name="FNanchor_282" id="FNanchor_282"></a><a href="#Footnote_282" class="fnanchor">[282]</a>. Dieser Vortheil +vermehrte den Dünkel Moteaassim's, unter welchem das +Ceremoniel des Hofes von Bagdad auf einen bisher nie gehörten +Grad getrieben ward. Die Schwelle des Thronsaales +war ein schwarzer Stein, welchen Alle, selbst Gesandte und +Fürsten, die ihre Belehnung empfingen, nicht ausgenommen, +sich unterwerfend küssen und dann den schwarzen Schleier, +welcher dem daranstossenden Fenster vorgezogen ward, wie +den Vorhang des Heiligthums der Kaaba verehren mussten. +Medschdeddin Ismail, der Gesandte des Atabegen Ebubekr +Ben Segi, unterwarf sich dem vorgeschriebenen Ceremoniel, +<span class='pagenum'><a name="Page_139" id="Page_139">[139]</a></span> +legte aber einen kleinen Koran, den er in der Hand verborgen, +auf die Schwelle und küsste deren statt den Koran. +Wann Moteaassim ausritt, sass er auf hohem Rappen, schwarz +verschleiert mit schwarzem Turban, dessen Enden über die +Schultern zurückflogen, von vierzig schwarzen Leibwachen +umgeben; der Rappe war mit goldenem Halsband und edelsteinbesetztem +Zügel und Bügel geschmückt, und wann ihn +der Chalife bestieg, erscholl der Siegesruf, dessen Worte +aus Koranstexten zusammengesetzt: „<i>Gott mache das Gute +zum Stirneknoten des Pferdes und binde es an seine Mähnen; +er mache die Füsse desselben weiss durch Erreichung aller +Begehren; er wolle dem Laufe desselben mit losgelassenen +Zügeln alle Sicherheit gewähren, die Eroberungen sollen +seinen Wettlauf am Ziele kennen und das Heil des Erfolgs +seine Zügel dehnen!</i>“<a name="FNanchor_283" id="FNanchor_283"></a><a href="#Footnote_283" class="fnanchor">[283]</a> Alle moslimischen Fürsten erhielten +den Titel rechtmässiger Herrschaft einzig von dem Belehnungsdiplome +Moteaassim's, welche derselbe mittels Gesandten +ertheilte, die nebst dem Diplome der Investitur, +Kaftan, Turban, Fahne, Schwert, Ring und ein Maul mit +goldbeschlagenen Hufen und juwelengestickter Satteldecke +zum Geschenke brachten<a name="FNanchor_284" id="FNanchor_284"></a><a href="#Footnote_284" class="fnanchor">[284]</a>. Der Gesandte vollzog nun ein +Paar Tage nach seinem feierlichen Einzuge in die Residenz +des Sultans oder Emirs die Investitur, indem er dem Fürsten +den Kopfbund aufsetzte, den Ring ansteckte, das Diplom +vorlesen liess und ihm dreimal wiederholte: <i>Sei gerecht +und übertrete das Gesetz nicht</i>; dann erst ward ihm erlaubt, +den Thron zu besteigen, und erst, nachdem er den Thron +bestiegen, ward er für würdig erachtet, dem vom Chalifen +gesandten Maul in Gegenwart des ganzen Hofes den goldbeschlagenen +Huf zu küssen. Der Gesandte warf Geld aus +und begleitete den Sultan, der nun unter einem über seinem +Kopfe emporgehaltenen Sonnenschirme die Stadt durchritt. +Wann immer ein Gesandter des Chalifen an den Hof des +Sultans kam, ward sein Maul bis in den Thronsaal geführt +und ein Vorhang niedergelassen; der Sultan musste vom +<span class='pagenum'><a name="Page_140" id="Page_140">[140]</a></span> +Throne steigen, hinter dem Vorhange den Huf des Maulthieres +küssen, worauf er mit dem vom Chalifen gesandten +Ehrenkleide erst wieder den Thron bestieg. Die Insignien +der Investitur von Seite des Chalifen waren also: <i>Kaftan</i>, +<i>Turban</i>, <i>Schwert</i>, <i>Ring</i>, <i>Fahnen</i>, <i>Sonnenschirm</i> und der <i>Huf</i> +des Maulthiers. Krone, Mantel, Schwert, Ring, Fahne finden +sich auch als Insignien der Investitur fürstlicher und kirchlicher +Würden im europäischen Mittelalter; nur an die +Stelle des Hufes trat das Horn, mit welchem dänische und +angelsächsische Könige ihre Vasallen belehnten<a name="FNanchor_285" id="FNanchor_285"></a><a href="#Footnote_285" class="fnanchor">[285]</a>. Das Heer +Moteaassim's war hunderttausend Mann stark, von denen +die Hälfte vom Diwan aus besoldet; der Befehlshaber desselben, +Suleimanschah, welchen der Dichter <i>Esireddin Umani</i> +in Lobgedichten gepriesen. Die innere Verwaltung besorgten +die beiden <i>Diwitdare</i> (Tintenzeughalter), d. i. Staatssekretäre; +die Geschäfte des Hofes leitete der <i>Scherabdar</i>, Mundschenk, +aber die Summe der Regierung war in den Händen +des Wesirs <i>Moejededdin Mohammed Abdolmelik El-Alkami</i>, +ein ausgezeichneter Gelehrter in Prose und Poesie, in Ueberlieferungs- und +philosophischen Wissenschaften gleich gewandt, +der Chalife aber selbst dem Wohlleben und Sinnengenusse +ergeben. Die nächsten Hebel seines Verderbens +waren von innen der Wesir Alkami, von aussen der grosse +Astronome Nassireddin, der sich im Geleite Hulagu's befand.</p> + +<div class="sidenote">Alkami; +Wüsten- und +Bücherbrand.</div> + +<p>Nassireddin von Tus hatte eines Tages, als Moteaassim +an den Ufern des Tigris sass, demselben huldigend ein Gedicht +dargebracht, das der Chalife, statt, wie es der Wesir +erwartet hatte, reich zu belohnen, auf des Wesirs Alkami +darüber ausgesprochene Kritik in den Tigris warf. Von +diesem Augenblicke schwur der tief beleidigte, tief grollende +Astronome Schöngeist dem Wesir und dem Chalifen Rache; +er verliess Bagdad und verweilte bei dem ihm gleichnamigen +Comthur des Assassinenschlosses Sertacht. Alkami warnte +den Comthur wider seinen Schutzgenossen, als wider einen +<span class='pagenum'><a name="Page_141" id="Page_141">[141]</a></span> +Ränkeschmied, der ihn im Geiste des Chalifen verderben +wolle; und diese Warnung war nur ein neuer Sporn in die +rachedürstenden Weichen des durch Geringschätzung seines +Gedichtes so tief beleidigten Astronomen Schöngeistes. Als +Gesandter des letzten Herrschers der Assassinen an Hulagu +gesandt, hatte er durch sein grosses Talent sich dessen +Achtung erworben und demselben erst zum Verderben der +Assassinen, dann zu dem des Chalifats sich als hilfreiches +Werkzeug angeboten. Sein Feind, der Wesir Alkami, arbeitete +seiner Rache durch Verrätherei selbst in die Hände. +Von den nächsten Umgebungen des Chalifen, dem Diwitdar +und dem Mundschenken, nicht die Achtung geniessend, deren +er werth zu sein glaubte, und als Schii dem Chalifen grollend, +weil der Sohn desselben, Ahmed, die Plünderung des +nur von Schiiten bewohnten Stadtviertels von Karch und die +hierbei vorgefallenen Gräuel von Schändung und Gemetzel +begünstigt hatte. Er schrieb an den Seid Tadscheddin al +Hoseini, welcher damals der erste der Herren der Familie +des Propheten, klagend: „dass die Söhne des Hauses Ali +geplündert, das Volk des Stammes Haschim gefangen und +die Schmach, welche vormals Husein, der Enkel des Propheten, +durch Plünderung seines Harems und Blutvergiessung +getroffen, jetzt wieder erneuert worden sei“<a name="FNanchor_286" id="FNanchor_286"></a><a href="#Footnote_286" class="fnanchor">[286]</a>. Der Seid +antwortete im Namen aller Prophetenverwandten: „Die Ketzer +müssen ermordet, verbrannt, ihre Rasse ausgerottet werden; +wenn du nicht mit uns hältst, bist du verloren, du wirst +zu Bagdad weniger geschätzt sein, als vom Manne das +Henna der Frauen und als der Ring dessen, dem die Hand +abgehauen“<a name="FNanchor_287" id="FNanchor_287"></a><a href="#Footnote_287" class="fnanchor">[287]</a>. Nach dem Falle von Alamut hielt Alkami +den Augenblick für günstig zur Förderung seiner Rache; er +sandte heimlich an Hulagu einen Brief, in welchem er, die +Macht des Chalifen verkleinernd und die Schwäche Bagdad's +ins hellste Licht setzend, den Eroberer seine Zügel nach +der Stadt des Heils zu lenken einlud. Hulagu, wohl eingedenk, +dass vormals ein Heer von hundert vier und zwanzigtausend +<span class='pagenum'><a name="Page_142" id="Page_142">[142]</a></span> +Mann wider die Mongolen gesandt, zweimal den +Dschurmaghun geschlagen, zauderte, der Einladung Gehör +zu geben, und berieth sich mit Nassireddin, dem Astronomen, +und erst, als dieser ihn versichert, dass „das Unternehmen +im Bunde mit der Gestirne günstiger Stunde“<a name="FNanchor_288" id="FNanchor_288"></a><a href="#Footnote_288" class="fnanchor">[288]</a>, beschloss +er den Marsch nach Bagdad, wo indessen ein Versuch des +kleinen Diwitdar, den Chalifen zu entthronen, das Feuer +des Bürgerkrieges angeflammt. Moteaassim sah sich gezwungen, +den Versicherungen des kleinen Diwitdar von +seiner Treue und Ergebenheit scheinbaren Glauben zu +schenken. Die Unschuld desselben wurde laut auf den +Strassen Bagdad's verkündet und der Name des kleinen +Diwitdar, des Feindes Alkami's, sogar nach dem des Chalifen +im Kanzelgebete eingeschaltet; das Heer wurde nach +des Verräthers Alkami Vorschlag um die Hälfte vermindert, +ein Drittel des verminderten in die nahe gelegenen Städte +geschickt, so dass nur zwanzigtausend zu Bagdad's Vertheidigung +blieben<a name="FNanchor_289" id="FNanchor_289"></a><a href="#Footnote_289" class="fnanchor">[289]</a>. In diesem, durch den Fall Alamuts +und die Verrätherei Alkami's für die Stadt des Heils so +unheilschwangeren Jahre schreckten nicht nur Ueberschwemmung +des Tigris und Erdbeben, sondern auch der Brand +von Medina und der Wüstenbrand in Arabien die moslimische +Welt auf. Zu Hara, in der Nähe von Medina, brannte die +Wüste, und allgemein ward geglaubt, diess sei das Feuer, +welches die Ueberlieferung des Propheten als den Vorboten +des jüngsten Tages verkündet. Drei Monate lang brannte +die Wüste in der Ausdehnung von vier Parasangen. Zu +Medina zündeten die Einwohner des Nachts kein Licht an, +da der Wüstenbrand die Stadt erhellte. Dieses, wie es +scheint, elektrische Feuer soll Holz verschont, Eisen verzehrt +haben, so dass von hineingeschossenen Pfeilen das Holz +unversehrt, die Spitze zerfressen ward<a name="FNanchor_290" id="FNanchor_290"></a><a href="#Footnote_290" class="fnanchor">[290]</a>. Nach dem Wüstenbrande +plünderten Beduinen die Stadt, bis man das Thal, +aus dem sie ausfielen, mit steinerner Mauer verdämmte. Das +grösste Unglück aber entstand durch die Unvorsichtigkeit +<span class='pagenum'><a name="Page_143" id="Page_143">[143]</a></span> +eines der Küster der Moschee des Propheten, der eine +Kerze umfallen liess, wodurch die Moschee in Brand gerieth +und mit derselben die ganze grosse Büchersammlung aufflammte<a name="FNanchor_291" id="FNanchor_291"></a><a href="#Footnote_291" class="fnanchor">[291]</a>, +so dass dieses Jahr zwei der reichsten Bibliotheken +in Flammen aufgingen, die von Alamut und die von +Medina; der Verlust von dieser war aus mehr als einem +Grunde weniger beklagenswerth, als der von jener, indem +zu Medina meistens nur Korane und Bücher der Ueberlieferung, +zu Alamut aber mathematische und philosophische +Werke ein Opfer des Brandes, die dort ein Werk des Zufalls, +hier der zu verdammenden Willkür des gelehrten +Wesirs <i>Athamülk Dschuweini</i>.</p> + +<div class="sidenote">Gesandtschaften +Hulagu's an +den Chalifen +und Prophezeihungen.</div> + +<p>Diess waren die Zustände Bagdads, als Hulagu, durch +Alkami's Einladung und Nassireddin's Vorhersagung aufgemuntert, +von seinem Lager zu Hamadan aus an den Chalifen +einen Gesandten mit dem Begehren schickte, dass er entweder +selbst erscheine oder eine der vier Säulen seines +Hofes, nämlich den Wesir, den kleinen Diwitdar, den Heerführer +Suleimanschah oder den Mundschenken sende. Moteaassim, +statt diesem befehlartigen Begehren zu willfahren, +sandte den <i>Scherefeddin Ibnol Dschewsi</i>, einen durch Beredtsamkeit +ausgezeichneten Gelehrten, und den Bedreddin +Mohammed von Nachdschiwan. Hulagu, als er von ihrer +Sendung Kunde erhielt, sagte in aufwallendem Zorne: Der +Chalife handelt krumm, wie ein Bogen; Gott gebe, dass ich +ihn wie ein Pfeil gerad machen könne<a name="FNanchor_292" id="FNanchor_292"></a><a href="#Footnote_292" class="fnanchor">[292]</a>. Den Gesandten, +als sie vor ihm erschienen, herrschte er entgegen: Gott +hat dem Hause Tschengischan's die Herrschaft vom Osten +bis Westen verliehen; wer sich uns unterwirft, dessen Blut +und Gut wird nicht verderbt und vergossen, wenn nicht, ist +dessen Untergang beschlossen. Wir ziehen mit einem Heer, +zahlreich wie Heuschrecken und Ameisen, wider Bagdad. +Als die Gesandten mit dieser Botschaft zurückgekehrt, rieth +Ibn Alkami, tausend Lasten Korn, tausend Kameele, tausend +Pferde für Hulagu mit vielen Geschenken für die Prinzen +<span class='pagenum'><a name="Page_144" id="Page_144">[144]</a></span> +huldigend, mit Ueberlassung der beiden Majestätsrechte des +Islams: des Kanzelgebets und der Münze, abzusenden. Der +kleine Diwitdar <i>Modschahiddin Ibek</i> machte Vorstellungen +dagegen, aber <i>Ibn Alkami</i>, der die Schwächen und den +Dünkel des Chalifen kannte, bestärkte ihn in demselben, +indem er in seinen Reden die Macht der Mongolen verkleinerte, +die des Chalifen vergrösserte und dem neuaufgeschossenen +Pilzlinge mongolischer Herrschaft die uralte +legitime des Hauses Abbas entgegenstellte. Suleimanschah, +der Oberstbefehlshaber, Fetheddin Ibn Kerr, der grosse +Diwitdar und der kleine Modschahiddin Ibek versammelten +sich beim Wesire, ihren Aerger über die Sorglosigkeit und +Blindheit des Chalifen in bitteren Worten lüftend. Suleimanschah +trug sich an, dem Feinde entgegen zu ziehen, und +Alkami ging zum Scheine in den Vorschlag ein, wohl wissend, +dass der Chalife seinem Rathe folgsam, dass er +Rüstung und das zum Solde der Truppen nöthige Geld +verweigern werde<a name="FNanchor_293" id="FNanchor_293"></a><a href="#Footnote_293" class="fnanchor">[293]</a>. Er sandte auf dessen Rath den Bedreddin +von Nachdschiwan und den Richter Berdindschan +mit geringen Geschenken und der hochtrabenden Botschaft: +Alle Fürsten, welche sich jemals wider das Haus Abbas +zu erheben gewagt, seien zu Grunde gegangen; Beispiele +davon seien Jakub Leis der Soffaride, der Türke Besasiri, +der Seldschuke Sultan Mohammed und Mohammed Chuaresmschah, +welche Alle das Verderben ereilt, das auch Hulagu's +harre, wenn er auf seinem Vorhaben bestehe. Hulagu, +ergrimmt, antwortete ihnen mit dem persischen Verse des +Schahname<a name="FNanchor_294" id="FNanchor_294"></a><a href="#Footnote_294" class="fnanchor">[294]</a>:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Bau' nur zu, aus Eisen deinen Wall,<br /></span> +<span class="i0">Führe Bollwerk auf mit Zinnen, die von Stahl,<br /></span> +<span class="i0">Rüst' aus ein Heer von Peris und von Dschinnen,<br /></span> +<span class="i0">Komm' nur heraus, du wirst den Tod gewinnen;<br /></span> +<span class="i0">Birgst unter'm Himmel dich, ich will dich suchen,<br /></span> +<span class="i0">Ich werde dich im Schlund des Löwen suchen.<br /></span> +</div></div> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_145" id="Page_145">[145]</a></span></p> +<p>Hulagu war nun zuerst bedacht, sich des grossen Passes +von <i>Deriteng</i>, d. i. Engthor, welcher über das gordiaische +Gebirge oder den Zagros in die Ebene des arabischen Irak +führt, zu versichern. Auf steilem Felsen, auf der Heerstrasse +vom persischen ins arabische Irak erhebt sich das +Schloss in einer engen Schlucht, wovon es den Namen +<i>Engthor</i> führt. Die Bewohner dieser Felsenschlucht waren +nicht minder durch ihre Schönheit, als das Schloss durch +seine Festigkeit berühmt<a name="FNanchor_295" id="FNanchor_295"></a><a href="#Footnote_295" class="fnanchor">[295]</a>. Dieselbe wird vom <i>Diala</i> durchbrochen, +welcher in der Entfernung einiger Stunden oben +an den Ruinen von <i>Kassr Schirin</i> (das alte Artemita) vorbeifliesst. +Hulagu, dem nicht unbekannt, dass Hosameddin +Aka, der Befehlshaber des Engpasses, sich über den Chalifen +zu beklagen habe, lud ihn zu sich, überhäufte ihn mit +Ehren und Geschenken und schenkte ihm die Schlösser +<i>Disser</i>, d. i. das Goldschloss, <i>Dis Merdsch</i>, d. i. das Wiesenschloss, +und einige andere; aber hierdurch übermüthig, +sandte Aka an <i>Ssalaje</i>, den Befehlshaber von <i>Irbil</i>, Wort, +dass, wenn ihm der Chalife sein Vertrauen schenken wolle, +er mit hunderttausend Turkmanen und Kurden den Hulagu +zurückzutreiben bereit. Der Chalife gab diesem Vorschlage +kein Gehör. Hulagu, der davon Kunde erhalten, sandte +den <i>Keitbuka</i> mit dreitausend Reitern mit dem scheinbaren +Auftrage, sich mit Aka über die Mittel des Marsches nach +Bagdad zu berathen. Dieser ging in die Falle; Keitbuka, +Herr seiner Person, forderte die Schleifung der Schlösser +und er ward, nachdem dieselben geschleift waren, getödtet. +Kein günstiger Stern waltete über dem Haupte des von +Mengukaan seinem Bruder zur Berathung beigegebenen +Astronomen Hosameddin. Um seine Meinung über den Zug +wider Bagdad befragt, sagte er unter Verbürgung mit seinem +Kopfe, im Falle, dass der Marsch unternommen werde, +sieben Unfälle voraus: den Fall von Pferden und Menschen +durch Seuchen, Mangel an Sonne und Regen, schreckliche +Orkane und Erdbeben, Unfruchtbarkeit und Hungersnoth +<span class='pagenum'><a name="Page_146" id="Page_146">[146]</a></span> +und endlich den Tod eines grossen Monarchen im selben +Jahre. Hulagu liess sich diese Prophezeihung und Bürgschaft +schriftlich geben und befragte nun den Astronomen +Nassireddin, was denn geschehen würde, wenn er nach +Bagdad zöge; Nichts, antwortete Nassireddin, als dass Hulagu +die Stelle des Chalifen einnehmen wird. Er zerstreute +hierauf alle Besorgniss Hulagu's über etwa aus solchem Zuge +wider Bagdad zu befürchtende Unglücke durch die Anführung +geschichtlicher Beispiele. Tahir sei aus Chorasan wider +Bagdad gezogen und habe den Bruder des Chalifen erschlagen; +Motewekkil und sein Sohn und mehrere Chalifen +seien erschlagen worden, ohne dass für die Stadt irgend +ein Unheil daraus entstanden. Hulagu ergab sich gern den +seinen Wünschen schmeichelnden Versicherungen des Astronomen +von Tus; der andere wurde, da keine seiner Prophezeihungen +eingetroffen, fünf Jahre hernach hingerichtet.</p> + +<div class="sidenote">Hulagu's +Marsch nach +Bagdad.</div> + +<p>Die Anordnung der verschiedenen Heereskörper, welche +vermöge Hulagu's Befehl nun Bagdad von allen Seiten umzingelten, +ist eines der schönsten Zeugnisse für Hulagu's +grosses Feldherrntalent. <i>Dschurmaghun</i> und <i>Baidschu Nujan</i>, +die beiden in den persischen Feldzügen ergrauten Feldherrn, +welchen aber seit Hulagu's Eintritt in Persien ihr Standort +in Kleinasien angewiesen worden, befehligten den rechten +Flügel, der, von Irbil und Mossul heranrückend, über die +Brücke von Mossul ging und sich auf der Westseite von +Bagdad niederliess. Mit ihnen vereinten sich die Prinzen +<i>Bulgha</i>, <i>Kuli</i>, <i>Kotar</i> (der Enkel Batu's) und die persischen +<i>Buka Timur</i> und <i>Sundschak Nujan</i>, welche die Strasse von +Schehrsor über <i>Dakuk</i> heranzogen. <i>Keitbuka</i>, der Befehlshaber +des Vortrabs beim Einmarsche Hulagu's in Persien, +mit <i>Kurusun</i> und <i>Ilka</i> kamen mit dem linken Flügel von +Seite Luristan's und Chusistan's. Hulagu selbst stand mit dem +schweren Gepäcke des ganzen Heeres im Mittelpunkte zu +Hamadan und brach in den ersten Tagen des Januars des +Jahres tausend zweihundert acht und fünfzig, gerade zwei +Jahre nach dem Uebergange über den Oxus, gegen den +Tigris über Kermanschahan und Holwan auf. In seinem +<span class='pagenum'><a name="Page_147" id="Page_147">[147]</a></span> +Geleite die grossen Emire <i>Köke Ilka</i> und <i>Arghunaga</i>, die +beiden Bitekdschi (Kanzler) <i>Karakai</i> und <i>Seifeddin</i>, der +Staatssekretär <i>Alaeddin Athamülk</i> von <i>Dschuwein</i>, der grosse +Geschichtschreiber, und <i>Nassireddin von Tus</i>, der grosse +Astronom; jener, um die Thaten und Begebenheiten des +Feldzugs zu beschreiben, dieser, um die durch den Lauf +der Gestirne angezeigten günstigen Stunden anzugeben; jener +die Feder, dieser der Zeitmesser des Feldzugs. Von Esedabad +aus sandte Hulagu abermal einen Gesandten nach +Bagdad, um den Chalifen zur Uebergabe aufzufordern, und +zu <i>Deinewer</i> erschien abermal <i>Ibnol Dschewsi</i>, der Gesandte +des Chalifen, mit dem Antrage: die Summen, welche Hulagu +aussprechen würde, jährlich in dessen Schatz abzuführen, +und mit der Bitte: dass das Heer zurückkehren möge. +Hulagu antwortete: Da wir schon so weit gekommen, um +den Chalifen zu sehen, wie sollen wir nun umkehren, was +nach persönlicher Zusammenkunft geschehen mag. Von +Deinewer ging der Marsch über <i>Kuh Girdaa</i>, und am siebenten +Tage nach dem Aufbruche von Hamadan ward Kermanschahan +geplündert und verheert. <span class="xidenote">7. Moharrem 656/<br />13. Januar 1258</span> Von hier wurden Eilboten +abgefertigt, um die Ankunft von Sundschak, Baidschu +und Suntai zu beschleunigen; sie warteten zu <i>Takkesrai</i> und +brachten als Gefangene den Ibek von Haleb und Seifeddin +Melik mit sich, welche sie streifend aufgegriffen. Hulagu +schenkte Beiden das Leben und machte sie zu Dienern der +Schildwachen<a name="FNanchor_296" id="FNanchor_296"></a><a href="#Footnote_296" class="fnanchor">[296]</a>. Die Emire wurden, mit schmeichelhaften +Beweisen von Gunst und Freigebigkeit überhäuft, zurückgesendet, +um auf das Eheste den Uebergang über den Tigris +auf der westlichen Seite von Bagdad zu bewerkstelligen. +Von dort holten die Verräther des Heeres des Chalifen +die beiden Chuaresmier <i>Kara Sankor</i> und <i>Sultandschuk</i>, +die Befehlshaber der mongolischen ein; Kiptschak schrieb +an den ersten: Du und ich sind von Einem Stamme (Türken); +wir haben uns unterworfen und befinden uns gut dabei, thuet +desgleichen. Kara Sankor antwortete in dem Sinne des +<span class='pagenum'><a name="Page_148" id="Page_148">[148]</a></span> +Astronomen Hosameddin: Wie sich ein neu aufgeschossener +Zweig, wie die Herrschaft der Mongolen, mit dem schon +ein halbes Jahrtausend wurzelnden Stamme des Chalifats +messen könne? Wenn sich Hulagu unterwerfen wolle, würde +man trachten, durch Vermittelung des Diwitdars den Frieden +vom Chalifen zu erwirken. Hulagu, als man ihm dieses +Schreiben brachte, lachte darüber und sagte: Meine Hilfe +kommt von Gott und nicht vom Gold; wenn er mir hilft, +was kümmert mich die Zahl der Heere des Chalifen<a name="FNanchor_297" id="FNanchor_297"></a><a href="#Footnote_297" class="fnanchor">[297]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Bagdad's +Belagerung.</div> + +<p>Ein neuer Gesandter ward nach Bagdad abgefertigt, +um den Chalifen zur Unterwürfigkeit aufzufordern, und zugleich +nach Holwan aufgebrochen, wo eine Woche gerastet +ward. Indessen gingen die Emire Baidschu, Buka Timur +und Sundschak über den kleinen Tigris und standen am +Kanale <i>Nehr Isa</i>. Sundschak erbat sich von Baidschu die +Erlaubniss aus, den Vortrab des westlichen Heeres gegen +Bagdad zu befehligen, und nachdem er dieselbe erhalten, +rückte er bis <i>Dscherbije</i> vor. <i>Mudschahideddin Ibek</i>, der +kleine Diwitdar, und <i>Fetheddin Ibnol-Kerr</i>, die Feldherren +des Chalifen, waren mit zehntausend Mann bei Jakuba über +den <i>Diala</i> und dann über den Tigris gegangen und trafen +mit dem mongolischen Vortrabe in der Gegend von <i>Enbar</i><a name="FNanchor_298" id="FNanchor_298"></a><a href="#Footnote_298" class="fnanchor">[298]</a>, +neun Parasangen westlich von Bagdad, zusammen. Fetheddin +Kerr wollte die Schlacht hier nicht wagen, aber die Ungestümme +des Diwitdar zwang ihm dieselbe auf. Der Sohn +Kerr's, um seinen Sinn kund zu geben, dass er auf dem +Schlachtfelde feststehen und dasselbe keineswegs als Flüchtiger +verlassen wolle, ritt statt eines Pferdes ein Maulthier, +dessen Hufe so schwer mit eisernen Schienen beschlagen, dass +es zur Flucht untauglich<a name="FNanchor_299" id="FNanchor_299"></a><a href="#Footnote_299" class="fnanchor">[299]</a>. Die Schlacht dauerte den ganzen +<span class='pagenum'><a name="Page_149" id="Page_149">[149]</a></span> +Tag und endete mit der Vernichtung des Heeres des Chalifen, +von welchem der Diwitdar nur der Selbdritte entfloh. +Als er mit der Nachricht des verlorenen Heeres vor dem +Chalifen erschien, der eben Schah spielte, sagte dieser blos +dreimal: <i>Gott sei Dank für das Heil Mudschahideddin's</i>. +Moteaassim's an Blödsinn gränzende Sorglosigkeit und Unwissenheit +ging so weit, dass, als man ihm die erste Nachricht +brachte: die Vorposten der Mongolen hätten bereits +die Höhen von <i>Hamrin</i> (das von Westen nach Osten zwischen +dem Euphrat und Tigris nach Tekrit laufende niedere Gebirge) +passirt, er fragte: wie das wohl möglich? Man +antwortete ihm: „Das Heer der Tataren, die wie die Meeresfluthen +einherfahren, überfliegt der Berge Gipfel wie der +Adler Schaaren; da sie den Damm von Gog und Magog +für Spinngeweb' ansehen, was soll auf des Hamrin's Höhen +aus ihren Hufen wohl anders erstehen, als Staub, was soll +aus dem Sturme, in dem sie daherfahren, wohl anders aufgehen, +als Feuer und Raub“<a name="FNanchor_300" id="FNanchor_300"></a><a href="#Footnote_300" class="fnanchor">[300]</a>. In der Hälfte des Moharrem <span class="xidenote">14. Moharrem/<br />21. Januar 1258</span> +stunden die drei Nujane, Baidschu, Buka Timur und Sundschak +auf der westlichen Seite des Tigris vor Bagdad, +während Keitbuka und die mit ihm von Nachaire kamen, +und Hulagu mit dem schweren Gepäcke zu Chanikin stand. +Am folgenden Tage lagerte er an der östlichen Seite von +Bagdad, das nun von allen Seiten, wie von Ameisenzügen +und Heuschreckenschwärmen, und nach der mongolischen +Belagerungsweise sogleich mit einer Mauer, oder, um richtiger +zu sprechen, mit einem in aller Eile aufgeworfenen +Erddamme eingeschlossen ward. Dienstags den neun und +zwanzigsten Januar begann der Kampf. <span class="xidenote">22. Moharr./<br />29. Januar</span> Hulagu stand auf +der Heerstrasse von Chorasan, gegenüber dem persischen +Bollwerk, Ilka Nujan vor dem Gülwadischen Thore, die +drei Prinzen, Enkel Dschudschi's, mit Schiramun und Arktin +vor dem Thore des Sultansmarktes, Buka Timur auf der +Südwestseite an den Mühlen, Baidschu und Sundschak auf +der Westseite gegenüber dem Spitale, welches Adhaddewlet, +<span class='pagenum'><a name="Page_150" id="Page_150">[150]</a></span> +der grosse Herrscher aus dem Hause Buje, der erste zu +Bagdad, gebaut. Die Belagerungsmaschinen waren vorzüglich +gegen das persische Bollwerk gerichtet und in demselben +bald Wallbruch gemacht. Nun sandte Moteaassim den Wesir +und einen Bischof<a name="FNanchor_301" id="FNanchor_301"></a><a href="#Footnote_301" class="fnanchor">[301]</a> mit der Botschaft, er füge sich dem +Verlangen des Padischah, welcher verlangt, dass ihm der +Wesir gesendet werde; – „diess“, antwortete Hulagu, „war +mein Begehren zu Hamadan, wie soll ich mich aber vor +Bagdad's Thoren mit Einem begnügen? Es sollen auch die +drei anderen Säulen der Herrschaft des Chalifen erscheinen, +der Diwitdar, der Scherabdar und Suleimanschah, der Oberbefehlshaber +des Heeres.“ Am folgenden Tage erschien der +Wesir mit einer Schaar von Vornehmen, aber ohne die verlangten +Drei. Hulagu sandte sie zurück; er befahl, ein an +die Richter, Scheiche, Danischmende (Studenten), Arkaune +(christlichen Priester) von Bagdad gerichtetes Diplom, wodurch +denen, die sich friedlich halten würden, das Leben +zugesichert ward, in sechs Abschriften von sechs Seiten der +Stadt durch Pfeilflug in dieselbe abzufertigen. Die Wurfmaschinen +schleuderten in Ermangelung von Steinen Thonflötze, +die man von Hamrin gebracht, und abgehauene Palmen +wider das persische Bollwerk, das Freitags am ersten Februar +zu Boden sank. <span class="xidenote">25. Moharrem/<br />1. Februar</span></p> + +<div class="sidenote">Bagdad's +Eroberung.</div> + +<p>Am fünften Februar standen Hulagu's Krieger bereits +auf der Mauer des Bollwerks, während auf der anderen +Seite die Prinzen noch nicht bis an den Fuss der Mauer +vorgedrungen waren. Hulagu sandte ihnen ausscheltendes +Wort und befahl zugleich, Brücken zu schlagen. <span class="xidenote">28. Moharr./<br />4. Febr.</span> Buka Timur +wurde mit einem Toman, d. i. mit einer Abtheilung von +zehntausend Mann, auf der Heerstrasse von Medain und +Bassra befehligt, um die, so etwa mit den Schiffen auf dem +Tigris zu entfliehen versuchten, aufzufangen. Der Diwitdar, +welcher auf diese Weise mit mehreren Schiffen zu entkommen +hoffte, wurde aufgehalten, drei Schiffe genommen, die anderen +versenkt oder zerstört. Auf diese Nachricht entsank +<span class='pagenum'><a name="Page_151" id="Page_151">[151]</a></span> +dem Chalifen aller Muth zu fernerem Widerstande; er sandte +den Fachreddin von Demaghan und den Ibn Dernus mit +wenigen Geschenken; denn er fürchtete, dass, wenn er +viele sendete, die Grösse derselben für den Maassstab seiner +Furcht gelten könnte. Hulagu wies dieselben mit den Ueberbringern +zurück. Am folgenden Tage kam Ebulfadhl Abderrahman +an der Spitze aller Grossen mit grossen Geschenken; +aber auch diese wurden nicht genehmigt. <span class="xidenote">29. Moharr./<br />5. Febr.</span> Hulagu sandte +den Nassireddin von Tus als Gesandten in die Stadt; welcher +Triumph für den rachsüchtigen Astronomen, welcher seiner +Empfindlichkeit für die Verschmähung seiner Verse die +Stadt des Heils und das Heil des Chalifats geopfert, welcher +Triumph für ihn, dem Chalifen nun im Namen des Siegers +Gesetze vorzuschreiben! Am folgenden Tage kehrte er +zurück, und Hulagu sandte die aus der Stadt gekommenen +drei Gesandten, den <i>Fachreddin Demaghani</i>, den <i>Ibnol +Dschewsi</i> und <i>Ibn Dernus</i>, mit dem Begehren, dass Suleimanschah +und der Diwitdar erscheinen mögen. Sie erschienen +wirklich zwei Tage hernach. <span class="xidenote">1. Ssafer/<br />7. Februar</span> Hulagu sandte sie wieder in +die Stadt zurück, um die Ihrigen mit sich zu bringen. Die +syrischen und irakischen Truppen und eine Menge Volkes +benützten diese Gelegenheit, um die Stadt zu verlassen und +sich in's Lager der Mongolen, wo sie Rettung und Sicherheit +zu finden hofften, zu begeben; sie wurden in Tausende, +Hunderte und Zehn abgetheilt, den mongolischen +Befehlshabern der Tausender, Hunderter und Zehner übergeben +und von diesen regelmässig umgebracht. Abgeordnete +kamen aus der Stadt, um das Leben der noch Zurückgebliebenen +zu erflehen, die Alle unterwürfig. Hulagu begehrte, +dass der Chalife seine Söhne sende und selbst komme. +Während diesen Unterhandlungen ward einem Inder Bitekdschi, +der bei Hulagu in grossem Ansehen, ein Auge ausgeschossen; +Hulagu, hierüber ergrimmt, wollte nun von +weiterem Aufschub nicht mehr hören. Er befahl dem Nassireddin +von Tus, sich an's Thor der Wettrenner<a name="FNanchor_302" id="FNanchor_302"></a><a href="#Footnote_302" class="fnanchor">[302]</a> zu begeben +<span class='pagenum'><a name="Page_152" id="Page_152">[152]</a></span> +und die Einwohner mit Zusicherung des Lebens herauszuführen; +als diess geschehen, wurden sie Alle niedergemacht. <span class="xidenote">2. Ssafer/<br />8. Febr.</span> +Suleimanschah wurde mit Siebenhundert der Seinen in die +Gegenwart Hulagu's geführt. Dieser fragte ihn: Wie kommt's, +dass du, ein Sternkundiger, nicht den Frieden vorgezogen +und deinem Herrn nicht dazu gerathen? Suleimanschah +erwiederte: Der Chalife ist an Geist und Glück verwahrlost +und leiht denen, die es wohl mit ihm meinen, kein Ohr. +Suleiman und seine Siebenhundert wurden niedergemetzelt, +so auch der Diwitdar und dessen Sohn, und die drei Köpfe +an Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, gesandt, der, +ein Freund Suleimanschah's, seinen Tod beweinte, aber +nothgedrungen, um nicht seinen Kopf zu verlieren, den des +Freundes an dem Thore seines Palastes aufhängen musste. +Nach diesem tragischen Ende seiner Getreuesten rief der +Chalife seinen Wesir und fragte ihn, was zu thun; dieser +antwortete ihm mit dem arabischen Distichon:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Sie wähnen, es sei leicht, Geschäft zu schlichten,<br /></span> +<span class="i0">Indess das Schwert sich schärft, um hinzurichten.<br /></span> +</div></div> + +<p>Endlich begab sich der Chalife, mit seinen drei Söhnen und +von dreitausend Seiden, Imamen, Scheichen und Kadis begleitet, +Freitags den zehnten Februar zu Hulagu. <span class="xidenote">4. Ssafer/<br />10. Febr.</span> Dieser +empfing ihn ohne Merkmal des Zorns und begehrte kalt +und ruhig, der Chalife möge Wort in die Stadt senden, +dass die Einwohner die Waffen wegwerfen und zur Zählung +herauskommen möchten. Der Chalife gehorchte und Bagdad's +Einwohner gingen wie Schafe zur Schlachtbank, denn statt +gezählt zu werden, wurden sie ungezählt Alle getödtet, der +Chalife und seine Söhne in Zelte gewiesen vor dem Gülwadischen +Thore, wo der Standort Keitbuka's. Drei Tage +hernach begann die allgemeine Plünderung. <span class="xidenote">7. Ssafer/<br />13. Febr.</span> Alle Paläste +und Gebäude wurden niedergebrannt, bis auf einige wenige, +ausdrücklich ausgenommene Häuser von <i>Arkaunen</i>, das ist +nestorianischen Priestern und Fremden. Die Priester dankten +diese Schonung vermuthlich Niemanden Anderem, als ihrer +Glaubensgenossin, der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen +Frau <i>Tokus</i>, der Keraitin, welcher im Lager Kapelle mit +<span class='pagenum'><a name="Page_153" id="Page_153">[153]</a></span> +Glockengeläute gestattet ward. Unter den Fremden sind +vielleicht fränkische Kaufleute gemeint, Venezianer und +Genueser, welche sich zu Bagdad des Handels willen aufhielten.</p> + +<div class="sidenote">Blutbad und +Hinrichtung +des Chalifen.</div> + +<p>Freitags am fünfzehnten Februar begab sich Hulagu +selbst in die entvölkerte, niedergebrannte, verheerte Stadt +und ordnete auf den Ruinen derselben Feste an. Er liess +den Chalifen vorführen und sagte ihm: Du bist der Gastgeber +und ich der Gast; tische uns also auf, was du hast. +Der Chalife zitterte und hatte aus Furcht alle Besinnung +verloren, so dass er die Schlüssel zu den Schatzkisten, die +er ausliefern sollte, nicht fand. Die Kisten wurden erbrochen +und er brachte huldigend dem Sieger zweitausend Kleider +und zehntausend Goldstücke nebst vielen Juwelen und anderen +Kostbarkeiten dar. Hulagu würdigte das Geschenk +keines Blickes und befahl, es unter die Emire und die +nächste Umgebung zu vertheilen. Dann herrschte er weiter: +Was über der Erde von deinen Schätzen, ist klar und +offenbar; doch nun entdecke uns auch die unterirdischen. +Der Chalife gab die unterirdische Cisterne an, bei deren +Anblick sein Urgrossvater <i>Nassir</i> so oft seufzte, dass er dieselbe +trotz seines Zusammenscharrens von Gold nicht damit +ganz füllen, sein Vater <i>Mostanssir</i>, dass er dieselbe trotz +seiner verschwenderischen Freigebigkeit nicht ganz leeren +konnte. Moteaassim's Geiz hatte den durch des Vaters Freigebigkeit +entstandenen Abgang wieder ausgefüllt. Hierauf +wurde das Frauengemach des Chalifen gezählt; es waren +siebenhundert Sklavinnen und tausend Verschnittene. Der +Chalife, als er den Zählungsbefehl vernahm, bat um Schonung +dieser, selbst von Sonne und Mond nie geschauten +Schönheiten. Hulagu erlaubte ihm, hundert auszuwählen. +Mit sinkender Nacht kehrte Hulagu aus der Stadt wieder +in's Lager zurück und befahl dem Sundschak Nujan, die +Schätze des Chalifen in Besitz zu nehmen; die seit einem +halben Jahrtausend aufgehäuften Schätze wurden rings des +Herrscherzeltes aufgeschichtet; die edelsten Wallfahrtsstätten, +wie die Moschee des Chalifen, die Grabstätte Musa's, die +<span class='pagenum'><a name="Page_154" id="Page_154">[154]</a></span> +Grabmäler von Rossafa, wurden geplündert; die noch übrigen +Einwohner der Stadt baten durch Scherefeddin von Meragha +und Schihabeddin von Sindschar um Schonung und Vergebung; +da erging der Befehl, dass das Blutbad und die +Plünderung aufhöre, denn Bagdad sei sofort des Padischah's +Eigenthum. <span class="xidenote">14. Ssafer/<br />20. Febr.</span> Hulagu zog nach einigen Tagen, der ungesunden +Luft willen, sein Lager auf einige Entfernung von +der Stadt zurück; dann liess er abermals den Chalifen in +seine Gegenwart fordern. Der Chalife sagte zum Wesir: +Was ist zu thun? „Unser Bart ist lang“, antwortete dieser +in bitterer Beziehung auf das Wort des Diwitdar's, der, als +der Wesir bei der ersten Aufforderung Hulagu's gerathen, +sich mit einer reichen Ladung von Schätzen abzufinden, dem +Chalifen sagte: „Der Wesir hat einen langen Bart“ (auf +das arabische Sprichwort hindeutend: <i>langer Bart und +kurzer Verstand</i>). Der Chalife bat nun den Ilchan um die +Erlaubniss, sich in's Bad zu begeben, welche ihm Hulagu +unter der Begleitung von fünf Mongolen gewährte. Ich +wünschte nicht, sagte Moteaassim, die Gesellschaft von fünf +Folterengeln, und declamirte einige Verse einer berühmten +Kassidet, deren Anfang:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Wir wachten auf in einem Freudenhorte,<br /></span> +<span class="i0">Voll Paradieseslust und Pracht;<br /></span> +<span class="i0">Der Abend findet uns an einem Orte,<br /></span> +<span class="i0">Woran wir gestern nicht gedacht.<br /></span> +</div></div> + +<p>Am selben Tage, wo Hulagu sein Lager von Bagdad +zurückzog, <span class="xidenote">14. Ssafer/<br />20. Febr.</span> wurde der Chalife, in einen Teppich eingewickelt, +zu Tode gerollt und unter den Hufen der Pferde +zertreten; drei seiner Söhne und seine fünf Begleiter wurden +im Dorfe <i>Wakf</i> hingerichtet, und am folgenden Tage Alle +die, so am Gülwadischen Thore zurückbehalten worden +waren, getödtet; der jüngste Sohn des Chalifen, Mubarekschah, +wurde der Gemahlin Hulagu's, der Frau Oldschai, +zum Geschenke gemacht, welche ihm eine mongolische Sklavin +zur Frau gab und an Nassireddin von Tus nach Meragha +sandte. Am selben Tage mit dem Chalifen wurde der Wesir +Alkami und der Staatssekretär, Vorsitzer des Diwan's, Fachreddin +<span class='pagenum'><a name="Page_155" id="Page_155">[155]</a></span> +von Demaghan in die Stadt gesendet und Ali Behadir, +der Steuereinnehmer, welcher das Heer während der Belagerung +mit Lebensmitteln von Baakuba aus versehen hatte, +zum Statthalter, der Emir Karakai Imadeddin von Kaswin +zum Naib (Stellvertreter des Richters) ernannt; dem +Nedschmeddin Ebi Dschaafer Amran, der den schönen Beinamen +<i>Meliki rast</i>, d. i. des geraden Königs, führte, wurde +die Steuereinnahme über das östliche Gebiet Bagdad's anvertraut, +und dem Richter der Richter Nisameddin Abdolmumin +die Aufrechthaltung der Polizei aufgetragen. Ilka +Nujan und Kara Buka wurden mit dreitausend Mann zur +Aufräumung des Schuttes und zur Beerdigung der Todten, +zur Auferbauung der verheerten Gebäude befehligt; ein +vergeblicher Befehl, denn das alte Bagdad erstand nie wieder +in seinem vorigen Glanze; und als sechzig Jahre nach der +Eroberung der Geschichtschreiber Wassaf Bagdad besuchte, +war nicht der zehnte Theil der alten Gebäude und Bevölkerung +vorhanden; dem <i>Ibnol Alkami</i> aber, dessen Verrätherei +die Hauptursache des Ruins des Chalifats, und +welcher nur drei Monate die Eroberung Bagdad's überlebte, +ward noch allgemein geflucht, und an den Thoren der Moscheen +und Medreseen war die Inschrift zu lesen: <i>Gott +verfluche den, der nicht fluchet dem Ibnol Alkami</i><a name="FNanchor_303" id="FNanchor_303"></a><a href="#Footnote_303" class="fnanchor">[303]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Gesandtschaften +an +Hulagu; +Alkami's +Tod; Bibliothekenruin.</div> + +<p>Von Hille, das der Sitz der Seide, Prophetenverwandten, +hatte der Vorsteher derselben, <i>Medschdeddin Mohammed +Ibnol Hasan Ben Taus</i> (das erste Viertel dieses viertheiligen +langen Namens heisst <i>Glaubensruhm</i>, das letzte <i>Pfauensohn</i>) +durch einen Gesandten ein Schreiben unterwürfigen +Inhalts an Hulagu gesandt<a name="FNanchor_304" id="FNanchor_304"></a><a href="#Footnote_304" class="fnanchor">[304]</a>. Dieser entgegnete ihnen Diplom +und Geschenke durch Tekele und Ali von Nachdschiwan, +welcher als Gesandter, der Emir Alaeddin der Perser als +Statthalter nach Hille gingen<a name="FNanchor_305" id="FNanchor_305"></a><a href="#Footnote_305" class="fnanchor">[305]</a>. Ihnen folgte auf dem Fusse +<i>Buka Timur</i>, der Bruder der Frau Oldschai, um sich Hille's, +<span class='pagenum'><a name="Page_156" id="Page_156">[156]</a></span> +Wasith's und Kufa's zu bemächtigen. <span class="xidenote">10. Ssafer/<br />16. Febr.</span> Die Bewohner Hille's +kamen ihm freundlich entgegen und erleichterten seinen +Marsch, indem sie Brücken über den Euphrat schlugen. +Von den Bewohnern Wasith's, das sich nicht unterwarf, +wurden vierzigtausend niedergemetzelt. Von Wasith zog Buka +Timur gegen Chusistan, den Schereffeddin Ibnol-Dschewsi +mit sich führend, um durch denselben die Einwohner der +Stadt <i>Schuster</i> zur Uebergabe zu bereden. Bassra und die +Umgegend unterwarf sich gutwillig, der Emir Seifeddin, +der Bitekdschi, erbat sich hundert Mongolen als Sicherheitswache +für die Grabstätte Ali's zu Nedschef; nach Verlauf +von fünf Wochen war Buka Timur im Lager zurück. <span class="xidenote">19. Rebiulewwel/<br />26. März</span> +Ein Monat nach der Eroberung Bagdad's wurden die Gesandten +des Fürsten der Ejubiden zu Haleb mit einem von +Nassireddin von Tus aufgesetzten arabischen Schreiben zurückgefertigt; +es lautete: „Wir haben gelagert vor Bagdad +im Jahre sechshundert sechs und fünfzig und übel tagte der +Morgen über die Bewohner, und wir luden den Besitzer +ein; er weigerte sich; da ward an ihm das Wort erfüllt, +und wir nahmen ihn gefangen. Wir laden dich ein zu +Unserem Gehorsam; wenn du denselben verweigerst, ist's +dein Verderben. Sei nicht wie der, der sich streitet um +ein Aas, denn der Listige verliert, er weiss nicht was, +sonst wirst du seyn von den Verworfenen, welche ihren +Fleiss auf das irdische Leben wenden an, und die da wähnen, +sie hätten Etwas für's Künftige gethan; Heil dem, der wahrer +Leitung folgt!“ <span class="xidenote">11. Rebiulachir/<br />17. April</span> Hulagu befand sich in der zweiten Hälfte +Aprils wieder bei seinem schweren Gepäcke<a name="FNanchor_306" id="FNanchor_306"></a><a href="#Footnote_306" class="fnanchor">[306]</a> zu Hamadan, +wo er seine Gesundheit pflegte, da er unwohl. <span class="xidenote">16. Rebiul. II./<br />22. April</span> Fünf Tage +später erschienen Ilka und die anderen Emire zur Aufwartung; +sechs Wochen hernach starb Moejeddin Ibnol Alkami, <span class="xidenote">2. Dschem. II./<br />6. Juni</span> +welcher wenigstens dem Namen nach die Wesirschaft von +Bagdad beibehalten hatte; nach dessen Tode erhielt dieselbe +sein Sohn Scherefeddin. Wiewohl der Name Ibnol Alkami's +<span class='pagenum'><a name="Page_157" id="Page_157">[157]</a></span> +nichts anderes als der eines Verräthers auf den Zungen der +glaubwürdigsten Geschichtschreiber, so erfordert es doch +unsere Pflicht, als solcher auch des Ehrenvollen zu erwähnen, +was eine andere, freilich nicht sehr glaubwürdige +Quelle von demselben meldet. Der Verfasser des <i>Sittenspiegels +der Herrschaft</i><a name="FNanchor_307" id="FNanchor_307"></a><a href="#Footnote_307" class="fnanchor">[307]</a>, welcher sich im Seltsamen zu +gefallen scheint, sucht ihn von aller Schuld der Verrätherei +rein zu waschen, indem er den schlechten Ruf desselben +einzig als Verläumdung und aus dem Hasse und Neide der +nächsten Umgebungen des Chalifen, welcher ihm sein ganzes +Vertrauen geschenkt, zu erklären bemüht ist; dass er des +Vertrauens des Chalifen nicht ausschliesslich genoss, erhellt +schon aus dem, dass sein Rath von dem seines Gegners, +des Diwitdar's, überflügelt worden, und dass ihm Hulagu +nach Bagdad's Eroberung den Titel der Wesirschaft liess, +beweiset keineswegs, dass er kein Verräther. Wassaf, welcher +ein halbes Jahrhundert darauf seine Geschichte schrieb, bestätigt +die Worte Reschideddin's, seines Zeitgenossen, und +entkräftet das angebliche Vertrauen, das jenem Sittenspiegel +zufolge Hulagu in ihn gesetzt haben soll, durch das, was +er bei dieser Gelegenheit über die löbliche Sitte mongolischer +Herrscher sagt: die Verrätherei und Anschwärzerei +zwar zu ihrem Vortheile zu benützen, aber den Verräther +und Anschwärzer zu verachten; seiner Verrätherei aus +Niederträchtigkeit und Leidenschaftlichkeit ungeachtet, kann +Ibnol Alkami sehr wohl ein gebildeter, selbst gelehrter +Wesir, grosser Gönner und Freund der Gelehrten gewesen +sein, der eine Bibliothek von zehntausend Bänden besass, +deren viele ihm gewidmet waren; selbst der grosse Gelehrte +Nassireddin erscheint in nicht viel besserem Lichte, indem +ihn gekränkte Eitelkeit zur Rache an dem Chalifen durch +den Ruin des Chalifats anspornte, und so stehen der gelehrte +Wesir und der gelehrte Astronom leider beide von +Seite ihres Charakters und ihrer politischen Grundsätze in +höchst ungünstigem Lichte vor den Augen der Nachwelt. +<span class='pagenum'><a name="Page_158" id="Page_158">[158]</a></span> +Die zehntausend Bände der Bibliothek Ibn Alkami's wurden, +wie die der anderen Bibliotheken Bagdad's, von den Mongolen +entweder in den Tigris geworfen oder verbrannt; +binnen zwei Jahren der dritte grosse, für Bibliotheken verderbliche +Brand, in welchem zu Alamut, Medina und Bagdad +die Werke östlicher Weisheit, welche die Welt erleuchten +sollten, ein Raub der Flammen. Durch diesen dreifachen +Bibliothekenbrand binnen zwei Jahren ging nur zu sehr in +leidige Erfüllung die Vorbedeutung des um zwei Jahre +früheren Brandes der arabischen Wüste.</p> + +<div class="sidenote">Irbil's +grosser, +wohlthätiger +Fürst; das +persische +Königstein; +die Sternwarte +von +Meragha.</div> + +<p>Nach Bagdad's Eroberung befehligte Hulagu den <i>Oroktu +Nujan</i> zur Eroberung Irbil's, der zwischen dem grossen +und kleinen Sab, zwei Tagreisen von Mossul gelegenen +Hauptstadt des oberen Kurdistan's, welches durch die Bauten +des erst vor acht und zwanzig Jahren<a name="FNanchor_308" id="FNanchor_308"></a><a href="#Footnote_308" class="fnanchor">[308]</a> verstorbenen turkmanischen +Fürsten <i>Kewkebusi Ben Ebul Hasan Ali</i> damals +eine der blühendsten Städte des persischen Irak. Dieser +edle Fürst, von welchem die europäischen Geschichtschreiber +bisher nicht die geringste Kunde genommen, ist einer der +wohlthätigsten des Islams und verdient als solcher sehr wohl +seinen doppelten Ehrennamen <i>Melik Moaasem Mosaffereddin</i>, +d. i. des grossgeehrten, durch die Religion siegreichen +Königs. Täglich speiste er Arme und kleidete sie im Winter; +alljährlich sandte er Commissäre in die Häfen, um Gefangene +auszulösen, und nach Mekka, um die Pilgerkarawane +mit Speise und Trank zu versehen. Zu Mekka führte er +die erste Wasserleitung vom Aarafat und baute mehrere +Wasserbehälter, zu Irbil gründete er ein Dutzend wohlthätiger +Anstalten, mehrere solche, von denen weder vordem +noch seitdem im Islam gehört worden; nämlich: ein Haus +für Findelkinder, eine Anstalt für Ammen und Säuglinge, +eine Versorgungsanstalt für Wittwen, ein gemeines Krankenhaus, +ein besonderes Spital für Blinde, ein Karawanserai, +in welchem die Reisenden nicht nur umsonst bewirthet, +sondern auch noch ausserdem mit Reisegeld versehen wurden, +<span class='pagenum'><a name="Page_159" id="Page_159">[159]</a></span> +ein Kloster, eine Medrese, an welcher Muderrise für die +beiden Ritus Hanefi und Schafii, und endlich eine Moschee, +an welcher alljährlich das Fest der Geburt des Propheten +mit einer Pracht und einem Zulaufe von Menschen begangen +ward, wie vordem und seitdem nirgends. Von Mossul, +Sindschar, Dschesire, Nissibin strömten die Besucher, Prediger, +Redner, Dichter, Koranleser, Ssofi nach Irbil; einen +ganzen Monat vor dem Feste waren zwischen der Moschee +und dem Kloster zwanzig, drei Stock hohe Dome aus Brettern +aufgeschlagen, von deren Gallerien Dichter declamirten, +Redner sprachen, Schattenspieler die Zuschauer unterhielten. +Täglich nach dem Nachmittagsgebete begab sich Mosaffereddin +zu diesen Domen, wohnte in der Nacht im Kloster +dem Reigen der Ssofi bei und ging nach dem Morgengebete +auf die Jagd. Am Geburtsfeste selbst ward eine unzählbare +Menge von Kameelen, Rindern, Schafen unter Musik auf +den Platz gebracht, geschlachtet, gesotten und gebraten, +während der Nacht die Stadt erleuchtet und am folgenden +Tage die Gäste an zwei grossen Tafeln, deren eine für die +Vornehmen, die andere für das Volk, bewirthet; im Schlosse +walzten die Derwische, von den Gallerien wurden die Hymnen +des Gebets abgesungen, die Sänger, Prediger und Derwische +reichlich beschenkt. Mosaffereddin wurde in der Nähe von +Kufa, seine Gemahlin Rebiaa am Berge Kasiun bei Damaskus +in der von ihr gestifteten Medrese bestattet. In keiner +Schlacht besiegt, von keinem anderen Fürsten in Stiftungen +der Wohlthätigkeit übertroffen, verdient dieser turkmanische +Fürst von Irbil wohl den Namen <i>des durch die Religion +siegreichen, grossmächtigen Königs</i><a name="FNanchor_309" id="FNanchor_309"></a><a href="#Footnote_309" class="fnanchor">[309]</a>. Das Schloss von +Irbil erhebt sich auf einem vereinzelten Berge, während +die Stadt in der Ebene. Tadscheddin, der Sohn Salaje's +(des oben erwähnten Befehlshabers des Passes von Deriteng +[Engthor]), war bereit, die Stadt zu übergeben; aber die +Kurden gehorchten ihm nicht. Oroktu begehrte Hülfstruppen +von Bedreddin Lulu, dem Fürsten Mossul's, der sie ihm auch +<span class='pagenum'><a name="Page_160" id="Page_160">[160]</a></span> +sandte und den guten Rath ertheilte, den Sommer abzuwarten, +weil dann die Kurden nicht mehr im Schlosse aushalten, +den Gebirgen zueilen würden. Oroktu übergab die +Belagerung dem Bedreddin, dessen Vorhersagung durch den +Abzug der Kurden im Sommer erfüllet ward; er schleifte +die Mauern. Hulagu schickte einen Theil der erbeuteten +Schätze mit dem Siegesberichte seines Eroberungszuges +an den Bruder Kaan, den grössten Theil derselben aber +speicherte er in dem am See Urmia auf unbezwinglichem +Felsen gelegenen Schlosse Tala (das heute Gurtschinkalaa +heisst) auf; eine vereinzelte, auf drei Seiten unzugängliche +Felsenmasse, welche den englischen Reisenden Porter an +den Königstein in Sachsen erinnerte und welche ein Steiermärker +die persische <i>Riegersburg</i> nennen würde<a name="FNanchor_310" id="FNanchor_310"></a><a href="#Footnote_310" class="fnanchor">[310]</a>. Bedreddin +Lulu, der neunzigjährige Fürst von Mossul, wartete +dem Eroberer Persiens, für den er Irbil eroberte, zu Meragha +auf; <span class="xidenote">7. Schaaban 654/<br />9. August 1258</span> ebenda <i>Atabeg Saad</i>, der Salghure, Herr von +Fars, und die beiden seldschukischen Prinzen von Rum, +Isededdin und Rokneddin. Hulagu war über jenen sehr +ungehalten, weil er wider Baidschu Nujan sich zu schlagen +gewagt. Um den Erzürnten zu versöhnen, stellte sich Isededdin +zur Audienz mit einem Geschenke von einem Paar +Pantoffeln, deren Sohlen sein Portrait eingestickt war, und +mit der Bitte dar, dass der Padischah auf diese Weise ihn, +den Sklaven, unter den Sohlen in den Staub tretend, adeln +möge. Hulagu verzieh ihm, durch diese Schmeichelei besänftigt +und auf die Fürbitte der Frau Tokus. Einen schönen +Gegensatz zu dieser niederträchtigen Schmeichelei des Sultans +von Rum bildet die Freimüthigkeit des Astronomen Nassireddin +von Tus, welcher dem Eroberer in Erinnerung brachte, +dass, als Chuaresmschah erobernd bis Tebris vorgedrungen, +er auf die wider die Ausschweifungen seines Heeres vorgebrachten +Klagen geantwortet: <i>Ich kam als Welteroberer +und nicht als Welterhalter</i><a name="FNanchor_311" id="FNanchor_311"></a><a href="#Footnote_311" class="fnanchor">[311]</a>; Hulagu antwortete: Ich bin, +<span class='pagenum'><a name="Page_161" id="Page_161">[161]</a></span> +Gott sei Dank! sowohl Welteroberer als Welterhalter und +kein Schwächling, wie Dschelaleddin von Chuaresm. Den +ersten Beweis von der Wahrheit dieses Wortes gab Hulagu +durch den Bau der Sternwarte von Meragha, deren Grund +jetzt gelegt, aber deren Bau erst unter der folgenden Regierung +vollendet ward. Vier Astronomen<a name="FNanchor_312" id="FNanchor_312"></a><a href="#Footnote_312" class="fnanchor">[312]</a> von Damaskus, +Kaswin, Achlath und Mossul waren die Gehilfen Nassireddin's +von Tus, der an dieser Sternwarte die ilchanischen +Tafeln verfertigte, die, vollkommener als die früheren<a name="FNanchor_313" id="FNanchor_313"></a><a href="#Footnote_313" class="fnanchor">[313]</a>, +ein bleibendes Denkmal des Ruhmes des Ilchans, Erbauers +der Sternwarte und des an derselben beobachtenden grossen +Astronomen Nassireddin's von Tus.</p> + +<div class="sidenote">Herrscher +Gross- und +Klein-Luristan's</div> + +<p>Von den Fürsten, welche dem neuen <i>Ilchan</i> oder Landesherrn +nach Bagdad's Eroberung zu huldigen kamen, ist bereits +des Salghuren von Fars und des Seldschuken von Rum, +sowie des Atabegen von Mossul, Bedreddin Lulu's, welcher +bei Irbil's Eroberung hilfreiche Hand geleistet, Erwähnung +geschehen, und es wird von ihnen noch weiter unten die +Rede sein; doch hier ist noch von anderen Fürsten zu +melden, deren Staaten nun in unmittelbarer Berührung mit +der mongolischen Macht, derselben sich nur scheinbar oder +erst durch Gewalt gezwungen unterworfen; solche waren +die Atabege von Gross- und Klein-Luristan, die Könige +Gross- und Klein-Armeniens, endlich die Sultane Syriens +und Aegyptens. Die ausführliche Erzählung des wider die +letzten geführten syrischen Krieges ist dem folgenden Buche +vorbehalten; hier also nur kurz von den Atabegen und den +christlichen Fürsten. Tekele, der Sohn Hesarsif's, der dritte +Herrscher der im Geburtsjahre Tschengischan's vor einem +Jahrhunderte als unabhängig emporgeschossenen Dynastie +der Atabege von Gross-Luristan, war, als Hulagu gegen +Bagdad zog, demselben huldigend entgegengekommen und +von ihm dem Tomane Keitbuka Newin's, des Befehlshabers +<span class='pagenum'><a name="Page_162" id="Page_162">[162]</a></span> +des Vortrabes, zugetheilt worden. Nicht im Stande, die +Aeusserungen seines Schmerzes über den Sturz des Chalifats +und den Mord der Bewohner Bagdad's zu unterdrücken, +hatte er sich durch dieselben die Ungnade Hulagu's zugezogen, +der Truppen wider ihn sandte. Schemseddin Alp +Arghun, der Bruder Tekele's, bot sich dem Bruder an, +sich selbst in's Lager des Ilchans zu begeben, um dessen +Verzeihung zu erflehen. Tekele nahm den Antrag dankbar +an. An der Gränze Luristan's fiel Alp Arghun den mongolischen +Truppen in die Hände, deren Heerführer ihn +trotz seiner Sendung als Unterhändler tödteten. Tekele +vertheidigte sich in dem Schlosse Mandschascht und ergab +sich erst, als ihm durch Sendung des Ringes Hulagu's sicheres +Geleite versprochen ward. Nichtsdestoweniger ward er nach +Tebris geschleppt und dort hingerichtet und die Herrschaft +Grossluristan's dem mit dem hingerichteten Bruder Tekele's +gleichnamigen Schemseddin Alp Arghun verliehen<a name="FNanchor_314" id="FNanchor_314"></a><a href="#Footnote_314" class="fnanchor">[314]</a>. In +Klein-Luristan war die Herrschaft der vor siebzig Jahren +unabhängig gegründeten Dynastie in den Händen des vierten +Herrschers, Bedreddin Mesud, welcher, als er sich auf dem +Feldzuge Hulagu's gegen Bagdad zum Dienste desselben +stellte, von ihm die Auslieferung seines Schwagers und +mächtigen Nebenbuhlers um den Thron, Suleimanschah's, begehrte. +Hulagu antwortete: Diess ist ein grosses Wort, +dessen Gewährung bei Gott. Als aber Bagdad erobert und +Suleimanschah erschlagen worden war, erhielt Bedreddin +Mesud die von ihm begehrte Familie des Schwagers. Er +behandelte dieselbe so gütig und beförderte durch weise +und gerechte Regierung den Wohlstand des Landes so sehr, +dass, als er ihnen später die Wahl liess, ob sie in Luristan +bleiben, oder nach dem aus der Asche sich wieder erhebenden +Bagdad wandern wollten, nur Wenige dahin auswanderten; +ein gerechter, eingezogener und besonders der +Ueberlieferungen wohl kundiger Fürst. Die <i>auserwählte Geschichte</i><a name="FNanchor_315" id="FNanchor_315"></a><a href="#Footnote_315" class="fnanchor">[315]</a> +rühmt an ihm, dass er nie unrechtmässigen Beischlaf +<span class='pagenum'><a name="Page_163" id="Page_163">[163]</a></span> +gepflogen und dass er viertausend juridische, nach +den Grundsätzen des Ritus <i>Schafii</i> entschiedene Rechtsfragen +auswendig gewusst. Nach seinem, nun zwei Jahre nach dem +Falle Bagdad's erfolgten Tode stritten sich um die Herrschaft +Klein-Luristan's seine Söhne <i>Dschemaleddin Bedr</i> +(Schönheit der Religion, Vollmond) und <i>Nassireddin Omer</i> +mit <i>Tadscheddin Schah</i>, dem Sohne des in der Schlacht +wider Suleimanschah gebliebenen Hosameddin Chalil. Dieser +Streit ward erst unter Abaka, dem Sohne und Nachfolger Hulagu's, +durch das wider die Söhne Bedreddin Mesud's ausgesprochene +Todesurtheil blutig entschieden. Der Thron Klein-Luristan's +wurde dem Sohne Suleimanschah's, <i>Tadscheddin</i>, +zugesprochen, welcher denselben sieben Jahre lang behauptete, +welcher dann aber den beiden Brüdern der hingerichteten +beiden Söhne Bedreddin Mesud's, dem <i>Felekeddin Hasan</i> +und <i>Iseddin Husein</i>, zugesprochen ward.</p> + +<div class="sidenote">Könige +Gross- und +Klein-Armenien's.</div> + +<p>Der König Klein-Armeniens, Hethum I., welchen die +Araber <i>Hatim</i>, die Kreuzfahrer <i>Haithon</i> nennen, hatte sich +bei der Thronbesteigung Mengku's über Kipdschak in das +Hoflager des grossen Kaan's zu Karakorum und nach einer +Abwesenheit von sechzehn Monaten wieder in seine Staaten +zurückbegeben. Mit goldener Krone gekrönt, mit goldenem, +geweihtem Scepter in der Hand auf hohen goldenen Thron +gesetzt<a name="FNanchor_316" id="FNanchor_316"></a><a href="#Footnote_316" class="fnanchor">[316]</a>, füllte er denselben fünf und vierzig Jahre mit +umsichtiger Klugheit, sein Schiff durch den Fluthenschwall +ungeheuerer Heeresmacht und die Klippen der Scheelsucht +der Könige Georgien's glücklich durchsteuernd. Wenn seinem +Vetter, dem genannten Hethum gleichnamiger Mönch, Geschichtschreiber, +Glauben beizumessen wäre, hätte Mengku +seinem Vetter König sieben vorgetragene Begehren gewährt, +aber das angebliche, als Gewährung des ersten Begehrens +gegebene Versprechen Mengku's, sich taufen zu lassen<a name="FNanchor_317" id="FNanchor_317"></a><a href="#Footnote_317" class="fnanchor">[317]</a>, +<span class='pagenum'><a name="Page_164" id="Page_164">[164]</a></span> +verdächtigt auch die Gewährung der anderen sechs Artikel. +Vor ihm war schon sein Bruder Sempad, der Connetable +Armenien's<a name="FNanchor_318" id="FNanchor_318"></a><a href="#Footnote_318" class="fnanchor">[318]</a>, in's Hoflager gezogen, und ward nun zum +zweitenmal dahin gesandt, um Schutz wider die georgischen +Fürsten aus der Familie <i>Awak</i> anzuflehen, welcher, wie +Arghun dem mongolischen Statthalter, dem Sempad nach +dem Leben gestrebt, die Länder seines Bruders Hethum verwüstet<a name="FNanchor_319" id="FNanchor_319"></a><a href="#Footnote_319" class="fnanchor">[319]</a>. +Bald nach Sempad's Abreise ward auch Arghun +in's Hoflager berufen, um unter der Anklage von Erpressungen +über seine Verwaltung Rechenschaft zu geben. Sempad +fand ihn dort durch den Einfluss seiner Feinde <i>Sewindsch</i> +und <i>Scherefeddin</i> eingekerkert, welche Arghun's Tod suchten, +um seine Stelle zu erhalten. Das Zeugniss Sempad's zu +Gunsten der Verwaltung Arghun's rettete diesem das Leben; +die Ankläger wurden hingerichtet, Arghun und Sempad +kehrten nach Armenien und Georgien zurück<a name="FNanchor_320" id="FNanchor_320"></a><a href="#Footnote_320" class="fnanchor">[320]</a>. Arghun +brachte neue Einrichtung des Steuerwesens mit sich, das +bisher unverhältnissmässig mehr auf den Armen, als auf den +Reichen gelastet hatte. Von nun an waren die Reichen mit +fünfhundert Dinaren, die Armen nur mit Einem besteuert<a name="FNanchor_321" id="FNanchor_321"></a><a href="#Footnote_321" class="fnanchor">[321]</a>. +Arghun, dankbar gegen seinen Vertheidiger Sempad, unterstützte +ihn wider seine Feinde, die georgischen Prinzen +aus dem Hause Awak, von denen David, der Sohn der +Königin Russadan, sich wider die Mongolen empörte. Hulagu +sandte wider ihn ein aus Mongolen und Moslimen +zusammengesetztes Heer, von dem er geschlagen ward<a name="FNanchor_322" id="FNanchor_322"></a><a href="#Footnote_322" class="fnanchor">[322]</a>. <span class="xidenote">657/<br />1259</span> +Arghun verfügte sich nach Tebris, um über die Zustände +Georgien's zu berichten. Als Arghun nach Tiflis zurückkehrte, +hatte sich David zum zweitenmale empört, weil die +Entrichtung des verspäteten Tributs gefordert worden. Sowohl +Sempad, der Orpeliane und Herrscher von Grossarmenien, +als Hethum, der Herrscher von Kleinarmenien, +<span class='pagenum'><a name="Page_165" id="Page_165">[165]</a></span> +dem cilicischen Reiche, erhielten sich als Vasallen mongolischer +Herrschaft auf ihren Fürstenstühlen, Dank dem +Schutze der ersten Gemahlin Hulagu's, der grossen Frau +<i>Tokus</i>, welche eine eifrige Christin, durch deren Einfluss +nach Bagdad's Eroberung der Patriarch der Nestorianer den +Palast des kleinen Diwitdar zum Sitze des Patriarchats erhalten +hatte. Nur zu Tekrit siegten die Moslimen über die +Christen, wo wegen Verheimlichung von Gütern hingerichteter +Moslimen auf Befehl Hulagu's allgemeines Gemetzel der +Christen stattfand<a name="FNanchor_323" id="FNanchor_323"></a><a href="#Footnote_323" class="fnanchor">[323]</a>. Die Blutvesper von Tekrit ausgenommen, +hatten sich die Christen mittels des Schutzes der Frau Tokus +nur günstiger Behandlung von Hulagu zu erfreuen, namentlich +Hethum, der Pagratide, Herr von Kleinarmenien, und der +von Grossarmenien, der Orpeliane Sempad. Die Residenz +des ersten war die Stadt <i>Ain</i>; am Zusammenflusse zweier +Ströme, die in den Araxes münden, gelegen, zählte sie im +eilften Jahrhundert hunderttausend Einwohner und tausend +Kirchen<a name="FNanchor_324" id="FNanchor_324"></a><a href="#Footnote_324" class="fnanchor">[324]</a>; die Residenz des zweiten, <i>Sis</i>, in Cilicien an +einem kleinen Flusse, der sich in den Dschihan ergiesst<a href="#Footnote_324" class="fnanchor">[324]</a>, +der Sitz des armenischen Patriarchen. Der Pagratide Hethum +und der Orpeliane Sempad standen beide bei Hulagu als +treue Vasallen in Gnaden, der erste musste ihm das Holz +zu seinen Bauten am Alatagh liefern, dafür konnte er ungehindert +kostbare Reliquien in Gold und Silber fassen; so +die Hirnschale des heil. Gregor des Erleuchteten aus dem +Kloster bei <i>Kaghseman</i><a name="FNanchor_325" id="FNanchor_325"></a><a href="#Footnote_325" class="fnanchor">[325]</a>, das zwischen Karss und Pasin +am Durchbruche des Araxes zwischen geklüftetem Gebirge, +und den Schädel S. Gregor's des Wunderthäters, den er +der berühmten Kirche von Norevanch schenkte<a name="FNanchor_326" id="FNanchor_326"></a><a href="#Footnote_326" class="fnanchor">[326]</a>. <i>Hethum</i>, +schon durch die Lage seines Königreichs ferne dem Hulagu +und näher den Kreuzfahrern, als der nördliche Herrscher +Grossarmenien's, war mit den angesehensten Fürsten der +<span class='pagenum'><a name="Page_166" id="Page_166">[166]</a></span> +Kreuzfahrer durch Vermählung seiner Töchter (mit dem +Fürsten Antiochien's, Sadan, und dem Herrn von Ibelim) +verschwägert. Von seinen Söhnen fiel der jüngere, Toros, +im Kriegsdienste Hulagu's im syrischen Kriege wider den +Sultan der Mamluken, sowie hernach <i>Purthel</i>, der Neffe +Sempad's, im Feldzuge Hulagu's wider Kipdschak in der +Schlacht am Terek blieb. Die christlichen Herrscher Gross- +und Klein-Armeniens waren also treuere Vasallen des Ilchan's, +als die moslimischen Gross- und Klein-Luristan's, und es +darf nicht Wunder nehmen, wenn durch die Namensähnlichkeit +der Pagratide <i>Hethum</i> in den Geschichten der Araber +als ein zweiter <i>Hatim</i> (das arabische Muster von Freigebigkeit +und Grossmuth) und der Orpeliane Sempad (als ein +zweiter Sindbad, der berühmte Reisende der arabischen +Mährchen) durch seine Reisen in's mongolische Hoflager +figurirt.</p> + + + + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_167" id="Page_167">[167]</a></span></p> +<h2><a name="Drittes_Buch" id="Drittes_Buch"></a><a href="#Inhalt">Drittes Buch.</a></h2> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> + + +<div class="block"><p>Syrischer Feldzug; Marsch von Tebris nach Haleb, +Miafarakain; Hossnkeif, Mardin; Keitbuka vor +Damaskus; Schlachten von Aindschalut und Himss; +das Chalifat der Beni Abbas in Aegypten; Anlass +des Krieges mit Berke; Feldzug gegen Kipdschak; +Thronprätendenten nach dem Tode Mengkukaan's, +Arikbuka, Alghui, Kaidu; Vertheilung der Länder +und Statthalterschaften; Dynastie der Beni Aamaret +und Schebankjare von Fars.</p></div> + + +<div class="sidenote">Verhältniss +Hulagu's mit +den gleichzeitigen +asiatischen +Dynastien.</div> + +<p>Die hundert Burgen der Assassinen waren gebrochen, +der Thron des Chalifats war umgestürzt, die Fürsten von +Fars und Mossul, von Gross- und Klein-Armenien, von +Gross- und Klein-Luristan, hatten freiwillig oder gezwungen +gehuldigt, das ganze Land von den Ufern des Oxus bis zu +denen des Tigris war der Herrschaft des <i>Ilchan's</i> unterworfen, +aber hierdurch der Auftrag, welchen der Eroberer +Hulagu vom Bruder Kaan erhalten, ganz Asien bis an den +äussersten Westen zu erobern, nur zur Hälfte erfüllt; noch +blieb Mesopotamien und Syrien bis nach Aegypten hin zu +erobern übrig. In dem letzten dieser drei Länder war der +Hauptstamm der Herrschaft der Ejubiden, welche sich zu +Ende des zwölften Jahrhunderts gleichzeitig mit der der +Mongolen erhob, vor neun Jahren durch gewaltsame Umwälzung +gebrochen worden und die Stelle der Herren aus +dem Hause Ejub hatten ihre Sklaven, die Mamluken, auf +dem Throne als Herrscher eingenommen; aber von dem +<span class='pagenum'><a name="Page_168" id="Page_168">[168]</a></span> +hohen und mächtigen Baume dieses grossen Herrschergeschlechtes +wurzelten noch sieben Zweige im arabischen Irak +und in Syrien, vom Jenseits der Wüste an, welche Mesopotamien +von Syrien, bis zu der, welche Syrien von Aegypten +trennt, <i>Miafarakain</i> und <i>Hossnkeif</i>, bis nach <i>Damaskus</i> und +<i>Karak</i>; inmitten derselben die von <i>Haleb</i>, <i>Hama</i> und <i>Himss</i>. +Wären diese sieben Strahlen der Herrschaft in dem Brennpunkte +Eines einzigen starken Volkes und Muthes vereint +gewesen, hätte die sieben Herrscher nur das Band aufrichtiger, +zusammenwirkender politischer Eintracht verbunden, +so würde ihre, von einem Einzigen geleitete, aber +auch immer aufrichtig vereinte Macht der Hulagu's wahrscheinlich +siegreich widerstanden haben, da sogar Einzelne derselben +männlichen Widerstand nicht ohne Erfolg versucht und +den reissenden Strom der Eroberung wenigstens eine Zeit lang +gehemmt; aber es fehlte Einheit und Eintracht, welche im +Herrscherhause Ejub nur unter der ruhmwürdigen Regierung +Ssalaheddin's zwanzig Jahre lang das von ihm gegründete +Reich befestigte. Nach seinem Tode war die Macht vielgetheilt +und durch Herrschsucht und Scheelsucht geschwächt, +nicht im Stande, den andringenden Fluthenschwall mongolischer +Herrschaft zu gewältigen. Ein Blick auf die gleichzeitig +im Osten und Westen Asien's emporgestiegene Herrschaft +des Hauses Tschengischan's und Ejub's zeigt im hellsten +Lichte die Staatsklugheit des Tschengischan'schen Hauses +und Grundgesetzes der Einigkeit und Familieneintracht, +ohne dessen strenge Beobachtung die Herrschaft der Mongolen +nie zu solcher Macht gediehen wäre. Zwar zeigten +sich auch schon bald nach Tschengischan's Tode Symptome +der Uneinigkeit und des Familienzwistes in den Ansprüchen +auf die oberste Herrschaft, aber das Schwert rottete bei +Mengku's Thronbesteigung in dem blutigen Sinne der Jasa +siebzig Prinzen auf einmal aus, und das Reich erhob sich +unter ihm und seinem Nachfolger Kubilai zu einer Ausdehnung +von Macht und Grösse, dergleichen die Geschichte +vor- und nachdem nie gesehen. Erst als die Bande der +Alles im Mittelpunkte versammelnden Einheit und der Familieneinigkeit +<span class='pagenum'><a name="Page_169" id="Page_169">[169]</a></span> +sich lockerten, begannen auch die Thronen +der mongolischen Herrscher zu wanken, und erlagen fremder +Uebermacht, wie jetzt der mongolischen die Grösse des +Herrscherhauses Ejub. Wir nehmen den kurz gedrillten +Faden der Geschichte von sieben oben erwähnten, Hulagu +gleichzeitigen Dynastien der Söhne Ejub's da wieder auf, +wo wir denselben im ersten Buche dieser Geschichte verlassen +haben.</p> + +<div class="sidenote">Die Beni +Ejub zu +Miafarakain +und +Hossnkeif.</div> + +<p>Von den sieben, Hulagu gleichzeitigen Dynastien des +Hauses Ejub, welche mit seiner Macht in Berührung, von +demselben, weil sie widerstanden, vernichtet, oder weil sie +gehuldigt, noch einige Zeit geduldet worden, war die von +<i>Haleb</i>, wo die unmittelbaren Nachkommen Ssalaheddin's +herrschten, die mächtigste, deren Uebermacht soeben die +von Damaskus verschlungen hatte. In Mesopotamien, zu +Miafarakain und Hossnkeif, und an der Gränze Syriens, zu +<i>Kerek</i>, herrschten Abkömmlinge <i>Melikol-aadil's</i> (d. i. des +gerechten Königs), des Bruders Ssalaheddin's, zu <i>Hama</i> +die Nachkommen <i>Schehinschah's</i>, des Bruders Ssalaheddin's +und <i>Melikol-aadil's</i>, und zu <i>Himss</i> die <i>Schirkuh's</i>, des Oheims +der drei Brüder. <i>Melik Nassir Jusuf</i>, der Urenkel Ssalaheddin's, +war nach seines Vaters, <i>Melikol-asis</i>, Tode schon +in seinem siebenten Jahre zur Regierung gelangt, welche +während seiner Unmündigkeit für ihn seine Grossmutter, +die Tochter Melikol-aadil's, die Frau <i>Ssaffije</i>, führte. Seinem +Vetter, dem Herrn von Himss, <i>Manssur Ibrahim</i>, dem Urenkel +Schirkuh's, des Oheims Ssalaheddin's, stand er mit +einem Heere wider die Chuaresmier bei, welche nach dem +Sturze des chuaresmischen Reichs in einzelnen Banden, wie +die Condottieri des Mittelalters, Mesopotamien und Syrien +durchrannten und ausraubten. Er bemächtigte sich ihrer +beiden Hauptplätze, Harran's und Rakka's. <span class="xidenote">646/<br />1248</span> Für den Sohn +und Nachfolger Manssur Ibrahim's, <i>Melikol-eschref Musa</i>, +nicht so freundschaftlich gesinnt, wie für dessen Vater, +hatte er demselben seine Hauptstadt Himss entrissen und +ihm dafür das aus der Geschichte der Kreuzzüge bekannte +Schloss von <i>Tell baschir</i> gegeben. Im folgenden Jahre hatte +<span class='pagenum'><a name="Page_170" id="Page_170">[170]</a></span> +er wider Bedreddin Lulu, den Atabegen von Mossul, ein +Heer gesandt, welches das Feld zu Nissibin behauptete und +im Besitze des ganzen Lagers des flüchtigen Feindes blieb. <span class="xidenote">647/<br />1249</span> +Als im nächsten Jahre die Herrschaft des Stammes der Beni +Ejub in Aegypten erlosch, luden die Emire von Damaskus +den Herrn von Haleb zur Besitznahme ihrer Stadt ein. <span class="xidenote">648/<br />1250</span> Er +zog dahin, und, in der Absicht, auch Aegypten zu erobern, +dem Heere der Mamluken entgegen; er schlug dieselben +zwar zuerst bei <i>Abbasa</i>, ward aber dann geschlagen und +floh nach Damaskus zurück. Er zog zum zweitenmale aus, +und schloss Frieden auf die Bedingniss, dass der Jordan +die Gränze beider Reiche. Wider Nassir, den mächtigsten +Herrscher der Beni Ejub in Syrien, wandte sich also jetzt +Hulagu's erobernde Macht; aber auf dem Wege dahin standen +ihm noch die nächsten Verwandten Nassir's, die Herren von +Miafarakain und Hossnkeif, entgegen, welche, auf die Festigkeit +ihrer Burgen stolz, dem Eroberer trotzten. Zu Miafarakain +herrschte <i>Melikol-kjamil</i>, der Sohn Melikol-Mosaffer's, +des dritten der drei Söhne Melikol-aadil's, welche +nach ihrem Vater Herren dieser festen Stadt; der von +<i>Hossnkeif</i> war <i>Melikol Mowwahid</i>, der Ururenkel Melikol-aadil's, +aus dessen Sohne Kjamil. Als Kjamil nach seines +Vaters Tod den Thron Aegyptens bestieg, gab er seinem +Sohne Melik Ssalih Nedschmeddin die Stadt Amid und das +Schloss Hossnkeif als Leibgedinge, und als Ssalih's Enkel +Moaasem Turanschah sich nach Aegypten begeben, um dort +die Herrschaft, welche in ihm enden sollte, zu übernehmen, +blieb Hossnkeif seinem Sohne Mowwahid als Leibgedinge. +Die beiden Herren von Hossnkeif und Miafarakain waren +würdige Träger des Namens Ejub, indem sie, stolz auf +ihren angestammten Herrscheradel und die Festigkeit ihrer +Burgen, dem mongolischen Eroberer zu huldigen verschmähten, +während ihr mächtiger Vetter Nassir von Haleb +huldigend einen Gesandten an Mengkukaan gesandt und von +demselben <i>Jerligh</i> und <i>Paise</i>, d. i. Diplom und das Ehrenzeichen +des Löwenkopfes, erhalten hatte. Selbst an Hulagu, +als er das persische Gebiet betreten, hatte er heimlich +<span class='pagenum'><a name="Page_171" id="Page_171">[171]</a></span> +unterwürfige Botschaft gesandt, entfloh aber nun bei der +Annäherung Hulagu's nach Aegypten.</p> + +<div class="sidenote">Aufbruch +von Tebris.</div> + +<p>Nach der Eroberung Bagdad's war Hulagu erst gegen +Hamadan und von da über Meragha nach Tebris gezogen, +das von nun an die Hauptstadt von <i>Aserbeidschan</i> (dem +alten Atropatene), von nun an auch die des neuen mongolischen +Reichs in Persien und die Residenz des Ilchan's; +seitdem heisst dieselbe mit dem ganzen Lande umher +<i>Paitachti Hulagu</i>, d. i. der Fuss des Thrones Hulagu's. +<i>Tebris</i>, d. i. das <i>warm Rieselnde</i>, hat seinen Namen, der +gleichbedeutend mit <i>Tepliz</i>, von seinen warmen Quellen; +es liegt auf der Westseite des Berges <i>Sehend</i> mitten unter +üppigen Gärten, vom Flusse <i>Surchab</i>, d. i. Rothwasser, +bespült. Es ist möglich, dass <i>Tebris</i> nur eine Verstümmelung +des alten, beim Ptolemäus vorkommenden <i>Gabris</i>; aber +alle Quellen arabischer Geschichte nennen als Erbauerin der +Stadt die Gemahlin Harun Reschid's, seine Base, die grosse +Frau <i>Sobeide</i>. <span class="xidenote">175 (791)</span> Schon neun und dreissig Jahre nach ihrer +Erbauung vom Erdbeben zerstört, wurde Tebris vom Chalifen +Motewekkil wieder erneuert <span class="xidenote">245 (857)</span> und zweihundert Jahre +später vom Erdbeben gänzlich in Schutt gelegt. <span class="xidenote">434 (1042)</span> Der Astronom +<i>Abu Tahir</i> von Schiras hatte das Erdbeben für die Nacht, +wo es stattfand, vorausgesagt und die Einwohner der Stadt, +dieselbe zu verlassen, ermahnt; Viele beherzigten seine +Warnung, aber vierzigtausend, welche in den Häusern zurückblieben, +wurden unter denselben begraben. Der neue +Bau ward unter der Leitung des genannten berühmten +Astronomen im Zeichen des Scorpions begonnen, um dadurch +für immer die Gefahr gänzlicher Zerstörung durch Erdbeben +abzuwenden; „und wirklich“, sagt Hamdallah Mestufi, der +persische Geschichtschreiber Geographe, „haben in den +seitdem verflossenen dreihundert Jahren mehrmal Erdbeben +stattgefunden, ohne der Stadt wesentlich zu schaden, so +dass die Stadt ihren Ruin nicht mehr von Erdbeben, sondern +nur von Ueberschwemmung fürchtet“. Zahlreiche, seitdem +gegrabene Kanäle und unterirdische Wasserleitungen gewähren +dem Wasser Abfluss, so dass auch diese Furcht +<span class='pagenum'><a name="Page_172" id="Page_172">[172]</a></span> +verschwunden; der vom Berge Sehend niederströmende +kleine Fluss <i>Mehranrud</i> vertheilt sich in mehr als hundert +solcher Kanäle, um die Gärten der Stadt zu bewässern; die +Waldungen rund um die Stadt sind so dicht, dass, als zu +Beginn des vorigen Jahrhunderts das osmanische Heer hier +den Befehl erhielt, dieselben auszuhauen, dreitägige Arbeit +der Axt keinen merklichen Unterschied hervorbrachte, so +dass sie so dicht, wie ehe, schienen. Die schöne und fruchtbare +Ebene von Tebris, welche sich auf der Westseite der +Stadt gegen den See von Urmia hinzieht, wetteifert durch +üppigen Baumwuchs mit den Zauberthälern von <i>Soghd</i>, +<i>Damaskus</i>, <i>Schaabbewwan</i> und mit der Ebene von <i>Mamschanrud</i> +bei Hamadan um edenischen Ruhm. Die Aepfel, +Birnen, Aprikosen und vorzüglich die Weinbeeren ohne +Kern sind vortrefflich; die Einwohner blühender Gesichtsfarbe, +gewerbfleissig und auch nicht ohne Muth, aber durch +Treulosigkeit verschrien. Derohalben ist von ihnen der +persische Viervers gang und gäbe:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Als Freund hat Keiner noch Tebrisern je getraut;<br /></span> +<span class="i0">Die Anderen sind Mark, Tebriser ist nur Haut.<br /></span> +<span class="i0">Wer in der Freundschaft nicht beständig wird geschaut,<br /></span> +<span class="i0">Hat, wenn nicht von Tebris, sich dorten angebaut.<br /></span> +</div></div> + +<p>Hierauf entgegnete ein Dichter von Tebris:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Tebris ist Paradies, sein Volk ist spiegelrein.<br /></span> +<span class="i0">Du sagst, dass sie aufrichtig nicht in Freundschaft sei'n;<br /></span> +<span class="i0">Wie konntest And'res dir von ihnen bilden ein,<br /></span> +<span class="i0">Der Spiegel wirft zurück von dir den Widerschein.<br /></span> +</div></div> + +<p>Vorzüglich hat sich in der Landschaft Aserbeidschan +von jeher wissenschaftliches Streben kund gegeben, und +schon Abu Tahir sagte: Aserbeidschan ist im Osten, was +Andalus im Westen, durch philologischen und medicinischen +Ruhm. Von den grossen Männern und Dichtern, deren +Ruhm die Stadt verherrlicht, sowie von den grossen Gebäuden +derselben, wird unter der Regierung Ghasan's, dessen +Grabdom noch heute die schönste Ruine der Stadt, zu +sprechen der Ort sein<a name="FNanchor_327" id="FNanchor_327"></a><a href="#Footnote_327" class="fnanchor">[327]</a>.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_173" id="Page_173">[173]</a></span></p> +<div class="sidenote">Marsch +Hulagu's bis +Roha.</div> + +<p>Von Tebris, seinem neuen Thronsitze, brach Hulagu +Freitags den zwölften September gegen Syrien auf. <span class="xidenote">22. Ramasan 657/<br />12. September 1259</span> Vor +seinem Aufbruche sandte er Botschaft an seinen Vasallen +Bedreddin Lulu, den Herrn von Mossul, ihn seines hohen +Alters willen der persönlichen Erscheinung im Felde enthebend, +aber dafür die Gegenwart seines Sohnes Ssalih +fordernd. Dieser erschien und Hulagu belohnte ihn dafür +mit der Hand einer Tochter des letzten grossen Sultans von +Chuareſm, <i>Dſchelaleddin</i>. Seinen Feldherren <i>Baidſchu</i> und +<i>Schiktur</i> übertrug er den Befehl des rechten, anderen Emiren +den des linken Flügels, er selbst führte das Mitteltreffen an. +Wir folgen nun seinem Zuge nach den Stationen, deren die +persischen Geschichten erwähnen, wie wir demselben von +Karakorum an bis an den Oxus nach den chinesischen Berichten +gefolgt sind. Auf der Westseite des Ararat, zwischen +demselben und Erſerum, südlich von <i>Hasan Kalaa</i>, erhebt +sich das Gebirge <i>Alatagh</i>, d. i. der bunte Berg, in welchem +herrliche Alpenweiden, Jagden und die Hauptquelle des +Euphrat's, nämlich die des <i>Muradſsuji</i>, welcher hier aus +mehreren Bächen zusammenströmt<a name="FNanchor_328" id="FNanchor_328"></a><a href="#Footnote_328" class="fnanchor">[328]</a>. Hulagu fand so grosses +Wohlgefallen an den Weiden von <i>Alatagh</i>, dass er denselben +einen mongolischen Ehrennamen beigelegt<a name="FNanchor_329" id="FNanchor_329"></a><a href="#Footnote_329" class="fnanchor">[329]</a>. Von hier +wandte er sich südwärts nach <i>Achlath</i>, der auf dem nördlichen +Ufer des Sees von Wan, gegenüber des Schneegebirgs +<i>Siban</i>, gelegenen Stadt, die eine uralte, schon zu Nuſchirwan's +Zeit der Sitz seines Oheims Dschamasb, von den Byzantinern +Chliat genannt<a name="FNanchor_330" id="FNanchor_330"></a><a href="#Footnote_330" class="fnanchor">[330]</a>, berühmt durch die Grösse seiner +Aepfel, deren einer bis hundert Drachmen wiegt. Ihren +Flor verheerte zuerst der Einfall Chuareſmschah's und +zwanzig Jahre hernach ein Erdbeben. <span class="xidenote">626/<br />1228</span> Seid Husein von +Achlath, in allen esoterischen Wissenschaften tief gelehrt, +hatte noch vor dem Einfalle der Mongolen in Persien das +Unheil Tſchengiſchan's vorausgesagt und war mit zwölftausend +Familien nach Kairo ausgewandert, wo noch seine Grabstätte +<span class='pagenum'><a name="Page_174" id="Page_174">[174]</a></span> +und noch das Stadtviertel der Achlather das Andenken an +diese Ansiedelung bewährt<a name="FNanchor_331" id="FNanchor_331"></a><a href="#Footnote_331" class="fnanchor">[331]</a>. Die Kurden des Stammes +<i>Hakkjari</i>, welche um Achlath wohnen, wurden vom Heere +wie scheues Vieh verfolgt und getödtet<a name="FNanchor_332" id="FNanchor_332"></a><a href="#Footnote_332" class="fnanchor">[332]</a>. Als das Lager +zu Diarbekr, beschloss Hulagu vor Allem die gänzliche Eroberung +Mesopotamiens, um auf dem Marsche gegen Syrien +den Rücken frei zu behalten. Der Herr von Miafarakain<a name="FNanchor_333" id="FNanchor_333"></a><a href="#Footnote_333" class="fnanchor">[333]</a>, +Melik Kjamil, hatte nicht nur der Einladung zur Unterwürfigkeit +keine Folge geleistet, sondern auch einen syrischen +Priester, welcher während der Belagerung Bagdad's +mit einem Jerligh des grossen Kaan's an ihn abgesendet +worden, gekreuziget<a name="FNanchor_334" id="FNanchor_334"></a><a href="#Footnote_334" class="fnanchor">[334]</a>. Der Prinz Jaschmut<a name="FNanchor_335" id="FNanchor_335"></a><a href="#Footnote_335" class="fnanchor">[335]</a> und Suntai +Nujan wurden die Stadt zu belagern befehligt; den Sohn +Bedreddin Lulu's sandte Hulagu gegen Amid, das heute +unter dem Namen Diarbekr bekannter; er selbst wandte sich +nach <i>Roha</i>, das alte Edeſſa, das sich freundlich ergab; +<i>Harran</i> und <i>Niſsibin</i> wurden mit Gewalt genommen und +verheert; die Einwohner von <i>Serudsch</i>, die keinen Boten der +Unterwürfigkeit gesandt, niedergemacht. Zu Roha schlug +er sein Winterquartier auf und beschied dahin seine Vasallen, +Hethum, den König Kleinarmeniens, und die Seldschuken +Rum's; auch an Nassir, den Sultan von Haleb, +sandte er von hier wiederholte Botschaft, ihn persönlich +in's Lager zu laden; Nassir schickte seiner statt seinen Sohn +Melikelasis mit reichen Geschenken. Hulagu behielt ihn +den ganzen Winter hindurch bei sich und sandte ihn erst +im nächsten Frühjahre nach Ostern an den Vater mit der +lakonischen Botschaft zurück: „Nicht dich haben wir begehrt, +sondern deinen Vater; er komme also, sonst kommen +wir zu ihm“. König Hethum erschien an der Spitze einer +grossen Anzahl gewaffneten Gefolges; ein nicht zu verachtender +Bundesgenosse, denn er war zwölftausend Reiter +und vierzigtausend Fussgänger in's Feld zu stellen im +<span class='pagenum'><a name="Page_175" id="Page_175">[175]</a></span> +Stande<a name="FNanchor_336" id="FNanchor_336"></a><a href="#Footnote_336" class="fnanchor">[336]</a>. Hethum setzte dem Eroberer die Annehmlichkeit +Haleb's auseinander und bewog ihn zu dem Entschlusse +(oder bestärkte ihn darin), vor allen anderen Städten nach +Haleb seine Waffen zu wenden. Den armenischen König +scheint zu diesem Rathe hauptsächlich das Interesse der +Kreuzfahrer und zunächst das seines Schwiegersohnes, des +Herrschers von Antiochien, des nächsten Nachbars Haleb's, +bewogen zu haben. Unter die Seldschuken Iseddin und +Rokneddin wurden die Länder Rum's so vertheilt, dass +dieser Herr der Länder zwischen Cäsarea und Grossarmenien, +jener Herr Kleinasiens bis an's mittelländische Meer. <span class="xidenote">20. Juli 1259</span> Von +hier aus wurde ein Botschafter mit dem berühmten, von +Nassireddin mit allem Schmucke morgenländischer Rhetorik +geschwellten Schreiben an Nassir gesandt, welches Wassaf +sammt der Antwort gibt, wie folgt:</p> + +<p>„Gott, der Ernährer der Himmel und Erden“, so kündet +der siegreiche König: „Wir haben gelagert vor Bagdad im +sechshundert fünf und fünfzigsten Jahre, wir haben den +Beherrscher gefangen gemacht und ihn ausgefragt, und da +er bestand mit nichten, war es nöthig, ihn zu vernichten. +Er geizte mit seinem Gold, und so kam die Sache dahin, +wie sie es gesollt; er opferte kostbare Seelen den irdischen +Lüsten auf, und das war klar aus dem ganzen Verlauf. Sie +hatten den Lohn ihrer Thaten und der Sagende sagt: Sobald +ein Ding vollkommen, hat es auch schon abgenommen, +aber uns kann noch der Wachsthum frommen. Hernach +sollen wissen die Fürsten, die siegreichen, <i>Seifeddin</i> (das +Schwert des Glaubens), <i>Ihn Jaghmur</i> und <i>Alaeddin El-Koscheimri</i> +und die übrigen Emire Syriens und Truppen: +Ich bin ein Kämpe Gottes, den er erschaffen in seinem +Grimme, um ihn loszulassen wider die, denen er zürnet. +Nehmet euch ein Beispiel an dem, was geschehen, um euch +an den Erschlagenen zu ersehen. Werdet durch fremden +Schaden klug und ergebt euch Uns, ehe der Vorhang aufgezogen +wird, und ehe wider euch ergehet der Zug. Wir +<span class='pagenum'><a name="Page_176" id="Page_176">[176]</a></span> +erbarmen uns nicht des Weinens und haben kein Mitleiden +mit der Klage; Gott hat aus Unserem Herzen gerissen die +Barmherzigkeit. Wehe! und abermals Wehe! denen, die +nicht streiten auf Unseren Seiten. Wir haben die Länder +verheert mit Macht und die Kinder zu Waisen gemacht. +Wir haben über die Erde Verderben gebracht; an euch ist +die Flucht vor Uns, der euch sucht; wo ist die Erde, die +euch nährte? und das Land, das euch Zufluchtsort gewährte? +Ihr werdet Unseren Schwertern nicht enteilen, und habet +keine Rettung vor Unseren Pfeilen; Unsere Pferde sind +vorauseilende, Unsere Schwerter leiberzertheilende und Unsere +Pfeile sicherbetheilende; Unsere harten Herzen halten +wie Berge Bestand, und die Zahl Unserer Heere ist unzählbar +wie der Sand. Wer sich Uns ergibt, der findet Heil, und +wer wider Uns kämpft, dem wird Reue zu Theil. Unser +Reich wird von keinem Andern begehrt und das Land Unserer +Nachbarn wird nicht verheert. Wenn ihr Unsere +Bedingungen annehmet und zu Unserm Gehorsame euch bequemet, +so ist Unsere Sache die eurige, und die eurige +die Unsere; wenn ihr aber widerstrebt, und euch wider +Uns erhebt, wenn ihr verharrt als Rebellen, so schmähet +hernach nur eure Seelen, denn es wird euch am Ende: +<i>was erwerben eure Hände</i>. Wer voraus droht, ist entschuldigt +durch die Noth, und wer da warnt, Niemanden +unbillig umgarnt. Die Schlösser vor Uns werden umgekehrt, +und Unsere Heere werden vom Kampfe nicht abgewehrt. +Euere Bitten werden von Uns weder erhört noch angehört, +denn ihr habt die Ungerechtigkeit gefressen und den Glauben +vergessen; ihr habt die Neuerung eingesetzt und das Gemeinwohl +verletzt; ihr überliesset euch den Lastern und +der Passion und es waltet in euch der Neid und die Rebellion. +Nehmet daher in Betrachtung die Kunde der Erniedrigung +und Verachtung. <i>Heut empfangt ihr den Lohn +euerer Verachtung, weil ihr hochmüthig gewesen auf Erden +ohne Wahrheit<a name="FNanchor_337" id="FNanchor_337"></a><a href="#Footnote_337" class="fnanchor">[337]</a>, für euere Laster. Er wird die kennen, +<span class='pagenum'><a name="Page_177" id="Page_177">[177]</a></span> +die Unrecht gethan, und die Umwälzenden werden umgewälzt +werden.</i><a name="FNanchor_338" id="FNanchor_338"></a><a href="#Footnote_338" class="fnanchor">[338]</a> Bei euch ist es ausgemacht, dass wir die +Ungläubigen, und bei Uns ist es ausgemacht, dass ihr die +Lasterhaften. Uns hat auf euch losgelassen Er, in dessen +Hand die Geschäfte, die geleiteten, und die Gebote, die +von ewig her bereiteten. Von Uns wird verachtet, wer +euch dünket ein König, und was euch Viel ist, das däucht +Uns Wenig. Wehe und Furcht dem, der sich vor Uns +gross macht, und Sicherheit und Verzeihung dem, der erzittert +Unserer Macht. Wir haben die Erde in Besitz genommen +im Osten und Westen und die Güter der Reichsten +und Besten; wir haben sie zerstaubt und alle Schiffe geraubt. +Unterscheidet mit eurer Vernunft das Wahre und Klare, +und ihr sollt eilen, uns Antwort zu ertheilen, eh' dass die, +so ihr unglaubig nennet, euch verbrennet, ehe ihr sehet +die Funken, ehe ihr unter der Last des Kriegs seid versunken, +ehe grosses Unglück bei der Hand, und Niemand +lösche den Brand; <i>weisst du, was das sei, flammender Brand?</i> +ehe dass Ehre und Würde von euch schwindet, und ihr +weder Zufluchtsort noch Schutz findet, und ehe dass der +Ausrufer des Verderbens auch mit den Worten des Korans +ruft: <i>Ist einer von ihnen zu finden, ist von ihnen zu hören +der geringste Laut.</i><a name="FNanchor_339" id="FNanchor_339"></a><a href="#Footnote_339" class="fnanchor">[339]</a> Wir sind billig gewesen, indem Wir +euch senden dieses Schreiben zum Lesen. Antwortet darauf, +ehe die Strafe nimmt ihren Lauf, und ihr unverständig seid. +Stellt auf Sternwarten euere Beobachtungen an, eh' der +Treiber wie Holz zerbricht eueren Plan; und wenn ihr +leset dieses Schreiben genau, leset zugleich den Anfang +der Sura: <i>Nachl</i><a name="FNanchor_340" id="FNanchor_340"></a><a href="#Footnote_340" class="fnanchor">[340]</a>, und das Ende der Sura: <i>Ssad</i><a name="FNanchor_341" id="FNanchor_341"></a><a href="#Footnote_341" class="fnanchor">[341]</a>. Wir +haben Perlen des Worts ausgestreut, und die Antwort wird +zeigen, wie ihr seid. Heil werde zu Theil dem, der verdient +Heil.“</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_178" id="Page_178">[178]</a></span></p> +<p style="text-align: center; letter-spacing: 0.2em; margin-top: 2em; font-weight: bold">Antwort.</p> + +<p>„<i>Bei Gott ist die Vorsehung. Sag: Gott ist der Besitzer +des Reichs, es wird gegeben das Reich, wem er will</i>; +es hat uns seine Vorsehung geleitet, Lob sei Gott, dem +Herrn der Welten, und Gebet und Lob über den Herrn +der Gottgesandten, den Schlussring der Propheten, Mohammed +den Propheten, den Ungebildeten<a name="FNanchor_342" id="FNanchor_342"></a><a href="#Footnote_342" class="fnanchor">[342]</a>, und seine +ganze Familie. Antwort auf das Schreiben, welches kündend +gekommen von der Majestät des Ilchan's und der Schwelle +des Sultan's (Gott wolle dieselbe mit Rechtlichkeit bedräuen +und derselben die Annahme des Rechten und Wahren verleihen!). +Hochdieselben sind, wie sie sagen, erschaffen aus +Gottes Grimme, überwältigend Alle, über welche ergeht +seines Zornes Stimme, ohne sich der Klagenden zu erbarmen, +oder für die Weinenden ein Mitleid zu erwarmen, weil +Hochdenselben Gott aus dem Herzen gerissen das Erbarmen. +Dieses sind schändliche Eigenschaften der Satane und nicht +der Sultane. Diese Zeugenschaft genügt als Prediger wider +euch und von eurem selbst beschriebenen Reich abhaltend +die Vernünftigen von euch. So sagt der Koran: „<i>O ihr +Ungläubigen, ich bete nicht an, was ihr betet an!</i>“ Ihr +habt euch selbst geflucht durch den Brief, den ihr geschrieben, +und habet euch selbst mit allen Schändlichkeiten +beschrieben, und alle Propheten haben Euer erwähnt. Wir +haben von euch Kunde seit der Zeit, wo ihr erschaffen +worden seid; und ihr, die ihr Ungläubige seid, wie ihr +dessen selbst im Wahne seid, hat Gott in seinem Buch +nicht den Drängern gegeben den Fluch? Ihr sagt: wir +(die Moslimen) hätten Neuerungen gemacht und das Gemeinwesen +heruntergebracht, den Glauben gebrochen und +alle Laster verbrochen; das ist kein Wunder. Hat nicht +Pharao sich die Rolle des Ermahnenden angeeignet und zugleich +das Gesetz geläugnet? – Wir halten fest auf der +Grundfeste, Uns nicht bekümmernd um die Zweige und +Aeste; Wir sind die Rechtgläubigen fürwahr! Wir nehmen +<span class='pagenum'><a name="Page_179" id="Page_179">[179]</a></span> +das Schädliche nicht an und legen den Zweifel in Bann. +Zu Uns stieg nieder der Koran, und der ewige Gott sieht +Uns erbarmend an; Wir haben die Sendung des göttlichen +Worts vergewisst und wissen, wie dasselbe auszulegen ist. +Es ward für euch das höllische Feuer erschaffen, um eure +Hartherzigkeit zu strafen.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Wann sich spaltet der Himmel,<br /></span> +<span class="i0">Wann die Sterne sich zerstreuen,<br /></span> +<span class="i0">Wann sich mischet der Meere Getümmel,<br /></span> +<span class="i0">Wann die Gräber ihre Todten ausspeien;<br /></span> +<span class="i0">Dann weiss die Seele, was war und kommen wird.<a name="FNanchor_343" id="FNanchor_343"></a><a href="#Footnote_343" class="fnanchor">[343]</a><br /></span> +</div></div> + +<p>Wunderbar, wunderbar! mit Schlägen zu dräuen den Leuen, +reissenden Thieren mit Streichen von Rappieren und Recken +mit Stöcken. Unsere Pferde sind blitzende, Unsere Bogen +ägyptische, Unsere Schwerter jemenische, Unsere Schultern +festsitzende; Wir sind bekannt zum Bessten in Osten und +Westen; Unsere Pferde sind Löwen, wenn Wir sie besteigen, +und Unsere Reiter erreichen den Feind, sobald sie +sich zeigen; Unsere Schwerter schneiden, wann sie treffen, +und Unsere Lanzen zermalmen, wann sie sich senken im +Treffen; Unser Kürass ist Unsere Haut, Unser Panzer ist +Unsere Brust; Unsere Herzen werden durch keinen Unfall +erbittert und Unsere Versammlung keiner Drohung erzittert +durch die Kraft des Allgeehrten und Alllobenswerthen! Durch +Drohungen werden wir nicht erschreckt, durch Anrücken +des Heeres nicht geschwächt; wenn wir als Empörer auftreten, +so ist es des Gehorsames Pflicht, und wenn wir +tödten, so ist diess ein Kapital von Gewicht. Zwischen +Unserer Erdenrunde und dem Tode ist nur Eine Stunde<a name="FNanchor_344" id="FNanchor_344"></a><a href="#Footnote_344" class="fnanchor">[344]</a>. +Ihr sagt: „Unsere Herzen halten wie die Berge Stand, und +Unsere Zahl ist unzählbar, wie Sand“. Den Fleischer die +Menge der Schafe nicht erschreckt, und vieles Holz wird +durch einen kleinen Funken in Brand gesteckt. Werden +<span class='pagenum'><a name="Page_180" id="Page_180">[180]</a></span> +Wir denn vor dem Tode fliehen und die Schmach vorziehen? +Ist es nicht gefehlt, was ihr befehlt? Wir fliehen vor der +Schmach und laufen lieber dem Tode nach; der Tod in +dieser Welt ist, was Uns am meisten gefällt; wenn wir leben, +sind wir selig, und wenn wir sterben, als Martyrer glückselig: +<i>Wird nicht Gottes Verein der überwältigende sein?</i><a name="FNanchor_345" id="FNanchor_345"></a><a href="#Footnote_345" class="fnanchor">[345]</a> +Nach dem Fürsten der Rechtgläubigen, nach dem Nachfolger +des Propheten Gottes, des Herrn der Welten, fordert +ihr von Uns Gehorsam. Wir horchen euch nicht und gehorchen +euch nicht. Die Sehnsucht, ihm (dem Propheten) +nachzufolgen, genügt, um von Uns abzuwehren die Begierden, +die schädlichen, und die Phantasien, die leeren. – Ihr begehrt +von Uns, dass Wir Uns euch ergeben, ehe sich die +Decke wird heben, und ehe Wir Uns in die Gefahr begeben. +Das sind Worte, ungereimt, aus deren Reihung Zweifel +keimt. Wenn die Decke aufgezogen würde und niedersänke +des Looses Bürde, so würde sich's zeigen, was grössere +Sünde sei, ob der Unglaube nach dem Glauben, ob der +Bruch nach der Bewährung, ob die Lüge nach der Erklärung, +oder Gehorsam geschworen den Idolen und die Vermessenheit, +sich einen zweiten Gott zu holen: <i>Ihr habt +eine unaussprechliche Sache vorgezogen; wenig fehlte, dass +die Himmel klafften und die Erden sich spalteten und einstürzte +der Berge Bogen.</i><a name="FNanchor_346" id="FNanchor_346"></a><a href="#Footnote_346" class="fnanchor">[346]</a> Sagt eurem Schreiber, der +diese und diese Worte angefasst und dieses Schreiben verfasst: +Wie kurzsichtig ist deine Kürze, wie öde die Uebertreibung +deiner Rede; dein Schreiben wirkt auf Uns, wie +des Thürangels Hummen und der Fliegen Summen; du hast +des Islams Gnade zu leicht genommen, und es wird Gottes +Pein über dich kommen; du erachtetest zu erweitern durch +das Schreiben die Pein und betrachtetest den Briefwechsel +und die lügnerischen Drohungen als Spielerei'n. Dein Zweck +war, in Vorschein zu bringen deine Beredtsamkeit und zu +zeigen deine Wohlredenheit. Du bist der, von dem der +<span class='pagenum'><a name="Page_181" id="Page_181">[181]</a></span> +Sprechende spricht: <i>Du hast Etwas im Gedächtnisse behalten, +aber es fliehen dich der Dinge Gestalten.</i> Du hast +geschrieben den Text: <i>Er wird die kennen, die Unrecht +gethan, und die Umwälzenden werden umgewälzt werden.</i><a name="FNanchor_347" id="FNanchor_347"></a><a href="#Footnote_347" class="fnanchor">[347]</a> +Auf dieses Wort kommt die Antwort sofort: <i>Gottes Geschäft +ist gekommen, beschleunigt es nicht</i>, der König <i>Nassir</i> +und <i>Jaghmur</i> und <i>Alaeddin Koscheimri</i> und die übrigen +Emire Syriens achten nicht das Feuerschlagen zwischen +Kiesel und Stahl, sie erwarten das Wiehern der Rosse und +das Zusammentreffen im Stosse; sie geloben, sich im heiligen +Kampf zu erproben, euch den Höllen und dem Abgrund +zuzugesellen, euch die Haare, welche über die Ohren +niederstürzen, mit dem Stahle des Schwertes zu kürzen; sie +sagen euch Alle: Seid ihr zum Kampf bereit, so sei das +eure Beredtsamkeit; was braucht es, Verse zu citiren und +Histörchen zu componiren und Lügen einzustudiren. Wir +sind nun im letzten <i>Ssafer</i> und Unsere Verheissung kommt +(als eine wahre) vom Morgen her. Gott beflügelt für den, +wen er will, den Sieg. Wir haben diess nicht bloss prosaisch +geschrieben und sind dabei im Orte der Schmach +sitzen geblieben; Wir sagten, was zur Hand, und entschuldigen +den, der zu schwach zum Widerstand. Heil!“</p> + +<div class="sidenote">Marsch +bis Haleb.</div> + +<p>Nachdem Hulagu den Sommer in Mesopotamien verweilt, +trat er erst im Herbste des Jahres zwölfhundert neun und +fünfzig seinen Marsch nach Syrien an. Auf vier Punkten +wurden Brücken über den Euphrat geschlagen; diese vier +Orte sind noch heute die betretensten gewöhnlichen Uebergangspunkte, +nämlich zu <i>Malatia</i>, <i>Kalaatol Rum</i>, <i>Bire</i> und +<i>Kirkesia</i>, alle vier als Uebergänge des Euphrats schon aus +der römischen und byzantinischen Kriegsgeschichte bekannt. +<i>Malatia</i>, das alte Melitene, <i>Kalaatol Rum</i>, d. i. das Römerschloss, +an der Stelle des alten Zeugma, d. i. der Brückenverband, +<i>Bire</i>, das alte Birtha, und <i>Kirkesia</i>, ganz unverändert +das alte <i>Kirkesion</i>. Das erste Blutbad hatte zu +<i>Menbedsch</i>, dem alten Hierapolis, statt, dessen heutiger +<span class='pagenum'><a name="Page_182" id="Page_182">[182]</a></span> +Name aus dem alten <i>Bambyce</i> verstümmelt; die beiden alten +Namen enthalten schon statistische und historische Kunde +der Stadt, die berühmt durch ihre Baumwollpflanzungen +und ihre Tempel, besonders den der Astarte, der grossen +syrischen Göttin, vor welchem sich vereinzelte Thürme erhoben, +Thürme, die heute <i>Minarete</i>, d. i. Leuchtthürme, +genannt, ursprünglich Phallische Sinnbilder der Zeugung. +Von hier aus wurden die Castelle am Euphrat, deren Einwohner +alle unter dem Schwerte fielen, mit Besatzungen +versehen, nämlich: die Schlösser <i>Nedschm</i>, <i>Rakka</i> und +<i>Dschaaber</i>. <i>Nedschm</i> heisst das Sternschloss; <i>Rakka</i> hat in +der römischen und griechischen Kriegsgeschichte als Kalinike +oder Nicephorium schönen Sieg verkündenden Namen, +<i>Dschaaber</i> aber in der osmanischen die grösste Wichtigkeit, +weil hier dreissig Jahre vor dem Uebergange Hulagu's über +den Euphrat Suleiman, der Grossvater Osman's, des Gründers +des osmanischen Reichs, als er von Chorasan, vor dem +Heere Tschengischan's auswandernd, flüchtete, hier bei'm +Uebergange über den Euphrat vom steilen Ufer in den Fluss +stürzte und ertrank, wo seine Grabstätte noch heute unter +dem Namen des Türkengrabs geehrt wird<a name="FNanchor_348" id="FNanchor_348"></a><a href="#Footnote_348" class="fnanchor">[348]</a>. Noch im +October<a name="FNanchor_349" id="FNanchor_349"></a><a href="#Footnote_349" class="fnanchor">[349]</a> streiften ungeheuere Schaaren bis in die Nachbarschaft +von Haleb, wo ihnen Moaasem, der Sohn Nassir's, +der Urenkel<a name="FNanchor_350" id="FNanchor_350"></a><a href="#Footnote_350" class="fnanchor">[350]</a> des grossen Ssalaheddin, entgegen kam, aber +von ihnen geschlagen in die Stadt floh. Abtheilungen des +Heeres rückten vor <i>Maarretnaaman</i>, <i>Hama</i> und <i>Himss</i>, +welche sich ergaben; die Sultane der beiden letzten Städte +waren nach Aegypten entflohen, so auch <i>Melik Nassir</i>, der +Sultan von Haleb, welcher sich in das innerste Syrien, +nach Schaubek und Kerek, gerettet. Damaskus ergab sich +gutwillig, aber Haleb wurde von Hulagu belagert. Er selbst +<span class='pagenum'><a name="Page_183" id="Page_183">[183]</a></span> +lagerte vor dem westlichen Thore, das nach Antiochien führt, +Oroktu Nujan vor dem Thore der Juden, Keitbuka Nujan +vor dem Thore der Griechen und Sundsche Nujan vor dem +südlichen Thore von Damaskus. Vor dem Judenthore, das +auch Thor der Freude heisst, ist ein grosser<a name="FNanchor_351" id="FNanchor_351"></a><a href="#Footnote_351" class="fnanchor">[351]</a> alter Stein, +bei welchem Juden und Christen schwören; ausser demselben +wallfahrtet der Moslim zu Haleb noch zu zwei Stätten Chiser's, +des Hüters des Lebensquells, dessen Legende in Syrien mit +der des heil. Georg zusammengewachsen, und zu zwei Stätten +Abraham's, dessen Heerden hier gemelket worden sein sollen<a name="FNanchor_352" id="FNanchor_352"></a><a href="#Footnote_352" class="fnanchor">[352]</a>, +eine Legende entstanden aus der Verstümmelung des alten +Namens <i>Chalybon</i> in <i>Haleb</i>, was auf arabisch Milch heisst. +Haleb ist durch seine Früchte, sowie durch seinen Handel +von jeher berühmt gewesen, durch seine Gurken, Wassermelonen, +Feigen, Aprikosen, vorzüglich aber durch seine +Pistazien, welche der Araber die <i>Tochter des Gedächtnisses</i><a name="FNanchor_353" id="FNanchor_353"></a><a href="#Footnote_353" class="fnanchor">[353]</a> +nennt, weil sie gegessen das Gedächtniss stärken sollen; als +Niederlage indischer Waaren wird Haleb auch das kleine +Indien genannt.</p> + +<div class="sidenote">Eroberung +von Haleb +und Harim.</div> + +<p>Der Befehlshaber des Schlosses war Moaasem Turanschah, +der Sohn Nassir's, an welchen die Aufforderung der +Mongolen erging: Wir wollen euch Nichts Uebles, lautete +die Botschaft, wir suchen nur den König Nassir auf, um +uns zu schlagen; nehmt also zwei mongolische Vögte an, +deren einer in der Stadt, der andere im Schlosse residire, +so lange noch das Kriegsglück unentschieden; wenn wir das +moslimische Heer geschlagen, seid ihr uns ohnedies als +Sklaven verfallen; schmiegt euch daher lieber früher als +später in's Joch; sollten wir besiegt werden, so steht es +euch immer frei, unsere Vögte hinaus zu werfen, oder wenn +ihr lieber wollt, sie zu tödten. Moaasem's Antwort war +eines Ejubiden würdig: er habe für die Mongolen Nichts, +als sein blankes Schwert. Auf diese Antwort umzingelten +die Mongolen die Stadt, besetzten die Brücken, bei deren +<span class='pagenum'><a name="Page_184" id="Page_184">[184]</a></span> +Vertheidigung Esededdin, der Sohn Soheir's, des Sohnes +Nassireddin's, fiel. Das Schwert wüthete durch fünf Tage, +von Sonntag bis Freitag, bis Hulagu's Befehl dem Morden +Einhalt that; nur sechs Gebäude waren durch besondere +Sicherheitsbriefe von der allgemeinen Plünderung ausgenommen<a name="FNanchor_354" id="FNanchor_354"></a><a href="#Footnote_354" class="fnanchor">[354]</a>, +nämlich vier Häuser von Prälaten, das Kloster +der Ssofi und die Synagoge der Juden, aber weder die +griechische noch die syrische Kirche. Während Abulfaradsch, +der Syrer, welcher die Geschichte dieses Feldzugs als Augenzeuge +beschrieben, als Abgesandter der Christen an Hulagu +im Sternschloss aufgehalten ward, drangen die Tataren in +die Stadt ein und metzelten die Christen nieder, die sich +in die griechische Kirche geflüchtet, bis auf wenige, welche +der armenische Priester Toros rettete<a name="FNanchor_355" id="FNanchor_355"></a><a href="#Footnote_355" class="fnanchor">[355]</a>. Das Blutbad war +gross und grösser, als zu Bagdad<a name="FNanchor_356" id="FNanchor_356"></a><a href="#Footnote_356" class="fnanchor">[356]</a>; die Zahl der in den +verschonten Gebäuden Geretteten belief sich auf fünfzigtausend<a name="FNanchor_357" id="FNanchor_357"></a><a href="#Footnote_357" class="fnanchor">[357]</a>; +das Schloss ward mit Wurfmaschinen beschossen. +Die Emire Kurchan, Adschu Sukurdschi und Ssadik Gurdschi +wurden verwundet. Hulagu beschenkte sie und sagte: Wie +die rothe Farbe die Schminke der Weiber, so ist die Schminke +der Männer das Blut<a name="FNanchor_358" id="FNanchor_358"></a><a href="#Footnote_358" class="fnanchor">[358]</a>. In dem Schlosse wurden Mehrere, +als des Einverständnisses mit den Mongolen verdächtig, getödtet; +über zwei Monate<a name="FNanchor_359" id="FNanchor_359"></a><a href="#Footnote_359" class="fnanchor">[359]</a> hatte die Belagerung gedauert, +als der Besatzung freier Abzug gestattet ward. <span class="xidenote">11. Rebiulachir 659/<br />6. April 1261</span> Die Emire +der ägyptischen Mamluken, welche sich unter der Besatzung +befanden, wurden der Sorge eines Kipdschaken empfohlen, +welcher vormals bei Nassir, dem Herrn Haleb's, Schutz +gesucht, von demselben gütig aufgenommen, jedoch, weil +es ihm in Syrien nicht gefiel, wieder zu den Mongolen übergegangen +war. Ausrufer verkündeten, dass es den Moslimen +erlaubt sei, in ihre Wohnungen zurückzukehren, und dass +ihnen Niemand Etwas in den Weg legen solle. Hulagu +<span class='pagenum'><a name="Page_185" id="Page_185">[185]</a></span> +ernannte zum Vogte Fachreddin, den Mundschenken, und +Tokal Bachschi, liess den ersten in der Folge, als sich die +Einwohner über seine Erpressungen beklagten, hinrichten, +und gab die Stelle dem Seineddin Hafis<a name="FNanchor_360" id="FNanchor_360"></a><a href="#Footnote_360" class="fnanchor">[360]</a>. Nun kam Melikol-Eschref +Musa, der Herr von Himss, welchem Nassir, wie +vordem gesagt worden, die väterliche Stadt weggenommen +und ihm dafür Telbaschir gegeben hatte, und der mit Nassir +und dessen Bruder bei Annäherung der Mongolen aus Haleb +nach Aegypten geflohen, um sich dem Eroberer huldigend +zu Füssen zu werfen. Hulagu empfing ihn gnädig und setzte +ihn in das ihm entrissene Fürstenthum von Himss wieder +ein; auch erschien Mohijeddin, der Sohn Seki's, der Richter +von Damaskus, um ihm die Huldigung der Stadt darzubringen; +Hulagu empfing ihn ehrenvoll und sandte ihn nach +Damaskus mit goldenen Ehrenkleidern für die Gesetzgelehrten +zurück. Er theilte dieselben dort in öffentlicher +Versammlung aus und las das Jerligh vor, welches ihm die +Stelle als Richter von Damaskus verlieh<a name="FNanchor_361" id="FNanchor_361"></a><a href="#Footnote_361" class="fnanchor">[361]</a>. Nachdem Haleb's +Einrichtung getroffen war, wandte sich Hulagu gegen Harun, +welches unter dem Namen <i>Harim</i> aus der Geschichte der +Kreuzzüge bisher besser als seine Lage bekannt, durch +mehrere Schlachten berühmt; von den Christen eingenommen, +von Nureddin belagert und erstürmt, fiel es wieder in der +Kreuzfahrer Hände, denen es Ssalaheddin entriss<a name="FNanchor_362" id="FNanchor_362"></a><a href="#Footnote_362" class="fnanchor">[362]</a>. Es +liegt zwischen Haleb und Antiochien, zwei Tagreisen von +jenem und eine von diesem entfernt, und ist besonders +seiner herrlichen Granatäpfel willen berühmt, welche die +saftigsten Syriens<a name="FNanchor_363" id="FNanchor_363"></a><a href="#Footnote_363" class="fnanchor">[363]</a>. Die Besatzung erklärte, sie wolle sich +an Niemanden als an Fachreddin, den Naib (Stellvertreter +des Richters) von Haleb, ergeben, welcher, herbeigerufen, +ihre Uebergabe im Namen Hulagu's empfing; diesen aber +wurmte der ihm hierdurch zugefügte Schimpf so sehr, dass +<span class='pagenum'><a name="Page_186" id="Page_186">[186]</a></span> +er trotz des zugesicherten Lebens alle Einwohner mit Weib +und Kind erwürgen liess. Den Sultan von Himss, Melikol +Eschref, sandte er nach Hama, dessen Emire, nachdem ihr +Sultan Melik Manssur sich nach Damaskus geflüchtet hatte, +dem Hulagu die Schlüssel der Stadt überbracht und um einen +mongolischen Vogt gebeten. Er sandte ihnen den Wesir +Chosrewschah, der seinen Stamm vom Schwerte des Islams +von Chalid, dem Sohne Welid's, dem berühmten Feldherrn +der beiden ersten Chalifen, dem Eroberer Syriens, herleitete<a name="FNanchor_364" id="FNanchor_364"></a><a href="#Footnote_364" class="fnanchor">[364]</a>. +Melik Eschref erhielt von Hulagu den Auftrag, +die Mauern Hama's und die seiner eigenen Stadt Himss zu +zerstören. Melikol Eschref verfuhr schonungslos zu Hama, +wo er die Mauern des Schlosses schleifte, das Arsenal verbrannte, +die schöne Bibliothek versteigerte und auch die +Mauern der Stadt gebrochen haben würde, wenn nicht ein +Franke dem mongolischen Zerstörer, dem Perser Chosrewschah, +vorgestellt, dass die Nachbarschaft der Christen zu +<i>Hossnol Ekrad</i> es nicht rathsam mache, die Stadt ihres +Walles zu entmanteln. Nicht so genau vollzog Melikol +Eschref die Befehle Hulagu's in seiner eigenen Stadt Himss, +wo er nur Weniges zum Scheine abbrach, sein übriges Erbe +verschonend<a name="FNanchor_365" id="FNanchor_365"></a><a href="#Footnote_365" class="fnanchor">[365]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Miafarakain.</div> + +<p>Ehe wir die Erzählung des syrischen Feldzugs weiter +verfolgen, wenden wir uns nach Mesopotamien zurück, wo +Hulagu auf seinem Durchzuge seinen Sohn Jaschmut mit +einer Heeresabtheilung belagernd vor der Stadt Miafarakain +gelassen, welche nordöstlich von Diarbekr gelegen. <i>Miafarakain</i>, +das südlich demselben gelegene <i>Hossnkeif</i> und das noch +südlichere, am Berge <i>Dschudi</i> oder <i>Masius</i> gelegene <i>Mardin</i>, +das alte <i>Merde</i>, drei der festesten Horte des arabischen +Irak und Gränzfestungen des byzantinischen und persischen +Reichs, wollen ihrer Wichtigkeit wegen vom Leser dieser +Geschichte näher gekannt sein. Das erste, auf armenisch +<i>Nefrgerd</i>, auf griechisch die <i>Stadt der Martyrer</i> geheissen, +ist vielleicht das alte <i>Carcatiocerta</i>, welche die Hauptstadt +<span class='pagenum'><a name="Page_187" id="Page_187">[187]</a></span> +<i>Sophiene's</i>, wie Miafarakain die Hauptstadt des Landes Bekr's +war<a name="FNanchor_366" id="FNanchor_366"></a><a href="#Footnote_366" class="fnanchor">[366]</a>; sie liegt am dritten Gränzflusse des byzantinischen +und persischen Reichs, am Nymphius, der heute der Goldfluss +heisst<a name="FNanchor_367" id="FNanchor_367"></a><a href="#Footnote_367" class="fnanchor">[367]</a> und nördlich der Stadt aus einer Quelle entspringt, +welche die Quelle <i>Bekr's</i> heisst<a name="FNanchor_368" id="FNanchor_368"></a><a href="#Footnote_368" class="fnanchor">[368]</a>. Die orientalischen +Geographen nennen nur ein einziges Denkmal der +Stadt, aber dieses einzige macht viele andere zum Ruhme +der Stadt überflüssig und leuchtet hell hervor aus dem +Dunkel unbekannter Martyrer, von denen die Stadt den +armenischen und griechischen Namen hat; es ist das Grabmal +<i>Seifeddewlet's</i>, d. i. des Reichsschwerts, des grossen Fürsten +der Beni Hamdan, dessen zahlreiche glückliche und unglückliche +Kämpfe gegen das byzantinische Reich, dessen Kriegsthaten +in Asien von Haleb bis an die Ufer des Bosporos die +Geschichte erzählt und Motenebbi in unsterblichem Gedichte +verherrlicht hat. Hier ist das eigentliche Land Bekr's, von +welchem die spätere Hauptstadt desselben, Amid oder Diarbekr, +den heutigen Namen trägt. Ursprünglich der Sitz +des Stammes <i>Bekr Ben Wail</i>, dann der Könige von <i>Kinde</i>, +aus welchen <i>Amrolkai's</i>, einer der sieben grössten Dichter +vor Mohammed, um des von den Beni Esed erschlagenen +Vaters Tod zu rächen, Bundesgenosse des griechischen +Kaisers, zuletzt von seinen Feinden im Bade mittels vergifteten +Kleides getödtet. Nach der Eroberung unter dem +Chalifate Omar's herrschten hier die Dynastien der <i>Beni +Merwan</i> und <i>Beni Ortok</i>, und als Hulagu's Heer vor Miafarakain +belagernd erschien, war dasselbe seit siebzig Jahren in +den Händen eines Zweiges der Beni Ejub, deren vierter +Herrscher, Melikol Kjamil, durch die Hinrichtung des Gesandten +und durch die Verweigerung der Unterwerfung unter +die Macht des Kaan's und Ilchan's gesichert. Als Prinz +Jaschmut mit den beiden ihm untergebenen Feldherren, +<span class='pagenum'><a name="Page_188" id="Page_188">[188]</a></span> +<i>Ilkai Nujan</i> und <i>Suntai</i>, zur Uebergabe aufforderte, antwortete +er: der Prinz möge nicht kaltes Eisen schmieden +und Unmögliches nicht erwarten. Ist er nicht der Sohn des +Vaters, der dem Chorschah (dem Fürsten der Assassinen), +dem Chalifen von Bagdad, dem Hosameddin Aka (dem Befehlshaber +von Deriteng) und dessen Sohne Tadscheddin +(dem Befehlshaber von Irbil) das gegebene Wort gebrochen<a name="FNanchor_369" id="FNanchor_369"></a><a href="#Footnote_369" class="fnanchor">[369]</a> +und sie trotz des gewährten sicheren Geleites getödtet hat? +Da mich gleiches Loos erwarten würde, wie sie, will ich +mich bis auf den letzten Odemzug vertheidigen. Er öffnete +seine Schätze und Magazine der Besatzung und sagte ihnen: +Theilt euch darein, denn ich bin nicht, Gott sei Dank! der +Chalife Moteaassim, dessen Geiz die Ursache von Bagdads +Ruin. Wurfmaschinen wurden wider Wurfmaschinen aufgepflanzt +und zwar mit so grosser Genauigkeit der Richtung +der einen gegen die andere, dass die geschleuderten Felsenstücke +mehrmals in der Luft zusammenstiessen und, durch +den Zusammenstoss zerschmettert, als Kies und Sand herunterregneten. +Endlich gelang es den Belagerten, die +Wurfmaschinen der Belagerer mittels geschleuderten Naphtafeuers +zu verbrennen.</p> + +<div class="sidenote">Eroberung +von Miafarakain +und +Hossnkeif.</div> + +<p>Hulagu, von dem Widerstande Miafarakain's unterrichtet, +sandte den Oroktu mit dem Befehle, dass der Prinz und das +Heer so lange weile, bis die Stadt durch Hunger zur Uebergabe +gezwungen seyn würde. Dieser Zeitpunkt trat ein; einen +ganzen Monat lang schon ass die Besatzung nichts als Hunde, +Katzen, Mäuse und Ratten, zuletzt Leichname der Erschlagenen. +Da schrieben die wenigen, noch vom Tode Verschonten +an Jaschmut: „Die Lebensmittel sind ausgegangen +und die Stadt ist ihrer Vertheidiger entblösst; wenn jetzt +die Reiter kommen, werden sie keinen Widerstand finden.“ +Der Prinz sandte den Oroktu, und dieser fand nur siebzig +halb verhungerte, halb durch Wunden verstümmelte Männer, +<span class='pagenum'><a name="Page_189" id="Page_189">[189]</a></span> +die sich nicht mehr vertheidigen konnten; nur zwei Reiter, +die während der ganzen Belagerung in wiederholten Ausfällen +Wunder der Tapferkeit gethan, kämpften auch nun +mit vorgehaltenen Schilden gegen der Feinde Uebermacht, +bis sie derselben erlagen. Melik Kjamil wurde mit seinem +Bruder an Hulagu gesandt, der damals zu Tellbaschir (das +Turbeysel der Kreuzfahrer in der Nähe von Haleb); Hulagu +überhäufte ihn mit Vorwürfen über seinen Undank und seine +Treulosigkeit, dass er den Gesandten des Kaan's, der ihm +Diplom und Löwenkopf gesandt, getödtet. Er befahl, ihm +Riemen Fleisches aus dem Leib zu schneiden und in den +Mund zu stecken; der abgeschnittene Kopf wurde als Trophäe +in den syrischen Städten zu Haleb, Hama und Damaskus +unter Musik herumgetragen und in der letzten Stadt an +einem Fenster des Stadtthores, welches das Thor des Paradieses +heisst, aufgehängt<a name="FNanchor_370" id="FNanchor_370"></a><a href="#Footnote_370" class="fnanchor">[370]</a>, erst nach Abzug der Mongolen +in dem Grabmale Husein's beigesetzt. <span class="xidenote">7. Dschem. ewwel 658/<br />21. April 1260</span> Der Scheich Schihabeddin, +als Dichter unter dem Namen <i>Abu Schama</i>, d. i. +Vater des Muttermaals, berühmt, beweinte dessen Tod in +einer berühmten Kassidet, woraus die Verse:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Der Sohn des Kämpen kämpfte wider die Barbaren,<br /></span> +<span class="i0">Die in Irak aus rauhen Kehlen schnarren;<br /></span> +<span class="i0">Hellstrahlend und erhaben in Gefahren,<br /></span> +<span class="i0">Starb er den Martyrtod erst nach zwei Jahren.<br /></span> +<span class="i0">Entehrt ward nicht sein Haupt durch die Fanfaren,<br /></span> +<span class="i0">Womit auch das <i>Husein's</i> ward gefahren;<br /></span> +<span class="i0">Es ruht bei ihm nach Abzug der Tataren;<br /></span> +<span class="i0">Im Leben und im Tode gleich Verfahren.<br /></span> +</div></div> + +<p>Gleiches Schicksal mit dem Fürsten von Miafarakain hatte +sein Vetter Mowwahid, der Sohn Turanschah's, des letzten +Sultans der Beni Ejub in Aegypten, der Herr des festen +Schlosses von <i>Hossnkeif</i>, welches zur selben Zeit wie Miafarakain +fiel und dessen Fürst ebenfalls von den Mongolen +getödtet ward. <i>Hossnkeif</i> oder <i>Hissnkeifa</i>, von den Byzantinern +<span class='pagenum'><a name="Page_190" id="Page_190">[190]</a></span> +das Schloss des <i>Kiphas</i> genannt<a name="FNanchor_371" id="FNanchor_371"></a><a href="#Footnote_371" class="fnanchor">[371]</a>, liegt auf dem +westlichen Ufer des Tigris, auf dem Wege von Miafarakain +nach Mossul<a name="FNanchor_372" id="FNanchor_372"></a><a href="#Footnote_372" class="fnanchor">[372]</a>. Die Stadt hängt mit dem auf einem hohen +Berge gelegenen Schlosse mittels einer Brücke zusammen; +bevor dasselbe der ejubidische Emir Merd Mahmare befestigte, +hiess es bei den Arabern <i>Rasol Ghul</i>, d. i. das +Dämonenhaupt, weil es, wie im Sternbild des Perseus das +Haupt der Gorgone, welches der Araber ebenfalls <i>Dämonenhaupt</i> +nennt, fürchterlich und hoch vom Himmel herunterdroht. +Nach der arabischen Legende soll der Name Hossn +oder Hissn Keifa ursprünglich <i>Hasan Keifa</i> gelautet haben, +und zwar aus folgendem Anlasse: Ein Wackerer, Namens +Hasan, im Schlosse gefangen gehalten, erbat sich beim +Emire eines Tages die Erlaubniss, eine seiner Stuten auf +dem Schlosshofe zu tummeln; die Erlaubniss wurde gewährt; +Hasan tummelte und tummelte das Pferd und setzte damit +zuletzt in toddrohendem Sprunge über die Mauer, mit dem +Pferd hinunterstürzend in den Tigris, den er glücklich +durchschwamm. Da erscholl der Zuruf der Bewunderung +solcher Tollkühnheit: <i>Hasan Keifa!</i> d. i. Hasan Wohlauf! +und der Name blieb dem Schloss. Vielleicht ist es dasselbe +mit dem alten persischen <i>Schlosse der Vergessenheit</i>, worin +Prinzen und andere Staatsgefangene zu ewiger Vergessenheit +eingekerkert worden, und dessen die byzantinischen Geschichtschreiber +mehrmals erwähnen<a name="FNanchor_373" id="FNanchor_373"></a><a href="#Footnote_373" class="fnanchor">[373]</a>; da aber jenes auf +persisch <i>Gilgerd</i><a name="FNanchor_374" id="FNanchor_374"></a><a href="#Footnote_374" class="fnanchor">[374]</a> genannt wird, so ist es weit wahrscheinlicher, +dass dasselbe eins mit einem der festesten Schlösser +der Assassinen, mit <i>Girdkjuh</i>, dem <i>Tigado</i> Hethum's<a name="FNanchor_375" id="FNanchor_375"></a><a href="#Footnote_375" class="fnanchor">[375]</a>, das +länger als alle anderen aushielt<a name="FNanchor_376" id="FNanchor_376"></a><a href="#Footnote_376" class="fnanchor">[376]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Mardin's +Belagerung.</div> + +<p>Nach Miafarakain's und Hossnkeif's Eroberung befehligte +Hulagu seinen Sohn Jaschmut und die ihm beigegebenen +Emire wider Mardin, die Residenz Melik Said's, des +Fürsten der Familie Ortok, von denen die ältere Linie zu +<span class='pagenum'><a name="Page_191" id="Page_191">[191]</a></span> +Amid und auch zu Hossnkeif geherrscht, ehe das letzte in +den Besitz der Ejubiden kam. Mardin ist das alte Marde, +der Sitz des kriegerischen, störrigen Stammes der Marden, +welche der persische König <i>Arsaces</i> theils hierher, theils +nach dem Libanon verpflanzte, deren Wohnsitze sich später +bis nach Satalia an der cilicischen Küste ausdehnten<a name="FNanchor_377" id="FNanchor_377"></a><a href="#Footnote_377" class="fnanchor">[377]</a> und +deren Nachkommen, im Peloponnesos angesiedelt, noch heute +in dem tapfersten Stamme der Schipetar oder Albanesen in +den Mirdaiten fortleben. Der Berg <i>Masius</i>, sogenannt von +seinen Eichenwäldern [auf persisch Masu<a name="FNanchor_378" id="FNanchor_378"></a><a href="#Footnote_378" class="fnanchor">[378]</a>], ehemals <i>Izale</i>, +dann von den Arabern Dschudi genannt, ist eine Raubhöhle +der verschiedenartigsten Stämme und Secten, welche zu +verschiedenen Zeiten die Freiheit ihres verfolgten Cultus +in die Eichenwälder und Schluchten dieses Berges gerettet, +an dessen steilstem Ende nach der moslimischen Ueberlieferung +die Arche Noah's sitzen geblieben und von wo aus +er mit seinen Söhnen in die Ebene Mesopotamiens heruntergestiegen +sein soll. Sunni und Schii, katholische und schismatische +Armenier, Jacobiten, Nestorianer, Chaldäer und +Juden, Sonne-, Feuer-, Kalbs- und Teufelsverehrer wohnen +hier einander über den Köpfen; denn die Stadt steigt in +Terrassen auf und die Häuser stehen alle eines ober dem +anderen, so dass Dächer und Thore in einer senkrechten +Linie sich übereinander erheben; die zahlreichste Bevölkerung +Kurden, Jesidi, welche dem Teufel göttliche Ehre +erweisen, wahrscheinlich Nachkommen der Marden, welche +vermuthlich zur altpersischen Secte gehörten, die das böse +Princip anbetete. Wenn irgendwo in Asien noch Spuren +der Ungarn anzutreffen sein sollen, so dürften dieselben +ausser Sibirien noch in den Eichenwäldern des Masius in +dem Volksgemische der Umgegend zu suchen sein, denn +hierherum kennt Theophylaktus das Schloss der <i>Magyaren</i> +und den Pass der <i>Sabiren</i>, welche die Namen der Ungarn, +die bei dem Auszuge aus dem Lande zwischen der Wolga +<span class='pagenum'><a name="Page_192" id="Page_192">[192]</a></span> +und dem Dniepr sich südlich nach Persien wandten<a name="FNanchor_379" id="FNanchor_379"></a><a href="#Footnote_379" class="fnanchor">[379]</a>. Melik +Said, Fürst der Familie Ortok, beantwortete mit gleichem +Muthe und in gleichem Sinne, wie die Herren von Miafarakain +und Hossnkeif, die Aufforderung Jaschmut's: „Ich +hatte den Sinn, mich euch zu unterwerfen, aber die Art, +wie ihr die, so sich euch ergaben, behandelt, hat meinen +Sinn geändert; an lobenswerthen, an tapferen Kurden und +Türken fehlt es mir, Gott sei Dank! nicht.“ Oroktu pflanzte +also die Wurfmaschinen auf, welche acht Monate fruchtlos +die steile Bergfeste beschossen. Die Mongolen rächten sich +für den tapferen Widerstand des Schlosses durch die Plünderung +der Stadt und der nächstgelegenen Städte Ersen +und Dinsar. Der ältere der beiden Söhne Said's, Mosafereddin, +hatte zu wiederholtenmalen dem Vater fruchtlose +Vorstellungen wider die längere Vertheidigung gemacht; +endlich räumte er dessen längeren Widerstand durch Gift +aus dem Wege und begab sich in's Lager, sich selbst als +Vatermörder aus Menschenliebe angebend, weil er überzeugt, +dass das Schloss doch endlich der Uebermacht der +Eroberer weichen müsse, durch den Tod des Einen das +Leben von Tausend habe bewirken wollen. Der Vatermörder +fand Gnade vor Hulagu, der ihm des Vaters Herrschaft +verlieh; seine Nachkommen erhielten dieselbe als zahme +Vasallen der Ilchane. Hundert dreissig Jahre nach dieser +Unterwerfung trotzte Sultan Isa, der letzte des grossen +Herrschergeschlechtes der Beni Ortok, noch den welterobernden +Waffen Timur's, der von den fruchtlos Belagerten +die gewöhnliche Neunzahl der Geschenke und das Versprechen +jährlichen Tributs annahm<a name="FNanchor_380" id="FNanchor_380"></a><a href="#Footnote_380" class="fnanchor">[380]</a>. Die Dynastie der +Beni Ortok erlosch fast gleichzeitig mit der der Beni Ejub +zu Hossnkeif, wo nach Mowwahid's Hinrichtung dessen Nachkommen +das Schloss ebenfalls als Vasallen der Mongolen +besassen, bis der achte derselben der aufsteigenden Dynastie +<span class='pagenum'><a name="Page_193" id="Page_193">[193]</a></span> +der Bajandere, d. i. des weissen Hammels, erlag, deren +Gründer <i>Kara Juluk</i>, d. i. der schwarze Blutegel, von +Timur mit der Herrschaft von Amid und Mardin belehnt +ward<a name="FNanchor_381" id="FNanchor_381"></a><a href="#Footnote_381" class="fnanchor">[381]</a>. Zwei der Zweige der Beni Ejub wurden also als +Vasallen der Mongolen zu <i>Hossnkeif</i> und <i>Himss</i> geduldet, +während die Dynastien der beiden anderen von <i>Miafarakain</i> +und <i>Haleb</i> mit ihren Hauptstädten zu Grunde gingen. Ehe +wir das Ende des mächtigsten dieser Fürsten, nämlich Nassir's +von Haleb, als Folge der Niederlage von <i>Aindschalut</i> +erzählen, erwähnen wir noch einmal des Fürsten von Mossul.</p> + +<div class="sidenote">Ssalih's, +des Sohnes +Bedreddin +Lulu's, +Empfang +und Ende.</div> + +<p>Bedreddin Lulu, der sechs und neunzigjährige<a name="FNanchor_382" id="FNanchor_382"></a><a href="#Footnote_382" class="fnanchor">[382]</a> Greis, +der vierzigjährige Herrscher von Mossul, welchen Hulagu +in Anbetracht seines hohen Alters der Pflicht, im letzten +Feldzuge persönlich zu erscheinen, enthoben und seiner +statt seinem ältesten Sohn Ssalih der Belagerung Miafarakain's +beizuwohnen, aufgetragen hatte, war während derselben +gestorben. Bedreddin Lulu, d. i. Vollmond-Perle, +erst Sklave des sechzehnten Atabegen von Mossul, dann +Obersthofmeister von dessen beiden Söhnen Mesud und +Mahmud, eignete sich, nachdem sie bald auf einander gestorben, +den Thron selbst an und mass seine Macht mit +der der Fürsten aus dem Hause Ejub; zuerst mit Ssalih +Nedschmeddin, dem Sohne Kjamil's, dem Herrn von Sindschar, +das er zweimal belagerte; das erstemal war er durch das +dem Sultan zu Hilfe eilende Heer Chuaresmschah's die Belagerung +aufzuheben gezwungen; das zweitemal aber entriss +er die Stadt dem Enkel Melikol aadil's, <i>Dschewad</i>; hierauf +die festen Städte <i>Nissibin</i> und <i>Dara</i> den Händen der Chuaresmier, +den Sohn Melik Ssalih's, den nachmaligen letzten +Herrscher der Beni Ejub in Aegypten, aus der Gefangenschaft +der Chuaresmier befreiend. <span class="xidenote">637/<br />1239</span> Zehn Jahre hernach +wurden ihm diese Städte von dem wider ihn gesandten +Heere Nassir's von Haleb wieder abgenommen<a name="FNanchor_383" id="FNanchor_383"></a><a href="#Footnote_383" class="fnanchor">[383]</a>. Seiner +Unterwürfigkeit und Huldigung gegen Hulagu ist schon oben +<span class='pagenum'><a name="Page_194" id="Page_194">[194]</a></span> +Erwähnung geschehen. Nach seinem Tode wurden seine +drei Söhne, Ssalih, Mosaffer Ali und Melik Modschahid, +von Bondokdar, dem Sultane Aegyptens, mit den Fürstenthümern +von <i>Mossul</i>, <i>Sindschar</i> und <i>Dschesiret Ben Omar</i> +belehnt. Ssalih wurde in's Lager gefordert und die Tochter +Dschelaleddin Chuaresmschah's, welche ihm Hulagu früher +vermählt, wurde zur Huldigung nach Syrien gefordert; dort +nahm sich seiner Rokneddin Beidak an; aber Hulagu sandte +den Senedarghun Nujan mit einem Tomane mongolischen +Heeres, um Mossul zu besetzen und die Schätze auszuliefern. +Als Ssalih in seine Stadt zurückeilte, fand er alle Wege +von Mongolen besetzt; er verweilte zu <i>Dschewsak</i>, wo ihn +die mongolische Schlachttrompete aus weichlichem Wohlleben +aufschreckte; da eilte er nach Mossul und rüstete die +Stadt zur Verteidigung wider die Mongolen, die Einwohner +mit der Hoffnung tröstend, dass sein Beschützer, <i>Beidak</i> +der Syrer<a name="FNanchor_384" id="FNanchor_384"></a><a href="#Footnote_384" class="fnanchor">[384]</a>, bald zum Entsatze erscheinen werde. Von +beiden Seiten flogen Felsenstücke und feuerbeschwingte +Pfeile; mehrere wackere Mongolen, welche bereits die +Mauern erstiegen hatten, wurden getödtet und ihre Köpfe +in's mongolische Lager gepfeilt. Melik Ssalih, von einem +Pfeile verwundet, eilte in's Lager zu Hulagu, um ihm von +dieser halsstarrigen Empörung Ssalih's Kunde zu geben. +Beidak, von der üblen Lage seines Schützlings unterrichtet, +sandte ihm Truppen zu Hilfe, die von Sindschar aus durch +Taubenpost von ihrer nächsten Ankunft Wort sandten. Die +Taube ward von einem Mongolen geschossen, der Brief dem +<i>Senedarghun Nujan</i> gebracht. Er legte sich in Hinterhalt, +schlug die von Beidak zu Hilfe gesandten syrischen Truppen +und steckte die Mongolen in ihre erbeuteten Kleider; unter +dieser Verlarvung erschienen sie vor den Mauern Mossul's, +dessen Einwohner, sie für den syrischen Entsatz haltend, +ihnen entgegen gingen, aber alle niedergemacht wurden; +dennoch hielt sich die Stadt noch sechs Monate, bis die +<span class='pagenum'><a name="Page_195" id="Page_195">[195]</a></span> +Sonne in ihrer höchsten Hitze, im Löwen, und die Hungersnoth +in der Stadt aufs Höchste gestiegen. Da verliessen +die Vertheidiger Mossul's, durch Hunger gezwungen, +die Stadt und wurden vom Schwerte der Mongolen gefressen. +Ssalih unterhandelte nun die Uebergabe um Schonung des +Lebens und sicheres Geleite an Hulagu. Senedarghun<a name="FNanchor_385" id="FNanchor_385"></a><a href="#Footnote_385" class="fnanchor">[385]</a> +verhiess und gewährte beides, aber nur der Person Ssalih's, +denn die Besatzung wurde bis auf Wenige zusammengehauen. +Neun Tage dauerte das Morden, die Stadt ward entvölkert, +nur nach Abzug der Mongolen kamen etwa Tausend, die +sich in's Gebirg gerettet hatten, wieder in die Stadt zurück. <span class="xidenote">5. Schaaban 660/<br />27. Januar 1262</span> +Hulagu war über Ssalih's Empörung so ergrimmt, dass er +an demselben ein Beispiel mehr als gewöhnlicher, ekelhafter, +unmenschlicher Grausamkeit aufstellte; er wurde, +das Gesicht auf die Schaam gebunden, in einen Filz gewickelt +und in die Sonne geworfen; so musste er elend +verschmachten; sein dreijähriger Sohn wurde nach Mossul +gesendet, am Ufer des Tigris entzweigehauen und die zwei +Hälften auf den beiden Seiten des Flusses aufgehangen, bis +sie verfault, abfielen. Solche echt mongolische Grausamkeit +schändet den Ruhm Hulagu's, welchem sein Volk den Ehrennamen +<i>Ssain Adschu</i>, d. i. der Schwierigkeitenlöser, beilegte, +welcher mit seinen Söhnen für das <i>Hemd</i><a name="FNanchor_386" id="FNanchor_386"></a><a href="#Footnote_386" class="fnanchor">[386]</a> des +mongolischen Reichs galt, während alle anderen Prinzen +nur als Oberkleider<a name="FNanchor_387" id="FNanchor_387"></a><a href="#Footnote_387" class="fnanchor">[387]</a> angesehen wurden.</p> + +<div class="sidenote">Hulagu's +Aufbruch +von Haleb, +Keitbuka zu +Damaskus.</div> + +<p>Hulagu befand sich nach der Eroberung von Damaskus, +mit den Plänen weiterer ägyptischer Eroberung beschäftigt, +zu Haleb, als er die Nachricht von dem Tode seines Bruders, +des grossen Kaan's Mengku, erhielt. Er brach sogleich +auf, wie es scheint in der Absicht, die oberste Herrschaft +des Reichs im Kurultai zu Karakorum für sich selbst +anzusprechen, erfuhr aber schon zu Tebris, dass sein Bruder +Kubilai zum <i>Kaan</i> und <i>Moilchan</i> ausgerufen worden, und +kehrte in der Folge wieder nach Haleb zurück. Ehe er +<span class='pagenum'><a name="Page_196" id="Page_196">[196]</a></span> +Haleb verlassen, befahl er die Schleifung der Mauern und +des Schlosses von Haleb, was vollzogen ward; den Oberbefehl +über das Heer liess er in den Händen Keitbuka's, +des bisherigen Befehlshabers des Vortrabs. Dieser war im +zauberischen Thale von <i>Ghuta</i> gelagert, welches durch die +üppige Fülle seines Grüns und Baumwuchses eines der vier +Paradiese des Ostens (die drei anderen sind die Auen von +<i>Obolla</i> an der Mündung des Euphrats, das Zauberthal +<i>Schaab Bewwan</i> in Fars und die Ebene von <i>Soghd</i> im Lande +jenseits des Oxus). Wiewohl diese vier vorzugsweise die +Paradiese des Ostens heissen, so zählen doch genauere Geographen +und eifrige Moslimen deren acht, indem nach der +Lehre des Koran's die Zahl der Höllen sieben, die der +Paradiese aber acht, indem Gottes Grimm minder als seine +Huld und jenseits wie diesseits verdiente Strafe von unverdienter +Gnade überwogen wird. Diese vier anderen Paradiese +sind das Thal von <i>Tebris</i><a name="FNanchor_388" id="FNanchor_388"></a><a href="#Footnote_388" class="fnanchor">[388]</a>, das von <i>Mamschanrud +zu Hamadan</i>, der Sommeraufenthalt der Bewohner Malatia's +zu <i>Sebusi</i><a name="FNanchor_389" id="FNanchor_389"></a><a href="#Footnote_389" class="fnanchor">[389]</a>, dem vom Flusse des Messias bewässerten Thale, +und endlich das des <i>Bosporos</i>, dessen Schönheiten nach dem +bekannten Distichon des türkischen Dichters <i>Melhemi</i> die +Schönheiten der vier ersten Paradiese weichen müssen<a name="FNanchor_390" id="FNanchor_390"></a><a href="#Footnote_390" class="fnanchor">[390]</a>. +Im schönen Thale von Ghuta gelagert, empfing Keitbuka +Gesandte der Franken, welche ihm den Prinzen <i>Sahir</i>, den +Bruder Jusuf Nassir's, des ehemaligen Sultans von Haleb, +zuführten. Keitbuka bestätigte ihn im Besitze seines Leibgedinges, +nämlich der Herrschaft von <i>Ssarchad</i><a name="FNanchor_391" id="FNanchor_391"></a><a href="#Footnote_391" class="fnanchor">[391]</a>; eine +Heeresabtheilung wurde unter Kuschluchan's Befehl gegen +Nablus (Neapolis) gesandt, das alte, zwischen den Bergen +<i>Garazin</i> und <i>Tobal</i>, welche die Kibla der Samaritaner, gelegene +<i>Sichem</i><a name="FNanchor_392" id="FNanchor_392"></a><a href="#Footnote_392" class="fnanchor">[392]</a>, und die Besatzung, welche ausfiel, zusammengehauen. +<span class='pagenum'><a name="Page_197" id="Page_197">[197]</a></span> +Die Mongolen kehrten das grosse syrische +Gestade bis hinunter nach Ghasa sengend und brennend aus. +<i>Panias</i><a name="FNanchor_393" id="FNanchor_393"></a><a href="#Footnote_393" class="fnanchor">[393]</a>, die anderthalb Tagreise nordöstlich von Damaskus +gelegene kleine Stadt, wurde verheert. Während dieser +Begebenheiten ward Keitbuka Herr von Nassir's, des flüchtigen +Sultan's von Haleb, Person. Nur von seinem Bruder +Sahir, dem Melik Ssalih Nureddin, dem Sohne des Herrn +von Himss, und drei kaimarischen (richtiger kimerischen) +Emiren (gebornen Chuaresmiern) begleitet, war er bis nach +Kathije an Aegyptens Gränze gekommen, von wo, sich nicht +weiter in's Land wagend, er nach Schaubek und, alles seines +Gepäckes und Gefolges verlustig, sich nach <i>Kerek</i> und von +da nach <i>Belka</i> begab. Durch zwei kurdische Hellebardiere +an Keitbuka verrathen, wurde er am See von Sisa ergriffen +und vor Keitbuka geführt, der belagernd vor <i>Adschalun's</i> +Mauern stand. Keitbuka zwang ihn, den Belagerten den +Befehl der Uebergabe zuzurufen; die Stadt ergab sich und +die Mauern derselben, welche Iseddin, einer der Emire +Ssalaheddin's, erbaut<a name="FNanchor_394" id="FNanchor_394"></a><a href="#Footnote_394" class="fnanchor">[394]</a>, wurden geschleift. Keitbuka sandte +den Sultan Nassir mit seinem Bruder <i>Sahir</i>, mit <i>Ssalih</i>, +dem Sohne des Sultans von Himss, und mit <i>Asis</i>, dem minderjährigen +Sohne von Moghis, dem Sultan von Kerek, nach +Tebris in die Gegenwart Hulagu's. Dieser empfing die vier +Prinzen des Hauses Ejub gnädig und versprach dem Sultan +von Haleb, ihm sein väterliches Erbe zurückzustellen, sobald +Aegypten im Besitze des mongolischen Heeres.</p> + +<div class="sidenote">Keitbuka's +Stellung +gegen die +Kreuzfahrer +in +Aegypten.</div> + +<p>Wiewohl Keitbuka wie Hulagu die Christen als die +Feinde seiner Feinde, der Moslimen, begünstigte, so ergrimmte +er doch wider die Franken von Sidon und Beaufort, +welche einige den Mongolen zinsbare, im Gebiete von +Beaufort gelegene saracenische Ortschaften geplündert, mehrere +der Bewohner getödtet, andere in Gefangenschaft geschleppt, +einen Neffen Keitbuka's, welcher an sie gesendet +worden, um die gemachte Beute zurückzubegehren, erschlagen +<span class='pagenum'><a name="Page_198" id="Page_198">[198]</a></span> +hatten und dem Keitbuka Zurückstellung der Beute und +Genugthuung verweigerten. Keitbuka züchtigte sie dafür +durch die Eroberung von Sidon und die Schleifung eines +Theiles der Stadtmauer. Die Einwohner flüchteten in die +nächst der Stadt auf einer Insel gelegene Burg. Durch diese +Feindseligkeit wurde das bisherige Zutrauen der syrischen +Christen und Mongolen für immer zerstört<a name="FNanchor_395" id="FNanchor_395"></a><a href="#Footnote_395" class="fnanchor">[395]</a>. Die politische +Zuneigung Hulagu's für die Christen ward hauptsächlich +durch die Frauen, durch die Frau Tokus, die erste Gemahlin +und grosse Frau Hulagu's, seine Begleiterin auf diesem +Feldzuge, und durch Hethum, den König Kleinarmeniens, +bestärkt. Diesem dankte sein Eidam, der Prinz von Antiochien, +einzig seine Rettung, indem sonst nach Haleb's +Ruin der Antiochien's wohl unvermeidlich gewesen wäre. +Hulagu sandte ihm aber Geschenke und Diplom, wodurch +der Fürst von Antiochien wieder in den Besitz aller, zu +seinem Fürstenthume gehörigen, ihm von den Saracenen +entrissenen Ortschaften eingesetzt ward<a name="FNanchor_396" id="FNanchor_396"></a><a href="#Footnote_396" class="fnanchor">[396]</a>. Der grössere +Theil des mongolischen Heeres war theils in Mesopotamien, +mit der Belagerung oder Huth der dortigen Städte beschäftigt, +theils in Syrien zu Grunde gegangen, theils dem Hulagu bei +seinem Aufbruche von Haleb gefolgt; Keitbuka blieb mit +nicht mehr als zehntausend Mongolen zur Eroberung Aegyptens +oder doch wenigstens zur Huth Syriens wider Aegypten +zurück<a name="FNanchor_397" id="FNanchor_397"></a><a href="#Footnote_397" class="fnanchor">[397]</a>. Keitbuka war zu Damaskus auf die Vertheidigung +und den Schutz Syriens bedacht, als er die Nachricht von +dem Anmarsche des Sultans von Aegypten, <i>Mois Seifeddin +Kotos</i>, erhielt, in dessen Gefolge sich <i>Melik el Manssur</i>, +der Sultan von Hama, mit seinem Enkel <i>Efdhal</i>, dem Vater +Abulfeda's, des grossen Geographen, Geschichtschreibers, +und andere moslimische Fürsten befanden, welche sich bei +der Annäherung der Mongolen nach Aegypten geflüchtet und +bei dem Sultane der Mamluken vom Nile den Schutz gesucht, +den ihnen ihre Uneinigkeit wider die Mongolen nicht +<span class='pagenum'><a name="Page_199" id="Page_199">[199]</a></span> +gewährte. <i>Kotos</i>, der erst seit einem halben Jahre auf dem +Throne sass, war der dritte der Sultane Mamluken, welche +denselben seit dem, der Gefangenschaft des heiligen Ludwig +gleichzeitigen, Ruine des Hauses Ejub gefüllt; denn nachdem +Melikolmoaasem Turanschah in dem Aufruhre der Mamluken +zwischen Gluth und Fluth, halb versengt und halb +ertränkt<a name="FNanchor_398" id="FNanchor_398"></a><a href="#Footnote_398" class="fnanchor">[398]</a>, endlich von den Pfeilen der Rebellen ereilt, +geendet hatte, war die Herrschaft Aegyptens erst in den +Händen der Frau <i>Schedschreteddurr</i>, d. i. Perlenbaum, der +Gemahlin Ssalih's, des vorletzten Sultans der Beni Ejub, und +ihres Gemahls, des Turkmanen <i>Iseddin Aibek Dschaschnegir</i>, +d. i. Glaubensehre, Mondfürst, Truchsess, den sie aber +selbst durch ihre Sklavinnen im Bade ersticken liess, als sie +vernommen, dass er die Tochter Bedreddin Lulu's von Mossul +zur Gemahlin nehmen wolle. Seine Mamluken setzten dessen +fünfzehnjährigen Sohn auf den Thron und rächten des Vaters +Mord durch den der Frau Perlenbaum, deren Leichnam +aus der rothen Burg<a name="FNanchor_399" id="FNanchor_399"></a><a href="#Footnote_399" class="fnanchor">[399]</a>, in der sie unumschränkt befahl, +hervorgezogen, nackt in den Graben geworfen ward. An +der Spitze der Bluträcher stand der Emir Atabeg, Oberbefehlshaber +des Heeres Seifeddin Kotos, welcher unter +dem scheinbaren Grunde, dass der Mongolen drohende Gefahr +statt des unerfahrenen Jünglings einen kräftigen Mann +zum Herrscher Aegyptens dringend fordere, den Sohn +Aibek's schon nach dritthalb Jahren des Thrones, worauf er +ihn gesetzt, entsetzte und diesen selbst als Sultan Aegyptens +einnahm.</p> + +<div class="sidenote">Begebenheiten +zu +Damaskus; +Mord der +mongolischen +Botschafter zu +Kairo.</div> + +<p>Am dritten Sonntage des Monats Ssafer waren die Abgeordneten +Hulagu's, vom Richter <i>Muhijeddin Ben Seki</i> +begleitet, angekommen, welcher sich nach Haleb begeben +hatte und dort von Hulagu zum Oberrichter ganz Syriens +ernannt worden war. <span class="xidenote">19. Ssafer 658</span> Am folgenden Morgen versammelten +sich die Bewohner ohne Furcht in der grossen Moschee; +<i>Ibn Seki</i>, mit dem Ehrenkleide Hulagu's angethan, las den +<span class='pagenum'><a name="Page_200" id="Page_200">[200]</a></span> +versammelten Rechtsgelehrten das Diplom der Investitur +(<i>Taklid</i>) des mongolischen Herrschers und die Fermane, +wodurch den Bewohnern von Damaskus Sicherheit ihres +Lebens und Gutes versprochen ward. <span class="xidenote">16. Reb. ewwel 658/<br />3. März 1260</span> In der Hälfte des +folgenden Monates waren die Generale Hulagu's an der Spitze +einer zahlreichen Truppenabtheilung von Tataren im Geleite +<i>Keitbugha Nujan's</i> erschienen und bald darauf wurde durch +ein Diplom der Richter <i>Kemaleddin Omer</i> von Tiflis zum +Stellvertreter der richterlichen Gewalt (<i>Naibol-hukm</i>) ernannt, +so dass er als Richter der Richter in den Städten +Syriens zu Mossul, Mardin und Miafarakain Recht sprach. +Dasselbe Diplom verlieh ihm die Aufsicht der Moscheen und +der frommen Stiftungen. Die Tataren hatten indessen ganz +Syrien überschwemmt; sie waren bis <i>Ghasa</i>, <i>Beit</i>, <i>Dschibrail</i>, +<i>Hebron</i> und <i>Ssalt</i> vorgedrungen, hatten überall geplündert +und Sklaven gemacht und verkauften die Beute auf den +Märkten von Damaskus<a name="FNanchor_400" id="FNanchor_400"></a><a href="#Footnote_400" class="fnanchor">[400]</a>. Die Christen von Damaskus, welche +einen besonderen Schutzbefehl Hulagu's zu Gunsten freier +Religionsübung erhalten hatten, übernahmen sich in der +ihnen zugestandenen Freiheit gegen die Moslimen, indem +sie im Ramasan öffentlich auf den Gassen Wein tranken und +denselben vor den Moscheen ausschütteten; sie zogen mit +dem Kreuze durch die Strassen und zwangen die Kaufleute, +demselben aufzustehen, die sich dessen Weigernden misshandelnd; +Prozessionen zogen mit dem Kreuze nach der +Kirche der heiligen Jungfrau, von deren Kanzel der Triumph +des Christenthums über den Islam verkündet ward. Die +gekränkten und misshandelten Moslimen beschwerten sich +darüber beim mongolischen Statthalter, von dem sie, statt +Ausrichtung zu erhalten, mit Schlägen abgefertigt wurden; +er überhäufte die christlichen Priester mit Ehren, besuchte +ihre Kirchen und begünstigte offenbar das Christenthum. +Eine merkwürdige Epoche für die Geschichte christlicher +Kirchen in Syrien während der mongolischen Herrschaft +<span class='pagenum'><a name="Page_201" id="Page_201">[201]</a></span> +unter der Statthalterschaft Keitbugha's; aber diese dauerte +nicht lange, denn <i>Melik Eschref</i>, der ejubidische Fürst von +Himss, erschien mit einem Diplome Hulagu's, welches ihn +zum Statthalter über ganz Syrien bestellte. Indessen hatte +der Emir <i>Bedreddin Mohammed Ben Kermdsche</i>, der Festungsbefehlshaber +der Citadelle von Damaskus, und der +Emir <i>Dschelaleddin Ben Seirafi</i> den Entschluss gefasst, die +Thore der Citadelle zu schliessen und sich darin wider die +Mongolen zu vertheidigen. <i>Keitbugha</i> begann die Belagerung +des Schlosses. <span class="xidenote">6. Rebiulachir 658/<br />10. März 1260</span> Dieselbe dauerte fünf und vierzig Tage +mitten unter fürchterlichen Ungewittern, die mit Erdbeben +begleitet waren; mehr als zwanzig Wurfmaschinen schleuderten +Felsenstücke wider die Mauern, um sie zu erschüttern, +während eine Menge anderer Häuser durch das Erdbeben +einstürzten, und mit den Blitzen kreuzten sich die +Flammengeschosse des Naphta. <span class="xidenote">22. Dschem. ewwel/<br />7. Mai 1260</span> Nachdem die Belagerten +endlich zu kapituliren begehrt, plünderten die Tataren das +Schloss, zündeten dasselbe an mehreren Ecken an, schleiften +mehrere Thürme und zerstörten alle Kriegsmaschinen; von +hier zogen sie nach <i>Baalbek</i>, wo die Citadelle ebenfalls zerstört +ward; eine andere Heeresabtheilung verheerte <i>Bamias</i> +und die Umgegend. Hulagu, nachdem er von Haleb abgezogen, +liess dort den Keitbugha und zu Damaskus den <i>Baidera</i> +als Statthalter zurück und führte sieben Emire der Mamluken +<i>Bahri</i>, d. i. derer vom Nile, mit sich. Bald darauf +erschienen Botschafter Hulagu's mit einem Schreiben<a name="FNanchor_401" id="FNanchor_401"></a><a href="#Footnote_401" class="fnanchor">[401]</a> an +<i>Kotos</i> voll Drohungen, dessen Inhalt in den folgenden Schlussworten +desselben zusammengedrängt ist: „Sag' dem Lande +Aegypten, Hulagu kommt, begleitet von entblössten Degen +und schneidenden Schwertern; er wird die Mächtigen demüthigen, +die Grossen zurechtweisen und die Kinder nachsenden +den Greisen.“ Im gehaltenen Kriegsrathe der Emire +wurde beschlossen, die Botschafter Hulagu's, es waren deren +vier an der Zahl, zu vernichten; vor der Hand wurden sie +aber nur in den Kerker geworfen<a href="#Footnote_401" class="fnanchor">[401]</a>. <span class="xidenote">15. Schaaban 658/<br />Juli 1260</span> Hälfte Schaaban's zog +<span class='pagenum'><a name="Page_202" id="Page_202">[202]</a></span> +Sultan Kotos, von seinen Truppen begleitet, aus dem Schlosse +Kairo's gegen Ssalihije aus. Unmittelbar vor seinem Auszuge +wurden die vier mongolischen Botschafter an vier der volkreichsten +Plätzen der Stadt, nämlich am Fusse des Schlosses, +ausser dem Thore <i>Soweila</i><a name="FNanchor_402" id="FNanchor_402"></a><a href="#Footnote_402" class="fnanchor">[402]</a>, dem Thore <i>Nassr</i> und zu +<i>Ridhania</i> entzweigehauen, ihre Köpfe an dem Thore <i>Soweila</i> +aufgehangen; vier bedeutungsvolle Stätten, mehr als einmal +in der späteren mamlukischen und osmanischen Geschichte +und bis in unsere Tage herunter durch die Schlachten von +Heeren und das Schlachten von Menschenopfern blutig befleckt; +durch das Thor <i>Nassr's</i>, d. i. des Sieges, zogen die +jeweiligen Eroberer Kairo's triumphirend ein, am Fusse +des Bergschlosses rann das Blut der letzten, von Mohammed +Ali veranstalteten Mamlukenvesper; in der Schlacht von +<i>Ridhania</i> zwischen Sultan <i>Selim</i>, dem Eroberer Aegyptens, +und Sultan Tumanbai, dem letzten Sultan der Mamluken, +wurde das tragische Schicksal des letzten entschieden, und +am Thore <i>Soweila</i>, wo jetzt die Köpfe der vier entzweigehauenen +mongolischen Botschafter hingen, baumelte dritthalbhundert +Jahre später der Kopf <i>Tumanbai's</i>, des letzten +Sultan's der Mamluken Tscherkessen. Im Gefolge der mongolischen +Gesandten befand sich ein Kind, welches der +Sultan begnadigte und unter die Zahl seiner Mamluken aufnahm. +Wassaf erzählt diese Botschaft und das Sendschreiben +derselben auf eine im Wesentlichen zwar übereinstimmende, +in den Nebenumständen aber abweichende Weise. Nach +ihm waren nicht vier Botschafter, sondern nur Einer, von +vierzig Dienern begleitet, und die Botschaft lautete: „Gott +hat dem Hause Tschengischan's die Weltherrschaft zuerkannt; +der sich Uns unterwirft, hat sich und seiner Familie +Leben und Gut gerettet. Der Ruf Unseres unzählbaren +Heeres geht demselben wie die Heldensage <i>Rustem's</i> und +Isfendiar's voraus; sende unterwürfige Botschaft und komme +<span class='pagenum'><a name="Page_203" id="Page_203">[203]</a></span> +selbst, um einen Vogt in Aegypten zu bitten; wenn nicht, +so sei gerüstet zum Kriege.“ Sultan Kotos berief bei Ankunft +der mongolischen Botschaft seine sechs chuaresmischen +Emire<a name="FNanchor_403" id="FNanchor_403"></a><a href="#Footnote_403" class="fnanchor">[403]</a>, welche nach der Zerstörung der chuaresmischen +Länder sich von Achlath nach Aegypten geflüchtet und hier +besonders zur Erhebung Sultans Kotos auf den Thron beigetragen +hatten. „Hulagu“, sagte er ihnen, „wäre schon +in Aegypten eingefallen, wenn ihn nicht die Nachricht von +des Bruders Tod aus Syrien abgerufen hätte; er hat aber +den Keitbuka an der Gränze zurückgelassen, der das Land +wie ein grimmiger Löwe und wüthiger Drache zu verheeren +droht und dem Niemand zu widerstehen im Stande; was +denket ihr hierüber!“ Der sechste Emir, <i>Nassireddin +Kimeri</i><a name="FNanchor_404" id="FNanchor_404"></a><a href="#Footnote_404" class="fnanchor">[404]</a>, von welchem die kimrischen oder cimerischen +Mamluken ihren Namen haben, sprach: „Es wäre keine +Schande für uns, dem Hulagu, als dem Sohne Tului's, dem +Enkel Tschengischan's, entgegen zu gehen; welcher Vernünftige +wird sich aber selbst vergiften und muthwillig dem +Tode entgegen gehen? Die Beweise seiner Treulosigkeit +liegen in dem Schicksale der Herren von Alamut, Deriteng, +Irbil, Miafarakain und des Chalifen offen.“ Kotos sprach +im selben Sinne und endete so: „Mir bleibt nur eines von +dreien zu wählen übrig: Freundschaft, Feindschaft oder +Auswanderung.“ Alle stimmten für den Krieg. Kotos berieth +sich noch insbesondere mit <i>Bondokdar</i>, dem Emirol +umera, dem ersten der ägyptischen Mamluken, welcher sich +schon seit zehn Jahren dadurch, dass er der erste den +Todesstreich wider Melik Moaasem, den letzten Herrscher +Aegyptens aus dem Hause Ejub, führte, Namen und Ansehen +erworben und seitdem als Fürst der Fürsten behauptet hatte. +<i>Bondokdar</i>, d. i. der Bogenhalter, der Kipdschake, dessen +ursprünglich türkischer Name <i>Beibars</i>, d. i. Beg Panther, +und der später als Sultan Aegyptens der Schrecken der +<span class='pagenum'><a name="Page_204" id="Page_204">[204]</a></span> +Franken in Syrien wie der Mongolen, rieth zum Morde +des Gesandten; noch in derselben Nacht blutete der Gesandte +und seine vierzig Begleiter bis auf einen als Martyrer +mamlukischen diplomatischen Verkehrs; ihre Köpfe wurden +am Thore <i>Soweila</i> aufgesteckt, und am Morgen brach Kotos +mit zwölftausend Reitern gegen Syrien auf.</p> + +<div class="sidenote">Schlacht von Aindschalut.<br /> +25. Ramasan 658/<br />3. Sept. 1260</div> + +<p>Zu <i>Ssalihije</i>, dem Vereinigungspunkte des ägyptischen +Heeres, fand <i>Kotos</i> Widerwillen bei seinen Emiren, wider +den Feind zu ziehen; mit den Worten: „Ich werde allein +wider die Tataren ziehen“, schloss er den Kriegsrath, indem +er bei einbrechender Nacht die Trommeln zum Aufbruche +zu rühren befahl. Der Emir <i>Beibars Bondokdari</i> (der nachmalige +Sultan der Mamluken) erhielt den Befehl, mit einer +Truppenabtheilung vorauszueilen, um Erkundigung vom +Feinde einzuziehen. Alsbald er vor den Mauern Ghasa's +erschienen, wurde die Stadt geräumt. <i>Kotos</i> folgte ihm auf +dem Fusse nach; aus <i>Aka</i> kamen ihm die Franken mit Anerbietung +von Hilfe und Begleitung entgegen. Er lehnte den +Antrag ab und forderte nur das Versprechen der strengsten +Neutralität, deren Verletzung er zu züchtigen drohte<a name="FNanchor_405" id="FNanchor_405"></a><a href="#Footnote_405" class="fnanchor">[405]</a>. +Zu <i>Aindschalut</i>, d. i. am Quelle Goliath's, zwischen <i>Beisan</i> +und <i>Nablus</i>, kam es zur entscheidenden Schlacht. <i>Keitbugha</i> +und <i>Baidera</i>, die beiden Feldherren, Statthalter Hulagu's +zu Damaskus und Haleb, hatten alle in Syrien befindlichen +tatarischen Streitkräfte versammelt. Am ersten Freitag des +Septembers brauste alsbald nach Sonnenaufgang das ganze +weite Thal vom Pferdegewieher und Waffengetöse; das Geschrei +der Dorfbewohner tönte in den unaufhörlich fortrollenden +Trommelwirbel der Capelle des Sultans und der +Heermusik seiner Emire<a name="FNanchor_406" id="FNanchor_406"></a><a href="#Footnote_406" class="fnanchor">[406]</a>. Die Aegypter gebrauchten die +Kriegslist, sich dem mongolischen Heere in weissen Burken, +d. i. mongolischen Pelzen, zu nahen, so dass sie von den +Mongolen für Schaaren Ihriger gehalten wurden<a name="FNanchor_407" id="FNanchor_407"></a><a href="#Footnote_407" class="fnanchor">[407]</a>. Einer +der Flügel des ägyptischen Heeres war bereits in Unordnung +<span class='pagenum'><a name="Page_205" id="Page_205">[205]</a></span> +und gebrochen; Sultan <i>Kotos</i> warf seinen Helm zur +Erde und schrie aus allen Kräften: „o Islam!“ Er stürzte +sich mit allen, die um ihn waren, auf den Feind und kämpfte +mit äusserster Unerschrockenheit. Die Mongolen flüchteten +in's Geröhricht des sumpfigen Thales; Kotos befahl, das +Geröhricht anzuzünden, und sie gingen zwischen Feuer und +Schwert elend zu Grunde. Der Emir <i>Beibars</i> that Wunder +der Tapferkeit vor den Augen des Sultans. Als dieser +mitten im Gemenge der Schlacht, spannte der mongolische +Knabe, welchem Kotos aus Mitleiden mit seiner Jugend beim +Gesandtenmorde das Leben gerettet hatte, seinen Bogen von +rückwärts auf den Sultan, um durch dessen Tod das vergossene +Blut der Brüder zu rächen; nach Einigen wurde er +auf der Stelle von den ihn Umgebenden, welche seines Vorhabens +gewahr, zusammengehauen, noch ehe der Pfeil abgeflogen; +nach Anderen, erst nachdem er denselben abgeschossen +und damit das Pferd des Sultans verwundet hatte, +welches denselben abwarf. Die Mongolen wurden von den +Tataren bis in die Nähe von <i>Beisan</i> verfolgt, wo sie sich +umwandten und noch einmal Stand machten zum hartnäckigsten +Gefechte. Die Moslimen wankten, da schrie Sultan +Kotos dreimal mit lauter Stimme: „o Islam! o Gott, schütze +deinen Diener Kotos und verleihe mir Sieg über die Tataren!“ +Als diese zum zweitenmale besiegt, stieg der Sultan +vom Pferde, warf seine Stirne in Staub und verrichtete ein +Dankgebet von zwei Verbeugungen. Nach Makrisi ward +<i>Keitbugha</i> in der Schlacht getödtet, nach Wassaf gefangen +vor Kotos geführt. „Sei nicht stolz“, sagte der mongolische +Feldherr dem Sultan der Mamluken, „auf deinen Sieg, dem +die Rache auf dem Fusse folgen wird. Von Aserbeidschan +nach Aegypten wird die Erde vom Hufe mongolischer Pferde +gestampft, welche den Sand Aegyptens in Säcken davon +tragen werden. Hulagu hat dreimalhunderttausend tapfere +Reiter, von denen ich nur Einer.“ – „Prahle nicht“, sagte +Kotos, „mit eueren Heeren, die nur durch Treulosigkeit +siegen.“ – „Ich bin“, entgegnete Keitbugha, „meinem Herrn +nur treu gewesen, nicht, wie du, ein Verräther am selben; +<span class='pagenum'><a name="Page_206" id="Page_206">[206]</a></span> +mach' es kurz mit mir!“ Er wurde enthauptet. Das ganze +mongolische Heer fiel in die Hände der Sieger, die nun +ganz Syrien verheerend durchstreiften. Die Vögte wurden +getödtet, die Weiber und Kinder in Gefangenschaft geschleppt, +der Kopf Keitbugha's nach Kairo gesandt und auf dem Thore +<i>Soweila</i> aufgesteckt. Hulagu ward von der Kunde der verlorenen +Schlacht und des getödteten Feldherrn tief betrübt; +es war die erste Niederlage, welche seine Heere erlitten +hatten; er brach noch am selben Tage mit seinem Lager +auf. <i>Melik Nassir Jusuf</i>, der Sohn von <i>Melik Asis</i>, der +ehemalige Fürst von Damaskus, war kurz vorher zu Hulagu +gekommen, von ihm mit Ehren überhäuft, seiner innersten +Gesellschaft beigezogen und neben ihm auf einen Thron +gesetzt worden; mit einem Diplome zum Fürsten Syriens +und Aegyptens eingesetzt, mit Ehrenkleidern und Geschenken +überhäuft, hatte er die Strasse Syriens eingeschlagen; aber +nachdem die Nachricht der Niederlage von <i>Aindschalut</i> eingetroffen, +liess ihn Hulagu einholen und im Gebirge von +Selmas hinrichten; <span class="xidenote">12. Schewwal/<br />22. Sept.</span> dasselbe Schicksal theilte Melik Sahir +Ghasi, Bruder Nassir's, Melik Ssalik, Sohn Schirkjuh's, und +andere Prinzen des Hauses Ejub; Tokus Chatun, die Gemahlin +Hulagu's, hatte für <i>Melik Asis</i>, den Sohn Nassir's, +fürgebeten, und er wurde, der Einzige aus den bei Hulagu +befindlichen Prinzen des Hauses Ejub, gerettet, wie diess +sogleich unter den Folgen, welche die Schlacht von <i>Aindschalut</i> +für die Christen und das Haus Ejub's hatte, umständlicher +erzählt werden soll. Sie erhielten den verdienten +Lohn dafür, dass sie, statt mit anderen Fürsten, ihren +Stamm- und Glaubensgenossen, sich wider den hereinbrechenden +Feind des Islams zu verbünden, demselben gehuldigt +hatten; eine oft wiederholte und dennoch nur selten fruchtende +blutige Lehre der Geschichte.</p> + +<div class="sidenote">Folgen der +Schlacht von +Aindschalut +für die +Christen und +das Haus +Ejub's.</div> + +<p>Schrecklich waren die Folgen der mongolischen Niederlage, +sowohl für die syrischen Christen, als für das Haus +Ejub's. Während der Gegenwart der Mongolen zu Damaskus +hatten die Christen die ihnen gewährte grössere Freiheit +ihres Cultus gegen die Moslimen missbraucht; von allen +<span class='pagenum'><a name="Page_207" id="Page_207">[207]</a></span> +Kirchen übertönte das Glockengeläute den Ruf der Muesine, +und sie trieben den Uebermuth so weit, dass sie Wein in +die grosse Moschee trugen. Schon am vierten Tage nach +der Niederlage der Mongolen überfielen die Moslimen die +grosse, der heiligen Jungfrau geweihte Kirche zu Damaskus +und schleiften dieselbe. <span class="xidenote">27. Ramasan/<br />7. September</span> Dies war die Kirche, welche der +Chalife Omar II. Ben Asis den Christen eingeräumt hatte, +um sie für den Verlust der Kirche des heiligen Joannes zu +entschädigen, welche ihnen laut der unter Omar I. (Ben +Chattab) abgeschlossenen Kapitulation der Stadt für immer +hätte zu eigen bleiben sollen, ihnen aber von Welid, dem +Sohne Abdolmelik's, weggenommen und in die grosse Moschee, +das Meisterstück saracenischer Baukunst, verwandelt +worden war. Kotos hatte bei seinem Auszuge die beiden +Fürsten des Hauses Ejub, den von Himss, Sultan Eschref, +und Said, einen Enkel Melikolaadil's von seinem Sohne +Asis<a name="FNanchor_408" id="FNanchor_408"></a><a href="#Footnote_408" class="fnanchor">[408]</a>, welcher von Hulagu mit dem Besitze von <i>Sobeibe</i> +und <i>Banias</i> belehnt worden war, zur Hilfe wider die Mongolen +auffordern lassen. Der Herr von Himss empfing den +Gesandten des Sultans unterwürfig und trug ihm auf, in +seinem Namen die Erde vor den Füssen des Sultans zu +küssen, in dem er den Retter des Islams verehre. Said +hingegen entliess den Gesandten mit Schimpfreden auf Sultan +Kotos<a name="FNanchor_409" id="FNanchor_409"></a><a href="#Footnote_409" class="fnanchor">[409]</a>; er focht in den Reihen der Mongolen. Nach der +Niederlage derselben nahte er sich huldigend dem Pferde +des Sultans, um demselben die Hand zu küssen. Kotos, +statt ihm die Hand zum Kusse zu gewähren, stiess ihm die +Ferse in's Maul, dass das Blut herausschoss; er liess ihn +dann enthaupten. Eben so tragisch war das Schicksal Melik +Nassir's, des letzten Sultans von Haleb, der mit seinem +Bruder sich in seiner alten Residenz befand, wo Hulagu +die Nachricht von der Niederlage Keitbuka's<a name="FNanchor_410" id="FNanchor_410"></a><a href="#Footnote_410" class="fnanchor">[410]</a> erhalten +<span class='pagenum'><a name="Page_208" id="Page_208">[208]</a></span> +hatte. <span class="xidenote">20. Silkide 658/<br />29. Oct. 1260</span> Hulagu überhäufte den vorigen Herrscher Haleb's mit +Vorwürfen, dass die syrischen Truppen, für deren Unterwürfigkeit +Nassir gut gestanden, sich auf die Seite der +Aegypter gewendet. Nassir antwortete, dass, wenn es ihm +erlaubt gewesen wäre, in Syrien zu weilen, kein syrischer +Soldat es gewagt haben würde, wider einen Mongolen das +Schwert zu ziehen; wie könne aber Syrien von Tebris aus +beherrscht werden? – Hulagu, statt hierdurch besänftigt +zu werden, nur noch mehr ergrimmt, schoss einen Pfeil +nach ihm, der ihn verwundete. Schone meiner! rief ihm +der unglückliche Nassir zu; aber sein Bruder Sahir ermahnte +ihn, nicht auf unwürdige Art zu sterben; und er erlag dem +zweiten, von Hulagu auf ihn geschossenen Pfeile<a name="FNanchor_411" id="FNanchor_411"></a><a href="#Footnote_411" class="fnanchor">[411]</a>. Die +anderen Prinzen und das Gefolge derselben, in Allem dreihundert +Reiter, wurden von dreihundert mongolischen Reitern +getödtet, bis auf Einen, den Astronomen Mohijeddin El +Mahghribi<a name="FNanchor_412" id="FNanchor_412"></a><a href="#Footnote_412" class="fnanchor">[412]</a>, welchem das Ansehen, worin die Astronomie bei +den Mongolen stand, das Leben rettete, und aus dessen +Munde der syrische Geschichtschreiber die Umstände dieses +Gemetzels erzählt<a name="FNanchor_413" id="FNanchor_413"></a><a href="#Footnote_413" class="fnanchor">[413]</a>. Mit Melik Nassir und seinem Bruder +Sahir fiel hier unter dem mongolischen Schwerte Melik +Ssalih, der Sohn Melikol Eschref's, des Herrn von Himss, +welcher die von seinem Vater dem Gesandten des Sultans +gegebene unterwürfige Antwort jetzt mit dem Leben büsste<a name="FNanchor_414" id="FNanchor_414"></a><a href="#Footnote_414" class="fnanchor">[414]</a>. +Nur das Leben Melikolasis, des unmündigen Sohnes Melikonnassir +Jusuf's, wurde verschont. Sein Vater, Nassir Jusuf +Ssalaheddin, gleichnamig mit seinem grossen Urgrossvater, +hatte nicht nur über ganz Syrien, sondern auch über einen +grossen Theil Mesopotamiens, über Haran, Roha, Rakka, +Reis Ain, später über Damaskus und bis an Aegyptens +Gränze geherrscht, wo er schon zum Sultan ausgerufen, +als solcher wieder den Thron dem Hause Ssalaheddin's erworben +hätte, wenn ihn nicht in der Schlacht zu <i>Abbasa</i><a name="FNanchor_415" id="FNanchor_415"></a><a href="#Footnote_415" class="fnanchor">[415]</a> +<span class='pagenum'><a name="Page_209" id="Page_209">[209]</a></span> +der erste Sultan der Mamluken, der Turkmane Aibek, und +die von seinem Vater, Asis, ererbten Mamluken verlassen +hätten. <span class="xidenote">10. Silkide 649/<br />24. Jan. 1252</span> Er liebte den Aufwand, besonders den der Küche, +in welcher täglich vierhundert Hämmel geschlachtet wurden; +übrigens viel zu nachsichtig für Diebe und Räuber, die unter +seiner Regierung durch ganz Syrien grassirten. Zu Damaskus +hatte er die nach ihm genannte Moschee, zu Ssalihije sein +Grabmal erbaut, in welches aber nicht er, sondern der +mongolische Emir Kormun begraben werden sollte<a name="FNanchor_416" id="FNanchor_416"></a><a href="#Footnote_416" class="fnanchor">[416]</a>; der +Dichtkunst nicht fremd, Verfasser mehrerer türkischer Gedichte, +aus denen Abulfeda das folgende erhalten:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Bei Gott! wenn du mein Herz in Gram versenktest<br /></span> +<span class="i0">Und statt der Thränen mich mit Blut nur tränktest,<br /></span> +<span class="i0">So würdest du nur mehren meine Liebe,<br /></span> +<span class="i0">Und meinem Geist nicht and're Freundin bliebe.<br /></span> +</div></div> + +<div class="sidenote">Einrichtungen +Syriens; +Schlacht bei +Himss.</div> + +<p>Sultan Kotos ordnete nach dem Siege von <i>Aindschalut</i> +die Verwaltung des nun von der Herrschaft der Mongolen +der der Mamluken anheim gefallenen Syriens. Dem Ejubiden +Melik Manssur wurde das väterliche Erbe von <i>Hama</i> zurückgestellt, +nachdem der mongolische Vogt Chosrewschah daraus +abgezogen; auch erhielt er <i>Barin</i> und <i>Mearret</i>, welche Melik +Nassir, der Sultan von Haleb, schon vor fünf und zwanzig +Jahren vom Fürstenthume Hama abgerissen; nur mit <i>Selimije</i> +wurde ein arabischer Emir belehnt. Dann zog Kotos, vom +Fürsten Hama's begleitet, nach Damaskus, wo er im Triumphe +als der Hort des Islams empfangen ward. Viele Tataren wurden +hingerichtet, darunter Husein der Kurde, der Beilträger<a name="FNanchor_417" id="FNanchor_417"></a><a href="#Footnote_417" class="fnanchor">[417]</a> +Melik Nassir's; dreissig Christen wurden gehenkt und der +christlichen Bevölkerung von Damaskus eine Steuer von +hundert fünfzigtausend Dirhem auferlegt. Manssur, der Fürst +Hama's, wurde von hier nach Hause entlassen, und von den +Dichtern seiner Stadt als Sieger über die Tataren und Wiedereroberer +Maarra's bewillkommt<a name="FNanchor_418" id="FNanchor_418"></a><a href="#Footnote_418" class="fnanchor">[418]</a>. Kotos setzte über die +<span class='pagenum'><a name="Page_210" id="Page_210">[210]</a></span> +südliche Küste Syriens als Statthalter den Emir Schemseddin +von Berlas<a name="FNanchor_419" id="FNanchor_419"></a><a href="#Footnote_419" class="fnanchor">[419]</a>, einer der asisischen Mamluken, welcher in +der Schlacht Nassirolmelik's von Haleb wider Aibek, den +Mamluken, zu diesem verrätherisch übergegangen, für ihn +die Herrschaft Aegyptens entschieden, dann aber, wider ihn +Ränke schmiedend, wieder nach Syrien entflohen war, von +ihm in <i>Adschlun</i> festgesetzt worden; dann, als Melikonnassir +bei Annäherung der Mongolen gegen Aegypten flüchtete, +wieder freigelassen, folgte er seinem natürlichen Herrn +eine Zeit lang, verliess ihn aber zum zweitenmale und ging +zu Kotos über, der ihn nun dafür mit der Statthalterschaft +von Ghasa belehnte; die von Damaskus übertrug er dem +Emir Alemeddin<a name="FNanchor_420" id="FNanchor_420"></a><a href="#Footnote_420" class="fnanchor">[420]</a> Senschar von Haleb, dem vorigen Atabeg +des Sohnes Aibek's, des ersten Sultans der Mamluken, und +die von Haleb, welche der Emirol umera Bondokdar für +sich gewünscht hatte, dem Melikes-Said, dem Sohne Bedreddin +Lulu's, dem Bruder Ssalih's, dessen schmähliches Ende +bereits oben erzählt worden. Er selbst brach von Syrien +nach Aegypten auf. <span class="xidenote">26. Schewwal 658/<br />5. October</span> Bondokdar, der Fürst der Fürsten, welchem +er die Statthalterschaft Haleb's versagt hatte, verschwor +sich wider den Sultan, und dieser wurde schon am zwanzigsten +Tage nach seinem Aufbruche aus Syrien zu Kossair, +eine Tagreise von Ssalihije, auf der Jagd von den Verschworenen +ermordet. <span class="xidenote">17. Silkide/<br />25. October</span> Die Emire Kairo's waren dem als +Sieger über die Tataren im Triumphe zurückkehrenden +Sultan zum Bewillkomm bis nach Ssalihije entgegen gegangen, +wo sie den Mord desselben vernahmen; der Emir Ogotai, +welchen Kotos bei seiner Abreise als seinen Stellvertreter +an der Spitze der Verwaltung Aegyptens zurückgelassen, +fragte, als es sich um die Wahl des Sultans handelte, wer +den Kotos getödtet, weil es der Türken Brauch, dass der +Tödter die Stelle des Getödteten einnehme. Sie zeigten +auf <i>Beibars Bondokdar</i>. So besteige du den Thron, sagte +Ogotai, indem er ihn bei der Hand nahm und auf den Thron +setzte. Ich setze mich darauf, antwortete Beibars, im Namen +<span class='pagenum'><a name="Page_211" id="Page_211">[211]</a></span> +Gottes; leistet den Eid! An dir ist's, sagte Ogotai, der +erste zu schwören, dass du die Emire als deines Gleichen +gütig behandeln, dass du ihnen Befehlshaberschaften verleihen, +ihre Grade vermehren wirst<a name="FNanchor_421" id="FNanchor_421"></a><a href="#Footnote_421" class="fnanchor">[421]</a>. Beibars nahm den +Titel <i>Melikol kahir</i>, d. i. des rächenden Königs, an, den er +aber später mit dem von <i>Melikol-dahir</i>, d. i. des Offenbaren, +vertauschte, und zog zu Kairo unter den Triumphfesten ein, +welche für seinen Vorfahrer bereitet worden waren. In +Syrien begann unterdessen Aalemeddin, der Statthalter von +Damaskus, die geschleiften Mauern wieder aufzubauen, und +erklärte sich bald hernach selbst zum Sultan, die Macht des +Sultans des Rächenden, des Offenbaren verhöhnend. Zu +Haleb hatte Said, der Sohn Bedreddin Lulu's, durch Kopflosigkeit +und die unbedeutsame Absendung einer zu schwachen +Truppenabtheilung, welche zu <i>Bire</i> am Euphrat von den +Mongolen geschlagen wurden, den Hass der Einwohner auf +sich geladen. Er ward vor den Thoren der Stadt ergriffen +und gezwungen, seine Schätze zu entdecken, welche die +Emire unter sich theilten, ihn selbst gefesselt nach Schoghr +sandten und seiner statt Hosameddin, den Mailleschläger, +zum Statthalter einsetzten; bald darnach erschienen die +Mongolen vor Haleb, und Hosameddin flüchtete mit den +Emiren nach Hama, die Stadt Haleb der Wuth der Mongolen +überlassend. <span class="xidenote">Silhidsche 658/<br />Nov. 1260</span> Von Hama zogen sie mit dem Fürsten +Hama's und seinem Bruder Efdhal gegen Himss, ihre Streitkräfte +mit denen des Fürsten dieser Stadt vereinigend, und +lieferten vor Himss den Tataren eine Schlacht, in welcher +diese geschlagen abzogen, auf ihrem Rückzuge von dem +Befehlshaber Apamia's geharket. <span class="xidenote">5. Moharrem 659/<br />10. Dec. 1260</span> Auch der Statthalter von +Ghasa, Abusch von Burlas, empörte sich, wie der von +Damaskus, wider Beibars Bondokdar, den neuen Sultan, und +dieser und jener wollten die Prinzen von Hama und Himss +für sich gewinnen; aber diese gaben ihnen kein Gehör, +und nachdem die beiden Thronnebenbuhler Bondokdar's, +Senshar und Abusch, geschlagen worden, ward Bondokdar, +<span class='pagenum'><a name="Page_212" id="Page_212">[212]</a></span> +der Sultan Aegyptens, auch als solcher in Syrien, zu Haleb +und Damaskus, zu Hama und Himss anerkannt.</p> + +<div class="sidenote">Das Chalifat +der Beni +Abbas zu +Kairo.</div> + +<p>Beibars Bondokdar, der sich den Weg zum Throne +durch doppelten Mord gebahnt, erst durch den Moaasem +Turanschah's, des letzten Fürsten der Beni Ejub, und dann +durch den des dritten Sultans der Mamluken, Kotos, war +vor Allem bedacht, seiner Usurpation des Thrones den +Mantel der Legitimität umzuhängen. Zu diesem Ende stellte +er zu Kairo einen angeblichen Abkömmling des Hauses Abbas, +<i>Abulkasim Ahmed</i>, welcher für einen Sohn Dahir's, des vorvorletzten +Chalifen, ausgegeben ward, als Phantom eines +Chalifen auf, der nur dazu diente, kraft seines angestammten +Rechts als Chalife durch Verleihung von Titeln die Herrschaft +desselben als legitim zu rechtfertigen. Zu Kairo ward +feierlicher Einzug desselben veranstaltet, bei welchem die +Ulema von Missr und Kahir den Koran, die Rabbinen die +Bibel, die Christen das Evangelium voraustrugen. <span class="xidenote">5. Redscheb 659/<br />9. Juni 1261</span> Vier Tage +hernach ward in feierlicher Versammlung aller Ulema und +Emire das Schauspiel des Beweises der vorgegebenen Abstammung +aufgeführt, der angebliche Sohn Dahir's von Beibars +als Chalife ausgerufen, und dieser hierauf von ihm, dem +rechtmässigen Chalifen, als Sultan Aegyptens und Syriens +belehnt. Der Chalife, mit dem schwarzen Mantel des Hauses +Abbas angethan, bekleidete den Sultan mit eigener Hand, +indem er ihm den Kaftan anzog und goldene Kette um den +Hals gab. Beibars ritt auf einem Schimmel durch die Stadt +und der Wesir und der Hofmarschall trugen abwechselnd +das Diplom des Chalifen, auf ihren Händen über den Kopf +emporgehalten, vor. Am nächsten Freitage predigte der +Chalife in der Moschee, und als dem Sultan die Predigt zu +lange währte, indem er fürchtete, dass der Chalife das +Volk und das Heer sich selbst zuwenden könnte, liess er +ihm Gold- und Silbermünzen über den Kopf schauern, womit +die Predigt zu Ende. Nachdem Beibars durch die Investitur +seinen Zweck erreicht, war ihm die Gegenwart des +Chalifen überflüssig und konnte ihm sogar gefährlich werden; +er setzte also das Schauspiel in noch grösserem Maasstabe +<span class='pagenum'><a name="Page_213" id="Page_213">[213]</a></span> +fort, indem er ihm einen Hofstaat mit allen Titeln des alten +Chalifenhofes beilegte und zweitausend Reiter mit einer +Truppe Beduinen beigab, mit denen er zur Wiedereroberung +Bagdad's, seiner Hauptstadt, ausziehen sollte. Ihn begleiteten +die von Beibars mit den Fürstenthümern von Mossul, +Sindschar und Dschesiret belehnten drei Söhne Bedreddin +Lulu's. Am Ufer des Euphrats trat <i>Elhakim</i>, ein anderer +Imam aus dem Hause Abbas, als Nebenbuhler um die Chalifenherrschaft +auf. Bondokdar's Schützling zog mit Hilfe +der ihm von diesem beigegebenen Truppen zu <i>Aana</i> und +<i>Hadise</i> ein, welche ihm Anfangs ihre Thore gesperrt hatten; +<i>Hadise</i>, das sich widersetzte, wurde mit Gewalt genommen, +die Christen und Juden geplündert. Unterdessen zogen die +mongolischen Befehlshaber Karabuga mit fünftausend Reitern +gegen Enbar und Behadir Ali, der mongolische Statthalter +von Bagdad, wider den Abenteurer heran, der als der +wahre Chalife seine alte Residenz einzunehmen kam. <span class="xidenote">4. Moharrem 660/<br />1. Dec. 1261</span> Vor +Enbar kam es zur Schlacht; der Chalife ordnete die Turkmanen +auf dem rechten Flügel, die Araber auf dem linken, +er selbst in der Mitte. Behadir's Truppen ergriffen Anfangs +die Flucht und stürzten sich die meisten in den Euphrat; +als aber eine Truppe Mongolen aus einem Hinterhalte herbeiflog, +wichen die Turkmanen und Araber, und der Chalife +verschwand. Wie der letzte der Chalifen des Hauses Abbas +zu Bagdad, war nun der erste der Schatten-Chalifen aus +demselben Hause zu Kairo unter dem Schwerte der Mongolen +gefallen. Der Nebenbuhler um diese Schattenherrschaft, +der Imam Hakim, welcher sein Geschlecht im fünften +Grade von Mosterschid, dem neun und zwanzigsten Chalifen +des Hauses Abbas, ableitete<a name="FNanchor_422" id="FNanchor_422"></a><a href="#Footnote_422" class="fnanchor">[422]</a>, flüchtete nach dieser Schlacht +nach Aegypten, wo ihn Beibars, dem es bequem und angenehm, +einen solchen Münzwardein der Legitimität unter +seinen Händen zu haben, die Abstammung desselben aus +dem Blute der Beni Abbas gerne anerkannte, ihn aber, den +<span class='pagenum'><a name="Page_214" id="Page_214">[214]</a></span> +Geflüchteten, im Palaste <i>Menasirolkebesch</i>, d. i. Belvedere +des Widders, als einen Staatsgefangenen ehrenvoll unterhielt. +Sein Geschäft war blos die Ertheilung der Investitur und +der Diplome als Titel der Rechtmässigkeit der Herrschaft; +er empfing von dem damit Belehnten Geschenke, und schattete +so durch vierzig Jahre unter dem Titel von Schatten Gottes +auf Erden, Herrscher durch Gottes Befehl<a name="FNanchor_423" id="FNanchor_423"></a><a href="#Footnote_423" class="fnanchor">[423]</a>, während er +als Titular-Chalife nur ein Schatten des ehemaligen Chalifen +unter des Sklaven-Sultans Befehl. Er selbst, nur ein Titelträger +der Herrschaft, stempelte durch die von ihm ausgehenden +Diplome die Herrschaft moslimischer Usurpatoren +zur rechtmässigen; hierdurch gewann <i>Beibars</i> im Angesicht +der moslimischen Welt einen ungeheueren Vortheil über +Hulagu, dessen Herrschaftstitel auch nur das Schwert, wie +der des Sultans Aegyptens, weil er, nicht Moslim, nie vom +Chalifen als rechtmässig legitimirt werden konnte. Hakim +war der Stammvater der übrigen ägyptischen Chalifen aus +dem Hause Abbas, aus welchem mit ihm zwanzig durch +dritthalbhundert Jahre zu Kairo als Drahtpuppen der Sultane +figurirten, bis nach dem letzten derselben Selim der Erste, +der Erbe Aegyptens, ohne Recht der Geburt, nur als Eroberer +Aegyptens, den Chalifentitel annahm, der seitdem +dem Titel der osmanischen Sultane beigefügt, wie aus dem +Gesagten erhellet, nur der eines Schattens vom Schatten.</p> + +<div class="sidenote">Anlass des +Kriegs mit +Berke.</div> + +<p>Hulagu war im Begriffe, ein neues Heer nach Syrien +zu senden und dasselbe dem Besitze des Sultans der Mamluken +zu entreissen, als ihn die bis zum offenen Kriege gereifte +Misshelligkeit mit <i>Berke</i>, dem Herrscher der Mongolen +in Kipdschak, dorthin sich zu wenden und seine Waffen +von den Ufern des mittelländischen Meeres an die des kaspischen +zu übertragen zwang. Die Ursachen dieses, trotz +des nachdruckvollsten Vermächtnisses Tschengischan's und +der Jasa, welche die Einigkeit zwischen den Gliedern der +Familie als die Grundmaxime der Politik des tschengischanischen +Hauses einschärft, aufflammenden Familienkriegs +<span class='pagenum'><a name="Page_215" id="Page_215">[215]</a></span> +waren mehrere, und das Feuer glimmte schon seit längerer +Zeit unter der Asche; auch hier sind, wie fast bei allen +Kriegen und Feindschaften (von Staaten, wie von Einzelnen), +der wirkliche und scheinbare Grund, die Masse, welche +schon längst das Gefäss füllt, von dem Tropfen, der es erst +überfliessen macht, wohl von einander zu unterscheiden. Die +wahre und eigentliche politische Ursache dieses Krieges war +der streitige Besitz der Landschaften <i>Arran</i> und <i>Aserbeidschan</i>, +welche, als ausser dem eisernen Thore von Derbend +gelegen, vermöge der Ländertheilung Tschengischan's +unter seine vier Söhne nicht zum Jurte des Uluses Dschudschi's +gehörig, von diesem jetzt angesprochen ward<a name="FNanchor_424" id="FNanchor_424"></a><a href="#Footnote_424" class="fnanchor">[424]</a>. +Nach dieser Ländertheilung erstreckte sich der Jurt Dschaghatai's +von den mittägigen Pässen bis nach Samarkand und +Bochara, der Ogotai's lag im Mittelpunkte des Reichs zu <i>Imil</i> +und <i>Kobak</i>; Tuli besass die angränzenden Länder von <i>Kialik</i> +und <i>Chuaresm</i> bis an die äusserste Gränze Kipdschak's und +die Länder der <i>Ssaksinen</i>; <i>Dschudschi</i> endlich die nördlichen +Jurte innerhalb der kaukasischen Pässe. Hulagu, Herr der +westlichen Hälfte der Jurte, als Ilchan des durch ihn gegründeten +mongolischen Reichs in Persien, konnte unmöglich +die Ansprüche des Chanes der goldenen Horde von Kipdschak +auf den Besitz der nördlichsten Gränzlandschaften seines +Reichs gelten lassen. Dieser politische Grund ward durch +persönliche Empfindlichkeiten Hulagu's noch eindringlicher +gemacht. Berke's Einfluss hatte auf dem Kurultai nach +Mengku's Tode die Wahl der Prinzen für Kubilai wider +seinen Bruder Hulagu und Arik Bugha, welche ebenfalls +Ansprüche auf die Kaanschaft machten, entschieden. Als +der Aeltere der Familie hatte Berke dem Hulagu zu wiederholtenmalen +Lehren und Ermahnungen zugesandt, als +neubekehrter Moslim hatte Berke besonders das treulose +Benehmen Hulagu's gegen moslimische Fürsten, die Verwüstung +so vieler Städte, das Blutbad so vieler Menschen +<span class='pagenum'><a name="Page_216" id="Page_216">[216]</a></span> +und den Ruin des Chalifats hart getadelt. Wiewohl er mein +Aelterer, sagte Hulagu, so kann ich sein Hofmeistern doch +nicht weiter ertragen; endlich war der Tropfe, welcher das +längst gefüllte Gefäss des Grolles überfliessend machte, der +folgende. Auf dem Zuge nach Syrien war Bulghai, der +Enkel Dschudschi's, aus seinem fünften Sohne Scheiban, +gäh nach einem Gastmahle gestorben, und sein Vetter <i>Kutar</i><a name="FNanchor_425" id="FNanchor_425"></a><a href="#Footnote_425" class="fnanchor">[425]</a> +wurde angeklagt, durch Zauberei den Tod desselben bewirkt +zu haben. Hulagu, der es nicht auf sich nehmen wollte, +ihn zu richten, hatte ihn in Begleitung Sundschak Nujan's +nach Kipdschak geschickt, um dort vor dem Throne Berke's, +seinem natürlichen Richter, Rede zu stehen. Berke sandte +denselben wieder zurück und Hulagu liess an ihm das Todesurtheil +vollstrecken; zugleich mit ihm ward auch <i>Ssadreddin +Sawedschi</i> als der Zauberei schuldig angeklagt und hingerichtet; <span class="xidenote">17. Ssafer 658/<br />2. Febr. 1260</span> +da auch bald darauf Kuli, der dritte Prinz des +Uluses Dschudschi, welcher diesen Feldzug mitmachte, gestorben, +und ihre Angehörigen sich nach Kipdschak geflüchtet +hatten, brach die politische Feindseligkeit und +persönliche Empfindlichkeit in die offenen Flammen des Familienkriegs +aus. Ein Heer von dreissigtausend Kipdschaken, +welches <i>Nokai</i>, der Vetter des hingerichteten <i>Kutar</i>, befehligte, +war von Derbend aufgebrochen und vor Schamachi, +der Hauptstadt Schirwan's, gelagert.</p> + +<div class="sidenote">Verkehr +zwischen +Kipdschak +und +Aegypten.</div> + +<p>Der Umschwung der Verhältnisse zwischen <i>Berke</i> und +<i>Hulagu</i> hatte natürlicherweise die Politik des ersten gegen +den Sultan der Mamluken, als Beherrscher Syriens und +Aegyptens, wesentlich umgestimmt und die feindlichen Gesinnungen +wider denselben in freundliche verwandelt. Gewiss +hatte die äussere Politik wenigstens eben so grossen Einfluss +als die innere auf die Bekehrung <i>Berke's</i> vom mongolischen +Heidenthume zum Islam. Im Sommer desselben Jahres, mit +dessen Beginn der Feldzug nach Persien beschlossen ward, +begab sich eine Gesandtschaft Berke's auf den Weg nach +<span class='pagenum'><a name="Page_217" id="Page_217">[217]</a></span> +Aegypten, um die Mitwirkung des Sultans in Anspruch zu +nehmen; Botschafter waren Emir <i>Dschelaleddin</i>, Sohn des +Richters, und der Scheich <i>Nureddin Ali</i>, von grossem Gefolge +begleitet; <span class="xidenote">1. Redscheb 661/<br />11. Mai 1262</span> sie waren Ueberbringer eines am ersten +Redscheb des laufenden Jahres datirten Beglaubigungsschreibens, +in welchem <i>Berke</i> seine Annahme des Islams kündete. +Zu gleicher Zeit war zu Kairo eine Botschaft des byzantinischen +Kaisers <i>Lascaris</i> erschienen; sie wurden gemeinschaftlich +mit einem Gastmahle bewirthet, und jeden Mittwoch +und Sonnabend, wo der Sultan sich in die Maillebahn +begab, wurden zahlreiche Geschenke unter sie vertheilt. <span class="xidenote">28. Schaab. 661/<br />5. Aug. 1262</span> +Am letzten Freitage des Monats Schaaban, welcher der erste +des August, verrichtete der Schattenchalife des Hauses Abbas, +<i>Hakimbiemrillah</i>, das Kanzelgebet sowohl auf den Namen +des Sultans <i>Beibars</i>, Herrschers von Syrien und Aegypten, +als auf den <i>Berke's</i>, des Herrschers Kipdschak's<a name="FNanchor_426" id="FNanchor_426"></a><a href="#Footnote_426" class="fnanchor">[426]</a>. Vier +Tage hernach hatte die Ceremonie der Investitur des Ritterthums +für den Chalifen <i>Hakimbiemrillah</i> statt. <i>Futuwwet</i><a name="FNanchor_427" id="FNanchor_427"></a><a href="#Footnote_427" class="fnanchor">[427]</a> +bedeutet nicht sowohl den Adel, welcher auf arabisch <i>Scherf</i> +heisst, als das Heldenthum oder eigentlich Ritterthum, als +den Inbegriff grossmüthiger, edelmüthiger, starkmüthiger +Gesinnungen und Handlungen. Das bekannte Wort <i>La Feta +illa Ali</i> kann nur mit den Worten: <i>Es gibt keinen Helden +oder keinen Ritter als Ali</i>, übersetzt werden, und nicht als: +<i>Es ist kein Adeliger als Ali</i>. Das Symbol des Heldenthums +oder vielmehr ritterlicher Gesinnungen bestand aber nicht +in Schild und Schwert, Panzer oder Helm, welche im +Abendlande die Insignien des Ritterthums, sondern in einem +Paar von – Beinkleidern. Tags darauf, nach der Ceremonie +der ritterlichen Beinkleiderinvestitur, wurden die Botschafter +<i>Berke's</i> im Bergschlosse durch den <i>Atabeg</i> (Obersthofmeister) +mit Ehrenkleidern ausgezeichnet. Das Antwortschreiben +war so weitläufig gewortet und geschrieben, dass +es nicht weniger als siebzig Bogen mittleren Formates aus +<span class='pagenum'><a name="Page_218" id="Page_218">[218]</a></span> +den Fabriken von Bagdad. Der Schreiber desselben, <i>Mohijeddin +Abdes-sahir</i>, las dasselbe dem Sultan in der Gegenwart +der Emire vor, und es ward mit einem herrlichen +Geschenke den zwei ägyptischen Botschaftern, dem Emir +<i>Fariseddin Akusch Mesudi</i> und dem Scherif <i>Imadeddin +Haschimi</i>, übergeben. Auch zu Mekka und Medina wurde +das Chutbe auf den Namen Berke's verrichtet. Um den +Faden der Erzählung ägyptischer und mongolischer Verhältnisse +nicht durch den Bericht des nordischen Feldzuges, +welchem der nächste Abschnitt gewidmet ist, zu unterbrechen, +reihen sich hier noch die folgenden Begebenheiten +ein, welche das unmittelbare Verhältniss der Aegypter und +Mongolen betreffen. Es waren noch nicht zwei Monate +nach dem Abgange der Botschaft an Berke verflossen, als +eine grosse Anzahl mongolischer Emire<a name="FNanchor_428" id="FNanchor_428"></a><a href="#Footnote_428" class="fnanchor">[428]</a> ankamen, um dem +Sultane ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen. Er ritt ihnen +zum Empfange entgegen; alsbald sie ihn erblickten, stiegen +sie vom Pferde und küssten die Erde vor dem Sultane, der +im Sattel sitzen blieb. Nachdem er sie mit Ehren überhäuft, +kehrte er in's Schloss zurück. <i>Hosameddin</i>, der Sohn +Berke's, welcher als ein Beweis der Freundschaft seines +Vaters für den Sultan nach Kairo gekommen, starb allda; <span class="xidenote">5. Silhidsche 661/<br />9. Nov. 1262</span> +drei Tage hernach wurden die Botschafter mit Ehrenkleidern +angethan und der Sultan besuchte das Grabmal des +Sohnes Berke's. Bald darauf kam eine zweite Schaar und +endlich eine dritte tatarischer Edelen; der Sultan verlieh +den Vornehmsten derselben den Rang eines Emirs und sie +bekehrten sich auf seine Einladung zum Islam<a name="FNanchor_429" id="FNanchor_429"></a><a href="#Footnote_429" class="fnanchor">[429]</a>. Kairo +war damals von den Tataren beider Parteien, nämlich sowohl +von der Berke's als Hulagu's, besucht; nur erschienen +jene öffentlich als Freunde, die sich meistens zum Islam +bekehrten, diese aber nur heimlich als Kundschafter, die, +wenn entdeckt, ergriffen wurden. Unter die Emire der +<span class='pagenum'><a name="Page_219" id="Page_219">[219]</a></span> +bekehrten Tataren sowohl, als die Franken, welche sich +zum Islam bekehret hatten, wurden an Einem Tage vom +Schatzmeister Bedreddin hundert achtzig Pferde vertheilt. +Dieser Verkehr Berke's mit Beibars durch gegenseitige Botschaften +erklärt die Verpflanzung mongolischer Hofwürden +nach Aegypten, wo sich dieselben mit ihren ursprünglichen +türkischen Namen erhielten, und erklärt die bei Makrisi +erhaltene Kenntniss von der tatarischen Jasa. Bei der Betrachtung +des feindlichen Verhältnisses der Oberhäupter der +beiden Uluse Berke's und Hulagu's und ihrer gegenseitigen +Verhältnisse mit Aegypten erhellet auch, dass die Kreuzfahrer +damals nicht gegen alle Tataren gleiche Gesinnungen +hegen und dieselben insgesammt als Feinde des Sultans von +Aegypten und also als natürliche Freunde und Verbündete +betrachten konnten. Dieses waren für die Kreuzfahrer nur +die Mongolen Persiens, während die Mongolen Kipdschak's +als die Freunde und Verbündete von Beibars auch die +Feinde der Christen im gelobten Lande. Da der Krieg +zwischen Berke und Hulagu dem Sultan in Aegypten und +Syrien so freiere Hand liess, so konnte derselbe den Kreuzfahrern +nur höchst unerwünscht sein.</p> + +<div class="sidenote">Feldzug +gegen +Kipdschak.</div> + +<p>Hulagu bot das ganze Heer Persiens zum Zuge wider +Kipdschak auf, setzte sich mit demselben Hälfte Mai's des +Jahres zwölfhundert zwei und sechzig von <i>Alatagh</i> aus in +Bewegung. <span class="xidenote">2. Schewwal 660/<br />14. Mai 1262</span> Schiramun, der Sohn Dschurmaghun's, der vormalige +Statthalter Persiens, befehligte den Vortrab. Die +Nujanen <i>Basmaghan</i> und <i>Abatai</i> standen Anfangs Novembers +vor Schamachi. <span class="xidenote">26. Silkide 660/<br />11. Nov. 1262</span> Schiramun war von dem Heere Berke's +überfallen und geschlagen worden, aber vier Tage vor Ende +des moslimischen Jahres schlug Abatai bei <i>Schaburan</i> den +<i>Nokai</i> in die Flucht. <span class="xidenote">6. Moharrem 661/<br />20. Nov. 1262</span> Hulagu brach hierauf von Schamachi +gegen Derbend auf. Hier wurden der Kanzler Seifeddin, +der Chodscha <i>Asis</i> der Georgier und Chodscha <i>Medschdeddin</i> +von Tebris ergriffen, nach Schaburan gebracht und dort +sammt dem Astronomen Hosameddin hingerichtet. <i>Melik +Ssadreddin</i> von Tebris und <i>Ali Melik</i>, die Befehlshaber von +Irak, schlugen sich in theilweisen Gefechten durch; <span class="xidenote">21. Moharr. 661/<br />7. Dec. 1262</span> am +<span class='pagenum'><a name="Page_220" id="Page_220">[220]</a></span> +siebenten December stand das Heer Hulagu's vor den Mauern +Derbend's. Nach dreitägigem Kampfe wurde die Feste erobert +und acht Tage hernach Nokai geschlagen. Die Nujanen +Schiramun und Abatai wollten den Prinzen Abaka, den +ältesten Sohn Hulagu's, den er ihnen zur Hilfe gesendet, +zur Rückkehr bewegen; aber dieser trotzte männlich den +Beschwerden des Feldzugs inmitten des Winters. Hulagu +ertheilte sieben anderen Nujanen<a name="FNanchor_430" id="FNanchor_430"></a><a href="#Footnote_430" class="fnanchor">[430]</a> den Befehl, sich des +Lagers der Kipdschaken zu bemächtigen. Sie gingen über +den Terek und schleppten Zelte und Herden von allen Seiten +zusammen, sich Ausschweifungen überlassend. Berke, hiervon +in Kenntniss gesetzt, brach auf einmal mit mächtigem +Heere aus den Schneegefilden der Steppe auf sie los; <span class="xidenote">7. Rebiulewwel 661/<br />16. Jan. 1263</span> einen +ganzen Tag ward an den Ufern des Terek gekämpft; als +die persischen Truppen sich über den Fluss zurückzogen, +brach das Eis ein und eine grosse Anzahl derselben ging +zu Grunde; Abaka kam heil nach Schaburan; Berke hielt sich +inner Derbend und Hulagu kam im Frühjahre nach Tebris +zurück<a name="FNanchor_431" id="FNanchor_431"></a><a href="#Footnote_431" class="fnanchor">[431]</a>. <span class="xidenote">11. Dschemasiulachir/<br />9. Mai 1263</span> Hulagu rächte sich für die Unfälle des Feldzugs, +wie nach dem syrischen, durch den Mord von Unschuldigen. +Er liess alle Kaufleute Kipdschak's, die sich zu Tebris befanden, +hinrichten und ihre Güter einziehen<a name="FNanchor_432" id="FNanchor_432"></a><a href="#Footnote_432" class="fnanchor">[432]</a>. Berke, um +Gleiches mit Gleichem zu vergelten, liess alle persischen +Kaufleute, die in Kipdschak, morden; und Hulagu vergalt +dieses Blutbad mit dem eines Theiles der Bewohner Bochara's, +welches sich aus seinem Schutte hervorzuheben +begann. Von sechzehn Hesaren, d. i. Regimentern, welche zu +Bochara lagen, gehörten fünf dem Batu, drei der Frau +<i>Sijurkukteni</i>, der Mutter Hulagu's, die übrigen acht dem +grossen Eidam Tschengischan's. Die fünf Regimenter Batu's +liess Hulagu ausrücken und niederhauen<a name="FNanchor_433" id="FNanchor_433"></a><a href="#Footnote_433" class="fnanchor">[433]</a>. Im folgenden +Jahre erscholl abermal das Gerücht, dass ein Heer aus +Kipdschak im Anzuge. Hulagu sandte den Scheich Scherif +<span class='pagenum'><a name="Page_221" id="Page_221">[221]</a></span> +Tebrisi auf die Strasse von Lesgistan nach Kipdschak, um +Erkundigung einzuziehen. Er ward ergriffen und vor Nokai +gebracht. Was macht Hulagu? fragte ihn Nokai, fährt +er noch fort, aus Grimm unsere Krieger und Edele, unsere +Kaufleute und Derwische zu morden? – Der Scheich entgegnete: +Unser Padischah war vormals erzürnt ob der Misshelligkeit +mit seinen Brüdern (Kubilai und Arigh) und das +Feuer seines Grimms verbrannte, was trocken und feucht; +allein seitdem der Bürgerkrieg um den Thron beendigt ist, +übt er die strengste Gerechtigkeit. Es waren nämlich Gesandte +mit der Nachricht angekommen, dass <i>Aiktokt</i>, welcher +dem Bruder Kubilai den Thron streitig machen wollte, sich +unterworfen; dass Alghui, der Enkel Dschafer's, aus seinem +Sohne Paidar, welcher ein anderer Thronprätendent, gestorben, +dass Kubilai dem Bruder Hulagu das Diplom der +Herrschaft von den Ufern des Oxus bis an die äussersten +Gränzen Syriens als <i>Ilchan</i> und <i>Padischah</i> und obendrein +dreissigtausend auserlesene mongolische Jünglinge zur Hilfe +gesendet. Diese Nachricht lähmte die Kriegslust Nokai's, +und der Scheich kehrte mit der Nachricht, dass, wiewohl +kein Friede, die Feindseligkeiten aufgehört, zu Hulagu +zurück. Das Interesse Hulagu's ist in die Streitigkeiten der +Prinzen um die oberste Macht des Kaan's so enge verflochten +und er hat an denselben durch seinen Gesandten so einwirkenden +Antheil genommen, dass eine kurze Erzählung jener +Begebenheiten als unmittelbar in dessen Geschichte gehörig +hier unabweislich.</p> + +<div class="sidenote">Arikbugha.</div> + +<p>Nach dem Tode Mengkukaan's, dessen Todeskunde +seinen Bruder Hulagu zur Rückkehr aus Syrien, wie vor +vierzig Jahren die Nachricht von dem Tode Ogotai's dessen +Vetter Batu zum Abzuge aus Ungarn veranlasst, hatten die +im Kurultai versammelten Prinzen, welche den Kubilai zum +Kaan und Moilchan ausgerufen, hundert Gesandte an <i>Arikbugha</i>, +dessen Bruder und Nebenbuhler um den Thron, abgeordnet, +um ihm die Nachricht zu überbringen, dass durch +einstimmigen Beschluss der Prinzen <i>Kubilai</i> den Thron als +grosser Chan bestiegen und <i>Apuschkan</i>, der Urenkel Dschagatai's<a name="FNanchor_434" id="FNanchor_434"></a><a href="#Footnote_434" class="fnanchor">[434]</a>, +<span class='pagenum'><a name="Page_222" id="Page_222">[222]</a></span> +dem Uluse seines Grossvaters vorgesetzt, mit +seinem jüngeren Bruder Kasar dorthin abgesendet worden +sei. Die hundert Gesandten trafen an der Gränze Tangkut's +Arikbugha, der sie einkerkern liess und ein von dem zweitgebornen +Sohne Hulagu's, dem Prinzen <i>Dschumkur</i>, und +<i>Karatschar</i>, dem Sohne Orda's, befehligtes Heer gegen +Kubilai sandte; sie wurden geschlagen und gefangen; Arikbugha +liess die hundert Gesandten hinrichten und zog sich +in's Land der Kirgisen zurück. Er wandte sich an Alghui, +den Sohn Paidar's (des vor Olmütz gefallenen Peta), mit +der Bitte, für ihn als Gränzhüter am Oxus die Truppen +Hulagu's und Berke's abzuwehren. Indess sammelte sich +für ihn ein Heer zu Kaschghar, das bald über hundert +fünfzigtausend stark, in vollem Aufruhre wider Kubilai. +Dieser sandte wider die Rebellen ein von dem <i>Jeke Kadak</i> +und <i>Karadschu</i>, dem Sohne Dschudschi Kasar's (des Bruders +Tschengischan's), befehligtes Heer, das geschlagen und zerstreut +ward. Die Prinzen Anführer flüchteten zu Arikbugha, +der flüchtig und halb verhungert (denn Kubilai hatte ihm +die Zufuhr der Lebensmittel abgeschnitten) im Lager der +Kirgisen und Kemdschiuten weilte. Kubilai hatte zu Karakorum +die vier Lager Arikbugha's und das des mit ihm +verbündeten Gulgan's (des fünften Sohnes Tschengischan's) +aufgehoben. Arikbugha sandte Botschaft mit dem Bekenntniss +seiner Schuld und Bitte um Verzeihung; er erwarte nur, +dass seine Pferde fett und dass Hulagu, Berke und Alghui +kämen, um sich mit ihnen dem Kaan huldigend zu Füssen +zu werfen. Kubilai sandte Antwort: dass, wenn er, ohne die +Ankunft der Prinzen abzuwarten, erscheinen wolle, seine +Ankunft um so willkommener sein würde, und zog sich nach +<i>Karawin Dschidun</i>, wo er die zu Karakorum aufgehobenen +Lager Arikbugha's und Gulgan's freigab. Zu dieser Zeit +war häufiger Gesandtenwechsel zwischen <i>Kubilai</i> mit seinem +Bruder Hulagu und seinem Vetter <i>Berke</i>, dem Herrn des +<span class='pagenum'><a name="Page_223" id="Page_223">[223]</a></span> +Uluses <i>Dschudschi</i>, und <i>Alghui</i>, dem Haupte des Uluses +Dschaghatai, die sich nun dem Kaan näherten. Er gab +ihnen kund, dass Alghui das Land vom Altai bis zum Oxus, +Hulagu vom Oxus bis nach Aegypten besetzen möge, während +er selbst die Länder vom Altai bis an's chinesische +Meer hüten wolle. Arikbugha brach, sobald seine Pferde +sich wieder erholt hatten, wieder als Rebelle gegen die +Macht Kubilai's auf, überfiel den Prinzen <i>Jesunke</i>, den +Neffen Kubilai's, welcher die Vorhut desselben befehligte, +und schlug ihn. Das Heer Arikbugha's und das Kubilai's<a name="FNanchor_435" id="FNanchor_435"></a><a href="#Footnote_435" class="fnanchor">[435]</a> +schlugen sich zu <i>Indschije Kutku</i> am Hügel <i>Chodscha Buldak</i>. +Das Heer der Rebellen wurde geschlagen und viele Uiraten +getödtet. <i>Suntai</i>, der Sohn des letzten Kaan Mengku's, +berieth sich mit Arikbugha, und sie beschlossen, eine zweite +Schlacht zu liefern, am Rande der Sandwüste, in der <i>Olt</i> +genannten Gegend, zu <i>Schirghan Taghun</i> am Hügel <i>Schilklik</i>. +Der rechte Flügel Arikbugha's war geschlagen, aber der +linke hielt tapfer bis in die sinkende Nacht aus, welche die +beiden Heere trennte, die sich in die Winterquartiere begaben. +Arikbugha, durch diesen wiederholten Versuch, +seine Streitkräfte mit denen Kubilai's zu messen, ermuthigt, +sandte im nächsten Jahre seine Waffen wider <i>Alghui</i>, welchen +er als Herrn des Uluses Dschaghatai eingesetzt und +von welchem er zu wiederholtenmalen Hilfe begehrt hatte, +ohne dieselbe zu erhalten<a name="FNanchor_436" id="FNanchor_436"></a><a href="#Footnote_436" class="fnanchor">[436]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Alghui.</div> + +<p><i>Alghui</i>, der Sohn Paidar's (Peta's), der von Arikbugha +eingesetzte Herrscher des Uluses Dschaghatai, hatte, als +er nach Turkistan gekommen, ein Heer von mehr als hunderttausend +Mann gesammelt. Sein Vetter, der Prinz <i>Nikpei +Aghul</i> (Sohn Sarban's, des achten Sohnes Dschaghatai's), +war an der Spitze von fünf tausend Mann in Transoxana +eingefallen, und hatte zu Samarkand und Bochara, das damals +zum Gebiete Kipdschak's gehörte, geraubt und die +Angehörigen Berke's getödtet, unter diesen auch den grossen +<span class='pagenum'><a name="Page_224" id="Page_224">[224]</a></span> +Scheich <i>Seifeddin Bachersi</i>. Gesandte Arikbugha's, an deren +Spitze <i>Schadi</i>, der Sohn <i>Jaschmut's</i> des <i>Arkaun</i>, d. i. des +nestorianischen Priesters, forderten vermittels Jerlighs die +Zurückstellung der geraubten Güter, welche Alghui verweigerte, +und eben darum die Gesandten tödtete. Hierüber +ergrimmt, zog Arikbugha wider denselben; zu Karakorum +forderte er die Einwohner zur Hilfeleistung auf; die Imame, +die Schreiber der Christen entschuldigten sich, dass sie die +Waffen nicht gewohnt, nur für den Erfolg derselben beten +könnten. Einige Zeit darnach kam der Kaan, der, als er +das treue Benehmen der Einwohner erfuhr, die alten Privilegien +Tschengischan's und Mengku's bestätigte, sie alle +zu Tarchanen (Freiherren) ernannte; Vorfälle in China +nöthigten ihn, bald wieder zurückzukehren. Karabuka, der +Befehlshaber des Vortrabs Arikbugha's, war von Alghui zu +<i>Sutgol</i>, d. i. am Milchsee<a name="FNanchor_437" id="FNanchor_437"></a><a href="#Footnote_437" class="fnanchor">[437]</a>, geschlagen und getödtet worden. +Alghui zog sich sorglos an's Ufer des <i>Hile Muran</i>; von dem +Prinzen <i>Suntai</i>, welcher das Heer Arikbugha's befehligte, +geschlagen, ging er über die Anhöhen von <i>Timurkahalka</i> +und den <i>Hile Muran</i> nach Almaligh, dem Jurte Alghui's, und +plünderte denselben aus. Alghui nahm seine Frau und die +Truppen des rechten Flügels, welche Suntai noch nicht geschlagen, +und flüchtete damit nach Choten und Kaschghar. +Arikbugha brachte den Winter am <i>Hile Muran</i> und zu Almaligh +in Festen zu, liess aber von allen Seiten die Truppen +des Kaan's aufsuchen und tödten. Alghui hatte sich nach +Samarkand und Bochara gezogen, wohin auch Dschumkur, +der bisher von Arikbugha bei sich zurückgehaltene Sohn +Hulagu's, kam, indem ihm Arikbugha, um seine Gesundheit +herzustellen, sich jenseits des Oxus zu begeben erlaubt hatte. <span class="xidenote">Rebiulewwel 662/<br />Januar 1263</span> +Das Benehmen Arikbugha's, welcher überall die Leute des +Kaan's aufsuchte und tödtete, entwandte ihm die Herzen +der Bewohner und eine Hungersnoth schwächte gewaltig die +Zahl seiner Truppen. Dazu kam die böse Vorbedeutung +eines Sturmes, welcher das an tausend Pflöcken befestigte +<span class='pagenum'><a name="Page_225" id="Page_225">[225]</a></span> +Herrscherzelt zusammenriss und im Ruine desselben viele +Menschen erschlug. Seine Truppen zerstreuten sich nach +allen Seiten, nur einige wenige blieben mit Arikbugha und +Suntai zu Almaligh. Unterdessen war <i>Uriktasch</i>, der Sohn +Mengku's, welcher es nicht, wie sein Bruder <i>Suntai</i>, mit +Arikbugha, sondern mit Kubilai hielt, am <i>Altai</i><a name="FNanchor_438" id="FNanchor_438"></a><a href="#Footnote_438" class="fnanchor">[438]</a> und die +Truppen schlugen sich zu ihm. Er sandte an Arikbugha, +um ihm das grosse Siegel seines Vaters Mengku, welches +bisher in Arikbugha's Händen, abzufordern, und dieser lieferte +es aus. Alghui, welchem hieraus die Schwäche Arikbugha's +kund geworden, zog nun wider ihn, und begehrte +die Herausgabe der Frau Hirghana, der Gemahlin Kara +Hulagu's, des Sohnes Muwatukjan's, welche vor einiger Zeit, +um die Beschwerden Alghui's anzubringen, in's Lager Arikbugha's +gegangen, von demselben zurückbehalten worden +war. Er sandte sie mit ihrem Minister <i>Mesud</i>, dem Sohne +von Jelwadsch, zurück. Alghui empfing sie ehrenvoll und +bestellte den Mesud zur Verwaltung der Länder jenseits des +Oxus, wo er zu Samarkand und Bochara residirte. Durch +seine weise Verwaltung erstarkte der Schatz und die Macht +Alghui's, der sich zu wiederholtenmalen mit dem Heere +Berke's schlug, und diesem Otrar entriss; ihm gegenüber +stand aber als Verbündeter, Schutzgenosse Berke's der Prinz +<i>Kaidu</i>, der Sohn Kaschin's, des fünften Sohnes Ogotai's. +Anfangs von der Partei Arikbugha's, hatte er denselben +verlassen und sich zu Berke geflüchtet, der ihm sein Vertrauen +schenkte, weil die Astrologen das Horoscop Kaidu's +ungemein günstig und glückvorbedeutend gefunden<a name="FNanchor_439" id="FNanchor_439"></a><a href="#Footnote_439" class="fnanchor">[439]</a>. Bald +hierauf starb Alghui und durch die Bemühungen Hirghana's +ward ihr Sohn Mubarekschah als Herrscher des Uluses +Dschagatai anerkannt.</p> + +<div class="sidenote">Kaidu.</div> + +<p>Arikbugha, von seinem Heere verlassen, hatte sich +reuig an dem Hofe des Bruders eingestellt, an welchem er +nach dem mongolischen Gebrauche als Schuldiger eingeführt +ward. Nach dieser Sitte wurden die Schuldigen nicht durch +<span class='pagenum'><a name="Page_226" id="Page_226">[226]</a></span> +das gewöhnliche Thor in's Zelt zur Audienz eingeführt, +sondern bei einer heimlichen Pforte hineingestossen, und +statt eines Ehrenkleides mit Filz bekleidet<a name="FNanchor_440" id="FNanchor_440"></a><a href="#Footnote_440" class="fnanchor">[440]</a>. Das offene +Bekenntniss der Schuld ward gnädig aufgenommen; aber +<i>Dschingkum</i>, der Gesandte Hulagu's, welcher gegenwärtig, +rieth im Namen seines Herrn, nach der Strenge der Jasa +zu verfahren und den Prinzen sammt seinen Mitschuldigen +vor Gericht zu stellen; auch <i>Dschikar</i>, der Bruder Apuschka's, +welcher durch die Hand des Prinzen Suntai gefallen, warf +dem Arikbugha hartes Wort, dass er bereit sei, dessen Blut +zu vergiessen, in's Gesicht. Am folgenden Tage gingen die +grossen Nujane mit den Prinzen in's Gericht<a name="FNanchor_441" id="FNanchor_441"></a><a href="#Footnote_441" class="fnanchor">[441]</a>. Auf die +wider sie vorgebrachte Klage schwiegen sie alle; endlich +redete sie Toman Nujan, einer der edelsten so von Gesicht +als Gesinnung, an: Warum sprecht ihr nicht, ihr Fürsten! +Haben wir uns nicht Alle verschworen, den Arikbugha auf +den Thron zu setzen, oder mit ihm zu sterben? Nun ist +der Tag gekommen, den zweiten Theil unseres gegebenen +Wortes zu lösen. Arikbugha erzählte den Hergang des +Aufruhrs und die Emire bekannten ihre Schuld. Kubilai +wollte dennoch nicht zur Vollstreckung des Urtheils schreiten, +ohne zuvor das Gutachten Berke's und Hulagu's und auch +Alghui's, der damals noch am Leben, eingeholt zu haben; +nur die schuldigsten der Emire wurden sogleich hingerichtet: +<i>Bulgha Nujan</i>, der erste Hebel des Aufruhrs, <i>Ildschetai</i>, +welcher Gurundschi, den Sohn Kadan's, verschwärzt, und +<i>Tokus</i>, welcher das meiste Blut der Truppen des Kaan's +vergossen; andere wurden nach Turkistan verbannt<a name="FNanchor_442" id="FNanchor_442"></a><a href="#Footnote_442" class="fnanchor">[442]</a>; nur +um das über die Prinzen Arikbugha und Suntai zu verhängende +Loos wurden <i>Berke</i>, <i>Hulagu</i> und <i>Alghui</i> um ihr +Gutachten befragt. Alghui erklärte, dass er sich der Meinung +<span class='pagenum'><a name="Page_227" id="Page_227">[227]</a></span> +des Kaan's und Hulagu's, was immer sie sei, anschliesse. +Hulagu billigte in Allem den Beschluss der Prinzen und des +Gerichts und versprach, wenn Berke käme, ebenfalls beim +Kurultai zu erscheinen. Bald nach der Rückkehr des Gesandten +starb Arikbugha natürlichen Todes, und es brach +der Krieg zwischen Hulagu und Berke aus. Kubilai verlieh +die Herrschaft des Uluses Dschagatai, welche die Frau +Hirghana ihrem Sohne Mubarekschah zugewandt hatte, dem +<i>Beirak</i>, dem Sohne <i>Jesun Tewa's</i>, des zweiten Sohnes <i>Muwatukjan's</i>, +welcher den <i>Mubarekschah</i> zur Abdankung bewog +und sich der Zügel der Herrschaft des Uluses Dschagatai +bemächtigte; aber nachdem Arikbugha und Alghui, die +beiden Thronanmasser aus dem Uluse Tuli's und Dschagatai's, +verschwunden, hatte Kubilai noch einen dritten aus dem +Uluse Ogotai's, nämlich Kaidu, den Sohn Kaschin's, zu bekämpfen. +Kubilai sandte ihm ein von seinen Söhnen <i>Numughan</i> +und <i>Kukistu</i> befehligtes Heer entgegen, in welchem +sich Söhne Ogotai's<a name="FNanchor_443" id="FNanchor_443"></a><a href="#Footnote_443" class="fnanchor">[443]</a> und Arikbugha's befanden. Die Prinzen +Tokatimur und <i>Schiregi</i> (der Sohn Ogotai's) verschworen +sich mitsammen, ergriffen die beiden Prinzen, Söhne Kubilai's, +und sandten dieselben an Mengku Timur, den Herrn +von Kipdschak, aus; zugleich streuten sie das Gerücht aus, +dass die Söhne Batu's mit den Kaidu's gemeinsame Sache +machten, das aber nicht dem so. Zwar vereinten sich mit +Schiregi und Tokatimur auch <i>Sarban</i>, der achte Sohn Dschaghatai's; +aber sie wurden vom Heere Kubilai's geschlagen, +und die beiden letzten entflohen nach der Landschaft <i>Narin</i>, +wo sie am Ufer des Irtisch weilten; während Tokatimur im +Lande der Kirgisen streifte, ward sein Lager von den Truppen +Kubilai's geplündert; Tokatimur wandte sich an Schiregi um +Hilfe, und als dieser sie ihm verweigerte, lockte er den +Sarban mit Hoffnungen auf die Chanschaft, wie er früher +den Schiregi damit verlockt hatte. Die beiden gleich getäuschten +Thronbewerber Sarban und Schiregi bekriegten +<span class='pagenum'><a name="Page_228" id="Page_228">[228]</a></span> +sich nun mit einander und rieben sich gegenseitig auf, bis +beide in die Hände Kubilai's fielen, der jenen in eine durch +Sumpfluft verpestete Insel sandte, dem Sarban den Befehl +über eine Abtheilung von Truppen gab. Melik Timur und +der Sohn Schiregi's begaben sich zu <i>Kaidu</i>, der, noch nach +vierzig Jahren der mächtige Herrscher des Uluses Ogotai, +im Verlaufe dieser Geschichte noch mehr als einmal in die +der Ilchane eingreifend erscheinen wird.</p> + +<div class="sidenote">Vertheilung +der Statthalterschaften; +Tod +Hulagu's.</div> + +<p>Hulagu beschäftigte sich nach beendigtem Feldzuge wider +Kipdschak mit dem Baue zweier Schlösser, das eine in der +Ebene von <i>Alatak</i>, das andere zu <i>Chui</i>, und begab sich +dann von Tebris an den Goldfluss<a name="FNanchor_444" id="FNanchor_444"></a><a href="#Footnote_444" class="fnanchor">[444]</a>, welchen die Mongolen +<i>Tschaghatuwunghatu</i> nannten, bei Meragha, dort mit der +Vollendung der Sternwarte und mit wissenschaftlichen Versammlungen +beschäftigt; nebst der Astronomie war er vorzüglich +der Alchymie ergeben und verschwendete grosse +Summen an Alchemiker, deren Vorspiegelungen so, wie die +ihnen zugewandten grossen Summen, in Rauch aufgingen. +Zugleich ordnete er die Verwaltung des durch seine Eroberungen +gegründeten neuen Reichs. Seinem ältesten Sohne, +Abaka, übertrug er die Statthalterschaft von Chorasan; seinem +dritten Sohne, Jaschmut, dem Eroberer Mesopotamiens, die +Statthalterschaft von Arran und Aserbeidschan; dann die von +Jaschmut eroberten Landschaften Mesopotamiens: <i>Diari Bekr</i> +und <i>Rebiaa</i>, von dem Ufer des Tigris bis an das des Euphrats, +dem Emir <i>Tudan</i>, und die der Länder Rum's dem +Emir <i>Moineddin Perwane</i>; die Verwaltung von Tebris vertraute +er den Händen Melik Ssadreddin's, die Kerman's der +Frau Turkjan Chatun an. Nach der, während des Feldzugs +von Kipdschak vollzogenen, oben erwähnten Hinrichtung des +Staatskanzlers <i>Seifeddin Bitekdschi</i> ward dieses höchste +Staatsamt dem <i>Schemseddin Mohammed Dschuweini</i>, als +Herrn und Vorsteher des Diwan's, und der Vorsitz des +Diwan's zu Bagdad seinem Bruder Atamülk, dem Geschichtschreiber, +verliehen. Besonderes Vertrauen schenkte er +<span class='pagenum'><a name="Page_229" id="Page_229">[229]</a></span> +dem Sohne des vormaligen kleinen Diwitdar von Bagdad, +dem Dschelaleddin; dieser täuschte das Vertrauen Hulagu's +nicht minder, als sein Vater das des letzten Chalifen getäuscht. +Er trug ihm vor, dass sich in der Landschaft +Bagdad's mehrere Tausend Kipdschaken befänden, die, wenn +Hulagu hierzu den Befehl ertheilen wolle, er zu sammeln +bereit sei, um dieselben zum Vortrab im nächsten Feldzuge +wider Kipdschak zu verwenden. Hulagu, durch seinen Vorschlag +verblendet, gab ihm Diplom und Löwenkopf und +unumschränkte Vollmacht über alle Truppen und Waffen +der Landschaft Bagdad's. Er warb die Kipdschaken und +Andere an, wiegelte sie aber gegen Hulagu auf, indem er +sie heimlich versicherte, dass er nicht gesonnen, sie wider +ihre Landsleute auf die Schlachtbank zu führen, sie vielmehr +retten wolle. Nachdem er sie aus den Zeughäusern Bagdad's +bewaffnet, führte er sie unter dem gegen den Statthalter +Bagdad's vorgeschützten Vorwande, dass er mit ihnen nach +Derbend und Schirwan ausziehe, in's Gebiet des arabischen +Stammes <i>Chafadsche</i>, das er plündernd durchzog und dann +mit der ganzen Truppe längs des Euphrats bis Aana und +Hadise vorbeiziehend nach Syrien und Aegypten aufbrach. +Der Aerger, so schändlich vom Günstlinge getäuscht worden +zu sein, nagte als giftiger Wurm in der Brust Hulagu's und +beschleunigte seinen Tod, der ihn nach kurzer Krankheit +hingerafft<a name="FNanchor_445" id="FNanchor_445"></a><a href="#Footnote_445" class="fnanchor">[445]</a>. <span class="xidenote">9. Rebiulachir 668/<br />8. Febr. 1265</span> Er ward auf dem Gipfel des Berges <i>Schahu</i><a name="FNanchor_446" id="FNanchor_446"></a><a href="#Footnote_446" class="fnanchor">[446]</a>, +gegenüber von <i>Destchawakan</i>, bestattet. Nach mongolischem +Gebrauche wurden ihm Gold und Edelsteine in den Sarg gegeben +und die schönsten seiner Beischläferinnen geschlachtet<a name="FNanchor_447" id="FNanchor_447"></a><a href="#Footnote_447" class="fnanchor">[447]</a>, +um ihm die Einsamkeit des Grabes zu versüssen. +Aber ausser den geschlachteten Beischläferinnen folgten ihm +bald zwei seiner Frauen natürlichen Todes in's Grab nach, +<span class='pagenum'><a name="Page_230" id="Page_230">[230]</a></span> +die Frau Irtekan, die Mutter seines achten Sohnes <i>Adschai</i>, +schon am neunten Tage nach dem Tode ihres Gemahls, <span class="xidenote">3. Ramasan/<br />17. Febr.</span> und +vier Monate und eilf Tage später, drei Tage vor der Thronbesteigung +Abaka's, die Frau <i>Tokus Chatun</i>, die Christin, +die grosse Beschützerin ihrer Glaubensgenossen. Auf ihren +Einfluss gründete sich vermuthlich die Hoffnung des Papstes, +dass Hulagu sich nächstens zum Christenthume bekehren +werde, wovon ihm der Ungar Joannes die Kunde gebracht +und worüber sich der Papst in seinem Schreiben an Hulagu +so hoch erfreut<a name="FNanchor_448" id="FNanchor_448"></a><a href="#Footnote_448" class="fnanchor">[448]</a>. Eine grosse Frau, deren Wirken stiller +und wohlthätiger, als das zweier der berühmtesten Frauen +persischer Geschichte, nämlich der Frau <i>Turkjan</i> und der +Atabegin <i>Abisch</i> aus der Dynastie der Salghuren, welche +Persien beherrschten, und deren Geschichte in die Hulagu's +enge verflochten, nun zum Schlusse dieses Buches besonders +erzählt werden soll.</p> + +<div class="sidenote">Fars.</div> + +<p>Fars, d. i. Persien im eigentlichsten und engsten Sinne, +der Kern des persischen Reichs, in welchem das Haupt +desselben die alte Persepolis, die Geburts- und Grabstätte +des Cyrus, ist als Vaterland persischen Namens, als Mutterland +persischen Stammes zu jeder Zeit seiner Geschichte, +von der ältesten bis zur neuesten, und folglich auch +binnen des Jahrhunderts mongolischer Herrschaft vor allen +anderen Landschaften des Reichs von vorwiegendem Interesse +und Momente. Persien im weitesten Sinne, d. i. <i>Iran</i>, das +<i>Ariene</i> der Sendbücher, ist das Paradies der Bibel, das +zwischen den vier Flüssen des biblischen Paradieses, dem +<i>Digloth</i> (Tigris), <i>Frat</i> (Euphrat), <i>Gihon</i> (Dschihun) und +<i>Phischon</i> (Sihun), östlich und westlich eingeschlossene asiatische +Hochland. Persien im engsten Sinne, d. i. <i>Fars</i>, ist +die von Natur und Kunst vor allen anderen Landschaften +des Reichs am meisten ausgezeichnete südliche, nördlich +vom persischen <i>Irak</i>, südlich vom persischen Meerbusen, +östlich von der Sandwüste Kirmans, westlich vom Gebirgslande +Luristan begränzt, in welcher das paradiesische Thal +<i>Schaab Bewwan</i>, von den asiatischen Geschichtschreibern +<span class='pagenum'><a name="Page_231" id="Page_231">[231]</a></span> +als eines der vier Paradiese des Ostens gefeiert, die Naturfeste +<i>Kalaaisefid</i>, d. i. das weisse Schloss, schon aus dem +Schahname als der Sitz des weissen <i>Diwe's</i> bekannt, die +Ruinen der vierzig Säulen<a name="FNanchor_449" id="FNanchor_449"></a><a href="#Footnote_449" class="fnanchor">[449]</a> oder der vierzig Leuchtthürme<a name="FNanchor_450" id="FNanchor_450"></a><a href="#Footnote_450" class="fnanchor">[450]</a>, +die behauene Steinwand des Ebenbildes Rustem's<a name="FNanchor_451" id="FNanchor_451"></a><a href="#Footnote_451" class="fnanchor">[451]</a>, die der +alten Königsgräber, das Grab der Mutter Salomon's<a name="FNanchor_452" id="FNanchor_452"></a><a href="#Footnote_452" class="fnanchor">[452]</a>, d. i. +das des Cyrus (ein Felsengrab mit Pehlewiinschrift), die +des Kerkers<a name="FNanchor_453" id="FNanchor_453"></a><a href="#Footnote_453" class="fnanchor">[453]</a> und der Musikkapelle Dschemschid's<a name="FNanchor_454" id="FNanchor_454"></a><a href="#Footnote_454" class="fnanchor">[454]</a>, Felsengrotten +mit Inschrifttafeln in Pehlewi, die Sculpturen von +Schabur, welche den Triumph Schabur's über Valerian verherrlichen, +Königsgräber, Heldengrotten, Bergaltäre, Feuertempel +und mehrere andere solcher steinerner Ueberlieferungen +der ältesten Geschichte des Reichs. Ein von der +Natur durch mehrere Seltenheiten hochbegünstigtes Land, +in welchem die Rosen und der Wein von Schiras glühen, +das reine Wasser von Mossella fliesst, ein Land, das der +Lebensfluss und der Kor durchströmen, deren erster seinen +Namen von den lebendigen Bergwässern, dieser in der ältesten +Zeit von Kyros, in der mittleren vom grössten Fürsten +der Dynastie Buje den Namen hat<a name="FNanchor_455" id="FNanchor_455"></a><a href="#Footnote_455" class="fnanchor">[455]</a>; das Land, wo der +königliche Berg der Gräber von Persepolis und das vielfarbige +Salzgebirge von <i>Darabdscherd</i> sich erheben, wo zu +Schiras die Berggipfel persischen Dichterruhms in den Grabmälern +von Hafis und Saadi. Persische Baukunst und Dichtkunst +haben in Fars ihre höchsten Triumphe gefeiert, und +ohne von der ältesten Geschichte zu sprechen, so ist seit +dem Aufblühen neupersischer Poesie und Literatur Fars der +Mittelpunkt derselben geblieben, bis erst in der jüngsten +Zeit sich dieselbe in dem Brennpunkte der nach Norden +übertragenen Hauptstädte von Teheran und Tebris gesammelt. +In den ersten drei Jahrhunderten der Hidschret blühte morgenländische +Dichtkunst und Literatur zwar zuerst unter +der Herrschaft der Beni <i>Saman</i> und <i>Chorasan</i> auf und erhielt +<span class='pagenum'><a name="Page_232" id="Page_232">[232]</a></span> +sich dort noch mit der Herrschaft der <i>Seldschuken</i> in bedeutendem +Flore; denn <i>Fars</i> wetteiferte hierin mit Chorasan +schon unter der Herrschaft der Beni Buje, und trug unter +der der Salghuren den ersten Preis davon, welcher demselben +erst nach dem Untergange dieser Dynastie, unter der +Herrschaft der Ilchane vom nördlichen Persien, wo die Residenz +<i>Tebris</i> aufblühte, streitig gemacht, in der Folge aber +unter der Herrschaft der Dynastien der <i>Beni Mosaffer</i> und +<i>Sseffi</i> wieder errungen, und bis in die neueste Zeit behauptet +ward, wo der Lebensfluss geistiger Kultur wieder +den nördlichen Hauptstädten und Residenzen Teheran und +Tebris in seichteren Fluthen zufliesst; also schon aus dem +Gesichtspunkte der Kulturgeschichte allein ist die Geschichte +der Salghuren, welche ein Jahrhundert vor der Herrschaft +der Ilchane Fars beherrscht, von der höchsten Wichtigkeit, +indem dieselbe auch die Kulturgeschichte Persiens während +der Eroberung und der dreizehnjährigen Herrschaft Hulagu's +einschliesst.</p> + +<div class="sidenote">Die Beni +Amare, Beni +Buje und +Beni +Seldschuken.</div> + +<p>In Hinsicht auf Kultur hat die bisher europäischen +Orientalisten und Geschichtschreibern nicht einmal dem +Namen nach bekannt gewordene Dynastie der Beni <i>Dschelendi</i>, +welche zur Zeit der arabischen Eroberung von den +Ufern des persischen Meerbusens bis nach Kerman und Irak +hin herrschten, einen bedeutungsvollen Beinamen, indem +dieselben auch Beni <i>Amare</i> oder <i>Imare</i>, d. i. die Söhne +der Kultur, heissen. Das arabische Wurzelwort <i>Amr</i> oder +<i>Omr</i> bezeichnet <i>Leben</i> und <i>Kultur</i>, indem die Kultur belebt +und das Leben ohne Kultur kein geistiges; zunächst verwandt +mit <i>Omer</i>, d. i. <i>Homeros</i>, dem Inbegriffe ältester +griechischer geistiger, vom Orient aus belebter Kultur<a name="FNanchor_456" id="FNanchor_456"></a><a href="#Footnote_456" class="fnanchor">[456]</a>. +<i>Aammar</i> heisst der Hochgebildete, Wohlgerüche Liebende, +sei es nun die physischen, sei es die geistigen höherer +Bildung, wovon jene ein treffliches Sinnbild. Bisher kennt +die europäische Geschichte des Morgenlandes nur zwei Dynastien +<span class='pagenum'><a name="Page_233" id="Page_233">[233]</a></span> +der Beni <i>Ammer</i>, die, welche zur Zeit der Kreuzfahrer +in Tripolis herrschte, wo die herrliche, angeblich +drei Millionen Bände starke Bibliothek derselben von den +Kreuzfahrern verbrannt ward<a name="FNanchor_457" id="FNanchor_457"></a><a href="#Footnote_457" class="fnanchor">[457]</a>; die zweite, welche im ersten +Viertel des vierzehnten Jahrhunderts zu Tripolis an der afrikanischen +Küste gegründet, unter sieben Fürsten durch sieben +und siebzig Jahre gedauert<a name="FNanchor_458" id="FNanchor_458"></a><a href="#Footnote_458" class="fnanchor">[458]</a>, welche ebenfalls Freunde +der Wissenschaften und Literatur; die dritte endlich, die +hier zum erstenmale in Europa an's Licht gezogen wird, +die der Beni <i>Amare</i> in Fars, welche, auf ihre Bergfesten +stolz, nicht nur den arabischen Eroberungen, sondern auch +noch der in Chorasan aufsteigenden Dynastie der Beni <i>Ssaffer</i> +trotzten, indem <i>Omer Ben Leis</i>, der Fürst der letzten, +zwei Jahre lang den Abdallah Ben Ahmed el-Dschelendi, +den Fürsten der Beni Amare, bekriegte, ohne denselben +besiegen zu können. Nach den historischen Ueberlieferungen +der moslimischen Geschichtschreiber sollen die Beni Amare +als Herren der Küste und Seeräuber schon zur Zeit des +Moses geherrscht und das Schiff weggenommen haben, dessen +im Koran bei der Erzählung der Wanderung des Moses mit +Chisr nach dem Zusammenfluss der beiden Meere (des arabischen +und persischen oder persischen und indischen) Erwähnung +geschieht<a name="FNanchor_459" id="FNanchor_459"></a><a href="#Footnote_459" class="fnanchor">[459]</a>. Nach der Herrschaft der Beni Omeije +erhob sich unter der der Beni Abbas in Fars die der Beni +Buje, deren grösste Fürsten besonders die neue Hauptstadt +Schiras durch Bauten verherrlichten. Während der sieben +und achtzig Jahre, welche vom Ende der Herrschaft der +Beni Buje bis zu dem Beginne der Herrschaft der Salghuren +verflossen, ward Fars durch sieben Statthalter Atabege der +Seldschuken verwaltet. Der erste, <i>Faslui Schebankjare</i>, von +dem ein Dichter gesagt:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Von Gott, dem Allerhöchsten, war es Huld und Glück,<br /></span> +<span class="i0">Dass Ungethüm des Aufruhrs hielt <i>Faslu</i> zurück.<br /></span> +</div></div> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_234" id="Page_234">[234]</a></span></p> +<p>Der zweite, <i>Rokneddin Chumar Tekin</i>, ertrank; der dritte, +<i>Dschelaleddin Dschanli</i>, zerstörte Schebankjare; der vierte, +<i>Rokneddin Dschanli</i>, welcher eine Medrese zu Schiras gebaut, +ward zu Hamadan erschlagen; der fünfte, <i>Mengubers</i>, +baute eine Medrese, an welcher er begraben liegt, desgleichen +seine Gemahlin <i>Sahide</i>, d. i. die Einsiedlerin, die +nach ihr <i>Issmeti</i>, d. i. die keusche, genannte Medrese; der +sechste, <i>Besabe</i>, ward, wiewohl ein gerechter und billiger +Herr, gewaltsamer Weise getödtet, und der siebente, <i>Melekschah</i>, +hielt, der letzte, das Ansehen der Seldschuken aufrecht. <span class="xidenote">i. J. 543/<br />1048</span> +Wider diesen stand in der Hälfte des sechsten Jahrhunderts +der Hidschret, des eilften der christlichen Zeitrechnung, +<i>Sonkar Ben Mewdud</i>, der Salghure, vormaliger Sklave Melekschahs, +in Aufruhr auf und masste sich als Atabege die +Krone an. Er war Atabeg, d. i. Obersthofmeister, des unmündigen +Sohnes Sultan Mohammed's, des Seldschuken, gewesen +und war von ihm zum Statthalter von Fars bestellt +worden, das er drei Jahre lang verwaltete, dann aber durch +seines Bruders Tekele List eingesperrt ward<a name="FNanchor_460" id="FNanchor_460"></a><a href="#Footnote_460" class="fnanchor">[460]</a>. Er hatte +sich am Fusse des Berges <i>Giluje</i> angesiedelt, von wo aus +er seine neue Herrschaft begründete; er schlug sich zu +wiederholtenmalen mit Jakub Ben Arslan, dem Herrn von +Chusistan, und starb, nachdem er die neugegründete Herrschaft +durch vierzehn Jahre befestigt. Er baute zu Schiras +Kloster, Moschee, Karawanserai und eine hohe Minaret, er +selbst ein hoher Leuchtthurm der Herrschaft, welcher durch +Siege, Einrichtungen und Bauten als Reichsgründer seinen +zehn Nachfolgern strahlend vorgeleuchtet<a name="FNanchor_461" id="FNanchor_461"></a><a href="#Footnote_461" class="fnanchor">[461]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Die +fünf ersten +Atabegen +Salghuren.</div> + +<p>Der Atabeg <i>Mosaffereddin Sengi Ben Mohammed</i>, der +Bruder des Gründers, vom Sultan der Seldschuken, Toghrul, +als Atabege bestätigt, behauptete, wie sein Bruder, die Herrschaft +durch vierzehn Jahre, wiewohl sie ihm von seinem +Schwager Saik, welcher zu Baidha ein Karawanserai gebaut, +mit den Waffen in der Hand streitig gemacht ward. Er +baute für den grossen Scheich Abdollah Chafif eine kleine +<span class='pagenum'><a name="Page_235" id="Page_235">[235]</a></span> +Zelle, welche in der Folge bis zu drei Domen vergrössert, +erst von Schah Ismail, dem Gründer der Dynastie Ssofi, +zerstöret ward. <span class="xidenote">570/<br />1174</span> Ihm folgte als dritter Atabeg sein Sohn +Tekele, ein gerechter Fürst, dessen weiser Grosswesir, +Emineddin Karasun, zu Schiras Moschee und Kloster erbaute; +im fünften Jahre seiner Regierung verheerte der +Atabeg von Aserbeidschan, Pehliwan, der Sohn des Ildigis, +das Land, und die fünfzehn folgenden Jahre derselben waren +kaum hinreichend, die dem Lande durch die Verheerung +geschlagenen Wunden durch gerechte Verwaltung zu heilen; <span class="xidenote">590/<br />1194</span> +kaum vernarbt, wurden dieselben während der siebenjährigen +seines Vetters und Nachfolgers <i>Toghrul Ben Sonkor</i><a name="FNanchor_462" id="FNanchor_462"></a><a href="#Footnote_462" class="fnanchor">[462]</a> wieder +durch den Bürgerkrieg, in welchem ihm sein Vetter, der +fünfte Atabeg, <i>Ebu Schudschaa</i>, d. i. der Vater der Tapferen, +<i>Saad Ben Sengi</i>, den Thron zu entreissen strebte, aufgerissen +und durch Landplagen so schmerzlicher gemacht. +Auf unerhörte Trockenheit folgte schreckliche Hungersnoth, +in welcher die Leichname der Hungers Gestorbenen von den +Ueberlebenden verzehrt wurden, und auf die schrecklichste +Hungersnoth noch schrecklichere Pest. <span class="xidenote">600/<br />1203</span> Usbeg, der +Sohn Pehliwan's, der Atabege von Aserbeidschan, verheerte +Schiras, und vierzehn Jahre hernach, als der Sultan Mohammed +Tekesch, der Schah Chuaresm's, mit dreimalhunderttausend +Mann auf dem Zuge nach Bagdad sich des Gebirgslandes +des persischen Irak bemächtigt hatte, schlug +sich Saad einigemal mit ihm und wurde von ihm gefangen. +Mohammed Tekesch, selbst ein tapferer Fürst, erhob die +Tapferkeit des gefangenen Feindes so hoch, dass er ihm +die Herrschaft von Fars unter der Bedingniss bestätigte, +dass dessen Tochter <i>Melike Chatun</i> dem Sohne Chuaresmschah's, +dem grossen und unglücklichen <i>Dschelaleddin Mankburni</i> +(dem letzten der Chuaresmschahe), vermählt werde; +dass das Drittel der Einkünfte von Fars in den Schatz +Chuaresmschah's fliesse und das feste Schloss Istachr chuaresmische +Besatzung einnähme. Saad's Sohn Ebubekr missbilligte +<span class='pagenum'><a name="Page_236" id="Page_236">[236]</a></span> +den vom Vater geschlossenen Rettungsvertrag, stand +wider denselben mit den Waffen in der Hand auf, schlug +ihn einigemal und sperrte ihn im Schlosse von Istachr, +welches sammt den von <i>Ischnekwan</i> von Chuaresmschah hätte +besetzt werden sollen, ein. Ebubekr hatte die Pflichten des +Sohnes so sehr ausser Augen gesetzt, dass er sogar nach +dem Vater mit Keulen schlug; dieser stürzte den Sohn vom +Pferde und sperrte ihn in einem der drei Schlösser von +Istachr ein, erfüllte den mit Chuaresmschah geschlossenen +Vertrag durch Sendung der Tochter und benützte den Frieden +zum Baue einer Moschee, eines grossen Karawanserai auf +dem Wege von Tebris, welches <i>Schehrallah</i>, d. i. die Stadt +Gottes, heisst, und zu Erneuerung der Mauern von Schiras<a name="FNanchor_463" id="FNanchor_463"></a><a href="#Footnote_463" class="fnanchor">[463]</a>. +Saad's Wesir war <i>Amideddin Abu Nassir Esaad Abrisi</i>, +welcher einen Band arabischer und persischer Geschichte +hinterliess und mit welchem Saad, selbst Dichter, sich öfters +in poetischen Wettstreit einliess. Die Frucht eines derselben +ist die berühmte, seitdem auf allen Zungen gang und +gäbe Antithese Chuaresmschah's:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">In Schlachten wie Eisen, bei Festen wie Wachs,<br /></span> +<span class="i0">Verderblich dem Feinde, gesegnet dem Freunde<a name="FNanchor_464" id="FNanchor_464"></a><a href="#Footnote_464" class="fnanchor">[464]</a>.<br /></span> +</div></div> + +<p>Der Wesir <i>Amideddin</i> stand in gelehrtem Briefwechsel mit +dem Meister aller Humanitätswissenschaften, <i>Omer Er-Rasi</i>, +über die Schwierigkeiten des mystischen Epos <i>Selaman</i> und +<i>Absal</i>, welches unter der Hülle einer Männerliebe die Allegorie +des Aufschwungs der Seele zu göttlicher Liebe. Die +Volkssage hat die Namen der beiden Helden dieses Gedichtes +altpersischen Ursprungs einer Steinwand von Sculpturen +von Schiras<a name="FNanchor_465" id="FNanchor_465"></a><a href="#Footnote_465" class="fnanchor">[465]</a> aufgeheftet, sowie denen von Tak +Bostan bei Kermanschahan die Sage von Chosrew und Schirin. +Saad hatte den Wesir Amideddin sammt seinem Sohne Tadscheddin +zu Ischnekwan, einem der Schlösser Istachr's<a name="FNanchor_466" id="FNanchor_466"></a><a href="#Footnote_466" class="fnanchor">[466]</a>, +<span class='pagenum'><a name="Page_237" id="Page_237">[237]</a></span> +eingesperrt; er kürzte sich die lange Weile seiner Gefangenschaft +durch Gedichte, die er an die Wand schrieb, und +deren eines die berühmte Kassidet, deren Beginn:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Wer bringt meinen Geist zu <i>Batha's</i> freien Tauben?<br /></span> +<span class="i0">Die sich der reinen Fluth erfreu'n und grüner Lauben.<br /></span> +</div></div> + +<div class="sidenote">Ebubekr Ben +Saad und +sein Bruder +Salghurschah.</div> + +<p>Ebubekr ward nach siebenjähriger Gefangenschaft zu +Istachr unmittelbar vor des Vaters Tod an dessen Sterbebett +berufen, und bestieg nach dessen acht und zwanzigjähriger +Regierung den Thron. <span class="xidenote">623/<br />1226</span> Sein Vater, Saad, hatte Kerman +erobert und die Schebankjare gedemüthigt, aber sein Sohn +Ebubekr war ein weit grösserer, sei es als Eroberer, Bauherr +oder Gönner von Dichtern und Gelehrten. Unter ihm wurden +die Inseln des persischen Meerbusens <i>Kisch</i> und <i>Bahrein</i> +und das arabische Gebiet von <i>Katif</i> und <i>Lahsa</i> erobert. +Seine dreissigjährige Regierung ist der Glanzpunkt der +Salghurenherrschaft. Ueberall erhoben sich in Fars Karawanseraien +unter dem Namen Mosaffer Ebubekr's, als zu +<i>Ebrkuh</i>, <i>Beidha</i>, <i>Karun</i>, im Passe <i>Adhadi</i> und an der Küste +von <i>Dschaaber</i>, die schönste Juwele aber der Strahlenkrone +seines Ruhms ist Saadi's Zueignung seines Gülistan, in welchem +der Dichter gleich Eingangs mit einer von dem emphatischen +Selbstlobe der Lyriker und Epiker sich sehr +vortheilhaft auszeichnenden Bescheidenheit den Beifall seiner +Zeitgenossen einzig dem des Atabegen zuschreibt und auf +ihn und sich den bekannten schönen Apolog des durch die +Nachbarschaft der Rose durchdufteten Thones anredet:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Blos weil dein Blick auf mich Unwürd'gen gefallen ist;<br /></span> +<span class="i0">Mein Werk der Sonne gleich berühmt bei Allen ist;<br /></span> +<span class="i0">Wenn Alles auch an mir nur Fehl' und Mangel ist,<br /></span> +<span class="i0">Fehlen, das der Sultan billigt, Tugendangel ist.<br /></span> +</div></div> + +<p>Die Zeit hat die Anwendung umgekehrt, und Ebubekr ist +durch Saadi, nicht aber dieser durch jenen berühmt. Nach +dem Verderben Chuaresmschah's huldigte Ebubekr Ben Saad +staatsklug den Herrschern der Mongolen und ward als Atabeg +in der Herrschaft von Fars bestätigt. Er führte jährlich +nur dreissigtausend Dukaten an den Schatz ab, eine Summe, +welche damals der kleinste Distrikt von Fars abwarf; mit +<span class='pagenum'><a name="Page_238" id="Page_238">[238]</a></span> +dieser Summe sandte er alljährlich den Sohn Saad mit einem +seiner Neffen an den Chan; die mongolischen Vögte behandelte +er freigebig, stellte aber zugleich Späher auf, um +alle Verbindung des Volkes mit denselben zu hindern, damit +jene nicht die Wahrheit seiner glänzenden Umstände erführen; +er genoss des Lebens im Stillen im Garten Firusi, +von wo er jeden Morgen nach dem Lager sich begab und +nach aufgehobener Mittagstafel wieder in den Garten zurückkehrte. +Ein grosser Beschützer der Dichter und Gelehrten, +besonders aber der Frommen und Derwische, die er mehr +als die Gesetzgelehrten achtete, weil er, wie es scheint, +dieselben minder fürchtete. Er hatte von Hulagu bei dessen +Einmarsch in Persien das Diplom der Herrschaft mit dem +Titel <i>Kotloghschah</i> erhalten; er hatte denselben seinem +Sohne Saad und seinem Bruder Salghurschah entgegengesandt. +Der Bruder, beigenannt <i>Karandank Chan</i>, war ein humaner, +verständiger Prinz, von schöner Gestalt, aber ganz sinnlichen +Genüssen ergeben, denen er in den von ihm angelegten +paradiesischen Gärten, welche <i>Ssubuhabad</i>, d. i. Morgentrunksbau, +hiessen, ungestört nachhing; seiner unablässigen +Trinkgelagen ungeachtet, schrieb er täglich als Kalligraphe +einige Verse des Korans und sandte die Abschrift an die +Kaaba, Verfasser anmuthiger vierzeiliger anacreontischer +Strophen. Jedem Gedanken auf Herrschaft fern, lebte er +einzig seinem Vergnügen, und als Ebubekr, durch eine +lügenhafte Denuntiation aufgelärmt, die ganze Gesellschaft +unversehens überfiel, fand er Nichts als ein Gelage von +Trinkern, wie Wassaf sagt:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">„Morgentrunk und dann des Weines Gluglu,<br /></span> +<span class="i0">Rose, Rosenstrauch und Nachtigall dazu,<br /></span> +<span class="i0">Traute Sänger, die gebunden und betrunken,<br /></span> +<span class="i0">Neben Flaschen Schenke, dem das Glas entsunken.<br /></span> +</div></div> + +<p>Zerbrochen die Krüge, die grossen, der Wein ausgegossen, +die Schöne zerwühlt, die Halsschleife zerknüllt, die Halbtrommel +eine Zeit lang von den Ohrfeigen nicht ertönend, +und aus dem Mund der Flöte einen Augenblick aufgähnend, +die Haare verwirrt herumtrollen, wie die Schönen, welche +<span class='pagenum'><a name="Page_239" id="Page_239">[239]</a></span> +das Gesicht gegen die Wand wenden, wenn sie schmollen, +von den Aesten sang ein Ghasel die Nachtigall und ein +Wunder ist's, dass die Schlafenden nicht erwachten von +dessen Schall und Widerhall.“ Bei solcher Lebensart vertiefte +er sich in Schulden, die dann der Bruder grossmüthig +zahlte. Eines Tages improvisirte Salghurschah:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre,<br /></span> +<span class="i0">Wenn mir der Kopf voll Groll und Geizes wäre;<br /></span> +<span class="i0">So würd' ich dich, wie du gewohnt, gen mich zu handeln,<br /></span> +<span class="i0">An deiner Statt gerade wie du mich behandeln.<br /></span> +</div></div> + +<p>Ebubekr sandte ihm zehn Beutel Goldes, zehn Kisten Kleider, +zehn edle Pferde nebst der Freudenkunde, dass alle seine +Schulden getilgt seien<a name="FNanchor_467" id="FNanchor_467"></a><a href="#Footnote_467" class="fnanchor">[467]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Eroberung +von Kisch; +und +Literatur.</div> + +<p>Die glänzendste der Eroberungen Ebubekr's ist die der +Inseln <i>Kais</i> oder <i>Kisch</i> (auf persisch Kosch) und <i>Bahrein</i>, +wo die reichsten Perlenfischereien im persischen Meerbusen. +Die erste dieser Inseln hat ihren Namen von Kais, dem +Sohne Kaissar's, eines Schiffsherrn von <i>Siraf</i>, der Hafen- +und Stapelstadt der mittägigen persischen Küste. Der Ursprung +der Macht und der Grösse der Beni Kaissar war +eine Katze, welche die arme Mutter der drei Söhne Kaissar's +einem Schiffer als ihr einziges Habe auf einer Fahrt nach +Indien mitgegeben, die sich aber, weil sie dort, wo gelandet +ward, es keine Katzen und zu viel Mäuse gab, die letzten +zusammenfrass, mit einem Schatze von Juwelen und Gold +rentirte. Die Söhne der Wittwe wurden mächtige Schiffsherren +und dehnten ihre Unternehmungen bis an die indische +Küste aus; sie bauten auf Kais einen grossen Palast, den +sie <i>Aferide</i> nannten und welcher mit der Palasthalle Adhadeddewlet's +zu <i>Nabend</i> (dem östlich von <i>Siraf</i> gelegenen +Dorfe) und mit den Säulenhallen des Elephantenhauses +Adhadeddewlet's zu <i>Siraf</i> um den Vorzug buhlte<a name="FNanchor_468" id="FNanchor_468"></a><a href="#Footnote_468" class="fnanchor">[468]</a>, und +der Chalife Nassirolidinillah verlieh ihnen das Diplom der +Herrschaft von Kais unter dem Titel: Sultan <i>Ibnol Melik +Dschemschid</i>. So herrschten die <i>Beni Kaissar</i>, deren Dasein +<span class='pagenum'><a name="Page_240" id="Page_240">[240]</a></span> +bisher aber, sowie das der Beni <i>Amare</i> in Fars, europäischen +Geschichtschreibern entgangen, auf <i>Kais</i>, als Seifeddin +Abu Nadhr Ali Ben Keikobad, der Herr der Insel Hormus, +dem Atabeg Ebubekr seine Hilfe zur Eroberung von Kais +anbot; die Befehlshaber von <i>Germsir</i>, d. i. dem warmen +Landstriche der südlichen persischen Küste, wurden zur +Eroberung von Kais befehligt, und Melik Dschemschid wurde +nur einige Monate vor dem Tode Tschengischan's getödtet. <span class="xidenote">12. Dchem. achir 626/<br />17. Mai 1229</span> +Der Herr von Hormus hatte die Insel aber für sich und +nicht für den Atabegen erobert; wie sich diesem <i>Abu Nadhr</i> +zum Sturze Melik <i>Sultans</i> angetragen, so boten Indienfahrer +von Kisch, welche mit ihren reichen, nach Malatia bestimmten +Ladungen zu <i>Chorschif</i> gelandet hatten, ihre Hilfe +zum Verderben Abu Nadhr's an. Der Atabeg sandte ein +Heer von Kurden, Luren und Schulen, und Seifeddin, d. i. +das Schwert der Religion, Abu Nadhr fiel unter dem Schwerte +der Feinde. <span class="xidenote">4. Moharrem 628/<br />12. Nov. 1230</span> Der Sultan von Kenbajet in Indien huldigte +dem Atabegen von Fars, der ihn mit einem Diplome beehrte, +dessen Beginn: Im Namen Gottes der Erbe des Reichs +Salomon's, des Gerechten der Welt, Sultan zu Land und +See, König der Welt und der Religion, Ebubekr Ben Saad, +der Helfer der Diener Gottes, der Rechtgläubigen. Hierauf +wurde die mit ihren Perlenfischereien in die Steuerregister +des Chalifats eingetragene Insel <i>Owal</i>, insgemein <i>Bahrein</i> +genannt, <span class="xidenote">3. Silhidsche 633/<br />8. Aug. 1236</span> und sieben Jahre darnach die Insel <i>Katif</i>, auf +welcher das Schloss <i>Tharut</i>, erobert und mit jährlichen +zwölftausend Dukaten vom Ertrage der Perlenernte besteuert. +Ebubekr, der grösste der Atabegen, starb in seinem sieben +und siebzigsten Jahre, <span class="xidenote">5. Dschem. achir 658/<br />19. Mai 1260</span> von seinem Sohne Saad II., dem +siebenten Atabege, nur zwölf Tage überlebt, worauf der +letzte minderjährige Sohn, Mohammed Ben Saad, unter +Vormundschaft Turkjan Chatun's, der Schwester des Atabegen +von Jesd, <i>Alaeddewlet's</i>, den Thron bestieg. Ebubekr, +des grössten der persischen Atabege Namen, ist nicht +nur durch das Gülistan Saadi's, sondern auch durch die +Werke anderer grosser persischer Dichter verherrlicht, und +seine Regierung umfasst die der Hulagu's gleichzeitige Blüthe +<span class='pagenum'><a name="Page_241" id="Page_241">[241]</a></span> +persischer Kultur. Nach dem Beispiele der Fürsten der +Dynastien Saman, der Seldschuken und Chuaresmschahe +hatte er einen Dichterkönig, <i>Hemkjar Farsi</i>, beigenannt +<i>Medschdeddin Semeki</i>, der seinen Stammbaum bis zu Nuschirwan +hinaufleitete; Schönredner, Schönschreiber, in trautem +Umgange mit den grossen Dichtern <i>Imami</i> aus Herat, <i>Abdulkadr</i> +von Nain, <i>Said</i> von Herat, <i>Nefieddin Lokmani</i><a name="FNanchor_469" id="FNanchor_469"></a><a href="#Footnote_469" class="fnanchor">[469]</a> +und <i>Esireddin Omani</i>, dem Schüler Nassireddin's von Tus. +Ein Schüler Nassireddin's von Tus war auch der Chodscha +Hemameddin, der Atticus dieses Zeitalters, ein reicher Mann +und aufgeweckter Kopf, dessen Haus Dichtern und Gelehrten +offen stand<a name="FNanchor_470" id="FNanchor_470"></a><a href="#Footnote_470" class="fnanchor">[470]</a>. So günstig, als Ebubekr den Dichtern, so +wenig liebte er die Gelehrten, besonders die, so sich Philosophen +nannten; er verbannte mehrere derselben aus Schiras, +darunter den grossen Imam <i>Ssadreddin Mahmud El-Uschnusi</i>, +den berühmtesten Prediger seiner Zeit<a name="FNanchor_471" id="FNanchor_471"></a><a href="#Footnote_471" class="fnanchor">[471]</a>; er fürchtete, sagt +Wassaf, dass die Gelehrten mittels Einsicht und Geldes die +Regierungsgeheimnisse erfahren, die Regierung in ihrem +freien Gange beeinträchtigen könnten. Die grösste und +schönste der Stiftungen Ebubekr's ist das grosse Spital von +Schiras mit dem dazu gehörigen Garten. Nach Ebubekr's +Lobpreis steht im Gülistan Saadi's das Saad's, seines Sohnes +und des grossen Emirs Ben Ebi Nassr.</p> + +<div class="sidenote">Turkjan's +tragisches +Ende; Fars, +dem mongolisch. +Reiche +einverleibt.</div> + +<p>Turkjan, die Regentin von Fars, sandte huldigende Geschenke +an Hulagu und erhielt von demselben das Diplom +der Herrschaft auf den Namen ihres Sohnes, welcher schon +nach zwei Jahren und sieben Monaten sein Leben durch +einen Sturz vom Dache endete. Der Leiter ihrer Geschäfte +war der von Saadi im Gülistan gepriesene Grosswesir Nisameddin +Ebubekr, der als Gesandter an Hulagu ging, ihr bekannter +Günstling aber der schöne Sklave Schemseddin Miak, +ein Mamluke des Atabegen Saad; nach Mohammed's Tod +wurde sein Vetter Mohammed, der Sohn Salghur's, zum +Herrscher ausgerufen, welchem Turkjan zwar ihre Tochter +<span class='pagenum'><a name="Page_242" id="Page_242">[242]</a></span> +<i>Selgham</i> vermählte, aber nichtsdestoweniger wider ihn bei +Hulagu Ränke schmiedete. Mohammed, der Sohn Salghur's +(der Bruder Ebubekr's), war ein tapferer Fürst, der im +Geleite des Ilchan's vor Bagdad durch Proben seiner Tapferkeit +sich bei Hulagu in Kredit gesetzt, aber als er zur Regierung +gelangt, sich der Weichlichkeit ergab. Sein im +Schlosse von Istachr eingesperrter Bruder bat ihn vergebens +in Versen um Befreiung. Da verschwor sich die Frau +Turkjan wider ihren Schwiegersohn mit den Emiren der +Schulen und Turkmanen, liess ihn im Hareme ergreifen +und sandte ihn nach viermonatlicher Regierung, als der Regierung +unfähig, an Hulagu. Die Emire der Schulen befreiten +den gefangenen Bruder <i>Seldschuk</i> und setzten denselben +auf den Thron. Turkjan Chatun hatte ihm ihre +Hand gereicht und so sehr darauf gerechnet, seinen Arm +zu leiten, als er in ihre Schönheit verliebt war; aber bei +einem Trinkgelage, wo die Sänger und Sängerinnen die +Charaktere der sieben berühmtesten Liebespaare arabischer +und persischer Romane vorstellten, nämlich: <i>Koseir</i> und +<i>Osa</i>, <i>Amrol Kais</i> und <i>Oneise</i>, <i>Irwet</i> und <i>Aafra</i>, <i>Emher</i> +und <i>Wefa</i>, <i>Leila</i> und <i>Medschnun</i>, <i>Weise</i> und <i>Gilschad</i>, +<i>Schirin</i> und <i>Ferkad</i>, scheint den schon Trunkenen die +Furcht, dass er in Liebesbanden gegängelt werde, aufgestachelt +zu haben; auf den von ihm einem gegenüberstehenden +Neger gegebenen Wink hieb dieser der Frau Turkjan +den riesigen Kopf ab, und als ihm derselbe auf goldenem +Becken dargebracht ward, riss er die grossen Perlen der +Ohrgehänge weg und warf sie den Sängern vor, wie es +scheint, als Dank, dass ihn ihr Gesang zu solcher That begeisterte. +Die beiden mongolischen Vögte <i>Oghlobeg</i> und +<i>Kotlogh Bitekdschi</i>, die Mordthat missbilligend, suchten zu +Schiff zu entkommen, aber Seldschuk, ihre Entfernung gewahr, +eilte ihnen im Hemde, nur mit goldener Keule bewaffnet, +nach, erschlug den einen und liess den anderen +ermorden. <i>Miak</i> war an den Hof Hulagu's gegangen, wo +Mohammed noch gefangen gehalten, erst in Freiheit gesetzt +und nach Fars bestimmt, bald aber darauf hingerichtet ward. +<span class='pagenum'><a name="Page_243" id="Page_243">[243]</a></span> +Hulagu sandte seine Generale <i>Altadschu</i> und <i>Timur</i> nach +Fars, den Atabegen zu züchtigen; da dieser trotz der an +ihn ergangenen Aufforderung zur Reue, auf welche Verzeihung +folgen sollte, den Boten misshandelte, rückte Altadschu, +verstärkt von den Truppen des Sultans von Kerman +und des Atabegen von Jesd (des Bruders Turkjan's), in +Fars ein. Seldschuk flüchtete nach <i>Chorschif</i>. Zu Kjarsun +kam es zur Schlacht; geschlagen, suchte Seldschuk vergebens +am Grabmale des Schwagers Morschid Rettung und +ward am Fusse des weissen Schlosses getödtet. Kanzelgebet +und Münze wurden nun auf den Namen des einzigen +übrigen Sprösslings der Atabegen, der Tochter Turkjan's, +<i>Abisch</i><a name="FNanchor_472" id="FNanchor_472"></a><a href="#Footnote_472" class="fnanchor">[472]</a> (aus Saad Ebubekr), verrichtet. Nach der Niederlage +Seldschuk's hatte der General Timur auf ein allgemeines +Gemetzel der Einwohner von Schiras angetragen, +aber Altadschu gab hierzu seine Einwilligung nicht, und +wurde in der Folge, als der Seid <i>Scherefeddin</i> neuen Aufruhr +zu Schiras anzettelte, von Hulagu vor Gericht gestellt +und, weil er zu milde gewesen, nach der Jasa zur Prügelstrafe +verurtheilt. <span class="xidenote">661/<br />1262</span> Schon im ersten Jahre nach dem Tode +Seldschuk's wurde der neue Atabeg, die Frau Abisch, mit +Mengu Timur, dem eilften Sohne Hulagu's, vermählt; statt +des Heirathsgutes, das sie dem Prinzen mitbringen sollte, +wurde ein Sechstel der Besitzungen von Schiras mit den +Einkünften von jährlichen achttausend Dukaten ausgeschieden, +und <i>Abisch</i> blieb bei ihrem Gemahle im Lager, wo sie noch +zwanzig Jahre als Atabeg von Fars geehrt, ihr Land aber +von mongolischen Vögten (Baskak) und Intendenten (Melik) +verwaltet ward, von denen in der Folge dieser Geschichte +noch mehrmal die Rede sein wird. Dieser Erwerb des +<span class='pagenum'><a name="Page_244" id="Page_244">[244]</a></span> +Kerns ganz Persiens, der Landschaft Fars, welche, wie +Wassaf sagt, das Kleid der sieben Erdgürtel, das achte der +Paradiese, durch Heirath, krönte die Politik Hulagu's zu +Ende seiner Laufbahn, die er als Brecher der Burgen der +Assassinen und Eroberer von Bagdad begonnen. Der Krone +des Ilchan's und Padischah's von Iran durfte die schönste +Juwele derselben nicht fehlen, welche die Landschaft Fars.</p> + + + + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_245" id="Page_245">[245]</a></span></p> +<h2><a name="Viertes_Buch" id="Viertes_Buch"></a><a href="#Inhalt">Viertes Buch.</a></h2> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> + + +<div class="block"><p>Thronbesteigung Abaka's und Vertheilung der Statthalterschaften; +die Familie desselben und Schemseddin's; +Schlacht gegen Nokai; armenische und +ägyptische Verhältnisse; Krieg wider Borrak und +dessen Ende; zweite Thronbesteigung Abaka's in +Luristan; der Tod grosser Männer; Schemseddin +Kert und Dschuweini; die niguderischen Banden +in Fars; ägyptische Verhältnisse; Streifzug wider +Armenien; Verheerung Ciliciens; Schlacht von Elbistan; +Gesandtschaft an Beibars; Schemseddin verungnadet +und wieder zu Gnaden aufgenommen; +Schicksale Alaeddin's Dschuweini; Schlacht von +Himss; Abaka's Tod; Verhältniss gegen die +Christen.</p></div> + + +<div class="sidenote">Abaka's +Thronbesteigung.</div> + +<p>Das Geheimniss ist das Element, in welchem sich die Politik +am sichersten bewegt; am wenigsten bedarf derselben die +gerade, offene des Völkerwohls, welcher das Gesetz den +sicheren Pfad vorzeichnet; am meisten die dunkel quergängige +des Despotismus, indem sie den, durch Nebenbuhler +gefährdeten Besitz der Macht ergreift; desshalb war es von +jeher in östlichen Reichen und auch in westlichen, schon +vom Hinscheiden des ersten römischen Kaisers angefangen, +Staatsbrauch, den Tod des Herrschers so viel und so lange +als möglich zu verheimlichen, bis dass nach getroffenen +zeitgemässen Anstalten die Kunde desselben immer zugleich +mit der von der Besitzergreifung des Nachfolgers verlaute<a name="FNanchor_473" id="FNanchor_473"></a><a href="#Footnote_473" class="fnanchor">[473]</a>; +<span class='pagenum'><a name="Page_246" id="Page_246">[246]</a></span> +daher wurden, sobald als Hulagu gestorben, nach +mongolischem Staatsgebrauch alle Wege gesperrt und +Befehl erlassen, dass Niemand sich von seiner Stätte bewege. +Ein Eilbote ward an <i>Abaka</i>, den durch des Vaters +Anordnung zum Throne bestimmten Nachfolger, Statthalter +von Chorasan, abgefertigt, und zugleich <i>Arghun</i>, welcher +bei Abaka die Stelle des Wesirs bekleidete, einberufen. +Abaka, der sich damals im Winterquartiere von <i>Arran</i>, und +sein Bruder Jaschmut, der sich an der Gränze von Derbend +befand, trafen am achten Tage nach des Vaters Tod ein; +der letzte, der unberufen gekommen, kehrte, als er sah, +dass die Fluth der Stimmen der Emire wider ihn rinne, +in zwei Tagen wieder zurück; <span class="xidenote">19. Dschem. ewwel 663/<br />9. März 1265</span> Abaka aber stieg im Lager +von <i>Tschaghantu</i> (am Goldfluss in der Nähe Meragha's) +ab, wo ihm die Emire bewillkommend entgegengingen und +<i>Ilkai</i>, der Emir des Lagers, dem Prinzen als treuer Diener +zugethan, demselben, der erste, Brod und Wein als Bürgen +der Sicherheit reichte. Nachdem die Prinzen und Prinzessinnen +ihr Beileid bezeugt, versammelten sich die grossen +Emire und Nujane, deren sich eben Viele gegenwärtig befanden<a name="FNanchor_474" id="FNanchor_474"></a><a href="#Footnote_474" class="fnanchor">[474]</a>. +<i>Sundschak</i> Nujan, welchem Hulagu seinen letzten +Willen und die Schriften anvertraut hatte, und <i>Arghun</i> bezeugten +mehr als die Anderen, dass nach Hulagu's letztwilliger +Anordnung <i>Abaka</i> zum Nachfolger auf dem Throne +bestimmt worden; sogleich knieten die Brüder nieder und +huldigten dem Abaka als Herrn. Abaka verwies sie auf den +Befehl Kubilai's, des Bruder Kaan's Moilchan's. Sie aber +sagten: Du kennst besser als wir die Gebote und Verbote +der Jasa, der alten und neuen, wie sollte er einen anderen +ernennen; und so bestieg er nach dreimonatlicher Berathung +und herkömmlicher Weigerung Freitags den neunzehnten +Juni den Thron im ein und dreissigsten Jahre seines Alters. <span class="xidenote">3. Ramasan 663/<br />19. Juni 1265</span> +<span class='pagenum'><a name="Page_247" id="Page_247">[247]</a></span> +Die Prinzen warfen die Mützen in die Höhe, die Gürtel +um den Hals, um dadurch zu sagen, dass ihr Kopf unbedeckt, +das ist nicht mehr frei, dass ihr Gürtel bereit, als +Strang auf Befehl des Herrn den Hals zuzuschnüren, beugten +siebenmal das Knie vor der Sonne und dann vor dem Chan. +„Die Schenken schenkten ein den flüssigen Edelstein, der +leichter als des Feuers Schein, und wie des Paradieses +Quelle rein; sie massen den Wein in kleinen und grossen +Massen aus goldenen und silbernen Tassen ein.“ Mehrere +Tage dauerte das Fest. In dem vom Astronomen Nassireddin +von Tus als glücklich bezeichneten Monate hatte die +Thronbesteigung am <i>Tschaghan Nur</i>, d. i. am weissen See, +im Distrikte <i>Ferahan</i>, statt; <i>Ferahan</i> ist eine Stadt mittler +Grösse am Ufer eines Sees, wo nach persischer geschichtlicher +Ueberlieferung Tahmuras, der Diwbändiger, seine +Residenz erbaute, die längst in Schutt zerfallen<a name="FNanchor_475" id="FNanchor_475"></a><a href="#Footnote_475" class="fnanchor">[475]</a>; es liegt +in derselben Höhe und Breite, wie das vier Tagreisen von +Hamadan, sechzig Farasangen von Issfahan entfernte <i>Dolfabad</i>, +der Bau des zur Zeit Harun Raschid's durch seinen Witz, +Frohsinn, Reichthum und Kredit so berühmten Emirs <i>Ebu +Dolf Kasim Ben Isa Ben Idris</i>; südlich vom Gebirge Rasmend, +an dessen Fusse die grosse Fontaine Chosrew's Perwis. +An dieser, durch historische Erinnerungen aus der ältesten +Zeit des persischen Reichs und der des Chalifates so +reichhaltigen Gegend am weissen See trat Abaka die Herrschaft an.</p> + +<div class="sidenote">Verleihung +der Befehlshaberschaften.</div> + +<p>Abaka wollte bis zur Ankunft der Bestätigung Kubilai's +nicht auf dem Throne, sondern nur auf einem lehnlosen +Stuhle sitzen; aber er traf nichtsdestoweniger alle Massregeln +und Anordnungen der Herrschaft als <i>Chan</i>, <i>Ilchan</i>, +<i>Schah</i> und <i>Padischah</i>, d. i. als Herr, Landesfürst, König +und Monarch. Nachdem er die Prinzen und Prinzessinnen, +die Nujane und Emire der Tomane (der Zehntausenden), +der Hesare und Ssade (Tausender und Hunderter) mit Geschenken +überhäuft, flogen in alle Gegenden Boten mit der +<span class='pagenum'><a name="Page_248" id="Page_248">[248]</a></span> +Nachricht seines Regierungsantrittes und mit Befehlen für +Bestätigung und Aufrechthaltung der Jasa Tschengischan's +und Hulagu's im strengsten Sinne; dann vertheilte er die +Befehlshaberschaften der Heere und die Statthalterschaften +des Reichs. Dem Bruder <i>Jaschmut</i> wurde mit wohlgerüstetem +Heere die Huth der nördlichen Gränze gegen Derbend<a name="FNanchor_476" id="FNanchor_476"></a><a href="#Footnote_476" class="fnanchor">[476]</a>, +Schirwan, Moghan bis an die Gränze des Altai; +dem Bruder <i>Tuktin</i> die Huth der östlichen Gränze von +Masenderan und Chorasan bis an den Oxus anvertraut. Der +<i>Bitekdschi</i> (Staatssekretär) <i>Tughu</i>, der Sohn Ilkai Nujan's, +und <i>Tudan</i>, der Bruder Sundschak Nujan's (der Ahnherr +des zu Ende dieser Geschichte als ein grosser Charakter +auftretenden Emirs <i>Tschoban</i>), wurden nach Rum gesendet, +wo sie später von den Emiren <i>Semaghar</i> und <i>Kehurkai</i> abgelöset +wurden. <i>Dutai</i> Nujan wurde nach Diarbekr und +<i>Dijar Rebiaa</i> an die syrische Gränze befehligt, die militärische +Aufsicht Georgiens dem <i>Schiramun</i>, dem Sohne +Dschurmaghun's, des vormaligen Befehlshabers in Persien, +die von Bagdad und Fars dem <i>Sundschak</i> Nujan übertragen; +die Verwaltung der Krongüter erhielt <i>Baltadschu</i> Aga und +die der Pachten<a name="FNanchor_477" id="FNanchor_477"></a><a href="#Footnote_477" class="fnanchor">[477]</a> <i>Arghunaga</i>. Zur obersten Würde des +Wesirs als Leiter und Herrn des Diwans zu Tebris wurde +<i>Schemseddin Mohammed</i> von Dschuwein und zu seinem Stellvertreter +als Leiter und Inhaber des Diwans sein Bruder +<i>Alaeddin Atamülk</i>, der Geschichtschreiber, ernannt. Zu +Issfahan stand der Sohn des Wesirs Schemseddin, <i>Chodscha +Behaeddin</i>, an der Spitze der Geschäfte. Die Verwaltung +von <i>Chorasan</i> wurde dem Chodscha <i>Iseddin Tahir</i> und nach +ihm seinem Sohne Chodscha <i>Wedschiheddin</i> zugewandt; +<i>Fars</i> wurde im Namen der Atabegin <i>Abisch</i> verwaltet und +die Aufsicht der Pachten hatte dort <i>Tasiku</i> auf sich. Die +Herrschaft von <i>Kerman</i> wurde der Prinzessin Turkjan Chatun, +die von <i>Nimrus</i> dem <i>Melik Schemseddin Mohammed Kert</i> +<span class='pagenum'><a name="Page_249" id="Page_249">[249]</a></span> +und von <i>Georgien</i> dem <i>Abd</i> und seinem Sohne <i>Ssadren</i>, +die <i>Armeniens</i> dem König <i>Hethum</i> bestätigt. <i>Diarbekr</i> wurde +dem Dschelaleddin Tarsi, <i>Dijar Rebiaa</i> dem <i>Mosaffer Fachreddin +Kara Arslan</i>, <i>Kaswin</i> und ein Theil Iraks dem +<i>Iftichareddin Kaswini</i>, Tebris dem <i>Ssadreddin</i> zur Verwaltung +anvertraut. Aus dieser nach Reschideddin gegebenen +Uebersicht der Heere und Ländervertheilung erhellet, dass +schon damals, wie später im osmanischen Reiche, dessen +Staatseinrichtungen grösstentheils den mongolischen nachgebildet +sind, die militärischen Befehlshaberschaften der +Gränze von den Statthalterschaften, die Aemter des Diwans +von denen der Finanz getrennt waren. Wir haben hier +sechs grosse militärische Hüter der Gränzen: in <i>Schirwan</i> +und <i>Chorasan</i>, in <i>Georgien</i>, <i>Kleinasien</i>, in <i>Fars</i> und im +arabischen <i>Irak</i>, drei Wesire, Inhaber des Diwans: zu <i>Tebris</i>, +<i>Bagdad</i> und <i>Issfahan</i>, drei Intendenten der Krongüter und +Pachten, fünf Vorsteher der inneren Verwaltung: in <i>Chorasan</i>, +<i>Diarbekr</i>, <i>Dijar Rebiaa</i>, zu <i>Kaswin</i> und <i>Tebris</i> und endlich +die dem Namen nach herrschenden, aber eigentlich nur im +Namen der Mongolen das Land verwaltenden fünf Fürsten +von <i>Kerman</i>, <i>Nimrus</i>, <i>Georgien</i>, <i>Armenien</i> und <i>Fars</i>; zählen +wir hierzu noch die schon oben erwähnten Fürsten, welche +nur unter der eisernen Keule mongolischer Herrschaft ihr +Land regierten, nämlich die Atabegen von <i>Gross-</i> und <i>Klein-Luristan</i> +und von <i>Jesd</i>, die noch zu <i>Mardin</i> herrschenden +Fürsten aus der Familie Ortok und die zu <i>Hossnkeif</i> aus +der Familie Ejub (denn die noch übrigen syrischen von +<i>Himss</i>, <i>Hama</i> und <i>Kerek</i> gehorchten nun dem Sultan Aegyptens), +so haben wir beim Regierungsantritte Abaka's sieben +und zwanzig von ihm begewaltigte grosse Befehlshaber der +Heere und Länder, Vorsteher der Geschäfte und Verwalter +der Güter.</p> + +<div class="sidenote">Schemseddin's +Familie.</div> + +<p>Der Geschichtschreiber Wassaf, statt diese Eintheilung +zu geben, hebt als die vier Säulen des Ruhms der Zeit +Abaka's, von welcher die feste und sichere Herrschaft der +Ilchane in Persien datirt, vier in ihrem Fache ausgezeichnete +Männer hervor als „die vier Grossen unter ihren Zeitgenossen“; +<span class='pagenum'><a name="Page_250" id="Page_250">[250]</a></span> +der erste derselben der grösste Astronom und +Philosoph seiner Zeit, <i>Nassireddin</i> von Tus, der Gründer +der Sternwarte zu Meragha, der Verfasser der grossen +Metaphysik und Ethik, welcher am Hofe Hulagu's und Abaka's +die Stelle des Ministers des Unterrichts vertrat und der bei +Gelegenheit der Thronbesteigung Abaka's hundert seiner +Schüler mit Geschenken des neuen Herrn bedräute<a name="FNanchor_478" id="FNanchor_478"></a><a href="#Footnote_478" class="fnanchor">[478]</a>. Der +zweite der Wesir <i>Schemseddin Dschuweini</i>, der dritte der +Tonkünstler <i>Ssafijeddin Abdolmumin El Ormewi</i> und der +vierte der Schönschreiber <i>Dschemaleddin Jakut</i>. Von den +beiden letzten genügt hier der Name, den ersten haben wir +bereits in dieser Geschichte handeln gesehen; Schemseddin +Mohammed Dschuweini tritt aber erst jetzt als Wesir an +die Spitze der Reichsgeschäfte in seiner ganzen Grösse +auf. „Unter seiner Regierung“, sagt Wassaf, „begehrten +die Schafe von den Wölfen das mehrjährige Blutgeld, und +das Repphuhn liebäugelte mit Falken und Habichten; durch +ihn wurde der gute Name des Padischah auf den schwarzen +und weissen Blättern der Tage und Nächte mit schöner +Glückesschrift aufgezeichnet.“ Unter seiner gerechten Verwaltung +erhob sich Bagdad, wo sein Bruder sein Stellvertreter, +wieder aus dem Schutte der Verheerung Hulagu's. +Mehr als hunderttausend Goldstücke verwandte er auf die +Grabung eines Kanales, um damit Meschhed (die Grabstätte +Ali's) und die Umgegend von Nedschef zu bewässern. +Tadscheddin Ali, der Sohn des Emirs Dolfendi, welcher +von Schemseddin mit der Ableitung des Kanals aus dem +Euphrat und mit der Urbarmachung der todten Ländereien +beauftragt war, hinterliess über dieses verdienstliche Werk +eine besondere Abhandlung. Seide und Imame, Redner und +Dichter erschöpften sich in Prose und Versen, im Lobe +seiner Gerechtigkeit, Weisheit, Freigebigkeit und Milde. +In seine Fussstapfen trat sein Bruder Atamülk zu Bagdad, +aber nicht Schemseddin's Sohn, der Chodscha Behaeddin, +der Inhaber des Diwans zu Issfahan, welcher die öffentliche +<span class='pagenum'><a name="Page_251" id="Page_251">[251]</a></span> +Sicherheit nur durch Spähersystem und durch blutige Strenge +erhielt. Auf den Bericht eines Kundschafters, der die nächtliche +Runde der Wachen gemacht, dass er den Hauptmann +wach und eifrig auf seinem Posten, einen Mann der Wache +aber schlafend, einen anderen abwesend gefunden, befahl +er, allen dreien zwei und siebzig Prügel zu geben, weil +der Hauptmann nicht früher als der Kundschafter die Anzeige +der Bestrafung der zwei Schuldigen gemacht. Einem, +der ihn zu fest angesehen, liess er die Augen ausstechen; +einem seiner Kinder, welches, auf seinem Schoosse spielend, +ihn beim Barte zupfte, schwur er, heftig auffahrend, dafür +an den Hacken schlagen zu lassen, und da keiner der Grossen +fürzubitten wagte, packten die Schergen den Knaben und +schlugen ihn vor des Vaters Augen zur Erfüllung von dessen +Eidschwur an den Hacken<a name="FNanchor_479" id="FNanchor_479"></a><a href="#Footnote_479" class="fnanchor">[479]</a>. So ein blutiger Tyrann Behaeddin, +so ein grosser Beschützer war er der Gelehrten, +und ein trefflicher Oekonome seiner Zeit, die er zwischen +Studien und Waffenübungen, Reichsversammlungen und Festen +theilte:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">„Zwischen den Federn und zwischen den Fahnen,<br /></span> +<span class="i0">Zwischen Gelagen und zwischen Diwanen<a name="FNanchor_480" id="FNanchor_480"></a><a href="#Footnote_480" class="fnanchor">[480]</a>.“<br /></span> +</div></div> + +<p>Nach aufgehobenem Diwane verbrachte er die Zeit im Gespräche +mit Gelehrten, eingedenk des Spruchs:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">„Gespräch mit Gelehrten ist besser als Kosen mit Liebesgefährten.“<br /></span> +</div></div> + +<p>und schloss sich, nachdem er dieselben entlassen, mit seinen +Vertrauten ein, um sich dem Genusse des Weines zu überlassen:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">„Wein, der unter'm Schleier<a name="FNanchor_481" id="FNanchor_481"></a><a href="#Footnote_481" class="fnanchor">[481]</a> spricht,<br /></span> +<span class="i0">Durch die Rosen im Gesicht.“<br /></span> +</div></div> + +<p>Nach dem Trinkgelage beschäftigte er sich noch tief in die +Nacht hinein mit politischen Untersuchungen und polemischen +Studien, nur wenige Stunden dem Hareme und dem +Schlafe gönnend, und nur seinen Bruder <i>Harun</i>, der es +ihm an Gründlichkeit philosophischer Studien zuvorthat, um +diesen Vorzug mit Recht beneidend. Diesem widmete der +<span class='pagenum'><a name="Page_252" id="Page_252">[252]</a></span> +grosse obgenannte Tonkünstler Ssafijeddin Abdolmumin seine +Abhandlungen über die Volkslieder<a name="FNanchor_482" id="FNanchor_482"></a><a href="#Footnote_482" class="fnanchor">[482]</a>, über ihren Ursprung, +Composition und Tonarten. Eines Tages, als in einer Versammlung +bei Behaeddin, wo auch der grosse Tonkünstler +gegenwärtig, Harun, vom Weine erhitzt, diesen ganz kurzweg +<i>Ssafijeddin</i> anredete, entschuldigte Behaeddin vor den +Gegenwärtigen die Freiheit des Bruders, einen so grossen +Künstler schlichtweg bei seinem Zunamen angeredet zu haben, +indem er sagte: <i>Harun</i>, der den Namen des grössten der +Chalifen trägt, der eine Verwandte des letzten der Chalifen +zur Frau hat, dessen Sohn Mamun heisst und der zu Bagdad +wohnt, denkt sich erlaubt, den grossen Künstler nach der +Gewohnheit des Chalifen bloss mit dessen Zunamen statt +mit dessen Vornamen und eigenen Namen anzureden. Diess +waren die Söhne Schemseddin's, des Wesirs, die Neffen +seines Bruders <i>Atamülk</i>, des Verfassers der <i>Welterobernden +Geschichte</i>.</p> + +<div class="sidenote">Abaka's +Familie.</div> + +<p>Nachdem die Leser auf diese Weise die Heerführer, +Statthalter und Wesire Abaka's kennen gelernt, müssen sie +sich auch mit seiner eigenen Familie näher bekannt machen. +Diese bestand, die kinderlosen Beischläferinnen ungerechnet, +aus der Mutter, eilf Frauen, drei Beischläferinnen Müttern, +sieben Töchtern und zwei Söhnen. Seine Mutter war die +Frau <i>Jesundschin</i> aus dem Stamme Suldus. Von seinen +Frauen nennen wir die beiden, nach des Vaters Tode aus +dessen Harem in das seine herübergenommenen zuerst, weil +sie durch Ansehen und Würde den übrigen vorgingen; diese +waren: die Frau <i>Oldschai Chatun</i>, welche mit <i>Tokus</i> Chatun +den Vater Hulagu auf seinem Auszuge nach Persien begleitet +hatte, die treue Gefährtin desselben auf seinen dreizehnjährigen +Feldzügen; dann <i>Tokini</i> Chatun, die Base der +grossen Frau Tokus, die Beischläferin Hulagu's, welcher +Abaka nach dem Tode ihrer Base das Lager derselben aneignete, +ihr als Frau den <i>Baghtak</i>, d. i. den Frauenkopfschmuck, +aufsetzte und an die Stelle <i>Durdschi Chatun's</i> als +<span class='pagenum'><a name="Page_253" id="Page_253">[253]</a></span> +grosse Frau erklärte. Die vierte seiner Gemahlinnen war +die Tatarin <i>Nukdan</i>, die Mutter seines Sohnes <i>Kendschatu</i>, +welche aber jung starb. Ihr folgte <i>Iltürmisch</i> Chatun, die +Tochter Timurgurgan's, die Schwester <i>Turka Gurgan's</i>, des +Konghuraten. Hierauf nahm er die Prinzessin <i>Padischah</i> +Chatun, die Tochter Sultan Kutbeddin Mohammed Chan's +von Kerman, die er an die Stelle seiner Mutter, <i>Jesundschin</i>, +setzte, so dass ihr die ersten Ehren des Frauengemachs +erwiesen wurden. Die siebente und achte Gemahlin waren +ebenfalls zwei Wittwen Hulagu's, die Konghuratinnen Frauen +<i>Mertai</i> und <i>Kuti Chatun</i>, Schwestern Musa Gurgan's, des +Sohnes der Tochter Tschengischan's, von denen die erste +unter der Regierung Arghun's gestorben. Die neunte Gemahlin, +<i>Tudai</i> Chatun, die Konghuratin, und nach ihr +<i>Bulghan</i> Chatun, die Verwandte des Oberstrichters <i>Nokai</i> +[die Konghuratin<a name="FNanchor_483" id="FNanchor_483"></a><a href="#Footnote_483" class="fnanchor">[483]</a>], welche er vor allen anderen liebte +und daher im Range sowohl der <i>Mertai</i> als der <i>Despina</i>, +d. i. der griechischen Prinzessin, vorsetzte. Die letzte war +<i>Maria</i>, die natürliche Tochter Michael's, des Paläologen, +aus einer Diplowatzerin. Michael, welcher gegen das Ende +der Regierung Hulagu's mit demselben Frieden und Freundschaft +unterhandelt hatte, sandte ihm zum Unterpfande desselben +die Tochter vom Archimandriten des Klosters des +Pantokrators von Villehardouin, dem Bruder des Fürsten +des Peloponnesos, mit reichen Geschenken begleitet; unter +diesen befand sich eine tragbare Kirche in Gestalt eines +Zeltes, dessen Wände und Dach dichte seidene Stoffe, mit +goldenen Kreuzen und Heiligenbildern und den Opfergefässen<a name="FNanchor_484" id="FNanchor_484"></a><a href="#Footnote_484" class="fnanchor">[484]</a>. +Der Paläolog durfte sich schmeicheln, dass dieselbe +als Christin von ihrer Glaubensgenossin, der Frau +<i>Tokus</i>, wohl empfangen, wie dieselbe die Freiheit öffentlichen +Gottesdienstes im Lager mit Glocken geniessen würde. +In Cäsarea angelangt, erhielt sie die Nachricht vom Tode +<span class='pagenum'><a name="Page_254" id="Page_254">[254]</a></span> +Hulagu's; aber Michael, gleich folgerecht in seiner Politik, +welcher er die Tochter opferte, und in der mongolischen +Ansicht, nach welcher die Gemahlinnen und Bräute aus dem +Frauengemache der Väter in das der Söhne übergingen, +sandte den Befehl zur Fortsetzung der Reise an den Hof +Abaka's, in dessen Frauengemach sie doch der aus persönlicher +Neigung vorgezogenen Frau Bulghan weichen musste. +Von seinen Beischläferinnen gebar ihm <i>Kaitmisch Ikadschi</i> +den Sohn <i>Arghun</i>, dann <i>Kewkebi Ikadschi</i> die Tochter +<i>Toghandschuk</i>, hierauf <i>Buludschin Ikadschi</i> die beiden Töchter +<i>Ilkotlogh</i> und <i>Oldschatai</i>; die vier anderen wurden ihm von +Gemahlinnen geboren, nämlich <i>Julkotlogh</i> und <i>Taghai</i> aus +der Frau <i>Tudai</i>, dann <i>Nudschin</i> aus der Frau <i>Mertai</i> und +endlich <i>Melike</i> aus der Frau Bulghan. Diese sieben Töchter +waren keine an Prinzen vom Geblüte, sondern nur an Söhne +von Emiren oder grossen Beamten vermählt; so <i>Julkotlogh</i> +an den <i>Ildschitai Kuschdschi</i> von der Leibwache, Toghandschuk +an den Emir <i>Newrus</i>, den Sohn Arghunaga's, Melike +an <i>Taghai Buka</i>, den Sohn des Oberrichters Nokai. In +dieser Gallerie von Frauen sind die merkwürdigsten die +griechische Prinzessin <i>Maria</i>, die karachitaische Prinzessin +<i>Padischah Chatun</i> und vor allen <i>Bulghan Chatun</i>, eine gewiss +eben so an Schönheit als an Geist hochbegabte Frau, welche +ohne so ausgezeichnete Vorzüge nicht die grosse Rolle gespielt +haben könnte, in welcher sie, von einem Frauengemache +der Herrscher in's andere wandernd, dieselben +mehr oder minder beherrschte durch Schönheit und Geist, +hohen Muth und Charakter ein ganzes Menschenalter hindurch, +dreissig Jahre lang.</p> + +<div class="sidenote">Schlacht +mit Nokai.</div> + +<p>Die erste Waffenthat der Regierung Abaka's hatte an der +nördlichen Gränze statt, wo Nokai, um die unter Hulagu erlittene +Schlappe zu rächen, aus Derbend auf das Heer des +Prinzen Jaschmut ausgefallen, über den <i>Kor</i> gezogen war. +Die Schlacht begab sich an den Ufern des Flusses <i>Akssu</i><a name="FNanchor_485" id="FNanchor_485"></a><a href="#Footnote_485" class="fnanchor">[485]</a>, <span class="xidenote">3. Schewwal 663/<br />19. Juli 1265</span> +<span class='pagenum'><a name="Page_255" id="Page_255">[255]</a></span> +den die Mongolen <i>Tschaghan Muran</i> nennen (das eine und +andere heisst <i>Weisswasser</i>). Der Verlust war von beiden +Seiten gross. Nokai, von einem Pfeile in's Auge getroffen, +flüchtete nach Schirwan. Jaschmut ging über den <i>Kor</i>, aber +wieder zurück, als er vernahm, dass Berke mit einem Heere +von dreimalhunderttausend Mann nahe; die Brücken waren +alle abgerissen worden, so dass Berke, nachdem er vierzehn +Tage lang vergebens am Ufer des Kor geweilet hatte, wieder +nach Tiflis zurückging, um dort leichter über den Fluss zu +setzen; aber auf dem Wege erkrankte und starb er. Abaka +befahl, von <i>Delai Nor</i> bis an die Wüste der Kurden einen +Wall mit einem tiefen Graben längs des Kor zu ziehen, an +dem er Truppen zur Gränzhuth zurückliess, ohne dass desshalb +der Handelsverkehr der beiden Länder mittels der +Karawanen unterbrochen ward. Nach Beendigung dieses +Werkes entliess er von dort den Prinzen Mengu Timur (den +eilften Sohn Hulagu's, Gemahl der Atabegin Abisch und der +Frau Oldschai) und brachte den Winter in Masenderan und +Gurgan (dem alten Hyrkanien) zu. <span class="xidenote">665/<br />1266</span> Während dieses Winters +erschien <i>Mesudbeg</i>, der Sohn des berühmten Wesirs Mahmud +Jelwadsch, als Gesandter Kaidu's, des Herrschers des Uluses +Ogotai, im Lager Abaka's, um die noch ausständige Rechnung +der Einkünfte seiner Krongüter zu begehren. Abaka +empfing denselben sehr ehrenvoll, liess ihm das Kleid +Tschengischan's anziehen und wies ihm seinen Sitz ober +allen Emiren an, ausgenommen Ilkai. Abaka trug dem Inhaber +des Diwans, dem Wesir Schemseddin, auf, die Rechnung +auf's schnellste auszufertigen, und binnen einer Woche +kehrte der Gesandte, reich beschenkt, schnell zurück. Erst +einige Tage nach seiner Abreise, als die Nachricht eintraf, +dass sich am Ufer des Dschihun ein Heer sammle, sah +Abaka, dass dies Begehren der Rechnung nur ein Vorwand +gewesen und dass Mesud als Kundschafter <i>Borrak's</i>, des +Urenkels Dschaghatai's, gekommen, welcher dem Mubarekschah +die Herrschaft des Uluses Dschagatai entrissen. +Abaka fertigte sogleich Gesandte ab, um den verkappten +Kundschafter Borrak's zurückzubringen; sie erreichten aber +<span class='pagenum'><a name="Page_256" id="Page_256">[256]</a></span> +die Ufer des Oxus in dem Augenblicke, als Mesudbeg eben +über denselben gesetzt. Abaka ging nach Chorasan bis +Serchas und wandte sich dann in's Winterquartier nach +Masenderan. Zu <i>Kebuddschame</i>, d. i. Blaukleid, in der an +Korn, Wein und Seide fruchtbaren Stadt Taberistan's<a name="FNanchor_486" id="FNanchor_486"></a><a href="#Footnote_486" class="fnanchor">[486]</a>, +ging er dem Gepäcke Hulagu's entgegen, welches mit dessen +Wittwe Kuti Chatun und den Söhnen Hulagu's, <i>Tekschin</i> +und <i>Tekuder</i>, und mit dem Enkel desselben, <i>Dschuschkab</i>, +dem Sohne Dschumkur's, <i>Badu</i>, dem Sohne Tarakai's, und +Jesundschin Chatun, der Mutter Abaka's, welche zur Zeit +des Aufbruches Hulagu's nach Persien im Hoflager Mengkukaan's +geblieben waren. Dschumkur, der Vater Dschuschkab's +und Kendschu's, war in dem Bürgerkriege zwischen Kubilai +und Arikbugha gezwungen gewesen, die Partei des letzten +zu ergreifen, was jetzt die Söhne entschuldigten; er war +seitdem gestorben; die Frau Kuti hatte zu Bedachschan den +Tod Hulagu's vernommen und sich blind geweint; er verlieh +ihr die Einkünfte von Diarbekr, Miafarakain und einigen +anderen Oertern als Nadelgeld, das bei den Mongolen +<i>Tonlik</i>, das Geld auf Unterhosen, heisst. Die Einkünfte +betrugen das Jahr über hunderttausend Goldstücke. Er +brachte den Winter zu <i>Tschanganlu</i> (in der Gegend von +Meragha), den Sommer in den Weiden von <i>Alatagh</i> an den +Quellen des Euphrats und zu <i>Siahkuh</i> (Schwarzberg) zu, +und überwinterte dann in der Landschaft <i>Arran</i>.</p> + +<div class="sidenote">Armenische +und ägyptische +Verhältnisse.</div> + +<p>Während dieser beiden Jahre, wo Abaka Nichts gethan, +um die weiteren Fortschritte Sultan Beibars in Syrien +zu hindern, hatte dieser den Kreuzfahrern die Städte <i>Cäsarea</i>, +<i>Arssuf</i>, <i>Ssafed</i>, <i>Jafa</i>, <i>Schakif</i>, die Schlösser <i>Haifa</i>, <i>Arka</i>, +<i>Kaliat</i>, <i>Meluhat</i>, <i>Dschebele</i> entrissen<a name="FNanchor_487" id="FNanchor_487"></a><a href="#Footnote_487" class="fnanchor">[487]</a> und war in Cilicien +in die Staaten König Hethum's eingefallen, welcher erst +beim mongolischen Befehlshaber in Rum und dann bei Abaka +selbst vergeblich Hilfe gesucht. Indessen Leon, der Sohn +Hethum's, den Pass von <i>Iskenderun</i> (Alexandriette) besetzt +<span class='pagenum'><a name="Page_257" id="Page_257">[257]</a></span> +hielt, ward er von den Aegyptern umgangen und dann bei +Serwend geschlagen und gefangen; sein Bruder <i>Toros</i> und +einer seiner Oheime fielen in der Schlacht. Die Sieger +kamen am folgenden Tage nach Tel Hamdun, setzten über +den Dschihun und bemächtigten sich des den Templern +gehörigen, auf einem steilen Hügel gelegenen Schlosses +Amudin, das verbrannt ward. Gleiches Schicksal hatte <i>Sir</i>, +die Hauptstadt Kleinarmeniens. Der Herr von Hama, der +jetzt in den Reihen der Aegypter focht, lagerte an den +Ruinen dieser Stadt, während der ägyptische Feldherr <i>Kilawun</i> +(der nachmalige Sultan) die Städte Ajas, Massissa und +Adana verheerte. Das ägyptische Heer kehrte mit so reicher +Beute beladen, mit so vielen geraubten Heerden zurück, +dass der Ochs, im Lager um zwei Dirhem losgeschlagen, +keinen Käufer fand. Hethum, der vergebens bei Abaka +Hilfe gesucht, sah sich gezwungen, den Frieden mit Beibars +auf dessen Bedingungen abzuschliessen. Dieser begehrte die +Zurückstellung mehrerer von den Mongolen den Aegyptern +entrissener, dem Königreiche Armenien einverleibter Schlösser +und die Freigebung des ägyptischen Generals <i>Schemseddin +Sonkar el-Aschkar</i>, d. i. Sonne der Religion, Falke der +Falbe, seines alten Waffengefährten, welchen Hulagu zu +Haleb gefangen, nach Persien gesendet hatte. <span class="xidenote">Juni 1267</span> Der Friede +wurde zu Antiochien unterschrieben; die festen Plätze Behesna, +Derbesek, Merseban<a name="FNanchor_488" id="FNanchor_488"></a><a href="#Footnote_488" class="fnanchor">[488]</a> wurden zurückgestellt, der +Emir Sonkar gegen den bisher im Schlosse von Kairo in +Verhaft gehaltenen Prinzen Leon ausgewechselt<a name="FNanchor_489" id="FNanchor_489"></a><a href="#Footnote_489" class="fnanchor">[489]</a>. Bald +darauf verfügte sich König Hethum an den Hof Abaka's, der +sich damals zu Bagdad befand, um ihm für die Auslösung +seines Sohnes zu danken und um die Erlaubniss zu bitten, +dem Sohne den Thron abtreten zu dürfen. <span class="xidenote">1269</span> Nachdem er +dieselbe erhalten, rief er die Grossen seines Reichs zu +Tarsus zusammen, entsagte der Krone zu Gunsten Leon's +und zog sich nach fünf und vierzigjähriger Regierung unter +<span class='pagenum'><a name="Page_258" id="Page_258">[258]</a></span> +dem Namen Makarius in's Kloster von <i>Trazargh</i> zurück, wo +er einige Monate hierauf starb<a name="FNanchor_490" id="FNanchor_490"></a><a href="#Footnote_490" class="fnanchor">[490]</a>. Im selben Jahre sandte +Abaka Gesandte an Beibars, welcher dieselben zu Damaskus +zugleich mit den Gesandten des griechischen Kaisers und +Mengku Timur's, des Nachfolgers Berke's auf dem Throne +von Kipdschak, empfing. Abaka warf in seinem Schreiben +dem Sultan Aegyptens den an seinem Herrn Kotos begangenen +Königsmord vor und fragte, wie er, der vormals zu +Siwas verkaufte Mamluke, es wagen könne, den Königen, +Söhnen der Könige, gebornen Weltbeherrschern, zu widerstehen. +Er drohte, ihn anzugreifen und Alles dem Schwerte +zu opfern; er schrieb an Beibars selbst: „und wenn du in +die Wolken aufflögest, und wenn du unter die Erde hinunterstiegest, +du würdest mir nicht entfliehen“. Beibars +antwortete: „Es ist wahr, dass ich den Kotos getödtet, aber +die Sultanschaft ist mir durch freie Wahl der Bege übertragen +worden; wenn es dir Ernst, mich anzugreifen, so +komm', wir werden bereit sein, dich zu empfangen, um +die den Musulmanen entrissenen Länder denselben wieder +zurückzuerobern.“ Abaka war nicht im Stande, seinen Drohungen +Folge zu geben; daran hinderte ihn das von Osten +sein Reich bedrohende Ungewitter, indem Borrak, der +Herrscher des Uluses Dschagatai, wider Chorasan herangezogen. +Die feindliche Stellung Borrak's gegen Abaka würde +vom Leser nicht gehörig beurtheilt werden können, wenn +derselbe nicht in Kenntniss der früheren Begebenheiten, +welche zwischen diesem und Kaidu, dem Herrscher des +Uluses Ogotai, vorgefallen und die wir nun nach Reschideddin +erzählen.</p> + +<div class="sidenote">Kaidu's und +Borrak's +Vertrag.</div> + +<p>Kaidu's, des Sohnes Kaschim's, des fünften Sohnes +Ogotai's, ist bereits Erwähnung geschehen, so auch Borrak's, +des Sohnes Jesentewa's, des zweiten Sohnes Muwatukjan's, +des zweiten Sohnes Dschagatai's<a name="FNanchor_491" id="FNanchor_491"></a><a href="#Footnote_491" class="fnanchor">[491]</a>. Dieser, von Kubilai +<span class='pagenum'><a name="Page_259" id="Page_259">[259]</a></span> +zum Herrscher des Uluses Dschagatai ernannt, hatte sich +nicht sobald in den Besitz des Uluses gesetzt, als er mit +dem Statthalter Turkistan's, <i>Mogholtai</i>, Streit begann. Dieser +sandte den Emir <i>Tekmisch</i>, jener den Emir <i>Kuwindschi</i> mit +einem Heere; Tekmisch ward von Kuwindschi geschlagen, +aber dieser musste sich vor einem zweiten stärkeren Borrak's +zurückziehen. Borrak verwüstete Choten und schlug auch +das Heer, welches Kaidu und Kipdschak, der Feldherr +Mengu Timur's, des Herrschers von Kipdschak, wider ihn +geführt. Mengu Timur, hierüber ergrimmt, sandte seinen +Oheim Berekdschar mit fünfzigtausend Mann zu Hilfe Kaidu's. +Borrak, von demselben geschlagen, zog sich nach Samarkand +in der Absicht, das fruchtbare Land zu verheeren. Kaidu +und Kipdschak beriethen sich, wie das Unheil abzuwenden, +und Kipdschak, zwischen welchem und Borrak alte Freundschaftsbande +bestanden, trug sich an, den Frieden zu unterhandeln. +In der Ebene von Soghd empfing Borrak den +Kipdschak auf dem Throne, setzte ihn neben sich, trank +mit ihm und bewirthete ihn mehrere Tage hindurch in der +Steppe von <i>Katwan</i> in der Nähe des Karawanserai<a name="FNanchor_492" id="FNanchor_492"></a><a href="#Footnote_492" class="fnanchor">[492]</a>. Abu +Mohammed's Tonkünstler spielten in den in Kipdschak beliebtesten +Tonarten, um dem Prinzen Kipdschakaghul zu +gefallen. Dieser war der Sohn Durdschi's, des Sohnes Kadan's, +des sechsten Sohnes Ogotai's und folglich ein Neffe +Kaidu's. Er kam mit Borrak überein, dass sich dieser und +Kaidu mit den Truppen, mit denen sie dermalen zu Samarkand +und Bochara standen, begnügen, dieselben nicht vermehren +sollten und Borrak Bochara verschone. Kaidu und +Berekdschar gaben ihre Zustimmung, und die Prinzen versammelten +sich im Frühjahre <span class="xidenote">667/<br />1269</span> in der Ebene von Talas und +Kundschuk, wo nach achttägiger Gasterei Kurultai stattfand<a name="FNanchor_493" id="FNanchor_493"></a><a href="#Footnote_493" class="fnanchor">[493]</a>. +Kaidu sprach von dem Vertrage Tschengischan's +und wie alle Zwietracht der Prinzen demselben zuwider; +dann nahm Borrak das Wort und sagte: da Kaidu an der +Spitze des Uluses Ogotai stehe, wie Mengu Timur an der +<span class='pagenum'><a name="Page_260" id="Page_260">[260]</a></span> +des Uluses Dschudschi's in Kipdschak, wie Kubilai und Abaka +die Herrschaft des Uluses Tuli's im Osten und Westen +theilten, so möge man auch ihn als Oberhaupt des Uluses +Dschagatai unangefochten lassen und sich friedlich mit ihm +verständigen. Die drei Prinzen der drei Uluse kamen dann +überein, das Land zwischen dem Dschihun und Sihun in +drei Theile zu theilen, wovon einer von Borrak, die beiden +anderen von Truppen Kaidu's und Mengu Timur's besetzt +bleiben sollten; sie verbanden sich gegenseitig, mit ihren +Reitern nur in den Steppen herum zu ziehen, die Städte +nicht zu betreten, die Unterthanen zu schonen; im folgenden +Frühjahre aber sollte dem Borrak freistehen, gegen Chorasan +zu ziehen und sich auf Kosten Abaka's zu vergrössern: +„Sie besiegelten ihren Vertrag nach mongolischer Sitte mit +gewechselten Bechern und Kleidern, indem sie die Hefe +auf die Erde gossen“<a name="FNanchor_494" id="FNanchor_494"></a><a href="#Footnote_494" class="fnanchor">[494]</a>. Eine Zeit lang genoss das Land +unter der gerechten Verwaltung Mesud's, der als weiser +Wesir in seines Vaters Jelwadsch Fussstapfen trat, des erwünschten +Wohlstandes, bis bald darauf, als Mengu Timur +und Kaidu sich veruneinigt hatten, das Heer des letzten +dem des ersten entgegenziehend Bochara verlassen, die +Besitzungen desselben berannte, das Land, trotz der Vorstellungen +seines Wesirs Mesudbeg, durch Erpressungen +verheerend. Borrak, im Besitze des Landes zwischen dem +Dschihun und Sihun, war nun auf den Feldzug gegen Abaka +bedacht, worüber ihm die Herrscher des Hauses Ogotai und +Dschudschi, als Feinde des Uluses Tuli, freie Hand gelassen, +sandte aber zuerst die schon oben erwähnte Gesandtschaft +an Abaka, um den Zustand desselben besser zu +erkunden.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_261" id="Page_261">[261]</a></span></p> +<div class="sidenote">Botschaft +Borrak's +und +Rüstungen +desselben.</div> + +<p>Der öffentliche Auftrag dieser Botschaft lautete, wie +schon oben gesagt worden, die ausständigen Rechnungen +über die beiden Prinzen gemeinsamen Krongüter zu verlangen; +aber ein geheimer war, den Prinzen Nigudaraghul, +den ersten Sohn Dschudschi's, des erstgeborenen Dschagatai's, +welcher im Heere Abaka's diente, von demselben +abspenstig zu machen. Zu diesem Ende war der Gesandte +mit einem der geheimen Briefpfeile versehen, welche die +Mongolen <i>Tughane</i> nennen, in deren Schaft die geheime +Depesche verborgen<a name="FNanchor_495" id="FNanchor_495"></a><a href="#Footnote_495" class="fnanchor">[495]</a>. In dem Briefe gab Borrak dem +Prinzen Kunde, dass er im Begriffe, wider Abaka in's Feld +zu ziehen; er möge, als ein Prinz des Uluses Dschagatai, +sich hüten, dem Feinde ferner zu dienen. Die Aufforderung +fruchtete; Nigudar, zu einem Kriegsrathe berufen, entschuldigte +sich und bat um Erlaubniss, in seinen Jurt nach +Georgien zurückkehren zu dürfen; er hoffte über Derbend, +im Norden des kaspischen Meeres, das Lager Borrak's zu +erreichen; aber Dschiramun Nujan, welchem die Huth der +nördlichen Gränze übertragen war, hinderte ihn an der +Ausführung dieses Planes, indem er ihn, sich nach Georgien +zu werfen, zwang, wo er durch die Hand der Tochter des +Königs David Bürgschaft seiner Sicherheit suchte, aber nicht +fand; denn die Gegner trachteten ihm nach dem Leben, so +dass er im folgenden Jahre mit Weib und Kind sich auf +Gnade und Ungnade in die Arme Abaka's warf. <span class="xidenote">668/<br />1270</span> Abaka +liess sechs seiner Emire hinrichten, seine Truppen unter +die Tausender, Hunderter und Zehner vertheilen, setzte +ihm fünfzig Mongolen als Aufseher und ihn selbst zu Derjar +Kebudan in Verhaft, aus welchem er jedoch in der Folge, +nach der Niederlage Borrak's, entlassen ward<a name="FNanchor_496" id="FNanchor_496"></a><a href="#Footnote_496" class="fnanchor">[496]</a>. Der Botschaft +Borrak's ritt Schemseddin Dschuweini, der Wesir +Abaka's, bewillkommend entgegen, und trotz der hohen +Meinung, die er von sich selber hatte, stieg er, als er in +die Nähe Mesud's kam, doch vom Pferde und küsste dem +Mesudbeg ehrfurchtsvoll die Bügel. Dieser, minder bescheiden, +<span class='pagenum'><a name="Page_262" id="Page_262">[262]</a></span> +als sein Vater, Jelwadsch, sagte, verächtlich auf +Schemseddin herabsehend: „Du bist der Inhaber des Diwan's! +Dein Name ist besser, als dein Aussehen.“ Schemseddin's +Klugheit verschmerzte den bitteren Gruss für den Augenblick +mit Stillschweigen, rächte sich aber bald hernach +durch die Nachsendung der Boten, welche den Gesandten +als Kundschafter zurückbringen sollten, und als diese zu +spät kamen, durch die Entflammung des Krieges wider +Borrak, der seinen Bundesgenossen Kaidu um Hilfe ansprach. +Kaidu sandte Jerligh an die Prinzen <i>Ahmed Ben Buri</i><a name="FNanchor_497" id="FNanchor_497"></a><a href="#Footnote_497" class="fnanchor">[497]</a>, +<i>Balighu</i><a name="FNanchor_498" id="FNanchor_498"></a><a href="#Footnote_498" class="fnanchor">[498]</a> und <i>Nikpei Aghul</i><a name="FNanchor_499" id="FNanchor_499"></a><a href="#Footnote_499" class="fnanchor">[499]</a>, dass sie bei Tirwed über +den Oxus gehen sollten; <i>Tschabad</i>, der Sohn Huku's<a name="FNanchor_500" id="FNanchor_500"></a><a href="#Footnote_500" class="fnanchor">[500]</a>, <i>Mobarekschah</i><a name="FNanchor_501" id="FNanchor_501"></a><a href="#Footnote_501" class="fnanchor">[501]</a> +und <i>Kipdschak</i>, der Sohn Kaidu's<a name="FNanchor_502" id="FNanchor_502"></a><a href="#Footnote_502" class="fnanchor">[502]</a>, erhielten +den Befehl, mit Borrak zu Amu über den Dschihun zu +setzen; weiter hinauf sollten <i>Kokadschu</i><a name="FNanchor_503" id="FNanchor_503"></a><a href="#Footnote_503" class="fnanchor">[503]</a> der grosse und +<i>Banial</i> bei Chiwa, <i>Kokadschu</i> der kleine aber bei <i>Mingkkischlagh</i>, +welches der gewöhnliche Ueberfuhrsort von Chuaresm, +über den Fluss gehen und sich mit Borrak jenseits +desselben vereinen. Dieser rüstete den Krieg aus allen Kräften, +alle Pferde wurden zum Dienste des Heeres weggenommen +und des Tages mit sieben Menn Gerste und Korn gefüttert, +um sie fett, alle Hunde wurden getödtet, um aus ihren +Häuten Schilde zu machen; so entstand Theuerung und +Mangel. Um dem Heere Proviant zu verschaffen, befahl +Borrak, das Land bis Bochara und Samarkand zu verheeren. +Mesud machte ihm abermals Vorstellungen dagegen und auf +die Unklugheit aufmerksam, sich auf diese Weise selbst +sicheren Rückzug abzuschneiden. Borrak bestrafte diese freimüthige +Vorstellung des weisen Wesirs mit sieben Prügelstreichen, +nahm aber den Befehl der Verheerung zurück.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_263" id="Page_263">[263]</a></span></p> +<div class="sidenote">Borrak zieht +über den +Oxus und +wird von +Kipdschak +verlassen.</div> + +<p>Ausser den oben genannten, von Kaidu zur Hilfe Borrak's +bestellten neun Prinzen des Uluses Ogotai und Dschagatai +stellten sich zu seinem Dienste noch vier des Uluses Dschudschi, +nämlich die beiden Jesawur [der grosse und kleine]<a name="FNanchor_504" id="FNanchor_504"></a><a href="#Footnote_504" class="fnanchor">[504]</a>, +<i>Meraghul</i> und <i>Dschelertai</i><a name="FNanchor_505" id="FNanchor_505"></a><a href="#Footnote_505" class="fnanchor">[505]</a>. Mit diesem Heere eroberte +Borrak Chorasan von den Gränzen Bedachschan's und Schiburghan's +(bei Balch) bis nach Nischabur. Ehe er noch +über den Oxus gesetzt, sandte er Botschaft an Tekschin (den +vierten Sohn Hulagu's, den Bruder Abaka's), welchem vom +Vater die Herrschaft über das Gebiet von <i>Badghis</i>, östlich +von Herat, eingeräumt, vom Bruder bestätigt worden. <i>Badghis</i>, +was nur verderbte Aussprache von <i>Badchis</i>, d. i. Windaufstehend, +weil dort immer die Winde rege, hiess vormals +<i>Pasin</i> und war die Hauptstadt der Hunnen Euthaliten; die +Wälder der Gegend sind meistens Pistazienwälder, von denen +Herat und andere Städte mit Pistazien versehen werden. +In diesem Bezirke liegt das unbezwingliche Schloss <i>Nertku</i><a name="FNanchor_506" id="FNanchor_506"></a><a href="#Footnote_506" class="fnanchor">[506]</a>, +das <i>Aornos</i> Chorasan's, auf einem tausend Ellen hohen Felsen, +zu welchem eine halbe Stunde lang ein nur für Einen Menschen +gangbarer Pfad führt, noch nie durch Gewalt der +Waffen bezwungen; die Gegend umher ist so kalt, dass die +Rosen hier erst im Juli blühen; das Holz zu dem Baue der +Häuser von Herat kommt aus diesen Wäldern und ist so +trefflicher Eigenschaft, dass es weder austrocknet noch +fault, der Boden so fruchtbar, dass derselbe ohne Mühe +und Kultur hundertfach trägt<a name="FNanchor_507" id="FNanchor_507"></a><a href="#Footnote_507" class="fnanchor">[507]</a>. Nach der Felsenburg +<i>Nertku</i> ist <i>Kiasis</i> ein geschichtlich merkwürdiger Ort des +Gebietes von <i>Badghis</i>, weil es die Grabstätte <i>Mokannaa's</i>, +des berühmten falschen Propheten, der allnächtlich aus einem +Brunnen von <i>Nachscheb</i> einen Mond aufsteigen liess (vermuthlich +<span class='pagenum'><a name="Page_264" id="Page_264">[264]</a></span> +von bengalischem Feuer), der die Gegend weit +umher erleuchtete<a name="FNanchor_508" id="FNanchor_508"></a><a href="#Footnote_508" class="fnanchor">[508]</a>. Borrak liess den Prinzen Tekschin +wissen, das Land von Badghis bis Ghasnin und dem Indus +gehöre zur Weide seiner Väter, und er möge daher dasselbe +räumen. Tekschin antwortete: er hätte es als väterliches +Erbe von seinem <i>Aka</i>, d. i. dem älteren Bruder und +Herrn Abaka, bei dem er sich erst anfragen müsse. Abaka +antwortete: dass das Land von Badghis zu den Krongütern +des Hauses Hulagu's gehöre und dass er dasselbe wider den +Angriff Borrak's zu vertheidigen wissen werde. Auf diese +Antwort hatte Borrak mit den Prinzen, die in seinem Geleite, +Kriegsrath gehalten und war über den Oxus gegangen, +nachdem er seinen Sohn Begtimur mit tausend Reitern zu +Kesch und Nachscheb zurückgelassen. Melik Schemseddin +Kert von Herat kam dem Prinzen huldigend entgegen, um +die Schonung seines Landes zu erhalten, welche auch zugestanden, +aber die Verheerung alles übrigen, dem Kubilai +oder seinem Neffen Abaka gehörigen Landes befohlen ward<a name="FNanchor_509" id="FNanchor_509"></a><a href="#Footnote_509" class="fnanchor">[509]</a>. +Von Seite Abaka's befehligte sein älterer Sohn Arghun, +welchem die Statthalterschaft von Chorasan verliehen ward, +das Heer; in demselben befand sich ein Emir der Tausender +Namens <i>Sidschektu</i>, welcher ehemals ein Hausgenosse des +Prinzen Kipdschak; als er hörte, dass dieser sich im Heere +Borrak's befände, sandte er ihm ein Geschenk von Pferden, +das dieser mit gleichem entgegnete; diess war der Anlass +eines heftigen Streites zwischen Kipdschak und dem Feldherrn +Dschelartai dem Dschelairen, welcher dem Kipdschak +in Borrak's Gegenwart vorwarf, die bessten Pferde für sich +behalten und nur die schlechteren dem Borrak gegeben zu +haben. Kipdschak rief aus: „Hat je ein Karadschu, d. i. +ein Unterthan, solche Worte gegen einen Abkömmling +Tschengischan's so gesprochen, dass sich solch ein Hund +solcher Worte erfrechen darf.“ – „Wenn ich ein Hund +bin“, antwortete Dschelartai, „bin ich der Hund Borrak's +und nicht der deine.“ – „Ich werde dich entzwei hauen,“ +<span class='pagenum'><a name="Page_265" id="Page_265">[265]</a></span> +rief Kipdschak, „ohne dass mein <i>Aka</i> es mir verarge.“ – +„Und ich,“ entgegnete Dschelartai, die Hand auf den Dolch +legend, „wenn du nahest, dir den Bauch spalten.“ Da +Borrak durch sein Stillschweigen dem Dschelartai Recht gab, +verliess Kipdschak erzürnt die Versammlung und in der +Nacht mit zweitausend Reitern das Lager. Die Versuche +Borrak's, denselben durch die Sendung von drei Prinzen +zur Rückkehr zu bewegen, waren vergebens. Dschelartai +folgte mit dreitausend Mann, in der Hoffnung, ihn zu überrumpeln; +aber da die Prinzen fürchteten, dass, wenn die +Truppen desselben in Sicht kämen, Kipdschak sie mit sich +führen würde, kehrten sie unverrichteter Dinge zurück. +Kaidu fühlte empfindlich diese, seinem Vetter zugefügte +Beleidigung; er machte gegen Abaka die Flucht Kipdschak's +aus dem Lager Borrak's als ein Verdienst geltend, und verband +sich, seinen alten Verbündeten Borrak verlassend, mit +Abaka in Freundschaft, so dass sie sich fortan <i>Ortak</i>, d. i. +Genossen, hiessen.</p> + +<div class="sidenote">Held +Merghaul, +Dschebat's +Flucht.</div> + +<p>Abaka sandte den Prinzen Jaschmut mit einem Heere +zu Hilfe Tekschin's, welcher dem Anfalle des Heeres Borrak's +preisgegeben, während Schiramun im Norden sich mit Nigudar, +dem in Abaka's Lager flüchtigen dschagataischen +Prinzen, schlug. Mit fünf Tomanen, d. i. mit fünfzigtausend +Mann, trat Borrak den Zug durch Chorasan an<a name="FNanchor_510" id="FNanchor_510"></a><a href="#Footnote_510" class="fnanchor">[510]</a>; seine +beiden tapfersten Feldherren, <i>Dschelartai</i> der Dschelaire +und <i>Merghaul</i>, jener ein Bogenschütze, wie <i>Aresch</i>, der +berühmte Bogenschütze der altpersischen Geschichte; den +Bogen Dschelartai's vermochte kein Anderer zu spannen, als +er selbst. Merghaul war vorzüglich in der Kunde des <i>Dschade</i>, +d. i. des Wetter- und Hagelmachens mittels des Regensteines, +bewandert; er sagte von sich selbst: „Ich binde den Gaul +zu <i>Konghus Alanik</i> an und reite nicht faul den Falben<a name="FNanchor_511" id="FNanchor_511"></a><a href="#Footnote_511" class="fnanchor">[511]</a> +<span class='pagenum'><a name="Page_266" id="Page_266">[266]</a></span> +bis an die Alpen desselben<a name="FNanchor_512" id="FNanchor_512"></a><a href="#Footnote_512" class="fnanchor">[512]</a>, ohne dass, um auszuruhn, +ich den Zügel vom Kopf muss thun, und ohne dass die +Schweissdecke trocken werde.“ <i>Purbaha Dschami</i>, der +persische berühmte Dichter, welcher, ein Türke oder Mongole +von Geburt, zur Zeit Arghun's (des Sohnes Abaka's) +halb aus persischen, halb aus türkischen und mongolischen +Worten bestehende Mischlingsgedichte verfertigte, sagt in +seiner zum Lobe Schemseddin Dschuweini's verfassten Kassidet:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Die Trennung <i>Merghaul</i> verheert Geduld mit Schwert,<br /></span> +<span class="i0">Wie jüngst <i>Borrak</i> mit seinem Heer das Land verheert<a name="FNanchor_513" id="FNanchor_513"></a><a href="#Footnote_513" class="fnanchor">[513]</a>.<br /></span> +</div></div> + +<p>Solchen Kräften und Helden vermochten die Prinzen Arghun, +Jaschmut und Tekschin (jener der Sohn, diese die Oheime +Abaka's) nicht zu widerstehen, und er zog also selbst an +der Spitze eines Heeres nach Herat. Indessen hatte Borrak +Gesandte an Kaidu geschickt, um sich über die Empörungen +der beiden Prinzen <i>Kipdschak</i> und <i>Dschebat</i>, welche er ihm +zu Hilfe gesandt und die ihn nun verlassen, zu beklagen. +Als Dschebat an die Gränze Bochara's gelangt, rastete er +einige Tage aus. Die Emire der Tadschiken (Perser) gaben +hiervon dem Begtimur Aghul, welchen der Vater, Borrak, +jenseits des Oxus zurückgelassen, Kunde: „Könntest du,“ +fragte Begtimur den Tasikaka (den Emir der Tadschiken), +„mit fünfhundert Reitern denselben nicht abwehren?“ – +Tasik antwortete: „Ich bin <i>Karadschu</i>, d. i. Unterthan, und +Dschebat ist <i>Urugh</i>, d. i. vom Herrscherhause, wie kann +sich der Karadschu mit dem Urugh schlagen?“ – Da sass +Begtimur selbst zur Verfolgung Dschebat's auf, der sich mit +genauer Mühe mit zehn Reitern rettete, nachdem er die +Brücke von <i>Tschirameghan</i> zerstört; dreissig Parasangen +weit verfolgte ihn die Truppe Borrak's, ohne ihn erreichen +zu können. Borrak machte sich jedoch nicht viel aus der +Entweichung der beiden ogotaischen Prinzen, Kipdschak und +Dschebat, vertheilte ihre zurückgebliebenen Truppen unter +die seinen, und schwelgte, unbesorgt der Zukunft. Merghaul +<span class='pagenum'><a name="Page_267" id="Page_267">[267]</a></span> +wurde nach Nischabur gesandt, Borrak blieb zu Thalkan; +Nischabur wurde geplündert, und gleiches Loos hatte Borrak +der Stadt Herat bestimmt. <span class="xidenote">6. Ramasan 668/<br />30. April 1269</span> Da stellte ihm Kotlogh Timur +vor, dass, wenn er sich den Herrn von Herat, Melik Schemseddin +Kert, zum Feinde mache, derselbe ganz Chorasan +empören würde. Borrak gab der Vorstellung Gehör und +sandte den Kotloghbeg mit fünfhundert Reitern, den Herrn +von Herat in's Lager zu laden. Im Schlosse <i>Chaisar</i> trafen +sie zusammen. Melik Schemseddin, ein staatskluger Kopf, +folgte der Einladung; er ward von Borrak ehrenvoll empfangen +und mit Chorasan belehnt; Mehreres noch versprach +ihm Borrak nach Persiens Eroberung; sie sprachen von +Nichts, als von der Verheerung Bagdads und der Stadt +Tebris, deren Schätze sie schon im Gedanken theilten, indem +der Herr von Herat sich dem Lieblingsplane Borrak's +hingab. Dieser begehrte von ihm eine Liste der reichsten +Einwohner Chorasan's. Schemseddin gab auch diese und +begehrte die Erlaubniss, nach Herat zurückzukehren, um +dort Waffen und Pferde aufzubringen. Die Einwohner Herat's +gingen ihm entgegen und vernahmen trostlos die mongolische +Forderung; da aber indessen die Nachricht vom Anzuge +des Heeres Abaka's verlautete, zog sich Melik Schemseddin +in das östlich von Herat gelegene Schloss <i>Chaisar</i> zurück; +hier erwartete er politisch den Ausgang des Kampfes zwischen +dem Uluse Dschagatai und Hulagu's, zwischen Abaka +und Borrak, den Untergang des letzten voraussehend<a name="FNanchor_514" id="FNanchor_514"></a><a href="#Footnote_514" class="fnanchor">[514]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Abaka's +Aufbruch; +Borrak's +Niederlage.</div> + +<p>Fast zwei Tage früher, als Borrak Nischabur verheerte, +brach Abaka, von allen seinen Brüdern, Jaschmut und Tekschin +ausgenommen, die schon in Chorasan, begleitet, dahin +von der Gränze Aserbeidschan's auf. <span class="xidenote">4. Ramasan 668/<br />28. April 1269</span> Als er nach dem +zwischen <i>Sendschan</i> und <i>Ebher</i> gelegenen Distrikt <i>Schirgis</i><a name="FNanchor_515" id="FNanchor_515"></a><a href="#Footnote_515" class="fnanchor">[515]</a> +gekommen (wo später die Stadt <i>Sultanie</i> erbaut ward), +welchen die Mongolen <i>Kungurulang</i> nennen, wartete ihm +der von Kubilai an ihn geschickte Gesandte <i>Tekadschek</i> auf, +welcher von Borrak aufgefangen und in Verhaft gehalten, +<span class='pagenum'><a name="Page_268" id="Page_268">[268]</a></span> +demselben entflohen war. Auf die durch ihn erhaltene +Kundschaft von der Schwelgerei und der Sorglosigkeit Borrak's +beschleunigte Abaka seinen Marsch; jenseits Rei, zu <i>Kumis</i>, +kamen ihm sein Bruder Tekschin, der General Arghun und +sein Sohn Arghun und mit ihnen der Sultan Kerman's bewillkommend +entgegen; auf der Ebene von Radegan wurden +Gold und Silber in Menge unter das Heer vertheilt und +demselben mit Drohungen und Verheissungen die Erfüllung +seiner Pflichten eingebunden. Von hier ging der Marsch +nach <i>Bachers</i>, dem zwischen Nischabur und Herat gelegenen +Distrikte, in der Literaturgeschichte durch <i>Bachersi</i>, den +Verfasser der berühmten Blüthenlese, für immer geadelt. +Gegen <i>Farab</i>, nicht zu verwechseln mit Farab, dem Geburtsorte +des grössten Philosophen und Gesetzgebers der +Tonkunst, <i>Farabi</i>, welchen die Araber den zweiten Lehrer, +wie Aristoteles den ersten, nennen, sandte er Streifparteien +aus und beschäftigte sich mit der Vertheilung des Heeres +in verschiedenen Richtungen. Dem Bruder Jaschmut übertrug +er den Befehl des rechten Flügels, den <i>Obotai</i> Nujan +behielt er bei sich im Mittelpunkte, den Bruder Tekschin +sandte er nach <i>Beldschaghran</i>, dem Jurte Merghaul's, wo +einige der Vorposten Merghaul's getödtet wurden; dieser +eilte, dem Borrak die Kunde zu bringen, dass ein feindliches +Heer zugegen. Borrak sagte: Wenn Tekschin und +Arghun wieder zurückgekommen, so wissen wir schon, was +von ihnen zu halten, da wir sie geschlagen; ein Anderes +wäre es mit Abaka; geh' und verrenne ihnen den Weg, bis +wir zur Schlacht gerüstet. Von Badghis aus sandte Abaka +einen fündigen Gesandten an Borrak mit Friedensanträgen: +er wolle ihm Ghasnin und Kerman und das Land bis an den +Indus überlassen, er möge freiwillig zurückkehren; wenn nicht, +zur Schlacht gerüstet sein. Prinz Jesawur rieth zum Frieden, +weil Kipdschak und Dschebat entflohen und die Pferde noch +schwach. Merghaul ereiferte sich dagegen und behauptete, +das anziehende Heer seien nur die Truppen Tekschin's und +Jaschmut's, indem das Abaka's in Syrien beschäftigt sei. +Dschelartai sprach im Sinne Merghauls: Wir sind zum Kriege +<span class='pagenum'><a name="Page_269" id="Page_269">[269]</a></span> +ausgezogen; wenn du Frieden gewünscht, wärest du besser +jenseits des Oxus geblieben. Borrak fragte den Astrologen +<i>Dschelal</i>; dieser rieth, einen Monat zu warten, indem die +Ansichten der Gestirne ungünstig. Merghaul und Dschelartai +sprachen erzürnt dagegen; die Schlacht ward beschlossen. +Abaka befahl dem Emire Toghus, das Terrain auszuwählen. +Er bestimmte am Fusse eines Berges eine grosse Ebene, +vom Flusse <i>Karasu</i> durchschnitten. Drei hier aufgegriffene +Kundschafter wurden durch eine Kriegslist Abaka's getäuscht, +indem in ihrer Gegenwart ein eingelernter Bote die falsche +Nachricht brachte, dass zu Hause ihr Jurt von den Feinden +im Norden überfallen, schleunigen Rückzug fordere. Dieser +wurde in der grössten Eile veranstaltet, das ganze Lager +im Stich gelassen; der Befehl zur Hinrichtung der Kundschafter +ward öffentlich, heimlich der gegeben, dass man +einen derselben entwischen lasse. Borrak mit seinen beiden +schlachtlustigen Feldherren, Merghaul und Dschelartai, gingen +in die Falle; das zurückgelassene Lager ward geplündert +und dann der flüchtige Feind verfolgt bis an den Ort, welchen +Abaka zum Schlachtfeld ausersehen; Borrak, betroffen, stellte +sich am Flusse in Schlachtordnung auf. Abaka gab den Befehl +des rechten Flügels dem Bruder Tekschin und dem +Emir Semghur, den des linken dem Bruder Jaschmut, unter +welchem die Generale Suntai und Arghunaga; der letzte +befehligte die Hilfstruppen von Kerman und Fars, deren +Anführer Sultan Hidschadsch und der Atabeg Jusufschah; +Obotai befehligte das Mitteltreffen. Merghaul fiel gleich +Anfangs der Schlacht, Dschelartai schlug den linken Flügel +und drückte denselben bis Fuschendsch zurück; der rechte +Flügel und der Mittelpunkt hielten noch fest; als aber auch +die Truppen Abaka's zu wanken begannen, liess sich Suntai, +der neunzigjährige Feldherr desselben, auf einem Sessel +mitten im Schlachtfeld nieder und sagte zu den ihn umgebenden +Offizieren: „Heut' ist der Tag, uns dankbar gegen +Abaka zu erweisen durch Sieg oder Tod.“ Nach dreimaligem +Angriffe wurde Borrak geschlagen; sein ganzes Heer wäre +verloren gewesen ohne Dschelartai's Muth und Geistesgegenwart. +<span class='pagenum'><a name="Page_270" id="Page_270">[270]</a></span> +Er sammelte die zerstreuten Flüchtlinge und +bewirkte ihren Rückzug über den Oxus.</p> + +<div class="sidenote">Ende +Borrak's.</div> + +<p>Borrak, der auf der Flucht vom Pferde gefallen und +dazu vom Schlage berührt worden, kam gelähmt nach Bochara, +wo er sich zum Islam bekehrte und den Namen +Ghajaseddin annahm. Viele seiner Feldherren, seiner üblen +Laune ausgesetzt, verliessen denselben unter verschiedenen +Vorwänden. Der Prinz Ahmed Aghul, der Sohn Buri's<a name="FNanchor_516" id="FNanchor_516"></a><a href="#Footnote_516" class="fnanchor">[516]</a>, +zog missvergnügt mit seinen Truppen nach Pischbaligh. +Tukai, die starkmüthige Gemahlin Borrak's, als sie dessen +Rückzug vernahm, bot sich ihrem kranken Gemahle an, aufzusitzen +und ihm den Prinzen zurückzubringen. Der Emir +Mauldan erhielt den Befehl zur Verfolgung, Borrak folgte +in einer Senfte; auf der zweiten Station traf die Nachricht +ein, dass Prinz Nikpei, der Sohn Serban's, sich nach +Chodschend entfernt. Borrak sandte ihm den Prinzen Balighu, +den Sohn Kadaki's, des Sohnes Buri's, nach, und +erschöpfte sich in Klagen über die Unstätigkeit seiner Hilfsgenossen +und über die Unfälle der letzten Schlacht: „Als +ich,“ sagte er, „vom Pferde gefallen, als ich rief: Ich bin +euer Padischah, gebt mir ein Pferd! hörte mich keiner; +Alle stürmten vorbei auf der Flucht, bis ein <i>Karawine</i> (ein +Naphtafeuerwerker), Namens <i>Sali</i>, vom Pferde stieg, mir +dasselbe gab und statt desselben einige Pfeile begehrte, die +ich ihm reichte.“ Er sandte den Bruder Jesar<a name="FNanchor_517" id="FNanchor_517"></a><a href="#Footnote_517" class="fnanchor">[517]</a> an Kaidu, +um sich über den Abfall der Prinzen Kipdschak und Dschebat +zu beklagen. Kaidu brachte ihm die Treulosigkeit Borrak's +in Erinnerung, welcher, während die Prinzen, seine Brüder, +mit Kipdschak die Rückkehr unterhandelten, den Dschelartai +nachsandte, um ihn zu überfallen; Jesar läugnete es. Kaidu +versammelte seine Emire zum Rath, stellte ihnen vor, wie +verächtlich bisher die Verbindung mit Borrak für das Haus +Ogotai's gewesen; es ward beschlossen, den Jesar in Gewahr +zu halten und dass Kaidu selbst mit ein Paar Tomanen unter +<span class='pagenum'><a name="Page_271" id="Page_271">[271]</a></span> +dem Scheine, dem Borrak die begehrte Hilfe zu leisten, +aufsitze, weil, ehe sie ankämen, sein Loos entschieden sein +würde. Indessen hatte <i>Nauldar</i> den Prinzen <i>Ahmed Buri</i> +und <i>Balighu</i> den Prinzen <i>Nikpei</i> verfolgend erreicht und in +dem ihnen gelieferten Treffen fielen Ahmed Buri und Nikpei. +Sobald Borrak hiervon Kunde erhalten hatte, sandte er an +Kaidu, dessen wahre Absicht er ahnte, Wort, um ihm für +seine Hilfe zu danken, die nun überflüssig geworden sei. +Kaidu setzte nichtsdestoweniger seinen Marsch fort; ehe er +noch das Lager Borrak's erreicht, war dieser plötzlich gestorben, +vermuthlich durch neuen Schlaganfall getroffen. +Als Kaidu dem Lager nahte, hörte er die Todtenklage und +sah die Wachen mit fliegenden Haaren. Kaidu und alle +Prinzen beweinten den Tod Borrak's; sie zogen die Trauer +an und Borrak's Leichnam wurde auf einem hohen Berge +bestattet. Am folgenden Tage erschienen die Prinzen <i>Mubarekschah</i> +(der Enkel Muwatukjan's, aus dessen Sohn Kara +Hulagu und der Frau Hirghana), <i>Kajan</i> und <i>Dschobai</i>, die +Enkel des vor Olmütz gefallenen Paidar [Peta]<a name="FNanchor_518" id="FNanchor_518"></a><a href="#Footnote_518" class="fnanchor">[518]</a>, und +liessen sich vor ihm, als dem älteren Prinzen, auf die Kniee +nieder, sich seinen Befehlen fügend. Sie klagten über die +Behandlung, die sie von Borrak erlitten; Kaidu versprach +ihnen die Zurückstellung der ihnen weggenommenen Güter +und überliess ihnen den Schatz Borrak's zur Theilung. Mubarekschah +nahm mit eigener Hand die Ohrgehänge der +Frau <i>Tukai</i>, der Gemahlin Borrak's, vom Ohre. Borrak +hatte vier Söhne hinterlassen: <i>Peik Timur</i>, <i>Tewaburi</i>, <i>Tehu</i> +und <i>Uladai</i>; mit ihnen vereinigten sich die Söhne Alghui's, +die beiden obgenannten, <i>Dschobai</i> und <i>Kijan</i>; des dem Kaidu +gegebenen Wortes vergessend, verheerten sie das ganze +Land von Chodschend bis Bochara und bis jenseits des Oxus. <span class="xidenote">671/<br />1272</span> +Drei Jahre hernach kam auf Vortrag des Wesirs Schemseddin, +dass es die höchste Zeit, den Unordnungen im Lande +jenseits des Oxus ein Ende zu machen, ein Heer unter dem +<span class='pagenum'><a name="Page_272" id="Page_272">[272]</a></span> +Befehle Jusuf's und Kurughdai's, der Söhne Dschintimur's, +des vormaligen Statthalters in Persien, nach Chuaresm; Gurgendsch, +Chiwa und Karakusch, wurden von Gütern geleert, +mit Leichnamen gefüllt. Vor Bochara schlugen sie sich mit +dem dschagataischen Heere; <span class="xidenote">7. Redscheb 671/<br />20. Jan. 1273</span> sieben Tage dauerte die Schlacht, +zehntausend Todte deckten die Erde. Bochara ward von +neuem mit Feuer und Schwert verwüstet, die Medrese und +die Bibliothek Mesudbeg's gingen in Flammen auf. Dies +war eine strenge Antwort (bemerkt Wassaf) auf das verächtliche +Wort, welches Mesudbeg dem Grosswesir Schemseddin +zum Willkommen gesagt. Fünfzigtausend Jünglinge +und Mädchen wurden als Sklaven weggeschleppt; Dschobai +und Kijan nahmen ihnen jedoch die Hälfte wieder ab. +Dieser Raubzug war das Werk der Einstreuungen des Turkmanen +<i>Okbal</i><a name="FNanchor_519" id="FNanchor_519"></a><a href="#Footnote_519" class="fnanchor">[519]</a>. Sieben Jahre lang blieb die Stadt verödet.</p> + +<div class="sidenote">Zweite +Thronbesteigung; +Halswunde; +Todesfälle.</div> + +<p>Nach der Niederlage Borrak's zog Abaka mit dem Heere +nach seinem Thronsitze in Aserbeidschan zurück; die Kriegszucht +ward so strenge gehalten, dass, wie auf dem Hinmarsche +im Frühling, der Huf seiner Pferde kein Saatfeld +zertrat, jetzt auf dem Rückwege im Herbste vom Soldaten +keine Garbe geraubt, keine Traube abgerissen ward; eine +Kriegszucht, so löblicher, je ungezügelter die Raubsucht +mongolischer Heere im feindlichen Lande. <span class="xidenote">1. Rebiulewwel 669/<br />18. Oct. 1270</span> Am achtzehnten +October, dem in der Geschichte durch vielfache Schlachten +als Kriegsfest so berühmten Tage, stieg er zu Meragha ab +und zwanzig Tage hernach hatte im Lager zu <i>Dschaghantu</i> +die zweite feierliche Thronbesteigung und Krönung statt, <span class="xidenote">20. Rebiulewwel/<br />6. November</span> +indem die Gesandtschaft des Kaan's mit der Bestätigung der +Herrschaft als <i>Ilchan und Padischah in Iran</i> mit dem Herrscherdiplome +eingetroffen war. Der Grund, dass sich diese +Bestätigung volle sechs Jahre erwarten liess, kann wohl blos +in dem Bürgerkriege Abaka's mit Nigudar und Borrak gelegen +haben, weil, ehe das Loos der Waffen durch die +Niederlage von den beiden letzten die bleibende Herrschaft +des ersten entschieden, dieselbe feierlich zu bestätigen der +<span class='pagenum'><a name="Page_273" id="Page_273">[273]</a></span> +Kaan Anstand nahm. Zu gleicher Zeit mit den Gesandten +des Kaan's trafen auch die Mengutimur's, des Herrschers +von Kipdschak, mit Geschenken ein, um zur siegreichen +Beendigung des Feldzugs Glück zu wünschen. Sie wurden +ehrenvoll empfangen und reich beschenkt entlassen. Auf +einer der Stationen des Marsches, vor der Ankunft zu Meragha, <span class="xidenote">2. Ssafer 669/<br />20. Sept.</span> +war Abaka auf der Jagd durch das Horn eines wilden +Stieres am Halse verwundet worden, so dass das Blut aus +der Wunde floss; um dasselbe zu stillen, unterband einer +der <i>Aidadschi</i>, d. i. der Küchenmeister, die Haut mit einer +Bogensehne, so dass es zu fliessen aufhörte, und er dafür +von Abaka reichlich belohnt ward; aber es hatte sich ein +Senkel gebildet, welcher höchst beschwerlich fiel und auch +gefährlich schien. Keiner der Aerzte getraute sich denselben +zu öffnen, nur der grosse Astronom Nassireddin, +welcher auch ein geschickter Arzt, verbürgte sich, die +Operation ohne Gefahr zu unternehmen; er schnitt den +Blutsack auf und reinigte die Wunde, die binnen einer +Woche geheilt war. Die allgemeine Freude hierüber ward +durch den Tod der beiden Prinzen <i>Jaschmut</i> und <i>Tekschin</i>, +die Oheime und treuen Waffengefährten Abaka's in dem +Kriege wider Nigudar und Borrak, getrübt. <span class="xidenote">8. Silhidsche 669/<br />18. Juli 1271</span> Sechs Monate +früher war auch Jesundschin, die Mutter Abaka's, gestorben; +ihr Lager erhielt die Gemahlin Abaka's, die Prinzessin +Padischah Chatun, die Tochter Kutbeddin's, des Sultans +von Kerman. So hatte Abaka Chan nach dem Tode seiner +Stiefmutter, der grossen Frau Tokuschatun, ihr Lager ihrer +Nichte Tukini, der Beischläferin seines Vaters Hulagu, verliehen, +welche dreissig Jahre lang im Besitze desselben, +worauf es Kukadschi Chatun, eine Verwandte der grossen +Frau Bulughan, der Gemahlin Ghasan's, und nach deren +Tode die Frau Keramun, die Tochter eines Vetters der Frau +Bulughan, erhielt, nach dessen Tode dieselbe unter der +Regierung Oldschaitu Chodabende's (des achten Ilchanen) +die Frau Kotloghschah, die Tochter Emir Irindschi's, eines +Neffen der grossen Tokus, verliehen ward<a name="FNanchor_520" id="FNanchor_520"></a><a href="#Footnote_520" class="fnanchor">[520]</a>. So erbte der +<span class='pagenum'><a name="Page_274" id="Page_274">[274]</a></span> +Besitz der Lager der Prinzessinnen zwar nicht regelmässig +fort, sondern ward theils mit Rücksicht auf die Erbfolge, +theils aus Gunst verliehen. In diesem Jahre der Rückkehr +aus Chorasan ergab sich endlich das Schloss der Assassinen +<i>Girdkjuh</i>, <span class="xidenote">6. Rebiulachir 669/<br />15. Dec. 1270</span> welches seit der Uebergabe von Alamut noch +vierzehn Jahre<a name="FNanchor_521" id="FNanchor_521"></a><a href="#Footnote_521" class="fnanchor">[521]</a> ausgehalten, weil der letzte Fürst der Assassinen +demselben zwar den von Hulagu gestellten öffentlichen +Befehl, sich zu übergeben, aber heimlich sich zu halten, +Wort gesandt hatte. <i>Girdkjuh</i>, das letzte blutige Nest der +Assassinen, vielleicht das <i>Gilgerd</i> der Byzantiner, das Schloss +der Lethe, in welchem Staatsgefangene zur ewigen Vergessenheit +eingesperrt wurden; sowohl der Name als die +Festigkeit desselben geben dieser Vermuthung Wahrscheinlichkeit.</p> + +<div class="sidenote">Herrscher +von Luristan; +Tod +grosser +Männer.</div> + +<p>Auf dem Rückmarsche von Chorasan nach Aserbeidschan +war Abaka an der Gränze Gilan's von einer Schaar dilemischen +Gesindels aus einem Hinterhalte angefallen worden. +Jusufschah, der Sohn Schemseddin Alp Arghaun's, der Atabeg +von Gross-Luristan, welcher auf diesem Feldzuge den Chan +als Vassal begleitet hatte und sich eben in dessen Nähe befand, +sprang vom Pferde und wehrte durch seine Tapferkeit +die Gefahr vom Haupte Abaka's ab. Zur Belohnung dafür +verlieh ihm der Chan zu Gross-Luristan noch den Besitz +von Chusistan, das Gebirge <i>Kiluje</i> und die beiden Städte +<i>Firusan</i> und <i>Dscherbadakan</i>; die erste, im persischen Irak +in der Nähe von Firusan gelegen, ward von <i>Firus</i>, dem +Könige der altpersischen Dynastie der Beni Sasan, erbaut, +von welchem sie den Namen hat, in einer an Baumwolle, +Korn und Früchten aller Art gesegneten Gegend gelegen<a name="FNanchor_522" id="FNanchor_522"></a><a href="#Footnote_522" class="fnanchor">[522]</a>. +Dscherbadakan, auch <i>Derbajekan</i> oder <i>Güljadkjan</i> genannt, +ist eine zwischen Kerdsch und Hamadan gelegene Stadt, +welche Humai, die Tochter Behmen's, des Kejanen (die +<span class='pagenum'><a name="Page_275" id="Page_275">[275]</a></span> +Parisatis der Griechen), baute und <i>Samere</i> nannte<a name="FNanchor_523" id="FNanchor_523"></a><a href="#Footnote_523" class="fnanchor">[523]</a>. Jusufschah +begab sich nach dem Gebirge Kiluje (in Luristan) +und schlug die Schulen, den Sieg mit seines Bruders +Nedschmeddin Tod bezahlend<a name="FNanchor_524" id="FNanchor_524"></a><a href="#Footnote_524" class="fnanchor">[524]</a>. In Chorasan schlugen sich +indessen die Feldherren <i>Nikpei Behdi</i> und der Turkmane +<i>Akbeg</i> wider die dschagataischen Prinzen <i>Dschoba</i> und +<i>Kapan</i>, den Sohn Alghui's, das Land verödend, wie bereits +oben gesagt worden. Akbeg hätte sich gerne mit seiner +Beute zu Kaidu geflüchtet, aber einer seiner Brüder kam +zum Dienste des Steigbügels des Prinzen Arghun und entdeckte +demselben des Bruders Anschlag. Arghun berief den +Turkmanen ein, um ihn an den Hof Abaka's zu senden; auf +dem Wege dahin wurde er zu <i>Kökdsche denis</i>, d. i. am +blauen Meere (am Uralssee), abgethan; so ward auch der +Intendent Melik Ssadreddin zu Rei hingerichtet. Der von +Hulagu und Abaka hochgeschätzte Sekretär <i>Dschenglaun +Bachschi</i> und der Feldherr Emir Arghun, der Sohn Dschurmaghun's, +starben natürlichen Todes. Zu Tebris stürzten +alle Thürme im Erdbeben ein. <span class="xidenote">671/<br />1272</span> In diesem Jahre, wo zu +Tebris Melik Ssadreddin hingerichtet ward, starb zu Konia +in Rum, dessen Fürsten unter der eisernen Ruthe mongolischer +Vogtschaft standen, der grosse mystische Scheich +Ssadreddin von Konia; im nächsten Jahre aber hatten +Astronomie und Philosophie, Mystik und Poesie noch weit +grösseren Verlust zu beklagen in dem Tode Nassireddin's +von Tus, des Werkzeugs des Sturzes der Assassinen und +des Chalifats, des Errichters der Sternwarte von Meragha, +des Verfassers der berühmten Metaphysik und Ethik, deren +schon oben Erwähnung geschehen, und des grössten mystischen +Dichters der Perser, <i>Mewlana Dschelaleddin's</i> Rumi, +beigenannt der Molla Kaiser, des Verfassers des Mesnewi, +des Stifters der Mewlewi. Nassireddin von Tus befand sich +am Hofe Abaka's im Mittelpunkte des Reichs als der Repräsentant +der Wissenschaft, während die Mystik und Poesie +in den äussersten Enden desselben, in Rum und in Fars, +<span class='pagenum'><a name="Page_276" id="Page_276">[276]</a></span> +blühten, in Rum durch die obengenannten beiden grossen +Scheiche Dichter, in Fars noch durch <i>Saadi</i>, den wahren +König der persischen Dichter seiner Zeit, wiewohl <i>Hemker +Farsi</i> das Amt des Dichterkönigs am Hofe der Atabegen zu +Schiras bekleidete; dass aber schon damals der Dichterkönig +von Amtswegen nicht unbedingt als der grösste Dichter erkannt ward, +beweiset, was Dewletschah in seinen Lebensbeschreibungen +persischer Dichter bei der Imami's von Herat +erzählet. In einer Abendversammlung stritten sich die vier +geistreichsten und gelehrtesten Staatsmänner Abaka's, nämlich +der Wesir Schemseddin Dschuweini, der Statthalter Rums +Moineddin Perwane, der Richter Mewlana Schemseddin und +der Intendent Melik Iftichareddin von Kerman, einen Abend +lang darüber, ob <i>Saadi</i>, ob <i>Imami</i> aus Herat oder <i>Hemker +Farsi</i> (der Dichterkönig) der grösste Dichter; sie kleideten +diese Frage in Versen ein<a name="FNanchor_525" id="FNanchor_525"></a><a href="#Footnote_525" class="fnanchor">[525]</a> und sandten dieselben zur +Entscheidung an den Dichterkönig von Amtswegen; dieser +antwortete bescheiden und wahr:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Obwohl ich bin ein Papagei durch süssen Sang,<br /></span> +<span class="i0">Bin ich die Fliege nur von Saadi's Zuckermund;<br /></span> +<span class="i0">Und soll ich thun ein allgemeines Urtheil kund,<br /></span> +<span class="i0">So läuft <i>Imami</i> mir und <i>Saadi</i> ab den Rang.<br /></span> +</div></div> + +<p>Wie tief persische poetische Bildung damals in Staatsgeschäfte +eingriff, wird sogleich aus dem Verhältnisse und +Briefwechsel des gelehrten Wesirs Schemseddin Dschuweini +mit Melik Schemseddin Kert, dem Herrn von Herat, erhellen.</p> + +<div class="sidenote">Schemseddin +Kert.</div> + +<p>Melik Schemseddin Kert, welchem schon Tschengischan +die Herrschaft von Herat überlassen und welchen sein dritter +Nachfolger, Mengku, als Herrn von <i>Herat</i>, <i>Sebsewar</i>, <i>Ghur</i> +und <i>Ghardschistan</i> bestätiget hatte, war ein unternehmender, +staatskluger, hochgebildeter Fürst, dessen Arm nie seinem +Kopfe zuvoreilte und dieser nie hinter jenem zurückblieb. +„Er war,“ sagt Wassaf, „ein Mann von hohem Geist und +erhabenem Sinne, der sich der Humanitätswissenschaften +befleisst. Er vereinigte in sich die beiden Lehren von den +<span class='pagenum'><a name="Page_277" id="Page_277">[277]</a></span> +Fingern und von den Speeren, gleich geschickt zu tanzen +den Reigen der Worte und der Lanzen. Inhaber von Büchern +und von Heeresschaaren, ein Bereiter, kundig, die +Stufen und Grade zu bewahren, der auf Orion's Schultern +sass und auf denselben, als seinem Reitpferde, die Himmel +durchmass.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Schüttelt die Hand er zum Wohlthun, so ist sie ein Meer,<br /></span> +<span class="i0">Schüttelt die Hand er zum Kampfe, so ist sie ein Speer;<br /></span> +<span class="i0">Wann sich die Erde verfinstert, so ist er die Sonne,<br /></span> +<span class="i0">Wann sie verdorret, erfrischt er als Guss sie mit Wonne.“<br /></span> +</div></div> + +<p>Sein Vater, <i>Kert</i>, war zur Zeit der Sultane <i>Ghurs</i> einer ihrer +Emire und gehörte zu den nächsten Umgebungen Sultan +Schihabeddin's, des neunten Herrschers von Ghur, welcher +vor Sultan Mohammed Chuaresmschah sich nie gebeugt. Zu +Beginn der Regierung Mengkukaan's, als wider diesen Jesui +Menluk, der dritte Sohn Dschagatai's, ein Heer gerüstet, +ward Schemseddin Kert geschlagen und flüchtete zu Batu, +fand sich aber, sobald Mengku die Prinzen, seine Nebenbuhler +um den Thron, aus dem Wege geräumt, am Hofe +desselben huldigend ein. Er trug vor, dass, weil er bei +der Annäherung des Heeres Tschengischan's demselben huldigend +entgegengekommen, er von demselben mit dem Lande +Ghur<a name="FNanchor_526" id="FNanchor_526"></a><a href="#Footnote_526" class="fnanchor">[526]</a> mit dem tiefeingeschnittenen Schluchtlande des nordöstlichen +Sistan's ober Kabul und mit Ghardschistan, dem +nördlich von Ghur unter Balch gelegenen Gebirgslande belehnt +worden sey. Mengku bestätigte ihm nicht allein den +Besitz der beiden Gebirgslandschaften von Ghur und Ghardschistan<a name="FNanchor_527" id="FNanchor_527"></a><a href="#Footnote_527" class="fnanchor">[527]</a>, +deren Einwohner derselbe Schlag von Menschen, +durch Diplom und das Ehrenzeichen des Löwenkopfs, sondern +schlug noch Herat und Nimrus, jenes östlich, dieses +südlich von Ghur (das eigentliche Sistan), dazu. Schemseddin +begab sich in den Dienst Arghun's, des Statthalters +in Chorasan, und erhielt von demselben das ganze Land bis +an die Ufer des Oxus in Acht und Pacht. Auch Hulagu +<span class='pagenum'><a name="Page_278" id="Page_278">[278]</a></span> +hatte denselben mit Ehren und Geschenken ausgezeichnet, +aber schon im Jahre nach der Eroberung Bagdads <span class="xidenote">658/<br />1259</span> (bei +welcher er nicht im Heere Hulagu's erschienen) entbrannte +wider ihn der Zorn Hulagu's in so hohem Grade, dass er +dem wider ihn gesandten Heerführer Tegur den Auftrag +gab, ihm die Haut Schemseddin Kert's mit Stroh ausgestopft +zu schicken. Kert schlug nicht nur die Truppen Tegur's, +sondern auch ein zweites, wider ihn gesandtes ilchanisches +Heer zu Schelaun, an der Gränze Herats, sandte aber dann +Botschaft der Unterwürfigkeit und Geschenke an Hulagu +und erhielt dessen Verzeihung. Als er, am Hofe angelangt, +von Hulagu befragt ward, warum er ohne Befehl den Statthalter +von Nimrus getödtet, antwortete er schlagfertig: +„damit der Padischah an ihn nicht dieselbe Frage stelle, +wie jetzt an mich.“ Dem Hulagu gefiel die Antwort, und +er nahm den Herrn von Herat und Ghur wieder zu Gnaden +auf; Schemseddin machte in Hulagu's Geleite den Feldzug +wider Berke mit und erwarb sich dessen Zufriedenheit durch +Tapferkeit und Ergebenheit; aber in dem Feldzuge wider +Chorasan fiel er in die Ungnade Abaka's, weil er der Einladung +des Prinzen <i>Tebsin</i>, in dessen Lager zu erscheinen, +nicht Folge geleistet, in seinem festen Schlosse von Chaisar +fest sass. Abaka sandte Truppen, um denselben durch Gewalt +zu bezwingen. Schemseddin machte Vorstellungen wider +diese Massregel, wodurch Chorasan von neuem verheert +werden würde; er bat den Ilchan, die Schlichtung dieses +Geschäfts seinem Sohne Chodscha Behaeddin, dem Statthalter +von Issfahan, zu überlassen.</p> + +<div class="sidenote">Briefwechsel +zwischen +den beiden +Schemseddin +(Kert und +Dschuweini)</div> + +<p>Schemseddin Kert, an hohem Muthe und Geist ein +würdiger Zeitgenosse und Nebenbuhler des Wesirs Schemseddin +Mohammed Dschuweini, sandte an diesen, als er die +Annäherung der wider ihn gesandten Truppen vernahm, die +folgenden Verse:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Wer schickt nach Chata Botschaft an den Türkenchan?<br /></span> +<span class="i0">Ist nicht <i>Nimrus</i> das Vaterland von <i>Purdestan</i><a name="FNanchor_528" id="FNanchor_528"></a><a href="#Footnote_528" class="fnanchor">[528]</a>,<br /></span> +<span class='pagenum'><a name="Page_279" id="Page_279">[279]</a></span> +<span class="i0">Von dessen Schwerte und von dessen Stiereskeule<br /></span> +<span class="i0">Das Haus Efrasiab's noch heute trägt die Beule?<br /></span> +</div></div> + +<p>Schemseddin Dschuweini, um als Dichter nicht zurückzubleiben +und um die Sache in Gutem beizulegen, sandte +Schemseddin Kert das folgende Schreiben, halb in Versen, +halb in Prose:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">„Reichsglanz, o König <i>Schemseddin Mohammed Kert</i>,<br /></span> +<span class="i0">In dem der König und der Engel<a name="FNanchor_529" id="FNanchor_529"></a><a href="#Footnote_529" class="fnanchor">[529]</a> sich bewährt.<br /></span> +<span class="i0">Wie schwer dem Herzen deine Trennung fällt zur Last,<br /></span> +<span class="i0">Wird nicht von Genien, von Menschen nicht gefasst.<br /></span> +<span class="i0">O Du von hellem Sinn und von wahrhaftem Wesen,<br /></span> +<span class="i0">Es ziemt sich, dass, wenn du diess Schreiben hast gelesen,<br /></span> +<span class="i0">Du, wie der Wind, entflammst der Wunscherreichung Gluth,<br /></span> +<span class="i0">Und diesen Staub abwaschest mit der Vorsicht Fluth.<br /></span> +</div></div> + +<p>Da der Gebrauch des lieblosen Himmels und des trübseligen +Erdgetümmels droht, dass sie das Begehrte und Beliebte +hinter dem Schleier der Verwehrung verstecken und den +Zweck des Herzens und der Seele ferne stecken, so geschieht +es, dass alle Lüsten und Mühen, welche sich der +Menschenliebe geben, nur Beschwerden und Gefahren nach +sich ziehen, und dass sie allzumal in der Wahl der Sicherheit, +wie sie dieselbe immer erfinden, nur Stoff der Entäusserung +und Täuschung finden.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i4">Weltenbrauch ist's einmal nun,<br /></span> +<span class="i4">Stäts das Gegentheil zu thun;<br /></span> +<span class="i4">Hätten wir die Eintracht nicht begehrt,<br /></span> +<span class="i4">Hätte Welt dieselbe uns gewährt.<br /></span> +</div></div> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">O wenn Genuss zu uns doch heute wiederkehrte,<br /></span> +<span class="i0">Ich würde sagen ihm, wie Trennung uns beschwerte.<br /></span> +</div></div> + +<p>Der Sinn des Gesagten ist: Seit Jahren ist das Ohr der +Seele und die Seele des Ohrs mit dem Schalle der Grossmuth +des Königs des Islams, des Herrschers von Iran, des +Chosrews der Erde, die Sonne der Wahrheit und der Religion +(die Welt sei seinen Geboten und Verboten unterthänig +und der Himmel seinem Vorhaben günstig!) als mit +einem Ohrgehänge geschmücket und entzücket worden, und +<span class='pagenum'><a name="Page_280" id="Page_280">[280]</a></span> +dieser elende Sklave Mohammed Ben Mohammed El-Dschuweini +hat gewünscht, dass er von Angesicht zu Angesicht +denselben schaue; als es nahe daran war, dass dieser Wunsch +erfüllet worden ganz und gar, brach von dem Loos eine +geheime Absicht der Verzögerung los (sie möge nur Gutes +bewirken!); das erstaunte Herz blieb ohne Kopf und die +Seele blieb nur das Ergebniss des Spruchs: <i>Der Gierige +bleibt beraubt zurück:</i></p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Ein Engel sitzt an des lazurnen Daches Rand,<br /></span> +<span class="i0">Der für die Liebenden dort bildet Scheidewand.<br /></span> +</div></div> + +<p>Seit einigen Tagen sind Boten des Prinzen Mohammed von +jener Seite gekommen und haben erfreuliche Nachrichten +von beglückter höchstdero Seite gebracht. Diese Kunden +hatten des Messias Eigenschaft, dessen Wunderkraft Todte +in's Leben rafft; der Kiel des Schreibers der Kunden hatte +über die Nothwendigkeit, sich vor Seiner Majestät dem Ilchan +zu hüten, sich herausgelassen; hier erkühnt man sich aber, +zu schreiben, dass der Weg unnöthiger Behutsamkeit des +leeren Verdachts möge verschlossen bleiben, indem der +Vorsatz jener Majestät (des Ilchan's) nach Westen und nicht +nach Osten steht.“</p> + +<p>Hierauf antwortete Schemseddin Kert, wie folgt:</p> + +<p>„Da die Tage und Nächte, die nacheinander ziehen, +sich dahin bemühen, dass kein Geschöpf den Wunsch des +Herzens erreiche, und dass jeder Gedanke, auf welchen +man das Herz setzt<a name="FNanchor_530" id="FNanchor_530"></a><a href="#Footnote_530" class="fnanchor">[530]</a>, verändert sich nimmer gleiche, so +nützen Nichts Fleiss und Streben, und Mühen und Beschwerden +können keinen Gewinn geben. Jahre sind es, +dass ich mit Gebet und Fasten und Bitten ohne Rasten gewünscht +das verehrte Antlitz des grossen Inhabers (des +Diwans), des gerechtesten und geehrtesten Wesirs, dessen +Rath und That gesiegt, der die Sonne des Reichs und der +Religion (seine Würde werde vermehrt!), zu sehen und +demselben alten und neuen Gram zu gestehen, aber</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_281" id="Page_281">[281]</a></span></p> +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Da mit den Feinden viel der Freund ist umgegangen,<br /></span> +<span class="i0">Geziemt sich nicht, von diesem Freunde zu verlangen:<br /></span> +<span class="i0">Hüt' vor dem Honig dich, dem Gift ist beigemischt,<br /></span> +<span class="i0">Und vor der Fliege, die gesessen ist bei Schlangen.<br /></span> +</div></div> + +<p>Durch die Frische der Rosenzeit und durch die Bewässerung +der Jahre wurden die Banden der Eintracht und Freundschaft +und die Formen der Liebe zwischen beiden Seiten +befestigt und das Gebäude der Einigkeit stark und hart vor +den Giftwunden alles Fremdartigen bewahrt, die Kibla der +Wahrheit zugewendet, und es wurden alle Tage Briefe gesendet, +einzuladen Tataren und lasterhafte Barbaren. (Hemistich)</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Was dir gefällt, gefällt mir nicht.</i><br /></span> +</div></div> + +<p>Diess liegt aber ausser der gesunden Vernunft Pfaden, und +es ist zuwider dem reinen prophetischen Gesetze und den +Ueberlieferungen Mustafas, des Freunds der Gnaden.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Besser ist's, dass Weiser einsam streife,<br /></span> +<span class="i0">Dass nach Winkeln er als Festen greife,<br /></span> +<span class="i0">Dass er trinke, küsse und ausschweife,<br /></span> +<span class="i0">Bis dass Welt Beständigkeit ergreife.<br /></span> +</div></div> + +<p>In diesen Tagen wird an den Sohn Mohammed kommen, +was soll frommen, so Gott will, der Allgeehrte.“</p> + +<div class="sidenote">Schemseddin's +Verse: +das Grün +und Roth.</div> + +<p>Die Verse, welche Schemseddin Kert mit Schemseddin +Mohammed gewechselt, sind nicht die einzigen, welche die +Geschichte von diesen beiden <i>Sonnen der Religion</i> aufbehalten; +vom zweiten wird noch in dieser und in der folgenden +Regierung die Rede seyn; vom ersten sprechen wir +hier zum letztenmale und erwähnen daher noch zwei anderer +Früchte seines Dichtertalentes, wovon das eine nur von geringem +poetischem Werthe, weil das grösste Verdienst desselben +im Wortspiel, das andere aber so merkwürdiger, als +es in Europa neuer Beitrag nicht zur ethnographischen, +wohl aber zur ethographischen Farbentheorie der Morgenländer. +Das erste, eine Antwort an <i>Siadeddin</i>, das ist +<i>Glanz der Religion</i>, den König von Kabul, mit welchem +Schemseddin in grosser Zerwürfniss und Bewilderung. Jener +schrieb ihm:</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_282" id="Page_282">[282]</a></span></p> +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Aus Groll gen Kabul wollte ghurscher Junge<br /></span> +<span class="i0">Nicht lösen zum Gespräch mit mir die Zunge;<br /></span> +<span class="i0">Du bist die <i>Sonn'</i>, ich <i>Glanz</i>; ein Jeder weiss,<br /></span> +<span class="i0">Die Sonne macht durch Glanz nur hell und heiss.<br /></span> +</div></div> + +<p>Schemseddin Kert entgegnete hierauf:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Du, deiner nicht bewusst, nimm dich in Acht!<br /></span> +<span class="i0">Warum hast Feindschaft du mit mir gemacht?<br /></span> +<span class="i0">Ich bin die <i>Sonne</i> und du bist der <i>Glanz</i>,<br /></span> +<span class="i0">Der von der Sonne kommt; was will der Glanz?<br /></span> +</div></div> + +<p>Die zweiten Verse sind zum Lobe des <i>Grünen</i> im Gegensatze +mit dem <i>Rothen</i>, worunter aber keineswegs das Grün +der Erde, des Meers oder Smaragds, oder das Roth des +Morgens oder der Blumen oder des Rubins, sondern ganz +ein anderes Grün und Roth verstanden wird. Ohne nähere +Belehrung hierüber würde das folgende Lob des <i>Grünen</i> +und <i>Rothen</i> einem Abendländer eben so unverständlich sein, +als einem Morgenländer die <i>grüne</i> und <i>blaue</i> Partei des +Rennplatzes gleich Eingangs der Commentare Mark Aurel's. +Die Farben des Lebens und Todes des Morgenländers sind, +wie bei den Abendländern, das Weiss der Tage und das +Schwarz der Nächte, jenes Glück, dieses Unglück vorbedeutend, +worin er mit dem Abendländer übereinstimmt; +aber schon bei dem Unterschiede der Menschenrassen setzt +jener den Schwarzen nicht die <i>Weissen</i>, sondern nur die +<i>Rothen</i> entgegen; so ist Mohammed der an die <i>Rothen</i> und +<i>Schwarzen</i>, d. i. an alle Rassen der Menschen, gesandte +Prophet; die <i>Rothen</i> sind jenen die blutigen Säbel und +der gewaltsame Tod, die <i>Schwarzen</i> die giftgeschwollenen +Schlangen und der Tod durch die Pest; dem <i>Schwarzen</i> +steht das <i>Grün</i> entgegen; dem <i>schwarzen Korn</i>, die Begier, +das jedem Menschensohn in die Brust gepflanzt ist, und das +nur dem Propheten durch Gabriel der gespaltenen Brust +entnommen ward, ist entgegengesetzt das <i>grüne</i> Korn der +Mystiker, welches, durch Beschauung gross gezogen, in der +Brust des Menschen zum Baume des Lebens und der Erkenntniss +aufwächst. Das <i>grüne Korn</i> in rein sinnlicher +Bedeutung ist aber das des Bilsenkrauts und des daraus +<span class='pagenum'><a name="Page_283" id="Page_283">[283]</a></span> +bereiteten Opiats als Berauschungsmittel, im Gegensatze des +<i>Rothen</i>, d. i. des Weins. Schemseddin, dem Genusse des +ersten ergeben, sang zum Lobe desselben die folgenden +Verse:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Der Reiche, welcher trinket Wein, wird warm,<br /></span> +<span class="i0">Die Welt füllt sich für ihn mit Lust statt Harm.<br /></span> +<span class="i0">Ich giess' Smaragd in den Rubin gelinde<a name="FNanchor_531" id="FNanchor_531"></a><a href="#Footnote_531" class="fnanchor">[531]</a>,<br /></span> +<span class="i0">Damit das Aug' der Gramesschlang' erblinde<a name="FNanchor_532" id="FNanchor_532"></a><a href="#Footnote_532" class="fnanchor">[532]</a>.<br /></span> +<span class="i0">Wenn Staub des grünen Korns versüsst das Maul,<br /></span> +<span class="i0">Besteige ich des Himmels grünen Gaul;<br /></span> +<span class="i0">Mit <i>Grünen</i> ess' ich <i>Grünes</i> in dem <i>Grün</i>,<br /></span> +<span class="i0">Bis dass mein Staub wird einst als Pflanze grün.<br /></span> +</div></div> + +<p>Wassaf entgegnet hierauf zum Lobe des <i>Rothen</i>:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Rothe</i> Rose, <i>rother</i> Wein und <i>rothe</i> Wangen;<br /></span> +<span class="i0">Trink', so lang noch frisch und <i>roth</i> ist das Verlangen;<br /></span> +<span class="i0">Gilb' nicht dein Gesicht mit Gram, denn <i>blau</i> ist Himmel,<br /></span> +<span class="i0">Wenn auch <i>schwarz</i> und <i>weiss</i> des Tags, der Nacht Gewimmel.<br /></span> +</div></div> + +<p>Behaeddin, der Sohn Schemseddin Dschuweini's, beredete +zwar den Herrn Herats, sich an den Hof Abaka's zu begeben, +aber dieser liess ihn im Schlosse von Tebris einsperren, +wo er bald hierauf starb, wie es heisst, durch +Gift, das er im Ringe trug und selbst in die Speise gemischt +haben soll. Die Meinung von seiner Listigkeit war +so gross, dass der zur Begräbniss bestellte Emir, fürchtend, +er möge sich nur todt stellen, um dann zu entwischen, ihn +in zwei ineinander geschachtelte Särge legen und beide in +seiner Gegenwart fest vernageln liess<a name="FNanchor_533" id="FNanchor_533"></a><a href="#Footnote_533" class="fnanchor">[533]</a>. Das auf seinen +Tod verfasste Distichon finde hier Raum, weil dasselbe, wie +die obigen Verse, sich auf eine dem Morgenländer eigene +Sitte, nämlich auf die der Orakelverse aus dem aufgestochenen +des Korans beziehen. Dieses Aufstechen heisst <i>Fal</i>, +was vielleicht dasselbe mit dem deutschen und englischen +<i>Fall</i><a name="FNanchor_534" id="FNanchor_534"></a><a href="#Footnote_534" class="fnanchor">[534]</a>.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_284" id="Page_284">[284]</a></span></p> +<div class="sidenote">Schewwal 676/<br />März 1278</div> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Im Jahr sechshundert sechs und siebzig im Schewwal,<br /></span> +<span class="i0">Da schlug in dem Koran das Schicksal auf als <i>Fal</i><br /></span> +<span class="i0">Dem Leu'n des Islams, der genannt <i>Mohammed Kert</i>,<br /></span> +<span class="i0">Den Vers: <i>Verfinstert ward die Sonne allzumal</i>.<br /></span> +</div></div> + +<div class="sidenote">Die Niguderischen +Banden +in Fars; +Lob der Mongolen +aus +dem Munde +Wassaf's.</div> + +<p>Das Todesjahr Schemseddin Kert's, dasselbe, in welchem +in Europa Rudolph von Habsburg die Macht seines Hauses +nach dem Siege über Ottokar befestigte, war für Persien +ein unheilbringendes durch die Vergiessung seines Herzblutes +in Fars durch den Einfall und die Verheerung der +Niguderischen Banden<a name="FNanchor_535" id="FNanchor_535"></a><a href="#Footnote_535" class="fnanchor">[535]</a>, d. i. die Truppen des dschagataischen +Prinzen Niguder, welcher, wie oben erzählt worden, +auf Borrak's Schreiben aus dem Lager Abaka's entwichen, +im Norden eine Zeit lang den Krieg fortführte, welchen +nach seinem Tode seine Heere durch Raub und Verheerung +fortsetzten, wie ehemals nach dem Sturze Chuaresmschah's +die chuaresmischen Banden in Syrien. Die niguderischen +Banden bestanden aus Raubgesindel aller Nationen, aus +Scholen, Mongolen, Turkmanen und Kurden. Sie fielen in +Fars im Distrikte <i>Korbal</i> ein und schlugen das persische +Heer zu <i>Teng Schikem</i>, wo die Emire desselben die Brücke +so abgebrochen hatten, dass nur für Einen Mann Raum zum +Uebergang. Zwei Vögte Abaka's ertranken im Flusse, nur +<i>Bulghtuwan</i> hieb sich mit dreihundert Reitern durch den +rechten Flügel der Feinde und rannte, indem er die Brücke +hinter sich verbrannte, fliehend bis Issfahan; der Rest des +Heeres wurde zerstreut oder ertrank. <span class="xidenote">17. Ramasan 677/<br />1. Febr. 1278</span> Korbal wurde geplündert, +dreitausend verschnittene Pferde wurden sammt +einer Horde von Mädchen und Knaben weggeschleppt. Drei +Jahre später <span class="xidenote">680/<br />1281</span> überschwemmten die mongolischen Banden +abermal Germsir, d. i. die südlichste Landschaft von Fars, +und wandten sich dann gegen Sistan; jeden Winter fürchtete +man zu Schiras ihre Rückkehr und war mit Ausbesserung +der Mauern beschäftigt, denn auf die verweichlichten Truppen +von Fars war kein Vertrauen zu setzen. Wassaf setzt der +<span class='pagenum'><a name="Page_285" id="Page_285">[285]</a></span> +Schilderung der Weichlichkeit von jenen die der Tapferkeit +der Mongolen mit folgenden Worten entgegen:</p> + +<p>„Wenn die Braven der alten Zeit, denen noch nach +Jahrtausenden die Erzählungen der Kunden in Vers und +Prose geweiht, und deren Mannhaftigkeit und Tapferkeit +die Gemälde der Bücher und Blätter weit und breit, wieder +zur Welt zurückkämen, so könnten sie auf der Rennbahn +ritterlicher Waffenthat in den Sitten und Gebräuchen der +Schlacht von jedem einzelnen Mongolen Lection nehmen +und Nichts Besseres thun, als im Dienste ihres Steigbügels +die Satteldecke auf die Schulter zu nehmen. Wenn die berühmtesten +Bogenschützen vergangener Völker, von den +Arabern die Stämme <i>Siraa</i> und <i>Kara</i> und von den vier persischen +Dynastien die berühmtesten vier Schützen, nämlich: +<i>Aresch Schefatir</i><a name="FNanchor_536" id="FNanchor_536"></a><a href="#Footnote_536" class="fnanchor">[536]</a>, <i>Isfendiar Rujinten</i><a name="FNanchor_537" id="FNanchor_537"></a><a href="#Footnote_537" class="fnanchor">[537]</a>, <i>Koresch Aschghan</i><a name="FNanchor_538" id="FNanchor_538"></a><a href="#Footnote_538" class="fnanchor">[538]</a> +und <i>Behramgur</i><a name="FNanchor_539" id="FNanchor_539"></a><a href="#Footnote_539" class="fnanchor">[539]</a>, deren Bogenkunde das Buch +von den <i>Graden der Reiter</i> so umständlich ausführt und +commentirt; wenn diese den Flug der Geschosse der Mongolen, +die Stärke ihres Arms, die Spannung ihrer Bogen, +die Wirkung ihrer Pfeile erführen, so würden sie sich nur +als Verwundete des Pfeiles der Eifersucht getroffen vor +dem Geschosse der Schmach und den Pfeilen des Schmerzes +prostituiren. Ueber die Heftigkeit und Hartherzigkeit, die +Gewaltsamkeit und den Grimm der Mongolen, über ihr +Talent, Schwierigkeiten zu besiegen, und die zu erniedrigen, +die ihnen unterliegen, über ihre Kunst, zu kriegen und +Helfer anzufesseln ihren Siegen, ist es überflüssig, Etwas +zu wiederholen: <i>Was thut Saturnus Noth, wenn du die +Sonne schaust!</i> Sie gewähren der Gelegenheit die Macht, +mit kühnem Herzen einzig in der Kraft durch Geduld Alles +zu verschmerzen, listiger als der Fuchs, wenn sie Etwas +verfolgen; am Tage der Schlacht spalten sie die Herzen +der Löwen mit Macht und brechen den Damm der Zufälle, +<span class='pagenum'><a name="Page_286" id="Page_286">[286]</a></span> +so dass es kracht. Die Ueberlieferung von Nassir Ben Sejar, +einem der Rechtsgelehrten Turkistans, bestätigt diese Worte +und steht hier an ihrem Orte. Man sagt, dass der Kämpe +der vollkommene zehn Eigenschaften der Thiere besitzen +müsse: die Tapferkeit des <i>Hahns</i>, die Milde des <i>Huhns</i>, +das Herz des <i>Löwen</i>, den Anfall des <i>Schweins</i>, die Geduld +des <i>Hundes</i> in Ertragung von Wunden, die Behutsamkeit +des <i>Kranichs</i>, die List des <i>Fuchses</i>, die Vorsicht der <i>Raben</i>, +die Raubsucht des <i>Wolfs</i> und die Ruhe der <i>Katze</i>. Diese +Lehre schärfen sie bei jeder Gelegenheit ein. Mit Billigkeit +muss man gestehen und zugeben, dass das Werk der Welteroberung +und Reichszertrümmerung für dieses Volk ward +gegeben; ihre Folgsamkeit für die Befehle ihrer Befehlshaber, +ihre Sorgfalt, sich von aller Empörung zu enthalten, +ihre Hut von Haus und Gut ist von allen Vernünftigen geschätzt +und ausser Zweifel gesetzt.“</p> + +<div class="sidenote">Verhältnisse +mit Aegypten; +natürliche +Politik.</div> + +<p>Auf die kriegerischen Eigenschaften der Mongolen und +ihre Feindschaft gegen die Mamluken hatten die Kreuzfahrer +in Syrien ihre Hoffnungen gebaut, und eine Gesandtschaft +derselben flehte Abaka um thätige Hilfe an. Auf seinen +Befehl fiel ein von <i>Semaghar</i>, dem Befehlshaber der mongolischen +Streitkräfte in Kleinasien, und von <i>Perwane</i>, dem +mongolischen Vogte Kleinasiens, befehligtes Heer in Syrien +ein. <span class="xidenote">670/<br />1271</span> Der Vortrab von tausend fünfhundert Mann hieb einen +zwischen Harun und Antiochien gelagerten turkmanischen +Stamm zusammen und verheerte das Gebiet von Harun und +Murudsch. Auf die erste Kunde hatte Bondokdar, der sich +zu Damaskus befand, <span class="xidenote">18. Rebiulewwel/<br />24. Oct. 1271</span> einen Eilboten nach Kairo mit dem +Befehle, dass der General <i>Beiseri</i> mit dreitausend Mann +aufbreche, gesandt. Bondokdar verliess mit demselben Haleb, <span class="xidenote">12. Nov.</span> +aber die Mongolen hatten sich schon aus Syrien zurückgezogen. +Sultan Beibars sandte eine Truppenabtheilung +nach Meraasch, dem alten Germanicia, der Hauptstadt der +noch heute darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, +die anderen nach Harran (dem alten Carra zur Römerzeit), +durch den Tod des Caligula, durch die Niederlage des +Cassius, in älterer Zeit durch den Tempel der Sabäer, +<span class='pagenum'><a name="Page_287" id="Page_287">[287]</a></span> +namentlich durch den der Luna, und als der Wohnsitz +Abraham's im Lande <i>Ur</i> geschichtlich geadelt. Die Einwohner +Harran's öffneten die Thore und zerstreuten sich +in die Städte Syriens; aber im nächsten Jahre kam eine +mongolische Truppe und schleifte die Mauern der Stadt. +Zu Damaskus erschienen vor Bondokdar Gesandte Semaghar's +und Perwane's, welche im Namen Abaka's Friedensunterhändler +begehrten; der Sultan sandte zwei seiner Officiere +mit ihnen, welche den Feldherrn Semaghar zu Siwas fanden +und ihm statt der gewöhnlichen neunmal neun Geschenke +nur neun Bogen und neun Pfeile darbrachten, den Abgang +der andern neunmal sieben durch die Eilfertigkeit ihres Ritts +entschuldigend. Perwane begleitete die Gesandten des Sultans +an den Hof Abaka's, dem sie zum Geschenke einen +Helm von Igelstacheln, einen Säbel und neun Pferde darbrachten +und ihm den von Mengu Timur, dem Herrn von +Kipdschak, gemachten Vorschlag eines gemeinschaftlichen +Angriffs auf die Länder Abaka's im Norden und Süden mittheilten. +Die Stammeifersucht zwischen dem Feldherrn des +Uluses Hulagu's und Dschudschi's, welche unter Hulagu und +Berke in offenen Krieg ausgebrochen, unter Abaka's Regierung +nur durch Waffenruhe, nicht durch Frieden besänftiget +war, machte die Herrscher Kipdschaks zum natürlichen +Verbündeten der Sultane von Aegypten, so wie gemeinsames +Interesse wider die letzten die Kreuzfahrer wider +die Mongolen verband, während die Schaukelpolitik der +byzantinischen Kaiser sowohl an den Herrscher des Uluses +Dschudschi's als an den des Uluses Hulagu's die Sendung +von Gesandtschaften und Prinzessinnen vervielfältigte, um +ihre, den Rest des byzantinischen Reichs in der Hauptstadt +bedrohende, von allen Seiten hervorbrechende Macht so +lange als möglich ferne zu halten. Dieses sogenannte natürliche +Interesse, wodurch die nächsten Nachbarn geborne +Feinde eines Staats, sowie die unmittelbaren Gränznachbarn +der Feinde geborene Verbündete, ist eine Parallele barbarischer +Politik zu der nicht minder barbarischen türkischen +Ansicht der Familienverhältnisse, vermöge welcher die Söhne +<span class='pagenum'><a name="Page_288" id="Page_288">[288]</a></span> +die natürlichen Feinde der Väter, sowie ihre natürlichen +Freunde die Enkel, weil diese als Feinde ihrer Väter geboren. +Hier wie dort misst der niedrigste Eigennutz der +Habsucht die Grade der Freundschaft und Feindschaft im +umgekehrten Verhältnisse der Entfernungen der Länder und +des Bluts, und diese bisher sogenannte natürliche Schaukelpolitik, +welche vielmehr mit dem Namen der unnatürlichen +gebrandmarkt sein sollte, muss in dem Masse verschwinden, +als sich die Völker durch gegenseitigen Austausch der Ideen +verbinden und die Bildung der Humanität fortschreitet; sie +wird sich (sowie die Familienansicht der Feindschaft der +Söhne und Freundschaft der Enkel schon heute keine christliche +und europäische mehr) zuletzt nur bei den Barbaren +finden, so lange es deren noch auf Erden geben wird; dass +diese Politik aber im Mittelalter und besonders im byzantinischen +und mongolischen Reiche, bei den Mamluken und +Kreuzfahrern culminirte, darf bei der allen gemeinsamen, +vorherrschenden Barbarei jener Zeit nicht Wunder nehmen.</p> + +<div class="sidenote">Streifzug +in +Armenien.</div> + +<p>Im folgenden Jahre sandte Abaka eine zweite Botschaft +an Beibars, um zu begehren, dass der Sultan selbst oder +einer der ersten Männer des Reichs an den Hof Abaka's +komme, den Frieden zu unterhandeln. <span class="xidenote">Ssafer 671/<br />Aug. 1272</span> Bondokdar antwortete: +wolle der Ilchan den Frieden, so möge er selbst oder einer +seiner Brüder an den Hof des Sultans kommen. Auf die +Nachricht, dass mongolische Truppen die beiden Gränzplätze +<i>Rahbet</i> und <i>Birtha</i> am Euphrat bedrohten, brach +Bondokdar auf und führte auf Kameelen zerlegte Schiffe +mit sich, um damit den Euphrat zu überschiffen. <span class="xidenote">9. Rebiulewwel 671/<br />4. Oct. 1272</span> So haben +wir noch jüngst erlebt, dass zur Einrichtung der Dampfschifffahrt +auf dem Euphrat das Schiff der Wüste durch +die Wüste Schiffe trug. Durch die Taubenpost hatte Bondokdar +die Nachricht erhalten, dass die Mongolen vor Bire, +und durch dieselbe versprach er der Stadt den schleunigsten +Entsatz. Er hielt Wort; denn die sieben und zwanzig Poststationen +zwischen Damaskus und Bire wurden in sieben +Tagen zurückgelegt; die mitgeführten Schiffe waren aber +entweder nicht angelangt oder zu wenig, denn der Uebergang +<span class='pagenum'><a name="Page_289" id="Page_289">[289]</a></span> +über den Euphrat ward mittels fünf und dreissigtausend +Kameelen<a name="FNanchor_540" id="FNanchor_540"></a><a href="#Footnote_540" class="fnanchor">[540]</a> bewerkstelligt, auf denen das Heer +überschwamm. Die Mongolen, wiewohl an Zahl doppelt +dem ägyptischen Heere überlegen, zogen sich zurück; Bondokdar +verfolgte sie und erbeutete von den Nachzüglern +einen grossen Theil des Gepäcks; mit demselben und einer +grossen Anzahl von Gefangenen zog er im Triumphe zu +Damaskus ein. Der Befehlshaber von Haleb, Hossameddin +von Aintab, sandte einen Streifzug nach Armenien, weil +dasselbe für die Streifereien des Kastellans von <i>Kinuk</i> die +begehrte Genugthuung nicht gegeben. Kinuk wurde genommen, +die Männer wurden niedergehauen, die Weiber +in die Sklaverei geschleppt; die Mauern der Hauptstadt Sis +widerstanden, aber Tarsus wurde eingenommen und verheert. +Beibars vernahm zu Kairo die Verheerung Armeniens +und den Marsch Abaka's längs des Sab gegen den +Euphrat; er bot das ganze Heer auf und begab sich nach +Damaskus, wo er ruhig blieb, da kein Feind sich zeigte. +An seinem Hofe erschien der vom Hofe Abaka's flüchtige +Melik Schemseddin Behadir, Herr von Samosate, Sohn des +Grossmundschenken des letzten Schahs von Chuaresm, welcher +nach desselben Tod sich einiger Schlösser um Nachdschiwan +und endlich der Stadt Akserai bemächtigt hatte; <span class="xidenote">17. Ssafer 672/<br />2. Sept. 1273</span> er hatte +schon seit geraumer Zeit dem Sultan verrätherische Dienste +geleistet und durch einen auf seine Veranlassung im Namen +des Sultans an einen christlichen Bischof in Persien geschriebenen, +von Reliquien begleiteten Brief, den er hernach +auffangen liess, die Hinrichtung dieses Bischofs bewirkt<a name="FNanchor_541" id="FNanchor_541"></a><a href="#Footnote_541" class="fnanchor">[541]</a>; +auch wider den Katholikos, d. i. den Patriarchen der Nestorianer, +welcher, von den Moslimen durch falsche Anklagen +verfolgt, Bagdad verlassen und sich zu Irbil niedergelassen +hatte, war neue Verfolgung im Anzuge; um derselben zu +<span class='pagenum'><a name="Page_290" id="Page_290">[290]</a></span> +entgehen, verlegte er seinen Sitz von Irbil nach Aschim in +Aserbeidschan<a name="FNanchor_542" id="FNanchor_542"></a><a href="#Footnote_542" class="fnanchor">[542]</a>, in der Nähe der Hauptstadt, weil die +Tyrannei nur am leidentlichsten im Mittelpunkte. Beibars, +der sich über Verletzungen des mit dem Könige von +Armenien geschlossenen Vertrags zu beklagen hatte, beschloss, +Cilicien zu verheeren. Er brach von Damaskus im Geleite +Manssur's, des Herrschers von Hama, und Scherefeddin +Isa's, des Emirs der syrischen Beduinen, auf. <span class="xidenote">3. Schaaban 673/<br />1. Febr. 1275</span> Der Emir +und Hossameddin von Aintab, der Befehlshaber von Haleb, +erhielten den Befehl, als Vortrab die Richtung von Bire zu +nehmen; aber zu Sermin angelangt, liess Beibars dort sein +Gepäcke unter der Obhut des Befehlshabers Ben Sonkar +zurück und nahm den Weg von Derbesak. Diese durch die +Einnahme Ssalaheddin's<a name="FNanchor_543" id="FNanchor_543"></a><a href="#Footnote_543" class="fnanchor">[543]</a> und fünfzig Jahre hernach durch +einen Sieg der Saracenen über die Templer in der Geschichte +der Kreuzzüge schwarz gezeichnete feste Burg +liegt am <i>Nehr Eswed</i>, d. i. am schwarzen Flusse, welcher +dem See von Antiochien zueilt, auf einer Anhöhe inmitten +fruchtbarer Fluren und Gärten<a name="FNanchor_544" id="FNanchor_544"></a><a href="#Footnote_544" class="fnanchor">[544]</a>. Von den Mongolen erobert, +ward sie an König Hethum abgetreten, von diesem +vor neun Jahren dem Sultan Bondokdar übergeben worden<a name="FNanchor_545" id="FNanchor_545"></a><a href="#Footnote_545" class="fnanchor">[545]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Verheerung +Ciliciens.</div> + +<p>Bondokdar lagerte zwischen Derbesak und dem zehn +Miglien davon gelegenen Baghr, dessen Einwohner meistens +christliche Fischer<a name="FNanchor_546" id="FNanchor_546"></a><a href="#Footnote_546" class="fnanchor">[546]</a>, und sandte von hier Truppenabtheilungen +zu tausend Mann, jede mit Fackeln und mit Barken +zur Ueberschiffung von Flüssen versehen, nach verschiedenen +Richtungen in's Gebirge. Er lagerte zu Iskenderun hinter +einer von König Hethum, dem Vater des regierenden Königs +Leo, aufgeführten Mauer und rückte dann gegen <i>Merkes</i><a name="FNanchor_547" id="FNanchor_547"></a><a href="#Footnote_547" class="fnanchor">[547]</a> +durch den syrischen Felsenpass vor, welcher wegen seiner +Enge <i>Ssakaltutan</i>, d. i. Bartanhaltend, heisst. Der Fluss +von Merkes ist der alte <i>Kersos</i>, dessen Name sich in dem +<span class='pagenum'><a name="Page_291" id="Page_291">[291]</a></span> +des Schlosses zum Theile erhalten<a name="FNanchor_548" id="FNanchor_548"></a><a href="#Footnote_548" class="fnanchor">[548]</a>. Die ägyptischen +Truppen verheerten Massissa, das alte <i>Mopsuestia</i>, d. i. der +Feuerherd des Mopsus, das, auf beiden Seiten des Dschihan +(Pyramus) gebaut, zwölf Miglien von der, unter dem Namen +der Goldstoffwiese<a name="FNanchor_549" id="FNanchor_549"></a><a href="#Footnote_549" class="fnanchor">[549]</a> in den Kriegen der Byzantiner mit +Seifeddewlet durch Schlachten berühmten Ebene, eine halbe +Tagreise von Adana; eine steinerne Brücke verbindet den +diesseits und jenseits des Flusses gelegenen Theil der Stadt. +Die auslaufende Bergkette des Taurus, welche sich von +Massissa bis an das Meer zieht, heisst der <i>Dschebelon-nur</i>, +d. i. der Lichtberg, auf welchem die schönsten Hiacinthen +und seltene Pflanzen, unter andern Mandragoren und ein +Kraut, welches, weil es die Zähne der Schafe gelb färbt, +von den Alchymikern als ein Hauptbestandtheil des Steins +der Weisen gesucht wird<a name="FNanchor_550" id="FNanchor_550"></a><a href="#Footnote_550" class="fnanchor">[550]</a>. Unter Massissa liegt die tiefe +Felsenschlucht, welche <i>Kurd Kulaghi</i>, d. i. das Wolfsohr<a name="FNanchor_551" id="FNanchor_551"></a><a href="#Footnote_551" class="fnanchor">[551]</a>, +heisst, zur Linken auf einem hohen Berge das weisse Schloss +<i>Jilan Kalaasi</i>, d. i. das Schlangenschloss, das für die Residenz +der Schlangenkönigin gilt<a name="FNanchor_552" id="FNanchor_552"></a><a href="#Footnote_552" class="fnanchor">[552]</a>, die sich mit der Kronjuwele +auf dem Haupte manchmal auf der Goldstoffwiese +und auf den Höhen des Lichtbergs sonnt. Bondokdar drang +in dem Gebirgspasse bis nach <i>Sis</i>, der Hauptstadt des alten +armenischen Königreichs, vor, welche mit den nahe gelegenen +Festen von <i>Ainsarbe</i>, <i>Tel Hamdun</i>, <i>Serfendkjar</i> und +<i>Bersbert</i> von den Arabern die Schneidezähne<a name="FNanchor_553" id="FNanchor_553"></a><a href="#Footnote_553" class="fnanchor">[553]</a>, d. i. die +Gränzfesten des Islams, genannt werden; die letzte war +der Schatzhort der armenischen Könige und eine Zeit lang +die Residenz derselben<a name="FNanchor_554" id="FNanchor_554"></a><a href="#Footnote_554" class="fnanchor">[554]</a>. Nachdem <i>Sis</i> verbrannt worden, +kehrte der Sultan durch die Felsenschlösser zurück. Vier +seiner Truppenabtheilungen hatten sich gegen die am Meere +gelegenen cilicischen Städte <i>Tarsus</i>, <i>Adana</i>, <i>Barin</i> und <i>Ajas</i> +gewendet. <i>Tarsus</i>, dessen Ruhm bis in die Zeit der assyrischen +<span class='pagenum'><a name="Page_292" id="Page_292">[292]</a></span> +Könige hinauf datirt, indem sich Sardanapalus dasselbe +erbauet zu haben rühmte, ist in der des Chalifats als +der Ort, wo der grösste Chalife des Hauses Abbas den Geist +aufgab, die in den morgenländischen Geschichten und Geographien +berühmteste Stadt Ciliciens; am Cydnus<a name="FNanchor_555" id="FNanchor_555"></a><a href="#Footnote_555" class="fnanchor">[555]</a>, welcher +die Mauern derselben wäscht, hatte Alexander nicht +ohne Nachtheil seiner Gesundheit kalt gebadet, glücklicher +als Friedrich Barbarossa, welcher in den Fluthen des Saleph +oder Calycadnus<a name="FNanchor_556" id="FNanchor_556"></a><a href="#Footnote_556" class="fnanchor">[556]</a>, der bei Selefke vorbeiströmt, den Tod +gefunden. Den Cydnus war Kleopatra in ihrer mit purpurnen +Segeln und vielfarbigen Flaggen bepfauten goldenen Galeere +hinaufgefahren; hiervon weiss die moslimische Ueberlieferung +nichts, doch zeigt dieselbe das Felsen-Sopha der Dschinnen<a name="FNanchor_557" id="FNanchor_557"></a><a href="#Footnote_557" class="fnanchor">[557]</a>, +wo der Chalife Mamun am vorbeifliessenden Wasser sass und +einen über eine Elle langen Fisch aus dem Wasser zu ziehen +befahl. Der schöne Silberfisch (vermuthlich ein Dschinne) +sprang wieder in's Wasser, so dass derselbe die Kleider +Mamun's bespritzte; dieser, zornig hierüber, befahl, den +Fisch wieder herauszuziehen. „Nun werde ich dich sogleich +gebraten essen“, sagte der Chalife, und übergab ihn dem +Koch, aber im selben Augenblicke ergriff ihn ein heftiger +Fieberschauer; als der Fisch ihm gebraten vorgesetzt wurde, +war er nicht mehr im Stande, davon zu essen, und nach +einigen Tagen ward er vom Fieber hinweggerafft. Durch +diese Volkssage und durch die, welche nach Tarsus die +Höhle der Siebenschläfer verleget (wiewohl man sie auch +zu Ephesus und Damaskus zeigt), ist Tarsus nicht minder +geschichtlich merkwürdig, als in der Geschichte der byzantinischen +Feldzüge, <span class="xidenote">i. J. 350/<br />961</span> in welchen Tarsus, vom byzantinischen +Befehlshaber gütlich übergeben, die äusserste Gränzfeste +des Islams ward. Zu <i>Adana</i>, der Hauptstadt der heute +darnach genannten osmanischen Statthalterschaft, welche +Harun Raschid am Ufer des Sihan, d. i. des Sarus, erbaut +hatte, wurden die Männer getödtet, die Weiber und Kinder +<span class='pagenum'><a name="Page_293" id="Page_293">[293]</a></span> +geraubt. Ajas, am Ufer des Meeres, zwei Tagreisen von +Baghras und eine von Tel Hamdun entfernt, war in den +Händen der Franken, welche ihr Habe auf die Schiffe im +Hafen retteten. Die Stadt wurde von den Aegyptern verbrannt; +tausend Franken und Armenier, die sich zur See +retten wollten, gingen in derselben zu Grunde<a name="FNanchor_558" id="FNanchor_558"></a><a href="#Footnote_558" class="fnanchor">[558]</a>. Massissa +wurde verbrannt. Im folgenden Spätjahre wurde Bire von +Obotai vergebens belagert; nach aufgehobener Belagerung +zog eine ägyptische Truppenabtheilung nach Cilicien, wo +dieselbe in der Nähe von Meraasch von Sinbad, dem Oheim +des Königs, angegriffen ward. <span class="xidenote">29. Nov. 1275</span> Das Treffen kostete dem +Oheim des Königs, vierzehn Grafen und dreihundert Armeniern +das Leben. Die Turkmanen, wiewohl Sieger, zogen +sich zurück<a name="FNanchor_559" id="FNanchor_559"></a><a href="#Footnote_559" class="fnanchor">[559]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Unruhen in +Rum; +Schlacht von +Albestan.</div> + +<p>Die Unruhen, welche in Rum ausgebrochen, führten bald +neue feindliche Berührung zwischen dem Sultan Aegyptens +und dem Ilchane Persiens herbei. Wir haben schon im +vorigen Buche, in der Geschichte Hulagu's, der beiden +Brüder Herrscher Rums, Rokneddin's und Iseddin's, und +der Theilung Rums zwischen beiden erwähnt. <i>Moineddin +Ssahib Perwane</i>, d. i. der Inhaber des Kabinetssiegels, der +Wesir Rokneddin's, hatte den Mitregenten seines Herrn bei +Alindschak, dem mongolischen Befehlshaber in Rum, eines +Einverständnisses mit dem Sultan Aegyptens angeklagt; in +der That hatte Iseddin Gesandte an Beibars mit dem Antrage +der Abtretung der Hälfte seines Landes gesandt, wenn +er ihm wider den Bruder beistehen wolle. Iseddin, auf +dem Wege in's Hoflager zu Hulagu wider die Ränke seines +Bruders und dessen Wesirs gewarnt, kehrte um und flüchtete +sich zum byzantinischen Kaiser, welcher, um dem Hulagu +gefällig zu seyn, denselben zu Ainos als Staatsgefangenen +einsperrte. Iseddin interessirte für sich Berke, den Herrscher +von Kipdschak, der in Feindschaft mit Hulagu, dem +von diesem verfolgten Prinzen Truppen zu Hilfe schickte, +die ihn aus Ainos befreiten; er starb als Vassal des Herrschers +<span class='pagenum'><a name="Page_294" id="Page_294">[294]</a></span> +der goldenen Horde in der Krim. Rokneddin herrschte +nun allein, aber nur dem Namen nach, denn der eigentliche +Herrscher war Perwane. Dieser beinzüchtigte seinen Herrn +bei Abaka empörerischer Plane und erhielt den Befehl seiner +Hinrichtung. <span class="xidenote">666/<br />1268</span> Rokneddin, von Perwane zu einem Feste geladen, +wurde mit einer Bogensehne erwürgt, im selben Jahre, +wo der letzte der Hohenstaufen, Konradin von Schwaben, +auf dem Blutgerüste zu Neapel den Geist aushauchte. Perwane +herrschte nun im Namen Ghajaseddin's, des vierzehnjährigen +Sohnes Rokneddin's. Mehrere der Bege Rums, +unter diesen auch der Sohn Perwane's<a name="FNanchor_560" id="FNanchor_560"></a><a href="#Footnote_560" class="fnanchor">[560]</a>, flüchteten zu +Beibars und hetzten ihn zum Kriege wider Abaka auf. Nachdem +er das Heer gerüstet, seinen schon vor neun Jahren +zum Nachfolger ernannten Sohn <i>Said Berke</i> in seiner Abwesenheit +mit unumschränkter Macht in Aegypten bekleidet +hatte, brach er nach Syrien und von da gegen Cilicien auf. +Der Befehlshaber von Haleb und der Emir der Wüste (Isa, +der Sohn Mohenna's) schlugen eine Truppe der Araber +Chafadsche, welche die Mongolen wider sie gesandt. Bondokdar +zog über Aintab, Dulak<a name="FNanchor_561" id="FNanchor_561"></a><a href="#Footnote_561" class="fnanchor">[561]</a>, Kinuk, d. i. durch den +taurischen Pass, die heutige Strasse der Pilgerkarawane. +Er mündete in der Ebene von <i>Ablestan</i> oder <i>Albostan</i>, wohin +Geographen und Reisebeschreiber das dritte der drei berühmten +Tempelstädte <i>Komane</i>, nämlich das kappadocische, +verlegen<a name="FNanchor_562" id="FNanchor_562"></a><a href="#Footnote_562" class="fnanchor">[562]</a>; hier sowohl als in der goldenen Komane an +der Vereinigung der beiden Arme des Euphrat in Sakasene +und im pontischen wurde die taurische <i>Artemis</i> als <i>Anaitis</i> +oder die Kriegsgöttin <i>Enyo</i> in Tempeln verehrt, die unter +Hut grosser Priestergesellschaften die Kapitole dieser Gegenden. +Der Name <i>Albestan</i>, d. i. der Garten, scheint derselbe +<span class='pagenum'><a name="Page_295" id="Page_295">[295]</a></span> +mit dem des alten <i>Pästum</i> zu seyn, dessen Tempel +vielleicht demselben Kultus heilig waren. Das pontische +Komane ist in der römischen Kriegsgeschichte durch den +Sieg Cäsar's über den Mithridates berühmt, und gleichen +Ruhm sollte nun das kappadocische in der Kriegsgeschichte +der Mamluken und Mongolen durch die Niederlage der +letzten erhalten. Die Reiterei der Mongolen, aus eilf Regimentern +von tausend Mann bestehend, ward von <i>Tokus</i>, +seinem Bruder <i>Uruktu</i> und von <i>Tudaun</i>, dem Bruder Sughurdschak's, +dem Suldusen, befehligt; die Hilfstruppen bestanden +aus türkischen, deren Treue<a name="FNanchor_563" id="FNanchor_563"></a><a href="#Footnote_563" class="fnanchor">[563]</a> in einer Schlacht +wider Moslimen zweifelhaft, und aus einem georgischen +Hilfscorps von dreitausend Mann. <span class="xidenote">11. Silhidsche 675/<br />16. April 1277</span> Freitags in der Hälfte +Aprils, am Freitage, welches der liebste Schlachttag Ssalaheddin's +und auch Rudolph's von Habsburg (vielleicht weil +dieser vernommen, dass Ssalaheddin seine Siege alle an +einem Freitage erfochten), hatte die Schlacht statt. Der +linke Flügel der Mongolen warf das Mitteltreffen der Mamluken, +in welchem das Panier des Sultans flatterte, auf den +rechten Flügel; aber Beibars unterstützte denselben und +stellte die gebrochene Schlachtordnung wieder her. Uruktu +und Tudaun sassen mit ihrer Reiterei ab, um den Anfall +der ägyptischen mittels Pfeilregens aufzuhalten; aber die +ausharrende Tapferkeit Bondokdar's siegte. Die Mongolen +wurden geschlagen; ihre Feldherren Tokus und Tudaun +und sechstausend siebenhundert siebzig gezählte Mongolen +deckten das Schlachtfeld. Beibars lies sich die Gefangenen +vorführen und dieselben zusammenhauen, einige Officiere +ausgenommen, mongolische und armenische; die letzten +überhäufte er mit Vorwürfen, dass sie sich in den Reihen +der Ungläubigen schlügen; unter den Gefangenen befand +sich ein Sohn, ein Neffe und die Mutter Perwane's<a name="FNanchor_564" id="FNanchor_564"></a><a href="#Footnote_564" class="fnanchor">[564]</a>. Ein +Diener Tudaun's brachte die Nachricht der Niederlage dem +Ilchan, der erzürnt nach Tebris zurückkehrte.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_296" id="Page_296">[296]</a></span></p> +<div class="sidenote">Beibars zu +Cäsarea.</div> + +<p>Acht Tage nach dem Siege, Freitags, zog Beibars zu +Kaissarije (Cäsarea) im Triumphe, unter einem Thronhimmel, +wie derselbe ober dem Haupte der Sultane Seldschuken +getragen ward, in den Palast des Sultans ein und +setzte sich auf den Thron. <span class="xidenote">18. Silkide/<br />23. April</span> Mit dem Sultansbunde auf dem +Kopfe nahte er sich dem Thore des Harems und sandte +den Prinzessinnen des Herrscherhauses von Rum seine ehrfurchtvollsten +Grüsse; dann setzte er sich wieder auf den +Thron und empfing die Huldigung der <i>Ulema</i> und <i>Kadi</i>, +der <i>Imame</i> und <i>Scheiche</i>, der Prediger und Leser des +Korans, der <i>Fakihe</i> und <i>Fakire</i>; der Ceremonienmeister, +mit grossem Kopfwulste und weitem Mantel angethan, wies +jedem die ihm gehörige Stelle an; die Heermusik spielte +den Tusch, der zur Zeit des Gebetes nur für den Landesherrn +erscholl, die Leser lasen Suren des Korans, Dichter +declamirten Lobgedichte; Alle wurden mit einem Frühmahle +königlich bewirthet; dann begab sich Beibars in die Moschee +des Sultans, wo das Kanzelgebet auf seinen Namen verrichtet +ward, so auch in den übrigen sechs Moscheen der Stadt<a name="FNanchor_565" id="FNanchor_565"></a><a href="#Footnote_565" class="fnanchor">[565]</a>; +das ausgeworfene Geld war auf seinen Namen gemünzt<a name="FNanchor_566" id="FNanchor_566"></a><a href="#Footnote_566" class="fnanchor">[566]</a>. +Die Schätze, welche Perwane und seine Gemahlin zu Kaissarije +zurückgelassen, wurden unter die Emire vertheilt. Perwane, +welcher in der Schlacht von Albestan das Heer des Sultans +von Rum befehligt hatte, war nach Verlust derselben nach +Kaissarije geflohen und hatte sich von hier mit dem Namensträger +der Herrschaft Rums, mit Sultan Ghajaseddin, +nach der Feste Tokat zurückgezogen; auf dem Wege dahin +war seine von vierhundert Sklavinnen begleitete Gemahlin +Gurdschi Chatun, die Tochter Ghajaseddin's, des Herrn +von Erserum, gestorben. Perwane schrieb an Beibars, um +ihm als Herrscher Rums zu huldigen; in seiner Antwort +forderte Beibars ihn auf, persönlich zu erscheinen. Perwane +bat um einen Aufschub von vierzehn Tagen, in der Hoffnung, +dass Beibars, von dem Anmarsche Abaka's benachrichtigt, +eher Cäsarea verlassen haben würde, das er +<span class='pagenum'><a name="Page_297" id="Page_297">[297]</a></span> +wirklich am fünften Tage nach seinem Einzuge verliess. +Beibars verliess Cäsarea in dem Augenblicke, wo zu erwarten +stand, dass er seine Eroberungen in Rum verfolgen +würde. Einige Christen und Armenier liess er hinrichten, +sonst wurden die Einwohner von seinen Truppen, welche +die Lieferungen genau bezahlten, nicht misshandelt. Während +seines Aufenthaltes zu Cäsarea hatte Beibars die Huldigung +des Herrschers von Karaman empfangen, welcher, +der Gründer der Macht dieses Hauses, von nun an durch +vier und zwanzig Jahre ein Nebenbuhler des der Seldschuken +und dann durch hundert sechs und siebzig Jahre der Osmanen, +bis dass es nach zwei Jahrhunderten und in zehn +von den Osmanen wider dieselben geführten Kriegen zertrümmert +ward<a name="FNanchor_567" id="FNanchor_567"></a><a href="#Footnote_567" class="fnanchor">[567]</a>. Schemseddin Mohammed, der Karamane, +zog an der Spitze von dreitausend Reitern nach der Hauptstadt +Konia, vor welcher er die ihm von Sultan Beibars +gesandten Fahnen aufpflanzte und die Stadt zur Uebergabe +aufforderte. Die Einwohner antworteten, sie übergäben die +Stadt nicht, doch würden sie ihn nicht hindern, wenn er +die Thore verbrennen wolle, einzuziehen. Er verbrannte +zwei Thore, besetzte die Stadt und bemächtigte sich der +Citadelle durch List und Gold; dann zog er dem Heere +entgegen, welches Fachreddin Ali, der Wesir Ghajaseddin's, +von seinen beiden Söhnen befehligt, wider ihn gesendet; <span class="xidenote">29. Silkide 675/<br />3. Juni 1277</span> +der Karamane schlug es und kehrte mit den Köpfen der +beiden Söhne des Wesirs nach Konia, verliess dasselbe aber +nach sieben und dreissig Tagen und zog sich in's cilicische +Gebirge zurück. <span class="xidenote">Ssafer 676/<br />Juli 1277</span> Im folgenden Frühlinge zog Abaka dreimal +gegen Rum<a name="FNanchor_568" id="FNanchor_568"></a><a href="#Footnote_568" class="fnanchor">[568]</a>. Zu Ablistan oder Elbestan wartete ihm der +Sultan Ghajaseddin mit seinem Wesire Fachreddin von Issfahan +auf; als Abaka auf dem Schlachtfelde die noch unbegrabenen +Mongolen sah, weinte er, liess mehrere Turkmanen, +Urheber von Unruhen, hinrichten und gab den Befehl zur +Verheerung der Städte Rums. In dem Ausfluge von sieben +<span class='pagenum'><a name="Page_298" id="Page_298">[298]</a></span> +Tagreisen wurden die Städte verheert, die Einwohner geschlachtet; +es fielen mehr als hunderttausend derselben als +ein Opfer des Schwertes<a name="FNanchor_569" id="FNanchor_569"></a><a href="#Footnote_569" class="fnanchor">[569]</a>. Mohammed Schemseddin +Dschuweini, der gerechte und gelehrte Grosswesir, kaufte +mehrere derselben mit seinem Gelde los; schon war Siwas +zur Hälfte verheert, als er die andere Hälfte durch seine +Vorstellungen, dass die Einwohner unschuldig der Rache +verfallen, rettete. Nureddin Chasneji und Sahireddin Ibn +Husch wurden hingerichtet<a name="FNanchor_570" id="FNanchor_570"></a><a href="#Footnote_570" class="fnanchor">[570]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Gesandtschaft +an +Beibars, +dessen Tod, +Perwane's +Hinrichtung.</div> + +<p>Abaka wollte von Rum unmittelbar nach Syrien ziehen. +Die Emire stellten ihm vor, dass in der Mitte des Sommers +die Beschwerden des Zuges zu gross, dass der Marsch +besser bis auf den Herbst verschoben bliebe. Er sandte +also indessen Botschaft an Bondokdar: „Ihr seid wie Räuber +auf die Vorwachen unserer Heere gefallen und habt dieselben +erschlagen, und als Wir uns genaht, seid ihr wie +Diebe entflohen; seid ihr Männer, so erscheinet nun auf +dem Kampfplatze:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Komm', dass du meine Lanze streifest,<br /></span> +<span class="i0">Komm', dass du meinen Zügel greifest;<br /></span> +<span class="i0">Bist du ein Held, du wirst nicht stehen bleiben,<br /></span> +<span class="i0">Bist du ein Berg, so werd' ich dich zerreiben;<br /></span> +<span class="i0">Hast du von Männern je gehört der Schlachten,<br /></span> +<span class="i0">Die nicht gewitziget den Fuchs verlachten?“<br /></span> +</div></div> + +<p>Beibars empfing die Botschaft zu Damaskus, wo er bald +darauf starb<a name="FNanchor_571" id="FNanchor_571"></a><a href="#Footnote_571" class="fnanchor">[571]</a>. Abaka übergab die Verwaltung Rums seinem +Bruder, dem Prinzen Konghurtai<a name="FNanchor_572" id="FNanchor_572"></a><a href="#Footnote_572" class="fnanchor">[572]</a> Aghul zur Huth, liess +Tokat und das Schloss Perwane's verwüsten<a name="FNanchor_573" id="FNanchor_573"></a><a href="#Footnote_573" class="fnanchor">[573]</a> und kehrte +nach Alatak zurück. Als er am Schlosse von Baiburt vorbeikam, +das in Armenien durch die Schönheit seiner Mädchen +berühmt, wie Ersendschan durch die Fette seiner Schafe +und Kumach durch die Feinheit seiner Leindwand<a name="FNanchor_574" id="FNanchor_574"></a><a href="#Footnote_574" class="fnanchor">[574]</a>, erbat +<span class='pagenum'><a name="Page_299" id="Page_299">[299]</a></span> +sich ein Scheich die Erlaubniss, ihm frei die Wahrheit sagen +zu dürfen; nach gegebener Erlaubniss sprach er: „Herr, +dein Feind ist in deine Länder eingefallen, ohne deinen +Unterthanen Uebles zuzufügen; weil er deinem Grimme +entwischet, hast du denselben an deinen Völkern ausgelassen, +hast deine Unterthanen getödtet, deine eigenen +Länder verheert; welcher deiner Vorfahren hat desgleichen +gethan?“ Die Worte des Scheichs machten tiefen Eindruck +auf Abaka, der die Freigebung von viermalhunderttausend +Gefangenen befahl<a name="FNanchor_575" id="FNanchor_575"></a><a href="#Footnote_575" class="fnanchor">[575]</a>. Im Lager von Alatak wurde Moineddin +Perwane vor Gericht gestellt, dreier Staatsverbrechen angeklagt: +dass er zu Ablistan geflohen, dass er nach der Niederlage +sich nicht zum Herrn begeben, dass er denselben nicht +frühzeitig genug vom Anzuge der Aegypter unterrichtet. +Die von Syrien zurückgekommenen Gesandten Abaka's sagten +überdiess wider ihn aus, was sie dort erfahren, dass Beibars +auf dessen Einladung nach Rum gekommen, das er in seine +Hände zu liefern versprochen, dass er hernach aber vor +demselben geflohen sei. An Perwane, welcher den Sultan +Rums mit Bogensehne erwürgt hatte, ward nun Gleiches +mit Gleichem vergolten; <span class="xidenote">1. Rebiulewwel 677/<br />23. Juli 1278</span> Abaka war schon auf dem Punkte, +ihm zu verzeihen und ihn nach Rum zurückzusenden, als +die Wittwen der zu Ablistan Gefallenen Wehe- und Rachegeschrei +vor dem Palaste Abaka's erhoben. Kutschuk Tukdschi +Behadir mit zweihundert Reisigen erhielt den Befehl +der Hinrichtung; Perwane war, sobald er sich umringt sah, +seines Looses gewärtig und bat, nur noch ein Gebet von +zwei Verbeugungen verrichten zu dürfen; nachdem er es +verrichtet, wurde er zusammengehauen. Die Angabe des +armenischen Mönchs Geschichtschreibers<a name="FNanchor_576" id="FNanchor_576"></a><a href="#Footnote_576" class="fnanchor">[576]</a>, dass Abaka vom +Fleische Perwane's in alle Speisen zu mischen befohlen und +selbst davon gegessen haben soll, verdient wenig Glauben. +Moineddin Suleiman Perwane aus Dilem war der Sohn Mobariseddin +Ali's, welcher, in früherer Jugend nach Rum +gekommen, vom Finanzminister Sultan Alaeddin Keikobad's +<span class='pagenum'><a name="Page_300" id="Page_300">[300]</a></span> +als Eidam begünstigt, nach des Schwiegervaters Tod die Stelle +als Wesir erhalten hatte. Sein Sohn Perwane beherrschte +Rum im Namen der Seldschuken als unumschränkter Herr; +Rokneddin Kilidsch Arslan hatte ihm die Stadt Sinope verpachtet, +deren Besitz auch nach seiner Hinrichtung auf +seinen Sohn Mohammed und von diesem auf den Enkel Perwane's, +Mohesebeddin Mesud, überging<a name="FNanchor_577" id="FNanchor_577"></a><a href="#Footnote_577" class="fnanchor">[577]</a>. Dieser bemächtigte +sich Dschaniks und Ssamssuns, das nach seinem Tode<a name="FNanchor_578" id="FNanchor_578"></a><a href="#Footnote_578" class="fnanchor">[578]</a> +in den Besitz des Fürsten von Kastemuni fiel. Sechs Wochen +nach der Hinrichtung Perwane's ward der Wesir Schemseddin +nach Rum gesandt, um dem verwüsteten Lande wieder +aufzuhelfen; <span class="xidenote">17. Rebiulachir/<br />7. Sept.</span> er baute die verheerten Städte wieder auf, +führte aber auch die Stempelgebühr ein, welche vordem in +Rum nicht bestanden. Der Fürst von Karaman, der sich +in unwegsamen Wäldern verborgen hielt, ward mit denselben +verbrannt. Iseddin Ibek der Syrier erhielt die Statthalterschaft +Malatia's. Schemseddin, nachdem er die Angelegenheiten +Rums eingerichtet, wandte sich nach dem Kaukasus +und Lesgistan, wo er die störrigen Bergvölker der mongolischen +Herrschaft unterwarf<a name="FNanchor_579" id="FNanchor_579"></a><a href="#Footnote_579" class="fnanchor">[579]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Verungnadung +Schemseddin's +und +Wiederaufnahme +zu +Gnaden.</div> + +<p>In dem Augenblicke, wo Schemseddin durch die Einrichtung +Rums nach der Unterwerfung Lesgistans dem Reiche +die wichtigsten Dienste erweisend und seine Macht im +höchsten, war auch seine Verungnadung am nächsten. Dieselbe +war das Werk der Ränke <i>Medschdulmülk's</i>, des Sohnes +<i>Ssafiolmülk's</i>, des vormaligen Wesirs der Atabegen von Jesd. +Zuerst im Dienste Behaeddin's, des Sohnes Schemseddin's, +zu Issfahan, war er von diesem dem Vater empfohlen worden, +welcher ihn in verschiedenen Aufträgen und zur Zählung +der Einwohner Georgiens und noch zuletzt in Rum verwendet +hatte. Medschdulmülk hinterbrachte dem <i>Jesu Buka +Gurgan</i>, welcher als Gemahl Kutlukan's, der sechsten Tochter +Hulagu's, der Schwager Abaka's, dass Medschdeddin Esir, der +Bestellte Alaeddin Dschuweini's (des Bruders Schemseddin's), +<span class='pagenum'><a name="Page_301" id="Page_301">[301]</a></span> +in seinem und seines Bruders Namen geheimes Einverständniss +mit den Aegyptern unterhalte, um diesen Bagdad zu überliefern. +Abaka, hiervon durch seinen Schwager unterrichtet, +befragte den Medschdeddin Esir, von dem aber selbst fünfhundert +Prügel kein Geständniss erpressten. Schemseddin, +in der Hoffnung, einen gefährlichen Feind zu versöhnen, +verlieh seinem Ankläger Medschdulmülk die Statthalterschaft +von Siwas mit einer Anweisung von zehntausend Dinaren +auf den Schatz von Rum. Aber undankbar und unversöhnlich +suchte Medschdulmülk neue Wege zum Gehöre Abaka's +mittels dessen Sohnes, des Prinzen Arghun; diesem machte +er zu Kaswin in einer geheimen Unterredung weis, Perwane +habe auf Schemseddin's Einflüsterung den Bondokdar nach +Syrien eingeladen, sein Bruder Alaeddin habe für sich eine +mit Edelsteinen besetzte Krone verfertigen lassen; er könne +dem Wesir beweisen, dass er sich viertausend Tomane<a name="FNanchor_580" id="FNanchor_580"></a><a href="#Footnote_580" class="fnanchor">[580]</a> +von den Krongütern erpresst, dass er ausserdem zweitausend +Tomane an Heerden und Juwelen besitze, ohne zu rechnen, +was er von den Schlössern der Assassinen und von Bagdad +weggeschleppt; sein Sohn Behaeddin, der Statthalter von +Issfahan, habe dort ausser den aufgelegten Steuern sechshundert +Tomane erpresst; um ihm das Maul zu stopfen, +habe er ihm die Statthalterschaft von Siwas mit einer Summe +Geldes verliehen. Arghun hinterbrachte diese Reden seinem +Vater; als dieser sich zu <i>Scherujas</i> (in der Ebene zwischen +Ebher und Serdschan) befand, ward Medschdulmülk durch +Vermittelung des Emirs Taghadschar von Abaka im Bade +empfangen. Abaka, hierdurch in seiner guten Meinung von +Schemseddin's Finanzverwaltung beirrt, gab dem Ankläger +den Auftrag, die Rechnungen der letzten Jahre zu untersuchen +und die Güterbeschreibungen zu durchgehen, ohne +dass einer der Emire oder Prinzen sich dessen weigern +dürfe. Zugleich gab er ihm die Insignien des Löwenkopfes +glänzender und schöner, als dieselben Sultanen und Königen +verliehen worden<a name="FNanchor_581" id="FNanchor_581"></a><a href="#Footnote_581" class="fnanchor">[581]</a>. Die Naibe oder Stellvertreter der +<span class='pagenum'><a name="Page_302" id="Page_302">[302]</a></span> +Steuervögte wurden nach Tebris einberufen. Medschdulmülk +stand auf einmal in hoher Gunst und verkündete dieselbe +durch seinen Aufwand; er umgab sich mit berittenen Pagen, +die auf arabischen Pferden mit goldenen Gürteln, und +spannte ein von vierzig Säulen getragenes Zelt aus Atlas +von <i>Schuster</i> aus. Schemseddin wandte sich an seine Gönnerin +und Beschützerin Oldschai Chatun, welche den aufgebrachten +Gemahl dem Wesir zu versöhnen sich bestrebte. +Er erhielt eine Audienz: „Wir haben dich“, redete ihn +Abaka an, „in dem dir von Unserem Vater verliehenen +Amte der Wesirschaft mit unumschränkter Machtvollkommenheit +bestätigt und alle Länder deiner Feder untergeben; +wie hast du unser Vertrauen zu misbrauchen und das Doppelte +der Gebühren undankbarerweise dir anzueignen gewagt?“ +Der Chalife Motedhad biemrillah hat gesagt: „Ueber den, +der die Gnaden der Könige mit Undank erwiedert, werden +die Schwerter Recht sprechen.“ Schemseddin antwortete: +„Ein Theil der eingenommenen Gelder ward im Dienste der +Finanzen, ein anderer in dem der Prinzen und Prinzessinnen, +ein Theil zu Gaben und Almosen für's allgemeine Besste +verwendet; was ich besitze an Kapitalien und Gütern, an +Mamluken und Heerden, ist ein Brosamen der Gnaden und +ein Abfall der Huld des Padischah's, den ich auf jeden +Wink zurückzugeben erbötig.“ Abaka, durch diese Sprache +des Wesirs versöhnt, verzieh ihm; er sagte: „Alle deine +Schuld, die sich begeben und die sich nicht begeben, habe +ich dir vergeben<a name="FNanchor_582" id="FNanchor_582"></a><a href="#Footnote_582" class="fnanchor">[582]</a> und dich in deinem Amte neuerdings +bestätigt.“ Die gegebenen Befehle der Verhaftnehmung der +Intendenten des Wesirs wurden widerrufen und Schemseddin +erliess Rundschreiben, um die Wiedererlangung Allerhöchster +Gnade kund zu thun; in demselben waren die +Worte Abaka's, wie folgt, angeführt: „Eine Zeit ist es, +dass durch verlautende Kunden der Veränderung Unserer +Gnade dir die Sicherheit der Nahrung und die Süssigkeit +des Schlafes geraubt worden; nun gehe von hier in Unserem +<span class='pagenum'><a name="Page_303" id="Page_303">[303]</a></span> +Dienste betrunken nach Haus, strecke mit Herzen voll Lust +und mit gesättigter Brust Hand und Fuss fröhlich im Hareme +aus; lege dich früh nieder und stehe spät auf.“</p> + +<div class="sidenote">Medschdulmülk, +Amtsgenosse +Schemseddin's.</div> + +<p>Medschdulmülk, durch die Wiederaufnahme des Wesirs +zu vorigen Gnaden beunruhigt, bat, dass Abaka ihn unter +den Schutz eines der Emire seines Hofes stellen oder davon +entfernen möge. Abaka antwortete, dass, wiewohl er den +Schemseddin wieder zu Gnaden aufgenommen, er dem +Medschdulmülk Nichts Uebles wolle und dass er beim Emir +<i>Taghadschar</i> bleiben könne. Medschdulmülk, von seinem +Rathe und Gelehrten Ssadreddin von Sendschan unterstützt, +fuhr fort, Ränke zu schmieden, und zwar mit so gutem +Erfolge, dass ein Diplom erging, vermöge dessen Medschdulmülk +von Jesd dem Inhaber des Diwans an die Seite +gegeben ward. <span class="xidenote">679/<br />1280</span> Dieses Diplom ward im Götzentempel zu +Mocha in Gegenwart aller Prinzen und Prinzessinnen öffentlich +verlesen und alle Geschäftsleute bemerkten, dass noch +kein Perser von den mongolischen Herrschern dergleichen +Jerligh erhalten. Abaka empfahl dem Medschdulmülk die +grösste Wachsamkeit in Bewahrung und Gebahrung der +Staatsgelder und sich nicht vom Hofe zu entfernen, wo er +unter seinem Schutze stehe<a name="FNanchor_583" id="FNanchor_583"></a><a href="#Footnote_583" class="fnanchor">[583]</a>. Medschdulmülk stellte in +allen Ländern Stellvertreter mit zahlreichem Gefolge an, +und in den Erlassen des Diwans wurde der Name Schemseddin's +als des Inhabers rechts, der Medschdulmülk's links +auf derselben Höhe geschrieben. Zu dieser Zeit schrieb +Medschdulmülk, seine Feindschaft nicht verhehlend, an +Schemseddin die Verse:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Ich werd' in's Meer von deinem Kummer springen,<br /></span> +<span class="i0">Ich werd', ertrunken, alle Perlen bringen;<br /></span> +<span class="i0">Die Feindschaft ist zwar stark, doch hab' ich Lust,<br /></span> +<span class="i0">Zu röthen das Gesicht, wenn nicht, die Brust<a name="FNanchor_584" id="FNanchor_584"></a><a href="#Footnote_584" class="fnanchor">[584]</a>.<br /></span> +</div></div> + +<p>Schemseddin antwortete hierauf:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Da es unmöglich, Schahe zu verklagen,<br /></span> +<span class="i0">So heisst es, still den Sturz der Welt ertragen;<br /></span> +<span class='pagenum'><a name="Page_304" id="Page_304">[304]</a></span> +<span class="i0">Was du begonnen hast, war nicht vonnöthen,<br /></span> +<span class="i0">Wird dir wie das Gesicht den Nacken röthen.<br /></span> +</div></div> + +<p>Schemseddin, starkmüthiger Geduld, schlürfte den Becher +der Demüthigung bis zum Hefen aus. Als er eines Tages +mit seinem Amtsgenossen Feinde auf den Stufen des Thrones +erschienen, befahl ihm Abaka, die untere Stufe einzunehmen; +ein andermal, bei einem Gastmahle, verweigerte Abaka +dreimal den ihm von Schemseddin dargebrachten Becher, +den dieser hiernach dem ober ihm knienden Feinde darbrachte; +Abaka reichte hierauf dem Schemseddin, dem +eifrigen Moslime, ein Stück Schweinfleisch, das dieser +schweigend verschluckte; da sagte Abaka zu den Trinkgenossen: +Dort ist ein guter und ausharrender Mann; ich +hatte beschlossen, hätte er sich das Schweinfleisch zu essen +geweigert, ihm mit der Spitze des Messers das Aug' auszustechen. <span class="xidenote">Rebiulewwel 680/<br />1281</span> +Nun erschien Alaeddin, der Statthalter Bagdads, +der Bruder Schemseddin's, welcher mit demselben in der +Anklage von Gelderpressung verwickelt war, zu Bagdad +ohne allen Aufwand in reinlicher Kleidung, und sogleich +war von allen Seiten ein Heer von Anklägern und Zwischenträgern +in der Luft; Medschdulmülk zeigte an: Alaeddin +habe nun durch zwanzig Jahre die Steuerausschreibung des +arabischen Irak und Chusistan's verwaltet und in jedem dieser +Jahre über zwanzig Tomane Zuschuss erhoben. Alaeddin +rechtfertigte sich „durch die ihm aufgebürdeten Ausgaben +für die Prinzen und Frauen, für die Emire und Intendenten +der Gauen, durch den Aufwand für die Gesandten am Hofe, +für Geschenke und reiche Stoffe, welche alle die wichtigen +Lasten der Pachten die Diwanseinnahmen vollmachten“<a name="FNanchor_585" id="FNanchor_585"></a><a href="#Footnote_585" class="fnanchor">[585]</a>. +Da die Ankläger hierin nicht aufkamen, änderten sie ihr +Spiel. „Sie stellten“, sind Wassaf's Worte, „dem Könige +gegenüber einen anderen Bau als Thurm auf und trugen +vor, dass von den vor zehn Jahren<a name="FNanchor_586" id="FNanchor_586"></a><a href="#Footnote_586" class="fnanchor">[586]</a> gelegten Rechnungen +noch zweihundert fünfzig Tomane zu zahlen übrig seien.“ +Bei gepflogener Untersuchung zeigte es sich, dass diese +<span class='pagenum'><a name="Page_305" id="Page_305">[305]</a></span> +Summe nicht dem Statthalter, sondern den Pächtern der +Districte zur Last falle, von denen dieselbe einzutreiben +unmöglich. So wurde darüber hinausgegangen und Alaeddin +wieder nach Bagdad zur Verwaltung seines Amtes zurückgesandt. +Was den Anklägern Schemseddin's und seines +Bruders vorzüglich zu statten kam, war der durch die neuen +Kriegsrüstungen eingetretene Geldmangel. Von Aegypten +her nahten sich die ägyptischen Befehlshaber <i>Elfi</i> und +<i>Aschkar Sonkar</i> mit einem Heere, welchem der Prinz Mengu +Timur entgegengesandt ward; ein anderes Heer ging nach +Osten zum Dienste des Kronprinzen Arghun in Chorasan, +und ein drittes war zur Huth der Gränze von Derbend erforderlich. +Abaka war in der Absicht, zu Bagdad zu überwintern, +auf der Strasse von Irbil und Mossul aufgebrochen +und Alaeddin hatte auf dieser Seite die Vorhuth vorausgesandt. <span class="xidenote">1. Redscheb 680/<br />16. Oct. 1281</span> +Zu Rahbet hielt Abaka grosse Kreisjagd und trat +von hier den Weg nach Bagdad an. Diesen Augenblick +benutzte Medschdulmülk, um dem Padischah zur Füllung +der geleerten Cassen die von Alaeddin dem Schatze schuldigen +Summen in's Gedächtniss zu rufen.</p> + +<div class="sidenote">Alaeddin +opfert sein +Habe +und wird +verbannt.</div> + +<p>Alaeddin, von allen Seiten der neuen, seinem Habe +und Blute drohenden Gefahr benachrichtigt, ergriff das einzige +Rettungsmittel des letzten durch freiwilliges Opfer des +ersten. Er sandte sogleich sein ganzes Habe vom Grössten +bis zum Kleinsten an den Fuss der Majestät: „Sein ganzes +Habe“, nach den Worten des in der ganzen Fülle asiatischen +Styles wuchernden Wassaf, „von den glänzenden Perlen, +welche wie Glückessterne strahlten, bis zu den geringsten +Korallen und den hölzernen Geschirren, den gemalten, von +den kostbarsten Tapeten geflochten aus den goldenen Drähten +bis zu den schlechtesten Kotzen und strohgeflochtenen Matten, +von den Reinsten und Schöngestaltetsten bis zu den Niedrigsten +und Veraltetsten, von den Gefässen, den vergoldeten, +den auserwählten, bis zu den alten Hausgeräthen, den in +die Rumpelkammer gestellten, von den Gürteln und Floren +bis zu den Vorhängen von Thoren, von den Sklavinnen, den +schönsten der Zeit, deren Wangen Rubinen von Bedachschan, +<span class='pagenum'><a name="Page_306" id="Page_306">[306]</a></span> +bis zu den Stallknechten (Kutal), mit groben Kitteln angethan; +er schaffte herbei aus der Musikkapelle die Pfeifen +und Trommeln, an deren Stelle die wiehernden und yahenden, +die sich stattlich und mannichfarbig als Reitthier nahenden, +von den Mäulern und Pferden die wohlfeilen und die werthen, +Kameele und Kameelinnen, Böcke und Widder. Sein Zweck +war, in Ehren zu beharren und nicht die Waaren zu bewahren; +er war bereit, Alles zu wagen und beizutragen +und setzte den Fuss auf den Spruch:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Gott soll nach meiner Ehre mein Gut nicht segnen</i>,<br /></span> +</div></div> + +<p>als auf seinen höchsten und unabänderlichsten Entschluss.“ +Zugleich eilte Alaeddin dem Ilchan entgegen und warf sich +auf der Station Dodscheil zu seinen Füssen. Da die Summe +der eingelieferten Schätze doch noch unter der Erwartung +geblieben, wurde er ungnädig empfangen, und es erging +ein Jerligh, um den Emir Taghadschar zur Einleitung des +Prozesses nach Bagdad zu berufen; er plünderte noch das +von Alaeddin gestiftete Karawanserai (Robath) Kloster, und +da im Hause Alaeddin's nur der Besitzer allein zurückgeblieben +war, wurde dieser in Empfang und Verhaft genommen. +Alaeddin wurde in den Halsblock geschlagen, auf +die Folter gelegt, nackt zu Bagdad hineingeführt und dann +verbannt. In dieser Tiefe seines Elends sandte er an seinen +Bruder, den Wesir, die arabischen Verse:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Freund! dein Ohr dem Manne schenke,<br /></span> +<span class="i0">Den man führt zur Todestränke;<br /></span> +<span class="i0">Meinem gnädigen Herrn klag' ich<br /></span> +<span class="i0">Und der Zeiten Unbill trag' ich;<br /></span> +<span class="i0">Nacken schlanker Mädchen steht mir an,<br /></span> +<span class="i0">Nicht der Bannstrahl im Dorfe <i>Ban</i>.<br /></span> +</div></div> + +<p><i>Ban</i> heisst das Dorf bei Nissibin, nach welchem er verbannt +ward und dessen Name hier mit <i>Ban</i> spielt, dem Namen +der babylonischen Weide, mit deren biegsamen Stamm und +Aesten der Nacken und die Glieder der Schönen verglichen +werden. Seine Feinde fanden in diesen Versen neuen Stoff +von Anschwärzung und Verfolgung; sie ärgerten sich darüber, +dass er inmitten seines Unglücks noch Lust und Geist genug +<span class='pagenum'><a name="Page_307" id="Page_307">[307]</a></span> +besitze zu arabischen Versen und Wortspielen. Einem +Freunde, der ihm von der Stimmung der Feinde Nachricht +gab, schrieb er:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Dem Freunde send' ich Wort: Mich beugt Erniedrung nicht,<br /></span> +<span class="i0">Wann Nächte wenden sich mit seltsamem Gesicht;<br /></span> +<span class="i0">Wie soll ich kümmern mich um der Geschäfte Macht,<br /></span> +<span class="i0">Da Gott sich meiner annimmt, mich beschützt, bewacht.<br /></span> +</div></div> + +<p>Alaeddin, welcher europäischen Orientalisten bisher nur als +Geschichtschreiber bekannt gewesen, verfasste in seinem +Elende mehrere Gedichte, deren einige in dem Buche des +<i>Trostes der Brüder</i>, welche eine Art von arabischen Boethius, +gesammelt sind. Seine berühmte Kassidet allein, deren +Beginn:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Wenn dich die Welt anschauet schief,<br /></span> +<span class="i0">Bewege diess dir nicht die Brust,<br /></span> +</div></div> + +<p>haben über siebzig Dichter durch Glossen commentirt<a name="FNanchor_587" id="FNanchor_587"></a><a href="#Footnote_587" class="fnanchor">[587]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Alaeddin's +fernere +Schicksale.</div> + +<p>Die Feinde Alaeddin's, um seinen Ruin zu vollenden, +nahmen zu neuen Listen und Lügen, Verschwärzungen und +Verläumdungen die Zuflucht. Sie klagten ihn verrätherischen +Briefwechsels mit Aegypten an und bedienten sich als +Werkzeuges ihrer Ränke eines unbekannten Juden. Dieser +beschrieb zu wiederholtenmalen ein Papier mit farbigen +Linien aus Safran und Grünspan als einen Talisman, und +dieses wurde während der Hausuntersuchung in den Kleidern +Alaeddin's verborgen. Dieser falschen Anklage sollten die +ägyptischen Zustände Glaubwürdigkeit geben. Vor einigen +Monaten war zwischen <i>Kilawun Elfi</i>, dem im Namen des +unmündigen Sohnes Bondokdar's Aegypten beherrschenden +Fürsten, und den Begen der Mamluken Uneinigkeit ausgebrochen +und Sonkar Aschkar hatte sich mit Isa Ben Mohenna, +dem Emire der syrischen Beduinen, verbunden; wider dieselben +sandte Elfi ein Heer nach Damaskus, welches bis +nach Aana und Hadise an die Ufer des Euphrats streifte. +Abaka sandte einen Gesandten an Elfi und Sonkar, um sie +<span class='pagenum'><a name="Page_308" id="Page_308">[308]</a></span> +einzuladen, die Länder des Ilchan's nicht zu belästigen und +sich ihm zu unterwerfen. Diese Gesandtschaft traf in dem +Augenblicke ein, als die beiden verbündeten Emire von +Elfi geschlagen worden waren; sie versprachen sich Hilfe +von Abaka, und der Emir der Wüste sandte seinen Bruder +mit dem Gesandten nach Bagdad, als Alaeddin dort noch +in der Machtvollkommenheit seines Amtes stand. Er berichtete +an den Ilchan die wahre Lage der Dinge und erhielt +den Befehl desselben, den Sonkar und den Bruder des Emirs +freundlich zu behandeln. Diesem Befehle gemäss hatte Alaeddin +dieselben freundlich empfangen und ihnen zu Bagdad +Gold und Korn angewiesen; dies war Alles, was an der +Verbindung Alaeddin's mit Aegypten wirklich und wahr. +Zu dieser Zeit hatte Mengu Timur (der Bruder Abaka's) +ein zahlreiches Heer an die Ufer des Euphrats geführt; +Sonkar und Isa schickten Gesandte an Abaka, um den Rückmarsch +dieses sie bedrohenden Heeres zu bitten, und Mengu +Timur erhielt den Befehl, sich vom Euphrat abzuwenden, +während auf der anderen Seite gleichzeitig Prinz Baidu, +der Sohn Tarakai's (des fünften Sohnes Hulagu's) und +folglich der Neffe Abaka's, mit einem Heere in Syrien einfiel. +Diesen scheinbaren Widerspruch der Bewegung der +mongolischen Heere in Syrien und am Euphrat, indem sie +dort vordrangen, hier sich zurückzogen, rissen die Feinde +Alaeddin's als eine Waffe wider denselben an sich, und indem +sie den Gesandten des Beduinenfürsten für sich gewannen, +traten sie mit Alaeddin in Banden die Reise nach dem +Hofe an, der damals zu Hamadan. Alaeddin's Trost in +dieser misslichen Lage waren die Beweise von Theilnahme, +die er von allen Grossen erhielt, die ihm dieselben in +Briefen und Gedichten kund gaben. So schrieb ihm Behaeddin +Ali:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Ich höre, dass du immer klagst und weinest<br /></span> +<span class="i0">Und früh und spät mit deinem Kummer greinest;<br /></span> +<span class="i0">Wie lang' setzt Welt dir an den Hals das Messer?<br /></span> +<span class="i0">Sei ruhig und geduldig, es ist besser.<br /></span> +</div></div> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_309" id="Page_309">[309]</a></span></p> +<p>Alaeddin antwortete hierauf:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Wie soll ich klagen nicht, mein Aug' nicht weinen,<br /></span> +<span class="i0">Da wenig fehlt, dass mich zertrümmern Peinen?<br /></span> +<span class="i0">Die Welt hat angefallen mich mit Steinen,<br /></span> +<span class="i0">Wie soll ich schlottern nicht in den Gebeinen?<br /></span> +</div></div> + +<p>Als Alaeddin, von seinen Feinden geführt, auf dem Wege +von Bagdad nach Hamadan auf die Höhe von Esedabad gekommen, +begegnete ihnen die Nachricht von dem Tode +Abaka's, welcher dem Schicksale Alaeddin's und seines +Bruders günstigere Wendung gab. Ehe wir des Todes +Abaka's umständlicher erwähnen, liegt uns noch ob, einige +frühere Begebenheiten und den weiteren Verfolg des syrischen +Feldzuges zu erzählen.</p> + +<div class="sidenote">Feldzug wider +Sistan, +Chorasan, +Syrien.</div> + +<p>Drei Jahre vor seinem Tode war Abaka selbst von Tebris +gegen Chorasan aufgebrochen, wohin er seinen Sohn <i>Arghun</i> +vorausgesandt, um die Niguderischen Banden, deren Einfall +in Fars oben erzählt worden, zu Paaren zu treiben; er kam +aber nicht weiter, als bis Sistan, dessen Hauptstadt er belagerte +und dann wieder zurückkehrte; <span class="xidenote">1. Moharrem 677/<br />25. Mai 1278</span> er brachte den +Oldschai Buka, den ältesten Sohn Mubarekschah's (des Sohnes +Muwatukjan's), und andere Prinzen des Uluses Dschaghatai +mit sich; <span class="xidenote">14. Reb. II. 677/<br />5. Aug. 1278</span> dann begab er sich nach Herat, wo ihm die Emire +der Karawinas<a name="FNanchor_588" id="FNanchor_588"></a><a href="#Footnote_588" class="fnanchor">[588]</a>, eines der kriegerischsten und, wie Wassaf +sagt, der teuflischen Stämme der Mongolen (die Naphtafeuerwerker), +huldigten, welche ihren Namen vermuthlich +von ihrem Sitze zu <i>Karawin dscheidun</i> haben. Bei seiner +Rückkehr nach Tebris vertheilte er nach dem Beispiele seines +Vaters, Hulagu, Ländereien als Leibgedinge der Frauen. <span class="xidenote">2. Reb. II./<br />23. August 1278</span> +Die Frau Kutui erhielt Miafarakain, die Frau Oldschai einen +Theil Diarbekrs und <i>Dschiseretol-Omar</i>, der Gemahlin Dschumkur's, +<i>Nulun Chatun</i>, des Oheims Abaka's, und ihren beiden +Söhnen, <i>Dschuschkab</i> und <i>Kunschu</i>, wurde Selmas mit seinem +<span class='pagenum'><a name="Page_310" id="Page_310">[310]</a></span> +Gebiete verliehen. Buka, der Sohn Hukutai's, der Dschelaire, +welcher, nach des Vaters Tod ein unmündiger Waise, +unter Abaka's Augen erzogen worden, wurde zu einem der +grossen <i>Inaken</i>, d. i. der vertrauten Hofdiener, und später +zum Schatzmeister des Pelzschatzes (<i>Postin</i><a name="FNanchor_589" id="FNanchor_589"></a><a href="#Footnote_589" class="fnanchor">[589]</a>, woher das +<i>Postelnik</i> der Russen und Wallachen) ernannt. Die Niguderischen +Banden waren kaum aus Fars abgezogen, als die +Nachricht eintraf von einem Angriffe der Aegypter auf +<i>Kalaater Rum</i>, d. i. das Römerschloss, welches an der Stelle +des alten <i>Zeugma</i> den Uebergang über den Euphrat vertheidigt. +Sultan Said, der Sohn und Nachfolger Bondokdar's +(unter der Vormundschaft Kilawin Elfi's), hatte ein Heer +von neunzigtausend Reitern und viertausend Fussgängern +wider diese Festung abgesandt. Die ägyptischen Truppen +befehligte der Emir <i>Beiseri</i>, die syrischen Hossameddin von +Aintab. Die Stadt wurde eingenommen und verbrannt; da +die Citadelle aber fest hielt, zogen die Eroberer nach fünf +Tagen beutebeladen ab. Sultan Said war in Aegypten abgesetzt, +mit dem Leibgedinge von Kerek dahin verwiesen +und die Sultanschaft dem Emir Kilawin Elfi, dem Kipdschaken +aus dem Stamme Burdsch Oghlu, übertragen worden; dieser +nahm dieselbe vor der Hand nicht an, sondern begnügte +sich, im Namen des siebenjährigen Selamisch, des Sohnes +Bondokdar's, als der Atabeg desselben zu herrschen; aber +die Namensherrschaft des siebenjährigen Knaben dauerte nur +hundert Tage, nach welchen er abgesetzt und zu seinem +Bruder nach Kerek verwiesen ward. <span class="xidenote">2. Redscheb 678/<br />27. Nov. 1279</span> Kilawin Elfi, so beigenannt, +weil er um tausend Goldstücke gekauft worden, +und <i>Ssalihi</i>, weil er ein Mamluke Ssalih's, des letzten +ägyptischen Sultans aus der Familie Ejub, bestieg den Thron +als Sultan Manssur, d. i. der Siegreiche, ein Beiname, dessen +gute Vorbedeutung während seiner ganzen Regierung erfüllet +ward. Der Emir <i>Sonkar aschkar</i>, d. i. der Blonde, +machte ihm als Nebenbuhler den Thron streitig, indem er +<span class='pagenum'><a name="Page_311" id="Page_311">[311]</a></span> +sich zu Damaskus zum Sultan ausrufen liess, aber bald mit +seinem Verbündeten, Isa Ben Mohenna, von den Truppen +des Sultans geschlagen, hatte er sich, wie oben erwähnt +worden, mit Alaeddin, dem Wesire Abaka's, zu Bagdad in +Unterhandlung eingelassen und sich dann in's syrische Schloss +<i>Sahiun</i>, eines der festesten, ehemals den Assassinen gehörigen, +geworfen. Abaka hielt diesen Augenblick günstig +für den syrischen Feldzug. <span class="xidenote">18. Oct. 1280</span> Seine Truppen marschirten in's +Gebiet von Haleb ein, wo sie <i>Aintab</i>, <i>Derbesak</i> und <i>Baghras</i> +besetzten und bis nach Haleb vordrangen, rennend, brennend, +staubend, raubend, Männer tödtend, nur den Weibern als +Sklavinnen das Leben rettend. Kilawin war von Aegypten, +wo er seinen Sohn unter dem Namen <i>Melik ess-Ssalih</i> als +Thronfolger ausgerufen, gegen Syrien aufgebrochen; als er +vernommen, dass der Feind mit der Beute von Haleb abgezogen, +wieder nach Kairo zurückgekehrt.</p> + +<div class="sidenote">Schlacht von +Himss; +Abaka's +Tod.</div> + +<p>Im folgenden Frühjahre zog Kilawin wider seinen Thronnebenbuhler +<i>Sonkar</i> aus, der noch im festen Schlosse <i>Scheiser</i> +hielt. <span class="xidenote">19. Moharrem 680/<br />10. Mai 1281</span> Er versprach die Auslieferung desselben für die Abtretung +von <i>Famia</i> (Apamia), Antiochien, <i>Latakia</i> (Laodicea) +und der Schlösser <i>Sahiun</i>, <i>Belatonus</i>, <i>Bersijet</i>; auch +die beiden letzten gehörten, wie Sahiun, unter die festesten +Schlösser der Assassinen vom Gebirge, welches von ihnen +den Namen des <i>Messers</i> (<i>Sikin</i>) führt. Belatonus ist das +alte Banias an der Seeküste nördlich von Merkab und Bersijet, +ein kleines Schloss an dem westlichen Saume des Berges +<i>Chait</i>, welcher auf der Ostseite des Sees von Apamea<a name="FNanchor_590" id="FNanchor_590"></a><a href="#Footnote_590" class="fnanchor">[590]</a>. +Diese Forderung war kaum zugestanden, als Kilawin den +Anzug zweier mongolischer Heere vernahm, deren eines, von +Abaka selbst befehligt, sich gegen Rahbet wandte, das andere, +unter dem Befehle Mengu Timur's, des Bruders Abaka's, +zwischen Kaissarije und Ablistan (Cäsarea und Comane) +gelagert hatte. Mengu Timur zog langsam in Syrien auf +der Strasse nach Aintab und stand, nachdem er Hama verheert, +vor Himss, wo auch Kilawin, durch die Truppen +<span class='pagenum'><a name="Page_312" id="Page_312">[312]</a></span> +Sonkar's verstärkt, eingetroffen war. <span class="xidenote">14. Redscheb 680/<br />30. Oct. 1281</span> Die Schlacht blutete +in der Ebene nicht ferne vom Grabmale <i>Chalid's</i> (beigenannt +das Schwert Gottes), des Eroberers Syriens unter dem +Chalifate Omar's. Das Heer Mengu Timur's zählte fünf und +zwanzigtausend Mongolen, fünftausend Georgier, eine armenische, +von König Leo befehligte Truppenabtheilung und +eine der Türken Rums; auch das ägyptische Heer, welches +die ersten der Emire<a name="FNanchor_591" id="FNanchor_591"></a><a href="#Footnote_591" class="fnanchor">[591]</a> befehligten, war von syrischen +Turkmanen und Kurden verstärkt. Der linke Flügel der +Aegypter vom rechten der Mongolen, welchen Mengu Timur +an der Spitze der Uiraten, Georgier und Armenier befehligte, +wurde bis an die Thore von Himss zurückgeschlagen; +aber Mengu Timur selbst, bald hernach vom Emir Usdemir +verwundet, ergriff die Flucht; seine Flucht zog die Niederlage +des mongolischen Heeres nach sich, das nach allen +Seiten floh. Von Seite der Mongolen war Semaghar, einer +ihrer tapfersten Feldherrn, von Seiten der Aegypter der +Emir Usdemir, welcher den Prinzen Timur verwundet und +vom Pferde gestürzt hatte, geblieben. Die Mongolen hatten +sich theils gegen Haleb, theils gegen Selemijet, die an der +Gränze der Wüste gelegene Stadt, geflüchtet; die letzten, +durch den ägyptischen Befehlshaber Rahbet's abgeschnitten, +irrten in der Wüste, wo sie dem Hunger und Durst erlagen; +nur sechshundert Reiter wurden gefangen und zu Rahbet +geköpft; eine andere, vor Burt gelagerte mongolische Truppenabtheilung +wurde gleichzeitig von den Belagerten angegriffen, +die fünfhundert derselben tödteten. Mengu Timur +zog sich nach Dschesiret, dem Leibgedinge seiner Mutter, +Oldschai Chatun, zurück. <span class="xidenote">9. Dschemm. sani/<br />25. Sept.</span> Abaka war, während Mengu Timur +in Syrien einmarschirt, jagend bis Rahbet gekommen, kehrte +aber dann nach Sindschar zurück und war Anfangs Novembers +in seinem Lager vor Mossul eingetroffen. Hier erhielt er +die Kunde der Niederlage seines Heeres. Erzürnt kündete +er für den nächsten Frühling ein Kurultai an, wo die Feldherren, +die ihre Schuldigkeit in der Schlacht nicht gethan, +<span class='pagenum'><a name="Page_313" id="Page_313">[313]</a></span> +bestraft werden sollten. <span class="xidenote">6. Silkide/<br />13. Februar</span> In der Hälfte des Februars brach +Abaka von Bagdad nach Hamadan auf, wo er im Palaste +Fachreddin Minotschehr's abstieg. Er überliess sich dem +Genusse geistiger Getränke, dem er unmässig ergeben. Eines +Abends glaubte er in seiner Trunkenheit einen schwarzen +Vogel vor sich zu sehen: Weg mit dem schwarzen Vogel, +rief er; aber so viel die Leibwachen auch spähten, war von +einem schwarzen Vogel nichts zu sehen. Auf einmal schloss +er die Augen und gab, auf goldenem Throne sitzend, den +Geist auf<a name="FNanchor_592" id="FNanchor_592"></a><a href="#Footnote_592" class="fnanchor">[592]</a>. <span class="xidenote">20. Silhidsche 680/<br />1. April 1282</span> Er wurde an der Seite seines Vaters in dem +Schlosse <i>Teke</i> am See von Meragha bestattet; schon am +fünf und zwanzigsten Tage nach seinem Tode folgte ihm +auch sein Bruder Mengu Timur in's Grab zu Teke<a name="FNanchor_593" id="FNanchor_593"></a><a href="#Footnote_593" class="fnanchor">[593]</a>. Abaka +starb acht und vierzig Jahre alt, von denen er siebzehn +geherrscht, der Befestiger der Herrschaft der Ilchane in +Persien und Georgien im Geiste des Gründers Hulagu; kein +Eroberer, wie dieser, aber auch minder grausam. „Abaka“, +sagt der Mönch Haitho, „war ein staatskluger, sein Reich +glücklich verwaltender Herrscher, der nur in zwei Dingen +unglücklich; erstens, dass er nicht Christ werden wollte +und als Götzendiener den Götzenpriestern Glauben beimass; +zweitens, dass er, in beständigem Kriege mit den Nachbarn +verwickelt, den Sultan Aegyptens in Ruhe lassen musste, +der sich durch mongolische Ueberläufer und durch Bündnisse +mit dem Herrscher des Uluses Kipdschak verstärkte.“</p> + +<div class="sidenote">Verhältniss +gegen die +Christen.</div> + +<p>Die Klage Haitho's, dass Abaka nicht Christ werden +wollte, beweiset schon, dass Hoffnungen oder Bemühungen +zu seiner Bekehrung rege waren; ferneren Beweis liefern die +in den Geschichtschreibern der Päpste erhaltenen Schreiben +<span class='pagenum'><a name="Page_314" id="Page_314">[314]</a></span> +desselben an Abaka. Papst Clemens IV. meldet in einem +aus Veterbo erlassenen Schreiben, dass er das Schreiben +des Chan's erhalten; <span class="xidenote">1267</span> bedauert aber, dass dasselbe nicht +lateinisch abgefasst, weil Niemand dasselbe lesen und verdolmetschen +konnte und er also den Worten des Boten allein +Glauben beimessen müsste; dieser scheint wirklich seine +Botschaft grossentheils aus sich selbst geschöpft zu haben, +denn es ist nicht wahrscheinlich, dass Abaka (wie ihm +Clemens dafür dankt) ihm seine Freude über die Niederlage +Manfred's des Hohenstaufen bezeugt, dass er ihm seine Bereitwilligkeit +gemeldet, mit seinem Schwiegervater dem +Paläologen und den Lateinern zu helfen, und noch unwahrscheinlicher, +dass er gegen ihn den Wunsch, Christ zu +werden, geäussert habe. <span class="xidenote">26. Jan. 1274</span> Sieben Jahre später waren Gesandte +Abaka's mit Schreiben nicht nur an den Papst, sondern +auch an andere christliche Könige beglaubigt. Eduard I., +der König von England, ermuthigte ihn in seinem Antwortschreiben, +in dem Entschlusse der Bekehrung zum Christenthume +zu verharren, und Gregor X. empfing den Gesandten +Abaka's auf der Kirchenversammlung zu Lyon, wo statt des +Senders wenigstens der Gesandte getauft ward. <span class="xidenote">1277</span> Drei Jahre +hernach erschienen abermals zwei Fremde, die sich für Gesandte +Abaka's ausgaben, am Hofe des Papstes Joannes XXI. +mit einem Aufrufe an alle christlichen Fürsten zu einem +Kreuzzuge nach Palästina. Man bewog sie, an den Hof der +Könige von Frankreich und England sich zu begeben. Dem +Könige Philipp versprachen sie den Beistand Abaka's, wenn +er zu Akka landen wollte. Diese beiden Gesandte, welche +georgische Christen gewesen zu sein scheinen, hatten zu +Rom versichert, dass Abaka und sein Oheim, der Grosskaan +Kubilai, bereit seien, zum Christenthume überzutreten; +Joann XXI. bestimmte fünf Franziskaner zur Erwiederung +der Botschaft; da er aber vor ihrer Abreise starb, traten +sie erst im folgenden Jahre mit Schreiben Nikolaus III. an +Abaka und seinen Oheim Kubilai<a name="FNanchor_594" id="FNanchor_594"></a><a href="#Footnote_594" class="fnanchor">[594]</a> die Reise an. „Die +<span class='pagenum'><a name="Page_315" id="Page_315">[315]</a></span> +römische Mutterkirche“, schreibt Nikolaus an Abaka, „freut +sich des Inhaltes des durch die Gesandten Deiner Herrlichkeit, +Joannes und Jakob <i>Vussali</i>, Unserem Vorfahren gebrachten +Schreibens, welches, wenn ein christliches Heer in Syrien +landete, demselben Verpflegung verheissen, und an dem +Ende Wir Allem, was sie mündlich sagen, Glauben beizumessen +aufgefordert werden. Unter dieser Beglaubigung<a name="FNanchor_595" id="FNanchor_595"></a><a href="#Footnote_595" class="fnanchor">[595]</a> +haben sie Unserem Vorfahren, unter dessen Cardinälen Wir +uns damals befanden, die höchst angenehme Nachricht gegeben, +dass Deine Herrlichkeit und Dein Oheim Kubilai, Ihr +beide unsere in Christo geliebteste Söhne, einige Personen +verlangt, um Euch und Eueren Sohn in der christlichen +Lehre zu unterrichten und zu taufen.“ Der Papst bittet +den Chan, die Missionäre gütig aufzunehmen, ihnen in allem, +was sie ihm über die Taufe, Dogmen und Religionspflichten +sagen werden, Glauben beizumessen, sie auf ihrer Reise +zum Grosschan frei zu halten, und empfielt ihm dann alle +Christen Unterthanen des Chans als Freunde<a name="FNanchor_596" id="FNanchor_596"></a><a href="#Footnote_596" class="fnanchor">[596]</a>. In dem +den fünf Franziskanern ertheilten Breve begewaltigt er sie, +in allen den Tataren untergebenen Ländern das Wort Gottes +zu predigen, den Abaka und alle, die sich zum christlichen +Glauben bekehren wollten, zu taufen, die Excommunicirten +zu absolviren, Beicht zu hören und Busse aufzulegen, auch +sogar die Mörder von Clerikern und Priestern loszusprechen, +wenn sie nur an Kirchen und Klöster gehöriges Sühnungsgeld +zahlen, neue Kirchen zu stiften, den Neuvermählten +ihre Frauen, die ihnen nicht in verbotenen Graden verwandt, +zu gestatten, in Ehesachen zu entscheiden, selbst +dort, wo weder Kirche noch Oratorium, Messe zu lesen, +die Grundfeste einzusegnen, Gelübde umzuändern, Messkleider +und Altäre zu weihen, wo katholische Bischöfe nicht +vorhanden, und alles gemeinsam oder einzeln zu unternehmen, +was zur grösseren Ehre Gottes und Verbreitung der katholischen +<span class='pagenum'><a name="Page_316" id="Page_316">[316]</a></span> +Lehre förderlich und erspriesslich<a name="FNanchor_597" id="FNanchor_597"></a><a href="#Footnote_597" class="fnanchor">[597]</a>. Die Bekehrung +Kubilai's und Abaka's wurde durch diese fünf Franziskaner +eben so wenig bewirkt, als dreissig Jahre früher die +Batu's und Gujukchan's durch die Missionäre Gregor's IV.; +aber von diesen letzten bestehen die Reiseberichte Plan +Carpin's und Rubruquis über die Länder, Sitten und Herrscher +der Mongolen, während von der Mission der fünf +Franziskaner keine weitere Spur<a name="FNanchor_598" id="FNanchor_598"></a><a href="#Footnote_598" class="fnanchor">[598]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Literatur.</div> + +<p>Unter Abaka's Regierung dauerte der Flor der Literatur, +dessen wir schon unter der Hulagu's und weiter oben erwähnt +haben, in erfreulichem Glanze fort; das grösste Verdienst +dieser Stätigkeit gebührt nach Nassireddin von Tus wohl +dem gelehrten Brüderpaar <i>Schemseddin</i> und <i>Alaeddin Dschuweini</i>, +welche schon von Hulagu als Wesire mit der höchsten +Leitung der Reichsgeschäfte betraut, denselben auch während +der siebzehnjährigen Regierung Abaka's vorstanden, +bis zum Schlusse derselben ihr Kredit und Ansehen, erschüttert, +wankte. In Rum hatte sich die schönste Blüthe +mystischer Philosophie und Poesie in den Werken <i>Ssadreddin's +von Konia</i> und <i>Dschelaleddin Rum's</i> entfaltet. Zu +Schiras lebte noch der hundertjährige <i>Saadi</i> (dessen Lebenscenturie +zugleich das Jahrhundert des grössten Aufschwungs +persischer Poesie) in Freundschaft mit dem Dichterkönig +und Schönschreiber Hemker Farsi, der als Dichterkönig +<i>Medschdeddin Semeki</i><a name="FNanchor_599" id="FNanchor_599"></a><a href="#Footnote_599" class="fnanchor">[599]</a> hiess, mit <i>Imami</i> aus Herat und +mit Chodscha <i>Hemameddin</i><a name="FNanchor_600" id="FNanchor_600"></a><a href="#Footnote_600" class="fnanchor">[600]</a>, dem Schreiber Nassireddin's +von Tus, dem reichen und gastfreien Manne, welcher den +Sohn des Wesirs Schemseddin zu Tebris mit einem in vierhundert +porcellanenen Schüsseln aufgetragenen Gastmahle +<span class='pagenum'><a name="Page_317" id="Page_317">[317]</a></span> +bewirthete. Ausserdem noch die folgenden Dichter: <i>Purbeha +Dschami</i>, welcher halb mongolisch, halb persisch dichtete +und mit Chodscha Hemameddin besonders im künstlichen +und schweren Versmaasse wetteiferte<a name="FNanchor_601" id="FNanchor_601"></a><a href="#Footnote_601" class="fnanchor">[601]</a>; <i>Abulmadhi Raigani</i>, +so von dem in der Nähe Kaswins gelegenen Dorfe <i>Raigan</i> +beigenannt, berühmt durch einen auf die fromme Stiftung +Melik Iftichareddin's von Kaswin aus dem Stegreife gesagten +Viervers<a name="FNanchor_602" id="FNanchor_602"></a><a href="#Footnote_602" class="fnanchor">[602]</a>. <i>Dschemaleddin von Kaschan</i>, welcher eine +berühmte Redondille Saadi's mit gleicher entgegnete<a name="FNanchor_603" id="FNanchor_603"></a><a href="#Footnote_603" class="fnanchor">[603]</a>. +<i>Dschemaleddin Rastak ol kotu</i>, welcher seinen Beinamen +von Rastak, einem Stadtviertel Kaswin's, hat und unter der +Regierung Abaka's neunzigjährig starb<a name="FNanchor_604" id="FNanchor_604"></a><a href="#Footnote_604" class="fnanchor">[604]</a>; der Richter <i>Behaeddin +Sendschani</i>, der Lobredner Schemseddin's des Wesirs, +welcher so, wie Purbeha, mongolische und türkische Wörter +persischen einmischte<a name="FNanchor_605" id="FNanchor_605"></a><a href="#Footnote_605" class="fnanchor">[605]</a>. <i>Rasijeddin Bela</i> war Intendent +der Pachten von Diarbekr; als ihn Abaka absetzte und seine +Stelle dem Emir Dschelaleddin verlieh, welcher ursprünglich +ein Halbtrommelschläger, hatte Rasijeddin den Muth, dem +Wesir Schemseddin den Viervers zuzusenden:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">O Schah! du nahmst das Land von uns zum Zeitvertreib,<br /></span> +<span class="i0">Gabst einem Zwitter es, der weder Mann noch Weib;<br /></span> +<span class="i0">Es ist nun sonnenklar dem Aug' der beiden Welten,<br /></span> +<span class="i0">Was dir der Schlag des Schwerts und der der Trommel gelten<a name="FNanchor_606" id="FNanchor_606"></a><a href="#Footnote_606" class="fnanchor">[606]</a>.<br /></span> +</div></div> + +<p>Nedschmeddin Serkub, d. i. der Goldschläger, ein Zeitgenosse +Abaka's, der aber auch unter der Regierung Arghun's +lebte und seine Beschäftigung und Armuth durch die folgenden +Verse schilderte:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Mein Handwerk ist, zu schlagen Gold;<br /></span> +<span class="i0">Das Leben wird dadurch nicht heller.<br /></span> +<span class='pagenum'><a name="Page_318" id="Page_318">[318]</a></span> +<span class="i0">Ich sitze immer zwischen Gold<br /></span> +<span class="i0">Und habe niemals einen Heller<a name="FNanchor_607" id="FNanchor_607"></a><a href="#Footnote_607" class="fnanchor">[607]</a>.<br /></span> +</div></div> + +<p>Endlich Nisameddin von Issfahan, der arabisch und persisch +dichtete und von welchem der Schreiber der auserwählten +Geschichte eine Kassidet zum Lobe des grossen Wesirs +Schemseddin Dschuweini<a name="FNanchor_608" id="FNanchor_608"></a><a href="#Footnote_608" class="fnanchor">[608]</a> erhalten, welche, da Schemseddin +und sein Bruder Alaeddin die Pole persischer Kultur +und Literatur während der Regierung Abaka's so füglicher +diese Uebersicht persischer Literatur zur Zeit Abaka's +schliesst, als der Schluss des Lobgedichtes selbst ein arabisches +Distichon des grossen Wesirs Schemseddin:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Komm', lass dir von dem Streit' des Baches sagen,<br /></span> +<span class="i0">Der sich mit der Cypresse zugetragen.<br /></span> +<span class="i0">Der Bach sprach viel von seiner reinen Fluth<br /></span> +<span class="i0">In hundert Zungen und in hundert Sagen;<br /></span> +<span class="i0">Da sprach zu ihm Cypresse so: O Freund,<br /></span> +<span class="i0">Willst du, warum ich zittere, mich fragen?<br /></span> +<span class="i0">Ich bin gerad' und stehe festen Fusses,<br /></span> +<span class="i0">Indess dich krumm die Spötter weiter tragen.<br /></span> +<span class="i0">Bei Gott! du gehst vorbei: und willst dir so<br /></span> +<span class="i0">Den alten Trauten aus dem Kopfe schlagen.<br /></span> +<span class="i0">Bald brausest du mit Heftigkeit einher,<br /></span> +<span class="i0">Bald bleibest du im Dümpfel sitzen mit Behagen.<br /></span> +<span class="i0">Als Antwort sprach der Bach, der tief beschämt,<br /></span> +<span class="i0">Aus Schaam den Kopf empor kaum konnte tragen:<br /></span> +<span class="i0">Ich seh', Cypresse, du hast Sanftmuth nicht<br /></span> +<span class="i0">Und kannst mit Freunden dich nicht gut vertragen;<br /></span> +<span class="i0">Du stets aufstrebend und empörerisch,<br /></span> +<span class="i0">Und weich und lind und mild ist mein Betragen.<br /></span> +<span class="i0">Du, prahle dich hinfür mit Freiheit nicht,<br /></span> +<span class="i0">Nicht mit Beständigkeit und Liebesklagen;<br /></span> +<span class="i0">Du nährtest vormals dich in meinem Schooss,<br /></span> +<span class="i0">Nun willst du hoch empor den Kopf nur tragen,<br /></span> +<span class="i0">Du weihest nun sehr wenig Schatten mir,<br /></span> +<span class="i0">Weisst nichts von Huld und goldnen Fruchtgelagen;<br /></span> +<span class="i0">Verzweifelnd fliehe ich von dir in's Feld,<br /></span> +<span class="i0">Um an dem Fels' die Brust mir wund zu schlagen;<br /></span> +<span class='pagenum'><a name="Page_319" id="Page_319">[319]</a></span> +<span class="i0">Du trägst das Haupt gen Himmel hoch empor,<br /></span> +<span class="i0">Schaust nicht auf mich, der dir zu Füssen liegt;<br /></span> +<span class="i0">Dein Haupt ist grün, du bist so frisch und schön,<br /></span> +<span class="i0">Und ich verachtet mit zerrissnem Kragen;<br /></span> +<span class="i0">Geniesse stolz die Ruh', du stehest fest,<br /></span> +<span class="i0">Indessen mich von dir die Winde jagen.<br /></span> +<span class="i0">So sprach der Bach und barg sich in den Staub,<br /></span> +<span class="i0">In Thränen fliessend hin und Weheklagen;<br /></span> +<span class="i0">Cypresse ward darob gar sehr verwirrt,<br /></span> +<span class="i0">Des Freundes wegen fühlt' sie Unbehagen,<br /></span> +<span class="i0">Im Garten schlug die Hände sie zusammen;<br /></span> +<span class="i0">Der Vögel Chor begann, darob zu klagen,<br /></span> +<span class="i0">Da war die Zeit, den Vers von <i>Schemseddin</i>,<br /></span> +<span class="i0">Inhaber des Diwans, dem Herrn zu sagen:<br /></span> +<span class="i0"><i>Der Garten haucht wie Aloe aus Hind,</i><br /></span> +<span class="i0"><i>Auf Aloen die Turteltauben klagen</i><a name="FNanchor_609" id="FNanchor_609"></a><a href="#Footnote_609" class="fnanchor">[609]</a>.<br /></span> +</div></div> + + + + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_320" id="Page_320">[320]</a></span></p> +<h2><a name="Funftes_Buch" id="Funftes_Buch"></a><a href="#Inhalt">Fünftes Buch.</a></h2> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> + + +<div class="block"><p>Parteiungen um die Thronfolge; Teguder's Thronbesteigung; +Hinrichtung Medschdolmülk's; Zustände von Schiras; +Konguratai getödtet; Krieg +zwischen Teguder und Arghun; die Landschaften +Kumis und Taberistan mit ihren Städten; Marsch +nach Kumis; Arghun vor Kelat; Thronbesteigung +Arghun's; dessen Gemahlinnen, Söhne und Töchter; +Verungnadung und Hinrichtung des Wesirs Schemseddin; +die Verwaltung von Fars unter der Prinzessin +Abisch, dann Seid Imadeddin; Buka's Sturz; +Hinrichtung der Prinzen Dschuschkab, Huladschu +und Karabuka; Verwaltung des Juden Seadeddewlet; +Feldzug gegen Derbend; Arghun's Verhältnisse +gegen Aegypten; Kendschatu's Thronbesteigung +und dessen Familie; Ssadreddin von Sendschan +Wesir; Einfall der Luren in Irak und Fars, +und Melik el Eschref's, des Sultans von Aegypten; +Verrath der Emire; Papiergeld; Ende Kendschatu's +und Baidu's Nachfolge.</p></div> + + +<div class="sidenote">Parteiungen +um die +Thronfolge.</div> + +<p>Wir haben die achtjährige Regierung Hulagu's, des +Gründers des Reichs, in zwei Büchern, die der siebzehnjährigen +seines Nachfolgers in dem vorhergehenden erzählt; +wir werden auch, so Gott will, das Leben und die Regierung +der achtjährigen Regierung Ghasan's, des siebenten +und grössten mongolischen Herrschers in Persien, in zwei +Büchern beschreiben; aber nur in diesem Einen die Regierungen +von <i>Teguder</i>, <i>Arghun</i> und <i>Kendschatu</i>, die durch +zwölf Jahre nacheinander geherrscht. Hulagu, der erste +der Ilchane, hat das Reich als Eroberer gegründet; <i>Abaka</i>, +<span class='pagenum'><a name="Page_321" id="Page_321">[321]</a></span> +der zweite, dasselbe zwar nicht erweitert, aber durch die +Stätigkeit seiner Wesire, des grossen Brüderpaars Schemseddin +und Alaeddin, auf derselben Höhe erhalten; unter +den vier nächsten ward es durch innere Unruhen und Streit +der Prinzen um den Thron zerrüttet, bis Ghasan das erschütterte +Gebäude der Herrschaft wieder mit blutigem +Mörtel befestigte und durch weise Einrichtungen zum Giebel +seiner Grösse emporhob. Der dieses Buch füllende zwölfjährige +Zeitraum des Bürgerkriegs und der Zerrüttung mag einigermassen +mit dem zehnjährigen der osmanischen Geschichte +verglichen werden, in welchem nach Bajesid's des Wetterstrahls +Tod die Söhne desselben sich um den Thron stritten +und das getheilte Reich erschütterten; nur herrschten dort +längere Zeit drei und dann zwei gleichzeitig, während +hier die schnelle Entscheidung des Thronstreites durch das +Schwert nur zwischen <i>Baidu</i> und <i>Ghasan</i> getheilter Herrschaft +Raum übrig liess. In der osmanischen Geschichte +ist die gleichzeitige Regierung der drei Brüder <i>Suleiman</i>, +<i>Musa</i> und <i>Mohammed</i> eine Zwischenherrschaft, während hier +die drei ersten genannten Herrscher nicht gleichzeitig regiert, +sondern den bestrittenen und dem Vorfahrer entrissenen +Thron nur nach einander durch kurze Zeit behauptet haben. +Abaka hatte seinen Sohn Arghun zu seinem Nachfolger im +Reiche bestimmt und demselben als solchem die Statthalterschaft +von Chorasan verliehen. Die Entfernung würde denselben +nicht gehindert haben, sein Recht auf den Thron zu +behaupten, hätten nicht andere Umstände dem Oheime Teguder +und seiner Partei Vorschub gethan. Dieser war der +Aka Arghun's, d. i. der Aeltere der Familie, und das höhere +Alter gab, wie schon beim Streite zwischen Hulagu und +Berke zu bemerken Gelegenheit gewesen, in der mongolischen +Familienhierarchie immer Vorrang und Ansehen vor +dem <i>Ini</i>, d. i. dem Jüngeren; aber dieser Altersvorzug würde +dem Teguder eben so wenig zum Throne verholfen, als die +Entfernung von der Residenz dem Arghun denselben geraubt +haben, wären nicht andere Hebel wirksam thätig gewesen. +Die persischen Quellen stellen dieselben gar nicht gehörig +<span class='pagenum'><a name="Page_322" id="Page_322">[322]</a></span> +heraus und lassen über die nächsten Beweggründe der veränderten +Thronfolge einiges Dunkel; dieses aber verschwindet +bei näherer Betrachtung des zu Ende des vorigen Buches +berührten Verhältnisses zwischen Arghun und dem gestürzten +Bruderpaare Schemseddin und Alaeddin, welche seit Hulagu +zu Tebris und Bagdad das Steuer der Regierung geführt. +Arghun war der Kanal gewesen, durch welchen die Anklagen +Medschdolmülk's, des Todfeindes Schemseddin's und Alaeddin's, +bei Abaka Eingang gefunden; ihre ganze, durch +zwanzigjährige unumschränkte Machtvollkommenheit mächtig +gewordene, durch ihren Sturz aber in den Staub getretene +Partei hatte von der Thronfolge Arghun's und der tyrannischen +Verwaltung Medschdolmülk's Nichts zu hoffen und +Alles zu fürchten; diese Partei also war es wohl hauptsächlich, +welche dem Neffen Arghun, dem Sohne Abaka's, +dessen Oheim Teguder vorzog und diesem die Stimme der +Völker (die in Persien alle Moslimen) durch den Uebertritt +zum Islam gewann.</p> + +<div class="sidenote">Teguder's +Thronbesteigung.</div> + +<p>Teguder war der Sohn der Frau Kutui Chatun, welche mit +ihm und seinem Bruder Tekschin, jener der siebente, dieser +der vierte Sohn Hulagu's, während des persischen Feldzugs +im Lager Mengkukaan's zurückbehalten und unter Abaka's +Regierung von Kubilai nach Persien gesandt worden; in +seiner Jugend war derselbe getauft worden und hatte den +Namen Nikolaus erhalten<a name="FNanchor_610" id="FNanchor_610"></a><a href="#Footnote_610" class="fnanchor">[610]</a>. Hierdurch schon dem Götzendienste +des Budhismus entfremdet, mochte er so leichter +zum Islam zu bekehren gewesen sein, als seine Bekehrer +nicht ermangelt haben werden, nach moslimischer Ansicht +der Dreifaltigkeit, als einer Trimurti, und den Uebertritt +zum Islam als eine Erhebung zu reinerem Gottesdienste, +durch den Aufschwung von Vielgötterei zur Anbetung eines +<span class='pagenum'><a name="Page_323" id="Page_323">[323]</a></span> +einzigen Gottes darzustellen; der mächtigste Bekehrungsgrund +war aber ganz gewiss die Aussicht auf den Thron, +indem er den Islam erst, als er denselben bestieg, annahm. +Die Nebenbuhler um denselben nach dem Tode Abaka's +waren drei; Arghun hatte die Emire des Hauses seines +Vaters<a name="FNanchor_611" id="FNanchor_611"></a><a href="#Footnote_611" class="fnanchor">[611]</a>, mehrere der grossen Emire<a name="FNanchor_612" id="FNanchor_612"></a><a href="#Footnote_612" class="fnanchor">[612]</a> auf seiner Seite; +die drei Prinzen <i>Adschai</i>, <i>Kungurtai</i>, <i>Huladschu</i> (die drei +Söhne Hulagu's), <i>Dschuskab</i> und <i>Kunkschu</i>, die Söhne +<i>Tschumkur's</i>, des zweiten Sohnes Hulagu's, die Emire +<i>Schingtur</i>, <i>Sughundschak</i> und andere stimmten für <i>Teguder</i>; +endlich suchte die Frau Oldschai Chatun, die Mutter Mengu +Timur's, demselben eine Partei zu gewinnen; als dieser aber +am fünf und zwanzigsten Tage nach Abaka's Tode gestorben, +schlug sie sich mit der Frau Kutui, der Wittwe Abaka's, +auf die Seite Arghun's, welcher der Sohn aus der Beischläferin +Kaimisch Ikadschi. Alsbald nach Abaka's Tode eilte +Teguder aus Kurdistan nach Tebris und Arghun, welcher +ohnedies auf dem Wege von Chorasan nach der Residenz, +begegnete auf der vierten Station vor Tebris dem <i>Schingtur</i> +Nujan, welcher ihm mit der Nachricht von des Vaters Tod +entgegengesendet worden. Arghun vollzog die Gebühren +der Trauer nach mongolischer Sitte mit dem gewöhnlichen +Todtenmahle, bei welchem, wie bei Festgelagen, der Becher +mit <i>Kumis</i> herumging; die Leibwachen<a name="FNanchor_613" id="FNanchor_613"></a><a href="#Footnote_613" class="fnanchor">[613]</a>, Speerträger<a name="FNanchor_614" id="FNanchor_614"></a><a href="#Footnote_614" class="fnanchor">[614]</a> +und Stallmeister<a name="FNanchor_615" id="FNanchor_615"></a><a href="#Footnote_615" class="fnanchor">[615]</a> seines Vaters wurden ihm übergeben. +Die Prinzen des Hauses, die Oheime und Neffen Arghun's, +beriethen sich und stimmten für <i>Teguder</i>, und auf den Rath +des weisen Emirs <i>Schischi Bachschi</i> that Arghun, um sein +Leben zu retten, keinen Einspruch. <span class="xidenote">26. Moharrem 681/<br />6. Mai 1282</span> Fünf Wochen nach +dem Tode Abaka's wurde Teguder als Chan und Ilchan, +Schah und Padischah ausgerufen; die Herrlichkeit der festlichen +Thronbesteigung wurde auf zwei Monate hinausgeschoben. +Arghun begab sich nach <i>Alatagh</i><a name="FNanchor_616" id="FNanchor_616"></a><a href="#Footnote_616" class="fnanchor">[616]</a>, um dort von +<span class='pagenum'><a name="Page_324" id="Page_324">[324]</a></span> +dem Lager und dem Schatze seines Vaters Besitz zu nehmen; +Taghadschar kam aus Fars zu seinem Dienste und die Frau +Kutui mit ihren Anhängern begab sich ebenfalls in's Lager +Arghun's. Der Wesir Schemseddin, welcher sich in dessen +Macht befand, wurde ihm abgefordert, und der Emir des +Lagers der Frau Kutui brachte denselben zu Teguder<a name="FNanchor_617" id="FNanchor_617"></a><a href="#Footnote_617" class="fnanchor">[617]</a>. +Am Tage der Sommersonnenwende<a name="FNanchor_618" id="FNanchor_618"></a><a href="#Footnote_618" class="fnanchor">[618]</a> hatte die feierliche +Thronbesteigung statt. <span class="xidenote">13. Rebiulewwel/<br />21. Juni 1282</span> Nach dem uralten, schon auf den +ägyptischen Denkmalen abgebildeten Krönungsgebrauche, vermöge +welchem zwei Geleitsmänner den König, der eine zur +rechten, der andere zur linken Hand, auf den Thron einführend, +wurde Teguder vom Bruder Kungurtai und vom +Emir Schingtur Nujan auf den Thron gesetzt, indem jener +dessen rechte, dieser dessen linke Hand ergriff<a name="FNanchor_619" id="FNanchor_619"></a><a href="#Footnote_619" class="fnanchor">[619]</a>; die +Prinzen warfen, mit dem Gürtel um den Nacken, ihre +Mützen in die Luft, zu sagen, dass ihr Hals bereit, auf den +Wink des Herrschers mit dem Gürtel oder Strang zugeschnürt +zu werden, und dass sie nicht mehr kopfbedeckt, +das ist, nicht mehr frei. Mit siebenmaliger Niederwerfung +wurde die Sonne, mit neunmaliger der neue Herrscher verehrt +zur glücklichen, durch die Astronomen ausersehenen +Stunde.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Zu einer guten Stunde, wo die Glücksgestirne<br /></span> +<span class="i0">Im Ort des Aufgangs niederwarfen ihre Stirne<a name="FNanchor_620" id="FNanchor_620"></a><a href="#Footnote_620" class="fnanchor">[620]</a>.<br /></span> +</div></div> + +<div class="sidenote">Schemseddin +geschützt +von einer der +Gemahlinnen +Teguder's.</div> + +<p>Nach Beendigung der Krönungsfeste liess sich Teguder +die im unbezwinglichen Schlosse <i>Schahutela</i> (dem persischen +Königstein) aufbewahrten Schätze bringen und vertheilte +dieselben unter die Prinzen, Nujanen und Emire des Hauses +und des Heeres; jeder Soldat erhielt zwanzig Dinare und +Arghun, der sich beklagte, dass man auf ihn mit der Krönungsfeierlichkeit +nicht gewartet, zwanzig Goldbalische. +Bei dieser Gelegenheit verbanden sich Arghun und sein +Oheim Konghuratai (der neunte Sohn Hulagu's) im Lager +<span class='pagenum'><a name="Page_325" id="Page_325">[325]</a></span> +der Frau Tuktini<a name="FNanchor_621" id="FNanchor_621"></a><a href="#Footnote_621" class="fnanchor">[621]</a> durch Eidschwur in unzertrennlicher +Freundschaft, welche hernach den häufigen Gesandtenwechsel +zwischen ihnen und den gewaltsamen Tod Konghuratai's herbeiführte. +Teguder befahl, seine Bekehrung zum Islame +auszurufen, und erliess an die Obrigkeiten von Bagdad ein +Jerligh, dass sie die gute Kunde den Einwohnern Bagdads +mittheilen, den frommen Stiftungen ihre Einkünfte wie zur +Zeit des Chalifats wieder geben, den Moscheen und Medreseen +ihre vorigen Rechte wieder einräumen sollten; der +Prophet habe gesagt, dass der Islam nicht aufhören werde, +siegreich zu sein, bis an den Tag des Gerichts<a name="FNanchor_622" id="FNanchor_622"></a><a href="#Footnote_622" class="fnanchor">[622]</a>. <span class="xidenote">2. Rebiul./<br />4. Juli</span> Tags +darauf lagerte er zu <i>Siahkuh</i><a name="FNanchor_623" id="FNanchor_623"></a><a href="#Footnote_623" class="fnanchor">[623]</a> und sandte Befehl nach +Hamadan, dass Medschdolmülk und <i>Atamülk Dschuweini</i>, +der noch als dessen Schlachtopfer dort gefangen gehalten +ward, vor ihm erscheine. Medschdolmülk begann seine +alten Ränke wider Schemseddin, und wenig fehlte, dass er +nicht auch diesmal gesiegt hätte; nur der Schutz Ermeni +Chatun's, der Gemahlin Teguder's, zu welcher Schemseddin +flüchtete, rettete ihm und dem Bruder das Leben und verschaffte +ihnen den Triumph über den Todfeind. Ermeni +Chatun war nicht die Herrin des Harems, d. i. die erste +Gemahlin oder grosse Frau Teguder's (welche Tokus Chatun, +die Konghuratin), sondern die zweite, keine Armenierin, +wie der Name glauben machen konnte, sondern auch eine +Konghuratin; die dritte, <i>Tudakun Chatun</i>, die Tochter +<i>Musa Gurgan's</i>, des Konghuraten, des Eidams Hulagu's, +welchem dieser seine fünfte Tochter, <i>Tarakai</i>, zur Gemahlin +gegeben, und folglich die Nichte Arghun's; die vierte <i>Baitegin</i>, +die Tochter Huseinaga's; die fünfte, <i>Ilkotlogh</i>, die +Mutter <i>Tughandschik's</i>, der Tochter Schadi Nujan's, des +Gemahls der Prinzessin <i>Arguruk</i>, Tochter Dschumkur's, des +zweiten Sohnes Hulagu's, aber nicht aus dieser, sondern +aus der Beischläferin <i>Ilkotlogh</i>; Tughandschik, während der +Herrschaft Teguder's getraut, wurde ob Verdacht von Zauberei +<span class='pagenum'><a name="Page_326" id="Page_326">[326]</a></span> +in den <i>Kor</i> (Cyrus) geworfen; die sechste, <i>Tudai +Chatun</i>; diese gaben ihm drei Söhne<a name="FNanchor_624" id="FNanchor_624"></a><a href="#Footnote_624" class="fnanchor">[624]</a> und sechs Töchter<a name="FNanchor_625" id="FNanchor_625"></a><a href="#Footnote_625" class="fnanchor">[625]</a>. +Stark durch den Schutz <i>Ermeni Chatun's</i>, arbeitete nun +Schemseddin an dem Sturze Medschdolmülk's, denselben in +allerhand Klagen verwickelnd und vor Gericht fordernd. +Medschdolmülk, seines drohenden Ruines gewahr, sandte +Wort an den Prinzen Arghun: Schemseddin habe Abaka +vergiftet, und wenn nun er (Medschdolmülk) mit seinem +Leben büssen müsse, geschähe es, um den Beweis der Vergiftung +zu unterdrücken; auf diese Art warf er, selbst des +Todes gewärtig, den Saamen der Rache am Todfeind in +die Brust Arghun's, wo derselbe später zur blutigen Frucht +zeitigen sollte. Schemseddin bediente sich als Werkzeug +zum Sturze Medschdolmülk's eines Neffen des letzten, Namens +Seaadeddin, welcher vom Oheime wegen Geldveruntreuungen +seines Amtes entsetzt worden war; demselben +ward die Stelle eines <i>Mestufi</i> (Finanzpräsidenten) in Irak +und Persien versprochen, und er klagte dafür den Oheim +verrätherischen Briefwechsels mit Arghun an; demselben +wurde die Zurückstellung aller von seinem Oheim confiscirten +Güter Atamülk's, des Bruders Schemseddin's, aufgetragen, +Medschdolmülk selbst vor Gericht gestellt.</p> + +<div class="sidenote">Hinrichtung +Medschdolmülk's.</div> + +<p>Die Richter Medschdolmülk's waren die Obersten, Befehlshaber +der Truppen, <i>Sundschak</i> und <i>Arukaka</i>. Dem +<i>Medschdolmülk</i> wurde nun mit gleichem Maasse eingemessen; +wie er wider <i>Kudschuk Atamülk</i> Papiere, mit Zügen und +Schnörkeln beschrieben, als Beweise der Zauberei vorgebracht, +so wurde als gleicher Beweis nun dem Medschdolmülk +eine mit gelben und rothen Figuren bemalte Löwenhaut +vorgehalten, welche sich unter seinen confiscirten reichen +Stoffen gefunden und welche seine Feinde bei der Untersuchung +eben so eingeschwärzt hatten, wie vormals er selbst +<span class='pagenum'><a name="Page_327" id="Page_327">[327]</a></span> +unter das Habe Atamülk's; die Bachschi und Kamen, d. i. +die mongolischen Schreiber und Wahrsager, gaben ihr Gutachten +ab, dass diese Haut in Wasser geweicht, das Wasser +dem Beklagten zu trinken gegeben werde, damit das Uebel +der Zauberei an ihm selbst ausgehen möge. Medschdolmülk +weigerte sich dessen, weil er wohl wusste, dass diesen +Talisman der Scheich Abderrahman, ein Geschöpf Schemseddin's, +verfertigt und denselben vermuthlich mit Gift getränkt +habe. Trotz dieser Beweise wollten sie, so sehr +auch der Scheich und Atamülk darauf drangen, das Todesurtheil +nicht aussprechen; als aber Sughundschak, durch +ein Fussübel zu Hause gehalten, zu Gericht zu sitzen verhindert +war, besuchte ihn der Scheich und drang so lang +in ihn, bis er das Urtheil erhielt. Es lautete dahin, dass +er dem Brüderpaar Schemseddin und Alaeddin übergeben +und von denselben nach der Jasa, d. i. mit dem Tode bestraft +werden solle. Schemseddin wollte ihn mit dem Leben +begnadigen, aber sein Bruder Alaeddin und sein Sohn Harun +drangen auf die Todesstrafe. <i>Medschdolmülk</i> (der Reichsruhm) +wurde in das Zelt Atamülk's (Reichsgabe) geführt, +wo er vom Nachmittagsgebete bis zum Abendgebete Rechenschaft +über alle von ihm ausgestellten Urkunden, Diplome, +Schenkungen, Vergantungen ablegen und, ausser allen Besitzungen, +dreihundert Tomane zu Bagdad erpresster Gelder +herausgeben musste. Als Alaeddin sich zum Abendgebete +begab, wurde sein Todfeind vors Zelt geführt und der vor +demselben versammelten Menge als Schlachtopfer vorgeworfen<a name="FNanchor_626" id="FNanchor_626"></a><a href="#Footnote_626" class="fnanchor">[626]</a>. <span class="xidenote">8. Dschemmasiulewwel 681/<br />14. August</span> +Er ward sogleich zerstückt und Kopf und Zunge +und Hände und Füsse in die Hauptstädte des Reichs zur +Aussteckung gesandt; der Kopf nach Bagdad, wo er denselben +so stolz erhoben. Der Geschichtschreiber Reschideddin +sagt hierüber:</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_328" id="Page_328">[328]</a></span></p> +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Der Kopf, von so viel Wahn und Gier besessen,<br /></span> +<span class="i0">So der Wesirschaft selbst für sich vermessen,<br /></span> +<span class="i0">Ich sah ihn als des Henkers Spiel und Tand<br /></span> +<span class="i0">Und jedes Glied in eines And'ren Hand.<br /></span> +</div></div> + +<p>Seine Zunge kaufte einer um hundert Goldstücke und brachte +dieselbe nach Tebris, und Wassaf commentirt hierzu:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Hättest schweigend deine Zunge du bewährt,<br /></span> +<span class="i0">Hätte deinem Kopf nichts angehabt das Schwert.<br /></span> +</div></div> + +<p>Die Füsse wurden nach Schiras gesandt, wo er so hochmüthig +aufgetreten war, und die Hände nach Issfahan, wo +er dieselben so gierig ausgestreckt. Der schon mehr als +einmal erwähnte Dichter <i>Pur Beha Dschami</i> sagte, als die +Hände ankamen:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Bis zu dem Himmel wollt' er heben seine Hand;<br /></span> +<span class="i0">Es kam die Hand nicht hin, doch her kam seine Hand.<br /></span> +</div></div> + +<p>und ein anderer Dichter Zeitgenosse dichtete auf diese +Gliederversendung die Verse:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Ein Paar Tage lang beschwärztest du Rollen und Listen,<br /></span> +<span class="i2">Suchtest dir dadurch Reichthum zu mehren und Gut;<br /></span> +<span class="i0">Deiner Glieder jegliches ging in andres Land aus,<br /></span> +<span class="i2">Welteroberer wardst du in der Woche Verlauf<a name="FNanchor_627" id="FNanchor_627"></a><a href="#Footnote_627" class="fnanchor">[627]</a>.<br /></span> +</div></div> + +<p>Alaeddin erhielt nun wieder die Statthalterschaft von Bagdad +und die Investitur derselben mittels eines vom Chane selbst +getragenen Kaftans, Schemseddin die Wesirschaft in der +vorigen Machtvollkommenheit und der Scheich Kemaleddin +Abderrahman Er-Raſii die oberste Würde des Islams mit +der Verwaltung aller Religionsgüter und dem Auftrage: die +Einkünfte derselben auf die Pensionen grosser und berühmter +Gelehrten und Almosen für Ssofi und Derwische und die +Verwandlung der christlichen Kirchen in Moscheen zu verwenden.</p> + +<div class="sidenote">Wassaf bei +Schemseddin; +Zustände +von +Schiras.</div> + +<p>Schemseddin, welchem unter Abaka's Regierung von +seinen Anklägern Vergeudung der Staatsgelder zur Last +gelegt worden und der sich ausgewiesen, dass dieselben +zum Theil für den Hofstaat der Prinzen und andere Ausgaben +<span class='pagenum'><a name="Page_329" id="Page_329">[329]</a></span> +des Hofes aufgegangen, begann seine neue Verwaltung +mit Einschränkungen der Ausgaben der Küche des +Chans und des Hofstaates der Prinzen und Prinzessinnen. +Die Ausgaben der Küche, welche bisher unter dem Oberstküchenmeister +Fachreddin jährlich achtzig Tomane (Toman +ist zehntausend) betragen hatten, wurden nun ohne Einmischung +des Oberstküchenmeisters mit der Hälfte dieser +Summe bestritten. Dieser besonders wider das Zehrgadenamt +gerichteten Oekonomie lag einige Persönlichkeit Schemseddin's +wider Fachreddin zum Grunde, weil diesem gleich nach +der Thronbesteigung Teguder die Wesirschaft verleihen +wollte, was sich Fachreddin verbeten hatte; nichtsdestoweniger +war Schemseddin auf denselben eifersüchtig; Wassaf, +bei welchem sich diese Angabe findet, konnte um so besser +von der Sache unterrichtet sein, als er gerade in diesem +Jahre dem Wesir Schemseddin persönlich aufwartete, und +einige Spannung, in welcher er mit demselben gestanden, +auszugleichen bemüht war; es scheint nämlich, dass Wassaf +sich einigen Tadel über des Wesirs frühere Verwaltung +erlaubt, worüber ihn der Wesir zur Rede stellte. Wassaf +bekräftigte zwar mit den stärksten Schwüren das Gegentheil +und sandte zweimal entschuldigende und um Vergebung +flehende Verse an Schemseddin<a name="FNanchor_628" id="FNanchor_628"></a><a href="#Footnote_628" class="fnanchor">[628]</a>, aber „ohne dadurch“, +wie er sagt, „den leicht zu lösenden Knoten der Entfremdung +des Inhabers des Diwans zu entwirren“. Wiewohl +Wassaf weder den Gegenstand des Tadels, noch den Anlass +seiner Reise ins Hoflager näher angibt, so betrafen wahrscheinlich +beide die Angelegenheiten seines Vaterlandes, die +Landschaft Fars, deren Geschichte er der seinen so umständlich +einverleibt hat. <span class="xidenote">678/<br />1279</span> Zu Ende der Regierung Abaka's +war die Statthalterschaft von Schiras dem Emir Sughundschak +(von dem so eben als vom Richter Medschdolmülk's die +Rede gewesen) anvertraut, von dessen Scharfsinn und die +Wahrheit ergründenden Urtheilen Wassaf Belege erzählt. +Unzufrieden mit den Pächtern der Steuereinnahme, ernannte +<span class='pagenum'><a name="Page_330" id="Page_330">[330]</a></span> +er einen derselben, der die wenigsten Staatsgelder unterschlagen +hatte, den Chodscha <i>Nisameddin</i>, zum Wesir und +ordnete ihm die anderen Pächter unter. Zum Richter der +Richter ernannte er den <i>Ebu Mohammed Jahja Imadeddin</i>, +wiewohl der grössere Theil der Einwohner den hochgelehrten +<i>Seid Abdallah</i>, den Verfasser vieler Werke über +die Exegese und Hermeneutik, über die Ueberlieferung und +Rechtsgelehrsamkeit, über Dogmatik und Philosophie für +den Würdigeren erkannten. Sughundschak begab sich mit +einigen Pächtern, deren Summen noch ausständig, nach Hof; +nur als es in seiner Abwesenheit zwischen dem Wesir und +dem Oberrichter zu Reibungen kam, sandte er einen Befehl, +vermöge dessen der letzte im Hause des ersten in Verhaft +gesetzt ward. Zu dieser Zeit (wo eben Medschdolmülk's +Anklage wider Schemseddin angebracht und Abaka's Sinn +auf Zusammenscharren des Goldes erpicht war) wandte sich +der Seid Richter an Buka, einen der geheimen Schatzmeister +Abaka's, welcher sich damals zu Schiras befand, und dieser +sandte den Seid und den Intendenten Schemseddin nach +Hof, wo sie, von Abaka wohl empfangen, ihre Beschwerden +wider die Verwaltung Sughundschak's und des von ihm bestellten +Wesirs Nisameddin anbrachten. Abaka reichte ihnen +mit eigener Hand einen Becher Wein und befahl, dass +Nisameddin zweihundert der ausständigen Tomane abtrage; +dieser wurde nun im Hause des Seid Imadeddin festgesetzt +und der Emir Taghadschar kam, die Eintreibung der Summe +zu vollstrecken; die Pächter aber, hierdurch aufgelärmt, +machten mit Nisameddin gemeinsame Sache, und wiewohl +sie dem Scheine nach sich den Befehlen Taghadschar's +fügten, so ruhten sie doch nicht, bis sie den Nisameddin +aus der Haft befreit und Taghadschar in Verlegenheit +brachten. Dieser begab sich, da unterdessen die Thronbesteigung +Teguder's stattgefunden, an's Hoflager und führte +seine beiden Schutzgenossen, den Melik Schemseddin und +den Seid Imadeddin, mit sich. Teguder verlieh dem letzten +die Wesirschaft von Schiras und forderte den Statthalter +Bulghuwan, welcher öffentlich die Partei der Intendenten +<span class='pagenum'><a name="Page_331" id="Page_331">[331]</a></span> +wider Taghadschar ergriffen hatte, nach Hof; dieser hielt +die Gesandten des Chans zu Schiras auf, ohne ihnen Erlaubniss +zur Rückkehr zu gewähren, und wandte sich heimlich +an den Prinzen Arghun in Chorasan, von dessen Umtrieben +weiter unten die Rede sein wird. Diess war der Zustand +der Dinge in Fars, als Wassaf sich bei Schemseddin rein +zu waschen bemüht war.</p> + +<p>Auf Veranlassung Schemseddin's wurde eine feierliche +Botschaft an den Sultan Aegyptens abgesandt, um demselben +von dem Uebertritte Teguder's zum Islam Kunde zu geben. +Das Beglaubigungsschreiben der beiden Gesandten und die +Antwort Kilawin's sind so durch Gehalt als Styl merkwürdig +genug, um unverändert hier in sach- und wortgetreuer +Uebersetzung zu folgen:</p> + +<p>„Durch Gottes des Allmächtigen Kraft (welcher erhöhet +werde!) Ferman des Kaan Ahmed an Aegyptens Sultan. +Gott der Allmächtige hat durch die Vorgänge seiner Gnaden +und das Licht seiner Leitung in der ersten Jugend und +Frische Uns geleitet auf die wahren Pfade zur Kenntniss +seiner Herrlichkeit und zum Geständniss seiner Einheit, zur +Zeugenschaft, dass Mohammed (über welchen das reinste +Gebet!) Gottes Prophet, zum schönen Glauben in seine +Heiligen und frommen Männer. Wen Gott leiten will, dessen +Brust erleichtert er durch den Islam, und Wir haben nicht +aufgehört, Uns für die Erhöhung der Religion und Zurechtbringung +der Geschäfte des Islams geneigt zu zeigen, bis +von Unserem Vater, dem Bessten, und Unserem Bruder, +dem Grössten, die Reihe der Regierung auf Uns gekommen, +bis dass über Uns der Schmuck seiner Gnaden ausgegossen +und Wir von seinen Wohlthaten, was Wir verdienten, genossen +in dem Uebermaasse seiner Gnaden, der grossen; +und es ward Uns das Brautgemach des Reichs aufgeschlossen +und die Braut Uns vorgeführt unverdrossen. Es wurde von +Uns ein gebenedeites <i>Kurultai</i> versammelt, diess ist die +Versammlung, wo einen Funken gibt der Feuerstahl der +Brüder und Kinder, der Emire, der Grossen, der Führer +des Heers, der Vorgesetzten der Truppen; ihr Wort stimmte +<span class='pagenum'><a name="Page_332" id="Page_332">[332]</a></span> +darin überein, die Verfügung Unseres Bruders des Grossen +auszuführen in der Aufstellung eines allgemeinen Aufgebotes +Unserer Heere: die Erde ist zu enge vor ihrer Menge, und +es füllet die Herzen Schrecken vor der Gewalt, womit sie +die Erde bedecken; vor ihrem hohen Muthe werden die +Berge zu Ebenen ausgegleichet und die härtesten Felsen +erweichet. Wir dachten nach über das, was sie sich vorgenommen +und worin ihre Begierden übereingekommen, und +Wir fanden, dass ihre Absicht widerstreite mit dem, was +Wir in Unserem Innern beschlossen zur Bewirkung allgemeinen +Wohls. Hierunter verstehen Wir die Stärkung der +Satzungen des Islams, dass so viel als möglich keiner von +Unseren Befehlen in anderer Absicht ergehe, als um Blut +und Brand zu stillen und alle Länder mit dem Wehen der +Winde der Ruhe und der Sicherheit zu erfüllen, und damit +ausruhen mögen die Könige der anderen Länder auf dem +Lager der Milde und Wohlthätigkeit, um Gottes Befehle zu +ehren und dem Volke Gottes Mitleid zu gewähren. Gott hat +Uns eingegeben, dieses Feuer auszulöschen und diese Unruhe +zu stillen, und die Anzeige dessen, den Gott der Allmächtige +hierauf geleitet hat, ist die des Vorschlags der Mittel, +womit die Heilung der Welt von den Gebrechen erzweckt +und die Anwendung der letzten verschoben würde; denn +Wir lieben, nicht schneller die Pfeile zu senden und uns +zu den Lanzen des Kampfes zu wenden, als nachdem Wir +das Nöthige erklärt, und Wir gestatten diess nicht, als +nachdem Wir die Wahrheit und Nothwendigkeit mit Beweisen +bewährt. Wir wurden bestärkt in dem, was wir +Uns Gutes vorgenommen hatten, und in der Durchführung +gemeinnütziger Thaten durch die frommen Wünsche des +Scheichs des Islams, des Musterbildes der Erkennenden, +dessen Hilfe Uns in den Geschäften der Religion nützt und +unterstützt, und Wir haben dieses Schreiben erlassen als +Gottes Barmherzigkeit für den, der sich demselben fügt, +wie sich's gehört, und als Pein wider den, der sich abwendet +und empört. Wir haben damit betraut den entscheidendsten +der Richter, den Pol der Religion und des +<span class='pagenum'><a name="Page_333" id="Page_333">[333]</a></span> +Volks (Kutbeddin), und den Atabeg (Behaeddin), welche +beide von den Bewährtesten und Gelehrtesten dieses blühenden +Reichs, weil sie Unsere Wege kennen und weil sie +mit Gewissheit wissen, was Uns eingibt Unser Gewissen zum +allgemeinen Wohl der Moslimen. Wir haben sie in dieser +Absicht gesendet, denn Wir sind von Gott auf die Wachsamkeit +angewiesen, denn der Islam liebt, was ihn empfängt, +und Gott der Allmächtige hat in Unser Herz gelegt, dass +Wir der Wahrheit und ihren Bekennern folgen sollen, damit +sie bezeugen die grosse Gnade Gottes über die Gesammtheit +in dem, was wir fordern als Vertrag der Ursachen der +Wohlthat. Sucht dieses nicht zu erproben durch einen +Rückblick auf Unsere Brüder (die Herrscher vergangener +Zeit), denn jedem Tage ist anderes Loos bereit. Wenn +die Seelen Einsicht nehmen wollen in einen Beweis, wodurch +die Forderung des Vertrauens befestiget würde, und in eine +Urkunde, worin sie die Erfüllung ihres Wunsches fänden, +so sollen sie ihre Blicke auf Unsere Denkmale richten, deren +Ruhm nicht klein und deren Wirkung allgemein. Wir haben +unter Gottes Leitung angefangen, die Spuren der Religion +zu erheben, dieselben in jedem Dinge an Tag zu legen +und auszuheben zur Aufrechterhaltung der Novellen des +Gesetzes, des mohammedanischen, nach Erforderniss der +Kanone der Gerechtigkeit, der ahmedischen, um es zu erheben +und demselben Ehre zu geben. Wir liessen Freude +scheinen in die Herzen des Wesens, des gemeinen, Wir +haben nachgesehen die Vergehen und den Schuldigen verziehen +und stellten auf die Verbesserung der Geschäfte Unser +Bemühen, auf die frommen Stiftungen der Moslimen, von +Moscheen, Grabstätten, Medreseen, auf den Bau frommer +Zellen und verfallener Wachposten, indem Wir die Einkünfte +derselben denen, so dieselben verdienen, verlieh'n +und dadurch erfüllet der Stifter Sinn; Wir haben verwehrt, +dass Neuerung in denselben werde begehrt und dass das +Geringste werde verletzt von dem, was ursprünglich festgesetzt; +Wir haben befohlen, den Pilgerreisen die grösste +Ehre zu erweisen, ihre Schaaren zu bewahren, ihre Wege +<span class='pagenum'><a name="Page_334" id="Page_334">[334]</a></span> +zu sichern und zu ebnen die Bahnen der Karawanen; Wir +haben freigelassen die Strassen den Kaufleuten, die von +Land zu Land wandeln und handeln, damit sie nach ihrer +Willkür und mit ihrem bessten Vermögen reisen mögen; +Wir verwehren den Heeren, den Wachen und denen, welche +die Runde machen, dass sie denselben auf ihren Wegen, +wenn sie kommen oder gehen, das Geringste in den Weg +legen. Eine Unserer Wachen hat einen Kundschafter ergriffen +in der Verkleidung eines Fakirs, und wiewohl es in +der Ordnung gewesen wäre, denselben zu tödten, so wollten +Wir doch nicht sein Blut vergiessen lassen aus Schonung +dessen, was Gott verboten, und Wir haben denselben zurückgesandt. +Indessen ist es denselben nicht unbekannt, dass +die Kundschafter ein Schaden im Land; denn so lang unsere +Armeen dieselben in der Gestalt von Fakiren und Andächtigen +sehen, ist ihre Meinung von diesen Leuten schlecht, +sie tödten den Mann und thun, was sie gethan: die Nothwendigkeit +davon ist, Gott sei Dank, erhöhet durch das, +was Wir ergehen liessen, um die Wege aufzuschliessen dem +Zuge der Kaufleute und anderer Wanderer. Wenn dieselben +diesen Geschäften einiges Bedenken schenken, so wird denselben +nicht verborgen sein, dass diese Eigenschaften uns +angeboren als zweite Natur und dass darin von Affectation +keine Spur; und da die Sache so liegt, so sind alle Anforderungen +gegenseitiger Abneigung, welche zum Widerstand +führten, aus dem Wege geräumt. Diese gründeten +sich vormals auf den Weg verschiedener Religion und der +Entfernung von dem Schoosse des Islams; aber nun ist durch +Gottes Huld und die Gunst Unseres Glückes das helle Licht +erschienen, und wenn es vormals Ursachen gab, so wandten +wir uns nun von denselben zum Besseren ab; Wir sind auf +dem Pfade der Gnade, wo Einkehr und Rückkehr. Wir +haben den Schleier aufgehoben durch dieser Anrede Farben +und haben dieselben unterrichtet von dem, was wir zu thun +aufrichtig gesonnen, und haben hiermit begonnen; Wir haben +Unseren Heeren verboten, zuwider zu handeln diesen Geboten, +Gott und seinem Propheten zu Gefallen. Damit auf +<span class='pagenum'><a name="Page_335" id="Page_335">[335]</a></span> +den Blättern die Spuren des Glücks und der Annahme erscheinen, +damit die Welt über die Verschiedenheit des +Wortes beruhiget werde, damit durch das Licht des Einverständnisses +verschwinde die Finsterniss des Missverständnisses, +damit ausruhen mögen unter dem weiten Schatten +die Städter und die Bewohner der Matten, und damit sich +erfrischen die Seelen, welchen die Plagen gestiegen in die +Kehlen. Wenn Gott der Herr den Sultan Aegyptens leitet +zum Besten der Welt und zu dem, was die Ordnung der +Menschen erhält, so ist's nöthig für ihn, den Eimer fester +Anhänglichkeit zu erfassen und zu wandeln dergleichen +Strassen durch Eröffnung der Thore der Unterwürfigkeit +und Einigkeit, durch Erwähnung der Aufrichtigkeit, damit +diese Länder sich dieser Gnaden erfreuen, damit die Unruhen +sich legen, welche zerstreuen, damit die Schwerter, +welche schneiden, gesteckt werden in die Scheiden, damit +die ganze Erde ein Eden der Ruhe werde, damit die Nacken +der Moslimen werden befreit von dem Joche der Verachtung +und Niedrigkeit. Sollte aber böse Meinung die Oberhand +behalten über das, was Wir aus Gottes des Allverleihers +Barmherzigkeit behalten, und sollte dieselbe verwehren, +diesem Antrage, wie er es verdient, Anerkennung zu gewähren, +so wird Gott Unsere Bemühungen ehren und Unsere +Entschuldigungen lassen gewähren. Wir haben Uns nicht +zur Strafe gewandt, ehe Wir einen Gesandten gesandt; bei +Gott, er leitet zur Rechtlichkeit und zum rechten Verstand! +Er bewahret sicher die Unterthanen und das Land. Wir rechnen +auf Gott den Einen. Geschrieben Ende Dschemmasiulewwels +681 (Anfangs September 1282).“</p> + + +<p style="text-align: center; letter-spacing: 0.2em; margin-top: 2em; font-weight: bold">Antwort.</p> + +<p>„Im Namen Gottes des Allmilden, des Allbarmherzigen. +Durch Gottes des Allmächtigen Kraft, das Wort Kilaun's an +Sultan Ahmed: Lob sei Gott! welcher Uns den Pfad der +Wahrheit erhellt. In Uns ist die Hilfe und der Sieg Gottes +gekommen, und Er hat uns schaarweise in die Religion +Gottes aufgenommen. Gebet über Unseren Herrn Mohammed; +<span class='pagenum'><a name="Page_336" id="Page_336">[336]</a></span> +Er, den Gott über Alles, wodurch sein Volk gerettet ward, +erhöht, und über alle Propheten, welche retten, und über +seine Familie und seine Gefährten! Gebet, welches erleuchtet +die finstere Nacht und dunkeles Leben hell macht. Gefälligkeit +und Ergebenheit vom Imam <i>Hakim biemrillah</i>, dem +<i>Emirolmuminin</i>, dem Abkömmlinge der Chalifen, der den +wahren Weg betreten, dem Vetter des Herrn der Propheten, +dem Chalifen, welchem die Religiosen huldigen. Es ist +angekommen das Schreiben, das verehrliche, das Ehren +gewährliche, enthaltend die grosse Kunde von dem Eintritte +in die Religion und dem Ausfalle wider Alle, welche dem +wahren Leben widerstreben. Nachdem geöffnet worden dieses +Schreiben, welches Kunde der Ueberlieferungen haucht, +Ueberlieferungen, welche für die Moslimen gewiss, die gewissesten +der Ueberlieferungen, welche überlieferte <i>Moslim</i><a name="FNanchor_629" id="FNanchor_629"></a><a href="#Footnote_629" class="fnanchor">[629]</a>, +wurden die Gesichter zu Gott dem Allmächtigen gewendet +mit der Bitte, dass er diess befestige mit dem Worte, dem +festen, und dass der Samen dieser Religion im Herzen sprosse, +wie die schönsten der Pflanzen aus dem härtesten Boden +sprossen. In nachdenkender Achtung stellten Wir an treffliche +Betrachtung über die Erwähnung der aufrichtigen +Absicht, dass im Anfang des Lebens und in der Frische +jugendlichen Strebens die Einheit Gottes verkündet und der +Eintritt in das Volk Mohammed's mit Wort und That und +Einsicht und Rath begründet werde. Gott sei Lob! dass +er die Brust des Sultans für den Islam erweitert und dieselbe +mit der edelsten der Eingebungen aufgeheitert; Gott +sei Lob! dass er uns unter die Vorgehenden, die ersten +gesetzt zu diesem erhabenen Orte, und dass er Unsere Füsse +befestiget auf jedem Standorte des Kampfs, im Feld und +mit dem Worte. Weiters über die Reihenfolge im Reiche +durch Erbschaft nach dem Abtritte des Vaters des Bessten +und des Bruders des Grössten, über die Ausgiessung dieser +grossen Gnaden auf den Sultan, wie derselbe den Gipfel +<span class='pagenum'><a name="Page_337" id="Page_337">[337]</a></span> +der Glaubensreinigung erklommen und den Titel der Herrschaft +angenommen, nachdem ihm Gott dieselbe zugezählt +und ihn aus seinen Dienern auserwählt durch die wahren +Kunden von den Wundern seiner Helfer und Diener; und +weiters über die Versammlung der Brüder und Kinder der +Fürsten, der grossen, der Führer des Heers, der Vorsteher +der Truppen in der Versammlung des <i>Kuriltai</i>, wo die +Menge zusammengeflockt und der Feuerstahl dem Kiesel die +Funken der Meinungen entlockt, und wie ihr Wort mit den +Geboten des weiland grossen Bruders übereingestimmt in +der Sendung der Heere nach dieser Seite, dass aber derselbe +(der Ilchan) nachgedacht über das, was ihre gesammte +Meinung vorgebracht, und dass er sich mit ihrem +Verlangen bekannt gemacht und dasselbe im Widerspruch +gefunden mit dem, was er selbst in seinem Innern ausgedacht, +indem er nur das Gute bezwecke und sich die Verbesserung +zum Ziel stecke, damit er lösche dieses Feuer +und stille die Unruh, die nicht geheuer. Diesen Schritt +hat der König (Ilchan) aus Liebe zu seinem Volke gemacht, +indem er das Ende mit durchdringendem Sinne erwägend +bedacht. Wäre diess nicht so gewesen und hätten sie die +Sache der Entscheidung des Schwertes überlassen, so wäre +dieser Kampf der Kämpfe letzter gewesen; allein der Ilchan +ist wie Einer, der die Stationen seines Herrn fürchtet, der +seiner Begier das Verbotene verwehrt, der nicht der Rede +des Irrenden beistimmt und Nichts im Irrthum unternimmt. +Was nun das Wort des Ilchans betrifft, dass er nicht eilt +zum Schlachtfeld, wo die Lanze Stösse austheilt, als nachdem +er das Nöthige erklärt, so weiss Gott der Allmächtige, +und es wissen alle Menschen, dass wir nur aufstehen, um +dem Volke zu helfen, und dass, wenn wir mit That und +Worten streiten, es nur Gottes wegen geschieht; und da +nun der Ilchan mit uns eingetreten in Gottes Religion, so +ging die Feindschaft davon, und indem die Abneigung aufgehoben, +wird sich glücklicher Erfolg erproben. Der Glaube +ist wie ein Gebäude, in welchem ein Theil den andern befestigt +und hält; wer eine Minaret aufgerichtet, dem fehlt +<span class='pagenum'><a name="Page_338" id="Page_338">[338]</a></span> +es nicht an freien Bewohnern an jedem Orte und an gesitteten +Nachbarn auf der ganzen Erde. Weiters, was die +Versicherung betrifft, dass dieser Nutzen, der allgemeine, +der Erwähnung des Scheichs des Islams, des Musters der +Erlernenden, <i>Kemaleddin Abderrahman</i> (Gott vergelte ihm's +mit seinem Segen!) zu danken sei, so haben Wir von keinem +Heiligen früher solch heiliges Werk gesehen. Wir hoffen +von seinem Segen und von dem der frommen Männer, dass +jedes Haus zum Islam erwache, bis dass jede Bedingniss des +Glaubens erfüllet werde und der Islam umfasse die ganze +Erde, Alles umfassend, von den Bessten Nichts übrig lassend. +Es ist kein Zweifel, dass des Scheichs heiliges Werk der +Anfang dieser Beständigkeit der Existenz, und jede Wahrheit +kehrt mit seinem Segen zu ihrem Ursprung zurück. +Weiters, was die Wirksamkeit des entscheidendsten der +Richter des Islams, des Glaubens und des Reichs (<i>Kutbeddin</i>) +und des Atabegs (<i>Behaeddin</i>), welche Beide mit Ueberbringung +dieses wohlberedten Sendschreibens beauftragt +waren, so sind dieselben Beide erschienen, bereit, sich aller +guten Worte zu bedienen, welche die Umstände eingeben +und die sich im Gemüthe erheben, welche Erwartender +mag erwarten mit Lob und Dank von allen Arten, so dass sie +im Namen Ahmed's (des Ilchans) Ueberlieferungen sprachen, +festgegründet, wie die Ahmed's (des Propheten). Weiters, +was die Andeutung betrifft, dass, wenn die Seelen die Einsicht +des geraden Beweises nicht verfehlen, dadurch die +Anforderungen vollkommener Liebe befriedigt würden und +dass man betrachten solle die Monumente, die er im Beginne +der Ausübung seiner Macht, Gerechtigkeit und Wohlthätigkeit, +übend mit Zung' und Herzen, schon hervorgebracht, +wie er auf die Verbesserung der Wakfe, die Ausbesserung +der Moscheen und Gränzposten, die Erleichterung +der Strassen der Wallfahrt und anderer dergleichen bedacht, +so sind diess Attribute, von denen abhängt der Reiche +Dauer, die gute. Wenn der König herrscht mit Gerechtigkeit +und so weder die Feinde begünstigt, noch den Tadlern +Aufmerksamkeit leiht, und wenn schöne Handlungen und +<span class='pagenum'><a name="Page_339" id="Page_339">[339]</a></span> +gute Werke vollzogen werden, welche nicht aussprechen +alle Zungen des Gebotes auf Erden, so sind dieses Pflichten, +die man schuldig, zu entrichten; diess ist grösser, als dass +es hätte einen andern Lohn, als sich selbst, als dass es +durch Ruhm überschätzt, durch Herabsetzung gering geschätzt +werden könnte, indem es grossem Könige zum Ruhme +gereicht, dass er den Ländern und Schlössern Zeit gewährt +zur Befestigung seines Reichs (welches Gott wolle bewahren +in Sicherheit!). Weiters, was den Verbot betrifft an die +Diener und Wachen und an die, welche die Runde machen, +dass sie Niemanden veruneinigen wollen und die reine Tränke +der Ankommenden und Abgehenden nicht mit den Splittern +von Plackereien verunreinigen sollen, so haben Wir, sobald +Uns dieser Vorgang zugegangen, ein Gleiches Unseren +Nowwaben (Nabob) zu Rahbe, Haleb, Bire, Aintab befohlen, +und liessen desshalb an die Führer Unserer Armeen +das Nöthige ergehen. Wenn die Glaubensmeinungen sich +in Einigkeit gefunden und die Eidschwüre sind gebunden, +so sind die Gebote besiegelt, in denen sich die Vollziehung +der Befehle abspiegelt. Weiters, was den Kundschafter betrifft, +den Fakir, welcher ergriffen und losgegeben ward +(als ob dieses die Ursache wäre, dass wegen der Verkleidung +von Kundschaftern in Fakire alle Fakire todt geschlagen +werden würden), so ist diess ein Thor, das der +Ilchan aufgemacht, und ein Feuerstahl, an dem er den +Funken angefacht. Denn wie viele verkleidete Fakire sind +nicht gekommen von jener Seite in diese Reviere, um sich +Einsicht zu verschaffen in die Geschäfte und des Landes +Kräfte. Die Nowwabe haben eine Schaar derselben ergriffen; +es erhob sich über sie der Säbel, geschliffen, und dennoch +wurde nicht entdeckt, was die Kutte des Fakirs versteckt, +trotz aller angewandten Müh' mit <i>Was</i> und <i>Nein</i> und <i>Wie</i>. +Weiters, was die Andeutung betrifft, dass in der Uebereinstimmung +des Wortes das Wohl der Welt und dass dasselbe +die Ordnung des Menschengeschlechtes erhält, so wird +nicht zurückgewiesen, wer da klopfet am Thor der Einigkeit, +und es wird keiner abgewiesen und abgewehrt, der gutes +<span class='pagenum'><a name="Page_340" id="Page_340">[340]</a></span> +Einvernehmen begehrt. Wer mit seinem Zügel vom Treffen +abweicht, ist wie der, welcher die Hand des Friedens zum +Handschlag herreicht; der Friede ist ein Gut. Weiters, +was die Befestigung und Bekräftigung der Befehle betrifft, +so ist es nöthig, dass auf dieselben Regeln angewandt und +dass aus dem Bewiesenen der Nutzen erkannt werde; denn +die Geschäfte sind gebunden an die Schrift, und es ist +nothwendig, dass darin jeder Fündige und Kündige darüber +entschieden, ob Krieg oder Frieden. Hernach ist es nothwendig, +dass die Geschäfte werden entschieden in der Reihe +der Knoten der Verträge und ihrer Belege, dass dieselben, +mündlich vorgetragen, durch die Annahme dem Antrage +zusagen; denn viele Fragen, welche die Gesandten mündlich +sagen, werden besser erörtert, als wenn dieselben in verwischten +Papieren werden überschlagen. Was endlich die +Berufung auf das Wort Gottes betrifft: <i>Wir senden keine +Pein, eh' Wir nicht gesandt einen Gesandten</i><a name="FNanchor_630" id="FNanchor_630"></a><a href="#Footnote_630" class="fnanchor">[630]</a>, so wird +nicht auf diese Art der Stoff der Liebe gewebt und nicht +auf diesem Wege das Ziel erstrebt, sondern vielmehr wegen +Unseres Vorrangs im Glauben sind Pflichten zu entrichten +und Begehren zu gewähren. Wir haben gehört, was mündlich +vorgetragen die Zunge des entscheidendsten der Richter, +des Pols des Glaubens und des Volks (Kutbeddin), und es +entsprach dem, was das Schreiben versprach von dem Eintritte +des Ilchans in die wahre Religion, und dass er sich +angekettet auf der Moslimen Station, was er geübet durch +Wohlthätigkeit und Gerechtigkeit, durch seine Sitte und +seinen Wandel, der berühmt weit und breit. Gott sei Dank +für die Gnade, welche durch keinen Vorwurf gehindert und +vermindert wird; Gott der Herr hat seinem Propheten den +Vers des Korans gegeben Betreff derer, welche ihm den +Islam vorwarfen: <i>Sage, werfet mir Euren Islam nicht vor; +Gott wird Euch vielmehr vorwerfen, dass er Euch zum +Glauben geleitet</i><a name="FNanchor_631" id="FNanchor_631"></a><a href="#Footnote_631" class="fnanchor">[631]</a>, und mündlich trug er vor, dass Gott +<span class='pagenum'><a name="Page_341" id="Page_341">[341]</a></span> +der Allmächtige dem Ilchan verliehen an Gaben, was ihn +darüber hinaussetzt, seine Blicke zu richten auf das, was +Andere haben an Gut und Land. Wenn also festgesetzt +nach der Eintracht das Begehren, so ist es leicht, zu gewähren, +und Unsere Antwort folgt hierauf nach der Geschäfte +Lauf. Wann die Uebereinstimmung ist erreicht, so +ist auch das gute Einvernehmen ausgegleicht. Gott und die +Menschen sehen, wie Wir aufrichtig zu Werke und Unseren +Feinden zu Leibe gehen und in Unseren Kämpfen stehen. +Wie mancher Freund wird nicht gefunden, der besser als +Vater, Bruder und Verwandter wird befunden? Die mohammedanische +Religion wird nicht vollendet und dem Islam +nicht die Befestigung zugewendet, als nur durch die Gefährten, +die werthen. Wenn also das Verlangen des Ilchans +gerichtet ist auf Einigkeit und auf gutes Vernehmen, auf +gemeinschaftliches Einvernehmen, auf das Verderben der +Feinde und auf die Rache derer, welche den Rücken zum +Widerstände stemmen, so wollen Wir Uns herzlich gern +dazu bequemen. Weiters, was mündlich vorgebracht: dass, +wenn Unser Verlangen sich erstreckte auf das, was der +Ilchan besitzt von Land und Gut, so bedarf es nicht der +Einwirkung der Aneiferer, welche die Moslimen nutzlos beleidigen. +Hierauf antworten Wir: Wenn die Hand der +Feindschaft zurückgezogen wird und die Länder moslimischer +Könige geleert werden, so wird gedämpft die Gluth +und gestillet das Blut; wie wahr ist es nicht, dass Alles, +was Uns von denselben verboten wird, in der Natur ganz so +zu treffen ist, und dass man das, was geboten wird, selbst +zu thun vergisst. So befindet sich nun <i>Konghuratai</i> dermalen +im Lande Rum, welches sich in eueren Händen befindet +und an euch Steuer zahlt, und nichtsdestoweniger +Blutvergiessen, Sklavenraub, Verkauf der Freien und Abneigung +vor Allem, ausgenommen vor der Verlängerung +dieser Schäden. Endlich ward mündlich vorgetragen, dass, +wenn man entschlossen sei, diese Streifzüge nicht aufzuheben +und diese Spuren nicht aufzugeben, so solle man +einen Ort bestimmen auf der Erde, wo man sich treffen +<span class='pagenum'><a name="Page_342" id="Page_342">[342]</a></span> +und schlagen, und Gott dem, dem er wolle, den Sieg verleihen +werde. Hierauf ist die Antwort: Die Tränken (Oerter), +wo die beiden Heere auf einander trafen in Waffen, sind +noch heil, und wer von diesem Volke (den Mongolen) davon +gekommen mit Heil, fürchtet sich, dahin zurückzukehren, +und kann sich durch folgenden Vers beehren:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Welch' wunderseltnes Jahr doch das verflossne war!<br /></span> +<span class="i0">Er, welchen „Himss“ besiegt, nun widersteht und kriegt.<br /></span> +<span class="i0">Derselbe scharfe Degen, dem ihr dort seid erlegen,<br /></span> +<span class="i0">Ist in der Hand des Braven, bereit, euch zu bestrafen.<br /></span> +</div></div> + +<p>Und zur Zeit der Schlacht ist die Wissenschaft bei Gott, +welcher die Bestimmung des Looses macht. Und es ist +keine Hilfe, als bei Gott! dem Allgeehrten, dem Allweisen! +er sendet sie dem und verleihet die Macht, und nicht dem, +der selbst die Vorherbestimmung des Sieges macht. Wir +sind nicht von jenen, welche auf Gelegenheit und Vorwand +lauern, und nicht von denen, welche sich abwenden und +niederkauern; und die Stunde der siegreichen Schlacht ist +nicht anders als die Stunde (des jüngsten Tages), in welcher +Alles schnell wird abgemacht. Bei Gott! er führt nur +zum Guten dieses Volk, und er ist der Mächtige, im Stande, +jede Kunde und Gnade zu vollenden. Geschrieben im Neumonde +des Ramasan des obgedachten Jahres.“</p> + +<div class="sidenote">Arghun's +Bewegungen; +Tod +Alaeddin +Dschuweini's.</div> + +<p>Arghun's ränkeschmiedender, rachebrütender Geist sammelte +indessen Wolken über dem Haupte Schemseddin's und +Teguder's zum Gewitter, aus welchen der den Herrscher +und seinen Wesir verzehrende Wetterstrahl fahren sollte. +Nachdem Arghun auf wiederholtes Begehren des Chans demselben +den Emir Buka gesendet, welcher die Hand Kutui +Chatun's (der Wittwe Abaka Chan's) ehrenvoll empfing, +brach Arghun von Ssughurluk nach Chorasan auf. <span class="xidenote">4. Reb. II. 681/<br />12. Juli 1282</span> Ahmed +suchte den Oheim Konghuratai für sich zu gewinnen, indem +er ihm die Frau Tukini, die Wittwe Hulagu's (die Nichte +der grossen Frau Tokus), zur Gemahlin gab und mit einem +grossen Heere zur Gränzhuth nach Rum abordnete, nach +vierzehn Tagen aber ihm den Emir Akbuka nachsandte. <span class="xidenote">19. Reb. II. 681/<br />27. Juli</span> +Ahmed war von zwei moslimischen Gesetzgelehrten, dem +<span class='pagenum'><a name="Page_343" id="Page_343">[343]</a></span> +schon erwähnten Abderrahman von Mossul, berathen, welcher, +Sohn eines Sklaven des letzten Chalifen der Beni Abbas, +vom Blutbade nach Mossul gerettet, dort eine Zeit lang +Tischler, dann von Iseddin, dem Herrn Amadia's, bei dem +er sich in Kredit gesetzt, dem Abaka überlassen worden, +und bald durch angebliche Kenntniss von Schatzentdeckungskunde +und geheimen Wissenschaften sich dessen Vertrauen +erwarb<a name="FNanchor_632" id="FNanchor_632"></a><a href="#Footnote_632" class="fnanchor">[632]</a>. Teguder hiess denselben nicht anders, als Vater, +und einen zweiten Günstling, Namens Mengli, nicht anders, +als Sohn; diese und Teguder's Mutter, Kutui, eine sehr +verständige und zur Regierung tüchtige Frau, lenkten die +Zügel derselben, während Schiktur Nujan und Sundschak, +wiewohl denselben Teguder vorzüglich seine Erhöhung auf +den Thron dankte, zur Seite gesetzt wurden<a name="FNanchor_633" id="FNanchor_633"></a><a href="#Footnote_633" class="fnanchor">[633]</a>. <span class="xidenote">19. Dschem. II. 681/<br />24. Sept. 1282</span> Zwei treulose +Diener Atamülk's Dschuweini<a name="FNanchor_634" id="FNanchor_634"></a><a href="#Footnote_634" class="fnanchor">[634]</a> erschienen vor Arghun, +bei demselben ihren Herrn anzuschwärzen, dass er dem +<i>Wedschiheddin Sengi</i>, dem Wesir Chorasans, den Befehl zugefertigt, +den Prinzen Arghun zu vergiften. Arghun liess +denselben sogleich in den Kerker werfen, zog das ganze Habe +desselben ein und schenkte ihm das Leben nur auf Fürbitte +der Frau Bulughan Chatun, der geliebtesten Gemahlin Abaka's, +welche nach dessen Tod in das Harem seines Sohnes Arghun +übergegangen. Arghun zog gegen Bagdad, um dort zu +überwintern. <span class="xidenote">23. Dschem. II./<br />28. Sept.</span> Zu Rei empfing er den Melik Fachreddin +ehrenvoll und bestätigte ihm die Befehlshaberschaft des +Landes; Ahmed, hiervon in Kenntniss gesetzt, schickte Gesandte, +um den Fachreddin aufzuheben und nach Schirwan +zu bringen, wo er die von Arghun empfangenen Ehrenbezeugungen +mit der Folter büsste. Arghun, hierüber entrüstet, +sandte Sendschreiben an die Emire und an Schemseddin, +den Inhaber des Diwans, des Inhaltes: Sein Vater, +Abaka, habe ihm den Melik Fachreddin überlassen, er +werde die demselben zugefügte Schmach und Pein rächen. +Als er nach Bagdad gekommen, forderte er von Nedschmeddin +<span class='pagenum'><a name="Page_344" id="Page_344">[344]</a></span> +Assfer, dem Stellvertreter Alaeddin Dschuweini's, dass +er die vom Vater, Abaka, geforderten, von Alaeddin nie +bezahlten Summen erlege. Nedschmeddin ward in den Staub +geworfen, und als Alaeddin davon die Nachricht erhielt, +traf ihn in Arran der Schlag; seine Stelle erhielt sein Neffe +Harun<a name="FNanchor_635" id="FNanchor_635"></a><a href="#Footnote_635" class="fnanchor">[635]</a>. <span class="xidenote">4. Silhidsche 681/<br />5. März 1283</span> Arghun hatte den Winter zu Bagdad zugebracht +und während desselben zehntausend der Karawinas, welche +nach den Worten Wassaf's: „eine Art von Dämonen, die +fürchterlichsten der mongolischen Nationen“, sich angeeignet. +Von den Prinzen des Hauses standen der Bruder Kendschatu +und der Vetter Baidu, der Sohn Tarakai's, des fünften +Sohnes Hulagu's, ihm zur Seite; von den Emiren waren ihm +mehrere zugefallen<a name="FNanchor_636" id="FNanchor_636"></a><a href="#Footnote_636" class="fnanchor">[636]</a>, deren mächtigster Taghadschar, der +ehemalige Befehlshaber in Fars, dem er die Befehlshaberschaft +eines Tomans mit den Insignien der Standarte und Pauken +verlieh. Der mit ihm einverstandene Prinz Dschuschkab +(der Sohn Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) überwinterte +zu Diarbekr. Auch Alinak, der Statthalter Georgiens, +welchen Ahmed Teguder an Arghun mit der Einladung +zum Kurultai gesandt hatte, war von demselben gewonnen +worden und hatte sich mit ihm verbündet; als er +aber an den Hof Ahmed's zurückkam, ward derselbe durch +Schemseddin's Klugheit, welcher dessen Pläne durchschaute, +wieder dem Herrscher gewonnen, indem ihm die älteste +der Töchter Ahmed's, die Prinzessin Kutschuk, vermählt +ward. Als Arghun im Frühjahre von Bagdad nach Chorasan +zurückkehrte, liess er den Prinzen Dschuschkab an der +Spitze seines Lagers als Vorhuth zurück.</p> + +<div class="sidenote">Konguratai +getödtet.</div> + +<p>Als Arghun auf seinem Zuge gegen Chorasan nach Rei +gekommen, liess er den Vogt Teguder's prügeln, ihm an +den Hals und an die Füsse einen Block schlagen und sandte +ihn so auf einem Esel an Teguder, zugleich die Forderung +der Auslieferung des Wesirs Schemseddin zur Berichtigung +<span class='pagenum'><a name="Page_345" id="Page_345">[345]</a></span> +der dem Vater schuldig gebliebenen Summen stellend. An +der Gränze Masenderans kam ihm Jankadschi Nujan mit +einem Tomane (zehntausend Mann) des Heeres entgegen; +er sagte zu ihm und zu Hindu Nujan, dem Befehlshaber der +beiden Tomane, welche die Gränze am Dschihun hüteten: +Als mein Vater mich vor seinem Tode zu sich berief, war +ich bis hierher gekommen, als ich die Nachricht, dass er +gestorben, erhielt, und weil ich kein Heer hatte, des mir +bestimmten Thrones verlustig ging; nun bin ich entschlossen, +wenn ihr mir nur beistehen wollt, denselben mit dem Schwerte +zu erobern. Hindu antwortete: Wiewohl die Sache sich so +verhält, so ist doch Teguder als der Aka, d. i. der Aeltere, +dermalen Chan, doch du, Gott sei Lob! Herr und Padischah +in diesem Lande; begnüge dich damit und befolge den Rath +des im Dienste deines Vaters ergrauten Dieners; sollte aber +Teguder dich angreifen wollen, so sind wir bereit, die Seele +für dich zu opfern. Zu gleicher Zeit, als Tarchun gegen +Chorasan gezogen, war Teguder nach Alatagh gekommen +und hatte von hier seinen vertrauten Rathgeber, den Scheich +Abderrahman, als Gesandten an den Sultan Aegyptens gesandt; +er wurde zu Damaskus in den Kerker geworfen, aus +welchem ihn nur der Tod befreite. Teguder lud seinen +Bruder, den Prinzen Konguratai, den Statthalter Rum's, +ein, auf einem Kurultai zu erscheinen. Dieser hatte zwei +seiner Vertrauten zu Arghun gesendet, welcher dieselben +höchst ehrenvoll empfing und dem Oheim zwei Kuppeln +Panther zum Geschenke sandte; diese Sendung erregte das +höchste Missvergnügen und den grössten Verdacht Teguder's. +Konguratai verschwor sich mit zwei Emiren<a name="FNanchor_637" id="FNanchor_637"></a><a href="#Footnote_637" class="fnanchor">[637]</a> wider das +Leben Teguder's, und sie bestimmten zur Ausführung ihrer +That die Festnacht des neuen Jahrs<a name="FNanchor_638" id="FNanchor_638"></a><a href="#Footnote_638" class="fnanchor">[638]</a>, wo nach mongolischem +Herkommen zum Andenken des Auszugs aus den +Erzgebirgen von <i>Ergenekun</i> der Chan mit seinem ganzen +<span class='pagenum'><a name="Page_346" id="Page_346">[346]</a></span> +Hofe der Schmiedung von Eisenmassen beiwohnte. Teguder, +hiervon benachrichtigt, begab sich zu Alinak, seinem Eidam, +und bewog ihn, am Tage vor der neuen Jahresnacht sich +zu Konguratai zu verfügen und ihm denselben zu bringen. <span class="xidenote">26. Schewwal 682/<br />17. Jan. 1284</span> +Alinak versprach, nicht nur den Konguratai, sondern auch +den Arghun auf gleiche Weise in Teguder's Hände zu liefern. +Dieser überhäufte ihn mit Ehren und Geschenken und übertrug +ihm den Befehl des ganzen Heeres. Am neuen Jahrstage +des Affenjahres (des neunten des zwölfjährigen mongolischen +Thiercyklus) wurde Konguratai getödtet. Zu +Karabagh in Arran sassen die Richter durch sechs Tage +lang zu Gericht und verurtheilten die beiden Emire, Mitverschworenen +Konguratai's, zum Tode; nach Bagdad erging +der Befehl, den Prinzen Dschuschkab und sieben Emire +Arghun's zu ergreifen<a name="FNanchor_639" id="FNanchor_639"></a><a href="#Footnote_639" class="fnanchor">[639]</a> und gebunden nach Tebris zu +bringen, wo sie erst später durch die Ankunft Arghun's +von ihren Banden befreit wurden; auch den Bruder des Chans, +den Bruder Kendschatu, welcher sich selbst als ergeben +stellte, hatte man nach Tebris gesendet, aber auf dem Wege +dahin, zu Sawa, entwich er seinem Geleite und begab sich +zu Arghun. Diesem berichtete der Richter von Kaswin, +Rasieddin, den Mord Konguratai's, die Gefangennehmung +der Emire, die Rüstung des Heeres unter dem Oberbefehle +Alinak's. <span class="xidenote">18. Moharrem 682/<br />6. April 1284</span> Zu Tebris feierte Teguder die Hochzeit mit seiner +Nichte Tudai Chatun, der Tochter Musa Gurgan's, des Gemahls +Tarakai's, der fünften Tochter Hulagu's. <i>Gurgan</i> war +der Ehrentitel aller Eidame und mit dem regierenden Hause +verschwägerten Emire.</p> + +<div class="sidenote">Ausbruch +des Kriegs +zwischen +Teguder und +Arghun.</div> + +<p>Schemseddin, wohl einsehend, dass der Kampf um den +Thron auch seiner Macht und seinem Leben gelte, bot Alles +zur Rüstung eines zahlreichen Heeres auf. Hunderttausend +auserwählte Reiter aus allen Nationen und Religionen, Mongolen, +Musulmanen, Armenier, Georgier, Turkmanen nahmen +<span class='pagenum'><a name="Page_347" id="Page_347">[347]</a></span> +das Feld. Den Vortrab von fünfzehntausend befehligte +Alinak<a name="FNanchor_640" id="FNanchor_640"></a><a href="#Footnote_640" class="fnanchor">[640]</a>. Ein Ende Januars eingefallener tiefer Schnee +verspätete den Aufbruch des Heeres. <span class="xidenote">9. Silkide 682/<br />29. Jan. 1284</span> Endlich zog der Vortrab +unter dem Befehle von <i>Alinak</i>, <i>Baisar Aghul</i> und +<i>Taghai Kokoltasch</i> gegen Kaswin, wo dreihundert dem +Arghun eigen gehörige Familien von Usen aufgehoben wurden. +Arghun sandte, sobald er von dem Anmarsche des +Heeres Kunde erhalten, Boten an seinen Schatz in Gurgan +(Hyrkanien) und an die Werkstätten von Nischabur, Tus +und Isferain, um Geld, Waffen, Kleider herbeizuschaffen, +die er unter die Emire des Heeres vertheilte. Melik Fachreddin +von Rei, der das Register darüber führte, hatte dasselbe: +<i>Verzeichniss der unter das siegreiche Heer vertheilten +Summen</i> überschrieben. Arghun, der zufällig zur Vertheilung +gekommen und das Register gesehen, nahm die Feder +und schrieb das Wort: <i>siegreich</i> mit ungemein schönem persischem +Schriftzug, dessen er vollkommen Meister war, hin. +Kawameddin, der persische Wesir, der zugegen, deutete +diesen Umstand sogleich auf die schönste Erfüllung des gehofften +Sieges. Am folgenden Tage traf die Nachricht von +dem Unfalle Kaswins ein; Arghun sandte den Vortrab unter +dem Befehle Timur's voraus, liess den Sischi Bachschi beim +schweren Gepäcke zurück und brach selbst auf der Strasse +von Temische auf. Ahmed war indessen mit acht Tomanen, +d. i. mit achtzigtausend Mann<a name="FNanchor_641" id="FNanchor_641"></a><a href="#Footnote_641" class="fnanchor">[641]</a>, über die Ebene von Moghan +herangezogen und am ersten Mai zeigten sich seine +Vorposten zu Thalkan. <span class="xidenote">8. Ssafer 683/<br />27. April 1284</span> Von Erdebil hatte er Kurmischi, +den Sohn Alinak's, an den Vater mit dem Befehle gesandt: +die Schlacht nur zu wagen, wenn er dem Feind an Macht +überlegen, sonst aber seine Ankunft abzuwarten. Er brach +von Erdebil auf, nachdem er bei dem Gepäcke den Abukjan +<span class='pagenum'><a name="Page_348" id="Page_348">[348]</a></span> +zurückgelassen. <span class="xidenote">18. Ssafer/<br />7. Mai</span> Arghun hatte seinerseits einen Boten an +den Emir Newrus gesendet, um ihn mit einem Tomane der +Karawinas in's Feld zu laden, und zugleich den Hindu Nujan +zu erscheinen aufgefordert; er selbst verheerte mit achttausend +Mann das Land. Zu <i>Chiel büsürg</i> stiessen die Vorposten +der beiden Heere auf einander und in der Ebene +von <i>Ak Chodscha</i> in der Nähe von Kaswin kam es zur +Schlacht. Den rechten Flügel Arghun's befehligten <i>Jula +Timur</i> und <i>Amakadschi</i>, den linken <i>Bulughan</i>; das Mitteltreffen +<i>Taulai</i>. Auf der Seite des Chans stand im Mitteltreffen +Prinz Huladschu, der zwölfte Sohn Hulagu's, der +Bruder Teguder's; den linken Flügel befehligte <i>Basaraghul</i> +und den rechten <i>Alinak</i>. Arghun, wiewohl ihm der Feind +an Stärke bei weitem überlegen, that Wunder der Tapferkeit, +wie weiland Siawesch und Rustem; aber sein linker +Flügel ward von Alinak geschlagen, während Jula Timur +und Amakadschi den Basaraghul's zurückdrängten. Jula +Timur verfolgte hierauf den flüchtigen Basaraghul bis vor die +Thore Kaswin's und verheerte das Land umher. Der Kampf +dauerte von Mittag bis in die sinkende Nacht. Alinak zog +sich von Dschemelabad bis nach Ebher, zehn Parasangen, +zurück; da seine edle Stute in die Hände der Reiter Arghun's +gefallen, sandte ihm dieser beleidigende Botschaft: Es wäre +mir nie eingefallen, dass ein Held, wie du, vor einem Haufen, +wie die unserigen, wie Schafe vor dem Gebrülle des Löwen +fliehen und dass dein edles Pferd wie eine Saummähre erbeutet +werden würde. Als Arghun zu Rei und Tehran, +riethen ihm seine Emire, sich nach Kaliusch, das ober +Dschadscherm, zurückzuziehen, wo sie Meister vortheilhaften +Schlachtfeldes und vor den Thoren ihre Zelte sein +würden. Als sie aber nach Demaghan kamen, trafen sie +keinen Mann der Karawinas, auf deren Beistand sie gerechnet +hatten, und erhielten die Nachricht, dass das Heer +Arghun's gänzlich geschlagen und zerstreut worden sei. Die +Karawinas waren in der Ebene von Akchodscha angekommen, +als die Schlacht schon verloren war; sie verheerten also +blos das Land und verbrannten Demaghan.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_349" id="Page_349">[349]</a></span></p> +<div class="sidenote">Die Landschaften +Kumis und +Taberistan; +die Scheiche +von Semnan, +Demaghan +und Bostam.</div> + +<p>Der Schauplatz, in welchem der Krieg zwischen Teguder +und Arghun jetzt geführt ward, sind die beiden Landschaften +Taberistan und Kumis, welche nördlich von Masenderan, +westlich vom persischen Irak, östlich und südlich von +Chorasan begränzt, insgemein von den Reisebeschreibern zu +dem nördlichen Chorasan gerechnet werden, wiewohl alle +morgenländischen Erdbeschreibungen dieselben als zwei besondere +Landschaften aufführen; sie ziehen sich längs des +Gebirges hin, so dass Taberistan die untere südwestliche, +unmittelbar an das Gebiet von Tehran stossende, Kumis die +nordöstliche obere. In der ersten lagen einige der berühmtesten +Schlösser der Assassinen, deren schon bei der Eroberung +derselben durch Hulagu Erwähnung geschehen, wie +<i>Firuskjuh</i>, d. i. der Glücksberg, und <i>Girdkjuh</i>, d. i. der +Gürtelberg; die Hauptstadt ist <i>Demawend</i>, gleichen Namen +mit dem Berge führend, in dessen Klüfte die persischen +Heldensagen den Kerker des von Dämonen gefolterten Tyrannen +Sohak verlegen; das Gebirgsland Taberistan mit seinen +Felsenpässen, deren berühmtester der kaspische (wahrscheinlich +der südliche Pass von Charwar), liegt dem persischen +Oesterreich (Chorasan) wie Tyrol dem europäischen +Chorasan (Oesterreich) als Schutzwehr vor<a name="FNanchor_642" id="FNanchor_642"></a><a href="#Footnote_642" class="fnanchor">[642]</a>. Das obere +Gebirgsland Kumis zerfällt in vier Distrikte von <i>Schahrud</i>, +<i>Semnan</i>, <i>Demaghan</i>, <i>Bostam</i>, wovon der erste nach dem +Berge und Flusse so genannt ist, die anderen drei aber +nach den gleichnamigen Städten. <i>Semnan</i>, die südwestlichste +dieser drei Städte, am Rande der Wüste, unmittelbar nach +dem Austritte aus dem kaspischen Passe, gelegen<a name="FNanchor_643" id="FNanchor_643"></a><a href="#Footnote_643" class="fnanchor">[643]</a>, kleiner +als Demaghan, grösser als Bostam, ist sowohl durch seine +Pistazien und Feigen, als durch den hier geborenen und +begrabenen grossen Scheich <i>Alaeddewlet Semnani</i> berühmt<a name="FNanchor_644" id="FNanchor_644"></a><a href="#Footnote_644" class="fnanchor">[644]</a>. +„In dieser alten Stadt“, sagt Fraser, „herrscht eine wunderbare +Verschiedenheit der Gebäude, grosse luftige Häuser +<span class='pagenum'><a name="Page_350" id="Page_350">[350]</a></span> +von sonnengetrockneten Ziegeln und Lehm in der Form von +Schlössern, mit Schiesslöchern, Basteien und Thürmen versehen, +unstreitig von hohem Alterthume; viele tiefe Klüfte +innerhalb der Stadtmauern, welche ihren Ursprung der +Wirkung von Gewässern zu danken scheinen, bilden Höhlen, +welche ihren Einwohnern und ihren Heerden zum Aufenthalte +dienen und von ihnen den zahlreichen Ruinen ober +der Erde vorgezogen werden.“ Das Bad der Stadt ward +schon im sechsten Jahrhundert der Hidschret erbaut<a name="FNanchor_645" id="FNanchor_645"></a><a href="#Footnote_645" class="fnanchor">[645]</a>. Die +Inschriften anderer Denkmäler gehören der späteren Zeit, +der Dynastie <i>Ssafewi</i> an<a name="FNanchor_646" id="FNanchor_646"></a><a href="#Footnote_646" class="fnanchor">[646]</a>. In der Nähe ist die von persischen +Geschichten und auch von Fraser erwähnte Windquelle, +welche, verunreinigt, Sturm und Ungewitter verursacht<a name="FNanchor_647" id="FNanchor_647"></a><a href="#Footnote_647" class="fnanchor">[647]</a>, +eine auch in Europa mehreren Quellen und +Höhlen auf hohen Gebirgen gemeinsame Volkssage<a name="FNanchor_648" id="FNanchor_648"></a><a href="#Footnote_648" class="fnanchor">[648]</a>. <i>Demaghan</i>, +deren Erbauung von persischen Geschichtschreibern +und Geographen dem Huscheng, dem zweiten der alten +persischen Könige, zugeschrieben wird (der erste Keiomeers, +der Stiermann des Budehesch), an dem Zusammenlauf +der Strassen von Chorasan, Kuhistan, Masenderan und +Irak gelegen, stand wahrscheinlich an der Stelle des alten +<i>Hekatompylos</i>, der Stadt von hundert Thoren oder Pässen<a name="FNanchor_649" id="FNanchor_649"></a><a href="#Footnote_649" class="fnanchor">[649]</a>, +in dessen Nähe der Fluss <i>Stiboetes</i> aus einer schönen Felsenhöhle +entsprang<a name="FNanchor_650" id="FNanchor_650"></a><a href="#Footnote_650" class="fnanchor">[650]</a>; diess ist der von den morgenländischen +Erdbeschreibern gerühmte <i>Chosrewi</i>, welcher sich in hundert +und zwanzig unterirdische Bäche vertheilt<a name="FNanchor_651" id="FNanchor_651"></a><a href="#Footnote_651" class="fnanchor">[651]</a>; die Stadt +liegt heute in Ruinen; das berühmteste Grabmal ist das der +vierzig Köpfe oder Töchter<a name="FNanchor_652" id="FNanchor_652"></a><a href="#Footnote_652" class="fnanchor">[652]</a>, und von den berühmtesten +Scheichen der Ssofi ist <i>Ebu Dschaafer Demaghani</i> nach der +<span class='pagenum'><a name="Page_351" id="Page_351">[351]</a></span> +Stadt genannt<a name="FNanchor_653" id="FNanchor_653"></a><a href="#Footnote_653" class="fnanchor">[653]</a>. Von den Scheichen von <i>Demaghan</i> und +den von <i>Semnan</i> geht weit im Rufe der Heiligkeit und +Wunderthätigkeit der Scheich Ebu Jesid von <i>Bostam</i>, der +dritten Hauptstadt von Kumis, vor. Schon in der Hälfte +des dritten Jahrhunderts der Hidschret gestorben<a name="FNanchor_654" id="FNanchor_654"></a><a href="#Footnote_654" class="fnanchor">[654]</a>, war +er der Stifter des nach seinem Namen genannten Ordens +der Derwische <i>Bostami</i>; auch als Geburtsort späterer Gelehrten +ist Bostam berühmt<a name="FNanchor_655" id="FNanchor_655"></a><a href="#Footnote_655" class="fnanchor">[655]</a>, aber doch keiner, wie der +Scheich <i>Ebu Jesid</i> oder <i>Bajesid</i>, von dem die Antworten +auf die Frage: wo sein Vaterland? Mein Vaterland ist unter +dem höchsten Himmel, und auf die Frage: Wie bist du zu +Gott gelangt? Indem ich über mich hinausgegangen; und +dessen Sterbegebet: Mein Gott! was ich in meinem Leben +zu dir gebetet, war lauer Vollzug von Gebot, und wenn +ich dir gedienet, war's flauer Dienst in der Noth<a name="FNanchor_656" id="FNanchor_656"></a><a href="#Footnote_656" class="fnanchor">[656]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Unterhandlungen +und +Marsch +durch +Kumis.</div> + +<p>Arghun, als er auf seinem Rückzuge nach Bostam gekommen, +wallfahrtete zum Grabmale des Scheichs <i>Ebu Jesid</i>, +während Ahmed Teguder seinerseits am Grabe des Scheichs +Babi den Beistand desselben erflehte, eine Wallfahrt, die +von diesem, der den Islam angenommen, natürlicher, als +von jenem, der kein Moslim war. Teguder befehligte seinen +Bruder Huladschu mit einem Tomane nach Rei, und befahl +dort allen Befehlshabern des Heeres, eine Schrift zu unterzeichnen, +dass sie Niemanden gehorchen würden, als dem +zum obersten Feldherrn ernannten Bugha; Alle unterschrieben +bis auf Alinak. Zwei Gesandte Arghun's, Kotloghschah<a name="FNanchor_657" id="FNanchor_657"></a><a href="#Footnote_657" class="fnanchor">[657]</a> +und Legsi, kamen nach der Ebene von Akchodscha bei +Kaswin, um Frieden zu bitten und sich über die Streifzüge +der Truppen Teguder's, welche das Land weitum verwüsteten, +zu beklagen. <span class="xidenote">28. Ssafer 683/<br />13. Mai 1284</span> Teguder verwies die Gesandten an den +Inhaber des Diwans, Schemseddin; dieser aber trug vor: +Es sei unmöglich, dem Rauben des Heeres Einhalt zu thun, +<span class='pagenum'><a name="Page_352" id="Page_352">[352]</a></span> +indem diese Streifzüge die Vorspiele des Krieges; auch +Jagdvögeln sei Beute lieber, als täglich zugemessene regelmässige +Fütterung. „Diese Gedanken des Inhabers des +Diwans“, sagt Wassaf, „brachten demselben kein Heil und +das Reich ward schnell dem Verderben zu Theil.“ Alle Entschuldigungen, +welche die Gesandten Arghun's vorbrachten, +blieben unbeachtet, und der Sultan (Ahmed) befahl abermal +dem Heere, in's Feld zu ziehen. <i>Ssadreddin</i> und <i>Assileddin</i>, +die zwei Söhne des grossen Astronomen Nassireddin von +Tus, welche, wenn nicht die astronomische Wissenschaft +des Vaters, doch die astrologischen Verrichtungen geerbt +hatten, stellten vor, dass die Gestirne den Auszug eines +Heeres nicht begünstigten, worüber Ahmed ungnädig auf sie. +Arghun empfing im Dorfe Surch<a name="FNanchor_658" id="FNanchor_658"></a><a href="#Footnote_658" class="fnanchor">[658]</a>, in der Nähe von Semnan, +seinen Sohn Ghasan und Omer Aghul, den Sohn Niguder's, +des Enkels Dschaghatai's, aus dessen erstgeborenem Sohne +Dschudschi, gleichnamig mit seinem Oheime Dschudschi, +dem erstgeborenen Sohne Tschengischan's; mit ihnen stellten +sich Nokai, der Jarghudschi, d. i. der Oberrichter, und Sischi +Bachschi, d. i. der Staatssekretär, zum Dienste Arghun's ein. +Zur Erwiederung der Gesandtschaft Arghun's sandte Ahmed +die Prinzen <i>Toghatimur</i> (den vierzehnten Sohn Hulagu's), +welcher, wie sein Bruder Huladschu, im Interesse ihres +Bruders Teguder, und <i>Suke</i>, den dritten Sohn Jaschmut's, +des dritten Sohnes Hulagu's, mit den Emiren Buka und +Doladai Jarghudschi mit der Botschaft, dass, wenn Arghun +unterthänig, er selbst kommen oder den Bruder Kendschatu +senden möge. Buka stellte dem Sultan vor, dass, da er +nun unterhandle, er nicht weiter marschiren dürfe; und +Ahmed antwortete: dass er zu <i>Charkan</i> ihre Ankunft abwarten +wolle. <span class="xidenote">14. Rebiulewwel 683/<br />1. Juni 1284</span> Er zog ihnen verheerend über Demaghan +nach, dessen Einwohner vielfältig gepeinigt wurden; fünf +Tage hernach war er zu Charkan angelangt, welches ein +zu Bostam gehöriges Dorf, nur als Geburtsort und Grabstätte +<span class='pagenum'><a name="Page_353" id="Page_353">[353]</a></span> +des Scheichs <i>Ebul Hasan Charkani</i> berühmt<a name="FNanchor_659" id="FNanchor_659"></a><a href="#Footnote_659" class="fnanchor">[659]</a>. <span class="xidenote">20. Rebiulewwel/<br />7. Juni 1284</span> Der +Emir <i>Dschirkudai</i>, sein Bruder <i>Jesuder</i> und <i>Bulughan</i>, der +Statthalter von Schiras, brachten ihre Huldigung dar. Zu +Charkan machte Ahmed keineswegs Halt, wie er seinem +Gesandten Buka versprochen, sondern sandte den Alinak +mit dem Vortrab weiter voraus<a name="FNanchor_660" id="FNanchor_660"></a><a href="#Footnote_660" class="fnanchor">[660]</a>; <span class="xidenote">28. Rebiulewwel/<br />15. Juni</span> er selbst lagerte acht +Tage hernach zu <i>Kalpusch</i> und drei Tage später zu <i>Kebud +Dschame</i>, d. i. <i>Blaukleid</i>, einem zum Gebiete von <i>Dehistan</i> +(dem alten Sitze der Dahen) gehörigen Orte, das reich an +Korn, Trauben und Seide<a name="FNanchor_661" id="FNanchor_661"></a><a href="#Footnote_661" class="fnanchor">[661]</a>. Zwar kam die Wesirschaft +Ahmed's, nämlich die beiden Prinzen Toghatimur und Suka +und die beiden Emire Buka und Doladai, zurück und brachten +Kendschatu, den Bruder Arghun's, mit sich<a name="FNanchor_662" id="FNanchor_662"></a><a href="#Footnote_662" class="fnanchor">[662]</a>; mit ihnen +trafen die Emire <i>Newrus</i> und <i>Buralighi</i> als Gesandte Arghun's +ein. Buka zürnte darob, dass Ahmed nicht seinem gegebenen +Worte getreu zu Charkan Halt gemacht; er deutete diese +Wortverletzung unglücklich für Ahmed und glücklich für +Arghun aus. Newrus und Buralighi kehrten unverrichteter +Dinge zurück. <span class="xidenote">3. Rebiulachir</span> Drei Tage hernach ward von Kalpusch aufgebrochen; +die Emire Jula Timur und Imkadschin, der Sohn +Suntai's, brachten ihre Huldigung dar. Ahmed, ungeduldig +des Verzuges, gab dem Akbuka die Stelle Buka's und machte +diesen dadurch um so mehr im Herzen dem Arghun zugethan.</p> + +<div class="sidenote">Arghun zu +Kelat; +ergibt sich.</div> + +<p>Arghun hatte sich indessen mit nicht mehr als hundert +Begleitern von den Fürsten seines Gefolges über Meschhed +hinaus in das feste Schloss Kelat geflüchtet<a name="FNanchor_663" id="FNanchor_663"></a><a href="#Footnote_663" class="fnanchor">[663]</a>; dieses bis in +die neueste Geschichte als der Schatzhort Nadirschah's berühmte +feste Schloss spielt schon in der Geschichte der +ersten moslimischen Dynastien Persiens eine bedeutende +Rolle. <i>Otbi</i><a name="FNanchor_664" id="FNanchor_664"></a><a href="#Footnote_664" class="fnanchor">[664]</a>, der Verfasser des <i>Jemini</i>, d. i. der durch +ihren rednerischen Schmuck berühmten Geschichte Mahmud's, +<span class='pagenum'><a name="Page_354" id="Page_354">[354]</a></span> +des Sultans von Ghasna, Eroberers Indiens, malt die Höhe +desselben durch das Distichon:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Wind ermüdet, indem er will die Zinnen erklimmen,<br /></span> +<span class="i2">Und es gleitet das Aug' nieder von schwindelnder Höh'.<br /></span> +</div></div> + +<p>Dieses Bergschloss liegt zwischen Kasermian, Serchas, Abiwerd +und Tus in schönem und fruchtbarem Thale, welches +fünfzig bis sechzig englische Meilen lang, zehn bis fünfzehn +breit, von Osten nach Westen zieht und von den Hügeln, +welche die Ebene Meschheds von der Wüste trennen, eingeschlossen +wird. Der Anblick des Thales ist reich und +grün, es hat Ueberfluss an Pferden und Wildpret und wird +ausser dem Strome, welcher dasselbe der Länge nach durchfliesst, +noch von kleinen, in Cascadellen die Hügel herabströmenden +Bächen bewässert; aber alle diese Wasser sind +schädlich und im Herbste sogar tödtlich, wesshalb das Regenwasser +zum Trinken in Cisternen gesammelt werden muss<a name="FNanchor_665" id="FNanchor_665"></a><a href="#Footnote_665" class="fnanchor">[665]</a>. +In diese durch Natur unbezwingliche Bergfeste schloss sich +Arghun mit Bulughan, der geliebtesten seiner Frauen, ein. +Der Emir Newrus, als er Kunde erhielt, dass Alinak wider +das Schloss im Anzuge, bat kniend, Arghun möge über den +Oxus ziehen und in dem Jurte Kuwindschi's (des zwölften +Sohnes Scheiban's, des fünften Sohnes Dschudschi's) Zuflucht +suchen. Arghun gab dem wohlgemeinten Rathe kein Gehör; +<i>Legsi</i>, welchen wir oben als Gesandten Arghun's an Ahmed +kennen gelernt, ging zu diesem über und erbat sich ein +Heer, mit welchem er ihm den Arghun zu liefern versprach. +Ahmed gab ihm Truppen, mit denen er das Lager der Frau +Kotlogh Chatun, der Gemahlin Arghun's, plünderte. Der +Emir Newrus kam, um ihn zur Rückkehr zu bewegen; Legsi +ergriff die Zügel seines Pferdes, um ihn mit sich zum Sultan +zu führen; aber Newrus legte die Hand an's Schwert, betheuernd, +dass er, so lang er athme, den Dienst Arghun's +nicht verlassen wolle; Legsi liess ihn frei und brachte die +Beute des Lagers der Frau Kotlogh in das Ahmed's zurück, +der ihn davon reichlich betheilte. Alinak war indessen vor +<span class='pagenum'><a name="Page_355" id="Page_355">[355]</a></span> +Kelat angekommen und hatte den Arghun beredet, ihm in +das Lager des Oheims, der ihm nichts Uebles wolle, zu +folgen. <span class="xidenote">13. Rebiulsani 683/<br />29. Juni 1284</span> Ahmed umarmte ihn, küsste ihn und übergab ihn +der Obhuth Alinak's; dieser stellte vor, dass jetzt der Augenblick, +sich des Feindes zu entledigen; aber Ahmed, der, +ganz der Liebe seiner neuen Gemahlin Tudai hingegeben, +für nichts Anderes Sinn hatte, sprach: Was kann er ohne +Heer und Schatz unternehmen? Ich will die Frau Kutui +(seine Mutter), wenn ich sie sehe, um ihre Meinung hierüber +fragen. Indessen befahl er doch, die Emire Arghun's, +<i>Sischi Bachschi</i>, <i>Kadan</i>, <i>Buraligh</i> fest zu setzen, von seinen +eigenen einige<a name="FNanchor_666" id="FNanchor_666"></a><a href="#Footnote_666" class="fnanchor">[666]</a>, weil sie dem Arghun ergeben, hinzurichten. <span class="xidenote">16. Rebiul. II./<br />2. Juli</span> +Er wollte eben aufbrechen, als er auf Bitte Buka's, +dass er erlauben möge, die Vermählung seiner Tochter mit +Kipdschak Kaghul, einem Abkömmlinge Dschudschi Kasar's, +des Bruders Tschengischan's, zu feiern, noch zu bleiben +beschloss. Arghun war in die Seele betrübt, indem er unglücklichen +Ausgang seines Schicksals fürchtete. Da sprach +ihm die Frau Bulughan, welche seine Gefangenschaft getheilt +und welche auch von Ahmed gnädig empfangen worden war, +indem er ihr selbst den Becher reichte<a name="FNanchor_667" id="FNanchor_667"></a><a href="#Footnote_667" class="fnanchor">[667]</a>, Trost +ein. Er versprach ihr, dem Arghun die Statthalterschaft +von Chorasan zu verleihen, und verlieh ihm ein kaiserliches +Zelt. Ganz in dem Genusse der Frau Tudai schwelgend, +hatte Ahmed keinen Sinn für die Wichtigkeit des Augenblicks, +oder die Gefahr, die ihm von den nächsten Umgebungen +drohte; er befahl jedoch dem Alinak, den Arghun +nach dem Aufbruche des Lagers hinzurichten<a name="FNanchor_668" id="FNanchor_668"></a><a href="#Footnote_668" class="fnanchor">[668]</a>. In der +nächsten Nacht „sollte das Zelt seines Lebens abgebrochen +werden, als durch eine unvorgesehene Wendung der Dinge +der arabische Spruch, welchen Bulughan dem Arghun zu +Gemüthe führte: dass die Nächte, schwanger, gar Vieles +vor dem Morgen gebären, auf das glücklichste ausging“.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_356" id="Page_356">[356]</a></span></p> +<div class="sidenote">Verschwörung +Buka's +und +Ermordung +Teguder's.</div> + +<p><i>Buka</i>, welcher wider Ahmed den doppelten Groll ob +gebrochenem Wort und genommenem Oberbefehl nährte, +vermochte mehrere Emire<a name="FNanchor_669" id="FNanchor_669"></a><a href="#Footnote_669" class="fnanchor">[669]</a> zu einer Verschwörung wider +Alinak und Ahmed, indem er sie versicherte, dass dieser +beschlossen, sie an der Gränze von Isferain hinrichten zu +lassen; auch den Prinzen Huladschu, den Bruder Ahmed's, +brachte er auf seine Seite. Sie beriethen sich zuerst über +das Mittel, sich Alinak's zu entledigen. Buka sandte durch +einen Vertrauten Arghun's demselben Wort, diesen Abend +den Alinak zu begehren, und zwei der Verschworenen<a name="FNanchor_670" id="FNanchor_670"></a><a href="#Footnote_670" class="fnanchor">[670]</a> +nahmen es auf sich, desgleichen die Emire Karabuka und +Taitak zu berufen. Nach dem Nachtgebete begab sich Buka, +von drei Reitern begleitet, in den von Wachen besetzten +Umkreis des Zeltes Arghun's und sandte einen hinein, um +den Prinzen leise zu wecken. Arghun glaubte, es sei List +und Verrätherei; als ihm aber dieser schwur, dass Nichts +zu fürchten und dass Buka als treuer Diener ihn als seinen +Herrn zu retten gekommen, schloss sich Arghun an denselben +an. Als sie um den dritten Kreis der Umzäunung<a name="FNanchor_671" id="FNanchor_671"></a><a href="#Footnote_671" class="fnanchor">[671]</a> +kamen, rief sie eine Wache an: Wie ist's, dass ihr ginget +vier hinein und kommet fünf heraus? Du irrst dich, Freund, +sagte Buka, deine schlafbenebelten Augen haben ehe um +einen zu wenig gezählt. So kamen sie glücklich durch in's +Zelt Buka's. Arghun ward bewaffnet, auf ein Pferd gesetzt, +und sie begaben sich in das Zelt Alinak's, der im Rausche +abgethan, sein Kopf vor's Zelt geworfen ward. <span class="xidenote">18. Rebiulachir 683/<br />4. Juli 1284</span> In derselben +Nacht wurden Boten an Huladschu und Bektu abgesandt, +die sich zu Firuskjuh befanden, dass jene an Basar Aghul +und Abukjan thun möchten, wie sie an Alinak und Taitak +gethan; in derselben Nacht wurden auch Karabuka und andere +Emire ergriffen und am nächsten Morgen hingerichtet. +Ahmed befand sich im Lager der Tudai mit dem Prinzen +Kinschu (dem Sohne Dschumkur's, des zweiten Sohnes Hulagu's) +und den Emiren Akbuka und Legsi, als er die +<span class='pagenum'><a name="Page_357" id="Page_357">[357]</a></span> +Nachricht erhielt, dass alle seine Treuen getödtet; er unterhielt +sich zu Kalpusch noch mit der Frau Tudai und floh +dann auch von Isferain gegen Kumis und Irak. <span class="xidenote">19. Rebiul. II./<br />5. Juli</span> Die Verschworenen +hatten ihrerseits den Buri, den Vogt, nach Issfahan +an die Karawinas, die zu Siakuh hielten, abgesandt, +dass sie aufsitzen und den Ahmed ergreifen sollten. Dscherik, +der Emir des Lagers des hingerichteten Prinzen Konghuratai, +wurde zur Blutrache seines Herrn mit viertausend Reitern +dem Ahmed nachgesandt, und Doladai, der Oberrichter, +machte sich an der Spitze von vierhundert auf den Weg. +Die Prinzen Huladschu und Kinschu huldigten dem Arghun +zu Charkan; die Emire berathschlagten nun über die Wahl +des Chans. <span class="xidenote">24. Rebiul. II./<br />10. Juli</span> Buka erklärte sich laut für Arghun, während +sein Bruder Aruk und Kurmischi für Dschuschkab, den +Bruder Kinschu's, Tekia für Huladschu stimmten. Buka +legte die Hand an's Schwert und schwur, dass, so lang er +es führe, es nur für Arghun und seine Feinde dienen solle. +Sie fragten nun den Tengir Gurgan, den Gemahl der Prinzessin +Tudukasch, der vierten Tochter Hulagu's, und den +Vater Kotloghschah's, der Gemahlin Arghun's, um den letzten +Willen Abaka's. Er bezeugte: er habe zu seinem Nachfolger +seinen Bruder Mengu Timur und nach dessen Tode den +Arghun ernannt. Arghun bat mit der bei mongolischen +Thronbesteigungen hergebrachten verstellten Bescheidenheit, +dass man ihn mit dem Throne verschonen und die Statthalterschaft +Chorasan, wie bei seines Vaters Lebzeit, lassen +wolle. Buka brachte die Entschuldigungen zum Schweigen, +indem er sagte: das erste sei, sich der Person Ahmed's zu +versichern, worauf dann mit Beiziehung des Raths der Frau +Oldschai (der Gemahlin Hulagu's und dann Abaka's) einer +der Prinzen zum Chan ausgerufen werden solle. Aruk und +Dschuschkab zogen mit dem Vortrab voraus, Huladschu, +Kinschu und Bektu folgten mit dem schweren Gepäcke. Zu +Konkurlang bei Tebris wurde das Haus Buka's geplündert, +sein Harem auf Sundschak's Fürbitte verschont. <span class="xidenote">27. Rebiul. II./<br />13. Juli</span> Ahmed, +der noch gekommen, seine Mutter Kutui zu sehen, wollte +nach Derbend entfliehen; aber <i>Schiktur</i> und <i>Karabuka</i> sandten +<span class='pagenum'><a name="Page_358" id="Page_358">[358]</a></span> +Botschaft an Kutui Chatun, dass es der Prinzen allgemeiner +Wille, sich der Person ihres Sohnes zu bemächtigen, und +dass sie ihn bis zur Ankunft derselben hüten wollten. Die +Mutter gab ihre Einwilligung. Schiktur übergab den Sultan +einer Wache von dreihundert Mann. Unterdessen kamen +die unverschämten Räuber, die Karawinas, an, welche Buka +nach Ssugurluk gesandt hatte; sie plünderten das Harem +und stiessen sogar die Mutter Kutui Chatun und die Frauen +Tudai und Ermeni Chatun nackt hinaus. Arghun war unterdessen +von Nemuwer vorgerückt und hatte zu Abaschur bei +Jüs Agadsch gelagert. Karaukai und Schiktimur hatten mit +den Karawinen den Sultan gefangen; als ihn Arghun erblickte, +streckte er nach der mongolischen Sitte der siegreichen +Pfeilschützen die Hände aus und schrie: <i>Mordio!</i><a name="FNanchor_672" id="FNanchor_672"></a><a href="#Footnote_672" class="fnanchor">[672]</a>; er +ward sogleich getödtet. Die von Ahmed verhafteten Emire: +Taghadschar, Kundschukbal und Toladai erhielten nun ihre +Freiheit; die Frauen und Emire waren einstimmig in der +Wahl Arghun's. Ahmed wurde vor's Gericht gestellt; Bektu +und der Diener Konghuratai's befragten ihn als seine Richter: +warum er den Konghuratai unschuldiger Weise getödtet, dem +Arghun die Statthalterschaft von Chorasan missgönnt, ihm +den Alinak nachgesandt habe? Ahmed bekannte, dass er +übel gethan, künftig desgleichen nicht thun wolle. Die +Emire wollten sein Leben der Frau Kutui schenken, welche +bei Allen in grösstem Ansehen; da erhoben aber die Mutter +Konghuratai's und seine sechs Söhne Geschrei der Blutrache. +Jetzt erschien Jesu Buka Gurgan, der Gemahl der Prinzessin +Kutulun, der sechsten Tochter Hulagu's, und schreckte die +Versammlung durch die Nachricht, dass die Prinzen Huladschu +und Dschuschkab an der Gränze Hamadan's ein Heer +zum Widerstande sammelten. So erging das Jerligh der +Blutrache Konghuratai's, und Chan Ahmed fiel, der erste +der mongolischen Herrscher, unter der Sanktion der Jasa, +um das vergossene Blut Konghuratai's zu büssen; <span class="xidenote">26. Dschem. achir 683/<br />10. August 1284</span> das Todesurtheil +ward in der Nacht vom Donnerstage am zehnten +<span class='pagenum'><a name="Page_359" id="Page_359">[359]</a></span> +August vollzogen durch Timur und Ildir, zwei Söhne Konghuratai's; +sie rächten des Vaters Tod durch den des Oheims, +indem sie ihm den Rückenwirbel brachen<a name="FNanchor_673" id="FNanchor_673"></a><a href="#Footnote_673" class="fnanchor">[673]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Arghun's +Thronbesteigung, +Gemahlinnen, +Söhne, Töchter.</div> + +<p>Schon am Tage, welchen die Nacht der Hinrichtung +Teguder's heraufgeführt, hatte die Thronbesteigung Arghun's +mit den gewöhnlichen Feierlichkeiten in dem Jurte Suktu +statt<a name="FNanchor_674" id="FNanchor_674"></a><a href="#Footnote_674" class="fnanchor">[674]</a>. Huladschu ergriff die rechte Hand, Inardschi die +linke Arghun's; sie setzten ihn auf den Thron, vor welchem +die Prinzen und Emire neunmal niederknieten, den Gürtel +um den Hals, die Mützen in die Luft warfen und ihm den +Becher huldigend darreichten. Die Feste hatten zu <i>Kamsiun</i>, +welches zwischen <i>Heschtrud</i> und <i>Kurban schire</i>, statt. Drei +Tage nach der Thronbesteigung kamen auch die Prinzen +Kinschu und Dschuschkab, die Söhne Dschumkur's, und +unterschrieben die Urkunde der Krönung. Abukjan, der +Sohn Schiramun's, der Enkel Dschurmaghun's (des Befehlshabers +in Persien zur Zeit Hulagu's), der Jarghudschi, d. i. +Oberrichter, wurde als einer der innigsten Anhänger Ahmed's +hingerichtet; allen anderen Angehörigen Ahmed's sicherte +ein Jerligh das Leben und Ruhe; die Prinzen Dschuschkab +und Baidu (der Sohn Tarakai's, des fünften Sohnes Hulagu's) +wurden als Statthalter nach Bagdad und Diarbekr, +der Oheim Huladschu und der Bruder Kendschatu nach Rum +gesendet. Georgien erhielt der Oheim Adschai (der achte +Sohn Hulagu's), dem Sohne Ghasan wurde die Statthalterschaft +der Landschaften Chorasan, Masenderan, Kumis und +Rei übertragen, die Stelle des Wesirs der Länder dem Buka, +dem Hebel der Herrschaft Arghun's, verliehen, ein höchst +findiger, zum Regieren tüchtiger Kopf. Nach der Sitte +mongolischer Investitur wurde demselben Gold über den +Kopf gestreut, Goldflittern in solchem Ueberflusse, dass er +unter der angehäuften Masse derselben unsichtbar. Arghun +konnte bei seiner Thronbesteigung nicht älter als beiläufig +dreissig Jahre sein, da sein Vater, Abaka, vor zwei Jahren, +<span class='pagenum'><a name="Page_360" id="Page_360">[360]</a></span> +acht und vierzig alt, gestorben war. Seine Mutter war die +Beischläferin Abaka's, Kaimisch Ikadschi. Seine Gemahlinnen: +1. Die Frau <i>Kotlogh</i>, die Tochter Tengir's des +Uiraten, welcher ein doppelter <i>Gurgan</i>, d. i. dem Herrscherhaus +Verschwägerter, indem er selbst mit der vierten +Tochter Hulagu's vermählt, des letzten Eidam und Arghun's +Schwiegervater. 2. <i>Oldschatai</i>, die Tochter der Tudukasch, +aber nicht aus Tengir, sondern aus Sulamisch, dessen Sohn, +aus einer anderen Frau, nach des Vaters Tod mongolischer +Sitte gemäss seine Stiefmutter heirathete, die nach dem +Tode des Sulamisch noch von dessen Sohne Dschidschek +Gurgan, also von ihrem Enkel, geheirathet ward<a name="FNanchor_675" id="FNanchor_675"></a><a href="#Footnote_675" class="fnanchor">[675]</a>. 3. Die +Frau <i>Uruk</i>, die Tochter Sarudsche's, der Schwester Emir +Irindschin's, des Keraiten. 4. Die Frau <i>Seldschuk</i>, die +Tochter Sultan Rukneddin's von Rum. Aus dem Frauengemache +seines Vaters nahm er 5. die Frau <i>Bulughan</i>, die +Verwandte des Buka Jarghudschi, und nach ihrem Tode +6. die Frau <i>Bulughan</i>, die Tochter Utaman's, des Sohnes +Obotai Nujan's des Konghuraten<a name="FNanchor_676" id="FNanchor_676"></a><a href="#Footnote_676" class="fnanchor">[676]</a>. So war 7. die Frau +<i>Mertai</i> die Konghuratin, die Gemahlin Hulagu's, in das +Harem seines Sohnes Abaka, aus diesem in das Arghun's als +Frau übergegangen, so dass dieselbe Stief- und Grossmutter +ihres Gemahls. 8. <i>Tudai Chatun</i>, die Tochter Musa Gurgan's +(des Enkels Tschengischan's) aus Tarakai, der fünften +Tochter Hulagu's. Die Leidenschaft, mit welcher Teguder +Tudai geliebt, hatte ihn über die Gefahren, die seinem +Throne drohten, verblendet. Tudai, die Enkelin Hulagu's, +die Gemahlin Teguder's (ihres und Arghun's Oheim's), war +also zugleich die Base, Tante und Gemahlin Arghun's. +9. <i>Kultak Ikadschi</i>, die Mutter seines Erstgeborenen, Ghasan, +dessen drei Brüder <i>Jesu Timur</i>, <i>Oldschaitu</i> (beide aus der +Frau Uruk) und <i>Chatai Aghul</i> aus der Frau Kotlogh; dann +vier Töchter, <i>Oldschatai</i>, <i>Oldschai Timur</i>, <i>Kotlogh Timur</i> +(alle drei Töchter der Frau Uruk) und <i>Dilendschi</i>, +<span class='pagenum'><a name="Page_361" id="Page_361">[361]</a></span> +Tochter der zweiten, vor allen anderen Frauen geliebten +<i>Bulughai</i>.</p> + +<div class="sidenote">Schemseddin +Dschuweini +zu Kum.</div> + +<p>Nach dem Herrscher <i>Arghun</i> und seinem Wesire <i>Buka</i><a name="FNanchor_677" id="FNanchor_677"></a><a href="#Footnote_677" class="fnanchor">[677]</a>, +der ihn auf den Thron gesetzt, steht ein Grösserer als Beide +vor uns, nämlich der flüchtige Wesir Schemseddin Dschuweini, +dessen Auslieferung Arghun zu wiederholtenmalen +vergebens von Teguder begehrt und welchen sein Feind +Medschdolmülk nicht nur treuloser Verwaltung der Krongüter +Abaka's, sondern auch der Vergiftung desselben und +des Bruders Mengu Timur angeklagt. Nachdem Alinak getödtet +und Teguder geschlagen worden, hatte Schemseddin +von Dschadscherm, wo er sich befand, auf einem Dromedare +mit ein Paar Dienern sich durch die Wüste nach Issfahan +geflüchtet. Die Einwohner, sobald sie von der Umwälzung +der Dinge Kunde erhalten, beriethen sich mit dem Atabeg +von Jesd, welchen der Statthalter von Issfahan als einen +dem Arghun Ergebenen während der Regierung Teguder's +in Verhaft gehalten, was zu thun. Schemseddin, hiervon +benachrichtigt, begab sich unter dem Vorwande, zu einer +Grabstätte zu wallfahrten, ausser der Stadt und entfloh auf +trefflichen Rennern nach Kum, sich in das Heiligthum des +Grabes der Schwester des Imams Risa flüchtend. Dieses +Grabmal ist seit einem Jahrtausend die sichere Freistätte +Unschuldiger und Schuldiger, die in die Mauern desselben +flüchten. Die Heiligkeit derselben wurde von den Mongolen, +wie von den früheren Herrschern Persiens, den <i>Seldschuken</i> +und <i>Bujiden</i>, wie von ihren Nachfolgern, den Herrschern +der Dynastie <i>Ssafewi</i> und der regierenden der <i>Katscharen</i>, +hoch geachtet. Die Pracht desselben hat Chardin ausführlich +beschrieben, und noch heute prangt dasselbe mit silbernen +Gittern und goldbeschlagenen Thoren, und den Schatz, +dessen Reichthum sich vorzüglich von den Schahen der +Familie Ssafewi herschreibt, haben reiche Opferspenden +Feth Alischah's vermehrt. Er opferte hierher einen Kopfschmuck +seiner Mutter, wie einst Crösus<a name="FNanchor_678" id="FNanchor_678"></a><a href="#Footnote_678" class="fnanchor">[678]</a> das Halsband +<span class='pagenum'><a name="Page_362" id="Page_362">[362]</a></span> +und den Gürtel seiner Gemahlin nach Delphi. Feth Ali +jagte nie in der Umgegend, ohne den Umgang um das +heilige Grab, von welchem die Stadt auch die <i>heilige</i> heisst, +zu verrichten. Wie vor sechsthalbhundert Jahren Schemseddin +Dschuweini hier Zuflucht gesucht und gefunden, so +in unseren Tagen der von Feth Alischah und dann von +seinem Enkel, dem regierenden Schah, verungnadete, in +Morier's Hadschi Baba nach dem Leben geschilderte Botschafter +Mirsa Abul Hasan. „Die Stadt ist heute“, sagt +Morier, „nur durch drei Dinge merkwürdig: durch die vergoldete +Kuppel des Grabmals, durch die zahlreichen Märkte +und durch ihre Ruinen“; denn der Umfang der Mauern +betrug ehemals vierzigtausend Ellen, das ist um vierzig Ellen +mehr, als die von Kaswin<a name="FNanchor_679" id="FNanchor_679"></a><a href="#Footnote_679" class="fnanchor">[679]</a>. <i>Kum</i> ward im Beginn des +achten Jahrhunderts der christlichen Zeitrechnung<a name="FNanchor_680" id="FNanchor_680"></a><a href="#Footnote_680" class="fnanchor">[680]</a>, als +Hidschadsch, der tyrannische Statthalter von Irak, das Heer +Abderrahman Asker's schlug, aus sieben Dörfern, deren Vorsteher +getödtet worden waren, in eine Stadt vereint, deren +sieben Viertel jene sieben Dörfer und deren eines der Stadt +den Namen gab<a name="FNanchor_681" id="FNanchor_681"></a><a href="#Footnote_681" class="fnanchor">[681]</a>. Von derselben erhielten hernach, als +persischer Kunstfleiss und Handel im höchsten Flore, die +schöngewirkten seidenen Stoffe den Namen <i>Kumasch</i>, den +dieselben noch heute führen; sie ist so berühmt durch ihre +luftigen hohen Cypressen und ihre blauen leichten Trinkkrüge<a name="FNanchor_682" id="FNanchor_682"></a><a href="#Footnote_682" class="fnanchor">[682]</a>, +als das benachbarte <i>Kaschan</i> durch sein Fayence +und seine Scorpionen und Giftspinnen, als der Geburtsort +des grossen Geschichtschreibers Abderresak, des <i>Verfassers +des Aufganges zweier Glücksgestirne</i> (der Geschichte Timur's +und seines Sohnes Schachroch), und des letzten Dichterkönigs +Feth Ali Chan, des Sängers des Heldenbuchs<a name="FNanchor_683" id="FNanchor_683"></a><a href="#Footnote_683" class="fnanchor">[683]</a> Feth +<span class='pagenum'><a name="Page_363" id="Page_363">[363]</a></span> +Alischah's. In dem Heiligthume Kums sammelten sich um +Schemseddin seine Freunde, deren Meinung dahin ging, +dass er sich nach Hormusd retten solle, von wo ihm der +Weg weiter nach Indien offen. Ich kann, antwortete ihnen +Schemseddin, meine Söhne nicht in den Händen der Mongolen +zurücklassen; das Besste ist, ich begebe mich zu dem +Dienste der Majestät, welche mir vielleicht Emir Buka, der +mein alter Freund, versöhnen wird; wenn nicht, so geschehe, +was Gott will. Unschlüssig verweilte er einige Tage, +als von Seiten des Chans Melik Imameddin von Kaswin und +Jusufschah, der Atabeg Grossluristans, erschienen.</p> + +<div class="sidenote">Schemseddin +durch Jusufschah +von +Luristan +geholt und +angestellt.</div> + +<p>Von Jusufschah, dem Atabeg Grossluristans, ist unter +der Regierung Abaka's erzählet worden, wie er, dessen +treuer Hilfsgenosse, im Feldzuge wider Borrak auf dem +Rückmarsche den Chan aus den Händen von Strassenräubern +gerettet, von demselben Vergrösserung seiner Länder erhalten +hatte. Demselben und seinem Sohne Arghun dankbar +ergeben, hatte er, der Aufforderung Teguder's, ihn mit +einem Heere zu unterstützen, nur nothgedrungen Folge +leistend, zweitausend Reiter und zehntausend Fussgänger +in's Feld gestellt. Nach der Niederlage Teguders brach +das Heer gleich bei Tabs in die Wüste ein, um auf dem +kürzesten Wege Luristan zu erreichen; diese Unvorsichtigkeit +kostete dem grössten Theile das Leben; es war das erste +Unglück, das den Atabegen Jusufschah betroffen. Jetzt +sandte ihn Arghun an den vorigen Inhaber des Diwans, um +denselben nach Hof zu bringen. Arghun's Politik war eine +(wenigstens dem Scheine nach) versöhnliche; er sandte an +alle Prinzen und Prinzessinnen Gesandte mit Geschenken, +um sich dieselben zu verbinden; so dem Huladschu einen +Sonnenschirm, „welcher“, sagt Wassaf, „wie die Flügel des +Königsgeiers schattete und dessen Glanz, wie das Licht der +Sonne, nie ermattete“, um ihn nach Hof einzuladen, denn +Huladschu machte Miene von Unzufriedenen. Huladschu +gab dem Botschafter keine andere Antwort, als die Frage: +Wie weit wird Arghun's Engbrüstigkeit noch gehen? Er +zog sich nach Kirbanschir in's Haus Argasun's zurück, und +<span class='pagenum'><a name="Page_364" id="Page_364">[364]</a></span> +Dschuschkab brach gegen Hamadan auf. Da sie auf wiederholte +Aufforderungen nicht erschienen, schwur ihnen Arghun:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Im Namen dess, der Mond, Saturn und Sonn' erhöht,<br /></span> +<span class="i4">Der schirmt das Diadem der Majestät,<br /></span> +</div></div> + +<p>dass er sie als Prinzen behandeln, sie mit Gnaden überhäufen +werde. Er gab jedem derselben Mütze und Gürtel, +und sie verbanden sich ihm als Vasallen; mehrere der ersten +Emire Ahmed's, vor den Gerichtshof von Tebris gestellt, +wurden freigesprochen und erhielten Aemter<a name="FNanchor_684" id="FNanchor_684"></a><a href="#Footnote_684" class="fnanchor">[684]</a>. Jusufschah +von Lur, welchem Schemseddin seine Tochter Dewlet Chatun +zur Gemahlin gegeben<a name="FNanchor_685" id="FNanchor_685"></a><a href="#Footnote_685" class="fnanchor">[685]</a>, führte denselben mit sich an den +Hof Arghun's. Noch auf dem Wege von Sawa kam ihnen +der Emir Kumari mit einem Diplome entgegen, wodurch +alles Vergangene verziehen und vorige Gnade verliehen +ward. Sogleich erliess Schemseddin Rundschreiben an alle +Befehlshaber Iraks, um denselben seine Wiederaufnahme in +die Gnade des Chans zu künden. <span class="xidenote">10. Redscheb 683/<br />21. Sept. 1284</span> Freitags in der Herbst-Tag- +und Nachtgleiche traf er zu <i>Kurban Schire</i> ein und +begab sich sogleich zu Buka, mit welchem er früher in +freundschaftlichem Verhältnisse gestanden. Der gegenseitige +Empfang war voll Freude und Freundlichkeit (aber wohl +von beiden Seiten verstellter). Am nächsten Tage stellte +ihn Buka der Majestät vor. Arghun empfing ihn weder +gnädig noch ungnädig, ohne Zeichen von Gunst oder Abneigung, +setzte ihn aber in seine vorige Stelle als Wesir +des Diwans gemeinschaftlich mit Buka ein. Schemseddin +erklärte öffentlich: er wolle nur der Stellvertreter Buka's +im Diwane sein; als aber von allen Seiten wieder Wünsche +und Geschenke dem vorigen Inhaber des Diwans zuströmten, +ward Buka's Eifersucht und Gier nach ausschliesslicher +Herrschaft schon nach Einer Woche rege; er sandte Ali, +den Temghadschi (Stempeleinnehmer), nach Tebris, um +Jahja, den Sohn Schemseddin's, und dessen Güter einzuziehen. +Fachreddin Mestufi und Hosameddin Ssahib, zwei +<span class='pagenum'><a name="Page_365" id="Page_365">[365]</a></span> +Untergebene Schemseddin's, schmiedeten wider denselben +Ränke und bliesen Buka's Neid und Eifersucht zu vollen +Flammen auf, indem sie ihm vorstellten, dass seine Machtvollkommenheit +nur ein Schatten, so lang Schemseddin dieselbe +mit ihm theile. Buka warf seinerseits Saamen des +Verdachts in die Seele Arghun's, indem er ihm vorstellte, +dass von dem Verräther seines Vaters keine guten Dienste +zu erwarten seien. Sogleich ward Bakdai Aidadschi dem +Schemseddin an die Seite gegeben, und zu Audschan erging +der Befehl, demselben zweitausend Tomane abzufordern und +ihn an Buka zu senden. Schemseddin antwortete: Ich bin +kein Thor, der das Geld bezahlt statt es auszugeben; ich +bin nicht im Stande, tausend Goldstücke aufzubringen; und +dem Buka schrieb er: O Emir Buka, lehre nicht den Padischah, +Wesire zu tödten, denn heute mir und morgen dir. +Doladai und Kadan wurden gesandt, ihn gerichtlich zu +verhören.</p> + +<div class="sidenote">Schemseddin's +Hinrichtung.</div> + +<p>Schemseddin antwortete auf die wider ihn vorgebrachte +Anklage der Veruntreuung von Staatsgeldern und von Verrätherei, +dass, was den Abgang des Staatsschatzes betreffe, +er die Verzeihung des Padischah hoffe, dass er aber unschuldig +des geringsten Verdachts von Verrätherei. Als ihm +als schuldig Erkanntem die Hände nach mongolischer Sitte +gebunden worden, erscholl das Geschrei der Türken und +Perser: warum man die Nahrungsquellen der Völker binde! +Zu <i>Minia</i>, in der Nähe von <i>Ebher</i>, der nördlich von Kaswin +gelegenen Stadt, ward ihm das Todesurtheil verkündet. Er +verrichtete sogleich die gesetzliche Abwaschung, stach in +den Koran, den er bei sich trug, das Loos, begehrte Tintenzeug +und Feder, setzte seinen letzten Willen für die +Söhne auf, und schrieb an die Gesetzgelehrten von Tebris: +„Als ich den Koran zum Loosaufstechen genommen, ist folgender +Vers gekommen: <i>Die da sagen, Gott nur sei +Herr, und wandeln auf geraden Pfaden, über sie werden +Engel niedersteigen und sagen: Betrübt euch nicht und +fürchtet euch nicht, ich gebe euch die frohe Kunde des Paradieses, +das euch versprochen worden.</i> Da Gott der Allmächtige +<span class='pagenum'><a name="Page_366" id="Page_366">[366]</a></span> +diesen seinen Diener in dieser vergänglichen Welt +immer wohlgehalten, so gestalten, dass er ihm keinen seiner +Wünsche versagt und ihm sogar die frohe Kunde künftigen +Lebens zugesagt, so muss man den Mewlana <i>Mohijeddin</i>, +den Mewlana <i>Efdhaleddin</i>, den Mewlana <i>Schemseddin</i>, den +Mewlana <i>Hemameddin</i> und den grossen Scheichen, welche +aufzuzählen hier zu lang und hier nicht der Ort wäre, diese +gute Kunde geben, damit sie wissen, dass ich aller Anhänglichkeit +an die Welt entsagt habe und mir mit ihrem guten +Gebete helfen möge<a name="FNanchor_686" id="FNanchor_686"></a><a href="#Footnote_686" class="fnanchor">[686]</a>. Sie sollen meine Söhne grüssen, die +ich Gott dem Herrn als Unterpfand empfehle; <i>denn Gott +verliert nicht die ihm anvertrauten Pfande</i>. Ich hoffte +sie noch einmal zu sehen und ihnen mündliche Lehren zu +hinterlassen; da diess aber mir nicht zum Loose geworden, +so mögen sie (die obgenannten vier Mewlana) es an Nichts +ermangeln lassen, dieselben zu beschützen, und sie zu gutem +Erwerb ermuntern und nicht zugeben, dass sie das von Gott +ihnen verliehene Gut vernachlässigen. Wenn mein Sohn, +der Atabeg, und seine Mutter, die Frau Choschek, in ihr +Haus zurückkehren wollen, so sei ihnen die Erlaubniss gegönnt. +Meine beiden Söhne Newrus und Mesud sollen mit +ihrer Mutter im Geleite der Frau Bulughan bleiben und an +den beiden Enden meines Grabmals stehen; wenn sie für +das Speisehaus und das Kloster des Scheichs Fachreddin +etwas thun können, so sollen sie es unterstützen und sich +dahin begeben. Ferruch und seine Mutter sollen den Atabeg +begleiten, Sekeria auf den Gütern des Padischah arbeiten; +die anderen Oerter habe ich dem Emir Buka vermacht, +welchem sie alle Güter und Besitzungen belassen sollen; +wenn er etwas davon zurück gibt, ist's wohl und gut; wenn +nicht, sollen sie sich begnügen. Gott spende uns sein Erbarmen +und auch seinen Segen! Ich habe jetzt mein Gemüth +auf die göttliche Majestät gestellt, welche meinen Antheil +nicht vergessen wolle; das Glück derselben sei beständig! +<span class='pagenum'><a name="Page_367" id="Page_367">[367]</a></span> +Wenn Allerhöchstdieselbe meinen Söhnen etwas lassen will, +sollen sie es nehmen und sich damit begnügen; wohin nur +das grosse Harem von Tebris sich begibt, soll auch das +meine folgen. Heil dem, der die wahre Leitung sucht!“ +Dieses Schreiben warf er den zur Vollstreckung des Todesurtheils +Bestellten vor; sie lasen es, ohne dass es Eindruck +auf sie gemacht. Schemseddin sagte dann: „<i>Was von dir +kommt, o Herr, ist gut, sei es Krankheit, sei es Heilung</i>“; +und das Todesurtheil ward vollstreckt. <span class="xidenote">4. Schaaban 683/<br />16. Oct. 1284</span> Vier seiner Söhne: +<i>Jahja</i>, <i>Ferruchschah</i>, <i>Mesud</i> und <i>Atabeg</i>, wurden ihm sogleich +in's Grab nachgesandt. Jusufschah, der Eidam Schemseddin's, +kehrte auf Befehl Arghun's nach Luristan zurück, +starb aber auf dem Wege dahin. Er hinterliess zwei Söhne: +<i>Edib</i> und <i>Ahmed</i>, wovon der erste mit der Herrschaft Luristans +belehnt ward, der zweite am Hofe Arghun's als +Geissel zurückblieb<a name="FNanchor_687" id="FNanchor_687"></a><a href="#Footnote_687" class="fnanchor">[687]</a>. Schemseddin ward mit seinen Söhnen +im Viertel <i>Dscherendab</i>, wo schon sein Bruder Alaeddin +ruhte, zu Tebris bestattet. Unter den vielen Trauergedichten, +welche den Schmerz der Völker über den Sturz +dieser erlauchten Familie aussprachen, ist eines der kürzesten +und bessten das folgende, bei Wassaf erhaltene:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">O <i>Dscherendab</i>, wo zu Tebris sein Grab,<br /></span> +<span class="i0">Der erste Regen ström' auf dich herab!<br /></span> +<span class="i0">Die herrlichsten Gesichter deckt dein Staub,<br /></span> +<span class="i0">Der grössten Männer Wangen sind dein Raub.<br /></span> +<span class="i0">Hier hat die Sonne<a name="FNanchor_688" id="FNanchor_688"></a><a href="#Footnote_688" class="fnanchor">[688]</a> höchsten Punkt<a name="FNanchor_689" id="FNanchor_689"></a><a href="#Footnote_689" class="fnanchor">[689]</a> erreicht,<br /></span> +<span class="i0">Hier ruht die Pleias, die Vollmonden gleicht.<br /></span> +<span class="i0">Es weinen über sie die sieben Sterne,<br /></span> +<span class="i0">In ihrem Licht und ihrer finstern Ferne<br /></span> +<span class="i0">Die sieben Himmel und die Erden, sieben,<br /></span> +<span class="i0">Der Meere und der Wochentage Sieben.<br /></span> +<span class="i0"><i>Feredschullah</i>, <i>Jahja</i>, <i>Mesud</i>, <i>Harun</i><br /></span> +<span class="i0">(Nothdürftig beizustehen, war ihr Thun)<br /></span> +<span class="i0">Den Vater Mohammed so hoch geehrt,<br /></span> +<span class="i0">Es frass dieselben all' das scharfe Schwert.<br /></span> +<span class='pagenum'><a name="Page_368" id="Page_368">[368]</a></span> +<span class="i0">Mich hat der Schmerz des <i>Atabegs</i> verzehrt<br /></span> +<span class="i0">Wie Flamme, welche in die Höhe fährt;<br /></span> +<span class="i0">Und ob <i>Ataul Melik</i> gekränket theils,<br /></span> +<span class="i0">Er, der <i>Ssahib</i>, der Herr der Stadt des Heils,<br /></span> +<span class="i0">Es saget über dieser Gräber Stätte,<br /></span> +<span class="i0">Wer ehrt den Herrn, die frömmsten der Gebete.<br /></span> +</div></div> + +<div class="sidenote">Statthalterschaft +von +Fars.</div> + +<p>Als Arghun nach Schemseddin's Hinrichtung nach dem im +Gebiete von Arran gelegenen Palast Manssurije gekommen, +kehrten die an den Grosskaan, Oheim Kubilai, geschickten +Gesandten, Emir Pulad Dschingsang und zwei andere, zurück. <span class="xidenote">11. Redscheb 683/<br />23. Sept. 1284</span> +Zwischen Serah und Erdebil und Ssain wurde Kurultai +gehalten, und neun Tage darauf kehrte er nach Tebris +zurück; <span class="xidenote">20. Redscheb/<br />2. October</span> dann wurde das Winterquartier in Arran bezogen; +und hier hatte eine der feierlichsten Gerichtssitzungen statt, +indem die Wittwe Mengu Timur's, die Prinzessin Abisch, +die Atabegin von Fars, wegen Veruntreuung der ihr anvertrauten +Statthalterschaft vor Gericht gestellt ward. Um die +Wichtigkeit des Rechtshandels in seinem ganzen Umfange +zu ermessen, müssen wir den Faden der Geschichte der +Statthalterschaft von Fars dort, wo wir denselben oben abgebrochen, +wieder aufnehmen. Dort ist zuletzt der unruhigen +Statthalterschaft <i>Bulughan's</i> (des Nachfolgers Taghadschar's, +des Statthalters von Fars) erwähnt worden. Um +die Ruhe wieder herzustellen, war <i>Taschmenku</i> zu seinem +Nachfolger ernannt und ihm die Hilfe des Atabegen von +Lur zugewiesen worden. Als seinen Vorläufer sandte er +den Stellvertreter des Diwans der Krongüter, Hosammeddin, +den Sohn Mohammed Ali's von Lur, voraus nach Issfahan. +Bulughan liess ihn mit Gewalt aufheben und hieb ihn, alsbald +er vor ihm erschienen, zusammen. <i>Taschmenku</i> sprach +sogleich die Hilfe Jusufschah's, des Atabegen von Luristan, +an, und als Bulughan sah, dass sein Platz als Statthalter +wider den neu ernannten weiter nicht haltbar, nahm er, +was im Schatze, und entfloh mit seinen beiden Geschäftsführern +<i>Kawameddin</i> und <i>Seifeddin</i> nach Chorasan. Taschmenku +beschäftigte sich mit den Regierungsgeschäften, ward +aber seiner Stelle entsetzt, weil er an der Spitze der im +<span class='pagenum'><a name="Page_369" id="Page_369">[369]</a></span> +Namen des Ilchans Ahmed erlassenen Befehle statt der hergebrachten +Formel blos <i>Ahmedaga</i> schrieb, was wider allen +mongolischen Kanzleistyl<a name="FNanchor_690" id="FNanchor_690"></a><a href="#Footnote_690" class="fnanchor">[690]</a>. Nachdem er ein Jahr lang Fars +verwaltet, wurde die Statthalterschaft der Frau <i>Abisch</i>, der +gebornen Atabegin, Fürstin des Landes, Wittwe Mengu +Timur's, des bald nach seinem Bruder Abaka verstorbenen +eilften Sohnes Hulagu's, übertragen. Sie war, wie oben +unter der Regierung Hulagu's erwähnt worden, ihrem Gemahle +in's Lager der Mongolen gefolgt und hatte immer +seitdem am Hofe verweilt, jetzt aber ward ihr die Erlaubniss +der Rückkehr in's Vaterland und die Vollmacht, dasselbe +im Namen des Ilchans als Statthalter zu verwalten, zu Theil; +sie dankte diese Gunst hauptsächlich der Verwendung der +grossen Frau <i>Oldschai</i>, der Mutter Mengu Timur's, welche +nebst der grossen Frau Tokuschan und der Mutter Abaka's +vor dreissig Jahren ihren ersten Gemahl, Hulagu, auf dem +Feldzuge nach Persien begleitet hatte und als Wittwe desselben +und dann seines Sohnes Abaka des grössten Ansehens +genoss. Ganz Fars jubelte über die Rückkehr der Prinzessin +<i>Abisch</i>, des letzten Zweiges des hochverehrten erlauchten +Herrscherstammes der Salghuren, und der Koransvers: +<i>Ein gutes Land, ein gnädiger Herr</i>, war auf allen +Zungen. Zu ihrem Stellvertreter im Diwan ernannte sie +ihren Verwandten <i>Dschelaleddin Arkan</i><a name="FNanchor_691" id="FNanchor_691"></a><a href="#Footnote_691" class="fnanchor">[691]</a> und die Wesirschaft +sammt der Inhaberschaft des Diwans übertrug sie dem +Chodscha <i>Nisameddin Ebubekr</i>, dessen schon Eingangs dieses +Buchs im Gegensatze mit dem Oberrichter, dem Seid Imadeddin, +Erwähnung geschehen. Die Feindschaft Nisameddin's +und Imadeddin's war die Quelle, aus welcher der Strom +finanziellen Unheils sich über Fars ergoss.</p> + +<div class="sidenote">Die Prinzessin +Abisch +und dann +Seid Imadeddin, +Statthalter +von +Fars.</div> + +<p>Nisameddin, ein fündiger Finanzmann, machte der Atabegin +den Vorschlag, sich durch ein Diplom des Ilchans die +Begewaltigung zur Wiedereinlösung der in fremden Händen +befindlichen Familiengüter zu verschaffen. Ahmed Teguder +gab in einem Augenblicke der Uebereilung das Diplom im +<span class='pagenum'><a name="Page_370" id="Page_370">[370]</a></span> +verlangten Sinne. Nisameddin machte aber den grössten +Missbrauch, indem er Krongüter und Privatgüter als Familiengüter +der Atabegin ansah und einzog und die Bewohner +von Schiras, Vornehme und Gemeine, wie gekaufte Sklaven +behandelte. Der Beginn der Statthalterschaft der Abisch +und die Finanzverwaltung ihres Wesirs Nisameddin fiel in das +Ende der Regierung Teguder's. Nach der Thronbesteigung +Arghun's begab sich der Seid Imadeddin, der Schützling +Buka's, an den Hof, um die dem Staatsschatze, wie dem +Privatvermögen so heillose Verwaltung von Fars in ihrem +gehörigen Lichte darzustellen. Durch Buka's Einfluss erging +ein ilchanisches Diplom, wodurch dem Seid Imadeddin die +Statthalterschaft von Schiras zu Land und See, d. i. mit +Einbegriff der Inseln im persischen Meerbusen, ohne Theilnehmer +und Mitgenossen übertragen ward. Nach den Worten +desselben war „die Schliessung und Oeffnung der Erfolge, +die Bindung und Lösung der Geschäftsschreiben, die Anstellung +und Absetzung der Emire dem Gutachten des Seid +anheimgestellt“. Er wurde mit den beiden mongolischen +Insignien übertragener Herrschaft, dem goldenen Löwenkopfe +und dem goldenen Katzenkopfe, bekleidet<a name="FNanchor_692" id="FNanchor_692"></a><a href="#Footnote_692" class="fnanchor">[692]</a>. Wenn +sich diese Investitur mittels Löwen- und Katzenkopfes in +Sanchoniaton oder einer anderen altägyptischen Geschichte +fände, so möchten dieselben wohl im mystischen Sinn als +die Köpfe von Isis und Bubastis erklärt werden; bei den +Mongolen aber sind sie blos das rohe Symbol einschüchternden +Herrschergrimms und einschläfernder arglistiger +Schmeichelei, welche dem Mongolen für die beiden höchsten +Herrschertugenden gelten. Die mongolische Gerechtigkeitshand +ist die Tatze des Löwen und die Kralle der Katze. +Die beiden Geschäftsleute des vorigen Statthalters Bulughan, +die beiden Chodscha, d. i. Herren der Finanz, der Kämmerer +Kawameddin von Bochara und Seifeddin Jusuf, waren +indess von Chorasan wieder nach Fars zurückgekommen und +von der Atabegin mit der Verwaltung der Finanz betraut +<span class='pagenum'><a name="Page_371" id="Page_371">[371]</a></span> +worden. Sie erbitterten die Atabegin in voraus wider den +ihr zum Nachfolger in der Statthalterschaft bestimmten <i>Seid</i>, +und als dieser von der Gränze aus, wo die Rechnungsabforderung +ihren Anfang nahm, gleich einen der Vögte der +Atabegin an einen Baum hatte aufhenken lassen und der +Atabegin den Befehl zugefertigt hatte, vor der Majestät des +Chans zu erscheinen, stieg ihr Zorn immer höher und höher. +Sobald der <i>Seid</i> zu Schiras angekommen, errichtete er einen +königlichen Thron; acht Tage hernach hatte das feierliche +Festgebet des Bairams statt, wobei die Prinzessin nicht wie +gewöhnlich erschien. <span class="xidenote">22. Ramasan 683/<br />2. Dec. 1284</span> Sie hatte erwartet, dass der Seid +wenigstens die Formen beobachten und ihr schuldiger Weise +aufwarten werde; als aber diess nicht geschah, war sie so +zornig, dass sie vor Wuth weinte und sich in die Lippen +biss<a name="FNanchor_693" id="FNanchor_693"></a><a href="#Footnote_693" class="fnanchor">[693]</a>. Bald darauf kam die Nachricht, dass Fars von einem +Einfalle der niguderischen Banden bedroht sei. Der Seid +sandte der Prinzessin Wort, dass die Annäherung der Feinde +zu ihrer Sicherheit erfordere, dass sie sich nach dem Schlosse +Istachr (Persepolis) begebe. Sie weigerte sich dessen, weil +sie fürchtete, dass der Seid sie dort einsperren wolle. Während +dieser Verhandlung kehrte der Seid eines Abends mit +grossem Gefolge nach Hause. Auf der Gasse kamen ihm +Mamluken der Atabegin mit dem Befehle, vor ihr zu erscheinen, +entgegen; die gebieterischen Worte der Mamluken +entgegnete der Seid mit rauhen; der erste der Mamluken +warf sich auf ihn und sie stürzten beide von ihren +Pferden. Da führte Seradscheddin Fasli von Lur, welcher +noch vor wenigen Tagen vom Seid mit Gnaden überhäuft +worden war und auf dessen Treue, weil er der Anführer +seiner Truppen, er vorzüglich gezählt hatte, den ersten +Streich, und der Seid erlag alsbald den vervielfältigten Streichen +<span class='pagenum'><a name="Page_372" id="Page_372">[372]</a></span> +der Mamluken. <span class="xidenote">21. Schewwal/<br />31. Dec. 1284</span> Der Kopf wurde abgeschnitten, der +Rumpf hingeworfen, sein Haus der Plünderung preisgegeben.</p> + +<div class="sidenote">Verurtheilung +der +Atabegin +Abisch, und +ihr Tod.</div> + +<p>Abisch liess in den Strassen von Schiras ausrufen, dass, +weil der Seid in dem Lande schädliche Finanzneuerungen +unternommen, derselbe auf ihren Befehl sei aus dem Wege +geräumt worden; Jedermann solle seinen Geschäften nachgehen +und die Stadt ruhig bleiben. Der Sturz des Seid's +brachte, wie jeder Umschwung von Glücksverhältnissen, +seltsame Beispiele von Undank und treuer Anhänglichkeit +in Vorschein. Ein Gelehrter, welchen der Seid mit Gnaden +überhäuft hatte, brandmarkte sich als einen Undankbaren, +Niederträchtigen durch die Verse, die er an den Fussschämel +der Atabegin schrieb:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Herrscher! deine Wange glüh' aus Freude wie Rubin,<br /></span> +<span class="i0">Und es sei dein Thron der allerhöchste immerhin;<br /></span> +<span class="i0">Jeder Kopf, der deinen Wünschen würde nicht zusagen,<br /></span> +<span class="i0">Sei, wie der Imadeddin's, vom Rumpfe abgeschlagen.<br /></span> +</div></div> + +<p>Das Gegenstück hierzu ist die schöne Dankbarkeit des Geschichtschreibers +Wassaf, welcher seiner Erzählung ein +Trauergedicht von siebzehn Distichen einverleibt hat, dessen +Beginn:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Eine Sonne ging im Staube unter,<br /></span> +<span class="i0">Die im Ost des Glückes aufging munter.<br /></span> +<span class="i0">Um zu stürzen diesen Bau, o Loos!<br /></span> +<span class="i0">Lässt die Zügel schiessen du dem Ross.<br /></span> +</div></div> + +<p>Nach dem Tode des <i>Seid Imadeddin</i> wurde sein Vetter, der +<i>Seid Dschemaleddin Mohammed</i>, welcher, mit Gnaden der +Atabegin überhäuft, sich für ganz sicher gehalten, an ihre +Pforte vorgeladen. Sie berieth sich mit einem ihrer Räthe +über den zu fassenden Entschluss. Er rieth ihr zur Hinrichtung, +zu welcher so besserer Grund vorhanden, weil er +weit reicher, als Imadeddin, welcher blos als ein Opfer der +Bewilderung zwischen ihr und ihm gefallen sei. Die Mamluken +tödteten ihn in der Nacht und streuten am Morgen +das Gerücht aus, dass er aus dem Kerker entflohen sei. +Die bald hierauf erfolgte grosse Landplage der Heuschrecken +wurde als eine Strafe des Himmels für den Mord der beiden +<span class='pagenum'><a name="Page_373" id="Page_373">[373]</a></span> +<i>Seide</i> angesehen. Mehr als hunderttausend Bewohner von +Schiras sollen an der als Folge der Heuschreckenverheerung +entstandenen Hungersnoth zu Grunde gegangen sein. Der +unmündige Sohn des Seid war mit einigen treuen Dienern +in das Lager des Chans geflüchtet, wo er Buka's, seines +Vaters Schutzherrn, Hilfe anrief. Buka trug die Vergehungen +der Atabegin dem Ilchan vor, welcher sie und alle +Gegner des Seid vor Gericht zu laden befahl, und zugleich +zurück Botschaft an die Frau Oldschai sandte, durch deren +Einfluss die Atabegin die Statthalterschaft erhalten hatte; +diese überhäufte den Gesandten, der sie in's Hoflager führen +sollte, mit Geschenken, folgte aber nicht. Drei Richtern<a name="FNanchor_694" id="FNanchor_694"></a><a href="#Footnote_694" class="fnanchor">[694]</a> +ward die Untersuchung über das unschuldig vergossene Blut +der beiden Seide und die unrechtmässige Besitznahme von +Gütern aufgetragen. Die Herren der Finanzkammer wurden +in Ketten und Blöcken vorgeführt; als die Prinzessin nicht +erschien, wurde Kotan Atadschi abgeordnet, um sie mit +Gewalt in's Hoflager zu bringen. Als die Prinzessin Nachts +in's Lager kam, führte sie der Haushofmeister Buka's in +eines der Zelte seines Herrn. Dieser liess ihm aber am +folgenden Tage sieben Prügel geben, weil er sich unterstanden, +eine Prinzessin königlichen Geblüts in das Zelt +eines Emirs Karadschu, d. i. Unterthanen, wie er, zu führen; +trotz dieser dem Range der Prinzessin schuldigen wahren +oder geheuchelten Ehrfurcht erhielt sie den Befehl, am +folgenden Morgen vor Gericht zu erscheinen. Ihre Beschützerin, +die Frau Oldschai, sprach entschuldigend für, +indem sie Alles auf Dschelaleddin Arkan, den Verwandten +der Atabegin, schob; die drei Herren der Finanzkammer, +Kawameddin, Seifeddin und Schemseddin, erhielten jeder +nach der Jasa zwei und siebzig Prügel auf die Sohlen; die +Mamluken des Seid Imadeddin waren den Gerichtsdienern +beigegeben, damit deren Strafe schonungslos vollzogen werde. +Dschelaleddin, zu Rede gestellt, wusch sich auf Kosten der +Prinzessin rein. Sie und ihre Angehörigen wurden zur +<span class='pagenum'><a name="Page_374" id="Page_374">[374]</a></span> +Zahlung von fünfzig Tomanen Goldes (fünfzigtausend Dukaten) +und zwanzig Tomanen an die Waisen der ermordeten +Seide verurtheilt. Sie überlebte die Schmach dieses Urtheils +kaum zwei Jahre und starb, nachdem sie deren zwei und +zwanzig als der letzte Zweig der Salghuren über Fars geherrscht. <span class="xidenote">685/<br />1286</span> +Drei Tage lang wurde für sie zu Schiras in den +Moscheen durch öffentliche Gebete, Lesungen des Korans +und Almosen die Gebühren der Trauer, dann ihr letzter +Wille vollzogen. Nach diesem wurden ihre Familiengüter +in vier Theile getheilt; zwei fielen den Töchtern Prinzessinnen +<i>Gardudschan</i> und <i>Alghardschi</i>, der dritte ihren Mamluken +und Freigelassenen, der vierte dem Prinzen <i>Taidschu</i>, +dem Sohne Mengu Timur's, und diesem noch ausserdem +zehntausend Dukaten zu. Die Dynastie der Salghuren war +in ihr erloschen und mit ihr der letzte Schatten einheimischer +Herrschaft in Fars verschwunden.</p> + +<div class="sidenote">Arghun's +Bewegungen; +Tod der +Frauen Bulughan +und +Kotlogh; +Hochzeit +Tudai's.</div> + +<p>Ordu Kia, welchen Arghun mit der Nachricht der Thronbesteigung +an den Oheim Kaan gesendet hatte, kam jetzt +mit der Bestätigung derselben und mit dem <i>Dschingsangtitel</i> +für Buka zurück, und die Thronbesteigung wurde zum +zweitenmale gefeiert. <span class="xidenote">27. Silhidsche 684/<br />6. März 1286</span> Zehn Tage darnach wurden sechzehntausend +vom Emir Masuk Kuschdschi, d. i. dem Vogelfänger, +und vom Dschelairen <i>Nurinaga</i> befehligte Reiter +wider die Kurden <i>Hakari</i> gesandt, und der Aufruhr derselben +gedämpft. Die Frau <i>Bulghan</i> starb am Ufer des +Kor (Cyrus) und ihr Sarg wurde nach dem Berge Sedschas +übergeführt. <span class="xidenote">10. Ssafer 685/<br />7. April 1286</span> Im Frühlinge kam Arghun nach Tebris und ward +von Buka festlich bewirthet. <span class="xidenote">23. Ssafer/<br />20. April</span> Ende Mai's brach er von da +über Meragha nach Sughurluk auf. <span class="xidenote">12. Rebiulachir 685/<br />27. Mai 1286</span> Hier wartete ihm während +des Sommerlagers der Emir Aruk, der Bruder Buka's, +mit den mongolischen Sekretären (Bitekdschi) von Bagdad +auf; in seinem Geleite befand sich Harun, der Sohn Schemseddin +Dschuweini's. Aruk, auf die Macht seines Bruders +Buka gestützt, hatte den Mestufi Seadeddin, Bruder Fachreddin's, +und den Medschdeddin, Sohn Esir's, ohne vom Chan +hierzu begewaltigt zu sein, hinrichten lassen. Medschdeddin +gehörte einem der Krongüter Kendschatu's (des Bruders +<span class='pagenum'><a name="Page_375" id="Page_375">[375]</a></span> +Arghun's) an, der desshalb wider Aruk erbittert, welchem +auch <i>Jesu Gurgan</i> (der Gemahl der Prinzessin Tudukasch, +der vierten Tochter Hulagu's) abgeneigt. Buka hielt seinen +Bruder wider Kendschatu und Jesu Gurgan; dem ersten +wurde hinterbracht: Aruk habe den Sohn Esir's auf Harun's +Anstiften hinrichten lassen, wesshalb dieser dem Vater und +den Brüdern in's Grab nachgesandt ward; und da Jesu +Gurgan bald hernach starb, zog das Ungewitter, welches +wider Buka's Macht brauste, diessmal unschädlich vorüber. +Arghun Chan kam nach Tebris. <span class="xidenote">6. Schaaban 685/<br />27. Sept. 1286</span> Zwei Monate hernach <span class="xidenote">28. Ramasan 685/<br />17. Nov. 1286</span> +kämmte er sich eines Tages zu Arran, als ihm ungewöhnlich +viele Haare durch den Kamm ausgingen. Diess galt nach +mongolischen Begriffen für ein Zeichen von gegebenem Gifte, +und <i>Wedschih</i>, der Sohn Iseddin's, wurde der Beibringung +von Gift verdächtig hingerichtet. <span class="xidenote">20. Silkide 685/<br />7. Jan. 1287</span> Vierzehn Tage hernach +hatte die Krönung der Frau <i>Tudai Chatun</i>, der Konghuratin, +statt, welche, aus dem Hareme des Vaters in das des Sohnes +übergegangen, nach dem Tode der Frau Mertai (der Gemahlin +Hulagu's, Abaka's, Arghun's) mit dem Kopfschmucke +der königlichen Gemahlinnen (Baghtak) geschmücket ward<a name="FNanchor_695" id="FNanchor_695"></a><a href="#Footnote_695" class="fnanchor">[695]</a>. <span class="xidenote">5. Silkidsche 685/<br />22. Jan. 1287</span> +Zwei Monate hernach im Frühling begab er sich nach <i>Pil +Suwar</i>, <span class="xidenote">19. Ssafer 686/<br />5. April 1287</span> nach Tebris und von da in's Sommerquartier von +Alatagh, <span class="xidenote">24. Reb. achir 686/<br />18. Juni 1287</span> und im Herbste in's Winterquartier von Arran. <span class="xidenote">2. Ramasan/<br />11. Oct. 1287</span> +Im nächsten Frühjahr brachten Gesandte aus Chorasan die +Nachricht, dass <i>Kinschu</i> (der Sohn Dschumkur's, des zweiten +Sohnes Hulagu's) und der Emir Newrus (der Sohn des +Uiraten Arghun, des Statthalters Chorasans unter Hulagu) +an der Spitze von dreissigtausend Reitern des Heeres Kaidu's +(des Enkels Ogotai's) im Anmarsche gegen Persien, dass sie +das Land um Balch, Merw und Schaburkan verheert, bis +Chawaf und Sindschar vorgedrungen seien. <span class="xidenote">15. Moharrem 687/<br />20. Februar 1288</span> Drei Wochen +hierauf starb die Frau Kotlogh, die Tochter Tengir Gurgan's, +des Uiraten, die Mutter Chatai Aghul's, des jüngsten der +Söhne Arghun's. <span class="xidenote">7. Ssafer 687/<br />14. März 1288</span> Einen Monat hernach brachten Buka's Gesandte +eine von den Bekennern der Lehre Schakamuni's +<span class='pagenum'><a name="Page_376" id="Page_376">[376]</a></span> +hoch verehrte Reliquie, welche sie <i>Scharil</i> nennen, nämlich +ein verknöchertes Menschenherz. <span class="xidenote">7. Rebiulewwel 687/<br />12. April 1288</span> Nach ihrer Ueberlieferung +war <i>Schakamuni's</i> Herz nicht Fleisch, sondern Bein, welches +im Feuer nicht verbrannte, und nach ihrer Meinung sind +verknöcherte Herzen die grosser Männer. Arghun, welcher +nicht Moslim, wie sein Oheim Teguder gewesen, sondern +Götzendiener, ging dieser Reliquie mit den grössten Ehrenbezeugungen +entgegen; es wurde Gold darüber gestreut, +und es wurden Feste veranstaltet. Drei Wochen hernach, <span class="xidenote">30. Rebiulewwel 687/<br />5. Mai 1288</span> +als sich Arghun zu Pil Suwar befand, traf die Nachricht +ein, dass Nokai, der Feldherr des Herrschers von Kipdschak, +mit fünftausend Reitern aus Derbend ausgebrochen, alle +Kaufleute der Gegend geplündert habe; und Arghun brach +schon am nächsten Morgen an der Spitze des Heeres gegen +Derbend auf, ging über den Kor und blieb zu Schamachi +stehen. Buka und Kundschukbal, mit einigen Prinzen als +Vortrab vorausgesandt, kamen nach einigen Tagen mit der +guten Nachricht zurück, dass die Feinde abgezogen<a name="FNanchor_696" id="FNanchor_696"></a><a href="#Footnote_696" class="fnanchor">[696]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Buka, +der strenge +Wesir.</div> + +<p>Buka's Macht und Ansehen hatte den höchsten Grad +erreicht; er hatte mit dem Titel eines <i>Dschingsang</i> noch +ein Diplom ausserordentlicher Privilegien vom Kaan erhalten; +vermöge derselben konnte er erst, wenn er neun Staatsverbrechen +begangen, zur Rechenschaft gezogen und auch +dann vor kein anderes Gericht, als das des Chans selbst, +gestellt werden; kein Befehl des Chans konnte in Vollzug +gesetzt werden, wenn demselben nicht das Siegel Buka's +beigesetzt, während seine Befehle zur Vollstreckung des +Siegels des Chans nicht bedurften. So ausserordentlich +waren die vom Grosskaan dem Buka verliehenen Privilegien, +dass die Meinung desselben von der Selbstständigkeit Arghun's +null zu sein und dass der Botschafter, welcher mit dem +Diplome der Bestätigung Arghun's auf dem Throne zugleich +das mit diesen ausserordentlichen Privilegien Buka's brachte, +eigentlich jenen nur der Form nach, diesen aber in der +That zum Herrn eingesetzt zu haben schien. So ausserordentliche +<span class='pagenum'><a name="Page_377" id="Page_377">[377]</a></span> +Macht musste um so mehr den Neid der anderen +Emire und der Günstlinge Arghun's<a name="FNanchor_697" id="FNanchor_697"></a><a href="#Footnote_697" class="fnanchor">[697]</a> erwecken, als Buka, +hochmüthig und heftig, durch seine Strenge sich Feinde +machte. „Er war“, sagt Wassaf, „ein fürchterlicher Türke, +dessen Gedanke weit hinaus zielte und dessen Rathschlag +den Wunsch bald erfüllte. Er setzte für die Schlichtung +verworrener Geschäfte, für die Durchführung der Befehle +und die Beförderung der Reichsangelegenheiten Regeln fest, +deren Erwähnung auf dem schwarzen und weissen Buche +der Zeit bis an's Ende der Aeonen dauern wird. Durch +die Wirkung seiner Gerechtigkeit und Strenge warf der +Falke auf das Repphuhn verliebte Blicke; er glich die Gegensätze +der Welt aus und des Schicksals Tücke.“ Seine +Gerechtigkeit war so streng, dass er einen Knecht seines +Marstalls, welcher einen Apfel von einem Fruchtverkäufer +genommen, hinrichten liess. Solche Strenge war das grösste +Verdienst eines Staatsmanns nach der Satzung Tschengischan's +und erwarb diesem nach allem Anscheine das Vertrauen, +womit der Grosskaan dessen eisernem Arme die +Verwaltung Persiens mit so unumschränkter Machtvollkommenheit +übertragen. Besonders waren ihm Sultan <i>Aidadschi</i> +und <i>Tughan</i>, Arghun's vertrauter Gesellschafter (<i>Inak</i>) aufsässig, +weil dieser zweimal auf Buka's Befehl geprügelt und +öffentlich beschimpft worden war. Sie vernachlässigten keine +Gelegenheit, den Buka beim Herrn zu verschwärzen. Sein +Bruder <i>Aruk</i>, der Statthalter Bagdads, war dort den Emiren +nicht weniger verhasst. Er machte sich wenig aus den Gesandten +des Chans, und verschlang die Einkünfte in seinen +Beutel, statt sie in die Staatscasse abzuführen; die Geschäftsleute +Ordu Kaja, der Intendent Scherefeddin und der +Jude Saad, welcher alsbald als ein höchst bedeutender +Charakter auftreten wird, brachten endlich einmal fünfhundert +Tomane, statt dieselben dem Aruk auszuliefern, unmittelbar +dem Chan, welcher nun den Aruk, der nie einen +<span class='pagenum'><a name="Page_378" id="Page_378">[378]</a></span> +Heller eingesendet, seiner Statthalterschaft entsetzte. <i>Ssadreddin +Sendschani</i>, der Finanzmann Taghadschar's, von welchem +Buka ausständige Gelder der Landschaft Fars forderte, +stellte dem Taghadschar vor, dass die Tyrannei Buka's nicht +mehr zu dulden, indem der Chan nur ein Schatten, alle +Macht in den Händen Buka's sei<a name="FNanchor_698" id="FNanchor_698"></a><a href="#Footnote_698" class="fnanchor">[698]</a>. Das Ungewitter, welches +sich über dem Kopfe Buka's zusammenzog, stieg aus den +Finanzquellen von Fars auf. Die Vornehmen von Schiras +stritten sich unter dem Günstling Tughan; sie stellten vor, +dass, wenn ihnen die Befehlshaberschaft von Fars und die +Küste eingeräumt würden, sie fünfhundert Tomane abzuführen +bereit seien. Sie erhielten hierauf verbindende +schriftliche Urkunde. Nun wandten sie sich an Tughan +um einen zur Eintreibung der Summen Begewaltigten, und +er ernannte hierzu den Seid Fachreddin Mobarek. Buka +protestirte wider diese Ernennung und diese Maassregel, +aber Arghun erliess einen Befehl, dass sich Buka in die +Verwaltung der Krongüter, welche dem Fachreddin übertragen +sei, nicht zu mischen habe; denn Fachreddin hatte +dem Arghun vorgetragen, dass viele, vormals dem Seid +Scherefeddin gehörige Güter von den Salghuren eingezogen, +jetzt als das Eigenthum des Kaans zurückzufordern seien. +Arghun übertrug die Verwaltung der Familiengüter dem +Emir Taghadschar und die des Heeres dem Emir Kundschukbal, +so dass auf einmal Buka all seiner Macht und +seines Einflusses beraubt.</p> + +<div class="sidenote">Buka's Verschwörung +und Sturz.</div> + +<p>Arghun stellte sich nun krank, um nicht öffentliche +Demüthigungen verschlucken zu müssen; sein Diwan, seine +Finanzkammer wurden vor den Chan gefordert, alle seine +Angehörigen ihrer Stellen entsetzt, vor Allen Emir Ali, der +<i>Temghadschi</i>, d. i. Einnehmer der Mauthgelder von Tebris. +Buka, als er seinen ganzen Einfluss verschwunden sah, verband +sich mit mehreren Prinzen und Emiren<a name="FNanchor_699" id="FNanchor_699"></a><a href="#Footnote_699" class="fnanchor">[699]</a> zur Entthronung +<span class='pagenum'><a name="Page_379" id="Page_379">[379]</a></span> +Arghun's, indem er den Thron dem Prinzen +Dschuschkab zudachte. Er sandte an diesen, der an den +Ufern des Euphrats lagerte, Botschaft, um sich über den +Undank Arghun's, der ihm allein den Thron verdankte, zu beklagen +und diesen dem Dschuschkab anzutragen. Dschuschkab +sah wohl ein, dass Buka ihn nur zum Werkzeuge seiner +Herrschgier ausersehen und dass dieser selbst nach dem +Throne strebe. Er entliess den Gesandten mit der Antwort: +Ich bin dem Buka für seine gute Absicht sehr verbunden, +traue aber mündlichen Versicherungen nicht und werde +nicht an die Verbindung der mir genannten Prinzen und +Emire glauben, bis ich von ihnen unterzeichnet die schriftliche +Urkunde des Vertrags sehe. Buka sandte ihm die +Unterschriften der Verschworenen. Dschuschkab sandte +Wort: das Heer möge in Waffen ihn erwarten; er aber begab +sich eiligst nach Tebris, um den Neffen Chan von der +seinem Throne drohenden Gefahr zu benachrichtigen. Arghun +wollte Anfangs der Anklage keinen Glauben beimessen; als +er aber in der unterschriebenen Urkunde von der Schuld +Buka's den klarsten Beweis der Verrätherei vor Augen hatte, +befahl er sogleich den Truppen, aufzusitzen und den Buka +aus seinem Lager am <i>Kor</i> ihm zuzuführen. Sultan Aidadschi, +Doladai und Tughan überfielen ihn in seinem Lager, doch +hatte er noch Zeit gefunden, aus demselben jenseits des +<i>Kor</i> in das der Frau Oldschai zu gelangen; sie nahm ihn +aber nicht auf, nur der Sohn Sengi's, der Emir des Lagers +der Frau Oldschai, gewährte ihm in seinem Zelte Zuflucht. +Sultan Aidadschi und Tughan gingen noch in der Nacht +über den Fluss und waren im Begriffe, das Lager der Frau +Oldschai zu stürmen, als ihnen Sengi zitternd den im Zelte +seines Sohnes versteckten Buka auslieferte. Vor das Gericht +gestellt, antwortete er dem Schinktur, welcher ihn als die +Ursache aller Unruhen anklagte und ihm vorwarf, dass er +immer anderen Padischah einzusetzen trachte: er habe Nichts +<span class='pagenum'><a name="Page_380" id="Page_380">[380]</a></span> +wider den Padischah, sondern nur wider seine Feinde Sultan +Aidadschi und Tughan. Einer seiner eigenen Soldaten sagte +ihm in's Gesicht: „An dem und dem Tage hast du mich +gesandt, um das Lager und ein Heer aufzubringen und damit +vorzudringen.“ Buka sprach: „Du irrest dich; ich habe +gesagt: um was schwer vorzubringen.“ Als aber Dschuschkab +die unterschriebene Urkunde der Verschwörung vorwies, +deren Ausbruch für die Festnacht des neuen Jahres der +Mongolen festgesetzt war<a name="FNanchor_700" id="FNanchor_700"></a><a href="#Footnote_700" class="fnanchor">[700]</a>, konnte er nicht mehr länger +läugnen. Arghun gab das Zeichen zu dessen Hinrichtung, +und Prinz Dschuschkab erbat sich die Gunst, dieselbe selbst +vollstrecken zu dürfen. Als er auf dem Richtplatze angelangt, +gab ihm Tughan einen Stoss in die Brust mit den +Worten: „Das ist der Lohn für deine Lust nach dem Throne“. +Dschuschkab trennte den Kopf mit Einem Hiebe vom Rumpfe +und schnitt ihm dann mit eigner Hand Riemen der Haut aus +dem Rücken. Der Kopf wurde, mit Stroh ausgestopft, +unter der Brücke Dschaghan aufgehangen. <span class="xidenote">21. Silhidsche 687/<br />17. Jan. 1289</span> Am folgenden +Tage sassen die Richter abermal zu Gericht, und es wurden +die verschworenen Emire hingerichtet<a name="FNanchor_701" id="FNanchor_701"></a><a href="#Footnote_701" class="fnanchor">[701]</a>. Kadan, weil er +der Gesandte des Kaans, der Bitekdschi <i>Noghai</i>, weil er +wahres Wort geredet, und ein anderer, weil die Emire für +ihn gebeten, wurden mit dem Leben verschont. Unter den +Hingerichteten war auch der Astronom <i>Imadeddin</i>, der +Christ Simon von <i>Rumkalaa Behaeddewlet Abul Kirem</i>; +<i>Demitrius</i>, König von Georgien, welcher in diese Verschwörung +verwickelt war, wurde an den Ufern des Kor hingerichtet<a name="FNanchor_702" id="FNanchor_702"></a><a href="#Footnote_702" class="fnanchor">[702]</a>; +dem Heere wurde befohlen, seinen Jurt zu +plündern; die Kinder wurden dem Schwerte des Henkers +überliefert, die Frauen und Töchter unter das Heer vertheilt; +es erging der Befehl, die Leichname der Erschlagenen +in Hügeln aufzuschichten, erst wenn sie von Wölfen +und Hunden zerfleischt sein würden, die Reste zu begraben. +<span class='pagenum'><a name="Page_381" id="Page_381">[381]</a></span> +Drei Emire<a name="FNanchor_703" id="FNanchor_703"></a><a href="#Footnote_703" class="fnanchor">[703]</a> wurden nach Diarbekr gesandt, die Söhne +und Brüder Buka's zu holen. In sechs Tagen rannten sie +von Arran nach Irbil, tödteten Ghasan, den ältesten Sohn +Buka's, der sich bei seinem Oheime Aruk befand, und +führten diesen nach Tebris. Als er an der Brücke Dschaghan +des Bruders ausgestopften Kopf sah, fragte er: Wo ist der +Kopf Audschan's, seines Waffenträgers? und der geforderte +fiel. <span class="xidenote">9. Moharrem 688/<br />3. Febr. 1289</span> Emir Sengi, welcher dem Buka im Zelte seines Sohnes +Zuflucht gestattet, wurde von der Frau Oldschai ausgeliefert; +sie erklärte, dass sie ihren ältesten Sohn, Enbardschi, ausgeliefert +haben würde, wenn er sich solcher Staatsverbrechen +schuldig gemacht hätte. Noch waren vier Söhne Buka's<a name="FNanchor_704" id="FNanchor_704"></a><a href="#Footnote_704" class="fnanchor">[704]</a> +übrig, die sich zu Tughan geflüchtet, welcher sich ihrer +angenommen; <span class="xidenote">Ende Ssafer 688/<br />Halben Mai 1289</span> als er sie aber nach einiger Zeit dem Arghun, +dessen Grimm er versöhnt glaubte, vorstellte, befahl dieser, +durch ihre Hinrichtung den Stamm auszurotten, so dem +geschah.</p> + +<div class="sidenote">Der Prinzen +Dschuschkab, +Huladschu, +Karabukai +Hinrichtung.</div> + +<p>Der Prinz Dschuschkab, welcher die Verschwörung +Buka's angezeigt und dem Verräther mit eigener Hand den +Kopf abgeschlagen, sah bald hierauf seinen eigenen gefährdet; +auf die Nachricht, dass er selbst mit herrschsüchtigen +Plänen umgehe, hatte ihm Arghun Emire<a name="FNanchor_705" id="FNanchor_705"></a><a href="#Footnote_705" class="fnanchor">[705]</a> mit Truppen +nachgesendet, die ihn am Flusse Karaman zwischen Ersen +und Miafarakain erreichten; er schlug sich mit ihnen, floh +und wurde nach drei Tagen ergriffen, vor Arghun gebracht, +von demselben zum Tode verurtheilt. <span class="xidenote">15. Dschem. ewwel 688/<br />6. Juni 1289</span> Diese Hinrichtung +hatte die Empörung des ihm innigst ergebenen <i>Newrus</i>, des +Sohnes Arghun's (des Statthalters Hulagu's in Persien) zur +Folge, mit welchem sich die Prinzen <i>Huladschu</i> (der zwölfte +Sohn Hulagu's) und <i>Karabukai</i>, der Sohn Jaschmut's (des +dritten Sohnes Hulagu's) verbanden; sie wurden von <i>Muktil</i>, +dem Bruder Ordu Kaja's, welcher im Dienste <i>Karabukai's</i> +seinen Herrn verrieth, ergriffen und im Schlosse <i>Girdkjuh</i>, +<span class='pagenum'><a name="Page_382" id="Page_382">[382]</a></span> +dem alten Assassinenschloss, das so lange den belagernden +Waffen der Mongolen getrotzt, eingesperrt, und vier Monate +hernach hingerichtet. <span class="xidenote">20. Ramasan 688/<br />7. Oct. 1289</span> <i>Huladschu</i>, der zwölfte Sohn Hulagu's, +der dritte, der als ein Schlachtopfer der Herrschaft fiel +(wie vor ihm <i>Konghuratai</i> und <i>Teguder</i>); <i>Karabukai</i>, der +zweite Neffe, der wie Dschuschkab des Todes Loos der +Oheime theilte. Ein Heer unter dem Befehle Arghun's +wurde nach Chorasan gesandt, um dort den Kronprinzen +<i>Ghasan</i> wider den Aufrührer <i>Newrus</i> zu verstärken. Arghunchan +hatte das Winterquartier von Arran mit dem Sommerlager +zu Kongorolang vertauscht und zum zweitenmale den +<i>Ordu Kaja</i> und den Juden <i>Seaad</i> empfangen, welche ihm +Gelder von Bagdad brachten. Arghun war damit sehr zufrieden, +und als der Jude vortrug, dass er das Doppelte +abgeführt haben würde, wenn nicht die mongolischen Landschreiber +ihm entgegen gewesen wären, wurde die Hinrichtung +derselben befohlen; ihre Köpfe wurden zu Bagdad +aufgesteckt; auch Manssur, der Sohn Chodscha Alaeddin's +Dschuweini, wurde von Hille gebracht und hingerichtet; +gleiches Schicksal hatte <i>Dschelaleddin Semnani</i>, welcher, +dem Tughan verdächtig, einige Zeit lang auf Fürbitte Berende +Bachschi's an dem Leben verschont worden war. <span class="xidenote">1. Dschem. II. 688/<br />22. Juni 1289</span> +Arghun hatte die oberste Wesirschaft dem Juden <i>Seaad</i> +übertragen, eine vor und nachdem in den Geschichten des +Islams unerhörte Begebenheit, dass ein Jude Herr des Guts +und Bluts der Moslimen. <i>Seaadeddewlet</i>, d. i. die Glückseligkeit +des Hofes, der Sohn des Juden Hebetollah Ben +Mohesib von Ebher, war vor fünf Jahren vom Vogte Bagdads +oder dessen Kammer angestellt worden und hatte durch +seine Geschäftstüchtigkeit bald sehr grossen Einfluss erworben. +Der Befehlshaber Bagdads, Kotloghschah, ein vormaliger +Diener Alaeddin's Dschuweini, Medschdeddin Giti +und Andere waren vor zwei Jahren in's Sommerlager von +Sughurluk gekommen, <span class="xidenote">686/<br />1287</span> um sich bei den Wesiren über Seaad, +durch welchen ihr Ansehen so sehr in Schatten gesetzt +wurde, zu beklagen; sie priesen den Seaad als einen vortrefflichen +Arzt an, der seiner medicinischen Kenntnisse +<span class='pagenum'><a name="Page_383" id="Page_383">[383]</a></span> +willen an den Hof gezogen zu werden verdiene. Seaad, +nach Hof berufen, schloss sich an Ordu Kaja an und erhielt +durch dessen Einfluss Diplom und Löwenkopf mit dem Antrage, +die Rückstände der Steuern Bagdads, welche fünfhundert +Tomane betrugen, einzutreiben. Mittels Erpressungen +und Qualen brachte er eine ansehnliche Summe Geldes +auf, die er dem Chan in's Sommerlager von Kongorolang +brachte. Arghun, hiermit sehr zufrieden, verlieh die Emirschaft +von Bagdad dem Emir Ordu Kaja und die Vogtschaft +dem Baidu Sikurdschi, d. i. Schwertträger; Scherefeddin +von <i>Semnan</i> wurde zum <i>Melik</i>, d. i. Vorsteher der Finanzen, +und Seaad zu dessen <i>Moscherrif</i><a name="FNanchor_706" id="FNanchor_706"></a><a href="#Footnote_706" class="fnanchor">[706]</a>, d. i. Ceremonienmeister, +ernannt. Diese vier gleichzeitigen Ernennungen geben Aufschluss +über die Einrichtung mongolischer Landesverwaltung, +deren Häupter der <i>Emir</i> (Befehlshaber der Truppen), der +<i>Schohne</i> oder Baskak, d. i. Vogt Statthalter, der <i>Melik</i>, +d. i. Intendent der Finanzen, und <i>Moscherrif</i>, Gehülfe desselben; +dazu kamen die Sekretäre und Schreiber, von denen +die arabischen <i>Munschi</i>, die mongolischen <i>Bitekdschi</i>, die +türkischen <i>Bachschi</i> heissen. Als Seaad zur Wesirschaft +gelangt, war derselbe nur noch durch den Einfluss seines +vormaligen Vorstehers Scherefeddin Semnani einigermassen +in der Ausübung seiner unumschränkten Machtvollkommenheit +beschränkt; als aber auch dieser auf Arghun's Befehl, +weil ihm zu Ohren gekommen, dass er des Juden unumschränkte +Machtvollkommenheit bitter getadelt, hingerichtet +worden, herrschte der Jude Arzt mit unumschränkter Vollmacht +als Wesir<a name="FNanchor_707" id="FNanchor_707"></a><a href="#Footnote_707" class="fnanchor">[707]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Seaadeddewlet's +Verwaltung.</div> + +<p>Die Verwaltung des Arztes Juden war eine blutige und +goldene, Aderlass und Schacher. Noch lebten die Enkel +seines grossen Vorfahrers in der Wesirschaft, Mohammed +Schemseddin's, Mahmud und Ali<a name="FNanchor_708" id="FNanchor_708"></a><a href="#Footnote_708" class="fnanchor">[708]</a>, die beiden Söhne seines +Sohnes Behaeddin, auf den ihnen gelassenen Besitzungen in +Irak. Ali war mit seiner Mutter, der Tochter Iseddin Tahir's, +<span class='pagenum'><a name="Page_384" id="Page_384">[384]</a></span> +nach Issfahan gegangen, als Medschdeddin Muminan von +Kaswin, einer der Blutegel des Wesirs, an Arghun Bericht +erstattete, dass fasst alle Krongüter in den Händen der +Enkel Schemseddin's. Der Befehl erging, die Söhne Schemseddins +hinzurichten. Von diesen wurden <i>Mesud</i> und <i>Feredschullah</i> +zu Tebris getödtet; <span class="xidenote">3. Redscheb 688/<br />23. Juli 1289</span> dem Enkel <i>Mahmud</i> rettete +der Vogt das Leben, weil in dem Befehle blos von den +Söhnen und nicht von den Enkeln die Rede; aber <i>Ali</i>, +welcher zu Issfahan sich befand, wurde getödtet, und sechzehn +Tage nach ihm auch sein Oheim Mesud. Noch waren +von den Söhnen Schemseddin's zwei, nämlich: <i>Atabeg</i> und +<i>Sekeria</i>, übrig, welche, die einzigen, nicht gewaltsamen +Todes starben. Der Jude legte nun seinem Namen und dem +seiner Brüder nach dem Beispiele der Herrscher aus dem +Hause Buje den Ehrennamen <i>Dewlet</i>, d. i. <i>Reich</i> oder <i>Hof</i>, +bei; er nannte sich <i>Seaadeddewlet</i>, d. i. das Reichsglück, +seine Brüder hiessen: <i>Fachreddewlet</i>, d. i. Reichsruhm, +<i>Mohesibeddewlet</i>, d. i. Reichsläuterer, desgleichen seinen +anderen Angehörigen, unter die er die Statthalterschaften +des Reichs vertheilte; den beiden genannten Brüdern und +dem Dschemaleddin von <i>Destadscherd</i> übertrug er die Befehlshaberschaft +von Bagdad; nach Fars sandte er den +Medschdeddewlet, d. i. Reichsglorie, den Sohn des Astronomen +<i>Montachabeddewlet</i>, d. i. des Reichsauserwählten, +als Statthalter nach Diarbekr seinen Bruder <i>Emineddewlet</i>, +d. i. Reichsintendent, und die Befehlshaberschaft von Tebris +verlieh er seinem Neffen Ebu Manssur <i>Mohesibeddewlet</i> (ein +zweiter Reichsläuterer) dem Arzte<a name="FNanchor_709" id="FNanchor_709"></a><a href="#Footnote_709" class="fnanchor">[709]</a>. Fünf Juden (die +vier Brüder und der Neffe) hatten die Verwaltung unter +sich getheilt. Die Emire <i>Taghadschar</i>, <i>Ordu Kaja</i> und +<i>Dschuschi</i>, welche bisher die Finanzen verwaltet, wurden +durch ein Patent verständigt, dass <i>Seaadeddewlet</i> der Befehlshaber +des Staatsschatzes sei, „und dass sie ohne dessen +Gutheissung kein Geschäft dem Padischah vorzutragen ermächtiget +seien, dass dem Wesir aber frei stehe, zu jeder +<span class='pagenum'><a name="Page_385" id="Page_385">[385]</a></span> +Zeit Geschäfte zu schlichten, ohne sich nach ihnen zu +richten“. Die Wesire und Emire der Länder wurden ihm +untergeordnet, Könige und Sultane standen dem Arzte Juden +zu Befehl; wäre nicht Chorasan und Rum wirklich im Besitze +Ghasan's und Kendschatu's, der beiden Söhne Arghun's, +gewesen, so hätte er auch diese Länder an seine Geschöpfe +verliehen<a name="FNanchor_710" id="FNanchor_710"></a><a href="#Footnote_710" class="fnanchor">[710]</a>. Er vernichtete gleich Anfangs seiner Verwaltung +in allen Ländern die <i>Melik</i>, wörtlich <i>Könige</i>, der +Finanz, d. i. Intendenten der Pachten und Steuern, und +erregte in den Herzen der Juden die Erwartung, dass in +ihm der versprochene Messias erschienen, der Wiederhersteller +des Reichs im vorigen Glanze. Die Verordnungen, +die er in Finanzsachen erliess, waren streng, aber verständig, +auf die sichere Eintreibung der Steuern und Vermehrung +des Staatsschatzes berechnet; den Plackereien der Gesandten +und Vögte wurde gesteuert, arabische und persische Dichter +und Philologen mit Geschenken und Pensionen zur Verbreitung +seines Lobes erkauft. Binnen zwei Jahren war +ein ihm gewidmetes Buch, welches blos die zu seinem Lobe +erschienenen <i>Ghaselen</i>, <i>Kassidete</i>, <i>Makame</i> und Lobreden +enthielt, gesammelt, und welches sich noch zur Zeit Wassaf's +zu Bagdad fand; er nahm sich nicht nur mit den Prinzen +und Nujanen, sondern auch gegenüber des Schah und dessen +Gemahlinnen die grössten Freiheiten heraus. Eines Tages, +als er mit dem Schah langen Puff spielte, streckte er mir +nichts dir nichts seine Füsse aus, als läge er auf einem +Ruhebette; eine der Frauen, welche herein kam, redete +ihn an: „Wie unterstehst du dich, in Gegenwart eines +solchen Chans, dessen Sklaven mit dem störrigen Himmel +wie mit einer Kugel aus Handteig spielen, ohne Scheu den +Fuss auszustrecken?“ Seaadeddewlet entschuldigte sich +mit dem Zipperlein, und Arghun liess die Entschuldigung +gelten.</p> + +<div class="sidenote">Verwaltung +von Fars; +Emir +Tughan.</div> + +<p>Da die grossen Emire <i>Taghadschar</i>, <i>Semaghar</i>, <i>Kundschukbal</i> +und <i>Tughan</i> ihm alle aufsässig, so suchte er sich +<span class='pagenum'><a name="Page_386" id="Page_386">[386]</a></span> +wenigstens mit dreien zu befreunden, denen er einen Antheil +an der Verwaltung überliess; diese waren <i>Ordu Kaja</i>, den +er als Helfer zu sich nahm; <i>Karadschar</i>, dem er die Verwaltung +von Arran anvertraute, und <i>Dschuschi</i>, dem er die +von Schiras übergab; dem letzten gab er noch zwei Beamte<a name="FNanchor_711" id="FNanchor_711"></a><a href="#Footnote_711" class="fnanchor">[711]</a> +und den Sohn Sundschak's als <i>Serwan</i> oder <i>Tschausch</i>, d. i. +Vollstrecker der Befehle, an die Seite. Die Herren der +Finanz zu Schiras versprachen die fünfhundert Tomane, die +Ausstände, binnen Jahr und Tag herbeizuschaffen, wenn +man ihnen den <i>Dschelaleddin Serwistani</i> gebunden ausliefere. +Diess geschah; als aber die Inhaber der Pachtdistrikte<a name="FNanchor_712" id="FNanchor_712"></a><a href="#Footnote_712" class="fnanchor">[712]</a> +und die Landschreiber<a name="FNanchor_713" id="FNanchor_713"></a><a href="#Footnote_713" class="fnanchor">[713]</a> nicht Wort hielten, wurden die +ersten, die Herren der Kammer, die schon oben bei der +Erzählung der Zustände von Fars genannt worden, hingerichtet<a name="FNanchor_714" id="FNanchor_714"></a><a href="#Footnote_714" class="fnanchor">[714]</a>. +Die Steuereinnehmer und Verwalter wurden alle +gefoltert und durch Vergantungen und Confiscationen eine +ungeheuere Summe erpresst. Seaadeddewlet's Strenge war +rücksichtlos gegen die Emire und führte später seinen Sturz +durch die Rache einer empfindlichen Beleidigung des Emirs +Tughan herbei, welcher, wie wir gesehen, schon den allmächtigen +Buka aus Rache für empfangene Stockschläge gestürzt. +Tughan, der Sohn Tarakai's, ehemals der Vogt in Kuhistan, +einer der ersten Inaken, d. i. Hofdiener, „war“, sagt Wassaf, +„ein höchst scharfsinniger und feiner Kopf<a name="FNanchor_715" id="FNanchor_715"></a><a href="#Footnote_715" class="fnanchor">[715]</a> an Urtheilskraft, +durchdringendem Scharfsinn, in der Rede Schlagfertigkeit +und Zierlichkeit, hatte er unter den Mongolen +nicht seines Gleichen“; dazu war er ein gewandter Briefsteller, +Buchhalter, Dichter und Astronom, ein ganzer <i>Keschadschem</i>, +d. i. ein in den fünf freien Künsten, deren Anfangsbuchstaben +in diesem Worte enthalten sind<a name="FNanchor_716" id="FNanchor_716"></a><a href="#Footnote_716" class="fnanchor">[716]</a> (<i>Schreibkunst</i>, +<span class='pagenum'><a name="Page_387" id="Page_387">[387]</a></span> +<i>Dichtkunst</i>, <i>Astronomie</i>, <i>Philologie und Musik</i>), vollkommen +bewanderter, hochgebildeter Mann. Als nach der Hinrichtung +Buka's der Emir <i>Newrus</i> in Chorasan rebellirte, wurde +Tughan mit einem Auftrage dahin abgesandt; bei seiner +Rückkehr liess Seaadeddewlet dem Schah vortragen, dass +die Curiere Tughan's mehr als ihre normalmässigen Taxen +genommen, und Tughan wurde zu der hierauf durch die +Jasa gesetzten normalmässigen Strafe von siebzehn Stockprügeln +verurtheilt. Tughan, welchen Nichts aus der Fassung +brachte und welchem ein guter Einfall immer zur Hand, +sah sich im Saale um und sagte: Was würde es denn schaden, +wenn jeder der Collegen Emire einen der siebzehn Stockstreiche +auf sich nehmen wollte? Es waren mehr als siebzehn +Emire zugegen. Der Schah lachte, und allsogleich citirte +Tughan das Distichon Motenebbi's:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Wenn der Löwe winkt mit Löwenmacht,<br /></span> +<span class="i0">Meinet ja nicht, dass der Löwe lacht<a name="FNanchor_717" id="FNanchor_717"></a><a href="#Footnote_717" class="fnanchor">[717]</a>.<br /></span> +</div></div> + +<p>Durch diesen glücklichen Einfall und seine Geistesgegenwart +kam er diessmal von der verhängten Strafe los, aber der +Groll wider den Juden, der ihm die Schmach der Verurtheilung +zugezogen, wurzelte so tiefer in seiner Brust, und +er verband sich zum Sturze desselben mit dem Emir <i>Kundschukbal</i> +und Anderen, indem sie keine Gelegenheit unterliessen, +ihren Feind beim Schah zu verschwärzen. Dieser +indessen, voll hochfliegender Pläne, stand noch immer fest +durch den guten Erfolg seiner Finanzverwaltung, welche +den Schatz füllte, und durch seine Einstreuungen von der +Einführung einer neuen Religion, deren Oberhaupt der Schah +sein sollte<a name="FNanchor_718" id="FNanchor_718"></a><a href="#Footnote_718" class="fnanchor">[718]</a>. Arghun war nicht Moslim, wie sein Vorfahrer, +sondern vielmehr den Juden und Christen geneigt; von seiner +Neigung für die Juden spricht die fünfgetheilte Herrschaft +der vier Brüder und des Neffen, von seiner Vorliebe für +die Christen sein Befehl, die von Teguder zerstörten Kirchen +wieder herzustellen<a name="FNanchor_719" id="FNanchor_719"></a><a href="#Footnote_719" class="fnanchor">[719]</a>, und seine Verbindungen mit den +<span class='pagenum'><a name="Page_388" id="Page_388">[388]</a></span> +Königen Armeniens und Georgiens, seine Gesandtschaften +an den Papst und König von Frankreich, von denen weiter +unten die Rede sein wird. Indessen, da sein Plan der +neuen Religion noch nicht reif, konnte er nicht umhin, dem +Scheine nach den Islam zu beschützen, wovon ein von +Wassaf erhaltener, zu Gunsten der Pilgerkarawane von +Mekka erlassener Befehl das Belege; indessen lag ihm wenig +daran, dass das Blut der Pilger im Umfange des heiligen +Hauses vergossen wurde, und siebzehn der grössten Imame +verbannte er nach Schiras, um dort von Schemseddewlet +die Strafe der Jasa, d. i. Prügel, zu empfangen.</p> + +<div class="sidenote">Feldzug gegen +Derbend; +Bauten.</div> + +<p>In der herbstlichen Tag- und Nachtgleiche dieses Jahres +begab sich Arghun, welcher auch ein Freund der Astronomie, +wiewohl er mit Vorliebe Alchymie trieb, nach Meragha, +um die Sternwarte zu besuchen; <span class="xidenote">4. Ramasan 688/<br />21. Sept. 1289</span> in der folgenden Tag- und +Nachtgleiche des Frühlings verehrte er der Frau Bulughan, +der Tochter Otaman's, des Sohnes Obotai Nujan's des Konghuraten, +das Lager der verstorbenen Frau Bulughan, welche +aus dem Hareme des Grossvaters Hulagu und des Vaters +Abaka in das seine übergegangen war. <span class="xidenote">9. Rebiulewwel 689/<br />24. März 1290</span> Vier Tage nach +vollzogener Hochzeit kamen Boten, welche feindlichen Einfall +an der Gränze von Derbend meldeten. <span class="xidenote">13. Rebiulewwel 689/<br />28. März 1290</span> Die Emire Schiktur +Nujan, Kundschukbal und Taghadschar wurden allsogleich +aufzusitzen befehligt. Der Chan begab sich nach Pilsuwar +und rückte mit dem schweren Gepäcke bis Schaburan vor; +am Ufer des Karasu traf der Vortrab der beiden Heere +auf einander. <span class="xidenote">1. Reb. achir 689/<br />15. April 1290</span> Das feindliche befehligte <i>Abadschi</i> und <i>Mengli</i>, +die beiden Söhne <i>Mengku Timur's</i>, des Herrschers von +Kipdschak, und der Feldherr <i>Nokai</i>; das Arghun's: die +Emire <i>Taghadschar</i>, <i>Kundschukbal</i>, <i>Toghruldsche</i> und <i>Taidschu</i>, +der Sohn Bukuwa's; die letzten drei setzten über +den Fluss, schlugen die Kipdschaken, tödteten ihnen dreihundert +Mann und machten mehrere Gefangene<a name="FNanchor_720" id="FNanchor_720"></a><a href="#Footnote_720" class="fnanchor">[720]</a>. Hierauf +<span class='pagenum'><a name="Page_389" id="Page_389">[389]</a></span> +wurde zu Pilsuwar der Sieg mit Festen gefeiert, und Seaadeddewlet +sandte die frohe Nachricht mittels Siegesschreiben +durch's Reich<a name="FNanchor_721" id="FNanchor_721"></a><a href="#Footnote_721" class="fnanchor">[721]</a>. <span class="xidenote">17. Reb. achir 689/<br />3. Mai 1290</span> Da die Ruhe an der Gränze von Derbend +hergestellt war, wandte sich Taghadschar nach der östlichen, +wo in Chorasan der Aufruhr des Emirs Newrus in hellen +Flammen emporloderte. Arghun wurde durch den Tod seines +Sohnes <i>Jesutum</i> betrübt; <span class="xidenote">7. Dschem. ewwel/<br />19. Juni</span> auch waren der Emir <i>Sundschak</i> +und sein Sohn <i>Schadi</i> zu Meragha gestorben. Zwei Monate +hernach ward zu Tebris <i>Medschdeddin Muminan</i>, dessen +oben als eines Blutegels der Finanz Erwähnung geschehen, +hingerichtet, und die Fahnen des Schah's trafen im Sommerlager +von <i>Alatagh</i> ein; <span class="xidenote">2. Schaaban/<br />12. August</span> er kehrte über Wan und Wastan +zurück. Auf dieser Station wartete dem Schah Kotbeddin +der Schiraser auf und brachte seinen Atlas der westlichen +Meere mit einer Beschreibung ihrer Gestade und Inseln, der +Länder Rums und des mittelländischen Meeres dar. <span class="xidenote">13. Schaaban/<br />23. August</span> Der +Blick Arghun's fiel auf die Stadt <i>Amuria</i>, so berühmt, als +die Geburtsstadt des Kaisers Theophilos und die Verheerung +derselben durch den Chalifen Moteaassim. Arghun liess +sich Alles erklären und war mit der Erklärung ungemein +zufrieden; er ging auf die Jagd, und sagte dem Molla, sich +nach derselben wieder bei ihm einzufinden, weil er mit ihm +gerne weiter spreche, da er so wohlberedt. Hierauf ging +der Wink an Seaadeddewlet, die drei Verwalter, welche +aus Rum zurückgekehrt waren: <i>Emirschah</i>, <i>Fachreddin</i> und +den Sohn <i>Hadschi Leila's</i>, zu ergreifen; dem ersten rettete +die Fürbitte Kotbeddin's und Seaadeddewlet's das Leben, +der dritte ward sogleich getödtet, der zweite unter Aufsicht +gesetzt und später hingerichtet. Hierauf kamen drei Emire: +<i>Akbuka</i>, <i>Doladai</i> und <i>Aldschiwaktan</i>, aus Rum, von denen +der erste dorthin zurückgesandt ward. <span class="xidenote">5. Schewwal 689/<br />13. Oct. 1290</span> Das Fest des Fastenmondes +wurde zu Tebris zur Freude der Moslimen mit +grosser Feierlichkeit begangen. Es wurden vier Minarete +erhöht; die Kadi und Imame, die Chatibe und Scheiche +wurden alle versammelt. Arghun, der ein grosser Bauliebhaber, +<span class='pagenum'><a name="Page_390" id="Page_390">[390]</a></span> +befahl, auf der Westseite der Stadt eine Vorstadt +anzulegen, welche <i>Schem</i> oder <i>Schenb</i> hiess, und in der +später sein Sohn Ghasan sein berühmtes Grabmal erbaute; +er befahl den Bau einer Stadt zu <i>Scherujas</i>, nördlich von +Kaswin, welche, ebenfalls erst später unter Ghasan vollendet, +den Namen <i>Sultanije</i> erhielt; eine Tagreise südlich von Sultanije, +zu <i>Andscherud</i>, hatte Arghun's Vater, Abaka, einen +Palast in der Ebene erbaut, wo ein natürliches Wasserbecken +mit zwei Abflüssen, dessen Wasser sich nie mindern +und mehren soll, wenn auch die Abflüsse verdämmt werden<a name="FNanchor_722" id="FNanchor_722"></a><a href="#Footnote_722" class="fnanchor">[722]</a>. +In der Nähe von Sedschas ist der gleichnamige +Berg, auf welchem hernach Arghun begraben ward; auch +im Gebirge Alatagh, welches das gewöhnliche Sommerlager +schon von Hulagu's Zeit her, baute er ein Serai<a name="FNanchor_723" id="FNanchor_723"></a><a href="#Footnote_723" class="fnanchor">[723]</a>. Zu +<i>Lar</i> oder <i>Lardschan</i><a name="FNanchor_724" id="FNanchor_724"></a><a href="#Footnote_724" class="fnanchor">[724]</a>, der gleichnamigen Hauptstadt der +am Fusse von Hügeln gelegenen Landschaft <i>Laristan</i>, baute +er einen Sommerpalast, welcher das Köschk Arghun's hiess; +der Basar der Stadt gilt noch heute für den schönsten Persiens; +das heute in Ruinen liegende Schloss galt ehemals +für uneinnehmbar. Die zwölftausend Einwohner leben von +dem Erzeugnisse ihres Kunstfleisses, Bogen und Baumwollzeugen; +alle Häuser sind bequem und nett eingerichtet; +jedes mit den beiden Luxusanstalten einer persischen Sommerwohnung, +nämlich einem <i>Badgir</i> und <i>Serdab</i><a name="FNanchor_725" id="FNanchor_725"></a><a href="#Footnote_725" class="fnanchor">[725]</a>, d. i. +mit einem Windfang und einem unterirdischen Saale, versehen; +in diesen dringt die Hitze nicht ein, durch jenen +kreist im oberen Theile des Hauses der Luftzug. Zu Tebris +erhielt die von Arghun erbaute Vorstadt den Namen <i>Arghunije</i>; +er gab Jedermann die Freiheit, sich dort anzusiedeln; +und liess unterirdische Kanäle (Kjaris) graben nach +dem in Persien von uralter Zeit her eingeführten und heute +noch üblichen Systeme unterirdischen Kanalbaues. Die kühlen +Thäler des Alatagh waren das gewöhnliche Sommerlager, +die südlichen Ebenen von <i>Kongorolang</i>, d. i. die Falkenweide, +<span class='pagenum'><a name="Page_391" id="Page_391">[391]</a></span> +das Sommerlager, wo hernach <i>Sultania</i> gebaut ward; +der Frühling und Herbst wurde, wie gesagt, wechselweise +zu Meragha und Tebris zugebracht, wie vormals die persischen +Könige ihre Residenz nach den Jahreszeiten zu +Babylon, Ekbatana oder Susa aufschlugen.</p> + +<div class="sidenote">Arghun's +Krankheit.</div> + +<p>Arghun, der Alchymie und den geheimen Wissenschaften +ergeben, hatte indische Bachschi, d. i. Schreiber, gefragt, +durch welche Mittel sie sich ihr Leben so langwierig fristeten. +Sie gaben ihm ein aus Schwefel und Merkur zusammengesetztes +Mittel als die Panacee der Lebensverlängerung +an. Arghun nahm dasselbe durch acht Monate, und +als ihm hierauf die Bachschi eine Quarantäne zu Tebris +vorschrieben, schloss er sich dort ein, ohne Jemanden Anderen, +als Seaadeddewlet und seine Geschäftsführer <i>Ordu +Kaja</i> und <i>Kadschan</i> zu empfangen. Nach den vollendeten +vierzig Tagen begab er sich in's Winterquartier nach <i>Arran</i>, +wo er krank ward, vom Arzt Emineddewlet Arznei nahm; +als diese nicht anschlug, gab ihm einer der Bachschi eines +Tages drei Becher Weins, worauf er einen Anfall von Zipperlein +hatte. Nach zweimonatlichen Leiden fiel es ihm ein, +die Ursachen der Krankheit, welche übernatürlicher Einwirkung +Schuld gegeben ward, untersuchen zu lassen. Die +Einen sagten, sie rühre von bösen Wesen her und könne +nur durch Almosen geheilet werden; die <i>Kamen</i>, welche +nach mongolischer Art das Geheime und Verborgene aus +Schulterbeinen der Schafe erforschten, warfen den Verdacht +von Zauberei auf. Die Prinzessin <i>Tughandschak</i>, die Tochter +der Frau Ilkotlogh, war die angeheirathete Nichte <i>Dschuschkab's</i>, +dessen Tochter Arghurak mit Schadi Gurgan vermählt, +mit diesem die Tochter <i>Tughandschak</i> aus dessen Beischläferin +Ilkotlogh erheirathet hatte. Ilkotlogh war also aus +dem Harem <i>Schadi Gurgan's</i> in das Arghun's übergegangen, +und <i>Tughandschak</i> erscheint hier als Nebenbuhlerin ihrer +Mutter um die Liebe des Schahs. Sie wurde mit anderen +Frauen ihres Gefolges vor Gericht geladen. Sie bekannte, +dass sie, um sich der Liebe des Chans zu versichern, Talismane +geschrieben, und dass sie, um sein Leben zu retten, +<span class='pagenum'><a name="Page_392" id="Page_392">[392]</a></span> +gerne das ihrige opfern wolle. Sie wurde der Zauberei +schuldig erkannt und mit allen ihren Zofen ertränkt. Durch +die Krankheit des Chans war Seaadeddewlet auf's äusserste +bestürzt, indem er wohl einsah, dass sein Leben an das des +Schahs geknüpft sei. Er nahm nun zu guten Werken die +Zuflucht; an Einem Tage erliess er siebzig Schreiben, sogenannte +Gerechtigkeitsbefehle, welche die Ausübung der Gerechtigkeit +einschärften und Almosen anordneten. Eine seiner +grössten Wohlthaten waren dreissigtausend Dukaten, womit +er den Bewohnern Bagdads ein Geschenk gemacht, und +hunderttausend, die er den Armen und Frommen von Schiras +zugedacht. Es ergingen Befehle, wodurch verboten ward, +den Verwandten der Majestät, den Frauen, Söhnen, Töchtern, +Schwägern, das Geringste zu nehmen; hierdurch hoffte +er, dieselben mit dem Fiskus und sich zu versöhnen; allein +die Emire<a name="FNanchor_726" id="FNanchor_726"></a><a href="#Footnote_726" class="fnanchor">[726]</a>, denen seine Herrschaft immer unerträglicher, +verschworen sich zur Abschüttelung dieses Joches, <span class="xidenote">4. Ssafer 690/<br />5. Febr. 1291</span> und sie +traten zuerst als öffentliche Ankläger wider das Werkzeug +der Blutbefehle, den Sultan Aidadschi, auf, durch welchen +vor zwei Jahren die Prinzen Huladschu und Karabukai und +eilf andere, in Allem dreizehn Prinzen aus dem Geblüte +Tschengischan's, hingerichtet worden waren, indem diese +Hinrichtung nun als die eigentliche Ursache der Krankheit +Arghun's angegeben ward. Ein Kame sagte aus, die mit +ihren Vätern hingerichteten unschuldigen Kinder, Söhne +Huladschu's und Karabukai's, seien dem Arghun erschienen +und hätten ihm Vorwürfe über ihre unverschuldete Hinrichtung +gemacht; er habe ihnen geantwortet: Davon weiss +ich nichts; nicht ich bin euer Mörder, sondern Sultan +Aidadschi. Dieser, hierüber zur Rede gestellt, berief sich +auf des Chans Befehl. Die Antwort kam: er wisse nicht +darum. Sultan Aidadschi entgegnete: wie könne der Chan +diess gesagt haben, da ihm die Krankheit seit langem die +Sprache benommen. Die Richter urtheilten, dass, wenn +der Padischah nicht sprechen könne, die Ursache seiner +<span class='pagenum'><a name="Page_393" id="Page_393">[393]</a></span> +Krankheit keine andere als das durch Aidadschi gegebene +Bluturtheil sei, und verurtheilten ihn zum Tode. <span class="xidenote">1. Rebiulewwel 690/<br />4. März 1291</span> Am selben +Tage (es war das Geburtsfest des Prinzen <i>Chatai Aghul</i>) +wurde Dschudschi auf Tughan's Befehl ergriffen und in der +Nacht hingerichtet; am folgenden Tage zog Taghadschar +den Seaadeddewlet und seinen Helfer Ordu Kaja vor Gericht, +und Beide wurden getödtet<a name="FNanchor_727" id="FNanchor_727"></a><a href="#Footnote_727" class="fnanchor">[727]</a>; ihre Häuser wurden vom +Heere geplündert. Sechs Tage hernach starb Arghun zu +Baghdschei Arran <span class="xidenote">7. Rebiulewwel 690/<br />10. März 1291</span> und zwei Tage später wurde sein Leichnam +nach dem Berge Sedschas abgeführt, wo sein Grab noch +nach dem alten Gebrauche der Mongolen verborgen gehalten, +bis es in der Folge von seiner Tochter entdeckt, +mit einem Dome überwölbet ward<a name="FNanchor_728" id="FNanchor_728"></a><a href="#Footnote_728" class="fnanchor">[728]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Arghun's +Verhältniss +mit Aegypten +und den +europäischen +Fürsten.</div> + +<p>Noch haben wir in der Regierungsgeschichte Arghun's +die Darstellung seiner Verhältnisse mit Aegypten und mit +christlichen Fürsten nachzutragen. Bereits unter der Regierung +Ahmed Teguder's ist erwähnt worden, dass der +Gesandte desselben, Abderrahman, von Sultan Kilawun eingekerkert, +im Kerker gestorben sei. Nähere Umstände über +diesen Botschafter finden sich bei den ägyptischen Geschichtschreibern. +Kilawun hatte auf seinem Wege von Kairo nach +Damaskus zu Ghasa den Tod Ahmed Teguder's und die +Thronbesteigung Arghun's erfahren. <span class="xidenote">12. Dschem. ewwel 683/<br />27. Juli 1284</span> Einen Monat hernach +gewährte er der persischen Botschaft zu Damaskus Audienz. +Sie bestand aus dem Scheich Abderrahman, dem Emir Samdaghu +und dem Wesir des Fürsten von Mardin<a name="FNanchor_729" id="FNanchor_729"></a><a href="#Footnote_729" class="fnanchor">[729]</a>; der +Scheich war in den Habit der Derwische als Fakir gekleidet; +als er sich nicht freiwillig beugen wollte, wurde er gewaltsam +zur Erde niedergeworfen, und der Sultan würdigte +ihn keines Blickes; doch nahm er das Schreiben Ahmed's +und liess die Botschafter mit Kaftanen bekleiden. Das +Schreiben Ahmed's begann mit der gewöhnlichen Formel +<span class='pagenum'><a name="Page_394" id="Page_394">[394]</a></span> +mongolischer Befehle: Unser Wort an den Sultan Aegyptens. +Unter den Geschenken zeichneten sich sechzig grosse Perlen, +ein Topas im Gewichte von zweihundert Miskalen und ein +Rubinbalasse von zwei und zwanzig Drachmen aus. Kilawun +liess sie dreimal in seine Gegenwart kommen, und verständigte +sie das drittemal von Arghun's Thronbesteigung. Sie +wurden alle ihres Gepäckes beraubt und eingekerkert. Der +Scheich starb noch vor Ende des Jahres und seine Begleiter +wurden dann in Freiheit gesetzt. <span class="xidenote">28. Ramasan 683/<br />8. Dec. 1284</span> Während dieser feierlichen, +zur Schliessung festen Friedens gesandten Botschaft +hatte sich Sultan Kilawun zweier beträchtlichen festen Plätze +bemächtigt. Der eine, <i>Katibe</i>, in der Landschaft Amid, in +der Nähe von Kerker, welcher von den Truppen von Biret, +Aintab und Rawendan besetzt ward; der andere, <i>Kachta</i>, +dessen aufrührerische Besatzung ihren Befehlshaber tödtete +und das Schloss verrätherischer Weise an den Befehlshaber +von Haleb übergab. Diesem fertigte im selben Jahre Arghun +den Befehl eines Streifzuges nach Cilicien zu, um die Armenier +dafür zu strafen, dass sie, als sie zwei Jahre früher +sich mit den mongolischen Truppen zu Haleb befanden, die +grosse Moschee eingeäschert. Sie drangen bis <i>Ajas</i> vor, +schlugen die armenischen Truppen im Passe von Iskenderun, +verfolgten sie bis Tell Hamdun und zogen sich dann zurück<a name="FNanchor_730" id="FNanchor_730"></a><a href="#Footnote_730" class="fnanchor">[730]</a>. +Zwei Jahre später streiften tausend Mann der Besatzung +von Haleb nach Mardin und Sindschar und schlugen +von Mossul die Besatzung, welche einen Ausfall gemacht, +mit dem Verluste von zweihundert Mann zurück. Mit Papst +Nikolaus IV. hatte Arghun wiederholten Verkehr von Gesandten, +deren einer, <i>Buscarell</i>, ein <i>Kuridschi</i>, d. i. von +seiner Leibwache, zugleich Ueberbringer von Schreiben an +Eduard, König von England, und Philipp den Schönen von +Frankreich. Die Gesandten versprachen Hilfe wider die +Saracenen in Syrien und Bekehrung zum Christenthum. Die +Gesandten Arghun's versprachen: der Chan wolle sich nach +Jerusalems Eroberung in der heiligen Stadt taufen lassen; +<span class='pagenum'><a name="Page_395" id="Page_395">[395]</a></span> +der Papst belehrte ihn in seinem Schreiben über die Dogmen +und Pflichten des Christenthums. Nikolaus schrieb nicht nur +an den Chan, sondern auch an dessen Frauen und an seinen +Sohn <i>Oldschaitu</i>, welchen die Mutter (<i>Urukchan</i>) getauft +und Niklas genannt hatte. Der Papst schrieb an die Prinzessin +<i>Ilkotlogh</i><a name="FNanchor_731" id="FNanchor_731"></a><a href="#Footnote_731" class="fnanchor">[731]</a>, die er zur Verbreitung des Christenthums, +nachdem sie beigetreten, aufmunterte; die Frau +Uruk<a name="FNanchor_732" id="FNanchor_732"></a><a href="#Footnote_732" class="fnanchor">[732]</a>, welche von jeher Christin, bat er, auch die Prinzen +<i>Ghasan</i> und <i>Chatai Aghul</i><a name="FNanchor_733" id="FNanchor_733"></a><a href="#Footnote_733" class="fnanchor">[733]</a>, welche von anderen Müttern, +zur Annahme des Christenthums zu bewegen. An König +Eduard I. nahm der Gesandte Buscarell ein Schreiben des +Papstes mit, welcher ihn zu ehrenvollem Empfange und +geneigtem Gehöre empfahl; dem König Philipp schrieb +Arghun im fünfhundertsten Jahre vor der französischen Revolution, +dass er im folgenden mit seinen Truppen vor +Damaskus zu lagern hoffe, ihm das eroberte Jerusalem +schenken werde. Der erste dieser Gesandten Arghun's an +den Papst war um ein Jahr früher angelangt; diess ist im +selben, wo der Jude Seaadeddewlet zur vollsten Macht gekommen. +Diese Botschaften Arghun's sind also wohl weniger +dem Christenthume der Frauen und der Taufe der Prinzen +zuzuschreiben, als der Politik des Juden, welcher durch +die Hilfe des Papstes die Könige von Frankreich und England, +<span class='pagenum'><a name="Page_396" id="Page_396">[396]</a></span> +die Aegypter von Syrien abzuhalten hoffte. Sie umfassen +die vier Jahre seiner Staatsverwaltung bis zu seinem, +Arghun's fast gleichzeitigem Tode; als aber Nikolaus IV. seine +Antwort auf das durch den Botschafter Tschagan an ihn +und an Eduard, König von England, gerichtete Schreiben +datirte, waren Seaadeddewlet und Arghun schon fünf Monate +todt.</p> + +<div class="sidenote">Kendschatu's +Thronbesteigung.</div> + +<p>Von Arghun's Tod sandten die verschiedenen Parteien +der Emire, welche über die Nachfolge des Thrones getheilter +Meinung, die Kunde an die drei Prinzen, denen sie +denselben zugedacht; nach Chorasan an <i>Ghasan</i>, den ältesten +Sohn Arghun's, nach Bagdad an <i>Baidu</i>, den Sohn Tarakai's, +des fünften Sohnes Hulagu's, und nach Rum an <i>Kendschatu</i><a name="FNanchor_734" id="FNanchor_734"></a><a href="#Footnote_734" class="fnanchor">[734]</a>, +den Bruder Arghun's, welchem nach dem mongolischen +Erbrechte die Nachfolge der Herrschaft als dem Aeltesten +des Hauses gebührt. Am ersten Tage waren die Emire +zwar über die Nachfolge Kendschatu's einig gewesen, aber +schon am anderen sandten Taghadschar und Semaghar dem +Legsi, welcher mit der Nachricht des Todes an Kendschatu +abgefertigt worden, den Balisad mit der Nachricht nach, dass +die versammelten Emire und Frauen noch den <i>Baidu</i> als +den Aeltesten der Familie zum Throne berufen hätten. +Hierzu bestimmte die beiden genannten Emire einerseits +die Furcht vor Ghasan's bekannter Energie und Herrscherkraft, +bei welcher der ihrigen wenig Raum bliebe, andererseits +die Aussicht, dass, wenn Kendschatu Chan, er allen +Einfluss der Herrschaft seinen mit ihm in Rum befindlichen +Emiren überlassen und sie mit ihrer Partei leer ausgehen +würden. Die Partei Baidu's bestand aus den Emiren: +<i>Taghadschar</i>, <i>Semaghar</i>, <i>Kundschukbal</i>, <i>Tokal</i>, <i>Schiktur</i>, +<i>Tughan</i>, <i>Timurbuka</i>, <i>Tekne</i>, <i>Ildschidai</i>, <i>Toghdai</i> und <i>Doladai</i>; +<span class='pagenum'><a name="Page_397" id="Page_397">[397]</a></span> +der letzte wurde auf der Stelle mit einem Heere nach Fars +abgeordnet, wo die Luren eingefallen, Schiras erobert, den +Vogt todtgeschlagen hatten. <span class="xidenote">8. Dschem. ewwel 690/<br />9. Mai 1291</span> Baidu, klug und umsichtig +und ohne Heer, um dem an ihn gestellten Antrage anderer +Emire Gewicht zu geben, anwortete: Nach dem Gesetze +Tschengischan's gebührt die Chanschaft den Söhnen des +Bruders, weil ihr Vater der Aeltere des meinen; welches +Recht habe ich auf den Thron, so lange jener und andere +Prinzen leben, die mir dem Alter nach vorgehen? Nach +diesem Grundsatze hätte er den von sich gewiesenen Thron +dem Ghasan als dem Aelteren zuweisen sollen; aber es +scheint, dass, weil Kendschatu die grösste Partei für sich +hatte, er es für klüger fand, sich an diesen zu halten, indem +er ihm die Nachricht von dem an ihn gelangten Antrage +mittheilte<a name="FNanchor_735" id="FNanchor_735"></a><a href="#Footnote_735" class="fnanchor">[735]</a>. Baidu's Weigerung bestürzte die Emire, +welche ihm den Antrag gemacht, und an deren Spitze +Tughan, der Hebel des Sturzes der beiden Grosswesire der +vorigen Regierung, des Turkmanen Buka und des Juden +Seaadeddewlet. Einige<a name="FNanchor_736" id="FNanchor_736"></a><a href="#Footnote_736" class="fnanchor">[736]</a> gingen nach Rum, um sich an +Kendschatu anzuschliessen. <i>Kundschukbal</i> entfloh, <i>Tokal</i> +verliess sich auf einen Haufen Georgier, <i>Tughan</i> brütete +Aufruhr in Irak, der Prinz <i>Suka</i> (der jüngste Sohn Jaschmut's, +des dritten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren +<i>Tschoban</i>, dem Suldusen, und <i>Kurmischi</i>, der Sohn Alinak's, +führten auf Tokai's Rath das Lager der Frauen nach dem +Gebirge von Alatagh dem Kendschatu entgegen. Die Frau +<i>Uruk</i>, die Wittwe Arghun's, die Mutter zweier seiner Söhne +und dreier seiner Töchter, war mit ihnen verstanden. Die +Emire<a name="FNanchor_737" id="FNanchor_737"></a><a href="#Footnote_737" class="fnanchor">[737]</a> welche dem Baidu zu <i>Kökbuldagh</i><a name="FNanchor_738" id="FNanchor_738"></a><a href="#Footnote_738" class="fnanchor">[738]</a>, d. i. am +blauen Quelle, in der Nähe von Sughurluk, aufgewartet, +verliessen ihn. <i>Ildschitai Kuschdschi</i>, <i>Kundschukbal</i>, <i>Timurbuka</i>, +<i>Tschoban</i> gingen zu Kendschatu über. Als er in die +Nähe von Alatagh kam, gingen ihm <i>Chatai Aghul</i>, der jüngste +Sohn Arghun's, und andere Prinzen entgegen. <i>Taghadschar</i>, +<span class='pagenum'><a name="Page_398" id="Page_398">[398]</a></span> +das Haupt der Partei <i>Baidu's</i>, wurde sogleich in Empfang +genommen; <i>Tughan</i>, welcher nach Gilan entflohen, wurde +eingebracht; <span class="xidenote">4. Redscheb 690/<br />23. Juli</span> doch wurde ihm, weil er ein Schützling Baidu's, +vor der Hand nichts zu Leide gethan. Kendschatu bestieg +in der Stadt Achlath den Thron.</p> + +<div class="sidenote">Gericht über +die Emire; +Kendschatu's +Krankheit und +Familie.</div> + +<p>Die erste Staatshandlung Kendschatu's war Bestrafung +der beiden Häupter der Gegenpartei, der Emire Taghadschar +und Kundschukbal, indem er jedem nach der Jasa drei Stockstreiche +geben liess und den Befehl ihrer Tomane anderen +übertrug<a name="FNanchor_739" id="FNanchor_739"></a><a href="#Footnote_739" class="fnanchor">[739]</a>, und den Tughan mit den Söhnen der von ihm +unmittelbar vor dem Tode Arghuns hingerichteten Emire, +Dschudschi und Ordu Kaja, welche Blutrache forderten, vor +Gericht stellte. Als die Emire, des Todschlags ihrer Mitgenossen +angeklagt, zur Rede gestellt wurden, bekannten +sich <i>Schiktur</i>, <i>Taghadschar</i>, <i>Kundschukbal</i>, <i>Semaghar</i>, +<i>Tekne</i> und Andere schuldig und flehten die Gnade des +Padischah an, der dieselben auch begnadigte, Andere gelinde +(mit drei Stockstreichen) bestrafte; nur wider Tughan, +welchem sowohl der Emir Akbuka, der Betraute Kendschatu's, +als die Frau <i>Urukchan</i> feind waren, wurden die Söhne +<i>Dschuschi's</i> und <i>Ordu Kaja's</i> mit der Klage der Blutrache +losgelassen; dennoch wollte ihm Kendschatu das Leben +schenken; auf die Vorstellung der Frau Uruk aber, dass +Tughan der Urheber alles Unheils, sagte Kendschatu: dass +er in diesem Falle wohl den Tod verdiene; kaum war dieses +Wort seinen Lippen entfahren, als Akbuka den Söhnen +<i>Dchuschi's</i> und <i>Ordu Kaja's</i> die Blutrache der Väter überliess. <span class="xidenote">6. Schewwal 690/<br />5. Oct. 1291</span> +Taghadschar und Kundschukbal wurden begnadigt, +Schiktur wurde zum Stellvertreter in Persien ernannt. Kendschatu +bezog das Winterquartier in Arran und lagerte zu +Karadschal am Ufer des <i>Kor</i>, seinem ehemaligen Horte. +Von hieraus wurden die Kundmachungsbefehle der Thronbesteigung +in die Länder gesandt; auf ein Gutachten der +Astronomen wurde in den Diplomen und auf den Münzen +<span class='pagenum'><a name="Page_399" id="Page_399">[399]</a></span> +dem Namen Kendschatu's die geheimnissvolle, ihm von dem +<i>Kamen</i> ertheilte Formel, <i>Irindschin Durdschi</i><a name="FNanchor_740" id="FNanchor_740"></a><a href="#Footnote_740" class="fnanchor">[740]</a> beigesetzt. +<i>Senbu</i>, der Bruder <i>Suka's</i>, der zweite Sohn Jaschmut's, starb +zu Dschaghatu<a name="FNanchor_741" id="FNanchor_741"></a><a href="#Footnote_741" class="fnanchor">[741]</a>; der Prinz <i>Enbardschi</i>, der älteste Sohn +Mengu Timur's (des eilften Sohnes Hulagu's), wurde in +die östlichen Länder gesandt. Auch dieser hegte herrschsüchtige +Gedanken, welche während der Abwesenheit Kendschatu's +in Rum, wohin er sogleich nach der Thronbesteigung +zurückgekehrt war, in seinem Hause durch Taghadschar +genährt worden. Der Geschäftsmann Stellvertreter des letzten +Ssadreddin von Sindschar, ein grosses Verwaltungstalent, +hatte seinem Bruder Kutbeddin, welcher sich im Lager +Enbardschi's befand, die ihm von Taghadschar gegebene +falsche Kunde gesandt, dass Kendschatu's Heer in Rum von +den Turkmanen und Karamanen aufgerieben sei und dass +er sich beeilen möge, Besitz vom Throne zu nehmen. Kutbeddin +gab diese Nachricht dem Scheich Dschemal von +Schiras, welcher des Vertrauens Enbardschi's genoss. Dieser, +klug und umsichtig, sandte den Scheich auf Kundschaft an +Schiktur Nujan; auf dem Wege begegnete er dem Taghadschar +und Ssadreddin, welche ihn bewegen wollten, auf +der Stelle umzukehren und den Enbardschi zu schnellem +Anmarsche zu bewegen. Der Scheich stellte sich willfährig, +sagte aber, dass er nur, da er schon in der Nähe, sein +Haus besuchen wolle; statt dieses Besuches begab er sich +geradewegs nach Karadschal in's Lager Schiktur's, wo er +sich von der Unwahrheit der Angaben Ssadreddin's überzeugte. +Er entledigte sich also freundlicher Botschaft im +Namen Enbardschi's und theilte dann dem <i>Schiktur</i> insgeheim +den Auftrag Taghadschar's und Ssadreddin's mit. +<i>Schiktur</i> sandte ihn mit freundlichem Schreiben und Geschenken +an <i>Enbardschi</i> zurück; aber am nächsten Morgen +überfiel er die Zelte <i>Taghadschar's</i> und behielt ihn und +<i>Ssadreddin</i> bis zur Rückkehr Kendschatu's bei sich; als die +Nachricht von dessen Ankunft verlautete, sandte er sie in +<span class='pagenum'><a name="Page_400" id="Page_400">[400]</a></span> +einem Geleite von fünfhundert Reitern demselben bis <i>Ersenrum</i> +entgegen. <span class="xidenote">12. Redscheb 691/<br />30. Juni 1292</span> Als Kendschatu zu <i>Alatagh</i> ankam, befiel +ihn Krankheit, die längere Zeit dauerte; während derselben +wurden von allen Gemeinden der verschiedenen Religionen +Gebete angestellt; die Imame, Bischöfe, Rabbiner und +Budhapriester beteten für die Dauer seines Lebens<a name="FNanchor_742" id="FNanchor_742"></a><a href="#Footnote_742" class="fnanchor">[742]</a>; keiner +Religion besonders zugethan, war er für alle gleichgültig<a name="FNanchor_743" id="FNanchor_743"></a><a href="#Footnote_743" class="fnanchor">[743]</a>, +nur sinnlichen Genüssen ergeben. Seine sechs Frauen +waren: 1. <i>Aische</i>, die Tochter Tughu's, des Sohnes Ilkai +Nujan's; 2. <i>Dundi</i>, die Tochter Akbuka's, des Sohnes Ilkai's, +die Base der vorigen; 3. <i>Iltürmisch</i>, die Tochter Kotlogh +Timur Gurgan's, des Konghuraten; 4. <i>Padischah Chatun</i>, +die Tochter Kutbeddin's, des Sultan's von Kerman; aus dem +Hareme seines Vorfahrers die Frauen: 5. <i>Bulughan</i> und +6. <i>Uruk</i>. Ausser diesen hatte er die Söhne <i>Alafreng</i> und +<i>Iranschah</i> aus der Frau <i>Dundi</i> und <i>Dschinkpulad</i> aus der +Frau <i>Bulughan</i>, drei Töchter aus der Frau <i>Aische</i> und +eine vierte aus der Beischläferin <i>Abisch</i>, der Tochter des +<i>Biklimisch</i>, des Bruders <i>Audschan's</i>, des Erlaten.</p> + +<div class="sidenote">Ssadreddin +von Sendschan +Wesir; Einfall +der Luren in +Irak und +Fars.</div> + +<p>Ssadreddin von Sendschan, der fündige Finanzmann, +dessen oben erwähnet worden, bemühte sich um die Wesirsstelle +durch <i>Buraldschin Ikadschi</i>, den Günstling Kendschatu's, +und <i>Scherefeddin Semnani</i>, welcher beim Emir Akbuka in +grösstem Ansehen und Einfluss. Durch diese beiden Kanäle +gelang es ihm, mit der Würde des Emirs die des Wesirs +zu vereinigen. Er erhielt dazu das goldene Ehrenzeichen +des Löwenkopfes mit Rossschweif und Pelz und einen Toman +von Truppen. <span class="xidenote">6. Silhidsche 691/<br />19. Nov. 1292</span> Sein Anstellungsdiplom verbot den Prinzen +und Prinzessinnen, sich im Geringsten in die Geschäfte der +Verwaltung und der Finanzen zu mischen; sein Vorname +<i>Ssadreddin</i>, d. i. Vorsitz der Religion, wurde in den von +<i>Ssadri dschihan</i>, d. i. Vorsitz der Welt, umgeändert; zugleich +erhielt sein Bruder <i>Kutbeddin</i>, d. i. Pol der Religion, +das Amt des Richters der Richter mit der Veränderung +seines Namens in <i>Kutbi dschihan</i>, d. i. Pol der Welt; ihr +<span class='pagenum'><a name="Page_401" id="Page_401">[401]</a></span> +Oheim <i>Kawameddin</i>, d. i. die Feste der Religion, erhielt +die Befehlshaberschaft von Tebris mit dem Ehrennamen von +<i>Kawamolmülk</i>, d. i. Feste des Reichs. Zum zweitenmale +sah Persien die Verwaltung der Geschäfte den Gliedern +einer einzigen einflussreichen Familie übertragen, wie unter +Hulagu den beiden Brüdern <i>Dschuweini</i> und dem Sohne des +Wesirs Schemseddin, Behaeddin, als Befehlshaber von <i>Schiras</i>. +Die Sorge für die Herschaffung der Lebensmittel, das Oberverpflegungsamt +des Heeres, wurde dem <i>Fachreddin Aidadschi</i> +bestätigt<a name="FNanchor_744" id="FNanchor_744"></a><a href="#Footnote_744" class="fnanchor">[744]</a>; dieser aber bat um Entschuldigung, indem +er vorstellte, dass er bereits dreissig Jahre lang mit diesem +Amte betraut, durch die Anforderungen von Zuschüssen der +Prinzen und Prinzessinnen sich in Schulden gestürzt. Kendschatu +wies dreissig Tomane zur Zahlung der Schulden an +und empfahl ihm fürderhin die grösste Freigebigkeit und +Gerechtigkeit; denn er wollte, dass seine Regierung der +Ogotai's gleiche, mit welchem er die Tugenden der Grossmuth +und Milde, aber auch den Hang zum Wohlleben gemein +hatte. Das grösste Lob seiner Regierung ist, dass +während derselben, einige Hinrichtungen in Luristan ausgenommen<a name="FNanchor_745" id="FNanchor_745"></a><a href="#Footnote_745" class="fnanchor">[745]</a>, +Niemand getödtet ward; den grössten Beweis +seiner Milde gibt die Nachsicht, die er den rebellischen +Fürsten von Lur und Jesd angedeihen liess. <i>Efrasiab</i> von +Lur, der Sohn des unter der Regierung Abaka's und nachmalig +erwähnten Atabegen Jusufschah, hatte unter der Regierung +Arghun's, trotz der Gegenvorstellungen der Befehlshaber +von Schiras, den Distrikt des Gebirges Kiluje, welches +die Gränzscheide zwischen Fars und Lur, überfallen lassen. +Er bemächtigte sich des festen Schlosses Mandschescht und +setzte seinen Neffen Kisil über den neu erworbenen Gebirgsdistrikt. +Kisil's eilf Brüder standen an der Spitze eben so +vieler Heeresabtheilungen; es entstand zwischen dem Oheime +<span class='pagenum'><a name="Page_402" id="Page_402">[402]</a></span> +und Neffen Streit über die Verwaltung des Berggebietes; +Kisil, einigemal geschlagen, floh nach Schiras, kehrte dann +aber wieder zurück, und schloss seinen Frieden mit dem +Oheim; um denselben zu befestigen, verstand sich Efrasiab +zur Hinrichtung seines Wesirs Dschelaleddin, und Entrichtung +von Geldern. Als unmittelbar vor dem Tode Arghun's +das Reich durch die Uneinigkeit der Emire und Arghun's +schlaghaften Zustand in der grössten Verwirrung, benützte +Kisil dieselbe zu einem Einfalle in Irak; er liess zu Issfahan +die Verwandten des Emirs Dschelaleddin hinrichten, +und der mongolische Vogt Baidu, der Schwager Taghadschar's +ward durch die lurischen Reiter vor der Stadt +getödtet. <span class="xidenote">8. Dschem. ewwel 690/<br />9. Mai 1291</span> Kisil sandte seinen Bruder Salghurschah in dieselbe, +und das Heer der Luren nahm unter dem Geschrei: +Gott ist gross! davon Besitz. Salghurschah setzte sich in +dem Hause Chodscha Behaeddin's auf den Thron, und die +Münze von Schiras prägte auf den Namen Efrasiab's von +<i>Lur</i><a name="FNanchor_746" id="FNanchor_746"></a><a href="#Footnote_746" class="fnanchor">[746]</a>; dann dehnte er seine Herrschaft von den Gränzen +Hamadan's bis an's Meer von Fars aus, überall lurische +Vögte ernennend. Dschelaleddin, den Sohn des Atabegen +<i>Tekele</i>, und Melik Nussret sandte er mit zweitausend Pferden<a name="FNanchor_747" id="FNanchor_747"></a><a href="#Footnote_747" class="fnanchor">[747]</a> +wider den Toman Arghasun's; auf dem Marsche erhob +sich zwischen Beiden Streit über den Vorrang des +Marsches und sie zogen jeder auf seine Faust. Anfangs +schlugen sie zwar die Mongolen und machten grosse Beute, +aber diese kehrten zurück, und rächten die verlorene Beute +durch die Niederlage der Luren; in diesem Treffen tödtete +ein mongolisches Weib allein zehn Luren<a name="FNanchor_748" id="FNanchor_748"></a><a href="#Footnote_748" class="fnanchor">[748]</a>. Endlich wurde +Toladai wider die Luren, und Jisudar wider Jusufschah, +den Atabeg von Jesd, gesandt, welche zu gleicher Zeit sich +empört hatten. Toladai schlug die Luren und Efrasiab erhielt +durch den Kanal der Frau Utruk und Padisch Chatun +seine Verzeihung; nur Kisil und seine Angehörigen wurden +hingerichtet.</p> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_403" id="Page_403">[403]</a></span></p> +<div class="sidenote">Eroberung +von Kalaaterrum; +Bothschaft +Tuktai's; +Papiergeld.</div> + +<p>Gleichzeitig mit der Dämpfung der Unruhen in Irak +und Fars traf die Nachricht ein, dass Melik Eschref, der +Sultan Aegyptens, Kalaaterrum am Uebergange des Euphrats +belagere. <span class="xidenote">8. Dschem. sani 691/<br />27. Mai 1292</span> Zwanzig Wurfmaschinen spieen durch drei und +dreissig Tage Steine und Naftafeuer hinein; endlich ward +die Stadt durch Sturm erobert, die Besatzung, welche aus +Mongolen und Armeniern bestand, niedergehauen, zwölfhundert +Einwohner mit Weibern und Kindern in die Sklaverei +geschleppt<a name="FNanchor_749" id="FNanchor_749"></a><a href="#Footnote_749" class="fnanchor">[749]</a>. <span class="xidenote">1. Redscheb 691/<br />26. Juni</span> Kalaaterrum, das Schloss der Römer, +von diesen und den Griechen Zeugma, d. i. die Ueberfuhrt, +genannt, das ober Bire, dem alten Birthe, am Flusse +Merseban<a name="FNanchor_750" id="FNanchor_750"></a><a href="#Footnote_750" class="fnanchor">[750]</a> liegt, war seit vier und zwanzig Jahren der +Sitz des armenischen Patriarchen, dessen Pallast und Kirche +bei der Einnahme in Flammen aufgingen. Sultan Eschref, +welcher das Jahr vorher durch die Eroberung Akka's Syrien +von den Kreuzfahrern gereinigt hatte, verwandelte den +Namen des Römer- oder Griechenschlosses in den des +Schlosses der Moslimin; aber der alte lebte dennoch fort, +und hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Kendschatu +vermählte sich jetzt mit der Frau Bulughan, der geliebten +Gemahlin seines Vorfahrers und seines Bruders Arghun. +<i>Tekia</i> oder <i>Tetkaul</i> starb in dem Pallaste Manssurije zu +Arran und wurde nach Meragha bestattet. <span class="xidenote">3. Dsch. ewwel 692/<br />11. April 1293</span> Von Meragha +begab sich der Hof nach Siahkuh, wo ein Gesandter Kuwindschi's, +des Sohnes Sertaktai's, des Zweitgebornen +Dschudschi's, des Oberhauptes der weissen Horde, mit Versicherungen +von Freiheit und Eintracht, <span class="xidenote">7. Schaaban 692/<br />13. Juli 1293</span> und zwei Tage +darnach die Gesandten Urugt Timur Aghul's, des Sohnes +Kaidu's, des Enkels Ogotai's, mit dem Glückwunsche desselben, +auch Gesandte von Emir Newrus, welcher in Chorasan +die Regierung an sich gerissen. Zugleich mit diesen +Gesandten der Uluse Dschudschi's und Ogotai's trafen die +Gemahlinnen Kendschatu's, Aische aus Kleinasien und Baitmisch +aus Diarbekr ein. <span class="xidenote">17. Schaaban 692/<br />23. Juli 1293</span> Kerrai Aghul, der Sohn Mengku +<span class='pagenum'><a name="Page_404" id="Page_404">[404]</a></span> +Timur's (des ältesten Sohnes Hulagu's) mit den Emiren +Doladai und Kundschukbal, welche nach Chorasan gesendet +worden, kehrten zurück. <span class="xidenote">12. Ramasan 692/<br />16. Aug. 1293</span> Das Hoflager zog nach Audschan, +von da nach Heschtrud, Meragha und Arran, wo überwintert +ward. In diesem Winterquartier wurde die Geburt +des zweiten Sohnes Kendschatu's, des Prinzen Iranschah, zu +Bire gefeiert. <span class="xidenote">5. Rebiulewwel 693/<br />24. Jan. 1294</span> Drei Tage hernach traf die Botschaft Tuktai's, +des Herrschers von Kipdschak, ein, deren Vorsteher +der Prinz <i>Kalintai</i>. Zu Delan Nawer wurde denselben Gehör +gewährt. Nach drei Wochen wurden dieselben mit +Ehrenbezeugungen entlassen, <span class="xidenote">8. Rebiulachir/<br />8. März 1294</span> nachdem sie noch Tags vorher +der Grundsteinlegung der neuen Stadt am Ufer des +Kor beigewohnt, welche den Namen <i>Kotlogh Baligh</i>, d. i. +der guten Balley, erhielt. <span class="xidenote">2. Dschem. ewwel 693/<br />31. Mai 1294</span> Kerrai Aghul, welcher vor noch +eilf Monaten aus Chorasan zurückgekehrt war, ging mit +Tod ab, <span class="xidenote">7. Redscheb 693/<br />3. Juni 1294</span> und neun Tage hierauf erschien Prinz Baidu im +Hoflager zu Alatak, um seine Huldigung darzubringen; <span class="xidenote">16. Redscheb 693/<br />12. Juni 1294</span> er +ward ungnädig empfangen, und erhielt die Erlaubniss seiner +Rückkehr nur auf die Fürbitte des Günstlings Burakin +Ikadschi, dessen Einfluss, wie oben erzählt worden, dem +Ssadreddin von Sendschan die Wesirsstelle verschafft hatte. +Dieser wollte seiner Finanzverwaltung Ruhm verleihen durch +eine neue, in China längst übliche, aber in Persien unerhörte +Massregel, nämlich durch die Einführung des Papiergeldes, +das auf mongolisch <i>Tschaw</i> heisst. Vergebens stellte +<i>Schiktur Nujan</i> vor, dass diese Massregel der Ruin des +Landes; er wurde aus dem Wege geräumt. Der Emir Akbuka, +Taghadschar, der Wesir Ssadreddin und der Hofdiener +Temachi verfügten sich nach Tebris, um dort das +Papiergeld einzuführen; <span class="xidenote">19. Schaaban 693/<br />15. Juli 1294</span> sie kamen dort im Fastenmonde +an, und führten dasselbe fünf Wochen nach ihrer Ankunft +vermöge einer Verordnung ein, welche dasselbe in allen +Zahlungen an Geldes statt anzunehmen befahl und auf die +Nichtannahme die Todesstrafe setzte. <span class="xidenote">10. Ramasan 693/<br />12. Sept. 1294</span> Dieser den Bewohnern +von Tebris unvergessliche unheilsame Tag war der +zwölfte September<a name="FNanchor_751" id="FNanchor_751"></a><a href="#Footnote_751" class="fnanchor">[751]</a>. Eine Woche lang ward dasselbe +<span class='pagenum'><a name="Page_405" id="Page_405">[405]</a></span> +durch die Gewalt des Schwertes den Einwohnern aufgezwungen; +bald aber stieg die Verwirrung auf's höchste, +indem aller Handel und Wandel gehemmt ward. Der Namen +desselben ward als <i>gebenedeites Papiergeld</i><a name="FNanchor_752" id="FNanchor_752"></a><a href="#Footnote_752" class="fnanchor">[752]</a> zum +Spotte. Das Gepräge dieses Papiergeldes war das mohammedanische +Glaubensbekenntniss mit der geheimnissvollen +Formel: <i>Irdschin Turdschin</i>, und die Jahreszahl der Entstehung +693 (1294)<a name="FNanchor_753" id="FNanchor_753"></a><a href="#Footnote_753" class="fnanchor">[753]</a>. <i>Iseddin Mosaffer</i>, welcher dem Wesir +diesen Auftrag gegeben, war der Gegenstand der allgemeinen +Verwünschung. Wiederholte Aufstände und Versuche, +dem Wesir das Leben zu nehmen, erzwangen vom +Bruder endlich die Erlaubniss, das Vorhandene um baares +Geld verkaufen zu dürfen. Darüber entstand allgemeiner +Jubel und endlich wurde die Aufhebung desselben nach ein +Paar Monaten befohlen. Prinz Aghul in Chorasan hatte +dasselbe nie angenommen und sich damit entschuldigt, dass +die Luft, welche in Chorasan so scharf, dass Waffen binnen +Jahresfrist rosteten, das Papier bald zerfressen haben würde, +und liess das ihm zugeschickte verbrennen; wir setzen die +Schilderung der Folgen dieser Massregel mit Wassaf's eigenen +Worten hieher.</p> + +<div class="sidenote">Verrath der +Emire; Kendschatu's +Ende; Baidu's +Thronbesteigung.</div> + +<p>Die Unzufriedenheit der Völker Persiens mit dem in +Weichlichkeit und Wollust versunkenen Leben Kendschatu's +ermuthigte den Prinzen Baidu, welchem vor ihm von den +Emiren der Thron angetragen worden war, zum Versuche, +denselben wirklich zu behaupten. Nachdem er bei seiner +letzten Aufwartung von Kendschatu übel aufgenommen, nur +durch die Fürbitte des Günstlings <i>Burekdschin Ikadschi</i> +vorgekommen, beklagte er sich über solche Behandlung bei +den Emiren, und als von diesen <i>Tudadschu</i>, der Oberrichter +<i>Dschidschek Gurgan Legsi</i>, der Sohn Arghun's (des Statthalters) +und <i>Iltimur</i>, der Sohn Hindukur Nujan's, nach +Bagdad gekommen, verband er sich mit ihnen zum Aufstande +<span class='pagenum'><a name="Page_406" id="Page_406">[406]</a></span> +wider Kendschatu. Dschemaleddin von Destadscherd, +der Vorsteher der Sekretäre der Steuer zu Bagdad, schloss +sich an dieselben an, und schaffte ihnen die für den Unterhalt +des Heeres nothwendigen Lebensmittel. Baidu +schickte Abgeordnete nach Bagdad, um den Mohammed +Sikurdschi, welcher dort mit dem Diplome Kendschatu's +die Vogtei verwaltete, zu tödten<a name="FNanchor_754" id="FNanchor_754"></a><a href="#Footnote_754" class="fnanchor">[754]</a>. <i>Ghurantai Gurgan</i>, +der Eidam Kendschatu's, Gemahl von dessen ältester Tochter +Kotlogh, gab durch Eilboten dem Schwiegervater von +der Verschwörung der Emire, und von dem, was zu Bagdad +vorgefallen, Nachricht, und warnte ihn wider seine +nächsten Umgebungen, die Emire <i>Doladai Ordadschi</i>, d. i. +Kellermeister, <i>Kundschukbal</i> (welchem Oldschatai, die erstgeborene +Tochter Arghun's, sowie seinem Bruder Ahmed früher +<i>Taghai</i>, die zweite Tochter Abaka's, als Frau bestimmt +gewesen), <i>Tukal</i> (der Gemahl Oldschai Timur's, der zweiten +Tochter Arghun's), <i>Ildschidai</i> und <i>Bukdai</i>, als dieses Anschlages +theilhaftig. Kendschatu berieth sich mit Akbuka, in dessen +Händen noch immer die Zügel der obersten Leitung der +Geschäfte, liess die genannten Emire ergreifen und schickte sie +gebunden nach Tebris<a name="FNanchor_755" id="FNanchor_755"></a><a href="#Footnote_755" class="fnanchor">[755]</a>. <i>Hasan</i> und <i>Taidschu</i>, die beiden +mit der Leitung der Geschäfte Betrauten Kendschatu's stellten +die Nothwendigkeit vor, durch die Hinrichtung der +Emire das Uebel mit der Wurzel auszurotten; aber <i>Taghadschar</i>, +der schon verderbliche Plane hegte, verhinderte +die Hinrichtung und schickte sie als Gefangene nach Tebris +in Verhaft, den <i>Tukal</i> ausgenommen, welcher nach +Georgien geschickt ward. Von Arran aus gingen Gesandte +an Baibuka, den Botschafter, nach Diarbekr, dass er dort +den Baidu ergreife. Als die Gesandten nach <i>Irbil</i> gekommen, +vernahmen sie, dass Baibuka von Baidu's Abgesandten +aufgehoben worden sei; sie kehrten also schnell zurück, um +<span class='pagenum'><a name="Page_407" id="Page_407">[407]</a></span> +diesen Unfall dem Herrn zu berichten. <span class="xidenote">28. Rebiulachir 694/<br />17. März 1295</span> Hierauf wurden +die Emire Akbuka und Taghadschar mit Truppen wider +Baidu gesandt. <i>Taitak</i> führte den Vortrab von fünftausend +Reitern nach Hamadan, ihm folgten Akbuka und Taghadschar +mit zwei Tomanen. Ausser Hamadan trafen die +Vorposten Taghadschar's und Baidu's aufeinander; die Baidu's +wurden zurückgeschlagen. <span class="xidenote">3. Dschemasiulewwel 694/<br />21. März 1295</span> Der Chan selbst brach mit +einem Heere vom Thale Aher auf. Taghadschar, welcher, +da Akbuka das höchste Vertrauen genoss, von Kendschatu +sich abgewandt, sandte heimlicher Weise verrätherische +Botschaft an Baidu, ihn zum Aufruhre ermunternd. Als +das Heer am Ufer des Dschaghan stand, sagte Akbuka, +wiewohl er von der heimlichen Sendung Taghadschar's +keine Kunde hatte, zu diesem: Du bist ein Ränkeschmied, +und gewahrest nicht, in welche Dinge du dich einlässest. +Taghadschar, der sich verrathen glaubte, berieth sich in +der Nacht mit seinen Emiren und ging zu Baidu über. Akbuka, +als er sich auf diese Weise verlassen sah, eilte mit +dreihundert Reitern zum Dienste des Schah. Kendschatu, +bestürzt, wollte nach Rum entfliehen, aber seine Angehörigen +redeten ihm diesen Plan aus, ihn zur Bekämpfung +des Feindes ermuthigend. Das Lager brach gegen Arran +auf; als er zu Pilsuwar stand, entfloh Hasan, der Sohn +Buku's, welcher von der Wiege auf von den Umgebungen +der Majestät, um Mitternacht zu Baidu, und die Emire +Doladai und Kundschukbal, welche bisher zu Tebris in Verhaft +gehalten worden waren, thaten desgleichen. Die Emire +Irindschin und Taidschik verbanden sich mit einigen anderen, +und setzten ebenfalls den Kifdschak, den Sohn Baidu's +welcher vom Vater an Kendschatu gesandt, von diesem in +Gewahrsam behalten worden war, in Freiheit und führten +denselben dem Vater zu<a name="FNanchor_756" id="FNanchor_756"></a><a href="#Footnote_756" class="fnanchor">[756]</a>.</p> + +<div class="sidenote">Hinrichtung +der Emire; +Austheilung +der Statthalterschaften.</div> + +<p>Drei Tage nach dem ersten Vorpostengefechte ausser +Hamadan schlugen sich dort <i>Taitak</i> und <i>Toghruldsche</i> mit +<span class='pagenum'><a name="Page_408" id="Page_408">[408]</a></span> +<i>Baschmak Aghul</i> und <i>Karadscha</i>, dieser einer der Prinzen +des Lagers der Frau Uruk Chan und Eidam Sultan +Ahmed Tekuder's, indem er dessen Tochter Sailun zur +Frau hatte. <span class="xidenote">6. Dschem. ewwel 694/<br />24. März 1295</span> Der Sieg war auf der Seite Taitaks; jetzt aber +war Tukal mit einem in Georgien gesammelten Heere in +Anzug; er sandte den aus der Haft befreiten, und den noch +darin gehaltenen Emiren Wort, dass er zum Dienste des +Prinzen Baidu heranziehe, und gab ihnen Stelldichein an +den Ufern des Kur. Eine Truppe von tausend Mann, welche +zu Pilsuwar stand und den Aufenthalt Kendschatu's kannte, +ergriff denselben und lieferte ihn den empörten Emiren +aus, die ihn am selben Tage tödteten, wo Taitak das Heer +Baidu's geschlagen. <span class="xidenote">6. Dschem. ewwel 694/<br />24. März 1295</span> Von den Günstlingen Kendschatu's +wurden <i>Itogthu</i> und <i>Itpuki</i> mit ihm zugleich hingerichtet<a name="FNanchor_757" id="FNanchor_757"></a><a href="#Footnote_757" class="fnanchor">[757]</a>. +<i>Itkuli</i>, der Hundssklave, wurde an Baidu gesandt, damit er +über denselben nach seinem Belieben verfüge; dieser schenkte +ihm aber das Leben. Zwei Tage nach der Hinrichtung +der Emire bestieg Baidu den Thron zu Audschan<a name="FNanchor_758" id="FNanchor_758"></a><a href="#Footnote_758" class="fnanchor">[758]</a>. <span class="xidenote">8. Dschem. ewwel 694/<br />26. März 1295</span> Die +Emire Temadschi und Sertak wurden ihrem Gebieter in's +Grab nachgesandt<a name="FNanchor_759" id="FNanchor_759"></a><a href="#Footnote_759" class="fnanchor">[759]</a>; die Emire Akbuka und Taidschu wurden +aber nicht jetzt, sondern erst in der Folge, als Baidu +von Ghasan am Flusse <i>Heschtrud</i> geschlagen ward, hingerichtet. +Kendschatu war der zweite Herrscher der Mongolen +in Iran, welcher, wie sein Oheim Ahmed Tekuder, +ein Opfer des Aufruhrs der Emire gefallen war, und das +Regierungsende Arghun's, seines Bruders, war nicht weniger +blutbefleckt durch der Emire Zwiespalt. Alle drei +haben der nöthigen Herrscherkraft, um das vielköpfige +Ungethüm der Emirenherrschaft im Zaum zu halten, ermangelt, +und nach Hulagu und Abaka war erst Ghasan, der +Enkel des letzten, wieder Herrscher im vollsten Sinne des +Wortes. Von dem Zusammenflusse des Kur (Cyrus) und +des <i>Dschaghantu</i>, d. i. des weisschäumenden Araxes, wurden +Eilboten abgesandt an Ghasan, den Neffen Kendschatu's +<span class='pagenum'><a name="Page_409" id="Page_409">[409]</a></span> +in Chorasan, um ihm von dem Vorgefallenen Nachricht zu +geben, an Baidu, um ihn auf den Thron zu berufen. Baidu, +der nähere, welchem der Thron schon vor Kendschatu von +den Emiren zugedacht worden, bestieg denselben <span class="xidenote">19. Dschem. ewwel 694/<br />6. April 1295</span> und erliess +in alle Länder Kündigungschreiben des Inhaltes: „Da +Kendschatu sich von den Pflichten der Herrschaft abgewandt +und die Gebote Tschengischan's verbannt, so haben +Wir ihn mit Uebereinstimmung der Prinzen und Prinzessinnen +entthront; die Besorgung aller Geschäfte der Länder +und die Vollendung der wichtigsten Geschäfte der Unterthanen +liegt nun im Ringe des königlichen Willens.“ Dem +Taghadschar, welcher der Hebel der Erhebung auf den +Thron, wurde die Würde des Fürsten der Fürsten mit dem +Oberbefehle des Heeres und der Finanzen verliehen<a name="FNanchor_760" id="FNanchor_760"></a><a href="#Footnote_760" class="fnanchor">[760]</a>. Die +Emire <i>Kundschukbal</i>, <i>Tukal</i>, <i>Tudadschu</i>, <i>Legsi Gurgan</i> +wurden ihm untergeben. Dschemaleddin von Destadscherd, +der Steuereinnehmer von Bagdad, welcher sich dort den +verschworenen Prinzen zuerst angeschlossen, erhielt eine +Anstellung in den Finanzen, und nahm seinen Vornamen +für eine gute Vorbedeutung. In die Fusstapfen Abakachan's +tretend, welcher alle Landschaften einzelnen Emiren +übergeben, und diese dafür verantwortlich gemacht hatte, +übertrug er Bagdad und die Umgegend dem <i>Tudadschu</i>; +Rum und Diarbekr mit den dazu gehörigen Distrikten dem +<i>Taghadschar Nujan</i>; die Gebiete von <i>Irak</i> und <i>Lur</i> dem +<i>Toladai Aidadschi</i>; die Statthalterschaft von Schiras und +Schebankjare verlieh er dem <i>Kundschukbal</i>; dem <i>Dschemaleddin</i> +wurden die Statthalterschaften von Schiras mit +allem Zubehör zu Land und zur See, wie zur Zeit Kendschatu's, +mittels Jerlighs, Paise und Kaftans, d. i. mittels +Patentes, Löwenkopfs und Ehrenkleides, so auch der Prinzessin +<i>Kurdudschin</i> die Statthalterschaft von Kerman bestätigt, +von welcher unter der folgenden Regierung ausführlicher +zu sprechen, der Ort seyn wird; die nur acht +<span class='pagenum'><a name="Page_410" id="Page_410">[410]</a></span> +Monate dauernde Baidu's ist so enge mit den gleichzeitigen +Thronansprüchen seines Nachfolgers Ghasan verflochten +und ist, die entscheidenden Begebenheiten in Chorasan abgerechnet, +so unbedeutend, dass dieselbe am besten mit der +Erzählung der Geschichte Ghasan's vor seiner Thronbesteigung +im folgenden Buche verwebt wird.</p> + + + + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_411" id="Page_411">[411]</a></span></p> +<h2><a name="I_Beilage" id="I_Beilage"></a><a href="#Inhalt">I. Beilage.</a></h2> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> +<p class="center" style="font-size: larger">Auszug aus der Geschichte Haider's über +Dschudschi.</p> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> +<div class="block"> +<p>Auszug aus der Geschichte Haider's auf der kön. +Bibliothek zu Berlin. Band II. Blatt 601.</p> +</div> + + +<p>Kurz <i>Dschudschi</i> starb ein Jahr nach Tschengis Chan, +aber die Geschichtschreiber sind über die Zustände Dschudschi's +nicht einig. Einige sagen, dass Dschudschi Chan, +nachdem er sich nach der Eroberung Chuaresm's von den +Brüdern getrennt, nach <i>Kipdschak</i> gegangen, von dort aber +wieder zurückgekehrt, an der Gränze Indiens mit des Vaters +Gegenwart geadelt ward, und demselben tausend +Schimmel zum Geschenke schickte; aber <i>Hafis Ebru</i> setzt +das Gegentheil auseinander, nämlich, dass nach der bei +der Belagerung Chuaresm's zwischen <i>Dschudschi</i>, <i>Ogotai</i> +und <i>Dschaghatai</i> vorgefallenen Misshelligkeit Dschaghatai +und Ogotai sich zum Vater begaben und an der Gränze +Thalkan's und Bedachschan's mit des Vaters Gegenwart +geadelt worden, und dass sich Dschudschi von Chuaresm +gegen den <i>Irtisch</i>, wo sich dessen schweres Gepäck befand, +begab, und sich mit seinen Lagern vereinte. Da Tschengis +Chan früher befohlen hatte, dass Dschudschi die nördlichen +Länder, nämlich die der Bulgaren, Baschkiren, Russen, +Tscherkessen und Deschtkipdschak erobern solle, und +Dschudschi sich jetzt gegen den Irtisch gewendet hatte, so +glaubten die Söhne Tschengis Chan's, dass Dschudschi vermöge +Befehls diesem Dienste obliege; als es aber zuletzt +<span class='pagenum'><a name="Page_412" id="Page_412">[412]</a></span> +erhellte, dass er Nichts unternahm, und nach Hause gegangen +war, um des Wohllebens zu geniessen, ergrimmte +Tschengis Chan gar sehr und befahl, an demselben, ohne +dass er sein Antlitz sehe, die Strafe des Gesetzes zu vollziehen. +Unterdessen war Dschudschi mit Krankheit behaftet +und war desshalb, als Tschengis Chan aus Persien zurückgekehrt, +in sein eigenes Lager gekommen; er war nicht +im Stande, sich selbst zum Vater zu begeben, und schickte +ihm blos einige Säcke von Turteltauben<a name="FNanchor_761" id="FNanchor_761"></a><a href="#Footnote_761" class="fnanchor">[761]</a>, indem er sich +mit seiner Krankheit entschuldigte. Hierauf kam ein Tangute +von den Jurten und Gränzen Dschudschi's zu Tschengis +Chan; auf dem Wege sah er, dass dieser seine Jurten verändert, +an einen anderen Ort hingezogen, wo gejagt ward; +da er selber krank, hatte er seine Emire auf die Jagd geschickt; +jener, der im Vorüberziehen eine Menge Volks +jagen gesehen, schloss daraus, dass Dschudschi selber jage, +und sagte daher, als Tschengis Chan um die Krankheit +denselben fragte: Ich weiss von seiner Krankheit Nichts, +denn als ich herzog, habe ich ihn an dem und dem Berge +mit der Jagd beschäftigt gefunden; dieses Wort brachte +Tschengis Chan in den grössten Zorn; denn es war in seinem +Sinne nun ausgemacht, dass Dschudschi, ein Empörer, +auf das Wort des Vaters nicht achte; er sagte, Dschudschi +ist närrisch geworden und hat thörichte Handlungen begangen; +nun ist es nothwendig, Truppen wider ihn zu +schicken, an deren Spitze Dschaghatai und Ogotai ziehen +und ihm nachsetzen sollen. Unterdessen lief die Nachricht +von Dschudschi's Tod ein, wodurch Tschengis Chan sehr +betrübt ward; er zog genauere Erkundigung ein, und als +er fand, dass der Bericht jenes Tanguten Lüge und Verläumdung +gewesen, gab er den Befehl, ihn hinzurichten; +allein dieser, hiervon verständigt, war früher aus dem Lager +entflohen. Die Zeit der Lebensjahre Dschudschi's war +<span class='pagenum'><a name="Page_413" id="Page_413">[413]</a></span> +dreissig Jahre; er hatte fünfzehn Söhne, von denen <i>Batu</i> +ihm in der Chanschaft nachfolgte; die Namen der Söhne +Dschudschi's sind die folgenden: 1) <i>Orda</i>, 2) <i>Batu</i>, 3) +<i>Berke</i>, 4) <i>Berketschiter</i>, 5) <i>Jetukami?</i>, 6) <i>Scheiban</i>, 7) +<i>Tangkut</i>, 8) <i>Juden</i> (Tuden?), 9) <i>Tschilaun</i>, 10) <i>Sikur</i>, +11) <i>Dschemi</i>, 12) <i>Udur</i>, 13) <i>Boka Timur</i>, 14) <i>Schikum</i>.</p> + +<p>Hier sind nur vierzehn statt fünfzehn aufgeführt; es +fehlt nämlich der von Reschideddin vor <i>Udur</i> aufgeführte +<i>Mohammed</i>; dafür fehlt bei Reschideddin <i>Jetukami</i>, welcher +interpolirt scheint. Weiter ist über diese Namen zu bemerken, +dass der dritte bei D'Ohsson S. 325 Berkatschar, +in der Handschrift Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek +<i>Berktschapar</i>, was jedoch ob Mangel der Punkte +zweifelhaft und in meiner Handschrift des Dschihanguscha +bei der Thronbesteigung Ogotai's <i>Berketschiter</i> genennet +wird. Das letzte scheint das richtigste und eine Zusammenziehung +von <i>Berke kitschikter</i>, d. i. der kleinere Berke, +zu sein; der vierte, hier <i>Juden</i> oder vielmehr <i>Tuden</i> genannt, +heisst bei Reschideddin <i>Tewal</i>; der folgende bei +demselben richtiger <i>Tschilaikun</i> statt <i>Tschilaun</i>, was daraus +zusammengezogen. Der hier <i>Dschemi</i> genannte heisst bei +Reschideddin <i>Dschintimai</i> und ist aller Wahrscheinlichkeit +derselbe mit Suntai, welchen Wassaf in dem Abschnitte: +von dem Ende Tschengis Chan's und der Thronbesteigung +seines Nachfolgers, mit dem Bruder <i>Batu</i> nennt, und welcher +auch im Dschihanguscha als der Befehlshaber des zur +Eroberung des Restes von Kipdschak gesandten Heeres erscheint; +endlich ist vom vorletzten, <i>Boka Timur</i>, zu bemerken, +dass derselbe beim Abul Ghasi (B. 96 der Textausgabe) +<i>Tokai Timur</i> heisst, dass <i>Boka Timur</i> im Dschihanguscha +im Geleite <i>Batu's</i> bei der Thronbesteigung Ogotai's +erscheint, während nach Abul Ghasi <i>Tokai Timur</i> als Regent +in Kipdschak zurückgelassen ward. Hierauf folgt bei +Haider die Aufzählung der Chane der weissen Horde: +1) <i>Menkai</i>, 2) <i>Sasi Boka</i>, 3) <i>Eideren Ben Sasi</i>, +4) <i>Tschitschai</i>, Sohn <i>Eideren's</i>, 5) <i>Urus Chan</i>, Sohn +<i>Tschitschai's</i>, 6) <i>Tokatmisch Chan</i>. Im <i>Munedschimbaschi</i> +<span class='pagenum'><a name="Page_414" id="Page_414">[414]</a></span> +(auf der kais. Hofbibliothek Bl. 397) heisst 1) <i>Sasi Boka</i> +der Sohn <i>Tuli's</i>, des Sohnes <i>Orda's</i>; ihm folgt, 2) <i>Ebrsan</i>, +der Eideren Haider's, 3) <i>Mubarek Chodscha</i>, 4) <i>Schintai</i>, +der <i>Tschitschai</i> Haider's, 5) <i>Urus Chan</i>. Hierüber ist zu +bemerken, dass in den Geschlechtstafeln bei Reschideddin +unter den Söhnen Orda's kein Menkai vorkömmt, welcher +nach Haider's Angabe, sowie <i>Tuli</i> nach der Munedschinbaschi's, +der Vater <i>Sasi Boka's</i> gewesen sein soll; nach Reschideddin +war <i>Sasi Boka</i> der Sohn <i>Pajan's</i>, des Sohnes +<i>Kubindschi's</i>, des Sohnes <i>Sertaktai's</i>, des Sohnes <i>Orda's</i>, +so dass er der Ururenkel Orda's und nicht der Enkel desselben +gewesen, was wohl als das richtigere anzunehmen +ist. Im Abul Ghasi (S. 99 der Textausgabe) erscheint +Tokatmisch als der Sohn Chodschaoghlan's, des Sohnes +<i>Tukkul's</i>, des Sohnes <i>Saritsche's</i>, des Sohnes <i>Us Timur's</i>, +des Sohnes Tokai Timur's, des Sohnes Dschudschi's.</p> + + + + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_415" id="Page_415">[415]</a></span></p> +<h2><a name="II_Beilage" id="II_Beilage"></a><a href="#Inhalt">II. Beilage.</a></h2> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> +<p class="center" style="font-size: larger">Auszug aus Wassaf über den Ulus +Dschudschi's.</p> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> +<div class="block"> +<p class="center">Erwähnung der Länder Dschudschi's.</p> +</div> + + +<p>Als Dschudschi vom Dienste Tschengis Chan's zurückkehrte, +so ereignete es sich alsbald, dass er wider seinen +Willen zur Reise in's andere Leben, welches die eigentliche +grosse Reise ist, aufbrach. Es blieben von ihm sieben +Söhne<a name="FNanchor_762" id="FNanchor_762"></a><a href="#Footnote_762" class="fnanchor">[762]</a> zurück, als eben so viele Planeten am Himmel +der Chanschaft, und die Person des Reiches war gleichsam +aus sieben Gliedern zusammengesetzt. <i>Hordu</i>, <i>Batu</i>, +<i>Berestai</i>, <i>Schekut</i>, <i>Berke</i>, <i>Berkedschar</i>, <i>Buka Timur</i>. Von +ihnen war Batu, ausgezeichnet vor seinen Brüdern durch +Genius seines Wesens, Gerechtigkeit seines Benehmens und +Freigebigkeit seiner Anlagen, der Erbe der Länder des +Vaters. Vier Distrikte (Hesare) der Krongüter Dschudschi's, +<i>Gesek</i>, <i>Esan</i>, <i>Osek</i>, <i>Alghui</i>, welche zusammen +mehr als neun Tomane (Landes) ausmachten, untergab er +der Aufsicht seines älteren Bruders <i>Hordu</i>; der Sammelplatz +der Heere Batu's waren die Distrikte am <i>Itil</i> +(Wolga). Er unternahm den Bau einer Stadt, deren Ausdehnung +weit wie das Feld hohen Unternehmungsgeistes +und diesen Fröhlichkeit sichernden Ort nannte er <i>Serai</i>.</p> + +<p>Obwohl er der christlichen Secte folgte, deren Beistand +und Hülfe Vernunft zuwider ist, so neigte er sich doch +auf keine Seite der verschiedenen Secten hin, und war weit +<span class='pagenum'><a name="Page_416" id="Page_416">[416]</a></span> +davon entfernt, an einer derselben halsstarrig zu halten, +als das Feld der Welt durch die Thronbesteigung dieses +Siegelringes der Zeiten zum Rosenfeld und das Auge der +Welt durch die Lichter seiner Gerechtigkeit erhellet worden, +als Zeit und Raum diese beiden Verse declamirten:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Die Welt ist hell von Deines Thrones Schatten,<br /></span> +<span class="i0">Er hat die Welt verkehrt in Rosenmatten.<br /></span> +</div></div> + +<p>Bei dem zweiten Kuriltai kamen die Prinzen darin überein, +dass der Säbel mit Grimm wider die Köpfe der Anführer +der Russen und Assen geführt werden solle, welche den +Fuss der Feilheit in die Reihen der Widersetzlichkeit gesetzt. +Von den Prinzen Mangu Kaan's wurden <i>Kajuk</i>, <i>Kadachan</i>, +<i>Kurgan</i>, <i>Turi</i>, <i>Paidar</i>, <i>Hordu</i>, <i>Tangut</i>, welche +letzte beide am Tage der Schlacht festen Fusses standen, +und <i>Basintai Behadir</i> zu dieser Unternehmung bestimmt. +Sie setzten sich zur Zeit, als der Frühlingswind in voller +Kraft wehte:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Der Rosenstrauch schwang in dem Garten Speere,<br /></span> +<span class="i0">Das Blatt war Dolch, die Dornen Lanzenspitzen,<br /></span> +</div></div> + +<p>in Bewegung. Die Heere kamen an der Gränze Bochara's +zusammen und zogen wider Russland aus:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Was Indien, zeigt sein indisch Schwert<br /></span> +<span class="i0">Den <i>Assen</i>, <i>Russen</i> und <i>Alanen</i>.<br /></span> +</div></div> + +<p>Sie eroberten die Stadt Moskau, gefüllt mit einem Heere +zahlreicher als Heuschrecken, zanksüchtiger als Fliegen, +und das sich bei der Wehr zusammennimmt, plünderten +und mordeten nach ihrer Gewohnheit. Sie schnitten die +Ohren der Erschlagenen ab.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Es füllet in der Welt dein Ruhm die Ohren,<br /></span> +<span class="i0">Vor deinem Grimm droht Untergang den Ohren.<br /></span> +</div></div> + +<p>Man zählte 270,000 abgeschnittene Ohren.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Du, schärf' das Ohr; der Himmel haut dich über's Ohr.<br /></span> +</div></div> + +<p>Die Prinzen und grossen Fürsten und siegreichen Freien +waren</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">(Der Himmel war zu Willen und das Schicksal folgte)<br /></span> +</div></div> + +<p>wunschbefriedigt und die Engel sangen dazu:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Der, so sich wider Dein Gebot empört,<br /></span> +<span class="i0">Der, so dein Reich im mindesten nur stört,<br /></span> +<span class='pagenum'><a name="Page_417" id="Page_417">[417]</a></span> +<span class="i0">Dem spalte Partisan' das Aug' inmitten,<br /></span> +<span class="i0">Dess Körper sei dem Grimm des Dolchs zu Theil,<br /></span> +<span class="i0">Dem sei vom Messer Zunge abgeschnitten,<br /></span> +<span class="i0">Dem sei der Hals durchbohret von dem Pfeil.<br /></span> +</div></div> + +<p>Als sie zurückgekehrt, hatte Batu Lust, wider die <i>Kelaren</i> +und <i>Baschkirden</i>, welche die christliche Religion befolgten, +aufzubrechen. Als die Heere des Winters, aus +Furcht vor den Dolchen der Neider, das Gesicht abwandten, +und die Rosen sich, wie das Glück der Glücklichen, +mit hundert offenen Gesichtern zeigten und die Nachtigall +mit bestimmtem Schall:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Weisst Du, warum der Lyra Saiten gellend schrein?<br /></span> +<span class="i0">Weil ohne dem Gesicht die Ros' nicht Ros' und Wein nicht Wein.<br /></span> +<span class="i0">Auf deiner Rosenwange ist das Heer zu schauen,<br /></span> +<span class="i0">Weil es darauf sich legt mit herzlichem Vertrauen,<br /></span> +</div></div> + +<p>ging der Prinz, der das Glück gefunden.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Hem.</i> Die Welt an seinem Zügel, die Zeit an seinem Bügel.<br /></span> +</div><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Hem.</i> Wenn deine Bügel weiter gehn,<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Hem. </span>Was Wunder, wenn wir auch nicht stehn!<br /></span> +</div></div> + +<p>Er zog, fest wie Schlösser, mit 40,000 Reitern, deren jeder +die Stütze eines mächtigen Heeres, in's Feld. Zur Zeit, +als die beiden Heere auf einander trafen, trennte sie ein +Fluss mit steilen Ufern. Batu sandte seinen Sohn mit einem +Tomane Heeres, um über den Fluss zu setzen, und er +selbst besetzte einen Hügel und betete demüthig vor der +Majestät Gottes, des absoluten Gnadenverleihers, mit einem +Herzen, brennend wie die Lampe dessen, der die Nacht +durchwacht, und mit einem Hauche, kalt wie der des +Morgens. So brachte er die Nacht bis an den Tag hin; +am andern Tage, als der einpferdige Chosroes der Welt +frohe Nachricht gebracht, und auf dem Degen (Rücken) +der Berge das Rad (der Sonne) sichtbar gemacht, reihten +sich beide Heere zur Schlacht. <i>Sertak</i> fiel den Feind mit +einem Toman stürmend an, und die anderen auf dem Hügel +aufgestellten Heere rannten wie ein Gürtel von der +Höhe nieder; gleich niederstürzendem Loose, welchem +nichts zu wehren im Stande, wandten sie ihr Gesicht gegen +das feindliche Lager, und zerstückten mit ihrem Säbel die +<span class='pagenum'><a name="Page_418" id="Page_418">[418]</a></span> +Zeltstricke wie den Strick der Freundschaft der Verbrecher. +Furcht und Schrecken bemächtigten sich der Einwohner +von <i>Kelar</i>, die Waldteufeln glichen; die meisten derselben +wurden ein Frass des Schwertes und der Hyänen, und so +wurde auch dieses Land den Schwesterländern beigesellt. +Im Jahre 653, als Mangu Kaan ein Kuriltai hielt, wurde +<i>Sertak</i> zum Dienste des himmelhohen Thrones gesandt. Ehe +er zurückgekehrt, hatte sich Batu von der Braut der Chanschaft +dreimal, d. i. unwiderruflich, geschieden und Sertak, +mit Gnaden und Gunstbezeugungen überhäuft, kehrte in die +Residenz zurück, und ohne sich lange aufzuhalten, ward +er zur Abreise (aus dieser Welt) gezwungen. Vermög +des Befehles Mangu Kaan's übernahm <i>Berakdschin Chatun</i>, +welche die grösste der Frauen, die Sorge für die Beförderung +der Reichsgeschäfte, und erzog hiezu den <i>Ulaghdschi</i>, +den Sohn <i>Sertak's</i>; doch auch <i>Ulaghdschi</i></p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Hem.</i> endete in kurzer Zeit sein Leben.<br /></span> +</div></div> + +<p><i>Berke Aghul</i> erhielt die chanische Krone, dessen Heere +sich zu wiederholtenmalen mit denen Hulagu's schlugen, +und als die Chanschaft an <i>Mangu Timur</i> gekommen, war +diess der Fall mit den Heeren Abakachan's, wie diess schon +oben vorgekommen.</p> + + + + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_419" id="Page_419">[419]</a></span></p> +<h2><a name="III_Beilage" id="III_Beilage"></a><a href="#Inhalt">III. Beilage.</a></h2> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> +<p class="center" style="font-size: larger">Auszug aus Wassaf über den Krieg zwischen +Hulagu und Berke.</p> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> +<div class="block"> +<p>Erwähnung der Ursachen der Bewilderung, welche +zwischen Hulagu Chan und Berke Aghul +statt gefunden.</p> +</div> + + +<p>Zur Zeit, als der welterobernde Padischah Dschengis-Chan +alle Könige und Länder der Welt beherrschte und +besass und dieselben seinen vier Söhnen Tuschi, Tschagatai, +Ogtai und Tuli vertheilte und zumass, als er die Orte +und Horte auf allen vier Seiten bestimmte, wie es seinem +Scharfsinn gut dünkte und seinem durchdringenden Genius +ziemte (die umständliche Theilung der Länder und Gebiete +ist in der Geschichte <i>Dschihanguschai</i> ausführlich +beschrieben), wurden dem Dschagatai die Stationen und +Regionen von den Gränzen der nigurischen Pässe bis nach +Samarkand und Bochara zugetheilt, und sein gewöhnlicher +Aufenthalt war in der Nachbarschaft von <i>Almaligh</i>. <i>Ogotai</i>, +welchen der Vater bei seinen Lebzeiten noch zum +Nachfolger bestimmt hatte, residirte an den Gränzen von +<i>Imil</i> und <i>Kobak</i>, welches der Chanschaft Thron und der +Nabel des Reichs. <i>Tuli</i> besass die Jurte, welche an die +Chatai's stiessen, und von Kialik und Chuaresm, von den +äussersten Gränzen von Saksin und Bulghar bis an die +Gränzpässe von Derbend und Baku, war Alles auf den Namen +des ältesten Sohnes Tuschi geschrieben. Hinter Derbend, +welches insgemein das eiserne Thor heisst, war das +<span class='pagenum'><a name="Page_420" id="Page_420">[420]</a></span> +Winterquartier seiner Heere, von wo dieselben bis Arran +streiften, und Arran und Aserbeidschan gehörten noch zu +ihren Ländern. Die Ursachen, welche Stoff zum Streit +herbeiführten und die Zwistigkeit schürten, sind die folgenden: +Im Winter des Jahres 662 (1263), als der Goldschmied +der Allmacht die Flüsse von Derbend mit Silberplatten +überzogen, und der Kirschner des Winters nach dem +Maasse der Hügel und Haiden denselben Hermelinkleider +angezogen, als die Oberfläche des Flusses auf die Tiefe +eines Lanzenfusses gefroren wie Bein und Stein, ging auf +Befehl Berke Aghul's ein Heer von Mongolen, die unreiner +als Wüstenteufel und Ghulen, und deren Schaaren +zahlreicher als die Tropfen des Regens waren:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Sie kamen, Flüsse tragend,<br /></span> +<span class="i0">Wie Teiche Wogen schlagend,<br /></span> +</div></div> + +<p>über den gefrornen Fluss wie Feuer und Wind geschwind. +Von dem Gewieher und Geklirre ihrer Pferde und Truppen +war die Zauberin der Erde voll rollender Donner und +leuchtender Blitze; im flammenden Feuer des Zornes kamen +sie bis an die Ufer des Kur (Cyrus). Hulaguchan +ging ihnen zur Abwehrung des Funkens ihres Bösen mit +einem Heere entgegen:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Morgens trafen sie auf ein vermischtes Heer,<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Unaufhörlich zog es wie die Erde her.<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Pferde, schwerbepanzert, mit zwei Reitern liefen<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Unterm Staub wie Dromedare in die Tiefen;<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Klingen strahlen weiss und Speere dunkeln braun;<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Sieh! die Braunen bohren und die Weissen hau'n.<br /></span> +</div></div> + +<p>In dem Treffen wurden sie geschlagen und zogen sich +alsogleich zurück:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Wenn sie fliehen, wird der Feind nach ihnen ziehen,<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Wenn sie stehen, ist es um ihr Gut geschehen.<br /></span> +</div></div> + +<p>Im Passe Baluje standen sie abermal zur Schlacht. Es froren +die Füsse dem Boden an, und im Heere Berke's +hielten Klein und Gross, Mann und Ross aus, bis dass +sie alle erschlagen, und die Andern, besiegt, die Zügel +der Flucht davon getragen. Hulagu erlaubte den Heeren +<span class='pagenum'><a name="Page_421" id="Page_421">[421]</a></span> +nicht, zurückzukehren, bis sie nicht über den gefrorenen +Fluss gesetzt.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Des Blutes Ströme gehn wie Wasserrinnen,<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Die Säbel löschen ihren Durst darinnen;<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Sie schwanken zwischen Tod und zwischen Leben<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Und zwischen Leichtsinn und vernünft'gem Streben.<br /></span> +</div></div> + +<p>So wurden von Tag zu Tag die Stationen der Rebellen die +Lagerorte des ilchanischen Heeres. Sie schlugen auch den +Weg friedlicher Unterhandlung und Ausgleichung ein, und +thaten die Hand der Verlängerung auf, bis sie das ganze +Land von den Nachtheilen der Usurpation gereinigt und +die Uebermacht der Fremden daraus verbannt.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>A. V.</i> Sie fielen aus im Sturm auf die, so in der Nähe;<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">A. V. </span>Wir fielen aus im Sturm auf die uns in der Nähe.<br /></span> +</div></div> + +<p>Sie trieben sie in die Enge und verfolgten sie durch einige +Stationen Länge. Als der feindeverbrennende Padischah mit +seinem glücklichen Lager herangenaht, gab er den Befehl, +die Genossen Berke Aghul's, welche zu Tebris im Besitze +von Reichthum und Waaren, mit Handel und Wandel beschäftigt +waren, hinzurichten und ihre Güter in dem Schatze +aufzuschichten. Viele derselben waren blos Commissaire, +in deren Händen die Capitale und Güter ihrer Principale +geblieben waren. Berke Aghul, um Gleiches mit Gleichem +zu vergelten, liess die Kaufleute der Länder des Chans +tödten und legte ihnen auf diese Weise das Geschäft. Der +Weg der Gehenden und Kommenden, das Reisen der Kaufleute, +war nun auf einmal, wie das Geschäft der Verdienstvollen, +gesperrt und die Teufel der Unruhe waren der +Flasche der Zeit entsprungen. Indessen hatte Kublai Kaan +einen Gesandten gesendet und die Dinge Bochara's anders +gewendet. Von sechzehn Hesaren, welche zu Bochara lagen, +waren fünf dem Batu anhänglich, drei der Frau <i>Kutibeg</i>, +der Mutter Hulagu-Chan's, und die übrigen dem +Ulugh Kul, das ist dem grossen Delai, welche jedem der +Kinder Tschengis-Chan's, die von dem Throne der Chanschaft +Besitz nähmen, zu Befehl. Diese fünf Hesare führte +<i>Batu</i> in das Feld und las ihnen von den Klingen der +<span class='pagenum'><a name="Page_422" id="Page_422">[422]</a></span> +Schwerter, welche die Bothen des Todes, des rothen, ihr +Todesurtheil vor. Ihrer Güter, Weiber, Söhne wurde nicht +geschont. Da die Regel des Spruches:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Die Liebe erbt fort und der Groll erbt fort,<br /></span> +</div></div> + +<p>in der Ansicht der Vernünftigen gegründet ist, so breitete +auch <i>Mengu Timur</i>, der Sohn <i>Berke Aghul's</i>, welcher +nach dessen Tode dessen Stelle vertrat, wider <i>Abaka Kaan</i> +den Teppich der alten Widerspenstigkeit auf, und es hatten +zwischen ihnen zu widerholtenmalen Streitigkeiten und +Zwistigkeiten Curs und Lauf. Einmal wurden 30,000 Reiter, +säbelschärfende, lanzenwerfende, zur Zeit ihrer Rückkehr +über den Fluss wie zerbröckeltes Eis aufgerieben und +in den Abgrund getrieben und das Resultat ihres Lebens +auf die Platten von Eis geschrieben. Als nun der hohe +Abaka Chan mit der Menge ihrer Heere und ihrer Kühnheit +näher bekannt, zog er gegen Derbend eine Mauer durchs +Land, welche <i>Sitab</i> genannt, um diesen weltverwirrenden +Heeren den Einfall und Einbruch zu erschweren. Diese +beiderseitige Feindschaft bestand, und diese gegenseitige +Huth und Scheelsucht hatte Bestand, bis Kendschatu, der +Chan, im Land. Als <i>Noghai</i> der Erbe des Landes Mengu +Timur's ward, wurde durch gegenseitige Gesandtschaften und +Schreibenwechsel der Weg der Kaufleute und Handelsgenossen +wieder aufgethan. Die Ursachen des Heiles lagen +in dem Plan; das Land Arran fing durch die Menge von +Wagen und Zelten, von Pferden und Schafen Wogen zu +schlagen an und dieser Länder Waaren nach einigen Jahren +wieder an zu gebahren.</p> + + + + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_423" id="Page_423">[423]</a></span></p> +<h2><a name="IV_Beilage" id="IV_Beilage"></a><a href="#Inhalt">IV. Beilage.</a></h2> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> +<p class="center" style="font-size: larger">Auszug aus Wassaf über das Papiergeld.</p> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> +<div class="block"> +<p>Erläuterung der Ursachen, welche die Einführung +und Vernichtung des Papiergeldes (Dschaw) +herbeigeführt.</p> +</div> + + +<p>Der von ewig her bestehende Spender der Nahrung und +der allweise Schöpfer (geheiligt seien seine Eigenschaften!), +welcher die Bewohner der vier Wände der Naturen der +Menschheit und die Eingekerkerten der sechs Richtungen +irdischer Körper bald ohne Anlass geleisteten Dienstes durch +den Ausfluss seiner, keinen Dank ansprechenden Gnaden bestimmt, +und bald ohne vorhergehende Schuld seine Geschenke +und Spenden zurücknimmt, Er dessen ewige Wissenschaft: +Koranstext:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">„<i>Ihm ist kein Sonnenstäubchen fremd</i><br /></span> +<span class="i2"><i>auf Erden und im Himmel</i>“<a name="FNanchor_763" id="FNanchor_763"></a><a href="#Footnote_763" class="fnanchor">[763]</a>.<br /></span> +</div></div> + +<p>das vollkommenste Gemälde der Herrschergrösse ist, wollte +es so, dass nach der Begebenheit (der Thronbesteigung) +Arghun-Chan's in alle Herden der Mongolen eine Seuche +fiel, welche sie in ihrer Sprache <i>Jut</i> nennen. Aus diesem +Anlass fehlte es den meisten Truppen zu Bagdad, Mossul, +Diarbekr und Chorasan an den nöthigen Lastthieren und in +dem Schatze war durch die Veränderung der Chane und +Vergeudung des Goldes an die Truppen nichts zurückgeblieben; +<span class='pagenum'><a name="Page_424" id="Page_424">[424]</a></span> +diess war der zweite Unglücksfall; dazu kam noch +drittens, durch die angeborne Huld und natürliche Freigebigkeit +des Vorsitzes der Welt und der Zeit, um die +Völker zufrieden zu stellen und um Nothdurft zu stillen, +ein Ausgabenüberschuss und Gnadenüberfluss; das vierte +war die wenige Achtung des Ilchan's für Geschenke und +Gaben und seine Verachtung der Oeconomie<a name="FNanchor_764" id="FNanchor_764"></a><a href="#Footnote_764" class="fnanchor">[764]</a>, d. i. des +Besitzes in beweglichem und unbeweglichem Gut<a name="FNanchor_765" id="FNanchor_765"></a><a href="#Footnote_765" class="fnanchor">[765]</a>, an +Geld und Vieh, und das Sprichwort sagt: „<i>Die Fünf +findet sich in den Fünfzig.</i>“ Er hatte in der Zeit von +zwei Jahren, während welchen der Welt Vorstand der +Wissenschaft und Herrschaft vorstand, gegen fünfhundert +zu Leihe genommene Tomane mittels rother Fertigungen +an die Herren der Anweisungen übertragen, so, dass die +grossen Fürsten diese Sache endlich gewahr wurden. Eines +Tages hörte man von dem Munde des Herrn (des Grosswesirs) +folgende Worte: „<i>Seadeddewlet</i> hat zur Zeit, als +er die Geschäfte der Länder förderte und tausend Tomane +in dem grossen Schatze bereit lagen, und die +stärkste Veranlassung zu dieser Zusammenhaltung Arghun-Chan's +genaue Verwaltung gewesen, die Einkünfte und +Ausgaben der Finanzen ohne rothe Fertigung<a name="FNanchor_766" id="FNanchor_766"></a><a href="#Footnote_766" class="fnanchor">[766]</a> besorgt +und für die Verproviantirung des Heeres und alle Erfordernisse +der Küche, des Lagers und der Frauen gesorgt, +und so habe der Ilchan in der kurzen Zeit von vierzig +Jahren vom Jurt <i>Dilbertschin</i> bis nach <i>Kiawbasi</i> ein und +vierzig Tomane für die Frauen, Pagen und Vertrauten der +Majestät hergegeben.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Wenn Du aufgehst, müssen Sonn' und Mond sich niederlegen,<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Wenn Du scheidest, müssen sich verstecken Meer und Regen.<br /></span> +</div></div> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_425" id="Page_425">[425]</a></span></p> +<p>Zur Zeit Abaka-Chan's und Sultan Ahmed's waren für die +ganzen Kosten der Küche nur vierzig Tomane bestimmt +und doch waren die Verwalter und Küchenaufseher<a name="FNanchor_767" id="FNanchor_767"></a><a href="#Footnote_767" class="fnanchor">[767]</a> nicht +sicher vor dem Tadel der Tadelnden und dem Spotte der +Spottenden und dem Schimpfe der Schimpfenden. Zur Zeit +(Unserer) den Tag vermehrenden Regierung haben Wir +hundert fünf und sechzig Tomane auf diese Weise an goldenen +Verwendungen ausgetheilt, und dennoch rufen sie +immerwährend: Wer gibt mehr? Die Prinzen und Prinzessinnen +geben immer neue Wünsche kund und schliessen, +gegen einander rechtend und spiegelfechtend, nicht den +Mund.“ Der Zweck dieser Prolegomenen ist, dass der +Schatz auf alle Weise für den Bedarf baaren Geldes<a name="FNanchor_768" id="FNanchor_768"></a><a href="#Footnote_768" class="fnanchor">[768]</a> bedurfte, +dass die Einkünfte der Länder in einem Jahre 1800 +Tomane, die bestimmten Ausgaben 700 Tomane betrugen +und dass der Rest für die wichtigsten Geschäfte des Reiches, +für die Gaben und Geschenke des Padischah nicht +hinreichte. Der Herr des Diwans befahl, die Auflagen der +Länder, besonders der von Bagdad und Schiras, welche +der Gürtel des Reiches, zu läutern<a name="FNanchor_769" id="FNanchor_769"></a><a href="#Footnote_769" class="fnanchor">[769]</a>; doch der Ueberschuss +der Ausbeutungen des Dieners (des Grosswesirs) gab +für die Majestät, auf deren Weberstuhl der Einschlag gestreifter +Kleider steht, so viel aus, als der arabische Spruch:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Es sättigt nicht, was vom Zahnstochern kommt heraus,<br /></span> +</div></div> + +<p>und durch diese Massregeln der Läuterung wurde der Verwirrung +der Finanzen nicht abgeholfen. Da befand sich +<i>Aseddin Mosaffir Ben Mohammed Amid</i>, dessen hässliche +Gestalt, dessen geschminktes Gesicht, dessen gebrechliche +Constitution und schändliches Naturel ein Muster seiner +Sitten und Eigenschaften war, im Lager an der Seite der +Majestät und des Grosswesirs, als dessen Berather und leitender +<span class='pagenum'><a name="Page_426" id="Page_426">[426]</a></span> +Vater. Er war's, der die Mühle des Betruges in +den Gang gebracht, der mit Hoffnung und Furcht denselben +kirr gemacht. Aus Eingebung schlechter Seele, welche, +allen Geschäften des Menschen feind, als das Gegentheil +des ursprünglichen Guten erscheint, wollte er seinen +schlechten Namen bei den Weltbewohnern einfassen in einen +ewigen Rahmen, damit er auf der Erde bis zu dem Tage +der Auferstehung das Ziel der Pfeile des Fluches und des +Spottes aller Menschen werde. Er stellte vor: „Es fehlen +zur hinlänglichen Aufbringung der Gelder die Quellen; sei +es im Schlimmen, sei es im Guten, bedarf der Schatz Gold +für seinen Bedarf. Die Ueberschüsse der Einkünfte sind +Heu und Spreu<a name="FNanchor_770" id="FNanchor_770"></a><a href="#Footnote_770" class="fnanchor">[770]</a>, und Anlehen zu machen, gehört künftighin +zu den schwierigsten Sachen. Wenn es sich darum +handelte, schnell das Heer zu rüsten und beritten zu machen, +würde es schwer halten in allen Sachen, und das +tändelnde und schändende Gerede der grollenden Feinde, +die schnell und hart daherfahrende Fehde daimonischer +Männer, von denen jetzt keine Rede, würde sich breit +machen; die Bemühungen und Bestrebungen, welche dermalen +gäng und gäbe, um die Spalten des Reiches zu verdämmen +und um durch rechtliche und wohlthätige Gesinnung +alles Unrecht zu hemmen, würde ein Ende nehmen, +und wollte man (was jedoch nicht unmöglich anzunehmen) +öffentlich die reinen Wasser mit Steuern belegen, oder neue +Vergantungen<a name="FNanchor_771" id="FNanchor_771"></a><a href="#Footnote_771" class="fnanchor">[771]</a> und schwere Strafgelder den Unterthanen +zumuthen und auflegen, so würde dieses die Gemüther erbittern +und das Land würde verwittern. Eine Maassregel, +welche, vor allem Angriff vor Verschwärzern geschützt, +schnell zur Herstellung alles Verfalles nützt und mannigfaltigen +Nutzen umfasst und besitzt, ist mir so in den Sinn +gekommen, dass man, wie in den Ländern des Kaan, auch +in denen des Ilchan das Scheingeld, statt Silbers und Goldes, +in Umlauf setze, damit dadurch die Thore des Verkehres +geöffnet würden, damit das Geld ganz in den Schatz +<span class='pagenum'><a name="Page_427" id="Page_427">[427]</a></span> +einlaufe und Schaden und Verlust keinen Menschen treffe +auf Erden.“ Nach diesen vorausgeschickten eingebildeten +Gründen trugen der Herr des Diwans und <i>Bulad Dschinksanek</i>, +der Gesandte des Kaans, das Wort vor. Da diese +Maassregel dem Aeussern nach den Reichthum vermehrte, +die Magazine der Kaufleute leerte, den Armen und Elenden +Beruhigung gewährte, so schien dieselbe Anfangs denen, +die darüber nachdachten, erspriesslich und gut. Der +Ilchan erliess ein Diplom, befehlend, absolut und entscheidend, +kurz und gut, dass man auch in den übrigen Ländern +nicht mehr mit baarem Gelde Handel und Wandel +treibe, sondern dass man überall die Webung goldener +Kleider abschaffe und nur soviel davon gestatte, als für das +Kleid des Padischah und seiner nächsten Umgebungen erforderlich +sei, dass man sich nicht mit Verfertigung goldener +und silberner Geschirre und mit keiner Kunst, welche +Vergeudung des Goldes und Silbers mit sich führe, befasse, +dass man die Goldschmiedekunst und die Silberarbeiterei +der Gesichtsfarbe und dem thränenden Auge der +Verliebten überlasse; kurz, durch die Einflüsterung und +Verführung, Verlockung und Versuchung dieses Unholdes +und gespenstischen Koboldes, der seinen Herrn auf diese +Weise schändete, geschah es, dass er in alle Länder, in's +arabische und persische Irak, nach Diarbekr, Rebiaa, Mossul +und Miafarakein, nach Chorasan und Kerman und Schiras +einen grossen mit diesem Geschäfte beauftragten Emir +sandte, und dass überall eine Fabrik solchen Scheingeldes +errichtet, dass Verwalter, Schreiber, Schatzmeister und +andere Beamte dabei verwendet und überall grosse Summen +zur Verfertigung des Scheingeldes gespendet wurden. +Durch die Verlautbarung dieser Geschichten wurden die +Völker in den Reif des Erstaunens gezwängt und blieben +in demselben ohne Seele beengt.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Schnell, wie die Hoffnungen, des Lebens Zeit vergeht,<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Und umgekehrt, auf Persisch heisset <i>Dem</i> nur <i>Med</i><a name="FNanchor_772" id="FNanchor_772"></a><a href="#Footnote_772" class="fnanchor">[772]</a>.<br /></span> +</div></div> + +<p><span class='pagenum'><a name="Page_428" id="Page_428">[428]</a></span></p> +<p>Die Gestalt und Form des Scheingeldes <i>Dschaw</i> war diese: +Ein länglichtes, viereckiges Blatt Papier mit einigen chinesischen +Worten beschrieben, in denen immer Fehler geblieben<a name="FNanchor_773" id="FNanchor_773"></a><a href="#Footnote_773" class="fnanchor">[773]</a>; +ober diesen chinesischen Worten stand auf beiden +Seiten:</p> + +<p class="center">„<i>Es ist kein Gott als Gott, und Mohammed ist sein Prophet!</i>“</p> + +<p>Dieses war das Gepräge dieses Silberblattes, der Juwelenknoten +dieses Perlenstates, das Tughra dieser Befehle und +das Amulet dieser Kehle; unter demselben war geschrieben: +<i>Iritschi Turitschi</i>, auf Chinesisch (uighurisch), d. i. +<i>Sobald es angekommen, sei es für bleibend angenommen!</i> +In der Mitte war ein Kreis beschrieben, der aber ausser +dem Mittelpunkt ruhiger Ansicht liegen geblieben; dabei +war der Werth des Papieres von einem <i>halben Dirhem</i> bis +<i>zehn Goldstücke</i>, und dann in Schrift das, was folget, geschrieben: +„<i>Der Padischah der Welt hat im Jahre 693 +(1293) eingesetzt dieses gebenedeite Papiergeld; es soll +cursiren in Ländern allen; wer es verfälscht oder verändert, +sei mit Weib und Kind der Todesstrafe und sein Gut +dem Fiscus verfallen.</i>“ Nach Schiras war ein Patent dieses +Papiergeldes, das, sehr ausführlich und lang, eingebildete +Fragen aufwarf und die Antworten darauf aufdrang, +gekommen. Ein Exemplar desselben ist noch in den Händen +und es wäre unnütz, darüber noch mehrere Worte zu +verschwenden. Das Wesentlichste seines Inhaltes ist: „dass, +sobald das gebenedeite Papiergeld Goldes statt, wie die +Thränen der Verbannten Lauf gefunden hat; so wird Armuth +und Dürftigkeit und Schaden und Elendigkeit verschwunden +sein unter den Söhnen der Zeit, Korn und Getreide +wird zu haben sein in Wohlfeilheit, und Arme oder +Reiche sind dann einander gleich.“ Die Dichter und Trefflichen +der Zeit haben zum Lobe des Papiergeldes nach +der Eingebung ihres Genius dem Padischah und dem Herrn +<span class='pagenum'><a name="Page_429" id="Page_429">[429]</a></span> +des Diwans lobend die Resultate ihrer Gedanken geweiht; +als eine Probe von diesem Lobe ist das folgende Distichon +aus einem Bruchstücke eines der Trefflichen hier eingereiht:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">„Geht Papiergeld in der Welt,<br /></span> +<span class="i0">Sein Entgelt<a name="FNanchor_774" id="FNanchor_774"></a><a href="#Footnote_774" class="fnanchor">[774]</a> sie frisch erhält.“<br /></span> +</div></div> + +<p>Es erging der Befehl, dass alle Künstler und Handwerker, +welche Gold und Silber in ihren Arbeiten verarbeiten, dasselbe +aus dem Hause, wo das gebenedeite Papiergeld ausgetheilt +ward, erhalten, dass Alle, welche als Befehlshaber +Länder verwalten, nach ihren Verdiensten ihre Besoldungen +und Bezahlungen dort beziehen sollen, dass das alte abgenützte +Papier dorthin gelangen, und der Bringer für den +Gehalt von zehn Dinaren alten Papiergeldes neun Dinare +neues empfangen soll, dass die Kaufleute des persischen +Meeres, welche in fremde Länder handeln und wandeln aus +dem Schatze Gold erheben und dafür ihr Papiergeld abgeben +sollen, vorausgesetzt, dass dabei der Weg der Behutsamkeit +beobachtet und ihre Erlaubniss und Befugniss +von Nowaben und Aufsehern des Diwans gehörig betrachtet +und erachtet worden sei. Verfügungen dergestalten waren +in diesem Patente enthalten.</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Tausendmal ist's besser, gar nicht anzufangen,<br /></span> +<span class="i0">Was zu keinem Resultate kann gelangen.<br /></span> +</div></div> + +<p>Wenn (wovon das Gegentheil nicht zu denken) diese Bedingungen +nicht schon von Grund aus schlechter Art, wenn +mittels der Umwälzung der Zustände, der Uebertragung der +Herrscherkräfte und Veränderung der Geschäfte, diese Befehle +von allem Fehle beschützt und bewahrt geblieben, +wenn die Leute ohne Widersetzlichkeit und Blödigkeit, +dasselbe zu nehmen und zu geben und den Lauf desselben +zu gewähren, willig gewesen wären, so wäre es möglich +gewesen, dass einige dieser präliminären Verfügungen gekommen +wären zu eines Resultates Ehren; allein, wie man +diess immer aus dem Gesichtspunkte der Vernunft und der +<span class='pagenum'><a name="Page_430" id="Page_430">[430]</a></span> +Analogie betrachtet, so ist dieses eine Maassregel, nicht +verwaltbar und (auf dem Spitz ein Kegel) nicht haltbar, +besonders da der Zweck dieser Einbildungen ganz und gar +kein andrer war, als die Schätze des Padischah zu erneuen +und die der Unterthanen zu zerstreuen.</p> + +<p class="center">„<i>Zu bewahren des Moslim's Gut, ist Pflicht,<br /> +wie zu bewahren des Moslim's Blut.</i>“</p> + +<p>In der practischen Philosophie ist durch Beweise festgesetzt, +dass das Gold von Gott, als die kleine Gesetzgebung, eingesetzt; +dass dasselbe den Werth der Sachen bestimmt und +die Ordnung der Welt in Anspruch nimmt; dass ein kleiner +Theil desselben eine grosse Menge anderer Sachen vertritt, +deren Transportirung und Verführung sehr schwer und vielen +Ungemaches nicht leer; dass wegen seiner inneren Festigkeit +und Trefflichkeit dasselbe vor aller Gefahr der +Vernichtung geschützt; dass es nicht durch Wasser, nicht +durch Feuer, nicht durch Schneiden und Stossen verwundet +wird und abgenützt. Diese Bedeutung bedarf keiner +Erweiterung und Erläuterung,</p> + +<p class="center">„<i>Diess ist Erforderniss mündiger Weisheit.</i>“</p> + +<p>Die Nothwendigkeit und Dürftigkeit ist's, welche demselben +Adel verleiht;</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Arab. Vers.</i> Wenn ich ein Gottesfürchtiger nicht wäre,<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Arab. Vers. </span>Erwies' ich selbem göttliche Ehre.<br /></span> +</div></div> + +<p>„<i>Für der Welt Wunden ist das Pflaster im Golde gefunden</i>,“ +ist ein bekanntes Sprichwort;</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Vers.</i> „Hätte ich Gold, so wären meine Geschäfte auch golden;<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Vers. </span>Golden sind sie nicht, weil ich besitze nicht Gold.“<br /></span> +</div><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Ar. V.</i> Kein Gesandter fährt mit besserem Glück,<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Ar. V. </span>Als das rundgeprägte Silberstück.<br /></span> +</div></div> + +<p>Wenn der Schreiber (dieser Geschichte) die Gleichnisse und +seltsamen Einfälle, welche die Wohlberedten Arabiens und +Persiens über die Eigenschaften, den Nutzen und das Lob des +Papiergeldes geschrieben, und die ihm im Gedächtniss geblieben, +aufgeschrieben hätte, so hiesse dieses Buch <i>die goldene +Kette</i><a name="FNanchor_775" id="FNanchor_775"></a><a href="#Footnote_775" class="fnanchor">[775]</a> oder <i>die unvollkommene Erreichung des +<span class='pagenum'><a name="Page_431" id="Page_431">[431]</a></span> +Zweckes</i>. Würde aber mit diesen Lobsprüchen das Gold +zerstieben, woraus würde man denn verfertigen die Kronen +mächtiger Sultane und Reiter, die Ohrgehänge, Armbänder +und Knöchelringe der Schönen, welche den sich blähenden +Busen gewärtigen? und wie könnte denn, mit dem papiernen +Geld, die frische Rose, welche freudig die goldene +Scheibe in der Faust und Goldbarren (die Staubfäden) im +Busen verborgen hält, wie könnte sie die Wange des Windes +anlachen? und wie könnte die Blüthe ohne Silber sich +einen Schatz für ihr Alter zur Hülfe wider das anrückende +Heer des Frühlings machen? Die trunkene Narcisse ist +bemüht, im Zauberschlafe mit dem Traume des Goldes ihr +sehnendes Auge zu färben, und im steinernen unbarmherzigen +Herzen des Berges stocken die Blutadern (die Rubinen) +aus Begierde, sich von der goldausstreuenden Sonne +Einiges zu erwerben. Wie könnte das Gold einem Stücke +Papier sich vergleichen? wie könnte den Werth von jenem +dieses erreichen, welches durch einen Funken aufgeht in +Rauch und wie die Töchter der Luft (die Dämpfe) davonfliegt +bei des Windes geringstem Hauch, welches durch +einen Tropfen Thau wird des Wassers Raub und im Staube +wird zu Staub? Die Prahlerei kannte keine Gränzen mehr, +und durch die Vergleichungen und Herausstreichungen ward +die Traurigkeit immer mehr und mehr. Im Silkide d. J. +693 (1293) kam das Papiergeld zu Tebris in Lauf und vermöge +der Herzensknoten und den Maassregeln von der Vernunft +geboten, begann man sogleich, um seine Seele zu +schützen und um etwas zu besitzen, mit Speisen und Waaren +niedrigen Handel und Wandel. Binnen drei Tagen war +Tebris, welches das kleine Kairo hiess, wie der Beutel der +Geduld der Sehnsüchtigen leer; im Lande war kein Glanz +und keine Freude mehr, und die Brust der Sicherheit und +Rechtlichkeit hatte nicht Fett noch Schmeer. Die Laden +und Gassen waren wie öde Häuser verlassen und geleert, +die Thore des Handels und Wandels waren versperrt. Verkaufte +man den Man Brotes um Einen Dukaten, so glaubten +die Käufer, dass sie gewonnen, und die Verkäufer, +<span class='pagenum'><a name="Page_432" id="Page_432">[432]</a></span> +dass sie verloren hatten. Ein Freund erzählte mir vom +Blitze der Witze jener Gegend, was folgt: In dieser Umstände +drängender Gefährde stand ich gaffend zu Tebris +auf dem Markte der Pferde. Die Verkäufer schlugen ein +Pferd, das um fünfzehn Goldstücke doppelt bezahlt gewesen +wäre, schlugen dasselbe, fortgezogen durch der Begebenheiten +Wogen, um hundert und fünfzig Dukaten Papiergeldes +an, und der Käufer, aus Freude über den grossen +Preis, lief herum im Kreis, um durch diesen Reigen gleichsam +die Bewegung des Pferdes zu zeigen; dann bestieg er +einen Gaul, tummelte denselben nicht faul, bis er aus den +Augen verschwand. Seine Abreise war zum folgenden Verse +der Realcommentar:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>A. V. des Verfass.</i>: Wer das Papiergeld erfand, verführt als schlimmer Betrüger,<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">A. V. des Verfass.: </span>Unter den Hunden ist keiner so trügrisch wie er.<br /></span> +</div></div> + +<p>Der Lärmen und das Getöse, der Saus und Braus der Nationen +stieg bis an den Gürtel der Constellationen; die Befehlshaber +und das Heer hatten keine Geduld mehr, das +gemeine Volk flehte am Freitag in der Moschee mit klagendem +Gebete; es verlauteten die Klagen über die Ungerechtigkeit, +womit sie geschlagen. Sie verfluchten den +Aseddin Mosaffir mit allen denen, welche zu dieser Neuerung +und Theuerung das Gleiche beigetragen:</p> + +<p>Spruch der Ueberlieferung: „<i>Wer schlechte Sitte eingesetzt, +dem wird sie bleiben als Last bis an den jüngsten +Tag.</i>“</p> + +<p>Sie wollten ihn mit seinen Einverstandenen erschlagen. Sie +flohen aus dem Kreise und nahmen mit ihrer Seele bösen +Namen mit auf die Reise. Die Trefflichen und Dichter der Zeit +waren, ihn mit Spottgedichten zu durchgeiseln, bereit; so +sagte Einer derselben, als er den Namen <i>Amidol-mülk</i>, die +Säule des Reichs, angenommen:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Das Schiff <i>Amidol-mülk's</i> inmitten Reichsgefahr,<br /></span> +<span class="i0">Ist wie das Wasser, wenn damit ein Schiff<a name="FNanchor_776" id="FNanchor_776"></a><a href="#Footnote_776" class="fnanchor">[776]</a> gefüllt.<br /></span> +<span class="i0">Sein schlechter Bart ist schlechter als des Hundes Haar,<br /></span> +<span class='pagenum'><a name="Page_433" id="Page_433">[433]</a></span> +<span class="i0">Diess ist dagegen Atlas und ein seidner Quilt<a name="FNanchor_777" id="FNanchor_777"></a><a href="#Footnote_777" class="fnanchor">[777]</a>.<br /></span> +<span class="i0">Sieh, ob er morgen stehet noch auf dem Altar,<br /></span> +<span class="i0">Wiewohl er heute für des Reiches Summe gilt.<br /></span> +</div></div> + +<p>Auch das folgende Bruchstück reimte Einer:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Du bist nicht Weltenehre, du bist der Schimpf der Welt,<br /></span> +<span class="i0">Die auf dein Sein und Wohl nicht das Geringste hält.<br /></span> +<span class="i0">Wenn <i>Geber</i>, <i>Jud</i>, <i>Moslim</i> vor der Altäre Stufen<br /></span> +<span class="i0"><i>Ormusd</i>, <i>Jehova</i> und <i>Allah ist gross!</i> ausrufen,<br /></span> +<span class="i0">So flehen alle drei in Unterthänigkeit<br /></span> +<span class="i0">Zur Majestät des Herrn, der Welten Glück verleiht,<br /></span> +<span class="i0">Es möge ihm in dieser Welt von allen Dingen<br /></span> +<span class="i0">Kein einziges nach seines Herzens Wunsch gelingen!<a name="FNanchor_778" id="FNanchor_778"></a><a href="#Footnote_778" class="fnanchor">[778]</a><br /></span> +</div></div> + +<p>Zu Schiras wurden fünf Tomane Goldes in Sachen des Papiergeldes +ausgegeben. Da das Papier, in welchem das +Capital der Männer von Verdienst bestand, auf vierzig Weisen +ging von Hand zu Hand, so hätte der, welcher heimlich +von den Nowaben der Papierfabrik einen Teller Goldes +hätte erwirkt, spurlos wie das Gold sein Dasein verwirkt. +Zu dieser Zeit wurde an einen Bruder der Reinigkeit (an +einen guten Freund) wie es scheint, das folgende Bruchstück +verfertigt und in der gehörigen Form abgefertigt: +„Der Sicherheit Kiel laufe auf dem Blatte der Wohlfahrt +für NN. zum Ziel! und Gott helfe Dir, wo Du immer sein +mögest, gleichviel! Der aufrichtige Wohlwünscher und +ganz eigene Sehnsüchtige legt gleich der Feder den Gürtel +freundschaftlicher Liebe um die Mitte an; er hat den +Mund zu wohlduftendem Preise und eröffnendem Wunsche +aufgethan, und stellt das Gesicht reinen Verhältnisses weiss +und klar mit Schriftzeichen der Aufrichtigkeit folgendermaassen +dar: Das offene Feld der Sehnsucht nach dem Umgange +mit dem Freunde, dem vertrauten, welcher süsser +als das gewöhnliche Leben, hat sich Perlen gleich so ausgebreitet, +dass es unmöglich ist, die Länge und Breite dieses +<span class='pagenum'><a name="Page_434" id="Page_434">[434]</a></span> +Feldes mittels der Messkunst des zweizüngigten Kieles +und mittels der Quadratfläche des zweigesichtigen Papieres,</p> + +<p>„<i>Dieses ist heut in der Welt eben so wenig zu finden +als der Ambra</i>,“</p> + +<p>auszumessen. Schon geraume Zeit ist's, dass die goldenen +Papageien der Federn, welche das Wort ausschreien:</p> + +<p class="center">„<i>Mittels der Federn werden die Länder regiert</i>,“</p> + +<p>von der Moschustränke der Gnaden des Tintenzeuges dem +weissen Silbersitze der Gärten der Wörter nicht zugeflogen, +und dass die Gesandten freundschaftlicher Anzeige aus dem +<i>Kairewan</i> des Westens nach dem Lande des Südens Botschaft +bringend ausgezogen. Wenn das Gemüth Gedanken +und ihren Ausdruck flieht, so muss der Kiel der Denkkraft +auf eingebildetem Blatte weilen oder die rothe Thräne die +Schwärze des gekränkten Auges heilen. Es wird erwartet, +dass einige Blätter jener Art, von welchen allein vor diesem +Freund die Rede (einige Blätter Papiergeldes) <i>wie +Blätter der Bäume voll Glanz, wie Busen der Schönen +geglättet ganz, hell wie das aufgehende Licht und wie der +aufrichtige Morgen, wenn er anbricht</i>, die Klagen der auf +den Kopf geschlagenen Feder stillen werden. Bliebe aber +das Gesicht dieser begehrten Sicherheit in den Schleier +der Verweigerung verhüllt, so ist dieses Stoffes genug, dass +der trauernde Kiel der Klage über Unterdrückung nach +dem Papierhemde der Bedrückten lange und das Gestöhne +der kratzenden Feder bis zum Gipfel des Himmels Merkur's, +des Schreibers des Himmels, gelange; dass der Kiel +mit der Zunge <i>Chakani's</i> aus Schirwan, des Chakans der +Bedeutungen, diesen Vers anwende:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Für mich sei Freundeshand als Klägerhemd gewandt,<br /></span> +<span class="i0">Weil er verweigert mir die Feder, das Papier,<br /></span> +</div></div> + +<p>und demselben sende.“ Als nun die Klage der Erde und +der Stunde gedrungen zu des Himmels Runde, als die That +und das Messer drang in die Seele ein und das Messer +geschnitten bis an das Bein, als der Strom gelangt war +zum Munde, stellten die Emire und Nuwianen einstimmig +dem Herrn des Diwans vor: Wenn dieser Zustand noch +<span class='pagenum'><a name="Page_435" id="Page_435">[435]</a></span> +einige Zeit dauert; so ist aller Glanz der Länder aufgegeben, +und es ist unmöglich die weitere Verwirrung zu heben:</p> + +<p>„<i>Willst du, dass man dir gehorche, so fordre nur das +Mögliche!</i>“</p> + +<p>Da ergingen wirksame Befehle, dass man das Papiergeld +abstelle. Gesandte gingen nach allen Seiten, um die Abschneidung +des Bösen und Einkleidung dieser Maassregel +einzuleiten. So ward durch Gottes, des Allmächt'gen, Gnade +dieses ungeheure Unglück:</p> + +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0"><i>Koransvers</i>: Weist du, was da die Flammenwuth?<br /></span> +<span class="i0"><span class="invisible">Koransvers: </span>Es ist der Hölle brennende Gluth!<a name="FNanchor_779" id="FNanchor_779"></a><a href="#Footnote_779" class="fnanchor">[779]</a><br /></span> +</div></div> + +<p>abgekehrt und den Gemüthern aller Völker Freude gewährt. +Vornehme und Gemeine sagten:</p> + +<p>„<i>Gott sei gelobt und gebenedeit! Er hat von uns abgewendet +die Traurigkeit; denn Er ist unser Herr, der +Allen Alles verzeiht; Er liebet die Dankbarkeit.</i>“</p> + + + + +<p class="title big"><a name="Druckfehler" id="Druckfehler"></a><a href="#Inhalt">Druckfehler.</a></p> +<div style="margin-left: -10%"><hr /></div> + + +<table border="0" cellpadding="2" cellspacing="0" summary="Druckfehler"> +<tr><td align='right'>Seite.</td> +<td align='right'>Zeile.</td> +<td align='right'> </td> +<td align='left'> </td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_8">8</a></td> +<td align='right'>17</td> +<td align='right'>v. u. statt</td> +<td align='left'>Recht lies recht</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_9">9</a></td> +<td align='right'>9</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Ocean l. Onon</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_11">11</a></td> +<td align='right'>7</td> +<td align='right'>–– –– st.</td> +<td align='left'>Sprache l. Aussprache</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_13">13</a></td> +<td align='right'>8</td> +<td align='right'>–– –– st.</td> +<td align='left'>vier l. vierzig.</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_15">15</a></td> +<td align='right'>16</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Gjawr l. Gjawe</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_16">16</a></td> +<td align='right'>7</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>der l. das</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_21">21</a></td> +<td align='right'>16</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Begi l. Bigi</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_24">24</a></td> +<td align='right'>2</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Tschitschejan l. Tschitschegjan</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_26">26</a></td> +<td align='right'>9</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>darnieder l. worunter</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_27">27</a></td> +<td align='right'>17</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>geschossener Pfeile l. geschossenen Pfeilen</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_32">32</a></td> +<td align='right'>9</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Thronbesteigung als l. Thronbesteigung, zweimal als</td></tr> + +<tr><td align='right'> ––</td> +<td align='right'>14</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>die Tataren l. der Tataren</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_33">33</a></td> +<td align='right'>15</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Karachetai l. Karachatai</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_35">35</a></td> +<td align='right'>12</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Minkburni l. Mankburni</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_36">36</a></td> +<td align='right'>15</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Sonne der l. Sonne des</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_43">43</a></td> +<td align='right'>13</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Temur l. Timur</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_50">50</a></td> +<td align='right'>3</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Mohakkah l. Mohakkak</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_65">65</a></td> +<td align='right'>8</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Von der l. An der</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_70">70</a></td> +<td align='right'>16</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>am Berge l. vom Berge</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_72">72</a></td> +<td align='right'>10</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>hatten l. herrschten</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_75">75</a></td> +<td align='right'>13</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Nami l. Nemi</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_78">78</a></td> +<td align='right'>4</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>denselben l. demselben</td></tr> + +<tr><td align='right'> ––</td> +<td align='right'>3</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>erlegen l. erlagen, st. ob denselben l. vor demselben</td></tr> + +<tr><td align='right'> ––</td> +<td align='right'>2</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>derselben l. desselben</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_81">81</a></td> +<td align='right'> </td> +<td align='right'>am Rand st.</td> +<td align='left'>Gemahlin l. Gemahlinnen</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_87">87</a></td> +<td align='right'>1</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Journal II. l. Journal asiatique II.</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_93">93</a></td> +<td align='right'>13</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Weg zu l. Weg zur</td></tr> + +<tr><td align='right'> ––</td> +<td align='right'>5</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Schebehun l. Schebchun</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_96">96</a></td> +<td align='right'>5</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>und um l. nur um</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_102">102</a></td> +<td align='right'>11</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>dem Adlerneste, dem Hauptsitze l. das Adlernest, den Hauptsitz</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_109">109</a></td> +<td align='right'>4</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Chalweih l. Chaleweih</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_117">117</a></td> +<td align='right'>14</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Betekdschi l. Bitekdschi</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_121">121</a></td> +<td align='right'>2</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>einer gleichen l. mit gleicher</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_124">124</a></td> +<td align='right'>13</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Intendanten l. Intendenten</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_125">125</a></td> +<td align='right'>8</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>des Musters l. des Gründers</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_163">163</a></td> +<td align='right'>4</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>by Naima l. by Neumann</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_178">178</a></td> +<td align='right'>9</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>vor der l. von der</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_180">180</a></td> +<td align='right'>9</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Thierangels l. Thürangels</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_185">185</a></td> +<td align='right'>7</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Telbaschil l. Telbaschir</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_186">186</a></td> +<td align='right'>11</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Hama's oder l. Hama's und</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_187">187</a></td> +<td align='right'>4</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Quelle entsteigt l. Quelle entspringt</td></tr> + +<tr><td align='right'> ––</td> +<td align='right'>18</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Amrolkai l. Amrolkai's</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_189">189</a></td> +<td align='right'>6</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>des Turbeysel l. das Turbeysel</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_208">208</a></td> +<td align='right'>17</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Mahribi l. Mahghribi</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_211">211</a></td> +<td align='right'>17</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Maillenschläger l. Mailleschläger</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_214">214</a></td> +<td align='right'>15</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>nur vom l. nie vom</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_214">214</a></td> +<td align='right'>13</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>nur eines l. nur der eines</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_232">232</a></td> +<td align='right'>7</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Ammer l. Aammar</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_237">237</a></td> +<td align='right'>4</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Betha's l. Batha's</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_237">237</a></td> +<td align='right'>11</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>war ein Vergrösserer l. war ein weit grösserer</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_239">239</a></td> +<td align='right'>7</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Wenn nur das Glück wie die Beisitzer wäre,</td></tr> + +<tr><td align='right'> </td> +<td align='right'> </td> +<td align='right'>l.</td> +<td align='left'>Wenn mir das Glück wie Dir Beisitzer wäre,</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_240">240</a></td> +<td align='right'>2</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>geistiger Dichter l. persischer Dichter</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_241">241</a></td> +<td align='right'>3</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Hamkjar l. Hemkjar</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_242">242</a></td> +<td align='right'>18</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Aasa l. Osa</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_253">253</a></td> +<td align='right'>14</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Ville Hardouin l. Villehardouin</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_259">259</a></td> +<td align='right'>3</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Mogholtei l. Mogholtai</td></tr> + +<tr><td align='right'> ––</td> +<td align='right'>9</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>dem Herrscher l. des Herrschers</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_261">261</a></td> +<td align='right'>12</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Armen l. Arme</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_262">262</a></td> +<td align='right'>1</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Kuhdschu l. Kukdschu</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_268">268</a></td> +<td align='right'>13</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Ferjab l. Farab</td></tr> + +<tr><td align='right'> ––</td> +<td align='right'>15</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Ferjabi l. Farabi</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_274">274</a></td> +<td align='right'>5</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Kejanenen l. Kejanen</td></tr> + +<tr><td align='right'> ––</td> +<td align='right'>17</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Vasal l. Vassal</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_276">276</a></td> +<td align='right'>12</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Mewlane l. Mewlana</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_280">280</a></td> +<td align='right'>2</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>nisadin l. nihaden</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_283">283</a></td> +<td align='right'>8</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Aufgestochenen l. aufgestochenen</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_291">291</a></td> +<td align='right'>2</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Suhuri l. Sughuri</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_293">293</a></td> +<td align='right'>17</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Mineddin l. Moineddin</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_303">303</a></td> +<td align='right'>16</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Mekka l. Mocha</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_308">308</a></td> +<td align='right'>14</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>(der Oheim Abaka's) l. (der Bruder Abaka's)</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_315">315</a></td> +<td align='right'>13</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Buse l. Busse</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_318">318</a></td> +<td align='right'>13</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Denn stets l. Du stets</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_320">320</a></td> +<td align='right'>4</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>nur diesem l. nur in diesem</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_329">329</a></td> +<td align='right'>8</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>Zehrgnadenamt l. Zehrgadenamt</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_345">345</a></td> +<td align='right'>10</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>mir nun l. mir nur</td></tr> + +<tr><td align='right'> ––</td> +<td align='right'>14</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Rumi's l. Rum's</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_352">352</a></td> +<td align='right'>17</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>gleichzeitig mit l. gleichnamig mit</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_365">365</a></td> +<td align='right'>8</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>und Feder und setzte l. und Feder, setzte</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_367">367</a></td> +<td align='right'>5</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>beizustehn l. beizustehen</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_374">374</a></td> +<td align='right'>15</td> +<td align='right'>v. o. st.</td> +<td align='left'>einheimischer Herrscher Herrschaft l. einheimischer Herrschaft</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_375">375</a></td> +<td align='right'>8</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>dass das l. dass sie das</td></tr> + +<tr><td align='right'><a href="#Page_393">393</a></td> +<td align='right'>11</td> +<td align='right'>v. u. st.</td> +<td align='left'>Derwische Fakir l. Derwische als Fakir</td></tr> +</table> + +<p>Noch ist zu bemerken, dass durch ein Versehen der Druckerei +die in eigenen Namen als lange geschriebenen ſ durchaus als kurze +gedruckt worden, was ebenso wenig gleichgültig, als es im Deutschen +gleichgültig ist <span class="spaced">Kreiſ'</span> oder <span class="spaced">Kreis</span>, <span class="spaced">reiſ'</span> oder <span class="spaced">Reis</span> zu +schreiben. Mit lindem ſ sind also auszusprechen: Abulghaſi, Abderreſak, +Aſerbeidschan, Aaſiſ, Bacherſ, Bediieſ-ſeman, Chuareſm, +Chumiaſ, Chuſistan, Dsheſire, Dchuſistan, Erſendschan, Faſl, +Faſluje, Firamurſ, Firuſ, Firuſi, Ghaſa, Ghaſali, Ghaſna, Hafiſ, +Haſret, Heſar, Heſarsif, Irſi, Iſeddin, Jeſd, Kjarſun, Kjariſ, Kirgiſ, +Kaſwin, Kiſil, Kotoſ, Legſi, Maſenderan, Merſeban, Meimundiſ, +Merkeſ, Mobariſeddin, Moiſ, Moheſib, Moſaffereddin, +Newruſ, Nimruſ, Niſam, Niſameddin, Oghuſ, Oneiſe, Ormuſd, Paiſe, +Raſieddin, Rabſ (besser Rabdh), Sebſ, Sebſewar, Sekiſ, Schahdiſ, +Schiraſ, Schirſad, Taſik, Tebriſ, Teguſ, Toghuſ, Tokuſ, Tschengiſchan +u. a. m.</p> + + + +<p class="title big"><a name="Fussnoten" id="Fussnoten"></a><a href="#Inhalt">Fussnoten.</a></p> + + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1" id="Footnote_1"></a><a href="#FNanchor_1"><span class="label">[1]</span></a> Fraehnii de Ilchanorum seu Chulagidarum nummis Commentatio. +Petropoli. 1831.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2" id="Footnote_2"></a><a href="#FNanchor_2"><span class="label">[2]</span></a> v. J. d. H. 653 (1255) bis 754 (1353).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_3" id="Footnote_3"></a><a href="#FNanchor_3"><span class="label">[3]</span></a> Leurs fils actuellement s'imaginoient, qu'ils avoient été +connus aussi autrefois sous le nom de Mogols. Rechideddin. Journal asiat.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_4" id="Footnote_4"></a><a href="#FNanchor_4"><span class="label">[4]</span></a> Des peuples turcs qu'on nomme maintenant Mogols, mais dont +chacun anciennement avoit un nom particulier. Rechideddin. Journ. asiat.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_5" id="Footnote_5"></a><a href="#FNanchor_5"><span class="label">[5]</span></a> <i>Be Moghol manende schude end</i>, welche den Mongholen <i>ähnlich</i> +waren, an dieselben <i>mahnen</i>, denn das persische <i>Manende</i> und das deutsche +<i>Mahnende</i> ist eins und dasselbe.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_6" id="Footnote_6"></a><a href="#FNanchor_6"><span class="label">[6]</span></a> Dieser Umstand ist bisher allen mongolischen +Geschichtschreibern, welche sich über den Ursprung des Namens der <i>weissen</i> +und <i>schwarzen</i> Tataren den Kopf zerbrochen, entgangen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_7" id="Footnote_7"></a><a href="#FNanchor_7"><span class="label">[7]</span></a> An anderen Orten heisst er Sungtai.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_8" id="Footnote_8"></a><a href="#FNanchor_8"><span class="label">[8]</span></a> Meters u rast gui.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_9" id="Footnote_9"></a><a href="#FNanchor_9"><span class="label">[9]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_10" id="Footnote_10"></a><a href="#FNanchor_10"><span class="label">[10]</span></a> Weg durch die Gebiete der <i>Sunit</i> Mongolen nach Timkowsky in +Ritters Asien II. S. 356, auf D'Anville's Karte Souhit, bei Ssetsen +<i>Ssunid</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_11" id="Footnote_11"></a><a href="#FNanchor_11"><span class="label">[11]</span></a> <i>Sekis Muran</i>, bei Abulghasi sind die Namen derselben sehr +verstümmelt, bei Reschideddin sind doch wenigstens vier derselben zu +erkennen, nämlich die <i>Irkut</i> im <i>Ikra Muran</i>, die <i>Oka</i> im <i>Aka Muran</i>, +die <i>Biela</i> im <i>Tschaghlan Muran</i>, d. i. Weissfluss, die obere <i>Tunguska</i> +in <i>Dschurdsche Muran</i> (Dschurdsche ist der Namen der Tungusen), endlich +die <i>Ankara</i> und der <i>Kem</i> (Jenisei), in den sie fällt, ganz unverändert.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_12" id="Footnote_12"></a><a href="#FNanchor_12"><span class="label">[12]</span></a> Das Christenthum desselben bezeugt Reschideddin ausdrücklich: +daaweti Isa peighamber aleihi selam ba ischan reside we bedini wei der +amedend, d. i. der Ruf (der Mission) des Herrn Jesus des Propheten kam zu +ihnen und sie nahmen dessen Glauben an.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_13" id="Footnote_13"></a><a href="#FNanchor_13"><span class="label">[13]</span></a> Ueber das Land <i>Tendum</i> M. Polo's in Ritters Asien I. S. +248–256 nach Klaproth.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_14" id="Footnote_14"></a><a href="#FNanchor_14"><span class="label">[14]</span></a> Bei Ssetsen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_15" id="Footnote_15"></a><a href="#FNanchor_15"><span class="label">[15]</span></a> <i>Abika</i> und <i>Begtutmisch</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_16" id="Footnote_16"></a><a href="#FNanchor_16"><span class="label">[16]</span></a> <i>Sijurkukteni</i>, die Gemahlin Tuli's, war nicht die Tochter, +sondern die Nichte Owang Chan's; bei Ritter I. S. 297 wird sie mit +<i>Turakina</i>, der Gemahlin Ogotai's, vermengt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_17" id="Footnote_17"></a><a href="#FNanchor_17"><span class="label">[17]</span></a> Unter denen die <i>Kerait</i>, <i>Merkit</i>, <i>Uirat</i>, <i>Dschadscherat +Tatar</i>, <i>Katkin</i>, <i>Durban</i>, <i>Saldschiut</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_18" id="Footnote_18"></a><a href="#FNanchor_18"><span class="label">[18]</span></a> <i>Jeksarik</i> oder Niksarit.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_19" id="Footnote_19"></a><a href="#FNanchor_19"><span class="label">[19]</span></a> Türken sind auch die <i>Turkatun</i>, eine Art Wachen, deren nur +<i>Abulghasi</i> und nicht Reschideddin erwähnt, die <i>Tilengut</i> (Tekait), welche +Reschideddin unter den Tataren, und die <i>Mankut</i>, die er mit den <i>Nirunen</i> +aufzählt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_20" id="Footnote_20"></a><a href="#FNanchor_20"><span class="label">[20]</span></a> Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 227 und 372, und Ritter +s. ebendas.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_21" id="Footnote_21"></a><a href="#FNanchor_21"><span class="label">[21]</span></a> D'Ohsson Hist. d. Mongols I. p. 22 notes und nach demselben +Ritters Asien I. 439.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_22" id="Footnote_22"></a><a href="#FNanchor_22"><span class="label">[22]</span></a> Deguignes L. I. p. 26.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_23" id="Footnote_23"></a><a href="#FNanchor_23"><span class="label">[23]</span></a></p> +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Im Damme Gog versperret waren die Mongolen,<br /></span> +<span class="i0">Und nahmen dann in Anspruch Würd' und Stamm der Türken.<br /></span> +<span class="i16"><i>Kemal Ben Ghajass</i>.<br /></span> +</div></div> +</div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_24" id="Footnote_24"></a><a href="#FNanchor_24"><span class="label">[24]</span></a> Rubruquis und Timkowsky.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_25" id="Footnote_25"></a><a href="#FNanchor_25"><span class="label">[25]</span></a> Timkowsky's Reise nach China. Wien 1826. I. B. S. 228. 244. +II. 14.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_26" id="Footnote_26"></a><a href="#FNanchor_26"><span class="label">[26]</span></a> Reschideddin führt dabei die folgenden Verse an:</p> +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Die Donnerwolk' als Krokodil die Welt durchläuft,<br /></span> +<span class="i0">Das aus dem Meere steigt mit Ingrimm schwarz beschweift,<br /></span> +<span class="i0">Sie grinnet als ein Drach, der Unheil prophezeit,<br /></span> +<span class="i0">Und zwischen Gaum' und Zahn nur Rauch und Feuer speit.<br /></span> +</div></div> +</div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_27" id="Footnote_27"></a><a href="#FNanchor_27"><span class="label">[27]</span></a> Schmidt's Geschichte der Mongolen S. 109.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_28" id="Footnote_28"></a><a href="#FNanchor_28"><span class="label">[28]</span></a> Ebend. S. 407. 408.; über Tschengischan's Begräbnissort s. +Ritter I. 238. 482. 504. 506.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_29" id="Footnote_29"></a><a href="#FNanchor_29"><span class="label">[29]</span></a> <i>Konghirat</i>, <i>Ikiras</i>, <i>Olkonut</i>, <i>Karanut</i>, <i>Kurlas</i>, +<i>Kinkut</i>, <i>Ildschegin</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_30" id="Footnote_30"></a><a href="#FNanchor_30"><span class="label">[30]</span></a> Udawkai Jabudak.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_31" id="Footnote_31"></a><a href="#FNanchor_31"><span class="label">[31]</span></a> In Reschideddin <i>Karawin</i>, <i>Haidun</i> oder <i>Hidun</i>; bei +D'Ohsson I. Caraoun Tchidoun u. p. 73 Caravoun Cabdjal.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_32" id="Footnote_32"></a><a href="#FNanchor_32"><span class="label">[32]</span></a> So heissen in der osmanischen Reichsgeschichte die engl. +Bothschafter die <i>Grosshirnichten</i> oder <i>Grossnasichten</i>. Geschichte des +osm. Reichs V. 532.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_33" id="Footnote_33"></a><a href="#FNanchor_33"><span class="label">[33]</span></a> Schmidt's Geschichte S. 107.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_34" id="Footnote_34"></a><a href="#FNanchor_34"><span class="label">[34]</span></a> In der Sprache der Naimanen, in der mongolischen <i>Bekaul</i>. +Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_35" id="Footnote_35"></a><a href="#FNanchor_35"><span class="label">[35]</span></a> <i>Binaketi</i>; bei Ssetsen, der alle Daten der Geschichte +Tschengischan's verwirrt, ist diese Geschichte in das Jünglingsalter +Tschengischan's hinaufgerückt. Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_36" id="Footnote_36"></a><a href="#FNanchor_36"><span class="label">[36]</span></a> Diese Ringe hiessen <i>Kur</i> oder <i>Kewr</i>, was dasselbe Wort mit +dem persischen <i>Kaer</i>, wie die Steingräber in Schottland heissen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_37" id="Footnote_37"></a><a href="#FNanchor_37"><span class="label">[37]</span></a> Die chinesischen Quellen geben die Geburt Tschengischan's +ohne alle Datenbestimmung des Monats und Tages um 7 Jahre zu spät an, im J. +1162; dieselben verdienen hierin weit weniger Glauben als Reschideddin, +welcher seine Geschichte aus den mongolischen Archiven verfasst, und +Wassaf, welcher die Berechnung der chinesischen Cyklen gibt und dann zu +Ende der Regierung eine chronologische Uebersicht von Jahr zu Jahr +beifügt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_38" id="Footnote_38"></a><a href="#FNanchor_38"><span class="label">[38]</span></a> H. v. Ohsson sagt: Goulgan, dont on ne connoit que le nom; +aber Reschideddin meldet, dass Gulgan's Sohn Kodscha nach seines Vaters Tod +6000 Mann erhielt, dass dessen Sohn Urdui ein Hofdiener Kubilai's war und +dass Urdui's Sohn Abukian, weil er es mit Kaidu und den mongolischen +Prinzen hielt, hingerichtet ward.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_39" id="Footnote_39"></a><a href="#FNanchor_39"><span class="label">[39]</span></a> Dschurdschtai und Dschawur – Urdschaten.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_40" id="Footnote_40"></a><a href="#FNanchor_40"><span class="label">[40]</span></a> H. v. Ohsson p. 419 kennt nur fünf: 1. Kutschi (Fudschin) +begi, 2. Tschitschegjan, 3. Alakai, 4. Tumalin, 5. Ultalin, 6. Ilalu, diese +fehlt bei D'Ohsson.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_41" id="Footnote_41"></a><a href="#FNanchor_41"><span class="label">[41]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_42" id="Footnote_42"></a><a href="#FNanchor_42"><span class="label">[42]</span></a> Derselbe im Hauptstücke der Söhne Jisukai's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_43" id="Footnote_43"></a><a href="#FNanchor_43"><span class="label">[43]</span></a> Wassaf im Hauptstücke Tschengischan's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_44" id="Footnote_44"></a><a href="#FNanchor_44"><span class="label">[44]</span></a> Bei D'Ohsson Schebourgha.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_45" id="Footnote_45"></a><a href="#FNanchor_45"><span class="label">[45]</span></a> Reschideddin im Hauptstücke von den Tataren.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_46" id="Footnote_46"></a><a href="#FNanchor_46"><span class="label">[46]</span></a> Bei Schmidt <i>Torghan Schaain</i>, bei d'Ohsson <i>Scheburghan</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_47" id="Footnote_47"></a><a href="#FNanchor_47"><span class="label">[47]</span></a> Bei d'Ohsson p. 72 <i>Kischlik</i> und <i>Badai</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_48" id="Footnote_48"></a><a href="#FNanchor_48"><span class="label">[48]</span></a> <i>Örlök</i> ist wohl Nichts als das türkische <i>Erlik</i> – +Mannhaftigkeit.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_49" id="Footnote_49"></a><a href="#FNanchor_49"><span class="label">[49]</span></a> Bei Schmidt <i>Torghon Schaara</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_50" id="Footnote_50"></a><a href="#FNanchor_50"><span class="label">[50]</span></a> Bei Schmidt S. 381 <i>Muchuli</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_51" id="Footnote_51"></a><a href="#FNanchor_51"><span class="label">[51]</span></a> Bei Schmidt S. 381 steht <i>Sso Mergen</i>, die Dschurdschid +(welche ein Zweig der Uirangkut), S. 87, wo Subutai Behadir statt der +Uirangkute der <i>Dschurdschid</i> genannt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_52" id="Footnote_52"></a><a href="#FNanchor_52"><span class="label">[52]</span></a> Die Bedeutung gibt Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_53" id="Footnote_53"></a><a href="#FNanchor_53"><span class="label">[53]</span></a> Bei Schmidt <i>Chara Kiragho</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_54" id="Footnote_54"></a><a href="#FNanchor_54"><span class="label">[54]</span></a> Schmidt S. 89.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_55" id="Footnote_55"></a><a href="#FNanchor_55"><span class="label">[55]</span></a> Schmidt glaubt, unter den Vierfarbigen seien die Stämme der +vier Uirat zu verstehen, unter den Fünffarbigen die anderen Mongolen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_56" id="Footnote_56"></a><a href="#FNanchor_56"><span class="label">[56]</span></a> <i>Köke Mongol.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_57" id="Footnote_57"></a><a href="#FNanchor_57"><span class="label">[57]</span></a> <i>Jekta</i>, bei Wassaf im Gegensatz der <i>Ssu Monghol</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_58" id="Footnote_58"></a><a href="#FNanchor_58"><span class="label">[58]</span></a> Schmidt S. 95.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_59" id="Footnote_59"></a><a href="#FNanchor_59"><span class="label">[59]</span></a> Bei d'Ohsson S. 419 fehlt dieselbe, aber S. 111 wird sie +<i>Altunbegi</i> genannt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_60" id="Footnote_60"></a><a href="#FNanchor_60"><span class="label">[60]</span></a> <i>Dschawut Kuri</i>, auf chinesisch sagt Reschideddin <i>Emiri +moasem</i>, d. i. Grossfürst.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_61" id="Footnote_61"></a><a href="#FNanchor_61"><span class="label">[61]</span></a> <i>Owangchan</i>, Herr eines Reichs; Padischahi jek mulk.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_62" id="Footnote_62"></a><a href="#FNanchor_62"><span class="label">[62]</span></a> Kojang übersetzt Reschideddin Padischahi jek nahiet, d. i. +Monarch eines Distrikts.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_63" id="Footnote_63"></a><a href="#FNanchor_63"><span class="label">[63]</span></a> Wassaful-hasret.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_64" id="Footnote_64"></a><a href="#FNanchor_64"><span class="label">[64]</span></a> Schemschul-munschi.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_65" id="Footnote_65"></a><a href="#FNanchor_65"><span class="label">[65]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_66" id="Footnote_66"></a><a href="#FNanchor_66"><span class="label">[66]</span></a> Die Jasa in Makrisi.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_67" id="Footnote_67"></a><a href="#FNanchor_67"><span class="label">[67]</span></a> The Shajrat ul Atrak. London 1838. p. 32.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_68" id="Footnote_68"></a><a href="#FNanchor_68"><span class="label">[68]</span></a> Noch heute im Arabischen: Muschar bil bunan.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_69" id="Footnote_69"></a><a href="#FNanchor_69"><span class="label">[69]</span></a> XXV. Wort Tschengischan's in Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_70" id="Footnote_70"></a><a href="#FNanchor_70"><span class="label">[70]</span></a> Von Lafontaine bei der Audienz eines kais. Gesandten einem +Türken in den Mund gelegt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_71" id="Footnote_71"></a><a href="#FNanchor_71"><span class="label">[71]</span></a> Mirchuand.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_72" id="Footnote_72"></a><a href="#FNanchor_72"><span class="label">[72]</span></a> The treaty made between Kurachar Noyaun and Changeez Khan. +<i>The Shajrat ul Atrak</i> p. 367; und ebend. p. 381: The covenant renewed +between Changeez Khan and Kurachar Noyaun.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_73" id="Footnote_73"></a><a href="#FNanchor_73"><span class="label">[73]</span></a> The Shajrat ul Atrak S. 354.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_74" id="Footnote_74"></a><a href="#FNanchor_74"><span class="label">[74]</span></a> Timur, der Sohn Emir <i>Tharagai</i> Nujan's, des Sohnes <i>Tukil</i> +Nujan's, des Sohnes Emir <i>Belegir</i> Nujan's, des Sohnes Emir <i>Itschil</i> +Nujan's, des Sohnes Emir <i>Karadschar</i> Nujan's; <i>Abder-vesak</i> im <i>Matlaa +es-saadein</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_75" id="Footnote_75"></a><a href="#FNanchor_75"><span class="label">[75]</span></a> Nicht <i>Berolas</i>, wie Freih. v. d'Ohsson schreibt; im +dschaghataischen zu Calcutta gedruckten Wörterbuche S. 116.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_76" id="Footnote_76"></a><a href="#FNanchor_76"><span class="label">[76]</span></a> I. J. 652 (1254).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_77" id="Footnote_77"></a><a href="#FNanchor_77"><span class="label">[77]</span></a> <i>The Shajrat ul Atrak</i> p. 198. 344. 347. 352. 355. 366; die +Namen sind aber alle so verstümmelt, dass sie kaum zu erkennen, nämlich +<i>Irdümdschi</i> als Eeroomchi, <i>Kadschulai</i> als Kuchooli, <i>Songhur +Tschitschan</i> als Sooghoo chi chun.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_78" id="Footnote_78"></a><a href="#FNanchor_78"><span class="label">[78]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_79" id="Footnote_79"></a><a href="#FNanchor_79"><span class="label">[79]</span></a> Bei Rubruquis <i>Griut</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_80" id="Footnote_80"></a><a href="#FNanchor_80"><span class="label">[80]</span></a> Stritter p. 50. Step. Kniga. I. 342. Rubruquis.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_81" id="Footnote_81"></a><a href="#FNanchor_81"><span class="label">[81]</span></a> Rubruquis.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_82" id="Footnote_82"></a><a href="#FNanchor_82"><span class="label">[82]</span></a> Memoir of Baber.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_83" id="Footnote_83"></a><a href="#FNanchor_83"><span class="label">[83]</span></a> Bergman I. 60.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_84" id="Footnote_84"></a><a href="#FNanchor_84"><span class="label">[84]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_85" id="Footnote_85"></a><a href="#FNanchor_85"><span class="label">[85]</span></a> Stritt III. 60. <i>docheia</i> eorum lingua vocant; das persische +<i>Dachme</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_86" id="Footnote_86"></a><a href="#FNanchor_86"><span class="label">[86]</span></a> Batu, der Herrscher von Kipdschak, sein älterer Bruder Orda +und die anderen <i>Scherban</i>, <i>Berke</i>, <i>Berketschar</i>, <i>Tukatimur</i>, <i>Bina +Timur</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_87" id="Footnote_87"></a><a href="#FNanchor_87"><span class="label">[87]</span></a> D'Ohsson II. 193; nach Remusat.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_88" id="Footnote_88"></a><a href="#FNanchor_88"><span class="label">[88]</span></a> Mohakkak anest ki chodra berawicht, ausgemacht ist es, dass +er sich erhing. Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_89" id="Footnote_89"></a><a href="#FNanchor_89"><span class="label">[89]</span></a> D'Ohsson II. 67; nach Mailla p. 115.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_90" id="Footnote_90"></a><a href="#FNanchor_90"><span class="label">[90]</span></a> Mailla ebend.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_91" id="Footnote_91"></a><a href="#FNanchor_91"><span class="label">[91]</span></a> Die Hauptstädte Uighuristan's sind: <i>Almaligh</i> und +<i>Pischbaligh</i> erhielt den Ehrennamen der guten Stadt, <i>Kotloghbaligh</i>; wie +Bamian den der bösen, <i>Mobaligh</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_92" id="Footnote_92"></a><a href="#FNanchor_92"><span class="label">[92]</span></a> Rubruquis chap. 44.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_93" id="Footnote_93"></a><a href="#FNanchor_93"><span class="label">[93]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_94" id="Footnote_94"></a><a href="#FNanchor_94"><span class="label">[94]</span></a> Guillaume; bei Rubruquis 44.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_95" id="Footnote_95"></a><a href="#FNanchor_95"><span class="label">[95]</span></a> Bei Rubruquis 33. <i>Cerasine</i> soll <i>Tarasun</i> heissen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_96" id="Footnote_96"></a><a href="#FNanchor_96"><span class="label">[96]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_97" id="Footnote_97"></a><a href="#FNanchor_97"><span class="label">[97]</span></a> Dieser Frühlingssalon fehlt bei d'Ohsson II. 85., sowie +<i>Terghubaligh</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_98" id="Footnote_98"></a><a href="#FNanchor_98"><span class="label">[98]</span></a> In der Nähe des hohen Bergs <i>Urmuchtu</i> gingen wir herab bis +auf die Auen des Flusses <i>Schara</i>. Pallas Reisebeschreibung I. S. 79.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_99" id="Footnote_99"></a><a href="#FNanchor_99"><span class="label">[99]</span></a> Mirchuand, fehlt bei d'Ohsson S. 73.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_100" id="Footnote_100"></a><a href="#FNanchor_100"><span class="label">[100]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_101" id="Footnote_101"></a><a href="#FNanchor_101"><span class="label">[101]</span></a> Bei Plan Carpin chap. 14. le <i>Secretaire Chinguy</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_102" id="Footnote_102"></a><a href="#FNanchor_102"><span class="label">[102]</span></a> Peigbamter es tarafi choda; dschagataisches Wörterbuch, +gedruckt zu Calcutta.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_103" id="Footnote_103"></a><a href="#FNanchor_103"><span class="label">[103]</span></a> Bei d'Ohsson II. p. 85 Keusche, p. 195 geuca; in der +Handschrift der Geschichte Reschideddin's auf der kais. Hofbibliothek +Kösche.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_104" id="Footnote_104"></a><a href="#FNanchor_104"><span class="label">[104]</span></a> Wassaf nennt von dem Uluse Dschagatai's: <i>Kisil</i>, <i>Buri</i>, +<i>Paidar</i>, <i>Jesenbuka</i>, und dem Uluse Batu's: <i>Hirdu</i>, <i>Bersebai</i>, <i>Berke</i>, +<i>Berkedscha</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_105" id="Footnote_105"></a><a href="#FNanchor_105"><span class="label">[105]</span></a> <i>Bajoth noi</i>, Bajoth est son nom propre, et <i>Noy</i> est un nom +de dignité. Plan Carpin chap. 10. soll heissen <i>Baidschu Nojan</i> oder +<i>Nowin</i>, was richtig der mongolische Fürstentitel.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_106" id="Footnote_106"></a><a href="#FNanchor_106"><span class="label">[106]</span></a> Be takallub u tehewwur maaruf heisst heftig und +wankelmüthig, nicht grave et severe, wie bei d'Ohsson II. 234.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_107" id="Footnote_107"></a><a href="#FNanchor_107"><span class="label">[107]</span></a> Mirchuand und Dschihanguschai.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_108" id="Footnote_108"></a><a href="#FNanchor_108"><span class="label">[108]</span></a> Mirchuand.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_109" id="Footnote_109"></a><a href="#FNanchor_109"><span class="label">[109]</span></a> Plan Carpin chap. 9.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_110" id="Footnote_110"></a><a href="#FNanchor_110"><span class="label">[110]</span></a> Mirchuand.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_111" id="Footnote_111"></a><a href="#FNanchor_111"><span class="label">[111]</span></a> Plan Carpin ch. 9.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_112" id="Footnote_112"></a><a href="#FNanchor_112"><span class="label">[112]</span></a> Au côté droit personne n'étoit assis; ebend.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_113" id="Footnote_113"></a><a href="#FNanchor_113"><span class="label">[113]</span></a> Reschideddin. Mirchuand.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_114" id="Footnote_114"></a><a href="#FNanchor_114"><span class="label">[114]</span></a> Bei d'Ohsson II. 249. irrig le général Mangoussar.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_115" id="Footnote_115"></a><a href="#FNanchor_115"><span class="label">[115]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_116" id="Footnote_116"></a><a href="#FNanchor_116"><span class="label">[116]</span></a> Derselbe.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_117" id="Footnote_117"></a><a href="#FNanchor_117"><span class="label">[117]</span></a> Dschihanguscha u. Mirchuand und nach demselben d'Ohsson II. +272.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_118" id="Footnote_118"></a><a href="#FNanchor_118"><span class="label">[118]</span></a> Bei Rubruquis chap. 29. <i>Jani</i> statt <i>Jam</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_119" id="Footnote_119"></a><a href="#FNanchor_119"><span class="label">[119]</span></a> Wassaf; bei d'Ohsson II. 263. à sept.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_120" id="Footnote_120"></a><a href="#FNanchor_120"><span class="label">[120]</span></a> D'Ohsson II. 267. hat aber Nichts vom Folgenden.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_121" id="Footnote_121"></a><a href="#FNanchor_121"><span class="label">[121]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_122" id="Footnote_122"></a><a href="#FNanchor_122"><span class="label">[122]</span></a> Firischte und nach demselben d'Ohsson II. 280.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_123" id="Footnote_123"></a><a href="#FNanchor_123"><span class="label">[123]</span></a> Fethol-fatuh.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_124" id="Footnote_124"></a><a href="#FNanchor_124"><span class="label">[124]</span></a> Kiran Saadein; dieser Titel ist das Muster des <i>Matlaai +Saadein</i>, d. i. der Aufgang zweier Glückssterne von <i>Abderresak</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_125" id="Footnote_125"></a><a href="#FNanchor_125"><span class="label">[125]</span></a> Dschihannuma S. 281.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_126" id="Footnote_126"></a><a href="#FNanchor_126"><span class="label">[126]</span></a> Von diesen ist in Deguignes keine Kunde; Wassaf behandelt +aber im 13. Kap. des IV. Buchs unmittelbar vor der Eroberung Kerman's ihre +Geschichte, welche auch im Munedschimbaschi und im Dschihannuma S. 279 +wiederholt ist.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_127" id="Footnote_127"></a><a href="#FNanchor_127"><span class="label">[127]</span></a> <i>Melikol-gharb.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_128" id="Footnote_128"></a><a href="#FNanchor_128"><span class="label">[128]</span></a> Geschte war, gischte pflanzte, küschte erschlagen, diwan +Plural von <i>Diw</i> und Diwan die Rathsversammlung.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_129" id="Footnote_129"></a><a href="#FNanchor_129"><span class="label">[129]</span></a> i. J. 566 (1170).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_130" id="Footnote_130"></a><a href="#FNanchor_130"><span class="label">[130]</span></a> seit 576 (1180).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_131" id="Footnote_131"></a><a href="#FNanchor_131"><span class="label">[131]</span></a> seit 629 (1231).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_132" id="Footnote_132"></a><a href="#FNanchor_132"><span class="label">[132]</span></a> seit 464 (1071).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_133" id="Footnote_133"></a><a href="#FNanchor_133"><span class="label">[133]</span></a> i. J. 814 (1411).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_134" id="Footnote_134"></a><a href="#FNanchor_134"><span class="label">[134]</span></a> i. J. 629 (1231).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_135" id="Footnote_135"></a><a href="#FNanchor_135"><span class="label">[135]</span></a> I. J. 606 (1209).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_136" id="Footnote_136"></a><a href="#FNanchor_136"><span class="label">[136]</span></a> Von 1209–1349.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_137" id="Footnote_137"></a><a href="#FNanchor_137"><span class="label">[137]</span></a> Geschichte Taberistan's und Masenderan's von Sahireddin, auf +der kaiserl. Bibliothek zu Wien, schon in der Geschichte der Assassinen S. +230 benützt, wo statt <i>Badusian</i> <i>Badusgan</i> gedruckt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_138" id="Footnote_138"></a><a href="#FNanchor_138"><span class="label">[138]</span></a> <i>Ben Dschil</i>, <i>B. Gilan</i>, <i>B. Firus</i>, <i>B. Nersi</i>, <i>B. +Dschaut</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_139" id="Footnote_139"></a><a href="#FNanchor_139"><span class="label">[139]</span></a> i. J. 610 (1214).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_140" id="Footnote_140"></a><a href="#FNanchor_140"><span class="label">[140]</span></a> En ce même tems les Ambassadeurs de Vastarce étoient logés +bien près de nous. Rubruquis. Ch. 32.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_141" id="Footnote_141"></a><a href="#FNanchor_141"><span class="label">[141]</span></a> Dschamischi Mirchuand.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_142" id="Footnote_142"></a><a href="#FNanchor_142"><span class="label">[142]</span></a> <i>Dschurdsche Ikadschi</i> die Mutter Kuchurtai's, <i>Il Ikadschi</i> +die Mutter Huladschu des zwölften Sohnes, und die Mutter des vierten Sohnes +<i>Tedekadu</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_143" id="Footnote_143"></a><a href="#FNanchor_143"><span class="label">[143]</span></a> Les femmes ont un ornement de tête, qu'ils appellent +<i>Botta</i>. Rubruq. ch. 15.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_144" id="Footnote_144"></a><a href="#FNanchor_144"><span class="label">[144]</span></a> <i>Banui Mehin.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_145" id="Footnote_145"></a><a href="#FNanchor_145"><span class="label">[145]</span></a> Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256), gest. 16. +Moharrem 681 (26. April 1282), welcher aber ein Donnerstag, nicht ein +Montag, wie in Reschideddin vermuthlich durch Schreibfehler, sowie der 23. +October 1256 ein Montag und nicht ein Sonntag war.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_146" id="Footnote_146"></a><a href="#FNanchor_146"><span class="label">[146]</span></a> Reschideddin im Abschnitte der <i>Uirat</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_147" id="Footnote_147"></a><a href="#FNanchor_147"><span class="label">[147]</span></a> Im Schedschretol Etrak S. 243 heisst er <i>Tumgha Oghul</i>; his +eldest son soll heissen: sein jüngster Sohn; der älteste war Abaka.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_148" id="Footnote_148"></a><a href="#FNanchor_148"><span class="label">[148]</span></a> Bei Bar. Hebräus ex parte Schagatai Techodar p. 536.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_149" id="Footnote_149"></a><a href="#FNanchor_149"><span class="label">[149]</span></a> Bei Bar. Hebr. Bulghai filius <i>Sibkani</i> et <i>Kotar</i> et +<i>Koli</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_150" id="Footnote_150"></a><a href="#FNanchor_150"><span class="label">[150]</span></a> Relation de l'expédition de Houlagou par Abel Rémusat. +Journal asiatique II. p. 283.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_151" id="Footnote_151"></a><a href="#FNanchor_151"><span class="label">[151]</span></a> Ganz übereinstimmend mit dem, was hierüber Rubruquis ch. 29 +und Plan Carpin 145 berichten, und nach ihnen Ritter, Asia I. S. 429.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_152" id="Footnote_152"></a><a href="#FNanchor_152"><span class="label">[152]</span></a> Mirchuand.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_153" id="Footnote_153"></a><a href="#FNanchor_153"><span class="label">[153]</span></a> Das Dschihannuma nennt S. 353 <i>Rudi Dschadsch</i>, <i>Rudi +Hasek</i>, <i>Rudi Dschowan</i> und die beiden aus dem Stadtthor fliessenden <i>Nehr +Kassarin</i>, d. i. der Fluss der Walker, und <i>Nehr Eswed</i>, d. i. der schwarze +Fluss.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_154" id="Footnote_154"></a><a href="#FNanchor_154"><span class="label">[154]</span></a> <i>Kohondos</i> ist das Schloss, <i>Scharistan</i> die Stadt, <i>Rabsch</i> +die Vorstadt; die Namen der Thore im Dschihannuma: das <i>eiserne</i>, das des +<i>Flusses</i>, das <i>Abdallah's</i> und das <i>Turkistan's</i>, welches der Namen eines +vor demselben gelegenen Dorfes.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_155" id="Footnote_155"></a><a href="#FNanchor_155"><span class="label">[155]</span></a> als <i>Kebtaul</i>(?); Reschideddin sowohl unter dem Artikel +<i>Dschelair</i>, als unter dem <i>Uirat</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_156" id="Footnote_156"></a><a href="#FNanchor_156"><span class="label">[156]</span></a> Reschideddin nennt acht: <i>Kerrai Melik</i>, <i>Turaschi</i>, +<i>Newrus</i>, <i>Legsi</i>, <i>Dschami</i>, <i>Jutkotlogh</i>, <i>Bulduk</i>, <i>Uiratai</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_157" id="Footnote_157"></a><a href="#FNanchor_157"><span class="label">[157]</span></a> Im Schedschretol eschrak S. 243 ist der Name <i>Scheburghan</i> +in <i>Surghan</i> verstümmelt, und gleich das <i>Chuarschah</i> in <i>Chuaresmschah</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_158" id="Footnote_158"></a><a href="#FNanchor_158"><span class="label">[158]</span></a> Dschihannuma S. 316.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_159" id="Footnote_159"></a><a href="#FNanchor_159"><span class="label">[159]</span></a> Dschihannuma S. 322 Nushetul-muschtak.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_160" id="Footnote_160"></a><a href="#FNanchor_160"><span class="label">[160]</span></a> Quatremère mémoire historique sur la vie et le ouvrages +<i>d'Alaeddin Ata Melik Djouaeiny</i>, mines de l'orient I. p. 220.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_161" id="Footnote_161"></a><a href="#FNanchor_161"><span class="label">[161]</span></a> Nushet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_162" id="Footnote_162"></a><a href="#FNanchor_162"><span class="label">[162]</span></a> Reschideddin, schon im Journal asiat. übersetzt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_163" id="Footnote_163"></a><a href="#FNanchor_163"><span class="label">[163]</span></a> <i>Takwimol-boldan</i>, die Ephemeriden der Länder.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_164" id="Footnote_164"></a><a href="#FNanchor_164"><span class="label">[164]</span></a> <i>Nushetol-Kolub</i>, die Ergötzungen der Herzen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_165" id="Footnote_165"></a><a href="#FNanchor_165"><span class="label">[165]</span></a> <i>Dschihannuma</i>, die Weltschau.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_166" id="Footnote_166"></a><a href="#FNanchor_166"><span class="label">[166]</span></a> Schebchun awerdend dscherkera charab kerdend; aus der +fehlerhaften Schreibart des Manuscripts der Hofbibliothek sind in der +französischen Uebersetzung irrig zwei eigene Namen von Cheikhorun und Herke +entstanden; so heisst in der Geschichte der Assassinen <i>Keitbuka Nujan</i> +irrig Kajukanian.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_167" id="Footnote_167"></a><a href="#FNanchor_167"><span class="label">[167]</span></a> <i>Sirkuh</i> im Dschihannuma S. 326 mit den Namen der drei dazu +gehörigen Flecken.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_168" id="Footnote_168"></a><a href="#FNanchor_168"><span class="label">[168]</span></a> <i>Mobareseddin Ali Turan</i> und <i>Schudschaaeddin Hasan</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_169" id="Footnote_169"></a><a href="#FNanchor_169"><span class="label">[169]</span></a> In Reschideddin ist hier eine Verwirrung der Daten, indem +das Jahr nicht richtig angegeben; nämlich 651 statt 653, wie aus dem Nushet +zu ersehen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_170" id="Footnote_170"></a><a href="#FNanchor_170"><span class="label">[170]</span></a> <i>Mohteschim</i>, so hiessen die Commandeure der Assassinen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_171" id="Footnote_171"></a><a href="#FNanchor_171"><span class="label">[171]</span></a> Achlaki Nassiri.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_172" id="Footnote_172"></a><a href="#FNanchor_172"><span class="label">[172]</span></a> Auf Fraser's Karte <i>Ghain</i> oder <i>Kain</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_173" id="Footnote_173"></a><a href="#FNanchor_173"><span class="label">[173]</span></a> Nushet und nach demselben das Dschihannuma S. 325.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_174" id="Footnote_174"></a><a href="#FNanchor_174"><span class="label">[174]</span></a> <i>Chawwaf</i> und <i>Sawa</i>, ebend. S. 319.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_175" id="Footnote_175"></a><a href="#FNanchor_175"><span class="label">[175]</span></a> Den Namen Keitbuka verstümmelt der Uebersetzer des +Schedschretol-etrak in Kunooka S. 245, sowie den Sultan Aegyptens, +<i>Seifeddin Kotus</i>, in Syfe-ud-din Furdooz und <i>Jaschmut</i> in Bishmoot.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_176" id="Footnote_176"></a><a href="#FNanchor_176"><span class="label">[176]</span></a> 203 (818).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_177" id="Footnote_177"></a><a href="#FNanchor_177"><span class="label">[177]</span></a> I. J. 193 (809).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_178" id="Footnote_178"></a><a href="#FNanchor_178"><span class="label">[178]</span></a> Gest. im J. 411 (1020).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_179" id="Footnote_179"></a><a href="#FNanchor_179"><span class="label">[179]</span></a> Im Dschihannuma S. 318 durch Druckfehler Senabad.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_180" id="Footnote_180"></a><a href="#FNanchor_180"><span class="label">[180]</span></a> Narrative of a journey into Khorassan 444.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_181" id="Footnote_181"></a><a href="#FNanchor_181"><span class="label">[181]</span></a> Fraser 519.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_182" id="Footnote_182"></a><a href="#FNanchor_182"><span class="label">[182]</span></a> Terghu, dies ist der wahre Sinn, der in der französ. +Uebersetzung im journ. as. verfehlt ist: les dames reçurent des titres.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_183" id="Footnote_183"></a><a href="#FNanchor_183"><span class="label">[183]</span></a> Manuscript, Mirchuand, Dschihannuma S. 323. bei Quatremère +mémoire d'Ata Melik dasselbe unrichtig Djouvuchan und unrichtig nach der +Eroberung Alamut's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_184" id="Footnote_184"></a><a href="#FNanchor_184"><span class="label">[184]</span></a> Beigtimur Kurdschi, Sahireddin Sipehsalar Bitekdschi, Schati +Emir.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_185" id="Footnote_185"></a><a href="#FNanchor_185"><span class="label">[185]</span></a> Fraser nach Price im J. 242.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_186" id="Footnote_186"></a><a href="#FNanchor_186"><span class="label">[186]</span></a> I. J. 261 (874).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_187" id="Footnote_187"></a><a href="#FNanchor_187"><span class="label">[187]</span></a> Seine Lebensbeschreibung die 42. im Nefhatol Ins. +Dschami's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_188" id="Footnote_188"></a><a href="#FNanchor_188"><span class="label">[188]</span></a> Gest. i. J. 858 (1454).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_189" id="Footnote_189"></a><a href="#FNanchor_189"><span class="label">[189]</span></a> I. J. 875 (1470).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_190" id="Footnote_190"></a><a href="#FNanchor_190"><span class="label">[190]</span></a> Geschichte des osm. Reichs II. B. S. 76 und S. 351, wo die +Titel von zwanzig seiner Werke.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_191" id="Footnote_191"></a><a href="#FNanchor_191"><span class="label">[191]</span></a> Merketai und Ikilmisch.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_192" id="Footnote_192"></a><a href="#FNanchor_192"><span class="label">[192]</span></a> <i>Reiseddewlet</i> und <i>Muwafikeddewlet</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_193" id="Footnote_193"></a><a href="#FNanchor_193"><span class="label">[193]</span></a> <i>Suseni</i>, nicht <i>Rouveni</i>, wie in der französ. +Uebersetzung.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_194" id="Footnote_194"></a><a href="#FNanchor_194"><span class="label">[194]</span></a> <i>Ssadreddin</i>, <i>Sahireddin</i>, <i>Tolek Behadir</i> und <i>Berrak</i> +(der erste fehlt in der franz. Uebersetzung).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_195" id="Footnote_195"></a><a href="#FNanchor_195"><span class="label">[195]</span></a> Nicht Koudraghoul, wie in der franz. Uebersetzung.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_196" id="Footnote_196"></a><a href="#FNanchor_196"><span class="label">[196]</span></a> Morier second journ. 363.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_197" id="Footnote_197"></a><a href="#FNanchor_197"><span class="label">[197]</span></a> Firuskjuh, auf der Strasse von Demghan nach Tehran, nahe bei +Demawend, auf Frasers Karte; nach dem Nushet ebenfalls hart an Demawend +gelegen; in Dschihann. S. 339 unter <i>Girdkjuh</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_198" id="Footnote_198"></a><a href="#FNanchor_198"><span class="label">[198]</span></a> Morier second journey p. 357.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_199" id="Footnote_199"></a><a href="#FNanchor_199"><span class="label">[199]</span></a> The wretched village of Abbasabad. Fraser 248.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_200" id="Footnote_200"></a><a href="#FNanchor_200"><span class="label">[200]</span></a> Thalkan, wie Semnan, eine Stadt der <i>Tocharistan</i> genannten +Landschaft. <i>Nushet</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_201" id="Footnote_201"></a><a href="#FNanchor_201"><span class="label">[201]</span></a> <i>Meimundis</i> findet sich weder im Manuscript, noch im +Dschihannuma, es scheint dasselbe <i>Meimend</i> zu sein, was im Nushet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_202" id="Footnote_202"></a><a href="#FNanchor_202"><span class="label">[202]</span></a> <i>Sergūseschti Sidina.</i> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_203" id="Footnote_203"></a><a href="#FNanchor_203"><span class="label">[203]</span></a> Nach ihm auch <i>Claproth</i>: „Hier erzählt man sich, er habe, +als er eine 12 Werste von der Buchtana in einen Felsen gehauene Hieroglyphe +nicht entziffern konnte, sie heraushauen lassen, um keinem anderen den Ruhm +zu lassen.“ Briefe aus Sibirien; im Ausland Nr. 102 vom 11. April 1836.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_204" id="Footnote_204"></a><a href="#FNanchor_204"><span class="label">[204]</span></a> Traces of a very extended line of towers connected with +walls and so situated as to appear to the gazer below absolute impregnable. +I. p. 289.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_205" id="Footnote_205"></a><a href="#FNanchor_205"><span class="label">[205]</span></a> Insgemein <i>Lemsir</i> geschrieben; am 20. Silkide 495 (5. Sept. +1102). Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_206" id="Footnote_206"></a><a href="#FNanchor_206"><span class="label">[206]</span></a> Fraser p. 248.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_207" id="Footnote_207"></a><a href="#FNanchor_207"><span class="label">[207]</span></a> Mulahide sachte end bighajet muhkemest.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_208" id="Footnote_208"></a><a href="#FNanchor_208"><span class="label">[208]</span></a> Hamdallah und im Dschihannuma <i>Alamut</i> S. 296, <i>Tun</i>, +<i>Kain</i>, <i>Dschenabdar</i> S. 325, <i>Muminabad</i> S. 326.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_209" id="Footnote_209"></a><a href="#FNanchor_209"><span class="label">[209]</span></a> Nach Reschideddin vom J. d. H. 477–654, nach Hadschi Chalfa +v. J. d. H. 483 angefangen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_210" id="Footnote_210"></a><a href="#FNanchor_210"><span class="label">[210]</span></a> Ausführlich zu Ende des <i>Tarichi Güside</i>, kürzer im +<i>Nushetol-Kolub</i>; nach beiden und nach dem <i>Tedwin</i> Imam Rafii's, das +Dschihannuma S. 293.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_211" id="Footnote_211"></a><a href="#FNanchor_211"><span class="label">[211]</span></a> I. J. 463 der alexandrinischen Aere.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_212" id="Footnote_212"></a><a href="#FNanchor_212"><span class="label">[212]</span></a> I. J. 204 (819).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_213" id="Footnote_213"></a><a href="#FNanchor_213"><span class="label">[213]</span></a> I. J. 411 (1020).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_214" id="Footnote_214"></a><a href="#FNanchor_214"><span class="label">[214]</span></a> I. J. 572 (1176).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_215" id="Footnote_215"></a><a href="#FNanchor_215"><span class="label">[215]</span></a> I. J. 500 (1106).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_216" id="Footnote_216"></a><a href="#FNanchor_216"><span class="label">[216]</span></a> I. J. 548 (1153).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_217" id="Footnote_217"></a><a href="#FNanchor_217"><span class="label">[217]</span></a> Aasu Kaswine feinnehu min aala babil-dschenneti, +Dschihannuma S. 293.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_218" id="Footnote_218"></a><a href="#FNanchor_218"><span class="label">[218]</span></a> Morier second journey. p. 203.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_219" id="Footnote_219"></a><a href="#FNanchor_219"><span class="label">[219]</span></a> Dschihannuma, ebend.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_220" id="Footnote_220"></a><a href="#FNanchor_220"><span class="label">[220]</span></a> Adschaibol machlukat.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_221" id="Footnote_221"></a><a href="#FNanchor_221"><span class="label">[221]</span></a> Charidetol-gharaib.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_222" id="Footnote_222"></a><a href="#FNanchor_222"><span class="label">[222]</span></a> Tarichi Güside.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_223" id="Footnote_223"></a><a href="#FNanchor_223"><span class="label">[223]</span></a> Nushetol-kolub.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_224" id="Footnote_224"></a><a href="#FNanchor_224"><span class="label">[224]</span></a> Fersendani Aferinisch u Longtar.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_225" id="Footnote_225"></a><a href="#FNanchor_225"><span class="label">[225]</span></a> Im J. 641 (1243); Nochbetettewarich, der Ort in +Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_226" id="Footnote_226"></a><a href="#FNanchor_226"><span class="label">[226]</span></a> Dschihannuma S. 299 und das Nushet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_227" id="Footnote_227"></a><a href="#FNanchor_227"><span class="label">[227]</span></a> Im J. 23 (643).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_228" id="Footnote_228"></a><a href="#FNanchor_228"><span class="label">[228]</span></a> Im J. 320 (932).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_229" id="Footnote_229"></a><a href="#FNanchor_229"><span class="label">[229]</span></a> Im J. 618 (1221).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_230" id="Footnote_230"></a><a href="#FNanchor_230"><span class="label">[230]</span></a> Dschihannuma S. 300.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_231" id="Footnote_231"></a><a href="#FNanchor_231"><span class="label">[231]</span></a> Morier second journ. p. 265. 269. Malcolm's Geschichte.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_232" id="Footnote_232"></a><a href="#FNanchor_232"><span class="label">[232]</span></a> Am 1. Dchemasiul sani 627 (26. April 1230). Dewletschah, +glaubwürdiger, als andere Daten, welche in der Geschichte der persischen +Redekünste S. 141 durch Druckfehler verstümmelt sind, indem 727, 732 für +719, 627, 632, 619 steht.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_233" id="Footnote_233"></a><a href="#FNanchor_233"><span class="label">[233]</span></a> Haitho ch. 18; Marino Sanuto III. pars 13. ch. 5. und nach +demselben d'Ohsson III. p. 81.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_234" id="Footnote_234"></a><a href="#FNanchor_234"><span class="label">[234]</span></a> Vincent. Bellov. Spec. hist. L. XXXI. c. 28 und nach +demselben d'Ohsson III. p. 83.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_235" id="Footnote_235"></a><a href="#FNanchor_235"><span class="label">[235]</span></a> Bar. Hebr. und d'Ohsson III. 85.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_236" id="Footnote_236"></a><a href="#FNanchor_236"><span class="label">[236]</span></a> Ascelin, bei Vincent de Beauvais und in Remusat's Mémoire +sur les rapports des princes Chrétiens avec les Tatares, in den mémoires de +l'Institut de France VI. p. 422.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_237" id="Footnote_237"></a><a href="#FNanchor_237"><span class="label">[237]</span></a> Ebenda S. 426.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_238" id="Footnote_238"></a><a href="#FNanchor_238"><span class="label">[238]</span></a> d'Ohsson III. 103–118.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_239" id="Footnote_239"></a><a href="#FNanchor_239"><span class="label">[239]</span></a> Mirchuand.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_240" id="Footnote_240"></a><a href="#FNanchor_240"><span class="label">[240]</span></a> Die grössere Umständlichkeit dieser Uebersicht hat noch die +Kritik Herrn v. Poujoulat's im Temps 18. Mars 1836 angeregt, welcher +findet, dass in der Geschichte des osm. Reichs die Anarchie des +byzantinischen Reichs nicht ausführlich genug charakterisirt worden: +Peutêtre devoit il mieux caractériser l'anarchie de l'empire grec morcelé +par les croisades.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_241" id="Footnote_241"></a><a href="#FNanchor_241"><span class="label">[241]</span></a> Elmacinus p. 255. – Hadschi Chalfa's chronologische +Tafeln.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_242" id="Footnote_242"></a><a href="#FNanchor_242"><span class="label">[242]</span></a> Nochbet; Sojuti.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_243" id="Footnote_243"></a><a href="#FNanchor_243"><span class="label">[243]</span></a> Munedschimbaschi.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_244" id="Footnote_244"></a><a href="#FNanchor_244"><span class="label">[244]</span></a> Sojuti, Munedschimbaschi.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_245" id="Footnote_245"></a><a href="#FNanchor_245"><span class="label">[245]</span></a> Nochbet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_246" id="Footnote_246"></a><a href="#FNanchor_246"><span class="label">[246]</span></a> Sojuti und Nochbet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_247" id="Footnote_247"></a><a href="#FNanchor_247"><span class="label">[247]</span></a> Munedschimbaschi.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_248" id="Footnote_248"></a><a href="#FNanchor_248"><span class="label">[248]</span></a> Emineddewlet we eminol-millet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_249" id="Footnote_249"></a><a href="#FNanchor_249"><span class="label">[249]</span></a> Moiseddewlet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_250" id="Footnote_250"></a><a href="#FNanchor_250"><span class="label">[250]</span></a> Adhadeddewlet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_251" id="Footnote_251"></a><a href="#FNanchor_251"><span class="label">[251]</span></a> Fachreddewlet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_252" id="Footnote_252"></a><a href="#FNanchor_252"><span class="label">[252]</span></a> Scherfeddewlet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_253" id="Footnote_253"></a><a href="#FNanchor_253"><span class="label">[253]</span></a> Ssamssameddewlet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_254" id="Footnote_254"></a><a href="#FNanchor_254"><span class="label">[254]</span></a> Behaeddewlet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_255" id="Footnote_255"></a><a href="#FNanchor_255"><span class="label">[255]</span></a> Imadeddewlet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_256" id="Footnote_256"></a><a href="#FNanchor_256"><span class="label">[256]</span></a> Iseddewlet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_257" id="Footnote_257"></a><a href="#FNanchor_257"><span class="label">[257]</span></a> Moschrifeddewlet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_258" id="Footnote_258"></a><a href="#FNanchor_258"><span class="label">[258]</span></a> Dschelaleddewlet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_259" id="Footnote_259"></a><a href="#FNanchor_259"><span class="label">[259]</span></a> S. Garcin de Tassy und S. de Sacy's Anthologie.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_260" id="Footnote_260"></a><a href="#FNanchor_260"><span class="label">[260]</span></a> In Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln i. J. 397, 417, 424; im +Munedschimbaschi i. J. 384 (994).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_261" id="Footnote_261"></a><a href="#FNanchor_261"><span class="label">[261]</span></a> Im J. 443 (1051) und 458 (1065).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_262" id="Footnote_262"></a><a href="#FNanchor_262"><span class="label">[262]</span></a> 460 (1067), Nochbet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_263" id="Footnote_263"></a><a href="#FNanchor_263"><span class="label">[263]</span></a> Nochbet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_264" id="Footnote_264"></a><a href="#FNanchor_264"><span class="label">[264]</span></a> I. J. 462 (1069); Nochbet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_265" id="Footnote_265"></a><a href="#FNanchor_265"><span class="label">[265]</span></a> I. J. 466 (1073) und i. J. 454 (1061).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_266" id="Footnote_266"></a><a href="#FNanchor_266"><span class="label">[266]</span></a> Hei ala chairil ammel.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_267" id="Footnote_267"></a><a href="#FNanchor_267"><span class="label">[267]</span></a> Nochbet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_268" id="Footnote_268"></a><a href="#FNanchor_268"><span class="label">[268]</span></a> I. J. 459 (1066).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_269" id="Footnote_269"></a><a href="#FNanchor_269"><span class="label">[269]</span></a> Alparslan i. J. 465 (1072); Kaimbiemrillah i. J. 467 +(1074).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_270" id="Footnote_270"></a><a href="#FNanchor_270"><span class="label">[270]</span></a> Melekschah i. J. 485 (1092); Moktefi i. J. 487 (1094).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_271" id="Footnote_271"></a><a href="#FNanchor_271"><span class="label">[271]</span></a> Das Nochbet nach dem <i>Ikdol-dscheman</i> Ibnol-dschewsi's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_272" id="Footnote_272"></a><a href="#FNanchor_272"><span class="label">[272]</span></a> I. J. 514 (1120).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_273" id="Footnote_273"></a><a href="#FNanchor_273"><span class="label">[273]</span></a> Re, Elif und folglich Raschid, und nicht Reschid, was der +Beiname Harun's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_274" id="Footnote_274"></a><a href="#FNanchor_274"><span class="label">[274]</span></a> Rampoldi VII. 289.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_275" id="Footnote_275"></a><a href="#FNanchor_275"><span class="label">[275]</span></a> Ruhol-aarifin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_276" id="Footnote_276"></a><a href="#FNanchor_276"><span class="label">[276]</span></a> <i>Danischmend.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_277" id="Footnote_277"></a><a href="#FNanchor_277"><span class="label">[277]</span></a> <i>Muid.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_278" id="Footnote_278"></a><a href="#FNanchor_278"><span class="label">[278]</span></a> Dschihannuma S. 466.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_279" id="Footnote_279"></a><a href="#FNanchor_279"><span class="label">[279]</span></a> Hadschi Chalfa's chronologische Tafeln und Kamus.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_280" id="Footnote_280"></a><a href="#FNanchor_280"><span class="label">[280]</span></a> Haschischin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_281" id="Footnote_281"></a><a href="#FNanchor_281"><span class="label">[281]</span></a> Nochbet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_282" id="Footnote_282"></a><a href="#FNanchor_282"><span class="label">[282]</span></a> Ebenda nach Noveiri; bei d'Ohsson III. S. 89.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_283" id="Footnote_283"></a><a href="#FNanchor_283"><span class="label">[283]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_284" id="Footnote_284"></a><a href="#FNanchor_284"><span class="label">[284]</span></a> d'Ohsson III. p. 200, nach Noveiri.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_285" id="Footnote_285"></a><a href="#FNanchor_285"><span class="label">[285]</span></a> Horna an instrument of conveyance, the Pureyhorn, the +Borrstalhorn, Brusshorn u. s. w., im dritten Bande der Archaeologia +britannica I. 7.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_286" id="Footnote_286"></a><a href="#FNanchor_286"><span class="label">[286]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_287" id="Footnote_287"></a><a href="#FNanchor_287"><span class="label">[287]</span></a> Derselbe.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_288" id="Footnote_288"></a><a href="#FNanchor_288"><span class="label">[288]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_289" id="Footnote_289"></a><a href="#FNanchor_289"><span class="label">[289]</span></a> Nochbet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_290" id="Footnote_290"></a><a href="#FNanchor_290"><span class="label">[290]</span></a> Nochbet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_291" id="Footnote_291"></a><a href="#FNanchor_291"><span class="label">[291]</span></a> Nochbet, Hadschi Chalfa's chronol. Tafeln.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_292" id="Footnote_292"></a><a href="#FNanchor_292"><span class="label">[292]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_293" id="Footnote_293"></a><a href="#FNanchor_293"><span class="label">[293]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_294" id="Footnote_294"></a><a href="#FNanchor_294"><span class="label">[294]</span></a> d'Ohsson III. 222 gibt die Botschaft, aber nicht die +Antwort, und sagt: Houlagou les congédia sans faire grande attention à +leurs discours.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_295" id="Footnote_295"></a><a href="#FNanchor_295"><span class="label">[295]</span></a> Dschihannuma S. 456.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_296" id="Footnote_296"></a><a href="#FNanchor_296"><span class="label">[296]</span></a> Nökeri gesik.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_297" id="Footnote_297"></a><a href="#FNanchor_297"><span class="label">[297]</span></a> Reschideddin setzt die Verse hinzu:</p> +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Was sind Ameisen mir, was Elephantenwuth,<br /></span> +<span class="i0">Was Quell, was Fluss und was des Niles Fluth;<br /></span> +<span class="i0">Und wenn sich der Befehl von Gott nun anders wendet,<br /></span> +<span class="i0">Wer weiss wohl ausser Ihm, wie dieses Werk noch endet.<br /></span> +</div></div> +</div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_298" id="Footnote_298"></a><a href="#FNanchor_298"><span class="label">[298]</span></a> Bei Köschk Manssur ober Mesrike; Reschideddin. Wassaf sagt: +in der Nähe von Dudscheil.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_299" id="Footnote_299"></a><a href="#FNanchor_299"><span class="label">[299]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_300" id="Footnote_300"></a><a href="#FNanchor_300"><span class="label">[300]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_301" id="Footnote_301"></a><a href="#FNanchor_301"><span class="label">[301]</span></a> <i>Dscharlik</i>, eigentlich Diakon.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_302" id="Footnote_302"></a><a href="#FNanchor_302"><span class="label">[302]</span></a> <i>Babol-Halbe.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_303" id="Footnote_303"></a><a href="#FNanchor_303"><span class="label">[303]</span></a> Ein schiitischer Molla, welcher aus der Inschrift das <i>La</i> +(nicht) weglöschte, ward mit siebzig Stockstreichen bestraft. Wassaf. +Mirchuand; Noveiri; bei d'Ohsson III. p. 243.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_304" id="Footnote_304"></a><a href="#FNanchor_304"><span class="label">[304]</span></a> Das Schreiben des Langen noch bei Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_305" id="Footnote_305"></a><a href="#FNanchor_305"><span class="label">[305]</span></a> Reschideddin; Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_306" id="Footnote_306"></a><a href="#FNanchor_306"><span class="label">[306]</span></a> d'Ohsson III. 256. près de Hamadan où étoient restés ses +Oghruks (Aghrik); das türkische Aghirlik heisst das schwere Gepäck.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_307" id="Footnote_307"></a><a href="#FNanchor_307"><span class="label">[307]</span></a> <i>Adabes-Sultanijet.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_308" id="Footnote_308"></a><a href="#FNanchor_308"><span class="label">[308]</span></a> Am 18. Ramasan 630.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_309" id="Footnote_309"></a><a href="#FNanchor_309"><span class="label">[309]</span></a> Dschihannuma S. 346 und 347 ein volles Blatt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_310" id="Footnote_310"></a><a href="#FNanchor_310"><span class="label">[310]</span></a> Porter sagt hierüber II. 592. 593.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_311" id="Footnote_311"></a><a href="#FNanchor_311"><span class="label">[311]</span></a> Dschihangir ne Dschihandar.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_312" id="Footnote_312"></a><a href="#FNanchor_312"><span class="label">[312]</span></a> 1. <i>Moejeddin Ben Irsi</i> von Damaskus, 2. <i>Nedschmeddin +Kjatib</i> von Kaswin, 3. Fachreddin von Mossul, gebürtig von Meraasch, 4. +Fachreddin von Tiflis, gebürtig von Achlat.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_313" id="Footnote_313"></a><a href="#FNanchor_313"><span class="label">[313]</span></a> als die von <i>Fachir</i>, <i>Alai</i>, <i>Schahi</i>, <i>Guschjar</i>. Wassaf. +d'Ohsson III. 265.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_314" id="Footnote_314"></a><a href="#FNanchor_314"><span class="label">[314]</span></a> <i>Tarichi Güside.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_315" id="Footnote_315"></a><a href="#FNanchor_315"><span class="label">[315]</span></a> Ebenda.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_316" id="Footnote_316"></a><a href="#FNanchor_316"><span class="label">[316]</span></a> Vahram's chronicle of the Armenian Kingdom in Cilicia +translated by Neumann p. 47.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_317" id="Footnote_317"></a><a href="#FNanchor_317"><span class="label">[317]</span></a> Haitho c. XXIII.; diese sieben Artikel sind die des +Vertrags, von welchen die Geschichte Vahram's spricht, die als Antwort auf +Neuman's Frage in der Note 67: Is this treaty to be any where found?</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_318" id="Footnote_318"></a><a href="#FNanchor_318"><span class="label">[318]</span></a> Sinebaldus Conestabulus regni Armeniae.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_319" id="Footnote_319"></a><a href="#FNanchor_319"><span class="label">[319]</span></a> S. Martin Mem. II. scheint diese zwei Reisen <i>Sempad's</i> mit +den seines Bruders <i>Hethum</i> vermengt zu haben.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_320" id="Footnote_320"></a><a href="#FNanchor_320"><span class="label">[320]</span></a> Orpellian in S. Martin. Mem. II. p. 143.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_321" id="Footnote_321"></a><a href="#FNanchor_321"><span class="label">[321]</span></a> d'Ohsson III. 268.; nach Dschuweini.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_322" id="Footnote_322"></a><a href="#FNanchor_322"><span class="label">[322]</span></a> Derselbe S. 269.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_323" id="Footnote_323"></a><a href="#FNanchor_323"><span class="label">[323]</span></a> Mouradjea d'Ohsson III. 271., nach Bar. Hebr. 530.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_324" id="Footnote_324"></a><a href="#FNanchor_324"><span class="label">[324]</span></a> S. Martin Mem. I. 112. und Dschih. S. 602.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_325" id="Footnote_325"></a><a href="#FNanchor_325"><span class="label">[325]</span></a> Der Aufmerksamkeit S. Martin's ist entgangen, dass Kaghzevan +(das in seinem geographischen Register fehlt) dasselbe mit Kaghseman +(Dschih. S. 408).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_326" id="Footnote_326"></a><a href="#FNanchor_326"><span class="label">[326]</span></a> S. Martin Mem. p. 145.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_327" id="Footnote_327"></a><a href="#FNanchor_327"><span class="label">[327]</span></a> Dschihannuma S. 382 und Hamdallah.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_328" id="Footnote_328"></a><a href="#FNanchor_328"><span class="label">[328]</span></a> Dschihannuma S. 426 und 425.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_329" id="Footnote_329"></a><a href="#FNanchor_329"><span class="label">[329]</span></a> <i>Lobasanagut</i> oder <i>Libasanagut</i> oder <i>Lebasanagut</i>, nur der +erste Vocal ist zweifelhaft.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_330" id="Footnote_330"></a><a href="#FNanchor_330"><span class="label">[330]</span></a> Constantin Porphyrogenita.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_331" id="Footnote_331"></a><a href="#FNanchor_331"><span class="label">[331]</span></a> Dschihannuma S. 419.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_332" id="Footnote_332"></a><a href="#FNanchor_332"><span class="label">[332]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_333" id="Footnote_333"></a><a href="#FNanchor_333"><span class="label">[333]</span></a> Beim Bar Hebr. <i>Maiphercata</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_334" id="Footnote_334"></a><a href="#FNanchor_334"><span class="label">[334]</span></a> Bar Hebr. nennt ihn <i>Aschraph fil. Malic Ghazi</i>; er hiess +aber <i>Kjamil Ben Melik Mosaffer Ghasi</i>. Nochbet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_335" id="Footnote_335"></a><a href="#FNanchor_335"><span class="label">[335]</span></a> Beim Bar Hebr. <i>Aischmut</i>, bei Abulfeda IV. 573. <i>Samud</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_336" id="Footnote_336"></a><a href="#FNanchor_336"><span class="label">[336]</span></a> Bar Hebräus ch. 28.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_337" id="Footnote_337"></a><a href="#FNanchor_337"><span class="label">[337]</span></a> Aus dem 94. Vers der VI. Sura.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_338" id="Footnote_338"></a><a href="#FNanchor_338"><span class="label">[338]</span></a> Aus dem 226. Vers der XXVI. Sura.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_339" id="Footnote_339"></a><a href="#FNanchor_339"><span class="label">[339]</span></a> Aus dem 97. Vers der XIX. Sura.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_340" id="Footnote_340"></a><a href="#FNanchor_340"><span class="label">[340]</span></a> Die 16. Sure, die <i>Biene</i>; sie beginnt mit dem Verse: +<i>Gekommen ist Gottes Befehl; beschleuniget nicht sein Gericht.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_341" id="Footnote_341"></a><a href="#FNanchor_341"><span class="label">[341]</span></a> Das Ende der Sura <i>Ssad</i>, d. i. der 38., ist der Vers: <i>Und +ihr werdet wissen, dass die Kunde wahr, nach einiger Zeit.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_342" id="Footnote_342"></a><a href="#FNanchor_342"><span class="label">[342]</span></a> <i>Ummi.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_343" id="Footnote_343"></a><a href="#FNanchor_343"><span class="label">[343]</span></a> Die ersten 4 Verse der LXXXII. Sura.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_344" id="Footnote_344"></a><a href="#FNanchor_344"><span class="label">[344]</span></a> Anspielung auf den Ueberlieferungs-Spruch, der auf den +Zifferblättern morgenländischer Uhren zu sehen: <i>Eddunja saatun fe +edschaalha taaten</i>, die Welt ist Eine Stunde, gehorsam mach' die Runde.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_345" id="Footnote_345"></a><a href="#FNanchor_345"><span class="label">[345]</span></a> Der 65. Vers der V. Sura.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_346" id="Footnote_346"></a><a href="#FNanchor_346"><span class="label">[346]</span></a> Der 88. und 89. Vers der XIX. Sura.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_347" id="Footnote_347"></a><a href="#FNanchor_347"><span class="label">[347]</span></a> Der 226. Vers der XXVI. Sura.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_348" id="Footnote_348"></a><a href="#FNanchor_348"><span class="label">[348]</span></a> Gesch. des osm. Reichs I., nach Neschri, Seadeddin, +Dschenabi.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_349" id="Footnote_349"></a><a href="#FNanchor_349"><span class="label">[349]</span></a> Primo mense, d. i. des syrischen Jahres, welches Ende +September begann. Bar Hebr.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_350" id="Footnote_350"></a><a href="#FNanchor_350"><span class="label">[350]</span></a> Moazem filius Saladini magni beim Bar Hebr. p. 255 ist +unrichtig, denn Ssalaheddin hatte keinen Sohn, der so hiess; es ist hier +die Rede von dem ältesten Sohne Nassir's, welcher auch Ssalaheddin hiess, +wie sein Grossvater.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_351" id="Footnote_351"></a><a href="#FNanchor_351"><span class="label">[351]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_352" id="Footnote_352"></a><a href="#FNanchor_352"><span class="label">[352]</span></a> Dschihannuma S. 593. Histoire des Sultans Mamlouks de +l'Égypte par Makrizi, traduite par Quatremère I. 19.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_353" id="Footnote_353"></a><a href="#FNanchor_353"><span class="label">[353]</span></a> <i>Bintol-Hafisa.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_354" id="Footnote_354"></a><a href="#FNanchor_354"><span class="label">[354]</span></a> Schehabeddin Ben Amru's, das Nedschmeddin's, des Bruders +Marsdekin's, das Basdedde's, das Alemeddin Kaissar's. Abulfeda IV. 579.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_355" id="Footnote_355"></a><a href="#FNanchor_355"><span class="label">[355]</span></a> Bar Hebr. 556.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_356" id="Footnote_356"></a><a href="#FNanchor_356"><span class="label">[356]</span></a> Bar Hebr.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_357" id="Footnote_357"></a><a href="#FNanchor_357"><span class="label">[357]</span></a> Abulfeda IV. p. 579.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_358" id="Footnote_358"></a><a href="#FNanchor_358"><span class="label">[358]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_359" id="Footnote_359"></a><a href="#FNanchor_359"><span class="label">[359]</span></a> nicht vierzig Tage, wie Reschideddin sagt; Abulfeda gibt die +Daten genau.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_360" id="Footnote_360"></a><a href="#FNanchor_360"><span class="label">[360]</span></a> Reschideddin, Abulfeda IV. nennt den <i>Naib</i> Amadeddin von +Kaswin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_361" id="Footnote_361"></a><a href="#FNanchor_361"><span class="label">[361]</span></a> Abulfeda IV. 585.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_362" id="Footnote_362"></a><a href="#FNanchor_362"><span class="label">[362]</span></a> Wilkens Geschichte der Kreuzzüge I. 180. II. 516. 633. III. +52. 82. 90. 92. 219. Abulfeda III. 511. 583. 593. 755. IV. 35. 59.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_363" id="Footnote_363"></a><a href="#FNanchor_363"><span class="label">[363]</span></a> Dschihannuma S. 597; der Richter von Harim zu Selkin, auf +der Karte <i>Serkin</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_364" id="Footnote_364"></a><a href="#FNanchor_364"><span class="label">[364]</span></a> Abulfeda IV. 581.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_365" id="Footnote_365"></a><a href="#FNanchor_365"><span class="label">[365]</span></a> Abulfeda IV. 587.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_366" id="Footnote_366"></a><a href="#FNanchor_366"><span class="label">[366]</span></a> S. Martin Mem. II. 97. Dschihannuma S. 437.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_367" id="Footnote_367"></a><a href="#FNanchor_367"><span class="label">[367]</span></a> Aini Hausile musemma bu ainden, d. i. aus einer Quelle, +welche Beckenquelle heisst; es ist also unrichtig, wenn S. Martin p. 97 +sagt: le Nymphius appellé actuellement <i>Aynathaoudh</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_368" id="Footnote_368"></a><a href="#FNanchor_368"><span class="label">[368]</span></a> Macdonald Kinneir.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_369" id="Footnote_369"></a><a href="#FNanchor_369"><span class="label">[369]</span></a> Reschideddin setzt noch den Nassir von Haleb hinzu, was aber +ein Anachronismus, indem dessen Hinrichtung erst nach der Niederlage von +Aindschalut statthatte, welche, wie wir sogleich zeigen werden, später als +die Eroberung von Miafarakain.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_370" id="Footnote_370"></a><a href="#FNanchor_370"><span class="label">[370]</span></a> Da Abulfeda IV. 509 das Datum gibt, so bleibt kein Zweifel +übrig über die Epoche des Falles von Miafarakain, wiewohl Reschideddin +denselben erst nach der Schlacht von Aindschalut erzählt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_371" id="Footnote_371"></a><a href="#FNanchor_371"><span class="label">[371]</span></a> S. Martin Mem. I. p. 174.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_372" id="Footnote_372"></a><a href="#FNanchor_372"><span class="label">[372]</span></a> Dschihan. S. 437.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_373" id="Footnote_373"></a><a href="#FNanchor_373"><span class="label">[373]</span></a> Procop. de bello persico I. 5.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_374" id="Footnote_374"></a><a href="#FNanchor_374"><span class="label">[374]</span></a> <i>Γιλιγερδον</i>. Theophanes IV. 1.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_375" id="Footnote_375"></a><a href="#FNanchor_375"><span class="label">[375]</span></a> Haitho Histor. 24.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_376" id="Footnote_376"></a><a href="#FNanchor_376"><span class="label">[376]</span></a> Hiernach wäre die Stelle in der Gesch. des osm. Reichs II. +448 bei einer neuen Ausgabe zu berichtigen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_377" id="Footnote_377"></a><a href="#FNanchor_377"><span class="label">[377]</span></a> Theophanes, Cedinus, Justinus und nach denselben Geschichte +des osm. Reichs II. 443.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_378" id="Footnote_378"></a><a href="#FNanchor_378"><span class="label">[378]</span></a> Dschihann. S. 441.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_379" id="Footnote_379"></a><a href="#FNanchor_379"><span class="label">[379]</span></a> Theophylaktus III. 5. S. Gesch. des osm. Reichs II. 448 und +648. <i>Matha</i> ist vermuthlich das Schloss der Magyaren und Beiramkai +(Macdonald Kinneir p. 425) vielleicht das alte Beidum.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_380" id="Footnote_380"></a><a href="#FNanchor_380"><span class="label">[380]</span></a> Cherefeddin bei La Croix ch. 37. p. 275.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_381" id="Footnote_381"></a><a href="#FNanchor_381"><span class="label">[381]</span></a> Dschihannuma S. 443.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_382" id="Footnote_382"></a><a href="#FNanchor_382"><span class="label">[382]</span></a> <i>Muwad</i> und <i>Schesch</i> 96, Reschideddin; also nicht 80jährig, +wie d'Ohsson sagt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_383" id="Footnote_383"></a><a href="#FNanchor_383"><span class="label">[383]</span></a> Nochbet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_384" id="Footnote_384"></a><a href="#FNanchor_384"><span class="label">[384]</span></a> Bei d'Ohsson III. 322. Alakuh, der Statthalter Bondokdar's +zu Haleb.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_385" id="Footnote_385"></a><a href="#FNanchor_385"><span class="label">[385]</span></a> Bei d'Ohsson III. 373, nach Bar Heb. <i>Samdaghun</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_386" id="Footnote_386"></a><a href="#FNanchor_386"><span class="label">[386]</span></a> Dschemdschadar.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_387" id="Footnote_387"></a><a href="#FNanchor_387"><span class="label">[387]</span></a> <i>Durghan</i>, Wassaf im V. Bande, Eingangs der Erwähnung des +Zuges Hulagu's nach Westen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_388" id="Footnote_388"></a><a href="#FNanchor_388"><span class="label">[388]</span></a> <i>Chuthai Tebris</i>, Dschihannuma S. 381.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_389" id="Footnote_389"></a><a href="#FNanchor_389"><span class="label">[389]</span></a> Ewlia in der Beschreibung Malatia's und Dschih. S. 600.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_390" id="Footnote_390"></a><a href="#FNanchor_390"><span class="label">[390]</span></a></p> +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Wie <i>Schaab</i>, <i>Ghuta</i>, <i>Obolla</i>, <i>Soghd</i> auf Erden berühmt sind,<br /></span> +<span class="i0">So ist des Bosporos Gestad' im Paradiese berühmt.<br /></span> +</div></div> +<p>Geschichte des osm. Reichs V. S. 594.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_391" id="Footnote_391"></a><a href="#FNanchor_391"><span class="label">[391]</span></a> d'Ohsson III. 329. nach Noweiri.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_392" id="Footnote_392"></a><a href="#FNanchor_392"><span class="label">[392]</span></a> Dschihannuma S. 570.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_393" id="Footnote_393"></a><a href="#FNanchor_393"><span class="label">[393]</span></a> Banias, wie bei d'Ohsson, nicht zu vermengen mit dem +Balanias Abulfeda's, welches auf den Karten auch als Banias steht.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_394" id="Footnote_394"></a><a href="#FNanchor_394"><span class="label">[394]</span></a> Haitho c. 29.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_395" id="Footnote_395"></a><a href="#FNanchor_395"><span class="label">[395]</span></a> Haitho.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_396" id="Footnote_396"></a><a href="#FNanchor_396"><span class="label">[396]</span></a> Gurboga, bei Haithon 29.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_397" id="Footnote_397"></a><a href="#FNanchor_397"><span class="label">[397]</span></a> Haithon 50; bei Wilken VII. 416.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_398" id="Footnote_398"></a><a href="#FNanchor_398"><span class="label">[398]</span></a> hem harik hem gharik. Nochbet und Abulfeda IV. p. 511.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_399" id="Footnote_399"></a><a href="#FNanchor_399"><span class="label">[399]</span></a> Burdschi ahmer.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_400" id="Footnote_400"></a><a href="#FNanchor_400"><span class="label">[400]</span></a> Histoire des Sultans Mamlouks de l'Égypte par Makrizi, +traduite par Quatremère. I. p. 98.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_401" id="Footnote_401"></a><a href="#FNanchor_401"><span class="label">[401]</span></a> Ebenda p. 103.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_402" id="Footnote_402"></a><a href="#FNanchor_402"><span class="label">[402]</span></a> <i>Soweila</i>, nicht Zwilah, wie in der Uebersetzung Makrisi's +von Quatremère I. p. 103 dieser Name irrig geschrieben wird; bei demselben +findet sich auch S. 101 das Schreiben Hulagu's an Kotos in voller +Ausdehnung.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_403" id="Footnote_403"></a><a href="#FNanchor_403"><span class="label">[403]</span></a> 1. Emir Melik Husein Chan; 2. Melik Ichtiareddin Chan; 3. +Melik Seifeddin Ssadik Chan; 4. Melik Nassireddin Gülschu Chan; 5. Atlas +Chan; 6. Nassireddin Kimeri.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_404" id="Footnote_404"></a><a href="#FNanchor_404"><span class="label">[404]</span></a> Kaimeri statt <i>Kimeri</i> ist Reiskische Leseart.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_405" id="Footnote_405"></a><a href="#FNanchor_405"><span class="label">[405]</span></a> Makrizi, trad. par Quatremère I. p. 104.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_406" id="Footnote_406"></a><a href="#FNanchor_406"><span class="label">[406]</span></a> Ebenda.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_407" id="Footnote_407"></a><a href="#FNanchor_407"><span class="label">[407]</span></a> <i>Burke</i>, noch heute der tscherkessische Wettermantel.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_408" id="Footnote_408"></a><a href="#FNanchor_408"><span class="label">[408]</span></a> Abulfeda IV. 595, fehlt in der Stammtafel bei Rehm, so auch +sein Vater <i>Asis</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_409" id="Footnote_409"></a><a href="#FNanchor_409"><span class="label">[409]</span></a> d'Ohsson III. 335, nach Noweiri und Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_410" id="Footnote_410"></a><a href="#FNanchor_410"><span class="label">[410]</span></a> Nach Abulfeda V. 621 auch die Nachricht der Schlacht bei +Himss, was aber ein Widerspruch mit Bar Hebr., welcher als den Tag der +Hinrichtung den 29. October angibt, während die Schlacht von Himss am 10. +December statt hatte.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_411" id="Footnote_411"></a><a href="#FNanchor_411"><span class="label">[411]</span></a> Abulfeda IV. p. 621.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_412" id="Footnote_412"></a><a href="#FNanchor_412"><span class="label">[412]</span></a> Reschideddin bei Bar Hebr. <i>Mowahid</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_413" id="Footnote_413"></a><a href="#FNanchor_413"><span class="label">[413]</span></a> Bar Hebr. p. 559 aber abweichend von Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_414" id="Footnote_414"></a><a href="#FNanchor_414"><span class="label">[414]</span></a> am 29. October 1260, nicht 1261, wie in Rehm's Stammtafel; +denn Bar Hebr. gibt den Tag an.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_415" id="Footnote_415"></a><a href="#FNanchor_415"><span class="label">[415]</span></a> Abulfeda IV. p. 523.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_416" id="Footnote_416"></a><a href="#FNanchor_416"><span class="label">[416]</span></a> Abulfeda IV. p. 625.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_417" id="Footnote_417"></a><a href="#FNanchor_417"><span class="label">[417]</span></a> Tebrdar, nicht Taudar, wie bei Reiske IV. 599; aber auch +nicht hellebardier, wie bei d'Ohsson p. 345, in welchem Falle es Harbedar +heissen müsste.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_418" id="Footnote_418"></a><a href="#FNanchor_418"><span class="label">[418]</span></a> Proben dieser Siegesgedichte bei Abulfeda IV. p. 601.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_419" id="Footnote_419"></a><a href="#FNanchor_419"><span class="label">[419]</span></a> nicht <i>Elbarli</i>, wie bei Abulfeda IV. 603.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_420" id="Footnote_420"></a><a href="#FNanchor_420"><span class="label">[420]</span></a> Abulfeda IV. 344.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_421" id="Footnote_421"></a><a href="#FNanchor_421"><span class="label">[421]</span></a> d'Ohsson III. 346. nach dem Leben Beibars.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_422" id="Footnote_422"></a><a href="#FNanchor_422"><span class="label">[422]</span></a> El Hakimbiemrillah Ahmed Ben Hasan Ben Ali B. Ebibekr B. +Mosterschid.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_423" id="Footnote_423"></a><a href="#FNanchor_423"><span class="label">[423]</span></a> Hakimbiemrillah.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_424" id="Footnote_424"></a><a href="#FNanchor_424"><span class="label">[424]</span></a> Ueber Dschudschi und seinen Ulus siehe die Beilagen I. u. +II. aus den Geschichten Haider's und Wassaf's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_425" id="Footnote_425"></a><a href="#FNanchor_425"><span class="label">[425]</span></a> Bei Bar. Hebräus <i>Kotar</i>, d'Ohsson <i>Tumor</i> ist Schreibfehler +des Manuscripts.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_426" id="Footnote_426"></a><a href="#FNanchor_426"><span class="label">[426]</span></a> Histoire des Sultans Mamlouks par Makrizi, traduite par +Quatremère I. p. 212.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_427" id="Footnote_427"></a><a href="#FNanchor_427"><span class="label">[427]</span></a> Quatremère übersetzt durchaus: Signe de la Noblesse, was +nicht richtig.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_428" id="Footnote_428"></a><a href="#FNanchor_428"><span class="label">[428]</span></a> Makrisi nennt die vorzüglichsten: <i>Keramun</i>, <i>Amtagjah</i>, +<i>Noghai</i>, <i>Dscherek</i>, <i>Kajan</i>, <i>Nasagjah</i>, <i>Taischur</i>, <i>Bentu</i>, <i>Sobhi</i>, +<i>Dschaudschelan</i>, <i>Adschkarka</i>, <i>Adkerek</i>, <i>Kerai</i>, <i>Salagjah</i>, +<i>Motekaddem</i> und <i>Daragan</i>. Quatremère I. p. 222.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_429" id="Footnote_429"></a><a href="#FNanchor_429"><span class="label">[429]</span></a> Ebenda u. S. 235.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_430" id="Footnote_430"></a><a href="#FNanchor_430"><span class="label">[430]</span></a> 1. <i>Ilkai</i>, 2. <i>Turan Behadir</i>, 3. <i>Batu</i>, 4. <i>Saldschedai</i>, +5. <i>Tschaghan</i>, 6. <i>Belarghu</i>, 7. <i>Doghus</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_431" id="Footnote_431"></a><a href="#FNanchor_431"><span class="label">[431]</span></a> Ueber den Feldzug wider Berke siehe die Beilage III. aus +Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_432" id="Footnote_432"></a><a href="#FNanchor_432"><span class="label">[432]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_433" id="Footnote_433"></a><a href="#FNanchor_433"><span class="label">[433]</span></a> Derselbe.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_434" id="Footnote_434"></a><a href="#FNanchor_434"><span class="label">[434]</span></a> Apuschka, Sohn Buri's, des Sohnes Muwatukjan's, des Sohnes +Dschaghatai's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_435" id="Footnote_435"></a><a href="#FNanchor_435"><span class="label">[435]</span></a> In demselben waren <i>Taghadschar</i>, <i>Hulagu</i>, der Sohn +Ildschitai's, <i>Nadin Kadan</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_436" id="Footnote_436"></a><a href="#FNanchor_436"><span class="label">[436]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_437" id="Footnote_437"></a><a href="#FNanchor_437"><span class="label">[437]</span></a> in der Nähe der Stadt <i>Bulad(?)</i>, <i>Tulad(?)</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_438" id="Footnote_438"></a><a href="#FNanchor_438"><span class="label">[438]</span></a> Reng Altui, am Flusse Dschaikan.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_439" id="Footnote_439"></a><a href="#FNanchor_439"><span class="label">[439]</span></a> Mirchuand.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_440" id="Footnote_440"></a><a href="#FNanchor_440"><span class="label">[440]</span></a> Reschideddin, Mirchuand.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_441" id="Footnote_441"></a><a href="#FNanchor_441"><span class="label">[441]</span></a> <i>Taghadschar</i>, der Sohn Ewbadschi Nujan's, <i>Jesunke</i>, der +Sohn Dschudschi Kasar's, <i>Jekekadak</i>, Dschingtimur, der Sohn Kadak's, +<i>Aschikai</i>; die schuldigen Prinzen: <i>Schiregi</i>, <i>Taghai</i>, <i>Dscherku</i>, +<i>Baitimur</i>; die Emire: <i>Hintunk</i> Nujan, <i>Durbai</i>, <i>Pulad</i> Dschingsang.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_442" id="Footnote_442"></a><a href="#FNanchor_442"><span class="label">[442]</span></a> <i>Huku</i>, der Sohn Gujukchan's, <i>Hobat</i>, der Sohn Nako's, +<i>Kutuk</i>, der Sohn Karadschar's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_443" id="Footnote_443"></a><a href="#FNanchor_443"><span class="label">[443]</span></a> <i>Schiregi</i>, der Sohn Ogotai's; die Söhne Arikbugha's: +<i>Tukukur</i> und <i>Melik Timur</i>; <i>Tokatimur</i>, der Sohn Suktu's; <i>Urughadai</i>; +die Neffen Kubilai's: <i>Horrak</i> und <i>Ogin</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_444" id="Footnote_444"></a><a href="#FNanchor_444"><span class="label">[444]</span></a> Serinerud.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_445" id="Footnote_445"></a><a href="#FNanchor_445"><span class="label">[445]</span></a> Sonntags den 9. Rebiulachir (8. Febr., Sonntagsbuchstabe D, +richtig ein Sonntag).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_446" id="Footnote_446"></a><a href="#FNanchor_446"><span class="label">[446]</span></a> d'Ohsson sagt, ich weiss nicht, auf welche Autorität, dass +dies das Schloss <i>Tala</i> am See von Urmia; aber Reschideddin sagt: gegenüber +von <i>Dehchuaregjan</i> (bei d'Ohsson <i>Sachwareku</i>), was nur Verstümmelung von +<i>Destchawakan</i> [Dschihannuma S. 386], welches nicht ferne vom Berge +<i>Sehend</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_447" id="Footnote_447"></a><a href="#FNanchor_447"><span class="label">[447]</span></a> Mirchuand, Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_448" id="Footnote_448"></a><a href="#FNanchor_448"><span class="label">[448]</span></a> Odoricus Raynaldus XIV. 1260. N. 29.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_449" id="Footnote_449"></a><a href="#FNanchor_449"><span class="label">[449]</span></a> <i>Tschehelsutun.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_450" id="Footnote_450"></a><a href="#FNanchor_450"><span class="label">[450]</span></a> <i>Tschehel Minar.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_451" id="Footnote_451"></a><a href="#FNanchor_451"><span class="label">[451]</span></a> <i>Nakschi Rustem.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_452" id="Footnote_452"></a><a href="#FNanchor_452"><span class="label">[452]</span></a> <i>Meschdschedi Maderi Suleiman.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_453" id="Footnote_453"></a><a href="#FNanchor_453"><span class="label">[453]</span></a> <i>Sindani Dschemschid.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_454" id="Footnote_454"></a><a href="#FNanchor_454"><span class="label">[454]</span></a> <i>Nakarachana Dschemschid.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_455" id="Footnote_455"></a><a href="#FNanchor_455"><span class="label">[455]</span></a> <i>Bend Emir</i>, d. i. der Damm des Fürsten, nämlich +<i>Adhadeddewlet's</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_456" id="Footnote_456"></a><a href="#FNanchor_456"><span class="label">[456]</span></a> Dass <i>Ομηρος</i> dasselbe mit <i>Omer</i>, ist in den Jahrbüchern der +Literatur bei Gelegenheit der Anzeige des Werkes „Ulysse Homere“ dargethan +worden.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_457" id="Footnote_457"></a><a href="#FNanchor_457"><span class="label">[457]</span></a> Quatremère mémoires géographiques sur l'Égypte II. p. 506; +dann Wilken's Geschichte der Kreuzzüge II. 78. 119. 201.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_458" id="Footnote_458"></a><a href="#FNanchor_458"><span class="label">[458]</span></a> Geschichte des osm. Reichs III. S. 413, nach dem +Nochbet-<i>ettewarich</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_459" id="Footnote_459"></a><a href="#FNanchor_459"><span class="label">[459]</span></a> Dschihannuma S. 278.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_460" id="Footnote_460"></a><a href="#FNanchor_460"><span class="label">[460]</span></a> Dschihannuma S. 281.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_461" id="Footnote_461"></a><a href="#FNanchor_461"><span class="label">[461]</span></a> Tarichi Güside; Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_462" id="Footnote_462"></a><a href="#FNanchor_462"><span class="label">[462]</span></a> Dieser fehlt in der Liste bei Deguignes I. 260.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_463" id="Footnote_463"></a><a href="#FNanchor_463"><span class="label">[463]</span></a> Lari, Nochbet, Güside, Wassaf, Mirchuand.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_464" id="Footnote_464"></a><a href="#FNanchor_464"><span class="label">[464]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_465" id="Footnote_465"></a><a href="#FNanchor_465"><span class="label">[465]</span></a> Kämpfer amoenitates exoticae.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_466" id="Footnote_466"></a><a href="#FNanchor_466"><span class="label">[466]</span></a> Mirchuand und Wassaf führen bei dieser Gelegenheit das +Distichon des Schahname an:</p> +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">In den drei Domen, wo zu Istachar<br /></span> +<span class="i0">Die Residenz der Schahe von Iran war.<br /></span> +</div></div> +</div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_467" id="Footnote_467"></a><a href="#FNanchor_467"><span class="label">[467]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_468" id="Footnote_468"></a><a href="#FNanchor_468"><span class="label">[468]</span></a> Derselbe.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_469" id="Footnote_469"></a><a href="#FNanchor_469"><span class="label">[469]</span></a> Geschichte der schönen Redekünste S. 202. 203. 160 und 161 +nach Dewletschah.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_470" id="Footnote_470"></a><a href="#FNanchor_470"><span class="label">[470]</span></a> S. 214.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_471" id="Footnote_471"></a><a href="#FNanchor_471"><span class="label">[471]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_472" id="Footnote_472"></a><a href="#FNanchor_472"><span class="label">[472]</span></a> <i>Abisch</i>, nicht Aische, wie bei Deguignes, auch nicht <i>Uns</i>, +wie d'Ohsson, durch einen Schreibfehler des Manuscripts verleitet, +schreibt, ist der Namen dieser Prinzessin, welcher die morgenländische +Sitte eines freundschaftlichen Pikniks bezeichnet. S. Gol. qui atrium +alienae domus instruit cibo ac potu suo, quod facere apud Arabes inter se +amici solent, quasi symbola conferentes; eine Art <i>συσιτια</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_473" id="Footnote_473"></a><a href="#FNanchor_473"><span class="label">[473]</span></a></p> +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Donec provisis quae tempus monebat simul excessisse<br /></span> +<span class="i0">Augustum et rerum potiri Neronem fama eadem tulit.<br /></span> +</div></div> +<p>Tacit. Annal. I. 5.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_474" id="Footnote_474"></a><a href="#FNanchor_474"><span class="label">[474]</span></a> Reschideddin nennt sieben: 1. <i>Ilkai</i> Nujan; 2. <i>Sundschak</i> +N.; 3. <i>Suntai</i> N.; 4. <i>Abtai</i> N.; 5. <i>Semaghar</i> N.; 6. <i>Schiktur</i> N.; 7. +<i>Arghun Aka</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_475" id="Footnote_475"></a><a href="#FNanchor_475"><span class="label">[475]</span></a> Nushet und nach demselben Dschihannuma S. 299.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_476" id="Footnote_476"></a><a href="#FNanchor_476"><span class="label">[476]</span></a> Dieses übersetzt Miles, ohne das eiserne Thor am kaspischen +Meere zu erkennen, S. 248: he presented the iron durbund of Shirwan to +Bishmoot, und <i>Tuktin</i> ist in Tyubeen verstümmelt, <i>Sundschak</i> als +Sooghchak, <i>Dschuweini</i> als Joini u. s. w.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_477" id="Footnote_477"></a><a href="#FNanchor_477"><span class="label">[477]</span></a> <i>Makatii.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_478" id="Footnote_478"></a><a href="#FNanchor_478"><span class="label">[478]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_479" id="Footnote_479"></a><a href="#FNanchor_479"><span class="label">[479]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_480" id="Footnote_480"></a><a href="#FNanchor_480"><span class="label">[480]</span></a> Derselbe.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_481" id="Footnote_481"></a><a href="#FNanchor_481"><span class="label">[481]</span></a> sub rosa.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_482" id="Footnote_482"></a><a href="#FNanchor_482"><span class="label">[482]</span></a> Scherfijet auf der kais. Hofbibliothek.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_483" id="Footnote_483"></a><a href="#FNanchor_483"><span class="label">[483]</span></a> Nicht zu verwechseln mit Bulghan Chatun, der Gemahlin +Ghasan's, welche ebenfalls eine Konghuratin; diese war die Tochter +<i>Tesu's</i>, jene die Tochter Utaman's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_484" id="Footnote_484"></a><a href="#FNanchor_484"><span class="label">[484]</span></a> Pachymeres T. I. p. 273. Stritter III. 1044.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_485" id="Footnote_485"></a><a href="#FNanchor_485"><span class="label">[485]</span></a> Im <i>Schedschretol Etrak</i> wird als das Datum der Schlacht der +20. Ssafer 664 angegeben; die Namen sind, wie gewöhnlich, alle verstümmelt, +Berke in <i>Boorkeh</i> und Nokai in Booka.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_486" id="Footnote_486"></a><a href="#FNanchor_486"><span class="label">[486]</span></a> Nushet, nach demselben Dschihannuma S. 341.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_487" id="Footnote_487"></a><a href="#FNanchor_487"><span class="label">[487]</span></a> Noweiri, bei d'Ohsson III. p. 421; Dschebele heisst dort +Djeliba.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_488" id="Footnote_488"></a><a href="#FNanchor_488"><span class="label">[488]</span></a> Bei d'Ohsson nach <i>Ranan er-Roub?</i> und <i>Sikhulhadid</i>, d. i. +eiserner Bratspiess.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_489" id="Footnote_489"></a><a href="#FNanchor_489"><span class="label">[489]</span></a> Noweiri, Bar Hebräus 645. Haithon hist. orient. c. 33.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_490" id="Footnote_490"></a><a href="#FNanchor_490"><span class="label">[490]</span></a> Haithon hist. orient. c. 33.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_491" id="Footnote_491"></a><a href="#FNanchor_491"><span class="label">[491]</span></a> <i>Jesentewa</i>, der Sohn Muwatukjan's, heisst im Schedschretol +Etrak durch die Verstümmelung des Uebersetzers einmal Sookur Kaan, the son +of Kamkar, S. 250 und S. 251 Tokzur Sookur und <i>Abaka</i> Abukai.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_492" id="Footnote_492"></a><a href="#FNanchor_492"><span class="label">[492]</span></a> <i>Robath</i>; Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_493" id="Footnote_493"></a><a href="#FNanchor_493"><span class="label">[493]</span></a> Derselbe; Schedschretol Etrak p. 360.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_494" id="Footnote_494"></a><a href="#FNanchor_494"><span class="label">[494]</span></a> Wassaf; aber von dem, was bei d'Ohsson zweimal, III. B. S. +427 und 429, vorkommt: ils burent ensemble, après avoir choqué leurs +coupes, du sang où il y avoit de l'or, ist keine Spur im citirten Wassaf, +wo bloss vom Blute der Rebe die Rede, <i>Chunireschardend</i>, sie tranken das +Blut der Rebe; es scheint, dass H. v. O. <i>Chuniser</i> las, das heissen würde: +sie tranken das <i>Blut des Goldes</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_495" id="Footnote_495"></a><a href="#FNanchor_495"><span class="label">[495]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_496" id="Footnote_496"></a><a href="#FNanchor_496"><span class="label">[496]</span></a> Derselbe.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_497" id="Footnote_497"></a><a href="#FNanchor_497"><span class="label">[497]</span></a> der Sohn Muwatukjan's, des zweiten Sohnes Dschagatai's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_498" id="Footnote_498"></a><a href="#FNanchor_498"><span class="label">[498]</span></a> der Sohn Kaidu's, des siebenten Sohnes Dschagatai's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_499" id="Footnote_499"></a><a href="#FNanchor_499"><span class="label">[499]</span></a> der Sohn Serban's, des achten Sohnes Dschagatai's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_500" id="Footnote_500"></a><a href="#FNanchor_500"><span class="label">[500]</span></a> der Sohn Gujuk's, des zweiten Nachfolgers Tschengischan's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_501" id="Footnote_501"></a><a href="#FNanchor_501"><span class="label">[501]</span></a> der Sohn Kara Hulagu's, der Erstgeborene Muwatukjan's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_502" id="Footnote_502"></a><a href="#FNanchor_502"><span class="label">[502]</span></a> der sechste Sohn Ogotai's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_503" id="Footnote_503"></a><a href="#FNanchor_503"><span class="label">[503]</span></a> <i>Kukdschu</i> heisst auch der neunte Sohn Kubilai's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_504" id="Footnote_504"></a><a href="#FNanchor_504"><span class="label">[504]</span></a> der grosse <i>Jesawur</i>, der Bruder Borrak's, bei Wassaf +<i>Besmar</i>, bei Reschideddin auch <i>Jesas</i>; der kleine war <i>Jesawur</i>, der Sohn +Dschudschi's (der Bruder Kipdschak's), des Sohnes Kaidu's, des sechsten +Sohnes Ogotai's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_505" id="Footnote_505"></a><a href="#FNanchor_505"><span class="label">[505]</span></a> der Sohn Batu's, des Sohnes Hindu's, des Sohnes +Dschagatai's, des zehnten Sohnes Dschudschi's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_506" id="Footnote_506"></a><a href="#FNanchor_506"><span class="label">[506]</span></a> In den Jahrbüchern der Literatur VII. 300. irrig <i>Nertuke</i>, +weil das <i>Ki</i> zum Namen gezogen worden.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_507" id="Footnote_507"></a><a href="#FNanchor_507"><span class="label">[507]</span></a> Nushet; Dschihannuma S. 314.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_508" id="Footnote_508"></a><a href="#FNanchor_508"><span class="label">[508]</span></a> Dschihannuma S. 315.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_509" id="Footnote_509"></a><a href="#FNanchor_509"><span class="label">[509]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_510" id="Footnote_510"></a><a href="#FNanchor_510"><span class="label">[510]</span></a> Wassaf nennt die Prinzen: <i>Jesdar</i>, <i>Kongurtai</i>, <i>Adschai</i>, +<i>Tikeschi</i>, Nigudar Huladschu; die Emire: <i>Arghesun</i>, <i>Masuk Ahmed</i>, +<i>Kotschek</i>, <i>Timur</i>, <i>Olinak</i>, <i>Menkeser</i>, <i>Abdullah</i>, der Sohn Tulak +Bawerdschi's, und Aradschuk.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_511" id="Footnote_511"></a><a href="#FNanchor_511"><span class="label">[511]</span></a> <i>Ala at.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_512" id="Footnote_512"></a><a href="#FNanchor_512"><span class="label">[512]</span></a> <i>Alatagh.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_513" id="Footnote_513"></a><a href="#FNanchor_513"><span class="label">[513]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_514" id="Footnote_514"></a><a href="#FNanchor_514"><span class="label">[514]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_515" id="Footnote_515"></a><a href="#FNanchor_515"><span class="label">[515]</span></a> d'Ohsson III. 505.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_516" id="Footnote_516"></a><a href="#FNanchor_516"><span class="label">[516]</span></a> Der Enkel Dschagatai's aus seinem zweiten Sohne Muwatukjan.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_517" id="Footnote_517"></a><a href="#FNanchor_517"><span class="label">[517]</span></a> Bei d'Ohsson <i>Jesar</i>, in Wassaf <i>Basmar</i>, in der Handschrift +Reschideddin's der k. k. Hofbibliothek <i>Parso</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_518" id="Footnote_518"></a><a href="#FNanchor_518"><span class="label">[518]</span></a> In der Handschrift der k. k. Hofbibliothek einmal <i>Dschanli</i> +und einmal <i>Dschobai</i>, in Wassaf <i>Dschoban</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_519" id="Footnote_519"></a><a href="#FNanchor_519"><span class="label">[519]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_520" id="Footnote_520"></a><a href="#FNanchor_520"><span class="label">[520]</span></a> i. J. 703 (1303), Reschideddin von den Frauen Hulagu's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_521" id="Footnote_521"></a><a href="#FNanchor_521"><span class="label">[521]</span></a> Vom J. 654 (1256) bis 669 (1270) machen vierzehn Sonnen- und +fünfzehn Mondjahre, was die Hälfte der von Haithon als Belagerungszeit des +Schlosses Tigaddo angegebenen dreissig Jahre.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_522" id="Footnote_522"></a><a href="#FNanchor_522"><span class="label">[522]</span></a> Nushet und Dschihannuma S. 292.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_523" id="Footnote_523"></a><a href="#FNanchor_523"><span class="label">[523]</span></a> Nushet und Dschihannuma S. 299.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_524" id="Footnote_524"></a><a href="#FNanchor_524"><span class="label">[524]</span></a> Tarichi Güside.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_525" id="Footnote_525"></a><a href="#FNanchor_525"><span class="label">[525]</span></a> Geschichte der persischen Redekünste S. 203.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_526" id="Footnote_526"></a><a href="#FNanchor_526"><span class="label">[526]</span></a> Von drei Seiten von Chorasan umgeben. Dschih. S. 254. Hier +sind die Schlösser <i>Firuskuh</i> und Girdkjuh.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_527" id="Footnote_527"></a><a href="#FNanchor_527"><span class="label">[527]</span></a> <i>Ghardschistan</i> Dschih. S. 238, 254, 324.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_528" id="Footnote_528"></a><a href="#FNanchor_528"><span class="label">[528]</span></a> <i>Purdestan</i>, der Sohn Destan's, ist Rustem, der Herr von +Nimrus (Sistan), der Inhaber der berühmten Stierkeule, welche eine der +persischen Reichsinsignien.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_529" id="Footnote_529"></a><a href="#FNanchor_529"><span class="label">[529]</span></a> Wortspiel zwischen <i>Melik</i>, König, und <i>Melek</i>, Engel.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_530" id="Footnote_530"></a><a href="#FNanchor_530"><span class="label">[530]</span></a> <i>dil ber an nihaden</i>, ganz und gar dasselbe mit dem +Englischen: set his heart upon some thing.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_531" id="Footnote_531"></a><a href="#FNanchor_531"><span class="label">[531]</span></a> <i>Chamrol adschem</i>, der Wein der Perser, das grüne Opiat; +insgemein <i>Esrar</i> genannt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_532" id="Footnote_532"></a><a href="#FNanchor_532"><span class="label">[532]</span></a> Die Schlangen sollen blind werden, wenn sie Smaragd +anschauen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_533" id="Footnote_533"></a><a href="#FNanchor_533"><span class="label">[533]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_534" id="Footnote_534"></a><a href="#FNanchor_534"><span class="label">[534]</span></a> wirklich schreiben es die englischen Reisebeschreiber nicht +anders als <i>Fall</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_535" id="Footnote_535"></a><a href="#FNanchor_535"><span class="label">[535]</span></a> d'Ohsson vermengt sie III. 516. mit den Karawinen; ces +guerriers designés sous le nom de <i>Nigoudariens</i> ou Caraviniens.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_536" id="Footnote_536"></a><a href="#FNanchor_536"><span class="label">[536]</span></a> Aresch, <i>Αρης</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_537" id="Footnote_537"></a><a href="#FNanchor_537"><span class="label">[537]</span></a> Isfendiar mit dem ehernen Leib gilt insgemein für Xerxes.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_538" id="Footnote_538"></a><a href="#FNanchor_538"><span class="label">[538]</span></a> Cyrus, der Aschghiane.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_539" id="Footnote_539"></a><a href="#FNanchor_539"><span class="label">[539]</span></a> Der ritterlichste Fürst der Beni Sasan.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_540" id="Footnote_540"></a><a href="#FNanchor_540"><span class="label">[540]</span></a> H. v. Ohsson III. 464. bürdet dem Wassaf auf, was er nicht +gesagt: Beibars fit jetter dans le fleuve jusqu'à 35000 chameaux, dont les +corps servirent de pont à ses troupes. Wassaf sagt ausdrücklich, dass der +Sultan der erste den Zügel hineinlenkte.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_541" id="Footnote_541"></a><a href="#FNanchor_541"><span class="label">[541]</span></a> d'Ohsson III. 468., nach Nuweiri.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_542" id="Footnote_542"></a><a href="#FNanchor_542"><span class="label">[542]</span></a> Bar Hebr. 546.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_543" id="Footnote_543"></a><a href="#FNanchor_543"><span class="label">[543]</span></a> i. J. 1188, Wilken IV. 241.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_544" id="Footnote_544"></a><a href="#FNanchor_544"><span class="label">[544]</span></a> Dschihannuma S. 594 verdruckt als <i>Derbak</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_545" id="Footnote_545"></a><a href="#FNanchor_545"><span class="label">[545]</span></a> Wilken's Geschichte der Kreuzzüge VI. S. 495.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_546" id="Footnote_546"></a><a href="#FNanchor_546"><span class="label">[546]</span></a> Dschihannuma S. 594.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_547" id="Footnote_547"></a><a href="#FNanchor_547"><span class="label">[547]</span></a> nicht Manca, wie bei d'Ohsson III. 472.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_548" id="Footnote_548"></a><a href="#FNanchor_548"><span class="label">[548]</span></a> Mannert VI. II. 49. <i>Menasikol-hadsch</i> S. 43.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_549" id="Footnote_549"></a><a href="#FNanchor_549"><span class="label">[549]</span></a> <i>Merdsched-dibadsch.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_550" id="Footnote_550"></a><a href="#FNanchor_550"><span class="label">[550]</span></a> Ewlia.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_551" id="Footnote_551"></a><a href="#FNanchor_551"><span class="label">[551]</span></a> Dschihannuma S. 602; auf Paultres Karte nicht richtig Kurtu +Cular; auf der Karte M. Kinneirs blos Kulaghi als Castabala.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_552" id="Footnote_552"></a><a href="#FNanchor_552"><span class="label">[552]</span></a> Ebenda.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_553" id="Footnote_553"></a><a href="#FNanchor_553"><span class="label">[553]</span></a> Sughuri Islam.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_554" id="Footnote_554"></a><a href="#FNanchor_554"><span class="label">[554]</span></a> S. Martin Mem. I. p. 201.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_555" id="Footnote_555"></a><a href="#FNanchor_555"><span class="label">[555]</span></a> heute Kisildsche.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_556" id="Footnote_556"></a><a href="#FNanchor_556"><span class="label">[556]</span></a> heute Gökssu.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_557" id="Footnote_557"></a><a href="#FNanchor_557"><span class="label">[557]</span></a> Paul Lucas; Dschihannuma S. 603.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_558" id="Footnote_558"></a><a href="#FNanchor_558"><span class="label">[558]</span></a> d'Ohsson III. S. 475.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_559" id="Footnote_559"></a><a href="#FNanchor_559"><span class="label">[559]</span></a> Bar Hebräus 553.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_560" id="Footnote_560"></a><a href="#FNanchor_560"><span class="label">[560]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_561" id="Footnote_561"></a><a href="#FNanchor_561"><span class="label">[561]</span></a> <i>Gulek</i>, Dschihannuma S. 601, oder <i>Dulek</i>, S. 40, nicht +<i>Doluk</i>, wie bei d'Ohsson III. 481.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_562" id="Footnote_562"></a><a href="#FNanchor_562"><span class="label">[562]</span></a> Das kappadocische Komane lag am <i>Sarus</i>, welches der +<i>Sihan</i>; in M. Kinneir's Karte am <i>Kisil Irmak</i>, welches der obere Pyramus +zu seyn scheint; nach dem Menasikol-hadsch ist aber dieser Kisil Irmak +derselbe mit dem <i>Sihan</i>, d. i. dem Sarus, so dass die Lage mit der Angabe +der alten Geographen in Uebereinstimmung. Jahrbücher der Literatur XIV. S. +46.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_563" id="Footnote_563"></a><a href="#FNanchor_563"><span class="label">[563]</span></a> Bar Hebr. p. 556.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_564" id="Footnote_564"></a><a href="#FNanchor_564"><span class="label">[564]</span></a> Nuweiri; Bar Hebr. p. 537.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_565" id="Footnote_565"></a><a href="#FNanchor_565"><span class="label">[565]</span></a> Nuweiri, bei d'Ohsson III. S. 485.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_566" id="Footnote_566"></a><a href="#FNanchor_566"><span class="label">[566]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_567" id="Footnote_567"></a><a href="#FNanchor_567"><span class="label">[567]</span></a> Geschichte des osm. Reichs I. u. II. Band.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_568" id="Footnote_568"></a><a href="#FNanchor_568"><span class="label">[568]</span></a> d'Ohsson IV. S. 490.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_569" id="Footnote_569"></a><a href="#FNanchor_569"><span class="label">[569]</span></a> Nuweiri, bei d'Ohsson III. 496.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_570" id="Footnote_570"></a><a href="#FNanchor_570"><span class="label">[570]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_571" id="Footnote_571"></a><a href="#FNanchor_571"><span class="label">[571]</span></a> Nach Reschideddin im Silhidsche 676 (Mai 1277), nach Nuweiri +und Makrisi, die hier glaubwürdiger, 5. Moharrem 676 (8. Juni 1277).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_572" id="Footnote_572"></a><a href="#FNanchor_572"><span class="label">[572]</span></a> Bei Wassaf <i>Konghosatai</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_573" id="Footnote_573"></a><a href="#FNanchor_573"><span class="label">[573]</span></a> Reschideddin nennt es <i>Koghanie(?)</i>; fehlt bei d'Ohsson, +sowie die Botschaft.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_574" id="Footnote_574"></a><a href="#FNanchor_574"><span class="label">[574]</span></a> Dschihannuma.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_575" id="Footnote_575"></a><a href="#FNanchor_575"><span class="label">[575]</span></a> Nuweiri, bei d'Ohsson. IV. 498.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_576" id="Footnote_576"></a><a href="#FNanchor_576"><span class="label">[576]</span></a> Haithon 34.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_577" id="Footnote_577"></a><a href="#FNanchor_577"><span class="label">[577]</span></a> i. J. 698 (1299).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_578" id="Footnote_578"></a><a href="#FNanchor_578"><span class="label">[578]</span></a> 700 (1300), d'Ohsson III. 500. nach Munedschimbaschi.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_579" id="Footnote_579"></a><a href="#FNanchor_579"><span class="label">[579]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_580" id="Footnote_580"></a><a href="#FNanchor_580"><span class="label">[580]</span></a> Bei d'Ohsson S. 400.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_581" id="Footnote_581"></a><a href="#FNanchor_581"><span class="label">[581]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_582" id="Footnote_582"></a><a href="#FNanchor_582"><span class="label">[582]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_583" id="Footnote_583"></a><a href="#FNanchor_583"><span class="label">[583]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_584" id="Footnote_584"></a><a href="#FNanchor_584"><span class="label">[584]</span></a> <i>Rothes Gesicht</i>, glücklicher Erfolg; <i>rothe Brust</i>, +gewaltsamer Tod.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_585" id="Footnote_585"></a><a href="#FNanchor_585"><span class="label">[585]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_586" id="Footnote_586"></a><a href="#FNanchor_586"><span class="label">[586]</span></a> i. J. 669 (1270).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_587" id="Footnote_587"></a><a href="#FNanchor_587"><span class="label">[587]</span></a> Wassaf gibt die Glosse <i>Asaseddin El-Jakubi's</i> in achtzehn +fünfzeiligen Strophen.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_588" id="Footnote_588"></a><a href="#FNanchor_588"><span class="label">[588]</span></a> d'Ohsson III. macht sie zu denselben mit den Niguderischen +Banden: Nigoudariens ou Caraounass; aber Reschideddin, in dem Abschnitte +unmittelbar vor den Begebenheiten Medschdulmülk's und Schemseddin's, +spricht erst von den Niguderischen Banden in Sistan, dann von den Karawinen +in Chorasan.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_589" id="Footnote_589"></a><a href="#FNanchor_589"><span class="label">[589]</span></a> Hier nennt Reschideddin den Schatz <i>Chasinei Narin</i>, im +Abschnitte der Stämme aber bei den Dschelairen <i>Postin</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_590" id="Footnote_590"></a><a href="#FNanchor_590"><span class="label">[590]</span></a> Dschihannuma S. 594.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_591" id="Footnote_591"></a><a href="#FNanchor_591"><span class="label">[591]</span></a> Die Namen derselben bei d'Ohsson III. 526. nach Noweiri.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_592" id="Footnote_592"></a><a href="#FNanchor_592"><span class="label">[592]</span></a> Im Schedschretol Etrak S. 254 dasselbe Datum, nur mit der +gewöhnlichen Verstümmelung des Uebersetzers statt Silhidsche Zi Huj.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_593" id="Footnote_593"></a><a href="#FNanchor_593"><span class="label">[593]</span></a> Reschideddin, Nuweiri, Bar Hebräus; der letzte irrig Silkide +statt Silhidsche. Mengu Timur heisst bei Haitho <i>Mongodamir</i>; nach ihm wäre +Mengu Timur schon am achten Tage nach dem Bruder gestorben, und beide durch +Gift. Verlässiger als der syrische Bischof Bar Hebräus und der armenische +Mönch Haitho sind hierüber Reschideddin und Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_594" id="Footnote_594"></a><a href="#FNanchor_594"><span class="label">[594]</span></a> Dieser Name ist als Quolibey verstümmelt in Quolibet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_595" id="Footnote_595"></a><a href="#FNanchor_595"><span class="label">[595]</span></a> sub qua credulitate lautet fast ironisch.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_596" id="Footnote_596"></a><a href="#FNanchor_596"><span class="label">[596]</span></a> Reynaldus III. p. 453 und in Moshemii historia Tatarorum +ecclesiast. p. 72.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_597" id="Footnote_597"></a><a href="#FNanchor_597"><span class="label">[597]</span></a> Waddington annales Minorum V. 40 und in Moshemius p. 80.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_598" id="Footnote_598"></a><a href="#FNanchor_598"><span class="label">[598]</span></a> Die umständlichsten und gründlichsten Nachrichten über die +Missionen enthält die vortreffliche relation des Mongols ou Tartares par M. +d'Avezac im IV. Bande des recueil de voyages et de mémoires der +geographischen Gesellschaft zu Paris.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_599" id="Footnote_599"></a><a href="#FNanchor_599"><span class="label">[599]</span></a> Güside B. 343 gibt das poetische Fetwa desselben über den +Rangstreit zwischen Sahir und Enweri, welcher von beiden ein grösserer +Dichter.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_600" id="Footnote_600"></a><a href="#FNanchor_600"><span class="label">[600]</span></a> Dewletschah und Güside B. 345.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_601" id="Footnote_601"></a><a href="#FNanchor_601"><span class="label">[601]</span></a> Geschichte der persischen Redekünste S. 221.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_602" id="Footnote_602"></a><a href="#FNanchor_602"><span class="label">[602]</span></a> Güside B. 333.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_603" id="Footnote_603"></a><a href="#FNanchor_603"><span class="label">[603]</span></a> Güside B. 335.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_604" id="Footnote_604"></a><a href="#FNanchor_604"><span class="label">[604]</span></a> Güside B. 335.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_605" id="Footnote_605"></a><a href="#FNanchor_605"><span class="label">[605]</span></a> Güside B. 335 gibt als Beispiel den Anfangsvers einer +Kassidet:</p> +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Ei kerde ruh ba lebi laali tu <i>Nokeri</i><br /></span> +<span class="i0">Maaschuki <i>Usbegi</i> we nigari her Chaweri.<br /></span> +</div></div> +<p>Hier sind <i>Nokeri</i> und <i>Usbegi</i> die fremden Wörter.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_606" id="Footnote_606"></a><a href="#FNanchor_606"><span class="label">[606]</span></a> Güside.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_607" id="Footnote_607"></a><a href="#FNanchor_607"><span class="label">[607]</span></a> Die letzten sieben Dichter fehlen in Dewletschah, und auch +in der Geschichte der persischen Poesie, zu der das <i>Güside</i> noch nicht +benutzt werden konnte.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_608" id="Footnote_608"></a><a href="#FNanchor_608"><span class="label">[608]</span></a> Güside B. 343.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_609" id="Footnote_609"></a><a href="#FNanchor_609"><span class="label">[609]</span></a></p> +<div class="poem"><div class="stanza"> +<span class="i0">Lakad fahet el aaud el Komari<br /></span> +<span class="i0">We faher-raudh kel aaud el Komari.<br /></span> +</div></div> +<p> +Das Wortspiel liegt in dem Doppelsinn der Worte <i>Fahet</i> und <i>Komari</i>; jenes +heisst im ersten Verse <i>klagen</i>, im zweiten <i>hauchen</i>; dieses ist im ersten +Hemistich der Plural von <i>Kumri</i>, Turteltaube, im zweiten Epithet: +kumarische Aloe.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_610" id="Footnote_610"></a><a href="#FNanchor_610"><span class="label">[610]</span></a> Haitho C. 37 nennt ihn Tongodar, die Perser nennen ihn durch +einen aus Versetzung der Punkte leicht erklärbaren Schreibfehler <i>Nigudar</i>, +was der Name des dschaghataischen Prinzen, des Sohnes Dschudschi's, des +Erstgebornen Dschaghatai's; wahrscheinlich ist <i>Niguder</i> aus seinem +christlichen Namen <i>Nikolaus</i> entstanden.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_611" id="Footnote_611"></a><a href="#FNanchor_611"><span class="label">[611]</span></a> Die zwei Brüder <i>Buka</i> und <i>Oruk</i>, und Akbuka.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_612" id="Footnote_612"></a><a href="#FNanchor_612"><span class="label">[612]</span></a> <i>Schischi Bachschi</i>, <i>Doladai Aidadschi</i>, <i>Dschuschi</i>, +<i>Ordukia</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_613" id="Footnote_613"></a><a href="#FNanchor_613"><span class="label">[613]</span></a> <i>Kurdschian.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_614" id="Footnote_614"></a><a href="#FNanchor_614"><span class="label">[614]</span></a> <i>Sikurdschian.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_615" id="Footnote_615"></a><a href="#FNanchor_615"><span class="label">[615]</span></a> <i>Aktadschian.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_616" id="Footnote_616"></a><a href="#FNanchor_616"><span class="label">[616]</span></a> Reschideddin, bei d'Ohsson Siahkuh III. 552.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_617" id="Footnote_617"></a><a href="#FNanchor_617"><span class="label">[617]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_618" id="Footnote_618"></a><a href="#FNanchor_618"><span class="label">[618]</span></a> 13. Rebiulewwel Sonntags ist der 21. Juni, der richtig ein +Sonntag, folglich das Datum bei Wassaf, 14. statt 13., wie bei Reschideddin +gefehlt; das Schedschretol Etrak S. 257 hat das richtige Datum vom 13.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_619" id="Footnote_619"></a><a href="#FNanchor_619"><span class="label">[619]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_620" id="Footnote_620"></a><a href="#FNanchor_620"><span class="label">[620]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_621" id="Footnote_621"></a><a href="#FNanchor_621"><span class="label">[621]</span></a> Bei d'Ohsson III. 553 Tuktai.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_622" id="Footnote_622"></a><a href="#FNanchor_622"><span class="label">[622]</span></a> Derselbe nach Noweiri S. 553.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_623" id="Footnote_623"></a><a href="#FNanchor_623"><span class="label">[623]</span></a> <i>Siah kuh nusul kerd</i>, heisst: er lagerte zu <i>Siahkuh</i>, +nicht: il quitta Siahkuh, wie d'Ohsson übersetzt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_624" id="Footnote_624"></a><a href="#FNanchor_624"><span class="label">[624]</span></a> <i>Kaplandschi</i>, <i>Arslandschi</i>, <i>Nukadschije</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_625" id="Footnote_625"></a><a href="#FNanchor_625"><span class="label">[625]</span></a> 1. <i>Kutschuk</i>, aus der Frau Tokus; 2. <i>Kimdschuk</i>, aus der +Frau Ermeni; 3. <i>Tschitschek</i>, aus eben derselben; 4. <i>Mainan</i>, +gleichfalls; 5. <i>Sailun</i>, aus der Frau <i>Tudaku</i>; 6. <i>Kiltürmisch</i>, aus der +Beischläferin <i>Kurkudschije</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_626" id="Footnote_626"></a><a href="#FNanchor_626"><span class="label">[626]</span></a> in der Nacht vom Mittwoch, sagt Reschideddin, was der 12. +August war, denn der 14. (Sonntagsbuchstabe D) war ein Freitag.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_627" id="Footnote_627"></a><a href="#FNanchor_627"><span class="label">[627]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_628" id="Footnote_628"></a><a href="#FNanchor_628"><span class="label">[628]</span></a> Wassaf theilt dieselben mit.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_629" id="Footnote_629"></a><a href="#FNanchor_629"><span class="label">[629]</span></a> Wortspiel zwischen <i>Moslimen</i> Gläubigen, und <i>Moslim</i>, dem +eigenen Namen eines der ersten Ueberlieferer der Sunna.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_630" id="Footnote_630"></a><a href="#FNanchor_630"><span class="label">[630]</span></a> Das Ende des 15. Verses der XVII. Sura.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_631" id="Footnote_631"></a><a href="#FNanchor_631"><span class="label">[631]</span></a> Das Ende des 17. Verses der XLIX. Sura.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_632" id="Footnote_632"></a><a href="#FNanchor_632"><span class="label">[632]</span></a> Bar Hebr. und nach demselben d'Ohsson III. 560.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_633" id="Footnote_633"></a><a href="#FNanchor_633"><span class="label">[633]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_634" id="Footnote_634"></a><a href="#FNanchor_634"><span class="label">[634]</span></a> <i>Ali Dschingsan</i> und <i>Kotlogschah</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_635" id="Footnote_635"></a><a href="#FNanchor_635"><span class="label">[635]</span></a> <i>Buradersade</i>, Neffe, nicht Bruder, wie bei d'Ohsson S. +582.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_636" id="Footnote_636"></a><a href="#FNanchor_636"><span class="label">[636]</span></a> <i>Dschankur</i>, <i>Dschinkutur</i>, <i>Doladai</i>, <i>Idadschi</i>, <i>Idschi</i>, +<i>Tetkaul</i>, <i>Dschuschi</i>, <i>Kimdschkabal</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_637" id="Footnote_637"></a><a href="#FNanchor_637"><span class="label">[637]</span></a> <i>Kutschuk Anukdschi</i> und Schadi <i>Achtadschi</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_638" id="Footnote_638"></a><a href="#FNanchor_638"><span class="label">[638]</span></a> <i>Rusi Kunilamischi</i> im angeblichen Beidhawi <i>Guikesi</i>, was +Schreib-, Lese- oder Druckfehler.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_639" id="Footnote_639"></a><a href="#FNanchor_639"><span class="label">[639]</span></a> 1. <i>Taghadschar</i>, 2. <i>Dschankur</i>, 3. <i>Dschinkutur</i>, 4. +<i>Doladai</i>, 5. <i>Idschi Tetkaul</i>, 6. <i>Dschuschi</i>, 7. <i>Kundschukbal</i>; bei +Wassaf heisst Dschankur <i>Dschaigir</i>, Abai der Sohn <i>Suntai's</i>, +<i>Dschenghatu</i> der Sohn Dschuschi's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_640" id="Footnote_640"></a><a href="#FNanchor_640"><span class="label">[640]</span></a> Wassaf nennt die Emire Arghun's: <i>Jasar Aghul</i>, <i>Taghai</i>, +<i>Adschu Sukurdschi</i>, <i>Ghasan</i>, der Ceremonienmeister, <i>Tokli Schadi</i>, der +Sohn <i>Sundschak's</i>; Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_641" id="Footnote_641"></a><a href="#FNanchor_641"><span class="label">[641]</span></a> Wassaf nennt die Emire: <i>Ainkadschi</i>, <i>Nakai Jarghudschi</i>, +<i>Tawtai</i>, <i>Kasan</i>, der Sohn Kotloghbuka's, <i>Baitmisch Kuschdschi</i>, +<i>Sertak</i>, <i>Alghui</i>, <i>Oladai Kadaghan</i>, <i>Aghman</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_642" id="Footnote_642"></a><a href="#FNanchor_642"><span class="label">[642]</span></a> Moriers second journey und darnach in den Jahrbüchern der +Literatur VII. 257.; vier andere Pässe sind die zwei bei <i>Firuskjuh</i> +(<i>Sawadschi</i> und <i>Tengi serensa</i>), <i>Tengi Nimrud</i> und <i>Tengi +Schimschirbur</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_643" id="Footnote_643"></a><a href="#FNanchor_643"><span class="label">[643]</span></a> Moriers second journey.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_644" id="Footnote_644"></a><a href="#FNanchor_644"><span class="label">[644]</span></a> Dschihannuma S. 339.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_645" id="Footnote_645"></a><a href="#FNanchor_645"><span class="label">[645]</span></a> i. J. 566 (1170), Fraser 302.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_646" id="Footnote_646"></a><a href="#FNanchor_646"><span class="label">[646]</span></a> Die im J. 880 (1475) erbaute Moschee kann nicht, wie Fraser +sagt, von Schahroch erbaut worden sein, da dieser schon fünf und zwanzig +Jahre früher, im J. 850, starb.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_647" id="Footnote_647"></a><a href="#FNanchor_647"><span class="label">[647]</span></a> Quelle Belasan beim Dorfe Kohen; nach den +<i>Adschaibol-machlukat</i> in den Jahrbüchern der Literatur VII. 258. LXII. +43., Fraser 304.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_648" id="Footnote_648"></a><a href="#FNanchor_648"><span class="label">[648]</span></a> So am Scheckel in Steiermark.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_649" id="Footnote_649"></a><a href="#FNanchor_649"><span class="label">[649]</span></a> Mannert hält es für das alte <i>Taghi</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_650" id="Footnote_650"></a><a href="#FNanchor_650"><span class="label">[650]</span></a> Adschaibol-machlukat Sekerias.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_651" id="Footnote_651"></a><a href="#FNanchor_651"><span class="label">[651]</span></a> Baconi in den notices et extraits II. 482.; übereinstimmend +mit Diodor.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_652" id="Footnote_652"></a><a href="#FNanchor_652"><span class="label">[652]</span></a> Tschehel seran, <i>tschehel dochteran</i>, Fraser.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_653" id="Footnote_653"></a><a href="#FNanchor_653"><span class="label">[653]</span></a> In Dschami's <i>Nefhatol Ins</i> der 205te.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_654" id="Footnote_654"></a><a href="#FNanchor_654"><span class="label">[654]</span></a> i. J. 261 (874).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_655" id="Footnote_655"></a><a href="#FNanchor_655"><span class="label">[655]</span></a> Abderrahman Ben Mohammed, gest. 858 (1454), Verfasser von +vierzig Werken, und <i>Mossannifek Bostami</i>, gest. 875 (1470), der den +letzten bosnischen König eigenhändig köpfte.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_656" id="Footnote_656"></a><a href="#FNanchor_656"><span class="label">[656]</span></a> Dschami's <i>Nefhatol Ins</i>, die 42te.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_657" id="Footnote_657"></a><a href="#FNanchor_657"><span class="label">[657]</span></a> Bei Reschideddin <i>Legsi</i> und <i>Ordubugha</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_658" id="Footnote_658"></a><a href="#FNanchor_658"><span class="label">[658]</span></a> <i>Dih Surch</i>, bei Reschideddin, ist das <i>Surikkala</i> Frasers; +der in der Moschee von Semnan eingemauerten Inschrift Schah Abbas I. wird +erwähnt 304.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_659" id="Footnote_659"></a><a href="#FNanchor_659"><span class="label">[659]</span></a> Nushetol-kolub; Dschihannuma S. 341.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_660" id="Footnote_660"></a><a href="#FNanchor_660"><span class="label">[660]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_661" id="Footnote_661"></a><a href="#FNanchor_661"><span class="label">[661]</span></a> Nushetol-kolub; Dschih. 341.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_662" id="Footnote_662"></a><a href="#FNanchor_662"><span class="label">[662]</span></a> Reschideddin, Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_663" id="Footnote_663"></a><a href="#FNanchor_663"><span class="label">[663]</span></a> Das Schedschretol Etrak S. 358.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_664" id="Footnote_664"></a><a href="#FNanchor_664"><span class="label">[664]</span></a> Sein ganzer Name: Ebun-nassr Mohammed Ben Abdol-Dschebbar +El-otbi.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_665" id="Footnote_665"></a><a href="#FNanchor_665"><span class="label">[665]</span></a> Fraser S. 245.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_666" id="Footnote_666"></a><a href="#FNanchor_666"><span class="label">[666]</span></a> <i>Urtimur Kuschdschi</i>, <i>Nikpei Kuschdschi</i> und der Bruder +<i>Kadschu Achtadschi's</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_667" id="Footnote_667"></a><a href="#FNanchor_667"><span class="label">[667]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_668" id="Footnote_668"></a><a href="#FNanchor_668"><span class="label">[668]</span></a> Derselbe.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_669" id="Footnote_669"></a><a href="#FNanchor_669"><span class="label">[669]</span></a> <i>Jesubuka Gurgan</i>, <i>Aruk</i>, <i>Kurmischi</i>, <i>Arkasun Nujan</i>, der +Sohn <i>Ilkai's</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_670" id="Footnote_670"></a><a href="#FNanchor_670"><span class="label">[670]</span></a> <i>Kurmischi</i> und <i>Aruk</i>, die Brüder Buka's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_671" id="Footnote_671"></a><a href="#FNanchor_671"><span class="label">[671]</span></a> Nerke.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_672" id="Footnote_672"></a><a href="#FNanchor_672"><span class="label">[672]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_673" id="Footnote_673"></a><a href="#FNanchor_673"><span class="label">[673]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_674" id="Footnote_674"></a><a href="#FNanchor_674"><span class="label">[674]</span></a> Reschideddin; Wassaf; nach dem Schedschretol etrak S. 350 am +7. Dschem. achir.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_675" id="Footnote_675"></a><a href="#FNanchor_675"><span class="label">[675]</span></a> Reschideddin bei den Töchtern Hulagu's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_676" id="Footnote_676"></a><a href="#FNanchor_676"><span class="label">[676]</span></a> Sie lebte noch zur Zeit Reschideddin's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_677" id="Footnote_677"></a><a href="#FNanchor_677"><span class="label">[677]</span></a> Im Schedschretol Etrak S. 260 in <i>Yoogha</i> verstümmelt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_678" id="Footnote_678"></a><a href="#FNanchor_678"><span class="label">[678]</span></a> Herodot's Clio 51.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_679" id="Footnote_679"></a><a href="#FNanchor_679"><span class="label">[679]</span></a> Nushetol kulab.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_680" id="Footnote_680"></a><a href="#FNanchor_680"><span class="label">[680]</span></a> i. J. d. H. 83 (701).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_681" id="Footnote_681"></a><a href="#FNanchor_681"><span class="label">[681]</span></a> <i>Kumedan</i>, hernach <i>Kum</i>. Dschihannuma S. 298.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_682" id="Footnote_682"></a><a href="#FNanchor_682"><span class="label">[682]</span></a> Durch ein unerklärliches Versehen steht im Dschihannuma, +dass Kum der Geburtsort Nisami's, des Verfassers des Chamse, sei, welcher +zu Gendsche geboren, auch dort begraben liegt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_683" id="Footnote_683"></a><a href="#FNanchor_683"><span class="label">[683]</span></a> Das Schehinschahname von Feth Alischah dem österreichischen +Kaiser Franz I. durch Mirsa Abul Hasan zum Geschenke gesandt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_684" id="Footnote_684"></a><a href="#FNanchor_684"><span class="label">[684]</span></a> Emir <i>Bukia</i>, <i>Tinai</i>, <i>Arukian</i>, <i>Bastak</i>, <i>Huladschu</i>. +Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_685" id="Footnote_685"></a><a href="#FNanchor_685"><span class="label">[685]</span></a> Güside.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_686" id="Footnote_686"></a><a href="#FNanchor_686"><span class="label">[686]</span></a> d'Ohsson gibt nur die Hälfte aus Wassaf, aber nicht die +folgende historisch wichtigere Hälfte aus Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_687" id="Footnote_687"></a><a href="#FNanchor_687"><span class="label">[687]</span></a> Güside.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_688" id="Footnote_688"></a><a href="#FNanchor_688"><span class="label">[688]</span></a> <i>Schems</i>, anspielend auf den Namen Schemseddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_689" id="Footnote_689"></a><a href="#FNanchor_689"><span class="label">[689]</span></a> <i>Ala</i>, Höhe, anspielend auf den Namen des Bruders Alaeddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_690" id="Footnote_690"></a><a href="#FNanchor_690"><span class="label">[690]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_691" id="Footnote_691"></a><a href="#FNanchor_691"><span class="label">[691]</span></a> Der Sohn Melikchan B. Mohammed B. Sengi's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_692" id="Footnote_692"></a><a href="#FNanchor_692"><span class="label">[692]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_693" id="Footnote_693"></a><a href="#FNanchor_693"><span class="label">[693]</span></a> Das Feuer ihres Zorns entflammte sich in so hohem Grade, +dass dasselbe die gestockte Feuchtigkeit ihrer Thränenlinse auflöste und +bei dem Auge ausfliessen liess; Perlen regneten aus dem Narciss und +tränkten die Rose, Hagel (der Zähne) biss in die Jubeben (des Munds). +Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_694" id="Footnote_694"></a><a href="#FNanchor_694"><span class="label">[694]</span></a> <i>Tuladai Jarghudschi</i>, <i>Dschijurghutai</i>, <i>Hosameddin</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_695" id="Footnote_695"></a><a href="#FNanchor_695"><span class="label">[695]</span></a> Reschideddin auch unter den Frauen Abaka's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_696" id="Footnote_696"></a><a href="#FNanchor_696"><span class="label">[696]</span></a> Schedschretol Etrak S. 263.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_697" id="Footnote_697"></a><a href="#FNanchor_697"><span class="label">[697]</span></a> Reschideddin nennt die sieben: <i>Taghadschar</i>, +<i>Kundschukbal</i>, <i>Doladai</i>, <i>Aidadschi</i>, <i>Sultan Aidadschi</i>, <i>Tughan</i>, +<i>Dschuschi</i>, <i>Ordukap</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_698" id="Footnote_698"></a><a href="#FNanchor_698"><span class="label">[698]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_699" id="Footnote_699"></a><a href="#FNanchor_699"><span class="label">[699]</span></a> mit den Prinzen: <i>Huladschu</i>, <i>Karankai</i>, <i>Konghschir</i>, +<i>Togai Timur</i>, <i>Anberdschin</i>; mit den Emiren: <i>Uruk</i>, <i>Kurmischi</i>, +<i>Temdui</i>, <i>Madschu</i>, <i>Toglok Karawinas</i>; Wassaf. Im Reschideddin noch: +<i>Kurmischi</i>, der Sohn <i>Haidu Nujan's</i>, <i>Audschan</i>, dem Waffenträger, +<i>Kadan</i>, dem Gesandten, <i>Sengi</i>, dem Sohn <i>Baba Nujan's</i>, Emir des Lagers +der Frau <i>Oldschai</i>, <i>Ghasan Behadir</i>, <i>Ischik Toghli</i>, <i>Aschak Toghli</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_700" id="Footnote_700"></a><a href="#FNanchor_700"><span class="label">[700]</span></a> <i>Kujun Kumischi</i>. Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_701" id="Footnote_701"></a><a href="#FNanchor_701"><span class="label">[701]</span></a> <i>Madschu</i>, <i>Toghlok</i>, <i>Aschak Toghli</i>, <i>Serwana</i>, +<i>Nochschi</i>, <i>Tuschkina</i>, <i>Hosameddin von Kaswin</i>, Emir <i>Ali Melik</i> der +<i>Temghadschi</i> von Tebris. Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_702" id="Footnote_702"></a><a href="#FNanchor_702"><span class="label">[702]</span></a> Hist. des Orpeliens in S. Martin. mém. II. p. 171.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_703" id="Footnote_703"></a><a href="#FNanchor_703"><span class="label">[703]</span></a> <i>Baitmisch Kuschdschi</i>, <i>Tamudai Aktadschi</i>, <i>Schadi</i>, Sohn +Buka's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_704" id="Footnote_704"></a><a href="#FNanchor_704"><span class="label">[704]</span></a> <i>Abadschi</i>, <i>Melik</i>, <i>Teichan Timur</i>, <i>Kotlogh Timur</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_705" id="Footnote_705"></a><a href="#FNanchor_705"><span class="label">[705]</span></a> <i>Jatmisch Kuschdschi</i>, <i>Gharbetai Gurgan</i>, <i>Burdschu</i>, der +Sohn <i>Duriai's</i>, <i>Boghdai</i>, <i>Arkasun Nujan</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_706" id="Footnote_706"></a><a href="#FNanchor_706"><span class="label">[706]</span></a> Mocherofago, bei Cassiri.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_707" id="Footnote_707"></a><a href="#FNanchor_707"><span class="label">[707]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_708" id="Footnote_708"></a><a href="#FNanchor_708"><span class="label">[708]</span></a> in d'Ohsson IV. 39. irrig fils du Vezir Schemseddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_709" id="Footnote_709"></a><a href="#FNanchor_709"><span class="label">[709]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_710" id="Footnote_710"></a><a href="#FNanchor_710"><span class="label">[710]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_711" id="Footnote_711"></a><a href="#FNanchor_711"><span class="label">[711]</span></a> Wassaf nennt <i>Schemseddewlet</i> und <i>Iseddin Mosaffer</i>, und +Reschideddin den <i>Dschelaleddin Serwistani</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_712" id="Footnote_712"></a><a href="#FNanchor_712"><span class="label">[712]</span></a> <i>Asshabi Buluk.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_713" id="Footnote_713"></a><a href="#FNanchor_713"><span class="label">[713]</span></a> <i>Bitekdschi.</i></p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_714" id="Footnote_714"></a><a href="#FNanchor_714"><span class="label">[714]</span></a> <i>Fachreddin Mubarekschah</i>, <i>Medschdeddin Rumi</i>, <i>Schemseddin +Huseini</i>; Wassaf und Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_715" id="Footnote_715"></a><a href="#FNanchor_715"><span class="label">[715]</span></a> Scharfsichtiger als <i>Ajas</i>, feiner als <i>Kais Ben Soheir</i>, +als <i>Moghairet B. Schaabet</i>, als <i>Amru Bel el aass</i>; Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_716" id="Footnote_716"></a><a href="#FNanchor_716"><span class="label">[716]</span></a> <i>K. Kjatib</i>, d. i. der Schreiber, <i>Sch</i>, d. i. <i>Schaair</i>, +Dichter, <i>Dschim</i>, d. i. <i>Munedschim</i>, d. i. Astronom, <i>Mim</i>, d. i. Musik; +Kamus; das Wort und die Erklärung fehlt in Freitag's Wörterbuch.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_717" id="Footnote_717"></a><a href="#FNanchor_717"><span class="label">[717]</span></a> Wassaf in dem Hauptstücke der Verwaltung von <i>Schiras</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_718" id="Footnote_718"></a><a href="#FNanchor_718"><span class="label">[718]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_719" id="Footnote_719"></a><a href="#FNanchor_719"><span class="label">[719]</span></a> Haithonis hist. C. 38.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_720" id="Footnote_720"></a><a href="#FNanchor_720"><span class="label">[720]</span></a> Unter den Todten: <i>Burultai</i> und <i>Kadai</i>, Emire von +Tausenden, und der Bruder <i>Jenitsche's</i>; unter den Gefangenen: <i>Huriktai</i>, +der grosse Emir.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_721" id="Footnote_721"></a><a href="#FNanchor_721"><span class="label">[721]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_722" id="Footnote_722"></a><a href="#FNanchor_722"><span class="label">[722]</span></a> Dschihannuma S. 297.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_723" id="Footnote_723"></a><a href="#FNanchor_723"><span class="label">[723]</span></a> Dschih. S. 426.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_724" id="Footnote_724"></a><a href="#FNanchor_724"><span class="label">[724]</span></a> Dschih. S. 341.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_725" id="Footnote_725"></a><a href="#FNanchor_725"><span class="label">[725]</span></a> M. Kinneir's geographic mem. on the persian Empire p. 84.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_726" id="Footnote_726"></a><a href="#FNanchor_726"><span class="label">[726]</span></a> Die Emire <i>Taghadschar</i>, <i>Kundschukbal</i>, <i>Tewekkul Toghan</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_727" id="Footnote_727"></a><a href="#FNanchor_727"><span class="label">[727]</span></a> Im Schedschretol Etrak ward Seaadeddewlet am letzten Ssafer +des J. 690 hingerichtet und Arghun starb drei Tage hernach, am 3. +Rebiulewwel.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_728" id="Footnote_728"></a><a href="#FNanchor_728"><span class="label">[728]</span></a> Dschihannuma S. 297; im Schedschretol Etrak S. 265 im Berge +Sobeir(?) nächst der Grabstätte des Propheten Kyde(?).</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_729" id="Footnote_729"></a><a href="#FNanchor_729"><span class="label">[729]</span></a> d'Ohsson III. 612. nach Makrisi.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_730" id="Footnote_730"></a><a href="#FNanchor_730"><span class="label">[730]</span></a> d'Ohsson p. 616.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_731" id="Footnote_731"></a><a href="#FNanchor_731"><span class="label">[731]</span></a> Bei Odoric Raynald IV. p. 41 et 42. <i>Elegag</i> und <i>Tuctan</i>; +d'Ohsson IV. 99. meint, unter der letzten sei <i>Tuktan</i>, die Wittwe Abaka's, +Mutter Kendschatu's, zu verstehen, was aber unrichtig, da Reschideddin +(unter den Frauen Abaka's) ausdrücklich sagt, dass sie bei Lebzeiten +Abaka's gestorben, durch die Frau Ildürmisch ersetzt worden sei; i. J. +1288, wo Nikolaus IV. schrieb, war Tudai seit einem Jahre Gemahlin an der +Stelle der verstorbenen Bulughan, und den Tod der anderen grossen Frau, +Kotlogh, konnte Nikolaus nicht wissen, da sie am 12. April 1288 starb und +der an sie gerichtete Brief vom 12. datirt ist.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_732" id="Footnote_732"></a><a href="#FNanchor_732"><span class="label">[732]</span></a> Die Tochter Sarudsche's, die Schwester des Emirs Irindschin, +des Keraiten, die Urenkelin Owang's.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_733" id="Footnote_733"></a><a href="#FNanchor_733"><span class="label">[733]</span></a> Bei Odericus <i>Casian</i> und <i>Saron</i>; da Arghun nur vier Söhne +hatte und über <i>Chodabende</i> und <i>Ghasan</i> kein Zweifel obwalten kann, so +fragt sich nur, ob unter <i>Saron</i> der dritte, <i>Jesu Timur</i>, oder der vierte, +<i>Chatai Aghul</i>, zu verstehen sei; der letzte hiess ehemals <i>Sonkar Kanis</i>. +Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_734" id="Footnote_734"></a><a href="#FNanchor_734"><span class="label">[734]</span></a> Nach dem Schedschretol Etrak und anderen <i>Kendschatu</i>; bei +Haithon Cap. XXXIX heist er <i>Regayto</i>, was augenscheinlich eine +Verstümmelung von <i>Keichatu</i> und nicht von <i>Kendschatu</i>; aber das +Schedschretol Etrak sagt p. 270 nach der Geschichte der vier Uluse, dass +sein Name ursprünglich <i>Enkatu</i> gewesen, was auf mongolisch wunderbar, +staunenswerth heisse.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_735" id="Footnote_735"></a><a href="#FNanchor_735"><span class="label">[735]</span></a> durch <i>Kutla Kokultasch</i>. Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_736" id="Footnote_736"></a><a href="#FNanchor_736"><span class="label">[736]</span></a> <i>Tamerbugha</i>, <i>Saji Ebdschi</i>, <i>Konan Achtadschi</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_737" id="Footnote_737"></a><a href="#FNanchor_737"><span class="label">[737]</span></a> <i>Sati</i>, <i>Kuman</i>, <i>Tudadschu</i>.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_738" id="Footnote_738"></a><a href="#FNanchor_738"><span class="label">[738]</span></a> <i>Koildagh</i> ist ein Schreibfehler.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_739" id="Footnote_739"></a><a href="#FNanchor_739"><span class="label">[739]</span></a> den <i>Taghadschar's</i> dem <i>Baidschu Tetkaul</i>, den +<i>Kundschukbal's</i> dem <i>Schiktur Nujan</i>. Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_740" id="Footnote_740"></a><a href="#FNanchor_740"><span class="label">[740]</span></a> Wassaf und Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_741" id="Footnote_741"></a><a href="#FNanchor_741"><span class="label">[741]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_742" id="Footnote_742"></a><a href="#FNanchor_742"><span class="label">[742]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_743" id="Footnote_743"></a><a href="#FNanchor_743"><span class="label">[743]</span></a> nullam habebat legem vel fidem. Haithon C. 39.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_744" id="Footnote_744"></a><a href="#FNanchor_744"><span class="label">[744]</span></a> Wassaf dem grossen <i>Ssahib</i>; Fraser übersetzt in seinem +Kuzulbasch diesen Ehrentitel mit Sir, Gentlemen, <i>Eltschi Ssahib</i>, d. i. +Heergesandter.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_745" id="Footnote_745"></a><a href="#FNanchor_745"><span class="label">[745]</span></a> <i>Kisil</i> mit seinen Brüdern <i>Nussret</i> und <i>Ali Melik</i>. +Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_746" id="Footnote_746"></a><a href="#FNanchor_746"><span class="label">[746]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_747" id="Footnote_747"></a><a href="#FNanchor_747"><span class="label">[747]</span></a> Güside.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_748" id="Footnote_748"></a><a href="#FNanchor_748"><span class="label">[748]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_749" id="Footnote_749"></a><a href="#FNanchor_749"><span class="label">[749]</span></a> D'Ohsson IV. 88 nach Makrisi und Noweiri, dann Reschideddin +und Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_750" id="Footnote_750"></a><a href="#FNanchor_750"><span class="label">[750]</span></a> Dschihannuma. S. 598.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_751" id="Footnote_751"></a><a href="#FNanchor_751"><span class="label">[751]</span></a> S. Beilage IV.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_752" id="Footnote_752"></a><a href="#FNanchor_752"><span class="label">[752]</span></a> Tschawi mubarek.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_753" id="Footnote_753"></a><a href="#FNanchor_753"><span class="label">[753]</span></a> Sobald es angekommen, sei es angenommen. Wassaf giebt die +Formel für chinesisch an, sie ist aber alttürkisch und würde auf +neutürkisch: irdükde tursun lauten, d. i. wenn es angekommen, soll es +stehen (gelten.)</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_754" id="Footnote_754"></a><a href="#FNanchor_754"><span class="label">[754]</span></a> Schedschretol Etrak, S. 268, statt Sikurdschi Skukurchee; +jenes heisst Speerhalter, dieses Zuckerbäcker.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_755" id="Footnote_755"></a><a href="#FNanchor_755"><span class="label">[755]</span></a> Reschideddin nach Wassaf giebt die Verhaftung der Emire +<i>Idar</i>, <i>Kundschukbal</i>, <i>Toladai</i>, Tukjal, <i>Ildschai</i> zu <i>Kjawabari</i>. +Schedschretol Etrak, S. 261.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_756" id="Footnote_756"></a><a href="#FNanchor_756"><span class="label">[756]</span></a> Reschideddin.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_757" id="Footnote_757"></a><a href="#FNanchor_757"><span class="label">[757]</span></a> Nach dem Schedschretol Etrak, S. 270, ward er zu Karabagh +begraben.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_758" id="Footnote_758"></a><a href="#FNanchor_758"><span class="label">[758]</span></a> Schedschretol Etrak, S. 270.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_759" id="Footnote_759"></a><a href="#FNanchor_759"><span class="label">[759]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_760" id="Footnote_760"></a><a href="#FNanchor_760"><span class="label">[760]</span></a> Wassaf.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_761" id="Footnote_761"></a><a href="#FNanchor_761"><span class="label">[761]</span></a> <i>Kuku</i> steht im Meninski als <i>Guckguck</i>, heisst aber auf +Persisch Turteltaube (Ferheng Schuuri II. Bl. 228); die Türken nennen auch +den Schwan Kuku.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_762" id="Footnote_762"></a><a href="#FNanchor_762"><span class="label">[762]</span></a> Batu hatte nicht sieben, sondern vierzehn Söhne.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_763" id="Footnote_763"></a><a href="#FNanchor_763"><span class="label">[763]</span></a> Der 61. Vers der X. Sura.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_764" id="Footnote_764"></a><a href="#FNanchor_764"><span class="label">[764]</span></a> <i>Moktainat</i> definirt der Commentar als den an Vieh und Geld +ersparten Reichthum.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_765" id="Footnote_765"></a><a href="#FNanchor_765"><span class="label">[765]</span></a> <i>Natik u Ssamit</i>, das Sprechende und Stumme, d. i. Schafe +und Kamele im Gegensatze mit Gold und Silber.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_766" id="Footnote_766"></a><a href="#FNanchor_766"><span class="label">[766]</span></a> <i>Kisil Bilka</i>, <img src="images/arabic.png" width="79" height="30" alt="" style="vertical-align: middle" /> dasselbe Wort, das als +Bilek in der Bedeutung der Vorschriften Tschengis-Chans vorkommt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_767" id="Footnote_767"></a><a href="#FNanchor_767"><span class="label">[767]</span></a> <i>Aidadschian</i>, dasselbe, was die <i>Kilardschi</i> zu +Constantinopel, die Diener der Speisekammer.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_768" id="Footnote_768"></a><a href="#FNanchor_768"><span class="label">[768]</span></a> <i>Wudschuh</i>, Weisen, Arten, und <i>Wudschuh</i>, baares Geld, +Plural von <i>Widschh</i>, Gesicht; derselbe Grundbegriff wie im Französischen +faire face aux dépenses.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_769" id="Footnote_769"></a><a href="#FNanchor_769"><span class="label">[769]</span></a> Das mongolische Wort <i>Ilghamischi</i> mit dem arabischen +<i>Tenkih</i> übersetzt, entspricht dem Finanzausdrucke des épuremens.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_770" id="Footnote_770"></a><a href="#FNanchor_770"><span class="label">[770]</span></a> <i>Dhigsen ala ibballetin</i>, ein Heuschüppel zu einem Grasbund, +Klein auf Klein, d. i. Nichts zu Nichts.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_771" id="Footnote_771"></a><a href="#FNanchor_771"><span class="label">[771]</span></a> <i>Kaftschari</i>, Confiscation.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_772" id="Footnote_772"></a><a href="#FNanchor_772"><span class="label">[772]</span></a> <i>Dem</i>, der Hauch, heisst durch erweiternde Metonymie auch +die Zeit; wird das Wort umgekehrt, so heisst es <i>Medd</i>, welches auf +Arabisch Erweiterung, Ausdehnung bedeutet.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_773" id="Footnote_773"></a><a href="#FNanchor_773"><span class="label">[773]</span></a> Wortspiel zwischen <i>Chata</i>, das nördliche China, und +<i>Chata</i>, Fehler.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_774" id="Footnote_774"></a><a href="#FNanchor_774"><span class="label">[774]</span></a> Das Wortspiel ist im Persischen zwischen <i>Tschaw</i>, dem Namen +des Papiergeldes, und <i>Dschawidan</i>, ewig.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_775" id="Footnote_775"></a><a href="#FNanchor_775"><span class="label">[775]</span></a> <i>Musehhib es-scheb</i>, d. i. der Vergolder des Goldes.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_776" id="Footnote_776"></a><a href="#FNanchor_776"><span class="label">[776]</span></a> <i>Senbus</i>, Kahn, scheint mit cymba verwandt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_777" id="Footnote_777"></a><a href="#FNanchor_777"><span class="label">[777]</span></a> <i>Külk</i> erklärt der Commentar als gleichbedeutend mit <i>Chaw</i>, +villositas panni holoserici.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_778" id="Footnote_778"></a><a href="#FNanchor_778"><span class="label">[778]</span></a> Eine Nachahmung der berühmten schönen Verse Firdewsi's, und +Wortspiel mit den beiden Namen <i>Iseddin</i>, Ehre des Glaubens, und +<i>Mosaffir</i>, der Siegreiche, dem sein Wunsch gelingt.</p></div> + +<div class="footnote"><p><a name="Footnote_779" id="Footnote_779"></a><a href="#FNanchor_779"><span class="label">[779]</span></a> Der 7. und 8. Vers der CI. Sura.</p></div> + + + +<div class="ppnote"> +<p>Anmerkungen zur Transkription:</p> + +<p>Die Rechtschreibung des Originaltextes wurde beibehalten, ebenso unterschiedliche Schreibweisen von Eigennamen. +An einigen Stellen wurde die Zeichensetzung geändert. Umrechnungen zwischen dem islamischen und dem christlichen Kalender, +die offensichtlich falsch und deshalb wahrscheinlich Druckfehler waren, wurden korrigiert, wobei folgende Hilfsmittel +verwendet wurden:</p> +<ol> +<li><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Zeitrechnung">http://de.wikipedia.org/wiki/Islamische_Zeitrechnung</a> (Umrechnungsformel für Jahreszahlen),</li> +<li><a href="http://www.heinrichbernd.de/calendar">http://www.heinrichbernd.de/calendar</a> (Kalender-Umrechner).</li> +</ol> +<p>Ansonsten wurden die Datumsangaben des Buches auch dort beibehalten, wo sie unstimmig zu sein scheinen.</p> + +<p><a href="#Page_2">S. 2</a>: "Die Gesichte des von Hulagu" wurde geändert in "Die Geschichte des von Hulagu"<br /> +<a href="#Page_7">S. 7</a>: "des Herschers von Kipdschak" wurde geändert in "des Herrschers von Kipdschak"<br /> +<a href="#Page_16">S. 16</a>: "die Wächter der acht weissen Häusser" wurde geändert in "die Wächter der acht weissen Häuser"<br /> +<a href="#Page_23">S. 23</a>: "Verschmähte Brautwerburg" wurde geändert in "Verschmähte Brautwerbung"<br /> +<a href="#Page_39">S. 39</a>: "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte besimmt" wurde geändert in "zu Ueberfällen aus dem Hinterhalte bestimmt"<br /> +<a href="#Page_57">S. 57</a>: "Jltschikidai" wurde geändert in "Iltschikidai"<br /> +<a href="#Page_69">S. 69</a>, Randnote: "624/1337" wurde geändert in "624/1227"<br /> +<a href="#Page_71">S. 71</a>, Randnote: "640/1142" wurde geändert in "640/1242"<br /> +<a href="#Page_84">S. 84</a>, <a href="#Footnote_145">Fussnote 145</a>: "Geboren den 24. Schewwal 614 (25. October 1256)" + wurde geändert in "Geboren den 4. Schewwal 654 (25. October 1256)"<br /> + (Anmerkung: der im weiteren Verlauf der Fussnote genannte 26. April 1282 + war weder ein Donnerstag noch ein Montag, sondern ein Sonntag.)<br /> +<a href="#Page_85">S. 85</a>: "die Sklavinn Ilkadschi" wurde geändert in "die Sklavin Ilkadschi"<br /> +<a href="#Page_85">S. 85</a>: "mit dem Kopfschmucke Bagthak" wurde geändert in "mit dem Kopfschmucke Baghtak"<br /> +<a href="#Page_90">S. 90</a>: "auser der Stadt" wurde geändert in "ausser der Stadt"<br /> +<a href="#Page_97">S. 97</a>, <a href="#Footnote_182">Fussnote 182</a>: "Uebersezung" wurde geändert in "Uebersetzung"<br /> +<a href="#Page_104">S. 104</a>: "zwichen Dilem und Irak" wurde geändert in "zwischen Dilem und Irak"<br /> +<a href="#Page_107">S. 107</a>: nach "der bessten persischen Erdbeschreibung" wurde der Hinweis auf die <a href="#Footnote_223">Fussnote 223</a> eingefügt<br /> +<a href="#Page_109">S. 109</a>: "schon des Schwert aufgehoben" wurde geändert in "schon das Schwert aufgehoben"<br /> +<a href="#Page_133">S. 133</a>: "der Grösse des Hausses Ejub" wurde geändert in "der Grösse des Hauses Ejub"<br /> +<a href="#Page_136">S. 136</a>: "Auf bem Chalifenstuhle" wurde geändert in "Auf dem Chalifenstuhle"<br /> +<a href="#Page_140">S. 140</a>: "vorauf er" wurde geändert in "worauf er"<br /> +<a href="#Page_140">S. 140</a>, <a href="#Footnote_285">Fussnote 285</a>: "instrunent" wurde geändert in "instrument", "brittancia" wurde geändert in "britannica"<br /> +<a href="#Page_141">S. 141</a>: "Augenklick" wurde geändert in "Augenblick"<br /> +<a href="#Page_163">S. 163</a>, <a href="#Footnote_316">Fussnote 316</a>: "Vahran's" wurde geändert in "Vahram's" (vgl. Google)<br /> +<a href="#Page_168">S. 168</a>: "welche Syrien von Aegyten trennt" wurde geändert in "welche Syrien von Aegypten trennt"<br /> +<a href="#Page_170">S. 170</a>: "wandte sich also jezt" wurde geändert in "wandte sich also jetzt"<br /> +<a href="#Page_173">S. 173</a>, <a href="#Footnote_329">Fussnote 329</a>: "Lobanasagut" wurde geändert in "Lobasanagut"<br /> +<a href="#Page_187">S. 187</a>, <a href="#Footnote_368">Fussnote 368</a> und <a href="#Page_192">S. 192</a>, <a href="#Footnote_379">Fussnote 379</a>: "Macdonald Kineir" wurde geändert in "Macdonald Kinneir" (vgl. Google)<br /> +<a href="#Page_194">S. 194</a>, <a href="#Footnote_384">Fussnote 384</a>: "Statthalttr" wurde geändert in "Statthalter"<br /> +<a href="#Page_220">S. 220</a>: "Es liess alle Kaufleute" wurde geändert in "Er liess alle Kaufleute"<br /> +<a href="#Page_234">S. 234</a>: "Oschelaeddin Dschanli" wurde geändert in "Dschelaleddin Dschanli"<br /> +<a href="#Page_241">S. 241</a>: "Shönredner" wurde geändert in "Schönredner"<br /> +<a href="#Page_246">S. 246</a>: "Sundschar Nujan" wurde geändert in "Sundschak Nujan"<br /> +<a href="#Page_258">S. 258</a>: "vom Kubilai" wurde geändert in "von Kubilai"<br /> +<a href="#Page_262">S. 262</a>: "über den Oxus gehen sollen" wurde geändert in "über den Oxus gehen sollten"<br /> +<a href="#Page_265">S. 265</a>: "verliess Kispdchak erzürnt" wurde geändert in "verliess Kipdschak erzürnt"<br /> +<a href="#Page_271">S. 271</a>: "Sodald Borrak" wurde geändert in "Sobald Borrak"<br /> +<a href="#Page_299">S. 299</a>: "Moinedddin Perwane" wurde geändert in "Moineddin Perwane"<br /> +<a href="#Page_311">S. 311</a>: "in's Gebiet von Haleb ein, wie sie" wurde geändert in "in's Gebiet von Haleb ein, wo sie"<br /> +<a href="#Page_314">S. 314</a>: "nicht wahrscheinlich, dass Akaka" wurde geändert in "nicht wahrscheinlich, dass Abaka"<br /> +<a href="#Page_327">S. 327</a>, Randnote: "8. Dschemmasiulewwel 681/24. August" wurde geändert in "8. Dschemmasiulewwel 681/14. August"<br /> +<a href="#Page_329">S. 329</a>: "vom Richter Medschdolmülk" wurde geändert in "vom Richter Medschdolmülk's"<br /> +<a href="#Page_333">S. 333</a>: "Wir baben befohlen" wurde geändert in "Wir haben befohlen"<br /> +<a href="#Page_342">S. 342</a>: "zum Gemahlin gab" wurde geändert in "zur Gemahlin gab"<br /> +<a href="#Page_348">S. 348</a>: "den linken Flügel kefehligte" wurde geändert in "den linken Flügel befehligte"<br /> +<a href="#Page_355">S. 355</a>: "Sischi, Bachschi" wurde geändert in "Sischi Bachschi"<br /> +<a href="#Page_363">S. 363</a>: "Er zog sich noch Kirbanschir" wurde geändert in "Er zog sich nach Kirbanschir"<br /> +<a href="#Page_366">S. 366</a>: "Ich habe jezt mein Gemüth" wurde geändert in "Ich habe jetzt mein Gemüth"<br /> +<a href="#Page_388">S. 388</a>, Randnote: "9. Rebiulewwel 689/24. Mai 1290" wurde geändert in "9. Rebiulewwel 689/24. März 1290"<br /> +<a href="#Page_393">S. 393</a>, Randnote: "7. Rebiulachir 690/10. März 1291" wurde geändert in "7. Rebiulewwel 690/10. März 1291"<br /> +<a href="#Page_400">S. 400</a>: "das Amts des Richters der Richter" wurde geändert in "das Amt des Richters der Richter"<br /> +<a href="#Page_406">S. 406</a>: "Betrauten Kensdchatu's" wurde geändert in "Betrauten Kendschatu's"<br /> +<a href="#Page_406">S. 406</a>, Randnote: "28. Rebiulachir 694/17. März 1245" wurde geändert in "28. Rebiulachir 694/17. März 1295"<br /> +<a href="#Page_407">S. 407</a>: "die Vorposten Taghadschars's" wurde geändert in "die Vorposten Taghadschar's"<br /> +<a href="#Page_432">S. 432</a>: "Seine Abreise was" wurde geändert in "Seine Abreise war"<br /> +<a href="#Page_434">S. 434</a>: "des zweigesichigen Papieres" wurde geändert in "des zweigesichtigen Papieres"</p> + +<p>Die in der Druckfehlerliste am Ende des Buches enthaltenen Korrekturanweisungen wurden durchgeführt.</p> + +<p>Das Inhaltsverzeichnis wurde zusätzlich erstellt und eingefügt.</p> +</div> + + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte der Ilchane, by +Joseph von Hammer-Purgstall + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE DER ILCHANE *** + +***** This file should be named 31713-h.htm or 31713-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/1/7/1/31713/ + +Produced by Wolfgang Menges, Karl Eichwalder, Carl Hudkins +and the Online Distributed Proofreading Team at +https://www.pgdp.net (This book was produced from scanned +images of public domain material from the Google Print +project.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at https://pglaf.org + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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Donations are accepted in a number of other +ways including including checks, online payments and credit card +donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate + + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic +works. + +Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + https://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + + +</pre> + +</body> +</html> + diff --git a/31713-h/images/arabic.png b/31713-h/images/arabic.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..74bb3d2 --- /dev/null +++ b/31713-h/images/arabic.png diff --git a/31713-h/images/widmung.png b/31713-h/images/widmung.png Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..226f4c6 --- /dev/null +++ b/31713-h/images/widmung.png diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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