diff options
| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 04:47:35 -0700 |
|---|---|---|
| committer | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 04:47:35 -0700 |
| commit | e73faa0e3a68a7d0630d633f135e1a1fddedcba2 (patch) | |
| tree | 70aec8ef45857fe83490c0dc87b85e01e29f771b | |
| -rw-r--r-- | .gitattributes | 3 | ||||
| -rw-r--r-- | 15813-8.txt | 4926 | ||||
| -rw-r--r-- | 15813-8.zip | bin | 0 -> 74916 bytes | |||
| -rw-r--r-- | 15813-h.zip | bin | 0 -> 879891 bytes | |||
| -rw-r--r-- | 15813-h/15813-h.htm | 7023 | ||||
| -rw-r--r-- | 15813-h/images/front.jpg | bin | 0 -> 785209 bytes | |||
| -rw-r--r-- | 15813-h/images/front_tn.jpg | bin | 0 -> 29906 bytes | |||
| -rw-r--r-- | LICENSE.txt | 11 | ||||
| -rw-r--r-- | README.md | 2 |
9 files changed, 11965 insertions, 0 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..6833f05 --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,3 @@ +* text=auto +*.txt text +*.md text diff --git a/15813-8.txt b/15813-8.txt new file mode 100644 index 0000000..3d7a36e --- /dev/null +++ b/15813-8.txt @@ -0,0 +1,4926 @@ +The Project Gutenberg eBook, Michelangelo Gedichte und Briefe, by +Michelangelo Buonarroti, Edited by R. A. Guardini + + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + + + + +Title: Michelangelo Gedichte und Briefe + In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini + + +Author: Michelangelo Buonarroti + +Release Date: May 11, 2005 [eBook #15813] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + + +***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MICHELANGELO GEDICHTE UND BRIEFE*** + + +E-text prepared by Wallace McLean, Hagen von Eitzen, and the Project +Gutenberg Online Distributed Proofreading Team + + + +Das Museum Viii. + +MICHELANGELO GEDICHTE UND BRIEFE + +In Auswahl herausgegeben von + +R. A. GUARDINI + +Pan-Verlag, Berlin + +1907 + + + + + + + +[Illustration: Marcello Venusti pinx] + + + + + +Michelangelo hat fast nur Persönlichkeitsgedichte geschrieben. Was er in +jenem Madrigal über sein bildnerisches Schaffen aussprach, + + Mich deucht, stets bild' ich mich, + Und meine doch _ihr_ Antlitz zu gestalten, + +hätte er auch von seinem Dichten -- er mehr als irgend einer -- sagen +können. Mit wenig Ausnahmen erzählen seine Verse, auch wenn er von anderen +spricht, nur von _seinem_ Empfinden, _seinem_ Kämpfen, von den Werten und +Idealen, die _er_ suchte und in den geliebten Menschen verkörpert sah. Er +war, zumal in reiferem Alter, stets mit sich allein, stets ein Mensch, der +einsam mit der eigenen Seele zu ringen, sein edleres Selbst gegen +Leidenschaften zu behaupten hatte, deren Wucht seine Schöpfungen ahnen +lassen; und so liessen ihn die Spannungen in seinem Innern nicht zur Ruhe +dessen kommen, der ein Geschautes schildert. + +Er wusste in seinen Dichtungen fast nur unmittelbar von sich zu sprechen +oder sehnsüchtig die Menschen anzuschauen, anzurufen, in denen er den +Frieden und die Schönheit zu sehen glaubte. Und es will scheinen, als sei +es ihm auch in seiner Liebe nicht gelungen, sich wirklich an den Anderen zu +verlieren, wirklich diesen, wie er war, zu sehen, als habe er auch in ihr +den Genossen eigentlich nicht gefunden. Selbst in den Gedichten an +Vittoria, von der er doch am ehesten hoffen durfte, sie gehe mit ihm den +gleichen Weg, konnten Gedanken wie diese auftauchen: + + Sage mir, Liebe, ob ich die heissersehnte + Schönheit wirklich hier sehe, oder ob drinnen + In meiner Seele sie lebt, und ich der Herrin + Antlitz anschauend verkläre? + +Es ist wie eine Ahnung, dass er auch in den geliebten Menschen nur +Schönheiten sehe, die _er_ ihnen erst verliehen, dass er nur von den +Bildern seiner eigenen Vollkommenheitssehnsucht spreche, wenn er ihre +Hoheit verehre. + +Michelangelos eigene ringende Seele, mehr enthalten seine Dichtungen nicht. + +Dieser Gedanke liegt der Anordnung zugrunde. Sie fasst die Gedichte +zusammen, denen in der Seele ihres Schöpfers gleiche Voraussetzungen +entsprechen, Grundkräfte, Anlagen seines Wesens, Ziele, die er erstrebte, +Werte, die er bejahte und in denen er sein letztes Genügen fand. Die +Ordnung dieser Gruppen untereinander versucht von der Wertung auszugehen, +die Michelangelo selbst an ihrem Inhalt vollzogen hat, indem sie ihn an dem +Bilde des Menschen misst, den er in sich zu verwirklichen strebte. + +Ist dies gelungen, dann bilden die Gedichte eine Reihe, die von relativ +Äusserlichem ausgehend immer mehr zu dem vordringt, was Michelangelo als +sein Wertvollstes und Eigenstes beurteilte. + +Dass bei diesem Versuch die Gefahr der Subjektivität nahe sei, habe ich mir +nicht verhehlt; aber hier schien die beste Möglichkeit zu liegen, aus einer +blossen Aneinanderreihung ein innerlich verbundenes Ganzes zu machen. + +Die Briefe sind chronologisch geordnet. Aus der grossen Zahl mussten sehr +wenige ausgewählt werden. Es sind besonders solche, in denen das +eigenartige Verhältnis des Meisters zur Familie, sein stetes Sorgen und +bereitwilliges Helfen, dann auch seine Stellung zu Freunden und +Auftraggebern zum Ausdruck kommt. + +Als Anhang sind die wenigen erhaltenen Briefe Vittorias an ihn beigefügt. + +Die Übersetzungen der Gedichte sind teils schon vorliegende ältere, deren +Wiederdruck von den Herren Verlegern in liebenswürdiger Weise gestattet +wurde, teils Neuübertragungen von _Bettina Jacobson_.[1] Die Briefe wurden +vom Herausgeber sämtlich neu übersetzt. Der Auswahl gehen einige Kapitel +aus Ascanio Condivis "Leben Michelangelos" voraus, die etwa zehn Jahre vor +seinem Tode unter seinen Augen entstand: eine einfache Fassung, der sich +"die geschnittenen Steine" der Dichtungen vielleicht zu klarerem Schimmer +einfügen. + +Die wiedergegebenen älteren Übertragungen stammen aus: + +Michelangelos Gedichte, übersetzt von Sophie Hasenclever, Leipzig, Dürr +1875. + +Übersetzungen von Hermann Grimm in: Grimm, Leben Michelangelos, Berlin, +Spemann. + +Übersetzungen von Bodenstedt in: Nord und Süd. Bd. 34. + +Übersetzungen von Karl Witte in: Romanische Studien 1871. + +Übersetzungen von Hans Grasberger in: Le Rime di Michelangelo 1872. + + _R. A. Guardini._ + + +"Michelangelo beschränkte sich in seiner Jugend nicht auf Skulptur und +Malerei, sondern er widmete sich auch allen verwandten und ähnlichen +Künsten; und das tat er mit solchem Eifer, dass er sich für einige Zeit +fast völlig der Gemeinschaft der Menschen entzog und nur mit ganz wenigen +Umgang pflegte. Dies brachte ihn in den Ruf eines hochmütigen oder +seltsamen und phantastischen Menschen, und doch waren beide Fehler ihm +gleich fremd. Es war die Liebe zur Tüchtigkeit und die treue Hingabe an die +edlen Künste, die ihn -- wie es vielen ausgezeichneten Männern geschah -- +einsam machten und ihn nur in deren Dienste Genüge und Ergötzung finden +liessen. Darum war ihm die Geselligkeit keine Freude, ja verhasst, denn sie +störte ihn in seiner Gedankenarbeit; war er doch, wie jener grosse Scipio +zu sagen pflegte, nie weniger allein, als wenn er allein war. + +Doch suchte er gerne die Freundschaft derer, die ihm in tüchtigen und +weisen Gesprächen irgendwelche nützliche Frucht boten, oder in deren Seele +ein Strahl des Aussergewöhnlichen aufblitzte ... Eine besondere und grosse +Liebe verband ihn mit der Marchesana von Pescara, deren hoher Geist ihn +gefangen hielt, und die ihm mit ausserordentlicher Liebe vergalt. Von ihr +bewahrt er noch viele Briefe, voll von reiner und süsser Liebe, wie sie aus +so edlem Herzen kommen mussten, und er hat an sie viele gar kunstvolle +Sonette gerichtet, in denen eine innige Sehnsucht lebt. Sie verliess oft +Viterbo oder andere Orte, wohin sie sich zur geistigen Sammlung oder zum +Sommeraufenthalt zurückgezogen hatte, und kam nach Rom, einzig um +Michelangelo zu sehen; und er trug zu ihr solche Liebe, dass ich ihn einst +sagen hörte, er habe nur den Schmerz, dass er sie nicht, als sie aus diesem +Leben schied, auf die Stirn oder den Mund küsste, wie er ihre Hand geküsst +hatte. Und der Gedanke an ihren Tod liess ihn oft im Schmerz gleichsam +erstarren. + +Wie er die Gespräche mit gelehrten Menschen sehr liebte, so fand er auch +Ergötzen am Lesen der Schriftsteller, ob sie nun in Prosa oder in Versen +schrieben, und besonders trägt er Verehrung für Dante, dessen wunderbares +Genie ihn anzieht, und dessen Werke er fast ganz in treuem Gedächtnis +bewahrt. Den Petrarca schätzt er vielleicht fast eben so hoch. Doch +begnügte er sich nicht damit, sie zu lesen, sondern fand auch seine Lust +daran, selbst zu dichten, und manche seiner Sonette legen für die grosse +Kraft seiner Erfindung und seinen reinen Geschmack gutes Zeugnis ab ... +Aber all dies trieb er nur zu seinem Ergötzen und masste sich keinerlei +Sachkenntnis darin an, setzte sich selbst vielmehr stets herab und betonte +seine Unerfahrenheit in solcherlei Künsten. + +Mit gleichem Eifer und gleicher Aufmerksamkeit las er die heiligen +Schriften des Alten und Neuen Testaments und suchte mit stetem Bemühen in +ihren Sinn einzudringen. Gleicherweise studierte er die Werke Savonarolas, +zu dem er stets grosse Zuneigung hatte, und noch bewahrt er im Gedächtnis +den lebendigen Klang seiner Stimme. + +Auch liebt er die Schönheit des Körpers, ist er doch am tiefsten mit ihrem +Wesen vertraut. Ja er liebt sie so sehr, dass sinnliche Menschen, die nur +in unlauterer und unehrenhafter Weise die Schönheit zu lieben vermögen, +Schlimmes von ihm dachten und sagten. Und doch wurde Alcibiades, der +überaus schöne Jüngling, von Sokrates mit der keuschesten Liebe umfasst und +er pflegte zu sagen, so oft er an dessen Seite geruht habe, sei er nie +anders als wie ein Sohn von der Seite des Vaters aufgestanden. Ich habe oft +Michelangelo über die Liebe reden und sich unterhalten hören, habe aber +stets, auch von den übrigen, die dabei waren, vernommen, dass er nicht +anders über die Liebe spreche, als wie bei Plato geschrieben steht. Ich +weiss ja nun nicht, was Plato über diesen Gegenstand sagt; das aber weiss +ich gewiss, dass ich lange seinen vertrauten Umgang genoss und aus seinem +Munde stets nur Worte von strengster Lauterkeit vernahm, die in jedem +Jüngling alle ungeordneten und zügellosen Wünsche niedergezwungen und +ausgerottet hätten. Und dass sein Geist hässliche Gedanken nicht duldete, +kann man auch daraus erkennen, dass er stets nicht nur die +Menschenschönheit liebte, sondern alles Schöne, ein schönes Pferd und einen +schönen Hund, die Schönheit einer Landschaft, eines Berges, eines Waldes, +jede schöne Gegend und jegliches schöne und in seiner Art seltne Ding mit +tiefer und wunderbarer Verehrung anschaute. So entnahm er überall der Natur +das Schöne, wie die Bienen aus den Blüten den Honig sammeln, und legte es +in seinen Werken nieder. Das haben aber alle die getan, die sich in der +Kunst eines grösseren Rufes erfreuten. Jener Meister des Altertums begnügte +sich, um die Venus zu bilden, nicht damit, nur _eine_ Jungfrau zu sehen, +sondern er wollte viele anschauen. Und indem er so von jeder das Schönste +und Vollendetste nahm, schuf er daraus die Göttin. Und so viel steht fest: +wer sich einbildet, er werde auf anderem, als auf diesem Wege, der allein +zur rechten Anschauung führt, Grosses in der Kunst leisten, der täuscht +sich in verhängnisvoller Weise. + +In seinem ganzen Leben beobachtete Michelangelo eine grosse Mässigkeit und +bediente sich, zumal wenn er arbeitete, mehr aus Notdurft als zum Genusse +der Speise. Meist begnügte er sich dann mit einem Stück Brot, das er ass, +ohne die Arbeit zu unterbrechen ... Oft hörte ich ihn sagen: "Ascanio, wenn +ich auch noch so reich war, stets habe ich arm gelebt." Und wie er nie viel +ass, so schlief er auch wenig; pflegte er doch selbst zu sagen, der +Schlummer habe ihm nie gut getan, habe ihm vielmehr fast immer, wenn er +länger geschlafen habe, Kopfschmerzen verursacht. Als er noch von +kräftigerer Gesundheit war, schlief er öfter in Kleidern und Stiefeln -- +dieser bediente er sich, weil er stets am Krampf litt und noch aus anderen +Gründen -- und manchmal liessen sie sich so schwer ausziehen, dass mit den +Stiefeln auch die Haut mitging, so wie es bei der Schlange geschieht, wenn +sie sich häutet. + +Nie geizte er nach Geld, noch strebte er danach, Reichtümer aufzuhäufen; +vielmehr war er zufrieden, wenn er genug besass, um ruhig leben zu +können ... Viele seiner Werke hat er verschenkt und hätte doch durch ihren +Verkauf unermessliche Summen lösen können ... Er war aber nicht nur mit +seinen Werken freigebig, sondern hat auch oft einem armen, doch tüchtigen +jungen Menschen, der sich den Künsten oder der Wissenschaft widmete, mit +seiner Börse geholfen; ich kann das bezeugen, denn mir selbst ist so von +ihm geschehen. Nie war er neidisch auf die Erfolge anderer in seiner Kunst, +und das mehr aus natürlicher Herzensgüte, als weil er von sich selbst eine +hohe Meinung hätte. Er lobte das Gute in allen, selbst in Raffael von +Urbino, mit dem er doch, wie ich oben schrieb, im Felde der Malerei manchen +Kampf ausgefochten hat. Nur hörte ich ihn sagen, Raffael habe seine Kunst +nicht von der Natur erhalten, sondern sie sich durch langes Studium +erworben ... + +Er besitzt ein ausserordentlich treues Gedächtnis, so dass er, der doch, +wie man sehen kann, Tausende von Gestalten gemalt hat, nie auch nur zwei +bildete, die sich ähnlich gesehen, oder die gleiche Haltung eingenommen +hätten. Ich hörte ihn sagen, dass er keine Linie ziehe, ohne zu wissen, ob +er sie bereits einmal gezogen habe; und wenn dies geschehen ist, lässt er +sie nie stehen, falls das Werk für die Öffentlichkeit bestimmt ist. Auch +besitzt er eine ungeheure Kraft gestaltender Phantasie, und daher kommt es +vor allem, dass er stets so unzufrieden mit seinen Werken ist, und sie +stets herabsetzt, denn noch nie schien es ihm, als sei es seiner Hand +gelungen, das Bild zu formen, wie es in seinem Innern aufstieg. Und aus den +gleichen Gründen ist er schüchtern, wie es die sind, die sich in Musse +einem beschauenden Leben hingeben. Nur wenn ihm oder anderen Unrecht +zugefügt wird, oder man seine Rechte verletzt, flammt er in gerechtem Zorne +auf. Dann aber ist die Wucht seiner Abwehr grösser, als bei denen, die man +für mutig hält ..." + + Ascanio Condivi, Leben Michelangelos, + Kap. 62-68. + + * * * * * + + + + + +DICHTUNGEN. + +AN FLORENZ. + + + Nur dich erfreut mein Gram! Sieh, welch Erbarmen + Die holden Frau'n bewegt, dass Qual und Sterben + Zu süss du noch erachtest für mich Armen. + + Wo ist nun Mitleid? Wen zum Schützer werben + Vor Weibes Grimm, wenn Männer sich vernichten, + In Hass und Kampf sich stürzen ins Verderben? + + Du, Amor, sollst wie immer heut auch richten! + Und reiche nur den Bogen ihren Händen; + Bin schuldig ich, dann mag sie mich vernichten. + + Der, welcher schmachtet zwischen Kerkerwänden, + Der, den zum Tod man schleift in wilder Hetze, + An welch ein Tribunal soll der sich wenden? + + Was nützen ihm und mir Recht und Gesetze? + Doch sag', warum lehrt dich mein Lieben hassen? + Wer fasst es, dass dich Fleh'n in Wut versetze? + + Dem Schatten gleicht dein Reiz, in dem erblassen + Die dir sich nah'n; das Herz, das liebewarme, + Muss schauernd sein Verderben hier umfassen. + + Ihr stolzen, stets zum Mord bereiten Arme, + Ihr Augen, spottend der im Netz Verstrickten, + Ihr Hände, höhnisch deutend auf uns Arme, + + Ihr Gaben all, verliehen der Beglückten + Zu hohem Ruhm, nicht schuf euch Gottes Wille, + Um Tod und Schmach zu bringen uns Entzückten! + + Ihr sollt im Spiegel eurer Schönheitsfülle + Den Glanz uns ahnen lassen jener Sphären, + Die noch uns birgt des Staubes Schleierhülle. + + Die ird'sche Schönheit soll uns glauben lehren + An ew'ge Schönheit, göttliche Vollendung; + Und du lebst nur zu töten, zu verheeren! + + Ein Himmelsbote, spottend seiner Sendung, + Verdient den Untergang noch mehr als jene, + Die ihm gefolgt in menschlicher Verblendung. + + Die Liebe zeigt dein Ende mir, du Schöne, + Dass meine Warnung deinen Stolz vernichtet + Und dir ins Auge lockt die Reueträne. + + O fühle doch der Welt dich auch verpflichtet, + Für die so schön geschaffen du; gefallen + Lass dir die Lieder, dir zum Ruhm gedichtet. + + Die Tugend nützt sich selbst nicht nur, nein allen, + Dem Himmel gleich, der Licht am meisten spendet, + Wo sich am dunkelsten die Schatten ballen, + + Du aber hast dich geizig abgewendet; + Wir sterben, du bleibst ungestraft auf Erden; + Nun seht ihr, dass nicht hier das Dasein endet, + + Und dass Gerechtigkeit geübt muss werden + In andern Welten. Weh, dass treue Dienste + Man lohnt durch Qual und tödliche Gefährden! + ---- + +1. Sophie Hasenclever. + + + + +AUF DIE "NACHT" DES BUONARROTI VON GIOVANNI STROZZI. + + + "Die Nacht, die wir in tiefem Schlummer sehen, + Ein Engel schuf sie hier aus diesem Stein, + Und weil sie schläft, muss sie lebendig sein, + Geh, wecke sie, sie wird dir Rede stehen." + + + + + ENTGEGNUNG MICHELANGELOS. + + + "Schlaf ist mein Glück; so lange Schmach und Kummer + Auf Erden dauern, besser Stein zu bleiben, + Nicht sehn, nicht hören bei so schnödem Treiben. + Sprich leise drum und stör' nicht meinen Schlummer." + +2. Sophie Hasenclever. + + + + +FLORENZ UND DIE VERBANNTEN. + + + "Für tausend Liebende bist du geboren + In Engelsschönheit! Schläft der Himmel heute, + Dass du des einen Beute, + Du allen einst geschenkt und nun verloren? + Sind wir, ach fern geboren, + Nicht ganz verschmäht, so lass für uns auch tagen, + Für uns Verbannte deiner Augen Sonnen!" + "Wohlan, nicht sinke euer Mut, ihr Toren, + Denn nicht den grossen Raub lässt grosses Zagen + Geniessen den, der mich zum Schein gewonnen; + Und seht, ist nicht inmitten aller Wonnen + Unfähig zum Genusse sein, viel schlimmer, + Als dulden bei der Hoffnung fernstem Schimmer?" + +3. Sophie Hasenclever. + + + + +AN JULIUS II. + + + Herr, hatte je ein altes Sprichwort Wert, + So hat es dies: Wer kann, der will noch nicht. + Auf hohle Reden legtest du Gewicht + Und hast mit Gunst der Wahrheit Feind geehrt. + + Stets hab' ich mich in deinem Dienst bewährt, + Dein, wie der Sonne ihrer Strahlen Licht; + Doch, wenn ich Zeit verloren, rührt's dich nicht, + Und schaltest mehr, je mehr ich mühbeschwert. + + Mein Hoffen hatt' ich ganz auf dich gestellt, + Nur war ein gutes Schwert und rechte Wage + Mehr angebracht als hohles Echowort. + + Doch wahrer Tugend wert hält diese Welt + Der Himmel nicht, will er, dass Früchte trage + Ein hohler Baum für uns, der schon verdorrt. + +4. Bettina Jacobson. + + + + +AN GIOVANNI DI PISTOJA. + + + Schon wuchs ein Kropf mir bei den Quälerei'n, + Wie's Katzen in der Lombardei geschieht + Vom Wasser, (oder wie man's sonst wo sieht), + Denn in den Bauch drückt schon das Kinn sich ein. + + Der Bart starrt aufwärts, der Gedächtnisschrein + Liegt im Genick; wie bei Harpyien flieht + Die Brust, und übers Antlitz tröpfelnd zieht + Der Pinsel Mosaïken reich und fein. + + Die Lenden sind mir in den Wanst gespannt, + Dagegen ward mein Hinterteil zur Kruppe; + Unsichern Schritts, ein Blinder, wanke ich. + + Vorn nimmt die Haut in Falten überhand, + Und hinten spannt sie über harter Kuppe, + Denn wie ein Syrerbogen krümm' ich mich. + + So geht auch wunderlich + Und falsch das Urteil aus dem Hirn hervor, + Denn schlecht nur fährt ein Schuss aus schiefem Rohr. + + Such' nun, o Freund, hervor, + Was noch für meine toten Bilder spricht! + Schlecht ist mein Platz, zum Malen taug' ich nicht! + +5. Bettina Jacobson. + + + + +SPOTTGEDICHT. + + + So süss wie Mus ist dein Gesicht, o Schöne, + So glatt, als wär' ein Schnecklein drauf spaziert, + Wie Rüben zart; es gleichen deine Zähne + Den Pastinaken, und dein Auge stiert + So wie die Theriakpflanze grün; ich wähne, + Durch solchen Glanz wird selbst ein Papst verführt. + Wie Zwiebeln weiss und blond sind deine Haare! + Erbarm' dich schnell, sonst lieg' ich auf der Bahre! + +6. Sophie Hasenclever. + + + + + + So rasch, so kühn, mit Lug und Trug im Bunde + Ist meine Freundin, dass sie Huld versprochen + Im Augenblick, da sie mein Herz durchstochen, + Und schon das Eisen steckte in der Wunde. + Ach, zu derselben Stunde + Durchwärmt mich Leben, da mich Tod durchschauert! + Die bange Seele trauert, + Denn wenn dies Schwanken dauert, + Besiegt der Tod das Leben. Mehr vernichtet + Das Böse, als das Gute heilt und schlichtet. + +7. Sophie Hasenclever. + + + + + + Genöss' ich mindre Gnade, + Dann reichte wohl zum Leben meine Kraft, + Nun aber ist erschlafft + Durch Zähren, die in Doppelbächen fliessen, + Mein Herz und krank vom Tränenbade. + So muss das hohe Glück die Schwäche büssen! + Kein Weiser will geniessen, + Wozu die Kraft ihm fehlet, + Denn Wonne ohne Mass erdrückt hienieden. + Ein stilles Glück wird spriessen, + Vom Friedenshauch beseelet, + Dem Herzen, das in Demut sich beschieden. + Nicht bringt, was andern ziemt, auch mir den Frieden; + Giebst dem, der nur um kleinen Lohn gebeten, + Das Höchste du, so wird das Glück ihn töten. + +8. Sophie Hasenclever. + + + + + + Wenn sich die Schmerzen, die mein Antlitz trüben, + Dir, teure Herrin, zeigen, + So scheinen sie zu steigen + In gleichem Mass, wie in dem deinen, lieben, + Das frei von Gram geblieben, + Die Reize sich erhöh'n; durch meine Leiden + Will Amor dich Geliebte noch verschönen; + Da Ruhm dir bringt solch Lieben, + So duld' ich denn mit Freuden. + Macht schon mein Gram dich schön, wie erst mein Sterben! + + Und doch, wenn meine Tränen, + Die Glanz und Reiz erhöh'n in deinen Zügen, + Einst durch den Tod versiegen, + So bringt mein Tod statt Ehre dir Verderben. + Nun will ich nicht mehr sterben, + Nein, dulden will ich gern in deiner Nähe, + Denn süss ist Gram, der solche Schönheit nähret; + Wem sie zu schau'n bescheret, + Der trägt ja leicht zugleich ein grosses Wehe. + +9. Sophie Hasenclever. + + + + + + Der goldne Kranz, sieh, wie er voll Entzücken + Das blonde Haar mit Blüten rings umfängt, + Es darf die Blume, die am tiefsten hängt, + Den ersten Kuss auf deine Stirne drücken. + + Wie freudig das Gewand den langen Tag + Sich um die Schultern schliesst und wieder weitet + Am Hals, zu dem das Haar herniedergleitet, + Das dir die Wangen gern berühren mag. + + Sieh aber hier, wie mit verschränkten Schnüren + Nachgiebig und doch eng das seidne Band + Beglückt ist, deinen Busen zu berühren. + + Der Gürtel spricht: Lass mich die Lust geniessen, + Dass ewig meine Haft dich so umspannt -- + Wie würden da erst Arme dich umschliessen! + +10. Hermann Grimm. + + + + + + Weil man wie Seelenzwang, + Erscheint sie auch als Labe, + Die Gunst empfindet, sich gebunden glaubt, + So klagt mein Freiheitsdrang + Ob deiner werten Gabe + Mehr noch, als hätte mich ein Dieb beraubt. + Und kann zum Strahlenhaupt + Der Sonne ungeschwächt kein Auge dringen, + Das doch erstarken müsst' bei solchem Wagen, + So möchte kraftberaubt + Nicht mein Vermögen sein, dir Dank zu bringen. + Oft muss vorm Überfluss der Mangel zagen, + Und jener wieder über diesen klagen: + Denn Liebe will nur solche Freunde nennen, + (Wie selten ach)! die gleich an Glück und Können. + +11. Bettina Jacobson. + + + + +AN GIORGIO VASARI. + + + Mit deinem Griffel, deinen Farbentönen + Hast gleich die Kunst du der Natur gemacht, + Ja übertroffen sie zum Teil an Macht, + Da fähig du, ihr Schönes zu verschönen. + + Doch heut erst wird vollständ'ger Sieg dich krönen, + Dich, der auf höh're Werke jetzt bedacht, + Denn deine Schrift erhellt des Grabes Nacht + Und gibt Unsterblichkeit den Erdensöhnen. + + Ob auch die Kunst oft die Natur bezwungen, + Ob Jahre ihre Werke nicht verletzen, + Sie hindert's nicht, dass alle einst zerstäuben. + + Du aber, Taten singend, die verklungen, + Du, Tote weckend trotz Naturgesetzen, + Wirst du und werden sie lebendig bleiben. + +12. Sophie Hasenclever. + + + + +AN GIORGIO VASARI. + + + Ein Maultier, Kerzen, wahre Zuckermassen! + So über mein Vermögen handelt Ihr, + Dazu die grosse Flasche Malvasier, + Dass ich Sankt Michael muss die Wage lassen. + + Zu schönes Wetter lässt kein Lüftchen blasen: + Das Segel hängt, der Kurs entschwindet mir, + Mein schwaches Schifflein scheint ein Splitter schier, + Den wilden Meeresfluten überlassen. + + Erwäg' ich Eure Gaben, Eure Güte + Und Speis' und Trank und freundliches Bedenken, + Dass man auf Reisen sorglich mich behüte, -- + + Dann würde sich mein Dank auf nichts beschränken, + Selbst wenn ich Euch mich selbst als solchen biete, + Denn eine Schuld bezahlen, heisst nicht schenken. + +13. Bettina Jacobson. + + + + +AUS DEN STANZEN ZUM LOB DES LANDLEBENS. + + +(Michelangelo schildert im ersten Teil des Gedichtes die Reize des +ländlichen Lebens und stellt diesem die Reihe der Laster gegenüber, die dem +Reichen in der Stadt das Leben verbittern: Zweifelsucht, Falschheit, +Schmeichelei, Zwist, Betrug, Lüge, endlich, in den folgenden Stanzen, den +Hochmut, die Missgunst und die sieben Todsünden, ihre Kinder.) + + Der Riese Stolz bläht sich so hoch, dass nimmer + Er uns im Staub gewahrt; manch schöne Stadt + Zermalmt mit plumpen Sohlen er in Trümmer; + Zur Sonne will er schaffen sich den Pfad, + So baut er Turm auf Turm, doch ihren Schimmer + Sah er noch nie, da nur ein Aug' er hat, + Und dies ihm an der Ferse sitzt. Im Wahne + Durchrast die Himmel er gleich dem Orkane. + + Die Berge sind den Sohlen jenes Hünen, + Was uns ein Sandkorn ist. Der Drachen Brut + Birgt sich in seinem Fell und neben ihnen + Erscheint der Walfisch in der Meeresflut + Wie eine Fliege klein. Es schreckt den Kühnen + Nur eins: Wenn sich erhebt der Stürme Wut + Und Staub und Halme wirbelnd aufwärts sendet, + Sein einzig' Auge durch den Qualm ihm blendet. + + Auch eine träge Alte ist ihm teuer, + Die grosse Amme seiner Ungestalt, + Sie nährt in ihm der wilden Kühnheit Feuer, + Sie reizt ihn an zu Frechheit und Gewalt. + Wohnt nicht das Weib bei diesem Ungeheuer, + So birgt es sich im tiefsten Felsenspalt. + Geht müssig er, hockt sie in dunkler Kammer + Und schickt dem Volke Hungersnot und Jammer. + + Im Busen, aus dem alle Übel stammen, + Trägt sie das Zeichen ihres Herrn; die Qual + Des Nächsten mästet sie, sie schrumpft zusammen + Bei andrer Glück, die Gier stillt ihr kein Mahl; + Sie peinigt alle mit des Hasses Flammen + Und liebt, o Wunder, selbst sich nicht einmal. + Ihr Arm ist Eisen, Stein das liebeleere + Das eis'ge Herz; sie schlinget Berg und Meere. + + Und beider Kinder -- sieben sind's -- durchfliegen + Die Welt von Pol zu Pol, ein Höllenchor; + Nur die Gerechten wollen sie bekriegen, + Sie schliessen auf und zu des Abgrunds Tor, + Denn Beute bringen sie nach grossen Siegen; + Unzähl'ge Arme strecken sie hervor, + Um nach und nach die Seelen ganz zu binden + Wie Eupheuranken einen Turm umwinden. + +14. Sophie Hasenclever. + + + + +EPITAPHIEN. + + + O fühlest du mit mir, der hier im Staube + Verschlossen ruht, der Welt entrückt, Erbarmen, + So spare deine Tränen für die Armen, + Die leben, wechselndem Geschick zum Raube. + + * * * * * + + Warum ergreifst du Tod nicht müde Greise, + Warum soll ich in meiner Blüte sterben? + "Weil das, was altert in der Welt Verderben, + Nicht aufschwebt und nicht weilt im Himmelskreise." + + * * * * * + + Nicht mordete mit hoher Jahre Waffen + Der Tod die Schönheit, die der Staub hier deckt, + Er nahm sie schnell, auf dass sie unbefleckt + Zum Himmel kehre, schön wie sie geschaffen. + + * * * * * + + Geboren war ich erst vor kurzer Frist, + Als man mich hier begrub; so schnell entführet + Der Tod mich, dass der freie Geist kaum spüret, + Wie sehr sein Zustand jetzt verwandelt ist. + + * * * * * + + Nicht gab der Himmel meiner Reize Fülle, + Die Vielen er zum Schmuck für mich entriss, + Durch meinen Tod zurück, da ich gewiss + Am jüngsten Tag mich kleid' in gleiche Hülle. + + * * * * * + + Man glaubt mich tot, der ich gelebt zum Frommen + Der Welt, im Busen tragend tausend Seelen, + Die mich geliebt; wie kann mir Leben fehlen, + Da eine Seele nur der Tod genommen? + + * * * * * + + O würden Fleisch und Blut für meine Knochen -- + Dass ich aufs neue lebte -- eure Tränen, + Dann wär' aus Mitleid hart, wer weint; sein Sehnen + Zwäng' mich zurück ins Joch, das ich zerbrochen. + + * * * * * + + Dass ich gelebt, weiss nur mein Leichenstein, + Und denkt ein Mensch an mich, dann dünkt's ihn gar + Wie Traum; so wirkt der Tod, dass das, was war, + Erscheint, als könnt' es nie gewesen sein. + + * * * * * + + Ich, Braccio von Geschlecht, sah, seit in Schmerzen + Zur Welt ich kam, nur kurze Zeit den Tag; + Nun bin ich hier, wo gern ich harren mag, + Leb' ich nur fort in meines Freundes Herzen. + + * * * * * + + War ich im Leben, der ich Staub jetzt bin, + Des Freundes Leben, muss nicht Tod allein, + Nein eifersücht'ge Qual dem Freund es sein, + Stirbt je vor ihm ein andrer für mich hin? + + * * * * * + + Der Bracci Sonne sank hinab ins Grab, + Mit ihr die Sonne der Natur. Nicht Waffen + Bedurft' der Tod, um ihn dahin zu raffen; + Ein Hauch schon bricht die Frühlingsblume ab. + +15. Sophie Hasenclever. + + + + +DANTE. + + + Kein Lob erreicht ihn, denn was könnt' ich sagen, + Da selbst den Blinden er voll Glanz erschienen? + Doch dazu soll die Sprache jetzt mir dienen, + Das Volk, das ihn beleidigt, anzuklagen! + + Ihm, der zum Reich der Seelen, die verloren, + Hinabstieg, ihr Geheimnis zu erraten; + Ihm, dem die Himmelstore auf sich taten, + Verschloss die eigne Vaterstadt die Tore. + + O Vaterland des Undanks! Dir zum Schaden + Hast du ihn ausgestossen! Du, das stets + Die Besten mit dem schwersten Schmerz beladen. + + Nur seinen Namen braucht die Welt zu lesen! + Denn ward ein Mann unwürd'ger je verbannt + Und ist ein Mann so gross wie er gewesen? + +16. Hermann Grimm. + + + + + + Wie kommt's, dass ich nicht mehr mein eigen bin? + Wer ist's, durch den ich mich verlor, + Der, fremd, in mir sich drängte vor, + Mehr gilt in mir als eigner Sinn? + Und wie durchschnitt + Die harte Brust, + Wer mich nicht einmal angerührt? + Wer bist du, Liebe, Qual und Lust, + Die nun mein Herz gefangen führt, + Die durch das Aug' in meine Seele glitt + Und da so masslos wächst und schwillt, + Dass sie an tausend Enden überquillt? + +17. Hans Grasberger. + + + + + + Den Augen gebt zurück, o Fluss, o Quelle, + Das Wasser, nicht entsprungen euren Bronnen, + Die Tränen, die in eure Flut verronnen, + Zu wilder Höhe trieben eure Welle! + + Du trübe Luft, die mir das Licht, das helle, + In Nebel hüllt, verdunkelnd meine Wonnen, + Gib wieder, um die Blicke neu zu sonnen, + Die Seufzer mir, dass es kein Dunst entstelle! + + Die Schritte, Erde, gib zurück den Füssen, + Es sprosse neu das Gras auf meinem Wege; + Gib, Echo, heut zurück mir Klag' und Stöhnen, + + Gebt meinem Aug' ihr Augen, o ihr süssen, + Die Blicke wieder, dass ich lieben möge + Ein andres Weib, da euch verhasst mein Sehnen. + +18. Sophie Hasenclever. + + + + + + So kehren wirklich die befreiten Seelen, + Auf kurz bemess'ne Zeit, + Zurück in anderm Kleid, + Dass Leben sie und Tod von neuem wählen? + Wird strenge im Befehlen, + Wie einst, die Liebste nah'n, + Noch ganz von ihrem alten Reiz umflossen? + Fast möcht' ich darauf zählen, + Sie zeigte sich alsdann + Ganz ohne Groll, von Milde übergossen. + Und, war ihr Aug' geschlossen, + Hat, neubelebt, sie Mitleid wohl erworben + Mit meinem Tod, -- die selber schon gestorben! + +19. Bettina Jacobson. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Des besten Künstlers herrlichsten Gedanken, + Ein einz'ger Marmor kann ihn ganz enthalten, + Doch muss, will ihn der Meister uns entfalten, + Die Hand dem Geist gehorchen ohne Wanken. + + In dir auch birgt sich Glück und Pein; verdanken + Könnt' ich dir höchstes Heil, doch zu gestalten + Dies Glück, es zu gewinnen, zu erhalten, + Fehlt mir die Kunst; so muss an Gram ich kranken. + + Nicht trägt denn Liebe Schuld an meinen Leiden, + Nicht darf das Schicksal ich zu schmähen wagen; + Kann Heil ich oder Tod von dir erwerben, + + Trägst du im Busen sie und ward von beiden + Mir Tod zuteil, muss ich mich selbst verklagen; + Mein schwacher Geist verschuldet mein Verderben. + +20. Sophie Hasenclever. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Dein leuchtend helles Diadem erringen, + Auf steilem Pfade rauh und lang, + O das vermag im Liebesdrang + Ein Herz voll Demut nur und edler Sitte. + Dir wächst die Kraft, mir werden lahm die Schwingen, + Versagt der Odem auf des Weges Mitte. + O höre meine Bitte: + Obgleich mein Herz sich freut an deiner Ehre, + Und jauchzt, dass deine Tugend so erhaben, + So fleht es dennoch: lenke deine Schritte + Ein wenig nur herab zu mir und wehre + Mir Schwachem nicht, den Geist an dir zu laben; + Wenn minder gross, du Hehre, + Mein Herz dich wünscht, nicht höh'ren Flug will dulden, + O so vergib dir selber mein Verschulden. + +21. Sophie Hasenclever. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Der Freundlichkeit, mit der Ihr mich bedenkt, + Nicht allzu unwert, Herrin, mich zu zeigen, + Wollt ich mit dem, was meinem Geiste eigen, + Erst das erwidern, was Ihr mir geschenkt. + + Bald aber fühlt' ich: da Euch nachzusteigen, + Wohin der Genius Euch empor gelenkt, + Gibt's keinen Weg für mich: verzeiht und denkt, + Wie sehr ich weiss, warum mir ziemt zu schweigen. + + Denn Irrtum wär' mein Glaube, wenn ich dächte, + Dem gleichzutun mit meinem schwachen Werke, + Was von Euch wie des Himmels Gnade regnet. + + Das Feuer fehlt, die Kunst, die es vollbrächte, + Mir Sterblichem, dem kein Versuch die Stärke + Verleiht, mit der der Himmel Euch gesegnet. + +22. Hermann Grimm. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Ach neben dir, die durch zu grosse Wonne + Das Leben mir entreisst, + Wie arm bin ich an Geist, + An Kraft und Kunst! Ja deinen Strahlensegen + Flieht, wie der Blick die Sonne, + Mein blöder Geist; die Flügel möcht' er regen + Weit über sein Vermögen; + Er übertrifft sich selbst, nur deiner kleinsten Spende + Auch wert zu sein; bald aber, ach zum Schaden, + Erlahmt sein Flug, und klar sieht er am Ende, + Nie kann der Dankesschuld er sich entladen, + Für so viel Gnaden! + Je mächt'ger lodern deiner Seele Flammen, + Je mehr sink' ich in toten Staub zusammen. + +23. Sophie Hasenclever. + + + + + + Was ist es, das die Seele mir entzündet? + Ahn' ich der Gottheit Glanz, die Strahlen krönen? + Sah ich auf Erden je ein Bild des Schönen, + Das meine Seele zitternd nachempfindet? + + Blieb mir ein Himmelsstrahl, der nie erblindet, + Von jener Seligkeit, nach der mit Tränen + Sich die verbannten Menschenherzen sehnen, + Die niemals ganz aus dem Gedächtnis schwindet? + + Das, was ich fühl' und schau', das, was mich leitet, + Ist nicht in mir, noch weiss ich, wo es finden! + Zeig' du es mir, denn seit ich dich erschaue, + + Fühl' ich, wie sich in meinem Busen streitet + Ein Ja und Nein, ein bittersüss Empfinden; + Gewiss dein Auge ist es, holde Fraue! + +24. Sophie Hasenclever. + + + + + + "Sprich Amor, ist es Wahrheit, ist's ein Wähnen, + Dass Götterpracht der Herrin Antlitz schmückt, + Oder hat mich ein inn'res Bild entzückt, + Und seh' ich hier den Abglanz jenes Schönen? + + Du weisst es, denn du kamst mit ihr; mein Sehnen + Entfachst nur du, nur du hast mich berückt; + Doch fleh' ich, trotz der Qual, die mich bedrückt, + Nicht mindre diese Flammen, diese Tränen!" + + "Die Schönheit, die du siehst, entstammt der Erde, + Doch wächst ihr Glanz, steigt sie zu höhern Sphären; + Durch deine Augen tritt sie in die Seele, + + Und diese, dass gleich ihr unsterblich werde + Die Schönheit, nimmt sie auf, sie zu verklären; + So laut're Schönheit siehst du, ohne Fehle." + +25. Sophie Hasenclever. + + + + + + O meine Augen, wisst: + Die Zeit vergeht, die Stunde kommt heran, + Wo trüber Tränen Born sich schliesst! + + Gott halt' euch aufgetan, + So lange meiner Herrin Huldgestalt + Auf Erden wallt. + + Schliesst sich der Himmel auf, + Und meine Erdensonne + Lenkt, euch entrückt, den Lauf + Hinan zu aller Sel'gen Wonne, + Was bleibt euch fürder noch zu schauen dann? + +26. Hans Grasberger. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Wenn Kunst, im Stein gestaltend, + Erschaffend und erhaltend, + Dir dauernd Leben gibt durch Menschenhände + Bis an der Zeiten Ende, + Wie könnte erst der Himmel dich verklären, + Der Himmel, göttlich waltend, + Der höh'rer Schönheit Spende + Als Menschenkunst verleiht, wollt' er dir Hehren + Auf Erden schon Unsterblichkeit gewähren! + Doch ach, dein Bild besteht, und du musst sterben? + Wer rächt hier dein Verderben? + Dich räche die Natur, denn sieh, es bleibet + Der Menschen Werk, indes ihr Werk zerstäubet. + +27. Sophie Hasenclever. + + + + +AUF VITTORIA COLONNAS TOD. + + + Als sie, um die viel Seufzer mich verzehren, + Der Erde, meinem Blick und sich entschwand, + Da blieb Natur, die ihrer wert uns fand, + Beschämt zurück, und, der sie sah, voll Zähren. + + Heut wird man nicht den Tod sich rühmen hören, + Ob dieser Sonnen Sonne: ihm entwand + Die Liebe sie: hier lebend festgebannt, + Weilt sie dort oben unter Engelchören. + + Wohl meinte dieser arge, böse Tod: + Verstummen müssten hier die Ruhmesklänge, + Darin man Tugend, Seelenschönheit ehrte. + + Und dennoch spenden jetzt uns die Gesänge + Mehr Lebensglanz, als einst ihr Leben bot: + Der Himmel liess uns, was ihm nicht gehörte. + +28. Bettina Jacobson. + + + + +AUF VITTORIA COLONNAS TOD. + + + Dass nah dem Feuer mich die Glut verzehrte, + Was Wunder? Und, dass jetzt, wo es verglommen, + Ich mich bekümmert fühle und beklommen, + So dass ich nach und nach zu Asche werde? + + Ich sah, wie Flammenschein den Ort verklärte, + Von dem mir all die schwere Pein gekommen, + Doch gab der Anblick schon mir Heil und Frommen, + Der Qual und Tod in Wonne mir verkehrte. + + Jetzt, da der Himmel mir des Feuers Helle, -- + Die mich entzündet, mich ernährte, -- nimmt, + Glüh' ich als Kohle noch im Aschengrabe. + + Schafft mir nicht Amor Feuerstoff zur Stelle, + Bleibt auch kein Fünklein mehr, das weiterglimmt, + Wenn ich zu Asche mich verwandelt habe. + +29. Bettina Jacobson. + + + + +AUF VITTORIA COLONNAS TOD. + + + Um so vollkommne Schönheit nicht von allen + Zurückzufordern, wenn der Tod erschien, + Ward einer sie verliehn: + Der Hohen, Reinen, unter zartem Schleier. + Hätt' allen Sterblichen es Gott gefallen, + Sie zu gewähren, war der Rückkauf teuer. + Ein Hauch ward zum Befreier, + Ein Augenblick, an Dauer kaum gemessen, + Genügte, dass sie Gott + Zurückgeholt: Kein Auge schaut sie wieder! -- + Doch bleiben unvergessen, + Ob auch die Hülle tot, + Uns ihre schönen, heilgen, süssen Lieder. + Lieh Gott an schlimme Brüder + So viel wie ihr, wollt' es zurückerwerben, + Mitleid, gesteh's: Wir alle müssten sterben! -- + +30. Bettina Jacobson. + + + + +AUF VITTORIA COLONNAS TOD. + + + Ward auch schon manches Menschenbild gesehn, + Das aus dem harten Stein mein Hammer bricht, + So steht er doch in Meisters Bann und Pflicht, + Durch den allein kann Schlag und Führung gehn. + + Nur was da göttlich wohnt in Himmelshöhn, + Ist schön durch sich, versendet eignes Licht; + Doch wird ein Hammer ohne Hammer nicht, + Kann Leben auch aus Leben nur erstehn. + + Weil nun der Schlag nur stärker niederfährt, + Je höher wir hinauf den Hammer schwingen, + Flog über mich der deine himmelan. + + So, wenn Gott gnädig Hilfe nicht gewährt, + Kann des Unfert'gen Bildung nur misslingen, + Weil sie kein andrer hier vollbringen kann. + +31. Bettina Jacobson. + + + + +NACH VITTORIA COLONNAS TOD. + + + Versetz' in jene Zeit zurück mich heute, + Wo zaumlos toben mochte blinde Glut! + Gib mir das Antlitz wieder engelgut, + Dem alle Jugendkraft gewelkt zur Seite; + + Die Schritte ohne Zahl in alle Weite, + Die schwer und müh'voll nur das Alter tut, + Dem Busen Feuer gib und Tränenflut, + Willst du noch einmal, Amor, mich zur Beute. + + Denn lebst von Zähren wirklich du, vergossen + In Leid und Lust, was macht den Greis dir teuer, + Der fast am andern Ufer angekommen? + + Schon wehrt der Geist mit himmlischen Geschossen + Sich gegen deinen Pfeil. Das stärkste Feuer, + Es zündet nicht im Holz, das schon verglommen. + +32. Sophie Hasenclever. + + + + + + Ein frohes Herz verschönt, und hässlich macht + Ein traurig Herz; so werd' ich umgestaltet + Durch dich, die meins verwaltet. + -- Nur eins begreif' ich nicht: du müsstest glühen, + Da du die Glut entfacht! -- + Ein Auge klar und helle + Hat für das Schöne mir mein Stern verliehen, + Und willst du mir entziehen + Des Trostes letzte Strahlen, + Wirst du, seh' ich, dir schaden, denn ich meine, + In jedes Bildnis malen + Zugleich mit dem Modelle + Wir Künstler uns hinein; wie wird das deine, + Wenn ich so trostlos weine? + Beglücke mich, dann mal' ich ohne Tränen, + Und du wirst schön und wirst auch mich verschönen. + +33. Sophie Hasenclever. + + + + + + Oft gleicht ein Bild dem Bildner mehr, o Jammer! + Als dem Modell; so bilde + Ich jetzt nur schmerzlich wilde + Entstellte Züge, klägliche Gestalten! + Dich formen will mein Hammer, + Und formt mich selbst, die Stirn voll Schmerzensfalten. + Was könnt' ich auch gestalten, + Da Liebe mich vernichtet, + Als diesen müden Leib voll Angst und Trauer? + Gleicht nicht dem Stein, dem kalten, + Aus dem ihr Bild errichtet, + Die strenge Herrin? Felsen sind nicht rauher. + Die Kunst allein gibt Dauer; + Drum, willst du, dass dein Reiz dich überlebe, + Beglücke mich, dass ich dir Schönheit gebe! + +34. Sophie Hasenclever. + + + + + + Wohl muss ein reiner tücht'ger Sinn sich freuen + An von der Kunst geschaffenen Gestalten, + Die liebe Züg' und Formen aufbehalten + Und Menschen bilden in Wachs, Ton und Stein. + + Wenn dann fühllose Zeiten sie entweihen, + Solch edles Werk zertrümmern und zerspalten, + So wird das Bild sich dennoch in der alten + Schönheit im Geist, der es erfasst, erneuen. + + So ist es deiner Schönheit widerfahren: + Als Bild des Heiles, das den Himmel schmückt, + Hat sie der ew'ge Künstler ausgesendet. + + Verringert sie nun gleich sich mit den Jahren, + Sieht meine Sehnsucht sie nur mehr vollendet, + Der Schönheit denkend, die kein Alter knickt. + +35. Carl Witte. + + + + + + Herrin, wie mag's nur sein -- und doch bewährt + Es die Erfahrung -- dass weit längeres Leben + Dem Bildwerk als dem Bildner wird gegeben, + Des Meisterhand den rohen Stein verklärt? + + Der Schöpfer schwindet das Geschaffne währt, + Kurzlebig muss Natur vor Kunst erbeben, + Ich weiss es, der ich ganz der Kunst ergeben, + Klar sehe, wie die Zeit mit mir verfährt. + + So könnt' ich langes Leben wohl uns beiden + Verleih'n, ob Stein, ob Farbe dir beliebt, + Liess ich ein Bild von uns ganz treu und wahr: + + Dass man noch tausend Jahr nach unserm Scheiden + Säh', wie du schön warst, wie ich dich geliebt, + Und dass mein Lieben keine Torheit war. + +36. Friedrich Bodenstedt. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Nach vielen Jahren, vielem Suchen, Ringen, + Erreicht der Weise erst, nah seinem Ende, + Wie er durch Geist und Hände + Lebendig aus dem Stein ein Bildnis schafft. + Denn zu so hohen Dingen + Gelangt man spät, und bald erlischt die Kraft. + Dein Antlitz, götterhaft, + Hat, lange suchend und nach vielem Irren, + Natur, am Gipfel angelangt, gefunden; + Nun ist sie alt, und ihre Kraft verzehrt. + Darum ist Furchtverwirren + Mit Schönheit oft verbunden, + Das wundersam ein stark Verlangen nährt. + Wer ist's nun, der mich lehrt, + Was besser sei, nachdem ich dich gesehn: + Die höchste Lust? Der Erde Untergehn? -- + +37. Bettina Jacobson. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Was ich in deinem Antlitz sah, beschreibe + Mit Worten nimmer ich; doch was es kündet + Hob oft den Geist, den noch der Körper bindet, + Zu Gott empor aus diesem Erdenleibe. + + Dien' ich dem Spott des Pöbels auch zur Scheibe, + Zeiht er der Regung mich, die er empfindet, + So hoff' ich doch, dass Treue fest gegründet, + Dass keusche Glut so wert wie einst dir bleibe! + + Die ird'sche Schönheit, für den Blick des Weisen + Gleicht sie dem Liebesquell, dem wir entstammen; + Vom Himmel hat die Welt nicht andre Proben, + + Nicht andre Früchte kann die Erde weisen; + Sind treu und keusch nur meiner Liebe Flammen, + Ist süss der Tod und frei mein Flug nach oben. + +38. Sophie Hasenclever. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Ich sehe sanftes Licht mit deinen Blicken, + Mit meinen eignen Augen bin ich blind, + Mit dir im gleichen Schritte wandelnd, sind + Leicht mir die Lasten, die mich sonst erdrücken. + + Von deinen Schwingen mit emporgetragen + Flieg' ich mit dir hinauf zum Himmel ewig; + Wie du es willst: kühn oder zitternd leb' ich, + Kalt in der Sonne, warm in Wintertagen. + + In deinem Willen ruht allein der meine, + Dein Herz, wo die Gedanken mir entstehn, + Dem Geist, in dem der Worte Quell sich findet: + + So kommt's, dass ich dem Monde gleich erscheine, + Den wir soweit am Himmel nur ersehn + Als ihn der Sonne Feuerstrahl entzündet. + +39. Hermann Grimm. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Wenn in zwei Liebenden des Schicksals Walten, + Wenn keusche Lieb' sich gleich und Frömmigkeit, + Wenn einer weinet bei des andern Leid, + Ein Will' und Geist in beiden Herzen schalten; + + Wenn eine Seele lebt in zwei Gestalten, + Verklärt in beiden, sie zu gleicher Zeit + Mit einem Flügel trägt zur Seligkeit, + Ein goldner Pfeil zwei Busen hat gespalten; + + Wenn beide füreinander liebend brennen, + Doch keiner selbst sich liebt, wenn jeder täglich + Zum höchsten Ziel den andern will begeistern, + + Und wenn dies schwacher Abglanz nur zu nennen + Von uns'rer Liebe, sag mir, ist's dann möglich, + Dass Groll das Band löst zwischen solchen Geistern? + +40. Sophie Hasenclever. + + + + + + Durch dich erst kenn' ich mich und aus der Ferne + Streb' ich dem Himmel zu, von dem wir kamen, + Und wie der Fisch geködert wird vom Hamen, + Reichst du mir Speise, und ich komme gerne. + Nur schwach kann ein geteiltes Herze schlagen, + Drum gab ich dir das meine ganz und gar: + Was von mir bleibt, du weisst es, der mich kennt! + Ans Beste nur soll sich die Seele wagen, + Drum muss ich heiss dich lieben, will ich leben! + Denn ich bin Holz nur, du bist Holz, das brennt. + +41. Bettina Jacobson. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Wohl darf mit meiner Liebe heissen Flammen + Gerechte Hoffnung sich zum Himmel schwingen, + Denn wollte unsre Wünsche Gott verdammen, + Warum hiess er die Welt aus Nichts entspringen? + + Wie sollt' ich auch für Höh'res mich entflammen, + Als um der ew'gen Schönheit Ruhm zu bringen, + Von der die Reize, die dich zieren, stammen, + Die keusch und rein'gend jedes Herz durchdringen? + + Trüg'risch ist nur die Hoffnung jener Lust, + Die mit der Schönheit stirbt und stets entflieht, + Weil sie der Züge Wechsel untertan. + + Doch die ist unfehlbar in treuer Brust, + Die um der Hülle Wandlung nicht verglüht; + Durch sie wird uns der Himmel aufgetan. + +42. Carl Witte. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Wäre der Schönheit deiner Augensterne + Das Feuer gleich, das sie ringsum entzünden, + Dann flammte wohl die Welt aus Feuerschlünden, + Es schmölzen selbst des Poles eis'ge Kerne. + + Doch hat der güt'ge Himmel, der sich gerne + Erbarmt des Schwachen, dass wir nicht erblinden, + Die Augen uns umflort, und wir empfinden + Den Glanz nur wie ein Licht in weiter Ferne. + + Nie wird, wie's deinem Reiz gebührt, entbrennen + Der Liebe Glut; nur Stückwerk schau'n wir Toren + Des Ew'gen, lieben das nur, was wir sehen. + + Mich auch bewahrt mein mangelhaft Erkennen, + Die Schwäche nur, dem Menschen angeboren, + Für dich im Flammentode zu vergehen. + +43. Sophie Hasenclever. + + + + + + Ein schönes Antlitz spornt mich himmelan, + Nichts andres freut mich mehr, da schon im Leben + Ich darf empor zu sel'gen Geistern schweben -- + Ein Glück, wie selten es ein Mensch gewann. + + So sehr zum Schöpfer stimmt sein Werk: ich kann + durch Gottgedanken mich zu Gott erheben, + Vom Himmel wird mir Geist und Wort gegeben, + Seit ich erglüht in holdem Liebesbann. + + Drum kann ich von zwei schönen Augen nimmer + Den Blick abzieh'n, als ob zum höchsten Glück, + Empor zu Gott ihr Licht den Weg mir wiese. + + Und fühl' ich mich durchglüht von ihrem Schimmer, + Strahlt mir aus ihrer edlen Glut zurück + Das ew'ge Lächeln sel'ger Paradiese. + +44. Friedrich Bodenstedt. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Ein Schwefelherz in einem strohernen Leibe, + Mit Knochen wie geschnitzt aus dürren Asten, + Ein Flackergeist, der sich der ersten, besten + Hingibt, betört von jedem üpp'gen Weibe; + + Ein Scheinmensch, blind für Höh'res, mürb wie Zunder, + Dergleichen viele auf der Glücksjagd rennen, + Mag lichterloh im Augenblick entbrennen + Gleich wie vom Blitz gerührt; es ist kein Wunder! + + Mir konnte nur die höchste Schönheit taugen, + Zu ew'gen Werken heil'ge Glut zu schüren: + Ihr Glanz allein könnt' mich so hoch erheben. + + Klein schien mein Grösstes mir in deinen Augen; + Ich floh das Volk, dich Einz'gen zu erküren; + Mein Werk gab meiner Liebe ew'ges Leben. + +45. Friedrich Bodenstedt. + + + + + + Das Feuer darf der ems'ge Schmied nicht scheuen, + Sein Eisen neu und kunstvoll zu gestalten; + Mit Kraft des Feuers muss der Meister schalten, + Will er des lautern Goldes sich erfreuen. + + Der einz'ge Phönix kann sich nicht erneuen, + Eh' er verbrennt. So auch in Glutgewalten + Hoff' ich zu sterben, mit den Lichtgestalten + Vereint, die Tod und Zeit nicht mehr bedräuen. + + O süsses Sterben! Selig, wer so brennt! + Wenn ich zu Asche nach und nach verstoben, + Nicht unter Toten leben muss fortan. + + Ja wenn sich von Natur dies Element + Zum Himmel hebt, steig' ich, mit ihm erhoben, + Grad' auf, feurig verwandelt, himmelan. + +46. Friedrich Bodenstedt. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Dein Geist stieg in des Leibes Kerkerzelle + Von dort herab, wohin er einst enteilt, + Dass sich ein Engel, der die Seelen heilt + Und Ruhm der Welt verleiht, uns zugeselle. + + Dein Wesen, nicht die Schönheit sonnenhelle, + Entflammt mich, denn ein Herz, wo Tugend weilt, + Baut niemals seine Hoffnung übereilt + Auf das, was rasch entführt der Zeiten Welle. + + Doch lebt solch' edler Geist in schöner Hülle, + Dann fasst ihn jeder, wie man an der Scheide + Die Klinge kennt, eh' eine Hand sie zückte. + + Nichts in der Welt lehrt so wie Schönheitsfülle + Den Schöpfer lieben! Sieh, es streiten beide, + Natur und Himmel, wer zumeist dich schmückte. + +47. Sophie Hasenclever. + + + + + + Nicht Glück, nicht Gnade wird dem Übeltäter, + So sagt das Volk, das auch für mich es sprach, + Denn seit am eig'nen Selbst ich war Verräter + Um dein zu sein, floh mich das Glück, und ach, + Die Zeit verbeut's, dass gleich dem Phönix später + Zu neuen Sonnen ich mich schwingen mag. + Eins ist mein Trost, dass mehr ich mir gehöre, + Wenn dein ich bin, als wenn nur mein ich wäre. + +48. Sophie Hasenclever. + + + + +DIE NACHT. + + + Der aus dem Nichts, eh' noch die Welt bewohnt, + Die Zeit in Zwiegestalt hervorgebracht, + Er gab der _einen_ hoher Sonne Pracht, + Der _andern_ gab er dann den nahen Mond. + + So wird im voraus jedermann gelohnt, + Glück, Zufall und Geschick ihm zugedacht. + _Mir_ fiel die dunkle Seite zu, die Nacht; + Schon in der Wiege blieb ich nicht verschont. + + Und wie bei dem, der eignem Glücke wehrt, + In tiefrer Nacht mehr Schatten sich verbreiten, + So sorg' und klag' ich, dass ich schlecht gehandelt. + + Doch Trost gibt, dass es meiner Nacht beschert, + Der Sonne deines Tages vorzuschreiten, + Die von Geburt an über dir gewandelt. + +49. Bettina Jacobson. + + + + +DIE NACHT. + + + Jedweder Raum, bedeckt und eingefügt, -- + Was er im Innern auch umschliessen mag, -- + Bewahrt die dunkle Nacht am hellen Tag, + Wo alles sich im Strahlenschimmer wiegt. + + Doch wird sie von der Flamme Glut besiegt, + Verjagt die Sonne, was im Finstern lag, + So bleibt nichts Arges mehr im dunkeln Hag, + Ja, auch ein Glühwurm hätte schon genügt. + + Was in der Sonne treibt an Lebenskraft, + An tausend Keimen, Pflanzen zu erkennen, + Wird durchgepflügt vom starken Ackerknechte. + + Die Nacht hingegen ist's, die Menschen schafft, + Und weil wir ihn der Wesen bestes nennen, + Sind heil'ger als die Tage uns die Nächte. + +50. Bettina Jacobson. + + + + +AN DIE NACHT. + + + O Nacht, du liebe, wenn auch dunkle Zeit, + Die jeder Arbeit stilles Ende bringt, + Wohl sieht und kennt dich, wer dein Loblied singt, + Und wer dich würd'gen kann, der weiss Bescheid. + + Du schläferst ein des Hirnes Müdigkeit, + Wie feuchter Nebel ruhvoll niedersinkt; + Aus Tiefen zu ersehnten Höhen schwingt + Mich oft ein Traum empor, durch dein Geleit. + + Du hemmst und scheuchst zurück, o Todesschatten, + Des Herzens schlimmste Feindin, jede Pein, + Tust, letztes Mittel, tief Betrübten gut. + + Du kräftigst unsre Glieder, unsre matten, + Du trocknest Tränen, wiegst die Sorgen ein, + Und rettest Edle vor Verdruss und Wut. + +51. Bettina Jacobson. + + + + +DIE NACHT. + + + Wenn Phöbus Arme sich nicht strahlend winden + Um dieses kalte, feuchte Erdenrund, + Heisst solche Stunden "Nacht" der Leute Mund, + Weil sie die Sonne dann nicht mehr empfinden. + + Doch ist sie arm und schwach: Schon das Entzünden + Der kleinsten Kerze raubt ihr Leben, und + Ein Zunder an der Flinte macht sie wund, + So dass wir sie gar schnell zerrissen finden. + + Will man noch wirklich Wesenskraft ihr geben, + Muss Phöbus' Kind sie und der Erde sein: + _Sie_ trägt den Schatten, _jener_ gibt ihm Leben. + + Doch, wie's auch sei: Wer lobt, der irrt. Voll Pein, + Verdüstert, muss die Witwe schon erbeben + Vor Eifersucht bei eines Glühwurms Schein. + +52. Bettina Jacobson. + + + + +GESANG DER TOTEN. + + + Wer geboren wird, muss sterben + In der Zeiten Flucht; die Sonne + Duldet jegliches Verderben. + Schnell vergehen Leid und Wonne, + Geist und Wort sind bald verloren; + Alle, die nach uns geboren, + Schatten sind sie, leichter Rauch. + Menschen waren wir ja auch, + Froh und traurig so wie ihr, + Und ihr seht, nun sind wir hier, + Mussten schon zu Staub verderben; + Alle Wesen müssen sterben. + + Unsre Augen konnten schauen, + Aus den Höhlen voll und hell; + Heute sind sie leer, voll Grauen, + Denn die Zeit entführte schnell. + ---- + +53. Bettina Jacobson. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Die Schönheit ward als Vorbild mir auf Erden + Für meinen doppelten Beruf geschenket; + In beiden Künsten sollte sie mir strahlen, + Ein Spiegel, eine Leuchte mir zu werden; + Sie ist es, die zu jenem Ziel mich lenket, + Für das ich einzig meisseln mag und malen. + O törichter, vermessener Gedanke, + Die hohe Schönheit Sinnenlust zu schelten! + Gesundem Geiste zeigt sie Himmelspfade, + Am Staube aber klebt der Blick, der kranke; + Ein reines Auge nur sieht jene Welten, + Die einzig uns erschliesst der Strahl der Gnade. + +54. Sophie Hasenclever + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Nicht schön zu sein, unmöglich ist's dir Schönen, + Nicht gut zu sein, dir Guten! Dein Erbarmen, + Verderblich ist's mir Armen, + Es schmilzt mein Herz in deiner Gnadensonnen + Auflösend sich in Wonnen! + Stirbt eh'r nicht deines Herzens Liebesfülle, + Als deine süsse Hülle, + So duld', ich fleh's mit Tränen, + Dass ich bei dir verweile + Bis du der Welt entronnen! + O dann entrückt mein Sehnen + Der Erde mich, ich eile + Empor zum ew'gen Heile; + Gibt uns der Schöpfer einst am jüngsten Tage, + Den Leib zurück, zu Wonne oder Plage, + Dann nimm mich auf, ob unschön ich geblieben, + Dort gilt ja mehr als Schönheit treues Lieben! + +55. Sophie Hasenclever. + + + + +AN TOMMASO CAVALIERI. + + + Als mir dein Augenstern zuerst erglühte, + Da war's kein irdisch Licht, das mich getroffen, + Schon sah mein Geist entzückt den Himmel offen, + Ein ew'ger Friede zog in mein Gemüte; + + Denn nimmer stillt mein Herz der Anmut Blüte, + Erzeugt aus dieser Erde niedren Stoffen; + Der Schönheit Ursprung ist sein Ziel und Hoffen; + Es fliegt der ew'gen Schönheit zu und Güte. + + Nie hoffe denn ein weises Herz den Frieden + Von jener Blüte, die zu Staub verkehren + Die rauhe Zeit, und Tod, der uns beschieden; + + Wohl mag der Sinne Glut den Greis versehren, + Die Liebe nicht, sie heiligt uns hienieden, + Doch erst der Himmel wird uns ganz verklären. + +56. Sophie Hasenclever. + + + + + + Die Augen, stets der Schönheit zugetan, + Der Geist, ihr hold und auf sein Heil bedacht, + Sie dringen durch die Nacht + Nur an der Hand der Schönheit himmelan; + Denn aus der Sternenbahn + Strömt Glanz vom Firmament, + So klar, dass ihm zu nah'n, + Die Menschenseele brennt, + Und solch Empfinden nennt + Man Liebe hier; ein edles Herz beflügelt, + Entflammt der Blick nur, der den Himmel spiegelt. + +57. Sophie Hasenclever. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Im Herzen nicht ist meiner Liebe Leben; + Das Herz, das irdisch, sterblich ist, enthält + Die ew'ge Liebe nicht, sie lebt gesellt + Dem Wahn, der Sünde nicht, von Schuld umgeben. + + _Mir_ hat die Liebe klaren Blick gegeben, + Die Schönheit _dir_ beim Eintritt in die Welt, + So dass ich selbst in dem, was einst zerfällt, + In deinem Reiz erkenn' der Gottheit Weben! + + Vom ewig Schönen trennt in mir sich nimmer + Die Liebe, wie die Wärme nie vom Feuer; + Was ihm entstammt und gleicht, das möcht' ich schauen! + + Du trägst in deiner Augen sel'gem Schimmer + Das Paradies, wo du zuerst mir teuer, + Und seine Pforten sind mir deine Brauen! + +58. Sophie Hasenclever. + + + + +DANTE. + + + Als Mensch vom Himmel einst herabgestiegen, + Hat Hölle er und Läut'rungsglut gesehn, + Dann bracht' er lebend, aus des Himmels Höhn, + Uns wahres Licht, die wir im Dunkeln liegen. + + Dass du bestrahlt die Stätte meiner Wiegen, + O lichter Stern, ist unverdient geschehn; + Die ganze arge Welt dir zugestehn, + Wär' kleiner Preis: Nur Gott kann dir genügen. + + Von Dante red' ich, dessen Werk verkannt, + Missachtet ward vom Volk, dem undankbaren, + Das stets sich von Gerechten abgewandt. + + Wär' ich wie er! Hätt' ich wie er den wahren, + Tatkräft'gen Geist, und wär' wie er verbannt: + Das schönste Glück der Erde liess' ich fahren. + +59. Bettina Jacobson. + + + + + So viel scheint gross und kostbar, und es blickt + Das Volk drauf hin bewundernd, aber einer + Steht abseits; ihm erscheint es um so kleiner + Und gallenbitter, was sie hoch entzückt. + + Und das sogar: der eitlen unverständ'gen + Gedankenlosen Welt muss er sich fügen, + Muss reden, wie sie spricht und Freude lügen, + Und lächelnd die verborg'nen Tränen bänd'gen. + + Mein Glück ist nur, dass ganz verborgen sei, + Was ich beweine und was heimlich trachtend + Des Herzens Wünsche wollen, die ich hege. + + Blind ist die Welt und nur Verrätern treu, + Ich aber, Hass und Ehre gleich verachtend, + Geh still und einsam weiter meine Wege. + +60. Hermann Grimm. + + + + + Ich bin jetzt vor mir selbst an Wert gestiegen, + Bin lieber mir, seit dich mein Herze hegt; + So wird erst auf den Stein ein Wert gelegt, + Wenn ihn der Künstler formt mit edlen Zügen. + + Und wie der Blick am Blatt sich mag vergnügen, + Mit Schrift und Bild geziert, nach dem nicht frägt, + Das leer und kahl, so kann erst, seit geprägt + In meinen Geist dein Bild, ich mir genügen. + + Als wären Zauber, wären Waffen mein, + So zieh' ich, ohne dass Gefahr mich trifft, + Mit solchem Schutzbrief aus nach allen Winden; + + Stark gegen Feu'r und Wasser werd' ich sein, + Mit meinem Speichel tilg' ich jedes Gift, + Und mache sehend durch dein Bild die Blinden. + +61. Sophie Hasenclever. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Wie sich im unbehau'nen, toten Stein, + Je mehr der Marmor unter'm Meissel schwindet, + Anwachsend immer voll'res Leben findet, + So mag es, edle Frau, mit mir auch sein. + + Was Gutes in mir ist, es hüllt sich ein + Tief in mein eigen Fleisch, und so, umrindet + Vom rauhen, rohen Stoffe, der mich bindet, + Drängt sich zu mir umsonst das Leben ein. + + Zu matt und kraftlos fühl' ich mich allein, + Das Ende naht und Tag auf Tag verschwindet: + Nimm fort, was sich um meine Seele windet! + Ich könnt' es nicht, doch du kannst mich befrei'n! + +62. Hermann Grimm. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Bald auf dem rechten Fuss, bald auf dem linken, + Bald steigend, bald ermüdet zum Versinken, + Hintaumelnd ratlos zwischen Gut und Böse, + Such' ich, wer meiner Seele Zweifel löse; + Denn wem Gewölk verhüllt des Himmels Weiten, + Wie können den des Himmels Sterne leiten? + + Drum sei mein Herz das unbeschrieb'ne Blatt, + Und was das deine aus sich selbst gefunden, + O schreib' es nieder! was in allen Stunden + Die Richtschnur sei, nach der es Sehnsucht hat, + Damit im Irrsal dieser Lebenstage + Mir Antwort werde auf des Lebens Frage: + + Ob die geringere Gnade einstmals finden, + Die demutvoll sich nah'n mit tausend Sünden, + Als die, die stolz auf das was sie getan, + Im Überfluss der guten Werke nah'n? + +63. Hermann Grimm. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Es spricht ein Mann, es spricht ein Gott mit Kraft + Aus eines Weibes Munde, + Und was sie sprach, die Kunde, + Hat mich mir selbst für alle Zeit entrafft. + Seit ich in ihrer Haft, + Mir selbst durch sie genommen, + Fühl' Mitleid ich mit mir, den sie betrauert. + Tief schweigt die Leidenschaft; + Ihr Reiz nur ausgenommen, + Dünkt hohl die Schönheit mich; in Rosen lauert + Der Tod, vor dem mich schauert. + Du, die durch Feu'r und Wasser führt zum Frieden, + O gib mich nie mir selbst zurück hienieden! + +64. Sophie Hasenclever. + + + + +AN VITTORIA COLONNA. + + + Hat Antlitz, Glieder, eines Menschen Sein + Des Künstlers Geist erfasst, den Gott verliehn, + Dazu ein Tonmodell, mit leichtem Mühn + Bringt er dann Leben in den harten Stein. + + So greift, nach roh entworfnen Zeichnerein, + Der klügste, erste unter allen kühn + Zum Pinsel, wählt, was ihm das beste schien, + Nach prüfenden Vergleichen mancher Reihn. + + Auch ich kam als gering' Modell zur Welt, + Doch anders ward ich, besser erst geartet, + Durch Euch, o edle Frau, von hohem Mut. + + Werd' ich gefeilter, höher noch gestellt, + Durch Eure Hand, -- welch Strafgericht erwartet, + Nach solcher Zucht noch meine wilde Glut? + +65. Bettina Jacobson. + + + + + Die Augen kränkt so vieles, was sie schau'n, + Und alles hier muss, ach, mein Herz verletzen; + Wozu noch leben, wär' mit seinen Schätzen + Nicht mein das Herz der edelsten der Frauen? + + Darf auf Verzeihung ich, auf Hilfe trauen, + Entflieh' ich der Gewohnheit Sündennetzen, + Dem bösen Beispiel, dieser Nacht Entsetzen? + Du kommst! Genug, nun darf auf Heil ich bauen. + ---- + +66. Sophie Hasenclever. + + + + + Dem Tod entgegen steu'r ich will'ger nicht, + Als wer mit Widerstreben + Zum Richtplatz folgt dem strafenden Gericht + Und lassen muss sein Leben. + Wie dieser bin dem Tod ich nah' vielleicht, + Falls nicht mein Restchen minder schnell entweicht; + Und dennoch gönnt mir nicht die Minne, + Dass ich ein Stündchen Rast gewinne. + Ich wach' und schlafe zwischen zwei Gefahren: + Kaum dass ich leise Lebenshoffnung fühlt', + Ist tiefer Seelenkummer aufgewühlt, + Weil ich noch Gluten habe zu befahren, + Und weil die Lieb' um so viel minder frommt, + Als spät sie kommt. + +67. Hans Grasberger. + + + + + Ich sehe meine Zukunft wie im Spiegel, + Wenn bald vom Frost und bald von Glut getroffen, + Ich, dem das Grab schon offen, + Voll Scham vergangner Zeiten denken muss. + Gleich blieb sich Lieb' und Hoffen, + Doch weil mit schnellrem Flügel + Die Zeit jetzt flieht, und nah der Freude Schluss + Dem Greise ist, dünkt Schmerz fast der Genuss! + Entweicht denn beide, Lust so wie Beschwerde! + Der Glücklichste ist ja auf dieser Erde, + Wer, ach, auf ihr nur kurze Stunden weilet, + Denn Tod nur ist der Arzt, der alles heilet. + +68. Sophie Hasenclever. + + + + + Der frischen Jugend wird es nicht bewusst, + Wie so ganz anders, Herr, kurz vor dem Ende, + Gedanken, Hoffen, Lieb' und Wünsche werden. + Wächst unsere Seele, bringt's der Welt Verlust; + + Die Kunst reimt mit dem Tod sich nicht zusammen, + Drum, was erwart' ich noch von mir auf Erden? + ---- + +69. Bettina Jacobson. + + + + + Ich leb' der Sünde, leb', um mir zu sterben, + Mein Leben ist nicht mein, von Schuld umstrickt + Gehört's der Sünde. Gott, der gern beglückt, + Gab Segen nur, ich selbst gab mir Verderben. + + Die Freiheit macht' ich, die wir alle erben, + Zur Sklavin, Staub zum Götzen, wahnberückt; + Zu welcher Schmach hab' ich das Licht erblickt! + ---- + +70. Sophie Hasenclever. + + + + + Hier am äussersten Rande des Lebensmeeres + Lern' ich zu spät erkennen, o Welt, den Inhalt + Deiner Freuden, wie du den Frieden, den du + Nicht zu gewähren vermagst, versprichst und jene + Ruhe des Daseins, die schon vor der Geburt stirbt. + Angstvoll blick' ich zurück, nun da der Himmel + Meinen Tagen ein Ziel setzt: unaufhörlich + Hab' ich vor Augen den alten, süssen Irrtum, + Der dem, den er erfasst, die Seele vernichtet. + Nun beweis' ich es selber: den erwartet + Droben das glücklichste Los, der von der Geburt ab + Sich auf dem kürzesten Pfad zum Tode wandte. + +71. Hermann Grimm. + + + + + Mein Lebenslauf gelangt durch Sturm und Wogen + Auf schwankem Boot nun zu dem grossen Port, + Dahin wir alle steuern fort und fort, + Für alles Tun zur Rechenschaft gezogen. + + Wohl merk' ich nun, wie sehr du mir gelogen, + O Phantasie, die du als Herrn und Hort + Die Kunst mir gabst, wie irrig Tat und Wort, + Und wie auch mich manch eitler Wunsch betrogen. + + Was wird aus lang verflog'nem Liebesweben, + Wenn bald der Doppeltod mir nahen soll? + Nicht ahn' ich, was man bei dem zweiten leidet. + + Mir kann nicht Stift noch Meissel Ruhe geben, + Nur Gottes Liebe noch, die mitleidvoll + Am Kreuz die Arme nach uns ausgebreitet. + +72. Bettina Jacobson. + + + + + Ihr meine vielen, irrtumsschweren Träume, + Ihr solltet euch, da sich das Leben neigt, + Zu einem einz'gen formen, der mir reicht + Die Führerhand in lichte Himmelsräume. + ---- + +73. + + + + + Mir raubten Eitelkeiten dieser Welt + Die mir verlieh'ne Zeit, in Gott zu leben, + Der Gunst vergass ich, die er mir gegeben, + Hab' mehr mit ihr, als ohne sie gefehlt. + + Mich machte blind, was andre aufgehellt, + Zu spät erkannt' ich Tor mein irrig' Streben, + Verzagt fleh' ich dich an, den Bann zu heben, + Darin mich noch die Eigenliebe hält. + + Den halben Weg, Herr, wolle mir erlassen, + Der aufwärts führt, doch ohne deine Hand + Fürcht' ich, dass ich auch diesen nicht vollende; + + Lehr' mich, was diese Welt so hoch hielt, hassen, + Auch das, was ich verehrte, köstlich fand, + Dass ew'ges Heil mir sicher vor dem Ende. + +74. Bettina Jacobson. + + + + + Vom Alter und von Sündenlast beschwert, + Von festgewurzelt argem Trieb gehalten, + Droh'n mir des Todes zwiefache Gestalten, + Und oft hab' ich mein Herz mit Gift genährt. + + Auch kann ich, da die Kraft mir nicht beschert, + Nicht Leben, Liebe, Schicksal umgestalten, + Wenn fürder dein erleuchtend göttlich Walten + Nicht leitend, zügelnd mich die Wege lehrt. + + Doch nicht genug, o Herr, wenn es mich treibt, + Dass meine Seele wieder dorthin fahre, + Wo du sie einst geschaffen aus dem Leeren, + + Gib, wenn an ihr nichts Irdisches mehr bleibt, + Dass Reue ihr den halben Weg erspare + Zu seligem und reinem Wiederkehren. + +75. Bettina Jacobson. + + + + + Was nicht ich will, o Herr, das möcht' ich wollen! + Vom heil'gen Brand trennt mich ein Schlei'r von Eis + Und löscht die Glut; nicht passt mein Tun zum Preis + Der Feder; Lügen sind ihr nur entquollen. + + Dem Herrn kann mit der Zunge Lob ich zollen, + Nicht mit dem Herzen! Ach, dass ich nicht weiss, + Welch' Tor der Gnade auftun? Ihr Geheiss + Verjagt allein den Stolz, den ränkevollen. + + Zerreiss', o Herr, den eisigkalten Schleier; + Die Mauer, hart und starr, wirf sie zusammen, + Sie, die dein Licht verbirgt, die Wehr der Sünde. + + Gib deiner schönen Braut dein Himmelsfeuer, + Gib das verheiss'ne Licht, dass ich in Flammen, + Von Zweifeln frei nur einzig dich empfinde. + +76. Sophie Hasenclever. + + + + + Dich lass an jedem Ort mich schau'n! Dein Feuer + Verschlinge jeder Erdenliebe Flammen, + In Gluten brenn' ich dann, die dir entflammen, + So hell wie damals, als die Welt mir teuer. + + Zerreisse du des Irrtums dunkle Schleier, + Die Sünden, die das Herz zur Qual verdammen, + Vernichte sie; o lass ersteh'n zusammen + Vernunft und Kraft und Willen, mein Befreier! + + Der Zeit hast du die Seele übergeben, + Mit hartem Spruch hältst du ein göttlich Wesen + Gefangen in des Leibes Kerkerwänden, + + Nicht ich kann wandeln dies mein sündig Leben; + Nichts ohne dich ist gut in mir, erlösen + Kannst du allein, nur du mein Schicksal wenden! + +77. Sophie Hasenclever. + + + + + Es fühlen Schmerz, es fühlen Trost nicht minder + Die auserwählten Geister, dass erkoren + Du hast für sie den Tod, um zu den Himmelstoren + Den Eingang zu erkämpfen für uns Sünder. + + Sie jauchzen, weil entsühnt die Menschenkinder + Von ihrer ersten Schuld wie neugeboren, + Sie weinen, weil die Nägel dich durchbohren, + Weil Knecht der Knechte wird des Heiles Gründer. + + Der Himmel zeugt für dich, denn in den Lüften + Erlischt das Weltenauge, Berge wanken, + Die Erde birst, das Meer erbraust im Laufe, + + Die grossen Väter steigen aus den Grüften, + Indes die bösen Engel niedersanken, + Der Mensch nur freut sich, den entsühnt die Taufe. + +78. Sophie Hasenclever. + + + + + Erinnrung ist mir lieb, doch mehr beschweret + Sie noch mit Gram das Herz, der Schuld, der frühen, + Gedenkend, will zur Rechenschaft sie ziehen + Für eine Zeit mich, die nicht wiederkehret; + + Lieb ist sie mir, weil vor dem Tod sie lehret, + Dass alle Erdenfreuden treulos fliehen, + Herb, weil vom Himmel Gnad' herabzuziehen + Dem schwer gelingt, der sich so spät bekehret. + + Wie fest wir auch auf die Verheissung bauen, + So ist doch jener Glaube Frevelmut, + Dass leicht des Zögerns Schuld verzieh'n uns Armen; + + Und dennoch tut, verspritzt in Todesgrauen, + Vom Kreuz herab uns kund dein strömend Blut: + So masslos wie dein Schmerz sei dein Erbarmen! + +79. Sophie Hasenclever. + + + + + O Herr, befreit von schwerer Bürde, wende + Ich mich zu dir, die Weltlust gibt mich her; + Ein schwankes Boot, im Sturm auf wildem Meer, + Treib' ich nun müd' an ruhiges Gelände. + + Die Dornenkrone, die durchbohrten Hände, + Dein gütig mildes Antlitz, mitleidschwer, + Verheissen Gnade reu'ger Wiederkehr, + Und trüben Seelen künft'ge Heilesspende. + + Lass deine heil'gen Augen, lass dein Ohr + Nicht richten über mein vergangnes Leben, + Zeig nicht dorthin mit drohender Gebärde. + + Nur reicher ströme mir dein Blut hervor, + Je greiser ich, die Sünden aufzuheben, + Dass schnell mir Hilfe und Verzeihung werde. + +80. Bettina Jacobson. + + + + + +BRIEFE MICHELANGELOS. + + +Übersetzt von R. A. Guardini. + + + + +1. + +AN MEISTER GIULIANO DA SANGALLO AUS FLORENZ, ARCHITEKT DES PAPSTES IN ROM. + + + _Florenz_, den 2. Mai 1506. + +Giuliano! Ich entnahm aus Eurem Briefe, der Papst habe mir meine Abreise +übelgenommen, ferner, dass Seine Heiligkeit jetzt bereit sei, den Betrag zu +erlegen und auch im übrigen alles unserer Abrede gemäss zu erfüllen und +endlich, dass ich ohne Besorgnis zurückkehren solle. + +Über meine Abreise folgendes: Am Samstag der Karwoche hörte ich -- ich sage +Euch die volle Wahrheit -- den Papst im Gespräch mit einem Goldschmied und +dem Zeremonienmeister bei Tisch sagen, er wolle weder für grosse noch für +kleine Steine auch nur noch einen Heller hergeben. Darüber wunderte ich +mich sehr; trotzdem bat ich ihn vor meiner Abreise um einen Teil des +Geldes, das ich zur Weiterführung des Werkes brauchte. Seine Heiligkeit +erwiderte mir, ich solle am Montag wiederkommen. Am Montag kam ich wieder +und kam am Dienstag und am Mittwoch und am Donnerstag, wie sie selbst +bestätigen kann. Endlich, am Freitag, wurde ich hinausgeschickt, nein, +weggejagt. Der mich hinauswies, sagte, er kenne mich wohl, allein er habe +nun einmal den Befehl. Als ich so die Bestätigung der Worte sah, die ich am +Samstag gehört hatte, geriet ich in grosse Verzweiflung. Doch war das nicht +der einzige Grund, weshalb ich Rom verliess. Es war da noch etwas, worüber +ich schweigen will. Nur so viel will ich sagen, dass ich befürchten musste, +wenn ich noch in Rom bliebe, würde eher _mein_ Grabmal, als das des Papstes +aufgerichtet werden. Das war der Grund meiner plötzlichen Abreise. + +Nun schreibt Ihr mir im Auftrag des Papstes; Ihr werdet ihm also diesen +Brief vorlesen. Seine Heiligkeit soll wissen, dass ich mehr als je bereit +bin, das Werk fortzuführen; und wenn sie das Grabmal durchaus haben will, +so kann es ihr gleichgültig sein, wo ich daran arbeite, wenn es nur nach +Ablauf von fünf Jahren, wie wir vereinbart haben, in Sankt Peter an der ihr +genehmen Stelle aufgerichtet und ein schönes Werk ist, wie ich versprochen +habe. Denn dessen bin ich gewiss, wenn es zustande kommt, wird die Welt +nicht seinesgleichen besitzen. + +Wenn also Seine Heiligkeit jetzt das Werk fortzuführen gedenkt, möge sie +mir besagten Betrag hier in Florenz anweisen, an dem Orte, den ich ihr +bezeichnen werde. In Carrara stehen mir viele Marmorblöcke zur Verfügung; +die werde ich hierher schaffen lassen und ebenso die Stücke, die ich in Rom +habe. Dadurch wurden mir zwar viele Kosten entstehen, allein das sollte +mich nicht kümmern, wenn ich nur das Werk hier ausführen könnte. Dann würde +ich die einzelnen Teile gleich nach ihrer Vollendung nach Rom schicken, und +so gut gearbeitet, dass Seine Heiligkeit ebenso zufrieden sein sollte, als +wenn ich in Rom wäre; ja noch zufriedener, weil sie dann ohne weitere +Belästigung bloss die fertigen Werke sehen würde. Für die besagten +Geldsummen und zur Durchführung besagten Werkes werde ich mich ganz so +verpflichten, wie Seine Heiligkeit es wünscht und hier in Florenz jede +geforderte Sicherheit geben. Es mag sein, was es will, ich werde jede +Bürgschaft aufbringen: ganz Florenz wird doch genügen! Und dann noch dies: +In Rom kann ich zu diesem Preise das Werk nicht vollenden; hier hingegen +vermag ich es, weil ich mir vielerlei Erleichterungen verschaffen kann, die +ich dort nicht finde. Ich werde auch besser und mit grösserer Liebe +arbeiten, weil ich dann nicht mehr an so viele Sachen zu denken brauche. +Einstweilen bitte ich Euch, mein liebster Giuliano, Ihr wollet mir Antwort +geben und das bald. Das sei's. + + Euer Michelangelo, Bildhauer. + + + + +2. + +AN GIOVANNI SIMONE DI LODOVICO BUONARROTI IN FLORENZ. + + + _Rom_, [Juli 1508]. + +Giovan Simone! -- Man sagt, dass durch Wohltaten der Gute gebessert, der +Böse aber nur noch schlimmer gemacht wird. Ich habe schon seit Jahren +versucht, Dich durch gutes Wort und gute Tat zu einem rechtschaffenen und +friedlichen Zusammenleben mit Deinem Vater und uns zu bringen, doch Du +wirst immer schlimmer. Ich sage nicht, dass Du schlecht seist; aber Du +führst Dich in einer Weise auf, die weder mir noch den andern gefällt. Ich +könnte Dir eine lange Rede über Dein Betragen halten, allein es würden +nutzlose Worte bleiben, wie alles, was ich Dir bisher gesagt habe. Ich will +Dir darum kurz erklären, dass Du nichts in der Welt Dein eigen nennst. +Lebensunterhalt gebe ich Dir seit geraumer Zeit, und auch das Reisegeld +hast Du von mir erhalten. Um Gottes willen und weil ich glaubte, Du seiest +mein Bruder wie die andern, habe ich Dir all das geschenkt. Jetzt aber +weiss ich, dass Du mein Bruder nicht bist, denn wärest Du es, so würdest Du +meinem Vater nicht drohen. Du bist vielmehr ein Tier, und als Tier werde +ich Dich auch behandeln! Das lass Dir gesagt sein: Wer sieht, wie sein +Vater bedroht oder geschlagen wird, hat die Pflicht, sein Leben für ihn +einzusetzen, und damit genug! Ich wiederhole Dir, dass Du nichts besitzest, +was Dir gehörte, und dass ich bei der ersten schlimmen Nachricht über Dich +auf dem schnellsten Wege nach Florenz komme. Dann will ich Dich über Deinen +Irrtum aufklären und Dich lehren, Dein Gut zu vergeuden und die Häuser und +Grundstücke, die Du nicht durch Arbeit erworben hast, zu Grund zu richten. +Du bist nicht, wo Du zu sein glaubst! Wenn ich hinkomme, will ich Dir die +Augen öffnen, dass Du heisse Tränen weinen und erkennen sollst, auf welchem +Grund Dein Hochmut steht. + +Ich wiederhole Dir: Wenn Du ein rechtschaffenes Leben führen und Deinen +Vater achten und ehren willst, so werde ich Dir wie den anderen helfen und +Euch bald eine schöne Werkstatt bauen lassen. Tust Du das aber nicht, dann +werde ich kommen und die Sache in einer Weise ordnen, dass Du ganz klar +einsehen sollst, was Du bist und was Du hast und es nie mehr vergessen +sollst. Das sei's. Wo es an Worten fehlt, werde ich mit Taten sprechen. + + Michelangelo. + +Ich kann es nicht über mich bringen; ich muss Dir noch einige Zeilen +schreiben. Seit zwölf Jahren gehe ich bettelnd durch ganz Italien, dulde +jede Schmach, ertrage jede Entbehrung, reibe meinen Körper auf in jederlei +Anstrengung, setze mein Leben jeder Gefahr aus, nur um meiner Familie zu +helfen; und dass nun, da ich sie ein wenig in die Höhe gebracht habe, Du es +sein sollst, der in _einer_ Stunde all das zerstört und vernichtet, was ich +in so vielen Jahren harter Arbeit gebaut habe, beim Leib des Heilandes, das +will ich nicht erleben! Mit zehntausend Deinesgleichen will ich fertig +werden, wenn es sein muss! Und nun sei gut, und bring' nicht einen Menschen +auf, der wirklich andere Sorgen im Kopf hat. + + + + +3. + +AN LODOVICO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ. + + + _Rom_, den 20. Januar 1509. + +Liebster Vater! -- Ich habe heute einen Brief von Euch erhalten. Was ich +daraus erfuhr, hat mich sehr geschmerzt. Ich fürchte, Ihr macht Euch mehr +Sorge, als nötig ist. Wie hoch würde sich wohl der Schaden belaufen, den +sie Euch im schlimmsten Falle zufügen könnte? Es wäre mir lieb, wenn Ihr +mir das mitteilen wolltet. Sonst habe ich nichts zu sagen. Es bekümmert +mich, dass Ihr Euch so ängstigt; darum rafft Euch auf und bereitet Euch gut +auf ihre Angriffe vor; beratet Euch, dann aber denkt nicht länger daran. +Denn wenn sie Euch auch alles nähme, was Ihr hier auf Erden besitzet, so +wird es Euch doch nicht an Mitteln zu einem bequemen Leben fehlen, wenn +auch niemand als ich da wäre, für Euch zu sorgen. Deshalb bleibt guten +Mutes! Ich bin noch in grossen Nöten, denn ich habe seit nun schon einem +Jahr keinen Heller mehr vom Papst bekommen; ich bitte ihn auch um nichts, +denn meine Arbeit geht nicht so voran, dass ich etwas beanspruchen dürfte. +Die Arbeit ist eben schwierig und schlägt dazu nicht in mein Fach. So +verliere ich meine Zeit und erreiche nichts. ---- + + Euer Michelangelo. + + + + +4. + +AN BUONARROTO DI LODOVICO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ. + + + _Rom_, [den 17. Oktober 1509]. + +Buonarroto! ---- In Deinem letzten Brief sagst Du, Lorenzo werde hier +durchreisen, und ich solle ihn gut aufnehmen. Mir scheint, Du weisst nicht, +wie ich hier lebe. Doch für diesmal will ich Dir verzeihen und werde tun, +was ich kann. Ich höre, Gismondo will hierher kommen, um seine +Angelegenheit zu ordnen. Sag ihm in meinem Namen, er dürfe nicht auf mich +zählen; wohl ist er mir als Bruder lieb, aber ich kann ihm in keiner Weise +helfen. Ich sollte auf mich mehr Rücksicht nehmen als auf die andern und +kann nicht einmal mir das Nötige beschaffen. Ich bin hier sehr geplagt und +lebe unter grossen körperlichen Entbehrungen, habe keinen Freund und will +auch keinen. Ich habe nicht so viel Zeit, um das Nötigste zu essen, und +will darum von keinerlei Belästigung mehr wissen, könnte auch keine Unze +mehr davon ertragen. + +Seid eifrig in Euerem Gewerbe. Es freut mich, dass Giovansimone sich +gebessert hat. Seht zu, dass Ihr Euren Besitz in gerechter Weise vermehrt +oder erhaltet, damit Ihr später Grösseres unternehmen könnt, denn ich +hoffe, Ihr könnt Euch einst selbständig machen, wenn ich heimkehre, und Ihr +tüchtige Leute seid. Sag Lodovico, dass ich ihm nicht antwortete, weil ich +keine Zeit hatte, und wundert Euch nicht, wenn ich nicht schreibe. + + Michelangelo, Bildhauer. + + + + +5. + +AN LODOVICO ... + + + _Rom_, den 15. September [1510]. + +Liebster Vater! -- Ich habe hier bei Giovanni Balducci dreihundertfünfzig +doppelte Golddukaten eingezahlt, die er Euch in Florenz zustellen soll. +Sobald Ihr daher diesen Brief empfangen habt, geht zu Bonifazio Fazi, und +er wird sie Euch auszahlen. (Dreihundertundfünfzig doppelte Golddukaten.) +Wenn Ihr sie erhalten habt, bringt sie zum Spitalverwalter und sagt ihm, er +solle sie so anlegen, wie er es mit dem früheren Geld getan hat. Es bleiben +dann noch einige Dukaten, von denen ich schrieb, Ihr solltet sie behalten. +Wenn Ihr es noch nicht getan habt, so tut es jetzt; braucht Ihr mehr, so +nehmt, soviel Euch gut dünkt. Ich schenke Euch, was Ihr braucht, und wenn +Ihr die ganze Summe ausgeben wolltet. Wenn es einer Weisung an den +Spitalmeister bedarf, so lasst es mich wissen. + +Durch Euren letzten Brief erfuhr ich, wie Eure Sache steht. Es bekümmert +mich sehr, aber ich kann nichts machen. Doch sollt Ihr Euch nicht +entmutigen lassen und Euch auch kein bisschen grämen, denn wenn das Gut +verloren geht, ist darum doch nicht das Leben verloren, und ich werde so +viel verdienen, dass der Verlust reichlich gutgemacht wird. Doch bedenkt +wohl, Ihr dürft nicht darauf zählen, denn die Erfüllung solcher +Versprechungen ist doch unsicher. Tut gewissenhaft das Eure und danket +Gott, dass diese Prüfung, wenn sie schon kommen soll, doch zu einer Zeit +kommt, da Ihr Euch besser behelfen könnt, als es früher hätte geschehen +können. Gehabt Euch wohl und lasst lieber das Geld fahren, als dass Ihr +Euch Kummer macht. Ich will Euch am Leben haben, und wäre es auch in Armut; +denn mit Eurem Tod möchte ich nicht alles Gold der Welt erkaufen. Und wenn +die Schwätzer dort oder sonst jemand Euch tadeln, so lasst sie reden; es +sind Menschen ohne Gewissen und ohne Liebe. + + Euer Michelangelo, Bildhauer. + + + + +6. + +AN LODOVICO ... + + + _Rom_, [Oktober 1512.] + +Liebster Vater! -- Ihr warnt mich in Eurem letzten Brief davor, Geld im +Haus zu halten oder bei mir zu tragen; dann sagt Ihr mir, man erzähle sich +bei Euch, ich habe Böses gegen die Medici gesagt. + +Nun, das Geld, das ich besitze, habe ich bei Balduccio auf der Bank liegen +und behalte nur das im Haus oder in der Tasche, was ich für den Tag +brauche. Was die Medici angeht, so habe ich nicht anders über sie +gesprochen, als es allgemein und von jedermann geschieht, wie jüngst über +das Geschick von Prato. Und da hätten die Steine geredet, wenn sie sprechen +könnten. Auch sonst wurde hier vielerlei gesagt; wenn ich es hörte, +erwiderte ich stets: Wenn sie wirklich so handeln, tun sie unrecht. Nicht +als ob ich es geglaubt hätte; wolle Gott, dass es nicht so sei! Noch vor +einem Monat haben einige, die mir Freundschaft bezeigen, sehr schlecht von +den Taten der Medici gesprochen. Ich tadelte sie und sagte, sie täten +unrecht, so zu reden, und sie sollten nichts mehr dergleichen in meiner +Gegenwart äussern. Ich wünschte aber, dass Buonarroto vorsichtig in +Erfahrung zu bringen suchte, woher der Betreffende gehört hat, ich rede +gegen die Medici. Vielleicht kann ich dann ermitteln, von wem diese +Gerüchte stammen, und mich in acht nehmen, wenn es vielleicht einer von +denen ist, die sich meine Freunde nennen. Sonst habe ich nichts zu sagen. +Ich bin noch untätig und warte, dass der Papst mir einen Auftrag gibt. + + Euer Michelangelo, Bildhauer. + + + + +7. + +AN BUONARROTO ... IN FLORENZ. + + + _Rom_, den 30. Juli [1513]. + +Buonarroto! ---- Michele erzählte mir, Du habest ihm vorgerechnet, dass Du +in Settignano für uns ungefähr sechzig Dukaten von Deinem Gelde ausgegeben +habest. Ich erinnere mich, dass Du auch hier bei Tisch zu mir sagtest, Du +habest eine grosse Summe aufgewandt. Doch ich stellte mich, als verstünde +ich nicht, wunderte mich aber nicht, denn ich kenne Dich. Ich denke, Du +wirst Dir den Betrag aufgeschrieben haben, um ihn eines Tages von uns +zurückfordern zu können. Ich möchte aber von Dir undankbarem Menschen +wissen, mit welchem Geld Du ihn erworben hast; und ebenso möchte ich +wissen, ob Ihr nicht mehr an jene zweihundertundachtundzwanzig Dukaten +denkt, die Ihr mir von meinem Guthaben in Santa Maria Nuova genommen habt, +an die vielen Hunderte, die ich für Euer Haus und die Familie ausgegeben +habe, und an die Drangsale und Entbehrungen, die ich ertrug, um Euch zu +helfen. Ich möchte wissen, ob Du daran denkst! Wenn Du nur soviel Verstand +hättest, um die Wahrheit erkennen zu können, würdest Du nicht sagen: 'ich +habe mein Geld ausgegeben', wärest auch nicht gekommen, um mich an Eure +Forderungen zu mahnen; Du hättest vielmehr daran gedacht, wie ich mich Euch +gegenüber in der vergangenen Zeit betragen habe. Du hättest Dir gesagt: +'Michelangelo weiss, was er uns zugesichert hat, und wenn er es jetzt nicht +erfüllt, so muss ihn irgend etwas, was wir nicht wissen, gehindert haben', +und Ihr würdet Euch gedulden. Denn es tut nicht gut, dem Pferd noch die +Sporen zu geben, das schon so schnell läuft, als es vermag. Aber Ihr habt +mich nie gekannt und kennt mich auch jetzt nicht. Gott verzeihe es Euch! Er +hat mir die Kraft gegeben, auszuharren unter der Last, die ich trage, damit +Euch geholfen werde. Ihr werdet all dies schon einsehen, wenn Ihr mich +nicht mehr habt. + +Ich glaube in diesem Sommer nicht nach Florenz kommen zu können, denn ich +bin in einer Weise in Anspruch genommen, dass ich nicht einmal zum Essen +Zeit habe. Gebe Gott, dass ich nicht erliege! Doch will ich -- und kann es +auch -- Lodovico die Anweisung ausstellen, wie ich versprach, denn ich habe +es nicht vergessen. Ich will Euch tausend doppelte Golddukaten geben, damit +Ihr Euch mit diesem Geld und dem, was Ihr schon habt, selbst forthelfen +könnt. Von Eurem Verdienst beanspruche ich nichts. Nur will ich die +Sicherheit haben, dass Ihr mir nach Ablauf von zehn Jahren, wenn anders ich +noch lebe, diese tausend Dukaten in Geld oder anderem Gut zurückgebt, +sobald ich sie fordere. Ich glaube nicht, dass dieser Fall eintritt, aber +wenn ich sie brauche, muss ich sie, wie gesagt, wiederbekommen. Das wird +auch ein Zügel für Euch sein, damit Ihr sie nicht verschleudert. Überlegt +Euch deshalb die Sache, beratet Euch und schreibt mir, was Ihr zu tun +gedenkt. Die vierhundert Dukaten, die Ihr noch von mir habt, schenke ich +Euch; sie sollen in vier Teile geteilt werden, so dass jeder von Euch +hundert erhält. Hundert für Lodovico, hundert für Dich, hundert für +Giovansimone und hundert für Gismondo, mit der Bedingung, dass Ihr das Geld +zusammen in Euer Gewerbe steckt. Das sei's. Zeig' den Brief Lodovico; +entschliesst Euch und gebt mir die Sicherheit, von der ich sprach. Am +dreissigsten Juli. Vergiss nicht, das Geld, das ich Dir für Michele +mitschicke, auch abzugeben. + + Michelangelo, Bildhauer. + + + + +8. + +AN LODOVICO ... IN SETTIGNANO. + + + _Florenz_ [1516]. + +Liebster Vater! -- Ich war sehr erstaunt über Euer Tun, als ich Euch +neulich nicht zu Hause fand. Nun höre ich, dass Ihr Euch über mich beklagt, +dass Ihr erzählt, ich habe Euch vertrieben, und wundere mich immer mehr. +Bin ich doch sicher, dass ich vom Tage meiner Geburt bis heute nie die +Absicht hatte, Euch in irgend etwas, in Grossem oder Kleinem zu nahe zu +treten, dass ich vielmehr alle Mühen meines Lebens Euch zu Liebe getragen +habe. Und Ihr wisst, dass ich es seit meiner Rückkehr aus Rom nach Florenz +stets mit Euch gehalten und jederzeit mein Eigentum zu Eurer Verfügung +gestellt habe. Erst vor wenigen Tagen noch, als Ihr unwohl waret, +versicherte und versprach ich Euch, mit all meinen Kräften und mein Leben +lang Euch zu Diensten zu sein und bestätige es auch jetzt noch. Darum +wundere ich mich heute, dass Ihr alles das so bald vergessen habt. Ihr samt +Euren Kindern habt doch schon dreissig Jahre lang meine Treue erprobt und +wisst, dass ich Euch immer wohl gesinnt war und Euch Gutes tat, so viel ich +konnte. Wie könnt Ihr da sagen, ich habe Euch weggejagt? Seht Ihr denn +nicht, in welch' schlechten Ruf Ihr mich gebracht habt, wenn man sich +erzählt, ich habe Euch vertrieben? Nur dies Schlimmste fehlte mir noch in +all meinen Mühseligkeiten, die ich Euch zu Liebe ertragen habe! Ihr +vergeltet sie mir gut! Doch mag die Sache sein, wie sie wolle, ich will +glauben, ich habe Euch stets Schande und Schaden gebracht, und bitte Euch +so inständig um Vergebung, als ob ich es wirklich getan hätte. Denkt, Ihr +habet einem Sohn zu verzeihen, der stets ein schlimmes Leben geführt und +Euch alles Leid dieser Welt zugefügt hat, und ich bitte von neuem, Ihr +möget mir schlechtem Menschen vergeben und mich nicht in den Ruf bringen, +als habe ich Euch aus dem Hause gejagt, denn das geht mir näher als Ihr +denkt, bin ich doch immer Euer Sohn. Diesen Brief wird Euch Raffaello da +Gagliano bringen. Ich bitte Euch um Gottes-, nicht um meinetwillen, kommt +nach Florenz, denn ich muss abreisen und habe Euch sehr wichtige +Mitteilungen zu machen, kann aber nicht zu Euch kommen. Von meinem Diener +Pietro habe ich aus seinem eigenen Munde Dinge gehört, die mir nicht +gefallen. Ich habe ihn darum heute morgen nach Pistoja heimgeschickt, und +er wird nicht mehr zu mir zurückkehren, denn ich will nicht, dass er +unserem Hause Schaden bringt. Ihr hättet mich aber wirklich schon früher +von der Sache in Kenntnis setzen können, denn ihr wusstet alle um sein +Betragen und liesset mich darüber doch ganz im Dunkeln. Ich muss notwendig +abreisen, will aber nicht fort, ehe ich Euch gesprochen habe und Euch hier +im Haus zurücklassen kann. Ich bitte Euch, lasst allen Groll fahren und +kommt! + + Euer Michelangelo. + + + + +9. + +AN BUONARROTO ... IN FLORENZ. + + + [_Carrara_], den 23. November 1516. + +Buonarroto! -- Du schreibst mir in Deinen zwei letzten Briefen, Lodovico +sei todkrank gewesen, der Arzt habe aber neuerdings erklärt, bis auf +weiteres sei er ausser Gefahr. Wenn es so ist, komme ich nicht nach +Florenz, denn es würde mir sehr schwer fallen. Sollte aber noch Gefahr +sein, so will ich ihn um jeden Preis noch einmal sehen, ehe er stirbt, und +müsste ich auch mit ihm sterben. Aber ich hoffe zuversichtlich, es geht ihm +gut, und deshalb komme ich nicht. Sollte ein Rückfall eintreten, wovor Gott +ihn und uns behüten möge, so sieh zu, dass ihm die geistlichen Tröstungen +und die Sakramente der Kirche nicht fehlen, und lass Dir von ihm sagen, ob +er wünscht, dass wir etwas Bestimmtes für sein Seelenheil tun. Sorge auch, +dass ihm für sein leibliches Wohl nichts abgeht, denn ich habe mich nur für +ihn geplagt, um ihm noch bis zu seinem Tode helfen zu können. Sag' Deiner +Frau, sie solle mit Liebe für seinen Haushalt sorgen; ich werde Euch alles +vergüten, wenn es nötig ist. Sparet nichts, und sollten wir auch alles +darangeben, was wir besitzen. Damit mag es genug sein. Lebt in Frieden und +Du schreibe mir, wie es steht, denn ich bin in grosser Angst und Sorge. +---- + + + + +10. + +AN PAPST CLEMENS VII. IN ROM. + + + _Florenz_, [1524]. + +Heiliger Vater! -- Mittelspersonen verursachen oft viel Arger und +Verwirrung, deshalb wage ich es, ohne eine solche an Eure Heiligkeit über +die Gräber hier in San Lorenzo zu schreiben. Ich weiss wirklich nicht, was +besser ist, das Schlimme, das Nutzen bringt, oder das Gute, das Unheil +anrichtet. Doch so viel weiss ich gewiss: ich mag noch so untauglich und +unvernünftig sein, aber wenn man mich ruhig hätte fortfahren lassen, wie +ich angefangen hatte, dann wären jetzt alle Marmorblöcke für die Arbeiten +in Florenz, und zwar mit geringeren Kosten, als bis jetzt bereits +aufgewendet wurden, schon für ihren Zweck zugehauen und in so gutem +Zustande, wie alle anderen, die ich bisher schon hergebracht habe. + +Nun fürchte ich, dass sich die Sache noch lange hinziehen wird, und weiss +nicht, wie sie ausgehen kann. Ich bitte daher im voraus Eure Heiligkeit um +Entschuldigung für den Fall, dass sich etwas Missliches ereignen sollte, +denn ich habe keine Autorität und glaube deshalb auch für nichts +verantwortlich zu sein. Ich bitte aber Eure Heiligkeit, wenn Ihr mir +irgendeinen Auftrag zuweisen wollt, mir in meiner Arbeit keinen +Vorgesetzten zu geben, sondern mir Vertrauen zu schenken und freie Hand zu +lassen. Ihr werdet dann sehen, was ich vollbringen und wie ich Euch +Rechenschaft über meine Tätigkeit geben werde. + +Die Laterne der Kapelle von San Lorenzo hat Stefano vollendet und enthüllt. +Sie gefällt jedermann und wird, so hoffe ich, auch Eurer Heiligkeit +zusagen, wenn Ihr sie seht. Wir lassen jetzt die Kugel anfertigen. Sie wird +einen Arm im Durchmesser betragen. Ich dachte, sie facettieren zu lassen, +um sie von den übrigen etwas zu unterscheiden, und so wird sie denn auch +ausgeführt. + + Eurer Heiligkeit Diener + + Michelangelo, Bildhauer. + + + + +11. + +AN SEBASTIANO DEL PIOMBO IN ROM. + + + [_Florenz_, Mai 1525.] + +Mein teuerster Sebastiano! -- Gestern abend nahmen mich unser Freund, der +Hauptmann Cujo, und einige Edelleute gütigerweise zum Abendessen mit. Das +machte mir grosse Freude, denn dadurch wurde ich für kurze Zeit aus meiner +Melancholie -- wenn ich sie nicht Wahnsinn nennen soll -- gerissen. Die +Mahlzeit war sehr ergötzlich. Noch mehr freuten mich die Gespräche, die da +geführt wurden; besonders als ich den Hauptmann Euren Namen nennen hörte, +war ich ganz entzückt. Und wie nun besagter Hauptmann erklärte, Ihr seiet +einzig auf Erden und in der Kunst und werdet auch entsprechend in Rom +geschätzt, wäre meine Freude noch gewachsen, wenn das nur möglich gewesen +wäre. Auf diese Art wurde mir bestätigt, dass mein Urteil über Euch nicht +falsch war. Drum widersprecht mir nicht mehr, wenn ich Euch in meinen +Briefen "einzig" nenne, denn ich habe der Zeugen genug; dazu haben wir hier +ein Bild, das weiss Gott jeden, der Augen hat, zwingt, mir recht zu geben. + + + + +12. + +AN GIOVAN SIMONE ... IN SETTIGNANO. + + + _Florenz_, [1533]. + +Giovan Simone! -- Mona Margherita hat mich falsch verstanden. Als ich +vorgestern morgen von Dir und Gismondo sprach -- Ser Giovanni Francesco war +dabei --, sagte ich, ich habe für Euch stets mehr getan als für mich und +viele Mühen auf mich genommen, damit Ihr keine zu tragen hättet, Ihr aber +habet nichts getan, als mich in ganz Florenz zu verleumden. So viel habe +ich gesagt, und wollte Gott, es wäre nicht wahr, dass Ihr Euch wie Tiere +benommen habt! Was Deinen Aufenthalt in Settignano angeht, so bleib nur +dort, pflege dich und sieh zu, dass Du gesund wirst. Was an mir liegt, will +ich stets für Euch tun, denn ich achte nur auf meine Pflicht, nicht auf +Eure Reden. Dann wünschte ich, Du beschafftest dort eine Wohnung, damit +auch Mona Margherita hinkommen kann, denn mein Vater hat sie mir vor seinem +Tode empfohlen, und ich werde sie deshalb nie verlassen. + + Michelangelo. + + + + +13. + +AN MESSER LUIGI DEL RICCIO IN ROM. + + + [_Rom_, 1542.] + +Dieses [Madrigal] habe ich vor längerer Zeit nach Florenz geschickt. Nun +ich es umgearbeitet habe, sende ich es Euch, damit Ihr, wenn es Euch so +beliebt, es den Flammen gebet, denen, meine ich, die mich verzehren. Noch +bitte ich Euch um eine andere Gnade. Ihr sollt mich nämlich von einem +Zwiespalt erlösen, in den mein Geist heute nacht geriet. Denn als ich +unsern Liebling im Traum grüsste, schien es mir, als ob er mit einem +Lächeln mir drohte. Da ich nun ungewiss bin, welcher der beiden Gebärden +ich glauben soll, so bitte ich Euch, fragt ihn selbst; und wenn wir uns am +Sonntag wiedersehen, lasst es mich wissen. + + Ich bleibe, Euch stets verpflichtet, der Eurige. + +---- + + + + +14. + +AN MESSER LUIGI DEL RICCIO, MEINEN FREUND ODER VIELMEHR VEREHRUNGSWÜRDIGEN +HERRN, IN ROM. + + + [_Rom_, 1543.] + +Mein lieber Messer Luigi! -- Ich weiss, dass Ihr im Zeremonienwesen ein +ebenso vollendeter Meister seid, als ich darin untauglich bin. Ich habe nun +von Monsignor di Todi das Geschenk erhalten, von dem Euch Urbino berichten +wird, und da ich glaube, dass Ihr mit Seinen Gnaden befreundet seid, so +bitte ich Euch, danket ihm in meinem Namen mit den Zeremonien, die Euch +leicht, mir aber schwer fallen. ---- + + Euer Michelangelo Buonarroti. + + + + +15. + +AN MESSER LUIGI DEL RICCIO. + + + [_Rom_ 1545.] + +Unser toter Freund redet und spricht: Der Himmel nahm allen Menschen der +Welt ihre Schönheit und schenkte sie mir allein. Durch göttliches Gesetz +werde ich am Tage des Gerichts auferstehen, wie ich im Leben war. Darum +kann der Himmel die Schönheit, mit der er mich begabt hat, jenen nimmer +wiedergeben, denen er sie raubte, und so muss ich in Ewigkeit schöner +bleiben als alle, und alle anderen hässlich. + +Diese Auffassung ist das Gegenteil von der, die Du mir gestern +auseinandersetztest und ist die rechte, jene aber ist ein Gefabel. + + Euer Michelangelo Buonarroti. + + + + +16. + +AN VITTORIA COLONNA IN ROM. + + + [_Rom_ 1545.] + +Edle Frau, ich wollte die Gaben, die Eure Gnade mir schon oft zugedacht +hatte, nicht annehmen, bevor ich Euch nicht ein Werk von meiner Hand bieten +könnte, um so ihrer weniger unwürdig zu sein. Aber ich sah ein und +erkannte, dass man die Gnade Gottes nicht kaufen kann, und dass es grosse +Sünde ist, ihr Hindernisse zu bereiten. So bekenne ich meine Schuld und +nehme Eure Gaben freudig an. Und wenn sie mein sind, werde ich mich im +Paradies fühlen; nicht weil ich sie in meinem Hause haben werde, sondern +weil ich in ihrem Hause wohnen darf. Und ich werde dadurch, edle Frau, noch +mehr in Eurer Schuld sein, als ich schon bin, wenn dies überhaupt möglich +ist. + +Diesen Brief wird Euch mein Diener Urbino bringen. Ihm werdet Ihr sagen +können, wann ich nach Eurem Wunsche kommen soll, um den Kopf zu sehen, den +Ihr mir zu zeigen versprachet. + +Ich empfehle mich Eurer Gnade. + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +17. + +AN VITTORIA COLONNA IN ROM. + + + [_Rom_, 1538-41 oder 1545-46.] + +Frau Marchesa! -- Da ich in Rom bin, hätte ich eigentlich den Kruzifixus +nicht Messer Tommaso anzuvertrauen und ihn so zum Mittler zwischen Euch und +mir, Eurem Diener, zu machen brauchen. Ich wünsche für Euch Grösseres zu +schaffen, als für irgendeinen anderen mir bekannten Menschen dieser Welt. +Allein ich war und bin noch in so viele Geschäfte verwickelt, dass ich Euer +Gnaden dies nicht zu beweisen vermochte. Ich weiss ja, Euch ist bekannt, +dass die Liebe den Weg stets findet, und der Liebende nicht schläft, und +hätte darum um so weniger eines Mittlers bedurft. Aber wenn es auch den +Anschein hatte, als ob ich nicht an Euch dächte, tat ich doch, was ich +nicht aussprach, um Unerwartetes zu vollbringen. Mein Plan ist misslungen. +"Unrecht tut der, der solche Treue schnell vergisst." + + Eurer Gnaden Diener + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +18. + +AN LIONARDO DI BUONARROTA SIMONI IN FLORENZ. + + + _Rom_, [den 6. Februar 1546]. + +Lionardo! -- Du bist mit Deiner Auskunft über die Besitzung der Corboli +sehr rasch zur Stelle gewesen. Ich dachte nicht, dass Du noch in Florenz +seiest. Hast Du am Ende Furcht, mein Anerbieten könnte mich reuen, wie man +Dir vielleicht eingeredet hat? Ich sage Dir, dass ich langsam vorgehen +will, denn ich habe das Geld hier mit einer Mühe verdient, die der nicht +kennt, der wie Du im Überfluss geboren ist. + +Ich glaube auch nicht, dass Du mit solcher Eile nach Rom gekommen wärest, +wenn ich im Elend lebte und es mir an Brot fehlte. Du brauchst ja nur das +Geld wegzuwerfen, das Du nicht verdient hast. So eifrig bist Du, diese +Erbschaft nicht zu verlieren! Und sagst noch, es sei Deine Pflicht gewesen, +zu kommen, weil Du mich liebest! Wie der Holzwurm die Balken! Wenn Du +wirklich Liebe für mich hegtest, hättest Du mir jetzt geschrieben: +"Michelangelo, verwendet Euer Geld für Euch, denn uns habt Ihr schon so +viel gegeben, dass wir genug haben. Uns ist Euer Leben lieber als Euer +Geld." + +Ihr habt seit vierzig Jahren von meiner Arbeit gelebt, aber noch nie habe +ich von Euch auch nur ein gutes Wort bekommen. Freilich hast Du voriges +Jahr so viel Tadel hören müssen, dass Du mir aus Scham eine Last Trebbianer +schicktest, aber ich wünschte, Du hättest auch die behalten! + +Ich schreibe dies nicht deshalb, weil ich dem Ankauf abgeneigt bin; ich +will kaufen, um mir eine Rente zu sichern, weil ich nicht mehr arbeiten +kann; aber ich werde langsam vorgehen, denn ich will mir keine +Verdriesslichkeiten kaufen. -- Darum eile Dich nicht. + + Michelangelo. + +Wenn man Dir in Florenz etwas in meinem Namen ausrichtet, oder Dich um +etwas bittet, so darfst Du niemandem Glauben schenken, wenn er Dir nichts +Handschriftliches von mir vorweisen kann. ---- + + + + +19. + +AN DEN ALLERCHRISTLICHSTEN KÖNIG VON FRANKREICH. + + + _Rom_, den 26. April 1546. + +Heilige Majestät! -- Ich weiss nicht, was grösser ist, Eure Gnade oder mein +Erstaunen darüber, dass Eure Majestät sich herabgelassen hat, an +meinesgleichen zu schreiben, ja mehr noch, mich um Arbeiten zu bitten, die +des Namens Eurer Majestät wirklich nicht würdig sind. Doch mögen diese +sein, wie sie wollen; Eure Majestät soll wissen, dass ich schon seit langem +wünschte, Euch zu dienen. Da ich aber hierzu nicht, wie in Italien, +Gelegenheit fand, habe ich es noch nicht tun können. Nun bin ich alt und +noch für einige Monate mit Arbeiten für Papst Paul beschäftigt. Wenn ich +aber nach deren Vollendung noch am Leben bin, so werde ich versuchen, das, +was ich schon lange für Eure Majestät zu tun wünschte, auch wirklich +auszuführen, und zwar ein Werk in Marmor, eins in Bronze und ein Gemälde. +Und wenn der Tod die Verwirklichung dieses Wunsches vereitelt, und man im +anderen Leben noch meisseln und malen kann, so werde ich dort, wo man nicht +altert, es an mir nicht fehlen lassen. Eurer Majestät aber erflehe ich von +Gott ein langes und glückliches Leben. + +Aus Rom am XXVI. April MDXLVI. + + Eurer Allerchristlichsten Majestät + untertänigster Diener + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +20. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, [August 1547]. + +Lionardo! -- Mit Deinem Brief erhielt ich die Quittung über die +fünfhundertundfünfzig Dukaten in Gold, die ich hier bei Bettino eingezahlt +habe. Du schreibst mir, vier davon werdest Du jener Frau zu Gottes Ehre +geben. Damit bin ich wohl zufrieden. Ich wünsche, dass weitere +sechsundvierzig zu Gottes Ehre, für das Seelenheil Deines Vaters Buonarroto +und für das meinige verschenkt werden. Suche irgend einen bedürftigen +Bürger, der Töchter zu verheiraten oder in einem Kloster unterzubringen +hat. Dem gib, aber heimlich. Sieh zu, dass Du nicht betrogen wirst, lass +Dir eine Quittung ausstellen und schicke sie mir; ich rede von Bürgern und +weiss, dass sie sich zu betteln schämen, wenn sie in Not sind. ---- Ich +rate Euch, legt das Geld, das ich Euch schickte, in einem guten Grundstück +oder dergleichen an, denn es ist gefährlich, es im Haus zu behalten, zumal +heutzutage. Seid deshalb vorsichtig und haltet die Augen offen. + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +21. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, [den 16. Januar 1548]. + +Lionardo! -- Durch Deinen letzten Brief erfuhr ich vom Tode Giovansimones. +Die Nachricht hat mich tief geschmerzt, denn wenn ich auch schon so alt +bin, hoffte ich doch, ihn vor seinem und meinem Tode noch einmal zu sehen. +Gott hat es so gewollt, ertragen wir es! Ich möchte gern ausführlicher +hören, wie er gestorben ist, ob er vor seinem Tode gebeichtet und +kommuniziert hat, und alle seine religiösen Angelegenheiten geordnet sind; +denn wenn ich erfahren habe, dass es so ist, werde ich weniger bekümmert +sein. ---- + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +22. + +AN MESSER BENEDETTO VARCHI. + + + _Rom_, [1549]. + +Messer Benedetto! -- Damit Ihr sehet, dass ich Euer Büchlein wirklich +empfangen habe, will ich auf die Frage, die darin gestellt wird, einiges +antworten, wenn auch bescheiden und als Laie. Ich meine, die Malerei sei um +so höher zu achten, je mehr sie sich der Plastik nähert, und diese um so +geringer, je mehr sie der Malerei nahekommt. So schien mir auch stets, als +sei die Skulptur die Leuchte der Malerei und zwischen jener und dieser der +gleiche Unterschied, wie zwischen Sonne und Mond. Seitdem ich aber Euer +Büchlein gelesen habe, in dem Ihr auseinandersetzt, dass, philosophisch +betrachtet, beide Künste das gleiche Ziel haben, beide das Gleiche sind, +bin ich anderer Meinung geworden und sage so: Wenn nicht ein grösserer +Aufwand von Überlegung und Mühe, grössere Schwierigkeiten und Anstrengungen +dem Werke auch grösseren Adel verleihen, dann sind Malerei und Skulptur ein +Ding. Und damit sie auch als solches anerkannt würden, dürfte kein Maler +die Bildhauerei weniger als die Malerei betreiben, und ebenso müsste jeder +Bildhauer in gleichem Masse Maler wie Bildhauer sein. Ich verstehe unter +Skulptur die Kunst, die durch Wegnehmen geübt wird, während die, die durch +Auflegen arbeitet, Malerei ist. Dann sollte man es aber auch kurz machen +und beide Künste, Skulptur und Malerei, weil sie doch durch die gleiche +Intelligenz geübt werden, einen rechtschaffenen Frieden schliessen und das +viele Disputieren sein lassen, denn das kostet mehr Zeit, als die Bildwerke +selbst zu machen. Versteht aber der, der die Malerei edler nannte als die +Skulptur, alle Dinge, worüber er schreibt, so gut wie dies, so hätte meine +Magd seine Schriften wohl besser geschrieben. Unendlich viele nie +ausgesprochene Dinge liessen sich noch über dergleichen Künste sagen; aber, +wie ich bemerkte, das würde viel Zeit erfordern, und ich habe nur wenig, +denn ich bin nicht nur alt, sondern stehe schon fast im Grabe. Darum bitte +ich Euch, haltet mich für entschuldigt. Euch aber empfehle ich mich und +danke Euch nach bestem Können für die allzugrosse Ehre, die Ihr mir +erweiset, und die mir nicht zukommt. + + Euer Michelangelo Buonarroti. + + + + +23. + +AN LIONARDO ... + + + [_Rom_,] den 1. Februar 1549. + +Lionardo! -- Ich schickte Dir mit meinem letzten Brief ein Verzeichnis +mehrerer heiratsfähiger Mädchen, das mir von Florenz zugesandt wurde, ich +glaube von einem Vermittler, der übrigens ein wenig vernünftiger Mann sein +muss, denn er konnte sich doch denken, dass ich, nun schon seit sechzehn +oder siebzehn Jahren dauernd in Rom, wenig Kenntnis von den florentinischen +Familien haben kann. + +Ich sage Dir deshalb, achte nicht auf meine Meinung, wenn Du heiraten +willst, denn ich vermag Dir keinen guten Rat zu geben. Nur das kann ich Dir +ans Herz legen, laufe nicht dem Geld nach, sondern sieh auf Herzensgüte und +guten Ruf. + +Ich glaube, es gibt in Florenz viele verarmte, adlige Familien, für die es +eine Wohltat wäre, wenn Du mit ihnen Verwandtschaft anknüpftest. Auf die +Mitgift könntest Du verzichten, wenn nur auch kein Hochmut da wäre. Du +brauchst eine Frau, die bei Dir bleibt und Dir gehorcht, die keinen Aufwand +liebt und nicht jeden Tag auf Hochzeiten und Gastereien gehen will, denn wo +ein Hof ist, ist es nicht schwer, zur Dirne zu werden. Du brauchst Dich +auch nicht um das Gerede zu kümmern, Du wollest Dich adlig machen, denn es +ist bekannt, dass wir alteingesessene Bürger von Florenz und so vornehmen +Geschlechts wie irgendeine andere Familie sind. Nun empfiehl Dich Gott, +dass er Dir das Rechte gebe. Ich wünschte, Du liessest es mich wissen, +sobald Du etwas Geeignetes gefunden zu haben glaubst, und zwar bevor Du die +Verbindung eingehst. + + + + +24. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, den 20. Mai 1553. + +Lionardo! -- In Deinem letzten Brief schriebst Du mir, Du habest Deine Frau +nun heimgeführt, seiest sehr befriedigt und sollest mich in ihrem Namen +grüssen. ---- Es freut mich innig, dass Du so zufrieden bist, und ich +denke, man soll Gott dafür nach bestem Können preisen. ---- Für ihren Gruss +danke ihr; sag' ihr in meinem Namen all das, was Du mündlich zu sagen +weisst, ich aber nicht zu schreiben verstehe. Ich wünsche auch, dass man +sie als die Frau eines meiner Neffen erkenne; bisher konnte ich das nicht +durch die Tat beweisen, weil Urbino noch nicht da war. Nun ist er seit zwei +Tagen zurückgekehrt, und ich will meinen guten Willen zeigen. Man sagt mir, +ein schöner Schmuck von guten Perlen werde hier wohl anstehen. Ich habe +darum einen mit Urbino befreundeten Goldschmied beauftragt, nach solchen zu +suchen und hoffe, er wird sie finden. Doch sag' ihr noch nichts davon. +Solltest Du aber etwas anderes für besser halten, so schreibe mir. Das +sei's. Sorge für Deine Gesundheit und vergiss nicht, dass es stets mehr +Witwen als Witwer gibt. + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +25. + +AN GIORGIO VASARI. + + + _Rom_, April 1554. + +Messer Giorgio, mein lieber Freund! -- Euer Brief hat mir grosse Freude +gemacht, denn er bewies mir, dass Ihr Euch noch des armen Alten erinnert. +Ein wahrer Triumph war für mich Eure Botschaft, ein neuer Buonarroto sei +geboren. Ich danke Euch darum von ganzem Herzen und soviel ich kann. Doch +missfiel mir der Aufwand, der getrieben wurde. Der Mensch soll nicht +lachen, wenn die Welt ringsum weint. Ich meine daher, Lionardo hat nicht +eben vernünftig gehandelt, als er eines Neugeborenen wegen solche Pracht +entfaltete. Solche Festlichkeit soll man für den Tod dessen aufsparen, der +rechtschaffen gelebt hat. Sonst habe ich nichts zu sagen. Ich danke Euch +aufrichtig für die Liebe, die Ihr mir beweiset, obwohl ich Ihrer nicht +würdig bin. Die Dinge gehen hier ihren alten Gang. Am -- ich weiss nicht +wievielten -- April 1554. + + Euer Michelangelo Buonarroti. + + + + +26. + +AN MESSER GIORGIO, DEN VORTREFFLICHEN MALER, IN FLORENZ. + + + _Rom_, den 15. Mai 1555. + +Ich wurde mit Gewalt zur Leitung des Baues von Sankt Peter gezwungen und +habe nun schon ungefähr acht Jahre ohne Entgelt, ja mit grossem Schaden und +viel Ärger der Aufgabe geopfert. Nun geht die Arbeit voran, wir haben Geld +und ich bin im Begriff, die Kuppel zu wölben; wollte ich jetzt abreisen, so +würde das den Bau zugrunde richten. Das müsste mir in der ganzen +Christenheit die grösste Schande bringen und würde eine schwere Schuld für +meine Seele sein. Darum bitte ich Euch, mein lieber Herr Giorgio, dankt dem +Herzog in meinem Namen für die grossen Anerbietungen, von denen Ihr mir +schreibt und bittet ihn, er möge mich in Gnaden noch so lange hier arbeiten +lassen, bis ich in gutem Ruf und mit Ehren und ohne Sünde von hier abreisen +kann. + + Euer Michelangelo Buonarroti. + + + + +27. + +AN MESSER GIORGIO VASARI, MEINEN LIEBEN FREUND, IN FLORENZ. + + + _Rom_, den 23. Februar 1556. + +Messer Giorgio, mein lieber Freund! -- Das Schreiben kommt mich schwer an, +aber um Euch zu antworten, will ich einiges sagen. Ihr wisst, dass Urbino +gestorben ist. Durch seinen Tod hat Gott mir eine grosse Gnade gegeben, +aber ich habe sie mit einem teuren Gut und mit unendlichem Schmerz bezahlen +müssen. Die Gnade war die, dass er, der während seines Lebens mich am Leben +hielt, durch seinen Tod mich sterben lehrte. Und nun sehe ich dem Tode +nicht mehr mit Widerwillen, sondern mit Sehnsucht entgegen. Ich habe ihn +sechsundzwanzig Jahre bei mir gehabt und ihn für ganz wahrhaftig und treu +befunden; und nun, da ich ihn reich gemacht hatte und hoffte, er werde der +Stab meines Alters sein, ist er mir entschwunden, und ich habe keine +Hoffnung mehr als die, ihn im Himmel wiederzusehen. Für diese aber hat uns +Gott seinen seligen Tod Bürge sein lassen. Nun schmerzt es mich nicht mehr, +dass ich sterben muss, sondern dass er mich mit so viel Leiden in dieser +treulosen Welt lebend zurückliess, denn der grössere Teil von mir ist mit +ihm gegangen, und mir ist nur ein tiefes Elend geblieben. Ich bitte Euch +inständig, entschuldigt mich, wenn es Euch keine Mühe macht, bei Messer +Benvenuto, dass ich ihm noch nicht auf seinen Brief antwortete. Ich bin so +in diesen traurigen Gedanken versunken, dass ich nicht schreiben kann. +Empfehlt mich ihm, und ich empfehle mich Euch. + + Euer Michelangelo. + + + + +28. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, den 31. Mai 1556. + +Lionardo! -- Francesca bittet mich in einem Brief, ich möge ihrem +Beichtvater zehn Dukaten geben, um ein armes Mädchen im Kloster von Santa +Lucia unterzubringen. Ihr zu Liebe will ich es tun, denn ich weiss, sie +würde mich nicht bitten, wenn es kein wohlangebrachtes Almosen wäre. Aber +ich weiss nicht, wie ich das Geld in Florenz auszahlen lassen soll. Ich +wünschte darum, dieser Beichtvater hätte hier einen zuverlässigen Freund; +dem würde ich es geben, sobald ich benachrichtigt würde. + +Es freut mich zu hören, dass es Cassandra gut geht; empfiehl mich ihr, und +haltet Euch gesund. + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +29. + +AN GIORGIO VASARI. + + + _Rom_, den 18. Dezember 1556. + +Messer Giorgio! -- Ich habe das Büchlein Messer Cosimos, das Ihr mir +schicktet, erhalten. In diesem Brief liegt ein Dankschreiben an seine +Gnaden. Ich bitte Euch, gebt es ihm und empfehlt mich ihm. Ich habe dieser +Tage unter grossen Mühen und Kosten, aber mit innigem Vergnügen einen +Besuch bei den Einsiedlern in den Bergen von Spoleto gemacht und bin nur +halb wieder hier in Rom, denn wirklichen Frieden findet man nur in den +Wäldern. Sonst weiss ich Euch nichts zu sagen. Es freut mich, dass Ihr +gesund und fröhlich seid, und ich empfehle mich Euch. + + Euer Michelangelo Buonarroti. + + + + +30. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, den 16. Juni 1557. + +Lionardo! ---- Mit meiner Gesundheit steht es schlecht; ich habe all die +Beschwerden, die das Alter heimsuchen, ein Steinleiden, dass ich nicht +urinieren kann, dazu Schmerzen in den Seiten und im Rücken, dass es mir oft +unmöglich ist, eine Treppe zu ersteigen. Das Schlimmste sind aber die +Sorgen, die mich quälen. Denn wenn ich all die Bequemlichkeiten aufgebe, +über die ich hier verfügen kann, so lebe ich keine drei Tage mehr. Doch +möchte ich auch nicht die Gnade des Herzogs verlieren, ebensowenig aber den +Bau von Sankt Peter im Stich lassen oder mich selbst vernachlässigen. Bitte +Gott, dass er mir helfe und rate. Sollte es mit mir schlimmer werden, mich +etwa ein gefährliches Fieber anfallen, dann werde ich gleich nach Dir +schicken. Lass Dir aber nicht einfallen, zu kommen, bevor Dich ein Brief +von mir ruft. + +Empfiehl mich Messer Giorgio. Er kann mir sehr nützlich sein, wenn er will, +denn der Herzog ist ihm wohlgesinnt. + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +31. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, den 15. Juni 1559. + +Lionardo! ---- Ich erhielt von Dir zwei Briefe, in denen Du mich sehr +angelegentlich bittest, ich möchte nach Florenz zurückkehren. Du weisst, +glaube ich, noch nicht, dass ich vor ungefähr vier Monaten durch den +Kardinal von Carpi, der zur Baukommission von Sankt Peter gehört, vom +Herzog von Florenz die Erlaubnis erhielt, in Rom beim Bau von Sankt Peter +zu bleiben. Ich dankte Gott dafür und freute mich sehr. Nun, wie schon +gesagt, schreibst Du mir so angelegentlich, ich weiss aber nicht, tust Du +das, weil Du mich dort haben möchtest, oder steht die Sache anders. Sprich +Dich deshalb ein wenig klarer aus, denn alles Derartige regt mich auf und +ist mir lästig. ---- + + Michelangelo Buonarroti. + +Das Schreiben fällt mir sehr schwer, Hand, Augen und Gedächtnis versagen. +Ich bin alt! + + + + +32. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, [den 15. März 1560]. + +Lionardo! -- Ich antwortete auf Dein Schreiben vom Samstag nicht, denn ich +hatte keine Zeit. Nun sage ich Dir, dass ich mich über die Geburt Deiner +Tochter sehr freute. Unsere Familie steht allein; so wird sie uns einst +eine gute Verwandtschaft erwerben können. Haltet sie gut. Ich werde ja +nicht mehr am Leben sein, wenn es soweit ist. Wenn es Zeit ist, dass Du +nach Rom kommst, werde ich Dich benachrichtigen, wie ich Dir ja schon +schrieb. Wisse, dass die grösste Plage für mich hier in Rom die +Beantwortung Deiner Briefe ist. + + Michelangelo Buonarroti. + + + + +33. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, den 21. August 1563. + +Lionardo! -- Ich ersehe aus Deinem Schreiben, dass Du neidischen, +schlechten Menschen Glauben schenkst, die dir Lügenbriefe schicken, weil +sie mich nicht bestehlen und nach Gutdünken regieren können. Es ist eine +Bande habsüchtiger Kerle, und Du bist ein Tor, dass Du ihrem Gerede über +mich glaubst, als ob ich ein Kind wäre! Schaff' Dir die schamlosen, +neidischen, verkommenen Menschen aus den Augen! Dann schreibst Du, ich habe +Scherereien im Haushalt und anderes. Lass Dir gesagt sein, dass es mir +nicht besser gehen und dass ich in jeder Beziehung nicht sorgsamer +behandelt werden könnte. Ich habe ganz vertrauenswürdige und ehrliche Leute +im Hause, die mich durchaus nicht bestehlen, wie Du zu glauben scheinst. +Sieh zu, dass Deine Angelegenheiten gut gehen und kümmere Dich nicht um die +meinigen, denn ich weiss mir zu helfen, wenn es nötig ist und bin kein +Kind. Lass es Dir gut gehen! + + Michelangelo. + + + + +34. + +AN LIONARDO ... + + + _Rom_, den 28. Dezember 1563. + +Leonardo! -- Zugleich mit Deinem letzten Brief erhielt ich zwölf hübsche +und wohlschmeckende Märzkäschen. Besten Dank! Ich freue mich, dass es Euch +wohl geht. Auch ich befinde mich nicht schlecht. In der letzten Zeit habe +ich mehrere Briefe von Dir erhalten, konnte aber nicht antworten, denn +meine Hand gehorcht mir nicht mehr. Von nun an werde ich andere schreiben +lassen und selbst nur noch unterzeichnen. Das sei's. + + Ich Michelangelo Buonarroti. + + + + + +BRIEFE DER VITTORIA COLONNA AN MICHELANGELO. + + +Übersetzt von R. A. Guardini. + + + + +1. + + + [_Rom_, 1538-41, oder 1545/46.] + +Mein teuerster Meister Michelangelo! -- Ich bitte Euch, schickt mir auf +kurze Zeit den Kruzifixus, wenn er auch noch nicht vollendet ist, denn ich +will ihn einigen Kavalieren des Hochwürdigsten Kardinals von Mantua zeigen; +und wenn Ihr heute nicht durch Arbeiten in Anspruch genommen seid, könntet +Ihr ganz nach Eurer Bequemlichkeit zu einem Plauderstündchen zu mir kommen. + + Eure ergebene + + Marchesa di Pescara. + + + + +2. + + + [_Rom_, 1538-41 oder 1545/46.] + +Einziger Meister Michelangelo und mein ganz besonderer Freund! -- Ich habe +Euren Brief erhalten und den Kruzifixus gesehen. Er hat wahrhaftig in +meinem Gedächtnis alle anderen Darstellungen, die mir je zu Gesicht +gekommen sind, ans Kreuz geschlagen. Man kann sich nichts Lebendigeres und +Vollendeteres denken als dieses Bild, und ich würde mich vergeblich +bemühen, wenn ich die ausserordentliche und wunderbare Feinheit seiner +Ausführung schildern wollte. Ich bin entschlossen, das Bild von keinem +anderen malen zu lassen. Gebt mir darum Gewissheit; rührt die Zeichnung von +einem anderen her, dann muss ich wohl auf sie verzichten, sollte sie aber +Euch gehören, so würde ich sie Euch unter allen Umständen rauben. + +Stammt sie nicht von Euch, und wolltet Ihr das Bild von einem Eurer +Gesellen ausführen lassen, so müssten wir erst darüber reden. Ich kenne +nämlich recht wohl die Schwierigkeit, die Eigenart der Zeichnung in der +Ausführung zu bewahren, und würde dann lieber den Betreffenden etwas +anderes malen lassen. Wenn sie aber Euer Werk ist, dann -- vergebt -- +erhaltet Ihr sie nicht wieder. Ich habe sie bei Licht und mit der Lupe und +im Spiegel betrachtet und versichere Euch, ich habe nie etwas Vollendeteres +gesehen. + + Eure ergebene + + Marchesa di Pescara. + + + + +3. + + + [_Rom_, 1538-41 oder 1545/46.] + +Die Taten Eurer Künstlerkraft reizen den beschauenden Geist, ungenügsam +Höheres zu begehren. Auch mich fasste dies Verlangen, und darum fragte ich, +ob die Vollkommenheit Eurer Werke wohl noch einer Steigerung fähig sei. Ich +habe eingesehen, dass omnia sunt possibilia credenti. Ich hatte den festen +Glauben, Gott werde Euch zur Darstellung dieses Christus übernatürliche +Gnade geben, und als ich ihn sah, übertraf er in jeder Weise all meine +Erwartungen. Eure Wundertaten machten mich kühn, und so sprach ich Wünsche +aus, die ich jetzt staunend erfüllt sehe: Das Bild ist in allen Teilen von +wunderbarer Vollendung, und kein Mensch vermöchte mehr, ja auch nur so viel +zu wünschen. Und wisst, das freut mich besonders, dass der Engel zur +Rechten viel schöner ist, als der andere; denn der heilige Michael wird +Euch Michelangelo am jüngsten Tage zur Rechten des Herrn stellen. Ich aber +kann dafür nichts tun, als zu diesem milden Christus darum zu beten, den +Ihr so vollkommen gebildet habt; zugleich Euch zu bitten, dass Ihr über +mich in jeder Weise gebietet. + + Eure ergebene + + Marchesa di Pescara. + + + + +4. + + + Im Kloster zu _Viterbo_, den 20. Juli [1541-1543]. + +Kunstreicher Meister Michelangelo! -- Euer Brief war gewissermassen eine +Antwort auf den meinigen; dies ist der Grund, weshalb ich Euch noch nicht +antwortete. Dann dachte ich auch, wenn wir beide wie bisher in unserem +Briefwechsel fortfahren wollten, wie es Euch Eure Liebenswürdigkeit und mir +die Pflicht der Dankbarkeit vorschreiben, so könnte ich mich nicht mehr zu +den vorgeschriebenen Stunden mit den Schwestern in der Kapelle der heiligen +Katharina einfinden, und Ihr könntet nicht in der des heiligen Paulus vom +frühen Morgen an den Tag in vertrauter Unterredung mit Euren Gemälden +verbringen, die doch zu Euch in der natürlichen Sprache ihrer Linien ebenso +verständlich reden, wie zu mir die lebendigen Menschen meiner Umgebung: und +so würde ich gegen die Bräute und Ihr würdet gegen den Statthalter Christi +fehlen. Ich kenne die Treue Eurer Freundschaft und die Kraft Eurer in +christlichem Geiste gefestigten Zuneigung und denke darum, ich brauche Euch +nicht durch eigene Briefe den Empfang der Euren zu bestätigen. Vielmehr +will ich mich bereit halten und die erste Gelegenheit erwarten, um Euch +gewichtigere Dienste zu leisten. Unterdessen bitte ich den Herrn, über den +Ihr mir bei meiner Abreise Worte so glühender und demütiger Liebe sagtet, +er möge mich bei meiner Rückkehr in Eurem Herzen sein Bild erneuert und so +glaubenslebendig finden lassen, wie Ihr es mir auf dem Bild der +Samaritanerin gemalt habt. + +Euch und Eurem Urbino empfehle ich mich. + + Eure ergebene + + Marchesa di Pescara. + + + + +5. + + + [_Rom_, 1538-41 oder 1545-46.] + +Der Ruhm, den Eure Kunst Euch schafft, ist so gross, dass Ihr vielleicht +geglaubt hättet, weder die Zeit noch irgend ein Ereignis könnte ihm den Tod +bringen, wäre nicht jener Strahl göttlichen Lichtes Euch ins Herz +gedrungen, und Euch offenbar geworden, dass jeder irdische Ruhm stirbt und +lebte er noch so lange. Wenn Ihr darum aus Euren Bildwerken die Güte dessen +erkennt, der Euch zum einzigen Meister in dieser Kunst machte, werdet Ihr +auch verstehen, dass ich nur dem Herrn für meine schon fast toten Schriften +danken kann, denn dichtend beleidigte ich ihn weniger, als ich in meinem +Müssiggang jetzt tue. Ich bitte Euch darum, nehmt diesen Ausdruck meiner +Gesinnung als Unterpfand künftiger Werke an. + + Eure ergebene + + Marchesa di Pescara. + + + + + +ANMERKUNGEN. + + +Die Erläuterungen beschränken sich auf die notwendigsten biographischen und +historischen Notizen. Zur leichteren Orientierung ist eine kurze Skizze von +Michelangelos äusserem Leben vorangestellt. + +Er wurde am 6. März 1475 im Städtchen Caprese (Toscana) geboren, wo sein +Vater Lodovico das Amt eines Podestà bekleidete. Nach Ablauf seiner +Amtszeit kehrte dieser nach Florenz zurück. Ursprünglich für das Gewerbe +der Seidenweberei bestimmt, setzte Michelangelo seine Neigung durch und kam +in die Werkstatt des Ghirlandajo. 1489 wurde er in Lorenzo des Prächtigen +Bildhauerschule, 1490 in dessen Hausgemeinschaft aufgenommen und genoss den +Verkehr mit dem um den Magnifico versammelten Gelehrten- und Künstlerkreis. +(Madonna an der Treppe, Centaurenkampf.) 1492 starb Lorenzo, 1494 wurde +sein Nachfolger Piero vertrieben. Michelangelo war schon vorher nach +Venedig, darauf nach Bologna gegangen. Er blieb dort ein Jahr, und kehrte +dann nach Florenz zurück, in dem Savonarola an der Spitze des Volkes stand. +(Giovannino, schlafender Amor.) 1496 kam er nach Rom, wo er sich bis 1500 +aufhielt. (Bacchus, Pietà.) 1501 war er wieder in Florenz. (1501-04 der +David, 1504 der Karton zur Pisanerschlacht.) 1505 wurde er von Julius II. +nach Rom berufen und mit der Errichtung von dessen Grabdenkmal beauftragt. +Bis Ende 1505 war er in Carrara (Madonna von Brügge) mit der Zurichtung des +Materials beschäftigt und ging dann nach Rom. 1506 entstand ein Konflikt +mit dem Papst, und Michelangelo floh aus Rom auf Florentiner Gebiet. Lange +Bemühungen Julius' vermochten ihn nicht zur Rückkehr zu bewegen. Erst als +dieser 1506 Perugia und Bologna unterworfen hatte und sich in letzterer +Stadt aufhielt, erreichte eine erneuerte Aufforderung an die Regierung von +Florenz ihren Zweck. Michelangelo begab sich nach Bologna und söhnte sich +mit dem Papste aus. 1507-08 schuf er dort die Erzstatue Julius' und ging +dann nach einem kurzen Aufenthalt in Florenz nach Rom, in der Hoffnung, +jetzt das Juliusgrab ausführen zu können. Der Papst nötigte ihn aber zur +Ausmalung der Sixtinadecke. (1508-12). Nach deren Vollendung durfte er sich +den Arbeiten am Grabmal wieder zuwenden, und Julius beauftragte seinen +Notar und den Kardinal Grossi, für die Ausführung zu sorgen. 1513 wurde +Giovanni de Medici als Leo X. Papst. Noch im gleichen Jahr wurde durch +einen Vertrag das Grabmal sichergestellt. (Die zwei Gefangenen, der Moses.) +1516 musste Michelangelo sich eine Einschränkung des Planes gefallen +lassen; ein neuer Vertrag bestimmte das Jahr 1525 als letzten Termin und +gestattete ihm, auch in Florenz oder Carrara daran zu arbeiten. Aber schon +1516 sah sich der Meister trotz seines energischen Widerstands genötigt, +für Leo X. den Bau der Lorenzofassade in Florenz zu übernehmen. Die Arbeit +kostete ihn vier Jahre und verlief ohne jedes Ergebnis, da besonders +endlose Verordnungen und Intriguen die Lieferung des Materials +verhinderten. 1520 wurde er von dem Auftrag befreit und widmete sich wieder +dem Grabmal, musste aber 1520/21 im Auftrag des Kardinals Giulio de Medici +mit Vorarbeiten für die Mediceergräber beginnen. Das Schwanken des +Kardinals und Geldschwierigkeiten zogen die Ausführungen hinaus. 1523 wurde +Giulio Papst (Clemens VII.) und nun gingen die Arbeiten besser voran, +obwohl Michelangelo sich fortwährend mit dem Gedanken an das unvollendete +Juliusgrab quälte. Der Papst beruhigte ihn etwas, und die Erben Julius' II. +wagten nicht mit Forderungen aufzutreten. 1525 machten sie ihre Ansprüche +doch wieder geltend und die Verhandlungen zogen sich durch die nächsten +zwei Jahre hin. 1527 wurde Rom geplündert; die Republikaner in Florenz +standen auf und richteten ihre Regierungsform ein. 1529 musste die Stadt +sich gegen Clemens und die Kaiserlichen rüsten, und Michelangelo wurde zum +Leiter der Befestigungsarbeiten ernannt. 1530 ergab sich die Stadt, und +Alexander de Medici wurde als Herzog eingesetzt. Michelangelo erhielt vom +Papst für seine Sicherheit Gewähr und nahm die Arbeit an den +Mediceergräbern wieder auf, aber stets verfolgt durch den Gedanken an das +Juliusgrab. Endlich, 1532, ging er auf Anraten des Papstes nach Rom, um die +Angelegenheit zu ordnen, und es kam ein Vertrag zustande, nach dem das +Denkmal in S. Pietro in Vincoli in sehr bescheidenen Verhältnissen +aufgestellt werden sollte. Michelangelo solle zugleich in Florenz arbeiten +dürfen. Zur selben Zeit erhielt er den Auftrag zur Ausmalung der +Sixtinawände und fertigte den Entwurf zum letzten Gericht. Als er 1534 +Florenz verliess, geschah es für immer. Clemens starb; dadurch war ihm der +mächtige Beschützer gegen Alessandro, der ihn hasste, genommen, und er +fühlte sich in seiner Heimatstadt nicht mehr sicher. Die Mediceergräber +blieben unvollendet; der ihm befreundete Vasari sorgte für die Anordnung +der Teile, die fertig geworden waren. Auch jetzt sollte es noch nicht zur +Vollendung des Juliusdenkmals kommen. Paul III. nötigte den Meister zur +Ausführung des letzten Gerichts. 1535-41 arbeitete er daran. Erst 1545, +nach einem letzten Vertrag mit dem Erben Julius' II., konnte Michelangelo +das Werk zu Ende bringen. Unterdessen liefen von 1542-49 die Malereien in +der Capella Paolina, im Auftrag vom Papst Paul. Seine letzte grosse Arbeit +war die Leitung des Baues von St. Peter, die 17 Jahre, von 1547 bis zu +seinem Tode am 15. Februar 1564 in seinen Händen lag. + + * * * * * + + + + +ZU DEN GEDICHTEN. + + +Die äusseren Ereignisse in Michelangelos Leben hatten für sein Dichten +keine grosse Bedeutung. Gelegenheitsgedichte finden sich nur in sehr +geringer Zahl in seinem Canzoniere. Einige an Rom und Florenz, an den +Papst, einige an Freunde, Dank oder Entgegnungen -- und selbst von diesen +scheinen mehrere langgetragene Gedanken zu enthalten, die nur bei einem +bestimmten Anlass ihre Form fanden. + +Ein tieferer Zusammenhang wird wohl zwischen seinen bildnerischen Werken +und seinen Dichtungen bestehen, und es würde Gegenstand einer besonderen +Untersuchung sein müssen, Parallelen in der Entwicklung von Gedanken und +Form auf den verschiedenen Gebieten seines künstlerischen Schaffens +aufzuzeigen. + +Von grossem Einfluss für sein Dichten waren die Menschen, die er liebte: +Die Unbekannten, an die er die Liebesgedichte vor und nach der Colonnazeit +mit ihren wechselnden Stimmungen richtete, Febo di Poggio (vor 1534, als er +Florenz für immer verliess), Cecchin Bracci, und vor allem jene beiden, die +die schönsten seiner Gedichte werden liessen, Tommaso Cavalieri und +Vittoria Colonna. + +Zwischen und in den so entstehenden grossen Gruppen liegen einzelne +Dichtungen von, man möchte sagen, objektiverem Charakter, soweit hiervon +bei einem Michelangelo überhaupt die Rede sein kann. So der Gesang der +Toten, die Epitaphien, die Stanzen auf Stadt und Land, die Sonette auf die +Nacht und jene zwei auf Dante, in denen er wie mit Autorität über seinen +grossen Landsmann spricht. + +Für sich steht die lang vorbereitete Gruppe der letzten Jahre. Diese +Gedichte sind zum grossen Teil an Christus gerichtet, und die Ideen der +Schuld, der Reue, des Ringens nach Erlösung finden in ihnen oft +wundervollen Ausdruck. + +Die meisten seiner Dichtungen entstanden, indem lange in ihm arbeitende +Gedanken sich endlich zur Formung durchrangen, oder es ihm unter dem +Eindruck von Persönlichkeiten oder Ereignissen gelang, sich, sein Streben +und Sehnen auszusprechen. Dann lösten sie sich aus diesem Zusammenhang los +und wurden immer mehr Gegenstand rein künstlerischer, unermüdeter Arbeit. +Mit Freunden wurden sie durchgesprochen, beurteilt, Version auf Version +entstand, Zeile auf Zeile wurde variiert, bis der Dichter, befriedigt, +vielleicht das Gedicht mit seiner schönen, malenden Schrift noch einmal +abschrieb. Oder aber es wurde noch nach Jahren wieder hervorgeholt und +umgearbeitet. Andere blieben Fragment; entweder war die Stimmung erschöpft, +oder der Dichter vermochte ihr keine volle Form zu schaffen, liess das +Begonnene liegen und versuchte es vielleicht in einem neuen Anlauf. -- + +Wenn nun hier die Gedichte unter bestimmte Adressen gesetzt sind, so will +damit nicht gesagt sein, dass Michelangelo sie alle ausdrücklich an die +betreffende Persönlichkeit gerichtet habe, sondern dass sie unter ihrem +Einfluss entstanden und tatsächlich auch oft an sie gelangt seien. -- + +Wortschatz und Bilder nahm er aus der literarischen Sprache seiner Zeit. +Besonders Petrarca und Dante, den er wohl wie kein zweiter mit kongenialem +Geiste verstand, haben stark auf ihn gewirkt. Eben aus ihnen und durch den +Verkehr mit den Gelehrten am Hofe Lorenzos wurden ihm auch die Gedanken der +platonischen Philosophie vertraut. In ihnen fand er die Formeln für sein +eigenes Suchen nach dem Ewiggültigen, und sie sind so tief durch sein Wesen +gegangen, dass sie ganz als sein Eigentum gelten müssen. Vollends in jenen +Dichtungen, in denen er die Bilder aus "seiner" Kunst, der Plastik, nahm, +schuf er völlig Neues. Und diese Bilder sind gerade da am häufigsten, wo er +in vollendetster Form sein Sehnen nach der Vollkommenheit ausspricht, in +den Gedichten an Vittoria. -- + +Der Gedankengang dieser Auswahl ist etwa dieser: einige Gedichte an +Florenz, den Papst; Gelegenheitsgedichte; leichtere Liebesgedichte; Dank +und Freundschaft; einige Dichtungen "objektiveren" Inhalts; tiefere, +persönlichere Liebesgedichte; Vittorias Tod; für Michelangelos +Kunstauffassung bedeutsame Gedanken; Suchen nach ewiger Schönheit +(Cavalieri); die Nacht, der Gesang der Toten; der Vollkommenheitsgedanke +(Vittoria); endlich die geistlichen Dichtungen, Schuld, Reue, Tod, +Erlösung. + +Den Übersetzungen liegt der Text von Guasti zugrunde; es wird deshalb in +den Anmerkungen auf ihn verwiesen (G. p. = Cesare Guasti, Le rime de +Michelangelo Buonarroti ... Firenze MDCCCLXIII, Seite ... ). Sonst hätte +die neuere Ausgabe von G. Frey, Die Dichtungen des Michelagniolo +Buonarroti, Berlin 1897, angezogen werden müssen. Auf ihren sehr +umfangreichen kritischen Apparat stützen sich hauptsächlich die Anmerkungen +zu den Gedichten, ebenso die Zuweisung der Dichtungen an die betreffenden +Adressaten. -- + +In den Übersetzungen von Sophie Hasenclever wurden einige kleine Änderungen +da vorgenommen, wo das Original nicht sinngerecht wiedergegeben schien. + +1. G. p. 303. -- Capitolo, Fragment, wahrscheinlich 1524-26, in Florenz. + Die Auffassung des Gedichtes schliesst sich an die H. Grimms an. In + jener Zeit arbeitete Michelangelo in Florenz an den Grabdenkmälern der + Medici. Die Unbeständigkeit seines Auftraggebers, Clemens VII., der + seine Arbeiten durch andere Pläne unterbrach und auch über die + Ausführung der Gräber öfter seine Ansichten wechselte, Zwistigkeiten + mit seiner Familie, Schwätzereien der Florentiner, Verdächtigungen und + Intriguen seiner Feinde brachten ihn in diese Stimmung, in der ihm die + Stadt wie eine grausame, spottlustige, launische Geliebte erschien. + (Vgl. Grimm, "Fiorenza", Pr. Jahrb. Bd. 47, p. 319ff.). -- Frey hält + das Capitolo für ein Liebesgedicht, eine von vier Versionen, die 1546 + von Michelangelo zu einem Madrigal (G. p. 100) verarbeitet wurden. + +2. G. p. 3. -- Epigramme, 1545. -- 1492 war Lorenzo il Magnifico + gestorben. Auf ihn folgte sein Sohn Piero II. 1494 zog Karl VIII. von + Frankreich über die Alpen, um seine Ansprüche auf Neapel geltend zu + machen. Nun hatte Piero mit Alfons II. von Neapel Beziehungen + angeknüpft und war so dem Angriff des Franzosen ausgesetzt, zumal auch + Lodovico il Moro Karl gegen Florenz hetzte. In der Gefahr verlor er + alle Fassung und lieferte schon in den ersten Verhandlungen die + Festungen des Landes aus. Die entrüsteten Florentiner vertrieben ihn + bei seiner Rückkehr aus der Stadt, die nun in die Hände der Franzosen + fiel. Es folgte die Zeit Savonarolas, der 1498 gestürzt wurde. Die 1495 + eingerichtete republikanische Regierungsform musste wieder fallen, als + 1512 Julius II. Giovanni und Giuliano de Medici, die Brüder Pieros II., + in die Stadt zurückführte. Giovanni wurde 1513 als Leo X. Papst; auf + ihn folgte Giuliano und dieser gab bald seine Herrschaft an Pieros Sohn + Lorenzo II. Nach ihm Giulio, der 1523 als Clemens VII. den päpstlichen + Thron bestieg, die Herrschaft über Florenz aber mitbehielt. Als 1527 + Rom durch die kaiserlichen Truppen erobert und geplündert wurde, + machten in Florenz die Republikaner den Versuch, die frühere + Regierungsform wieder herzustellen, aber das vereinigte Heer der + Kaiserlichen und des Papstes zwangen die Stadt nach zehnmonatlicher + Belagerung (Michelangelo war bei der Befestigung tätig) zur Übergabe + (1530). Zur Herrschaft kam Lorenzos II. natürlicher Sohn Alexander, der + 1537 durch seinen Vetter Lorenzino ermordet wurde. Nun gelangte Cosimo, + des ersten Cosimo Urenkel, zur Herzogswürde und wusste in geschickter + Weise seine Herrschaft endgültig zu befestigen. -- 1545, als für die + aus Florenz geflüchteten Republikaner jede begründete Hoffnung auf + Wiederherstellung der Republik geschwunden war, entstanden die + Epigramme. Michelangelo antwortet in Rom auf einen Vierzeiler des + Giovanni di Carlo Strozzi (1517-1570). Dieser lebte in Florenz + humanistischen Studien und war Mitglied der Akademie. + +3. G. p. 25. -- Madrigal, 1545-46. -- Ein Zwiegespräch der verbannten + Florentiner mit ihrer Heimatstadt. + +4. G. p. 156. -- Sonett, wohl 1511, gegen Ende der Arbeiten an der + Sixtinadecke (1508-12). + +5. G. p. 158. -- Sonetto caudato oder ritornellato; das eigentliche Sonett + schliessen 1-2 Ritornelle, Kehrreime. Etwa 1508-11. -- Giovanni da + Pistoja, vielleicht, was Frey bezweifelt, Kanzler der Florentiner + Akademie. -- Das Gedicht spricht von den Mühen der Arbeit an der + Sixtinadecke. + +6. G. p. 338. -- Stanzen, Fragment, etwa 1518-24. Ein Spottgedicht auf + eine Unbekannte in Florenz. + +7. G. p. 68. -- Madr., 1535-46. An eine Unbekannte. + +8. G. p. 58. -- Madr., 1534-46. Nach Frey ist es an Vittoria Colonna in + der ersten Zeit der Freundschaft gerichtet. + +9. G. p. 97. -- Madr., 1546. An eine Unbekannte, die vielleicht mit der + Adressatin von No. 33 und 34 identisch ist. + +10. G. p. 178. -- Son., 1507-08, in Bologna, an ein unbekanntes Mädchen der + Stadt. + +11. G. p. 29. -- Madr., 1546. -- Luigi del Riccio war Geschäftsträger der + Strozzi in Florenz. Mit Michelangelo war er eng befreundet und leistete + ihm wichtige Dienste. Er verfolgte mit besonderem Interesse die + dichterische Tätigkeit des Meisters, mit feinem Verständnis + beurteilend, besprechend. Er bemühte sich auch um eine Herausgabe der + Gedichte und vereinigte deren 87 in der nach ihm benannten + Ricciosammlung. -- Auf ein unbekanntes Vorkommnis hin schrieb + Michelangelo das Gedicht in seiner ersten Fassung. Riccio erwiderte mit + folgendem Madrigal: + + Es darf kein Liebesdienst + Des Freundes lästig sein + Dem Freunde, denn ein alter, weltbekannter Satz + Verlangt, dass jedes Gut + Und jegliches Geschick + Ihnen gemeinsam sei. Ja Kerker, Tod + Sah man schon einen für den andern leiden, + Und Gut und Ehr' und Leben tauschen sie. + Drum kann ein Streit uns beide nicht entzweien, + Denn alles zu verzeihn, ist Freundschaft stets bereit. + + Darauf arbeitete Michelangelo sein Madrigal zu einer zweiten, längeren + Fassung um, die hier gegeben ist. + +12. G. p. 167. -- Son., 1551. -- Giorgio Vasari lebte 1512-74 und betätigte + sich als Maler, Architekt und Schriftsteller. Er stand beim Herzog von + Florenz in grosser Gunst und hatte in Michelangelos späteren Jahren + zwischen diesem und dem Herzog zu vermitteln (vgl. Brief 26. und 30). + Mit dem Sonett dankt ihm der Meister für die Zusendung der "Vite degli + artisti". + +13. G. p. 164. -- Son., 1555. Dank für Geschenke. + +14. G. p. 325-328. -- Fragment einer Dichtung in Stanzen. Nach Frey würde + dieser Teil in die Jahre 1536-40 fallen, während die Stanzengruppe, in + denen der Dichter das Landleben preist und die übrigen Laster geisselt + (G. p. 317-24), aus seinen letzten Jahren (1556) stammen, also zwei + selbständige Dichtungen vorliegen würden. -- Andere Deutungen für die + Gestalten der Dichtung: der Gigant der Stolz, das Weib die Grausamkeit, + oder Habsucht, oder der Geiz. Dazu Frey (a.a.O. 350): "All diese + Interpretationen sind individueller Art und unverbindlich. Es muss + gesagt werden, dass, so real Michelangelo diese Bilder ausgeführt hat, + so unbestimmt ist gleichwohl für uns ihre Bedeutung gelassen, wohl weil + auch dem Dichter während des Schöpfungsprozesses immer neue Gedanken, + Vergleiche und Züge in den Sinn kamen, die die ursprüngliche Richtung + abänderten. Gleichwohl lassen sich meiner Überzeugung nach doch + Michelangelos Intentionen ahnen und deuten, wenn man, was durchaus + nötig ist, mit den Stanzen das Sonett gegen die Pistojesen (G. p. 160) + vereint. Dort die Pistojesen, die al ciel nemici, invidiosi, superbi; + Söhne Kains hiessen sie, weil sie im Bruderkampfe sich gegenseitig + totschlugen. Hier trägt das Weib das Kainszeichen; freut es sich und + wächst del mal d'altrui, und die Pistojesen sind del danno loro amici. + Wie zur Zeit Dantes Neri und Bianchi in Pistoja sich zerfleischten, so + wieder zur Zeit der Revolution in Florenz. Und dann die Ermordung des + Herzogs Alessandro (1537). Die città intera, die der Gigant mit dem + Fusse deckt, wäre Pistoja, die montagne die dortigen Apenninen, die + vielfach den Parteien ricovero boten wie dem Weibe le gran rocche. + Besonders im Frühjahr 1537 waren die Wirren in Pistoja gross. ... Man + könnte annehmen, dass [Giovanni da Pistoja] ... ausführlich von allen + diesen Ereignissen Michelangelo unterhalten habe, und Schmerz und Zorn + über das Gehörte hätten ihn zu Dichtungen veranlasst, die wohl niemals + abgesandt worden sind." + +15. G. p. 5-21, No. 2, 3, 4, 7, 8, 12, 18, 20, 23, 31, 38, Epitaphien, + 1544. -- Im Jahre 1544 starb in Rom Cecchino (Francesco) de Zanobi + Bracci im Alter von 15 Jahren. Er war Riccios Neffe und wurde von + diesem zärtlich geliebt. Seit 1534 lebte er als verbannter Florentiner + in Rom, wegen seiner Schönheit allgemein bewundert. Sein Tod war für + Riccio ein herber Verlust. Die Freunde, unter ihnen auch Michelangelo, + bemühten sich, ihn zu trösten, und zu diesen Versuchen zählen auch die + ersten dieser Vierzeiler. Die Abfassung der Gedichte war anfangs + lebendig mit der Erinnerung an Cecchino verknüpft, löste sich aber bald + davon los, und das Grab des Freundes wurde zum Ort, an dem der Dichter + in stets neuen Beziehungen und knappster Fassung eigenartige Gedanken + über Leben und Tod aussprach. Riccio ermunterte den Freund durch Bitten + und Geschenke, durch Besprechung und Kritik zur Fortsetzung, und so + entstand im Laufe des Jahres 1544 eine Reihe von 48 vierzeiligen + Grabschriften. Kurze scherzhafte Bemerkungen unter den + Gedichtmanuskripten, die Michelangelo dem Freunde zusandte, zeigen, wie + sehr ihm dieser zusetzte. So zum Epitaph + + 12. "Wenn Ihr keine mehr wollt, so schickt mir nichts mehr." + + 16. (nicht in dieser Auswahl) "Ich wollte es Euch eigentlich nicht + schicken. Es ist ein gar zu plumpes Ding; aber die Forellen und + Trüffeln würden selbst den Himmel bezwingen. Ich empfehle mich + Euch." + + 20. "Für die gesalzenen Schwämme, wenn Ihr schon nichts weiter wollt!" + + 21. (n. i. d. A.) "Dies plumpe Ding, schon tausendmal aufgetischt, für + den Fenchel." + + 23. "Hier reden die Forellen, nicht ich; wenn Euch die Verse nicht + gefallen, dann mariniert sie das nächste Mal nicht mehr ohne + Pfeffer." + + 33. (n. i. d. A.) "Unbeholfene Sachen! Der Brunnen ist ausgetrocknet; + man muss abwarten, bis es regnet. Ihr habt zu grosse Eile!" + + 36. (n. i. d. A.) "Tolle Sachen! Wenn man aber von mir verlangt, ich + soll sie zu Tausenden fabrizieren, so muss schon von jeder Sorte + darunter sein!" + +16. G. p. 155. -- Son., 1545. Zugleich mit No. 59 entstanden. + +17. G. p. 50. -- Madr., Fragm., 1504/5-11. Adressat und Anlass unbekannt. + +18. G. p. 197. -- Son., Zeit, Adressat ist fraglich. Vielleicht 1534-38 in + Rom. + +19. G. p. 81. -- Madr., Adressat unbekannt. Entstehungszeit etwa Beginn der + 40er Jahre. + +20. G. p. 173. -- Son., am Anfang der Freundschaft mit Vittoria Colonna + entstanden, also in den nächsten Jahren nach 1536. -- Vittoria wurde + 1490 im Kastell Marino am Abhang der Albanerberge geboren. 1509 + vermählte sie sich mit Ferrante Francesco d'Avalos, dem Markgrafen von + Pescara. Während ihr Gemahl ein unstetes Kriegsleben führte, lebte + Vittoria meist auf Ischia und unterhielt mit den bedeutendsten Geistern + ihrer Zeit rege Beziehungen. Sie musste früh auf Mutterglück verzichten + und wandte sich ganz geistigen Interessen zu. In das Jahr 1512 fällt + das erste ihrer erhaltenen Gedichte und bald entfaltete sie ein reiches + Schaffen, von ihrer Zeit als die bedeutendste Frau, "la diva Vittoria + Colonna", gefeiert. 1525 starb Francesco. Von nun an lebte sie immer + eingezogener, obwohl stets in Beziehung mit der politischen und + künstlerischen Welt, meist in Klöstern, wie San Silvestro in Capite in + Rom, San Paolo in Orvieto, Santa Caterina in Viterbo (vgl. den vierten + ihrer Briefe an Michelangelo). Infolge der politischen Verhältnisse + änderte sie ihren Aufenthalt oft. 1534 kam sie durch die Berührung mit + Bernardino Ochino in die religiösen Reformbewegungen des 4. und 5. + Jahrzehnts und spielte in ihnen eine nicht unwichtige Rolle. 1534-40 + hielt sie sich viel in Rom im Kloster San Silvestro auf, und in die + frühere Zeit dieser Periode fällt wohl ihr erstes Zusammentreffen mit + Michelangelo, mit dem sie besonders in den Jahren 1538-40 regen Verkehr + unterhielt. Die nächste Zeit brachte ihr schweres Leid. In den Kämpfen + mit Paul III., 1540-41, wurde die Macht der Colonna vernichtet. Sie zog + sich nach Viterbo zurück und blieb dort bis 1544. 1544-47 war sie + wieder in Rom, von körperlichen und seelischen Leiden heimgesucht, aber + fortwährend in regem Austausch mit den bedeutendsten Persönlichkeiten + und selbst literarisch tätig. Die tiefsten ihrer religiösen Dichtungen + fallen in diese Zeit. 1547 starb sie im Kloster Sant' Anna de Funari, + das ihr letzter Aufenthaltsort gewesen war. + +21. G. p. 46. -- Madr., vielleicht um 1540/41. + +22. G. p. 169. -- Son. Es liegt in 6 Versionen vor. Diese ist die zweite + und wurde 1546 abgefasst. Die erste Fassung, die mit dem Brief 16. an + Vittoria abgesandt wurde, fällt in die Jahre 1538-41 oder 1544-46. -- + Vittoria hatte dem Dichter öfter "Dinge" (cose), vielleicht eigene + Dichtungen, angeboten, und er hatte sich lange geweigert, sie + anzunehmen, bevor er ihr nicht ein würdiges Gegengeschenk bieten könne. + +23. G. p. 80. -- Madr., 1534-46. + +24. G. p. 199. -- Son., in 8 Versionen überliefert; die hier übersetzte ist + die Schlussfassung, 1542-46. Die Ausarbeitung der früheren liegt wohl + um 10-20 Jahre zurück. Letztere sind an eine Frau, die gegebene Fassung + ist an einen Mann (signor) gerichtet. (Die Übersetzung sagt allerdings + "holde Fraue".) Gemeint ist Tommaso Cavalieri. Über ihn siehe zu No. + 38. + +25. G. p. 183. -- Son., 1529-30 in Florenz, an eine Unbekannte. + +26. G. p. 74. -- Madr., etwa 1544-46. Nach Frey an Vittoria, in den letzten + Jahren ihres Lebens. + +27. G. p. 38. -- Madr., Anfang der 40er Jahre. + +28.-31. G. p. 227, 229, 31, 226. -- Sonette, No. 30 Madr., sämtlich 1547 + entstanden, No. 28 als letzte von drei Versionen. + +32. G. p. 212. -- Son., nicht lange nach Vittorias Tod (1547), als letzte + von vier Versionen. + +33. G. p. 34. -- Madr., 1540-44, an eine Unbekannte. Vgl. No. 9. + +34. G. p. 35. -- Madr., wohl 1540-44, an eine Unbekannte. Vgl. No. 9. + +35. G. p. 253. -- Son., Entstehungszeit und Adressat unbekannt. + +36. G. p. 175. -- Son., 1546 als letzte von drei Versionen. Die früheren + fallen wohl in die Jahre 1538-42. + +37. G. p. 36. -- Madr., etwa 1542-44. + +38. G. p. 216. -- Son., vor 1534. -- Anfang der 30er Jahre begann + Michelangelos Freundschaft mit Tommaso Cavalieri, einem jungen Römer, + um bis zu seinem Tode, durch 32 Jahre, zu dauern. Was sie für den + unablässig nach der Schönheit und dem sittlich Hohen ringenden Meister + bedeutete, wie lauter er diese Beziehungen auffasste, zeigen besonders + die Dichtungen der 40er Jahre. + +39. G. p. 188. -- Son., 1533/34. + +40. G. p. 190. -- 1532-33. + +41. G. p. 92. -- Madr., vielleicht 1524 in Florenz, an eine unbekannte + Adresse. + +42. G. p. 224. -- Son., 1546, als Schlussfassung verschiedener, bis in die + zweite Hälfte der 30er Jahre zurückgehender Versuche. + +43. G. p. 208. -- Son., Florenz 1533. + +44. G. p. 250. -- Son., in seiner späteren Lebenszeit. + +45. G. p. 176. -- Son., nicht lange nach 1534. + +46. G. p. 223. -- Son., in dieser Fassung 1546. + +47. G. p. 218. -- Es liegen 7 Versionen und viele Varianten einzelner Verse + vor. Die früheren Fassungen (1.-4.) fallen in die Jahre 1536-42, die + hier gegebene fünfte 1546. + +48. G. p. 337. -- Stanze, vielleicht 1536-38, an einen unbekannten + Adressaten oder aber an Tommaso Cavalieri. + +49.-52. G. p. 202, 203, 205, 204. -- Sonette, aus der Periode, während der + Michelangelo am Jüngsten Gericht arbeitete, 1533-41. -- Der Anordnung + innerhalb der Gruppe folgt Frey a.a.O. 367: "Das erste gäbe das Thema + an, das die übrigen weiter entwickelten, wobei die teilweise noch + allgemeinen und unbestimmten Anschauungen zuletzt eine Steigerung und + konkreteren Inhalt erhalten hätten." + +53. G. p. 350. -- Canzonenfragment. Frey lässt Spielraum vom 2. Jahrzehnt + bis ins Alter des Dichters. + +54. G. p. 32. -- Madr., 1541-44, während Vittoria zurückgezogen in Viterbo + lebte. + +55. G. p. 83. -- Madr., 1534-46. + +56. G. p. 214. -- Son., nach 1534, in der späteren Zeit von Michelangelos + Freundschaft mit Cavalieri. + +57. G. p. 33. -- Madr., wohl 1534-42; vielleicht an Vittoria. + +58. G. p. 186. -- Son., Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre. + +59. G. p. 153. -- Son., 1545 als zweite von 5 Versionen. -- Vgl. No. 16. -- + Zur Entstehung des Gedichtes vgl. Frey, a.a.O. 425; Michelangelo + beschäftigte sich damals, nach Vollendung des Jüngsten Gerichts, + besonders intensiv mit Dante. + +60. G. p. 27. -- Madr., etwa 1544-46, nach einer wohl in den 30er Jahren + entstandenen Urversion. + +61. G. p. 177. -- Son., vor 1546; W. Robert-tornow (Die Gedichte des + Michelangelo Buonarroti, Berlin 1896) fasst das Gedicht als an Christus + gerichtet auf (p. 391). Freys Ansicht, der es den Cavalieri-Dichtungen + zuordnet, scheint wahrscheinlicher. + +62. G. p. 37. -- Madr., 1536-47. + +63. G. p. 30. -- Madr., vielleicht 1538-41 oder 1545/6. + +64. G. p. 94. -- Madr., vielleicht 1544/45. + +65. G. p. 172. -- Son., die letzte von 5 Versionen, 1550. (Die früheren + 1544/45 --.) + +66. G. p. 261. -- Son., Fragm., etwa 1560. + +67. G. p. 141. -- Madr., 1546. + +68. G. p. 128. -- Madr., nach 1547. + +69. G. p. 274. -- Son., Fragm., 1552-54. + +70. G. p. 259. -- Son., Fragm., nach 1525; ebenso wie No. 71 aus + vorübergehenden Stimmungen entstanden, Vorläufer der nach 50 häufig + auftretenden Gemütsverfassungen des Dichters. + +71. G. p. 123. -- Madr, die erste Fassung etwa 1536-42, die vorliegende + 1545/46. + +72. G. p. 230. -- Son., Frey, a.a.O. 486: "Vielleicht Michelangelos + schönstes Gedicht, nicht nur der letzten Epoche, sondern seines + Canzoniere überhaupt." + +73. G. p. 279. -- Son., Fragm., 1554. + +74. G. p. 232. -- Son., 1554/55. + +75. G. p. 238. -- Son., 1555. + +76. G. p. 244. -- Son., 1550-54. + +77. G. p. 240. -- Son., 1547-50. + +78. G. p. 245. -- Son., 1555. + +79. G. p. 246. -- Son., 1555. + +80. G. p. 241. -- Son., 1555 oder später. + + * * * * * + + + + +ZU DEN BRIEFEN MICHELANGELOS. + + +Der italienische Text nach Gaetano Milanesi, Le lettere di Michelangelo +Buonarroti, Firenze MDCCCLXXV (Mil. l. = Milanesi, lettera No. ...). +Ebendaher stammt die Datierung der Briefe, die nicht von Michelangelo +selbst herrührt. Leider konnte den Übersetzungen und Anmerkungen die in +Aussicht stehende kritische Gesamtausgabe der Briefe von C. Frey nicht mehr +zugrunde gelegt werden. + +1. Mil. l. CCCXLIII. -- Giuliano da San Gallo 1443 (45) bis 1516 (17), aus + Florenz, war Bildhauer und vor allem Architekt. Er baute in Rom für + Lorenzo den Prächtigen, wurde später nach Neapel gerufen und arbeitete + 2 Jahre für den Bischof von Ostia, den nachmaligen Papst Julius II. + Unter Julius veranlasste er den Bau einer besonderen Grabkirche für das + Denkmal, mit dessen Ausführung Michelangelo betraut war, unterlag er + aber mit seinem Entwurf gegen Bramante und verliess Rom. Nach kurzer + Zeit ernannte ihn der Papst zum Ingenieur, dann zum Architekten am Bau + der neuen Peterskirche. -- Durch seine Vermittlung war Michelangelo + 1505 nach Rom gekommen. Über dessen Flucht folgendes: 1505 hatte er vom + Papste den Auftrag erhalten, ihm ein Grabmonument zu errichten und war + noch im April desselben Jahres nach Carrara gegangen. Dort leitete er + bis zum Januar 1506 die Zurichtung der Blöcke und erwartete dann in Rom + deren Ankunft. Unterdessen hatte aber Julius den Plan des Grabdenkmals + fallen lassen und sich dem Neubau der Peterskirche zugewandt, für die, + wie oben gesagt, Bramantes Pläne gesiegt hatten. Als Michelangelo an + der veränderten Sachlage nicht mehr zweifeln konnte, floh er in seiner + Enttäuschung nach Florenz. Der Papst bemühte sich, ihn zur Rückkehr zu + bewegen, und veranlasste viele Freunde und Gönner des Meisters, ihm + brieflich oder mündlich zuzureden. Auf einen solchen Vermittlungsbrief + antwortet das vorliegende Schreiben. + +2. Mil. l. CXXVII. -- Vgl. Anm. zu Br. 3. -- Der alte Buonarroti hatte + Michelangelo geschrieben, das Betragen seiner Söhne, besonders + Giovansimones, mache ihm viel Kummer. In seiner Antwort (Mil. l. VII) + verspricht ihm Michelangelo, diesem einen Brief zu schreiben "auf meine + Art" -- eben den vorliegenden. + +3. Mil. l. X. -- Lodovico di Leonardo di Buonarrota Simoni (1444-1534) + trieb keinerlei Gewerbe, sondern lebte von dem geringen Ertrag seiner + wenigen Güter und dem Gehalt einer Zollschreiberstelle. Michelangelo + sorgte bis an sein Lebensende in aufopfernder Weise für seine Familie. + Von seinen Brüdern werden in den Briefen genannt: Buonarroto, von dem + das bis in unsere Zeit lebende Geschlecht der Buonarroti abstammt, + 1477-1528, Giovan Simone 1479-1548, Gismondo 1481-1555. -- Mona + Cassandra, Lodovicos Schwägerin, hatte mit diesem nach dem Tode ihres + Gatten einen Streit wegen ihrer Mitgift. -- Michelangelo malte damals + in der Sixtina. + +4. Mil. l. LXXX. -- Lorenzo Strozzi besass in Florenz eine Wollwirkerei, + in der Buonarroto beschäftigt war. + +5. Mil. l. XXII. -- Michelangelo pflegte sein Geld der Spitalverwaltung + von Santa Maria Nuova in Florenz anzuvertrauen. Der Spitalverwalter + wird auch noch in späteren Briefen öfter erwähnt. + +6. Mil. l. XXXVI. -- Vgl. Anm. zu Ged. No. 2. Als Julius II. mit + kaiserlichen Truppen Giuliano de Medici nach Florenz zurückführte, + wurde in den Tagen vom 29. August bis 19. September die Stadt Prato + besetzt und in furchtbarer Weise geplündert. + +7. Mil. l. XCII. -- Im fortgelassenen ersten Teil des Briefes gibt + Michelangelo seinem Bruder den Auftrag, eine gewisse Summe im Namen von + Michele di Piero da Settignano, eines seiner Steinmetzen, in Florenz + auszuzahlen. -- Die Arbeiten, über die er klagt, sind die für das + Juliusdenkmal. + +8. Mil. l. XXXIX. -- Michelangelo erhielt von den Erben Julius II. 1516 + die Erlaubnis, nach Belieben in Rom, Florenz oder Carrara an dem + Denkmal zu arbeiten. Tatsächlich ging er 1516 nach Carrara, um Material + zu beschaffen, und war auch einige Zeit in Florenz. Von hier aus + schrieb er an seinen Vater, der sich in Settignano, einem kleinen Ort + nahe bei Florenz, aufhielt, den Brief. Siehe auch Br. 9. + +9. Mil. l. CXII. + +10. Mil. l. CCCLXXXI. -- 1520 wurde Michelangelo vom Kardinal Giulio de + Medici beauftragt, für die Mediceer in Florenz ein Familiengrab zu + bauen. 1521 erhielt er eine Anzahlung und schloss mit einigen + Steinmetzgewerkschaften in Carrara Verträge auf Lieferung grosser + Marmormengen. Bald machte ihm aber der unbeständige Kardinal, der zudem + durch die politischen Wirren (die Kämpfe Karls V. mit Franz I.) in + Geldnöte geraten war, Schwierigkeiten. Er erklärte sich nicht bestimmt + über die Art der Ausführung und zögerte mit den Zahlungen. Die Arbeiten + ruhten, his Giulio 1523 als Clemens VII. den päpstlichen Thron bestieg. + 1524 begann der Bau der Kapelle (nuova sagrestia di San Lorenzo) und + war bald zu Ende geführt. Über die letzten Arbeiten, Laterne und + Goldkugel, berichtet der Brief. Der Papst, der wohl wissen musste, dass + es Michelangelos Charakter unmöglich war, die Leitung einer Arbeit mit + einem anderen zu teilen, versprach doch Andrea Sansovino die Teilnahme + an dem Werke. Im vorliegenden Brief verwahrt sich Michelangelo dagegen. + -- Über seine Stimmung während dieser Arbeiten vgl. Ged. No. 1 und Br. + No. 11. + +11. Mil. l. CCCXCVII. -- Sebastiano del Piombo (1485-1547) gehörte in Rom + zur Partei Michelangelos gegen Raffael. -- In dem am Schluss des + Briefes erwähnten Porträt vermutet Milanesi das wahrscheinlich + verlorene Bildnis des Francesco degli Albizzi, das Sebastiano in jener + Zeit vollendet und nach Florenz gesandt hatte. + +12. Mil. l. CXXIX. -- Der 1532 mit den Erben Julius II. abgeschlossene + Vertrag bestimmte, dass Michelangelo Zeit und Arbeit zwischen Rom und + Florenz teilen dürfe. -- Mona Margherita war eine nahe Verwandte. -- + Ser Giovan Francesco Fattucci war Kaplan von Santa Maria del Fiore in + Florenz und mit Michelangelo sehr eng befreundet. + +13. Mil. l. CDXXIII. -- Der "Abgott", der wohl auch das Feuer entzündet + hat, das Michelangelo verzehrt, ist Cecchin Bracci. -- Der Dichter + schickt seinem Freunde ein bereits umgearbeitetes Madrigal und spricht + von einer Zusammenkunft am Sonntag. Bei solchen Gelegenheiten wurden + die Gedichte durchgesprochen und gemeinsam ausgefeilt. + +14. Mil. l. CDXXXIX. -- Monsignor di Todi, Federigo Cesi, später Kardinal + von San Pancrazio. -- Urbino, eigentlich Francesco di Bernardino degli + Amatori, war Michelangelos Diener, Farbenreiber, Gehilfe, Schüler und + auch Freund. Vgl. Br. 27. + +15. Mil. l. CDXLVII. -- Der Brief begleitete eines der Epitaphien auf + Cecchinos Tod (G. No. 8: das 5. der unter No. 15 der Auswahl + zusammengestellten.). -- Riccio hatte wohl am vorhergehenden Tage eine + Ansicht ausgesprochen, die Brief und Gedicht widerlegen. + +16. Mil. l. CDLIV. -- Die Datierung von Brief 16 und 17 ist die von + Milanesi getroffene. Nach Frey besteht für sie ebenso wie für die von + Ged. No. 22, das mit Br. 16 abgeschickt wurde, der Spielraum von + 1538-41 oder 1544-46. (41-44 war Vittoria in Viterbo.) -- Vgl. Anm. zu + Ged. No. 22. + +17. Mil. l. CDLV. -- Vgl. die Briefe Vittorias No. 1 und 2; der vorliegende + Brief fällt wohl zwischen sie. -- Die letzten Zeilen deuten vielleicht + auf eine Absicht Michelangelos, die Zeichnung -- den Cruzifixus -- als + Gemälde auszuführen. "Mein Plan ist misslungen" übersetzt: "è stato + guasto il mio disegno" und würde auf eine Vereitelung dieser "Absicht" + anspielen, "disegno" kann auch mit "Zeichnung" übersetzt werden. "Meine + Zeichnung ist misslungen." Der Sinn wäre wohl derselbe. + +18. Mil. l. CLXII. -- Lionardo di Buonarroto Simoni, also ein Sohn von + Buonarroto, dem Bruder Michelangelos. An ihn ist ein grosser Teil der + Briefe gerichtet, etwa 200 von fast 500. -- Michelangelo hatte in einem + Briefe an Lionardo vom 16. Januar 1546 von einer Besitzung des + Francesco Corboli gesprochen, der falliert hatte und zu verkaufen + wünschte. Er hatte sich bereit erklärt, eine grössere Summe in einem + derartigen Wertobjekt anzulegen, und seinen Neffen beauftragt, + Erkundigungen einzuziehen. Seiner Familie in Florenz war daran gelegen, + sich die Summe zu sichern, und so war die Antwort sehr rasch gekommen + -- zu rasch für den etwas misstrauischen Meister. -- Der Trebbianer, + ein süsser oberitalienischer Wein, war sein Lieblingsgetränk. + +19. Mil. l. CDLIX. -- Franz I. von Frankreich schrieb im Februar 1546 den + hier erwähnten Brief. Michelangelo wurde durch den bald danach + erfolgten Tod des Königs (1547) von seinem Versprechen entbunden. -- Zu + jener Zeit arbeitete er an den Fresken der Capella Paolina in Rom + (1542-49) im Auftrag von Paul III. + +20. Mil. l. CLXXXVII. + +21. Mil. l. CXCI. + +22. Mil. l. CDLXII. -- Benedetto Varchi (1502-65), Historiker und Dichter, + gehörte zu den durch die Medici Vertriebenen. Durch Cosimo I. wurde er + zurückgerufen und schrieb in dessen Auftrag seine Geschichte von + Florenz. Das hier genannte Buch, eine seiner vielen kleinen Schriften, + behandelt die damals vielerörterte Frage, ob die Malerei oder die + Skulptur den Vorrang verdiene. (Due lezioni di Messer Benedetto + Varchi ... Firenze appr. Lorenzo Torrentino ... MDXLIX.) -- + Michelangelo war damals 74 Jahre alt. + +23. Mil. l. CCX. -- Die Frage der Heirat Lionardos und der Wahl einer + geeigneten Gattin wird im Briefwechsel seit Anfang 1547 erörtert. + Dieser Brief ist typisch für die Stellung des Meisters zur Frage. Erst + im Frühjahr 1553 (vgl. Br. 24) kam die Angelegenheit zum Abschluss, als + Lionardo Cassandra di Donato Ridolfi heimführte. + +24. Mil. l. CCLXIII. + +25. Mil. l. CDLXXII. -- Durch Vasari hatte Michelangelo die Nachricht von + der Geburt seines Grossneffen Buonarroto di Lionardo Simoni erhalten. + +26. Mil. l. CDLXXV. -- 1547 wurde Michelangelo, halb gegen seinen Willen, + als Nachfolger von Antonio da Sangallo zum Architekten von Sankt Peter + ernannt und widmete sich dieser Aufgabe bis an sein Lebensende. In + diesem und anderen Briefen wehrt er sich gegen die Bemühungen Cosimos, + ihn nach Florenz zu ziehen. Er hatte die Arbeit als eine ihm von Gott + auferlegte heilige Pflicht auffassen gelernt und führt dies als einen + Hauptgrund für sein Bleiben oft an. + +27. Mil. l. CDLXXVII. -- Vgl. Anm. zu Br. 14. -- Der am Schluss Genannte + ist Benvenuto Cellini. + +28. Mil. I. CCXC. -- Francesca war Michelangelos Nichte. + +29. Mil. l. CDLXXIX. -- Cosimo Bartoli, Difesa della lingua fiorentina e di + Dante ... 1566. -- 1556 unternahm Michelangelo eine Wallfahrt nach + Loreto, wurde aber in Spoleto, wo er sich einige Zeit aufhielt, durch + eine päpstliche Botschaft zurückgerufen. + +30. Mil. l. CCCIV. + +31. Mil. l. CCCXIV. -- Der Kardinal Rodolfo Pio da Carpi. + +32. Mil. l. CCCXX. + +33. Mil. l. CCCXL. + +34. Mil. l. CCCXLI. + + * * * * * + + + + +ZU DEN BRIEFEN VITTORIAS AN MICHELANGELO. + + +Der italienische Text bei Frey, a.a.O. in den Regesten p. 533 ff., ebendort +die Datierung. + +1. Von der Zeichnung, die der Brief nennt, sagt Ascanio Condivi, Vita, + Cap. LXIII: "Ihr zu Liebe zeichnete er Jesum Christum am Kreuze, aber + nicht mit dem Aussehen eines Toten, wie er gewöhnlich dargestellt wird, + sondern mit einer göttlichen Gebärde, das Antlitz zum Vater erhoben, + als ob er die Worte spräche "Eli, Eli". Sein Körper sinkt nicht tot und + schlaff herab, sondern krümmt sich lebendig in bitterer Qual." + +2. Von einer Ausführung der Zeichnung in Farben ist nichts bekannt. Vgl. + Br. 17. + +3. Condivi, Cap. LXIII: Auf die Bitte dieser Dame zeichnete er einen + nackten Christus, der vom Kreuz genommen ist. Wenn nicht zwei Engelchen + mit ihren Armen den Leichnam hielten, würde er schlaff zu den Füssen + seiner heiligsten Mutter niedersinken. Sie aber sitzt unter dem Kreuze + mit tränenüberströmtem, schmerzbewegtem Antlitz, hebt mit + ausgebreiteten Armen beide Hände zum Himmel und spricht diese Worte, + die auch auf dem Stamm des Kreuzes geschrieben stehen: "Und niemand + wägt den Preis, die Ströme Blutes". (Dante Par. 29, 91.) + +4. Während Vittoria sich im Katharinenkloster zu Viterbo aufhielt, + arbeitete Michelangelo in der Paolina. -- Die "Samaritanerin" ist eine + Zeichnung des Meisters: Christus in der Unterredung mit der + samaritanischen Frau am Brunnen. + +5. Der Brief hat vielleicht eine der vielen Gedichtsendungen Vittorias an + den Freund begleitet. + + * * * * * + + + + + +INHALTSVERZEICHNIS. + + +Die erste Zeile des italienischen Textes (nach Guasti) ist zur leichteren +Vergleichung mit anderen Ausgaben angegeben. + + Seite +Vorbemerkung, Verzeichnis der benutzten Übersetzungen V-VIII +Condivi, Leben Michelangelos, Kap. 62-68 1-6 +Dichtungen 7-92 +1. An Florenz 9 + Te sola del mie mal contenta veggio +2. Auf die "Nacht" 11 + La notte, che tu vedi in sì dolci atti +3. Florenz und die Verbannten 12 + Per molti, donna, anzi per mille amanti +4. An Julius II 13 + Signor, se vero è alcun proverbio antico +5. An Giovanni di Pistoja 14 + I'ho già fatto un gozzo in questo stento +6. An eine Hässliche 15 + Tu ha' 'l viso più dolce che la sapa; +7. Questa mia donna è sì pronta ed ardita 16 +8. Con più certa salute 17 +9. Quanto più par che il mio mal maggior senta 18 +10. Quanto si gode, lieta e ben contesta 19 +11. An Luigi del Riccio 20 + Perchè è troppo molesta +12. An Giorgio Vasari 21 + Se con lo stile o coi colori avete +13. An denselben 22 + Al zucchero, alla mula, alle candele +14. Aus den Stanzen zum Lob des Landlebens 23 + Un gigante v' è ancor, d'altezza tanta +15. Epitaphien 25 + Deh serbi, s' è di me pietate alcuna + Perchè ne' volti offesi non entrasti + Non volse morte non ancider senza + Qui son sepulto, e poco innanzi nato + Non può per morte già chi qui mi serra + Qui son morto creduto; e per conforto + Se fussin, perch' i' viva un' altra volta + S' i' fu' già vivo, tu sol, pietra, il sai + De' Bracci naqqui; e dopo 'l primo pianto + Se, vivo al mondo, d'alcun vita fui, + Col sol de' Bracci il sol della natura +16. Dante 28 + Quanto dirne si de', non si può dire +17. Come può esser ch' io non sia più mio? 29 +18. Rendete a gli occhi miei, o fonte o fiume 30 +19. Se l'alma è ver, dal suo corpo disciolta 31 +20. An Vittoria Colonna 32 + Non ha l'ottimo artista alcun concetto +21. An dieselbe 33 + A l'alta tuo lucente diadema +22. An dieselbe 34 + Per esser manco almen, Signiora, indegnio +23. An dieselbe 35 + Non posso non mancar d'ingegno e d'arte +24. Non so se s' è la desiata luce 36 +25. Dimmi di grazia, amor, se gli occhi miei 37 +26. Occhi mie' siete certi 38 +27. An Vittoria Colonna 39 + Se d'una pietra viva +28. Auf Vittoria Colonnas Tod 40 + Quand' el ministro de' sospir me' tanti +29. Aus demselben Anlass 41 + Qual maraviglia è se prossimo al foco +30. Aus demselben Anlass 42 + Per non s' avere a ripigliar da tanti +31. Aus demselben Anlass 43 + Se 'l mie rozzo martello i duri sassi +32. Nach Vittoria Colonnas Tod 44 + Tornami al tempo allor che lenta e sciolta +33. Se dal cor lieto divien bello il volto 45 +34. S'egli è che 'n dura pietra alcun somigli 46 +35. Molto diletta al gusto intero e sano 47 +36. An Vittoria Colonna 48 + Com' esser, donna, può quel ch'alcun vede +37. An dieselbe 49 + Negli anni molti e nelle molte pruove +38. An Tommaso Cavalieri 50 + Veggio nel tuo bel viso, signior mio +39. An denselben 51 + Veggio co' bei vostri occhi un dolce lume +40. An denselben 52 + S'un casto amor, s'una pietà superna +41. Di te me veggo e di lontan mi chiamo 53 +42. An Tommaso Cavalieri 54 + Ben può talor col mio ardente desio +43. An denselben 55 + Se 'l foco alla bellezza fusse equale +44. La forza d'un bel viso a che mi sprona? 56 +45. An Tommaso Cavalieri 57 + Al cor di zolfo, alla carne di stoppa +46. Non più che 'l foco il fabbro il ferro istende 58 +47. An Tommaso Cavalieri 59 + Per ritornar là donde venne fora +48. Indarno spera, come il vulgo dice 60 +49. Die Nacht 61 + Colui che fece e non di cosa alcuna +50. Die Nacht 62 + Ogni van chiuso, ogni coperto loco +51. An die Nacht 63 + O nott', o dolce tempo benchè nero +52. Die Nacht 64 + Perchè Febo non torc' e non distende +53. Gesang der Toten 65 + Chiunche nascie a morte arriva +54. An Vittoria Colonna 66 + Per fido esemplo alla mia vocazione +55. An dieselbe 67 + Come non puoi non esser cosa bella +56. An Tommaso Cavalieri 68 + Non vider gli occhi miei cosa mortale +57. Gli occhi miei vaghi delle cose belle 69 +58. An Vittoria Colonna 70 + La vita del mie amor non è 'l cor mio +59. Dante 71 + Dal ciel discese, e col mortal suo, poi +60. Non sempre al mondo è sì pregiato e caro 72 +61. Io mi son caro assai più ch' io non soglio 73 +62. An Vittoria Colonna 74 + Sì come per levar, donna, si pone +63. An dieselbe 75 + Ora in sul destro, ora in sul manco piede +64. An dieselbe 76 + Un uomo in una donna, anzi un dio +65. An dieselbe 77 + Da che concetto ha l'arte intera e diva +66. Di più cose s' attristan ghi occhi miei 78 +67. Non altrimenti contro a sè cammina 79 +68. Or d'un fler diaccio or d'un ardente foco 80 +69. Non può, signor mio car, la fresca e verde 81 +70. Vivo al peccato, a me morendo vivo 82 +71. Condotto da molt' anni all' ultim' ore 83 +72. Giunto è già 'l corso della vita mia 84 +73. Gl' infiniti pensier miei, d'error pieni 85 +74. Le favole del mondo m'hanno tolto 86 +75. Carico d'anni e di peccati pieno 87 +76. Vorrei voler, Signior, quel ch' io non voglio 88 +77. Deh fammiti vedere in ogni loco 89 +78. Non fur men lieti che turbati e tristi 90 +79. Mentre m'attrista e duol, parte m'è caro 91 +80. Scarco d'un' importuna e grave salma 92 +Briefe Michelangelos 93-131 + An Benedetto Varchi 120 + An Buonarroto 101, 104, 109 + An Clemens VII. 110 + An Franz I. von Frankreich 118 + An Giorgio Vasari 124, 125, 125, 127 + An Giovanni Simone 97, 112 + An Giuliano da Sangallo 95 + An Lionardo 116, 119, 120, 122, 123, 126, 128, 128, 129, 130, 131 + An Lodovico 100, 102, 103, 107 + An Luigi del Riccio 113, 114, 114 + An Sebastiano del Piombo 111 + An Vittoria Colonna 115, 116 +Briefe Vittorias an Michelangelo 135-138 +Anmerkungen zu den Gedichten 141-157 +Anmerkungen zu den Briefen 157-164 +Inhaltsverzeichnis 165-169 + + + + + +DAS MUSEUM + + +Eine Sammlung klassischer Denkmäler +der Literatur und Kultur. + +I. Schillers Flucht von Andreas Streicher. 2. Auflage. Elegant gebunden + 2 Mk. + +II. Russlands soziale Zustände von Alexander Herzen. Aus dem Russischen + von Malvida von Meysenbug. Elegant gebunden 2 Mk. + +III. Das Liederbuch "Annette" (mit einer Heliogravüre von Käthchen + Schönkopf) von Goethe. Elegant gebunden 1.50 Mk. + +IV. Das Athenäum. Eine romantische Zeitschrift von August Wilhelm und + Friedrich Schlegel. Elegant gebunden 4 Mk. + +V. Napoleon-Briefe. Herausg. von Hans Landsberg. Karton. 4 Mk., elegant + gebunden 4.50 Mk. + +VI. Napoleon von Hippolyte Taine. Karton. 2 Mk., elegant gebunden 2.50 + Mk. + +VII. Napoleons Reden und Gespräche. Herausg. von Hans Landsberg. Karton. 4 + Mk., elegant gebunden 4.50 Mk. + +VIII. Michelangelo, Gedichte und Briefe. Karton. 3 Mk., elegant gebunden + 3.50 Mk. + +Jeder Band ist einzeln käuflich. + + * * * * * + +Pan-Verlag, G.m.b.H., Berlin W. 35. + + + + + +MODERNE GEISTER + + +Essays zur Kunst und Literatur. +Herausgeber: Dr. Hans Landsberg. + +1. Ein Jahrhundert deutscher Malerei (1800-1900) von Rudolf Klein. 128 + Seiten mit 4 Vollbildern. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk. + +2/3. Brahms von Dr. Walter Pauli. 1.50 Mk. gebunden 2 Mk. + +4. Paul Heyse von Viktor Klemperer. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk. + +5. Gerhart Hauptmann von Dr. Hans Landsberg. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk. + +6. Bernard Shaw von Eduard Bernstein. 1 Mk., gebunden 1.50 Mk. + +Weitere Essays über Strindberg, Frenssen u.a. in Vorbereitung. + + * * * * * + + + + + +PAN-BIBLIOTHEK + + +I. Das Venusgärtlein. Ein Liederbuch aus der galanten Zeit. Herausg. von + Dr. Hans Landsberg. 2 Mk., elegant gebunden 3 Mk. + +II/III. Heine-Briefe. Gesammelt und herausg. von Dr. Hans Daffis. 2 Bde. 6 + Mk., elegant gebunden 8 Mk. + + * * * * * + +Pan-Verlag, G.m.b.H., Berlin W. 35. + +Herrosé & Ziemsen, G.m.b.H., Wittenberg + + + + + +FUSSNOTE + + +[1] An dieser Stelle sei den Herren Alphons Dürr, die den Wiederabdruck der +Übertragungen von Sophie Hasenclever gestatteten, der Spemannschen +Verlagshandlung und Herrn Prof. Reinhold Steig (Hermann Grimms +Übertragungen), der Schlesischen Verlagsanstalt (Bodenstedt) der +verbindlichste Dank ausgesprochen. + + + +***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MICHELANGELO GEDICHTE UND BRIEFE*** + + +******* This file should be named 15813-8.txt or 15813-8.zip ******* + + +This and all associated files of various formats will be found in: +https://www.gutenberg.org/dirs/1/5/8/1/15813 + + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you +do not charge anything for copies of this eBook, complying with the +rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose +such as creation of derivative works, reports, performances and +research. They may be modified and printed and given away--you may do +practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is +subject to the trademark license, especially commercial +redistribution. + + + +*** START: FULL LICENSE *** + +THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE +PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK + +To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free +distribution of electronic works, by using or distributing this work +(or any other work associated in any way with the phrase "Project +Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project +Gutenberg-tm License (available with this file or online at +https://gutenberg.org/license). + + +Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm +electronic works + +1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm +electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to +and accept all the terms of this license and intellectual property +(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all +the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy +all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession. +If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project +Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the +terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or +entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. + +1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be +used on or associated in any way with an electronic work by people who +agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few +things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works +even without complying with the full terms of this agreement. See +paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project +Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement +and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic +works. See paragraph 1.E below. + +1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation" +or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project +Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the +collection are in the public domain in the United States. If an +individual work is in the public domain in the United States and you are +located in the United States, we do not claim a right to prevent you from +copying, distributing, performing, displaying or creating derivative +works based on the work as long as all references to Project Gutenberg +are removed. Of course, we hope that you will support the Project +Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by +freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of +this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with +the work. You can easily comply with the terms of this agreement by +keeping this work in the same format with its attached full Project +Gutenberg-tm License when you share it without charge with others. + +1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern +what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in +a constant state of change. If you are outside the United States, check +the laws of your country in addition to the terms of this agreement +before downloading, copying, displaying, performing, distributing or +creating derivative works based on this work or any other Project +Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning +the copyright status of any work in any country outside the United +States. + +1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: + +1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate +access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently +whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the +phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project +Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed, +copied or distributed: + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + +1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived +from the public domain (does not contain a notice indicating that it is +posted with permission of the copyright holder), the work can be copied +and distributed to anyone in the United States without paying any fees +or charges. If you are redistributing or providing access to a work +with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the +work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1 +through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the +Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or +1.E.9. + +1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted +with the permission of the copyright holder, your use and distribution +must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional +terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked +to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the +permission of the copyright holder found at the beginning of this work. + +1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm +License terms from this work, or any files containing a part of this +work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. + +1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this +electronic work, or any part of this electronic work, without +prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with +active links or immediate access to the full terms of the Project +Gutenberg-tm License. + +1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, +compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any +word processing or hypertext form. However, if you provide access to or +distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than +"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version +posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org), +you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a +copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon +request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other +form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm +License as specified in paragraph 1.E.1. + +1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, +performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works +unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. + +1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing +access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided +that + +- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from + the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method + you already use to calculate your applicable taxes. The fee is + owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he + has agreed to donate royalties under this paragraph to the + Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments + must be paid within 60 days following each date on which you + prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax + returns. Royalty payments should be clearly marked as such and + sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the + address specified in Section 4, "Information about donations to + the Project Gutenberg Literary Archive Foundation." + +- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies + you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he + does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm + License. You must require such a user to return or + destroy all copies of the works possessed in a physical medium + and discontinue all use of and all access to other copies of + Project Gutenberg-tm works. + +- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any + money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the + electronic work is discovered and reported to you within 90 days + of receipt of the work. + +- You comply with all other terms of this agreement for free + distribution of Project Gutenberg-tm works. + +1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm +electronic work or group of works on different terms than are set +forth in this agreement, you must obtain permission in writing from +both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael +Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the +Foundation as set forth in Section 3 below. + +1.F. + +1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable +effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread +public domain works in creating the Project Gutenberg-tm +collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic +works, and the medium on which they may be stored, may contain +"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or +corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual +property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a +computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by +your equipment. + +1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right +of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project +Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project +Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all +liability to you for damages, costs and expenses, including legal +fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT +LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE +PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE +TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE +LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR +INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH +DAMAGE. + +1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a +defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can +receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a +written explanation to the person you received the work from. If you +received the work on a physical medium, you must return the medium with +your written explanation. The person or entity that provided you with +the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a +refund. If you received the work electronically, the person or entity +providing it to you may choose to give you a second opportunity to +receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy +is also defective, you may demand a refund in writing without further +opportunities to fix the problem. + +1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth +in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER +WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO +WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. + +1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied +warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages. +If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the +law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be +interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by +the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any +provision of this agreement shall not void the remaining provisions. + +1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the +trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone +providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance +with this agreement, and any volunteers associated with the production, +promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works, +harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees, +that arise directly or indirectly from any of the following which you do +or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm +work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any +Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause. + + +Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm + +Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of +electronic works in formats readable by the widest variety of computers +including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at https://www.gutenberg.org/about/contact + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. Compliance requirements are not uniform and it takes a +considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up +with these requirements. We do not solicit donations in locations +where we have not received written confirmation of compliance. To +SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any +particular state visit https://www.gutenberg.org/fundraising/donate + +While we cannot and do not solicit contributions from states where we +have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition +against accepting unsolicited donations from donors in such states who +approach us with offers to donate. + +International donations are gratefully accepted, but we cannot make +any statements concerning tax treatment of donations received from +outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. + +Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation +methods and addresses. Donations are accepted in a number of other +ways including including checks, online payments and credit card +donations. To donate, please visit: +https://www.gutenberg.org/fundraising/donate + + +Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic +works. + +Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + https://www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + diff --git a/15813-8.zip b/15813-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..c04cb91 --- /dev/null +++ b/15813-8.zip diff --git a/15813-h.zip b/15813-h.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..4ab256e --- /dev/null +++ b/15813-h.zip diff --git a/15813-h/15813-h.htm b/15813-h/15813-h.htm new file mode 100644 index 0000000..a62c7b3 --- /dev/null +++ b/15813-h/15813-h.htm @@ -0,0 +1,7023 @@ +<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
+<html>
+<head>
+<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html; charset=ISO-8859-1" />
+<title>The Project Gutenberg eBook of Michelangelo Gedichte und Briefe, by Michelangelo Buonarroti</title>
+<style type="text/css">
+/* leave room for page numbers; */
+body { margin-left: 9%; margin-right: 9%; max-width: 30em; }
+
+hr { width: 25%; height: 0px; margin: 1.5em auto; clear: both}
+hr.front { width: 100%; margin: 3em 0;}
+hr.deco { width: 3ex; }
+p { text-align: justify; text-indent: 1.5em; margin: 0; }
+p.noindent { text-indent: 0; }
+
+/* used in front matter */
+p.front { text-align: center; text-indent: 0em; margin: 3em; }
+
+h1 { text-align: center; }
+h2 { text-align: center; margin-top: 4em; }
+h3 { margin-top: 5em; margin-bottom: 2em; text-align: center; }
+p.ctr { margin: 1em; text-align: center; text-indent: 0}
+p.translator { text-align: right; margin: 5em; }
+
+.figure {padding: 1em; margin: auto }
+.figure img {border: 1px solid black; padding: 0}
+.figure p { text-indent: 0; font-style: italic; text-align:right; }
+
+/* special cases */
+div.poem#intro1 { margin-left:2em;}
+div.poem#intro1 div.stanza {margin: 0;}
+div.poem#intro2 {margin-left:2em; font-size:92%}
+/* generic poems */
+div.poem { margin-left: 0; }
+div.stanza { margin-top:1em; margin-bottom: 1em }
+
+div.poem p { text-align: left; margin: 0; padding-left: 3em; text-indent: -3em; }
+div.poem p.indent { padding-left: 5em; }
+div.poem p.indent2 { padding-left: 8em; }
+
+/* initial of poem */
+.stanza:first-child p:first-child:first-letter {
+ font-size: 200%;
+ line-height: 67%;
+}
+.poem[id] .stanza:first-child p:first-child:first-letter {
+ font-size: 100%;
+}
+
+p.summary {
+ font-size: 92%; margin: 1em 0;
+}
+p.summary + p.summary {
+ margin-top: -1em;
+}
+
+.bigcap:first-letter {
+ font-size: 144%;
+ line-height: 100%;
+}
+
+p.list { padding-left: 1em; text-indent: -1em; line-height: 1em; margin-bottom: 0.33em }
+
+/* translator of poem */
+.poemsrc { font-size: 92%; margin: 1em 0 5em 0; }
+.poemsrc p { text-align: right }
+div.poemsrc p.number { min-width: 0; }
+
+
+/* structure of letters: number (h3), to, date, text, your, sign */
+p.to {
+ text-align: center;
+ text-indent: 0;
+ font-size: 120%;
+ font-weight: bold;
+ margin-bottom: 1em; }
+p.date { text-align: right; font-size: 92%; margin: 1em 1.5em 0.5em 3em; }
+p.sign { text-align: right; font-size: 92%; margin: 0.5em 1.5em 2em 3em; }
+p.your { text-align: center; text-indent: 0; margin: 0; }
+
+h3 + p.to { margin-top: -1em }
+
+
+/* Page numbers, placed into the left margin */
+.pgnum { position: absolute; left: 1%; right: 8%; font-size: 8pt;
+ text-indent: 0; font-style: normal; font-weight: normal; text-align: left;
+ text-transform: none; letter-spacing:0; visibility: visible; }
+.pgnum:before { content: attr(title) ; }
+
+/* italics markup is originally spaced-out. This will render it accordingly.
+ Initial space has been included in <i> tag for proper spacing.
+ When using 'normal' italic style, You may wabt to replace "<i> " with " <i>" everywhere. */
+i { letter-spacing: 0.75ex; font-style: normal; }
+
+
+a { text-decoration: none}
+sup { font-size: 50% }
+sup:after { content: ")" }
+
+.footnote { font-size: 92%; line-height: 100%; }
+
+
+body > div.list { margin: 1em 0;}
+
+.list p {
+ margin: 0 0 0 4ex;
+ text-indent: 0;
+}
+.list-xl p {
+ margin: 0 0 0 6ex;
+ text-indent: 0;
+}
+
+.list div {
+ margin-left: 4ex;
+}
+
+.toc div.toc {
+ margin-left: 4ex;
+}
+
+.toc div {
+ clear: both;
+}
+.toc p {
+ margin: 0 0 0 4ex;
+ text-indent: 0;
+ text-align: left;
+}
+p.number {
+ float: left;
+ min-width: 3ex;
+ margin:0 1ex 0 0;
+ text-align: right;
+ text-indent: 0;
+}
+.list-xl p.number {
+ min-width: 5ex;
+}
+p.tocright {
+ float: right;
+ margin: 0 0 0 1em;
+ text-align: right;
+ max-width: 50%;
+}
+p.nonumber {
+ margin: 0 0 0 4ex;
+ text-indent: -4ex;
+ text-align: left;
+}
+
+.smaller {
+ font-size: 92%;
+}
+
+ hr.full { width: 100%; }
+ pre {font-size: 8pt;}
+</style>
+</head>
+<body>
+<h1>The Project Gutenberg eBook, Michelangelo Gedichte und Briefe, by
+Michelangelo Buonarroti, Edited by R. A. Guardini</h1>
+<pre>
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at <a href = "https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a></pre>
+<p>Title: Michelangelo Gedichte und Briefe</p>
+<p> In Auswahl herausgegeben von R. A. Guardini</p>
+<p>Author: Michelangelo Buonarroti</p>
+<p>Release Date: May 11, 2005 [eBook #15813]</p>
+<p>Language: German</p>
+<p>Character set encoding: ISO-8859-1</p>
+<p>***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MICHELANGELO GEDICHTE UND BRIEFE***</p>
+<p> </p>
+<h3>E-text prepared by Wallace McLean, Hagen von Eitzen,<br />
+ and the Project Gutenberg Online Distributed Proofreading Team</h3>
+<p> </p>
+<hr class="full" />
+<p> </p>
+<div class="figure" style="width:354px">
+<a href="images/front.jpg"><img width="352" height="500" src="images/front_tn.jpg" alt="[Illustration: Marcello Venusti pinx]" /></a>
+<p>Marcello Venusti pinx</p>
+</div>
+
+<p class="front"><a class="pgnum" id="page-iv" title="- iv -"></a><big>DAS MUSEUM VIII.</big></p>
+
+
+<h1>Michelangelo<br/>
+Gedichte und<br/>
+Briefe</h1>
+
+<p class="front"><big>In Auswahl herausgegeben</big><br/>
+von<br/>
+<big>R. A. Guardini</big></p>
+
+<hr class="deco"/>
+
+<p class="front">Pan-Verlag, Berlin 1907</p>
+
+<p class="bigcap">Michelangelo <a class="pgnum" id="page-v" title="- v -"></a>hat fast nur Persönlichkeitsgedichte
+geschrieben. Was er in jenem Madrigal über sein
+bildnerisches Schaffen aussprach,</p>
+
+<div class="poem" id="intro1">
+<div class="stanza">
+<p>Mich deucht, stets bild' ich mich,</p>
+<p>Und meine doch<i> ihr</i> Antlitz zu gestalten,</p>
+</div>
+</div>
+
+<p class="noindent">hätte er auch von seinem Dichten — er mehr als
+irgend einer — sagen können. Mit wenig Ausnahmen
+erzählen seine Verse, auch wenn er von
+anderen spricht, nur von<i> seinem</i> Empfinden,<i> seinem</i>
+Kämpfen, von den Werten und Idealen,
+die<i> er</i> suchte und in den geliebten Menschen
+verkörpert sah. Er war, zumal in reiferem Alter,
+stets mit sich allein, stets ein Mensch, der einsam
+mit der eigenen Seele zu ringen, sein edleres Selbst
+gegen Leidenschaften zu behaupten hatte, deren
+Wucht seine Schöpfungen ahnen lassen; und so
+liessen ihn die Spannungen in seinem Innern nicht
+zur Ruhe dessen kommen, der ein Geschautes
+schildert.</p>
+
+<p>Er wusste in seinen Dichtungen fast nur unmittelbar
+von sich zu sprechen oder sehnsüchtig
+die Menschen anzuschauen, anzurufen, in denen er
+den Frieden und die Schönheit zu sehen glaubte. Und
+es will scheinen, als sei es ihm auch in seiner
+Liebe nicht gelungen, sich wirklich an den Anderen
+<a class="pgnum" id="page-vi" title="- vi -"></a>zu verlieren, wirklich diesen, wie er war, zu sehen,
+als habe er auch in ihr den Genossen eigentlich
+nicht gefunden. Selbst in den Gedichten an Vittoria,
+von der er doch am ehesten hoffen durfte, sie gehe
+mit ihm den gleichen Weg, konnten Gedanken wie
+diese auftauchen:</p>
+
+<div class="poem" id="intro2">
+<div class="stanza">
+<p>Sage mir, Liebe, ob ich die heissersehnte</p>
+<p>Schönheit wirklich hier sehe, oder ob drinnen</p>
+<p>In meiner Seele sie lebt, und ich der Herrin</p>
+<p>Antlitz anschauend verkläre?</p>
+</div>
+</div>
+
+<p class="noindent">Es ist wie eine Ahnung, dass er auch in den geliebten
+Menschen nur Schönheiten sehe, die<i> er</i> ihnen
+erst verliehen, dass er nur von den Bildern seiner
+eigenen Vollkommenheitssehnsucht spreche, wenn er
+ihre Hoheit verehre.</p>
+
+<p>Michelangelos eigene ringende Seele, mehr enthalten
+seine Dichtungen nicht.</p>
+
+<p>Dieser Gedanke liegt der Anordnung zugrunde.
+Sie fasst die Gedichte zusammen, denen in der Seele
+ihres Schöpfers gleiche Voraussetzungen entsprechen,
+Grundkräfte, Anlagen seines Wesens, Ziele, die er
+erstrebte, Werte, die er bejahte und in denen er
+sein letztes Genügen fand. Die Ordnung dieser
+Gruppen untereinander versucht von der Wertung
+auszugehen, die Michelangelo selbst an ihrem Inhalt
+vollzogen hat, indem sie ihn an dem Bilde des
+Menschen misst, den er in sich zu verwirklichen
+strebte.</p>
+
+<p>Ist dies gelungen, dann bilden die Gedichte eine
+Reihe, die von relativ Äusserlichem ausgehend immer
+<a class="pgnum" id="page-vii" title="- vii -"></a>mehr zu dem vordringt, was Michelangelo als sein
+Wertvollstes und Eigenstes beurteilte.</p>
+
+<p>Dass bei diesem Versuch die Gefahr der Subjektivität
+nahe sei, habe ich mir nicht verhehlt; aber
+hier schien die beste Möglichkeit zu liegen, aus
+einer blossen Aneinanderreihung ein innerlich verbundenes
+Ganzes zu machen.</p>
+
+<p>Die Briefe sind chronologisch geordnet. Aus der
+grossen Zahl mussten sehr wenige ausgewählt werden.
+Es sind besonders solche, in denen das eigenartige Verhältnis
+des Meisters zur Familie, sein stetes Sorgen
+und bereitwilliges Helfen, dann auch seine Stellung
+zu Freunden und Auftraggebern zum Ausdruck kommt.</p>
+
+<p>Als Anhang sind die wenigen erhaltenen Briefe
+Vittorias an ihn beigefügt.</p>
+
+<p>Die Übersetzungen der Gedichte sind teils schon
+vorliegende ältere, deren Wiederdruck von den Herren
+Verlegern in liebenswürdiger Weise gestattet wurde,
+teils Neuübertragungen von<i> Bettina Jacobson</i>.<a id="FNA-1"></a><a href="#FN-1"><sup>1</sup></a>
+Die Briefe wurden vom Herausgeber sämtlich neu
+übersetzt. Der Auswahl gehen einige Kapitel aus
+Ascanio Condivis „Leben Michelangelos“ voraus, die
+etwa zehn Jahre vor seinem Tode unter seinen
+Augen entstand: eine einfache Fassung, der sich
+„die geschnittenen Steine“ der Dichtungen vielleicht
+zu klarerem Schimmer einfügen.</p>
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-viii" title="- viii -"></a>Die wiedergegebenen älteren Übertragungen
+stammen aus:</p>
+
+<p class="list">
+Michelangelos Gedichte, übersetzt von Sophie Hasenclever,
+Leipzig, Dürr 1875.</p>
+
+<p class="list">Übersetzungen von Hermann Grimm in: Grimm, Leben
+Michelangelos, Berlin, Spemann.</p>
+
+<p class="list">Übersetzungen von Bodenstedt in: Nord und Süd. Bd. 34.</p>
+
+<p class="list">Übersetzungen von Karl Witte in: Romanische Studien 1871.</p>
+
+<p class="list">Übersetzungen von Hans Grasberger in: <span lang="it">Le Rime di Michelangelo</span>
+1872.
+</p>
+
+<p class="sign"><i>R. A. Guardini.</i></p>
+
+<hr class="front"/>
+
+<p class="bigcap">„Michelangelo <a class="pgnum" id="page-1" title="- 1 -"></a>beschränkte sich in seiner Jugend
+nicht auf Skulptur und Malerei, sondern er widmete
+sich auch allen verwandten und ähnlichen Künsten;
+und das tat er mit solchem Eifer, dass er sich für
+einige Zeit fast völlig der Gemeinschaft der Menschen
+entzog und nur mit ganz wenigen Umgang pflegte.
+Dies brachte ihn in den Ruf eines hochmütigen oder
+seltsamen und phantastischen Menschen, und doch
+waren beide Fehler ihm gleich fremd. Es war die
+Liebe zur Tüchtigkeit und die treue Hingabe an die
+edlen Künste, die ihn — wie es vielen ausgezeichneten
+Männern geschah — einsam machten und ihn nur
+in deren Dienste Genüge und Ergötzung finden liessen.
+Darum war ihm die Geselligkeit keine Freude, ja
+verhasst, denn sie störte ihn in seiner Gedankenarbeit;
+war er doch, wie jener grosse Scipio zu sagen pflegte,
+nie weniger allein, als wenn er allein war.</p>
+
+<p>Doch suchte er gerne die Freundschaft derer, die
+ihm in tüchtigen und weisen Gesprächen irgendwelche
+nützliche Frucht boten, oder in deren Seele ein Strahl
+des Aussergewöhnlichen aufblitzte … Eine besondere
+und grosse Liebe verband ihn mit der Marchesana
+von Pescara, deren hoher Geist ihn gefangen hielt,
+und die ihm mit ausserordentlicher Liebe vergalt.
+Von ihr bewahrt er noch viele Briefe, voll von reiner
+<a class="pgnum" id="page-2" title="- 2 -"></a>und süsser Liebe, wie sie aus so edlem Herzen
+kommen mussten, und er hat an sie viele gar kunstvolle
+Sonette gerichtet, in denen eine innige Sehnsucht
+lebt. Sie verliess oft Viterbo oder andere
+Orte, wohin sie sich zur geistigen Sammlung oder
+zum Sommeraufenthalt zurückgezogen hatte, und kam
+nach Rom, einzig um Michelangelo zu sehen; und
+er trug zu ihr solche Liebe, dass ich ihn einst sagen
+hörte, er habe nur den Schmerz, dass er sie nicht,
+als sie aus diesem Leben schied, auf die Stirn oder
+den Mund küsste, wie er ihre Hand geküsst hatte.
+Und der Gedanke an ihren Tod liess ihn oft im
+Schmerz gleichsam erstarren.</p>
+
+<p>Wie er die Gespräche mit gelehrten Menschen
+sehr liebte, so fand er auch Ergötzen am Lesen der
+Schriftsteller, ob sie nun in Prosa oder in Versen
+schrieben, und besonders trägt er Verehrung für
+Dante, dessen wunderbares Genie ihn anzieht, und
+dessen Werke er fast ganz in treuem Gedächtnis
+bewahrt. Den Petrarca schätzt er vielleicht fast eben
+so hoch. Doch begnügte er sich nicht damit, sie zu
+lesen, sondern fand auch seine Lust daran, selbst zu
+dichten, und manche seiner Sonette legen für die
+grosse Kraft seiner Erfindung und seinen reinen
+Geschmack gutes Zeugnis ab … Aber all dies trieb
+er nur zu seinem Ergötzen und masste sich keinerlei
+Sachkenntnis darin an, setzte sich selbst vielmehr
+stets herab und betonte seine Unerfahrenheit in
+solcherlei Künsten.</p>
+
+<p>Mit gleichem Eifer und gleicher Aufmerksamkeit
+las er die heiligen Schriften des Alten und Neuen
+<a class="pgnum" id="page-3" title="- 3 -"></a>Testaments und suchte mit stetem Bemühen in ihren
+Sinn einzudringen. Gleicherweise studierte er die
+Werke Savonarolas, zu dem er stets grosse Zuneigung
+hatte, und noch bewahrt er im Gedächtnis den
+lebendigen Klang seiner Stimme.</p>
+
+<p>Auch liebt er die Schönheit des Körpers, ist er
+doch am tiefsten mit ihrem Wesen vertraut. Ja er
+liebt sie so sehr, dass sinnliche Menschen, die nur
+in unlauterer und unehrenhafter Weise die Schönheit
+zu lieben vermögen, Schlimmes von ihm dachten
+und sagten. Und doch wurde Alcibiades, der überaus
+schöne Jüngling, von Sokrates mit der keuschesten
+Liebe umfasst und er pflegte zu sagen, so oft er an
+dessen Seite geruht habe, sei er nie anders als wie
+ein Sohn von der Seite des Vaters aufgestanden.
+Ich habe oft Michelangelo über die Liebe reden und
+sich unterhalten hören, habe aber stets, auch von
+den übrigen, die dabei waren, vernommen, dass er
+nicht anders über die Liebe spreche, als wie bei
+Plato geschrieben steht. Ich weiss ja nun nicht,
+was Plato über diesen Gegenstand sagt; das aber
+weiss ich gewiss, dass ich lange seinen vertrauten
+Umgang genoss und aus seinem Munde stets nur
+Worte von strengster Lauterkeit vernahm, die in
+jedem Jüngling alle ungeordneten und zügellosen
+Wünsche niedergezwungen und ausgerottet hätten.
+Und dass sein Geist hässliche Gedanken nicht duldete,
+kann man auch daraus erkennen, dass er stets nicht
+nur die Menschenschönheit liebte, sondern alles
+Schöne, ein schönes Pferd und einen schönen Hund,
+die Schönheit einer Landschaft, eines Berges, eines
+<a class="pgnum" id="page-4" title="- 4 -"></a>Waldes, jede schöne Gegend und jegliches schöne
+und in seiner Art seltne Ding mit tiefer und wunderbarer
+Verehrung anschaute. So entnahm er überall
+der Natur das Schöne, wie die Bienen aus den
+Blüten den Honig sammeln, und legte es in seinen
+Werken nieder. Das haben aber alle die getan, die
+sich in der Kunst eines grösseren Rufes erfreuten.
+Jener Meister des Altertums begnügte sich, um die
+Venus zu bilden, nicht damit, nur<i> eine</i> Jungfrau zu
+sehen, sondern er wollte viele anschauen. Und indem
+er so von jeder das Schönste und Vollendetste
+nahm, schuf er daraus die Göttin. Und so viel steht
+fest: wer sich einbildet, er werde auf anderem, als
+auf diesem Wege, der allein zur rechten Anschauung
+führt, Grosses in der Kunst leisten, der täuscht sich
+in verhängnisvoller Weise.</p>
+
+<p>In seinem ganzen Leben beobachtete Michelangelo
+eine grosse Mässigkeit und bediente sich, zumal wenn
+er arbeitete, mehr aus Notdurft als zum Genusse
+der Speise. Meist begnügte er sich dann mit einem
+Stück Brot, das er ass, ohne die Arbeit zu unterbrechen
+… Oft hörte ich ihn sagen: „Ascanio, wenn
+ich auch noch so reich war, stets habe ich arm gelebt.“
+Und wie er nie viel ass, so schlief er auch
+wenig; pflegte er doch selbst zu sagen, der Schlummer
+habe ihm nie gut getan, habe ihm vielmehr fast immer,
+wenn er länger geschlafen habe, Kopfschmerzen verursacht.
+Als er noch von kräftigerer Gesundheit
+war, schlief er öfter in Kleidern und Stiefeln — dieser
+bediente er sich, weil er stets am Krampf litt
+und noch aus anderen Gründen — und manchmal
+<a class="pgnum" id="page-5" title="- 5 -"></a>liessen sie sich so schwer ausziehen, dass mit den
+Stiefeln auch die Haut mitging, so wie es bei der
+Schlange geschieht, wenn sie sich häutet.</p>
+
+<p>Nie geizte er nach Geld, noch strebte er danach,
+Reichtümer aufzuhäufen; vielmehr war er zufrieden,
+wenn er genug besass, um ruhig leben zu können …
+Viele seiner Werke hat er verschenkt und hätte doch
+durch ihren Verkauf unermessliche Summen lösen
+können … Er war aber nicht nur mit seinen Werken
+freigebig, sondern hat auch oft einem armen, doch
+tüchtigen jungen Menschen, der sich den Künsten
+oder der Wissenschaft widmete, mit seiner Börse
+geholfen; ich kann das bezeugen, denn mir selbst
+ist so von ihm geschehen. Nie war er neidisch auf
+die Erfolge anderer in seiner Kunst, und das mehr
+aus natürlicher Herzensgüte, als weil er von sich
+selbst eine hohe Meinung hätte. Er lobte das Gute
+in allen, selbst in Raffael von Urbino, mit dem er
+doch, wie ich oben schrieb, im Felde der Malerei
+manchen Kampf ausgefochten hat. Nur hörte ich
+ihn sagen, Raffael habe seine Kunst nicht von der
+Natur erhalten, sondern sie sich durch langes Studium
+erworben …</p>
+
+<p>Er besitzt ein ausserordentlich treues Gedächtnis,
+so dass er, der doch, wie man sehen kann, Tausende
+von Gestalten gemalt hat, nie auch nur zwei bildete,
+die sich ähnlich gesehen, oder die gleiche Haltung
+eingenommen hätten. Ich hörte ihn sagen, dass er
+keine Linie ziehe, ohne zu wissen, ob er sie bereits
+einmal gezogen habe; und wenn dies geschehen ist,
+lässt er sie nie stehen, falls das Werk für die Öffentlichkeit
+<a class="pgnum" id="page-6" title="- 6 -"></a>bestimmt ist. Auch besitzt er eine ungeheure
+Kraft gestaltender Phantasie, und daher kommt es
+vor allem, dass er stets so unzufrieden mit seinen
+Werken ist, und sie stets herabsetzt, denn noch nie
+schien es ihm, als sei es seiner Hand gelungen, das
+Bild zu formen, wie es in seinem Innern aufstieg.
+Und aus den gleichen Gründen ist er schüchtern,
+wie es die sind, die sich in Musse einem beschauenden
+Leben hingeben. Nur wenn ihm oder anderen Unrecht
+zugefügt wird, oder man seine Rechte verletzt,
+flammt er in gerechtem Zorne auf. Dann aber ist
+die Wucht seiner Abwehr grösser, als bei denen,
+die man für mutig hält …“</p>
+
+<p class="sign">Ascanio Condivi, Leben Michelangelos,<br/>
+Kap. 62–68.</p>
+
+<hr/>
+
+
+<h2><a class="pgnum" id="page-7" title="- 7 -"></a>Dichtungen.</h2>
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-9" title="- 9 -"></a>An Florenz.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Nur dich erfreut mein Gram! Sieh, welch Erbarmen</p>
+<p>Die holden Frau'n bewegt, dass Qual und Sterben</p>
+<p>Zu süss du noch erachtest für mich Armen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Wo ist nun Mitleid? Wen zum Schützer werben</p>
+<p>Vor Weibes Grimm, wenn Männer sich vernichten,</p>
+<p>In Hass und Kampf sich stürzen ins Verderben?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Du, Amor, sollst wie immer heut auch richten!</p>
+<p>Und reiche nur den Bogen ihren Händen;</p>
+<p>Bin schuldig ich, dann mag sie mich vernichten.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Der, welcher schmachtet zwischen Kerkerwänden,</p>
+<p>Der, den zum Tod man schleift in wilder Hetze,</p>
+<p>An welch ein Tribunal soll der sich wenden?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Was nützen ihm und mir Recht und Gesetze?</p>
+<p>Doch sag', warum lehrt dich mein Lieben hassen?</p>
+<p>Wer fasst es, dass dich Fleh'n in Wut versetze?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Dem Schatten gleicht dein Reiz, in dem erblassen</p>
+<p>Die dir sich nah'n; das Herz, das liebewarme,</p>
+<p>Muss schauernd sein Verderben hier umfassen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Ihr stolzen, stets zum Mord bereiten Arme,</p>
+<p>Ihr Augen, spottend der im Netz Verstrickten,</p>
+<p>Ihr Hände, höhnisch deutend auf uns Arme,</p>
+</div>
+
+
+<div class="stanza"><a class="pgnum" id="page-10" title="- 10 -"></a>
+<p>Ihr Gaben all, verliehen der Beglückten</p>
+<p>Zu hohem Ruhm, nicht schuf euch Gottes Wille,</p>
+<p>Um Tod und Schmach zu bringen uns Entzückten!</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Ihr sollt im Spiegel eurer Schönheitsfülle</p>
+<p>Den Glanz uns ahnen lassen jener Sphären,</p>
+<p>Die noch uns birgt des Staubes Schleierhülle.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die ird'sche Schönheit soll uns glauben lehren</p>
+<p>An ew'ge Schönheit, göttliche Vollendung;</p>
+<p>Und du lebst nur zu töten, zu verheeren!</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Ein Himmelsbote, spottend seiner Sendung,</p>
+<p>Verdient den Untergang noch mehr als jene,</p>
+<p>Die ihm gefolgt in menschlicher Verblendung.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die Liebe zeigt dein Ende mir, du Schöne,</p>
+<p>Dass meine Warnung deinen Stolz vernichtet</p>
+<p>Und dir ins Auge lockt die Reueträne.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>O fühle doch der Welt dich auch verpflichtet,</p>
+<p>Für die so schön geschaffen du; gefallen</p>
+<p>Lass dir die Lieder, dir zum Ruhm gedichtet.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die Tugend nützt sich selbst nicht nur, nein allen,</p>
+<p>Dem Himmel gleich, der Licht am meisten spendet,</p>
+<p>Wo sich am dunkelsten die Schatten ballen,</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Du aber hast dich geizig abgewendet;</p>
+<p>Wir sterben, du bleibst ungestraft auf Erden;</p>
+<p>Nun seht ihr, dass nicht hier das Dasein endet,</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Und dass Gerechtigkeit geübt muss werden</p>
+<p>In andern Welten. Weh, dass treue Dienste</p>
+<p>Man lohnt durch Qual und tödliche Gefährden!</p>
+<p>— — — — — — — — — —</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">1.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-11" title="- 11 -"></a>Auf die „Nacht“ des Buonarroti von
+Giovanni Strozzi.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>„Die Nacht, die wir in tiefem Schlummer sehen,</p>
+<p>Ein Engel schuf sie hier aus diesem Stein,</p>
+<p>Und weil sie schläft, muss sie lebendig sein,</p>
+<p>Geh, wecke sie, sie wird dir Rede stehen.“</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3>Entgegnung Michelangelos.</h3>
+
+<div class="stanza">
+<p>„Schlaf ist mein Glück; so lange Schmach und Kummer</p>
+<p>Auf Erden dauern, besser Stein zu bleiben,</p>
+<p>Nicht sehn, nicht hören bei so schnödem Treiben.</p>
+<p>Sprich leise drum und stör' nicht meinen Schlummer.“</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">2.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-12" title="- 12 -"></a>Florenz und die Verbannten.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>„Für tausend Liebende bist du geboren</p>
+<p>In Engelsschönheit! Schläft der Himmel heute,</p>
+<p>Dass du des einen Beute,</p>
+<p>Du allen einst geschenkt und nun verloren?</p>
+<p>Sind wir, ach fern geboren,</p>
+<p>Nicht ganz verschmäht, so lass für uns auch tagen,</p>
+<p>Für uns Verbannte deiner Augen Sonnen!“</p>
+<p class="indent">„Wohlan, nicht sinke euer Mut, ihr Toren,</p>
+<p>Denn nicht den grossen Raub lässt grosses Zagen</p>
+<p>Geniessen den, der mich zum Schein gewonnen;</p>
+<p>Und seht, ist nicht inmitten aller Wonnen</p>
+<p>Unfähig zum Genusse sein, viel schlimmer,</p>
+<p>Als dulden bei der Hoffnung fernstem Schimmer?“</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">3.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-13" title="- 13 -"></a>An Julius II.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Herr, hatte je ein altes Sprichwort Wert,</p>
+<p>So hat es dies: Wer kann, der will noch nicht.</p>
+<p>Auf hohle Reden legtest du Gewicht</p>
+<p>Und hast mit Gunst der Wahrheit Feind geehrt.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Stets hab' ich mich in deinem Dienst bewährt,</p>
+<p>Dein, wie der Sonne ihrer Strahlen Licht;</p>
+<p>Doch, wenn ich Zeit verloren, rührt's dich nicht,</p>
+<p>Und schaltest mehr, je mehr ich mühbeschwert.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Mein Hoffen hatt' ich ganz auf dich gestellt,</p>
+<p>Nur war ein gutes Schwert und rechte Wage</p>
+<p>Mehr angebracht als hohles Echowort.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Doch wahrer Tugend wert hält diese Welt</p>
+<p>Der Himmel nicht, will er, dass Früchte trage</p>
+<p>Ein hohler Baum für uns, der schon verdorrt.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">4.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-14" title="- 14 -"></a>An Giovanni di Pistoja.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Schon wuchs ein Kropf mir bei den Quälerei'n,</p>
+<p>Wie's Katzen in der Lombardei geschieht</p>
+<p>Vom Wasser, (oder wie man's sonst wo sieht),</p>
+<p>Denn in den Bauch drückt schon das Kinn sich ein.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Der Bart starrt aufwärts, der Gedächtnisschrein</p>
+<p>Liegt im Genick; wie bei Harpyien flieht</p>
+<p>Die Brust, und übers Antlitz tröpfelnd zieht</p>
+<p>Der Pinsel Mosaïken reich und fein.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die Lenden sind mir in den Wanst gespannt,</p>
+<p>Dagegen ward mein Hinterteil zur Kruppe;</p>
+<p>Unsichern Schritts, ein Blinder, wanke ich.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Vorn nimmt die Haut in Falten überhand,</p>
+<p>Und hinten spannt sie über harter Kuppe,</p>
+<p>Denn wie ein Syrerbogen krümm' ich mich.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p class="indent2">So geht auch wunderlich</p>
+<p>Und falsch das Urteil aus dem Hirn hervor,</p>
+<p>Denn schlecht nur fährt ein Schuss aus schiefem Rohr.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p class="indent2">Such' nun, o Freund, hervor,</p>
+<p>Was noch für meine toten Bilder spricht!</p>
+<p>Schlecht ist mein Platz, zum Malen taug' ich nicht!</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">5.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-15" title="- 15 -"></a>Spottgedicht.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>So süss wie Mus ist dein Gesicht, o Schöne,</p>
+<p>So glatt, als wär' ein Schnecklein drauf spaziert,</p>
+<p>Wie Rüben zart; es gleichen deine Zähne</p>
+<p>Den Pastinaken, und dein Auge stiert</p>
+<p>So wie die Theriakpflanze grün; ich wähne,</p>
+<p>Durch solchen Glanz wird selbst ein Papst verführt.</p>
+<p>Wie Zwiebeln weiss und blond sind deine Haare!</p>
+<p>Erbarm' dich schnell, sonst lieg' ich auf der Bahre!</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">6.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-16" title="- 16 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>So rasch, so kühn, mit Lug und Trug im Bunde</p>
+<p>Ist meine Freundin, dass sie Huld versprochen</p>
+<p>Im Augenblick, da sie mein Herz durchstochen,</p>
+<p>Und schon das Eisen steckte in der Wunde.</p>
+<p>Ach, zu derselben Stunde</p>
+<p>Durchwärmt mich Leben, da mich Tod durchschauert!</p>
+<p>Die bange Seele trauert,</p>
+<p>Denn wenn dies Schwanken dauert,</p>
+<p>Besiegt der Tod das Leben. Mehr vernichtet</p>
+<p>Das Böse, als das Gute heilt und schlichtet.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">7.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-17" title="- 17 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Genöss' ich mindre Gnade,</p>
+<p>Dann reichte wohl zum Leben meine Kraft,</p>
+<p>Nun aber ist erschlafft</p>
+<p>Durch Zähren, die in Doppelbächen fliessen,</p>
+<p>Mein Herz und krank vom Tränenbade.</p>
+<p>So muss das hohe Glück die Schwäche büssen!</p>
+<p>Kein Weiser will geniessen,</p>
+<p>Wozu die Kraft ihm fehlet,</p>
+<p>Denn Wonne ohne Mass erdrückt hienieden.</p>
+<p>Ein stilles Glück wird spriessen,</p>
+<p>Vom Friedenshauch beseelet,</p>
+<p>Dem Herzen, das in Demut sich beschieden.</p>
+<p>Nicht bringt, was andern ziemt, auch mir den Frieden;</p>
+<p>Giebst dem, der nur um kleinen Lohn gebeten,</p>
+<p>Das Höchste du, so wird das Glück ihn töten.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">8.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-18" title="- 18 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Wenn sich die Schmerzen, die mein Antlitz trüben,</p>
+<p>Dir, teure Herrin, zeigen,</p>
+<p>So scheinen sie zu steigen</p>
+<p>In gleichem Mass, wie in dem deinen, lieben,</p>
+<p>Das frei von Gram geblieben,</p>
+<p>Die Reize sich erhöh'n; durch meine Leiden</p>
+<p>Will Amor dich Geliebte noch verschönen;</p>
+<p>Da Ruhm dir bringt solch Lieben,</p>
+<p>So duld' ich denn mit Freuden.</p>
+<p>Macht schon mein Gram dich schön, wie erst mein Sterben!</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Und doch, wenn meine Tränen,</p>
+<p>Die Glanz und Reiz erhöh'n in deinen Zügen,</p>
+<p>Einst durch den Tod versiegen,</p>
+<p>So bringt mein Tod statt Ehre dir Verderben.</p>
+<p>Nun will ich nicht mehr sterben,</p>
+<p>Nein, dulden will ich gern in deiner Nähe,</p>
+<p>Denn süss ist Gram, der solche Schönheit nähret;</p>
+<p>Wem sie zu schau'n bescheret,</p>
+<p>Der trägt ja leicht zugleich ein grosses Wehe.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">9.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-19" title="- 19 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Der goldne Kranz, sieh, wie er voll Entzücken</p>
+<p>Das blonde Haar mit Blüten rings umfängt,</p>
+<p>Es darf die Blume, die am tiefsten hängt,</p>
+<p>Den ersten Kuss auf deine Stirne drücken.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Wie freudig das Gewand den langen Tag</p>
+<p>Sich um die Schultern schliesst und wieder weitet</p>
+<p>Am Hals, zu dem das Haar herniedergleitet,</p>
+<p>Das dir die Wangen gern berühren mag.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Sieh aber hier, wie mit verschränkten Schnüren</p>
+<p>Nachgiebig und doch eng das seidne Band</p>
+<p>Beglückt ist, deinen Busen zu berühren.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Der Gürtel spricht: Lass mich die Lust geniessen,</p>
+<p>Dass ewig meine Haft dich so umspannt —</p>
+<p>Wie würden da erst Arme dich umschliessen!</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">10.</p><p>Hermann Grimm.</p>
+</div>
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-20" title="- 20 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Weil man wie Seelenzwang,</p>
+<p>Erscheint sie auch als Labe,</p>
+<p>Die Gunst empfindet, sich gebunden glaubt,</p>
+<p>So klagt mein Freiheitsdrang</p>
+<p>Ob deiner werten Gabe</p>
+<p>Mehr noch, als hätte mich ein Dieb beraubt.</p>
+<p>Und kann zum Strahlenhaupt</p>
+<p>Der Sonne ungeschwächt kein Auge dringen,</p>
+<p>Das doch erstarken müsst' bei solchem Wagen,</p>
+<p>So möchte kraftberaubt</p>
+<p>Nicht mein Vermögen sein, dir Dank zu bringen.</p>
+<p>Oft muss vorm Überfluss der Mangel zagen,</p>
+<p>Und jener wieder über diesen klagen:</p>
+<p>Denn Liebe will nur solche Freunde nennen,</p>
+<p>(Wie selten ach)! die gleich an Glück und Können.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">11.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-21" title="- 21 -"></a>An Giorgio Vasari.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Mit deinem Griffel, deinen Farbentönen</p>
+<p>Hast gleich die Kunst du der Natur gemacht,</p>
+<p>Ja übertroffen sie zum Teil an Macht,</p>
+<p>Da fähig du, ihr Schönes zu verschönen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Doch heut erst wird vollständ'ger Sieg dich krönen,</p>
+<p>Dich, der auf höh're Werke jetzt bedacht,</p>
+<p>Denn deine Schrift erhellt des Grabes Nacht</p>
+<p>Und gibt Unsterblichkeit den Erdensöhnen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Ob auch die Kunst oft die Natur bezwungen,</p>
+<p>Ob Jahre ihre Werke nicht verletzen,</p>
+<p>Sie hindert's nicht, dass alle einst zerstäuben.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Du aber, Taten singend, die verklungen,</p>
+<p>Du, Tote weckend trotz Naturgesetzen,</p>
+<p>Wirst du und werden sie lebendig bleiben.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">12.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-22" title="- 22 -"></a>An Giorgio Vasari.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Ein Maultier, Kerzen, wahre Zuckermassen!</p>
+<p>So über mein Vermögen handelt Ihr,</p>
+<p>Dazu die grosse Flasche Malvasier,</p>
+<p>Dass ich Sankt Michael muss die Wage lassen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Zu schönes Wetter lässt kein Lüftchen blasen:</p>
+<p>Das Segel hängt, der Kurs entschwindet mir,</p>
+<p>Mein schwaches Schifflein scheint ein Splitter schier,</p>
+<p>Den wilden Meeresfluten überlassen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Erwäg' ich Eure Gaben, Eure Güte</p>
+<p>Und Speis' und Trank und freundliches Bedenken,</p>
+<p>Dass man auf Reisen sorglich mich behüte, —</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Dann würde sich mein Dank auf nichts beschränken,</p>
+<p>Selbst wenn ich Euch mich selbst als solchen biete,</p>
+<p>Denn eine Schuld bezahlen, heisst nicht schenken.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">13.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-23" title="- 23 -"></a>Aus den Stanzen zum Lob des Landlebens.</h3>
+
+<p class="summary noindent">(Michelangelo schildert im ersten Teil des Gedichtes die
+Reize des ländlichen Lebens und stellt diesem die Reihe
+der Laster gegenüber, die dem Reichen in der Stadt das
+Leben verbittern: Zweifelsucht, Falschheit, Schmeichelei,
+Zwist, Betrug, Lüge, endlich, in den folgenden Stanzen, den
+Hochmut, die Missgunst und die sieben Todsünden, ihre Kinder.)</p>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Der Riese Stolz bläht sich so hoch, dass nimmer</p>
+<p>Er uns im Staub gewahrt; manch schöne Stadt</p>
+<p>Zermalmt mit plumpen Sohlen er in Trümmer;</p>
+<p>Zur Sonne will er schaffen sich den Pfad,</p>
+<p>So baut er Turm auf Turm, doch ihren Schimmer</p>
+<p>Sah er noch nie, da nur ein Aug' er hat,</p>
+<p>Und dies ihm an der Ferse sitzt. Im Wahne</p>
+<p>Durchrast die Himmel er gleich dem Orkane.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die Berge sind den Sohlen jenes Hünen,</p>
+<p>Was uns ein Sandkorn ist. Der Drachen Brut</p>
+<p>Birgt sich in seinem Fell und neben ihnen</p>
+<p>Erscheint der Walfisch in der Meeresflut</p>
+<p>Wie eine Fliege klein. Es schreckt den Kühnen</p>
+<p>Nur eins: Wenn sich erhebt der Stürme Wut</p>
+<p>Und Staub und Halme wirbelnd aufwärts sendet,</p>
+<p>Sein einzig' Auge durch den Qualm ihm blendet.</p>
+</div>
+
+
+<div class="stanza"><a class="pgnum" id="page-24" title="- 24 -"></a>
+<p>Auch eine träge Alte ist ihm teuer,</p>
+<p>Die grosse Amme seiner Ungestalt,</p>
+<p>Sie nährt in ihm der wilden Kühnheit Feuer,</p>
+<p>Sie reizt ihn an zu Frechheit und Gewalt.</p>
+<p>Wohnt nicht das Weib bei diesem Ungeheuer,</p>
+<p>So birgt es sich im tiefsten Felsenspalt.</p>
+<p>Geht müssig er, hockt sie in dunkler Kammer</p>
+<p>Und schickt dem Volke Hungersnot und Jammer.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Im Busen, aus dem alle Übel stammen,</p>
+<p>Trägt sie das Zeichen ihres Herrn; die Qual</p>
+<p>Des Nächsten mästet sie, sie schrumpft zusammen</p>
+<p>Bei andrer Glück, die Gier stillt ihr kein Mahl;</p>
+<p>Sie peinigt alle mit des Hasses Flammen</p>
+<p>Und liebt, o Wunder, selbst sich nicht einmal.</p>
+<p>Ihr Arm ist Eisen, Stein das liebeleere</p>
+<p>Das eis'ge Herz; sie schlinget Berg und Meere.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Und beider Kinder — sieben sind's — durchfliegen</p>
+<p>Die Welt von Pol zu Pol, ein Höllenchor;</p>
+<p>Nur die Gerechten wollen sie bekriegen,</p>
+<p>Sie schliessen auf und zu des Abgrunds Tor,</p>
+<p>Denn Beute bringen sie nach grossen Siegen;</p>
+<p>Unzähl'ge Arme strecken sie hervor,</p>
+<p>Um nach und nach die Seelen ganz zu binden</p>
+<p>Wie Eupheuranken einen Turm umwinden.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">14.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-25" title="- 25 -"></a>Epitaphien.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>O fühlest du mit mir, der hier im Staube</p>
+<p>Verschlossen ruht, der Welt entrückt, Erbarmen,</p>
+<p>So spare deine Tränen für die Armen,</p>
+<p>Die leben, wechselndem Geschick zum Raube.</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr/>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Warum ergreifst du Tod nicht müde Greise,</p>
+<p>Warum soll ich in meiner Blüte sterben?</p>
+<p>„Weil das, was altert in der Welt Verderben,</p>
+<p>Nicht aufschwebt und nicht weilt im Himmelskreise.“</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr/>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Nicht mordete mit hoher Jahre Waffen</p>
+<p>Der Tod die Schönheit, die der Staub hier deckt,</p>
+<p>Er nahm sie schnell, auf dass sie unbefleckt</p>
+<p>Zum Himmel kehre, schön wie sie geschaffen.</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr/>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Geboren war ich erst vor kurzer Frist,</p>
+<p>Als man mich hier begrub; so schnell entführet</p>
+<p>Der Tod mich, dass der freie Geist kaum spüret,</p>
+<p>Wie sehr sein Zustand jetzt verwandelt ist.</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr/>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Nicht <a class="pgnum" id="page-26" title="- 26 -"></a>gab der Himmel meiner Reize Fülle,</p>
+<p>Die Vielen er zum Schmuck für mich entriss,</p>
+<p>Durch meinen Tod zurück, da ich gewiss</p>
+<p>Am jüngsten Tag mich kleid' in gleiche Hülle.</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr/>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Man glaubt mich tot, der ich gelebt zum Frommen</p>
+<p>Der Welt, im Busen tragend tausend Seelen,</p>
+<p>Die mich geliebt; wie kann mir Leben fehlen,</p>
+<p>Da eine Seele nur der Tod genommen?</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr/>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>O würden Fleisch und Blut für meine Knochen —</p>
+<p>Dass ich aufs neue lebte — eure Tränen,</p>
+<p>Dann wär' aus Mitleid hart, wer weint; sein Sehnen</p>
+<p>Zwäng' mich zurück ins Joch, das ich zerbrochen.</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr/>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Dass ich gelebt, weiss nur mein Leichenstein,</p>
+<p>Und denkt ein Mensch an mich, dann dünkt's ihn gar</p>
+<p>Wie Traum; so wirkt der Tod, dass das, was war,</p>
+<p>Erscheint, als könnt' es nie gewesen sein.</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr/>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Ich, Braccio von Geschlecht, sah, seit in Schmerzen</p>
+<p>Zur Welt ich kam, nur kurze Zeit den Tag;</p>
+<p>Nun bin ich hier, wo gern ich harren mag,</p>
+<p>Leb' ich nur fort in meines Freundes Herzen.</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr/>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>War <a class="pgnum" id="page-27" title="- 27 -"></a>ich im Leben, der ich Staub jetzt bin,</p>
+<p>Des Freundes Leben, muss nicht Tod allein,</p>
+<p>Nein eifersücht'ge Qual dem Freund es sein,</p>
+<p>Stirbt je vor ihm ein andrer für mich hin?</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr/>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Der Bracci Sonne sank hinab ins Grab,</p>
+<p>Mit ihr die Sonne der Natur. Nicht Waffen</p>
+<p>Bedurft' der Tod, um ihn dahin zu raffen;</p>
+<p>Ein Hauch schon bricht die Frühlingsblume ab.</p>
+</div>
+</div>
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">15.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-28" title="- 28 -"></a>Dante.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Kein Lob erreicht ihn, denn was könnt' ich sagen,</p>
+<p>Da selbst den Blinden er voll Glanz erschienen?</p>
+<p>Doch dazu soll die Sprache jetzt mir dienen,</p>
+<p>Das Volk, das ihn beleidigt, anzuklagen!</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Ihm, der zum Reich der Seelen, die verloren,</p>
+<p>Hinabstieg, ihr Geheimnis zu erraten;</p>
+<p>Ihm, dem die Himmelstore auf sich taten,</p>
+<p>Verschloss die eigne Vaterstadt die Tore.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>O Vaterland des Undanks! Dir zum Schaden</p>
+<p>Hast du ihn ausgestossen! Du, das stets</p>
+<p>Die Besten mit dem schwersten Schmerz beladen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Nur seinen Namen braucht die Welt zu lesen!</p>
+<p>Denn ward ein Mann unwürd'ger je verbannt</p>
+<p>Und ist ein Mann so gross wie er gewesen?</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">16.</p><p>Hermann Grimm.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-29" title="- 29 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Wie kommt's, dass ich nicht mehr mein eigen bin?</p>
+<p>Wer ist's, durch den ich mich verlor,</p>
+<p>Der, fremd, in mir sich drängte vor,</p>
+<p>Mehr gilt in mir als eigner Sinn?</p>
+<p>Und wie durchschnitt</p>
+<p>Die harte Brust,</p>
+<p>Wer mich nicht einmal angerührt?</p>
+<p>Wer bist du, Liebe, Qual und Lust,</p>
+<p>Die nun mein Herz gefangen führt,</p>
+<p>Die durch das Aug' in meine Seele glitt</p>
+<p>Und da so masslos wächst und schwillt,</p>
+<p>Dass sie an tausend Enden überquillt?</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">17.</p><p>Hans Grasberger.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-30" title="- 30 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Den Augen gebt zurück, o Fluss, o Quelle,</p>
+<p>Das Wasser, nicht entsprungen euren Bronnen,</p>
+<p>Die Tränen, die in eure Flut verronnen,</p>
+<p>Zu wilder Höhe trieben eure Welle!</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Du trübe Luft, die mir das Licht, das helle,</p>
+<p>In Nebel hüllt, verdunkelnd meine Wonnen,</p>
+<p>Gib wieder, um die Blicke neu zu sonnen,</p>
+<p>Die Seufzer mir, dass es kein Dunst entstelle!</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die Schritte, Erde, gib zurück den Füssen,</p>
+<p>Es sprosse neu das Gras auf meinem Wege;</p>
+<p>Gib, Echo, heut zurück mir Klag' und Stöhnen,</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Gebt meinem Aug' ihr Augen, o ihr süssen,</p>
+<p>Die Blicke wieder, dass ich lieben möge</p>
+<p>Ein andres Weib, da euch verhasst mein Sehnen.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">18.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-31" title="- 31 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>So kehren wirklich die befreiten Seelen,</p>
+<p>Auf kurz bemess'ne Zeit,</p>
+<p>Zurück in anderm Kleid,</p>
+<p>Dass Leben sie und Tod von neuem wählen?</p>
+<p>Wird strenge im Befehlen,</p>
+<p>Wie einst, die Liebste nah'n,</p>
+<p>Noch ganz von ihrem alten Reiz umflossen?</p>
+<p>Fast möcht' ich darauf zählen,</p>
+<p>Sie zeigte sich alsdann</p>
+<p>Ganz ohne Groll, von Milde übergossen.</p>
+<p>Und, war ihr Aug' geschlossen,</p>
+<p>Hat, neubelebt, sie Mitleid wohl erworben</p>
+<p>Mit meinem Tod, — die selber schon gestorben!</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">19.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-32" title="- 32 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Des besten Künstlers herrlichsten Gedanken,</p>
+<p>Ein einz'ger Marmor kann ihn ganz enthalten,</p>
+<p>Doch muss, will ihn der Meister uns entfalten,</p>
+<p>Die Hand dem Geist gehorchen ohne Wanken.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>In dir auch birgt sich Glück und Pein; verdanken</p>
+<p>Könnt' ich dir höchstes Heil, doch zu gestalten</p>
+<p>Dies Glück, es zu gewinnen, zu erhalten,</p>
+<p>Fehlt mir die Kunst; so muss an Gram ich kranken.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Nicht trägt denn Liebe Schuld an meinen Leiden,</p>
+<p>Nicht darf das Schicksal ich zu schmähen wagen;</p>
+<p>Kann Heil ich oder Tod von dir erwerben,</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Trägst du im Busen sie und ward von beiden</p>
+<p>Mir Tod zuteil, muss ich mich selbst verklagen;</p>
+<p>Mein schwacher Geist verschuldet mein Verderben.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">20.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-33" title="- 33 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Dein leuchtend helles Diadem erringen,</p>
+<p>Auf steilem Pfade rauh und lang,</p>
+<p>O das vermag im Liebesdrang</p>
+<p>Ein Herz voll Demut nur und edler Sitte.</p>
+<p>Dir wächst die Kraft, mir werden lahm die Schwingen,</p>
+<p>Versagt der Odem auf des Weges Mitte.</p>
+<p>O höre meine Bitte:</p>
+<p>Obgleich mein Herz sich freut an deiner Ehre,</p>
+<p>Und jauchzt, dass deine Tugend so erhaben,</p>
+<p>So fleht es dennoch: lenke deine Schritte</p>
+<p>Ein wenig nur herab zu mir und wehre</p>
+<p>Mir Schwachem nicht, den Geist an dir zu laben;</p>
+<p>Wenn minder gross, du Hehre,</p>
+<p>Mein Herz dich wünscht, nicht höh'ren Flug will dulden,</p>
+<p>O so vergib dir selber mein Verschulden.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">21.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-34" title="- 34 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Der Freundlichkeit, mit der Ihr mich bedenkt,</p>
+<p>Nicht allzu unwert, Herrin, mich zu zeigen,</p>
+<p>Wollt ich mit dem, was meinem Geiste eigen,</p>
+<p>Erst das erwidern, was Ihr mir geschenkt.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Bald aber fühlt' ich: da Euch nachzusteigen,</p>
+<p>Wohin der Genius Euch empor gelenkt,</p>
+<p>Gibt's keinen Weg für mich: verzeiht und denkt,</p>
+<p>Wie sehr ich weiss, warum mir ziemt zu schweigen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Denn Irrtum wär' mein Glaube, wenn ich dächte,</p>
+<p>Dem gleichzutun mit meinem schwachen Werke,</p>
+<p>Was von Euch wie des Himmels Gnade regnet.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Das Feuer fehlt, die Kunst, die es vollbrächte,</p>
+<p>Mir Sterblichem, dem kein Versuch die Stärke</p>
+<p>Verleiht, mit der der Himmel Euch gesegnet.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">22.</p><p>Hermann Grimm.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-35" title="- 35 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Ach neben dir, die durch zu grosse Wonne</p>
+<p>Das Leben mir entreisst,</p>
+<p>Wie arm bin ich an Geist,</p>
+<p>An Kraft und Kunst! Ja deinen Strahlensegen</p>
+<p>Flieht, wie der Blick die Sonne,</p>
+<p>Mein blöder Geist; die Flügel möcht' er regen</p>
+<p>Weit über sein Vermögen;</p>
+<p>Er übertrifft sich selbst, nur deiner kleinsten Spende</p>
+<p>Auch wert zu sein; bald aber, ach zum Schaden,</p>
+<p>Erlahmt sein Flug, und klar sieht er am Ende,</p>
+<p>Nie kann der Dankesschuld er sich entladen,</p>
+<p>Für so viel Gnaden!</p>
+<p>Je mächt'ger lodern deiner Seele Flammen,</p>
+<p>Je mehr sink' ich in toten Staub zusammen.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">23.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-36" title="- 36 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Was ist es, das die Seele mir entzündet?</p>
+<p>Ahn' ich der Gottheit Glanz, die Strahlen krönen?</p>
+<p>Sah ich auf Erden je ein Bild des Schönen,</p>
+<p>Das meine Seele zitternd nachempfindet?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Blieb mir ein Himmelsstrahl, der nie erblindet,</p>
+<p>Von jener Seligkeit, nach der mit Tränen</p>
+<p>Sich die verbannten Menschenherzen sehnen,</p>
+<p>Die niemals ganz aus dem Gedächtnis schwindet?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Das, was ich fühl' und schau', das, was mich leitet,</p>
+<p>Ist nicht in mir, noch weiss ich, wo es finden!</p>
+<p>Zeig' du es mir, denn seit ich dich erschaue,</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Fühl' ich, wie sich in meinem Busen streitet</p>
+<p>Ein Ja und Nein, ein bittersüss Empfinden;</p>
+<p>Gewiss dein Auge ist es, holde Fraue!</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">24.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-37" title="- 37 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>„Sprich Amor, ist es Wahrheit, ist's ein Wähnen,</p>
+<p>Dass Götterpracht der Herrin Antlitz schmückt,</p>
+<p>Oder hat mich ein inn'res Bild entzückt,</p>
+<p>Und seh' ich hier den Abglanz jenes Schönen?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Du weisst es, denn du kamst mit ihr; mein Sehnen</p>
+<p>Entfachst nur du, nur du hast mich berückt;</p>
+<p>Doch fleh' ich, trotz der Qual, die mich bedrückt,</p>
+<p>Nicht mindre diese Flammen, diese Tränen!“</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>„Die Schönheit, die du siehst, entstammt der Erde,</p>
+<p>Doch wächst ihr Glanz, steigt sie zu höhern Sphären;</p>
+<p>Durch deine Augen tritt sie in die Seele,</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Und diese, dass gleich ihr unsterblich werde</p>
+<p>Die Schönheit, nimmt sie auf, sie zu verklären;</p>
+<p>So laut're Schönheit siehst du, ohne Fehle.“</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">25.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-38" title="- 38 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>O meine Augen, wisst:</p>
+<p>Die Zeit vergeht, die Stunde kommt heran,</p>
+<p>Wo trüber Tränen Born sich schliesst!</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Gott halt' euch aufgetan,</p>
+<p>So lange meiner Herrin Huldgestalt</p>
+<p>Auf Erden wallt.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Schliesst sich der Himmel auf,</p>
+<p>Und meine Erdensonne</p>
+<p>Lenkt, euch entrückt, den Lauf</p>
+<p>Hinan zu aller Sel'gen Wonne,</p>
+<p>Was bleibt euch fürder noch zu schauen dann?</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">26.</p><p>Hans Grasberger.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-39" title="- 39 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Wenn Kunst, im Stein gestaltend,</p>
+<p>Erschaffend und erhaltend,</p>
+<p>Dir dauernd Leben gibt durch Menschenhände</p>
+<p>Bis an der Zeiten Ende,</p>
+<p>Wie könnte erst der Himmel dich verklären,</p>
+<p>Der Himmel, göttlich waltend,</p>
+<p>Der höh'rer Schönheit Spende</p>
+<p>Als Menschenkunst verleiht, wollt' er dir Hehren</p>
+<p>Auf Erden schon Unsterblichkeit gewähren!</p>
+<p>Doch ach, dein Bild besteht, und du musst sterben?</p>
+<p>Wer rächt hier dein Verderben?</p>
+<p>Dich räche die Natur, denn sieh, es bleibet</p>
+<p>Der Menschen Werk, indes ihr Werk zerstäubet.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">27.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-40" title="- 40 -"></a>Auf Vittoria Colonnas Tod.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Als sie, um die viel Seufzer mich verzehren,</p>
+<p>Der Erde, meinem Blick und sich entschwand,</p>
+<p>Da blieb Natur, die ihrer wert uns fand,</p>
+<p>Beschämt zurück, und, der sie sah, voll Zähren.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Heut wird man nicht den Tod sich rühmen hören,</p>
+<p>Ob dieser Sonnen Sonne: ihm entwand</p>
+<p>Die Liebe sie: hier lebend festgebannt,</p>
+<p>Weilt sie dort oben unter Engelchören.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Wohl meinte dieser arge, böse Tod:</p>
+<p>Verstummen müssten hier die Ruhmesklänge,</p>
+<p>Darin man Tugend, Seelenschönheit ehrte.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Und dennoch spenden jetzt uns die Gesänge</p>
+<p>Mehr Lebensglanz, als einst ihr Leben bot:</p>
+<p>Der Himmel liess uns, was ihm nicht gehörte.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">28.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-41" title="- 41 -"></a>Auf Vittoria Colonnas Tod.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Dass nah dem Feuer mich die Glut verzehrte,</p>
+<p>Was Wunder? Und, dass jetzt, wo es verglommen,</p>
+<p>Ich mich bekümmert fühle und beklommen,</p>
+<p>So dass ich nach und nach zu Asche werde?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Ich sah, wie Flammenschein den Ort verklärte,</p>
+<p>Von dem mir all die schwere Pein gekommen,</p>
+<p>Doch gab der Anblick schon mir Heil und Frommen,</p>
+<p>Der Qual und Tod in Wonne mir verkehrte.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Jetzt, da der Himmel mir des Feuers Helle, —</p>
+<p>Die mich entzündet, mich ernährte, — nimmt,</p>
+<p>Glüh' ich als Kohle noch im Aschengrabe.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Schafft mir nicht Amor Feuerstoff zur Stelle,</p>
+<p>Bleibt auch kein Fünklein mehr, das weiterglimmt,</p>
+<p>Wenn ich zu Asche mich verwandelt habe.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">29.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-42" title="- 42 -"></a>Auf Vittoria Colonnas Tod.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Um so vollkommne Schönheit nicht von allen</p>
+<p>Zurückzufordern, wenn der Tod erschien,</p>
+<p>Ward einer sie verliehn:</p>
+<p>Der Hohen, Reinen, unter zartem Schleier.</p>
+<p>Hätt' allen Sterblichen es Gott gefallen,</p>
+<p>Sie zu gewähren, war der Rückkauf teuer.</p>
+<p>Ein Hauch ward zum Befreier,</p>
+<p>Ein Augenblick, an Dauer kaum gemessen,</p>
+<p>Genügte, dass sie Gott</p>
+<p>Zurückgeholt: Kein Auge schaut sie wieder! —</p>
+<p>Doch bleiben unvergessen,</p>
+<p>Ob auch die Hülle tot,</p>
+<p>Uns ihre schönen, heilgen, süssen Lieder.</p>
+<p>Lieh Gott an schlimme Brüder</p>
+<p>So viel wie ihr, wollt' es zurückerwerben,</p>
+<p>Mitleid, gesteh's: Wir alle müssten sterben! —</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">30.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-43" title="- 43 -"></a>Auf Vittoria Colonnas Tod.</h3>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Ward auch schon manches Menschenbild gesehn,</p>
+<p>Das aus dem harten Stein mein Hammer bricht,</p>
+<p>So steht er doch in Meisters Bann und Pflicht,</p>
+<p>Durch den allein kann Schlag und Führung gehn.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Nur was da göttlich wohnt in Himmelshöhn,</p>
+<p>Ist schön durch sich, versendet eignes Licht;</p>
+<p>Doch wird ein Hammer ohne Hammer nicht,</p>
+<p>Kann Leben auch aus Leben nur erstehn.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Weil nun der Schlag nur stärker niederfährt,</p>
+<p>Je höher wir hinauf den Hammer schwingen,</p>
+<p>Flog über mich der deine himmelan.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>So, wenn Gott gnädig Hilfe nicht gewährt,</p>
+<p>Kann des Unfert'gen Bildung nur misslingen,</p>
+<p>Weil sie kein andrer hier vollbringen kann.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">31.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-44" title="- 44 -"></a>Nach Vittoria Colonnas Tod.</h3>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Versetz' in jene Zeit zurück mich heute,</p>
+<p>Wo zaumlos toben mochte blinde Glut!</p>
+<p>Gib mir das Antlitz wieder engelgut,</p>
+<p>Dem alle Jugendkraft gewelkt zur Seite;</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die Schritte ohne Zahl in alle Weite,</p>
+<p>Die schwer und müh'voll nur das Alter tut,</p>
+<p>Dem Busen Feuer gib und Tränenflut,</p>
+<p>Willst du noch einmal, Amor, mich zur Beute.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Denn lebst von Zähren wirklich du, vergossen</p>
+<p>In Leid und Lust, was macht den Greis dir teuer,</p>
+<p>Der fast am andern Ufer angekommen?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Schon wehrt der Geist mit himmlischen Geschossen</p>
+<p>Sich gegen deinen Pfeil. Das stärkste Feuer,</p>
+<p>Es zündet nicht im Holz, das schon verglommen.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">32.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-45" title="- 45 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Ein frohes Herz verschönt, und hässlich macht</p>
+<p>Ein traurig Herz; so werd' ich umgestaltet</p>
+<p>Durch dich, die meins verwaltet.</p>
+<p>— Nur eins begreif' ich nicht: du müsstest glühen,</p>
+<p>Da du die Glut entfacht! —</p>
+<p>Ein Auge klar und helle</p>
+<p>Hat für das Schöne mir mein Stern verliehen,</p>
+<p>Und willst du mir entziehen</p>
+<p>Des Trostes letzte Strahlen,</p>
+<p>Wirst du, seh' ich, dir schaden, denn ich meine,</p>
+<p>In jedes Bildnis malen</p>
+<p>Zugleich mit dem Modelle</p>
+<p>Wir Künstler uns hinein; wie wird das deine,</p>
+<p>Wenn ich so trostlos weine?</p>
+<p>Beglücke mich, dann mal' ich ohne Tränen,</p>
+<p>Und du wirst schön und wirst auch mich verschönen.</p>
+</div>
+</div>
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">33.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-46" title="- 46 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Oft gleicht ein Bild dem Bildner mehr, o Jammer!</p>
+<p>Als dem Modell; so bilde</p>
+<p>Ich jetzt nur schmerzlich wilde</p>
+<p>Entstellte Züge, klägliche Gestalten!</p>
+<p>Dich formen will mein Hammer,</p>
+<p>Und formt mich selbst, die Stirn voll Schmerzensfalten.</p>
+<p>Was könnt' ich auch gestalten,</p>
+<p>Da Liebe mich vernichtet,</p>
+<p>Als diesen müden Leib voll Angst und Trauer?</p>
+<p>Gleicht nicht dem Stein, dem kalten,</p>
+<p>Aus dem ihr Bild errichtet,</p>
+<p>Die strenge Herrin? Felsen sind nicht rauher.</p>
+<p>Die Kunst allein gibt Dauer;</p>
+<p>Drum, willst du, dass dein Reiz dich überlebe,</p>
+<p>Beglücke mich, dass ich dir Schönheit gebe!</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">34.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-47" title="- 47 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Wohl muss ein reiner tücht'ger Sinn sich freuen</p>
+<p>An von der Kunst geschaffenen Gestalten,</p>
+<p>Die liebe Züg' und Formen aufbehalten</p>
+<p>Und Menschen bilden in Wachs, Ton und Stein.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Wenn dann fühllose Zeiten sie entweihen,</p>
+<p>Solch edles Werk zertrümmern und zerspalten,</p>
+<p>So wird das Bild sich dennoch in der alten</p>
+<p>Schönheit im Geist, der es erfasst, erneuen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>So ist es deiner Schönheit widerfahren:</p>
+<p>Als Bild des Heiles, das den Himmel schmückt,</p>
+<p>Hat sie der ew'ge Künstler ausgesendet.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Verringert sie nun gleich sich mit den Jahren,</p>
+<p>Sieht meine Sehnsucht sie nur mehr vollendet,</p>
+<p>Der Schönheit denkend, die kein Alter knickt.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">35.</p><p>Carl Witte.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-48" title="- 48 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Herrin, wie mag's nur sein — und doch bewährt</p>
+<p>Es die Erfahrung — dass weit längeres Leben</p>
+<p>Dem Bildwerk als dem Bildner wird gegeben,</p>
+<p>Des Meisterhand den rohen Stein verklärt?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Der Schöpfer schwindet<ins title="probable printer's error">,</ins> das Geschaffne währt,</p>
+<p>Kurzlebig muss Natur vor Kunst erbeben,</p>
+<p>Ich weiss es, der ich ganz der Kunst ergeben,</p>
+<p>Klar sehe, wie die Zeit mit mir verfährt.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>So könnt' ich langes Leben wohl uns beiden</p>
+<p>Verleih'n, ob Stein, ob Farbe dir beliebt,</p>
+<p>Liess ich ein Bild von uns ganz treu und wahr:</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Dass man noch tausend Jahr nach unserm Scheiden</p>
+<p>Säh', wie du schön warst, wie ich dich geliebt,</p>
+<p>Und dass mein Lieben keine Torheit war.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">36.</p><p>Friedrich Bodenstedt.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-49" title="- 49 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Nach vielen Jahren, vielem Suchen, Ringen,</p>
+<p>Erreicht der Weise erst, nah seinem Ende,</p>
+<p>Wie er durch Geist und Hände</p>
+<p>Lebendig aus dem Stein ein Bildnis schafft.</p>
+<p>Denn zu so hohen Dingen</p>
+<p>Gelangt man spät, und bald erlischt die Kraft.</p>
+<p>Dein Antlitz, götterhaft,</p>
+<p>Hat, lange suchend und nach vielem Irren,</p>
+<p>Natur, am Gipfel angelangt, gefunden;</p>
+<p>Nun ist sie alt, und ihre Kraft verzehrt.</p>
+<p>Darum ist Furchtverwirren</p>
+<p>Mit Schönheit oft verbunden,</p>
+<p>Das wundersam ein stark Verlangen nährt.</p>
+<p>Wer ist's nun, der mich lehrt,</p>
+<p>Was besser sei, nachdem ich dich gesehn:</p>
+<p>Die höchste Lust? Der Erde Untergehn? —</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">37.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-50" title="- 50 -"></a>An Tommaso Cavalieri.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Was ich in deinem Antlitz sah, beschreibe</p>
+<p>Mit Worten nimmer ich; doch was es kündet</p>
+<p>Hob oft den Geist, den noch der Körper bindet,</p>
+<p>Zu Gott empor aus diesem Erdenleibe.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Dien' ich dem Spott des Pöbels auch zur Scheibe,</p>
+<p>Zeiht er der Regung mich, die er empfindet,</p>
+<p>So hoff' ich doch, dass Treue fest gegründet,</p>
+<p>Dass keusche Glut so wert wie einst dir bleibe!</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die ird'sche Schönheit, für den Blick des Weisen</p>
+<p>Gleicht sie dem Liebesquell, dem wir entstammen;</p>
+<p>Vom Himmel hat die Welt nicht andre Proben,</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Nicht andre Früchte kann die Erde weisen;</p>
+<p>Sind treu und keusch nur meiner Liebe Flammen,</p>
+<p>Ist süss der Tod und frei mein Flug nach oben.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">38.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-51" title="- 51 -"></a>An Tommaso Cavalieri.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Ich sehe sanftes Licht mit deinen Blicken,</p>
+<p>Mit meinen eignen Augen bin ich blind,</p>
+<p>Mit dir im gleichen Schritte wandelnd, sind</p>
+<p>Leicht mir die Lasten, die mich sonst erdrücken.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Von deinen Schwingen mit emporgetragen</p>
+<p>Flieg' ich mit dir hinauf zum Himmel ewig;</p>
+<p>Wie du es willst: kühn oder zitternd leb' ich,</p>
+<p>Kalt in der Sonne, warm in Wintertagen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>In deinem Willen ruht allein der meine,</p>
+<p>Dein Herz, wo die Gedanken mir entstehn,</p>
+<p>Dem Geist, in dem der Worte Quell sich findet:</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>So kommt's, dass ich dem Monde gleich erscheine,</p>
+<p>Den wir soweit am Himmel nur ersehn</p>
+<p>Als ihn der Sonne Feuerstrahl entzündet.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">39.</p><p>Hermann Grimm.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-52" title="- 52 -"></a>An Tommaso Cavalieri.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Wenn in zwei Liebenden des Schicksals Walten,</p>
+<p>Wenn keusche Lieb' sich gleich und Frömmigkeit,</p>
+<p>Wenn einer weinet bei des andern Leid,</p>
+<p>Ein Will' und Geist in beiden Herzen schalten;</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Wenn eine Seele lebt in zwei Gestalten,</p>
+<p>Verklärt in beiden, sie zu gleicher Zeit</p>
+<p>Mit einem Flügel trägt zur Seligkeit,</p>
+<p>Ein goldner Pfeil zwei Busen hat gespalten;</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Wenn beide füreinander liebend brennen,</p>
+<p>Doch keiner selbst sich liebt, wenn jeder täglich</p>
+<p>Zum höchsten Ziel den andern will begeistern,</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Und wenn dies schwacher Abglanz nur zu nennen</p>
+<p>Von uns'rer Liebe, sag mir, ist's dann möglich,</p>
+<p>Dass Groll das Band löst zwischen solchen Geistern?</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">40.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-53" title="- 53 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Durch dich erst kenn' ich mich und aus der Ferne</p>
+<p>Streb' ich dem Himmel zu, von dem wir kamen,</p>
+<p>Und wie der Fisch geködert wird vom Hamen,</p>
+<p>Reichst du mir Speise, und ich komme gerne.</p>
+<p>Nur schwach kann ein geteiltes Herze schlagen,</p>
+<p>Drum gab ich dir das meine ganz und gar:</p>
+<p>Was von mir bleibt, du weisst es, der mich kennt!</p>
+<p>Ans Beste nur soll sich die Seele wagen,</p>
+<p>Drum muss ich heiss dich lieben, will ich leben!</p>
+<p>Denn ich bin Holz nur, du bist Holz, das brennt.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">41.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-54" title="- 54 -"></a>An Tommaso Cavalieri.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Wohl darf mit meiner Liebe heissen Flammen</p>
+<p>Gerechte Hoffnung sich zum Himmel schwingen,</p>
+<p>Denn wollte unsre Wünsche Gott verdammen,</p>
+<p>Warum hiess er die Welt aus Nichts entspringen?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Wie sollt' ich auch für Höh'res mich entflammen,</p>
+<p>Als um der ew'gen Schönheit Ruhm zu bringen,</p>
+<p>Von der die Reize, die dich zieren, stammen,</p>
+<p>Die keusch und rein'gend jedes Herz durchdringen?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Trüg'risch ist nur die Hoffnung jener Lust,</p>
+<p>Die mit der Schönheit stirbt und stets entflieht,</p>
+<p>Weil sie der Züge Wechsel untertan.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Doch die ist unfehlbar in treuer Brust,</p>
+<p>Die um der Hülle Wandlung nicht verglüht;</p>
+<p>Durch sie wird uns der Himmel aufgetan.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">42.</p><p>Carl Witte.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-55" title="- 55 -"></a>An Tommaso Cavalieri.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Wäre der Schönheit deiner Augensterne</p>
+<p>Das Feuer gleich, das sie ringsum entzünden,</p>
+<p>Dann flammte wohl die Welt aus Feuerschlünden,</p>
+<p>Es schmölzen selbst des Poles eis'ge Kerne.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Doch hat der güt'ge Himmel, der sich gerne</p>
+<p>Erbarmt des Schwachen, dass wir nicht erblinden,</p>
+<p>Die Augen uns umflort, und wir empfinden</p>
+<p>Den Glanz nur wie ein Licht in weiter Ferne.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Nie wird, wie's deinem Reiz gebührt, entbrennen</p>
+<p>Der Liebe Glut; nur Stückwerk schau'n wir Toren</p>
+<p>Des Ew'gen, lieben das nur, was wir sehen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Mich auch bewahrt mein mangelhaft Erkennen,</p>
+<p>Die Schwäche nur, dem Menschen angeboren,</p>
+<p>Für dich im Flammentode zu vergehen.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">43.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-56" title="- 56 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Ein schönes Antlitz spornt mich himmelan,</p>
+<p>Nichts andres freut mich mehr, da schon im Leben</p>
+<p>Ich darf empor zu sel'gen Geistern schweben —</p>
+<p>Ein Glück, wie selten es ein Mensch gewann.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>So sehr zum Schöpfer stimmt sein Werk: ich kann</p>
+<p>durch Gottgedanken mich zu Gott erheben,</p>
+<p>Vom Himmel wird mir Geist und Wort gegeben,</p>
+<p>Seit ich erglüht in holdem Liebesbann.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Drum kann ich von zwei schönen Augen nimmer</p>
+<p>Den Blick abzieh'n, als ob zum höchsten Glück,</p>
+<p>Empor zu Gott ihr Licht den Weg mir wiese.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Und fühl' ich mich durchglüht von ihrem Schimmer,</p>
+<p>Strahlt mir aus ihrer edlen Glut zurück</p>
+<p>Das ew'ge Lächeln sel'ger Paradiese.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">44.</p><p>Friedrich Bodenstedt.</p>
+</div>
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-57" title="- 57 -"></a>An Tommaso Cavalieri.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Ein Schwefelherz in einem strohernen Leibe,</p>
+<p>Mit Knochen wie geschnitzt aus dürren Asten,</p>
+<p>Ein Flackergeist, der sich der ersten, besten</p>
+<p>Hingibt, betört von jedem üpp'gen Weibe;</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Ein Scheinmensch, blind für Höh'res, mürb wie Zunder,</p>
+<p>Dergleichen viele auf der Glücksjagd rennen,</p>
+<p>Mag lichterloh im Augenblick entbrennen</p>
+<p>Gleich wie vom Blitz gerührt; es ist kein Wunder!</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Mir konnte nur die höchste Schönheit taugen,</p>
+<p>Zu ew'gen Werken heil'ge Glut zu schüren:</p>
+<p>Ihr Glanz allein könnt' mich so hoch erheben.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Klein schien mein Grösstes mir in deinen Augen;</p>
+<p>Ich floh das Volk, dich Einz'gen zu erküren;</p>
+<p>Mein Werk gab meiner Liebe ew'ges Leben.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">45.</p><p>Friedrich Bodenstedt.</p>
+</div>
+
+<p><a class="pgnum" id="page-58" title="- 58 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Das Feuer darf der ems'ge Schmied nicht scheuen,</p>
+<p>Sein Eisen neu und kunstvoll zu gestalten;</p>
+<p>Mit Kraft des Feuers muss der Meister schalten,</p>
+<p>Will er des lautern Goldes sich erfreuen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Der einz'ge Phönix kann sich nicht erneuen,</p>
+<p>Eh' er verbrennt. So auch in Glutgewalten</p>
+<p>Hoff' ich zu sterben, mit den Lichtgestalten</p>
+<p>Vereint, die Tod und Zeit nicht mehr bedräuen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>O süsses Sterben! Selig, wer so brennt!</p>
+<p>Wenn ich zu Asche nach und nach verstoben,</p>
+<p>Nicht unter Toten leben muss fortan.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Ja wenn sich von Natur dies Element</p>
+<p>Zum Himmel hebt, steig' ich, mit ihm erhoben,</p>
+<p>Grad' auf, feurig verwandelt, himmelan.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">46.</p><p>Friedrich Bodenstedt.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-59" title="- 59 -"></a>An Tommaso Cavalieri.</h3>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Dein Geist stieg in des Leibes Kerkerzelle</p>
+<p>Von dort herab, wohin er einst enteilt,</p>
+<p>Dass sich ein Engel, der die Seelen heilt</p>
+<p>Und Ruhm der Welt verleiht, uns zugeselle.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Dein Wesen, nicht die Schönheit sonnenhelle,</p>
+<p>Entflammt mich, denn ein Herz, wo Tugend weilt,</p>
+<p>Baut niemals seine Hoffnung übereilt</p>
+<p>Auf das, was rasch entführt der Zeiten Welle.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Doch lebt solch' edler Geist in schöner Hülle,</p>
+<p>Dann fasst ihn jeder, wie man an der Scheide</p>
+<p>Die Klinge kennt, eh' eine Hand sie zückte.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Nichts in der Welt lehrt so wie Schönheitsfülle</p>
+<p>Den Schöpfer lieben! Sieh, es streiten beide,</p>
+<p>Natur und Himmel, wer zumeist dich schmückte.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">47.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-60" title="- 60 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Nicht Glück, nicht Gnade wird dem Übeltäter,</p>
+<p>So sagt das Volk, das auch für mich es sprach,</p>
+<p>Denn seit am eig'nen Selbst ich war Verräter</p>
+<p>Um dein zu sein, floh mich das Glück, und ach,</p>
+<p>Die Zeit verbeut's, dass gleich dem Phönix später</p>
+<p>Zu neuen Sonnen ich mich schwingen mag.</p>
+<p>Eins ist mein Trost, dass mehr ich mir gehöre,</p>
+<p>Wenn dein ich bin, als wenn nur mein ich wäre.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">48.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-61" title="- 61 -"></a>Die Nacht.</h3>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Der aus dem Nichts, eh' noch die Welt bewohnt,</p>
+<p>Die Zeit in Zwiegestalt hervorgebracht,</p>
+<p>Er gab der<i> einen</i> hoher Sonne Pracht,</p>
+<p>Der<i> andern</i> gab er dann den nahen Mond.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>So wird im voraus jedermann gelohnt,</p>
+<p>Glück, Zufall und Geschick ihm zugedacht.</p>
+<p><i>Mir</i> fiel die dunkle Seite zu, die Nacht;</p>
+<p>Schon in der Wiege blieb ich nicht verschont.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Und wie bei dem, der eignem Glücke wehrt,</p>
+<p>In tiefrer Nacht mehr Schatten sich verbreiten,</p>
+<p>So sorg' und klag' ich, dass ich schlecht gehandelt.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Doch Trost gibt, dass es meiner Nacht beschert,</p>
+<p>Der Sonne deines Tages vorzuschreiten,</p>
+<p>Die von Geburt an über dir gewandelt.</p>
+</div>
+</div>
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">49.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-62" title="- 62 -"></a>Die Nacht.</h3>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Jedweder Raum, bedeckt und eingefügt, —</p>
+<p>Was er im Innern auch umschliessen mag, —</p>
+<p>Bewahrt die dunkle Nacht am hellen Tag,</p>
+<p>Wo alles sich im Strahlenschimmer wiegt.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Doch wird sie von der Flamme Glut besiegt,</p>
+<p>Verjagt die Sonne, was im Finstern lag,</p>
+<p>So bleibt nichts Arges mehr im dunkeln Hag,</p>
+<p>Ja, auch ein Glühwurm hätte schon genügt.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Was in der Sonne treibt an Lebenskraft,</p>
+<p>An tausend Keimen, Pflanzen zu erkennen,</p>
+<p>Wird durchgepflügt vom starken Ackerknechte.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die Nacht hingegen ist's, die Menschen schafft,</p>
+<p>Und weil wir ihn der Wesen bestes nennen,</p>
+<p>Sind heil'ger als die Tage uns die Nächte.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">50.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-63" title="- 63 -"></a>An die Nacht.</h3>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>O Nacht, du liebe, wenn auch dunkle Zeit,</p>
+<p>Die jeder Arbeit stilles Ende bringt,</p>
+<p>Wohl sieht und kennt dich, wer dein Loblied singt,</p>
+<p>Und wer dich würd'gen kann, der weiss Bescheid.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Du schläferst ein des Hirnes Müdigkeit,</p>
+<p>Wie feuchter Nebel ruhvoll niedersinkt;</p>
+<p>Aus Tiefen zu ersehnten Höhen schwingt</p>
+<p>Mich oft ein Traum empor, durch dein Geleit.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Du hemmst und scheuchst zurück, o Todesschatten,</p>
+<p>Des Herzens schlimmste Feindin, jede Pein,</p>
+<p>Tust, letztes Mittel, tief Betrübten gut.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Du kräftigst unsre Glieder, unsre matten,</p>
+<p>Du trocknest Tränen, wiegst die Sorgen ein,</p>
+<p>Und rettest Edle vor Verdruss und Wut.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">51.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-64" title="- 64 -"></a>Die Nacht.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Wenn Phöbus Arme sich nicht strahlend winden</p>
+<p>Um dieses kalte, feuchte Erdenrund,</p>
+<p>Heisst solche Stunden „Nacht“ der Leute Mund,</p>
+<p>Weil sie die Sonne dann nicht mehr empfinden.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Doch ist sie arm und schwach: Schon das Entzünden</p>
+<p>Der kleinsten Kerze raubt ihr Leben, und</p>
+<p>Ein Zunder an der Flinte macht sie wund,</p>
+<p>So dass wir sie gar schnell zerrissen finden.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Will man noch wirklich Wesenskraft ihr geben,</p>
+<p>Muss Phöbus' Kind sie und der Erde sein:</p>
+<p><i>Sie</i> trägt den Schatten,<i> jener</i> gibt ihm Leben.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Doch, wie's auch sei: Wer lobt, der irrt. Voll Pein,</p>
+<p>Verdüstert, muss die Witwe schon erbeben</p>
+<p>Vor Eifersucht bei eines Glühwurms Schein.</p>
+</div>
+</div>
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">52.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-65" title="- 65 -"></a>Gesang der Toten.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Wer geboren wird, muss sterben</p>
+<p>In der Zeiten Flucht; die Sonne</p>
+<p>Duldet jegliches Verderben.</p>
+<p>Schnell vergehen Leid und Wonne,</p>
+<p>Geist und Wort sind bald verloren;</p>
+<p>Alle, die nach uns geboren,</p>
+<p>Schatten sind sie, leichter Rauch.</p>
+<p>Menschen waren wir ja auch,</p>
+<p>Froh und traurig so wie ihr,</p>
+<p>Und ihr seht, nun sind wir hier,</p>
+<p>Mussten schon zu Staub verderben;</p>
+<p class="indent">Alle Wesen müssen sterben.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Unsre Augen konnten schauen,</p>
+<p class="indent">Aus den Höhlen voll und hell;</p>
+<p class="indent">Heute sind sie leer, voll Grauen,</p>
+<p class="indent">Denn die Zeit entführte schnell.</p>
+<p>— — — — — — — — — —</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">53.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-66" title="- 66 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Die Schönheit ward als Vorbild mir auf Erden</p>
+<p>Für meinen doppelten Beruf geschenket;</p>
+<p>In beiden Künsten sollte sie mir strahlen,</p>
+<p>Ein Spiegel, eine Leuchte mir zu werden;</p>
+<p>Sie ist es, die zu jenem Ziel mich lenket,</p>
+<p>Für das ich einzig meisseln mag und malen.</p>
+<p>O törichter, vermessener Gedanke,</p>
+<p>Die hohe Schönheit Sinnenlust zu schelten!</p>
+<p>Gesundem Geiste zeigt sie Himmelspfade,</p>
+<p>Am Staube aber klebt der Blick, der kranke;</p>
+<p>Ein reines Auge nur sieht jene Welten,</p>
+<p>Die einzig uns erschliesst der Strahl der Gnade.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">54.</p><p>Sophie Hasenclever</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-67" title="- 67 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Nicht schön zu sein, unmöglich ist's dir Schönen,</p>
+<p>Nicht gut zu sein, dir Guten! Dein Erbarmen,</p>
+<p>Verderblich ist's mir Armen,</p>
+<p>Es schmilzt mein Herz in deiner Gnadensonnen</p>
+<p>Auflösend sich in Wonnen!</p>
+<p>Stirbt eh'r nicht deines Herzens Liebesfülle,</p>
+<p>Als deine süsse Hülle,</p>
+<p>So duld', ich fleh's mit Tränen,</p>
+<p>Dass ich bei dir verweile</p>
+<p>Bis du der Welt entronnen!</p>
+<p>O dann entrückt mein Sehnen</p>
+<p>Der Erde mich, ich eile</p>
+<p>Empor zum ew'gen Heile;</p>
+<p>Gibt uns der Schöpfer einst am jüngsten Tage,</p>
+<p>Den Leib zurück, zu Wonne oder Plage,</p>
+<p>Dann nimm mich auf, ob unschön ich geblieben,</p>
+<p>Dort gilt ja mehr als Schönheit treues Lieben!</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">55.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-68" title="- 68 -"></a>An Tommaso Cavalieri.</h3>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Als mir dein Augenstern zuerst erglühte,</p>
+<p>Da war's kein irdisch Licht, das mich getroffen,</p>
+<p>Schon sah mein Geist entzückt den Himmel offen,</p>
+<p>Ein ew'ger Friede zog in mein Gemüte;</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Denn nimmer stillt mein Herz der Anmut Blüte,</p>
+<p>Erzeugt aus dieser Erde niedren Stoffen;</p>
+<p>Der Schönheit Ursprung ist sein Ziel und Hoffen;</p>
+<p>Es fliegt der ew'gen Schönheit zu und Güte.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Nie hoffe denn ein weises Herz den Frieden</p>
+<p>Von jener Blüte, die zu Staub verkehren</p>
+<p>Die rauhe Zeit, und Tod, der uns beschieden;</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Wohl mag der Sinne Glut den Greis versehren,</p>
+<p>Die Liebe nicht, sie heiligt uns hienieden,</p>
+<p>Doch erst der Himmel wird uns ganz verklären.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">56.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-69" title="- 69 -"></a></p>
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Die Augen, stets der Schönheit zugetan,</p>
+<p>Der Geist, ihr hold und auf sein Heil bedacht,</p>
+<p>Sie dringen durch die Nacht</p>
+<p>Nur an der Hand der Schönheit himmelan;</p>
+<p>Denn aus der Sternenbahn</p>
+<p>Strömt Glanz vom Firmament,</p>
+<p>So klar, dass ihm zu nah'n,</p>
+<p>Die Menschenseele brennt,</p>
+<p>Und solch Empfinden nennt</p>
+<p>Man Liebe hier; ein edles Herz beflügelt,</p>
+<p>Entflammt der Blick nur, der den Himmel spiegelt.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">57.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-70" title="- 70 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Im Herzen nicht ist meiner Liebe Leben;</p>
+<p>Das Herz, das irdisch, sterblich ist, enthält</p>
+<p>Die ew'ge Liebe nicht, sie lebt gesellt</p>
+<p>Dem Wahn, der Sünde nicht, von Schuld umgeben.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p><i>Mir</i> hat die Liebe klaren Blick gegeben,</p>
+<p>Die Schönheit<i> dir</i> beim Eintritt in die Welt,</p>
+<p>So dass ich selbst in dem, was einst zerfällt,</p>
+<p>In deinem Reiz erkenn' der Gottheit Weben!</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Vom ewig Schönen trennt in mir sich nimmer</p>
+<p>Die Liebe, wie die Wärme nie vom Feuer;</p>
+<p>Was ihm entstammt und gleicht, das möcht' ich schauen!</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Du trägst in deiner Augen sel'gem Schimmer</p>
+<p>Das Paradies, wo du zuerst mir teuer,</p>
+<p>Und seine Pforten sind mir deine Brauen!</p>
+</div>
+</div>
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">58.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-71" title="- 71 -"></a>Dante.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Als Mensch vom Himmel einst herabgestiegen,</p>
+<p>Hat Hölle er und Läut'rungsglut gesehn,</p>
+<p>Dann bracht' er lebend, aus des Himmels Höhn,</p>
+<p>Uns wahres Licht, die wir im Dunkeln liegen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Dass du bestrahlt die Stätte meiner Wiegen,</p>
+<p>O lichter Stern, ist unverdient geschehn;</p>
+<p>Die ganze arge Welt dir zugestehn,</p>
+<p>Wär' kleiner Preis: Nur Gott kann dir genügen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Von Dante red' ich, dessen Werk verkannt,</p>
+<p>Missachtet ward vom Volk, dem undankbaren,</p>
+<p>Das stets sich von Gerechten abgewandt.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Wär' ich wie er! Hätt' ich wie er den wahren,</p>
+<p>Tatkräft'gen Geist, und wär' wie er verbannt:</p>
+<p>Das schönste Glück der Erde liess' ich fahren.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">59.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>So <a class="pgnum" id="page-72" title="- 72 -"></a>viel scheint gross und kostbar, und es blickt</p>
+<p>Das Volk drauf hin bewundernd, aber einer</p>
+<p>Steht abseits; ihm erscheint es um so kleiner</p>
+<p>Und gallenbitter, was sie hoch entzückt.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Und das sogar: der eitlen unverständ'gen</p>
+<p>Gedankenlosen Welt muss er sich fügen,</p>
+<p>Muss reden, wie sie spricht und Freude lügen,</p>
+<p>Und lächelnd die verborg'nen Tränen bänd'gen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Mein Glück ist nur, dass ganz verborgen sei,</p>
+<p>Was ich beweine und was heimlich trachtend</p>
+<p>Des Herzens Wünsche wollen, die ich hege.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Blind ist die Welt und nur Verrätern treu,</p>
+<p>Ich aber, Hass und Ehre gleich verachtend,</p>
+<p>Geh still und einsam weiter meine Wege.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">60.</p><p>Hermann Grimm.</p>
+</div>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Ich <a class="pgnum" id="page-73" title="- 73 -"></a>bin jetzt vor mir selbst an Wert gestiegen,</p>
+<p>Bin lieber mir, seit dich mein Herze hegt;</p>
+<p>So wird erst auf den Stein ein Wert gelegt,</p>
+<p>Wenn ihn der Künstler formt mit edlen Zügen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Und wie der Blick am Blatt sich mag vergnügen,</p>
+<p>Mit Schrift und Bild geziert, nach dem nicht frägt,</p>
+<p>Das leer und kahl, so kann erst, seit geprägt</p>
+<p>In meinen Geist dein Bild, ich mir genügen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Als wären Zauber, wären Waffen mein,</p>
+<p>So zieh' ich, ohne dass Gefahr mich trifft,</p>
+<p>Mit solchem Schutzbrief aus nach allen Winden;</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Stark gegen Feu'r und Wasser werd' ich sein,</p>
+<p>Mit meinem Speichel tilg' ich jedes Gift,</p>
+<p>Und mache sehend durch dein Bild die Blinden.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">61.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-74" title="- 74 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Wie sich im unbehau'nen, toten Stein,</p>
+<p>Je mehr der Marmor unter'm Meissel schwindet,</p>
+<p>Anwachsend immer voll'res Leben findet,</p>
+<p>So mag es, edle Frau, mit mir auch sein.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Was Gutes in mir ist, es hüllt sich ein</p>
+<p>Tief in mein eigen Fleisch, und so, umrindet</p>
+<p>Vom rauhen, rohen Stoffe, der mich bindet,</p>
+<p>Drängt sich zu mir umsonst das Leben ein.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Zu matt und kraftlos fühl' ich mich allein,</p>
+<p>Das Ende naht und Tag auf Tag verschwindet:</p>
+<p>Nimm fort, was sich um meine Seele windet!</p>
+<p>Ich könnt' es nicht, doch du kannst mich befrei'n!</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">62.</p><p>Hermann Grimm.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-75" title="- 75 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Bald auf dem rechten Fuss, bald auf dem linken,</p>
+<p>Bald steigend, bald ermüdet zum Versinken,</p>
+<p>Hintaumelnd ratlos zwischen Gut und Böse,</p>
+<p>Such' ich, wer meiner Seele Zweifel löse;</p>
+<p>Denn wem Gewölk verhüllt des Himmels Weiten,</p>
+<p>Wie können den des Himmels Sterne leiten?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Drum sei mein Herz das unbeschrieb'ne Blatt,</p>
+<p>Und was das deine aus sich selbst gefunden,</p>
+<p>O schreib' es nieder! was in allen Stunden</p>
+<p>Die Richtschnur sei, nach der es Sehnsucht hat,</p>
+<p>Damit im Irrsal dieser Lebenstage</p>
+<p>Mir Antwort werde auf des Lebens Frage:</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Ob die geringere Gnade einstmals finden,</p>
+<p>Die demutvoll sich nah'n mit tausend Sünden,</p>
+<p>Als die, die stolz auf das was sie getan,</p>
+<p>Im Überfluss der guten Werke nah'n?</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">63.</p><p>Hermann Grimm.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-76" title="- 76 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Es spricht ein Mann, es spricht ein Gott mit Kraft</p>
+<p>Aus eines Weibes Munde,</p>
+<p>Und was sie sprach, die Kunde,</p>
+<p>Hat mich mir selbst für alle Zeit entrafft.</p>
+<p>Seit ich in ihrer Haft,</p>
+<p>Mir selbst durch sie genommen,</p>
+<p>Fühl' Mitleid ich mit mir, den sie betrauert.</p>
+<p>Tief schweigt die Leidenschaft;</p>
+<p>Ihr Reiz nur ausgenommen,</p>
+<p>Dünkt hohl die Schönheit mich; in Rosen lauert</p>
+<p>Der Tod, vor dem mich schauert.</p>
+<p>Du, die durch Feu'r und Wasser führt zum Frieden,</p>
+<p>O gib mich nie mir selbst zurück hienieden!</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">64.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-77" title="- 77 -"></a>An Vittoria Colonna.</h3>
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Hat Antlitz, Glieder, eines Menschen Sein</p>
+<p>Des Künstlers Geist erfasst, den Gott verliehn,</p>
+<p>Dazu ein Tonmodell, mit leichtem Mühn</p>
+<p>Bringt er dann Leben in den harten Stein.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>So greift, nach roh entworfnen Zeichnerein,</p>
+<p>Der klügste, erste unter allen kühn</p>
+<p>Zum Pinsel, wählt, was ihm das beste schien,</p>
+<p>Nach prüfenden Vergleichen mancher Reihn.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Auch ich kam als gering' Modell zur Welt,</p>
+<p>Doch anders ward ich, besser erst geartet,</p>
+<p>Durch Euch, o edle Frau, von hohem Mut.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Werd' ich gefeilter, höher noch gestellt,</p>
+<p>Durch Eure Hand, — welch Strafgericht erwartet,</p>
+<p>Nach solcher Zucht noch meine wilde Glut?</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">65.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Die <a class="pgnum" id="page-78" title="- 78 -"></a>Augen kränkt so vieles, was sie schau'n,</p>
+<p>Und alles hier muss, ach, mein Herz verletzen;</p>
+<p>Wozu noch leben, wär' mit seinen Schätzen</p>
+<p>Nicht mein das Herz der edelsten der Frauen?</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Darf auf Verzeihung ich, auf Hilfe trauen,</p>
+<p>Entflieh' ich der Gewohnheit Sündennetzen,</p>
+<p>Dem bösen Beispiel, dieser Nacht Entsetzen?</p>
+<p>Du kommst! Genug, nun darf auf Heil ich bauen.</p>
+<p>— — — — — — — — — —</p>
+</div>
+</div>
+
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">66.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Dem <a class="pgnum" id="page-79" title="- 79 -"></a>Tod entgegen steu'r ich will'ger nicht,</p>
+<p>Als wer mit Widerstreben</p>
+<p>Zum Richtplatz folgt dem strafenden Gericht</p>
+<p>Und lassen muss sein Leben.</p>
+<p>Wie dieser bin dem Tod ich nah' vielleicht,</p>
+<p>Falls nicht mein Restchen minder schnell entweicht;</p>
+<p>Und dennoch gönnt mir nicht die Minne,</p>
+<p>Dass ich ein Stündchen Rast gewinne.</p>
+<p>Ich wach' und schlafe zwischen zwei Gefahren:</p>
+<p>Kaum dass ich leise Lebenshoffnung fühlt',</p>
+<p>Ist tiefer Seelenkummer aufgewühlt,</p>
+<p>Weil ich noch Gluten habe zu befahren,</p>
+<p>Und weil die Lieb' um so viel minder frommt,</p>
+<p>Als spät sie kommt.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">67.</p><p>Hans Grasberger.</p>
+</div>
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Ich <a class="pgnum" id="page-80" title="- 80 -"></a>sehe meine Zukunft wie im Spiegel,</p>
+<p>Wenn bald vom Frost und bald von Glut getroffen,</p>
+<p>Ich, dem das Grab schon offen,</p>
+<p>Voll Scham vergangner Zeiten denken muss.</p>
+<p>Gleich blieb sich Lieb' und Hoffen,</p>
+<p>Doch weil mit schnellrem Flügel</p>
+<p>Die Zeit jetzt flieht, und nah der Freude Schluss</p>
+<p>Dem Greise ist, dünkt Schmerz fast der Genuss!</p>
+<p>Entweicht denn beide, Lust so wie Beschwerde!</p>
+<p>Der Glücklichste ist ja auf dieser Erde,</p>
+<p>Wer, ach, auf ihr nur kurze Stunden weilet,</p>
+<p>Denn Tod nur ist der Arzt, der alles heilet.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">68.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Der <a class="pgnum" id="page-81" title="- 81 -"></a>frischen Jugend wird es nicht bewusst,</p>
+<p>Wie so ganz anders, Herr, kurz vor dem Ende,</p>
+<p>Gedanken, Hoffen, Lieb' und Wünsche werden.</p>
+<p>Wächst unsere Seele, bringt's der Welt Verlust;</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die Kunst reimt mit dem Tod sich nicht zusammen,</p>
+<p>Drum, was erwart' ich noch von mir auf Erden?</p>
+<p>— — — — — — — — — —</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">69.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Ich <a class="pgnum" id="page-82" title="- 82 -"></a>leb' der Sünde, leb', um mir zu sterben,</p>
+<p>Mein Leben ist nicht mein, von Schuld umstrickt</p>
+<p>Gehört's der Sünde. Gott, der gern beglückt,</p>
+<p>Gab Segen nur, ich selbst gab mir Verderben.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die Freiheit macht' ich, die wir alle erben,</p>
+<p>Zur Sklavin, Staub zum Götzen, wahnberückt;</p>
+<p>Zu welcher Schmach hab' ich das Licht erblickt!</p>
+<p>— — — — — — — — — —</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">70.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Hier <a class="pgnum" id="page-83" title="- 83 -"></a>am äussersten Rande des Lebensmeeres</p>
+<p>Lern' ich zu spät erkennen, o Welt, den Inhalt</p>
+<p>Deiner Freuden, wie du den Frieden, den du</p>
+<p>Nicht zu gewähren vermagst, versprichst und jene</p>
+<p>Ruhe des Daseins, die schon vor der Geburt stirbt.</p>
+<p>Angstvoll blick' ich zurück, nun da der Himmel</p>
+<p>Meinen Tagen ein Ziel setzt: unaufhörlich</p>
+<p>Hab' ich vor Augen den alten, süssen Irrtum,</p>
+<p>Der dem, den er erfasst, die Seele vernichtet.</p>
+<p>Nun beweis' ich es selber: den erwartet</p>
+<p>Droben das glücklichste Los, der von der Geburt ab</p>
+<p>Sich auf dem kürzesten Pfad zum Tode wandte.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">71.</p><p>Hermann Grimm.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Mein <a class="pgnum" id="page-84" title="- 84 -"></a>Lebenslauf gelangt durch Sturm und Wogen</p>
+<p>Auf schwankem Boot nun zu dem grossen Port,</p>
+<p>Dahin wir alle steuern fort und fort,</p>
+<p>Für alles Tun zur Rechenschaft gezogen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Wohl merk' ich nun, wie sehr du mir gelogen,</p>
+<p>O Phantasie, die du als Herrn und Hort</p>
+<p>Die Kunst mir gabst, wie irrig Tat und Wort,</p>
+<p>Und wie auch mich manch eitler Wunsch betrogen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Was wird aus lang verflog'nem Liebesweben,</p>
+<p>Wenn bald der Doppeltod mir nahen soll?</p>
+<p>Nicht ahn' ich, was man bei dem zweiten leidet.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Mir kann nicht Stift noch Meissel Ruhe geben,</p>
+<p>Nur Gottes Liebe noch, die mitleidvoll</p>
+<p>Am Kreuz die Arme nach uns ausgebreitet.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">72.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Ihr <a class="pgnum" id="page-85" title="- 85 -"></a>meine vielen, irrtumsschweren Träume,</p>
+<p>Ihr solltet euch, da sich das Leben neigt,</p>
+<p>Zu einem einz'gen formen, der mir reicht</p>
+<p>Die Führerhand in lichte Himmelsräume.</p>
+<p>— — — — — — — — — —</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">73.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Mir <a class="pgnum" id="page-86" title="- 86 -"></a>raubten Eitelkeiten dieser Welt</p>
+<p>Die mir verlieh'ne Zeit, in Gott zu leben,</p>
+<p>Der Gunst vergass ich, die er mir gegeben,</p>
+<p>Hab' mehr mit ihr, als ohne sie gefehlt.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Mich machte blind, was andre aufgehellt,</p>
+<p>Zu spät erkannt' ich Tor mein irrig' Streben,</p>
+<p>Verzagt fleh' ich dich an, den Bann zu heben,</p>
+<p>Darin mich noch die Eigenliebe hält.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Den halben Weg, Herr, wolle mir erlassen,</p>
+<p>Der aufwärts führt, doch ohne deine Hand</p>
+<p>Fürcht' ich, dass ich auch diesen nicht vollende;</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Lehr' mich, was diese Welt so hoch hielt, hassen,</p>
+<p>Auch das, was ich verehrte, köstlich fand,</p>
+<p>Dass ew'ges Heil mir sicher vor dem Ende.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">74.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Vom <a class="pgnum" id="page-87" title="- 87 -"></a>Alter und von Sündenlast beschwert,</p>
+<p>Von festgewurzelt argem Trieb gehalten,</p>
+<p>Droh'n mir des Todes zwiefache Gestalten,</p>
+<p>Und oft hab' ich mein Herz mit Gift genährt.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Auch kann ich, da die Kraft mir nicht beschert,</p>
+<p>Nicht Leben, Liebe, Schicksal umgestalten,</p>
+<p>Wenn fürder dein erleuchtend göttlich Walten</p>
+<p>Nicht leitend, zügelnd mich die Wege lehrt.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Doch nicht genug, o Herr, wenn es mich treibt,</p>
+<p>Dass meine Seele wieder dorthin fahre,</p>
+<p>Wo du sie einst geschaffen aus dem Leeren,</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Gib, wenn an ihr nichts Irdisches mehr bleibt,</p>
+<p>Dass Reue ihr den halben Weg erspare</p>
+<p>Zu seligem und reinem Wiederkehren.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">75.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Was <a class="pgnum" id="page-88" title="- 88 -"></a>nicht ich will, o Herr, das möcht' ich wollen!</p>
+<p>Vom heil'gen Brand trennt mich ein Schlei'r von Eis</p>
+<p>Und löscht die Glut; nicht passt mein Tun zum Preis</p>
+<p>Der Feder; Lügen sind ihr nur entquollen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Dem Herrn kann mit der Zunge Lob ich zollen,</p>
+<p>Nicht mit dem Herzen! Ach, dass ich nicht weiss,</p>
+<p>Welch' Tor der Gnade auftun? Ihr Geheiss</p>
+<p>Verjagt allein den Stolz, den ränkevollen.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Zerreiss', o Herr, den eisigkalten Schleier;</p>
+<p>Die Mauer, hart und starr, wirf sie zusammen,</p>
+<p>Sie, die dein Licht verbirgt, die Wehr der Sünde.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Gib deiner schönen Braut dein Himmelsfeuer,</p>
+<p>Gib das verheiss'ne Licht, dass ich in Flammen,</p>
+<p>Von Zweifeln frei nur einzig dich empfinde.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">76.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Dich <a class="pgnum" id="page-89" title="- 89 -"></a>lass an jedem Ort mich schau'n! Dein Feuer</p>
+<p>Verschlinge jeder Erdenliebe Flammen,</p>
+<p>In Gluten brenn' ich dann, die dir entflammen,</p>
+<p>So hell wie damals, als die Welt mir teuer.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Zerreisse du des Irrtums dunkle Schleier,</p>
+<p>Die Sünden, die das Herz zur Qual verdammen,</p>
+<p>Vernichte sie; o lass ersteh'n zusammen</p>
+<p>Vernunft und Kraft und Willen, mein Befreier!</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Der Zeit hast du die Seele übergeben,</p>
+<p>Mit hartem Spruch hältst du ein göttlich Wesen</p>
+<p>Gefangen in des Leibes Kerkerwänden,</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Nicht ich kann wandeln dies mein sündig Leben;</p>
+<p>Nichts ohne dich ist gut in mir, erlösen</p>
+<p>Kannst du allein, nur du mein Schicksal wenden!</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">77.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Es <a class="pgnum" id="page-90" title="- 90 -"></a>fühlen Schmerz, es fühlen Trost nicht minder</p>
+<p>Die auserwählten Geister, dass erkoren</p>
+<p>Du hast für sie den Tod, um zu den Himmelstoren</p>
+<p>Den Eingang zu erkämpfen für uns Sünder.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Sie jauchzen, weil entsühnt die Menschenkinder</p>
+<p>Von ihrer ersten Schuld wie neugeboren,</p>
+<p>Sie weinen, weil die Nägel dich durchbohren,</p>
+<p>Weil Knecht der Knechte wird des Heiles Gründer.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Der Himmel zeugt für dich, denn in den Lüften</p>
+<p>Erlischt das Weltenauge, Berge wanken,</p>
+<p>Die Erde birst, das Meer erbraust im Laufe,</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die grossen Väter steigen aus den Grüften,</p>
+<p>Indes die bösen Engel niedersanken,</p>
+<p>Der Mensch nur freut sich, den entsühnt die Taufe.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">78.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>Erinnrung <a class="pgnum" id="page-91" title="- 91 -"></a>ist mir lieb, doch mehr beschweret</p>
+<p>Sie noch mit Gram das Herz, der Schuld, der frühen,</p>
+<p>Gedenkend, will zur Rechenschaft sie ziehen</p>
+<p>Für eine Zeit mich, die nicht wiederkehret;</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Lieb ist sie mir, weil vor dem Tod sie lehret,</p>
+<p>Dass alle Erdenfreuden treulos fliehen,</p>
+<p>Herb, weil vom Himmel Gnad' herabzuziehen</p>
+<p>Dem schwer gelingt, der sich so spät bekehret.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Wie fest wir auch auf die Verheissung bauen,</p>
+<p>So ist doch jener Glaube Frevelmut,</p>
+<p>Dass leicht des Zögerns Schuld verzieh'n uns Armen;</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Und dennoch tut, verspritzt in Todesgrauen,</p>
+<p>Vom Kreuz herab uns kund dein strömend Blut:</p>
+<p>So masslos wie dein Schmerz sei dein Erbarmen!</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">79.</p><p>Sophie Hasenclever.</p>
+</div>
+
+
+
+
+
+<div class="poem">
+<div class="stanza">
+<p>O <a class="pgnum" id="page-92" title="- 92 -"></a>Herr, befreit von schwerer Bürde, wende</p>
+<p>Ich mich zu dir, die Weltlust gibt mich her;</p>
+<p>Ein schwankes Boot, im Sturm auf wildem Meer,</p>
+<p>Treib' ich nun müd' an ruhiges Gelände.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Die Dornenkrone, die durchbohrten Hände,</p>
+<p>Dein gütig mildes Antlitz, mitleidschwer,</p>
+<p>Verheissen Gnade reu'ger Wiederkehr,</p>
+<p>Und trüben Seelen künft'ge Heilesspende.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Lass deine heil'gen Augen, lass dein Ohr</p>
+<p>Nicht richten über mein vergangnes Leben,</p>
+<p>Zeig nicht dorthin mit drohender Gebärde.</p>
+</div>
+
+<div class="stanza">
+<p>Nur reicher ströme mir dein Blut hervor,</p>
+<p>Je greiser ich, die Sünden aufzuheben,</p>
+<p>Dass schnell mir Hilfe und Verzeihung werde.</p>
+</div>
+</div>
+
+
+<div class="poemsrc">
+<p class="number">80.</p><p>Bettina Jacobson.</p>
+</div>
+
+
+<h2><a class="pgnum" id="page-93" title="- 93 -"></a>Briefe Michelangelos.</h2>
+<p class="translator">Übersetzt von R. A. Guardini.</p>
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-95" title="- 95 -"></a><a id="letter-1"></a>1.</h3>
+
+<p class="to">An Meister Giuliano da Sangallo aus Florenz,
+Architekt des Papstes in Rom.</p>
+
+<p class="date"><i>Florenz</i>, den 2. Mai 1506.</p>
+
+<p>Giuliano! Ich entnahm aus Eurem Briefe, der
+Papst habe mir meine Abreise übelgenommen, ferner,
+dass Seine Heiligkeit jetzt bereit sei, den Betrag zu
+erlegen und auch im übrigen alles unserer Abrede
+gemäss zu erfüllen und endlich, dass ich ohne Besorgnis
+zurückkehren solle.</p>
+
+<p>Über meine Abreise folgendes: Am Samstag der
+Karwoche hörte ich — ich sage Euch die volle Wahrheit — den
+Papst im Gespräch mit einem Goldschmied
+und dem Zeremonienmeister bei Tisch sagen,
+er wolle weder für grosse noch für kleine Steine
+auch nur noch einen Heller hergeben. Darüber
+wunderte ich mich sehr; trotzdem bat ich ihn vor
+meiner Abreise um einen Teil des Geldes, das ich
+zur Weiterführung des Werkes brauchte. Seine
+Heiligkeit erwiderte mir, ich solle am Montag wiederkommen.
+Am Montag kam ich wieder und kam am
+Dienstag und am Mittwoch und am Donnerstag, wie sie
+selbst bestätigen kann. Endlich, am Freitag, wurde ich
+hinausgeschickt, nein, weggejagt. Der mich hinauswies,
+<a class="pgnum" id="page-96" title="- 96 -"></a>sagte, er kenne mich wohl, allein er habe nun einmal
+den Befehl. Als ich so die Bestätigung der Worte
+sah, die ich am Samstag gehört hatte, geriet ich in
+grosse Verzweiflung. Doch war das nicht der einzige
+Grund, weshalb ich Rom verliess. Es war da noch
+etwas, worüber ich schweigen will. Nur so viel will
+ich sagen, dass ich befürchten musste, wenn ich noch
+in Rom bliebe, würde eher<i> mein</i> Grabmal, als das
+des Papstes aufgerichtet werden. Das war der Grund
+meiner plötzlichen Abreise.</p>
+
+<p>Nun schreibt Ihr mir im Auftrag des Papstes;
+Ihr werdet ihm also diesen Brief vorlesen. Seine
+Heiligkeit soll wissen, dass ich mehr als je bereit
+bin, das Werk fortzuführen; und wenn sie das Grabmal
+durchaus haben will, so kann es ihr gleichgültig
+sein, wo ich daran arbeite, wenn es nur nach Ablauf
+von fünf Jahren, wie wir vereinbart haben, in Sankt
+Peter an der ihr genehmen Stelle aufgerichtet und
+ein schönes Werk ist, wie ich versprochen habe.
+Denn dessen bin ich gewiss, wenn es zustande
+kommt, wird die Welt nicht seinesgleichen besitzen.</p>
+
+<p>Wenn also Seine Heiligkeit jetzt das Werk fortzuführen
+gedenkt, möge sie mir besagten Betrag hier
+in Florenz anweisen, an dem Orte, den ich ihr bezeichnen
+werde. In Carrara stehen mir viele Marmorblöcke
+zur Verfügung; die werde ich hierher schaffen
+lassen und ebenso die Stücke, die ich in Rom habe.
+Dadurch wurden mir zwar viele Kosten entstehen,
+allein das sollte mich nicht kümmern, wenn ich nur
+das Werk hier ausführen könnte. Dann würde ich
+die einzelnen Teile gleich nach ihrer Vollendung
+<a class="pgnum" id="page-97" title="- 97 -"></a>nach Rom schicken, und so gut gearbeitet, dass Seine
+Heiligkeit ebenso zufrieden sein sollte, als wenn ich
+in Rom wäre; ja noch zufriedener, weil sie dann
+ohne weitere Belästigung bloss die fertigen Werke
+sehen würde. Für die besagten Geldsummen und
+zur Durchführung besagten Werkes werde ich mich
+ganz so verpflichten, wie Seine Heiligkeit es wünscht
+und hier in Florenz jede geforderte Sicherheit geben.
+Es mag sein, was es will, ich werde jede Bürgschaft
+aufbringen: ganz Florenz wird doch genügen! Und
+dann noch dies: In Rom kann ich zu diesem Preise
+das Werk nicht vollenden; hier hingegen vermag ich
+es, weil ich mir vielerlei Erleichterungen verschaffen
+kann, die ich dort nicht finde. Ich werde auch besser
+und mit grösserer Liebe arbeiten, weil ich dann nicht
+mehr an so viele Sachen zu denken brauche. Einstweilen
+bitte ich Euch, mein liebster Giuliano, Ihr
+wollet mir Antwort geben und das bald. Das sei's.</p>
+
+<p class="sign">Euer Michelangelo, Bildhauer.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-2"></a>2.</h3>
+
+<p class="to">An Giovanni Simone di Lodovico
+Buonarroti in Florenz.</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, [Juli 1508].</p>
+
+<p>Giovan Simone! — Man sagt, dass durch Wohltaten
+der Gute gebessert, der Böse aber nur noch
+schlimmer gemacht wird. Ich habe schon seit Jahren
+versucht, Dich durch gutes Wort und gute Tat zu
+<a class="pgnum" id="page-98" title="- 98 -"></a>einem rechtschaffenen und friedlichen Zusammenleben
+mit Deinem Vater und uns zu bringen, doch Du
+wirst immer schlimmer. Ich sage nicht, dass Du
+schlecht seist; aber Du führst Dich in einer Weise
+auf, die weder mir noch den andern gefällt. Ich
+könnte Dir eine lange Rede über Dein Betragen
+halten, allein es würden nutzlose Worte bleiben, wie
+alles, was ich Dir bisher gesagt habe. Ich will Dir
+darum kurz erklären, dass Du nichts in der Welt
+Dein eigen nennst. Lebensunterhalt gebe ich Dir
+seit geraumer Zeit, und auch das Reisegeld hast Du
+von mir erhalten. Um Gottes willen und weil ich
+glaubte, Du seiest mein Bruder wie die andern, habe
+ich Dir all das geschenkt. Jetzt aber weiss ich, dass
+Du mein Bruder nicht bist, denn wärest Du es, so
+würdest Du meinem Vater nicht drohen. Du bist
+vielmehr ein Tier, und als Tier werde ich Dich auch
+behandeln! Das lass Dir gesagt sein: Wer sieht,
+wie sein Vater bedroht oder geschlagen wird, hat die
+Pflicht, sein Leben für ihn einzusetzen, und damit
+genug! Ich wiederhole Dir, dass Du nichts besitzest,
+was Dir gehörte, und dass ich bei der ersten
+schlimmen Nachricht über Dich auf dem schnellsten
+Wege nach Florenz komme. Dann will ich Dich
+über Deinen Irrtum aufklären und Dich lehren, Dein
+Gut zu vergeuden und die Häuser und Grundstücke,
+die Du nicht durch Arbeit erworben hast, zu Grund
+zu richten. Du bist nicht, wo Du zu sein glaubst!
+Wenn ich hinkomme, will ich Dir die Augen öffnen,
+dass Du heisse Tränen weinen und erkennen sollst,
+auf welchem Grund Dein Hochmut steht.</p>
+<p><a class="pgnum" id="page-99" title="- 99 -"></a>Ich wiederhole Dir: Wenn Du ein rechtschaffenes
+Leben führen und Deinen Vater achten und ehren
+willst, so werde ich Dir wie den anderen helfen und
+Euch bald eine schöne Werkstatt bauen lassen. Tust
+Du das aber nicht, dann werde ich kommen und die
+Sache in einer Weise ordnen, dass Du ganz klar
+einsehen sollst, was Du bist und was Du hast und
+es nie mehr vergessen sollst. Das sei's. Wo es an
+Worten fehlt, werde ich mit Taten sprechen.</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo.</p>
+
+
+
+<p>Ich kann es nicht über mich bringen; ich muss
+Dir noch einige Zeilen schreiben. Seit zwölf Jahren
+gehe ich bettelnd durch ganz Italien, dulde jede
+Schmach, ertrage jede Entbehrung, reibe meinen
+Körper auf in jederlei Anstrengung, setze mein Leben
+jeder Gefahr aus, nur um meiner Familie zu helfen;
+und dass nun, da ich sie ein wenig in die Höhe
+gebracht habe, Du es sein sollst, der in<i> einer</i> Stunde
+all das zerstört und vernichtet, was ich in so vielen
+Jahren harter Arbeit gebaut habe, beim Leib des
+Heilandes, das will ich nicht erleben! Mit zehntausend
+Deinesgleichen will ich fertig werden, wenn
+es sein muss! Und nun sei gut, und bring' nicht
+einen Menschen auf, der wirklich andere Sorgen im
+Kopf hat.</p>
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-100" title="- 100 -"></a><a id="letter-3"></a>3.</h3>
+
+<p class="to">An Lodovico di Buonarrota Simoni
+in Florenz.</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 20. Januar 1509.</p>
+
+<p>Liebster Vater! — Ich habe heute einen Brief
+von Euch erhalten. Was ich daraus erfuhr, hat mich
+sehr geschmerzt. Ich fürchte, Ihr macht Euch mehr
+Sorge, als nötig ist. Wie hoch würde sich wohl der
+Schaden belaufen, den sie Euch im schlimmsten
+Falle zufügen könnte? Es wäre mir lieb, wenn Ihr
+mir das mitteilen wolltet. Sonst habe ich nichts zu
+sagen. Es bekümmert mich, dass Ihr Euch so ängstigt;
+darum rafft Euch auf und bereitet Euch gut auf ihre
+Angriffe vor; beratet Euch, dann aber denkt nicht
+länger daran. Denn wenn sie Euch auch alles nähme,
+was Ihr hier auf Erden besitzet, so wird es Euch
+doch nicht an Mitteln zu einem bequemen Leben
+fehlen, wenn auch niemand als ich da wäre, für
+Euch zu sorgen. Deshalb bleibt guten Mutes! Ich
+bin noch in grossen Nöten, denn ich habe seit nun
+schon einem Jahr keinen Heller mehr vom Papst
+bekommen; ich bitte ihn auch um nichts, denn meine
+Arbeit geht nicht so voran, dass ich etwas beanspruchen
+dürfte. Die Arbeit ist eben schwierig und
+schlägt dazu nicht in mein Fach. So verliere ich
+meine Zeit und erreiche nichts. — —</p>
+
+<p class="sign">Euer Michelangelo.</p>
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-101" title="- 101 -"></a><a id="letter-4"></a>4.</h3>
+
+<p class="to">An Buonarroto di Lodovico di Buonarrota
+Simoni in Florenz.</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, [den 17. Oktober 1509].</p>
+
+<p>Buonarroto! — — — In Deinem letzten Brief
+sagst Du, Lorenzo werde hier durchreisen, und ich
+solle ihn gut aufnehmen. Mir scheint, Du weisst
+nicht, wie ich hier lebe. Doch für diesmal will ich
+Dir verzeihen und werde tun, was ich kann. Ich
+höre, Gismondo will hierher kommen, um seine Angelegenheit
+zu ordnen. Sag ihm in meinem Namen,
+er dürfe nicht auf mich zählen; wohl ist er mir als
+Bruder lieb, aber ich kann ihm in keiner Weise
+helfen. Ich sollte auf mich mehr Rücksicht nehmen
+als auf die andern und kann nicht einmal mir das
+Nötige beschaffen. Ich bin hier sehr geplagt und
+lebe unter grossen körperlichen Entbehrungen, habe
+keinen Freund und will auch keinen. Ich habe nicht
+so viel Zeit, um das Nötigste zu essen, und will darum
+von keinerlei Belästigung mehr wissen, könnte auch
+keine Unze mehr davon ertragen.</p>
+
+<p>Seid eifrig in Euerem Gewerbe. Es freut mich,
+dass Giovansimone sich gebessert hat. Seht zu, dass
+Ihr Euren Besitz in gerechter Weise vermehrt oder
+erhaltet, damit Ihr später Grösseres unternehmen
+könnt, denn ich hoffe, Ihr könnt Euch einst selbständig
+machen, wenn ich heimkehre, und Ihr tüchtige
+<a class="pgnum" id="page-102" title="- 102 -"></a>Leute seid. Sag Lodovico, dass ich ihm nicht antwortete,
+weil ich keine Zeit hatte, und wundert Euch
+nicht, wenn ich nicht schreibe.</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo, Bildhauer.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-5"></a>5.</h3>
+
+<p class="to">An Lodovico …</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 15. September [1510].</p>
+
+<p>Liebster Vater! — Ich habe hier bei Giovanni
+Balducci dreihundertfünfzig doppelte Golddukaten eingezahlt,
+die er Euch in Florenz zustellen soll. Sobald
+Ihr daher diesen Brief empfangen habt, geht
+zu Bonifazio Fazi, und er wird sie Euch auszahlen.
+(Dreihundertundfünfzig doppelte Golddukaten.) Wenn
+Ihr sie erhalten habt, bringt sie zum Spitalverwalter
+und sagt ihm, er solle sie so anlegen, wie er es mit
+dem früheren Geld getan hat. Es bleiben dann noch
+einige Dukaten, von denen ich schrieb, Ihr solltet
+sie behalten. Wenn Ihr es noch nicht getan habt,
+so tut es jetzt; braucht Ihr mehr, so nehmt, soviel
+Euch gut dünkt. Ich schenke Euch, was Ihr braucht,
+und wenn Ihr die ganze Summe ausgeben wolltet.
+Wenn es einer Weisung an den Spitalmeister bedarf,
+so lasst es mich wissen.</p>
+
+<p>Durch Euren letzten Brief erfuhr ich, wie Eure
+Sache steht. Es bekümmert mich sehr, aber ich
+kann nichts machen. Doch sollt Ihr Euch nicht entmutigen
+lassen und Euch auch kein bisschen grämen,
+<a class="pgnum" id="page-103" title="- 103 -"></a>denn wenn das Gut verloren geht, ist darum doch
+nicht das Leben verloren, und ich werde so viel verdienen,
+dass der Verlust reichlich gutgemacht wird.
+Doch bedenkt wohl, Ihr dürft nicht darauf zählen,
+denn die Erfüllung solcher Versprechungen ist doch
+unsicher. Tut gewissenhaft das Eure und danket
+Gott, dass diese Prüfung, wenn sie schon kommen
+soll, doch zu einer Zeit kommt, da Ihr Euch besser
+behelfen könnt, als es früher hätte geschehen können.
+Gehabt Euch wohl und lasst lieber das Geld fahren,
+als dass Ihr Euch Kummer macht. Ich will Euch
+am Leben haben, und wäre es auch in Armut; denn
+mit Eurem Tod möchte ich nicht alles Gold der
+Welt erkaufen. Und wenn die Schwätzer dort oder
+sonst jemand Euch tadeln, so lasst sie reden; es
+sind Menschen ohne Gewissen und ohne Liebe.</p>
+
+<p class="sign">Euer Michelangelo, Bildhauer.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-6"></a>6.</h3>
+
+<p class="to">An Lodovico …</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, [Oktober 1512.]</p>
+
+<p>Liebster Vater! — Ihr warnt mich in Eurem
+letzten Brief davor, Geld im Haus zu halten oder
+bei mir zu tragen; dann sagt Ihr mir, man erzähle
+sich bei Euch, ich habe Böses gegen die Medici
+gesagt.</p>
+
+<p>Nun, das Geld, das ich besitze, habe ich bei
+Balduccio auf der Bank liegen und behalte nur das
+im Haus oder in der Tasche, was ich für den Tag
+<a class="pgnum" id="page-104" title="- 104 -"></a>brauche. Was die Medici angeht, so habe ich nicht
+anders über sie gesprochen, als es allgemein und von
+jedermann geschieht, wie jüngst über das Geschick
+von Prato. Und da hätten die Steine geredet, wenn
+sie sprechen könnten. Auch sonst wurde hier vielerlei
+gesagt; wenn ich es hörte, erwiderte ich stets:
+Wenn sie wirklich so handeln, tun sie unrecht. Nicht
+als ob ich es geglaubt hätte; wolle Gott, dass es
+nicht so sei! Noch vor einem Monat haben einige,
+die mir Freundschaft bezeigen, sehr schlecht von den
+Taten der Medici gesprochen. Ich tadelte sie und
+sagte, sie täten unrecht, so zu reden, und sie sollten
+nichts mehr dergleichen in meiner Gegenwart äussern.
+Ich wünschte aber, dass Buonarroto vorsichtig in Erfahrung
+zu bringen suchte, woher der Betreffende
+gehört hat, ich rede gegen die Medici. Vielleicht
+kann ich dann ermitteln, von wem diese Gerüchte
+stammen, und mich in acht nehmen, wenn es vielleicht
+einer von denen ist, die sich meine Freunde
+nennen. Sonst habe ich nichts zu sagen. Ich bin
+noch untätig und warte, dass der Papst mir einen
+Auftrag gibt.</p>
+
+<p class="sign">Euer Michelangelo, Bildhauer.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-7"></a>7.</h3>
+
+<p class="to">An Buonarroto … in Florenz.</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 30. Juli [1513].</p>
+
+<p>Buonarroto! — — — Michele erzählte mir, Du
+habest ihm vorgerechnet, dass Du in Settignano für
+<a class="pgnum" id="page-105" title="- 105 -"></a>uns ungefähr sechzig Dukaten von Deinem Gelde
+ausgegeben habest. Ich erinnere mich, dass Du auch
+hier bei Tisch zu mir sagtest, Du habest eine grosse
+Summe aufgewandt. Doch ich stellte mich, als verstünde
+ich nicht, wunderte mich aber nicht, denn
+ich kenne Dich. Ich denke, Du wirst Dir den Betrag
+aufgeschrieben haben, um ihn eines Tages von
+uns zurückfordern zu können. Ich möchte aber von
+Dir undankbarem Menschen wissen, mit welchem
+Geld Du ihn erworben hast; und ebenso möchte ich
+wissen, ob Ihr nicht mehr an jene zweihundertundachtundzwanzig
+Dukaten denkt, die Ihr mir von
+meinem Guthaben in Santa Maria Nuova genommen
+habt, an die vielen Hunderte, die ich für Euer Haus
+und die Familie ausgegeben habe, und an die Drangsale
+und Entbehrungen, die ich ertrug, um Euch zu
+helfen. Ich möchte wissen, ob Du daran denkst!
+Wenn Du nur soviel Verstand hättest, um die Wahrheit
+erkennen zu können, würdest Du nicht sagen:
+‚ich habe mein Geld ausgegeben‘, wärest auch nicht
+gekommen, um mich an Eure Forderungen zu mahnen;
+Du hättest vielmehr daran gedacht, wie ich mich
+Euch gegenüber in der vergangenen Zeit betragen
+habe. Du hättest Dir gesagt: ‚Michelangelo weiss,
+was er uns zugesichert hat, und wenn er es jetzt
+nicht erfüllt, so muss ihn irgend etwas, was wir
+nicht wissen, gehindert haben‘, und Ihr würdet Euch
+gedulden. Denn es tut nicht gut, dem Pferd noch
+die Sporen zu geben, das schon so schnell läuft, als
+es vermag. Aber Ihr habt mich nie gekannt und
+kennt mich auch jetzt nicht. Gott verzeihe es Euch!
+<a class="pgnum" id="page-106" title="- 106 -"></a>Er hat mir die Kraft gegeben, auszuharren unter der
+Last, die ich trage, damit Euch geholfen werde. Ihr
+werdet all dies schon einsehen, wenn Ihr mich nicht
+mehr habt.</p>
+
+<p>Ich glaube in diesem Sommer nicht nach Florenz
+kommen zu können, denn ich bin in einer Weise in
+Anspruch genommen, dass ich nicht einmal zum
+Essen Zeit habe. Gebe Gott, dass ich nicht erliege!
+Doch will ich — und kann es auch — Lodovico
+die Anweisung ausstellen, wie ich versprach, denn
+ich habe es nicht vergessen. Ich will Euch tausend
+doppelte Golddukaten geben, damit Ihr Euch mit
+diesem Geld und dem, was Ihr schon habt, selbst
+forthelfen könnt. Von Eurem Verdienst beanspruche
+ich nichts. Nur will ich die Sicherheit haben, dass
+Ihr mir nach Ablauf von zehn Jahren, wenn anders
+ich noch lebe, diese tausend Dukaten in Geld oder
+anderem Gut zurückgebt, sobald ich sie fordere. Ich
+glaube nicht, dass dieser Fall eintritt, aber wenn ich
+sie brauche, muss ich sie, wie gesagt, wiederbekommen.
+Das wird auch ein Zügel für Euch sein, damit Ihr
+sie nicht verschleudert. Überlegt Euch deshalb die
+Sache, beratet Euch und schreibt mir, was Ihr zu
+tun gedenkt. Die vierhundert Dukaten, die Ihr noch
+von mir habt, schenke ich Euch; sie sollen in vier
+Teile geteilt werden, so dass jeder von Euch hundert
+erhält. Hundert für Lodovico, hundert für Dich,
+hundert für Giovansimone und hundert für Gismondo,
+mit der Bedingung, dass Ihr das Geld zusammen in
+Euer Gewerbe steckt. Das sei's. Zeig' den Brief
+Lodovico; entschliesst Euch und gebt mir die Sicherheit,
+<a class="pgnum" id="page-107" title="- 107 -"></a>von der ich sprach. Am dreissigsten Juli.
+Vergiss nicht, das Geld, das ich Dir für Michele
+mitschicke, auch abzugeben.</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo, Bildhauer.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-8"></a>8.</h3>
+
+<p class="to">An Lodovico … in Settignano.</p>
+
+<p class="date"><i>Florenz</i> [1516].</p>
+
+<p>Liebster Vater! — Ich war sehr erstaunt über
+Euer Tun, als ich Euch neulich nicht zu Hause fand.
+Nun höre ich, dass Ihr Euch über mich beklagt, dass
+Ihr erzählt, ich habe Euch vertrieben, und wundere
+mich immer mehr. Bin ich doch sicher, dass ich
+vom Tage meiner Geburt bis heute nie die Absicht
+hatte, Euch in irgend etwas, in Grossem oder Kleinem
+zu nahe zu treten, dass ich vielmehr alle Mühen
+meines Lebens Euch zu Liebe getragen habe. Und
+Ihr wisst, dass ich es seit meiner Rückkehr aus
+Rom nach Florenz stets mit Euch gehalten und
+jederzeit mein Eigentum zu Eurer Verfügung gestellt
+habe. Erst vor wenigen Tagen noch, als Ihr unwohl
+waret, versicherte und versprach ich Euch, mit all
+meinen Kräften und mein Leben lang Euch zu
+Diensten zu sein und bestätige es auch jetzt noch.
+Darum wundere ich mich heute, dass Ihr alles das
+so bald vergessen habt. Ihr samt Euren Kindern
+habt doch schon dreissig Jahre lang meine Treue
+erprobt und wisst, dass ich Euch immer wohl gesinnt
+war und Euch Gutes tat, so viel ich konnte.
+<a class="pgnum" id="page-108" title="- 108 -"></a>Wie könnt Ihr da sagen, ich habe Euch weggejagt?
+Seht Ihr denn nicht, in welch' schlechten Ruf Ihr
+mich gebracht habt, wenn man sich erzählt, ich habe
+Euch vertrieben? Nur dies Schlimmste fehlte mir
+noch in all meinen Mühseligkeiten, die ich Euch
+zu Liebe ertragen habe! Ihr vergeltet sie mir gut!
+Doch mag die Sache sein, wie sie wolle, ich will
+glauben, ich habe Euch stets Schande und Schaden
+gebracht, und bitte Euch so inständig um Vergebung,
+als ob ich es wirklich getan hätte. Denkt, Ihr habet
+einem Sohn zu verzeihen, der stets ein schlimmes
+Leben geführt und Euch alles Leid dieser Welt zugefügt
+hat, und ich bitte von neuem, Ihr möget mir
+schlechtem Menschen vergeben und mich nicht in
+den Ruf bringen, als habe ich Euch aus dem Hause
+gejagt, denn das geht mir näher als Ihr denkt, bin
+ich doch immer Euer Sohn. Diesen Brief wird Euch
+Raffaello da Gagliano bringen. Ich bitte Euch um
+Gottes-, nicht um meinetwillen, kommt nach Florenz,
+denn ich muss abreisen und habe Euch sehr wichtige
+Mitteilungen zu machen, kann aber nicht zu Euch
+kommen. Von meinem Diener Pietro habe ich aus
+seinem eigenen Munde Dinge gehört, die mir nicht
+gefallen. Ich habe ihn darum heute morgen nach
+Pistoja heimgeschickt, und er wird nicht mehr zu
+mir zurückkehren, denn ich will nicht, dass er unserem
+Hause Schaden bringt. Ihr hättet mich aber wirklich
+schon früher von der Sache in Kenntnis setzen
+können, denn ihr wusstet alle um sein Betragen und
+liesset mich darüber doch ganz im Dunkeln. Ich muss
+notwendig abreisen, will aber nicht fort, ehe ich Euch
+<a class="pgnum" id="page-109" title="- 109 -"></a>gesprochen habe und Euch hier im Haus zurücklassen
+kann. Ich bitte Euch, lasst allen Groll fahren und
+kommt!</p>
+
+<p class="sign">Euer Michelangelo.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-9"></a>9.</h3>
+
+<p class="to">An Buonarroto … in Florenz.</p>
+
+<p class="date">[<i>Carrara</i>], den 23. November 1516.</p>
+
+<p>Buonarroto! — Du schreibst mir in Deinen zwei
+letzten Briefen, Lodovico sei todkrank gewesen, der
+Arzt habe aber neuerdings erklärt, bis auf weiteres
+sei er ausser Gefahr. Wenn es so ist, komme ich
+nicht nach Florenz, denn es würde mir sehr schwer
+fallen. Sollte aber noch Gefahr sein, so will ich
+ihn um jeden Preis noch einmal sehen, ehe er stirbt,
+und müsste ich auch mit ihm sterben. Aber ich
+hoffe zuversichtlich, es geht ihm gut, und deshalb
+komme ich nicht. Sollte ein Rückfall eintreten, wovor
+Gott ihn und uns behüten möge, so sieh zu, dass
+ihm die geistlichen Tröstungen und die Sakramente
+der Kirche nicht fehlen, und lass Dir von ihm sagen,
+ob er wünscht, dass wir etwas Bestimmtes für sein
+Seelenheil tun. Sorge auch, dass ihm für sein leibliches
+Wohl nichts abgeht, denn ich habe mich nur
+für ihn geplagt, um ihm noch bis zu seinem Tode
+helfen zu können. Sag' Deiner Frau, sie solle mit
+Liebe für seinen Haushalt sorgen; ich werde Euch
+alles vergüten, wenn es nötig ist. Sparet nichts, und
+sollten wir auch alles darangeben, was wir besitzen.
+<a class="pgnum" id="page-110" title="- 110 -"></a>Damit mag es genug sein. Lebt in Frieden und Du
+schreibe mir, wie es steht, denn ich bin in grosser
+Angst und Sorge. — —</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-10"></a>10.</h3>
+
+<p class="to">An Papst Clemens VII. in Rom.</p>
+
+<p class="date"><i>Florenz</i>, [1524].</p>
+
+<p>Heiliger Vater! — Mittelspersonen verursachen
+oft viel <del title="probable printer's error">Arger</del><ins title="probable printer's error">Ärger</ins> und Verwirrung, deshalb wage ich es,
+ohne eine solche an Eure Heiligkeit über die Gräber
+hier in San Lorenzo zu schreiben. Ich weiss wirklich
+nicht, was besser ist, das Schlimme, das Nutzen
+bringt, oder das Gute, das Unheil anrichtet. Doch
+so viel weiss ich gewiss: ich mag noch so untauglich
+und unvernünftig sein, aber wenn man mich ruhig
+hätte fortfahren lassen, wie ich angefangen hatte, dann
+wären jetzt alle Marmorblöcke für die Arbeiten in
+Florenz, und zwar mit geringeren Kosten, als bis
+jetzt bereits aufgewendet wurden, schon für ihren
+Zweck zugehauen und in so gutem Zustande, wie
+alle anderen, die ich bisher schon hergebracht habe.</p>
+
+<p>Nun fürchte ich, dass sich die Sache noch lange
+hinziehen wird, und weiss nicht, wie sie ausgehen
+kann. Ich bitte daher im voraus Eure Heiligkeit um
+Entschuldigung für den Fall, dass sich etwas Missliches
+ereignen sollte, denn ich habe keine Autorität
+und glaube deshalb auch für nichts verantwortlich zu
+sein. Ich bitte aber Eure Heiligkeit, wenn Ihr mir
+<a class="pgnum" id="page-111" title="- 111 -"></a>irgendeinen Auftrag zuweisen wollt, mir in meiner
+Arbeit keinen Vorgesetzten zu geben, sondern mir
+Vertrauen zu schenken und freie Hand zu lassen.
+Ihr werdet dann sehen, was ich vollbringen und wie
+ich Euch Rechenschaft über meine Tätigkeit geben
+werde.</p>
+
+<p>Die Laterne der Kapelle von San Lorenzo hat
+Stefano vollendet und enthüllt. Sie gefällt jedermann
+und wird, so hoffe ich, auch Eurer Heiligkeit zusagen,
+wenn Ihr sie seht. Wir lassen jetzt die Kugel anfertigen.
+Sie wird einen Arm im Durchmesser betragen.
+Ich dachte, sie facettieren zu lassen, um sie
+von den übrigen etwas zu unterscheiden, und so wird
+sie denn auch ausgeführt.</p>
+
+<p class="your">Eurer Heiligkeit Diener</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo, Bildhauer.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-11"></a>11.</h3>
+
+<p class="to">An Sebastiano del Piombo in Rom.</p>
+
+<p class="date">[<i>Florenz</i>, Mai 1525.]</p>
+
+<p>Mein teuerster Sebastiano! — Gestern abend
+nahmen mich unser Freund, der Hauptmann Cujo,
+und einige Edelleute gütigerweise zum Abendessen
+mit. Das machte mir grosse Freude, denn dadurch
+wurde ich für kurze Zeit aus meiner Melancholie — wenn
+ich sie nicht Wahnsinn nennen soll — gerissen.
+Die Mahlzeit war sehr ergötzlich. Noch
+mehr freuten mich die Gespräche, die da geführt
+<a class="pgnum" id="page-112" title="- 112 -"></a>wurden; besonders als ich den Hauptmann Euren
+Namen nennen hörte, war ich ganz entzückt. Und
+wie nun besagter Hauptmann erklärte, Ihr seiet einzig
+auf Erden und in der Kunst und werdet auch entsprechend
+in Rom geschätzt, wäre meine Freude noch
+gewachsen, wenn das nur möglich gewesen wäre.
+Auf diese Art wurde mir bestätigt, dass mein Urteil
+über Euch nicht falsch war. Drum widersprecht mir
+nicht mehr, wenn ich Euch in meinen Briefen „einzig“
+nenne, denn ich habe der Zeugen genug; dazu haben
+wir hier ein Bild, das weiss Gott jeden, der Augen
+hat, zwingt, mir recht zu geben.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-12"></a>12.</h3>
+
+<p class="to">An Giovan Simone … in Settignano.</p>
+
+<p class="date"><i>Florenz</i>, [1533].</p>
+
+<p>Giovan Simone! — Mona Margherita hat mich
+falsch verstanden. Als ich vorgestern morgen von
+Dir und Gismondo sprach — Ser Giovanni Francesco
+war dabei —, sagte ich, ich habe für Euch stets mehr
+getan als für mich und viele Mühen auf mich genommen,
+damit Ihr keine zu tragen hättet, Ihr aber
+habet nichts getan, als mich in ganz Florenz zu verleumden.
+So viel habe ich gesagt, und wollte Gott,
+es wäre nicht wahr, dass Ihr Euch wie Tiere benommen
+habt! Was Deinen Aufenthalt in Settignano
+angeht, so bleib nur dort, pflege dich und sieh zu,
+dass Du gesund wirst. Was an mir liegt, will ich
+<a class="pgnum" id="page-113" title="- 113 -"></a>stets für Euch tun, denn ich achte nur auf meine
+Pflicht, nicht auf Eure Reden. Dann wünschte ich,
+Du beschafftest dort eine Wohnung, damit auch Mona
+Margherita hinkommen kann, denn mein Vater hat sie
+mir vor seinem Tode empfohlen, und ich werde sie
+deshalb nie verlassen.</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-13"></a>13.</h3>
+
+<p class="to">An Messer Luigi del Riccio in Rom.</p>
+
+<p class="date">[<i>Rom</i>, 1542.]</p>
+
+<p>Dieses [Madrigal] habe ich vor längerer Zeit nach
+Florenz geschickt. Nun ich es umgearbeitet habe,
+sende ich es Euch, damit Ihr, wenn es Euch so beliebt,
+es den Flammen gebet, denen, meine ich, die
+mich verzehren. Noch bitte ich Euch um eine andere
+Gnade. Ihr sollt mich nämlich von einem Zwiespalt
+erlösen, in den mein Geist heute nacht geriet. Denn
+als ich unsern Liebling im Traum grüsste, schien es
+mir, als ob er mit einem Lächeln mir drohte. Da
+ich nun ungewiss bin, welcher der beiden Gebärden
+ich glauben soll, so bitte ich Euch, fragt ihn selbst;
+und wenn wir uns am Sonntag wiedersehen, lasst es
+mich wissen.</p>
+
+<p class="sign">Ich bleibe, Euch stets verpflichtet, der Eurige.</p>
+<p>— — — — — — — — — —</p>
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-114" title="- 114 -"></a><a id="letter-14"></a>14.</h3>
+
+<p class="to">An Messer Luigi del Riccio, meinen Freund
+oder vielmehr verehrungswürdigen Herrn,
+in Rom.</p>
+
+<p class="date">[<i>Rom</i>, 1543.]</p>
+
+<p>Mein lieber Messer Luigi! — Ich weiss, dass Ihr
+im Zeremonienwesen ein ebenso vollendeter Meister
+seid, als ich darin untauglich bin. Ich habe nun von
+Monsignor di Todi das Geschenk erhalten, von dem
+Euch Urbino berichten wird, und da ich glaube, dass
+Ihr mit Seinen Gnaden befreundet seid, so bitte ich
+Euch, danket ihm in meinem Namen mit den Zeremonien,
+die Euch leicht, mir aber schwer fallen. — —</p>
+
+<p class="sign">Euer Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-15"></a>15.</h3>
+
+<p class="to">An Messer Luigi del Riccio.</p>
+
+<p class="date">[<i>Rom</i> 1545.]</p>
+
+<p>Unser toter Freund redet und spricht: Der Himmel
+nahm allen Menschen der Welt ihre Schönheit und
+schenkte sie mir allein. Durch göttliches Gesetz
+werde ich am Tage des Gerichts auferstehen, wie
+ich im Leben war. Darum kann der Himmel die
+Schönheit, mit der er mich begabt hat, jenen nimmer
+wiedergeben, denen er sie raubte, und so muss ich
+<a class="pgnum" id="page-115" title="- 115 -"></a>in Ewigkeit schöner bleiben als alle, und alle anderen
+hässlich.</p>
+
+<p>Diese Auffassung ist das Gegenteil von der, die
+Du mir gestern auseinandersetztest und ist die rechte,
+jene aber ist ein Gefabel.</p>
+
+<p class="sign">Euer Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-16"></a>16.</h3>
+
+<p class="to">An Vittoria Colonna in Rom.</p>
+
+<p class="date">[<i>Rom</i> 1545.]</p>
+
+<p>Edle Frau, ich wollte die Gaben, die Eure Gnade
+mir schon oft zugedacht hatte, nicht annehmen, bevor
+ich Euch nicht ein Werk von meiner Hand bieten
+könnte, um so ihrer weniger unwürdig zu sein. Aber
+ich sah ein und erkannte, dass man die Gnade Gottes
+nicht kaufen kann, und dass es grosse Sünde ist, ihr
+Hindernisse zu bereiten. So bekenne ich meine
+Schuld und nehme Eure Gaben freudig an. Und
+wenn sie mein sind, werde ich mich im Paradies
+fühlen; nicht weil ich sie in meinem Hause haben
+werde, sondern weil ich in ihrem Hause wohnen
+darf. Und ich werde dadurch, edle Frau, noch mehr
+in Eurer Schuld sein, als ich schon bin, wenn dies
+überhaupt möglich ist.</p>
+
+<p>Diesen Brief wird Euch mein Diener Urbino
+bringen. Ihm werdet Ihr sagen können, wann ich
+nach Eurem Wunsche kommen soll, um den Kopf zu
+sehen, den Ihr mir zu zeigen versprachet.</p>
+<p>Ich empfehle mich Eurer Gnade.</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-116" title="- 116 -"></a><a id="letter-17"></a>17.</h3>
+
+<p class="to">An Vittoria Colonna in Rom.</p>
+
+<p class="date">[<i>Rom</i>, 1538–41 oder 1545–46.]</p>
+
+<p>Frau Marchesa! — Da ich in Rom bin, hätte ich
+eigentlich den Kruzifixus nicht Messer Tommaso anzuvertrauen
+und ihn so zum Mittler zwischen Euch
+und mir, Eurem Diener, zu machen brauchen. Ich
+wünsche für Euch Grösseres zu schaffen, als für
+irgendeinen anderen mir bekannten Menschen dieser
+Welt. Allein ich war und bin noch in so viele Geschäfte
+verwickelt, dass ich Euer Gnaden dies nicht
+zu beweisen vermochte. Ich weiss ja, Euch ist bekannt,
+dass die Liebe den Weg stets findet, und der
+Liebende nicht schläft, und hätte darum um so
+weniger eines Mittlers bedurft. Aber wenn es auch
+den Anschein hatte, als ob ich nicht an Euch dächte,
+tat ich doch, was ich nicht aussprach, um Unerwartetes
+zu vollbringen. Mein Plan ist misslungen.
+„Unrecht tut der, der solche Treue schnell vergisst.“</p>
+
+<p class="your">Eurer Gnaden Diener</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-18"></a>18.</h3>
+
+<p class="to">An Lionardo di Buonarrota Simoni in
+Florenz.</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, [den 6. Februar 1546].</p>
+
+<p>Lionardo! — Du bist mit Deiner Auskunft über
+die Besitzung der Corboli sehr rasch zur Stelle gewesen.
+<a class="pgnum" id="page-117" title="- 117 -"></a>Ich dachte nicht, dass Du noch in Florenz
+seiest. Hast Du am Ende Furcht, mein Anerbieten
+könnte mich reuen, wie man Dir vielleicht eingeredet
+hat? Ich sage Dir, dass ich langsam vorgehen will,
+denn ich habe das Geld hier mit einer Mühe verdient,
+die der nicht kennt, der wie Du im Überfluss
+geboren ist.</p>
+
+<p>Ich glaube auch nicht, dass Du mit solcher Eile
+nach Rom gekommen wärest, wenn ich im Elend
+lebte und es mir an Brot fehlte. Du brauchst ja
+nur das Geld wegzuwerfen, das Du nicht verdient
+hast. So eifrig bist Du, diese Erbschaft nicht zu
+verlieren! Und sagst noch, es sei Deine Pflicht gewesen,
+zu kommen, weil Du mich liebest! Wie der
+Holzwurm die Balken! Wenn Du wirklich Liebe für
+mich hegtest, hättest Du mir jetzt geschrieben:
+„Michelangelo, verwendet Euer Geld für Euch, denn
+uns habt Ihr schon so viel gegeben, dass wir genug
+haben. Uns ist Euer Leben lieber als Euer Geld.“</p>
+
+<p>Ihr habt seit vierzig Jahren von meiner Arbeit
+gelebt, aber noch nie habe ich von Euch auch nur
+ein gutes Wort bekommen. Freilich hast Du voriges
+Jahr so viel Tadel hören müssen, dass Du mir aus
+Scham eine Last Trebbianer schicktest, aber ich
+wünschte, Du hättest auch die behalten!</p>
+
+<p>Ich schreibe dies nicht deshalb, weil ich dem Ankauf
+abgeneigt bin; ich will kaufen, um mir eine Rente
+zu sichern, weil ich nicht mehr arbeiten kann; aber
+ich werde langsam vorgehen, denn ich will mir keine
+Verdriesslichkeiten kaufen. — Darum eile Dich nicht.</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo.</p>
+
+
+<p><a class="pgnum" id="page-118" title="- 118 -"></a>Wenn man Dir in Florenz etwas in meinem
+Namen ausrichtet, oder Dich um etwas bittet, so
+darfst Du niemandem Glauben schenken, wenn er
+Dir nichts Handschriftliches von mir vorweisen
+kann. — —</p>
+
+
+
+
+<h3><a id="letter-19"></a>19.</h3>
+
+<p class="to">An den Allerchristlichsten König von
+Frankreich.</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 26. April 1546.</p>
+
+<p>Heilige Majestät! — Ich weiss nicht, was grösser
+ist, Eure Gnade oder mein Erstaunen darüber, dass
+Eure Majestät sich herabgelassen hat, an meinesgleichen
+zu schreiben, ja mehr noch, mich um Arbeiten
+zu bitten, die des Namens Eurer Majestät wirklich
+nicht würdig sind. Doch mögen diese sein, wie sie
+wollen; Eure Majestät soll wissen, dass ich schon
+seit langem wünschte, Euch zu dienen. Da ich aber
+hierzu nicht, wie in Italien, Gelegenheit fand, habe
+ich es noch nicht tun können. Nun bin ich alt und
+noch für einige Monate mit Arbeiten für Papst Paul
+beschäftigt. Wenn ich aber nach deren Vollendung
+noch am Leben bin, so werde ich versuchen, das,
+was ich schon lange für Eure Majestät zu tun
+wünschte, auch wirklich auszuführen, und zwar ein
+Werk in Marmor, eins in Bronze und ein Gemälde.
+Und wenn der Tod die Verwirklichung dieses Wunsches
+vereitelt, und man im anderen Leben noch meisseln
+und malen kann, so werde ich dort, wo man nicht
+<a class="pgnum" id="page-119" title="- 119 -"></a>altert, es an mir nicht fehlen lassen. Eurer Majestät
+aber erflehe ich von Gott ein langes und glückliches
+Leben.</p>
+
+<p>Aus Rom am XXVI. April MDXLVI.</p>
+
+<p class="your">Eurer Allerchristlichsten Majestät<br/>
+untertänigster Diener</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-20"></a>20.</h3>
+
+<p class="to">An Lionardo …</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, [August 1547].</p>
+
+<p>Lionardo! — Mit Deinem Brief erhielt ich die
+Quittung über die fünfhundertundfünfzig Dukaten
+in Gold, die ich hier bei Bettino eingezahlt habe.
+Du schreibst mir, vier davon werdest Du jener Frau
+zu Gottes Ehre geben. Damit bin ich wohl zufrieden.
+Ich wünsche, dass weitere sechsundvierzig zu Gottes
+Ehre, für das Seelenheil Deines Vaters Buonarroto
+und für das meinige verschenkt werden. Suche
+irgend einen bedürftigen Bürger, der Töchter zu verheiraten
+oder in einem Kloster unterzubringen hat.
+Dem gib, aber heimlich. Sieh zu, dass Du nicht betrogen
+wirst, lass Dir eine Quittung ausstellen und
+schicke sie mir; ich rede von Bürgern und weiss,
+dass sie sich zu betteln schämen, wenn sie in Not
+sind. — — — — — — — — — — — Ich rate Euch, legt das
+Geld, das ich Euch schickte, in einem guten Grundstück
+oder dergleichen an, denn es ist gefährlich, es
+im Haus zu behalten, zumal heutzutage. Seid deshalb
+vorsichtig und haltet die Augen offen.</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-120" title="- 120 -"></a><a id="letter-21"></a>21.</h3>
+
+<p class="to">An Lionardo …</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, [den 16. Januar 1548].</p>
+
+<p>Lionardo! — Durch Deinen letzten Brief erfuhr
+ich vom Tode Giovansimones. Die Nachricht hat
+mich tief geschmerzt, denn wenn ich auch schon so
+alt bin, hoffte ich doch, ihn vor seinem und meinem
+Tode noch einmal zu sehen. Gott hat es so gewollt,
+ertragen wir es! Ich möchte gern ausführlicher hören,
+wie er gestorben ist, ob er vor seinem Tode gebeichtet
+und kommuniziert hat, und alle seine religiösen
+Angelegenheiten geordnet sind; denn wenn ich
+erfahren habe, dass es so ist, werde ich weniger bekümmert
+sein. — —</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-22"></a>22.</h3>
+
+<p class="to">An Messer Benedetto Varchi.</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, [1549].</p>
+
+<p>Messer Benedetto! — Damit Ihr sehet, dass ich
+Euer Büchlein wirklich empfangen habe, will ich auf
+die Frage, die darin gestellt wird, einiges antworten,
+wenn auch bescheiden und als Laie. Ich meine, die
+Malerei sei um so höher zu achten, je mehr sie sich
+der Plastik nähert, und diese um so geringer, je
+mehr sie der Malerei nahekommt. So schien mir
+auch stets, als sei die Skulptur die Leuchte der
+<a class="pgnum" id="page-121" title="- 121 -"></a>Malerei und zwischen jener und dieser der gleiche
+Unterschied, wie zwischen Sonne und Mond. Seitdem
+ich aber Euer Büchlein gelesen habe, in dem
+Ihr auseinandersetzt, dass, philosophisch betrachtet,
+beide Künste das gleiche Ziel haben, beide das Gleiche
+sind, bin ich anderer Meinung geworden und sage
+so: Wenn nicht ein grösserer Aufwand von Überlegung
+und Mühe, grössere Schwierigkeiten und Anstrengungen
+dem Werke auch grösseren Adel verleihen,
+dann sind Malerei und Skulptur ein Ding.
+Und damit sie auch als solches anerkannt würden,
+dürfte kein Maler die Bildhauerei weniger als die
+Malerei betreiben, und ebenso müsste jeder Bildhauer
+in gleichem Masse Maler wie Bildhauer sein.
+Ich verstehe unter Skulptur die Kunst, die durch
+Wegnehmen geübt wird, während die, die durch Auflegen
+arbeitet, Malerei ist. Dann sollte man es aber
+auch kurz machen und beide Künste, Skulptur und
+Malerei, weil sie doch durch die gleiche Intelligenz
+geübt werden, einen rechtschaffenen Frieden schliessen
+und das viele Disputieren sein lassen, denn das kostet
+mehr Zeit, als die Bildwerke selbst zu machen. Versteht
+aber der, der die Malerei edler nannte als die
+Skulptur, alle Dinge, worüber er schreibt, so gut wie
+dies, so hätte meine Magd seine Schriften wohl besser
+geschrieben. Unendlich viele nie ausgesprochene
+Dinge liessen sich noch über dergleichen Künste
+sagen; aber, wie ich bemerkte, das würde viel Zeit
+erfordern, und ich habe nur wenig, denn ich bin
+nicht nur alt, sondern stehe schon fast im Grabe.
+Darum bitte ich Euch, haltet mich für entschuldigt.
+<a class="pgnum" id="page-122" title="- 122 -"></a>Euch aber empfehle ich mich und danke Euch nach
+bestem Können für die allzugrosse Ehre, die Ihr mir
+erweiset, und die mir nicht zukommt.</p>
+
+<p class="sign">Euer Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-23"></a>23.</h3>
+
+<p class="to">An Lionardo …</p>
+
+<p class="date">[<i>Rom</i>,] den 1. Februar 1549.</p>
+
+<p>Lionardo! — Ich schickte Dir mit meinem letzten
+Brief ein Verzeichnis mehrerer heiratsfähiger Mädchen,
+das mir von Florenz zugesandt wurde, ich glaube
+von einem Vermittler, der übrigens ein wenig vernünftiger
+Mann sein muss, denn er konnte sich doch
+denken, dass ich, nun schon seit sechzehn oder siebzehn
+Jahren dauernd in Rom, wenig Kenntnis von
+den florentinischen Familien haben kann.</p>
+
+<p>Ich sage Dir deshalb, achte nicht auf meine
+Meinung, wenn Du heiraten willst, denn ich vermag
+Dir keinen guten Rat zu geben. Nur das kann ich
+Dir ans Herz legen, laufe nicht dem Geld nach,
+sondern sieh auf Herzensgüte und guten Ruf.</p>
+
+<p>Ich glaube, es gibt in Florenz viele verarmte,
+adlige Familien, für die es eine Wohltat wäre, wenn
+Du mit ihnen Verwandtschaft anknüpftest. Auf die
+Mitgift könntest Du verzichten, wenn nur auch kein
+Hochmut da wäre. Du brauchst eine Frau, die bei
+Dir bleibt und Dir gehorcht, die keinen Aufwand
+liebt und nicht jeden Tag auf Hochzeiten und
+<a class="pgnum" id="page-123" title="- 123 -"></a>Gastereien gehen will, denn wo ein Hof ist, ist es
+nicht schwer, zur Dirne zu werden. Du brauchst
+Dich auch nicht um das Gerede zu kümmern, Du
+wollest Dich adlig machen, denn es ist bekannt, dass
+wir alteingesessene Bürger von Florenz und so vornehmen
+Geschlechts wie irgendeine andere Familie
+sind. Nun empfiehl Dich Gott, dass er Dir das
+Rechte gebe. Ich wünschte, Du liessest es mich
+wissen, sobald Du etwas Geeignetes gefunden zu
+haben glaubst, und zwar bevor Du die Verbindung
+eingehst.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-24"></a>24.</h3>
+
+<p class="to">An Lionardo …</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 20. Mai 1553.</p>
+
+<p>Lionardo! — In Deinem letzten Brief schriebst
+Du mir, Du habest Deine Frau nun heimgeführt,
+seiest sehr befriedigt und sollest mich in ihrem
+Namen grüssen. — — — — Es freut mich innig,
+dass Du so zufrieden bist, und ich denke, man soll
+Gott dafür nach bestem Können preisen. — — — — Für
+ihren Gruss danke ihr; sag' ihr in meinem Namen
+all das, was Du mündlich zu sagen weisst, ich aber
+nicht zu schreiben verstehe. Ich wünsche auch, dass
+man sie als die Frau eines meiner Neffen erkenne;
+bisher konnte ich das nicht durch die Tat beweisen,
+weil Urbino noch nicht da war. Nun ist er seit zwei
+Tagen zurückgekehrt, und ich will meinen guten
+Willen zeigen. Man sagt mir, ein schöner Schmuck
+von guten Perlen werde hier wohl anstehen. Ich
+<a class="pgnum" id="page-124" title="- 124 -"></a>habe darum einen mit Urbino befreundeten Goldschmied
+beauftragt, nach solchen zu suchen und hoffe,
+er wird sie finden. Doch sag' ihr noch nichts davon.
+Solltest Du aber etwas anderes für besser halten, so
+schreibe mir. Das sei's. Sorge für Deine Gesundheit
+und vergiss nicht, dass es stets mehr Witwen
+als Witwer gibt.</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-25"></a>25.</h3>
+
+<p class="to">An Giorgio Vasari.</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, April 1554.</p>
+
+<p>Messer Giorgio, mein lieber Freund! — Euer
+Brief hat mir grosse Freude gemacht, denn er bewies
+mir, dass Ihr Euch noch des armen Alten erinnert.
+Ein wahrer Triumph war für mich Eure Botschaft,
+ein neuer Buonarroto sei geboren. Ich danke Euch
+darum von ganzem Herzen und soviel ich kann. Doch
+missfiel mir der Aufwand, der getrieben wurde. Der
+Mensch soll nicht lachen, wenn die Welt ringsum
+weint. Ich meine daher, Lionardo hat nicht eben
+vernünftig gehandelt, als er eines Neugeborenen wegen
+solche Pracht entfaltete. Solche Festlichkeit soll man
+für den Tod dessen aufsparen, der rechtschaffen gelebt
+hat. Sonst habe ich nichts zu sagen. Ich danke
+Euch aufrichtig für die Liebe, die Ihr mir beweiset,
+obwohl ich Ihrer nicht würdig bin. Die Dinge gehen
+hier ihren alten Gang. Am — ich weiss nicht wievielten — April
+1554.</p>
+
+<p class="sign">Euer Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-125" title="- 125 -"></a><a id="letter-26"></a>26.</h3>
+
+<p class="to">An Messer Giorgio, den vortrefflichen Maler,
+in Florenz.</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 15. Mai 1555.</p>
+
+<p>Ich wurde mit Gewalt zur Leitung des Baues von
+Sankt Peter gezwungen und habe nun schon ungefähr
+acht Jahre ohne Entgelt, ja mit grossem Schaden
+und viel Ärger der Aufgabe geopfert. Nun geht die
+Arbeit voran, wir haben Geld und ich bin im Begriff,
+die Kuppel zu wölben; wollte ich jetzt abreisen,
+so würde das den Bau zugrunde richten. Das müsste
+mir in der ganzen Christenheit die grösste Schande
+bringen und würde eine schwere Schuld für meine Seele
+sein. Darum bitte ich Euch, mein lieber Herr Giorgio,
+dankt dem Herzog in meinem Namen für die grossen
+Anerbietungen, von denen Ihr mir schreibt und bittet
+ihn, er möge mich in Gnaden noch so lange hier
+arbeiten lassen, bis ich in gutem Ruf und mit Ehren
+und ohne Sünde von hier abreisen kann.</p>
+
+<p class="sign">Euer Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-27"></a>27.</h3>
+
+<p class="to">An Messer Giorgio Vasari, meinen lieben
+Freund, in Florenz.</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 23. Februar 1556.</p>
+
+<p>Messer Giorgio, mein lieber Freund! — Das
+Schreiben kommt mich schwer an, aber um Euch
+zu antworten, will ich einiges sagen. Ihr wisst, dass
+Urbino gestorben ist. Durch seinen Tod hat Gott
+mir eine grosse Gnade gegeben, aber ich habe sie
+<a class="pgnum" id="page-126" title="- 126 -"></a>mit einem teuren Gut und mit unendlichem Schmerz
+bezahlen müssen. Die Gnade war die, dass er, der
+während seines Lebens mich am Leben hielt, durch
+seinen Tod mich sterben lehrte. Und nun sehe ich
+dem Tode nicht mehr mit Widerwillen, sondern mit
+Sehnsucht entgegen. Ich habe ihn sechsundzwanzig
+Jahre bei mir gehabt und ihn für ganz wahrhaftig
+und treu befunden; und nun, da ich ihn reich gemacht
+hatte und hoffte, er werde der Stab meines
+Alters sein, ist er mir entschwunden, und ich habe
+keine Hoffnung mehr als die, ihn im Himmel wiederzusehen.
+Für diese aber hat uns Gott seinen seligen
+Tod Bürge sein lassen. Nun schmerzt es mich
+nicht mehr, dass ich sterben muss, sondern dass er
+mich mit so viel Leiden in dieser treulosen Welt
+lebend zurückliess, denn der grössere Teil von mir
+ist mit ihm gegangen, und mir ist nur ein tiefes Elend
+geblieben. Ich bitte Euch inständig, entschuldigt
+mich, wenn es Euch keine Mühe macht, bei Messer
+Benvenuto, dass ich ihm noch nicht auf seinen Brief
+antwortete. Ich bin so in diesen traurigen Gedanken
+versunken, dass ich nicht schreiben kann. Empfehlt
+mich ihm, und ich empfehle mich Euch.</p>
+
+<p class="sign">Euer Michelangelo.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-28"></a>28.</h3>
+
+<p class="to">An Lionardo …</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 31. Mai 1556.</p>
+
+<p>Lionardo! — Francesca bittet mich in einem Brief,
+ich möge ihrem Beichtvater zehn Dukaten geben, um
+<a class="pgnum" id="page-127" title="- 127 -"></a>ein armes Mädchen im Kloster von Santa Lucia
+unterzubringen. Ihr zu Liebe will ich es tun, denn
+ich weiss, sie würde mich nicht bitten, wenn es kein
+wohlangebrachtes Almosen wäre. Aber ich weiss
+nicht, wie ich das Geld in Florenz auszahlen lassen
+soll. Ich wünschte darum, dieser Beichtvater hätte
+hier einen zuverlässigen Freund; dem würde ich
+es geben, sobald ich benachrichtigt würde.</p>
+
+<p>Es freut mich zu hören, dass es Cassandra gut
+geht; empfiehl mich ihr, und haltet Euch gesund.</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-29"></a>29.</h3>
+
+<p class="to">An Giorgio Vasari.</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 18. Dezember 1556.</p>
+
+<p>Messer Giorgio! — Ich habe das Büchlein Messer
+Cosimos, das Ihr mir schicktet, erhalten. In diesem
+Brief liegt ein Dankschreiben an seine Gnaden. Ich
+bitte Euch, gebt es ihm und empfehlt mich ihm. Ich
+habe dieser Tage unter grossen Mühen und Kosten,
+aber mit innigem Vergnügen einen Besuch bei den
+Einsiedlern in den Bergen von Spoleto gemacht und
+bin nur halb wieder hier in Rom, denn wirklichen
+Frieden findet man nur in den Wäldern. Sonst weiss
+ich Euch nichts zu sagen. Es freut mich, dass Ihr gesund
+und fröhlich seid, und ich empfehle mich Euch.</p>
+
+<p class="sign">Euer Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-128" title="- 128 -"></a><a id="letter-30"></a>30.</h3>
+
+<p class="to">An Lionardo …</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 16. Juni 1557.</p>
+
+<p>Lionardo! — — — Mit meiner Gesundheit steht
+es schlecht; ich habe all die Beschwerden, die das
+Alter heimsuchen, ein Steinleiden, dass ich nicht
+urinieren kann, dazu Schmerzen in den Seiten und
+im Rücken, dass es mir oft unmöglich ist, eine Treppe
+zu ersteigen. Das Schlimmste sind aber die Sorgen,
+die mich quälen. Denn wenn ich all die Bequemlichkeiten
+aufgebe, über die ich hier verfügen kann, so
+lebe ich keine drei Tage mehr. Doch möchte ich
+auch nicht die Gnade des Herzogs verlieren, ebensowenig
+aber den Bau von Sankt Peter im Stich
+lassen oder mich selbst vernachlässigen. Bitte Gott,
+dass er mir helfe und rate. Sollte es mit mir
+schlimmer werden, mich etwa ein gefährliches Fieber
+anfallen, dann werde ich gleich nach Dir schicken.
+Lass Dir aber nicht einfallen, zu kommen, bevor Dich
+ein Brief von mir ruft.</p>
+
+<p>Empfiehl mich Messer Giorgio. Er kann mir sehr
+nützlich sein, wenn er will, denn der Herzog ist ihm
+wohlgesinnt.</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-31"></a>31.</h3>
+
+<p class="to">An Lionardo …</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 15. Juni 1559.</p>
+
+<p>Lionardo! — — — — — — Ich erhielt von Dir
+zwei Briefe, in denen Du mich sehr angelegentlich
+<a class="pgnum" id="page-129" title="- 129 -"></a>bittest, ich möchte nach Florenz zurückkehren. Du
+weisst, glaube ich, noch nicht, dass ich vor ungefähr
+vier Monaten durch den Kardinal von Carpi, der zur
+Baukommission von Sankt Peter gehört, vom Herzog
+von Florenz die Erlaubnis erhielt, in Rom beim Bau
+von Sankt Peter zu bleiben. Ich dankte Gott dafür
+und freute mich sehr. Nun, wie schon gesagt,
+schreibst Du mir so angelegentlich, ich weiss aber
+nicht, tust Du das, weil Du mich dort haben möchtest,
+oder steht die Sache anders. Sprich Dich deshalb
+ein wenig klarer aus, denn alles Derartige regt mich
+auf und ist mir lästig. — —</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+<p>Das Schreiben fällt mir sehr schwer, Hand, Augen
+und Gedächtnis versagen. Ich bin alt!</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-32"></a>32.</h3>
+
+<p class="to">An Lionardo …</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, [den 15. März 1560].</p>
+
+<p>Lionardo! — Ich antwortete auf Dein Schreiben
+vom Samstag nicht, denn ich hatte keine Zeit. Nun
+sage ich Dir, dass ich mich über die Geburt Deiner
+Tochter sehr freute. Unsere Familie steht allein; so
+wird sie uns einst eine gute Verwandtschaft erwerben
+können. Haltet sie gut. Ich werde ja nicht mehr
+am Leben sein, wenn es soweit ist. Wenn es Zeit
+ist, dass Du nach Rom kommst, werde ich Dich benachrichtigen,
+wie ich Dir ja schon schrieb. Wisse,
+<a class="pgnum" id="page-130" title="- 130 -"></a>dass die grösste Plage für mich hier in Rom die
+Beantwortung Deiner Briefe ist.</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-33"></a>33.</h3>
+
+<p class="to">An Lionardo …</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 21. August 1563.</p>
+
+<p>Lionardo! — Ich ersehe aus Deinem Schreiben,
+dass Du neidischen, schlechten Menschen Glauben
+schenkst, die dir Lügenbriefe schicken, weil sie mich
+nicht bestehlen und nach Gutdünken regieren können.
+Es ist eine Bande habsüchtiger Kerle, und Du bist
+ein Tor, dass Du ihrem Gerede über mich glaubst,
+als ob ich ein Kind wäre! Schaff' Dir die schamlosen,
+neidischen, verkommenen Menschen aus den
+Augen! Dann schreibst Du, ich habe Scherereien im
+Haushalt und anderes. Lass Dir gesagt sein, dass
+es mir nicht besser gehen und dass ich in jeder Beziehung
+nicht sorgsamer behandelt werden könnte.
+Ich habe ganz vertrauenswürdige und ehrliche Leute
+im Hause, die mich durchaus nicht bestehlen, wie
+Du zu glauben scheinst. Sieh zu, dass Deine Angelegenheiten
+gut gehen und kümmere Dich nicht
+um die meinigen, denn ich weiss mir zu helfen,
+wenn es nötig ist und bin kein Kind. Lass es Dir
+gut gehen!</p>
+
+<p class="sign">Michelangelo.</p>
+
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-131" title="- 131 -"></a><a id="letter-34"></a>34.</h3>
+
+<p class="to">An Lionardo …</p>
+
+<p class="date"><i>Rom</i>, den 28. Dezember 1563.</p>
+
+<p>Leonardo! — Zugleich mit Deinem letzten Brief
+erhielt ich zwölf hübsche und wohlschmeckende Märzkäschen.
+Besten Dank! Ich freue mich, dass es
+Euch wohl geht. Auch ich befinde mich nicht schlecht.
+In der letzten Zeit habe ich mehrere Briefe von Dir
+erhalten, konnte aber nicht antworten, denn meine
+Hand gehorcht mir nicht mehr. Von nun an werde
+ich andere schreiben lassen und selbst nur noch
+unterzeichnen. Das sei's.</p>
+
+<p class="sign">Ich Michelangelo Buonarroti.</p>
+
+<h2><a class="pgnum" id="page-133" title="- 133 -"></a>Briefe der Vittoria Colonna an
+Michelangelo.</h2>
+<p class="translator">Übersetzt von R. A. Guardini.</p>
+
+
+<h3><a class="pgnum" id="page-135" title="- 135 -"></a><a id="letter-v1"></a>1.</h3>
+
+<p class="date">[<i>Rom</i>, 1538–41, oder 1545/46.]</p>
+
+<p>Mein teuerster Meister Michelangelo! — Ich bitte
+Euch, schickt mir auf kurze Zeit den Kruzifixus,
+wenn er auch noch nicht vollendet ist, denn ich will
+ihn einigen Kavalieren des Hochwürdigsten Kardinals
+von Mantua zeigen; und wenn Ihr heute nicht durch
+Arbeiten in Anspruch genommen seid, könntet Ihr
+ganz nach Eurer Bequemlichkeit zu einem Plauderstündchen
+zu mir kommen.</p>
+
+<p class="your">Eure ergebene</p>
+
+<p class="sign">Marchesa di Pescara.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-v2"></a>2.</h3>
+
+<p class="date">[<i>Rom</i>, 1538–41 oder 1545/46.]</p>
+
+<p>Einziger Meister Michelangelo und mein ganz besonderer
+Freund! — Ich habe Euren Brief erhalten
+und den Kruzifixus gesehen. Er hat wahrhaftig in
+meinem Gedächtnis alle anderen Darstellungen, die
+mir je zu Gesicht gekommen sind, ans Kreuz geschlagen.
+Man kann sich nichts Lebendigeres und
+Vollendeteres denken als dieses Bild, und ich würde
+mich vergeblich bemühen, wenn ich die ausserordentliche
+<a class="pgnum" id="page-136" title="- 136 -"></a>und wunderbare Feinheit seiner Ausführung
+schildern wollte. Ich bin entschlossen, das Bild von
+keinem anderen malen zu lassen. Gebt mir darum
+Gewissheit; rührt die Zeichnung von einem anderen
+her, dann muss ich wohl auf sie verzichten, sollte
+sie aber Euch gehören, so würde ich sie Euch unter
+allen Umständen rauben.</p>
+
+<p>Stammt sie nicht von Euch, und wolltet Ihr das
+Bild von einem Eurer Gesellen ausführen lassen, so
+müssten wir erst darüber reden. Ich kenne nämlich
+recht wohl die Schwierigkeit, die Eigenart der Zeichnung
+in der Ausführung zu bewahren, und würde
+dann lieber den Betreffenden etwas anderes malen
+lassen. Wenn sie aber Euer Werk ist, dann — vergebt — erhaltet
+Ihr sie nicht wieder. Ich habe sie
+bei Licht und mit der Lupe und im Spiegel betrachtet
+und versichere Euch, ich habe nie etwas Vollendeteres
+gesehen.</p>
+
+<p class="your">Eure ergebene</p>
+
+<p class="sign">Marchesa di Pescara.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-v3"></a>3.</h3>
+
+<p class="date">[<i>Rom</i>, 1538–41 oder 1545/46.]</p>
+
+<p>Die Taten Eurer Künstlerkraft reizen den beschauenden
+Geist, ungenügsam Höheres zu begehren.
+Auch mich fasste dies Verlangen, und darum fragte
+ich, ob die Vollkommenheit Eurer Werke wohl noch
+einer Steigerung fähig sei. Ich habe eingesehen, dass
+<span lang="la">omnia sunt possibilia credenti</span>. Ich hatte den festen
+<a class="pgnum" id="page-137" title="- 137 -"></a>Glauben, Gott werde Euch zur Darstellung dieses
+Christus übernatürliche Gnade geben, und als ich
+ihn sah, übertraf er in jeder Weise all meine Erwartungen.
+Eure Wundertaten machten mich kühn,
+und so sprach ich Wünsche aus, die ich jetzt staunend
+erfüllt sehe: Das Bild ist in allen Teilen von wunderbarer
+Vollendung, und kein Mensch vermöchte mehr,
+ja auch nur so viel zu wünschen. Und wisst, das
+freut mich besonders, dass der Engel zur Rechten
+viel schöner ist, als der andere; denn der heilige
+Michael wird Euch Michelangelo am jüngsten Tage
+zur Rechten des Herrn stellen. Ich aber kann dafür
+nichts tun, als zu diesem milden Christus darum zu
+beten, den Ihr so vollkommen gebildet habt; zugleich
+Euch zu bitten, dass Ihr über mich in jeder
+Weise gebietet.</p>
+
+<p class="your">Eure ergebene</p>
+
+<p class="sign">Marchesa di Pescara.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-v4"></a>4.</h3>
+
+<p class="date">Im Kloster zu<i> Viterbo</i>, den 20. Juli [1541–1543].</p>
+
+<p>Kunstreicher Meister Michelangelo! — Euer Brief
+war gewissermassen eine Antwort auf den meinigen;
+dies ist der Grund, weshalb ich Euch noch nicht
+antwortete. Dann dachte ich auch, wenn wir beide
+wie bisher in unserem Briefwechsel fortfahren wollten,
+wie es Euch Eure Liebenswürdigkeit und mir die
+Pflicht der Dankbarkeit vorschreiben, so könnte ich
+mich nicht mehr zu den vorgeschriebenen Stunden
+<a class="pgnum" id="page-138" title="- 138 -"></a>mit den Schwestern in der Kapelle der heiligen
+Katharina einfinden, und Ihr könntet nicht in der des
+heiligen Paulus vom frühen Morgen an den Tag in
+vertrauter Unterredung mit Euren Gemälden verbringen,
+die doch zu Euch in der natürlichen Sprache
+ihrer Linien ebenso verständlich reden, wie zu mir
+die lebendigen Menschen meiner Umgebung: und so
+würde ich gegen die Bräute und Ihr würdet gegen den
+Statthalter Christi fehlen. Ich kenne die Treue Eurer
+Freundschaft und die Kraft Eurer in christlichem
+Geiste gefestigten Zuneigung und denke darum, ich
+brauche Euch nicht durch eigene Briefe den Empfang
+der Euren zu bestätigen. Vielmehr will ich mich
+bereit halten und die erste Gelegenheit erwarten,
+um Euch gewichtigere Dienste zu leisten. Unterdessen
+bitte ich den Herrn, über den Ihr mir bei meiner
+Abreise Worte so glühender und demütiger Liebe
+sagtet, er möge mich bei meiner Rückkehr in Eurem
+Herzen sein Bild erneuert und so glaubenslebendig
+finden lassen, wie Ihr es mir auf dem Bild der
+Samaritanerin gemalt habt.</p>
+
+<p>Euch und Eurem Urbino empfehle ich mich.</p>
+
+<p class="your">Eure ergebene</p>
+
+<p class="sign">Marchesa di Pescara.</p>
+
+
+
+<h3><a id="letter-v5"></a>5.</h3>
+
+<p class="date">[<i>Rom</i>, 1538–41 oder 1545–46.]</p>
+
+<p>Der Ruhm, den Eure Kunst Euch schafft, ist so
+gross, dass Ihr vielleicht geglaubt hättet, weder die
+<a class="pgnum" id="page-139" title="- 139 -"></a>Zeit noch irgend ein Ereignis könnte ihm den Tod
+bringen, wäre nicht jener Strahl göttlichen Lichtes
+Euch ins Herz gedrungen, und Euch offenbar geworden,
+dass jeder irdische Ruhm stirbt und lebte
+er noch so lange. Wenn Ihr darum aus Euren Bildwerken
+die Güte dessen erkennt, der Euch zum
+einzigen Meister in dieser Kunst machte, werdet Ihr
+auch verstehen, dass ich nur dem Herrn für meine
+schon fast toten Schriften danken kann, denn dichtend
+beleidigte ich ihn weniger, als ich in meinem Müssiggang
+jetzt tue. Ich bitte Euch darum, nehmt diesen
+Ausdruck meiner Gesinnung als Unterpfand künftiger
+Werke an.</p>
+
+<p class="your">Eure ergebene</p>
+
+<p class="sign">Marchesa di Pescara.</p>
+
+
+<h2><a class="pgnum" id="page-141" title="- 141 -"></a>Anmerkungen.</h2>
+
+<p class="summary noindent"><a class="pgnum" id="page-143" title="- 143 -"></a>Die Erläuterungen beschränken sich auf die notwendigsten biographischen
+und historischen Notizen. Zur leichteren Orientierung
+ist eine kurze Skizze von Michelangelos äusserem Leben vorangestellt.</p>
+
+<p>Er wurde am 6. März 1475 im Städtchen Caprese
+(Toscana) geboren, wo sein Vater Lodovico das Amt eines
+Podestà bekleidete. Nach Ablauf seiner Amtszeit kehrte dieser
+nach Florenz zurück. Ursprünglich für das Gewerbe der
+Seidenweberei bestimmt, setzte Michelangelo seine Neigung
+durch und kam in die Werkstatt des Ghirlandajo. 1489 wurde
+er in Lorenzo des Prächtigen Bildhauerschule, 1490 in dessen
+Hausgemeinschaft aufgenommen und genoss den Verkehr
+mit dem um den Magnifico versammelten Gelehrten- und
+Künstlerkreis. (Madonna an der Treppe, Centaurenkampf.)
+1492 starb Lorenzo, 1494 wurde sein Nachfolger Piero vertrieben.
+Michelangelo war schon vorher nach Venedig,
+darauf nach Bologna gegangen. Er blieb dort ein Jahr, und
+kehrte dann nach Florenz zurück, in dem Savonarola an
+der Spitze des Volkes stand. (Giovannino, schlafender Amor.)
+1496 kam er nach Rom, wo er sich bis 1500 aufhielt.
+(Bacchus, Pietà.) 1501 war er wieder in Florenz. (1501–04
+der David, 1504 der Karton zur Pisanerschlacht.) 1505
+wurde er von Julius II. nach Rom berufen und mit der
+Errichtung von dessen Grabdenkmal beauftragt. Bis Ende
+1505 war er in Carrara (Madonna von Brügge) mit der Zurichtung
+des Materials beschäftigt und ging dann nach Rom.
+1506 entstand ein Konflikt mit dem Papst, und Michelangelo
+floh aus Rom auf Florentiner Gebiet. Lange Bemühungen
+Julius' vermochten ihn nicht zur Rückkehr zu bewegen. Erst
+als dieser 1506 Perugia und Bologna unterworfen hatte und
+<a class="pgnum" id="page-144" title="- 144 -"></a>sich in letzterer Stadt aufhielt, erreichte eine erneuerte Aufforderung
+an die Regierung von Florenz ihren Zweck.
+Michelangelo begab sich nach Bologna und söhnte sich mit
+dem Papste aus. 1507–08 schuf er dort die Erzstatue Julius'
+und ging dann nach einem kurzen Aufenthalt in Florenz
+nach Rom, in der Hoffnung, jetzt das Juliusgrab ausführen
+zu können. Der Papst nötigte ihn aber zur Ausmalung der
+Sixtinadecke. (1508–12). Nach deren Vollendung durfte er
+sich den Arbeiten am Grabmal wieder zuwenden, und Julius
+beauftragte seinen Notar und den Kardinal Grossi, für die
+Ausführung zu sorgen. 1513 wurde Giovanni de Medici als
+Leo X. Papst. Noch im gleichen Jahr wurde durch einen
+Vertrag das Grabmal sichergestellt. (Die zwei Gefangenen,
+der Moses.) 1516 musste Michelangelo sich eine Einschränkung
+des Planes gefallen lassen; ein neuer Vertrag
+bestimmte das Jahr 1525 als letzten Termin und gestattete
+ihm, auch in Florenz oder Carrara daran zu arbeiten. Aber
+schon 1516 sah sich der Meister trotz seines energischen
+Widerstands genötigt, für Leo X. den Bau der Lorenzofassade
+in Florenz zu übernehmen. Die Arbeit kostete ihn vier Jahre
+und verlief ohne jedes Ergebnis, da besonders endlose Verordnungen
+und Intriguen die Lieferung des Materials verhinderten.
+1520 wurde er von dem Auftrag befreit und
+widmete sich wieder dem Grabmal, musste aber 1520/21
+im Auftrag des Kardinals Giulio de Medici mit Vorarbeiten
+für die Mediceergräber beginnen. Das Schwanken des Kardinals
+und Geldschwierigkeiten zogen die Ausführungen
+hinaus. 1523 wurde Giulio Papst (Clemens VII.) und nun
+gingen die Arbeiten besser voran, obwohl Michelangelo sich
+fortwährend mit dem Gedanken an das unvollendete Juliusgrab
+quälte. Der Papst beruhigte ihn etwas, und die Erben
+Julius' II. wagten nicht mit Forderungen aufzutreten. 1525
+machten sie ihre Ansprüche doch wieder geltend und die
+Verhandlungen zogen sich durch die nächsten zwei Jahre
+hin. 1527 wurde Rom geplündert; die Republikaner in
+Florenz standen auf und richteten ihre Regierungsform ein.
+1529 musste die Stadt sich gegen Clemens und die Kaiserlichen
+<a class="pgnum" id="page-145" title="- 145 -"></a>rüsten, und Michelangelo wurde zum Leiter der Befestigungsarbeiten
+ernannt. 1530 ergab sich die Stadt, und
+Alexander de Medici wurde als Herzog eingesetzt. Michelangelo
+erhielt vom Papst für seine Sicherheit Gewähr und
+nahm die Arbeit an den Mediceergräbern wieder auf, aber
+stets verfolgt durch den Gedanken an das Juliusgrab. Endlich,
+1532, ging er auf Anraten des Papstes nach Rom, um die
+Angelegenheit zu ordnen, und es kam ein Vertrag zustande,
+nach dem das Denkmal in S. Pietro in Vincoli in sehr bescheidenen
+Verhältnissen aufgestellt werden sollte. Michelangelo
+solle zugleich in Florenz arbeiten dürfen. Zur selben
+Zeit erhielt er den Auftrag zur Ausmalung der Sixtinawände
+und fertigte den Entwurf zum letzten Gericht. Als er 1534
+Florenz verliess, geschah es für immer. Clemens starb;
+dadurch war ihm der mächtige Beschützer gegen Alessandro,
+der ihn hasste, genommen, und er fühlte sich in seiner
+Heimatstadt nicht mehr sicher. Die Mediceergräber blieben
+unvollendet; der ihm befreundete Vasari sorgte für die Anordnung
+der Teile, die fertig geworden waren. Auch jetzt
+sollte es noch nicht zur Vollendung des Juliusdenkmals
+kommen. Paul III. nötigte den Meister zur Ausführung des
+letzten Gerichts. 1535–41 arbeitete er daran. Erst 1545,
+nach einem letzten Vertrag mit dem Erben Julius' II., konnte
+Michelangelo das Werk zu Ende bringen. Unterdessen liefen
+von 1542–49 die Malereien in der Capella Paolina, im Auftrag
+vom Papst Paul. Seine letzte grosse Arbeit war die
+Leitung des Baues von St. Peter, die 17 Jahre, von 1547 bis
+zu seinem Tode am 15. Februar 1564 in seinen Händen lag.</p>
+
+<hr/>
+
+<h3>Zu den Gedichten.</h3>
+
+<p>Die äusseren Ereignisse in Michelangelos Leben hatten
+für sein Dichten keine grosse Bedeutung. Gelegenheitsgedichte
+finden sich nur in sehr geringer Zahl in seinem
+<a class="pgnum" id="page-146" title="- 146 -"></a>Canzoniere. Einige an Rom und Florenz, an den Papst,
+einige an Freunde, Dank oder Entgegnungen — und selbst
+von diesen scheinen mehrere langgetragene Gedanken zu
+enthalten, die nur bei einem bestimmten Anlass ihre Form
+fanden.</p>
+
+<p>Ein tieferer Zusammenhang wird wohl zwischen seinen
+bildnerischen Werken und seinen Dichtungen bestehen, und
+es würde Gegenstand einer besonderen Untersuchung sein
+müssen, Parallelen in der Entwicklung von Gedanken und
+Form auf den verschiedenen Gebieten seines künstlerischen
+Schaffens aufzuzeigen.</p>
+
+<p>Von grossem Einfluss für sein Dichten waren die
+Menschen, die er liebte: Die Unbekannten, an die er die
+Liebesgedichte vor und nach der Colonnazeit mit ihren
+wechselnden Stimmungen richtete, Febo di Poggio (vor 1534,
+als er Florenz für immer verliess), Cecchin Bracci, und vor
+allem jene beiden, die die schönsten seiner Gedichte werden
+liessen, Tommaso Cavalieri und Vittoria Colonna.</p>
+
+<p>Zwischen und in den so entstehenden grossen Gruppen
+liegen einzelne Dichtungen von, man möchte sagen, objektiverem
+Charakter, soweit hiervon bei einem Michelangelo
+überhaupt die Rede sein kann. So der Gesang der Toten, die
+Epitaphien, die Stanzen auf Stadt und Land, die Sonette auf
+die Nacht und jene zwei auf Dante, in denen er wie mit
+Autorität über seinen grossen Landsmann spricht.</p>
+
+<p>Für sich steht die lang vorbereitete Gruppe der letzten
+Jahre. Diese Gedichte sind zum grossen Teil an Christus
+gerichtet, und die Ideen der Schuld, der Reue, des
+Ringens nach Erlösung finden in ihnen oft wundervollen
+Ausdruck.</p>
+
+<p>Die meisten seiner Dichtungen entstanden, indem lange
+in ihm arbeitende Gedanken sich endlich zur Formung durchrangen,
+oder es ihm unter dem Eindruck von Persönlichkeiten
+oder Ereignissen gelang, sich, sein Streben und Sehnen
+auszusprechen. Dann lösten sie sich aus diesem Zusammenhang
+los und wurden immer mehr Gegenstand rein künstlerischer,
+unermüdeter Arbeit. Mit Freunden wurden sie
+<a class="pgnum" id="page-147" title="- 147 -"></a>durchgesprochen, beurteilt, Version auf Version entstand,
+Zeile auf Zeile wurde variiert, bis der Dichter, befriedigt,
+vielleicht das Gedicht mit seiner schönen, malenden Schrift
+noch einmal abschrieb. Oder aber es wurde noch nach
+Jahren wieder hervorgeholt und umgearbeitet. Andere blieben
+Fragment; entweder war die Stimmung erschöpft, oder der
+Dichter vermochte ihr keine volle Form zu schaffen, liess
+das Begonnene liegen und versuchte es vielleicht in einem
+neuen Anlauf. —</p>
+
+<p>Wenn nun hier die Gedichte unter bestimmte Adressen
+gesetzt sind, so will damit nicht gesagt sein, dass Michelangelo
+sie alle ausdrücklich an die betreffende Persönlichkeit
+gerichtet habe, sondern dass sie unter ihrem Einfluss entstanden
+und tatsächlich auch oft an sie gelangt seien. —</p>
+
+<p>Wortschatz und Bilder nahm er aus der literarischen
+Sprache seiner Zeit. Besonders Petrarca und Dante, den er
+wohl wie kein zweiter mit kongenialem Geiste verstand,
+haben stark auf ihn gewirkt. Eben aus ihnen und durch
+den Verkehr mit den Gelehrten am Hofe Lorenzos wurden
+ihm auch die Gedanken der platonischen Philosophie vertraut.
+In ihnen fand er die Formeln für sein eigenes Suchen
+nach dem Ewiggültigen, und sie sind so tief durch sein
+Wesen gegangen, dass sie ganz als sein Eigentum gelten
+müssen. Vollends in jenen Dichtungen, in denen er die
+Bilder aus „seiner“ Kunst, der Plastik, nahm, schuf er völlig
+Neues. Und diese Bilder sind gerade da am häufigsten, wo
+er in vollendetster Form sein Sehnen nach der Vollkommenheit
+ausspricht, in den Gedichten an Vittoria. —</p>
+
+<p>Der Gedankengang dieser Auswahl ist etwa dieser:
+einige Gedichte an Florenz, den Papst; Gelegenheitsgedichte;
+leichtere Liebesgedichte; Dank und Freundschaft;
+einige Dichtungen „objektiveren“ Inhalts; tiefere, persönlichere
+Liebesgedichte; Vittorias Tod; für Michelangelos
+Kunstauffassung bedeutsame Gedanken; Suchen nach ewiger
+Schönheit (Cavalieri); die Nacht, der Gesang der Toten; der
+Vollkommenheitsgedanke (Vittoria); endlich die geistlichen
+Dichtungen, Schuld, Reue, Tod, Erlösung.</p>
+
+<p class="summary"><a class="pgnum" id="page-148" title="- 148 -"></a>Den Übersetzungen liegt der Text von Guasti zugrunde; es wird
+deshalb in den Anmerkungen auf ihn verwiesen (G. p. = Cesare
+Guasti, Le rime de Michelangelo Buonarroti … Firenze
+MDCCCLXIII, Seite … ). Sonst hätte die neuere Ausgabe von
+G. Frey, Die Dichtungen des Michelagniolo Buonarroti, Berlin
+1897, angezogen werden müssen. Auf ihren sehr umfangreichen
+kritischen Apparat stützen sich hauptsächlich die Anmerkungen zu
+den Gedichten, ebenso die Zuweisung der Dichtungen an die betreffenden
+Adressaten. —</p>
+
+<p class="summary">In den Übersetzungen von Sophie Hasenclever wurden einige
+kleine Änderungen da vorgenommen, wo das Original nicht sinngerecht
+wiedergegeben schien.</p>
+
+<div class="list">
+<p class="number"><a href="#page-9">1.</a></p><p>G. p. 303. — Capitolo, Fragment, wahrscheinlich 1524–26,
+in Florenz. Die Auffassung des Gedichtes schliesst sich
+an die H. Grimms an. In jener Zeit arbeitete Michelangelo
+in Florenz an den Grabdenkmälern der Medici. Die
+Unbeständigkeit seines Auftraggebers, Clemens VII., der
+seine Arbeiten durch andere Pläne unterbrach und auch
+über die Ausführung der Gräber öfter seine Ansichten
+wechselte, Zwistigkeiten mit seiner Familie, Schwätzereien
+der Florentiner, Verdächtigungen und Intriguen seiner
+Feinde brachten ihn in diese Stimmung, in der ihm die
+Stadt wie eine grausame, spottlustige, launische Geliebte
+erschien. (Vgl. Grimm, „Fiorenza“, Pr. Jahrb. Bd. 47,
+p. 319ff.). — Frey hält das Capitolo für ein Liebesgedicht,
+eine von vier Versionen, die 1546 von Michelangelo zu
+einem Madrigal (G. p. 100) verarbeitet wurden.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-11">2.</a></p><p>G. p. 3. — Epigramme, 1545. — 1492 war Lorenzo il
+Magnifico gestorben. Auf ihn folgte sein Sohn Piero II.
+1494 zog Karl VIII. von Frankreich über die Alpen, um
+seine Ansprüche auf Neapel geltend zu machen. Nun
+hatte Piero mit Alfons II. von Neapel Beziehungen angeknüpft
+und war so dem Angriff des Franzosen ausgesetzt,
+zumal auch Lodovico il Moro Karl gegen Florenz
+hetzte. In der Gefahr verlor er alle Fassung und lieferte
+schon in den ersten Verhandlungen die Festungen des
+Landes aus. Die entrüsteten Florentiner vertrieben ihn
+<a class="pgnum" id="page-149" title="- 149 -"></a>bei seiner Rückkehr aus der Stadt, die nun in die Hände
+der Franzosen fiel. Es folgte die Zeit Savonarolas, der
+1498 gestürzt wurde. Die 1495 eingerichtete republikanische
+Regierungsform musste wieder fallen, als 1512
+Julius II. Giovanni und Giuliano de Medici, die Brüder
+Pieros II., in die Stadt zurückführte. Giovanni wurde
+1513 als Leo X. Papst; auf ihn folgte Giuliano und
+dieser gab bald seine Herrschaft an Pieros Sohn
+Lorenzo II. Nach ihm Giulio, der 1523 als Clemens VII.
+den päpstlichen Thron bestieg, die Herrschaft über
+Florenz aber mitbehielt. Als 1527 Rom durch die kaiserlichen
+Truppen erobert und geplündert wurde, machten
+in Florenz die Republikaner den Versuch, die frühere
+Regierungsform wieder herzustellen, aber das vereinigte
+Heer der Kaiserlichen und des Papstes zwangen die
+Stadt nach zehnmonatlicher Belagerung (Michelangelo
+war bei der Befestigung tätig) zur Übergabe (1530).
+Zur Herrschaft kam Lorenzos II. natürlicher Sohn
+Alexander, der 1537 durch seinen Vetter Lorenzino ermordet
+wurde. Nun gelangte Cosimo, des ersten Cosimo
+Urenkel, zur Herzogswürde und wusste in geschickter
+Weise seine Herrschaft endgültig zu befestigen. — 1545,
+als für die aus Florenz geflüchteten Republikaner jede
+begründete Hoffnung auf Wiederherstellung der Republik
+geschwunden war, entstanden die Epigramme. Michelangelo
+antwortet in Rom auf einen Vierzeiler des
+Giovanni di Carlo Strozzi (1517–1570). Dieser lebte in
+Florenz humanistischen Studien und war Mitglied der
+Akademie.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-12">3.</a></p><p>G. p. 25. — Madrigal, 1545–46. — Ein Zwiegespräch
+der verbannten Florentiner mit ihrer Heimatstadt.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-13">4.</a></p><p>G. p. 156. — Sonett, wohl 1511, gegen Ende der Arbeiten
+an der Sixtinadecke (1508–12).</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-14">5.</a></p><p>G. p. 158. — Sonetto caudato oder ritornellato; das
+eigentliche Sonett schliessen 1–2 Ritornelle, Kehrreime.
+Etwa 1508–11. — Giovanni da Pistoja, vielleicht, was
+Frey bezweifelt, Kanzler der Florentiner Akademie. — Das
+<a class="pgnum" id="page-150" title="- 150 -"></a>Gedicht spricht von den Mühen der Arbeit an der
+Sixtinadecke.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-15">6.</a></p><p>G. p. 338. — Stanzen, Fragment, etwa 1518–24. Ein
+Spottgedicht auf eine Unbekannte in Florenz.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-16">7.</a></p><p>G. p. 68. — Madr., 1535–46. An eine Unbekannte.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-17">8.</a></p><p>G. p. 58. — Madr., 1534–46. Nach Frey ist es an
+Vittoria Colonna in der ersten Zeit der Freundschaft
+gerichtet.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-18">9.</a></p><p>G. p. 97. — Madr., 1546. An eine Unbekannte, die vielleicht
+mit der Adressatin von No. 33 und 34 identisch ist.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-19">10.</a></p><p>G. p. 178. — Son., 1507–08, in Bologna, an ein unbekanntes
+Mädchen der Stadt.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-20">11.</a></p><p>G. p. 29. — Madr., 1546. — Luigi del Riccio war Geschäftsträger
+der Strozzi in Florenz. Mit Michelangelo
+war er eng befreundet und leistete ihm wichtige Dienste.
+Er verfolgte mit besonderem Interesse die dichterische
+Tätigkeit des Meisters, mit feinem Verständnis beurteilend,
+besprechend. Er bemühte sich auch um eine Herausgabe
+der Gedichte und vereinigte deren 87 in der nach
+ihm benannten Ricciosammlung. — Auf ein unbekanntes
+Vorkommnis hin schrieb Michelangelo das Gedicht in
+seiner ersten Fassung. Riccio erwiderte mit folgendem
+Madrigal:</p>
+
+<div class="poem" id="anmerk1">
+<div class="stanza">
+<p>Es darf kein Liebesdienst</p>
+<p>Des Freundes lästig sein</p>
+<p>Dem Freunde, denn ein alter, weltbekannter Satz</p>
+<p>Verlangt, dass jedes Gut</p>
+<p>Und jegliches Geschick</p>
+<p>Ihnen gemeinsam sei. Ja Kerker, Tod</p>
+<p>Sah man schon einen für den andern leiden,</p>
+<p>Und Gut und Ehr' und Leben tauschen sie.</p>
+<p>Drum kann ein Streit uns beide nicht entzweien,</p>
+<p>Denn alles zu verzeihn, ist Freundschaft stets bereit.</p>
+</div>
+</div>
+
+<p class="noindent">Darauf arbeitete Michelangelo sein Madrigal zu einer
+zweiten, längeren Fassung um, die hier gegeben ist.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-21">12.</a></p><p>G. p. 167. — Son., 1551. — Giorgio Vasari lebte 1512–74
+<a class="pgnum" id="page-151" title="- 151 -"></a>und betätigte sich als Maler, Architekt und Schriftsteller.
+Er stand beim Herzog von Florenz in grosser Gunst
+und hatte in Michelangelos späteren Jahren zwischen
+diesem und dem Herzog zu vermitteln (vgl. Brief
+26. und 30). Mit dem Sonett dankt ihm der Meister
+für die Zusendung der <span lang="it">„Vite degli artisti“</span>.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-22">13.</a></p><p>G. p. 164. — Son., 1555. Dank für Geschenke.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-23">14.</a></p><p>G. p. 325–328. — Fragment einer Dichtung in Stanzen.
+Nach Frey würde dieser Teil in die Jahre 1536–40 fallen,
+während die Stanzengruppe, in denen der Dichter
+das Landleben preist und die übrigen Laster geisselt
+(G. p. 317–24), aus seinen letzten Jahren (1556) stammen,
+also zwei selbständige Dichtungen vorliegen würden. — Andere
+Deutungen für die Gestalten der Dichtung:
+der Gigant der Stolz, das Weib die Grausamkeit, oder
+Habsucht, oder der Geiz. Dazu Frey (a.a.O. 350):
+„All diese Interpretationen sind individueller Art und
+unverbindlich. Es muss gesagt werden, dass, so real
+Michelangelo diese Bilder ausgeführt hat, so unbestimmt
+ist gleichwohl für uns ihre Bedeutung gelassen, wohl
+weil auch dem Dichter während des Schöpfungsprozesses
+immer neue Gedanken, Vergleiche und Züge in den
+Sinn kamen, die die ursprüngliche Richtung abänderten.
+Gleichwohl lassen sich meiner Überzeugung nach doch
+Michelangelos Intentionen ahnen und deuten, wenn man,
+was durchaus nötig ist, mit den Stanzen das Sonett gegen
+die Pistojesen (G. p. 160) vereint. Dort die Pistojesen,
+die <span lang="it">al ciel nemici, invidiosi, superbi</span>; Söhne Kains hiessen
+sie, weil sie im Bruderkampfe sich gegenseitig totschlugen.
+Hier trägt das Weib das Kainszeichen; freut es sich
+und wächst <span lang="it">del mal d'altrui</span>, und die Pistojesen sind
+<span lang="it">del danno loro amici</span>. Wie zur Zeit Dantes Neri und
+Bianchi in Pistoja sich zerfleischten, so wieder zur Zeit
+der Revolution in Florenz. Und dann die Ermordung
+des Herzogs Alessandro (1537). Die <span lang="it">città intera</span>, die der
+Gigant mit dem Fusse deckt, wäre Pistoja, die <span lang="it">montagne</span>
+die dortigen Apenninen, die vielfach den Parteien <span lang="it">ricovero</span>
+<a class="pgnum" id="page-152" title="- 152 -"></a>boten wie dem Weibe <span lang="it">le gran rocche</span>. Besonders im
+Frühjahr 1537 waren die Wirren in Pistoja gross. …
+Man könnte annehmen, dass [Giovanni da Pistoja] …
+ausführlich von allen diesen Ereignissen Michelangelo
+unterhalten habe, und Schmerz und Zorn über das Gehörte
+hätten ihn zu Dichtungen veranlasst, die wohl
+niemals abgesandt worden sind.“</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-25">15.</a></p><p>G. p. 5–21, No. 2, 3, 4, 7, 8, 12, 18, 20, 23, 31, 38, Epitaphien,
+1544. — Im Jahre 1544 starb in Rom Cecchino
+(Francesco) de Zanobi Bracci im Alter von 15 Jahren.
+Er war Riccios Neffe und wurde von diesem zärtlich
+geliebt. Seit 1534 lebte er als verbannter Florentiner in
+Rom, wegen seiner Schönheit allgemein bewundert.
+Sein Tod war für Riccio ein herber Verlust. Die Freunde,
+unter ihnen auch Michelangelo, bemühten sich, ihn zu
+trösten, und zu diesen Versuchen zählen auch die ersten
+dieser Vierzeiler. Die Abfassung der Gedichte war
+anfangs lebendig mit der Erinnerung an Cecchino verknüpft,
+löste sich aber bald davon los, und das Grab
+des Freundes wurde zum Ort, an dem der Dichter in
+stets neuen Beziehungen und knappster Fassung eigenartige
+Gedanken über Leben und Tod aussprach.
+Riccio ermunterte den Freund durch Bitten und Geschenke,
+durch Besprechung und Kritik zur Fortsetzung,
+und so entstand im Laufe des Jahres 1544 eine Reihe
+von 48 vierzeiligen Grabschriften. Kurze scherzhafte
+Bemerkungen unter den Gedichtmanuskripten, die
+Michelangelo dem Freunde zusandte, zeigen, wie sehr
+ihm dieser zusetzte. So zum Epitaph</p>
+
+<div class="list">
+<p class="number">12.</p><p>„Wenn Ihr keine mehr wollt, so schickt mir nichts
+mehr.“</p>
+
+<p class="number">16.</p><p>(nicht in dieser Auswahl) „Ich wollte es Euch eigentlich
+nicht schicken. Es ist ein gar zu plumpes
+Ding; aber die Forellen und Trüffeln würden selbst
+den Himmel bezwingen. Ich empfehle mich Euch.“</p>
+
+<p class="number">20.</p><p>„Für die gesalzenen Schwämme, wenn Ihr schon
+nichts weiter wollt!“</p>
+
+<p class="number"><a class="pgnum" id="page-153" title="- 153 -"></a>21.</p><p>(n. i. d. A.) „Dies plumpe Ding, schon tausendmal
+aufgetischt, für den Fenchel.“</p>
+
+<p class="number">23.</p><p>„Hier reden die Forellen, nicht ich; wenn Euch die
+Verse nicht gefallen, dann mariniert sie das nächste
+Mal nicht mehr ohne Pfeffer.“</p>
+
+<p class="number">33.</p><p>(n. i. d. A.) „Unbeholfene Sachen! Der Brunnen
+ist ausgetrocknet; man muss abwarten, bis es regnet.
+Ihr habt zu grosse Eile!“</p>
+
+<p class="number">36.</p><p>(n. i. d. A.) „Tolle Sachen! Wenn man aber von
+mir verlangt, ich soll sie zu Tausenden fabrizieren,
+so muss schon von jeder Sorte darunter sein!“
+</p>
+</div>
+
+<p class="number"><a href="#page-28">16.</a></p><p>G. p. 155. — Son., 1545. Zugleich mit No. 59 entstanden.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-29">17.</a></p><p>G. p. 50. — Madr., Fragm., 1504/5–11. Adressat und
+Anlass unbekannt.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-30">18.</a></p><p>G. p. 197. — Son., Zeit, Adressat ist fraglich. Vielleicht
+1534–38 in Rom.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-31">19.</a></p><p>G. p. 81. — Madr., Adressat unbekannt. Entstehungszeit
+etwa Beginn der 40er Jahre.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-32">20.</a></p><p>G. p. 173. — Son., am Anfang der Freundschaft mit
+Vittoria Colonna entstanden, also in den nächsten Jahren
+nach 1536. — Vittoria wurde 1490 im Kastell Marino
+am Abhang der Albanerberge geboren. 1509 vermählte
+sie sich mit Ferrante Francesco d'Avalos, dem Markgrafen
+von Pescara. Während ihr Gemahl ein unstetes
+Kriegsleben führte, lebte Vittoria meist auf Ischia und
+unterhielt mit den bedeutendsten Geistern ihrer Zeit
+rege Beziehungen. Sie musste früh auf Mutterglück
+verzichten und wandte sich ganz geistigen Interessen zu.
+In das Jahr 1512 fällt das erste ihrer erhaltenen Gedichte
+und bald entfaltete sie ein reiches Schaffen, von ihrer
+Zeit als die bedeutendste Frau, <span lang="it">„la diva Vittoria Colonna“</span>,
+gefeiert. 1525 starb Francesco. Von nun an lebte sie
+immer eingezogener, obwohl stets in Beziehung mit der
+politischen und künstlerischen Welt, meist in Klöstern,
+wie San Silvestro in Capite in Rom, San Paolo in Orvieto,
+Santa Caterina in Viterbo (vgl. den vierten ihrer Briefe
+an Michelangelo). Infolge der politischen Verhältnisse
+<a class="pgnum" id="page-154" title="- 154 -"></a>änderte sie ihren Aufenthalt oft. 1534 kam sie durch
+die Berührung mit Bernardino Ochino in die religiösen
+Reformbewegungen des 4. und 5. Jahrzehnts und spielte
+in ihnen eine nicht unwichtige Rolle. 1534–40 hielt sie
+sich viel in Rom im Kloster San Silvestro auf, und in
+die frühere Zeit dieser Periode fällt wohl ihr erstes
+Zusammentreffen mit Michelangelo, mit dem sie besonders
+in den Jahren 1538–40 regen Verkehr unterhielt.
+Die nächste Zeit brachte ihr schweres Leid. In
+den Kämpfen mit Paul III., 1540–41, wurde die Macht
+der Colonna vernichtet. Sie zog sich nach Viterbo
+zurück und blieb dort bis 1544. 1544–47 war sie wieder
+in Rom, von körperlichen und seelischen Leiden heimgesucht,
+aber fortwährend in regem Austausch mit den
+bedeutendsten Persönlichkeiten und selbst literarisch
+tätig. Die tiefsten ihrer religiösen Dichtungen fallen in
+diese Zeit. 1547 starb sie im Kloster Sant' Anna de
+Funari, das ihr letzter Aufenthaltsort gewesen war.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-33">21.</a></p><p>G. p. 46. — Madr., vielleicht um 1540/41.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-34">22.</a></p><p>G. p. 169. — Son. Es liegt in 6 Versionen vor. Diese
+ist die zweite und wurde 1546 abgefasst. Die erste
+Fassung, die mit dem Brief 16. an Vittoria abgesandt
+wurde, fällt in die Jahre 1538–41 oder 1544–46. — Vittoria
+hatte dem Dichter öfter „Dinge“ (<span lang="it">cose</span>), vielleicht
+eigene Dichtungen, angeboten, und er hatte sich lange
+geweigert, sie anzunehmen, bevor er ihr nicht ein
+würdiges Gegengeschenk bieten könne.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-35">23.</a></p><p>G. p. 80. — Madr., 1534–46.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-36">24.</a></p><p>G. p. 199. — Son., in 8 Versionen überliefert; die hier
+übersetzte ist die Schlussfassung, 1542–46. Die Ausarbeitung
+der früheren liegt wohl um 10–20 Jahre zurück.
+Letztere sind an eine Frau, die gegebene Fassung ist
+an einen Mann (<span lang="it">signor</span>) gerichtet. (Die Übersetzung sagt
+allerdings „holde Fraue“.) Gemeint ist Tommaso
+Cavalieri. Über ihn siehe zu No. 38.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-37">25.</a></p><p>G. p. 183. — Son., 1529–30 in Florenz, an eine Unbekannte.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-38">26.</a><a class="pgnum" id="page-155" title="- 155 -"></a></p><p>G. p. 74. — Madr., etwa 1544–46. Nach Frey an
+Vittoria, in den letzten Jahren ihres Lebens.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-39">27.</a></p><p>G. p. 38. — Madr., Anfang der 40er Jahre.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-40">28.–31.</a></p><p>G. p. 227, 229, 31, 226. — Sonette, No. 30 Madr., sämtlich
+1547 entstanden, No. 28 als letzte von drei Versionen.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-44">32.</a></p><p>G. p. 212. — Son., nicht lange nach Vittorias Tod (1547),
+als letzte von vier Versionen.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-45">33.</a></p><p>G. p. 34. — Madr., 1540–44, an eine Unbekannte. Vgl. No. 9.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-46">34.</a></p><p>G. p. 35. — Madr., wohl 1540–44, an eine Unbekannte.
+Vgl. No. 9.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-47">35.</a></p><p>G. p. 253. — Son., Entstehungszeit und Adressat unbekannt.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-48">36.</a></p><p>G. p. 175. — Son., 1546 als letzte von drei Versionen.
+Die früheren fallen wohl in die Jahre 1538–42.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-49">37.</a></p><p>G. p. 36. — Madr., etwa 1542–44.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-50">38.</a></p><p>G. p. 216. — Son., vor 1534. — Anfang der 30er Jahre
+begann Michelangelos Freundschaft mit Tommaso
+Cavalieri, einem jungen Römer, um bis zu seinem Tode,
+durch 32 Jahre, zu dauern. Was sie für den unablässig
+nach der Schönheit und dem sittlich Hohen ringenden
+Meister bedeutete, wie lauter er diese Beziehungen auffasste,
+zeigen besonders die Dichtungen der 40er Jahre.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-51">39.</a></p><p>G. p. 188. — Son., 1533/34.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-52">40.</a></p><p>G. p. 190. — 1532–33.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-53">41.</a></p><p>G. p. 92. — Madr., vielleicht 1524 in Florenz, an eine
+unbekannte Adresse.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-54">42.</a></p><p>G. p. 224. — Son., 1546, als Schlussfassung verschiedener,
+bis in die zweite Hälfte der 30er Jahre zurückgehender
+Versuche.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-55">43.</a></p><p>G. p. 208. — Son., Florenz 1533.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-56">44.</a></p><p>G. p. 250. — Son., in seiner späteren Lebenszeit.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-57">45.</a></p><p>G. p. 176. — Son., nicht lange nach 1534.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-58">46.</a></p><p>G. p. 223. — Son., in dieser Fassung 1546.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-59">47.</a></p><p>G. p. 218. — Es liegen 7 Versionen und viele Varianten
+einzelner Verse vor. Die früheren Fassungen (1.–4.)
+fallen in die Jahre 1536–42, die hier gegebene fünfte 1546.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-60">48.</a></p><p>G. p. 337. — Stanze, vielleicht 1536–38, an einen unbekannten
+Adressaten oder aber an Tommaso Cavalieri.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-61">49.–52.</a><a class="pgnum" id="page-156" title="- 156 -"></a></p><p>G. p. 202, 203, 205, 204. — Sonette, aus der Periode,
+während der Michelangelo am Jüngsten Gericht arbeitete,
+1533–41. — Der Anordnung innerhalb der Gruppe folgt
+Frey a.a.O. 367: „Das erste gäbe das Thema an, das die
+übrigen weiter entwickelten, wobei die teilweise noch
+allgemeinen und unbestimmten Anschauungen zuletzt
+eine Steigerung und konkreteren Inhalt erhalten hätten.“</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-65">53.</a></p><p>G. p. 350. — Canzonenfragment. Frey lässt Spielraum
+vom 2. Jahrzehnt bis ins Alter des Dichters.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-66">54.</a></p><p>G. p. 32. — Madr., 1541–44, während Vittoria zurückgezogen
+in Viterbo lebte.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-67">55.</a></p><p>G. p. 83. — Madr., 1534–46.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-68">56.</a></p><p>G. p. 214. — Son., nach 1534, in der späteren Zeit von
+Michelangelos Freundschaft mit Cavalieri.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-69">57.</a></p><p>G. p. 33. — Madr., wohl 1534–42; vielleicht an Vittoria.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-70">58.</a></p><p>G. p. 186. — Son., Ende der 30er, Anfang der 40er Jahre.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-71">59.</a></p><p>G. p. 153. — Son., 1545 als zweite von 5 Versionen. —
+Vgl. No. 16. — Zur Entstehung des Gedichtes vgl. Frey,
+a.a.O. 425; Michelangelo beschäftigte sich damals, nach
+Vollendung des Jüngsten Gerichts, besonders intensiv
+mit Dante.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-72">60.</a></p><p>G. p. 27. — Madr., etwa 1544–46, nach einer wohl in
+den 30er Jahren entstandenen Urversion.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-73">61.</a></p><p>G. p. 177. — Son., vor 1546; W. Robert-tornow (Die Gedichte
+des Michelangelo Buonarroti, Berlin 1896) fasst
+das Gedicht als an Christus gerichtet auf (p. 391). Freys
+Ansicht, der es den Cavalieri-Dichtungen zuordnet,
+scheint wahrscheinlicher.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-74">62.</a></p><p>G. p. 37. — Madr., 1536–47.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-75">63.</a></p><p>G. p. 30. — Madr., vielleicht 1538–41 oder 1545/6.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-76">64.</a></p><p>G. p. 94. — Madr., vielleicht 1544/45.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-77">65.</a></p><p>G. p. 172. — Son., die letzte von 5 Versionen, 1550.
+(Die früheren 1544/45 —.)</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-78">66.</a></p><p>G. p. 261. — Son., Fragm., etwa 1560.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-79">67.</a></p><p>G. p. 141. — Madr., 1546.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-80">68.</a></p><p>G. p. 128. — Madr., nach 1547.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-81">69.</a></p><p>G. p. 274. — Son., Fragm., 1552–54.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-82">70.</a><a class="pgnum" id="page-157" title="- 157 -"></a></p><p>G. p. 259. — Son., Fragm., nach 1525; ebenso wie No. 71
+aus vorübergehenden Stimmungen entstanden, Vorläufer
+der nach 50 häufig auftretenden Gemütsverfassungen des
+Dichters.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-83">71.</a></p><p>G. p. 123. — Madr, die erste Fassung etwa 1536–42,
+die vorliegende 1545/46.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-84">72.</a></p><p>G. p. 230. — Son., Frey, a.a.O. 486: „Vielleicht
+Michelangelos schönstes Gedicht, nicht nur der letzten
+Epoche, sondern seines Canzoniere überhaupt.“</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-85">73.</a></p><p>G. p. 279. — Son., Fragm., 1554.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-86">74.</a></p><p>G. p. 232. — Son., 1554/55.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-87">75.</a></p><p>G. p. 238. — Son., 1555.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-88">76.</a></p><p>G. p. 244. — Son., 1550–54.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-89">77.</a></p><p>G. p. 240. — Son., 1547–50.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-90">78.</a></p><p>G. p. 245. — Son., 1555.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-91">79.</a></p><p>G. p. 246. — Son., 1555.</p>
+
+<p class="number"><a href="#page-92">80.</a></p><p>G. p. 241. — Son., 1555 oder später.</p>
+</div>
+
+
+<hr/>
+
+<h3><a id="anm-briefe"></a>Zu den Briefen Michelangelos.</h3>
+
+<p class="summary">Der italienische Text nach Gaetano Milanesi, <span lang="it">Le lettere di
+Michelangelo Buonarroti, Firenze MDCCCLXXV</span> (Mil. l. = <span lang="it">Milanesi,
+lettera No. …</span>). Ebendaher stammt die Datierung der Briefe, die
+nicht von Michelangelo selbst herrührt. Leider konnte den Übersetzungen
+und Anmerkungen die in Aussicht stehende kritische Gesamtausgabe
+der Briefe von C. Frey nicht mehr zugrunde gelegt werden.</p>
+
+<div class="list">
+<p class="number"><a href="#letter-1">1.</a></p><p>Mil. l. CCCXLIII. — Giuliano da San Gallo 1443 (45)
+bis 1516 (17), aus Florenz, war Bildhauer und vor allem
+Architekt. Er baute in Rom für Lorenzo den Prächtigen,
+wurde später nach Neapel gerufen und arbeitete 2 Jahre
+für den Bischof von Ostia, den nachmaligen Papst
+Julius II. Unter Julius veranlasste er den Bau einer
+besonderen Grabkirche für das Denkmal, mit dessen
+Ausführung Michelangelo betraut war, unterlag er aber
+mit seinem Entwurf gegen Bramante und verliess Rom.
+<a class="pgnum" id="page-158" title="- 158 -"></a>Nach kurzer Zeit ernannte ihn der Papst zum Ingenieur,
+dann zum Architekten am Bau der neuen Peterskirche. — Durch
+seine Vermittlung war Michelangelo 1505 nach
+Rom gekommen. Über dessen Flucht folgendes: 1505
+hatte er vom Papste den Auftrag erhalten, ihm ein Grabmonument
+zu errichten und war noch im April desselben
+Jahres nach Carrara gegangen. Dort leitete er bis zum
+Januar 1506 die Zurichtung der Blöcke und erwartete
+dann in Rom deren Ankunft. Unterdessen hatte aber
+Julius den Plan des Grabdenkmals fallen lassen und
+sich dem Neubau der Peterskirche zugewandt, für die,
+wie oben gesagt, Bramantes Pläne gesiegt hatten. Als
+Michelangelo an der veränderten Sachlage nicht mehr
+zweifeln konnte, floh er in seiner Enttäuschung nach
+Florenz. Der Papst bemühte sich, ihn zur Rückkehr zu
+bewegen, und veranlasste viele Freunde und Gönner des
+Meisters, ihm brieflich oder mündlich zuzureden. Auf
+einen solchen Vermittlungsbrief antwortet das vorliegende
+Schreiben.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-2">2.</a></p><p>Mil. l. CXXVII. — Vgl. Anm. zu Br. 3. — Der alte
+Buonarroti hatte Michelangelo geschrieben, das Betragen
+seiner Söhne, besonders Giovansimones, mache ihm
+viel Kummer. In seiner Antwort (Mil. l. VII) verspricht
+ihm Michelangelo, diesem einen Brief zu schreiben „auf
+meine Art“ — eben den vorliegenden.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-3">3.</a></p><p>Mil. l. X. — Lodovico di Leonardo di Buonarrota Simoni
+(1444–1534) trieb keinerlei Gewerbe, sondern lebte von
+dem geringen Ertrag seiner wenigen Güter und dem
+Gehalt einer Zollschreiberstelle. Michelangelo sorgte
+bis an sein Lebensende in aufopfernder Weise für seine
+Familie. Von seinen Brüdern werden in den Briefen
+genannt: Buonarroto, von dem das bis in unsere Zeit
+lebende Geschlecht der Buonarroti abstammt, 1477–1528,
+Giovan Simone 1479–1548, Gismondo 1481–1555. — Mona
+Cassandra, Lodovicos Schwägerin, hatte mit diesem
+nach dem Tode ihres Gatten einen Streit wegen ihrer
+Mitgift. — Michelangelo malte damals in der Sixtina.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-4">4.</a><a class="pgnum" id="page-159" title="- 159 -"></a></p><p>Mil. l. LXXX. — Lorenzo Strozzi besass in Florenz eine
+Wollwirkerei, in der Buonarroto beschäftigt war.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-5">5.</a></p><p>Mil. l. XXII. — Michelangelo pflegte sein Geld der
+Spitalverwaltung von Santa Maria Nuova in Florenz anzuvertrauen.
+Der Spitalverwalter wird auch noch in
+späteren Briefen öfter erwähnt.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-6">6.</a></p><p>Mil. l. XXXVI. — Vgl. Anm. zu Ged. No. 2. Als Julius II.
+mit kaiserlichen Truppen Giuliano de Medici nach Florenz
+zurückführte, wurde in den Tagen vom 29. August bis
+19. September die Stadt Prato besetzt und in furchtbarer
+Weise geplündert.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-7">7.</a></p><p>Mil. l. XCII. — Im fortgelassenen ersten Teil des Briefes
+gibt Michelangelo seinem Bruder den Auftrag, eine gewisse
+Summe im Namen von Michele di Piero da
+Settignano, eines seiner Steinmetzen, in Florenz auszuzahlen. — Die
+Arbeiten, über die er klagt, sind die
+für das Juliusdenkmal.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-8">8.</a></p><p>Mil. l. XXXIX. — Michelangelo erhielt von den Erben
+Julius II. 1516 die Erlaubnis, nach Belieben in Rom,
+Florenz oder Carrara an dem Denkmal zu arbeiten.
+Tatsächlich ging er 1516 nach Carrara, um Material zu
+beschaffen, und war auch einige Zeit in Florenz. Von
+hier aus schrieb er an seinen Vater, der sich in
+Settignano, einem kleinen Ort nahe bei Florenz, aufhielt,
+den Brief. Siehe auch Br. 9.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-9">9.</a></p><p>Mil. l. CXII.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-10">10.</a></p><p>Mil. l. CCCLXXXI. — 1520 wurde Michelangelo vom
+Kardinal Giulio de Medici beauftragt, für die Mediceer
+in Florenz ein Familiengrab zu bauen. 1521 erhielt er
+eine Anzahlung und schloss mit einigen Steinmetzgewerkschaften
+in Carrara Verträge auf Lieferung grosser
+Marmormengen. Bald machte ihm aber der unbeständige
+Kardinal, der zudem durch die politischen Wirren (die
+Kämpfe Karls V. mit Franz I.) in Geldnöte geraten war,
+Schwierigkeiten. Er erklärte sich nicht bestimmt über
+die Art der Ausführung und zögerte mit den Zahlungen.
+Die Arbeiten ruhten, his Giulio 1523 als Clemens VII.
+<a class="pgnum" id="page-160" title="- 160 -"></a>den päpstlichen Thron bestieg. 1524 begann der Bau
+der Kapelle (<span lang="it">nuova sagrestia di San Lorenzo</span>) und war
+bald zu Ende geführt. Über die letzten Arbeiten,
+Laterne und Goldkugel, berichtet der Brief. Der Papst,
+der wohl wissen musste, dass es Michelangelos
+Charakter unmöglich war, die Leitung einer Arbeit mit
+einem anderen zu teilen, versprach doch Andrea Sansovino
+die Teilnahme an dem Werke. Im vorliegenden
+Brief verwahrt sich Michelangelo dagegen. — Über seine
+Stimmung während dieser Arbeiten vgl. Ged. No. 1 und
+Br. No. 11.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-11">11.</a></p><p>Mil. l. CCCXCVII. — Sebastiano del Piombo (1485–1547)
+gehörte in Rom zur Partei Michelangelos gegen Raffael. — In
+dem am Schluss des Briefes erwähnten Porträt
+vermutet Milanesi das wahrscheinlich verlorene Bildnis
+des Francesco degli Albizzi, das Sebastiano in jener
+Zeit vollendet und nach Florenz gesandt hatte.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-12">12.</a></p><p>Mil. l. CXXIX. — Der 1532 mit den Erben Julius II.
+abgeschlossene Vertrag bestimmte, dass Michelangelo
+Zeit und Arbeit zwischen Rom und Florenz teilen dürfe. — Mona
+Margherita war eine nahe Verwandte. — Ser
+Giovan Francesco Fattucci war Kaplan von Santa Maria
+del Fiore in Florenz und mit Michelangelo sehr eng
+befreundet.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-13">13.</a></p><p>Mil. l. CDXXIII. — Der „Abgott“, der wohl auch das
+Feuer entzündet hat, das Michelangelo verzehrt, ist
+Cecchin Bracci. — Der Dichter schickt seinem Freunde
+ein bereits umgearbeitetes Madrigal und spricht von einer
+Zusammenkunft am Sonntag. Bei solchen Gelegenheiten
+wurden die Gedichte durchgesprochen und gemeinsam
+ausgefeilt.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-14">14.</a></p><p>Mil. l. CDXXXIX. — Monsignor di Todi, Federigo Cesi,
+später Kardinal von San Pancrazio. — Urbino, eigentlich
+Francesco di Bernardino degli Amatori, war Michelangelos
+Diener, Farbenreiber, Gehilfe, Schüler und auch Freund.
+Vgl. Br. 27.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-15">15.</a></p><p>Mil. l. CDXLVII. — Der Brief begleitete eines der
+<a class="pgnum" id="page-161" title="- 161 -"></a>Epitaphien auf Cecchinos Tod (G. No. 8: das 5. der
+unter No. 15 der Auswahl zusammengestellten.). — Riccio
+hatte wohl am vorhergehenden Tage eine Ansicht ausgesprochen,
+die Brief und Gedicht widerlegen.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-16">16.</a></p><p>Mil. l. CDLIV. — Die Datierung von Brief 16 und 17
+ist die von Milanesi getroffene. Nach Frey besteht für
+sie ebenso wie für die von Ged. No. 22, das mit Br. 16
+abgeschickt wurde, der Spielraum von 1538–41 oder
+1544–46. (41–44 war Vittoria in Viterbo.) — Vgl. Anm.
+zu Ged. No. 22.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-17">17.</a></p><p>Mil. l. CDLV. — Vgl. die Briefe Vittorias No. 1 und 2;
+der vorliegende Brief fällt wohl zwischen sie. — Die
+letzten Zeilen deuten vielleicht auf eine Absicht Michelangelos,
+die Zeichnung — den Cruzifixus — als Gemälde
+auszuführen. „Mein Plan ist misslungen“ übersetzt:
+<span lang="it">„è stato guasto il mio disegno“</span> und würde auf eine Vereitelung
+dieser „Absicht“ anspielen, <span lang="it">„disegno“</span> kann auch
+mit „Zeichnung“ übersetzt werden. „Meine Zeichnung
+ist misslungen.“ Der Sinn wäre wohl derselbe.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-18">18.</a></p><p>Mil. l. CLXII. — Lionardo di Buonarroto Simoni, also
+ein Sohn von Buonarroto, dem Bruder Michelangelos.
+An ihn ist ein grosser Teil der Briefe gerichtet, etwa
+200 von fast 500. — Michelangelo hatte in einem Briefe
+an Lionardo vom 16. Januar 1546 von einer Besitzung
+des Francesco Corboli gesprochen, der falliert hatte und
+zu verkaufen wünschte. Er hatte sich bereit erklärt,
+eine grössere Summe in einem derartigen Wertobjekt
+anzulegen, und seinen Neffen beauftragt, Erkundigungen
+einzuziehen. Seiner Familie in Florenz war daran gelegen,
+sich die Summe zu sichern, und so war die Antwort
+sehr rasch gekommen — zu rasch für den etwas
+misstrauischen Meister. — Der Trebbianer, ein süsser
+oberitalienischer Wein, war sein Lieblingsgetränk.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-19">19.</a></p><p>Mil. l. CDLIX. — Franz I. von Frankreich schrieb im
+Februar 1546 den hier erwähnten Brief. Michelangelo
+wurde durch den bald danach erfolgten Tod des Königs
+(1547) von seinem Versprechen entbunden. — Zu jener
+<a class="pgnum" id="page-162" title="- 162 -"></a>Zeit arbeitete er an den Fresken der Capella Paolina in
+Rom (1542–49) im Auftrag von Paul III.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-20">20.</a></p><p>Mil. l. CLXXXVII.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-21">21.</a></p><p>Mil. l. CXCI.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-22">22.</a></p><p>Mil. l. CDLXII. — Benedetto Varchi (1502–65), Historiker
+und Dichter, gehörte zu den durch die Medici Vertriebenen.
+Durch Cosimo I. wurde er zurückgerufen und
+schrieb in dessen Auftrag seine Geschichte von Florenz.
+Das hier genannte Buch, eine seiner vielen kleinen
+Schriften, behandelt die damals vielerörterte Frage, ob
+die Malerei oder die Skulptur den Vorrang verdiene.
+(<span lang="it">Due lezioni di Messer Benedetto Varchi … Firenze appr.
+Lorenzo Torrentino …</span> MDXLIX.) — Michelangelo war
+damals 74 Jahre alt.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-23">23.</a></p><p>Mil. l. CCX. — Die Frage der Heirat Lionardos und
+der Wahl einer geeigneten Gattin wird im Briefwechsel
+seit Anfang 1547 erörtert. Dieser Brief ist typisch für
+die Stellung des Meisters zur Frage. Erst im Frühjahr
+1553 (vgl. Br. 24) kam die Angelegenheit zum Abschluss,
+als Lionardo Cassandra di Donato Ridolfi heimführte.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-24">24.</a></p><p>Mil. l. CCLXIII.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-25">25.</a></p><p>Mil. l. CDLXXII. — Durch Vasari hatte Michelangelo
+die Nachricht von der Geburt seines Grossneffen
+Buonarroto di Lionardo Simoni erhalten.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-26">26.</a></p><p>Mil. l. CDLXXV. — 1547 wurde Michelangelo, halb gegen
+seinen Willen, als Nachfolger von Antonio da Sangallo
+zum Architekten von Sankt Peter ernannt und widmete
+sich dieser Aufgabe bis an sein Lebensende. In diesem
+und anderen Briefen wehrt er sich gegen die Bemühungen
+Cosimos, ihn nach Florenz zu ziehen. Er hatte die
+Arbeit als eine ihm von Gott auferlegte heilige Pflicht
+auffassen gelernt und führt dies als einen Hauptgrund
+für sein Bleiben oft an.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-27">27.</a></p><p>Mil. l. CDLXXVII. — Vgl. Anm. zu Br. 14. — Der am
+Schluss Genannte ist Benvenuto Cellini.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-28">28.</a></p><p>Mil. I. CCXC. — Francesca war Michelangelos Nichte.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-29">29.</a><a class="pgnum" id="page-163" title="- 163 -"></a></p><p>Mil. l. CDLXXIX. — <span lang="it">Cosimo Bartoli, Difesa della lingua
+fiorentina e di Dante …</span> 1566. — 1556 unternahm
+Michelangelo eine Wallfahrt nach Loreto, wurde aber
+in Spoleto, wo er sich einige Zeit aufhielt, durch eine
+päpstliche Botschaft zurückgerufen.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-30">30.</a></p><p>Mil. l. CCCIV.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-31">31.</a></p><p>Mil. l. CCCXIV. — Der Kardinal Rodolfo Pio da Carpi.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-32">32.</a></p><p>Mil. l. CCCXX.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-33">33.</a></p><p>Mil. l. CCCXL.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-34">34.</a></p><p>Mil. l. CCCXLI.</p>
+</div>
+
+<hr/>
+
+<h3>Zu den Briefen Vittorias an Michelangelo.</h3>
+
+<p class="summary">Der italienische Text bei Frey, a.a.O. in den Regesten
+p. 533 ff., ebendort die Datierung.</p>
+
+<div class="list">
+<p class="number"><a href="#letter-v1">1.</a></p><p>Von der Zeichnung, die der Brief nennt, sagt Ascanio
+Condivi, Vita, Cap. LXIII: „Ihr zu Liebe zeichnete er
+Jesum Christum am Kreuze, aber nicht mit dem Aussehen
+eines Toten, wie er gewöhnlich dargestellt wird,
+sondern mit einer göttlichen Gebärde, das Antlitz zum
+Vater erhoben, als ob er die Worte spräche <span lang="el">„Eli, Eli“</span>.
+Sein Körper sinkt nicht tot und schlaff herab, sondern
+krümmt sich lebendig in bitterer Qual.“</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-v2">2.</a></p><p>Von einer Ausführung der Zeichnung in Farben ist nichts
+bekannt. Vgl. Br. 17.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-v3">3.</a></p><p>Condivi, Cap. LXIII: Auf die Bitte dieser Dame zeichnete
+er einen nackten Christus, der vom Kreuz genommen
+ist. Wenn nicht zwei Engelchen mit ihren Armen den
+Leichnam hielten, würde er schlaff zu den Füssen seiner
+heiligsten Mutter niedersinken. Sie aber sitzt unter dem
+Kreuze mit tränenüberströmtem, schmerzbewegtem Antlitz,
+hebt mit ausgebreiteten Armen beide Hände zum
+Himmel und spricht diese Worte, die auch auf dem
+Stamm des Kreuzes geschrieben stehen: „Und niemand
+<a class="pgnum" id="page-164" title="- 164 -"></a>wägt den Preis, die Ströme Blutes“. (Dante
+Par. 29, 91.)<ins title="probable printer's error">“</ins></p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-v4">4.</a></p><p>Während Vittoria sich im Katharinenkloster zu Viterbo
+aufhielt, arbeitete Michelangelo in der Paolina. — Die
+„Samaritanerin“ ist eine Zeichnung des Meisters:
+Christus in der Unterredung mit der samaritanischen
+Frau am Brunnen.</p>
+
+<p class="number"><a href="#letter-v5">5.</a></p><p>Der Brief hat vielleicht eine der vielen Gedichtsendungen
+Vittorias an den Freund begleitet.</p>
+</div>
+
+<hr/>
+
+
+<h2><a class="pgnum" id="page-165" title="- 165 -"></a>Inhaltsverzeichnis.</h2>
+
+
+<p class="summary noindent">Die erste Zeile des italienischen Textes (nach Guasti) ist zur
+leichteren Vergleichung mit anderen Ausgaben angegeben.</p>
+
+
+<div class="toc">
+<div>
+<p class="tocright">Seite</p>
+<p class="nonumber"> </p>
+</div>
+
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#page-v'>V-VIII</a></p>
+<p class="nonumber">Vorbemerkung, Verzeichnis der benutzten Übersetzungen</p>
+</div>
+
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#page-1'>1–6</a></p>
+<p class="nonumber">Condivi, Leben Michelangelos, Kap. 62–68</p>
+</div>
+
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#page-7'>7–92</a></p>
+<p class="nonumber">Dichtungen</p>
+</div>
+
+
+<div>
+<p class="number">1.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-9'>9</a></p>
+<p>An Florenz<br/>
+
+<span lang="it">Te sola del mie mal contenta veggio</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">2.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-11'>11</a></p>
+<p>Auf die „Nacht“<br/>
+
+<span lang="it">La notte, che tu vedi in sì dolci atti</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">3.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-12'>12</a></p>
+<p>Florenz und die Verbannten<br/>
+
+<span lang="it">Per molti, donna, anzi per mille amanti</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">4.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-13'>13</a></p>
+<p>An Julius II<br/>
+
+<span lang="it">Signor, se vero è alcun proverbio antico</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">5.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-14'>14</a></p>
+<p>An Giovanni di Pistoja<br/>
+
+<span lang="it">I'ho già fatto un gozzo in questo stento</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">6.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-15'>15</a></p>
+<p>An eine Hässliche<br/>
+
+<span lang="it">Tu ha' 'l viso più dolce che la sapa;</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">7.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-16'>16</a></p>
+<p lang="it">Questa mia donna è sì pronta ed ardita</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">8.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-17'>17</a></p>
+<p lang="it">Con più certa salute</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">9.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-18'>18</a></p>
+<p lang="it">Quanto più par che il mio mal maggior senta</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">10.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-19'>19</a></p>
+<p lang="it">Quanto si gode, lieta e ben contesta</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">11.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-20'>20</a></p>
+<p>An Luigi del Riccio<br/>
+
+<span lang="it">Perchè è troppo molesta</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">12.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-21'>21</a></p>
+<p>An Giorgio Vasari<br/>
+
+<span lang="it">Se con lo stile o coi colori avete</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number"><a class="pgnum" id="page-166" title="- 166 -"></a>13.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-22'>22</a></p>
+<p>An denselben<br/>
+
+<span lang="it">Al zucchero, alla mula, alle candele</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">14.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-23'>23</a></p>
+<p>Aus den Stanzen zum Lob des Landlebens<br/>
+
+<span lang="it">Un gigante v' è ancor, d'altezza tanta</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">15.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-25'>25</a></p>
+<p>Epitaphien<br/>
+
+<span lang="it">Deh serbi, s' è di me pietate alcuna</span><br/>
+
+<span lang="it">Perchè ne' volti offesi non entrasti</span><br/>
+
+<span lang="it">Non volse morte non ancider senza</span><br/>
+
+<span lang="it">Qui son sepulto, e poco innanzi nato</span><br/>
+
+<span lang="it">Non può per morte già chi qui mi serra</span><br/>
+
+<span lang="it">Qui son morto creduto; e per conforto</span><br/>
+
+<span lang="it">Se fussin, perch' i' viva un' altra volta</span><br/>
+
+<span lang="it">S' i' fu' già vivo, tu sol, pietra, il sai</span><br/>
+
+<span lang="it">De' Bracci naqqui; e dopo 'l primo pianto</span><br/>
+
+<span lang="it">Se, vivo al mondo, d'alcun vita fui,</span><br/>
+
+<span lang="it">Col sol de' Bracci il sol della natura</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">16.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-28'>28</a></p>
+<p>Dante<br/>
+
+<span lang="it">Quanto dirne si de', non si può dire</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">17.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-29'>29</a></p>
+<p lang="it">Come può esser ch' io non sia più mio?</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">18.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-30'>30</a></p>
+<p lang="it">Rendete a gli occhi miei, o fonte o fiume</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">19.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-31'>31</a></p>
+<p lang="it">Se l'alma è ver, dal suo corpo disciolta</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">20.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-32'>32</a></p>
+<p>An Vittoria Colonna<br/>
+
+<span lang="it">Non ha l'ottimo artista alcun concetto</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">21.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-33'>33</a></p>
+<p>An dieselbe<br/>
+
+<span lang="it">A l'alta tuo lucente diadema</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">22.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-34'>34</a></p>
+<p>An dieselbe<br/>
+
+<span lang="it">Per esser manco almen, Signiora, indegnio</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">23.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-35'>35</a></p>
+<p>An dieselbe<br/>
+
+<span lang="it">Non posso non mancar d'ingegno e d'arte</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">24.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-36'>36</a></p>
+<p lang="it">Non so se s' è la desiata luce</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">25.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-37'>37</a></p>
+<p lang="it">Dimmi di grazia, amor, se gli occhi miei</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">26.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-38'>38</a></p>
+<p lang="it">Occhi mie' siete certi</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">27.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-39'>39</a></p>
+<p>An Vittoria Colonna<br/>
+
+<span lang="it">Se d'una pietra viva</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">28.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-40'>40</a></p>
+<p>Auf Vittoria Colonnas Tod<br/>
+
+<span lang="it">Quand' el ministro de' sospir me' tanti</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number"><a class="pgnum" id="page-167" title="- 167 -"></a>29.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-41'>41</a></p>
+<p>Aus demselben Anlass<br/>
+
+<span lang="it">Qual maraviglia è se prossimo al foco</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">30.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-42'>42</a></p>
+<p>Aus demselben Anlass<br/>
+
+<span lang="it">Per non s' avere a ripigliar da tanti</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">31.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-43'>43</a></p>
+<p>Aus demselben Anlass<br/>
+
+<span lang="it">Se 'l mie rozzo martello i duri sassi</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">32.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-44'>44</a></p>
+<p>Nach Vittoria Colonnas Tod<br/>
+
+<span lang="it">Tornami al tempo allor che lenta e sciolta</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">33.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-45'>45</a></p>
+<p lang="it">Se dal cor lieto divien bello il volto</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">34.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-46'>46</a></p>
+<p lang="it">S'egli è che 'n dura pietra alcun somigli</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">35.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-47'>47</a></p>
+<p lang="it">Molto diletta al gusto intero e sano</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">36.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-48'>48</a></p>
+<p>An Vittoria Colonna<br/>
+
+<span lang="it">Com' esser, donna, può quel ch'alcun vede</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">37.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-49'>49</a></p>
+<p>An dieselbe<br/>
+
+<span lang="it">Negli anni molti e nelle molte pruove</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">38.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-50'>50</a></p>
+<p>An Tommaso Cavalieri<br/>
+
+<span lang="it">Veggio nel tuo bel viso, signior mio</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">39.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-51'>51</a></p>
+<p>An denselben<br/>
+
+<span lang="it">Veggio co' bei vostri occhi un dolce lume</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">40.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-52'>52</a></p>
+<p>An denselben<br/>
+
+<span lang="it">S'un casto amor, s'una pietà superna</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">41.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-53'>53</a></p>
+<p lang="it">Di te me veggo e di lontan mi chiamo</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">42.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-54'>54</a></p>
+<p>An Tommaso Cavalieri<br/>
+
+<span lang="it">Ben può talor col mio ardente desio</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">43.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-55'>55</a></p>
+<p>An denselben<br/>
+
+<span lang="it">Se 'l foco alla bellezza fusse equale</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">44.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-56'>56</a></p>
+<p lang="it">La forza d'un bel viso a che mi sprona?</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">45.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-57'>57</a></p>
+<p>An Tommaso Cavalieri<br/>
+
+<span lang="it">Al cor di zolfo, alla carne di stoppa</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">46.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-58'>58</a></p>
+<p lang="it">Non più che 'l foco il fabbro il ferro istende</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">47.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-59'>59</a></p>
+<p>An Tommaso Cavalieri<br/>
+
+<span lang="it">Per ritornar là donde venne fora</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">48.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-60'>60</a></p>
+<p lang="it">Indarno spera, come il vulgo dice</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">49.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-61'>61</a></p>
+<p>Die Nacht<br/>
+
+<span lang="it">Colui che fece e non di cosa alcuna</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number"><a class="pgnum" id="page-168" title="- 168 -"></a>50.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-62'>62</a></p>
+<p>Die Nacht<br/>
+
+<span lang="it">Ogni van chiuso, ogni coperto loco</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">51.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-63'>63</a></p>
+<p>An die Nacht<br/>
+
+<span lang="it">O nott', o dolce tempo benchè nero</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">52.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-64'>64</a></p>
+<p>Die Nacht<br/>
+
+<span lang="it">Perchè Febo non torc' e non distende</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">53.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-65'>65</a></p>
+<p>Gesang der Toten<br/>
+
+<span lang="it">Chiunche nascie a morte arriva</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">54.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-66'>66</a></p>
+<p>An Vittoria Colonna<br/>
+
+<span lang="it">Per fido esemplo alla mia vocazione</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">55.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-67'>67</a></p>
+<p>An dieselbe<br/>
+
+<span lang="it">Come non puoi non esser cosa bella</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">56.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-68'>68</a></p>
+<p>An Tommaso Cavalieri<br/>
+
+<span lang="it">Non vider gli occhi miei cosa mortale</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">57.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-69'>69</a></p>
+<p lang="it">Gli occhi miei vaghi delle cose belle</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">58.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-70'>70</a></p>
+<p>An Vittoria Colonna<br/>
+
+<span lang="it">La vita del mie amor non è 'l cor mio</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">59.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-71'>71</a></p>
+<p>Dante<br/>
+
+<span lang="it">Dal ciel discese, e col mortal suo, poi</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">60.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-72'>72</a></p>
+<p lang="it">Non sempre al mondo è sì pregiato e caro</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">61.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-73'>73</a></p>
+<p lang="it">Io mi son caro assai più ch' io non soglio</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">62.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-74'>74</a></p>
+<p>An Vittoria Colonna<br/>
+
+<span lang="it">Sì come per levar, donna, si pone</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">63.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-75'>75</a></p>
+<p>An dieselbe<br/>
+
+<span lang="it">Ora in sul destro, ora in sul manco piede</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">64.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-76'>76</a></p>
+<p>An dieselbe<br/>
+
+<span lang="it">Un uomo in una donna, anzi un dio</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">65.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-77'>77</a></p>
+<p>An dieselbe<br/>
+
+<span lang="it">Da che concetto ha l'arte intera e diva</span></p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">66.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-78'>78</a></p>
+<p lang="it">Di più cose s' attristan ghi occhi miei</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">67.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-79'>79</a></p>
+<p lang="it">Non altrimenti contro a sè cammina</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">68.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-80'>80</a></p>
+<p lang="it">Or d'un fler diaccio or d'un ardente foco</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">69.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-81'>81</a></p>
+<p lang="it">Non può, signor mio car, la fresca e verde</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">70.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-82'>82</a></p>
+<p lang="it">Vivo al peccato, a me morendo vivo</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">71.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-83'>83</a></p>
+<p lang="it">Condotto da molt' anni all' ultim' ore</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">72.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-84'>84</a></p>
+<p lang="it">Giunto è già 'l corso della vita mia</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number"><a class="pgnum" id="page-169" title="- 169 -"></a>73.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-85'>85</a></p>
+<p lang="it">Gl' infiniti pensier miei, d'error pieni</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">74.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-86'>86</a></p>
+<p lang="it">Le favole del mondo m'hanno tolto</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">75.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-87'>87</a></p>
+<p lang="it">Carico d'anni e di peccati pieno</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">76.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-88'>88</a></p>
+<p lang="it">Vorrei voler, Signior, quel ch' io non voglio</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">77.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-89'>89</a></p>
+<p lang="it">Deh fammiti vedere in ogni loco</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">78.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-90'>90</a></p>
+<p lang="it">Non fur men lieti che turbati e tristi</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">79.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-91'>91</a></p>
+<p lang="it">Mentre m'attrista e duol, parte m'è caro</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="number">80.</p>
+<p class="tocright"><a href='#page-92'>92</a></p>
+<p lang="it">Scarco d'un' importuna e grave salma</p>
+</div>
+
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#page-93'>93–131</a></p>
+<p class="nonumber">Briefe Michelangelos</p>
+</div>
+
+<div class="toc">
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#letter-22'>120</a></p>
+<p class="nonumber">An Benedetto Varchi</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#letter-4'>101</a>, <a href='#letter-7'>104</a>, <a href='#letter-9'>109</a></p>
+<p class="nonumber">An Buonarroto</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#letter-10'>110</a></p>
+<p class="nonumber">An Clemens VII.</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#letter-19'>118</a></p>
+<p class="nonumber">An Franz I. von Frankreich</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#letter-25'>124</a>, <a href='#letter-26'>125</a>, <a href='#letter-27'>125</a>, <a href='#letter-29'>127</a></p>
+<p class="nonumber">An Giorgio Vasari</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#letter-2'>97</a>, <a href='#letter-12'>112</a></p>
+<p class="nonumber">An Giovanni Simone</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#letter-1'>95</a></p>
+<p class="nonumber">An Giuliano da Sangallo</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#letter-18'>116</a>, <a href='#letter-20'>119</a>, <a href='#letter-21'>120</a>, <a href='#letter-23'>122</a>, <a href='#letter-24'>123</a>, <a href='#letter-28'>126</a>, <a href='#letter-30'>128</a>, <a href='#letter-31'>128</a>, <a href='#letter-32'>129</a>, <a href='#letter-33'>130</a>, <a href='#letter-34'>131</a></p>
+<p class="nonumber">An Lionardo</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#letter-3'>100</a>, <a href='#letter-5'>102</a>, <a href='#letter-6'>103</a>, <a href='#letter-8'>107</a></p>
+<p class="nonumber">An Lodovico</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#letter-13'>113</a>, <a href='#letter-14'>114</a>, <a href='#letter-15'>114</a></p>
+<p class="nonumber">An Luigi del Riccio</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#letter-11'>111</a></p>
+<p class="nonumber">An Sebastiano del Piombo</p>
+</div>
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#letter-16'>115</a>, <a href='#letter-17'>116</a></p>
+<p class="nonumber">An Vittoria Colonna</p>
+</div>
+
+</div>
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#page-135'>135–138</a></p>
+<p class="nonumber">Briefe Vittorias an Michelangelo</p>
+</div>
+
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#page-141'>141–157</a></p>
+<p class="nonumber">Anmerkungen zu den Gedichten</p>
+</div>
+
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#anm-briefe'>157–164</a></p>
+<p class="nonumber">Anmerkungen zu den Briefen</p>
+</div>
+
+
+<div>
+<p class="tocright"><a href='#page-165'>165–169</a></p>
+<p class="nonumber">Inhaltsverzeichnis</p>
+</div>
+
+
+</div>
+<hr class="front"/>
+
+<h2><a class="pgnum" id="page-170" title="- 170 -"></a>Das Museum</h2>
+
+
+<p class="ctr">Eine Sammlung klassischer Denkmäler<br/>
+der Literatur und Kultur.</p>
+
+<div class="list-xl">
+
+<p class="number">I.</p><p>Schillers Flucht von Andreas Streicher. <span class="smaller">2. Auflage.
+Elegant gebunden 2 Mk.</span></p>
+
+<p class="number">II.</p><p>Russlands soziale Zustände von Alexander
+Herzen. <span class="smaller">Aus dem Russischen von Malvida von
+Meysenbug. Elegant gebunden 2 Mk.</span></p>
+
+<p class="number">III.</p><p>Das Liederbuch „Annette“ (mit einer Heliogravüre
+von Käthchen Schönkopf) von Goethe.
+<span class="smaller">Elegant gebunden 1.50 Mk.</span></p>
+
+<p class="number">IV.</p><p>Das Athenäum. <span class="smaller">Eine romantische Zeitschrift von
+August Wilhelm und Friedrich Schlegel. Elegant
+gebunden 4 Mk.</span></p>
+
+<p class="number">V.</p><p>Napoleon-Briefe. <span class="smaller">Herausg. von Hans Landsberg.
+Karton. 4 Mk., elegant gebunden 4.50 Mk.</span></p>
+
+<p class="number">VI.</p><p>Napoleon von Hippolyte Taine. <span class="smaller">Karton. 2 Mk.,
+elegant gebunden 2.50 Mk.</span></p>
+
+<p class="number">VII.</p><p>Napoleons Reden und Gespräche. <span class="smaller">Herausg. von
+Hans Landsberg. Karton. 4 Mk., elegant gebunden
+4.50 Mk.</span></p>
+
+<p class="number">VIII.</p><p>Michelangelo, Gedichte und Briefe. <span class="smaller">Karton.
+3 Mk., elegant gebunden 3.50 Mk.</span></p>
+</div>
+
+<p class="ctr">Jeder Band ist einzeln käuflich.</p>
+
+<hr/>
+
+<p class="ctr">Pan-Verlag, G.m.b.H., Berlin W. 35.</p>
+
+<h2><a class="pgnum" id="page-171" title="- 171 -"></a>Moderne Geister</h2>
+
+
+<p class="ctr">Essays zur Kunst und Literatur.<br/>
+Herausgeber: Dr. Hans Landsberg.</p>
+
+
+<div class="list">
+
+<p class="number">1.</p><p>Ein Jahrhundert deutscher Malerei (1800–1900)
+<span class="smaller">von Rudolf Klein. 128 Seiten mit 4 Vollbildern.
+1 Mk., gebunden 1.50 Mk.</span></p>
+
+<p class="number">2/3.</p><p>Brahms <span class="smaller">von Dr. Walter Pauli. 1.50 Mk. gebunden
+2 Mk.</span></p>
+
+<p class="number">4.</p><p>Paul Heyse <span class="smaller">von Viktor Klemperer. 1 Mk., gebunden
+1.50 Mk.</span></p>
+
+<p class="number">5.</p><p>Gerhart Hauptmann <span class="smaller">von Dr. Hans Landsberg.
+1 Mk., gebunden 1.50 Mk.</span></p>
+
+<p class="number">6.</p><p>Bernard Shaw <span class="smaller">von Eduard Bernstein. 1 Mk.,
+gebunden 1.50 Mk.</span></p>
+
+</div>
+
+<p class="ctr">Weitere Essays über Strindberg, Frenssen u.a. in
+Vorbereitung.</p>
+
+<hr/>
+
+<h2>Pan-Bibliothek</h2>
+
+<div class="list-xl">
+
+<p class="number">I.</p><p>Das Venusgärtlein. <span class="smaller">Ein Liederbuch aus der
+galanten Zeit. Herausg. von Dr. Hans Landsberg.
+2 Mk., elegant gebunden 3 Mk.</span></p>
+
+<p class="number">II/III.</p><p>Heine-Briefe. <span class="smaller">Gesammelt und herausg. von Dr.
+Hans Daffis. 2 Bde. 6 Mk., elegant gebunden 8 Mk.</span></p>
+
+</div>
+
+<hr/>
+
+<p class="ctr">Pan-Verlag, G.m.b.H., Berlin W. 35.</p>
+
+<hr class="front"/>
+
+<p class="ctr"><a class="pgnum" id="page-172" title="- 172 -"></a>Herrosé & Ziemsen, G.m.b.H., Wittenberg</p>
+
+<hr class="front"/>
+
+<h2>Fußnote</h2>
+
+<p class="footnote"><a id="FN-1" href="#FNA-1"><sup>1</sup></a> An dieser Stelle sei den Herren Alphons Dürr,
+die den Wiederabdruck der Übertragungen von Sophie
+Hasenclever gestatteten, der Spemannschen Verlagshandlung
+und Herrn Prof. Reinhold Steig (Hermann Grimms Übertragungen),
+der Schlesischen Verlagsanstalt (Bodenstedt)
+der verbindlichste Dank ausgesprochen.</p>
+
+<p> </p>
+<hr class="full" />
+<p>***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK MICHELANGELO GEDICHTE UND BRIEFE***</p>
+<p>******* This file should be named 15813-h.txt or 15813-h.zip *******</p>
+<p>This and all associated files of various formats will be found in:<br />
+<a href="https://www.gutenberg.org/dirs/1/5/8/1/15813">https://www.gutenberg.org/1/5/8/1/15813</a></p>
+<p>Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.</p>
+
+<p>Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.</p>
+
+
+
+<pre> +*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+<a href="https://gutenberg.org/license">https://gutenberg.org/license)</a>.
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH F3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS,' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://www.gutenberg.org/about/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit:
+https://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Each eBook is in a subdirectory of the same number as the eBook's
+eBook number, often in several formats including plain vanilla ASCII,
+compressed (zipped), HTML and others.
+
+Corrected EDITIONS of our eBooks replace the old file and take over
+the old filename and etext number. The replaced older file is renamed.
+VERSIONS based on separate sources are treated as new eBooks receiving
+new filenames and etext numbers.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+<a href="https://www.gutenberg.org">https://www.gutenberg.org</a>
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+EBooks posted prior to November 2003, with eBook numbers BELOW #10000,
+are filed in directories based on their release date. If you want to
+download any of these eBooks directly, rather than using the regular
+search system you may utilize the following addresses and just
+download by the etext year.
+
+<a href="https://www.gutenberg.org/dirs/etext06/">https://www.gutenberg.org/dirs/etext06/</a>
+
+ (Or /etext 05, 04, 03, 02, 01, 00, 99,
+ 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90)
+
+EBooks posted since November 2003, with etext numbers OVER #10000, are
+filed in a different way. The year of a release date is no longer part
+of the directory path. The path is based on the etext number (which is
+identical to the filename). The path to the file is made up of single
+digits corresponding to all but the last digit in the filename. For
+example an eBook of filename 10234 would be found at:
+
+https://www.gutenberg.org/dirs/1/0/2/3/10234
+
+or filename 24689 would be found at:
+https://www.gutenberg.org/dirs/2/4/6/8/24689
+
+An alternative method of locating eBooks:
+<a href="https://www.gutenberg.org/dirs/GUTINDEX.ALL">https://www.gutenberg.org/dirs/GUTINDEX.ALL</a>
+
+*** END: FULL LICENSE ***
+</pre>
+</body>
+</html>
diff --git a/15813-h/images/front.jpg b/15813-h/images/front.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..23d7c2a --- /dev/null +++ b/15813-h/images/front.jpg diff --git a/15813-h/images/front_tn.jpg b/15813-h/images/front_tn.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..bebb88e --- /dev/null +++ b/15813-h/images/front_tn.jpg diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..60c4826 --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #15813 (https://www.gutenberg.org/ebooks/15813) |
