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+The Project Gutenberg EBook of Die Prinzessin Girnara, by Jakob Wassermann
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Die Prinzessin Girnara
+ Weltspiel und Legende
+
+Author: Jakob Wassermann
+
+Release Date: May 31, 2005 [EBook #15952]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE PRINZESSIN GIRNARA ***
+
+
+
+
+Produced by Markus Brenner and DP Proofreaders Europe,
+http://dp.rastko.net.
+
+
+
+
+
+
+ DIE PRINZESSIN GIRNARA
+
+
+ WELTSPIEL UND LEGENDE
+
+ VON
+
+ JAKOB WASSERMANN
+
+
+ 1919
+ ED. STRACHE VERLAG
+WIEN -- PRAG -- LEIPZIG
+
+
+Alle Rechte, insbesondere das der Übersetzung, sind dem
+_Autor_ vorbehalten. Das Werk, in vorliegender Fassung,
+ist nicht als Bühnendichtung gedacht und daher auch nicht
+aufführbar.
+
+GEDRUCKT BEI ED. STRACHE, WARNSDORF.
+
+
+ * * * * *
+
+
+PERSONEN:
+
+DER KÖNIG
+DIE PRINZESSIN GIRNARA
+PRINZ SIHO
+DER ERSTE RITTER
+DER ZWEITE RITTER
+DER WÜRDENTRÄGER
+DER HÖFLING
+SCHÖNE DAME
+FRÄULEIN
+DER PILGER
+HAUSMEIER
+DER MAGIER
+ERSTER DIENER
+ZWEITER DIENER
+STIMME DES SÄNGERS
+STIMME DES TORWARTS
+DIE ALTE DIENERIN
+DIE JUNGE DIENERIN
+DIE SCHWARZE SKLAVIN
+DER FREUND
+DER DÄMON ALS HUND
+DER DÄMON ALS FLEDERMAUS
+DER DÄMON MIT DEM SPIEGEL
+GEISTERSTIMME
+DER SIEGREICH-VOLLENDETE
+
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+ WELTSPIEL
+
+
+ Saal. Hinten Säulenhalle. Vorn,
+ nicht sichtbar, Galerie. Gedeckte Tafel.
+
+
+STIMME DES PILGERS:
+Gib Kunde von dir, Lebendige in der Finsternis!
+
+HAUSMEIER:
+Ihr könnt die Lichter jetzt anzünden!
+
+ERSTER DIENER:
+Schon kommen die Spielleute: Fiedel, Flöte, Trommel
+und der Sänger.
+
+ZWEITER DIENER:
+Der Wein ist in die Krüge gegossen.
+
+ERSTER DIENER:
+Der Koch läßt melden, er tue die Fische in die Pfanne.
+
+HAUSMEIER:
+Daß ihr leise auftretet und die Augen niederschlagt.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Niemand hat die Prinzessin Girnara je gesehen.
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Man weiß nicht mehr von ihr als ihren Namen.
+
+HAUSMEIER:
+Daß ihr behutsam die Schüsseln haltet und die Brühe
+nicht verschüttet!
+
+HÖFLING:
+Im Schloß der sieben Türme, am Gestade des Geiersees
+hat sie geweilt von Geburt an.
+
+WÜRDENTRÄGER:
+Der König in seiner Weisheit hat sie der Welt entzogen.
+
+EIN FRÄULEIN:
+Sprecht, warum ist es geschehen?
+
+WÜRDENTRÄGER:
+Die Weisheit des Königs hat es beschlossen.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Niemand kennt den Grund.
+
+SCHÖNE DAME:
+Hat sie die Sonne je erblickt, hat sie Blumen gepflückt
+im Garten?
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Sie hat nie die Sonne geschaut, nie Blumen im Garten
+gepflückt.
+
+SCHÖNE DAME:
+Und die heimliche Hochzeit mit dem fremden Edelmann,
+warum dies?
+
+FRÄULEIN:
+Warum die heimliche, hastige Hochzeit mit dem Unbekannten,
+der kein Land beherrscht?
+
+WÜRDENTRÄGER:
+Die Weisheit des Königs hat es beschlossen.
+
+SCHÖNE DAME:
+Er hatte kein Feierkleid, kein Pferd und keine Diener.
+
+HÖFLING:
+Er war arm wie einer der Geringsten, doch mutig in
+der Schlacht.
+
+HAUSMEIER:
+Daß die Spielleute nicht lärmend ihre Instrumente
+stimmen!
+
+ERSTER DIENER:
+Sie harren auf das Zeichen zum Beginn.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Wo ist der Eidam des Königs? Empfängt er die Geladenen
+nicht?
+
+SCHÖNE DAME:
+Empfängt er nicht seine Gäste, wie es der Brauch?
+
+HAUSMEIER:
+Daß sich die Trommel bescheiden aufführt!
+
+FRÄULEIN:
+Wird die Prinzessin an seiner Seite erscheinen?
+
+HÖFLING:
+Er geht traurig umher und meidet die Blicke der
+Menschen.
+
+HAUSMEIER:
+Daß die Pastetchen warm auf die Tafel kommen!
+
+STIMME DES PILGERS:
+Gib Kunde von dir, Lebendige in der Finsternis!
+
+WÜRDENTRÄGER:
+Wer ist es, der so schreit?
+
+HAUSMEIER:
+Schafft ihn fort, den Schreier!
+
+ERSTER DIENER:
+Ein frommer Pilger, hat Speise begehrt.
+
+STIMME DES PILGERS:
+Nimm an die Lehre, Wahnbeladene, in deiner Brunnentiefe!
+
+HAUSMEIER:
+Schafft ihn fort, den Schreier, sag' ich!
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Noch immer ist der Eidam des Königs nicht unter
+seinen Gästen.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Dort naht er, sieht aus wie einer, der schuldbewußt
+ist.
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Wie einer, den Verhängnis bedrückt.
+
+HÖFLING:
+Wie einer, der nichts von Freude weiß.
+
+SCHÖNE DAME:
+Ohne die Prinzessin ist er gekommen.
+
+FRÄULEIN:
+Sieht aus wie einer, der unrechtes Gut verbirgt.
+
+HAUSMEIER:
+Die Spielleute sollen anfangen zu spielen!
+
+SCHÖNE DAME:
+Er führt die Gattin nicht zum Feste.
+
+FRÄULEIN:
+Die Herrin wohnt im Hause und tritt nicht hervor?
+
+HÖFLING:
+Niemand darf ihren Gemächern nahen.
+
+ERSTER RITTER:
+Es ist verboten, dem obersten Gewölbe zu nahen.
+
+WÜRDENTRÄGER:
+Wir grüßen den Eidam des Königs!
+
+ERSTER UND ZWEITER RITTER:
+Prinz Siho, wir grüßen dich!
+
+DER SÄNGER:
+Willkommen, Fremdling, der unser geworden ist!
+
+HAUSMEIER:
+Der Vollendete segne deine Schritte!
+
+SIHO:
+Euch alle grüß' ich von Herzen!
+
+WÜRDENTRÄGER:
+Das frohe Mahl wartet deiner.
+
+HAUSMEIER:
+Leckerbissen aller vier Jahreszeiten.
+
+SCHÖNE DAME:
+Traulich spielen die Spielleute.
+
+FRÄULEIN:
+Die Fiedel schluchzt wie die Nachtigall im Mangohag.
+
+SIHO:
+Laßt uns zu Tische gehen.
+
+DER FREUND:
+Hör' mich an, bevor du dich zu ihnen setzest.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Schwermut verdunkelt seine Stirn.
+
+SIHO:
+Sag' es in wenigen Worten.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Er hat die Prinzessin nicht zum Feste geführt.
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Er hält uns ihres Anblicks für unwert.
+
+DER FREUND:
+Sie murren, weil du die Prinzessin nicht zum Feste
+geführt.
+
+SCHÖNE DAME:
+Vielleicht ist sie so schön, daß er sie aus Eifersucht
+verbirgt.
+
+SIHO:
+Darüber sprich nicht, und jene laß murren und fragen.
+
+FRÄULEIN:
+Vielleicht schämt er sich ihrer, vielleicht ist sie mißgestaltet
+und von roher Sitte.
+
+DER MAGIER:
+Im schlimmen Kreise steht ihr, im Bogen des Unheils!
+
+DER FREUND:
+Sie flüstern böse, die Neugier macht sie gemein.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Man sollte es ergründen; fragt ihn, warum er allein
+zum Feste kommt.
+
+SIHO:
+Bitter ist es, vor dir schweigen zu müssen.
+
+DER FREUND:
+Hüte dich; ein Widersacher ist unter ihnen.
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Er lädt Gäste zum Mahl und beleidigt sie.
+
+SCHÖNE DAME:
+Wo mag die Prinzessin weilen?
+
+FRÄULEIN:
+Mich quält die Begierde zu wissen, wie sie aussieht.
+
+SIHO:
+Bleib' an meiner Seite und schütze mich vor ihren
+Blicken; sie sind neugierig, sie sind böse.
+
+DER MAGIER:
+Einen Spruch will ich sprechen von zwingender Macht,
+der den Wein entflammt und die Seele verrät.
+
+HAUSMEIER:
+Euer Gnaden wird zur Tafel gebeten.
+
+DER FREUND:
+Ich bleibe dir zur Seite, fürchte dich nicht!
+
+DER MAGIER:
+Aufgedeckt wird das Geheimnis sein, er selbst wird das
+Verschwiegene künden.
+
+SIHO:
+Schön geschmückt ist die Tafel, wir wollen uns niederlassen,
+Freunde!
+
+DER ERSTE RITTER:
+Bist du des Spruches gewiß, so erprobe die Wirkung!
+
+WÜRDENTRÄGER:
+Köstlich ist diese Schüssel und lobt ihren Meister,
+den Koch.
+
+HÖFLING:
+Angenehme Gerüche kitzeln den Gaumen.
+
+DER SÄNGER:
+Frieden über euch, die ihr genießt die Frucht der Felder
+und Gaben der Gärten!
+
+SCHÖNE DAME:
+Die Stimme des Sängers klingt lieblich und fein.
+
+HAUSMEIER:
+Daß der Braten nicht abkühlt! Brote zu reichen vergeßt
+nicht!
+
+DER ERSTE RITTER:
+Den verheißenen Zauberspruch, Magier! Braust du
+das Wort schon im Hirn?
+
+STIMME DES PILGERS:
+Dein Herz schwillt auf in der Finsternis, Leidbegnadete,
+und sprengt die Mauern des Kerkers!
+
+HÖFLING:
+Wer ist dieser, der uns die Süßigkeit des Mahles vergällt?
+
+HAUSMEIER:
+Gebot ich euch nicht, ihr solltet ihn von der Treppe
+jagen?
+
+ERSTER DIENER:
+Stumm vernahm er deinen Befehl und ging nicht
+vom Tor.
+
+ZWEITER DIENER:
+Ein frommer Pilger, erfüllt von heiliger Wut.
+
+SIHO:
+Prophetenworte, Worte heiliger Wut.
+
+DER FREUND:
+Bleich bist du, mein Lieber, bleich ist dein Antlitz.
+
+SIHO:
+Prophetenworte, Worte heiligen Grams.
+
+DER FREUND:
+Den Spielleuten gib dein Ohr, hör', wie die Flöte vogelhaft
+singt!
+
+DER ERSTE RITTER:
+Sprich deinen Spruch, Magier, ehe wir zweifeln an dir!
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Liegt es in deiner Gewalt, das Geheimnis uns zu entschleiern,
+so tu es!
+
+DER MAGIER:
+An seinem Gurt, seht ihr den Schlüssel? Wo Männer
+das Schwert sonst tragen, hängt ihm ein Schlüssel.
+
+ERSTER UND ZWEITER RITTER:
+Wir sehen den Schlüssel; erkläre doch, was er soll,
+was er schließt!
+
+DER MAGIER:
+Die eherne Pforte schließt er, hinter der die Prinzessin
+Girnara einsam vergeht.
+
+HÖFLING:
+Was kündest du, Magier? Ich hörte dich nicht.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Er wird ihn wahren, den Schlüssel, kostbares Gut ist
+er ihm.
+
+DER MAGIER:
+Wenn das Wort der Beschwörung gewirkt hat, gibt er
+den Schlüssel von selbst.
+
+HÖFLING:
+Versprachst du den Schlüssel, Magier, der die eherne
+Pforte aufschließt?
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Den Spruch, Magier, den Spruch!
+
+HAUSMEIER:
+Sorgsam tragt die Krüge, sorgsam gießt in die Pokale
+den Wein!
+
+DER SÄNGER:
+Freude erblüh' diesem Haus, ein Rasthaus des Glückes
+sei es!
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Den Spruch endlich, den Spruch!
+
+DER MAGIER:
+Schweigen wird die festliche Runde und jener wird
+sagen, was ihn beschwert und quält.
+
+STIMME DES PILGERS:
+In der Üppigkeit und im Übermut der Genüsse lügen
+deine Sänger, Volk!
+
+SCHÖNE DAME:
+Warum erhebt sich der Fremdling von seinem Sitz,
+der Magier?
+
+DER FREUND:
+Du zitterst vor ihm, dein Auge ist voller Schrecken!
+
+DER ERSTE RITTER:
+Still, die Lippen des Magiers formen den bannenden
+Spruch!
+
+DER MAGIER:
+In seine Brust eindringend, bin ich Frage und Antwort
+zugleich.
+
+FRÄULEIN:
+Eine Wolke ist um den Magier, dunkel wird seine Gestalt.
+
+SCHÖNE DAME:
+Ich gewahr' ihn nicht mehr, seht, er zerrinnt in der Luft!
+
+HÖFLING:
+Seht, der Platz, wo der Magier gewesen ist, ist leer!
+
+FRÄULEIN:
+Die Lichter scheinen nicht mehr, im Saale dämmert's.
+
+STIMME DES PILGERS:
+Klage, lieblos Unliebender, um dich und die Gattin!
+
+DER WÜRDENTRÄGER:
+Warum ist es dunkel im Saale? Zündet noch Lichter an!
+
+SIHO:
+Die Lichter wollen nicht brennen, Mauern und Säulen
+wanken.
+
+DER FREUND:
+Halte dich, Lieber, gib mir die Hand!
+
+SIHO:
+Siehst du den Magier nicht mehr?
+
+SCHÖNE DAME:
+Warum haben die Spielleute aufgehört zu spielen?
+
+FRÄULEIN:
+Mir ist Angst, nehmt mir die Angst von der Brust!
+
+DER WÜRDENTRÄGER:
+Was bedeutet die Stille? Die Spielleute sollen
+spielen!
+
+HAUSMEIER:
+Warum schweigen die Spielleute? Warum ist der
+Sänger verstummt?
+
+STIMME DES MAGIERS:
+Sprich, der verraten hat, sprich, der verraten ward!
+
+SIHO:
+Da ich denn sprechen muß, so hört mich.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Still, ihr alle, vernehmt, was Prinz Siho kündet!
+
+STIMME DES PILGERS:
+Gib Kunde von ihr, der Lebendigen in der Finsternis!
+
+STIMME DES MAGIERS:
+Gib Kunde der Welt, Kunde den Freunden, Kunde
+dir selbst!
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Seid still und lauscht, was der Eidam des Königs euch
+kündet!
+
+SIHO:
+Uneins mit dem Vater, verstoßen aus meinem Land,
+kam ich über die Gebirge in dieses. Ich leistete dem
+König Heeresgefolgschaft, ihr wißt es, und schwor
+ihm den Treueid.
+
+DER FREUND:
+Du hast ihm gedient wie ein Sohn und ein Knecht,
+sie wissen es.
+
+DER ERSTE UND DER ZWEITE RITTER:
+Wir wissen es.
+
+STIMME DES MAGIERS:
+Vergissest du, daß dich der Ehrgeiz anfraß und Sorge
+um ungenügenden Lohn in deinen Nächten brannte?
+
+SIHO:
+Der Ehrgeiz fraß mich an und Sorge um ungenügenden
+Lohn brannte in meinen Nächten.
+
+DER FREUND:
+Sie biegen sich über die Tafel; hüte dein Wort, sie essen
+und trinken nicht mehr vor Begierde, zu hören.
+
+SIHO:
+Ein mächtiger Odem befiehlt mir, zu reden.
+
+DER FREUND:
+Hüte dein Wort!
+
+SIHO:
+Dem König mich zu verbinden sann ich; von der Prinzessin
+Girnara träumte ich mit wachen und schlafenden
+Augen.
+
+STIMME DES MAGIERS:
+Hast du nicht Eidam des Königs zu werden getrachtet
+und der Erste beim Thron?
+
+SIHO:
+Eidam des Königs wollte ich werden und der Erste
+beim Thron.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Ihr vernehmt es alle?
+
+DER ZWEITE RITTER, HÖFLING UND DAME:
+Wir haben's vernommen.
+
+DER WÜRDENTRÄGER:
+Zündet Lichter an, es ist dunkel geworden.
+
+HAUSMEIER:
+Lichter, ihr Faulen, zündet die Lichter an!
+
+ERSTER DIENER:
+Verzeiht, ich kann mich nicht von der Stelle rühren.
+
+ZWEITER DIENER:
+Herr, die Beine gehorchen nicht mehr deinem Befehl.
+
+HAUSMEIER:
+Gnaden, die Zunge lahmt mir im Mund, es ist schlimmer
+Zauber geschehen.
+
+DER WÜRDENTRÄGER:
+Wehe, was geht denn vor?
+
+DER ERSTE RITTER:
+Schweigen geziemt sich, wenn der Verirrte den Irrweg
+bekennt.
+
+STIMME DES PILGERS:
+O Leidumbrandete, Angstverwirrte, dir naht der Erhabene bald!
+
+SIHO:
+Vom Feldzug kehrt' ich zurück, hatte die Feinde geschlagen,
+da bot mir der König die Hand der Prinzessin an.
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Niemand hat die Prinzessin mit Augen je gesehen.
+
+HÖFLING:
+Niemand weiß mehr von ihr als ihren Namen.
+
+STIMME DES MAGIERS:
+Trankst du den Namen und umgabst ihn mit Ehrgeizflammen,
+den Namen allein?
+
+SIHO:
+Den Namen allein umgab ich mit Ehrgeizflammen und
+trank ihn wie seligen Trunk und fiel zu des Königs
+Füßen nieder und küßte dankbar den Saum seines
+Kleides.
+
+STIMME DES MAGIERS:
+Führte er dich in den Tempel der siebzehn Säulen, wo
+die Verschleierte harrte?
+
+SIHO:
+Die Verschleierte harrte im Tempel der siebzehn Säulen
+und ich sah nicht ihr Antlitz, nicht ihre Hand, und der
+Priester schloß das ewige Bündnis.
+
+DER FREUND:
+Es erschüttert dich das Gedenken, du gibst ihnen
+Überfülle des Herzens.
+
+SIHO:
+Ein mächtiger Odem befiehlt mir zu reden; laß es mich
+sagen, daß ich des Grauens entledigt werde.
+
+STIMME DES MAGIERS:
+Und in der Nacht des obern Gewölbes hast du die
+Gattin erblickt.
+
+SIHO:
+Das Grauen verwehrt mir die Worte. Die Gattin hab' ich erblickt.
+
+STIMME DES PILGERS:
+Die Gefangene im obern Gewölbe büßt den Frevel des
+Vaters, die rasende Untat.
+
+SIHO:
+Das Grauen verwehrt mir zu denken, ich kann es nicht denken.
+
+SCHÖNE DAME:
+Sprich, wir flehen dich an, und nimm von mir die Qual dieser Stunde!
+
+STIMME DES MAGIERS:
+Reiß den Schlüssel vom Gurt und gib ihn denen, die bereit sind,
+zu schirmen!
+
+SIHO:
+Bitt're Gewalt hast du über mich, verborgene Stimme.
+
+DER FREUND:
+Löst du den Schlüssel vom Gurt und gibst ihn den Gierigen preis?
+
+DER ERSTE RITTER:
+Gib uns den Schlüssel preis, wir wollen das Grauen ermessen.
+
+SIHO:
+Hier ist der Schlüssel zum obern Gewölbe, ermeßt die Tiefe des Grauens.
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Mir überlaß den Schlüssel, zu öffnen die eherne Pforte.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Nein, ich faßt' ihn zuerst, folge mir nach ins Gewölbe.
+
+SIHO:
+Bin ich oder träum' ich? Verriet ich oder ward ich verraten?
+
+DER FREUND:
+Bist Opfer von vielen, Opfer von dir und ersehntem Bild.
+
+SIHO:
+Entschlossen war ich zur Liebe, Sehnsucht zerbrach
+am Gräßlichen. Schuld ward gehäuft, die ich nicht
+wußte, Leiden, das unbekannt. Frei gewesen, bin ich
+Sklave geworden, echt gewesen, bin ich besudelt,
+stark gewesen und jetzt ohne Nerv, furchtlos gewesen,
+nun mit dem Grauen im Blut.
+
+DER FREUND:
+Verhängnis fiel über dich.
+
+SIHO:
+Wo ist meine Schuld?
+
+STIMME DES MAGIERS:
+Schuld ist Blutqual geworden.
+
+SIHO:
+Wozu der Traum?
+
+STIMME DES MAGIERS:
+Traum war Laster und Lüge.
+
+SIHO:
+Stimme ohne Erbarmen!
+
+SCHÖNE DAME, HÖFLING:
+Die Ritter sind fortgeeilt.
+
+FRÄULEIN:
+Sie sind mit dem Schlüssel ins obere Gewölbe.
+
+STIMME DES PILGERS:
+Fahr' ein zur inneren Meeresstille, Neubeseelte!
+
+SIHO:
+Stimme des Trostes, wo kommst du her?
+
+DER WÜRDENTRÄGER:
+Finsternis würgt mich schon, eure Hand, euern Arm!
+
+STIMMEN DER GÄSTE:
+Weh uns! Weh uns!
+
+STIMME DES MAGIERS:
+Weh euch! Weh euch!
+
+STIMME DES SÄNGERS:
+Weh uns Verlorenen!
+
+STIMME DES PILGERS:
+Ist anders das Leben und anders der Leib? Heil dir,
+Siegreich-Vollendeter!
+
+SIHO:
+Wahrerer Traum beginnt. Licht schwillt auf.
+
+STIMMEN:
+Weh uns! Weh uns!
+
+FERNE STIMMEN:
+Heil uns! Heil uns!
+
+SIHO:
+Licht schwillt vom obern Gewölbe her!
+
+FERNE STIMMEN:
+Die Erde bebt im Hauch des Erhabenen, Übergewaltigen!
+Heil dir, Siegreich-Vollendeter!
+
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+ LEGENDE
+
+
+ Das obere Gewölbe. Kolossales Gemäuer.
+ Eine einzige Fackel.
+
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Vergebens ruf' ich nach denen, die mir gehören.
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Drei Tage lang sah ich die Sonne in siebzehn Jahren.
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Das Blut will hinaus, hat Meer und Sterne noch nicht vergessen.
+
+DIE SCHWARZE SKLAVIN:
+Tief schläft die Herrin.
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Ist nie ein Schlaf; Unheimliches ist es, das droht und schweigt.
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Auf dem Weg hieher vom Gestade des Geiersees, da schien die Sonne.
+
+DIE SCHWARZE SKLAVIN:
+Die Herrin spricht im Schlaf.
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Ist nie ein Traum; Unheimliches ist es, das droht und flüstert.
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Die Arbeit tut! An den Rocken und spinnt! An den Herd und schürt Feuer!
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Gestorben sind die vielleicht, die meines Namens und Bluts.
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Bist eingeschworen, darfst an Vater und Mutter nicht denken.
+
+GIRNARA:
+Einsam wie vor der Geburt, einsamer noch, seit du kamst.
+
+DIE SCHWARZE SKLAVIN:
+Hört ihr es, die Herrin klagt aus dem Schlummer.
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Die Fürchterliche, daß sie nicht ruft und sich zeigt!
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Die Arbeit tut! An den Rocken und spinnt, an die Töpfe und kocht!
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Sag' mir eines, du Wissende: Kam sie aus Mutterleib
+so mit dem fleischlosen Totenhaupt?
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Kam aus Mutterleib so. Mit dem fleischlosen Totenhaupt
+und der gesprenkelten Haut.
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Schauerlich, sie zu sehen! Mensch nicht und Weib nicht
+und doch mit Stimme und Blick.
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Zehntausend Waisen ließ der König erschlagen im
+sakkischen Eichwald. Daher der Fluch.
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Und half nicht Ahnenmesse und Feueropfer?
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Zehntausend Waisen lagen zerschmettert, als die Königin
+Sirdar in Wehen schrie.
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Daher der Fluch, du Wissende, daher das Grauen.
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Ist unabänderlich, nützt kein Murren und Beten.
+
+GIRNARA:
+Wann endlich werden Worte schallen, die heilen, wann
+endlich wird der Abgrund leuchten?
+
+DIE SCHWARZE SKLAVIN:
+Hört ihr, die Herrin spricht, seht ihr, sie regt sich.
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Fort an den Rocken, fort an die Töpfe, fort an den Herd!
+
+STIMME DES PILGERS:
+Gib Kunde von dir, Lebendige in der Finsternis!
+
+DIE SCHWARZE SKLAVIN:
+Die Herrin erhebt sich und lauscht. Was begehrst du, Herrin Girnara?
+
+GIRNARA:
+Woher das süße Wehen? Woher die tröstliche Stimme?
+
+DIE SCHWARZE SKLAVIN:
+Die Wälder riefen mir zu. Die Tiere der Wälder schmeichelten
+mir im Traum.
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Drei Tage lang sah ich die Sonne in siebzehn Jahren.
+
+GIRNARA:
+Ein süßes Wehen war, eine tröstliche Stimme.
+
+DER DÄMON ALS HUND:
+Aus zehntausend Kinderleichen im sakkischen Eichwald
+hab' ich die Augen geschlürft.
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Wissende du, was ist dies? Laß mich hinaus! Was ist
+dies? Mir stirbt die Seele!
+
+GIRNARA:
+In die Leidensnacht hat mich der Vater verstoßen, als
+er die Schuld auf sich lud.
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Kann dir nicht auftun das Tor, kein Schlüssel ward mir vertraut.
+
+DIE SCHWARZE SKLAVIN:
+O das entfleischte Gesicht! Die gesprenkelte Haut unserer Herrin!
+
+DER DÄMON ALS HUND:
+Seelen der Väter und Mütter suchen im sakkischen
+Eichwald noch immer nach Kinderleichen.
+
+GIRNARA:
+Litt ich nicht ohne dich, Stimme der Angst? Schalle
+doch, tröstliche, wieder!
+
+STIMME DES PILGERS:
+Gib Kunde von dir, Lebendige in der Finsternis!
+
+DER DÄMON ALS FLEDERMAUS:
+Tiefer hinein den Stachel, tiefer in Dickicht und Nacht!
+
+DER DÄMON MIT DEM SPIEGEL:
+Lange nicht brennend genug, herunter, herunter zum Schmerz!
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Wissende du, was ist dies? Ach, mich jammert mein selbst!
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Herrin, hast du Befehle? Die beiden vergehen vor Furcht.
+
+GIRNARA:
+Wälzt ihr noch Blöcke auf mich, ihr Abgesandten der Schwärze?
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Die Armen, sie bohren die Finger in Fugen der Steine.
+Sieh, sie vergehen vor Furcht!
+
+DER DÄMON ALS HUND:
+Schuldige zechen im Saal, Unschuldige wurden gemordet.
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+An den Mauern grinsen Gespenster, die Luft hat giftige Zungen. Fort!
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Es zischeln die Schatten, brenzlicher Qualm kocht aus den Mauern. Fort!
+
+DIE SCHWARZE SKLAVIN:
+Die Herrin hat kein Ohr für uns, Jfrids reden mit ihr. Fort!
+
+STIMME DES PILGERS:
+Nimm an die Lehre, Wahnbeladene in deiner Brunnentiefe!
+
+GIRNARA:
+Leidbeladene bin ich, mein Leid ist mir Sonne und Mond.
+
+DER DÄMON MIT DEM SPIEGEL:
+Dein Haar ist wie Pferdehaar, gesprenkelt ist deine
+Haut wie das Fell des Tigers.
+
+GIRNARA:
+Der mich wählte, hat mich verlassen, der mich gezeugt
+hat, kennt mich nicht.
+
+DER DÄMON ALS FLEDERMAUS:
+Tiefer hinein in den Schmerz, tiefer in hauslose Nacht!
+
+GIRNARA:
+Der mich wählte, ist ohne mich zum Fest gegangen.
+Wessen bin ich schuldig?
+
+DER DÄMON MIT DEM SPIEGEL:
+Deine Arme sind Spinnenarme, deine Augen sind wie
+die Augen der Kröte.
+
+GIRNARA:
+Wie erkenn' ich die Schuld? Wer hat mich so verdammt?
+
+DER DÄMON ALS FLEDERMAUS:
+Tiefer hinein in die Qual! Tiefer ins Mark des schwärenden Lebens!
+
+DER DÄMON MIT DEM SPIEGEL:
+Dein Bildnis halt' ich dir vor, Abscheu den Blinden noch.
+
+GIRNARA:
+Gäb' es ein Feuer, auszubrennen die Brust vom Wissen der Welt!
+
+STIMME DES PILGERS:
+Leidbegnadete, die Stunde bricht an, wo das Herz sich
+dehnt bis zur Grenze des Leibes und überschwillt und
+die Mauer des Kerkers sprengt.
+
+DER DÄMON ALS HUND:
+Übelgeborne, dir ist verwehrt, zu sinnen Verwandlung.
+
+GIRNARA:
+Ist mir verwehrt, zu sinnen Verwandlung, so will ich
+mein Leiden lieben und den Siegreich-Vollendeten suchen.
+
+DER DÄMON ALS FLEDERMAUS:
+Irdisch-Gefesselte, laß dein Bemühen, denn jener wohnt
+in unauffindbaren Höhen.
+
+GIRNARA:
+Sink' ich zum Grunde nieder, fühl' und umschling' ich
+das göttliche Wesen.
+
+DER DÄMON MIT DEM SPIEGEL:
+Mißgestaltete, hoffe nicht, die Seele ist eingegittert im Fluch.
+
+GIRNARA:
+So will ich trotz Kerker und Fessel wandern Meile um
+Meile, steigen Stufe um Stufe, erfahren Schmerz um
+Schmerz, alles Elend der Erde, alle Verzweiflung der
+Herzen, allen Sturm der Verdammten, schmecken die
+Tränen, lauschen den Seufzern der schuldlos Gerichteten,
+schuldlos Gemordeten, hingeben alles, was mein
+ist, alles, was mein noch werden könnte, letztes Gericht,
+letzten Lohn, letztes Wort der Gnade, bis innere Meeresstille
+mir den Erhabenen bringt.
+
+GEISTERSTIMME:
+Erst am Ende des Wollens gebiert sich die schützende Flamme.
+
+DER DÄMON ALS HUND:
+Was zwängt sich durch die Gewölbe? Hört ihr den silbernen Ruf?
+
+GIRNARA:
+So end' ich zu wollen und frage nur, zu welchem Opfer
+ich noch gefordert, zu welcher Sühne ich noch bestimmt,
+zu welcher Einsamkeit ich noch verurteilt bin.
+
+GEISTERSTIMME:
+Erst am Ende des Fragens beginnt das heilige Wissen.
+
+DER DÄMON ALS FLEDERMAUS:
+Was zwängt sich durch die Gewölbe? Seht ihr den Scharlachschein?
+
+GIRNARA:
+So end' ich zu warten und harre auf süßeres Dasein, leibesledig
+und stumm.
+
+GEISTERSTIMME:
+Erst am Ende des Harrens erfüllt sich die höhere Sendung.
+
+DER DÄMON MIT DEM SPIEGEL:
+Was zwängt sich durch die Gewölbe? Spürt ihr den weltlosen Hauch?
+
+GIRNARA:
+So ruh' ich in gläubiger Ruhe, nicht wollend, nicht fragend,
+nicht harrend.
+
+GEISTERSTIMME:
+Ruhe in gläubiger Ruhe, mit all deinen Sinnen bereit.
+
+DER DÄMON ALS HUND:
+Mit Scharlach färbt sich die Kuppel, es färbt sich der
+Estrich, ihr Brüder, entflieht!
+
+DER DÄMON ALS FLEDERMAUS:
+Es zittern die Quadern, gebietende Flamme steigt auf,
+ihr Brüder, entflieht!
+
+DER DÄMON MIT DEM SPIEGEL:
+Ich seh' ihn nahen, den Leiter der Männerherde, den
+Meister der Götter und Menschen, ihr Brüder, entflieht!
+
+DER DÄMON ALS HUND:
+Es naht der Erwachte, naht der Erhab'ne, naht der Vollkommene!
+
+DER DÄMON ALS FLEDERMAUS:
+Es naht der Kenner der Welt, der Wissens- und Wandelsbewährte!
+
+DER DÄMON MIT DEM SPIEGEL:
+Es naht der Herrliche, der Siegreich-Vollendete kommt!
+
+ALLE DREI:
+Ihr Brüder, entflieht!
+
+GEISTERSTIMME:
+Die Unreinen meiden seine Bahn, die Schatten vergehen vor ihm.
+
+STIMME DES PILGERS:
+Fahr' ein zur inneren Meeresstille, Neubeseelte, Wiedergeborne!
+
+GIRNARA:
+O lasurfarbenes Haupt! Du bist in der Welt gegenwärtig,
+erscheinst sichtbar vor mir.
+
+DER SIEGREICH-VOLLENDETE:
+O Königstochter Girnara, ich weiß, daß deine Gedanken
+rein sind und von inniger Hochachtung beseelt.
+
+GIRNARA:
+O Antlitz unverhüllt! O ruhevolles Auge!
+
+DER SIEGREICH-VOLLENDETE:
+Dein Haupthaar ist sanft geworden in dieser Stunde,
+und gefärbt wie Lasur.
+
+GIRNARA:
+O golden strahlender Leib! Flammengegürtete Hüfte!
+Entzücken ist größer als Schmerz je war.
+
+DER SIEGREICH-VOLLENDETE:
+Deine Arme beben in neuer Wohlgestalt, deine Augen
+sind wie Sterne beim Aufgang.
+
+GIRNARA:
+In deiner ganzen Herrlichkeit zeig' dich mir, Erhabener,
+nur für eines Dankes Dauer, weil du da bist, weil die
+Welt dich besitzt.
+
+DER SIEGREICH-VOLLENDETE:
+Freudig bewegt, sei heiter; heiteren Herzens, sei schön
+am Leibe; schön am Leibe fühle Seligkeit, der Beseligten
+Gemüt wird einig.
+
+GIRNARA:
+Ich bin's und weiß es: des Beseligten Gemüt wird einig.
+
+GEISTERSTIMME:
+Das Schwanken hat er verworfen, der Ungewißheit ist
+er entronnen, er zweifelt nicht am Guten, vom Schwanken
+befreit er sein Herz.
+
+GIRNARA:
+Entschwindest du mir schon, Erhabener?
+
+GEISTERSTIMME:
+Des Beseligten Gemüt wird einig.
+
+GIRNARA:
+Entschwinde mir noch nicht, Seliger, der zu beseligen vermag.
+
+DER SIEGREICH-VOLLENDETE:
+Nimm an das Kleine, ans Geringe wende dich gern;
+und wenn du die Wege der Lastträger gehst, so beuge
+dich nieder und küsse ihre Spuren; und liebe; ohne
+Maß sollst du lieben; den, der neben dir keucht und
+den, der neben dir jauchzt, und den, der unterm nassen
+Mantel geht, und den, der auf goldener Stufe steht;
+und schaue; schau die vielen Dinge der Welt; liebe dein
+Auge, wenn es schaut, schau die Sterne, schau die
+Rinder; schau die Weisen, schau die Blumen; gib dich
+hin und du wirst sein; sei verloren und du bist schön:
+des Beseligten Gemüt wird einig.
+
+GIRNARA:
+Entschwunden ist er mir. Die Irdischen kommen, die
+Irdischen öffnen das Tor.
+
+STIMME DES PILGERS:
+Anders ist das Leben, anders der Leib. Heil dir, Siegreich-Vollendeter!
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Fremde Ritter haben das Tor geöffnet.
+
+GIRNARA:
+Dort ist Glanz gewesen, dort war Licht.
+
+DIE ALTE DIENERIN:
+Gnade, Prinzessin, wie bist du schön! Herrliche, wie bist du schön!
+
+DER ERSTE RITTER:
+Heb' empor die Fackel! Finster ist's im Zimmer der Prinzessin.
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Mir bangt vor unserm Tun, unbesonnen scheint mir's und strafwürdig.
+
+DIE JUNGE DIENERIN:
+Die Herrin ist schön! Unfaßlicher Zauber hat sich begeben.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Siehe, sie ist schön! Verborgen ward sie den Menschen,
+weil sie so schön ist.
+
+STIMME DES TORWARTS:
+Verbrechen geschah! Fremde Ritter haben das Tor geöffnet.
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Sie ist schöner als die Schönsten des Landes. In ihrem
+Antlitz ist die Seele der Engel.
+
+DER HÖFLING:
+Was habt ihr getan, Unsinnige, das verbotene Gewölbe betreten!
+
+GIRNARA:
+Kommt mein Gemahl denn nicht, um mich zum Feste zu holen?
+
+DER ERSTE RITTER:
+Deine Schönheit, Herrin, ist wie die seltenste Blüte im Mangohag.
+
+GIRNARA:
+Kommt mein Gemahl nicht bald, mich liebreich zu begrüßen?
+
+WÜRDENTRÄGER:
+Verbrechen geschah? Wer frevelte wider des Königs Gebot?
+
+SIHOS STIMME:
+Wahrer Traum beginnt. Licht schwillt auf.
+
+STIMMEN:
+Weh uns! Weh uns!
+
+GIRNARA:
+Nahet nicht mein Gemahl? Soll ich nicht Schmuck anlegen für ihn?
+
+STIMMEN:
+Heil uns! Heil uns!
+
+STIMMEN DER DREI DIENERINNEN:
+Ein Wunder hat sich begeben, unfaßliches Wunder im Hause.
+
+DER ERSTE RITTER:
+Ich beuge mich, Herrin, vor dir, ich beuge mich vor deiner Schönheit.
+
+DER ZWEITE RITTER:
+Du bist im holdesten Schmuck, Herrin, wenn du gehst, wenn du blickst.
+
+WÜRDENTRÄGER:
+Herrlich schön ist die Herrin! Ein Bote eile zum König!
+
+SCHÖNE DAME:
+Ist es wahr, die Prinzessin ist schöner als die Schönsten des Landes?
+
+SIHO:
+Strahl der Ahnung, wiesest du mir den richtigen Weg?
+
+STIMMEN:
+Heil uns! Heil uns! Ein Wunder hat sich begeben!
+
+GIRNARA:
+Bist du gekommen, mein Herr? Ist deine Stirne entwölkt?
+
+HÖFLING:
+Mit rosigem Flor bedecken sich die Gewölbe, blühender
+Glanz umflutet die Kuppel.
+
+WÜRDENTRÄGER:
+Herein ihr alle mit Fackeln und Lampen, daß Überfülle des Lichtes wird!
+
+SIHO:
+Nieder zur Erde, Wunderbare, vor dir, mit der sich Wunder begab!
+
+WÜRDENTRÄGER:
+Herein, ihr alle, bewillkommt die Herrin. Nieder zur Erde,
+die Köpfe geneigt!
+
+STIMMEN:
+Heil uns! Heil uns! Der König! Der Herr!
+
+HÖFLING:
+Die Drommeten verkünden die Ankunft des Königs, dreiunddreißig
+Drommeten!
+
+WÜRDENTRÄGER:
+Nieder zur Erde, die Köpfe geneigt!
+
+DER KÖNIG:
+Boten riefen mich her, Unglaubhaftes raunten sie mir
+in den quälenden Schlummer.
+
+SIHO:
+Sie ist wie eine Göttin, Herr, wie die seltenste Blume im Mangohag.
+
+GIRNARA:
+Göttin bin ich mit nichten; Mensch und diene den
+Menschen. Blume nicht: Leib, der der Liebe gehorcht.
+
+DER KÖNIG:
+Du warst ein Schrecken und Fluchbild sterblichen
+Augen: Wie bist du schön geworden?
+
+GIRNARA:
+Der Siegreich-Vollendete hat sich mir gezeigt.
+
+DER KÖNIG:
+So ist er herabgekommen, der Göttliche, und hat
+Freude geschenkt?
+
+STIMME DES PILGERS:
+Fern zieht er hin, der Siegreich-Vollendete, entraten
+der Paarung, fern dem gemeinen Gesetze.
+
+DER KÖNIG:
+So ist er herabgekommen, der Sanfte, zu lösen verjährten Fluch, die
+bereute Untat zu nehmen vom quälenden Schlummer, auszugleichen das
+Übel und Freude zu schenken, das Böse zu heben von der wissenden Seele?
+
+DER PILGER:
+Des Beseligten Gemüt wird einig.
+
+SIHO:
+Hebe mich empor zu dir, Gewordene; berührend weihe den dir Gewordenen.
+
+STIMMEN ALLER:
+Hebe ihn zu dir empor, Gewordene, berührend weihe den dir Gewordenen.
+Des Beseligten Gemüt wird einig.
+
+
+ * * * * *
+
+
+NEUE BÜCHER UND DICHTER
+
+
+PAUL BAUDISCH: DER PHARISÄER
+oder ES LEBE DER TOD. KOMÖDIE
+Kategorie: "Künftige Dramatik"
+
+ALFRED GRÜNEWALD: SONETTE
+AN EINEN KNABEN. MIT ZEICHNUNGEN
+VON G. EHRLICH
+Bewahrung zeitlos edelsten Erbes
+
+ELISABETH JANSTEIN: GEBETE
+UM WIRKLICHKEIT
+Fortführung, Erfüllung der besten Tradition
+
+GEORG KULKA: DER STIEFBRUDER
+AUFZEICHNUNG UND LYRIK
+Ziel der heutigen, Weg der kommenden Dichtung
+
+MARTINA WIED: BEWEGUNG
+Gedichte für wesentliche Menschen
+
+PAUL BAUDISCH: FRAGMENTE
+Ein Buch, das viele andere überflüssig macht
+
+DIE BOTSCHAFT: NEUE GEDICHTE AUS ÖSTERREICH. GESAMMELT UND
+EINGELEITET VON E. A. RHEINHARDT
+Eine Repräsentation des menschlichen und dichterischen
+Wollens in Österreich
+
+
+Wir bitten, Sonder-Prospekte zu verlangen
+
+VERLAG ED. STRACHE
+WIEN PRAG LEIPZIG
+
+
+ * * * * *
+
+
+[Transcriber's Note: After proofreading on PGDP-EU had been completed,
+the text has been compared to another eText version, based on the same
+edition of the book prepared by Marina Lukas for the »Project
+Wassermann« (http://www.marinal.de/wassermann/werke_prinzessin.htm).
+This resulting eBook is thus believed to be free of transcription
+errors.
+
+On page 40, _Jfrids_ is possibly a misspelling for _Ifrids_. However, as
+the word is quite uncommon in German, I decided to stay true to the
+printed book and keep the original spelling.]
+
+
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Die Prinzessin Girnara, by Jakob Wassermann
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE PRINZESSIN GIRNARA ***
+
+***** This file should be named 15952-8.txt or 15952-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ https://www.gutenberg.org/1/5/9/5/15952/
+
+Produced by Markus Brenner and DP Proofreaders Europe,
+http://dp.rastko.net.
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
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+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
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+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
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+*** START: FULL LICENSE ***
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+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
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+works. See paragraph 1.E below.
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+ The Project Gutenberg eBook of Die Prinzessin Girnara, by Jakob Wassermann.
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+The Project Gutenberg EBook of Die Prinzessin Girnara, by Jakob Wassermann
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
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+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+Title: Die Prinzessin Girnara
+ Weltspiel und Legende
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+Author: Jakob Wassermann
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+Release Date: May 31, 2005 [EBook #15952]
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE PRINZESSIN GIRNARA ***
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+<p><a name="Page_1" id="Page_1"></a></p><p><a name="Page_2" id="Page_2"></a></p><p><a name="Page_3" id="Page_3"></a></p>
+<div class="titlepage">
+<h1>Die Prinzessin Girnara</h1>
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+<h2>Weltspiel und Legende</h2>
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+<h3>Jakob Wassermann</h3>
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+Ed. Strache Verlag<br />
+Wien &mdash; Prag &mdash; Leipzig
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+
+<p class="copyright">Alle Rechte, insbesondere das der &Uuml;bersetzung, sind dem<a name="Page_4" id="Page_4"></a>
+<i>Autor</i> vorbehalten. Das Werk, in vorliegender Fassung,
+ist nicht als B&uuml;hnendichtung gedacht und daher auch nicht
+auff&uuml;hrbar.</p>
+
+<p class="printedby">Gedruckt bei Ed. Strache, Warnsdorf.</p>
+
+<hr style="width: 65%;" />
+
+<p class="casthead">
+PERSONEN:<br /><a name="Page_5" id="Page_5"></a>
+</p>
+<p class="castlist">
+DER K&Ouml;NIG<br />
+DIE PRINZESSIN GIRNARA<br />
+PRINZ SIHO<br />
+DER ERSTE RITTER<br />
+DER ZWEITE RITTER<br />
+DER W&Uuml;RDENTR&Auml;GER<br />
+DER H&Ouml;FLING<br />
+SCH&Ouml;NE DAME<br />
+FR&Auml;ULEIN<br />
+DER PILGER<br />
+HAUSMEIER<br />
+DER MAGIER<br />
+ERSTER DIENER<br />
+ZWEITER DIENER<br />
+STIMME DES S&Auml;NGERS<br />
+STIMME DES TORWARTS<br />
+DIE ALTE DIENERIN<br />
+DIE JUNGE DIENERIN<br />
+DIE SCHWARZE SKLAVIN<br />
+DER FREUND<br />
+DER D&Auml;MON ALS HUND<br />
+DER D&Auml;MON ALS FLEDERMAUS<br />
+DER D&Auml;MON MIT DEM SPIEGEL<br />
+GEISTERSTIMME<br />
+DER SIEGREICH-VOLLENDETE<br />
+</p>
+<p><a name="Page_6" id="Page_6"></a></p>
+
+
+<hr style="width: 65%;" /><p><a name="Page_7" id="Page_7"></a></p>
+<h2><a name="WELTSPIEL" id="WELTSPIEL"></a>WELTSPIEL</h2>
+
+<p><a name="Page_8" id="Page_8"></a></p>
+<p class="staged">Saal. Hinten S&auml;ulenhalle. Vorn,<a name="Page_9" id="Page_9"></a>
+nicht sichtbar, Galerie. Gedeckte Tafel.</p>
+
+<p><a name="Page_10" id="Page_10"></a></p>
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p><p><a name="Page_11" id="Page_11"></a></p>
+
+<p class="stanza">Gib Kunde von dir, Lebendige in der Finsternis!</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Ihr k&ouml;nnt die Lichter jetzt anz&uuml;nden!</p>
+
+<p class="speaker">ERSTER DIENER:</p>
+
+<p class="stanza">Schon kommen die Spielleute: Fiedel, Fl&ouml;te, Trommel
+und der S&auml;nger.</p>
+
+<p class="speaker">ZWEITER DIENER:</p>
+
+<p class="stanza">Der Wein ist in die Kr&uuml;ge gegossen.</p>
+
+<p class="speaker">ERSTER DIENER:</p>
+
+<p class="stanza">Der Koch l&auml;&szlig;t melden, er tue die Fische in die Pfanne.</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Da&szlig; ihr leise auftretet und die Augen niederschlagt.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Niemand hat die Prinzessin Girnara je gesehen.</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Man wei&szlig; nicht mehr von ihr als ihren Namen.</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Da&szlig; ihr behutsam die Sch&uuml;sseln haltet und die Br&uuml;he
+nicht versch&uuml;ttet!</p>
+
+<p class="speaker">H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Im Schlo&szlig; der sieben T&uuml;rme, am Gestade des Geiersees
+hat sie geweilt von Geburt an.</p>
+
+<p class="speaker">W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Der K&ouml;nig in seiner Weisheit hat sie der Welt entzogen.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_12" id="Page_12"></a>EIN FR&Auml;ULEIN:</p>
+
+<p class="stanza">Sprecht, warum ist es geschehen?</p>
+
+<p class="speaker">W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Die Weisheit des K&ouml;nigs hat es beschlossen.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Niemand kennt den Grund.</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Hat sie die Sonne je erblickt, hat sie Blumen gepfl&uuml;ckt
+im Garten?</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Sie hat nie die Sonne geschaut, nie Blumen im Garten
+gepfl&uuml;ckt.</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Und die heimliche Hochzeit mit dem fremden Edelmann,
+warum dies?</p>
+
+<p class="speaker">FR&Auml;ULEIN:</p>
+
+<p class="stanza">Warum die heimliche, hastige Hochzeit mit dem Unbekannten,
+der kein Land beherrscht?</p>
+
+<p class="speaker">W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Die Weisheit des K&ouml;nigs hat es beschlossen.</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Er hatte kein Feierkleid, kein Pferd und keine Diener.</p>
+
+<p class="speaker">H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Er war arm wie einer der Geringsten, doch mutig in
+der Schlacht.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_13" id="Page_13"></a>HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Da&szlig; die Spielleute nicht l&auml;rmend ihre Instrumente
+stimmen!</p>
+
+<p class="speaker">ERSTER DIENER:</p>
+
+<p class="stanza">Sie harren auf das Zeichen zum Beginn.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Wo ist der Eidam des K&ouml;nigs? Empf&auml;ngt er die Geladenen
+nicht?</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Empf&auml;ngt er nicht seine G&auml;ste, wie es der Brauch?</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Da&szlig; sich die Trommel bescheiden auff&uuml;hrt!</p>
+
+<p class="speaker">FR&Auml;ULEIN:</p>
+
+<p class="stanza">Wird die Prinzessin an seiner Seite erscheinen?</p>
+
+<p class="speaker">H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Er geht traurig umher und meidet die Blicke der
+Menschen.</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Da&szlig; die Pastetchen warm auf die Tafel kommen!</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Gib Kunde von dir, Lebendige in der Finsternis!</p>
+
+<p class="speaker">W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Wer ist es, der so schreit?</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Schafft ihn fort, den Schreier!</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_14" id="Page_14"></a>ERSTER DIENER:</p>
+
+<p class="stanza">Ein frommer Pilger, hat Speise begehrt.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Nimm an die Lehre, Wahnbeladene, in deiner Brunnentiefe!</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Schafft ihn fort, den Schreier, sag&#8217; ich!</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Noch immer ist der Eidam des K&ouml;nigs nicht unter
+seinen G&auml;sten.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Dort naht er, sieht aus wie einer, der schuldbewu&szlig;t
+ist.</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Wie einer, den Verh&auml;ngnis bedr&uuml;ckt.</p>
+
+<p class="speaker">H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Wie einer, der nichts von Freude wei&szlig;.</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Ohne die Prinzessin ist er gekommen.</p>
+
+<p class="speaker">FR&Auml;ULEIN:</p>
+
+<p class="stanza">Sieht aus wie einer, der unrechtes Gut verbirgt.</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Die Spielleute sollen anfangen zu spielen!</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Er f&uuml;hrt die Gattin nicht zum Feste.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_15" id="Page_15"></a>FR&Auml;ULEIN:</p>
+
+<p class="stanza">Die Herrin wohnt im Hause und tritt nicht hervor?</p>
+
+<p class="speaker">H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Niemand darf ihren Gem&auml;chern nahen.</p>
+
+<p class="speaker">ERSTER RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Es ist verboten, dem obersten Gew&ouml;lbe zu nahen.</p>
+
+<p class="speaker">W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Wir gr&uuml;&szlig;en den Eidam des K&ouml;nigs!</p>
+
+<p class="speaker">ERSTER UND ZWEITER RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Prinz Siho, wir gr&uuml;&szlig;en dich!</p>
+
+<p class="speaker">DER S&Auml;NGER:</p>
+
+<p class="stanza">Willkommen, Fremdling, der unser geworden ist!</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Der Vollendete segne deine Schritte!</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Euch alle gr&uuml;&szlig;&#8217; ich von Herzen!</p>
+
+<p class="speaker">W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Das frohe Mahl wartet deiner.</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Leckerbissen aller vier Jahreszeiten.</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Traulich spielen die Spielleute.</p>
+
+<p class="speaker">FR&Auml;ULEIN:</p>
+
+<p class="stanza">Die Fiedel schluchzt wie die Nachtigall im Mangohag.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_16" id="Page_16"></a>SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">La&szlig;t uns zu Tische gehen.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">H&ouml;r&#8217; mich an, bevor du dich zu ihnen setzest.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Schwermut verdunkelt seine Stirn.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Sag&#8217; es in wenigen Worten.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Er hat die Prinzessin nicht zum Feste gef&uuml;hrt.</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Er h&auml;lt uns ihres Anblicks f&uuml;r unwert.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">Sie murren, weil du die Prinzessin nicht zum Feste
+gef&uuml;hrt.</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Vielleicht ist sie so sch&ouml;n, da&szlig; er sie aus Eifersucht
+verbirgt.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Dar&uuml;ber sprich nicht, und jene la&szlig; murren und fragen.</p>
+
+<p class="speaker">FR&Auml;ULEIN:</p>
+
+<p class="stanza">Vielleicht sch&auml;mt er sich ihrer, vielleicht ist sie mi&szlig;gestaltet
+und von roher Sitte.</p>
+
+<p class="speaker">DER MAGIER:</p>
+
+<p class="stanza">Im schlimmen Kreise steht ihr, im Bogen des Unheils!</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_17" id="Page_17"></a>DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">Sie fl&uuml;stern b&ouml;se, die Neugier macht sie gemein.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Man sollte es ergr&uuml;nden; fragt ihn, warum er allein
+zum Feste kommt.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Bitter ist es, vor dir schweigen zu m&uuml;ssen.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">H&uuml;te dich; ein Widersacher ist unter ihnen.</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Er l&auml;dt G&auml;ste zum Mahl und beleidigt sie.</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Wo mag die Prinzessin weilen?</p>
+
+<p class="speaker">FR&Auml;ULEIN:</p>
+
+<p class="stanza">Mich qu&auml;lt die Begierde zu wissen, wie sie aussieht.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Bleib&#8217; an meiner Seite und sch&uuml;tze mich vor ihren
+Blicken; sie sind neugierig, sie sind b&ouml;se.</p>
+
+<p class="speaker">DER MAGIER:</p>
+
+<p class="stanza">Einen Spruch will ich sprechen von zwingender Macht,
+der den Wein entflammt und die Seele verr&auml;t.</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Euer Gnaden wird zur Tafel gebeten.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">Ich bleibe dir zur Seite, f&uuml;rchte dich nicht!</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_18" id="Page_18"></a>DER MAGIER:</p>
+
+<p class="stanza">Aufgedeckt wird das Geheimnis sein, er selbst wird das
+Verschwiegene k&uuml;nden.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Sch&ouml;n geschm&uuml;ckt ist die Tafel, wir wollen uns niederlassen,
+Freunde!</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Bist du des Spruches gewi&szlig;, so erprobe die Wirkung!</p>
+
+<p class="speaker">W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">K&ouml;stlich ist diese Sch&uuml;ssel und lobt ihren Meister,
+den Koch.</p>
+
+<p class="speaker">H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Angenehme Ger&uuml;che kitzeln den Gaumen.</p>
+
+<p class="speaker">DER S&Auml;NGER:</p>
+
+<p class="stanza">Frieden &uuml;ber euch, die ihr genie&szlig;t die Frucht der Felder
+und Gaben der G&auml;rten!</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Die Stimme des S&auml;ngers klingt lieblich und fein.</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Da&szlig; der Braten nicht abk&uuml;hlt! Brote zu reichen verge&szlig;t
+nicht!</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Den verhei&szlig;enen Zauberspruch, Magier! Braust du
+das Wort schon im Hirn?</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Dein Herz schwillt auf in der Finsternis, Leidbegnadete,
+und sprengt die Mauern des Kerkers!</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_19" id="Page_19"></a>H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Wer ist dieser, der uns die S&uuml;&szlig;igkeit des Mahles verg&auml;llt?</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Gebot ich euch nicht, ihr solltet ihn von der Treppe
+jagen?</p>
+
+<p class="speaker">ERSTER DIENER:</p>
+
+<p class="stanza">Stumm vernahm er deinen Befehl und ging nicht
+vom Tor.</p>
+
+<p class="speaker">ZWEITER DIENER:</p>
+
+<p class="stanza">Ein frommer Pilger, erf&uuml;llt von heiliger Wut.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Prophetenworte, Worte heiliger Wut.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">Bleich bist du, mein Lieber, bleich ist dein Antlitz.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Prophetenworte, Worte heiligen Grams.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">Den Spielleuten gib dein Ohr, h&ouml;r&#8217;, wie die Fl&ouml;te vogelhaft
+singt!</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Sprich deinen Spruch, Magier, ehe wir zweifeln an dir!</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Liegt es in deiner Gewalt, das Geheimnis uns zu entschleiern,
+so tu es!</p>
+
+<p class="speaker">DER MAGIER:</p>
+
+<p class="stanza">An seinem Gurt, seht ihr den Schl&uuml;ssel? Wo M&auml;nner
+das Schwert sonst tragen, h&auml;ngt ihm ein Schl&uuml;ssel.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_20" id="Page_20"></a>ERSTER UND ZWEITER RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Wir sehen den Schl&uuml;ssel; erkl&auml;re doch, was er soll,
+was er schlie&szlig;t!</p>
+
+<p class="speaker">DER MAGIER:</p>
+
+<p class="stanza">Die eherne Pforte schlie&szlig;t er, hinter der die Prinzessin
+Girnara einsam vergeht.</p>
+
+<p class="speaker">H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Was k&uuml;ndest du, Magier? Ich h&ouml;rte dich nicht.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Er wird ihn wahren, den Schl&uuml;ssel, kostbares Gut ist
+er ihm.</p>
+
+<p class="speaker">DER MAGIER:</p>
+
+<p class="stanza">Wenn das Wort der Beschw&ouml;rung gewirkt hat, gibt er
+den Schl&uuml;ssel von selbst.</p>
+
+<p class="speaker">H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Versprachst du den Schl&uuml;ssel, Magier, der die eherne
+Pforte aufschlie&szlig;t?</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Den Spruch, Magier, den Spruch!</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Sorgsam tragt die Kr&uuml;ge, sorgsam gie&szlig;t in die Pokale
+den Wein!</p>
+
+<p class="speaker">DER S&Auml;NGER:</p>
+
+<p class="stanza">Freude erbl&uuml;h&#8217; diesem Haus, ein Rasthaus des Gl&uuml;ckes
+sei es!</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Den Spruch endlich, den Spruch!</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_21" id="Page_21"></a>DER MAGIER:</p>
+
+<p class="stanza">Schweigen wird die festliche Runde und jener wird
+sagen, was ihn beschwert und qu&auml;lt.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">In der &Uuml;ppigkeit und im &Uuml;bermut der Gen&uuml;sse l&uuml;gen
+deine S&auml;nger, Volk!</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Warum erhebt sich der Fremdling von seinem Sitz,
+der Magier?</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">Du zitterst vor ihm, dein Auge ist voller Schrecken!</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Still, die Lippen des Magiers formen den bannenden
+Spruch!</p>
+
+<p class="speaker">DER MAGIER:</p>
+
+<p class="stanza">In seine Brust eindringend, bin ich Frage und Antwort
+zugleich.</p>
+
+<p class="speaker">FR&Auml;ULEIN:</p>
+
+<p class="stanza">Eine Wolke ist um den Magier, dunkel wird seine Gestalt.</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Ich gewahr&#8217; ihn nicht mehr, seht, er zerrinnt in der Luft!</p>
+
+<p class="speaker">H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Seht, der Platz, wo der Magier gewesen ist, ist leer!</p>
+
+<p class="speaker">FR&Auml;ULEIN:</p>
+
+<p class="stanza">Die Lichter scheinen nicht mehr, im Saale d&auml;mmert&#8217;s.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Klage, lieblos Unliebender, um dich und die Gattin!</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_22" id="Page_22"></a>DER W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Warum ist es dunkel im Saale? Z&uuml;ndet noch Lichter an!</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Die Lichter wollen nicht brennen, Mauern und S&auml;ulen
+wanken.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">Halte dich, Lieber, gib mir die Hand!</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Siehst du den Magier nicht mehr?</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Warum haben die Spielleute aufgeh&ouml;rt zu spielen?</p>
+
+<p class="speaker">FR&Auml;ULEIN:</p>
+
+<p class="stanza">Mir ist Angst, nehmt mir die Angst von der Brust!</p>
+
+<p class="speaker">DER W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Was bedeutet die Stille? Die Spielleute sollen
+spielen!</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Warum schweigen die Spielleute? Warum ist der
+S&auml;nger verstummt?</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES MAGIERS:</p>
+
+<p class="stanza">Sprich, der verraten hat, sprich, der verraten ward!</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Da ich denn sprechen mu&szlig;, so h&ouml;rt mich.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Still, ihr alle, vernehmt, was Prinz Siho k&uuml;ndet!</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_23" id="Page_23"></a>STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Gib Kunde von ihr, der Lebendigen in der Finsternis!</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES MAGIERS:</p>
+
+<p class="stanza">Gib Kunde der Welt, Kunde den Freunden, Kunde
+dir selbst!</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Seid still und lauscht, was der Eidam des K&ouml;nigs euch
+k&uuml;ndet!</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Uneins mit dem Vater, versto&szlig;en aus meinem Land,
+kam ich &uuml;ber die Gebirge in dieses. Ich leistete dem
+K&ouml;nig Heeresgefolgschaft, ihr wi&szlig;t es, und schwor
+ihm den Treueid.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">Du hast ihm gedient wie ein Sohn und ein Knecht,
+sie wissen es.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE UND DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Wir wissen es.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES MAGIERS:</p>
+
+<p class="stanza">Vergissest du, da&szlig; dich der Ehrgeiz anfra&szlig; und Sorge
+um ungen&uuml;genden Lohn in deinen N&auml;chten brannte?</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Der Ehrgeiz fra&szlig; mich an und Sorge um ungen&uuml;genden
+Lohn brannte in meinen N&auml;chten.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">Sie biegen sich &uuml;ber die Tafel; h&uuml;te dein Wort, sie essen
+und trinken nicht mehr vor Begierde, zu h&ouml;ren.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_24" id="Page_24"></a>SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Ein m&auml;chtiger Odem befiehlt mir, zu reden.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">H&uuml;te dein Wort!</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Dem K&ouml;nig mich zu verbinden sann ich; von der Prinzessin
+Girnara tr&auml;umte ich mit wachen und schlafenden
+Augen.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES MAGIERS:</p>
+
+<p class="stanza">Hast du nicht Eidam des K&ouml;nigs zu werden getrachtet
+und der Erste beim Thron?</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Eidam des K&ouml;nigs wollte ich werden und der Erste
+beim Thron.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Ihr vernehmt es alle?</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER, H&Ouml;FLING UND DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Wir haben&#8217;s vernommen.</p>
+
+<p class="speaker">DER W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Z&uuml;ndet Lichter an, es ist dunkel geworden.</p>
+
+<p class="speaker">HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Lichter, ihr Faulen, z&uuml;ndet die Lichter an!</p>
+
+<p class="speaker">ERSTER DIENER:</p>
+
+<p class="stanza">Verzeiht, ich kann mich nicht von der Stelle r&uuml;hren.</p>
+
+<p class="speaker">ZWEITER DIENER:</p>
+
+<p class="stanza">Herr, die Beine gehorchen nicht mehr deinem Befehl.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_25" id="Page_25"></a>HAUSMEIER:</p>
+
+<p class="stanza">Gnaden, die Zunge lahmt mir im Mund, es ist schlimmer
+Zauber geschehen.</p>
+
+<p class="speaker">DER W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Wehe, was geht denn vor?</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Schweigen geziemt sich, wenn der Verirrte den Irrweg
+bekennt.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">O Leidumbrandete, Angstverwirrte, dir naht der Erhabene
+bald!</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Vom Feldzug kehrt&#8217; ich zur&uuml;ck, hatte die Feinde geschlagen,
+da bot mir der K&ouml;nig die Hand der Prinzessin
+an.</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Niemand hat die Prinzessin mit Augen je gesehen.</p>
+
+<p class="speaker">H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Niemand wei&szlig; mehr von ihr als ihren Namen.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES MAGIERS:</p>
+
+<p class="stanza">Trankst du den Namen und umgabst ihn mit Ehrgeizflammen,
+den Namen allein?</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Den Namen allein umgab ich mit Ehrgeizflammen und
+trank ihn wie seligen Trunk und fiel zu des K&ouml;nigs
+F&uuml;&szlig;en nieder und k&uuml;&szlig;te dankbar den Saum seines
+Kleides.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_26" id="Page_26"></a>STIMME DES MAGIERS:</p>
+
+<p class="stanza">F&uuml;hrte er dich in den Tempel der siebzehn S&auml;ulen, wo
+die Verschleierte harrte?</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Die Verschleierte harrte im Tempel der siebzehn S&auml;ulen
+und ich sah nicht ihr Antlitz, nicht ihre Hand, und der
+Priester schlo&szlig; das ewige B&uuml;ndnis.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">Es ersch&uuml;ttert dich das Gedenken, du gibst ihnen
+&Uuml;berf&uuml;lle des Herzens.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Ein m&auml;chtiger Odem befiehlt mir zu reden; la&szlig; es mich
+sagen, da&szlig; ich des Grauens entledigt werde.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES MAGIERS:</p>
+
+<p class="stanza">Und in der Nacht des obern Gew&ouml;lbes hast du die
+Gattin erblickt.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Das Grauen verwehrt mir die Worte. Die Gattin hab&#8217;
+ich erblickt.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Die Gefangene im obern Gew&ouml;lbe b&uuml;&szlig;t den Frevel des
+Vaters, die rasende Untat.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Das Grauen verwehrt mir zu denken, ich kann es nicht
+denken.</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Sprich, wir flehen dich an, und nimm von mir die Qual
+dieser Stunde!</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_27" id="Page_27"></a>STIMME DES MAGIERS:</p>
+
+<p class="stanza">Rei&szlig; den Schl&uuml;ssel vom Gurt und gib ihn denen, die
+bereit sind, zu schirmen!</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Bitt&#8217;re Gewalt hast du &uuml;ber mich, verborgene Stimme.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">L&ouml;st du den Schl&uuml;ssel vom Gurt und gibst ihn den
+Gierigen preis?</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Gib uns den Schl&uuml;ssel preis, wir wollen das Grauen
+ermessen.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Hier ist der Schl&uuml;ssel zum obern Gew&ouml;lbe, erme&szlig;t die
+Tiefe des Grauens.</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Mir &uuml;berla&szlig; den Schl&uuml;ssel, zu &ouml;ffnen die eherne Pforte.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Nein, ich fa&szlig;t&#8217; ihn zuerst, folge mir nach ins Gew&ouml;lbe.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Bin ich oder tr&auml;um&#8217; ich? Verriet ich oder ward ich
+verraten?</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">Bist Opfer von vielen, Opfer von dir und ersehntem Bild.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Entschlossen war ich zur Liebe, Sehnsucht zerbrach
+am Gr&auml;&szlig;lichen. Schuld ward geh&auml;uft, die ich nicht
+wu&szlig;te, Leiden, das unbekannt. Frei gewesen, bin ich
+<a name="Page_28" id="Page_28"></a>Sklave geworden, echt gewesen, bin ich besudelt,
+stark gewesen und jetzt ohne Nerv, furchtlos gewesen,
+nun mit dem Grauen im Blut.</p>
+
+<p class="speaker">DER FREUND:</p>
+
+<p class="stanza">Verh&auml;ngnis fiel &uuml;ber dich.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Wo ist meine Schuld?</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES MAGIERS:</p>
+
+<p class="stanza">Schuld ist Blutqual geworden.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Wozu der Traum?</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES MAGIERS:</p>
+
+<p class="stanza">Traum war Laster und L&uuml;ge.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Stimme ohne Erbarmen!</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME, H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Die Ritter sind fortgeeilt.</p>
+
+<p class="speaker">FR&Auml;ULEIN:</p>
+
+<p class="stanza">Sie sind mit dem Schl&uuml;ssel ins obere Gew&ouml;lbe.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Fahr&#8217; ein zur inneren Meeresstille, Neubeseelte!</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Stimme des Trostes, wo kommst du her?</p>
+
+<p class="speaker">DER W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Finsternis w&uuml;rgt mich schon, eure Hand, euern Arm!</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_29" id="Page_29"></a>STIMMEN DER G&Auml;STE:</p>
+
+<p class="stanza">Weh uns! Weh uns!</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES MAGIERS:</p>
+
+<p class="stanza">Weh euch! Weh euch!</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES S&Auml;NGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Weh uns Verlorenen!</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Ist anders das Leben und anders der Leib? Heil dir,
+Siegreich-Vollendeter!</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Wahrerer Traum beginnt. Licht schwillt auf.</p>
+
+<p class="speaker">STIMMEN:</p>
+
+<p class="stanza">Weh uns! Weh uns!</p>
+
+<p class="speaker">FERNE STIMMEN:</p>
+
+<p class="stanza">Heil uns! Heil uns!</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Licht schwillt vom obern Gew&ouml;lbe her!</p>
+
+<p class="speaker">FERNE STIMMEN:</p>
+
+<p class="stanza">Die Erde bebt im Hauch des Erhabenen, &Uuml;bergewaltigen!
+Heil dir, Siegreich-Vollendeter!</p>
+
+<p><a name="Page_30" id="Page_30"></a></p>
+
+<hr style="width: 65%;" /><p><a name="Page_31" id="Page_31"></a></p>
+<h2><a name="LEGENDE" id="LEGENDE"></a>LEGENDE</h2>
+
+<p><a name="Page_32" id="Page_32"></a></p>
+<p><a name="Page_33" id="Page_33"></a></p>
+<p class="staged">Das obere Gew&ouml;lbe. Kolossales Gem&auml;uer.<br />
+Eine einzige Fackel.<br />
+</p>
+
+<p><a name="Page_34" id="Page_34"></a></p>
+<p class="speaker"><a name="Page_35" id="Page_35"></a>DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Vergebens ruf&#8217; ich nach denen, die mir geh&ouml;ren.</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Drei Tage lang sah ich die Sonne in siebzehn Jahren.</p>
+
+<p class="speaker">DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Das Blut will hinaus, hat Meer und Sterne noch nicht
+vergessen.</p>
+
+<p class="speaker">DIE SCHWARZE SKLAVIN:</p>
+
+<p class="stanza">Tief schl&auml;ft die Herrin.</p>
+
+<p class="speaker">DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Ist nie ein Schlaf; Unheimliches ist es, das droht und
+schweigt.</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Auf dem Weg hieher vom Gestade des Geiersees, da
+schien die Sonne.</p>
+
+<p class="speaker">DIE SCHWARZE SKLAVIN:</p>
+
+<p class="stanza">Die Herrin spricht im Schlaf.</p>
+
+<p class="speaker">DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Ist nie ein Traum; Unheimliches ist es, das droht und
+fl&uuml;stert.</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Die Arbeit tut! An den Rocken und spinnt! An den
+Herd und sch&uuml;rt Feuer!</p>
+
+<p class="speaker">DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Gestorben sind die vielleicht, die meines Namens und
+Bluts.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_36" id="Page_36"></a>DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Bist eingeschworen, darfst an Vater und Mutter nicht
+denken.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Einsam wie vor der Geburt, einsamer noch, seit du
+kamst.</p>
+
+<p class="speaker">DIE SCHWARZE SKLAVIN:</p>
+
+<p class="stanza">H&ouml;rt ihr es, die Herrin klagt aus dem Schlummer.</p>
+
+<p class="speaker">DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Die F&uuml;rchterliche, da&szlig; sie nicht ruft und sich
+zeigt!</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Die Arbeit tut! An den Rocken und spinnt, an die
+T&ouml;pfe und kocht!</p>
+
+<p class="speaker">DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Sag&#8217; mir eines, du Wissende: Kam sie aus Mutterleib
+so mit dem fleischlosen Totenhaupt?</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Kam aus Mutterleib so. Mit dem fleischlosen Totenhaupt
+und der gesprenkelten Haut.</p>
+
+<p class="speaker">DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Schauerlich, sie zu sehen! Mensch nicht und Weib nicht
+und doch mit Stimme und Blick.</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Zehntausend Waisen lie&szlig; der K&ouml;nig erschlagen im
+sakkischen Eichwald. Daher der Fluch.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_37" id="Page_37"></a>DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Und half nicht Ahnenmesse und Feueropfer?</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Zehntausend Waisen lagen zerschmettert, als die K&ouml;nigin
+Sirdar in Wehen schrie.</p>
+
+<p class="speaker">DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Daher der Fluch, du Wissende, daher das Grauen.</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Ist unab&auml;nderlich, n&uuml;tzt kein Murren und Beten.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Wann endlich werden Worte schallen, die heilen, wann
+endlich wird der Abgrund leuchten?</p>
+
+<p class="speaker">DIE SCHWARZE SKLAVIN:</p>
+
+<p class="stanza">H&ouml;rt ihr, die Herrin spricht, seht ihr, sie regt sich.</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Fort an den Rocken, fort an die T&ouml;pfe, fort an den
+Herd!</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Gib Kunde von dir, Lebendige in der Finsternis!</p>
+
+<p class="speaker">DIE SCHWARZE SKLAVIN:</p>
+
+<p class="stanza">Die Herrin erhebt sich und lauscht. Was begehrst du,
+Herrin Girnara?</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Woher das s&uuml;&szlig;e Wehen? Woher die tr&ouml;stliche
+Stimme?</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_38" id="Page_38"></a>DIE SCHWARZE SKLAVIN:</p>
+
+<p class="stanza">Die W&auml;lder riefen mir zu. Die Tiere der W&auml;lder schmeichelten
+mir im Traum.</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Drei Tage lang sah ich die Sonne in siebzehn Jahren.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Ein s&uuml;&szlig;es Wehen war, eine tr&ouml;stliche Stimme.</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS HUND:</p>
+
+<p class="stanza">Aus zehntausend Kinderleichen im sakkischen Eichwald
+hab&#8217; ich die Augen geschl&uuml;rft.</p>
+
+<p class="speaker">DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Wissende du, was ist dies? La&szlig; mich hinaus! Was ist
+dies? Mir stirbt die Seele!</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">In die Leidensnacht hat mich der Vater versto&szlig;en, als
+er die Schuld auf sich lud.</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Kann dir nicht auftun das Tor, kein Schl&uuml;ssel ward
+mir vertraut.</p>
+
+<p class="speaker">DIE SCHWARZE SKLAVIN:</p>
+
+<p class="stanza">O das entfleischte Gesicht! Die gesprenkelte Haut
+unserer Herrin!</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS HUND:</p>
+
+<p class="stanza">Seelen der V&auml;ter und M&uuml;tter suchen im sakkischen
+Eichwald noch immer nach Kinderleichen.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_39" id="Page_39"></a>GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Litt ich nicht ohne dich, Stimme der Angst? Schalle
+doch, tr&ouml;stliche, wieder!</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Gib Kunde von dir, Lebendige in der Finsternis!</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS FLEDERMAUS:</p>
+
+<p class="stanza">Tiefer hinein den Stachel, tiefer in Dickicht und Nacht!</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON MIT DEM SPIEGEL:</p>
+
+<p class="stanza">Lange nicht brennend genug, herunter, herunter zum
+Schmerz!</p>
+
+<p class="speaker">DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Wissende du, was ist dies? Ach, mich jammert mein
+selbst!</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Herrin, hast du Befehle? Die beiden vergehen vor
+Furcht.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">W&auml;lzt ihr noch Bl&ouml;cke auf mich, ihr Abgesandten der
+Schw&auml;rze?</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Die Armen, sie bohren die Finger in Fugen der Steine.
+Sieh, sie vergehen vor Furcht!</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS HUND:</p>
+
+<p class="stanza">Schuldige zechen im Saal, Unschuldige wurden gemordet.</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">An den Mauern grinsen Gespenster, die Luft hat giftige
+Zungen. Fort!</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_40" id="Page_40"></a>DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Es zischeln die Schatten, brenzlicher Qualm kocht aus
+den Mauern. Fort!</p>
+
+<p class="speaker">DIE SCHWARZE SKLAVIN:</p>
+
+<p class="stanza">Die Herrin hat kein Ohr f&uuml;r uns, Jfrids reden mit ihr.
+Fort!</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Nimm an die Lehre, Wahnbeladene in deiner Brunnentiefe!</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Leidbeladene bin ich, mein Leid ist mir Sonne und
+Mond.</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON MIT DEM SPIEGEL:</p>
+
+<p class="stanza">Dein Haar ist wie Pferdehaar, gesprenkelt ist deine
+Haut wie das Fell des Tigers.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Der mich w&auml;hlte, hat mich verlassen, der mich gezeugt
+hat, kennt mich nicht.</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS FLEDERMAUS:</p>
+
+<p class="stanza">Tiefer hinein in den Schmerz, tiefer in hauslose
+Nacht!</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Der mich w&auml;hlte, ist ohne mich zum Fest gegangen.
+Wessen bin ich schuldig?</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON MIT DEM SPIEGEL:</p>
+
+<p class="stanza">Deine Arme sind Spinnenarme, deine Augen sind wie
+die Augen der Kr&ouml;te.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_41" id="Page_41"></a>GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Wie erkenn&#8217; ich die Schuld? Wer hat mich so verdammt?</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS FLEDERMAUS:</p>
+
+<p class="stanza">Tiefer hinein in die Qual! Tiefer ins Mark des schw&auml;renden
+Lebens!</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON MIT DEM SPIEGEL:</p>
+
+<p class="stanza">Dein Bildnis halt&#8217; ich dir vor, Abscheu den Blinden noch.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">G&auml;b&#8217; es ein Feuer, auszubrennen die Brust vom Wissen
+der Welt!</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Leidbegnadete, die Stunde bricht an, wo das Herz sich
+dehnt bis zur Grenze des Leibes und &uuml;berschwillt und
+die Mauer des Kerkers sprengt.</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS HUND:</p>
+
+<p class="stanza">&Uuml;belgeborne, dir ist verwehrt, zu sinnen Verwandlung.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Ist mir verwehrt, zu sinnen Verwandlung, so will ich
+mein Leiden lieben und den Siegreich-Vollendeten
+suchen.</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS FLEDERMAUS:</p>
+
+<p class="stanza">Irdisch-Gefesselte, la&szlig; dein Bem&uuml;hen, denn jener wohnt
+in unauffindbaren H&ouml;hen.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Sink&#8217; ich zum Grunde nieder, f&uuml;hl&#8217; und umschling&#8217; ich
+das g&ouml;ttliche Wesen.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_42" id="Page_42"></a>DER D&Auml;MON MIT DEM SPIEGEL:</p>
+
+<p class="stanza">Mi&szlig;gestaltete, hoffe nicht, die Seele ist eingegittert
+im Fluch.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">So will ich trotz Kerker und Fessel wandern Meile um
+Meile, steigen Stufe um Stufe, erfahren Schmerz um
+Schmerz, alles Elend der Erde, alle Verzweiflung der
+Herzen, allen Sturm der Verdammten, schmecken die
+Tr&auml;nen, lauschen den Seufzern der schuldlos Gerichteten,
+schuldlos Gemordeten, hingeben alles, was mein
+ist, alles, was mein noch werden k&ouml;nnte, letztes Gericht,
+letzten Lohn, letztes Wort der Gnade, bis innere Meeresstille
+mir den Erhabenen bringt.</p>
+
+<p class="speaker">GEISTERSTIMME:</p>
+
+<p class="stanza">Erst am Ende des Wollens gebiert sich die sch&uuml;tzende
+Flamme.</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS HUND:</p>
+
+<p class="stanza">Was zw&auml;ngt sich durch die Gew&ouml;lbe? H&ouml;rt ihr den
+silbernen Ruf?</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">So end&#8217; ich zu wollen und frage nur, zu welchem Opfer
+ich noch gefordert, zu welcher S&uuml;hne ich noch bestimmt,
+zu welcher Einsamkeit ich noch verurteilt bin.</p>
+
+<p class="speaker">GEISTERSTIMME:</p>
+
+<p class="stanza">Erst am Ende des Fragens beginnt das heilige Wissen.</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS FLEDERMAUS:</p>
+
+<p class="stanza">Was zw&auml;ngt sich durch die Gew&ouml;lbe? Seht ihr den
+Scharlachschein?</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_43" id="Page_43"></a>GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">So end&#8217; ich zu warten und harre auf s&uuml;&szlig;eres Dasein,
+leibesledig und stumm.</p>
+
+<p class="speaker">GEISTERSTIMME:</p>
+
+<p class="stanza">Erst am Ende des Harrens erf&uuml;llt sich die h&ouml;here
+Sendung.</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON MIT DEM SPIEGEL:</p>
+
+<p class="stanza">Was zw&auml;ngt sich durch die Gew&ouml;lbe? Sp&uuml;rt ihr den
+weltlosen Hauch?</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">So ruh&#8217; ich in gl&auml;ubiger Ruhe, nicht wollend, nicht
+fragend, nicht harrend.</p>
+
+<p class="speaker">GEISTERSTIMME:</p>
+
+<p class="stanza">Ruhe in gl&auml;ubiger Ruhe, mit all deinen Sinnen bereit.</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS HUND:</p>
+
+<p class="stanza">Mit Scharlach f&auml;rbt sich die Kuppel, es f&auml;rbt sich der
+Estrich, ihr Br&uuml;der, entflieht!</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS FLEDERMAUS:</p>
+
+<p class="stanza">Es zittern die Quadern, gebietende Flamme steigt auf,
+ihr Br&uuml;der, entflieht!</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON MIT DEM SPIEGEL:</p>
+
+<p class="stanza">Ich seh&#8217; ihn nahen, den Leiter der M&auml;nnerherde, den
+Meister der G&ouml;tter und Menschen, ihr Br&uuml;der, entflieht!</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON ALS HUND:</p>
+
+<p class="stanza">Es naht der Erwachte, naht der Erhab&#8217;ne, naht der
+Vollkommene!</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_44" id="Page_44"></a>DER D&Auml;MON ALS FLEDERMAUS:</p>
+
+<p class="stanza">Es naht der Kenner der Welt, der Wissens- und Wandelsbew&auml;hrte!</p>
+
+<p class="speaker">DER D&Auml;MON MIT DEM SPIEGEL:</p>
+
+<p class="stanza">Es naht der Herrliche, der Siegreich-Vollendete kommt!</p>
+
+<p class="speaker">ALLE DREI:</p>
+
+<p class="stanza">Ihr Br&uuml;der, entflieht!</p>
+
+<p class="speaker">GEISTERSTIMME:</p>
+
+<p class="stanza">Die Unreinen meiden seine Bahn, die Schatten vergehen
+vor ihm.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Fahr&#8217; ein zur inneren Meeresstille, Neubeseelte, Wiedergeborne!</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">O lasurfarbenes Haupt! Du bist in der Welt gegenw&auml;rtig,
+erscheinst sichtbar vor mir.</p>
+
+<p class="speaker">DER SIEGREICH-VOLLENDETE:</p>
+
+<p class="stanza">O K&ouml;nigstochter Girnara, ich wei&szlig;, da&szlig; deine Gedanken
+rein sind und von inniger Hochachtung beseelt.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">O Antlitz unverh&uuml;llt! O ruhevolles Auge!</p>
+
+<p class="speaker">DER SIEGREICH-VOLLENDETE:</p>
+
+<p class="stanza">Dein Haupthaar ist sanft geworden in dieser Stunde,
+und gef&auml;rbt wie Lasur.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">O golden strahlender Leib! Flammengeg&uuml;rtete H&uuml;fte!
+Entz&uuml;cken ist gr&ouml;&szlig;er als Schmerz je war.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_45" id="Page_45"></a>DER SIEGREICH-VOLLENDETE:</p>
+
+<p class="stanza">Deine Arme beben in neuer Wohlgestalt, deine Augen
+sind wie Sterne beim Aufgang.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">In deiner ganzen Herrlichkeit zeig&#8217; dich mir, Erhabener,
+nur f&uuml;r eines Dankes Dauer, weil du da bist, weil die
+Welt dich besitzt.</p>
+
+<p class="speaker">DER SIEGREICH-VOLLENDETE:</p>
+
+<p class="stanza">Freudig bewegt, sei heiter; heiteren Herzens, sei sch&ouml;n
+am Leibe; sch&ouml;n am Leibe f&uuml;hle Seligkeit, der Beseligten
+Gem&uuml;t wird einig.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Ich bin&#8217;s und wei&szlig; es: des Beseligten Gem&uuml;t wird einig.</p>
+
+<p class="speaker">GEISTERSTIMME:</p>
+
+<p class="stanza">Das Schwanken hat er verworfen, der Ungewi&szlig;heit ist
+er entronnen, er zweifelt nicht am Guten, vom Schwanken
+befreit er sein Herz.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Entschwindest du mir schon, Erhabener?</p>
+
+<p class="speaker">GEISTERSTIMME:</p>
+
+<p class="stanza">Des Beseligten Gem&uuml;t wird einig.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Entschwinde mir noch nicht, Seliger, der zu beseligen
+vermag.</p>
+
+<p class="speaker">DER SIEGREICH-VOLLENDETE:</p>
+
+<p class="stanza">Nimm an das Kleine, ans Geringe wende dich gern;
+und wenn du die Wege der Lasttr&auml;ger gehst, so beuge
+<a name="Page_46" id="Page_46"></a>dich nieder und k&uuml;sse ihre Spuren; und liebe; ohne
+Ma&szlig; sollst du lieben; den, der neben dir keucht und
+den, der neben dir jauchzt, und den, der unterm nassen
+Mantel geht, und den, der auf goldener Stufe steht;
+und schaue; schau die vielen Dinge der Welt; liebe dein
+Auge, wenn es schaut, schau die Sterne, schau die
+Rinder; schau die Weisen, schau die Blumen; gib dich
+hin und du wirst sein; sei verloren und du bist sch&ouml;n:
+des Beseligten Gem&uuml;t wird einig.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Entschwunden ist er mir. Die Irdischen kommen, die
+Irdischen &ouml;ffnen das Tor.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Anders ist das Leben, anders der Leib. Heil dir, Siegreich-Vollendeter!</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Fremde Ritter haben das Tor ge&ouml;ffnet.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Dort ist Glanz gewesen, dort war Licht.</p>
+
+<p class="speaker">DIE ALTE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Gnade, Prinzessin, wie bist du sch&ouml;n! Herrliche, wie
+bist du sch&ouml;n!</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Heb&#8217; empor die Fackel! Finster ist&#8217;s im Zimmer der
+Prinzessin.</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Mir bangt vor unserm Tun, unbesonnen scheint mir&#8217;s
+und strafw&uuml;rdig.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_47" id="Page_47"></a>DIE JUNGE DIENERIN:</p>
+
+<p class="stanza">Die Herrin ist sch&ouml;n! Unfa&szlig;licher Zauber hat sich
+begeben.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Siehe, sie ist sch&ouml;n! Verborgen ward sie den Menschen,
+weil sie so sch&ouml;n ist.</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES TORWARTS:</p>
+
+<p class="stanza">Verbrechen geschah! Fremde Ritter haben das Tor
+ge&ouml;ffnet.</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Sie ist sch&ouml;ner als die Sch&ouml;nsten des Landes. In ihrem
+Antlitz ist die Seele der Engel.</p>
+
+<p class="speaker">DER H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Was habt ihr getan, Unsinnige, das verbotene Gew&ouml;lbe
+betreten!</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Kommt mein Gemahl denn nicht, um mich zum Feste
+zu holen?</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Deine Sch&ouml;nheit, Herrin, ist wie die seltenste Bl&uuml;te
+im Mangohag.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Kommt mein Gemahl nicht bald, mich liebreich zu
+begr&uuml;&szlig;en?</p>
+
+<p class="speaker">W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Verbrechen geschah? Wer frevelte wider des K&ouml;nigs
+Gebot?</p>
+
+<p class="speaker">SIHOS STIMME:</p>
+
+<p class="stanza">Wahrer Traum beginnt. Licht schwillt auf.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_48" id="Page_48"></a>STIMMEN:</p>
+
+<p class="stanza">Weh uns! Weh uns!</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Nahet nicht mein Gemahl? Soll ich nicht Schmuck
+anlegen f&uuml;r ihn?</p>
+
+<p class="speaker">STIMMEN:</p>
+
+<p class="stanza">Heil uns! Heil uns!</p>
+
+<p class="speaker">STIMMEN DER DREI DIENERINNEN:</p>
+
+<p class="stanza">Ein Wunder hat sich begeben, unfa&szlig;liches Wunder
+im Hause.</p>
+
+<p class="speaker">DER ERSTE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Ich beuge mich, Herrin, vor dir, ich beuge mich vor
+deiner Sch&ouml;nheit.</p>
+
+<p class="speaker">DER ZWEITE RITTER:</p>
+
+<p class="stanza">Du bist im holdesten Schmuck, Herrin, wenn du gehst,
+wenn du blickst.</p>
+
+<p class="speaker">W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Herrlich sch&ouml;n ist die Herrin! Ein Bote eile zum K&ouml;nig!</p>
+
+<p class="speaker">SCH&Ouml;NE DAME:</p>
+
+<p class="stanza">Ist es wahr, die Prinzessin ist sch&ouml;ner als die Sch&ouml;nsten
+des Landes?</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Strahl der Ahnung, wiesest du mir den richtigen Weg?</p>
+
+<p class="speaker">STIMMEN:</p>
+
+<p class="stanza">Heil uns! Heil uns! Ein Wunder hat sich begeben!</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Bist du gekommen, mein Herr? Ist deine Stirne entw&ouml;lkt?</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_49" id="Page_49"></a>H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Mit rosigem Flor bedecken sich die Gew&ouml;lbe, bl&uuml;hender
+Glanz umflutet die Kuppel.</p>
+
+<p class="speaker">W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Herein ihr alle mit Fackeln und Lampen, da&szlig; &Uuml;berf&uuml;lle
+des Lichtes wird!</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Nieder zur Erde, Wunderbare, vor dir, mit der sich
+Wunder begab!</p>
+
+<p class="speaker">W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Herein, ihr alle, bewillkommt die Herrin. Nieder zur
+Erde, die K&ouml;pfe geneigt!</p>
+
+<p class="speaker">STIMMEN:</p>
+
+<p class="stanza">Heil uns! Heil uns! Der K&ouml;nig! Der Herr!</p>
+
+<p class="speaker">H&Ouml;FLING:</p>
+
+<p class="stanza">Die Drommeten verk&uuml;nden die Ankunft des K&ouml;nigs,
+dreiunddrei&szlig;ig Drommeten!</p>
+
+<p class="speaker">W&Uuml;RDENTR&Auml;GER:</p>
+
+<p class="stanza">Nieder zur Erde, die K&ouml;pfe geneigt!</p>
+
+<p class="speaker">DER K&Ouml;NIG:</p>
+
+<p class="stanza">Boten riefen mich her, Unglaubhaftes raunten sie mir
+in den qu&auml;lenden Schlummer.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Sie ist wie eine G&ouml;ttin, Herr, wie die seltenste Blume
+im Mangohag.</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">G&ouml;ttin bin ich mit nichten; Mensch und diene den
+Menschen. Blume nicht: Leib, der der Liebe gehorcht.</p>
+
+<p class="speaker"><a name="Page_50" id="Page_50"></a>DER K&Ouml;NIG:</p>
+
+<p class="stanza">Du warst ein Schrecken und Fluchbild sterblichen
+Augen: Wie bist du sch&ouml;n geworden?</p>
+
+<p class="speaker">GIRNARA:</p>
+
+<p class="stanza">Der Siegreich-Vollendete hat sich mir gezeigt.</p>
+
+<p class="speaker">DER K&Ouml;NIG:</p>
+
+<p class="stanza">So ist er herabgekommen, der G&ouml;ttliche, und hat
+Freude geschenkt?</p>
+
+<p class="speaker">STIMME DES PILGERS:</p>
+
+<p class="stanza">Fern zieht er hin, der Siegreich-Vollendete, entraten
+der Paarung, fern dem gemeinen Gesetze.</p>
+
+<p class="speaker">DER K&Ouml;NIG:</p>
+
+<p class="stanza">So ist er herabgekommen, der Sanfte, zu l&ouml;sen verj&auml;hrten
+Fluch, die bereute Untat zu nehmen vom qu&auml;lenden
+Schlummer, auszugleichen das &Uuml;bel und Freude
+zu schenken, das B&ouml;se zu heben von der wissenden
+Seele?</p>
+
+<p class="speaker">DER PILGER:</p>
+
+<p class="stanza">Des Beseligten Gem&uuml;t wird einig.</p>
+
+<p class="speaker">SIHO:</p>
+
+<p class="stanza">Hebe mich empor zu dir, Gewordene; ber&uuml;hrend weihe
+den dir Gewordenen.</p>
+
+<p class="speaker">STIMMEN ALLER:</p>
+
+<p class="stanza">Hebe ihn zu dir empor, Gewordene, ber&uuml;hrend weihe
+den dir Gewordenen. Des Beseligten Gem&uuml;t wird einig.</p>
+
+
+
+<hr style="width: 65%;" /><p><a name="Page_51" id="Page_51"></a></p>
+
+<div class="advertisements">
+<h3><a name="anzeigen" id="anzeigen"></a>NEUE
+B&Uuml;CHER UND DICHTER</h3>
+
+<hr style="width: 45%;" />
+
+<p><b>PAUL BAUDISCH:</b> DER PHARIS&Auml;ER
+oder ES LEBE DER TOD. KOM&Ouml;DIE</p>
+
+<p>Kategorie: &raquo;K&uuml;nftige Dramatik&laquo;</p>
+
+<p class="add"><b>ALFRED GR&Uuml;NEWALD:</b> SONETTE
+AN EINEN KNABEN. MIT ZEICHNUNGEN
+VON G. EHRLICH</p>
+
+<p>Bewahrung zeitlos edelsten Erbes</p>
+
+<p class="add"><b>ELISABETH JANSTEIN:</b> GEBETE
+UM WIRKLICHKEIT</p>
+
+<p>Fortf&uuml;hrung, Erf&uuml;llung der besten Tradition</p>
+
+<p class="add"><b>GEORG KULKA:</b> DER STIEFBRUDER</p>
+
+<p>AUFZEICHNUNG UND LYRIK</p>
+
+<p>Ziel der heutigen, Weg der kommenden Dichtung</p>
+
+
+<p><a name="Page_52" id="Page_52"></a></p>
+
+<p class="add"><b>MARTINA WIED:</b> BEWEGUNG</p>
+
+<p>Gedichte f&uuml;r wesentliche Menschen</p>
+
+<p class="add"><b>PAUL BAUDISCH:</b> FRAGMENTE</p>
+
+<p>Ein Buch, das viele andere &uuml;berfl&uuml;ssig macht</p>
+
+<p class="add"><b>DIE BOTSCHAFT:</b> NEUE GEDICHTE
+AUS &Ouml;STERREICH. GESAMMELT UND
+EINGELEITET VON E.&nbsp;A. RHEINHARDT</p>
+
+<p>Eine Repr&auml;sentation des menschlichen und dichterischen
+Wollens in &Ouml;sterreich</p>
+
+<p class="add">Wir bitten, Sonder-Prospekte zu verlangen</p>
+
+<hr style="width: 65%;" />
+
+<p class="center">VERLAG ED. STRACHE</p>
+
+<p class="center">WIEN PRAG LEIPZIG</p>
+</div>
+
+<div class="note"><p>[Transcriber's Note: After proofreading on PGDP-EU
+had been completed, the text has been compared to another eText version,
+based on the same edition of the book prepared by Marina Lukas for the
+<a href="http://www.marinal.de/wassermann/werke_prinzessin.htm">
+&raquo;Projekt Jakob Wassermann&laquo;</a>. This resulting eBook is thus
+believed to be free of transcription errors.</p>
+
+<p>On page 40, <i>Jfrids</i> is possibly a misspelling for <i>Ifrids</i>.
+However, as the word is quite uncommon in German, I decided to stay true
+to the printed book and keep the original spelling.]</p></div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Die Prinzessin Girnara, by Jakob Wassermann
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE PRINZESSIN GIRNARA ***
+
+***** This file should be named 15952-h.htm or 15952-h.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ https://www.gutenberg.org/1/5/9/5/15952/
+
+Produced by Markus Brenner and DP Proofreaders Europe,
+http://dp.rastko.net.
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
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+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
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+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+
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+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+</pre>
+
+</body>
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
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+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
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+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
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+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
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