summaryrefslogtreecommitdiff
diff options
context:
space:
mode:
authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 02:48:31 -0700
committerRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 02:48:31 -0700
commitaa5e42b96540af0b7da3b39aed56883ac3ac385c (patch)
tree4ab65a2e2ccf5bb57573f9e49a080a423fb995ee
initial commit of ebook 29941HEADmain
-rw-r--r--.gitattributes3
-rw-r--r--29941-8.txt1408
-rw-r--r--29941-8.zipbin0 -> 31882 bytes
-rw-r--r--29941-h.zipbin0 -> 38700 bytes
-rw-r--r--29941-h/29941-h.htm1563
-rw-r--r--29941-h/images/p0021-image.pngbin0 -> 4435 bytes
-rw-r--r--29941-page-images.zipbin0 -> 1880107 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0001-image.pngbin0 -> 339123 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0001.pngbin0 -> 56478 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0002.pngbin0 -> 71776 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0003.pngbin0 -> 69921 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0004.pngbin0 -> 68146 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0005.pngbin0 -> 67024 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0006.pngbin0 -> 71149 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0007.pngbin0 -> 66776 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0008.pngbin0 -> 68726 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0009.pngbin0 -> 69050 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0010.pngbin0 -> 71410 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0011.pngbin0 -> 72303 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0012.pngbin0 -> 60309 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0013.pngbin0 -> 67686 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0014.pngbin0 -> 64270 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0015.pngbin0 -> 65940 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0016.pngbin0 -> 65555 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0017.pngbin0 -> 60223 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0018.pngbin0 -> 66644 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0019.pngbin0 -> 66094 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0020.pngbin0 -> 66335 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0021-image.pngbin0 -> 154981 bytes
-rw-r--r--29941-page-images/p0021.pngbin0 -> 54414 bytes
-rw-r--r--LICENSE.txt11
-rw-r--r--README.md2
32 files changed, 2987 insertions, 0 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes
new file mode 100644
index 0000000..6833f05
--- /dev/null
+++ b/.gitattributes
@@ -0,0 +1,3 @@
+* text=auto
+*.txt text
+*.md text
diff --git a/29941-8.txt b/29941-8.txt
new file mode 100644
index 0000000..f69bcbf
--- /dev/null
+++ b/29941-8.txt
@@ -0,0 +1,1408 @@
+Project Gutenberg's Zeitgemäßes über Krieg und Tod, by Sigmund Freud
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Zeitgemäßes über Krieg und Tod
+
+Author: Sigmund Freud
+
+Release Date: September 8, 2009 [EBook #29941]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZEITGEMÄßES ÜBER KRIEG UND TOD ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Der Text stammt aus: Imago. Zeitschrift für Anwendung der
+ Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften IV (1915). S. 1-21.
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+Zeitgemäßes über Krieg und Tod.
+
+Von SIGM. FREUD.
+
+
+I. Die Enttäuschung des Krieges.
+
+Von dem Wirbel dieser Kriegszeit gepackt, einseitig unterrichtet, ohne
+Distanz von den großen Veränderungen, die sich bereits vollzogen haben
+oder zu vollziehen beginnen, und ohne Witterung der sich gestaltenden
+Zukunft, werden wir selbst irre an der Bedeutung der Eindrücke, die sich
+uns aufdrängen, und an dem Wert der Urteile, die wir bilden. Es will uns
+scheinen, als hätte noch niemals ein Ereignis soviel kostbares Gemeingut
+der Menschheit zerstört, soviele der klarsten Intelligenzen verwirrt, so
+gründlich das Hohe erniedrigt. Selbst die Wissenschaft hat ihre
+leidenschaftslose Unparteilichkeit verloren; ihre aufs tiefste
+erbitterten Diener suchen ihr Waffen zu entnehmen, um einen Beitrag zur
+Bekämpfung des Feindes zu leisten. Der Anthropologe muß den Gegner für
+minderwertig und degeneriert erklären, der Psychiater die Diagnose
+seiner Geistes- oder Seelenstörung verkünden. Aber wahrscheinlich
+empfinden wir das Böse dieser Zeit unmäßig stark und haben kein Recht,
+es mit dem Bösen anderer Zeiten zu vergleichen, die wir nicht erlebt
+haben.
+
+Der Einzelne, der nicht selbst ein Kämpfer und somit ein Partikelchen
+der riesigen Kriegsmaschinerie geworden ist, fühlt sich in seiner
+Orientierung verwirrt und in seiner Leistungsfähigkeit gehemmt. Ich
+meine, ihm wird jeder kleine Wink willkommen sein, der es ihm
+erleichtert, sich wenigstens in seinem eigenen Innern zurechtzufinden.
+Unter den Momenten, welche das seelische Elend der Daheimgebliebenen
+verschuldet haben, und deren Bewältigung ihnen so schwierige Aufgaben
+stellt, möchte ich zwei hervorheben und an dieser Stelle behandeln: Die
+Enttäuschung, die dieser Krieg hervorgerufen hat, und die veränderte
+Einstellung zum Tode, zu der er uns -- wie alle anderen Kriege --
+nötigt.
+
+Wenn ich von Enttäuschung rede, weiß jedermann sofort, was damit
+gemeint ist. Man braucht kein Mitleidsschwärmer zu sein, man kann die
+biologische und psychologische Notwendigkeit des Leidens für die
+Ökonomie des Menschenlebens einsehen und darf doch den Krieg in seinen
+Mitteln und Zielen verurteilen und das Aufhören der Kriege herbeisehnen.
+Man sagte sich zwar, die Kriege könnten nicht aufhören, so lange die
+Völker unter so verschiedenartigen Existenzbedingungen leben, so lange
+die Wertungen des Einzellebens bei ihnen weit auseinandergehen, und so
+lange die Gehässigkeiten, welche sie trennen, so starke seelische
+Triebkräfte repräsentieren. Man war also darauf vorbereitet, daß Kriege
+zwischen den primitiven und den zivilisierten Völkern, zwischen den
+Menschenrassen, die durch die Hautfarbe voneinander geschieden werden,
+ja Kriege mit und unter den wenig entwickelten oder verwilderten
+Völkerindividuen Europas die Menschheit noch durch geraume Zeit in
+Anspruch nehmen werden. Aber man getraute sich etwas anderes zu hoffen.
+Von den großen weltbeherrschenden Nationen weißer Rasse, denen die
+Führung des Menschengeschlechtes zugefallen ist, die man mit der Pflege
+weltumspannender Interessen beschäftigt wußte, deren Schöpfungen die
+technischen Fortschritte in der Beherrschung der Natur wie die
+künstlerischen und wissenschaftlichen Kulturwerte sind, von diesen
+Völkern hatte man erwartet, daß sie es verstehen würden, Mißhelligkeiten
+und Interessenkonflikte auf anderem Wege zum Austrag zu bringen.
+Innerhalb jeder dieser Nationen waren hohe sittliche Normen für den
+Einzelnen aufgestellt worden, nach denen er seine Lebensführung
+einzurichten hatte, wenn er an der Kulturgemeinschaft teilnehmen wollte.
+Diese oft überstrengen Vorschriften forderten viel von ihm, eine
+ausgiebige Selbstbeschränkung, einen weitgehenden Verzicht auf
+Triebbefriedigung. Es war ihm vor allem versagt, sich der
+außerordentlichen Vorteile zu bedienen, die der Gebrauch von Lüge und
+Betrug im Wettkampf mit den Nebenmenschen schafft. Der Kulturstaat hielt
+diese sittlichen Normen für die Grundlage seines Bestandes, er schritt
+ernsthaft ein, wenn man sie anzutasten wagte, erklärte es oft für
+untunlich, sie auch nur einer Prüfung durch den kritischen Verstand zu
+unterziehen. Es war also anzunehmen, daß er sie selbst respektieren
+wolle und nichts gegen sie zu unternehmen gedenke, wodurch er der
+Begründung seiner eigenen Existenz widersprochen hätte. Endlich konnte
+man zwar die Wahrnehmung machen, daß es innerhalb dieser Kulturnationen
+gewisse eingesprengte Völkerreste gäbe, die ganz allgemein unliebsam
+wären und darum nur widerwillig, auch nicht im vollen Umfange, zur
+Teilnahme an der gemeinsamen Kulturarbeit zugelassen würden, für die sie
+sich als genug geeignet erwiesen hatten. Aber die großen Völker selbst,
+konnte man meinen, hätten soviel Verständnis für ihre Gemeinsamkeiten
+und soviel Toleranz für ihre Verschiedenheiten erworben, daß »fremd« und
+»feindlich« nicht mehr wie noch im klassischen Altertum für sie zu einem
+Begriff verschmelzen durften.
+
+Vertrauend auf diese Einigung der Kulturvölker haben ungezählte Menschen
+ihren Wohnort in der Heimat gegen den Aufenthalt in der Fremde
+eingetauscht und ihre Existenz an die Verkehrsbeziehungen zwischen den
+befreundeten Völkern geknüpft. Wen aber die Not des Lebens nicht ständig
+an die nämliche Stelle bannte, der konnte sich aus allen Vorzügen und
+Reizen der Kulturländer ein neues größeres Vaterland zusammensetzen, in
+dem er sich ungehemmt und unverdächtigt erging. Er genoß so das blaue
+und das graue Meer, die Schönheit der Schneeberge und die der grünen
+Wiesenflächen, den Zauber des nordischen Waldes und die Pracht der
+südlichen Vegetation, die Stimmung der Landschaften, auf denen große
+historische Erinnerungen ruhen, und die Stille der unberührten Natur.
+Dies neue Vaterland war für ihn auch ein Museum, erfüllt mit allen
+Schätzen, welche die Künstler der Kulturmenschheit seit vielen
+Jahrhunderten geschaffen und hinterlassen hatten. Während er von einem
+Saal dieses Museums in einen anderen wanderte, konnte er in parteiloser
+Anerkennung feststellen, was für verschiedene Typen von Vollkommenheit
+Blutmischung, Geschichte und die Eigenart der Mutter Erde an seinen
+weiteren Kompatrioten ausgebildet hatten. Hier war die kühle unbeugsame
+Energie aufs höchste entwickelt, dort die graziöse Kunst, das Leben zu
+verschönern, anderswo der Sinn für Ordnung und Gesetz oder andere der
+Eigenschaften, die den Menschen zum Herrn der Erde gemacht haben.
+
+Vergessen wir auch nicht daran, daß jeder Kulturweltbürger sich einen
+besonderen »Parnaß« und eine »Schule von Athen« geschaffen hatte. Unter
+den großen Denkern, Dichtern, Künstlern aller Nationen, hatte er die
+ausgewählt, denen er das Beste zu schulden vermeinte, was ihm an
+Lebensgenuß und Lebensverständnis zugänglich geworden war, und sie den
+unsterblichen Alten in seiner Verehrung zugesellt wie den vertrauten
+Meistern seiner eigenen Zunge. Keiner von diesen Großen war ihm darum
+fremd erschienen, weil er in anderer Sprache geredet hatte, weder der
+unvergleichliche Ergründer der menschlichen Leidenschaften, noch der
+schönheitstrunkene Schwärmer oder der gewaltig drohende Prophet, der
+feinsinnige Spötter, und niemals warf er sich dabei vor, abtrünnig
+geworden zu sein der eigenen Nation und der geliebten Muttersprache.
+
+Der Genuß der Kulturgemeinschaft wurde gelegentlich durch Stimmen
+gestört, welche warnten, daß infolge altüberkommener Differenzen Kriege
+auch unter den Mitgliedern derselben unvermeidlich wären. Man wollte
+nicht daran glauben, aber wie stellte man sich einen solchen Krieg vor,
+wenn es dazu kommen sollte? Als eine Gelegenheit die Fortschritte im
+Gemeingefühl der Menschen aufzuzeigen seit jener Zeit, da die
+griechischen Amphiktyonien verboten hatten, eine dem Bündnis angehörige
+Stadt zu zerstören, ihre Ölbäume umzuhauen und ihr das Wasser
+abzuschneiden. Als einen ritterlichen Waffengang, der sich darauf
+beschränken wollte, die Überlegenheit des einen Teils festzustellen,
+unter möglichster Vermeidung schwerer Leiden, die zu dieser Entscheidung
+nichts beitragen könnten, mit voller Schonung für den Verwundeten, der
+aus dem Kampf ausscheiden muß, und für den Arzt und Pfleger, der sich
+seiner Herstellung widmet. Natürlich mit allen Rücksichten für den nicht
+kriegführenden Teil der Bevölkerung, für die Frauen, die dem
+Kriegshandwerk ferne bleiben, und für die Kinder, die, herangewachsen,
+einander von beiden Seiten Freunde und Mithelfer werden sollen. Auch mit
+Erhaltung all der internationalen Unternehmungen und Institutionen, in
+denen sich die Kulturgemeinschaft der Friedenszeit verkörpert hatte.
+
+Ein solcher Krieg hätte immer noch genug des Schrecklichen und schwer zu
+Ertragenden enthalten, aber er hätte die Entwicklung ethischer
+Beziehungen zwischen den Großindividuen der Menschheit, den Völkern und
+Staaten, nicht unterbrochen.
+
+Der Krieg, an den wir nicht glauben wollten, brach nun aus und er
+brachte die -- Enttäuschung. Er ist nicht nur blutiger und
+verlustreicher als einer der Kriege vorher, infolge der mächtig
+vervollkommneten Waffen des Angriffs und der Verteidigung, sondern
+mindestens ebenso grausam, erbittert, schonungslos wie irgend ein
+früherer. Er setzt sich über alle Einschränkungen hinaus, zu denen man
+sich in friedlichen Zeiten verpflichtet, die man das Völkerrecht genannt
+hatte, anerkennt nicht die Vorrechte des Verwundeten und des Arztes, die
+Unterscheidung des friedlichen und des kämpfenden Teils der Bevölkerung,
+die Ansprüche des Privateigentums. Er wirft nieder, was ihm im Wege
+steht, in blinder Wut, als sollte es keine Zukunft und keinen Frieden
+unter den Menschen nach ihm geben. Er zerreißt alle Bande der
+Gemeinschaft unter den miteinander ringenden Völkern und droht eine
+Erbitterung zu hinterlassen, welche eine Wiederanknüpfung derselben für
+lange Zeit unmöglich machen wird.
+
+Er brachte auch das kaum begreifliche Phänomen zum Vorschein, daß die
+Kulturvölker einander so wenig kennen und verstehen, daß sich das eine
+mit Haß und Abscheu gegen das andere wenden kann. Ja daß eine der großen
+Kulturnationen so allgemein mißliebig ist, daß der Versuch gewagt werden
+kann, sie als »barbarisch« von der Kulturgemeinschaft auszuschließen,
+obwohl sie ihre Eignung durch die großartigsten Beitragsleistungen
+längst erwiesen hat. Wir leben der Hoffnung, eine unparteiische
+Geschichtsschreibung werde den Nachweis erbringen, daß gerade diese
+Nation, die, in deren Sprache wir schreiben, für deren Sieg unsere
+Lieben kämpfen, sich am wenigsten gegen die Gesetze der menschlichen
+Gesittung vergangen habe, aber wer darf in solcher Zeit als Richter
+auftreten in eigener Sache?
+
+Völker werden ungefähr durch die Staaten, die sie bilden, repräsentiert;
+diese Staaten durch die Regierungen, die sie leiten. Der einzelne
+Volksangehörige kann in diesem Krieg mit Schreck feststellen, was sich
+ihm gelegentlich schon in Friedenszeiten aufdrängen wollte, daß der
+Staat dem Einzelnen den Gebrauch des Unrechts untersagt hat, nicht weil
+er es abschaffen, sondern weil er es monopolisieren will wie Salz und
+Tabak. Der kriegführende Staat gibt sich jedes Unrecht, jede
+Gewalttätigkeit frei, die den Einzelnen entehren würde. Er bedient sich
+nicht nur der erlaubten List, sondern auch der bewußten Lüge und des
+absichtlichen Betruges gegen den Feind, und dies zwar in einem Maße,
+welches das in früheren Kriegen Gebräuchliche zu übersteigen scheint.
+Der Staat fordert das Äußerste an Gehorsam und Aufopferung von seinen
+Bürgern, entmündigt sie aber dabei durch ein Übermaß von Verheimlichung
+und eine Zensur der Mitteilung und Meinungsäußerung, welche die Stimmung
+der so intellektuell Unterdrückten wehrlos macht gegen jede ungünstige
+Situation und jedes wüste Gerücht. Er löst sich los von Zusicherungen
+und Verträgen, durch die er sich gegen andere Staaten gebunden hatte,
+bekennt sich ungescheut zu seiner Habgier und seinem Machtstreben, die
+dann der Einzelne aus Patriotismus gutheißen soll.
+
+Man wende nicht ein, daß der Staat auf den Gebrauch des Unrechts nicht
+verzichten kann, weil er sich dadurch in Nachteil setzte. Auch für den
+Einzelnen ist die Befolgung der sittlichen Normen, der Verzicht auf
+brutale Machtbetätigung in der Regel sehr unvorteilhaft, und der Staat
+zeigt sich nur selten dazu fähig, den Einzelnen für das Opfer zu
+entschädigen, das er von ihm gefordert hat. Man darf sich auch nicht
+darüber verwundern, daß die Lockerung aller sittlichen Beziehungen
+zwischen den Großindividuen der Menschheit eine Rückwirkung auf die
+Sittlichkeit der Einzelnen geäußert hat, denn unser Gewissen ist nicht
+der unbeugsame Richter, für den die Ethiker es ausgeben, es ist in
+seinem Ursprunge »_soziale Angst_« und nichts anderes. Wo die
+Gemeinschaft den Vorwurf aufhebt, hört auch die Unterdrückung der bösen
+Gelüste auf, und die Menschen begehen Taten von Grausamkeit, Tücke,
+Verrat und Roheit, deren Möglichkeit man mit ihrem kulturellen Niveau
+für unvereinbar gehalten hätte.
+
+So mag der Kulturweltbürger, den ich vorhin eingeführt habe, ratlos
+dastehen in der ihm fremd gewordenen Welt, sein großes Vaterland
+zerfallen, die gemeinsamen Besitztümer verwüstet, die Mitbürger entzweit
+und erniedrigt!
+
+Zur Kritik seiner Enttäuschung wäre einiges zu bemerken. Sie ist,
+strenge genommen, nicht berechtigt, denn sie besteht in der Zerstörung
+einer Illusion. Illusionen empfehlen sich uns dadurch, daß sie
+Unlustgefühle ersparen und uns an ihrer Statt Befriedigungen genießen
+lassen. Wir müssen es dann ohne Klage hinnehmen, daß sie irgend einmal
+mit einem Stück der Wirklichkeit zusammenstoßen, an dem sie zerschellen.
+
+Zweierlei in diesem Kriege hat unsere Enttäuschung rege gemacht: die
+geringe Sittlichkeit der Staaten nach außen, die sich nach innen als die
+Wächter der sittlichen Normen gebärden, und die Brutalität im Benehmen
+der Einzelnen, denen man als Teilnehmer an der höchsten menschlichen
+Kultur ähnliches nicht zugetraut hat.
+
+Beginnen wir mit dem zweiten Punkt und versuchen wir es, die Anschauung,
+die wir kritisieren wollen, in einen einzigen knappen Satz zu fassen.
+Wie stellt man sich denn eigentlich den Vorgang vor, durch welchen ein
+einzelner Mensch zu einer höheren Stufe von Sittlichkeit gelangt? Die
+erste Antwort wird wohl lauten: Er ist eben von Geburt und von Anfang an
+gut und edel. Sie soll hier weiter nicht berücksichtigt werden. Eine
+zweite Antwort wird auf die Anregung eingehen, daß hier ein
+Entwicklungsvorgang vorliegen müsse, und wird wohl annehmen, diese
+Entwicklung bestehe darin, daß die bösen Neigungen des Menschen in ihm
+ausgerottet und unter dem Einfluß von Erziehung und Kulturumgebung durch
+Neigungen zum Guten ersetzt werden. Dann darf man sich allerdings
+verwundern, daß bei dem so Erzogenen das Böse wieder so tatkräftig zum
+Vorschein kommt.
+
+Aber diese Antwort enthält auch den Satz, dem wir widersprechen wollen.
+In Wirklichkeit gibt es keine »Ausrottung« des Bösen. Die psychologische
+-- im strengeren Sinne die psychoanalytische -- Untersuchung zeigt
+vielmehr, daß das tiefste Wesen des Menschen in Triebregungen besteht,
+die elementarer Natur, bei allen Menschen gleichartig sind und auf die
+Befriedigung gewisser ursprünglicher Bedürfnisse zielen. Diese
+Triebregungen sind an sich weder gut noch böse. Wir klassifizieren sie
+und ihre Äußerungen in solcher Weise je nach ihrer Beziehung zu den
+Bedürfnissen und Anforderungen der menschlichen Gemeinschaft. Zuzugeben
+ist, daß alle die Regungen, welche von der Gesellschaft als böse verpönt
+werden -- nehmen wir als Vertretung derselben die eigensüchtigen und die
+grausamen -- sich unter diesen primitiven befinden.
+
+Diese primitiven Regungen legen einen langen Entwicklungsweg zurück, bis
+sie zur Betätigung beim Erwachsenen zugelassen werden. Sie werden
+gehemmt, auf andere Ziele und Gebiete gelenkt, gehen Verschmelzungen
+miteinander ein, wechseln ihre Objekte, wenden sich zum Teil gegen die
+eigene Person. Reaktionsbildungen gegen gewisse Triebe täuschen die
+inhaltliche Verwandlung derselben vor, als ob aus Egoismus --
+Altruismus, aus Grausamkeit -- Mitleid geworden wäre. Diesen
+Reaktionsbildungen kommt zugute, daß manche Triebregungen fast von
+Anfang an in Gegensatzpaaren auftreten, ein sehr merkwürdiges und der
+populären Kenntnis fremdes Verhältnis, das man die »Gefühlsambivalenz«
+benannt hat. Am leichtesten zu beobachten und vom Verständnis zu
+bewältigen ist die Tatsache, daß starkes Lieben und starkes Hassen so
+häufig miteinander bei derselben Person vereint vorkommen. Die
+Psychoanalyse fügt dem hinzu, daß die beiden entgegengesetzten
+Gefühlsregungen nicht selten auch die nämliche Person zum Objekt nehmen.
+
+Erst nach Überwindung all solcher »Triebschicksale« stellt sich das
+heraus, was man den Charakter eines Menschen nennt, und was mit »gut«
+oder »böse« bekanntlich nur sehr unzureichend klassifiziert werden kann.
+Der Mensch ist selten im ganzen gut oder böse, meist »gut« in dieser
+Relation, böse in einer anderen oder »gut« unter solchen äußeren
+Bedingungen, unter anderen entschieden »böse«. Interessant ist die
+Erfahrung, daß die kindliche Präexistenz starker »böser« Regungen oft
+geradezu die Bedingung wird für eine besonders deutliche Wendung des
+Erwachsenen zum »Guten«. Die stärksten kindlichen Egoisten können die
+hilfreichsten und aufopferungsfähigsten Bürger werden; die meisten
+Mitleidschwärmer, Menschenfreunde, Tierschützer haben sich aus kleinen
+Sadisten und Tierquälern entwickelt.
+
+Die Umbildung der »bösen« Triebe ist das Werk zweier im gleichen Sinne
+wirkenden Faktoren, eines inneren und eines äußeren. Der innere Faktor
+besteht in der Beeinflussung der bösen -- sagen wir: eigensüchtigen --
+Triebe durch die Erotik, das Liebesbedürfnis des Menschen im weitesten
+Sinne genommen. Durch die Zumischung der _erotischen_ Komponenten werden
+die eigensüchtigen Triebe in _soziale_ umgewandelt. Man lernt das
+Geliebtwerden als einen Vorteil schätzen, wegen dessen man auf andere
+Vorteile verzichten darf. Der äußere Faktor ist der Zwang der Erziehung,
+welche die Ansprüche der kulturellen Umgebung vertritt, und die dann
+durch die direkte Einwirkung des Kulturmilieus fortgesetzt wird. Kultur
+ist durch Verzicht auf Triebbefriedigung gewonnen worden und fordert von
+jedem neu Ankommenden, daß er denselben Triebverzicht leiste. Während
+des individuellen Lebens findet eine beständige Umsetzung von äußerem
+Zwang in inneren Zwang statt. Die Kultureinflüsse leiten dazu an, daß
+immer mehr von den eigensüchtigen Strebungen durch erotische Zusätze in
+altruistische, soziale verwandelt werden. Man darf endlich annehmen, daß
+aller innere Zwang, der sich in der Entwicklung des Menschen geltend
+macht, ursprünglich, d. h. in _der Menschheitsgeschichte_ nur äußerer
+Zwang war. Die Menschen, die heute geboren werden, bringen ein Stück
+Neigung (Disposition) zur Umwandlung der egoistischen in soziale Triebe
+als ererbte Organisation mit, die auf leichte Anstöße hin diese
+Umwandlung durchführt. Ein anderes Stück dieser Triebumwandlung muß im
+Leben selbst geleistet werden. In solcher Art steht der einzelne Mensch
+nicht nur unter der Einwirkung seines gegenwärtigen Kulturmilieus,
+sondern unterliegt auch dem Einflusse der Kulturgeschichte seiner
+Vorfahren.
+
+Heißen wir die einem Menschen zukommende Fähigkeit zur Umbildung der
+egoistischen Triebe unter dem Einfluß der Erotik seine _Kultureignung_,
+so können wir aussagen, daß dieselbe aus zwei Anteilen besteht, einem
+angeborenen und einem im Leben erworbenen, und daß das Verhältnis der
+beiden zueinander und zu dem unverwandelt gebliebenen Anteil des
+Trieblebens ein sehr variables ist.
+
+Im allgemeinen sind wir geneigt, den angeborenen Anteil zu hoch zu
+veranschlagen, und überdies laufen wir Gefahr, die gesamte Kultureignung
+in ihrem Verhältnis zum primitiv gebliebenen Triebleben zu überschätzen,
+d. h. wir werden dazu verleitet, die Menschen »besser« zu beurteilen,
+als sie in Wirklichkeit sind. Es besteht nämlich noch ein anderes
+Moment, welches unser Urteil trübt und das Ergebnis im günstigen Sinne
+verfälscht.
+
+Die Triebregungen eines anderen Menschen sind unserer Wahrnehmung
+natürlich entrückt. Wir schließen auf sie aus seinen Handlungen und
+seinem Benehmen, welche wir auf _Motive_ aus seinem Triebleben
+zurückführen. Ein solcher Schluß geht notwendigerweise in einer Anzahl
+von Fällen irre. Die nämlichen, kulturell »guten« Handlungen können das
+einemal von »edlen« Motiven herstammen, das anderemal nicht. Die
+theoretischen Ethiker heißen nur solche Handlungen »gut«, welche der
+Ausdruck guter Triebregungen sind, den anderen versagen sie ihre
+Anerkennung. Die von praktischen Absichten geleitete Gesellschaft
+kümmert sich aber im ganzen um diese Unterscheidung nicht; sie begnügt
+sich damit, daß ein Mensch sein Benehmen und seine Handlungen nach den
+kulturellen Vorschriften richte, und fragt wenig nach seinen Motiven.
+
+Wir haben gehört, daß der _äußere Zwang_, den Erziehung und Umgebung auf
+den Menschen üben, eine weitere Umbildung seines Trieblebens zum Guten,
+eine Wendung vom Egoismus zum Altruismus herbeiführt. Aber dies ist
+nicht die notwendige oder regelmäßige Wirkung des äußeren Zwanges.
+Erziehung und Umgebung haben nicht nur Liebesprämien anzubieten, sondern
+arbeiten auch mit Vorteilsprämien anderer Art, mit Lohn und Strafen. Sie
+können also die Wirkung äußern, daß der ihrem Einfluß Unterliegende sich
+zum guten Handeln im kulturellen Sinne entschließt, ohne daß sich eine
+Triebveredlung, eine Umsetzung egoistischer in soziale Neigungen, in ihm
+vollzogen hat. Der Erfolg wird im groben derselbe sein; erst unter
+besonderen Verhältnissen wird es sich zeigen, daß der eine immer gut
+handelt, weil ihn seine Triebneigungen dazu nötigen, der andere nur gut
+ist, weil, insolange und insoweit dies kulturelle Verhalten seinen
+eigensüchtigen Absichten Vorteile bringt. Wir aber werden bei
+oberflächlicher Bekanntschaft mit den Einzelnen kein Mittel haben, die
+beiden Fälle zu unterscheiden, und gewiß durch unseren Optimismus
+verführt werden, die Anzahl der kulturell veränderten Menschen arg zu
+überschätzen.
+
+Die Kulturgesellschaft, die die gute Handlung fordert und sich um die
+Triebbegründung derselben nicht kümmert, hat also eine große Zahl von
+Menschen zum Kulturgehorsam gewonnen, die dabei nicht ihrer Natur
+folgen. Durch diesen Erfolg ermutigt, hat sie sich verleiten lassen, die
+sittlichen Anforderungen möglichst hoch zu spannen und so ihre
+Teilnehmer zu noch weiterer Entfernung von ihrer Triebveranlagung
+gezwungen. Diesen ist nun eine fortgesetzte Triebunterdrückung
+auferlegt, deren Spannung sich in den merkwürdigsten Reaktions- und
+Kompensationserscheinungen kundgibt. Auf dem Gebiete der Sexualität, wo
+solche Unterdrückung am wenigsten durchzuführen ist, kommt es so zu den
+Reaktionserscheinungen der neurotischen Erkrankungen. Der sonstige Druck
+der Kultur zeitigt zwar keine pathologische Folgen, äußert sich aber in
+Charakterverbildungen und in der steten Bereitschaft der gehemmten
+Triebe, bei passender Gelegenheit zur Befriedigung durchzubrechen. Wer
+so genötigt wird, dauernd im Sinne von Vorschriften zu reagieren, die
+nicht der Ausdruck seiner Triebneigungen sind, der lebt, psychologisch
+verstanden, über seine Mittel und darf objektiv als Heuchler bezeichnet
+werden, gleichgiltig ob ihm diese Differenz klar bewußt worden ist oder
+nicht. Es ist unleugbar, daß unsere gegenwärtige Kultur die Ausbildung
+dieser Art von Heuchelei in außerordentlichem Umfange begünstigt. Man
+könnte die Behauptung wagen, sie sei auf solcher Heuchelei aufgebaut und
+müßte sich tiefgreifende Abänderungen gefallen lassen, wenn es die
+Menschen unternehmen würden, der psychologischen Wahrheit nachzuleben.
+Es gibt also ungleich mehr Kulturheuchler als wirklich kulturelle
+Menschen, ja man kann den Standpunkt diskutieren, ob ein gewisses Maß
+von Kulturheuchelei nicht zur Aufrechthaltung der Kultur unerläßlich
+sei, weil die bereits organisierte Kultureignung der heute lebenden
+Menschen vielleicht für diese Leistung nicht zureichen würde. Anderseits
+bietet die Aufrechthaltung der Kultur auch auf so bedenklicher Grundlage
+die Aussicht, bei jeder neuen Generation eine weitergehende
+Triebumbildung als Trägerin einer besseren Kultur anzubahnen.
+
+Den bisherigen Erörterungen entnehmen wir bereits den einen Trost, daß
+unsere Kränkung und schmerzliche Enttäuschung wegen des unkulturellen
+Benehmens unserer Weltmitbürger in diesem Kriege unberechtigt waren. Sie
+beruhten auf einer Illusion, der wir uns gefangen gaben. In Wirklichkeit
+sind sie nicht so tief gesunken, wie wir fürchten, weil sie gar nicht so
+hoch gestiegen waren, wie wirs von ihnen glaubten. Daß die menschlichen
+Großindividuen, die Völker und Staaten, die sittlichen Beschränkungen
+gegeneinander fallen ließen, wurde ihnen zur begreiflichen Anregung,
+sich für eine Weile dem bestehenden Drucke der Kultur zu entziehen und
+ihren zurückgehaltenen Trieben vorübergehend Befriedigung zu gönnen.
+Dabei geschah ihrer relativen Sittlichkeit innerhalb des eigenen
+Volkstums wahrscheinlich kein Abbruch.
+
+Wir können uns aber das Verständnis der Veränderung, die der Krieg an
+unseren früheren Kompatrioten zeigt, noch vertiefen und empfangen dabei
+eine Warnung, kein Unrecht an ihnen zu begehen. Seelische Entwicklungen
+besitzen nämlich eine Eigentümlichkeit, welche sich bei keinem anderen
+Entwicklungsvorgang mehr vorfindet. Wenn ein Dorf zur Stadt, ein Kind
+zum Mann heranwächst, so gehen dabei Dorf und Kind in Stadt und Mann
+unter. Nur die Erinnerung kann die alten Züge in das neue Bild
+einzeichnen; in Wirklichkeit sind die alten Materialien oder Formen
+beseitigt und durch neue ersetzt worden. Anders geht es bei einer
+seelischen Entwicklung zu. Man kann den nicht zu vergleichenden
+Sachverhalt nicht anders beschreiben als durch die Behauptung, daß jede
+frühere Entwicklungsstufe neben der späteren, die aus ihr geworden ist,
+erhalten bleibt; die Sukzession bedingt eine Koexistenz mit, obwohl es
+doch dieselben Materialien sind, an denen die ganze Reihenfolge von
+Veränderungen abgelaufen ist. Der frühere seelische Zustand mag sich
+jahrelang nicht geäußert haben, er bleibt doch soweit bestehen, daß er
+eines Tages wiederum die Äußerungsform der seelischen Kräfte werden
+kann, und zwar die einzige, als ob alle späteren Entwicklungen
+annulliert, rückgängig gemacht worden wären. Diese außerordentliche
+Plastizität der seelischen Entwicklungen ist in ihrer Richtung nicht
+unbeschränkt; man kann sie als eine besondere Fähigkeit zur Rückbildung
+-- Regression -- bezeichnen, denn es kommt wohl vor, daß eine spätere
+und höhere Entwicklungsstufe, die verlassen wurde, nicht wieder erreicht
+werden kann. Aber die primitiven Zustände können immer wieder
+hergestellt werden; das primitive Seelische ist im vollsten Sinne
+unvergänglich.
+
+Die sogenannten Geisteskrankheiten müssen beim Laien den Eindruck
+hervorrufen, daß das Geistes- und Seelenleben der Zerstörung
+anheimgefallen sei. In Wirklichkeit betrifft die Zerstörung nur spätere
+Erwerbungen und Entwicklungen. Das Wesen der Geisteskrankheit besteht in
+der Rückkehr zu früheren Zuständen des Affektlebens und der Funktion.
+Ein ausgezeichnetes Beispiel für die Plastizität des Seelenlebens gibt
+der Schlafzustand, den wir allnächtlich anstreben. Seitdem wir auch
+tolle und verworrene Träume zu übersetzen verstehen, wissen wir, daß
+wir mit jedem Einschlafen unsere mühsam erworbene Sittlichkeit wie
+ein Gewand von uns werfen -- um es am Morgen wieder anzutun. Diese
+Entblößung ist natürlich ungefährlich, weil wir durch den Schlafzustand
+gelähmt, zur Inaktivität verurteilt sind. Nur der Traum kann von der
+Regression unseres Gefühllebens auf eine der frühesten Entwicklungsstufen
+Kunde geben. So ist es z. B. bemerkenswert, daß alle unsere Träume von
+rein egoistischen Motiven beherrscht werden. Einer meiner englischen
+Freunde vertrat einmal diesen Satz vor einer wissenschaftlichen
+Versammlung in Amerika, worauf ihm eine anwesende Dame die Bemerkung
+machte, das möge vielleicht für Österreich richtig sein, aber sie dürfe
+von sich und ihren Freunden behaupten, daß sie auch noch im Traume
+altruistisch fühlen. Mein Freund, obwohl selbst ein Angehöriger der
+englischen Rasse, mußte auf Grund seiner eigenen Erfahrungen in der
+Traumanalyse der Dame energisch widersprechen: Im Traume sei auch die
+edle Amerikanerin ebenso egoistisch wie der Österreicher.
+
+Es kann also auch die Triebumbildung, auf welcher unsere Kultureignung
+beruht, durch Einwirkungen des Lebens -- dauernd oder zeitweilig --
+rückgängig gemacht werden. Ohne Zweifel gehören die Einflüsse des
+Krieges zu den Mächten, welche solche Rückbildung erzeugen können, und
+darum brauchen wir nicht allen jenen, die sich gegenwärtig unkulturell
+benehmen, die Kultureignung abzusprechen, und dürfen erwarten, daß sich
+ihre Triebveredlung in ruhigeren Zeiten wieder herstellen wird.
+
+Vielleicht hat uns aber ein anderes Symptom bei unseren Weltmitbürgern
+nicht weniger überrascht und geschreckt als das so schmerzlich
+empfundene Herabsinken von ihrer ethischen Höhe. Ich meine die
+Einsichtslosigkeit, die sich bei den besten Köpfen zeigt, ihre
+Verstocktheit, Unzugänglichkeit gegen die eindringlichsten Argumente,
+ihre kritiklose Leichtgläubigkeit für die anfechtbarsten Behauptungen.
+Dies ergibt freilich ein trauriges Bild, und ich will ausdrücklich
+betonen, daß ich keineswegs als verblendeter Parteigänger alle
+intellektuelle Verfehlungen nur auf einer der beiden Seiten finde.
+Allein diese Erscheinung ist noch leichter zu erklären und weit weniger
+bedenklich als die vorhin gewürdigte. Menschenkenner und Philosophen
+haben uns längst belehrt, daß wir Unrecht daran tun, unsere Intelligenz
+als selbständige Macht zu schätzen und ihre Abhängigkeit vom
+Gefühlsleben zu übersehen. Unser Intellekt könne nur verläßlich
+arbeiten, wenn er den Einwirkungen starker Gefühlsregungen entrückt sei;
+im gegenteiligen Falle benehme er sich einfach wie ein Instrument zu
+Handen eines Willens und liefere das Resultat, das ihm von diesem
+aufgetragen sei. Logische Argumente seien also ohnmächtig gegen
+affektive Interessen, und darum sei das Streiten mit Gründen, die nach
+_Falstaffs_ Wort so gemein sind wie Brombeeren, in der Welt der
+Interessen so unfruchtbar. Die psychoanalytische Erfahrung hat diese
+Behauptung womöglich noch unterstrichen. Sie kann alle Tage zeigen, daß
+sich die scharfsinnigsten Menschen plötzlich einsichtslos wie
+Schwachsinnige benehmen, sobald die verlangte Einsicht einem
+Gefühlswiderstand bei ihnen begegnet, aber auch alles Verständnis wieder
+erlangen, wenn dieser Widerstand überwunden ist. Die logische
+Verblendung, die dieser Krieg oft gerade bei den besten unserer
+Mitbürger hervorgezaubert hat, ist also ein sekundäres Phänomen, eine
+Folge der Gefühlserregung, und hoffentlich dazu bestimmt, mit ihr zu
+verschwinden.
+
+Wenn wir solcher Art unsere uns entfremdeten Mitbürger wieder verstehen,
+werden wir die Enttäuschung, die uns die Großindividuen der Menschheit,
+die Völker, bereitet haben, um vieles leichter ertragen, denn an diese
+dürfen wir nur weit bescheidenere Ansprüche stellen. Dieselben
+wiederholen vielleicht die Entwicklung der Individuen und treten uns
+heute noch auf sehr primitiven Stufen der Organisation, der Bildung
+höherer Einheiten, entgegen. Dem entsprechend ist das erziehliche Moment
+des äußeren Zwanges zur Sittlichkeit, welches wir beim Einzelnen so
+wirksam fanden, bei ihnen noch kaum nachweisbar. Wir hatten zwar
+gehofft, daß die großartige, durch Verkehr und Produktion hergestellte
+Interessengemeinschaft den Anfang eines solchen Zwanges ergeben werde,
+allein es scheint, die Völker gehorchen ihren Leidenschaften derzeit
+weit mehr als ihren Interessen. Sie bedienen sich höchstens der
+Interessen, um die Leidenschaften zu _rationalisieren_; sie schieben
+ihre Interessen vor, um die Befriedigung ihrer Leidenschaften begründen
+zu können. Warum die Völkerindividuen einander eigentlich
+geringschätzen, hassen, verabscheuen, und zwar auch in Friedenszeiten,
+und jede Nation die andere, das ist freilich rätselhaft. Ich weiß es
+nicht zu sagen. Es ist in diesem Falle gerade so, als ob sich alle
+sittlichen Erwerbungen der Einzelnen auslöschten, wenn man eine Mehrheit
+oder gar Millionen Menschen zusammennimmt, und nur die primitivsten,
+ältesten und rohesten, seelischen Einstellungen übrig blieben. An diesen
+bedauerlichen Verhältnissen werden vielleicht erst späte Entwicklungen
+etwas ändern können. Aber etwas mehr Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit
+allerseits, in den Beziehungen der Menschen zueinander und zwischen
+ihnen und den sie Regierenden dürfte auch für diese Umwandlung die Wege
+ebnen.
+
+
+II. Unser Verhältnis zum Tode.
+
+Das zweite Moment, von dem ich es ableite, daß wir uns so befremdet
+fühlen in dieser einst so schönen und trauten Welt, ist die Störung des
+bisher von uns festgehaltenen Verhältnisses zum Tode.
+
+Dies Verhältnis war kein aufrichtiges. Wenn man uns anhörte, so waren
+wir natürlich bereit zu vertreten, daß der Tod der notwendige Ausgang
+alles Lebens sei, daß jeder von uns der Natur einen Tod schulde und
+vorbereitet sein müsse, die Schuld zu bezahlen, kurz, daß der Tod
+natürlich sei, unableugbar und unvermeidlich. In Wirklichkeit pflegten
+wir uns aber zu benehmen, als ob es anders wäre. Wir haben die
+unverkennbare Tendenz gezeigt, den Tod beiseite zu schieben, ihn aus dem
+Leben zu eliminieren. Wir haben versucht, ihn totzuschweigen; wir
+besitzen ja auch das Sprichwort: man denke an etwas wie an den Tod. Wie
+an den eigenen natürlich. Der eigene Tod ist ja auch unvorstellbar, und
+so oft wir den Versuch dazu machen, können wir bemerken, daß wir
+eigentlich als Zuschauer weiter dabei bleiben. So konnte in der
+psychoanalytischen Schule der Ausspruch gewagt werden: Im Grunde glaube
+niemand an seinen eigenen Tod oder, was dasselbe ist: Im Unbewußten sei
+jeder von uns von seiner Unsterblichkeit überzeugt.
+
+Was den Tod eines anderen betrifft, so wird der Kulturmensch es
+sorgfältig vermeiden, von dieser Möglichkeit zu sprechen, wenn der zum
+Tode Bestimmte es hören kann. Nur Kinder setzen sich über diese
+Beschränkung hinweg; sie drohen einander ungescheut mit den Chancen des
+Sterbens und bringen es auch zustande, einer geliebten Person
+dergleichen ins Gesicht zu sagen, wie z. B.: Liebe Mama, wenn du leider
+gestorben sein wirst, werde ich dies oder jenes. Der erwachsene
+Kultivierte wird den Tod eines anderen auch nicht gerne in seine
+Gedanken einsetzen, ohne sich hart oder böse zu erscheinen; es sei denn,
+daß er berufsmäßig als Arzt, Advokat u. dgl. mit dem Tode zu tun habe.
+Am wenigsten wird er sich gestatten, an den Tod des anderen zu denken,
+wenn mit diesem Ereignis ein Gewinn an Freiheit, Besitz, Stellung
+verbunden ist. Natürlich lassen sich Todesfälle durch dies unser
+Zartgefühl nicht zurückhalten; wenn sie sich ereignet haben, sind wir
+jedesmal tief ergriffen und wie in unseren Erwartungen erschüttert. Wir
+betonen regelmäßig die zufällige Veranlassung des Todes, den Unfall, die
+Erkrankung, die Infektion, das hohe Alter, und verraten so unser
+Bestreben, den Tod von einer Notwendigkeit zu einer Zufälligkeit
+herabzudrücken. Eine Häufung von Todesfällen erscheint uns als etwas
+überaus Schreckliches. Dem Verstorbenen selbst bringen wir ein
+besonderes Verhalten entgegen, fast wie eine Bewunderung für einen, der
+etwas sehr Schwieriges zustande gebracht hat. Wir stellen die Kritik
+gegen ihn ein, sehen ihm sein etwaiges Unrecht nach, geben den Befehl
+aus: De mortuis nil nisi bene, und finden es gerechtfertigt, daß man ihm
+in der Leichenrede und auf dem Grabstein das Vorteilhafteste nachrühmt.
+Die Rücksicht auf den Toten, deren er doch nicht mehr bedarf, steht uns
+über der Wahrheit, den meisten von uns gewiß auch über der Rücksicht für
+den Lebenden.
+
+Diese kulturell-konventionelle Einstellung gegen den Tod ergänzt sich
+nun durch unseren völligen Zusammenbruch, wenn das Sterben eine der uns
+nahestehenden Personen, einen Eltern- oder Gattenteil, ein Geschwister,
+Kind oder teuren Freund getroffen hat. Wir begraben mit ihm unsere
+Hoffnungen, Ansprüche, Genüsse, lassen uns nicht trösten und weigern
+uns, den Verlorenen zu ersetzen. Wir benehmen uns dann wie eine Art von
+_Asra_, welche _mitsterben, wenn die sterben, die sie lieben_.
+
+Dies unser Verhältnis zum Tode hat aber eine starke Wirkung auf unser
+Leben. Das Leben verarmt, es verliert an Interesse, wenn der höchste
+Einsatz in den Lebensspielen, eben das Leben selbst, nicht gewagt werden
+darf. Es wird so schal, gehaltlos wie etwa ein amerikanischer Flirt, bei
+dem es von vorneherein feststeht, daß nichts vorfallen darf, zum
+Unterschied von einer kontinentalen Liebesbeziehung, bei welcher beide
+Partner stets der ernsten Konsequenzen eingedenk bleiben müssen. Unsere
+Gefühlsbindungen, die unerträgliche Intensität unserer Trauer, machen
+uns abgeneigt, für uns und die unserigen Gefahren aufzusuchen. Wir
+getrauen uns nicht, eine Anzahl von Unternehmungen in Betracht zu
+ziehen, die gefährlich, aber eigentlich unerläßlich sind wie
+Flugversuche, Expeditionen in ferne Länder, Experimente mit
+explodierbaren Substanzen. Uns lähmt dabei das Bedenken, wer der Mutter
+den Sohn, der Gattin den Mann, den Kindern den Vater ersetzen soll, wenn
+ein Unglück geschieht. Die Neigung, den Tod aus der Lebensrechnung
+auszuschließen, hat so viele andere Verzichte und Ausschließungen im
+Gefolge. Und doch hat der Wahlspruch der _Hansa_ gelautet: Navigare
+necesse est, vivere non necesse! (Seefahren muß man, leben muß man
+nicht.)
+
+Es kann dann nicht anders kommen, als daß wir in der Welt der Fiktion,
+in der Literatur, im Theater Ersatz suchen für die Einbuße des Lebens.
+Dort finden wir noch Menschen, die zu sterben verstehen, ja die es auch
+zustande bringen, einen anderen zu töten. Dort allein erfüllt sich uns
+auch die Bedingung, unter welcher wir uns mit dem Tod versöhnen könnten,
+wenn wir nämlich hinter allen Wechselfällen des Lebens noch ein
+unantastbares Leben übrig behielten. Es ist doch zu traurig, daß es im
+Leben zugehen kann wie im Schachspiel, wo ein falscher Zug uns zwingen
+kann, die Partie verloren zu geben, mit dem Unterschied aber, daß wir
+keine zweite, keine Revanchepartie beginnen können. Auf dem Gebiete der
+Fiktion finden wir jene Mehrheit von Leben, deren wir bedürfen. Wir
+sterben in der Identifizierung mit dem einen Helden, überleben ihn aber
+doch und sind bereit, ebenso ungeschädigt ein zweites Mal mit einem
+anderen Helden zu sterben.
+
+Es ist evident, daß der Krieg diese konventionelle Behandlung des Todes
+hinwegfegen muß. Der Tod läßt sich jetzt nicht mehr verleugnen; man muß
+an ihn glauben. Die Menschen sterben wirklich, auch nicht mehr einzeln,
+sondern viele, oft Zehntausende an einem Tag. Er ist auch kein Zufall
+mehr. Es scheint freilich noch zufällig, ob diese Kugel den einen trifft
+oder den andern; aber diesen anderen mag leicht eine zweite Kugel
+treffen, die Häufung macht dem Eindruck des Zufälligen ein Ende. Das
+Leben ist freilich wieder interessant geworden, es hat seinen vollen
+Inhalt wieder bekommen.
+
+Man müßte hier eine Scheidung in zwei Gruppen vornehmen, diejenigen, die
+selbst im Kampf ihr Leben preisgeben, trennen von den anderen, die zu
+Hause geblieben sind und nur zu erwarten haben, einen ihrer Lieben an
+den Tod durch Verletzung, Krankheit oder Infektion zu verlieren. Es wäre
+gewiß sehr interessant, die Veränderungen in der Psychologie der Kämpfer
+zu studieren, aber ich weiß zu wenig darüber. Wir müssen uns an die
+zweite Gruppe halten, zu der wir selbst gehören. Ich sagte schon, daß
+ich meine, die Verwirrung und die Lähmung unserer Leistungsfähigkeit,
+unter denen wir leiden, seien wesentlich mitbestimmt durch den Umstand,
+daß wir unser bisheriges Verhältnis zum Tode nicht aufrecht halten
+können und ein neues noch nicht gefunden haben. Vielleicht hilft es uns
+dazu, wenn wir unsere psychologische Untersuchung auf zwei andere
+Beziehungen zum Tode richten, auf jene, die wir dem Urmenschen, dem
+Menschen der Vorzeit zuschreiben dürfen, und jene andere, die in jedem
+von uns noch erhalten ist, aber sich unsichtbar für unser Bewußtsein in
+tieferen Schichten unseres Seelenlebens verbirgt.
+
+Wie sich der Mensch der Vorzeit gegen den Tod verhalten, wissen wir
+natürlich nur durch Rückschlüsse und Konstruktionen, aber ich meine, daß
+diese Mittel uns ziemlich vertrauenswürdige Auskünfte ergeben haben.
+
+Der Urmensch hat sich in sehr merkwürdiger Weise zum Tode eingestellt.
+Gar nicht einheitlich, vielmehr recht widerspruchsvoll. Er hat
+einerseits den Tod ernst genommen, ihn als Aufhebung des Lebens
+anerkannt und sich seiner in diesem Sinne bedient, anderseits aber auch
+den Tod geleugnet, ihn zu nichts herabgedrückt. Dieser Widerspruch wurde
+durch den Umstand ermöglicht, daß er zum Tode des anderen, des Fremden,
+des Feindes eine radikal andere Stellung einnahm als zu seinem eigenen.
+Der Tod des anderen war ihm recht, galt ihm als Vernichtung des
+Verhaßten, und der Urmensch kannte kein Bedenken, ihn herbeizuführen. Er
+war gewiß ein sehr leidenschaftliches Wesen, grausamer und bösartiger
+als andere Tiere. Er mordete gerne und wie selbstverständlich. Den
+Instinkt, der andere Tiere davon abhalten soll, Wesen der gleichen Art
+zu töten und zu verzehren, brauchen wir ihm nicht zuzuschreiben.
+
+Die Urgeschichte der Menschheit ist denn auch vom Morde erfüllt. Noch
+heute ist das, was unsere Kinder in der Schule als Weltgeschichte
+lernen, im wesentlichen eine Reihenfolge von Völkermorden. Das dunkle
+Schuldgefühl, unter dem die Menschheit seit Urzeiten steht, das sich in
+manchen Religionen zur Annahme einer _Urschuld_, einer Erbsünde,
+verdichtet hat, ist wahrscheinlich der Ausdruck einer Blutschuld, mit
+welcher sich die urzeitliche Menschheit beladen hat. Ich habe in meinem
+Buche »_Totem_ und _Tabu_« (1913), den Winken von W. _Robertson Smith_,
+_Atkinson_ und Ch. _Darwin_ folgend, die Natur dieser alten Schuld
+erraten wollen, und meine, daß noch die heutige christliche Lehre uns
+den Rückschluß auf sie ermöglicht. Wenn Gottes Sohn sein Leben opfern
+mußte, um die Menschheit von der Erbsünde zu erlösen, so muß nach der
+Regel der Talion, der Vergeltung durch Gleiches, diese Sünde eine
+Tötung, ein Mord gewesen sein. Nur dies konnte zu seiner Sühne das Opfer
+eines Lebens erfordern. Und wenn die Erbsünde ein Verschulden gegen
+Gott-Vater war, so muß das älteste Verbrechen der Menschheit ein
+Vatermord gewesen sein, die Tötung des Urvaters der primitiven
+Menschenhorde, dessen Erinnerungsbild später zur Gottheit verklärt
+wurde[1].
+
+ [1] Vgl. diese Zeitschr. Bd. II. 1913. (Die infantile Wiederkehr des
+ Totemismus.)
+
+Der eigene Tod war dem Urmenschen gewiß ebenso unvorstellbar und
+unwirklich, wie heute noch jedem von uns. Es ergab sich aber für ihn ein
+Fall, in dem die beiden gegensätzlichen Einstellungen zum Tode
+zusammenstießen und in Konflikt miteinander gerieten, und dieser Fall
+wurde sehr bedeutsam und reich an fernwirkenden Folgen. Er ereignete
+sich, wenn der Urmensch einen seiner Angehörigen sterben sah, sein
+Weib, sein Kind, seinen Freund, die er sicherlich ähnlich liebte wie wir
+die unseren, denn die Liebe kann nicht um vieles jünger sein als die
+Mordlust. Da mußte er in seinem Schmerz die Erfahrung machen, daß man
+auch selbst sterben könne, und sein ganzes Wesen empörte sich gegen
+dieses Zugeständnis; jeder dieser Lieben war ja doch ein Stück seines
+eigenen geliebten Ichs. Anderseits war ihm ein solcher Tod doch auch
+recht, denn in jeder der geliebten Personen stak auch ein Stück
+Fremdheit. Das Gesetz der Gefühlsambivalenz, das heute noch unsere
+Gefühlsbeziehungen zu den von uns geliebtesten Personen beherrscht, galt
+in Urzeiten gewiß noch uneingeschränkter. Somit waren diese geliebten
+Verstorbenen doch auch Fremde und Feinde gewesen, die einen Anteil von
+feindseligen Gefühlen bei ihm hervorgerufen hatten[2].
+
+ [2] Siehe diese Zeitschr. Bd. I. 1912, Tabu und Ambivalenz. Und
+ »_Totem_ und _Tabu_«.
+
+Die Philosophen haben behauptet, das intellektuelle Rätsel, welches das
+Bild des Todes dem Urmenschen aufgab, habe sein Nachdenken erzwungen und
+sei der Ausgang jeder Spekulation geworden. Ich glaube, die Philosophen
+denken da zu -- philosophisch, nehmen zu wenig Rücksicht auf die primär
+wirksamen Motive. Ich möchte darum die obige Behauptung einschränken und
+korrigieren: an der Leiche des erschlagenen Feindes wird der Urmensch
+triumphiert haben, ohne einen Anlaß zu finden, sich den Kopf über die
+Rätsel des Lebens und des Todes zu zerbrechen. Nicht das intellektuelle
+Rätsel und nicht jeder Todesfall, sondern der Gefühlskonflikt beim Tode
+geliebter und dabei doch auch fremder und gehaßter Personen hat die
+Forschung der Menschen entbunden. Aus diesem Gefühlskonflikt wurde
+zunächst die Psychologie geboren. Der Mensch konnte den Tod nicht mehr
+von sich ferne halten, da er ihn in dem Schmerz um den Verstorbenen
+verkostet hatte, aber er wollte ihn doch nicht zugestehen, da er sich
+selbst nicht tot vorstellen konnte. So ließ er sich auf Kompromisse ein,
+gab den Tod auch für sich zu, bestritt ihm aber die Bedeutung der
+Lebensvernichtung, wofür ihm beim Tode des Feindes jedes Motiv gefehlt
+hatte. An der Leiche der geliebten Person ersann er die Geister, und
+sein Schuldbewußtsein ob der Befriedigung, die der Trauer beigemengt
+war, bewirkte, daß diese erstgeschaffenen Geister böse Dämonen wurden,
+vor denen man sich ängstigen mußte. Die Veränderungen des Todes legten
+ihm die Zerlegung des Individuums in einen Leib und in eine --
+ursprünglich mehrere -- Seelen nahe; in solcher Weise ging sein
+Gedankengang dem Zersetzungsprozeß, den der Tod einleitet, parallel. Die
+fortdauernde Erinnerung an den Verstorbenen wurde die Grundlage der
+Annahme anderer Existenzformen, gab ihm die Idee eines Fortlebens nach
+dem anscheinenden Tode.
+
+Diese späteren Existenzen waren anfänglich nur Anhängsel an die durch
+den Tod abgeschlossene, schattenhaft, inhaltsleer und bis in späte
+Zeiten hinauf geringgeschätzt; sie trugen noch den Charakter
+kümmerlicher Auskünfte. Wir erinnern, was die Seele des Achilleus dem
+Odysseus erwidert:
+
+ »Denn dich Lebenden einst verehrten wir, gleich den Göttern,
+ Argos Söhn'; und jetzo gebietest du mächtig den Geistern,
+ Wohnend allhier. Drum laß dich den Tod nicht reuen, Achilleus.
+ Also ich selbst; und sogleich antwortet' er, solches erwidernd:
+ Nicht mir rede vom Tod ein Trostwort, edler Odysseus!
+ Lieber ja wollt' ich das Feld als Tagelöhner bestellen
+ Einem dürftigen Mann, ohn' Erb' und eigenen Wohlstand,
+ Als die sämtliche Schaar der geschwundenen Toten beherrschen.«
+
+ (Odyssee XI v. 484-491)
+
+Oder in der kraftvollen, bitter-parodistischen Fassung von H. _Heine_:
+
+ »Der kleinste lebendige Philister
+ Zu Stuckert am Neckar
+ Viel glücklicher ist er
+ Als ich, der Pelide, der tote Held,
+ Der Schattenfürst in der Unterwelt«.
+
+Erst später brachten es die Religionen zustande, diese Nachexistenz für
+die wertvollere, vollgültige auszugeben und das durch den Tod
+abgeschlossene Leben zu einer bloßen Vorbereitung herabzudrücken. Es war
+dann nur konsequent, wenn man auch das Leben in die Vergangenheit
+verlängerte, die früheren Existenzen, die Seelenwanderung und
+Wiedergeburt ersann, alles in der Absicht, dem Tod seine Bedeutung als
+Aufhebung des Lebens zu rauben. So frühzeitig hat die Verleugnung des
+Todes, die wir als konventionell-kulturell bezeichnet haben, ihren
+Anfang genommen.
+
+An der Leiche der geliebten Person entstanden nicht nur die Seelenlehre,
+der Unsterblichkeitsglaube und eine mächtige Wurzel des menschlichen
+Schuldbewußtseins, sondern auch die ersten ethischen Gebote. Das erste
+und bedeutsamste Verbot des erwachenden Gewissens lautete: _Du sollst
+nicht töten._ Es war als die Reaktion gegen die hinter der Trauer
+versteckte Haßbefriedigung am geliebten Toten gewonnen worden, und wurde
+allmählich auf den ungeliebten Fremden und endlich auch auf den Feind
+ausgedehnt.
+
+An letzterer Stelle wird es vom Kulturmenschen nicht mehr verspürt. Wenn
+das wilde Ringen dieses Krieges seine Entscheidung gefunden hat, wird
+jeder der siegreichen Kämpfer froh in sein Heim zurückkehren, zu seinem
+Weib und Kindern, unverweilt und ungestört durch Gedanken an die Feinde,
+die er im Nahekampf oder durch die fernwirkende Waffe getötet hat. Es
+ist bemerkenswert, daß sich die primitiven Völker, die noch auf der Erde
+leben und dem Urmenschen gewiß näher stehen als wir, in diesem Punkte
+anders verhalten -- oder verhalten haben, so lange sie noch nicht den
+Einfluß unserer Kultur erfahren hatten. Der Wilde -- Australier,
+Buschmann, Feuerländer -- ist keineswegs ein reueloser Mörder; wenn er
+als Sieger vom Kriegspfade heimkehrt, darf er sein Dorf nicht betreten
+und sein Weib nicht berühren, ehe er seine kriegerischen Mordtaten durch
+oft langwierige und mühselige Bußen gesühnt hat. Natürlich liegt die
+Erklärung aus seinem Aberglauben nahe; der Wilde fürchtet noch die
+Geisterrache der Erschlagenen. Aber die Geister der erschlagenen Feinde
+sind nichts anderes als der Ausdruck seines bösen Gewissens ob seiner
+Blutschuld; hinter diesem Aberglauben verbirgt sich ein Stück ethischer
+Feinfühligkeit, welches uns Kulturmenschen verloren gegangen ist[3].
+
+ [3] S. diese Zeitschr., Bd. II. l. c.
+
+Fromme Seelen, welche unser Wesen gerne von der Berührung mit Bösem und
+Gemeinem ferne wissen möchten, werden gewiß nicht versäumen, aus der
+Frühzeitigkeit und Eindringlichkeit des Mordverbotes befriedigende
+Schlüsse zu ziehen auf die Stärke ethischer Regungen, welche uns
+eingepflanzt sein müssen. Leider beweist dieses Argument noch mehr für
+das Gegenteil. Ein so starkes Verbot kann sich nur gegen einen ebenso
+starken Impuls richten. Was keines Menschen Seele begehrt, braucht man
+nicht zu verbieten[4], es schließt sich von selbst aus. Gerade die
+Betonung des Gebotes: Du sollst nicht töten, macht uns sicher, daß wir
+von einer unendlich langen Generationsreihe von Mördern abstammen, denen
+die Mordlust, wie vielleicht noch uns selbst, im Blute lag. Die
+ethischen Strebungen der Menschheit, an deren Stärke und Bedeutsamkeit
+man nicht zu nörgeln braucht, sind ein Erwerb der Menschengeschichte; in
+leider sehr wechselndem Ausmaße sind sie dann zum ererbten Besitz der
+heute lebenden Menschen geworden.
+
+ [4] Vgl. die glänzende Argumentation von _Frazer_ in dieser Zeitschr.,
+ Bd. III. p. 377.
+
+Verlassen wir nun den Urmenschen und wenden wir uns dem Unbewußten im
+eigenen Seelenleben zu. Wir fußen hier ganz auf der Untersuchungsmethode
+der Psychoanalyse, der einzigen, die in solche Tiefen reicht. Wir
+fragen: wie verhält sich unser Unbewußtes zum Problem des Todes? Die
+Antwort muß lauten: fast genau so wie der Urmensch. In dieser wie in
+vielen anderen Hinsichten lebt der Mensch der Vorzeit ungeändert in
+unserem Unbewußten fort. Also unser Unbewußtes glaubt nicht an den
+eigenen Tod, es gebärdet sich wie unsterblich. Was wir unser
+»Unbewußtes« heißen, die tiefsten, aus Triebregungen bestehenden
+Schichten unserer Seele, kennt überhaupt nichts Negatives, keine
+Verneinung -- Gegensätze fallen in ihm zusammen -- und kennt darum auch
+nicht den eigenen Tod, dem wir nur einen negativen Inhalt geben können.
+Dem Todesglauben kommt also nichts Triebhaftes in uns entgegen.
+Vielleicht ist dies sogar das Geheimnis des Heldentums. Die rationelle
+Begründung des Heldentums ruht auf dem Urteil, daß das eigene Leben
+nicht so wertvoll sein kann wie gewisse abstrakte und allgemeine Güter.
+Aber ich meine, häufiger dürfte das instinktive und impulsive Heldentum
+sein, welches von solcher Motivierung absieht und einfach nach der
+Zusicherung des _Anzengruber_'schen Steinklopferhanns: _Es kann dir nix
+g'scheh'n_, den Gefahren trotzt. Oder jene Motivierung dient nur dazu,
+die Bedenken wegzuräumen, welche die dem Unbewußten entsprechende
+heldenhafte Reaktion hintanhalten können. Die Todesangst, unter deren
+Herrschaft wir häufiger stehen, als wir selbst wissen, ist dagegen etwas
+Sekundäres, und meist aus Schuldbewußtsein hervorgegangen.
+
+Anderseits anerkennen wir den Tod für Fremde und Feinde und verhängen
+ihn über sie ebenso bereitwillig und unbedenklich wie der Urmensch. Hier
+zeigt sich freilich ein Unterschied, den man in der Wirklichkeit für
+entscheidend erklären wird. Unser Unbewußtes führt die Tötung nicht aus,
+es denkt und wünscht sie bloß. Aber es wäre unrecht, diese _psychische_
+Realität im Vergleiche zur _faktischen_ so ganz zu unterschätzen. Sie
+ist bedeutsam und folgenschwer genug. Wir beseitigen in unseren
+unbewußten Regungen täglich und stündlich alle, die uns im Wege stehen,
+die uns beleidigt und geschädigt haben. Das »Hol' ihn der Teufel«, das
+sich so häufig in scherzendem Unmut über unsere Lippen drängt, und das
+eigentlich sagen will: Hol' ihn der Tod, in unserem Unbewußten ist es
+ernsthafter, kraftvoller Todeswunsch. Ja, unser Unbewußtes mordet selbst
+für Kleinigkeiten; wie die alte athenische Gesetzgebung des _Drakon_
+kennt es für Verbrechen keine andere Strafe als den Tod, und dies mit
+einer gewissen Konsequenz, denn jede Schädigung unseres allmächtigen und
+selbstherrlichen Ichs ist im Grunde ein crimen laesae majestatis.
+
+So sind wir auch selbst, wenn man uns nach unseren unbewußten
+Wunschregungen beurteilt, wie die Urmenschen eine Rotte von Mördern. Es
+ist ein Glück, daß alle diese Wünsche nicht die Kraft besitzen, die
+ihnen die Menschen in Urzeiten noch zutrauten[5]; in dem Kreuzfeuer von
+gegenseitigen Verwünschungen wäre die Menschheit längst zugrunde
+gegangen, die besten und weisesten der Männer darunter wie die schönsten
+und holdesten der Frauen.
+
+ [5] Vgl. über »Allmacht der Gedanken« in dieser Zeitschr., Bd. III.
+ 1913.
+
+Mit Aufstellungen wie dieser findet die Psychoanalyse bei den Laien
+meist keinen Glauben. Man weist sie als Verleumdungen zurück, welche
+gegen die Versicherungen des Bewußtseins nicht in Betracht kommen, und
+übersieht geschickt die geringen Anzeichen, durch welche sich auch das
+Unbewußte dem Bewußtsein zu verraten pflegt. Es ist darum am Platze
+darauf hinzuweisen, daß viele Denker, die nicht von der Psychoanalyse
+beeinflußt sein konnten, die Bereitschaft unserer stillen Gedanken, mit
+Hinwegsetzung über das Mordverbot zu beseitigen, was uns im Wege steht,
+deutlich genug angeklagt haben. Ich wähle hiefür ein einziges berühmt
+gewordenes Beispiel an Stelle vieler anderer:
+
+Im »Père Goriot« spielt _Balzac_ auf eine Stelle in den Werken J. J.
+_Rousseau's_ an, in welcher dieser Autor den Leser fragt, was er wohl
+tun würde, wenn er -- ohne Paris zu verlassen und natürlich ohne
+entdeckt zu werden -- einen alten Mandarin in Peking durch einen bloßen
+Willensakt töten könnte, dessen Ableben ihm einen großen Vorteil
+einbringen müßte. Er läßt erraten, daß er das Leben dieses Würdenträgers
+für nicht sehr gesichert hält. »Tuer son mandarin« ist dann
+sprichwörtlich worden für diese geheime Bereitschaft auch der heutigen
+Menschen.
+
+Es gibt auch eine ganze Anzahl von zynischen Witzen und Anekdoten,
+welche nach derselben Richtung Zeugnis ablegen, wie z. B. die dem
+Ehemanne zugeschriebene Äußerung: Wenn einer von uns beiden stirbt,
+übersiedle ich nach Paris. Solche zynische Witze wären nicht möglich,
+wenn sie nicht eine verleugnete Wahrheit mitzuteilen hätten, zu der man
+sich nicht bekennen darf, wenn sie ernsthaft und unverhüllt
+ausgesprochen wird. Im Scherz darf man bekanntlich sogar die Wahrheit
+sagen.
+
+Wie für den Urmenschen, so ergibt sich auch für unser Unbewußtes ein
+Fall, in dem die beiden entgegengesetzten Einstellungen gegen den Tod,
+die eine, welche ihn als Lebensvernichtung anerkennt, und die andere,
+die ihn als unwirklich verleugnet, zusammenstoßen und in Konflikt
+geraten. Und dieser Fall ist der nämliche wie in der Urzeit, der Tod
+oder die Todesgefahr eines unserer Lieben, eines Eltern- oder
+Gattenteils, eines Geschwisters, Kindes oder lieben Freundes. Diese
+Lieben sind uns einerseits ein innerer Besitz, Bestandteile unseres
+eigenen Ichs, anderseits aber auch teilweise Fremde, ja Feinde. Den
+zärtlichsten und innigsten unserer Liebesbeziehungen hängt mit Ausnahme
+ganz weniger Situationen ein Stückchen Feindseligkeit an, welches den
+unbewußten Todeswunsch anregen kann. Aus diesem Ambivalenzkonflikt geht
+aber nicht wie dereinst die Seelenlehre und die Ethik hervor, sondern
+die Neurose, die uns tiefe Einblicke auch in das normale Seelenleben
+gestattet. Wie häufig haben die psychoanalytisch behandelnden Ärzte mit
+dem Symptom der überzärtlichen Sorge um das Wohl der Angehörigen oder
+mit völlig unbegründeten Selbstvorwürfen nach dem Tode einer geliebten
+Person zu tun gehabt. Das Studium dieser Vorfälle hat ihnen über die
+Verbreitung und Bedeutung der unbewußten Todeswünsche keinen Zweifel
+gelassen.
+
+Der Laie empfindet ein außerordentliches Grauen vor dieser
+Gefühlsmöglichkeit und nimmt diese Abneigung als legitimen Grund zum
+Unglauben gegen die Behauptungen der Psychoanalyse. Ich meine mit
+Unrecht. Es wird keine Herabsetzung unseres Liebeslebens beabsichtigt,
+und es liegt auch keine solche vor. Unserem Verständnis wie unserer
+Empfindung liegt es freilich ferne, Liebe und Haß in solcher Weise
+miteinander zu verkoppeln, aber indem die Natur mit diesem Gegensatzpaar
+arbeitet, bringt sie es zustande, die Liebe immer wach und frisch zu
+erhalten, um sie gegen den hinter ihr lauernden Haß zu versichern. Man
+darf sagen, die schönsten Entfaltungen unseres Liebeslebens danken wir
+der _Reaktion_ gegen den feindseligen Impuls, den wir in unserer Brust
+verspüren.
+
+Resümieren wir nun: unser Unbewußtes ist gegen die Vorstellung des
+eigenen Todes ebenso unzugänglich, gegen den Fremden ebenso mordlustig,
+gegen die geliebte Person ebenso zwiespältig (ambivalent) wie der Mensch
+der Urzeit. Wie weit haben wir uns aber in der konventionell-kulturellen
+Einstellung gegen den Tod von diesem Urzustand entfernt!
+
+Es ist leicht zu sagen, wie der Krieg in diese Entzweiung eingreift. Er
+streift uns die späteren Kulturauflagerungen ab und läßt den Urmenschen
+in uns wieder zum Vorschein kommen. Er zwingt uns wieder, Helden zu
+sein, die an den eigenen Tod nicht glauben können; er bezeichnet uns die
+Fremden als Feinde, deren Tod man herbeiführen oder herbeiwünschen soll;
+er rät uns, uns über den Tod geliebter Personen hinwegzusetzen. Der
+Krieg ist aber nicht abzuschaffen; solange die Existenzbedingungen der
+Völker so verschieden und die Abstoßungen unter ihnen so heftig sind,
+wird es Kriege geben müssen. Da erhebt sich denn die Frage: Sollen wir
+nicht diejenigen sein, die nachgeben und sich ihm anpassen? Sollen wir
+nicht zugestehen, daß wir mit unserer kulturellen Einstellung zum Tode
+psychologisch wieder einmal über unseren Stand gelebt haben, und
+vielmehr umkehren und die Wahrheit fatieren? Wäre es nicht besser, dem
+Tod den Platz in der Wirklichkeit und in unseren Gedanken einzuräumen,
+der ihm gebührt, und unsere unbewußte Einstellung zum Tode, die wir
+bisher so sorgfältig unterdrückt haben, ein wenig mehr hervorzukehren?
+Es scheine das keine Höherleistung zu sein, eher ein Rückschritt in
+manchen Stücken, eine Regression, aber es hat den Vorteil, der
+Wahrhaftigkeit mehr Rechnung zu tragen und uns das Leben wieder
+erträglicher zu machen. Das Leben zu ertragen, bleibt ja doch die erste
+Pflicht aller Lebenden. Die Illusion wird wertlos, wenn sie uns darin
+stört.
+
+Wir erinnern uns des alten Spruches:
+
+ _Si vis pacem, para bellum._
+ (Wenn du den Frieden erhalten willst, so rüste zum Krieg.)
+
+Es wäre zeitgemäß ihn abzuändern:
+
+ _Si vis vitam, para mortem._
+ (Wenn du das Leben aushalten willst, richte dich auf den Tod ein.)
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ Zwang war. Die Menschen die heute geboren werden, bringen ein Stück
+ Zwang war. Die Menschen, die heute geboren werden, bringen ein Stück
+
+ Ausdruck guter Triebregungen sind, dem anderen versagen sie ihre
+ Ausdruck guter Triebregungen sind, den anderen versagen sie ihre
+
+ englischen Rasse, müßte auf Grund seiner eigenen Erfahrungen in der
+ englischen Rasse, mußte auf Grund seiner eigenen Erfahrungen in der
+
+ Gemeinem ferne wissen möchten; werden gewiß nicht versäumen, aus der
+ Gemeinem ferne wissen möchten, werden gewiß nicht versäumen, aus der
+
+ Mit Aufstellungen wie diese findet die Psychoanalyse bei den Laien
+ Mit Aufstellungen wie dieser findet die Psychoanalyse bei den Laien
+
+ ]
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Zeitgemäßes über Krieg und Tod, by Sigmund Freud
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZEITGEMÄßES ÜBER KRIEG UND TOD ***
+
+***** This file should be named 29941-8.txt or 29941-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ https://www.gutenberg.org/2/9/9/4/29941/
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+https://gutenberg.org/license).
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
diff --git a/29941-8.zip b/29941-8.zip
new file mode 100644
index 0000000..f57b126
--- /dev/null
+++ b/29941-8.zip
Binary files differ
diff --git a/29941-h.zip b/29941-h.zip
new file mode 100644
index 0000000..9d819a5
--- /dev/null
+++ b/29941-h.zip
Binary files differ
diff --git a/29941-h/29941-h.htm b/29941-h/29941-h.htm
new file mode 100644
index 0000000..6b01ccb
--- /dev/null
+++ b/29941-h/29941-h.htm
@@ -0,0 +1,1563 @@
+<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN"
+ "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
+
+<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" lang="de" xml:lang="de">
+ <head>
+ <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" />
+ <title>The Project Gutenberg eBook of Zeitgemäßes über Krieg und Tod, by Sigmund Freud</title>
+ <style type="text/css">
+<!--
+ body { margin-left: 20%; margin-right: 20%; }
+
+ p { margin-top: 0.75em;
+ margin-bottom: 0.75em;
+ text-align: justify;
+ }
+
+ h1, h2 { text-align: center;
+ clear: both;
+ margin-top: 0em;
+ font-weight: normal;
+ }
+ h1 { font-size: x-large; }
+ h2 { font-size: large;
+ margin: 2em auto 1.5em auto;
+ line-height: 1.75em;
+ }
+
+ ins { text-decoration: none; border-bottom: 1px dashed #add8e6; }
+
+ .gesperrt { letter-spacing: 0.2em; margin-right: -0.2em; }
+ em.gesperrt { font-weight: normal; font-style: normal; }
+
+ .center { text-align: center; }
+ .right { text-align: right; }
+
+ .figcenter { margin: 2em auto; text-align: center; }
+
+ .pagenum { position: absolute;
+ display: inline;
+ right: 14%;
+ font-size: x-small;
+ text-align: right;
+ color: #808080;
+ font-style: normal;
+ border: 1px solid silver;
+ padding: 1px 4px 1px 4px;
+ font-variant: normal;
+ font-weight: normal;
+ text-decoration: none;
+ text-indent: 0em;
+ }
+
+ .footnotes { border: 1px dashed #808080; margin-top: 6em; margin-bottom: 120px; padding: 20px; }
+ .footnote { margin-left: 5%; margin-right: 5%; text-align: justify; }
+ .footnote .label,
+ .fnanchor { vertical-align: super; text-decoration: none; font-size: x-small; font-weight: normal; font-style: normal; }
+
+ .poem { margin: auto; text-align: left; }
+ .poem br { display: none; }
+ .poem .stanza { margin: 1em 0em 1em 0em; }
+ .poem span.i0 { display: block; margin-left: 0em; padding-left: 3em; text-indent: -3em; }
+
+ #tnote { width: 26em;
+ border: 1px dashed #808080;
+ background-color: #f6f6f6;
+ text-align: justify;
+ padding: 0em 0.75em;
+ margin: 120px auto 120px auto;
+ }
+
+ @page { margin: 2cm; }
+
+ @media print {
+ body { margin: 2em; }
+ #tnote, pre, .pagenum { display: none; }
+ ins, a { text-decoration: none; border: none; color: black; }
+ .footnotes { padding: 0em; border: none; page-break-before: always; }
+ .footnote { margin: 0em; }
+ .footnote .label, .fnanchor { font-size: medium; vertical-align: middle; }
+ }
+-->
+ </style>
+ </head>
+<body>
+
+
+<pre>
+
+Project Gutenberg's Zeitgemäßes über Krieg und Tod, by Sigmund Freud
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Zeitgemäßes über Krieg und Tod
+
+Author: Sigmund Freud
+
+Release Date: September 8, 2009 [EBook #29941]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZEITGEMÄßES ÜBER KRIEG UND TOD ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+</pre>
+
+
+<div id="tnote">
+<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p>
+<p>Der Text stammt aus: <cite>Imago. Zeitschrift für Anwendung der
+Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften IV</cite> (1915). S.&nbsp;1&ndash;21.</p>
+<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
+übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden
+korrigiert. Änderungen sind im Text <ins title="so wie hier">gekennzeichnet</ins>,
+der Originaltext erscheint beim Überfahren mit der Maus.</p>
+</div>
+
+<div><span class="pagenum"><a name="Page_1">1</a></span></div>
+<h1>Zeitgemäßes über Krieg und Tod.</h1>
+
+<p class="center" style="margin: 2em auto;">Von SIGM. FREUD.</p>
+
+<h2>I. Die Enttäuschung des Krieges.</h2>
+
+<p>Von dem Wirbel dieser Kriegszeit gepackt, einseitig unterrichtet,
+ohne Distanz von den großen Veränderungen, die sich bereits
+vollzogen haben oder zu vollziehen beginnen, und ohne
+Witterung der sich gestaltenden Zukunft, werden wir selbst irre an
+der Bedeutung der Eindrücke, die sich uns aufdrängen, und an dem
+Wert der Urteile, die wir bilden. Es will uns scheinen, als hätte
+noch niemals ein Ereignis soviel kostbares Gemeingut der Menschheit
+zerstört, soviele der klarsten Intelligenzen verwirrt, so gründlich
+das Hohe erniedrigt. Selbst die Wissenschaft hat ihre leidenschaftslose
+Unparteilichkeit verloren; ihre aufs tiefste erbitterten Diener suchen
+ihr Waffen zu entnehmen, um einen Beitrag zur Bekämpfung des
+Feindes zu leisten. Der Anthropologe muß den Gegner für minderwertig
+und degeneriert erklären, der Psychiater die Diagnose seiner
+Geistes- oder Seelenstörung verkünden. Aber wahrscheinlich empfinden
+wir das Böse dieser Zeit unmäßig stark und haben kein Recht, es
+mit dem Bösen anderer Zeiten zu vergleichen, die wir nicht erlebt haben.</p>
+
+<p>Der Einzelne, der nicht selbst ein Kämpfer und somit ein
+Partikelchen der riesigen Kriegsmaschinerie geworden ist, fühlt sich
+in seiner Orientierung verwirrt und in seiner Leistungsfähigkeit gehemmt.
+Ich meine, ihm wird jeder kleine Wink willkommen sein,
+der es ihm erleichtert, sich wenigstens in seinem eigenen Innern zurechtzufinden.
+Unter den Momenten, welche das seelische Elend der
+Daheimgebliebenen verschuldet haben, und deren Bewältigung ihnen
+so schwierige Aufgaben stellt, möchte ich zwei hervorheben und an
+dieser Stelle behandeln: Die Enttäuschung, die dieser Krieg hervorgerufen
+hat, und die veränderte Einstellung zum Tode, zu der er
+uns &ndash; wie alle anderen Kriege &ndash; nötigt.</p>
+
+<p>Wenn ich von Enttäuschung rede, weiß jedermann sofort, was
+<span class="pagenum"><a name="Page_2">2</a></span>damit gemeint ist. Man braucht kein Mitleidsschwärmer zu sein,
+man kann die biologische und psychologische Notwendigkeit des
+Leidens für die Ökonomie des Menschenlebens einsehen und darf
+doch den Krieg in seinen Mitteln und Zielen verurteilen und das
+Aufhören der Kriege herbeisehnen. Man sagte sich zwar, die Kriege
+könnten nicht aufhören, so lange die Völker unter so verschiedenartigen
+Existenzbedingungen leben, so lange die Wertungen des
+Einzellebens bei ihnen weit auseinandergehen, und so lange die Gehässigkeiten,
+welche sie trennen, so starke seelische Triebkräfte repräsentieren.
+Man war also darauf vorbereitet, daß Kriege zwischen den
+primitiven und den zivilisierten Völkern, zwischen den Menschenrassen,
+die durch die Hautfarbe voneinander geschieden werden,
+ja Kriege mit und unter den wenig entwickelten oder verwilderten
+Völkerindividuen Europas die Menschheit noch durch geraume Zeit
+in Anspruch nehmen werden. Aber man getraute sich etwas anderes
+zu hoffen. Von den großen weltbeherrschenden Nationen weißer
+Rasse, denen die Führung des Menschengeschlechtes zugefallen ist,
+die man mit der Pflege weltumspannender Interessen beschäftigt
+wußte, deren Schöpfungen die technischen Fortschritte in der Beherrschung
+der Natur wie die künstlerischen und wissenschaftlichen
+Kulturwerte sind, von diesen Völkern hatte man erwartet, daß sie
+es verstehen würden, Mißhelligkeiten und Interessenkonflikte auf
+anderem Wege zum Austrag zu bringen. Innerhalb jeder dieser
+Nationen waren hohe sittliche Normen für den Einzelnen aufgestellt
+worden, nach denen er seine Lebensführung einzurichten hatte, wenn
+er an der Kulturgemeinschaft teilnehmen wollte. Diese oft überstrengen
+Vorschriften forderten viel von ihm, eine ausgiebige Selbstbeschränkung,
+einen weitgehenden Verzicht auf Triebbefriedigung. Es war
+ihm vor allem versagt, sich der außerordentlichen Vorteile zu bedienen,
+die der Gebrauch von Lüge und Betrug im Wettkampf
+mit den Nebenmenschen schafft. Der Kulturstaat hielt diese sittlichen
+Normen für die Grundlage seines Bestandes, er schritt ernsthaft ein,
+wenn man sie anzutasten wagte, erklärte es oft für untunlich, sie
+auch nur einer Prüfung durch den kritischen Verstand zu unterziehen.
+Es war also anzunehmen, daß er sie selbst respektieren wolle und
+nichts gegen sie zu unternehmen gedenke, wodurch er der Begründung
+seiner eigenen Existenz widersprochen hätte. Endlich konnte
+man zwar die Wahrnehmung machen, daß es innerhalb dieser Kulturnationen
+gewisse eingesprengte Völkerreste gäbe, die ganz allgemein
+unliebsam wären und darum nur widerwillig, auch nicht im
+vollen Umfange, zur Teilnahme an der gemeinsamen Kulturarbeit
+zugelassen würden, für die sie sich als genug geeignet erwiesen
+hatten. Aber die großen Völker selbst, konnte man meinen, hätten
+soviel Verständnis für ihre Gemeinsamkeiten und soviel Toleranz
+für ihre Verschiedenheiten erworben, daß »fremd« und »feindlich«
+nicht mehr wie noch im klassischen Altertum für sie zu einem Begriff
+verschmelzen durften.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_3">3</a></span>
+Vertrauend auf diese Einigung der Kulturvölker haben ungezählte
+Menschen ihren Wohnort in der Heimat gegen den Aufenthalt
+in der Fremde eingetauscht und ihre Existenz an die Verkehrsbeziehungen
+zwischen den befreundeten Völkern geknüpft. Wen aber
+die Not des Lebens nicht ständig an die nämliche Stelle bannte, der
+konnte sich aus allen Vorzügen und Reizen der Kulturländer ein
+neues größeres Vaterland zusammensetzen, in dem er sich ungehemmt
+und unverdächtigt erging. Er genoß so das blaue und das graue
+Meer, die Schönheit der Schneeberge und die der grünen Wiesenflächen,
+den Zauber des nordischen Waldes und die Pracht der südlichen
+Vegetation, die Stimmung der Landschaften, auf denen große
+historische Erinnerungen ruhen, und die Stille der unberührten Natur.
+Dies neue Vaterland war für ihn auch ein Museum, erfüllt mit
+allen Schätzen, welche die Künstler der Kulturmenschheit seit vielen
+Jahrhunderten geschaffen und hinterlassen hatten. Während er von
+einem Saal dieses Museums in einen anderen wanderte, konnte er
+in parteiloser Anerkennung feststellen, was für verschiedene Typen
+von Vollkommenheit Blutmischung, Geschichte und die Eigenart der
+Mutter Erde an seinen weiteren Kompatrioten ausgebildet hatten.
+Hier war die kühle unbeugsame Energie aufs höchste entwickelt,
+dort die graziöse Kunst, das Leben zu verschönern, anderswo der
+Sinn für Ordnung und Gesetz oder andere der Eigenschaften, die
+den Menschen zum Herrn der Erde gemacht haben.</p>
+
+<p>Vergessen wir auch nicht daran, daß jeder Kulturweltbürger
+sich einen besonderen »Parnaß« und eine »Schule von Athen« geschaffen
+hatte. Unter den großen Denkern, Dichtern, Künstlern aller
+Nationen, hatte er die ausgewählt, denen er das Beste zu schulden
+vermeinte, was ihm an Lebensgenuß und Lebensverständnis zugänglich
+geworden war, und sie den unsterblichen Alten in seiner
+Verehrung zugesellt wie den vertrauten Meistern seiner eigenen
+Zunge. Keiner von diesen Großen war ihm darum fremd erschienen,
+weil er in anderer Sprache geredet hatte, weder der unvergleichliche
+Ergründer der menschlichen Leidenschaften, noch der schönheitstrunkene
+Schwärmer oder der gewaltig drohende Prophet, der feinsinnige
+Spötter, und niemals warf er sich dabei vor, abtrünnig geworden
+zu sein der eigenen Nation und der geliebten Muttersprache.</p>
+
+<p>Der Genuß der Kulturgemeinschaft wurde gelegentlich durch
+Stimmen gestört, welche warnten, daß infolge altüberkommener Differenzen
+Kriege auch unter den Mitgliedern derselben unvermeidlich
+wären. Man wollte nicht daran glauben, aber wie stellte man sich
+einen solchen Krieg vor, wenn es dazu kommen sollte? Als eine
+Gelegenheit die Fortschritte im Gemeingefühl der Menschen aufzuzeigen
+seit jener Zeit, da die griechischen Amphiktyonien verboten
+hatten, eine dem Bündnis angehörige Stadt zu zerstören, ihre Ölbäume
+umzuhauen und ihr das Wasser abzuschneiden. Als einen
+ritterlichen Waffengang, der sich darauf beschränken wollte, die Überlegenheit
+<span class="pagenum"><a name="Page_4">4</a></span>des einen Teils festzustellen, unter möglichster Vermeidung
+schwerer Leiden, die zu dieser Entscheidung nichts beitragen könnten,
+mit voller Schonung für den Verwundeten, der aus dem Kampf
+ausscheiden muß, und für den Arzt und Pfleger, der sich seiner Herstellung
+widmet. Natürlich mit allen Rücksichten für den nicht kriegführenden
+Teil der Bevölkerung, für die Frauen, die dem Kriegshandwerk
+ferne bleiben, und für die Kinder, die, herangewachsen,
+einander von beiden Seiten Freunde und Mithelfer werden sollen.
+Auch mit Erhaltung all der internationalen Unternehmungen und
+Institutionen, in denen sich die Kulturgemeinschaft der Friedenszeit
+verkörpert hatte.</p>
+
+<p>Ein solcher Krieg hätte immer noch genug des Schrecklichen
+und schwer zu Ertragenden enthalten, aber er hätte die Entwicklung
+ethischer Beziehungen zwischen den Großindividuen der Menschheit,
+den Völkern und Staaten, nicht unterbrochen.</p>
+
+<p>Der Krieg, an den wir nicht glauben wollten, brach nun aus
+und er brachte die &ndash; Enttäuschung. Er ist nicht nur blutiger und
+verlustreicher als einer der Kriege vorher, infolge der mächtig vervollkommneten
+Waffen des Angriffs und der Verteidigung, sondern
+mindestens ebenso grausam, erbittert, schonungslos wie irgend ein
+früherer. Er setzt sich über alle Einschränkungen hinaus, zu denen
+man sich in friedlichen Zeiten verpflichtet, die man das Völkerrecht
+genannt hatte, anerkennt nicht die Vorrechte des Verwundeten und
+des Arztes, die Unterscheidung des friedlichen und des kämpfenden
+Teils der Bevölkerung, die Ansprüche des Privateigentums. Er wirft
+nieder, was ihm im Wege steht, in blinder Wut, als sollte es keine
+Zukunft und keinen Frieden unter den Menschen nach ihm geben.
+Er zerreißt alle Bande der Gemeinschaft unter den miteinander
+ringenden Völkern und droht eine Erbitterung zu hinterlassen, welche
+eine Wiederanknüpfung derselben für lange Zeit unmöglich machen wird.</p>
+
+<p>Er brachte auch das kaum begreifliche Phänomen zum Vorschein,
+daß die Kulturvölker einander so wenig kennen und verstehen,
+daß sich das eine mit Haß und Abscheu gegen das andere
+wenden kann. Ja daß eine der großen Kulturnationen so allgemein
+mißliebig ist, daß der Versuch gewagt werden kann, sie als »barbarisch«
+von der Kulturgemeinschaft auszuschließen, obwohl sie ihre
+Eignung durch die großartigsten Beitragsleistungen längst erwiesen
+hat. Wir leben der Hoffnung, eine unparteiische Geschichtsschreibung
+werde den Nachweis erbringen, daß gerade diese Nation, die, in
+deren Sprache wir schreiben, für deren Sieg unsere Lieben kämpfen,
+sich am wenigsten gegen die Gesetze der menschlichen Gesittung
+vergangen habe, aber wer darf in solcher Zeit als Richter auftreten
+in eigener Sache?</p>
+
+<p>Völker werden ungefähr durch die Staaten, die sie bilden, repräsentiert;
+diese Staaten durch die Regierungen, die sie leiten. Der
+einzelne Volksangehörige kann in diesem Krieg mit Schreck feststellen,
+was sich ihm gelegentlich schon in Friedenszeiten aufdrängen
+<span class="pagenum"><a name="Page_5">5</a></span>wollte, daß der Staat dem Einzelnen den Gebrauch des Unrechts
+untersagt hat, nicht weil er es abschaffen, sondern weil er es monopolisieren
+will wie Salz und Tabak. Der kriegführende Staat gibt
+sich jedes Unrecht, jede Gewalttätigkeit frei, die den Einzelnen entehren
+würde. Er bedient sich nicht nur der erlaubten List, sondern
+auch der bewußten Lüge und des absichtlichen Betruges gegen den
+Feind, und dies zwar in einem Maße, welches das in früheren Kriegen
+Gebräuchliche zu übersteigen scheint. Der Staat fordert das
+Äußerste an Gehorsam und Aufopferung von seinen Bürgern, entmündigt
+sie aber dabei durch ein Übermaß von Verheimlichung
+und eine Zensur der Mitteilung und Meinungsäußerung, welche die
+Stimmung der so intellektuell Unterdrückten wehrlos macht gegen
+jede ungünstige Situation und jedes wüste Gerücht. Er löst sich
+los von Zusicherungen und Verträgen, durch die er sich gegen andere
+Staaten gebunden hatte, bekennt sich ungescheut zu seiner Habgier
+und seinem Machtstreben, die dann der Einzelne aus Patriotismus
+gutheißen soll.</p>
+
+<p>Man wende nicht ein, daß der Staat auf den Gebrauch des
+Unrechts nicht verzichten kann, weil er sich dadurch in Nachteil
+setzte. Auch für den Einzelnen ist die Befolgung der sittlichen Normen,
+der Verzicht auf brutale Machtbetätigung in der Regel sehr
+unvorteilhaft, und der Staat zeigt sich nur selten dazu fähig, den
+Einzelnen für das Opfer zu entschädigen, das er von ihm gefordert
+hat. Man darf sich auch nicht darüber verwundern, daß die Lockerung
+aller sittlichen Beziehungen zwischen den Großindividuen der
+Menschheit eine Rückwirkung auf die Sittlichkeit der Einzelnen geäußert
+hat, denn unser Gewissen ist nicht der unbeugsame Richter,
+für den die Ethiker es ausgeben, es ist in seinem Ursprunge »<em class="gesperrt">soziale
+Angst</em>« und nichts anderes. Wo die Gemeinschaft den Vorwurf
+aufhebt, hört auch die Unterdrückung der bösen Gelüste auf,
+und die Menschen begehen Taten von Grausamkeit, Tücke, Verrat
+und Roheit, deren Möglichkeit man mit ihrem kulturellen Niveau
+für unvereinbar gehalten hätte.</p>
+
+<p>So mag der Kulturweltbürger, den ich vorhin eingeführt habe,
+ratlos dastehen in der ihm fremd gewordenen Welt, sein großes
+Vaterland zerfallen, die gemeinsamen Besitztümer verwüstet, die
+Mitbürger entzweit und erniedrigt!</p>
+
+<p>Zur Kritik seiner Enttäuschung wäre einiges zu bemerken.
+Sie ist, strenge genommen, nicht berechtigt, denn sie besteht in der
+Zerstörung einer Illusion. Illusionen empfehlen sich uns dadurch, daß
+sie Unlustgefühle ersparen und uns an ihrer Statt Befriedigungen
+genießen lassen. Wir müssen es dann ohne Klage hinnehmen, daß
+sie irgend einmal mit einem Stück der Wirklichkeit zusammenstoßen,
+an dem sie zerschellen.</p>
+
+<p>Zweierlei in diesem Kriege hat unsere Enttäuschung rege gemacht:
+die geringe Sittlichkeit der Staaten nach außen, die sich nach
+innen als die Wächter der sittlichen Normen gebärden, und die
+<span class="pagenum"><a name="Page_6">6</a></span>Brutalität im Benehmen der Einzelnen, denen man als Teilnehmer
+an der höchsten menschlichen Kultur ähnliches nicht zugetraut hat.</p>
+
+<p>Beginnen wir mit dem zweiten Punkt und versuchen wir es,
+die Anschauung, die wir kritisieren wollen, in einen einzigen knappen
+Satz zu fassen. Wie stellt man sich denn eigentlich den Vorgang
+vor, durch welchen ein einzelner Mensch zu einer höheren Stufe
+von Sittlichkeit gelangt? Die erste Antwort wird wohl lauten: Er
+ist eben von Geburt und von Anfang an gut und edel. Sie soll
+hier weiter nicht berücksichtigt werden. Eine zweite Antwort wird
+auf die Anregung eingehen, daß hier ein Entwicklungsvorgang vorliegen
+müsse, und wird wohl annehmen, diese Entwicklung bestehe
+darin, daß die bösen Neigungen des Menschen in ihm ausgerottet
+und unter dem Einfluß von Erziehung und Kulturumgebung durch
+Neigungen zum Guten ersetzt werden. Dann darf man sich allerdings
+verwundern, daß bei dem so Erzogenen das Böse wieder
+so tatkräftig zum Vorschein kommt.</p>
+
+<p>Aber diese Antwort enthält auch den Satz, dem wir widersprechen
+wollen. In Wirklichkeit gibt es keine »Ausrottung« des
+Bösen. Die psychologische &ndash; im strengeren Sinne die psychoanalytische
+&ndash; Untersuchung zeigt vielmehr, daß das tiefste Wesen des
+Menschen in Triebregungen besteht, die elementarer Natur, bei allen
+Menschen gleichartig sind und auf die Befriedigung gewisser ursprünglicher
+Bedürfnisse zielen. Diese Triebregungen sind an sich weder
+gut noch böse. Wir klassifizieren sie und ihre Äußerungen in solcher
+Weise je nach ihrer Beziehung zu den Bedürfnissen und Anforderungen
+der menschlichen Gemeinschaft. Zuzugeben ist, daß alle die
+Regungen, welche von der Gesellschaft als böse verpönt werden &ndash;
+nehmen wir als Vertretung derselben die eigensüchtigen und die
+grausamen &ndash; sich unter diesen primitiven befinden.</p>
+
+<p>Diese primitiven Regungen legen einen langen Entwicklungsweg
+zurück, bis sie zur Betätigung beim Erwachsenen zugelassen
+werden. Sie werden gehemmt, auf andere Ziele und Gebiete gelenkt,
+gehen Verschmelzungen miteinander ein, wechseln ihre Objekte,
+wenden sich zum Teil gegen die eigene Person. Reaktionsbildungen
+gegen gewisse Triebe täuschen die inhaltliche Verwandlung derselben
+vor, als ob aus Egoismus &ndash; Altruismus, aus Grausamkeit &ndash; Mitleid
+geworden wäre. Diesen Reaktionsbildungen kommt zugute, daß
+manche Triebregungen fast von Anfang an in Gegensatzpaaren auftreten,
+ein sehr merkwürdiges und der populären Kenntnis fremdes
+Verhältnis, das man die »Gefühlsambivalenz« benannt hat. Am
+leichtesten zu beobachten und vom Verständnis zu bewältigen ist
+die Tatsache, daß starkes Lieben und starkes Hassen so häufig miteinander
+bei derselben Person vereint vorkommen. Die Psychoanalyse
+fügt dem hinzu, daß die beiden entgegengesetzten Gefühlsregungen
+nicht selten auch die nämliche Person zum Objekt nehmen.</p>
+
+<p>Erst nach Überwindung all solcher »Triebschicksale« stellt sich das
+heraus, was man den Charakter eines Menschen nennt, und was
+<span class="pagenum"><a name="Page_7">7</a></span>mit »gut« oder »böse« bekanntlich nur sehr unzureichend klassifiziert
+werden kann. Der Mensch ist selten im ganzen gut oder böse,
+meist »gut« in dieser Relation, böse in einer anderen oder »gut«
+unter solchen äußeren Bedingungen, unter anderen entschieden »böse«.
+Interessant ist die Erfahrung, daß die kindliche Präexistenz starker
+»böser« Regungen oft geradezu die Bedingung wird für eine besonders
+deutliche Wendung des Erwachsenen zum »Guten«. Die
+stärksten kindlichen Egoisten können die hilfreichsten und aufopferungsfähigsten
+Bürger werden; die meisten Mitleidschwärmer, Menschenfreunde,
+Tierschützer haben sich aus kleinen Sadisten und Tierquälern
+entwickelt.</p>
+
+<p>Die Umbildung der »bösen« Triebe ist das Werk zweier im
+gleichen Sinne wirkenden Faktoren, eines inneren und eines äußeren.
+Der innere Faktor besteht in der Beeinflussung der bösen &ndash; sagen
+wir: eigensüchtigen &ndash; Triebe durch die Erotik, das Liebesbedürfnis
+des Menschen im weitesten Sinne genommen. Durch die Zumischung
+der <em class="gesperrt">erotischen</em> Komponenten werden die eigensüchtigen Triebe in
+<em class="gesperrt">soziale</em> umgewandelt. Man lernt das Geliebtwerden als einen Vorteil
+schätzen, wegen dessen man auf andere Vorteile verzichten darf.
+Der äußere Faktor ist der Zwang der Erziehung, welche die Ansprüche
+der kulturellen Umgebung vertritt, und die dann durch die
+direkte Einwirkung des Kulturmilieus fortgesetzt wird. Kultur ist durch
+Verzicht auf Triebbefriedigung gewonnen worden und fordert von
+jedem neu Ankommenden, daß er denselben Triebverzicht leiste.
+Während des individuellen Lebens findet eine beständige Umsetzung
+von äußerem Zwang in inneren Zwang statt. Die Kultureinflüsse
+leiten dazu an, daß immer mehr von den eigensüchtigen Strebungen
+durch erotische Zusätze in altruistische, soziale verwandelt werden.
+Man darf endlich annehmen, daß aller innere Zwang, der sich in der
+Entwicklung des Menschen geltend macht, ursprünglich, d.&nbsp;h. in <em class="gesperrt">der
+Menschheitsgeschichte</em> nur äußerer Zwang war. Die <ins title="Menschen">Menschen,</ins>
+die heute geboren werden, bringen ein Stück Neigung (Disposition)
+zur Umwandlung der egoistischen in soziale Triebe als ererbte Organisation
+mit, die auf leichte Anstöße hin diese Umwandlung durchführt.
+Ein anderes Stück dieser Triebumwandlung muß im Leben
+selbst geleistet werden. In solcher Art steht der einzelne Mensch
+nicht nur unter der Einwirkung seines gegenwärtigen Kulturmilieus,
+sondern unterliegt auch dem Einflusse der Kulturgeschichte seiner
+Vorfahren.</p>
+
+<p>Heißen wir die einem Menschen zukommende Fähigkeit zur
+Umbildung der egoistischen Triebe unter dem Einfluß der Erotik
+seine <em class="gesperrt">Kultureignung</em>, so können wir aussagen, daß dieselbe aus
+zwei Anteilen besteht, einem angeborenen und einem im Leben erworbenen,
+und daß das Verhältnis der beiden zueinander und zu
+dem unverwandelt gebliebenen Anteil des Trieblebens ein sehr variables
+ist.</p>
+
+<p>Im allgemeinen sind wir geneigt, den angeborenen Anteil zu
+<span class="pagenum"><a name="Page_8">8</a></span>hoch zu veranschlagen, und überdies laufen wir Gefahr, die gesamte
+Kultureignung in ihrem Verhältnis zum primitiv gebliebenen Triebleben
+zu überschätzen, d.&nbsp;h. wir werden dazu verleitet, die Menschen
+»besser« zu beurteilen, als sie in Wirklichkeit sind. Es besteht
+nämlich noch ein anderes Moment, welches unser Urteil trübt und
+das Ergebnis im günstigen Sinne verfälscht.</p>
+
+<p>Die Triebregungen eines anderen Menschen sind unserer Wahrnehmung
+natürlich entrückt. Wir schließen auf sie aus seinen Handlungen
+und seinem Benehmen, welche wir auf <em class="gesperrt">Motive</em> aus seinem
+Triebleben zurückführen. Ein solcher Schluß geht notwendigerweise
+in einer Anzahl von Fällen irre. Die nämlichen, kulturell »guten«
+Handlungen können das einemal von »edlen« Motiven herstammen,
+das anderemal nicht. Die theoretischen Ethiker heißen nur solche
+Handlungen »gut«, welche der Ausdruck guter Triebregungen sind,
+<ins title="dem">den</ins> anderen versagen sie ihre Anerkennung. Die von praktischen
+Absichten geleitete Gesellschaft kümmert sich aber im ganzen um
+diese Unterscheidung nicht; sie begnügt sich damit, daß ein Mensch
+sein Benehmen und seine Handlungen nach den kulturellen Vorschriften
+richte, und fragt wenig nach seinen Motiven.</p>
+
+<p>Wir haben gehört, daß der <em class="gesperrt">äußere Zwang</em>, den Erziehung
+und Umgebung auf den Menschen üben, eine weitere Umbildung
+seines Trieblebens zum Guten, eine Wendung vom Egoismus zum
+Altruismus herbeiführt. Aber dies ist nicht die notwendige oder
+regelmäßige Wirkung des äußeren Zwanges. Erziehung und Umgebung
+haben nicht nur Liebesprämien anzubieten, sondern arbeiten
+auch mit Vorteilsprämien anderer Art, mit Lohn und Strafen. Sie
+können also die Wirkung äußern, daß der ihrem Einfluß Unterliegende
+sich zum guten Handeln im kulturellen Sinne entschließt,
+ohne daß sich eine Triebveredlung, eine Umsetzung egoistischer in
+soziale Neigungen, in ihm vollzogen hat. Der Erfolg wird im
+groben derselbe sein; erst unter besonderen Verhältnissen wird es
+sich zeigen, daß der eine immer gut handelt, weil ihn seine Triebneigungen
+dazu nötigen, der andere nur gut ist, weil, insolange und
+insoweit dies kulturelle Verhalten seinen eigensüchtigen Absichten
+Vorteile bringt. Wir aber werden bei oberflächlicher Bekanntschaft
+mit den Einzelnen kein Mittel haben, die beiden Fälle zu unterscheiden,
+und gewiß durch unseren Optimismus verführt werden, die
+Anzahl der kulturell veränderten Menschen arg zu überschätzen.</p>
+
+<p>Die Kulturgesellschaft, die die gute Handlung fordert und sich
+um die Triebbegründung derselben nicht kümmert, hat also eine
+große Zahl von Menschen zum Kulturgehorsam gewonnen, die dabei
+nicht ihrer Natur folgen. Durch diesen Erfolg ermutigt, hat sie
+sich verleiten lassen, die sittlichen Anforderungen möglichst hoch zu
+spannen und so ihre Teilnehmer zu noch weiterer Entfernung von
+ihrer Triebveranlagung gezwungen. Diesen ist nun eine fortgesetzte
+Triebunterdrückung auferlegt, deren Spannung sich in den merkwürdigsten
+Reaktions- und Kompensationserscheinungen kundgibt.
+<span class="pagenum"><a name="Page_9">9</a></span>Auf dem Gebiete der Sexualität, wo solche Unterdrückung am
+wenigsten durchzuführen ist, kommt es so zu den Reaktionserscheinungen
+der neurotischen Erkrankungen. Der sonstige Druck der
+Kultur zeitigt zwar keine pathologische Folgen, äußert sich aber in
+Charakterverbildungen und in der steten Bereitschaft der gehemmten
+Triebe, bei passender Gelegenheit zur Befriedigung durchzubrechen.
+Wer so genötigt wird, dauernd im Sinne von Vorschriften zu reagieren,
+die nicht der Ausdruck seiner Triebneigungen sind, der lebt,
+psychologisch verstanden, über seine Mittel und darf objektiv als
+Heuchler bezeichnet werden, gleichgiltig ob ihm diese Differenz klar
+bewußt worden ist oder nicht. Es ist unleugbar, daß unsere gegenwärtige
+Kultur die Ausbildung dieser Art von Heuchelei in außerordentlichem
+Umfange begünstigt. Man könnte die Behauptung wagen,
+sie sei auf solcher Heuchelei aufgebaut und müßte sich tiefgreifende
+Abänderungen gefallen lassen, wenn es die Menschen unternehmen
+würden, der psychologischen Wahrheit nachzuleben. Es gibt also
+ungleich mehr Kulturheuchler als wirklich kulturelle Menschen, ja
+man kann den Standpunkt diskutieren, ob ein gewisses Maß von
+Kulturheuchelei nicht zur Aufrechthaltung der Kultur unerläßlich
+sei, weil die bereits organisierte Kultureignung der heute lebenden
+Menschen vielleicht für diese Leistung nicht zureichen würde. Anderseits
+bietet die Aufrechthaltung der Kultur auch auf so bedenklicher
+Grundlage die Aussicht, bei jeder neuen Generation eine weitergehende
+Triebumbildung als Trägerin einer besseren Kultur anzubahnen.</p>
+
+<p>Den bisherigen Erörterungen entnehmen wir bereits den einen
+Trost, daß unsere Kränkung und schmerzliche Enttäuschung wegen
+des unkulturellen Benehmens unserer Weltmitbürger in diesem Kriege
+unberechtigt waren. Sie beruhten auf einer Illusion, der wir uns
+gefangen gaben. In Wirklichkeit sind sie nicht so tief gesunken, wie
+wir fürchten, weil sie gar nicht so hoch gestiegen waren, wie wirs
+von ihnen glaubten. Daß die menschlichen Großindividuen, die Völker
+und Staaten, die sittlichen Beschränkungen gegeneinander fallen
+ließen, wurde ihnen zur begreiflichen Anregung, sich für eine Weile
+dem bestehenden Drucke der Kultur zu entziehen und ihren zurückgehaltenen
+Trieben vorübergehend Befriedigung zu gönnen. Dabei
+geschah ihrer relativen Sittlichkeit innerhalb des eigenen Volkstums
+wahrscheinlich kein Abbruch.</p>
+
+<p>Wir können uns aber das Verständnis der Veränderung, die
+der Krieg an unseren früheren Kompatrioten zeigt, noch vertiefen
+und empfangen dabei eine Warnung, kein Unrecht an ihnen zu begehen.
+Seelische Entwicklungen besitzen nämlich eine Eigentümlichkeit,
+welche sich bei keinem anderen Entwicklungsvorgang mehr vorfindet.
+Wenn ein Dorf zur Stadt, ein Kind zum Mann heranwächst,
+so gehen dabei Dorf und Kind in Stadt und Mann unter. Nur die
+Erinnerung kann die alten Züge in das neue Bild einzeichnen; in
+Wirklichkeit sind die alten Materialien oder Formen beseitigt und
+<span class="pagenum"><a name="Page_10">10</a></span>durch neue ersetzt worden. Anders geht es bei einer seelischen Entwicklung
+zu. Man kann den nicht zu vergleichenden Sachverhalt
+nicht anders beschreiben als durch die Behauptung, daß jede frühere
+Entwicklungsstufe neben der späteren, die aus ihr geworden ist,
+erhalten bleibt; die Sukzession bedingt eine Koexistenz mit, obwohl
+es doch dieselben Materialien sind, an denen die ganze Reihenfolge
+von Veränderungen abgelaufen ist. Der frühere seelische Zustand
+mag sich jahrelang nicht geäußert haben, er bleibt doch soweit bestehen,
+daß er eines Tages wiederum die Äußerungsform der seelischen
+Kräfte werden kann, und zwar die einzige, als ob alle späteren
+Entwicklungen annulliert, rückgängig gemacht worden wären.
+Diese außerordentliche Plastizität der seelischen Entwicklungen ist in
+ihrer Richtung nicht unbeschränkt; man kann sie als eine besondere
+Fähigkeit zur Rückbildung &ndash; Regression &ndash; bezeichnen, denn es
+kommt wohl vor, daß eine spätere und höhere Entwicklungsstufe,
+die verlassen wurde, nicht wieder erreicht werden kann. Aber die
+primitiven Zustände können immer wieder hergestellt werden; das
+primitive Seelische ist im vollsten Sinne unvergänglich.</p>
+
+<p>Die sogenannten Geisteskrankheiten müssen beim Laien den
+Eindruck hervorrufen, daß das Geistes- und Seelenleben der Zerstörung
+anheimgefallen sei. In Wirklichkeit betrifft die Zerstörung
+nur spätere Erwerbungen und Entwicklungen. Das Wesen der
+Geisteskrankheit besteht in der Rückkehr zu früheren Zuständen des
+Affektlebens und der Funktion. Ein ausgezeichnetes Beispiel für die
+Plastizität des Seelenlebens gibt der Schlafzustand, den wir allnächtlich
+anstreben. Seitdem wir auch tolle und verworrene Träume zu übersetzen
+verstehen, wissen wir, daß wir mit jedem Einschlafen unsere
+mühsam erworbene Sittlichkeit wie ein Gewand von uns werfen &ndash;
+um es am Morgen wieder anzutun. Diese Entblößung ist natürlich
+ungefährlich, weil wir durch den Schlafzustand gelähmt, zur Inaktivität
+verurteilt sind. Nur der Traum kann von der Regression
+unseres Gefühllebens auf eine der frühesten Entwicklungsstufen
+Kunde geben. So ist es z.&nbsp;B. bemerkenswert, daß alle unsere Träume
+von rein egoistischen Motiven beherrscht werden. Einer meiner englischen
+Freunde vertrat einmal diesen Satz vor einer wissenschaftlichen
+Versammlung in Amerika, worauf ihm eine anwesende Dame
+die Bemerkung machte, das möge vielleicht für Österreich richtig sein,
+aber sie dürfe von sich und ihren Freunden behaupten, daß sie auch
+noch im Traume altruistisch fühlen. Mein Freund, obwohl selbst ein
+Angehöriger der englischen Rasse, <ins title="müßte">mußte</ins> auf Grund seiner eigenen
+Erfahrungen in der Traumanalyse der Dame energisch widersprechen:
+Im Traume sei auch die edle Amerikanerin ebenso egoistisch wie
+der Österreicher.</p>
+
+<p>Es kann also auch die Triebumbildung, auf welcher unsere
+Kultureignung beruht, durch Einwirkungen des Lebens &ndash; dauernd
+oder zeitweilig &ndash; rückgängig gemacht werden. Ohne Zweifel gehören
+die Einflüsse des Krieges zu den Mächten, welche solche Rückbildung
+<span class="pagenum"><a name="Page_11">11</a></span>erzeugen können, und darum brauchen wir nicht allen jenen, die sich
+gegenwärtig unkulturell benehmen, die Kultureignung abzusprechen,
+und dürfen erwarten, daß sich ihre Triebveredlung in ruhigeren
+Zeiten wieder herstellen wird.</p>
+
+<p>Vielleicht hat uns aber ein anderes Symptom bei unseren
+Weltmitbürgern nicht weniger überrascht und geschreckt als das so
+schmerzlich empfundene Herabsinken von ihrer ethischen Höhe. Ich
+meine die Einsichtslosigkeit, die sich bei den besten Köpfen zeigt,
+ihre Verstocktheit, Unzugänglichkeit gegen die eindringlichsten Argumente,
+ihre kritiklose Leichtgläubigkeit für die anfechtbarsten Behauptungen.
+Dies ergibt freilich ein trauriges Bild, und ich will ausdrücklich
+betonen, daß ich keineswegs als verblendeter Parteigänger
+alle intellektuelle Verfehlungen nur auf einer der beiden Seiten
+finde. Allein diese Erscheinung ist noch leichter zu erklären und weit
+weniger bedenklich als die vorhin gewürdigte. Menschenkenner und
+Philosophen haben uns längst belehrt, daß wir Unrecht daran tun,
+unsere Intelligenz als selbständige Macht zu schätzen und ihre Abhängigkeit
+vom Gefühlsleben zu übersehen. Unser Intellekt könne
+nur verläßlich arbeiten, wenn er den Einwirkungen starker Gefühlsregungen
+entrückt sei; im gegenteiligen Falle benehme er sich einfach
+wie ein Instrument zu Handen eines Willens und liefere das
+Resultat, das ihm von diesem aufgetragen sei. Logische Argumente
+seien also ohnmächtig gegen affektive Interessen, und darum sei das
+Streiten mit Gründen, die nach <span class="gesperrt">Falstaffs</span> Wort so gemein sind
+wie Brombeeren, in der Welt der Interessen so unfruchtbar. Die
+psychoanalytische Erfahrung hat diese Behauptung womöglich noch
+unterstrichen. Sie kann alle Tage zeigen, daß sich die scharfsinnigsten
+Menschen plötzlich einsichtslos wie Schwachsinnige benehmen, sobald
+die verlangte Einsicht einem Gefühlswiderstand bei ihnen begegnet,
+aber auch alles Verständnis wieder erlangen, wenn dieser Widerstand
+überwunden ist. Die logische Verblendung, die dieser Krieg
+oft gerade bei den besten unserer Mitbürger hervorgezaubert hat,
+ist also ein sekundäres Phänomen, eine Folge der Gefühlserregung,
+und hoffentlich dazu bestimmt, mit ihr zu verschwinden.</p>
+
+<p>Wenn wir solcher Art unsere uns entfremdeten Mitbürger
+wieder verstehen, werden wir die Enttäuschung, die uns die Großindividuen
+der Menschheit, die Völker, bereitet haben, um vieles
+leichter ertragen, denn an diese dürfen wir nur weit bescheidenere
+Ansprüche stellen. Dieselben wiederholen vielleicht die Entwicklung
+der Individuen und treten uns heute noch auf sehr primitiven Stufen
+der Organisation, der Bildung höherer Einheiten, entgegen. Dem
+entsprechend ist das erziehliche Moment des äußeren Zwanges zur
+Sittlichkeit, welches wir beim Einzelnen so wirksam fanden, bei ihnen
+noch kaum nachweisbar. Wir hatten zwar gehofft, daß die großartige,
+durch Verkehr und Produktion hergestellte Interessengemeinschaft
+den Anfang eines solchen Zwanges ergeben werde, allein es
+scheint, die Völker gehorchen ihren Leidenschaften derzeit weit mehr
+<span class="pagenum"><a name="Page_12">12</a></span>als ihren Interessen. Sie bedienen sich höchstens der Interessen, um
+die Leidenschaften zu <em class="gesperrt">rationalisieren</em>; sie schieben ihre Interessen
+vor, um die Befriedigung ihrer Leidenschaften begründen zu können.
+Warum die Völkerindividuen einander eigentlich geringschätzen,
+hassen, verabscheuen, und zwar auch in Friedenszeiten, und jede
+Nation die andere, das ist freilich rätselhaft. Ich weiß es nicht zu
+sagen. Es ist in diesem Falle gerade so, als ob sich alle sittlichen
+Erwerbungen der Einzelnen auslöschten, wenn man eine Mehrheit
+oder gar Millionen Menschen zusammennimmt, und nur die primitivsten,
+ältesten und rohesten, seelischen Einstellungen übrig blieben.
+An diesen bedauerlichen Verhältnissen werden vielleicht erst späte
+Entwicklungen etwas ändern können. Aber etwas mehr Wahrhaftigkeit
+und Aufrichtigkeit allerseits, in den Beziehungen der Menschen
+zueinander und zwischen ihnen und den sie Regierenden dürfte auch
+für diese Umwandlung die Wege ebnen.</p>
+
+
+<h2>II. Unser Verhältnis zum Tode.</h2>
+
+<p>Das zweite Moment, von dem ich es ableite, daß wir uns so
+befremdet fühlen in dieser einst so schönen und trauten Welt, ist
+die Störung des bisher von uns festgehaltenen Verhältnisses zum
+Tode.</p>
+
+<p>Dies Verhältnis war kein aufrichtiges. Wenn man uns anhörte,
+so waren wir natürlich bereit zu vertreten, daß der Tod
+der notwendige Ausgang alles Lebens sei, daß jeder von uns der
+Natur einen Tod schulde und vorbereitet sein müsse, die Schuld
+zu bezahlen, kurz, daß der Tod natürlich sei, unableugbar und unvermeidlich.
+In Wirklichkeit pflegten wir uns aber zu benehmen, als
+ob es anders wäre. Wir haben die unverkennbare Tendenz gezeigt,
+den Tod beiseite zu schieben, ihn aus dem Leben zu eliminieren.
+Wir haben versucht, ihn totzuschweigen; wir besitzen ja auch das
+Sprichwort: man denke an etwas wie an den Tod. Wie an den
+eigenen natürlich. Der eigene Tod ist ja auch unvorstellbar, und so
+oft wir den Versuch dazu machen, können wir bemerken, daß wir
+eigentlich als Zuschauer weiter dabei bleiben. So konnte in der
+psychoanalytischen Schule der Ausspruch gewagt werden: Im
+Grunde glaube niemand an seinen eigenen Tod oder, was dasselbe
+ist: Im Unbewußten sei jeder von uns von seiner Unsterblichkeit
+überzeugt.</p>
+
+<p>Was den Tod eines anderen betrifft, so wird der Kulturmensch
+es sorgfältig vermeiden, von dieser Möglichkeit zu sprechen,
+wenn der zum Tode Bestimmte es hören kann. Nur Kinder setzen
+sich über diese Beschränkung hinweg; sie drohen einander ungescheut
+mit den Chancen des Sterbens und bringen es auch zustande,
+einer geliebten Person dergleichen ins Gesicht zu sagen, wie z.&nbsp;B.:
+Liebe Mama, wenn du leider gestorben sein wirst, werde ich dies
+<span class="pagenum"><a name="Page_13">13</a></span>oder jenes. Der erwachsene Kultivierte wird den Tod eines anderen
+auch nicht gerne in seine Gedanken einsetzen, ohne sich hart oder
+böse zu erscheinen; es sei denn, daß er berufsmäßig als Arzt,
+Advokat u.&nbsp;dgl. mit dem Tode zu tun habe. Am wenigsten wird
+er sich gestatten, an den Tod des anderen zu denken, wenn mit
+diesem Ereignis ein Gewinn an Freiheit, Besitz, Stellung verbunden
+ist. Natürlich lassen sich Todesfälle durch dies unser Zartgefühl
+nicht zurückhalten; wenn sie sich ereignet haben, sind wir jedesmal
+tief ergriffen und wie in unseren Erwartungen erschüttert. Wir betonen
+regelmäßig die zufällige Veranlassung des Todes, den Unfall,
+die Erkrankung, die Infektion, das hohe Alter, und verraten so
+unser Bestreben, den Tod von einer Notwendigkeit zu einer Zufälligkeit
+herabzudrücken. Eine Häufung von Todesfällen erscheint
+uns als etwas überaus Schreckliches. Dem Verstorbenen selbst
+bringen wir ein besonderes Verhalten entgegen, fast wie eine Bewunderung
+für einen, der etwas sehr Schwieriges zustande gebracht hat.
+Wir stellen die Kritik gegen ihn ein, sehen ihm sein etwaiges Unrecht
+nach, geben den Befehl aus: De mortuis nil nisi bene, und
+finden es gerechtfertigt, daß man ihm in der Leichenrede und auf dem
+Grabstein das Vorteilhafteste nachrühmt. Die Rücksicht auf den
+Toten, deren er doch nicht mehr bedarf, steht uns über der Wahrheit,
+den meisten von uns gewiß auch über der Rücksicht für den
+Lebenden.</p>
+
+<p>Diese kulturell-konventionelle Einstellung gegen den Tod ergänzt
+sich nun durch unseren völligen Zusammenbruch, wenn das
+Sterben eine der uns nahestehenden Personen, einen Eltern- oder
+Gattenteil, ein Geschwister, Kind oder teuren Freund getroffen hat.
+Wir begraben mit ihm unsere Hoffnungen, Ansprüche, Genüsse,
+lassen uns nicht trösten und weigern uns, den Verlorenen zu ersetzen.
+Wir benehmen uns dann wie eine Art von <span class="gesperrt">Asra</span>, welche
+<em class="gesperrt">mitsterben, wenn die sterben, die sie lieben</em>.</p>
+
+<p>Dies unser Verhältnis zum Tode hat aber eine starke Wirkung
+auf unser Leben. Das Leben verarmt, es verliert an Interesse,
+wenn der höchste Einsatz in den Lebensspielen, eben das Leben
+selbst, nicht gewagt werden darf. Es wird so schal, gehaltlos wie
+etwa ein amerikanischer Flirt, bei dem es von vorneherein feststeht,
+daß nichts vorfallen darf, zum Unterschied von einer kontinentalen
+Liebesbeziehung, bei welcher beide Partner stets der ernsten
+Konsequenzen eingedenk bleiben müssen. Unsere Gefühlsbindungen,
+die unerträgliche Intensität unserer Trauer, machen uns abgeneigt,
+für uns und die unserigen Gefahren aufzusuchen. Wir getrauen
+uns nicht, eine Anzahl von Unternehmungen in Betracht zu ziehen,
+die gefährlich, aber eigentlich unerläßlich sind wie Flugversuche, Expeditionen
+in ferne Länder, Experimente mit explodierbaren Substanzen.
+Uns lähmt dabei das Bedenken, wer der Mutter den Sohn,
+der Gattin den Mann, den Kindern den Vater ersetzen soll, wenn
+ein Unglück geschieht. Die Neigung, den Tod aus der Lebensrechnung
+<span class="pagenum"><a name="Page_14">14</a></span>auszuschließen, hat so viele andere Verzichte und Ausschließungen
+im Gefolge. Und doch hat der Wahlspruch der <span class="gesperrt">Hansa</span>
+gelautet: Navigare necesse est, vivere non necesse! (Seefahren
+muß man, leben muß man nicht.)</p>
+
+<p>Es kann dann nicht anders kommen, als daß wir in der Welt
+der Fiktion, in der Literatur, im Theater Ersatz suchen für die
+Einbuße des Lebens. Dort finden wir noch Menschen, die zu sterben
+verstehen, ja die es auch zustande bringen, einen anderen zu töten.
+Dort allein erfüllt sich uns auch die Bedingung, unter welcher wir uns
+mit dem Tod versöhnen könnten, wenn wir nämlich hinter allen
+Wechselfällen des Lebens noch ein unantastbares Leben übrig behielten.
+Es ist doch zu traurig, daß es im Leben zugehen kann wie
+im Schachspiel, wo ein falscher Zug uns zwingen kann, die Partie
+verloren zu geben, mit dem Unterschied aber, daß wir keine zweite,
+keine Revanchepartie beginnen können. Auf dem Gebiete der Fiktion
+finden wir jene Mehrheit von Leben, deren wir bedürfen. Wir
+sterben in der Identifizierung mit dem einen Helden, überleben
+ihn aber doch und sind bereit, ebenso ungeschädigt ein zweites Mal
+mit einem anderen Helden zu sterben.</p>
+
+<p>Es ist evident, daß der Krieg diese konventionelle Behandlung
+des Todes hinwegfegen muß. Der Tod läßt sich jetzt nicht mehr
+verleugnen; man muß an ihn glauben. Die Menschen sterben wirklich,
+auch nicht mehr einzeln, sondern viele, oft Zehntausende an
+einem Tag. Er ist auch kein Zufall mehr. Es scheint freilich noch
+zufällig, ob diese Kugel den einen trifft oder den andern; aber diesen
+anderen mag leicht eine zweite Kugel treffen, die Häufung macht
+dem Eindruck des Zufälligen ein Ende. Das Leben ist freilich
+wieder interessant geworden, es hat seinen vollen Inhalt wieder bekommen.</p>
+
+<p>Man müßte hier eine Scheidung in zwei Gruppen vornehmen,
+diejenigen, die selbst im Kampf ihr Leben preisgeben, trennen von
+den anderen, die zu Hause geblieben sind und nur zu erwarten
+haben, einen ihrer Lieben an den Tod durch Verletzung, Krankheit
+oder Infektion zu verlieren. Es wäre gewiß sehr interessant, die
+Veränderungen in der Psychologie der Kämpfer zu studieren, aber
+ich weiß zu wenig darüber. Wir müssen uns an die zweite Gruppe
+halten, zu der wir selbst gehören. Ich sagte schon, daß ich meine,
+die Verwirrung und die Lähmung unserer Leistungsfähigkeit, unter
+denen wir leiden, seien wesentlich mitbestimmt durch den Umstand,
+daß wir unser bisheriges Verhältnis zum Tode nicht aufrecht halten
+können und ein neues noch nicht gefunden haben. Vielleicht hilft es
+uns dazu, wenn wir unsere psychologische Untersuchung auf zwei
+andere Beziehungen zum Tode richten, auf jene, die wir dem Urmenschen,
+dem Menschen der Vorzeit zuschreiben dürfen, und jene
+andere, die in jedem von uns noch erhalten ist, aber sich unsichtbar
+für unser Bewußtsein in tieferen Schichten unseres Seelenlebens
+verbirgt.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_15">15</a></span>
+Wie sich der Mensch der Vorzeit gegen den Tod verhalten,
+wissen wir natürlich nur durch Rückschlüsse und Konstruktionen,
+aber ich meine, daß diese Mittel uns ziemlich vertrauenswürdige
+Auskünfte ergeben haben.</p>
+
+<p>Der Urmensch hat sich in sehr merkwürdiger Weise zum
+Tode eingestellt. Gar nicht einheitlich, vielmehr recht widerspruchsvoll.
+Er hat einerseits den Tod ernst genommen, ihn als Aufhebung
+des Lebens anerkannt und sich seiner in diesem Sinne
+bedient, anderseits aber auch den Tod geleugnet, ihn zu nichts
+herabgedrückt. Dieser Widerspruch wurde durch den Umstand ermöglicht,
+daß er zum Tode des anderen, des Fremden, des Feindes
+eine radikal andere Stellung einnahm als zu seinem eigenen. Der
+Tod des anderen war ihm recht, galt ihm als Vernichtung des
+Verhaßten, und der Urmensch kannte kein Bedenken, ihn herbeizuführen.
+Er war gewiß ein sehr leidenschaftliches Wesen, grausamer
+und bösartiger als andere Tiere. Er mordete gerne und wie
+selbstverständlich. Den Instinkt, der andere Tiere davon abhalten
+soll, Wesen der gleichen Art zu töten und zu verzehren, brauchen
+wir ihm nicht zuzuschreiben.</p>
+
+<p>Die Urgeschichte der Menschheit ist denn auch vom Morde
+erfüllt. Noch heute ist das, was unsere Kinder in der Schule als
+Weltgeschichte lernen, im wesentlichen eine Reihenfolge von Völkermorden.
+Das dunkle Schuldgefühl, unter dem die Menschheit seit
+Urzeiten steht, das sich in manchen Religionen zur Annahme einer
+<em class="gesperrt">Urschuld</em>, einer Erbsünde, verdichtet hat, ist wahrscheinlich der
+Ausdruck einer Blutschuld, mit welcher sich die urzeitliche Menschheit
+beladen hat. Ich habe in meinem Buche »<span class="gesperrt">Totem</span> und <span class="gesperrt">Tabu</span>« (1913),
+den Winken von W. <span class="gesperrt">Robertson Smith</span>, <span class="gesperrt">Atkinson</span> und Ch.
+<span class="gesperrt">Darwin</span> folgend, die Natur dieser alten Schuld erraten wollen,
+und meine, daß noch die heutige christliche Lehre uns den Rückschluß
+auf sie ermöglicht. Wenn Gottes Sohn sein Leben opfern mußte,
+um die Menschheit von der Erbsünde zu erlösen, so muß nach der
+Regel der Talion, der Vergeltung durch Gleiches, diese Sünde
+eine Tötung, ein Mord gewesen sein. Nur dies konnte zu seiner
+Sühne das Opfer eines Lebens erfordern. Und wenn die Erbsünde
+ein Verschulden gegen Gott-Vater war, so muß das älteste Verbrechen
+der Menschheit ein Vatermord gewesen sein, die Tötung
+des Urvaters der primitiven Menschenhorde, dessen Erinnerungsbild
+später zur Gottheit verklärt wurde<a name="FNanchor_1_1" href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a>.</p>
+
+<p>Der eigene Tod war dem Urmenschen gewiß ebenso unvorstellbar
+und unwirklich, wie heute noch jedem von uns. Es ergab
+sich aber für ihn ein Fall, in dem die beiden gegensätzlichen Einstellungen
+zum Tode zusammenstießen und in Konflikt miteinander
+gerieten, und dieser Fall wurde sehr bedeutsam und reich an fernwirkenden
+Folgen. Er ereignete sich, wenn der Urmensch einen
+<span class="pagenum"><a name="Page_16">16</a></span>seiner Angehörigen sterben sah, sein Weib, sein Kind, seinen Freund,
+die er sicherlich ähnlich liebte wie wir die unseren, denn die Liebe
+kann nicht um vieles jünger sein als die Mordlust. Da mußte er
+in seinem Schmerz die Erfahrung machen, daß man auch selbst
+sterben könne, und sein ganzes Wesen empörte sich gegen dieses
+Zugeständnis; jeder dieser Lieben war ja doch ein Stück seines
+eigenen geliebten Ichs. Anderseits war ihm ein solcher Tod doch auch
+recht, denn in jeder der geliebten Personen stak auch ein Stück
+Fremdheit. Das Gesetz der Gefühlsambivalenz, das heute noch
+unsere Gefühlsbeziehungen zu den von uns geliebtesten Personen
+beherrscht, galt in Urzeiten gewiß noch uneingeschränkter. Somit
+waren diese geliebten Verstorbenen doch auch Fremde und Feinde
+gewesen, die einen Anteil von feindseligen Gefühlen bei ihm hervorgerufen
+hatten<a name="FNanchor_2_2" href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a>.</p>
+
+<p>Die Philosophen haben behauptet, das intellektuelle Rätsel,
+welches das Bild des Todes dem Urmenschen aufgab, habe sein
+Nachdenken erzwungen und sei der Ausgang jeder Spekulation
+geworden. Ich glaube, die Philosophen denken da zu &ndash; philosophisch,
+nehmen zu wenig Rücksicht auf die primär wirksamen Motive. Ich
+möchte darum die obige Behauptung einschränken und korrigieren:
+an der Leiche des erschlagenen Feindes wird der Urmensch triumphiert
+haben, ohne einen Anlaß zu finden, sich den Kopf über die
+Rätsel des Lebens und des Todes zu zerbrechen. Nicht das intellektuelle
+Rätsel und nicht jeder Todesfall, sondern der Gefühlskonflikt
+beim Tode geliebter und dabei doch auch fremder und gehaßter
+Personen hat die Forschung der Menschen entbunden. Aus diesem
+Gefühlskonflikt wurde zunächst die Psychologie geboren. Der Mensch
+konnte den Tod nicht mehr von sich ferne halten, da er ihn in dem
+Schmerz um den Verstorbenen verkostet hatte, aber er wollte ihn
+doch nicht zugestehen, da er sich selbst nicht tot vorstellen konnte.
+So ließ er sich auf Kompromisse ein, gab den Tod auch für sich zu,
+bestritt ihm aber die Bedeutung der Lebensvernichtung, wofür ihm
+beim Tode des Feindes jedes Motiv gefehlt hatte. An der Leiche
+der geliebten Person ersann er die Geister, und sein Schuldbewußtsein
+ob der Befriedigung, die der Trauer beigemengt war, bewirkte,
+daß diese erstgeschaffenen Geister böse Dämonen wurden, vor denen
+man sich ängstigen mußte. Die Veränderungen des Todes legten
+ihm die Zerlegung des Individuums in einen Leib und in eine &ndash;
+ursprünglich mehrere &ndash; Seelen nahe; in solcher Weise ging sein
+Gedankengang dem Zersetzungsprozeß, den der Tod einleitet, parallel.
+Die fortdauernde Erinnerung an den Verstorbenen wurde die
+Grundlage der Annahme anderer Existenzformen, gab ihm die Idee
+eines Fortlebens nach dem anscheinenden Tode.</p>
+
+<p>Diese späteren Existenzen waren anfänglich nur Anhängsel
+<span class="pagenum"><a name="Page_17">17</a></span>an die durch den Tod abgeschlossene, schattenhaft, inhaltsleer und
+bis in späte Zeiten hinauf geringgeschätzt; sie trugen noch den
+Charakter kümmerlicher Auskünfte. Wir erinnern, was die Seele
+des Achilleus dem Odysseus erwidert:</p>
+
+<div class="poem" style="width: 30em;">
+<div class="stanza">
+<span class="i0">»Denn dich Lebenden einst verehrten wir, gleich den Göttern,<br /></span>
+<span class="i0">Argos Söhn'; und jetzo gebietest du mächtig den Geistern,<br /></span>
+<span class="i0">Wohnend allhier. Drum laß dich den Tod nicht reuen, Achilleus.<br /></span>
+<span class="i0">Also ich selbst; und sogleich antwortet' er, solches erwidernd:<br /></span>
+<span class="i0">Nicht mir rede vom Tod ein Trostwort, edler Odysseus!<br /></span>
+<span class="i0">Lieber ja wollt' ich das Feld als Tagelöhner bestellen<br /></span>
+<span class="i0">Einem dürftigen Mann, ohn' Erb' und eigenen Wohlstand,<br /></span>
+<span class="i0">Als die sämtliche Schaar der geschwundenen Toten beherrschen.«</span>
+</div>
+<div class="stanza right" style="margin-top: -0.75em;">
+(Odyssee&nbsp;XI v.&nbsp;484&ndash;491)
+</div>
+</div>
+
+<p>Oder in der kraftvollen, bitter-parodistischen Fassung von
+H.&nbsp;<span class="gesperrt">Heine</span>:</p>
+
+<div class="poem" style="width: 17.5em;">
+<div class="stanza">
+<span class="i0">»Der kleinste lebendige Philister<br /></span>
+<span class="i0">Zu Stuckert am Neckar<br /></span>
+<span class="i0">Viel glücklicher ist er<br /></span>
+<span class="i0">Als ich, der Pelide, der tote Held,<br /></span>
+<span class="i0">Der Schattenfürst in der Unterwelt«.<br /></span>
+</div>
+</div>
+
+<p>Erst später brachten es die Religionen zustande, diese Nachexistenz
+für die wertvollere, vollgültige auszugeben und das durch
+den Tod abgeschlossene Leben zu einer bloßen Vorbereitung herabzudrücken.
+Es war dann nur konsequent, wenn man auch das
+Leben in die Vergangenheit verlängerte, die früheren Existenzen,
+die Seelenwanderung und Wiedergeburt ersann, alles in der Absicht,
+dem Tod seine Bedeutung als Aufhebung des Lebens zu rauben.
+So frühzeitig hat die Verleugnung des Todes, die wir als konventionell-kulturell
+bezeichnet haben, ihren Anfang genommen.</p>
+
+<p>An der Leiche der geliebten Person entstanden nicht nur die
+Seelenlehre, der Unsterblichkeitsglaube und eine mächtige Wurzel
+des menschlichen Schuldbewußtseins, sondern auch die ersten ethischen
+Gebote. Das erste und bedeutsamste Verbot des erwachenden
+Gewissens lautete: <em class="gesperrt">Du sollst nicht töten.</em> Es war als die Reaktion
+gegen die hinter der Trauer versteckte Haßbefriedigung am geliebten
+Toten gewonnen worden, und wurde allmählich auf den ungeliebten
+Fremden und endlich auch auf den Feind ausgedehnt.</p>
+
+<p>An letzterer Stelle wird es vom Kulturmenschen nicht mehr
+verspürt. Wenn das wilde Ringen dieses Krieges seine Entscheidung
+gefunden hat, wird jeder der siegreichen Kämpfer froh in sein Heim
+zurückkehren, zu seinem Weib und Kindern, unverweilt und ungestört
+durch Gedanken an die Feinde, die er im Nahekampf oder
+durch die fernwirkende Waffe getötet hat. Es ist bemerkenswert, daß
+sich die primitiven Völker, die noch auf der Erde leben und dem
+Urmenschen gewiß näher stehen als wir, in diesem Punkte anders
+verhalten &ndash; oder verhalten haben, so lange sie noch nicht den
+<span class="pagenum"><a name="Page_18">18</a></span>Einfluß unserer Kultur erfahren hatten. Der Wilde &ndash; Australier,
+Buschmann, Feuerländer &ndash; ist keineswegs ein reueloser Mörder;
+wenn er als Sieger vom Kriegspfade heimkehrt, darf er sein Dorf
+nicht betreten und sein Weib nicht berühren, ehe er seine kriegerischen
+Mordtaten durch oft langwierige und mühselige Bußen gesühnt hat.
+Natürlich liegt die Erklärung aus seinem Aberglauben nahe; der
+Wilde fürchtet noch die Geisterrache der Erschlagenen. Aber die
+Geister der erschlagenen Feinde sind nichts anderes als der Ausdruck
+seines bösen Gewissens ob seiner Blutschuld; hinter diesem Aberglauben
+verbirgt sich ein Stück ethischer Feinfühligkeit, welches uns
+Kulturmenschen verloren gegangen ist<a name="FNanchor_3_3" href="#Footnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a>.</p>
+
+<p>Fromme Seelen, welche unser Wesen gerne von der Berührung
+mit Bösem und Gemeinem ferne wissen <ins title="möchten;">möchten,</ins> werden gewiß
+nicht versäumen, aus der Frühzeitigkeit und Eindringlichkeit des
+Mordverbotes befriedigende Schlüsse zu ziehen auf die Stärke ethischer
+Regungen, welche uns eingepflanzt sein müssen. Leider beweist dieses
+Argument noch mehr für das Gegenteil. Ein so starkes Verbot
+kann sich nur gegen einen ebenso starken Impuls richten. Was keines
+Menschen Seele begehrt, braucht man nicht zu verbieten<a name="FNanchor_4_4" href="#Footnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a>, es schließt
+sich von selbst aus. Gerade die Betonung des Gebotes: Du sollst
+nicht töten, macht uns sicher, daß wir von einer unendlich langen
+Generationsreihe von Mördern abstammen, denen die Mordlust, wie
+vielleicht noch uns selbst, im Blute lag. Die ethischen Strebungen der
+Menschheit, an deren Stärke und Bedeutsamkeit man nicht zu nörgeln
+braucht, sind ein Erwerb der Menschengeschichte; in leider sehr
+wechselndem Ausmaße sind sie dann zum ererbten Besitz der heute
+lebenden Menschen geworden.</p>
+
+<p>Verlassen wir nun den Urmenschen und wenden wir uns dem
+Unbewußten im eigenen Seelenleben zu. Wir fußen hier ganz auf
+der Untersuchungsmethode der Psychoanalyse, der einzigen, die in
+solche Tiefen reicht. Wir fragen: wie verhält sich unser Unbewußtes
+zum Problem des Todes? Die Antwort muß lauten: fast genau so
+wie der Urmensch. In dieser wie in vielen anderen Hinsichten lebt
+der Mensch der Vorzeit ungeändert in unserem Unbewußten fort.
+Also unser Unbewußtes glaubt nicht an den eigenen Tod, es gebärdet
+sich wie unsterblich. Was wir unser »Unbewußtes« heißen,
+die tiefsten, aus Triebregungen bestehenden Schichten unserer Seele,
+kennt überhaupt nichts Negatives, keine Verneinung &ndash; Gegensätze
+fallen in ihm zusammen &ndash; und kennt darum auch nicht den eigenen
+Tod, dem wir nur einen negativen Inhalt geben können. Dem Todesglauben
+kommt also nichts Triebhaftes in uns entgegen. Vielleicht
+ist dies sogar das Geheimnis des Heldentums. Die rationelle Begründung
+des Heldentums ruht auf dem Urteil, daß das eigene
+Leben nicht so wertvoll sein kann wie gewisse abstrakte und allgemeine
+<span class="pagenum"><a name="Page_19">19</a></span>Güter. Aber ich meine, häufiger dürfte das instinktive und
+impulsive Heldentum sein, welches von solcher Motivierung absieht
+und einfach nach der Zusicherung des <span class="gesperrt">Anzengruber</span>'schen Steinklopferhanns:
+<em class="gesperrt">Es kann dir nix g'scheh'n</em>, den Gefahren trotzt.
+Oder jene Motivierung dient nur dazu, die Bedenken wegzuräumen,
+welche die dem Unbewußten entsprechende heldenhafte Reaktion
+hintanhalten können. Die Todesangst, unter deren Herrschaft wir
+häufiger stehen, als wir selbst wissen, ist dagegen etwas Sekundäres,
+und meist aus Schuldbewußtsein hervorgegangen.</p>
+
+<p>Anderseits anerkennen wir den Tod für Fremde und
+Feinde und verhängen ihn über sie ebenso bereitwillig und unbedenklich
+wie der Urmensch. Hier zeigt sich freilich ein Unterschied,
+den man in der Wirklichkeit für entscheidend erklären wird. Unser
+Unbewußtes führt die Tötung nicht aus, es denkt und wünscht sie
+bloß. Aber es wäre unrecht, diese <em class="gesperrt">psychische</em> Realität im Vergleiche
+zur <em class="gesperrt">faktischen</em> so ganz zu unterschätzen. Sie ist bedeutsam
+und folgenschwer genug. Wir beseitigen in unseren unbewußten
+Regungen täglich und stündlich alle, die uns im Wege stehen, die
+uns beleidigt und geschädigt haben. Das »Hol' ihn der Teufel«, das
+sich so häufig in scherzendem Unmut über unsere Lippen drängt,
+und das eigentlich sagen will: Hol' ihn der Tod, in unserem Unbewußten
+ist es ernsthafter, kraftvoller Todeswunsch. Ja, unser Unbewußtes
+mordet selbst für Kleinigkeiten; wie die alte athenische
+Gesetzgebung des <span class="gesperrt">Drakon</span> kennt es für Verbrechen keine andere
+Strafe als den Tod, und dies mit einer gewissen Konsequenz, denn
+jede Schädigung unseres allmächtigen und selbstherrlichen Ichs ist im
+Grunde ein crimen laesae majestatis.</p>
+
+<p>So sind wir auch selbst, wenn man uns nach unseren unbewußten
+Wunschregungen beurteilt, wie die Urmenschen eine Rotte
+von Mördern. Es ist ein Glück, daß alle diese Wünsche nicht die
+Kraft besitzen, die ihnen die Menschen in Urzeiten noch zutrauten<a name="FNanchor_5_5" href="#Footnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a>;
+in dem Kreuzfeuer von gegenseitigen Verwünschungen wäre die
+Menschheit längst zugrunde gegangen, die besten und weisesten
+der Männer darunter wie die schönsten und holdesten der Frauen.</p>
+
+<p>Mit Aufstellungen wie <ins title="diese">dieser</ins> findet die Psychoanalyse bei den
+Laien meist keinen Glauben. Man weist sie als Verleumdungen zurück,
+welche gegen die Versicherungen des Bewußtseins nicht in Betracht
+kommen, und übersieht geschickt die geringen Anzeichen, durch welche
+sich auch das Unbewußte dem Bewußtsein zu verraten pflegt. Es
+ist darum am Platze darauf hinzuweisen, daß viele Denker, die nicht
+von der Psychoanalyse beeinflußt sein konnten, die Bereitschaft unserer
+stillen Gedanken, mit Hinwegsetzung über das Mordverbot zu beseitigen,
+was uns im Wege steht, deutlich genug angeklagt haben.
+Ich wähle hiefür ein einziges berühmt gewordenes Beispiel an Stelle
+vieler anderer:</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_20">20</a></span>
+Im »Père Goriot« spielt <span class="gesperrt">Balzac</span> auf eine Stelle in den Werken
+J.&nbsp;J. <span class="gesperrt">Rousseau's</span> an, in welcher dieser Autor den Leser fragt, was
+er wohl tun würde, wenn er &ndash; ohne Paris zu verlassen und natürlich
+ohne entdeckt zu werden &ndash; einen alten Mandarin in Peking
+durch einen bloßen Willensakt töten könnte, dessen Ableben ihm
+einen großen Vorteil einbringen müßte. Er läßt erraten, daß er das
+Leben dieses Würdenträgers für nicht sehr gesichert hält. »Tuer son
+mandarin« ist dann sprichwörtlich worden für diese geheime Bereitschaft
+auch der heutigen Menschen.</p>
+
+<p>Es gibt auch eine ganze Anzahl von zynischen Witzen und
+Anekdoten, welche nach derselben Richtung Zeugnis ablegen, wie
+z.&nbsp;B. die dem Ehemanne zugeschriebene Äußerung: Wenn einer von
+uns beiden stirbt, übersiedle ich nach Paris. Solche zynische Witze
+wären nicht möglich, wenn sie nicht eine verleugnete Wahrheit mitzuteilen
+hätten, zu der man sich nicht bekennen darf, wenn sie ernsthaft
+und unverhüllt ausgesprochen wird. Im Scherz darf man bekanntlich
+sogar die Wahrheit sagen.</p>
+
+<p>Wie für den Urmenschen, so ergibt sich auch für unser Unbewußtes
+ein Fall, in dem die beiden entgegengesetzten Einstellungen
+gegen den Tod, die eine, welche ihn als Lebensvernichtung anerkennt,
+und die andere, die ihn als unwirklich verleugnet, zusammenstoßen
+und in Konflikt geraten. Und dieser Fall ist der nämliche wie in
+der Urzeit, der Tod oder die Todesgefahr eines unserer Lieben,
+eines Eltern- oder Gattenteils, eines Geschwisters, Kindes oder lieben
+Freundes. Diese Lieben sind uns einerseits ein innerer Besitz, Bestandteile
+unseres eigenen Ichs, anderseits aber auch teilweise Fremde,
+ja Feinde. Den zärtlichsten und innigsten unserer Liebesbeziehungen
+hängt mit Ausnahme ganz weniger Situationen ein Stückchen Feindseligkeit
+an, welches den unbewußten Todeswunsch anregen kann.
+Aus diesem Ambivalenzkonflikt geht aber nicht wie dereinst die
+Seelenlehre und die Ethik hervor, sondern die Neurose, die uns tiefe
+Einblicke auch in das normale Seelenleben gestattet. Wie häufig
+haben die psychoanalytisch behandelnden Ärzte mit dem Symptom
+der überzärtlichen Sorge um das Wohl der Angehörigen oder mit
+völlig unbegründeten Selbstvorwürfen nach dem Tode einer geliebten
+Person zu tun gehabt. Das Studium dieser Vorfälle hat ihnen über
+die Verbreitung und Bedeutung der unbewußten Todeswünsche
+keinen Zweifel gelassen.</p>
+
+<p>Der Laie empfindet ein außerordentliches Grauen vor dieser
+Gefühlsmöglichkeit und nimmt diese Abneigung als legitimen Grund
+zum Unglauben gegen die Behauptungen der Psychoanalyse. Ich
+meine mit Unrecht. Es wird keine Herabsetzung unseres Liebeslebens
+beabsichtigt, und es liegt auch keine solche vor. Unserem Verständnis
+wie unserer Empfindung liegt es freilich ferne, Liebe und Haß in
+solcher Weise miteinander zu verkoppeln, aber indem die Natur
+mit diesem Gegensatzpaar arbeitet, bringt sie es zustande, die Liebe
+immer wach und frisch zu erhalten, um sie gegen den hinter ihr
+<span class="pagenum"><a name="Page_21">21</a></span>lauernden Haß zu versichern. Man darf sagen, die schönsten Entfaltungen
+unseres Liebeslebens danken wir der <em class="gesperrt">Reaktion</em> gegen
+den feindseligen Impuls, den wir in unserer Brust verspüren.</p>
+
+<p>Resümieren wir nun: unser Unbewußtes ist gegen die Vorstellung
+des eigenen Todes ebenso unzugänglich, gegen den Fremden
+ebenso mordlustig, gegen die geliebte Person ebenso zwiespältig
+(ambivalent) wie der Mensch der Urzeit. Wie weit haben wir uns
+aber in der konventionell-kulturellen Einstellung gegen den Tod von
+diesem Urzustand entfernt!</p>
+
+<p>Es ist leicht zu sagen, wie der Krieg in diese Entzweiung
+eingreift. Er streift uns die späteren Kulturauflagerungen ab und
+läßt den Urmenschen in uns wieder zum Vorschein kommen. Er
+zwingt uns wieder, Helden zu sein, die an den eigenen Tod nicht
+glauben können; er bezeichnet uns die Fremden als Feinde, deren
+Tod man herbeiführen oder herbeiwünschen soll; er rät uns, uns
+über den Tod geliebter Personen hinwegzusetzen. Der Krieg ist
+aber nicht abzuschaffen; solange die Existenzbedingungen der Völker
+so verschieden und die Abstoßungen unter ihnen so heftig sind, wird
+es Kriege geben müssen. Da erhebt sich denn die Frage: Sollen
+wir nicht diejenigen sein, die nachgeben und sich ihm anpassen?
+Sollen wir nicht zugestehen, daß wir mit unserer kulturellen Einstellung
+zum Tode psychologisch wieder einmal über unseren Stand
+gelebt haben, und vielmehr umkehren und die Wahrheit fatieren?
+Wäre es nicht besser, dem Tod den Platz in der Wirklichkeit und
+in unseren Gedanken einzuräumen, der ihm gebührt, und unsere
+unbewußte Einstellung zum Tode, die wir bisher so sorgfältig unterdrückt
+haben, ein wenig mehr hervorzukehren? Es scheine das keine
+Höherleistung zu sein, eher ein Rückschritt in manchen Stücken, eine
+Regression, aber es hat den Vorteil, der Wahrhaftigkeit mehr Rechnung
+zu tragen und uns das Leben wieder erträglicher zu machen.
+Das Leben zu ertragen, bleibt ja doch die erste Pflicht aller Lebenden.
+Die Illusion wird wertlos, wenn sie uns darin stört.</p>
+
+<p>Wir erinnern uns des alten Spruches:</p>
+
+<p class="center gesperrt">Si vis pacem, para bellum.</p>
+
+<p class="center">(Wenn du den Frieden erhalten willst, so rüste zum Krieg.)</p>
+
+<p>Es wäre zeitgemäß ihn abzuändern:</p>
+
+<p class="center gesperrt">Si vis vitam, para mortem.</p>
+
+<p class="center">(Wenn du das Leben aushalten willst, richte dich auf den Tod ein.)</p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 100px;">
+<img src="images/p0021-image.png" width="100" height="98" alt="" title="" />
+</div>
+
+<div class="footnotes">
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_1_1" href="#FNanchor_1_1" class="label">[1]</a> Vgl. diese Zeitschr. Bd.&nbsp;II. 1913. (Die infantile Wiederkehr des Totemismus.)</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_2_2" href="#FNanchor_2_2" class="label">[2]</a> Siehe diese Zeitschr. Bd.&nbsp;I. 1912, Tabu und Ambivalenz. Und »<span class="gesperrt">Totem</span>
+und <span class="gesperrt">Tabu</span>«.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_3_3" href="#FNanchor_3_3" class="label">[3]</a> S. diese Zeitschr., Bd.&nbsp;II. l.&nbsp;c.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_4_4" href="#FNanchor_4_4" class="label">[4]</a> Vgl. die glänzende Argumentation von <span class="gesperrt">Frazer</span> in dieser Zeitschr., Bd.&nbsp;III.
+p.&nbsp;377.</p></div>
+
+<div class="footnote"><p><a name="Footnote_5_5" href="#FNanchor_5_5" class="label">[5]</a> Vgl. über »Allmacht der Gedanken« in dieser Zeitschr., Bd.&nbsp;III. 1913.</p></div>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Zeitgemäßes über Krieg und Tod, by Sigmund Freud
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ZEITGEMÄßES ÜBER KRIEG UND TOD ***
+
+***** This file should be named 29941-h.htm or 29941-h.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ https://www.gutenberg.org/2/9/9/4/29941/
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+https://gutenberg.org/license).
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+</pre>
+
+</body>
+</html>
diff --git a/29941-h/images/p0021-image.png b/29941-h/images/p0021-image.png
new file mode 100644
index 0000000..dd373b9
--- /dev/null
+++ b/29941-h/images/p0021-image.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images.zip b/29941-page-images.zip
new file mode 100644
index 0000000..f6f8057
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images.zip
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0001-image.png b/29941-page-images/p0001-image.png
new file mode 100644
index 0000000..651861d
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0001-image.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0001.png b/29941-page-images/p0001.png
new file mode 100644
index 0000000..7cc1a39
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0001.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0002.png b/29941-page-images/p0002.png
new file mode 100644
index 0000000..b255fb7
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0002.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0003.png b/29941-page-images/p0003.png
new file mode 100644
index 0000000..063df31
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0003.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0004.png b/29941-page-images/p0004.png
new file mode 100644
index 0000000..d046570
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0004.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0005.png b/29941-page-images/p0005.png
new file mode 100644
index 0000000..79a497d
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0005.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0006.png b/29941-page-images/p0006.png
new file mode 100644
index 0000000..9c5dce1
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0006.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0007.png b/29941-page-images/p0007.png
new file mode 100644
index 0000000..8205b58
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0007.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0008.png b/29941-page-images/p0008.png
new file mode 100644
index 0000000..912c0b7
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0008.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0009.png b/29941-page-images/p0009.png
new file mode 100644
index 0000000..c7a15de
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0009.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0010.png b/29941-page-images/p0010.png
new file mode 100644
index 0000000..6b663db
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0010.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0011.png b/29941-page-images/p0011.png
new file mode 100644
index 0000000..a7e4982
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0011.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0012.png b/29941-page-images/p0012.png
new file mode 100644
index 0000000..4f4d112
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0012.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0013.png b/29941-page-images/p0013.png
new file mode 100644
index 0000000..d9c72a8
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0013.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0014.png b/29941-page-images/p0014.png
new file mode 100644
index 0000000..ceb6a93
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0014.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0015.png b/29941-page-images/p0015.png
new file mode 100644
index 0000000..cf83854
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0015.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0016.png b/29941-page-images/p0016.png
new file mode 100644
index 0000000..653df29
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0016.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0017.png b/29941-page-images/p0017.png
new file mode 100644
index 0000000..2eef580
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0017.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0018.png b/29941-page-images/p0018.png
new file mode 100644
index 0000000..172a7ec
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0018.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0019.png b/29941-page-images/p0019.png
new file mode 100644
index 0000000..93f6ed6
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0019.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0020.png b/29941-page-images/p0020.png
new file mode 100644
index 0000000..f9975f4
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0020.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0021-image.png b/29941-page-images/p0021-image.png
new file mode 100644
index 0000000..28ea48b
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0021-image.png
Binary files differ
diff --git a/29941-page-images/p0021.png b/29941-page-images/p0021.png
new file mode 100644
index 0000000..afeaa51
--- /dev/null
+++ b/29941-page-images/p0021.png
Binary files differ
diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt
new file mode 100644
index 0000000..6312041
--- /dev/null
+++ b/LICENSE.txt
@@ -0,0 +1,11 @@
+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
diff --git a/README.md b/README.md
new file mode 100644
index 0000000..66977b6
--- /dev/null
+++ b/README.md
@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #29941 (https://www.gutenberg.org/ebooks/29941)