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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 02:13:43 -0700
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+Project Gutenberg's Der rote Kampfflieger, by Manfred von Richthofen
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der rote Kampfflieger
+
+Author: Manfred von Richthofen
+
+Release Date: February 11, 2008 [EBook #24572]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ROTE KAMPFFLIEGER ***
+
+
+
+
+Produced by Markus Brenner, Irma Spehar and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+ Der rote
+ Kampfflieger
+
+ von
+
+ Rittmeister
+ Manfred Freiherrn von Richthofen
+
+ 151.–200. Tausend
+
+
+ 1917
+
+ Verlag Ullstein & Co, Berlin-Wien
+
+
+
+ Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten.
+ Amerikanisches Copyright 1917 by Ullstein & Co, Berlin.
+
+
+
+
+Inhalt
+
+
+Einiges von meiner Familie 9
+
+Meine Kadettenzeit 12
+
+Eintritt in die Armee 14
+
+Erste Offizierszeit 16
+
+Kriegsausbruch 19
+
+Überschreiten der Grenze 21
+
+Nach Frankreich 25
+
+Wie ich auf Patrouille zum erstenmal die Kugeln
+ pfeifen hörte 31
+
+Patrouillenritt mit Loen 37
+
+Langeweile vor Verdun 41
+
+Das erstemal in der Luft! 45
+
+Beobachtungsflieger bei Mackensen 48
+
+Mit Holck in Rußland 49
+
+Rußland–Ostende 55
+
+Ein Tropfen Blut fürs Vaterland 59
+
+Mein erster Luftkampf 61
+
+In der Champagne-Schlacht 63
+
+Wie ich Boelcke kennenlernte 65
+
+Der erste Alleinflug 67
+
+Aus meiner Döberitzer Ausbildungszeit 69
+
+Erste Zeit als Pilot 72
+
+Holck † 74
+
+Ein Gewitterflug 76
+
+Das erstemal auf einem Fokker 79
+
+Bombenflüge in Rußland 81
+
+Endlich! 88
+
+Mein erster Engländer 90
+
+Somme-Schlacht 94
+
+Boelcke † 96
+
+Der Achte 99
+
+Major Hawker 103
+
+#Pour le mérite# 106
+
+#Le petit rouge# 108
+
+Englische und französische Fliegerei 110
+
+Selbst abgeschossen 112
+
+Ein Fliegerstückchen 120
+
+Erste Dublette 122
+
+Mein bisher erfolgreichster Tag 127
+
+»Moritz« 130
+
+Englischer Bombenangriff auf unseren Flughafen 133
+
+Schäfers Notlandung zwischen den Linien 139
+
+Das Anti-Richthofen-Geschwader 144
+
+Der »alte Herr« kommt uns besuchen 147
+
+Flug in die Heimat 154
+
+Mein Bruder 163
+
+Lothar ein »Schießer« und nicht ein Weidmann 174
+
+Der Auerochs 176
+
+Infanterie-, Artillerie- und Aufklärungsflieger 180
+
+Unsere Flugzeuge 183
+
+
+[Illustration: Rittmeister Manfred Freiherr v. Richthofen]
+
+
+
+
+Einiges von meiner Familie
+
+
+Die Familie Richthofen hat sich in den bisherigen Kriegen an führender
+Stelle eigentlich verhältnismäßig wenig betätigt, da die Richthofens
+immer auf ihren Schollen gesessen haben. Einen Richthofen, der nicht
+angesessen war, gab es kaum. War er’s nicht, so war er meistenteils in
+Staatsdiensten. Mein Großvater, und von da ab alle meine Vorväter, saßen
+in der Gegend von Breslau und Striegau auf ihren Gütern. Erst in der
+Generation meines Großvaters wurde ein Vetter meines Großvaters als
+erster Richthofen General.
+
+In der Familie meiner Mutter, einer geborenen von Schickfuß und Neudorf,
+ist es ähnlich wie bei den Richthofens: wenig Soldaten, nur Agrarier.
+Der Bruder meines Urgroßvaters Schickfuß fiel 1806. In der Revolution
+1848 wurde einem Schickfuß eines seiner schönsten Schlösser abgebrannt.
+Im übrigen haben sie’s alle bloß bis zum Rittmeister der Reserve
+gebracht.
+
+Auch in der Familie Schickfuß sowohl wie Falckenhausen – meine
+Großmutter ist eine Falckenhausen – kann man nur zwei Hauptinteressen
+verfolgen. Das ist Reiten, siehe Falckenhausen, und Jagen, siehe den
+Bruder meiner Mutter, Onkel Alexander Schickfuß, der sehr viel in
+Afrika, Ceylon, Norwegen und Ungarn gejagt hat.
+
+Mein alter Herr ist eigentlich der erste in unserem Zweig, der auf den
+Gedanken kam, aktiver Offizier zu werden. Er kam früh ins Kadettenkorps
+und trat später von dort bei den 12. Ulanen ein. Er ist der
+pflichttreueste Soldat, den man sich denken kann. Er wurde schwerhörig
+und mußte den Abschied nehmen. Seine Schwerhörigkeit holte er sich, wie
+er einen seiner Leute bei der Pferdeschwemme aus dem Wasser rettete und
+nachher seinen Dienst beendete, ohne die Kälte und Nässe zu
+berücksichtigen.
+
+Unter der heutigen Generation sind natürlich sehr viel mehr Soldaten. Im
+Kriege ist jeder waffenfähige Richthofen bei der Fahne. So verlor ich
+gleich zu Anfang des Bewegungskrieges sechs Vettern verschiedenen
+Grades. Alle waren Kavalleristen.
+
+Genannt bin ich nach einem großen Onkel Manfred, in Friedenszeiten
+Flügeladjutant Seiner Majestät und Kommandeur der Gardedukorps, im
+Kriege Führer eines Kavalleriekorps.
+
+Nun noch von meiner Jugend. Der alte Herr stand in Breslau bei den
+Leibkürassieren 1, als ich am 2. Mai 1892 geboren wurde. Wir wohnten in
+Kleinburg. Ich hatte Privatunterricht bis zu meinem neunten Lebensjahre,
+dann ein Jahr Schule in Schweidnitz, später wurde ich Kadett in
+Wahlstatt. Die Schweidnitzer betrachteten mich aber durchaus als ein
+Schweidnitzer Kind. Im Kadettenkorps für meinen jetzigen Beruf
+vorbereitet, kam ich dann zum 1. Ulanenregiment.
+
+Was ich selbst erlebte, steht in diesem Buch.
+
+Mein Bruder Lothar ist der andere Flieger Richthofen. Ihn schmückt der
+#Pour le mérite#. Mein jüngster Bruder ist noch im Kadettenkorps und
+wartet sehnsüchtig darauf, sich gleichfalls zu betätigen. Meine
+Schwester ist, wie alle Damen unseres Familienkreises, in der Pflege der
+Verwundeten tätig.
+
+
+
+
+Meine Kadettenzeit
+
+(1903–1909 Wahlstatt, 1909–1911 Lichterfelde)
+
+
+Als kleiner Sextaner kam ich in das Kadettenkorps. Ich war nicht
+übermäßig gerne Kadett, aber es war der Wunsch meines Vaters, und so
+wurde ich wenig gefragt.
+
+Die strenge Zucht und Ordnung fiel einem so jungen Dachs besonders
+schwer. Für den Unterricht hatte ich nicht sonderlich viel übrig. War
+nie ein großes Lumen. Habe immer so viel geleistet, wie nötig war, um
+versetzt zu werden. Es war meiner Auffassung nach nicht mehr zu leisten,
+und ich hätte es für Streberei angesehen, wenn ich eine bessere
+Klassenarbeit geliefert hätte als »genügend«. Die natürliche Folge davon
+war, daß mich meine Pauker nicht übermäßig schätzten. Dagegen gefiel mir
+das Sportliche: Turnen, Fußballspielen usw., ganz ungeheuer. Es gab,
+glaube ich, keine Welle, die ich am Turnreck nicht machen konnte. So
+bekam ich bald einige Preise von meinem Kommandeur verliehen.
+
+Alle halsbrecherischen Stücke imponierten mir mächtig. So kroch ich
+z. B. eines schönen Tages mit meinem Freunde Frankenberg auf den
+bekannten Kirchturm von Wahlstatt am Blitzableiter herauf und band oben
+ein Taschentuch an. Genau weiß ich noch, wie schwierig es war, an den
+Dachrinnen vorbeizukommen. Mein Taschentuch habe ich, wie ich meinen
+kleinen Bruder einmal besuchte, etwa zehn Jahre später, noch immer oben
+hängen sehen.
+
+Mein Freund Frankenberg war das erste Opfer des Krieges, das ich zu
+Gesicht bekam.
+
+In Lichterfelde gefiel es mir schon bedeutend besser. Man war nicht mehr
+so abgeschnitten von der Welt und fing auch schon an, etwas mehr als
+Mensch zu leben.
+
+Meine schönsten Erinnerungen aus Lichterfelde sind die großen
+Korsowettspiele, bei denen ich sehr viel mit und gegen den Prinzen
+Friedrich Karl gefochten habe. Der Prinz erwarb sich damals so manchen
+ersten Preis. So im Wettlauf, Fußballspiel usw. gegen mich, der ich
+meinen Körper doch nicht so in der Vollendung trainiert hatte wie er.
+
+
+
+
+Eintritt in die Armee
+
+(Ostern 1911)
+
+
+Natürlich konnte ich es kaum erwarten, in die Armee eingestellt zu
+werden. Ich ging deshalb bereits nach meinem Fähnrichexamen in die Front
+und kam zum Ulanenregiment Nr. 1 »Kaiser Alexander III.«. Ich hatte mir
+dieses Regiment ausgesucht; es lag in meinem lieben Schlesien, auch
+hatte ich da einige Bekannte und Verwandte, die mir sehr dazu rieten.
+
+Der Dienst bei meinem Regiment gefiel mir ganz kolossal. Es ist eben
+doch das schönste für einen jungen Soldaten, »Kavallerist« zu sein.
+
+Über meine Kriegsschulzeit kann ich eigentlich wenig sagen. Sie
+erinnerte mich zu sehr an das Kadettenkorps und ist mir infolgedessen in
+nicht allzu angenehmer Erinnerung.
+
+Eine spaßige Sache erlebte ich. Einer meiner Kriegsschullehrer kaufte
+sich eine ganz nette dicke Stute. Der einzige Fehler war, sie war schon
+etwas alt. Er kaufte sie für fünfzehn Jahre. Sie hatte etwas dicke
+Beine. Sonst aber sprang sie ganz vortrefflich. Ich habe sie oft
+geritten. Sie ging unter dem Namen »Biffy«.
+
+Etwa ein Jahr später beim Regiment erzählte mir mein Rittmeister v. Tr.,
+der sehr sportliebend war, er habe sich ein ganz klobiges Springpferd
+gekauft. Wir waren alle sehr gespannt auf den »klobigen Springer«, der
+den seltenen Namen »Biffy« trug. Ich dachte nicht mehr an die alte Stute
+meines Kriegsschullehrers. Eines schönen Tages kommt das Wundertier an,
+und nun soll man sich das Erstaunen vorstellen, daß die gute alte
+»Biffy« als achtjährig in dem Stall v. Tr.s sich wieder einfand. Sie
+hatte inzwischen einige Male den Besitzer gewechselt und war im Preise
+sehr gestiegen. Mein Kriegsschullehrer hatte sie für fünfzehnhundert
+Mark gekauft, und v. Tr. hatte sie nach einem Jahre als achtjährig für
+dreitausendfünfhundert Mark erworben. Gewonnen hat sie keine
+Springkonkurrenz mehr, aber sie hat wieder einen Abnehmer gefunden – –
+und ist gleich zu Beginn des Krieges gefallen.
+
+
+
+
+Erste Offizierszeit
+
+(Herbst 1912)
+
+
+Endlich bekam ich die Epaulettes. So ungefähr das stolzeste Gefühl, was
+ich je gehabt habe, mit einem Male »Herr Leutnant« angeredet zu werden.
+
+Mein Vater kaufte mir eine sehr schöne Stute, »Santuzza« genannt. Sie
+war das reinste Wundertier und unverwüstlich. Ging vor dem Zuge wie ein
+Lamm. Allmählich entdeckte ich in ihr ein großes Springvermögen. Sofort
+war ich dazu entschlossen, aus der guten braven Stute ein Springpferd zu
+machen. Sie sprang ganz fabelhaft. Ein Koppelrick von einem Meter
+sechzig Zentimeter habe ich mit ihr selbst gesprungen.
+
+Ich fand große Unterstützung und viel Verständnis bei meinem Kameraden
+von Wedel, der mit seinem Chargenpferd »Fandango« so manchen schönen
+Preis davongetragen hatte.
+
+So trainierten wir beide für eine Springkonkurrenz und einen Geländeritt
+in Breslau. »Fandango« machte sich glänzend, »Santuzza« gab sich große
+Mühe und leistete auch Gutes. Ich hatte Aussichten, etwas mit ihr zu
+schaffen. Am Tage, bevor sie verladen wurde, konnte ich es mir nicht
+verkneifen, nochmals alle Hindernisse in unserem Springgarten mit ihr zu
+nehmen. Dabei schlitterten wir hin. »Santuzza« quetschte sich etwas
+ihre Schulter, und ich knaxte mir mein Schlüsselbein an.
+
+Von meiner guten dicken Stute »Santuzza« verlangte ich im Training auch
+Leistungen auf Geschwindigkeit und war sehr erstaunt, als von Wedels
+Vollblüter sie schlug.
+
+Ein andermal hatte ich das Glück, bei der Olympiade in Breslau einen
+sehr schönen Fuchs zu reiten. Der Geländeritt fing an, und mein Wallach
+war im zweiten Drittel noch ganz und munter, so daß ich Aussichten auf
+Erfolg hatte. Da kommt das letzte Hindernis. Ich sah schon von weitem,
+daß dies etwas ganz Besonderes sein mußte, da sich eine Unmenge Volks
+dort angesammelt hatte. Ich dachte mir: »Nur Mut, die Sache wird schon
+schief gehen!« und kam in windender Fahrt den Damm heraufgesaust, auf
+dem ein Koppelrick stand. Das Publikum winkte mir immer zu, ich sollte
+nicht so schnell reiten, aber ich sah und hörte nichts mehr. Mein Fuchs
+nimmt das Koppelrick oben auf dem Damm, und zu meinem größten Erstaunen
+geht’s auf der anderen Seite in die Weistritz. Ehe ich mich versah,
+springt das Tier in einem Riesensatz den Abhang herunter, und Roß und
+Reiter verschwinden in den Fluten. Natürlich gingen wir »über Kopf«.
+»Felix« kam auf dieser Seite raus und Manfred auf der anderen. Beim
+Zurückwiegen nach Schluß des Geländerittes stellte man mit großem
+Erstaunen fest, daß ich nicht die üblichen zwei Pfund abgenommen hatte,
+sondern zehn Pfund schwerer geworden war. Daß ich glitschenaß war, sah
+man mir Gott sei Dank nicht an.
+
+Ich besaß auch einen sehr guten Charger, und dieses Unglückstier mußte
+alles machen. Rennen laufen, Geländeritte, Springkonkurrenzen, vor dem
+Zuge gehen, kurz und gut, es gab keine Übung, in der das gute Tier nicht
+ausgebildet war. Das war meine brave »Blume«. Auf ihr hatte ich sehr
+nette Erfolge. Mein letzter ist der im Kaiserpreis-Ritt 1913. Ich war
+der einzige, der die Geländestrecke ohne Fehler überwunden hatte. Mir
+passierte dabei eine Sache, die nicht so leicht nachgemacht werden wird.
+Ich galoppierte über eine Heide und stand plötzlich Kopf. Das Pferd war
+in ein Karnickelloch getreten, und ich hatte mir beim Sturz das
+Schlüsselbein gebrochen. Damit war ich noch siebzig Kilometer geritten,
+hatte dabei keinen Fehler gemacht und die Zeit innegehalten.
+
+
+
+
+Kriegsausbruch
+
+
+In allen Zeitungen stand weiter nichts als dicke Romane über den Krieg.
+Aber seit einigen Monaten war man ja schon an das Kriegsgeheul gewöhnt.
+Wir hatten schon so oft unseren Dienstkoffer gepackt, daß man es schon
+langweilig fand und nicht mehr an einen Krieg glaubte. Am wenigsten aber
+glaubten wir an einen Krieg, die wir die ersten an der Grenze waren, das
+»Auge der Armee«, wie seinerzeit mein Kommandierender uns
+Kavalleriepatrouillen bezeichnet hatte.
+
+Am Vorabend der erhöhten Kriegsbereitschaft saßen wir bei der
+detachierten Schwadron, zehn Kilometer von der Grenze entfernt, in
+unserem Kasino, aßen Austern, tranken Sekt und spielten ein wenig. Wir
+waren sehr vergnügt. Wie gesagt, an einen Krieg dachte keiner.
+
+Wedels Mutter hatte uns zwar schon einige Tage zuvor etwas stutzig
+gemacht; sie war nämlich aus Pommern erschienen, um ihren Sohn vor dem
+Kriege noch einmal zu sehen. Da sie uns in angenehmster Stimmung fand
+und feststellen mußte, daß wir nicht an Krieg dachten, konnte sie nicht
+umhin, uns zu einem anständigen Frühstück einzuladen.
+
+Wir waren gerade sehr ausgelassen, als sich plötzlich die Tür öffnete
+und Graf Kospoth, der Landrat von Öls, auf der Schwelle stand. Der Graf
+machte ein entgeistertes Gesicht.
+
+Wir begrüßten den alten Bekannten mit einem Hallo! Er erklärte uns den
+Zweck seiner Reise, nämlich, daß er sich an der Grenze persönlich
+überzeugen wolle, was von den Gerüchten von dem nahen Weltkrieg stimme.
+Er nahm ganz richtig an, die an der Grenze müßten es eigentlich am
+ehesten wissen. Nun war er ob des Friedensbildes nicht wenig erstaunt.
+Durch ihn erfuhren wir, daß sämtliche Brücken Schlesiens bewacht wurden
+und man bereits an die Befestigung von einzelnen Plätzen dachte.
+
+Schnell überzeugten wir ihn, daß ein Krieg ausgeschlossen sei, und
+feierten weiter.
+
+Am nächsten Tage rückten wir ins Feld.
+
+
+
+
+Überschreiten der Grenze
+
+
+Das Wort »Krieg« war uns Grenzkavalleristen zwar geläufig. Jeder wußte
+haarklein, was er zu tun und zu lassen hatte. Keiner hatte aber so eine
+rechte Vorstellung, was sich nun zunächst abspielen würde. Jeder aktive
+Soldat war selig, nun endlich seine Persönlichkeit und sein Können
+zeigen zu dürfen.
+
+Uns jungen Kavallerieleutnants war wohl die interessanteste Tätigkeit
+zugedacht: aufklären, in den Rücken des Feindes gelangen, wichtige
+Anlagen zerstören; alles Aufgaben, die einen ganzen Kerl verlangen.
+
+Meinen Auftrag in der Tasche, von dessen Wichtigkeit ich mich durch
+langes Studium schon seit einem Jahre überzeugt hatte, ritt ich nachts
+um zwölf Uhr an der Spitze meiner Patrouille zum erstenmal gegen den
+Feind.
+
+Die Grenze bildete ein Fluß, und ich konnte erwarten, daß ich dort zum
+erstenmal Feuer bekommen würde. Ich war ganz erstaunt, wie ich ohne
+Zwischenfall die Brücke passieren konnte. Ohne weitere Ereignisse
+erreichten wir den mir von Grenzritten her wohlbekannten Kirchturm des
+Dorfes Kielcze am nächsten Morgen.
+
+Ohne von einem Gegner etwas gemerkt zu haben oder vielmehr besser ohne
+selbst bemerkt worden zu sein, war alles verlaufen. Wie sollte ich es
+anstellen, daß mich die Dorfbewohner nicht bemerkten? Mein erster
+Gedanke war, den Popen hinter Schloß und Riegel zu setzen. So holten wir
+den vollkommen überraschten und höchst verdutzten Mann aus seinem Hause.
+Ich sperrte ihn zunächst mal auf dem Kirchturm ins Glockenhaus ein, nahm
+die Leiter weg und ließ ihn oben sitzen. Ich versicherte ihm, daß, wenn
+auch nur das geringste feindselige Verhalten der Bevölkerung sich
+bemerkbar machen sollte, er sofort ein Kind des Todes sein würde. Ein
+Posten hielt Ausschau vom Turm und beobachtete die Gegend.
+
+Ich hatte täglich durch Patrouillenreiter Meldungen zu schicken. So
+löste sich bald mein kleines Häuflein an Meldereitern auf, so daß ich
+schließlich den letzten Melderitt als Überbringer selbst übernehmen
+mußte.
+
+Bis zur fünften Nacht war alles ruhig geblieben. In dieser kam plötzlich
+der Posten zu mir zum Kirchturm gelaufen – denn in dessen Nähe hatte ich
+meine Pferde hingestellt – und rief mir zu: »Kosaken sind da!« Es war
+pechfinster, etwas Regen, keine Sterne. Man sah die Hand nicht vor den
+Augen.
+
+Wir führten die Pferde durch eine schon vorher vorsichtshalber durch die
+Kirchhofsmauer geschlagene Bresche auf das freie Feld. Dort war man
+infolge der Dunkelheit nach fünfzig Metern in vollständiger Sicherheit.
+Ich selbst ging mit dem Posten, den Karabiner in der Hand, nach der
+bezeichneten Stelle, wo die Kosaken sein sollten.
+
+Ich schlich an der Kirchhofsmauer entlang und kam an die Straße. Da
+wurde mir doch etwas anders zumute, denn der ganze Dorfausgang wimmelte
+von Kosaken. Ich guckte über die Mauer, hinter der die Kerle ihre Pferde
+stehen hatten. Die meisten hatten Blendlaternen und benahmen sich sehr
+unvorsichtig und laut. Ich schätzte sie auf etwa zwanzig bis dreißig.
+Einer war abgesessen und zum Popen gegangen, den ich am Tage vorher aus
+der Haft entlassen hatte.
+
+Natürlich Verrat! zuckte es mir durchs Gehirn. Also doppelt aufpassen.
+Auf einen Kampf konnte ich es nicht mehr ankommen lassen, denn mehr als
+zwei Karabiner hatte ich nicht zur Verfügung. Also spielte ich »Räuber
+und Gendarm«.
+
+Nach einigen Stunden Rast ritten die Besucher wieder von dannen.
+
+Am nächsten Morgen zog ich es vor, jetzt aber doch einen kleinen
+Quartierwechsel vorzunehmen. Am siebenten Tage war ich wieder in meiner
+Garnison und wurde von jedem Menschen angestarrt, als sei ich ein
+Gespenst. Das kam nicht etwa wegen meines unrasierten Gesichts, sondern
+vielmehr weil sich Gerüchte verbreitet hatten, Wedel und ich seien bei
+Kalisch gefallen. Man wußte Ort, Zeit und nähere Umstände so haargenau
+zu erzählen, daß sich das Gerücht schon in ganz Schlesien verbreitet
+hatte. Selbst meiner Mutter hatte man bereits Kondolenzbesuche gemacht.
+
+Es fehlte nur noch, daß eine Todesanzeige in der Zeitung stand.
+
+ * * * * *
+
+Eine komische Geschichte ereignete sich zur selben Zeit. Ein
+Pferdedoktor bekam den Auftrag, mit zehn Ulanen Pferde aus einem Gehöft
+zu requirieren. Es lag etwas abseits, etwa drei Kilometer. Ganz erregt
+kam er von seinem Auftrag zurück und berichtete selber folgendes:
+
+»Ich reite über ein Stoppelfeld, auf dem die Puppen stehen, worauf ich
+plötzlich in einiger Entfernung feindliche Infanterie erkenne. Kurz
+entschlossen ziehe ich den Säbel, rufe meinen Ulanen zu: ›Lanze gefällt,
+zur Attacke, marsch, marsch, hurra!‹ Den Leuten macht es Spaß, es
+beginnt ein wildes Hetzen über die Stoppeln. Die feindliche Infanterie
+entpuppt sich aber als ein Rudel Rehe, die ich in meiner Kurzsichtigkeit
+verkannt habe.«
+
+Noch lange hatte der tüchtige Herr unter seiner Attacke zu leiden.
+
+[Illustration: Abgeschossen und an der Starkstromleitung verbrannt. Am
+Kanal zwischen Brebières und Vitry]
+
+[Illustration: Abgeschossener Vikkers-Zweisitzer bei Noyelle-Godault]
+
+
+
+
+Nach Frankreich
+
+
+In meinem Garnisonort wurden wir nun verladen. Wohin? – Keine Ahnung, ob
+West, Ost, Süd, Nord.
+
+Gemunkelt wurde viel, meistens aber vorbei. Aber in diesem Fall hatten
+wir wohl den richtigen Riecher: Westen.
+
+Uns stand zu viert ein Abteil zweiter Klasse zur Verfügung. Man mußte
+sich auf eine lange Bahnfahrt verproviantieren. Getränke fehlten
+natürlich nicht. Aber schon am ersten Tage merkten wir, daß so ein
+Abteil zweiter Klasse doch verflucht eng ist für vier kriegsstarke
+Jünglinge, und so zogen wir denn vor, uns etwas mehr zu verteilen. Ich
+richtete mir die eine Hälfte eines Packwagens zur Wohn- und Schlafstätte
+ein und hatte damit ganz entschieden etwas Gutes getan. Ich hatte Luft,
+Licht usw. Stroh hatte ich mir in einer Station verschafft, die Zeltbahn
+wurde darauf gedeckt. Ich schlief in meinem Schlafwagen so fest, als
+läge ich in Ostrowo in meinem Familienbett. Die Fahrt ging Tag und
+Nacht, erst durch ganz Schlesien, Sachsen, immer mehr gen Westen. Wir
+hatten scheinbar Richtung Metz; selbst der Transportführer wußte nicht,
+wo es hinging. Auf jeder Station, auch da, wo wir nicht hielten, stand
+ein Meer von Menschen, die uns mit Hurra und Blumen überschütteten.
+Eine wilde Kriegsbegeisterung lag im deutschen Volk; das merkte man. Die
+Ulanen wurden besonders angestaunt. Der Zug, der vorher durch die
+Station geeilt war, mochte wohl verbreitet haben, daß wir bereits am
+Feinde gewesen waren – und wir hatten erst acht Tage Krieg. Auch hatte
+im ersten Heeresbericht bereits mein Regiment Erwähnung gefunden.
+Ulanenregiment 1 und das Infanterieregiment 155 eroberten Kalisch. Wir
+waren also die gefeierten Helden und kamen uns auch ganz als solche vor.
+Wedel hatte ein Kosakenschwert gefunden und zeigte dies den erstaunten
+Mädchen. Das machte großen Eindruck. Wir behaupteten natürlich, es
+klebte Blut daran, und dichteten dem friedlichen Schwert eines
+Gendarmeriehäuptlings ein ganz ungeheures Märchen an. Man war doch
+schrecklich ausgelassen. Bis wir schließlich in Busendorf bei
+Diedenhofen ausgeladen wurden.
+
+Kurz bevor der Zug ankam, hielten wir in einem langen Tunnel. Ich muß
+sagen, es ist schon ungemütlich, in einem Tunnel in Friedenszeiten
+plötzlich zu halten, besonders aber im Kriege. Nun erlaubte sich ein
+Übermütiger einen Scherz und gab einen Schuß ab. Es dauerte nicht lange,
+so fing in diesem Tunnel ein wüstes Geschieße an. Daß keiner verletzt
+wurde, ist ein Wunder. Was die Ursache dazu war, ist nie herausgekommen.
+
+In Busendorf wurde ausgeladen. Es war eine derartige Hitze, daß uns die
+Pferde umzufallen drohten. Die nächsten Tage marschierten wir immer nach
+Norden, Richtung Luxemburg. Mittlerweile hatte ich herausgekriegt, daß
+mein Bruder vor etwa acht Tagen dieselbe Strecke mit einer
+Kavalleriedivision geritten war. Ich konnte ihn sogar noch einmal
+fährten, gesehen habe ich ihn erst ein Jahr später.
+
+In Luxemburg wußte kein Mensch, wie sich dieses Ländchen gegen uns
+verhielt. Ich weiß noch wie heute, wie ich einen Luxemburger Gendarm von
+weitem sah, ihn mit meiner Patrouille umzingelte und gefangennehmen
+wollte. Er versicherte mir, daß, wenn ich ihn nicht umgehend losließe,
+er sich beim Deutschen Kaiser beschweren würde. Das sah ich denn auch
+ein und ließ den Helden wieder laufen. So kamen wir durch die Stadt
+Luxemburg und Esch durch, und man näherte sich jetzt bedenklich den
+ersten befestigten Städten Belgiens.
+
+Auf dem Hinmarsch machte unsere Infanterie, wie überhaupt unsere ganze
+Division, die reinen Friedensmanöver. Man war schrecklich aufgeregt.
+Aber so ein Manöver-Vorpostenbild war einem ab und zu ganz bekömmlich.
+Sonst hätte man ganz bestimmt über die Stränge geschlagen. Rechts und
+links, auf jeder Straße, vor und hinter uns marschierten Truppen von
+verschiedenen Armeekorps. Man hatte das Gefühl eines wüsten
+Durcheinanders. Plötzlich wurde aus dem Kuddelmuddel ein großartig
+funktionierender Aufmarsch.
+
+Was unsere Flieger damals leisteten, ahnte ich nicht. Mich versetzte
+jedenfalls jeder Flieger in einen ganz ungeheuren Schwindel. Ob es ein
+deutscher war oder ein feindlicher, konnte ich nicht sagen. Ich hatte ja
+nicht einmal eine Ahnung, daß die deutschen Apparate Kreuze trugen und
+die feindlichen Kreise. Folglich wurde jeder Flieger unter Feuer
+genommen. Die alten Piloten erzählen heute noch immer, wie peinlich es
+ihnen gewesen sei, von Freund und Feind gleichmäßig beschossen zu
+werden.
+
+Wir marschierten und marschierten, die Patrouillen weit voraus, bis wir
+eines schönen Tages bei Arlon waren. Es überlief mich ganz spaßig den
+Buckel ’runter, wie ich zum zweitenmal die Grenze überschritt. Dunkle
+Gerüchte von Franktireurs und dergleichen waren mir bereits zu Ohren
+gekommen.
+
+ * * * * *
+
+Ich hatte einmal den Auftrag, die Verbindung mit meiner
+Kavalleriedivision aufzunehmen. Ich habe an diesem Tage nicht weniger
+als hundertundzehn Kilometer mit meiner gesamten Patrouille geritten.
+Nicht ein Pferd war kaputt, eine glänzende Leistung meiner Tiere. In
+Arlon bestieg ich nach den Grundsätzen der Taktik des Friedens den
+Kirchturm, sah natürlich nichts, denn der böse Feind war noch weitab.
+
+Man war damals noch ziemlich harmlos. So hatte ich z. B. meine
+Patrouille vor der Stadt stehenlassen und war ganz allein mit einem Rad
+mitten durch die Stadt zum Kirchturm gefahren. Wie ich wieder
+’runterkam, stand ich inmitten einer murrenden und murmelnden Menge
+feindselig blickender Jünglinge. Mein Rad war natürlich geklaut, und ich
+konnte nun eine halbe Stunde lang zu Fuß laufen. Aber das machte mir
+Spaß. Ich hätte so eine kleine Rauferei ganz gern gemocht. Ich fühlte
+mich mit meiner Pistole in der Hand ganz kolossal sicher.
+
+Die Einwohner hatten sich, wie ich später erfahren habe, sowohl einige
+Tage vorher gegen unsere Kavallerie als auch später gegen unsere
+Lazarette sehr aufrührerisch benommen, und man hatte eine ganze Menge
+dieser Herren an die Wand stellen müssen.
+
+ * * * * *
+
+Am Nachmittag erreichte ich mein Ziel und erfuhr dort, daß drei Tage
+vorher, ganz in der Gegend von Arlon, mein einziger Vetter Richthofen
+gefallen war. Ich blieb den Rest des Tages bei der Kavalleriedivision,
+machte dort noch einen blinden Alarm mit und kam nachts spät bei meinem
+Regiment an.
+
+Man erlebte und sah eben mehr als die anderen, man war eben doch schon
+mal am Feind gewesen, hatte mit dem Feinde zu tun gehabt, hatte die
+Spuren des Krieges gesehen und wurde von jedem einer anderen Waffe
+beneidet. Es war doch zu schön, wohl doch meine schönste Zeit im ganzen
+Kriege. Den Kriegsanfang möchte ich wieder mal mitmachen.
+
+
+
+
+Wie ich auf Patrouille zum erstenmal die Kugeln pfeifen hörte
+
+(21./22. August 1914)
+
+
+Ich hatte den Auftrag, festzustellen, wie stark die Besetzung eines
+großen Waldes bei Virton wohl sein mochte. Ich ritt mit fünfzehn Ulanen
+los und war mir klar: Heute gibt es den ersten Zusammenstoß mit dem
+Feinde. Mein Auftrag war nicht leicht, denn in so einem Walde kann
+furchtbar viel stecken, ohne daß man es sieht.
+
+Ich kam über eine Höhe. Wenige hundert Schritte vor mir lag ein riesiger
+Waldkomplex von vielen tausend Morgen. Es war ein schöner Augustmorgen.
+Der Wald lag so friedlich und ruhig, daß man eigentlich gar keine
+kriegerischen Gedanken mehr spürte.
+
+Jetzt näherte sich die Spitze dem Eingang des Waldes. Durch das Glas
+konnte man nichts Verdächtiges feststellen, man mußte also heranreiten
+und abwarten, ob man Feuer bekäme. Die Spitze verschwand im Waldweg. Ich
+war der nächste, neben mir ritt einer meiner tüchtigsten Ulanen. Am
+Eingang des Waldes war ein einsames Waldwärterhäuschen. Wir ritten daran
+vorbei. Mit einemmal fiel ein Schuß aus einem Fenster des Hauses. Gleich
+darauf noch einer. Am Knall erkannte ich sofort, daß es kein
+Büchsenschuß war, sondern daß er von einer Flinte herrührte. Zur
+gleichen Zeit sah ich auch Unordnung in meiner Patrouille und vermutete
+gleich einen Überfall durch Franktireurs. Von den Pferden ’runter und
+das Haus umstellen war eins. In einem etwas dunkeln Raum erkannte ich
+vier bis fünf Burschen mit feindseligen Augen. Eine Flinte war natürlich
+nicht zu sehen. Meine Wut war groß in diesem Augenblick; aber ich hatte
+noch nie in meinem Leben einen Menschen getötet, und so muß ich sagen,
+war mir der Moment äußerst unbehaglich. Eigentlich hätte ich den
+Franktireur wie ein Stück Vieh ’runterknallen müssen. Er hatte mit dem
+Schuß eine Ladung Schrot in den Bauch eines meiner Pferde gejagt und
+einen meiner Ulanen an der Hand verletzt.
+
+Mit meinem kümmerlichen Französisch schrie ich die Bande an und drohte,
+wenn sich der Schuldige nicht umgehend melden würde, sie allesamt über
+den Haufen zu schießen. Sie merkten, daß es mir Ernst war, und daß ich
+nicht zaudern würde, meinen Worten die Tat folgen zu lassen. Wie es nun
+eigentlich kam, weiß ich heute selbst nicht mehr. Jedenfalls waren die
+Freischützen mit einemmal aus der Hintertür heraus und vom Erdboden
+verschwunden. Ich schoß noch hinterher, ohne zu treffen. Zum Glück hatte
+ich das Haus umstellt, so daß sie mir eigentlich nicht entrutschen
+konnten. Sofort ließ ich das Haus nach ihnen durchstöbern, fand aber
+keinen mehr. Mochten nun die Posten hinter dem Haus nicht ordentlich
+aufgepaßt haben, jedenfalls war die ganze Bude leer. Wir fanden noch die
+Schrotspritze am Fenster stehend und mußten uns auf andere Weise rächen.
+In fünf Minuten stand das ganze Haus in Flammen.
+
+Nach diesem Intermezzo ging es weiter.
+
+An frischen Pferdespuren erkannte ich, daß unmittelbar vor uns starke
+feindliche Kavallerie marschiert sein mußte. Ich hielt mit meiner
+Patrouille, feuerte sie durch ein paar Worte an und hatte das Gefühl,
+daß ich mich auf jeden meiner Kerls unbedingt verlassen konnte. Jeder,
+so wußte ich, würde seinen Mann in den nächsten Minuten stehen.
+Natürlich dachte keiner an etwas anderes als an eine Attacke. Es liegt
+wohl im Blute eines Germanen, den Gegner, wo man ihn auch trifft, über
+den Haufen zu rennen, besonders natürlich feindliche Kavallerie. Schon
+sah ich mich an der Spitze meines Häufleins eine feindliche Schwadron
+zusammenhauen und war ganz trunken vor freudiger Erwartung. Meinen
+Ulanen blitzten die Augen. So ging es dann in flottem Trab auf der
+frischen Spur weiter. Nach einstündigem scharfem Ritt durch die schönste
+Bergschlucht wurde der Wald etwas lichter, und wir näherten uns dem
+Ausgang. Daß ich damit auf den Feind stoßen würde, war mir klar. Also
+Vorsicht! bei allem Attackenmut, der mich beseelte. Rechts von dem
+schmalen Pfad war eine viele Meter hohe, steile Felsenwand. Zu meiner
+Linken war ein schmaler Gebirgsbach, dann eine Wiese von fünfzig Metern
+Breite, eingefaßt von Stacheldrähten. Mit einem Male hörte die
+Pferdespur auf und verschwand über eine Brücke in den Büschen. Meine
+Spitze hielt, denn vor uns war der Waldausgang durch eine Barrikade
+versperrt.
+
+Sofort war es mir klar, daß ich in einen Hinterhalt geraten war. Ich
+erkannte plötzlich Bewegung im Buschwerk hinter der Wiese zu meiner
+Linken und konnte abgesessene feindliche Kavallerie erkennen. Ich
+schätzte sie auf eine Stärke von hundert Gewehren. Hier war nichts zu
+wollen. Geradeaus war der Weg durch die Barrikade versperrt, rechts
+waren die Felswände, links hinderte mich die mit Draht eingefaßte Wiese
+an meinem Vorhaben, der Attacke. Zum Absitzen, um den Gegner mit
+Karabinern anzugreifen, war keine Zeit mehr. Also blieb nichts anderes
+übrig, als zurück. Alles hätte ich meinen guten Ulanen zutrauen können,
+bloß kein Ausreißen vor dem Feinde. – Das sollte so manchem den Spaß
+verderben, denn eine Sekunde später knallte der erste Schuß, dem ein
+rasendes Schnellfeuer aus dem Walde drüben folgte. Die Entfernung betrug
+etwa fünfzig bis hundert Meter. Die Leute waren instruiert, daß sie, im
+Falle ich die Hand hob, schnell zu mir stoßen sollten. Nun wußte ich,
+wir mußten zurück, hob den Arm und winkte meinen Leuten zu. Das mögen
+sie wohl falsch verstanden haben. Meine Patrouille, die ich
+zurückgelassen hatte, glaubte mich in Gefahr und kam in wildem Caracho
+herangebraust, um mich herauszuhauen. Alles das spielte sich auf einem
+schmalen Waldweg ab, so daß man sich wohl die Schweinerei vorstellen
+kann, die sich nun ereignete. Meinen beiden Spitzenreitern gingen die
+Pferde infolge des rasenden Feuers in der engen Schlucht, wo der Laut
+jedes Schusses sich verzehnfachte, durch, und ich sah sie bloß die
+Barrikade mit einem Sprung nehmen. Von ihnen habe ich nie wieder etwas
+gehört. Gewiß sind sie in Gefangenschaft. Ich selbst machte kehrt und
+gab meinem guten »Antithesis«, wohl zum erstenmal in seinem Leben, die
+Sporen. Meinen Ulanen, die mir entgegengebraust kamen, konnte ich nur
+mit Mühe und Not zu erkennen geben, nicht weiter vorzukommen. Kehrt und
+davon! Neben mir ritt mein Bursche. Plötzlich stürzte sein Pferd
+getroffen, ich sprang darüber hinweg, um mich herum wälzten sich andere
+Pferde. Kurz und gut, es war ein wüstes Durcheinander. Von meinem
+Burschen sah ich nur noch, wie er unter dem Pferd lag, scheinbar nicht
+verwundet, aber durch das auf ihm liegende Pferd gefesselt. Der Gegner
+hatte uns glänzend überrumpelt. Er hatte uns wohl von Anfang an
+beobachtet und, wie es den Franzosen nun mal liegt, aus dem Hinterhalt
+seinen Feind zu überfallen, so hatte er es auch in diesem Fall wieder
+versucht.
+
+Freude machte es mir, als nach zwei Tagen mit einemmal mein Bursche vor
+mir stand; allerdings zur Hälfte barfüßig, denn den einen Stiefel hatte
+er unter seinem Pferd gelassen. Er erzählte mir nun, wie er entkommen
+war: Mindestens zwei Schwadronen französischer Kürassiere waren später
+aus dem Walde gekommen, um die vielen gefallenen Pferde und tapferen
+Ulanen zu plündern. Er war gleich aufgesprungen, unverwundet die
+Felsenwand hinaufgeklettert und in fünfzig Metern Höhe vollständig
+erschöpft in einem Gebüsch zusammengebrochen. Nach etwa zwei Stunden,
+nachdem der Feind sich wieder in seinen Hinterhalt begeben hatte, hatte
+er seine Flucht fortsetzen können. Nach einigen Tagen gelangte er so
+wieder zu mir. Von dem Verbleib der anderen Kameraden konnte er wenig
+aussagen.
+
+
+
+
+Patrouillenritt mit Loen
+
+
+Die Schlacht von Virton war im Gange. Mein Kamerad Loen und ich hatten
+wieder einmal durch eine Patrouille festzustellen, wo der Feind
+geblieben war. Den ganzen Tag ritten wir hinter dem Feinde her,
+erreichten ihn schließlich und konnten eine ganz ordentliche Meldung
+verfassen. Abends war nun die große Frage: Wollen wir die Nacht
+durchreiten, um zu unserer Truppe zurückzukommen, oder unsere Kräfte
+schonen und uns für den nächsten Tag ausruhen? Das ist ja gerade das
+Schöne, daß der Kavalleriepatrouille vollständig freies Handeln
+überlassen sein muß.
+
+So entschlossen wir uns, die Nacht am Feinde zu bleiben und am nächsten
+Morgen weiterzureiten. Unseren strategischen Blicken nach war der Gegner
+auf Rückmarsch, und wir drängten ihm nach. Folglich konnten wir die
+Nacht mit ziemlicher Ruhe verbringen.
+
+Gar nicht weit vom Gegner lag ein wunderbares Kloster mit großen
+Ställen, so daß wir sowohl Loen als auch meine Patrouille einquartieren
+konnten. Allerdings saß der Gegner gegen Abend, wie wir dort unterzogen,
+noch so nahe dran, daß er uns mit Gewehrkugeln die Fensterscheiben hätte
+einschießen können.
+
+Die Mönche waren überaus liebenswürdig. Sie gaben uns zu essen und zu
+trinken, so viel wir haben wollten, und wir ließen es uns gut schmecken.
+Die Pferde wurden abgesattelt und waren auch ganz froh, wie sie nach
+drei Tagen und drei Nächten zum erstenmal ihre achtzig Kilo totes
+Gewicht von ihren Rücken loswurden. Mit anderen Worten, wir richteten
+uns so ein, als ob wir im Manöver bei einem lieben Gastfreund zu Abend
+wären. Nebenbei bemerkt, hingen drei Tage darauf mehrere von den
+Gastgebern an dem Laternenpfahl, da sie es sich nicht hatten verkneifen
+können, sich an dem Krieg zu beteiligen. Aber an dem Abend waren sie
+wirklich überaus liebenswürdig. Wir krochen in Nachthemden in unsere
+Betten, stellten einen Posten auf und ließen den lieben Herrgott einen
+guten Mann sein.
+
+Nachts reißt plötzlich jemand die Tür auf, und die Stimme des Postens
+ertönt: »Herr Leutnant, die Franzosen sind da.« Ich war zu verschlafen,
+um überhaupt Antwort geben zu können. Loen ging es so ähnlich, und er
+stellte nur die geistreiche Frage: »Wieviel sind es denn?« Die Antwort
+des Postens, sehr aufgeregt: »Zwei haben wir schon totgeschossen;
+wieviel es sind, können wir nicht sagen, denn es ist stockfinster.« Ich
+höre Loen noch ganz verschlafen antworten: »Wenn also mehr kommen, dann
+weckst du mich.« Eine halbe Minute später schnarchten wir weiter.
+
+Am nächsten Morgen stand die Sonne schon recht hoch, als wir von
+unserem gesunden Schlaf erwachten. Nach einem reichlichen Frühstück ging
+die Reise wieder los.
+
+Tatsächlich waren nachts an unserem Schloß die Franzosen
+vorbeimarschiert, und unsere Posten hatten während dieser Zeit einen
+Feuerüberfall auf sie gemacht. Da es aber stockfinster war, hatte sich
+keine größere Schlacht daraus entspinnen können.
+
+Bald ging’s in einem munteren Tal weiter. Wir ritten über das alte
+Schlachtfeld unserer Division und stellten mit Erstaunen fest, daß statt
+unserer Leute nur französische Sanitäter zu sehen waren. Französische
+Soldaten sah man auch noch ab und zu. Sie machten aber ebenso dumme
+Gesichter wie wir. An Schießen hatte keiner gedacht. Wir machten uns
+dann möglichst rasch dünne; denn wir kamen so sachte dahinter, daß wir,
+statt vorwärts zu gehen, uns etwas rückwärts konzentriert hatten. Zum
+Glück war der Gegner nach der anderen Seite ausgerissen, sonst säße ich
+jetzt irgendwo in Gefangenschaft.
+
+Wir kamen durch das Dorf Robelmont, wo wir am Tage zuvor unsere
+Infanterie zum letztenmal in Stellung gesehen hatten. Dort trafen wir
+einen Einwohner und fragten ihn nach dem Verbleib unserer Soldaten. Er
+war sehr glücklich und versicherte mir, die Deutschen wären #»partis«#.
+
+Wir kamen um eine Ecke und waren Zeugen von folgendem komischem Bilde.
+Vor uns wimmelte es von roten Hosen – ich schätzte etwa fünfzig bis
+hundert –, die eifrigst bemüht waren, an einem Eckstein ihre Gewehre zu
+zerschlagen. Daneben stehen sechs Grenadiere, die, wie es sich
+herausstellte, die Brüder gefangengenommen hatten. Wir halfen ihnen
+noch, die Franzosen abzutransportieren, und erfuhren durch die sechs
+Grenadiere, daß wir nachts eine rückwärtige Bewegung angetreten hatten.
+
+Am späten Nachmittag erreichte ich mein Regiment und war ganz zufrieden
+mit dem Verlauf der letzten vierundzwanzig Stunden.
+
+
+
+
+Langeweile vor Verdun
+
+
+Für einen so unruhigen Geist, wie ich einer bin, war meine Tätigkeit vor
+Verdun durchaus mit »langweilig« zu bezeichnen. Anfangs lag ich selbst
+im Schützengraben an einer Stelle, wo nichts los war; dann wurde ich
+Ordonnanzoffizier und glaubte, nun mehr zu erleben. Da hatte ich mich
+aber arg in die Finger geschnitten. Ich wurde vom Kämpfenden zum
+besseren Etappenschwein degradiert. So ganz Etappe war es noch nicht,
+aber das Weiteste, was ich mich vorwagen durfte, war fünfzehnhundert
+Meter hinter die vordere Linie. Dort saß ich wochenlang unter der Erde
+in einem bombensicheren, geheizten Unterstand. Ab und zu wurde ich mit
+nach vorn genommen. Das war eine große körperliche Anstrengung. Denn man
+ging bergauf, bergab, die Kreuz und die Quer’, durch unendlich viele
+Annäherungsgräben und Schlammlöcher hindurch, bis man dann endlich vorn
+dort angekommen war, wo es knallte. Bei einem so kurzen Besuch bei den
+Kämpfenden kam ich mir immer sehr dumm vor mit meinen gesunden Knochen.
+
+Man fing damals an, unter der Erde zu arbeiten. Wir waren uns noch gar
+nicht klar darüber, was es eigentlich heißt, einen Stollen bauen oder
+eine Sappe vorschieben. Man kannte die Namen zwar aus der
+Befestigungslehre von der Kriegsschule her, aber das war nun mal
+Pionierarbeit, mit der sich ein anderer Sterblicher nicht gern
+beschäftigt hätte. Aber dort vorn an der Combres-Höhe buddelte alles
+emsig. Jeder hatte ein Grabscheit und eine Hacke und gab sich unendliche
+Mühe, möglichst tief in die Erde hineinzukommen. Es war ganz spaßig, die
+Franzosen an manchen Stellen nur auf fünf Schritt vor sich zu haben. Man
+hörte den Kerl sprechen, man sah ihn Zigaretten rauchen, ab und zu warf
+er ein Stück Papier herüber. Man unterhielt sich mit ihnen, und trotzdem
+suchte man sich auf alle möglichen Arten anzuärgern (Handgranaten).
+
+Fünfhundert Meter vor und fünfhundert Meter hinter den Gräben war der
+dichte Wald der Côte Lorraine abgemäht durch die unendlich vielen
+Gewehrkugeln und Granaten, die dort ständig durch die Luft sausten. Man
+würde nicht glauben, daß dort vorn überhaupt noch ein Mensch leben
+könnte. Die Truppe vorne empfand es gar nicht mal so schlimm wie die
+Etappenleute.
+
+Nach so einem Spaziergang, der meistenteils in den allerzeitigsten
+Morgenstunden stattfand, fing für mich wieder der langweiligere Teil des
+Tages an, nämlich Telephonordonnanz zu spielen.
+
+ * * * * *
+
+An meinen freien Tagen beschäftigte ich mich mit meinem
+Lieblingshandwerk, dem Jagen. Der Wald von La Chaussée bot mir dazu
+reichlich Gelegenheit. Ich hatte bei meinen Spazierritten Sauen gespürt
+und war nun damit beschäftigt, diese ausfindig zu machen und mich nachts
+anzusetzen. Schöne Vollmondnächte mit Schnee kamen mir zu Hilfe. Ich
+baute mir mit Hilfe meines Burschen Hochsitze an ganz bestimmten
+Wechseln und bestieg diese nachts. Da habe ich so manche Nacht auf
+Bäumen zugebracht und wurde morgens als Eiszapfen wieder vorgefunden.
+Aber es hatte sich gelohnt. Besonders eine Sau war interessant, sie kam
+jede Nacht durch den See geschwommen, brach an einer bestimmten Stelle
+in einen Kartoffelacker und schwamm dann wieder zurück. Es reizte mich
+natürlich besonders, dieses Tier näher kennenzulernen. So setzte ich
+mich denn an dem Ufer dieses Sees an. Wie verabredet, erschien die alte
+Tante um Mitternacht, um sich ihr Nachtmahl zu holen. Ich schoß, während
+sie noch im See schwamm, traf, und das Tier wäre mir beinahe versoffen,
+wenn ich nicht noch im letzten Moment hätte zugreifen können, um sie an
+einem Lauf festzuhalten.
+
+Ein andermal ritt ich mit meinem Burschen in einer ganz schmalen
+Schneise, da wechseln vor mir mehrere Stück Schwarzwild über sie. Ich
+schnell ’runter, den Karabiner meines Burschen ergriffen und einige
+hundert Schritt vorgelaufen. Tatsächlich, da kam noch ein Kerl, und zwar
+ein mächtiger Keiler. Ich hatte noch nie einen Keiler gesehen und war
+nun sehr erstaunt, wie riesenhaft dieser Kerl aussah. Jetzt hängt er als
+Trophäe hier in meinem Zimmer; er ist eine schöne Erinnerung.
+
+ * * * * *
+
+So hatte ich es schon einige Monate ausgehalten, da kam eines schönen
+Tages etwas Bewegung in unseren Laden. Wir beabsichtigten eine kleine
+Offensive an unserer Front. Ich freute mich mächtig, denn nun mußte ja
+doch eigentlich der Ordonnanzoffizier zu seinem Ordonnanzieren kommen!
+Aber Kuchen! Es wurde mir etwas ganz anderes zugedacht, und dieses
+schlug dem Faß den Boden aus. Nun schrieb ich ein Gesuch an meinen
+Kommandierenden General, und böse Zungen behaupten, ich hätte gesagt:
+»Liebe Exzellenz, ich bin nicht in den Krieg gezogen, um Käse und Eier
+zu sammeln, sondern zu einem anderen Zweck.« Man hat anfangs eigentlich
+auf mich einschnappen wollen, aber schließlich hat man mir meine Bitte
+gewährt, und so trat ich Ende Mai 1915 zur Fliegertruppe. So war mir
+mein größter Wunsch erfüllt.
+
+
+
+
+Das erstemal in der Luft!
+
+
+Morgens früh um sieben Uhr sollte ich zum erstenmal mitfliegen! Ich war
+in einer etwas begreiflichen Aufregung, konnte mir so gar nichts
+darunter vorstellen. Jeder, den ich fragte, schnurrte mir etwas anderes
+vor. Abends ging ich zeitiger schlafen als sonst, um am nächsten Morgen
+für den großen Moment frisch zu sein. Wir fuhren ’rüber auf den
+Flugplatz, ich setzte mich zum erstenmal in ein Flugzeug. Der
+Propellerwind störte mich ganz ungeheuer. Eine Verständigung mit dem
+Führer war mir nicht möglich. Alles flog mir weg. Nahm ich ein Stück
+Papier heraus, verschwand es. Mein Sturzhelm verrutschte sich, der Schal
+löste sich, die Jacke war nicht fest genug zugeknöpft, kurz und gut, es
+war kläglich. Ich war noch gar nicht darauf gefaßt, schon loszusausen,
+da gab bereits der Pilot Vollgas, und die Maschine fing an zu rollen.
+Immer schneller, immer schneller. Ich hielt mich krampfhaft fest. Mit
+einem Male hörte die Erschütterung auf, und die Maschine war in der
+Luft. Der Erdboden sauste unter mir weg.
+
+Man hatte mir gesagt, wo ich hinfliegen sollte, d. h. also, wo ich
+meinen Führer hinzudirigieren hatte. Wir flogen erst ein Stück
+geradeaus, dann machte mein Führer kehrt, nochmal kehrt, rechtsum, mal
+linksum, und ich hatte über meinem eigenen Flughafen die Orientierung
+verloren. Keine Ahnung mehr, wo ich mich befand! Ich fing so sachte an,
+mir mal die Gegend unter mir anzusehen. Die Menschen winzig klein, die
+Häuser wie aus einem Kinderbaukasten, alles so niedlich und zierlich. Im
+Hintergrund lag Köln. Der Kölner Dom ein Spielzeug. Es war doch ein
+erhabenes Gefühl, über allem zu schweben. Wer konnte mir jetzt was
+anhaben? Keiner! Daß ich nicht mehr wußte, wo ich war, war mir ganz
+Wurscht, und ich war ganz traurig, als mein Pilot meinte, jetzt müßten
+wir landen.
+
+Am liebsten wäre ich gleich wieder geflogen. Daß ich irgend welche
+Beschwerden, wie etwa bei einer Luftschaukel, gehabt hätte, daran ist
+nicht zu denken. Die berühmten Amerikanischen Schaukeln sind mir,
+nebenbei gesagt, widerlich. Man fühlt sich unsicher darin, aber im
+Flugzeug hat man das unbedingte Gefühl der Sicherheit. Man sitzt ganz
+ruhig auf seinem Sessel. Daß einem schwindlig wird, ist ganz
+ausgeschlossen. Es gibt keinen Menschen, dem im Flugzeug je schwindlig
+geworden wäre. Aber es ist ein verdammter Nervenkitzel, so durch die
+Luft zu sausen, besonders nachher, als es wieder ’runterging, das
+Flugzeug nach vorn kippte, der Motor aufhörte zu laufen und mit einemmal
+eine ungeheure Ruhe eintrat. Ich hielt mich wieder krampfhaft fest und
+dachte natürlich: »Jetzt stürzt du.« Aber es ging alles so
+selbstverständlich und natürlich vor sich, auch das Landen, wie man
+wieder die Erde berührte, und alles war so einfach, daß einem das Gefühl
+der Angst absolut fehlte. Ich war begeistert und hätte den ganzen Tag im
+Flugzeug sitzen können. Ich zählte die Stunden bis zum nächsten Start.
+
+
+
+
+Beobachtungsflieger bei Mackensen
+
+
+Am 10. Juni 1915 kam ich nach Großenhain, um von dort aus an die Front
+abgeschickt zu werden. Natürlich wollte ich recht schnell ’raus, denn
+ich hatte Angst, ich könnte zu dem Weltkrieg zu spät kommen.
+Flugzeugführer-Werden hätte drei Monate in Anspruch genommen. Bis dahin
+konnten wir schon längst Frieden haben; also kam es nicht in Frage. Als
+Beobachter mochte ich mich vielleicht in meiner Eigenschaft als
+Kavallerist ganz gut eignen; denn nach vierzehn Tagen schickte man mich
+bereits ’raus, zu meiner größten Freude an die einzige Stelle, wo wir
+noch Bewegungskrieg hatten, nämlich nach Rußland.
+
+Mackensen ging gerade seinen Siegeszug. Er war bei Gorlice
+durchgebrochen, und ich kam dazu, wie wir Rawa Ruska nahmen. Ein Tag im
+Armee-Flugpark, dann kam ich zu der famosen Abt. 69, wo ich mir als
+Anfänger kolossal dämlich vorkam. Mein Führer war eine »Kanone« –
+Oberleutnant Zeumer –, jetzt auch schon krumm und lahm. Von den übrigen
+bin ich heute der einzige, der noch lebt.
+
+Jetzt kommt eigentlich meine schönste Zeit. Sie hatte mit dem
+Kavalleristischen recht große Ähnlichkeit. Jeden Tag, vor- und
+nachmittags, konnte ich meine Aufklärung fliegen. Ich habe manche schöne
+Meldung nach Hause gebracht.
+
+
+
+
+Mit Holck in Rußland
+
+(Sommer 1915)
+
+
+Juni, Juli, August 1915 blieb ich bei der Fliegerabteilung, die den
+ganzen Vormarsch Mackensens von Gorlice nach Brest-Litowsk mitmachte.
+Ich war als ganz junger Beobachter dort hingekommen und hatte von Tuten
+und Blasen keine Ahnung.
+
+Als Kavallerist war ja meine Beschäftigung Aufklären, so schlug der
+jetzige Dienst in mein Fach, und ich hatte großen Spaß an den riesigen
+Aufklärungsflügen, die wir fast täglich unternahmen.
+
+Für den Beobachter ist es wichtig, einen gesinnungstüchtigen Führer zu
+finden. Da hieß es eines schönen Tages: »Graf Holck ist auf dem Anmarsch
+zu uns.« Sofort kam mir der Gedanke: »Das ist der Mann, den du
+brauchst.«
+
+Holck erschien nicht, wie man wohl glauben könnte, im 60-P.S.-Mercedes
+oder im Schlafwagen erster Klasse, sondern zu Fuß. Er war nach
+tagelanger Bahnfahrt endlich in die Gegend von Jaroslau gekommen. Dort
+stieg er aus, denn es war wieder mal ein unendlicher Aufenthalt. Seinem
+Burschen sagte er, er möchte mit dem Gepäck nachreisen, er würde
+vorausgehen. Er zieht los, und nach einer Stunde Fußmarsch guckt er
+sich um, aber kein Zug folgt ihm. So lief und lief er, ohne von seinem
+Zuge überholt zu werden, bis er schließlich nach fünfzig Kilometern in
+Rawa Ruska, seinem Ziel, ankam und vierundzwanzig Stunden später der
+Bursche mit dem Gepäck erschien. Das war dem Sportsmann aber weiter
+keine ungewohnte Arbeit. Sein Körper war derart trainiert, daß ihm
+fünfzig Kilometer Fußmarsch nichts weiter ausmachten.
+
+Graf Holck war nicht bloß ein Sportsmann auf dem grünen Rasen, der
+Flugsport machte ihm allem Anschein nach nicht weniger Vergnügen. Er war
+ein Führer von seltener Befähigung, und besonders eben, was ja noch eine
+große Hauptsache ist, er war grob Klasse über dem Feind.
+
+Manch schönen Aufklärungsflug flogen wir, wer weiß wie weit, Richtung
+Rußland. Nie hatte ich bei dem noch so jungen Piloten das Gefühl der
+Unsicherheit, vielmehr gab er mir im kritischen Moment einen Halt. Wenn
+ich mich umsah und in sein entschlossenes Gesicht blickte, hatte ich
+wieder nochmal so viel Mut wie vorher.
+
+ * * * * *
+
+Mein letzter Flug mit ihm zusammen sollte beinahe schief gehen. Wir
+hatten eigentlich gar keinen bestimmten Auftrag zu fliegen. Das ist ja
+aber gerade das Schöne, daß man sich vollständig als freier Mensch fühlt
+und vollkommen sein eigener Herr ist, wenn man mal in der Luft ist.
+
+Wir hatten einen Flughafenwechsel vorwärts und wußten nicht genau,
+welche Wiese nun eigentlich die richtige sei. Um unsere Kiste bei der
+Landung nicht unnötig aufs Spiel zu setzen, flogen wir Richtung
+Brest-Litowsk. Die Russen waren in vollem Rückmarsch, alles brannte – –
+ein grausig-schönes Bild. Wir wollten feindliche Kolonnen feststellen
+und kamen dabei über die brennende Stadt Wiczniace. Eine riesige
+Rauchwolke, die vielleicht bis auf zweitausend Meter hinaufreichte,
+hinderte uns am Weiterfliegen, da wir selbst, um besser zu sehen, nur in
+fünfzehnhundert Metern Höhe flogen. Einen Augenblick überlegte Holck.
+Ich fragte ihn, was er machen wollte, und riet ihm, drumherum zu
+fliegen, was vielleicht ein Umweg von fünf Minuten gewesen wäre. Aber
+daran dachte Holck gar nicht. Im Gegenteil: je mehr sich die Gefahr
+erhöhte, um so reizvoller war es ihm. Also mitten durch! Mir machte es
+auch Spaß, mit einem so schneidigen Kerl zusammen zu sein. Doch sollte
+uns unsere Unvorsichtigkeit bald teuer zu stehen kommen, denn kaum war
+der Schwanz des Apparates in der Wolke verschwunden, schon merkte ich
+ein Schwanken im Flugzeug. Ich konnte nichts mehr sehen, der Rauch biß
+mir in die Augen, die Luft war bedeutend wärmer, und ich sah unter mir
+bloß noch ein riesiges Feuermeer. Plötzlich verlor das Flugzeug das
+Gleichgewicht und stürzte, sich überschlagend, in die Tiefe. Ich konnte
+noch schnell eine Strebe erfassen, um mich festzuhalten, sonst wäre ich
+’rausgeschleudert worden. Das erste, was ich tat, war ein Blick in
+Holcks Gesicht. Schon hatte ich wieder Mut gefaßt, denn seine Mienen
+waren eisern zuversichtlich. Der einzige Gedanke, den ich hatte, war
+der: es ist doch dumm, auf so unnötige Weise den Heldentod zu sterben.
+
+Später fragte ich Holck, was er sich eigentlich in dem Augenblick
+gedacht hätte. Da meinte er, daß ihm doch noch nie so eklig zumute
+gewesen sei.
+
+Wir stürzten herunter bis auf fünfhundert Meter über die brennende
+Stadt. War es die Geschicklichkeit meines Führers oder höhere Fügung,
+vielleicht auch beides, jedenfalls waren wir plötzlich aus der
+Rauchwolke herausgefallen, der gute Albatros fing sich wieder und flog
+erneut geradeaus, als sei nichts vorgefallen.
+
+Wir hatten nun doch die Nase voll von unserem Flughafenwechsel und
+wollten schleunigst zu unseren Linien zurückkehren. Wir waren nämlich
+noch immer weit drüben bei den Russen und zudem nur noch in fünfhundert
+Metern Höhe. Nach etwa fünf Minuten ertönte hinter mir die Stimme
+Holcks: »Der Motor läßt nach.«
+
+Ich muß hinzufügen, daß Holck von einem Motor nicht ganz dieselbe Ahnung
+hatte wie von einem »Hafervergaser«, und ich selbst war vollständig
+schimmerlos. Nur eines wußte ich, daß, wenn der Motor nicht mehr
+mitmachte, wir bei den Russen landen mußten. Also kamen wir aus der
+einen Gefahr in die andere.
+
+Ich überzeugte mich, daß die Russen unter uns noch flott marschierten,
+was ich aus fünfhundert Metern Höhe genau sehen konnte. Im übrigen
+brauchte ich gar nichts zu sehen, denn der Rußki schoß mit
+Maschinengewehren wie verfault. Es hörte sich an, als wenn Kastanien im
+Feuer liegen.
+
+Der Motor hörte bald ganz auf zu laufen, er hatte einen Treffer. So
+kamen wir immer tiefer, bis wir gerade noch über einem Wald ausschwebten
+und schließlich in einer verlassenen Artilleriestellung landeten, die
+ich noch am Abend vorher als besetzte russische Artilleriestellung
+gemeldet hatte.
+
+Ich teilte Holck meine Vermutungen mit. Wir sprangen ’raus aus der Kiste
+und versuchten, das nahe Waldstückchen zu erreichen, um uns dort zur
+Wehr zu setzen. Ich verfügte über eine Pistole und sechs Patronen, Holck
+hatte nichts.
+
+Am Waldrande angekommen, machten wir halt, und ich konnte mit meinem
+Glase erkennen, wie ein Soldat auf unser Flugzeug zulief. Zu meinem
+Schreck stellte ich fest, daß er eine Mütze trug und nicht eine
+Pickelhaube. Das hielt ich für ein sicheres Zeichen, daß es ein Russe
+sei. Als der Mann näher kam, stieß Holck einen Freudenschrei aus, denn
+es war ein preußischer Gardegrenadier.
+
+Unsere Elitetruppe hatte wieder einmal die Stellung beim Morgengrauen
+gestürmt und war bis zu den feindlichen Batteriestellungen
+durchgebrochen.
+
+ * * * * *
+
+Ich erinnere mich, daß Holck bei dieser Gelegenheit seinen kleinen
+Liebling, ein Hündchen, verlor. Er nahm das Tierchen bei jedem Aufstieg
+mit, es lag ganz ruhig in seinem Pelz unten in der Karosserie. Im Walde
+hatten wir es noch mit. Kurz darauf, als wir mit dem Gardegrenadier
+gesprochen hatten, kamen Truppen vorbeigezogen. Dann kamen Stäbe von der
+Garde und Prinz Eitel Friedrich mit seinen Adjutanten und
+Ordonnanzoffizieren. Der Prinz ließ uns Pferde geben, so daß wir beiden
+Kavallerieflieger mal wieder auf richtigen »Hafermotoren« saßen. Leider
+ging uns beim Weiterreiten das Hündchen verloren. Es muß wohl mit
+anderen Truppen mitgelaufen sein.
+
+Spätabends kamen wir schließlich mit einem Panjewagen in unseren
+Flughafen zurück. Die Maschine war futsch.
+
+
+
+
+Rußland–Ostende
+
+(Vom Zweisitzer zum Großkampfflugzeug)
+
+
+Nachdem in Rußland unsere Unternehmungen so sachte zum Stehen kamen,
+wurde ich plötzlich zu einem Großkampfflugzeug, zur B. A. O. nach
+Ostende versetzt (21. August 1915). Ich traf da einen alten Bekannten,
+Zeumer, und außerdem verlockte mich der Name »Großkampfflugzeug«.
+
+August 1915 traf ich in Ostende ein. Auf dem Bahnhof in Brüssel hatte
+mich mein guter Freund Zeumer abgeholt. Nun verlebte ich eigentlich eine
+sehr nette Zeit, die aber wenig Kriegerisches an sich hatte, aber sie
+war als Lehrzeit zum Kampfflieger unentbehrlich. Wir flogen viel, hatten
+selten Luftkämpfe und nie Erfolge. Dafür aber war das sonstige Leben
+reizvoll. Am Strand von Ostende hatten wir ein Hotel beschlagnahmt.
+Jeden Nachmittag badeten wir. Leider waren als Kurgäste nur Soldaten zu
+sehen. Auf den Terrassen von Ostende saßen wir, in unsere bunten
+Bademäntel gehüllt, und tranken nachmittags unseren Kaffee.
+
+ * * * * *
+
+Wir saßen wieder mal, wie üblich, am Strande bei unserem Kaffee.
+Plötzlich ein Tuten, das hieß: ein englisches Seegeschwader ist
+gemeldet. Natürlich ließen wir uns durch derartige Alarmnachrichten in
+unserer Gemütlichkeit nicht stören und tranken weiter. Da ruft einer:
+»Da sind sie!« und tatsächlich konnten wir am Horizont, wenn auch nicht
+sehr deutlich, einige qualmende Schornsteine und später auch Schiffe
+erkennen. Schnell wurden die Ferngläser geholt und beobachtet. Wir sahen
+eine ganz stattliche Zahl von Schiffen. Was sie eigentlich machen
+wollten, war uns unklar, aber bald sollten wir eines Besseren belehrt
+werden. Wir stiegen auf das Dach, um von dort oben mehr zu sehen. Mit
+einem Male pfeift’s, gleich darauf ein Riesenknall, und eine Granate
+schlägt am Strande ein, wo wir eben noch im Wasser waren. So schnell bin
+ich noch nie in den Heldenkeller gestürzt wie in diesem Moment. Das
+englische Geschwader schoß noch vielleicht drei-, viermal auf uns und
+richtete sich dann in der Hauptsache gegen den Ostender Hafen und
+Bahnhof. Getroffen haben sie natürlich nichts. Aber sie haben die braven
+Belgier in mächtige Aufregung versetzt. Eine Granate sauste mitten in
+das schöne Palasthotel am Strande von Ostende. Dies war der einzige
+Schaden. Zum Glück ist es englisches Kapital, das sie selbst vernichtet
+haben.
+
+ * * * * *
+
+Abends wurde dann wieder feste geflogen. Bei einem unserer Flüge waren
+wir mit unserem Großkampfflugzeug sehr weit hinaus auf See gekommen.
+Das Ding hatte zwei Motoren, und wir probierten hauptsächlich ein neues
+Steuer aus, das uns ermöglichen sollte, auch mit einem Motor weiter
+geradeaus zu fliegen. Wie wir ziemlich weit draußen sind, sehe ich unter
+uns, nicht auf dem Wasser, sondern – wie es mir schien – unter dem
+Wasser, ein Schiff schwimmen. Es ist ganz eigentümlich: Man kann von
+oben aus bei etwas ruhigem Seegang bis auf den Meeresgrund
+hinuntersehen. Natürlich nicht vierzig Kilometer tief, aber so einige
+hundert Meter Wasser kann man glatt durchschauen. Ich hatte mich auch
+nicht getäuscht, daß das Schiff nicht über Wasser, sondern unter Wasser
+schwamm, und trotzdem sah ich es so, als sei es oben. Ich machte Zeumer
+darauf aufmerksam, und wir gingen etwas tiefer hinunter, um Näheres zu
+erkennen. Ich bin zu wenig Marinemann, um gleich sagen zu können, was es
+gewesen ist; aber so sachte kapierte ich denn doch, daß es ein U-Boot
+war. Aber welcher Nationalität? Das ist nun wieder eine zweite
+schwierige Frage, die meiner Ansicht nach nur ein Marinemann lösen kann
+– und der auch nicht immer. Farbe ist so gut wie gar nicht zu erkennen.
+Die Flagge schon erst recht nicht. Außerdem hat ja wohl so ein U-Boot
+gar nichts dergleichen. Wir hatten zwei Bomben mit, und ich war mir sehr
+im Zweifel: sollte ich werfen, oder sollte ich nicht werfen? Das U-Boot
+hatte uns nicht gesehen, denn es war halb unter Wasser. Wir konnten aber
+über dem Ding ganz ruhig herfliegen und hätten den Moment abpassen
+können, wo es auftauchte, um Luft zu schnappen, um unsere Eier zu legen.
+Das ist ganz bestimmt ein sehr kritischer Punkt für unsere
+Schwesterwaffe. Wie wir noch eine ganze Weile mit den Kerlen da unten
+’rumgekindscht hatten, merkte ich plötzlich, wie aus dem einen unserer
+Kühler sich so sachte das Wasser empfahl. Dieses schien mir als »Franz«
+nicht ganz geheuer, und ich machte meinen »Emil« darauf aufmerksam. Der
+zog sein Gesicht in die Länge und machte nun, daß er nach Hause kam.
+Aber wir waren schätzungsweise zwanzig Kilometer von der Küste entfernt,
+und die wollen erst zurückgeflogen sein. Der Motor ließ so sachte nach,
+und ich machte mich schon im stillen auf ein kaltes und feuchtes Bad
+gefaßt. Aber siehe da, es ging! Der Riesenäppelkahn ließ sich mit einem
+Motor und dem neuen Steuer großartig deichseln, und wir erreichten noch
+glatt die Küste und konnten dort sehr schön auf unserem nahen Hafen
+landen.
+
+Glück muß der Mensch haben. Hätten wir nicht das neue Steuer an diesem
+Tage ausprobiert, wir wären rettungslos versoffen.
+
+
+
+
+Ein Tropfen Blut fürs Vaterland
+
+(Ostende)
+
+
+Verwundet bin ich eigentlich nie worden. Ich habe wohl immer im
+entscheidenden Moment den Kopf weggenommen und den Bauch eingezogen. Oft
+habe ich mich gewundert, daß sie mich nicht gehascht haben. Einmal ging
+mir ein Schuß durch beide Pelzstiefel durch, ein andermal durch meinen
+Schal, wieder einmal an meinem Arm durch den Pelz und die Lederjacke
+durch, aber nie hat es mich berührt.
+
+Da flogen wir eines schönen Tages mit unserem Großkampfflugzeug los, um
+die Engländer etwas mit Bomben zu erfreuen, erreichten das Ziel, die
+erste Bombe fällt. Es ist natürlich sehr interessant festzustellen, wie
+der Erfolg dieser Bombe ist. Wenigstens den Einschlag möchte man immer
+gerne sehen. Mein Großkampfflugzeug, das sich für das Bombenschleppen
+ganz gut eignete, hatte aber die dumme Eigenschaft, daß man von der
+abgeworfenen Bombe den Einschlag schlecht sehen konnte, denn das
+Flugzeug schob sich nach dem Abwurf über das Ziel weg und verdeckte es
+mit seinen Flächen vollkommen. Dieses ärgerte mich immer, denn man hatte
+so wenig Spaß davon. Wenn’s unten knallt und man die lieblich grau-weiße
+Wolke der Explosion sieht und sie auch in der Nähe des Zieles liegt,
+macht einem viel Freude. So winkte ich meinen guten Zeumer ein und
+wollte eigentlich, daß er so etwas mit dem Tragdeck beiseite ging. Dabei
+vergaß ich, daß das infame Ding, mein Äppelkahn, zwei Propeller hatte,
+die sich rechts und links neben meinem Beobachtersitz drehten. Ich
+zeigte ihm ungefähr den Einschlag der Bombe – und patsch! habe ich eins
+auf die Finger. Etwas verdutzt anfangs, stellte ich dann fest, daß mein
+kleiner Finger zu Schaden gekommen war. Zeumer hatte nichts gemerkt.
+
+Das Bombenwerfen war mir verleidet, schnell wurde ich meine letzten
+Dinger los, und wir machten, daß wir nach Hause kamen.
+
+Meine Liebe zum Großkampfflugzeug, die sowieso etwas schwach war, hatte
+durch diesen Bombenwurf schwer gelitten. Ich mußte nun acht Tage lang
+hocken und durfte nicht mitfliegen. Jetzt ist es nur noch ein
+Schönheitsfehler, aber ich kann doch wenigstens mit Stolz sagen: »Ich
+habe auch eine Kriegsverwundung.«
+
+
+
+
+Mein erster Luftkampf
+
+(1. September 1915)
+
+
+Zeumer und ich hätten zu gerne mal einen Luftkampf gehabt. Wir flogen
+natürlich unser Großkampfflugzeug. Schon allein der Name des Kahnes gab
+uns einen solchen Mut, daß wir es für ausgeschlossen hielten, ein Gegner
+könnte uns entgehen.
+
+Wir flogen am Tage fünf bis sechs Stunden, ohne je einen Engländer
+gesehen zu haben. Schon ganz entmutigt begaben wir uns eines Morgens
+wieder auf Jagd. Mit einemmal entdeckte ich einen Farman, der ungeniert
+seine Aufklärung fliegen wollte. Mir pochte das Herz, wie Zeumer auf ihn
+zuflog. Ich war gespannt, was sich nun eigentlich abspielen würde. Ich
+hatte nie einen Luftkampf gesehen und machte mir nur ganz dunkle
+Vorstellungen, so etwa wie du, mein lieber Leser.
+
+Ehe ich mich versah, waren wir beide, der Engländer und ich, aneinander
+vorbeigesaust. Ich hatte höchstens vier Schuß abgegeben, während der
+Engländer plötzlich hinter uns saß und uns den ganzen Laden voll schoß.
+Ich muß sagen, ich hatte nicht das Gefühl der Gefahr, weil ich mir auch
+gar nicht vorstellen konnte, wie nun eigentlich das Endresultat so eines
+Kampfes aussehen würde. Wir drehten uns noch einige Male umeinander, bis
+schließlich der Engländer zu unserem größten Erstaunen ganz vergnügt
+kehrtmachte und weiterflog. Ich war stark enttäuscht, mein Führer auch.
+
+Zu Hause angekommen, waren wir beide sehr schlechter Laune. Er machte
+mir Vorwürfe, ich hätte schlecht geschossen, ich machte ihm Vorwürfe, er
+hätte mich nicht recht zum Schuß gebracht – kurz und gut, unsere
+Flugzeugehe, die sonst so tadellos war, hatte mit einemmal einen Knacks.
+
+Wir beschauten uns unsere Kiste und stellten fest, daß wir eigentlich
+eine ganz anständige Zahl von Treffern drinnen hatten.
+
+Noch am selben Tage unternahmen wir einen zweiten Jagdflug, der aber
+ebenso ergebnislos blieb. Ich war sehr traurig, denn ich hatte es mir
+bei einem Kampfgeschwader ganz anders vorgestellt. Ich glaubte immer,
+wenn ich mal zum Schuß käme, dann müßte der Bruder auch fallen. Bald
+mußte ich mich aber davon überzeugen, daß so ein Flugzeug ungeheuer viel
+verträgt. Schließlich gelangte ich zu der Überzeugung, ich könne noch so
+viel schießen und würde doch nie einen ’runterbekommen.
+
+An Mut hatten wir es nicht fehlen lassen. Zeumer konnte fliegen wie
+selten einer, und ich war ein ganz leidlicher Kugelschütze. Wir standen
+also vor einem Rätsel. Es ging nicht bloß mir alleine so, sondern es
+geht noch heute vielen anderen ebenso. Die Geschichte will eben wirklich
+verstanden sein.
+
+
+
+
+In der Champagne-Schlacht
+
+
+Die schöne Zeit in Ostende war nur sehr kurz, denn bald entbrannte die
+Schlacht in der Champagne, und wir flogen nach dieser Front, um uns dort
+weiter mit dem Großkampfflugzeug zu betätigen. Wir bemerkten bald, daß
+die Klamotte zwar ein großes Flugzeug war, aber niemals ein
+Kampfflugzeug abgab.
+
+Einmal flog ich mit Osteroth, der ein etwas kleineres Flugzeug hatte als
+der Äppelkahn (das Großkampfflugzeug). Etwa fünf Kilometer hinter der
+Front trafen wir mit einem Farman-Zweisitzer zusammen. Er ließ uns ruhig
+’rankommen, und ich sah zum ersten Male einen Gegner so ganz aus
+nächster Nähe in der Luft. Osteroth flog sehr geschickt so neben ihm
+her, daß ich ihn gut unter Feuer nehmen konnte. Der Gegner hatte uns
+wohl gar nicht bemerkt, denn ich hatte bereits meine erste Ladehemmung,
+wie er anfing, wiederzuschießen. Nachdem ich meinen Patronenkasten von
+hundert Schuß verschossen hatte, glaubte ich meinen Augen nicht trauen
+zu können, wie mit einem Male der Gegner in ganz seltsamen Spiralen
+niederging. Ich verfolgte ihn mit den Augen und klopfte Osteroth auf den
+Kopf. Er fällt, er fällt, und tatsächlich fiel er in einen großen
+Sprengtrichter; man sah ihn darin auf dem Kopf stehen, Schwanz nach
+oben. Auf der Karte stellte ich fest: fünf Kilometer hinter der jetzigen
+Front lag er. Wir hatten ihn also jenseits abgeschossen. In damaliger
+Zeit wurden aber Abschüsse jenseits der Front nicht bewertet, sonst
+hätte ich heute einen mehr auf meiner Liste. Ich war aber sehr stolz auf
+meinen Erfolg, und im übrigen ist es ja die Hauptsache, wenn der Kerl
+unten liegt, also nicht, daß er einem als Abschuß angerechnet wird.
+
+[Illustration: Der Entente-Brunnen auf einem Flugplatz im Westen]
+
+[Illustration: Das erste Dutzend der von Richthofen abgeschossenen
+Apparate wird zum Abtransport in die Heimat verladen]
+
+
+
+
+Wie ich Boelcke kennenlernte
+
+
+Zeumer verpaßte sich in dieser Zeit einen Fokker-Eindecker, und ich
+konnte zusehen, wie er allein durch die Welt segelte. Die
+Champagne-Schlacht tobte. Die französischen Flieger machten sich
+bemerkbar. Wir sollten zu einem Kampfgeschwader zusammengestellt werden
+und fuhren am 1. Oktober 1915 nach. Im Speisewagen saß am Nebentisch ein
+junger unscheinbarer Leutnant. Es lag auch kein Grund für ihn vor,
+besonders aufzufallen, nur eine Tatsache stand fest: er war von uns
+allen der einzige, der bereits mal einen feindlichen Flieger
+abgeschossen hatte, und zwar nicht nur einen, sondern schon vier. Er war
+sogar mit Namen im Heeresbericht genannt. Er imponierte mir auf Grund
+seiner Erfahrungen ganz rasend. Ich konnte mir noch so große Mühe geben,
+ich hatte bis dahin noch immer keinen zur Strecke, jedenfalls war mir
+noch keiner anerkannt worden. Zu gerne hätte ich erfahren, wie dieser
+Leutnant Boelcke das nun eigentlich machte. So stellte ich an ihn die
+Frage: »Sagen Sie mal bloß, wie machen Sie’s denn eigentlich?« Er lachte
+sehr belustigt, dabei hatte ich aber wirklich ernst gefragt. Dann
+antwortete er mir: »Ja, Herrgott, ganz einfach. Ich fliege eben ran und
+ziele gut, dann fällt er halt herunter.« Ich schüttelte bloß den Kopf
+und meinte, das täte ich doch auch, bloß daß er eben bei mir nicht
+’runterfiele. Der Unterschied war allerdings der, er flog Fokker und ich
+mein Großkampfflugzeug.
+
+Ich gab mir Mühe, diesen netten bescheidenen Menschen, der mir
+wahnsinnig imponierte, näher kennenzulernen. Wir spielten oft Karten
+zusammen, gingen spazieren, und ich fragte ihn aus. So reifte in mir der
+Entschluß: »Du mußt selber einen Fokker fliegen lernen, dann wird es
+vielleicht besser gehen.«
+
+Mein Sinnen und Trachten ging nun dahin, zu lernen, selbst »den Knüppel
+zu führen«. Denn ich war bisher immer nur Beobachter gewesen. Es bot
+sich bald Gelegenheit, auf einer alten Klamotte in der Champagne zu
+schulen. Ich betrieb das mit großem Eifer und war nach fünfundzwanzig
+Schulflügen vor dem Alleinflug.
+
+
+
+
+Der erste Alleinflug
+
+(10. Oktober 1915)
+
+
+Es gibt so einige Augenblicke im Leben, die einen besonderen
+Nervenkitzel verursachen, so z. B. der erste Alleinflug.
+
+Zeumer, mein Lehrer, erklärte mir eines Abends: »So, nun flieg’ mal
+alleine los.« Ich muß sagen, daß ich ihm am liebsten geantwortet hätte:
+»Ich habe zu große Angst.« Aber dies Wort soll ja der Vaterlandsverteidiger
+niemals in den Mund nehmen. Also mußte ich wohl oder übel meinen
+Schweinehund ’runterschlucken und mich in die Maschine setzen.
+
+Er erklärte mir noch einmal jeden Griff theoretisch; ich hörte nur noch
+mit halbem Ohre zu, denn ich war der festen Überzeugung: Du vergißt doch
+die Hälfte.
+
+Ich rollte zum Start, gab Gas, die Maschine bekam ihre bestimmte
+Geschwindigkeit, und mit einem Male konnte ich nicht umhin,
+festzustellen, daß ich tatsächlich flog. Es war schließlich kein
+ängstliches, sondern ein verwegenes Gefühl. Mir war jetzt alles Wurscht.
+Mochte passieren, was da wollte, ich wäre über nichts mehr erschrocken
+gewesen. Mit Todesverachtung machte ich eine Riesenlinkskurve, stellte
+an dem genau bezeichneten Baum das Gas ab und wartete der Dinge, die
+sich nun ereignen würden. Nun kam das Schwierigste, die Landung. Mir
+waren die notwendigen Handgriffe genau in Erinnerung. Ich machte sie
+mechanisch nach, jedoch reagierte die Maschine ganz anders als sonst, wo
+Zeumer drin saß. Ich war aus dem Gleichgewicht gebracht, machte einige
+falsche Bewegungen, stand auf dem Kopf, und schon gab es wieder mal eine
+»Schulmaschine«. Sehr traurig beguckte ich mir den Schaden, der sich zum
+Glück bald beheben ließ, und hatte im übrigen noch den Spott auf meiner
+Seite.
+
+Zwei Tage später ging ich mit rasender Passion wieder an mein Flugzeug,
+und siehe da, es ging wunderbar.
+
+Nach vierzehn Tagen konnte ich die erste Prüfung machen. Ein Herr v. T.
+war Richter. Ich flog die mir vorgeschriebenen Achten und die mir
+befohlenen Landungen, worauf ich sehr stolz ausstieg und nun zu meinem
+größten Erstaunen hörte, daß ich durchgefallen sei. Mir blieb nichts
+anderes übrig, als später meine erste Prüfung noch einmal zu machen.
+
+
+
+
+Aus meiner Döberitzer Ausbildungszeit
+
+
+Um meine Examina bestehen zu können, mußte ich aber nach Berlin. Ich
+benutzte die Gelegenheit, um als Beobachter ein Riesenflugzeug in Berlin
+auf den Schwung zu bringen, und ließ mich dazu nach Döberitz
+kommandieren (15. November 1915). Für das Riesenflugzeug hatte ich
+anfangs großes Interesse. Aber es ist komisch, gerade durch das
+Riesending wurde mir klar, daß nur das kleinste Flugzeug für meine
+Zwecke als Kampfflieger etwas taugen kann. So ein großer Äppelkahn ist
+zum Kämpfen zu unbeweglich, und das ist ja eben die Hauptsache für mein
+Geschäft.
+
+Der Unterschied zwischen einem Großkampfflugzeug und einem
+Riesenflugzeug ist der, daß das Riesenflugzeug noch erheblich größer ist
+und mehr dem Zwecke für Bomben dient und weniger zum Kampfe.
+
+Meine Prüfungen machte ich nun in Döberitz, zusammen mit einem lieben
+Menschen, Oberleutnant v. Lyncker. Wir beide vertrugen uns gut und
+hatten dieselben Passionen, auch dieselbe Auffassung über unsere spätere
+Tätigkeit. Unser Ziel war Fokkerfliegen, um zusammen zu einer
+Jagdstaffel nach dem Westen zu kommen. Ein Jahr später haben wir es
+erreicht, zusammenwirken zu können, wenn auch nur für kurze Zeit, denn
+meinen guten Freund ereilte bei seinem dritten Abschuß die tödliche
+Kugel.
+
+Oft haben wir in Döberitz lustige Stunden verlebt. So war z. B. eine
+Bedingung: »Außenlandungen.«
+
+Ich verband bei dieser Gelegenheit das Notwendige mit dem Angenehmen. Zu
+meinem Außenlandeplatz suchte ich mir ein mir bekanntes Gut Buchow aus.
+Dort war ich auf Saujagd eingeladen, bloß vertrug sich die Sache
+schlecht mit meinem Dienst, denn an schönen Abenden wollte ich fliegen
+und trotzdem meiner Jagdpassion nachgehen. So legte ich mir meinen
+Außenlandeplatz so, daß ich von dort aus bequem meine Jagdgründe
+erreichen konnte.
+
+Ich nahm mir einen zweiten Piloten als Beobachter mit und schickte
+diesen abends zurück. Nachts setzte ich mich auf Sauen an und wurde am
+nächsten Morgen von diesem Piloten wieder abgeholt.
+
+Wenn ich nicht hätte abgeholt werden können, so wäre ich ziemlich auf
+dem Trockenen gewesen, da mir ein Fußmarsch von etwa zehn Kilometern
+geblüht hätte. So brauchte ich einen Mann, der mich bei jedem Wetter von
+meinem Hochsitz abholte. Es ist aber nicht jedermanns Sache, auf Wetter
+gar keine Rücksicht zu nehmen, doch es gelang mir, einen
+Gesinnungstüchtigen zu finden.
+
+Eines Morgens, nachdem ich die Nacht wieder draußen zugebracht hatte,
+begann ein ungeheures Schneegestöber. Man konnte nicht fünfzig Meter
+weit sehen. Acht Uhr war es gerade, die angegebene Zeit, zu der mich der
+Pilot abholen sollte. Im stillen hoffte ich, er würde es diesmal sein
+lassen. Aber mit einem Male hörte ich ein Summen – sehen konnte ich
+nichts – fünf Minuten später lag mein schöner Vogel etwas verbogen vor
+mir.
+
+
+
+
+Erste Zeit als Pilot
+
+
+Am Weihnachtstage 1915 machte ich mein drittes Examen. Ich verband damit
+einen Flug nach Schwerin und sah mir dort die Fokker-Werke an. Als
+Beobachter nahm ich mir meinen Monteur mit und flog dann später mit ihm
+von Berlin nach Breslau, von Breslau nach Schweidnitz, von Schweidnitz
+nach Lüben, von Lüben nach Berlin, überall zwischenlandend, Bekannte und
+Verwandte aufsuchend. Das Orientieren im Flugzeug fiel mir als altem
+Beobachter nicht schwer.
+
+März war ich beim Kampfgeschwader 2 vor Verdun und lernte nun den
+Luftkampf als Flugzeugführer, d. h. ich lernte, das Flugzeug im Kampfe
+zu beherrschen. Ich flog dazu einen Zweisitzer.
+
+ * * * * *
+
+Im Heeresbericht vom 26. April 1916 bin ich zum ersten Male, wenn auch
+nicht persönlich genannt, so doch durch eine meiner Taten erwähnt. Ich
+hatte mir auf meine Maschine ein Gewehr oben zwischen die Tragdecks im
+Geschmack, wie es der Nieuport hat, aufgebaut und war auf diese
+Konstruktion allein schon sehr stolz. Man lachte wohl etwas darüber,
+denn sie sah sehr primitiv aus. Ich schwor natürlich darauf und hatte
+bald Gelegenheit, sie praktisch zu verwerten.
+
+Ich begegnete einem Nieuport, der scheinbar auch Anfänger war, denn er
+benahm sich furchtbar töricht. Ich flog auf ihn zu, worauf er ausriß.
+Offenbar hatte er eine Ladehemmung. Ich hatte nicht das Gefühl, als ob
+ich kämpfen würde, vielmehr: »Was wird jetzt erfolgen, wenn du auf ihn
+schießt?« Ich fliege ’ran, zum erstenmal auf eine ganz, ganz nahe
+Entfernung, drücke auf den Knopf des Maschinengewehrs, eine kurze Serie
+wohlgezielter Schüsse, mein Nieuport bäumt sich auf und überschlägt
+sich. Anfangs glaubten wir, mein Beobachter und ich, es sei eins der
+vielen Kunststücke, die einem die Franzosen vorzumachen pflegen. Dieses
+Kunststück wollte aber nicht aufhören, es ging immer tiefer, immer
+tiefer; da klopft mir mein »Franz« auf den Kopf und ruft mir zu: »Ich
+gratuliere, der fällt!« Tatsächlich fiel er in einen Wald hinter dem
+Fort Douaumont und verschwand zwischen den Bäumen. »Den hast du
+abgeschossen,« das war mir klar. Aber – jenseits! Ich flog nach Hause,
+meldete weiter nichts als: »Ein Luftkampf, ein Nieuport abgeschossen.«
+Einen Tag darauf las ich diese meine Heldentat im Heeresbericht. Ich war
+nicht schlecht stolz darauf, aber zu meinen zweiundfünfzig zählt dieser
+Nieuport nicht.
+
+ * * * * *
+
+_Heeresbericht vom 26. April 1916_
+
+Zwei feindliche Flugzeuge sind über Fleury, südlich von Douaumont und
+westlich davon, im Luftkampf abgeschossen.
+
+
+
+
+Holck †
+
+(30. April 1916)
+
+
+Als junger Flugzeugführer flog ich mal bei einem Jagdfluge über das Fort
+Douaumont hinweg, auf dem gerade heftiges Trommelfeuer lag. Da sah ich,
+wie ein deutscher Fokker drei Caudrons angriff. Zu seinem Pech war aber
+sehr starker Westwind. Also ungünstiger Wind. Er wurde im Laufe des
+Kampfes über die Stadt Verdun hinausgetrieben. Ich machte meinen
+Beobachter darauf aufmerksam, der auch meinte, das muß ein ganz
+schneidiger Kerl sein. Wir überlegten, ob es Boelcke sein könnte, und
+wollten uns nachher danach erkundigen. Da sah ich aber zu meinem
+Schrecken, wie aus dem Angreifer ein Verteidiger wurde. Der Deutsche
+wurde von den Franzosen, die sich mittlerweile auf mindestens zehn
+Flugzeuge verstärkt hatten, immer mehr heruntergedrückt. Ihm zu Hilfe
+kommen, konnte ich nicht. Ich war zu weit ab von den Kämpfenden und kam
+zudem in meiner schweren Maschine nicht gegen den Wind an. Der Fokker
+wehrte sich verzweifelt. Jetzt hatten ihn die Feinde schon mindestens
+auf sechshundert Meter heruntergedrückt. Da wurde er plötzlich von einem
+seiner Verfolger erneut angegriffen. Er verschwand in einem Sturzflug in
+einer Kumuluswolke. Ich atmete auf, denn das war meiner Ansicht nach
+seine Rettung.
+
+Zu Hause angekommen, erzählte ich, was ich gesehen hatte, und erfuhr,
+daß es Holck, mein alter Kampfgenosse aus dem Osten, war, der vor kurzem
+vor Verdun Jagdflieger geworden war.
+
+Mit Kopfschuß war Graf Holck senkrecht abgestürzt. Es ging mir sehr
+nahe, denn er war nicht bloß ein Vorbild an Schneid, er war eben auch
+als Mensch eine Persönlichkeit, wie es nur wenige gibt.
+
+
+
+
+Ein Gewitterflug
+
+
+Unsere Tätigkeit vor Verdun im Sommer 1916 wurde durch häufige
+Gewitterstürme gestört. Nichts Unangenehmeres gibt es für einen Flieger,
+als durch ein Gewitter hindurch zu müssen. Während der Somme-Schlacht
+zum Beispiel landete ein ganzes englisches Geschwader hinter unseren
+Linien, weil es durch ein Gewitter überrascht wurde. Es geriet so in
+Gefangenschaft.
+
+Ich hatte noch nie den Versuch gemacht, durch ein Gewitter
+hindurchzufliegen, und konnte es mir nicht verkneifen, das doch mal
+auszuprobieren. In der Luft war den ganzen Tag eine richtige
+Gewitterstimmung. Von meinem Flughafen Mont war ich nach dem nahen Metz
+hinübergeflogen, um dort einiges zu erledigen. Da ereignete sich bei
+meinem Nachhauseflug folgendes:
+
+Ich war auf dem Flugplatz in Metz und wollte nach meinem Flughafen
+zurück. Wie ich meine Maschine aus der Halle zog, machten sich die
+ersten Anzeichen eines nahen Gewittersturmes bemerkbar. Der Wind
+kräuselte den Sand, und eine pechschwarze Wand zog von Norden her heran.
+Alte, erfahrene Piloten rieten mir dringend ab, zu fliegen. Ich hatte
+aber fest versprochen zu kommen, und es wäre mir furchtsam erschienen,
+wenn ich wegen eines dummen Gewitters ausgeblieben wäre. Also, Gas
+gegeben und mal probiert! Schon beim Start fing’s an zu regnen. Die
+Brille mußte ich wegwerfen, um überhaupt etwas sehen zu können. Das Üble
+war, daß ich über die Moselberge wegmußte, durch deren Täler gerade der
+Gewittersturm brauste. Ich dachte mir: »Nur zu, es wird schon glücken,«
+und näherte mich mehr und mehr der schwarzen Wolke, die bis auf die Erde
+herunterreichte. Ich flog so niedrig wie möglich. Über Häuser und
+Baumreihen mußte ich teilweise hinwegspringen. Wo ich war, wußte ich
+schon lange nicht mehr. Der Sturm erfaßte meinen Apparat wie ein Stück
+Papier und trieb ihn vor sich her. Mir saß das Herz doch etwas tiefer.
+Landen konnte ich nicht mehr in den Bergen, also mußte durchgehalten
+werden.
+
+Um mich herum war es schwarz, unter mir bogen sich die Bäume im Sturm.
+Plötzlich lag vor mir eine bewaldete Höhe. Ich mußte auf sie zu, mein
+guter Albatros schaffte es und riß mich darüber hinweg. Ich konnte nur
+noch geradeaus fliegen; jedes Hindernis, das kam, mußte genommen werden.
+Es war die reine Springkonkurrenz über Bäume, Dörfer, besonders
+Kirchtürme und Schornsteine, da ich höchstens noch fünf Meter hoch
+fliegen konnte, um in der schwarzen Gewitterwolke überhaupt noch etwas
+zu sehen. Um mich herum zuckten die Blitze. Ich wußte damals noch nicht,
+daß der Blitz nicht in das Flugzeug schlagen kann. Ich glaubte den
+sicheren Tod vor Augen zu haben, denn der Sturm mußte mich bei der
+nächsten Gelegenheit in ein Dorf oder in einen Wald werfen. Hätte der
+Motor ausgesetzt, so wäre ich erledigt gewesen.
+
+Da sah ich mit einem Male vor mir eine helle Stelle am Horizont. Dort
+hörte das Gewitter auf; erreichte ich diesen Punkt, so war ich gerettet.
+Die ganze Energie zusammennehmend, die ein junger, leichtsinniger Mensch
+haben kann, steuerte ich darauf zu.
+
+Plötzlich, wie abgerissen, war ich aus der Gewitterwolke heraus, flog
+zwar noch im strömenden Regen, aber fühlte mich im übrigen geborgen.
+
+Noch immer bei strömendem Regen landete ich in meinem Heimatshafen, wo
+schon alles auf mich wartete, da von Metz bereits die Nachricht
+eingetroffen war, ich sei in einer Gewitterwolke, Richtung dorthin,
+verschwunden.
+
+Nie wieder werde ich, wenn es nicht mein Vaterland von mir fordert,
+durch einen Gewittersturm hindurchfliegen.
+
+In der Erinnerung ist alles schön, so gab es auch dabei schöne Momente,
+die ich nicht in meinem Fliegerdasein missen möchte.
+
+
+
+
+Das erstemal auf einem Fokker
+
+
+Von Anfang meiner Pilotenlaufbahn an hatte ich nur ein Streben, und das
+war, in einem einsitzigen Kampfflugzeug fliegen zu dürfen. Nach langem
+Quälen bei meinem Kommandeur hatte ich die Erlaubnis ’rausgeschunden,
+einen Fokker zu schaukeln. Der Motor, der sich um sich selbst drehte,
+war mir etwas ganz Neues. Auch so allein in einem kleinen Flugzeug zu
+sitzen, war mir fremd.
+
+Ich besaß mit einem Freund, der jetzt schon lange tot ist, zusammen
+diesen einen Fokker. Vormittags flog ich ihn, nachmittags er. Jeder
+hatte Angst, der andere könne die Kiste eher zerschmeißen. Am zweiten
+Tage flogen wir gegen den Feind. Mir war vormittags kein Franzose
+begegnet, nachmittags kam der andere an die Reihe. Er kam nicht wieder,
+keine Nachricht, nichts. Spätabends meldete die Infanterie einen
+Luftkampf zwischen einem Nieuport und einem deutschen Fokker, nach
+dessen Verlauf der Deutsche scheinbar jenseits auf dem Toten Mann
+gelandet wäre. Es konnte nur Reimann sein, denn alle anderen waren
+zurückgekommen. Wir bedauerten unseren kühnen Kameraden, da plötzlich
+kam nachts die telephonische Nachricht, ein deutscher Fliegeroffizier
+sei mit einem Male im vordersten Sappenkopf der Infanteriestellung auf
+dem Toten Mann erschienen. Er entpuppte sich als Reimann. Ihm war der
+Motor zerschossen worden, so daß er zur Notlandung gezwungen war. Er
+hatte dabei unsere Linien nicht mehr erreichen können und war zwischen
+dem Feind und uns gelandet. Schnell hatte er noch seine Maschine in
+Brand gesteckt und sich dann einige hundert Meter davon in einem
+Sprengtrichter verborgen gehalten. In der Nacht war er dann als
+Schleichpatrouille in unseren Gräben erschienen. So endete zum ersten
+Male unser Aktienunternehmen: »Der Fokker«.
+
+ * * * * *
+
+Nach einigen Wochen bekamen wir einen zweiten. Diesmal fühlte ich mich
+verpflichtet, das gute Ding ins Jenseits zu befördern. Es war vielleicht
+mein dritter Flug auf der kleinen, schnellen Maschine. Beim Start setzte
+der Motor aus. Ich mußte hinunter, gerade in ein Haferfeld hinein, und
+im Umsehen war aus dem stolzen, schönen Apparat bloß noch eine
+unkenntliche Masse geworden. Wie durch ein Wunder war mir nichts
+passiert.
+
+
+
+
+Bombenflüge in Rußland
+
+
+Juni hieß es plötzlich verladen. Wir wußten nicht, wo es hinging, aber
+den richtigen Tip hatten wir und waren deshalb nicht übermäßig erstaunt,
+wie uns unser Kommandeur mit der Neuigkeit überraschte, daß wir nach
+Rußland gingen. Wir fuhren durch ganz Deutschland mit unserem Wohnzug,
+aus Speise- und Schlafwagen bestehend, und kamen schließlich nach Kowel.
+Dort blieben wir in unseren Eisenbahnwagen wohnen. Dieses Wohnen in
+Zügen hat ja nun natürlich sehr viel Vorteile. Man ist stets fertig, um
+weiterzureisen, und man hat immer dasselbe Quartier.
+
+Aber in der russischen Sommerhitze ist so ein Schlafwagen das
+Fürchterlichste, was es geben kann. Deshalb zog ich es vor, mit zwei
+guten Freunden, Gerstenberg und Scheele, in den nahen Wald zu ziehen, wo
+wir uns ein Zelt aufbauten und wie Zigeuner lebten. Das waren schöne
+Zeiten.
+
+ * * * * *
+
+In Rußland warf unser Kampfgeschwader viel Bomben. Wir beschäftigten uns
+damit, die Russen zu ärgern, und legten auf ihre schönsten Bahnanlagen
+unsere Eier. An einem dieser Tage zog unser ganzes Geschwader los, um
+eine sehr wichtige Bahnhofsanlage zu bewerfen. Das Nest hieß Manjewicze
+und lag etwa dreißig Kilometer hinter der Front, also nicht so
+übertrieben weit. Die Russen hatten einen Angriff geplant, und zu diesem
+Zweck war der Bahnhof ganz ungeheuerlich mit Zügen angefüllt. Ein Zug
+stand neben dem anderen, eine ganze Strecke war mit fahrenden Zügen
+belegt. Man konnte das von oben sehr schön sehen; an jeder
+Ausweichstelle stand ein Transportzug. Also ein wirklich lohnendes Ziel
+für einen Bombenflug.
+
+Man kann sich für alles begeistern. So hatte ich mich mal für eine Weile
+für dieses Bombenfliegen begeistert. Es machte mir einen unheimlichen
+Spaß, die Brüder da unten zu bepflastern. Oft zog ich an einem Tage
+zweimal los. An diesem Tage hatten wir uns also Manjewicze zum Ziele
+gesteckt. Jede Staffel für sich zog geschlossen gen Rußland. Die
+Maschinen standen am Start, jeder Flugzeugführer versuchte noch einmal
+seinen Motor, denn es ist eine peinliche Sache, auf der falschen Partei
+notzulanden und besonders in Rußland. Der Russe ist auf Flieger wie
+wild. Kriegt er einen zu fassen, schlägt er ihn ganz bestimmt tot. Das
+ist auch die einzige Gefahr in Rußland, denn feindliche Flieger gibt es
+da nicht, oder so gut wie gar nicht. Kommt mal einer vor, so hat er
+sicherlich Pech und wird abgeschossen. Die Ballonabwehrgeschütze in
+Rußland sind manchmal ganz gut, aber ihre Zahl nicht ausreichend. Gegen
+den Westen jedenfalls ist das Fliegen im Osten eine Erholung.
+
+ * * * * *
+
+Die Maschinen rollen schwer bis an den Startplatz. Sie sind bis auf ihr
+letztes Ladegewicht mit Bomben angefüllt. Ich schleppte manchmal
+einhundertfünfzig Kilogramm Bomben mit einem ganz normalen C-Flugzeug.
+Außerdem hatte ich noch einen schweren Beobachter mit, dem man die
+Fleischnot gar nicht ansah, ferner »für den Fall, daß« noch zwei
+Maschinengewehre. Ich habe sie nie in Rußland ausprobieren können. Es
+ist sehr schade, daß in meiner Sammlung kein Russe vorhanden ist. An der
+Wand würde sich seine Kokarde gewiß ganz malerisch machen. So ein Flug
+mit einer dicken, schwerbeladenen Maschine, besonders in der russischen
+Mittagsglut, ist nicht von Pappe. Die Kähne schaukeln sehr unangenehm.
+Runterfallen tun sie natürlich nicht, dafür sorgen die einhundertfünfzig
+»Pferde«, aber es ist doch kein angenehmes Gefühl, so viel Sprengladung
+und Benzin bei sich zu haben. Endlich ist man in einer ruhigeren
+Luftschicht und kommt allmählich zu dem Genuß des Bombenfluges. Es ist
+schön, geradeaus zu fliegen, ein bestimmtes Ziel zu haben und einen
+festen Auftrag. Man hat nach einem Bombenwurf das Gefühl: Du hast etwas
+geleistet, während man manchmal bei einem Jagdflug, wo man keinen
+abgeschossen hat, sich sagen muß: Du hättest es besser machen können.
+Ich habe sehr gern Bomben geworfen. Mein Beobachter hatte es sachte sehr
+ordentlich wegbekommen, das Ziel genau senkrecht zu überfliegen und mit
+Hilfe eines Zielfernrohres den guten Augenblick abzupassen, um sein Ei
+zu legen. Es ist ein schöner Flug nach Manjewicze. Ich habe ihn öfters
+hinter mir.
+
+Wir kamen über riesige Waldkomplexe, in denen gewiß die Elche und Luchse
+herumturnen. Die Dörfer sahen allerdings auch so aus, als ob sich die
+Füchse darin Gute Nacht sagen könnten. Das einzige größere Dorf in der
+ganzen Gegend war Manjewicze. Um das Dorf herum waren zahllose Zelte
+aufgeschlagen und am Bahnhof selbst unzählige Baracken. Rote Kreuze
+konnten wir nicht erkennen. Vor uns war eine Staffel dagewesen. Dieses
+konnte man an einzelnen rauchenden Häusern und Baracken noch
+feststellen. Sie hatte nicht schlecht geworfen. Der eine Ausgang des
+Bahnhofs war durch einen Treffer offenbar versperrt. Die Lokomotive
+dampfte noch. Gewiß waren die Herren Zugführer irgendwo in einem
+Unterstand oder so was Ähnlichem. Auf der anderen Seite fuhr gerade eine
+Lokomotive mit großer Fahrt heraus. Natürlich reizte einen das, das Ding
+zu treffen. Wir fliegen das Ding an und setzen einige hundert Meter
+davor eine Bombe. Der gewünschte Erfolg war da, die Lokomotive blieb
+stehen. Wir machen kehrt und werfen noch sauber Bombe für Bombe, fein
+gezielt durch das Zielfernrohr, auf den Bahnhof. Wir haben ja Zeit, es
+stört uns niemand. Ein feindlicher Flughafen ist zwar ganz in der Nähe,
+aber seine Piloten sind nicht zu sehen. Abwehrgeschütze knallen nur ganz
+vereinzelt und in einer ganz anderen Richtung als wir fliegen. Wir heben
+uns noch eine Bombe auf, um sie besonders nutzbringend beim
+Nachhauseflug anzuwenden. Da sehen wir, wie ein feindlicher Flieger auf
+seinem Hafen startet. Ob er sich wohl mit dem Gedanken trägt, uns
+anzugreifen? Ich glaube es nicht. Viel eher sucht er Sicherheit in der
+Luft, denn das ist bei Bombenflügen auf Flughäfen ganz gewiß das
+bequemste, sich der persönlichen Lebensgefahr zu entziehen.
+
+Wir machen noch einige Umwege und suchen Truppenlager, denn das macht
+besonderen Spaß, die Herren da unten mit Maschinengewehren zu
+beunruhigen. Solche halbwilden Völkerstämme wie die Asiaten haben noch
+viel mehr Angst als die gebildeten Engländer. Besonders interessant ist
+es, auf feindliche Kavallerie zu schießen. Es bringt ungeheure Unruhe
+unter die Leute. Man sieht sie mit einem Male nach allen
+Himmelsrichtungen davonsausen. Ich möchte nicht Schwadronschef von so
+einer Kosakeneskadron sein, die von Fliegern mit Maschinengewehren
+beschossen wird. Allmählich konnten wir wieder unsere Linien sehen. Nun
+wurde es Zeit, daß wir unsere letzte Bombe loswurden. Wir beschlossen,
+einen Fesselballon, »_den_« Fesselballon der Russen, mit einer Bombe zu
+bedenken. Wir konnten ganz gemütlich auf wenige hundert Meter
+heruntergehen und den Fesselballon bewerfen. Anfangs wurde er mit großer
+Hast eingezogen, wie aber die Bombe gefallen war, hörte das Einziehen
+auf. Ich erklärte es mir dadurch, nicht etwa, daß ich getroffen hatte,
+sondern eher, daß die Russen ihren Hetman da oben in dem Korb im Stich
+ließen und weggelaufen waren. Wir erreichten schließlich unsere Front,
+unsere Gräben und waren, als wir zu Hause ankamen, doch etwas erstaunt,
+wie wir feststellten, daß man uns von unten doch beschossen hatte,
+wenigstens zeigte dies ein Treffer in der Tragfläche.
+
+ * * * * *
+
+Ein andermal waren wir gleichfalls etwa in derselben Gegend auf einen
+Angriff der Russen angesetzt, die den Stochod zu überschreiten
+beabsichtigten. Wir kamen an die gefährdete Stelle, mit Bomben beladen
+und sehr viel Patronen fürs Maschinengewehr, und da sahen wir zu unserer
+großen Überraschung, wie bereits der Stochod von feindlicher Kavallerie
+überschritten wird. Eine einzige Brücke diente zum Nachschub. Also war
+es klar: Trifft man diese, so kann man dem Feind ungeheuer schaden.
+Außerdem wälzten sich über den schmalen Steg dicke Truppenmassen. Wir
+gingen auf möglichst niedrige Höhe hinunter und konnten nun genau
+erkennen, daß die feindliche Kavallerie in großer Geschwindigkeit über
+den Übergang marschierte. Die erste Bombe krachte nicht weit von ihr,
+die zweite, dritte folgte unmittelbar darauf. Unten entsteht eine wüste
+Unordnung. Die Brücke ist zwar nicht getroffen, aber nichtsdestotrotz
+hat der Verkehr vollständig aufgehört, und alles, was Beine hat, ist
+nach allen Himmelsrichtungen davon. Der Erfolg war gut, denn das waren
+nur drei Bomben; es kam ja noch das ganze Geschwader hinterher. Und so
+konnten wir noch manches erreichen. Mein Beobachter schoß feste mit dem
+Maschinengewehr unter die Brüder, und wir hatten einen wilden Spaß
+daran. Was unser positiver Erfolg war, kann ich natürlich nicht sagen.
+Die Russen haben es mir auch nicht erzählt. Aber eingebildet habe ich
+mir, daß ich den russischen Angriff allein abgeschlagen habe. Ob es
+stimmt, wird die Kriegschronik der Russen nach dem Kriege mir wohl
+mitteilen.
+
+
+
+
+Endlich!
+
+
+Die Augustsonne war fast unerträglich auf dem sandigen Flugplatz in
+Kowel. Wir unterhielten uns mit den Kameraden, da erzählte einer: »Heute
+kommt der große Boelcke und will uns, oder vielmehr seinen Bruder, in
+Kowel besuchen.« Abends erschien der berühmte Mann, von uns sehr
+angestaunt, und erzählte vieles Interessante von seiner Reise nach der
+Türkei, von der er gerade auf dem Rückwege war, um sich im Großen
+Hauptquartier zu melden. Er sprach davon, daß er an die Somme ginge, um
+dort seine Arbeit fortzusetzen, auch sollte er eine ganze Jagdstaffel
+aufstellen. Zu diesem Zwecke konnte er sich aus der Fliegertruppe ihm
+geeignet erscheinende Leute aussuchen. Ich wagte nicht, ihn zu bitten,
+daß er mich mitnähme. Nicht aus dem Grunde heraus, daß es mir bei
+unserem Geschwader zu langweilig gewesen wäre – im Gegenteil, wir
+machten große und interessante Flüge, haben den Rußkis mit unseren
+Bomben so manchen Bahnhof eingetöppert – aber der Gedanke, wieder an der
+Westfront zu kämpfen, reizte mich. Es gibt eben nichts Schöneres für
+einen jungen Kavallerieoffizier, als auf Jagd zu fliegen.
+
+Am nächsten Morgen sollte Boelcke wieder wegfahren. Frühmorgens klopfte
+es plötzlich an meiner Tür, und vor mir stand der große Mann mit dem
+#Pour le mérite#. Ich wußte nicht recht, was er von mir wollte. Ich
+kannte ihn zwar, wie bereits erwähnt, aber auf den Gedanken kam ich
+nicht, daß er mich dazu aufgesucht hatte, um mich aufzufordern, sein
+Schüler zu werden. Fast wäre ich ihm um den Hals gefallen, wie er mich
+fragte, ob ich mit ihm nach der Somme gehen wollte.
+
+Drei Tage später saß ich auf der Eisenbahn und fuhr quer durch
+Deutschland direkt nach dem Feld meiner neuen Tätigkeit. Endlich war
+mein sehnlichster Wunsch erfüllt, und nun begann für mich die schönste
+Zeit meines Lebens.
+
+Daß sie sich so erfolgreich gestalten würde, wagte ich damals nicht zu
+hoffen. Beim Abschied rief mir ein guter Freund noch nach: »Komm’ bloß
+nicht ohne den #Pour le mérite# zurück!«
+
+
+
+
+Mein erster Engländer
+
+(17. September 1916)
+
+
+Wir standen alle auf dem Schießplatz, und einer nach dem anderen schoß
+sein Maschinengewehr ein, so, wie es ihm am günstigsten erschien. Am
+Tage vorher hatten wir unsere neuen Apparate bekommen, und am nächsten
+Morgen wollte Boelcke mit uns fliegen. Wir waren alle Anfänger, keiner
+von uns hatte bisher einen Erfolg zu verzeichnen. Was Boelcke uns sagte,
+war uns daher ein Evangelium. In den letzten Tagen hatte er, wie er sich
+ausdrückte, zum Frühstück schon mindestens einen, manchmal auch zwei
+Engländer abgeschossen.
+
+Der nächste Morgen, der 17. September, war ein wunderbarer Tag. Man
+konnte mit regem Flugbetrieb der Engländer rechnen. Bevor wir
+aufstiegen, erteilte Boelcke uns noch einige genaue Instruktionen, und
+zum ersten Male flogen wir im Geschwader unter Führung des berühmten
+Mannes, dem wir uns blindlings anvertrauten.
+
+Wir waren gerade an die Front gekommen, als wir bereits über unseren
+Linien an den Sprengpunkten unserer Ballon-Abwehrkanonen ein feindliches
+Geschwader erkannten, das in Richtung Cambrai flog. Boelcke war
+natürlich der erste, der es sah, denn er sah eben mehr als andere
+Menschen. Bald hatten wir auch die Lage erfaßt, und jeder strebte,
+dicht hinter Boelcke zu bleiben. Wir waren uns alle klar, daß wir unsere
+erste Prüfung unter den Augen unseres verehrten Führers zu bestehen
+hatten. Wir näherten uns dem Geschwader langsam, aber es konnte uns
+nicht mehr entgehen. Wir waren zwischen der Front und dem Gegner. Wollte
+er zurück, so mußte er an uns vorbei. Wir zählten schon die feindlichen
+Flugzeuge und stellten fest, daß es sieben waren. Wir dagegen nur fünf.
+Alle Engländer flogen große, zweisitzige Bomben-Flugzeuge. Nur noch
+Sekunden, dann mußte es losgehen. Boelcke war dem ersten schon verflucht
+nahe auf die Pelle gerückt, aber noch schoß er nicht. Ich war der
+zweite, dicht neben mir meine Kameraden. Der mir am nächsten fliegende
+Engländer war ein großer, dunkel angestrichener Kahn. Ich überlegte
+nicht lange und nahm ihn mir aufs Korn. Er schoß, ich schoß, und ich
+schoß vorbei, er auch. Es begann ein Kampf, in dem es für mich
+jedenfalls darauf ankam, hinter den Burschen zu kommen, da ich ja nur in
+meiner Flugrichtung schießen konnte. Er hatte es nicht nötig, denn sein
+bewegliches Maschinengewehr reichte nach allen Seiten. Er schien aber
+kein Anfänger zu sein, denn er wußte genau, daß in dem Moment sein
+letztes Stündlein geschlagen hatte, wo ich es erreichte, hinter ihn zu
+gelangen. Ich hatte damals noch nicht die Überzeugung, »der muß fallen«,
+wie ich sie jetzt voll habe, sondern ich war vielmehr gespannt, ob er
+wohl fallen würde, und das ist ein wesentlicher Unterschied. Liegt mal
+der erste oder gar der zweite oder dritte, dann geht einem ein Licht
+auf: »So mußt du’s machen.«
+
+Also mein Engländer wandte, drehte sich, oft meine Garbe kreuzend. Daran
+dachte ich nicht, daß es auch noch andere Engländer in dem Geschwader
+gab, die ihrem bedrängten Kameraden zu Hilfe kommen konnten. Nur immer
+der eine Gedanke: »Der muß fallen, mag kommen, was da will!« Da, endlich
+ein günstiger Augenblick. Der Gegner hat mich scheinbar verloren und
+fliegt geradeaus. Im Bruchteil einer Sekunde sitze ich ihm mit meiner
+guten Maschine im Nacken. Eine kurze Serie aus meinem Maschinengewehr.
+Ich war so nahe dran, daß ich Angst hatte, ihn zu rammen. Da plötzlich,
+fast hätte ich einen Freudenjauchzer ausgestoßen, denn der Propeller des
+Gegners drehte sich nicht mehr. Hurra! Getroffen! Der Motor war
+zerschossen, und der Feind mußte bei uns landen, da ein Erreichen seiner
+Linien ausgeschlossen war. Auch merkte ich an den schwankenden
+Bewegungen des Apparates, daß irgend was mit dem Führer nicht mehr ganz
+in Ordnung war. Auch der Beobachter war nicht mehr zu sehen, sein
+Maschinengewehr ragte ohne Bedienung in die Luft. Ich hatte ihn also
+getroffen, und er mußte am Boden seiner Karosserie liegen.
+
+Der Engländer landete irgendwo unmittelbar neben dem Flughafen eines
+mir bekannten Geschwaders. Ich war so aufgeregt, daß ich mir das Landen
+nicht verkneifen konnte, und landete in dem mir fremden Flughafen, wo
+ich fast im Eifer meine Maschine noch auf den Kopf stellte. Die beiden
+Flugzeuge, der Engländer und meines, waren nicht sehr weit voneinander
+entfernt. Ich lief gleich hin und sah bereits eine Menge Soldaten nach
+dem Gegner hinströmen. Dort angekommen, fand ich, daß meine Annahme
+stimmte. Der Motor war zerschossen und beide Insassen schwer verletzt.
+Der Beobachter starb gleich, der Führer auf dem Transport zum nahen
+Lazarett. Meinem in Ehren gefallenen Gegner setzte ich zum Andenken
+einen Stein auf sein schönes Grab.
+
+Als ich nach Hause kam, saß Boelcke mit den anderen Kameraden bereits
+beim Frühstück und wunderte sich sehr, wo ich so lange geblieben war.
+Stolz meldete ich zum ersten Male: »Einen Engländer abgeschossen.«
+Sofort jubelte alles, denn ich war nicht der einzige; außer Boelcke,
+der, wie üblich, seinen Frühstückssieg hatte, war jeder von uns
+Anfängern zum ersten Male Sieger im Luftkampf geblieben.
+
+Ich möchte bemerken, daß seitdem kein englisches Geschwader sich mehr
+bis Cambrai getraute, solange es dort eine Jagdstaffel Boelcke gab.
+
+
+
+
+Somme-Schlacht
+
+
+Ich habe in meinem ganzen Leben kein schöneres Jagdgefilde kennengelernt
+als in den Tagen der Somme-Schlacht. Morgens, wenn man aufgestanden,
+kamen schon die ersten Engländer, und die letzten verschwanden, nachdem
+schon lange die Sonne untergegangen war. »Ein Dorado für die
+Jagdflieger«, hat Boelcke einmal gesagt. Es ist damals die Zeit gewesen,
+wo Boelcke in zwei Monaten mit seinen Abschüssen von zwanzig auf vierzig
+gestiegen war. Wir Anfänger hatten damals noch nicht die Erfahrung wie
+unser Meister und waren ganz zufrieden, wenn wir nicht selbst Senge
+bezogen. Aber schön war es! Kein Start ohne Luftkampf. Oft große
+Luftschlachten von vierzig bis sechzig Engländern gegen leider nicht
+immer so viele Deutsche. Bei ihnen macht es die Quantität und bei uns
+die Qualität.
+
+Aber der Engländer ist ein schneidiger Bursche, das muß man ihm lassen.
+Er kam ab und zu in ganz niedriger Höhe und besuchte Boelcke auf seinem
+Platz mit Bomben. Er forderte zum Kampf förmlich heraus und nahm ihn
+auch stets an. Ich habe kaum einen Engländer getroffen, der den Kampf
+verweigert hätte, während der Franzose es vorzieht, jede Berührung mit
+dem Gegner in der Luft peinlichst zu vermeiden.
+
+Es waren schöne Zeiten bei unserer Jagdstaffel. Der Geist des Führers
+übertrug sich auf seine Schüler. Wir konnten uns blindlings seiner
+Führung anvertrauen. Die Möglichkeit, daß einer im Stich gelassen wurde,
+gab es nicht. Der Gedanke kam einem überhaupt nicht. Und so räumten wir
+flott und munter unter unseren Feinden auf.
+
+An dem Tage, an dem Boelcke fiel, hatte die Staffel schon vierzig. Jetzt
+hat sie weit über hundert. Der Geist Boelckes lebt fort unter seinen
+tüchtigen Nachfolgern.
+
+
+
+
+Boelcke †
+
+(28. Oktober 1916)
+
+
+Eines Tages flogen wir wieder einmal unter der Führung des großen Mannes
+gegen den Feind. Man hatte stets ein so sicheres Gefühl, wenn er dabei
+war. Es gab eben nur einen Boelcke. Ein sehr stürmisches Wetter. Viel
+Wolken. Andere Flieger flogen an dem Tage überhaupt nicht, nur der
+Jagdflieger.
+
+Schon von weitem sahen wir an der Front zwei freche Engländer, denen
+scheinbar das schlechte Wetter auch mal Spaß machte. Wir waren sechs,
+drüben waren zwei. Wären es zwanzig gewesen, uns hätte das Zeichen von
+Boelcke zum Angriff auch nicht weiter in Erstaunen gesetzt.
+
+Es beginnt der übliche Kampf. Boelcke hatte den einen vor und ich den
+anderen. Ich muß ablassen, weil ich von einem eigenen gestört werde. Ich
+sehe mich um und beobachte, wie etwa zweihundert Meter neben mir Boelcke
+sein Opfer gerade verarbeitet.
+
+[Illustration: Der Dreißigste!]
+
+[Illustration: Der Vierzigste!]
+
+Es war wieder das übliche Bild. Boelcke schießt einen ab, und ich kann
+zusehen. Dicht neben Boelcke fliegt ein guter Freund von ihm. Es war ein
+interessanter Kampf. Beide schossen, jeden Augenblick mußte der
+Engländer stürzen. Plötzlich ist eine unnatürliche Bewegung in den
+beiden deutschen Flugzeugen zu beobachten. Es zuckt mir durchs Hirn:
+Zusammenstoß. Ich habe sonst nie einen Zusammenstoß in der Luft gesehen
+und hatte mir so etwas viel anders vorgestellt. Es war auch kein
+Zusammenstoß, sondern mehr ein Berühren. Aber in der großen
+Geschwindigkeit, die so ein Flugzeug hat, ist jede leise Berührung ein
+heftiger Aufprall.
+
+Boelcke läßt sofort von seinem Opfer ab und geht in großem
+Kurvengleitflug zur Erde hinunter. Noch immer hatte ich nicht das Gefühl
+eines Absturzes, aber wie er unter mir durchgleitet, erkenne ich, daß
+ein Teil seiner Tragflächen abgebrochen ist. Was nun folgte, konnte ich
+nicht beobachten, aber in den Wolken verlor er eine Tragfläche ganz. Da
+war das Flugzeug steuerlos, und er stürzte ab, immer begleitet von
+seinem treuen Freund. Als wir zu Haus ankamen, war bereits die Meldung
+da: »Unser Boelcke tot!« Man konnte es nicht fassen.
+
+Am schmerzlichsten empfand es natürlich derjenige, dem das Unglück
+zustoßen mußte.
+
+Es ist eigentümlich, daß jeder Mensch, der Boelcke kennenlernte, sich
+einbildete, er sei der einzig wahre Freund von ihm. Ich habe von diesen
+einzig wahren Freunden Boelckes etwa vierzig kennengelernt, und jeder
+bildete sich ein, er sei der einzige. Menschen, deren Name Boelcke nie
+gewußt hat, glaubten, sie stünden ihm besonders nahe. Es ist eine
+eigentümliche Erscheinung, die ich nur bei ihm beobachtet habe. Einen
+persönlichen Feind hat er nie gehabt. Er war gegen jedermann gleichmäßig
+liebenswürdig, zu keinem mehr, zu keinem weniger.
+
+Der einzige, der ihm vielleicht etwas näher stand, hatte das eben
+beschriebene Unglück mit ihm.
+
+Nichts geschieht ohne Gottes Fügung. Das ist ein Trost, den man sich in
+diesem Kriege so oft sagen muß.
+
+
+
+
+Der Achte
+
+
+Acht war zu Boelckes Zeiten eine ganz anständige Zahl. Jeder, der
+heutzutage von den kolossalen Zahlen der Abschüsse hört, muß zu der
+Überzeugung kommen, daß das Abschießen leichter geworden ist. Ich kann
+ihm nur eins versichern, daß dieses von Monat zu Monat, ja, von Woche zu
+Woche schwieriger wird. Natürlich bietet sich die Gelegenheit jetzt
+öfters, abzuschießen; aber leider wird die Möglichkeit, selbst
+abgeschossen zu werden, ebenfalls größer. Die Bewaffnung des Gegners
+wird immer besser, seine Zahl immer größer. Als Immelmann seinen ersten
+abschoß, hatte er sogar das Glück, einen Gegner zu finden, der gar kein
+Maschinengewehr bei sich hatte. Solche Häschen findet man jetzt
+höchstens noch über Johannisthal. Am 9. November 1916 flog ich mit
+meinem kleinen Kampfgenossen, dem achtzehnjährigen Imelmann, gegen den
+Feind. Wir waren zusammen bei der Jagdstaffel Boelcke, kannten uns schon
+vorher und hatten uns immer sehr gut vertragen. Kameradschaft ist die
+Hauptsache. Wir zogen los. Ich hatte schon sieben, Imelmann fünf. Für
+damalige Zeiten eine ganze Menge.
+
+Wir sind ganz kurze Zeit an der Front, da sehen wir ein
+Bombengeschwader. Es kommt sehr frech geflogen. In ungeheurer Zahl
+kommen sie natürlich wieder an, wie überhaupt immer während der
+Somme-Schlacht. Ich glaube, in dem Geschwader waren etwa vierzig bis
+fünfzig, genau kann ich die Zahl nicht angeben. Sie hatten sich gar
+nicht weit weg von unserem Flughafen ein Ziel für ihre Bomben
+ausgesucht. Kurz vor dem Ziel erreichte ich den letzten der Gegner. Wohl
+gleich meine ersten Schüsse machten den Maschinengewehrschützen im
+feindlichen Flugzeug kampfunfähig, mochten wohl auch den Piloten etwas
+gekitzelt haben, jedenfalls entschloß er sich zur Landung mitsamt seinen
+Bomben. Ich brannte ihm noch einige auf den Bast, dadurch wurde das
+Tempo, in dem er die Erde zu erreichen suchte, etwas größer, er stürzte
+nämlich ab und fiel ganz in die Nähe unseres Flughafens Lagnicourt.
+
+Imelmann war zur selben Zeit gleichfalls in einen Kampf mit einem
+Engländer verwickelt und hatte auch einen Gegner zur Strecke gebracht,
+gleichfalls in derselben Gegend. Schnell flogen wir nach Hause, um uns
+unsere abgeschossenen Maschinen ansehen zu können. Wir fahren im Auto
+bis in die Nähe meines Gegners und müssen dann sehr lange durch tiefen
+Acker laufen. Es war sehr heiß, deshalb knöpfte ich mir alles auf, sogar
+das Hemd und den Kragen. Die Jacke zog ich aus, die Mütze ließ ich im
+Auto, dafür nahm ich einen großen Knotenstock mit, die Stiefel waren
+bis an die Knie voll Schmutz. Ich sah also wüst aus. So komme ich in die
+Nähe meines Opfers. Natürlich hat sich schon eine Unmenge Menschen
+drumrum angesammelt.
+
+Eine Gruppe von Offizieren steht etwas abseits. Ich gehe auf sie zu,
+begrüße sie und frage den ersten besten, ob er mir nicht erzählen
+könnte, wie der Luftkampf ausgesehen habe, denn es interessiert
+hinterher immer sehr, von den anderen, die von unten zugesehen haben, zu
+erfahren, wie der Luftkampf ausgesehen hat. Da erfahre ich, daß die
+Engländer Bomben geworfen haben und dieses Flugzeug noch seine Bomben
+bei sich hatte. Der betreffende Herr nimmt mich am Arm, geht auf die
+Gruppe der anderen Offiziere zu, fragt noch schnell nach meinem Namen
+und stellt mich den Herren vor. Es war mir nicht angenehm, denn ich
+hatte, wie gesagt, meine Toilette etwas derangiert. Und die Herren, mit
+denen ich jetzt zu tun hatte, sahen alle totschick angezogen aus. Ich
+wurde einer Persönlichkeit vorgestellt, die mir nicht so ganz geheuer
+erschien. Generalshosen, einen Orden zum Hals heraus, dafür aber ein
+verhältnismäßig jugendliches Gesicht, undefinierbare Achselstücke – kurz
+und gut, ich wittere etwas Außerordentliches, knöpfe mir im Laufe der
+Unterhaltung Hose und Kragen zu und nehme eine etwas militärischere Form
+an. Wer es war, wußte ich nicht. Ich verabschiede mich wieder, fahre
+nach Hause. Abends klingelt das Telephon, und ich erfahre nun, daß dies
+Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Sachsen-Koburg-Gotha war. Ich
+werde zu ihm befohlen. Es war bekannt, daß die Engländer die Absicht
+hatten, auf seinen Stab Bomben zu werfen. So hätte ich dazu beigetragen,
+ihm die Attentäter vom Leibe zu halten. Dafür bekam ich die
+Sachsen-Koburg-Gothaische Tapferkeitsmedaille.
+
+Sie macht mir jedesmal Spaß, wenn ich sie sehe.
+
+
+
+
+Major Hawker
+
+
+Am stolzesten war ich, als ich eines schönen Tages hörte, daß der von
+mir am 23. November 1916 abgeschossene Engländer der englische Immelmann
+war.
+
+Dem Luftkampf nach hätte ich mir’s schon denken können, daß es ein
+Mordskerl war, mit dem ich es zu tun hatte.
+
+Ich flog quietschvergnügt eines schönen Tages wieder mal auf Jagd und
+beobachtete drei Engländer, die scheinbar auch nichts anderes vorhatten
+als zu jagen. Ich merkte, wie sie mit mir liebäugelten, und da ich
+gerade viel Lust zum Kampfe hatte, ließ ich mich darauf ein. Ich war
+tiefer als der Engländer, folglich mußte ich warten, bis der Bruder auf
+mich ’runterstieß. Es dauerte auch nicht lange, schon kam er angesegelt
+und wollte mich von hinten fassen. Nach den ersten fünf Schüssen mußte
+der Kunde schon wieder aufhören, denn ich lag bereits in einer scharfen
+Linkskurve. Der Engländer versuchte, sich hinter mich zu setzen, während
+ich versuchte, hinter den Engländer zu kommen. So drehten wir uns beide
+wie die Wahnsinnigen im Kreise mit vollaufendem Motor in
+dreitausendfünfhundert Metern Höhe. Erst zwanzigmal linksrum, dann
+dreißigmal rechtsrum, jeder darauf bedacht, über und hinter den anderen
+zu kommen. Ich hatte bald spitz, daß ich es mit keinem Anfänger zu tun
+hatte, denn es fiel ihm nicht im Traum ein, den Kampf abzubrechen. Er
+hatte zwar eine sehr wendige Kiste, aber meine stieg dafür besser, und
+so gelang es mir, über und hinter den Engländer zu kommen.
+
+Nachdem wir so zweitausend Meter tiefer gekommen waren, ohne ein
+Resultat erreicht zu haben, mußte mein Gegner eigentlich merken, daß nun
+die höchste Zeit für ihn war, sich zu drücken, denn der für mich
+günstige Wind trieb uns immer mehr auf unsere Stellen zu, bis ich
+schließlich beinahe über Bapaume, etwa einen Kilometer hinter unserer
+Front, angekommen war. Der freche Kerl besaß nun noch die
+Unverschämtheit und winkte mir, als wir bereits in tausend Meter Höhe
+waren, ganz vergnügt zu, als wollte er sagen: #»Well, well, how do you
+do?«#
+
+Die Kreise, die wir umeinander machten, waren so eng, daß ich sie nicht
+weiter als achtzig bis hundert Meter schätzte. Ich hatte Zeit, mir
+meinen Gegner anzusehen. Ich guckte ihm senkrecht in die Karosserie und
+konnte jede Kopfbewegung beobachten. Hätte er nicht seine Kappe
+aufgehabt, so hätte ich sagen können, was für ein Gesicht er schnitt.
+
+Allmählich wurde selbst dem braven Sportsmann dies doch etwas zu bunt,
+und er mußte sich schließlich entscheiden, ob er bei uns landen wollte
+oder zu seinen Linien zurückfliegen. Natürlich versuchte er letzteres,
+nachdem er durch einige Loopings und solche Witze vergeblich probiert
+hatte, sich mir zu entziehen. Dabei flogen meine ersten blauen Bohnen
+ihm um die Ohren, denn bis jetzt war keiner zu Schuß gekommen. In
+hundert Metern Höhe versuchte er, durch Zickzackflüge, während deren
+sich von dem Beobachter bekanntlich schlecht schießen läßt, nach der
+Front zu entkommen. Jetzt war der gegebene Moment für mich. Ich folgte
+ihm in fünfzig bis dreißig Metern Höhe, unentwegt feuernd. So mußte der
+Engländer fallen. Beinahe hätte mich eine Ladehemmung noch um meinen
+Erfolg gebracht.
+
+Mit Kopfschuß stürzte der Gegner ab, etwa fünfzig Meter hinter unserer
+Linie. Sein Maschinengewehr rannte in die Erde und ziert jetzt den
+Eingang über meiner Haustür.
+
+
+
+
+#Pour le mérite#
+
+
+Der Sechzehnte ist gefallen. Ich stand somit an der Spitze sämtlicher
+Jagdflieger. Dieses war das Ziel, das ich erreichen wollte. Das hatte
+ich scherzeshalber mal vor einem Jahr zu meinem Freund Lynker gesagt,
+als wir zusammen schulten und er mich fragte: »Was ist denn Ihr Ziel –
+was wollen Sie erreichen als Flieger?« Da meinte ich so scherzhaft:
+»Nun, so an der Spitze der Jagdflieger zu fliegen, muß doch ganz schön
+sein!« Daß dies mal Tatsache würde, habe weder ich mir zugetraut noch
+andere Menschen mir. Bloß Boelcke soll einmal gesagt haben – natürlich
+nicht mir direkt persönlich, aber man hat es mir nachher erzählt – wie
+er gefragt wurde: »Wer hat denn Aussicht, mal ein guter Jagdflieger zu
+werden?« da soll er mit dem Finger auf mich gezeigt und gesagt haben:
+»Das ist der Mann!«
+
+Boelcke und Immelmann hatten mit dem Achten den #Pour le mérite#
+bekommen. Ich hatte das Doppelte. Was wird sich nun ereignen? Ich war
+sehr gespannt. Man munkelte, ich würde eine Jagdstaffel bekommen. Da
+kommt eines Tages das Telegramm: »Leutnant v. R. zum Führer der
+Jagdstaffel 11 ernannt.« Ich muß sagen, ich habe mich geärgert. Man
+hatte sich so schön mit den Kameraden der Jagdstaffel Boelcke
+eingearbeitet. Nun wieder ganz von neuem anzufangen, das Einleben usw.
+war langweilig. Außerdem wäre mir der #Pour le mérite# lieber gewesen.
+
+Nach zwei Tagen – wir sitzen gemütlich bei der Jagdstaffel Boelcke und
+feiern meinen Abschied –, da kommt das Telegramm aus dem Hauptquartier,
+daß Majestät die Gnade hatte, mir den #Pour le mérite# zu verleihen. Da
+war die Freude natürlich groß. Es war ein Pflaster auf das
+Vorangegangene.
+
+ * * * * *
+
+Ich hatte es mir nicht so nett vorgestellt, selbst eine Jagdstaffel zu
+führen, wie es nachher in Wirklichkeit geworden ist. Ich habe mir nie
+träumen lassen, daß es mal eine Jagdstaffel Richthofen geben würde.
+
+
+
+
+#»Le petit rouge«#
+
+
+Aus irgend welchen Gründen kam ich eines schönen Tages auf den Gedanken,
+mir meine Kiste knallrot anzupinseln. Der Erfolg war der, daß sich mein
+roter Vogel jedem Menschen unbedingt aufdrängte. Auch meinen Gegnern
+schien dies tatsächlich nicht ganz unbekannt geblieben zu sein.
+
+Gelegentlich eines Kampfes, der sich sogar an einer anderen Frontstelle
+abspielte wie die übrigen, glückte es mir, einen zweisitzigen Vickers,
+der ganz friedlich unsere Artilleriestellung photographierte,
+anzuschießen. Der Gegner kam gar nicht dazu, sich zu wehren, und mußte
+sich beeilen, auf die Erde zu kommen, denn er fing schon an, verdächtige
+Zeichen des Brennens von sich zu geben. Wir nennen das: »er stinkt.« Wie
+sich herausstellte, war es auch tatsächlich Zeit, denn der Apparat fing
+kurz über der Erde an, in hellen Flammen zu brennen.
+
+Ich fühlte ein menschliches Mitleid mit meinem Gegner und hatte mich
+entschlossen, ihn nicht zum Absturz zu bringen, sondern ihn nur zur
+Landung zu zwingen, zumal ich das Gefühl hatte, daß der Gegner schon
+verwundet war, denn er brachte keinen Schuß ’raus.
+
+In etwa fünfhundert Metern Höhe zwang mich ein Defekt an meiner
+Maschine, im normalen Gleitflug, ohne eine Kurve machen zu können,
+gleichfalls zu landen. Nun ereignete sich etwas ganz Komisches. Mein
+Feind landete mit seiner brennenden Maschine glatt, während ich als
+Sieger unmittelbar daneben in den Drahthindernissen der Schützengräben
+einer unserer Reservestellungen mich überschlug.
+
+Es folgte eine sportliche Begrüßung der beiden #Englishmen# mit mir, die
+wegen meines Bruches nicht wenig erstaunt waren, da sie, wie bereits
+erwähnt, keinen Schuß auf mich abgegeben hatten und sich den Grund
+meiner Notlandung gar nicht vorstellen konnten. Es waren dies die ersten
+Engländer, die ich lebendig heruntergebracht habe. Deshalb machte es mir
+besonders Spaß, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich fragte sie unter
+anderem, ob sie meine Maschine schon einmal in der Luft gesehen hätten.
+#»Oh yes,«# sagte der eine, »die kenne ich ganz genau. Wir nennen sie
+#›le petit rouge‹#.«
+
+Nun kommt eine echt englische – in meinen Augen – Gemeinheit. Er fragte
+mich, weshalb ich mich vor der Landung so unvorsichtig benommen hätte.
+Der Grund lag darin, daß ich nicht anders konnte. Da sagte der Schurke,
+er hätte versucht, in den letzten dreihundert Metern auf mich zu
+schießen, habe aber Ladehemmung gehabt. Ich gebe ihm Pardon – er nimmt
+es an und vergilt es mir nachher mit einem hinterlistigen Überfall.
+
+Seitdem habe ich noch keinen meiner Gegner wieder sprechen können, aus
+einem naheliegenden Grund.
+
+
+
+
+Englische und französische Fliegerei
+
+(Februar 1917)
+
+
+Zurzeit bin ich bemüht, der Jagdstaffel Boelcke Konkurrenz zu machen.
+Abends legen wir uns gegenseitig die Strecke vor. Aber es sind
+verteufelte Kerls da drüben. Zu schlagen sind sie nie. Höchstens, daß
+man der Staffel gleichkommt. Hundert haben sie ja schon Vorsprung.
+Diesen Vorsprung muß ich ihnen lassen. Es hängt ja viel davon ab,
+welchem Gegner man gegenüber liegt, ob man die laurigen Franzosen oder
+die schneidigen Kerls, die Engländer, gegenüber hat. Mir ist der
+Engländer lieber. Der Franzose kneift, der Engländer selten. Oft kann
+man sogar hier von Dummheit sprechen; sie bezeichnen dies dann wohl als
+Draufgängertum.
+
+Es ist das Schöne beim Jagdflieger, daß es auf keinerlei Kunststücke bei
+ihm ankommt, sondern lediglich persönlicher Schneid das Ausschlaggebende
+bleibt. Es kann einer ein ganz herrlicher Sturz- und Loopingflieger
+sein. Er braucht deshalb noch lange keinen abzuschießen. Meiner Ansicht
+nach macht das Draufgehen alles, und das liegt uns Deutschen ja. Deshalb
+werden wir stets die Oberherrschaft in der Luft behalten.
+
+Dem Franzosen liegt es, aus dem Hinterhalt zu überfallen und einem
+anderen aufzulauern. Das läßt sich in der Luft schlecht machen.
+Überrumpeln läßt sich nur ein Anfänger. Auflauern geht nicht, da man
+sich ja nicht verstecken kann, auch ist das unsichtbare Flugzeug noch
+nicht erfunden. Ab und zu braust wohl mal das gallische Blut in ihm auf.
+Dann setzt er zum Angriff an; aber es ist wohl mit einer Brauselimonade
+zu vergleichen. Für einen Augenblick furchtbar viel Mut, der ebenso
+schnell vollständig schwindet. Das zähe Durchhalten fehlt ihm.
+
+Dem Engländer dagegen merkt man eben doch ab und zu noch etwas von
+seinem Germanenblut an. Auch liegt dem Sportsmann das Fliegen sehr, aber
+sie verlieren sich zu sehr in dem Sportlichen. Sie haben genug Vergnügen
+daran, Loopings, Sturzflüge, Auf-dem-Rücken-fliegen und ähnliche Scherze
+unseren Leuten im Schützengraben vorzumachen. Dies macht wohl bei der
+Johannisthaler Sportswoche Eindruck, aber der Schützengraben ist nicht
+so dankbar wie dieses Publikum.
+
+Er verlangt mehr. Es soll immer englisches Pilotenblut regnen.
+
+
+
+
+Selbst abgeschossen
+
+(Mitte März 1917)
+
+
+Abgeschossen ist eigentlich ein falscher Ausdruck für das, was mir heute
+passiert ist. Ich nenne abgeschossen im allgemeinen nur den, der
+’runterplumpst, aber heute habe ich mich wieder gefangen und kam noch
+ganz heil ’runter.
+
+Ich bin im Geschwader und sehe einen Gegner, der gleichfalls im
+Geschwader fliegt. Etwa über unserer Artilleriestellung in der Gegend
+von Lens. Ich habe noch ein ganzes Stückchen zu fliegen, bis ich die
+Gegend erreiche. Es ist das der nervenkitzelndste Augenblick, das
+Anfliegen an den Gegner, wenn man den Feind schon sieht und noch einige
+Minuten Zeit hat, bis man zum Kampf kommt. Ich glaube, ich werde dann
+immer etwas bleich im Gesicht, aber ich habe leider noch nie einen
+Spiegel mitgehabt. Ich finde diesen Augenblick schön, denn er ist
+überaus nervenkitzelnd, und all so etwas liebe ich. Man beobachtet den
+Gegner schon von weitem, hat das Geschwader als feindlich erkannt, zählt
+die feindlichen Apparate, wägt die ungünstigen und günstigen Momente ab.
+So zum Beispiel spielt es eine ungeheure Rolle, ob der Wind mich im
+Kampfe von meiner Front abdrängt oder auf meine Front zudrückt. So habe
+ich mal einen Engländer abgeschossen, dem ich den Todesschuß jenseits
+der feindlichen Linien gegeben habe, und ’runtergeplumpst ist er bei
+unseren Fesselballons, so weit hat ihn der Sturm noch ’rübergetrieben.
+
+Wir waren fünf, der Gegner war dreimal so stark. Wie ein großer
+Mückenschwarm flogen die Engländer durcheinander. So einen Schwarm, der
+so gut zusammenfliegt, zum Zersprengen zu bringen, ist nicht leicht, für
+den einzelnen ausgeschlossen, für mehrere äußerst schwierig, besonders,
+wenn die Zahlenunterschiede so ungünstig sind wie in unserem Falle. Aber
+man fühlt sich dem Gegner derartig überlegen, daß man keinen Augenblick
+an dem sicheren Erfolg zweifelt. Der Angriffsgeist, also die Offensive,
+ist die Hauptsache, wie überall, so auch in der Luft. Aber der Gegner
+dachte ebenso. Das sollte ich gleich merken. Kaum sah er uns, so machte
+er umgehend kehrt und griff uns an. Da hieß es für uns fünf Männeken:
+Aufgepaßt! Hängt einer ab, so kann es ihm dreckig gehen. Wir schlossen
+uns ebenfalls zusammen und ließen die Herren etwas nähertreten. Ich
+paßte auf, ob nicht einer von den Brüdern sich etwas von den anderen
+absentierte. Da – einer ist so dumm. Ich kann ihn erreichen. »Du bist
+ein verlorenes Kind.« Auf ihn mit Gebrüll. Jetzt hab’ ich ihn erreicht
+oder muß ihn gleich erreichen. Er fängt bereits an zu schießen, ist also
+etwas nervös. Ich dachte mir: »Schieß’ du nur, du triffst ja doch
+nicht!« Er schoß mit einer Leuchtspurmunition, die an mir sichtbar
+vorbeiflog. Ich kam mir vor wie in dem Spritzenkegel einer Gießkanne.
+Nicht angenehm, aber die Engländer schießen fast durchweg mit diesem
+gemeinen Zeug, also muß man sich daran gewöhnen. Der Mensch ist ein
+Gewohnheitstier, denn in diesem Augenblick, glaube ich, habe ich
+gelacht. Bald sollte ich aber eines Besseren belehrt werden.
+
+Jetzt bin ich beinahe ganz heran, etwa hundert Meter, das Gewehr ist
+entsichert, ich ziele noch einmal Probe, gebe einige Probeschüsse, die
+Gewehre sind in Ordnung. Nicht mehr lange kann es dauern. Im Geiste sah
+ich den Gegner schon plumpsen. Die Aufregung von vorhin ist vorüber. Man
+denkt ganz ruhig und sachlich, wägt die Treffwahrscheinlichkeiten von
+ihm und von mir ab. Überhaupt ist der Kampf selbst am wenigsten
+aufregend in den meisten Fällen, und wer sich dabei aufregt, macht einen
+Fehler. Er wird nie einen abschießen. Auch ist es wohl Gewohnheitssache.
+Jedenfalls habe ich in diesem Falle keinen Fehler gemacht. Nun bin ich
+auf fünfzig Meter ’ran, jetzt einige gute Schüsse, dann kann der Erfolg
+nicht ausbleiben. So dachte ich mir. Aber mit einem Male gibt es einen
+großen Knall, ich habe kaum zehn Schuß heraus, gleich darauf klatscht es
+wieder in meiner Maschine. Es ist mir klar, ich bin getroffen.
+Wenigstens meine Maschine, ich für meine Person nicht. Im selben
+Augenblick stinkt es ganz ungeheuerlich nach Benzin, auch läßt der Motor
+nach. Der Engländer merkt es, denn er schießt nun um so mehr. Ich muß
+sofort ablassen.
+
+Senkrecht geht es ’runter. Unwillkürlich habe ich den Motor abgestellt.
+Es war auch höchste Zeit. Wenn der Benzintank durchlöchert ist und das
+Zeug einem so um die Beine spritzt, ist die Gefahr des Brennens doch
+groß. Vor sich hat man einen über einhundertundfünfzig »Pferde« starken
+Explosionsmotor, also glühend heiß. Ein Tropfen Benzin, und die ganze
+Maschine brennt. Ich hinterlasse in der Luft einen weißen Streifen. Ich
+kenne ihn beim Gegner genau. Es sind dies die Vorzeichen der Explosion.
+Noch bin ich dreitausend Meter hoch, habe also noch ein ganzes Ende bis
+auf die Erde. Gott sei Dank hört der Motor auf zu laufen. Die
+Geschwindigkeit, die das Flugzeug erreicht, kann ich nicht berechnen.
+Sie ist jedenfalls so groß, daß ich nicht den Kopf herausstecken kann,
+ohne durch den Windzug hintenüber gedrückt zu werden.
+
+Bald bin ich den Gegner los und habe nun noch Zeit, bis ich auf die Erde
+komme, zu sehen, was denn meine vier anderen Herren machen. Sie sind
+noch im Kampf. Man hört das Maschinengewehrfeuer des Gegners und das der
+eignen. Plötzlich eine Rakete. Ist es das Leuchtsignal eines Gegners?
+Aber nein. Dafür ist es zu groß. Es wird immer größer. Es brennt einer.
+Aber was für einer? Die Maschine sieht genau so aus wie unsere. Gott sei
+Dank, es ist ein Gegner. Wer mag ihn abgeschossen haben? Gleich darauf
+fällt aus dem Geschwader ein zweites Flugzeug heraus, ähnlich wie ich,
+senkrecht nach unten, überschlägt sich sogar, überschlägt sich immer
+noch – da – jetzt hat es sich gefangen. Fliegt geradeaus genau auf mich
+zu. Auch ein Albatros. Gewiß ist es ihm so gegangen wie mir.
+
+Ich bin wohl noch einige hundert Meter hoch und muß mich so sachte
+umgucken, wo ich denn landen will. Denn so eine Landung ist meistenteils
+mit Bruch verbunden. Und so ein Bruch läuft nicht immer günstig ab, also
+– aufpassen. Ich finde eine Wiese, nicht sehr groß, aber sie genügt
+gerade, wenn man etwas vorsichtig zu Werke geht. Außerdem liegt sie mir
+günstig, direkt an der Chaussee bei Hénin-Liétard. Dort will ich auch
+landen. Es geht alles glatt. Mein erster Gedanke ist: Wo bleibt der
+andere? Er landet einige Kilometer von mir entfernt.
+
+Ich habe nun Zeit, mir den Schaden zu beschauen. Einige Treffer sind
+darin, aber der Treffer, der mich veranlaßt hat, den Kampf abzubrechen,
+ist einer durch beide Benzintanks. Ich habe keinen Tropfen Benzin mehr
+drin, der Motor ist gleichfalls angeschossen. Schade um ihn, er lief
+noch so gut.
+
+Die Beine lasse ich herausbaumeln aus der Maschine und mag wohl ein
+ziemlich törichtes Gesicht gemacht haben. Sofort hat sich eine große
+Menge Soldaten um mich versammelt. Da kommt ein Offizier. Er ist ganz
+außer Atem. Sehr aufgeregt! Gewiß ist ihm was Schreckliches passiert. Er
+stürzt auf mich zu, schnappt nach Luft und fragt: »Hoffentlich ist Ihnen
+nichts passiert? Ich habe die ganze Sache beobachtet und bin ja so
+aufgeregt! Herrgott, das sah schrecklich aus!« Ich versicherte ihm, daß
+mir gar nichts fehlte, sprang herunter, stellte mich vor.
+Selbstverständlich verstand er keinen Ton von meinem Namen. Aber er
+forderte mich auf, mit seinem Automobil in das nahe Hénin-Liétard
+hineinzufahren, wo sein Quartier war. Es war ein Pionieroffizier.
+
+Wir sitzen bereits in dem Wagen und fahren gerade an. Mein Gastgeber hat
+sich noch immer nicht beruhigt. Plötzlich erschrickt er und fragt:
+»Herrgott, wo ist denn Ihr Kraftfahrer?« Zuerst wußte ich nicht recht,
+was er meinte, guckte ihn wohl etwas verwirrt an. Dann wurde mir klar,
+daß er mich für den Beobachter eines zweisitzigen Flugzeuges hielt und
+nach meinem Flugzeugführer fragte. Schnell faßte ich mich und sagte ganz
+trocken: »Ich fahre allein.« Das Wort »fahren« ist in der Fliegertruppe
+verpönt. Man fährt nicht, man »fliegt«. In den Augen des braven Herrn
+war ich ganz entschieden durch die Tatsache, daß ich allein »fahre«,
+sichtbar gesunken. Die Unterhaltung wurde etwas spröder.
+
+Da kommen wir in seinem Quartier an. Ich habe noch immer meine
+schmutzige Öllederjacke an, einen dicken Schal um. Unterwegs hat er mich
+natürlich mit unendlich vielen Fragen bestürmt. Überhaupt war der ganze
+Herr bedeutend mehr aufgeregt als ich. Da zwang er mich, auf einem Sofa
+mich hinzulegen, oder wollte dies tun mit der Begründung, daß ich doch
+von meinem Kampf noch ganz echauffiert sein müßte. Ich versicherte ihm,
+daß ich schon manchmal luftgekämpft hätte, was ihm aber gar nicht in den
+Kopf kommen wollte. Ich sah gewiß nicht sehr kriegerisch aus.
+
+Nach einiger Unterhaltung kommt er natürlich mit der berühmten Frage:
+»Haben Sie schon einmal einen abgeschossen?« Meinen Namen hatte er, wie
+gesagt, nicht gehört. »Ach ja,« sagte ich, »ab und zu.« »So – so haben
+Sie etwa schon zwei abgeschossen?« »Nein, aber vierundzwanzig.« Er
+lächelt, wiederholt seine Frage und meint, unter »abgeschossen« verstehe
+er einen, der ’runtergefallen sei und unten liegenbliebe. Ich
+versicherte ihm, das wäre auch meine Auffassung davon. Jetzt war ich
+ganz unten durch, denn jetzt hielt er mich für einen mächtigen
+Aufschneider. Er ließ mich sitzen und sagte mir, daß in einer Stunde
+gegessen würde, und wenn es mir recht sei, könne ich ja mitessen. Nun
+machte ich doch von seinem Anerbieten Gebrauch und schlief eine Stunde
+fest. Dann gingen wir ’rüber ins Kasino. Hier pellte ich mich aus und
+hatte zum Glück meinen #Pour le mérite# um. Leider aber keine
+Uniformjacke darunter, sondern nur eine Weste. Ich bitte um
+Entschuldigung, daß ich nicht besser angezogen bin, und mit einem Male
+entdeckt mein guter Häuptling an mir den #Pour le mérite#. Er wird
+sprachlos vor Erstaunen und versichert mir, daß er nicht wüßte, wie ich
+heiße. Ich sagte ihm nochmals meinen Namen. Jetzt schien ihm etwas zu
+dämmern, daß er wohl schon mal von mir gehört hatte. Ich bekam nun
+Austern und Schampus zu trinken und lebte eigentlich recht gut, bis
+schließlich Schäfer kam und mich mit meinem Wagen abholte. Von ihm
+erfuhr ich, daß Lübbert wieder mal seinem Spitznamen Ehre gemacht hatte.
+Er hieß nämlich unter uns »Kugelfang«, denn in jedem Luftkampf wurde
+seine Maschine arg mitgenommen. Einmal wies sie vierundsechzig Treffer
+auf, ohne daß er selbst verwundet war. Diesmal hatte er einen
+Streifschuß an der Brust bekommen und lag bereits im Lazarett. Seine
+Maschine flog ich gleich nach dem Hafen. Leider ist dieser hervorragende
+Offizier, der das Zeug dazu hatte, einmal ein Boelcke zu werden, einige
+Wochen später den Heldentod fürs Vaterland gestorben.
+
+Am Abend kann ich meinem Gastgeber aus Hénin-Liétard noch Bescheid
+sagen, daß ich heute ein Viertelhundert voll gemacht habe.
+
+
+
+
+Ein Fliegerstückchen
+
+(Ende März 1917)
+
+
+Der Name Siegfried-Stellung ist wohl jedem Jüngling im Deutschen Reiche
+bekannt. In den Tagen, in denen wir uns gegen diese Stellungen
+zurückzogen, gab es natürlich in der Luft auch eine rege Tätigkeit. Der
+Gegner hatte zwar unser verlassenes Gebiet auf der Erde bereits besetzt,
+die Luft dagegen überließen wir den Engländern nicht so bald, dafür
+sorgte Jagdstaffel Boelcke. Nur ganz vorsichtig wagten sich die
+Engländer aus ihrem bisherigen Stellungskrieg in der Luft hervor.
+
+Es ist das die Zeit, wo unser lieber Prinz Friedrich Karl sein Leben dem
+Vaterland opferte.
+
+Bei einem Jagdflug der Jagdstaffel Boelcke hatte Leutnant Voß einen
+Engländer im Luftkampf besiegt. Er wurde von seinem Bezwinger auf die
+Erde gedrückt und landete in dem Gebiet, das man wohl als neutrales
+Gebiet bezeichnen kann. Wir hatten es zwar schon verlassen, der Gegner
+aber noch nicht besetzt. Nur Patrouillen, sowohl englische wie deutsche,
+hielten sich in dieser unbesetzten Zone auf. Das englische Flugzeug
+stand zwischen den Linien. Der brave #Englishman# hatte wohl geglaubt,
+daß dieses Gebiet bereits von den Seinen besetzt wäre, zu welcher
+Annahme er auch berechtigt war. Voß war aber anderer Meinung. Kurz
+entschlossen landete er neben seinem Opfer. Mit großer Geschwindigkeit
+montierte er die feindlichen Maschinengewehre und sonst noch brauchbare
+Teile aus der Maschine ab und verfrachtete sie in der seinen, griff zum
+Streichholz, und in wenigen Augenblicken stand die Maschine in hellen
+Flammen. Eine Minute später winkte er den von allen Seiten
+herbeiströmenden Engländern aus seinem sieggewohnten Luftroß freundlich
+zu.
+
+
+
+
+Erste Dublette
+
+
+Der 2. April 1917 war wieder einmal ein heißer Tag für meine Staffel.
+Von meinem Platze aus konnten wir deutlich das Trommelfeuer hören, und
+gerade heute war es mal wieder sehr heftig.
+
+Ich lag noch im Bett, da kommt mein Bursche zu mir hereingestürzt mit
+dem Ausruf: »Herr Leutnant, die Engländer sind schon da!« Noch etwas
+verschlafen gucke ich zum Fenster ’raus, und tatsächlich, da kreisen
+über dem Platz bereits meine lieben Freunde. Ich ’raus aus meinem Bett,
+die Sachen angezogen, war eins. Mein roter Vogel stand zur Morgenarbeit
+am Start. Meine Monteure wußten, daß ich diesen günstigen Augenblick
+wohl nicht ungenützt vorübergehen lassen würde. Alles war fertig.
+Schnell noch die Warmpelze, dann geht’s los.
+
+Ich war als letzter gestartet. Meine anderen Kameraden waren dem Feind
+viel näher. Ich fürchtete schon, daß mir mein Braten entgehen würde, so
+daß ich von weitem zusehen müßte, wie vor meinen Augen sich einige
+Luftkämpfe abspielen. Da plötzlich fällt einem der frechen Kunden ein,
+auf mich herunterzustoßen. Ich lasse ihn ruhig herankommen, und nun
+beginnt ein lustiger Tanz. Bald fliegt mein Gegner auf dem Rücken, bald
+macht er dies, bald jenes. Es war ein zweisitziges Jagdflugzeug. Ich war
+ihm über, und so erkannte ich denn bald, daß er mir eigentlich nicht
+mehr entgehen konnte. In einer Gefechtspause überzeugte ich mich, daß
+wir uns alleine gegenüberstanden. Also, wer besser schießt, wer die
+größere Ruhe und den besseren Überblick im Augenblick der Gefahr hat,
+der gewinnt.
+
+Es dauerte nicht lange, da hatte ich ihn ’runtergedrückt, ohne ihn
+wirklich ernstlich angeschossen zu haben, mindestens zwei Kilometer von
+der Front entfernt. Ich denke, er will landen, aber da habe ich mich in
+meinem Gegner verrechnet. Mit einem Male sehe ich, wie er, nur wenige
+Meter über dem Erdboden, plötzlich wieder geradeaus fliegt und mir zu
+entkommen sucht. Das war mir doch zu bunt. Ich griff ihn nochmals an und
+zwar so niedrig, daß ich fast fürchtete, die Häuser eines unter mir
+liegenden Dorfes zu berühren. Der Engländer wehrte sich bis zum letzten
+Augenblick. Noch ganz zum Schluß spürte ich einen Treffer in meiner
+Maschine. Nun ließ ich aber nicht mehr locker, jetzt mußte er fallen. Er
+rannte mit voller Fahrt in einen Häuserblock hinein.
+
+Viel war nicht mehr übrig. Es war wieder ein Fall glänzenden Schneids.
+Er verteidigte sich bis zum Letzten. Aber meiner Ansicht nach war es zum
+Schluß doch mehr Dummheit von ihm. Es war eben mal wieder der Punkt, wo
+ich eine Grenze zwischen Schneid und Dummheit ziehe. Runter mußte er
+doch. So hatte er seine Dummheit mit dem Leben bezahlen müssen.
+
+ * * * * *
+
+Sehr vergnügt über die Leistungen meines roten Stahlrosses bei der
+Morgenarbeit kehrte ich zurück. Meine Kameraden waren noch in der Luft
+und waren sehr erstaunt, als wir uns beim Frühstück trafen und ich ihnen
+von meiner Nummer Zweiunddreißig erzählen konnte.
+
+Ein ganz junger Leutnant hatte seinen Ersten abgeschossen, wir waren
+sehr vergnügt und bereiteten uns für neue Kämpfe vor.
+
+Ich hole meine versäumte Morgentoilette nach. Da kommt ein guter Freund
+– Leutnant Voß von der Jagdstaffel Boelcke – zu mir, um mich zu
+besuchen. Wir unterhalten uns. Voß hatte am Tage vorher seinen
+Dreiundzwanzigsten erledigt. Er stand also mir am nächsten und ist wohl
+zurzeit mein heftigster Konkurrent.
+
+Wie er nach Hause fliegt, wollte ich ihn noch ein Stückchen begleiten.
+Wir machen einen Umweg über die Front. Das Wetter ist eigentlich sehr
+schlecht geworden, so daß wir nicht annehmen konnten, noch Weidmannsheil
+zu haben.
+
+Unter uns geschlossene Wolken. Voß, dem die Gegend unbekannt war, fing
+es schon an, ungemütlich zu werden. Über Arras traf ich meinen Bruder,
+der gleichfalls bei meiner Staffel ist und sein Geschwader verloren
+hatte. Er schließt sich uns auch an. Er wußte ja, daß ich es bin (roter
+Vogel).
+
+Da sehen wir von drüben ein Geschwader ankommen. Sofort zuckt es mir
+durch den Kopf: »Nummer Dreiunddreißig!« Trotzdem es neun Engländer
+waren und auf ihrem Gebiet, zogen sie es doch vor, den Kampf zu meiden.
+(Ich werde nächstens doch mal die Farbe wechseln müssen.) Aber wir
+holten sie doch ein. Schnelle Maschine ist eben die Hauptsache.
+
+Ich bin dem Feind am nächsten und greife den hintersten an. Zu meinem
+größten Entzücken merke ich, daß er sich gleich in den Kampf mit mir
+einläßt, und mit noch viel größerem Vergnügen, daß ihn seine Kameraden
+im Stich lassen. Ich habe ihn also bald allein vor. Es ist wiederum
+derselbe Typ, mit dem ich es vormittags zu tun hatte. Er machte es mir
+nicht leicht. Er weiß, worauf es ankommt, und besonders aber: der Kerl
+schoß gut. Das konnte ich zu meinem Leidwesen nachher noch ziemlich
+genau feststellen. Der günstige Wind kommt mir zu Hilfe und treibt uns
+beide Kämpfenden über unsere Linien. Der Gegner merkt, daß die Sache
+doch nicht so einfach ist, wie er sich wohl gedacht hat, und
+verschwindet in einem Sturzflug in einer Wolke. Beinahe war es seine
+Rettung. Ich stoße hinter ihm her, komme unten heraus und – Anlauf muß
+eben der Mensch haben – ich sitze wie durch ein Wunder genau hinter
+ihm. Ich schieße, er schießt, aber kein greifbares Resultat. Da –
+endlich habe ich ihn getroffen. Ich merke es an dem weißen Benzindunst,
+der hinter seinem Apparat zurückbleibt. Er muß also landen, denn sein
+Motor bleibt stehen.
+
+Er war aber doch ein hartnäckiger Bursche. Er mußte erkennen, daß er
+ausgespielt hatte. Schoß er nun noch weiter, so konnte ich ihn sofort
+totschießen, denn wir waren mittlerweile nur noch dreihundert Meter
+hoch. Aber der Kerl verteidigte sich genau wie der von heute morgen, bis
+er unten gelandet war. Nach seiner Landung flog ich nochmals über ihn
+hinweg in zehn Metern Höhe, um festzustellen, ob ich ihn totgeschossen
+hatte oder nicht. Was macht der Kerl? Er nimmt sein Maschinengewehr und
+zerschießt mir die ganze Maschine.
+
+Voß sagte nachher zu mir, wenn ihm das passiert wäre, hätte er ihn
+nachträglich noch auf dem Boden totgeschossen. Eigentlich hätte ich es
+auch machen müssen, denn er hatte sich eben noch nicht ergeben. Er war
+übrigens einer von den wenigen Glücklichen, die am Leben geblieben sind.
+
+Sehr vergnügt flog ich nach Hause und konnte meinen Dreiunddreißigsten
+feiern.
+
+
+
+
+Mein bisher erfolgreichster Tag
+
+
+Wunderbares Wetter. Wir stehen auf dem Platz. Ich habe Besuch von einem
+Herrn, der noch nie einen Luftkampf oder so etwas Ähnliches gesehen hat
+und mir gerade versichert, daß es ihn ungeheuer interessieren würde,
+einen solchen Luftkampf zu sehen.
+
+Wir steigen in unsere Kisten und lachen sehr über ihn, und Schäfer
+meint: »Den Spaß können wir ihm machen!« Wir stellen ihn an ein
+Scherenfernrohr und fliegen los.
+
+Der Tag fing gut an. Wir waren kaum zweitausend Meter hoch, da kamen uns
+schon die ersten Engländer in einem Geschwader von fünf entgegen. Ein
+Angriff, der mit einer Attacke zu vergleichen war – und das feindliche
+Geschwader lag vernichtet am Boden. Von uns war nicht ein einziger auch
+nur verwundet. Die Gegner waren – zwei brennend und drei so – auf
+unserer Seite abgestürzt.
+
+Der gute Freund unten auf der Erde hatte nicht wenig gestaunt. Er hatte
+sich die Sache ganz anders vorgestellt; viel dramatischer. Er meinte,
+die Sache hätte so harmlos ausgesehen, bis plötzlich einige Flugzeuge,
+einer Rakete gleich, brennend abstürzten. Ich habe mich an den Anblick
+so allmählich gewöhnt, aber ich muß sagen, mir hat es auch einen
+Mordseindruck gemacht, und ich habe noch lange davon geträumt, wie ich
+den ersten Engländer habe in die Tiefe sausen sehen.
+
+Ich glaube, wenn es mir noch einmal passieren würde, es wäre mir nicht
+mehr so schrecklich wie damals.
+
+Nachdem dieser Tag so gut angefangen hatte, setzten wir uns erst mal zu
+einem ordentlichen Frühstück hin, da wir alle einen Mordshunger hatten.
+In der Zwischenzeit wurden unsere Maschinen wieder in Schuß gebracht,
+neue Patronen geladen, und dann ging’s weiter.
+
+Am Abend konnten wir die stolze Meldung machen: Dreizehn feindliche
+Flugzeuge durch sechs deutsche Apparate vernichtet.
+
+Eine ähnliche Meldung hatte nur einmal die Jagdstaffel Boelcke machen
+können. Acht Flugzeuge waren es, die wir damals abschossen, heute hatte
+einer sogar vier Gegner zum Absturz gebracht. Es ist ein Leutnant Wolff,
+ein zartes, schlankes Kerlchen, in dem niemals einer einen solchen
+Massensieger erblicken würde. Mein Bruder hatte zwei, Schäfer zwei,
+Festner zwei, ich drei.
+
+Abends legten wir uns kolossal stolz, andererseits aber auch recht müde
+in unsere Klappen.
+
+Am Tage darauf lasen wir unter großem Hallo im Heeresbericht von den
+Taten des Tages vorher. Im übrigen schossen wir am Tage darauf acht ab.
+
+ * * * * *
+
+[Illustration: Leutnant Schaefers Notlandung zwischen den Linien]
+
+[Illustration: Weihnachten 1916
+Der »alte Herr« (X) bei der Jagdstaffel Boelcke]
+
+Eine sehr niedliche Geschichte ereignete sich noch:
+
+Einer von unseren abgeschossenen Engländern war gefangen und kommt ins
+Gespräch mit uns. Natürlich erkundigte er sich auch nach der roten
+Maschine. Selbst bei der Truppe unten im Schützengraben ist sie nicht
+unbekannt und geht unter dem Namen #»le diable rouge«#. Bei seiner
+Squadron hat sich das Gerücht verbreitet, daß in der roten Maschine ein
+Mädchen säße, so etwas Ähnliches wie Jeanne d’Arc. Er war sehr erstaunt,
+wie ich ihm versicherte, daß das vermutete Mädchen zurzeit vor ihm
+stünde. Er hatte damit keinen Witz machen wollen, sondern war selbst
+überzeugt, daß tatsächlich in der pervers angestrichenen Kiste nur eine
+Jungfrau sitzen konnte.
+
+
+
+
+»Moritz«
+
+
+Das schönste Wesen, das je die Welt geschaffen hat, ist die echte Ulmer
+Dogge, mein »kleines Schoßhündchen«, der »Moritz«. Ich habe ihn in
+Ostende von einem braven Belgier für fünf Mark gekauft. Die Mutter war
+ein schönes Tier, einer seiner Väter auch, also ganz »rasserein«. Davon
+bin ich überzeugt. Ich hatte die Auswahl und suchte mir den niedlichsten
+heraus. Zeumer nahm sich einen zweiten und nannte ihn »Max«. Max fand
+ein jähes Ende unter einem Auto, Moritz aber gedieh vortrefflich. Er
+schlief mit mir im Bett und wurde vorzüglich erzogen. Er hat mich von
+Ostende ab auf Schritt und Tritt begleitet und ist mir sehr ans Herz
+gewachsen. Von Monat zu Monat wurde Moritz groß und größer, und es
+entwickelte sich so allmählich aus dem zarten Schoßhündchen ein ganz
+ungeheuer großes Tier.
+
+Ich habe ihn sogar einmal mitgenommen. Er ist mein erster »Franz«
+gewesen. Er benahm sich dabei sehr vernünftig, und sehr interessiert
+beäugte er sich die Welt von oben. Nur meine Monteure schimpften
+nachher, daß sie das Flugzeug von einigen unangenehmen Dingen reinigen
+mußten. Moritz war aber nachher wieder sehr vergnügt.
+
+Er ist nun schon über ein Jahr alt und immer noch das kindische Tier
+von einigen Monaten. Er spielt sehr gut Billard. Leider geht dabei so
+manche Kugel, besonders aber so manches Billardtuch flöten. Er hat auch
+eine Riesen-Jagdpassion. Meine Monteure sind darüber sehr glücklich,
+denn er fängt ihnen so manchen schönen Hasenbraten. Von mir kriegt er
+immer dafür etwas Senge, denn ich bin weniger erbaut von dieser Passion.
+
+Er hatte eine dumme Eigenschaft. Er liebte es, die Flugzeuge bei jedem
+Start zu begleiten. Der normale Tod eines Fliegerhundes ist bei dieser
+Gelegenheit der Tod durch den Propeller. Wieder einmal jagte er vor
+einem startenden Flugzeug einher, wird natürlich eingeholt und – ein
+sehr schöner Propeller war hin. Moritz heulte schrecklich, und eine von
+mir versäumte Maßnahme wurde auf diese Weise nachgeholt. Ich habe mich
+immer gesträubt, ihn koupieren zu lassen, d. h. im besonderen ihm die
+Ohren beschneiden zu lassen. Auf der einen Seite hat es nun der
+Propeller nachgeholt. Die Schönheit hat ihn nie gedrückt, aber das eine
+Klappohr und das andere halbkoupierte stehen ihm recht gut. Überhaupt,
+wenn der Ringelschwanz nicht wäre, wäre es eine richtige, echte Ulmer
+Dogge.
+
+Moritz hat den Weltkrieg und unsere Feinde richtig erfaßt. Wie er zum
+erstenmal im Sommer 1916 russische Eingeborene sah – der Zug hielt, und
+Moritz wurde etwas spazieren geführt –, verjagte er die hinzugelaufene
+russische Jugend mit ungeheurem Gekläff. Auch Franzosen schätzt er
+nicht, trotzdem er ja eigentlich selbst ein Belgier ist. Ich gab mal in
+einem neuen Quartier Einwohnern den Auftrag, das Haus zu säubern. Wie
+ich abends wiederkam, war nichts gemacht. Verärgert lasse ich mir einen
+Franzosen kommen. Kaum macht er die Tür auf, begrüßt ihn Moritz etwas
+unliebenswürdig. Nun konnte ich mir erklären, weshalb die Herren mein
+Château gemieden hatten.
+
+
+
+
+Englischer Bombenangriff auf unseren Flughafen
+
+
+Die Vollmondnächte sind für den Nachtflieger am geeignetsten.
+
+In den Vollmondnächten des Monats April betätigten sich unsere lieben
+Engländer besonders emsig. Natürlich war es mit der Arras-Schlacht in
+Verbindung zu bringen. Sie mochten wohl herausbekommen haben, daß wir in
+Douai auf einem sehr, sehr schönen, großen Flugplatz uns häuslich
+eingerichtet hatten. Eines Nachts, wir sitzen im Kasino, klingelt das
+Telephon, und es wird mitgeteilt: »Die Engländer kommen.« Natürlich
+großes Hallo. Unterstände hatten wir ja; dafür hatte der tüchtige Simon
+gesorgt. Simon ist unser Bausachverwalter. Also alles stürzt in die
+Unterstände, und man hört tatsächlich – zuerst noch ganz leise, aber
+ganz sicher das Geräusch eines Flugmotors. Die Flaks und Scheinwerfer
+scheinen auch eben die Mitteilung bekommen zu haben, denn man merkt, wie
+sie sachte lebendig werden. Der erste Feind war aber noch viel zu weit,
+um angegriffen zu werden. Uns machte es einen Heidenspaß. Wir
+befürchteten nur immer, die Engländer würden unseren Platz nicht finden,
+denn das ist nachts gar nicht so einfach, besonders, da wir nicht an
+einer großen Chaussee lagen oder an einem Wasser oder an einer
+Eisenbahn, die des Nachts die besten Anhaltspunkte bilden.
+
+Der Engländer flog scheinbar sehr hoch. Erst einmal um den ganzen Platz
+herum. Wir glaubten schon, er hätte sich ein anderes Ziel gesucht. Mit
+einem Male aber stellt er den Motor ab und kommt herunter. »Nun wird’s
+Ernst,« meinte Wolff. Wir hatten uns zwei Karabiner geholt und fingen
+an, auf den Engländer zu schießen. Sehen konnten wir ihn ja noch nicht.
+Aber allein der Knall beruhigte schon unsere Nerven. Jetzt kommt er in
+den Scheinwerfer herein. Auf dem ganzen Flugplatz überall ein großes
+Hallo. Es ist eine ganz alte Kiste. Wir können den Typ genau erkennen.
+Er ist höchstens noch einen Kilometer von uns entfernt. Er fliegt genau
+auf unseren Platz zu. Er kommt immer niedriger. Jetzt kann er höchstens
+noch hundert Meter hoch sein. Da stellt er wieder den Motor an und kommt
+genau auf uns zugeflogen. Wolff meint noch: »Gott sei Dank, er hat sich
+die andere Seite des Flugplatzes ausgesucht.« Aber es dauerte nicht
+lange, da kommt die erste, und dann regnet es einige Bömbchen. Es war
+ein wunderbares Feuerwerk, das uns der Bruder vormachte. Einem
+Angsthasen konnte er auch Eindruck machen. Ich finde überhaupt,
+Bombenwerfen in der Nacht ist nur moralisch von Bedeutung. Hat einer
+die Hosen voll, so ist es für _ihn_ sehr peinlich, für die anderen aber
+nicht.
+
+Wir empfanden einen großen Spaß und meinten, die Engländer könnten doch
+recht oft kommen. Also, mein guter Gitterschwanz warf seine Bomben ab,
+und zwar aus fünfzig Metern Höhe. Das ist eine ziemliche Frechheit, denn
+auf fünfzig Meter mute ich mir zu, auch des Nachts bei Vollmond einem
+Keiler einen ganz anständigen Blattschuß zu verpassen. Warum sollte ich
+nicht auch einen Engländer treffen? Es wäre doch mal etwas anderes
+gewesen, so einen Bruder von unten abzuschießen.
+
+Von oben hatten wir schon mehreren die Ehre gegeben, aber von unten
+hatte ich es nicht probiert. Wie der Engländer weg war, gingen wir
+wieder ins Kasino und besprachen uns, wie wir den Brüdern in der
+nächsten Nacht einen Empfang bereiten wollten. Tags darauf sah man die
+Burschen usw. sehr emsig arbeiten. Sie beschäftigten sich damit, Pfähle
+in der Nähe des Kasinos und der Offizier-Wohnbaracken einzurammen, die
+in der kommenden Nacht als Maschinengewehrstände benutzt werden sollten.
+Wir schossen uns mit erbeuteten englischen Flugzeug-Maschinengewehren
+ein, machten uns ein Nachtkorn drauf und waren sehr gespannt, was nun
+werden würde. Die Zahl der Maschinengewehre will ich nicht verraten,
+aber es sollte genügen. Jeder von meinen Herren war mit so einem Ding
+bewaffnet.
+
+Wir sitzen wieder im Kasino. Gesprächstoff sind natürlich die
+Nachtflieger. Da kommt ein Bursche hereingestürzt und schreit nur: »Sie
+kommen, sie kommen!« und verschwindet, etwas spärlich bekleidet, im
+nächsten Unterstand. Jeder von uns stürzt an die Maschinengewehre.
+Einige tüchtige Mannschaften, die gute Schützen sind, sind auch damit
+bewaffnet. Alle übrigen haben Karabiner. Die Jagdstaffel ist jedenfalls
+bis an die Zähne bewaffnet und bereit, die Herren zu empfangen.
+
+Der erste kam, genau wie am Abend vorher, in größerer Höhe, geht dann
+auf fünfzig Meter herunter, und zu unserer größten Freude hat er es
+diesmal gleich auf unsere Barackenseite abgesehen. Er ist im
+Scheinwerfer. Jetzt ist er höchstens noch dreihundert Meter von uns
+entfernt. Der erste fängt an zu schießen, und zur selben Zeit setzen
+alle übrigen ein. Ein Sturmangriff könnte nicht besser abgewehrt werden
+als dieser Angriff des einzelnen frechen Kunden in fünfzig Metern Höhe.
+Ein rasendes Feuer empfängt ihn. Hören konnte er das Maschinengewehrfeuer
+ja nicht, daran verhinderte ihn sein Motor, aber das Mündungsfeuer eines
+jeden sah er, und deshalb finde ich es auch diesmal sehr schneidig von
+dem Bruder, daß er nicht abbog, sondern starr seinen Auftrag
+durchführte. Er flog genau über uns weg. In dem Augenblick, wie er über
+uns weg war, springen wir natürlich schnell in den Unterstand, denn
+durch so ’ne dämliche Bombe erschlagen zu werden, wäre für einen
+Jagdflieger ein selten dämlicher Heldentod. Kaum ist er über uns weg,
+wieder ’ran an die Gewehre und feste hinter ihm hergefeuert. Schäfer
+behauptete natürlich: »Ich habe ihn getroffen.« Der Kerl schießt ganz
+gut. Aber in diesem Fall glaubte ich ihm denn doch nicht, und außerdem
+hatte jeder andere ebenso gute Chancen.
+
+Wir hatten wenigstens das erreicht, daß der Gegner seine Bomben ziemlich
+planlos in die Gegend warf. Eine allerdings platzte ein paar Meter neben
+dem #»petit rouge«,# tat ihm aber nicht weh. Dieser Spaß wiederholte
+sich in der Nacht noch mehrere Male. Ich lag bereits im Bett und schlief
+fest, da hörte ich im Traum Ballonabwehrfeuer, wachte davon auf und
+konnte nur feststellen, daß der Traum Wahrheit war. Ein Kunde flog so
+niedrig über meine Bude weg, daß ich mir vor lauter Angst die Bettdecke
+über den Kopf zog. Im nächsten Augenblick ein wahnsinniger Knall, ganz
+in der Nähe meines Fensters, und meine Scheiben waren ein Opfer der
+Bombe. Schnell im Hemd ’rausgestürzt und noch einige Schuß hinter ihm
+her. Draußen wurde er schon kräftig beschossen. Ich hatte aber diesen
+Herrn leider verschlafen.
+
+Am nächsten Morgen waren wir sehr erstaunt und hocherfreut, als wir
+feststellten, daß wir nicht weniger wie drei Engländer von der Erde aus
+abgeschossen hatten. Sie waren nicht weit von unserem Flughafen gelandet
+und gefangengenommen worden. Wir hatten meist die Motoren getroffen und
+sie dadurch gezwungen, auf unserer Seite ’runterzugehen. Also hatte sich
+vielleicht Schäfer doch nicht geirrt. Wir waren jedenfalls sehr
+zufrieden mit unserem Erfolg. Die Engländer dafür etwas weniger, denn
+sie zogen es vor, nicht mehr unseren Platz zu attackieren. Eigentlich
+schade, denn sie haben uns viel Spaß damit gemacht. Vielleicht kommen
+sie nächsten Monat wieder.
+
+
+
+
+Schäfers Notlandung zwischen den Linien
+
+
+Am Abend des 20. April machen wir einen Jagdflug, kommen sehr spät nach
+Hause und haben Schäfer unterwegs verloren. Natürlich hofft jeder, daß
+er vor Dunkelheit noch den Platz erreicht. Es wird Neun, es wird Zehn,
+Schäfer kommt nicht. Benzin kann er nicht mehr haben, folglich ist er
+irgendwo notgelandet. Daß einer abgeschossen ist, will man sich nie
+zugeben. Keiner wagt es in den Mund zu nehmen, aber jeder fürchtet es im
+stillen. Das Telephonnetz wird in Bewegung gesetzt, um zu ermitteln, wo
+ein Flieger gelandet ist. Kein Mensch kann uns Auskunft geben. Keine
+Division, keine Brigade will ihn gesehen haben. Ein ungemütlicher
+Zustand. Schließlich gehen wir schlafen. Wir waren alle fest überzeugt,
+er würde sich noch einfinden. Nachts um Zwei werde ich plötzlich
+geweckt. Die Telephonordonnanz teilt mir strahlend mit: »Schäfer
+befindet sich im Dorf #Y# und bittet um Abholung.«
+
+Am nächsten Morgen zum Frühstück öffnet sich die Tür, und mein braver
+Pilot steht in so verdrecktem Anzug vor mir, wie ihn der Infanterist
+nach vierzehn Tagen Arras-Schlacht am Leibe hat. Großes Hallo! Schäfer
+ist quietschvergnügt und muß seine Erlebnisse zum besten geben. Er hat
+einen Bärenhunger. Nachdem er gefrühstückt hat, erzählt er uns
+folgendes:
+
+»Ich fliege nach Hause an der Front entlang und sehe in ganz niedriger
+Höhe drüben scheinbar einen Infanterieflieger. Ich greife ihn an,
+schieße ihn ab und will wieder zurückfliegen, da nehmen mich die
+Engländer unten aus den Schützengräben mächtig vor und beknallen mich
+ganz unheimlich. Meine Rettung war natürlich die Geschwindigkeit des
+Flugzeugs, denn daß sie beim Schießen vorhalten müssen, daran denken die
+Kerle natürlich nicht. Ich war vielleicht noch zweihundert Meter hoch,
+aber ich muß doch versichern, daß ich gewisse Körperteile mächtig
+angespannt habe, aus erklärlichen Gründen. Mit einem Male gibt es einen
+Schlag, und mein Motor bleibt stehen. Also landen. Komme ich noch über
+die feindlichen Linien, oder komme ich nicht? Das war sehr die Frage.
+Die Engländer haben es bemerkt und fangen wie wahnsinnig an zu schießen.
+Jetzt höre ich jeden einzelnen Schuß, denn mein Motor läuft nicht mehr,
+der Propeller steht still. Eine peinliche Situation. Ich komme herunter,
+lande, meine Maschine steht noch nicht, da werde ich aus einer Hecke des
+Dorfes Monchy bei Arras ganz kolossal mit Maschinengewehrfeuer
+beschossen. Die Kugeln klatschen nur so in meine Maschine herein. Ich
+’raus aus der Kiste und in das nächste Granatloch ’rein, war eins. Dort
+besann ich mich mal erst, wo ich mich befinde. So allmählich wird mir
+klar, daß ich über die Linien ’rüber bin, aber noch verdammt nahe bei
+ihnen. Gott sei Dank ist es etwas spät abends. Das ist meine Rettung.
+
+Es dauert nicht lange, da kommen die ersten Granaten an. Natürlich sind
+es Gasgranaten, und eine Maske hatte ich selbstverständlich nicht mit.
+Also mir fingen die Augen ganz erbärmlich an zu tränen. Die Engländer
+schossen sich vor Dunkelheit auch noch mit Maschinengewehren auf meine
+Landungsstelle ein, ein Maschinengewehr offenbar auf mein Flugzeug, das
+andere auf meinen Granattrichter. Die Kugeln klatschten oben immer
+dagegen. Ich steckte mir daraufhin, um meine Nerven zu beruhigen, erst
+mal eine Zigarette an, ziehe mir meinen dicken Pelz aus und mache mich
+zum Sprung auf! Marsch, marsch! bereit. Jede Minute erscheint eine
+Stunde.
+
+Allmählich wurde es dunkel, aber nur ganz allmählich. Um mich herum
+locken die Rebhühner. Als Jäger erkannte ich, daß die Hühner ganz
+friedlich und vertraut waren, also war keine Gefahr, daß ich in meinem
+Versteck überrascht wurde. Schließlich wurde es immer finsterer. Auf
+einmal geht ganz in meiner Nähe ein Pärchen Rebhühner hoch, gleich
+darauf ein zweites, und ich erkannte daraus, daß Gefahr im Anzuge war.
+Offenbar war es eine Patrouille, die mir Guten Abend sagen wollte. Nun
+wird’s die höchste Zeit, daß ich mich aus dem Staube mache. Erst ganz
+vorsichtig auf dem Bauche kriechend, von Granatloch zu Granatloch. Ich
+komme nach etwa anderthalb Stunden eifrigen Kriechens an die ersten
+Menschen. Sind es Engländer, oder sind es Deutsche? Sie kommen heran,
+und beinahe wäre ich den Musketieren um den Hals gesprungen, als ich sie
+erkannte. Es war eine Schleichpatrouille, die sich im neutralen
+Zwischengelände herumtreibt. Einer der Leute führte mich zu seinem
+Kompagnieführer, und hier erfuhr ich denn, daß ich am Abend zuvor etwa
+fünfzig Schritte vor der feindlichen Linie gelandet sei und unsere
+Infanterie mich bereits aufgegeben hatte. Ich nahm mal erst ein
+ordentliches Abendbrot zu mir und trete dann den Rückmarsch an.
+
+Hinten wurde viel mehr geschossen als vorn. Jeder Weg, jeder
+Annäherungsgraben, jedes Gebüsch, jeder Hohlweg, alles lag unter
+feindlichem Feuer. Am nächsten Morgen griffen die Engländer an, sie
+mußten also heute abend ihre Artillerievorbereitung beginnen. Ich hatte
+mir also einen ungünstigen Tag für mein Unternehmen ausgesucht. Erst
+gegen zwei Uhr morgens erreichte ich das erste Telephon und konnte mich
+mit meiner Staffel in Verbindung setzen.«
+
+Wir waren alle glücklich, unseren Schäfer wieder zu haben. Er legte
+sich ins Bett. Jeder andere hätte mal für die nächsten vierundzwanzig
+Stunden auf den Genuß des Jagdfliegens verzichtet. Mein Schäfer
+attackierte aber bereits am Nachmittag desselben Tages wiederum über
+Monchy einen ganz tieffliegenden B. E.
+
+
+
+
+Das Anti-Richthofen-Geschwader
+
+(25. April 1917)
+
+
+Die Engländer hatten sich einen famosen Witz ausgedacht, nämlich mich zu
+fangen oder abzuschießen. Zu diesem Zwecke hatten sie tatsächlich ein
+besonderes Geschwader aufgestellt, das in dem Raum flog, in dem wir uns
+meistens ’rumtrieben. Wir erkannten es daran, daß es hauptsächlich gegen
+unsere roten Flugzeuge offensiv wurde.
+
+Ich muß bemerken, daß wir unsere _ganze_ Jagdstaffel rot angemalt
+hatten, da den Brüdern doch allmählich klar geworden war, daß ich in
+dieser knallroten Kiste säße. So waren wir jetzt alle rot, und die
+Engländer machten recht große Augen, wie sie statt der einen ein ganzes
+Dutzend solcher Kisten sahen. Das hielt sie aber nicht ab, den Versuch
+zu machen, uns zu attackieren. Es ist mir ja viel lieber, die Kundschaft
+kommt zu mir, als daß ich zu ihr hingehen muß.
+
+Wir flogen an die Front, in der Hoffnung, unsere Gegner zu finden. Nach
+etwa zwanzig Minuten kamen die ersten an und attackierten uns
+tatsächlich. Das war uns schon seit langer Zeit nicht mehr passiert. Die
+Engländer hatten ihren berühmten Offensivgeist doch etwas eingeschränkt,
+da er ihnen wohl etwas zu teuer zu stehen gekommen war. Es waren drei
+Spad-Einsitzer, die sich infolge ihrer guten Maschinen uns sehr
+überlegen glaubten. Es flogen zusammen: Wolff, mein Bruder und ich. Drei
+gegen drei, das paßte also ganz genau. Gleich zu Anfang wurde aus dem
+Angriff eine Verteidigung. Schon hatten wir überhand. Ich kriegte meinen
+Gegner vor und konnte noch schnell sehen, wie mein Bruder und Wolff sich
+jeder einen dieser Burschen vorbanden. Es begann der übliche Tanz, man
+kreist umeinander. Der gute Wind kam uns zu Hilfe. Er trieb uns
+Kämpfende von der Front weg, Richtung Deutschland.
+
+Meiner war der erste, der stürzte. Ich hatte ihm wohl den Motor
+zerschossen. Jedenfalls entschloß er sich, bei uns zu landen. Pardon
+kenne ich nicht mehr, deshalb attackierte ich ihn noch ein zweites Mal,
+worauf das Flugzeug in meiner Geschoßgarbe auseinanderklappte. Die
+Flächen fielen wie ein Blatt Papier, jede einzeln, und der Rumpf sauste
+wie ein Stein brennend in die Tiefe. Er fiel in einen Sumpf. Man konnte
+ihn nicht mehr ausgraben. Ich habe nie erfahren, wer es war, mit dem ich
+gekämpft habe. Er war verschwunden. Bloß noch die letzten Reste des
+Schwanzes verbrannten und zeigten die Stätte, wo er sich selbst sein
+Grab gegraben hatte.
+
+Gleichzeitig mit mir hatten Wolff und mein Bruder ihre Gegner
+angegriffen und nicht weit von dem meinigen zur Landung gezwungen.
+
+Wir flogen sehr vergnügt nach Hause und meinten: »Hoffentlich kommt
+recht oft das Anti-Richthofen-Geschwader.«
+
+
+
+
+Der »alte Herr« kommt uns besuchen
+
+
+Für den 29. April hatte sich der »alte Herr« angesagt, der seine beiden
+Söhne besuchen wollte. Mein Vater ist Ortskommandant eines Städtchens in
+der Nähe von Lille, also nicht sehr weit weg von uns. Von oben kann ich
+ihn öfters sehen. Er wollte mit dem Zuge um neun Uhr kommen. Um halb
+Zehn ist er auf unserem Platz. Wir kommen gerade von einem Jagdflug nach
+Hause, und mein Bruder steigt zuerst aus seiner Kiste, begrüßt den alten
+Herrn: »Guten Tag, Papa, ich habe eben einen Engländer abgeschossen.«
+Darauf steige ich aus meiner Maschine: »Guten Tag, Papa, ich habe eben
+einen Engländer abgeschossen.« Der alte Herr war glücklich, es machte
+ihm viel Spaß, das sah man ihm an. Er ist nicht einer von den Vätern,
+die sich um ihre Söhne bangen, sondern am liebsten möchte er selbst sich
+in eine Maschine setzen und auch abschießen – glaube ich wenigstens. Wir
+frühstückten erst mit ihm, dann flogen wir wieder.
+
+In der Zwischenzeit spielte sich ein Luftkampf über unserem eigenen
+Flughafen ab, den mein Vater sehr interessiert beobachtete. Wir waren
+aber nicht beteiligt, denn wir standen unten und sahen selbst zu. Es war
+ein englisches Geschwader, das durchgebrochen war und über unserem
+Flughafen von einigen unserer Aufklärungsflieger angegriffen wurde.
+Plötzlich überschlägt sich das eine Flugzeug, fängt sich wieder und
+kommt herunter im normalen Gleitflug, und wir erkennen mit Bedauern, daß
+es diesmal ein Deutscher ist. Die Engländer fliegen weiter. Das deutsche
+Flugzeug ist scheinbar angeschossen, kommt aber ganz richtig gesteuert
+herunter und versucht, auf unserem Flugplatz zu landen. Der Platz ist
+etwas klein für das große Ding. Auch war es dem Piloten unbekanntes
+Gelände. So war die Landung nicht ganz glatt. Wir stürzen hin und müssen
+mit Bedauern feststellen, daß der eine der Insassen, der
+Maschinengewehrschütze, gefallen ist. Dieser Anblick war meinem Vater
+etwas Neues und stimmte ihn offenbar sehr ernst.
+
+Der Tag versprach noch gut zu werden für uns. Wunderbar klares Wetter.
+Dauernd hörte man die Abwehrgeschütze; also unentwegter Flugbetrieb.
+Gegen Mittag flogen wir wieder. Diesmal hatte ich wieder Glück und hatte
+meinen zweiten Engländer an dem Tage abgeschossen. Die Stimmung des
+alten Herrn war wieder da. Nach Tisch ein kurzes Schläfchen und man war
+wieder ganz auf der Höhe. Wolff war mit seiner Gruppe während der Zeit
+am Feinde gewesen und hatte selbst einen erledigt. Auch Schäfer hatte
+sich einen zu Gemüte geführt. Nachmittags starteten mein Bruder und ich
+mit Schäfer, Festner und Allmenröder noch zweimal. Der erste Flug war
+verunglückt, der zweite Flug um so besser. Wir waren nicht lange an der
+Front, da kam uns ein feindliches Geschwader entgegen. Leider sind sie
+höher als wir. Also können wir nichts machen. Wir versuchen, ihre Höhe
+zu erreichen: es glückt uns nicht. Wir müssen sie auslassen, fliegen an
+der Front entlang, mein Bruder dicht neben mir, den anderen voraus. Da
+sehe ich zwei feindliche Artillerieflieger in ganz unverschämt frecher
+Weise nahe an unsere Front herankommen. Ein kurzer Wink meines Bruders,
+und wir hatten uns verständigt. Wir fliegen nebeneinander her, unsere
+Geschwindigkeit vergrößernd. Jeder fühlt sich so sicher, einmal sich
+selbst dem Feinde überlegen. Besonders aber konnte man sich aufeinander
+verlassen. Denn das ist eben die Hauptsache. Man muß wissen, mit wem man
+fliegt. Also mein Bruder war zuerst an die Gegner heran, greift sich den
+ersten, der ihm am nächsten fliegt, heraus, ich mir den zweiten.
+
+Nun gucke ich mich noch schnell um, daß nicht noch ein dritter in der
+Nähe ist; aber wir sind allein. Aug’ in Auge. Ich habe meinem Gegner
+bald die günstigste Seite abgerungen, ein kurzes Reihenfeuer, und das
+feindliche Flugzeug platzt auseinander. So schnell war mir ein Kampf
+noch nie vorgekommen.
+
+Während ich noch beobachte, wo die Trümmer meines Gegners
+herunterstürzen, gucke ich mich nach meinem Bruder um. Er war kaum
+fünfhundert Meter von mir entfernt, noch im Kampf mit seinem Gegner.
+
+Ich hatte Zeit, mir dieses Bild genau anzusehen, und muß sagen, daß ich
+selbst es nicht hätte besser machen können. Auch er hatte bereits den
+Gegner überrumpelt, und beide drehten sich umeinander. Da plötzlich
+bäumt sich das feindliche Flugzeug auf – ein sicheres Zeichen des
+Getroffenseins, gewiß hatte der Führer Kopfschuß oder so etwas – das
+Flugzeug stürzt, und die Flächen des feindlichen Apparates klappen
+auseinander. Die Trümmer fallen ganz in die Nähe meines Opfers. Ich
+fliege an meinen Bruder heran und gratuliere ihm, d. h. wir winkten uns
+gegenseitig zu. Wir waren befriedigt und flogen weiter. Es ist schön,
+wenn man mit seinem Bruder so zusammen fliegen kann.
+
+Die anderen waren in der Zwischenzeit auch herangekommen und hatten sich
+das Schauspiel, das ihnen die beiden Brüder boten, angeguckt, denn
+helfen kann man ja nicht, einer kann nur abschießen, und ist einer mit
+dem Gegner beschäftigt, so können die anderen nur zusehen, ihm den
+Rücken decken, damit er nicht von hinten von einem Dritten belapst wird.
+
+Wir fliegen weiter, gehen auf größere Höhe, denn oben haben sich einige
+aus dem Klub der Anti-Richthofen zusammengefunden. Wir waren mal wieder
+gut zu erkennen, die Sonne vom Westen her beleuchtete die Apparate und
+ließ sie in ihrer schönen roten Farbe weithin schillern. Wir schlossen
+uns eng zusammen, denn jeder wußte, daß man es mit Brüdern zu tun hat,
+die dasselbe Metier verfolgen wie wir selbst. Leider sind sie wieder
+höher, so daß wir auf ihren Angriff warten müssen. Die berühmten
+Dreidecker und Spads, ganz neue Maschinen, aber es kommt eben nicht auf
+die Kiste an, sondern auf den, der drinnen sitzt; die Brüder waren
+laurig und hatten keinen Mumm. Wir boten ihnen den Kampf an, sowohl bei
+uns wie auch drüben. Aber sie wollten ihn nicht annehmen. Wozu prahlen
+sie erst mit ihrem Geschwader, das angesetzt ist, um mich abzuschießen,
+wenn ihnen nachher doch das Herz in die Hosen fällt?
+
+Endlich hat einer Mut gefaßt und stößt auf unseren letzten herunter.
+Natürlich wird der Kampf angenommen, obwohl es ja für uns ungünstig ist,
+denn der, der drüber ist, ist im Vorteil. Aber wenn einem die Kundschaft
+nicht mehr gibt, muß man sie halt nehmen, wie sie kommt. Also macht
+alles kehrt. Der Engländer merkt es und läßt sofort ab. Nun ist aber der
+Anfang gemacht. Ein anderer Engländer versucht das gleiche. Er hat sich
+mich als Gegner ausgesucht, und ich begrüße ihn gleich mit einer Salve
+aus beiden Maschinengewehren. Dies schien er nicht zu schätzen. Er
+versuchte, sich durch einen Sturzflug mir zu entziehen. Das war sein
+Verderben. Denn dadurch kam er unter mich. Nun blieb ich über ihm. Was
+unter mir ist, womöglich noch allein und auf unserem Gebiet, kann wohl
+als verloren gelten, besonders, wenn es ein Einsitzer ist, also ein
+Jagdflieger, der nicht nach hinten ’rausschießen kann. Der Gegner hatte
+eine sehr gute Maschine und war sehr schnell. Aber es sollte ihm nicht
+glücken, seine Linien zu erreichen. Über Lens fing ich an, auf ihn zu
+schießen. Ich war noch viel zu weit. Es war aber ein Trick von mir, ich
+beunruhigte ihn dadurch. Er kroch auf den Leim und machte Kurven. Dies
+nützte ich aus und kam etwas näher heran. Schnell versuchte ich dasselbe
+Manöver nochmals und zum drittenmal. Jedesmal fiel mein Freund darauf
+’rein. So hatte ich mich sachte an ihn herangeschossen. Nun bin ich ganz
+nahebei. Jetzt wird sauber gezielt, noch einen Augenblick gewartet,
+höchstens noch fünfzig Meter von ihm entfernt, drücke ich auf beide
+Maschinengewehrknöpfe. Erst ein leises Rauschen, das sichere Zeichen des
+getroffenen Benzintanks, dann eine helle Flamme, und mein Lord
+verschwindet in der Tiefe.
+
+Dieser war der Vierte an diesem Tage. Mein Bruder hatte zwei. Dazu
+hatten wir den alten Herrn scheinbar eingeladen. Die Freude war ganz
+ungeheuer.
+
+Abends hatte ich mir noch einige Herren eingeladen, unter anderen meinen
+guten Wedel, der zufällig auch in der Gegend war. Das Ganze war eine
+geglückte, verabredete Sache. Sechs Engländer hatten die beiden Brüder
+also an einem Tage abgeschossen. Das ist zusammen eine ganze
+Fliegerabteilung. Ich glaube, wir waren den Engländern unsympathisch.
+
+
+
+
+Flug in die Heimat
+
+
+Fünfzig sind abgeschossen. Zweiundfünfzig fand ich besser. Deshalb schoß
+ich gleich am selben Tage zwei mehr ab. Es ging eigentlich gegen die
+Verabredung.
+
+Eigentlich hatte man mir bloß einundvierzig zugebilligt; weshalb die
+Zahl einundvierzig herauskam, kann sich wohl jeder denken, aber gerade
+deshalb wollte ich es durchaus vermeiden. Ich bin kein Rekordarbeiter,
+überhaupt liegen uns in der Fliegertruppe alle Rekorde fern. Man erfüllt
+nur seine Pflicht. Boelcke hätte hundert abgeschossen, wäre ihm nicht
+das Unglück passiert. Und manch anderer der guten gefallenen Kameraden
+hätte eine ganz andere Zahl erreichen können, wenn ihn nicht sein
+plötzlicher Tod daran verhindert hätte. Aber so ein halbes Hundert macht
+einem eben doch auch Spaß. Nun hatte ich es schließlich auch erreicht,
+daß man mir fünfzig zubilligte, bevor ich meinen Urlaub antrat.
+
+Hoffentlich kann ich noch das zweite Fünfzig feiern.
+
+Am Abend desselben Tages klingelte es, und nichts Geringeres als das
+»Große Hauptquartier« wünschte mich zu sprechen. Ich kam mir ganz spaßig
+vor, so mit der »Großen Bude« verbunden zu sein. Ich erhielt unter
+anderem die erfreuliche Nachricht, daß Seine Majestät den Wunsch
+geäußert hätte, mich persönlich zu sprechen, und zwar war gleich der Tag
+angesagt: am 2. Mai. Dies ereignete sich aber schon am 30. April abends
+neun Uhr. Mit dem Zuge wäre es nicht mehr möglich gewesen, dem Wunsch
+des Allerhöchsten Kriegsherrn nachzukommen. So zog ich es vor, was ja
+auch viel schöner ist, die Reise auf dem Luftwege zu erledigen. Am
+nächsten Morgen wurde gestartet, und zwar nicht in meinem Einsitzer #»Le
+petit rouge«#, sondern in einem dicken, großen Zweisitzer.
+
+Ich setzte mich hinten ’rein, d. h. also nicht an den »Knüppel«.
+Arbeiten mußte in diesem Falle der Leutnant Krefft, auch einer der
+Herren meiner Jagdstaffel. Er wollte gerade auf Erholungsurlaub, es
+paßte also ausgezeichnet. So kam er auch schneller in die Heimat. Es war
+ihm nicht unsympathisch.
+
+Meine Abreise ging etwas Hals über Kopf. Ich konnte in dem Flugzeug
+nichts weiter mitnehmen als die Zahnbürste, mußte mich also gleich so
+anziehen, wie ich mich im Großen Hauptquartier vorzustellen hatte. Und
+so im Felde hat eben der Militärsoldat nicht viel mit von schönen
+Kleidungsstücken, jedenfalls nicht so ein armes Frontschwein wie ich.
+
+Die Führung der Staffel übernahm mein Bruder. Ich verabschiedete mich
+kurz, denn ich hoffte, bald im Kreise dieser lieben Menschen meine
+Tätigkeit wieder aufnehmen zu können.
+
+Der Flug ging nun über Lüttich, Namur auf Aachen und Köln. Es war doch
+schön, so mal ohne kriegerische Gedanken durch das Luftmeer zu segeln.
+Herrliches Wetter, wie wir es schon seit langem nicht gehabt hatten.
+Gewiß gab es am heutigen Tage mächtig viel zu tun an der Front. Bald
+sind die eigenen Fesselballons nicht mehr zu sehen. Immer weiter weg von
+dem Donner der Schlachten von Arras. Unter uns Bilder des Friedens.
+Fahrende Dampfer. Dort saust ein #D#-Zug durchs Gelände, wir überholen
+ihn spielend. Der Wind ist uns günstig. Die Erde scheint uns wie eine
+Tenne so platt. Die schönen Maasberge sind nicht zu erkennen als Berge.
+Man erkennt sie nicht einmal am Schatten, denn die Sonne steht fast
+senkrecht. Man weiß nur, daß sie vorhanden sind, und mit etwas Phantasie
+kann man sich sogar in ihre kühlen Schluchten verkriechen.
+
+Es war doch etwas spät geworden, und so kamen wir in die Mittagsstunde.
+Eine Wolkenschicht zieht sich unter uns zusammen und verdeckt die Erde
+völlig. Nach Sonne und Kompaß orientierend fliegen wir weiter. Die Nähe
+von Holland ist uns allmählich aber doch unsympathisch, und so ziehen
+wir es vor, wieder mit dem Erdboden Fühlung zu nehmen. Wir gehen unter
+die Wolke und befinden uns gerade über Namur. Nun geht es weiter nach
+Aachen. Aachen lassen wir links liegen und erreichen zur Mittagszeit
+Köln. Die Stimmung in unserem Flugzeug war gehoben. Vor uns ein längerer
+Urlaub, außerdem das schöne Wetter, die gelungene Sache, wenigstens Köln
+erreicht zu haben, und die Gewißheit, daß, wenn einem auch jetzt etwas
+passiert, man doch noch das Große Hauptquartier erreichen konnte.
+
+Man hatte uns in Köln telegraphisch angesagt, so wurden wir dort
+erwartet. Am Tage vorher hatte mein zweiundfünfzigster Luftsieg in der
+Zeitung gestanden. So war der Empfang auch danach.
+
+Durch den dreistündigen Flug hatte ich doch etwas Schädelbrummen, und so
+zog ich es vor, erst einen kleinen Mittagsschlummer einzulegen, bevor
+ich im Großen Hauptquartier eintraf. Wir flogen nun von Köln ein ganzes
+Stückchen den Rhein entlang. Ich kannte die Strecke. Ich bin sie oft
+gefahren, auf dem Dampfer, mit dem Auto und der Eisenbahn, und nun im
+Flugzeug. Was war das Schönste? Es ist schwer zu sagen. Gewisse
+Einzelheiten sieht man ja natürlich vom Dampfer aus besser. Aber der
+Gesamtblick aus dem Flugzeug ist auch nicht zu verachten. Der Rhein hat
+eben einen besonderen Reiz, so auch von oben. Wir flogen nicht zu hoch,
+um nicht das Gefühl der Berge völlig zu verlieren, denn das ist doch
+wohl das Schönste am Rhein, die riesigen, bewaldeten Höhen, die Burgen
+usw. Die einzelnen Häuser konnten wir natürlich nicht sehen. Schade, daß
+man nicht langsam und schnell fliegen kann. Ich hätte gewiß den
+langsamsten Gang eingestellt.
+
+Nur zu schnell verschwand ein schönes Bild nach dem anderen. Man hat,
+wenn man höher fliegt, ja nicht das Gefühl, daß es sehr schnell vorwärts
+geht. In einem Auto oder einem #D#-Zug zum Beispiel kommt einem die
+Geschwindigkeit ganz ungeheuer vor, dagegen im Flugzeug eigentlich immer
+langsam, wenn man eine gewisse Höhe erreicht hat. Man merkt es
+eigentlich erst daran, wenn man mal fünf Minuten nicht ’rausgeguckt hat
+und dann mit einem Male wieder die Orientierung aufnimmt. Da ist das
+Bild, das man noch kurz vorher im Kopfe hatte, mit einem Male völlig
+verändert. Was man unter sich sah, sieht man auf einmal in einem Winkel,
+gar nicht zum Wiedererkennen. Deshalb kann man sich so schnell
+verorientieren, wenn man mal für einen Augenblick nicht aufpaßt. So
+kamen wir am Nachmittag im Großen Hauptquartier an, herzlich empfangen
+von einigen mir bekannten Kameraden, die dort in der »Großen Bude« zu
+arbeiten haben. Sie tun mir ordentlich leid, die Tintenspione. Sie haben
+ja nur den halben Spaß vom Kriege. Zunächst meldete ich mich bei dem
+Kommandierenden General der Luftstreitkräfte. Am nächsten Vormittag
+ereignete sich nun der große Moment, wo ich Hindenburg und Ludendorff
+vorgestellt werden sollte. Ich mußte eine ganze Weile warten. Wie die
+Begrüßung im einzelnen war, kann ich eigentlich schlecht schreiben. Erst
+meldete ich mich bei Hindenburg, dann bei Ludendorff.
+
+Es ist ein unheimliches Gefühl in dem Raum, wo das Geschick der Erde
+entschieden wird. So war ich ganz froh, wie ich die »Große Bude« wieder
+hinter mir hatte und mittags bei Seiner Majestät zum Frühstück befohlen
+war. Es war ja heute mein Geburtstag, und irgendeiner hatte es wohl
+Seiner Majestät verraten, und so gratulierte er mir. Einmal zu meinem
+Erfolg, dann zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr. Auch ein kleines
+Geburtstagsgeschenk überraschte mich.
+
+Früher hätte ich es mir wohl nie träumen lassen, daß ich am
+fünfundzwanzigsten Geburtstag rechts von Hindenburg sitzen und in einer
+Rede vom Generalfeldmarschall erwähnt werden würde.
+
+ * * * * *
+
+Tags darauf war ich zu Mittag bei Ihrer Majestät eingeladen und fuhr zu
+diesem Zweck nach Homburg. Dort war ich zum Frühstück bei Ihrer
+Majestät, wurde gleichfalls mit einem Geburtstagsgeschenk bedacht, und
+ich hatte noch die große Freude, Ihrer Majestät einen Start
+vorzuführen. Abends war ich nochmals bei dem Generalfeldmarschall
+v. Hindenburg eingeladen.
+
+Den Tag darauf flog ich nach Freiburg, um dort einen Auerhahn zu
+schießen. Von Freiburg aus benutzte ich ein Flugzeug, das nach Berlin
+flog. In Nürnberg wurde Benzin aufgefüllt. Da zog ein Gewitter auf. Ich
+hatte es aber dringend eilig, in Berlin anzukommen. Allerhand mehr oder
+weniger interessante Dinge warteten dort meiner. So flog ich trotz des
+Gewitters weiter. Mir machten die Wolken und das Schweinewetter Spaß. Es
+goß mit Kannen. Ab und zu etwas Hagel. Der Propeller sah nachher ganz
+toll aus, durch die Hagelkörner zerschlagen, wie eine Säge. Leider
+machte mir das Wetter so viel Spaß, daß ich darüber gänzlich vergaß
+aufzupassen, wo ich mich befand. Wie ich wieder die Orientierung
+aufnehmen will, habe ich keinen Dunst mehr, wo ich bin. Eine schöne
+Bescherung! In der Heimat »verfranzt«! Das mußte natürlich gerade mir
+passieren. Wie würden die zu Hause sich amüsieren, wenn sie das wüßten!
+Aber es war an der Tatsache nichts zu ändern. Ich wußte nicht mehr, wo
+ich war. Ich war durch den starken Wind und das niedrige Fliegen sehr
+abgetrieben worden und von meiner Karte heruntergekommen und mußte nun
+nach Sonne und Kompaß notdürftig die Richtung nach Berlin einhalten.
+Städte, Dörfer, Flüsse, Wälder jagen unter mir dahin. Ich erkenne
+nichts wieder. Ich vergleiche die Natur mit meiner Karte, aber
+vergeblich. Es ist alles anders. Ich bin eben tatsächlich nicht mehr im
+Bilde. Es ist mir nicht möglich, die Gegend wiederzuerkennen. Wie sich
+später herausstellte, war es allerdings auch ausgeschlossen, denn ich
+flog etwa hundert Kilometer neben meinem Kartenrand.
+
+[Illustration: Der kommandierende General der Luftstreitkräfte,
+Exzellenz v. Hoeppner (1), und der Chef des Stabes der Luftstreitkräfte,
+Oberstleutnant Thomson (2), mit Rittmeister Manfred Freih. v. Richthofen
+(3)]
+
+[Illustration: Ein Glückwunsch des Kaisers
+
+aufgenommen am 30. IV. 1917. 4 Uhr 20 Min. vorm.
+
+aus dem Gr. H. Qu.
+
+An Krg. schl homb. 27. 29. IV. 8^h nachm.
+
+Rittm. Freih. von Richthofen
+ Jagdstaffel Richthofen.
+ durch A.O.K.G.
+
+Es wird mir soeben gemeldet, daß Sie heute zum 50. Male als Sieger aus
+dem Luftkampf hervorgingen. Ich spreche Ihnen zu diesem glänzenden
+Erfolg Meinen herzlichen Glückwunsch und Meine vollste Anerkennung aus.
+Mit Bewunderung und Dankbarkeit blickt das Vaterland auf seinen tapferen
+Flieger. Gott sei ferner mit Ihnen.
+
+ Wilhelm I. R.]
+
+Nach etwa zweistündigem Fluge entschlossen sich mein Führer und ich zu
+einer Notlandung. Dies ist immer was Unangenehmes, so ohne Flughafen.
+Man weiß nicht, wie die Erdoberfläche ist. Kommt ein Rad in ein Loch,
+ist die Kiste futsch. Erst versuchten wir noch, auf einem Bahnhof die
+Aufschrift der Station zu erkennen, aber Kuchen, natürlich war sie so
+klein aufgepinselt, daß man auch nicht einen Buchstaben erkennen konnte.
+Also müssen wir landen. Nur schweren Herzens, aber es bleibt uns nichts
+anderes übrig. Wir suchen uns eine Wiese, die von oben ganz schön
+aussieht, und versuchen unser Heil. Leider sah die Wiese bei näherer
+Betrachtung nicht so schön aus. Dies konnte ich auch an einem etwas
+verbogenen Fahrgestell feststellen. So hatten wir uns denn völlig mit
+Ruhm bekleckert. Erst »verfranzt« und dann die Kiste zerschmissen! Wir
+mußten nun also mit einem ganz ordinären Fortbewegungsmittel, dem
+#D#-Zug, unsere weitere Reise nach der Heimat antreten. Langsam, aber
+sicher erreichten wir Berlin. Wir waren in der Nähe von Leipzig
+notgelandet. Hätten wir nicht die Dummheit gemacht, so wären wir gewiß
+noch nach Berlin gekommen, aber wie man’s macht, macht man’s falsch.
+
+Einige Tage später traf ich in meiner Heimatstadt Schweidnitz ein.
+Obwohl es sieben Uhr morgens war, hatte sich doch eine ganze Menge
+Menschen auf dem Bahnhof angefunden. Die Begrüßung war herzlich. Am
+Nachmittag wurden mir verschiedene Ehrungen zuteil, darunter auch durch
+Jugendwehr.
+
+Im großen und ganzen wurde mir klar, daß die Heimat sich für ihre
+Kämpfer im Felde doch lebhaft interessiert.
+
+
+
+
+Mein Bruder
+
+
+Ich war noch nicht acht Tage auf Urlaub, da kriegte ich die
+telegraphische Nachricht: »Lothar verwundet, nicht lebensgefährlich.«
+Mehr nicht. Nähere Erkundigungen ergaben, daß er wieder mal recht
+leichtsinnig gewesen war. Er flog mit Allmenröder zusammen gegen den
+Feind. Da sah er tief unten, ziemlich weit drüben, einen allein
+herumkrebsenden #Englishman#. Das sind so die feindlichen
+Infanterieflieger, die unseren Truppen besonders lästig fallen.
+Jedenfalls beunruhigen sie sehr. Ob sie wirklich etwas erreichen mit
+ihrem tiefen Rumkrebsen, ist sehr die Frage. Mein Bruder war etwa
+zweitausend Meter hoch, der Engländer tausend. Er pürscht sich ’ran,
+setzt zum Sturzflug an und ist in wenigen Sekunden bei ihm. Der
+Engländer zog es vor, den Kampf zu vermeiden, und verschwand gleichfalls
+im Sturzflug in der Tiefe. Mein Bruder, nicht faul, hinterher. Ganz
+schnuppe, ob es drüben oder bei uns ist. Nur ein Gedanke: er muß
+’runter. Das ist ja auch natürlich das richtige. Ab und zu mache ich’s
+auch. Aber wenn es mein Bruder bei jedem Fluge nicht mindestens einmal
+gemacht hat, macht ihm das ganze Unternehmen keinen Spaß. Erst ganz kurz
+über dem Boden kriegt er ihn wirklich gut vor und kann ihm den Laden
+vollschießen. Der Engländer stürzt senkrecht in die Erde. Viel bleibt
+nicht mehr übrig.
+
+Nach so einem Kampfe, besonders in geringer Höhe, in dem man sich so oft
+gedreht und gewendet hat, mal rechtsrum und mal linksrum geflogen ist,
+hat der normale Sterbliche keine Ahnung mehr, wo er sich befindet. Nun
+war es an diesem Tage noch etwas dunstig, also ein besonders ungünstiges
+Wetter. Schnell hatte er sich orientiert und merkt erst jetzt, daß er
+doch wohl ein ganzes Ende hinter der Front ist. Er war hinter der
+Vimy-Höhe. Die Vimy-Höhen sind etwa hundert Meter höher als die andere
+Gegend. Mein Bruder war hinter diesen Vimy-Höhen verschwunden –
+behaupten jedenfalls die Beobachter von der Erde aus.
+
+Dieses Nachhausefliegen, bis man seine eigene Stellung erreicht hat,
+gehört nicht zu den angenehmsten Gefühlen, die man sich denken kann. Man
+kann nichts dagegen tun, daß einen der Gegner beschießt. Nur selten
+treffen sie. Mein Bruder näherte sich der Linie. In so geringer Höhe
+kann man jeden Schuß hören, es hört sich an, wie wenn Kastanien im Feuer
+platzen, wenn der einzelne Infanterist schießt. Da – mit einem Male
+fühlte er einen Schlag, getroffen. Das war ihm klar. Er zählt zu den
+Menschen, die nicht ihr eignes Blut sehen können. Bei einem anderen
+macht es ihm keinen Eindruck; wenigstens weniger. Aber sein eigenes
+Blut stört ihn. Er fühlt, wie es ihm warm am rechten Bein herunterläuft,
+zur gleichen Zeit auch einen Schmerz in der Hüfte. Unten wird noch immer
+geknallt. Also ist er noch drüben. Da endlich hört es so sachte auf, und
+er ist über unsere Front hinüber. Nun muß er sich aber beeilen, denn
+seine Kräfte lassen zusehends nach. Da sieht er einen Wald, daneben eine
+Wiese. Also auf die Wiese zu. Die Zündung schnell herausgenommen, der
+Motor bleibt stehen, und in demselben Augenblick ist es alle mit seinen
+Kräften, die Besinnung hat ihn verlassen. Er sitzt ja nun ganz allein in
+seinem Flugzeug, also ein zweiter konnte ihm nicht helfen. Wie er auf
+die Erde hinuntergekommen ist, ist eigentlich ein Wunder. Denn von
+allein startet und landet kein Flugzeug. Man behauptet dies nur von
+einer alten Taube in Köln, die von einem Monteur zum Start
+zurechtgemacht ist und gerade in dem Augenblick, wie der Pilot sich
+hineinsetzen will, von allein losfliegt, von allein eine Kurve macht und
+nach fünf Minuten wieder landet. Das wollen viele Männer gesehen haben.
+Ich habe es nicht gesehen – aber ich bin doch fest davon überzeugt, daß
+es wahr ist. Mein Bruder jedenfalls hatte nicht so eine Taube, die von
+allein landet, aber trotzdem hatte er sich bei dem Berühren mit dem
+Erdboden nichts getan. Erst im Lazarett fand er die Besinnung wieder.
+Er wurde nach Douai transportiert.
+
+Es ist für einen Bruder ein ganz eigenartiges Gefühl, wenn man den
+anderen in einen Kampf mit einem Engländer verwickelt sieht. So sah ich
+zum Beispiel einmal, wie Lothar hinter dem Geschwader etwas herhängt und
+von einem Engländer attackiert wird. Es wäre für ihn ein leichtes
+gewesen, den Kampf zu verweigern. Er braucht bloß in der Tiefe zu
+verschwinden. Aber nein, das tut er nicht! Der Gedanke kommt ihm
+scheinbar gar nicht. Ausreißen kennt er nicht. Zum Glück hatte ich dies
+beobachtet und paßte auf. Da sah ich, wie der Engländer, der über ihm
+war, immer auf ihn ’runterstößt und schießt. Mein Bruder versucht, seine
+Höhe zu erreichen, unbekümmert, ob er beschossen wird oder nicht. Da –
+mit einem Male überschlägt sich das Flugzeug, und die rot angestrichene
+Maschine stürzt senkrecht, sich um sich selbst drehend, herunter. Keine
+gewollte Bewegung, sondern ein regelrechter Absturz. Dieses ist für den
+zusehenden Bruder nicht das schönste aller Gefühle. Aber ich habe mich
+so sachte daran gewöhnen müssen, denn mein Bruder benutzte es als Trick.
+Wie er erkannt hatte, daß der Engländer ihm über war, markierte er ein
+Angeschossensein. Der Engländer hinterher, mein Bruder fängt sich und
+hat ihn im Umsehen überstiegen. Das feindliche Flugzeug konnte sich
+nicht so schnell wieder aufrichten und zur Besinnung kommen, da saß ihm
+mein Bruder im Nacken, und einige Augenblicke später schlugen die
+Flammen heraus. Dann ist nichts mehr zu retten, dann stürzt das Flugzeug
+brennend ab.
+
+Ich habe mal auf der Erde neben einem Benzintank gestanden, wo hundert
+Liter auf einmal explodierten und verbrannten. Ich konnte nicht zehn
+Schritt daneben stehen, so heiß wurde mir. Und nun muß man sich
+vorstellen, daß auf wenige Zentimeter vor einem so ein Tank von vielen
+fünfzig Litern explodiert und der Propellerwind die ganze Glut einem ins
+Gesicht treibt. Ich glaube, man ist im ersten Moment schon
+besinnungslos, und es geht jedenfalls am schnellsten.
+
+Aber es passieren doch ab und zu Zeichen und Wunder. So sah ich z. B.
+einmal ein englisches Flugzeug brennend abstürzen. Die Flammen schlugen
+erst in fünfhundert Metern Höhe heraus. Die Maschine stand in hellen
+Flammen. Wie wir nach Hause fliegen, erfahren wir, daß der eine der
+Insassen aus fünfzig Metern Höhe herausgesprungen ist. Es war der
+Beobachter. Fünfzig Meter Höhe! Man muß sich mal die Höhe überlegen. Der
+höchste Kirchturm, der in Berlin ist, reicht gerade heran. Man springe
+mal von der Spitze dieses Turmes herunter! Wie man wohl unten ankommen
+mag! Die meisten brächen sich’s Genick, wenn sie aus dem Hochparterre
+herausspringen würden. Jedenfalls, dieser brave »Franz« sprang aus
+seinem brennenden Flugzeug aus fünfzig Meter Höhe heraus, das bereits
+mindestens eine Minute gebrannt hatte, und machte sich weiter nichts als
+einen glatten Unterschenkelbruch. Er hat sogar, gleich nachdem ihm all
+dies passiert ist, noch Aussagen gemacht, also sein seelischer Zustand
+hatte nicht einmal gelitten.
+
+Ein andermal schoß ich einen Engländer ab. Der Flugzeugführer hatte
+einen tödlichen Kopfschuß, das Flugzeug stürzte steuerlos, senkrecht,
+ohne sich zu fangen, aus dreitausend Metern Höhe in die Erde. Eine ganze
+Weile später erst kam ich im Gleitflug hinterher und sah unten weiter
+nichts als einen wüsten Haufen. Zu meinem Erstaunen erfuhr ich, der
+Beobachter habe nur einen Schädelbruch, und sein Zustand sei nicht
+lebensgefährlich. Glück muß eben der Mensch haben.
+
+Wieder einmal schoß Boelcke einen Nieuport ab. Ich sah es selbst. Das
+Flugzeug stürzte wie ein Stein. Wir fuhren hin und fanden das Flugzeug
+bis zur Hälfte im Lehm vergraben. Der Insasse, ein Jagdflieger, war
+durch einen Bauchschuß besinnungslos und hatte sich beim Aufschlagen nur
+einen Arm ausgekugelt. Er ist nicht gestorben.
+
+Andererseits habe ich es wieder erlebt, daß ein guter Freund von mir bei
+einer Landung mit einem Rade in ein Karnickelloch kam. Die Maschine
+hatte überhaupt keine Geschwindigkeit mehr und stellte sich ganz langsam
+auf den Kopf, überlegte sich, nach welcher Seite sie umkippen sollte,
+fiel auf den Rücken – und der arme Kerl hatte das Genick gebrochen.
+
+ * * * * *
+
+Mein Bruder Lothar ist Leutnant bei den Vierten Dragonern, war vor dem
+Kriege auf Kriegsschule, wurde gleich zu Anfang Offizier und hat,
+gleichwie ich, den Krieg als Kavallerist begonnen. Was er da alles an
+Heldentaten begangen hat, ist mir unbekannt, da er nie von sich selbst
+spricht. Man hat mir nur folgende Geschichte erzählt: Es war im Winter
+1914, sein Regiment lag an der Warthe, die Russen auf der anderen Seite.
+Kein Mensch wußte, rücken sie oder bleiben sie. Die Ufer waren zum Teil
+gefroren, so daß man schlecht durchreiten konnte. Brücken gab’s
+natürlich nicht, die hatten die Russen abgerissen. Da schwamm mein
+Bruder durch, stellte fest, wo die Russen waren, und kam
+zurückgeschwommen. Dieses alles im strengen russischen Winter bei
+soundso viel Grad minus. Seine Kleider waren nach wenigen Minuten
+festgefroren, und darunter, behauptete er, sei es ganz warm gewesen. So
+ritt er den ganzen Tag, bis er abends in sein Quartier kam. Dabei hat er
+sich nicht erkältet.
+
+Im Winter 1915 ging er auf mein Drängen hin zur Fliegerei, wurde,
+gleichwie ich, Beobachter. Erst ein Jahr später Flugzeugführer. Die
+Schule als Beobachter ist gewiß nicht schlecht, gerade für einen
+Jagdflieger. März 1917 machte er sein drittes Examen und kam sofort zu
+meiner Jagdstaffel.
+
+Er war also noch ein ganz, ganz junger und ahnungsloser Flugzeugführer,
+der noch an kein Looping und ähnliche Scherze dachte, sondern zufrieden
+war, wenn er ordentlich landen und starten konnte. Nach vierzehn Tagen
+nahm ich ihn zum ersten Male mit gegen den Feind und bat ihn, dicht
+hinter mir zu fliegen, um sich die Sache mal genau anzusehen. Nach dem
+dritten Fluge mit ihm sehe ich mit einem Male, wie er sich von mir
+trennt und sich gleichfalls auf einen Engländer stürzt und ihn erlegt.
+Mein Herz hüpfte vor Freude, als ich dies sah. Es war mir wieder mal ein
+Beweis, wie wenig das Abschießen eine Kunst ist. Es ist nur die
+Persönlichkeit oder, anders ausgedrückt, der Schneid des Betreffenden,
+der die Sache macht. Ich bin also kein Pégoud, will es auch nicht sein,
+sondern nur Soldat, und tue meine Pflicht.
+
+Vier Wochen später hatte mein Bruder bereits zwanzig Engländer
+abgeschossen. Dies dürfte wohl einzig dastehen in der ganzen Fliegerei,
+daß ein Flugzeugführer vierzehn Tage nach seinem dritten Examen den
+ersten und vier Wochen nach dem ersten zwanzig Gegner abgeschossen hat.
+
+Sein zweiundzwanzigster Gegner war der berühmte Captain Ball, weitaus
+der beste englische Flieger. Den seinerzeit ebenso bekannten Major
+Hawker hatte ich mir vor einigen Monaten bereits zur Brust genommen. Es
+machte mir besonders Freude, daß es nun mein Bruder war, der den zweiten
+Champion Englands erledigte. Captain Ball flog einen Dreidecker und
+begegnete meinem Bruder einzeln an der Front. Jeder versuchte den
+anderen zu fassen. Keiner gab sich eine Blöße. Es blieb bei einem kurzen
+Begegnen. Immer nur auf sich zufliegend. Nie glückte es dem einen, sich
+hinter den anderen zu setzen. Da entschlossen sich plötzlich beide in
+dem kurzen Augenblick des Aufeinanderzufliegens, einige wohlgezielte
+Schüsse abzugeben. Beide fliegen aufeinander zu. Beide schießen. Jeder
+hat vor sich einen Motor. Die Treffwahrscheinlichkeiten sind sehr
+gering, die Geschwindigkeit doppelt so groß wie normal. Eigentlich
+unwahrscheinlich, daß einer von beiden trifft. Mein Bruder, der etwas
+tiefer war, hatte dabei seine Maschine stark überzogen und überschlug
+sich, verlor das Gleichgewicht, und seine Maschine wurde für einige
+Momente steuerlos. Bald hatte er sie wieder gefangen, mußte aber
+feststellen, daß ihm der Gegner beide Benzintanks zerschossen hatte.
+Also landen! Schnell die Zündung ’raus, sonst brennt die Kiste. Der
+nächste Gedanke aber war: Wo bleibt mein Gegner? Im Augenblick des
+Überschlagens hatte er gesehen, wie sich der Gegner gleichfalls
+aufbäumte und überschlagen hatte. Er konnte also nicht allzu weit von
+ihm entfernt sein. Der Gedanke herrscht: Ist er über mir oder unter mir?
+Drüber war er nicht mehr, dafür aber sah er unter sich den Dreidecker
+sich dauernd überschlagen und noch immer tiefer stürzen. Er stürzte und
+stürzte, ohne sich zu fangen, bis auf den Boden. Dort zerschellte er. Es
+war auf unserem Gebiet. Beide Gegner hatten sich in dem kurzen
+Augenblick des Begegnens mit ihren starren Maschinengewehren getroffen.
+Meinem Bruder waren die beiden Benzintanks zerschossen, und im selben
+Augenblick hatte der Captain Ball einen Kopfschuß bekommen. Er trug bei
+sich einige Photographien und Zeitungsausschnitte seiner
+Heimatprovinzen, in denen er sehr angefeiert wurde. Er schien kurze Zeit
+zuvor noch auf Urlaub gewesen zu sein. Zu Boelckes Zeiten hatte Captain
+Ball sechsunddreißig deutsche Apparate vernichtet. Auch er hat einen
+Meister gefunden. Oder war es Zufall, daß eine Größe wie er gleichfalls
+den normalen Heldentod sterben mußte?
+
+Captain Ball war ganz gewiß der Führer des Anti-Richthofen-Geschwaders,
+und ich glaube, der #Englishman# wird es nun lieber aufstecken, mich zu
+fangen. Das täte uns leid, denn dadurch würde uns manche schöne
+Gelegenheit genommen, bei der wir die Engländer gut belapsen könnten.
+
+Wäre mein Bruder nicht am 5. Mai verwundet worden, ich glaube, er wäre
+nach meiner Rückkehr vom Urlaub gleichfalls mit Zweiundfünfzig auf
+Urlaub geschickt worden.
+
+
+
+
+Lothar ein »Schießer« und nicht ein Weidmann
+
+
+Mein Vater macht einen Unterschied zwischen einem Jäger (Weidmann) und
+einem Schießer, dem es nur Spaß macht, zu schießen. Wenn ich einen
+Engländer abgeschossen habe, so ist meine Jagdpassion für die nächste
+Viertelstunde beruhigt. Ich bringe es also nicht fertig, zwei Engländer
+unmittelbar hintereinander abzuschießen. Fällt der eine herunter, so
+habe ich das unbedingte Gefühl der Befriedigung. Erst sehr, sehr viel
+später habe ich mich dazu überwunden und mich zum Schießer ausgebildet.
+
+Bei meinem Bruder war es anders. Wie er seinen vierten und fünften
+Gegner abschoß, hatte ich Gelegenheit, ihn zu beobachten. Wir griffen
+ein Geschwader an. Ich war der erste. Mein Gegner war bald erledigt. Ich
+gucke mich um und sehe, wie mein Bruder hinter einem Engländer sitzt,
+aus dem gerade die Flamme herausschlägt und dessen Maschine explodiert.
+Neben diesem Engländer fliegt ein zweiter. Er machte weiter nichts, als
+daß er von dem ersten, der noch gar nicht mal ’runtergefallen war und
+sich noch in der Luft befand, sein Maschinengewehr auf den nächsten
+richtete und sofort weiterschoß, kaum daß er absetzte. Auch dieser fiel
+nach kürzerem Kampf.
+
+Zu Hause fragte er mich stolz: »Wieviel hast du abgeschossen?« Ich
+sagte ganz bescheiden: »Einen.« Er dreht mir den Rücken und sagt: »Ich
+habe zwei,« worauf ich ihn zur Nachsuche nach vorn schickte. Er mußte
+feststellen, wie seine Kerle hießen usw. Am späten Nachmittag kommt er
+zurück und hat nur einen gefunden.
+
+Die Nachsuche war also schlecht, wie überhaupt bei solchen Schießern.
+Erst am Tage darauf meldete die Truppe, wo der andere lag. Daß er
+’runtergefallen war, hatten wir ja alle gesehen.
+
+
+
+
+Der Auerochs
+
+
+Der Fürst Pleß hatte mir gelegentlich eines Besuches im Hauptquartier
+erlaubt, bei ihm auf seiner Jagd ein Wisent abzuschießen. Der Wisent ist
+das, was im Volksmund mit Auerochse bezeichnet wird. Auerochsen sind
+ausgestorben. Der Wisent ist auf dem besten Wege, das gleiche zu tun.
+Auf der ganzen Erde gibt es nur noch zwei Stellen, und das ist in Pleß
+und beim Revier des ehemaligen Zaren im Bialowiczer Forst. Der
+Bialowiczer Forst hat natürlich durch den Krieg kolossal gelitten. So
+manchen braven Wisent, den sonst nur hohe Fürstlichkeiten und der Zar
+abgeschossen hätten, hat sich ein Musketier zu Gemüte geführt.
+
+Mir war also durch die Güte Seiner Durchlaucht der Abschuß eines so
+seltenen Tieres erlaubt worden. In etwa einem Menschenalter gibt es
+diese Tiere nicht mehr, da sind sie ausgerottet.
+
+Ich kam am Nachmittag des 26. Mai in Pleß an und mußte gleich vom
+Bahnhof losfahren, um den Stier noch am selben Abend zu erlegen. Wir
+fuhren die berühmte Straße durch den Riesenwildpark des Fürsten entlang,
+auf der wohl manche gekrönte Häupter vor mir entlang gefahren sind. Nach
+etwa einer Stunde stiegen wir aus und hatten nun noch eine halbe Stunde
+zu laufen, um auf meinen Stand zu kommen, während die Treiber bereits
+aufgestellt waren, um auf das gegebene Zeichen mit dem Drücken zu
+beginnen. Ich stand auf der Kanzel, auf der, wie mir der Oberwildmeister
+berichtete, bereits mehrmals Majestät gestanden hat, um so manchen
+Wisent von da aus zur Strecke zu bringen. Wir warten eine ganze Zeit. Da
+plötzlich sah ich im hohen Stangenholz ein riesiges schwarzes Ungetüm
+sich heranwälzen, genau auf mich zu. Ich sah es noch eher als der
+Förster, machte mich schußfertig und muß sagen, daß ich doch etwas
+Jagdfieber kriegte. Es war ein mächtiger Stier. Auf zweihundertfünfzig
+Schritt verhoffte er noch einen Augenblick. Es war mir zu weit, um zu
+schießen. Getroffen hätte man ja vielleicht das Ungetüm, weil man eben
+an so einem Riesending überhaupt nicht vorbeischießen kann. Aber die
+Nachsuche wäre doch eine unangenehme Sache gewesen. Außerdem die
+Blamage, vorbeizuschießen. Also warte ich lieber, daß er mir näher
+kommt. Er mochte wohl wieder die Treiber gespürt haben, denn mit einem
+Male machte er eine ganz kurze Wendung und kam in windender Fahrt, die
+man so einem Tiere nie zugetraut hätte, heran, genau spitz auf mich zu.
+Schlecht zum Schießen. Da verschwand er hinter einer Gruppe von dichten
+Fichten. Ich hörte ihn noch schnaufen und stampfen. Sehen konnte ich ihn
+nicht mehr. Ob er Wind von mir bekommen hatte oder nicht, weiß ich
+nicht. Jedenfalls war er weg. Noch einmal sah ich ihn auf eine große
+Entfernung, dann war er verschwunden.
+
+War es der ungewohnte Anblick eines solchen Tieres oder wer weiß was –
+jedenfalls hatte ich in dem Augenblick, wo der Stier herankam, dasselbe
+Gefühl, dasselbe Jagdfieber, das mich ergreift, wenn ich im Flugzeug
+sitze, einen Engländer sehe und ihn noch etwa fünf Minuten lang
+anfliegen muß, um an ihn heranzukommen. Nur mit dem einen Unterschied,
+daß sich der Engländer wehrt. Hätte ich nicht auf einer so hohen Kanzel
+gestanden, wer weiß, ob da nicht noch andere moralische Gefühle
+mitgespielt hätten?
+
+Es dauerte nicht lange, da kommt der zweite. Auch ein mächtiger Kerl. Er
+macht es mir sehr viel leichter. Auf etwa hundert Schritt verhofft er
+und zeigt mir sein ganzes Blatt. Der erste Schuß traf, er zeichnet. Ich
+hatte ihm einen guten Blattschuß verpaßt. Hindenburg hatte mir einen
+Monat vorher gesagt: »Nehmen Sie sich recht viel Patronen mit. Ich habe
+auf meinen ein halbes Dutzend verbraucht, denn so ein Kerl stirbt ja
+nicht. Das Herz sitzt ihm so tief, daß man meistenteils vorbeischießt.«
+Und es stimmte. Das Herz, trotzdem ich ja genau wußte, wo es saß, hatte
+ich nicht getroffen. Ich repetierte. Der zweite Schuß, der dritte, da
+bleibt er stehen, schwerkrank. Vielleicht auf fünfzig Schritt vor mir.
+
+Fünf Minuten später war das Ungetüm verendet. Die Jagd wurde
+abgebrochen und »Hirsch tot« geblasen. Alle drei Kugeln saßen ihm dicht
+überm Herzen, sehr gut Blatt.
+
+Wir fuhren nun an dem schönen Jagdhaus des Fürsten vorbei und noch eine
+Weile durch den Wildpark, in dem alljährlich zu der Brunstzeit die Gäste
+des Fürsten ihren Rothirsch usw. erlegen. Wir hielten noch und sahen uns
+das Innere des Hauses im Promnitz an. Auf einer Halbinsel gelegen, mit
+wunderschönem Blick, auf fünf Kilometer Entfernung kein menschliches
+Wesen. Man hat nicht mehr das Gefühl, in einem Wildpark zu sein, wie man
+sich wohl im allgemeinen vorstellt, wenn man von der Fürstlich Pleßschen
+Jagd spricht. Vierhunderttausend Morgen Gatter sind eben kein Wildpark
+mehr. Da gibt es kapitale Hirsche, die nie ein Mensch gesehen hat, die
+kein Förster kennt, und die gelegentlich in der Brunstzeit erlegt
+werden. Man kann wochenlang laufen, um ein Wisenttier zu Gesicht zu
+bekommen. In manchen Jahreszeiten ist es ausgeschlossen, sie überhaupt
+zu sehen. Dann sind sie so heimlich, daß sie sich in den Riesenwäldern
+und unendlichen Dickichten vollständig verkriechen. Wir sahen noch
+manchen Hirsch im Bast und manchen guten Bock.
+
+Nach etwa zwei Stunden kamen wir kurz vor Dunkelheit wieder in Pleß an.
+
+
+
+
+Infanterie-, Artillerie- und Aufklärungsflieger
+
+
+Wäre ich nicht Jagdflieger geworden, ich glaube, ich hätte mir das
+Infanteriefliegen ausgesucht. Es ist einem doch eine große Befriedigung,
+wenn man unserer am schwersten kämpfenden Truppe direkte Hilfe leisten
+kann. Der Infanterieflieger ist in der Lage, dies zu tun. Er hat damit
+eine dankbare Aufgabe. Ich habe in der Arras-Schlacht so manchen dieser
+tüchtigen Leute beobachten können, wie sie bei jedem Wetter und zu jeder
+Tageszeit in niedriger Höhe über den Feind flogen und die Verbindung mit
+unserer schwer kämpfenden Truppe suchten. Ich verstehe es, wie man sich
+dafür begeistern kann, ich glaube, so manch einer hat Hurra gebrüllt,
+wenn er die feindlichen Massen hat nach einem Angriff zurückfluten sehen
+und unsere schneidige Infanterie aus den Gräben hervorkam und den
+zurückflutenden Gegner Auge in Auge bekämpfte. So manches Mal habe ich
+den Rest meiner Patronen nach einem Jagdflug auf die feindlichen
+Schützengräben verschossen. Wenn es auch wenig hilft, so macht es doch
+moralischen Eindruck.
+
+Artillerieflieger bin ich auch selbst gewesen. Es war zu meiner Zeit
+etwas Neues, mit Funkentelegraphie das Schießen der eigenen Artillerie
+zu leiten. Aber dazu gehört eine ganz besondere Begabung. Ich konnte
+mich auf die Dauer nicht dazu eignen. Der Kampf ist mir lieber. Zum
+Artilleriefliegen muß man wohl selbst zur Waffe gehören, um das nötige
+Verständnis mitzubringen.
+
+Aufklärungsfliegen habe ich auch getrieben, und zwar in Rußland im
+Bewegungskriege. Da war ich noch einmal Kavallerist, d. h. ich kam mir
+so vor, wenn ich mit meinem stählernen Pegasus loszog. Jene Tage mit
+Holck über den Russen sind mit meine schönste Erinnerung. Aber das Bild
+der Bewegung kommt scheinbar nicht wieder.
+
+Im Westen sieht der Aufklärungsflieger ganz etwas anderes, als das Auge
+des Kavalleristen gewohnt ist. Die Dörfer und Städte, die Eisenbahnen
+und Straßen sehen so tot und still aus, und trotzdem ist auf ihnen ein
+ungeheurer Verkehr, der aber dem Flieger mit großer Geschicklichkeit
+verborgen wird. Nur ein ganz, ganz geübtes Auge vermag aus den rasenden
+Höhen etwas Bestimmtes zu beobachten. Ich habe gute Augen, aber es
+erscheint mir zweifelhaft, ob es überhaupt einen gibt, der etwas Genaues
+aus fünftausend Metern Höhe auf einer Chaussee erkennen kann. Man ist
+also auf etwas anderes angewiesen, was das Auge ersetzt, das ist der
+photographische Apparat. Man photographiert also all das, was man für
+wichtig hält, und was man photographieren soll. Kommt man nach Hause
+und die Platten sind verunglückt, so ist der ganze Flug umsonst gewesen.
+
+Dem Aufklärungsflieger begegnet es oft, daß er in einen Kampf verwickelt
+wird, aber er hat Wichtigeres zu tun, als sich mit dem Kampf zu
+beschäftigen. Oft ist eine Platte wichtiger als das Abschießen eines
+ganzen Apparates, deshalb ist er in den meisten Fällen gar nicht dazu
+berufen, luftzukämpfen.
+
+Es ist eine schwere Aufgabe heutzutage, im Westen eine gute Aufklärung
+durchzuführen.
+
+
+
+
+Unsere Flugzeuge
+
+
+Wie wohl jedem klar ist, haben sich im Laufe des Krieges unsere
+Flugzeuge etwas verändert. Der größte Unterschied ist zwischen einem
+Riesenflugzeug und einem Jagdflugzeug.
+
+Das Jagdflugzeug ist klein, schnell, wendig, trägt aber nichts. Nur die
+Patronen und die Maschinengewehre.
+
+Das Riesenflugzeug – man muß sich bloß das erbeutete englische
+Riesenflugzeug ansehen, das auf unserer Seite glatt gelandet ist, ist
+ein Koloß, nur dazu bestimmt, durch große Flächen möglichst viel zu
+tragen. Es schleppt unheimlich viel; dreitausend bis fünftausend
+Kilogramm sind gar nichts dafür. Die Benzintanks sind die reinen
+Eisenbahntankwagen. Man hat nicht mehr das Gefühl des Fliegens in so
+einem großen Ding, sondern man »fährt«. Das Fliegen wird nicht mehr
+durch das Gefühl, sondern durch technische Instrumente gemacht.
+
+So ein Riesenflugzeug hat unheimlich viel Pferdekräfte. Die Zahl weiß
+ich nicht genau, aber es sind viele tausend. Je mehr, je besser. Es ist
+nicht ausgeschlossen, daß wir noch mal ganze Divisionen in so einem Ding
+transportieren können. In ihrem Rumpf kann man spazierengehen. In der
+einen Ecke ist ein unbeschreibliches Etwas, da haben die Gelehrten
+einen Funkentelegraphen hineingebaut, mit dem man sich im Fluge mit der
+Erde völlig verständigen kann. In der anderen Ecke hängen die schönsten
+Zervelatwürste, die berühmten Fliegerbomben, vor denen die unten solche
+Angst haben. Aus jeder Ecke starrt der Lauf eines Gewehrs. Eine
+fliegende Festung ist es. Die Tragflächen mit ihren Streben kommen einem
+vor wie Säulenhallen. Ich kann mich für diese Riesenkähne nicht
+begeistern. Ich finde sie gräßlich, unsportlich, langweilig,
+unbeweglich. Mir gefällt mehr ein Flugzeug wie #»le petit rouge«#. Mit
+dem Ding ist es ganz egal, ob man auf dem Rücken fliegt, es senkrecht
+auf den Kopf stellt oder sonst welche Zicken macht, man fliegt eben wie
+ein Vogel, und doch ist es kein »Schwingenfliegen« wie der Vogel
+Albatros, sondern das ganze Ding ist eben ein »fliegender Motor«. Ich
+glaube, wir werden noch so weit kommen, daß wir uns Fliegeranzüge für
+zwei Mark fünfzig Pfennig kaufen können, in die man einfach
+’reinkriecht. An einem Ende ist ein Motörchen und ein Propellerchen, die
+Arme steckt man in die Tragflächen und die Beine in den Schwanz, dann
+hopst man etwas, das ist der Start, und dann geht es gleich einem Vogel
+durch die Lüfte.
+
+Du lachst gewiß, lieber Leser, ich auch, aber ob unsere Kinder lachen
+werden, ist noch nicht heraus. Man hätte auch gelacht, wenn einer vor
+fünfzig Jahren erzählt hätte, er würde über Berlin hinwegfliegen. Ich
+sehe noch Zeppelin, wie er im Jahre 1910 zum ersten Male nach Berlin
+kam, und jetzt guckt die Berliner Range kaum noch nach oben, wenn so ein
+Ding durch die Luft braust.
+
+Außer diesen Riesenflugzeugen und dem Ding für Jagdflieger gibt es nun
+noch eine unzählige Menge von anderen in jeder Größe. Man ist noch lange
+nicht am Ende der Erfindungen. Wer weiß, was wir in einem Jahr verwenden
+werden, um uns in den blauen Äther zu bohren!
+
+
+
+_Verlag Ullstein & Co, Berlin_
+
+
+Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau
+
+Meine Erlebnisse in drei Erdteilen von Kapitänleutnant Gunther Plüschow
+
+_550.–600. Tausend_
+
+Aus dem Inhalt:
+
+Der letzte Tag von Tsingtau / Beim Mandarin von Hai-Dschou / Als
+Millionär nach Amerika – als Schlossergeselle nach Europa / In Gibraltar
+gefangen / In England hinter Mauern und Stacheldraht / Die Flucht aus
+dem Gefangenenlager / Als Vagabund in London / Schwarze Nächte an der
+Themse / Als blinder Passagier nach Holland / Wieder im Vaterland
+
+
+Die Abenteuer des Ostseefliegers
+
+von Leutnant zur See Erich Killinger
+
+_301.–350. Tausend_
+
+Aus dem Inhalt:
+
+Abgeschossen / Fünf Stunden im Eiswasser / In der Peter-Pauls-Festung /
+Sibirien! / Der Sprung aus dem Schnellzug / Sechs Wochen in der
+mandschurischen Wüste / Als »Monsieur du Fais« in Japan / Erster Klasse
+nach Amerika / Als Vollmatrose nach Norwegen
+
+
+Zeppeline über England
+
+von ***
+
+_140.–170. Tausend_
+
+Eine lebensvolle und von der ersten bis zur letzten Zeile aufs höchste
+spannende Schilderung der Taten unserer Luftflotte. Wir sehen die
+rastlose harte Arbeit auf der Werft und begleiten eines der neuen
+Riesenfahrzeuge auf einer Abnahmefahrt. Donnernd und brausend stimmen
+dann die Motoren ihr Lied an zur großen Fahrt in Feindesland, übers
+Meer, nach London.
+
+
+300 000 Tonnen versenkt!
+
+Meine #U#-Boots-Fahrten
+
+von Kapitänleutnant Max Valentiner
+
+_1.–100. Tausend_
+
+Aus dem Inhalt:
+
+Im Kampf mit #U#-Boots-Fallen / Im Schwarzen Meer / Was wir vor einem
+Damenbad erlebten / Unser gefährlichstes Abenteuer / Jagd auf hoher See
+/ Im Schlepp nach Madeira / Ein Sonntagmorgen in Funchal / Mann über
+Bord / Im Netz
+
+
+Die Fahrt der Deutschland
+
+von Kapitän Paul König
+
+_501.–550. Tausend_
+
+In einer Sprache, in der noch die ganze Unmittelbarkeit des Erlebnisses
+nachklingt, gibt Kapitän Paul König die Geschichte seiner für alle
+Zeiten denkwürdigen Fahrten. Vom Bau der »Deutschland« erzählt er, von
+der Ausreise, vom Kampf mit den Elementen, von der Verfolgung durch die
+Feinde, von der Ankunft in Baltimore, von der glücklichen Heimkehr.
+
+
+Als #U#-Boots-Kommandant gegen England
+
+von Kapitänleutnant Freiherrn v. Forstner
+
+_86.–95. Tausend_
+
+Zum erstenmal berichtet hier ein deutscher Unterseeboots-Kommandant von
+dem, was unserem schlimmsten Feind Angst und Schrecken einjagt, von den
+Erfolgen im Handelskrieg gegen England. Im Nordatlantik, im Kanal, in
+der Irischen See hat Kapitänleutnant von Forstner mit seiner Mannschaft
+kühne Beutezüge unternommen.
+
+
+Die Fahrten der »Goeben« im Mittelmeer
+
+von Leutnant zur See Kraus
+
+Ein Offizier der »Goeben« erzählt die Taten seines Schiffes, den großen
+Durchbruch bei Messina, die wilde Jagd durch das Ionische Meer, das
+Entrinnen. Voll atemloser Spannung ist die Darstellung des Leutnants
+Kraus und sieghaft heiter auch in den drohendsten Momenten dieser Fahrt,
+die mit dem Aufsteigen des Roten Halbmonds an der Gaffel der »Goeben«
+abschließt.
+
+
+Die Fahrten der »Breslau« im Schwarzen Meer
+
+von Oberleutnant zur See Dönitz
+
+Ein Offizier der »Breslau«–»Midilli« hat dieses Werk verfaßt, das ihre
+abenteuerlichen Kriegsfahrten durch das Schwarze Meer wiedergibt, nicht
+als Darstellung eines Unbeteiligten, sondern als packendes Erlebnis. In
+dichtester Folge drängen sich die Kriegsepisoden. Und auch der Ruhezeit
+am Goldenen Horn, des farbenbunten Orientlebens gedenkt dieses
+fröhliche, temperamentvolle Buch von der »Breslau«.
+
+
+Kreuzerfahrten und #U#-Bootstaten
+
+von Otto von Gottberg
+
+Mit Unterstützung der Flottenleitung hat Otto von Gottberg die packenden
+Berichte niedergeschrieben, die hier in einem Ehrenbuch der deutschen
+Kriegsmarine vereinigt sind. Er schildert die kühnen Fahrten unserer
+Kreuzer und #U#-Boote, die durch rollende Fluten dem Feinde
+entgegenziehen.
+
+
+_Jeder Band 1 Mark_
+
+[Illustration: Ullstein & Co Berlin SW 68]
+
+
+
+[Anmerkungen zur Transkription: Die nachfolgende Tabelle enthält eine
+Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.
+
+S. 070: [Punkt ergänzt] einen Gesinnungstüchtigen zu finden.
+S. 074: As junger Flugzeugführer -> Als
+S. 081: daß wir nach Rußlang gingen -> Rußland
+S. 092: [Zeichensetzung vereinheitlicht] mußt du’s machen«. -> machen.«
+S. 097: [vereinheitlicht] etwa vierzig kennen gelernt -> kennengelernt
+S. 152: [Punkt ergänzt] mein Lord verschwindet in der Tiefe.
+
+Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Textauszeichnungen
+wurden folgendermaßen ersetzt:
+
+Sperrung: _gesperrter Text_
+Antiquaschrift: #Antiquatext# ]
+
+
+
+[Transcriber’s Notes: The table below lists all corrections applied to
+the original text.
+
+p. 070: [added period] einen Gesinnungstüchtigen zu finden.
+p. 074: As junger Flugzeugführer -> Als
+p. 081: daß wir nach Rußlang gingen -> Rußland
+p. 092: [normalized punktuation] mußt du’s machen«. -> machen.«
+p. 097: [normalized] etwa vierzig kennen gelernt -> kennengelernt
+p. 152: [added period] mein Lord verschwindet in der Tiefe.
+
+The original book is printed in Fraktur font. Marked-up text has been
+replaced by:
+
+Spaced-out: _spaced out text_
+Antiqua: #text in Antiqua font# ]
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der rote Kampfflieger, by Manfred von Richthofen
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ROTE KAMPFFLIEGER ***
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+Produced by Markus Brenner, Irma Spehar and the Online
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+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
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+License as specified in paragraph 1.E.1.
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+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
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+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
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@@ -0,0 +1,4460 @@
+Project Gutenberg's Der rote Kampfflieger, by Manfred von Richthofen
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der rote Kampfflieger
+
+Author: Manfred von Richthofen
+
+Release Date: February 11, 2008 [EBook #24572]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ROTE KAMPFFLIEGER ***
+
+
+
+
+Produced by Markus Brenner, Irma Spehar and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+ Der rote
+ Kampfflieger
+
+ von
+
+ Rittmeister
+ Manfred Freiherrn von Richthofen
+
+ 151.-200. Tausend
+
+
+ 1917
+
+ Verlag Ullstein & Co, Berlin-Wien
+
+
+
+ Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, vorbehalten.
+ Amerikanisches Copyright 1917 by Ullstein & Co, Berlin.
+
+
+
+
+Inhalt
+
+
+Einiges von meiner Familie 9
+
+Meine Kadettenzeit 12
+
+Eintritt in die Armee 14
+
+Erste Offizierszeit 16
+
+Kriegsausbruch 19
+
+Überschreiten der Grenze 21
+
+Nach Frankreich 25
+
+Wie ich auf Patrouille zum erstenmal die Kugeln
+ pfeifen hörte 31
+
+Patrouillenritt mit Loen 37
+
+Langeweile vor Verdun 41
+
+Das erstemal in der Luft! 45
+
+Beobachtungsflieger bei Mackensen 48
+
+Mit Holck in Rußland 49
+
+Rußland--Ostende 55
+
+Ein Tropfen Blut fürs Vaterland 59
+
+Mein erster Luftkampf 61
+
+In der Champagne-Schlacht 63
+
+Wie ich Boelcke kennenlernte 65
+
+Der erste Alleinflug 67
+
+Aus meiner Döberitzer Ausbildungszeit 69
+
+Erste Zeit als Pilot 72
+
+Holck [Symbol: Kreuz] 74
+
+Ein Gewitterflug 76
+
+Das erstemal auf einem Fokker 79
+
+Bombenflüge in Rußland 81
+
+Endlich! 88
+
+Mein erster Engländer 90
+
+Somme-Schlacht 94
+
+Boelcke [Symbol: Kreuz] 96
+
+Der Achte 99
+
+Major Hawker 103
+
+#Pour le mérite# 106
+
+#Le petit rouge# 108
+
+Englische und französische Fliegerei 110
+
+Selbst abgeschossen 112
+
+Ein Fliegerstückchen 120
+
+Erste Dublette 122
+
+Mein bisher erfolgreichster Tag 127
+
+»Moritz« 130
+
+Englischer Bombenangriff auf unseren Flughafen 133
+
+Schäfers Notlandung zwischen den Linien 139
+
+Das Anti-Richthofen-Geschwader 144
+
+Der »alte Herr« kommt uns besuchen 147
+
+Flug in die Heimat 154
+
+Mein Bruder 163
+
+Lothar ein »Schießer« und nicht ein Weidmann 174
+
+Der Auerochs 176
+
+Infanterie-, Artillerie- und Aufklärungsflieger 180
+
+Unsere Flugzeuge 183
+
+
+[Illustration: Rittmeister Manfred Freiherr v. Richthofen]
+
+
+
+
+Einiges von meiner Familie
+
+
+Die Familie Richthofen hat sich in den bisherigen Kriegen an führender
+Stelle eigentlich verhältnismäßig wenig betätigt, da die Richthofens
+immer auf ihren Schollen gesessen haben. Einen Richthofen, der nicht
+angesessen war, gab es kaum. War er's nicht, so war er meistenteils in
+Staatsdiensten. Mein Großvater, und von da ab alle meine Vorväter, saßen
+in der Gegend von Breslau und Striegau auf ihren Gütern. Erst in der
+Generation meines Großvaters wurde ein Vetter meines Großvaters als
+erster Richthofen General.
+
+In der Familie meiner Mutter, einer geborenen von Schickfuß und Neudorf,
+ist es ähnlich wie bei den Richthofens: wenig Soldaten, nur Agrarier.
+Der Bruder meines Urgroßvaters Schickfuß fiel 1806. In der Revolution
+1848 wurde einem Schickfuß eines seiner schönsten Schlösser abgebrannt.
+Im übrigen haben sie's alle bloß bis zum Rittmeister der Reserve
+gebracht.
+
+Auch in der Familie Schickfuß sowohl wie Falckenhausen -- meine
+Großmutter ist eine Falckenhausen -- kann man nur zwei Hauptinteressen
+verfolgen. Das ist Reiten, siehe Falckenhausen, und Jagen, siehe den
+Bruder meiner Mutter, Onkel Alexander Schickfuß, der sehr viel in
+Afrika, Ceylon, Norwegen und Ungarn gejagt hat.
+
+Mein alter Herr ist eigentlich der erste in unserem Zweig, der auf den
+Gedanken kam, aktiver Offizier zu werden. Er kam früh ins Kadettenkorps
+und trat später von dort bei den 12. Ulanen ein. Er ist der
+pflichttreueste Soldat, den man sich denken kann. Er wurde schwerhörig
+und mußte den Abschied nehmen. Seine Schwerhörigkeit holte er sich, wie
+er einen seiner Leute bei der Pferdeschwemme aus dem Wasser rettete und
+nachher seinen Dienst beendete, ohne die Kälte und Nässe zu
+berücksichtigen.
+
+Unter der heutigen Generation sind natürlich sehr viel mehr Soldaten. Im
+Kriege ist jeder waffenfähige Richthofen bei der Fahne. So verlor ich
+gleich zu Anfang des Bewegungskrieges sechs Vettern verschiedenen
+Grades. Alle waren Kavalleristen.
+
+Genannt bin ich nach einem großen Onkel Manfred, in Friedenszeiten
+Flügeladjutant Seiner Majestät und Kommandeur der Gardedukorps, im
+Kriege Führer eines Kavalleriekorps.
+
+Nun noch von meiner Jugend. Der alte Herr stand in Breslau bei den
+Leibkürassieren 1, als ich am 2. Mai 1892 geboren wurde. Wir wohnten in
+Kleinburg. Ich hatte Privatunterricht bis zu meinem neunten Lebensjahre,
+dann ein Jahr Schule in Schweidnitz, später wurde ich Kadett in
+Wahlstatt. Die Schweidnitzer betrachteten mich aber durchaus als ein
+Schweidnitzer Kind. Im Kadettenkorps für meinen jetzigen Beruf
+vorbereitet, kam ich dann zum 1. Ulanenregiment.
+
+Was ich selbst erlebte, steht in diesem Buch.
+
+Mein Bruder Lothar ist der andere Flieger Richthofen. Ihn schmückt der
+#Pour le mérite#. Mein jüngster Bruder ist noch im Kadettenkorps und
+wartet sehnsüchtig darauf, sich gleichfalls zu betätigen. Meine
+Schwester ist, wie alle Damen unseres Familienkreises, in der Pflege der
+Verwundeten tätig.
+
+
+
+
+Meine Kadettenzeit
+
+(1903-1909 Wahlstatt, 1909-1911 Lichterfelde)
+
+
+Als kleiner Sextaner kam ich in das Kadettenkorps. Ich war nicht
+übermäßig gerne Kadett, aber es war der Wunsch meines Vaters, und so
+wurde ich wenig gefragt.
+
+Die strenge Zucht und Ordnung fiel einem so jungen Dachs besonders
+schwer. Für den Unterricht hatte ich nicht sonderlich viel übrig. War
+nie ein großes Lumen. Habe immer so viel geleistet, wie nötig war, um
+versetzt zu werden. Es war meiner Auffassung nach nicht mehr zu leisten,
+und ich hätte es für Streberei angesehen, wenn ich eine bessere
+Klassenarbeit geliefert hätte als »genügend«. Die natürliche Folge davon
+war, daß mich meine Pauker nicht übermäßig schätzten. Dagegen gefiel mir
+das Sportliche: Turnen, Fußballspielen usw., ganz ungeheuer. Es gab,
+glaube ich, keine Welle, die ich am Turnreck nicht machen konnte. So
+bekam ich bald einige Preise von meinem Kommandeur verliehen.
+
+Alle halsbrecherischen Stücke imponierten mir mächtig. So kroch ich
+z. B. eines schönen Tages mit meinem Freunde Frankenberg auf den
+bekannten Kirchturm von Wahlstatt am Blitzableiter herauf und band oben
+ein Taschentuch an. Genau weiß ich noch, wie schwierig es war, an den
+Dachrinnen vorbeizukommen. Mein Taschentuch habe ich, wie ich meinen
+kleinen Bruder einmal besuchte, etwa zehn Jahre später, noch immer oben
+hängen sehen.
+
+Mein Freund Frankenberg war das erste Opfer des Krieges, das ich zu
+Gesicht bekam.
+
+In Lichterfelde gefiel es mir schon bedeutend besser. Man war nicht mehr
+so abgeschnitten von der Welt und fing auch schon an, etwas mehr als
+Mensch zu leben.
+
+Meine schönsten Erinnerungen aus Lichterfelde sind die großen
+Korsowettspiele, bei denen ich sehr viel mit und gegen den Prinzen
+Friedrich Karl gefochten habe. Der Prinz erwarb sich damals so manchen
+ersten Preis. So im Wettlauf, Fußballspiel usw. gegen mich, der ich
+meinen Körper doch nicht so in der Vollendung trainiert hatte wie er.
+
+
+
+
+Eintritt in die Armee
+
+(Ostern 1911)
+
+
+Natürlich konnte ich es kaum erwarten, in die Armee eingestellt zu
+werden. Ich ging deshalb bereits nach meinem Fähnrichexamen in die Front
+und kam zum Ulanenregiment Nr. 1 »Kaiser Alexander III.«. Ich hatte mir
+dieses Regiment ausgesucht; es lag in meinem lieben Schlesien, auch
+hatte ich da einige Bekannte und Verwandte, die mir sehr dazu rieten.
+
+Der Dienst bei meinem Regiment gefiel mir ganz kolossal. Es ist eben
+doch das schönste für einen jungen Soldaten, »Kavallerist« zu sein.
+
+Über meine Kriegsschulzeit kann ich eigentlich wenig sagen. Sie
+erinnerte mich zu sehr an das Kadettenkorps und ist mir infolgedessen in
+nicht allzu angenehmer Erinnerung.
+
+Eine spaßige Sache erlebte ich. Einer meiner Kriegsschullehrer kaufte
+sich eine ganz nette dicke Stute. Der einzige Fehler war, sie war schon
+etwas alt. Er kaufte sie für fünfzehn Jahre. Sie hatte etwas dicke
+Beine. Sonst aber sprang sie ganz vortrefflich. Ich habe sie oft
+geritten. Sie ging unter dem Namen »Biffy«.
+
+Etwa ein Jahr später beim Regiment erzählte mir mein Rittmeister v. Tr.,
+der sehr sportliebend war, er habe sich ein ganz klobiges Springpferd
+gekauft. Wir waren alle sehr gespannt auf den »klobigen Springer«, der
+den seltenen Namen »Biffy« trug. Ich dachte nicht mehr an die alte Stute
+meines Kriegsschullehrers. Eines schönen Tages kommt das Wundertier an,
+und nun soll man sich das Erstaunen vorstellen, daß die gute alte
+»Biffy« als achtjährig in dem Stall v. Tr.s sich wieder einfand. Sie
+hatte inzwischen einige Male den Besitzer gewechselt und war im Preise
+sehr gestiegen. Mein Kriegsschullehrer hatte sie für fünfzehnhundert
+Mark gekauft, und v. Tr. hatte sie nach einem Jahre als achtjährig für
+dreitausendfünfhundert Mark erworben. Gewonnen hat sie keine
+Springkonkurrenz mehr, aber sie hat wieder einen Abnehmer gefunden -- --
+und ist gleich zu Beginn des Krieges gefallen.
+
+
+
+
+Erste Offizierszeit
+
+(Herbst 1912)
+
+
+Endlich bekam ich die Epaulettes. So ungefähr das stolzeste Gefühl, was
+ich je gehabt habe, mit einem Male »Herr Leutnant« angeredet zu werden.
+
+Mein Vater kaufte mir eine sehr schöne Stute, »Santuzza« genannt. Sie
+war das reinste Wundertier und unverwüstlich. Ging vor dem Zuge wie ein
+Lamm. Allmählich entdeckte ich in ihr ein großes Springvermögen. Sofort
+war ich dazu entschlossen, aus der guten braven Stute ein Springpferd zu
+machen. Sie sprang ganz fabelhaft. Ein Koppelrick von einem Meter
+sechzig Zentimeter habe ich mit ihr selbst gesprungen.
+
+Ich fand große Unterstützung und viel Verständnis bei meinem Kameraden
+von Wedel, der mit seinem Chargenpferd »Fandango« so manchen schönen
+Preis davongetragen hatte.
+
+So trainierten wir beide für eine Springkonkurrenz und einen Geländeritt
+in Breslau. »Fandango« machte sich glänzend, »Santuzza« gab sich große
+Mühe und leistete auch Gutes. Ich hatte Aussichten, etwas mit ihr zu
+schaffen. Am Tage, bevor sie verladen wurde, konnte ich es mir nicht
+verkneifen, nochmals alle Hindernisse in unserem Springgarten mit ihr zu
+nehmen. Dabei schlitterten wir hin. »Santuzza« quetschte sich etwas
+ihre Schulter, und ich knaxte mir mein Schlüsselbein an.
+
+Von meiner guten dicken Stute »Santuzza« verlangte ich im Training auch
+Leistungen auf Geschwindigkeit und war sehr erstaunt, als von Wedels
+Vollblüter sie schlug.
+
+Ein andermal hatte ich das Glück, bei der Olympiade in Breslau einen
+sehr schönen Fuchs zu reiten. Der Geländeritt fing an, und mein Wallach
+war im zweiten Drittel noch ganz und munter, so daß ich Aussichten auf
+Erfolg hatte. Da kommt das letzte Hindernis. Ich sah schon von weitem,
+daß dies etwas ganz Besonderes sein mußte, da sich eine Unmenge Volks
+dort angesammelt hatte. Ich dachte mir: »Nur Mut, die Sache wird schon
+schief gehen!« und kam in windender Fahrt den Damm heraufgesaust, auf
+dem ein Koppelrick stand. Das Publikum winkte mir immer zu, ich sollte
+nicht so schnell reiten, aber ich sah und hörte nichts mehr. Mein Fuchs
+nimmt das Koppelrick oben auf dem Damm, und zu meinem größten Erstaunen
+geht's auf der anderen Seite in die Weistritz. Ehe ich mich versah,
+springt das Tier in einem Riesensatz den Abhang herunter, und Roß und
+Reiter verschwinden in den Fluten. Natürlich gingen wir »über Kopf«.
+»Felix« kam auf dieser Seite raus und Manfred auf der anderen. Beim
+Zurückwiegen nach Schluß des Geländerittes stellte man mit großem
+Erstaunen fest, daß ich nicht die üblichen zwei Pfund abgenommen hatte,
+sondern zehn Pfund schwerer geworden war. Daß ich glitschenaß war, sah
+man mir Gott sei Dank nicht an.
+
+Ich besaß auch einen sehr guten Charger, und dieses Unglückstier mußte
+alles machen. Rennen laufen, Geländeritte, Springkonkurrenzen, vor dem
+Zuge gehen, kurz und gut, es gab keine Übung, in der das gute Tier nicht
+ausgebildet war. Das war meine brave »Blume«. Auf ihr hatte ich sehr
+nette Erfolge. Mein letzter ist der im Kaiserpreis-Ritt 1913. Ich war
+der einzige, der die Geländestrecke ohne Fehler überwunden hatte. Mir
+passierte dabei eine Sache, die nicht so leicht nachgemacht werden wird.
+Ich galoppierte über eine Heide und stand plötzlich Kopf. Das Pferd war
+in ein Karnickelloch getreten, und ich hatte mir beim Sturz das
+Schlüsselbein gebrochen. Damit war ich noch siebzig Kilometer geritten,
+hatte dabei keinen Fehler gemacht und die Zeit innegehalten.
+
+
+
+
+Kriegsausbruch
+
+
+In allen Zeitungen stand weiter nichts als dicke Romane über den Krieg.
+Aber seit einigen Monaten war man ja schon an das Kriegsgeheul gewöhnt.
+Wir hatten schon so oft unseren Dienstkoffer gepackt, daß man es schon
+langweilig fand und nicht mehr an einen Krieg glaubte. Am wenigsten aber
+glaubten wir an einen Krieg, die wir die ersten an der Grenze waren, das
+»Auge der Armee«, wie seinerzeit mein Kommandierender uns
+Kavalleriepatrouillen bezeichnet hatte.
+
+Am Vorabend der erhöhten Kriegsbereitschaft saßen wir bei der
+detachierten Schwadron, zehn Kilometer von der Grenze entfernt, in
+unserem Kasino, aßen Austern, tranken Sekt und spielten ein wenig. Wir
+waren sehr vergnügt. Wie gesagt, an einen Krieg dachte keiner.
+
+Wedels Mutter hatte uns zwar schon einige Tage zuvor etwas stutzig
+gemacht; sie war nämlich aus Pommern erschienen, um ihren Sohn vor dem
+Kriege noch einmal zu sehen. Da sie uns in angenehmster Stimmung fand
+und feststellen mußte, daß wir nicht an Krieg dachten, konnte sie nicht
+umhin, uns zu einem anständigen Frühstück einzuladen.
+
+Wir waren gerade sehr ausgelassen, als sich plötzlich die Tür öffnete
+und Graf Kospoth, der Landrat von Öls, auf der Schwelle stand. Der Graf
+machte ein entgeistertes Gesicht.
+
+Wir begrüßten den alten Bekannten mit einem Hallo! Er erklärte uns den
+Zweck seiner Reise, nämlich, daß er sich an der Grenze persönlich
+überzeugen wolle, was von den Gerüchten von dem nahen Weltkrieg stimme.
+Er nahm ganz richtig an, die an der Grenze müßten es eigentlich am
+ehesten wissen. Nun war er ob des Friedensbildes nicht wenig erstaunt.
+Durch ihn erfuhren wir, daß sämtliche Brücken Schlesiens bewacht wurden
+und man bereits an die Befestigung von einzelnen Plätzen dachte.
+
+Schnell überzeugten wir ihn, daß ein Krieg ausgeschlossen sei, und
+feierten weiter.
+
+Am nächsten Tage rückten wir ins Feld.
+
+
+
+
+Überschreiten der Grenze
+
+
+Das Wort »Krieg« war uns Grenzkavalleristen zwar geläufig. Jeder wußte
+haarklein, was er zu tun und zu lassen hatte. Keiner hatte aber so eine
+rechte Vorstellung, was sich nun zunächst abspielen würde. Jeder aktive
+Soldat war selig, nun endlich seine Persönlichkeit und sein Können
+zeigen zu dürfen.
+
+Uns jungen Kavallerieleutnants war wohl die interessanteste Tätigkeit
+zugedacht: aufklären, in den Rücken des Feindes gelangen, wichtige
+Anlagen zerstören; alles Aufgaben, die einen ganzen Kerl verlangen.
+
+Meinen Auftrag in der Tasche, von dessen Wichtigkeit ich mich durch
+langes Studium schon seit einem Jahre überzeugt hatte, ritt ich nachts
+um zwölf Uhr an der Spitze meiner Patrouille zum erstenmal gegen den
+Feind.
+
+Die Grenze bildete ein Fluß, und ich konnte erwarten, daß ich dort zum
+erstenmal Feuer bekommen würde. Ich war ganz erstaunt, wie ich ohne
+Zwischenfall die Brücke passieren konnte. Ohne weitere Ereignisse
+erreichten wir den mir von Grenzritten her wohlbekannten Kirchturm des
+Dorfes Kielcze am nächsten Morgen.
+
+Ohne von einem Gegner etwas gemerkt zu haben oder vielmehr besser ohne
+selbst bemerkt worden zu sein, war alles verlaufen. Wie sollte ich es
+anstellen, daß mich die Dorfbewohner nicht bemerkten? Mein erster
+Gedanke war, den Popen hinter Schloß und Riegel zu setzen. So holten wir
+den vollkommen überraschten und höchst verdutzten Mann aus seinem Hause.
+Ich sperrte ihn zunächst mal auf dem Kirchturm ins Glockenhaus ein, nahm
+die Leiter weg und ließ ihn oben sitzen. Ich versicherte ihm, daß, wenn
+auch nur das geringste feindselige Verhalten der Bevölkerung sich
+bemerkbar machen sollte, er sofort ein Kind des Todes sein würde. Ein
+Posten hielt Ausschau vom Turm und beobachtete die Gegend.
+
+Ich hatte täglich durch Patrouillenreiter Meldungen zu schicken. So
+löste sich bald mein kleines Häuflein an Meldereitern auf, so daß ich
+schließlich den letzten Melderitt als Überbringer selbst übernehmen
+mußte.
+
+Bis zur fünften Nacht war alles ruhig geblieben. In dieser kam plötzlich
+der Posten zu mir zum Kirchturm gelaufen -- denn in dessen Nähe hatte ich
+meine Pferde hingestellt -- und rief mir zu: »Kosaken sind da!« Es war
+pechfinster, etwas Regen, keine Sterne. Man sah die Hand nicht vor den
+Augen.
+
+Wir führten die Pferde durch eine schon vorher vorsichtshalber durch die
+Kirchhofsmauer geschlagene Bresche auf das freie Feld. Dort war man
+infolge der Dunkelheit nach fünfzig Metern in vollständiger Sicherheit.
+Ich selbst ging mit dem Posten, den Karabiner in der Hand, nach der
+bezeichneten Stelle, wo die Kosaken sein sollten.
+
+Ich schlich an der Kirchhofsmauer entlang und kam an die Straße. Da
+wurde mir doch etwas anders zumute, denn der ganze Dorfausgang wimmelte
+von Kosaken. Ich guckte über die Mauer, hinter der die Kerle ihre Pferde
+stehen hatten. Die meisten hatten Blendlaternen und benahmen sich sehr
+unvorsichtig und laut. Ich schätzte sie auf etwa zwanzig bis dreißig.
+Einer war abgesessen und zum Popen gegangen, den ich am Tage vorher aus
+der Haft entlassen hatte.
+
+Natürlich Verrat! zuckte es mir durchs Gehirn. Also doppelt aufpassen.
+Auf einen Kampf konnte ich es nicht mehr ankommen lassen, denn mehr als
+zwei Karabiner hatte ich nicht zur Verfügung. Also spielte ich »Räuber
+und Gendarm«.
+
+Nach einigen Stunden Rast ritten die Besucher wieder von dannen.
+
+Am nächsten Morgen zog ich es vor, jetzt aber doch einen kleinen
+Quartierwechsel vorzunehmen. Am siebenten Tage war ich wieder in meiner
+Garnison und wurde von jedem Menschen angestarrt, als sei ich ein
+Gespenst. Das kam nicht etwa wegen meines unrasierten Gesichts, sondern
+vielmehr weil sich Gerüchte verbreitet hatten, Wedel und ich seien bei
+Kalisch gefallen. Man wußte Ort, Zeit und nähere Umstände so haargenau
+zu erzählen, daß sich das Gerücht schon in ganz Schlesien verbreitet
+hatte. Selbst meiner Mutter hatte man bereits Kondolenzbesuche gemacht.
+
+Es fehlte nur noch, daß eine Todesanzeige in der Zeitung stand.
+
+ * * * * *
+
+Eine komische Geschichte ereignete sich zur selben Zeit. Ein
+Pferdedoktor bekam den Auftrag, mit zehn Ulanen Pferde aus einem Gehöft
+zu requirieren. Es lag etwas abseits, etwa drei Kilometer. Ganz erregt
+kam er von seinem Auftrag zurück und berichtete selber folgendes:
+
+»Ich reite über ein Stoppelfeld, auf dem die Puppen stehen, worauf ich
+plötzlich in einiger Entfernung feindliche Infanterie erkenne. Kurz
+entschlossen ziehe ich den Säbel, rufe meinen Ulanen zu: 'Lanze gefällt,
+zur Attacke, marsch, marsch, hurra!' Den Leuten macht es Spaß, es
+beginnt ein wildes Hetzen über die Stoppeln. Die feindliche Infanterie
+entpuppt sich aber als ein Rudel Rehe, die ich in meiner Kurzsichtigkeit
+verkannt habe.«
+
+Noch lange hatte der tüchtige Herr unter seiner Attacke zu leiden.
+
+[Illustration: Abgeschossen und an der Starkstromleitung verbrannt. Am
+Kanal zwischen Brebières und Vitry]
+
+[Illustration: Abgeschossener Vikkers-Zweisitzer bei Noyelle-Godault]
+
+
+
+
+Nach Frankreich
+
+
+In meinem Garnisonort wurden wir nun verladen. Wohin? -- Keine Ahnung, ob
+West, Ost, Süd, Nord.
+
+Gemunkelt wurde viel, meistens aber vorbei. Aber in diesem Fall hatten
+wir wohl den richtigen Riecher: Westen.
+
+Uns stand zu viert ein Abteil zweiter Klasse zur Verfügung. Man mußte
+sich auf eine lange Bahnfahrt verproviantieren. Getränke fehlten
+natürlich nicht. Aber schon am ersten Tage merkten wir, daß so ein
+Abteil zweiter Klasse doch verflucht eng ist für vier kriegsstarke
+Jünglinge, und so zogen wir denn vor, uns etwas mehr zu verteilen. Ich
+richtete mir die eine Hälfte eines Packwagens zur Wohn- und Schlafstätte
+ein und hatte damit ganz entschieden etwas Gutes getan. Ich hatte Luft,
+Licht usw. Stroh hatte ich mir in einer Station verschafft, die Zeltbahn
+wurde darauf gedeckt. Ich schlief in meinem Schlafwagen so fest, als
+läge ich in Ostrowo in meinem Familienbett. Die Fahrt ging Tag und
+Nacht, erst durch ganz Schlesien, Sachsen, immer mehr gen Westen. Wir
+hatten scheinbar Richtung Metz; selbst der Transportführer wußte nicht,
+wo es hinging. Auf jeder Station, auch da, wo wir nicht hielten, stand
+ein Meer von Menschen, die uns mit Hurra und Blumen überschütteten.
+Eine wilde Kriegsbegeisterung lag im deutschen Volk; das merkte man. Die
+Ulanen wurden besonders angestaunt. Der Zug, der vorher durch die
+Station geeilt war, mochte wohl verbreitet haben, daß wir bereits am
+Feinde gewesen waren -- und wir hatten erst acht Tage Krieg. Auch hatte
+im ersten Heeresbericht bereits mein Regiment Erwähnung gefunden.
+Ulanenregiment 1 und das Infanterieregiment 155 eroberten Kalisch. Wir
+waren also die gefeierten Helden und kamen uns auch ganz als solche vor.
+Wedel hatte ein Kosakenschwert gefunden und zeigte dies den erstaunten
+Mädchen. Das machte großen Eindruck. Wir behaupteten natürlich, es
+klebte Blut daran, und dichteten dem friedlichen Schwert eines
+Gendarmeriehäuptlings ein ganz ungeheures Märchen an. Man war doch
+schrecklich ausgelassen. Bis wir schließlich in Busendorf bei
+Diedenhofen ausgeladen wurden.
+
+Kurz bevor der Zug ankam, hielten wir in einem langen Tunnel. Ich muß
+sagen, es ist schon ungemütlich, in einem Tunnel in Friedenszeiten
+plötzlich zu halten, besonders aber im Kriege. Nun erlaubte sich ein
+Übermütiger einen Scherz und gab einen Schuß ab. Es dauerte nicht lange,
+so fing in diesem Tunnel ein wüstes Geschieße an. Daß keiner verletzt
+wurde, ist ein Wunder. Was die Ursache dazu war, ist nie herausgekommen.
+
+In Busendorf wurde ausgeladen. Es war eine derartige Hitze, daß uns die
+Pferde umzufallen drohten. Die nächsten Tage marschierten wir immer nach
+Norden, Richtung Luxemburg. Mittlerweile hatte ich herausgekriegt, daß
+mein Bruder vor etwa acht Tagen dieselbe Strecke mit einer
+Kavalleriedivision geritten war. Ich konnte ihn sogar noch einmal
+fährten, gesehen habe ich ihn erst ein Jahr später.
+
+In Luxemburg wußte kein Mensch, wie sich dieses Ländchen gegen uns
+verhielt. Ich weiß noch wie heute, wie ich einen Luxemburger Gendarm von
+weitem sah, ihn mit meiner Patrouille umzingelte und gefangennehmen
+wollte. Er versicherte mir, daß, wenn ich ihn nicht umgehend losließe,
+er sich beim Deutschen Kaiser beschweren würde. Das sah ich denn auch
+ein und ließ den Helden wieder laufen. So kamen wir durch die Stadt
+Luxemburg und Esch durch, und man näherte sich jetzt bedenklich den
+ersten befestigten Städten Belgiens.
+
+Auf dem Hinmarsch machte unsere Infanterie, wie überhaupt unsere ganze
+Division, die reinen Friedensmanöver. Man war schrecklich aufgeregt.
+Aber so ein Manöver-Vorpostenbild war einem ab und zu ganz bekömmlich.
+Sonst hätte man ganz bestimmt über die Stränge geschlagen. Rechts und
+links, auf jeder Straße, vor und hinter uns marschierten Truppen von
+verschiedenen Armeekorps. Man hatte das Gefühl eines wüsten
+Durcheinanders. Plötzlich wurde aus dem Kuddelmuddel ein großartig
+funktionierender Aufmarsch.
+
+Was unsere Flieger damals leisteten, ahnte ich nicht. Mich versetzte
+jedenfalls jeder Flieger in einen ganz ungeheuren Schwindel. Ob es ein
+deutscher war oder ein feindlicher, konnte ich nicht sagen. Ich hatte ja
+nicht einmal eine Ahnung, daß die deutschen Apparate Kreuze trugen und
+die feindlichen Kreise. Folglich wurde jeder Flieger unter Feuer
+genommen. Die alten Piloten erzählen heute noch immer, wie peinlich es
+ihnen gewesen sei, von Freund und Feind gleichmäßig beschossen zu
+werden.
+
+Wir marschierten und marschierten, die Patrouillen weit voraus, bis wir
+eines schönen Tages bei Arlon waren. Es überlief mich ganz spaßig den
+Buckel 'runter, wie ich zum zweitenmal die Grenze überschritt. Dunkle
+Gerüchte von Franktireurs und dergleichen waren mir bereits zu Ohren
+gekommen.
+
+ * * * * *
+
+Ich hatte einmal den Auftrag, die Verbindung mit meiner
+Kavalleriedivision aufzunehmen. Ich habe an diesem Tage nicht weniger
+als hundertundzehn Kilometer mit meiner gesamten Patrouille geritten.
+Nicht ein Pferd war kaputt, eine glänzende Leistung meiner Tiere. In
+Arlon bestieg ich nach den Grundsätzen der Taktik des Friedens den
+Kirchturm, sah natürlich nichts, denn der böse Feind war noch weitab.
+
+Man war damals noch ziemlich harmlos. So hatte ich z. B. meine
+Patrouille vor der Stadt stehenlassen und war ganz allein mit einem Rad
+mitten durch die Stadt zum Kirchturm gefahren. Wie ich wieder
+'runterkam, stand ich inmitten einer murrenden und murmelnden Menge
+feindselig blickender Jünglinge. Mein Rad war natürlich geklaut, und ich
+konnte nun eine halbe Stunde lang zu Fuß laufen. Aber das machte mir
+Spaß. Ich hätte so eine kleine Rauferei ganz gern gemocht. Ich fühlte
+mich mit meiner Pistole in der Hand ganz kolossal sicher.
+
+Die Einwohner hatten sich, wie ich später erfahren habe, sowohl einige
+Tage vorher gegen unsere Kavallerie als auch später gegen unsere
+Lazarette sehr aufrührerisch benommen, und man hatte eine ganze Menge
+dieser Herren an die Wand stellen müssen.
+
+ * * * * *
+
+Am Nachmittag erreichte ich mein Ziel und erfuhr dort, daß drei Tage
+vorher, ganz in der Gegend von Arlon, mein einziger Vetter Richthofen
+gefallen war. Ich blieb den Rest des Tages bei der Kavalleriedivision,
+machte dort noch einen blinden Alarm mit und kam nachts spät bei meinem
+Regiment an.
+
+Man erlebte und sah eben mehr als die anderen, man war eben doch schon
+mal am Feind gewesen, hatte mit dem Feinde zu tun gehabt, hatte die
+Spuren des Krieges gesehen und wurde von jedem einer anderen Waffe
+beneidet. Es war doch zu schön, wohl doch meine schönste Zeit im ganzen
+Kriege. Den Kriegsanfang möchte ich wieder mal mitmachen.
+
+
+
+
+Wie ich auf Patrouille zum erstenmal die Kugeln pfeifen hörte
+
+(21./22. August 1914)
+
+
+Ich hatte den Auftrag, festzustellen, wie stark die Besetzung eines
+großen Waldes bei Virton wohl sein mochte. Ich ritt mit fünfzehn Ulanen
+los und war mir klar: Heute gibt es den ersten Zusammenstoß mit dem
+Feinde. Mein Auftrag war nicht leicht, denn in so einem Walde kann
+furchtbar viel stecken, ohne daß man es sieht.
+
+Ich kam über eine Höhe. Wenige hundert Schritte vor mir lag ein riesiger
+Waldkomplex von vielen tausend Morgen. Es war ein schöner Augustmorgen.
+Der Wald lag so friedlich und ruhig, daß man eigentlich gar keine
+kriegerischen Gedanken mehr spürte.
+
+Jetzt näherte sich die Spitze dem Eingang des Waldes. Durch das Glas
+konnte man nichts Verdächtiges feststellen, man mußte also heranreiten
+und abwarten, ob man Feuer bekäme. Die Spitze verschwand im Waldweg. Ich
+war der nächste, neben mir ritt einer meiner tüchtigsten Ulanen. Am
+Eingang des Waldes war ein einsames Waldwärterhäuschen. Wir ritten daran
+vorbei. Mit einemmal fiel ein Schuß aus einem Fenster des Hauses. Gleich
+darauf noch einer. Am Knall erkannte ich sofort, daß es kein
+Büchsenschuß war, sondern daß er von einer Flinte herrührte. Zur
+gleichen Zeit sah ich auch Unordnung in meiner Patrouille und vermutete
+gleich einen Überfall durch Franktireurs. Von den Pferden 'runter und
+das Haus umstellen war eins. In einem etwas dunkeln Raum erkannte ich
+vier bis fünf Burschen mit feindseligen Augen. Eine Flinte war natürlich
+nicht zu sehen. Meine Wut war groß in diesem Augenblick; aber ich hatte
+noch nie in meinem Leben einen Menschen getötet, und so muß ich sagen,
+war mir der Moment äußerst unbehaglich. Eigentlich hätte ich den
+Franktireur wie ein Stück Vieh 'runterknallen müssen. Er hatte mit dem
+Schuß eine Ladung Schrot in den Bauch eines meiner Pferde gejagt und
+einen meiner Ulanen an der Hand verletzt.
+
+Mit meinem kümmerlichen Französisch schrie ich die Bande an und drohte,
+wenn sich der Schuldige nicht umgehend melden würde, sie allesamt über
+den Haufen zu schießen. Sie merkten, daß es mir Ernst war, und daß ich
+nicht zaudern würde, meinen Worten die Tat folgen zu lassen. Wie es nun
+eigentlich kam, weiß ich heute selbst nicht mehr. Jedenfalls waren die
+Freischützen mit einemmal aus der Hintertür heraus und vom Erdboden
+verschwunden. Ich schoß noch hinterher, ohne zu treffen. Zum Glück hatte
+ich das Haus umstellt, so daß sie mir eigentlich nicht entrutschen
+konnten. Sofort ließ ich das Haus nach ihnen durchstöbern, fand aber
+keinen mehr. Mochten nun die Posten hinter dem Haus nicht ordentlich
+aufgepaßt haben, jedenfalls war die ganze Bude leer. Wir fanden noch die
+Schrotspritze am Fenster stehend und mußten uns auf andere Weise rächen.
+In fünf Minuten stand das ganze Haus in Flammen.
+
+Nach diesem Intermezzo ging es weiter.
+
+An frischen Pferdespuren erkannte ich, daß unmittelbar vor uns starke
+feindliche Kavallerie marschiert sein mußte. Ich hielt mit meiner
+Patrouille, feuerte sie durch ein paar Worte an und hatte das Gefühl,
+daß ich mich auf jeden meiner Kerls unbedingt verlassen konnte. Jeder,
+so wußte ich, würde seinen Mann in den nächsten Minuten stehen.
+Natürlich dachte keiner an etwas anderes als an eine Attacke. Es liegt
+wohl im Blute eines Germanen, den Gegner, wo man ihn auch trifft, über
+den Haufen zu rennen, besonders natürlich feindliche Kavallerie. Schon
+sah ich mich an der Spitze meines Häufleins eine feindliche Schwadron
+zusammenhauen und war ganz trunken vor freudiger Erwartung. Meinen
+Ulanen blitzten die Augen. So ging es dann in flottem Trab auf der
+frischen Spur weiter. Nach einstündigem scharfem Ritt durch die schönste
+Bergschlucht wurde der Wald etwas lichter, und wir näherten uns dem
+Ausgang. Daß ich damit auf den Feind stoßen würde, war mir klar. Also
+Vorsicht! bei allem Attackenmut, der mich beseelte. Rechts von dem
+schmalen Pfad war eine viele Meter hohe, steile Felsenwand. Zu meiner
+Linken war ein schmaler Gebirgsbach, dann eine Wiese von fünfzig Metern
+Breite, eingefaßt von Stacheldrähten. Mit einem Male hörte die
+Pferdespur auf und verschwand über eine Brücke in den Büschen. Meine
+Spitze hielt, denn vor uns war der Waldausgang durch eine Barrikade
+versperrt.
+
+Sofort war es mir klar, daß ich in einen Hinterhalt geraten war. Ich
+erkannte plötzlich Bewegung im Buschwerk hinter der Wiese zu meiner
+Linken und konnte abgesessene feindliche Kavallerie erkennen. Ich
+schätzte sie auf eine Stärke von hundert Gewehren. Hier war nichts zu
+wollen. Geradeaus war der Weg durch die Barrikade versperrt, rechts
+waren die Felswände, links hinderte mich die mit Draht eingefaßte Wiese
+an meinem Vorhaben, der Attacke. Zum Absitzen, um den Gegner mit
+Karabinern anzugreifen, war keine Zeit mehr. Also blieb nichts anderes
+übrig, als zurück. Alles hätte ich meinen guten Ulanen zutrauen können,
+bloß kein Ausreißen vor dem Feinde. -- Das sollte so manchem den Spaß
+verderben, denn eine Sekunde später knallte der erste Schuß, dem ein
+rasendes Schnellfeuer aus dem Walde drüben folgte. Die Entfernung betrug
+etwa fünfzig bis hundert Meter. Die Leute waren instruiert, daß sie, im
+Falle ich die Hand hob, schnell zu mir stoßen sollten. Nun wußte ich,
+wir mußten zurück, hob den Arm und winkte meinen Leuten zu. Das mögen
+sie wohl falsch verstanden haben. Meine Patrouille, die ich
+zurückgelassen hatte, glaubte mich in Gefahr und kam in wildem Caracho
+herangebraust, um mich herauszuhauen. Alles das spielte sich auf einem
+schmalen Waldweg ab, so daß man sich wohl die Schweinerei vorstellen
+kann, die sich nun ereignete. Meinen beiden Spitzenreitern gingen die
+Pferde infolge des rasenden Feuers in der engen Schlucht, wo der Laut
+jedes Schusses sich verzehnfachte, durch, und ich sah sie bloß die
+Barrikade mit einem Sprung nehmen. Von ihnen habe ich nie wieder etwas
+gehört. Gewiß sind sie in Gefangenschaft. Ich selbst machte kehrt und
+gab meinem guten »Antithesis«, wohl zum erstenmal in seinem Leben, die
+Sporen. Meinen Ulanen, die mir entgegengebraust kamen, konnte ich nur
+mit Mühe und Not zu erkennen geben, nicht weiter vorzukommen. Kehrt und
+davon! Neben mir ritt mein Bursche. Plötzlich stürzte sein Pferd
+getroffen, ich sprang darüber hinweg, um mich herum wälzten sich andere
+Pferde. Kurz und gut, es war ein wüstes Durcheinander. Von meinem
+Burschen sah ich nur noch, wie er unter dem Pferd lag, scheinbar nicht
+verwundet, aber durch das auf ihm liegende Pferd gefesselt. Der Gegner
+hatte uns glänzend überrumpelt. Er hatte uns wohl von Anfang an
+beobachtet und, wie es den Franzosen nun mal liegt, aus dem Hinterhalt
+seinen Feind zu überfallen, so hatte er es auch in diesem Fall wieder
+versucht.
+
+Freude machte es mir, als nach zwei Tagen mit einemmal mein Bursche vor
+mir stand; allerdings zur Hälfte barfüßig, denn den einen Stiefel hatte
+er unter seinem Pferd gelassen. Er erzählte mir nun, wie er entkommen
+war: Mindestens zwei Schwadronen französischer Kürassiere waren später
+aus dem Walde gekommen, um die vielen gefallenen Pferde und tapferen
+Ulanen zu plündern. Er war gleich aufgesprungen, unverwundet die
+Felsenwand hinaufgeklettert und in fünfzig Metern Höhe vollständig
+erschöpft in einem Gebüsch zusammengebrochen. Nach etwa zwei Stunden,
+nachdem der Feind sich wieder in seinen Hinterhalt begeben hatte, hatte
+er seine Flucht fortsetzen können. Nach einigen Tagen gelangte er so
+wieder zu mir. Von dem Verbleib der anderen Kameraden konnte er wenig
+aussagen.
+
+
+
+
+Patrouillenritt mit Loen
+
+
+Die Schlacht von Virton war im Gange. Mein Kamerad Loen und ich hatten
+wieder einmal durch eine Patrouille festzustellen, wo der Feind
+geblieben war. Den ganzen Tag ritten wir hinter dem Feinde her,
+erreichten ihn schließlich und konnten eine ganz ordentliche Meldung
+verfassen. Abends war nun die große Frage: Wollen wir die Nacht
+durchreiten, um zu unserer Truppe zurückzukommen, oder unsere Kräfte
+schonen und uns für den nächsten Tag ausruhen? Das ist ja gerade das
+Schöne, daß der Kavalleriepatrouille vollständig freies Handeln
+überlassen sein muß.
+
+So entschlossen wir uns, die Nacht am Feinde zu bleiben und am nächsten
+Morgen weiterzureiten. Unseren strategischen Blicken nach war der Gegner
+auf Rückmarsch, und wir drängten ihm nach. Folglich konnten wir die
+Nacht mit ziemlicher Ruhe verbringen.
+
+Gar nicht weit vom Gegner lag ein wunderbares Kloster mit großen
+Ställen, so daß wir sowohl Loen als auch meine Patrouille einquartieren
+konnten. Allerdings saß der Gegner gegen Abend, wie wir dort unterzogen,
+noch so nahe dran, daß er uns mit Gewehrkugeln die Fensterscheiben hätte
+einschießen können.
+
+Die Mönche waren überaus liebenswürdig. Sie gaben uns zu essen und zu
+trinken, so viel wir haben wollten, und wir ließen es uns gut schmecken.
+Die Pferde wurden abgesattelt und waren auch ganz froh, wie sie nach
+drei Tagen und drei Nächten zum erstenmal ihre achtzig Kilo totes
+Gewicht von ihren Rücken loswurden. Mit anderen Worten, wir richteten
+uns so ein, als ob wir im Manöver bei einem lieben Gastfreund zu Abend
+wären. Nebenbei bemerkt, hingen drei Tage darauf mehrere von den
+Gastgebern an dem Laternenpfahl, da sie es sich nicht hatten verkneifen
+können, sich an dem Krieg zu beteiligen. Aber an dem Abend waren sie
+wirklich überaus liebenswürdig. Wir krochen in Nachthemden in unsere
+Betten, stellten einen Posten auf und ließen den lieben Herrgott einen
+guten Mann sein.
+
+Nachts reißt plötzlich jemand die Tür auf, und die Stimme des Postens
+ertönt: »Herr Leutnant, die Franzosen sind da.« Ich war zu verschlafen,
+um überhaupt Antwort geben zu können. Loen ging es so ähnlich, und er
+stellte nur die geistreiche Frage: »Wieviel sind es denn?« Die Antwort
+des Postens, sehr aufgeregt: »Zwei haben wir schon totgeschossen;
+wieviel es sind, können wir nicht sagen, denn es ist stockfinster.« Ich
+höre Loen noch ganz verschlafen antworten: »Wenn also mehr kommen, dann
+weckst du mich.« Eine halbe Minute später schnarchten wir weiter.
+
+Am nächsten Morgen stand die Sonne schon recht hoch, als wir von
+unserem gesunden Schlaf erwachten. Nach einem reichlichen Frühstück ging
+die Reise wieder los.
+
+Tatsächlich waren nachts an unserem Schloß die Franzosen
+vorbeimarschiert, und unsere Posten hatten während dieser Zeit einen
+Feuerüberfall auf sie gemacht. Da es aber stockfinster war, hatte sich
+keine größere Schlacht daraus entspinnen können.
+
+Bald ging's in einem munteren Tal weiter. Wir ritten über das alte
+Schlachtfeld unserer Division und stellten mit Erstaunen fest, daß statt
+unserer Leute nur französische Sanitäter zu sehen waren. Französische
+Soldaten sah man auch noch ab und zu. Sie machten aber ebenso dumme
+Gesichter wie wir. An Schießen hatte keiner gedacht. Wir machten uns
+dann möglichst rasch dünne; denn wir kamen so sachte dahinter, daß wir,
+statt vorwärts zu gehen, uns etwas rückwärts konzentriert hatten. Zum
+Glück war der Gegner nach der anderen Seite ausgerissen, sonst säße ich
+jetzt irgendwo in Gefangenschaft.
+
+Wir kamen durch das Dorf Robelmont, wo wir am Tage zuvor unsere
+Infanterie zum letztenmal in Stellung gesehen hatten. Dort trafen wir
+einen Einwohner und fragten ihn nach dem Verbleib unserer Soldaten. Er
+war sehr glücklich und versicherte mir, die Deutschen wären #»partis«#.
+
+Wir kamen um eine Ecke und waren Zeugen von folgendem komischem Bilde.
+Vor uns wimmelte es von roten Hosen -- ich schätzte etwa fünfzig bis
+hundert --, die eifrigst bemüht waren, an einem Eckstein ihre Gewehre zu
+zerschlagen. Daneben stehen sechs Grenadiere, die, wie es sich
+herausstellte, die Brüder gefangengenommen hatten. Wir halfen ihnen
+noch, die Franzosen abzutransportieren, und erfuhren durch die sechs
+Grenadiere, daß wir nachts eine rückwärtige Bewegung angetreten hatten.
+
+Am späten Nachmittag erreichte ich mein Regiment und war ganz zufrieden
+mit dem Verlauf der letzten vierundzwanzig Stunden.
+
+
+
+
+Langeweile vor Verdun
+
+
+Für einen so unruhigen Geist, wie ich einer bin, war meine Tätigkeit vor
+Verdun durchaus mit »langweilig« zu bezeichnen. Anfangs lag ich selbst
+im Schützengraben an einer Stelle, wo nichts los war; dann wurde ich
+Ordonnanzoffizier und glaubte, nun mehr zu erleben. Da hatte ich mich
+aber arg in die Finger geschnitten. Ich wurde vom Kämpfenden zum
+besseren Etappenschwein degradiert. So ganz Etappe war es noch nicht,
+aber das Weiteste, was ich mich vorwagen durfte, war fünfzehnhundert
+Meter hinter die vordere Linie. Dort saß ich wochenlang unter der Erde
+in einem bombensicheren, geheizten Unterstand. Ab und zu wurde ich mit
+nach vorn genommen. Das war eine große körperliche Anstrengung. Denn man
+ging bergauf, bergab, die Kreuz und die Quer', durch unendlich viele
+Annäherungsgräben und Schlammlöcher hindurch, bis man dann endlich vorn
+dort angekommen war, wo es knallte. Bei einem so kurzen Besuch bei den
+Kämpfenden kam ich mir immer sehr dumm vor mit meinen gesunden Knochen.
+
+Man fing damals an, unter der Erde zu arbeiten. Wir waren uns noch gar
+nicht klar darüber, was es eigentlich heißt, einen Stollen bauen oder
+eine Sappe vorschieben. Man kannte die Namen zwar aus der
+Befestigungslehre von der Kriegsschule her, aber das war nun mal
+Pionierarbeit, mit der sich ein anderer Sterblicher nicht gern
+beschäftigt hätte. Aber dort vorn an der Combres-Höhe buddelte alles
+emsig. Jeder hatte ein Grabscheit und eine Hacke und gab sich unendliche
+Mühe, möglichst tief in die Erde hineinzukommen. Es war ganz spaßig, die
+Franzosen an manchen Stellen nur auf fünf Schritt vor sich zu haben. Man
+hörte den Kerl sprechen, man sah ihn Zigaretten rauchen, ab und zu warf
+er ein Stück Papier herüber. Man unterhielt sich mit ihnen, und trotzdem
+suchte man sich auf alle möglichen Arten anzuärgern (Handgranaten).
+
+Fünfhundert Meter vor und fünfhundert Meter hinter den Gräben war der
+dichte Wald der Côte Lorraine abgemäht durch die unendlich vielen
+Gewehrkugeln und Granaten, die dort ständig durch die Luft sausten. Man
+würde nicht glauben, daß dort vorn überhaupt noch ein Mensch leben
+könnte. Die Truppe vorne empfand es gar nicht mal so schlimm wie die
+Etappenleute.
+
+Nach so einem Spaziergang, der meistenteils in den allerzeitigsten
+Morgenstunden stattfand, fing für mich wieder der langweiligere Teil des
+Tages an, nämlich Telephonordonnanz zu spielen.
+
+ * * * * *
+
+An meinen freien Tagen beschäftigte ich mich mit meinem
+Lieblingshandwerk, dem Jagen. Der Wald von La Chaussée bot mir dazu
+reichlich Gelegenheit. Ich hatte bei meinen Spazierritten Sauen gespürt
+und war nun damit beschäftigt, diese ausfindig zu machen und mich nachts
+anzusetzen. Schöne Vollmondnächte mit Schnee kamen mir zu Hilfe. Ich
+baute mir mit Hilfe meines Burschen Hochsitze an ganz bestimmten
+Wechseln und bestieg diese nachts. Da habe ich so manche Nacht auf
+Bäumen zugebracht und wurde morgens als Eiszapfen wieder vorgefunden.
+Aber es hatte sich gelohnt. Besonders eine Sau war interessant, sie kam
+jede Nacht durch den See geschwommen, brach an einer bestimmten Stelle
+in einen Kartoffelacker und schwamm dann wieder zurück. Es reizte mich
+natürlich besonders, dieses Tier näher kennenzulernen. So setzte ich
+mich denn an dem Ufer dieses Sees an. Wie verabredet, erschien die alte
+Tante um Mitternacht, um sich ihr Nachtmahl zu holen. Ich schoß, während
+sie noch im See schwamm, traf, und das Tier wäre mir beinahe versoffen,
+wenn ich nicht noch im letzten Moment hätte zugreifen können, um sie an
+einem Lauf festzuhalten.
+
+Ein andermal ritt ich mit meinem Burschen in einer ganz schmalen
+Schneise, da wechseln vor mir mehrere Stück Schwarzwild über sie. Ich
+schnell 'runter, den Karabiner meines Burschen ergriffen und einige
+hundert Schritt vorgelaufen. Tatsächlich, da kam noch ein Kerl, und zwar
+ein mächtiger Keiler. Ich hatte noch nie einen Keiler gesehen und war
+nun sehr erstaunt, wie riesenhaft dieser Kerl aussah. Jetzt hängt er als
+Trophäe hier in meinem Zimmer; er ist eine schöne Erinnerung.
+
+ * * * * *
+
+So hatte ich es schon einige Monate ausgehalten, da kam eines schönen
+Tages etwas Bewegung in unseren Laden. Wir beabsichtigten eine kleine
+Offensive an unserer Front. Ich freute mich mächtig, denn nun mußte ja
+doch eigentlich der Ordonnanzoffizier zu seinem Ordonnanzieren kommen!
+Aber Kuchen! Es wurde mir etwas ganz anderes zugedacht, und dieses
+schlug dem Faß den Boden aus. Nun schrieb ich ein Gesuch an meinen
+Kommandierenden General, und böse Zungen behaupten, ich hätte gesagt:
+»Liebe Exzellenz, ich bin nicht in den Krieg gezogen, um Käse und Eier
+zu sammeln, sondern zu einem anderen Zweck.« Man hat anfangs eigentlich
+auf mich einschnappen wollen, aber schließlich hat man mir meine Bitte
+gewährt, und so trat ich Ende Mai 1915 zur Fliegertruppe. So war mir
+mein größter Wunsch erfüllt.
+
+
+
+
+Das erstemal in der Luft!
+
+
+Morgens früh um sieben Uhr sollte ich zum erstenmal mitfliegen! Ich war
+in einer etwas begreiflichen Aufregung, konnte mir so gar nichts
+darunter vorstellen. Jeder, den ich fragte, schnurrte mir etwas anderes
+vor. Abends ging ich zeitiger schlafen als sonst, um am nächsten Morgen
+für den großen Moment frisch zu sein. Wir fuhren 'rüber auf den
+Flugplatz, ich setzte mich zum erstenmal in ein Flugzeug. Der
+Propellerwind störte mich ganz ungeheuer. Eine Verständigung mit dem
+Führer war mir nicht möglich. Alles flog mir weg. Nahm ich ein Stück
+Papier heraus, verschwand es. Mein Sturzhelm verrutschte sich, der Schal
+löste sich, die Jacke war nicht fest genug zugeknöpft, kurz und gut, es
+war kläglich. Ich war noch gar nicht darauf gefaßt, schon loszusausen,
+da gab bereits der Pilot Vollgas, und die Maschine fing an zu rollen.
+Immer schneller, immer schneller. Ich hielt mich krampfhaft fest. Mit
+einem Male hörte die Erschütterung auf, und die Maschine war in der
+Luft. Der Erdboden sauste unter mir weg.
+
+Man hatte mir gesagt, wo ich hinfliegen sollte, d. h. also, wo ich
+meinen Führer hinzudirigieren hatte. Wir flogen erst ein Stück
+geradeaus, dann machte mein Führer kehrt, nochmal kehrt, rechtsum, mal
+linksum, und ich hatte über meinem eigenen Flughafen die Orientierung
+verloren. Keine Ahnung mehr, wo ich mich befand! Ich fing so sachte an,
+mir mal die Gegend unter mir anzusehen. Die Menschen winzig klein, die
+Häuser wie aus einem Kinderbaukasten, alles so niedlich und zierlich. Im
+Hintergrund lag Köln. Der Kölner Dom ein Spielzeug. Es war doch ein
+erhabenes Gefühl, über allem zu schweben. Wer konnte mir jetzt was
+anhaben? Keiner! Daß ich nicht mehr wußte, wo ich war, war mir ganz
+Wurscht, und ich war ganz traurig, als mein Pilot meinte, jetzt müßten
+wir landen.
+
+Am liebsten wäre ich gleich wieder geflogen. Daß ich irgend welche
+Beschwerden, wie etwa bei einer Luftschaukel, gehabt hätte, daran ist
+nicht zu denken. Die berühmten Amerikanischen Schaukeln sind mir,
+nebenbei gesagt, widerlich. Man fühlt sich unsicher darin, aber im
+Flugzeug hat man das unbedingte Gefühl der Sicherheit. Man sitzt ganz
+ruhig auf seinem Sessel. Daß einem schwindlig wird, ist ganz
+ausgeschlossen. Es gibt keinen Menschen, dem im Flugzeug je schwindlig
+geworden wäre. Aber es ist ein verdammter Nervenkitzel, so durch die
+Luft zu sausen, besonders nachher, als es wieder 'runterging, das
+Flugzeug nach vorn kippte, der Motor aufhörte zu laufen und mit einemmal
+eine ungeheure Ruhe eintrat. Ich hielt mich wieder krampfhaft fest und
+dachte natürlich: »Jetzt stürzt du.« Aber es ging alles so
+selbstverständlich und natürlich vor sich, auch das Landen, wie man
+wieder die Erde berührte, und alles war so einfach, daß einem das Gefühl
+der Angst absolut fehlte. Ich war begeistert und hätte den ganzen Tag im
+Flugzeug sitzen können. Ich zählte die Stunden bis zum nächsten Start.
+
+
+
+
+Beobachtungsflieger bei Mackensen
+
+
+Am 10. Juni 1915 kam ich nach Großenhain, um von dort aus an die Front
+abgeschickt zu werden. Natürlich wollte ich recht schnell 'raus, denn
+ich hatte Angst, ich könnte zu dem Weltkrieg zu spät kommen.
+Flugzeugführer-Werden hätte drei Monate in Anspruch genommen. Bis dahin
+konnten wir schon längst Frieden haben; also kam es nicht in Frage. Als
+Beobachter mochte ich mich vielleicht in meiner Eigenschaft als
+Kavallerist ganz gut eignen; denn nach vierzehn Tagen schickte man mich
+bereits 'raus, zu meiner größten Freude an die einzige Stelle, wo wir
+noch Bewegungskrieg hatten, nämlich nach Rußland.
+
+Mackensen ging gerade seinen Siegeszug. Er war bei Gorlice
+durchgebrochen, und ich kam dazu, wie wir Rawa Ruska nahmen. Ein Tag im
+Armee-Flugpark, dann kam ich zu der famosen Abt. 69, wo ich mir als
+Anfänger kolossal dämlich vorkam. Mein Führer war eine »Kanone« --
+Oberleutnant Zeumer --, jetzt auch schon krumm und lahm. Von den übrigen
+bin ich heute der einzige, der noch lebt.
+
+Jetzt kommt eigentlich meine schönste Zeit. Sie hatte mit dem
+Kavalleristischen recht große Ähnlichkeit. Jeden Tag, vor- und
+nachmittags, konnte ich meine Aufklärung fliegen. Ich habe manche schöne
+Meldung nach Hause gebracht.
+
+
+
+
+Mit Holck in Rußland
+
+(Sommer 1915)
+
+
+Juni, Juli, August 1915 blieb ich bei der Fliegerabteilung, die den
+ganzen Vormarsch Mackensens von Gorlice nach Brest-Litowsk mitmachte.
+Ich war als ganz junger Beobachter dort hingekommen und hatte von Tuten
+und Blasen keine Ahnung.
+
+Als Kavallerist war ja meine Beschäftigung Aufklären, so schlug der
+jetzige Dienst in mein Fach, und ich hatte großen Spaß an den riesigen
+Aufklärungsflügen, die wir fast täglich unternahmen.
+
+Für den Beobachter ist es wichtig, einen gesinnungstüchtigen Führer zu
+finden. Da hieß es eines schönen Tages: »Graf Holck ist auf dem Anmarsch
+zu uns.« Sofort kam mir der Gedanke: »Das ist der Mann, den du
+brauchst.«
+
+Holck erschien nicht, wie man wohl glauben könnte, im 60-P.S.-Mercedes
+oder im Schlafwagen erster Klasse, sondern zu Fuß. Er war nach
+tagelanger Bahnfahrt endlich in die Gegend von Jaroslau gekommen. Dort
+stieg er aus, denn es war wieder mal ein unendlicher Aufenthalt. Seinem
+Burschen sagte er, er möchte mit dem Gepäck nachreisen, er würde
+vorausgehen. Er zieht los, und nach einer Stunde Fußmarsch guckt er
+sich um, aber kein Zug folgt ihm. So lief und lief er, ohne von seinem
+Zuge überholt zu werden, bis er schließlich nach fünfzig Kilometern in
+Rawa Ruska, seinem Ziel, ankam und vierundzwanzig Stunden später der
+Bursche mit dem Gepäck erschien. Das war dem Sportsmann aber weiter
+keine ungewohnte Arbeit. Sein Körper war derart trainiert, daß ihm
+fünfzig Kilometer Fußmarsch nichts weiter ausmachten.
+
+Graf Holck war nicht bloß ein Sportsmann auf dem grünen Rasen, der
+Flugsport machte ihm allem Anschein nach nicht weniger Vergnügen. Er war
+ein Führer von seltener Befähigung, und besonders eben, was ja noch eine
+große Hauptsache ist, er war grob Klasse über dem Feind.
+
+Manch schönen Aufklärungsflug flogen wir, wer weiß wie weit, Richtung
+Rußland. Nie hatte ich bei dem noch so jungen Piloten das Gefühl der
+Unsicherheit, vielmehr gab er mir im kritischen Moment einen Halt. Wenn
+ich mich umsah und in sein entschlossenes Gesicht blickte, hatte ich
+wieder nochmal so viel Mut wie vorher.
+
+ * * * * *
+
+Mein letzter Flug mit ihm zusammen sollte beinahe schief gehen. Wir
+hatten eigentlich gar keinen bestimmten Auftrag zu fliegen. Das ist ja
+aber gerade das Schöne, daß man sich vollständig als freier Mensch fühlt
+und vollkommen sein eigener Herr ist, wenn man mal in der Luft ist.
+
+Wir hatten einen Flughafenwechsel vorwärts und wußten nicht genau,
+welche Wiese nun eigentlich die richtige sei. Um unsere Kiste bei der
+Landung nicht unnötig aufs Spiel zu setzen, flogen wir Richtung
+Brest-Litowsk. Die Russen waren in vollem Rückmarsch, alles brannte -- --
+ein grausig-schönes Bild. Wir wollten feindliche Kolonnen feststellen
+und kamen dabei über die brennende Stadt Wiczniace. Eine riesige
+Rauchwolke, die vielleicht bis auf zweitausend Meter hinaufreichte,
+hinderte uns am Weiterfliegen, da wir selbst, um besser zu sehen, nur in
+fünfzehnhundert Metern Höhe flogen. Einen Augenblick überlegte Holck.
+Ich fragte ihn, was er machen wollte, und riet ihm, drumherum zu
+fliegen, was vielleicht ein Umweg von fünf Minuten gewesen wäre. Aber
+daran dachte Holck gar nicht. Im Gegenteil: je mehr sich die Gefahr
+erhöhte, um so reizvoller war es ihm. Also mitten durch! Mir machte es
+auch Spaß, mit einem so schneidigen Kerl zusammen zu sein. Doch sollte
+uns unsere Unvorsichtigkeit bald teuer zu stehen kommen, denn kaum war
+der Schwanz des Apparates in der Wolke verschwunden, schon merkte ich
+ein Schwanken im Flugzeug. Ich konnte nichts mehr sehen, der Rauch biß
+mir in die Augen, die Luft war bedeutend wärmer, und ich sah unter mir
+bloß noch ein riesiges Feuermeer. Plötzlich verlor das Flugzeug das
+Gleichgewicht und stürzte, sich überschlagend, in die Tiefe. Ich konnte
+noch schnell eine Strebe erfassen, um mich festzuhalten, sonst wäre ich
+'rausgeschleudert worden. Das erste, was ich tat, war ein Blick in
+Holcks Gesicht. Schon hatte ich wieder Mut gefaßt, denn seine Mienen
+waren eisern zuversichtlich. Der einzige Gedanke, den ich hatte, war
+der: es ist doch dumm, auf so unnötige Weise den Heldentod zu sterben.
+
+Später fragte ich Holck, was er sich eigentlich in dem Augenblick
+gedacht hätte. Da meinte er, daß ihm doch noch nie so eklig zumute
+gewesen sei.
+
+Wir stürzten herunter bis auf fünfhundert Meter über die brennende
+Stadt. War es die Geschicklichkeit meines Führers oder höhere Fügung,
+vielleicht auch beides, jedenfalls waren wir plötzlich aus der
+Rauchwolke herausgefallen, der gute Albatros fing sich wieder und flog
+erneut geradeaus, als sei nichts vorgefallen.
+
+Wir hatten nun doch die Nase voll von unserem Flughafenwechsel und
+wollten schleunigst zu unseren Linien zurückkehren. Wir waren nämlich
+noch immer weit drüben bei den Russen und zudem nur noch in fünfhundert
+Metern Höhe. Nach etwa fünf Minuten ertönte hinter mir die Stimme
+Holcks: »Der Motor läßt nach.«
+
+Ich muß hinzufügen, daß Holck von einem Motor nicht ganz dieselbe Ahnung
+hatte wie von einem »Hafervergaser«, und ich selbst war vollständig
+schimmerlos. Nur eines wußte ich, daß, wenn der Motor nicht mehr
+mitmachte, wir bei den Russen landen mußten. Also kamen wir aus der
+einen Gefahr in die andere.
+
+Ich überzeugte mich, daß die Russen unter uns noch flott marschierten,
+was ich aus fünfhundert Metern Höhe genau sehen konnte. Im übrigen
+brauchte ich gar nichts zu sehen, denn der Rußki schoß mit
+Maschinengewehren wie verfault. Es hörte sich an, als wenn Kastanien im
+Feuer liegen.
+
+Der Motor hörte bald ganz auf zu laufen, er hatte einen Treffer. So
+kamen wir immer tiefer, bis wir gerade noch über einem Wald ausschwebten
+und schließlich in einer verlassenen Artilleriestellung landeten, die
+ich noch am Abend vorher als besetzte russische Artilleriestellung
+gemeldet hatte.
+
+Ich teilte Holck meine Vermutungen mit. Wir sprangen 'raus aus der Kiste
+und versuchten, das nahe Waldstückchen zu erreichen, um uns dort zur
+Wehr zu setzen. Ich verfügte über eine Pistole und sechs Patronen, Holck
+hatte nichts.
+
+Am Waldrande angekommen, machten wir halt, und ich konnte mit meinem
+Glase erkennen, wie ein Soldat auf unser Flugzeug zulief. Zu meinem
+Schreck stellte ich fest, daß er eine Mütze trug und nicht eine
+Pickelhaube. Das hielt ich für ein sicheres Zeichen, daß es ein Russe
+sei. Als der Mann näher kam, stieß Holck einen Freudenschrei aus, denn
+es war ein preußischer Gardegrenadier.
+
+Unsere Elitetruppe hatte wieder einmal die Stellung beim Morgengrauen
+gestürmt und war bis zu den feindlichen Batteriestellungen
+durchgebrochen.
+
+ * * * * *
+
+Ich erinnere mich, daß Holck bei dieser Gelegenheit seinen kleinen
+Liebling, ein Hündchen, verlor. Er nahm das Tierchen bei jedem Aufstieg
+mit, es lag ganz ruhig in seinem Pelz unten in der Karosserie. Im Walde
+hatten wir es noch mit. Kurz darauf, als wir mit dem Gardegrenadier
+gesprochen hatten, kamen Truppen vorbeigezogen. Dann kamen Stäbe von der
+Garde und Prinz Eitel Friedrich mit seinen Adjutanten und
+Ordonnanzoffizieren. Der Prinz ließ uns Pferde geben, so daß wir beiden
+Kavallerieflieger mal wieder auf richtigen »Hafermotoren« saßen. Leider
+ging uns beim Weiterreiten das Hündchen verloren. Es muß wohl mit
+anderen Truppen mitgelaufen sein.
+
+Spätabends kamen wir schließlich mit einem Panjewagen in unseren
+Flughafen zurück. Die Maschine war futsch.
+
+
+
+
+Rußland--Ostende
+
+(Vom Zweisitzer zum Großkampfflugzeug)
+
+
+Nachdem in Rußland unsere Unternehmungen so sachte zum Stehen kamen,
+wurde ich plötzlich zu einem Großkampfflugzeug, zur B. A. O. nach
+Ostende versetzt (21. August 1915). Ich traf da einen alten Bekannten,
+Zeumer, und außerdem verlockte mich der Name »Großkampfflugzeug«.
+
+August 1915 traf ich in Ostende ein. Auf dem Bahnhof in Brüssel hatte
+mich mein guter Freund Zeumer abgeholt. Nun verlebte ich eigentlich eine
+sehr nette Zeit, die aber wenig Kriegerisches an sich hatte, aber sie
+war als Lehrzeit zum Kampfflieger unentbehrlich. Wir flogen viel, hatten
+selten Luftkämpfe und nie Erfolge. Dafür aber war das sonstige Leben
+reizvoll. Am Strand von Ostende hatten wir ein Hotel beschlagnahmt.
+Jeden Nachmittag badeten wir. Leider waren als Kurgäste nur Soldaten zu
+sehen. Auf den Terrassen von Ostende saßen wir, in unsere bunten
+Bademäntel gehüllt, und tranken nachmittags unseren Kaffee.
+
+ * * * * *
+
+Wir saßen wieder mal, wie üblich, am Strande bei unserem Kaffee.
+Plötzlich ein Tuten, das hieß: ein englisches Seegeschwader ist
+gemeldet. Natürlich ließen wir uns durch derartige Alarmnachrichten in
+unserer Gemütlichkeit nicht stören und tranken weiter. Da ruft einer:
+»Da sind sie!« und tatsächlich konnten wir am Horizont, wenn auch nicht
+sehr deutlich, einige qualmende Schornsteine und später auch Schiffe
+erkennen. Schnell wurden die Ferngläser geholt und beobachtet. Wir sahen
+eine ganz stattliche Zahl von Schiffen. Was sie eigentlich machen
+wollten, war uns unklar, aber bald sollten wir eines Besseren belehrt
+werden. Wir stiegen auf das Dach, um von dort oben mehr zu sehen. Mit
+einem Male pfeift's, gleich darauf ein Riesenknall, und eine Granate
+schlägt am Strande ein, wo wir eben noch im Wasser waren. So schnell bin
+ich noch nie in den Heldenkeller gestürzt wie in diesem Moment. Das
+englische Geschwader schoß noch vielleicht drei-, viermal auf uns und
+richtete sich dann in der Hauptsache gegen den Ostender Hafen und
+Bahnhof. Getroffen haben sie natürlich nichts. Aber sie haben die braven
+Belgier in mächtige Aufregung versetzt. Eine Granate sauste mitten in
+das schöne Palasthotel am Strande von Ostende. Dies war der einzige
+Schaden. Zum Glück ist es englisches Kapital, das sie selbst vernichtet
+haben.
+
+ * * * * *
+
+Abends wurde dann wieder feste geflogen. Bei einem unserer Flüge waren
+wir mit unserem Großkampfflugzeug sehr weit hinaus auf See gekommen.
+Das Ding hatte zwei Motoren, und wir probierten hauptsächlich ein neues
+Steuer aus, das uns ermöglichen sollte, auch mit einem Motor weiter
+geradeaus zu fliegen. Wie wir ziemlich weit draußen sind, sehe ich unter
+uns, nicht auf dem Wasser, sondern -- wie es mir schien -- unter dem
+Wasser, ein Schiff schwimmen. Es ist ganz eigentümlich: Man kann von
+oben aus bei etwas ruhigem Seegang bis auf den Meeresgrund
+hinuntersehen. Natürlich nicht vierzig Kilometer tief, aber so einige
+hundert Meter Wasser kann man glatt durchschauen. Ich hatte mich auch
+nicht getäuscht, daß das Schiff nicht über Wasser, sondern unter Wasser
+schwamm, und trotzdem sah ich es so, als sei es oben. Ich machte Zeumer
+darauf aufmerksam, und wir gingen etwas tiefer hinunter, um Näheres zu
+erkennen. Ich bin zu wenig Marinemann, um gleich sagen zu können, was es
+gewesen ist; aber so sachte kapierte ich denn doch, daß es ein U-Boot
+war. Aber welcher Nationalität? Das ist nun wieder eine zweite
+schwierige Frage, die meiner Ansicht nach nur ein Marinemann lösen kann
+-- und der auch nicht immer. Farbe ist so gut wie gar nicht zu erkennen.
+Die Flagge schon erst recht nicht. Außerdem hat ja wohl so ein U-Boot
+gar nichts dergleichen. Wir hatten zwei Bomben mit, und ich war mir sehr
+im Zweifel: sollte ich werfen, oder sollte ich nicht werfen? Das U-Boot
+hatte uns nicht gesehen, denn es war halb unter Wasser. Wir konnten aber
+über dem Ding ganz ruhig herfliegen und hätten den Moment abpassen
+können, wo es auftauchte, um Luft zu schnappen, um unsere Eier zu legen.
+Das ist ganz bestimmt ein sehr kritischer Punkt für unsere
+Schwesterwaffe. Wie wir noch eine ganze Weile mit den Kerlen da unten
+'rumgekindscht hatten, merkte ich plötzlich, wie aus dem einen unserer
+Kühler sich so sachte das Wasser empfahl. Dieses schien mir als »Franz«
+nicht ganz geheuer, und ich machte meinen »Emil« darauf aufmerksam. Der
+zog sein Gesicht in die Länge und machte nun, daß er nach Hause kam.
+Aber wir waren schätzungsweise zwanzig Kilometer von der Küste entfernt,
+und die wollen erst zurückgeflogen sein. Der Motor ließ so sachte nach,
+und ich machte mich schon im stillen auf ein kaltes und feuchtes Bad
+gefaßt. Aber siehe da, es ging! Der Riesenäppelkahn ließ sich mit einem
+Motor und dem neuen Steuer großartig deichseln, und wir erreichten noch
+glatt die Küste und konnten dort sehr schön auf unserem nahen Hafen
+landen.
+
+Glück muß der Mensch haben. Hätten wir nicht das neue Steuer an diesem
+Tage ausprobiert, wir wären rettungslos versoffen.
+
+
+
+
+Ein Tropfen Blut fürs Vaterland
+
+(Ostende)
+
+
+Verwundet bin ich eigentlich nie worden. Ich habe wohl immer im
+entscheidenden Moment den Kopf weggenommen und den Bauch eingezogen. Oft
+habe ich mich gewundert, daß sie mich nicht gehascht haben. Einmal ging
+mir ein Schuß durch beide Pelzstiefel durch, ein andermal durch meinen
+Schal, wieder einmal an meinem Arm durch den Pelz und die Lederjacke
+durch, aber nie hat es mich berührt.
+
+Da flogen wir eines schönen Tages mit unserem Großkampfflugzeug los, um
+die Engländer etwas mit Bomben zu erfreuen, erreichten das Ziel, die
+erste Bombe fällt. Es ist natürlich sehr interessant festzustellen, wie
+der Erfolg dieser Bombe ist. Wenigstens den Einschlag möchte man immer
+gerne sehen. Mein Großkampfflugzeug, das sich für das Bombenschleppen
+ganz gut eignete, hatte aber die dumme Eigenschaft, daß man von der
+abgeworfenen Bombe den Einschlag schlecht sehen konnte, denn das
+Flugzeug schob sich nach dem Abwurf über das Ziel weg und verdeckte es
+mit seinen Flächen vollkommen. Dieses ärgerte mich immer, denn man hatte
+so wenig Spaß davon. Wenn's unten knallt und man die lieblich grau-weiße
+Wolke der Explosion sieht und sie auch in der Nähe des Zieles liegt,
+macht einem viel Freude. So winkte ich meinen guten Zeumer ein und
+wollte eigentlich, daß er so etwas mit dem Tragdeck beiseite ging. Dabei
+vergaß ich, daß das infame Ding, mein Äppelkahn, zwei Propeller hatte,
+die sich rechts und links neben meinem Beobachtersitz drehten. Ich
+zeigte ihm ungefähr den Einschlag der Bombe -- und patsch! habe ich eins
+auf die Finger. Etwas verdutzt anfangs, stellte ich dann fest, daß mein
+kleiner Finger zu Schaden gekommen war. Zeumer hatte nichts gemerkt.
+
+Das Bombenwerfen war mir verleidet, schnell wurde ich meine letzten
+Dinger los, und wir machten, daß wir nach Hause kamen.
+
+Meine Liebe zum Großkampfflugzeug, die sowieso etwas schwach war, hatte
+durch diesen Bombenwurf schwer gelitten. Ich mußte nun acht Tage lang
+hocken und durfte nicht mitfliegen. Jetzt ist es nur noch ein
+Schönheitsfehler, aber ich kann doch wenigstens mit Stolz sagen: »Ich
+habe auch eine Kriegsverwundung.«
+
+
+
+
+Mein erster Luftkampf
+
+(1. September 1915)
+
+
+Zeumer und ich hätten zu gerne mal einen Luftkampf gehabt. Wir flogen
+natürlich unser Großkampfflugzeug. Schon allein der Name des Kahnes gab
+uns einen solchen Mut, daß wir es für ausgeschlossen hielten, ein Gegner
+könnte uns entgehen.
+
+Wir flogen am Tage fünf bis sechs Stunden, ohne je einen Engländer
+gesehen zu haben. Schon ganz entmutigt begaben wir uns eines Morgens
+wieder auf Jagd. Mit einemmal entdeckte ich einen Farman, der ungeniert
+seine Aufklärung fliegen wollte. Mir pochte das Herz, wie Zeumer auf ihn
+zuflog. Ich war gespannt, was sich nun eigentlich abspielen würde. Ich
+hatte nie einen Luftkampf gesehen und machte mir nur ganz dunkle
+Vorstellungen, so etwa wie du, mein lieber Leser.
+
+Ehe ich mich versah, waren wir beide, der Engländer und ich, aneinander
+vorbeigesaust. Ich hatte höchstens vier Schuß abgegeben, während der
+Engländer plötzlich hinter uns saß und uns den ganzen Laden voll schoß.
+Ich muß sagen, ich hatte nicht das Gefühl der Gefahr, weil ich mir auch
+gar nicht vorstellen konnte, wie nun eigentlich das Endresultat so eines
+Kampfes aussehen würde. Wir drehten uns noch einige Male umeinander, bis
+schließlich der Engländer zu unserem größten Erstaunen ganz vergnügt
+kehrtmachte und weiterflog. Ich war stark enttäuscht, mein Führer auch.
+
+Zu Hause angekommen, waren wir beide sehr schlechter Laune. Er machte
+mir Vorwürfe, ich hätte schlecht geschossen, ich machte ihm Vorwürfe, er
+hätte mich nicht recht zum Schuß gebracht -- kurz und gut, unsere
+Flugzeugehe, die sonst so tadellos war, hatte mit einemmal einen Knacks.
+
+Wir beschauten uns unsere Kiste und stellten fest, daß wir eigentlich
+eine ganz anständige Zahl von Treffern drinnen hatten.
+
+Noch am selben Tage unternahmen wir einen zweiten Jagdflug, der aber
+ebenso ergebnislos blieb. Ich war sehr traurig, denn ich hatte es mir
+bei einem Kampfgeschwader ganz anders vorgestellt. Ich glaubte immer,
+wenn ich mal zum Schuß käme, dann müßte der Bruder auch fallen. Bald
+mußte ich mich aber davon überzeugen, daß so ein Flugzeug ungeheuer viel
+verträgt. Schließlich gelangte ich zu der Überzeugung, ich könne noch so
+viel schießen und würde doch nie einen 'runterbekommen.
+
+An Mut hatten wir es nicht fehlen lassen. Zeumer konnte fliegen wie
+selten einer, und ich war ein ganz leidlicher Kugelschütze. Wir standen
+also vor einem Rätsel. Es ging nicht bloß mir alleine so, sondern es
+geht noch heute vielen anderen ebenso. Die Geschichte will eben wirklich
+verstanden sein.
+
+
+
+
+In der Champagne-Schlacht
+
+
+Die schöne Zeit in Ostende war nur sehr kurz, denn bald entbrannte die
+Schlacht in der Champagne, und wir flogen nach dieser Front, um uns dort
+weiter mit dem Großkampfflugzeug zu betätigen. Wir bemerkten bald, daß
+die Klamotte zwar ein großes Flugzeug war, aber niemals ein
+Kampfflugzeug abgab.
+
+Einmal flog ich mit Osteroth, der ein etwas kleineres Flugzeug hatte als
+der Äppelkahn (das Großkampfflugzeug). Etwa fünf Kilometer hinter der
+Front trafen wir mit einem Farman-Zweisitzer zusammen. Er ließ uns ruhig
+'rankommen, und ich sah zum ersten Male einen Gegner so ganz aus
+nächster Nähe in der Luft. Osteroth flog sehr geschickt so neben ihm
+her, daß ich ihn gut unter Feuer nehmen konnte. Der Gegner hatte uns
+wohl gar nicht bemerkt, denn ich hatte bereits meine erste Ladehemmung,
+wie er anfing, wiederzuschießen. Nachdem ich meinen Patronenkasten von
+hundert Schuß verschossen hatte, glaubte ich meinen Augen nicht trauen
+zu können, wie mit einem Male der Gegner in ganz seltsamen Spiralen
+niederging. Ich verfolgte ihn mit den Augen und klopfte Osteroth auf den
+Kopf. Er fällt, er fällt, und tatsächlich fiel er in einen großen
+Sprengtrichter; man sah ihn darin auf dem Kopf stehen, Schwanz nach
+oben. Auf der Karte stellte ich fest: fünf Kilometer hinter der jetzigen
+Front lag er. Wir hatten ihn also jenseits abgeschossen. In damaliger
+Zeit wurden aber Abschüsse jenseits der Front nicht bewertet, sonst
+hätte ich heute einen mehr auf meiner Liste. Ich war aber sehr stolz auf
+meinen Erfolg, und im übrigen ist es ja die Hauptsache, wenn der Kerl
+unten liegt, also nicht, daß er einem als Abschuß angerechnet wird.
+
+[Illustration: Der Entente-Brunnen auf einem Flugplatz im Westen]
+
+[Illustration: Das erste Dutzend der von Richthofen abgeschossenen
+Apparate wird zum Abtransport in die Heimat verladen]
+
+
+
+
+Wie ich Boelcke kennenlernte
+
+
+Zeumer verpaßte sich in dieser Zeit einen Fokker-Eindecker, und ich
+konnte zusehen, wie er allein durch die Welt segelte. Die
+Champagne-Schlacht tobte. Die französischen Flieger machten sich
+bemerkbar. Wir sollten zu einem Kampfgeschwader zusammengestellt werden
+und fuhren am 1. Oktober 1915 nach. Im Speisewagen saß am Nebentisch ein
+junger unscheinbarer Leutnant. Es lag auch kein Grund für ihn vor,
+besonders aufzufallen, nur eine Tatsache stand fest: er war von uns
+allen der einzige, der bereits mal einen feindlichen Flieger
+abgeschossen hatte, und zwar nicht nur einen, sondern schon vier. Er war
+sogar mit Namen im Heeresbericht genannt. Er imponierte mir auf Grund
+seiner Erfahrungen ganz rasend. Ich konnte mir noch so große Mühe geben,
+ich hatte bis dahin noch immer keinen zur Strecke, jedenfalls war mir
+noch keiner anerkannt worden. Zu gerne hätte ich erfahren, wie dieser
+Leutnant Boelcke das nun eigentlich machte. So stellte ich an ihn die
+Frage: »Sagen Sie mal bloß, wie machen Sie's denn eigentlich?« Er lachte
+sehr belustigt, dabei hatte ich aber wirklich ernst gefragt. Dann
+antwortete er mir: »Ja, Herrgott, ganz einfach. Ich fliege eben ran und
+ziele gut, dann fällt er halt herunter.« Ich schüttelte bloß den Kopf
+und meinte, das täte ich doch auch, bloß daß er eben bei mir nicht
+'runterfiele. Der Unterschied war allerdings der, er flog Fokker und ich
+mein Großkampfflugzeug.
+
+Ich gab mir Mühe, diesen netten bescheidenen Menschen, der mir
+wahnsinnig imponierte, näher kennenzulernen. Wir spielten oft Karten
+zusammen, gingen spazieren, und ich fragte ihn aus. So reifte in mir der
+Entschluß: »Du mußt selber einen Fokker fliegen lernen, dann wird es
+vielleicht besser gehen.«
+
+Mein Sinnen und Trachten ging nun dahin, zu lernen, selbst »den Knüppel
+zu führen«. Denn ich war bisher immer nur Beobachter gewesen. Es bot
+sich bald Gelegenheit, auf einer alten Klamotte in der Champagne zu
+schulen. Ich betrieb das mit großem Eifer und war nach fünfundzwanzig
+Schulflügen vor dem Alleinflug.
+
+
+
+
+Der erste Alleinflug
+
+(10. Oktober 1915)
+
+
+Es gibt so einige Augenblicke im Leben, die einen besonderen
+Nervenkitzel verursachen, so z. B. der erste Alleinflug.
+
+Zeumer, mein Lehrer, erklärte mir eines Abends: »So, nun flieg' mal
+alleine los.« Ich muß sagen, daß ich ihm am liebsten geantwortet hätte:
+»Ich habe zu große Angst.« Aber dies Wort soll ja der Vaterlandsverteidiger
+niemals in den Mund nehmen. Also mußte ich wohl oder übel meinen
+Schweinehund 'runterschlucken und mich in die Maschine setzen.
+
+Er erklärte mir noch einmal jeden Griff theoretisch; ich hörte nur noch
+mit halbem Ohre zu, denn ich war der festen Überzeugung: Du vergißt doch
+die Hälfte.
+
+Ich rollte zum Start, gab Gas, die Maschine bekam ihre bestimmte
+Geschwindigkeit, und mit einem Male konnte ich nicht umhin,
+festzustellen, daß ich tatsächlich flog. Es war schließlich kein
+ängstliches, sondern ein verwegenes Gefühl. Mir war jetzt alles Wurscht.
+Mochte passieren, was da wollte, ich wäre über nichts mehr erschrocken
+gewesen. Mit Todesverachtung machte ich eine Riesenlinkskurve, stellte
+an dem genau bezeichneten Baum das Gas ab und wartete der Dinge, die
+sich nun ereignen würden. Nun kam das Schwierigste, die Landung. Mir
+waren die notwendigen Handgriffe genau in Erinnerung. Ich machte sie
+mechanisch nach, jedoch reagierte die Maschine ganz anders als sonst, wo
+Zeumer drin saß. Ich war aus dem Gleichgewicht gebracht, machte einige
+falsche Bewegungen, stand auf dem Kopf, und schon gab es wieder mal eine
+»Schulmaschine«. Sehr traurig beguckte ich mir den Schaden, der sich zum
+Glück bald beheben ließ, und hatte im übrigen noch den Spott auf meiner
+Seite.
+
+Zwei Tage später ging ich mit rasender Passion wieder an mein Flugzeug,
+und siehe da, es ging wunderbar.
+
+Nach vierzehn Tagen konnte ich die erste Prüfung machen. Ein Herr v. T.
+war Richter. Ich flog die mir vorgeschriebenen Achten und die mir
+befohlenen Landungen, worauf ich sehr stolz ausstieg und nun zu meinem
+größten Erstaunen hörte, daß ich durchgefallen sei. Mir blieb nichts
+anderes übrig, als später meine erste Prüfung noch einmal zu machen.
+
+
+
+
+Aus meiner Döberitzer Ausbildungszeit
+
+
+Um meine Examina bestehen zu können, mußte ich aber nach Berlin. Ich
+benutzte die Gelegenheit, um als Beobachter ein Riesenflugzeug in Berlin
+auf den Schwung zu bringen, und ließ mich dazu nach Döberitz
+kommandieren (15. November 1915). Für das Riesenflugzeug hatte ich
+anfangs großes Interesse. Aber es ist komisch, gerade durch das
+Riesending wurde mir klar, daß nur das kleinste Flugzeug für meine
+Zwecke als Kampfflieger etwas taugen kann. So ein großer Äppelkahn ist
+zum Kämpfen zu unbeweglich, und das ist ja eben die Hauptsache für mein
+Geschäft.
+
+Der Unterschied zwischen einem Großkampfflugzeug und einem
+Riesenflugzeug ist der, daß das Riesenflugzeug noch erheblich größer ist
+und mehr dem Zwecke für Bomben dient und weniger zum Kampfe.
+
+Meine Prüfungen machte ich nun in Döberitz, zusammen mit einem lieben
+Menschen, Oberleutnant v. Lyncker. Wir beide vertrugen uns gut und
+hatten dieselben Passionen, auch dieselbe Auffassung über unsere spätere
+Tätigkeit. Unser Ziel war Fokkerfliegen, um zusammen zu einer
+Jagdstaffel nach dem Westen zu kommen. Ein Jahr später haben wir es
+erreicht, zusammenwirken zu können, wenn auch nur für kurze Zeit, denn
+meinen guten Freund ereilte bei seinem dritten Abschuß die tödliche
+Kugel.
+
+Oft haben wir in Döberitz lustige Stunden verlebt. So war z. B. eine
+Bedingung: »Außenlandungen.«
+
+Ich verband bei dieser Gelegenheit das Notwendige mit dem Angenehmen. Zu
+meinem Außenlandeplatz suchte ich mir ein mir bekanntes Gut Buchow aus.
+Dort war ich auf Saujagd eingeladen, bloß vertrug sich die Sache
+schlecht mit meinem Dienst, denn an schönen Abenden wollte ich fliegen
+und trotzdem meiner Jagdpassion nachgehen. So legte ich mir meinen
+Außenlandeplatz so, daß ich von dort aus bequem meine Jagdgründe
+erreichen konnte.
+
+Ich nahm mir einen zweiten Piloten als Beobachter mit und schickte
+diesen abends zurück. Nachts setzte ich mich auf Sauen an und wurde am
+nächsten Morgen von diesem Piloten wieder abgeholt.
+
+Wenn ich nicht hätte abgeholt werden können, so wäre ich ziemlich auf
+dem Trockenen gewesen, da mir ein Fußmarsch von etwa zehn Kilometern
+geblüht hätte. So brauchte ich einen Mann, der mich bei jedem Wetter von
+meinem Hochsitz abholte. Es ist aber nicht jedermanns Sache, auf Wetter
+gar keine Rücksicht zu nehmen, doch es gelang mir, einen
+Gesinnungstüchtigen zu finden.
+
+Eines Morgens, nachdem ich die Nacht wieder draußen zugebracht hatte,
+begann ein ungeheures Schneegestöber. Man konnte nicht fünfzig Meter
+weit sehen. Acht Uhr war es gerade, die angegebene Zeit, zu der mich der
+Pilot abholen sollte. Im stillen hoffte ich, er würde es diesmal sein
+lassen. Aber mit einem Male hörte ich ein Summen -- sehen konnte ich
+nichts -- fünf Minuten später lag mein schöner Vogel etwas verbogen vor
+mir.
+
+
+
+
+Erste Zeit als Pilot
+
+
+Am Weihnachtstage 1915 machte ich mein drittes Examen. Ich verband damit
+einen Flug nach Schwerin und sah mir dort die Fokker-Werke an. Als
+Beobachter nahm ich mir meinen Monteur mit und flog dann später mit ihm
+von Berlin nach Breslau, von Breslau nach Schweidnitz, von Schweidnitz
+nach Lüben, von Lüben nach Berlin, überall zwischenlandend, Bekannte und
+Verwandte aufsuchend. Das Orientieren im Flugzeug fiel mir als altem
+Beobachter nicht schwer.
+
+März war ich beim Kampfgeschwader 2 vor Verdun und lernte nun den
+Luftkampf als Flugzeugführer, d. h. ich lernte, das Flugzeug im Kampfe
+zu beherrschen. Ich flog dazu einen Zweisitzer.
+
+ * * * * *
+
+Im Heeresbericht vom 26. April 1916 bin ich zum ersten Male, wenn auch
+nicht persönlich genannt, so doch durch eine meiner Taten erwähnt. Ich
+hatte mir auf meine Maschine ein Gewehr oben zwischen die Tragdecks im
+Geschmack, wie es der Nieuport hat, aufgebaut und war auf diese
+Konstruktion allein schon sehr stolz. Man lachte wohl etwas darüber,
+denn sie sah sehr primitiv aus. Ich schwor natürlich darauf und hatte
+bald Gelegenheit, sie praktisch zu verwerten.
+
+Ich begegnete einem Nieuport, der scheinbar auch Anfänger war, denn er
+benahm sich furchtbar töricht. Ich flog auf ihn zu, worauf er ausriß.
+Offenbar hatte er eine Ladehemmung. Ich hatte nicht das Gefühl, als ob
+ich kämpfen würde, vielmehr: »Was wird jetzt erfolgen, wenn du auf ihn
+schießt?« Ich fliege 'ran, zum erstenmal auf eine ganz, ganz nahe
+Entfernung, drücke auf den Knopf des Maschinengewehrs, eine kurze Serie
+wohlgezielter Schüsse, mein Nieuport bäumt sich auf und überschlägt
+sich. Anfangs glaubten wir, mein Beobachter und ich, es sei eins der
+vielen Kunststücke, die einem die Franzosen vorzumachen pflegen. Dieses
+Kunststück wollte aber nicht aufhören, es ging immer tiefer, immer
+tiefer; da klopft mir mein »Franz« auf den Kopf und ruft mir zu: »Ich
+gratuliere, der fällt!« Tatsächlich fiel er in einen Wald hinter dem
+Fort Douaumont und verschwand zwischen den Bäumen. »Den hast du
+abgeschossen,« das war mir klar. Aber -- jenseits! Ich flog nach Hause,
+meldete weiter nichts als: »Ein Luftkampf, ein Nieuport abgeschossen.«
+Einen Tag darauf las ich diese meine Heldentat im Heeresbericht. Ich war
+nicht schlecht stolz darauf, aber zu meinen zweiundfünfzig zählt dieser
+Nieuport nicht.
+
+ * * * * *
+
+_Heeresbericht vom 26. April 1916_
+
+Zwei feindliche Flugzeuge sind über Fleury, südlich von Douaumont und
+westlich davon, im Luftkampf abgeschossen.
+
+
+
+
+Holck [Symbol: Kreuz]
+
+(30. April 1916)
+
+
+Als junger Flugzeugführer flog ich mal bei einem Jagdfluge über das Fort
+Douaumont hinweg, auf dem gerade heftiges Trommelfeuer lag. Da sah ich,
+wie ein deutscher Fokker drei Caudrons angriff. Zu seinem Pech war aber
+sehr starker Westwind. Also ungünstiger Wind. Er wurde im Laufe des
+Kampfes über die Stadt Verdun hinausgetrieben. Ich machte meinen
+Beobachter darauf aufmerksam, der auch meinte, das muß ein ganz
+schneidiger Kerl sein. Wir überlegten, ob es Boelcke sein könnte, und
+wollten uns nachher danach erkundigen. Da sah ich aber zu meinem
+Schrecken, wie aus dem Angreifer ein Verteidiger wurde. Der Deutsche
+wurde von den Franzosen, die sich mittlerweile auf mindestens zehn
+Flugzeuge verstärkt hatten, immer mehr heruntergedrückt. Ihm zu Hilfe
+kommen, konnte ich nicht. Ich war zu weit ab von den Kämpfenden und kam
+zudem in meiner schweren Maschine nicht gegen den Wind an. Der Fokker
+wehrte sich verzweifelt. Jetzt hatten ihn die Feinde schon mindestens
+auf sechshundert Meter heruntergedrückt. Da wurde er plötzlich von einem
+seiner Verfolger erneut angegriffen. Er verschwand in einem Sturzflug in
+einer Kumuluswolke. Ich atmete auf, denn das war meiner Ansicht nach
+seine Rettung.
+
+Zu Hause angekommen, erzählte ich, was ich gesehen hatte, und erfuhr,
+daß es Holck, mein alter Kampfgenosse aus dem Osten, war, der vor kurzem
+vor Verdun Jagdflieger geworden war.
+
+Mit Kopfschuß war Graf Holck senkrecht abgestürzt. Es ging mir sehr
+nahe, denn er war nicht bloß ein Vorbild an Schneid, er war eben auch
+als Mensch eine Persönlichkeit, wie es nur wenige gibt.
+
+
+
+
+Ein Gewitterflug
+
+
+Unsere Tätigkeit vor Verdun im Sommer 1916 wurde durch häufige
+Gewitterstürme gestört. Nichts Unangenehmeres gibt es für einen Flieger,
+als durch ein Gewitter hindurch zu müssen. Während der Somme-Schlacht
+zum Beispiel landete ein ganzes englisches Geschwader hinter unseren
+Linien, weil es durch ein Gewitter überrascht wurde. Es geriet so in
+Gefangenschaft.
+
+Ich hatte noch nie den Versuch gemacht, durch ein Gewitter
+hindurchzufliegen, und konnte es mir nicht verkneifen, das doch mal
+auszuprobieren. In der Luft war den ganzen Tag eine richtige
+Gewitterstimmung. Von meinem Flughafen Mont war ich nach dem nahen Metz
+hinübergeflogen, um dort einiges zu erledigen. Da ereignete sich bei
+meinem Nachhauseflug folgendes:
+
+Ich war auf dem Flugplatz in Metz und wollte nach meinem Flughafen
+zurück. Wie ich meine Maschine aus der Halle zog, machten sich die
+ersten Anzeichen eines nahen Gewittersturmes bemerkbar. Der Wind
+kräuselte den Sand, und eine pechschwarze Wand zog von Norden her heran.
+Alte, erfahrene Piloten rieten mir dringend ab, zu fliegen. Ich hatte
+aber fest versprochen zu kommen, und es wäre mir furchtsam erschienen,
+wenn ich wegen eines dummen Gewitters ausgeblieben wäre. Also, Gas
+gegeben und mal probiert! Schon beim Start fing's an zu regnen. Die
+Brille mußte ich wegwerfen, um überhaupt etwas sehen zu können. Das Üble
+war, daß ich über die Moselberge wegmußte, durch deren Täler gerade der
+Gewittersturm brauste. Ich dachte mir: »Nur zu, es wird schon glücken,«
+und näherte mich mehr und mehr der schwarzen Wolke, die bis auf die Erde
+herunterreichte. Ich flog so niedrig wie möglich. Über Häuser und
+Baumreihen mußte ich teilweise hinwegspringen. Wo ich war, wußte ich
+schon lange nicht mehr. Der Sturm erfaßte meinen Apparat wie ein Stück
+Papier und trieb ihn vor sich her. Mir saß das Herz doch etwas tiefer.
+Landen konnte ich nicht mehr in den Bergen, also mußte durchgehalten
+werden.
+
+Um mich herum war es schwarz, unter mir bogen sich die Bäume im Sturm.
+Plötzlich lag vor mir eine bewaldete Höhe. Ich mußte auf sie zu, mein
+guter Albatros schaffte es und riß mich darüber hinweg. Ich konnte nur
+noch geradeaus fliegen; jedes Hindernis, das kam, mußte genommen werden.
+Es war die reine Springkonkurrenz über Bäume, Dörfer, besonders
+Kirchtürme und Schornsteine, da ich höchstens noch fünf Meter hoch
+fliegen konnte, um in der schwarzen Gewitterwolke überhaupt noch etwas
+zu sehen. Um mich herum zuckten die Blitze. Ich wußte damals noch nicht,
+daß der Blitz nicht in das Flugzeug schlagen kann. Ich glaubte den
+sicheren Tod vor Augen zu haben, denn der Sturm mußte mich bei der
+nächsten Gelegenheit in ein Dorf oder in einen Wald werfen. Hätte der
+Motor ausgesetzt, so wäre ich erledigt gewesen.
+
+Da sah ich mit einem Male vor mir eine helle Stelle am Horizont. Dort
+hörte das Gewitter auf; erreichte ich diesen Punkt, so war ich gerettet.
+Die ganze Energie zusammennehmend, die ein junger, leichtsinniger Mensch
+haben kann, steuerte ich darauf zu.
+
+Plötzlich, wie abgerissen, war ich aus der Gewitterwolke heraus, flog
+zwar noch im strömenden Regen, aber fühlte mich im übrigen geborgen.
+
+Noch immer bei strömendem Regen landete ich in meinem Heimatshafen, wo
+schon alles auf mich wartete, da von Metz bereits die Nachricht
+eingetroffen war, ich sei in einer Gewitterwolke, Richtung dorthin,
+verschwunden.
+
+Nie wieder werde ich, wenn es nicht mein Vaterland von mir fordert,
+durch einen Gewittersturm hindurchfliegen.
+
+In der Erinnerung ist alles schön, so gab es auch dabei schöne Momente,
+die ich nicht in meinem Fliegerdasein missen möchte.
+
+
+
+
+Das erstemal auf einem Fokker
+
+
+Von Anfang meiner Pilotenlaufbahn an hatte ich nur ein Streben, und das
+war, in einem einsitzigen Kampfflugzeug fliegen zu dürfen. Nach langem
+Quälen bei meinem Kommandeur hatte ich die Erlaubnis 'rausgeschunden,
+einen Fokker zu schaukeln. Der Motor, der sich um sich selbst drehte,
+war mir etwas ganz Neues. Auch so allein in einem kleinen Flugzeug zu
+sitzen, war mir fremd.
+
+Ich besaß mit einem Freund, der jetzt schon lange tot ist, zusammen
+diesen einen Fokker. Vormittags flog ich ihn, nachmittags er. Jeder
+hatte Angst, der andere könne die Kiste eher zerschmeißen. Am zweiten
+Tage flogen wir gegen den Feind. Mir war vormittags kein Franzose
+begegnet, nachmittags kam der andere an die Reihe. Er kam nicht wieder,
+keine Nachricht, nichts. Spätabends meldete die Infanterie einen
+Luftkampf zwischen einem Nieuport und einem deutschen Fokker, nach
+dessen Verlauf der Deutsche scheinbar jenseits auf dem Toten Mann
+gelandet wäre. Es konnte nur Reimann sein, denn alle anderen waren
+zurückgekommen. Wir bedauerten unseren kühnen Kameraden, da plötzlich
+kam nachts die telephonische Nachricht, ein deutscher Fliegeroffizier
+sei mit einem Male im vordersten Sappenkopf der Infanteriestellung auf
+dem Toten Mann erschienen. Er entpuppte sich als Reimann. Ihm war der
+Motor zerschossen worden, so daß er zur Notlandung gezwungen war. Er
+hatte dabei unsere Linien nicht mehr erreichen können und war zwischen
+dem Feind und uns gelandet. Schnell hatte er noch seine Maschine in
+Brand gesteckt und sich dann einige hundert Meter davon in einem
+Sprengtrichter verborgen gehalten. In der Nacht war er dann als
+Schleichpatrouille in unseren Gräben erschienen. So endete zum ersten
+Male unser Aktienunternehmen: »Der Fokker«.
+
+ * * * * *
+
+Nach einigen Wochen bekamen wir einen zweiten. Diesmal fühlte ich mich
+verpflichtet, das gute Ding ins Jenseits zu befördern. Es war vielleicht
+mein dritter Flug auf der kleinen, schnellen Maschine. Beim Start setzte
+der Motor aus. Ich mußte hinunter, gerade in ein Haferfeld hinein, und
+im Umsehen war aus dem stolzen, schönen Apparat bloß noch eine
+unkenntliche Masse geworden. Wie durch ein Wunder war mir nichts
+passiert.
+
+
+
+
+Bombenflüge in Rußland
+
+
+Juni hieß es plötzlich verladen. Wir wußten nicht, wo es hinging, aber
+den richtigen Tip hatten wir und waren deshalb nicht übermäßig erstaunt,
+wie uns unser Kommandeur mit der Neuigkeit überraschte, daß wir nach
+Rußland gingen. Wir fuhren durch ganz Deutschland mit unserem Wohnzug,
+aus Speise- und Schlafwagen bestehend, und kamen schließlich nach Kowel.
+Dort blieben wir in unseren Eisenbahnwagen wohnen. Dieses Wohnen in
+Zügen hat ja nun natürlich sehr viel Vorteile. Man ist stets fertig, um
+weiterzureisen, und man hat immer dasselbe Quartier.
+
+Aber in der russischen Sommerhitze ist so ein Schlafwagen das
+Fürchterlichste, was es geben kann. Deshalb zog ich es vor, mit zwei
+guten Freunden, Gerstenberg und Scheele, in den nahen Wald zu ziehen, wo
+wir uns ein Zelt aufbauten und wie Zigeuner lebten. Das waren schöne
+Zeiten.
+
+ * * * * *
+
+In Rußland warf unser Kampfgeschwader viel Bomben. Wir beschäftigten uns
+damit, die Russen zu ärgern, und legten auf ihre schönsten Bahnanlagen
+unsere Eier. An einem dieser Tage zog unser ganzes Geschwader los, um
+eine sehr wichtige Bahnhofsanlage zu bewerfen. Das Nest hieß Manjewicze
+und lag etwa dreißig Kilometer hinter der Front, also nicht so
+übertrieben weit. Die Russen hatten einen Angriff geplant, und zu diesem
+Zweck war der Bahnhof ganz ungeheuerlich mit Zügen angefüllt. Ein Zug
+stand neben dem anderen, eine ganze Strecke war mit fahrenden Zügen
+belegt. Man konnte das von oben sehr schön sehen; an jeder
+Ausweichstelle stand ein Transportzug. Also ein wirklich lohnendes Ziel
+für einen Bombenflug.
+
+Man kann sich für alles begeistern. So hatte ich mich mal für eine Weile
+für dieses Bombenfliegen begeistert. Es machte mir einen unheimlichen
+Spaß, die Brüder da unten zu bepflastern. Oft zog ich an einem Tage
+zweimal los. An diesem Tage hatten wir uns also Manjewicze zum Ziele
+gesteckt. Jede Staffel für sich zog geschlossen gen Rußland. Die
+Maschinen standen am Start, jeder Flugzeugführer versuchte noch einmal
+seinen Motor, denn es ist eine peinliche Sache, auf der falschen Partei
+notzulanden und besonders in Rußland. Der Russe ist auf Flieger wie
+wild. Kriegt er einen zu fassen, schlägt er ihn ganz bestimmt tot. Das
+ist auch die einzige Gefahr in Rußland, denn feindliche Flieger gibt es
+da nicht, oder so gut wie gar nicht. Kommt mal einer vor, so hat er
+sicherlich Pech und wird abgeschossen. Die Ballonabwehrgeschütze in
+Rußland sind manchmal ganz gut, aber ihre Zahl nicht ausreichend. Gegen
+den Westen jedenfalls ist das Fliegen im Osten eine Erholung.
+
+ * * * * *
+
+Die Maschinen rollen schwer bis an den Startplatz. Sie sind bis auf ihr
+letztes Ladegewicht mit Bomben angefüllt. Ich schleppte manchmal
+einhundertfünfzig Kilogramm Bomben mit einem ganz normalen C-Flugzeug.
+Außerdem hatte ich noch einen schweren Beobachter mit, dem man die
+Fleischnot gar nicht ansah, ferner »für den Fall, daß« noch zwei
+Maschinengewehre. Ich habe sie nie in Rußland ausprobieren können. Es
+ist sehr schade, daß in meiner Sammlung kein Russe vorhanden ist. An der
+Wand würde sich seine Kokarde gewiß ganz malerisch machen. So ein Flug
+mit einer dicken, schwerbeladenen Maschine, besonders in der russischen
+Mittagsglut, ist nicht von Pappe. Die Kähne schaukeln sehr unangenehm.
+Runterfallen tun sie natürlich nicht, dafür sorgen die einhundertfünfzig
+»Pferde«, aber es ist doch kein angenehmes Gefühl, so viel Sprengladung
+und Benzin bei sich zu haben. Endlich ist man in einer ruhigeren
+Luftschicht und kommt allmählich zu dem Genuß des Bombenfluges. Es ist
+schön, geradeaus zu fliegen, ein bestimmtes Ziel zu haben und einen
+festen Auftrag. Man hat nach einem Bombenwurf das Gefühl: Du hast etwas
+geleistet, während man manchmal bei einem Jagdflug, wo man keinen
+abgeschossen hat, sich sagen muß: Du hättest es besser machen können.
+Ich habe sehr gern Bomben geworfen. Mein Beobachter hatte es sachte sehr
+ordentlich wegbekommen, das Ziel genau senkrecht zu überfliegen und mit
+Hilfe eines Zielfernrohres den guten Augenblick abzupassen, um sein Ei
+zu legen. Es ist ein schöner Flug nach Manjewicze. Ich habe ihn öfters
+hinter mir.
+
+Wir kamen über riesige Waldkomplexe, in denen gewiß die Elche und Luchse
+herumturnen. Die Dörfer sahen allerdings auch so aus, als ob sich die
+Füchse darin Gute Nacht sagen könnten. Das einzige größere Dorf in der
+ganzen Gegend war Manjewicze. Um das Dorf herum waren zahllose Zelte
+aufgeschlagen und am Bahnhof selbst unzählige Baracken. Rote Kreuze
+konnten wir nicht erkennen. Vor uns war eine Staffel dagewesen. Dieses
+konnte man an einzelnen rauchenden Häusern und Baracken noch
+feststellen. Sie hatte nicht schlecht geworfen. Der eine Ausgang des
+Bahnhofs war durch einen Treffer offenbar versperrt. Die Lokomotive
+dampfte noch. Gewiß waren die Herren Zugführer irgendwo in einem
+Unterstand oder so was Ähnlichem. Auf der anderen Seite fuhr gerade eine
+Lokomotive mit großer Fahrt heraus. Natürlich reizte einen das, das Ding
+zu treffen. Wir fliegen das Ding an und setzen einige hundert Meter
+davor eine Bombe. Der gewünschte Erfolg war da, die Lokomotive blieb
+stehen. Wir machen kehrt und werfen noch sauber Bombe für Bombe, fein
+gezielt durch das Zielfernrohr, auf den Bahnhof. Wir haben ja Zeit, es
+stört uns niemand. Ein feindlicher Flughafen ist zwar ganz in der Nähe,
+aber seine Piloten sind nicht zu sehen. Abwehrgeschütze knallen nur ganz
+vereinzelt und in einer ganz anderen Richtung als wir fliegen. Wir heben
+uns noch eine Bombe auf, um sie besonders nutzbringend beim
+Nachhauseflug anzuwenden. Da sehen wir, wie ein feindlicher Flieger auf
+seinem Hafen startet. Ob er sich wohl mit dem Gedanken trägt, uns
+anzugreifen? Ich glaube es nicht. Viel eher sucht er Sicherheit in der
+Luft, denn das ist bei Bombenflügen auf Flughäfen ganz gewiß das
+bequemste, sich der persönlichen Lebensgefahr zu entziehen.
+
+Wir machen noch einige Umwege und suchen Truppenlager, denn das macht
+besonderen Spaß, die Herren da unten mit Maschinengewehren zu
+beunruhigen. Solche halbwilden Völkerstämme wie die Asiaten haben noch
+viel mehr Angst als die gebildeten Engländer. Besonders interessant ist
+es, auf feindliche Kavallerie zu schießen. Es bringt ungeheure Unruhe
+unter die Leute. Man sieht sie mit einem Male nach allen
+Himmelsrichtungen davonsausen. Ich möchte nicht Schwadronschef von so
+einer Kosakeneskadron sein, die von Fliegern mit Maschinengewehren
+beschossen wird. Allmählich konnten wir wieder unsere Linien sehen. Nun
+wurde es Zeit, daß wir unsere letzte Bombe loswurden. Wir beschlossen,
+einen Fesselballon, »_den_« Fesselballon der Russen, mit einer Bombe zu
+bedenken. Wir konnten ganz gemütlich auf wenige hundert Meter
+heruntergehen und den Fesselballon bewerfen. Anfangs wurde er mit großer
+Hast eingezogen, wie aber die Bombe gefallen war, hörte das Einziehen
+auf. Ich erklärte es mir dadurch, nicht etwa, daß ich getroffen hatte,
+sondern eher, daß die Russen ihren Hetman da oben in dem Korb im Stich
+ließen und weggelaufen waren. Wir erreichten schließlich unsere Front,
+unsere Gräben und waren, als wir zu Hause ankamen, doch etwas erstaunt,
+wie wir feststellten, daß man uns von unten doch beschossen hatte,
+wenigstens zeigte dies ein Treffer in der Tragfläche.
+
+ * * * * *
+
+Ein andermal waren wir gleichfalls etwa in derselben Gegend auf einen
+Angriff der Russen angesetzt, die den Stochod zu überschreiten
+beabsichtigten. Wir kamen an die gefährdete Stelle, mit Bomben beladen
+und sehr viel Patronen fürs Maschinengewehr, und da sahen wir zu unserer
+großen Überraschung, wie bereits der Stochod von feindlicher Kavallerie
+überschritten wird. Eine einzige Brücke diente zum Nachschub. Also war
+es klar: Trifft man diese, so kann man dem Feind ungeheuer schaden.
+Außerdem wälzten sich über den schmalen Steg dicke Truppenmassen. Wir
+gingen auf möglichst niedrige Höhe hinunter und konnten nun genau
+erkennen, daß die feindliche Kavallerie in großer Geschwindigkeit über
+den Übergang marschierte. Die erste Bombe krachte nicht weit von ihr,
+die zweite, dritte folgte unmittelbar darauf. Unten entsteht eine wüste
+Unordnung. Die Brücke ist zwar nicht getroffen, aber nichtsdestotrotz
+hat der Verkehr vollständig aufgehört, und alles, was Beine hat, ist
+nach allen Himmelsrichtungen davon. Der Erfolg war gut, denn das waren
+nur drei Bomben; es kam ja noch das ganze Geschwader hinterher. Und so
+konnten wir noch manches erreichen. Mein Beobachter schoß feste mit dem
+Maschinengewehr unter die Brüder, und wir hatten einen wilden Spaß
+daran. Was unser positiver Erfolg war, kann ich natürlich nicht sagen.
+Die Russen haben es mir auch nicht erzählt. Aber eingebildet habe ich
+mir, daß ich den russischen Angriff allein abgeschlagen habe. Ob es
+stimmt, wird die Kriegschronik der Russen nach dem Kriege mir wohl
+mitteilen.
+
+
+
+
+Endlich!
+
+
+Die Augustsonne war fast unerträglich auf dem sandigen Flugplatz in
+Kowel. Wir unterhielten uns mit den Kameraden, da erzählte einer: »Heute
+kommt der große Boelcke und will uns, oder vielmehr seinen Bruder, in
+Kowel besuchen.« Abends erschien der berühmte Mann, von uns sehr
+angestaunt, und erzählte vieles Interessante von seiner Reise nach der
+Türkei, von der er gerade auf dem Rückwege war, um sich im Großen
+Hauptquartier zu melden. Er sprach davon, daß er an die Somme ginge, um
+dort seine Arbeit fortzusetzen, auch sollte er eine ganze Jagdstaffel
+aufstellen. Zu diesem Zwecke konnte er sich aus der Fliegertruppe ihm
+geeignet erscheinende Leute aussuchen. Ich wagte nicht, ihn zu bitten,
+daß er mich mitnähme. Nicht aus dem Grunde heraus, daß es mir bei
+unserem Geschwader zu langweilig gewesen wäre -- im Gegenteil, wir
+machten große und interessante Flüge, haben den Rußkis mit unseren
+Bomben so manchen Bahnhof eingetöppert -- aber der Gedanke, wieder an der
+Westfront zu kämpfen, reizte mich. Es gibt eben nichts Schöneres für
+einen jungen Kavallerieoffizier, als auf Jagd zu fliegen.
+
+Am nächsten Morgen sollte Boelcke wieder wegfahren. Frühmorgens klopfte
+es plötzlich an meiner Tür, und vor mir stand der große Mann mit dem
+#Pour le mérite#. Ich wußte nicht recht, was er von mir wollte. Ich
+kannte ihn zwar, wie bereits erwähnt, aber auf den Gedanken kam ich
+nicht, daß er mich dazu aufgesucht hatte, um mich aufzufordern, sein
+Schüler zu werden. Fast wäre ich ihm um den Hals gefallen, wie er mich
+fragte, ob ich mit ihm nach der Somme gehen wollte.
+
+Drei Tage später saß ich auf der Eisenbahn und fuhr quer durch
+Deutschland direkt nach dem Feld meiner neuen Tätigkeit. Endlich war
+mein sehnlichster Wunsch erfüllt, und nun begann für mich die schönste
+Zeit meines Lebens.
+
+Daß sie sich so erfolgreich gestalten würde, wagte ich damals nicht zu
+hoffen. Beim Abschied rief mir ein guter Freund noch nach: »Komm' bloß
+nicht ohne den #Pour le mérite# zurück!«
+
+
+
+
+Mein erster Engländer
+
+(17. September 1916)
+
+
+Wir standen alle auf dem Schießplatz, und einer nach dem anderen schoß
+sein Maschinengewehr ein, so, wie es ihm am günstigsten erschien. Am
+Tage vorher hatten wir unsere neuen Apparate bekommen, und am nächsten
+Morgen wollte Boelcke mit uns fliegen. Wir waren alle Anfänger, keiner
+von uns hatte bisher einen Erfolg zu verzeichnen. Was Boelcke uns sagte,
+war uns daher ein Evangelium. In den letzten Tagen hatte er, wie er sich
+ausdrückte, zum Frühstück schon mindestens einen, manchmal auch zwei
+Engländer abgeschossen.
+
+Der nächste Morgen, der 17. September, war ein wunderbarer Tag. Man
+konnte mit regem Flugbetrieb der Engländer rechnen. Bevor wir
+aufstiegen, erteilte Boelcke uns noch einige genaue Instruktionen, und
+zum ersten Male flogen wir im Geschwader unter Führung des berühmten
+Mannes, dem wir uns blindlings anvertrauten.
+
+Wir waren gerade an die Front gekommen, als wir bereits über unseren
+Linien an den Sprengpunkten unserer Ballon-Abwehrkanonen ein feindliches
+Geschwader erkannten, das in Richtung Cambrai flog. Boelcke war
+natürlich der erste, der es sah, denn er sah eben mehr als andere
+Menschen. Bald hatten wir auch die Lage erfaßt, und jeder strebte,
+dicht hinter Boelcke zu bleiben. Wir waren uns alle klar, daß wir unsere
+erste Prüfung unter den Augen unseres verehrten Führers zu bestehen
+hatten. Wir näherten uns dem Geschwader langsam, aber es konnte uns
+nicht mehr entgehen. Wir waren zwischen der Front und dem Gegner. Wollte
+er zurück, so mußte er an uns vorbei. Wir zählten schon die feindlichen
+Flugzeuge und stellten fest, daß es sieben waren. Wir dagegen nur fünf.
+Alle Engländer flogen große, zweisitzige Bomben-Flugzeuge. Nur noch
+Sekunden, dann mußte es losgehen. Boelcke war dem ersten schon verflucht
+nahe auf die Pelle gerückt, aber noch schoß er nicht. Ich war der
+zweite, dicht neben mir meine Kameraden. Der mir am nächsten fliegende
+Engländer war ein großer, dunkel angestrichener Kahn. Ich überlegte
+nicht lange und nahm ihn mir aufs Korn. Er schoß, ich schoß, und ich
+schoß vorbei, er auch. Es begann ein Kampf, in dem es für mich
+jedenfalls darauf ankam, hinter den Burschen zu kommen, da ich ja nur in
+meiner Flugrichtung schießen konnte. Er hatte es nicht nötig, denn sein
+bewegliches Maschinengewehr reichte nach allen Seiten. Er schien aber
+kein Anfänger zu sein, denn er wußte genau, daß in dem Moment sein
+letztes Stündlein geschlagen hatte, wo ich es erreichte, hinter ihn zu
+gelangen. Ich hatte damals noch nicht die Überzeugung, »der muß fallen«,
+wie ich sie jetzt voll habe, sondern ich war vielmehr gespannt, ob er
+wohl fallen würde, und das ist ein wesentlicher Unterschied. Liegt mal
+der erste oder gar der zweite oder dritte, dann geht einem ein Licht
+auf: »So mußt du's machen.«
+
+Also mein Engländer wandte, drehte sich, oft meine Garbe kreuzend. Daran
+dachte ich nicht, daß es auch noch andere Engländer in dem Geschwader
+gab, die ihrem bedrängten Kameraden zu Hilfe kommen konnten. Nur immer
+der eine Gedanke: »Der muß fallen, mag kommen, was da will!« Da, endlich
+ein günstiger Augenblick. Der Gegner hat mich scheinbar verloren und
+fliegt geradeaus. Im Bruchteil einer Sekunde sitze ich ihm mit meiner
+guten Maschine im Nacken. Eine kurze Serie aus meinem Maschinengewehr.
+Ich war so nahe dran, daß ich Angst hatte, ihn zu rammen. Da plötzlich,
+fast hätte ich einen Freudenjauchzer ausgestoßen, denn der Propeller des
+Gegners drehte sich nicht mehr. Hurra! Getroffen! Der Motor war
+zerschossen, und der Feind mußte bei uns landen, da ein Erreichen seiner
+Linien ausgeschlossen war. Auch merkte ich an den schwankenden
+Bewegungen des Apparates, daß irgend was mit dem Führer nicht mehr ganz
+in Ordnung war. Auch der Beobachter war nicht mehr zu sehen, sein
+Maschinengewehr ragte ohne Bedienung in die Luft. Ich hatte ihn also
+getroffen, und er mußte am Boden seiner Karosserie liegen.
+
+Der Engländer landete irgendwo unmittelbar neben dem Flughafen eines
+mir bekannten Geschwaders. Ich war so aufgeregt, daß ich mir das Landen
+nicht verkneifen konnte, und landete in dem mir fremden Flughafen, wo
+ich fast im Eifer meine Maschine noch auf den Kopf stellte. Die beiden
+Flugzeuge, der Engländer und meines, waren nicht sehr weit voneinander
+entfernt. Ich lief gleich hin und sah bereits eine Menge Soldaten nach
+dem Gegner hinströmen. Dort angekommen, fand ich, daß meine Annahme
+stimmte. Der Motor war zerschossen und beide Insassen schwer verletzt.
+Der Beobachter starb gleich, der Führer auf dem Transport zum nahen
+Lazarett. Meinem in Ehren gefallenen Gegner setzte ich zum Andenken
+einen Stein auf sein schönes Grab.
+
+Als ich nach Hause kam, saß Boelcke mit den anderen Kameraden bereits
+beim Frühstück und wunderte sich sehr, wo ich so lange geblieben war.
+Stolz meldete ich zum ersten Male: »Einen Engländer abgeschossen.«
+Sofort jubelte alles, denn ich war nicht der einzige; außer Boelcke,
+der, wie üblich, seinen Frühstückssieg hatte, war jeder von uns
+Anfängern zum ersten Male Sieger im Luftkampf geblieben.
+
+Ich möchte bemerken, daß seitdem kein englisches Geschwader sich mehr
+bis Cambrai getraute, solange es dort eine Jagdstaffel Boelcke gab.
+
+
+
+
+Somme-Schlacht
+
+
+Ich habe in meinem ganzen Leben kein schöneres Jagdgefilde kennengelernt
+als in den Tagen der Somme-Schlacht. Morgens, wenn man aufgestanden,
+kamen schon die ersten Engländer, und die letzten verschwanden, nachdem
+schon lange die Sonne untergegangen war. »Ein Dorado für die
+Jagdflieger«, hat Boelcke einmal gesagt. Es ist damals die Zeit gewesen,
+wo Boelcke in zwei Monaten mit seinen Abschüssen von zwanzig auf vierzig
+gestiegen war. Wir Anfänger hatten damals noch nicht die Erfahrung wie
+unser Meister und waren ganz zufrieden, wenn wir nicht selbst Senge
+bezogen. Aber schön war es! Kein Start ohne Luftkampf. Oft große
+Luftschlachten von vierzig bis sechzig Engländern gegen leider nicht
+immer so viele Deutsche. Bei ihnen macht es die Quantität und bei uns
+die Qualität.
+
+Aber der Engländer ist ein schneidiger Bursche, das muß man ihm lassen.
+Er kam ab und zu in ganz niedriger Höhe und besuchte Boelcke auf seinem
+Platz mit Bomben. Er forderte zum Kampf förmlich heraus und nahm ihn
+auch stets an. Ich habe kaum einen Engländer getroffen, der den Kampf
+verweigert hätte, während der Franzose es vorzieht, jede Berührung mit
+dem Gegner in der Luft peinlichst zu vermeiden.
+
+Es waren schöne Zeiten bei unserer Jagdstaffel. Der Geist des Führers
+übertrug sich auf seine Schüler. Wir konnten uns blindlings seiner
+Führung anvertrauen. Die Möglichkeit, daß einer im Stich gelassen wurde,
+gab es nicht. Der Gedanke kam einem überhaupt nicht. Und so räumten wir
+flott und munter unter unseren Feinden auf.
+
+An dem Tage, an dem Boelcke fiel, hatte die Staffel schon vierzig. Jetzt
+hat sie weit über hundert. Der Geist Boelckes lebt fort unter seinen
+tüchtigen Nachfolgern.
+
+
+
+
+Boelcke [Symbol: Kreuz]
+
+(28. Oktober 1916)
+
+
+Eines Tages flogen wir wieder einmal unter der Führung des großen Mannes
+gegen den Feind. Man hatte stets ein so sicheres Gefühl, wenn er dabei
+war. Es gab eben nur einen Boelcke. Ein sehr stürmisches Wetter. Viel
+Wolken. Andere Flieger flogen an dem Tage überhaupt nicht, nur der
+Jagdflieger.
+
+Schon von weitem sahen wir an der Front zwei freche Engländer, denen
+scheinbar das schlechte Wetter auch mal Spaß machte. Wir waren sechs,
+drüben waren zwei. Wären es zwanzig gewesen, uns hätte das Zeichen von
+Boelcke zum Angriff auch nicht weiter in Erstaunen gesetzt.
+
+Es beginnt der übliche Kampf. Boelcke hatte den einen vor und ich den
+anderen. Ich muß ablassen, weil ich von einem eigenen gestört werde. Ich
+sehe mich um und beobachte, wie etwa zweihundert Meter neben mir Boelcke
+sein Opfer gerade verarbeitet.
+
+[Illustration: Der Dreißigste!]
+
+[Illustration: Der Vierzigste!]
+
+Es war wieder das übliche Bild. Boelcke schießt einen ab, und ich kann
+zusehen. Dicht neben Boelcke fliegt ein guter Freund von ihm. Es war ein
+interessanter Kampf. Beide schossen, jeden Augenblick mußte der
+Engländer stürzen. Plötzlich ist eine unnatürliche Bewegung in den
+beiden deutschen Flugzeugen zu beobachten. Es zuckt mir durchs Hirn:
+Zusammenstoß. Ich habe sonst nie einen Zusammenstoß in der Luft gesehen
+und hatte mir so etwas viel anders vorgestellt. Es war auch kein
+Zusammenstoß, sondern mehr ein Berühren. Aber in der großen
+Geschwindigkeit, die so ein Flugzeug hat, ist jede leise Berührung ein
+heftiger Aufprall.
+
+Boelcke läßt sofort von seinem Opfer ab und geht in großem
+Kurvengleitflug zur Erde hinunter. Noch immer hatte ich nicht das Gefühl
+eines Absturzes, aber wie er unter mir durchgleitet, erkenne ich, daß
+ein Teil seiner Tragflächen abgebrochen ist. Was nun folgte, konnte ich
+nicht beobachten, aber in den Wolken verlor er eine Tragfläche ganz. Da
+war das Flugzeug steuerlos, und er stürzte ab, immer begleitet von
+seinem treuen Freund. Als wir zu Haus ankamen, war bereits die Meldung
+da: »Unser Boelcke tot!« Man konnte es nicht fassen.
+
+Am schmerzlichsten empfand es natürlich derjenige, dem das Unglück
+zustoßen mußte.
+
+Es ist eigentümlich, daß jeder Mensch, der Boelcke kennenlernte, sich
+einbildete, er sei der einzig wahre Freund von ihm. Ich habe von diesen
+einzig wahren Freunden Boelckes etwa vierzig kennengelernt, und jeder
+bildete sich ein, er sei der einzige. Menschen, deren Name Boelcke nie
+gewußt hat, glaubten, sie stünden ihm besonders nahe. Es ist eine
+eigentümliche Erscheinung, die ich nur bei ihm beobachtet habe. Einen
+persönlichen Feind hat er nie gehabt. Er war gegen jedermann gleichmäßig
+liebenswürdig, zu keinem mehr, zu keinem weniger.
+
+Der einzige, der ihm vielleicht etwas näher stand, hatte das eben
+beschriebene Unglück mit ihm.
+
+Nichts geschieht ohne Gottes Fügung. Das ist ein Trost, den man sich in
+diesem Kriege so oft sagen muß.
+
+
+
+
+Der Achte
+
+
+Acht war zu Boelckes Zeiten eine ganz anständige Zahl. Jeder, der
+heutzutage von den kolossalen Zahlen der Abschüsse hört, muß zu der
+Überzeugung kommen, daß das Abschießen leichter geworden ist. Ich kann
+ihm nur eins versichern, daß dieses von Monat zu Monat, ja, von Woche zu
+Woche schwieriger wird. Natürlich bietet sich die Gelegenheit jetzt
+öfters, abzuschießen; aber leider wird die Möglichkeit, selbst
+abgeschossen zu werden, ebenfalls größer. Die Bewaffnung des Gegners
+wird immer besser, seine Zahl immer größer. Als Immelmann seinen ersten
+abschoß, hatte er sogar das Glück, einen Gegner zu finden, der gar kein
+Maschinengewehr bei sich hatte. Solche Häschen findet man jetzt
+höchstens noch über Johannisthal. Am 9. November 1916 flog ich mit
+meinem kleinen Kampfgenossen, dem achtzehnjährigen Imelmann, gegen den
+Feind. Wir waren zusammen bei der Jagdstaffel Boelcke, kannten uns schon
+vorher und hatten uns immer sehr gut vertragen. Kameradschaft ist die
+Hauptsache. Wir zogen los. Ich hatte schon sieben, Imelmann fünf. Für
+damalige Zeiten eine ganze Menge.
+
+Wir sind ganz kurze Zeit an der Front, da sehen wir ein
+Bombengeschwader. Es kommt sehr frech geflogen. In ungeheurer Zahl
+kommen sie natürlich wieder an, wie überhaupt immer während der
+Somme-Schlacht. Ich glaube, in dem Geschwader waren etwa vierzig bis
+fünfzig, genau kann ich die Zahl nicht angeben. Sie hatten sich gar
+nicht weit weg von unserem Flughafen ein Ziel für ihre Bomben
+ausgesucht. Kurz vor dem Ziel erreichte ich den letzten der Gegner. Wohl
+gleich meine ersten Schüsse machten den Maschinengewehrschützen im
+feindlichen Flugzeug kampfunfähig, mochten wohl auch den Piloten etwas
+gekitzelt haben, jedenfalls entschloß er sich zur Landung mitsamt seinen
+Bomben. Ich brannte ihm noch einige auf den Bast, dadurch wurde das
+Tempo, in dem er die Erde zu erreichen suchte, etwas größer, er stürzte
+nämlich ab und fiel ganz in die Nähe unseres Flughafens Lagnicourt.
+
+Imelmann war zur selben Zeit gleichfalls in einen Kampf mit einem
+Engländer verwickelt und hatte auch einen Gegner zur Strecke gebracht,
+gleichfalls in derselben Gegend. Schnell flogen wir nach Hause, um uns
+unsere abgeschossenen Maschinen ansehen zu können. Wir fahren im Auto
+bis in die Nähe meines Gegners und müssen dann sehr lange durch tiefen
+Acker laufen. Es war sehr heiß, deshalb knöpfte ich mir alles auf, sogar
+das Hemd und den Kragen. Die Jacke zog ich aus, die Mütze ließ ich im
+Auto, dafür nahm ich einen großen Knotenstock mit, die Stiefel waren
+bis an die Knie voll Schmutz. Ich sah also wüst aus. So komme ich in die
+Nähe meines Opfers. Natürlich hat sich schon eine Unmenge Menschen
+drumrum angesammelt.
+
+Eine Gruppe von Offizieren steht etwas abseits. Ich gehe auf sie zu,
+begrüße sie und frage den ersten besten, ob er mir nicht erzählen
+könnte, wie der Luftkampf ausgesehen habe, denn es interessiert
+hinterher immer sehr, von den anderen, die von unten zugesehen haben, zu
+erfahren, wie der Luftkampf ausgesehen hat. Da erfahre ich, daß die
+Engländer Bomben geworfen haben und dieses Flugzeug noch seine Bomben
+bei sich hatte. Der betreffende Herr nimmt mich am Arm, geht auf die
+Gruppe der anderen Offiziere zu, fragt noch schnell nach meinem Namen
+und stellt mich den Herren vor. Es war mir nicht angenehm, denn ich
+hatte, wie gesagt, meine Toilette etwas derangiert. Und die Herren, mit
+denen ich jetzt zu tun hatte, sahen alle totschick angezogen aus. Ich
+wurde einer Persönlichkeit vorgestellt, die mir nicht so ganz geheuer
+erschien. Generalshosen, einen Orden zum Hals heraus, dafür aber ein
+verhältnismäßig jugendliches Gesicht, undefinierbare Achselstücke -- kurz
+und gut, ich wittere etwas Außerordentliches, knöpfe mir im Laufe der
+Unterhaltung Hose und Kragen zu und nehme eine etwas militärischere Form
+an. Wer es war, wußte ich nicht. Ich verabschiede mich wieder, fahre
+nach Hause. Abends klingelt das Telephon, und ich erfahre nun, daß dies
+Seine Königliche Hoheit der Großherzog von Sachsen-Koburg-Gotha war. Ich
+werde zu ihm befohlen. Es war bekannt, daß die Engländer die Absicht
+hatten, auf seinen Stab Bomben zu werfen. So hätte ich dazu beigetragen,
+ihm die Attentäter vom Leibe zu halten. Dafür bekam ich die
+Sachsen-Koburg-Gothaische Tapferkeitsmedaille.
+
+Sie macht mir jedesmal Spaß, wenn ich sie sehe.
+
+
+
+
+Major Hawker
+
+
+Am stolzesten war ich, als ich eines schönen Tages hörte, daß der von
+mir am 23. November 1916 abgeschossene Engländer der englische Immelmann
+war.
+
+Dem Luftkampf nach hätte ich mir's schon denken können, daß es ein
+Mordskerl war, mit dem ich es zu tun hatte.
+
+Ich flog quietschvergnügt eines schönen Tages wieder mal auf Jagd und
+beobachtete drei Engländer, die scheinbar auch nichts anderes vorhatten
+als zu jagen. Ich merkte, wie sie mit mir liebäugelten, und da ich
+gerade viel Lust zum Kampfe hatte, ließ ich mich darauf ein. Ich war
+tiefer als der Engländer, folglich mußte ich warten, bis der Bruder auf
+mich 'runterstieß. Es dauerte auch nicht lange, schon kam er angesegelt
+und wollte mich von hinten fassen. Nach den ersten fünf Schüssen mußte
+der Kunde schon wieder aufhören, denn ich lag bereits in einer scharfen
+Linkskurve. Der Engländer versuchte, sich hinter mich zu setzen, während
+ich versuchte, hinter den Engländer zu kommen. So drehten wir uns beide
+wie die Wahnsinnigen im Kreise mit vollaufendem Motor in
+dreitausendfünfhundert Metern Höhe. Erst zwanzigmal linksrum, dann
+dreißigmal rechtsrum, jeder darauf bedacht, über und hinter den anderen
+zu kommen. Ich hatte bald spitz, daß ich es mit keinem Anfänger zu tun
+hatte, denn es fiel ihm nicht im Traum ein, den Kampf abzubrechen. Er
+hatte zwar eine sehr wendige Kiste, aber meine stieg dafür besser, und
+so gelang es mir, über und hinter den Engländer zu kommen.
+
+Nachdem wir so zweitausend Meter tiefer gekommen waren, ohne ein
+Resultat erreicht zu haben, mußte mein Gegner eigentlich merken, daß nun
+die höchste Zeit für ihn war, sich zu drücken, denn der für mich
+günstige Wind trieb uns immer mehr auf unsere Stellen zu, bis ich
+schließlich beinahe über Bapaume, etwa einen Kilometer hinter unserer
+Front, angekommen war. Der freche Kerl besaß nun noch die
+Unverschämtheit und winkte mir, als wir bereits in tausend Meter Höhe
+waren, ganz vergnügt zu, als wollte er sagen: #»Well, well, how do you
+do?«#
+
+Die Kreise, die wir umeinander machten, waren so eng, daß ich sie nicht
+weiter als achtzig bis hundert Meter schätzte. Ich hatte Zeit, mir
+meinen Gegner anzusehen. Ich guckte ihm senkrecht in die Karosserie und
+konnte jede Kopfbewegung beobachten. Hätte er nicht seine Kappe
+aufgehabt, so hätte ich sagen können, was für ein Gesicht er schnitt.
+
+Allmählich wurde selbst dem braven Sportsmann dies doch etwas zu bunt,
+und er mußte sich schließlich entscheiden, ob er bei uns landen wollte
+oder zu seinen Linien zurückfliegen. Natürlich versuchte er letzteres,
+nachdem er durch einige Loopings und solche Witze vergeblich probiert
+hatte, sich mir zu entziehen. Dabei flogen meine ersten blauen Bohnen
+ihm um die Ohren, denn bis jetzt war keiner zu Schuß gekommen. In
+hundert Metern Höhe versuchte er, durch Zickzackflüge, während deren
+sich von dem Beobachter bekanntlich schlecht schießen läßt, nach der
+Front zu entkommen. Jetzt war der gegebene Moment für mich. Ich folgte
+ihm in fünfzig bis dreißig Metern Höhe, unentwegt feuernd. So mußte der
+Engländer fallen. Beinahe hätte mich eine Ladehemmung noch um meinen
+Erfolg gebracht.
+
+Mit Kopfschuß stürzte der Gegner ab, etwa fünfzig Meter hinter unserer
+Linie. Sein Maschinengewehr rannte in die Erde und ziert jetzt den
+Eingang über meiner Haustür.
+
+
+
+
+#Pour le mérite#
+
+
+Der Sechzehnte ist gefallen. Ich stand somit an der Spitze sämtlicher
+Jagdflieger. Dieses war das Ziel, das ich erreichen wollte. Das hatte
+ich scherzeshalber mal vor einem Jahr zu meinem Freund Lynker gesagt,
+als wir zusammen schulten und er mich fragte: »Was ist denn Ihr Ziel --
+was wollen Sie erreichen als Flieger?« Da meinte ich so scherzhaft:
+»Nun, so an der Spitze der Jagdflieger zu fliegen, muß doch ganz schön
+sein!« Daß dies mal Tatsache würde, habe weder ich mir zugetraut noch
+andere Menschen mir. Bloß Boelcke soll einmal gesagt haben -- natürlich
+nicht mir direkt persönlich, aber man hat es mir nachher erzählt -- wie
+er gefragt wurde: »Wer hat denn Aussicht, mal ein guter Jagdflieger zu
+werden?« da soll er mit dem Finger auf mich gezeigt und gesagt haben:
+»Das ist der Mann!«
+
+Boelcke und Immelmann hatten mit dem Achten den #Pour le mérite#
+bekommen. Ich hatte das Doppelte. Was wird sich nun ereignen? Ich war
+sehr gespannt. Man munkelte, ich würde eine Jagdstaffel bekommen. Da
+kommt eines Tages das Telegramm: »Leutnant v. R. zum Führer der
+Jagdstaffel 11 ernannt.« Ich muß sagen, ich habe mich geärgert. Man
+hatte sich so schön mit den Kameraden der Jagdstaffel Boelcke
+eingearbeitet. Nun wieder ganz von neuem anzufangen, das Einleben usw.
+war langweilig. Außerdem wäre mir der #Pour le mérite# lieber gewesen.
+
+Nach zwei Tagen -- wir sitzen gemütlich bei der Jagdstaffel Boelcke und
+feiern meinen Abschied --, da kommt das Telegramm aus dem Hauptquartier,
+daß Majestät die Gnade hatte, mir den #Pour le mérite# zu verleihen. Da
+war die Freude natürlich groß. Es war ein Pflaster auf das
+Vorangegangene.
+
+ * * * * *
+
+Ich hatte es mir nicht so nett vorgestellt, selbst eine Jagdstaffel zu
+führen, wie es nachher in Wirklichkeit geworden ist. Ich habe mir nie
+träumen lassen, daß es mal eine Jagdstaffel Richthofen geben würde.
+
+
+
+
+#»Le petit rouge«#
+
+
+Aus irgend welchen Gründen kam ich eines schönen Tages auf den Gedanken,
+mir meine Kiste knallrot anzupinseln. Der Erfolg war der, daß sich mein
+roter Vogel jedem Menschen unbedingt aufdrängte. Auch meinen Gegnern
+schien dies tatsächlich nicht ganz unbekannt geblieben zu sein.
+
+Gelegentlich eines Kampfes, der sich sogar an einer anderen Frontstelle
+abspielte wie die übrigen, glückte es mir, einen zweisitzigen Vickers,
+der ganz friedlich unsere Artilleriestellung photographierte,
+anzuschießen. Der Gegner kam gar nicht dazu, sich zu wehren, und mußte
+sich beeilen, auf die Erde zu kommen, denn er fing schon an, verdächtige
+Zeichen des Brennens von sich zu geben. Wir nennen das: »er stinkt.« Wie
+sich herausstellte, war es auch tatsächlich Zeit, denn der Apparat fing
+kurz über der Erde an, in hellen Flammen zu brennen.
+
+Ich fühlte ein menschliches Mitleid mit meinem Gegner und hatte mich
+entschlossen, ihn nicht zum Absturz zu bringen, sondern ihn nur zur
+Landung zu zwingen, zumal ich das Gefühl hatte, daß der Gegner schon
+verwundet war, denn er brachte keinen Schuß 'raus.
+
+In etwa fünfhundert Metern Höhe zwang mich ein Defekt an meiner
+Maschine, im normalen Gleitflug, ohne eine Kurve machen zu können,
+gleichfalls zu landen. Nun ereignete sich etwas ganz Komisches. Mein
+Feind landete mit seiner brennenden Maschine glatt, während ich als
+Sieger unmittelbar daneben in den Drahthindernissen der Schützengräben
+einer unserer Reservestellungen mich überschlug.
+
+Es folgte eine sportliche Begrüßung der beiden #Englishmen# mit mir, die
+wegen meines Bruches nicht wenig erstaunt waren, da sie, wie bereits
+erwähnt, keinen Schuß auf mich abgegeben hatten und sich den Grund
+meiner Notlandung gar nicht vorstellen konnten. Es waren dies die ersten
+Engländer, die ich lebendig heruntergebracht habe. Deshalb machte es mir
+besonders Spaß, mich mit ihnen zu unterhalten. Ich fragte sie unter
+anderem, ob sie meine Maschine schon einmal in der Luft gesehen hätten.
+#»Oh yes,«# sagte der eine, »die kenne ich ganz genau. Wir nennen sie
+#'le petit rouge'#.«
+
+Nun kommt eine echt englische -- in meinen Augen -- Gemeinheit. Er fragte
+mich, weshalb ich mich vor der Landung so unvorsichtig benommen hätte.
+Der Grund lag darin, daß ich nicht anders konnte. Da sagte der Schurke,
+er hätte versucht, in den letzten dreihundert Metern auf mich zu
+schießen, habe aber Ladehemmung gehabt. Ich gebe ihm Pardon -- er nimmt
+es an und vergilt es mir nachher mit einem hinterlistigen Überfall.
+
+Seitdem habe ich noch keinen meiner Gegner wieder sprechen können, aus
+einem naheliegenden Grund.
+
+
+
+
+Englische und französische Fliegerei
+
+(Februar 1917)
+
+
+Zurzeit bin ich bemüht, der Jagdstaffel Boelcke Konkurrenz zu machen.
+Abends legen wir uns gegenseitig die Strecke vor. Aber es sind
+verteufelte Kerls da drüben. Zu schlagen sind sie nie. Höchstens, daß
+man der Staffel gleichkommt. Hundert haben sie ja schon Vorsprung.
+Diesen Vorsprung muß ich ihnen lassen. Es hängt ja viel davon ab,
+welchem Gegner man gegenüber liegt, ob man die laurigen Franzosen oder
+die schneidigen Kerls, die Engländer, gegenüber hat. Mir ist der
+Engländer lieber. Der Franzose kneift, der Engländer selten. Oft kann
+man sogar hier von Dummheit sprechen; sie bezeichnen dies dann wohl als
+Draufgängertum.
+
+Es ist das Schöne beim Jagdflieger, daß es auf keinerlei Kunststücke bei
+ihm ankommt, sondern lediglich persönlicher Schneid das Ausschlaggebende
+bleibt. Es kann einer ein ganz herrlicher Sturz- und Loopingflieger
+sein. Er braucht deshalb noch lange keinen abzuschießen. Meiner Ansicht
+nach macht das Draufgehen alles, und das liegt uns Deutschen ja. Deshalb
+werden wir stets die Oberherrschaft in der Luft behalten.
+
+Dem Franzosen liegt es, aus dem Hinterhalt zu überfallen und einem
+anderen aufzulauern. Das läßt sich in der Luft schlecht machen.
+Überrumpeln läßt sich nur ein Anfänger. Auflauern geht nicht, da man
+sich ja nicht verstecken kann, auch ist das unsichtbare Flugzeug noch
+nicht erfunden. Ab und zu braust wohl mal das gallische Blut in ihm auf.
+Dann setzt er zum Angriff an; aber es ist wohl mit einer Brauselimonade
+zu vergleichen. Für einen Augenblick furchtbar viel Mut, der ebenso
+schnell vollständig schwindet. Das zähe Durchhalten fehlt ihm.
+
+Dem Engländer dagegen merkt man eben doch ab und zu noch etwas von
+seinem Germanenblut an. Auch liegt dem Sportsmann das Fliegen sehr, aber
+sie verlieren sich zu sehr in dem Sportlichen. Sie haben genug Vergnügen
+daran, Loopings, Sturzflüge, Auf-dem-Rücken-fliegen und ähnliche Scherze
+unseren Leuten im Schützengraben vorzumachen. Dies macht wohl bei der
+Johannisthaler Sportswoche Eindruck, aber der Schützengraben ist nicht
+so dankbar wie dieses Publikum.
+
+Er verlangt mehr. Es soll immer englisches Pilotenblut regnen.
+
+
+
+
+Selbst abgeschossen
+
+(Mitte März 1917)
+
+
+Abgeschossen ist eigentlich ein falscher Ausdruck für das, was mir heute
+passiert ist. Ich nenne abgeschossen im allgemeinen nur den, der
+'runterplumpst, aber heute habe ich mich wieder gefangen und kam noch
+ganz heil 'runter.
+
+Ich bin im Geschwader und sehe einen Gegner, der gleichfalls im
+Geschwader fliegt. Etwa über unserer Artilleriestellung in der Gegend
+von Lens. Ich habe noch ein ganzes Stückchen zu fliegen, bis ich die
+Gegend erreiche. Es ist das der nervenkitzelndste Augenblick, das
+Anfliegen an den Gegner, wenn man den Feind schon sieht und noch einige
+Minuten Zeit hat, bis man zum Kampf kommt. Ich glaube, ich werde dann
+immer etwas bleich im Gesicht, aber ich habe leider noch nie einen
+Spiegel mitgehabt. Ich finde diesen Augenblick schön, denn er ist
+überaus nervenkitzelnd, und all so etwas liebe ich. Man beobachtet den
+Gegner schon von weitem, hat das Geschwader als feindlich erkannt, zählt
+die feindlichen Apparate, wägt die ungünstigen und günstigen Momente ab.
+So zum Beispiel spielt es eine ungeheure Rolle, ob der Wind mich im
+Kampfe von meiner Front abdrängt oder auf meine Front zudrückt. So habe
+ich mal einen Engländer abgeschossen, dem ich den Todesschuß jenseits
+der feindlichen Linien gegeben habe, und 'runtergeplumpst ist er bei
+unseren Fesselballons, so weit hat ihn der Sturm noch 'rübergetrieben.
+
+Wir waren fünf, der Gegner war dreimal so stark. Wie ein großer
+Mückenschwarm flogen die Engländer durcheinander. So einen Schwarm, der
+so gut zusammenfliegt, zum Zersprengen zu bringen, ist nicht leicht, für
+den einzelnen ausgeschlossen, für mehrere äußerst schwierig, besonders,
+wenn die Zahlenunterschiede so ungünstig sind wie in unserem Falle. Aber
+man fühlt sich dem Gegner derartig überlegen, daß man keinen Augenblick
+an dem sicheren Erfolg zweifelt. Der Angriffsgeist, also die Offensive,
+ist die Hauptsache, wie überall, so auch in der Luft. Aber der Gegner
+dachte ebenso. Das sollte ich gleich merken. Kaum sah er uns, so machte
+er umgehend kehrt und griff uns an. Da hieß es für uns fünf Männeken:
+Aufgepaßt! Hängt einer ab, so kann es ihm dreckig gehen. Wir schlossen
+uns ebenfalls zusammen und ließen die Herren etwas nähertreten. Ich
+paßte auf, ob nicht einer von den Brüdern sich etwas von den anderen
+absentierte. Da -- einer ist so dumm. Ich kann ihn erreichen. »Du bist
+ein verlorenes Kind.« Auf ihn mit Gebrüll. Jetzt hab' ich ihn erreicht
+oder muß ihn gleich erreichen. Er fängt bereits an zu schießen, ist also
+etwas nervös. Ich dachte mir: »Schieß' du nur, du triffst ja doch
+nicht!« Er schoß mit einer Leuchtspurmunition, die an mir sichtbar
+vorbeiflog. Ich kam mir vor wie in dem Spritzenkegel einer Gießkanne.
+Nicht angenehm, aber die Engländer schießen fast durchweg mit diesem
+gemeinen Zeug, also muß man sich daran gewöhnen. Der Mensch ist ein
+Gewohnheitstier, denn in diesem Augenblick, glaube ich, habe ich
+gelacht. Bald sollte ich aber eines Besseren belehrt werden.
+
+Jetzt bin ich beinahe ganz heran, etwa hundert Meter, das Gewehr ist
+entsichert, ich ziele noch einmal Probe, gebe einige Probeschüsse, die
+Gewehre sind in Ordnung. Nicht mehr lange kann es dauern. Im Geiste sah
+ich den Gegner schon plumpsen. Die Aufregung von vorhin ist vorüber. Man
+denkt ganz ruhig und sachlich, wägt die Treffwahrscheinlichkeiten von
+ihm und von mir ab. Überhaupt ist der Kampf selbst am wenigsten
+aufregend in den meisten Fällen, und wer sich dabei aufregt, macht einen
+Fehler. Er wird nie einen abschießen. Auch ist es wohl Gewohnheitssache.
+Jedenfalls habe ich in diesem Falle keinen Fehler gemacht. Nun bin ich
+auf fünfzig Meter 'ran, jetzt einige gute Schüsse, dann kann der Erfolg
+nicht ausbleiben. So dachte ich mir. Aber mit einem Male gibt es einen
+großen Knall, ich habe kaum zehn Schuß heraus, gleich darauf klatscht es
+wieder in meiner Maschine. Es ist mir klar, ich bin getroffen.
+Wenigstens meine Maschine, ich für meine Person nicht. Im selben
+Augenblick stinkt es ganz ungeheuerlich nach Benzin, auch läßt der Motor
+nach. Der Engländer merkt es, denn er schießt nun um so mehr. Ich muß
+sofort ablassen.
+
+Senkrecht geht es 'runter. Unwillkürlich habe ich den Motor abgestellt.
+Es war auch höchste Zeit. Wenn der Benzintank durchlöchert ist und das
+Zeug einem so um die Beine spritzt, ist die Gefahr des Brennens doch
+groß. Vor sich hat man einen über einhundertundfünfzig »Pferde« starken
+Explosionsmotor, also glühend heiß. Ein Tropfen Benzin, und die ganze
+Maschine brennt. Ich hinterlasse in der Luft einen weißen Streifen. Ich
+kenne ihn beim Gegner genau. Es sind dies die Vorzeichen der Explosion.
+Noch bin ich dreitausend Meter hoch, habe also noch ein ganzes Ende bis
+auf die Erde. Gott sei Dank hört der Motor auf zu laufen. Die
+Geschwindigkeit, die das Flugzeug erreicht, kann ich nicht berechnen.
+Sie ist jedenfalls so groß, daß ich nicht den Kopf herausstecken kann,
+ohne durch den Windzug hintenüber gedrückt zu werden.
+
+Bald bin ich den Gegner los und habe nun noch Zeit, bis ich auf die Erde
+komme, zu sehen, was denn meine vier anderen Herren machen. Sie sind
+noch im Kampf. Man hört das Maschinengewehrfeuer des Gegners und das der
+eignen. Plötzlich eine Rakete. Ist es das Leuchtsignal eines Gegners?
+Aber nein. Dafür ist es zu groß. Es wird immer größer. Es brennt einer.
+Aber was für einer? Die Maschine sieht genau so aus wie unsere. Gott sei
+Dank, es ist ein Gegner. Wer mag ihn abgeschossen haben? Gleich darauf
+fällt aus dem Geschwader ein zweites Flugzeug heraus, ähnlich wie ich,
+senkrecht nach unten, überschlägt sich sogar, überschlägt sich immer
+noch -- da -- jetzt hat es sich gefangen. Fliegt geradeaus genau auf mich
+zu. Auch ein Albatros. Gewiß ist es ihm so gegangen wie mir.
+
+Ich bin wohl noch einige hundert Meter hoch und muß mich so sachte
+umgucken, wo ich denn landen will. Denn so eine Landung ist meistenteils
+mit Bruch verbunden. Und so ein Bruch läuft nicht immer günstig ab, also
+-- aufpassen. Ich finde eine Wiese, nicht sehr groß, aber sie genügt
+gerade, wenn man etwas vorsichtig zu Werke geht. Außerdem liegt sie mir
+günstig, direkt an der Chaussee bei Hénin-Liétard. Dort will ich auch
+landen. Es geht alles glatt. Mein erster Gedanke ist: Wo bleibt der
+andere? Er landet einige Kilometer von mir entfernt.
+
+Ich habe nun Zeit, mir den Schaden zu beschauen. Einige Treffer sind
+darin, aber der Treffer, der mich veranlaßt hat, den Kampf abzubrechen,
+ist einer durch beide Benzintanks. Ich habe keinen Tropfen Benzin mehr
+drin, der Motor ist gleichfalls angeschossen. Schade um ihn, er lief
+noch so gut.
+
+Die Beine lasse ich herausbaumeln aus der Maschine und mag wohl ein
+ziemlich törichtes Gesicht gemacht haben. Sofort hat sich eine große
+Menge Soldaten um mich versammelt. Da kommt ein Offizier. Er ist ganz
+außer Atem. Sehr aufgeregt! Gewiß ist ihm was Schreckliches passiert. Er
+stürzt auf mich zu, schnappt nach Luft und fragt: »Hoffentlich ist Ihnen
+nichts passiert? Ich habe die ganze Sache beobachtet und bin ja so
+aufgeregt! Herrgott, das sah schrecklich aus!« Ich versicherte ihm, daß
+mir gar nichts fehlte, sprang herunter, stellte mich vor.
+Selbstverständlich verstand er keinen Ton von meinem Namen. Aber er
+forderte mich auf, mit seinem Automobil in das nahe Hénin-Liétard
+hineinzufahren, wo sein Quartier war. Es war ein Pionieroffizier.
+
+Wir sitzen bereits in dem Wagen und fahren gerade an. Mein Gastgeber hat
+sich noch immer nicht beruhigt. Plötzlich erschrickt er und fragt:
+»Herrgott, wo ist denn Ihr Kraftfahrer?« Zuerst wußte ich nicht recht,
+was er meinte, guckte ihn wohl etwas verwirrt an. Dann wurde mir klar,
+daß er mich für den Beobachter eines zweisitzigen Flugzeuges hielt und
+nach meinem Flugzeugführer fragte. Schnell faßte ich mich und sagte ganz
+trocken: »Ich fahre allein.« Das Wort »fahren« ist in der Fliegertruppe
+verpönt. Man fährt nicht, man »fliegt«. In den Augen des braven Herrn
+war ich ganz entschieden durch die Tatsache, daß ich allein »fahre«,
+sichtbar gesunken. Die Unterhaltung wurde etwas spröder.
+
+Da kommen wir in seinem Quartier an. Ich habe noch immer meine
+schmutzige Öllederjacke an, einen dicken Schal um. Unterwegs hat er mich
+natürlich mit unendlich vielen Fragen bestürmt. Überhaupt war der ganze
+Herr bedeutend mehr aufgeregt als ich. Da zwang er mich, auf einem Sofa
+mich hinzulegen, oder wollte dies tun mit der Begründung, daß ich doch
+von meinem Kampf noch ganz echauffiert sein müßte. Ich versicherte ihm,
+daß ich schon manchmal luftgekämpft hätte, was ihm aber gar nicht in den
+Kopf kommen wollte. Ich sah gewiß nicht sehr kriegerisch aus.
+
+Nach einiger Unterhaltung kommt er natürlich mit der berühmten Frage:
+»Haben Sie schon einmal einen abgeschossen?« Meinen Namen hatte er, wie
+gesagt, nicht gehört. »Ach ja,« sagte ich, »ab und zu.« »So -- so haben
+Sie etwa schon zwei abgeschossen?« »Nein, aber vierundzwanzig.« Er
+lächelt, wiederholt seine Frage und meint, unter »abgeschossen« verstehe
+er einen, der 'runtergefallen sei und unten liegenbliebe. Ich
+versicherte ihm, das wäre auch meine Auffassung davon. Jetzt war ich
+ganz unten durch, denn jetzt hielt er mich für einen mächtigen
+Aufschneider. Er ließ mich sitzen und sagte mir, daß in einer Stunde
+gegessen würde, und wenn es mir recht sei, könne ich ja mitessen. Nun
+machte ich doch von seinem Anerbieten Gebrauch und schlief eine Stunde
+fest. Dann gingen wir 'rüber ins Kasino. Hier pellte ich mich aus und
+hatte zum Glück meinen #Pour le mérite# um. Leider aber keine
+Uniformjacke darunter, sondern nur eine Weste. Ich bitte um
+Entschuldigung, daß ich nicht besser angezogen bin, und mit einem Male
+entdeckt mein guter Häuptling an mir den #Pour le mérite#. Er wird
+sprachlos vor Erstaunen und versichert mir, daß er nicht wüßte, wie ich
+heiße. Ich sagte ihm nochmals meinen Namen. Jetzt schien ihm etwas zu
+dämmern, daß er wohl schon mal von mir gehört hatte. Ich bekam nun
+Austern und Schampus zu trinken und lebte eigentlich recht gut, bis
+schließlich Schäfer kam und mich mit meinem Wagen abholte. Von ihm
+erfuhr ich, daß Lübbert wieder mal seinem Spitznamen Ehre gemacht hatte.
+Er hieß nämlich unter uns »Kugelfang«, denn in jedem Luftkampf wurde
+seine Maschine arg mitgenommen. Einmal wies sie vierundsechzig Treffer
+auf, ohne daß er selbst verwundet war. Diesmal hatte er einen
+Streifschuß an der Brust bekommen und lag bereits im Lazarett. Seine
+Maschine flog ich gleich nach dem Hafen. Leider ist dieser hervorragende
+Offizier, der das Zeug dazu hatte, einmal ein Boelcke zu werden, einige
+Wochen später den Heldentod fürs Vaterland gestorben.
+
+Am Abend kann ich meinem Gastgeber aus Hénin-Liétard noch Bescheid
+sagen, daß ich heute ein Viertelhundert voll gemacht habe.
+
+
+
+
+Ein Fliegerstückchen
+
+(Ende März 1917)
+
+
+Der Name Siegfried-Stellung ist wohl jedem Jüngling im Deutschen Reiche
+bekannt. In den Tagen, in denen wir uns gegen diese Stellungen
+zurückzogen, gab es natürlich in der Luft auch eine rege Tätigkeit. Der
+Gegner hatte zwar unser verlassenes Gebiet auf der Erde bereits besetzt,
+die Luft dagegen überließen wir den Engländern nicht so bald, dafür
+sorgte Jagdstaffel Boelcke. Nur ganz vorsichtig wagten sich die
+Engländer aus ihrem bisherigen Stellungskrieg in der Luft hervor.
+
+Es ist das die Zeit, wo unser lieber Prinz Friedrich Karl sein Leben dem
+Vaterland opferte.
+
+Bei einem Jagdflug der Jagdstaffel Boelcke hatte Leutnant Voß einen
+Engländer im Luftkampf besiegt. Er wurde von seinem Bezwinger auf die
+Erde gedrückt und landete in dem Gebiet, das man wohl als neutrales
+Gebiet bezeichnen kann. Wir hatten es zwar schon verlassen, der Gegner
+aber noch nicht besetzt. Nur Patrouillen, sowohl englische wie deutsche,
+hielten sich in dieser unbesetzten Zone auf. Das englische Flugzeug
+stand zwischen den Linien. Der brave #Englishman# hatte wohl geglaubt,
+daß dieses Gebiet bereits von den Seinen besetzt wäre, zu welcher
+Annahme er auch berechtigt war. Voß war aber anderer Meinung. Kurz
+entschlossen landete er neben seinem Opfer. Mit großer Geschwindigkeit
+montierte er die feindlichen Maschinengewehre und sonst noch brauchbare
+Teile aus der Maschine ab und verfrachtete sie in der seinen, griff zum
+Streichholz, und in wenigen Augenblicken stand die Maschine in hellen
+Flammen. Eine Minute später winkte er den von allen Seiten
+herbeiströmenden Engländern aus seinem sieggewohnten Luftroß freundlich
+zu.
+
+
+
+
+Erste Dublette
+
+
+Der 2. April 1917 war wieder einmal ein heißer Tag für meine Staffel.
+Von meinem Platze aus konnten wir deutlich das Trommelfeuer hören, und
+gerade heute war es mal wieder sehr heftig.
+
+Ich lag noch im Bett, da kommt mein Bursche zu mir hereingestürzt mit
+dem Ausruf: »Herr Leutnant, die Engländer sind schon da!« Noch etwas
+verschlafen gucke ich zum Fenster 'raus, und tatsächlich, da kreisen
+über dem Platz bereits meine lieben Freunde. Ich 'raus aus meinem Bett,
+die Sachen angezogen, war eins. Mein roter Vogel stand zur Morgenarbeit
+am Start. Meine Monteure wußten, daß ich diesen günstigen Augenblick
+wohl nicht ungenützt vorübergehen lassen würde. Alles war fertig.
+Schnell noch die Warmpelze, dann geht's los.
+
+Ich war als letzter gestartet. Meine anderen Kameraden waren dem Feind
+viel näher. Ich fürchtete schon, daß mir mein Braten entgehen würde, so
+daß ich von weitem zusehen müßte, wie vor meinen Augen sich einige
+Luftkämpfe abspielen. Da plötzlich fällt einem der frechen Kunden ein,
+auf mich herunterzustoßen. Ich lasse ihn ruhig herankommen, und nun
+beginnt ein lustiger Tanz. Bald fliegt mein Gegner auf dem Rücken, bald
+macht er dies, bald jenes. Es war ein zweisitziges Jagdflugzeug. Ich war
+ihm über, und so erkannte ich denn bald, daß er mir eigentlich nicht
+mehr entgehen konnte. In einer Gefechtspause überzeugte ich mich, daß
+wir uns alleine gegenüberstanden. Also, wer besser schießt, wer die
+größere Ruhe und den besseren Überblick im Augenblick der Gefahr hat,
+der gewinnt.
+
+Es dauerte nicht lange, da hatte ich ihn 'runtergedrückt, ohne ihn
+wirklich ernstlich angeschossen zu haben, mindestens zwei Kilometer von
+der Front entfernt. Ich denke, er will landen, aber da habe ich mich in
+meinem Gegner verrechnet. Mit einem Male sehe ich, wie er, nur wenige
+Meter über dem Erdboden, plötzlich wieder geradeaus fliegt und mir zu
+entkommen sucht. Das war mir doch zu bunt. Ich griff ihn nochmals an und
+zwar so niedrig, daß ich fast fürchtete, die Häuser eines unter mir
+liegenden Dorfes zu berühren. Der Engländer wehrte sich bis zum letzten
+Augenblick. Noch ganz zum Schluß spürte ich einen Treffer in meiner
+Maschine. Nun ließ ich aber nicht mehr locker, jetzt mußte er fallen. Er
+rannte mit voller Fahrt in einen Häuserblock hinein.
+
+Viel war nicht mehr übrig. Es war wieder ein Fall glänzenden Schneids.
+Er verteidigte sich bis zum Letzten. Aber meiner Ansicht nach war es zum
+Schluß doch mehr Dummheit von ihm. Es war eben mal wieder der Punkt, wo
+ich eine Grenze zwischen Schneid und Dummheit ziehe. Runter mußte er
+doch. So hatte er seine Dummheit mit dem Leben bezahlen müssen.
+
+ * * * * *
+
+Sehr vergnügt über die Leistungen meines roten Stahlrosses bei der
+Morgenarbeit kehrte ich zurück. Meine Kameraden waren noch in der Luft
+und waren sehr erstaunt, als wir uns beim Frühstück trafen und ich ihnen
+von meiner Nummer Zweiunddreißig erzählen konnte.
+
+Ein ganz junger Leutnant hatte seinen Ersten abgeschossen, wir waren
+sehr vergnügt und bereiteten uns für neue Kämpfe vor.
+
+Ich hole meine versäumte Morgentoilette nach. Da kommt ein guter Freund
+-- Leutnant Voß von der Jagdstaffel Boelcke -- zu mir, um mich zu
+besuchen. Wir unterhalten uns. Voß hatte am Tage vorher seinen
+Dreiundzwanzigsten erledigt. Er stand also mir am nächsten und ist wohl
+zurzeit mein heftigster Konkurrent.
+
+Wie er nach Hause fliegt, wollte ich ihn noch ein Stückchen begleiten.
+Wir machen einen Umweg über die Front. Das Wetter ist eigentlich sehr
+schlecht geworden, so daß wir nicht annehmen konnten, noch Weidmannsheil
+zu haben.
+
+Unter uns geschlossene Wolken. Voß, dem die Gegend unbekannt war, fing
+es schon an, ungemütlich zu werden. Über Arras traf ich meinen Bruder,
+der gleichfalls bei meiner Staffel ist und sein Geschwader verloren
+hatte. Er schließt sich uns auch an. Er wußte ja, daß ich es bin (roter
+Vogel).
+
+Da sehen wir von drüben ein Geschwader ankommen. Sofort zuckt es mir
+durch den Kopf: »Nummer Dreiunddreißig!« Trotzdem es neun Engländer
+waren und auf ihrem Gebiet, zogen sie es doch vor, den Kampf zu meiden.
+(Ich werde nächstens doch mal die Farbe wechseln müssen.) Aber wir
+holten sie doch ein. Schnelle Maschine ist eben die Hauptsache.
+
+Ich bin dem Feind am nächsten und greife den hintersten an. Zu meinem
+größten Entzücken merke ich, daß er sich gleich in den Kampf mit mir
+einläßt, und mit noch viel größerem Vergnügen, daß ihn seine Kameraden
+im Stich lassen. Ich habe ihn also bald allein vor. Es ist wiederum
+derselbe Typ, mit dem ich es vormittags zu tun hatte. Er machte es mir
+nicht leicht. Er weiß, worauf es ankommt, und besonders aber: der Kerl
+schoß gut. Das konnte ich zu meinem Leidwesen nachher noch ziemlich
+genau feststellen. Der günstige Wind kommt mir zu Hilfe und treibt uns
+beide Kämpfenden über unsere Linien. Der Gegner merkt, daß die Sache
+doch nicht so einfach ist, wie er sich wohl gedacht hat, und
+verschwindet in einem Sturzflug in einer Wolke. Beinahe war es seine
+Rettung. Ich stoße hinter ihm her, komme unten heraus und -- Anlauf muß
+eben der Mensch haben -- ich sitze wie durch ein Wunder genau hinter
+ihm. Ich schieße, er schießt, aber kein greifbares Resultat. Da --
+endlich habe ich ihn getroffen. Ich merke es an dem weißen Benzindunst,
+der hinter seinem Apparat zurückbleibt. Er muß also landen, denn sein
+Motor bleibt stehen.
+
+Er war aber doch ein hartnäckiger Bursche. Er mußte erkennen, daß er
+ausgespielt hatte. Schoß er nun noch weiter, so konnte ich ihn sofort
+totschießen, denn wir waren mittlerweile nur noch dreihundert Meter
+hoch. Aber der Kerl verteidigte sich genau wie der von heute morgen, bis
+er unten gelandet war. Nach seiner Landung flog ich nochmals über ihn
+hinweg in zehn Metern Höhe, um festzustellen, ob ich ihn totgeschossen
+hatte oder nicht. Was macht der Kerl? Er nimmt sein Maschinengewehr und
+zerschießt mir die ganze Maschine.
+
+Voß sagte nachher zu mir, wenn ihm das passiert wäre, hätte er ihn
+nachträglich noch auf dem Boden totgeschossen. Eigentlich hätte ich es
+auch machen müssen, denn er hatte sich eben noch nicht ergeben. Er war
+übrigens einer von den wenigen Glücklichen, die am Leben geblieben sind.
+
+Sehr vergnügt flog ich nach Hause und konnte meinen Dreiunddreißigsten
+feiern.
+
+
+
+
+Mein bisher erfolgreichster Tag
+
+
+Wunderbares Wetter. Wir stehen auf dem Platz. Ich habe Besuch von einem
+Herrn, der noch nie einen Luftkampf oder so etwas Ähnliches gesehen hat
+und mir gerade versichert, daß es ihn ungeheuer interessieren würde,
+einen solchen Luftkampf zu sehen.
+
+Wir steigen in unsere Kisten und lachen sehr über ihn, und Schäfer
+meint: »Den Spaß können wir ihm machen!« Wir stellen ihn an ein
+Scherenfernrohr und fliegen los.
+
+Der Tag fing gut an. Wir waren kaum zweitausend Meter hoch, da kamen uns
+schon die ersten Engländer in einem Geschwader von fünf entgegen. Ein
+Angriff, der mit einer Attacke zu vergleichen war -- und das feindliche
+Geschwader lag vernichtet am Boden. Von uns war nicht ein einziger auch
+nur verwundet. Die Gegner waren -- zwei brennend und drei so -- auf
+unserer Seite abgestürzt.
+
+Der gute Freund unten auf der Erde hatte nicht wenig gestaunt. Er hatte
+sich die Sache ganz anders vorgestellt; viel dramatischer. Er meinte,
+die Sache hätte so harmlos ausgesehen, bis plötzlich einige Flugzeuge,
+einer Rakete gleich, brennend abstürzten. Ich habe mich an den Anblick
+so allmählich gewöhnt, aber ich muß sagen, mir hat es auch einen
+Mordseindruck gemacht, und ich habe noch lange davon geträumt, wie ich
+den ersten Engländer habe in die Tiefe sausen sehen.
+
+Ich glaube, wenn es mir noch einmal passieren würde, es wäre mir nicht
+mehr so schrecklich wie damals.
+
+Nachdem dieser Tag so gut angefangen hatte, setzten wir uns erst mal zu
+einem ordentlichen Frühstück hin, da wir alle einen Mordshunger hatten.
+In der Zwischenzeit wurden unsere Maschinen wieder in Schuß gebracht,
+neue Patronen geladen, und dann ging's weiter.
+
+Am Abend konnten wir die stolze Meldung machen: Dreizehn feindliche
+Flugzeuge durch sechs deutsche Apparate vernichtet.
+
+Eine ähnliche Meldung hatte nur einmal die Jagdstaffel Boelcke machen
+können. Acht Flugzeuge waren es, die wir damals abschossen, heute hatte
+einer sogar vier Gegner zum Absturz gebracht. Es ist ein Leutnant Wolff,
+ein zartes, schlankes Kerlchen, in dem niemals einer einen solchen
+Massensieger erblicken würde. Mein Bruder hatte zwei, Schäfer zwei,
+Festner zwei, ich drei.
+
+Abends legten wir uns kolossal stolz, andererseits aber auch recht müde
+in unsere Klappen.
+
+Am Tage darauf lasen wir unter großem Hallo im Heeresbericht von den
+Taten des Tages vorher. Im übrigen schossen wir am Tage darauf acht ab.
+
+ * * * * *
+
+[Illustration: Leutnant Schaefers Notlandung zwischen den Linien]
+
+[Illustration: Weihnachten 1916
+Der »alte Herr« (X) bei der Jagdstaffel Boelcke]
+
+Eine sehr niedliche Geschichte ereignete sich noch:
+
+Einer von unseren abgeschossenen Engländern war gefangen und kommt ins
+Gespräch mit uns. Natürlich erkundigte er sich auch nach der roten
+Maschine. Selbst bei der Truppe unten im Schützengraben ist sie nicht
+unbekannt und geht unter dem Namen #»le diable rouge«#. Bei seiner
+Squadron hat sich das Gerücht verbreitet, daß in der roten Maschine ein
+Mädchen säße, so etwas Ähnliches wie Jeanne d'Arc. Er war sehr erstaunt,
+wie ich ihm versicherte, daß das vermutete Mädchen zurzeit vor ihm
+stünde. Er hatte damit keinen Witz machen wollen, sondern war selbst
+überzeugt, daß tatsächlich in der pervers angestrichenen Kiste nur eine
+Jungfrau sitzen konnte.
+
+
+
+
+»Moritz«
+
+
+Das schönste Wesen, das je die Welt geschaffen hat, ist die echte Ulmer
+Dogge, mein »kleines Schoßhündchen«, der »Moritz«. Ich habe ihn in
+Ostende von einem braven Belgier für fünf Mark gekauft. Die Mutter war
+ein schönes Tier, einer seiner Väter auch, also ganz »rasserein«. Davon
+bin ich überzeugt. Ich hatte die Auswahl und suchte mir den niedlichsten
+heraus. Zeumer nahm sich einen zweiten und nannte ihn »Max«. Max fand
+ein jähes Ende unter einem Auto, Moritz aber gedieh vortrefflich. Er
+schlief mit mir im Bett und wurde vorzüglich erzogen. Er hat mich von
+Ostende ab auf Schritt und Tritt begleitet und ist mir sehr ans Herz
+gewachsen. Von Monat zu Monat wurde Moritz groß und größer, und es
+entwickelte sich so allmählich aus dem zarten Schoßhündchen ein ganz
+ungeheuer großes Tier.
+
+Ich habe ihn sogar einmal mitgenommen. Er ist mein erster »Franz«
+gewesen. Er benahm sich dabei sehr vernünftig, und sehr interessiert
+beäugte er sich die Welt von oben. Nur meine Monteure schimpften
+nachher, daß sie das Flugzeug von einigen unangenehmen Dingen reinigen
+mußten. Moritz war aber nachher wieder sehr vergnügt.
+
+Er ist nun schon über ein Jahr alt und immer noch das kindische Tier
+von einigen Monaten. Er spielt sehr gut Billard. Leider geht dabei so
+manche Kugel, besonders aber so manches Billardtuch flöten. Er hat auch
+eine Riesen-Jagdpassion. Meine Monteure sind darüber sehr glücklich,
+denn er fängt ihnen so manchen schönen Hasenbraten. Von mir kriegt er
+immer dafür etwas Senge, denn ich bin weniger erbaut von dieser Passion.
+
+Er hatte eine dumme Eigenschaft. Er liebte es, die Flugzeuge bei jedem
+Start zu begleiten. Der normale Tod eines Fliegerhundes ist bei dieser
+Gelegenheit der Tod durch den Propeller. Wieder einmal jagte er vor
+einem startenden Flugzeug einher, wird natürlich eingeholt und -- ein
+sehr schöner Propeller war hin. Moritz heulte schrecklich, und eine von
+mir versäumte Maßnahme wurde auf diese Weise nachgeholt. Ich habe mich
+immer gesträubt, ihn koupieren zu lassen, d. h. im besonderen ihm die
+Ohren beschneiden zu lassen. Auf der einen Seite hat es nun der
+Propeller nachgeholt. Die Schönheit hat ihn nie gedrückt, aber das eine
+Klappohr und das andere halbkoupierte stehen ihm recht gut. Überhaupt,
+wenn der Ringelschwanz nicht wäre, wäre es eine richtige, echte Ulmer
+Dogge.
+
+Moritz hat den Weltkrieg und unsere Feinde richtig erfaßt. Wie er zum
+erstenmal im Sommer 1916 russische Eingeborene sah -- der Zug hielt, und
+Moritz wurde etwas spazieren geführt --, verjagte er die hinzugelaufene
+russische Jugend mit ungeheurem Gekläff. Auch Franzosen schätzt er
+nicht, trotzdem er ja eigentlich selbst ein Belgier ist. Ich gab mal in
+einem neuen Quartier Einwohnern den Auftrag, das Haus zu säubern. Wie
+ich abends wiederkam, war nichts gemacht. Verärgert lasse ich mir einen
+Franzosen kommen. Kaum macht er die Tür auf, begrüßt ihn Moritz etwas
+unliebenswürdig. Nun konnte ich mir erklären, weshalb die Herren mein
+Château gemieden hatten.
+
+
+
+
+Englischer Bombenangriff auf unseren Flughafen
+
+
+Die Vollmondnächte sind für den Nachtflieger am geeignetsten.
+
+In den Vollmondnächten des Monats April betätigten sich unsere lieben
+Engländer besonders emsig. Natürlich war es mit der Arras-Schlacht in
+Verbindung zu bringen. Sie mochten wohl herausbekommen haben, daß wir in
+Douai auf einem sehr, sehr schönen, großen Flugplatz uns häuslich
+eingerichtet hatten. Eines Nachts, wir sitzen im Kasino, klingelt das
+Telephon, und es wird mitgeteilt: »Die Engländer kommen.« Natürlich
+großes Hallo. Unterstände hatten wir ja; dafür hatte der tüchtige Simon
+gesorgt. Simon ist unser Bausachverwalter. Also alles stürzt in die
+Unterstände, und man hört tatsächlich -- zuerst noch ganz leise, aber
+ganz sicher das Geräusch eines Flugmotors. Die Flaks und Scheinwerfer
+scheinen auch eben die Mitteilung bekommen zu haben, denn man merkt, wie
+sie sachte lebendig werden. Der erste Feind war aber noch viel zu weit,
+um angegriffen zu werden. Uns machte es einen Heidenspaß. Wir
+befürchteten nur immer, die Engländer würden unseren Platz nicht finden,
+denn das ist nachts gar nicht so einfach, besonders, da wir nicht an
+einer großen Chaussee lagen oder an einem Wasser oder an einer
+Eisenbahn, die des Nachts die besten Anhaltspunkte bilden.
+
+Der Engländer flog scheinbar sehr hoch. Erst einmal um den ganzen Platz
+herum. Wir glaubten schon, er hätte sich ein anderes Ziel gesucht. Mit
+einem Male aber stellt er den Motor ab und kommt herunter. »Nun wird's
+Ernst,« meinte Wolff. Wir hatten uns zwei Karabiner geholt und fingen
+an, auf den Engländer zu schießen. Sehen konnten wir ihn ja noch nicht.
+Aber allein der Knall beruhigte schon unsere Nerven. Jetzt kommt er in
+den Scheinwerfer herein. Auf dem ganzen Flugplatz überall ein großes
+Hallo. Es ist eine ganz alte Kiste. Wir können den Typ genau erkennen.
+Er ist höchstens noch einen Kilometer von uns entfernt. Er fliegt genau
+auf unseren Platz zu. Er kommt immer niedriger. Jetzt kann er höchstens
+noch hundert Meter hoch sein. Da stellt er wieder den Motor an und kommt
+genau auf uns zugeflogen. Wolff meint noch: »Gott sei Dank, er hat sich
+die andere Seite des Flugplatzes ausgesucht.« Aber es dauerte nicht
+lange, da kommt die erste, und dann regnet es einige Bömbchen. Es war
+ein wunderbares Feuerwerk, das uns der Bruder vormachte. Einem
+Angsthasen konnte er auch Eindruck machen. Ich finde überhaupt,
+Bombenwerfen in der Nacht ist nur moralisch von Bedeutung. Hat einer
+die Hosen voll, so ist es für _ihn_ sehr peinlich, für die anderen aber
+nicht.
+
+Wir empfanden einen großen Spaß und meinten, die Engländer könnten doch
+recht oft kommen. Also, mein guter Gitterschwanz warf seine Bomben ab,
+und zwar aus fünfzig Metern Höhe. Das ist eine ziemliche Frechheit, denn
+auf fünfzig Meter mute ich mir zu, auch des Nachts bei Vollmond einem
+Keiler einen ganz anständigen Blattschuß zu verpassen. Warum sollte ich
+nicht auch einen Engländer treffen? Es wäre doch mal etwas anderes
+gewesen, so einen Bruder von unten abzuschießen.
+
+Von oben hatten wir schon mehreren die Ehre gegeben, aber von unten
+hatte ich es nicht probiert. Wie der Engländer weg war, gingen wir
+wieder ins Kasino und besprachen uns, wie wir den Brüdern in der
+nächsten Nacht einen Empfang bereiten wollten. Tags darauf sah man die
+Burschen usw. sehr emsig arbeiten. Sie beschäftigten sich damit, Pfähle
+in der Nähe des Kasinos und der Offizier-Wohnbaracken einzurammen, die
+in der kommenden Nacht als Maschinengewehrstände benutzt werden sollten.
+Wir schossen uns mit erbeuteten englischen Flugzeug-Maschinengewehren
+ein, machten uns ein Nachtkorn drauf und waren sehr gespannt, was nun
+werden würde. Die Zahl der Maschinengewehre will ich nicht verraten,
+aber es sollte genügen. Jeder von meinen Herren war mit so einem Ding
+bewaffnet.
+
+Wir sitzen wieder im Kasino. Gesprächstoff sind natürlich die
+Nachtflieger. Da kommt ein Bursche hereingestürzt und schreit nur: »Sie
+kommen, sie kommen!« und verschwindet, etwas spärlich bekleidet, im
+nächsten Unterstand. Jeder von uns stürzt an die Maschinengewehre.
+Einige tüchtige Mannschaften, die gute Schützen sind, sind auch damit
+bewaffnet. Alle übrigen haben Karabiner. Die Jagdstaffel ist jedenfalls
+bis an die Zähne bewaffnet und bereit, die Herren zu empfangen.
+
+Der erste kam, genau wie am Abend vorher, in größerer Höhe, geht dann
+auf fünfzig Meter herunter, und zu unserer größten Freude hat er es
+diesmal gleich auf unsere Barackenseite abgesehen. Er ist im
+Scheinwerfer. Jetzt ist er höchstens noch dreihundert Meter von uns
+entfernt. Der erste fängt an zu schießen, und zur selben Zeit setzen
+alle übrigen ein. Ein Sturmangriff könnte nicht besser abgewehrt werden
+als dieser Angriff des einzelnen frechen Kunden in fünfzig Metern Höhe.
+Ein rasendes Feuer empfängt ihn. Hören konnte er das Maschinengewehrfeuer
+ja nicht, daran verhinderte ihn sein Motor, aber das Mündungsfeuer eines
+jeden sah er, und deshalb finde ich es auch diesmal sehr schneidig von
+dem Bruder, daß er nicht abbog, sondern starr seinen Auftrag
+durchführte. Er flog genau über uns weg. In dem Augenblick, wie er über
+uns weg war, springen wir natürlich schnell in den Unterstand, denn
+durch so 'ne dämliche Bombe erschlagen zu werden, wäre für einen
+Jagdflieger ein selten dämlicher Heldentod. Kaum ist er über uns weg,
+wieder 'ran an die Gewehre und feste hinter ihm hergefeuert. Schäfer
+behauptete natürlich: »Ich habe ihn getroffen.« Der Kerl schießt ganz
+gut. Aber in diesem Fall glaubte ich ihm denn doch nicht, und außerdem
+hatte jeder andere ebenso gute Chancen.
+
+Wir hatten wenigstens das erreicht, daß der Gegner seine Bomben ziemlich
+planlos in die Gegend warf. Eine allerdings platzte ein paar Meter neben
+dem #»petit rouge«,# tat ihm aber nicht weh. Dieser Spaß wiederholte
+sich in der Nacht noch mehrere Male. Ich lag bereits im Bett und schlief
+fest, da hörte ich im Traum Ballonabwehrfeuer, wachte davon auf und
+konnte nur feststellen, daß der Traum Wahrheit war. Ein Kunde flog so
+niedrig über meine Bude weg, daß ich mir vor lauter Angst die Bettdecke
+über den Kopf zog. Im nächsten Augenblick ein wahnsinniger Knall, ganz
+in der Nähe meines Fensters, und meine Scheiben waren ein Opfer der
+Bombe. Schnell im Hemd 'rausgestürzt und noch einige Schuß hinter ihm
+her. Draußen wurde er schon kräftig beschossen. Ich hatte aber diesen
+Herrn leider verschlafen.
+
+Am nächsten Morgen waren wir sehr erstaunt und hocherfreut, als wir
+feststellten, daß wir nicht weniger wie drei Engländer von der Erde aus
+abgeschossen hatten. Sie waren nicht weit von unserem Flughafen gelandet
+und gefangengenommen worden. Wir hatten meist die Motoren getroffen und
+sie dadurch gezwungen, auf unserer Seite 'runterzugehen. Also hatte sich
+vielleicht Schäfer doch nicht geirrt. Wir waren jedenfalls sehr
+zufrieden mit unserem Erfolg. Die Engländer dafür etwas weniger, denn
+sie zogen es vor, nicht mehr unseren Platz zu attackieren. Eigentlich
+schade, denn sie haben uns viel Spaß damit gemacht. Vielleicht kommen
+sie nächsten Monat wieder.
+
+
+
+
+Schäfers Notlandung zwischen den Linien
+
+
+Am Abend des 20. April machen wir einen Jagdflug, kommen sehr spät nach
+Hause und haben Schäfer unterwegs verloren. Natürlich hofft jeder, daß
+er vor Dunkelheit noch den Platz erreicht. Es wird Neun, es wird Zehn,
+Schäfer kommt nicht. Benzin kann er nicht mehr haben, folglich ist er
+irgendwo notgelandet. Daß einer abgeschossen ist, will man sich nie
+zugeben. Keiner wagt es in den Mund zu nehmen, aber jeder fürchtet es im
+stillen. Das Telephonnetz wird in Bewegung gesetzt, um zu ermitteln, wo
+ein Flieger gelandet ist. Kein Mensch kann uns Auskunft geben. Keine
+Division, keine Brigade will ihn gesehen haben. Ein ungemütlicher
+Zustand. Schließlich gehen wir schlafen. Wir waren alle fest überzeugt,
+er würde sich noch einfinden. Nachts um Zwei werde ich plötzlich
+geweckt. Die Telephonordonnanz teilt mir strahlend mit: »Schäfer
+befindet sich im Dorf #Y# und bittet um Abholung.«
+
+Am nächsten Morgen zum Frühstück öffnet sich die Tür, und mein braver
+Pilot steht in so verdrecktem Anzug vor mir, wie ihn der Infanterist
+nach vierzehn Tagen Arras-Schlacht am Leibe hat. Großes Hallo! Schäfer
+ist quietschvergnügt und muß seine Erlebnisse zum besten geben. Er hat
+einen Bärenhunger. Nachdem er gefrühstückt hat, erzählt er uns
+folgendes:
+
+»Ich fliege nach Hause an der Front entlang und sehe in ganz niedriger
+Höhe drüben scheinbar einen Infanterieflieger. Ich greife ihn an,
+schieße ihn ab und will wieder zurückfliegen, da nehmen mich die
+Engländer unten aus den Schützengräben mächtig vor und beknallen mich
+ganz unheimlich. Meine Rettung war natürlich die Geschwindigkeit des
+Flugzeugs, denn daß sie beim Schießen vorhalten müssen, daran denken die
+Kerle natürlich nicht. Ich war vielleicht noch zweihundert Meter hoch,
+aber ich muß doch versichern, daß ich gewisse Körperteile mächtig
+angespannt habe, aus erklärlichen Gründen. Mit einem Male gibt es einen
+Schlag, und mein Motor bleibt stehen. Also landen. Komme ich noch über
+die feindlichen Linien, oder komme ich nicht? Das war sehr die Frage.
+Die Engländer haben es bemerkt und fangen wie wahnsinnig an zu schießen.
+Jetzt höre ich jeden einzelnen Schuß, denn mein Motor läuft nicht mehr,
+der Propeller steht still. Eine peinliche Situation. Ich komme herunter,
+lande, meine Maschine steht noch nicht, da werde ich aus einer Hecke des
+Dorfes Monchy bei Arras ganz kolossal mit Maschinengewehrfeuer
+beschossen. Die Kugeln klatschen nur so in meine Maschine herein. Ich
+'raus aus der Kiste und in das nächste Granatloch 'rein, war eins. Dort
+besann ich mich mal erst, wo ich mich befinde. So allmählich wird mir
+klar, daß ich über die Linien 'rüber bin, aber noch verdammt nahe bei
+ihnen. Gott sei Dank ist es etwas spät abends. Das ist meine Rettung.
+
+Es dauert nicht lange, da kommen die ersten Granaten an. Natürlich sind
+es Gasgranaten, und eine Maske hatte ich selbstverständlich nicht mit.
+Also mir fingen die Augen ganz erbärmlich an zu tränen. Die Engländer
+schossen sich vor Dunkelheit auch noch mit Maschinengewehren auf meine
+Landungsstelle ein, ein Maschinengewehr offenbar auf mein Flugzeug, das
+andere auf meinen Granattrichter. Die Kugeln klatschten oben immer
+dagegen. Ich steckte mir daraufhin, um meine Nerven zu beruhigen, erst
+mal eine Zigarette an, ziehe mir meinen dicken Pelz aus und mache mich
+zum Sprung auf! Marsch, marsch! bereit. Jede Minute erscheint eine
+Stunde.
+
+Allmählich wurde es dunkel, aber nur ganz allmählich. Um mich herum
+locken die Rebhühner. Als Jäger erkannte ich, daß die Hühner ganz
+friedlich und vertraut waren, also war keine Gefahr, daß ich in meinem
+Versteck überrascht wurde. Schließlich wurde es immer finsterer. Auf
+einmal geht ganz in meiner Nähe ein Pärchen Rebhühner hoch, gleich
+darauf ein zweites, und ich erkannte daraus, daß Gefahr im Anzuge war.
+Offenbar war es eine Patrouille, die mir Guten Abend sagen wollte. Nun
+wird's die höchste Zeit, daß ich mich aus dem Staube mache. Erst ganz
+vorsichtig auf dem Bauche kriechend, von Granatloch zu Granatloch. Ich
+komme nach etwa anderthalb Stunden eifrigen Kriechens an die ersten
+Menschen. Sind es Engländer, oder sind es Deutsche? Sie kommen heran,
+und beinahe wäre ich den Musketieren um den Hals gesprungen, als ich sie
+erkannte. Es war eine Schleichpatrouille, die sich im neutralen
+Zwischengelände herumtreibt. Einer der Leute führte mich zu seinem
+Kompagnieführer, und hier erfuhr ich denn, daß ich am Abend zuvor etwa
+fünfzig Schritte vor der feindlichen Linie gelandet sei und unsere
+Infanterie mich bereits aufgegeben hatte. Ich nahm mal erst ein
+ordentliches Abendbrot zu mir und trete dann den Rückmarsch an.
+
+Hinten wurde viel mehr geschossen als vorn. Jeder Weg, jeder
+Annäherungsgraben, jedes Gebüsch, jeder Hohlweg, alles lag unter
+feindlichem Feuer. Am nächsten Morgen griffen die Engländer an, sie
+mußten also heute abend ihre Artillerievorbereitung beginnen. Ich hatte
+mir also einen ungünstigen Tag für mein Unternehmen ausgesucht. Erst
+gegen zwei Uhr morgens erreichte ich das erste Telephon und konnte mich
+mit meiner Staffel in Verbindung setzen.«
+
+Wir waren alle glücklich, unseren Schäfer wieder zu haben. Er legte
+sich ins Bett. Jeder andere hätte mal für die nächsten vierundzwanzig
+Stunden auf den Genuß des Jagdfliegens verzichtet. Mein Schäfer
+attackierte aber bereits am Nachmittag desselben Tages wiederum über
+Monchy einen ganz tieffliegenden B. E.
+
+
+
+
+Das Anti-Richthofen-Geschwader
+
+(25. April 1917)
+
+
+Die Engländer hatten sich einen famosen Witz ausgedacht, nämlich mich zu
+fangen oder abzuschießen. Zu diesem Zwecke hatten sie tatsächlich ein
+besonderes Geschwader aufgestellt, das in dem Raum flog, in dem wir uns
+meistens 'rumtrieben. Wir erkannten es daran, daß es hauptsächlich gegen
+unsere roten Flugzeuge offensiv wurde.
+
+Ich muß bemerken, daß wir unsere _ganze_ Jagdstaffel rot angemalt
+hatten, da den Brüdern doch allmählich klar geworden war, daß ich in
+dieser knallroten Kiste säße. So waren wir jetzt alle rot, und die
+Engländer machten recht große Augen, wie sie statt der einen ein ganzes
+Dutzend solcher Kisten sahen. Das hielt sie aber nicht ab, den Versuch
+zu machen, uns zu attackieren. Es ist mir ja viel lieber, die Kundschaft
+kommt zu mir, als daß ich zu ihr hingehen muß.
+
+Wir flogen an die Front, in der Hoffnung, unsere Gegner zu finden. Nach
+etwa zwanzig Minuten kamen die ersten an und attackierten uns
+tatsächlich. Das war uns schon seit langer Zeit nicht mehr passiert. Die
+Engländer hatten ihren berühmten Offensivgeist doch etwas eingeschränkt,
+da er ihnen wohl etwas zu teuer zu stehen gekommen war. Es waren drei
+Spad-Einsitzer, die sich infolge ihrer guten Maschinen uns sehr
+überlegen glaubten. Es flogen zusammen: Wolff, mein Bruder und ich. Drei
+gegen drei, das paßte also ganz genau. Gleich zu Anfang wurde aus dem
+Angriff eine Verteidigung. Schon hatten wir überhand. Ich kriegte meinen
+Gegner vor und konnte noch schnell sehen, wie mein Bruder und Wolff sich
+jeder einen dieser Burschen vorbanden. Es begann der übliche Tanz, man
+kreist umeinander. Der gute Wind kam uns zu Hilfe. Er trieb uns
+Kämpfende von der Front weg, Richtung Deutschland.
+
+Meiner war der erste, der stürzte. Ich hatte ihm wohl den Motor
+zerschossen. Jedenfalls entschloß er sich, bei uns zu landen. Pardon
+kenne ich nicht mehr, deshalb attackierte ich ihn noch ein zweites Mal,
+worauf das Flugzeug in meiner Geschoßgarbe auseinanderklappte. Die
+Flächen fielen wie ein Blatt Papier, jede einzeln, und der Rumpf sauste
+wie ein Stein brennend in die Tiefe. Er fiel in einen Sumpf. Man konnte
+ihn nicht mehr ausgraben. Ich habe nie erfahren, wer es war, mit dem ich
+gekämpft habe. Er war verschwunden. Bloß noch die letzten Reste des
+Schwanzes verbrannten und zeigten die Stätte, wo er sich selbst sein
+Grab gegraben hatte.
+
+Gleichzeitig mit mir hatten Wolff und mein Bruder ihre Gegner
+angegriffen und nicht weit von dem meinigen zur Landung gezwungen.
+
+Wir flogen sehr vergnügt nach Hause und meinten: »Hoffentlich kommt
+recht oft das Anti-Richthofen-Geschwader.«
+
+
+
+
+Der »alte Herr« kommt uns besuchen
+
+
+Für den 29. April hatte sich der »alte Herr« angesagt, der seine beiden
+Söhne besuchen wollte. Mein Vater ist Ortskommandant eines Städtchens in
+der Nähe von Lille, also nicht sehr weit weg von uns. Von oben kann ich
+ihn öfters sehen. Er wollte mit dem Zuge um neun Uhr kommen. Um halb
+Zehn ist er auf unserem Platz. Wir kommen gerade von einem Jagdflug nach
+Hause, und mein Bruder steigt zuerst aus seiner Kiste, begrüßt den alten
+Herrn: »Guten Tag, Papa, ich habe eben einen Engländer abgeschossen.«
+Darauf steige ich aus meiner Maschine: »Guten Tag, Papa, ich habe eben
+einen Engländer abgeschossen.« Der alte Herr war glücklich, es machte
+ihm viel Spaß, das sah man ihm an. Er ist nicht einer von den Vätern,
+die sich um ihre Söhne bangen, sondern am liebsten möchte er selbst sich
+in eine Maschine setzen und auch abschießen -- glaube ich wenigstens. Wir
+frühstückten erst mit ihm, dann flogen wir wieder.
+
+In der Zwischenzeit spielte sich ein Luftkampf über unserem eigenen
+Flughafen ab, den mein Vater sehr interessiert beobachtete. Wir waren
+aber nicht beteiligt, denn wir standen unten und sahen selbst zu. Es war
+ein englisches Geschwader, das durchgebrochen war und über unserem
+Flughafen von einigen unserer Aufklärungsflieger angegriffen wurde.
+Plötzlich überschlägt sich das eine Flugzeug, fängt sich wieder und
+kommt herunter im normalen Gleitflug, und wir erkennen mit Bedauern, daß
+es diesmal ein Deutscher ist. Die Engländer fliegen weiter. Das deutsche
+Flugzeug ist scheinbar angeschossen, kommt aber ganz richtig gesteuert
+herunter und versucht, auf unserem Flugplatz zu landen. Der Platz ist
+etwas klein für das große Ding. Auch war es dem Piloten unbekanntes
+Gelände. So war die Landung nicht ganz glatt. Wir stürzen hin und müssen
+mit Bedauern feststellen, daß der eine der Insassen, der
+Maschinengewehrschütze, gefallen ist. Dieser Anblick war meinem Vater
+etwas Neues und stimmte ihn offenbar sehr ernst.
+
+Der Tag versprach noch gut zu werden für uns. Wunderbar klares Wetter.
+Dauernd hörte man die Abwehrgeschütze; also unentwegter Flugbetrieb.
+Gegen Mittag flogen wir wieder. Diesmal hatte ich wieder Glück und hatte
+meinen zweiten Engländer an dem Tage abgeschossen. Die Stimmung des
+alten Herrn war wieder da. Nach Tisch ein kurzes Schläfchen und man war
+wieder ganz auf der Höhe. Wolff war mit seiner Gruppe während der Zeit
+am Feinde gewesen und hatte selbst einen erledigt. Auch Schäfer hatte
+sich einen zu Gemüte geführt. Nachmittags starteten mein Bruder und ich
+mit Schäfer, Festner und Allmenröder noch zweimal. Der erste Flug war
+verunglückt, der zweite Flug um so besser. Wir waren nicht lange an der
+Front, da kam uns ein feindliches Geschwader entgegen. Leider sind sie
+höher als wir. Also können wir nichts machen. Wir versuchen, ihre Höhe
+zu erreichen: es glückt uns nicht. Wir müssen sie auslassen, fliegen an
+der Front entlang, mein Bruder dicht neben mir, den anderen voraus. Da
+sehe ich zwei feindliche Artillerieflieger in ganz unverschämt frecher
+Weise nahe an unsere Front herankommen. Ein kurzer Wink meines Bruders,
+und wir hatten uns verständigt. Wir fliegen nebeneinander her, unsere
+Geschwindigkeit vergrößernd. Jeder fühlt sich so sicher, einmal sich
+selbst dem Feinde überlegen. Besonders aber konnte man sich aufeinander
+verlassen. Denn das ist eben die Hauptsache. Man muß wissen, mit wem man
+fliegt. Also mein Bruder war zuerst an die Gegner heran, greift sich den
+ersten, der ihm am nächsten fliegt, heraus, ich mir den zweiten.
+
+Nun gucke ich mich noch schnell um, daß nicht noch ein dritter in der
+Nähe ist; aber wir sind allein. Aug' in Auge. Ich habe meinem Gegner
+bald die günstigste Seite abgerungen, ein kurzes Reihenfeuer, und das
+feindliche Flugzeug platzt auseinander. So schnell war mir ein Kampf
+noch nie vorgekommen.
+
+Während ich noch beobachte, wo die Trümmer meines Gegners
+herunterstürzen, gucke ich mich nach meinem Bruder um. Er war kaum
+fünfhundert Meter von mir entfernt, noch im Kampf mit seinem Gegner.
+
+Ich hatte Zeit, mir dieses Bild genau anzusehen, und muß sagen, daß ich
+selbst es nicht hätte besser machen können. Auch er hatte bereits den
+Gegner überrumpelt, und beide drehten sich umeinander. Da plötzlich
+bäumt sich das feindliche Flugzeug auf -- ein sicheres Zeichen des
+Getroffenseins, gewiß hatte der Führer Kopfschuß oder so etwas -- das
+Flugzeug stürzt, und die Flächen des feindlichen Apparates klappen
+auseinander. Die Trümmer fallen ganz in die Nähe meines Opfers. Ich
+fliege an meinen Bruder heran und gratuliere ihm, d. h. wir winkten uns
+gegenseitig zu. Wir waren befriedigt und flogen weiter. Es ist schön,
+wenn man mit seinem Bruder so zusammen fliegen kann.
+
+Die anderen waren in der Zwischenzeit auch herangekommen und hatten sich
+das Schauspiel, das ihnen die beiden Brüder boten, angeguckt, denn
+helfen kann man ja nicht, einer kann nur abschießen, und ist einer mit
+dem Gegner beschäftigt, so können die anderen nur zusehen, ihm den
+Rücken decken, damit er nicht von hinten von einem Dritten belapst wird.
+
+Wir fliegen weiter, gehen auf größere Höhe, denn oben haben sich einige
+aus dem Klub der Anti-Richthofen zusammengefunden. Wir waren mal wieder
+gut zu erkennen, die Sonne vom Westen her beleuchtete die Apparate und
+ließ sie in ihrer schönen roten Farbe weithin schillern. Wir schlossen
+uns eng zusammen, denn jeder wußte, daß man es mit Brüdern zu tun hat,
+die dasselbe Metier verfolgen wie wir selbst. Leider sind sie wieder
+höher, so daß wir auf ihren Angriff warten müssen. Die berühmten
+Dreidecker und Spads, ganz neue Maschinen, aber es kommt eben nicht auf
+die Kiste an, sondern auf den, der drinnen sitzt; die Brüder waren
+laurig und hatten keinen Mumm. Wir boten ihnen den Kampf an, sowohl bei
+uns wie auch drüben. Aber sie wollten ihn nicht annehmen. Wozu prahlen
+sie erst mit ihrem Geschwader, das angesetzt ist, um mich abzuschießen,
+wenn ihnen nachher doch das Herz in die Hosen fällt?
+
+Endlich hat einer Mut gefaßt und stößt auf unseren letzten herunter.
+Natürlich wird der Kampf angenommen, obwohl es ja für uns ungünstig ist,
+denn der, der drüber ist, ist im Vorteil. Aber wenn einem die Kundschaft
+nicht mehr gibt, muß man sie halt nehmen, wie sie kommt. Also macht
+alles kehrt. Der Engländer merkt es und läßt sofort ab. Nun ist aber der
+Anfang gemacht. Ein anderer Engländer versucht das gleiche. Er hat sich
+mich als Gegner ausgesucht, und ich begrüße ihn gleich mit einer Salve
+aus beiden Maschinengewehren. Dies schien er nicht zu schätzen. Er
+versuchte, sich durch einen Sturzflug mir zu entziehen. Das war sein
+Verderben. Denn dadurch kam er unter mich. Nun blieb ich über ihm. Was
+unter mir ist, womöglich noch allein und auf unserem Gebiet, kann wohl
+als verloren gelten, besonders, wenn es ein Einsitzer ist, also ein
+Jagdflieger, der nicht nach hinten 'rausschießen kann. Der Gegner hatte
+eine sehr gute Maschine und war sehr schnell. Aber es sollte ihm nicht
+glücken, seine Linien zu erreichen. Über Lens fing ich an, auf ihn zu
+schießen. Ich war noch viel zu weit. Es war aber ein Trick von mir, ich
+beunruhigte ihn dadurch. Er kroch auf den Leim und machte Kurven. Dies
+nützte ich aus und kam etwas näher heran. Schnell versuchte ich dasselbe
+Manöver nochmals und zum drittenmal. Jedesmal fiel mein Freund darauf
+'rein. So hatte ich mich sachte an ihn herangeschossen. Nun bin ich ganz
+nahebei. Jetzt wird sauber gezielt, noch einen Augenblick gewartet,
+höchstens noch fünfzig Meter von ihm entfernt, drücke ich auf beide
+Maschinengewehrknöpfe. Erst ein leises Rauschen, das sichere Zeichen des
+getroffenen Benzintanks, dann eine helle Flamme, und mein Lord
+verschwindet in der Tiefe.
+
+Dieser war der Vierte an diesem Tage. Mein Bruder hatte zwei. Dazu
+hatten wir den alten Herrn scheinbar eingeladen. Die Freude war ganz
+ungeheuer.
+
+Abends hatte ich mir noch einige Herren eingeladen, unter anderen meinen
+guten Wedel, der zufällig auch in der Gegend war. Das Ganze war eine
+geglückte, verabredete Sache. Sechs Engländer hatten die beiden Brüder
+also an einem Tage abgeschossen. Das ist zusammen eine ganze
+Fliegerabteilung. Ich glaube, wir waren den Engländern unsympathisch.
+
+
+
+
+Flug in die Heimat
+
+
+Fünfzig sind abgeschossen. Zweiundfünfzig fand ich besser. Deshalb schoß
+ich gleich am selben Tage zwei mehr ab. Es ging eigentlich gegen die
+Verabredung.
+
+Eigentlich hatte man mir bloß einundvierzig zugebilligt; weshalb die
+Zahl einundvierzig herauskam, kann sich wohl jeder denken, aber gerade
+deshalb wollte ich es durchaus vermeiden. Ich bin kein Rekordarbeiter,
+überhaupt liegen uns in der Fliegertruppe alle Rekorde fern. Man erfüllt
+nur seine Pflicht. Boelcke hätte hundert abgeschossen, wäre ihm nicht
+das Unglück passiert. Und manch anderer der guten gefallenen Kameraden
+hätte eine ganz andere Zahl erreichen können, wenn ihn nicht sein
+plötzlicher Tod daran verhindert hätte. Aber so ein halbes Hundert macht
+einem eben doch auch Spaß. Nun hatte ich es schließlich auch erreicht,
+daß man mir fünfzig zubilligte, bevor ich meinen Urlaub antrat.
+
+Hoffentlich kann ich noch das zweite Fünfzig feiern.
+
+Am Abend desselben Tages klingelte es, und nichts Geringeres als das
+»Große Hauptquartier« wünschte mich zu sprechen. Ich kam mir ganz spaßig
+vor, so mit der »Großen Bude« verbunden zu sein. Ich erhielt unter
+anderem die erfreuliche Nachricht, daß Seine Majestät den Wunsch
+geäußert hätte, mich persönlich zu sprechen, und zwar war gleich der Tag
+angesagt: am 2. Mai. Dies ereignete sich aber schon am 30. April abends
+neun Uhr. Mit dem Zuge wäre es nicht mehr möglich gewesen, dem Wunsch
+des Allerhöchsten Kriegsherrn nachzukommen. So zog ich es vor, was ja
+auch viel schöner ist, die Reise auf dem Luftwege zu erledigen. Am
+nächsten Morgen wurde gestartet, und zwar nicht in meinem Einsitzer #»Le
+petit rouge«#, sondern in einem dicken, großen Zweisitzer.
+
+Ich setzte mich hinten 'rein, d. h. also nicht an den »Knüppel«.
+Arbeiten mußte in diesem Falle der Leutnant Krefft, auch einer der
+Herren meiner Jagdstaffel. Er wollte gerade auf Erholungsurlaub, es
+paßte also ausgezeichnet. So kam er auch schneller in die Heimat. Es war
+ihm nicht unsympathisch.
+
+Meine Abreise ging etwas Hals über Kopf. Ich konnte in dem Flugzeug
+nichts weiter mitnehmen als die Zahnbürste, mußte mich also gleich so
+anziehen, wie ich mich im Großen Hauptquartier vorzustellen hatte. Und
+so im Felde hat eben der Militärsoldat nicht viel mit von schönen
+Kleidungsstücken, jedenfalls nicht so ein armes Frontschwein wie ich.
+
+Die Führung der Staffel übernahm mein Bruder. Ich verabschiedete mich
+kurz, denn ich hoffte, bald im Kreise dieser lieben Menschen meine
+Tätigkeit wieder aufnehmen zu können.
+
+Der Flug ging nun über Lüttich, Namur auf Aachen und Köln. Es war doch
+schön, so mal ohne kriegerische Gedanken durch das Luftmeer zu segeln.
+Herrliches Wetter, wie wir es schon seit langem nicht gehabt hatten.
+Gewiß gab es am heutigen Tage mächtig viel zu tun an der Front. Bald
+sind die eigenen Fesselballons nicht mehr zu sehen. Immer weiter weg von
+dem Donner der Schlachten von Arras. Unter uns Bilder des Friedens.
+Fahrende Dampfer. Dort saust ein #D#-Zug durchs Gelände, wir überholen
+ihn spielend. Der Wind ist uns günstig. Die Erde scheint uns wie eine
+Tenne so platt. Die schönen Maasberge sind nicht zu erkennen als Berge.
+Man erkennt sie nicht einmal am Schatten, denn die Sonne steht fast
+senkrecht. Man weiß nur, daß sie vorhanden sind, und mit etwas Phantasie
+kann man sich sogar in ihre kühlen Schluchten verkriechen.
+
+Es war doch etwas spät geworden, und so kamen wir in die Mittagsstunde.
+Eine Wolkenschicht zieht sich unter uns zusammen und verdeckt die Erde
+völlig. Nach Sonne und Kompaß orientierend fliegen wir weiter. Die Nähe
+von Holland ist uns allmählich aber doch unsympathisch, und so ziehen
+wir es vor, wieder mit dem Erdboden Fühlung zu nehmen. Wir gehen unter
+die Wolke und befinden uns gerade über Namur. Nun geht es weiter nach
+Aachen. Aachen lassen wir links liegen und erreichen zur Mittagszeit
+Köln. Die Stimmung in unserem Flugzeug war gehoben. Vor uns ein längerer
+Urlaub, außerdem das schöne Wetter, die gelungene Sache, wenigstens Köln
+erreicht zu haben, und die Gewißheit, daß, wenn einem auch jetzt etwas
+passiert, man doch noch das Große Hauptquartier erreichen konnte.
+
+Man hatte uns in Köln telegraphisch angesagt, so wurden wir dort
+erwartet. Am Tage vorher hatte mein zweiundfünfzigster Luftsieg in der
+Zeitung gestanden. So war der Empfang auch danach.
+
+Durch den dreistündigen Flug hatte ich doch etwas Schädelbrummen, und so
+zog ich es vor, erst einen kleinen Mittagsschlummer einzulegen, bevor
+ich im Großen Hauptquartier eintraf. Wir flogen nun von Köln ein ganzes
+Stückchen den Rhein entlang. Ich kannte die Strecke. Ich bin sie oft
+gefahren, auf dem Dampfer, mit dem Auto und der Eisenbahn, und nun im
+Flugzeug. Was war das Schönste? Es ist schwer zu sagen. Gewisse
+Einzelheiten sieht man ja natürlich vom Dampfer aus besser. Aber der
+Gesamtblick aus dem Flugzeug ist auch nicht zu verachten. Der Rhein hat
+eben einen besonderen Reiz, so auch von oben. Wir flogen nicht zu hoch,
+um nicht das Gefühl der Berge völlig zu verlieren, denn das ist doch
+wohl das Schönste am Rhein, die riesigen, bewaldeten Höhen, die Burgen
+usw. Die einzelnen Häuser konnten wir natürlich nicht sehen. Schade, daß
+man nicht langsam und schnell fliegen kann. Ich hätte gewiß den
+langsamsten Gang eingestellt.
+
+Nur zu schnell verschwand ein schönes Bild nach dem anderen. Man hat,
+wenn man höher fliegt, ja nicht das Gefühl, daß es sehr schnell vorwärts
+geht. In einem Auto oder einem #D#-Zug zum Beispiel kommt einem die
+Geschwindigkeit ganz ungeheuer vor, dagegen im Flugzeug eigentlich immer
+langsam, wenn man eine gewisse Höhe erreicht hat. Man merkt es
+eigentlich erst daran, wenn man mal fünf Minuten nicht 'rausgeguckt hat
+und dann mit einem Male wieder die Orientierung aufnimmt. Da ist das
+Bild, das man noch kurz vorher im Kopfe hatte, mit einem Male völlig
+verändert. Was man unter sich sah, sieht man auf einmal in einem Winkel,
+gar nicht zum Wiedererkennen. Deshalb kann man sich so schnell
+verorientieren, wenn man mal für einen Augenblick nicht aufpaßt. So
+kamen wir am Nachmittag im Großen Hauptquartier an, herzlich empfangen
+von einigen mir bekannten Kameraden, die dort in der »Großen Bude« zu
+arbeiten haben. Sie tun mir ordentlich leid, die Tintenspione. Sie haben
+ja nur den halben Spaß vom Kriege. Zunächst meldete ich mich bei dem
+Kommandierenden General der Luftstreitkräfte. Am nächsten Vormittag
+ereignete sich nun der große Moment, wo ich Hindenburg und Ludendorff
+vorgestellt werden sollte. Ich mußte eine ganze Weile warten. Wie die
+Begrüßung im einzelnen war, kann ich eigentlich schlecht schreiben. Erst
+meldete ich mich bei Hindenburg, dann bei Ludendorff.
+
+Es ist ein unheimliches Gefühl in dem Raum, wo das Geschick der Erde
+entschieden wird. So war ich ganz froh, wie ich die »Große Bude« wieder
+hinter mir hatte und mittags bei Seiner Majestät zum Frühstück befohlen
+war. Es war ja heute mein Geburtstag, und irgendeiner hatte es wohl
+Seiner Majestät verraten, und so gratulierte er mir. Einmal zu meinem
+Erfolg, dann zum fünfundzwanzigsten Lebensjahr. Auch ein kleines
+Geburtstagsgeschenk überraschte mich.
+
+Früher hätte ich es mir wohl nie träumen lassen, daß ich am
+fünfundzwanzigsten Geburtstag rechts von Hindenburg sitzen und in einer
+Rede vom Generalfeldmarschall erwähnt werden würde.
+
+ * * * * *
+
+Tags darauf war ich zu Mittag bei Ihrer Majestät eingeladen und fuhr zu
+diesem Zweck nach Homburg. Dort war ich zum Frühstück bei Ihrer
+Majestät, wurde gleichfalls mit einem Geburtstagsgeschenk bedacht, und
+ich hatte noch die große Freude, Ihrer Majestät einen Start
+vorzuführen. Abends war ich nochmals bei dem Generalfeldmarschall
+v. Hindenburg eingeladen.
+
+Den Tag darauf flog ich nach Freiburg, um dort einen Auerhahn zu
+schießen. Von Freiburg aus benutzte ich ein Flugzeug, das nach Berlin
+flog. In Nürnberg wurde Benzin aufgefüllt. Da zog ein Gewitter auf. Ich
+hatte es aber dringend eilig, in Berlin anzukommen. Allerhand mehr oder
+weniger interessante Dinge warteten dort meiner. So flog ich trotz des
+Gewitters weiter. Mir machten die Wolken und das Schweinewetter Spaß. Es
+goß mit Kannen. Ab und zu etwas Hagel. Der Propeller sah nachher ganz
+toll aus, durch die Hagelkörner zerschlagen, wie eine Säge. Leider
+machte mir das Wetter so viel Spaß, daß ich darüber gänzlich vergaß
+aufzupassen, wo ich mich befand. Wie ich wieder die Orientierung
+aufnehmen will, habe ich keinen Dunst mehr, wo ich bin. Eine schöne
+Bescherung! In der Heimat »verfranzt«! Das mußte natürlich gerade mir
+passieren. Wie würden die zu Hause sich amüsieren, wenn sie das wüßten!
+Aber es war an der Tatsache nichts zu ändern. Ich wußte nicht mehr, wo
+ich war. Ich war durch den starken Wind und das niedrige Fliegen sehr
+abgetrieben worden und von meiner Karte heruntergekommen und mußte nun
+nach Sonne und Kompaß notdürftig die Richtung nach Berlin einhalten.
+Städte, Dörfer, Flüsse, Wälder jagen unter mir dahin. Ich erkenne
+nichts wieder. Ich vergleiche die Natur mit meiner Karte, aber
+vergeblich. Es ist alles anders. Ich bin eben tatsächlich nicht mehr im
+Bilde. Es ist mir nicht möglich, die Gegend wiederzuerkennen. Wie sich
+später herausstellte, war es allerdings auch ausgeschlossen, denn ich
+flog etwa hundert Kilometer neben meinem Kartenrand.
+
+[Illustration: Der kommandierende General der Luftstreitkräfte,
+Exzellenz v. Hoeppner (1), und der Chef des Stabes der Luftstreitkräfte,
+Oberstleutnant Thomson (2), mit Rittmeister Manfred Freih. v. Richthofen
+(3)]
+
+[Illustration: Ein Glückwunsch des Kaisers
+
+aufgenommen am 30. IV. 1917. 4 Uhr 20 Min. vorm.
+
+aus dem Gr. H. Qu.
+
+An Krg. schl homb. 27. 29. IV. 8^h nachm.
+
+Rittm. Freih. von Richthofen
+ Jagdstaffel Richthofen.
+ durch A.O.K.G.
+
+Es wird mir soeben gemeldet, daß Sie heute zum 50. Male als Sieger aus
+dem Luftkampf hervorgingen. Ich spreche Ihnen zu diesem glänzenden
+Erfolg Meinen herzlichen Glückwunsch und Meine vollste Anerkennung aus.
+Mit Bewunderung und Dankbarkeit blickt das Vaterland auf seinen tapferen
+Flieger. Gott sei ferner mit Ihnen.
+
+ Wilhelm I. R.]
+
+Nach etwa zweistündigem Fluge entschlossen sich mein Führer und ich zu
+einer Notlandung. Dies ist immer was Unangenehmes, so ohne Flughafen.
+Man weiß nicht, wie die Erdoberfläche ist. Kommt ein Rad in ein Loch,
+ist die Kiste futsch. Erst versuchten wir noch, auf einem Bahnhof die
+Aufschrift der Station zu erkennen, aber Kuchen, natürlich war sie so
+klein aufgepinselt, daß man auch nicht einen Buchstaben erkennen konnte.
+Also müssen wir landen. Nur schweren Herzens, aber es bleibt uns nichts
+anderes übrig. Wir suchen uns eine Wiese, die von oben ganz schön
+aussieht, und versuchen unser Heil. Leider sah die Wiese bei näherer
+Betrachtung nicht so schön aus. Dies konnte ich auch an einem etwas
+verbogenen Fahrgestell feststellen. So hatten wir uns denn völlig mit
+Ruhm bekleckert. Erst »verfranzt« und dann die Kiste zerschmissen! Wir
+mußten nun also mit einem ganz ordinären Fortbewegungsmittel, dem
+#D#-Zug, unsere weitere Reise nach der Heimat antreten. Langsam, aber
+sicher erreichten wir Berlin. Wir waren in der Nähe von Leipzig
+notgelandet. Hätten wir nicht die Dummheit gemacht, so wären wir gewiß
+noch nach Berlin gekommen, aber wie man's macht, macht man's falsch.
+
+Einige Tage später traf ich in meiner Heimatstadt Schweidnitz ein.
+Obwohl es sieben Uhr morgens war, hatte sich doch eine ganze Menge
+Menschen auf dem Bahnhof angefunden. Die Begrüßung war herzlich. Am
+Nachmittag wurden mir verschiedene Ehrungen zuteil, darunter auch durch
+Jugendwehr.
+
+Im großen und ganzen wurde mir klar, daß die Heimat sich für ihre
+Kämpfer im Felde doch lebhaft interessiert.
+
+
+
+
+Mein Bruder
+
+
+Ich war noch nicht acht Tage auf Urlaub, da kriegte ich die
+telegraphische Nachricht: »Lothar verwundet, nicht lebensgefährlich.«
+Mehr nicht. Nähere Erkundigungen ergaben, daß er wieder mal recht
+leichtsinnig gewesen war. Er flog mit Allmenröder zusammen gegen den
+Feind. Da sah er tief unten, ziemlich weit drüben, einen allein
+herumkrebsenden #Englishman#. Das sind so die feindlichen
+Infanterieflieger, die unseren Truppen besonders lästig fallen.
+Jedenfalls beunruhigen sie sehr. Ob sie wirklich etwas erreichen mit
+ihrem tiefen Rumkrebsen, ist sehr die Frage. Mein Bruder war etwa
+zweitausend Meter hoch, der Engländer tausend. Er pürscht sich 'ran,
+setzt zum Sturzflug an und ist in wenigen Sekunden bei ihm. Der
+Engländer zog es vor, den Kampf zu vermeiden, und verschwand gleichfalls
+im Sturzflug in der Tiefe. Mein Bruder, nicht faul, hinterher. Ganz
+schnuppe, ob es drüben oder bei uns ist. Nur ein Gedanke: er muß
+'runter. Das ist ja auch natürlich das richtige. Ab und zu mache ich's
+auch. Aber wenn es mein Bruder bei jedem Fluge nicht mindestens einmal
+gemacht hat, macht ihm das ganze Unternehmen keinen Spaß. Erst ganz kurz
+über dem Boden kriegt er ihn wirklich gut vor und kann ihm den Laden
+vollschießen. Der Engländer stürzt senkrecht in die Erde. Viel bleibt
+nicht mehr übrig.
+
+Nach so einem Kampfe, besonders in geringer Höhe, in dem man sich so oft
+gedreht und gewendet hat, mal rechtsrum und mal linksrum geflogen ist,
+hat der normale Sterbliche keine Ahnung mehr, wo er sich befindet. Nun
+war es an diesem Tage noch etwas dunstig, also ein besonders ungünstiges
+Wetter. Schnell hatte er sich orientiert und merkt erst jetzt, daß er
+doch wohl ein ganzes Ende hinter der Front ist. Er war hinter der
+Vimy-Höhe. Die Vimy-Höhen sind etwa hundert Meter höher als die andere
+Gegend. Mein Bruder war hinter diesen Vimy-Höhen verschwunden --
+behaupten jedenfalls die Beobachter von der Erde aus.
+
+Dieses Nachhausefliegen, bis man seine eigene Stellung erreicht hat,
+gehört nicht zu den angenehmsten Gefühlen, die man sich denken kann. Man
+kann nichts dagegen tun, daß einen der Gegner beschießt. Nur selten
+treffen sie. Mein Bruder näherte sich der Linie. In so geringer Höhe
+kann man jeden Schuß hören, es hört sich an, wie wenn Kastanien im Feuer
+platzen, wenn der einzelne Infanterist schießt. Da -- mit einem Male
+fühlte er einen Schlag, getroffen. Das war ihm klar. Er zählt zu den
+Menschen, die nicht ihr eignes Blut sehen können. Bei einem anderen
+macht es ihm keinen Eindruck; wenigstens weniger. Aber sein eigenes
+Blut stört ihn. Er fühlt, wie es ihm warm am rechten Bein herunterläuft,
+zur gleichen Zeit auch einen Schmerz in der Hüfte. Unten wird noch immer
+geknallt. Also ist er noch drüben. Da endlich hört es so sachte auf, und
+er ist über unsere Front hinüber. Nun muß er sich aber beeilen, denn
+seine Kräfte lassen zusehends nach. Da sieht er einen Wald, daneben eine
+Wiese. Also auf die Wiese zu. Die Zündung schnell herausgenommen, der
+Motor bleibt stehen, und in demselben Augenblick ist es alle mit seinen
+Kräften, die Besinnung hat ihn verlassen. Er sitzt ja nun ganz allein in
+seinem Flugzeug, also ein zweiter konnte ihm nicht helfen. Wie er auf
+die Erde hinuntergekommen ist, ist eigentlich ein Wunder. Denn von
+allein startet und landet kein Flugzeug. Man behauptet dies nur von
+einer alten Taube in Köln, die von einem Monteur zum Start
+zurechtgemacht ist und gerade in dem Augenblick, wie der Pilot sich
+hineinsetzen will, von allein losfliegt, von allein eine Kurve macht und
+nach fünf Minuten wieder landet. Das wollen viele Männer gesehen haben.
+Ich habe es nicht gesehen -- aber ich bin doch fest davon überzeugt, daß
+es wahr ist. Mein Bruder jedenfalls hatte nicht so eine Taube, die von
+allein landet, aber trotzdem hatte er sich bei dem Berühren mit dem
+Erdboden nichts getan. Erst im Lazarett fand er die Besinnung wieder.
+Er wurde nach Douai transportiert.
+
+Es ist für einen Bruder ein ganz eigenartiges Gefühl, wenn man den
+anderen in einen Kampf mit einem Engländer verwickelt sieht. So sah ich
+zum Beispiel einmal, wie Lothar hinter dem Geschwader etwas herhängt und
+von einem Engländer attackiert wird. Es wäre für ihn ein leichtes
+gewesen, den Kampf zu verweigern. Er braucht bloß in der Tiefe zu
+verschwinden. Aber nein, das tut er nicht! Der Gedanke kommt ihm
+scheinbar gar nicht. Ausreißen kennt er nicht. Zum Glück hatte ich dies
+beobachtet und paßte auf. Da sah ich, wie der Engländer, der über ihm
+war, immer auf ihn 'runterstößt und schießt. Mein Bruder versucht, seine
+Höhe zu erreichen, unbekümmert, ob er beschossen wird oder nicht. Da --
+mit einem Male überschlägt sich das Flugzeug, und die rot angestrichene
+Maschine stürzt senkrecht, sich um sich selbst drehend, herunter. Keine
+gewollte Bewegung, sondern ein regelrechter Absturz. Dieses ist für den
+zusehenden Bruder nicht das schönste aller Gefühle. Aber ich habe mich
+so sachte daran gewöhnen müssen, denn mein Bruder benutzte es als Trick.
+Wie er erkannt hatte, daß der Engländer ihm über war, markierte er ein
+Angeschossensein. Der Engländer hinterher, mein Bruder fängt sich und
+hat ihn im Umsehen überstiegen. Das feindliche Flugzeug konnte sich
+nicht so schnell wieder aufrichten und zur Besinnung kommen, da saß ihm
+mein Bruder im Nacken, und einige Augenblicke später schlugen die
+Flammen heraus. Dann ist nichts mehr zu retten, dann stürzt das Flugzeug
+brennend ab.
+
+Ich habe mal auf der Erde neben einem Benzintank gestanden, wo hundert
+Liter auf einmal explodierten und verbrannten. Ich konnte nicht zehn
+Schritt daneben stehen, so heiß wurde mir. Und nun muß man sich
+vorstellen, daß auf wenige Zentimeter vor einem so ein Tank von vielen
+fünfzig Litern explodiert und der Propellerwind die ganze Glut einem ins
+Gesicht treibt. Ich glaube, man ist im ersten Moment schon
+besinnungslos, und es geht jedenfalls am schnellsten.
+
+Aber es passieren doch ab und zu Zeichen und Wunder. So sah ich z. B.
+einmal ein englisches Flugzeug brennend abstürzen. Die Flammen schlugen
+erst in fünfhundert Metern Höhe heraus. Die Maschine stand in hellen
+Flammen. Wie wir nach Hause fliegen, erfahren wir, daß der eine der
+Insassen aus fünfzig Metern Höhe herausgesprungen ist. Es war der
+Beobachter. Fünfzig Meter Höhe! Man muß sich mal die Höhe überlegen. Der
+höchste Kirchturm, der in Berlin ist, reicht gerade heran. Man springe
+mal von der Spitze dieses Turmes herunter! Wie man wohl unten ankommen
+mag! Die meisten brächen sich's Genick, wenn sie aus dem Hochparterre
+herausspringen würden. Jedenfalls, dieser brave »Franz« sprang aus
+seinem brennenden Flugzeug aus fünfzig Meter Höhe heraus, das bereits
+mindestens eine Minute gebrannt hatte, und machte sich weiter nichts als
+einen glatten Unterschenkelbruch. Er hat sogar, gleich nachdem ihm all
+dies passiert ist, noch Aussagen gemacht, also sein seelischer Zustand
+hatte nicht einmal gelitten.
+
+Ein andermal schoß ich einen Engländer ab. Der Flugzeugführer hatte
+einen tödlichen Kopfschuß, das Flugzeug stürzte steuerlos, senkrecht,
+ohne sich zu fangen, aus dreitausend Metern Höhe in die Erde. Eine ganze
+Weile später erst kam ich im Gleitflug hinterher und sah unten weiter
+nichts als einen wüsten Haufen. Zu meinem Erstaunen erfuhr ich, der
+Beobachter habe nur einen Schädelbruch, und sein Zustand sei nicht
+lebensgefährlich. Glück muß eben der Mensch haben.
+
+Wieder einmal schoß Boelcke einen Nieuport ab. Ich sah es selbst. Das
+Flugzeug stürzte wie ein Stein. Wir fuhren hin und fanden das Flugzeug
+bis zur Hälfte im Lehm vergraben. Der Insasse, ein Jagdflieger, war
+durch einen Bauchschuß besinnungslos und hatte sich beim Aufschlagen nur
+einen Arm ausgekugelt. Er ist nicht gestorben.
+
+Andererseits habe ich es wieder erlebt, daß ein guter Freund von mir bei
+einer Landung mit einem Rade in ein Karnickelloch kam. Die Maschine
+hatte überhaupt keine Geschwindigkeit mehr und stellte sich ganz langsam
+auf den Kopf, überlegte sich, nach welcher Seite sie umkippen sollte,
+fiel auf den Rücken -- und der arme Kerl hatte das Genick gebrochen.
+
+ * * * * *
+
+Mein Bruder Lothar ist Leutnant bei den Vierten Dragonern, war vor dem
+Kriege auf Kriegsschule, wurde gleich zu Anfang Offizier und hat,
+gleichwie ich, den Krieg als Kavallerist begonnen. Was er da alles an
+Heldentaten begangen hat, ist mir unbekannt, da er nie von sich selbst
+spricht. Man hat mir nur folgende Geschichte erzählt: Es war im Winter
+1914, sein Regiment lag an der Warthe, die Russen auf der anderen Seite.
+Kein Mensch wußte, rücken sie oder bleiben sie. Die Ufer waren zum Teil
+gefroren, so daß man schlecht durchreiten konnte. Brücken gab's
+natürlich nicht, die hatten die Russen abgerissen. Da schwamm mein
+Bruder durch, stellte fest, wo die Russen waren, und kam
+zurückgeschwommen. Dieses alles im strengen russischen Winter bei
+soundso viel Grad minus. Seine Kleider waren nach wenigen Minuten
+festgefroren, und darunter, behauptete er, sei es ganz warm gewesen. So
+ritt er den ganzen Tag, bis er abends in sein Quartier kam. Dabei hat er
+sich nicht erkältet.
+
+Im Winter 1915 ging er auf mein Drängen hin zur Fliegerei, wurde,
+gleichwie ich, Beobachter. Erst ein Jahr später Flugzeugführer. Die
+Schule als Beobachter ist gewiß nicht schlecht, gerade für einen
+Jagdflieger. März 1917 machte er sein drittes Examen und kam sofort zu
+meiner Jagdstaffel.
+
+Er war also noch ein ganz, ganz junger und ahnungsloser Flugzeugführer,
+der noch an kein Looping und ähnliche Scherze dachte, sondern zufrieden
+war, wenn er ordentlich landen und starten konnte. Nach vierzehn Tagen
+nahm ich ihn zum ersten Male mit gegen den Feind und bat ihn, dicht
+hinter mir zu fliegen, um sich die Sache mal genau anzusehen. Nach dem
+dritten Fluge mit ihm sehe ich mit einem Male, wie er sich von mir
+trennt und sich gleichfalls auf einen Engländer stürzt und ihn erlegt.
+Mein Herz hüpfte vor Freude, als ich dies sah. Es war mir wieder mal ein
+Beweis, wie wenig das Abschießen eine Kunst ist. Es ist nur die
+Persönlichkeit oder, anders ausgedrückt, der Schneid des Betreffenden,
+der die Sache macht. Ich bin also kein Pégoud, will es auch nicht sein,
+sondern nur Soldat, und tue meine Pflicht.
+
+Vier Wochen später hatte mein Bruder bereits zwanzig Engländer
+abgeschossen. Dies dürfte wohl einzig dastehen in der ganzen Fliegerei,
+daß ein Flugzeugführer vierzehn Tage nach seinem dritten Examen den
+ersten und vier Wochen nach dem ersten zwanzig Gegner abgeschossen hat.
+
+Sein zweiundzwanzigster Gegner war der berühmte Captain Ball, weitaus
+der beste englische Flieger. Den seinerzeit ebenso bekannten Major
+Hawker hatte ich mir vor einigen Monaten bereits zur Brust genommen. Es
+machte mir besonders Freude, daß es nun mein Bruder war, der den zweiten
+Champion Englands erledigte. Captain Ball flog einen Dreidecker und
+begegnete meinem Bruder einzeln an der Front. Jeder versuchte den
+anderen zu fassen. Keiner gab sich eine Blöße. Es blieb bei einem kurzen
+Begegnen. Immer nur auf sich zufliegend. Nie glückte es dem einen, sich
+hinter den anderen zu setzen. Da entschlossen sich plötzlich beide in
+dem kurzen Augenblick des Aufeinanderzufliegens, einige wohlgezielte
+Schüsse abzugeben. Beide fliegen aufeinander zu. Beide schießen. Jeder
+hat vor sich einen Motor. Die Treffwahrscheinlichkeiten sind sehr
+gering, die Geschwindigkeit doppelt so groß wie normal. Eigentlich
+unwahrscheinlich, daß einer von beiden trifft. Mein Bruder, der etwas
+tiefer war, hatte dabei seine Maschine stark überzogen und überschlug
+sich, verlor das Gleichgewicht, und seine Maschine wurde für einige
+Momente steuerlos. Bald hatte er sie wieder gefangen, mußte aber
+feststellen, daß ihm der Gegner beide Benzintanks zerschossen hatte.
+Also landen! Schnell die Zündung 'raus, sonst brennt die Kiste. Der
+nächste Gedanke aber war: Wo bleibt mein Gegner? Im Augenblick des
+Überschlagens hatte er gesehen, wie sich der Gegner gleichfalls
+aufbäumte und überschlagen hatte. Er konnte also nicht allzu weit von
+ihm entfernt sein. Der Gedanke herrscht: Ist er über mir oder unter mir?
+Drüber war er nicht mehr, dafür aber sah er unter sich den Dreidecker
+sich dauernd überschlagen und noch immer tiefer stürzen. Er stürzte und
+stürzte, ohne sich zu fangen, bis auf den Boden. Dort zerschellte er. Es
+war auf unserem Gebiet. Beide Gegner hatten sich in dem kurzen
+Augenblick des Begegnens mit ihren starren Maschinengewehren getroffen.
+Meinem Bruder waren die beiden Benzintanks zerschossen, und im selben
+Augenblick hatte der Captain Ball einen Kopfschuß bekommen. Er trug bei
+sich einige Photographien und Zeitungsausschnitte seiner
+Heimatprovinzen, in denen er sehr angefeiert wurde. Er schien kurze Zeit
+zuvor noch auf Urlaub gewesen zu sein. Zu Boelckes Zeiten hatte Captain
+Ball sechsunddreißig deutsche Apparate vernichtet. Auch er hat einen
+Meister gefunden. Oder war es Zufall, daß eine Größe wie er gleichfalls
+den normalen Heldentod sterben mußte?
+
+Captain Ball war ganz gewiß der Führer des Anti-Richthofen-Geschwaders,
+und ich glaube, der #Englishman# wird es nun lieber aufstecken, mich zu
+fangen. Das täte uns leid, denn dadurch würde uns manche schöne
+Gelegenheit genommen, bei der wir die Engländer gut belapsen könnten.
+
+Wäre mein Bruder nicht am 5. Mai verwundet worden, ich glaube, er wäre
+nach meiner Rückkehr vom Urlaub gleichfalls mit Zweiundfünfzig auf
+Urlaub geschickt worden.
+
+
+
+
+Lothar ein »Schießer« und nicht ein Weidmann
+
+
+Mein Vater macht einen Unterschied zwischen einem Jäger (Weidmann) und
+einem Schießer, dem es nur Spaß macht, zu schießen. Wenn ich einen
+Engländer abgeschossen habe, so ist meine Jagdpassion für die nächste
+Viertelstunde beruhigt. Ich bringe es also nicht fertig, zwei Engländer
+unmittelbar hintereinander abzuschießen. Fällt der eine herunter, so
+habe ich das unbedingte Gefühl der Befriedigung. Erst sehr, sehr viel
+später habe ich mich dazu überwunden und mich zum Schießer ausgebildet.
+
+Bei meinem Bruder war es anders. Wie er seinen vierten und fünften
+Gegner abschoß, hatte ich Gelegenheit, ihn zu beobachten. Wir griffen
+ein Geschwader an. Ich war der erste. Mein Gegner war bald erledigt. Ich
+gucke mich um und sehe, wie mein Bruder hinter einem Engländer sitzt,
+aus dem gerade die Flamme herausschlägt und dessen Maschine explodiert.
+Neben diesem Engländer fliegt ein zweiter. Er machte weiter nichts, als
+daß er von dem ersten, der noch gar nicht mal 'runtergefallen war und
+sich noch in der Luft befand, sein Maschinengewehr auf den nächsten
+richtete und sofort weiterschoß, kaum daß er absetzte. Auch dieser fiel
+nach kürzerem Kampf.
+
+Zu Hause fragte er mich stolz: »Wieviel hast du abgeschossen?« Ich
+sagte ganz bescheiden: »Einen.« Er dreht mir den Rücken und sagt: »Ich
+habe zwei,« worauf ich ihn zur Nachsuche nach vorn schickte. Er mußte
+feststellen, wie seine Kerle hießen usw. Am späten Nachmittag kommt er
+zurück und hat nur einen gefunden.
+
+Die Nachsuche war also schlecht, wie überhaupt bei solchen Schießern.
+Erst am Tage darauf meldete die Truppe, wo der andere lag. Daß er
+'runtergefallen war, hatten wir ja alle gesehen.
+
+
+
+
+Der Auerochs
+
+
+Der Fürst Pleß hatte mir gelegentlich eines Besuches im Hauptquartier
+erlaubt, bei ihm auf seiner Jagd ein Wisent abzuschießen. Der Wisent ist
+das, was im Volksmund mit Auerochse bezeichnet wird. Auerochsen sind
+ausgestorben. Der Wisent ist auf dem besten Wege, das gleiche zu tun.
+Auf der ganzen Erde gibt es nur noch zwei Stellen, und das ist in Pleß
+und beim Revier des ehemaligen Zaren im Bialowiczer Forst. Der
+Bialowiczer Forst hat natürlich durch den Krieg kolossal gelitten. So
+manchen braven Wisent, den sonst nur hohe Fürstlichkeiten und der Zar
+abgeschossen hätten, hat sich ein Musketier zu Gemüte geführt.
+
+Mir war also durch die Güte Seiner Durchlaucht der Abschuß eines so
+seltenen Tieres erlaubt worden. In etwa einem Menschenalter gibt es
+diese Tiere nicht mehr, da sind sie ausgerottet.
+
+Ich kam am Nachmittag des 26. Mai in Pleß an und mußte gleich vom
+Bahnhof losfahren, um den Stier noch am selben Abend zu erlegen. Wir
+fuhren die berühmte Straße durch den Riesenwildpark des Fürsten entlang,
+auf der wohl manche gekrönte Häupter vor mir entlang gefahren sind. Nach
+etwa einer Stunde stiegen wir aus und hatten nun noch eine halbe Stunde
+zu laufen, um auf meinen Stand zu kommen, während die Treiber bereits
+aufgestellt waren, um auf das gegebene Zeichen mit dem Drücken zu
+beginnen. Ich stand auf der Kanzel, auf der, wie mir der Oberwildmeister
+berichtete, bereits mehrmals Majestät gestanden hat, um so manchen
+Wisent von da aus zur Strecke zu bringen. Wir warten eine ganze Zeit. Da
+plötzlich sah ich im hohen Stangenholz ein riesiges schwarzes Ungetüm
+sich heranwälzen, genau auf mich zu. Ich sah es noch eher als der
+Förster, machte mich schußfertig und muß sagen, daß ich doch etwas
+Jagdfieber kriegte. Es war ein mächtiger Stier. Auf zweihundertfünfzig
+Schritt verhoffte er noch einen Augenblick. Es war mir zu weit, um zu
+schießen. Getroffen hätte man ja vielleicht das Ungetüm, weil man eben
+an so einem Riesending überhaupt nicht vorbeischießen kann. Aber die
+Nachsuche wäre doch eine unangenehme Sache gewesen. Außerdem die
+Blamage, vorbeizuschießen. Also warte ich lieber, daß er mir näher
+kommt. Er mochte wohl wieder die Treiber gespürt haben, denn mit einem
+Male machte er eine ganz kurze Wendung und kam in windender Fahrt, die
+man so einem Tiere nie zugetraut hätte, heran, genau spitz auf mich zu.
+Schlecht zum Schießen. Da verschwand er hinter einer Gruppe von dichten
+Fichten. Ich hörte ihn noch schnaufen und stampfen. Sehen konnte ich ihn
+nicht mehr. Ob er Wind von mir bekommen hatte oder nicht, weiß ich
+nicht. Jedenfalls war er weg. Noch einmal sah ich ihn auf eine große
+Entfernung, dann war er verschwunden.
+
+War es der ungewohnte Anblick eines solchen Tieres oder wer weiß was --
+jedenfalls hatte ich in dem Augenblick, wo der Stier herankam, dasselbe
+Gefühl, dasselbe Jagdfieber, das mich ergreift, wenn ich im Flugzeug
+sitze, einen Engländer sehe und ihn noch etwa fünf Minuten lang
+anfliegen muß, um an ihn heranzukommen. Nur mit dem einen Unterschied,
+daß sich der Engländer wehrt. Hätte ich nicht auf einer so hohen Kanzel
+gestanden, wer weiß, ob da nicht noch andere moralische Gefühle
+mitgespielt hätten?
+
+Es dauerte nicht lange, da kommt der zweite. Auch ein mächtiger Kerl. Er
+macht es mir sehr viel leichter. Auf etwa hundert Schritt verhofft er
+und zeigt mir sein ganzes Blatt. Der erste Schuß traf, er zeichnet. Ich
+hatte ihm einen guten Blattschuß verpaßt. Hindenburg hatte mir einen
+Monat vorher gesagt: »Nehmen Sie sich recht viel Patronen mit. Ich habe
+auf meinen ein halbes Dutzend verbraucht, denn so ein Kerl stirbt ja
+nicht. Das Herz sitzt ihm so tief, daß man meistenteils vorbeischießt.«
+Und es stimmte. Das Herz, trotzdem ich ja genau wußte, wo es saß, hatte
+ich nicht getroffen. Ich repetierte. Der zweite Schuß, der dritte, da
+bleibt er stehen, schwerkrank. Vielleicht auf fünfzig Schritt vor mir.
+
+Fünf Minuten später war das Ungetüm verendet. Die Jagd wurde
+abgebrochen und »Hirsch tot« geblasen. Alle drei Kugeln saßen ihm dicht
+überm Herzen, sehr gut Blatt.
+
+Wir fuhren nun an dem schönen Jagdhaus des Fürsten vorbei und noch eine
+Weile durch den Wildpark, in dem alljährlich zu der Brunstzeit die Gäste
+des Fürsten ihren Rothirsch usw. erlegen. Wir hielten noch und sahen uns
+das Innere des Hauses im Promnitz an. Auf einer Halbinsel gelegen, mit
+wunderschönem Blick, auf fünf Kilometer Entfernung kein menschliches
+Wesen. Man hat nicht mehr das Gefühl, in einem Wildpark zu sein, wie man
+sich wohl im allgemeinen vorstellt, wenn man von der Fürstlich Pleßschen
+Jagd spricht. Vierhunderttausend Morgen Gatter sind eben kein Wildpark
+mehr. Da gibt es kapitale Hirsche, die nie ein Mensch gesehen hat, die
+kein Förster kennt, und die gelegentlich in der Brunstzeit erlegt
+werden. Man kann wochenlang laufen, um ein Wisenttier zu Gesicht zu
+bekommen. In manchen Jahreszeiten ist es ausgeschlossen, sie überhaupt
+zu sehen. Dann sind sie so heimlich, daß sie sich in den Riesenwäldern
+und unendlichen Dickichten vollständig verkriechen. Wir sahen noch
+manchen Hirsch im Bast und manchen guten Bock.
+
+Nach etwa zwei Stunden kamen wir kurz vor Dunkelheit wieder in Pleß an.
+
+
+
+
+Infanterie-, Artillerie- und Aufklärungsflieger
+
+
+Wäre ich nicht Jagdflieger geworden, ich glaube, ich hätte mir das
+Infanteriefliegen ausgesucht. Es ist einem doch eine große Befriedigung,
+wenn man unserer am schwersten kämpfenden Truppe direkte Hilfe leisten
+kann. Der Infanterieflieger ist in der Lage, dies zu tun. Er hat damit
+eine dankbare Aufgabe. Ich habe in der Arras-Schlacht so manchen dieser
+tüchtigen Leute beobachten können, wie sie bei jedem Wetter und zu jeder
+Tageszeit in niedriger Höhe über den Feind flogen und die Verbindung mit
+unserer schwer kämpfenden Truppe suchten. Ich verstehe es, wie man sich
+dafür begeistern kann, ich glaube, so manch einer hat Hurra gebrüllt,
+wenn er die feindlichen Massen hat nach einem Angriff zurückfluten sehen
+und unsere schneidige Infanterie aus den Gräben hervorkam und den
+zurückflutenden Gegner Auge in Auge bekämpfte. So manches Mal habe ich
+den Rest meiner Patronen nach einem Jagdflug auf die feindlichen
+Schützengräben verschossen. Wenn es auch wenig hilft, so macht es doch
+moralischen Eindruck.
+
+Artillerieflieger bin ich auch selbst gewesen. Es war zu meiner Zeit
+etwas Neues, mit Funkentelegraphie das Schießen der eigenen Artillerie
+zu leiten. Aber dazu gehört eine ganz besondere Begabung. Ich konnte
+mich auf die Dauer nicht dazu eignen. Der Kampf ist mir lieber. Zum
+Artilleriefliegen muß man wohl selbst zur Waffe gehören, um das nötige
+Verständnis mitzubringen.
+
+Aufklärungsfliegen habe ich auch getrieben, und zwar in Rußland im
+Bewegungskriege. Da war ich noch einmal Kavallerist, d. h. ich kam mir
+so vor, wenn ich mit meinem stählernen Pegasus loszog. Jene Tage mit
+Holck über den Russen sind mit meine schönste Erinnerung. Aber das Bild
+der Bewegung kommt scheinbar nicht wieder.
+
+Im Westen sieht der Aufklärungsflieger ganz etwas anderes, als das Auge
+des Kavalleristen gewohnt ist. Die Dörfer und Städte, die Eisenbahnen
+und Straßen sehen so tot und still aus, und trotzdem ist auf ihnen ein
+ungeheurer Verkehr, der aber dem Flieger mit großer Geschicklichkeit
+verborgen wird. Nur ein ganz, ganz geübtes Auge vermag aus den rasenden
+Höhen etwas Bestimmtes zu beobachten. Ich habe gute Augen, aber es
+erscheint mir zweifelhaft, ob es überhaupt einen gibt, der etwas Genaues
+aus fünftausend Metern Höhe auf einer Chaussee erkennen kann. Man ist
+also auf etwas anderes angewiesen, was das Auge ersetzt, das ist der
+photographische Apparat. Man photographiert also all das, was man für
+wichtig hält, und was man photographieren soll. Kommt man nach Hause
+und die Platten sind verunglückt, so ist der ganze Flug umsonst gewesen.
+
+Dem Aufklärungsflieger begegnet es oft, daß er in einen Kampf verwickelt
+wird, aber er hat Wichtigeres zu tun, als sich mit dem Kampf zu
+beschäftigen. Oft ist eine Platte wichtiger als das Abschießen eines
+ganzen Apparates, deshalb ist er in den meisten Fällen gar nicht dazu
+berufen, luftzukämpfen.
+
+Es ist eine schwere Aufgabe heutzutage, im Westen eine gute Aufklärung
+durchzuführen.
+
+
+
+
+Unsere Flugzeuge
+
+
+Wie wohl jedem klar ist, haben sich im Laufe des Krieges unsere
+Flugzeuge etwas verändert. Der größte Unterschied ist zwischen einem
+Riesenflugzeug und einem Jagdflugzeug.
+
+Das Jagdflugzeug ist klein, schnell, wendig, trägt aber nichts. Nur die
+Patronen und die Maschinengewehre.
+
+Das Riesenflugzeug -- man muß sich bloß das erbeutete englische
+Riesenflugzeug ansehen, das auf unserer Seite glatt gelandet ist, ist
+ein Koloß, nur dazu bestimmt, durch große Flächen möglichst viel zu
+tragen. Es schleppt unheimlich viel; dreitausend bis fünftausend
+Kilogramm sind gar nichts dafür. Die Benzintanks sind die reinen
+Eisenbahntankwagen. Man hat nicht mehr das Gefühl des Fliegens in so
+einem großen Ding, sondern man »fährt«. Das Fliegen wird nicht mehr
+durch das Gefühl, sondern durch technische Instrumente gemacht.
+
+So ein Riesenflugzeug hat unheimlich viel Pferdekräfte. Die Zahl weiß
+ich nicht genau, aber es sind viele tausend. Je mehr, je besser. Es ist
+nicht ausgeschlossen, daß wir noch mal ganze Divisionen in so einem Ding
+transportieren können. In ihrem Rumpf kann man spazierengehen. In der
+einen Ecke ist ein unbeschreibliches Etwas, da haben die Gelehrten
+einen Funkentelegraphen hineingebaut, mit dem man sich im Fluge mit der
+Erde völlig verständigen kann. In der anderen Ecke hängen die schönsten
+Zervelatwürste, die berühmten Fliegerbomben, vor denen die unten solche
+Angst haben. Aus jeder Ecke starrt der Lauf eines Gewehrs. Eine
+fliegende Festung ist es. Die Tragflächen mit ihren Streben kommen einem
+vor wie Säulenhallen. Ich kann mich für diese Riesenkähne nicht
+begeistern. Ich finde sie gräßlich, unsportlich, langweilig,
+unbeweglich. Mir gefällt mehr ein Flugzeug wie #»le petit rouge«#. Mit
+dem Ding ist es ganz egal, ob man auf dem Rücken fliegt, es senkrecht
+auf den Kopf stellt oder sonst welche Zicken macht, man fliegt eben wie
+ein Vogel, und doch ist es kein »Schwingenfliegen« wie der Vogel
+Albatros, sondern das ganze Ding ist eben ein »fliegender Motor«. Ich
+glaube, wir werden noch so weit kommen, daß wir uns Fliegeranzüge für
+zwei Mark fünfzig Pfennig kaufen können, in die man einfach
+'reinkriecht. An einem Ende ist ein Motörchen und ein Propellerchen, die
+Arme steckt man in die Tragflächen und die Beine in den Schwanz, dann
+hopst man etwas, das ist der Start, und dann geht es gleich einem Vogel
+durch die Lüfte.
+
+Du lachst gewiß, lieber Leser, ich auch, aber ob unsere Kinder lachen
+werden, ist noch nicht heraus. Man hätte auch gelacht, wenn einer vor
+fünfzig Jahren erzählt hätte, er würde über Berlin hinwegfliegen. Ich
+sehe noch Zeppelin, wie er im Jahre 1910 zum ersten Male nach Berlin
+kam, und jetzt guckt die Berliner Range kaum noch nach oben, wenn so ein
+Ding durch die Luft braust.
+
+Außer diesen Riesenflugzeugen und dem Ding für Jagdflieger gibt es nun
+noch eine unzählige Menge von anderen in jeder Größe. Man ist noch lange
+nicht am Ende der Erfindungen. Wer weiß, was wir in einem Jahr verwenden
+werden, um uns in den blauen Äther zu bohren!
+
+
+
+_Verlag Ullstein & Co, Berlin_
+
+
+Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau
+
+Meine Erlebnisse in drei Erdteilen von Kapitänleutnant Gunther Plüschow
+
+_550.-600. Tausend_
+
+Aus dem Inhalt:
+
+Der letzte Tag von Tsingtau / Beim Mandarin von Hai-Dschou / Als
+Millionär nach Amerika -- als Schlossergeselle nach Europa / In Gibraltar
+gefangen / In England hinter Mauern und Stacheldraht / Die Flucht aus
+dem Gefangenenlager / Als Vagabund in London / Schwarze Nächte an der
+Themse / Als blinder Passagier nach Holland / Wieder im Vaterland
+
+
+Die Abenteuer des Ostseefliegers
+
+von Leutnant zur See Erich Killinger
+
+_301.-350. Tausend_
+
+Aus dem Inhalt:
+
+Abgeschossen / Fünf Stunden im Eiswasser / In der Peter-Pauls-Festung /
+Sibirien! / Der Sprung aus dem Schnellzug / Sechs Wochen in der
+mandschurischen Wüste / Als »Monsieur du Fais« in Japan / Erster Klasse
+nach Amerika / Als Vollmatrose nach Norwegen
+
+
+Zeppeline über England
+
+von ***
+
+_140.-170. Tausend_
+
+Eine lebensvolle und von der ersten bis zur letzten Zeile aufs höchste
+spannende Schilderung der Taten unserer Luftflotte. Wir sehen die
+rastlose harte Arbeit auf der Werft und begleiten eines der neuen
+Riesenfahrzeuge auf einer Abnahmefahrt. Donnernd und brausend stimmen
+dann die Motoren ihr Lied an zur großen Fahrt in Feindesland, übers
+Meer, nach London.
+
+
+300 000 Tonnen versenkt!
+
+Meine #U#-Boots-Fahrten
+
+von Kapitänleutnant Max Valentiner
+
+_1.-100. Tausend_
+
+Aus dem Inhalt:
+
+Im Kampf mit #U#-Boots-Fallen / Im Schwarzen Meer / Was wir vor einem
+Damenbad erlebten / Unser gefährlichstes Abenteuer / Jagd auf hoher See
+/ Im Schlepp nach Madeira / Ein Sonntagmorgen in Funchal / Mann über
+Bord / Im Netz
+
+
+Die Fahrt der Deutschland
+
+von Kapitän Paul König
+
+_501.-550. Tausend_
+
+In einer Sprache, in der noch die ganze Unmittelbarkeit des Erlebnisses
+nachklingt, gibt Kapitän Paul König die Geschichte seiner für alle
+Zeiten denkwürdigen Fahrten. Vom Bau der »Deutschland« erzählt er, von
+der Ausreise, vom Kampf mit den Elementen, von der Verfolgung durch die
+Feinde, von der Ankunft in Baltimore, von der glücklichen Heimkehr.
+
+
+Als #U#-Boots-Kommandant gegen England
+
+von Kapitänleutnant Freiherrn v. Forstner
+
+_86.-95. Tausend_
+
+Zum erstenmal berichtet hier ein deutscher Unterseeboots-Kommandant von
+dem, was unserem schlimmsten Feind Angst und Schrecken einjagt, von den
+Erfolgen im Handelskrieg gegen England. Im Nordatlantik, im Kanal, in
+der Irischen See hat Kapitänleutnant von Forstner mit seiner Mannschaft
+kühne Beutezüge unternommen.
+
+
+Die Fahrten der »Goeben« im Mittelmeer
+
+von Leutnant zur See Kraus
+
+Ein Offizier der »Goeben« erzählt die Taten seines Schiffes, den großen
+Durchbruch bei Messina, die wilde Jagd durch das Ionische Meer, das
+Entrinnen. Voll atemloser Spannung ist die Darstellung des Leutnants
+Kraus und sieghaft heiter auch in den drohendsten Momenten dieser Fahrt,
+die mit dem Aufsteigen des Roten Halbmonds an der Gaffel der »Goeben«
+abschließt.
+
+
+Die Fahrten der »Breslau« im Schwarzen Meer
+
+von Oberleutnant zur See Dönitz
+
+Ein Offizier der »Breslau«--»Midilli« hat dieses Werk verfaßt, das ihre
+abenteuerlichen Kriegsfahrten durch das Schwarze Meer wiedergibt, nicht
+als Darstellung eines Unbeteiligten, sondern als packendes Erlebnis. In
+dichtester Folge drängen sich die Kriegsepisoden. Und auch der Ruhezeit
+am Goldenen Horn, des farbenbunten Orientlebens gedenkt dieses
+fröhliche, temperamentvolle Buch von der »Breslau«.
+
+
+Kreuzerfahrten und #U#-Bootstaten
+
+von Otto von Gottberg
+
+Mit Unterstützung der Flottenleitung hat Otto von Gottberg die packenden
+Berichte niedergeschrieben, die hier in einem Ehrenbuch der deutschen
+Kriegsmarine vereinigt sind. Er schildert die kühnen Fahrten unserer
+Kreuzer und #U#-Boote, die durch rollende Fluten dem Feinde
+entgegenziehen.
+
+
+_Jeder Band 1 Mark_
+
+[Illustration: Ullstein & Co Berlin SW 68]
+
+
+
+[Anmerkungen zur Transkription: Die nachfolgende Tabelle enthält eine
+Auflistung aller gegenüber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.
+
+S. 070: [Punkt ergänzt] einen Gesinnungstüchtigen zu finden.
+S. 074: As junger Flugzeugführer -> Als
+S. 081: daß wir nach Rußlang gingen -> Rußland
+S. 092: [Zeichensetzung vereinheitlicht] mußt du's machen«. -> machen.«
+S. 097: [vereinheitlicht] etwa vierzig kennen gelernt -> kennengelernt
+S. 152: [Punkt ergänzt] mein Lord verschwindet in der Tiefe.
+
+Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Textauszeichnungen
+wurden folgendermaßen ersetzt:
+
+Sperrung: _gesperrter Text_
+Antiquaschrift: #Antiquatext# ]
+
+
+
+[Transcriber's Notes: The table below lists all corrections applied to
+the original text.
+
+p. 070: [added period] einen Gesinnungstüchtigen zu finden.
+p. 074: As junger Flugzeugführer -> Als
+p. 081: daß wir nach Rußlang gingen -> Rußland
+p. 092: [normalized punktuation] mußt du's machen«. -> machen.«
+p. 097: [normalized] etwa vierzig kennen gelernt -> kennengelernt
+p. 152: [added period] mein Lord verschwindet in der Tiefe.
+
+The original book is printed in Fraktur font. Marked-up text has been
+replaced by:
+
+Spaced-out: _spaced out text_
+Antiqua: #text in Antiqua font# ]
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der rote Kampfflieger, by Manfred von Richthofen
+
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+
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+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
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+
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+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
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+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
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+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
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+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
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+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
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+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
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+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
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+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
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+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
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+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
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+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
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+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
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+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
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+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
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+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
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+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
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+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
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+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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+Project Gutenberg's Der rote Kampfflieger, by Manfred von Richthofen
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+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
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+
+Title: Der rote Kampfflieger
+
+Author: Manfred von Richthofen
+
+Release Date: February 11, 2008 [EBook #24572]
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+Character set encoding: ISO-8859-1
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ROTE KAMPFFLIEGER ***
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+Produced by Markus Brenner, Irma Spehar and the Online
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+<!-- <h1><span class="pagenum"><a name="Page_3" id="Page_3">[3]</a></span>Der rote Kampfflieger</h1> -->
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+<!-- <p><span class="pagenum"><a name="Page_4" id="Page_4">[4]</a></span>[Blank Page]</p> -->
+
+<h1><!-- <span class="pagenum"><a name="Page_5" id="Page_5">[5]</a></span> -->Der rote<br />
+Kampfflieger</h1>
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+<p class="von">von</p>
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+<p class="autor">Rittmeister<br />
+Manfred Freiherrn von Richthofen</p>
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+<p class="auflage">151.&ndash;200. Tausend</p>
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+<div class="figcenter" style="width: 44px;">
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+<p class="jahr">1917</p>
+
+<hr style="width: 45ex" />
+
+<p class="verlag">Verlag Ullstein &amp; Co, Berlin-Wien</p>
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+<div class="figcenter" style="margin-top: 1em; width: 33px;">
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+<p class="copyright"><span class="pagenum"><a name="Page_6" id="Page_6">[6]</a></span>Alle Rechte, insbesondere das der &Uuml;bersetzung, vorbehalten.<br />
+Amerikanisches Copyright 1917 by Ullstein &amp; Co, Berlin.</p>
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+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_7" id="Page_7">[7]</a></span>Inhalt</h2>
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+<table class="inhalt" summary="Inhalt">
+<tr><td><a href="#Einiges_von_meiner_Familie">Einiges von meiner Familie</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_9">9</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Meine_Kadettenzeit">Meine Kadettenzeit</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_12">12</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Eintritt_in_die_Armee">Eintritt in die Armee</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_14">14</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Erste_Offizierszeit">Erste Offizierszeit</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_16">16</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Kriegsausbruch">Kriegsausbruch</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_19">19</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Ueberschreiten_der_Grenze">&Uuml;berschreiten der Grenze</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_21">21</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Nach_Frankreich">Nach Frankreich</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_25">25</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Wie_ich_auf_Patrouille">Wie ich auf Patrouille zum erstenmal die Kugeln
+pfeifen h&ouml;rte</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_31">31</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Patrouillenritt_mit_Loen">Patrouillenritt mit Loen</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_37">37</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Langeweile_vor_Verdun">Langeweile vor Verdun</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_41">41</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Das_erstemal_in_der_Luft">Das erstemal in der Luft!</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_45">45</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Beobachtungsflieger_bei_Mackensen">Beobachtungsflieger bei Mackensen</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_48">48</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Mit_Holck_in_Russland">Mit Holck in Ru&szlig;land</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_49">49</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#RusslandOstende">Ru&szlig;land&ndash;Ostende</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_55">55</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Ein_Tropfen_Blut_fuers_Vaterland">Ein Tropfen Blut f&uuml;rs Vaterland</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_59">59</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Mein_erster_Luftkampf">Mein erster Luftkampf</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_61">61</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#In_der_Champagne-Schlacht">In der Champagne-Schlacht</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_63">63</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Wie_ich_Boelcke_kennenlernte">Wie ich Boelcke kennenlernte</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_65">65</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Der_erste_Alleinflug">Der erste Alleinflug</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_67">67</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Aus_meiner_Doeberitzer_Ausbildungszeit">Aus meiner D&ouml;beritzer Ausbildungszeit</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_69">69</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Erste_Zeit_als_Pilot">Erste Zeit als Pilot</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_72">72</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Holck">Holck &#8224;</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_74">74</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Ein_Gewitterflug">Ein Gewitterflug</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_76">76</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Das_erstemal_auf_einem_Fokker">Das erstemal auf einem Fokker</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_79">79</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Bombenfluege_in_Russland">Bombenfl&uuml;ge in Ru&szlig;land</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_81">81</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Endlich">Endlich!</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_88">88</a></td></tr>
+<tr><td><span class="pagenum"><a name="Page_8" id="Page_8">[8]</a></span><a href="#Mein_erster_Englaender">Mein erster Engl&auml;nder</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_90">90</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Somme-Schlacht">Somme-Schlacht</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_94">94</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Boelcke">Boelcke &#8224;</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_96">96</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Der_Achte">Der Achte</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_99">99</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Major_Hawker">Major Hawker</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_103">103</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Pour_le_merite"><em class="antiqua">Pour le m&eacute;rite</em></a></td><td class="onpage"><a href="#Page_106">106</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Le_petit_rouge"><em class="antiqua">Le petit rouge</em></a></td><td class="onpage"><a href="#Page_108">108</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Englische_und_franzoesische_Fliegerei">Englische und franz&ouml;sische Fliegerei</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_110">110</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Selbst_abgeschossen">Selbst abgeschossen</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_112">112</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Ein_Fliegerstueckchen">Ein Fliegerst&uuml;ckchen</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_120">120</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Erste_Dublette">Erste Dublette</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_122">122</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Mein_bisher_erfolgreichster_Tag">Mein bisher erfolgreichster Tag</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_127">127</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Moritz">&raquo;Moritz&laquo;</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_130">130</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Englischer_Bombenangriff">Englischer Bombenangriff auf unseren Flughafen</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_133">133</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Schaefers_Notlandung">Sch&auml;fers Notlandung zwischen den Linien</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_139">139</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Das_Anti-Richthofen-Geschwader">Das Anti-Richthofen-Geschwader</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_144">144</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Der_alte_Herr_kommt_uns_besuchen">Der &raquo;alte Herr&laquo; kommt uns besuchen</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_147">147</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Flug_in_die_Heimat">Flug in die Heimat</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_154">154</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Mein_Bruder">Mein Bruder</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_163">163</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Lothar_ein_Schiesser">Lothar ein &raquo;Schie&szlig;er&laquo; und nicht ein Weidmann</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_174">174</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Der_Auerochs">Der Auerochs</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_176">176</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Infanterie_Artillerie">Infanterie-, Artillerie- und Aufkl&auml;rungsflieger</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_180">180</a></td></tr>
+<tr><td><a href="#Unsere_Flugzeuge">Unsere Flugzeuge</a></td><td class="onpage"><a href="#Page_183">183</a></td></tr>
+</table>
+
+
+<div class="figcenter" style="width: 282px;">
+<a href="images/illu_009.jpg"><img src="images/illu_009_th.jpg" width="282" height="400" alt="Rittmeister Manfred Freiherr v. Richthofen" title="Rittmeister Manfred Freiherr v. Richthofen" /></a>
+<span class="caption">Rittmeister Manfred Freiherr v. Richthofen</span>
+</div>
+
+<!-- <p>[Blank Page]</p> -->
+
+
+<div class="textbody">
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_9" id="Page_9">[9]</a></span><a name="Einiges_von_meiner_Familie" id="Einiges_von_meiner_Familie"></a>Einiges von meiner Familie</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">D</span>ie Familie Richthofen hat sich in den bisherigen
+Kriegen an f&uuml;hrender Stelle eigentlich
+verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig wenig bet&auml;tigt, da die Richthofens
+immer auf ihren Schollen gesessen haben.
+Einen Richthofen, der nicht angesessen war, gab
+es kaum. War er&#8217;s nicht, so war er meistenteils
+in Staatsdiensten. Mein Gro&szlig;vater, und von da
+ab alle meine Vorv&auml;ter, sa&szlig;en in der Gegend von
+Breslau und Striegau auf ihren G&uuml;tern. Erst in
+der Generation meines Gro&szlig;vaters wurde ein
+Vetter meines Gro&szlig;vaters als erster Richthofen
+General.</p>
+
+<p>In der Familie meiner Mutter, einer geborenen
+von Schickfu&szlig; und Neudorf, ist es &auml;hnlich wie
+bei den Richthofens: wenig Soldaten, nur Agrarier.
+Der Bruder meines Urgro&szlig;vaters Schickfu&szlig;
+fiel 1806. In der Revolution 1848 wurde
+einem Schickfu&szlig; eines seiner sch&ouml;nsten Schl&ouml;sser
+abgebrannt. Im &uuml;brigen haben sie&#8217;s alle blo&szlig;
+bis zum Rittmeister der Reserve gebracht.</p>
+
+<p>Auch in der Familie Schickfu&szlig; sowohl wie
+Falckenhausen &ndash; meine Gro&szlig;mutter ist eine
+Falckenhausen &ndash; kann man nur zwei Hauptinteressen
+verfolgen. Das ist Reiten, siehe
+Falckenhausen, und Jagen, siehe den Bruder
+meiner Mutter, Onkel Alexander Schickfu&szlig;, der
+<span class="pagenum"><a name="Page_10" id="Page_10">[10]</a></span>sehr viel in Afrika, Ceylon, Norwegen und
+Ungarn gejagt hat.</p>
+
+<p>Mein alter Herr ist eigentlich der erste in unserem
+Zweig, der auf den Gedanken kam, aktiver
+Offizier zu werden. Er kam fr&uuml;h ins Kadettenkorps
+und trat sp&auml;ter von dort bei den 12.&nbsp;Ulanen
+ein. Er ist der pflichttreueste Soldat, den man sich
+denken kann. Er wurde schwerh&ouml;rig und mu&szlig;te
+den Abschied nehmen. Seine Schwerh&ouml;rigkeit
+holte er sich, wie er einen seiner Leute bei der
+Pferdeschwemme aus dem Wasser rettete und
+nachher seinen Dienst beendete, ohne die K&auml;lte
+und N&auml;sse zu ber&uuml;cksichtigen.</p>
+
+<p>Unter der heutigen Generation sind nat&uuml;rlich
+sehr viel mehr Soldaten. Im Kriege ist jeder
+waffenf&auml;hige Richthofen bei der Fahne. So verlor
+ich gleich zu Anfang des Bewegungskrieges
+sechs Vettern verschiedenen Grades. Alle waren
+Kavalleristen.</p>
+
+<p>Genannt bin ich nach einem gro&szlig;en Onkel
+Manfred, in Friedenszeiten Fl&uuml;geladjutant Seiner
+Majest&auml;t und Kommandeur der Gardedukorps,
+im Kriege F&uuml;hrer eines Kavalleriekorps.</p>
+
+<p>Nun noch von meiner Jugend. Der alte Herr
+stand in Breslau bei den Leibk&uuml;rassieren&nbsp;1, als
+ich am 2.&nbsp;Mai 1892 geboren wurde. Wir wohnten
+in Kleinburg. Ich hatte Privatunterricht bis zu
+meinem neunten Lebensjahre, dann ein Jahr
+Schule in Schweidnitz, sp&auml;ter wurde ich Kadett in
+<span class="pagenum"><a name="Page_11" id="Page_11">[11]</a></span>Wahlstatt. Die Schweidnitzer betrachteten mich
+aber durchaus als ein Schweidnitzer Kind. Im
+Kadettenkorps f&uuml;r meinen jetzigen Beruf vorbereitet,
+kam ich dann zum 1.&nbsp;Ulanenregiment.</p>
+
+<p>Was ich selbst erlebte, steht in diesem Buch.</p>
+
+<p>Mein Bruder Lothar ist der andere Flieger
+Richthofen. Ihn schm&uuml;ckt der <em class="antiqua">Pour le m&eacute;rite</em>.
+Mein j&uuml;ngster Bruder ist noch im Kadettenkorps
+und wartet sehns&uuml;chtig darauf, sich gleichfalls zu
+bet&auml;tigen. Meine Schwester ist, wie alle Damen
+unseres Familienkreises, in der Pflege der Verwundeten
+t&auml;tig.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_12" id="Page_12">[12]</a></span><a name="Meine_Kadettenzeit" id="Meine_Kadettenzeit"></a>Meine Kadettenzeit</h2>
+
+<p class="subheader">(1903-1909 <em class="gesperrt">Wahlstatt,</em> 1909-1911 <em class="gesperrt">Lichterfelde</em>)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">A</span>ls kleiner Sextaner kam ich in das Kadettenkorps.
+Ich war nicht &uuml;berm&auml;&szlig;ig gerne Kadett,
+aber es war der Wunsch meines Vaters,
+und so wurde ich wenig gefragt.</p>
+
+<p>Die strenge Zucht und Ordnung fiel einem
+so jungen Dachs besonders schwer. F&uuml;r den
+Unterricht hatte ich nicht sonderlich viel &uuml;brig.
+War nie ein gro&szlig;es Lumen. Habe immer so viel
+geleistet, wie n&ouml;tig war, um versetzt zu werden.
+Es war meiner Auffassung nach nicht mehr zu
+leisten, und ich h&auml;tte es f&uuml;r Streberei angesehen,
+wenn ich eine bessere Klassenarbeit geliefert
+h&auml;tte als &raquo;gen&uuml;gend&laquo;. Die nat&uuml;rliche Folge
+davon war, da&szlig; mich meine Pauker nicht &uuml;berm&auml;&szlig;ig
+sch&auml;tzten. Dagegen gefiel mir das Sportliche:
+Turnen, Fu&szlig;ballspielen usw., ganz ungeheuer.
+Es gab, glaube ich, keine Welle, die ich
+am Turnreck nicht machen konnte. So bekam ich
+bald einige Preise von meinem Kommandeur
+verliehen.</p>
+
+<p>Alle halsbrecherischen St&uuml;cke imponierten mir
+m&auml;chtig. So kroch ich z.&nbsp;B. eines sch&ouml;nen Tages
+mit meinem Freunde Frankenberg auf den bekannten
+Kirchturm von Wahlstatt am Blitzableiter
+herauf und band oben ein Taschentuch an.
+<span class="pagenum"><a name="Page_13" id="Page_13">[13]</a></span>Genau wei&szlig; ich noch, wie schwierig es war, an den
+Dachrinnen vorbeizukommen. Mein Taschentuch
+habe ich, wie ich meinen kleinen Bruder einmal
+besuchte, etwa zehn Jahre sp&auml;ter, noch immer oben
+h&auml;ngen sehen.</p>
+
+<p>Mein Freund Frankenberg war das erste Opfer
+des Krieges, das ich zu Gesicht bekam.</p>
+
+<p>In Lichterfelde gefiel es mir schon bedeutend
+besser. Man war nicht mehr so abgeschnitten von
+der Welt und fing auch schon an, etwas mehr als
+Mensch zu leben.</p>
+
+<p>Meine sch&ouml;nsten Erinnerungen aus Lichterfelde
+sind die gro&szlig;en Korsowettspiele, bei denen ich sehr
+viel mit und gegen den Prinzen Friedrich Karl
+gefochten habe. Der Prinz erwarb sich damals so
+manchen ersten Preis. So im Wettlauf, Fu&szlig;ballspiel
+usw. gegen mich, der ich meinen K&ouml;rper
+doch nicht so in der Vollendung trainiert hatte
+wie er.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_14" id="Page_14">[14]</a></span><a name="Eintritt_in_die_Armee" id="Eintritt_in_die_Armee"></a>Eintritt in die Armee</h2>
+
+<p class="subheader">(<em class="gesperrt">Ostern</em> 1911)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">N</span>at&uuml;rlich konnte ich es kaum erwarten, in die
+Armee eingestellt zu werden. Ich ging deshalb
+bereits nach meinem F&auml;hnrichexamen in
+die Front und kam zum Ulanenregiment Nr.&nbsp;1
+&raquo;Kaiser Alexander III.&laquo;. Ich hatte mir dieses
+Regiment ausgesucht; es lag in meinem lieben
+Schlesien, auch hatte ich da einige Bekannte und
+Verwandte, die mir sehr dazu rieten.</p>
+
+<p>Der Dienst bei meinem Regiment gefiel mir
+ganz kolossal. Es ist eben doch das sch&ouml;nste f&uuml;r
+einen jungen Soldaten, &raquo;Kavallerist&laquo; zu sein.</p>
+
+<p>&Uuml;ber meine Kriegsschulzeit kann ich eigentlich
+wenig sagen. Sie erinnerte mich zu sehr an das
+Kadettenkorps und ist mir infolgedessen in nicht
+allzu angenehmer Erinnerung.</p>
+
+<p>Eine spa&szlig;ige Sache erlebte ich. Einer meiner
+Kriegsschullehrer kaufte sich eine ganz nette dicke
+Stute. Der einzige Fehler war, sie war schon etwas
+alt. Er kaufte sie f&uuml;r f&uuml;nfzehn Jahre. Sie hatte
+etwas dicke Beine. Sonst aber sprang sie ganz
+vortrefflich. Ich habe sie oft geritten. Sie ging
+unter dem Namen &raquo;Biffy&laquo;.</p>
+
+<p>Etwa ein Jahr sp&auml;ter beim Regiment erz&auml;hlte
+mir mein Rittmeister v.&nbsp;Tr., der sehr sportliebend
+war, er habe sich ein ganz klobiges Springpferd
+<span class="pagenum"><a name="Page_15" id="Page_15">[15]</a></span>gekauft. Wir waren alle sehr gespannt auf den
+&raquo;klobigen Springer&laquo;, der den seltenen Namen
+&raquo;Biffy&laquo; trug. Ich dachte nicht mehr an die alte
+Stute meines Kriegsschullehrers. Eines sch&ouml;nen
+Tages kommt das Wundertier an, und nun soll
+man sich das Erstaunen vorstellen, da&szlig; die gute
+alte &raquo;Biffy&laquo; als achtj&auml;hrig in dem Stall v.&nbsp;Tr.s
+sich wieder einfand. Sie hatte inzwischen einige
+Male den Besitzer gewechselt und war im Preise
+sehr gestiegen. Mein Kriegsschullehrer hatte sie
+f&uuml;r f&uuml;nfzehnhundert Mark gekauft, und v.&nbsp;Tr.
+hatte sie nach einem Jahre als achtj&auml;hrig f&uuml;r
+dreitausendf&uuml;nfhundert Mark erworben. Gewonnen
+hat sie keine Springkonkurrenz mehr,
+aber sie hat wieder einen Abnehmer gefunden &ndash;
+&ndash; und ist gleich zu Beginn des Krieges gefallen.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_16" id="Page_16">[16]</a></span><a name="Erste_Offizierszeit" id="Erste_Offizierszeit"></a>Erste Offizierszeit</h2>
+
+<p class="subheader">(<em class="gesperrt">Herbst</em> 1912)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">E</span>ndlich bekam ich die Epaulettes. So ungef&auml;hr
+das stolzeste Gef&uuml;hl, was ich je gehabt habe,
+mit einem Male &raquo;Herr Leutnant&laquo; angeredet zu
+werden.</p>
+
+<p>Mein Vater kaufte mir eine sehr sch&ouml;ne Stute,
+&raquo;Santuzza&laquo; genannt. Sie war das reinste Wundertier
+und unverw&uuml;stlich. Ging vor dem Zuge
+wie ein Lamm. Allm&auml;hlich entdeckte ich in ihr ein
+gro&szlig;es Springverm&ouml;gen. Sofort war ich dazu
+entschlossen, aus der guten braven Stute ein
+Springpferd zu machen. Sie sprang ganz fabelhaft.
+Ein Koppelrick von einem Meter sechzig
+Zentimeter habe ich mit ihr selbst gesprungen.</p>
+
+<p>Ich fand gro&szlig;e Unterst&uuml;tzung und viel Verst&auml;ndnis
+bei meinem Kameraden von Wedel, der
+mit seinem Chargenpferd &raquo;Fandango&laquo; so manchen
+sch&ouml;nen Preis davongetragen hatte.</p>
+
+<p>So trainierten wir beide f&uuml;r eine Springkonkurrenz
+und einen Gel&auml;nderitt in Breslau.
+&raquo;Fandango&laquo; machte sich gl&auml;nzend, &raquo;Santuzza&laquo;
+gab sich gro&szlig;e M&uuml;he und leistete auch Gutes. Ich
+hatte Aussichten, etwas mit ihr zu schaffen. Am
+Tage, bevor sie verladen wurde, konnte ich es mir
+nicht verkneifen, nochmals alle Hindernisse in unserem
+Springgarten mit ihr zu nehmen. Dabei
+<span class="pagenum"><a name="Page_17" id="Page_17">[17]</a></span>schlitterten wir hin. &raquo;Santuzza&laquo; quetschte sich
+etwas ihre Schulter, und ich knaxte mir mein
+Schl&uuml;sselbein an.</p>
+
+<p>Von meiner guten dicken Stute &raquo;Santuzza&laquo;
+verlangte ich im Training auch Leistungen auf
+Geschwindigkeit und war sehr erstaunt, als von
+Wedels Vollbl&uuml;ter sie schlug.</p>
+
+<p>Ein andermal hatte ich das Gl&uuml;ck, bei der
+Olympiade in Breslau einen sehr sch&ouml;nen Fuchs
+zu reiten. Der Gel&auml;nderitt fing an, und mein
+Wallach war im zweiten Drittel noch ganz und
+munter, so da&szlig; ich Aussichten auf Erfolg hatte.
+Da kommt das letzte Hindernis. Ich sah schon
+von weitem, da&szlig; dies etwas ganz Besonderes sein
+mu&szlig;te, da sich eine Unmenge Volks dort angesammelt
+hatte. Ich dachte mir: &raquo;Nur Mut, die
+Sache wird schon schief gehen!&laquo; und kam in windender
+Fahrt den Damm heraufgesaust, auf dem
+ein Koppelrick stand. Das Publikum winkte mir
+immer zu, ich sollte nicht so schnell reiten, aber ich
+sah und h&ouml;rte nichts mehr. Mein Fuchs nimmt
+das Koppelrick oben auf dem Damm, und zu
+meinem gr&ouml;&szlig;ten Erstaunen geht&#8217;s auf der anderen
+Seite in die Weistritz. Ehe ich mich versah, springt
+das Tier in einem Riesensatz den Abhang herunter,
+und Ro&szlig; und Reiter verschwinden in den
+Fluten. Nat&uuml;rlich gingen wir &raquo;&uuml;ber Kopf&laquo;.
+&raquo;Felix&laquo; kam auf dieser Seite raus und Manfred
+auf der anderen. Beim Zur&uuml;ckwiegen nach
+<span class="pagenum"><a name="Page_18" id="Page_18">[18]</a></span>Schlu&szlig; des Gel&auml;nderittes stellte man mit gro&szlig;em
+Erstaunen fest, da&szlig; ich nicht die &uuml;blichen zwei
+Pfund abgenommen hatte, sondern zehn Pfund
+schwerer geworden war. Da&szlig; ich glitschena&szlig; war,
+sah man mir Gott sei Dank nicht an.</p>
+
+<p>Ich besa&szlig; auch einen sehr guten Charger, und
+dieses Ungl&uuml;ckstier mu&szlig;te alles machen. Rennen
+laufen, Gel&auml;nderitte, Springkonkurrenzen, vor
+dem Zuge gehen, kurz und gut, es gab keine &Uuml;bung,
+in der das gute Tier nicht ausgebildet war. Das
+war meine brave &raquo;Blume&laquo;. Auf ihr hatte ich sehr
+nette Erfolge. Mein letzter ist der im Kaiserpreis-Ritt
+1913. Ich war der einzige, der die Gel&auml;ndestrecke
+ohne Fehler &uuml;berwunden hatte. Mir
+passierte dabei eine Sache, die nicht so leicht nachgemacht
+werden wird. Ich galoppierte &uuml;ber eine
+Heide und stand pl&ouml;tzlich Kopf. Das Pferd war
+in ein Karnickelloch getreten, und ich hatte mir
+beim Sturz das Schl&uuml;sselbein gebrochen. Damit
+war ich noch siebzig Kilometer geritten, hatte dabei
+keinen Fehler gemacht und die Zeit innegehalten.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_19" id="Page_19">[19]</a></span><a name="Kriegsausbruch" id="Kriegsausbruch"></a>Kriegsausbruch</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">I</span>n allen Zeitungen stand weiter nichts als
+dicke Romane &uuml;ber den Krieg. Aber seit
+einigen Monaten war man ja schon an das Kriegsgeheul
+gew&ouml;hnt. Wir hatten schon so oft unseren
+Dienstkoffer gepackt, da&szlig; man es schon langweilig
+fand und nicht mehr an einen Krieg glaubte. Am
+wenigsten aber glaubten wir an einen Krieg, die
+wir die ersten an der Grenze waren, das &raquo;Auge
+der Armee&laquo;, wie seinerzeit mein Kommandierender
+uns Kavalleriepatrouillen bezeichnet hatte.</p>
+
+<p>Am Vorabend der erh&ouml;hten Kriegsbereitschaft
+sa&szlig;en wir bei der detachierten Schwadron, zehn
+Kilometer von der Grenze entfernt, in unserem
+Kasino, a&szlig;en Austern, tranken Sekt und spielten
+ein wenig. Wir waren sehr vergn&uuml;gt. Wie gesagt,
+an einen Krieg dachte keiner.</p>
+
+<p>Wedels Mutter hatte uns zwar schon einige
+Tage zuvor etwas stutzig gemacht; sie war n&auml;mlich
+aus Pommern erschienen, um ihren Sohn vor
+dem Kriege noch einmal zu sehen. Da sie uns in
+angenehmster Stimmung fand und feststellen
+mu&szlig;te, da&szlig; wir nicht an Krieg dachten, konnte sie
+nicht umhin, uns zu einem anst&auml;ndigen Fr&uuml;hst&uuml;ck
+einzuladen.</p>
+
+<p>Wir waren gerade sehr ausgelassen, als sich
+pl&ouml;tzlich die T&uuml;r &ouml;ffnete und Graf Kospoth, der
+<span class="pagenum"><a name="Page_20" id="Page_20">[20]</a></span>Landrat von &Ouml;ls, auf der Schwelle stand. Der
+Graf machte ein entgeistertes Gesicht.</p>
+
+<p>Wir begr&uuml;&szlig;ten den alten Bekannten mit einem
+Hallo! Er erkl&auml;rte uns den Zweck seiner Reise,
+n&auml;mlich, da&szlig; er sich an der Grenze pers&ouml;nlich &uuml;berzeugen
+wolle, was von den Ger&uuml;chten von dem
+nahen Weltkrieg stimme. Er nahm ganz richtig
+an, die an der Grenze m&uuml;&szlig;ten es eigentlich am
+ehesten wissen. Nun war er ob des Friedensbildes
+nicht wenig erstaunt. Durch ihn erfuhren wir, da&szlig;
+s&auml;mtliche Br&uuml;cken Schlesiens bewacht wurden und
+man bereits an die Befestigung von einzelnen
+Pl&auml;tzen dachte.</p>
+
+<p>Schnell &uuml;berzeugten wir ihn, da&szlig; ein Krieg
+ausgeschlossen sei, und feierten weiter.</p>
+
+<p>Am n&auml;chsten Tage r&uuml;ckten wir ins Feld.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_21" id="Page_21">[21]</a></span><a name="Ueberschreiten_der_Grenze" id="Ueberschreiten_der_Grenze"></a>&Uuml;berschreiten der Grenze</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">D</span>as Wort &raquo;Krieg&laquo; war uns Grenzkavalleristen
+zwar gel&auml;ufig. Jeder wu&szlig;te haarklein, was
+er zu tun und zu lassen hatte. Keiner hatte aber so
+eine rechte Vorstellung, was sich nun zun&auml;chst abspielen
+w&uuml;rde. Jeder aktive Soldat war selig, nun
+endlich seine Pers&ouml;nlichkeit und sein K&ouml;nnen zeigen
+zu d&uuml;rfen.</p>
+
+<p>Uns jungen Kavallerieleutnants war wohl die
+interessanteste T&auml;tigkeit zugedacht: aufkl&auml;ren, in
+den R&uuml;cken des Feindes gelangen, wichtige Anlagen
+zerst&ouml;ren; alles Aufgaben, die einen ganzen
+Kerl verlangen.</p>
+
+<p>Meinen Auftrag in der Tasche, von dessen Wichtigkeit
+ich mich durch langes Studium schon seit
+einem Jahre &uuml;berzeugt hatte, ritt ich nachts um
+zw&ouml;lf Uhr an der Spitze meiner Patrouille zum
+erstenmal gegen den Feind.</p>
+
+<p>Die Grenze bildete ein Flu&szlig;, und ich konnte erwarten,
+da&szlig; ich dort zum erstenmal Feuer bekommen
+w&uuml;rde. Ich war ganz erstaunt, wie ich
+ohne Zwischenfall die Br&uuml;cke passieren konnte.
+Ohne weitere Ereignisse erreichten wir den mir von
+Grenzritten her wohlbekannten Kirchturm des
+Dorfes Kielcze am n&auml;chsten Morgen.</p>
+
+<p>Ohne von einem Gegner etwas gemerkt zu
+haben oder vielmehr besser ohne selbst bemerkt
+<span class="pagenum"><a name="Page_22" id="Page_22">[22]</a></span>worden zu sein, war alles verlaufen. Wie sollte
+ich es anstellen, da&szlig; mich die Dorfbewohner nicht
+bemerkten? Mein erster Gedanke war, den Popen
+hinter Schlo&szlig; und Riegel zu setzen. So holten wir
+den vollkommen &uuml;berraschten und h&ouml;chst verdutzten
+Mann aus seinem Hause. Ich sperrte ihn
+zun&auml;chst mal auf dem Kirchturm ins Glockenhaus
+ein, nahm die Leiter weg und lie&szlig; ihn oben sitzen.
+Ich versicherte ihm, da&szlig;, wenn auch nur das geringste
+feindselige Verhalten der Bev&ouml;lkerung sich
+bemerkbar machen sollte, er sofort ein Kind des
+Todes sein w&uuml;rde. Ein Posten hielt Ausschau vom
+Turm und beobachtete die Gegend.</p>
+
+<p>Ich hatte t&auml;glich durch Patrouillenreiter Meldungen
+zu schicken. So l&ouml;ste sich bald mein kleines
+H&auml;uflein an Meldereitern auf, so da&szlig; ich schlie&szlig;lich
+den letzten Melderitt als &Uuml;berbringer selbst &uuml;bernehmen
+mu&szlig;te.</p>
+
+<p>Bis zur f&uuml;nften Nacht war alles ruhig geblieben.
+In dieser kam pl&ouml;tzlich der Posten zu mir
+zum Kirchturm gelaufen &ndash; denn in dessen N&auml;he
+hatte ich meine Pferde hingestellt &ndash; und rief mir
+zu: &raquo;Kosaken sind da!&laquo; Es war pechfinster, etwas
+Regen, keine Sterne. Man sah die Hand nicht vor
+den Augen.</p>
+
+<p>Wir f&uuml;hrten die Pferde durch eine schon vorher
+vorsichtshalber durch die Kirchhofsmauer geschlagene
+Bresche auf das freie Feld. Dort war
+man infolge der Dunkelheit nach f&uuml;nfzig Metern in
+<span class="pagenum"><a name="Page_23" id="Page_23">[23]</a></span>vollst&auml;ndiger Sicherheit. Ich selbst ging mit dem
+Posten, den Karabiner in der Hand, nach der bezeichneten
+Stelle, wo die Kosaken sein sollten.</p>
+
+<p>Ich schlich an der Kirchhofsmauer entlang und
+kam an die Stra&szlig;e. Da wurde mir doch etwas
+anders zumute, denn der ganze Dorfausgang
+wimmelte von Kosaken. Ich guckte &uuml;ber die
+Mauer, hinter der die Kerle ihre Pferde stehen
+hatten. Die meisten hatten Blendlaternen und benahmen
+sich sehr unvorsichtig und laut. Ich sch&auml;tzte
+sie auf etwa zwanzig bis drei&szlig;ig. Einer war abgesessen
+und zum Popen gegangen, den ich am
+Tage vorher aus der Haft entlassen hatte.</p>
+
+<p>Nat&uuml;rlich Verrat! zuckte es mir durchs Gehirn.
+Also doppelt aufpassen. Auf einen Kampf konnte
+ich es nicht mehr ankommen lassen, denn mehr als
+zwei Karabiner hatte ich nicht zur Verf&uuml;gung.
+Also spielte ich &raquo;R&auml;uber und Gendarm&laquo;.</p>
+
+<p>Nach einigen Stunden Rast ritten die Besucher
+wieder von dannen.</p>
+
+<p>Am n&auml;chsten Morgen zog ich es vor, jetzt aber
+doch einen kleinen Quartierwechsel vorzunehmen.
+Am siebenten Tage war ich wieder in meiner Garnison
+und wurde von jedem Menschen angestarrt,
+als sei ich ein Gespenst. Das kam nicht etwa wegen
+meines unrasierten Gesichts, sondern vielmehr
+weil sich Ger&uuml;chte verbreitet hatten, Wedel und ich
+seien bei Kalisch gefallen. Man wu&szlig;te Ort, Zeit
+und n&auml;here Umst&auml;nde so haargenau zu erz&auml;hlen,
+<span class="pagenum"><a name="Page_24" id="Page_24">[24]</a></span>da&szlig; sich das Ger&uuml;cht schon in ganz Schlesien verbreitet
+hatte. Selbst meiner Mutter hatte man
+bereits Kondolenzbesuche gemacht.</p>
+
+<p>Es fehlte nur noch, da&szlig; eine Todesanzeige in
+der Zeitung stand.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Eine komische Geschichte ereignete sich zur selben
+Zeit. Ein Pferdedoktor bekam den Auftrag, mit
+zehn Ulanen Pferde aus einem Geh&ouml;ft zu requirieren.
+Es lag etwas abseits, etwa drei Kilometer.
+Ganz erregt kam er von seinem Auftrag zur&uuml;ck
+und berichtete selber folgendes:</p>
+
+<p>&raquo;Ich reite &uuml;ber ein Stoppelfeld, auf dem die
+Puppen stehen, worauf ich pl&ouml;tzlich in einiger Entfernung
+feindliche Infanterie erkenne. Kurz entschlossen
+ziehe ich den S&auml;bel, rufe meinen Ulanen
+zu: &#8250;Lanze gef&auml;llt, zur Attacke, marsch, marsch,
+hurra!&#8249; Den Leuten macht es Spa&szlig;, es beginnt ein
+wildes Hetzen &uuml;ber die Stoppeln. Die feindliche
+Infanterie entpuppt sich aber als ein Rudel Rehe,
+die ich in meiner Kurzsichtigkeit verkannt habe.&laquo;</p>
+
+<p>Noch lange hatte der t&uuml;chtige Herr unter seiner
+Attacke zu leiden.</p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 400px;">
+<a href="images/illu_024.jpg"><img src="images/illu_024_th.jpg" width="400" height="237" alt="Abgeschossen und an der Starkstromleitung verbrannt" title="Abgeschossen und an der Starkstromleitung verbrannt" /></a>
+<span class="caption">Abgeschossen und an der Starkstromleitung verbrannt. Am Kanal zwischen
+Brebi&egrave;res und Vitry</span>
+</div>
+
+<div class="figcenter" style="width: 400px;">
+<a href="images/illu_025.jpg"><img src="images/illu_025_th.jpg" width="400" height="247" alt="Abgeschossener Vikkers-Zweisitzer bei Noyelle-Godault" title="Abgeschossener Vikkers-Zweisitzer bei Noyelle-Godault" /></a>
+<span class="caption">Abgeschossener Vikkers-Zweisitzer bei Noyelle-Godault</span>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_25" id="Page_25">[25]</a></span><a name="Nach_Frankreich" id="Nach_Frankreich"></a>Nach Frankreich</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">I</span>n meinem Garnisonort wurden wir nun verladen.
+Wohin? &ndash; Keine Ahnung, ob West,
+Ost, S&uuml;d, Nord.</p>
+
+<p>Gemunkelt wurde viel, meistens aber vorbei.
+Aber in diesem Fall hatten wir wohl den richtigen
+Riecher: Westen.</p>
+
+<p>Uns stand zu viert ein Abteil zweiter Klasse zur
+Verf&uuml;gung. Man mu&szlig;te sich auf eine lange Bahnfahrt
+verproviantieren. Getr&auml;nke fehlten nat&uuml;rlich
+nicht. Aber schon am ersten Tage merkten
+wir, da&szlig; so ein Abteil zweiter Klasse doch verflucht
+eng ist f&uuml;r vier kriegsstarke J&uuml;nglinge, und so
+zogen wir denn vor, uns etwas mehr zu verteilen.
+Ich richtete mir die eine H&auml;lfte eines Packwagens
+zur Wohn- und Schlafst&auml;tte ein und hatte damit
+ganz entschieden etwas Gutes getan. Ich hatte
+Luft, Licht usw. Stroh hatte ich mir in einer
+Station verschafft, die Zeltbahn wurde darauf
+gedeckt. Ich schlief in meinem Schlafwagen so
+fest, als l&auml;ge ich in Ostrowo in meinem Familienbett.
+Die Fahrt ging Tag und Nacht, erst durch
+ganz Schlesien, Sachsen, immer mehr gen Westen.
+Wir hatten scheinbar Richtung Metz; selbst der
+Transportf&uuml;hrer wu&szlig;te nicht, wo es hinging.
+Auf jeder Station, auch da, wo wir nicht hielten,
+stand ein Meer von Menschen, die uns mit Hurra
+<span class="pagenum"><a name="Page_26" id="Page_26">[26]</a></span>und Blumen &uuml;bersch&uuml;tteten. Eine wilde Kriegsbegeisterung
+lag im deutschen Volk; das merkte
+man. Die Ulanen wurden besonders angestaunt.
+Der Zug, der vorher durch die Station geeilt war,
+mochte wohl verbreitet haben, da&szlig; wir bereits am
+Feinde gewesen waren &ndash; und wir hatten erst acht
+Tage Krieg. Auch hatte im ersten Heeresbericht
+bereits mein Regiment Erw&auml;hnung gefunden.
+Ulanenregiment 1 und das Infanterieregiment
+155 eroberten Kalisch. Wir waren also die gefeierten
+Helden und kamen uns auch ganz als
+solche vor. Wedel hatte ein Kosakenschwert gefunden
+und zeigte dies den erstaunten M&auml;dchen.
+Das machte gro&szlig;en Eindruck. Wir behaupteten
+nat&uuml;rlich, es klebte Blut daran, und dichteten dem
+friedlichen Schwert eines Gendarmerieh&auml;uptlings
+ein ganz ungeheures M&auml;rchen an. Man war doch
+schrecklich ausgelassen. Bis wir schlie&szlig;lich in Busendorf
+bei Diedenhofen ausgeladen wurden.</p>
+
+<p>Kurz bevor der Zug ankam, hielten wir in einem
+langen Tunnel. Ich mu&szlig; sagen, es ist schon ungem&uuml;tlich,
+in einem Tunnel in Friedenszeiten
+pl&ouml;tzlich zu halten, besonders aber im Kriege.
+Nun erlaubte sich ein &Uuml;berm&uuml;tiger einen Scherz
+und gab einen Schu&szlig; ab. Es dauerte nicht
+lange, so fing in diesem Tunnel ein w&uuml;stes
+Geschie&szlig;e an. Da&szlig; keiner verletzt wurde, ist ein
+Wunder. Was die Ursache dazu war, ist nie
+herausgekommen.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_27" id="Page_27">[27]</a></span>In Busendorf wurde ausgeladen. Es war eine
+derartige Hitze, da&szlig; uns die Pferde umzufallen
+drohten. Die n&auml;chsten Tage marschierten wir
+immer nach Norden, Richtung Luxemburg.
+Mittlerweile hatte ich herausgekriegt, da&szlig; mein
+Bruder vor etwa acht Tagen dieselbe Strecke mit
+einer Kavalleriedivision geritten war. Ich konnte
+ihn sogar noch einmal f&auml;hrten, gesehen habe ich
+ihn erst ein Jahr sp&auml;ter.</p>
+
+<p>In Luxemburg wu&szlig;te kein Mensch, wie sich
+dieses L&auml;ndchen gegen uns verhielt. Ich wei&szlig; noch
+wie heute, wie ich einen Luxemburger Gendarm
+von weitem sah, ihn mit meiner Patrouille
+umzingelte und gefangennehmen wollte. Er versicherte
+mir, da&szlig;, wenn ich ihn nicht umgehend
+loslie&szlig;e, er sich beim Deutschen Kaiser beschweren
+w&uuml;rde. Das sah ich denn auch ein und lie&szlig; den
+Helden wieder laufen. So kamen wir durch die
+Stadt Luxemburg und Esch durch, und man
+n&auml;herte sich jetzt bedenklich den ersten befestigten
+St&auml;dten Belgiens.</p>
+
+<p>Auf dem Hinmarsch machte unsere Infanterie,
+wie &uuml;berhaupt unsere ganze Division, die
+reinen Friedensman&ouml;ver. Man war schrecklich
+aufgeregt. Aber so ein Man&ouml;ver-Vorpostenbild
+war einem ab und zu ganz bek&ouml;mmlich. Sonst
+h&auml;tte man ganz bestimmt &uuml;ber die Str&auml;nge geschlagen.
+Rechts und links, auf jeder Stra&szlig;e,
+vor und hinter uns marschierten Truppen von
+<span class="pagenum"><a name="Page_28" id="Page_28">[28]</a></span>verschiedenen Armeekorps. Man hatte das Gef&uuml;hl
+eines w&uuml;sten Durcheinanders. Pl&ouml;tzlich wurde
+aus dem Kuddelmuddel ein gro&szlig;artig funktionierender
+Aufmarsch.</p>
+
+<p>Was unsere Flieger damals leisteten, ahnte ich
+nicht. Mich versetzte jedenfalls jeder Flieger in
+einen ganz ungeheuren Schwindel. Ob es ein
+deutscher war oder ein feindlicher, konnte ich nicht
+sagen. Ich hatte ja nicht einmal eine Ahnung,
+da&szlig; die deutschen Apparate Kreuze trugen und die
+feindlichen Kreise. Folglich wurde jeder Flieger
+unter Feuer genommen. Die alten Piloten erz&auml;hlen
+heute noch immer, wie peinlich es ihnen
+gewesen sei, von Freund und Feind gleichm&auml;&szlig;ig
+beschossen zu werden.</p>
+
+<p>Wir marschierten und marschierten, die Patrouillen
+weit voraus, bis wir eines sch&ouml;nen
+Tages bei Arlon waren. Es &uuml;berlief mich ganz
+spa&szlig;ig den Buckel &#8217;runter, wie ich zum zweitenmal
+die Grenze &uuml;berschritt. Dunkle Ger&uuml;chte von
+Franktireurs und dergleichen waren mir bereits
+zu Ohren gekommen.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Ich hatte einmal den Auftrag, die Verbindung
+mit meiner Kavalleriedivision aufzunehmen. Ich
+habe an diesem Tage nicht weniger als hundertundzehn
+Kilometer mit meiner gesamten Patrouille
+geritten. Nicht ein Pferd war kaputt, eine gl&auml;nzende
+Leistung meiner Tiere. In Arlon bestieg ich nach
+<span class="pagenum"><a name="Page_29" id="Page_29">[29]</a></span>den Grunds&auml;tzen der Taktik des Friedens den
+Kirchturm, sah nat&uuml;rlich nichts, denn der b&ouml;se
+Feind war noch weitab.</p>
+
+<p>Man war damals noch ziemlich harmlos. So
+hatte ich z.&nbsp;B. meine Patrouille vor der Stadt
+stehenlassen und war ganz allein mit einem Rad
+mitten durch die Stadt zum Kirchturm gefahren.
+Wie ich wieder &#8217;runterkam, stand ich inmitten
+einer murrenden und murmelnden Menge feindselig
+blickender J&uuml;nglinge. Mein Rad war nat&uuml;rlich
+geklaut, und ich konnte nun eine halbe Stunde
+lang zu Fu&szlig; laufen. Aber das machte mir Spa&szlig;.
+Ich h&auml;tte so eine kleine Rauferei ganz gern gemocht.
+Ich f&uuml;hlte mich mit meiner Pistole in der
+Hand ganz kolossal sicher.</p>
+
+<p>Die Einwohner hatten sich, wie ich sp&auml;ter erfahren
+habe, sowohl einige Tage vorher gegen
+unsere Kavallerie als auch sp&auml;ter gegen unsere
+Lazarette sehr aufr&uuml;hrerisch benommen, und man
+hatte eine ganze Menge dieser Herren an die Wand
+stellen m&uuml;ssen.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Am Nachmittag erreichte ich mein Ziel und
+erfuhr dort, da&szlig; drei Tage vorher, ganz in der
+Gegend von Arlon, mein einziger Vetter Richthofen
+gefallen war. Ich blieb den Rest des Tages
+bei der Kavalleriedivision, machte dort noch einen
+blinden Alarm mit und kam nachts sp&auml;t bei
+meinem Regiment an.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_30" id="Page_30">[30]</a></span>Man erlebte und sah eben mehr als die anderen,
+man war eben doch schon mal am Feind gewesen,
+hatte mit dem Feinde zu tun gehabt, hatte die
+Spuren des Krieges gesehen und wurde von
+jedem einer anderen Waffe beneidet. Es war doch
+zu sch&ouml;n, wohl doch meine sch&ouml;nste Zeit im ganzen
+Kriege. Den Kriegsanfang m&ouml;chte ich wieder
+mal mitmachen.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_31" id="Page_31">[31]</a></span><a name="Wie_ich_auf_Patrouille" id="Wie_ich_auf_Patrouille"></a>Wie ich auf Patrouille zum erstenmal
+die Kugeln pfeifen h&ouml;rte</h2>
+
+<p class="subheader">(21./22. <em class="gesperrt">August</em> 1914)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">I</span>ch hatte den Auftrag, festzustellen, wie stark
+die Besetzung eines gro&szlig;en Waldes bei Virton
+wohl sein mochte. Ich ritt mit f&uuml;nfzehn Ulanen
+los und war mir klar: Heute gibt es den ersten
+Zusammensto&szlig; mit dem Feinde. Mein Auftrag
+war nicht leicht, denn in so einem Walde kann
+furchtbar viel stecken, ohne da&szlig; man es sieht.</p>
+
+<p>Ich kam &uuml;ber eine H&ouml;he. Wenige hundert
+Schritte vor mir lag ein riesiger Waldkomplex
+von vielen tausend Morgen. Es war ein sch&ouml;ner
+Augustmorgen. Der Wald lag so friedlich und
+ruhig, da&szlig; man eigentlich gar keine kriegerischen
+Gedanken mehr sp&uuml;rte.</p>
+
+<p>Jetzt n&auml;herte sich die Spitze dem Eingang des
+Waldes. Durch das Glas konnte man nichts
+Verd&auml;chtiges feststellen, man mu&szlig;te also heranreiten
+und abwarten, ob man Feuer bek&auml;me. Die
+Spitze verschwand im Waldweg. Ich war der
+n&auml;chste, neben mir ritt einer meiner t&uuml;chtigsten
+Ulanen. Am Eingang des Waldes war ein einsames
+Waldw&auml;rterh&auml;uschen. Wir ritten daran
+vorbei. Mit einemmal fiel ein Schu&szlig; aus
+einem Fenster des Hauses. Gleich darauf noch
+<span class="pagenum"><a name="Page_32" id="Page_32">[32]</a></span>einer. Am Knall erkannte ich sofort, da&szlig; es kein
+B&uuml;chsenschu&szlig; war, sondern da&szlig; er von einer Flinte
+herr&uuml;hrte. Zur gleichen Zeit sah ich auch Unordnung
+in meiner Patrouille und vermutete gleich
+einen &Uuml;berfall durch Franktireurs. Von den
+Pferden &#8217;runter und das Haus umstellen war
+eins. In einem etwas dunkeln Raum erkannte
+ich vier bis f&uuml;nf Burschen mit feindseligen Augen.
+Eine Flinte war nat&uuml;rlich nicht zu sehen. Meine
+Wut war gro&szlig; in diesem Augenblick; aber ich hatte
+noch nie in meinem Leben einen Menschen get&ouml;tet,
+und so mu&szlig; ich sagen, war mir der Moment &auml;u&szlig;erst
+unbehaglich. Eigentlich h&auml;tte ich den Franktireur
+wie ein St&uuml;ck Vieh &#8217;runterknallen m&uuml;ssen. Er
+hatte mit dem Schu&szlig; eine Ladung Schrot in den
+Bauch eines meiner Pferde gejagt und einen
+meiner Ulanen an der Hand verletzt.</p>
+
+<p>Mit meinem k&uuml;mmerlichen Franz&ouml;sisch schrie
+ich die Bande an und drohte, wenn sich der Schuldige
+nicht umgehend melden w&uuml;rde, sie allesamt
+&uuml;ber den Haufen zu schie&szlig;en. Sie merkten, da&szlig;
+es mir Ernst war, und da&szlig; ich nicht zaudern w&uuml;rde,
+meinen Worten die Tat folgen zu lassen. Wie es
+nun eigentlich kam, wei&szlig; ich heute selbst nicht mehr.
+Jedenfalls waren die Freisch&uuml;tzen mit einemmal
+aus der Hintert&uuml;r heraus und vom Erdboden verschwunden.
+Ich scho&szlig; noch hinterher, ohne zu
+treffen. Zum Gl&uuml;ck hatte ich das Haus umstellt,
+so da&szlig; sie mir eigentlich nicht entrutschen konnten.
+<span class="pagenum"><a name="Page_33" id="Page_33">[33]</a></span>Sofort lie&szlig; ich das Haus nach ihnen durchst&ouml;bern,
+fand aber keinen mehr. Mochten nun die Posten
+hinter dem Haus nicht ordentlich aufgepa&szlig;t haben,
+jedenfalls war die ganze Bude leer. Wir fanden
+noch die Schrotspritze am Fenster stehend und
+mu&szlig;ten uns auf andere Weise r&auml;chen. In f&uuml;nf
+Minuten stand das ganze Haus in Flammen.</p>
+
+<p>Nach diesem Intermezzo ging es weiter.</p>
+
+<p>An frischen Pferdespuren erkannte ich, da&szlig;
+unmittelbar vor uns starke feindliche Kavallerie
+marschiert sein mu&szlig;te. Ich hielt mit meiner Patrouille,
+feuerte sie durch ein paar Worte an und
+hatte das Gef&uuml;hl, da&szlig; ich mich auf jeden meiner
+Kerls unbedingt verlassen konnte. Jeder, so
+wu&szlig;te ich, w&uuml;rde seinen Mann in den n&auml;chsten
+Minuten stehen. Nat&uuml;rlich dachte keiner an etwas
+anderes als an eine Attacke. Es liegt wohl im
+Blute eines Germanen, den Gegner, wo man ihn
+auch trifft, &uuml;ber den Haufen zu rennen, besonders
+nat&uuml;rlich feindliche Kavallerie. Schon sah ich
+mich an der Spitze meines H&auml;ufleins eine feindliche
+Schwadron zusammenhauen und war ganz
+trunken vor freudiger Erwartung. Meinen Ulanen
+blitzten die Augen. So ging es dann in flottem
+Trab auf der frischen Spur weiter. Nach
+einst&uuml;ndigem scharfem Ritt durch die sch&ouml;nste
+Bergschlucht wurde der Wald etwas lichter, und
+wir n&auml;herten uns dem Ausgang. Da&szlig; ich damit
+auf den Feind sto&szlig;en w&uuml;rde, war mir klar. Also
+<span class="pagenum"><a name="Page_34" id="Page_34">[34]</a></span>Vorsicht! bei allem Attackenmut, der mich beseelte.
+Rechts von dem schmalen Pfad war eine viele
+Meter hohe, steile Felsenwand. Zu meiner Linken
+war ein schmaler Gebirgsbach, dann eine Wiese
+von f&uuml;nfzig Metern Breite, eingefa&szlig;t von
+Stacheldr&auml;hten. Mit einem Male h&ouml;rte die
+Pferdespur auf und verschwand &uuml;ber eine Br&uuml;cke
+in den B&uuml;schen. Meine Spitze hielt, denn vor uns
+war der Waldausgang durch eine Barrikade
+versperrt.</p>
+
+<p>Sofort war es mir klar, da&szlig; ich in einen Hinterhalt
+geraten war. Ich erkannte pl&ouml;tzlich Bewegung
+im Buschwerk hinter der Wiese zu meiner
+Linken und konnte abgesessene feindliche Kavallerie
+erkennen. Ich sch&auml;tzte sie auf eine St&auml;rke von
+hundert Gewehren. Hier war nichts zu wollen.
+Geradeaus war der Weg durch die Barrikade versperrt,
+rechts waren die Felsw&auml;nde, links hinderte
+mich die mit Draht eingefa&szlig;te Wiese an meinem
+Vorhaben, der Attacke. Zum Absitzen, um den
+Gegner mit Karabinern anzugreifen, war keine
+Zeit mehr. Also blieb nichts anderes &uuml;brig, als
+zur&uuml;ck. Alles h&auml;tte ich meinen guten Ulanen zutrauen
+k&ouml;nnen, blo&szlig; kein Ausrei&szlig;en vor dem
+Feinde. &ndash; Das sollte so manchem den Spa&szlig;
+verderben, denn eine Sekunde sp&auml;ter knallte der
+erste Schu&szlig;, dem ein rasendes Schnellfeuer aus
+dem Walde dr&uuml;ben folgte. Die Entfernung betrug
+etwa f&uuml;nfzig bis hundert Meter. Die Leute waren
+<span class="pagenum"><a name="Page_35" id="Page_35">[35]</a></span>instruiert, da&szlig; sie, im Falle ich die Hand hob, schnell
+zu mir sto&szlig;en sollten. Nun wu&szlig;te ich, wir mu&szlig;ten
+zur&uuml;ck, hob den Arm und winkte meinen Leuten
+zu. Das m&ouml;gen sie wohl falsch verstanden haben.
+Meine Patrouille, die ich zur&uuml;ckgelassen hatte,
+glaubte mich in Gefahr und kam in wildem
+Caracho herangebraust, um mich herauszuhauen.
+Alles das spielte sich auf einem schmalen Waldweg
+ab, so da&szlig; man sich wohl die Schweinerei
+vorstellen kann, die sich nun ereignete. Meinen
+beiden Spitzenreitern gingen die Pferde infolge
+des rasenden Feuers in der engen Schlucht, wo
+der Laut jedes Schusses sich verzehnfachte, durch,
+und ich sah sie blo&szlig; die Barrikade mit einem
+Sprung nehmen. Von ihnen habe ich nie wieder
+etwas geh&ouml;rt. Gewi&szlig; sind sie in Gefangenschaft.
+Ich selbst machte kehrt und gab meinem guten
+&raquo;Antithesis&laquo;, wohl zum erstenmal in seinem
+Leben, die Sporen. Meinen Ulanen, die mir entgegengebraust
+kamen, konnte ich nur mit M&uuml;he
+und Not zu erkennen geben, nicht weiter vorzukommen.
+Kehrt und davon! Neben mir ritt
+mein Bursche. Pl&ouml;tzlich st&uuml;rzte sein Pferd getroffen,
+ich sprang dar&uuml;ber hinweg, um mich
+herum w&auml;lzten sich andere Pferde. Kurz und gut,
+es war ein w&uuml;stes Durcheinander. Von meinem
+Burschen sah ich nur noch, wie er unter dem
+Pferd lag, scheinbar nicht verwundet, aber durch
+das auf ihm liegende Pferd gefesselt. Der Gegner
+<span class="pagenum"><a name="Page_36" id="Page_36">[36]</a></span>hatte uns gl&auml;nzend &uuml;berrumpelt. Er hatte uns
+wohl von Anfang an beobachtet und, wie es den
+Franzosen nun mal liegt, aus dem Hinterhalt
+seinen Feind zu &uuml;berfallen, so hatte er es auch in
+diesem Fall wieder versucht.</p>
+
+<p>Freude machte es mir, als nach zwei Tagen
+mit einemmal mein Bursche vor mir stand;
+allerdings zur H&auml;lfte barf&uuml;&szlig;ig, denn den einen
+Stiefel hatte er unter seinem Pferd gelassen. Er
+erz&auml;hlte mir nun, wie er entkommen war: Mindestens
+zwei Schwadronen franz&ouml;sischer K&uuml;rassiere
+waren sp&auml;ter aus dem Walde gekommen, um die
+vielen gefallenen Pferde und tapferen Ulanen
+zu pl&uuml;ndern. Er war gleich aufgesprungen, unverwundet
+die Felsenwand hinaufgeklettert und in
+f&uuml;nfzig Metern H&ouml;he vollst&auml;ndig ersch&ouml;pft in
+einem Geb&uuml;sch zusammengebrochen. Nach etwa
+zwei Stunden, nachdem der Feind sich wieder in
+seinen Hinterhalt begeben hatte, hatte er seine
+Flucht fortsetzen k&ouml;nnen. Nach einigen Tagen
+gelangte er so wieder zu mir. Von dem Verbleib
+der anderen Kameraden konnte er wenig aussagen.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_37" id="Page_37">[37]</a></span><a name="Patrouillenritt_mit_Loen" id="Patrouillenritt_mit_Loen"></a>Patrouillenritt mit Loen</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">D</span>ie Schlacht von Virton war im Gange. Mein
+Kamerad Loen und ich hatten wieder einmal
+durch eine Patrouille festzustellen, wo der Feind geblieben
+war. Den ganzen Tag ritten wir hinter
+dem Feinde her, erreichten ihn schlie&szlig;lich und
+konnten eine ganz ordentliche Meldung verfassen.
+Abends war nun die gro&szlig;e Frage: Wollen wir
+die Nacht durchreiten, um zu unserer Truppe
+zur&uuml;ckzukommen, oder unsere Kr&auml;fte schonen und
+uns f&uuml;r den n&auml;chsten Tag ausruhen? Das ist
+ja gerade das Sch&ouml;ne, da&szlig; der Kavalleriepatrouille
+vollst&auml;ndig freies Handeln &uuml;berlassen
+sein mu&szlig;.</p>
+
+<p>So entschlossen wir uns, die Nacht am Feinde
+zu bleiben und am n&auml;chsten Morgen weiterzureiten.
+Unseren strategischen Blicken nach war
+der Gegner auf R&uuml;ckmarsch, und wir dr&auml;ngten
+ihm nach. Folglich konnten wir die Nacht mit
+ziemlicher Ruhe verbringen.</p>
+
+<p>Gar nicht weit vom Gegner lag ein wunderbares
+Kloster mit gro&szlig;en St&auml;llen, so da&szlig; wir
+sowohl Loen als auch meine Patrouille einquartieren
+konnten. Allerdings sa&szlig; der Gegner
+gegen Abend, wie wir dort unterzogen, noch so
+nahe dran, da&szlig; er uns mit Gewehrkugeln die
+Fensterscheiben h&auml;tte einschie&szlig;en k&ouml;nnen.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_38" id="Page_38">[38]</a></span>Die M&ouml;nche waren &uuml;beraus liebensw&uuml;rdig.
+Sie gaben uns zu essen und zu trinken, so viel
+wir haben wollten, und wir lie&szlig;en es uns gut
+schmecken. Die Pferde wurden abgesattelt und
+waren auch ganz froh, wie sie nach drei Tagen
+und drei N&auml;chten zum erstenmal ihre achtzig Kilo
+totes Gewicht von ihren R&uuml;cken loswurden. Mit
+anderen Worten, wir richteten uns so ein, als
+ob wir im Man&ouml;ver bei einem lieben Gastfreund
+zu Abend w&auml;ren. Nebenbei bemerkt, hingen drei
+Tage darauf mehrere von den Gastgebern an dem
+Laternenpfahl, da sie es sich nicht hatten verkneifen
+k&ouml;nnen, sich an dem Krieg zu beteiligen.
+Aber an dem Abend waren sie wirklich &uuml;beraus
+liebensw&uuml;rdig. Wir krochen in Nachthemden in
+unsere Betten, stellten einen Posten auf und lie&szlig;en
+den lieben Herrgott einen guten Mann sein.</p>
+
+<p>Nachts rei&szlig;t pl&ouml;tzlich jemand die T&uuml;r auf, und
+die Stimme des Postens ert&ouml;nt: &raquo;Herr Leutnant,
+die Franzosen sind da.&laquo; Ich war zu verschlafen,
+um &uuml;berhaupt Antwort geben zu k&ouml;nnen. Loen
+ging es so &auml;hnlich, und er stellte nur die geistreiche
+Frage: &raquo;Wieviel sind es denn?&laquo; Die Antwort
+des Postens, sehr aufgeregt: &raquo;Zwei haben
+wir schon totgeschossen; wieviel es sind, k&ouml;nnen
+wir nicht sagen, denn es ist stockfinster.&laquo; Ich h&ouml;re
+Loen noch ganz verschlafen antworten: &raquo;Wenn
+also mehr kommen, dann weckst du mich.&laquo; Eine
+halbe Minute sp&auml;ter schnarchten wir weiter.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_39" id="Page_39">[39]</a></span>Am n&auml;chsten Morgen stand die Sonne schon
+recht hoch, als wir von unserem gesunden Schlaf
+erwachten. Nach einem reichlichen Fr&uuml;hst&uuml;ck
+ging die Reise wieder los.</p>
+
+<p>Tats&auml;chlich waren nachts an unserem Schlo&szlig;
+die Franzosen vorbeimarschiert, und unsere Posten
+hatten w&auml;hrend dieser Zeit einen Feuer&uuml;berfall
+auf sie gemacht. Da es aber stockfinster war,
+hatte sich keine gr&ouml;&szlig;ere Schlacht daraus entspinnen
+k&ouml;nnen.</p>
+
+<p>Bald ging&#8217;s in einem munteren Tal weiter.
+Wir ritten &uuml;ber das alte Schlachtfeld unserer
+Division und stellten mit Erstaunen fest, da&szlig; statt
+unserer Leute nur franz&ouml;sische Sanit&auml;ter zu sehen
+waren. Franz&ouml;sische Soldaten sah man auch noch
+ab und zu. Sie machten aber ebenso dumme Gesichter
+wie wir. An Schie&szlig;en hatte keiner gedacht.
+Wir machten uns dann m&ouml;glichst rasch d&uuml;nne;
+denn wir kamen so sachte dahinter, da&szlig; wir, statt
+vorw&auml;rts zu gehen, uns etwas r&uuml;ckw&auml;rts konzentriert
+hatten. Zum Gl&uuml;ck war der Gegner
+nach der anderen Seite ausgerissen, sonst s&auml;&szlig;e ich
+jetzt irgendwo in Gefangenschaft.</p>
+
+<p>Wir kamen durch das Dorf Robelmont, wo wir
+am Tage zuvor unsere Infanterie zum letztenmal
+in Stellung gesehen hatten. Dort trafen wir
+einen Einwohner und fragten ihn nach dem Verbleib
+unserer Soldaten. Er war sehr gl&uuml;cklich und
+versicherte mir, die Deutschen w&auml;ren <em class="antiqua">&raquo;partis&laquo;</em>.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_40" id="Page_40">[40]</a></span>Wir kamen um eine Ecke und waren Zeugen von
+folgendem komischem Bilde. Vor uns wimmelte
+es von roten Hosen &ndash; ich sch&auml;tzte etwa f&uuml;nfzig bis
+hundert&nbsp;&ndash;, die eifrigst bem&uuml;ht waren, an einem
+Eckstein ihre Gewehre zu zerschlagen. Daneben
+stehen sechs Grenadiere, die, wie es sich herausstellte,
+die Br&uuml;der gefangengenommen hatten.
+Wir halfen ihnen noch, die Franzosen abzutransportieren,
+und erfuhren durch die sechs Grenadiere,
+da&szlig; wir nachts eine r&uuml;ckw&auml;rtige Bewegung
+angetreten hatten.</p>
+
+<p>Am sp&auml;ten Nachmittag erreichte ich mein Regiment
+und war ganz zufrieden mit dem Verlauf
+der letzten vierundzwanzig Stunden.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_41" id="Page_41">[41]</a></span><a name="Langeweile_vor_Verdun" id="Langeweile_vor_Verdun"></a>Langeweile vor Verdun</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">F</span>&uuml;r einen so unruhigen Geist, wie ich einer
+bin, war meine T&auml;tigkeit vor Verdun durchaus
+mit &raquo;langweilig&laquo; zu bezeichnen. Anfangs
+lag ich selbst im Sch&uuml;tzengraben an einer Stelle,
+wo nichts los war; dann wurde ich Ordonnanzoffizier
+und glaubte, nun mehr zu erleben. Da
+hatte ich mich aber arg in die Finger geschnitten.
+Ich wurde vom K&auml;mpfenden zum besseren
+Etappenschwein degradiert. So ganz Etappe
+war es noch nicht, aber das Weiteste, was ich mich
+vorwagen durfte, war f&uuml;nfzehnhundert Meter
+hinter die vordere Linie. Dort sa&szlig; ich wochenlang
+unter der Erde in einem bombensicheren,
+geheizten Unterstand. Ab und zu wurde ich mit
+nach vorn genommen. Das war eine gro&szlig;e
+k&ouml;rperliche Anstrengung. Denn man ging bergauf,
+bergab, die Kreuz und die Quer&#8217;, durch unendlich
+viele Ann&auml;herungsgr&auml;ben und Schlamml&ouml;cher
+hindurch, bis man dann endlich vorn dort
+angekommen war, wo es knallte. Bei einem so
+kurzen Besuch bei den K&auml;mpfenden kam ich mir
+immer sehr dumm vor mit meinen gesunden
+Knochen.</p>
+
+<p>Man fing damals an, unter der Erde zu
+arbeiten. Wir waren uns noch gar nicht klar
+dar&uuml;ber, was es eigentlich hei&szlig;t, einen Stollen
+<span class="pagenum"><a name="Page_42" id="Page_42">[42]</a></span>bauen oder eine Sappe vorschieben. Man kannte
+die Namen zwar aus der Befestigungslehre von
+der Kriegsschule her, aber das war nun mal
+Pionierarbeit, mit der sich ein anderer Sterblicher
+nicht gern besch&auml;ftigt h&auml;tte. Aber dort vorn
+an der Combres-H&ouml;he buddelte alles emsig.
+Jeder hatte ein Grabscheit und eine Hacke und
+gab sich unendliche M&uuml;he, m&ouml;glichst tief in die
+Erde hineinzukommen. Es war ganz spa&szlig;ig, die
+Franzosen an manchen Stellen nur auf f&uuml;nf
+Schritt vor sich zu haben. Man h&ouml;rte den Kerl
+sprechen, man sah ihn Zigaretten rauchen, ab
+und zu warf er ein St&uuml;ck Papier her&uuml;ber. Man
+unterhielt sich mit ihnen, und trotzdem suchte
+man sich auf alle m&ouml;glichen Arten anzu&auml;rgern
+(Handgranaten).</p>
+
+<p>F&uuml;nfhundert Meter vor und f&uuml;nfhundert
+Meter hinter den Gr&auml;ben war der dichte Wald
+der C&ocirc;te Lorraine abgem&auml;ht durch die unendlich
+vielen Gewehrkugeln und Granaten, die dort
+st&auml;ndig durch die Luft sausten. Man w&uuml;rde nicht
+glauben, da&szlig; dort vorn &uuml;berhaupt noch ein Mensch
+leben k&ouml;nnte. Die Truppe vorne empfand es
+gar nicht mal so schlimm wie die Etappenleute.</p>
+
+<p>Nach so einem Spaziergang, der meistenteils
+in den allerzeitigsten Morgenstunden stattfand,
+fing f&uuml;r mich wieder der langweiligere Teil des
+Tages an, n&auml;mlich Telephonordonnanz zu spielen.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_43" id="Page_43">[43]</a></span>An meinen freien Tagen besch&auml;ftigte ich mich
+mit meinem Lieblingshandwerk, dem Jagen.
+Der Wald von La Chauss&eacute;e bot mir dazu reichlich
+Gelegenheit. Ich hatte bei meinen Spazierritten
+Sauen gesp&uuml;rt und war nun damit besch&auml;ftigt,
+diese ausfindig zu machen und mich nachts anzusetzen.
+Sch&ouml;ne Vollmondn&auml;chte mit Schnee
+kamen mir zu Hilfe. Ich baute mir mit Hilfe
+meines Burschen Hochsitze an ganz bestimmten
+Wechseln und bestieg diese nachts. Da habe ich
+so manche Nacht auf B&auml;umen zugebracht und
+wurde morgens als Eiszapfen wieder vorgefunden.
+Aber es hatte sich gelohnt. Besonders eine
+Sau war interessant, sie kam jede Nacht durch
+den See geschwommen, brach an einer bestimmten
+Stelle in einen Kartoffelacker und schwamm dann
+wieder zur&uuml;ck. Es reizte mich nat&uuml;rlich besonders,
+dieses Tier n&auml;her kennenzulernen. So setzte
+ich mich denn an dem Ufer dieses Sees an.
+Wie verabredet, erschien die alte Tante um Mitternacht,
+um sich ihr Nachtmahl zu holen. Ich scho&szlig;,
+w&auml;hrend sie noch im See schwamm, traf, und das
+Tier w&auml;re mir beinahe versoffen, wenn ich nicht
+noch im letzten Moment h&auml;tte zugreifen k&ouml;nnen,
+um sie an einem Lauf festzuhalten.</p>
+
+<p>Ein andermal ritt ich mit meinem Burschen
+in einer ganz schmalen Schneise, da wechseln vor
+mir mehrere St&uuml;ck Schwarzwild &uuml;ber sie. Ich
+schnell &#8217;runter, den Karabiner meines Burschen
+<span class="pagenum"><a name="Page_44" id="Page_44">[44]</a></span>ergriffen und einige hundert Schritt vorgelaufen.
+Tats&auml;chlich, da kam noch ein Kerl, und zwar
+ein m&auml;chtiger Keiler. Ich hatte noch nie einen
+Keiler gesehen und war nun sehr erstaunt, wie
+riesenhaft dieser Kerl aussah. Jetzt h&auml;ngt er
+als Troph&auml;e hier in meinem Zimmer; er ist
+eine sch&ouml;ne Erinnerung.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>So hatte ich es schon einige Monate ausgehalten,
+da kam eines sch&ouml;nen Tages etwas
+Bewegung in unseren Laden. Wir beabsichtigten
+eine kleine Offensive an unserer Front. Ich freute
+mich m&auml;chtig, denn nun mu&szlig;te ja doch eigentlich
+der Ordonnanzoffizier zu seinem Ordonnanzieren
+kommen! Aber Kuchen! Es wurde mir etwas
+ganz anderes zugedacht, und dieses schlug dem
+Fa&szlig; den Boden aus. Nun schrieb ich ein Gesuch
+an meinen Kommandierenden General, und b&ouml;se
+Zungen behaupten, ich h&auml;tte gesagt: &raquo;Liebe Exzellenz,
+ich bin nicht in den Krieg gezogen, um
+K&auml;se und Eier zu sammeln, sondern zu einem
+anderen Zweck.&laquo; Man hat anfangs eigentlich
+auf mich einschnappen wollen, aber schlie&szlig;lich
+hat man mir meine Bitte gew&auml;hrt, und so trat
+ich Ende Mai 1915 zur Fliegertruppe. So war
+mir mein gr&ouml;&szlig;ter Wunsch erf&uuml;llt.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_45" id="Page_45">[45]</a></span><a name="Das_erstemal_in_der_Luft" id="Das_erstemal_in_der_Luft"></a>Das erstemal in der Luft!</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">M</span>orgens fr&uuml;h um sieben Uhr sollte ich zum
+erstenmal mitfliegen! Ich war in einer etwas
+begreiflichen Aufregung, konnte mir so gar nichts
+darunter vorstellen. Jeder, den ich fragte,
+schnurrte mir etwas anderes vor. Abends ging
+ich zeitiger schlafen als sonst, um am n&auml;chsten
+Morgen f&uuml;r den gro&szlig;en Moment frisch zu sein.
+Wir fuhren &#8217;r&uuml;ber auf den Flugplatz, ich setzte
+mich zum erstenmal in ein Flugzeug. Der Propellerwind
+st&ouml;rte mich ganz ungeheuer. Eine
+Verst&auml;ndigung mit dem F&uuml;hrer war mir nicht
+m&ouml;glich. Alles flog mir weg. Nahm ich ein
+St&uuml;ck Papier heraus, verschwand es. Mein
+Sturzhelm verrutschte sich, der Schal l&ouml;ste sich,
+die Jacke war nicht fest genug zugekn&ouml;pft, kurz
+und gut, es war kl&auml;glich. Ich war noch gar nicht
+darauf gefa&szlig;t, schon loszusausen, da gab bereits
+der Pilot Vollgas, und die Maschine fing an zu
+rollen. Immer schneller, immer schneller. Ich
+hielt mich krampfhaft fest. Mit einem Male h&ouml;rte
+die Ersch&uuml;tterung auf, und die Maschine war in
+der Luft. Der Erdboden sauste unter mir weg.</p>
+
+<p>Man hatte mir gesagt, wo ich hinfliegen sollte,
+d.&nbsp;h. also, wo ich meinen F&uuml;hrer hinzudirigieren
+hatte. Wir flogen erst ein St&uuml;ck geradeaus,
+dann machte mein F&uuml;hrer kehrt, nochmal kehrt,
+<span class="pagenum"><a name="Page_46" id="Page_46">[46]</a></span>rechtsum, mal linksum, und ich hatte &uuml;ber meinem
+eigenen Flughafen die Orientierung verloren.
+Keine Ahnung mehr, wo ich mich befand! Ich
+fing so sachte an, mir mal die Gegend unter mir
+anzusehen. Die Menschen winzig klein, die H&auml;user
+wie aus einem Kinderbaukasten, alles so niedlich
+und zierlich. Im Hintergrund lag K&ouml;ln. Der
+K&ouml;lner Dom ein Spielzeug. Es war doch ein
+erhabenes Gef&uuml;hl, &uuml;ber allem zu schweben. Wer
+konnte mir jetzt was anhaben? Keiner! Da&szlig; ich
+nicht mehr wu&szlig;te, wo ich war, war mir ganz
+Wurscht, und ich war ganz traurig, als mein
+Pilot meinte, jetzt m&uuml;&szlig;ten wir landen.</p>
+
+<p>Am liebsten w&auml;re ich gleich wieder geflogen.
+Da&szlig; ich irgend welche Beschwerden, wie etwa bei
+einer Luftschaukel, gehabt h&auml;tte, daran ist nicht
+zu denken. Die ber&uuml;hmten Amerikanischen Schaukeln
+sind mir, nebenbei gesagt, widerlich. Man
+f&uuml;hlt sich unsicher darin, aber im Flugzeug hat
+man das unbedingte Gef&uuml;hl der Sicherheit. Man
+sitzt ganz ruhig auf seinem Sessel. Da&szlig; einem
+schwindlig wird, ist ganz ausgeschlossen. Es gibt
+keinen Menschen, dem im Flugzeug je schwindlig
+geworden w&auml;re. Aber es ist ein verdammter
+Nervenkitzel, so durch die Luft zu sausen, besonders
+nachher, als es wieder &#8217;runterging, das Flugzeug
+nach vorn kippte, der Motor aufh&ouml;rte zu laufen
+und mit einemmal eine ungeheure Ruhe eintrat.
+Ich hielt mich wieder krampfhaft fest und dachte
+<span class="pagenum"><a name="Page_47" id="Page_47">[47]</a></span>nat&uuml;rlich: &raquo;Jetzt st&uuml;rzt du.&laquo; Aber es ging alles
+so selbstverst&auml;ndlich und nat&uuml;rlich vor sich, auch
+das Landen, wie man wieder die Erde ber&uuml;hrte,
+und alles war so einfach, da&szlig; einem das Gef&uuml;hl
+der Angst absolut fehlte. Ich war begeistert und
+h&auml;tte den ganzen Tag im Flugzeug sitzen k&ouml;nnen.
+Ich z&auml;hlte die Stunden bis zum n&auml;chsten Start.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_48" id="Page_48">[48]</a></span><a name="Beobachtungsflieger_bei_Mackensen" id="Beobachtungsflieger_bei_Mackensen"></a>Beobachtungsflieger bei Mackensen</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">A</span>m 10.&nbsp;Juni 1915 kam ich nach Gro&szlig;enhain,
+um von dort aus an die Front abgeschickt zu
+werden. Nat&uuml;rlich wollte ich recht schnell &#8217;raus,
+denn ich hatte Angst, ich k&ouml;nnte zu dem Weltkrieg
+zu sp&auml;t kommen. Flugzeugf&uuml;hrer-Werden
+h&auml;tte drei Monate in Anspruch genommen. Bis
+dahin konnten wir schon l&auml;ngst Frieden haben; also
+kam es nicht in Frage. Als Beobachter mochte ich
+mich vielleicht in meiner Eigenschaft als Kavallerist
+ganz gut eignen; denn nach vierzehn Tagen schickte
+man mich bereits &#8217;raus, zu meiner gr&ouml;&szlig;ten Freude
+an die einzige Stelle, wo wir noch Bewegungskrieg
+hatten, n&auml;mlich nach Ru&szlig;land.</p>
+
+<p>Mackensen ging gerade seinen Siegeszug. Er war
+bei Gorlice durchgebrochen, und ich kam dazu, wie
+wir Rawa Ruska nahmen. Ein Tag im Armee-Flugpark,
+dann kam ich zu der famosen Abt.&nbsp;69, wo
+ich mir als Anf&auml;nger kolossal d&auml;mlich vorkam. Mein
+F&uuml;hrer war eine &raquo;Kanone&laquo; &ndash; Oberleutnant Zeumer&nbsp;&ndash;,
+jetzt auch schon krumm und lahm. Von den
+&uuml;brigen bin ich heute der einzige, der noch lebt.</p>
+
+<p>Jetzt kommt eigentlich meine sch&ouml;nste Zeit.
+Sie hatte mit dem Kavalleristischen recht gro&szlig;e
+&Auml;hnlichkeit. Jeden Tag, vor- und nachmittags,
+konnte ich meine Aufkl&auml;rung fliegen. Ich habe
+manche sch&ouml;ne Meldung nach Hause gebracht.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_49" id="Page_49">[49]</a></span><a name="Mit_Holck_in_Russland" id="Mit_Holck_in_Russland"></a>Mit Holck in Ru&szlig;land</h2>
+
+<p class="subheader">(<em class="gesperrt">Sommer</em> 1915)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">J</span>uni, Juli, August 1915 blieb ich bei der
+Fliegerabteilung, die den ganzen Vormarsch
+Mackensens von Gorlice nach Brest-Litowsk mitmachte.
+Ich war als ganz junger Beobachter
+dort hingekommen und hatte von Tuten und
+Blasen keine Ahnung.</p>
+
+<p>Als Kavallerist war ja meine Besch&auml;ftigung
+Aufkl&auml;ren, so schlug der jetzige Dienst in mein
+Fach, und ich hatte gro&szlig;en Spa&szlig; an den riesigen
+Aufkl&auml;rungsfl&uuml;gen, die wir fast t&auml;glich unternahmen.</p>
+
+<p>F&uuml;r den Beobachter ist es wichtig, einen gesinnungst&uuml;chtigen
+F&uuml;hrer zu finden. Da hie&szlig;
+es eines sch&ouml;nen Tages: &raquo;Graf Holck ist auf dem
+Anmarsch zu uns.&laquo; Sofort kam mir der Gedanke:
+&raquo;Das ist der Mann, den du brauchst.&laquo;</p>
+
+<p>Holck erschien nicht, wie man wohl glauben
+k&ouml;nnte, im 60-P.S.-Mercedes oder im Schlafwagen
+erster Klasse, sondern zu Fu&szlig;. Er war nach
+tagelanger Bahnfahrt endlich in die Gegend von
+Jaroslau gekommen. Dort stieg er aus, denn es
+war wieder mal ein unendlicher Aufenthalt.
+Seinem Burschen sagte er, er m&ouml;chte mit dem
+Gep&auml;ck nachreisen, er w&uuml;rde vorausgehen. Er
+zieht los, und nach einer Stunde Fu&szlig;marsch
+<span class="pagenum"><a name="Page_50" id="Page_50">[50]</a></span>guckt er sich um, aber kein Zug folgt ihm. So
+lief und lief er, ohne von seinem Zuge &uuml;berholt
+zu werden, bis er schlie&szlig;lich nach f&uuml;nfzig Kilometern
+in Rawa Ruska, seinem Ziel, ankam und
+vierundzwanzig Stunden sp&auml;ter der Bursche mit
+dem Gep&auml;ck erschien. Das war dem Sportsmann
+aber weiter keine ungewohnte Arbeit. Sein
+K&ouml;rper war derart trainiert, da&szlig; ihm f&uuml;nfzig
+Kilometer Fu&szlig;marsch nichts weiter ausmachten.</p>
+
+<p>Graf Holck war nicht blo&szlig; ein Sportsmann
+auf dem gr&uuml;nen Rasen, der Flugsport machte ihm
+allem Anschein nach nicht weniger Vergn&uuml;gen.
+Er war ein F&uuml;hrer von seltener Bef&auml;higung,
+und besonders eben, was ja noch eine gro&szlig;e
+Hauptsache ist, er war grob Klasse &uuml;ber dem Feind.</p>
+
+<p>Manch sch&ouml;nen Aufkl&auml;rungsflug flogen wir,
+wer wei&szlig; wie weit, Richtung Ru&szlig;land. Nie hatte
+ich bei dem noch so jungen Piloten das Gef&uuml;hl der
+Unsicherheit, vielmehr gab er mir im kritischen
+Moment einen Halt. Wenn ich mich umsah und
+in sein entschlossenes Gesicht blickte, hatte ich
+wieder nochmal so viel Mut wie vorher.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Mein letzter Flug mit ihm zusammen sollte
+beinahe schief gehen. Wir hatten eigentlich gar
+keinen bestimmten Auftrag zu fliegen. Das ist
+ja aber gerade das Sch&ouml;ne, da&szlig; man sich vollst&auml;ndig
+als freier Mensch f&uuml;hlt und vollkommen
+sein eigener Herr ist, wenn man mal in der Luft ist.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_51" id="Page_51">[51]</a></span>Wir hatten einen Flughafenwechsel vorw&auml;rts
+und wu&szlig;ten nicht genau, welche Wiese nun eigentlich
+die richtige sei. Um unsere Kiste bei der Landung
+nicht unn&ouml;tig aufs Spiel zu setzen, flogen
+wir Richtung Brest-Litowsk. Die Russen waren
+in vollem R&uuml;ckmarsch, alles brannte &ndash; &ndash; ein
+grausig-sch&ouml;nes Bild. Wir wollten feindliche
+Kolonnen feststellen und kamen dabei &uuml;ber die
+brennende Stadt Wiczniace. Eine riesige Rauchwolke,
+die vielleicht bis auf zweitausend Meter
+hinaufreichte, hinderte uns am Weiterfliegen, da
+wir selbst, um besser zu sehen, nur in f&uuml;nfzehnhundert
+Metern H&ouml;he flogen. Einen Augenblick
+&uuml;berlegte Holck. Ich fragte ihn, was er machen
+wollte, und riet ihm, drumherum zu fliegen, was
+vielleicht ein Umweg von f&uuml;nf Minuten gewesen
+w&auml;re. Aber daran dachte Holck gar nicht. Im
+Gegenteil: je mehr sich die Gefahr erh&ouml;hte, um
+so reizvoller war es ihm. Also mitten durch!
+Mir machte es auch Spa&szlig;, mit einem so schneidigen
+Kerl zusammen zu sein. Doch sollte uns unsere
+Unvorsichtigkeit bald teuer zu stehen kommen,
+denn kaum war der Schwanz des Apparates
+in der Wolke verschwunden, schon merkte ich ein
+Schwanken im Flugzeug. Ich konnte nichts
+mehr sehen, der Rauch bi&szlig; mir in die Augen, die
+Luft war bedeutend w&auml;rmer, und ich sah unter
+mir blo&szlig; noch ein riesiges Feuermeer. Pl&ouml;tzlich
+verlor das Flugzeug das Gleichgewicht und st&uuml;rzte,
+<span class="pagenum"><a name="Page_52" id="Page_52">[52]</a></span>sich &uuml;berschlagend, in die Tiefe. Ich konnte noch
+schnell eine Strebe erfassen, um mich festzuhalten,
+sonst w&auml;re ich &#8217;rausgeschleudert worden. Das
+erste, was ich tat, war ein Blick in Holcks Gesicht.
+Schon hatte ich wieder Mut gefa&szlig;t, denn seine
+Mienen waren eisern zuversichtlich. Der einzige
+Gedanke, den ich hatte, war der: es ist doch dumm,
+auf so unn&ouml;tige Weise den Heldentod zu sterben.</p>
+
+<p>Sp&auml;ter fragte ich Holck, was er sich eigentlich
+in dem Augenblick gedacht h&auml;tte. Da meinte er,
+da&szlig; ihm doch noch nie so eklig zumute gewesen sei.</p>
+
+<p>Wir st&uuml;rzten herunter bis auf f&uuml;nfhundert Meter
+&uuml;ber die brennende Stadt. War es die Geschicklichkeit
+meines F&uuml;hrers oder h&ouml;here F&uuml;gung,
+vielleicht auch beides, jedenfalls waren wir
+pl&ouml;tzlich aus der Rauchwolke herausgefallen, der
+gute Albatros fing sich wieder und flog erneut
+geradeaus, als sei nichts vorgefallen.</p>
+
+<p>Wir hatten nun doch die Nase voll von unserem
+Flughafenwechsel und wollten schleunigst zu
+unseren Linien zur&uuml;ckkehren. Wir waren n&auml;mlich
+noch immer weit dr&uuml;ben bei den Russen und
+zudem nur noch in f&uuml;nfhundert Metern H&ouml;he.
+Nach etwa f&uuml;nf Minuten ert&ouml;nte hinter mir die
+Stimme Holcks: &raquo;Der Motor l&auml;&szlig;t nach.&laquo;</p>
+
+<p>Ich mu&szlig; hinzuf&uuml;gen, da&szlig; Holck von einem
+Motor nicht ganz dieselbe Ahnung hatte wie von
+einem &raquo;Hafervergaser&laquo;, und ich selbst war vollst&auml;ndig
+schimmerlos. Nur eines wu&szlig;te ich, da&szlig;,
+<span class="pagenum"><a name="Page_53" id="Page_53">[53]</a></span>wenn der Motor nicht mehr mitmachte, wir bei
+den Russen landen mu&szlig;ten. Also kamen wir aus
+der einen Gefahr in die andere.</p>
+
+<p>Ich &uuml;berzeugte mich, da&szlig; die Russen unter
+uns noch flott marschierten, was ich aus f&uuml;nfhundert
+Metern H&ouml;he genau sehen konnte. Im
+&uuml;brigen brauchte ich gar nichts zu sehen, denn
+der Ru&szlig;ki scho&szlig; mit Maschinengewehren wie verfault.
+Es h&ouml;rte sich an, als wenn Kastanien im
+Feuer liegen.</p>
+
+<p>Der Motor h&ouml;rte bald ganz auf zu laufen, er
+hatte einen Treffer. So kamen wir immer
+tiefer, bis wir gerade noch &uuml;ber einem Wald
+ausschwebten und schlie&szlig;lich in einer verlassenen
+Artilleriestellung landeten, die ich noch am Abend
+vorher als besetzte russische Artilleriestellung gemeldet
+hatte.</p>
+
+<p>Ich teilte Holck meine Vermutungen mit. Wir
+sprangen &#8217;raus aus der Kiste und versuchten, das
+nahe Waldst&uuml;ckchen zu erreichen, um uns dort zur
+Wehr zu setzen. Ich verf&uuml;gte &uuml;ber eine Pistole
+und sechs Patronen, Holck hatte nichts.</p>
+
+<p>Am Waldrande angekommen, machten wir
+halt, und ich konnte mit meinem Glase erkennen,
+wie ein Soldat auf unser Flugzeug zulief. Zu
+meinem Schreck stellte ich fest, da&szlig; er eine M&uuml;tze
+trug und nicht eine Pickelhaube. Das hielt ich
+f&uuml;r ein sicheres Zeichen, da&szlig; es ein Russe sei.
+Als der Mann n&auml;her kam, stie&szlig; Holck einen
+<span class="pagenum"><a name="Page_54" id="Page_54">[54]</a></span>Freudenschrei aus, denn es war ein preu&szlig;ischer
+Gardegrenadier.</p>
+
+<p>Unsere Elitetruppe hatte wieder einmal die Stellung
+beim Morgengrauen gest&uuml;rmt und war bis zu
+den feindlichen Batteriestellungen durchgebrochen.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Ich erinnere mich, da&szlig; Holck bei dieser Gelegenheit
+seinen kleinen Liebling, ein H&uuml;ndchen,
+verlor. Er nahm das Tierchen bei jedem Aufstieg
+mit, es lag ganz ruhig in seinem Pelz unten in
+der Karosserie. Im Walde hatten wir es noch
+mit. Kurz darauf, als wir mit dem Gardegrenadier
+gesprochen hatten, kamen Truppen
+vorbeigezogen. Dann kamen St&auml;be von der
+Garde und Prinz Eitel Friedrich mit seinen
+Adjutanten und Ordonnanzoffizieren. Der Prinz
+lie&szlig; uns Pferde geben, so da&szlig; wir beiden Kavallerieflieger
+mal wieder auf richtigen &raquo;Hafermotoren&laquo;
+sa&szlig;en. Leider ging uns beim Weiterreiten das
+H&uuml;ndchen verloren. Es mu&szlig; wohl mit anderen
+Truppen mitgelaufen sein.</p>
+
+<p>Sp&auml;tabends kamen wir schlie&szlig;lich mit einem
+Panjewagen in unseren Flughafen zur&uuml;ck. Die
+Maschine war futsch.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_55" id="Page_55">[55]</a></span><a name="RusslandOstende" id="RusslandOstende"></a>Ru&szlig;land&ndash;Ostende</h2>
+
+<p class="subheader">(<em class="gesperrt">Vom Zweisitzer zum Gro&szlig;kampfflugzeug</em>)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">N</span>achdem in Ru&szlig;land unsere Unternehmungen
+so sachte zum Stehen kamen, wurde ich pl&ouml;tzlich
+zu einem Gro&szlig;kampfflugzeug, zur B.&nbsp;A.&nbsp;O.
+nach Ostende versetzt (21.&nbsp;August 1915). Ich traf
+da einen alten Bekannten, Zeumer, und au&szlig;erdem
+verlockte mich der Name &raquo;Gro&szlig;kampfflugzeug&laquo;.</p>
+
+<p>August 1915 traf ich in Ostende ein. Auf dem
+Bahnhof in Br&uuml;ssel hatte mich mein guter
+Freund Zeumer abgeholt. Nun verlebte ich
+eigentlich eine sehr nette Zeit, die aber wenig
+Kriegerisches an sich hatte, aber sie war als Lehrzeit
+zum Kampfflieger unentbehrlich. Wir flogen
+viel, hatten selten Luftk&auml;mpfe und nie Erfolge.
+Daf&uuml;r aber war das sonstige Leben reizvoll.
+Am Strand von Ostende hatten wir ein Hotel
+beschlagnahmt. Jeden Nachmittag badeten wir.
+Leider waren als Kurg&auml;ste nur Soldaten zu sehen.
+Auf den Terrassen von Ostende sa&szlig;en wir, in
+unsere bunten Badem&auml;ntel geh&uuml;llt, und tranken
+nachmittags unseren Kaffee.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Wir sa&szlig;en wieder mal, wie &uuml;blich, am Strande
+bei unserem Kaffee. Pl&ouml;tzlich ein Tuten, das
+hie&szlig;: ein englisches Seegeschwader ist gemeldet.
+<span class="pagenum"><a name="Page_56" id="Page_56">[56]</a></span>Nat&uuml;rlich lie&szlig;en wir uns durch derartige Alarmnachrichten
+in unserer Gem&uuml;tlichkeit nicht st&ouml;ren
+und tranken weiter. Da ruft einer: &raquo;Da sind sie!&laquo;
+und tats&auml;chlich konnten wir am Horizont, wenn
+auch nicht sehr deutlich, einige qualmende Schornsteine
+und sp&auml;ter auch Schiffe erkennen. Schnell
+wurden die Ferngl&auml;ser geholt und beobachtet. Wir
+sahen eine ganz stattliche Zahl von Schiffen. Was
+sie eigentlich machen wollten, war uns unklar, aber
+bald sollten wir eines Besseren belehrt werden. Wir
+stiegen auf das Dach, um von dort oben mehr zu
+sehen. Mit einem Male pfeift&#8217;s, gleich darauf ein
+Riesenknall, und eine Granate schl&auml;gt am Strande
+ein, wo wir eben noch im Wasser waren. So schnell
+bin ich noch nie in den Heldenkeller gest&uuml;rzt wie
+in diesem Moment. Das englische Geschwader
+scho&szlig; noch vielleicht drei-, viermal auf uns und
+richtete sich dann in der Hauptsache gegen den
+Ostender Hafen und Bahnhof. Getroffen haben
+sie nat&uuml;rlich nichts. Aber sie haben die braven
+Belgier in m&auml;chtige Aufregung versetzt. Eine
+Granate sauste mitten in das sch&ouml;ne Palasthotel
+am Strande von Ostende. Dies war der einzige
+Schaden. Zum Gl&uuml;ck ist es englisches Kapital,
+das sie selbst vernichtet haben.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Abends wurde dann wieder feste geflogen.
+Bei einem unserer Fl&uuml;ge waren wir mit unserem
+Gro&szlig;kampfflugzeug sehr weit hinaus auf See
+<span class="pagenum"><a name="Page_57" id="Page_57">[57]</a></span>gekommen. Das Ding hatte zwei Motoren, und
+wir probierten haupts&auml;chlich ein neues Steuer
+aus, das uns erm&ouml;glichen sollte, auch mit einem
+Motor weiter geradeaus zu fliegen. Wie wir
+ziemlich weit drau&szlig;en sind, sehe ich unter uns,
+nicht auf dem Wasser, sondern &ndash; wie es mir
+schien &ndash; unter dem Wasser, ein Schiff schwimmen.
+Es ist ganz eigent&uuml;mlich: Man kann von
+oben aus bei etwas ruhigem Seegang bis auf
+den Meeresgrund hinuntersehen. Nat&uuml;rlich nicht
+vierzig Kilometer tief, aber so einige hundert
+Meter Wasser kann man glatt durchschauen. Ich
+hatte mich auch nicht get&auml;uscht, da&szlig; das Schiff
+nicht &uuml;ber Wasser, sondern unter Wasser schwamm,
+und trotzdem sah ich es so, als sei es oben. Ich
+machte Zeumer darauf aufmerksam, und wir
+gingen etwas tiefer hinunter, um N&auml;heres zu
+erkennen. Ich bin zu wenig Marinemann, um
+gleich sagen zu k&ouml;nnen, was es gewesen ist; aber
+so sachte kapierte ich denn doch, da&szlig; es ein U-Boot
+war. Aber welcher Nationalit&auml;t? Das ist nun
+wieder eine zweite schwierige Frage, die meiner
+Ansicht nach nur ein Marinemann l&ouml;sen kann
+&ndash; und der auch nicht immer. Farbe ist so gut
+wie gar nicht zu erkennen. Die Flagge schon
+erst recht nicht. Au&szlig;erdem hat ja wohl so ein
+U-Boot gar nichts dergleichen. Wir hatten zwei
+Bomben mit, und ich war mir sehr im Zweifel:
+sollte ich werfen, oder sollte ich nicht werfen?
+<span class="pagenum"><a name="Page_58" id="Page_58">[58]</a></span>Das U-Boot hatte uns nicht gesehen, denn es
+war halb unter Wasser. Wir konnten aber &uuml;ber
+dem Ding ganz ruhig herfliegen und h&auml;tten den
+Moment abpassen k&ouml;nnen, wo es auftauchte, um
+Luft zu schnappen, um unsere Eier zu legen. Das
+ist ganz bestimmt ein sehr kritischer Punkt f&uuml;r
+unsere Schwesterwaffe. Wie wir noch eine ganze
+Weile mit den Kerlen da unten &#8217;rumgekindscht
+hatten, merkte ich pl&ouml;tzlich, wie aus dem einen
+unserer K&uuml;hler sich so sachte das Wasser empfahl.
+Dieses schien mir als &raquo;Franz&laquo; nicht ganz geheuer,
+und ich machte meinen &raquo;Emil&laquo; darauf aufmerksam.
+Der zog sein Gesicht in die L&auml;nge
+und machte nun, da&szlig; er nach Hause kam. Aber
+wir waren sch&auml;tzungsweise zwanzig Kilometer von
+der K&uuml;ste entfernt, und die wollen erst zur&uuml;ckgeflogen
+sein. Der Motor lie&szlig; so sachte nach,
+und ich machte mich schon im stillen auf ein
+kaltes und feuchtes Bad gefa&szlig;t. Aber siehe da,
+es ging! Der Riesen&auml;ppelkahn lie&szlig; sich mit
+einem Motor und dem neuen Steuer gro&szlig;artig
+deichseln, und wir erreichten noch glatt die K&uuml;ste
+und konnten dort sehr sch&ouml;n auf unserem nahen
+Hafen landen.</p>
+
+<p>Gl&uuml;ck mu&szlig; der Mensch haben. H&auml;tten wir nicht
+das neue Steuer an diesem Tage ausprobiert,
+wir w&auml;ren rettungslos versoffen.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_59" id="Page_59">[59]</a></span><a name="Ein_Tropfen_Blut_fuers_Vaterland" id="Ein_Tropfen_Blut_fuers_Vaterland"></a>Ein Tropfen Blut f&uuml;rs Vaterland</h2>
+
+<p class="subheader">(Ostende)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">V</span>erwundet bin ich eigentlich nie worden. Ich
+habe wohl immer im entscheidenden Moment
+den Kopf weggenommen und den Bauch eingezogen.
+Oft habe ich mich gewundert, da&szlig; sie mich
+nicht gehascht haben. Einmal ging mir ein Schu&szlig;
+durch beide Pelzstiefel durch, ein andermal durch
+meinen Schal, wieder einmal an meinem Arm
+durch den Pelz und die Lederjacke durch, aber nie
+hat es mich ber&uuml;hrt.</p>
+
+<p>Da flogen wir eines sch&ouml;nen Tages mit
+unserem Gro&szlig;kampfflugzeug los, um die Engl&auml;nder
+etwas mit Bomben zu erfreuen, erreichten
+das Ziel, die erste Bombe f&auml;llt. Es ist nat&uuml;rlich
+sehr interessant festzustellen, wie der Erfolg dieser
+Bombe ist. Wenigstens den Einschlag m&ouml;chte
+man immer gerne sehen. Mein Gro&szlig;kampfflugzeug,
+das sich f&uuml;r das Bombenschleppen ganz gut
+eignete, hatte aber die dumme Eigenschaft, da&szlig;
+man von der abgeworfenen Bombe den Einschlag
+schlecht sehen konnte, denn das Flugzeug
+schob sich nach dem Abwurf &uuml;ber das Ziel weg
+und verdeckte es mit seinen Fl&auml;chen vollkommen.
+Dieses &auml;rgerte mich immer, denn man hatte so
+wenig Spa&szlig; davon. Wenn&#8217;s unten knallt und
+man die lieblich grau-wei&szlig;e Wolke der Explosion
+<span class="pagenum"><a name="Page_60" id="Page_60">[60]</a></span>sieht und sie auch in der N&auml;he des Zieles liegt,
+macht einem viel Freude. So winkte ich meinen
+guten Zeumer ein und wollte eigentlich, da&szlig; er
+so etwas mit dem Tragdeck beiseite ging. Dabei
+verga&szlig; ich, da&szlig; das infame Ding, mein &Auml;ppelkahn,
+zwei Propeller hatte, die sich rechts und links
+neben meinem Beobachtersitz drehten. Ich zeigte
+ihm ungef&auml;hr den Einschlag der Bombe &ndash; und
+patsch! habe ich eins auf die Finger. Etwas
+verdutzt anfangs, stellte ich dann fest, da&szlig; mein
+kleiner Finger zu Schaden gekommen war.
+Zeumer hatte nichts gemerkt.</p>
+
+<p>Das Bombenwerfen war mir verleidet, schnell
+wurde ich meine letzten Dinger los, und wir
+machten, da&szlig; wir nach Hause kamen.</p>
+
+<p>Meine Liebe zum Gro&szlig;kampfflugzeug, die
+sowieso etwas schwach war, hatte durch diesen
+Bombenwurf schwer gelitten. Ich mu&szlig;te nun
+acht Tage lang hocken und durfte nicht mitfliegen.
+Jetzt ist es nur noch ein Sch&ouml;nheitsfehler, aber
+ich kann doch wenigstens mit Stolz sagen: &raquo;Ich
+habe auch eine Kriegsverwundung.&laquo;</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_61" id="Page_61">[61]</a></span><a name="Mein_erster_Luftkampf" id="Mein_erster_Luftkampf"></a>Mein erster Luftkampf</h2>
+
+<p class="subheader">(1. <em class="gesperrt">September</em> 1915)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">Z</span>eumer und ich h&auml;tten zu gerne mal einen Luftkampf
+gehabt. Wir flogen nat&uuml;rlich unser Gro&szlig;kampfflugzeug.
+Schon allein der Name des Kahnes
+gab uns einen solchen Mut, da&szlig; wir es f&uuml;r ausgeschlossen
+hielten, ein Gegner k&ouml;nnte uns entgehen.</p>
+
+<p>Wir flogen am Tage f&uuml;nf bis sechs Stunden,
+ohne je einen Engl&auml;nder gesehen zu haben. Schon
+ganz entmutigt begaben wir uns eines Morgens
+wieder auf Jagd. Mit einemmal entdeckte ich einen
+Farman, der ungeniert seine Aufkl&auml;rung fliegen
+wollte. Mir pochte das Herz, wie Zeumer auf
+ihn zuflog. Ich war gespannt, was sich nun eigentlich
+abspielen w&uuml;rde. Ich hatte nie einen Luftkampf
+gesehen und machte mir nur ganz dunkle Vorstellungen,
+so etwa wie du, mein lieber Leser.</p>
+
+<p>Ehe ich mich versah, waren wir beide, der Engl&auml;nder
+und ich, aneinander vorbeigesaust. Ich
+hatte h&ouml;chstens vier Schu&szlig; abgegeben, w&auml;hrend
+der Engl&auml;nder pl&ouml;tzlich hinter uns sa&szlig; und uns
+den ganzen Laden voll scho&szlig;. Ich mu&szlig; sagen,
+ich hatte nicht das Gef&uuml;hl der Gefahr, weil ich
+mir auch gar nicht vorstellen konnte, wie nun
+eigentlich das Endresultat so eines Kampfes
+aussehen w&uuml;rde. Wir drehten uns noch einige
+Male umeinander, bis schlie&szlig;lich der Engl&auml;nder
+<span class="pagenum"><a name="Page_62" id="Page_62">[62]</a></span>zu unserem gr&ouml;&szlig;ten Erstaunen ganz vergn&uuml;gt
+kehrtmachte und weiterflog. Ich war stark entt&auml;uscht,
+mein F&uuml;hrer auch.</p>
+
+<p>Zu Hause angekommen, waren wir beide sehr
+schlechter Laune. Er machte mir Vorw&uuml;rfe, ich
+h&auml;tte schlecht geschossen, ich machte ihm Vorw&uuml;rfe,
+er h&auml;tte mich nicht recht zum Schu&szlig; gebracht &ndash;
+kurz und gut, unsere Flugzeugehe, die sonst so
+tadellos war, hatte mit einemmal einen Knacks.</p>
+
+<p>Wir beschauten uns unsere Kiste und stellten
+fest, da&szlig; wir eigentlich eine ganz anst&auml;ndige Zahl
+von Treffern drinnen hatten.</p>
+
+<p>Noch am selben Tage unternahmen wir einen
+zweiten Jagdflug, der aber ebenso ergebnislos
+blieb. Ich war sehr traurig, denn ich hatte es
+mir bei einem Kampfgeschwader ganz anders vorgestellt.
+Ich glaubte immer, wenn ich mal zum
+Schu&szlig; k&auml;me, dann m&uuml;&szlig;te der Bruder auch fallen.
+Bald mu&szlig;te ich mich aber davon &uuml;berzeugen,
+da&szlig; so ein Flugzeug ungeheuer viel vertr&auml;gt.
+Schlie&szlig;lich gelangte ich zu der &Uuml;berzeugung,
+ich k&ouml;nne noch so viel schie&szlig;en und w&uuml;rde doch nie
+einen &#8217;runterbekommen.</p>
+
+<p>An Mut hatten wir es nicht fehlen lassen. Zeumer
+konnte fliegen wie selten einer, und ich war ein
+ganz leidlicher Kugelsch&uuml;tze. Wir standen also vor
+einem R&auml;tsel. Es ging nicht blo&szlig; mir alleine so,
+sondern es geht noch heute vielen anderen ebenso.
+Die Geschichte will eben wirklich verstanden sein.</p>
+
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_63" id="Page_63">[63]</a></span><a name="In_der_Champagne-Schlacht" id="In_der_Champagne-Schlacht"></a>In der Champagne-Schlacht</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">D</span>ie sch&ouml;ne Zeit in Ostende war nur sehr kurz,
+denn bald entbrannte die Schlacht in der
+Champagne, und wir flogen nach dieser Front, um
+uns dort weiter mit dem Gro&szlig;kampfflugzeug zu
+bet&auml;tigen. Wir bemerkten bald, da&szlig; die Klamotte
+zwar ein gro&szlig;es Flugzeug war, aber niemals ein
+Kampfflugzeug abgab.</p>
+
+<p>Einmal flog ich mit Osteroth, der ein etwas
+kleineres Flugzeug hatte als der &Auml;ppelkahn
+(das Gro&szlig;kampfflugzeug). Etwa f&uuml;nf Kilometer
+hinter der Front trafen wir mit einem Farman-Zweisitzer
+zusammen. Er lie&szlig; uns ruhig &#8217;rankommen,
+und ich sah zum ersten Male einen
+Gegner so ganz aus n&auml;chster N&auml;he in der Luft.
+Osteroth flog sehr geschickt so neben ihm her,
+da&szlig; ich ihn gut unter Feuer nehmen konnte. Der
+Gegner hatte uns wohl gar nicht bemerkt, denn
+ich hatte bereits meine erste Ladehemmung, wie
+er anfing, wiederzuschie&szlig;en. Nachdem ich meinen
+Patronenkasten von hundert Schu&szlig; verschossen
+hatte, glaubte ich meinen Augen nicht trauen zu
+k&ouml;nnen, wie mit einem Male der Gegner in ganz
+seltsamen Spiralen niederging. Ich verfolgte
+ihn mit den Augen und klopfte Osteroth auf den
+Kopf. Er f&auml;llt, er f&auml;llt, und tats&auml;chlich fiel er in
+einen gro&szlig;en Sprengtrichter; man sah ihn darin
+<span class="pagenum"><a name="Page_64" id="Page_64">[64]</a></span>auf dem Kopf stehen, Schwanz nach oben. Auf
+der Karte stellte ich fest: f&uuml;nf Kilometer hinter
+der jetzigen Front lag er. Wir hatten ihn also
+jenseits abgeschossen. In damaliger Zeit wurden
+aber Absch&uuml;sse jenseits der Front nicht bewertet,
+sonst h&auml;tte ich heute einen mehr auf meiner Liste.
+Ich war aber sehr stolz auf meinen Erfolg, und
+im &uuml;brigen ist es ja die Hauptsache, wenn der Kerl
+unten liegt, also nicht, da&szlig; er einem als Abschu&szlig;
+angerechnet wird.</p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 400px;">
+<a href="images/illu_064.jpg"><img src="images/illu_064_th.jpg" width="400" height="244" alt="Der Entente-Brunnen auf einem Flugplatz im Westen" title="Der Entente-Brunnen auf einem Flugplatz im Westen" /></a>
+<span class="caption">Der Entente-Brunnen auf einem Flugplatz im Westen</span>
+</div>
+
+<div class="figcenter" style="width: 400px;">
+<a href="images/illu_065.jpg"><img src="images/illu_065_th.jpg" width="400" height="258" alt="Abtransport in die Heimat" title="Abtransport in die Heimat" /></a>
+<span class="caption">Das erste Dutzend der von Richthofen abgeschossenen Apparate wird zum Abtransport
+in die Heimat verladen</span>
+</div>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_65" id="Page_65">[65]</a></span><a name="Wie_ich_Boelcke_kennenlernte" id="Wie_ich_Boelcke_kennenlernte"></a>Wie ich Boelcke kennenlernte</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">Z</span>eumer verpa&szlig;te sich in dieser Zeit einen
+Fokker-Eindecker, und ich konnte zusehen, wie
+er allein durch die Welt segelte. Die Champagne-Schlacht
+tobte. Die franz&ouml;sischen Flieger machten
+sich bemerkbar. Wir sollten zu einem Kampfgeschwader
+zusammengestellt werden und fuhren
+am 1.&nbsp;Oktober 1915 nach. Im Speisewagen sa&szlig;
+am Nebentisch ein junger unscheinbarer Leutnant.
+Es lag auch kein Grund f&uuml;r ihn vor, besonders
+aufzufallen, nur eine Tatsache stand fest: er war
+von uns allen der einzige, der bereits mal einen
+feindlichen Flieger abgeschossen hatte, und zwar
+nicht nur einen, sondern schon vier. Er war sogar
+mit Namen im Heeresbericht genannt. Er
+imponierte mir auf Grund seiner Erfahrungen
+ganz rasend. Ich konnte mir noch so gro&szlig;e M&uuml;he
+geben, ich hatte bis dahin noch immer keinen zur
+Strecke, jedenfalls war mir noch keiner anerkannt
+worden. Zu gerne h&auml;tte ich erfahren, wie dieser
+Leutnant Boelcke das nun eigentlich machte. So
+stellte ich an ihn die Frage: &raquo;Sagen Sie mal
+blo&szlig;, wie machen Sie&#8217;s denn eigentlich?&laquo; Er
+lachte sehr belustigt, dabei hatte ich aber wirklich
+ernst gefragt. Dann antwortete er mir: &raquo;Ja,
+Herrgott, ganz einfach. Ich fliege eben ran und
+ziele gut, dann f&auml;llt er halt herunter.&laquo; Ich
+<span class="pagenum"><a name="Page_66" id="Page_66">[66]</a></span>sch&uuml;ttelte blo&szlig; den Kopf und meinte, das t&auml;te
+ich doch auch, blo&szlig; da&szlig; er eben bei mir nicht
+&#8217;runterfiele. Der Unterschied war allerdings der,
+er flog Fokker und ich mein Gro&szlig;kampfflugzeug.</p>
+
+<p>Ich gab mir M&uuml;he, diesen netten bescheidenen
+Menschen, der mir wahnsinnig imponierte, n&auml;her
+kennenzulernen. Wir spielten oft Karten zusammen,
+gingen spazieren, und ich fragte ihn aus.
+So reifte in mir der Entschlu&szlig;: &raquo;Du mu&szlig;t selber
+einen Fokker fliegen lernen, dann wird es vielleicht
+besser gehen.&laquo;</p>
+
+<p>Mein Sinnen und Trachten ging nun dahin,
+zu lernen, selbst &raquo;den Kn&uuml;ppel zu f&uuml;hren&laquo;. Denn
+ich war bisher immer nur Beobachter gewesen.
+Es bot sich bald Gelegenheit, auf einer alten
+Klamotte in der Champagne zu schulen. Ich
+betrieb das mit gro&szlig;em Eifer und war nach f&uuml;nfundzwanzig
+Schulfl&uuml;gen vor dem Alleinflug.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_67" id="Page_67">[67]</a></span><a name="Der_erste_Alleinflug" id="Der_erste_Alleinflug"></a>Der erste Alleinflug</h2>
+
+<p class="subheader">(10. <em class="gesperrt">Oktober</em> 1915)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">E</span>s gibt so einige Augenblicke im Leben, die
+einen besonderen Nervenkitzel verursachen,
+so z.&nbsp;B. der erste Alleinflug.</p>
+
+<p>Zeumer, mein Lehrer, erkl&auml;rte mir eines
+Abends: &raquo;So, nun flieg&#8217; mal alleine los.&laquo; Ich
+mu&szlig; sagen, da&szlig; ich ihm am liebsten geantwortet
+h&auml;tte: &raquo;Ich habe zu gro&szlig;e Angst.&laquo; Aber dies
+Wort soll ja der Vaterlandsverteidiger niemals in
+den Mund nehmen. Also mu&szlig;te ich wohl oder
+&uuml;bel meinen Schweinehund &#8217;runterschlucken und
+mich in die Maschine setzen.</p>
+
+<p>Er erkl&auml;rte mir noch einmal jeden Griff theoretisch;
+ich h&ouml;rte nur noch mit halbem Ohre zu,
+denn ich war der festen &Uuml;berzeugung: Du vergi&szlig;t
+doch die H&auml;lfte.</p>
+
+<p>Ich rollte zum Start, gab Gas, die Maschine
+bekam ihre bestimmte Geschwindigkeit, und mit
+einem Male konnte ich nicht umhin, festzustellen,
+da&szlig; ich tats&auml;chlich flog. Es war schlie&szlig;lich kein
+&auml;ngstliches, sondern ein verwegenes Gef&uuml;hl. Mir
+war jetzt alles Wurscht. Mochte passieren, was da
+wollte, ich w&auml;re &uuml;ber nichts mehr erschrocken gewesen.
+Mit Todesverachtung machte ich eine
+Riesenlinkskurve, stellte an dem genau bezeichneten
+Baum das Gas ab und wartete der Dinge,
+<span class="pagenum"><a name="Page_68" id="Page_68">[68]</a></span>die sich nun ereignen w&uuml;rden. Nun kam das
+Schwierigste, die Landung. Mir waren die notwendigen
+Handgriffe genau in Erinnerung.
+Ich machte sie mechanisch nach, jedoch reagierte
+die Maschine ganz anders als sonst, wo Zeumer
+drin sa&szlig;. Ich war aus dem Gleichgewicht gebracht,
+machte einige falsche Bewegungen, stand
+auf dem Kopf, und schon gab es wieder mal eine
+&raquo;Schulmaschine&laquo;. Sehr traurig beguckte ich mir
+den Schaden, der sich zum Gl&uuml;ck bald beheben lie&szlig;,
+und hatte im &uuml;brigen noch den Spott auf meiner
+Seite.</p>
+
+<p>Zwei Tage sp&auml;ter ging ich mit rasender Passion
+wieder an mein Flugzeug, und siehe da, es ging
+wunderbar.</p>
+
+<p>Nach vierzehn Tagen konnte ich die erste Pr&uuml;fung
+machen. Ein Herr v.&nbsp;T. war Richter. Ich
+flog die mir vorgeschriebenen Achten und die mir
+befohlenen Landungen, worauf ich sehr stolz
+ausstieg und nun zu meinem gr&ouml;&szlig;ten Erstaunen
+h&ouml;rte, da&szlig; ich durchgefallen sei. Mir blieb nichts
+anderes &uuml;brig, als sp&auml;ter meine erste Pr&uuml;fung
+noch einmal zu machen.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_69" id="Page_69">[69]</a></span><a name="Aus_meiner_Doeberitzer_Ausbildungszeit" id="Aus_meiner_Doeberitzer_Ausbildungszeit"></a>Aus meiner D&ouml;beritzer Ausbildungszeit</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">U</span>m meine Examina bestehen zu k&ouml;nnen, mu&szlig;te
+ich aber nach Berlin. Ich benutzte die Gelegenheit,
+um als Beobachter ein Riesenflugzeug
+in Berlin auf den Schwung zu bringen, und lie&szlig;
+mich dazu nach D&ouml;beritz kommandieren (15.&nbsp;November
+1915). F&uuml;r das Riesenflugzeug hatte ich
+anfangs gro&szlig;es Interesse. Aber es ist komisch,
+gerade durch das Riesending wurde mir klar,
+da&szlig; nur das kleinste Flugzeug f&uuml;r meine Zwecke
+als Kampfflieger etwas taugen kann. So ein
+gro&szlig;er &Auml;ppelkahn ist zum K&auml;mpfen zu unbeweglich,
+und das ist ja eben die Hauptsache f&uuml;r mein
+Gesch&auml;ft.</p>
+
+<p>Der Unterschied zwischen einem Gro&szlig;kampfflugzeug
+und einem Riesenflugzeug ist der, da&szlig;
+das Riesenflugzeug noch erheblich gr&ouml;&szlig;er ist und
+mehr dem Zwecke f&uuml;r Bomben dient und weniger
+zum Kampfe.</p>
+
+<p>Meine Pr&uuml;fungen machte ich nun in D&ouml;beritz,
+zusammen mit einem lieben Menschen, Oberleutnant
+v.&nbsp;Lyncker. Wir beide vertrugen uns gut
+und hatten dieselben Passionen, auch dieselbe
+Auffassung &uuml;ber unsere sp&auml;tere T&auml;tigkeit. Unser
+Ziel war Fokkerfliegen, um zusammen zu einer
+Jagdstaffel nach dem Westen zu kommen. Ein
+<span class="pagenum"><a name="Page_70" id="Page_70">[70]</a></span>Jahr sp&auml;ter haben wir es erreicht, zusammenwirken
+zu k&ouml;nnen, wenn auch nur f&uuml;r kurze Zeit,
+denn meinen guten Freund ereilte bei seinem
+dritten Abschu&szlig; die t&ouml;dliche Kugel.</p>
+
+<p>Oft haben wir in D&ouml;beritz lustige Stunden
+verlebt. So war z.&nbsp;B. eine Bedingung: &raquo;Au&szlig;enlandungen.&laquo;</p>
+
+<p>Ich verband bei dieser Gelegenheit das Notwendige
+mit dem Angenehmen. Zu meinem
+Au&szlig;enlandeplatz suchte ich mir ein mir bekanntes
+Gut Buchow aus. Dort war ich auf Saujagd
+eingeladen, blo&szlig; vertrug sich die Sache schlecht mit
+meinem Dienst, denn an sch&ouml;nen Abenden wollte
+ich fliegen und trotzdem meiner Jagdpassion nachgehen.
+So legte ich mir meinen Au&szlig;enlandeplatz
+so, da&szlig; ich von dort aus bequem meine Jagdgr&uuml;nde
+erreichen konnte.</p>
+
+<p>Ich nahm mir einen zweiten Piloten als Beobachter
+mit und schickte diesen abends zur&uuml;ck. Nachts
+setzte ich mich auf Sauen an und wurde am n&auml;chsten
+Morgen von diesem Piloten wieder abgeholt.</p>
+
+<p>Wenn ich nicht h&auml;tte abgeholt werden k&ouml;nnen,
+so w&auml;re ich ziemlich auf dem Trockenen gewesen,
+da mir ein Fu&szlig;marsch von etwa zehn Kilometern
+gebl&uuml;ht h&auml;tte. So brauchte ich einen Mann, der
+mich bei jedem Wetter von meinem Hochsitz abholte.
+Es ist aber nicht jedermanns Sache, auf
+Wetter gar keine R&uuml;cksicht zu nehmen, doch es
+gelang mir, einen Gesinnungst&uuml;chtigen zu finden.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_71" id="Page_71">[71]</a></span>Eines Morgens, nachdem ich die Nacht wieder
+drau&szlig;en zugebracht hatte, begann ein ungeheures
+Schneegest&ouml;ber. Man konnte nicht f&uuml;nfzig Meter
+weit sehen. Acht Uhr war es gerade, die angegebene
+Zeit, zu der mich der Pilot abholen sollte.
+Im stillen hoffte ich, er w&uuml;rde es diesmal sein
+lassen. Aber mit einem Male h&ouml;rte ich ein
+Summen &ndash; sehen konnte ich nichts &ndash; f&uuml;nf
+Minuten sp&auml;ter lag mein sch&ouml;ner Vogel etwas
+verbogen vor mir.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_72" id="Page_72">[72]</a></span><a name="Erste_Zeit_als_Pilot" id="Erste_Zeit_als_Pilot"></a>Erste Zeit als Pilot</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">A</span>m Weihnachtstage 1915 machte ich mein
+drittes Examen. Ich verband damit einen
+Flug nach Schwerin und sah mir dort die Fokker-Werke
+an. Als Beobachter nahm ich mir meinen
+Monteur mit und flog dann sp&auml;ter mit ihm von
+Berlin nach Breslau, von Breslau nach Schweidnitz,
+von Schweidnitz nach L&uuml;ben, von L&uuml;ben
+nach Berlin, &uuml;berall zwischenlandend, Bekannte
+und Verwandte aufsuchend. Das Orientieren im
+Flugzeug fiel mir als altem Beobachter nicht schwer.</p>
+
+<p>M&auml;rz war ich beim Kampfgeschwader 2 vor Verdun
+und lernte nun den Luftkampf als Flugzeugf&uuml;hrer,
+d.&nbsp;h. ich lernte, das Flugzeug im Kampfe
+zu beherrschen. Ich flog dazu einen Zweisitzer.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Im Heeresbericht vom 26.&nbsp;April 1916 bin ich
+zum ersten Male, wenn auch nicht pers&ouml;nlich
+genannt, so doch durch eine meiner Taten erw&auml;hnt.
+Ich hatte mir auf meine Maschine ein
+Gewehr oben zwischen die Tragdecks im Geschmack,
+wie es der Nieuport hat, aufgebaut und war
+auf diese Konstruktion allein schon sehr stolz. Man
+lachte wohl etwas dar&uuml;ber, denn sie sah sehr
+primitiv aus. Ich schwor nat&uuml;rlich darauf und
+hatte bald Gelegenheit, sie praktisch zu verwerten.</p>
+
+<p>Ich begegnete einem Nieuport, der scheinbar auch
+<span class="pagenum"><a name="Page_73" id="Page_73">[73]</a></span>Anf&auml;nger war, denn er benahm sich furchtbar t&ouml;richt.
+Ich flog auf ihn zu, worauf er ausri&szlig;. Offenbar
+hatte er eine Ladehemmung. Ich hatte nicht das Gef&uuml;hl,
+als ob ich k&auml;mpfen w&uuml;rde, vielmehr: &raquo;Was wird
+jetzt erfolgen, wenn du auf ihn schie&szlig;t?&laquo; Ich fliege
+&#8217;ran, zum erstenmal auf eine ganz, ganz nahe Entfernung,
+dr&uuml;cke auf den Knopf des Maschinengewehrs,
+eine kurze Serie wohlgezielter Sch&uuml;sse, mein
+Nieuport b&auml;umt sich auf und &uuml;berschl&auml;gt sich. Anfangs
+glaubten wir, mein Beobachter und ich, es
+sei eins der vielen Kunstst&uuml;cke, die einem die Franzosen
+vorzumachen pflegen. Dieses Kunstst&uuml;ck wollte
+aber nicht aufh&ouml;ren, es ging immer tiefer, immer
+tiefer; da klopft mir mein &raquo;Franz&laquo; auf den Kopf
+und ruft mir zu: &raquo;Ich gratuliere, der f&auml;llt!&laquo;
+Tats&auml;chlich fiel er in einen Wald hinter dem Fort
+Douaumont und verschwand zwischen den B&auml;umen.
+&raquo;Den hast du abgeschossen,&laquo; das war mir
+klar. Aber &ndash; jenseits! Ich flog nach Hause,
+meldete weiter nichts als: &raquo;Ein Luftkampf, ein
+Nieuport abgeschossen.&laquo; Einen Tag darauf las
+ich diese meine Heldentat im Heeresbericht. Ich
+war nicht schlecht stolz darauf, aber zu meinen
+zweiundf&uuml;nfzig z&auml;hlt dieser Nieuport nicht.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<div class="blockquote">
+<p class="center">
+<em class="gesperrt">Heeresbericht vom</em> 26.&nbsp;<em class="gesperrt">April</em> 1916<br />
+</p>
+
+<p>Zwei feindliche Flugzeuge sind &uuml;ber Fleury,
+s&uuml;dlich von Douaumont und westlich davon, im
+Luftkampf abgeschossen.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_74" id="Page_74">[74]</a></span><a name="Holck" id="Holck"></a>Holck &#8224;</h2>
+
+<p class="subheader">(30. <em class="gesperrt">April</em> 1916)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">A</span>ls junger Flugzeugf&uuml;hrer flog ich mal bei
+einem Jagdfluge &uuml;ber das Fort Douaumont
+hinweg, auf dem gerade heftiges Trommelfeuer
+lag. Da sah ich, wie ein deutscher Fokker drei
+Caudrons angriff. Zu seinem Pech war aber
+sehr starker Westwind. Also ung&uuml;nstiger Wind.
+Er wurde im Laufe des Kampfes &uuml;ber die Stadt
+Verdun hinausgetrieben. Ich machte meinen
+Beobachter darauf aufmerksam, der auch meinte,
+das mu&szlig; ein ganz schneidiger Kerl sein. Wir
+&uuml;berlegten, ob es Boelcke sein k&ouml;nnte, und wollten
+uns nachher danach erkundigen. Da sah ich aber
+zu meinem Schrecken, wie aus dem Angreifer
+ein Verteidiger wurde. Der Deutsche wurde von
+den Franzosen, die sich mittlerweile auf mindestens
+zehn Flugzeuge verst&auml;rkt hatten, immer mehr
+heruntergedr&uuml;ckt. Ihm zu Hilfe kommen, konnte
+ich nicht. Ich war zu weit ab von den K&auml;mpfenden
+und kam zudem in meiner schweren Maschine
+nicht gegen den Wind an. Der Fokker
+wehrte sich verzweifelt. Jetzt hatten ihn die Feinde
+schon mindestens auf sechshundert Meter heruntergedr&uuml;ckt.
+Da wurde er pl&ouml;tzlich von einem
+seiner Verfolger erneut angegriffen. Er verschwand
+in einem Sturzflug in einer Kumuluswolke.
+<span class="pagenum"><a name="Page_75" id="Page_75">[75]</a></span>Ich atmete auf, denn das war meiner
+Ansicht nach seine Rettung.</p>
+
+<p>Zu Hause angekommen, erz&auml;hlte ich, was ich
+gesehen hatte, und erfuhr, da&szlig; es Holck, mein
+alter Kampfgenosse aus dem Osten, war, der vor
+kurzem vor Verdun Jagdflieger geworden war.</p>
+
+<p>Mit Kopfschu&szlig; war Graf Holck senkrecht abgest&uuml;rzt.
+Es ging mir sehr nahe, denn er war
+nicht blo&szlig; ein Vorbild an Schneid, er war eben
+auch als Mensch eine Pers&ouml;nlichkeit, wie es nur
+wenige gibt.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_76" id="Page_76">[76]</a></span><a name="Ein_Gewitterflug" id="Ein_Gewitterflug"></a>Ein Gewitterflug</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">U</span>nsere T&auml;tigkeit vor Verdun im Sommer
+1916 wurde durch h&auml;ufige Gewitterst&uuml;rme
+gest&ouml;rt. Nichts Unangenehmeres gibt es f&uuml;r einen
+Flieger, als durch ein Gewitter hindurch zu m&uuml;ssen.
+W&auml;hrend der Somme-Schlacht zum Beispiel
+landete ein ganzes englisches Geschwader hinter
+unseren Linien, weil es durch ein Gewitter &uuml;berrascht
+wurde. Es geriet so in Gefangenschaft.</p>
+
+<p>Ich hatte noch nie den Versuch gemacht, durch
+ein Gewitter hindurchzufliegen, und konnte es
+mir nicht verkneifen, das doch mal auszuprobieren.
+In der Luft war den ganzen Tag eine richtige
+Gewitterstimmung. Von meinem Flughafen
+Mont war ich nach dem nahen Metz hin&uuml;bergeflogen,
+um dort einiges zu erledigen. Da ereignete
+sich bei meinem Nachhauseflug folgendes:</p>
+
+<p>Ich war auf dem Flugplatz in Metz und wollte
+nach meinem Flughafen zur&uuml;ck. Wie ich meine
+Maschine aus der Halle zog, machten sich die ersten
+Anzeichen eines nahen Gewittersturmes bemerkbar.
+Der Wind kr&auml;uselte den Sand, und eine
+pechschwarze Wand zog von Norden her heran.
+Alte, erfahrene Piloten rieten mir dringend ab,
+zu fliegen. Ich hatte aber fest versprochen zu
+kommen, und es w&auml;re mir furchtsam erschienen,
+wenn ich wegen eines dummen Gewitters ausgeblieben
+<span class="pagenum"><a name="Page_77" id="Page_77">[77]</a></span>w&auml;re. Also, Gas gegeben und mal
+probiert! Schon beim Start fing&#8217;s an zu regnen.
+Die Brille mu&szlig;te ich wegwerfen, um &uuml;berhaupt
+etwas sehen zu k&ouml;nnen. Das &Uuml;ble war, da&szlig; ich
+&uuml;ber die Moselberge wegmu&szlig;te, durch deren T&auml;ler
+gerade der Gewittersturm brauste. Ich dachte
+mir: &raquo;Nur zu, es wird schon gl&uuml;cken,&laquo; und n&auml;herte
+mich mehr und mehr der schwarzen Wolke, die
+bis auf die Erde herunterreichte. Ich flog so
+niedrig wie m&ouml;glich. &Uuml;ber H&auml;user und Baumreihen
+mu&szlig;te ich teilweise hinwegspringen. Wo
+ich war, wu&szlig;te ich schon lange nicht mehr. Der
+Sturm erfa&szlig;te meinen Apparat wie ein St&uuml;ck
+Papier und trieb ihn vor sich her. Mir sa&szlig; das
+Herz doch etwas tiefer. Landen konnte ich nicht mehr
+in den Bergen, also mu&szlig;te durchgehalten werden.</p>
+
+<p>Um mich herum war es schwarz, unter mir
+bogen sich die B&auml;ume im Sturm. Pl&ouml;tzlich lag
+vor mir eine bewaldete H&ouml;he. Ich mu&szlig;te auf sie
+zu, mein guter Albatros schaffte es und ri&szlig; mich
+dar&uuml;ber hinweg. Ich konnte nur noch geradeaus
+fliegen; jedes Hindernis, das kam, mu&szlig;te genommen
+werden. Es war die reine Springkonkurrenz
+&uuml;ber B&auml;ume, D&ouml;rfer, besonders
+Kircht&uuml;rme und Schornsteine, da ich h&ouml;chstens
+noch f&uuml;nf Meter hoch fliegen konnte, um in der
+schwarzen Gewitterwolke &uuml;berhaupt noch etwas
+zu sehen. Um mich herum zuckten die Blitze. Ich
+wu&szlig;te damals noch nicht, da&szlig; der Blitz nicht in
+<span class="pagenum"><a name="Page_78" id="Page_78">[78]</a></span>das Flugzeug schlagen kann. Ich glaubte den
+sicheren Tod vor Augen zu haben, denn der Sturm
+mu&szlig;te mich bei der n&auml;chsten Gelegenheit in ein
+Dorf oder in einen Wald werfen. H&auml;tte der
+Motor ausgesetzt, so w&auml;re ich erledigt gewesen.</p>
+
+<p>Da sah ich mit einem Male vor mir eine helle
+Stelle am Horizont. Dort h&ouml;rte das Gewitter
+auf; erreichte ich diesen Punkt, so war ich gerettet.
+Die ganze Energie zusammennehmend, die ein
+junger, leichtsinniger Mensch haben kann, steuerte
+ich darauf zu.</p>
+
+<p>Pl&ouml;tzlich, wie abgerissen, war ich aus der Gewitterwolke
+heraus, flog zwar noch im str&ouml;menden
+Regen, aber f&uuml;hlte mich im &uuml;brigen geborgen.</p>
+
+<p>Noch immer bei str&ouml;mendem Regen landete ich
+in meinem Heimatshafen, wo schon alles auf mich
+wartete, da von Metz bereits die Nachricht eingetroffen
+war, ich sei in einer Gewitterwolke,
+Richtung dorthin, verschwunden.</p>
+
+<p>Nie wieder werde ich, wenn es nicht mein
+Vaterland von mir fordert, durch einen Gewittersturm
+hindurchfliegen.</p>
+
+<p>In der Erinnerung ist alles sch&ouml;n, so gab es
+auch dabei sch&ouml;ne Momente, die ich nicht in meinem
+Fliegerdasein missen m&ouml;chte.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_79" id="Page_79">[79]</a></span><a name="Das_erstemal_auf_einem_Fokker" id="Das_erstemal_auf_einem_Fokker"></a>Das erstemal auf einem Fokker</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">V</span>on Anfang meiner Pilotenlaufbahn an hatte
+ich nur ein Streben, und das war, in einem
+einsitzigen Kampfflugzeug fliegen zu d&uuml;rfen. Nach
+langem Qu&auml;len bei meinem Kommandeur hatte
+ich die Erlaubnis &#8217;rausgeschunden, einen Fokker
+zu schaukeln. Der Motor, der sich um sich selbst
+drehte, war mir etwas ganz Neues. Auch so
+allein in einem kleinen Flugzeug zu sitzen, war
+mir fremd.</p>
+
+<p>Ich besa&szlig; mit einem Freund, der jetzt schon
+lange tot ist, zusammen diesen einen Fokker.
+Vormittags flog ich ihn, nachmittags er. Jeder
+hatte Angst, der andere k&ouml;nne die Kiste eher zerschmei&szlig;en.
+Am zweiten Tage flogen wir gegen
+den Feind. Mir war vormittags kein Franzose
+begegnet, nachmittags kam der andere an die
+Reihe. Er kam nicht wieder, keine Nachricht, nichts.
+Sp&auml;tabends meldete die Infanterie einen Luftkampf
+zwischen einem Nieuport und einem deutschen
+Fokker, nach dessen Verlauf der Deutsche
+scheinbar jenseits auf dem Toten Mann gelandet
+w&auml;re. Es konnte nur Reimann sein, denn alle
+anderen waren zur&uuml;ckgekommen. Wir bedauerten
+unseren k&uuml;hnen Kameraden, da pl&ouml;tzlich kam
+nachts die telephonische Nachricht, ein deutscher
+Fliegeroffizier sei mit einem Male im vordersten
+<span class="pagenum"><a name="Page_80" id="Page_80">[80]</a></span>Sappenkopf der Infanteriestellung auf dem
+Toten Mann erschienen. Er entpuppte sich als
+Reimann. Ihm war der Motor zerschossen
+worden, so da&szlig; er zur Notlandung gezwungen
+war. Er hatte dabei unsere Linien nicht mehr
+erreichen k&ouml;nnen und war zwischen dem Feind
+und uns gelandet. Schnell hatte er noch seine
+Maschine in Brand gesteckt und sich dann einige
+hundert Meter davon in einem Sprengtrichter
+verborgen gehalten. In der Nacht war er dann
+als Schleichpatrouille in unseren Gr&auml;ben erschienen.
+So endete zum ersten Male unser Aktienunternehmen:
+&raquo;Der Fokker&laquo;.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Nach einigen Wochen bekamen wir einen
+zweiten. Diesmal f&uuml;hlte ich mich verpflichtet,
+das gute Ding ins Jenseits zu bef&ouml;rdern. Es
+war vielleicht mein dritter Flug auf der kleinen,
+schnellen Maschine. Beim Start setzte der Motor
+aus. Ich mu&szlig;te hinunter, gerade in ein Haferfeld
+hinein, und im Umsehen war aus dem stolzen,
+sch&ouml;nen Apparat blo&szlig; noch eine unkenntliche Masse
+geworden. Wie durch ein Wunder war mir
+nichts passiert.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_81" id="Page_81">[81]</a></span><a name="Bombenfluege_in_Russland" id="Bombenfluege_in_Russland"></a>Bombenfl&uuml;ge in Ru&szlig;land</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">J</span>uni hie&szlig; es pl&ouml;tzlich verladen. Wir wu&szlig;ten
+nicht, wo es hinging, aber den richtigen
+Tip hatten wir und waren deshalb nicht &uuml;berm&auml;&szlig;ig
+erstaunt, wie uns unser Kommandeur
+mit der Neuigkeit &uuml;berraschte, da&szlig; wir nach Ru&szlig;land
+gingen. Wir fuhren durch ganz Deutschland
+mit unserem Wohnzug, aus Speise- und Schlafwagen
+bestehend, und kamen schlie&szlig;lich nach
+Kowel. Dort blieben wir in unseren Eisenbahnwagen
+wohnen. Dieses Wohnen in Z&uuml;gen hat
+ja nun nat&uuml;rlich sehr viel Vorteile. Man ist stets
+fertig, um weiterzureisen, und man hat immer
+dasselbe Quartier.</p>
+
+<p>Aber in der russischen Sommerhitze ist so ein
+Schlafwagen das F&uuml;rchterlichste, was es geben
+kann. Deshalb zog ich es vor, mit zwei guten
+Freunden, Gerstenberg und Scheele, in den nahen
+Wald zu ziehen, wo wir uns ein Zelt aufbauten
+und wie Zigeuner lebten. Das waren sch&ouml;ne Zeiten.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>In Ru&szlig;land warf unser Kampfgeschwader viel
+Bomben. Wir besch&auml;ftigten uns damit, die Russen
+zu &auml;rgern, und legten auf ihre sch&ouml;nsten Bahnanlagen
+unsere Eier. An einem dieser Tage zog
+unser ganzes Geschwader los, um eine sehr wichtige
+Bahnhofsanlage zu bewerfen. Das Nest
+<span class="pagenum"><a name="Page_82" id="Page_82">[82]</a></span>hie&szlig; Manjewicze und lag etwa drei&szlig;ig Kilometer
+hinter der Front, also nicht so &uuml;bertrieben weit.
+Die Russen hatten einen Angriff geplant, und
+zu diesem Zweck war der Bahnhof ganz ungeheuerlich
+mit Z&uuml;gen angef&uuml;llt. Ein Zug stand neben
+dem anderen, eine ganze Strecke war mit fahrenden
+Z&uuml;gen belegt. Man konnte das von oben
+sehr sch&ouml;n sehen; an jeder Ausweichstelle stand ein
+Transportzug. Also ein wirklich lohnendes Ziel
+f&uuml;r einen Bombenflug.</p>
+
+<p>Man kann sich f&uuml;r alles begeistern. So hatte
+ich mich mal f&uuml;r eine Weile f&uuml;r dieses Bombenfliegen
+begeistert. Es machte mir einen unheimlichen
+Spa&szlig;, die Br&uuml;der da unten zu bepflastern.
+Oft zog ich an einem Tage zweimal los. An
+diesem Tage hatten wir uns also Manjewicze
+zum Ziele gesteckt. Jede Staffel f&uuml;r sich zog
+geschlossen gen Ru&szlig;land. Die Maschinen standen
+am Start, jeder Flugzeugf&uuml;hrer versuchte noch
+einmal seinen Motor, denn es ist eine peinliche
+Sache, auf der falschen Partei notzulanden und
+besonders in Ru&szlig;land. Der Russe ist auf Flieger
+wie wild. Kriegt er einen zu fassen, schl&auml;gt er ihn
+ganz bestimmt tot. Das ist auch die einzige Gefahr
+in Ru&szlig;land, denn feindliche Flieger gibt es da
+nicht, oder so gut wie gar nicht. Kommt mal einer
+vor, so hat er sicherlich Pech und wird abgeschossen.
+Die Ballonabwehrgesch&uuml;tze in Ru&szlig;land sind
+manchmal ganz gut, aber ihre Zahl nicht ausreichend.
+<span class="pagenum"><a name="Page_83" id="Page_83">[83]</a></span>Gegen den Westen jedenfalls ist das
+Fliegen im Osten eine Erholung.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Die Maschinen rollen schwer bis an den Startplatz.
+Sie sind bis auf ihr letztes Ladegewicht mit
+Bomben angef&uuml;llt. Ich schleppte manchmal einhundertf&uuml;nfzig
+Kilogramm Bomben mit einem
+ganz normalen C-Flugzeug. Au&szlig;erdem hatte ich
+noch einen schweren Beobachter mit, dem man
+die Fleischnot gar nicht ansah, ferner &raquo;f&uuml;r den
+Fall, da&szlig;&laquo; noch zwei Maschinengewehre. Ich habe
+sie nie in Ru&szlig;land ausprobieren k&ouml;nnen. Es ist
+sehr schade, da&szlig; in meiner Sammlung kein Russe
+vorhanden ist. An der Wand w&uuml;rde sich seine
+Kokarde gewi&szlig; ganz malerisch machen. So ein
+Flug mit einer dicken, schwerbeladenen Maschine,
+besonders in der russischen Mittagsglut, ist nicht
+von Pappe. Die K&auml;hne schaukeln sehr unangenehm.
+Runterfallen tun sie nat&uuml;rlich nicht, daf&uuml;r sorgen
+die einhundertf&uuml;nfzig &raquo;Pferde&laquo;, aber es ist doch
+kein angenehmes Gef&uuml;hl, so viel Sprengladung
+und Benzin bei sich zu haben. Endlich ist man
+in einer ruhigeren Luftschicht und kommt allm&auml;hlich
+zu dem Genu&szlig; des Bombenfluges. Es
+ist sch&ouml;n, geradeaus zu fliegen, ein bestimmtes
+Ziel zu haben und einen festen Auftrag. Man
+hat nach einem Bombenwurf das Gef&uuml;hl: Du
+hast etwas geleistet, w&auml;hrend man manchmal
+bei einem Jagdflug, wo man keinen abgeschossen
+<span class="pagenum"><a name="Page_84" id="Page_84">[84]</a></span>hat, sich sagen mu&szlig;: Du h&auml;ttest es besser machen
+k&ouml;nnen. Ich habe sehr gern Bomben geworfen.
+Mein Beobachter hatte es sachte sehr ordentlich
+wegbekommen, das Ziel genau senkrecht zu
+&uuml;berfliegen und mit Hilfe eines Zielfernrohres
+den guten Augenblick abzupassen, um sein Ei zu
+legen. Es ist ein sch&ouml;ner Flug nach Manjewicze.
+Ich habe ihn &ouml;fters hinter mir.</p>
+
+<p>Wir kamen &uuml;ber riesige Waldkomplexe, in denen
+gewi&szlig; die Elche und Luchse herumturnen. Die
+D&ouml;rfer sahen allerdings auch so aus, als ob sich
+die F&uuml;chse darin Gute Nacht sagen k&ouml;nnten. Das
+einzige gr&ouml;&szlig;ere Dorf in der ganzen Gegend war
+Manjewicze. Um das Dorf herum waren zahllose
+Zelte aufgeschlagen und am Bahnhof selbst
+unz&auml;hlige Baracken. Rote Kreuze konnten wir
+nicht erkennen. Vor uns war eine Staffel dagewesen.
+Dieses konnte man an einzelnen rauchenden
+H&auml;usern und Baracken noch feststellen.
+Sie hatte nicht schlecht geworfen. Der eine Ausgang
+des Bahnhofs war durch einen Treffer
+offenbar versperrt. Die Lokomotive dampfte noch.
+Gewi&szlig; waren die Herren Zugf&uuml;hrer irgendwo
+in einem Unterstand oder so was &Auml;hnlichem.
+Auf der anderen Seite fuhr gerade eine Lokomotive
+mit gro&szlig;er Fahrt heraus. Nat&uuml;rlich
+reizte einen das, das Ding zu treffen. Wir
+fliegen das Ding an und setzen einige hundert
+Meter davor eine Bombe. Der gew&uuml;nschte Erfolg
+<span class="pagenum"><a name="Page_85" id="Page_85">[85]</a></span>war da, die Lokomotive blieb stehen. Wir machen
+kehrt und werfen noch sauber Bombe f&uuml;r Bombe,
+fein gezielt durch das Zielfernrohr, auf den
+Bahnhof. Wir haben ja Zeit, es st&ouml;rt uns niemand.
+Ein feindlicher Flughafen ist zwar ganz
+in der N&auml;he, aber seine Piloten sind nicht zu sehen.
+Abwehrgesch&uuml;tze knallen nur ganz vereinzelt und
+in einer ganz anderen Richtung als wir fliegen.
+Wir heben uns noch eine Bombe auf, um sie
+besonders nutzbringend beim Nachhauseflug anzuwenden.
+Da sehen wir, wie ein feindlicher
+Flieger auf seinem Hafen startet. Ob er sich wohl
+mit dem Gedanken tr&auml;gt, uns anzugreifen? Ich
+glaube es nicht. Viel eher sucht er Sicherheit in
+der Luft, denn das ist bei Bombenfl&uuml;gen auf Flugh&auml;fen
+ganz gewi&szlig; das bequemste, sich der pers&ouml;nlichen
+Lebensgefahr zu entziehen.</p>
+
+<p>Wir machen noch einige Umwege und suchen
+Truppenlager, denn das macht besonderen Spa&szlig;,
+die Herren da unten mit Maschinengewehren zu
+beunruhigen. Solche halbwilden V&ouml;lkerst&auml;mme
+wie die Asiaten haben noch viel mehr Angst als
+die gebildeten Engl&auml;nder. Besonders interessant
+ist es, auf feindliche Kavallerie zu schie&szlig;en. Es
+bringt ungeheure Unruhe unter die Leute. Man
+sieht sie mit einem Male nach allen Himmelsrichtungen
+davonsausen. Ich m&ouml;chte nicht Schwadronschef
+von so einer Kosakeneskadron sein, die
+von Fliegern mit Maschinengewehren beschossen
+<span class="pagenum"><a name="Page_86" id="Page_86">[86]</a></span>wird. Allm&auml;hlich konnten wir wieder unsere
+Linien sehen. Nun wurde es Zeit, da&szlig; wir unsere
+letzte Bombe loswurden. Wir beschlossen, einen
+Fesselballon, &raquo;<em class="gesperrt">den</em>&laquo; Fesselballon der Russen, mit
+einer Bombe zu bedenken. Wir konnten ganz
+gem&uuml;tlich auf wenige hundert Meter heruntergehen
+und den Fesselballon bewerfen. Anfangs
+wurde er mit gro&szlig;er Hast eingezogen, wie aber
+die Bombe gefallen war, h&ouml;rte das Einziehen auf.
+Ich erkl&auml;rte es mir dadurch, nicht etwa, da&szlig; ich
+getroffen hatte, sondern eher, da&szlig; die Russen
+ihren Hetman da oben in dem Korb im Stich
+lie&szlig;en und weggelaufen waren. Wir erreichten
+schlie&szlig;lich unsere Front, unsere Gr&auml;ben und waren,
+als wir zu Hause ankamen, doch etwas erstaunt,
+wie wir feststellten, da&szlig; man uns von unten doch
+beschossen hatte, wenigstens zeigte dies ein Treffer
+in der Tragfl&auml;che.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Ein andermal waren wir gleichfalls etwa in
+derselben Gegend auf einen Angriff der Russen
+angesetzt, die den Stochod zu &uuml;berschreiten beabsichtigten.
+Wir kamen an die gef&auml;hrdete Stelle,
+mit Bomben beladen und sehr viel Patronen f&uuml;rs
+Maschinengewehr, und da sahen wir zu unserer
+gro&szlig;en &Uuml;berraschung, wie bereits der Stochod
+von feindlicher Kavallerie &uuml;berschritten wird.
+Eine einzige Br&uuml;cke diente zum Nachschub. Also
+war es klar: Trifft man diese, so kann man dem
+<span class="pagenum"><a name="Page_87" id="Page_87">[87]</a></span>Feind ungeheuer schaden. Au&szlig;erdem w&auml;lzten sich
+&uuml;ber den schmalen Steg dicke Truppenmassen.
+Wir gingen auf m&ouml;glichst niedrige H&ouml;he hinunter
+und konnten nun genau erkennen, da&szlig; die feindliche
+Kavallerie in gro&szlig;er Geschwindigkeit &uuml;ber
+den &Uuml;bergang marschierte. Die erste Bombe
+krachte nicht weit von ihr, die zweite, dritte folgte
+unmittelbar darauf. Unten entsteht eine w&uuml;ste
+Unordnung. Die Br&uuml;cke ist zwar nicht getroffen,
+aber nichtsdestotrotz hat der Verkehr vollst&auml;ndig
+aufgeh&ouml;rt, und alles, was Beine hat, ist nach allen
+Himmelsrichtungen davon. Der Erfolg war gut,
+denn das waren nur drei Bomben; es kam ja
+noch das ganze Geschwader hinterher. Und so
+konnten wir noch manches erreichen. Mein
+Beobachter scho&szlig; feste mit dem Maschinengewehr
+unter die Br&uuml;der, und wir hatten einen wilden
+Spa&szlig; daran. Was unser positiver Erfolg war,
+kann ich nat&uuml;rlich nicht sagen. Die Russen haben
+es mir auch nicht erz&auml;hlt. Aber eingebildet habe
+ich mir, da&szlig; ich den russischen Angriff allein abgeschlagen
+habe. Ob es stimmt, wird die Kriegschronik
+der Russen nach dem Kriege mir wohl
+mitteilen.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_88" id="Page_88">[88]</a></span><a name="Endlich" id="Endlich"></a>Endlich!</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">D</span>ie Augustsonne war fast unertr&auml;glich auf dem
+sandigen Flugplatz in Kowel. Wir unterhielten
+uns mit den Kameraden, da erz&auml;hlte
+einer: &raquo;Heute kommt der gro&szlig;e Boelcke und will
+uns, oder vielmehr seinen Bruder, in Kowel besuchen.&laquo;
+Abends erschien der ber&uuml;hmte Mann,
+von uns sehr angestaunt, und erz&auml;hlte vieles
+Interessante von seiner Reise nach der T&uuml;rkei, von
+der er gerade auf dem R&uuml;ckwege war, um sich im
+Gro&szlig;en Hauptquartier zu melden. Er sprach
+davon, da&szlig; er an die Somme ginge, um dort
+seine Arbeit fortzusetzen, auch sollte er eine ganze
+Jagdstaffel aufstellen. Zu diesem Zwecke konnte
+er sich aus der Fliegertruppe ihm geeignet erscheinende
+Leute aussuchen. Ich wagte nicht, ihn
+zu bitten, da&szlig; er mich mitn&auml;hme. Nicht aus dem
+Grunde heraus, da&szlig; es mir bei unserem Geschwader
+zu langweilig gewesen w&auml;re &ndash; im Gegenteil,
+wir machten gro&szlig;e und interessante Fl&uuml;ge,
+haben den Ru&szlig;kis mit unseren Bomben so manchen
+Bahnhof einget&ouml;ppert &ndash; aber der Gedanke,
+wieder an der Westfront zu k&auml;mpfen, reizte mich.
+Es gibt eben nichts Sch&ouml;neres f&uuml;r einen jungen
+Kavallerieoffizier, als auf Jagd zu fliegen.</p>
+
+<p>Am n&auml;chsten Morgen sollte Boelcke wieder wegfahren.
+Fr&uuml;hmorgens klopfte es pl&ouml;tzlich an
+<span class="pagenum"><a name="Page_89" id="Page_89">[89]</a></span>meiner T&uuml;r, und vor mir stand der gro&szlig;e Mann
+mit dem <em class="antiqua">Pour le m&eacute;rite</em>. Ich wu&szlig;te nicht recht,
+was er von mir wollte. Ich kannte ihn zwar, wie
+bereits erw&auml;hnt, aber auf den Gedanken kam ich
+nicht, da&szlig; er mich dazu aufgesucht hatte, um mich
+aufzufordern, sein Sch&uuml;ler zu werden. Fast w&auml;re
+ich ihm um den Hals gefallen, wie er mich fragte,
+ob ich mit ihm nach der Somme gehen wollte.</p>
+
+<p>Drei Tage sp&auml;ter sa&szlig; ich auf der Eisenbahn und
+fuhr quer durch Deutschland direkt nach dem Feld
+meiner neuen T&auml;tigkeit. Endlich war mein sehnlichster
+Wunsch erf&uuml;llt, und nun begann f&uuml;r mich
+die sch&ouml;nste Zeit meines Lebens.</p>
+
+<p>Da&szlig; sie sich so erfolgreich gestalten w&uuml;rde, wagte
+ich damals nicht zu hoffen. Beim Abschied rief
+mir ein guter Freund noch nach: &raquo;Komm&#8217; blo&szlig;
+nicht ohne den <em class="antiqua">Pour le m&eacute;rite</em> zur&uuml;ck!&laquo;</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_90" id="Page_90">[90]</a></span><a name="Mein_erster_Englaender" id="Mein_erster_Englaender"></a>Mein erster Engl&auml;nder</h2>
+
+<p class="subheader">(17. <em class="gesperrt">September</em> 1916)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">W</span>ir standen alle auf dem Schie&szlig;platz, und einer
+nach dem anderen scho&szlig; sein Maschinengewehr
+ein, so, wie es ihm am g&uuml;nstigsten erschien. Am
+Tage vorher hatten wir unsere neuen Apparate bekommen,
+und am n&auml;chsten Morgen wollte Boelcke
+mit uns fliegen. Wir waren alle Anf&auml;nger, keiner
+von uns hatte bisher einen Erfolg zu verzeichnen.
+Was Boelcke uns sagte, war uns daher ein Evangelium.
+In den letzten Tagen hatte er, wie er sich
+ausdr&uuml;ckte, zum Fr&uuml;hst&uuml;ck schon mindestens einen,
+manchmal auch zwei Engl&auml;nder abgeschossen.</p>
+
+<p>Der n&auml;chste Morgen, der 17.&nbsp;September, war
+ein wunderbarer Tag. Man konnte mit regem
+Flugbetrieb der Engl&auml;nder rechnen. Bevor wir
+aufstiegen, erteilte Boelcke uns noch einige genaue
+Instruktionen, und zum ersten Male flogen
+wir im Geschwader unter F&uuml;hrung des ber&uuml;hmten
+Mannes, dem wir uns blindlings anvertrauten.</p>
+
+<p>Wir waren gerade an die Front gekommen, als
+wir bereits &uuml;ber unseren Linien an den Sprengpunkten
+unserer Ballon-Abwehrkanonen ein feindliches
+Geschwader erkannten, das in Richtung
+Cambrai flog. Boelcke war nat&uuml;rlich der erste, der
+es sah, denn er sah eben mehr als andere Menschen.
+Bald hatten wir auch die Lage erfa&szlig;t, und
+<span class="pagenum"><a name="Page_91" id="Page_91">[91]</a></span>jeder strebte, dicht hinter Boelcke zu bleiben. Wir
+waren uns alle klar, da&szlig; wir unsere erste Pr&uuml;fung
+unter den Augen unseres verehrten F&uuml;hrers zu
+bestehen hatten. Wir n&auml;herten uns dem Geschwader
+langsam, aber es konnte uns nicht mehr
+entgehen. Wir waren zwischen der Front und dem
+Gegner. Wollte er zur&uuml;ck, so mu&szlig;te er an uns
+vorbei. Wir z&auml;hlten schon die feindlichen Flugzeuge
+und stellten fest, da&szlig; es sieben waren. Wir
+dagegen nur f&uuml;nf. Alle Engl&auml;nder flogen gro&szlig;e,
+zweisitzige Bomben-Flugzeuge. Nur noch Sekunden,
+dann mu&szlig;te es losgehen. Boelcke war dem
+ersten schon verflucht nahe auf die Pelle ger&uuml;ckt,
+aber noch scho&szlig; er nicht. Ich war der zweite, dicht
+neben mir meine Kameraden. Der mir am
+n&auml;chsten fliegende Engl&auml;nder war ein gro&szlig;er,
+dunkel angestrichener Kahn. Ich &uuml;berlegte nicht
+lange und nahm ihn mir aufs Korn. Er scho&szlig;, ich
+scho&szlig;, und ich scho&szlig; vorbei, er auch. Es begann
+ein Kampf, in dem es f&uuml;r mich jedenfalls darauf
+ankam, hinter den Burschen zu kommen, da ich ja
+nur in meiner Flugrichtung schie&szlig;en konnte. Er
+hatte es nicht n&ouml;tig, denn sein bewegliches Maschinengewehr
+reichte nach allen Seiten. Er schien
+aber kein Anf&auml;nger zu sein, denn er wu&szlig;te genau,
+da&szlig; in dem Moment sein letztes St&uuml;ndlein geschlagen
+hatte, wo ich es erreichte, hinter ihn zu
+gelangen. Ich hatte damals noch nicht die &Uuml;berzeugung,
+&raquo;der mu&szlig; fallen&laquo;, wie ich sie jetzt voll
+<span class="pagenum"><a name="Page_92" id="Page_92">[92]</a></span>habe, sondern ich war vielmehr gespannt, ob er
+wohl fallen w&uuml;rde, und das ist ein wesentlicher
+Unterschied. Liegt mal der erste oder gar der
+zweite oder dritte, dann geht einem ein Licht auf:
+&raquo;So mu&szlig;t du&#8217;s machen.&laquo;</p>
+
+<p>Also mein Engl&auml;nder wandte, drehte sich, oft
+meine Garbe kreuzend. Daran dachte ich nicht,
+da&szlig; es auch noch andere Engl&auml;nder in dem Geschwader
+gab, die ihrem bedr&auml;ngten Kameraden
+zu Hilfe kommen konnten. Nur immer der eine
+Gedanke: &raquo;Der mu&szlig; fallen, mag kommen, was
+da will!&laquo; Da, endlich ein g&uuml;nstiger Augenblick.
+Der Gegner hat mich scheinbar verloren und fliegt
+geradeaus. Im Bruchteil einer Sekunde sitze ich
+ihm mit meiner guten Maschine im Nacken. Eine
+kurze Serie aus meinem Maschinengewehr. Ich
+war so nahe dran, da&szlig; ich Angst hatte, ihn zu
+rammen. Da pl&ouml;tzlich, fast h&auml;tte ich einen Freudenjauchzer
+ausgesto&szlig;en, denn der Propeller des
+Gegners drehte sich nicht mehr. Hurra! Getroffen!
+Der Motor war zerschossen, und der Feind
+mu&szlig;te bei uns landen, da ein Erreichen seiner
+Linien ausgeschlossen war. Auch merkte ich an den
+schwankenden Bewegungen des Apparates, da&szlig;
+irgend was mit dem F&uuml;hrer nicht mehr ganz in
+Ordnung war. Auch der Beobachter war nicht
+mehr zu sehen, sein Maschinengewehr ragte ohne
+Bedienung in die Luft. Ich hatte ihn also getroffen,
+und er mu&szlig;te am Boden seiner Karosserie liegen.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_93" id="Page_93">[93]</a></span>Der Engl&auml;nder landete irgendwo unmittelbar
+neben dem Flughafen eines mir bekannten Geschwaders.
+Ich war so aufgeregt, da&szlig; ich mir das
+Landen nicht verkneifen konnte, und landete in
+dem mir fremden Flughafen, wo ich fast im Eifer
+meine Maschine noch auf den Kopf stellte. Die
+beiden Flugzeuge, der Engl&auml;nder und meines,
+waren nicht sehr weit voneinander entfernt. Ich
+lief gleich hin und sah bereits eine Menge Soldaten
+nach dem Gegner hinstr&ouml;men. Dort angekommen,
+fand ich, da&szlig; meine Annahme stimmte.
+Der Motor war zerschossen und beide Insassen
+schwer verletzt. Der Beobachter starb gleich, der
+F&uuml;hrer auf dem Transport zum nahen Lazarett.
+Meinem in Ehren gefallenen Gegner setzte ich
+zum Andenken einen Stein auf sein sch&ouml;nes Grab.</p>
+
+<p>Als ich nach Hause kam, sa&szlig; Boelcke mit den
+anderen Kameraden bereits beim Fr&uuml;hst&uuml;ck und
+wunderte sich sehr, wo ich so lange geblieben war.
+Stolz meldete ich zum ersten Male: &raquo;Einen Engl&auml;nder
+abgeschossen.&laquo; Sofort jubelte alles, denn
+ich war nicht der einzige; au&szlig;er Boelcke, der, wie
+&uuml;blich, seinen Fr&uuml;hst&uuml;ckssieg hatte, war jeder von
+uns Anf&auml;ngern zum ersten Male Sieger im Luftkampf
+geblieben.</p>
+
+<p>Ich m&ouml;chte bemerken, da&szlig; seitdem kein englisches
+Geschwader sich mehr bis Cambrai getraute,
+solange es dort eine Jagdstaffel Boelcke gab.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_94" id="Page_94">[94]</a></span><a name="Somme-Schlacht" id="Somme-Schlacht"></a>Somme-Schlacht</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">I</span>ch habe in meinem ganzen Leben kein sch&ouml;neres
+Jagdgefilde kennengelernt als in den Tagen
+der Somme-Schlacht. Morgens, wenn man aufgestanden,
+kamen schon die ersten Engl&auml;nder, und
+die letzten verschwanden, nachdem schon lange die
+Sonne untergegangen war. &raquo;Ein Dorado f&uuml;r
+die Jagdflieger&laquo;, hat Boelcke einmal gesagt. Es
+ist damals die Zeit gewesen, wo Boelcke in zwei
+Monaten mit seinen Absch&uuml;ssen von zwanzig auf
+vierzig gestiegen war. Wir Anf&auml;nger hatten damals
+noch nicht die Erfahrung wie unser Meister
+und waren ganz zufrieden, wenn wir nicht selbst
+Senge bezogen. Aber sch&ouml;n war es! Kein Start
+ohne Luftkampf. Oft gro&szlig;e Luftschlachten von
+vierzig bis sechzig Engl&auml;ndern gegen leider nicht
+immer so viele Deutsche. Bei ihnen macht es die
+Quantit&auml;t und bei uns die Qualit&auml;t.</p>
+
+<p>Aber der Engl&auml;nder ist ein schneidiger Bursche,
+das mu&szlig; man ihm lassen. Er kam ab und zu in
+ganz niedriger H&ouml;he und besuchte Boelcke auf
+seinem Platz mit Bomben. Er forderte zum
+Kampf f&ouml;rmlich heraus und nahm ihn auch stets
+an. Ich habe kaum einen Engl&auml;nder getroffen,
+der den Kampf verweigert h&auml;tte, w&auml;hrend der
+Franzose es vorzieht, jede Ber&uuml;hrung mit dem
+Gegner in der Luft peinlichst zu vermeiden.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_95" id="Page_95">[95]</a></span>Es waren sch&ouml;ne Zeiten bei unserer Jagdstaffel.
+Der Geist des F&uuml;hrers &uuml;bertrug sich auf seine
+Sch&uuml;ler. Wir konnten uns blindlings seiner
+F&uuml;hrung anvertrauen. Die M&ouml;glichkeit, da&szlig;
+einer im Stich gelassen wurde, gab es nicht. Der
+Gedanke kam einem &uuml;berhaupt nicht. Und so
+r&auml;umten wir flott und munter unter unseren
+Feinden auf.</p>
+
+<p>An dem Tage, an dem Boelcke fiel, hatte die
+Staffel schon vierzig. Jetzt hat sie weit &uuml;ber hundert.
+Der Geist Boelckes lebt fort unter seinen
+t&uuml;chtigen Nachfolgern.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_96" id="Page_96">[96]</a></span><a name="Boelcke" id="Boelcke"></a>Boelcke &#8224;</h2>
+
+<p class="subheader">(28. <em class="gesperrt">Oktober</em> 1916)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">E</span>ines Tages flogen wir wieder einmal unter
+der F&uuml;hrung des gro&szlig;en Mannes gegen den
+Feind. Man hatte stets ein so sicheres Gef&uuml;hl,
+wenn er dabei war. Es gab eben nur einen Boelcke.
+Ein sehr st&uuml;rmisches Wetter. Viel Wolken. Andere
+Flieger flogen an dem Tage &uuml;berhaupt nicht,
+nur der Jagdflieger.</p>
+
+<p>Schon von weitem sahen wir an der Front
+zwei freche Engl&auml;nder, denen scheinbar das
+schlechte Wetter auch mal Spa&szlig; machte. Wir
+waren sechs, dr&uuml;ben waren zwei. W&auml;ren es
+zwanzig gewesen, uns h&auml;tte das Zeichen von
+Boelcke zum Angriff auch nicht weiter in Erstaunen
+gesetzt.</p>
+
+<p>Es beginnt der &uuml;bliche Kampf. Boelcke hatte
+den einen vor und ich den anderen. Ich mu&szlig;
+ablassen, weil ich von einem eigenen gest&ouml;rt
+werde. Ich sehe mich um und beobachte, wie etwa
+zweihundert Meter neben mir Boelcke sein Opfer
+gerade verarbeitet.</p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 400px;">
+<a href="images/illu_096.jpg"><img src="images/illu_096_th.jpg" width="400" height="208" alt="Der Drei&szlig;igste!" title="Der Drei&szlig;igste!" /></a>
+<span class="caption">Der Drei&szlig;igste!</span>
+</div>
+
+<div class="figcenter" style="width: 400px;">
+<a href="images/illu_097.jpg"><img src="images/illu_097_th.jpg" width="400" height="213" alt="Der Vierzigste!" title="Der Vierzigste!" /></a>
+<span class="caption">Der Vierzigste!</span>
+</div>
+
+<p>Es war wieder das &uuml;bliche Bild. Boelcke schie&szlig;t
+einen ab, und ich kann zusehen. Dicht neben
+Boelcke fliegt ein guter Freund von ihm. Es war
+ein interessanter Kampf. Beide schossen, jeden
+Augenblick mu&szlig;te der Engl&auml;nder st&uuml;rzen. Pl&ouml;tzlich
+<span class="pagenum"><a name="Page_97" id="Page_97">[97]</a></span>ist eine unnat&uuml;rliche Bewegung in den beiden
+deutschen Flugzeugen zu beobachten. Es zuckt
+mir durchs Hirn: Zusammensto&szlig;. Ich habe
+sonst nie einen Zusammensto&szlig; in der Luft gesehen
+und hatte mir so etwas viel anders vorgestellt.
+Es war auch kein Zusammensto&szlig;, sondern
+mehr ein Ber&uuml;hren. Aber in der gro&szlig;en Geschwindigkeit,
+die so ein Flugzeug hat, ist jede leise
+Ber&uuml;hrung ein heftiger Aufprall.</p>
+
+<p>Boelcke l&auml;&szlig;t sofort von seinem Opfer ab und
+geht in gro&szlig;em Kurvengleitflug zur Erde hinunter.
+Noch immer hatte ich nicht das Gef&uuml;hl
+eines Absturzes, aber wie er unter mir durchgleitet,
+erkenne ich, da&szlig; ein Teil seiner Tragfl&auml;chen
+abgebrochen ist. Was nun folgte, konnte
+ich nicht beobachten, aber in den Wolken verlor
+er eine Tragfl&auml;che ganz. Da war das Flugzeug
+steuerlos, und er st&uuml;rzte ab, immer begleitet von
+seinem treuen Freund. Als wir zu Haus ankamen,
+war bereits die Meldung da: &raquo;Unser Boelcke
+tot!&laquo; Man konnte es nicht fassen.</p>
+
+<p>Am schmerzlichsten empfand es nat&uuml;rlich derjenige,
+dem das Ungl&uuml;ck zusto&szlig;en mu&szlig;te.</p>
+
+<p>Es ist eigent&uuml;mlich, da&szlig; jeder Mensch, der
+Boelcke kennenlernte, sich einbildete, er sei der
+einzig wahre Freund von ihm. Ich habe von
+diesen einzig wahren Freunden Boelckes etwa
+vierzig kennengelernt, und jeder bildete sich ein,
+er sei der einzige. Menschen, deren Name Boelcke
+<span class="pagenum"><a name="Page_98" id="Page_98">[98]</a></span>nie gewu&szlig;t hat, glaubten, sie st&uuml;nden ihm
+besonders nahe. Es ist eine eigent&uuml;mliche Erscheinung,
+die ich nur bei ihm beobachtet habe.
+Einen pers&ouml;nlichen Feind hat er nie gehabt. Er
+war gegen jedermann gleichm&auml;&szlig;ig liebensw&uuml;rdig,
+zu keinem mehr, zu keinem weniger.</p>
+
+<p>Der einzige, der ihm vielleicht etwas n&auml;her
+stand, hatte das eben beschriebene Ungl&uuml;ck mit ihm.</p>
+
+<p>Nichts geschieht ohne Gottes F&uuml;gung. Das ist
+ein Trost, den man sich in diesem Kriege so oft
+sagen mu&szlig;.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_99" id="Page_99">[99]</a></span><a name="Der_Achte" id="Der_Achte"></a>Der Achte</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">A</span>cht war zu Boelckes Zeiten eine ganz anst&auml;ndige
+Zahl. Jeder, der heutzutage von den
+kolossalen Zahlen der Absch&uuml;sse h&ouml;rt, mu&szlig; zu der
+&Uuml;berzeugung kommen, da&szlig; das Abschie&szlig;en leichter
+geworden ist. Ich kann ihm nur eins versichern,
+da&szlig; dieses von Monat zu Monat, ja, von Woche
+zu Woche schwieriger wird. Nat&uuml;rlich bietet sich
+die Gelegenheit jetzt &ouml;fters, abzuschie&szlig;en; aber
+leider wird die M&ouml;glichkeit, selbst abgeschossen zu
+werden, ebenfalls gr&ouml;&szlig;er. Die Bewaffnung des
+Gegners wird immer besser, seine Zahl immer
+gr&ouml;&szlig;er. Als Immelmann seinen ersten abscho&szlig;,
+hatte er sogar das Gl&uuml;ck, einen Gegner zu finden,
+der gar kein Maschinengewehr bei sich hatte.
+Solche H&auml;schen findet man jetzt h&ouml;chstens noch
+&uuml;ber Johannisthal. Am 9.&nbsp;November 1916 flog
+ich mit meinem kleinen Kampfgenossen, dem
+achtzehnj&auml;hrigen Imelmann, gegen den Feind.
+Wir waren zusammen bei der Jagdstaffel Boelcke,
+kannten uns schon vorher und hatten uns immer
+sehr gut vertragen. Kameradschaft ist die Hauptsache.
+Wir zogen los. Ich hatte schon sieben,
+Imelmann f&uuml;nf. F&uuml;r damalige Zeiten eine
+ganze Menge.</p>
+
+<p>Wir sind ganz kurze Zeit an der Front, da
+sehen wir ein Bombengeschwader. Es kommt sehr
+<span class="pagenum"><a name="Page_100" id="Page_100">[100]</a></span>frech geflogen. In ungeheurer Zahl kommen sie
+nat&uuml;rlich wieder an, wie &uuml;berhaupt immer w&auml;hrend
+der Somme-Schlacht. Ich glaube, in dem Geschwader
+waren etwa vierzig bis f&uuml;nfzig, genau kann ich
+die Zahl nicht angeben. Sie hatten sich gar nicht
+weit weg von unserem Flughafen ein Ziel f&uuml;r ihre
+Bomben ausgesucht. Kurz vor dem Ziel erreichte
+ich den letzten der Gegner. Wohl gleich meine
+ersten Sch&uuml;sse machten den Maschinengewehrsch&uuml;tzen
+im feindlichen Flugzeug kampfunf&auml;hig,
+mochten wohl auch den Piloten etwas gekitzelt
+haben, jedenfalls entschlo&szlig; er sich zur Landung
+mitsamt seinen Bomben. Ich brannte ihm noch
+einige auf den Bast, dadurch wurde das Tempo,
+in dem er die Erde zu erreichen suchte, etwas
+gr&ouml;&szlig;er, er st&uuml;rzte n&auml;mlich ab und fiel ganz in die
+N&auml;he unseres Flughafens Lagnicourt.</p>
+
+<p>Imelmann war zur selben Zeit gleichfalls in
+einen Kampf mit einem Engl&auml;nder verwickelt und
+hatte auch einen Gegner zur Strecke gebracht,
+gleichfalls in derselben Gegend. Schnell flogen
+wir nach Hause, um uns unsere abgeschossenen
+Maschinen ansehen zu k&ouml;nnen. Wir fahren im
+Auto bis in die N&auml;he meines Gegners und m&uuml;ssen
+dann sehr lange durch tiefen Acker laufen. Es
+war sehr hei&szlig;, deshalb kn&ouml;pfte ich mir alles auf,
+sogar das Hemd und den Kragen. Die Jacke zog
+ich aus, die M&uuml;tze lie&szlig; ich im Auto, daf&uuml;r nahm
+ich einen gro&szlig;en Knotenstock mit, die Stiefel
+<span class="pagenum"><a name="Page_101" id="Page_101">[101]</a></span>waren bis an die Knie voll Schmutz. Ich sah also
+w&uuml;st aus. So komme ich in die N&auml;he meines
+Opfers. Nat&uuml;rlich hat sich schon eine Unmenge
+Menschen drumrum angesammelt.</p>
+
+<p>Eine Gruppe von Offizieren steht etwas abseits.
+Ich gehe auf sie zu, begr&uuml;&szlig;e sie und frage
+den ersten besten, ob er mir nicht erz&auml;hlen k&ouml;nnte,
+wie der Luftkampf ausgesehen habe, denn es
+interessiert hinterher immer sehr, von den anderen,
+die von unten zugesehen haben, zu erfahren,
+wie der Luftkampf ausgesehen hat. Da erfahre
+ich, da&szlig; die Engl&auml;nder Bomben geworfen haben
+und dieses Flugzeug noch seine Bomben bei sich
+hatte. Der betreffende Herr nimmt mich am
+Arm, geht auf die Gruppe der anderen Offiziere
+zu, fragt noch schnell nach meinem Namen und
+stellt mich den Herren vor. Es war mir nicht
+angenehm, denn ich hatte, wie gesagt, meine
+Toilette etwas derangiert. Und die Herren, mit
+denen ich jetzt zu tun hatte, sahen alle totschick angezogen
+aus. Ich wurde einer Pers&ouml;nlichkeit vorgestellt,
+die mir nicht so ganz geheuer erschien.
+Generalshosen, einen Orden zum Hals heraus,
+daf&uuml;r aber ein verh&auml;ltnism&auml;&szlig;ig jugendliches Gesicht,
+undefinierbare Achselst&uuml;cke &ndash; kurz und gut,
+ich wittere etwas Au&szlig;erordentliches, kn&ouml;pfe mir
+im Laufe der Unterhaltung Hose und Kragen zu
+und nehme eine etwas milit&auml;rischere Form an.
+Wer es war, wu&szlig;te ich nicht. Ich verabschiede mich
+<span class="pagenum"><a name="Page_102" id="Page_102">[102]</a></span>wieder, fahre nach Hause. Abends klingelt das
+Telephon, und ich erfahre nun, da&szlig; dies Seine
+K&ouml;nigliche Hoheit der Gro&szlig;herzog von Sachsen-Koburg-Gotha
+war. Ich werde zu ihm befohlen. Es
+war bekannt, da&szlig; die Engl&auml;nder die Absicht hatten,
+auf seinen Stab Bomben zu werfen. So h&auml;tte ich
+dazu beigetragen, ihm die Attent&auml;ter vom Leibe
+zu halten. Daf&uuml;r bekam ich die Sachsen-Koburg-Gothaische
+Tapferkeitsmedaille.</p>
+
+<p>Sie macht mir jedesmal Spa&szlig;, wenn ich sie sehe.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_103" id="Page_103">[103]</a></span><a name="Major_Hawker" id="Major_Hawker"></a>Major Hawker</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">A</span>m stolzesten war ich, als ich eines sch&ouml;nen
+Tages h&ouml;rte, da&szlig; der von mir am 23.&nbsp;November
+1916 abgeschossene Engl&auml;nder der englische
+Immelmann war.</p>
+
+<p>Dem Luftkampf nach h&auml;tte ich mir&#8217;s schon
+denken k&ouml;nnen, da&szlig; es ein Mordskerl war, mit
+dem ich es zu tun hatte.</p>
+
+<p>Ich flog quietschvergn&uuml;gt eines sch&ouml;nen Tages
+wieder mal auf Jagd und beobachtete drei Engl&auml;nder,
+die scheinbar auch nichts anderes vorhatten
+als zu jagen. Ich merkte, wie sie mit mir
+lieb&auml;ugelten, und da ich gerade viel Lust zum
+Kampfe hatte, lie&szlig; ich mich darauf ein. Ich war
+tiefer als der Engl&auml;nder, folglich mu&szlig;te ich warten,
+bis der Bruder auf mich &#8217;runterstie&szlig;. Es
+dauerte auch nicht lange, schon kam er angesegelt
+und wollte mich von hinten fassen. Nach den
+ersten f&uuml;nf Sch&uuml;ssen mu&szlig;te der Kunde schon wieder
+aufh&ouml;ren, denn ich lag bereits in einer scharfen
+Linkskurve. Der Engl&auml;nder versuchte, sich hinter
+mich zu setzen, w&auml;hrend ich versuchte, hinter den
+Engl&auml;nder zu kommen. So drehten wir uns beide
+wie die Wahnsinnigen im Kreise mit vollaufendem
+Motor in dreitausendf&uuml;nfhundert Metern
+H&ouml;he. Erst zwanzigmal linksrum, dann drei&szlig;igmal
+rechtsrum, jeder darauf bedacht, &uuml;ber und
+<span class="pagenum"><a name="Page_104" id="Page_104">[104]</a></span>hinter den anderen zu kommen. Ich hatte bald
+spitz, da&szlig; ich es mit keinem Anf&auml;nger zu tun
+hatte, denn es fiel ihm nicht im Traum ein, den
+Kampf abzubrechen. Er hatte zwar eine sehr wendige
+Kiste, aber meine stieg daf&uuml;r besser, und so
+gelang es mir, &uuml;ber und hinter den Engl&auml;nder zu
+kommen.</p>
+
+<p>Nachdem wir so zweitausend Meter tiefer gekommen
+waren, ohne ein Resultat erreicht zu
+haben, mu&szlig;te mein Gegner eigentlich merken, da&szlig;
+nun die h&ouml;chste Zeit f&uuml;r ihn war, sich zu dr&uuml;cken,
+denn der f&uuml;r mich g&uuml;nstige Wind trieb uns immer
+mehr auf unsere Stellen zu, bis ich schlie&szlig;lich beinahe
+&uuml;ber Bapaume, etwa einen Kilometer hinter
+unserer Front, angekommen war. Der freche
+Kerl besa&szlig; nun noch die Unversch&auml;mtheit und
+winkte mir, als wir bereits in tausend Meter H&ouml;he
+waren, ganz vergn&uuml;gt zu, als wollte er sagen:
+<em class="antiqua">&raquo;Well, well, how do you do?&laquo;</em></p>
+
+<p>Die Kreise, die wir umeinander machten, waren
+so eng, da&szlig; ich sie nicht weiter als achtzig bis hundert
+Meter sch&auml;tzte. Ich hatte Zeit, mir meinen
+Gegner anzusehen. Ich guckte ihm senkrecht in die
+Karosserie und konnte jede Kopfbewegung beobachten.
+H&auml;tte er nicht seine Kappe aufgehabt, so h&auml;tte
+ich sagen k&ouml;nnen, was f&uuml;r ein Gesicht er schnitt.</p>
+
+<p>Allm&auml;hlich wurde selbst dem braven Sportsmann
+dies doch etwas zu bunt, und er mu&szlig;te sich
+schlie&szlig;lich entscheiden, ob er bei uns landen wollte
+<span class="pagenum"><a name="Page_105" id="Page_105">[105]</a></span>oder zu seinen Linien zur&uuml;ckfliegen. Nat&uuml;rlich
+versuchte er letzteres, nachdem er durch einige
+Loopings und solche Witze vergeblich probiert hatte,
+sich mir zu entziehen. Dabei flogen meine ersten
+blauen Bohnen ihm um die Ohren, denn bis jetzt
+war keiner zu Schu&szlig; gekommen. In hundert
+Metern H&ouml;he versuchte er, durch Zickzackfl&uuml;ge,
+w&auml;hrend deren sich von dem Beobachter bekanntlich
+schlecht schie&szlig;en l&auml;&szlig;t, nach der Front zu entkommen.
+Jetzt war der gegebene Moment f&uuml;r
+mich. Ich folgte ihm in f&uuml;nfzig bis drei&szlig;ig Metern
+H&ouml;he, unentwegt feuernd. So mu&szlig;te der Engl&auml;nder
+fallen. Beinahe h&auml;tte mich eine Ladehemmung
+noch um meinen Erfolg gebracht.</p>
+
+<p>Mit Kopfschu&szlig; st&uuml;rzte der Gegner ab, etwa
+f&uuml;nfzig Meter hinter unserer Linie. Sein Maschinengewehr
+rannte in die Erde und ziert jetzt
+den Eingang &uuml;ber meiner Haust&uuml;r.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_106" id="Page_106">[106]</a></span><a name="Pour_le_merite" id="Pour_le_merite"></a><em class="antiqua">Pour le m&eacute;rite</em></h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">D</span>er Sechzehnte ist gefallen. Ich stand somit
+an der Spitze s&auml;mtlicher Jagdflieger. Dieses
+war das Ziel, das ich erreichen wollte. Das hatte
+ich scherzeshalber mal vor einem Jahr zu meinem
+Freund Lynker gesagt, als wir zusammen schulten
+und er mich fragte: &raquo;Was ist denn Ihr Ziel &ndash;
+was wollen Sie erreichen als Flieger?&laquo; Da
+meinte ich so scherzhaft: &raquo;Nun, so an der Spitze
+der Jagdflieger zu fliegen, mu&szlig; doch ganz sch&ouml;n
+sein!&laquo; Da&szlig; dies mal Tatsache w&uuml;rde, habe weder
+ich mir zugetraut noch andere Menschen mir.
+Blo&szlig; Boelcke soll einmal gesagt haben &ndash; nat&uuml;rlich
+nicht mir direkt pers&ouml;nlich, aber man hat es
+mir nachher erz&auml;hlt &ndash; wie er gefragt wurde: &raquo;Wer
+hat denn Aussicht, mal ein guter Jagdflieger zu
+werden?&laquo; da soll er mit dem Finger auf mich
+gezeigt und gesagt haben: &raquo;Das ist der Mann!&laquo;</p>
+
+<p>Boelcke und Immelmann hatten mit dem Achten
+den <em class="antiqua">Pour le m&eacute;rite</em> bekommen. Ich hatte das
+Doppelte. Was wird sich nun ereignen? Ich
+war sehr gespannt. Man munkelte, ich w&uuml;rde
+eine Jagdstaffel bekommen. Da kommt eines
+Tages das Telegramm: &raquo;Leutnant v.&nbsp;R. zum
+F&uuml;hrer der Jagdstaffel 11 ernannt.&laquo; Ich mu&szlig;
+sagen, ich habe mich ge&auml;rgert. Man hatte sich
+so sch&ouml;n mit den Kameraden der Jagdstaffel
+<span class="pagenum"><a name="Page_107" id="Page_107">[107]</a></span>Boelcke eingearbeitet. Nun wieder ganz von
+neuem anzufangen, das Einleben usw. war langweilig.
+Au&szlig;erdem w&auml;re mir der <em class="antiqua">Pour le m&eacute;rite</em>
+lieber gewesen.</p>
+
+<p>Nach zwei Tagen &ndash; wir sitzen gem&uuml;tlich bei der
+Jagdstaffel Boelcke und feiern meinen Abschied&nbsp;&ndash;,
+da kommt das Telegramm aus dem Hauptquartier,
+da&szlig; Majest&auml;t die Gnade hatte, mir den
+<em class="antiqua">Pour le m&eacute;rite</em> zu verleihen. Da war die Freude
+nat&uuml;rlich gro&szlig;. Es war ein Pflaster auf das
+Vorangegangene.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Ich hatte es mir nicht so nett vorgestellt, selbst
+eine Jagdstaffel zu f&uuml;hren, wie es nachher in
+Wirklichkeit geworden ist. Ich habe mir nie
+tr&auml;umen lassen, da&szlig; es mal eine Jagdstaffel Richthofen
+geben w&uuml;rde.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_108" id="Page_108">[108]</a></span><a name="Le_petit_rouge" id="Le_petit_rouge"></a><em class="antiqua">&raquo;Le petit rouge&laquo;</em></h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">A</span>us irgend welchen Gr&uuml;nden kam ich eines
+sch&ouml;nen Tages auf den Gedanken, mir meine
+Kiste knallrot anzupinseln. Der Erfolg war der,
+da&szlig; sich mein roter Vogel jedem Menschen unbedingt
+aufdr&auml;ngte. Auch meinen Gegnern schien dies
+tats&auml;chlich nicht ganz unbekannt geblieben zu sein.</p>
+
+<p>Gelegentlich eines Kampfes, der sich sogar an
+einer anderen Frontstelle abspielte wie die &uuml;brigen,
+gl&uuml;ckte es mir, einen zweisitzigen Vickers, der ganz
+friedlich unsere Artilleriestellung photographierte,
+anzuschie&szlig;en. Der Gegner kam gar nicht dazu, sich
+zu wehren, und mu&szlig;te sich beeilen, auf die Erde zu
+kommen, denn er fing schon an, verd&auml;chtige Zeichen
+des Brennens von sich zu geben. Wir nennen das:
+&raquo;er stinkt.&laquo; Wie sich herausstellte, war es auch
+tats&auml;chlich Zeit, denn der Apparat fing kurz &uuml;ber
+der Erde an, in hellen Flammen zu brennen.</p>
+
+<p>Ich f&uuml;hlte ein menschliches Mitleid mit meinem
+Gegner und hatte mich entschlossen, ihn nicht zum
+Absturz zu bringen, sondern ihn nur zur Landung
+zu zwingen, zumal ich das Gef&uuml;hl hatte, da&szlig; der
+Gegner schon verwundet war, denn er brachte
+keinen Schu&szlig; &#8217;raus.</p>
+
+<p>In etwa f&uuml;nfhundert Metern H&ouml;he zwang mich
+ein Defekt an meiner Maschine, im normalen Gleitflug,
+ohne eine Kurve machen zu k&ouml;nnen, gleichfalls
+<span class="pagenum"><a name="Page_109" id="Page_109">[109]</a></span>zu landen. Nun ereignete sich etwas ganz Komisches.
+Mein Feind landete mit seiner brennenden Maschine
+glatt, w&auml;hrend ich als Sieger unmittelbar daneben
+in den Drahthindernissen der Sch&uuml;tzengr&auml;ben
+einer unserer Reservestellungen mich &uuml;berschlug.</p>
+
+<p>Es folgte eine sportliche Begr&uuml;&szlig;ung der beiden
+<em class="antiqua">Englishmen</em> mit mir, die wegen meines Bruches
+nicht wenig erstaunt waren, da sie, wie bereits erw&auml;hnt,
+keinen Schu&szlig; auf mich abgegeben hatten
+und sich den Grund meiner Notlandung gar nicht
+vorstellen konnten. Es waren dies die ersten Engl&auml;nder,
+die ich lebendig heruntergebracht habe. Deshalb
+machte es mir besonders Spa&szlig;, mich mit ihnen
+zu unterhalten. Ich fragte sie unter anderem, ob
+sie meine Maschine schon einmal in der Luft gesehen
+h&auml;tten. <em class="antiqua">&raquo;Oh yes,&laquo;</em> sagte der eine, &raquo;die kenne ich
+ganz genau. Wir nennen sie <em class="antiqua">&#8250;le petit rouge&#8249;</em>.&laquo;</p>
+
+<p>Nun kommt eine echt englische &ndash; in meinen
+Augen &ndash; Gemeinheit. Er fragte mich, weshalb ich
+mich vor der Landung so unvorsichtig benommen
+h&auml;tte. Der Grund lag darin, da&szlig; ich nicht anders
+konnte. Da sagte der Schurke, er h&auml;tte versucht, in
+den letzten dreihundert Metern auf mich zu schie&szlig;en,
+habe aber Ladehemmung gehabt. Ich gebe ihm
+Pardon &ndash; er nimmt es an und vergilt es mir
+nachher mit einem hinterlistigen &Uuml;berfall.</p>
+
+<p>Seitdem habe ich noch keinen meiner Gegner
+wieder sprechen k&ouml;nnen, aus einem naheliegenden
+Grund.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_110" id="Page_110">[110]</a></span><a name="Englische_und_franzoesische_Fliegerei" id="Englische_und_franzoesische_Fliegerei"></a>Englische und franz&ouml;sische Fliegerei</h2>
+
+<p class="subheader">(<em class="gesperrt">Februar</em> 1917)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">Z</span>urzeit bin ich bem&uuml;ht, der Jagdstaffel Boelcke
+Konkurrenz zu machen. Abends legen wir uns
+gegenseitig die Strecke vor. Aber es sind verteufelte
+Kerls da dr&uuml;ben. Zu schlagen sind sie
+nie. H&ouml;chstens, da&szlig; man der Staffel gleichkommt.
+Hundert haben sie ja schon Vorsprung. Diesen
+Vorsprung mu&szlig; ich ihnen lassen. Es h&auml;ngt ja
+viel davon ab, welchem Gegner man gegen&uuml;ber
+liegt, ob man die laurigen Franzosen oder die
+schneidigen Kerls, die Engl&auml;nder, gegen&uuml;ber hat.
+Mir ist der Engl&auml;nder lieber. Der Franzose
+kneift, der Engl&auml;nder selten. Oft kann man sogar
+hier von Dummheit sprechen; sie bezeichnen dies
+dann wohl als Draufg&auml;ngertum.</p>
+
+<p>Es ist das Sch&ouml;ne beim Jagdflieger, da&szlig; es
+auf keinerlei Kunstst&uuml;cke bei ihm ankommt, sondern
+lediglich pers&ouml;nlicher Schneid das Ausschlaggebende
+bleibt. Es kann einer ein ganz
+herrlicher Sturz- und Loopingflieger sein. Er
+braucht deshalb noch lange keinen abzuschie&szlig;en.
+Meiner Ansicht nach macht das Draufgehen alles,
+und das liegt uns Deutschen ja. Deshalb werden
+wir stets die Oberherrschaft in der Luft behalten.</p>
+
+<p>Dem Franzosen liegt es, aus dem Hinterhalt
+zu &uuml;berfallen und einem anderen aufzulauern.
+<span class="pagenum"><a name="Page_111" id="Page_111">[111]</a></span>Das l&auml;&szlig;t sich in der Luft schlecht machen.
+&Uuml;berrumpeln l&auml;&szlig;t sich nur ein Anf&auml;nger. Auflauern
+geht nicht, da man sich ja nicht verstecken
+kann, auch ist das unsichtbare Flugzeug noch nicht
+erfunden. Ab und zu braust wohl mal das
+gallische Blut in ihm auf. Dann setzt er zum Angriff
+an; aber es ist wohl mit einer Brauselimonade
+zu vergleichen. F&uuml;r einen Augenblick furchtbar
+viel Mut, der ebenso schnell vollst&auml;ndig
+schwindet. Das z&auml;he Durchhalten fehlt ihm.</p>
+
+<p>Dem Engl&auml;nder dagegen merkt man eben doch
+ab und zu noch etwas von seinem Germanenblut
+an. Auch liegt dem Sportsmann das Fliegen sehr,
+aber sie verlieren sich zu sehr in dem Sportlichen.
+Sie haben genug Vergn&uuml;gen daran, Loopings,
+Sturzfl&uuml;ge, Auf-dem-R&uuml;cken-fliegen und &auml;hnliche
+Scherze unseren Leuten im Sch&uuml;tzengraben vorzumachen.
+Dies macht wohl bei der Johannisthaler
+Sportswoche Eindruck, aber der Sch&uuml;tzengraben
+ist nicht so dankbar wie dieses Publikum.</p>
+
+<p>Er verlangt mehr. Es soll immer englisches
+Pilotenblut regnen.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_112" id="Page_112">[112]</a></span><a name="Selbst_abgeschossen" id="Selbst_abgeschossen"></a>Selbst abgeschossen</h2>
+
+<p class="subheader">(<em class="gesperrt">Mitte M&auml;rz</em> 1917)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">A</span>bgeschossen ist eigentlich ein falscher Ausdruck
+f&uuml;r das, was mir heute passiert ist. Ich
+nenne abgeschossen im allgemeinen nur den, der
+&#8217;runterplumpst, aber heute habe ich mich wieder
+gefangen und kam noch ganz heil &#8217;runter.</p>
+
+<p>Ich bin im Geschwader und sehe einen Gegner,
+der gleichfalls im Geschwader fliegt. Etwa &uuml;ber
+unserer Artilleriestellung in der Gegend von
+Lens. Ich habe noch ein ganzes St&uuml;ckchen zu
+fliegen, bis ich die Gegend erreiche. Es ist das der
+nervenkitzelndste Augenblick, das Anfliegen an
+den Gegner, wenn man den Feind schon sieht und
+noch einige Minuten Zeit hat, bis man zum
+Kampf kommt. Ich glaube, ich werde dann
+immer etwas bleich im Gesicht, aber ich habe leider
+noch nie einen Spiegel mitgehabt. Ich finde
+diesen Augenblick sch&ouml;n, denn er ist &uuml;beraus
+nervenkitzelnd, und all so etwas liebe ich. Man
+beobachtet den Gegner schon von weitem, hat das
+Geschwader als feindlich erkannt, z&auml;hlt die feindlichen
+Apparate, w&auml;gt die ung&uuml;nstigen und g&uuml;nstigen
+Momente ab. So zum Beispiel spielt es
+eine ungeheure Rolle, ob der Wind mich im
+Kampfe von meiner Front abdr&auml;ngt oder auf
+meine Front zudr&uuml;ckt. So habe ich mal einen
+<span class="pagenum"><a name="Page_113" id="Page_113">[113]</a></span>Engl&auml;nder abgeschossen, dem ich den Todesschu&szlig;
+jenseits der feindlichen Linien gegeben habe, und
+&#8217;runtergeplumpst ist er bei unseren Fesselballons,
+so weit hat ihn der Sturm noch &#8217;r&uuml;bergetrieben.</p>
+
+<p>Wir waren f&uuml;nf, der Gegner war dreimal so
+stark. Wie ein gro&szlig;er M&uuml;ckenschwarm flogen die
+Engl&auml;nder durcheinander. So einen Schwarm,
+der so gut zusammenfliegt, zum Zersprengen
+zu bringen, ist nicht leicht, f&uuml;r den einzelnen ausgeschlossen,
+f&uuml;r mehrere &auml;u&szlig;erst schwierig, besonders,
+wenn die Zahlenunterschiede so ung&uuml;nstig
+sind wie in unserem Falle. Aber man f&uuml;hlt sich
+dem Gegner derartig &uuml;berlegen, da&szlig; man keinen
+Augenblick an dem sicheren Erfolg zweifelt. Der
+Angriffsgeist, also die Offensive, ist die Hauptsache,
+wie &uuml;berall, so auch in der Luft. Aber
+der Gegner dachte ebenso. Das sollte ich gleich
+merken. Kaum sah er uns, so machte er umgehend
+kehrt und griff uns an. Da hie&szlig; es
+f&uuml;r uns f&uuml;nf M&auml;nneken: Aufgepa&szlig;t! H&auml;ngt
+einer ab, so kann es ihm dreckig gehen. Wir
+schlossen uns ebenfalls zusammen und lie&szlig;en die
+Herren etwas n&auml;hertreten. Ich pa&szlig;te auf, ob nicht
+einer von den Br&uuml;dern sich etwas von den anderen
+absentierte. Da &ndash; einer ist so dumm. Ich kann ihn
+erreichen. &raquo;Du bist ein verlorenes Kind.&laquo; Auf
+ihn mit Gebr&uuml;ll. Jetzt hab&#8217; ich ihn erreicht oder mu&szlig;
+ihn gleich erreichen. Er f&auml;ngt bereits an zu schie&szlig;en,
+ist also etwas nerv&ouml;s. Ich dachte mir: &raquo;Schie&szlig;&#8217; du
+<span class="pagenum"><a name="Page_114" id="Page_114">[114]</a></span>nur, du triffst ja doch nicht!&laquo; Er scho&szlig; mit einer
+Leuchtspurmunition, die an mir sichtbar vorbeiflog.
+Ich kam mir vor wie in dem Spritzenkegel einer
+Gie&szlig;kanne. Nicht angenehm, aber die Engl&auml;nder
+schie&szlig;en fast durchweg mit diesem gemeinen Zeug,
+also mu&szlig; man sich daran gew&ouml;hnen. Der Mensch
+ist ein Gewohnheitstier, denn in diesem Augenblick,
+glaube ich, habe ich gelacht. Bald sollte ich
+aber eines Besseren belehrt werden.</p>
+
+<p>Jetzt bin ich beinahe ganz heran, etwa hundert
+Meter, das Gewehr ist entsichert, ich ziele noch einmal
+Probe, gebe einige Probesch&uuml;sse, die Gewehre
+sind in Ordnung. Nicht mehr lange kann es
+dauern. Im Geiste sah ich den Gegner schon
+plumpsen. Die Aufregung von vorhin ist vor&uuml;ber.
+Man denkt ganz ruhig und sachlich, w&auml;gt die
+Treffwahrscheinlichkeiten von ihm und von mir
+ab. &Uuml;berhaupt ist der Kampf selbst am wenigsten
+aufregend in den meisten F&auml;llen, und wer sich
+dabei aufregt, macht einen Fehler. Er wird nie
+einen abschie&szlig;en. Auch ist es wohl Gewohnheitssache.
+Jedenfalls habe ich in diesem Falle keinen
+Fehler gemacht. Nun bin ich auf f&uuml;nfzig Meter
+&#8217;ran, jetzt einige gute Sch&uuml;sse, dann kann der Erfolg
+nicht ausbleiben. So dachte ich mir. Aber mit
+einem Male gibt es einen gro&szlig;en Knall, ich habe
+kaum zehn Schu&szlig; heraus, gleich darauf klatscht
+es wieder in meiner Maschine. Es ist mir klar, ich
+bin getroffen. Wenigstens meine Maschine, ich f&uuml;r
+<span class="pagenum"><a name="Page_115" id="Page_115">[115]</a></span>meine Person nicht. Im selben Augenblick stinkt
+es ganz ungeheuerlich nach Benzin, auch l&auml;&szlig;t der
+Motor nach. Der Engl&auml;nder merkt es, denn er
+schie&szlig;t nun um so mehr. Ich mu&szlig; sofort ablassen.</p>
+
+<p>Senkrecht geht es &#8217;runter. Unwillk&uuml;rlich habe
+ich den Motor abgestellt. Es war auch h&ouml;chste
+Zeit. Wenn der Benzintank durchl&ouml;chert ist und
+das Zeug einem so um die Beine spritzt, ist die Gefahr
+des Brennens doch gro&szlig;. Vor sich hat
+man einen &uuml;ber einhundertundf&uuml;nfzig &raquo;Pferde&laquo;
+starken Explosionsmotor, also gl&uuml;hend hei&szlig;.
+Ein Tropfen Benzin, und die ganze Maschine
+brennt. Ich hinterlasse in der Luft einen wei&szlig;en
+Streifen. Ich kenne ihn beim Gegner genau.
+Es sind dies die Vorzeichen der Explosion. Noch
+bin ich dreitausend Meter hoch, habe also noch
+ein ganzes Ende bis auf die Erde. Gott sei Dank
+h&ouml;rt der Motor auf zu laufen. Die Geschwindigkeit,
+die das Flugzeug erreicht, kann ich nicht berechnen.
+Sie ist jedenfalls so gro&szlig;, da&szlig; ich nicht
+den Kopf herausstecken kann, ohne durch den
+Windzug hinten&uuml;ber gedr&uuml;ckt zu werden.</p>
+
+<p>Bald bin ich den Gegner los und habe nun noch
+Zeit, bis ich auf die Erde komme, zu sehen, was
+denn meine vier anderen Herren machen. Sie
+sind noch im Kampf. Man h&ouml;rt das Maschinengewehrfeuer
+des Gegners und das der eignen.
+Pl&ouml;tzlich eine Rakete. Ist es das Leuchtsignal
+eines Gegners? Aber nein. Daf&uuml;r ist es zu gro&szlig;.
+<span class="pagenum"><a name="Page_116" id="Page_116">[116]</a></span>Es wird immer gr&ouml;&szlig;er. Es brennt einer. Aber
+was f&uuml;r einer? Die Maschine sieht genau so aus
+wie unsere. Gott sei Dank, es ist ein Gegner.
+Wer mag ihn abgeschossen haben? Gleich darauf
+f&auml;llt aus dem Geschwader ein zweites Flugzeug
+heraus, &auml;hnlich wie ich, senkrecht nach unten, &uuml;berschl&auml;gt
+sich sogar, &uuml;berschl&auml;gt sich immer noch &ndash;
+da &ndash; jetzt hat es sich gefangen. Fliegt geradeaus
+genau auf mich zu. Auch ein Albatros. Gewi&szlig;
+ist es ihm so gegangen wie mir.</p>
+
+<p>Ich bin wohl noch einige hundert Meter hoch und
+mu&szlig; mich so sachte umgucken, wo ich denn landen
+will. Denn so eine Landung ist meistenteils mit
+Bruch verbunden. Und so ein Bruch l&auml;uft nicht
+immer g&uuml;nstig ab, also &ndash; aufpassen. Ich finde eine
+Wiese, nicht sehr gro&szlig;, aber sie gen&uuml;gt gerade, wenn
+man etwas vorsichtig zu Werke geht. Au&szlig;erdem liegt
+sie mir g&uuml;nstig, direkt an der Chaussee bei H&eacute;nin-Li&eacute;tard.
+Dort will ich auch landen. Es geht alles
+glatt. Mein erster Gedanke ist: Wo bleibt der andere?
+Er landet einige Kilometer von mir entfernt.</p>
+
+<p>Ich habe nun Zeit, mir den Schaden zu beschauen.
+Einige Treffer sind darin, aber der Treffer, der mich
+veranla&szlig;t hat, den Kampf abzubrechen, ist einer
+durch beide Benzintanks. Ich habe keinen Tropfen
+Benzin mehr drin, der Motor ist gleichfalls angeschossen.
+Schade um ihn, er lief noch so gut.</p>
+
+<p>Die Beine lasse ich herausbaumeln aus der
+Maschine und mag wohl ein ziemlich t&ouml;richtes
+<span class="pagenum"><a name="Page_117" id="Page_117">[117]</a></span>Gesicht gemacht haben. Sofort hat sich eine
+gro&szlig;e Menge Soldaten um mich versammelt.
+Da kommt ein Offizier. Er ist ganz au&szlig;er Atem.
+Sehr aufgeregt! Gewi&szlig; ist ihm was Schreckliches
+passiert. Er st&uuml;rzt auf mich zu, schnappt
+nach Luft und fragt: &raquo;Hoffentlich ist Ihnen nichts
+passiert? Ich habe die ganze Sache beobachtet und
+bin ja so aufgeregt! Herrgott, das sah schrecklich
+aus!&laquo; Ich versicherte ihm, da&szlig; mir gar nichts fehlte,
+sprang herunter, stellte mich vor. Selbstverst&auml;ndlich
+verstand er keinen Ton von meinem Namen. Aber
+er forderte mich auf, mit seinem Automobil in
+das nahe H&eacute;nin-Li&eacute;tard hineinzufahren, wo sein
+Quartier war. Es war ein Pionieroffizier.</p>
+
+<p>Wir sitzen bereits in dem Wagen und fahren
+gerade an. Mein Gastgeber hat sich noch immer
+nicht beruhigt. Pl&ouml;tzlich erschrickt er und fragt:
+&raquo;Herrgott, wo ist denn Ihr Kraftfahrer?&laquo; Zuerst
+wu&szlig;te ich nicht recht, was er meinte, guckte ihn
+wohl etwas verwirrt an. Dann wurde mir klar,
+da&szlig; er mich f&uuml;r den Beobachter eines zweisitzigen
+Flugzeuges hielt und nach meinem Flugzeugf&uuml;hrer
+fragte. Schnell fa&szlig;te ich mich und
+sagte ganz trocken: &raquo;Ich fahre allein.&laquo; Das
+Wort &raquo;fahren&laquo; ist in der Fliegertruppe verp&ouml;nt.
+Man f&auml;hrt nicht, man &raquo;fliegt&laquo;. In den Augen
+des braven Herrn war ich ganz entschieden durch
+die Tatsache, da&szlig; ich allein &raquo;fahre&laquo;, sichtbar gesunken.
+Die Unterhaltung wurde etwas spr&ouml;der.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_118" id="Page_118">[118]</a></span>Da kommen wir in seinem Quartier an. Ich
+habe noch immer meine schmutzige &Ouml;llederjacke
+an, einen dicken Schal um. Unterwegs hat er mich
+nat&uuml;rlich mit unendlich vielen Fragen best&uuml;rmt.
+&Uuml;berhaupt war der ganze Herr bedeutend mehr
+aufgeregt als ich. Da zwang er mich, auf einem
+Sofa mich hinzulegen, oder wollte dies tun mit
+der Begr&uuml;ndung, da&szlig; ich doch von meinem
+Kampf noch ganz echauffiert sein m&uuml;&szlig;te. Ich versicherte
+ihm, da&szlig; ich schon manchmal luftgek&auml;mpft
+h&auml;tte, was ihm aber gar nicht in den Kopf kommen
+wollte. Ich sah gewi&szlig; nicht sehr kriegerisch aus.</p>
+
+<p>Nach einiger Unterhaltung kommt er nat&uuml;rlich
+mit der ber&uuml;hmten Frage: &raquo;Haben Sie schon
+einmal einen abgeschossen?&laquo; Meinen Namen
+hatte er, wie gesagt, nicht geh&ouml;rt. &raquo;Ach ja,&laquo;
+sagte ich, &raquo;ab und zu.&laquo; &raquo;So &ndash; so haben Sie etwa
+schon zwei abgeschossen?&laquo; &raquo;Nein, aber vierundzwanzig.&laquo;
+Er l&auml;chelt, wiederholt seine Frage und
+meint, unter &raquo;abgeschossen&laquo; verstehe er einen, der
+&#8217;runtergefallen sei und unten liegenbliebe. Ich
+versicherte ihm, das w&auml;re auch meine Auffassung
+davon. Jetzt war ich ganz unten durch, denn jetzt
+hielt er mich f&uuml;r einen m&auml;chtigen Aufschneider.
+Er lie&szlig; mich sitzen und sagte mir, da&szlig; in einer
+Stunde gegessen w&uuml;rde, und wenn es mir recht
+sei, k&ouml;nne ich ja mitessen. Nun machte ich doch
+von seinem Anerbieten Gebrauch und schlief
+eine Stunde fest. Dann gingen wir &#8217;r&uuml;ber ins
+<span class="pagenum"><a name="Page_119" id="Page_119">[119]</a></span>Kasino. Hier pellte ich mich aus und hatte zum
+Gl&uuml;ck meinen <em class="antiqua">Pour le m&eacute;rite</em> um. Leider aber
+keine Uniformjacke darunter, sondern nur eine
+Weste. Ich bitte um Entschuldigung, da&szlig; ich
+nicht besser angezogen bin, und mit einem Male
+entdeckt mein guter H&auml;uptling an mir den <em class="antiqua">Pour le
+m&eacute;rite</em>. Er wird sprachlos vor Erstaunen und versichert
+mir, da&szlig; er nicht w&uuml;&szlig;te, wie ich hei&szlig;e. Ich
+sagte ihm nochmals meinen Namen. Jetzt schien
+ihm etwas zu d&auml;mmern, da&szlig; er wohl schon mal
+von mir geh&ouml;rt hatte. Ich bekam nun Austern
+und Schampus zu trinken und lebte eigentlich
+recht gut, bis schlie&szlig;lich Sch&auml;fer kam und mich
+mit meinem Wagen abholte. Von ihm erfuhr ich,
+da&szlig; L&uuml;bbert wieder mal seinem Spitznamen Ehre
+gemacht hatte. Er hie&szlig; n&auml;mlich unter uns &raquo;Kugelfang&laquo;,
+denn in jedem Luftkampf wurde seine
+Maschine arg mitgenommen. Einmal wies sie
+vierundsechzig Treffer auf, ohne da&szlig; er selbst
+verwundet war. Diesmal hatte er einen Streifschu&szlig;
+an der Brust bekommen und lag bereits
+im Lazarett. Seine Maschine flog ich gleich nach
+dem Hafen. Leider ist dieser hervorragende Offizier,
+der das Zeug dazu hatte, einmal ein Boelcke zu
+werden, einige Wochen sp&auml;ter den Heldentod
+f&uuml;rs Vaterland gestorben.</p>
+
+<p>Am Abend kann ich meinem Gastgeber aus
+H&eacute;nin-Li&eacute;tard noch Bescheid sagen, da&szlig; ich heute
+ein Viertelhundert voll gemacht habe.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_120" id="Page_120">[120]</a></span><a name="Ein_Fliegerstueckchen" id="Ein_Fliegerstueckchen"></a>Ein Fliegerst&uuml;ckchen</h2>
+
+<p class="subheader">(<em class="gesperrt">Ende M&auml;rz</em> 1917)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">D</span>er Name Siegfried-Stellung ist wohl jedem
+J&uuml;ngling im Deutschen Reiche bekannt. In
+den Tagen, in denen wir uns gegen diese Stellungen
+zur&uuml;ckzogen, gab es nat&uuml;rlich in der Luft auch eine
+rege T&auml;tigkeit. Der Gegner hatte zwar unser
+verlassenes Gebiet auf der Erde bereits besetzt,
+die Luft dagegen &uuml;berlie&szlig;en wir den Engl&auml;ndern
+nicht so bald, daf&uuml;r sorgte Jagdstaffel Boelcke.
+Nur ganz vorsichtig wagten sich die Engl&auml;nder
+aus ihrem bisherigen Stellungskrieg in der Luft
+hervor.</p>
+
+<p>Es ist das die Zeit, wo unser lieber Prinz
+Friedrich Karl sein Leben dem Vaterland opferte.</p>
+
+<p>Bei einem Jagdflug der Jagdstaffel Boelcke
+hatte Leutnant Vo&szlig; einen Engl&auml;nder im Luftkampf
+besiegt. Er wurde von seinem Bezwinger
+auf die Erde gedr&uuml;ckt und landete in dem Gebiet,
+das man wohl als neutrales Gebiet bezeichnen
+kann. Wir hatten es zwar schon verlassen, der
+Gegner aber noch nicht besetzt. Nur Patrouillen,
+sowohl englische wie deutsche, hielten sich in dieser
+unbesetzten Zone auf. Das englische Flugzeug
+stand zwischen den Linien. Der brave <em class="antiqua">Englishman</em>
+hatte wohl geglaubt, da&szlig; dieses Gebiet bereits
+von den Seinen besetzt w&auml;re, zu welcher Annahme
+<span class="pagenum"><a name="Page_121" id="Page_121">[121]</a></span>er auch berechtigt war. Vo&szlig; war aber anderer
+Meinung. Kurz entschlossen landete er neben
+seinem Opfer. Mit gro&szlig;er Geschwindigkeit montierte
+er die feindlichen Maschinengewehre und
+sonst noch brauchbare Teile aus der Maschine ab
+und verfrachtete sie in der seinen, griff zum
+Streichholz, und in wenigen Augenblicken stand
+die Maschine in hellen Flammen. Eine Minute
+sp&auml;ter winkte er den von allen Seiten herbeistr&ouml;menden
+Engl&auml;ndern aus seinem sieggewohnten
+Luftro&szlig; freundlich zu.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_122" id="Page_122">[122]</a></span><a name="Erste_Dublette" id="Erste_Dublette"></a>Erste Dublette</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">D</span>er 2.&nbsp;April 1917 war wieder einmal ein
+hei&szlig;er Tag f&uuml;r meine Staffel. Von meinem
+Platze aus konnten wir deutlich das Trommelfeuer
+h&ouml;ren, und gerade heute war es mal wieder
+sehr heftig.</p>
+
+<p>Ich lag noch im Bett, da kommt mein Bursche
+zu mir hereingest&uuml;rzt mit dem Ausruf: &raquo;Herr
+Leutnant, die Engl&auml;nder sind schon da!&laquo; Noch
+etwas verschlafen gucke ich zum Fenster &#8217;raus,
+und tats&auml;chlich, da kreisen &uuml;ber dem Platz bereits
+meine lieben Freunde. Ich &#8217;raus aus meinem
+Bett, die Sachen angezogen, war eins. Mein
+roter Vogel stand zur Morgenarbeit am Start.
+Meine Monteure wu&szlig;ten, da&szlig; ich diesen g&uuml;nstigen
+Augenblick wohl nicht ungen&uuml;tzt vor&uuml;bergehen
+lassen w&uuml;rde. Alles war fertig. Schnell noch die
+Warmpelze, dann geht&#8217;s los.</p>
+
+<p>Ich war als letzter gestartet. Meine anderen
+Kameraden waren dem Feind viel n&auml;her. Ich
+f&uuml;rchtete schon, da&szlig; mir mein Braten entgehen
+w&uuml;rde, so da&szlig; ich von weitem zusehen m&uuml;&szlig;te,
+wie vor meinen Augen sich einige Luftk&auml;mpfe abspielen.
+Da pl&ouml;tzlich f&auml;llt einem der frechen Kunden
+ein, auf mich herunterzusto&szlig;en. Ich lasse ihn
+ruhig herankommen, und nun beginnt ein lustiger
+Tanz. Bald fliegt mein Gegner auf dem R&uuml;cken,
+<span class="pagenum"><a name="Page_123" id="Page_123">[123]</a></span>bald macht er dies, bald jenes. Es war ein zweisitziges
+Jagdflugzeug. Ich war ihm &uuml;ber, und so erkannte
+ich denn bald, da&szlig; er mir eigentlich nicht mehr
+entgehen konnte. In einer Gefechtspause &uuml;berzeugte
+ich mich, da&szlig; wir uns alleine gegen&uuml;berstanden.
+Also, wer besser schie&szlig;t, wer die gr&ouml;&szlig;ere
+Ruhe und den besseren &Uuml;berblick im Augenblick
+der Gefahr hat, der gewinnt.</p>
+
+<p>Es dauerte nicht lange, da hatte ich ihn &#8217;runtergedr&uuml;ckt,
+ohne ihn wirklich ernstlich angeschossen
+zu haben, mindestens zwei Kilometer von der
+Front entfernt. Ich denke, er will landen, aber
+da habe ich mich in meinem Gegner verrechnet.
+Mit einem Male sehe ich, wie er, nur wenige
+Meter &uuml;ber dem Erdboden, pl&ouml;tzlich wieder geradeaus
+fliegt und mir zu entkommen sucht.
+Das war mir doch zu bunt. Ich griff ihn nochmals
+an und zwar so niedrig, da&szlig; ich fast f&uuml;rchtete,
+die H&auml;user eines unter mir liegenden Dorfes zu
+ber&uuml;hren. Der Engl&auml;nder wehrte sich bis zum
+letzten Augenblick. Noch ganz zum Schlu&szlig; sp&uuml;rte ich
+einen Treffer in meiner Maschine. Nun lie&szlig; ich aber
+nicht mehr locker, jetzt mu&szlig;te er fallen. Er rannte
+mit voller Fahrt in einen H&auml;userblock hinein.</p>
+
+<p>Viel war nicht mehr &uuml;brig. Es war wieder ein
+Fall gl&auml;nzenden Schneids. Er verteidigte sich
+bis zum Letzten. Aber meiner Ansicht nach war
+es zum Schlu&szlig; doch mehr Dummheit von ihm.
+Es war eben mal wieder der Punkt, wo ich eine
+<span class="pagenum"><a name="Page_124" id="Page_124">[124]</a></span>Grenze zwischen Schneid und Dummheit ziehe.
+Runter mu&szlig;te er doch. So hatte er seine Dummheit
+mit dem Leben bezahlen m&uuml;ssen.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Sehr vergn&uuml;gt &uuml;ber die Leistungen meines
+roten Stahlrosses bei der Morgenarbeit kehrte ich
+zur&uuml;ck. Meine Kameraden waren noch in der
+Luft und waren sehr erstaunt, als wir uns beim
+Fr&uuml;hst&uuml;ck trafen und ich ihnen von meiner Nummer
+Zweiunddrei&szlig;ig erz&auml;hlen konnte.</p>
+
+<p>Ein ganz junger Leutnant hatte seinen Ersten
+abgeschossen, wir waren sehr vergn&uuml;gt und bereiteten
+uns f&uuml;r neue K&auml;mpfe vor.</p>
+
+<p>Ich hole meine vers&auml;umte Morgentoilette nach.
+Da kommt ein guter Freund &ndash; Leutnant Vo&szlig;
+von der Jagdstaffel Boelcke &ndash; zu mir, um mich
+zu besuchen. Wir unterhalten uns. Vo&szlig; hatte
+am Tage vorher seinen Dreiundzwanzigsten erledigt.
+Er stand also mir am n&auml;chsten und ist
+wohl zurzeit mein heftigster Konkurrent.</p>
+
+<p>Wie er nach Hause fliegt, wollte ich ihn noch
+ein St&uuml;ckchen begleiten. Wir machen einen
+Umweg &uuml;ber die Front. Das Wetter ist eigentlich
+sehr schlecht geworden, so da&szlig; wir nicht annehmen
+konnten, noch Weidmannsheil zu haben.</p>
+
+<p>Unter uns geschlossene Wolken. Vo&szlig;, dem die
+Gegend unbekannt war, fing es schon an, ungem&uuml;tlich
+zu werden. &Uuml;ber Arras traf ich meinen
+Bruder, der gleichfalls bei meiner Staffel ist und
+<span class="pagenum"><a name="Page_125" id="Page_125">[125]</a></span>sein Geschwader verloren hatte. Er schlie&szlig;t sich
+uns auch an. Er wu&szlig;te ja, da&szlig; ich es bin (roter
+Vogel).</p>
+
+<p>Da sehen wir von dr&uuml;ben ein Geschwader ankommen.
+Sofort zuckt es mir durch den Kopf:
+&raquo;Nummer Dreiunddrei&szlig;ig!&laquo; Trotzdem es neun
+Engl&auml;nder waren und auf ihrem Gebiet, zogen sie
+es doch vor, den Kampf zu meiden. (Ich werde
+n&auml;chstens doch mal die Farbe wechseln m&uuml;ssen.)
+Aber wir holten sie doch ein. Schnelle Maschine
+ist eben die Hauptsache.</p>
+
+<p>Ich bin dem Feind am n&auml;chsten und greife den
+hintersten an. Zu meinem gr&ouml;&szlig;ten Entz&uuml;cken
+merke ich, da&szlig; er sich gleich in den Kampf mit mir
+einl&auml;&szlig;t, und mit noch viel gr&ouml;&szlig;erem Vergn&uuml;gen,
+da&szlig; ihn seine Kameraden im Stich lassen. Ich
+habe ihn also bald allein vor. Es ist wiederum
+derselbe Typ, mit dem ich es vormittags zu tun
+hatte. Er machte es mir nicht leicht. Er wei&szlig;,
+worauf es ankommt, und besonders aber: der
+Kerl scho&szlig; gut. Das konnte ich zu meinem Leidwesen
+nachher noch ziemlich genau feststellen. Der
+g&uuml;nstige Wind kommt mir zu Hilfe und treibt uns
+beide K&auml;mpfenden &uuml;ber unsere Linien. Der
+Gegner merkt, da&szlig; die Sache doch nicht so einfach
+ist, wie er sich wohl gedacht hat, und verschwindet
+in einem Sturzflug in einer Wolke. Beinahe war
+es seine Rettung. Ich sto&szlig;e hinter ihm her,
+komme unten heraus und &ndash; Anlauf mu&szlig; eben
+<span class="pagenum"><a name="Page_126" id="Page_126">[126]</a></span>der Mensch haben &ndash; ich sitze wie durch ein Wunder
+genau hinter ihm. Ich schie&szlig;e, er schie&szlig;t, aber kein
+greifbares Resultat. Da &ndash; endlich habe ich ihn
+getroffen. Ich merke es an dem wei&szlig;en Benzindunst,
+der hinter seinem Apparat zur&uuml;ckbleibt. Er
+mu&szlig; also landen, denn sein Motor bleibt stehen.</p>
+
+<p>Er war aber doch ein hartn&auml;ckiger Bursche.
+Er mu&szlig;te erkennen, da&szlig; er ausgespielt hatte.
+Scho&szlig; er nun noch weiter, so konnte ich ihn sofort
+totschie&szlig;en, denn wir waren mittlerweile nur noch
+dreihundert Meter hoch. Aber der Kerl verteidigte
+sich genau wie der von heute morgen, bis er unten
+gelandet war. Nach seiner Landung flog ich
+nochmals &uuml;ber ihn hinweg in zehn Metern H&ouml;he,
+um festzustellen, ob ich ihn totgeschossen hatte
+oder nicht. Was macht der Kerl? Er nimmt
+sein Maschinengewehr und zerschie&szlig;t mir die
+ganze Maschine.</p>
+
+<p>Vo&szlig; sagte nachher zu mir, wenn ihm das
+passiert w&auml;re, h&auml;tte er ihn nachtr&auml;glich noch auf
+dem Boden totgeschossen. Eigentlich h&auml;tte ich es
+auch machen m&uuml;ssen, denn er hatte sich eben noch
+nicht ergeben. Er war &uuml;brigens einer von den
+wenigen Gl&uuml;cklichen, die am Leben geblieben sind.</p>
+
+<p>Sehr vergn&uuml;gt flog ich nach Hause und konnte
+meinen Dreiunddrei&szlig;igsten feiern.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_127" id="Page_127">[127]</a></span><a name="Mein_bisher_erfolgreichster_Tag" id="Mein_bisher_erfolgreichster_Tag"></a>Mein bisher erfolgreichster Tag</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">W</span>underbares Wetter. Wir stehen auf dem
+Platz. Ich habe Besuch von einem Herrn,
+der noch nie einen Luftkampf oder so etwas &Auml;hnliches
+gesehen hat und mir gerade versichert, da&szlig; es ihn
+ungeheuer interessieren w&uuml;rde, einen solchen Luftkampf
+zu sehen.</p>
+
+<p>Wir steigen in unsere Kisten und lachen sehr
+&uuml;ber ihn, und Sch&auml;fer meint: &raquo;Den Spa&szlig;
+k&ouml;nnen wir ihm machen!&laquo; Wir stellen ihn an ein
+Scherenfernrohr und fliegen los.</p>
+
+<p>Der Tag fing gut an. Wir waren kaum zweitausend
+Meter hoch, da kamen uns schon die
+ersten Engl&auml;nder in einem Geschwader von f&uuml;nf
+entgegen. Ein Angriff, der mit einer Attacke zu
+vergleichen war &ndash; und das feindliche Geschwader
+lag vernichtet am Boden. Von uns war nicht
+ein einziger auch nur verwundet. Die Gegner
+waren &ndash; zwei brennend und drei so &ndash; auf
+unserer Seite abgest&uuml;rzt.</p>
+
+<p>Der gute Freund unten auf der Erde hatte
+nicht wenig gestaunt. Er hatte sich die Sache
+ganz anders vorgestellt; viel dramatischer. Er
+meinte, die Sache h&auml;tte so harmlos ausgesehen,
+bis pl&ouml;tzlich einige Flugzeuge, einer Rakete gleich,
+brennend abst&uuml;rzten. Ich habe mich an den Anblick
+so allm&auml;hlich gew&ouml;hnt, aber ich mu&szlig; sagen, mir
+<span class="pagenum"><a name="Page_128" id="Page_128">[128]</a></span>hat es auch einen Mordseindruck gemacht, und
+ich habe noch lange davon getr&auml;umt, wie ich den
+ersten Engl&auml;nder habe in die Tiefe sausen sehen.</p>
+
+<p>Ich glaube, wenn es mir noch einmal passieren
+w&uuml;rde, es w&auml;re mir nicht mehr so schrecklich wie
+damals.</p>
+
+<p>Nachdem dieser Tag so gut angefangen hatte,
+setzten wir uns erst mal zu einem ordentlichen
+Fr&uuml;hst&uuml;ck hin, da wir alle einen Mordshunger
+hatten. In der Zwischenzeit wurden unsere
+Maschinen wieder in Schu&szlig; gebracht, neue
+Patronen geladen, und dann ging&#8217;s weiter.</p>
+
+<p>Am Abend konnten wir die stolze Meldung
+machen: Dreizehn feindliche Flugzeuge durch
+sechs deutsche Apparate vernichtet.</p>
+
+<p>Eine &auml;hnliche Meldung hatte nur einmal die
+Jagdstaffel Boelcke machen k&ouml;nnen. Acht Flugzeuge
+waren es, die wir damals abschossen, heute
+hatte einer sogar vier Gegner zum Absturz gebracht.
+Es ist ein Leutnant Wolff, ein zartes,
+schlankes Kerlchen, in dem niemals einer einen
+solchen Massensieger erblicken w&uuml;rde. Mein Bruder
+hatte zwei, Sch&auml;fer zwei, Festner zwei, ich drei.</p>
+
+<p>Abends legten wir uns kolossal stolz, andererseits
+aber auch recht m&uuml;de in unsere Klappen.</p>
+
+<p>Am Tage darauf lasen wir unter gro&szlig;em Hallo
+im Heeresbericht von den Taten des Tages vorher.
+Im &uuml;brigen schossen wir am Tage darauf acht ab.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<div class="figcenter" style="width: 400px;">
+<a href="images/illu_128.jpg"><img src="images/illu_128_th.jpg" width="400" height="233" alt="Leutnant Schaefers Notlandung zwischen den Linien" title="Leutnant Schaefers Notlandung zwischen den Linien" /></a>
+<span class="caption">Leutnant Schaefers Notlandung zwischen den Linien</span>
+</div>
+
+<div class="figcenter" style="width: 400px;">
+<a href="images/illu_129.jpg"><img src="images/illu_129_th.jpg" width="400" height="261" alt="Weihnachten 1916" title="Weihnachten 1916" /></a>
+<span class="caption">Weihnachten 1916<br />
+Der &raquo;alte Herr&laquo; (<em class="antiqua">X</em>) bei der Jagdstaffel Boelcke</span>
+</div>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_129" id="Page_129">[129]</a></span>Eine sehr niedliche Geschichte ereignete sich noch:</p>
+
+<p>Einer von unseren abgeschossenen Engl&auml;ndern
+war gefangen und kommt ins Gespr&auml;ch mit uns.
+Nat&uuml;rlich erkundigte er sich auch nach der roten
+Maschine. Selbst bei der Truppe unten im
+Sch&uuml;tzengraben ist sie nicht unbekannt und geht
+unter dem Namen <em class="antiqua">&raquo;le diable rouge&laquo;</em>. Bei
+seiner Squadron hat sich das Ger&uuml;cht verbreitet,
+da&szlig; in der roten Maschine ein M&auml;dchen s&auml;&szlig;e,
+so etwas &Auml;hnliches wie Jeanne d&#8217;Arc. Er war
+sehr erstaunt, wie ich ihm versicherte, da&szlig; das vermutete
+M&auml;dchen zurzeit vor ihm st&uuml;nde. Er
+hatte damit keinen Witz machen wollen, sondern
+war selbst &uuml;berzeugt, da&szlig; tats&auml;chlich in der pervers
+angestrichenen Kiste nur eine Jungfrau sitzen konnte.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_130" id="Page_130">[130]</a></span><a name="Moritz" id="Moritz"></a>&raquo;Moritz&laquo;</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">D</span>as sch&ouml;nste Wesen, das je die Welt geschaffen
+hat, ist die echte Ulmer Dogge, mein &raquo;kleines
+Scho&szlig;h&uuml;ndchen&laquo;, der &raquo;Moritz&laquo;. Ich habe ihn
+in Ostende von einem braven Belgier f&uuml;r f&uuml;nf
+Mark gekauft. Die Mutter war ein sch&ouml;nes Tier,
+einer seiner V&auml;ter auch, also ganz &raquo;rasserein&laquo;.
+Davon bin ich &uuml;berzeugt. Ich hatte die Auswahl
+und suchte mir den niedlichsten heraus.
+Zeumer nahm sich einen zweiten und nannte ihn
+&raquo;Max&laquo;. Max fand ein j&auml;hes Ende unter einem
+Auto, Moritz aber gedieh vortrefflich. Er schlief
+mit mir im Bett und wurde vorz&uuml;glich erzogen.
+Er hat mich von Ostende ab auf Schritt und
+Tritt begleitet und ist mir sehr ans Herz gewachsen.
+Von Monat zu Monat wurde Moritz
+gro&szlig; und gr&ouml;&szlig;er, und es entwickelte sich so
+allm&auml;hlich aus dem zarten Scho&szlig;h&uuml;ndchen ein
+ganz ungeheuer gro&szlig;es Tier.</p>
+
+<p>Ich habe ihn sogar einmal mitgenommen.
+Er ist mein erster &raquo;Franz&laquo; gewesen. Er benahm
+sich dabei sehr vern&uuml;nftig, und sehr interessiert
+be&auml;ugte er sich die Welt von oben. Nur meine
+Monteure schimpften nachher, da&szlig; sie das Flugzeug
+von einigen unangenehmen Dingen reinigen
+mu&szlig;ten. Moritz war aber nachher wieder sehr
+vergn&uuml;gt.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_131" id="Page_131">[131]</a></span>Er ist nun schon &uuml;ber ein Jahr alt und immer
+noch das kindische Tier von einigen Monaten.
+Er spielt sehr gut Billard. Leider geht dabei so
+manche Kugel, besonders aber so manches Billardtuch
+fl&ouml;ten. Er hat auch eine Riesen-Jagdpassion.
+Meine Monteure sind dar&uuml;ber sehr gl&uuml;cklich, denn
+er f&auml;ngt ihnen so manchen sch&ouml;nen Hasenbraten.
+Von mir kriegt er immer daf&uuml;r etwas Senge,
+denn ich bin weniger erbaut von dieser Passion.</p>
+
+<p>Er hatte eine dumme Eigenschaft. Er liebte es,
+die Flugzeuge bei jedem Start zu begleiten. Der
+normale Tod eines Fliegerhundes ist bei dieser
+Gelegenheit der Tod durch den Propeller. Wieder
+einmal jagte er vor einem startenden Flugzeug
+einher, wird nat&uuml;rlich eingeholt und &ndash; ein sehr
+sch&ouml;ner Propeller war hin. Moritz heulte schrecklich,
+und eine von mir vers&auml;umte Ma&szlig;nahme
+wurde auf diese Weise nachgeholt. Ich habe mich
+immer gestr&auml;ubt, ihn koupieren zu lassen, d.&nbsp;h.
+im besonderen ihm die Ohren beschneiden zu
+lassen. Auf der einen Seite hat es nun der
+Propeller nachgeholt. Die Sch&ouml;nheit hat ihn nie
+gedr&uuml;ckt, aber das eine Klappohr und das andere
+halbkoupierte stehen ihm recht gut. &Uuml;berhaupt,
+wenn der Ringelschwanz nicht w&auml;re, w&auml;re es
+eine richtige, echte Ulmer Dogge.</p>
+
+<p>Moritz hat den Weltkrieg und unsere Feinde
+richtig erfa&szlig;t. Wie er zum erstenmal im Sommer
+1916 russische Eingeborene sah &ndash; der Zug hielt,
+<span class="pagenum"><a name="Page_132" id="Page_132">[132]</a></span>und Moritz wurde etwas spazieren gef&uuml;hrt&nbsp;&ndash;,
+verjagte er die hinzugelaufene russische Jugend
+mit ungeheurem Gekl&auml;ff. Auch Franzosen sch&auml;tzt
+er nicht, trotzdem er ja eigentlich selbst ein Belgier
+ist. Ich gab mal in einem neuen Quartier Einwohnern
+den Auftrag, das Haus zu s&auml;ubern.
+Wie ich abends wiederkam, war nichts gemacht.
+Ver&auml;rgert lasse ich mir einen Franzosen kommen.
+Kaum macht er die T&uuml;r auf, begr&uuml;&szlig;t ihn Moritz
+etwas unliebensw&uuml;rdig. Nun konnte ich mir
+erkl&auml;ren, weshalb die Herren mein Ch&acirc;teau
+gemieden hatten.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_133" id="Page_133">[133]</a></span><a name="Englischer_Bombenangriff" id="Englischer_Bombenangriff"></a>Englischer Bombenangriff auf
+unseren Flughafen</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">D</span>ie Vollmondn&auml;chte sind f&uuml;r den Nachtflieger
+am geeignetsten.</p>
+
+<p>In den Vollmondn&auml;chten des Monats April
+bet&auml;tigten sich unsere lieben Engl&auml;nder besonders
+emsig. Nat&uuml;rlich war es mit der Arras-Schlacht
+in Verbindung zu bringen. Sie mochten wohl
+herausbekommen haben, da&szlig; wir in Douai auf
+einem sehr, sehr sch&ouml;nen, gro&szlig;en Flugplatz uns
+h&auml;uslich eingerichtet hatten. Eines Nachts, wir
+sitzen im Kasino, klingelt das Telephon, und es
+wird mitgeteilt: &raquo;Die Engl&auml;nder kommen.&laquo;
+Nat&uuml;rlich gro&szlig;es Hallo. Unterst&auml;nde hatten
+wir ja; daf&uuml;r hatte der t&uuml;chtige Simon gesorgt.
+Simon ist unser Bausachverwalter. Also alles
+st&uuml;rzt in die Unterst&auml;nde, und man h&ouml;rt tats&auml;chlich
+&ndash; zuerst noch ganz leise, aber ganz sicher
+das Ger&auml;usch eines Flugmotors. Die Flaks und
+Scheinwerfer scheinen auch eben die Mitteilung
+bekommen zu haben, denn man merkt, wie sie
+sachte lebendig werden. Der erste Feind war
+aber noch viel zu weit, um angegriffen zu werden.
+Uns machte es einen Heidenspa&szlig;. Wir bef&uuml;rchteten
+nur immer, die Engl&auml;nder w&uuml;rden unseren
+Platz nicht finden, denn das ist nachts gar nicht
+so einfach, besonders, da wir nicht an einer
+<span class="pagenum"><a name="Page_134" id="Page_134">[134]</a></span>gro&szlig;en Chaussee lagen oder an einem Wasser
+oder an einer Eisenbahn, die des Nachts die
+besten Anhaltspunkte bilden.</p>
+
+<p>Der Engl&auml;nder flog scheinbar sehr hoch. Erst
+einmal um den ganzen Platz herum. Wir
+glaubten schon, er h&auml;tte sich ein anderes Ziel
+gesucht. Mit einem Male aber stellt er den
+Motor ab und kommt herunter. &raquo;Nun wird&#8217;s
+Ernst,&laquo; meinte Wolff. Wir hatten uns zwei
+Karabiner geholt und fingen an, auf den Engl&auml;nder
+zu schie&szlig;en. Sehen konnten wir ihn ja
+noch nicht. Aber allein der Knall beruhigte schon
+unsere Nerven. Jetzt kommt er in den Scheinwerfer
+herein. Auf dem ganzen Flugplatz &uuml;berall
+ein gro&szlig;es Hallo. Es ist eine ganz alte Kiste.
+Wir k&ouml;nnen den Typ genau erkennen. Er ist
+h&ouml;chstens noch einen Kilometer von uns entfernt.
+Er fliegt genau auf unseren Platz zu. Er
+kommt immer niedriger. Jetzt kann er h&ouml;chstens
+noch hundert Meter hoch sein. Da stellt er wieder
+den Motor an und kommt genau auf uns zugeflogen.
+Wolff meint noch: &raquo;Gott sei Dank,
+er hat sich die andere Seite des Flugplatzes ausgesucht.&laquo;
+Aber es dauerte nicht lange, da kommt
+die erste, und dann regnet es einige B&ouml;mbchen.
+Es war ein wunderbares Feuerwerk, das uns
+der Bruder vormachte. Einem Angsthasen konnte
+er auch Eindruck machen. Ich finde &uuml;berhaupt,
+Bombenwerfen in der Nacht ist nur moralisch von
+<span class="pagenum"><a name="Page_135" id="Page_135">[135]</a></span>Bedeutung. Hat einer die Hosen voll, so ist es
+f&uuml;r <em class="gesperrt">ihn</em> sehr peinlich, f&uuml;r die anderen aber nicht.</p>
+
+<p>Wir empfanden einen gro&szlig;en Spa&szlig; und meinten,
+die Engl&auml;nder k&ouml;nnten doch recht oft kommen.
+Also, mein guter Gitterschwanz warf seine
+Bomben ab, und zwar aus f&uuml;nfzig Metern H&ouml;he.
+Das ist eine ziemliche Frechheit, denn auf f&uuml;nfzig
+Meter mute ich mir zu, auch des Nachts bei Vollmond
+einem Keiler einen ganz anst&auml;ndigen Blattschu&szlig;
+zu verpassen. Warum sollte ich nicht auch
+einen Engl&auml;nder treffen? Es w&auml;re doch mal
+etwas anderes gewesen, so einen Bruder von
+unten abzuschie&szlig;en.</p>
+
+<p>Von oben hatten wir schon mehreren die Ehre
+gegeben, aber von unten hatte ich es nicht probiert.
+Wie der Engl&auml;nder weg war, gingen wir
+wieder ins Kasino und besprachen uns, wie wir
+den Br&uuml;dern in der n&auml;chsten Nacht einen Empfang
+bereiten wollten. Tags darauf sah man die
+Burschen usw. sehr emsig arbeiten. Sie besch&auml;ftigten
+sich damit, Pf&auml;hle in der N&auml;he des
+Kasinos und der Offizier-Wohnbaracken einzurammen,
+die in der kommenden Nacht als Maschinengewehrst&auml;nde
+benutzt werden sollten. Wir
+schossen uns mit erbeuteten englischen Flugzeug-Maschinengewehren
+ein, machten uns ein Nachtkorn
+drauf und waren sehr gespannt, was nun
+werden w&uuml;rde. Die Zahl der Maschinengewehre
+will ich nicht verraten, aber es sollte gen&uuml;gen.
+<span class="pagenum"><a name="Page_136" id="Page_136">[136]</a></span>Jeder von meinen Herren war mit so einem
+Ding bewaffnet.</p>
+
+<p>Wir sitzen wieder im Kasino. Gespr&auml;chstoff
+sind nat&uuml;rlich die Nachtflieger. Da kommt ein
+Bursche hereingest&uuml;rzt und schreit nur: &raquo;Sie
+kommen, sie kommen!&laquo; und verschwindet, etwas
+sp&auml;rlich bekleidet, im n&auml;chsten Unterstand. Jeder
+von uns st&uuml;rzt an die Maschinengewehre. Einige
+t&uuml;chtige Mannschaften, die gute Sch&uuml;tzen sind, sind
+auch damit bewaffnet. Alle &uuml;brigen haben Karabiner.
+Die Jagdstaffel ist jedenfalls bis an die Z&auml;hne
+bewaffnet und bereit, die Herren zu empfangen.</p>
+
+<p>Der erste kam, genau wie am Abend vorher,
+in gr&ouml;&szlig;erer H&ouml;he, geht dann auf f&uuml;nfzig Meter
+herunter, und zu unserer gr&ouml;&szlig;ten Freude hat er
+es diesmal gleich auf unsere Barackenseite abgesehen.
+Er ist im Scheinwerfer. Jetzt ist er
+h&ouml;chstens noch dreihundert Meter von uns entfernt.
+Der erste f&auml;ngt an zu schie&szlig;en, und zur
+selben Zeit setzen alle &uuml;brigen ein. Ein Sturmangriff
+k&ouml;nnte nicht besser abgewehrt werden als
+dieser Angriff des einzelnen frechen Kunden in
+f&uuml;nfzig Metern H&ouml;he. Ein rasendes Feuer empf&auml;ngt
+ihn. H&ouml;ren konnte er das Maschinengewehrfeuer
+ja nicht, daran verhinderte ihn sein Motor,
+aber das M&uuml;ndungsfeuer eines jeden sah er,
+und deshalb finde ich es auch diesmal sehr schneidig
+von dem Bruder, da&szlig; er nicht abbog, sondern
+starr seinen Auftrag durchf&uuml;hrte. Er flog genau
+<span class="pagenum"><a name="Page_137" id="Page_137">[137]</a></span>&uuml;ber uns weg. In dem Augenblick, wie er &uuml;ber
+uns weg war, springen wir nat&uuml;rlich schnell in
+den Unterstand, denn durch so &#8217;ne d&auml;mliche
+Bombe erschlagen zu werden, w&auml;re f&uuml;r einen
+Jagdflieger ein selten d&auml;mlicher Heldentod. Kaum
+ist er &uuml;ber uns weg, wieder &#8217;ran an die Gewehre
+und feste hinter ihm hergefeuert. Sch&auml;fer behauptete
+nat&uuml;rlich: &raquo;Ich habe ihn getroffen.&laquo;
+Der Kerl schie&szlig;t ganz gut. Aber in diesem Fall
+glaubte ich ihm denn doch nicht, und au&szlig;erdem
+hatte jeder andere ebenso gute Chancen.</p>
+
+<p>Wir hatten wenigstens das erreicht, da&szlig; der
+Gegner seine Bomben ziemlich planlos in die
+Gegend warf. Eine allerdings platzte ein paar
+Meter neben dem <em class="antiqua">&raquo;petit rouge&laquo;,</em> tat ihm aber
+nicht weh. Dieser Spa&szlig; wiederholte sich in der
+Nacht noch mehrere Male. Ich lag bereits im
+Bett und schlief fest, da h&ouml;rte ich im Traum
+Ballonabwehrfeuer, wachte davon auf und konnte
+nur feststellen, da&szlig; der Traum Wahrheit war.
+Ein Kunde flog so niedrig &uuml;ber meine Bude
+weg, da&szlig; ich mir vor lauter Angst die Bettdecke
+&uuml;ber den Kopf zog. Im n&auml;chsten Augenblick ein
+wahnsinniger Knall, ganz in der N&auml;he meines
+Fensters, und meine Scheiben waren ein Opfer
+der Bombe. Schnell im Hemd &#8217;rausgest&uuml;rzt und
+noch einige Schu&szlig; hinter ihm her. Drau&szlig;en
+wurde er schon kr&auml;ftig beschossen. Ich hatte
+aber diesen Herrn leider verschlafen.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_138" id="Page_138">[138]</a></span>Am n&auml;chsten Morgen waren wir sehr erstaunt
+und hocherfreut, als wir feststellten, da&szlig; wir
+nicht weniger wie drei Engl&auml;nder von der Erde
+aus abgeschossen hatten. Sie waren nicht weit
+von unserem Flughafen gelandet und gefangengenommen
+worden. Wir hatten meist die Motoren
+getroffen und sie dadurch gezwungen, auf unserer
+Seite &#8217;runterzugehen. Also hatte sich vielleicht
+Sch&auml;fer doch nicht geirrt. Wir waren jedenfalls
+sehr zufrieden mit unserem Erfolg. Die Engl&auml;nder
+daf&uuml;r etwas weniger, denn sie zogen es
+vor, nicht mehr unseren Platz zu attackieren.
+Eigentlich schade, denn sie haben uns viel Spa&szlig;
+damit gemacht. Vielleicht kommen sie n&auml;chsten
+Monat wieder.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_139" id="Page_139">[139]</a></span><a name="Schaefers_Notlandung" id="Schaefers_Notlandung"></a>Sch&auml;fers Notlandung zwischen
+den Linien</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">A</span>m Abend des 20.&nbsp;April machen wir einen
+Jagdflug, kommen sehr sp&auml;t nach Hause und
+haben Sch&auml;fer unterwegs verloren. Nat&uuml;rlich
+hofft jeder, da&szlig; er vor Dunkelheit noch den Platz
+erreicht. Es wird Neun, es wird Zehn, Sch&auml;fer
+kommt nicht. Benzin kann er nicht mehr haben,
+folglich ist er irgendwo notgelandet. Da&szlig; einer
+abgeschossen ist, will man sich nie zugeben. Keiner
+wagt es in den Mund zu nehmen, aber jeder
+f&uuml;rchtet es im stillen. Das Telephonnetz wird
+in Bewegung gesetzt, um zu ermitteln, wo ein
+Flieger gelandet ist. Kein Mensch kann uns Auskunft
+geben. Keine Division, keine Brigade will
+ihn gesehen haben. Ein ungem&uuml;tlicher Zustand.
+Schlie&szlig;lich gehen wir schlafen. Wir waren alle
+fest &uuml;berzeugt, er w&uuml;rde sich noch einfinden.
+Nachts um Zwei werde ich pl&ouml;tzlich geweckt. Die
+Telephonordonnanz teilt mir strahlend mit:
+&raquo;Sch&auml;fer befindet sich im Dorf <em class="antiqua">Y</em> und bittet um
+Abholung.&laquo;</p>
+
+<p>Am n&auml;chsten Morgen zum Fr&uuml;hst&uuml;ck &ouml;ffnet sich
+die T&uuml;r, und mein braver Pilot steht in so verdrecktem
+Anzug vor mir, wie ihn der Infanterist
+nach vierzehn Tagen Arras-Schlacht am Leibe hat.
+Gro&szlig;es Hallo! Sch&auml;fer ist quietschvergn&uuml;gt und
+<span class="pagenum"><a name="Page_140" id="Page_140">[140]</a></span>mu&szlig; seine Erlebnisse zum besten geben. Er hat
+einen B&auml;renhunger. Nachdem er gefr&uuml;hst&uuml;ckt hat,
+erz&auml;hlt er uns folgendes:</p>
+
+<p>&raquo;Ich fliege nach Hause an der Front entlang
+und sehe in ganz niedriger H&ouml;he dr&uuml;ben scheinbar
+einen Infanterieflieger. Ich greife ihn an, schie&szlig;e
+ihn ab und will wieder zur&uuml;ckfliegen, da nehmen
+mich die Engl&auml;nder unten aus den Sch&uuml;tzengr&auml;ben
+m&auml;chtig vor und beknallen mich ganz unheimlich.
+Meine Rettung war nat&uuml;rlich die Geschwindigkeit
+des Flugzeugs, denn da&szlig; sie beim
+Schie&szlig;en vorhalten m&uuml;ssen, daran denken die
+Kerle nat&uuml;rlich nicht. Ich war vielleicht noch
+zweihundert Meter hoch, aber ich mu&szlig; doch versichern,
+da&szlig; ich gewisse K&ouml;rperteile m&auml;chtig angespannt
+habe, aus erkl&auml;rlichen Gr&uuml;nden. Mit
+einem Male gibt es einen Schlag, und mein
+Motor bleibt stehen. Also landen. Komme ich
+noch &uuml;ber die feindlichen Linien, oder komme ich
+nicht? Das war sehr die Frage. Die Engl&auml;nder
+haben es bemerkt und fangen wie wahnsinnig an
+zu schie&szlig;en. Jetzt h&ouml;re ich jeden einzelnen Schu&szlig;,
+denn mein Motor l&auml;uft nicht mehr, der Propeller
+steht still. Eine peinliche Situation. Ich
+komme herunter, lande, meine Maschine steht
+noch nicht, da werde ich aus einer Hecke des Dorfes
+Monchy bei Arras ganz kolossal mit Maschinengewehrfeuer
+beschossen. Die Kugeln klatschen nur
+so in meine Maschine herein. Ich &#8217;raus aus der
+<span class="pagenum"><a name="Page_141" id="Page_141">[141]</a></span>Kiste und in das n&auml;chste Granatloch &#8217;rein, war
+eins. Dort besann ich mich mal erst, wo ich mich
+befinde. So allm&auml;hlich wird mir klar, da&szlig; ich
+&uuml;ber die Linien &#8217;r&uuml;ber bin, aber noch verdammt
+nahe bei ihnen. Gott sei Dank ist es etwas sp&auml;t
+abends. Das ist meine Rettung.</p>
+
+<p>Es dauert nicht lange, da kommen die ersten
+Granaten an. Nat&uuml;rlich sind es Gasgranaten,
+und eine Maske hatte ich selbstverst&auml;ndlich nicht
+mit. Also mir fingen die Augen ganz erb&auml;rmlich
+an zu tr&auml;nen. Die Engl&auml;nder schossen sich vor
+Dunkelheit auch noch mit Maschinengewehren
+auf meine Landungsstelle ein, ein Maschinengewehr
+offenbar auf mein Flugzeug, das andere
+auf meinen Granattrichter. Die Kugeln klatschten
+oben immer dagegen. Ich steckte mir daraufhin,
+um meine Nerven zu beruhigen, erst mal eine
+Zigarette an, ziehe mir meinen dicken Pelz aus
+und mache mich zum Sprung auf! Marsch,
+marsch! bereit. Jede Minute erscheint eine
+Stunde.</p>
+
+<p>Allm&auml;hlich wurde es dunkel, aber nur ganz
+allm&auml;hlich. Um mich herum locken die Rebh&uuml;hner.
+Als J&auml;ger erkannte ich, da&szlig; die H&uuml;hner ganz
+friedlich und vertraut waren, also war keine Gefahr,
+da&szlig; ich in meinem Versteck &uuml;berrascht wurde.
+Schlie&szlig;lich wurde es immer finsterer. Auf einmal
+geht ganz in meiner N&auml;he ein P&auml;rchen Rebh&uuml;hner
+hoch, gleich darauf ein zweites, und ich
+<span class="pagenum"><a name="Page_142" id="Page_142">[142]</a></span>erkannte daraus, da&szlig; Gefahr im Anzuge war.
+Offenbar war es eine Patrouille, die mir Guten
+Abend sagen wollte. Nun wird&#8217;s die h&ouml;chste Zeit,
+da&szlig; ich mich aus dem Staube mache. Erst ganz
+vorsichtig auf dem Bauche kriechend, von Granatloch
+zu Granatloch. Ich komme nach etwa anderthalb
+Stunden eifrigen Kriechens an die ersten
+Menschen. Sind es Engl&auml;nder, oder sind es
+Deutsche? Sie kommen heran, und beinahe w&auml;re
+ich den Musketieren um den Hals gesprungen,
+als ich sie erkannte. Es war eine Schleichpatrouille,
+die sich im neutralen Zwischengel&auml;nde herumtreibt.
+Einer der Leute f&uuml;hrte mich zu seinem
+Kompagnief&uuml;hrer, und hier erfuhr ich denn, da&szlig;
+ich am Abend zuvor etwa f&uuml;nfzig Schritte vor
+der feindlichen Linie gelandet sei und unsere Infanterie
+mich bereits aufgegeben hatte. Ich nahm
+mal erst ein ordentliches Abendbrot zu mir und
+trete dann den R&uuml;ckmarsch an.</p>
+
+<p>Hinten wurde viel mehr geschossen als vorn.
+Jeder Weg, jeder Ann&auml;herungsgraben, jedes
+Geb&uuml;sch, jeder Hohlweg, alles lag unter feindlichem
+Feuer. Am n&auml;chsten Morgen griffen die
+Engl&auml;nder an, sie mu&szlig;ten also heute abend ihre
+Artillerievorbereitung beginnen. Ich hatte mir
+also einen ung&uuml;nstigen Tag f&uuml;r mein Unternehmen
+ausgesucht. Erst gegen zwei Uhr morgens
+erreichte ich das erste Telephon und konnte
+mich mit meiner Staffel in Verbindung setzen.&laquo;</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_143" id="Page_143">[143]</a></span>Wir waren alle gl&uuml;cklich, unseren Sch&auml;fer wieder
+zu haben. Er legte sich ins Bett. Jeder andere
+h&auml;tte mal f&uuml;r die n&auml;chsten vierundzwanzig Stunden
+auf den Genu&szlig; des Jagdfliegens verzichtet.
+Mein Sch&auml;fer attackierte aber bereits am Nachmittag
+desselben Tages wiederum &uuml;ber Monchy
+einen ganz tieffliegenden B.&nbsp;E.</p>
+
+
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_144" id="Page_144">[144]</a></span><a name="Das_Anti-Richthofen-Geschwader" id="Das_Anti-Richthofen-Geschwader"></a>Das Anti-Richthofen-Geschwader</h2>
+
+<p class="subheader">(25. <em class="gesperrt">April</em> 1917)</p>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">D</span>ie Engl&auml;nder hatten sich einen famosen Witz
+ausgedacht, n&auml;mlich mich zu fangen oder
+abzuschie&szlig;en. Zu diesem Zwecke hatten sie tats&auml;chlich
+ein besonderes Geschwader aufgestellt,
+das in dem Raum flog, in dem wir uns meistens
+&#8217;rumtrieben. Wir erkannten es daran, da&szlig; es
+haupts&auml;chlich gegen unsere roten Flugzeuge offensiv
+wurde.</p>
+
+<p>Ich mu&szlig; bemerken, da&szlig; wir unsere <em class="gesperrt">ganze</em>
+Jagdstaffel rot angemalt hatten, da den Br&uuml;dern
+doch allm&auml;hlich klar geworden war, da&szlig;
+ich in dieser knallroten Kiste s&auml;&szlig;e. So waren
+wir jetzt alle rot, und die Engl&auml;nder machten
+recht gro&szlig;e Augen, wie sie statt der einen ein
+ganzes Dutzend solcher Kisten sahen. Das hielt
+sie aber nicht ab, den Versuch zu machen, uns
+zu attackieren. Es ist mir ja viel lieber, die
+Kundschaft kommt zu mir, als da&szlig; ich zu ihr
+hingehen mu&szlig;.</p>
+
+<p>Wir flogen an die Front, in der Hoffnung,
+unsere Gegner zu finden. Nach etwa zwanzig
+Minuten kamen die ersten an und attackierten
+uns tats&auml;chlich. Das war uns schon seit langer
+Zeit nicht mehr passiert. Die Engl&auml;nder hatten
+ihren ber&uuml;hmten Offensivgeist doch etwas eingeschr&auml;nkt,
+<span class="pagenum"><a name="Page_145" id="Page_145">[145]</a></span>da er ihnen wohl etwas zu teuer zu
+stehen gekommen war. Es waren drei Spad-Einsitzer,
+die sich infolge ihrer guten Maschinen
+uns sehr &uuml;berlegen glaubten. Es flogen zusammen:
+Wolff, mein Bruder und ich. Drei
+gegen drei, das pa&szlig;te also ganz genau. Gleich
+zu Anfang wurde aus dem Angriff eine Verteidigung.
+Schon hatten wir &uuml;berhand. Ich
+kriegte meinen Gegner vor und konnte noch
+schnell sehen, wie mein Bruder und Wolff sich
+jeder einen dieser Burschen vorbanden. Es begann
+der &uuml;bliche Tanz, man kreist umeinander.
+Der gute Wind kam uns zu Hilfe. Er trieb
+uns K&auml;mpfende von der Front weg, Richtung
+Deutschland.</p>
+
+<p>Meiner war der erste, der st&uuml;rzte. Ich hatte
+ihm wohl den Motor zerschossen. Jedenfalls
+entschlo&szlig; er sich, bei uns zu landen. Pardon kenne
+ich nicht mehr, deshalb attackierte ich ihn noch
+ein zweites Mal, worauf das Flugzeug in meiner
+Gescho&szlig;garbe auseinanderklappte. Die Fl&auml;chen
+fielen wie ein Blatt Papier, jede einzeln, und der
+Rumpf sauste wie ein Stein brennend in die
+Tiefe. Er fiel in einen Sumpf. Man konnte ihn
+nicht mehr ausgraben. Ich habe nie erfahren,
+wer es war, mit dem ich gek&auml;mpft habe. Er war
+verschwunden. Blo&szlig; noch die letzten Reste des
+Schwanzes verbrannten und zeigten die St&auml;tte,
+wo er sich selbst sein Grab gegraben hatte.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_146" id="Page_146">[146]</a></span>Gleichzeitig mit mir hatten Wolff und mein
+Bruder ihre Gegner angegriffen und nicht weit
+von dem meinigen zur Landung gezwungen.</p>
+
+<p>Wir flogen sehr vergn&uuml;gt nach Hause und
+meinten: &raquo;Hoffentlich kommt recht oft das Anti-Richthofen-Geschwader.&laquo;</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_147" id="Page_147">[147]</a></span><a name="Der_alte_Herr_kommt_uns_besuchen" id="Der_alte_Herr_kommt_uns_besuchen"></a>Der &raquo;alte Herr&laquo; kommt uns besuchen</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">F</span>&uuml;r den 29.&nbsp;April hatte sich der &raquo;alte Herr&laquo;
+angesagt, der seine beiden S&ouml;hne besuchen
+wollte. Mein Vater ist Ortskommandant eines
+St&auml;dtchens in der N&auml;he von Lille, also nicht sehr
+weit weg von uns. Von oben kann ich ihn &ouml;fters
+sehen. Er wollte mit dem Zuge um neun Uhr
+kommen. Um halb Zehn ist er auf unserem Platz.
+Wir kommen gerade von einem Jagdflug nach
+Hause, und mein Bruder steigt zuerst aus seiner
+Kiste, begr&uuml;&szlig;t den alten Herrn: &raquo;Guten Tag,
+Papa, ich habe eben einen Engl&auml;nder abgeschossen.&laquo;
+Darauf steige ich aus meiner Maschine: &raquo;Guten
+Tag, Papa, ich habe eben einen Engl&auml;nder abgeschossen.&laquo;
+Der alte Herr war gl&uuml;cklich, es machte
+ihm viel Spa&szlig;, das sah man ihm an. Er ist nicht
+einer von den V&auml;tern, die sich um ihre S&ouml;hne
+bangen, sondern am liebsten m&ouml;chte er selbst sich
+in eine Maschine setzen und auch abschie&szlig;en &ndash;
+glaube ich wenigstens. Wir fr&uuml;hst&uuml;ckten erst mit
+ihm, dann flogen wir wieder.</p>
+
+<p>In der Zwischenzeit spielte sich ein Luftkampf
+&uuml;ber unserem eigenen Flughafen ab, den mein
+Vater sehr interessiert beobachtete. Wir waren
+aber nicht beteiligt, denn wir standen unten und
+sahen selbst zu. Es war ein englisches Geschwader,
+das durchgebrochen war und &uuml;ber unserem
+<span class="pagenum"><a name="Page_148" id="Page_148">[148]</a></span>Flughafen von einigen unserer Aufkl&auml;rungsflieger
+angegriffen wurde. Pl&ouml;tzlich &uuml;berschl&auml;gt sich das
+eine Flugzeug, f&auml;ngt sich wieder und kommt
+herunter im normalen Gleitflug, und wir erkennen
+mit Bedauern, da&szlig; es diesmal ein Deutscher
+ist. Die Engl&auml;nder fliegen weiter. Das
+deutsche Flugzeug ist scheinbar angeschossen, kommt
+aber ganz richtig gesteuert herunter und versucht,
+auf unserem Flugplatz zu landen. Der Platz ist
+etwas klein f&uuml;r das gro&szlig;e Ding. Auch war es
+dem Piloten unbekanntes Gel&auml;nde. So war die
+Landung nicht ganz glatt. Wir st&uuml;rzen hin und
+m&uuml;ssen mit Bedauern feststellen, da&szlig; der eine der
+Insassen, der Maschinengewehrsch&uuml;tze, gefallen
+ist. Dieser Anblick war meinem Vater etwas
+Neues und stimmte ihn offenbar sehr ernst.</p>
+
+<p>Der Tag versprach noch gut zu werden f&uuml;r uns.
+Wunderbar klares Wetter. Dauernd h&ouml;rte man
+die Abwehrgesch&uuml;tze; also unentwegter Flugbetrieb.
+Gegen Mittag flogen wir wieder. Diesmal
+hatte ich wieder Gl&uuml;ck und hatte meinen
+zweiten Engl&auml;nder an dem Tage abgeschossen.
+Die Stimmung des alten Herrn war wieder da.
+Nach Tisch ein kurzes Schl&auml;fchen und man war
+wieder ganz auf der H&ouml;he. Wolff war mit seiner
+Gruppe w&auml;hrend der Zeit am Feinde gewesen und
+hatte selbst einen erledigt. Auch Sch&auml;fer hatte
+sich einen zu Gem&uuml;te gef&uuml;hrt. Nachmittags
+starteten mein Bruder und ich mit Sch&auml;fer,
+<span class="pagenum"><a name="Page_149" id="Page_149">[149]</a></span>Festner und Allmenr&ouml;der noch zweimal. Der
+erste Flug war verungl&uuml;ckt, der zweite Flug um
+so besser. Wir waren nicht lange an der Front,
+da kam uns ein feindliches Geschwader entgegen.
+Leider sind sie h&ouml;her als wir. Also k&ouml;nnen wir
+nichts machen. Wir versuchen, ihre H&ouml;he zu erreichen:
+es gl&uuml;ckt uns nicht. Wir m&uuml;ssen sie auslassen,
+fliegen an der Front entlang, mein Bruder
+dicht neben mir, den anderen voraus. Da sehe
+ich zwei feindliche Artillerieflieger in ganz unversch&auml;mt
+frecher Weise nahe an unsere Front
+herankommen. Ein kurzer Wink meines Bruders,
+und wir hatten uns verst&auml;ndigt. Wir fliegen
+nebeneinander her, unsere Geschwindigkeit vergr&ouml;&szlig;ernd.
+Jeder f&uuml;hlt sich so sicher, einmal sich
+selbst dem Feinde &uuml;berlegen. Besonders aber
+konnte man sich aufeinander verlassen. Denn
+das ist eben die Hauptsache. Man mu&szlig; wissen,
+mit wem man fliegt. Also mein Bruder war
+zuerst an die Gegner heran, greift sich den ersten,
+der ihm am n&auml;chsten fliegt, heraus, ich mir den
+zweiten.</p>
+
+<p>Nun gucke ich mich noch schnell um, da&szlig; nicht
+noch ein dritter in der N&auml;he ist; aber wir sind
+allein. Aug&#8217; in Auge. Ich habe meinem Gegner
+bald die g&uuml;nstigste Seite abgerungen, ein kurzes
+Reihenfeuer, und das feindliche Flugzeug platzt
+auseinander. So schnell war mir ein Kampf
+noch nie vorgekommen.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_150" id="Page_150">[150]</a></span>W&auml;hrend ich noch beobachte, wo die Tr&uuml;mmer
+meines Gegners herunterst&uuml;rzen, gucke ich mich
+nach meinem Bruder um. Er war kaum f&uuml;nfhundert
+Meter von mir entfernt, noch im Kampf
+mit seinem Gegner.</p>
+
+<p>Ich hatte Zeit, mir dieses Bild genau anzusehen,
+und mu&szlig; sagen, da&szlig; ich selbst es nicht
+h&auml;tte besser machen k&ouml;nnen. Auch er hatte bereits
+den Gegner &uuml;berrumpelt, und beide drehten
+sich umeinander. Da pl&ouml;tzlich b&auml;umt sich
+das feindliche Flugzeug auf &ndash; ein sicheres Zeichen
+des Getroffenseins, gewi&szlig; hatte der F&uuml;hrer
+Kopfschu&szlig; oder so etwas &ndash; das Flugzeug
+st&uuml;rzt, und die Fl&auml;chen des feindlichen Apparates
+klappen auseinander. Die Tr&uuml;mmer
+fallen ganz in die N&auml;he meines Opfers. Ich
+fliege an meinen Bruder heran und gratuliere
+ihm, d.&nbsp;h. wir winkten uns gegenseitig zu. Wir
+waren befriedigt und flogen weiter. Es ist sch&ouml;n,
+wenn man mit seinem Bruder so zusammen
+fliegen kann.</p>
+
+<p>Die anderen waren in der Zwischenzeit auch
+herangekommen und hatten sich das Schauspiel,
+das ihnen die beiden Br&uuml;der boten, angeguckt,
+denn helfen kann man ja nicht, einer kann nur
+abschie&szlig;en, und ist einer mit dem Gegner besch&auml;ftigt,
+so k&ouml;nnen die anderen nur zusehen, ihm
+den R&uuml;cken decken, damit er nicht von hinten
+von einem Dritten belapst wird.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_151" id="Page_151">[151]</a></span>Wir fliegen weiter, gehen auf gr&ouml;&szlig;ere H&ouml;he,
+denn oben haben sich einige aus dem Klub der
+Anti-Richthofen zusammengefunden. Wir waren
+mal wieder gut zu erkennen, die Sonne vom
+Westen her beleuchtete die Apparate und lie&szlig; sie
+in ihrer sch&ouml;nen roten Farbe weithin schillern.
+Wir schlossen uns eng zusammen, denn jeder
+wu&szlig;te, da&szlig; man es mit Br&uuml;dern zu tun hat, die
+dasselbe Metier verfolgen wie wir selbst. Leider
+sind sie wieder h&ouml;her, so da&szlig; wir auf ihren Angriff
+warten m&uuml;ssen. Die ber&uuml;hmten Dreidecker und
+Spads, ganz neue Maschinen, aber es kommt
+eben nicht auf die Kiste an, sondern auf den,
+der drinnen sitzt; die Br&uuml;der waren laurig und
+hatten keinen Mumm. Wir boten ihnen den
+Kampf an, sowohl bei uns wie auch dr&uuml;ben.
+Aber sie wollten ihn nicht annehmen. Wozu
+prahlen sie erst mit ihrem Geschwader, das angesetzt
+ist, um mich abzuschie&szlig;en, wenn ihnen
+nachher doch das Herz in die Hosen f&auml;llt?</p>
+
+<p>Endlich hat einer Mut gefa&szlig;t und st&ouml;&szlig;t auf
+unseren letzten herunter. Nat&uuml;rlich wird der
+Kampf angenommen, obwohl es ja f&uuml;r uns
+ung&uuml;nstig ist, denn der, der dr&uuml;ber ist, ist im
+Vorteil. Aber wenn einem die Kundschaft nicht
+mehr gibt, mu&szlig; man sie halt nehmen, wie sie
+kommt. Also macht alles kehrt. Der Engl&auml;nder
+merkt es und l&auml;&szlig;t sofort ab. Nun ist aber
+der Anfang gemacht. Ein anderer Engl&auml;nder
+<span class="pagenum"><a name="Page_152" id="Page_152">[152]</a></span>versucht das gleiche. Er hat sich mich als Gegner
+ausgesucht, und ich begr&uuml;&szlig;e ihn gleich mit einer
+Salve aus beiden Maschinengewehren. Dies
+schien er nicht zu sch&auml;tzen. Er versuchte, sich durch
+einen Sturzflug mir zu entziehen. Das war
+sein Verderben. Denn dadurch kam er unter
+mich. Nun blieb ich &uuml;ber ihm. Was unter mir
+ist, wom&ouml;glich noch allein und auf unserem Gebiet,
+kann wohl als verloren gelten, besonders, wenn
+es ein Einsitzer ist, also ein Jagdflieger, der nicht
+nach hinten &#8217;rausschie&szlig;en kann. Der Gegner hatte
+eine sehr gute Maschine und war sehr schnell.
+Aber es sollte ihm nicht gl&uuml;cken, seine Linien zu
+erreichen. &Uuml;ber Lens fing ich an, auf ihn zu
+schie&szlig;en. Ich war noch viel zu weit. Es war aber
+ein Trick von mir, ich beunruhigte ihn dadurch.
+Er kroch auf den Leim und machte Kurven. Dies
+n&uuml;tzte ich aus und kam etwas n&auml;her heran.
+Schnell versuchte ich dasselbe Man&ouml;ver nochmals
+und zum drittenmal. Jedesmal fiel mein
+Freund darauf &#8217;rein. So hatte ich mich sachte an
+ihn herangeschossen. Nun bin ich ganz nahebei.
+Jetzt wird sauber gezielt, noch einen Augenblick
+gewartet, h&ouml;chstens noch f&uuml;nfzig Meter von ihm
+entfernt, dr&uuml;cke ich auf beide Maschinengewehrkn&ouml;pfe.
+Erst ein leises Rauschen, das sichere
+Zeichen des getroffenen Benzintanks, dann eine
+helle Flamme, und mein Lord verschwindet in
+der Tiefe.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_153" id="Page_153">[153]</a></span>Dieser war der Vierte an diesem Tage. Mein
+Bruder hatte zwei. Dazu hatten wir den alten
+Herrn scheinbar eingeladen. Die Freude war
+ganz ungeheuer.</p>
+
+<p>Abends hatte ich mir noch einige Herren eingeladen,
+unter anderen meinen guten Wedel, der
+zuf&auml;llig auch in der Gegend war. Das Ganze
+war eine gegl&uuml;ckte, verabredete Sache. Sechs
+Engl&auml;nder hatten die beiden Br&uuml;der also an
+einem Tage abgeschossen. Das ist zusammen
+eine ganze Fliegerabteilung. Ich glaube, wir
+waren den Engl&auml;ndern unsympathisch.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_154" id="Page_154">[154]</a></span><a name="Flug_in_die_Heimat" id="Flug_in_die_Heimat"></a>Flug in die Heimat</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">F</span>&uuml;nfzig sind abgeschossen. Zweiundf&uuml;nfzig
+fand ich besser. Deshalb scho&szlig; ich gleich am
+selben Tage zwei mehr ab. Es ging eigentlich
+gegen die Verabredung.</p>
+
+<p>Eigentlich hatte man mir blo&szlig; einundvierzig
+zugebilligt; weshalb die Zahl einundvierzig
+herauskam, kann sich wohl jeder denken, aber
+gerade deshalb wollte ich es durchaus vermeiden.
+Ich bin kein Rekordarbeiter, &uuml;berhaupt
+liegen uns in der Fliegertruppe alle Rekorde fern.
+Man erf&uuml;llt nur seine Pflicht. Boelcke h&auml;tte
+hundert abgeschossen, w&auml;re ihm nicht das Ungl&uuml;ck
+passiert. Und manch anderer der guten gefallenen
+Kameraden h&auml;tte eine ganz andere Zahl erreichen
+k&ouml;nnen, wenn ihn nicht sein pl&ouml;tzlicher Tod daran
+verhindert h&auml;tte. Aber so ein halbes Hundert
+macht einem eben doch auch Spa&szlig;. Nun hatte
+ich es schlie&szlig;lich auch erreicht, da&szlig; man mir f&uuml;nfzig
+zubilligte, bevor ich meinen Urlaub antrat.</p>
+
+<p>Hoffentlich kann ich noch das zweite F&uuml;nfzig
+feiern.</p>
+
+<p>Am Abend desselben Tages klingelte es, und
+nichts Geringeres als das &raquo;Gro&szlig;e Hauptquartier&laquo;
+w&uuml;nschte mich zu sprechen. Ich kam
+mir ganz spa&szlig;ig vor, so mit der &raquo;Gro&szlig;en Bude&laquo;
+verbunden zu sein. Ich erhielt unter anderem
+<span class="pagenum"><a name="Page_155" id="Page_155">[155]</a></span>die erfreuliche Nachricht, da&szlig; Seine Majest&auml;t den
+Wunsch ge&auml;u&szlig;ert h&auml;tte, mich pers&ouml;nlich zu sprechen,
+und zwar war gleich der Tag angesagt: am
+2.&nbsp;Mai. Dies ereignete sich aber schon am 30.&nbsp;April
+abends neun Uhr. Mit dem Zuge w&auml;re es nicht mehr
+m&ouml;glich gewesen, dem Wunsch des Allerh&ouml;chsten
+Kriegsherrn nachzukommen. So zog ich es vor,
+was ja auch viel sch&ouml;ner ist, die Reise auf dem
+Luftwege zu erledigen. Am n&auml;chsten Morgen
+wurde gestartet, und zwar nicht in meinem Einsitzer
+<em class="antiqua">&raquo;Le petit rouge&laquo;</em>, sondern in einem dicken,
+gro&szlig;en Zweisitzer.</p>
+
+<p>Ich setzte mich hinten &#8217;rein, d.&nbsp;h. also nicht an
+den &raquo;Kn&uuml;ppel&laquo;. Arbeiten mu&szlig;te in diesem Falle
+der Leutnant Krefft, auch einer der Herren meiner
+Jagdstaffel. Er wollte gerade auf Erholungsurlaub,
+es pa&szlig;te also ausgezeichnet. So kam
+er auch schneller in die Heimat. Es war ihm nicht
+unsympathisch.</p>
+
+<p>Meine Abreise ging etwas Hals &uuml;ber Kopf.
+Ich konnte in dem Flugzeug nichts weiter mitnehmen
+als die Zahnb&uuml;rste, mu&szlig;te mich also
+gleich so anziehen, wie ich mich im Gro&szlig;en Hauptquartier
+vorzustellen hatte. Und so im Felde hat
+eben der Milit&auml;rsoldat nicht viel mit von sch&ouml;nen
+Kleidungsst&uuml;cken, jedenfalls nicht so ein armes
+Frontschwein wie ich.</p>
+
+<p>Die F&uuml;hrung der Staffel &uuml;bernahm mein
+Bruder. Ich verabschiedete mich kurz, denn ich
+<span class="pagenum"><a name="Page_156" id="Page_156">[156]</a></span>hoffte, bald im Kreise dieser lieben Menschen
+meine T&auml;tigkeit wieder aufnehmen zu k&ouml;nnen.</p>
+
+<p>Der Flug ging nun &uuml;ber L&uuml;ttich, Namur auf
+Aachen und K&ouml;ln. Es war doch sch&ouml;n, so mal
+ohne kriegerische Gedanken durch das Luftmeer
+zu segeln. Herrliches Wetter, wie wir es schon seit
+langem nicht gehabt hatten. Gewi&szlig; gab es am
+heutigen Tage m&auml;chtig viel zu tun an der Front.
+Bald sind die eigenen Fesselballons nicht mehr
+zu sehen. Immer weiter weg von dem Donner
+der Schlachten von Arras. Unter uns Bilder
+des Friedens. Fahrende Dampfer. Dort saust
+ein <em class="antiqua">D</em>-Zug durchs Gel&auml;nde, wir &uuml;berholen ihn
+spielend. Der Wind ist uns g&uuml;nstig. Die Erde
+scheint uns wie eine Tenne so platt. Die sch&ouml;nen
+Maasberge sind nicht zu erkennen als Berge.
+Man erkennt sie nicht einmal am Schatten, denn
+die Sonne steht fast senkrecht. Man wei&szlig; nur,
+da&szlig; sie vorhanden sind, und mit etwas Phantasie
+kann man sich sogar in ihre k&uuml;hlen Schluchten
+verkriechen.</p>
+
+<p>Es war doch etwas sp&auml;t geworden, und so
+kamen wir in die Mittagsstunde. Eine Wolkenschicht
+zieht sich unter uns zusammen und verdeckt
+die Erde v&ouml;llig. Nach Sonne und Kompa&szlig;
+orientierend fliegen wir weiter. Die N&auml;he von
+Holland ist uns allm&auml;hlich aber doch unsympathisch,
+und so ziehen wir es vor, wieder mit dem
+Erdboden F&uuml;hlung zu nehmen. Wir gehen unter
+<span class="pagenum"><a name="Page_157" id="Page_157">[157]</a></span>die Wolke und befinden uns gerade &uuml;ber Namur.
+Nun geht es weiter nach Aachen. Aachen lassen
+wir links liegen und erreichen zur Mittagszeit
+K&ouml;ln. Die Stimmung in unserem Flugzeug
+war gehoben. Vor uns ein l&auml;ngerer Urlaub,
+au&szlig;erdem das sch&ouml;ne Wetter, die gelungene Sache,
+wenigstens K&ouml;ln erreicht zu haben, und die Gewi&szlig;heit,
+da&szlig;, wenn einem auch jetzt etwas passiert,
+man doch noch das Gro&szlig;e Hauptquartier erreichen
+konnte.</p>
+
+<p>Man hatte uns in K&ouml;ln telegraphisch angesagt,
+so wurden wir dort erwartet. Am Tage vorher
+hatte mein zweiundf&uuml;nfzigster Luftsieg in der Zeitung
+gestanden. So war der Empfang auch
+danach.</p>
+
+<p>Durch den dreist&uuml;ndigen Flug hatte ich doch
+etwas Sch&auml;delbrummen, und so zog ich es vor,
+erst einen kleinen Mittagsschlummer einzulegen,
+bevor ich im Gro&szlig;en Hauptquartier eintraf. Wir
+flogen nun von K&ouml;ln ein ganzes St&uuml;ckchen den
+Rhein entlang. Ich kannte die Strecke. Ich bin
+sie oft gefahren, auf dem Dampfer, mit dem
+Auto und der Eisenbahn, und nun im Flugzeug.
+Was war das Sch&ouml;nste? Es ist schwer zu sagen.
+Gewisse Einzelheiten sieht man ja nat&uuml;rlich vom
+Dampfer aus besser. Aber der Gesamtblick aus dem
+Flugzeug ist auch nicht zu verachten. Der Rhein
+hat eben einen besonderen Reiz, so auch von oben.
+Wir flogen nicht zu hoch, um nicht das Gef&uuml;hl
+<span class="pagenum"><a name="Page_158" id="Page_158">[158]</a></span>der Berge v&ouml;llig zu verlieren, denn das ist doch
+wohl das Sch&ouml;nste am Rhein, die riesigen, bewaldeten
+H&ouml;hen, die Burgen usw. Die einzelnen
+H&auml;user konnten wir nat&uuml;rlich nicht sehen. Schade,
+da&szlig; man nicht langsam und schnell fliegen kann.
+Ich h&auml;tte gewi&szlig; den langsamsten Gang eingestellt.</p>
+
+<p>Nur zu schnell verschwand ein sch&ouml;nes Bild
+nach dem anderen. Man hat, wenn man h&ouml;her
+fliegt, ja nicht das Gef&uuml;hl, da&szlig; es sehr schnell
+vorw&auml;rts geht. In einem Auto oder einem
+<em class="antiqua">D</em>-Zug zum Beispiel kommt einem die Geschwindigkeit
+ganz ungeheuer vor, dagegen im
+Flugzeug eigentlich immer langsam, wenn man
+eine gewisse H&ouml;he erreicht hat. Man merkt es
+eigentlich erst daran, wenn man mal f&uuml;nf Minuten
+nicht &#8217;rausgeguckt hat und dann mit einem Male
+wieder die Orientierung aufnimmt. Da ist das
+Bild, das man noch kurz vorher im Kopfe hatte,
+mit einem Male v&ouml;llig ver&auml;ndert. Was man
+unter sich sah, sieht man auf einmal in einem
+Winkel, gar nicht zum Wiedererkennen. Deshalb
+kann man sich so schnell verorientieren, wenn
+man mal f&uuml;r einen Augenblick nicht aufpa&szlig;t.
+So kamen wir am Nachmittag im Gro&szlig;en
+Hauptquartier an, herzlich empfangen von einigen
+mir bekannten Kameraden, die dort in der &raquo;Gro&szlig;en
+Bude&laquo; zu arbeiten haben. Sie tun mir ordentlich
+leid, die Tintenspione. Sie haben ja nur den
+halben Spa&szlig; vom Kriege. Zun&auml;chst meldete
+<span class="pagenum"><a name="Page_159" id="Page_159">[159]</a></span>ich mich bei dem Kommandierenden General der
+Luftstreitkr&auml;fte. Am n&auml;chsten Vormittag ereignete
+sich nun der gro&szlig;e Moment, wo ich Hindenburg
+und Ludendorff vorgestellt werden sollte.
+Ich mu&szlig;te eine ganze Weile warten. Wie die
+Begr&uuml;&szlig;ung im einzelnen war, kann ich eigentlich
+schlecht schreiben. Erst meldete ich mich bei Hindenburg,
+dann bei Ludendorff.</p>
+
+<p>Es ist ein unheimliches Gef&uuml;hl in dem Raum,
+wo das Geschick der Erde entschieden wird. So
+war ich ganz froh, wie ich die &raquo;Gro&szlig;e Bude&laquo;
+wieder hinter mir hatte und mittags bei Seiner
+Majest&auml;t zum Fr&uuml;hst&uuml;ck befohlen war. Es war
+ja heute mein Geburtstag, und irgendeiner hatte
+es wohl Seiner Majest&auml;t verraten, und so gratulierte
+er mir. Einmal zu meinem Erfolg, dann
+zum f&uuml;nfundzwanzigsten Lebensjahr. Auch ein
+kleines Geburtstagsgeschenk &uuml;berraschte mich.</p>
+
+<p>Fr&uuml;her h&auml;tte ich es mir wohl nie tr&auml;umen
+lassen, da&szlig; ich am f&uuml;nfundzwanzigsten Geburtstag
+rechts von Hindenburg sitzen und in einer Rede
+vom Generalfeldmarschall erw&auml;hnt werden w&uuml;rde.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Tags darauf war ich zu Mittag bei Ihrer
+Majest&auml;t eingeladen und fuhr zu diesem Zweck
+nach Homburg. Dort war ich zum Fr&uuml;hst&uuml;ck bei
+Ihrer Majest&auml;t, wurde gleichfalls mit einem
+Geburtstagsgeschenk bedacht, und ich hatte noch
+die gro&szlig;e Freude, Ihrer Majest&auml;t einen Start
+<span class="pagenum"><a name="Page_160" id="Page_160">[160]</a></span>vorzuf&uuml;hren. Abends war ich nochmals bei dem
+Generalfeldmarschall v.&nbsp;Hindenburg eingeladen.</p>
+
+<p>Den Tag darauf flog ich nach Freiburg, um
+dort einen Auerhahn zu schie&szlig;en. Von Freiburg
+aus benutzte ich ein Flugzeug, das nach Berlin
+flog. In N&uuml;rnberg wurde Benzin aufgef&uuml;llt.
+Da zog ein Gewitter auf. Ich hatte es aber
+dringend eilig, in Berlin anzukommen. Allerhand
+mehr oder weniger interessante Dinge warteten
+dort meiner. So flog ich trotz des Gewitters
+weiter. Mir machten die Wolken und das
+Schweinewetter Spa&szlig;. Es go&szlig; mit Kannen.
+Ab und zu etwas Hagel. Der Propeller sah nachher
+ganz toll aus, durch die Hagelk&ouml;rner zerschlagen,
+wie eine S&auml;ge. Leider machte mir das Wetter
+so viel Spa&szlig;, da&szlig; ich dar&uuml;ber g&auml;nzlich verga&szlig;
+aufzupassen, wo ich mich befand. Wie ich wieder
+die Orientierung aufnehmen will, habe ich keinen
+Dunst mehr, wo ich bin. Eine sch&ouml;ne Bescherung!
+In der Heimat &raquo;verfranzt&laquo;! Das mu&szlig;te nat&uuml;rlich
+gerade mir passieren. Wie w&uuml;rden die zu Hause
+sich am&uuml;sieren, wenn sie das w&uuml;&szlig;ten! Aber
+es war an der Tatsache nichts zu &auml;ndern. Ich
+wu&szlig;te nicht mehr, wo ich war. Ich war durch den
+starken Wind und das niedrige Fliegen sehr abgetrieben
+worden und von meiner Karte heruntergekommen
+und mu&szlig;te nun nach Sonne und
+Kompa&szlig; notd&uuml;rftig die Richtung nach Berlin
+einhalten. St&auml;dte, D&ouml;rfer, Fl&uuml;sse, W&auml;lder jagen
+<span class="pagenum"><a name="Page_161" id="Page_161">[161]</a></span>unter mir dahin. Ich erkenne nichts wieder.
+Ich vergleiche die Natur mit meiner Karte, aber
+vergeblich. Es ist alles anders. Ich bin eben
+tats&auml;chlich nicht mehr im Bilde. Es ist mir nicht
+m&ouml;glich, die Gegend wiederzuerkennen. Wie sich
+sp&auml;ter herausstellte, war es allerdings auch ausgeschlossen,
+denn ich flog etwa hundert Kilometer
+neben meinem Kartenrand.</p>
+
+
+<div class="figcenter" style="width: 291px;">
+<a href="images/illu_160.jpg"><img src="images/illu_160_th.jpg" width="291" height="400" alt="v. Hoeppner, Thomson, v. Richthofen" title="v. Hoeppner, Thomson, v. Richthofen" /></a>
+<table style="width: 100%; margin-bottom: 1ex;" summary="labels">
+<tr><td>2</td><td>3</td><td>1</td></tr>
+</table>
+<span class="caption">
+Der kommandierende General der Luftstreitkr&auml;fte,
+Exzellenz v.&nbsp;Hoeppner (1), und der Chef des Stabes der Luftstreitkr&auml;fte,
+Oberstleutnant Thomson (2), mit Rittmeister Manfred
+Freih. v.&nbsp;Richthofen (3)</span>
+</div>
+
+<div class="figcenter" style="width: 264px;">
+<a name="Telegramm" id="Telegramm"></a><a href="images/illu_161.jpg"><img class="noborder" src="images/illu_161_th.jpg" width="264" height="400" alt="Ein Gl&uuml;ckwunsch des Kaisers" title="Ein Gl&uuml;ckwunsch des Kaisers" /></a>
+<span class="caption"><a href="#Transkription_des_Telegramms">Ein Gl&uuml;ckwunsch des Kaisers</a></span>
+</div>
+
+<p>Nach etwa zweist&uuml;ndigem Fluge entschlossen
+sich mein F&uuml;hrer und ich zu einer Notlandung.
+Dies ist immer was Unangenehmes, so ohne
+Flughafen. Man wei&szlig; nicht, wie die Erdoberfl&auml;che
+ist. Kommt ein Rad in ein Loch, ist die Kiste
+futsch. Erst versuchten wir noch, auf einem Bahnhof
+die Aufschrift der Station zu erkennen, aber
+Kuchen, nat&uuml;rlich war sie so klein aufgepinselt,
+da&szlig; man auch nicht einen Buchstaben erkennen
+konnte. Also m&uuml;ssen wir landen. Nur schweren
+Herzens, aber es bleibt uns nichts anderes &uuml;brig.
+Wir suchen uns eine Wiese, die von oben ganz
+sch&ouml;n aussieht, und versuchen unser Heil. Leider
+sah die Wiese bei n&auml;herer Betrachtung nicht so
+sch&ouml;n aus. Dies konnte ich auch an einem etwas
+verbogenen Fahrgestell feststellen. So hatten
+wir uns denn v&ouml;llig mit Ruhm bekleckert. Erst
+&raquo;verfranzt&laquo; und dann die Kiste zerschmissen!
+Wir mu&szlig;ten nun also mit einem ganz ordin&auml;ren
+Fortbewegungsmittel, dem <em class="antiqua">D</em>-Zug, unsere weitere
+Reise nach der Heimat antreten. Langsam, aber
+<span class="pagenum"><a name="Page_162" id="Page_162">[162]</a></span>sicher erreichten wir Berlin. Wir waren in der
+N&auml;he von Leipzig notgelandet. H&auml;tten wir nicht
+die Dummheit gemacht, so w&auml;ren wir gewi&szlig;
+noch nach Berlin gekommen, aber wie man&#8217;s
+macht, macht man&#8217;s falsch.</p>
+
+<p>Einige Tage sp&auml;ter traf ich in meiner Heimatstadt
+Schweidnitz ein. Obwohl es sieben Uhr
+morgens war, hatte sich doch eine ganze Menge
+Menschen auf dem Bahnhof angefunden. Die
+Begr&uuml;&szlig;ung war herzlich. Am Nachmittag wurden
+mir verschiedene Ehrungen zuteil, darunter auch
+durch Jugendwehr.</p>
+
+<p>Im gro&szlig;en und ganzen wurde mir klar, da&szlig;
+die Heimat sich f&uuml;r ihre K&auml;mpfer im Felde doch
+lebhaft interessiert.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_163" id="Page_163">[163]</a></span><a name="Mein_Bruder" id="Mein_Bruder"></a>Mein Bruder</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">I</span>ch war noch nicht acht Tage auf Urlaub, da
+kriegte ich die telegraphische Nachricht:
+&raquo;Lothar verwundet, nicht lebensgef&auml;hrlich.&laquo; Mehr
+nicht. N&auml;here Erkundigungen ergaben, da&szlig; er
+wieder mal recht leichtsinnig gewesen war. Er
+flog mit Allmenr&ouml;der zusammen gegen den Feind.
+Da sah er tief unten, ziemlich weit dr&uuml;ben, einen
+allein herumkrebsenden <em class="antiqua">Englishman</em>. Das sind
+so die feindlichen Infanterieflieger, die unseren
+Truppen besonders l&auml;stig fallen. Jedenfalls
+beunruhigen sie sehr. Ob sie wirklich etwas erreichen
+mit ihrem tiefen Rumkrebsen, ist sehr
+die Frage. Mein Bruder war etwa zweitausend
+Meter hoch, der Engl&auml;nder tausend. Er p&uuml;rscht
+sich &#8217;ran, setzt zum Sturzflug an und ist in wenigen
+Sekunden bei ihm. Der Engl&auml;nder zog es vor,
+den Kampf zu vermeiden, und verschwand gleichfalls
+im Sturzflug in der Tiefe. Mein Bruder,
+nicht faul, hinterher. Ganz schnuppe, ob es dr&uuml;ben
+oder bei uns ist. Nur ein Gedanke: er mu&szlig;
+&#8217;runter. Das ist ja auch nat&uuml;rlich das richtige.
+Ab und zu mache ich&#8217;s auch. Aber wenn es mein
+Bruder bei jedem Fluge nicht mindestens einmal
+gemacht hat, macht ihm das ganze Unternehmen
+keinen Spa&szlig;. Erst ganz kurz &uuml;ber dem
+Boden kriegt er ihn wirklich gut vor und kann
+<span class="pagenum"><a name="Page_164" id="Page_164">[164]</a></span>ihm den Laden vollschie&szlig;en. Der Engl&auml;nder
+st&uuml;rzt senkrecht in die Erde. Viel bleibt nicht mehr
+&uuml;brig.</p>
+
+<p>Nach so einem Kampfe, besonders in geringer
+H&ouml;he, in dem man sich so oft gedreht und gewendet
+hat, mal rechtsrum und mal linksrum
+geflogen ist, hat der normale Sterbliche keine
+Ahnung mehr, wo er sich befindet. Nun war es
+an diesem Tage noch etwas dunstig, also ein besonders
+ung&uuml;nstiges Wetter. Schnell hatte er sich
+orientiert und merkt erst jetzt, da&szlig; er doch wohl ein
+ganzes Ende hinter der Front ist. Er war hinter
+der Vimy-H&ouml;he. Die Vimy-H&ouml;hen sind etwa hundert
+Meter h&ouml;her als die andere Gegend. Mein
+Bruder war hinter diesen Vimy-H&ouml;hen verschwunden
+&ndash; behaupten jedenfalls die Beobachter von
+der Erde aus.</p>
+
+<p>Dieses Nachhausefliegen, bis man seine eigene
+Stellung erreicht hat, geh&ouml;rt nicht zu den angenehmsten
+Gef&uuml;hlen, die man sich denken kann.
+Man kann nichts dagegen tun, da&szlig; einen der
+Gegner beschie&szlig;t. Nur selten treffen sie. Mein
+Bruder n&auml;herte sich der Linie. In so geringer
+H&ouml;he kann man jeden Schu&szlig; h&ouml;ren, es h&ouml;rt sich
+an, wie wenn Kastanien im Feuer platzen, wenn der
+einzelne Infanterist schie&szlig;t. Da &ndash; mit einem
+Male f&uuml;hlte er einen Schlag, getroffen. Das war
+ihm klar. Er z&auml;hlt zu den Menschen, die nicht ihr
+eignes Blut sehen k&ouml;nnen. Bei einem anderen
+<span class="pagenum"><a name="Page_165" id="Page_165">[165]</a></span>macht es ihm keinen Eindruck; wenigstens weniger.
+Aber sein eigenes Blut st&ouml;rt ihn. Er
+f&uuml;hlt, wie es ihm warm am rechten Bein herunterl&auml;uft,
+zur gleichen Zeit auch einen Schmerz in
+der H&uuml;fte. Unten wird noch immer geknallt.
+Also ist er noch dr&uuml;ben. Da endlich h&ouml;rt es so
+sachte auf, und er ist &uuml;ber unsere Front hin&uuml;ber.
+Nun mu&szlig; er sich aber beeilen, denn seine Kr&auml;fte
+lassen zusehends nach. Da sieht er einen Wald,
+daneben eine Wiese. Also auf die Wiese zu. Die
+Z&uuml;ndung schnell herausgenommen, der Motor
+bleibt stehen, und in demselben Augenblick ist es
+alle mit seinen Kr&auml;ften, die Besinnung hat ihn
+verlassen. Er sitzt ja nun ganz allein in seinem
+Flugzeug, also ein zweiter konnte ihm nicht helfen.
+Wie er auf die Erde hinuntergekommen ist,
+ist eigentlich ein Wunder. Denn von allein startet
+und landet kein Flugzeug. Man behauptet
+dies nur von einer alten Taube in K&ouml;ln, die von
+einem Monteur zum Start zurechtgemacht ist
+und gerade in dem Augenblick, wie der Pilot sich
+hineinsetzen will, von allein losfliegt, von allein eine
+Kurve macht und nach f&uuml;nf Minuten wieder landet.
+Das wollen viele M&auml;nner gesehen haben. Ich
+habe es nicht gesehen &ndash; aber ich bin doch fest davon
+&uuml;berzeugt, da&szlig; es wahr ist. Mein Bruder jedenfalls
+hatte nicht so eine Taube, die von allein
+landet, aber trotzdem hatte er sich bei dem Ber&uuml;hren
+mit dem Erdboden nichts getan. Erst im
+<span class="pagenum"><a name="Page_166" id="Page_166">[166]</a></span>Lazarett fand er die Besinnung wieder. Er wurde
+nach Douai transportiert.</p>
+
+<p>Es ist f&uuml;r einen Bruder ein ganz eigenartiges
+Gef&uuml;hl, wenn man den anderen in einen Kampf
+mit einem Engl&auml;nder verwickelt sieht. So sah ich
+zum Beispiel einmal, wie Lothar hinter dem Geschwader
+etwas herh&auml;ngt und von einem Engl&auml;nder
+attackiert wird. Es w&auml;re f&uuml;r ihn ein leichtes gewesen,
+den Kampf zu verweigern. Er braucht blo&szlig;
+in der Tiefe zu verschwinden. Aber nein, das tut er
+nicht! Der Gedanke kommt ihm scheinbar gar
+nicht. Ausrei&szlig;en kennt er nicht. Zum Gl&uuml;ck hatte
+ich dies beobachtet und pa&szlig;te auf. Da sah ich, wie
+der Engl&auml;nder, der &uuml;ber ihm war, immer auf ihn
+&#8217;runterst&ouml;&szlig;t und schie&szlig;t. Mein Bruder versucht,
+seine H&ouml;he zu erreichen, unbek&uuml;mmert, ob er beschossen
+wird oder nicht. Da &ndash; mit einem Male
+&uuml;berschl&auml;gt sich das Flugzeug, und die rot angestrichene
+Maschine st&uuml;rzt senkrecht, sich um sich
+selbst drehend, herunter. Keine gewollte Bewegung,
+sondern ein regelrechter Absturz. Dieses
+ist f&uuml;r den zusehenden Bruder nicht das sch&ouml;nste
+aller Gef&uuml;hle. Aber ich habe mich so sachte daran
+gew&ouml;hnen m&uuml;ssen, denn mein Bruder benutzte es
+als Trick. Wie er erkannt hatte, da&szlig; der Engl&auml;nder
+ihm &uuml;ber war, markierte er ein Angeschossensein.
+Der Engl&auml;nder hinterher, mein Bruder
+f&auml;ngt sich und hat ihn im Umsehen &uuml;berstiegen.
+Das feindliche Flugzeug konnte sich nicht so schnell
+<span class="pagenum"><a name="Page_167" id="Page_167">[167]</a></span>wieder aufrichten und zur Besinnung kommen,
+da sa&szlig; ihm mein Bruder im Nacken, und einige
+Augenblicke sp&auml;ter schlugen die Flammen heraus.
+Dann ist nichts mehr zu retten, dann st&uuml;rzt das
+Flugzeug brennend ab.</p>
+
+<p>Ich habe mal auf der Erde neben einem Benzintank
+gestanden, wo hundert Liter auf einmal explodierten
+und verbrannten. Ich konnte nicht zehn
+Schritt daneben stehen, so hei&szlig; wurde mir. Und
+nun mu&szlig; man sich vorstellen, da&szlig; auf wenige
+Zentimeter vor einem so ein Tank von vielen
+f&uuml;nfzig Litern explodiert und der Propellerwind
+die ganze Glut einem ins Gesicht treibt. Ich
+glaube, man ist im ersten Moment schon besinnungslos,
+und es geht jedenfalls am schnellsten.</p>
+
+<p>Aber es passieren doch ab und zu Zeichen und
+Wunder. So sah ich z.&nbsp;B. einmal ein englisches
+Flugzeug brennend abst&uuml;rzen. Die Flammen
+schlugen erst in f&uuml;nfhundert Metern H&ouml;he heraus.
+Die Maschine stand in hellen Flammen. Wie wir
+nach Hause fliegen, erfahren wir, da&szlig; der eine der
+Insassen aus f&uuml;nfzig Metern H&ouml;he herausgesprungen
+ist. Es war der Beobachter. F&uuml;nfzig Meter
+H&ouml;he! Man mu&szlig; sich mal die H&ouml;he &uuml;berlegen.
+Der h&ouml;chste Kirchturm, der in Berlin ist, reicht
+gerade heran. Man springe mal von der Spitze
+dieses Turmes herunter! Wie man wohl unten
+ankommen mag! Die meisten br&auml;chen sich&#8217;s Genick,
+wenn sie aus dem Hochparterre herausspringen
+<span class="pagenum"><a name="Page_168" id="Page_168">[168]</a></span>w&uuml;rden. Jedenfalls, dieser brave &raquo;Franz&laquo; sprang
+aus seinem brennenden Flugzeug aus f&uuml;nfzig
+Meter H&ouml;he heraus, das bereits mindestens eine
+Minute gebrannt hatte, und machte sich weiter
+nichts als einen glatten Unterschenkelbruch. Er
+hat sogar, gleich nachdem ihm all dies passiert ist,
+noch Aussagen gemacht, also sein seelischer Zustand
+hatte nicht einmal gelitten.</p>
+
+<p>Ein andermal scho&szlig; ich einen Engl&auml;nder ab.
+Der Flugzeugf&uuml;hrer hatte einen t&ouml;dlichen Kopfschu&szlig;,
+das Flugzeug st&uuml;rzte steuerlos, senkrecht,
+ohne sich zu fangen, aus dreitausend Metern H&ouml;he
+in die Erde. Eine ganze Weile sp&auml;ter erst kam ich
+im Gleitflug hinterher und sah unten weiter
+nichts als einen w&uuml;sten Haufen. Zu meinem
+Erstaunen erfuhr ich, der Beobachter habe nur
+einen Sch&auml;delbruch, und sein Zustand sei nicht
+lebensgef&auml;hrlich. Gl&uuml;ck mu&szlig; eben der Mensch
+haben.</p>
+
+<p>Wieder einmal scho&szlig; Boelcke einen Nieuport
+ab. Ich sah es selbst. Das Flugzeug st&uuml;rzte wie
+ein Stein. Wir fuhren hin und fanden das Flugzeug
+bis zur H&auml;lfte im Lehm vergraben. Der Insasse,
+ein Jagdflieger, war durch einen Bauchschu&szlig;
+besinnungslos und hatte sich beim Aufschlagen
+nur einen Arm ausgekugelt. Er ist nicht
+gestorben.</p>
+
+<p>Andererseits habe ich es wieder erlebt, da&szlig;
+ein guter Freund von mir bei einer Landung
+<span class="pagenum"><a name="Page_169" id="Page_169">[169]</a></span>mit einem Rade in ein Karnickelloch kam. Die
+Maschine hatte &uuml;berhaupt keine Geschwindigkeit
+mehr und stellte sich ganz langsam auf den Kopf,
+&uuml;berlegte sich, nach welcher Seite sie umkippen
+sollte, fiel auf den R&uuml;cken &ndash; und der arme Kerl
+hatte das Genick gebrochen.</p>
+
+<p class="thoughtbreak">*</p>
+
+<p>Mein Bruder Lothar ist Leutnant bei den Vierten
+Dragonern, war vor dem Kriege auf Kriegsschule,
+wurde gleich zu Anfang Offizier und hat,
+gleichwie ich, den Krieg als Kavallerist begonnen.
+Was er da alles an Heldentaten begangen hat,
+ist mir unbekannt, da er nie von sich selbst spricht.
+Man hat mir nur folgende Geschichte erz&auml;hlt:
+Es war im Winter 1914, sein Regiment lag an der
+Warthe, die Russen auf der anderen Seite. Kein
+Mensch wu&szlig;te, r&uuml;cken sie oder bleiben sie. Die
+Ufer waren zum Teil gefroren, so da&szlig; man schlecht
+durchreiten konnte. Br&uuml;cken gab&#8217;s nat&uuml;rlich nicht,
+die hatten die Russen abgerissen. Da schwamm
+mein Bruder durch, stellte fest, wo die Russen
+waren, und kam zur&uuml;ckgeschwommen. Dieses
+alles im strengen russischen Winter bei soundso
+viel Grad minus. Seine Kleider waren nach
+wenigen Minuten festgefroren, und darunter,
+behauptete er, sei es ganz warm gewesen. So ritt
+er den ganzen Tag, bis er abends in sein Quartier
+kam. Dabei hat er sich nicht erk&auml;ltet.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_170" id="Page_170">[170]</a></span>Im Winter 1915 ging er auf mein Dr&auml;ngen
+hin zur Fliegerei, wurde, gleichwie ich, Beobachter.
+Erst ein Jahr sp&auml;ter Flugzeugf&uuml;hrer. Die
+Schule als Beobachter ist gewi&szlig; nicht schlecht,
+gerade f&uuml;r einen Jagdflieger. M&auml;rz 1917 machte
+er sein drittes Examen und kam sofort zu meiner
+Jagdstaffel.</p>
+
+<p>Er war also noch ein ganz, ganz junger
+und ahnungsloser Flugzeugf&uuml;hrer, der noch an
+kein Looping und &auml;hnliche Scherze dachte, sondern
+zufrieden war, wenn er ordentlich landen und
+starten konnte. Nach vierzehn Tagen nahm ich
+ihn zum ersten Male mit gegen den Feind und
+bat ihn, dicht hinter mir zu fliegen, um sich die
+Sache mal genau anzusehen. Nach dem dritten
+Fluge mit ihm sehe ich mit einem Male, wie er
+sich von mir trennt und sich gleichfalls auf einen
+Engl&auml;nder st&uuml;rzt und ihn erlegt. Mein Herz
+h&uuml;pfte vor Freude, als ich dies sah. Es war mir
+wieder mal ein Beweis, wie wenig das Abschie&szlig;en
+eine Kunst ist. Es ist nur die Pers&ouml;nlichkeit
+oder, anders ausgedr&uuml;ckt, der Schneid des
+Betreffenden, der die Sache macht. Ich bin also
+kein P&eacute;goud, will es auch nicht sein, sondern nur
+Soldat, und tue meine Pflicht.</p>
+
+<p>Vier Wochen sp&auml;ter hatte mein Bruder bereits
+zwanzig Engl&auml;nder abgeschossen. Dies d&uuml;rfte
+wohl einzig dastehen in der ganzen Fliegerei,
+da&szlig; ein Flugzeugf&uuml;hrer vierzehn Tage nach seinem
+<span class="pagenum"><a name="Page_171" id="Page_171">[171]</a></span>dritten Examen den ersten und vier Wochen nach
+dem ersten zwanzig Gegner abgeschossen hat.</p>
+
+<p>Sein zweiundzwanzigster Gegner war der ber&uuml;hmte
+Captain Ball, weitaus der beste englische
+Flieger. Den seinerzeit ebenso bekannten Major
+Hawker hatte ich mir vor einigen Monaten bereits
+zur Brust genommen. Es machte mir besonders
+Freude, da&szlig; es nun mein Bruder war, der
+den zweiten Champion Englands erledigte.
+Captain Ball flog einen Dreidecker und begegnete
+meinem Bruder einzeln an der Front.
+Jeder versuchte den anderen zu fassen. Keiner
+gab sich eine Bl&ouml;&szlig;e. Es blieb bei einem kurzen
+Begegnen. Immer nur auf sich zufliegend.
+Nie gl&uuml;ckte es dem einen, sich hinter den anderen
+zu setzen. Da entschlossen sich pl&ouml;tzlich beide in dem
+kurzen Augenblick des Aufeinanderzufliegens,
+einige wohlgezielte Sch&uuml;sse abzugeben. Beide
+fliegen aufeinander zu. Beide schie&szlig;en. Jeder hat
+vor sich einen Motor. Die Treffwahrscheinlichkeiten
+sind sehr gering, die Geschwindigkeit
+doppelt so gro&szlig; wie normal. Eigentlich unwahrscheinlich,
+da&szlig; einer von beiden trifft. Mein
+Bruder, der etwas tiefer war, hatte dabei seine
+Maschine stark &uuml;berzogen und &uuml;berschlug sich,
+verlor das Gleichgewicht, und seine Maschine
+wurde f&uuml;r einige Momente steuerlos. Bald hatte
+er sie wieder gefangen, mu&szlig;te aber feststellen, da&szlig;
+ihm der Gegner beide Benzintanks zerschossen
+<span class="pagenum"><a name="Page_172" id="Page_172">[172]</a></span>hatte. Also landen! Schnell die Z&uuml;ndung &#8217;raus,
+sonst brennt die Kiste. Der n&auml;chste Gedanke aber
+war: Wo bleibt mein Gegner? Im Augenblick des
+&Uuml;berschlagens hatte er gesehen, wie sich der Gegner
+gleichfalls aufb&auml;umte und &uuml;berschlagen hatte.
+Er konnte also nicht allzu weit von ihm entfernt
+sein. Der Gedanke herrscht: Ist er &uuml;ber mir oder
+unter mir? Dr&uuml;ber war er nicht mehr, daf&uuml;r
+aber sah er unter sich den Dreidecker sich dauernd
+&uuml;berschlagen und noch immer tiefer st&uuml;rzen. Er
+st&uuml;rzte und st&uuml;rzte, ohne sich zu fangen, bis auf
+den Boden. Dort zerschellte er. Es war auf unserem
+Gebiet. Beide Gegner hatten sich in dem
+kurzen Augenblick des Begegnens mit ihren starren
+Maschinengewehren getroffen. Meinem Bruder
+waren die beiden Benzintanks zerschossen, und
+im selben Augenblick hatte der Captain Ball
+einen Kopfschu&szlig; bekommen. Er trug bei sich einige
+Photographien und Zeitungsausschnitte seiner
+Heimatprovinzen, in denen er sehr angefeiert wurde.
+Er schien kurze Zeit zuvor noch auf Urlaub gewesen
+zu sein. Zu Boelckes Zeiten hatte Captain
+Ball sechsunddrei&szlig;ig deutsche Apparate vernichtet.
+Auch er hat einen Meister gefunden. Oder
+war es Zufall, da&szlig; eine Gr&ouml;&szlig;e wie er gleichfalls
+den normalen Heldentod sterben mu&szlig;te?</p>
+
+<p>Captain Ball war ganz gewi&szlig; der F&uuml;hrer des
+Anti-Richthofen-Geschwaders, und ich glaube,
+der <em class="antiqua">Englishman</em> wird es nun lieber aufstecken,
+<span class="pagenum"><a name="Page_173" id="Page_173">[173]</a></span>mich zu fangen. Das t&auml;te uns leid, denn dadurch
+w&uuml;rde uns manche sch&ouml;ne Gelegenheit genommen,
+bei der wir die Engl&auml;nder gut belapsen k&ouml;nnten.</p>
+
+<p>W&auml;re mein Bruder nicht am 5.&nbsp;Mai verwundet
+worden, ich glaube, er w&auml;re nach meiner R&uuml;ckkehr
+vom Urlaub gleichfalls mit Zweiundf&uuml;nfzig auf
+Urlaub geschickt worden.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_174" id="Page_174">[174]</a></span><a name="Lothar_ein_Schiesser" id="Lothar_ein_Schiesser"></a>Lothar ein &raquo;Schie&szlig;er&laquo; und nicht
+ein Weidmann</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">M</span>ein Vater macht einen Unterschied zwischen
+einem J&auml;ger (Weidmann) und einem
+Schie&szlig;er, dem es nur Spa&szlig; macht, zu schie&szlig;en.
+Wenn ich einen Engl&auml;nder abgeschossen habe, so
+ist meine Jagdpassion f&uuml;r die n&auml;chste Viertelstunde
+beruhigt. Ich bringe es also nicht fertig,
+zwei Engl&auml;nder unmittelbar hintereinander abzuschie&szlig;en.
+F&auml;llt der eine herunter, so habe ich das
+unbedingte Gef&uuml;hl der Befriedigung. Erst sehr,
+sehr viel sp&auml;ter habe ich mich dazu &uuml;berwunden und
+mich zum Schie&szlig;er ausgebildet.</p>
+
+<p>Bei meinem Bruder war es anders. Wie er
+seinen vierten und f&uuml;nften Gegner abscho&szlig;, hatte
+ich Gelegenheit, ihn zu beobachten. Wir griffen
+ein Geschwader an. Ich war der erste. Mein
+Gegner war bald erledigt. Ich gucke mich um und
+sehe, wie mein Bruder hinter einem Engl&auml;nder
+sitzt, aus dem gerade die Flamme herausschl&auml;gt
+und dessen Maschine explodiert. Neben diesem
+Engl&auml;nder fliegt ein zweiter. Er machte weiter
+nichts, als da&szlig; er von dem ersten, der noch gar
+nicht mal &#8217;runtergefallen war und sich noch in der
+Luft befand, sein Maschinengewehr auf den n&auml;chsten
+richtete und sofort weiterscho&szlig;, kaum da&szlig; er
+absetzte. Auch dieser fiel nach k&uuml;rzerem Kampf.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_175" id="Page_175">[175]</a></span>Zu Hause fragte er mich stolz: &raquo;Wieviel hast
+du abgeschossen?&laquo; Ich sagte ganz bescheiden:
+&raquo;Einen.&laquo; Er dreht mir den R&uuml;cken und sagt:
+&raquo;Ich habe zwei,&laquo; worauf ich ihn zur Nachsuche
+nach vorn schickte. Er mu&szlig;te feststellen, wie seine
+Kerle hie&szlig;en usw. Am sp&auml;ten Nachmittag kommt
+er zur&uuml;ck und hat nur einen gefunden.</p>
+
+<p>Die Nachsuche war also schlecht, wie &uuml;berhaupt
+bei solchen Schie&szlig;ern. Erst am Tage darauf meldete
+die Truppe, wo der andere lag. Da&szlig; er
+&#8217;runtergefallen war, hatten wir ja alle gesehen.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_176" id="Page_176">[176]</a></span><a name="Der_Auerochs" id="Der_Auerochs"></a>Der Auerochs</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">D</span>er F&uuml;rst Ple&szlig; hatte mir gelegentlich eines
+Besuches im Hauptquartier erlaubt, bei ihm
+auf seiner Jagd ein Wisent abzuschie&szlig;en. Der
+Wisent ist das, was im Volksmund mit Auerochse
+bezeichnet wird. Auerochsen sind ausgestorben.
+Der Wisent ist auf dem besten Wege, das
+gleiche zu tun. Auf der ganzen Erde gibt es nur
+noch zwei Stellen, und das ist in Ple&szlig; und beim
+Revier des ehemaligen Zaren im Bialowiczer
+Forst. Der Bialowiczer Forst hat nat&uuml;rlich durch
+den Krieg kolossal gelitten. So manchen braven
+Wisent, den sonst nur hohe F&uuml;rstlichkeiten und
+der Zar abgeschossen h&auml;tten, hat sich ein Musketier
+zu Gem&uuml;te gef&uuml;hrt.</p>
+
+<p>Mir war also durch die G&uuml;te Seiner Durchlaucht
+der Abschu&szlig; eines so seltenen Tieres erlaubt
+worden. In etwa einem Menschenalter gibt es
+diese Tiere nicht mehr, da sind sie ausgerottet.</p>
+
+<p>Ich kam am Nachmittag des 26.&nbsp;Mai in Ple&szlig;
+an und mu&szlig;te gleich vom Bahnhof losfahren, um
+den Stier noch am selben Abend zu erlegen. Wir
+fuhren die ber&uuml;hmte Stra&szlig;e durch den Riesenwildpark
+des F&uuml;rsten entlang, auf der wohl manche
+gekr&ouml;nte H&auml;upter vor mir entlang gefahren sind.
+Nach etwa einer Stunde stiegen wir aus und hatten
+nun noch eine halbe Stunde zu laufen, um
+<span class="pagenum"><a name="Page_177" id="Page_177">[177]</a></span>auf meinen Stand zu kommen, w&auml;hrend die
+Treiber bereits aufgestellt waren, um auf das
+gegebene Zeichen mit dem Dr&uuml;cken zu beginnen.
+Ich stand auf der Kanzel, auf der, wie mir der
+Oberwildmeister berichtete, bereits mehrmals
+Majest&auml;t gestanden hat, um so manchen Wisent
+von da aus zur Strecke zu bringen. Wir warten
+eine ganze Zeit. Da pl&ouml;tzlich sah ich im hohen
+Stangenholz ein riesiges schwarzes Unget&uuml;m sich
+heranw&auml;lzen, genau auf mich zu. Ich sah es noch
+eher als der F&ouml;rster, machte mich schu&szlig;fertig und
+mu&szlig; sagen, da&szlig; ich doch etwas Jagdfieber
+kriegte. Es war ein m&auml;chtiger Stier. Auf zweihundertf&uuml;nfzig
+Schritt verhoffte er noch einen
+Augenblick. Es war mir zu weit, um zu schie&szlig;en.
+Getroffen h&auml;tte man ja vielleicht das Unget&uuml;m,
+weil man eben an so einem Riesending &uuml;berhaupt
+nicht vorbeischie&szlig;en kann. Aber die Nachsuche
+w&auml;re doch eine unangenehme Sache gewesen.
+Au&szlig;erdem die Blamage, vorbeizuschie&szlig;en. Also
+warte ich lieber, da&szlig; er mir n&auml;her kommt. Er mochte
+wohl wieder die Treiber gesp&uuml;rt haben, denn mit
+einem Male machte er eine ganz kurze Wendung
+und kam in windender Fahrt, die man so einem
+Tiere nie zugetraut h&auml;tte, heran, genau spitz auf
+mich zu. Schlecht zum Schie&szlig;en. Da verschwand
+er hinter einer Gruppe von dichten Fichten. Ich
+h&ouml;rte ihn noch schnaufen und stampfen. Sehen
+konnte ich ihn nicht mehr. Ob er Wind von mir
+<span class="pagenum"><a name="Page_178" id="Page_178">[178]</a></span>bekommen hatte oder nicht, wei&szlig; ich nicht. Jedenfalls
+war er weg. Noch einmal sah ich ihn auf eine
+gro&szlig;e Entfernung, dann war er verschwunden.</p>
+
+<p>War es der ungewohnte Anblick eines solchen
+Tieres oder wer wei&szlig; was &ndash; jedenfalls hatte
+ich in dem Augenblick, wo der Stier herankam,
+dasselbe Gef&uuml;hl, dasselbe Jagdfieber, das mich
+ergreift, wenn ich im Flugzeug sitze, einen Engl&auml;nder
+sehe und ihn noch etwa f&uuml;nf Minuten lang
+anfliegen mu&szlig;, um an ihn heranzukommen. Nur
+mit dem einen Unterschied, da&szlig; sich der Engl&auml;nder
+wehrt. H&auml;tte ich nicht auf einer so hohen Kanzel
+gestanden, wer wei&szlig;, ob da nicht noch andere
+moralische Gef&uuml;hle mitgespielt h&auml;tten?</p>
+
+<p>Es dauerte nicht lange, da kommt der zweite.
+Auch ein m&auml;chtiger Kerl. Er macht es mir sehr
+viel leichter. Auf etwa hundert Schritt verhofft
+er und zeigt mir sein ganzes Blatt. Der erste
+Schu&szlig; traf, er zeichnet. Ich hatte ihm einen guten
+Blattschu&szlig; verpa&szlig;t. Hindenburg hatte mir einen
+Monat vorher gesagt: &raquo;Nehmen Sie sich recht viel
+Patronen mit. Ich habe auf meinen ein halbes
+Dutzend verbraucht, denn so ein Kerl stirbt ja
+nicht. Das Herz sitzt ihm so tief, da&szlig; man meistenteils
+vorbeischie&szlig;t.&laquo; Und es stimmte. Das Herz,
+trotzdem ich ja genau wu&szlig;te, wo es sa&szlig;, hatte
+ich nicht getroffen. Ich repetierte. Der zweite
+Schu&szlig;, der dritte, da bleibt er stehen, schwerkrank.
+Vielleicht auf f&uuml;nfzig Schritt vor mir.</p>
+
+<p><span class="pagenum"><a name="Page_179" id="Page_179">[179]</a></span>F&uuml;nf Minuten sp&auml;ter war das Unget&uuml;m
+verendet. Die Jagd wurde abgebrochen und
+&raquo;Hirsch tot&laquo; geblasen. Alle drei Kugeln sa&szlig;en ihm
+dicht &uuml;berm Herzen, sehr gut Blatt.</p>
+
+<p>Wir fuhren nun an dem sch&ouml;nen Jagdhaus des
+F&uuml;rsten vorbei und noch eine Weile durch den
+Wildpark, in dem allj&auml;hrlich zu der Brunstzeit
+die G&auml;ste des F&uuml;rsten ihren Rothirsch usw. erlegen.
+Wir hielten noch und sahen uns das Innere
+des Hauses im Promnitz an. Auf einer
+Halbinsel gelegen, mit wundersch&ouml;nem Blick, auf
+f&uuml;nf Kilometer Entfernung kein menschliches Wesen.
+Man hat nicht mehr das Gef&uuml;hl, in einem Wildpark
+zu sein, wie man sich wohl im allgemeinen
+vorstellt, wenn man von der F&uuml;rstlich Ple&szlig;schen
+Jagd spricht. Vierhunderttausend Morgen Gatter
+sind eben kein Wildpark mehr. Da gibt es kapitale
+Hirsche, die nie ein Mensch gesehen hat, die kein
+F&ouml;rster kennt, und die gelegentlich in der Brunstzeit
+erlegt werden. Man kann wochenlang laufen,
+um ein Wisenttier zu Gesicht zu bekommen. In
+manchen Jahreszeiten ist es ausgeschlossen, sie
+&uuml;berhaupt zu sehen. Dann sind sie so heimlich,
+da&szlig; sie sich in den Riesenw&auml;ldern und unendlichen
+Dickichten vollst&auml;ndig verkriechen. Wir sahen
+noch manchen Hirsch im Bast und manchen
+guten Bock.</p>
+
+<p>Nach etwa zwei Stunden kamen wir kurz vor
+Dunkelheit wieder in Ple&szlig; an.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_180" id="Page_180">[180]</a></span><a name="Infanterie_Artillerie" id="Infanterie_Artillerie"></a>Infanterie-, Artillerie- und
+Aufkl&auml;rungsflieger</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">W</span>&auml;re ich nicht Jagdflieger geworden, ich glaube,
+ich h&auml;tte mir das Infanteriefliegen ausgesucht.
+Es ist einem doch eine gro&szlig;e Befriedigung,
+wenn man unserer am schwersten k&auml;mpfenden
+Truppe direkte Hilfe leisten kann. Der Infanterieflieger
+ist in der Lage, dies zu tun. Er hat damit
+eine dankbare Aufgabe. Ich habe in der Arras-Schlacht
+so manchen dieser t&uuml;chtigen Leute beobachten
+k&ouml;nnen, wie sie bei jedem Wetter und
+zu jeder Tageszeit in niedriger H&ouml;he &uuml;ber den
+Feind flogen und die Verbindung mit unserer
+schwer k&auml;mpfenden Truppe suchten. Ich verstehe
+es, wie man sich daf&uuml;r begeistern kann, ich glaube,
+so manch einer hat Hurra gebr&uuml;llt, wenn er die
+feindlichen Massen hat nach einem Angriff
+zur&uuml;ckfluten sehen und unsere schneidige Infanterie
+aus den Gr&auml;ben hervorkam und den zur&uuml;ckflutenden
+Gegner Auge in Auge bek&auml;mpfte. So
+manches Mal habe ich den Rest meiner Patronen
+nach einem Jagdflug auf die feindlichen Sch&uuml;tzengr&auml;ben
+verschossen. Wenn es auch wenig hilft,
+so macht es doch moralischen Eindruck.</p>
+
+<p>Artillerieflieger bin ich auch selbst gewesen.
+Es war zu meiner Zeit etwas Neues, mit Funkentelegraphie
+das Schie&szlig;en der eigenen Artillerie
+<span class="pagenum"><a name="Page_181" id="Page_181">[181]</a></span>zu leiten. Aber dazu geh&ouml;rt eine ganz besondere
+Begabung. Ich konnte mich auf die Dauer nicht
+dazu eignen. Der Kampf ist mir lieber. Zum
+Artilleriefliegen mu&szlig; man wohl selbst zur Waffe
+geh&ouml;ren, um das n&ouml;tige Verst&auml;ndnis mitzubringen.</p>
+
+<p>Aufkl&auml;rungsfliegen habe ich auch getrieben,
+und zwar in Ru&szlig;land im Bewegungskriege.
+Da war ich noch einmal Kavallerist, d.&nbsp;h. ich kam
+mir so vor, wenn ich mit meinem st&auml;hlernen
+Pegasus loszog. Jene Tage mit Holck &uuml;ber den
+Russen sind mit meine sch&ouml;nste Erinnerung.
+Aber das Bild der Bewegung kommt scheinbar
+nicht wieder.</p>
+
+<p>Im Westen sieht der Aufkl&auml;rungsflieger ganz
+etwas anderes, als das Auge des Kavalleristen
+gewohnt ist. Die D&ouml;rfer und St&auml;dte, die Eisenbahnen
+und Stra&szlig;en sehen so tot und still aus,
+und trotzdem ist auf ihnen ein ungeheurer Verkehr,
+der aber dem Flieger mit gro&szlig;er Geschicklichkeit
+verborgen wird. Nur ein ganz, ganz
+ge&uuml;btes Auge vermag aus den rasenden H&ouml;hen
+etwas Bestimmtes zu beobachten. Ich habe gute
+Augen, aber es erscheint mir zweifelhaft, ob es
+&uuml;berhaupt einen gibt, der etwas Genaues aus
+f&uuml;nftausend Metern H&ouml;he auf einer Chaussee erkennen
+kann. Man ist also auf etwas anderes
+angewiesen, was das Auge ersetzt, das ist der
+photographische Apparat. Man photographiert
+also all das, was man f&uuml;r wichtig h&auml;lt, und was
+<span class="pagenum"><a name="Page_182" id="Page_182">[182]</a></span>man photographieren soll. Kommt man nach
+Hause und die Platten sind verungl&uuml;ckt, so ist der
+ganze Flug umsonst gewesen.</p>
+
+<p>Dem Aufkl&auml;rungsflieger begegnet es oft, da&szlig;
+er in einen Kampf verwickelt wird, aber er hat
+Wichtigeres zu tun, als sich mit dem Kampf zu
+besch&auml;ftigen. Oft ist eine Platte wichtiger als
+das Abschie&szlig;en eines ganzen Apparates, deshalb
+ist er in den meisten F&auml;llen gar nicht dazu berufen,
+luftzuk&auml;mpfen.</p>
+
+<p>Es ist eine schwere Aufgabe heutzutage, im
+Westen eine gute Aufkl&auml;rung durchzuf&uuml;hren.</p>
+
+
+
+
+<h2 class="nosub"><span class="pagenum"><a name="Page_183" id="Page_183">[183]</a></span><a name="Unsere_Flugzeuge" id="Unsere_Flugzeuge"></a>Unsere Flugzeuge</h2>
+
+
+<p class="newsection"><span class="dropcap">W</span>ie wohl jedem klar ist, haben sich im Laufe
+des Krieges unsere Flugzeuge etwas ver&auml;ndert.
+Der gr&ouml;&szlig;te Unterschied ist zwischen
+einem Riesenflugzeug und einem Jagdflugzeug.</p>
+
+<p>Das Jagdflugzeug ist klein, schnell, wendig,
+tr&auml;gt aber nichts. Nur die Patronen und die
+Maschinengewehre.</p>
+
+<p>Das Riesenflugzeug &ndash; man mu&szlig; sich blo&szlig;
+das erbeutete englische Riesenflugzeug ansehen,
+das auf unserer Seite glatt gelandet ist, ist ein
+Kolo&szlig;, nur dazu bestimmt, durch gro&szlig;e Fl&auml;chen
+m&ouml;glichst viel zu tragen. Es schleppt unheimlich
+viel; dreitausend bis f&uuml;nftausend Kilogramm
+sind gar nichts daf&uuml;r. Die Benzintanks sind die
+reinen Eisenbahntankwagen. Man hat nicht mehr
+das Gef&uuml;hl des Fliegens in so einem gro&szlig;en Ding,
+sondern man &raquo;f&auml;hrt&laquo;. Das Fliegen wird nicht
+mehr durch das Gef&uuml;hl, sondern durch technische
+Instrumente gemacht.</p>
+
+<p>So ein Riesenflugzeug hat unheimlich viel
+Pferdekr&auml;fte. Die Zahl wei&szlig; ich nicht genau, aber
+es sind viele tausend. Je mehr, je besser. Es
+ist nicht ausgeschlossen, da&szlig; wir noch mal ganze
+Divisionen in so einem Ding transportieren
+k&ouml;nnen. In ihrem Rumpf kann man spazierengehen.
+In der einen Ecke ist ein unbeschreibliches
+<span class="pagenum"><a name="Page_184" id="Page_184">[184]</a></span>Etwas, da haben die Gelehrten einen Funkentelegraphen
+hineingebaut, mit dem man sich im
+Fluge mit der Erde v&ouml;llig verst&auml;ndigen kann.
+In der anderen Ecke h&auml;ngen die sch&ouml;nsten Zervelatw&uuml;rste,
+die ber&uuml;hmten Fliegerbomben, vor denen
+die unten solche Angst haben. Aus jeder Ecke
+starrt der Lauf eines Gewehrs. Eine fliegende
+Festung ist es. Die Tragfl&auml;chen mit ihren Streben
+kommen einem vor wie S&auml;ulenhallen. Ich
+kann mich f&uuml;r diese Riesenk&auml;hne nicht begeistern.
+Ich finde sie gr&auml;&szlig;lich, unsportlich, langweilig,
+unbeweglich. Mir gef&auml;llt mehr ein Flugzeug wie
+<em class="antiqua">&raquo;le petit rouge&laquo;</em>. Mit dem Ding ist es ganz
+egal, ob man auf dem R&uuml;cken fliegt, es senkrecht
+auf den Kopf stellt oder sonst welche Zicken macht,
+man fliegt eben wie ein Vogel, und doch ist
+es kein &raquo;Schwingenfliegen&laquo; wie der Vogel
+Albatros, sondern das ganze Ding ist eben ein
+&raquo;fliegender Motor&laquo;. Ich glaube, wir werden noch
+so weit kommen, da&szlig; wir uns Fliegeranz&uuml;ge f&uuml;r
+zwei Mark f&uuml;nfzig Pfennig kaufen k&ouml;nnen, in die
+man einfach &#8217;reinkriecht. An einem Ende ist ein
+Mot&ouml;rchen und ein Propellerchen, die Arme steckt
+man in die Tragfl&auml;chen und die Beine in den
+Schwanz, dann hopst man etwas, das ist der
+Start, und dann geht es gleich einem Vogel durch
+die L&uuml;fte.</p>
+
+<p>Du lachst gewi&szlig;, lieber Leser, ich auch, aber
+ob unsere Kinder lachen werden, ist noch nicht
+<span class="pagenum"><a name="Page_185" id="Page_185">[185]</a></span>heraus. Man h&auml;tte auch gelacht, wenn einer vor
+f&uuml;nfzig Jahren erz&auml;hlt h&auml;tte, er w&uuml;rde &uuml;ber
+Berlin hinwegfliegen. Ich sehe noch Zeppelin,
+wie er im Jahre 1910 zum ersten Male nach Berlin
+kam, und jetzt guckt die Berliner Range kaum
+noch nach oben, wenn so ein Ding durch die Luft
+braust.</p>
+
+<p>Au&szlig;er diesen Riesenflugzeugen und dem Ding
+f&uuml;r Jagdflieger gibt es nun noch eine unz&auml;hlige
+Menge von anderen in jeder Gr&ouml;&szlig;e. Man ist
+noch lange nicht am Ende der Erfindungen. Wer
+wei&szlig;, was wir in einem Jahr verwenden werden,
+um uns in den blauen &Auml;ther zu bohren!</p>
+
+<!-- <p><span class="pagenum"><a name="Page_186" id="Page_186">[186]</a></span>[Blank Page]</p> -->
+</div>
+
+<div class="advertisements">
+<p class="header"><span class="pagenum"><a name="Page_187" id="Page_187">[187]</a></span><em class="gesperrt">Verlag Ullstein &amp; Co, Berlin</em></p>
+
+
+<h2>Die Abenteuer des Fliegers von Tsingtau</h2>
+
+<p class="autor">Meine Erlebnisse in drei Erdteilen<br />
+von Kapit&auml;nleutnant Gunther Pl&uuml;schow</p>
+
+<p class="auflage"><em class="gesperrt">550.&ndash;600. Tausend</em></p>
+
+<p class="center">Aus dem Inhalt:</p>
+
+<p>Der letzte Tag von Tsingtau / Beim Mandarin von Hai-Dschou /
+Als Million&auml;r nach Amerika &ndash; als Schlossergeselle nach Europa /
+In Gibraltar gefangen / In England hinter Mauern und
+Stacheldraht / Die Flucht aus dem Gefangenenlager / Als
+Vagabund in London / Schwarze N&auml;chte an der Themse /
+Als blinder Passagier nach Holland / Wieder im Vaterland</p>
+
+
+<h2>Die Abenteuer des Ostseefliegers</h2>
+
+<p class="autor">von Leutnant zur See Erich Killinger</p>
+
+<p class="auflage"><em class="gesperrt">301.&ndash;350. Tausend</em></p>
+
+<p class="center">Aus dem Inhalt:</p>
+
+<p>Abgeschossen / F&uuml;nf Stunden im Eiswasser / In der
+Peter-Pauls-Festung / Sibirien! / Der Sprung aus dem
+Schnellzug / Sechs Wochen in der mandschurischen
+W&uuml;ste / Als &raquo;Monsieur du Fais&laquo; in Japan / Erster
+Klasse nach Amerika / Als Vollmatrose nach Norwegen</p>
+
+
+<h2>Zeppeline &uuml;ber England</h2>
+
+<p class="autor">von ***</p>
+
+<p class="auflage"><em class="gesperrt">140.&ndash;170. Tausend</em></p>
+
+<p>Eine lebensvolle und von der ersten bis zur letzten Zeile aufs
+h&ouml;chste spannende Schilderung der Taten unserer Luftflotte.
+Wir sehen die rastlose harte Arbeit auf der Werft und begleiten
+eines der neuen Riesenfahrzeuge auf einer Abnahmefahrt.
+Donnernd und brausend stimmen dann die Motoren ihr Lied an
+zur gro&szlig;en Fahrt in Feindesland, &uuml;bers Meer, nach London.</p>
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_188" id="Page_188">[188]</a></span>300&nbsp;000 Tonnen versenkt!</h2>
+
+<p class="autor">Meine <em class="antiqua">U</em>-Boots-Fahrten<br />
+von Kapit&auml;nleutnant Max Valentiner</p>
+
+<p class="auflage"><em class="gesperrt">1.&ndash;100. Tausend</em></p>
+
+<p class="center">Aus dem Inhalt:</p>
+
+<p>Im Kampf mit <em class="antiqua">U</em>-Boots-Fallen / Im Schwarzen Meer /
+Was wir vor einem Damenbad erlebten / Unser gef&auml;hrlichstes
+Abenteuer / Jagd auf hoher See / Im Schlepp nach Madeira /
+Ein Sonntagmorgen in Funchal / Mann &uuml;ber Bord / Im Netz</p>
+
+
+<h2>Die Fahrt der Deutschland</h2>
+
+<p class="autor">von Kapit&auml;n Paul K&ouml;nig</p>
+
+<p class="auflage"><em class="gesperrt">501.&ndash;550. Tausend</em></p>
+
+<p>In einer Sprache, in der noch die ganze Unmittelbarkeit des
+Erlebnisses nachklingt, gibt Kapit&auml;n Paul K&ouml;nig die Geschichte
+seiner f&uuml;r alle Zeiten denkw&uuml;rdigen Fahrten. Vom Bau der
+&raquo;Deutschland&laquo; erz&auml;hlt er, von der Ausreise, vom Kampf mit
+den Elementen, von der Verfolgung durch die Feinde, von
+der Ankunft in Baltimore, von der gl&uuml;cklichen Heimkehr.</p>
+
+
+<h2>Als <em class="antiqua">U</em>-Boots-Kommandant
+gegen England</h2>
+
+<p class="autor">von Kapit&auml;nleutnant Freiherrn v.&nbsp;Forstner</p>
+
+<p class="auflage"><em class="gesperrt">86.&ndash;95. Tausend</em></p>
+
+<p>Zum erstenmal berichtet hier ein deutscher Unterseeboots-Kommandant
+von dem, was unserem schlimmsten Feind
+Angst und Schrecken einjagt, von den Erfolgen im Handelskrieg
+gegen England. Im Nordatlantik, im Kanal,
+in der Irischen See hat Kapit&auml;nleutnant von Forstner
+mit seiner Mannschaft k&uuml;hne Beutez&uuml;ge unternommen.</p>
+
+
+<h2><span class="pagenum"><a name="Page_189" id="Page_189">[189]</a></span>Die Fahrten der &raquo;Goeben&laquo;
+im Mittelmeer</h2>
+
+<p class="autor">von Leutnant zur See Kraus</p>
+
+<p>Ein Offizier der &raquo;Goeben&laquo; erz&auml;hlt die Taten seines Schiffes,
+den gro&szlig;en Durchbruch bei Messina, die wilde Jagd durch das
+Ionische Meer, das Entrinnen. Voll atemloser Spannung ist die
+Darstellung des Leutnants Kraus und sieghaft heiter auch in
+den drohendsten Momenten dieser Fahrt, die mit dem Aufsteigen
+des Roten Halbmonds an der Gaffel der &raquo;Goeben&laquo; abschlie&szlig;t.</p>
+
+
+<h2>Die Fahrten der &raquo;Breslau&laquo;
+im Schwarzen Meer</h2>
+
+<p class="autor">von Oberleutnant zur See D&ouml;nitz</p>
+
+<p>Ein Offizier der &raquo;Breslau&laquo;&ndash;&raquo;Midilli&laquo; hat dieses Werk verfa&szlig;t,
+das ihre abenteuerlichen Kriegsfahrten durch das Schwarze
+Meer wiedergibt, nicht als Darstellung eines Unbeteiligten,
+sondern als packendes Erlebnis. In dichtester Folge dr&auml;ngen
+sich die Kriegsepisoden. Und auch der Ruhezeit am Goldenen
+Horn, des farbenbunten Orientlebens gedenkt
+dieses fr&ouml;hliche, temperamentvolle Buch von der &raquo;Breslau&laquo;.</p>
+
+
+<h2>Kreuzerfahrten und <em class="antiqua">U</em>-Bootstaten</h2>
+
+<p class="autor">von Otto von Gottberg</p>
+
+<p>Mit Unterst&uuml;tzung der Flottenleitung hat Otto von Gottberg
+die packenden Berichte niedergeschrieben, die hier in einem
+Ehrenbuch der deutschen Kriegsmarine vereinigt sind. Er
+schildert die k&uuml;hnen Fahrten unserer Kreuzer und <em class="antiqua">U</em>-Boote,
+die durch rollende Fluten dem Feinde entgegenziehen.</p>
+
+
+<p class="footer"><em class="gesperrt">Jeder Band 1 Mark</em></p>
+</div>
+
+
+<div class="figcenter" style="width: 44px; margin-bottom: 0em">
+<span class="pagenum"><a name="Page_190" id="Page_190">[190]</a></span>
+<img class="noborder" src="images/logo.jpg" width="44" height="100" alt="Ullstein Verlagslogo" title="Ullstein Verlagslogo" />
+</div>
+<p class="center" style="margin-top: 0em"><small>Ullstein &amp; Co<br />
+Berlin SW 68</small></p>
+
+
+
+<div class="telegramm">
+<p><strong><a name="Transkription_des_Telegramms" id="Transkription_des_Telegramms"></a>Transkription des <a href="#Telegramm">kaiserlichen Gl&uuml;ckwunschtelegramms</a>:</strong></p>
+<p>aufgenommen am 30. IV. 1917.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;4 Uhr 20 Min. vorm.</p>
+
+<p>aus dem Gr. H. Qu.</p>
+
+<p>
+An Krg. schl homb. 27.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;29. IV. 8<sup>h</sup> nachm.<br />
+</p>
+
+<p>Rittm. Freih. von Richthofen<br />
+<span style="margin-left: 6em">Jagdstaffel Richthofen.<br /></span>
+<span style="margin-left: 10em">durch A.O.K.G.</span></p>
+
+<p>Es wird mir soeben gemeldet, da&szlig; Sie heute
+zum 50. Male als Sieger aus dem Luftkampf
+hervorgingen. Ich spreche Ihnen zu diesem
+gl&auml;nzenden Erfolg Meinen herzlichen Gl&uuml;ckwunsch
+und Meine vollste Anerkennung aus.
+Mit Bewunderung und Dankbarkeit blickt
+das Vaterland auf seinen tapferen Flieger.
+Gott sei ferner mit Ihnen.</p>
+
+<p class="signatur">Wilhelm I. R.</p>
+</div>
+
+
+
+<div class="note">
+<p><strong>Anmerkungen zur Transkription:</strong> Die nachfolgende Tabelle enth&auml;lt eine
+Auflistung aller gegen&uuml;ber dem Originaltext vorgenommenen Korrekturen.</p>
+
+<ul>
+<li><a href="#Page_70">S. 070</a>: [Punkt erg&auml;nzt] einen Gesinnungst&uuml;chtigen zu finden.</li>
+<li><a href="#Page_74">S. 074</a>: As junger Flugzeugf&uuml;hrer &rarr; Als</li>
+<li><a href="#Page_81">S. 081</a>: da&szlig; wir nach Ru&szlig;lang gingen &rarr; Ru&szlig;land</li>
+<li><a href="#Page_92">S. 092</a>: [Zeichensetzung vereinheitlicht] mu&szlig;t du&#8217;s machen&laquo;. &rarr; machen.&laquo;</li>
+<li><a href="#Page_97">S. 097</a>: [vereinheitlicht] etwa vierzig kennen gelernt &rarr; kennengelernt</li>
+<li><a href="#Page_152">S. 152</a>: [Punkt erg&auml;nzt] mein Lord verschwindet in der Tiefe.</li>
+</ul>
+</div>
+
+
+
+<div class="note">
+<p><strong>Transcriber&#8217;s Notes:</strong> The table below lists all corrections
+applied to the original text.</p>
+
+<ul>
+<li><a href="#Page_70">p. 070</a>: [added period] einen Gesinnungst&uuml;chtigen zu finden.</li>
+<li><a href="#Page_74">p. 074</a>: As junger Flugzeugf&uuml;hrer &rarr; Als</li>
+<li><a href="#Page_81">p. 081</a>: da&szlig; wir nach Ru&szlig;lang gingen &rarr; Ru&szlig;land</li>
+<li><a href="#Page_92">p. 092</a>: [normalized punktuation] mu&szlig;t du&#8217;s machen&laquo;. &rarr; machen.&laquo;</li>
+<li><a href="#Page_97">p. 097</a>: [normalized] etwa vierzig kennen gelernt &rarr; kennengelernt</li>
+<li><a href="#Page_152">p. 152</a>: [added period] mein Lord verschwindet in der Tiefe.</li>
+</ul>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der rote Kampfflieger, by Manfred von Richthofen
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ROTE KAMPFFLIEGER ***
+
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+Produced by Markus Brenner, Irma Spehar and the Online
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
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+*** START: FULL LICENSE ***
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
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+
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+License terms from this work, or any files containing a part of this
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+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
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+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
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+ License. You must require such a user to return or
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+ and discontinue all use of and all access to other copies of
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+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
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+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
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+1.F.
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+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
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+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
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+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
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+ gbnewby@pglaf.org
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+
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+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
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